Kapitel I. Hinab in den Kaninchenbau
Alice fing an, sich sehr zu langweilen, da sie so untätig neben ihrer Schwester am Ufer saß: ein- oder zweimal hatte sie in das Buch geblickt, das ihre Schwester las, aber es enthielt weder Bilder noch Gespräche, „und was nützt ein Buch“, dachte Alice, „ohne Bilder oder Gespräche?“
So überlegte sie bei sich (so gut sie konnte, denn der heiße Tag machte sie sehr schläfrig und stumpf), ob das Vergnügen, eine Gänseblümchenkette zu flechten, wohl die Mühe lohnte, aufzustehen und die Gänseblümchen zu pflücken, als plötzlich ein weißes Kaninchen mit rosa Augen ganz nah an ihr vorbeirannte.
Daran war nun wirklich nichts so sehr Auffälliges; Alice fand es auch gar nicht so furchtbar ungewöhnlich, das Kaninchen sagen zu hören: „O je! O je! Ich werde zu spät kommen!“ (als sie später darüber nachdachte, fiel ihr ein, dass sie sich darüber hätte wundern müssen, aber zu der Zeit schien ihr das alles völlig natürlich); als jedoch das Kaninchen tatsächlich _eine Uhr aus seiner Westentasche zog_ und darauf blickte und dann eilig weiterlief, sprang Alice auf die Füße, denn wie ein Blitz schoss ihr durch den Kopf, dass sie noch nie zuvor ein Kaninchen mit einer Westentasche oder einer Uhr zum Herausziehen gesehen hatte, und vor Neugier brennend rannte sie über das Feld hinter ihm her und kam glücklicherweise gerade noch rechtzeitig an, um es in einem großen Kaninchenbau unter der Hecke verschwinden zu sehen.
Im nächsten Augenblick sprang Alice hinterher, ohne auch nur einmal zu bedenken, wie in aller Welt sie jemals wieder herauskommen sollte.
Der Kaninchenbau ging eine Strecke lang gerade wie ein Tunnel weiter und fiel dann plötzlich ab, und zwar so steil, dass Alice keine Sekunde Zeit hatte, an ein Anhalten zu denken, bevor sie sich in einem sehr tiefen Brunnen stürzen sah.
Entweder war der Brunnen sehr tief, oder sie fiel sehr langsam, denn sie hatte auf dem Weg nach unten reichlich Zeit, sich umzusehen und sich zu fragen, was wohl als Nächstes geschehen würde. Zuerst versuchte sie nach unten zu blicken, um zu erkennen, wohin sie geriet, aber es war zu dunkel, um etwas zu sehen; dann blickte sie auf die Wände des Brunnens und bemerkte, dass diese voller Schränke und Bücherregale waren; hien und da sah sie an Pflöcken aufgehängte Landkarten und Bilder. Im Vorbeikommen nahm sie ein Glas aus einem der Regale; darauf stand mit Etikett geschrieben „ORANGENMARMELADE“, aber zu ihrer großen Enttäuschung war es leer: sie wollte das Glas nicht fallen lassen, aus Furcht, jemanden darunter zu erschlagen, und schaffte es daher, es in einen der Schränke zu stellen, während sie daran vorbeifiel.
„Na!“ dachte Alice bei sich, „nach einem solchen Sturz werde ich mir gar nichts mehr daraus machen, eine Treppe hinunterzustürzen! Wie mutig sie mich alle zu Hause finden werden! Ei, ich würde überhaupt nichts darüber sagen, selbst wenn ich vom Dach des Hauses fiele!“ (Was höchstwahrscheinlich wahr war.)
Hinab, hinab, hinab. Wollte denn dieser Sturz niemals ein Ende nehmen? „Ich frage mich, wie viele Meilen ich inzwischen wohl gefallen bin?“ sagte sie laut. „Ich muss schon ziemlich nahe am Mittelpunkt der Erde sein. Mal sehen: das wären wohl viertausend Meilen Tiefe, schätze ich –“ (denn, wie du weißt, hatte Alice bei ihren Schulstunden allerlei dergleichen gelernt, und obwohl dies keine sehr günstige Gelegenheit war, um mit ihrem Wissen zu prahlen, da niemand da war, der ihr zuhörte, so war es doch eine gute Übung, es laut aufzusagen) „– ja, das ist so ungefähr die richtige Entfernung –, aber welcher Breitengrad oder Längengrad wohl?“ (Alice hatte keine Ahnung, was ein Breitengrad oder ein Längengrad war, fand aber, dass es schöne, gewichtige Wörter zum Aussprechen waren.)
Nach einer Weile fing sie wieder an. „Ob ich wohl mitten durch die Erde hindurchfalle? Wie seltsam es wohl sein muss, unter Leuten herauszukommen, die mit dem Kopf nach unten gehen! Die Antipathien, schätze ich –“ (sie war ziemlich froh, dass diesmal niemand zuhörte, denn das klang ganz und gar nicht nach dem richtigen Wort) „– aber ich werde sie wohl fragen müssen, wie das Land heißt, weißt du. Verzeihung, gnädige Frau, ist das hier Neuseeland oder Australien?“ (und sie versuchte beim Sprechen einen Knicks zu machen – man stelle sich vor, einen Knicks zu machen, während man durch die Luft fällt! Glaubst du, das würdest du fertigbringen?) „Und für was für ein unwissendes kleines Mädchen sie mich wohl halten wird, wenn ich das frage! Nein, fragen geht ganz gewiss nicht: vielleicht sehe ich es irgendwo angeschrieben.“
Hinab, hinab, hinab. Es gab sonst nichts zu tun, also fing Alice bald wieder an zu sprechen. „Dinah wird mich heute Abend schrecklich vermissen, schätze ich!“ (Dinah war die Katze.) „Ich hoffe, sie denken zur Teestunde an ihr Untertasse mit Milch. Dinah, meine Liebes! Ich wünschte, du wärst hier unten bei mir! Es gibt hier oben wohl keine Mäuse in der Luft, fürchte ich, aber du könntest vielleicht eine Fledermaus fangen, und die ähnelt einer Maus ja sehr. Aber fressen Katzen wohl Fledermäuse, frage ich mich?“ Und hier fing Alice an, ziemlich schläfrig zu werden, und murmelte in einer träumerischen Art immerfort vor sich hin: „Fressen Katzen Fledermäuse? Fressen Katzen Fledermäuse?“ und ab und zu: „Fressen Fledermäuse Katzen?“ denn, wie du weißt, konnte sie keine der beiden Fragen beantworten, weshalb es ziemlich gleichgültig war, wie herum sie es stellte. Sie spürte, dass sie wegdöste, und hatte gerade angefangen zu träumen, sie ginge Hand in Hand mit Dinah spazieren und sage ihr ganz ernsthaft: „Nun sag mir mal die Wahrheit, Dinah: hast du jemals eine Fledermaus gefressen?“, als sie plötzlich, Bums! Bums!, auf einem Haufen Reisig und trockenem Laub landete und der Fall damit vorbei war.
Alice hatte sich überhaupt nicht wehgetan und sprang im Bruchteil einer Sekunde auf die Beine: sie blickte nach oben, aber über ihr war alles dunkel; vor ihr lag ein weiterer langer Gang, und das weiße Kaninchen war noch immer zu sehen, wie es eilig darin verschwand. Es gab keinen Augenblick zu verlieren: wie der Wind sauste Alice hinterher und kam gerade noch rechtzeitig, um es um eine Ecke biegen und sagen zu hören: „O meine Ohren und Schnurrhaare, wie spät es wird!“ Sie war dicht hinter ihm, als sie um die Ecke bog, aber das Kaninchen war nirgends mehr zu sehen; sie befand sich in einem langen, niedrigen Saal, der durch eine Reihe von Lampen erhellt wurde, die von der Decke herabhingen.
Ringsherum im Saal waren Türen, aber sie waren alle verschlossen; und nachdem Alice die eine Seite ganz hinab- und die andere wieder hinaufgegangen war und jede Tür ausprobiert hatte, ging sie traurig in der Mitte entlang und fragte sich, wie sie jemals wieder herauskommen sollte.
Plötzlich stieß sie auf einen kleinen dreibeinigen Tisch, ganz aus massivem Glas; darauf befand sich nichts als ein winziges goldenes Schlüsselchen, und Alices erster Gedanke war, dass es vielleicht zu einer der Türen des Saals gehören könnte; aber ach! Entweder waren die Schlösser zu groß oder der Schlüssel zu klein, jedenfalls wollte er keine einzige davon öffnen. Als sie jedoch zum zweiten Mal herumging, stieß sie auf einen niedrigen Vorhang, den sie zuvor nicht bemerkt hatte, und dahinter befand sich eine kleine, etwa fünfzehn Zoll hohe Tür: sie probierte den kleinen goldenen Schlüssel im Schloss, und zu ihrer großen Freude passte er!
Alice öffnete die Tür und stellte fest, dass sie in einen kleinen Gang führte, kaum größer als ein Rattenloch: sie kniete nieder und blickte durch den Gang in den herrlichsten Garten, den du jemals gesehen hast. Wie sehr sehnte sie sich danach, aus diesem dunklen Saal herauszukommen und zwischen jenen bunten Blumenbeeten und kühlen Brunnen umherzuwandern, aber sie brachte nicht einmal ihren Kopf durch die Türöffnung; „und selbst wenn mein Kopf hindurchginge“, dachte die arme Alice, „würde das ohne meine Schultern sehr wenig nützen. Ach, wünschte ich doch, ich könnte mich wie ein Teleskop zusammenschieben! Ich glaube, ich könnte es, wenn ich nur wüsste, wie man damit anfängt.“ Denn, wie du weißt, war in letzter Zeit so viel Ungewöhnliches geschehen, dass Alice angefangen hatte zu glauben, wirklich nur sehr wenige Dinge seien gänzlich unmöglich.
Es schien keinen Zweck zu haben, bei der kleinen Tür zu warten, also ging sie zum Tisch zurück, in der halben Hoffnung, dort einen weiteren Schlüssel zu finden, oder doch wenigstens ein Regelbuch, wie man Menschen wie Teleskope zusammenschiebt; diesmal fand sie ein kleines Fläschchen darauf („das ganz gewiss vorhin noch nicht hier war“, sagte Alice), und um den Flaschenhals war ein papierenes Etikett gebunden, auf dem in großen Buchstaben wunderschön die Worte „TRINK MICH“ gedruckt waren.
Es war sehr leicht gesagt „Trink mich“, aber die kluge kleine Alice tat das keineswegs übereilt. „Nein, ich will erst nachsehen“, sagte sie, „ob es mit ‚Gift‘ gekennzeichnet ist oder nicht“; denn sie hatte etliche hübsche kleine Geschichten über Kinder gelesen, die verbrannt oder von wilden Tieren gefressen worden waren und andere ungemütliche Dinge erlebt hatten, bloß weil sie sich die einfachen Regeln nicht merken wollten, die ihre Freunde ihnen beigebracht hatten: wie etwa, dass ein glühender Schürhaken einen verbrennt, wenn man ihn zu lange festhält; und dass, wenn man sich mit einem Messer sehr tief in den Finger schneidet, gewöhnlich Blut fließt; und sie hatte nie vergessen, dass es einem, wenn man viel aus einer Flasche trinkt, auf der „Gift“ steht, früher oder später fast unweigerlich schlecht bekommt.
Nun, diese Flasche war jedoch nicht mit „Gift“ gekennzeichnet, also wagte Alice daran zu riechen, und da sie fand, dass sie sehr gut schmeckte (sie hatte tatsächlich eine Art gemischten Geschmack von Kirschtorte, Vanillepudding, Ananas, Brathuhn, Toffee und heißem gebutterten Toast), trank sie sie sehr bald ganz aus.
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„Was für ein seltsames Gefühl!“ sagte Alice; „ich schrumpfe wohl wie ein Teleskop zusammen.“
Und so war es in der Tat: sie war jetzt nur noch zehn Zoll groß, und ihr Gesicht hellte sich bei dem Gedanken auf, dass sie nun genau die richtige Größe hatte, um durch die kleine Tür in jenen reizenden Garten zu gelangen. Zuerst wartete sie jedoch einige Minuten, um zu sehen, ob sie noch weiter schrumpfen würde; sie fühlte sich dabei ein wenig nervös; „denn es könnte ja schließlich dazu führen“, sagte Alice bei sich, „dass ich ganz und gar verschwinde, wie eine Kerze. Wie ich wohl dann aussehen würde?“ Und sie versuchte sich vorzustellen, wie die Flamme einer Kerze aussieht, nachdem die Kerze ausgeblasen ist, denn sie konnte sich nicht erinnern, so etwas jemals gesehen zu haben.
Als sie nach einer Weile merkte, dass nichts Weiteres geschah, beschloss sie, sofort in den Garten zu gehen; aber o weh, die arme Alice! Als sie an die Tür gelangte, merkte sie, dass sie den kleinen goldenen Schlüssel vergessen hatte, und als sie zum Tisch zurückging, um ihn zu holen, stellte sie fest, dass sie ihn unmöglich erreichen konnte; sie konnte ihn durch das Glas ganz deutlich sehen und versuchte ihr Bestes, an einem der Tischbeine hinaufzuklettern, aber es war zu glatt; und als sie sich mit dem Versuchen völlig erschöpft hatte, setzte sich das arme kleine Ding hin und weinte.
„Nu, es hat keinen Zweck, so zu weinen!“ sagte Alice ziemlich streng zu sich selbst; „ich rate dir, augenblicklich damit aufzuhören!“ Sie gab sich gewöhnlich sehr gute Ratschläge (obwohl sie diese nur sehr selten befolgte), und manchmal schalt sie sich selbst so streng, dass ihr die Tränen in die Augen traten; und einmal erinnerte sie sich daran, dass sie versucht hatte, sich selbst Schläge auf die Ohren zu geben, weil sie sich bei einem Krokettspiel, das sie gegen sich selbst spielte, selbst betrogen hatte, denn dieses seltsame Kind tat furchtbar gerne so, als wäre es zwei Personen. „Aber es nützt jetzt nichts“, dachte die arme Alice, „so zu tun, als wäre man zwei Personen! Ei, es ist ja kaum noch genug von mir übrig, um eine anständige Person abzugeben!“
Bald fiel ihr Blick auf ein kleines Glaskästchen, das unter dem Tisch lag: sie öffnete es und fand darin einen sehr kleinen Kuchen, auf dem mit Korinthen wunderschön die Worte „ISS MICH“ eingebacken waren. „Nun, ich werde ihn essen“, sagte Alice, „und wenn er mich größer macht, kann ich den Schlüssel erreichen; und wenn er mich kleiner macht, kann ich unter der Tür hindurchkriechen; so oder so werde ich in den Garten gelangen, und es ist mir ganz egal, was davon passiert!“
Sie aß ein kleines Stück und fragte sich besorgt: „Welchen Weg? Welchen Weg?“, während sie ihre Hand auf ihren Kopf legte, um zu fühlen, in welche Richtung er wuchs, und sie war ganz erstaunt festzustellen, dass sie dieselbe Größe behielt; gewiss, das passiert meistens, wenn man Kuchen isst, aber Alice hatte sich so sehr daran gewöhnt, nichts als Ungewöhnliches zu erwarten, dass es ihr geradezu langweilig und blöd vorkam, wenn das Leben einfach auf die gewöhnliche Art weiterging.
Also machte sie sich an die Arbeit und verzehrte den Kuchen sehr bald bis auf den letzten Rest.
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Kapitel II. Der Tränensee
„Seltsamer und immer seltsamer!“ rief Alice (sie war so überrascht, dass sie für den Moment völlig vergaß, gutes Englisch zu sprechen); „jetzt gehe ich auf wie das größte Teleskop, das es je gab! Lebt wohl, ihr Füße!“ (denn als sie an sich herabblickte, schienen ihre Füße fast außer Sicht zu sein, so weit entfernten sie sich). „O meine armen kleinen Füßchen, ich frage mich, wer euch jetzt wohl eure Schuhe und Strümpfe anziehen wird, ihr Lieben? Ich ganz gewiss nicht! Ich werde viel zu weit weg sein, um mich um euch zu kümmern: ihr müsst sehen, wie ihr allein zurechtkommt; – aber ich muss nett zu ihnen sein“, dachte Alice, „sonst laufen sie am Ende noch nicht in die Richtung, in die ich will! Mal sehen: ich schenke ihnen zu jedem Weihnachtsfest ein paar neue Stiefel.“
Und sie fuhr fort, sich auszudenken, wie sie das anstellen würde. „Sie müssen mit dem Paketboten reisen“, dachte sie; „und wie komisch das wohl sein wird, der eigenen Person Geschenke zu schicken! Und wie sonderbar die Anschrift aussehen wird!
Seiner Wohlgeboren Alices Rechtem Fuß, Vorm Kaminsims, nahe dem Ofenschirm, (_mit Alices herzlichen Grüßen_).
O je, was rede ich da für einen Unsinn!“
Gerade in diesem Augenblick stieß ihr Kopf gegen die Decke des Saals: sie war inzwischen nämlich über neun Fuß groß, und sie griff sofort nach dem kleinen goldenen Schlüssel und beeilte sich zur Gartentür.
Die arme Alice! Es war das Äußerste, was sie tun konnte, als sie sich auf die Seite legte, mit einem Auge durch den Schlitz in den Garten zu blicken; aber hindurchzukommen war hoffnungsloser denn je; sie setzte sich hin und fing wieder an zu weinen.
„Du solltest dich schämen“, sagte Alice, „so ein großes Mädchen wie du“ (das konnte sie wohl mit Recht sagen), „so weiterzuweinen! Hör sofort auf, sage ich dir!“ Aber sie weinte trotzdem unaufhörlich weiter und vergoss gallonenweise Tränen, bis sich ein großer, etwa vier Zoll tiefiger See um sie herum gebildet hatte, der bis zur Hälfte den Saal einnehmend reichte.
Nach einer Weile hörte sie in der Ferne ein kleines Getrippel von Schritten und trocknete sich hastig die Augen, um zu sehen, was da kam. Es war das weiße Kaninchen, das zurückkehrte, prachtvoll gekleidet, mit einem Paar weißen Glacéhandschuhen in der einen Hand und einem großen Fächer in der anderen: es kam im Eilschritt hergetrabt und vor sich hin murmelnd: „O! Die Herzogin! Die Herzogin! O! Wird die wütend sein, wenn ich sie habe warten lassen!“ Alice fühlte sich so verzweifelt, dass sie bereit war, jeden beliebigen um Hilfe zu bitten; als das Kaninchen also in ihre Nähe kam, begann sie mit leiser, zaghafter Stimme: „Verzeihen Sie, mein Herr –“ Das Kaninchen fuhr heftig zusammen, ließ die weißen Glacéhandschuhe und den Fächer fallen und stob so schnell es konnte in die Dunkelheit davon.
Alice hob den Fächer und die Handschuhe auf, und da es in dem Saal sehr heiß war, fächerte sie sich während ihres Sprechens ununterbrochen Luft zu: „Ach je! Ach je! Wie sonderbar ist heute doch alles! Und gestern ging alles noch ganz normal zu. Ob ich etwa in der Nacht verändert worden bin? Mal sehen: war ich dieselbe, als ich heute Morgen aufstand? Ich glaube fast, ich kann mich erinnern, mich ein wenig anders gefühlt zu haben. Wenn ich aber nicht dieselbe bin, lautet die nächste Frage: Wer in aller Welt bin ich? Ach, das ist das große Rätsel!“ Und sie fing an, über alle Kinder nachzudenken, die sie kannte und die in ihrem Alter waren, um herauszufinden, ob sie vielleicht gegen eines von ihnen ausgetauscht worden war.
„Ich bin ganz gewiss nicht Ada“, sagte sie, „denn ihre Haare fallen in so langen Locken, und meine fallen überhaupt nicht in Locken; und ich bin ganz gewiss nicht Mabel, denn ich weiß allerlei Dinge, und sie, o je! sie weiß so furchtbar wenig! Außerdem ist sie sie und ich bin ich, und – o je, wie rätselhaft das alles ist! Ich will mal versuchen, ob ich all die Dinge weiß, die ich früher wusste. Mal sehen: viermal fünf ist zwölf, und viermal sechs ist dreizehn, und viermal sieben ist – o je! Bei dem Tempo komme ich niemals bis zwanzig! Wie dem auch sei, das kleine Einmaleins hat nichts zu bedeuten; versuchen wir es mit Geographie. London ist die Hauptstadt von Paris, und Paris ist die Hauptstadt von Rom, und Rom – nein, das ist alles falsch, da bin ich mir sicher! Ich muss gegen Mabel ausgetauscht worden sein! Ich will versuchen, ‚Wie des kleinen…‘ aufzusagen“ und sie legte die Hände kreuzweise in ihren Schoß, als ob sie Schulaufgaben aufsagte, und begann es zu rezitieren, aber ihre Stimme klang heiser und fremd, und die Wörter wollten nicht mehr so herauskommen wie früher:
„Wie des kleinen Krokodils Glänzender Schwanz erfreut, Der des Nils gewässerte Flut Auf jede Schuppe streut!
Wie fröhlich grinst es um und um, Wie reibt es Klaue an Klaue, Und heißt die kleinen Fische willkommen Im sanft lächelnden Gaue!“
„Das sind ganz gewiss nicht die richtigen Wörter“, sagte die arme Alice, und ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen, während sie fortfuhr: „Ich muss doch Mabel sein, und ich werde in dieses winzige, enge Haus ziehen und so gut wie keine Spielsachen haben, mit denen ich spielen kann, und o je! Unmengen an Schulstunden lernen müssen! Nein, ich habe meinen Entschluss gefasst: Wenn ich Mabel bin, bleibe ich hier unten! Es wird ihnen gar nichts nützen, den Kopf hereinzustecken und zu rufen ‚Komm wieder hoch, Liebes!‘ Ich werde nur nach oben blicken und sagen ‚Wer bin ich denn? Sag mir das erst, und wenn es mir gefällt, diese Person zu sein, komme ich nach oben; wenn nicht, bleibe ich hier unten, bis ich jemand anderes bin‘ – aber, o je!“ rief Alice mit einem plötzlichen Tränenerguss, „ich wünschte wirklich, sie würden ihre Köpfe hereinstecken! Ich bin es so schrecklich leid, hier ganz alleine zu sein!“
Während sie das sagte, blickte sie an ihren Händen herab und war überrascht zu sehen, dass sie während des Sprechens einen von den kleinen weißen Glacéhandschuhen des Kaninchens angezogen hatte. „Wie kann ich das bloß getan haben?“, dachte sie. „Ich muss wieder kleiner werden.“ Sie stand auf und ging zum Tisch, um sich daran zu messen, und stellte fest, dass sie nach ihrer besten Schätzung jetzt etwa zwei Fuß groß war und rasant weiter schrumpfte; sie merkte bald, dass die Ursache dafür der Fächer war, den sie festhielt, und ließ ihn hastig fallen, gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass sie ganz und gar verschwand.
„Das war knapp entkommen!“ sagte Alice, ziemlich erschrocken über die plötzliche Veränderung, aber sehr froh, sich noch am Leben zu finden; „und nun ab in den Garten!“ Und sie rannte in Eile zu der kleinen Tür zurück: aber o weh, die kleine Tür war wieder verschlossen, und der kleine goldene Schlüssel lag wie zuvor auf dem Glastisch, „und es steht noch schlimmer als je zuvor“, dachte das arme Kind, „denn so klein wie jetzt war ich noch nie, niemals! Und ich sage euch, das ist einfach zu arg, ganz gewiss!“
Als sie dies sagte, rutschte ihr Fuß ab, und im nächsten Moment – Platsch! Sie war bis zum Kinn im Salzwasser. Zuerst dachte sie, sie sei irgendwie ins Meer gefallen, „und in diesem Fall kann ich mit der Eisenbahn zurückkehren“, sagte sie zu sich selbst. (Alice war einmal in ihrem Leben am Meer gewesen und war zu dem allgemeinen Schluss gekommen, dass man an der englischen Küste, egal wohin man ging, eine Anzahl von Badekarren im Meer vorfand, einige Kinder, die mit hölzernen Schaufeln im Sand gruben, dann eine Reihe von Pensionen und dahinter einen Bahnhof.) Doch bald erkannte sie, dass sie in der Tränenpfütze war, die sie vergossen hatte, als sie neun Fuß groß war.
„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel geweint!“, sagte Alice, als sie herumschwamm und versuchte, einen Weg nach draußen zu finden. „Ich werde wohl dafür bestraft werden, indem ich in meinen eigenen Tränen ertrinke! Das wäre wirklich seltsam! Aber heute ist sowieso alles seltsam.“
Da hörte sie etwas in der Pfütze in ihrer Nähe plantschen und schwamm näher, um herauszufinden, was es war: Zuerst dachte sie, es müsse ein Walross oder ein Nilpferd sein, aber dann erinnerte sie sich, wie klein sie jetzt war, und bald erkannte sie, dass es nur eine Maus war, die wie sie selbst hereingefallen war.
„Wäre es von Nutzen“, dachte Alice, „mit dieser Maus zu sprechen? Hier ist alles so abwegig, dass ich denke, sie kann sehr wahrscheinlich sprechen: Jedenfalls schadet es nicht, es zu versuchen.“ Also begann sie: „O Maus, kennst du den Weg aus dieser Pfütze? Ich bin sehr müde, hier herumzuschwimmen, O Maus!“ (Alice dachte, das sei die richtige Art, mit einer Maus zu sprechen: Sie hatte so etwas noch nie getan, aber sie erinnerte sich, in der lateinischen Grammatik ihres Bruders gelesen zu haben: „Eine Maus – von einer Maus – zu einer Maus – eine Maus – O Maus!“) Die Maus sah sie ziemlich neugierig an und schien ihr mit einem ihrer kleinen Augen zuzwinkern, aber sie sagte nichts.
„Vielleicht versteht sie kein Englisch“, dachte Alice; „ich nehme an, es ist eine französische Maus, die mit Wilhelm dem Eroberer hergekommen ist.“ (Denn trotz all ihres historischen Wissens hatte Alice keine klare Vorstellung davon, wie lange etwas her war.) Also begann sie wieder: „Où est ma chatte?“, was der erste Satz in ihrem französischen Lehrbuch war. Die Maus machte einen plötzlichen Satz aus dem Wasser und schien vor Schreck zu zittern. „Oh, ich bitte um Verzeihung!“, rief Alice hastig, in der Angst, sie habe die Gefühle des armen Tieres verletzt. „Ich habe ganz vergessen, dass du Katzen nicht magst.“
„Katzen nicht mögen!“, rief die Maus mit schriller, leidenschaftlicher Stimme. „Würdest du Katzen mögen, wenn du ich wärst?“
„Nun, vielleicht nicht“, sagte Alice in versöhnlichem Ton: „Sei nicht böser deswegen. Und doch wünschte ich, ich könnte dir unsere Katze Dinah zeigen: Ich denke, du würdest Katzen mögen, wenn du sie nur sehen könntest. Sie ist so ein liebes, ruhiges Ding“, fuhr Alice fort, halb zu sich selbst, als sie faul in der Pfütze herumschwamm, „und sie schnurrt so schön am Feuer, leckt sich die Pfoten und wäscht sich das Gesicht – und sie ist so ein nettes, weiches Ding zum Pflegen – und sie ist so eine Meisterin im Mäusefangen – oh, ich bitte um Verzeihung!“, rief Alice wieder, denn diesmal sträubte sich die Maus über und über, und sie war sicher, dass sie wirklich beleidigt sein musste. „Wir werden nicht mehr über sie sprechen, wenn du es lieber nicht möchtest.“
„Wir gewiss nicht!“, rief die Maus, die bis zur Spitze ihres Schwanzes zitterte. „Als ob ich über ein solches Thema sprechen würde! Unsere Familie hat immer Katzen gehasst: widerliche, niedrige, vulgäre Dinger! Ich will den Namen nicht mehr hören!“
„Ich werde es gewiss nicht!“, sagte Alice, in großer Eile, das Gesprächsthema zu wechseln. „Magst du – magst du Hunde – gern – gern?“ Die Maus antwortete nicht, also fuhr Alice eifrig fort: „Es gibt so einen netten kleinen Hund in unserer Nähe, den ich dir zeigen möchte! Einen kleinen, helläugigen Terrier, weißt du, mit oh, so langem, lockigem, braunem Haar! Und er wird Dinge holen, wenn du sie wirfst, und er wird sich hinsetzen und um sein Abendessen betteln, und aller möglicher Dinge – ich kann mich nicht an die Hälfte erinnern – und er gehört einem Bauern, weißt du, und er sagt, er sei so nützlich, er sei hundert Pfund wert! Er sagt, er töte alle Ratten und – oh je!“, rief Alice in betrübtem Ton, „ich fürchte, ich habe sie wieder beleidigt!“ Denn die Maus schwamm so schnell sie konnte von ihr weg und machte ganz schön Wirbel in der Pfütze dabei.
Also rief sie ihr leise nach: „Liebe Maus! Komm bitte zurück, und wir werden nicht mehr über Katzen oder Hunde sprechen, wenn du sie nicht magst!“ Als die Maus das hörte, drehte sie sich um und schwamm langsam zurück zu ihr: Ihr Gesicht war ganz blass (vor Wut, dachte Alice), und sie sagte mit zitternder Stimme: „Lass uns an Land gehen, und dann werde ich dir meine Geschichte erzählen, und du wirst verstehen, warum ich Katzen und Hunde hasse.“
Es war höchste Zeit zu gehen, denn die Pfütze wurde ganz schön voll mit den Vögeln und Tieren, die hineingefallen waren: Da waren eine Ente und ein Dodo, ein Lory und ein Adlerküken und mehrere andere seltsame Kreaturen. Alice führte den Weg an, und die ganze Gesellschaft schwamm an Land.
KAPITEL III. Ein Kaktusrennen und eine lange Geschichte
Sie waren wirklich eine seltsam aussehende Gesellschaft, die sich am Ufer versammelte – die Vögel mit zerrupftem Gefieder, die Tiere mit ihrem Fell, das eng an ihnen klebte, und alle tropfnass, wütend und missmutig.
Die erste Frage war natürlich, wie man wieder trocken werden konnte: Sie hielten eine Beratung darüber ab, und nach einigen Minuten schien es Alice ganz natürlich, sich vertraut mit ihnen zu unterhalten, als hätte sie sie ihr ganzes Leben lang gekannt. Ja, sie hatte eine ganz lange Diskussion mit dem Lory, der schließlich mürrisch wurde und nur sagte: „Ich bin älter als du und muss es besser wissen;“ und das ließ Alice nicht zu, ohne zu wissen, wie alt es war, und da der Lory sich entschieden weigerte, sein Alter zu nennen, war nichts mehr zu sagen.
Endlich rief die Maus, die offenbar eine Autoritätsperson unter ihnen war: „Setzt euch alle hin und hört mir zu! Ich werde euch bald trocken genug machen!“ Sie setzten sich alle sofort in einem großen Kreis hin, mit der Maus in der Mitte. Alice hielt ihre Augen ängstlich auf sie gerichtet, denn sie war sicher, dass sie sich erkälten würde, wenn sie nicht sehr bald trocken würde.
„Ähem!“, sagte die Maus mit wichtigem Ton, „seid ihr alle bereit? Dies ist das trockenste, was ich kenne. Stille bitte rundherum! ‚Wilhelm der Eroberer, dessen Sache vom Papst begünstigt wurde, wurde bald von den Engländern anerkannt, die Anführer brauchten und sich in letzter Zeit sehr an Usurpation und Eroberung gewöhnt hatten. Edwin und Morcar, die Earls von Mercia und Northumbria –‘“
„Ugh!“, sagte der Lory mit einem Schaudern.
„Ich bitte um Verzeihung!“, sagte die Maus, finster dreinblickend, aber sehr höflich: „Hast du gesprochen?“
„Nicht ich!“, sagte der Lory hastig.
„Ich dachte, du hättest es getan“, sagte die Maus. „– Ich fahre fort. ‚Edwin und Morcar, die Earls von Mercia und Northumbria, erklärten sich für ihn: und sogar Stigand, der patriotische Erzbischof von Canterbury, fand es ratsam –‘“
„Fand was?“, sagte die Ente.
„Fand es“, antwortete die Maus eher gereizt: „Natürlich weißt du, was ‚es‘ bedeutet.“
„Ich weiß, was ‚es‘ bedeutet, wenn ich etwas finde“, sagte die Ente: „Es ist normalerweise eine Kröte oder ein Wurm. Die Frage ist, was hat der Erzbischof gefunden?“
Die Maus beachtete diese Frage nicht, sondern fuhr eilig fort: „– fand es ratsam, mit Edgar Atheling zu Wilhelm zu gehen und ihm die Krone anzubieten. Wilhelms Verhalten war zunächst gemäßigt. Aber die Frechheit seiner Normannen –‘ Wie kommst du jetzt voran, mein Schatz?“, fuhr sie fort und wandte sich dabei an Alice.
„Immer noch so nass wie zuvor“, sagte Alice in melancholischem Ton: „Es scheint mich überhaupt nicht zu trocknen.“
„In diesem Fall“, sagte der Dodo feierlich und erhob sich, „beantrage ich, dass die Versammlung vertagt wird, um die sofortige Annahme energischerer Mittel –“
„Sprich Englisch!“, sagte das Adlerküken. „Ich verstehe die Hälfte dieser langen Worte nicht, und was noch schlimmer ist, ich glaube, du tust es auch nicht!“ Und das Adlerküken neigte den Kopf, um ein Lächeln zu verbergen: Einige der anderen Vögel kicherten hörbar.
„Was ich sagen wollte“, sagte der Dodo in beleidigtem Ton, „war, dass das Beste, um uns trocken zu bekommen, ein Kaktusrennen wäre.“
„Was ist ein Kaktusrennen?“, sagte Alice; nicht, dass sie es sehr wissen wollte, aber der Dodo hatte innegehalten, als ob er dachte, jemand müsste sprechen, und niemand anderes schien geneigt zu sein, etwas zu sagen.
„Nun“, sagte der Dodo, „die beste Art, es zu erklären, ist es zu tun.“ (Und da du es vielleicht selbst einmal ausprobieren möchtest, an einem Wintertag, werde ich dir erzählen, wie der Dodo es machte.)
Zuerst markierte er eine Rennstrecke in einer Art Kreis („die genaue Form ist egal“, sagte er) und dann wurden alle Teilnehmer hier und da entlang der Strecke platziert. Es gab kein „Eins, zwei, drei und los“, aber sie begannen zu laufen, wann sie wollten, und hörten auf, wann sie wollten, so dass es nicht leicht war, zu wissen, wann das Rennen vorbei war. Jedenfalls, als sie eine halbe Stunde oder so gelaufen waren und wieder ganz trocken waren, rief der Dodo plötzlich: „Das Rennen ist vorbei!“ und sie drängten sich alle um ihn, keuchend und fragend: „Aber wer hat gewonnen?“
Diese Frage konnte der Dodo nicht ohne viel Nachdenken beantworten, und er saß lange Zeit mit einem Finger auf der Stirn (in der Position, in der man Shakespeare normalerweise auf Bildern sieht), während die anderen schweigend warteten. Endlich sagte der Dodo: „Jeder hat gewonnen, und alle müssen Preise bekommen.“
„Aber wer soll die Preise geben?“, fragte ein ganzer Chor von Stimmen.
„Nun, sie natürlich“, sagte der Dodo und zeigte mit einem Finger auf Alice; und die ganze Gesellschaft drängte sich sofort um sie und rief durcheinander: „Preise! Preise!“
Alice hatte keine Ahnung, was sie tun sollte, und in ihrer Verzweiflung steckte sie die Hand in die Tasche und zog eine Schachtel mit Süßigkeiten heraus (glücklicherweise war das Salzwasser nicht hineingekommen) und verteilte sie als Preise. Es gab genau einen pro Stück, rundherum.
„Aber sie muss selbst einen Preis bekommen, weißt du“, sagte die Maus.
„Natürlich“, antwortete der Dodo sehr ernst. „Was hast du sonst noch in deiner Tasche?“, fuhr er fort und wandte sich an Alice.
„Nur ein Fingerhut“, sagte Alice traurig.
„Gib ihn hierher“, sagte der Dodo.
Dann drängten sie sich alle wieder um sie, während der Dodo feierlich den Fingerhut präsentierte und sagte: „Wir bitten um die Annahme dieses eleganten Fingerhuts;“ und als er diese kurze Rede beendet hatte, jubelten sie alle.
Alice fand das Ganze sehr absurd, aber sie sahen alle so ernst aus, dass sie sich nicht traute zu lachen; und da sie nichts zu sagen wusste, verneigte sie sich einfach und nahm den Fingerhut, so ernst sie konnte.
Als Nächstes wurden die Süßigkeiten gegessen: Das verursachte etwas Lärm und Verwirrung, da die großen Vögel sich beschwerten, dass sie ihre nicht schmecken könnten, und die kleinen sich verschluckten und auf den Rücken klopfen mussten. Doch es war schließlich vorbei, und sie setzten sich wieder in einem Kreis hin und baten die Maus, ihnen noch etwas zu erzählen.
„Du hast versprochen, mir deine Geschichte zu erzählen, weißt du“, sagte Alice, „und warum du – C und D hasst“, fügte sie flüsternd hinzu, halb in Angst, sie wieder zu beleidigen.
„Meine ist eine lange und traurige Geschichte!“, sagte die Maus und wandte sich an Alice und seufzte.
„Es ist ein langer Schwanz, gewiss“, sagte Alice und blickte mit Wunder auf den Schwanz der Maus; „aber warum nennst du ihn traurig?“ Und sie grübelte weiter darüber nach, während die Maus sprach, so dass ihre Vorstellung von der Geschichte etwa so war:
„Wut sagte zu einer Maus, die er im Haus traf: ‚Lass uns beide vor Gericht gehen: Ich werde dich verklagen. – Komm, ich nehme keine Ablehnung an; wir müssen einen Prozess haben: Denn wirklich, heute Morgen habe ich nichts zu tun.‘ Sagte die Maus zum Hund: ‚Ein solcher Prozess, lieber Herr, ohne Jury oder Richter, wäre eine Verschwendung unserer Worte.‘ ‚Ich werde Richter, ich werde Jury‘, sagte der listige alte Wut: ‚Ich werde die ganze Sache verhandeln und dich zum Tode verurteilen.‘“
„Du passt nicht auf!“, sagte die Maus zu Alice streng. „Woran denkst du?“
„Ich bitte um Verzeihung“, sagte Alice sehr demütig: „Du warst bei der fünften Biegung, glaube ich?“
„War ich nicht!“, rief die Maus scharf und sehr wütend.
„Ein Knoten!“, sagte Alice, immer bereit, sich nützlich zu machen, und sah sich ängstlich um. „Oh, lass mich helfen, ihn aufzulösen!“
„Ich werde nichts dergleichen tun“, sagte die Maus, stand auf und ging weg. „Du beleidigst mich, indem du solchen Unsinn redest!“
„Ich meinte es nicht so!“, flehte das arme Alice. „Aber du bist so leicht beleidigt, weißt du!“
Die Maus knurrte nur zur Antwort.
„Bitte komm zurück und beende deine Geschichte!“, rief Alice ihr nach; und die anderen stimmten alle im Chor ein: „Ja, bitte tu es!“, aber die Maus schüttelte nur ungeduldig den Kopf und ging ein wenig schneller.
„Was für ein Jammer, dass sie nicht geblieben ist!“, seufzte der Lory, sobald sie ganz außer Sicht war; und ein alter Krebs nutzte die Gelegenheit, zu seiner Tochter zu sagen: „Ach, mein Kind! Lass dies dir eine Lehre sein, nie deinen Temperament zu verlieren!“ „Halt dein Maul, Ma!“, sagte das junge Krebschen ein wenig schnippisch. „Du bist genug, um die Geduld einer Auster zu versuchen!“
„Ich wünschte, ich hätte unsere Dinah hier, das weiß ich!“, sagte Alice laut und wandte sich an niemanden im Besonderen. „Sie würde sie bald zurückholen!“
„Und wer ist Dinah, wenn ich die Frage stellen darf?“, sagte der Lory.
Alice antwortete eifrig, denn sie war immer bereit, über ihr Haustier zu sprechen: „Dinah ist unsere Katze. Und sie ist so eine Meisterin im Mäusefangen, das kannst du dir nicht vorstellen! Und oh, ich wünschte, du könntest sie nach den Vögeln sehen! Warum, sie wird einen kleinen Vogel fressen, sobald sie ihn sieht!“
Diese Rede verursachte eine bemerkenswerte Sensation unter der Gesellschaft. Einige der Vögel eilten sofort davon: Ein alter Elster begann, sich sehr vorsichtig einzuwickeln und bemerkte: „Ich muss wirklich nach Hause gehen; die Nachtluft ist nicht gut für meine Kehle!“ und ein Kanarienvogel rief mit zitternder Stimme zu seinen Kindern: „Kommt weg, meine Lieben! Es ist höchste Zeit, dass ihr alle im Bett seid!“ Unter verschiedenen Vorwänden zogen sie alle ab, und Alice war bald allein.
„Ich wünschte, ich hätte Dinah nicht erwähnt!“, sagte sie zu sich selbst in melancholischem Ton. „Niemand scheint sie hier zu mögen, und ich bin sicher, sie ist die beste Katze der Welt! Oh, meine liebe Dinah! Ich frage mich, ob ich dich jemals wiedersehen werde!“ Und hier begann das arme Alice wieder zu weinen, denn sie fühlte sich sehr einsam und mutlos. Nach einer Weile hörte sie jedoch wieder ein leichtes Trappeln von Fußschritten in der Ferne und blickte hoffnungsvoll auf, halb in der Hoffnung, dass die Maus es sich anders überlegt hatte und zurückkam, um seine Geschichte zu beenden.
KAPITEL IV. Der Hase schickt eine kleine Rechnung
Es war der weiße Hase, der langsam zurücktrottete und dabei ängstlich um sich blickte, als hätte er etwas verloren; und sie hörte ihn zu sich selbst murmeln: „Die Herzogin! Die Herzogin! Oh, meine lieben Pfoten! Oh, mein Fell und meine Schnurrhaare! Sie wird mich hinrichten lassen, so sicher wie Frettchen Frettchen sind! Wo kann ich sie fallen gelassen haben, frage ich mich?“ Alice erriet in einem Moment, dass er nach dem Fächer und dem Paar weißer Handschuhe suchte, und sie begann sehr gutmütig, danach zu suchen, aber sie waren nirgends zu sehen – alles schien sich seit ihrem Bad in der Pfütze verändert zu haben, und der große Saal mit dem Glastisch und der kleinen Tür war völlig verschwunden.
Sehr bald bemerkte der Hase Alice, als sie herumsuchte, und rief sie in wütendem Ton an: „Nun, Mary Ann, was machst du hier? Lauf sofort nach Hause und hol mir ein Paar Handschuhe und einen Fächer! Schnell jetzt!“ Und Alice war so verängstigt, dass sie sofort in die Richtung lief, die er ihr wies, ohne zu versuchen, den Fehler zu erklären, den er gemacht hatte.
„Er hat mich für sein Dienstmädchen gehalten“, sagte sie zu sich selbst, als sie lief. „Wie überrascht wird er sein, wenn er herausfindet, wer ich bin! Aber ich sollte ihm besser seinen Fächer und seine Handschuhe bringen – das heißt, wenn ich sie finden kann.“ Als sie das sagte, kam sie an einem netten kleinen Haus vorbei, an dessen Tür ein heller Messingschild mit der Aufschrift „W. HASE“ angebracht war. Sie ging hinein, ohne zu klopfen, und eilte die Treppe hinauf, in großer Angst, sie könnte das echte Mary Ann treffen und aus dem Haus geworfen werden, bevor sie den Fächer und die Handschuhe gefunden hatte.
„Wie seltsam es scheint“, sagte Alice zu sich selbst, „Botengänge für einen Hasen zu machen! Ich nehme an, Dinah wird mich bald auf Botengänge schicken!“ Und sie begann, sich vorzustellen, was passieren würde: „‚Fräulein Alice! Komm sofort her und mach dich bereit für deinen Spaziergang!‘ ‚Komme in einer Minute, Kindermädchen! Aber ich muss zuerst sehen, dass die Maus nicht rauskommt.‘ Nur ich denke nicht“, fuhr Alice fort, „dass sie Dinah im Haus lassen würden, wenn sie anfängt, Leute herumzukommandieren wie das!“
Inzwischen hatte sie ihren Weg in ein ordentliches kleines Zimmer mit einem Tisch am Fenster gefunden und darauf (wie sie hoffte) einen Fächer und zwei oder drei Paar winzige weiße Handschuhe: Sie nahm den Fächer und ein Paar der Handschuhe und wollte gerade das Zimmer verlassen, als ihr Blick auf eine kleine Flasche fiel, die neben dem Spiegel stand. Diesmal gab es kein Etikett mit den Worten „TRINK MICH“, aber dennoch entkorkte sie sie und setzte sie an die Lippen. „Ich weiß, dass etwas Interessantes passieren wird“, sagte sie zu sich selbst, „wann immer ich etwas esse oder trinke; also werde ich einfach sehen, was diese Flasche bewirkt. Ich hoffe, sie wird mich wieder groß machen, denn wirklich, ich bin es leid, so ein winziges kleines Ding zu sein!“
Es tat es auch, und viel schneller, als sie erwartet hatte: Bevor sie die Hälfte der Flasche getrunken hatte, spürte sie, wie ihr Kopf gegen die Decke drückte, und sie musste sich bücken, um ihren Hals nicht zu brechen. Sie stellte die Flasche hastig ab und sagte zu sich selbst: „Das reicht – ich hoffe, ich werde nicht noch größer – So wie es ist, kann ich nicht durch die Tür raus – Ich wünschte, ich hätte nicht ganz so viel getrunken!“
Ach! Es war zu spät, das zu wünschen! Sie wuchs weiter und weiter und musste sich sehr bald auf den Boden knien: In einer weiteren Minute war nicht einmal mehr Platz dafür, und sie versuchte die Wirkung des Liegens mit einem Ellbogen gegen die Tür und dem anderen Arm um ihren Kopf gewickelt. Doch sie wuchs weiter, und als letztes Mittel streckte sie einen Arm aus dem Fenster und einen Fuß den Schornstein hinauf und sagte zu sich selbst: „Jetzt kann ich nichts mehr tun, was auch immer passiert. Was wird aus mir werden?“
Glücklicherweise für Alice hatte die kleine Zauberflasche nun ihre volle Wirkung entfaltet, und sie wuchs nicht weiter: Doch es war sehr unbequem, und da es keinerlei Chance zu geben schien, dass sie jemals wieder aus dem Zimmer herauskommen würde, ist es kein Wunder, dass sie sich unglücklich fühlte.
„Es war viel angenehmer zu Hause“, dachte das arme Alice, „als man nicht immer größer und kleiner wurde und von Mäusen und Hasen herumkommandiert wurde. Ich wünschte fast, ich wäre nicht in dieses Hasenloch hinuntergegangen – und doch – und doch – es ist ziemlich neugierig, weißt du, so ein Leben! Ich frage mich, was mit mir passiert ist! Als ich früher Märchen las, dachte ich, so etwas passiert nie, und jetzt bin ich mitten in einem! Es sollte ein Buch über mich geschrieben werden, das sollte es! Und wenn ich groß bin, werde ich eines schreiben – aber ich bin jetzt groß“, fügte sie in betrübtem Ton hinzu; „zumindest gibt es hier keinen Platz, um noch größer zu werden.“
„Aber dann“, dachte Alice, „werde ich nie älter werden als ich es jetzt bin? Das wäre ein Trost – nie eine alte Frau zu werden – aber dann – immer Lektionen zu lernen! Oh, das möchte ich nicht!“
„Oh, du törichte Alice!“, antwortete sie sich selbst. „Wie kannst du hier Lektionen lernen? Warum, es ist kaum Platz für dich, und überhaupt kein Platz für irgendwelche Lehrbücher!“
Und so ging sie weiter, nahm erst die eine und dann die andere Seite und machte daraus ein richtiges Gespräch; aber nach ein paar Minuten hörte sie eine Stimme von draußen und blieb stehen, um zu lauschen.
„Mary Ann! Mary Ann!“, sagte die Stimme. „Bring mir sofort meine Handschuhe!“ Dann kam ein kleines Trappeln von Füßen auf der Treppe. Alice wusste, dass es das Kaninchen war, das sie suchen kam, und sie zitterte, bis sie das Haus erschütterte, und vergaß dabei völlig, dass sie jetzt etwa tausend Mal so groß war wie das Kaninchen und keinen Grund hatte, sich vor ihm zu fürchten.
Gleich darauf kam das Kaninchen zur Tür und versuchte, sie zu öffnen; aber da die Tür nach innen aufging und Alices Ellenbogen fest dagegen gedrückt war, scheiterte dieser Versuch. Alice hörte, wie es zu sich selbst sagte: „Dann gehe ich herum und komme durch das Fenster herein.“
„Das wirst du nicht!“, dachte Alice und nachdem sie gewartet hatte, bis sie dachte, das Kaninchen sei direkt unter dem Fenster, streckte sie plötzlich ihre Hand aus und griff in die Luft. Sie erwischte nichts, aber sie hörte ein kleines Kreischen und ein Fallen und ein Klirren von zerbrochenem Glas, aus dem sie schloss, dass es durchaus möglich war, dass es in ein Gurkenbeet oder so etwas gefallen war.
Als Nächstes kam eine wütende Stimme – die des Kaninchens – „Pat! Pat! Wo bist du?“ Und dann eine Stimme, die sie noch nie gehört hatte: „Sicher bin ich hier! Ich grabe nach Äpfeln, Euer Ehren!“
„Nach Äpfeln graben, wirklich!“, sagte das Kaninchen wütend. „Hier! Komm und hilf mir da raus!“ (Geräusche von mehr zerbrochenem Glas.)
„Nun sag mir, Pat, was ist das im Fenster?“
„Sicher, das ist ein Arm, Euer Ehren!“ (Er sprach es „arrum“ aus.)
„Ein Arm, du Dummkopf! Wer hat je einen in dieser Größe gesehen? Warum, er füllt das ganze Fenster aus!“
„Sicher, das tut er, Euer Ehren: aber es ist trotzdem ein Arm.“
„Nun, er hat dort nichts zu suchen, jedenfalls: geh und nimm ihn weg!“
Nach diesem Vorfall herrschte lange Stille, und Alice konnte nur hin und wieder ein Flüstern hören, wie: „Sicher, ich mag es nicht, Euer Ehren, überhaupt nicht!“ „Tu, was ich dir sage, du Feigling!“ Und schließlich streckte sie ihre Hand wieder aus und griff erneut in die Luft. Diesmal gab es zwei kleine Kreischen und mehr Geräusche von zerbrochenem Glas. „Wie viele Gurkenbeete muss es hier geben!“, dachte Alice. „Ich frage mich, was sie als Nächstes tun werden! Was das Herausholen aus dem Fenster betrifft, ich wünschte nur, sie könnten es! Ich will sicher nicht länger hier drin bleiben!“
Sie wartete eine Weile, ohne etwas zu hören: Schließlich kam ein Rumpeln von kleinen Wagenrädern und das Geräusch vieler Stimmen, die alle durcheinander redeten: Sie machte die Worte aus: „Wo ist die andere Leiter? – Warum, ich musste nur eine mitbringen; Bill hat die andere – Bill! Bring sie her, Junge! – Hier, stellt sie an dieser Ecke auf – Nein, bindet sie erst zusammen – sie reichen noch nicht halb so hoch – Oh! Sie werden gut genug sein; seid nicht so pingelig – Hier, Bill! Halt dieses Seil fest – Hält das Dach? – Pass auf die lose Schindel auf – Oh, es kommt runter! Köpfe einziehen!“ (lautes Krachen) – „Nun, wer hat das getan? – Es war Bill, denke ich – Wer soll den Schornstein runtergehen? – Nein, ich nicht! Du mach das! – Das werde ich nicht, dann! – Bill soll runtergehen – Hier, Bill! Der Meister sagt, du sollst den Schornstein runtergehen!“
„Oh! Also Bill muss den Schornstein runtergehen, nicht wahr?“, sagte Alice zu sich selbst. „Sie scheinen alles auf Bill abzuwälzen! Ich möchte nicht in Bills Lage sein, das ist sicher: Dieser Kamin ist eng, das ist wahr; aber ich denke, ich kann ein bisschen treten!“
Sie zog ihren Fuß so weit den Kamin hinunter, wie sie konnte, und wartete, bis sie ein kleines Tier hörte (sie konnte nicht erraten, von welcher Art es war), das direkt über ihr im Kamin kratzte und sich abmühte: Dann sagte sie zu sich selbst: „Das ist Bill“, gab einen scharfen Tritt und wartete, um zu sehen, was als Nächstes passieren würde.
Das Erste, was sie hörte, war ein allgemeiner Chor von „Da geht Bill!“, dann die Stimme des Kaninchens – „Fang ihn, du am Zaun!“ Dann Stille und dann ein weiteres Durcheinander von Stimmen – „Halt seinen Kopf hoch – Brandy jetzt – Lass ihn nicht ersticken – Wie ging es dir, alter Junge? Was ist dir passiert? Erzähl uns alles!“
Zum Schluss kam eine kleine, schwache, quiekende Stimme, („Das ist Bill“, dachte Alice), „Nun, ich weiß es kaum – Nicht mehr, danke; mir geht es jetzt besser – aber ich bin viel zu durcheinander, um es euch zu erzählen – alles, was ich weiß, ist, dass etwas auf mich zukommt wie eine Spieluhr, und hoch gehe ich wie eine Himmelsrakete!“
„So war es, alter Junge!“, sagten die anderen.
„Wir müssen das Haus niederbrennen!“, sagte die Stimme des Kaninchens; und Alice rief so laut sie konnte: „Wenn ihr das tut, hetze ich euch Dinah auf den Hals!“
Es trat sofort tote Stille ein, und Alice dachte bei sich: „Ich frage mich, was sie als Nächstes tun werden! Wenn sie Verstand hätten, würden sie das Dach abnehmen.“ Nach einer Minute oder zwei begannen sie sich wieder zu bewegen, und Alice hörte das Kaninchen sagen: „Eine Schubkarre voll wird zum Anfangen genügen.“
„Eine Schubkarre voll wovon?“, dachte Alice; aber sie hatte nicht lange Zeit zum Zweifeln, denn im nächsten Moment prasselte eine Ladung kleiner Kieselsteine gegen das Fenster, und einige trafen sie im Gesicht. „Ich werde dem ein Ende setzen“, sagte sie zu sich selbst und schrie: „Ihr solltet das besser nicht noch einmal tun!“, was eine weitere tote Stille zur Folge hatte.
Alice bemerkte mit einigem Erstaunen, dass sich die Kieselsteine alle in kleine Kuchen verwandelten, als sie auf dem Boden lagen, und ihr kam ein heller Gedanke. „Wenn ich einen von diesen Kuchen esse“, dachte sie, „wird es sicherlich eine Veränderung meiner Größe bewirken; und da es mich unmöglich größer machen kann, muss es mich wohl kleiner machen, nehme ich an.“
Also verschlang sie einen der Kuchen und war erfreut zu sehen, dass sie sofort zu schrumpfen begann. Sobald sie klein genug war, um durch die Tür zu passieren, rannte sie aus dem Haus und fand eine ganze Menge kleiner Tiere und Vögel, die draußen warteten. Der arme kleine Leguan, Bill, war in der Mitte und wurde von zwei Meerschweinchen hochgehalten, die ihm etwas aus einer Flasche gaben. Sie stürzten sich alle auf Alice, als sie erschien; aber sie rannte so schnell sie konnte davon und fand sich bald in einem dichten Wald in Sicherheit.
„Das Erste, was ich tun muss“, sagte Alice zu sich selbst, als sie durch den Wald wanderte, „ist, wieder auf meine richtige Größe zu wachsen; und das Zweite ist, meinen Weg in diesen wunderschönen Garten zu finden. Ich denke, das wird der beste Plan sein.“
Es klang zweifellos wie ein ausgezeichneter Plan und war sehr ordentlich und einfach angeordnet; die einzige Schwierigkeit bestand darin, dass sie nicht die geringste Ahnung hatte, wie sie das anstellen sollte; und während sie ängstlich zwischen den Bäumen herumspähte, ließ ein kleines, scharfes Bellen direkt über ihrem Kopf sie hastig nach oben blicken.
Ein riesiger Welpe schaute sie mit großen, runden Augen an und streckte schwach eine Pfote aus, um sie zu berühren. „Armer kleiner Kerl!“, sagte Alice in einem schmeichelnden Ton und versuchte angestrengt, ihn anzuheulen; aber sie hatte die ganze Zeit furchtbare Angst, dass er hungrig sein könnte, in welchem Fall es sehr wahrscheinlich war, dass er sie trotz all ihres Schmeichelns auffressen würde.
Ohne recht zu wissen, was sie tat, hob sie ein kleines Stückchen Stock auf und hielt es dem Welpen hin; woraufhin der Welpe mit allen vier Beinen gleichzeitig in die Luft sprang, mit einem Freudengeheul, und sich auf den Stock stürzte und so tat, als ob er ihn zerbeißen würde; dann tauchte Alice hinter einer großen Distel unter, um sich davor zu schützen, überrannt zu werden; und im Moment, als sie auf der anderen Seite auftauchte, stürzte sich der Welpe erneut auf den Stock und überschlug sich in seiner Hast, ihn zu ergreifen; dann dachte Alice, es sei wie ein Spiel mit einem Karrenpferd, und erwartete jeden Moment, von seinen Füßen zertreten zu werden, rannte erneut um die Distel herum; dann begann der Welpe eine Reihe kurzer Attacken auf den Stock, lief jedes Mal nur ein kleines Stück vorwärts und ein langes Stück zurück und bellte heiser die ganze Zeit, bis er sich schließlich ein gutes Stück entfernt hinsetzte, keuchend, mit der Zunge aus dem Maul hängend und die großen Augen halb geschlossen.
Das schien Alice eine gute Gelegenheit zur Flucht; also machte sie sich sofort auf den Weg und rannte, bis sie ganz erschöpft und außer Atem war und das Bellen des Welpen in der Ferne ganz schwach klang.
„Und doch war es so ein lieber kleiner Welpe!“, sagte Alice, als sie sich an einer Butterblume anlehnte, um sich auszuruhen, und sich mit einem der Blätter fächelte: „Ich hätte ihm gerne Kunststücke beigebracht, wenn – wenn ich nur die richtige Größe dafür gehabt hätte! Oh je! Ich habe fast vergessen, dass ich wieder groß werden muss! Lass mich überlegen – wie soll das bewerkstelligt werden? Ich nehme an, ich sollte etwas essen oder trinken; aber die große Frage ist, was?“
Die große Frage war in der Tat, was? Alice sah sich ringsum nach den Blumen und Grashalmen um, konnte aber nichts entdecken, was unter den gegebenen Umständen wie die richtige Sache zum Essen oder Trinken aussah. In ihrer Nähe wuchs ein großer Pilz, etwa equally hoch wie sie selbst; und als sie unter ihn, auf beide Seiten davon und dahinter geschaut hatte, kam sie zu dem Schluss, dass sie ebenso gut nachsehen könnte, was sich auf der Oberseite befand.
Sie streckte sich auf Zehenspitzen und spähte über den Rand des Pilzes, und ihre Augen trafen sofort auf die eines großen, blauen Raupe, die oben saß, die Arme verschränkt, ruhig an einer langen Wasserpfeife rauchte und weder sie noch sonst etwas zur Kenntnis nahm.
„Eine wahrscheinliche Geschichte!“, sagte die Grille in einem Ton tiefsten Hohns. „Ich habe in meinem Leben schon viele kleine Mädchen gesehen, aber noch nie eines mit einem solchen Hals! Nein, nein! Du bist eine Schlange; und es ist zwecklos, das zu leugnen. Ich nehme an, du wirst mir als Nächstes erzählen, dass du noch nie ein Ei gegessen hast!“
„Ich habe Eier gegessen, sicher“, sagte Alice, die ein sehr wahrheitsliebendes Kind war; „aber kleine Mädchen essen Eier genauso wie Schlangen, weißt du.“
„Ich glaube es nicht“, sagte die Grille; „aber wenn sie es tun, dann sind sie eine Art Schlange, das ist alles, was ich dazu sagen kann.“
Das war für Alice so eine neue Idee, dass sie ein oder zwei Minuten ganz still war, was der Grille die Gelegenheit gab hinzuzufügen: „Du suchst nach Eiern, das weiß ich genau genug; und was macht es mir aus, ob du ein kleines Mädchen oder eine Schlange bist?“
„Das macht mir eine Menge aus“, sagte Alice hastig; „aber ich suche nicht nach Eiern, wie es sich trifft; und wenn ich es täte, wollte ich deine nicht: Ich mag sie nicht roh.“
„Nun, dann mach, dass du wegkommst!“, sagte die Grille in mürrischem Ton, als sie sich wieder in ihr Nest niederließ. Alice duckte sich zwischen den Bäumen so gut sie konnte, denn ihr Hals verfing sich immer wieder in den Ästen, und sie musste immer wieder stehen bleiben und ihn entwirren. Nach einer Weile erinnerte sie sich, dass sie immer noch die Stücke des Pilzes in den Händen hielt, und sie machte sich vorsichtig ans Werk, abwechselnd von dem einen und dann von dem anderen Stück zu knabbern und dabei manchmal größer und manchmal kleiner zu werden, bis es ihr gelungen war, sich auf ihre gewohnte Größe herunterzubringen.
Es war so lange her, seit sie irgendetwas in der richtigen Größe gewesen war, dass es sich zuerst ganz seltsam anfühlte; aber sie gewöhnte sich in wenigen Minuten daran und begann, wie gewöhnlich, mit sich selbst zu reden. „So, da ist die Hälfte meines Plans erledigt! Wie verwirrend all diese Veränderungen sind! Ich bin nie sicher, was ich von einer Minute zur anderen sein werde! Allerdings, ich bin wieder auf meine richtige Größe zurückgekommen: Das Nächste ist, in diesen wunderschönen Garten zu gelangen – wie das wohl zu bewerkstelligen ist, frage ich mich?“ Als sie das sagte, kam sie plötzlich auf eine offene Stelle mit einem kleinen Haus darin, etwa vier Fuß hoch. „Wer auch immer dort wohnt“, dachte Alice, „es wird nicht angehen, in dieser Größe bei ihnen hereinzuplatzen: Warum, ich würde sie vor Angst um den Verstand bringen!“ Also begann sie, wieder von dem linken Stück des Pilzes zu knabbern und wagte es nicht, sich dem Haus zu nähern, bis sie sich auf neun Zoll heruntergebracht hatte.
Kapitel VI. Schwein und Pfeffer
Ein oder zwei Minuten stand sie da und betrachtete das Haus und überlegte, was sie als Nächstes tun sollte, als plötzlich ein Fußmann in Livree aus dem Wald kam – (sie hielt ihn für einen Fußmann, weil er in Livree war: Sonst, wenn sie nur sein Gesicht betrachtete, hätte sie ihn für einen Fisch gehalten) – und klopfte laut mit den Knöcheln an die Tür. Sie wurde von einem anderen Fußmann in Livree geöffnet, mit einem runden Gesicht und großen Augen wie eine Kröte; und beide Fußmänner, bemerkte Alice, hatten gepuderte Haare, die sich über ihren ganzen Kopf kräuselten. Sie war sehr neugierig zu erfahren, was das alles zu bedeuten hatte, und schlich ein Stück aus dem Wald, um zuzuhören.
Der Fisch-Fußmann begann damit, einen großen Brief unter dem Arm hervorzuziehen, fast so groß wie er selbst, und diesen reichte er dem anderen und sagte in feierlichem Ton: „Für die Herzogin. Eine Einladung von der Königin zu einer Partie Crocket.“ Der Kröten-Fußmann wiederholte in demselben feierlichen Ton, nur die Wortstellung ein wenig verändernd: „Von der Königin. Eine Einladung für die Herzogin zu einer Partie Crocket.“
Dann verbeugten sie sich beide tief, und ihre Locken verhedderten sich ineinander.
Alice lachte so sehr darüber, dass sie in den Wald zurücklaufen musste, aus Angst, sie könnten sie hören; und als sie das nächste Mal hinausschaute, war der Fisch-Fußmann verschwunden, und der andere saß auf dem Boden nahe der Tür und starrte dumm in den Himmel.
Alice ging zögernd zur Tür und klopfte an.
„Es ist völlig zwecklos, zu klopfen“, sagte der Fußmann, „und das aus zwei Gründen. Erstens, weil ich auf derselben Seite der Tür bin wie du; zweitens, weil sie drinnen so einen Lärm machen, dass dich niemand hören könnte.“ Und in der Tat ging ein höchst außergewöhnliches Geräusch von drinnen aus – ein ständiges Heulen und Niesen und alle Naselang ein lautes Krachen, als ob ein Teller oder Kessel in Stücke geschlagen worden wäre.
„Dann bitte“, sagte Alice, „wie komme ich hinein?“
„In deinem Klopfen könnte ein gewisser Sinn liegen“, fuhr der Fußmann fort, ohne auf sie zu achten, „wenn wir die Tür zwischen uns hätten. Zum Beispiel, wenn du drinnen wärst, könntest du klopfen, und ich könnte dich herauslassen, weißt du.“ Er starrte die ganze Zeit, während er sprach, in den Himmel, und das fand Alice entschieden unhöflich. „Aber vielleicht kann er nicht anders“, sagte sie zu sich selbst; „seine Augen sind so nahe am oberen Ende seines Kopfes. Aber jedenfalls könnte er Fragen beantworten. – Wie komme ich hinein?“, wiederholte sie laut.
„Ich werde hier sitzen“, bemerkte der Fußmann, „bis morgen –“
In diesem Moment ging die Tür des Hauses auf, und ein großer Teller kam dahingeschossen, direkt auf den Kopf des Fußmanns: Er streifte nur seine Nase und zerschellte an einem der Bäume hinter ihm in Stücke.
„– oder vielleicht übermorgen“, fuhr der Fußmann in demselben Ton fort, genau so, als ob nichts geschehen wäre.
„Wie komme ich hinein?“, fragte Alice noch einmal, in lauterem Ton.
„Sollst du überhaupt hereinkommen?“, sagte der Fußmann. „Das ist die erste Frage, weißt du.“
Das war es zweifellos: Nur Alice gefiel es nicht, das so gesagt zu bekommen. „Es ist wirklich schrecklich“, murmelte sie zu sich selbst, „wie alle Kreaturen hier argumentieren. Das reicht, um einen verrückt zu machen!“
Der Fußmann schien zu denken, dass dies eine gute Gelegenheit sei, seine Bemerkung mit Variationen zu wiederholen. „Ich werde hier sitzen“, sagte er, „mal so, mal so, für Tage und Tage.“
„Aber was soll ich tun?“, sagte Alice.
„Was immer du willst“, sagte der Fußmann und begann zu pfeifen.
„Oh, es ist zwecklos, mit ihm zu reden“, sagte Alice verzweifelt: „Er ist völlig idiotisch!“ Und sie öffnete die Tür und ging hinein.
Die Tür führte direkt in eine große Küche, die von einem Ende zum anderen voller Rauch war: Die Herzogin saß auf einem dreibeinigen Schemel in der Mitte, wiegte ein Baby; die Köchin beugte sich über das Feuer und rührte in einem großen Kessel, der voller Suppe zu sein schien.
„In dieser Suppe ist sicher zu viel Pfeffer!“, sagte Alice zu sich selbst, so gut sie konnte, weil sie niesen musste.
Es war sicher zu viel davon in der Luft. Sogar die Herzogin nieste ab und zu; und was das Baby betraf, so nieste und heulte es abwechselnd, ohne eine Minute Pause. Die einzigen Dinge in der Küche, die nicht niesten, waren die Köchin und eine große Katze, die auf dem Herd saß und von einem Ohr zum anderen grinste.
„Würden Sie mir bitte sagen“, sagte Alice, ein wenig schüchtern, denn sie war nicht ganz sicher, ob es sich schickte, dass sie als Erste sprach, „warum Ihre Katze so grinst?“
„Das ist eine Grinsekatze“, sagte die Herzogin, „und deshalb. Schwein!“
Sie sagte das letzte Wort mit solcher plötzlicher Gewalt, dass Alice ganz zusammenzuckte; aber sie sah im nächsten Moment, dass es an das Baby und nicht an sie gerichtet war, also fasste sie Mut und fuhr fort:
„Ich wusste nicht, dass Grinsekatzen immer grinsen; tatsächlich wusste ich nicht, dass Katzen grinsen können.“
„Das können sie alle“, sagte die Herzogin; „und die meisten tun es.“
„Ich kenne keine, die es tun“, sagte Alice sehr höflich, da sie sich freute, ins Gespräch gekommen zu sein.
„Du weißt nicht viel“, sagte die Herzogin; „und das ist eine Tatsache.“
Alice gefiel der Ton dieser Bemerkung überhaupt nicht, und sie dachte, es sei das Beste, ein anderes Gesprächsthema anzuschneiden. Während sie versuchte, sich auf eines zu einigen, nahm die Köchin den Suppentopf vom Feuer und machte sich sofort daran, alles, was in ihrer Reichweite war, auf die Herzogin und das Baby zu werfen – die Feuerzangen kamen zuerst; dann folgte eine Ladung von Saucieren, Tellern und Schüsseln. Die Herzogin nahm keine Notiz von ihnen, selbst wenn sie sie trafen; und das Baby heulte so sehr schon, dass es völlig unmöglich war zu sagen, ob die Schläge es verletzten oder nicht.
„Oh, passen Sie doch auf, was Sie tun!“, schrie Alice und hüpfte vor Entsetzen auf und ab. „Oh, da geht seine wertvolle Nase!“, als eine ungewöhnlich große Sauciere dicht daran vorbeiflog und sie fast abtrug.
„Wenn jeder auf seine eigenen Angelegenheiten achtete“, sagte die Herzogin in heiserem Knurren, „würde die Welt sich viel schneller drehen, als sie es tut.“
„Das wäre kein Vorteil“, sagte Alice, die sich sehr freute, die Gelegenheit zu haben, ein wenig von ihrem Wissen zur Schau zu stellen. „Denken Sie nur an die Arbeit, die es mit Tag und Nacht machen würde! Sie sehen, die Erde braucht vierundzwanzig Stunden, um sich um ihre Achse zu drehen –“
„Wenn wir von Äxten sprechen“, sagte die Herzogin, „hack ihr den Kopf ab!“
Alice warf einen ängstlichen Blick auf die Köchin, um zu sehen, ob sie den Hinweis befolgen wollte; aber die Köchin rührte eifrig in der Suppe und schien nicht zuzuhören, also fuhr sie fort: „Vierundzwanzig Stunden, denke ich; oder sind es zwölf? Ich –“
„Oh, belästige mich nicht“, sagte die Herzogin; „ich konnte noch nie etwas mit Zahlen anfangen!“ Und damit begann sie, ihr Kind wieder zu wiegen und sang eine Art Wiegenlied dazu, während sie es am Ende jeder Zeile heftig schüttelte:
„Sprich grob mit deinem kleinen Jungen Und schlag ihn, wenn er niest: Er tut es nur, um dich zu ärgern, Weil er weiß, dass es dich neckt.“
CHOR. (In den die Köchin und das Baby einstimmten):
„Wow! Wow! Wow!“
Während die Herzogin die zweite Strophe des Liedes sang, warf sie das Baby heftig hin und her, und das arme kleine Ding heulte so, dass Alice die Worte kaum hören konnte:
„Ich spreche streng mit meinem Jungen, Ich schlage ihn, wenn er niest; Denn er kann den Pfeffer gründlich genießen, Wenn er will!“
CHOR.
„Wow! Wow! Wow!“
„Hier! Du kannst es eine Weile pflegen, wenn du willst!“, sagte die Herzogin zu Alice und warf ihr das Baby zu, während sie sprach. „Ich muss mich fertig machen, um Crocket mit der Königin zu spielen“, und sie eilte aus dem Zimmer. Die Köchin warf eine Bratpfanne nach ihr, als sie hinausging, aber sie verfehlte sie nur knapp.
Alice fing das Baby mit einigem Geschick, denn es war ein seltsam geformtes kleines Geschöpf und hielt Arme und Beine in alle Richtungen ausgestreckt, „genau wie ein Seestern“, dachte Alice. Das arme kleine Ding schnaufte wie eine Dampflokomotive, als sie es auffing, und verdrehte sich und streckte sich wieder aus, sodass es insgesamt in der ersten Minute oder zwei so viel war, wie sie tun konnte, um es festzuhalten.
Sobald sie die richtige Art des Wiegens herausgefunden hatte, (was darin bestand, es in eine Art Knoten zu drehen und dann fest seinen rechten Ohr und linken Fuß zu halten, um zu verhindern, dass es sich selbst auflöste,) trug sie es ins Freie. „Wenn ich dieses Kind nicht mitnehme“, dachte Alice, „werden sie es sicher in ein oder zwei Tagen umbringen: Es wäre Mord, es zurückzulassen!“ Sie sagte die letzten Worte laut, und das kleine Ding grunzte als Antwort (es hatte aufgehört zu niesen, als sie es auffing). „Grunze nicht“, sagte Alice; „das ist überhaupt keine angemessene Art, sich auszudrücken.“
Das Baby grunzte wieder, und Alice sah sehr ängstlich in sein Gesicht, um zu sehen, was mit ihm los war. Es konnte keinen Zweifel geben, dass es eine sehr hochgezogene Nase hatte, viel mehr wie ein Rüssel als eine richtige Nase; auch seine Augen wurden für ein Baby äußerst klein: Insgesamt gefiel Alice das Aussehen des Dinges überhaupt nicht. „Aber vielleicht weinte es nur“, dachte sie und sah wieder in seine Augen, um zu sehen, ob es Tränen gab.
Nein, es gab keine Tränen. „Wenn du dich in ein Schwein verwandeln willst, mein Lieber“, sagte Alice ernst, „will ich nichts mehr mit dir zu tun haben. Pass auf jetzt!“ Das arme kleine Ding weinte wieder (oder grunzte, es war unmöglich zu sagen, welches), und sie gingen eine Weile schweigend weiter.
Alice begann gerade, zu sich selbst zu sagen: „Nun, was soll ich mit diesem Geschöpf anfangen, wenn ich es nach Hause bringe?“, als es wieder grunzte, so heftig, dass sie ängstlich in sein Gesicht hinuntersah. Diesmal konnte es keinen Zweifel geben: Es war weder mehr noch weniger als ein Schwein, und sie fühlte, dass es völlig absurd wäre, es weiter mit sich herumzutragen.
Also setzte sie das kleine Geschöpf ab und fühlte sich ganz erleichtert, als sie sah, wie es ruhig in den Wald trottete. „Wenn es groß geworden wäre“, sagte sie zu sich selbst, „hätte es ein fürchterlich hässliches Kind abgegeben: Aber es gibt ein ziemlich stattliches Schwein ab, denke ich.“ Und sie begann, über andere Kinder nachzudenken, die sie kannte, die sehr gut als Schweine durchgehen könnten, und sagte gerade zu sich selbst: „Wenn man nur wüsste, wie man sie richtig verwandeln könnte –“, als sie ein wenig erschrak, als sie die Grinsekatze auf einem Ast eines Baumes ein paar Yards entfernt sitzen sah.
Die Katze grinste nur, als sie Alice sah. Sie sah gutmütig aus, dachte sie: Trotzdem hatte sie sehr lange Krallen und eine Menge Zähne, also fühlte sie, dass sie mit Respekt behandelt werden sollte.
„Grinsekatze“, begann sie, ziemlich schüchtern, denn sie wusste überhaupt nicht, ob sie den Namen mögen würde: Allerdings grinste sie nur ein wenig breiter. „So, es gefällt ihr bisher“, dachte Alice und fuhr fort. „Würdest du mir bitte sagen, welchen Weg ich von hier aus gehen soll?“
„Das hängt sehr davon ab, wohin du kommen willst“, sagte die Katze.
„Das ist mir ziemlich egal –“, sagte Alice.
„Dann ist es egal, welchen Weg du nimmst“, sagte die Katze.
„– solange ich irgendwo hinkomme“, fügte Alice als Erklärung hinzu.
„Oh, das wirst du sicher“, sagte die Katze, „wenn du nur lange genug läufst.“
Alice fühlte, dass das nicht geleugnet werden konnte, also versuchte sie eine andere Frage. „Was für Leute leben hier ungefähr?“
„In diese Richtung“, sagte die Katze und wedelte mit der rechten Pfote herum, „wohnt ein Hutmacher: Und in diese Richtung“, wedelte sie mit der anderen Pfote, „wohnt ein März-Hase. Besuche, wen du willst: Sie sind beide verrückt.“
„Aber ich will nicht unter verrückte Leute gehen“, bemerkte Alice.
„Oh, das kannst du nicht vermeiden“, sagte die Katze: „Wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.“
„Wie kommst du darauf, dass ich verrückt bin?“, sagte Alice.
„Du musst es sein“, sagte die Katze, „sonst wärst du nicht hier.“
Alice dachte, dass das überhaupt nicht bewiesen sei; allerdings fuhr sie fort: „Und wie kommst du darauf, dass du verrückt bist?“
„Nun“, sagte die Katze, „erstens ist ein Hund nicht verrückt. Das gibst du zu?“
„Das nehme ich an“, sagte Alice.
„Nun“, fuhr die Katze fort, „siehst du, ein Hund knurrt, wenn es wütend ist, und wedelt mit dem Schwanz, wenn es zufrieden ist. Nun knurre ich, wenn ich zufrieden bin, und wedele mit dem Schwanz, wenn ich wütend bin. Deshalb bin ich verrückt.“
„Ich nenne das Schnurren, nicht Knurren“, sagte Alice.
„Nenne es, wie du willst“, sagte die Katze. „Spielst du heute Crocket mit der Königin?“
„Das würde ich sehr gerne“, sagte Alice, „aber ich wurde noch nicht eingeladen.“
„Du wirst mich dort sehen“, sagte die Katze und verschwand.
Alice war darüber nicht sehr überrascht, denn sie gewöhnte sich daran, dass seltsame Dinge passierten. Während sie an die Stelle starrte, an der sie gewesen war, erschien sie plötzlich wieder.
„Übrigens, was ist aus dem Baby geworden?“, sagte die Katze. „Ich hatte fast vergessen zu fragen.“
„Es hat sich in ein Schwein verwandelt“, sagte Alice ruhig, genau so, als ob es auf natürliche Weise zurückgekommen wäre.
„Das dachte ich mir“, sagte die Katze und verschwand wieder.
Alice wartete eine Weile, halb in der Erwartung, sie wiederzusehen, aber sie erschien nicht, und nach einer Minute oder zwei ging sie in die Richtung, in der der März-Hase wohnen sollte. „Ich habe schon Hutmacher gesehen“, sagte sie zu sich selbst; „der März-Hase wird viel interessanter sein, und vielleicht, da es Mai ist, wird er nicht so verrückt sein – zumindest nicht so verrückt wie im März.“ Als sie das sagte, blickte sie auf und da war die Katze wieder, auf einem Ast eines Baumes sitzend.
„Hast du Schwein oder Feige gesagt?“, sagte die Katze.
„Ich sagte Schwein“, antwortete Alice; „und ich wünsche, du würdest nicht so plötzlich erscheinen und verschwinden: Du machst einen ganz schwindelig.“
„Alles klar“, sagte die Katze; und diesmal verschwand sie ganz langsam, beginnend mit dem Ende des Schwanzes und endend mit dem Grinsen, das noch eine Weile nach dem Rest von ihr blieb.
„Nun! Ich habe oft eine Katze ohne Grinsen gesehen“, dachte Alice; „aber ein Grinsen ohne eine Katze! Es ist das seltsamste Ding, das ich je in meinem Leben gesehen habe!“
Sie war nicht weit gegangen, bevor sie das Haus des März-Hasen in Sicht bekam: Sie dachte, es müsse das richtige Haus sein, denn die Schornsteine waren wie Ohren geformt und das Dach war mit Fell gedeckt. Es war so ein großes Haus, dass sie nicht näher herangehen wollte, bis sie von dem linken Stück des Pilzes genascht und sich auf etwa zwei Fuß hoch gebracht hatte: Sogar dann ging sie ziemlich schüchtern darauf zu und sagte zu sich selbst: „Angenommen, es wäre wirklich verrückt, nachdem alles! Ich wünschte fast, ich wäre zum Hutmacher gegangen!“
Kapitel VII. Eine verrückte Tee-Party
Es stand ein Tisch unter einem Baum vor dem Haus, und der März-Hase und der Hutmacher nahmen dort Tee zu sich: Ein Dornenschläfer saß zwischen ihnen, tief schlafend, und die beiden anderen benutzten ihn als Kissen und stützten ihre Ellbogen darauf und redeten über seinen Kopf hinweg. „Sehr unbequem für den Dornenschläfer“, dachte Alice; „nur, da er schläft, nehme ich an, es macht ihm nichts aus.“
Der Tisch war groß, aber die drei waren alle in einer Ecke davon zusammengedrängt: „Kein Platz! Kein Platz!“, schrien sie, als sie Alice kommen sahen. „Es ist genug Platz!“, sagte Alice empört und setzte sich in einen großen Sessel am einen Ende des Tisches.
„Nimm Wein“, sagte der März-Hase in ermutigendem Ton.
Alice sah sich am ganzen Tisch um, aber es war nichts darauf als Tee. „Ich sehe keinen Wein“, bemerkte sie.
„Es ist auch keiner da“, sagte der März-Hase.
„Dann war es nicht sehr höflich von dir, ihn anzubieten“, sagte Alice wütend.
„Es war nicht sehr höflich von dir, dich ohne Einladung hinzusetzen“, sagte der März-Hase.
„Ich wusste nicht, dass es dein Tisch ist“, sagte Alice; „er ist für viel mehr als drei gedeckt.“
„Deine Haare müssen geschnitten werden“, sagte der Hutmacher. Er hatte Alice eine Weile mit großer Neugier betrachtet, und das war sein erster Satz.
„Du solltest lernen, keine persönlichen Bemerkungen zu machen“, sagte Alice mit einigem Ernst; „es ist sehr unhöflich.“
Der Hutmacher öffnete bei diesen Worten seine Augen sehr weit; aber alles, was er sagte, war: „Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“
„So, jetzt wird es lustig!“, dachte Alice. „Ich freue mich, dass sie mit Rätseln angefangen haben. – Ich glaube, ich kann das erraten“, fügte sie laut hinzu.
„Meinst du, dass du die Antwort darauf findest?“, sagte der März-Hase.
„Genau so“, sagte Alice.
„Dann solltest du sagen, was du meinst“, fuhr der März-Hase fort.
„Das tue ich“, antwortete Alice hastig; „zumindest – zumindest meine ich, was ich sage – das ist dasselbe, weißt du.“
„Überhaupt nicht dasselbe!“, sagte der Hutmacher. „Du könntest genauso gut sagen, dass ‚Ich sehe, was ich esse‘ dasselbe ist wie ‚Ich esse, was ich sehe‘!“
„Du könntest genauso gut sagen“, fügte der März-Hase hinzu, „dass ‚Ich mag, was ich bekomme‘ dasselbe ist wie ‚Ich bekomme, was ich mag‘!“
„Du könntest genauso gut sagen“, fügte der Dornenschläfer hinzu, der offenbar in seinem Schlaf redete, „dass ‚Ich atme, wenn ich schlafe‘ dasselbe ist wie ‚Ich schlafe, wenn ich atme‘!“
„Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“, wiederholte der Hutmacher, da Alice nichts sagte.
„Es ist dasselbe mit dir“, sagte der Hutmacher, und hier brach das Gespräch ab, und die Gesellschaft schwieg für eine Minute, während Alice über alles nachdachte, woran sie sich über Raben und Schreibtische erinnern konnte, was nicht viel war.
Der Hutmacher war der Erste, der das Schweigen brach. „Welcher Tag im Monat ist heute?“, sagte er und wandte sich an Alice: Er hatte seine Uhr aus der Tasche gezogen und sah sie besorgt an, schüttelte sie immer wieder und hielt sie an sein Ohr.
Alice überlegte kurz und sagte dann: „Der Vierte.“
„Zwei Tage falsch!“, seufzte der Hutmacher. „Ich habe dir gesagt, dass Butter den Werken nicht guttut!“, fügte er hinzu und sah den Märzhasen zornig an.
„Es war die beste Butter“, erwiderte der Märzhasen sanft.
„Ja, aber es müssen auch einige Krümel hineingekommen sein“, knurrte der Hutmacher: „Du hättest sie nicht mit dem Brotmesser hineintun sollen.“
Der Märzhasen nahm die Uhr und sah sie finster an: Dann tauchte er sie in seine Tasse Tee und sah sie wieder an: Aber er konnte nichts Besseres sagen als seine erste Bemerkung: „Es war die beste Butter, weißt du.“
Alice hatte neugierig über seine Schulter geschaut. „Was für eine lustige Uhr!“, bemerkte sie. „Sie zeigt den Tag des Monats an und nicht, wie viel Uhr es ist!“
„Warum sollte sie?“, murmelte der Hutmacher. „Zeigt deine Uhr dir an, welches Jahr es ist?“
„Natürlich nicht“, erwiderte Alice sehr bereitwillig: „aber das liegt daran, dass sie so lange dasselbe Jahr bleibt.“
„Das ist genau der Fall mit meiner“, sagte der Hutmacher.
Alice war sehr verwirrt. Die Bemerkung des Hutmachers schien keinen Sinn zu ergeben, und doch war es sicherlich Englisch. „Ich verstehe Sie nicht ganz“, sagte sie so höflich sie konnte.
„Der Dornenschläfer schläft wieder“, sagte der Hutmacher und goss etwas heißen Tee auf seine Nase.
Der Dornenschläfer schüttelte ungeduldig den Kopf und sagte, ohne die Augen zu öffnen: „Natürlich, natürlich; genau das wollte ich selbst bemerken.“
„Hast du das Rätsel schon erraten?“, sagte der Hutmacher und wandte sich wieder an Alice.
„Nein, ich gebe auf“, erwiderte Alice: „was ist die Antwort?“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung“, sagte der Hutmacher.
„Ich auch nicht“, sagte der Märzhasen.
Alice seufzte müde. „Ich denke, du könntest deine Zeit besser nutzen“, sagte sie, „als sie mit Rätseln zu verschwenden, die keine Antworten haben.“
„Wenn du die Zeit so gut kennen würdest wie ich“, sagte der Hutmacher, „würdest du nicht über ihre Verschwendung sprechen. Es ist er.“
„Ich verstehe nicht, was du meinst“, sagte Alice.
„Natürlich verstehst du nicht!“, sagte der Hutmacher und warf verächtlich den Kopf hin und her. „Ich wette, du hast noch nie mit der Zeit gesprochen!“
„Vielleicht nicht“, erwiderte Alice vorsichtig: „aber ich weiß, dass ich die Zeit schlagen muss, wenn ich Musik lerne.“
„Ah! Das erklärt es“, sagte der Hutmacher. „Er lässt sich nicht schlagen. Nun, wenn du nur gute Beziehungen zu ihm pflegen würdest, würde er fast alles tun, was du mit der Uhr willst. Angenommen, es wäre neun Uhr morgens, gerade Zeit, mit den Lektionen zu beginnen: Du müsstest der Zeit nur einen Hinweis zuflüstern, und im Nu geht die Uhr weiter! Halb eins, Zeit zum Essen!“
(„Ich wünschte nur, es wäre so“, sagte der Märzhasen zu sich selbst im Flüsterton.)
„Das wäre großartig, sicherlich“, sagte Alice nachdenklich: „aber dann – ich hätte keinen Hunger dafür, weißt du.“
„Nicht am Anfang vielleicht“, sagte der Hutmacher: „aber du könntest es bis halb eins so lange behalten, wie du wolltest.“
„Ist das die Art, wie du es machst?“, fragte Alice.
Der Hutmacher schüttelte traurig den Kopf. „Nicht ich!“, erwiderte er. „Wir haben uns letzten März gestritten – gerade bevor er verrückt wurde, weißt du –“ (er zeigte mit seinem Teelöffel auf den Märzhasen) „– es war bei dem großen Konzert, das die Herzkönigin gab, und ich musste singen
‚Twinkle, twinkle, little bat! How I wonder what you’re at!‘
Du kennst das Lied vielleicht?“
„Ich habe etwas Ähnliches gehört“, sagte Alice.
„Es geht weiter, weißt du“, fuhr der Hutmacher fort, „auf diese Weise:
‚Up above the world you fly, Like a tea-tray in the sky. Twinkle, twinkle –‘“
Hier schüttelte sich der Dornenschläfer und begann in seinem Schlaf zu singen: „Twinkle, twinkle, twinkle, twinkle –“ und fuhr so lange fort, dass sie ihn kneifen mussten, um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Nun, ich hatte kaum die erste Strophe beendet“, sagte der Hutmacher, „als die Königin aufsprang und schrie: ‚Er mordet die Zeit! Ab mit seinem Kopf!‘“
„Wie furchtbar grausam!“, rief Alice aus.
„Und seitdem“, fuhr der Hutmacher in einem traurigen Ton fort, „tut er nichts, was ich verlange! Es ist immer sechs Uhr jetzt.“
Alice kam ein heller Gedanke. „Ist das der Grund, warum so viele Teesachen hier herausgestellt sind?“, fragte sie.
„Ja, das ist es“, sagte der Hutmacher mit einem Seufzer: „es ist immer Teezeit, und wir haben keine Zeit, die Sachen dazwischen zu waschen.“
„Dann bewegst du dich immer im Kreis, nehme ich an?“, sagte Alice.
„Genau so“, sagte der Hutmacher: „wenn die Sachen aufgebraucht sind.“
„Aber was passiert, wenn du wieder am Anfang ankommst?“, wagte Alice zu fragen.
„Lass uns das Thema wechseln“, unterbrach der Märzhasen gähnend. „Ich habe genug davon. Ich schlage vor, das junge Mädchen erzählt uns eine Geschichte.“
„Ich fürchte, ich kenne keine“, sagte Alice, etwas alarmiert von dem Vorschlag.
„Dann soll es der Dornenschläfer tun!“, riefen sie beide. „Wach auf, Dornenschläfer!“ Und sie kneiften ihn auf beiden Seiten gleichzeitig.
Der Dornenschläfer öffnete langsam die Augen. „Ich war nicht eingeschlafen“, sagte er mit heiserer, schwacher Stimme: „Ich habe jedes Wort gehört, das ihr gesagt habt.“
„Erzähl uns eine Geschichte!“, sagte der Märzhasen.
„Ja, bitte tu es!“, flehte Alice.
„Und sei schnell dabei“, fügte der Hutmacher hinzu, „oder du schläfst wieder ein, bevor es vorbei ist.“
„Es waren einmal drei kleine Schwestern“, begann der Dornenschläfer in großer Eile; „und ihre Namen waren Elsie, Lacie und Tillie; und sie lebten am Boden eines Brunnens –“
„Wovon lebten sie?“, sagte Alice, die sich immer sehr für Fragen des Essens und Trinkens interessierte.
„Sie lebten von Sirup“, sagte der Dornenschläfer, nachdem er eine Minute oder zwei nachgedacht hatte.
„Das konnten sie nicht getan haben, weißt du“, bemerkte Alice sanft; „sie wären krank geworden.“
„Das waren sie auch“, sagte der Dornenschläfer; „sehr krank.“
Alice versuchte sich vorzustellen, wie so eine außergewöhnliche Art des Lebens wäre, aber es verwirrte sie zu sehr, also fuhr sie fort: „Aber warum lebten sie am Boden eines Brunnens?“
„Nimm noch etwas Tee“, sagte der Märzhasen zu Alice, sehr ernsthaft.
„Ich habe noch nichts gehabt“, erwiderte Alice in beleidigtem Ton, „also kann ich nicht mehr nehmen.“
„Du meinst, du kannst nicht weniger nehmen“, sagte der Hutmacher: „es ist sehr einfach, mehr als nichts zu nehmen.“
„Niemand hat deine Meinung gefragt“, sagte Alice.
„Wer macht jetzt persönliche Bemerkungen?“, fragte der Hutmacher triumphierend.
Alice wusste nicht recht, was sie darauf sagen sollte: Also half sie sich selbst zu etwas Tee und Brot und Butter und wandte sich dann an den Dornenschläfer und wiederholte ihre Frage. „Warum lebten sie am Boden eines Brunnens?“
Der Dornenschläfer überlegte wieder eine Minute oder zwei und sagte dann: „Es war ein Sirup-Brunnen.“
„So etwas gibt es nicht!“, begann Alice sehr zornig, aber der Hutmacher und der Märzhasen sagten „Pst! Pst!“ und der Dornenschläfer bemerkte missmutig: „Wenn du nicht höflich sein kannst, solltest du die Geschichte selbst zu Ende erzählen.“
„Nein, bitte fahr fort!“, sagte Alice sehr demütig; „ich werde nicht wieder unterbrechen. Ich nehme an, es gibt einen.“
„Einen, gewiss!“, sagte der Dornenschläfer empört. Er willigte jedoch ein, fortzufahren. „Und so diese drei kleinen Schwestern – sie lernten zeichnen, weißt du –“
„Was zeichneten sie?“, sagte Alice, ganz vergessend, ihr Versprechen.
„Sirup“, sagte der Dornenschläfer, ohne diesmal überhaupt nachzudenken.
„Ich möchte eine saubere Tasse“, unterbrach der Hutmacher: „lass uns alle einen Platz weiterrücken.“
Er rückte weiter, während er sprach, und der Dornenschläfer folgte ihm: Der Märzhasen rückte an den Platz des Dornenschläfers, und Alice nahm etwas widerwillig den Platz des Märzhasen ein. Der Hutmacher war der Einzige, der einen Vorteil aus dem Wechsel zog: Und Alice war viel schlechter dran als zuvor, da der Märzhasen gerade die Milchkanne in seinen Teller gekippt hatte.
Alice wollte den Dornenschläfer nicht wieder beleidigen, also begann sie sehr vorsichtig: „Aber ich verstehe nicht. Woher nahmen sie den Sirup?“
„Du kannst Wasser aus einem Wasserbrunnen holen“, sagte der Hutmacher; „also denke ich, du könntest Sirup aus einem Sirupbrunnen holen – eh, Dummkopf?“
„Aber sie waren im Brunnen“, sagte Alice zum Dornenschläfer und beachtete diese letzte Bemerkung nicht.
„Natürlich waren sie das“, sagte der Dornenschläfer; „– tief drin.“
Diese Antwort verwirrte das arme Alice so sehr, dass sie den Dornenschläfer eine Weile fortfahren ließ, ohne ihn zu unterbrechen.
„Sie lernten zeichnen“, fuhr der Dornenschläfer fort und gähnte und rieb sich die Augen, denn er wurde sehr schläfrig; „und sie zeichneten alle möglichen Dinge – alles, was mit M beginnt –“
„Warum mit M?“, sagte Alice.
„Warum nicht?“, sagte der Märzhasen.
Alice schwieg.
Der Dornenschläfer hatte inzwischen die Augen geschlossen und war im Einschlafen; aber als der Hutmacher ihn kneifte, wachte er mit einem kleinen Schrei wieder auf und fuhr fort: „– was mit M beginnt, wie Mausefallen und der Mond und Gedächtnis und Vielheit – du weißt, du sagst, Dinge seien ‚viel von einer Vielheit‘ – hast du jemals so etwas wie eine Zeichnung einer Vielheit gesehen?“
„Wirklich, jetzt, wo du mich fragst“, sagte Alice, sehr verwirrt, „denke ich –“
„Dann solltest du nicht reden“, sagte der Hutmacher.
Diese Unhöflichkeit war mehr, als Alice ertragen konnte: Sie stand in großem Ärger auf und ging weg; der Dornenschläfer schlief sofort ein, und keiner der anderen bemerkte ihr Gehen, obwohl sie einmal oder zweimal zurückblickte, halb in der Hoffnung, dass sie ihr nachrufen würden: Das letzte Mal, als sie sie sah, versuchten sie, den Dornenschläfer in die Teekanne zu stecken.
„Auf jeden Fall gehe ich nie wieder dorthin!“, sagte Alice, als sie sich durch den Wald tastete. „Es ist die dümmste Teeparty, auf der ich jemals in meinem ganzen Leben war!“
Gerade als sie das sagte, bemerkte sie, dass einer der Bäume eine Tür hatte, die direkt in ihn hineinführte. „Das ist sehr seltsam!“, dachte sie. „Aber heute ist alles seltsam. Ich denke, ich kann genauso gut sofort hineingehen.“ Und hinein ging sie.
Erneut fand sie sich im langen Flur wieder und in der Nähe des kleinen Glastisches. „Nun, ich werde es diesmal besser machen“, sagte sie zu sich selbst und begann damit, den kleinen goldenen Schlüssel zu nehmen und die Tür zu öffnen, die in den Garten führte. Dann machte sie sich daran, an der Pilz zu knabbern (sie hatte ein Stück davon in ihrer Tasche behalten), bis sie etwa einen Fuß groß war: Dann ging sie den kleinen Gang hinunter: Und dann – fand sie sich endlich im schönen Garten wieder, zwischen den bunten Blumenbeeten und den kühlen Brunnen.
KAPITEL VIII. Der Krocketplatz der Königin
Ein großer Rosenstrauch stand in der Nähe des Garteneingangs: Die Rosen darauf waren weiß, aber es waren drei Gärtner dabei, sie eifrig rot anzumalen. Alice fand das sehr seltsam und ging näher, um sie zu beobachten, und gerade als sie bei ihnen ankam, hörte sie einen von ihnen sagen: „Pass auf jetzt, Fünf! Verschmiere mir nicht die Farbe wie das!“
„Ich konnte nicht anders“, sagte Fünf in mürrischem Ton; „Sieben hat meinen Ellbogen gestoßen.“
Worauf Sieben den Kopf hob und sagte: „Das ist richtig, Fünf! Schiebe die Schuld immer auf andere!“
„Du solltest besser nicht reden!“, sagte Fünf. „Ich habe die Königin gestern sagen hören, du verdienst es, enthauptet zu werden!“
„Wofür?“, sagte der, der zuerst gesprochen hatte.
„Das geht dich nichts an, Zwei!“, sagte Sieben.
„Doch, es geht ihn etwas an!“, sagte Fünf, „und ich werde es ihm sagen – es war dafür, dass er der Köchin Tulpenwurzeln statt Zwiebeln gebracht hat.“
Sieben warf seinen Pinsel hin und hatte gerade begonnen: „Nun, von allen ungerechten Dingen –“ als sein Blick zufällig auf Alice fiel, wie sie dastand und sie beobachtete, und er hielt plötzlich inne: Die anderen sahen sich ebenfalls um, und alle verbeugten sich tief.
„ Würdest du mir sagen“, sagte Alice etwas schüchtern, „warum ihr diese Rosen anmalt?“
Fünf und Sieben sagten nichts, aber sahen Zwei an. Zwei begann mit leiser Stimme: „Nun, die Sache ist, siehst du, Miss, hier hätte ein roter Rosenstrauch stehen sollen, und wir haben aus Versehen einen weißen eingesetzt; und wenn die Königin es herausfinden würde, würden uns allen die Köpfe abgehauen, weißt du. Also siehst du, Miss, wir tun unser Bestes, bevor sie kommt, um –“ In diesem Moment rief Fünf, der besorgt über den Garten geblickt hatte, aus: „Die Königin! Die Königin!“ und die drei Gärtner warfen sich sofort flach auf den Boden. Es war ein Geräusch von vielen Schritten, und Alice sah sich um, begierig, die Königin zu sehen.
Zuerst kamen zehn Soldaten mit Keulen; diese waren alle wie die drei Gärtner geformt, lang und flach, mit Händen und Füßen an den Ecken: Dann die zehn Hofbeamten; diese waren über und über mit Diamanten verziert und gingen paarweise, wie die Soldaten. Danach kamen die königlichen Kinder; es waren zehn davon, und die kleinen Lieblinge kamen fröhlich an den Händen entlang, paarweise: Sie waren alle mit Herzen verziert. Dann kamen die Gäste, mostly Könige und Königinnen, und unter ihnen erkannte Alice das weiße Kaninchen: Es sprach in einer hastigen, nervösen Weise und lächelte über alles, was gesagt wurde, und ging an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken. Dann folgte der Herzbube, der die Krone des Königs auf einem scharlachroten Samtkissen trug; und zuletzt in dieser großen Prozession kamen DER KÖNIG UND DIE KÖNIGIN DER HERZEN.
Alice war sich nicht ganz sicher, ob sie sich nicht wie die drei Gärtner auf den Boden legen sollte, aber sie konnte sich nicht erinnern, jemals von einer solchen Regel bei Prozessionen gehört zu haben; „und außerdem“, dachte sie, „was wäre der Nutzen einer Prozession, wenn die Leute sich alle auf den Boden legen müssten, so dass sie sie nicht sehen könnten?“ Also blieb sie stehen, wo sie war, und wartete.
Als die Prozession an Alice vorbeikam, hielten sie alle an und sahen sie an, und die Königin sagte streng: „Wer ist das?“ Sie sagte es zum Herzbuben, der sich nur verneigte und lächelte zur Antwort.
„Idiot!“, sagte die Königin und warf ihren Kopf ungeduldig hin und her; und sich an Alice wendend, fuhr sie fort: „Wie ist dein Name, Kind?“
„Mein Name ist Alice, bitte, Euer Majestät“, sagte Alice sehr höflich; aber sie fügte zu sich selbst hinzu: „Nun, sie sind ja doch nur ein Satz Karten, schließlich. Ich brauche mich nicht vor ihnen zu fürchten!“
„Und wer sind diese?“, sagte die Königin und zeigte auf die drei Gärtner, die um den Rosenstrauch herumlagen; denn, siehst du, da sie auf ihren Gesichtern lagen und das Muster auf ihren Rücken dasselbe war wie der Rest des Satzes, konnte sie nicht sagen, ob sie Gärtner oder Soldaten oder Hofbeamte oder drei ihrer eigenen Kinder waren.
„Wie sollte ich das wissen?“, sagte Alice, überrascht von ihrem eigenen Mut. „Es ist nicht meine Sache.“
Die Königin wurde vor Wut knallrot und, nachdem sie sie einen Moment lang wie ein wildes Tier angestarrt hatte, schrie sie: „Ab mit ihrem Kopf! Ab –“
„Unsinn!“, sagte Alice sehr laut und entschieden, und die Königin schwieg.
Der König legte seine Hand auf ihren Arm und sagte zögernd: „Bedenke, meine Liebe: Sie ist nur ein Kind!“
Die Königin wandte sich zornig von ihm ab und sagte zum Herzbuben: „Dreh sie um!“
Der Herzbube tat es sehr vorsichtig, mit einem Fuß.
„Steht auf!“, sagte die Königin mit schriller, lauter Stimme, und die drei Gärtner sprangen sofort auf und verbeugten sich vor dem König, der Königin, den königlichen Kindern und allen anderen.
„Hört auf damit!“, schrie die Königin. „Ihr macht mir schwindelig.“ Und dann, sich an den Rosenstrauch wendend, fuhr sie fort: „Was habt ihr hier getan?“
„Bitte, Euer Majestät“, sagte Zwei in sehr demütigem Ton und ging auf ein Knie, während er sprach, „wir versuchten –“
„Ich sehe!“, sagte die Königin, die inzwischen die Rosen untersucht hatte. „Ab mit ihren Köpfen!“ und die Prozession bewegte sich weiter, während drei der Soldaten zurückblieben, um die unglücklichen Gärtner zu enthaupten, die zu Alice um Schutz rannten.
„Ihr sollt nicht enthauptet werden!“, sagte Alice und steckte sie in einen großen Blumenkasten, der in der Nähe stand. Die drei Soldaten wanderten eine Minute oder zwei herum, auf der Suche nach ihnen, und marschierten dann ruhig hinter den anderen her.
„Sind ihre Köpfe ab?“, schrie die Königin.
„Ihre Köpfe sind weg, bitte, Euer Majestät!“, schrien die Soldaten zur Antwort.
„Das ist richtig!“, schrie die Königin. „Könnt ihr Krocket spielen?“
Die Soldaten schwiegen und sahen Alice an, da die Frage offensichtlich an sie gerichtet war.
„Ja!“, schrie Alice.
„Dann kommt!“, brüllte die Königin, und Alice schloss sich der Prozession an und fragte sich sehr, was als Nächstes passieren würde.
„Es ist – es ist ein sehr schöner Tag!“, sagte eine zaghafte Stimme an ihrer Seite. Sie ging neben dem weißen Kaninchen, das besorgt in ihr Gesicht spähte.
„Sehr“, sagte Alice: „– wo ist die Herzogin?“
„Pst! Pst!“, sagte das Kaninchen in einem leisen, hastigen Ton. Es sah besorgt über seine Schulter, während es sprach, und erhob sich dann auf die Zehenspitzen, legte seinen Mund dicht an ihr Ohr und flüsterte: „Sie steht unter Todesurteil.“
„Wofür?“, sagte Alice.
„Hast du ‚Was für ein Jammer!‘ gesagt?“, fragte das Kaninchen.
„Nein, habe ich nicht“, sagte Alice: „Ich denke nicht, dass es überhaupt ein Jammer ist. Ich sagte ‚Wofür?‘“
„Sie hat der Königin ins Ohr gebissen –“ begann das Kaninchen. Alice gab ein kleines Lachen von sich. „Oh, pst!“, flüsterte das Kaninchen in einem erschrockenen Ton. „Die Königin wird dich hören! Siehst du, sie kam etwas spät, und die Königin sagte –“
„Zu euren Plätzen!“, schrie die Königin mit Donnerstimme, und die Leute begannen, in alle Richtungen zu rennen und gegeneinander zu stoßen; sie kamen jedoch in einer Minute oder zwei zur Ruhe, und das Spiel begann. Alice dachte, sie habe noch nie in ihrem Leben einen so seltsamen Krocketplatz gesehen; es war alles Hügel und Furche; die Bälle waren lebende Igel, die Schläger lebende Flamingos, und die Soldaten mussten sich zusammenrollen und auf Händen und Füßen stehen, um die Tore zu bilden.
Die größte Schwierigkeit, die Alice zunächst hatte, war das Bewältigen ihres Flamingos: Sie schaffte es, seinen Körper bequem genug unter ihrem Arm zu verstauen, mit den Beinen herunterhängend, aber im Allgemeinen, gerade als sie seinen Hals schön gerade ausgerichtet hatte und den Igel mit seinem Kopf stoßen wollte, würde er sich herumdrehen und sie mit so einem verwirrten Ausdruck ansehen, dass sie nicht umhin konnte, laut loszulachen: Und wenn sie seinen Kopf nach unten bekommen hatte und wieder beginnen wollte, war es sehr ärgerlich, festzustellen, dass sich der Igel entrollt hatte und dabei war, davonzukriechen: Dazu kam, dass es généralement einen Hügel oder eine Furche im Weg gab, wohin sie den Igel schicken wollte, und da die zusammengerollten Soldaten immer aufstanden und zu anderen Teilen des Platzes gingen, kam Alice bald zu dem Schluss, dass es ein sehr schwieriges Spiel war.
Die Spieler spielten alle gleichzeitig, ohne auf Züge zu warten, und stritten sich die ganze Zeit, und kämpften um die Igel; und in sehr kurzer Zeit war die Königin in wütender Raserei und stampfte herum und schrie „Ab mit seinem Kopf!“ oder „Ab mit ihrem Kopf!“ etwa einmal pro Minute.
Alice begann sich sehr unbehaglich zu fühlen: Sicherlich hatte sie bisher keinen Streit mit der Königin, aber sie wusste, dass es jeden Moment passieren konnte, „und dann“, dachte sie, „was würde aus mir werden? Sie sind hier furchtbar darauf erpicht, Leute zu enthaupten; das große Wunder ist, dass noch jemand am Leben ist!“
Sie sah sich nach einem Fluchtweg um und überlegte, ob sie ungesehen entkommen könnte, als sie eine seltsame Erscheinung in der Luft bemerkte: Es verwirrte sie sehr zuerst, aber nach einer Minute oder zwei machte sie es als ein Grinsen aus, und sie sagte zu sich selbst: „Es ist die Grinsekatze: Nun werde ich jemanden zum Reden haben.“
„Wie kommst du voran?“, sagte die Katze, sobald sie genug Mund hatte, um zu sprechen.
Für Kontinuität nur – dies ist das ENDE des vorherigen Abschnitts, bereits übersetzt. Übersetze es nicht erneut und wiederhole es nicht in deiner Ausgabe. Passe seine Namen, Terminologie und Registrierung an: --- „Nun, ich habe die Maus gesagt – das ist die wichtigste Sache, denkst du nicht?“, sagte Alice. „Und ich habe auch gesagt – oh, eine ganze Menge Dinge – ich kann mich nicht an die Hälfte erinnern – und ich glaube, ich habe auch gesagt – oh, du weißt, was ich meine!“, fügte sie hinzu, als die Katze sie nur weiter ansah und nichts sagte. ---
Alice wartete, bis die Augen erschienen, und nickte dann. „Es lohnt sich nicht, mit ihr zu sprechen“, dachte sie, „bis ihre Ohren da sind, oder zumindest eines davon.“ Nach einer weiteren Minute erschien der ganze Kopf, und dann legte Alice ihren Flamingo ab und begann, das Spiel zu beschreiben, sehr froh, dass sie jemanden hatte, der ihr zuhörte. Die Katze schien zu denken, dass nun genug von ihr zu sehen war, und es erschien nichts mehr von ihr.
„Ich glaube nicht, dass sie fair spielen“, begann Alice in eher klagendem Ton, „und sie streiten sich alle so furchtbar, dass man sich selbst nicht sprechen hört – und sie scheinen keine besonderen Regeln zu haben; zumindest, wenn es welche gibt, beachtet sie niemand – und du hast keine Ahnung, wie verwirrend es ist, dass alles lebendig ist; zum Beispiel, da ist das Tor, durch das ich als Nächstes gehen muss, und es läuft am anderen Ende des Spielfelds herum – und ich hätte gerade den Igel der Königin getroffen, aber er ist weggelaufen, als er meinen kommen sah!“
„Wie gefällt dir die Königin?“, sagte die Katze mit leiser Stimme.
„Gar nicht“, sagte Alice: „sie ist so extrem –“ Da bemerkte sie, dass die Königin direkt hinter ihr stand und zuhörte: Also fuhr sie fort: „– wahrscheinlich zu gewinnen, dass es sich kaum lohnt, das Spiel zu beenden.“
Die Königin lächelte und ging weiter.
„Mit wem redest du?“, sagte der König und ging zu Alice, während er den Kopf der Katze mit großem Interesse betrachtete.
„Es ist ein Freund von mir – eine Grinsekatze“, sagte Alice: „Darf ich sie vorstellen?“
„Mir gefällt ihr Aussehen überhaupt nicht“, sagte der König: „Allerdings darf sie meine Hand küssen, wenn sie möchte.“
„Ich würde es lieber nicht tun“, bemerkte die Katze.
„Sei nicht unverschämt“, sagte der König, „und sieh mich nicht so an!“ Er stellte sich hinter Alice, während er sprach.
„Eine Katze darf einen König ansehen“, sagte Alice. „Ich habe das in einem Buch gelesen, aber ich erinnere mich nicht, wo.“
„Nun, sie muss entfernt werden“, sagte der König sehr entschieden und rief die Königin, die gerade vorbeikam: „Meine Liebe! Ich wünsche, dass diese Katze entfernt wird!“
Die Königin hatte nur eine Art, alle Schwierigkeiten, groß oder klein, zu lösen. „Ab mit seinem Kopf!“, sagte sie, ohne sich auch nur umzudrehen.
„Ich hole den Henker selbst“, sagte der König eifrig und eilte davon.
Alice dachte, sie könnte genauso gut zurückgehen und sehen, wie das Spiel weiterging, da sie die Stimme der Königin in der Ferne hörte, die vor Wut schrie. Sie hatte bereits gehört, wie sie drei Spieler zum Tode verurteilte, weil sie an der Reihe waren, und ihr gefiel das Aussehen der Dinge überhaupt nicht, da das Spiel so durcheinander war, dass sie nie wusste, ob sie an der Reihe war oder nicht. Also machte sie sich auf die Suche nach ihrem Igel.
Der Igel war in einen Kampf mit einem anderen Igel verwickelt, was Alice als eine ausgezeichnete Gelegenheit ansah, einen von ihnen mit dem anderen zu treffen: Die einzige Schwierigkeit war, dass ihr Flamingo auf die andere Seite des Gartens gegangen war, wo Alice ihn sah, wie er auf hilflose Weise versuchte, in einen Baum zu fliegen.
Als sie den Flamingo gefangen und zurückgebracht hatte, war der Kampf vorbei, und beide Igel waren verschwunden: „Aber es macht nicht viel aus“, dachte Alice, „da alle Tore von dieser Seite des Spielfelds verschwunden sind.“ Also steckte sie ihn unter ihren Arm, damit er nicht wieder entkommen konnte, und ging zurück, um noch etwas mehr mit ihrem Freund zu plaudern.
Als sie zur Grinsekatze zurückkam, war sie überrascht, eine ziemlich große Menschenmenge um sie herum zu sehen: Es gab einen Streit zwischen dem Henker, dem König und der Königin, die alle gleichzeitig sprachen, während alle anderen ganz still waren und sehr unbehaglich aussahen.
Im Moment, als Alice erschien, wurde sie von allen dreien gebeten, die Frage zu klären, und sie wiederholten ihre Argumente für sie, obwohl sie alle gleichzeitig sprachen, sodass es ihr sehr schwerfiel, genau herauszuhören, was sie sagten.
Das Argument des Henkers war, dass man keinen Kopf abschlagen könne, wenn es keinen Körper gebe, an dem man ihn abschlagen könne: Dass er so etwas noch nie habe tun müssen und dass er nicht vorhabe, damit in seinem Alter anzufangen.
Das Argument des Königs war, dass alles, was einen Kopf habe, enthauptet werden könne, und dass man keinen Unsinn reden solle.
Das Argument der Königin war, dass, wenn nicht sofort etwas dagegen getan werde, sie alle hinrichten lassen würde, rundherum. (Es war diese letzte Bemerkung, die die ganze Gesellschaft so ernst und besorgt aussehen ließ.)
Alice konnte nichts anderes sagen als: „Es gehört der Herzogin: Du solltest sie besser fragen.“
„Sie ist im Gefängnis“, sagte die Königin zum Henker: „Bring sie her.“ Und der Henker verschwand wie ein Pfeil.
Der Kopf der Katze begann, sobald er weg war, zu verblassen, und als er mit der Herzogin zurückkam, war er völlig verschwunden; also liefen der König und der Henker wild hin und her, um ihn zu suchen, während der Rest der Gesellschaft zum Spiel zurückkehrte.
KAPITEL IX. Die Geschichte der Schecher-Schildkröte
„Du kannst dir nicht vorstellen, wie froh ich bin, dich wiederzusehen, du liebes altes Ding!“, sagte die Herzogin, als sie ihren Arm zärtlich in den von Alice legte und sie gemeinsam davongingen.
Alice war sehr froh, sie in so guter Stimmung zu sehen, und dachte bei sich, dass vielleicht nur das Pfeffer sie so wild gemacht hatte, als sie sich in der Küche trafen.
„Wenn ich eine Herzogin bin“, sagte sie zu sich selbst (nicht in sehr hoffnungsvollem Ton), „werde ich in meiner Küche überhaupt keinen Pfeffer haben. Suppe schmeckt auch ohne sehr gut – Vielleicht ist es immer der Pfeffer, der die Leute wütend macht“, fuhr sie fort, sehr erfreut, eine neue Art von Regel entdeckt zu haben, „und Essig, der sie sauer macht – und Kamille, die sie bitter macht – und – und Zuckerguss und so, der Kinder gutmütig macht. Ich wünschte nur, die Leute wüssten das: Dann wären sie nicht so geizig damit, weißt du –“
Sie hatte die Herzogin inzwischen ganz vergessen und zuckte zusammen, als sie ihre Stimme dicht an ihrem Ohr hörte. „Du denkst an etwas, meine Liebe, und das lässt dich vergessen zu sprechen. Ich kann dir jetzt nicht sagen, was die Moral davon ist, aber ich werde mich daran erinnern, wenn ich es mir überlegt habe.“
„Vielleicht hat es keine“, wagte Alice zu bemerken.
„Unsinn, Kind!“, sagte die Herzogin. „Alles hat eine Moral, wenn man sie nur finden kann.“ Und sie drückte sich enger an Alice, während sie sprach.
Alice mochte es nicht besonders, so nah bei ihr zu sein: Erstens, weil die Herzogin sehr hässlich war; und zweitens, weil sie genau die richtige Größe hatte, um ihr Kinn auf Alice’ Schulter abzulegen, und es war ein unbequem spitzes Kinn. Allerdings wollte sie nicht unhöflich sein, also ertrug sie es so gut sie konnte.
„Das Spiel läuft jetzt etwas besser“, sagte sie, um das Gespräch ein wenig aufrechtzuerhalten.
„Das ist so“, sagte die Herzogin: „und die Moral davon ist – ‚Oh, es ist die Liebe, die Liebe, die die Welt am Laufen hält!‘“
„Jemand hat gesagt“, flüsterte Alice, „dass es geschieht, wenn jeder seine eigenen Angelegenheiten beachtet!“
„Ach, nun ja! Das bedeutet dasselbe“, sagte die Herzogin und bohrte ihr spitzes kleines Kinn in Alice’ Schulter, während sie hinzufügte: „und die Moral davon ist – ‚Achte auf den Sinn, und die Klänge werden sich von selbst kümmern.‘“
„Wie sehr sie doch Moralen in Dingen findet!“, dachte Alice bei sich.
„Ich nehme an, du fragst dich, warum ich meinen Arm nicht um deine Taille lege“, sagte die Herzogin nach einer Pause: „Der Grund ist, dass ich Zweifel an der Gemütsverfassung deines Flamingos habe. Soll ich das Experiment wagen?“
„Er könnte beißen“, erwiderte Alice vorsichtig und fühlte sich überhaupt nicht erpicht, das Experiment zu wagen.
„Sehr wahr“, sagte die Herzogin: „Flamingos und Senf beißen beide. Und die Moral davon ist – ‚Gleich und Gleich gesellt sich gern.‘“
„Nur Senf ist kein Vogel“, bemerkte Alice.
„Richtig, wie immer“, sagte die Herzogin: „Wie klar du die Dinge ausdrückst!“
„Es ist ein Mineral, denke ich“, sagte Alice.
„Natürlich ist es das“, sagte die Herzogin, die bereit schien, allem zuzustimmen, was Alice sagte; „es gibt hier in der Nähe eine große Senfmine. Und die Moral davon ist – ‚Je mehr von meinem ist, desto weniger ist von deinem.‘“
„Oh, ich weiß!“, rief Alice aus, die dieser letzten Bemerkung nicht gefolgt war, „es ist ein Gemüse. Es sieht nicht wie eines aus, aber es ist eins.“
„Ich stimme dir völlig zu“, sagte die Herzogin; „und die Moral davon ist – ‚Sei, was du zu sein scheinst‘ – oder, wenn du es lieber einfacher ausgedrückt haben möchtest – ‚Stelle dir niemals vor, nicht anders zu sein, als es anderen erscheinen mag, dass das, was du warst oder gewesen sein könntest, nicht anders war, als was du gewesen wärst, wäre es ihnen so erschienen, als wärst du anders.‘“
„Ich denke, ich würde es besser verstehen“, sagte Alice sehr höflich, „wenn es aufgeschrieben wäre: Aber ich kann es nicht ganz folgen, wie du es sagst.“
„Das ist nichts im Vergleich zu dem, was ich sagen könnte, wenn ich wollte“, erwiderte die Herzogin in zufriedenem Ton.
„Bitte belästige dich nicht, es länger zu sagen als das“, sagte Alice.
„Oh, rede nicht von Belästigung!“, sagte die Herzogin. „Ich mache dir ein Geschenk von allem, was ich bisher gesagt habe.“
„Eine billige Art von Geschenk!“, dachte Alice. „Ich bin froh, dass sie keine Geburtstagsgeschenke so geben!“ Aber sie wagte nicht, es laut zu sagen.
„Denkst du wieder nach?“, fragte die Herzogin und bohrte erneut ihr spitzes kleines Kinn in sie.
„Ich habe das Recht zu denken“, sagte Alice scharf, denn sie begann sich ein wenig zu sorgen.
„Ungefähr so viel Recht“, sagte die Herzogin, „wie Schweine haben zu fliegen; und die m –“
Aber hier, zu Alice’ großer Überraschung, erstarb die Stimme der Herzogin, sogar mitten in ihrem Lieblingswort ‚Moral‘, und der Arm, der mit ihr verflochten war, begann zu zittern. Alice sah auf, und da stand die Königin vor ihnen, die Arme verschränkt und finster wie ein Gewitter.
„Ein schöner Tag, Euer Majestät!“, begann die Herzogin mit leiser, schwacher Stimme.
„Nun, ich warne dich“, schrie die Königin und stampfte auf den Boden, während sie sprach; „entweder du oder dein Kopf müssen weg, und das in etwa einer halben Nicht-Zeit! Wähle aus!“
Die Herzogin wählte aus und war in einem Moment verschwunden.
„Lass uns mit dem Spiel weitermachen“, sagte die Königin zu Alice; und Alice war zu verängstigt, um ein Wort zu sagen, aber folgte ihr langsam zurück zum Krocketplatz.
Die anderen Gäste hatten die Abwesenheit der Königin ausgenutzt und ruhten sich im Schatten aus: Allerdings eilten sie zurück zum Spiel, sobald sie sie sahen, und die Königin bemerkte nur, dass eine Sekunde Verzögerung sie das Leben kosten würde.
Die ganze Zeit, während sie spielten, hörte die Königin nicht auf, sich mit den anderen Spielern zu streiten und „Ab mit seinem Kopf!“ oder „Ab mit ihrem Kopf!“ zu schreien. Diejenigen, die sie verurteilte, wurden von den Soldaten in Gewahrsam genommen, die natürlich aufhören mussten, Tore zu sein, um dies zu tun, sodass nach etwa einer halben Stunde keine Tore mehr übrig waren, und alle Spieler, außer dem König, der Königin und Alice, waren in Gewahrsam und zum Tode verurteilt.
Dann hörte die Königin auf, völlig außer Atem, und sagte zu Alice: „Hast du die Schecher-Schildkröte schon gesehen?“
„Nein“, sagte Alice. „Ich weiß nicht einmal, was eine Schecher- Schildkröte ist.“
„Es ist das, woraus Schecher-Schildkrötensuppe gemacht wird“, sagte die Königin.
„Ich habe noch nie eine gesehen oder von einer gehört“, sagte Alice.
„Komm dann mit“, sagte die Königin, „und er wird dir seine Geschichte erzählen.“
Als sie gemeinsam davongingen, hörte Alice den König mit leiser Stimme zur Gesellschaft sagen: „Ihr seid alle begnadigt.“ „Nun, das ist eine gute Sache!“, sagte sie zu sich selbst, denn sie war ganz unglücklich über die Anzahl der Hinrichtungen, die die Königin angeordnet hatte.
Sie trafen sehr bald auf einen Greif, der in der Sonne schlief. (Wenn du nicht weißt, was ein Greif ist, sieh dir das Bild an.) „Auf, faules Ding!“, sagte die Königin, „und bring dieses junge Mädchen zur Schecher- Schildkröte, damit sie seine Geschichte hört. Ich muss zurückgehen und nach einigen Hinrichtungen sehen, die ich angeordnet habe;“ und sie ging davon und ließ Alice allein mit dem Greif. Alice gefiel das Aussehen der Kreatur nicht besonders, aber im Großen und Ganzen dachte sie, es wäre genauso sicher, bei ihr zu bleiben, wie der wilden Königin zu folgen: Also wartete sie.
Der Greif setzte sich auf und rieb sich die Augen: Dann beobachtete er die Königin, bis sie außer Sicht war: Dann kicherte er. „Was für ein Spaß!“, sagte der Greif, halb zu sich selbst, halb zu Alice.
„Was ist der Spaß?“, sagte Alice.
„Nun, sie“, sagte der Greif. „Das ist alles ihre Einbildung, das: Sie hinrichten niemals jemanden, weißt du. Komm mit!“
„Jeder sagt hier ‚Komm mit!‘“, dachte Alice, während sie langsam hinter ihm herging: „Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie so herumkommandiert, nie!“
Sie waren noch nicht weit gegangen, als sie die Schecher-Schildkröte in der Ferne sahen, traurig und einsam auf einem kleinen Felsen sitzend, und als sie näher kamen, konnte Alice hören, wie er seufzte, als ob sein Herz brechen würde. Sie bemitleidete ihn zutiefst. „Was ist sein Kummer?“, fragte sie den Greif, und der Greif antwortete, fast in denselben Worten wie zuvor: „Das ist alles seine Einbildung, das: Er hat keinen Kummer, weißt du. Komm mit!“
Also gingen sie zur Schecher-Schildkröte, die sie mit großen, tränenvollen Augen ansah, aber nichts sagte.
„Dieses hier junge Mädchen“, sagte der Greif, „sie möchte deine Geschichte hören, das tut sie.“
„Ich werde sie ihr erzählen“, sagte die Schecher-Schildkröte mit tiefer, hohler Stimme: „setzt euch beide hin, und sprecht kein Wort, bis ich fertig bin.“
Also setzten sie sich hin, und niemand sprach für einige Minuten. Alice dachte bei sich: „Ich sehe nicht, wie er jemals fertig werden kann, wenn er nicht anfängt.“ Aber sie wartete geduldig.
„Einst“, sagte die Schecher-Schildkröte schließlich mit einem tiefen Seufzer, „war ich eine echte Schildkröte.“
Diese Worte wurden von einem sehr langen Schweigen gefolgt, unterbrochen nur von einem gelegentlichen „Hjckrrh!“ vom Greif und dem ständigen, schweren Schluchzen der Schecher-Schildkröte. Alice war kurz davor, aufzustehen und zu sagen: „Danke, Sir, für Ihre interessante Geschichte“, aber sie konnte nicht umhin zu denken, dass es mehr zu erzählen geben musste, also saß sie still und sagte nichts.
„Als wir klein waren“, fuhr die Schecher-Schildkröte schließlich fort, etwas ruhiger, obwohl sie noch ab und zu ein wenig schluchzte, „gingen wir in die Schule im Meer. Der Lehrer war eine alte Schildkröte – wir nannten ihn Schildkröte –“
„Warum nanntet ihr ihn Schildkröte, wenn er keine war?“, fragte Alice.
„Wir nannten ihn Schildkröte, weil er uns unterrichtete“, sagte die Schecher-Schildkröte zornig: „Wirklich, du bist sehr dumm!“
„Du solltest dich schämen, so eine einfache Frage zu stellen“, fügte der Greif hinzu; und dann saßen sie beide still und sahen das arme Alice an, das sich bereit fühlte, in der Erde zu versinken. Schließlich sagte der Greif zur Schecher-Schildkröte: „Fahr fort, alter Freund! Mach nicht den ganzen Tag damit!“, und er fuhr in diesen Worten fort:
„Ja, wir gingen in die Schule im Meer, obwohl du es vielleicht nicht glaubst –“
„Ich habe nie gesagt, dass ich es nicht tue!“, unterbrach Alice.
„Doch, das hast du“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Halt deinen Mund!“, fügte der Greif hinzu, bevor Alice wieder sprechen konnte. Die Schecher-Schildkröte fuhr fort.
„Wir hatten die beste Erziehung – tatsächlich, wir gingen jeden Tag in die Schule –“
„Ich war auch in einer Tagesschule“, sagte Alice; „du musst nicht so stolz darauf sein.“
„Mit Extras?“, fragte die Schecher-Schildkröte etwas ängstlich.
„Ja“, sagte Alice, „wir lernten Französisch und Musik.“
„Und Waschen?“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Natürlich nicht!“, sagte Alice empört.
„Ah! Dann war deine keine wirklich gute Schule“, sagte die Schecher- Schildkröte in einem Ton großer Erleichterung. „Bei uns stand am Ende der Rechnung ‚Französisch, Musik und Waschen – extra.‘“
„Du hättest es nicht sehr gebraucht“, sagte Alice; „du lebst am Boden des Meeres.“
„Ich konnte es mir nicht leisten zu lernen“, sagte die Schecher- Schildkröte mit einem Seufzer. „Ich nahm nur den regulären Kurs.“
„Was war das?“, fragte Alice.
„Natürlich Schwanken und Winden, um anzufangen“, erwiderte die Schecher- Schildkröte; „und dann die verschiedenen Zweige der Arithmetik – Ehrgeiz, Ablenkung, Hässlichmachung und Verachtung.“
„Ich habe noch nie von ‚Hässlichmachung‘ gehört“, wagte Alice zu sagen. „Was ist das?“
Der Greif hob beide Pfoten in Überraschung. „Was! Nie von Hässlichmachung gehört!“, rief es aus. „Du weißt, was Verschönern ist, nehme ich an?“
„Ja“, sagte Alice zögernd: „es bedeutet – zu – machen – alles – schöner.“
„Nun, dann“, fuhr der Greif fort, „wenn du nicht weißt, was Hässlichmachung ist, bist du ein Dummkopf.“
Alice fühlte sich nicht ermutigt, weitere Fragen dazu zu stellen, also wandte sie sich an die Schecher-Schildkröte und sagte: „Was musstest du sonst noch lernen?“
„Nun, da war Geheimnis“, erwiderte die Schecher-Schildkröte und zählte die Fächer an ihren Flossen ab, „– Geheimnis, alt und modern, mit Meeresographie: Dann Spreizmund – der Spreizmund-Lehrer war ein alter Konger-Aal, der einmal pro Woche kam: Er unterrichtete uns in Spreizmund, Strecken und Verkrampfen in Ringen.“
„Wie war das?“, sagte Alice.
„Nun, ich kann es dir nicht selbst zeigen“, sagte die Schecher- Schildkröte: „Ich bin zu steif. Und der Greif hat es nie gelernt.“
„Hatte keine Zeit“, sagte der Greif: „Ich ging zum Klassiker-Lehrer, allerdings. Er war ein alter Krebs, das war er.“
„Ich ging nie zu ihm“, sagte die Schecher-Schildkröte mit einem Seufzer: „er unterrichtete Lachen und Trauer, sagten sie.“
„Das tat er, das tat er!“, sagte der Greif und seufzte seinerseits; und beide Kreaturen verbargen ihre Gesichter in ihren Pfoten.
„Und wie viele Stunden am Tag hattet ihr Unterricht?“, sagte Alice, in Eile, das Thema zu wechseln.
„Zehn Stunden am ersten Tag“, sagte die Schecher-Schildkröte: „neun am nächsten, und so weiter.“
„Was für ein seltsamer Plan!“, rief Alice aus.
„Das ist der Grund, warum sie Lektionen genannt werden“, bemerkte der Greif: „weil sie von Tag zu Tag abnehmen.“
Das war eine völlig neue Idee für Alice, und sie dachte eine Weile darüber nach, bevor sie ihre nächste Bemerkung machte. „Dann muss der elfte Tag ein Feiertag gewesen sein?“
„Natürlich war er das“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Und wie habt ihr den zwölften geschafft?“, fuhr Alice eifrig fort.
„Das reicht mit den Lektionen“, unterbrach der Greif in sehr bestimmtem Ton: „erzähl ihr etwas über die Spiele jetzt.“
KAPITEL X. Die Hummer-Quadrille
Die Schecher-Schildkröte seufzte tief und zog den Rücken einer Flosse über ihre Augen. Sie sah Alice an und versuchte zu sprechen, aber für eine Minute oder zwei erstickten Schluchzer ihre Stimme. „Genauso, als hätte sie einen Knochen im Hals“, sagte der Greif: und es machte sich daran, sie zu schütteln und auf ihren Rücken zu klopfen. Schließlich erholte sich die Schecher-Schildkröte wieder und fuhr mit Tränen, die über ihre Wangen liefen, fort:
„Du magst nicht viel unter dem Meer gelebt haben –“ („Das habe ich nicht“, sagte Alice) – „und vielleicht wurdest du nie einem Hummer vorgestellt –“ (Alice begann zu sagen „Ich habe einmal probiert –“ aber besann sich hastig und sagte „Nein, nie“) „– also kannst du dir nicht vorstellen, was für ein wunderbares Ding eine Hummer-Quadrille ist!“
„Nein, wirklich nicht“, sagte Alice. „Was für ein Tanz ist das?“
„Nun“, sagte der Greif, „zuerst formierst du dich in einer Linie entlang der Meeresufer –“
„Zwei Linien!“, rief die Schecher-Schildkröte. „Robben, Schildkröten, Lachse und so weiter; dann, wenn du alle Quallen aus dem Weg geräumt hast –“
„Das dauert normalerweise eine Weile“, unterbrach der Greif.
„– rückst du zweimal vor –“
„Jeder mit einem Hummer als Partner!“, rief der Greif.
„Natürlich“, sagte die Schecher-Schildkröte: „rückst du zweimal vor, setzt zu Partnern –“
„– tauscht Hummer und zieht euch in derselben Ordnung zurück“, fuhr der Greif fort.
„Dann, weißt du“, fuhr die Schecher-Schildkröte fort, „wirfst du den –“
„Den Hummer!“, schrie der Greif und machte einen Satz in die Luft.
„– so weit wie möglich aufs Meer hinaus –“
„Schwimm hinter ihnen her!“, schrie der Greif.
„Mache einen Salto im Meer!“, rief die Schecher-Schildkröte und tanzte wild herum.
„Tauscht Hummer wieder!“, brüllte der Greif mit voller Stimme.
„Zurück an Land wieder, und das ist die erste Figur“, sagte die Schecher- Schildkröte und senkte plötzlich ihre Stimme; und die beiden Kreaturen, die die ganze Zeit wie verrückt herumgesprungen waren, setzten sich wieder sehr traurig und still hin und sahen Alice an.
„Das muss ein sehr schöner Tanz sein“, sagte Alice schüchtern.
„Möchtest du ein bisschen davon sehen?“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Sehr gerne“, sagte Alice.
„Komm, lass uns die erste Figur versuchen!“, sagte die Schecher- Schildkröte zum Greif. „Wir können ohne Hummer auskommen, weißt du. Wer soll singen?“
„Oh, du sing“, sagte der Greif. „Ich habe die Worte vergessen.“
Also begannen sie feierlich, um Alice herum zu tanzen, und traten ihr immer wieder auf die Zehen, wenn sie zu nah vorbeikamen, und schwenkten ihre Vorderpfoten, um den Takt anzugeben, während die Schecher- Schildkröte folgendes sehr langsam und traurig sang:
„Willst du ein bisschen schneller gehen?“, sagte eine Scholle zu einer Schnecke. „Da ist ein Schweinswal dicht hinter uns, und er tritt mir auf den Schwanz. Sieh, wie eifrig die Hummer und die Schildkröten voranschreiten! Sie warten am Ufer – willst du kommen und am Tanz teilnehmen? Willst du, willst du nicht, willst du, willst du nicht, willst du am Tanz teilnehmen? Willst du, willst du nicht, willst du, willst du nicht, willst du nicht am Tanz teilnehmen?
„Du kannst dir wirklich nicht vorstellen, wie wunderbar es sein wird, wenn sie uns mit den Hummern ins Meer werfen!“ Aber die Schnecke erwiderte: „Zu weit, zu weit!“ und warf einen misstrauischen Blick zurück – Er sagte, er danke der Scholle, aber er würde nicht am Tanz teilnehmen. Würde nicht, könnte nicht, würde nicht, könnte nicht, würde nicht am Tanz teilnehmen. Würde nicht, könnte nicht, würde nicht, könnte nicht, könnte nicht am Tanz teilnehmen.
„Was macht es, wie weit wir gehen?“, erwiderte sein schuppiger Freund. „Da ist noch ein anderes Ufer, weißt du, auf der anderen Seite. Je weiter weg von England, desto näher ist man Frankreich – Also bleich nicht, geliebte Schnecke, sondern komm und nimm am Tanz teil. Willst du, willst du nicht, willst du, willst du nicht, willst du am Tanz teilnehmen? Willst du, willst du nicht, willst du, willst du nicht, willst du nicht am Tanz teilnehmen?“
„Danke, es ist ein sehr interessanter Tanz zum Zuschauen“, sagte Alice und war sehr froh, dass er endlich vorbei war: „und ich mag dieses seltsame Lied von der Scholle so gerne!“
„Nun, was die Scholle betrifft“, sagte die Schecher-Schildkröte, „sie – du hast sie gesehen, natürlich?“
„Ja“, sagte Alice, „ich habe sie oft gese –“ Sie besann sich hastig.
„Ich weiß nicht, wo Dinn sein mag“, sagte die Schecher-Schildkröte, „aber da du sie so oft gesehen hast, kennst du natürlich ihr Aussehen.“
„Ich glaube schon“, erwiderte Alice nachdenklich. „Sie haben ihre Schwänze im Maul – und sie sind voller Krümel.“
„Du liegst falsch mit den Krümeln“, sagte die Schecher-Schildkröte: „Krümel würden im Meer alle abwaschen. Aber sie haben ihre Schwänze im Maul; und der Grund ist –“ Hier gähnte die Schecher-Schildkröte und schloss die Augen. „Erzähl ihr von dem Grund und allem“, sagte sie zum Greif.
„Der Grund ist“, sagte der Greif, „dass sie mit den Hummern zum Tanz gehen wollten. Also wurden sie ins Meer geworfen. Also mussten sie weit fallen. Also steckten sie ihre Schwänze fest in ihre Mäuler. Also konnten sie sie nicht wieder herausbekommen. Das ist alles.“
„Danke“, sagte Alice, „es ist sehr interessant. Ich wusste nie so viel über eine Scholle.“
„Ich kann dir noch mehr erzählen, wenn du willst“, sagte der Greif. „Weißt du, warum sie Scholle genannt wird?“
„Ich habe nie darüber nachgedacht“, sagte Alice. „Warum?“
„Sie macht die Stiefel und Schuhe“, erwiderte der Greif sehr feierlich.
Alice war völlig verwirrt. „Macht die Stiefel und Schuhe!“, wiederholte sie in einem staunenden Ton.
„Nun, was ist mit deinen Schuhen gemacht?“, sagte der Greif. „Ich meine, was macht sie so glänzend?“
Alice sah auf sie hinunter und überlegte eine Weile, bevor sie antwortete. „Sie sind mit Schuhcreme gemacht, glaube ich.“
„Stiefel und Schuhe unter dem Meer“, fuhr der Greif mit tiefer Stimme fort, „werden mit einer Scholle gemacht. Jetzt weißt du es.“
„Und woraus sind sie gemacht?“, fragte Alice in einem Ton großer Neugier.
„Aale und Seezungen, natürlich“, erwiderte der Greif etwas ungeduldig: „Das hätte dir jeder Garnelen sagen können.“
„Wenn ich die Scholle gewesen wäre“, sagte Alice, deren Gedanken immer noch um das Lied kreisten, „hätte ich zu dem Schweinswal gesagt: ‚Geh zurück, bitte: Wir wollen dich nicht bei uns!‘“
„Sie mussten ihn bei sich haben“, sagte die Schecher-Schildkröte: „Kein weiser Fisch würde irgendwohin ohne einen Schweinswal gehen.“
„Würde er wirklich nicht?“, sagte Alice in einem Ton großer Überraschung.
„Natürlich nicht“, sagte die Schecher-Schildkröte: „Warum, wenn ein Fisch zu mir käme und mir sagen würde, er gehe auf eine Reise, würde ich sagen: ‚Mit welchem Schweinswal?‘“
„Meinst du nicht ‚Zweck‘?“, sagte Alice.
„Ich meine, was ich sage“, erwiderte die Schecher-Schildkröte in beleidigtem Ton. Und der Greif fügte hinzu: „Komm, lass uns einige deiner Abenteuer hören.“
„Ich könnte dir von meinen Abenteuern erzählen – beginnend von heute Morgen“, sagte Alice etwas schüchtern: „aber es ist nutzlos, bis gestern zurückzugehen, weil ich damals ein anderer Mensch war.“
„Erkläre das alles“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Nein, nein! Die Abenteuer zuerst“, sagte der Greif in ungeduldigem Ton: „Erklärungen dauern so furchtbar lange.“
Also begann Alice, ihnen von ihren Abenteuern zu erzählen, von dem Zeitpunkt an, als sie das weiße Kaninchen zum ersten Mal sah. Sie war zuerst etwas nervös, weil die beiden Kreaturen so nah bei ihr waren, eine auf jeder Seite, und ihre Augen und Münder so weit aufrissen, aber sie fasste Mut, als sie weitersprach. Ihre Zuhörer waren völlig ruhig, bis sie zu der Stelle kam, wo sie zum Raupen „Du bist alt, Vater Wilhelm“ sagte, und die Worte alle anders klangen, und dann atmete die Schecher-Schildkröte tief ein und sagte: „Das ist sehr seltsam.“
„Es ist alles so seltsam, wie es nur sein kann“, sagte der Greif.
„Es klang alles anders!“, wiederholte die Schecher-Schildkröte nachdenklich. „Ich würde gerne hören, wie sie etwas jetzt wiederholt. Sag ihr, sie soll anfangen.“ Er sah den Greif an, als ob er dachte, er hätte eine Art Autorität über Alice.
„Steh auf und wiederhole ‚Es ist die Stimme der Schnecke‘“, sagte der Greif.
„Wie die Kreaturen einen herumkommandieren und einem das Wiederholen von Lektionen befehlen!“, dachte Alice; „Ich könnte genauso gut sofort in die Schule gehen.“ Allerdings stand sie auf und begann, es zu wiederholen, aber ihr Kopf war so voller der Hummer-Quadrille, dass sie kaum wusste, was sie sagte, und die Worte klangen sehr seltsam:
„Es ist die Stimme des Hummers; ich hörte ihn erklären, ‚Du hast mich zu braun gebacken, ich muss meinen Bart zuckern.‘ Wie eine Ente mit ihren Augenlidern, so er mit seiner Nase Zupft er seinen Gürtel und seine Knöpfe und streckt seine Zehen heraus.“
[Spätere Ausgaben fuhren wie folgt fort Wenn der Sand ganz trocken ist, ist er fröhlich wie eine Lerche, Und wird in verächtlichem Ton über den Hai sprechen, Aber wenn die Flut steigt und Haie in der Nähe sind, Hat seine Stimme einen schüchternen und zitternden Klang.]
„Das ist anders als das, was ich als Kind zu sagen pflegte“, sagte der Greif.
„Nun, ich habe es noch nie gehört“, sagte die Schecher-Schildkröte; „aber es klingt unsinnig.“
Alice sagte nichts; sie hatte sich hingesetzt, mit dem Gesicht in den Händen, und fragte sich, ob jemals wieder etwas auf natürliche Weise geschehen würde.
„Ich würde es gerne erklärt haben“, sagte die Schecher-Schildkröte.
„Sie kann es nicht erklären“, sagte der Greif hastig. „Fahr mit der nächsten Strophe fort.“
„Aber was ist mit seinen Zehen?“, beharrte die Schecher-Schildkröte. „Wie konnte er sie mit seiner Nase herausstrecken, weißt du?“
„Das ist die erste Position beim Tanzen“, sagte Alice; aber sie war völlig verwirrt von der ganzen Sache und sehnte sich danach, das Thema zu wechseln.
„Fahr mit der nächsten Strophe fort“, wiederholte der Greif ungeduldig: „Sie beginnt mit ‚Ich ging an seinem Garten vorbei.‘“
Alice wagte nicht, zu widersprechen, obwohl sie sicher war, dass alles falsch kommen würde, und sie fuhr mit zitternder Stimme fort:
„Ich ging an seinem Garten vorbei und bemerkte mit einem Auge, Wie der Uhu und der Panther eine Pastete teilten –“
[Spätere Ausgaben fuhren wie folgt fort Der Panther nahm Pastetenteig und Soße und Fleisch, Während der Uhu den Teller als seinen Anteil an der Mahlzeit hatte. Als die Pastete ganz aufgegessen war, durfte der Uhu als Belohnung gnädigerweise die Gabel einstecken: Während der Panther Messer und Gabel mit einem Knurren erhielt und das Festmahl abschloss –]
„Was nützt es, all diesen Kram zu wiederholen“, unterbrach die Schecher- Schildkröte, „wenn du es nicht erklärst, während du fortfährst? Es ist bei weitem das verwirrendste, was ich je gehört habe!“
„Ja, ich denke, du solltest besser aufhören“, sagte der Greif: Und Alice war nur zu froh, es zu tun.
„Sollen wir eine andere Figur der Hummer-Quadrille versuchen?“, fuhr der Greif fort. „Oder möchtest du, dass die Schecher-Schildkröte dir ein Lied vorsingt?“
„Oh, ein Lied, bitte, wenn die Schecher-Schildkröte so freundlich wäre“, erwiderte Alice so eifrig, dass der Greif in etwas beleidigtem Ton sagte: „Hm! Kein Rechnung für Geschmäcker! Sing ihr ‚Schildkröten- Suppe‘, willst du, alter Freund?“
Die Schecher-Schildkröte seufzte tief und begann in einer Stimme, die manchmal von Schluchzen unterbrochen wurde, folgendes zu singen:
„Wunderbare Suppe, so reich und grün, Wartend in einer heißen Terrine! Wer würde sich solcher Köstlichkeiten enthalten? Abendsuppe, wunderbare Suppe! Abendsuppe, wunderbare Suppe! Wunder – schöne Su – uppe! Wunder – schöne Su – uppe! Su – uppe des Abends, Wunderbare, wunderbare Suppe!
„Wunderbare Suppe! Wer kümmert sich um Fisch, Wild oder irgendein anderes Gericht? Wer würde nicht alles andere für zwei Penny nur wunderbarer Suppe geben? Penny nur wunderbarer Suppe? Wunder – schöne Su – uppe! Wunder – schöne Su – uppe! Su – uppe des Abends, Wunderbare, wunder – BARESUPPE!“
„Refrain wieder!“, rief der Greif, und die Schecher-Schildkröte hatte gerade begonnen, ihn zu wiederholen, als ein Schrei von „Der Prozess beginnt!“ in der Ferne ertönte.
„Komm!“, rief der Greif und ergriff Alice bei der Hand, und ohne auf das Ende des Liedes zu warten, eilte es davon.
„Was für ein Prozess ist das?“, keuchte Alice, während sie lief; aber der Greif antwortete nur „Komm!“, und rannte schneller, während immer schwächer die traurigen Worte auf der Brise, die ihnen folgte, ertönten:
„Su – uppe des Abends, Wunderbare, wunderbare Suppe!“
KAPITEL XI. Wer stahl die Torten?
Der König und die Königin der Herzen saßen auf ihrem Thron, als sie ankamen, mit einer großen Menschenmenge um sie herum – alle möglichen kleinen Vögel und Tiere sowie das ganze Kartenspiel: Der Bube stand vor ihnen in Ketten, mit einem Soldaten auf jeder Seite, um ihn zu bewachen; und in der Nähe des Königs war das weiße Kaninchen mit einer Trompete in einer Hand und einer Pergamentrolle in der anderen. Mitten im Gerichtssaal stand ein Tisch mit einer großen Schüssel Torten darauf: Sie sahen so gut aus, dass Alice ganz hungrig wurde, als sie sie ansah – „Ich wünschte, sie würden den Prozess beenden“, dachte sie, „und die Erfrischungen austeilen!“ Aber es schien keine Chance dafür zu geben, also begann sie, sich umzusehen, um die Zeit zu vertreiben.
Alice war noch nie in einem Gerichtssaal gewesen, aber sie hatte in Büchern darüber gelesen und war ganz erfreut, festzustellen, dass sie den Namen von fast allem kannte. „Das ist der Richter“, sagte sie zu sich selbst, „wegen seiner großen Perücke.“
Der Richter war übrigens der König; und da er seine Krone über der Perücke trug, (sieh dir das Frontispiz an, wenn du sehen willst, wie er es machte,) sah er überhaupt nicht bequem aus, und es war sicherlich nicht schicklich.
„Und das ist die Geschworenenbank“, dachte Alice, „und diese zwölf Kreaturen“, (sie musste „Kreaturen“ sagen, siehst du, weil einige von ihnen Tiere und einige Vögel waren,) „ich nehme an, sie sind die Geschworenen.“ Sie sagte dieses letzte Wort zwei- oder dreimal zu sich selbst, ziemlich stolz darauf: Denn sie dachte, und das zu Recht, dass sehr wenige kleine Mädchen in ihrem Alter die Bedeutung überhaupt kannten. Allerdings wäre „Geschworene“ genauso gut gewesen.
Die zwölf Geschworenen schrieben alle sehr eifrig auf Schiefertafeln. „Was machen sie?“, flüsterte Alice dem Greif zu. „Sie können noch nichts aufschreiben, bevor der Prozess begonnen hat.“
„Sie schreiben ihre Namen auf“, flüsterte der Greif als Antwort, „aus Angst, sie könnten sie bis zum Ende des Prozesses vergessen.“
„Dumme Dinger!“, begann Alice in lauter, empörter Stimme, aber sie hielt hastig inne, denn das weiße Kaninchen rief aus: „Ruhe im Gerichtssaal!“, und der König setzte seine Brille auf und sah ängstlich umher, um herauszufinden, wer sprach.
Alice konnte sehen, als ob sie über ihre Schultern blickte, dass alle Geschworenen „dumme Dinger!“ auf ihre Schiefertafeln schrieben, und sie konnte sogar erkennen, dass einer von ihnen nicht wusste, wie man „dumm“ buchstabiert, und dass er seinen Nachbarn fragen musste, um es ihm zu sagen. „Ein schönes Durcheinander wird es mit ihren Schiefer- tafeln geben, bevor der Prozess vorbei ist!“, dachte Alice.
Einer der Geschworenen hatte einen Bleistift, der quietschte. Dies konnte Alice natürlich nicht ertragen, und sie ging um den Gerichtssaal herum und stellte sich hinter ihn, und fand sehr bald eine Gelegenheit, ihn wegzunehmen. Sie tat es so schnell, dass der arme kleine Geschworene (es war Bill, die Eidechse) überhaupt nicht herausfinden konnte, was aus ihm geworden war; also, nachdem er überall danach gesucht hatte, musste er den Rest des Tages mit einem Finger schreiben; und das war von sehr wenig Nutzen, da es keine Spur auf der Schiefertafel hinterließ.
„Herold, verlese die Anklage!“, sagte der König.
Hierauf blies das weiße Kaninchen drei Mal in die Trompete und rollte dann die Pergamentrolle auf und las wie folgt:
„Die Königin der Herzen, sie machte einige Torten, An einem Sommertag: Der Bube der Herzen, er stahl diese Torten, Und nahm sie ganz weg!“
„Beratet euch über euer Urteil“, sagte der König zu den Geschworenen.
„Noch nicht, noch nicht!“, unterbrach das Kaninchen hastig. „Da kommt noch eine Menge, bevor das geschieht!“
„Ruft den ersten Zeugen“, sagte der König; und das weiße Kaninchen blies drei Mal in die Trompete und rief aus: „Erster Zeuge!“
Der erste Zeuge war der Hutmacher. Er kam herein mit einer Tasse in einer Hand und einem Stück Brot und Butter in der anderen. „Ich bitte um Verzeihung, Euer Majestät“, begann er, „dass ich diese mitbringe: aber ich hatte meinen Tee noch nicht ganz ausgetrunken, als ich gerufen wurde.“
„Du hättest ihn austrinken sollen“, sagte der König. „Wann hast du angefangen?“
Der Hutmacher sah den Märzhasen an, der ihm in den Gerichtssaal gefolgt war, Arm in Arm mit dem Dornenschläfer. „Am vierzehnten März, glaube ich“, sagte er.
„Am fünfzehnten“, sagte der Märzhase.
„Am sechzehnten“, fügte der Dornenschläfer hinzu.
„Schreibt das auf“, sagte der König zu den Geschworenen, und die Geschworenen schrieben eifrig alle drei Daten auf ihre Schiefertafeln und addierten sie dann und reduzierten die Antwort auf Schillinge und Pence.
„Nimm deinen Hut ab“, sagte der König zum Hutmacher.
„Er ist nicht meiner“, sagte der Hutmacher.
„Gestohlen!“, rief der König aus und wandte sich an die Geschworenen, die sofort eine Notiz davon machten.
„Ich bewahre sie auf, um sie zu verkaufen“, fügte der Hutmacher als Erklärung hinzu; „ich habe keine eigenen. Ich bin ein Hutmacher.“
Hier setzte die Königin ihre Brille auf und begann, den Hutmacher anzustarren, der blass wurde und herumzappelte.
„Gib deine Aussage ab“, sagte der König; „und sei nicht nervös, oder ich lasse dich auf der Stelle hinrichten.“
Dies schien den Zeugen überhaupt nicht zu ermutigen: Er wechselte ständig von einem Fuß auf den anderen und sah ängstlich zur Königin, und in seiner Verwirrung biss er ein großes Stück aus seiner Tasse statt aus dem Brot und Butter.
Genau in diesem Moment verspürte Alice ein sehr seltsames Gefühl, das sie eine ganze Weile verwirrte, bis sie herausfand, was es war: Sie begann, wieder größer zu werden, und dachte zuerst, sie würde aufstehen und den Gerichtssaal verlassen; aber nach reiflicher Überlegung beschloss sie, an ihrem Platz zu bleiben, solange es Platz für sie gab.
„Ich wünschte, du würdest nicht so drängen“, sagte der Dornenschläfer, der neben ihr saß. „Ich kann kaum atmen.“
„Ich kann nicht anders“, sagte Alice sehr demütig: „ich wachse.“
„Du hast kein Recht, hier zu wachsen“, sagte der Dornenschläfer.
„Red keinen Unsinn“, sagte Alice etwas mutiger: „du weißt, dass du auch wächst.“
„Ja, aber ich wachse in einem vernünftigen Tempo“, sagte der Dornenschläfer: „nicht in dieser lächerlichen Art.“ Und er stand sehr missmutig auf und ging auf die andere Seite des Gerichtssaals.
Die ganze Zeit hatte die Königin den Hutmacher nicht aus den Augen gelassen, und genau als der Dornenschläfer den Gerichtssaal überquerte, sagte sie zu einem der Gerichtsbeamten: „Bring mir die Liste der Sänger im letzten Konzert!“ Worauf der arme Hutmacher so zitterte, dass er beide Schuhe verlor.
„Gib deine Aussage ab“, wiederholte der König wütend, „oder ich lasse dich hinrichten, ob du nervös bist oder nicht.“
„Ich bin ein armer Mann, Euer Majestät“, begann der Hutmacher mit zitternder Stimme, „– und ich hatte meinen Tee noch nicht begonnen – nicht mehr als eine Woche oder so – und was das Brot und Butter so dünn werden ließ – und das Zwinkern des Tees –“
„Das Zwinkern von was?“, sagte der König.
„Es begann mit dem Tee“, erwiderte der Hutmacher.
„Natürlich beginnt Zwinkern mit T!“, sagte der König scharf. „Hältst du mich für einen Dummkopf? Fahr fort!“
„Ich bin ein armer Mann“, fuhr der Hutmacher fort, „und die meisten Dinge zwinkerten danach – nur der Märzhase sagte –“
„Das habe ich nicht!“, unterbrach der Märzhase in großer Eile.
„Das hast du!“, sagte der Hutmacher.
„Ich bestreite es!“, sagte der Märzhase.
„Er bestreitet es“, sagte der König: „lass diesen Teil aus.“
„Nun, jedenfalls“, fuhr der Hutmacher fort und sah ängstlich umher, um zu sehen, ob er es auch bestreiten würde: Aber der Dornenschläfer bestritt nichts, da er fest schlief.
„Danach“, fuhr der Hutmacher fort, „schnitt ich etwas mehr Brot und Butter –“
„Aber was sagte der Dornenschläfer?“, fragte einer der Geschworenen.
„Das kann ich mich nicht erinnern“, sagte der Hutmacher.
„Du musst dich erinnern“, bemerkte der König, „oder ich lasse dich hinrichten.“
Der arme Hutmacher ließ seine Tasse und das Brot und Butter fallen und ging auf ein Knie. „Ich bin ein armer Mann, Euer Majestät“, begann er.
„Du bist ein sehr schlechter Redner“, sagte der König.
Hier jubelte eines der Meerschweinchen, und wurde sofort von den Gerichtsbeamten unterdrückt. (Da dies ein ziemlich hartes Wort ist, werde ich dir erklären, wie es gemacht wurde. Sie hatten einen großen Leinensack, der am Mund mit Schnüren zugeschnürt war: In diesen schoben sie das Meerschweinchen, Kopf voran, und setzten sich dann darauf.)
„Ich bin froh, dass ich das gesehen habe“, dachte Alice. „Ich habe so oft in den Zeitungen gelesen, am Ende von Prozessen, ‚Es gab einige Versuche des Beifalls, die sofort von den Gerichtsbeamten unterdrückt wurden‘, und ich habe nie verstanden, was es bedeutete, bis jetzt.“
„Wenn das alles ist, was du weißt, darfst du dich setzen“, fuhr der König fort.
„Ich kann nicht tiefer gehen“, sagte der Hutmacher: „ich bin schon auf dem Boden.“
„Dann darfst du dich hinsetzen“, erwiderte der König.
Hier jubelte das andere Meerschweinchen, und wurde unterdrückt.
„Komm, das erledigt die Meerschweinchen!“, dachte Alice. „Jetzt wird es besser vorangehen.“
„Ich würde lieber meinen Tee beenden“, sagte der Hutmacher und warf einen ängstlichen Blick auf die Königin, die die Liste der Sänger las.
„Du darfst gehen“, sagte der König, und der Hutmacher eilte hastig aus dem Gerichtssaal, ohne sogar auf seine Schuhe zu warten.
„– und schneide ihm draußen den Kopf ab“, fügte die Königin hinzu und wandte sich an einen der Beamten: Aber der Hutmacher war außer Sicht, bevor der Beamte zur Tür gelangen konnte.
„Ruft den nächsten Zeugen!“, sagte der König.
Der nächste Zeuge war die Köchin der Herzogin. Sie trug die Pfeffer- dose in der Hand, und Alice erriet, wer es war, noch bevor sie in den Gerichtssaal kam, an der Art und Weise, wie die Leute in der Nähe der Tür anfingen, alle gleichzeitig zu niesen.
„Gib deine Aussage ab!“, sagte der König.
„Tu ich nicht!“, sagte die Köchin.
Der König sah ängstlich zum weißen Kaninchen, das in einem leisen Ton sagte: „Euer Majestät muss diesen Zeugen verhören.“
„Nun, wenn ich muss, muss ich“, sagte der König mit einem traurigen Ausdruck und, nachdem er seine Arme gefaltet und die Köchin so angestarrt hatte, bis seine Augen fast unsichtbar waren, sagte er mit tiefer Stimme: „Woraus werden Torten gemacht?“
„Aus Pfeffer, meistens“, sagte die Köchin.
„Aus Treacle“, sagte eine schläfrige Stimme hinter ihr.
„Nimm diesen Dornenschläfer fest“, schrie die Königin aus. „Enthaupte diesen Dornenschläfer! Schmeißt diesen Dornenschläfer aus dem Gericht! Unterdrückt ihn! Kneift ihn! Weg mit seinen Schnurrhaaren!“
Für einige Minuten war der ganze Gerichtssaal in Aufruhr, um den Dornenschläfer hinauszuschmeißen, und als sie sich wieder beruhigt hatten, war die Köchin verschwunden.
Für Kontinuität nur – dies ist das ENDE des vorherigen Abschnitts, bereits übersetzt. Übersetze es nicht erneut und wiederhole es nicht in deiner Ausgabe. Passe seine Namen, Terminologie und Registrierung an: --- „– so weit wie möglich aufs Meer hinaus –“ „Schwimm hinter ihnen her!“, schrie der Greif. „Mache einen Salto im Meer!“, rief die Schecher-Schildkröte und tanzte wild herum. „Tauscht Hummer wieder!“, brüllte der Greif mit voller Stimme. „Zurück an Land wieder, und das ist die erste Figur“, sagte die Schecher- Schildkröte und senkte plötzlich ihre Stimme; und die beiden Kreaturen, die die ganze Zeit wie verrückt herumgesprungen waren, setzten sich wieder sehr traurig und still hin und sahen Alice an. ---
„Nicht so schlimm!“, sagte der König mit einem Ausdruck großer Erleichterung. „Ruft den nächsten Zeugen.“ Und er fügte in einem Flüsterton zur Königin hinzu: „Wirklich, meine Liebe, du musst den nächsten Zeugen verhören. Es bringt mein ganzes Stirn zum Schmerzen!“
Alice beobachtete das weiße Kaninchen, wie es in der Liste herumwühlte und fühlte sich sehr neugierig, wie der nächste Zeuge aussehen würde, „– denn sie haben noch nicht viele Beweise“, sagte sie zu sich selbst. Stell dir ihre Überraschung vor, als das weiße Kaninchen mit seiner schrillen kleinen Stimme den Namen „Alice!“ vorlas.
KAPITEL XII. Alice’ Aussage
„Hier!“, rief Alice und vergaß in der Aufregung des Moments, wie groß sie in den letzten Minuten geworden war, und sie sprang so hastig auf, dass sie die Geschworenenbank mit dem Saum ihres Kleides umwarf und alle Geschworenen auf die Köpfe der Menge darunter stürzten, und da lagen sie herum, erinnerten sie sie sehr an einen Globus mit Goldfischen, den sie versehentlich in der Woche zuvor umgeworfen hatte.
„Oh, ich bitte um Verzeihung!“, rief sie in einem Ton großer Bestürzung aus und begann, sie so schnell wie möglich wieder aufzusammeln, denn der Unfall mit den Goldfischen ging ihr im Kopf herum, und sie hatte eine vage Art von Idee, dass sie sofort gesammelt und in die Geschworenenbank zurückgebracht werden müssten, oder sie würden sterben.
„Der Prozess kann nicht fortgesetzt werden“, sagte der König mit sehr ernster Stimme, „bis alle Geschworenen an ihren richtigen Plätzen zurück sind – alle“, wiederholte er mit großem Nachdruck und sah Alice hart an, als er das sagte.
Alice sah die Geschworenenbank an und sah, dass sie in ihrer Hast die Eidechse mit dem Kopf nach unten hineingelegt hatte, und das arme kleine Ding wedelte mit seinem Schwanz auf eine melancholische Weise, da es sich überhaupt nicht bewegen konnte. Sie holte es schnell wieder heraus und stellte es richtig hin; „nicht, dass es viel bedeutet“, sagte sie zu sich selbst; „ich denke, es wäre im Prozess genauso nützlich, wenn es mit dem Kopf nach oben oder unten liegt.“
Sobald sich die Geschworenen ein wenig von dem Schock erholt hatten, umgeworfen zu werden, und ihre Schiefertafeln und Stifte gefunden und zurückgegeben worden waren, machten sie sich eifrig daran, eine Geschichte des Unfalls aufzuschreiben, alle außer der Eidechse, die offenbar zu überwältigt war, um etwas anderes zu tun, als mit offenem Mund zum Dach des Gerichtssaals aufzublicken.
„Was weißt du über diese Sache?“, sagte der König zu Alice.
„Nichts“, sagte Alice.
„Gar nichts?“, beharrte der König.
„Gar nichts“, sagte Alice.
„Das ist sehr wichtig“, sagte der König und wandte sich an die Geschworenen. Sie begannen gerade, dies auf ihre Schiefertafeln zu schreiben, als das weiße Kaninchen unterbrach: „Unwichtig, Euer Majestät meint natürlich“, sagte er in einem sehr respektvollen Ton, aber runzelte die Stirn und machte Grimassen, während er sprach.
„Unwichtig, natürlich, das meinte ich“, sagte der König hastig und fuhr zu sich selbst in einem Flüsterton fort,
„wichtig – unwichtig – unwichtig – wichtig –“ als ob er ausprobieren würde, welches Wort am besten klang.
Einige der Geschworenen schrieben es als „wichtig“ auf, und einige als „unwichtig“. Alice konnte dies sehen, da sie nahe genug war, um über ihre Schiefertafeln zu schauen; „aber es spielt keine Rolle“, dachte sie bei sich.
In diesem Moment, als der König, der eine Weile eifrig in sein Notizbuch geschrieben hatte, „Ruhe!“ krächzte und aus seinem Buch vorlas: „Regel Zweiundvierzig. Alle Personen, die mehr als eine Meile hoch sind, müssen den Gerichtssaal verlassen.“
Alle sahen Alice an.
„Ich bin nicht eine Meile hoch“, sagte Alice.
„Doch, bist du“, sagte der König.
„Fast zwei Meilen hoch“, fügte die Königin hinzu.
„Nun, ich werde nicht gehen, auf jeden Fall“, sagte Alice: „außerdem ist das keine reguläre Regel: Du hast sie gerade eben erfunden.“
„Es ist die älteste Regel im Buch“, sagte der König.
„Dann sollte sie Nummer Eins sein“, sagte Alice.
Der König wurde blass und schloss sein Notizbuch hastig. „Beratet euch über euer Urteil“, sagte er zu den Geschworenen, in einem leisen, zitternden Ton.
„Es gibt noch mehr Beweise, bitte, Euer Majestät“, sagte das weiße Kaninchen und sprang in großer Eile auf; „dieses Papier wurde gerade aufgehoben.“
„Was steht darin?“, sagte die Königin.
„Ich habe es noch nicht geöffnet“, sagte das weiße Kaninchen, „aber es scheint ein Brief zu sein, geschrieben von der Angeklagten an – an jemanden.“
„Das muss es gewesen sein“, sagte der König, „es sei denn, es wurde an niemanden geschrieben, was nicht üblich ist, weißt du.“
„An wen ist es gerichtet?“, sagte einer der Geschworenen.
„Es ist überhaupt nicht gerichtet“, sagte das weiße Kaninchen; „tatsächlich steht nichts auf der Außenseite.“ Er faltete das Papier auseinander, während er sprach, und fügte hinzu: „Es ist überhaupt kein Brief: Es ist eine Reihe von Versen.“
„Sind sie in der Handschrift der Angeklagten?“, fragte ein anderer der Geschworenen.
„Nein, sind sie nicht“, sagte das weiße Kaninchen, „und das ist das Seltsamste daran.“ (Die Geschworenen sahen alle verwirrt aus.)
„Er muss die Handschrift von jemand anderem nachgeahmt haben“, sagte der König. (Die Geschworenen wurden alle wieder fröhlich.)
„Bitte, Euer Majestät“, sagte der Bube, „ich habe es nicht geschrieben, und sie können nicht beweisen, dass ich es getan habe: Es ist kein Name am Ende unterschrieben.“
„Wenn du es nicht unterschrieben hast“, sagte der König, „macht das die Sache nur schlimmer. Du musst etwas Böses im Sinn gehabt haben, oder du hättest deinen Namen wie ein ehrlicher Mann unterschrieben.“
Es gab ein allgemeines Klatschen der Hände dafür: Es war das erste wirklich kluge, was der König an diesem Tag gesagt hatte.
„Das beweist seine Schuld“, sagte die Königin.
„Es beweist gar nichts derartiges!“, sagte Alice. „Warum, du weißt nicht einmal, worum es geht!“
„Lies sie vor“, sagte der König.
Das weiße Kaninchen setzte seine Brille auf. „Wo soll ich anfangen, bitte, Euer Majestät?“, fragte er.
„Fange am Anfang an“, sagte der König ernst, „und geh weiter, bis du zum Ende kommst: Dann hör auf.“
Das waren die Verse, die das weiße Kaninchen vorlas:
„Sie sagten mir, du wärst bei ihr gewesen, Und hättest mich ihm erwähnt: Sie gab mir ein gutes Zeugnis, Aber sagte, ich könnte nicht schwimmen.
Er schickte ihnen Wort, ich sei nicht gegangen (Wir wissen, dass es wahr ist): Wenn sie die Sache vorantreiben sollte, Was würde aus dir werden?
Ich gab ihr eines, sie gaben ihm zwei, Du gabst uns drei oder mehr; Sie kamen alle von ihm zu dir zurück, Obwohl sie vorher mir gehörten.
Wenn ich oder sie zufällig In diese Angelegenheit verwickelt wären, Er vertraut darauf, dass du sie befreist, Genau wie wir es waren.
Meine Vorstellung war, dass du gewesen wärst (Bevor sie diesen Anfall hatte) Ein Hindernis, das zwischen Ihm und uns und es kam.
Lass ihn nicht wissen, dass sie sie am besten mochte, Denn das muss immer Ein Geheimnis bleiben, das zwischen Dir und mir bewahrt wird.“
„Das ist das wichtigste Stück Beweis, das wir bisher gehört haben“, sagte der König und rieb sich die Hände; „also lass jetzt die Geschworenen –“
„Wenn einer von ihnen es erklären kann“, sagte Alice, (sie war in den letzten Minuten so groß geworden, dass sie sich nicht mehr fürchtete, ihn zu unterbrechen,) „gebe ich ihm einen Sixpence. Ich glaube nicht, dass ein Atom Bedeutung darin steckt.“
Die Geschworenen schrieben alle auf ihre Schiefertafeln: „Sie glaubt nicht, dass ein Atom Bedeutung darin steckt“, aber keiner von ihnen versuchte, das Papier zu erklären.
„Wenn es keine Bedeutung darin gibt“, sagte der König, „spart das eine Menge Mühe, weißt du, da wir nicht versuchen müssen, eine zu finden. Und doch weiß ich nicht“, fuhr er fort und breitete die Verse auf seinem Knie aus und sah sie mit einem Auge an; „ich scheine doch eine Bedeutung darin zu sehen, schließlich. ‚– sagte, ich könnte nicht schwimmen –‘ du kannst nicht schwimmen, oder?“, fügte er hinzu und wandte sich an den Buben.
Der Bube schüttelte traurig den Kopf. „Sehe ich so aus?“, sagte er. (Was er sicherlich nicht tat, da er völlig aus Pappe gemacht war.)
„Alles in Ordnung, bis jetzt“, sagte der König und murmelte die Verse für sich weiter: „‚Wir wissen, dass es wahr ist –‘ das sind die Geschworenen, natürlich – ‚Ich gab ihr eines, sie gaben ihm zwei –‘ warum, das muss sein, was er mit den Torten gemacht hat, weißt du –“
„Aber es geht weiter ‚sie kamen alle von ihm zu dir zurück‘“, sagte Alice.
„Nun, da sind sie!“, sagte der König triumphierend und zeigte auf die Torten auf dem Tisch. „Nichts kann klarer sein als das. Dann wieder – ‚bevor sie diesen Anfall hatte –‘ du hattest nie Anfälle, meine Liebe, denke ich?“, sagte er zur Königin.
„Nie!“, sagte die Königin wütend und warf einen Tintenfass nach der Eidechse, während sie sprach. (Der arme kleine Bill hatte aufgehört, mit einem Finger auf seiner Schiefertafel zu schreiben, da er feststellte, dass es keine Spur hinterließ; aber er begann jetzt hastig wieder, indem er die Tinte benutzte, die über sein Gesicht tropfte, solange sie anhielt.)
„Dann passen die Worte nicht zu dir“, sagte der König und sah sich im Gerichtssaal mit einem Lächeln um. Es herrschte totes Schweigen.
„Es ist ein Wortspiel!“, fügte der König in beleidigtem Ton hinzu, und alle lachten. „Lass die Geschworenen ihr Urteil fällen“, sagte der König, zum etwa zwanzigsten Mal an diesem Tag.
„Nein, nein!“, sagte die Königin. „Urteil zuerst – dann das Urteil.“
„Unsinn!“, sagte Alice laut. „Die Idee, das Urteil zuerst zu haben!“
„Halt deinen Mund!“, sagte die Königin und wurde purpurrot.
„Ich werde nicht!“, sagte Alice.
„Ab mit ihrem Kopf!“, schrie die Königin mit voller Stimme. Niemand bewegte sich.
„Wer kümmert sich um dich?“, sagte Alice, (sie war auf ihre volle Größe gewachsen, als sie das sagte.) „Du bist nichts als ein Satz Karten!“
Bei diesen Worten erhob sich das ganze Kartenspiel in die Luft und kam auf sie herabgeflogen: Sie gab einen kleinen Schrei von Angst und Wut von sich und versuchte, sie abzuwehren, und fand sich auf dem Ufer liegend wieder, mit ihrem Kopf im Schoß ihrer Schwester, die sanft tote Blätter, die von den Bäumen auf ihr Gesicht gefallen waren, wegwischte.
„Wach auf, liebe Alice!“, sagte ihre Schwester; „Warum, was für einen langen Schlaf hast du gehabt!“
„Oh, ich hatte so einen seltsamen Traum!“, sagte Alice, und sie erzählte ihrer Schwester, so gut sie sich erinnern konnte, all diese seltsamen Abenteuer, die du gerade gelesen hast; und als sie fertig war, küsste ihre Schwester sie und sagte: „Es war ein seltsamer Traum, liebes Kind, sicherlich: Aber jetzt lauf zu deinem Tee; es wird spät.“ Also stand Alice auf und lief davon, während sie dachte, wie sie laufen konnte, was für ein wunderbarer Traum es gewesen war.
Aber ihre Schwester saß noch da, wie sie sie verlassen hatte, lehnte ihren Kopf auf ihre Hand und beobachtete den untergehenden Sonnenuntergang und dachte an die kleine Alice und all ihre wunderbaren Abenteuer, bis sie selbst anfing, auf ihre Art zu träumen, und das war ihr Traum:
Zuerst träumte sie von der kleinen Alice selbst, und wieder waren die winzigen Hände auf ihrem Knie gefaltet, und die hellen, neugierigen Augen blickten zu ihr auf – sie konnte die Töne ihrer Stimme hören und diesen seltsamen kleinen Wurf ihres Kopfes sehen, um die wandernden Haare zurückzuhalten, die immer in ihre Augen kamen – und noch, während sie zuhörte oder so tat, als ob sie zuhörte, wurde der ganze Ort um sie herum lebendig mit den seltsamen Kreaturen aus dem Traum ihrer kleinen Schwester.
Das lange Gras raschelte an ihren Füßen, als das weiße Kaninchen vorbeieilte – die verängstigte Maus platschte durch den benachbarten Teich – sie konnte das Klappern der Teetassen hören, als der Märzhasen und seine Freunde ihre nie endende Mahlzeit teilten, und die schrille Stimme der Königin, die ihre unglücklichen Gäste zur Hinrichtung befahl – wieder nieste das Schweinchen auf dem Schoß der Herzogin, während Teller und Schüsseln um es herum zerschellten – wieder schrie der Greif, das Quietschen des Schieferstiftes der Eidechse und das Würgen der unterdrückten Meerschweinchen füllten die Luft, vermischt mit den fernen Schluchzern der elenden Schecher-Schildkröte.
Also saß sie da, mit geschlossenen Augen, und glaubte sich selbst in Wunderland, obwohl sie wusste, dass sie sie nur öffnen musste, und alles würde sich in langweilige Realität verwandeln – das Gras würde nur im Wind rascheln und der Teich im Wellengang der Schilfhalme plätschern – das Klappern der Teetassen würde sich in das Klingeln der Schafglocken verwandeln, und die schrillen Schreie der Königin in die Stimme des Schäferjungen – und das Niesen des Babys, das Schreien des Greif und all die anderen seltsamen Geräusche würden sich (das wusste sie) in das verwirrte Geschrei des geschäftigen Bauernhofs verwandeln – während das Muhen der Kühe in der Ferne den Platz der schweren Schluchzer der Schecher-Schildkröte einnehmen würde.
Zuletzt malte sie sich aus, wie diese kleine Schwester von ihr selbst im Nachhinein eine erwachsene Frau sein würde; und wie sie in ihren reifen Jahren das einfache und liebevolle Herz ihrer Kindheit bewahren würde: Und wie sie andere kleine Kinder um sich versammeln und ihre Augen mit vielen seltsamen Geschichten erhellen würde, vielleicht sogar mit dem Traum von Wunderland aus ferner Zeit: Und wie sie sich mit allen ihren einfachen Sorgen identifizieren und Freude an all ihren einfachen Freuden finden würde, sich an ihre eigene Kindheit und die glücklichen Sommertage erinnerend.
ENDE