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Blow The Man Down: A Romance Of The Coast

by Holman Day · in German

BLOW THE MAN DOWN

EINE KÜSTENROMANZE

Von Holman Day

Copyright, 1916, by Harper & Brothers

MEINEM GUTEN FREUND

Captain John W. Christie

BRITISCHER HANDELSSCHIFFSKAPITÄN DER ALLE SHANTIES GESUNGEN UND ALLE MEERE BEFAHREN HAT

„O, blow the man down, bullies, blow the man down! Way-ay, blow the man down. O, blow the man down in Liverpool town! Give me some time to blow the man down.“ --Alte Shanty der Atlantik-Linienschiffe.

INHALT:

I ~ CAPTAIN BOYD MAYO GERÄT AUSSER LOT

II ~ DANN SIEHT CAPTAIN MAYO KLIFFEN

III ~ DIE TAVERNE DER MEERE

IV ~ ÜBER DER RELING DER „POLLY“

V ~ AUF DER BRÜCKE DER YACHT „OLENIA“

VI ~ UND WIR SEGELTEN

VII ~ HINEIN IN DAS SCHLAMASSEL VON OSTEN

VIII ~ WIE KÄFER UNTER EINEM FINGERHUT

IX ~ EINE MÄNNERARBEIT

X ~ GASTFREUNDSCHAFT, PER JULIUS MARSTON

XI ~ EINE STIMME AUS DEM „HUE AND CRY“

XII ~ KEIN PLATZ FÜR IHRE FUSSSOHLEN

XIII ~ EIN KAPITÄN MENSCHLICHEN TREIBGUTS

XIV ~ PEILUNGEN FÜR EINEN NEUEN KURS

XV ~ DIE AUSWEICHSREGELN

XVI ~ MILLIONEN UND EIN SCHERFLEIN

XVII ~ „GENAU!“, SAGTE MR. FOGG

XVIII ~ WIE EINE JAHRESVERSAMMLUNG ABGEHALTEN WURDE – EINMAL!

XIX ~ DAS PREISPAKET VON MR. FOGG

XX ~ EINEN MANN AUF DIE PROBE STELLEN

XXI ~ BITTERER BEWEIS IM MORGENLICHT

XXII ~ BESONDERES GESCHÄFT EINES PASSAGIERS

XXIII ~ DAS MONSTER, DAS SICH LOSRISS

XXIV ~ HINAB EINE GALOPPIERENDE SEE

XXV ~ EIN MÄDCHEN UND IHRE EHRENSCHULD

XXVI ~ DIE REISSZÄHNE DER ALTEN RAZEE

XXVII ~ DER STURM SPIELT SEINE KARTE AUS

XXVIII ~ MÄDCHENHILFE UND MÄNNERARBEIT

XXIX ~ DIE SCHUFTENDEN DER ALTEN RAZEE

XXX ~ DIE SACHE MIT EINEM MONOGRAMM IN WACHS

XXXI ~ DER GROSSE KERL SELBST

XXXII ~ EIN LIEBES „DARUM!“ EINES MÄDCHENS

BLOW THE MAN DOWN

I ~ CAPTAIN BOYD MAYO GERÄT AUSSER LOT

Wenn in Sicherheit oder im Zweifel, Halte stets ein sicheres Ausguck; Bemühe dich um einen kühlen Kopf, Achte auf deine Lichter und achte auf dein Lot. --Lotsenhaus-Reim.

Tage lang hatte er sich vor diesem unglaublichen Wahnsinn gefürchtet, wie ein Mann sich vor einem namenlosen Monster fürchtet. Doch er war sich seiner Stärke sicher, selbst während er seine Schwäche zugab. Er war zuversichtlich, dass er das Ding sicher an der Leine hatte.

Dann geschah es ganz plötzlich!

Ohne einleitendes Wort oder Blick wirbelte er herum und trat ihr gegenüber, riss sie in seine Arme und küsste sie. Er versuchte nicht, sich reinzuwaschen oder seine Beleidigung abzumildern, indem er ihr sagte, dass er sie liebte. Er war sprachlos – er konnte seine Rede nicht kontrollieren. Er wagte es nicht, eine solche Anmaßung an den Tag zu legen, wie Liebesgeschwätz ihr gegenüber erscheinen musste. Er wusste, dass er nicht von Liebe sprechen durfte; ein solches Angebot an sie wäre Wahnsinn. Doch diese größere Anmaßung, dieses blinde Einfangen ihrer Person in seinen Armen – das war etwas, das er genauso wenig beabsichtigt hatte, wie ein vernünftiger Mann eine Reise zum Mond in Erwägung zieht.

Er verstand es nicht; er war er selbst gewesen – dann, in einem Augenblick, der sich in einem Fingerschnippen maß, war er zu diesem Elenden geworden, der jemand anderes zu sein schien.

Er hatte für einen wahnsinnigen Moment aufgehört, Herr all seiner Sinne zu sein. Doch er ließ sie so plötzlich los, wie er sie ergriffen hatte, und taumelte zur Tür des Kartenraums, wandte ihr den Rücken zu und stöhnte in höchster Not.

In jenem Moment des Deliriums hatte er seinen eigenen neuenglischen Sinn für Anstand und Ehre beleidigt.

Er hatte Angst, sich nach ihr umzusehen. Mit einer Qual der Befürchtung fürchtete er den Klang ihrer Stimme. Er wusste nur zu gut, dass sie darum rang, sich zu beherrschen, sich von ihrem vollkommenen Erstaunen zu erholen. Er wartete. Der Frevel musste sie maßlos aufgebracht haben; die Stille hielt lange an.

Im Salon der Yacht unten sang eine Geige ihre ganze Seele hinaus in die Sommernacht und verwebte ihre Klage mit dem sanften, adagioartigen Rieseln der Klavierakkorde.

Er durchsuchte seine Seele. Die Musik, diese ferne, weiche Phrasierung des Rufs der Liebe, die Musik hatte ihn entmutigt. Während er vor ihrem Erscheinen auf der Brücke auf und ab ging, hatte diese Musik das Eis seiner natürlichen Zurückhaltung geschmolzen. Doch er verzieh sich selbst nicht, weil er den Narren gespielt hatte.

Er starrte auf die Nacht, die vom Türrahmen des Kartenhauses umrahmt wurde. Kleine Wellen rasten direkt vom Mond auf der Meereslinie auf ihn zu, wie eine Flut von frischem Silber, das aus der offenen Tür des Überflusses strömte!

Doch die ansprechende Schönheit jener Nacht konnte die unverschämte Beleidigung, die er ihr gerade zugefügt hatte, nicht entschuldigen. Er wusste es und schauderte.

Sie war gekommen und hatte sich dicht über die ausgebreitete Seekarte zu ihm gelehnt, ihr Atem auf seiner Wange – so nah bei ihm, dass eine umherschweifende Strähne ihres Haares ihn streifte. Doch nur weil ein plötzliches Feuer von der Berührung auf sein Gehirn übergesprungen war, war das noch lange kein Grund für die Tat, durch die er sich gerade als anmaßender Grobian verdammt hatte.

Denn er, Boyd Mayo, Kapitän der Yacht ihres Vaters, ein Mietling, hatte Alma Marston gerade die gleiche beleidigende Werbung gemacht, die ein Seemann einem gaffenden Mädchen auf der Straße bieten würde.

„Ich springe über Bord“, stammelte er schließlich. „Ich werde mich für immer aus deinen Augen entfernen.“

Die unheilvolle Stille hielt an.

„Ich bitte dich nicht, mir zu vergeben. Es ist keine Sache, die vergeben werden kann. Sag ihnen, ich sei wahnsinnig gewesen – und über Bord gesprungen. Das wird die Wahrheit sein. Ich bin ein Verrückter.“

Er torkelte durch die Tür. In jenem verzweifelten Moment, im Wirbel seiner Gefühle, schien es keinen anderen Ausweg aus seiner schrecklichen Lage zu geben. Er hatte begonnen, das Mädchen mit der ganzen verzehrenden Leidenschaft seiner Seele zu lieben, während er sich gleichzeitig seiner blinden Torheit voll bewusst war. Er hatte keine falschen Hoffnungen gehegt. Was das Aussprechen dieser Liebe betraf – selbst das Verraten durch einen Blick –, so hatte er sich in die Rüstung zurückhaltender Beherrschung gehüllt; er war sich sicher gewesen, dass er eher auf allen vieren niedergegangen wäre und jenen silbernen Mond vom Deck der Yacht Olenia angeheult hätte, als das zu tun, was er gerade getan hatte.

„Captain Mayo! Warten Sie!“

Er wartete, ohne sich umzudrehen, um sie anzusehen. Ihre Stimme war nicht fest, doch er konnte dem Tonfall nicht entnehmen, was ihre Gefühle waren.

„Kommen Sie hierher zurück!“

Sie sah sich genötigt, den Befehl mit schärferer Autorität zu wiederholen, bevor er gehorchte. Er senkte seine Augen und stand vor ihr, ein sprachloser Bittsteller.

„Warum haben Sie das getan?“, fragte sie. Es war nicht die verächtliche Forderung, die er befürchtet hatte. Ihre Stimme war so leise, dass es fast ein Flüstern war.

„Ich weiß es nicht“, gestand er.

Die Geige sang weiter; der Mond schien in die Tür; zwei Schläge, wie goldene Klangperlen, von der Schiffsglocke signalisierten neun Uhr. Nur der Rhythmus der Maschinen, so beruhigend wie das Schnurren einer Katze, das langsame Rollen der Yacht und das Murmeln der geteilten Wellen verrieten, dass die Olenia ihren Weg durch die Nacht fortsetzte.

„Ich weiß es nicht“, wiederholte er. „Es entschuldigt mich nicht zu sagen, dass ich nicht anders konnte.“

Und er verstand Frauen so wenig, dass ihm nicht klar war, dass er gerade das uralte Flehen vorbrachte, das den weiblichen Groll gemildert hat, seit die Sabinerinnen in den Armen ihrer Entführer davongetragen wurden und ihren Entführern vergaben.

Sie starrte ihn an und nahm erneut eine schnelle, mädchenhafte Einschätzung dieses jungen Mannes vor, der sich so demütig als Opfer dargeboten hatte. Seine braunen Hände waren vor ihm verschränkt und umklammerten krampfhaft seine weiße Mütze. Die Mütze und das Leinen über dem Kragen seines Uniformrocks brachten den Farbton seiner männlichen Bräune voll zur Geltung. Das rote Erröten seiner schockierten Reue berührte seine Wangen, und alles in allem, was auch immer die Tochter von Julius Marston, Priester der Hochfinanz der Wall Street, von seiner Dreistigkeit gehalten haben mag, der schmelzende Blick, den sie ihm unter gesenkten Lidern zuwarf, deutete auf ihre Wertschätzung seiner äußeren Vorzüge hin.

„Ich nehme an, Sie schämen sich gründlich und gebührend für das, was Sie getan haben!“

„Ich schäme mich – so sehr, dass ich es nie wieder wagen werde, meine Augen zu Ihnen zu erheben. Ich werde tun, was ich versprochen habe. Ich werde über Bord springen.“

„Captain Mayo, sehen Sie mich an!“

Als er mit dem Gebaren eines gepeitschten Hundes gehorchte, erlaubte ihm seine Bestürzung nicht, so viel Anerkennung für sie zu zeigen, wie sie bei der heimlichen Betrachtung seiner Person an den Tag gelegt hatte, was sie nun rasch verbarg. Er musterte sie wehmütig, mit Furcht. Und ein Mädchen, nachdem es begriffen hat, dass es die Meisterschaft über Muskelkraft und Seele erlangt hat, möchte nicht angesehen werden, als wäre es Medusa.

Sie warf einen Seitenblick auf ihr Gesicht in einem der Spiegel und steckte dann mit einem wohlgeformten Finger eine verirrte Haarsträhne zurecht, was, falls ein zynischer Beobachter anwesend gewesen wäre, nahegelegt hätte, dass Miss Alma Marston niemals zuließ, dass eine Situation, egal wie kritisch, ihre Aufmerksamkeit vollständig von sich selbst ablenkte.

Es war nicht zu verkennen – wäre jener zynische Beobachter dort gewesen, hätte er bemerkt, dass sie leicht schmollte, als Mayo seine unaussprechliche Scham erklärte.

„Sie werden über diese Scham nie hinwegkommen, nicht wahr?“

Und Captain Mayo, fieberhaft darauf bedacht zu zeigen, dass er die Schwere seines Vergehens verstand, und den Wunsch hegend, ein Versprechen für die Zukunft abzugeben, erklärte, dass seine Scham niemals nachlassen würde.

Ihre dunklen Augen funkelten; ob sich Unfug mit Groll vermischte oder ob der Groll alle anderen Gefühle vollständig verdrängte, mag für den Zyniker ein schwieriges Problem gewesen sein. Aber als sie ihr Kinn hob und den Missetäter direkt in die Augen starrte, während sie ihre prallen kleinen Hände in die Seitentaschen ihres weißen Cabans stützte, wurde Captain Mayo, wie ein von einem Knüppel getroffener Mann, von der plötzlichen und verwirrenden Erkenntnis getroffen, dass er nicht viel von Frauen verstand, denn sie fragte mit einem spöttischen Ziehen: „Was genau gibt es an mir, lieber Kapitän, das dieses ewige Bedauern inspiriert, das Sie so sehr zu quälen scheint?“

Selbst da begriff er nicht die volle Tragweite ihrer provokativen Frage. „Es liegt nicht an Ihnen. Ich bin derjenige, der die volle Schuld trägt“, stammelte er. „Ich habe es gewagt, zu – Aber egal. Ich kenne meinen Platz. Ich werde Ihnen zeigen, dass ich ihn kenne.“

„Sie haben es gewagt, zu – Was haben Sie gewagt zu tun – außer dem, was Sie gerade getan haben?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen, Miss Marston. Ich habe nicht die Absicht, Sie erneut zu beleidigen.“

„Ich befehle Ihnen, es mir zu sagen, Captain Mayo.“

Er konnte ihre Stimmung nicht im Geringsten begreifen und sein Gebaren zeigte es. Ihr Befehl hatte ein lustiges kleines Kräuseln in sich – wie von unterdrücktem Lachen. Es gab seltsame Zuckungen an den Winkeln ihrer vollen, roten Lippen.

„Nun richten Sie sich auf wie Ihr wahres Selbst! Ich sehe Sie nicht gern so dastehen. Sie wissen, dass ich es mag, wenn alle Leute auf den Yachten unseren Kapitän ansehen, wenn wir in einen Hafen einlaufen! Sie wussten das nicht? Nun, ich schon. Was haben Sie also gewagt zu tun?“

Er richtete sich daraufhin auf. „Ich habe es gewagt, mich in Sie zu verlieben, Miss Marston. Das haben wohl auch eine Menge anderer Narren getan, nehme ich an. Aber ich bin der Schlimmste von allen. Ich bin nur ein Seemann. Wie ich die Kontrolle über mich verloren habe, weiß ich nicht!“

„Nicht einmal jetzt?“ Immer noch diese unerklärliche Weichheit in ihrer Stimme, dieser seltsame Ausdruck in ihrem Gesicht. Da er Seemann war, betrachtete er diese Ruhe als unheilvolles Vorzeichen eines Sturms.

„Ich bin bereit, Sie Ihrem Vater gegenüber Bericht erstatten zu lassen, Miss Marston. Ich werde meine Strafe hinnehmen. Ich werde Sie nie wieder beleidigen.“

„Sie können sich danach beherrschen, nicht wahr?“

„Ja, Miss Marston, absolut.“

Sie zögerte; sie lächelte. Sie senkte wieder ihre Lider und musterte ihn mit der zufriedenen Toleranz, die eine hübsche Frau so leicht gewähren kann, wenn unbezwingbarer Eifer zu Unbesonnenheit geführt hat.

„Oh, du komischer, steifer Yankee!“, murmelte sie. „Du verstehst selbst jetzt nicht, warum du es getan hast!“

Sein Gesicht verriet, dass er es nicht im Geringsten verstand.

„Kommen Sie her“, lud sie ein.

Er ging drei Schritte durch die enge Kabine und stand in einer Haltung respektvollen Gehorsams vor ihr.

„Was nun, mein Herr?“ Es war eine noch provokantere Frage – ein Lächeln begleitete sie.

„Ich entschuldige mich. Ich habe meine Lektion gelernt.“

„Sie müssen noch viel lernen – Sie sind sehr unwissend“, erwiderte sie mit ziemlicher Schärfe.

„Ja“, stimmte er demütig zu.

Was dann geschah, lag so völlig außerhalb seiner Kalkulation, dass die vorangegangenen Ereignisse des Abends zahm in den Hintergrund traten. Es war denkbar gewesen, dass ein Anfall von Leidenschaft ihn dazu treiben könnte, alle Verhaltensregeln zu brechen, die sein neuenglisches Gewissen ihm auferlegt hatte; doch was Alma Marston tat, übermannte ihn mit solcher Fassungslosigkeit, dass er dort so starr und unbeweglich wie ein Belegnagel auf einem Nagelbrett stand. Sie hob die Arme, drückte ihre beiden Hände auf seine Schultern, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Lippen.

„Da, du törichte alte Yankee-Seele“, sagte sie leise, ihren Mund nah an seinem; „da du dich so sehr schämst, gebe ich dir deinen Kuss zurück – und alles ist wieder gut zwischen uns, denn wir sind genau da, wo wir vorhin angefangen haben.“

Sein Erstaunen hatte ihn so betäubt, dass er selbst nach dieser Kapitulation dort stand, dicht bei ihr, sein Gesicht ausdruckslos, seine Arme an seiner Seite herabhängend.

„Was ist um Himmels willen mit dir los?“, fragte sie gereizt.

„Ich weiß es nicht! Ich – ich – ich scheine es nicht zu verstehen.“

„Ich werde ehrlich zu dir sein. Du bist so ehrlich, dann wirst du mich verstehen“, sagte sie ihm. Es schien ihm, dass er sich irren müsse, aber er spürte sicherlich, wie ihre Arme an seinen Schultern hinaufglitten und sich hinter seinem Nacken trafen. „Ich habe es schon lange in deinen Augen gesehen. Eine Frau weiß das immer. Ich wollte, dass du tust, was du heute Abend getan hast. Ich wusste, dass ich dich in Versuchung führen müsste. Ich bin hierherauf gekommen, während der Mond und die Musik mir helfen würden. Ich habe es alles mit Absicht getan – ich stand nah bei dir – denn ich wusste, dass du nur mein langsamer alter Yankee bist, der niemals aus seinem Panzer kommen würde, bis ich ihn anstupste. Da! Ich habe es gestanden!“

Seine wahnsinnige Freude erlaubte ihm nicht, irgendetwas von der Kokette in diesem Geständnis zu sehen. Alles schien durch die Liebe geheiligt, die er für sie empfand – eine Liebe, die so ehrlich war, dass er keine Kühnheit in der Haltung dieses Mädchens wahrnahm, das ihm so weit entgegengekommen war. Er nahm sie wieder in die Arme, und sie erwiderte seine Küsse.

„Sag mir noch einmal, Boyd, dass du mich liebst“, schmeichelte sie.

„Und doch habe ich kein Recht, dich zu lieben. Du bist –“

„Pst! Pst! Da spricht deine Yankee-Vorsicht! Ich will Liebe, denn ich bin ein Mädchen. Liebe hat nichts damit zu tun, was du bist oder was ich bin. Nicht jetzt! Wir werden uns lieben – und warten! Du bist mein großer Junge! Nicht wahr?“

Er war froh, ihrem Flehen nachzukommen, vernünftiges Gerede für den Moment beiseitezuschieben. Es gab nichts Vernünftiges, das er sagen konnte. Er hielt Julius Marstons Tochter in seinen Armen, und sie sagte ihm, dass sie ihn liebte. Die Welt stand plötzlich auf dem Kopf und er ergab sich der wahnsinnigen Gegenwart.

Im Salon der Yacht unten begann eine Frau zu singen:

„Die Liebe kommt wie ein Sommerseufzer, Stehlt sich leise über uns. Die Liebe kommt und wir fragen uns warum, Wir vor ihrem Schrein knien. Die Liebe kommt, während die Tage vergehen –“

„Das ist es“, murmelte das Mädchen eifrig. „Wir wissen gar nichts darüber, warum wir lieben. Leute, die aus Geld heiraten, spielen Liebe vor – ich habe sie beobachtet – ich weiß es. Ich liebe dich. Du bist mein großer Junge. Das ist alles. Das ist genug.“

Er akzeptierte diese tröstliche Lehre fraglos. Ihre gelassene Akzeptanz der Situation, ohne eine einzige Falte auf ihrer glatten Stirn, die darauf hingedeutet hätte, dass irgendwelche zukünftigen Probleme sie bedrückten, erregte nicht sein Staunen und veranlasste ihn nicht, die Tiefe ihrer Gefühle in Frage zu stellen; es fügte nur ein weiteres Element zur Unwirklichkeit der gesamten Affäre hinzu.

Mond und Musik, silbernes Meer und herrlicher Abend, und eine Maid, die in seinen heimlichen Gedanken sein Traum vom Unerreichbaren gewesen war!

„Wirst du auf mich warten – warten, bis ich etwas aus mir machen kann?“, verlangte er.

„Du bist du selbst – genau jetzt – das ist genug!“

„Aber die Zukunft. Ich muss –“

„Liebe mich – liebe mich jetzt – das ist alles, was wir fragen müssen. Die Zukunft wird sich selbst darum kümmern, wenn die Zeit gekommen ist! Hast du nicht von den großen Lieben gelesen? Wie sie einfach die ganze kleinliche Welt vergaßen? Was hat Liebe mit Geschäft und Geld und Handel zu tun? Liebe an ihrem Platz – Geschäft an seinem Platz! Und unsere Liebe wird unser Geheimnis sein, bis –“

Er verzieh ihre Unbestimmtheit, denn als sie innehielt und zögerte, drückte sie ihre Lippen auf seine, und diese Zusicherung war ihm genug.

„Ja – oh ja – Miss Alma!“, rief eine Männerstimme im Singsang eifriger Aufforderung.

„Es ist Arthur“, sagte sie mit einem Anflug von Ungeduld in ihrer Stimme. „Warum lassen mich die Leute nicht in Ruhe?“

Er ließ sie los, und sie stand eine Armlänge entfernt, ihre Hände gegen seine Brust. „Ich habe gedacht – Es schien mir“, stammelte er, „dass er – Verzeih mir, aber ich habe dich so sehr geliebt! Ich konnte es nicht ertragen zu denken – zu denken, dass er –“

„Du dachtest, ich würde mich für ihn interessieren!“, tadelte sie. „Das ist nur der Mann, den mein Vater für mich ausgesucht hat! Warum, ich würde nicht einmal zulassen, dass mein Vater eine Yachtmütze für mich aussucht, geschweige denn einen Ehemann. Ich werde es ihm sagen, wenn die Zeit gekommen ist!“

Mayos Stirn runzelte sich trotz seiner selbst. Der morgige Tag schien in den Berechnungen dieser Maid eine geringe Rolle zu spielen.

„Geld – das ist alles, was Arthur Beveridge ist. Mein Vater hat genug Geld für uns alle. Und wenn er geizig mit uns ist – oh, es ist einfach genug, Geld zu verdienen, nicht wahr? Alle Männer können Geld verdienen.“

Captain Mayo, Seemann, war sich seines Kurses in finanziellen Gewässern nicht sicher und antwortete nicht.

„Miss Alma! Ich sage! Oh, wo sind Sie?“

„Selbst dieser alberne, kleine, ausgetrocknete Mann“, spottete sie, mit einem Kopfnicken in Richtung der schleppenden Stimme, „geht in die Wall Street und verdient Tausende und Abertausende von Dollar, wann immer ihm danach ist. Und man könnte ihn in die Tasche deines Cabans stecken. Sie werden alle Angst vor dir haben, wenn du in die Wall Street gehst, um eine Menge Geld für uns zwei zu verdienen. Du wirst sehen! Küss mich! Küss mich einmal! Küss mich schnell! Da kommt er!“

Er gehorchte, ließ sie los, und als Beveridge sein verschrumpeltes Gesicht in die Tür schob, waren sie über die Karte gebeugt.

„Oh, ich sage, wir haben Sie vermisst. Sie fragen nach Ihnen.“

Sie drehte sich nicht um, um ihn anzusehen. „Ich habe etwas anderes im Kopf, Arthur, außer unten herumzuliegen und Wally Dalton bei seinen Liebesliedern zuzuhören. Und diese Passage hier, Captain Mayo! Was ist das?“ Ihr Finger glitt müßig über ein paar hundert Meilen kartographierten Atlantischen Ozeans.

„Das ist der Flitterwochen-Kanal“, antwortete der Navigator verschmitzt. Seine neue Ekstase machte ihn mutig genug, um zu scherzen.

„Oh, also lernen wir Kapitän zu sein, Miss Alma?“, erkundigte sich Beveridge mit einem schiefen Lächeln.

„Es wäre besser, wenn mehr Yachtbesitzer wüssten, wie man ihr eigenes Schiff steuert“, belehrte sie ihn mit Schwung.

„Ja, es könnte die Untergebenen in Schach halten“, stimmte der Mann an der Tür zu. „Ich bewerbe mich um die Position des ersten Offiziers, nachdem Sie sich qualifiziert haben, Captain Alma.“

„Und das, sagen Sie, ist, Captain Mayo?“, fragte sie, ohne sich die Mühe zu machen, zu antworten. Ihr Tonfall war trocken sachlich.

Beveridge blinzelte sie an und zeigte die verstörte Unruhe eines Mannes, der während der Geschäftszeiten eingedrungen war.

Captain Mayo, der den weißen Finger entzückt beobachtete, stellte fest, dass er vom Polarkreis bis zur Tropenzone strich. „Das ist der Liebeshafen, erreichbar durch die Durchfahrt der Hoffnung“, antwortete er respektvoll.

„Oh, ich sage!“, rief Beveridge aus; „die Seemänner, die diesen Kurs festgelegt haben, müssen romantisch gewesen sein.“

„Seemänner haben Seelen, die ihrem Horizont entsprechen, Arthur. Würden Sie Namen wie Cash Cove und Geldschinder-Kanal bevorzugen?“

Mr. Beveridge hob eine Augenbraue und starrte auf ihren ausdrucksstarken Rücken; außerdem warf er einen Blick von nicht allzu großer Gunst auf den stämmigen jungen Kapitän der Olenia. Es kam Mr. Beveridge sicherlich nicht in den Sinn, dass zwei junge Leute, die verliebt waren, sich über ihn lustig machten. Dass Julius Marstons Tochter sich auf einen Yachtkapitän herablassen würde, wäre als ein so unglaublicher Frevel erschienen wie eine Affäre mit dem Butler. Aber es lag etwas an dieser intimen Kameradschaft des Kartenraums, das Mr. Beveridge nicht schmeckte. Instinkt eher als irgendein vernünftiger Grund sagte ihm, dass er nicht erwünscht war.

„Es tut mir leid, Sie bei Ihren Studien zu unterbrechen, Miss Marston“, sagte er etwas steif. „Aber ich wurde von Ihrem Vater geschickt, um Sie in die Kajüte zu rufen.“ Mr. Beveridges Gebaren, sein vorwurfsvoller Ton, vermittelten einen recht deutlichen Hinweis darauf, dass ihre Pflichten als Gastgeberin ebenso wichtig seien wie ihre Studien als Navigatorin.

„Ich muss gehen“, flüsterte sie.

Erleichterung mischte sich in das Bedauern von Kapitän Mayo. Er hatte gefürchtet, dass diese ungestüme junge Frau gegen die Aufforderung rebellieren könnte, auch wenn sie von ihrem Vater kam. Und ihr beharrliches Verweilen in seinem Kartenraum, selbst unter dem Vorwand eines leidenschaftlichen Interesses an den Geheimnissen der Navigation, könnte Komplikationen nach sich ziehen. Diese wunderbare neue Freude in seinem Leben war zu kostbar, um durch Komplikationen getrübt zu werden.

Sie ließ ihre Finger über seine Hand gleiten, als sie sich vom Kartentisch abwandte, und zwickte ihn dann zum Abschied.

„Gute Nacht, Kapitän Mayo. Morgen nehme ich eine weitere Lektion.“

„Ich stehe zu Ihren Diensten“, erwiderte er.

Ihre Stimmen verrieten nichts, doch Beveridges scharfe Augen – die Augen, die in dem größten aller Spiele, bei dem Vermögen auf dem Spiel standen, Gesichter studiert hatten – bemerkten den Blick, den sie austauschten. Er war langgezogen, so ausdrucksstark wie ein verweilender Kuss.

Mr. Beveridge, dessen Brautwerbung von Julius Marston gebilligt wurde, war wegen irgendwelcher Schlussfolgerungen aus diesem sanften Blick nicht sonderlich beunruhigt. Er konnte nicht einmal einem Kohlenkipper einen Vorwurf machen, der Miss Alma Marston zärtlich anstarrte, denn sie war besonders ansehnlich, und er genoss es selbst, sie anzusehen. Er war Philosoph genug, um anderen Leuten ihr Vergnügen zu gönnen und damit seine Zustimmung zu seiner Wahl zu geben. Er entschuldigte Kapitän Mayo. Was Miss Marston betraf, so betrachtete er ihre Leichtlebigkeit wie die der anderen Mädchen, die er kannte; sie alle hatten zu viel freie Zeit.

„Gib den armen Teufeln eine Chance, Alma. Bring sie nicht durcheinander“, riet er ihr gereizt, als sie ihm die Leiter hinunter folgte. Er stand am Fuß der Leiter und bot ihr seine Hand an, doch sie sprang die letzten beiden Stufen hinunter und nahm seine Hilfe nicht an. „Jetzt hast du unseren Kapitän so verdreht, dass er nicht mehr weiß, wo Norden und Süden ist.“

„Ich lege keinen großen Wert auf deine Betonung des ‚jetzt‘“, erklärte sie entrüstet. „Du scheinst anzudeuten, dass ich durch die Welt laufe und versuche, jeden Mann zu bezirzen, den ich sehe.“

„Das scheint heutzutage der beliebte Sport für Mädchen zu sein, drinnen wie draußen“, erwiderte er gutmütig. „Gerade eben hast du noch mit deinen Augen diesen Kerl da oben verrückt gemacht. Natürlich, Übung macht den Meister. Aber du bist im Grunde ein gutes, liebes Mädchen. Mach sie nicht unglücklich.“

Das Mitleid von Mr. Beveridge wäre an jenem Abend bei Kapitän Boyd Mayo verschwendet gewesen. Der Kapitän löschte das Licht im Kartenraum, sobald sie gegangen waren, und dort in der Dunkelheit schloss er sein Glück in sein Herz, genau wie er ihr köstliches Wesen in seine Arme geschlossen hatte. Er hob die Hände und drückte sein Gesicht in seine Handflächen. Er sog den zarten, feinen Duft ein – nur ein Hauch von Parfüm –, den süßen Geist ihrer Persönlichkeit, den sie zurückgelassen hatte. Ihre Berührung elektrisierte ihn noch immer, und die Wärme ihres letzten Kusses lag auf seinen Lippen.

Dann ging er hinaus und stieg die Leiter zur Brücke hinauf. Ein Blick über die Schulter des Mannes am Ruder in den sanften Schein unter der Haube des Kompasses zeigte ihm, dass die Olenia auf ihrem Kurs war.

„Es ist ein wunderschöner Abend, Mr. McGaw“, sagte er zum Ersten Offizier, einem untersetzten, kleinen Mann mit krummen Beinen, der auf und ab ging und seine Schritte mit der Regelmäßigkeit eines Pendels maß.

„Das ist es, Sir!“

Mr. McGaw hatte vor seiner Antwort offensichtlich Schwierigkeiten mit etwas, das in seiner Wange vorgewölbt war. Er schien zudem ziemlich überrascht von der lebhaften Heiterkeit des Kapitäns. Sein Vorgesetzter war viele Tage lang mit Melancholie in jedem Zug seines Gesichts auf dem Schiff herumgeschlichen.

„Ja, es ist die schönste und vollkommenste Nacht, die ich je gesehen habe, Mr. McGaw.“ In den beschwingten Tönen des Kapitäns lag Triumph.

„Muss man wohl als das bezeichnen, was man eine sternenklare Nacht für einen Spaziergang nennt“, gab der Erste Offizier zu und versuchte, Worte zu finden, die zu dem Anlass passten.

„Ich übernehme den Rest dieser Wache und die Mittelwache, Mr. McGaw“, bot der Kapitän an. „Ich möchte heute Nacht aufbleiben. Ich kann nicht schlafen gehen.“

Das Angebot bedeutete, dass Kapitän Mayo plante, bis vier Uhr morgens im Dienst zu bleiben.

Erster Offizier McGaw nestelte mit einem knorrigen Finger unter seiner Nase und versuchte, Worte des Protests zu finden. Doch Kapitän Mayo fügte einen scharfen Befehl hinzu.

„Gehen Sie nach unten, Mr. McGaw, und ruhen Sie sich aus. Sie können es mir ein anderes Mal wiedergutmachen, wenn kein Mond scheint!“ Er lachte.

Als alle Lichter in der Kajüte gelöscht waren und ihm klar wurde, dass sie schlafen musste, schritt er über die Brücke, frohlockend, weil ihre Sicherheit in seinen Händen lag, doch zutiefst jauchzend, weil sie ihn liebte und es ihm gesagt hatte.

Gehorsam war Teil seiner Ausbildung gewesen.

Sie hatte ihm befohlen, in der Gegenwart zu leben und zu lieben und die Zukunft für sich selbst sorgen zu lassen, und es erfüllte ihn mit einem Gefühl süßer Kameradschaft, ihrem kleinsten Wunsch zu gehorchen, wenn er von ihr getrennt war. Daher legte er alle Gedanken an Julius Marston und seine Millionen beiseite – Julius Marston, sein Herr, Eigner der Yacht, die unter dem Mond weiterzog – jener eisige, schweigsame Mann mit dem schmalen Streifen frostigen Bartes, der sein Kinn betonte.

Mayo schritt über die Brücke, lebte und liebte.

II ~ DANN SIEHT KAPITÄN MAYO SCHAREN

Nichts ist am Heck, nichts ist im Lee, Weh hoch, weh tief, und so segelten wir. Doch ein stolzes Schiff ist in Luv, Und sie segelt schnell und frei, Segelt die Küste der hohen Barbarei entlang. — Altes Schanty.

Der Kapitän der Olenia ertappte sich dabei, wie er sich in Vermutungen und Staunen erging, mehr als es für einen Mann gut ist, von dem erwartet wird, dass er gehorcht, ohne nach dem Warum zu fragen.

Diese Reise schien eine Reihe sprunghafter Wechsel zwischen gemächlichem Müßiggang und hastiger Eile zu sein.

Es gab Tage, an denen ihm befohlen wurde, mit halber Kraft vor der Küste entlangzutuckern. Dann drängten sich Julius Marston und seine zwei besonderen und engen Gefährten, offensichtlich Geschäftsleute, Männer seines Schlages, stundenlang in ihren Hängesesseln unter dem Achterdecksegel zusammen und redeten endlos. Alma Marston und ihre jungen Freunde blieben, begleitet von einer liebenswürdigen Tante – so verstand Kapitän Mayo ihren Status in der Gruppe –, rücksichtsvoll von der ernsthaften Dreiergruppe fern. Arthur Beveridge schloss sich den jungen Leuten an.

Von der Brücke aus erhaschte der Kapitän Blicke auf all diese Schiffsroutine. Das Herumtreiben der Yacht vor der Küste schien Teil der Sommerferien zu sein.

Doch die gelegentlichen Eilen in Häfen, die Konferenzen unter Deck mit Männern, die mit mehr oder weniger Geheimnistuerei kamen und gingen, passten nicht zum Ferienaspekt der Reise.

Auf diese Konferenzen folgten oft Befehle an den Kapitän, innere Küstenbereiche zu durchfahren und unbesuchte Häfen aufzusuchen.

Kapitän Mayo war auf diese Fahrten vorbereitet worden, obwohl er nicht über den Grund informiert worden war. Es war seine erste Saison auf der Yacht Olenia. Der Schifffahrtsmakler, der ihn eingestellt hatte, war bei seinen Erkundigungen über Mayos Kenntnisse der Küstenwege gründlich gewesen. Dem jungen Mann, der seit seinem siebzehnten Lebensjahr Fischer und Küstenschiffe befehligt hatte, war es leicht gefallen, den Schifffahrtsmakler zu überzeugen, und dieser hatte ihn ohne die Formalität eines Gesprächs mit dem Eigner an Bord der Yacht geschickt.

Mayo wurde kurz mitgeteilt, dass kein Gespräch nötig sei. Ihm wurde gesagt, dass Julius Marston sich nie mit Details abgebe.

Als Julius Marston mit seiner Gruppe an Bord kam, nickte er lediglich eine knappe Anerkennung des Grußes des Yachtkapitäns, der mit der Mütze in der Hand an der Gangway stand.

Der Eigner hatte nie Interesse an der Führung der Yacht gezeigt; er war hinter der Hauptgangway geblieben; er hatte den Kapitän nie zu einer Besprechung bezüglich der Bewegungen der Olenia gerufen.

Kapitän Mayo, der während der Vormittagswache die Brücke auf und ab schritt und versuchte, das ganze Ausmaß seines Glücks nach beunruhigenden Träumen von der Tochter seines Herrn zu erfassen, erinnerte sich, dass er nie den Klang von Julius Marstons Stimme gehört hatte. Was den persönlichen Kontakt betraf, so war der Yachtkapitän für den Eigner offensichtlich genauso gleichgültig wie der Schornstein der Yacht.

Befehle wurden immer von einem blassen jungen Mann nach vorne gebracht, der selbst bis zur Unhöflichkeit schweigsam war und sich durch diese Eigenschaft bei Marston als sicherer Sekretär zu empfehlen schien.

Anfangs hatte Alma Marston ihre Freunde zur Brücke gebracht. Doch nachdem das Neue verflogen war, schienen sie den Komfort der Sessel achtern oder der Saloncouches zu bevorzugen.

Eine Zeit lang war der aufmerksame Beveridge ihr gefolgt, wenn sie nach vorne kam; und dann entdeckte Beveridge, dass sie ihn bei ihrer Suche nach Informationen von dem großen jungen Mann in Uniform völlig ignorierte. Sie kam allein.

Und danach geschah, was geschah.

Sie kam an jenem Vormittag allein. Er sah sie kommen. Er hatte bei jedem Umkehren am Ende der Brücke einen Blick nach achtern geworfen. Er beugte sich tief und streckte seine Hand aus, um ihr auf die Leiter zu helfen.

„Ich war den ganzen Morgen fast verrückt. Aber ich musste eine anständige Zeit warten und mir nach dem Frühstück ihren Klatsch anhören“, sagte sie ihm, ihr Gesicht nahe bei seinem, als sie die Leiter heraufkam. „Und außerdem ist mein Vater heute bissig. Er hat mich gestern Abend ausgeschimpft, weil ich meine Gäste vernachlässigt habe. Als ob ich dazu berufen wäre, den ganzen Tag dazusitzen und Nan Burgess dabei zuzuhören, wie sie ihre Liebhaber bewertet, oder jedes Mal ein Lied zu singen, wenn Wally Dalton einen Rückfall seiner Liebeskrankheit hat. Er ist ja extra weggefahren, um sie zu vergessen, weißt du.“ Sie kicherte und stieß ihr lustiges kleines Glucksen aus, das in ihm immer den Wunsch weckte, es mit Küssen zu ersticken.

Sie gingen zum Ende der Brücke, abseits vom Rudergänger.

„Ich habe mich gestern Abend beeilt, einzuschlafen, damit ich von dir träumen konnte, mein eigener großer Junge.“

„Ich bin bis nach Tagesanbruch auf der Brücke gelaufen. Ich wollte wach bleiben. Ich konnte es nicht ertragen, den Schlaf meine Gedanken nehmen zu lassen.“

„Was gibt es außer der Liebe, das diese Welt so voller Glück macht? Wie hell die Sonne ist! Wie die Wellen funkeln! Die Leute da hinten sehen dieselben Dinge wie wir – oder sie könnten sie sehen, obwohl sie nicht schlau genug dazu scheinen. Und alles, was sie bemerken, ist, dass es Tag statt Nacht ist. Mein Vater und diese Männer reden über Geld – nur Geld – das ist alles. Und Wally hat Kopfschmerzen vom Trinken von zu viel Scotch. Und Nan Burgess liebt niemanden, der sie liebt. Aber wir – oh, diese herrliche Welt!“

Sie streckte ihre Arme zur Sonne aus und starrte kühn auf das glühende Gestirn, als wäre sie mit dem, was ihre Augen sehen konnten, nicht zufrieden, sondern wollte die Herrlichkeit der Außenwelt greifen und spüren. Wäre Kapitän Mayo in Psychologie genauso bewandert gewesen wie in Navigation, hätte er aus diesem offenen und unbewussten Ausdruck der Stimmung der Materialistin einige beunruhigende Schlussfolgerungen ziehen können. Sie unterstrich diese Stimmung mit Worten.

„Ich zeige dir eines Tages mein kleines Notizbuch, großer Junge. Dort schreibe ich meine Verse hinein. Ich zeige sie niemandem. Siehst du, ich erzähle dir meine Geheimnisse! Wir müssen uns gegenseitig unsere Geheimnisse erzählen, du und ich! Ich habe meine Lebensphilosophie in vier Zeilen gefasst. Hör zu!

Die Zukunft? Warum die Seele quälen? Die Vergangenheit? Vergiss ihr Leid und ihren Streit! Lass uns jeden Tag als ein Ganzes wählen, Auf unserer Lebenskette, in Ewigkeit.“

„Es ist wunderschön“, sagte er zu ihr.

„Ist es keine gute Philosophie?“

„Ja“, gab er zu, ohne es zu wagen, an der Hohepriesterin des neuen Kults zu zweifeln, zu dem er kommandiert worden war.

„Es erspart all diese törichten Sorgen. Die meisten Leute, die ich kenne, reden immer über die schlechten Dinge, die ihnen passiert sind, oder schauen in die Zukunft und hoffen, dass gute Dinge passieren, und sie schauen kein einziges Mal nach unten und bewundern einen goldenen Moment, den das Schicksal in ihre Hände gelegt hat. Du siehst, ich bin heute Morgen poetisch. Warum sollte ich es nicht sein? Wir lieben uns.“

„Ich weiß nicht, wie man redet“, stammelte er. „Ich bin nur ein Seemann. Ich habe in meinem Leben noch nie ein Wort über Liebe zu einem Mädchen gesagt.“

„Bist du sicher, dass du noch nie jemanden geliebt hast? Denk daran, wir müssen uns gegenseitig unsere Geheimnisse erzählen.“

„Niemals“, erklärte er mit überzeugender Bestimmtheit.

Sie musterte ihn und zeigte die Zufriedenheit, die ein Goldgräber beim Bewerten eines Nuggets aus reinem Erz zeigen würde. „Aber du bist so groß und fein! Und du musst so viele hübsche Mädchen getroffen haben!“

Er war unter dieser Befragung nicht unruhig. „Ich habe Ihnen die Wahrheit gesagt, Miss Marston.“

„Pfui, großer Junge! ‚Miss Marston‘, wirklich! Ich bin Alma – Alma für dich. Sag es! Sag es schön!“

Er errötete. Er warf einen schamhaften Blick zum Rudergänger und warf einen schnellen und besorgten Blick auf die heiligen Regionen achtern.

„Hast du Angst, nach allem, was ich dir gesagt habe?“

„Nein, aber es scheint – ich kann es kaum glauben –“

„Sag es.“

„Alma“, schluckte er. „Alma, ich liebe dich.“

„Du brauchst ein paar Lektionen, großer Junge. Du bist so unbeholfen, dass ich glaube, du sagst mir die Wahrheit über die anderen Mädchen.“

Er wagte nicht, sie zu fragen, ob sie schon jemand anderen geliebt hatte. Mit der ganzen leidenschaftlichen Eifersucht seiner Seele wollte er sie fragen. Sie, die so sicher war, dass sie ihn unterweisen konnte, musste schon jemanden geliebt haben. Er versuchte sich damit zu trösten, dass ihr Wissen von den Bemühungen stammte, die andere Männer unternommen hatten, um sie zu gewinnen.

„Wir haben unser Heute“, murmelte sie. „Goldene Stunden, bis der Mond aufgeht – und dann vielleicht ein paar silberne! Es ist mir egal, was Arthur vermutet. Mein Vater ist zu sehr damit beschäftigt, mit diesen Männern über Geld zu reden, um etwas zu ahnen. Ich werde bei dir sein, so viel ich kann. Ich kann es arrangieren. Ich lerne Navigation.“

Sie schmiegte sich an die Reling und genoss die Sonne.

„Wer bist du?“, fragte sie unverblümt.

Diese Frage, die nach dem Versprechen ihrer Zuneigung kam, erstaunte ihn wie das Auftauchen einer Klippe in der Fahrrinne.

„Es reicht mir, dass du einfach so bist, wie du bist, Junge! Aber du bist doch kein verkleideter Prinz, oder?“

„Ich bin nur ein Yankee-Seemann“, sagte er ihr. „Aber wenn du nicht denkst, dass ich versuche, mit dem zu handeln, was meine Leute vor mir waren, dann sage ich dir, dass mein Großvater Gamaliel Mayo aus Mayoport war.“

„Das klingt gut, aber ich habe noch nie von ihm gehört. Bei all meiner Philosophie bin ich eine schlechte Geschichtsstudentin, Schatz.“ Ihr Tonfall und der Name, den sie ihm gab, nahmen ihrem Geständnis den Stachel.

„Ich glaube nicht, dass er eine große Rolle in der Geschichte gespielt hat. Aber er baute zu seiner Zeit sechzehn Schiffe, und unsere Hausflagge umkreiste viele Male die Welt. Sechzehn große Schiffe, und das letzte war die Harvest Home, der China-Klipper, der sich dreimal bezahlt hatte, bevor ein Monsun im Indischen Ozean ihn verschlang.“

„Nun, wenn er all das Geld gemacht hat, segelst du dann aus Spaß zur See?“

„Es gibt keine hölzernen Yankee-Schiffe mehr auf See. Mein armer Vater dachte, er sei klug, als die Holzschiffe verdrängt wurden. Er steckte sein Geld in Eisenbahnen – und du weißt, was mit den meisten Leuten passiert ist, die ihr Geld in neue Eisenbahnen gesteckt haben.“

„Ich fürchte, ich verstehe nicht viel von Geschäften.“

„Die Falken fingen die Tauben. Es war ein Spiel, das in ganz Neuengland gespielt wurde. Die Leute, deren Geld die Straßen baute, wurden herausgedrängt. Lange bevor meine Mutter starb, war unser Geld weg, aber mein Vater und ich ließen sie es nicht wissen. Wir nahmen Hypotheken auf und gaben ihr das, woran sie immer gewöhnt war. Und als mein Vater starb, war nichts mehr da!“

Ihre Augen glänzten. „Das ist Ritterlichkeit“, rief sie. „Das ist der Geist der Ritter von einst, wenn es um Frauen ging. Ich verehre dich für das, was du getan hast!“

„Es war die Art, wie mein Vater und ich es sahen“, sagte er sanft. „Mein Vater war kein sehr praktischer Mann, aber ich habe ihm immer zugestimmt. Und ich bin jetzt glücklich, verdiene meinen eigenen Lebensunterhalt. Warum sollte ich denken, dass mein Großvater sein ganzes Leben lang hätte arbeiten sollen, damit ich nicht arbeiten muss?“

„Ich nehme an, es ist etwas anderes bei einem großen, starken Mann und einer Frau. Sie braucht so viel, dass ein Mann es ihr geben muss.“

Kapitän Mayo wurde sofort still, niedergeschlagen und verlegen. Er starrte nach achtern, er blickte auf die prächtige Yacht, deren Finanzen er verwaltete und deren Extravaganz er kannte. Er sah das Mädchen an seiner Seite und blinzelte auf die Juwelen, die im Sonnenlicht funkelten, als ihre Finger die Haarsträhnen feststeckten, mit denen die Brise gespielt hatte.

„Ich glaube, mein Vater arbeitet, weil er es liebt“, sagte sie. „Ich wünschte, er würde sich ausruhen und andere Dinge mehr genießen. Wenn Mutter gelebt hätte, um ihn zu beeinflussen, hätte er vielleicht etwas anderes im Leben gesehen, statt nur Geld anzuhäufen. Aber er hört nicht auf mich. Er gibt mir Geld und sagt mir, ich solle gehen und spielen. Ich vermisse meine Mutter, Junge! Ich habe niemanden, mit dem ich reden kann – der mich versteht!“

Tränen standen in ihren Augen, und er war ihr dankbar dafür. Er hatte das Gefühl, dass sie Tiefen in ihrem Wesen hatte. Doch die scharfe Erkenntnis seiner Lage im Vergleich zu ihrer bedrückte ihn. Sie stand da, der Luxus in Person, Herrin über alles, was Geld ihr geben konnte.

„Jeder kann Geld verdienen“, erklärte sie. „Mein Vater und diese Männer sitzen da und schmieden Pläne, um Tausende und Abertausende von Dollar zu verdienen. Alles, was sie tun müssen, ist, die Köpfe zusammenzustecken und zu planen. Hin und wieder höre ich ein paar Worte. Sie werden alle Dampfschiffe besitzen – oder so etwas in der Art. Jeder kann Geld verdienen, sage ich, aber es gibt nur wenige, die wissen, wie man es genießt.“

„Ich habe seit letzter Nacht viel nachgedacht – Alma.“ Er zögerte, als er ihren Namen aussprach, und platzte dann damit heraus.

„Glaubst du, es ist wirklich liebhaberhaft, meinen Namen zu behandeln, als wäre er eine Hürde, über die du springen musst?“, fragte sie mit ihrem ärgerlichen kleinen Kichern. „Oh, du hast noch so viel zu lernen!“

„Ich fürchte wohl. Ich habe noch viele Dinge vor mir, die ich lernen und tun muss. Ich habe nachgedacht. Ich habe Angst vor den Männern, die zusammensitzen und planen und ihren ganzen Verstand darauf verwenden, Geld zu verdienen. Sie haben uns Schlimmes angetan, und wir haben es erst verstanden, als alles vorbei war. Aber ich muss unter sie gehen und sie beobachten und lernen, wie man Geld macht.“

„Sei jetzt nicht wie die anderen und rede von Geld – Geld“, sagte sie pikiert. „Geld und ihre Liebesgeschichten – das ist das Gerede, das ich von Männern gehört habe, seit ich aus dem Kinderzimmer in den Salon durfte!“

„Aber ich muss ein wenig von Geld reden, Liebste. Ich muss meinen Weg in der Welt machen.“

„Sparsam, praktisch und Yankee!“, scherzte sie. „Ich nehme an, du kannst nicht anders!“

„Es ist nicht für mich – es ist für dich!“, erwiderte er sehnsüchtig, und mit einer Stimme und einem Gebaren bot er sich als Opfer der Liebe vor ihr an – die alte Geschichte von völliger Hingabe – das uralte Opfer.

„Ich habe alles, was ich will“, beharrte sie.

„Aber ich muss in der Lage sein, dir das zu geben, was du willst!“

„Ich warne dich, dass ich Geldgeier hasse! Sie haben keinen Funken Romantik in sich. Boyd, du wärst in kurzer Zeit wie alle anderen. Das darfst du nicht tun.“

„Aber ich muss eine Stellung haben – Mittel, bevor ich es wage, zu deinem Vater zu gehen – wenn ich jemals in der Lage sein werde, zu ihm zu gehen!“

„Zu ihm gehen, wozu?“

„Um ihn zu bitten – um zu sagen – um – nun, wenn wir das Gefühl haben, dass ich in einer Position bin, in der wir heiraten können –“

„Natürlich werden wir eines Tages heiraten, Junge, aber das wird sich alles von selbst regeln, wenn die Zeit gekommen ist. Aber jetzt bist du – wie alt bist du, Boyd?“

„Sechsundzwanzig.“

„Und ich bin neunzehn. Und was hat die Ehe mit der Liebe zu tun, die wir gerade jetzt genießen?“

„Wenn Leute verliebt sind, wollen sie heiraten.“

„Gewährt! Aber wenn Liebende klug sind, werden sie die Romantik anfangs so behandeln wie der Feinschmecker sein Glas guten Weins. Sie werden ihn langsam eingießen, das Glas gegen das Licht halten und seine Farbe bewundern!“ In ihrer ausgelassenen Stimmung drückte sie Daumen und Zeigefinger zusammen und hob ein imaginäres Glas zur Sonne. „Dann werden sie das Bukett erschnuppern. Ah-h-h, wie duftend! Und nach einer Weile werden sie einen kleinen Schluck nehmen – nur einen winzig kleinen Schluck – und ihn so lange wie möglich auf der Zunge zergehen lassen. Denn, wenn er erst einmal hinuntergeschluckt ist, was nützt er dann noch? Oh, Junge, da bist du nun – und sprichst als Erstes von der Ehe! Du sprichst von dem guten Wein des Lebens und der Liebe, als wäre er nur eine Flüssigkeit, um den Durst zu stillen. Wir werden uns erst einmal lieben! Komm, ich werde es dich lehren.“

Er wusste nicht, was er ihr darauf antworten sollte. Es lag eine Art Zügellosigkeit in ihrer Heiterkeit. Ihre exotische Ausdrucksweise brachte jemanden in Verlegenheit, der an die lakonische Direktheit von Seeleuten gewöhnt war. Sie sah ihn an und neckte ihn mit ihren Augen. Er war ein wenig erleichtert, als der blasse Sekretär die Leiter heraufgeschleppt kam und das tête-à-tête unterbrach.

„Mr. Marstons Befehl lautet, Captain Mayo, dass Sie hier beidrehen und nach Westen steuern. Kennen Sie den üblichen Kurs der Bee-Line-Dampfer?“

„Ja, Sir.“

„Er wünscht, dass Sie Richtung Küste abdrehen und diesem Kurs folgen.“

„Sehr wohl, Sir.“ Captain Mayo ging zum Ruder. „Nord-Nordwest, Billy, bis ich dir den genauen Kurs durchgeben kann.“

„Nord-Nordwest!“, wiederholte der Rudergänger, legte das Ruder hart herum, und die Olenia vollführte eine das Dollbord eintauchende Kurve und folgte wieder ihrem eigenen Kielwasser aus weißem Schaum.

Miss Marston ging dem Kapitän die Leiter hinunter voraus und betrat den Kartenraum. „Einen Kuss – schnell!“, flüsterte sie.

Er hielt sie einen langen Augenblick fest umschlungen.

„Sie sind ein äußerst gehorsamer Kapitän“, sagte sie.

Als er sie losließ und sich an seine Arbeit machte, lehnte sie sich an seine Schulter und beobachtete ihn, wie er seine Parallellinien über die Seekarte zog.

„Wir fahren zum Razee Reef“, erklärte er ihr, eifrig bemüht, sie zur Teilhaberin an all seinen kleinen Sorgen zu machen. „Die Bee-Boote steuern dort die Heulboje an, um von dort aus ihre nächste Etappe festzulegen. Ich wusste nicht, dass Mr. Marston sich für die Bee-Line interessiert.“

„Ich habe ihn über diese Linie sprechen hören“, sagte sie gleichgültig. „Manchmal höre ich zu, wenn ich nichts anderes zu tun habe. Er benutzte ein unanständiges Wort über jemanden, der mit dieser Firma in Verbindung steht – und da er sich nur selten erlaubt zu fluchen, habe ich zugehört, um zu erfahren, worum es ging. Ich weiß es selbst jetzt nicht. Ich verstehe solche Dinge nicht. Aber er sagte, wenn er sie nicht kaufen könne, werde er sie kaputtmachen. Das waren seine Worte. Keine sehr elegante Sprache. Aber mehr weiß ich nicht mehr.“

Bevor er den Kartenraum verließ, warf Mayo einen Blick auf das Barometer. „Es tut mir leid, dass er mich in Richtung Küste beordert hat“, sagte er. „Das Glas steht für meinen Geschmack zu weit unter dreißig. Ich glaube, das bedeutet Nebel.“

„Aber es ist doch so klar und schön“, wandte sie ein.

„Es ist auf See immer besonders schön, bevor etwas Schlechtes passiert“, erklärte er lächelnd. „Und schon seit zwei Tagen liegt ein großer Nebelgürtel weiter südlich. Es ist ein bisschen wie im Leben, Liebste. Alles wunderbar, und dann hüllt uns der Nebel ein!“

„Aber ich wäre mit dir glücklich, selbst im Nebel“, versicherte sie ihm.

Er erstrahlte bei ihren Worten und antwortete mit seinen Augen.

Sie wäre ihm gerne zurück auf die Brücke gefolgt, aber der Steward hielt sie auf. Er hatte vor dem Kartenraum gewartet.

„Mr. Marstons Komplimente, Miss Marston! Er bittet Sie, sich ihm beim Kartenspiel anzuschließen.“

Sie schmollte, als sie Mayos Blick des Ärgers erwiderte, und gehorchte dann der Anordnung.

Mr. Marston strich mit Daumen und Zeigefinger über seinen schmalen Kinnbart, als sie auf dem Achterdeck ankam. Die Geschäftsleute waren unter Deck, und er wies auf einen Hängemattenstuhl neben sich.

„Alma, für den Rest dieser Kreuzfahrt möchte ich, dass du hier hinten bei unseren Gästen bleibst, wo du hingehörst“, befahl er mit der Direktheit, die Julius Marston im Umgang mit den Leuten seines Haushalts an den Tag legte.

„Was meinst du damit, Vater?“

„Genau das. Ich habe mich präzise ausgedrückt, nicht wahr?“

„Aber du willst doch nicht etwa andeuten, dass – dass ich –“

„Nun?“, Mr. Marston glaubte daran, anderen den Vortritt zu lassen, ihre Gefühle offen zu legen, bevor er die seinen enthüllte.

„Du willst doch nicht behaupten, dass es etwas Unrechtes daran gibt, auf der Brücke zu sein, wo es mir so viel Spaß macht. Ich versuche, etwas über Navigation zu lernen.“

„Ich bezahle diesen Kerl da oben, damit er sich um all das kümmert.“

„Und hier hinten wird es langweilig.“

„Du hast dir deine Gesellschaft für die Kreuzfahrt selbst ausgesucht – und Mr. Beveridge steht bereit, um dich jederzeit zu unterhalten.“

„Mr. Beveridge amüsiert mich – zweifellos amüsiert er mich“, entgegnete sie. „Aber es gibt so etwas wie eine Ermüdung, selbst bei einem solchen Witz wie Mr. Beveridge.“

„Du wirst bitte einen respektvolleren Ton anschlagen, wenn du dich auf diesen Herrn beziehst“, sagte ihr Vater streng. Doch er verfiel sogleich wieder in seine übliche Stimmung, wenn sie in seine Angelegenheiten eingriff. Er war gönnerhaft tolerant. „Deine Freundin, Miss Burgess, hat Witze über deine plötzliche Hingabe zur Navigation gemacht, Alma.“

„Nan Burgess kann ihre Zunge nicht im Zaum halten, nicht einmal bei sich selbst.“

„Ich weiß, aber ich habe nicht die Absicht, dass du Anlass selbst für Witze gibst. Natürlich verstehe ich das. Ich kenne deine Launen. Du interessierst dich persönlich für diesen goldbetressten Kerl ungefähr so sehr, wie du dich für dieses Messingding interessieren würdest, wo der Kompass ist – wie auch immer sie das nennen.“

„Aber er ist ein Gentleman!“, rief sie, wobei ihr Interesse sie unvorsichtig machte. „Sein Großvater war –“

„Alma!“, herrschte Julius Marston sie an. Seine Augen weiteten sich. Er musterte sie von oben bis unten. „Ich habe schon früher gehört, dass eine Seereise Frauen albern macht. Ich neige dazu, es zu glauben. Es ist mir verdammt egal, wer der Großvater dieses Kerls war. Du bist meine Tochter – und du bleibst dieser Brücke fern!“

Die Geschäftsleute kamen die Niedergangstreppe herauf, und sie stand auf und eilte in ihre Kabine.

„Ich wage es nicht, Nan Burgess jetzt zu treffen“, sagte sie zu sich selbst. „Freundschaften können zerbrechen, wenn man bestimmte Dinge sagt – und ich fühle mich in diesem Moment vollkommen dazu fähig, ihr genau solche Dinge zu sagen.“

Am späten Nachmittag nahm die Olenia, während die Küstenlinie steuerbord aufragte, Kurs auf einen großen Dampfer, der mit einer wehenden schwarzen Rauchfahne hinter sich das Meer heraufgewalzt kam.

Der Nebel, den Captain Mayo vorausgesagt hatte, war im Anmarsch. Fetzen davon zogen über die Wellen – Plänkler, die der Hauptstreitmacht vorausgeschickt wurden, welche langsamer und in geschlossener Formation dahinterherzog.

Eine Heulboje signalisierte mit ihrem grimmigen Grunzen allen Seefahrern, sich vor dem Razee Reef in Acht zu nehmen, das seinen gezackten, schwarzen Körper gegen die Skyline hob. Bei dem aufkommenden Nebel musste Captain Mayo die genauen Peilungen von Razee nehmen, denn er hatte beschlossen, in dieser Nacht den Hafen anzulaufen. Diese Küste, zu deren innerem Kurs Marstons Befehle die Yacht geschickt hatten, war zu gefährlich, um sie in einer nebelverhangenen Nacht zu befahren. Daher steuerte der Kapitän die Heulboje fast direkt an und ließ dem größeren Dampfer auf dem offenen Meer genügend Platz.

Mit einigem Erstaunen bemerkte Mayo, dass der andere Kerl in einem schärferen Winkel auf die Boje zusteuerte, als irgendjemand nötig hätte. Dieser Kurs würde, wenn er beibehalten würde, die Yacht in gefährliche Gewässer drängen. Mayo gab dem entgegenkommenden Dampfer ein Signal mit dem Pfeifen, um seine Absicht anzuzeigen, steuerbord zu passieren. Nach einer Verzögerung wurde ihm mit zwei heiseren Stößen geantwortet – ein eklatanter Verstoß gegen die Verkehrsregeln.

„Das muss ein Irrtum sein“, informierte Captain Mayo den Steuermann McGaw.

„Das ist ein höflicher Name dafür, Sir“, bestätigte Mr. McGaw, nachdem er den Klumpen in seiner Wange verschoben hatte.

„Natürlich meint er das nicht so, Mr. McGaw.“

„Warum gibt er uns dann nicht mehr Platz an der Außenseite der Boje, Sir?“

„Ich kann jetzt nicht abdrehen und seinen Bug kreuzen. Wenn er uns rammen sollte, wären wir die, die für den Unfall verantwortlich gemacht würden.“

Wieder gab Mayo dem sturen Dampfer einen einzelnen Pfiff.

„Wenn er meine Signale noch einmal kreuzt, werde ich ihn melden“, informierte er den Steuermann. „Passen Sie genau auf, Mr. McGaw, und Sie auch, Billy. Wir müssen vielleicht vor die Inspektoren.“

Aber der große Kerl vor ihnen würdigte sie keines Blickes. Er hielt stur auf die Heulboje zu.

„Komplimente von Mr. Marston!“, rief der Sekretär von der Brückenleiter. „Welcher Dampfer ist das?“

„Die Conorno von der Bee-Line, Sir“, gab Captain Mayo über die Schulter zurück. Dann stieß er einen kräftigen, herzhaften Fluch aus tiefer See aus. Dem Anschein nach, so unglaublich die Situation auch schien, beabsichtigte die Conorno, die Yacht innerhalb der Heulboje abzudrängen.

Mayo rannte zum Ruder und riss wütend am Glockenzug. Im Maschinenraum ertönten vier schnelle Schläge, und im selben Moment begann die Olenia in all ihren Strukturen zu beben. Während sie volle Fahrt voraus fuhr, hatte Mayo volle Fahrt zurück befohlen. Dann gab er drei Pfiffe ab, wie es die Verkehrsregeln vorschreiben. Die Zwillingsschrauben der Yacht peitschten unter dem Heck ein schäumendes Chaos auf, und während sie sich so in ihrem eigenen Kielwasser abmühte und vor äußerster Terror wie ein lebendiges Wesen zitterte, rauschte der große Dampfer vorbei. Der Schaum der cremigen Wogen an seinem Bug spritzte verächtlich Gischt auf Julius Marston und seine Gäste auf dem Achterdeck der Olenia. Männer grinsten von den hohen Fenstern des Steuerhauses des Dampfers auf sie herab.

Eine höhnische Stimme dröhnte durch ein Megafon: „Gehen Sie der Bee-Line aus dem Weg! Nehmen Sie den Wink!“

Ein Offizier deutete mit dem Finger auf Marstons Hausflagge, die am Hauptmast der Yacht flatterte. Der blaue Fischschwanz mit dem Buchstaben „M“ hatte der Yacht Identität vor den suchenden Ferngläsern enthüllt.

„Machen Sie sie lieber schwarz! Totenkopf und gekreuzte Knochen!“, bot der Megafon-Bediener als Vorschlag an.

Weiter fuhr sie das Meer hinunter, und die Olenia tanzte im turbulenten Kielwasser der schlagenden Schrauben.

Dann hörte Captain Mayo zum ersten Mal die Stimme von Julius Marston. Der Magnat stand auf, schüttelte die Faust in Richtung seines stierenden Kapitäns und brüllte: „Was zum Teufel bildest du dir eigentlich ein, was du da tust?“

Es war eine erstaunliche, beleidigende und, unter den Umständen, wie Mayo sie kannte, ungerechte Frage. Der Kapitän der Olenia antwortete nicht. Er war nicht bereit, eine Erklärung über diese Distanz abzugeben. Zudem erforderte die Yacht in diesem Augenblick seine volle Aufmerksamkeit. Er gab seine Befehle, und sie schoss vorwärts, um die Heulboje zu umrunden.

„Nordwest zu West, halbe West, Billy. Und halt sie knapp!“

Der Nebel war förmlich vom Meer auf sie gesprungen. Der Landwind hatte die Nebelwand zurückgehalten und sie als graubraune Bank im Süden aufgestaut. Der Wind hatte nachgelassen. Der Nebel hatte seine Chance genutzt.

„Saturday Cove ist für uns heute Nacht, Mr. McGaw“, sagte der Kapitän. „Behalten Sie den Kurs über Billys Schulter im Auge.“

Dann erschien der Sekretär wieder auf der Leiter. Diesmal brachte er keine „Komplimente“.

„Mr. Marston verlangt, dass Sie sich sofort achtern melden“, kündigte er schroff an.

Mayo zögerte einen Moment. Sie fuhren in eine Leere, die sich mit einer erstickenden Dichte herabgesenkt hatte, die Seeleute „Kerkernebel“ nennen. Die Einfahrt nach Saturday Cove war ein fernes und kleines Ziel. Trotz Steuermann und Maat lag die Verantwortung allein bei ihm.

„Wollen Sie Mr. Marston bitte erklären, dass ich die Brücke nicht verlassen kann?“

„Sie haben direkte Befehle von ihm, Kapitän! Sie sollten das Boot besser stoppen und sich melden.“

Der Skipper der Olenia bekam seinen ersten Vorgeschmack auf die unvernünftige Laune des Autokraten, der das Recht beanspruchte, die Disziplin an Bord selbst in einem kritischen Moment zu stören. Mayo spürte, wie der Ärger in ihm aufstieg, aber er war bereit, es zu erklären.

Die Heulboje und das Razee Reef waren vom Nebel verschluckt worden.

„Wenn dieses Schiff fünf Minuten in dieser Gezeitenströmung gestoppt wird, verlieren wir unsere Orientierung, Sir. Ich kann diese Brücke im Augenblick nicht verlassen.“

„Ich glaube, Sie werden sie für immer verlassen!“, platzte der Sekretär heraus. „Sie sind der erste angestellte Mann, der Julius Marston jemals gesagt hat, er solle sich zum Teufel scheren.“

„Ich mag ein Angestellter sein“, entgegnete Mayo. „Aber ich bin auch ein lizenzierter Schiffskapitän. Ich muss Sie bitten, die Brücke zu verlassen.“

„Gilt das auch für den Rest der – Passagiere?“, fragte der Sekretär, nun seinerseits verärgert. Er betonte das letzte Wort. „Das tut es – in einer Zeit wie dieser!“

„Sehr wohl, ich werde ihnen diese Nachricht achtern ausrichten lassen.“

Captain Mayo fing nach einer Weile einen Seitenblick von Maat McGaw ein.

„Ich habe mich oft gefragt“, bemerkte der Maat zu niemandem im Besonderen, „wie es kommt, dass so viele verdammte Narren an Land reich werden.“

Captain Mayo äußerte sich nicht zu diesem Thema. Er umklammerte das Brückengeländer, starrte in den Nebel und schien große Mühe zu haben, irgendeine Art von Emotion zurückzuhalten.

III ~ DIE TAVERNE DER MEERE

Nun, Mister Macliver, Ihr kennt ihn ganz gut, Er kommt auf Deck und macht einen großen Hut; Es heißt verdammt noch mal da und verdammt noch mal dort, Und direkt zum Niedergang nimmt er einen breiten Kurs fort. --La Pique „Come-all-ye.“

In Saturday Cove, während des gesamten späten Nachmittags, kamen sie herangeströmt – Masten und Takelage gezeichnet gegen das aufziehende Leichentuch des grauen Nebels – jene Wanderer des offenen Meeres.

Als Erste rollten die ehrwürdigen See-Waggons an den zerklüfteten Toren des Hafens vorbei – die Küstenfahrer, bekannt als die „Apple-treers“. Ihre wetterkundigen Skipper, alte Seebären, die Wetter riechen konnten wie Bluthunde Spuren erschnüffeln, hatten an diesem Tag frühzeitig ihre Nasen in den Wind gestreckt und wussten, dass sie sich auf einen nachlassenden Wind verlassen mussten, um sie in den Hafen zu drängen. Einer nach dem anderen platschten die mit Seepocken besetzten Anker von den Davits, zogen rostige Ketten aus den Klüsen, und alte, geflickte Segel kamen unter dem Gluckern der Blöcke und dem Lispeln des laufenden Gutes herabgepoltert.

Ein Küsten-Shanty erklärt den Spitznamen „Apple-treers“:

Oh, was nützt Kompass oder Quadrant oder Log? Lass sie dümpeln am Anker in Nordwind oder Nebel. Doch sobald die Chance besser ist, dann werden wir sie wieder aufkreuzen, Bleibend nah genug für Peilungen von den Apfelbäumen an Land.

Daher kamen die Toppsegelschoner, die Zweimaster, die Bluenose-Stumpfbuge frühzeitig herein, bevor der Nebel den Umriss der Bäume auslöschte und bevor es notwendig wurde, bei den alten Kompassen zu raten, was sie in Bezug auf den Kurs zu offenbaren hatten.

Und so kam, zusammen mit dem Rest des Küsten-Gesindels, das Schutz und Ankergrund suchte, der alte Schoner Polly. Vom Nebel maskiert, waren sie wie die anderen ein Schatten-Schiff; aber mehr als die anderen schien sie ein Geisterschiff zu sein, denn ihre Linien und ihre Takelage verrieten jedem gut informierten Seemann, dass sie ein Hundertjähriger sein musste; mit ihrer durch den Nebel noch grotesker wirkenden Erscheinung wirkte sie unwirklich – ein Bild aus der Vergangenheit.

Sie hatte einen weit vorgestreckten, stumpfen Bug, ein hochgezogenes quadratisches Heck und einen durchhängenden Rumpf – was alles genau ihre reife Antike verriet, so wie ein Zylinderhut und ein Frack mit Messingknöpfen einen alten Mann in der Menge neuerer Moden identifizieren würden. Sie hatte Nähte wie die Falten in der pergamentartigen Haut eines sehr hohen Alters. Sie trug eine hölzerne Galionsfigur unter ihrem Bugspriet, das Gesicht und die Büste einer Frau, der ein alter Holzschnitzer seine Vorstellung eines seligen Lächelns verliehen hatte; das Ergebnis war ein idiotisches Grinsen. Die prächtige Vergoldung war abgetragen, das Holz war grau und rissig. Die Kombüse der Polly war vollständig unter einer Deckslast aus Schindeln und Lattenbündeln verborgen; das Achterhaus war breit und ragte weit über das Dollbord hinaus, im Gegensatz zu den bloßen Kojen, die für die anderen Schoner in der Flottille vorgesehen waren, die nach Saturday Cove hinein-kreuzten.

Da die Polly alt genug war, um berühmt zu sein, war sie Gegenstand eines langen Küstenliedes mit siebzehn Strophen, von denen jede in der Lage war, bei Captain Epps Candage, ihrem Kapitän, schrecklichste Flüche hervorzurufen, wann immer er das Lied über die Wellen hallen hörte, gesungen von einem Satiriker an Bord eines anderen Fahrzeugs.

In jenem treibenden Wind gab es Muße; ein Mann an Bord eines Kalkschoners in einigermaßen sicherer Entfernung von der Polly fand Neigung und erhob seine Stimme:

„Ow-w-w, da kommt die Polly mit einem schlaffen Segel, Und Gummistiefel-Epps sitzt auf ihrem Dollbord. Wie-w-w lange braucht sie wohl bis Boston Stadt? Kann ich nicht sagen, denn sie steuert mal rauf und mal runter.“

„Du glaubst, diese Art von Geheul ist komisch, was, du walnussnasiger, blaukiemiger, glotzäugiger Sohn eines teiggesichtigen Amerikaneezus?“, brüllte Captain Candage von seinem Posten am Ruder der Polly.

„Vater!“, ermahnte ihn ein Mädchen, das im Niedergang stand, die Ellbogen auf die Lukenleisten gestützt. „Solche Sprache! Hör damit auf!“

„Das ist nicht halb so viel, wie ich kann, wenn ich erst einmal richtig loslege“, gab der Kapitän zurück.

„An Land sagst du niemals solche Dinge.“

„Nun, ich bin jetzt nicht an Land, bin ich? Ich bin auf hoher See, und ich spreche, um dem Anlass gerecht zu werden. Wer steuert diesen Schoner, du oder ich?“

Sie begegnete seiner Gereiztheit mit ihrem eigenen Geist: „Ich bin hier an Bord, wo ich nicht sein will, wegen deiner dummen Vorstellungen, Vater. Ich habe das Recht, dich zu bitten, eine anständige Sprache zu benutzen und uns nicht beide zu beschämen.“

Vor dem archaisch schlichten Hintergrund erschien die Schönheit des jungen Mädchens in einem höchst auffälligen Kontrast. Ihre Locken lugten unter der weißen holländischen Haube hervor, die sie trug. Ihre Augen funkelten vor entrüstetem Protest, ihr Gesicht war pikant und gerade jetzt gerötet, und ihre Nase hatte den kleinsten Ansatz eines natürlichen Stupsers, was ihr das Aussehen einer jungen Frau verlieh, die ihren eigenen Willen hatte, um ihre Liebenswürdigkeit zu würzen.

Captain Candage blinzelte sie über die Speichen des Ruders hinweg an und erkannte in seinem Vaterherzen ihren Charme, wobei er schmerzlicher denn je begriff, dass sein mutterloses Mädchen zu einem Problem geworden war, das seine begrenzten Kenntnisse in der Führung von Frauen überstieg.

Er hatte sie nicht allmählich aufwachsen sehen, wie andere Väter ihre Töchter beobachteten, um tägliche Probleme beim Formen und Meistern lösen zu können.

Sie schien ihre Entwicklung, geistig wie körperlich, in beunruhigenden Phasen zu durchlaufen, während er auf seinen Reisen unterwegs war. Jedes Mal, wenn er sie traf, musste er sich, wie es ihm schien, von Neuem mit ihr vertraut machen.

Captain Candage hatte sich offen eingestanden, dass er nicht in der Lage war, irgendeine Autorität über seine Tochter auszuüben, wenn sie an Land war.

Sie war nicht eigensinnig; sie war nicht starrköpfig; sie schenkte ihm Zuneigung. Aber sie war zu einer jungen Frau geworden, während seine langsamen Gedanken sie immer noch als Kind einstuften. Sie war all seinen Berechnungen immer voraus. In seinen Abwesenheiten sprang sie von einem Stadium der Charakterentwicklung zum nächsten – fast schon der Identität! Er hatte nie vergessen, wie er ihr nach einer Reise aus New York einen halben Sack voll Bleispielzeug mitgebracht hatte und entdeckte, dass sie in seiner Abwesenheit, auf Rat und mit Zustimmung ihrer Tante, die ihre Pflegemutter geworden war, ihre Kleider bis auf Knöchellänge verlängert hatte und eine junge Dame geworden war, die er zweimal „Miss Candage“ nannte, bevor er es geschafft hatte, seine Gefühle zu ordnen. Während er sich über die Ungeheuerlichkeit des Bleispielzeugs im Sack zu seinen Füßen wunderte, als er im Salon der Tante saß, bat ihn seine Tochter, als Ehrengast am Picknick der Sonntagsschulklasse teilzunehmen, das sie als Lehrerin organisierte. Das gab ihm die Gelegenheit, über das Spielzeug zu lügen und zu behaupten, er habe es für ihre Schüler mitgebracht.

Captain Candage, auf dem Deck seines Schiffes, stellte fest, dass er in der Lage war, für ein paar Minuten ein wenig Mut und Getöse aufzubringen, aber er wagte es nicht, sie lange anzusehen, während er sich durchsetzte.

Er sah sie dann an, wie sie im düsteren Niedergang stand, ein strahlendes und rosiges Bild gesunder Mädchenhaftigkeit. Aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht war nicht tröstlich kindlich.

„Vater, ich muss es noch einmal sagen. Ich kann nicht anders. Ich bin so unglücklich. Du beurteilst mich so grausam falsch.“

„Ich habe es getan, weil ich dachte, es sei richtig. Ich habe mich nicht so um dich gekümmert und dich beobachtet, wie ein Vater es sollte. Ich schien dich nie einholen zu können. Vielleicht habe ich nicht recht. Vielleicht tue ich es! Auf jeden Fall werde ich bei dir noch eine Weile auf diesem Kurs bleiben.“

„Hast du mich dafür aus meinem richtigen Zuhause fortgeholt? Das ist kein Ort für ein Mädchen! Du bist nicht derselbe wie an Land. Ich wusste nicht, dass du so rau – und – böse sein kannst!“

„Halt ein, Tochter! Nimm das Kabel da fest! Ich bin ein ehrlicher, gottesfürchtiger, hart arbeitender Mann – ich zahle jeden Pfennig zurück, und das weißt du.“

„Aber was hast du da gerade geschrien – so laut, dass es jeder hören konnte?“

„Das – das war nur ein wenig Alltagsgeplänkel im Vergleich zu dem, was ich abziehen kann, wenn ich erst mal richtig in Fahrt komme. Glaubst du etwa, ich lasse mich von so einem stumpfnasigen Warzenschwein von einem Kalk-Staubwischer besingen –“

„Vater!“

„Was weiß ein Mädchen schon von den Dingen, die ein Vater ertragen muss, wenn er zur See fährt und Geld für sie verdient?“

„Ich bin bereit, für mich selbst zu sorgen. Du hast mich mitten aus meiner guten Stellung im Hutgeschäft gerissen. Du hast mich gezwungen, all meine jungen Freunde zurückzulassen. Oh, ich habe so großes Heimweh!“ Ihre Selbstsicherheit verließ sie plötzlich. Sie würgte. Sie steckte den Kopf in die Armbeuge und schluchzte.

„Tu das nicht!“, flehte er und wurde plötzlich weich. „Bitte nicht, Polly!“

Sie sah auf und lächelte – ein flehendes, mattes kleines Lächeln. „Ich wollte mich nicht gehen lassen, lieber Paps. Ich habe nicht die Absicht, irgendetwas zu tun, das dich wütend oder traurig macht. Ich habe versucht, ein braves Mädchen zu sein. Ich bin ein braves Mädchen. Aber es bricht mir das Herz, wenn du mir nicht vertraust.“

„Sie haben dir den Hof gemacht“, stammelte er. „Diese Landeier hingen ständig um dich herum. Ich zweifle nicht an dir, Polly. Aber du hast keine Mutter mehr. Ich hatte Angst. Ich weiß, ich habe mich wie ein Narr aufgeführt. Aber ich hatte Angst!“ Tränen benetzten seine gebräunten Wangen. „Ich war kein guter Vater, weil ich segeln und Geld verdienen musste. Aber ich dachte, ich nehme dich mit, bis – bis ich mir einen Plan zurechtgelegt habe.“

Sie sah ihn an und wurde sichtlich weich.

„Oh, Polly“, sagte er mit brüchiger Stimme, „du weißt nicht, wie hübsch du bist – du weißt nicht, wie viel Angst ich habe!“

„Aber du kannst mir vertrauen, Vater“, versprach sie nach einer Pause mit schlichter Würde. „Ich weiß, ich bin nur ein Landmädchen, vielleicht nicht weise, aber ich weiß, was richtig und was falsch ist. Verstehst du denn nicht, wie schrecklich du meinen Stolz und mein Selbstwertgefühl verletzt hast, indem du mich gezwungen hast, hierher zu kommen und mich einzusperren, als wäre ich ein schamloses Mädchen, das nicht auf sich selbst aufpassen kann?“

„Ich glaube, ich habe Unrecht getan, Polly. Aber ich verstehe nicht viel – nicht von Frauenleuten. Ich wollte das Richtige tun – weil du alles bist, was ich auf dieser Welt habe.“

„Ich hoffe, du wirst noch einmal in Ruhe darüber nachdenken“, riet sie ernst. „Du wirst es mit der Zeit verstehen, Vater, da bin ich sicher. Dann wirst du mich zurückgehen lassen und mir vertrauen – so wie man seiner eigenen Tochter vertrauen sollte. Das ist der richtige Weg, Mädchen dazu zu bringen, brav zu sein – ihnen zu zeigen, dass man ihnen vertrauen kann.“

„Du hast wahrscheinlich recht“, gab er zu. „Ich werde über alles nachdenken. Sobald wir eingelaufen sind und vor Anker liegen, setze ich mich hin und werde das in meinem Kopf gründlich durchgehen. Vielleicht –“

Sie nutzte seine Pause. „Wir laufen in einen Hafen ein, nicht wahr, Vater?“

„Ja. Direkt vor uns.“

„Ich wünschte, du würdest mich an Land setzen und mich zurückschicken. Ich verliere meine Stelle im Laden, wenn ich zu lange wegbleibe.“

Seine Sturheit kam sofort wieder zum Vorschein. „Ich will dich nicht in diesem Hutladen haben. Mir wurde gesagt, dass diese feinen Pinkel Mädchen in Läden belästigen.“

„Sie belästigen mich nicht, Vater. Hast du kein Vertrauen in deine eigene Tochter?“

„Doch, das habe ich“, sagte er fest und fügte dann hinzu: „aber ich muss ständig an diese Typen denken, und dann bekomme ich Angst.“

Sie warf ihm einen raschen Blick zu, sichtlich versucht, eine ungeduldige Erwiderung zu geben, wandte sich dann aber ab und ging in die Kajüte.

„Sei mir nicht böse, Polly“, rief er ihr nach. „Ich glaube, vielleicht liege ich völlig falsch. Ich werde darüber nachdenken; ich verspreche noch nichts, aber es wäre nicht verwunderlich, wenn ich dich hier an Land setze und nach Hause schicke. Weine nicht, kleines Mädchen.“ In seiner Stimme lagen ebenso Tränen wie in seinen Augen.

Der Sänger auf dem Kalkschoner verspürte den Drang, eine weitere Strophe zum Besten zu geben:

„Oh, da kommt die Polly mitten auf dem Weg, Gezogen von einem Maultier und Pflastersteinen als Ladung. Der Teufel wartet schon, und der Teufel mag es wohl, Denn er wird diese Pflastersteine niemals kriegen, um die Hölle zu pflastern.“

Kapitän Candage verließ sein Steuer und schritt zur Reling. Jede Sanftheit war aus seinem Gesicht und seiner Stimme gewichen.

„Du kieferstarker, mistgesichtiger Dämon von einem Seeskorpion, wenn du es wagst, noch mehr von diesem Mist auszuspucken, dann komme ich an Bord, wenn wir vor Anker liegen, springe dir in den Schlund und galoppiere dir die ewigen Eingeweide heraus! Weißt du nicht, dass ich Damen an Bord habe?“

„Das klingt nicht danach“, erwiderte der Sänger.

„Nun, du hörst, wie ich klinge! Halte deine Kieferklappen fest!“

Kapitäns Candages Meditationen wurden danach nicht mehr gestört.

Mit Unterstützung seines einzigen Helfers an Bord, „Oakum Otie“, einem grauhaarigen und bärtigen Individuum, das in einer Person die verschiedenen Ämter des ersten Offiziers, zweiten Offiziers, A-1-Seemanns und Matrosen vor dem Mast vereinte – sowie der enge Vertraute des Skippers war –, wurde die Polly in ihre Ankerposition in Saturday Cove manövriert und für die Nacht vertäut. Rauch begann in blauen Kränzen aus ihrem Kombüsenschornstein zu ringeln, und ab und zu konnte man einen Blick auf den Koch erhaschen, einen fahlhäutigen, einäugigen Jüngling, dessen wichtigstes und dauerhaftes Merkmal ihm den Spitznamen „Smut-nosed Dolph“ eingebracht hatte.

Dann kamen einige der Ozean-Aristokraten, um sich zu den bescheideneren Gästen in jenem Wirtshaus der Meere zu gesellen.

Vorboten eines großstädtischen Yachtclubs auf seiner jährlichen Kreuzfahrt trafen ein, manövrierten herein mit bauschenden Bergen von schneeweißem Segeltuch, die ausgebreitet waren, um den letzten Hauch der Brise einzufangen. Spätere Ankömmlinge wurden, nachdem die Brise nachließ, von den schicken Motorbooten der Flotte hineingeschleppt. Einer nach dem anderen, als die Anker platschten, bellten Messingkanonen einen Salut und wurden von der Kanone des Kommodore beantwortet.

Kapitän Candage saß am Rand des Aufbaus der Polly und blinzelte bei jedem Kanonenschlag unfreiwillig und zornig. In diesem von Hügeln umschlossenen Hafen, in dem sich der Nebel gestaut hatte, wurde jedes Geräusch wie durch einen Resonanzboden verstärkt. Es gab fröhliche Rufe, Segler brüllten sich über die nebelbenetzten Messingreling hinweg ihre Erlebnisse des Tages zu, und flinke Yachtbeiboote, mit stakkatoartig bellenden Auspuffen, begannen Männer zu sozialen Besorgungen hin und her zu befördern. In den Stillen konnte Kapitän Candage das Knallen von Champagnerkorken hören.

„Diese Kerle leben sicherlich auf großem Fuß und schlafen auf dem Dachboden“, bemerkte Oakum Otie. Er saß mit überkreuzten Beinen auf dem Dach des Aufbaus und hämmerte mit dem Ende eines Spleißhorns die Knoten in einem frisch gedrehten Augspleiß flach.

„Es war mir schon immer ein Rätsel“, brummte Kapitän Candage, „wie Typen, die keinen größeren Verstand zu haben scheinen als diese Kerle da drüben, die johlen und Alkohol kistenweise in sich hineinschütten, jemals Geld verdienen, sodass sie sich das alles leisten können.“

In diesem Punkt hätte Kapitän Candage wohl Mate McGaw von der Olenia zu einer gewinnbringenden Diskussion und einem freundschaftlichen Verständnis bereit gefunden!

„Sie verdienen es nicht – sie sind nicht schlau genug, es zu verdienen“, stellte Otie mit der Überzeugung eines Mannes fest, der genau wusste, wovon er sprach. „Es wurde ihnen alles von ihren Vätern hinterlassen.“

Die bärtigen und braunen Männer der Apfelbaum-Crews lehnten die geflickten Ellbogen ihrer alten Mäntel auf die Reling und betrachteten düster die Geselligkeit an Bord der Spielzeugschiffe. Die Bemerkungen, die sie untereinander austauschten, waren darauf ausgelegt, eine Art hochnäsige Verachtung für diese Vergnügungssüchtigen der See zu zeigen. Die Küstenschiffer, von denen die meisten harte Hüte trugen, als wollten sie nicht mit diesen modischen Yachtkapitänen verwechselt werden, patrouillierten auf ihren Achterdecks und spuckten verächtlich über ihre Reling.

Ununterbrochen erklang das Klappern der Pumpen an Bord der Apfelbaum-Schiffe, und die Pumpen kämpften gegen die ewigen Lecks. Wasser, das durch den Kontakt mit Ziegeln gerötet war, Wasser, das durch das Durchsickern durch Pflastersteine trübe geworden war, spritzte ununterbrochen aus den schluckaufartigen Speigatten.

Kapitän Ranse Lougee vom Toppsegelschoner Belvedere, beladen mit Fischabfällen für eine Bostoner Leimfabrik, stieg über die Bordwand in seinen Dory und ruderte zur Polly, wobei er stand, nach vorne blickte und sich mit dem Schlag des Fischers wiegte.

Er stieg mühelos über den niedrigen Freibord des Schoners, kam nach achtern und wurde von Kapitän Candage herzlich begrüßt.

„Ich dachte, ich zeige diesen aufgeblasenen Kerlen, dass es auch unter den Herren im Küstenhandel ein wenig Geselligkeit gibt“, informierte er seinen Gastgeber. „Außerdem will ich mir die exakte Tageszeit ausleihen. Und außerdem bin ich froh, von diesem verfluchten Aroma an Bord der Belvedere wegzukommen und ab und zu meine Nase durchzulüften. Was gibt es Neues, Kapitän?“

Kapitän Candage antwortete auf die Banalitäten des anderen Skippers in abwesender Weise. Er hatte Lougees Annäherung mit Interesse beobachtet, und nun dachte er offensichtlich über etwas nach, das völlig außerhalb dieses Geplänkels lag.

„Kapitän Lougee“, unterbrach er ihn plötzlich mit leiser Stimme, „ich möchte, dass du mit mir nach vorne gehst, außer Hörweite von irgendjemandem unter Deck. Ich habe ein kleines Problem, bei dem ich deine Hilfe brauche.“

Die beiden gingen über die Decksfracht nach vorne und setzten sich auf den Vor-Gaffelbaum, der achtlos da lag, wo er hingefallen war, als die Fallen losgelassen wurden.

„Meine Tochter ist dort unten“, erklärte Kapitän Candage.

„Urlaubsreise, was?“

„Ich glaube nicht, dass man das so nennen kann, Kapitän Lougee“, stellte der Gastgeber trocken fest. „Sie hat ungefähr so viel Spaß, wie ein Kanarienvogel in einem Popcorn-Topf über einem heißen Feuer hätte.“

„Warum ist sie dann mitgekommen?“

„Ich habe sie dazu gebracht. Ich habe sie verschleppt.“

„Das ist keine Art, mit Frauenleuten umzugehen“, erklärte Kapitän Lougee. „Ich habe fünf Töchter großgezogen und weiß, wovon ich rede.“

„Ich weiß, dass du fünf Mädchen großgezogen hast, und sie sind schlau wie der Teufel und in Ordnung – und deshalb habe ich das Thema so angepackt. Ich war froh, dich an Bord kommen zu sehen, Kapitän Lougee. Ich brauche einen Rat von einem Mann, der sich auskennt.“

„Dann bin ich der richtige Mann, den man fragen muss, Kapitän Candage.“

„Das letzte Mal, als ich zu Hause war – wo sie bei ihrer Tante Zilpah gelebt hat –, da habe ich sie erwischt!“, gestand Candage. Seine Stimme war rau. Seine Finger, verbogen und schwielig vom Seilziehen, zitterten, als er über die Naht seiner Hose fuhr.

„Das darfst du nicht wahr sein!“, gluckste Lougee besorgt.

„Ja, ich habe sie beim Buggy-Fahren erwischt!“

„Allein?“

„Nein, da war eine ganze Bande von ihnen in einem Strandwagen. Sie wollten zu einer Party. Und ich habe sie auf dieser Party mit einem Kerl tanzen sehen.“

„Nun, mach schon weiter, jetzt wo du angefangen hast! Setz alle Segel!“

„Das ist so ziemlich alles – außer dass ein Kerl sie von Sonntagsschulkonzerten mit einer Laterne nach Hause begleitet hat. Ja, ich glaube, das ist alles bis zum heutigen Tag und jetzigen Zeitpunkt“, gestand Candage.

„Was vermutest du sonst noch?“

„Nichts. Natürlich kann man nie sagen, was daraus wird – bei den feinen Pinkeln, die sie so belästigen, wie sie es tun.“

„Man kann auf dieser Welt überhaupt nichts sagen, oder?“, fragte Kapitän Lougee sehr scharf.

„Ich glaube nicht – nicht mit Sicherheit!“

„Willst du damit sagen, dass du sie, weil dein Mädchen – wie jedes Mädchen es sollte – ein wenig unschuldigen Spaß mit jungen Leuten hatte, auf diesen alten Kahn geschleppt hast, sie beschämt und lächerlich gemacht hast?“

„Ich habe versucht, meine Pflicht als Vater zu tun“, erklärte Kapitän Candage standhaft und wich dem flammenden Blick seines Gastes aus.

Kapitän Lougee streckte sein Bein aus, um an seine Hosentasche zu gelangen, holte einen Tabakstrang hervor und nagte nach sorgfältiger Prüfung einer geeigneten Stelle ein Stück ab.

„Ich muss um diese Zeit etwas im Mund haben – etwas, das die Zunge beruhigt und, wie man so sagt, ein wenig einschränkt, damit nicht zu viel Sprache auf einmal herausplatzt“, behauptete er und sprach mit Anstrengung, während er versuchte, den riesigen Brocken Tabak an eine bequeme Stelle zu schieben. „Ich habe fünf nette Mädchen großgezogen und sie immer so behandelt, als hätten sie gesunden Menschenverstand zusammen mit der natürlichen Güte einer Frau und ein wenig mehr Selbstvertrauen als ein Leghorn-Küken. Und ich habe sie so behandelt, als hätten sie die normalen Rechte und Privilegien menschlicher Wesen. Und sie sind erwachsen geworden und eine Ehre für die Familie. Und ich muss nicht auf meine Bilanz zurückblicken und feststellen, dass ich entweder ein Chinese oder ein Türke war. Nein, mein Herr! Ich bin ein Vater gewesen – und meine Mädchen können heute kommen und auf meinem Schoß sitzen und sich meinen Rat holen und glauben, er sei etwas wert.“

Er stand auf und ging zu seinem Dory.

„Aber warte doch“, rief Kapitän Candage. „Du hast mir nicht gesagt, was du denkst.“

„Habe ich nicht? Ich dachte, ich hätte es getan, indem ich es mild und angenehm formulierte. Aber wenn du etwas Deutlicheres und Direkteres brauchst, dann werde ich bemerken – immer noch mild und angenehm –, dass du ein verdammt alter Narr bist! Und jetzt gehe ich zurück und werde mit diesen Fischabfällen gesellig sein. Ich glaube, sie werden danach besser riechen!“ Er sprang in seinen Dory und ruderte davon.

Kapitän Candage erwiderte nichts auf diese knappe und gehaltvolle Zusammenfassung. Natürlich war er mit seiner Zunge genauso schlagfertig wie Kapitän Ranse Lougee oder jeder andere Mann an der Küste. Aber in diesem Fall war sich der Kapitän der Polly seines Bodens nicht sicher. Er wusste, dass Kapitän Lougee sich als Vater von fünf Kindern qualifiziert hatte. Nach dem Urteil eines Seemanns zählt Erfahrung. Und er nahm Kapitän Lougee die Art nicht übel, weil die brutale Offenheit dieses Skippers seinen Freunden wohlbekannt war. Kapitän Candage hatte gefragt, und er hatte eine Antwort erhalten. Er stützte seine Ellbogen auf seine Knie, starrte dem abfahrenden Besucher nach und dachte nach.

„Vielleicht hat er recht. Er hat wahrscheinlich recht. Aber es wäre keine Disziplin an Bord, wenn ich ihr sagen würde, dass ich im Unrecht war. Ich glaube, ich gehe nach achtern und bin angenehm und kultiviert, in der Hoffnung, dass nichts passiert, was meine Gefühle aufwühlt. Jetzt, wo meine Gefühle ruhig und friedlich sind und ich mir von einem Vater von fünf Kindern Kurs und Peilung geholt habe, werde ich wahrscheinlich zu ihr sagen: ‚Du solltest lieber nach Hause traben, Sissy, da ich dir gesagt habe, wie du dich von nun an zu benehmen hast.‘“

IV ~ ÜBER DER RELING DER „POLLY“

O Stormy war ein alter Mann! Zu meinem Weg stürmst du entlang! Gesicht zäh wie eine alte Blechdose, Ay, ay, ay, Mister Storm-along! – Storm-along Shanty.

Ohne dem Störenfried viel Aufmerksamkeit zu schenken, war Kapitän Candage während seiner Meditation ein wenig gereizt gewesen. Ein Schnellboot von einer der Yachten kreiste ständig um die Polly und trug unter seinem aufgebogenen Bug eine schäumende Gischt. Es war eine lärmende Mücke von einem Boot und trat ein verächtliches Kielwasser gegen den roststreifigen alten Wagen.

Als es unter dem Heck durchsauste, nachdem Kapitän Candage wieder auf seinem Achterdeck war, warf er einen Blick über die Reling, und sein Ausdruck war ausgesprochen unfreundlich.

„Die haben wahrscheinlich mehr Geld für diesen Dingsbums verschwendet, als dieser Schoner heute auf dem Markt einbringen würde“, informierte er Otie.

„Die scheren sich nicht darum, wie Geld ausgegeben wird, solange sie nicht dafür schwitzen mussten. Werfen es herum, als wären es Bohnen!“

Wieder auf seinem kreisenden Kurs zischte das flitzende Beiboot. Diesmal verstummte der schnurrende Motor und das Boot trieb längsseits.

„An Bord der Polly!“, rief einer der Yachtbesitzer, ein Mann mit dem Abzeichen des Eigners auf seiner Mütze.

Der Kapitän des alten Schoners streckte sein finsteres Gesicht weiter über die Reling, aber er antwortete nicht.

„Ist diese Polly die echte?“

„Nein, es ist nur ein Chromo-Gemälde davon.“

„Danke! Sie sind ein Gentleman!“, schnauzte der Yachtbesitzer.

„Oh, warte mal, Paul“, drängte einer der Männer im Beiboot. „Es gibt eine richtige Art, mit diesen alten Jungs umzugehen.“ Er stand auf. „Wir sind sehr an diesem Paket interessiert, Kapitän.“

„Deshalb macht ihr wohl ein solches Affentheater daraus, spielt Ringelreihen, was?“

„Aber sagen Sie mir, ist das nicht die alte Schaluppe, die im Krieg von achtzehnhundertzwölf ein Freibeuter war?“

„Niemand an Bord hat jemals behauptet, dass sie es nicht war.“

„Nun, mein Herr, dürfen wir nicht an Bord kommen und sie uns ansehen?“

„Nein, mein Herr, das können Sie nicht.“

„Nun hören Sie mal, Kapitän –“

„Ich höre!“, erklärte der Kapitän der Polly in bedrohlichem Ton.

„Wir wollen Sie nicht belästigen, Kapitän.“

„Leute, die es nicht besser wissen, tun eine Menge Dinge, ohne es zu wollen.“

Kapitän Candage hegte regelmäßig den Groll eines Seeleute gegen Männer, die den Ozean als bloßen Spielplatz nutzten. Aber vor allem in diesen späteren Tagen war seine allgemeine Stimmung gegenüber eleganten jungen Männern gereizt, denn er hatte ein Problem zu Hause gehabt, das seine Seele auf die Probe gestellt hatte. Er spürte einen unvernünftigen Zorn in sich aufsteigen gegenüber diesen Kerlen, die keine eigenen Sorgen zu haben schienen.

„Ich bin ein Schriftsteller“, erklärte der andere. „Wenn ich an Bord kommen dürfte, würde ich ein paar Bilder machen und –“

„Und dich über mich und mein Boot lustig machen, indem du einen Artikel in die Zeitung setzt, um die Stadt-Typen zu erheitern. Abwehren!“, befahl er, als er bemerkte, dass das Beiboot gegen die Seite des Schoners trieb und einer der Crew einen Bootshaken gegen die Hauptkettplatte gesetzt hatte.

„Mach dir nichts aus dem alten Krebs“, riet der Eigner mürrisch.

Aber der andere beharrte darauf, höflich, sogar demütig. „Ich fürchte, Sie verstehen mich nicht, Kapitän. Ich würde mich genauso über meine Mutter lustig machen wie über dieses edle alte Relikt.“

„Nur zu! Nenne es bei Namen!“

„Ich ziehe meinen Hut davor“, erklärte er und riss sich die Mütze vom Kopf. „Der Großvater meines Vaters war im Krieg von achtzehnhundertzwölf. Ich möchte diesen alten Patrioten hier mit dem besten Tribut ehren, den meine Feder zahlen kann. Wenn Sie mir erlauben, an Bord zu kommen, werde ich mich fühlen, als würde ich einen heiligen Ort betreten, und ich kann Ihnen versichern, dass meine Freunde hier genauso viel Respekt vor diesem Schiff haben wie ich.“

Aber dieser ehrliche Appell erweichte Kapitän Candage nicht. Er verstand nicht genau, aus welcher Quelle dieser allgemeine Groll von ihm floss. Gleichzeitig war er sich des Hauptgrundes bewusst, warum er diese Besucher nicht an Bord des Schoners herumstöbern lassen wollte. Sie würden seine Tochter treffen, und er hatte Angst, und er schämte sich bitterlich für sich selbst, weil er Angst hatte. Dunkel war ihm bewusst, dass diese ständige Angst um sie eine Beleidigung für sie darstellte. Der edlere Impuls, ihre Privatsphäre zu schützen, trieb ihn nicht an; das wusste er auch. Er hatte lediglich auf törichte Weise Angst, ihr in der Gesellschaft junger Männer zu vertrauen, und die Kombination seiner Emotionen erzeugte das einfachste Produkt mentaler Erschütterung – unvernünftigen Zorn.

„Abwehren, habe ich gesagt“, befahl er.

„Noch einmal bitte ich Sie, Kapitän, mit allem Respekt, dürfen wir bitte an Bord kommen?“

„Verschwinden Sie von hier und kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten, falls Sie welche haben, sonst werfe ich mit einer Handvoll Schindeln nach Ihnen!“, brüllte der Skipper.

„Vater!“ Die Stimme drückte empörte Zurechtweisung aus. „Vater, ich schäme mich für dich!“

Das Mädchen trat an die Reling, und die Yachtbesitzer starrten sie an, als wäre sie Aphrodite, die aus dem Meer gestiegen wäre, anstatt eines mächtig hübschen Mädchens, das aus einem dunklen Niedergang auftauchte. Sie war so plötzlich erschienen! Sie war in ihrer Umgebung so offensichtlich unpassend.

„Mutter der Meerjungfrauen!“, murmelte der Yachtbesitzer dem Mann in seiner Nähe ins Ohr. „Betreibt die alte Ratte immer noch Freibeuterei?“

Die Männer im Beiboot standen auf und nahmen ihre Mützen ab.

„Du hast diese Herren beleidigt, Vater!“

Kapitän Candage wusste es, und diese Tatsache linderte seinen Zorn kein bisschen. Gleichzeitig war dieses Erscheinen seiner eigenen Tochter, um ihm in aller Öffentlichkeit eine Lektion in Sachen Manieren zu erteilen, eine Anmaßung, die zu ungeheuerlich war, um sie zu ertragen; ihre Kühnheit gab ihm etwas Greifbares, das sein Groll angreifen konnte.

Er wandte sich an sie. „Geh unter Deck, wo du hingehörst.“

„Ich gehöre gerade jetzt hierher.“

„Runter mit dir!“

„Ich gehe nicht, bevor du dich bei diesen Herren entschuldigt hast, Vater!“

„Du bist jetzt nicht an Land, Fräulein, um mir zu sagen, wann ich mir die Füße abwischen soll und die Decken nicht beschmutzen soll! Du bist auf hoher See, und ich bin Kapitän dieses Schiffes. Unter Deck, sage ich!“

„Diese Herren kennen die Polly, und sie werden den Namen des Mannes herausfinden, der sie kommandiert, und ich lasse es nicht zu, dass man sagt, die Candages seien Heiden“, erklärte sie fest. „Wenn du dich nicht entschuldigst, Vater, werde ich mich für dich entschuldigen.“ Sie versuchte, an ihm vorbei zur Reling zu drängen, aber er klatschte seine braune Hand auf ihren Mund und stieß sie zurück. Sein natürlicher Impuls als Kommandant seines Schiffes dominierte seine Gefühle als Vater.

„Ich werde dir Disziplin an Bord beibringen, Polly Candage“, knurrte er, „selbst wenn ich dich über mein Knie legen muss.“

„Moment mal, wenn ich bitten darf, Kapitän“, rief der Wortführer der Yachtsegler.

Kapitän Candage hatte seine Tochter hastig in Richtung des Niedergangs geschoben. Doch der Tonfall war autoritär, er hielt inne und reckte trotzig das Kinn über die Schulter.

„Was habt ihr Kerle mir in meine privaten Angelegenheiten hineinzureden?“

Die Förmlichkeit, mit der der Mann im Beiboot antwortete, wirkte ein wenig übertrieben. „Nur dies, mein Herr. Wir werden uns sofort entfernen, bevor wir dieser jungen Dame, der wir unsere respektvollsten Komplimente aussprechen, noch mehr Unannehmlichkeiten bereiten. Wir wissen nicht, wie wir ihr sonst helfen können. Unsere Proteste als Gentlemen dringen wohl kaum durch; man braucht einen Bohrer, um durch die Haut eines Nashorns zu dringen!“

Der Schiffsführer der Polly scherte sich nicht um die feinen Nuancen dieser kleinen Rede, doch einer Tatsache war er sich sicher: Er war als Nashorn bezeichnet worden. Er ließ seine Tochter los, riss Otie, der sich als Reservekraft im Hintergrund gehalten hatte, den Marlspieker aus der Hand und stampfte zur Reling. Er brachte seine Waffe in Position und schwenkte sie hin und her, um sicher zu zielen. Doch der Maschinist hatte eingekuppelt, und das Schnellboot schäumte davon, noch bevor der Kapitän die Reichweite einschätzen konnte, und er war zu sparsam, um einen vollkommen guten Marlspieker nach einem Ziel zu werfen, das er nicht treffen konnte, so wütend er auch war.

Das Mädchen stellte sich ihrem Vater entgegen. An ihrer Stimmung gab es keinen Zweifel. Sie war eine Rebellin. Empörung hisste ihre flammenden Banner auf ihren Wangen, und die Signallichter des Kampfes funkelten in ihren Augen.

„Wie konntest du mir so etwas antun – vor den Augen dieser Gentlemen? Vater, hast du den Verstand verloren?“

Otie äußerte leise die Meinung, dass der Kapitän im Gegenteil „die Fassung verloren“ habe.

Oties Vorgesetzter stampfte auf dem Achterdeck umher, trat gegen lose Gegenstände und wich dem vorwurfsvollen Blick seiner Tochter aus. In seinem Gepolter lag eine Note von Unaufrichtigkeit, als wolle er seine Verlegenheit in einer Wolke seiner eigenen Dampfplaudereien verbergen, so wie ein Tintenfisch das Wasser färbt, wenn er den Fang fürchtet.

„Von jetzt an nennst du mich Kapitän Candage“, befahl er. „Von jetzt an bin ich auf hoher See Kapitän Candage, und ich gedenke, mein eigenes Achterdeck zu führen. Und wenn ich zulasse, dass eine Bande von Dandys hier an Bord herumstrolcht, um zu glotzen, zu spionieren, zu grinsen und mit dir zu flirten, dann wirst du Muschelschalen als Fingernägel haben. Und jetzt, mein Fräulein, will ich kein Widerwort hören!“

„Aber ich werde mit dir reden, Vater!“

„Denk daran, dass ich ein Candage bin, und Widerworte –“

„Ich bin auch ein Candage – und ich habe mich gerade dafür geschämt!“

„Ich werde auf meinem eigenen Achterdeck für Disziplin sorgen.“

„Widerworte, Achterdeck-Disziplin, dich Kapitän nennen! Firlefanz und Mumpitz! Ich bin deine eigene Tochter und du bist mein Vater. Und du hast uns beide in Schande gebracht! So! Ich will nicht auf diesem alten Kahn bleiben, und ich werde auch nicht bleiben. Ich gehe nach Hause zu Tante Zilpah.“

„Ich hatte mich entschlossen, dich gehen zu lassen. Mein Gemüt war sanft und mild, bis diese hochnäsigen, goldverzierten Söhne einer –“

„Vater!“

„Ich hatte mich entschlossen, dich gehen zu lassen. Aber ich werde vor den Augen meiner eigenen Mannschaft nicht vor einer Meuterei einknicken.“

Der rußnasige Dolph war mit den Abendessen-Geschirren in den Armen herbeigekommen, während er über die Decksfracht kroch. Er hörte mit äußerstem Interesse zu.

„Deine Tante Zilpah hat dich bei deinem Flirten unterstützt und begünstigt“, tobte der Kapitän. „Meine eigene Schwester, die es ausnutzt, dass ich auf See bin, um Geld zu verdienen –“

„Willst du jeden auf dieser Welt beleidigen, Vater? Ich werde nach Hause gehen, sage ich dir. Ich bin hier unglücklich.“

„Ich werde dafür sorgen, dass du nicht mit Dandys herumtollst und die Gegend unsicher machst!“

Trotz ihres Mutes war das Mädchen nicht mehr in der Lage, mit diesem hartschaligen Seemann zu streiten, dessen Waffe unter seinesgleichen seit Jahren eine rohe Zunge gewesen war. Schockierte Trauer setzte ihrer armen kleinen Rebellion ein Ende. Tränen kamen.

„Du gibst diesen beiden Männern Stoff mit nach Hause, um ihn im Dorf zu verbreiten! Oh, Vater, du bist bösartig – bösartig!“ Sie schlug die Hände vor das Gesicht, schluchzte und rannte dann hinunter in die düstere Kajüte.

Auf dem Achterdeck herrschte langes Schweigen. Otie holte seinen Marlspieker zurück und begann, auf die Ringschraube zu hämmern.

„Ohne anmaßend zu sein, zu predigen oder mich in Dinge einzumischen, die mich nichts angehen, möchte ich sagen, dass ich Ihnen kein bisschen die Schuld gebe, Kapitän“, bot er an. „Egal, was sie sagt, man konnte ihr unter diesen Dandys an Land nicht trauen, und ich spreche aus Beobachtung, und als alter Junggeselle kann ich unparteiisch sprechen. Die Dandys auf dem Wasser sind genauso schlimm. Diese Kerle haben die ganze Zeit mit ihr geflirtet, als sie längsseits lagen. Wahre Männer, das heißt anständige, haben es nicht nötig, ständig ihre Kappen zu ziehen, wenn eine Frau in Sicht ist – und ich habe gesehen, wie einer von ihnen ihr zugezwinkert hat.“

Kapitän Candage war in der Stimmung, diesen Trost von Oakum Otie anzunehmen und aus seinem reuigen Gewissen die Erinnerung an das, was Kapitän Ranse Lougee gesagt hatte, zu verbannen.

„Mach dir keine Sorgen! Ich habe sie jetzt dort, wo ich sie im Auge behalten kann, und ich bin Kapitän meines eigenen Schiffes – das soll niemand vergessen!“ Er schüttelte die Faust in Richtung des gaffenden Kochs. „Was stehst du da wie ein Hühnerstall mit offener Tür und lässt meine Mahlzeit kalt werden? Beweg deinen Hintern! Runter mit dir und servier das Abendessen auf den Tisch!“

Der Schiffsführer blieb an Deck, die Hand am Ohr.

Der Nebel legte sich über den inneren Hafen. In der trüben Weite seewärts hupte ein Dampfer. Jeder langgezogene Stoß, in halbstündigen Abständen, klang näher. Der Ton war tief, volltönend, ein mächtiges Diapason.

„Was für ein dicker Brocken mag das sein, der da reinkommt?“, brummte der Kapitän.

„Wahrscheinlich nur eine weitere Blechbüchse von einer Yacht“, vermutete der Maat und warf das Auge des Spleißes und den Marlspieker in die offene Luke der Lazarettbucht. „Sie wissen ja, was die gerne tun, diese Spielzeug-Typen! Die bauen sich eine Pfeife an, die groß genug für das Nebelhorn von Seguin ist.“ Er blinzelte unter der Handkante hervor und wartete. „Da taucht sie auf. Was hab ich Ihnen gesagt? Nichts als eine Yacht.“

„Aber sie ist ein ordentlicher Brummer“, bemerkte der Schiffsführer. „Was meinst du, was das für eine ist?“

„O–L“, buchstabierte Otie – „O–L–Olenia. Muss ein ortskundiger Lotse an Bord sein. Keiner von diesen schicken New Yorker Kapitänen könnte durch die Gezeitenströmung, die jetzt da draußen herrscht, die Saturday Cove finden.“

„Nun, ob sie es können oder nicht, interessiert mich nicht“, erklärte der Schiffsführer mit feiner Gleichgültigkeit. „Ich möchte nicht in einer Klemme stecken und von einem dieser vergoldeten Dandys abhängig sein! Ich rieche das Abendessen. Komm!“

Er war sich ein wenig unsicher, welches Gebaren er unter Deck annehmen sollte, aber er polterte mit ziemlicher Zuversicht den Niedergang hinunter, und Otie folgte ihm.

Der Kapitän warf seiner Tochter einen scharfen Blick zu. Er hatte gefürchtet, sie weinend vorzufinden, und er wusste nicht mit Sicherheit, wie er mit solchen Fällen umgehen sollte.

Doch sie hatte ihre Augen getrocknet und sah ihn nicht gerade freundlich an – eher deutete sie Trotz an. Er fühlte sich wohler. Seiner Meinung nach war jeder, der noch genug Kampfgeist besaß, in der Stimmung, das Leben weiter zu genießen.

„Vielleicht bin ich ein bisschen zu weit gegangen, Polly“, gab er zu. Er war milde, bewahrte aber einen kleinen Anflug von mürrischer Art, damit sie nicht zu dem Schluss käme, ihr Sieg sei errungen. „Aber da ich dich mit auf See genommen habe, um dich vom Flirten abzubringen –“

„Wage es nicht, das über mich zu sagen!“ Sie schlug mit ihrer kleinen runden Faust auf den Tisch. „Wage es nicht!“

„Ich meine ja nicht, dass du es je getan hättest! Die Dandys haben es getan! Ich will das Richtige für dich tun, Polly. Ich bin so lange auf See, dass ich, glaube ich, nicht viel von Umgangsformen verstehe. Ich kann die Dinge nicht so gut einschätzen, wie ich sollte. Ich bin ein alter Narr, glaube ich.“ Seine Stimme zitterte. „Aber es hat mich wütend gemacht, dass du da oben an Deck so aufgetreten bist und mich vor ihnen beschimpft hast.“

Sie antwortete nicht.

„Ich habe immer hart für dich gearbeitet – die Meere befahren und selbst auf Dinge verzichtet, damit du sie haben konntest – ich habe mein Bestes gegeben, seit deine arme Mutter verstorben ist.“

„Ich bin dir dankbar, Vater. Aber du verstehst ein Mädchen nicht – oh, du verstehst es nicht! Aber lass uns nicht mehr darüber reden – nicht jetzt.“

„Ich sage nicht heute Abend – ich gebe keine Versprechen ab! Aber vielleicht – wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln – vielleicht schicke ich dich wieder nach Hause. Vielleicht ist es morgen. Wir werden sehen, wie der Bus zum Zug fährt und so weiter!“

„Ich werde das alles dir überlassen, Vater. Ich bin sicher, du meinst es gut.“ Sie servierte das Essen als Herrin bei Tisch.

„Es fühlt sich heimelig an mit dir hier“, sagte Kapitän Candage sanft und wehmütig.

„Ich bleibe bei dir, Vater, wenn es dich glücklicher macht.“

„Ich werde mir nichts dergleichen anhören. Das ist kein Platz an Bord für ein Mädchen.“

Durch das offene Bullauge hörten sie das häufige Schlagen der Glocke im Maschinenraum der Dampfyacht und das Getöse ihrer rauschenden Schrauben, während sie sich einen Ankerplatz suchte. Sie war ganz in ihrer Nähe – so nah, dass sie das Geplapper der Stimmen vergnügter Leute hören konnten.

„Was ist das für ein Boot, Vater?“

„Noch so eine Torten-Yacht! Ich kann mir den Namen nicht merken.“

„Es ist die Olenia oder so etwas in der Art. Ich vergesse ausgefallene Namen ziemlich schnell“, informierte ihn Otie.

„Nun, es hat keinen großen Nutzen, seinen Verstand mit so einem Mist zu belasten“, erklärte Kapitän Candage, der eine Kartoffel auf seine Gabelzinken spießte und sie schälte, während seine Ellbogen auf dem Tisch ruhten. „Diese Yacht und die Art von Leuten, die an Bord dieser Yacht sind, sind für Leute wie uns von keinerlei Bedeutung.“

Die Erinnerung an manche Bemerkungen, die mit besonderem Eifer geäußert werden, bleibt dem Sprecher erhalten. Einige Zeit später – lange danach – erinnerte sich Kapitän Candage an diese Bemerkung und stellte fest, dass er, abgesehen von Wettervorhersagen, ein verdammt schlechter Prophet war.

V ~ AUF DER BRÜCKE DER YACHT „OLENIA“

O die Zeiten sind hart und der Lohn ist gering, Verlass sie, Rabauken, verlass sie! Ich schätze, es ist Zeit für uns zu gehen, Es ist Zeit, sie zu verlassen. --Über den Westlichen Ozean.

Kapitän Mayo empfand die Verantwortung nicht als seine größte Sorge, während die Olenia in den Hafen einlief.

Es war eine echte Aufgabe für einen Seemann, sie durch den Nebel zu steuern, den Hafeneingang zu treffen und einen Platz für sie in einem überfüllten Ankerplatz zu finden. Aber all das gehörte zum Tagesgeschäft. Während er den Kompass beobachtete, die Gezeitenströmung einschätzte, die reduzierte Geschwindigkeit berücksichtigte und auf die Echos lauschte, die ihm seine Entfernung zum felsigen Ufer verrieten, war er mit der fesselnderen Beschäftigung beschäftigt, seine persönlichen Angelegenheiten zu prüfen.

Als angeheuerter Kapitän einer Privatyacht hätte er die Beleidigung des Eigners übersehen können, selbst wenn sie einem Kapitän auf der Brücke gegenüber ausgesprochen wurde.

Doch die Liebe hat ihren eigenen Stolz. Er war wie ein Lakai im Beisein von Alma Marston beschimpft worden. Es war offensichtlich, dass der Eigner die Sache noch nicht beendet hatte. Mayo wusste, dass er seinen schlimmen Moment nur aufgeschoben hatte, indem er eine Antwort zurückgeschickt hatte, die im Urteil eines Mannes, der die Schiffsdisziplin und die Etikette der See nicht verstand, zweifellos wie Ungehorsam erscheinen musste.

Es war offensichtlich, dass Marston beabsichtigte, ihn auf dem Achterdeck „auf den Teppich“ zu zitieren, sobald die Yacht vor Anker lag, und plante, diese beleidigende Anklage fortzusetzen.

In seinem neuen Stolz, in der Liebe, die nun alle anderen Angelegenheiten des Lebens so unbedeutend erscheinen ließ, hatte Mayo Angst vor sich selbst; er kannte seine Grenzen in Bezug auf Unterwürfigkeit; schon damals verspürte er das Verlangen, nach achtern zu gehen und Julius Marston in seinem Hängemattenstuhl auf und ab zu rütteln. Er glaubte nicht, dass er ruhig im Beisein von Alma Marston stehen und sich ungerechtfertigte Schelte anhören konnte, selbst von ihrem Vater.

Er versuchte, seine flammende Empörung aus seinen Gedanken zu verbannen, aber er konnte es nicht. Am Ende sagte er sich, dass es vielleicht auch gut so war! Alma Marston musste ihren eigenen Stolz haben. Sie konnte nicht weiterhin einen Mann lieben, der in der Position des Dienstboten ihres Vaters blieb; sie würde sich sicherlich eines Liebhabers schämen, der bereit war, den Rücken zu krümmen und öffentlich Prügel zu beziehen. Sein Wunsch, bei ihr zu sein, selbst um den Preis seines Stolzes, machte ihn weniger zu einem Mann, und das wusste er. Er beschloss, Marston wie ein Mann entgegenzutreten und dann zu gehen. Er hatte das Gefühl, dass sie es trotz ihres Kummers verstehen würde.

Dann, als er sich vom Blick auf den Kompass abwandte, sah er, dass der Eigner der Yacht auf der Brücke war. Ein halbes, nicht angezündetes Zigarrenende, das von der Feuchtigkeit des Nebels durchweicht war, steckte in Marstons Mund.

Er runzelte die Stirn, als der Kapitän salutierte.

„Sie brauchen sich jetzt nicht mit Reden aufzuhalten“, unterbrach ihn der Millionär, als Mayo begann, seine Verzögerung beim Befolgen des Rufs zum Achterdeck zu erklären. „Wenn ich einem Mann etwas zu sagen habe, will ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Hält sich dieser Nebel?“

„Ja, mein Herr, bis der Wind mehr nach Norden dreht.“

„Dann ankern Sie.“

„Ich steuere gerade auf die Saturday Cove zu, mein Herr.“

„Ankern Sie hier.“

„Ich erwarte deutlich mehr als nur eine Bö, wenn der Wind dreht, mein Herr. Es ist nicht ratsam, vor der Küste zu ankern.“

Marston grunzte und wandte sich ab. Er stand am Ende der Brücke und kaute auf der Zigarre, bis die Olenia im Hafen lag und der Anker geworfen war. Mayo betätigte die Klingel, um dem Maschinist das Zeichen zum Stoppen zu geben.

„Ich stehe zu Ihren Diensten, mein Herr“, meldete er sich, als er zum Eigner ging.

Marston rollte die durchweichte Zigarre in einen Mundwinkel und erkundigte sich: „Nun, junger Mann, sagen Sie mir, was Sie damit meinten, einen Dampfer der Bee-Linie mit meiner Pfeife zu grüßen?“

„Ich habe die Conomo nicht gegrüßt, mein Herr.“

„Sie haben ihr drei Pfeifsignale gegeben.“

„Ja, aber –“

„Sie sind jetzt auf einer Yacht eines Gentlemans, junger Mann, und nicht auf einem Fischdampfer. Die Yacht-Etikette erlaubt es nicht, eine Dampfpfeife zum Gruß ertönen zu lassen. Mr. Beveridge hat es gerade für mich nachgeschlagen, und ich weiß es, und Sie brauchen hier nicht den Wichtigtuer zu spielen.“ Marston schien viel mehr Irritation an den Tag zu legen, als es eine kleine Angelegenheit rechtfertigte. Doch was er hinzufügte, warf mehr Licht auf das Thema. „Der Manager der Bee-Linie war an Bord dieses Dampfers. Sie haben gehört, wie er diese Sirene gegen mich eingesetzt hat!“

„Ich habe gehört, wie er mir entgegen den Regeln des Seewegs mit Gegen-Signalen geantwortet hat, mein Herr.“

„Wussten Sie nicht, dass er mich als Beleidigung angepustet hat – als ein Verspotten?“

„Ich habe nur normale Signale gehört, mein Herr.“

„Alles ist normal für die Beobachtung eines Seemanns! Sie haben zugelassen, dass er Sie von Ihrem Kurs abdrängt. Sie haben meine Yacht zum Gespött gemacht, als sie wie eine erschrockene Ente umherspritzt.“

„Ich habe eine Kollision vermieden, mein Herr.“

„Sie hätten Ihre Größe mit meiner Yacht geltend machen sollen! Sie haben sich wie ein Fischkutterkapitän herausgewunden und geduckt. War es auf einem Fischkutter, wo Sie diese Tricks gelernt haben?“

„Ich habe einen Fischdampfer kommandiert, mein Herr.“

„Obendrein haben Sie ihm drei Pfeifsignale gegeben – typische Fischkutter-Manieren, was?“

Kapitän Mayo richtete sich auf, und sein Gesicht und seine Augen drückten den Geist eines Yankee-Kapitäns aus, der wusste, dass er im Recht war.

„Ich sage“, beharrte Marston, „dass Sie ihn gegrüßt haben.“

„Und ich sage, mein Herr, dass er Gegen-Signale gegeben hat, ein Vergehen, das Kapitänen schon die Lizenz gekostet hat. Als ich eingeklemmt wurde, gab ich ihm drei Pfeifsignale, um zu sagen, dass meine Maschinen volle Kraft zurück laufen. Wenn Mr. Beveridge in diesem Buch weiter nachgeschlagen hätte, hätte er diese Regel vielleicht auch gefunden!“

„Als ich hier zur Brücke hochsah, winkten Sie ihm zu – drei Pfeifsignale und ein Winken mit der Hand! Sie können nicht leugnen, dass Sie gegrüßt haben!“

„Ich habe ihm meine Faust geschüttelt, mein Herr.“

In seinem Inneren fragte sich Kapitän Mayo offen, warum der Eigner der Olenia all diese Hitze an den Tag legte. Er erinnerte sich an den Hohn aus dem Steuerhaus der Conomo und verstand vage, dass es Tiefen in der Angelegenheit gab, die er noch nicht ausgelotet hatte. Aber er war nicht in der Stimmung, stellvertretend für die Missetäter an Bord der Conomo zu büßen.

„Wenn ich einen New Yorker Kapitän hätte finden können, der die Abkürzungen entlang dieser Küste kennt, hätte ich Anstand und Würde an Bord meiner Yacht haben können. Ich vergesse sogar mein eigenes Gefühl für das, was angemessen ist – hier draußen verschwende ich Worte und Zeit auf diese Weise. Sie sind alle vom gleichen Schlag, Sie Down-Easter!“

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie einen New Yorker Kapitän finden können –“, begann Mayo.

„Ich wünsche keine Meinung von Ihnen in Bezug auf meine Geschäfte, junger Mann. Wenn ich Vorschläge von Ihnen brauche, werde ich danach fragen.“ Er warf seine durchweichte Zigarre über die Reling und stieg die Leiter hinunter, und der Nebel schloss sich unmittelbar hinter ihm.

Kapitän Mayo schritt auf der Brücke auf und ab. Er war dort allein. Ein Decksmann hatte die Messingteile des Kompasshauses und des Suchscheinwerfers abgedeckt und zugehört, während der Eigner den Schiffsführer zur Rechenschaft gezogen hatte. Mayo wusste, dass der vollständige Bericht über diese Angelegenheit bis zum Vorschiff gelangen würde. Seine Position an Bord der Yacht war unerträglich geworden. Er fragte sich, wie viel Marston wohl achtern sagen würde. Seine Wangen waren heiß, und Groll kratzte in seinen Gedanken. Vor den Ohren des Mädchens, das er anbetete, würden seine Unzulänglichkeiten das Thema für ein paar Augenblicke verächtlicher Erörterung sein, so wie die Unzulänglichkeiten von Köchen ein Thema für müßiges Geschwätz am Esstisch bilden.

Aus der leeren Stille des einhüllenden Nebels kamen viele Geräusche. Lärm trug weit, und die Stimme eines unsichtbaren Sängers, der sich dem Klappern einer Apple-treer-Pumpe anpasste, brachte Mayo die Worte eines alten Shantys zu Gehör:

„Kommt alle ihr jungen Kerle, die ihr der See folgt, Nun betet, gebt Acht und hört mir zu. Oh, bläst den Mann nieder, Rabauken, bläst den Mann nieder! Way-ay, bläst den Mann nieder. Oh, bläst den Mann nieder in Liverpool Stadt! Gebt mir etwas Zeit, den Mann niederzublasen. Es war an Bord eines Black-Bailers, dass ich meine Zeit zuerst diente, Und in diesem Black-Bailer verschwendete ich meine Blüte. Es heißt backbord und steuerbord an Deck, dass ihr euch ausstreckt, Denn Bläser und Schläger befehlen den Black Ball. Also, es heißt den Mann niederblasen, Rabauken –“

Alma Marstons Stimme unterbrach seine düstere Wertschätzung der Bedeutung dieses Liedguts. „Bist du da oben, Boyd?“, fragte sie mit vorsichtigem Tonfall.

Er eilte zum oberen Ende der Leiter und sah sie an deren Fuß, selbst bei dieser kurzen Entfernung halb im Nebel verborgen. Er streckte seine Hand hinunter, und sie kam herauf, während sie sie ergriff.

Sie studierte seinen Gesichtsausdruck mit Eifer und Besorgnis. „Ich konnte nicht länger von dir wegbleiben“, erklärte sie. „Der Nebel ist gut zu uns! Vater konnte mich nicht sehen, als ich nach vorne kam. Ich muss dir etwas sagen, Boyd. Er hat mir befohlen, achtern zu bleiben.“

Er sprach nicht.

„Hat er es gewagt, dir das zu sagen, was er unten über dich gesagt hat?“

„Ich glaube nicht, dass es vonseiten deines Vaters besonderen Mutes bedurfte; ich bin nur sein Diener“, sagte er mit Bitterkeit.

„Und er – er hat dich so beleidigt?“

„Ich vermute, dein Vater betrachtete das, was er sagte, nicht als Beleidigung. Ich wiederhole, ich bin ein bezahlter Diener.“

„Aber was du getan hast, war richtig! Ich weiß, es muss richtig gewesen sein, denn du weißt alles darüber, was auf See richtig ist.“

„Ich verstehe meine Pflichten.“

„Und er hat dir die Schuld für etwas gegeben?“

„Es war aus meiner Sicht ein bisschen schlimmer als das.“ Er lächelte zu ihr hinunter, denn ihre Augen suchten sein Gesicht, als würde sie um ein wenig Trost bitten.

„Boyd, mach dir nichts aus ihm“, flehte sie. „Jemand, der ihn im Geschäft bekämpft hat, ist sehr ungezogen gewesen. Ich weiß nicht genau, worum es geht. Aber er hat so viele Dinge, die ihn beunruhigen. Und er fährt mich genauso an, hin und wieder.“

„Ja, manche Männer sind feige genug, diejenigen zu missbrauchen, die von ihnen für die Annehmlichkeiten dieser Welt abhängen“, erklärte er.

„Wir müssen Rücksicht nehmen.“

„Ich werde nicht in einer Position bleiben, in der ein Mann, der mich anheuert, glaubt, er könne mit mir sprechen, als wäre ich ein einfacher Matrose. Alma, du würdest mich verachten, wenn ich mich wie ein Hund herumschubsen ließe.“

„Ich würde dich umso mehr lieben, wenn du bereit wärst, mir zuliebe auf etwas zu verzichten. Ich will dich hier – hier mit all deiner Liebe – hier bei mir, solange diese Sommertage andauern.“ Sie tätschelte seine Wange. „Warum sagst du mir nicht, dass du bei mir bleiben willst, Boyd? Dass du sterben wirst, wenn wir nicht zusammen sein können? Wir können uns hier sehen. Ich kann Nan Burgess mit mir auf die Brücke bringen. Vater wird dann nichts dagegen haben. Lass jeden Tag für sich selbst sorgen!“

„Ich möchte das sein, was du willst, dass ich bin – das tun, was du willst, dass ich tue. Aber ich wünschte, du würdest mir sagen, ich solle in die Welt hinausgehen und etwas aus mir machen. Alma, sag mir, dass ich gehen soll! Und warte auf mich!“

Sie legte ihr Gesicht an seine Schulter und griff nach seinen Fingern, in dem Versuch, einen seiner Arme um sich zu ziehen. Doch seine beiden Hände umklammerten das Geländer der Brücke. Er widersetzte sich.

„Wirst du so sein wie all die anderen? Nur Geld und Ärger und Sorgen?“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte einen Kuss auf seine vom Nebel feuchte Wange. „Schläfst du, mein großer Junge? Gestern warst du wach.“

„Ich glaube, heute bin ich wirklich wach und gestern habe ich geträumt. Alma, ich kann mich nicht hinter dem Rücken deines Vaters herumschleichen, um dich zu lieben. Ich kann es nicht. Ich werde diese Stelle aufgeben. Ich halte es nicht aus.“

„Ich sage ‚Nein!‘ Ich brauche dich.“

„Aber –“

„Ich werde dich nicht aufgeben.“

Ihre Erklärung hatte etwas Dramatisches; ihr Gebaren drückte die gelassene Ruhe absoluten Besitzanspruchs aus. Sie löste seine widerstrebenden Finger vom Geländer.

„Ich liebe dich, weil du dich selbst vergessen kannst. Nun sei nicht wie all die anderen.“

Er erkannte, dass ein seltsamer kleiner Stich der Ungeduld ihn durchdrang. Das Mädchen schien nicht zu verstehen, wozu seine Männlichkeit ihn antrieb.

„Du darfst nicht selbstsüchtig sein, Boyd!“

Sie sprach den vagen Gedanken aus, der ihn in Bezug auf ihre Haltung beunruhigt hatte; und nun, da er verstand, was sein Gedanke gewesen war, empörte ihn das, was ihm wie seine eigene Illoyalität vorkam. Und doch verlangte das Mädchen von ihm, sein Wesen umzukrempeln!

„Ich fürchte, das ist alles falsch. Diese Dinge scheinen nie richtig auszugehen“, trauerte er.

„Du versuchst, die Welt auf einmal auf den Kopf zu stellen – und das ganz allein. Denk nicht so viel nach, du ernster Yankee. Liebe einfach!“

Er legte seine Arme um sie. „Ich segle in neuen Gewässern. Ich scheine weder den wahren Kurs noch die richtige Peilung zu kennen!“

„Lass uns vor Anker bleiben, bis sich der Nebel lichtet! Ist es nicht das, was Seeleute gewöhnlich tun?“

Er gab es zu und küsste sie, als sie ihr neckisches Gesicht von seiner Schulter hob.

„Nun wirst du die Zukunft in Ruhe lassen, nicht wahr?“, fragte sie.

„Ja.“ Doch schon während er es versprach, sah er sich gezwungen, dieser Zukunft ins Auge zu blicken.

Julius Marston rief am Fuß der Leiter nach seiner Tochter. „Bist du da oben?“, verlangte er scharf zu wissen.

„Ja, Vater.“

„Komm hier runter.“

Sie gab ihrem Liebhaber eine flüchtige Liebkosung und gehorchte.

Kapitän Mayo musste zuhören. Marston zeigte in seinem Zorn keine Rücksicht auf mögliche Zuhörer.

„Ich habe dir gesagt, du sollst achtern bleiben, wo du hingehörst.“

„Wirklich, Vater, ich verstehe nicht, warum –“

„Das sind meine Befehle! Ich verstehe es. Du musst es nicht verstehen. Diese Welt ist voll von billigen Kerlen, die Handlungen falsch auslegen.“

Kapitän Mayo ergriff die Stangen der Brückenleiter und begab sich zum Deck, ohne mit den Füßen die Sprossen zu berühren. Er erschien vor Vater und Tochter mit erschreckender Plötzlichkeit.

„Mr. Marston, ich werde meine Stellung an Bord hier aufgeben, sobald Sie einen anderen Mann finden können, der meinen Platz einnimmt.“

„Das werden Sie, ja?“

„Ja, Sir.“

„Sie haben Papiere für die Saison unterschrieben. Es ist mir nicht gelegen, eine Änderung vorzunehmen.“ Marston sprach mit der Knackigkeit eines Mannes, der die Angelegenheit erledigt hatte.

Kapitän Mayo war sich bewusst, dass das Mädchen versuchte, seinen Blick auf sich zu ziehen, aber er hielt seine Augen entschlossen von ihrem Gesicht fern.

„Ich bestehe darauf, abgelöst zu werden.“

„Ich habe keine Geduld mit Kindereien bei einem Mann! Ich fand es notwendig, Sie zurechtzuweisen. Sie werden danach wahrscheinlich Ihren Platz kennen.“ Er wandte sich ab.

„Ich habe beschlossen, dass ich nicht auf diese Yacht gehöre“, erklärte Mayo mit einem Nachdruck, von dem er wusste, dass das Mädchen ihn verstehen würde. „Sie müssen sich einen anderen Kapitän suchen!“

„Ich kann Kapitäne nicht aus diesem Nebel pflücken, und ich erlaube keinem Mann, mir mein eigenes Geschäft zu diktieren. Ich werde Sie an Ihrer schriftlichen Vereinbarung festhalten. Halten Sie sich bereit, Telegramme für mich an Land zu tragen. Ich nehme an, es gibt hier ein Büro?“

„Das gibt es, Sir“, erwiderte Mayo steif.

Das Mädchen, das ging, schenkte ihm eine hübsche Grimasse des Triumphs, wobei sie sich offensichtlich darüber freute, dass sein ungestümer Rücktritt so autokratisch überstimmt worden war. Doch Mayo erwiderte das Geplänkel ihrer Augen nur düster. Er hatte zu Marston wie ein Mann gesprochen und war mit der verächtlichen Gleichgültigkeit behandelt worden, die man einem Knecht entgegenbringen würde. Er war verletzt von der leichten Art, mit der sie diese Kränkung betrachtete, selbst wenn ihr eigener Vater sie zufügte.

Er stand eine Zeit lang allein da und sinnierte über verschiedene unbesonnene Taten nach. Doch unter all dem Aufruhr seiner Gefühle war die Erkenntnis, dass die Verantwortung für die Disziplin und Sicherheit dieser Yacht auf seinen Schultern ruhte, und er ging seinen Pflichten nach. Er rief zwei der Besatzungsmitglieder, befahl die Gangway hinunterzulassen und das Beiboot an Backbord klarmachen und zu Wasser lassen zu lassen. Dann ging er in den Kartenraum, setzte sich auf einen Spind und versuchte herauszufinden, ob er wunderbar glücklich oder todunglücklich war.

Marston schloss sich sofort mit seinen drei weisen Männern aus der Geschäftswelt ein, nachdem er nach achtern gegangen war. „Wir werden diese Telegramme jetzt aufsetzen und abschicken“, sagte er ihnen. „Ich dachte, ich warte besser, bis ich die Galle aus meinem System gearbeitet habe. Versuchen Sie niemals, vernünftige und sichere Geschäfte zu machen, wenn Sie wütend sind, meine Herren! Ich fürchte, diese Telegramme wären nicht gerade kohärent gewesen, wenn ich sie direkt geschrieben hätte, nachdem dieser Bee-Liner an uns vorbeigeschmettert ist.“

„Ich war bereit zu glauben, dass Tucker mit uns auf den richtigen Kurs einschwenken würde“, sagte einer der Partner.

„Ich auch“, stimmte Marston zu. „Ich habe gedacht, all sein lautes Gerede sei Bluff gewesen, um einen höheren Preis herauszuschlagen. Aber nach dem, was er heute getan hat! Oh nein! Er ist auf Kampf aus und hat seine Chance ergriffen, es uns zu zeigen! Ich glaube nicht viel von diesem ständigen Kampfgeschwätz. Aber wenn ein Mann herkommt und mir zwischen die Augen schlägt, fange ich an, seine Absichten zu verdächtigen.“

„Es besteht keine Notwendigkeit mehr, mit ihm zu feilschen, Mr. Marston. Er hat seine Arbeit heute so schmutzig wie möglich gemacht – er hat nichts offen gelassen, woran man zweifeln könnte.“

„Es tut mir leid“, sagte ein anderer aus der Gruppe. „Tucker hat sich gehen lassen und ist hässlich geworden.“

„Das bin ich auch“, antwortete Marston trocken. „Und ich werde auch senil, fürchte ich. Ich bin nach vorne gegangen und habe so viel Anathema an diesem Kapitän von mir verschwendet, wie ich für ein halbe-Millionen-Geschäft mit einer Konkurrenzlinie verbrauchen würde. Als Nächstes streite ich mich noch mit dem Schornstein. Aber ich muss gestehen, meine Herren, dass Tucker mir heute den Atem geraubt hat. Entweder ist er völlig verrückt geworden, oder er versteht die Stärke der Kombination nicht.“

„Er ist noch nicht aufgewacht. Er weiß nicht, was gegen ihn steht.“

„Das mag teilweise unsere Schuld sein“, erklärte einer der Männer. „Wir konnten Männer wie Tucker nicht in die vollen Details einweihen.“

„Im Geschäft gewinnt derjenige, der gut raten kann“, erklärte Marston. „Unsere Fusion ist nichts, was man an die große Glocke hängen sollte. Und wenn wir Tucker noch mehr erklären, wird der ganze Plan publik, darauf können Sie sich verlassen. Der verfluchte Narr hält uns seit drei Monaten hin, verlangt mehr Wissen – und man kann ihm nicht trauen. Es gibt nur eines zu tun, meine Herren! Das!“ Er stieß seine Faust mit einem bedeutungsvollen dumpfen Schlag in seine Handfläche.

„Ist die Bee-Linie für unsere Pläne absolut unerlässlich?“

„Jede Linie entlang dieser Küste ist unerlässlich, um diese Fusionsaktien zu einem absolut sicheren Angebot zu machen.“

„Es ist eine neue Linie und zahlt keine Dividenden.“

„Nun, was das betrifft, steht sie in dieser Hinsicht manchen anderen Linien, die wir in der Fusion unterbringen, in nichts nach“, schlug ein Mitglied der Gruppe vor, das zum ersten Mal sprach.

„Ich fürchte, das haben Sie jetzt gesagt, Thompson! Amerikanische Schiffsrümpfe scheinen in Seepockengärten verwandelt zu werden“, erklärte der Mann, der den Wert von Tucker in Frage gestellt hatte.

„Meine Herren, einen Moment!“ Julius Marston lehnte sich in seinem Stuhl vor. Seine Stimme war leise. Seine Augen verengten sich. Er dominierte sie durch seine Ernsthaftigkeit. „Sie sind mir bei einer Reihe von Unternehmen gefolgt, und wir hatten Glück. Aber lassen Sie mich Ihnen sagen, dass wir das Größte überhaupt vor uns haben, und wir können es uns nicht leisten, ein loses Ende zu lassen! Nicht eines, meine Herren! Deshalb verdient ein Narr wie Tucker keine Rücksicht, wenn er uns in den Weg kommt. Hören Sie mir zu! Das Größte, was jemals auf dieser Welt passiert ist, wird passieren. Woher weiß ich das? Ich bin mir nicht sicher, ob ich es weiß. Aber wie ich Ihnen gerade gesagt habe, der Mann, der richtig rät, ist der Gewinner.“ Seine dünne Nase war gerunzelt und der Bartstreifen an seinem Kinn sträubte sich. Manchmal nannten Leute Marston den „Fuchs der Wall Street“. Er deutete den Grund für seinen Spitznamen an, als er dort saß und seine Geschäftspartner zusammenkniff. „Und es gibt einen Instinkt, der manchen Männern hilft, richtig zu raten. Etwas wird auf dieser Welt in Kürze geschehen, das Männer, die ein paar Tausend in amerikanische Schiffsrümpfe investiert haben, immer wieder zu Millionären machen wird.“

„Was wird geschehen?“, fragte einer der Männer nach einer Stille unverblümt.

„Ich bin weder Hellseher noch Kristallkugelleser“, sagte Marston grimmig. „Aber ich habe Sie in einige gute Dinge geführt, wenn mein Instinkt geflüstert hat. Ich sage, es wird geschehen – und mehr sage ich nicht.“

„Um amerikanische Schiffsrümpfe lohnenswert zu machen, müsste ganz Europa damit beschäftigt sein, etwas anderes mit seinen Schiffen zu tun.“

„Alles klar! Dann werden sie es tun“, erwiderte Marston.

„Es müsste ein Krieg sein – ein großer Krieg.“

„Sehr gut! Vielleicht ist das die Antwort.“

„Aber es kann nie wieder einen großen Krieg geben. Als Finanzier wissen Sie das.“

„Ich habe etwas Geld verdient, indem ich mich an die harten und schnellen Regeln der Finanzwelt gehalten habe. Aber das meiste Geld habe ich verdient, indem ich diesen Regeln den Rücken kehrte und auf meinen Instinkt hörte“, war Marstons Erwiderung. „Ich möchte Sie nicht übermäßig beeinflussen, meine Herren. Ich habe kein Interesse daran, weiter zu diskutieren, was Sie für Träume halten mögen. Ich sage keinen großen Krieg in Europa voraus. Der gesunde Menschenverstand spricht dagegen. Aber ich gehe in dieses Schiffsfusionsprojekt mit jeder Unze Verstand und Energie und Kapital, die ich besitze. Der Mann, der mir in den Weg kommt, versucht diese beiden Hände von mir von Millionen fernzuhalten!“ Er schüttelte seine geballten Fäuste über seinem Kopf. „Und ich werde über ihn hinweggehen, bei Gott! Ob es nun Tucker ist oder irgendjemand sonst. Wir hatten einige gute Gespräche zu dem Thema, hin und her. Ich fange jetzt an zu kämpfen und die Opposition zu zerschlagen. Was schlagen Sie in der Angelegenheit vor, meine Herren?“

Sie schwiegen eine Zeit lang, sahen einander an und fragten sich wortlos. Dann, aus ihrem Wissen um Julius Marstons unheimliche Fähigkeiten, sich an ihre vergangenen Erfolge erinnernd, kam Entschlossenheit.

„Wir sind bis zum letzten Dollar dabei“, versicherten sie ihm nacheinander.

„Sehr wohl! Sie sind klug!“

Er schloss eine Schublade seines Schreibtisches auf und holte ein Codebuch heraus. Er drückte einen Summer und der Sekretär kam aus seiner Kabine geeilt.

„Wir werden die Aktion eröffnen, meine Herren, mit einem kleinen Ferngefecht über den Draht.“

Er begann, seine Telegramme zu diktieren.

VI ~ UND WIR SEGELTEN

O Johnny ist nach Baltimore gegangen, um auf jenem sandigen Boden zu tanzen. O Johnny ist für immer fort; ich werde meinen John niemals wiedersehen! O Johnny ist fort! Was soll ich tun? A-way du. H-e-e l-o-o-o! O Johnny ist fort! Was soll ich tun? Johnny ist nach Hilo gegangen. – Altes Schlepplied.

Der wortkarge Sekretär tastete sich nach vorne und überreichte Kapitän Mayo ein kleines, sicher mit Band gebundenes Paket.

„Befehle von Mr. Marston, dass Sie diese selbst an Land bringen. Es sind wichtige Telegramme und er möchte, dass sie eilends befördert werden.“

Der Kapitän rief seine Männer zum Beiboot, und sie ruderten ihn durch den Nebel davon. Es war eine heikle Aufgabe, sich seinen Weg durch diesen Dunst zu bahnen. Er stand auf, lehnte sich vor, hielt sich an seinen straffen Ruderleinen fest und steuerte seinen Kurs mehr durch die Ohren als durch die Augen. Einige der vor Anker liegenden Fahrzeuge, die wussten, dass sie sich in der Fahrrinne des Hafens befanden, ließen hin und wieder träge ihre Glocken läuten. Yacht-Beiboote machten ihre Runden und beförderten Gesellschaften, die Besuche machten und erwiderten, und diese Boote wichen einander durch lautes Rufen aus. Kleine Objekte erschienen groß und kleine Geräusche wurden betont.

Die ferne Stimme eines unsichtbaren Spaßvogels verkündete, dass er zwar seinen Weg durch den Nebel finden könne, aber fürchte, nicht die Kraft zu haben, sein Boot hindurchzuschieben.

Doch Mayo kannte seine Gewässer in diesem Hafen und fand den Weg zum Kai. Seine wirklichen Schwierigkeiten begegneten ihm im Telegrafenamt des Dorfes. Die Yachtbesucher hatten den Ort mit Nachrichten überflutet, und die aufgeregte junge Frau befand sich in einem Zustand, der fast an Hysterie grenzte. Sie erklärte trotzig, dass sie keine Telegramme mehr annehmen würde. Anstatt an die Arbeit der bereits eingereichten zu gehen, verbrachte sie ihre Zeit damit, den später Ankommenden ihre Grenzen zu erklären.

Kapitän Mayo stand zur Seite und sah einige Augenblicke zu. Ein sanfter Anstoß an seinen Ellbogen lenkte seine Aufmerksamkeit auf einen älteren Mann mit struppigen Koteletten, der so seine Beachtung suchte. Der Mann hielt vorsichtig ein gefaltetes Papier an einer Ecke und legte tiefen Respekt für seine winzige Last an den Tag.

„Sie sind keiner von diesen Yacht-Dudes – Sie sind ein Kapitän, nicht wahr?“, fragte der Mann.

„Ja, Sir.“

„Nun, dann kann ich mit Ihnen sprechen, als Offizier zu Offizier – und ich freue mich, einen meiner eigenen Sorte zu treffen. Ich bin der erste Maat des Schoners Polly. Mr. Speed ist mein Name.“

Kapitän Mayo nickte.

„Und ich brauche Hilfe und Rat. Das ist der erste Tele-graft, den ich je in meinen Händen hielt. Ich würde lieber ein vereistes Fall in einem Nordoststurm festhalten! Ich wurde an Land geschickt, um es zu telegraften, und jetzt sagt sie, sie würde es nicht auf den Draht kleben, wie auch immer sie das verdammte Ding anstellen.“

Kapitän Mayo hatte bereits bemerkt, dass die Boten von den Yachten die Zeit damit verbrachten, die aufgeregte junge Frau zu necken; es war gutmütiges Geplänkel, aber es blockierte effektiv den Fortschritt an diesem Ende der Leitung.

Er verspürte den instinktiven Impuls eines „Einheimischen“, der jungen Frau zu Hilfe zu eilen, die von den Feiernden gehetzt wurde; die Verantwortung seines eigenen Auftrags trieb ihn an, ihr zu helfen, die Decks zu räumen. Aber er wartete und hoffte, dass die Yachtbesitzer ihren Geschäften nachgehen würden.

„Von der Polly, Mr. Speed?“, erkundigte er sich freundlich. „Liegt die Polly im Hafen? Ich habe sie im Nebel nicht bemerkt.“

„Ich schätze, Sie kennen sie, bei der Art, wie Sie von ihr sprechen“, antwortete der erfreute Mr. Speed.

„Das sollte ich, Sir. Sie wurde bei Mayoport von meinem Urgroßvater gebaut, bevor die Mayo-Werften anfingen, Schiffe zu bauen.“

„Nun, ich schwöre! Sind Sie ein Mayo?“

Der Kapitän verbeugte sich und lächelte über die Begeisterung, die Mr. Speed zeigte.

„Bei Gott! Das nimmt Sie sozusagen direkt in unsere Familie auf!“ Der Maat musterte ihn mit Interesse und wachsendem Vertrauen. „Ich bin in einer Klemme, Käpt'n Mayo, und ich brauche Rat und Trost, schätze ich. Ich war auf direktem Kurs in Richtung meiner regulären Pflicht, und plötzlich fand ich mich gewendet und in den Wanten wieder, und da bin ich jetzt und treibe. Da Ihre Leute die Polly gebaut haben, betrachte ich Sie als zur Familie gehörig, und dass die Vorsehung Sie heute Abend genau hier in dieses Telegraft-Büro gestellt hat. Kennen Sie Käpt'n Epps Candage?“

Mayo schüttelte den Kopf.

„Oder seine Tochter, Polly, benannt nach der Polly?“

„Nein, das muss ich gestehen.“

„Nun, es mag für Sie genauso gut sein, dass Sie das nicht tun“, sagte Oakum Otie, während er seinen struppigen Bart zu einem Docht drehte und nervös blinzelte. „Da war ich, steuerte geradeaus und hielt den wahren Kurs, und dann sah sie mich an und da war ein Zittern in ihrer Stimme und Tränen in ihren Augen – und das nächste, was ich wusste, war, dass ich hier in diesem Telegraft-Ort war mit diesem!“ Er hielt das gefaltete Papier hoch und seine Hand zitterte.

Kapitän Mayo verstand nicht und machte daher keine Bemerkungen.

„Es gab ein Lied, das der alte Ephrum Wack zu singen pflegte“, fuhr Mr. Speed fort, wurde vertraulicher und vergewisserte sich, dass die anderen Männer im Raum zu sehr beschäftigt waren, um zuzuhören. „Der Refrain lautete:

‚Ich fürchte mich nicht vor der tobenden See, noch vor Kreaturen, die darin sind, was auch immer sie sein mögen. Aber eine Hexe von einer Frau ist das, was mich erschreckt!‘

Da stand ich nun und hielt mich bei Käpt'n Epps in der ganzen Sache bereit, und sie nahm mich beiseite und sah mich an und sagte ein paar Dinge mit einem Zittern in ihrer Stimme und ihren Augen ganz nass und glänzend und“ – er hielt inne und sah mit einer Verwirrung auf das Papier, die ziemlich erbärmlich war – „und ich ging direkt über allen gesunden Menschenverstand und Bordregeln und Disziplin und alles hinweg und kam hierher, um dies hier festkleben zu lassen auf den Draht, oder was auch immer sie mit Telegrafts machen. Aber“, fügte er mit einem Zittern in seiner Stimme hinzu, „sie ist so verdammt hübsch, ich konnte nicht anders!“

Immer noch enthielt sich Kapitän Mayo jeden Kommentars oder jeder Frage.

„Die Frage ist jetzt, hätte ich es tun sollen“, verlangte Mr. Speed zu wissen. „Ich nehme Sie in meiner eigenen Verantwortung in die Familie auf. Sie sind ein Kapitän, Sie sind ein Einheimischer, und ich brauche guten Rat. Hätte ich es tun sollen?“

„Ich fürchte, Sie müssen mich entschuldigen, Sir. Die Angelegenheit scheint privat zu sein, und außerdem weiß ich nicht, wovon Sie reden.“

„Sie sagt, es sei für die Modistin, damit die Modistin den Job offen hält. Aber ich hege den Verdacht, dass es über Umwege an den Verehrer geht, der in sie verliebt ist. Das ist die Art der Frauen. Käpt'n Epps hat sie entführt, um sie von diesem Kerl wegzubringen. Jetzt hat sie es so gedreht, dass sie zurückgeht. Aber da ist ein Verehrer im Spiel statt einer Modistin. Sie wäre nicht so besorgt, der Modistin eine Nachricht zukommen zu lassen. Das ist meine Idee, und ich schätze, es ist auch Ihre.“

„Ich habe wirklich keine Ideen zu diesem Thema“, erwiderte Kapitän Mayo. „Aber wenn Sie einer jungen Dame versprochen haben, ein Telegramm für sie zu senden, würde ich dieses Versprechen sicherlich halten, wenn ich an Ihrer Stelle wäre.“

Im nächsten Moment bereute er seinen eher ungestümen Rat, denn Mr. Speed klatschte das Papier gegen eine harte Handfläche und platzte heraus: „Das ist alles, was ich wissen wollte! Kurs und Peilung von einem erstklassigen Berater. Nun, wie gehe ich daran, dieses Ding zu senden?“

„Ich habe mir in den letzten Minuten selbst den Kopf darüber zerbrochen“, gestand der Kapitän. „Es ist an der Zeit, ein wenig Aktion in diesen Ort zu bringen.“

Er war gezwungen, sich seinen Weg durch die Gruppe von Männern zu bahnen, die die Telegrafistin umringten. Oakum Otie folgte ihm auf den Fersen, entschlossen, das Geheimnis des Telegrafierens aus nächster Nähe zu studieren, da er erkannte, was er für seine eigene Unterweisung brauchte.

„Diese Telegramme sind wichtig und sie müssen sofort raus, Madam“, informierte Mayo die aufgeregte junge Frau.

„Ich kann sie nicht senden. Ich werde so sehr belästigt, dass ich nichts tun kann“, stammelte sie.

„Oh, vergessen Sie Ihr Geschäft, Skipper“, riet einer aus der Gruppe.

„Es ist nicht mein Geschäft, Sir.“ Er legte das Bündel Nachrichten vor die Betreiberin auf ihren kleinen Tresen und tippte mit dem Finger darauf. „Sie müssen raus“, wiederholte er.

„Der Reihe nach“, warnte der Yachtbesitzer und zeigte, dass er diese Einmischung ablehnte. „Und nachdem die Party vorbei ist!“

„Ich hatte die Absicht, mein Gespräch auf diese junge Dame zu beschränken“, sagte Mayo. Er drehte sich um und sah sie an. „Aber ich bin lange genug hier gewesen, um zu sehen, dass Sie, meine Herren, das Geschäft dieses Büros stören. Vielleicht sind Ihre Nachrichten nicht wichtig. Meine sind es.“

Der Yachtbesitzer war weder nüchtern noch besonnen. „Gehen Sie zurück zu Ihrem Job, junger Mann“, riet er. „Sie drängeln sich unter Gentlemen.“

„Das tue ich auch“, krächzte Mr. Speed, mit dem Wetterauge nach Wolken jeglicher Art Ausschau haltend.

Kapitän Mayo warf seinem Unterstützer einen Blick voll Staunen und Vergnügen zu. „Wir sollten besser keine Worte über die Angelegenheit verlieren, meine Herren“, schlug er mild vor.

„Sicherlich nicht“, erklärte der Sprecher. „Wenn Sie weitergehen, wird es keine Worte geben – oder irgendetwas anderes.“

„Dann verzichten wir auf Worte!“ Der schnelle Zorn der Jugend flammte in Mayo auf. Es war eher die Art des Mannes als seine Worte, die ihn zutiefst beleidigt hatte. „Ich nehme an, Sie möchten diesen Raum für sich allein haben, damit Sie sich um Ihre Geschäfte kümmern können?“, fragte er den Operator.

„Ja, das möchte ich.“

Oakum Otie legte sein gefaltetes Papier auf das Bündel von Kapitän Mayo.

„Sie werden den Raum verlassen, meine Herren“, riet der Kapitän.

Mr. Speed streckte seine knochigen Ellbogen aus und schlug seine harten Fäuste zusammen. „Ich habe Dudes noch nie gemocht“, stellte er fest. „Ich bin so erzogen worden. Meine ganze Ausbildung bei Cap’n Epps war so.“

„Wie passen Sie in diese Sache hinein?“, forderte einer der Yachtbesitzer.

„Ungefähr so“, beteuerte Mr. Speed. Er packte den jungen Mann an beiden Schultern und beförderte ihn in die Nacht hinaus, bevor irgendjemand eingreifen konnte. Dann erschien Mr. Speed prompt wieder und erkundigte sich: „Wer ist als Nächster dran?“

„Ich glaube, sie werden alle gehen“, sagte der Kapitän.

„Kommen Sie schon“, drängte einer aus der Gruppe. „Wir können es uns nicht leisten, uns mit Einheimischen zu prügeln.“

„Darauf können Sie wetten“, erwiderte Oakum Otie. „Ich habe mein Leben lang nicht umsonst Schindeln geschleppt!“

Mayo sagte nichts weiter. Aber nachdem die Yachtbesitzer ihn gemustert hatten, gingen sie hinaus und machten die Angelegenheit zum Gegenstand des Spottes.

„Hoffe, ich habe das Richtige getan und Ihnen gezeigt, dass ich für guten Rat dankbar war“, schlug Mr. Speed vor und suchte nach Anerkennung.

„Nur ein wenig voreilig, Sir.“

„Vielleicht, aber es geht nichts über eine Kostprobe, um die Qualität des ganzen Stücks zu zeigen.“

„Ich danke Ihnen – Ihnen beiden“, sagte der dankbare Operator.

„Sie sollten Ihre Tür abschließen“, riet Mayo. „Männer sind gedankenlos, wenn sie nichts zu tun haben, außer zu spielen.“

„Ich bin so dankbar! Und ich werde eine Büroregel brechen“, bot das Mädchen an. „Ich werde Ihre Telegramme zuerst abschicken.“

„Und ich hoffe, Sie können das kleine da als zweites unterbringen – es nimmt nicht viel Platz weg!“, flehte Oakum Otie. „Es ist, um einem schrecklich hübschen Mädchen zu helfen – die sieht fast so aus wie Sie!“

„Ich werde mich darum kümmern“, versprach die junge Frau und errötete.

Draußen in der Dorfstraße wischte Mr. Speed seine raue Handfläche an seinem Hosenbein ab und bot dem Kapitän die Hand. „Ich muss mich hier von Ihnen verabschieden, Sir. Ich habe noch eine kleine Besorgung zu machen – ein Stück Tabak und eine Schachtel Erdbeeren. Ich gestehe, ich habe einen schrecklichen Zahn auf Erdbeeren. Wenn mich das Verlangen packt und ich nicht an Erdbeeren herankomme, zeigt sich mein Erdbeermal hinter meinem Ohr. Ich hoffe, ich habe recht getan, als ich das Tele-graff für sie abgeschickt habe – aber es ist zu schade, dass ein Landratten-Freier ein so hübsches Mädchen abbekommt.“ Dann seufzte Oakum Otie und löste sich im nebligen Dunkel auf.

Als Kapitän Mayo auf dem Rückweg zur Yacht auf halbem Weg den Hafen hinunter war, sah er sich einem Schauspiel gegenüber, das ihn erschreckte. Der Nebel war plötzlich von einem rötlichen Schein gemalt, der sich hoch ausbreitete und stetig flammte. Seine ersten Befürchtungen ließen ihn vermuten, dass ein Schiff in Flammen stünde. Die Olenia lag in dieser Richtung. Er befahl seinen Männern, kräftig zu rudern.

Als er aus dem Dunst in die Zone der Beleuchtung stieß, waren seine Bedenken zerstreut, aber seine Neugier war geweckt.

Ein Dutzend Yachtbeiboote tummelte sich in einer Flottille nahe dem Heck eines rostigen alten Schoners. Alle Beiboote brannten Coston-Lichter ab, und von mehreren Booten aus schossen Yachtbesitzer Raketen ab, die den Nebelschleier mit bizarren Farben durchzogen.

Das Heck des Schoners war von den Fackeln gut ausgeleuchtet, und Mayo sah ihren Namen, obwohl er diesen Namen nicht brauchte, um ihre Identität zu bestätigen; sie war die ehrwürdige Polly.

Das Licht, das um sie herum flammte und ihre Takelage und Linien hervorhob, wirkte gespenstisch unwirklich, und mehr denn je erschien sie wie ein Geisterschiff. Der dicke Vorhang aus Nebel fing den Schein der Fackeln ein und reflektierte ihn vom Himmel auf sie herab, und sie war auf fantastische Weise vom Mast bis zur Wasserlinie gezeichnet. Die Schatten der Männer in den Beibooten wurden in grotesken Umrissen auf den Nebelschirm geworfen, und eine Geistermannschaft schien sich in der Takelage des alten Schoners abzuplagen.

Kapitän Mayo befahl seinen Männern zu stoppen, und das Beiboot trieb nahe an die Flottille heran. Er erspähte einen Yachtkapitän, den er kannte, als beide noch in der Küstenschifffahrt tätig waren.

„Was ist das für eine Idee, Duncan?“

Sein Bekannter grinste. „Ein Ständchen für die Tochter des alten Epps Candage – direkt über seinen Kopf hinweg.“ Er deutete nach oben.

Über die Reling des Schoners ragte das verzerrte Gesicht von Kapitän Candage. Zorn schien ihn zu verzehren. Das verrückte Licht bemalte alles mit Arabeskenmustern; das Gesicht des Kapitäns sah aus wie das eines Wasserspeiers.

Mayo, der mit der natürlichen Voreingenommenheit eines „Einheimischen“ beobachtete, entdeckte Spott in der Angelegenheit. Er war gerade Zeuge einer Demonstration des geselligen Humors scherzender Yachtbesitzer gewesen.

„Was ist die besondere Entschuldigung dafür?“, fragte er säuerlich.

„Der Geschichte nach hat Epps sie auf dieser Reise mitgenommen, um eine Anbandelei zu beenden.“

„Nun, hat das etwas mit dieser Vorstellung zu tun?“

„Oh, es ist nur ein kleiner Spaß“, gestand der andere. „Es wurde auf unserer Yacht geplant. Alter Epps hat sich heute zum Esel gemacht, indem er einige der Herren der Flotte angemacht hat, und die Jungs geben ihm jetzt ein kleines Etwas zurück. Das ist alles! Es ist nur Spaß!“

„Meiner Auffassung nach ist es die Art von Spaß, die wehtut, wenn ein Mädchen involviert ist, Duncan.“

„Genau so ernst wie immer, eh? Nun, meine Auffassung ist, dass ein bisschen gutmütiger Spaß einem hübschen Mädchen nie schadet – und man sagt, diese hier ist eine echte Schönheit! Oh, warte mal kurz, Boyd!“ Der Kapitän der Olenia hatte sich abgewandt und war im Begriff, seinen Ruderern einen Befehl zu geben. „Du solltest lange genug anhalten, um dieses neue Lied zu hören, das einer der Herren auf der Sunbeam für diesen Anlass komponiert hat. Es ist ein Knaller. Ich habe sie auf unserer Yacht proben hören.“

Trotz seines ungeduldigen Grolls zugunsten der Tochter von Epps Candage blieb Kapitän Mayo. Genau in diesem Moment stand der anerkannte Barde der Yachtbesitzer auf und balancierte in einem Beiboot. Er wurde von den Lichtern klar enthüllt und durch den Heiligenschein aus gefärbtem Nebel, der ihn umgab, vergrößert. Er sang im Walzertakt mit einem feinen Tenor:

„Unsere Polly O, Über das Meer gehst du; Schöner als Sonnenstrahl, lieblich wie Mondenschein, Wir alle lieben dich so! Während die Brisen wehen, Um dich zu tragen, Polly O, Werden wir dir treu sein, Über das Blau zu dir ziehen, Polly – Polly! Liebes kleines Polly, Polly – O-O-O!“

Er beendete die Strophe und hob dann beide Arme mit der Geste eines Chorleiters.

„Jetzt alle zusammen, Jungs!“

Sie sangen mit Seele, Kraft und ausgezeichneter Wirkung.

Wilde, fast artikulationslose Wut, beinahe apoplektischer Zorn drückten sich in dem Gesicht über der wettergegerbten Reling aus.

„Man sagt, Musik besänftige die wilde Brust, aber in diesem Fall sieht es nicht danach aus“, bemerkte Kapitän Duncan mit einem Kichern.

„Verschwindet von hier, ihr betrunkenen Dudes! Ich werde die Polizei auf euch hetzen! Ich werde euch verhaften lassen wegen – wegen Störung des Friedens.“

Diese Drohung provozierte, in Anbetracht der Umstände, große Heiterkeit.

„Platz da! Hier kommt ein Cop!“, warnte eine spöttische Stimme.

„Er geht übers Wasser“, erklärte ein anderer.

„Der Mann muss ein Narr sein“, erklärte Kapitän Mayo. „Wenn er unter Deck ginge und den Mund hielte, würden sie nach ein paar Minuten müde werden und gehen.“

Kapitän Candage schien jedoch zu glauben, dass ein Rückzug in hohem Maße zu seinem Nachteil gereichen würde. Er hing weiter über der Reling und stieß eine so vollständige Reihe von Hochsee-Flüchen aus, wie sie jemals über die zitternden Lippen eines Seemanns gekommen war. Daher waren die spielwütigen Yachtbesitzer bestens unterhalten und blieben, um ihn noch weiter zu reizen. Immer wieder sangen sie das Polly-Lied mit neuer Begeisterung, während der wütende Kapitän in seiner tollen Wut geradezu dazu tanzte und seine Arme wie ein verrückter Orchesterleiter herumwarf.

Mr. Speed kam in seinem Dory angerudert, setzte all seine Kraft ein und platschte mit den Rudern. „Mein Gott! Kapitän Mayo“, keuchte er, „ich hörte sie ‚Oh, Polly!‘ rufen und hatte Angst, sie stünde in Flammen. Was ist das Problem?“

„Sie sollten besser an Bord gehen, Sir, und Kapitän Candage dazu bewegen, unter Deck zu gehen und still zu sein. Er ist dabei, sich zum absoluten Narren zu machen.“

„Ich habe keinen Einfluss auf ihn. Ich bitte und beschwöre Sie, an Bord zu steigen und ihn zu beruhigen, Sir. Sie können das. Er hört auf einen Mayo.“

„Ich sollte es besser nicht versuchen. Das ist kein Job für einen Fremden, Mr. Speed.“

„Er wird ihnen als nächstes die ganze Decksladung Schindeln an den Kopf werfen!“

„Bringen Sie seine Tochter dazu, ihn zu überreden.“

„Er hört nicht auf sie, wenn er so aufgebracht ist!“

„Es tut mir leid! Ruder ran, Männer!“

Seine Ruderer ließen die Riemen ins Wasser fallen und zogen mit sichtbarem Widerwillen davon.

„Bleiben Sie lieber und sehen Sie es sich an“, riet Kapitän Duncan.

„Ich mache mir nicht viel aus Ihrer Vorstellung“, stellte Mayo schroff fest.

Die Kabinenvorhänge auf der Olenia waren zugezogen, und er fühlte sich besonders von menschlicher Gesellschaft abgeschnitten. Er ging nach vorne und schritt auf dem Deck auf und ab, wobei er seine schwierigen Angelegenheiten im Kopf wälzte, aber kaum Fortschritte bei dem Versuch machte, irgendetwas an seinen Platz zu rücken.

Es gab keine Anzeichen dafür, dass die Ständchen bringenden Yachtbesitzer ihrer Methode, die Zeit an einem nebligen Abend totzuschlagen, überdrüssig wurden. Sie hatten Banjos und Mandolinen hervorgeholt und sangen das Polly-Lied mit besserer Wirkung und größerem Vergnügen. Und unaufhörlich brüllte die raue Stimme des Meisters der Polly Flüche hervor, die in neue Formen der Obszönität verdreht waren.

Aber Kapitän Mayo, der unter dem feuchten Schimmer des Ankerlichts auf und ab ging, achtete kaum auf den Lärm. Er war zu sehr in seine eigenen Sorgen vertieft, um ein besonderes Interesse daran zu haben, was seine Nachbarn taten. Er bemerkte nicht einmal, dass eine nebelgesättigte Brise angefangen hatte, sporadisch aus dem Osten zu wehen, und dass sich die Nebelschwaden über ihm zerteilten.

Plötzlich jedoch drang ein Geräusch in sein Bewusstsein; er hörte das Glucksen der Scheiben und wusste, dass ein Segel gehisst wurde. Die tief liegende Nebelschicht war immer noch dick, und er konnte nicht erkennen, um welches Schiff es sich handelte, das die träge Brise ausnutzen wollte. Das „Ruckel-Ruckel“ der Blöcke ertönte in schnellen Abständen und deutete auf Eile hin; es lag ein Anflug von bösartiger Entschlossenheit in der Art der Männer, die an den Fallen zerrten. Dann hörte Kapitän Mayo das stetige Klappern der Spillklinken. Er kannte die Methoden der Apple-treers, ihre Vorsicht und ihre gemächlichen Gewohnheiten, und er konnte kaum glauben, dass ein Küstenschiffer vorhatte, den Hafen in dieser Nacht zu verlassen. Aber die Spillklinken begannen in Stakkato zu klicken, was zeigte, dass der Anker gebrochen war.

Protestierende Rufe aus der Finsternis rundherum begrüßten dieses Signal.

Es gab kein Vertun bei der rauen Stimme von Kapitän Candage, als sie zur Antwort erhoben wurde; seine Töne waren nach diesem Abend voller Verwünschungen vertraut geworden.

„Verdammt noch mal, ich kenne einen Weg, wie ich diese Bande loswerde!“

„Versuchen Sie nicht, Ihren Ankerplatz zu verlegen!“

„Ankerplatz, was für ein Mist! Ich fahre zur See!“, brüllte der Kapitän der Polly.

„Runter mit dem Haken! Sie werden mit Ihrer alten Müllkiste diese ganze Yachtflotte aufschlitzen!“

„Ihr habt mich dazu getrieben! Jetzt könnt ihr sehen, wie ihr zurechtkommt!“

Im nächsten Moment hörte Mayo das Reißen von Takelage und einen Krach.

„Da gehen zwei Beiboote und unser Bootsbaum! Verdammt, Mann, lassen Sie Ihren Haken fallen!“

Aber von diesem Moment an bewahrte Kapitän Candage, was seinen Mund betraf, unheilvolles Schweigen. Die splitternde Sprache der Verwüstung war beredter.

Mayo konnte nicht sehen, aber er verstand im Detail, welch ein Schaden an der empfindlichen Struktur der Yachten durch diesen schwerfälligen alten Kahn von einem Schoner angerichtet wurde. Hier wurde ein weiterer Bootsbaum weggerissen, als sie schwerfällig ihre Masse durch die Flotte schob; dort wurde ein emaillierter Rumpf von ihren rostigen Kettenplattenbolzen aufgerissen. Jetzt ein Beiboot, das an den herausragenden Davits zerschmettert wurde, als nächstes ein Wrack aus spinnenartiger Takelage, ein Klüverbaum zersplittert und ein Vormast heruntergerissen. Wenn Kapitän Mayo irgendwelche Zweifel an den Details der Katastrophen gehabt hätte, hätte er durch die erhellenden Flüche der Opfer volle Information erhalten.

Er wusste genau, dass Kapitän Candage nicht mit der absichtlichen Absicht handelte, all diesen Schaden anzurichten. Bei dem wenigen Wind, der herrschte, war der Schoner nicht unter Kontrolle. Er trieb, bis er genug Fahrt aufnahm, um gesteuert werden zu können. In der Zwischenzeit tat er, was ihm in den Weg kam. Die Polly war in der Nähe der Olenia geankert. Sobald ihr Anker den Boden verließ, trieb der Schoner den Hafen hinauf. Mayo wusste nach wenigen Minuten, dass Candage ihn wendete. Ein besonderer Ausbruch von Krachen signalisierte dieses Manöver.

Mayo schnupperte an der Brise, schätzte Entfernung und Richtung, stürmte dann nach vorne und hämmerte mit der Faust auf das Backluk.

„Alle Mann raus!“, rief er. „Holt Fender und Persenning!“

Bei dem Wind, der herrschte, erkannte er, dass der Schoner in Richtung der Olenia zeigen würde, wenn Candage auf die offene See zusteuerte.

Endlich erhaschte Mayo durch den Nebel einen Blick auf ihn. Seine Berechnung war richtig gewesen. Auf seinen Kurs war er zugehalten. Er bewegte sich so langsam, dass er praktisch manövrierunfähig war; sein Apfel-Bug erzeugte kaum eine Welle, aber mit der Brise, die die Gezeitenströmung unterstützte, kam er unwiderstehlich näher, drehte allmählich ab und versprach, die große Yacht seitlich zu rammen.

Mayo hatte den Stolz eines Seemanns auf sein Schiff und die Hingabe eines Kapitäns an seine Pflicht. Er begnügte sich nicht damit, nur die Männer herumzukommandieren, die an Deck stolperten.

Er riss einem der Matrosen, der unsicher war, was er tun sollte, einen riesigen Fender aus der Hand; er rannte nach vorne und stieß ihn über die Reling, wobei er sich weit hinauslehnte, um sicherzugehen, dass er richtig platziert war, um den Aufprall abzufangen. Er schenkte der Sicherheit der Olenia mehr Aufmerksamkeit als dem, was die ankommende Polly mit ihm anstellen könnte.

Unter allen Bugsprieten auf Schonern ragt zur Sicherung der Vorstagen ein kurzer Mast nach unten, im rechten Winkel zum Bugspriet; man nennt ihn den Martingal oder Delfin-Striker. Die Amateur-Takler, die an der Ausrüstung der Polly herumgeschraubt hatten, hatten sich nicht die Mühe gemacht, die Spitzen abzuschleifen, mit denen sie das untere Ende des Martingals repariert hatten. Kapitän Mayo duckte sich tief, um einem Stag auszuweichen, und die Spitzen verhakten sich sauber im Rücken seines Überziehers. Mr. Marston hatte exzellenten und starken Stoff für die Uniform seines Kapitäns gekauft. Der Stoff hielt, die Spitzen saßen gut, die Polly hielt nicht an, und so wurde der Kapitän der Olenia von seinem eigenen Deck gerissen und musste mit.

Den ganzen Abend war Mayos Kragen dicht um seinen Hals geknöpft gewesen, um die Nebelfeuchtigkeit abzuhalten, und als er von den Spitzen aufgespießt wurde, griff der Kragen fest um seine Kehle und seinen Kehlkopf. Sein Hilferuf war nur ein ersticktes Krächzen. Seine Männer waren entlang der Seite der Yacht verstreut und versuchten, sie zu schützen, die Nacht lag über allem, und niemand bemerkte die Art des Abgangs des Kapitäns.

Der alte Schoner knirschte an der Olenia vorbei, riss die glänzende Farbe der Yacht auf und beschmierte sie mit Teer und Schleim. Es war, als hätte der rachsüchtige Geist des Unreinen plötzlich Gelegenheit gefunden, das Reine zu beflecken.

Dann zog die Polly in die Nacht hinaus mit freiem Weg zur offenen See.

VII ~ HINEIN IN DAS SCHLAMASSEL AUS RICHTUNG OSTEN

Lebwohl ihr Freunde, lebwohl ihr Feinde, Lebwohl ihr lieben Verwandten. Wir sind auf dem Weg über das blaue Ozean – Auf dem Weg in fremde Nationen. Dann folgt des Bootsmanns Ruf, Zieht an dem Kat-Fall! Und wir denken an die Mädchen, wenn wir nicht länger bleiben können. Und wir denken an die Mädchen, wenn wir weit, weit weg sind. — Losmachen.

In den ersten Momenten, nachdem er auf diese Weise mitgerissen worden war, hing Mayo ohne Bewegung am Delfin-Striker, wie ein gelähmter Mann. Er war verblüfft über die Plötzlichkeit dieser Entführung. Er hatte Angst zu kämpfen. Augenblicklich erwartete er, dass der Stoff nachgeben würde und er unter den Vorsteven des Schoners gerollt werden würde. Dann begann er vor Atemnot in Ohnmacht zu fallen; er wurde von seinem Kragen fast erdrosselt. Vorsichtig hob er seine Hände, legte sie um ein Stag über seinem Kopf und hob sich selbst hoch, damit er seinen Hals aus dem würgenden Griff des Kragens befreien konnte. Er baumelte einige Zeit dort über dem Wasser und hatte das Gefühl, nach seinem Würgen nicht mehr genug Kraft zu haben, um sich in die Ketten zu hieven oder auf das Fußseil zu schwingen.

Er blickte nach oben und sah die Galionsfigur; sie schien ihn mit einem irritierenden Lächeln zu verspotten. In diesem Grinsen lag etwas von sanftem Triumph. In der Aufgewühltheit seiner Gefühle war in dem Ausdruck der Galionsfigur eine persönliche und provozierende Kränkung. Er fluchte auf sie, als wäre sie etwas Menschliches. Sein Zorn half ihm, gab ihm Kraft. Er begann zu schwingen und war schließlich in der Lage, einen Fuß über ein Stag zu werfen.

Er ruhte sich eine Zeit lang aus, hievte sich dann noch einmal hoch und konnte sich rittlings auf den Bugspriet setzen. Er schätzte, dass sie außerhalb der Landzunge von Saturday Cove sein mussten, weil die Brise stärker war und das Meer gurgelte und weiße Schaumfäden gegen die stumpfen Bugs warf. Seine Kämpfe hatten mehr Zeit in Anspruch genommen, als er in dem benommenen Zustand, den sein würgender Kragen hervorgerufen hatte, erkannt hatte.

Er hörte das Knattern des Motors eines Motorbootes weit hinter sich und war ermutigt durch die unmittelbare Überzeugung, dass die Verfolgung aufgenommen war. Daher beeilte er sich, Kontakt mit dem Kapitän der Polly aufzunehmen. Er krabbelte an Bord entlang des Bugspriets und tastete sich rückwärts über die Holzhaufen nach achtern, gezwungen, sich langsam zu bewegen, aus Angst vor Fallstricken. Ein- oder zweimal rief er, aber er erhielt keine Antwort. Er nahm drei dunkle Gestalten auf dem Achterdeck wahr, als er dort ankam – drei Männer. Kapitän Candage stampfte hin und her.

„Wer zum Teufel sind Sie?“, brüllte der alte Kapitän. „Verschwinden Sie hier! Das ist kein Passagierboot.“

„Ich werde sehr schnell verschwinden und bin froh darüber“, erwiderte Mayo.

„Nun, ich werd zum Hackebeil!“, explodierte Mr. Speed und schob sein Gesicht über das Steuer. „Es ist –“

„Halt den Mund!“, brüllte der Meister. „Wie kommt es, dass Sie als blinder Passagier an Bord sind?“

„Reden Sie keinen Unsinn“, schnauzte Kapitän Mayo. „Die Spitzen Ihres alten Martingals haben mich aufgespießt. Beidrehen und lassen Sie mich runter!“

„Beidrehen, das ist es!“, echote Oakum Otie und begann die Pinne zu wirbeln.

Kapitän Candage wandte sich mit der Heftigkeit eines Donnerschlags gegen seinen Maat. „Gott verdamm’ dein Fell, wer gibt hier an Bord Befehle? Halten Sie Ihren Kurs!“

„Aber das ist –“

„Halt den Mund!“ Es war ein Schwall stimmlicher Anstrengung. „Halten Sie Ihren Kurs!“

„Und ich sage, beidrehen und lassen Sie mich von diesem Motorboot abholen“, beharrte Mayo.

Kapitän Candage lehnte sich weit genug vor, um die Uniformjacke des Yachtkapitäns zu bemerken. „Wen glauben Sie hier herumkommandieren zu können, Sie goldgestreifter, Affen-Dandy?“

„Dieses Motorboot ist hinter mir her.“

„Glauben Sie, Sie sind von all dieser Wichtigkeit, heh? Nein, Sir! Es ist ein Haufen von ihnen, die mich jagen, damit ich zurück in den Hafen gehe und verklagt und gepfändet und von billigen Anwälten beschlagnahmt werde.“

„Sie sollten beschlagnahmt und verklagt werden! Sie hatten kein Geschäft, im Dunkeln aus diesem Hafen zu ratschen.“

„Hätten eine Abstimmung der Dudes machen sollen, heh, um herauszufinden, ob ich das Recht hatte, meinen Schlammhaken zu lichten oder nicht?“

„Ich bin nicht hier, um zu streiten. Das können Sie vor Gericht tun. Ich sage Ihnen, kommen Sie in den Wind und warten Sie auf dieses Boot.“

„Sie sollten es besser tun, Cap Candage“, blökte Oakum Otie. „Das ist –“

„Halt den Mund! Ich fahre meinen eigenen Schoner, Mr. Speed.“

„Aber er ist einer der –“

„Es ist mir egal, ob er einer der Apostel ist. Ich kenne mein eigenes Geschäft. Halt den Mund! Halten Sie sie auf ihrem Kurs!“

Er machte zwei Runden auf dem Achterdeck und blinzelte in die Nacht hinauf.

„Hören Sie, Candage, Sie und ich werden eine Menge Ärger miteinander haben, wenn Sie nicht ein wenig gesunden Menschenverstand zeigen. Ich muss zurück zu meiner Yacht.“

„Springen Sie über Bord und schwimmen Sie zurück. Ich halte Sie nicht auf. Ich habe Sie nicht an Bord gebeten. Sie können gehen, wann immer Sie wollen. Aber dieser Schoner ist auf dem Weg nach New York, man hat es eilig mit diesem Holz, und ich halte nicht an Zwischenstationen!“ Er warf einen weiteren Blick auf das Wetter, leckte seinen Daumen ab und hielt ihn in den Wind. „Südwest zu Süd, und lassen Sie sie laufen! Und halten Sie den Mund!“, befahl er seinem Maat.

Mayo ergriff einen der Jollen-Davits und sprang zur Reling.

„Wir sind zwar etwas größer als eine Nadel, aber solange der Heuhaufen dick genug bleibt, müssen wir uns wohl keine Sorgen machen!“, bemerkte Kapitän Candage und legte den Kopf schief, um dem Auspuff des Motorboots zu lauschen.

„Hoi-oi!“, rief Mayo in die Nacht achtern hinein. Er wusste, dass Männer über den Lärm eines Benzinmotors hinweg nur undeutlich hören konnten, aber er hatte sich entschlossen, weiter zu rufen.

„Hierher, Männer! Hierher mit dem Boot!“

„'Vast, Schicht mit diesem Geheul!“, befahl Candage.

Doch Mayo beharrte mit all seiner Kraft darauf. Seine Aufmerksamkeit galt gänzlich seinen Bemühungen, und er war nicht auf den plötzlichen Angriff von hinten gefasst. Der Kapitän der Polly packte Mayos Beine und riss ihn rückwärts auf das Deck. Der junge Mann stürzte schwer, und sein Kopf schlug mit einer Wucht auf die Planken auf, die ihn bewusstlos werden ließ.

Als er die Augen öffnete, blickte er nach oben und sah eine Hängelampe, die in ihren Kardanringen knarrte, während sie im Schlingern des Schoners hin und her schwang. Er befand sich in der Kajüte der Polly. Als Nächstes wurde ihm bewusst, dass er sich nicht bewegen konnte. Er saß auf dem Boden, den Rücken gegen einen Stützpfeiler gelehnt, seine Hände hinter sich mit Fesseln an die aufrechte Stütze gebunden. Doch das unangenehmste Merkmal seiner misslichen Lage war ein Marlspieker, der wie ein Gebiss für ein widerspenstiges Pferd in seinem Mund steckte und mit Fesseln hinter seinem Kopf gesichert war. Er war wirksam geknebelt. Zudem schmerzte sein Hinterkopf auf äußerst akute Weise. Er ließ die Augen schweifen und entdeckte, dass er eine Leidensgenossin hatte. Eine sehr hübsche junge Frau saß auf einem Klappstuhl auf der anderen Seite der Kajüte. Ihr Gesicht drückte großes Mitgefühl aus.

Er stieß einen wortlosen Hilferuf aus und bemerkte dann, dass sie an ihren Stuhl gefesselt war.

„Ich wünschte, ich könnte Ihnen dieses schreckliche Ding aus dem Mund nehmen, mein Herr.“

Er warf ihr einen Blick zu, der sie wissen ließ, dass er ihren Wunsch teilte.

„Mein Vater hat mich an diesen Stuhl gebunden. Ich habe versucht, ihn dazu zu bringen, sein schreckliches Gerede einzustellen, als die Boote kamen und die Lichter anmachten. Er hat mich hierhergebracht und zu seiner Gefangenen gemacht. Es ist schrecklich, all das, was geschehen ist. Ich kann es nicht verstehen! Ich hoffe, Sie werden nicht zu hart über meinen Vater urteilen, mein Herr. Ehrlich gesagt scheint er nicht bei Verstand zu sein.“

Er wollte ihr eine tröstende Antwort auf diesen wehmütigen Appell geben, konnte aber nur seinen Kopf gegen den Stützpfeiler rollen und unartikulierte Geräusche machen.

„Er schien sehr verbittert zu sein, als er Sie nach unten brachte. Ich konnte ihn nicht zur Vernunft bringen. Ich habe nachgedacht – und vielleicht sind Sie der Herr, der den Gesang anführte, der ihn so wütend gemacht hat?“

Mayo schüttelte heftig den Kopf, um gegen diesen Verdacht zu protestieren.

„Ich habe es Ihnen nicht übel genommen“, versicherte sie ihm. „Ich wusste, dass es nur zum Spaß war.“ Sie dachte einige Minuten nach. „Vielleicht hätten sie eine ihrer Freundinnen aus der Stadt nicht so aufgezogen – aber ich nehme an, Männer müssen sich amüsieren, wenn sie nicht zu Hause sind. Nur – für mich hat es alles schwierig gemacht!“ Es standen Tränen in ihren Augen.

Mayos Gesicht lief purpurrot an, während er versuchte, an dem einschränkenden Spieker vorbei zu sprechen und sie seine Gefühle bezüglich dieser Serenade verstehen zu lassen.

„Versuchen Sie nicht zu sprechen, mein Herr. Es tut mir so leid. Es ist beschämend!“

Danach herrschte lange Zeit Schweigen in der Kajüte. Er blickte zu der schwingenden Lampe auf, sein Blick wanderte durch die schlichte Kajüte. Doch seine Augen kehrten immer wieder zu ihrem Gesicht zurück. Er konnte seine Zunge nicht gebrauchen und versuchte ihr durch seine Blicke, durch entschuldigende kleine Starren, mitzuteilen, dass ihm ihr Kummer leidtat. Sie begegnete diesen Blicken mit deutlicher Verlegenheit.

Nach einer Abwesenheit, die sich nach seinem eigenen sauren Gutdünken in die Länge zog, kam Kapitän Candage polternd den Niedergang herab. Er stellte sich zwischen seine Gefangenen und funkelte erst den einen und dann die andere an.

„Ich nehme an, ihr beide gebt mir die Schuld an dem, was nicht zu ändern war.“

„Vater, hör mir jetzt zu, wenn du noch einen Funken Verstand hast“, rief das Mädchen leidenschaftlich. „Nimm diesem Herrn das schreckliche Ding aus dem Mund.“

„Es ist ein schönes Stück in dieser Welt, wenn ein ehrlicher Mann nicht sein eigenes privates Geschäft betreiben kann, ohne Störenfriede festbinden zu müssen, um ein wenig Ruhe zu haben.“ Er ging nah an Mayo heran und schüttelte einen mahnenden Finger unter der Nase des jungen Mannes. „Nun, wozu bist du an Bord gekommen und hast dich in meine Angelegenheiten gemischt?“

Der entrüstete Kapitän strengte sich nach Kräften an, eine passende Erwiderung zu geben, konnte aber nur eine Reihe von „Gurgellauten“ ausstoßen.

„Und nun erfahre ich obendrein noch von meinem Maat, der nie dazu kommt, etwas zu tun, das erledigt werden sollte, bis es zwei Tage zu spät ist, dass du einer der Mayos bist! Warum wurde ich nicht informiert? Ich hätte Vorkehrungen treffen können, um dir entgegenzukommen. Ich hätte beidrehen und es riskieren können, wenn ich gewusst hätte, wer du bist. Und jetzt ist es zu spät. Jeder scheint bereit zu sein, mich zu schikanieren!“

Wieder versuchte Mayo zu sprechen.

„Warum hörst du nicht auf zu glucksen und redest vernünftig?“, schrie der erzürnte Skipper, mit einer wahnsinnig machenden Missachtung der Zwangslage des Gefangenen.

„Vater, bist du völlig verrückt? Du hast ihm den Spieker noch gar nicht aus dem Mund genommen.“

„Erwartest du von einem Mann, dass er an alles denkt, wenn er völlig in seine eigenen Geschäfte vertieft ist und jeder versucht, sich einzumischen?“, brummte Candage. Er kramte in seiner Tasche und holte ein Messer hervor. Er schnitt das Tauwerk durch, das den Marlspieker fixierte. „Wenn du vernünftig reden kannst, helfe ich dir dabei! Ich nehme an, du kannst jetzt schreien, so viel du willst. Diese Dandy-Typen können im Nebel nicht einmal ihren eigenen Mund finden, geschweige denn diesen Schoner. Also sprich!“

Mayo bewegte seine schmerzenden Kiefer und fand seine Stimme wieder. „Sie wissen, wie ich an Bord gekommen bin, Kapitän Candage. Ich bin Skipper der Olenia. Drehen Sie mit mir bei, wenn Sie sich Ärger ersparen wollen.“

„Nicht um alles in der Welt, mein Herr! Ich werde nicht beidrehen und diese Riffe in diesem Nebel angehen. Ich habe offenes Meer vor mir, und ich werde weiterfahren!“

Mayo war ein Seemann, der diese Küste kannte, und er gab vor sich selbst zu, dass Candages Sturheit gerechtfertigt war.

„Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass Sie an Bord gekommen sind. Ich werde Sie absetzen, sobald ich kann – und das deckt das Gesetz ab, mein Herr.“

Während eines langen Schweigens starrten die beiden Männer einander an.

„Jedenfalls, Kapitän Candage, vertraue ich darauf, dass Sie nicht glauben, ein Recht darauf zu haben, mich hier länger gefesselt zu halten.“

„Da wir uns jetzt besser darüber einig sind, wer hier an Bord das Sagen hat, weiß ich nicht, ob ich Angst haben muss, Sie frei herumlaufen zu lassen“, gab der Skipper zu. „Ich warne Sie nur, sich an Ihre Manieren zu erinnern und nicht zu vergessen, dass ich Kapitän bin.“

Er schwang sein Taschenmesser, bückte sich und durchschnitt die Fesseln. Dann schritt er durch die Kajüte und erwies seiner Tochter den gleichen Dienst.

„Ich glaube, ich kann es mir leisten, auch dich loszubinden, jetzt, wo du mir nicht mehr vor einer Menge Herumtreiber, die nach links und rechts Küsschen zuwerfen, in mein Geschäft hineinreden kannst!“

„Vater! Oh, oh!“ Sie hielt sich die Hände vor das Gesicht.

Kapitän Candage schien einige Schwierigkeiten zu haben, seine Rolle als harter Kapitän aufrechtzuerhalten; er wandte seine Augen von Mayos finsterem Blick ab und betrachtete seine Tochter unsicher, während er sich am Ohr kratzte.

„Wenn ein Mann auf seinem eigenen Schoner nicht das Sagen hat, könnte er genauso gut aufhören, zur See zu fahren“, murmelte er. „Manche Leute wissen, dass es die Wahrheit ist, weil sie in der Lage sind, es zu wissen, und andere müssen es gezeigt bekommen!“ Er polterte den Niedergang hinauf in die Nacht.

Kapitän Mayo wartete einige Minuten. Das Mädchen hob den Kopf nicht.

„Wegen dem – Was er sagte über – Sie verstehen schon! Ich weiß es besser!“, stammelte er.

„Danke, mein Herr“, sagte sie dankbar, ohne ihr Gesicht vor ihm zu enthüllen.

„Männer tun manchmal sehr törichte Dinge.“

„Ich wusste nicht, dass mein Vater so sein kann.“

„Ich dachte an die Männer, die kamen und ihn belästigten. Ich kann verstehen, wie er sich fühlte, denn ich bin selbst ein ‚Einheimischer‘.“

„Ich dachte, Sie wären von außerhalb.“

„Mein Name ist Boyd Mayo. Ich bin aus Mayoport.“

Sie sah ihn mit offenem Interesse an.

„Meine Leute haben diesen Schoner gebaut“, erklärte er mit bescheidenem Stolz.

„Ich bin Polly Candage – ich bin nach ihm benannt.“

„Wie schade!“, platzte es aus ihm heraus. „Ich will damit nicht sagen, dass der Name nicht in Ordnung ist“, erklärte er unbeholfen, „aber ich glaube nicht, dass einer von uns in diesem Augenblick besonders stolz auf diese alte Kiste ist.“ Er ging durch die Kajüte, setzte sich auf eine Sitzbank und tastete vorsichtig mit der flachen Hand die Beule an seinem Hinterkopf ab.

Sie antwortete nicht, und er stützte seine Ellbogen auf die Knie und fing an, seinen privaten Groll schweigend zu pflegen, wobei er seine Begleiterin völlig aus seinen Gedanken ausschloss. Jetzt, da er so kurzfristig aus seiner verhassten Position an Bord der Olenia gerissen worden war, war sein Wunsch, sie zu verlassen, nicht mehr so groß. Nach Mayos Erklärung gegenüber dem Eigner könnte Marston leicht zu dem Schluss kommen, dass sein Skipper desertiert sei. Sein Ruf und sein Kapitänspatent standen auf dem Spiel, und er hatte bereits einen bitteren Vorgeschmack auf Marstons Intoleranz gegenüber Unzulänglichkeiten bekommen. Wenn Marston sich die Mühe machen wollte, einen solch kleinen Bürger fertigzumachen, hatte die Bosheit eine handliche Waffe. Aber am meisten beschäftigte Mayo die Sichtweise, die Alma Marston auf die Situation haben würde. Sie würde entweder glauben, dass er bei dem Scharmützel mit der angreifenden Polly über Bord gegangen war oder ohne Vorwarnung desertiert hatte – und im Fall eines Liebenden waren beide Vermutungen qualvoll. Sein Kummer war so offensichtlich, dass das Mädchen von ihrem Platz auf der gegenüberliegenden Sitzbank aus Mitgefühl in den Blicken zeigte, die sie ihm zuwerfen wagte.

„Wie haben Sie Ihren Mantel hinten so schlimm zerrissen?“, wagte sie schließlich zu fragen.

„An Spiekern, die Ihr ausgezeichneter Vater aus seinem Martingal herausstehen ließ“, sagte er mit einer Art kindlichem Groll in der Stimme.

„Dann ist es nur recht, dass ich Ihnen anbiete, ihn für Sie zu flicken.“

Sie eilte zu einem Spind, als sei sie froh über einen Vorwand, sich zu beschäftigen. Sie holte ihr kleines Nähkörbchen hervor, kam dann zu ihm und hielt ihm die Hand hin.

„Ziehen Sie ihn bitte aus.“

„Sie brauchen sich nicht zu bemühen“, wandte er ein, immer noch barsch.

„Ich bestehe darauf. Bitte lassen Sie mich ein wenig tun, um die Ungezogenheit der Polly wiedergutzumachen.“

„Es wird schon gehen, bis ich an Land komme – und vielleicht muss ich den Mantel ohnehin nie wieder tragen.“

„Wollen Sie mir nicht erlauben, etwas zu tun, das mich von meinen Sorgen ablenkt, mein Herr?“ Dann schnippte sie mit dem Finger in ihre Handfläche, und in ihrer Stimme lag trotz ihrer Jugend ein Geist mütterlicher Anordnung. „Ich bestehe darauf, sage ich! Ziehen Sie Ihren Mantel aus.“

Er gehorchte, ein kleines Grinsen kräuselte sich in seinen Mundwinkeln – ein Lichtblick in seiner allgemeinen Trübsal. Nachdem er den Mantel in ihre Hände gelegt hatte, setzte er sich auf die Sitzbank und beobachtete ihre geschäftigen Finger. Sie arbeitete geschickt. Sie schloss die Risse und stopfte dann die aufgerauten Stellen mit Fäden, die sie aus dem Mantel selbst gezogen hatte.

„Sie lassen ihn fast so gut wie neu aussehen.“

„Ein Mädchen vom Land muss wissen, wie man flickt und stopft. Die Leute auf dem Land haben nicht so viele Dinge zum Wegwerfen wie die Stadtleute.“

„Aber das – was Sie da tun –, das ist echte Kunst.“

„Meine Tante ist Schneiderin und ich habe ihr geholfen. Und in letzter Zeit habe ich in einem Modegeschäft gearbeitet. Jedes Mädchen sollte wissen, wie man eine Nadel benutzt.“

Er erinnerte sich daran, was Mr. Speed über den Grund ihrer Anwesenheit auf der Polly gesagt hatte. Er warf einen abfälligen Blick durch die karge Kajüte und beschloss in seinem Inneren, dass Mr. Speed wahrheitsgemäß und in voller Kenntnis der Fakten berichtet hatte. Sicherlich würde kein Mädchen so etwas für einen Sommerurlaub wählen.

Sie beugte ihren Kopf tiefer über ihre Arbeit, und er spürte wärmeres Mitgefühl für sie; ihre schwierigen Herzensangelegenheiten waren in einer ähnlichen Lage. Er verspürte den Impuls, ihr etwas Tröstendes zu sagen, und wusste, dass er Verständnis und Trost von ihr willkommen heißen würde; sofort fürchtete er sich vor seiner eigenen Zunge und zügelte jede Rede.

„Ein Mann weiß nie, wie weit er damit kommt, törichtes Zeug zu reden, wenn er erst einmal angefangen hat“, überlegte er. „So wie ich mich heute Abend fühle, behalte ich den Gesprächsanker lieber fest eingehakt.“

Jetzt, da ihre Hände beschäftigt waren, empfand sie das Schweigen nicht als peinlich. Mayo kehrte zu seinen hässlichen Meditationen zurück.

Nach einer Weile musste er sich auf der Sitzbank verschieben. Der Schoner krängte in einer Weise, die den Druck des Windes zeigte. Er blickte auf und sah, dass der Regen breite Spritzer auf das schmuddelige Glas der Fenster schlug. Die Niedergangsluke war offen, und als er mit Seemannsinteresse für das Wetter das Ohr spitzte, hörte er den Wind in dem offenen Raum keuchend mit einem seltsamen „Guffeln“ im Ton.

Instinktiv begann er, in der Kajüte nach einem Barometer zu suchen.

Bereits an diesem Tag hatte ihn das Glas der Olenia durch seine Abwärtstendenz gewarnt. Er fragte sich, ob eine weitere Ablesung etwas Bedrohlicheres als Nebel anzeigen würde.

Auf der anderen Seite der Kajüte bemerkte er eine Art Instrument, das an einem Haken an einem Decksbalken schaukelte. Er untersuchte es. Es war ein behelfsmäßiges Barometer, ein Werbegeschenk einer Hefefabrik. Der Inhalt der Röhre war bis zu der Markierung aufgewühlt, die mit „Tornado“ beschriftet war.

„Davon können Sie gar nichts ablesen!“, Kapitän Candage war in die Kajüte gekommen und stand hinter seinem unfreiwilligen Gast. „Es zeigt 'Tornado' an, seit das Glas einen Sprung hat. Und selbst dann ist es ungefähr so zuverlässig wie der Rest dieser Spielereien.“

„Haben Sie kein richtiges Barometer – ein Aneroid?“, erkundigte sich Kapitän Mayo.

„Ich kann das ganze Wetter riechen, das ich brauche, ohne mich mit einem dieser Dinger zu belasten“, erklärte der Schiffsführer des Schoners auf herrische Art. Er begann, schmutzige Ölzeuge aus einem Spind zu ziehen.

Mayo eilte den Niedergang hinauf und steckte den Kopf hinaus. Im Wind, der an seinen Ohren vorbeiheulte, lag sowohl Schwere als auch Bedrohung. Der Nebel war verschwunden, aber die Nacht war schwarz, ohne ein Schimmern von Sternen. Die weißen Kämme der Wellen, die längsseits galoppierten, fleckten die Dunkelheit mit unheilvollen Signalen.

„Wenn Sie das Wetter riechen können, Kapitän Candage, dann sollte Ihre Nase Ihnen sagen, dass dies ein ziemlich garstiges Ding zu werden verspricht.“

„Oh, es mag von Landratten auf einer Lebkuchenyacht als garstig bezeichnet werden, aber ich habe zu meiner Zeit und Saison die Meere befahren, und ich laufe nicht jedes Mal in eine Pfütze an der Küste, wenn der Wind ein wenig wiehert.“ Er fummelte an einem Knopf unter seinem krausen Kinnbart und warf dem anderen Mann einen Blick der Überlegenheit zu.

„Sie stufen mich doch nicht etwa als Yacht-Landratte ein, oder?“

„Nun, Sie waren gerade auf einer Yacht, nicht wahr?“

„Hören Sie, Kapitän Candage, Sie können jetzt und hier genauso gut verstehen, dass ich zu Ihrer Art von Seeleuten gehöre. Verzeihen Sie das persönliche Gespräch, aber ich möchte Sie informieren, dass ich von fünfzehn bis zwanzig Jahren ein Grand-Banksman war. Letzte Saison war ich Kapitän des Fischtrawlers Laura and Marion. Und ich bin im Sound mit Dampfschiffen gefahren und war Erster Maat im Kiefernholzhandel in südlichen Gewässern. Ich hatte die Gelegenheit, mehr oder weniger über das Wetter herauszufinden.“

„Un-huh!“, bemerkte der Skipper und heuchelte Gleichgültigkeit. „Was ist damit?“

„Ich sage Ihnen, dass Sie nichts dabei zu suchen haben, in dieses Chaos hineinzufahren, das sich da von Osten zusammenbraut.“

„Wenn Sie zu Ihrer Zeit so viel und so mächtig waren, dann verstehen Sie, dass ein Kapitän keine Befehle von niemandem entgegennimmt, wenn er an Bord seines eigenen Schiffes ist.“

„Ich verstehe vollkommen, mein Herr. Ich erteile keine Befehle. Aber mein eigenes Leben ist mir etwas wert, und ich habe das Recht, Ihnen zu sagen, dass Sie leichtfertige Risiken eingehen. Und das wissen Sie auch!“

Kapitän Candages Blick wich aus. Er war ein Küstenschiffer und von Natur aus vorsichtig, wie es Leute, die unter Apfelbäumen leben, sein müssen. Er wusste genau, dass er es mit einem Mann zu tun hatte, der Bescheid wusste! Er hatte nicht die Sicherheit, diesem Mann zu widersprechen, obwohl ihn sein allgemeiner Groll gegen die ganze Welt in diesem Moment dazu antrieb.

„Ich bin rausgefahren, weil sie mich rausgejagt haben“, knurrte er.

„Ein Mann kann es sich nicht leisten, kindisch zu sein, wenn er das Kommando über ein Schiff hat, mein Herr. Sie sind ein zu alter Skipper, um das zu bestreiten.“

„Ich war so wütend, dass ich nicht anhielt, um das Wetter zu riechen“, gab der Kapitän zu und stemmte sich gegen eine neue Schlagseite der krängenden Polly. Er hatte offensichtlich das Gefühl, dass er seinen eigenen Scharfsinn verteidigen und sich von seemännischer Schuld freisprechen müsse.

„Sehr wohl! Lassen Sie es dabei! Aber was werden Sie tun?“

„Ich kann gegen diesen Wind nicht nach Saturday Cove zurückkreuzen – nicht jetzt! Sie würde ihre verfluchten alten Planken auseinanderreißen.“

„Dann steuern Sie sie nach Lumbo Reach. Sie können eine folgende See schräg nehmen. Sie sollte ziemlich ruhig laufen.“

„Das ist ein schmaler Stich in einer Nacht, die so schwarz ist wie diese.“

„Ich werde eine Kreuzpeilung für Sie machen. Wo ist Ihre Seekarte?“ Mayo zeigte die wache Besorgnis eines Seemanns, behilflich zu sein.

„Ich habe noch nie eine Karte gebraucht – nicht für diese Küste.“

„Dann muss ich wohl raten, mein Herr.“ Er schloss die Augen, um sich zu konzentrieren. „Sie haben einen Kurs von Südwest zu Süd angegeben. Mal sehen – es war neun Uhr fünfzehn, als ich gerade schaute, und wir müssen zurückgelegt haben –“

„Es hat keinen Sinn, auf ein solches Loch in der Wand wie Lumbo Reach zu stechen“, erklärte Candage in entmutigtem Ton.

„Aber Sie haben Ihren Kompass und ich kann –“

„Auf meinen Kompass ist kein Verlass, nicht um zwei ein halb Striche.“

„Verdammt noch mal, ich kann eine Korrektur vornehmen, mein Herr, wenn Sie mir Ihre Ablenkung nennen!“

„Aber es ist ein Kartenkompass und er dreht sich bei Seegang so schlimm, dass man sowieso nichts sagen kann. Bei meiner Küstenschifferei musste ich nicht so genau sein.“

„Nicht solange Sie einen Apfelbaum in Sicht hatten“, spottete Mayo und begann die Beherrschung zu verlieren.

„Ich wage es nicht, in die Richtung von irgendetwas zu steuern, das fest ist – wir werden es sicher treffen, 'n' Höllenfeuer wird das Maisbrot rösten. Wir müssen auf See bleiben!“

Kapitän Mayo biss die Zähne zusammen, ballte die Fäuste und ging ein paar Mal in der Kajüte auf und ab. Er blickte durch die offene Luke des Niedergangs in die Nacht hinauf. Der fahle Schimmer der schwingenden Lampe warf einen milden Schein gegen die Schwärze und beleuchtete zwei Gesichter, die sich vor diesem Hintergrund abzeichneten. Sowohl Oakum Otie als auch Smut-nosed Dolph standen am Ruder. Ihre gemeinsame Kraft wurde benötigt, weil der Schoner immer wieder wie wild ausschlug, wenn die mächtigeren Wogen der schäumenden See ihr Heck anhoben und sie wie wilde Pferde verfolgten. Diese Gesichter waren sehr ernst, als Mayo sie betrachtete. Die beiden duckten sich wie Männer, die sich vor einer wilden Bestie verstecken wollten. Sie stöhnten, während sie mit dem Rad kämpften und versuchten, sie auf Kurs zu halten, wenn die Polly mit atemberaubenden Stößen die Wellen hinunterrodelt.

Mayo eilte zu dem Mädchen. „Ich muss meinen Mantel haben, Miss Candage. Ich danke Ihnen. Er ist jetzt in Ordnung.“

Sie hielt ihn ihm für seine Arme offen, wie ein Burgfräulein ihrem Ritter bei der Rüstung helfen könnte. „Sind wir in Gefahr?“, fragte sie zitternd.

„Ich hoffe nicht – nur ist es unbehaglich – und unnötig“, sagte er mit einiger Gereiztheit.

„Muss ich hier unten bleiben – allein?“

„Ich würde! Es ist nur ein Sommersturm, Miss Candage. Ich bin sicher, wir werden in Ordnung sein.“

Kapitän Candage war an Deck gegangen und klapperte in seinem steifen Ölzeug davon.

Mayo folgte, aber der Kapitän kam einige Stufen in den Niedergang herab und fing den Freiwilligen ab, wobei er ein letztes Glimmen seiner mürrischen Art zeigte.

„Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass ich mein eigenes Boot steuern kann, mein Herr!“

„Ja, steuern Sie es mit einem Hefebarometer, einem Strohboden, einem Windradkompass und Ihrer allgemeinen verfluchten Art!“, schrie Mayo in den Windwirbel hinein, wobei seine Sorge sein arg geprüftes Temperament noch schärfte.

„Wenn Sie so empfinden, will ich Sie nicht hier oben haben.“

„Ich empfinde schlimmer, als Sie jemals begreifen werden, Sie sturer alter Narr!“

„Ich habe heute einen Mann zugelassen, der mich Narr nennt, und ich habe nicht widergesprochen – aber ich weiß, wo ich die Grenze ziehen muss“, warnte Candage.

„Sehen Sie hier, ich schlage vor, wir fangen jetzt sofort an, mein Herr, auf einer Basis, die Sie verstehen werden! Ich sage, Sie sind ein Narr und brauchen einen Vormund – und von jetzt an werde ich hier an Bord den Ton angeben! Gehen Sie mir aus dem Weg!“

Kapitän Mayo unterstrich dann seine Meinung über Kapitän Candage, indem er den Kapitän zur Seite stieß und auf das Deck sprang.

„Das könnte Meuterei sein“, stellte Mr. Speed durch zusammengebissene Zähne fest und unterdrückte den erschrockenen Ausruf seines Helfers am Ruder. „Aber beim Judas Iskariot, es ist ein Mayo, der das tut! Merk dir das, Dolph!“

VIII ~ WIE KÄFER UNTER EINEM FINGERHUT

Der Kapitän kommt von unten herauf, Und er schaut nach oben und er schaut nach unten. Und er schaut nach unten und er schaut nach oben, Und es heißt: „Rafft eure Taue auf, da, vorne und achtern.“ Mit einem großen Wau-wau! Tow-row-row! Fal de rai de, ri do day! --Boston Shanty.

Kapitän Mayo schritt direkt auf die Männer am Ruder zu. „Gebt mir diese Speichen!“, befahl er. „Ich übernehme sie! Bringt eure Wäsche rein, Jungs!“

„Aye, aye, Sir!“, stimmte Mr. Speed zu und gab dem widerstrebenden Dolph einen heftigen Stoß.

Als Kapitän Candage anfing zu fluchen, zeigte Kapitän Mayo, dass er eine eigene Stimme und einen eigenen Wortschatz besaß. Er brüllte den Kapitän der Polly regelrecht nieder.

„Jetzt halten Sie den Mund!“, befahl er dem verdutzten Schiffsführer, der ihm mit offenem Mund gegenüberstand. „Dies ist nicht die Zeit für weitere Dummheiten. Es ist ein Fall von Zusammenarbeit, um unser Leben zu retten. Runter mit ihnen, Jungs!“

„Das ist richtig“, erklärte der Maat. „Sie braucht nichts weiter als ein doppelt gerefftes Segel mit dem Daumen festgebunden.“

Der Wind hatte noch nicht die Geschwindigkeit eines Sturms erreicht, aber er hatte ein böses Grollen, das auf weitere Gewalt hindeutete. Mayo stemmte sich fest, bereit, den Schoner zu wenden, um der Mannschaft die Möglichkeit zu geben, die Segel zu reffen.

Kapitän Candage, der vorübergehend als Autokrat abgesetzt war, schien sich über seine Pflichten im Unklaren zu sein.

Mayo, der das Wesen eines Seemanns verstand, empfand etwas Reue und wurde von einem vernünftigeren zweiten Gedanken geleitet.

„Sie sollten besser das Ruder übernehmen, Kapitän Candage. Sie kennen ihre Tücken in der See besser als ich. Ich werde den Jungs helfen, die Segel einzuholen.“

Der Kapitän gehorchte prompt. Er schien eingeschüchtert zu sein. Zorn verblendete ihn nicht länger für ihre Notlage.

„Sagen Sie einfach, was getan werden soll, und ich werde versuchen, es zu tun“, sagte er zu Mayo mit einer Stimme, die plötzlich mild und fast bittend geworden war. Dann rief er seiner Tochter zu, die zum Fuß des Niedergangs gekommen war: „Blas besser das Kabinenlicht aus, Polly-Mädel! Sie könnte schlimm tanzen, und wir wollen nicht riskieren, dass es brennt.“

Mayo erhaschte einen Blick auf ihr Gesicht, als er über das Deckhaus zu den Großfallleinen eilte. Ihr Gesicht war bleich, aber in ihrer Haltung und in ihrem Schweigen in dieser Krise lag der feste Geist ihrer Yankee-Vorfahren zur See. Sie gehorchte ohne Klage oder Frage, und die Kabine war dunkel; selbst der schwache Lichtschein hatte etwas Tröstliches gehabt. Nun war die Finsternis düster und bedrückend.

Der Schoner drehte mit einer Art ängstlicher Eile, als der Kapitän das Ruder hart herumwarf und mit seinem ganzen Gewicht auf die Speichen trat. Sobald das bauchige Großsegel zu flattern begann, ließen die drei Männer es laufen. Sie behielten das Vorstagsegel bei, wie der Hauptausleger genannt wird; sie refften das Vorsegel auf seinen kleinsten Umfang zusammen.

Mayo, jung, flink und eifrig, knüpfte allein mehr Reffbändsel als seine beiden Helfer zusammen, und seine knappen Befehle wurden fraglos befolgt.

„Er ist sicherlich Kettenblitz in Hosen“, vertraute Dolph Otie an.

„Er kennt seine Karte“, sagte Otie zu Dolph.

Kapitän Mayo ging voran nach achtern und kroch über die Schindeln und Latten.

„Ich hoffe, es ist Ihr Urteil, Sir, dass wir sie besser wie bisher im Wind halten und versuchen sollten, das Ding hier auszusitzen“, schlug er dem Kapitän vor.

„Es ist mein Urteil, Sir“, erwiderte Kapitän Candage mit offizieller Ernsthaftigkeit.

Beigedreht ritt die alte Polly recht bequem. Sie lag tief mit ihrer Ladung aus Holz, aber das Holz machte sie auftriebsfähig und sie hob sich leicht. Ihre Breite half, sie in der wogenden See zu stabilisieren – aber Kapitän Mayo klammerte sich an ein Stag und blickte in den Wind und den peitschenden Regen und wusste, dass der offene Atlantik kein Ort für die Polly in einer solchen Nacht war.

Gischt von den gekrönten Brechern an ihrem wälzenden Bug salzte den Regen auf seinem triefenden Gesicht. Es war ein unzeitgemäßer Sturm, kaum zu erwarten zu dieser Jahreszeit. Aber er hatte häufig Erfahrung mit den Launen der Ostwinde gemacht und wusste, dass ein Sommer-Ostwind, wenn er kommt, bedrohliche Möglichkeiten birgt.

„Sie wussten, wie man Schoner baut, als Ihre alten Herren diesen hier in Mayoport bauten“, erklärte Kapitän Candage und versuchte einen versöhnlichen Ton in seine Stimme zu legen, als er gegen den Sturm anbrüllte. „Sie wird überleben, wo eine dieser schicken Yachten von doppelter Größe ersticken würde.“

Mayo antwortete nicht. Er sprang auf das Deckhaus und half Dolph und Otie, das Großsegel zu bergen, das in den Lazy-Jacks lag. Sie ließen sich Zeit; die unmittelbarste Gefahr schien vorüber zu sein.

„Ich habe nie erlebt, dass ein Sommersturm viel ausmacht“, bemerkte Mr. Speed und versuchte sich aufzumuntern, obwohl er sich mit beiden Händen festklammerte, um nicht vom glitschigen Deckhaus geweht zu werden.

„Es kommt darauf an, ob irgendwo luvwärts eine ganz besondere Böe hineingeknotet ist“, sagte Mayo in einer Windstille. „Dann kann es verdammt viel ausmachen, Mr. Speed!“

Der Schoner wusch seine Nase in einer kurvigen Welle, die an Bord kam und nach achtern spülte. Mit ihrer kleinen freiliegenden Segelfläche und dem Wind, der sie rüttelte, hatte sie angehalten und war abgefallen, da sie keine Fahrt mehr machte. Sie bekam einige solcher Schläge, bevor sie sich genug gesammelt hatte, um wieder in den Wind zu gehen.

Wieder fiel sie ab, als wolle sie einer böigen Windböe ausweichen, und eine weitere Welle krönte sich vor den stumpfen Bug und schien dann zu explodieren, wobei sie tonnenweise Wasser auf das Deck warf. Latten, Holz und Bündel von Schindeln wurden losgerissen und gingen ins Meer. Die Polly schien in dieser Krise eine eigene Klugheit zu zeigen; sie warf Ladung ab für ihre eigene Rettung.

„Guter Cephas! Das kostet uns unsere Deckladung“, wimmerte der Kapitän. „Wir sollten sie laufen lassen!“ „Tun Sie das nicht, Sir! Sie werden sie nie wieder wenden können!“ Mayo hatte seine Arbeit am Segel aufgegeben und lauschte. Über das Kreischen der vorbeiziehenden Böen, die ihn angriffen, hörte er ein dumpfes und feierliches Grollen luvwärts. Er ahnte, was dieses Geräusch bedeutete. Er hatte es schon einmal in seiner Erfahrung gehört. Er versuchte in den treibenden Sturm zu spähen und wischte sich den Regen mit den Fingern aus den Augen. Dann hielt die Natur eine Fackel für ihn bereit. Ein lebhafter Blitz zuckte über ihm und verbreitete einen breiten Lichtschein über das Meer. Seine Vermutungen, die durch dieses dumpfe Grollen geweckt worden waren, wurden nun bestätigt. Er sah eine niedrige Wand aus weißem Wasser, die rollte und schäumte. Es war ein Sommer-„Spitter“, der die Wellen zertrat.

Ein Spitter ist ein Freak in einem regulären Sturm – ein mittsommerlicher Wahnsinn des Wetterumschwungs. Es ist ein Donnerkeil von Wind, eine Konzentration von Sturm, ein wirbelnder Derwisch des Unheils – Wind, der kompakt in einen allmächtigen Stoß gebündelt ist – genug Wind, um einen normalen Sturm einen ganzen Tag lang zu halten, wenn der Vorrat sparsam ausgegeben würde.

„Entlasten Sie sie nicht um einen Zoll!“, schrie Mayo.

Aber genau in diesem Moment kletterte eine weitere wogende See an Bord, nahm mehr von den Latten und mehr von den Schindeln mit und tollte mit der Beute in die Nacht davon. Kapitän Candages Sinn für Sparsamkeit bekam einen vitaleren Stoß als sein Sinn für Angst. Seine Augen waren auf sein Ruder gerichtet, und er hatte die Wand aus weißem Gischt nicht gesehen.

„Diese Deckladung muss festgezurrt werden“, murmelte er. Er beschloss, mit dem Wind zu laufen, bis diese Arbeit ausgeführt werden konnte. Er warf sein Ruder hart herum. Mayo war rittlings auf dem Großbaum geritten und hatte sich zum Kapitän vorgearbeitet, damit er ihn hören konnte. Als der Freiwillige sah, wie der Kapitän der Polly auf diese Weise versuchte, dem Feind den Rücken zuzukehren, sprang er zum Ruder, aber er war zu spät. Der Schoner war zu weit abgefallen. Der heulende Spitter erwischte sie, als sie breitseits auf dem Kamm einer Welle balancierten, bevor das schwerfällige Fahrzeug seine volle Drehung vollzogen hatte.

Was dann geschah, hätte als Bestätigung des Aberglaubens der Seeleute dienen können, dass ein wahrer Dämon im Herzen des Sturms herrscht. Der Angriff auf die alte Polly zeigte teuflische Intelligenz im Teamwork. Eine krachende, sich kräuselnde Welle nutzte die gelockerte Deckladung aus und verpasste dem Schoner einen seitlichen Schlag, der das gesamte Holz in einem gleitenden Stoß gegen die Lee-Reling und das Rigging schleuderte. Das Großsegel war nur teilweise gesichert; der Spitter blies mit aller Kraft in das flatternde Segel, und das Segel riss los und blähte sich auf.

Im nächsten Augenblick war die Polly ausgehebelt!

Sie legte sich über, mit all der hilflosen Gewalt eines Mannes, der im Dunkeln mit dem Zeh an einer durchhängenden Wäscheleine hängen geblieben ist.

Die vier Männer, die an Deck waren, waren Seeleute, und sie brauchten keine Befehle, als sie diesen seelisch krank machenden Schwung spürten, als sie kenterte. Instinktiv, wie auf ein Kommando, tauchten sie in den Niedergang zur Kabine.

Zweifellos war der erste Gedanke eines jeden als Seemann, dass der Schoner auf die Seite kippte. Daher bedeutete ein Verbleib an Deck, dass sie entweder ins Wasser rutschen würden oder dass eine krachende Welle sie forttragen würde.

Sie taumelten zusammen in der Dunkelheit hinunter, und alle vier, mit einem Selbsterhaltungstrieb, der so unmittelbar und wahr war wie der der Falltürspinne, legten ihre Hände an das Schließen der Luke und der faltbaren Türflügel.

Kapitän Mayo, dessen Hand noch an einem Knauf klebte, fand sich unter Wasser wieder, ohne zunächst zu begreifen, was gerade geschehen war. Er ließ los und kam prustend an die Oberfläche. Er hörte das Mädchen in äußerster Todesangst aufschreien, so nah bei ihm, dass ihr Atem sein Gesicht streifte. Er streckte seinen Arm aus und fing sie, während er nach einem festen Halt strampelte. Als er etwas fand, auf dem er stehen konnte, und sich stabilisiert hatte, konnte er nicht begreifen, was geschehen war; der Boden, auf dem er stand, hatte seltsame Unregelmäßigkeiten.

„Wir sind gekentert!“, schrie Mr. Speed in der schwarzen Dunkelheit. „Wir sind vollends gekentert. Wir stehen auf dem Kopf. Wir stehen an der Decke!“

Dann trat Mayo ein wenig umher und überzeugte sich, dass die Unregelmäßigkeiten unter seinen Füßen die Balken und Deckenbalken waren.

Die Polly war tatsächlich ausgehebelt worden! Mr. Speed hatte recht – sie lag genau auf dem Kopf!

Selbst in diesem Moment der Not konnte Mayo ausrechnen, wie es passiert war. Der Spitter musste ihr ganzes verrottetes Segeltuch von den Spieren gerissen haben, als sie rollte, und es gab keine Stütze, die sie auf der Seite hielt, als sie kenterte.

Kapitän Candage prustete und platschte in der Nähe und brüllte seine Ängste heraus. Dann begann er auf klägliche Weise nach seiner Tochter zu rufen.

„Bist du ertrunken, meine geliebte Polly?“, schrie er.

„Ich habe sie in Sicherheit, Sir“, versicherte ihm Mayo mit heiserer Stimme und versuchte, das Wasser aus seiner Kehle zu bekommen. „Stehen Sie auf einem Balken. Sie können die Hälfte Ihres Körpers über Wasser halten.“

„Es ist alles aus mit uns“, keuchte der Kapitän. „Wir sind verloren.“

Eine solch völlige und undurchdringliche Schwärze hatte Mayo noch nie zuvor erlebt. Ihre Stimmen hallten dumpf, als ob sie in einem riesigen Fass wären, das zugedeckt worden war.

„‚Nun lege ich mich schlafen, ich bitte den Herrn, meine Seele zu bewahren‘“, zitterte der Koch. „Wenn jemand ein besseres Gebet kennt, wünschte ich, er würde es sagen.“

„Kieloben – auf dem Kopf! Schlimmer dran als Fliegen in einer Pfütze aus Port-Reek-Melasse“, jammerte Mr. Speed.

Der Kapitän stimmte in das Wehklagen des Maats ein. „Ich habe mein Kind dazu gebracht! Ich habe meine Polly hierher gebracht! Gott vergebe mir. Kannst du nicht mit mir sprechen, Polly?“

Mayo fand das Mädchen ganz ruhig in der Beuge seines Arms und legte seine freie Hand gegen ihre Wange. Sie bewegte sich nicht unter seiner Berührung.

„Sie ist ohnmächtig geworden, Sir.“

„Nein, sie ist tot! Sie ist tot!“ Candage begann zu weinen und begann, sich durch die Kabine zu platschen, geleitet von Mayos Stimme.

„Es ist alles in Ordnung – sie atmet“, versicherte der junge Mann dem Vater. „Hier! Hierher, Kapitän! Nehmen Sie sie. Halten Sie sie hoch. Ich will sehen, ob etwas für uns getan werden kann.“

„Nichts kann getan werden!“, wimmerte Candage. „Wir sind dem Tode geweiht.“

„Wir sind verloren“, behauptete Oakum Otie.

„Wir sind verloren“, echote Dolph.

Mayo übergab das Mädchen in die tastenden Arme ihres Vaters und stand einige Augenblicke da, über ihre verzweifelte Lage nachdenkend. Er war nicht hoffnungsvoll. In seinem Herzen stimmte er mit den Überzeugungen überein, die seine Gefährten in kindlichem Falsett zum Ausdruck brachten. Aber als junger Seemann, der seinen Kopf über Wasser hielt, beschloss er, in dieser Notlage weiterzukämpfen; das Sprichwort des Küstenschiffers lautet: „Stirb nicht, bevor Davy Jones seine letzte Zange an deinen Schlund legt!“

Zuerst berücksichtigte er alles, was geschehen war. Die Polly war so schnell umgeworfen worden, dass sie in eine Art Taucherglocke verwandelt worden war. Das heißt, eine beträchtliche Menge Luft war eingefangen worden und wurde nun in ihr festgehalten. Sie wurde durch das Wasser komprimiert, das von unten durch die Fenster und das zerschmetterte Oberlicht nach oben gedrückt wurde. Der Druck auf Mayos Schläfen gab ihm Aufschluss über diesen Punkt. Die Polly schwamm, und er empfand tröstliche Zuversicht, dass sie noch einige Zeit schwimmen würde. Aber diese Aussicht garantierte keine Sicherheit und versprach den Unglücklichen, die in ihren Eingeweiden gefangen waren, kein Leben. Die Luft musste entweder allmählich entweichen oder beim Atmen verdorben werden.

Es gab nur eines zu tun, entschied er: jede Atempause zu nutzen, die ihnen ihr uralter Feind, das Meer, in diesem verzweifelten Kampf gewährt hatte.

Ein Seemann ist den Gefahren und dem Unerwarteten in den sich ständig ändernden Stimmungen des Ozeans ausgeliefert; er muss ein Meister der Hilfsmittel und ein schneller Ergreifer von Notlagen sein.

„Wo sind Ihre Werkzeuge – eine Säge – ein Meißel?“, forderte Mayo. Er musste diese Frage mehrmals wiederholen. Seine Gefährten schienen völlig in ihrem persönlichen Leid versunken zu sein.

Endlich unterbrach Mr. Speed sein Stöhnen lange genug, um zu erklären, dass die Werkzeuge in der „Lazarette“ seien.

Die Lazarette eines Küstenfahrzeugs ist ein Lagerraum unter dem Achterdeck – ein Aufbewahrungsort für allgemeine Kleinigkeiten und Ersatzgeräte.

„Gibt es einen anderen Weg dorthin als durch die Decksluke?“

„Es gibt eine Tür dahinter, hinter der Niedergangleiter“, sagte Mr. Speed mit teilnahmsloser Gleichgültigkeit.

Mayo drängte sich an der Leiter vorbei, nachdem er hier und da gewatet und gestolpert war und sie lokalisiert hatte. Er stemmte seine Schultern gegen die Neigung der Stufen und drückte mit den Füßen gegen die Tür. Nachdem er sie aufgedrückt hatte, watete er in den Lagerraum. Es war ein blindes Geschäft, an diesem Ort nach irgendetwas zu suchen. Er kannte die allgemeinen Gewohnheiten der hit-or-miss Küstenmannschaften und war sicher, dass die Werkzeuge von der Person, die sie zuletzt benutzt hatte, unter den Rest des Durcheinanders geworfen worden waren. Wenn sie lose auf dem Boden gelegen hätten, wären sie jetzt lose an der Decke. Er stieß seine Füße umher, in der Hoffnung, auf etwas zu treten, das sich wie eine Säge oder ein Meißel anfühlte.

„Ahoi, ihr Männer da draußen!“, rief er. „Habt ihr keine Ahnung, in welchem Teil dieser Lazarette die Werkzeuge waren?“

„Oh, sie wurden wahrscheinlich einfach hineingeworfen“, sagte Mr. Speed. „Ich wünschte, du würdest mich nicht so sehr belästigen! Ich versuche, meinen Geist zum Beten zu sammeln.“

Es gab so viel Gerümpel und Zeug unter seinen Füßen, dass Mayo nach einer Weile die Suche aufgab. Er hatte den Atem angehalten und den Kopf unter Wasser gesteckt, damit er mit seinen bloßen Händen untersuchen konnte, aber er fand nichts, was ihm helfen würde, und sein Gehirn war schwindlig nach seinen Anstrengungen und sein Mund war von dem schmutzigen Wasser verstopft.

Aber als er sich zurück in die Hauptkabine tastete, kamen seine Hände mit der Innenseite der Lazarett-Tür in Kontakt. In Lederschlaufen an der Tür fand er Säge, Axt, Meißel und Hammer. Er konnte ein paar herzhafte und seelenbefriedigende Flüche nicht zurückhalten.

„Warum habt ihr mir nicht gesagt, wo die Werkzeuge sind? Sie sind hier an der Tür.“

„Ich hatte vergessen, sie aufzuheben. Und mein Geist ist sowieso nicht bei Werkzeugen.“

„Dein Geist wird bei ihnen sein, sobald ich da vorne hinkomme“, knurrte der erboste Kapitän.

Mayo war nicht sicher, was er brauchte oder was er tun müsste, deshalb nahm er alle Werkzeuge und hielt sie über Wasser. Als er an Kapitän Candage vorbeiwatete, hörte er den alten Kapitän, wie er versuchte, das Mädchen zu trösten, seine Stimme leise und von Schluchzen unterbrochen. Sie hatte das Bewusstsein wiedererlangt, und Mayo tat das ein wenig leid; in ihrer Ohnmacht hatte sie ihre Notlage nicht erkannt; er fürchtete Hysterie und andere weibliche Demonstrationen, und er wusste, dass er seine ganze Nervenstärke brauchte.

„Wir werden sterben – wir werden sterben!“, wimmerte das Mädchen immer wieder.

„Ja, mein armes Kind, und ich habe dich dazu gebracht“, schluchzte ihr Vater.

„Bitte bewahren Sie noch ein wenig Ihren Mut, Miss Candage“, flehte Mayo sehnsüchtig.

„Aber es gibt keine Hoffnung!“

„Es gibt Hoffnung, solange wir ein wenig Luft und ein wenig Mumm haben“, bestand er darauf. „Nun, bitte!“

„Ich habe Angst!“, flüsterte sie.

„Ich auch“, gestand er. „Aber wir werden alle so gut arbeiten, wie wir nur können. Können Sie uns nicht ermutigen wie ein tapferes, gutes Mädchen?“ Er stolperte weiter. „Nun sagen Sie mir, Maat“, befahl er brisk, „wie dick ist das Schott zwischen der Kabine hier und dem Laderaum?“

„Ich kann mich nicht mit Denken befassen“, erwiderte Mr. Speed.

„Es ist nur eine Verschalung zwischen den Balken, Sir“, erklärte Kapitän Candage.

„Maat, Sie und der Koch leihen Sie mir eine Hand, um mir zu helfen.“

Oakum Otie brach das Gebet ab, zu dem er sofort zurückgekehrt war. „Was nützt es?“, fragte er mit einem Zorn, den sein Schrecken kindisch machte. „Ich sage dir, ich versuche, meine Seele zu sammeln, und ich will, dass dieses Herumgetobe aufhört.“

„Ich sage auch, was nützt es!“, wimmerte Dolph. „Du kannst keinen Keks mit ein paar Zahnstochern über eine Pfütze aus Melasse rudern“, fügte er mit der Metapher des Kochs für das absolut Hoffnungslose hinzu.

Mayo schrie sie mit einer Gewalt an, die in diesem engen Raum einen scheußlichen Lärm machte. „Ihr zwei Männer watet hier rüber zu mir, oder ich komme hinter euch her mit einer Axt in der einen Hand und einem Hammer in der anderen! Verdammt noch mal, ich meine es ernst!“

Sie schwiegen, dann erklang das Platschen von Wasser und sie kamen, murmelnd. Sie hatten den Klang entschlossener Entschlossenheit in seinem Befehl erkannt.

Als Mayo ihr schweres Atmen in der Nähe hörte, tastete er nach ihnen und drückte ihnen Werkzeuge in die Hände. Er behielt Hammer und Meißel für sich.

„Das ist so ziemlich alles, wofür ich euch gerade brauche – als Werkzeugständer“, knurrte er. „Seht zu, dass ihr die nicht fallen lasst.“

Der gekenterte Schoner rollte schwerfällig, und hin und wieder schwappte das Wasser mit zusätzlichem Schwung durch ihre Kabine, was den Halt unsicher machte.

„Wenn ich umfalle, muss ich sie fallen lassen“, wimmerte Dolph.

„Dann komm nicht wieder hoch. Ertrinken wird ein leichterer Tod für dich sein“, erklärte der Kapitän drohend. Er lotete das Schott mit seinem Hammer aus.

Das Klopfen zeigte ihm schnell, wo sich die aufrechten Balken auf der anderen Seite der Verschalung befanden. In seinen Gedanken war er nicht so zuversichtlich, wie sein Tun vielleicht vermuten ließ. Es war ein blindes Experiment – er konnte die Hindernisse, die vor ihm lagen, nicht abschätzen. Aber er begriff gut genug, dass sie, wenn sie entkommen wollten, dies durch den Boden des Schiffes mittschiffs tun mussten; dort, so schwerfällig das Schiff auch in der See lag, mochte es noch etwas Freibord geben. Er hatte Schiffe gesehen, die mit dem Kiel nach oben trieben. Meistens war ein Teil des Kiels und ein Stück der Kielplanken über dem Meer sichtbar. Aber durch den Boden des Fahrzeugs über ihnen, wo sie in der Kabine standen, gab es kein Entkommen. Er wusste, dass das Heck und das Unterwasserschiff tief unter Wasser liegen mussten.

„Haben Sie eine volle Ladung unter Deck?“, fragte er.

„Nein“, erklärte Kapitän Candage und deutete mit seinem Tonfall an, dass er sich fragte, welchen Unterschied das in ihrer misslichen Lage machen würde.

Mayo schöpfte ein wenig neuen Mut. Er hatte befürchtet, der Laderaum der Polly wäre bis oben hin mit Bauholz vollgestopft. Sein steigender Mut verleitete ihn zu ein wenig Sarkasmus.

„Wie ist es eigentlich passiert, dass Sie die Falle, die Sie für uns aufgestellt haben, nicht zugestopft haben?“

„Konnte unter Deck nur zwei Drittel Ladung unterbringen, weil das Holz so lang gesägt war. Hab’s durch zusätzliche Decksladung ausgeglichen.“

„Ja, alles auf Deck gestapelt, damit sie kopflastig wird – damit Sie uns auch sicher erwischen“, schlug Mayo vor und begann, mit seinem Hammer und Meißel an der Verschalung zu arbeiten.

„So ein Unsinn!“, widersprach Kapitän Candage, der die Ironie nicht verstand. „Diese Schindeln und Latten sind Stückgut, und ich konnte sie nicht unter Deck bringen, weil ich sie diesseits von New York abliefern muss. Und Sie erwarten doch nicht, dass ich eine ganze Decksladung umlade, nur um...“

„Nicht jetzt“, unterbrach ihn Mayo. „Der Atlantische Ozean hat sich um den Fall dieser Decksladung gekümmert.“

„Mein Gott, ja!“, klagte der Schiffsführer. „Ich hatte vergessen, dass wir verkehrt herum liegen – und das zeigt, in was für einem Zustand ich bin!“

Mayo hatte seinen Punkt für die Arbeiten gewählt. Er trieb seinen Meißel so nah wie möglich am Kabinenboden durch die Verschalung. Eingedenk der Tatsache, dass der Schoner verkehrt herum lag und der Boden über seinem Kopf war, würde ihn die Öffnung, an der er zu arbeiten begann, am nächsten an den Bilgeraum bringen. Als er ein Loch groß genug für einen Anfang gemeißelt hatte, holte er die Säge vom Maat und sägte eine quadratische Öffnung. Er zog sich hoch, arbeitete sich durch das Loch und fand sich auf dem Holz wieder, außerhalb des Wassers. Es war das, worauf er nach der Versicherung des Kapitäns gehofft hatte: Die teilweise Ladung aus Bauholz war auf das Deck gesackt, als der Schoner kenterte. Er untersuchte die Lage mit tastenden Händen und vergewisserte sich, dass zwischen der Ladung und dem Boden des Schiffes gut drei Fuß Platz waren.

„Kommen Sie her mit Ihrer Tochter, Kapitän Candage!“, rief er fröhlich. „Hier ist es trocken.“

Er kniete sich hin und streckte seine Hände durch die Öffnung, lenkte sie mit seiner Stimme und griff in die pechschwarze Dunkelheit, bis ihre Hände seine fanden; dann zog er sie zu sich herauf und hinein auf das Holz.

„Es ist ein wenig besser, auch wenn es nichts ist, womit man angeben könnte“, sagte er zu ihr. „Setzen Sie sich dort an die Seite, damit die Männer an Ihnen vorbeikriechen können. Ich werde sie brauchen, um mir zu helfen.“

„Und was denken Sie jetzt – werden wir sterben?“, fragte sie in zitterndem Flüstern.

„Nein, das glaube ich nicht“, sagte er ihr bestimmt.

Sie waren für einen Augenblick allein im Laderaum, während die anderen einander durch die Öffnung halfen.

„Aber in dieser Falle – im Dunkeln – hier eingepfercht!“ Ihr Tonfall drückte keinen Zweifel aus; es war ein kläglicher Versuch, ihre Notlage zu verstehen. „Mein Vater und seine Männer haben Angst – sie haben aufgegeben. Und Sie haben mir gesagt, dass Sie Angst haben!“

„Ja, das habe ich!“

„Aber sie tun nichts, um Ihnen zu helfen.“

„Vielleicht liegt das daran, dass sie nicht so viel Angst haben wie ich. Es kommt oft vor, dass ein Mann in einer engen Lage umso mehr herumspringt und sich umso mehr bemüht herauszukommen, je mehr Angst er hat.“

„Es ist mir egal, was Sie sagen – ich weiß, was Sie sind!“, entgegnete sie. „Sie sind ein mutiger Mann, Kapitän Mayo. Ich danke Ihnen!“

„Noch nicht! Nicht, bis...“

„Doch, jetzt! Sie sind mir ein gutes Vorbild gewesen. Wenn die Leute Angst haben, sollten sie nicht dasitzen und wimmern!“

Er griff hinaus und fand eine kleine, pralle Faust, die sie zu einem richtigen Knäuel der Entschlossenheit geballt hatte.

„Gute Arbeit, kleines Mädchen! Deine Art von Mut hilft mir.“ Er ließ ihre Hand los und kroch nach vorne.

„Das hilft uns alles nichts“, beklagte sich Kapitän Candage. „Ich weiß, was mit uns passieren wird. Sobald es Tag wird, kommt ein verdammter Küstenwachkutter dahergeschnaubt und sprengt uns in die Luft, ohne sich die Mühe zu machen, herauszufinden, was unter dieser Schildkrötenschale ist.“

„Sagen Sie mal, hören Sie zu, Candage“, rief Kapitän Mayo ärgerlich, „das reicht mit diesem Gerede! Es passiert schon genug mit uns, ohne Ihr verdammtes Geschwafel darüber, was passieren könnte.“

„Ist es nicht an der Zeit für einen echten Mann, Kapitän Mayo zu helfen, anstatt ihn zu behindern?“, fragte das Mädchen. Offensichtlich überraschte ihre neue Gefasstheit ihren Vater.

„Hast du keine Angst mehr, Polly? Du verlierst doch nicht den Verstand, oder?“

„Nein, ich habe ihn wieder, so hoffe ich.“

„Ihre Tochter gibt Ihnen ein gutes Beispiel, Kapitän Candage. Lassen Sie uns jetzt zur Sache kommen, Sir! Was ist Ihre Verschalung an den Rippen?“

„Anderthalb Zoll Fichte, wenn ich mich recht entsinne.“

„Ich nehme an, sie ist alle zwölf Zoll gerippt.“

„So nah ich mich erinnere.“

„Alles klar! Schwingt euch alle drei hier nach vorne und haltet die Werkzeuge griffbereit, wenn ich sie brauche.“

Er hatte Hammer und Meißel in den Taschen seiner Cabanjacke mitgebracht und machte sich an die Arbeit an der Verschalung über seinem Kopf, nachdem er durch Tasten und Ortsinn einen Abschnitt gewählt hatte, den er für nahezu mittschiffs hielt. Es war ein blindes Unterfangen, aber nach einer Weile gelang es ihm, ein paar Quadratfuß der Fichtenbretter wegzuschlagen.

„Geben Sie mir diese Säge, wer immer sie hat.“

Eine Hand tastete im Dunkeln nach seiner und gab ihm das Werkzeug. Er begann an einer der Eichenrippen, die freigelegt wurden, als die Bretter entfernt waren. Es war eine schwierige und mühsame Arbeit, denn er konnte nur die Spitze der Säge benutzen, weil die Rippen so dicht beieinander lagen. Aber er arbeitete stetig weiter, und schließlich schien der Klang seines Fleißes die anderen zu beleben. Als er einen Moment ausruhte, bot Kapitän Candage an, beim Sägen zu helfen.

„Ich glaube, ich muss es allein tun, Sir. Sie können im Dunkeln nicht sagen, wo ich aufgehört habe. Ich bin jedoch froh zu sehen, dass Sie wieder zu Sinnen kommen“, fügte er etwas beißend hinzu.

Der Schiffsführer der Polly nahm diesen Tadel mit einer Sanftmut hin, die einen entschiedenen Sinneswandel anzeigte. „Ich schätze, ich und Otie und Dolph haben uns ziemlich feige verhalten, wie ich es einmal einen Lehrer sagen hörte“, gestand der Kapitän und kämpfte mit dem großen Wort. „Aber wir drei sind nicht mehr so jung, wie wir einmal waren, und ich überlasse es Ihnen, Sir, ob das nicht etwas war, womit niemand jemals gerechnet hätte.“

„Es hat eine beträchtliche Neuartigkeit“, sagte Mayo in trockenem Ton und fuhr mit den Fingern über die Rippe, um den Sägeschnitt zu finden. Der Schmerz war aus seinen Armen gewichen, und er war bereit, wieder anzufangen.

„Es tut mir leid, dass wir Sie in all diesen Ärger hineingezogen haben“, fuhr Candage fort. „Und auf der anderen Seite tut es mir nicht leid! Denn wenn Sie nicht bei uns gewesen wären, wären wir nie aus diesem Schlamassel herausgekommen.“

„Wir sind noch nicht herausgekommen, Kapitän Candage.“

„Nun, wir machen einen verdammt guten Anfang, und ich möchte hier im Beisein aller interessierten Freunde sagen, dass Sie der schlauste Kerl sind, den ich je auf dem Wasser gesehen habe.“

„Ich hoffe, Sie verzeihen Vater“, bat Polly von der Polly. Er spürte ihren Atem auf seiner Wange. Sie war so nah, dass ihre Stimme ihn fast aufschrecken ließ. „Ich will Ihnen nicht im Weg stehen, Kapitän Mayo, aber irgendwie fühle ich mich sicherer, wenn ich nah bei Ihnen bin.“

„Und ich glaube, das tun wir alle“, gab Kapitän Candage zu.

Mayo hörte für einen Moment mit dem Sägen auf. „Was sagt ihr, Männer? Lasst uns von jetzt an Yankee-Seeleute sein! Wir wollen die richtigen sein, was? Wir bringen dieses mutige kleine Mädchen dorthin, wo sie hingehört – auf Gottes festen Boden!“

„Amen!“, dröhnte Mr. Speed. „Ich bin aufgewacht. Ich muss den Verstand verloren haben. Ich habe Ihnen mein Wesen gezeigt, als ich Sie zum ersten Mal traf, Kapitän Mayo, und ich glaube, Sie haben festgestellt, dass es hilfreich und unternehmungslustig ist. Ich werde von jetzt an derselbe sein, selbst wenn Sie mir befehlen, die Ziege zu spielen und zu versuchen, den Boden mit meinem Kopf herauszustoßen.“ „Ich auch!“, sagte der naseweise Dolph.

IX ~ EINE MÄNNERARBEIT

O Nancy Dawson, hi--o! Cheer’ly man! Sie hat eine Idee, hi--o! Cheer’ly man! Für unseren alten Bootsmann, hi--o! Cheer’ly man! O hauley hi--o! Cheer’ly man! --Hollied (Hauling Song).

Boyd Mayo fand bald heraus, dass seine Vorfahren kein minderwertiges Holz in die Polly gesteckt hatten. Die alte Eichenrippe war ebenso zäh wie massig. Die Aufgabe, nur mit der Spitze des Sägeblatts zu arbeiten, erforderte sowohl Muskelkraft als auch Geduld, und die Position, die er einnehmen musste, trug zu seinen Schwierigkeiten bei. Er ruhte sich aus, nachdem er die Rippe an vier Stellen durchgesägt hatte, und beschloss, Oakum Otie etwas zu tun zu geben; der Maat hatte um eine Gelegenheit gebettelt, mit anpacken zu dürfen. Er erhielt den Befehl, so viel er konnte von dem gesägten Abschnitt mit Hammer und Meißel wegzuschlagen. Mayo kalkulierte, dass, wenn dieser Rippenabschnitt entfernt wäre, Platz für ein Loch durch die Bodenplanken von mindestens zwei Fuß im Quadrat bleiben würde – und es gab keine korpulenten Gestalten in ihrer Gruppe.

Der Maat hatte Kraft, und er war begierig darauf, diesen hilfreichen Geist zu zeigen, mit dem er geprahlt hatte. Er ging mit aller Kraft auf den Balken los.

Mayos Aufmerksamkeit hatte sich auf seine Aufgabe konzentriert; nun, mit einem Moment der Muße, um andere Dinge wahrzunehmen, wurde er sich etwas bewusst, das seine Besorgnis erregte: Die Luft unter dem Rumpf des Schoners wurde verbraucht. Seine Schläfen pochten und seine Ohren klingelten.

„Wird es hier drin nicht ziemlich stickig?“, fragte der Schiffsführer und kleidete Mayos Gedanken in Worte.

„Ich fühle mich schon seit einiger Zeit wie ein Käfer unter einem Fingerhut“, stellte Otie fest und schlug kräftig mit seinem Meißel zu.

„Ihr Boden kann mit all diesem Holz darin nicht unter Wasser liegen. Wenn wir jetzt nur ein kleines Loch durch die Außenbeplankung bekommen könnten, sollten wir es tun“, schlug Candage vor.

„Genau das habe ich getan“, erklärte Mr. Speed. „Ich bin bei der Sache, meine Herren, wenn ich einmal mit etwas angefangen habe. Hilfreich und unternehmungslustig, das ist mein Motto!“

Im nächsten Augenblick, bevor Mayo, dessen Gedanken mit der neuen Erstickungsgefahr beschäftigt waren, eine Warnung aussprechen konnte oder die volle Bedeutung des Dialogs erfasst hatte, stieß die Meißelschneide durch die Beplankung. Sofort gab es ein Zischen wie von entweichendem Dampf. Mayo schrie einen Fluch aus und stemmte seine Hände gegen den Maat, den er gewaltsam wegstieß. Der fleißige Mr. Speed hatte seine Aufmerksamkeit der Beplankung gewidmet, anstatt dem gesägten Balken.

Fahles Licht sickerte durch den vom Meißel erzeugten Spalt, und Mayo legte seine Handfläche gegen den Riss. Der Druck hielt seine Hand fest, als wäre sie gegen die Planken geklemmt, und das Zischen hörte auf.

Der Schoner war, so wie er verkehrt herum im Meer lag, im Grunde eine Taucherglocke; mit diesem Loch in seiner Schale war ihre Sicherheit in Gefahr. Das Mädchen schien die Situation zu begreifen, bevor die stumpferen Geister ihres Vaters und seiner Maate begonnen hatten zu arbeiten. Sie suchte wie besessen nach Mayos freier Hand und drückte ihr irgendein Stoffstück in die Hand.

„Es ist von meinem Unterrock“, keuchte sie. „Können Sie damit kalfatern?“

„Geben Sie mir den Meißel“, bat er.

Sobald sie ihm das Werkzeug gegeben hatte, befreite er seine Hand von dem Riss und trieb augenblicklich den Stoff in den Spalt, wobei er ihn Falte für Falte mit der Schneide des Meißels hineinstopfte.

„Ich hoffe, ich habe nichts falsch gemacht, als ich versucht habe, hilfreich zu sein“, entschuldigte sich Mr. Speed.

„Den Rest dieser Arbeit erledige ich ohne solche Hilfe“, knurrte der Kapitän.

„Aber warum halten Sie die Luft auf, wenn sie hereinstürmt, um uns zu beleben?“, fragte Dolph klagend.

„Sie strömte heraus, du Narr! Sie strömte so schnell heraus, dass dieses Holz uns in kurzer Zeit gegen den Boden dieses Rumpfes flachgedrückt hätte.“

„Ich hätte es genau umgekehrt gedacht“, stellte Mr. Speed demütig fest. „Die Außenluft, da sie frisch ist, müsste natürlicherweise hereinströmen, um die Löcher zu füllen, aus denen wir diese Luft ausgeatmet haben.“

Mayo war nicht in der Stimmung, über Naturphänomene zu dozieren. Er untersuchte den Schnitt, der von dem unvorsichtigen Maat gemacht worden war, und schätzte anhand dessen, was seine Finger ihm verrieten, dass die Bodenplanken des Schoners drei Zoll dick waren. Er setzte sich auf seine Fersen zurück, dachte kurz über die Angelegenheit nach und begriff, dass eine heikle Aufgabe vor ihm lag. Diese Planken mussten um das gesamte Quadrat der geplanten Öffnung herum ausgehöhlt werden, damit der Abschnitt durch einen Schlag von unten in einem Stück herausgetrieben werden konnte. Dieser Abschnitt musste vollständig und augenblicklich nachgeben. Sie waren dem Untergang geweiht, wenn sie nur halbe Arbeit leisteten. In dieser pechschwarzen Dunkelheit hatte er nur seine Finger, um ihn zu leiten. Dieser eine kleine Lichtstreifen aus der offenen Welt draußen war ein quälendes Versprechen. Auf der anderen Seite dieser Planken war Gottes grenzenlose Luft. Die armen Kreaturen, die unter diesem Rumpf eingesperrt waren, keuchten und erstickten vor Mangel an dieser Luft. Mayo machte sich tapfer an die Arbeit und hämmerte auf den Meißelkopf über ihm.

Alle schwiegen. Sie spürten die anfängliche Mattigkeit des Erstickens und kannten die Gefahr, die sie bedrohte.

„Wenn es etwas gibt, das ich tun kann...“, wagte Otie.

„Gibt es nicht!“

Kapitän Mayo spürte den Sauerstoffmangel am grausamsten, weil er mit aller Kraft arbeitete. Schweiß strömte ihm in die Augen, er keuchte wie ein laufender Hund, seine Schläge verloren an Kraft.

Er stellte fest, dass Otie die Rippe teilweise freigelegt hatte, bevor dieser allzu willige Helfer auf die Idee gekommen war, ein Loch durch die Beplankung zu schlagen. Die Rippe musste vollständig weg! Die zähe Eiche leistete Widerstand; der Meißel rutschte ab; es war eine wahnsinnig langsame Arbeit. Aber er beendete die Aufgabe schließlich und begann, einen Kanal in der Beplankung nahe den anderen Rippen zu graben. Erstarrung legte ihre Tentakel um ihn. Er hörte seine Gefährten nach Luft schnappen. Dann, ganz plötzlich, spürte er ein kleines Klopfen auf seiner Schulter. Er erkannte dieses Klopfen als das, was es war, obwohl sie ihn nicht ansprach; es war die beruhigende Berührung des Mädchens. Es tröstete ihn, auf diese Weise zu erfahren, dass sie ihren Mut in dieser schrecklichen Situation aufrechterhielt. Er schrägte die Planken so tief an, wie er wagte, und machte seinen Schnitt um drei Seiten seines Quadrats. Er war gezwungen, für einen Moment innezuhalten und sich flach hinzulegen, das Gesicht auf dem Holz.

„Nehmt diese Säge, einer von euch, und schneidet ein paar kurze Stücke Planke ab“, flüsterte er heiser. Das Raspeln der Handsäge ließ ihn wissen, dass man ihm gehorcht hatte.

Er hielt seine Augen mit Anstrengung weit offen, während er dort in der Dunkelheit lag. Dann kämpfte er sich hoch und machte sich wieder an seine Arbeit. Seltsam gefärbte Flammen schossen vor seinen angestrengten Augen. Er arbeitete in einem teilweisen Delirium, und es kam ihm so vor, als würde er wieder auf die Phantasmagorie der Coston-Lichter im Nebel schauen, als die Yachtsegler dem Mädchen der Polly ein Ständchen brachten. Er ertappte sich dabei, wie er murmelte und den Takt zu seinen Meißelschlägen hielt:

„Unsere Polly O, Über das Meer gehst du...“

Unter allen menschlichen Emotionen gibt es keine wahnsinnigere und die Seele zermürbendere Angst als die Angst, eingeschlossen zu sein, die Weise Leute Klaustrophobie nennen. Mayo war ein Mann der Offenheit gewesen – weiter Horizonte, der aus dem Quell aller Luft unter dem Himmel trank. Diese scheußliche Gefangenschaft demoralisierte seinen Verstand. Er wollte Hammer und Meißel wegwerfen, schreien, treten und sich gegen die einsperrenden Planken werfen. Auf der anderen Seite war Luft – das Offene! Eine Seite des Quadrats musste noch bearbeitet werden.

Wieder berührte ihn diese tröstliche kleine Hand an der Schulter, und er wurde von dem Gedanken angespornt, dass das Mädchen immer noch mutig war und Vertrauen in ihn hatte. Er stöhnte und machte weiter.

Der Zeitablauf verlor seine Bedeutung. Hin und wieder rutschte der Hammer ab und verletzte seine Hand grausam. Aber er spürte den Schmerz nicht. Beide Werkzeuge wankten in seinem Griff. Er führte einen verzweifelten – einen hoffnungslosen – Schlag aus, und Hammer und Meißel fielen herab. Er wusste, dass er die vierte Seite beendet hatte. Er fiel über Polly Candages Schoß, und sie half ihm auf die Knie.

„Ich bin fertig, Männer“, keuchte er. „Alle zusammen mit diesen Balken! Schlagt gleichzeitig zu! Genau über meinem Kopf.“

Er hörte den Schiffsführer eins – zwei – drei zählen. Er hörte den abgestimmten Schlag. Die Planken gaben nicht nach.

„Wir scheinen keine Kraft mehr zu haben“, erklärte der Maat mit heiserer Stimme.

Sie schlugen noch einmal, aber unregelmäßig.

„Es sind unsere Leben – unsere Leben, Männer!“, rief Mayo. „Rammt sie mit Gewalt!“

„Hier ist einer für Sie, Kapitän Mayo“, sagte Candage und drückte ihm ein Stück Planke in die tastenden Hände.

„Macht es dieses Mal zusammen – zusammen!“, befahl Mayo. „Hart – eins, zwei, drei!“

Sie trieben ihre Rammböcke gegen das gefängnisartige Dach. Wut und Verzweiflung steckten hinter ihrem Schlag.

Der Glanz des Lichts flutete in ihre blinzelnden Augen.

Der Abschnitt hatte nachgegeben!

Mayo ging zuerst, und er schoss mit fast der Gewalt eines Korkens, der aus einer Flasche knallt, nach draußen. Er spürte den Rausch der eingesperrten Luft an sich vorbeiziehen, als er auftauchte. Sofort drehte er sich um, streckte seine Hände nach unten, zog das Mädchen ins Freie, und die anderen folgten, während das Holz unter ihren Füßen nachgab.

Kapitän Mayo schien es nach diesen wenigen rasenden Momenten der Flucht, als wäre er aus einem Albtraum erwacht; er fand sich daran wieder, wie er sich an den mit Seepocken bedeckten Kiel des Schoners klammerte, während sein Arm Polly Candage davor bewahrte, über den schleimigen Boden hinunter ins Meer zu rutschen.

„Guter Gott! Wir waren die ganze Nacht da drin“, brüllte Kapitän Candage. Er lag ausgestreckt auf dem Boden der Polly, seine harten Hände umklammerten den Kiel, sein Gesicht staunend zum Himmel erhoben, der vom Glanz des Morgens überflutet war. Otie und Dolph waren neben ihm, die Münder offen, und schluckten Luftzüge, als wären sie frisch aus den Tiefen des Ozeans gezogene Fische.

Nach dem Ausruf des Schiffsführers herrschte langes Schweigen.

Gedanken, eher als Worte, passten zu diesem heiligen Moment ihrer Rettung.

Die fünf Personen, die dort auf dem Boden des Schoners lagen, starrten in den wolkenlosen Himmel zur Sonne und blickten über das Meer, dessen Blau vom goldenen Dunst eines perfekten Sommertages verhüllt war. Nur eine träge Dünung war von der plötzlichen Turbulenz der Nacht zuvor übrig geblieben. Eine lustlose Brise mit einem frischen salzigen Beigeschmack umspülte die Oberfläche der langen, langsamen Wogen, und die Facetten der Kräuselungen warfen das Sonnenlicht fröhlich zurück.

Kapitän Candage zog sich zum Kiel hoch, setzte sich darauf und fand stockend die Sprache wieder.

„Ich bin kein Mitglied einer Kirche, da ich nie das Bedürfnis verspürt habe, beizutreten, und nicht gerade dort war, wo ich hätte teilnehmen können. Aber ich schäme mich nicht, hier vor Zeugen zu sagen, dass ich gerade Gott – so gut ich es eben vermag, in der Hoffnung, Er verzeiht mir, wenn ich nicht die fromme Art verwendet habe – gesagt habe, dass ich nach diesem Erlebnis ein anderer Mann sein werde – anders und besser, nach bestem Wissen und Gewissen.“

„Ich glaube, Sie haben für uns alle gesprochen, Kapitän Candage“, sagte Mayo ernst. „Ich danke Ihnen!“

Sie alle bemerkten, dass die Polly während ihres wilden Galopps unter dem Antrieb des Ostwindes ein gutes Stück zurückgelegt hatte.

Mayo hielt sein Gleichgewicht auf dem Kiel und ließ den Horizont lange schweifen. An einer Stelle deutete ein blauer Faden, fast so zart wie das Adernetz auf dem Arm eines Mädchens, auf eine Küstenlinie hin. Doch ohne Fernglas war er sich nicht sicher. Er sah kein Anzeichen eines anderen Fahrzeugs; der Sturm hatte alle Küstenfahrer in die Häfen getrieben – und es gab noch nicht genug Wind, um sie wieder aufs offene Meer hinauszuhelfen. Aber er machte sich keine Sorgen; er war sicher, dass schon bald etwas, eine Yacht oder ein Lastsegler, über den Rand des Ozeans daherkommen würde. Die leichte Brise, die ihre Gesichter fächelte, kam aus Südwest, und diese Tatsache versprach genug Wind, um die Schifffahrt dazu einzuladen, ihre Segel zu setzen.

Nur das Oval des breiten Bilge-Bereichs des Schoners ragte aus dem Wasser, und die alte Polly war so flach und bauchig, dass ihre schwimmende Insel nur einen knappen Freibord bot.

Mayo schob seinen Arm in das Loch hinab, durch das sie entkommen waren. Nachdem die Luft herausgedrückt worden war, war das Holz vom Boden des Schoners aus erreichbar. Er tastete umher und fand die Axt. Einige der kurzen Holzstücke, die sie als Rammböcke benutzt hatten, steckten in den Rändern des Lochs. Er machte sich daran, diese Plankenenden zu großen Keilen zu behauen, und schlug sie in die Risse zwischen den Planken nahe dem Kiel.

„Es könnte etwas ungemütlich werden, wenn dieser Südwest richtig in Fahrt kommt“, schlug er dem Kapitän vor. „Wir werden etwas brauchen, woran wir uns festhalten können.“

Kapitän Candages anfängliche Dankbarkeit hatte einen strahlenden Glanz gezeigt. Doch er war ein Seemann, er war vorsichtig, er war von Natur aus besorgt in allen Fragen, die das Meer betrafen, und dieser Glanz war nun durch seine zweiten Gedanken ein wenig getrübt.

„Wir müssen uns vielleicht länger an etwas festhalten, als wir glauben. Wir sind zu weit draußen für die Küstenfahrer und zu weit drinnen für die großen Pötte. Und wenn uns nicht etwas ziemlich nahe kommt, sind wir nicht besser zu sehen, als wären wir Muscheln an einem Gezeitenriff. Wir sollten etwas haben, das wir hochhalten können.“

„Wenn wir nur einen dieser langen Balken herausarbeiten könnten, würde das ein wenig auffallen.“ Kapitän Mayo schob seinen Arm wieder in das Loch. „Aber sie sind zu fest verkeilt.“

„Ich glaube, da drüben schwimmt ein Stück Holz“, rief das Mädchen. Sie klammerte sich an einen der Keile, und die Fassung, die sie verspürte oder vorgegeben hatte, erregte Mayos Bewunderung. Die mollige Hand, die sie zum Schutz gegen die Sonne vor die Stirn hielt, zitterte nicht. Von der kleinen holländischen Kappe, unter deren Rand einzelne Locken hervorlugten, bis hinunter zu ihren Zehen wirkte sie trotz ihrer Erlebnisse unten in der Dunkelheit und Nässe immer noch gepflegt und ordentlich. Mit einer Art mildem Interesse an ihr sinnierte er darüber, dass ihr Verehrer vom Land sehr zu Recht stolz auf sie wäre, wenn er sie dort auf dem Kiel des Schoners sehen könnte.

„Was für ein Bild Sie abgeben würden, Miss Candage, genau so, wie Sie sind!“, platzte es aus ihm heraus. Sie nahm die Hand herunter, und der Blick, den sie ihm zuwarf, ermutigte nicht zu Komplimenten. „Genau so, wie Sie sind, und nennen es ‚Das Wrack‘“, fügte er hinzu.

„Sehe ich so schlimm aus, Kapitän Mayo?“

„Sie sehen--“, setzte er an und zögerte, denn ihr Blick war keineswegs beruhigend.

„Sagen Sie mir bitte nicht, wie ich aussehe. Ich bin dankbar, dass ich keinen Spiegel habe. Ist das nicht ein Stück Holz?“, fragte sie trocken, um weiteren persönlichen Bemerkungen ein Ende zu setzen. „Warten Sie! Es ist gerade in einem Wellental.“

Das Meer hob es augenblicklich wieder an. Mayo sah, dass es ein langer Streifen Kantholz war, zweifellos von der Decksladung, die die Polly abgeworfen hatte, als sie kenterte. Es trieb in Luv, und diese Tatsache versprach, dass sie es bergen könnten; doch wie stand es mit der Tide? Mayo blinzelte zur Sonne, stellte eine kurze, schnelle Berechnung basierend auf der Gezeitenzeit des Vortages an und lächelte.

„Das bekommen wir, Miss Candage. Es kommt auf uns zu.“

Es zu beobachten, zu sehen, wie es stieg und sank, darauf zu warten, half die Zeit zu vertreiben. Dann schließlich kam es längsseits, und er kroch vorsichtig die Kurve der Bilge hinunter und sicherte es. Nachdem er es mit Hilfe von Mr. Speed im Loch im Boden des Schoners verkeilt hatte, reichte ihm das Mädchen ein zerknülltes Stoffbündel, als er sich von seiner Arbeit abwandte.

„Es ist der Rest meines Unterrocks. Sie können ihn genauso gut gebrauchen“, erklärte sie, mit einem hübschen Anflug von rosa Verlegenheit auf den Wangen.

Mr. Speed half Mayo hoch, und der junge Mann befestigte den Stoff an dem Kantholz und ließ ihr Banner in der Brise flattern. Dann gab es nicht mehr viel zu tun, außer zu warten und ewig über die helle See bis zum Horizont zu starren.

X ~ GASTFREUNDSCHAFT, PER JULIUS MARSTON

Hoo--oo--rah; und hoch geht sie! Hoo--oo--rah! und hoch geht sie! Früh am Morgen. Was sollen wir mit einem frechen Seemann tun? Steckt ihn ins Beiboot und lasst ihn schöpfen, Früh am Mor--gen! --Alter „Stamp-and-go“-Shanty.

Mayo sah das Segel zuerst. Es kam von der See herein und war sehr weit weg und winzig. Er deutete mit einem Ausruf darauf hin.

„Was halten Sie davon, Sir?“, fragte Kapitän Candage. „Ihre Augen sind jünger als meine.“

„Ich schätze, es ist ein Fischer, der von den Cashes Banks kommt. Er scheint sich ordentlich zu neigen, und das zeigt, dass draußen eine gute Brise weht. Er sollte nah genug herankommen, um uns zu sehen, nach dem Kurs zu urteilen, den er steuert.“

Dieses kleine Segel, das sich gegen den Himmel abzeichnete, war etwas, das man beobachten, über das man spekulieren und auf das man warten konnte, und sie vergaßen fast, dass sie hungrig, durstig und sonnenverbrannt waren.

Kapitän Mayo jedoch behielt seinen Blick am beharrlichsten auf den landseitigen Horizont gerichtet. Er enthüllte keine seiner Gedanken, denn er wollte keine falschen Hoffnungen wecken. Dennoch war er fest davon überzeugt, dass, ungeachtet der Gefühle von Julius Marston bezüglich seines jüngsten Kapitäns, der Erste Offizier und der Maschinist an Bord der Olenia loyale Freunde waren, die ihren ganzen Einfluss beim Eigner geltend machen würden, um ihn zu drängen, den Vermissten zu suchen.

Die Tatsache, dass ein Motorboot aus dem Saturday Cove herausgeknattert war, um den Schoner zu verfolgen, deutete darauf hin, dass Offizier McGaw geahnt hatte, was passiert war, und nicht den Grund der Bucht nach einem Ertrunkenen absuchte.

Mayo hatte viel Zeit, über die Angelegenheit nachzudenken, und er erlaubte der Hoffnung, seine Vermutungen zu würzen. Er kannte die Eigenschaften von Offizier McGaw und beschloss, dass die Yacht früh auslaufen würde, in einige nahegelegene Häfen schnüffeln würde, in die sich ein sturmgepeitschter Schoner zur Sicherheit hätte retten können, und dann die See absuchen würde, dem wahrscheinlichen Kurs eines Fahrzeugs folgend, das in diesen Nordoststurm geraten war. Offizier McGaw war ein seemännischer Mann und verstand es, eine Tatsache mit der anderen zu verknüpfen. Er besaß ein gehöriges Maß an Seemannsfantasie und war nicht die Art von Mensch, einen Kameraden im Stich zu lassen, selbst wenn er gezwungen wäre, scharfe Worte zu gebrauchen, um einen Eigner zu überzeugen. Deshalb spähte Mayo in Richtung der blauen Küstenlinie und hegte die Hoffnung. Er fragte sich, ob Offizier McGaw den Mut haben würde, Alma Marston ein Wort der Ermutigung zuzuflüstern, falls sie Fragen stellte.

Mayo war eher erfreut als erstaunt, als er einen Schmierstreifen aus grauem Rauch entdeckte und feststellen konnte, dass das Fahrzeug, das diesen Rauch ausstieß, auf die offene See zusteuerte und nicht an der Küste entlangkroch.

„Das ist definitiv ein Fischer, und er wird nah genug herankommen, um uns auszumachen“, stellte Kapitän Candage fest, seinen stetigen Blick nach Süden gerichtet.

„Aber hier kommt noch jemand, der uns vor ihm erreichen wird“, kündigte Kapitän Mayo fröhlich an.

„Und was halten Sie davon?“, fragte der Skipper und blinzelte in den fernen Rauch.

„Eine Yacht, wahrscheinlich.“

„Häh? Eine Yacht! Wenn es das ist, werden sie höchstwahrscheinlich einfach vorbeirasen. Sie werden wohl denken, wir sind hier draußen auf einem Angelausflug. Das ist so ziemlich alles, was diese Yacht-Typen wissen.“

Das Mädchen warf ihrem Vater einen protestierenden Blick zu, doch Mayo lächelte ihr zu.

„Ich glaube, diese hier ist anders, Sir. Wenn ich mich nicht sehr täusche, ist das die Yacht Olenia und sie sucht nach mir. Offizier McGaw ist einer unserer besten Rater.“

Eine Viertelstunde später konnte er ihnen versichern, dass das herannahende Fahrzeug die Olenia war.

„Gut gemacht, alter Offizier McGaw!“, rief er entzückt. In seiner Freude wünschte er, er könnte sie zu seinen Vertrauten machen, ihnen sagen, wer an Bord dieser Yacht auf ihn wartete, sie verstehen lassen, welch wunderbares Glück ihm zuteilwurde.

Nach einer Weile – die lange Zeit, die selbst eine schnelle Yacht zu brauchen scheint, um die Distanz für die Rettung derer zurückzulegen, die in Sorge sind – stieß die Pfeife der Olenia heiser aus, um sie zu versichern, dass sie gesehen worden waren.

„Gleichfalls, Offizier McGaw!“, würgte Kapitän Mayo hervor und schwang seine Mütze in weiten Kreisen.

„Wenn man sieht, wie sich die Dinge entwickelt haben, freue ich mich riesig für Sie, Kapitän Mayo“, erklärte Candage. „Ich bin nicht der Typ, der einen Mann mit Dank überschüttet –“

„Ich will keinen Dank, Sir. Wir haben zusammengearbeitet, um unser Leben zu retten.“

„Dann hoffe ich, dass es keine bösen Gefühle gibt, weder von der einen noch von der anderen Seite. Ich habe meinen Schoner durch meine verfluchte Dummheit verloren. Also werde ich Lebewohl sagen und –“

„Lebewohl?“, fragte Mayo erstaunt. „Warum sagen Sie mir jetzt Lebewohl?“

„Weil Sie an Bord Ihrer Yacht gehen.“

„Sie alle kommen auch mit an Bord.“

„Es geziemt sich nicht für arme Kreaturen wie uns, sich –“

„Hören Sie, Kapitän Candage, ich bin der Kapitän dieser Yacht, und ich sage, dass Sie an Bord kommen und bleiben, bis ich Sie im nächstgelegenen Hafen an Land setzen kann.“

„Ich würde genauso gerne auf diesen Fischer warten, Sir. Ich werde mich an Bord von ihm wohler fühlen.“

„Sie sollten zuerst an den Zustand Ihrer Tochter denken, Kapitän Candage. Sie braucht sofort ein paar Annehmlichkeiten, und die werden Sie an Bord eines Fischers nicht finden.“

Er wandte sich an das Mädchen, das auf dem Kiel saß, still, den Blick aufs Meer gerichtet. Sie schien ein seltsames Desinteresse an der Yacht zu zeigen. Ihr hübsches Gesicht zeigte keine Regung, aber irgendwie war sie eine wehmütig pathetische Gestalt, wie sie dort saß. Mayos Gesichtsausdruck zeigte weit mehr Anteilnahme, als sie zum Ausdruck brachte, als sie sich beim Klang seiner Stimme umdrehte und ihn ansah. Farbe stieg in seine Wangen; es lag Verlegenheit in seinen Augen, ein seltsames Zögern in seinem Tonfall.

„Es gibt eine junge Dame – es gibt mehrere junge Damen – aber da ist Mr. Marstons Tochter!“, stammelte er. „Sie ist auf der Yacht. Ich – ich weiß, sie wird alles tun, was sie kann, für Sie. Sie wird gut zu Ihnen sein!“ Seine Augen senkten sich unter ihrem direkten und etwas spöttischen Blick.

„Vielleicht möchte sie nicht mit so einem Lumpensammler belästigt werden.“

„Ich kann für sie sprechen!“, rief er eifrig. Er war jetzt noch mehr von dem Blick verstört, den sie ihm zuwarf. Er hatte gelesen, dass Frauen in Herzensangelegenheiten Intuition besitzen.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie das können, Kapitän Mayo“, versicherte sie ihm sanft. „Und ich bin dankbar. Aber vielleicht wären wir an Bord jenes anderen Schiffes besser aufgehoben – mein Vater und wir anderen.“

„Ich bestehe darauf“, sagte er, doch er wagte es nicht, ihren forschenden Augen zu begegnen. „Ich bestehe darauf!“, wiederholte er und nahm die entschlossene Art wieder an, die er zuvor an Bord der Polly gezeigt hatte.

Die Olenia, die Fahrt verlangsamte, war nah längsseits gekommen, und ihre schäumenden Schrauben brachten sie zum Stillstand. Ihre Besatzung ließ ein Beiboot von ihren Backbord-Davits hinunter. Während sie in der Dünung rollte, fingen ihre Messingreling-Stangen das Sonnenlicht in langen Blitzen ein, die die hohlen Augen der Schiffbrüchigen geradezu blendeten. Das weiße Segeltuch der Brücke und der Markisen glänzte in schneeweißer Reinheit. Sie war so nah, dass Dolph die köstlichen Düfte aus ihrer Kombüse roch und anfing, sich den Mund wässrig zu machen.

Diejenigen, die auf dem mit Seepocken bewachsenen Wrack der Polly warteten, schwach vor Hunger, beschmutzt von der Salzlake, ungepflegt und völlig elend nach einer Nacht voller Mühsal und Wache, fühlten sich wie Bettler am Palasttor, als sie ihre Makellosigkeit betrachteten.

Eine Art anmaßender Opulenz schien von ihr auszugehen. Mayo, obwohl ihr Kapitän, spürte diese Anmaßung schärfer als seine Gefährten, denn er hatte bittere und jüngste Erfahrungen mit den Launen von Julius Marston gemacht.

Er fand Marston kein erfreuliches Objekt für seinen Blick; der Transportmagnat schritt mit einem Schritt, der deutlich ungeduldig war, den Backbord-Durchgang entlang. Dicht neben der Gangway stand Alma Marston, makellos in weißem Segeltuch. Jedes Mal, wenn ihr Vater ihr den Rücken zukehrte, streckte sie ihre gefalteten Hände mit einer verstohlenen Geste nach ihrem Geliebten aus.

Polly Candage beobachtete diese Demonstration mit offenem Interesse und stahl gelegentlich Seitenblicke auf das Gesicht des Mannes, der neben ihr auf dem Boden des Schoners stand; er war völlig versunken in seine Musterung des anderen Mädchens.

Offizier McGaw selbst saß am Pinnen des Beibootes. Sein ehrliches Gesicht arbeitete vor Emotionen, und er fing an zu sprechen, bevor die Ruderer das Boot gegen das gekenterte Wrack manövriert hatten.

„Ich habe kein Auge zugetan, Kapitän Mayo. Bin die ganze Nacht aufgeblieben und habe versucht, es herauszufinden. Habe fast jeden Gedanken aufgegeben, dass Sie an Bord des Schoners waren. Sie haben das Boot, das wir ausgeschickt haben, nicht angerufen.“

„Ich habe es versucht; vielleicht konnten Sie mich nicht hören.“

Kapitäns Candages Gesichtsausdruck zeigte Dankbarkeit und Erleichterung.

„Heute Morgen habe ich Lumbo und zwei andere Zufluchtsorte abgesucht und bin dann der Spur des Sturms gefolgt.“

Mayo stieg vorsichtig die Bilge hinunter und drückte die Hand des Offiziers. „Ich habe nach Ihnen Ausschau gehalten, Mr. McGaw. Ich weiß, was für ein Kerl Sie sind.“

McGaw, immer noch die Hand des Kapitäns haltend, sprach mit leiseren Tönen. „Hatte eine höllische Zeit mit dem Eigner, Sir. Er war fest davon überzeugt, dass Sie desertiert seien.“

„Ich hatte befürchtet, er könnte so etwas in der Art denken.“

Der Offizier zeigte offenes Erstaunen. „Sie hatten Angst wovor? Warum, Sir, ich wollte ihm sagen, dass er ein Verrückter sei, solche Ideen über Sie zu haben! Ja, Sir, ich war nahe dran, ihm das zu sagen! Ich hätte es getan, wenn ich nicht sanftmütig und demütig hätte bleiben wollen, während ich mit ihm stritt und versuchte, ihn dazu zu bringen, mir die Erlaubnis zur Suche zu geben!“

„Wir haben eine schreckliche Zeit hinter uns, Mr. McGaw“, erklärte Mayo und wich der Neugier des Offiziers aus. „Ich werde diese Leute an Bord nehmen und sie an Land setzen.“

„Jawohl, Sir, natürlich.“

Die beiden standen mit gefassten Händen und hielten das Beiboot nahe am Wrack, bis die Passagiere einstiegen. Als sie den Fuß der Treppe der Olenia erreichten, schickte Kapitän Mayo seine Gäste vor sich her.

Marston hielt in seinem Marsch inne und runzelte die Stirn, und die Leute auf dem Achterdeck drängten sich an die Reling und zeigten großes Interesse.

Kapitän Mayo tauschte einen langen Blick mit Alma Marston, als er die Stufen hinaufkam. Liebe, Mitleid und Gruß lagen in seinen Augen. Ihr Gesichtsausdruck offenbarte ihre lebhaften Gefühle; sie war überreizt, verstört, halb von Sinnen nach einer Nacht voller Ängste. Als er in ihre Reichweite kam, wurde die Vorsicht von ihr gerissen wie ein Gespinst von einem Sturm. Impulse hatten sie immer beherrscht; sie gab ihnen in diesem Moment nach.

„Es ist mir egal“, schluchzte sie. „Ich liebe dich. Sie können es genauso gut wissen!“

Bevor er ihre Absichten verstand oder ihre Unbesonnenheit verhindern konnte, warf sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn wiederholt.

Marston stand in seinen Spuren wie ein von Lähmung getroffener Mann; seine Zigarre fiel aus seinem offenen Mund. Diese Darbietung direkt vor seiner Nase, mit seinen Gästen und der gesamten Besatzung seiner Yacht, die zusah, betäubte ihn regelrecht.

„Wenn du gestorben wärst, wäre ich gestorben!“, jammerte sie.

Dann stürzte ihr Vater auf sie zu und drängte den erstaunten Beveridge aus seinem Weg.

Kapitän Mayo hängte sanft die Arme des verzweifelten Mädchens von seinem Hals ab und trat vor, wobei er sich zwischen Vater und Tochter stellte. Er machte sich keine vernünftigen Gedanken über die Angelegenheit; er wurde von einem instinktiven Impuls geleitet, sie zu beschützen.

Mayo hatte kein Wort auf der Zunge, und Marstons Fluch war gedämpft und unzusammenhängend. Die unbesonnene Tat des Mädchens hatte das vernünftige und männliche Selbstbeherrschungsvermögen von ihnen beiden umgeworfen. Der Kapitän war zu verwirrt, um das volle Ausmaß seines Handelns zu begreifen, als er die Tochter von Julius Marston bewachte, als ob sie auf dem Achterdeck ihres Vaters Schutz bräuchte. Er wich nicht zur Seite des Durchgangs, als Marston eine ungeduldige Geste machte.

„Ich möchte sagen, dass ich allein die Schuld trage, Sir“, stammelte er. „Ich hoffe, Sie sehen über –“

„Maßen Sie sich an, den Wahnsinn meiner Tochter mit mir zu diskutieren?“ Er bemerkte, dass die Matrosen sich darauf vorbereiteten, das Beiboot in die Davits zu hieven. „Lassen Sie das Boot zurück ins Wasser fallen!“, schrie er. Ein hässliches Raspeln lag in seiner Stimme, und für einen Moment schien es, als stünde er kurz davor, die Kontrolle über sich zu verlieren. Dann zügelte er sein Temperament und seine Zunge, obwohl sein Gesicht totenblass war und seine Augen hart wie Murmeln waren. Die Entschlossenheit, diese unglaubliche Angelegenheit nicht weiter zur Schau zu stellen, beherrschte seinen zornigen Scham.

„Wenn Sie uns an Land setzen würden –“, flehte Mayo.

„Gehen Sie zurück in dieses Boot, Sie und Ihre Bande, was auch immer es ist!“

„Mr. Marston, diese junge Frau braucht –“

„Gehen Sie in dieses Boot, oder ich lasse Sie alle über Bord werfen!“ Der Eigner sprach mit leiser Stimme, aber seine wütende Entschlossenheit war offensichtlich.

„Wir werden gehen, ohne geworfen zu werden, Sir. Werden Sie befehlen, uns an Bord jenes Fischers zu setzen?“ Er zeigte auf den kleinen Schoner, der fast in Rufweite war.

„Verschwinden Sie! Mir ist egal, wohin Sie gehen!“ Er drängte an Mayo vorbei, ergriff den Arm seiner Tochter und führte sie nach achtern.

Sie schien ihre ganze Entschlossenheit bei ihrem sensationellen Ausbruch verbraucht zu haben.

Der Kapitän begegnete ihrem flehenden Blick, als sie sich umdrehte, um zu gehen. „Es ist das Beste“, erklärte er tapfer. „Ich werde es wiedergutmachen!“

Die pathetischen Schiffbrüchigen von der Polly bildeten eine kleine Gruppe an der Gangway und standen dicht an der Reling, als fürchteten sie sich, das weiße Deck zu betreten. Offizier McGaw fing Mayo ab, als er sich ihnen anschließen wollte.

„Sollte ich nicht besser Abschnitt zwei des Kollisionsgesetzes ein wenig dehnen und ihn mit der Aussicht auf eine tausend-Dollar-Strafe erschrecken?“, fragte der Offizier eifrig. „Bei meinem Ruhm, Kapitän Mayo, ich bin so schwach, dass ich kaum stehen kann! Wer hätte das gedacht?“

„Wir werden an Bord des Schoners gehen, Mr. McGaw. Es ist der richtige Ort für uns.“

„Vielleicht ist es das, aber ich werde mich zu Wort melden, wenn Sie es sagen, und ihn zwingen, Sie an Land zu setzen – selbst wenn ich mit Ihnen gehe?“

„Behalten Sie Ihren Job, Sir. Werden Sie meine wenigen kleinen Habseligkeiten in meiner Kabine einsammeln und mir bringen, Mr. McGaw? Ich bleibe lieber hier an Deck bei meinen Freunden.“ Er betonte das letzte Wort, und Kapitän Candage warf ihm einen dankbaren Blick zu. „Es tut mir leid, Kameraden! Ich kann nicht mehr sagen!“ Kapitän Mayo erlaubte sich keinen weiteren Kommentar zu der melancholischen Situation. Die anderen schwiegen; die Angelegenheit lag außerhalb ihrer Einschätzung; sie hatten keine Worte, die zu dem Fall passten. Polly Candage stand da und schaute aufs Meer hinaus. Er hatte gehofft, dass sie ihm zumindest einen Blick verständnisvoller Anteilnahme zuwerfen würde. Doch das tat sie nicht, nicht einmal, als er ihr die Stufen hinunter ins Beiboot half.

Offizier McGaw kam mit der Tasche und den Habseligkeiten des Kapitäns und erhielt umgehend Befehle vom Eigner vom Achterdeck.

„Gehen Sie auf die Brücke und rufen Sie diesen Schoner an. Sagen Sie ihm, wir sind auf dem Weg nach New York und können uns nicht mit diesen Personen belästigen!“

Mr. McGaw ergriff Mayos Hand zum Abschied und eilte dann zu seiner Pflicht. Seine durch das Megaphon verstärkte Nachricht hallte über ihre Köpfe hinweg, während das Beiboot auf dem Weg war.

„Jawohl, Sir!“, erwiderte der Fischer-Skipper mit herzlichem Gebrüll. „Froh, Seeleuten in Not zu helfen.“

„Und das zeigt Ihnen –“, platzte Kapitän Candage heraus und unterbrach seine Aussage mitten in seinem Ausbruch, als seine Tochter ihm eine bedeutungsvolle Faust in die Rippen stieß.

Kapitän Mayo drehte den Kopf nur ein einziges Mal, während das Beiboot auf den Schoner zueilte. Doch auf dem Deck der Yacht war keine Frau zu sehen. Für einen Augenblick flatterte etwas Weißes aus einem Bullauge der Kabine, aber er konnte nicht sicher sagen, ob es ein Taschentuch war oder das Ende eines im Wind wehenden Vorhangs. Er wandte sich entschlossen ab und sah nicht noch einmal zurück. Scham, Elend, Hoffnungslosigkeit – er wusste nicht, welches Gefühl ihn am schmerzlichsten quälte. Die Ruderer im Beiboot blickten während des Ruderns unschuldig nach oben, doch er bemerkte, wie sie sich das Grinsen verkniffen. Seine Demütigung auf diese erstaunliche Weise würde zum Gespött des Backdecks werden. Durch ihn waren diese seine neuen Freunde beleidigt worden. Er hatte das Gefühl, zu verstehen, was Polly Candages Schweigen bedeutete.

Im nächsten Moment spürte er den sanften Klaps einer kleinen Hand auf der Faust, die er auf seinem Knie geballt hielt.

„Armer Junge!“, flüsterte sie. „Ich verstehe! Es wird sich alles zum Guten wenden, wenn du nur nicht den Mut verlierst.“

Doch sie sah ihn nicht an, als er ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf.

Der Fischer war in den Wind gegangen, schaukelte auf der langen Dünung, die schäbigen Segel flatterten, die salzverkrusteten Seiten tauchten ein und blitzten in nassem Glanz, während das Schiff rollte. Die Mannschaft bereitete eine Leiter an der Bordwand vor.

„Ich möchte, solange wir hier zusammen sind und noch Zeit ist, es zu sagen“, verkündete Kapitän Candage, „dass wir alle miteinander dem Herrn da drüben sehr verbunden sind für die Einladung, die er uns gab, an Bord der Yacht zu kommen, und wir wissen alle: Wenn – nun, wenn die Dinge anders gewesen wären, als sie waren, hätten Sie uns ordentlich behandelt. Und was ich über Yachten und die Art von Geschöpfen sagen könnte, denen sie gehören, das werde ich jetzt nicht aussprechen.“

„Du wirst immer besser, Vater“, bemerkte Polly Candage trocken.

„Dennoch habe ich meine eigene Meinung zu dem Thema. Aber das tut hier nichts zur Sache. Sie sind ein Einheimischer und ich bin ein Einheimischer, und ich möchte, dass Sie sich nur dieses Gesicht da ansehen, das über die Lee-Reling gebeugt ist, und dann sagen, dass wir nun wissen, dass wir unter wirklichen Freunden sind.“

Es war ein rotwangiges und einladendes Gesicht unter dem Rand eines rostschwarzen Südwesters aus Ölzeug, und der Mann war offensichtlich der Kapitän. Hin und wieder fuchtelte er ermutigend mit dem Arm.

„Herzlich willkommen an Bord der Reuben and Esther“, rief er, als das Beiboot am Fuß der Leiter anlegte. „Was ist das für ein Schoner da?“

„Die arme alte Polly“, stellte der Schiffsführer fest, der als Erster die Leiter hinaufstieg. In seiner Eile, den Fischerei-Skipper zu begrüßen, überließ er seine Tochter der Obhut von Kapitän Mayo.

„Das ist zu schade – zu schade!“, gluckste der Fischerei-Skipper, dessen Gebaren voller Mitgefühl war. „Sie war alt, aber sie war tüchtig, Sir!“

„Und hier ist noch eine arme Polly“, erklärte Kapitän Candage. „Ich war dumm genug, sie für einen Törn aufs Meer aus ihrem guten Zuhause zu holen.“

Der Skipper grüßte mit einer Kopfbewegung. „Fühlen Sie sich wie zu Hause, Miss. Gehen Sie unter Deck. Das Haus gehört Ihnen!“

Dann legte sich der Schoner auf seinen Kurs Richtung Küste und die unverschämte Yacht entfernte sich über die schimmernden Wellen.

Mayo schüttelte dem fürsorglichen Fischer recht traumverloren und gleichgültig die Hand. Er wurde sich bewusst, dass er vor Hunger schwach war, aber er weigerte sich zu essen. Müdigkeit und Kummer forderten ihren Tribut auf gebieterischere Weise als der Hunger. Er legte sich in der Sonne in den Lee-Gang, legte den Kopf auf seine verschränkten Arme, und der rettende Schlaf löschte seine bitteren Gedanken aus.

XI ~ EINE STIMME AUS DEM HUE AND CRY

Doch wenn das Geld erst alle und ausgegeben ist, Und keines mehr zu borgen und keines mehr zu leihen ist, Kommt der alte Griesgram mit finsterer Miene herein, Sagt: „Steh auf, Jack, lass John Platz sein.“ Denn jetzt gehen wir auf große Fahrt, Hurra, wir gehen auf große Fahrt! --Lied vom Hund und der Glocke.

Als Kapitän Mayo erwachte, wurde ihm sogleich zu verstehen gegeben, dass die Gastfreundschaft an Bord der Reuben and Esther wache Augen hatte. Während er sich, dort im Lee-Gang sitzend, die steifen Glieder rieb, kam der Koch und schleppte eine Kanne heißen Kaffee und einen Teller voll mit Essen herbei.

„Dachte, Sie hätten es lieber hier als in der Kajüte. Die junge Dame schläft im Haus“, flüsterte der Koch.

Kapitän Candage kam zu Mayo, während dieser aß, und setzte sich auf das Deck. Düsterkeit hatte sich über den Kapitän des Schoners gelegt. „Ich will Sie nicht mit meinen Sorgen belästigen, da Sie selbst genug davon haben, Sir. Aber ich brauche ein wenig Rat. Ich habe einen Schoner verloren, der mein Zuhause war, seit ich alt genug war, um einen Seesack über die Reling zu wuchten, und keinen Cent Versicherung. Die Versicherung hätte all meine Gewinne aufgefressen. Was denken Sie über meine Chancen, noch einen Dollar über die Kosten hinaus zu machen, wenn ich einen Schlepper miete und versuche zu bergen?“

„Nach meiner Auffassung wären Ihre Chancen schlecht, Sir. Ansprüche in solchen Fällen fressen gewöhnlich den ganzen Wert eines Schiffes auf. Außerdem könnten Sie die Yachtbesitzer wegen Schadensersatzes am Hals haben, falls Sie sie dorthin bringen, wo sie beschlagnahmt werden kann.“

„Das würde mich nicht wundern“, gab Kapitän Candage zu. „Je mehr manche Leute haben, desto mehr versuchen sie zu bekommen.“

„Ich habe mir ihren Rumpf angesehen, während wir dort saßen, und man muss zugeben, dass ihre Jahre an ihr gezehrt haben.“

„Ich hasse es, sie aufzugeben.“

„Das ist natürlich, Sir. Aber ich habe die Vermutung, dass sie als Gefahr für die Schifffahrt gemeldet wird und dass ein Kutter der Küstenwache sie in die Luft sprengt, bevor Sie dazu kommen, Ihre Bergungsvereinbarungen zu treffen.“

„Wenn ein Mann am Boden liegt, treten alle auf ihn ein.“

„Da kann ich Ihnen nur zustimmen“, bestätigte Kapitän Mayo betrübt.

„Sie hat Mumm bewiesen – dieses Mädchen“, wagte Candage und musterte den anderen Mann scharf unter seinen grauen Brauen.

„Ich muss Sie bitten, in diesem Punkt die Segel zu streichen, Sir“, fuhr ihn Mayo mit seemännischer Offenheit an.

„Ich sagte es nur anerkennend. Oft haben Mädchen mehr Mumm, als man ihnen zutraut. Man denkt, sie sind nur Mädchen, und dann stellt man fest, dass sie Heldinnen sind! Ich dachte, ich hätte Mumm, aber meine eigene Polly hat mich beschämt. Ich war gerade unten und habe sie beobachtet – sie schläft in Kapitän Sinnetts Koje. Es kamen mir die Tränen, Sir, wenn ich darüber nachdenke, was sie wegen meiner verfluchten Dummheit durchmachen musste. Natürlich, Ihnen wurde nichts davon erzählt. Aber Beichte ist gut für einen Mann, und ich will es gestehen. Ich habe sie mitgenommen, um sie von einem Kerl wegzuholen, der ihr den Hof macht.“

Mayo bot keinen Kommentar an. Er wollte dem Skipper raten, auch in diesem Thema zu schweigen.

„Ich sage nicht, dass er nicht gut genug für sie ist. Vielleicht ist er das. Aber ich habe nicht begriffen, dass sie erwachsen geworden ist. Als ich herausfand, dass ihr der Hof gemacht wurde, war es, als würde man auf einen Felsen in einer Fahrrinne stoßen. Sie sind jung, Sie kommen viel herum und kennen das Verhalten junger Leute. Was ist Ihr Rat?“

„Ich kenne die Umstände überhaupt nicht, Sir.“

„Aber allgemein gesprochen“, beharrte Kapitän Candage. „Ich möchte das Richtige tun. Es gibt nicht viele, bei denen ich mich dazu durchringen kann, zu fragen. Ich bin ein armer alter Narr, fürchte ich. Wollen Sie sich dieser Sache nicht ein wenig annehmen, Kapitän Mayo? Ich brauche wirklich einen kleinen Rat.“ Seine rauen Hände zitterten auf seinen Knien.

„Wenn der junge Mann würdig ist – von der richtigen Sorte“, erwiderte Mayo mit sanfterer Stimme, „dann denke ich, dass Sie einen großen Fehler begehen, wenn Sie sich einmischen.“

„Ich werde mir diesen jungen Burschen ansehen – ihn neu begutachten, wie man so sagt“, erklärte der Skipper nach einem Moment des Nachdenkens.

„Ich kenne Ihre Tochter nicht sehr gut, Sir, aber ich habe großes Vertrauen in ihr Urteilsvermögen. Wenn ich Sie wäre, würde ich ihr erlauben, sich ihren Ehemann selbst auszusuchen.“

„Danke für diesen Rat. Ich weiß, er kommt von einem Mann, der bewiesen hat, dass er genau weiß, was in Notfällen zu tun ist. Ich habe meine Meinung darüber, dass ihr der Hof gemacht wird, geändert, Sir.“

„Ehrliche Liebe ist keine Geldfrage, Kapitän Candage. Viele gute Mädchen werden ruiniert durch –“ Er sprach verbittert und hielt inne. „Wo wird uns Kapitän Sinnett an Land setzen?“

„Maquoit. Er will seinen Fisch auf den großen Markt bringen. Aber er sagte, er würde uns überall an Land setzen, und so sagte ich Maquoit. Da könnte ich genauso gut sein wie anderswo, bis ich weiß, was ich tun soll.“

„Dasselbe gilt wohl für mich, nehme ich an. Ich fühle mich noch nicht danach, in die Stadt zu gehen.“

Kapitän Sinnett kam in den Gang geschlendert, und als Mayo anfing, ihm für die Mühe zu danken, die er sich machte, hob er zur freundlichen Abwehr eine Hand, die in ihrer Breite an einen gespaltenen Kabeljau erinnerte.

„Mühe! Das ist keine Mühe. Wollte sowieso in Maquoit vorbeischauen, um Eis zu laden. Ich kenne meine Manieren, auch wenn diese Yacht-Leute sie nicht kannten.“

Kapitän Candage bewahrte unter Mayos prüfendem Blick die Miene der Unschuld.

„Ich habe Sie auf den Fanggründen vermisst – wusste nicht, dass Sie auf eine Yacht gewechselt sind, Sir“, fuhr Kapitän Sinnett fort. „Hoffe, Sie wieder im Fischereigeschäft zu sehen; das heißt, sofern Sie nicht auf einen dieser Baumtrawler gehen, die den Boden des Atlantiks aufreißen und die ganze Sache für uns alle verderben.“

„Ich stimme Ihnen bei dem Trawler zu; deshalb habe ich aufgehört. Und was das Yachting angeht, denke ich, ich werde mir einen Job für einen echten Mann suchen, Sir!“

„Tun Sie das! Sie werden zufriedener sein“, antwortete der andere mit bedeutungsvollem Tonfall.

Mayo wusste, dass sein Geheimnis aufgedeckt worden war, aber er hatte keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit Kapitän Candage über das Thema Geschwätzigkeit. Er trank seinen Kaffee aus und ging nach vorn, wo die Fischer die Gang-Leinen in die Wannen aufwickelten.

Der Fischer erreichte Maquoit am späten Nachmittag und wurde an seinem Liegeplatz am Eishaus-Kai festgemacht.

Die Schiffbrüchigen gingen an Land.

Maquoit war ein verwahrloster Weiler am Kopf einer Bucht, die sich in die Küstenlinie schnitt.

Kapitän Candage, ein „Apple-treer“, der jedes Loch entlang der Küste kannte, wo bei schwerem Wetter Zuflucht geboten war, führte seine Gruppe mit Zuversicht durch das Dorf.

„Es gibt hier eine Witwe, die uns für die Zeit, die wir bleiben wollen, aufnehmen wird – und die froh über das Geld sein wird. Ich kannte ihren Mann aus der Küstenschifffahrt. Ich mag es, an einen Ort wie diesen zu kommen, der nicht von diesen verfluchten Sommerfrischlern und den Preisen, die sie bereit sind zu zahlen, verdorben wurde“, vertraute er Mayo an. Er zeigte verstohlen eine Brieftasche, die mit Papiergeld vollgestopft war. „Ich bin nicht pleite, aber es hat keinen Sinn, irgendwo mehr als fünf Dollar die Woche für Kost und Logis zu zahlen. Sie wird bei dieser Rate genug an uns verdienen. Überlassen Sie mir einfach das Feilschen.“

Die Witwe erwies sich als eine gütige Seele, die sich in der ersten Aufregung ihrer sympathischen Art standhaft weigerte, irgendeine Form von Bezahlung überhaupt in Betracht zu ziehen.

„Sie sind schiffbrüchig, und der Körper meines armen Mannes würde dort, wo er auch immer im Atlantischen Ozean ruht, nicht zur Ruhe kommen, wenn ich Geld von Schiffbrüchigen annehmen würde.“

Am Ende jedoch handelte Kapitän Candage sie von drei auf fünf Dollar pro Woche hoch, und sie schloss Polly Candage in ihr Herz und in das beste Gästezimmer.

Kapitän Mayo kam nach einem nachdenklichen Spaziergang durch das Dorf zum Abendessen zurück. Skipper Candage patrouillierte im Vorgarten der Witwe und zeigte sich fröhlicher.

„Es ist Gottes Vorsehung und Ihr Mumm, die uns gerettet haben, Sir. Ich bin aus meinem betäubten Zustand heraus und begreife nun alles. Was sind Ihre Pläne?“

„Ich scheine noch keine machen zu können.“

„Ich werde eine Zeit lang hier bleiben und Dolph und Otie bei mir behalten. Wir werden hier an der Küste sein, wo wir von etwas hören können, bei dem wir zupacken können. Sobald Polly sich wieder gefangen hat, werde ich sie zu ihrer Tante nach Hause schicken. Aber natürlich bietet Ihnen das Herumhängen hier keine Anziehungspunkte, Sir. Sie sind auf der Jagd nach größerem Wild als wir.“

„Ich habe mich so gut wie entschlossen, am Morgen mit der Postkutsche abzureisen. Ich werde irgendwohin gehen.“

Die Witwe klopfte mit den Knöcheln gegen die Scheibe eines nahen Fensters. „Abendessen!“, kündigte sie an. „Beeilen Sie sich, solange es heiß ist!“

„Ich mache mir meine besten Gedanken bei vollem Magen“, sagte Kapitän Candage. „Und ich rieche Weinstein-Backpulver-Biscuits und ich habe gesehen, wie sie Walderdbeeren enthülste. Sehen Sie doch die Dinge auch einmal von der hellen Seite wie ich, Kapitän Mayo.“

Kapitän Mayo fand keine helle Seite, als er seine Angelegenheiten in Gedanken durchging. Er hatte nur einen kargen Vorrat an Geld. Er hatte seine bescheidenen Einnahmen dazu verwendet, die Schulden des Familienerbes zu begleichen. Die Aussicht auf eine Anstellung war vage – er konnte nicht abschätzen, in welchem Ausmaß die Feindseligkeit von Julius Marston seine Bemühungen blockieren könnte, falls der Magnat sich überhaupt die Mühe machte, sich in die Angelegenheiten einer so unbedeutenden Person einzumischen. Seine kleine Romanze mit Alma Marston war in einem schockierenden Zustand zurückgelassen worden. Er sprach nicht am Abendbrottisch, und das gesunde Essen der Witwe war wie Asche in seinem Mund. Er ging hinaus, setzte sich auf die Veranda des Häuschens der Witwe, blickte in den Sonnenuntergang und sah nichts in seinen rosigen Farbtönen, das ihm für seine eigene Zukunft Mut machen könnte.

Polly Candage kam schüchtern und setzte sich neben ihn. „Vater sagt, Sie denken daran, am Morgen abzureisen!“

„Hier gibt es nichts für mich.“

„Wahrscheinlich nicht.“

Es folgte ein langes Schweigen.

„Ich nehme an, Sie möchten nicht, dass ich mit Ihnen rede, Kapitän Mayo?“

„Ich werde Ihnen jederzeit dankbar zuhören.“

„Ich bin nur ein Landmädchen. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll – wie ich Ihnen sagen soll, dass es mir so leid für Sie tut!“

„Dieser eine kleine Klaps auf meine Hand heute, der war besser als Worte.“

„Es ist alles, woran ich denken kann – Ihr Unglück.“

„Das berührt mich, weil ich weiß, dass Sie selbst genug Kummer haben.“

„Kummer!“ Sie riss die Augen weit auf.

„Vielleicht steht es mir nicht zu, davon zu sprechen“, erwiderte er mit ziemlicher Verlegenheit.

„Und doch war ich so dreist, mit Ihnen zu sprechen!“

Es lag ein Hauch von Vorwurf in ihrer Stimme, und deshalb wagte er: „Ihr Vater erzählte mir – ich versuchte ihn aufzuhalten, aber er machte weiter und sagte – Nun, ich verstehe! Aber ich habe etwas Trost für Sie und ich werde es aussprechen. Er sagt, er will Ihnen erlauben, Ihren jungen Mann zu heiraten.“

„Hat er es gewagt, solche Angelegenheiten mit Ihnen zu besprechen?“

„Er bestand darauf, es zu tun – mich um Rat zu fragen. Also habe ich in einer Weise geraten, die Ihnen helfen soll. Ich bin froh für Sie, dass er zur Vernunft kommt.“

„Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe“, sagte sie steif.

„Natürlich geht mich das nichts an. Es tut mir leid, dass er es mir gesagt hat. Aber ich wünsche Ihnen alles Glück.“

Sie stand auf, als wollte sie gehen. Dann stampfte sie mit dem Fuß auf und setzte sich wieder. „Mein Vater gehört mit einem Maulkorb versehen!“

Sie bemerkte, dass er ihre Empörung falsch interpretieren könnte, denn er sagte: „Ich schäme mich, weil ich mich in Ihre Angelegenheiten eingemischt habe. Aber nach dem, was Sie heute in meinem Fall gesehen haben, hatte ich das Gefühl, dass ich anderen helfen sollte, die in der gleichen Klemme stecken.“

„Aber mein Vater hat mein – missverstanden.“ Sie brach sehr verwirrt ab, da sie den seltsamen Blick, den er ihr zuwarf, nicht verstand. „Ich – ich bin froh, dass mein Vater zur Vernunft kommt und mir erlauben wird, den – den – jungen Mann zu heiraten“, stammelte sie. „Und jetzt denke ich, dass es mir erlaubt sein darf zu sagen, dass ich hoffe, dass Sie eines Tages das Mädchen bekommen, das Sie lieben. Möchten Sie, dass ich mit Ihnen über sie rede – wie lieb und hübsch ich sie finde?“

„Nein, das schmerzt! Aber ich möchte, dass Sie wissen, Miss Candage, dass ich nicht auf Schatzsuche bin. Ich liebe sie um ihrer selbst willen – nur um ihrer selbst – nichts weiter!“

„Ich weiß, dass es so sein muss.“

„Und ich weiß, dass ein junger Mann, den Sie wählen würden, Ihrer würdig ist. Ich habe Ihrem Vater gesagt –“

„Schon gut. Das schmerzt auch! Wir verstehen uns beide. Belassen wir es dabei!“

Nach der Erklärung dieses Waffenstillstands waren sie offen entspannt und begannen, mit freundschaftlicher Freiheit zu plaudern. Die Dämmerung neigte sich in den Westen, der Abendstern vergoss silbernes Licht.

„Es ist ein friedlicher Ort hier“, schlug sie vor. „Jeder scheint zufrieden zu sein.“

„Zufriedenheit – in einem Trott – das ist vielleicht doch der beste Weg, dieses Leben zu verbringen.“

„Aber wenn Sie in dem Trott wären, Kapitän Mayo, würden Sie vielleicht feststellen, dass die Zufriedenheit nicht zustimmen würde, zu kommen und bei Ihnen zu leben.“

„Wahrscheinlich nicht! Ich müsste in das Leben hier hineingeboren sein, wie dieser Kerl, der den Hügel heraufkommt. Man sieht, dass er sich keine Sorgen um sich selbst oder die Welt draußen macht.“

Der Mann stampfte langsam in seinen Gummistiefeln dahin; eine alte Mütze saß schief auf seinem Kopf, ihr Schirm über ein Ohr gezogen. Er spitzte das andere Ohr beim Klang der Stimmen auf der Veranda, schlenderte herzu und setzte sich an die Kante der Dielen. Kapitän Mayo und das Mädchen, gewöhnt an die milde Gleichgültigkeit gegenüber Formalitäten in ländlichen Gegenden, nahmen diese Unterbrechung ohne Überraschung oder Protest hin.

„Keine schlechte Nacht, wie Nächte so gehen“, stellte der Besucher fest.

„Es ist eine wunderschöne Nacht“, sagte Polly Candage.

„Ich nehme an, das erscheint Ihnen so, nach dem, was Sie durchgemacht haben. Ich habe Ihrem Vater zugehört, wie er die Geschichte unten im Laden erzählt hat.“

Sie antworteten nicht, da sie ihre eigenen Vorstellungen von Kapitän Candages Geschwätzigkeit hatten.

Der Besucher zog einen Kautabak aus der Tasche, biss ein Stück ab und begann langsam seine Kiefer zu bewegen. „Diese Welt ist voller Ärger“, bemerkte er.

„Es scheint so“, stimmte Kapitän Mayo zu.

„Diejenigen, die unten sind, werden noch weiter runtergetreten.“

„Auch wahr, in vielen Fällen.“

„Nehmen Sie Ihren Fall! Er ist schlimm. Aber unserer ist schlimmer!“ Der Besucher zeigte auf die dunkle Masse einer kleinen Insel, die die Bucht zwischen den kühnen Kiefern ihres Vorgebirges hielt. „Der alte Herr, der diese Hue and Cry Island benannte, muss in die Zukunft gerochen haben, um zu wissen, was dort eines Tages geschehen würde – und das ist heute!“ Er kaute weiter, und sein Schweigen wurde irritierend.

„Nun, was ist geschehen?“, verlangte der Kapitän zu wissen.

„Es ist noch nicht geschehen – es wird geschehen.“

Weiteres Schweigen.

„Erzählen Sie uns, was geschehen wird, können Sie das nicht?“

„Natürlich kann ich das, jetzt wo Sie mich gefragt haben. Ich bin nicht der Typ, der sich einmischt. Ich bin nicht der Typ, der Dinge tut, wenn er nicht gefragt wird. Wir sind siebzehn Familien auf Hue and Cry und sie haben uns gesagt, wir sollen verschwinden.“

„Wer hat Ihnen das gesagt?“

„Der Staat! Irgendwelche hohen Tiere kamen vorbei und sagten, der Gouverneur habe sie geschickt, und sie zeigten Papiere, und wir müssen gehen.“

„Aber ich kenne Hue and Cry!“, protestierte Mayo. „Ihr Leute lebt dort seit Jahren!“

„Sicher haben wir das! Mein Großvater war einer der ersten Siedler. Fast alle von uns, die dort leben, hatten Großväter, die sich dort niederließen. Aber dem, was uns gesagt wird, zufolge, haben einige Erben Papiere gefunden, die sagen, dass ihnen die Insel gehört. Der Staat hat die Erben ausgezahlt. Jetzt sagt der Staat: Verschwindet. Wir sind nur Landbesetzer, sagt der Staat.“

„Aber, bei Gott, Mann, Sie haben Landbesetzerrechte nach all diesen Jahren. Heuern Sie einen Anwalt an. Kämpfen Sie den Fall durch!“

„Wir sind keine Kämpfer. Haben kein Geld – haben keine Freunde. Hätten vielleicht gegen einfache Erben kämpfen können, aber man kann nicht gegen den Staat kämpfen – zumindest nicht arme Schlucker wie wir.“

„Wo wollen Sie hin?“

„Tja, das ist das Problem! Das hat mich dazu gebracht zu sagen, dass diese Welt voller Ärger ist. Sehen Sie, wir haben in vergangenen Jahren städtische Hilfe angenommen – wir mussten es tun oder im Winter verhungern. Und wir hatten auch staatliche Hilfe. Sie sagen, das mache uns zu Bettlern. Jede Stadt hier in der Nähe hat angekündigt, dass wir uns dort nicht niederlassen und ein Wohnrecht als Bedürftige erlangen können. Hue and Cry wurde nie einer Stadt zugeschlagen. Die Städte sagen, da der Staat uns zum Gehen aufgefordert hat, soll jetzt der Staat für uns sorgen.“

„Und Männer waren hier, die den Staat vertraten?“

„Darauf können Sie wetten.“

„Was sagen sie?“

„Sagen, verschwindet! Aber sie lassen uns nicht auf dem Festland siedeln. Sieht aus, als wollten sie, dass wir in Ballons aufsteigen. Aber wir haben keine Ballons. Wir müssen aber weg.“

„Davon habe ich noch nie gehört!“

„Ich auch nicht“, gab dieser Mann zu, mit einer Art ruhiger, stumpfsinniger Entmutigung. „Aber das ist eigentlich gar nicht überraschend. Wir hören über Hue and Cry nicht viel, bis sie herkommen und es uns sagen. Was mich selbst betrifft, ich mache mir nicht so furchtbar viele Sorgen. Ich habe ein Hausboot, auf das ich meine Frau und die Kinder nehmen kann, und wir werden weiter Muscheln für die Trawler graben – sechzig Cent pro Eimer, ausgelöst, und wir können alle zusammen einen Eimer am Tag graben und auslösen. Wir werden nicht verhungern. Aber die armen Geschöpfe, die kein Hausboot haben, die tun mir leid. Es sieht so aus, als bräuchten sie Flügel. Ich mache mir kein bisschen Sorgen, sage ich. Ich hatte das beste Haus auf der Insel, und der Staat hat hundertfünfzig Dollar dafür bewilligt. Ich finde, ich bin gut versorgt.“

Der Plutokrat des unglückseligen Stammes von Hue and Cry stand auf und streckte sich mit einem zufriedenen Grunzen.

„Wenn es nicht das eine ist, dann ist es das andere“, sagte er, als er losging. „Wir müssen sowieso unser Teil an Ärger haben, und da kann es genauso gut das hier sein wie alles andere.“

„Nun, das ist eine schreckliche Sache für diese Leute!“, erklärte das Mädchen. „Ich muss sagen, er nimmt es gelassen.“

„Er ist ein treffendes Beispiel für einige der menschlichen Quallen, die ich versteckt in abgelegenen Ecken dieser Küste gefunden habe“, stellte Captain Mayo fest. „Nicht genug Verstand oder Geist übrig, um für den eigenen Schutz zu kämpfen. Aber diese Sache ist fast unglaubwürdig. Es kann nicht sein, dass der Staat so eine Angelegenheit durchpeitscht! Ich werde jemanden finden, der mehr darüber weiß als diese Muschelgrab-Maschine!“

Ein wenig später schlenderte ein Mann vorbei, die Hände auf dem Rücken. Er rauchte gelassen eine Zigarre, und obwohl die Dämmerung bereits fortgeschritten war, konnte Mayo erkennen, dass er sich mit einem gewissen Anspruch auf städtische Eleganz kleidete.

„Verzeihen Sie, mein Herr“, rief der junge Mann. „Aber wissen Sie etwas über das Innere dieser Angelegenheit auf Hue and Cry Island?“

„Ich kann Ihnen alles darüber sagen“, erklärte die Person, die angerufen worden war. Er schlenderte heran und setzte sich auf die Kante der Veranda. Er machte den Eindruck eines Mannes, der die Zeit totschlug. „Ich bin dafür verantwortlich.“

„Nicht dafür, diese Leute von der Insel zu vertreiben?“

„Sicher! Dafür bin ich hier. Ich bin Staatsbeauftragter für Armenfürsorge, im Auftrag des Gouverneurs und des Rates.“

„Sie sagen, der Staat steckt dahinter?“, fragte Mayo ungläubig.

„Natürlich! Es ist eine Angelegenheit, derer sich der Staat annehmen musste. Der Staat hat diese Insel von den eigentlichen Erben gekauft, hat diese Hausbesetzer des Platzes verwiesen, und wir werden ihre Baracken niederbrennen und das Land räumen. Natürlich gewähren wir den Familienoberhäuptern etwas Bargeld für ihre Häuser, falls man sie Häuser nennen kann. Das geschieht gemäß dem Gesetz zur Regelung von Verbesserungen durch Hausbesetzer. Aber Verbesserungen ist ein höfliches Wort für die Gebäude auf dieser Insel. Es wird uns gutes Geld kosten, für diese New Yorker Partei aufzuräumen, die dem Staat ein Angebot gemacht hat – er wird die Insel als Sommerdomizil nutzen.“

Er schnippte die Asche von seiner Zigarre und unterbrach Mayos empörte Erwiderung.

„Es musste getan werden, mein Herr. Sie haben untereinander geheiratet, bis ein guter Teil der Kinder Narren sind. Die Männer brechen in Sommerhäuser ein, nachdem die Eigentümer im Herbst abgereist sind. Sie stehlen auf dem Festland alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie haben im Winter falsche Leuchtfeuer aufgestellt und Küstenschiffe zum Wrack gemacht. Alle naselang schreibt eine Stadtzeitung über sie als wilde Menschen, und das hat dem Staat einen schlechten Namen eingebracht. Wir werden das Nest ausräuchern.“

„Aber wo werden sie hingehen?“

„Die Narren in die staatliche Anstalt für Schwachsinnige, die Krüppel ins Armenhaus. Die Arbeitsfähigen müssen raus und sich eine ehrliche Arbeit suchen.“

„Aber sehen Sie mal, mein lieber Herr! Diese armen Teufel starten mit einem zu großen Handicap. Nach drei Generationen auf dieser Insel wissen sie gar nicht, wie sie auf dem Festland ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.“

„Das ist ihre eigene Sorge, nicht die des Staates! Der Staat garantiert nicht, arbeitsscheuen Leuten den Lebensunterhalt zu sichern.“

„Wie wäre es damit, in einem solchen Fall ein wenig gesunden Menschenverstand walten zu lassen?“

„Sie machen diese Angelegenheit doch nicht etwa zu Ihrer Sache, oder?“, fragte der Kommissar scharf.

„Nein.“

„Besser nicht; und Sie sollten mir gegenüber besser nicht zu viel sagen!“ Er stand auf und klopfte sich die Hose ab. „Ich habe für den Gouverneur und den Rat ermittelt, und sie handeln nach meinen Empfehlungen. Sie könnten genauso gut raten, ein Nest von Goldaftern zu hegen und zu pflegen – und wir geben gutes Geld aus, um Motten zu vernichten. Wir haben nicht vor, die Zucht von Dieben zu fördern. Wir halten keine Schauobjekte dieser Art entlang der Küste, damit Städter darüber reden und den Staat schlechtmachen können, wenn sie wieder zu Hause sind. Das schadet den Staatsgeschäften!“ Er marschierte davon.

Captain Mayo schritt die Veranda auf und ab und murmelte einige nachdrückliche Meinungen über den Intellekt und das Handeln von Regierenden.

„Sie sehen, ich kenne die Art von Menschen, die auf dieser Insel leben, Miss Candage. Ich habe andere Fälle an der Küste gesehen. Sie werden für das beschuldigt, was sie nicht wissen – und wozu sie verleitet werden. Amateur-Missionare beladen sie in einem Anfall sommerlicher Großzügigkeit mit einer Menge Plunder und lassen sie glauben, die Welt schulde ihnen den Lebensunterhalt. Die armen Teufel haben nicht genug Verstand, um vorauszuschauen. Wenn der Winter kommt, hungern sie – und wenn Kinder hungrig und kalt sind, lässt sich ein Mann auf ein Vorhaben ein, das gefährlicher ist als ein für den Winter verschlossenes Sommerhaus. Als nächstes kommt so ein Kerl wie dieser Staatsbeauftragte, der sich darauf zugutehält, ein geradliniger Geschäftsmann ohne Gefälligkeiten zu sein! Er zieht ihnen die Schrauben an! Es gibt niemanden, der diesen Leuten auf wirkliche und rechte Weise hilft. Sie tun mir leid!“

„Ich lebe auf dem Land und weiß, wie gefühllos die Gemeinderäte in vielen Fällen von Armenfürsorge sind. Wenn es darum geht, Geld für die Wähler zu sparen und eine gute Bilanz für die Stadt zu erzielen, scheren sie sich nicht darum, wie die armen Leute zurechtkommen.“

Mayo patrouillierte weiter auf der Veranda. „Ich bin im Moment in einer ziemlich rebellischen Stimmung, schätze ich“, gab er zu. „Mir scheint, dass eine Menge Leute, mich eingeschlossen, getreten werden. Ich bin gereizt! Ich habe ein Mitgefühl für die Unterdrückten.“ Er lachte, aber in seinem Tonfall lag keine Fröhlichkeit. „Es sind die kleinen Kinder, die am meisten darunter leiden werden, Miss Candage“, fuhr er fort. „Sie können nichts dafür – sie verstehen es nicht.“

„Und natürlich kann man nichts tun.“

„Nichts Vernünftiges, fürchte ich.“ Er ging viele Minuten lang auf und ab. „Sehen Sie, es geht mich nichts an“, bemerkte er, als er kam und sich neben sie setzte.

„Ich nehme an, es gibt nicht einen Mann auf der Welt, der vortritt und ein gutes Wort für sie einlegt“, sagte das Mädchen leise und sprach ihre Gedanken aus.

„Worte würden nichts bewirken – bei der Maschinerie des Staates, die so fröhlich vor sich hin mahlt. Aber diese Angelegenheit weckt ein wenig meine Neugier, Miss Candage. Das liegt wohl daran, dass ich selbst einer der Unterdrückten bin.“ Wieder sein freudloses Kichern. „Ich hatte vor, morgen mit der Postkutsche von hier wegzufahren, aber ich habe die Idee, dass ich bleibe und sehe, was passiert, wenn dieser Herr, der unseren großartigen alten Staat vertritt, dazu übergeht, diese Leute in alle Winde zu zerstreuen.“

„Ich hatte gehofft, Sie würden bleiben, Captain Mayo.“ Sie erklärte das mit offener Freude.

„Aber Sie erwarten natürlich nicht, dass ich etwas tue!“

„Das ist es nicht. Wissen Sie, ich würde gerne zur Insel hinüberfahren und – und mein Vater ist so eigenartig, dass er vielleicht nicht bereit wäre, mich zu begleiten“, erklärte sie und versuchte, sachlich zu sein, während ihr Gebaren zeigte, dass sie ihren Gefühlsausbruch bereute.

„Ich melde mich freiwillig, hier und jetzt.“

Sie stand auf und reichte ihm die Hand. „Ich habe Ihnen nicht dafür gedankt, dass Sie mein Leben gerettet haben – dass Sie uns alle gerettet haben, Captain Mayo. Es ist eine zu heilige Angelegenheit, um durch Worte entweiht zu werden. Aber hier ist meine Hand – wie ein Freund – wie eine Schwester – nein“ – sie hielt sich aufrecht und sah ihm durch das Zwielicht direkt ins Gesicht und verstärkte ihren Griff an seinen Fingern – „wie ein Mann!“

Er erwiderte ihren ernsten Fingerdruck und ließ ihre Hand los, als ihr Druck nachließ. Dieser plötzliche Geist, die Andeutung, dass sie die Haltung von Mann zu Mann ihm gegenüber einnehmen wollte, schien mit dem Lösen ihrer Finger von ihr zu weichen.

Sie hauchte ein zittriges „Gute Nacht!“ Es lag sogar ein Anflug von Schluchzen darin. Dann rannte sie ins Haus.

Mayo starrte ihr nach und runzelte für einen Moment die Stirn, als hätte er eine neue Laune der Weiblichkeit entdeckt, die ihn rätseln ließ. Dann nahm er seinen Patrouillengang mit dem langsamen Schritt des erfahrenen Seemanns wieder auf. Hue and Cry hob sich als dunkler Klumpen aus den Kiefern des Hafens, ohne einen Lichtschimmer zu zeigen. Es war karg, baumlos, ein Stück Land, das die Städte von sich gestoßen hatten und das die Bezirksgrenzen nicht aufgenommen hatten. Er gab zu, dass der Staat gute Gründe dafür hatte, die Bedingungen auf Hue and Cry ändern zu wollen, aber dieses gefühllose, brutale Ausreißen von hilflosen Leuten, die seit drei Generationen an diesem Boden hingen, war so sinnlos radikal, dass sein Widerstand geweckt wurde. Es schwankte vom Extrem der unüberlegten Nachsicht zu dem der völligen Grausamkeit, und die armen Teufel konnten das nicht im Geringsten verstehen!

„Es scheint andere Dinge zu geben als ein gespicktes Martingal, die einen Menschen aufhalten und von seinen eigenen Angelegenheiten fernhalten können“, dachte er. „Welche närrische Idee mich besitzt, morgen dorthin hinauszufahren, kann ich nicht verstehen. Wie auch immer, ich kann hingehen und zusehen, ohne mich in Dinge einzumischen, die mich nichts angehen.“

Zwei Männer schlurften auf der Straße vorbei. In der völligen Stille dieser Sommernacht trug ihre Unterhaltung weit.

„Ja, mein Herr, wie ich schon sagte, da liegt er tot! Als ich mit ihm auf der Luther Briggs war, fiel er von den Haupt-Kreuzbramstengen, brach sich beide Beine und einen Arm und machte eine Delle ins Deck, und er wurde wieder gesund. Und vor einer Woche, morgen ist es soweit, bekam er einen Splitter unter den Daumen, und da liegt er tot.“

„So ist es im Leben oft. Während ein Mann in den Himmel schaut, um die großen Dinge zu sehen und ihnen auszuweichen, geht er hin und stößt sich den Zeh an einer Stricknadel.“

„Das stimmt“, bestätigte sich Captain Mayo; „aber ich kann mir irgendwie nicht helfen!“

XII – KEIN PLATZ FÜR DIE FUSSFLÄCHEN IHRER FÜSSE

Hörst du nicht den alten Mann brüllen, Johnny, Einen Tag noch? Hörst du nicht den Lotsen schreien, Einen Tag noch? Nur noch einen Tag, mein Johnny, Einen Tag noch! Oh, komm, schaukel mich hin und her, Einen Tag noch. --Lied der Ankerwinde.

Als das Thema der geplanten Expedition nach Hue and Cry beim Frühstückstisch zur Sprache kam, zeigte Captain Epps Candage sofortiges Interesse.

„Es wird eine gute Sache für die Gegend hier sein – sie aufscheuchen! Habe sie gestern Abend unten bei Rowleys Laden darüber reden hören. Ich komme mit und sehe mir an, wie es gemacht wird.“

Mayo und Polly Candage tauschten Blicke und enthielten sich eines Kommentars. Es war offensichtlich, dass Captain Candage die utilitaristische Sichtweise von Maquoit widerspiegelte.

Mayo hatte diese abscheuliche Uniform von Marstons Yacht abgelegt, und das Mädchen warf ihm einen anerkennenden Blick zu, als er an jenem Morgen in seinem Anzug für das Festland in schlichtem Grau erschien. Mit der bereiten Hilfe der Witwe hatte Polly Candage ihr eigenes Outfit wieder vorzeigbar gemacht. Als sie zum Ufer hinuntergingen, lächelte sie Mayo kokett unter der Krempe eines sehr attraktiven Strohhutes hervor.

„Ich bin früh zum Gemischtwarenladen gelaufen und habe einen Jungenhut gekauft“, erklärte sie. „Ich habe ihn selbst garniert. Wissen Sie, ich bin Modistinlehrling. Macht es meiner Ausbildung Ehre?“

Er war etwas überschwänglich in seinen Versicherungen, dass es das tat.

„Ich sollte mich über Ihr Lob freuen“, sagte sie bescheiden, „denn Frauen tragen Hüte für die Anerkennung der Männer, und wenn meine Kundinnen nach Hause gehen und solche netten Worte von ihren Ehemännern hören, wird meine berufliche Laufbahn sicher ein Erfolg.“

„Ihre berufliche Laufbahn?“

„Natürlich, mein Herr!“ Sie machte einen kleinen Knicks. „Ich habe Geld, mein Herr! Mein eigenes Geld. Fünftausend Dollar auf der Bank, wenn Sie so wollen! Oh, Sie müssen mich nicht so anstarren. Ich habe es nicht verdient. Die Schwester meiner lieben Mutter hat es mir im Testament hinterlassen. Und eines Tages, wenn Sie die Stadtstraße entlanggehen, werden Sie ein kleines Messingschild sehen – sehr hell, sehr ordentlich – und darauf wird ‚Polly‘ stehen. Dann können Sie heraufkommen und die große Modistin besuchen – das wird diese Person sein, die jetzt so bescheiden ist.“

„Aber dieser junge Mann!“, protestierte er und lächelte über ihre Fröhlichkeit.

„Oh, dieser junge Mann?“ Sie rümpfte die Nase. Dann errötete sie, im Bewusstsein, dass er ein wenig überrascht über ihren Tonfall der Verachtung war. „Nun, er wird einen Gehrock und eine Blume im Knopfloch tragen und meine Kundinnen verbeugen. Sie dachten doch nicht, mein junger Mann sei ein Bauernjunge, oder?“

Sie eilte vor ihm zum Strand, wo ihr Vater mit seinen Männern wartete. Captain Candage hatte für den Ausflug ein Dory geliehen. Er installierte sich im Heck mit dem Steuerruder, und der junge Mann und das Mädchen saßen zusammen auf der Mittelbank. Der Skipper lauschte ihrem Geplauder mit sanfter Zufriedenheit.

„Da ist ein Kerl, der einer von unserer Sorte ist, und er versucht nicht, meiner Tochter den Hof zu machen“, hatte er Mr. Speed anvertraut. „Er ist vergeben, und sie weiß das. Und unter diesen Umständen glaube ich daran, junge Leute zu ermutigen, gesellig zu sein.“

Es war noch früher Morgen, als sie auf der Insel ankamen, aber der Staatsbeauftragte war schon vor ihnen da. Sie sahen ihn geschäftig zwischen den verstreuten Häusern umhergehen, während er an seiner Zigarre paffte.

Er machte Hausbesuche und wickelte Geschäfte mit lauter Stimme ab. Dieses Geschäft war die Auszahlung des Geldes, das der Staat für „Hausbesetzer-Verbesserungen“ bewilligt hatte. Im Falle der Siedler auf Hue and Cry waren die Summen bloße Almosen; ihre Verbesserungen bestanden aus wackeligen Baracken, die aus gerettetem Treibgut des Ozeans errichtet und immer wieder mit Teerpapier geflickt worden waren.

Es gab nur ein Gebäude auf der Insel, das den Namen Wohnung verdiente; aus diesem räumte ihr gesprächiger Besucher vom Vorabend seine spärlichen Habseligkeiten. Seine Frau und seine Kinder halfen dabei. Er stellte einen ramponierten Tisch ab, als er Mayo und seine Gruppe traf.

„Ich bin der einzige Bürger, der früh und – wie Sie es nennen könnten – respektabel wegkommt, meine Herren. Ich habe meine hundertfünfzig genommen und dieses Hausboot da draußen gekauft.“ Es war ein alter Lastkahn, überdacht und offensichtlich als schwimmender Fischmarkt alt geworden. „Sie können mich nicht vom Atlantik vertreiben! Die anderen sind noch nicht zu dem bewussten Verständnis erwacht, dass sie gehen müssen und dass das alles Ernst bedeutet! Ich komme früh weg, sonst würden sie alle versuchen, auf mein Boot zu klettern, wie die Leute es bei Noahs Arche tun wollten, als sie sahen, dass die Flut nicht nur ein Schauer war.“ Er hob seinen Tisch auf den Kopf und marschierte weiter, während er seine Herde anführte.

Die gesamte Bevölkerung der Insel war im Freien. Die Frauen und Kinder lungerten in Gruppen herum; die Männer folgten lustlos dem Kommissar auf seinen Runden. Kein Geist des Widerstands war erkennbar. Die Männer wirkten eher wie neugierige Schafe. Sie gehörten zu jener erbärmlichen Sorte von armen Weißen, die den Regen vom Himmel hinnehmen und sich der Herrschaft der Autorität mit derselben fraglosen Resignation beugen.

Aber Mayo entdeckte sofort einen speziellen Grund für die Ruhe, die diese Männer an den Tag legten. Ihre langsamen Geister waren noch nicht zu vollem Verständnis erwacht.

„Was gedenken Sie Männer zu tun?“, fragte Captain Mayo eine Gruppe, die den Kommissar verlassen hatte und herübergeschlendert war, um die Neuankömmlinge zu begutachten.

„Es gibt nichts, was wir tun können“, erklärte ein Sprecher.

„Aber verstehen Sie denn nicht, dass dieser Mann hier ist mit voller Vollmacht des Staates, Sie von dieser Insel zu vertreiben?“

„Oh, sie haben uns schon früher gedroht. Aber es ist immer etwas dazwischengekommen. Wir sind nicht vertrieben worden.“

„Aber dieses Mal wird es passieren! Warum wachen Sie nicht auf? Wo gehen Sie hin?“

„Das ist etwas, worüber sich jemand anderes den Kopf zerbrechen muss. Das hier ist nicht unsere Wahl gewesen.“

„Was bringt es, versuchen zu wollen, irgendetwas Vernünftiges durch die Schalen dieser Quahaugs zu treiben?“, knurrte Captain Candage mit dem Hochmut der Küstenbewohner gegenüber den Unfähigen.

„Nicht viel, fürchte ich“, gab der junge Mann zu. „Aber sehen Sie sich die Kinder an!“

Diese erbarmungswürdigen Waisen von Hue and Cry kauerten abseits, stumm vor Schrecken, den ihre Älteren nicht zu beruhigen versuchten. Es waren zerlumpte, klägliche, wehmütige Bengel; Jungen mit eingefallenen Gesichtern, arme kleine Mädchen. Ihre kindliche Phantasie machte aus der Angelegenheit eine Tragödie, die sie nicht verstehen konnten. Unter ihren Armen hielten sie verängstigte Katzen, hilflose Kätzchen oder Stoffpuppen. Die gefühllose Ruhe der Männer mystifizierte sie; das Weinen ihrer Mütter machte ihre elende Angst noch akuter. Sie starrten von Gesicht zu Gesicht und versuchten zu begreifen.

„Was kann ich zu ihnen sagen?“, fragte Polly Candage flüsternd. „Es ist böse. Sie haben solche Angst.“

„Vielleicht kann man etwas mit diesem Agenten ausrichten. Ich versuche mir etwas auszudenken, was ich ihm sagen kann“, sagte Mayo zu ihr.

Ein alter Mann, ein sehr alter Mann, saß auf einem umgedrehten Muschelkorb und heulte ein unharmonisches Miserere auf einer Geige. Seine Augen waren weit offen und blind. Eine Frau, deren zerlumpter Rock nur teilweise die Männerhose und die Gummistiefel verdeckte, die sie trug, sprach ihn gelegentlich als „Vater“ an. Sie stapelte um ihn herum ein paar Möbelstücke, die sie aus ihrem Heim schleppte; dieses Haus war der obere Teil der Kabine eines Schoners – etwas, das das Meer auf Hue and Cry geworfen hatte. Sie musste sich fast verdoppeln, um in dem Unterstand herumlaufen zu können. Hunde schlichen zwischen den Füßen ihrer Besitzer, da ihr hündischer Instinkt ihnen mitteilte, dass an diesem Tag etwas Böses im Gange war. Die Kinder, die mit weit aufgerissenen Augen und bleichen Gesichtern starrten, die weinenden Frauen, die eingeschüchterten Männer, die schlurften und murmelten! Unter ihnen schritt der Gott der Maschine, kurz angebunden, verächtlich, seine Zigarre paffend! Er kam an Captain Mayo und seinen Freunden vorbei.

„Verzeihen Sie, mein Herr“, rief der Kapitän; „aber sind Sie sicher, dass Sie diese Sache genau richtig machen?“

„Mal sehen – wenn ich mich recht erinnere, hatte ich gestern Abend ein kleines Gespräch mit Ihnen!“, schlug der Agent frostig vor. „Wen vertreten Sie?“ „Mich selbst.“

„Wie genau passen Sie in diese Angelegenheit?“ „Ich glaube nicht, dass ich hineinpasse – es scheint zu viele scharfe Kanten zu geben“, stellte Mayo fest, dem die unverschämte Art des anderen nicht gefiel. „Nun, ich passe hinein! Ich habe staatliche Autorität.“ „Das haben Sie mir gesagt. Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“ „Schießen Sie los, aber seien Sie lebhaft. Das ist mein arbeitsreicher Tag.“ „Diese Leute werden ausgerissen; sie scheinen nicht zu wissen, was aus ihnen werden soll. Was wird getan?“

„Ich habe es Ihnen gestern Abend gesagt! Narren in eine Anstalt; Arbeitsfähige müssen zur Arbeit. Der Staat schlägt vor –“ „Wenn Sie 'Staat' sagen, was genau meinen Sie damit, mein Herr?“ „Ich meine, dass ich diese Angelegenheit untersucht habe und ich sie leite.“

„Das dachte ich mir! Der Staat weiß normalerweise nicht viel darüber, was seine Agenten tun.“

„Sie zweifeln doch nicht etwa an meiner Autorität?“

„Nein, aber ich zweifle an Ihrem guten Urteilsvermögen.“

„Hören Sie mal, mein Mann!“

„Wir sollten besser nicht die Beherrschung verlieren“, riet Mayo ruhig. „Sie sind ein Staatsdiener, sagen Sie. Dann hat ein Bürger das Recht, mit Ihnen zu sprechen. Lassen Sie uns den Staat aus dieser Sache heraushalten, wenn Sie mein Recht in Frage stellen. Mann zu Mann, jetzt! Sie liegen falsch.“

Die Bevölkerung der Insel hatte einen engen Kreis um sie gebildet.

„Das ist genug Gerede von Ihnen“, erklärte der Agent zornig.

„Sie versuchen, auf einmal alles neu zu machen, wofür drei Generationen nötig waren“, beharrte Mayo. „Das können Sie nicht!“

„Beobachten Sie mich und sehen Sie, ob ich das nicht kann! Wenn ich irgendein Geschäft abwickle, für das ich bezahlt werde, wird es abgewickelt. Ich hätte diesen Leuten vielleicht ein paar Tage mehr gegeben, wenn Sie nicht hierher gekommen wären und Ihr Ruder hineingesteckt hätten. Aber jetzt habe ich vor, es Ihnen zu zeigen! Ich werde sie bis zum Einbruch der Dunkelheit hier runter haben und jede Baracke bis auf den Grund niederbrennen.“

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie diese armen Leute quälen werden, nur weil ich versucht habe, etwas zu sagen, um ihnen zu helfen?“

„Ich werde Ihnen und ihnen zeigen, dass es nicht sicher ist, sich mit dem Staat anzulegen, wenn der Staat erst einmal losgelegt hat.“

„Das ist ein feiger Racheakt!“, rief Mayo aus, während er spürte, wie er die Beherrschung verlor. „Das ist nicht der Staat – das ist der Fall eines Mannes, der den Hochmut in den Kopf gestiegen bekommen hat!“

„Verschwinden Sie von dieser Insel, Sie und Ihre Einmischer“, befahl der Agent.

„Ja, wenn wir bereit sind zu gehen, mein Herr.“

Mayo wunderte sich über seine eigene Sturheit. Er wusste, dass ein ziemlich knabenhaftes Temperament, ein Groll, der durch die Arroganz des anderen Mannes geweckt worden war, einen erheblichen Anteil an seinem Standpunkt in dieser Angelegenheit hatte, aber darunter lag ein Protest gegen die Ungerechtigkeit der Welt. Er hatte das Gefühl, dass er diese Ungerechtigkeit am eigenen Leib erfahren hatte. Er wusste, dass er nicht nach Hue and Cry gekommen war, um sich freiwillig als Anwalt dieser Unglücklichen zu betätigen, aber jetzt, da er hier war und das Wort ergriffen hatte, war es offensichtlich, dass er sich bis zu einem gewissen Grad in diese Sache hineinziehen lassen musste; der Agent hatte vor aller Ohren verkündet, dass diese Einmischung das Schicksal der Inselbewohner besiegelt habe. Polly Candage stand dicht bei ihrem Fürsprecher und sah ihn mit Augen an, die vor Stolz auf ihn und ihrem eigenen Geist blitzten. Sie streckte die Hand aus und nahm eines der verängstigten Kinder bei der Hand.

„Wenn ich in meinen Bemerkungen etwas voreilig war, so entschuldige ich mich“, bat der Kapitän, der bestrebt war, den Fehler wiedergutzumachen. „Ich habe nicht die Absicht, mich in Ihre Pflichten einzumischen. Ich habe kein Recht dazu!“

„Sie hören, was Ihr Freund sagt, nachdem er Sie in dieses Schlamassel gebracht hat“, schrie der Agent, damit es alle hören konnten. „Jetzt macht er sich bereit, davonzutraben und Sie in Ihrem Unglück allein zu lassen.“

„Da irren Sie sich, mein Freund. Wenn Sie wütend auf mich sind, dann nur zu und tragen Sie Ihren Streit mit mir aus. Schlagen Sie nicht auf mich ein, indem Sie diese armen Leute als Schutzschild benutzen. Das ist kein faires Spiel.“

„Sie verschwinden heute – und sie gehen, weil Sie sich in die Angelegenheit eingemischt haben. Ihnen allen muss gezeigt werden, dass der Staat keine Einmischung duldet, nachdem Befehle erteilt wurden.“ Dann fügte er boshaft hinzu: „Ihr Leute solltet diesen Kerl besser auf einer Stange zum Strand hinausjagen. Was auch immer mit euch geschieht, ist seine Schuld!“

Dieser Versuch, die Verantwortung als eine kleinkarierte Methode der Vergeltung abzuwälzen, erregte Mayos Zorn im Ernst.

Der Agent hatte es mit Menschen zu tun, die in ihrer Einschätzung der Dinge kaum mehr als Kinder waren; sie murmelten untereinander und funkelten diesen Fremden böse an, der ihre Probleme auf die Spitze getrieben hatte.

„Ich werde es nicht zulassen, dass Sie mit dieser Art von Gerede davonkommen, Herr Agent. Sie wissen sehr wohl, dass die Leute auf dem Festland diese Männer nicht einstellen werden, selbst wenn sie arbeitsfähig sind. Jeder ist gegen sie. Das haben Sie mir gestern Abend selbst gesagt. Sie werden von Pontius zu Pilatus geschickt werden – von einer Stadt zur nächsten! Sie werden schlimmer sein als Bettler. Und sie müssen diese Frauen und kleinen Kinder mit sich herumschleppen. Ich werde diese Sache öffentlich machen!“

„Diese Enthüllung wird sicher gut klingen!“, spottete der Kommissar. „Einen Staatsbeamten bloßstellen, weil er das tut, was der Gouverneur und der Rat befohlen haben!“

„Ja, auf Ihren Rat hin befohlen!“

„Nun, es wurde befohlen! Und ich werde Unterstützung bekommen! Sobald ich zu einem Friedensrichter komme, werde ich einen Haftbefehl gegen Sie wegen Behinderung eines Staatsbeamten erwirken.“ Er warf den Stummel seiner Zigarre weg. „Hört zu, ihr Leute! Verschwindet von dieser Insel. Jeder, der bei Sonnenuntergang noch hier ist – Mann, Frau oder Kind – wird verhaftet und wegen Hausfriedensbruchs auf Staatsland ins Gefängnis gesteckt. Und jetzt solltet ihr alle besser dreimal hoch leben auf euren einmischenden Freund hier!“

„Sie haben uns immer hier gelassen, selbst wenn sie uns schon früher gedroht haben“, wimmerte ein Mann. „Er hat das Fett für uns ins Feuer gegossen, das hat er getan!“ Er zeigte mit dem Finger auf Mayo.

„Es ist niederträchtig!“, keuchte das Mädchen. „Diese armen Leute wissen es nicht besser, sie sind nicht verantwortlich!“

„Hört mal, seht her, ihr Leute!“, rief Mr. Speed, der sich nur mit großer Mühe zurückgehalten hatte. „Es ist an der Zeit, dass ihr aufwacht!“

Der Plutokrat des Hausbootes war vom Strand heraufgekommen und hatte zugehört. Der wimmernde Mann wollte gerade wieder etwas sagen, da verpasste ihm der Magnat der Insel einen kräftigen Schlag; es war klar, dass dieser Mann, der im besten Haus gelebt hatte, eine Autoritätsperson im Stamm gewesen war.

„Ich schäme mich für die ganze Bande von euch“, echauffierte er sich. „Hier ist ein Herr, der für uns eingetreten ist. Er ist der einzige Mann, von dem ich je gehört habe, dass er ein gutes Wort für uns einlegt oder uns zu helfen versucht! Niemand sonst auf der Welt hat das je getan! Nehmt eure Hüte ab und dankt ihm!“

„Da hab ich mir was eingebrockt!“, flüsterte Mayo dem Mädchen zu. „Um Himmels willen, was soll ich nur tun?“

„Tun Sie alles, was Sie können – bitte, Kapitän Mayo!“

Er trat einen Schritt vor. Der Agent begann zu schreien.

„Moment mal, mein Herr!“, unterbrach ihn der Kapitän mit dem Tonfall eines Kommandanten, der Gehorsam und Aufmerksamkeit erzwang. „Sie hatten das Wort! Jetzt werde ich meins haben. Hört mir zu, Leute! Ich bin nicht der Mann, der seine Freunde in Schwierigkeiten bringt, um dann wegzulaufen und sie im Stich zu lassen. Alle von euch, die vom Staat rausgeschmissen werden – alle Männer, Frauen und Kinder, die bereit sind zu arbeiten – kommt zu mir auf das Festland nach Maquoit mit dem Zeug, das ihr in euren Ruderbooten mitnehmen könnt. Ich werde dort auf euch warten. Mein Name ist Boyd Mayo.“

„Ich werde mir diesen Namen selbst merken“, erklärte der wütende Agent. „Ihnen wird gezeigt werden, dass Sie sich nicht in eine Staatsangelegenheit einmischen können.“

„Sie haben diese Leute in die Welt hinausgestoßen, und ich werde ihnen unter die Arme greifen, wenn sie dort ankommen, wo ich bin. Wenn Sie das Einmischung nennen wollen, nur zu! Das wird eine schöne Geschichte vor Gericht geben!“

Er hielt nicht an, um die schmutzigen Hände zu schütteln, die ihm entgegengestreckt wurden. Er drängte sich aus der Menge, und seine Begleiter folgten ihm.

„Trefft mich dort drüben auf dem Festland, Jungs“, rief er mit einer seemännischen Herzlichkeit zurück, die sie verstanden. „Wir werden sehen, was sich machen lässt!“

„Nun, was zur Hölle kann man denn da schon machen?“, knurrte Kapitän Candage, während er mit dem Fürsprecher Schritt hielt.

„Ich weiß es nicht, mein Herr.“

„Mit diesem Gesindel kann man nichts Vernünftigeres anfangen als mit kombinierten Fällen von Pocken und Sieben-Jahres-Krätze.“

„Vater!“, rief das Mädchen vorwurfsvoll.

„Ich weiß, wovon ich rede! Das ist reine Dummheit!“

„Kapitän Mayo ist ein edler Mann! Du solltest dich schämen, dich zurückzuhalten, wenn deine Hilfe gebraucht wird.“

„Ich mache Ihnen keinen Vorwurf dafür, dass Sie diesen schief gewickelten alten Kauz da zur Schnecke gemacht haben, mein Herr“, gab der alte Skipper zu. „Ich wollte es selbst tun. Aber –“

„Ich fürchte, ich verdiene nicht viel Lob“, sagte Mayo. „Ich habe mich nur an diesem Agenten gerächt. Er hat mich wütend gemacht. Ich neige dazu, wie ein aufgescheuchtes Huhn loszuschießen.“

„Das tue ich auch, mein Herr – und es tut mir immer leid. Wir sollten uns besser aus dem Staub machen, bevor uns dieser Haufen von Verrückten auf den Hals fällt.“

„Oh, auf keinen Fall! Ich habe mein Wort gegeben, mein Herr. Ich muss es bis zum Ende durchziehen.“

„Aber was wollen Sie mit ihnen anfangen?“

„Gott weiß es, ich nicht! Wenn ich richtig wütend bin, halte ich nicht inne, um nachzudenken.“

„Soll ich sie für Sie treffen und ihnen sagen, dass es einen plötzlichen Todesfall in Ihrer Familie gab und Sie abberufen wurden? Die merken den Unterschied nicht“, bot Kapitän Candage an. „Und ein echter Todesfall wäre für Sie noch ein Glücksfall im Vergleich zu dem, was Ihnen blüht, wenn Sie hier herumhängen.“

„Ich werde hierbleiben, mein Herr. Ich kann es mir nicht leisten, mich für mich selbst zu schämen.“

„Ich glaube, du hast schon genug gesagt, Vater“, stellte Polly Candage energisch fest.

„Ich habe schon davon gehört, dass man Familien adoptiert“, sagte der Unversöhnliche, „aber von so einem Massenbetrieb wie diesem habe ich noch nie gehört. Ich glaube, ich klettere auf einen Baum.“

Sie stiegen in das Ruderboot. Mr. Speed und Dolph ließen die Ruder platschen und ruderten, während sie sich vielsagende Blicke zuwarfen, ohne sich zu einem Kommentar hinreißen zu lassen.

„Sie könnten sie an Bauern als Vogelscheuchen versteigern“, fuhr Kapitän Candage fort und kaute auf dem Thema herum wie ein Hund auf einem Knochen. „Für aktivere Jobs taugen die nicht.“

„Ich hoffe wirklich, dass Sie meinem Vater verzeihen, dass er so redet“, bat Polly Candage. Sie hob ihre feuchten Augen zum verständnisvollen Blick des jungen Mannes neben sich. „Er versteht es nicht so, wie ich es tue.“

„Vielleicht verstehe ich es selbst nicht genau“, wandte er ein.

„Aber was Sie für sie tun?“

„Ich habe bisher noch nichts getan, außer Ärger für sie heraufzubeschwören. Jetzt muss ich einiges tun, um das wiedergutzumachen.“

„Es gibt eine Belohnung für gute Taten, Kapitän Mayo, wenn man denen hilft, die sich nicht selbst helfen können. Ich glaube an das, was die Bibel über das Brot sagt, das man auf das Wasser wirft. Es wird eines Tages zu Ihnen zurückkehren!“

Er lächelte tolerant auf ihren Enthusiasmus hinab, aber er war sich zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht bewusst, dass dieses hübsche Mädchen, deren Augen hinter ihren Tränen so hell leuchteten und deren Wangen vor Eifer ihrer Bewunderung gerötet waren, mit der Zunge einer Sibylle zu ihm sprach.

XIII ~ EIN KAPITÄN VON MENSCHLICHEM TREIBGUT

Oh, was ist das, das so nach Teer riecht? Ich habe nichts im Haus, das nach Teer riecht. Es ist ein teeriger Seemann, da unten, Jag ihn hinaus in den Schnee! Doo me axna, dinghy a-a-a ma! Doo me ama-day! --Doo Me Ama.

Kapitän Candage knurrte und beschwerte sich während der Fahrt zum Festland so beharrlich, dass Mayo erwartete, der nörgelnde Skipper würde ihn verlassen, sobald der Bug des Ruderbootes den Strand berührte. Aber der Skipper folgte ihm auf dem Fuße, als Mayo die einzige Straße von Maquoit hinaufging.

„Darf ich mitkommen?“, fragte das Mädchen an seiner Seite. „Ich sehe, dass Sie einen Plan aushecken. Ich hoffe sehr, dass ich mitkommen darf!“ Er gab ihr seinen Arm zur Antwort.

„Ich war schon eine Weile nicht mehr in diesem Hafen, Kapitän Candage, aber bei meiner letzten Reise hierher war ein Mann namens Rowley, der den Gemischtwarenladen führt, der erste Ratsherr, soweit ich mich erinnere.“

„Ist er jetzt auch noch“, brummte der Skipper. „Die Leute haben sich daran gewöhnt, ihn zu wählen, und können irgendwie nicht damit aufhören.“

Als sie vor dem Laden ankamen, übernahm Kapitän Candage die Führung.

„Ich kann genauso gut reingehen und Sie vorstellen, was auch immer Sie von ihm wollen. Ich kenne Rufe Rowley so gut, wie man ihn eben kennen kann.“

Mr. Rowley lehnte sich über seinen Tresen und erwiderte die Vorstellung mit einem Flimmern von Freundlichkeit, das seine Zurückhaltung erhellte. Aber sein mattes Lächeln verblasste zu einer Leere und er kratzte sich nervös am Kinnbart, als Mayo ihn informierte, dass er die vertriebenen Leute von Hue and Cry eingeladen hatte, an diesem Tag auf dem Festland zu landen.

„Als Armenpfleger dieser Stadt kann ich das nicht zulassen, Kapitän Mayo!“

„Diese Leute müssen irgendwo an Land gehen.“

„Ja, ja, natürlich!“, gab Ratsherr Rowley zu. „Aber nicht hier! Ich bin den Steuerzahlern verpflichtet.“

„Und ich nehme an, die Beamten aller anderen Städte hier in der Gegend werden dasselbe sagen?“

„Ja, ja! Natürlich.“

„Besitzen Sie noch dieses alte Fischhaus?“, fragte der Kapitän nach kurzem Zögern; „die Sardinenkonservenfabrik?“

„Ja, mein Herr.“

„Sie benutzen es jetzt nicht?“

„Nein, mein Herr.“

„Es wirft Ihnen keine Einnahmen ab, eh?“

„Nein, mein Herr.“

„Dann sollten Sie bereit sein, es ziemlich günstig zu vermieten – Monat für Monat!“

„Kommt darauf an, wofür ich es vermiete.“

„Ich möchte diese armen Leute dort unterbringen, bis ich weitere Vorkehrungen für sie treffen kann, entweder die Angelegenheit dem Staat gegenüber aufzeigen oder Arbeit für sie finden oder so etwas! Überlassen Sie es mir?“

„Nein, mein Herr!“, erklärte der Ratsherr nachdrücklich.

„Es ist nur eine monatliche Pacht, ich wiederhole. Sie können verhindern, dass sie hier einen Anspruch auf Unterstützung als Bedürftige erwerben, falls meine Pläne nicht aufgehen.“

„Ich will sie hier nicht haben – ich werde sie nicht haben! Ich denke zuerst an die Steuerzahler!“

„Denken Sie denn nie an den ganz normalen, menschlichen Anstand?“, brüllte Kapitän Epps Candage.

Es war eine erstaunliche Unterbrechung. Ihre Heftigkeit machte sie erschreckend. Mayo wirbelte herum und starrte diesen neuen Verbündeten erstaunt an.

Kapitän Candage zerrte seine dicke Brieftasche aus der Tasche und knallte sie mit einem Schlag auf den Tresen, der die Augen des Ratsherrn zucken ließ.

„Sie kennen mich, Rowley! Wir haben das Geld, um für das zu bezahlen, was wir bestellen und vertraglich vereinbaren. Diese Leute sind keine Bedürftigen, solange wir hinter ihnen stehen. Wir bringen sie hier an Land, weil es richtig ist, ihnen zu helfen, auf die Beine zu kommen. Warten Sie, Kapitän Mayo; lassen Sie mich mit Rowley reden! Er und ich wissen, wie man in einem Geschäftsgespräch gesellig wird!“

Kapitän Candage schien jedoch Geselligkeit zu suchen, indem er wütend brüllte und seine harte Faust auf den Tresen schlug. Mayo war nicht leicht durch die temperamentvollen Launen seltsamer alter Küstenkrabben wie Kapitän Candage zu überraschen, aber diese plötzliche Bekehrung raubte ihm den Atem.

„Wenn ein enger und guter Freund von mir, wie dieser hier, den ich gerade vorgestellt habe, ganz höflich zu Ihnen kommt und um einen Gefallen bittet, dann möchte ich allgemeine Höflichkeit, oder ich werde den Grund dafür erfahren“, schrie der Vermittler. „Sehen Sie hier, Rowley, Sie geben vor, ein schrecklich christlicher Mann zu sein. Wenn ich hier bei Nebel festsaß, habe ich an Gebetstreffen teilgenommen, und ich habe Sie lautstark von sterbender Gnade und davon hören lassen, dass das Heil umsonst ist. Ich habe Sie noch nie viel über gelebte Nächstenliebe reden hören, die etwas kostet!“

„Ich erhebe den Anspruch, ein christlicher Mann zu sein“, stammelte Rowley und wich vor der schlagenden Faust zurück.

„Dann handeln Sie auch wie einer. Wenn Sie das nicht tun, verflucht noch mal, werde ich Sie von West Quoddy bis Kittery als Heiden anprangern!“

„Gott segne dich, mein Vater!“, flüsterte das Mädchen und schmiegte sich eng an die Schulter des Skippers.

„Außerdem, Rowley, werden wir neben einer fairen Miete für dieses alte Fischhaus auch Futter für diese armen Teufel aus Ihrem Laden kaufen.“

Mr. Rowley liebkoste seinen Bart und blinzelte.

„Sie sind wie leere Nagelkisten, sie werden eine Menge Lebensmittel essen, und wir haben das Geld, um zu bezahlen!“

„Ich habe meine eigene Brieftasche“, erklärte Kapitän Mayo. Er hatte sich von seinem Erstaunen über den plötzlichen Sinneswandel von Kapitän Candage noch nicht erholt. Nach all dem mürrischen Geknurre war er in Versuchung gewesen, den alten Skipper zu bitten, ihm bei seinem Werk der Barmherzigkeit nicht mehr auf Schritt und Tritt zu folgen.

„Hören Sie das, Rowley? Das ist der beste Freund, den ich auf der ganzen Welt habe! Habe ihn hierher gebracht! Ihnen vorgestellt! Hier ist meine Tochter! Auch interessiert! Nun, was auch immer Sie sagen, seien Sie sicher, dass Sie die richtigen Worte wählen.“

„Nun, ich bin immer bereit, Freunden zu helfen“, erklärte Mr. Rowley.

„Ja, und in einer ruhigen Zeit Geschäfte zu machen“, fügte Kapitän Candage hinzu.

„Ich bin bereit, christliche Nächstenliebe denen gegenüber zu zeigen, die arm und unterdrückt sind. Aber was für einen Sinn hat es, das in diesem Fall zu tun?“

„Sehr viele Menschen in diesem Leben brauchen einen harten Stoß, bevor sie sich umdrehen und etwas aus sich machen“, sagte Kapitän Mayo. „Die Menschen auf Hue and Cry haben ihren Stoß bekommen. Ich glaube wirklich, dass sie mit dem richtigen Rat und der richtigen Führung selbsterhaltend gemacht werden können. Sie durften bis jetzt frei herumlaufen, mein Herr. Ich wurde ganz plötzlich in die Sache hineingezogen, und jetzt, da ich dabei bin, bin ich bereit, ein wenig Zeit und Mühe aufzuwenden, um sie auf den Weg zu bringen. Ich habe im Moment nicht viel anderes zu tun“, fügte er bitter hinzu.

„Kommen Sie in mein Büro im Hinterzimmer“, lud Mr. Rowley ein.

„Sehr verbunden – das werden wir tun“, sagte Kapitän Candage. „Sie sind ein heller Kopf, Rowley, und ich wusste, dass Sie den Punkt sehen würden, wenn man ihn Ihnen richtig und höflich vorlegt.“

Die Angelegenheit im Hinterzimmer war bald zufriedenstellend geregelt, und auf diesen bedeutungsvollen Morgen folgte ein arbeitsreicher Tag. Als die Nacht hereinbrach, waren die Männer, Frauen und Kinder, die ein wohlwollender Staat – durch seinen „geradlinigen“ Agenten – auf die Welt losgelassen hatte, damit sie für sich selbst sorgen konnten, in einer einzigen Kolonie im geräumigen Fischhaus untergebracht.

Ein paar gebrauchte Öfen, die von Rowley gemietet wurden, dienten dazu, das bei Rowley gekaufte Essen zu kochen, und die Familien gruppierten sich in Räumen und hinter Trennwänden und ordneten die ärmlichen Habseligkeiten, die sie aus ihren Häusern gerettet hatten. Sogar der Bürger, der anfangs beschlossen hatte, auf dem Schoß der Tiefe zu treiben, schloss sich der Kolonie an.

„Es ist geselliger“, erklärte er, „und meine Frau gibt ihre Nachbarn nicht gerne auf. Außerdem kenne ich die ganze Sippe, mit Stumpf und Stiel, ihre Launen, Ansichten und alles, und sie können mir nichts vormachen. Ich werde helfen, sie zu befehligen!“ Er wurde ein wertvoller Leutnant.

Dieses Gemeinschaftsleben unter einem besseren Dach, als es ihnen jemals zuvor in ihrem Leben Schutz geboten hatte, schien die Flüchtlinge zu erfreuen. Ob alt oder jung, sie genossen die neue Umgebung mit dem Eifer von Kindern. Sie hatten sich in ihrem Dasein auf Hue and Cry nie Gedanken über den nächsten Tag gemacht. Da sie in dieser neuen Bleibe Nahrung und Schutz erhielten, machten sie sich keine Sorgen über die Probleme der Zukunft. Sie durchstreiften ihr Reich mit der Zufriedenheit von Prinzen in einem Palast. Sie zeigten keine Neugier, was mit ihnen geschehen sollte. Sie stellten Kapitän Mayo und seinen Mitarbeitern keine Fragen. Sie betrachteten ihn mit einer stummen und irgendwie hündischen Dankbarkeit, wenn er sich unter ihnen bewegte. Er selbst versuchte es mit Fragen bei einigen der intelligenteren Männer, in der Hoffnung, dass sie Eigeninitiative zeigen würden. Sie sagten ihm mit sanfter Gelassenheit, dass sie alles ihm überlassen würden.

„Aber was wollt ihr für euch selbst tun?“

„Genau das, was Sie sagen. Sie sind der Chef. Zeigen Sie uns die Arbeit!“

Es wurde ihm klar, dass er einen größeren Auftrag angenommen hatte, als er geplant hatte. Rowley und die Steuerzahler auf dem Festland schauten auf die eine Seite zu ihm, und seine Schützlinge auf die andere.

„Es scheint an mir zu liegen – an uns, meine ich“, sagte er dem Mädchen wehmütig, als sie an jenem Abend auf dem Weg zur Hütte der Witwe waren. „Es liegt jedoch am meisten an mir, denn ich bin der Schuldige – ich habe Sie und Ihren Vater mit hineingezogen. Ich stecke hier fest, bis ich mir irgendeinen Plan ausdenken kann.“

Sie hatte den ganzen Tag treu an seiner Seite gearbeitet, eine taktvolle und unermüdliche Helferin. Ohne ihre Hilfe wäre er bezüglich der Frauen und Kinder völlig aufgeschmissen gewesen, und das sagte er ihr dankbar.

„Sowohl meine Hände als auch mein Herz sind bei Ihnen in dieser Sache, Kapitän Mayo. Und ich weiß, dass Ihnen irgendein Ausweg für sie einfallen wird – genau wie Sie uns aus dem Schoner geholfen haben, nachdem wir alle Hoffnung aufgegeben hatten.“

„Das Herauskommen aus dem Schoner war lediglich ein seemännischer Handgriff, Miss Candage. Ich glaube nicht, dass ich viel Geschick darin haben werde, die menschliche Natur umzugestalten. Ich habe selbst zu viel davon, und das Material da unten im Fischhaus würde selbst einen Theologieprofessor vor Rätsel stellen.“

„Oh, Sie werden sich einen Plan ausdenken“, versicherte sie ihm mit feiner Loyalität. „Wenn Sie mir erlauben, auf meine bescheidene Art zu helfen, werde ich stolz sein.“

„Ich werde Ihnen nicht sagen, was ich von Ihrer Hilfe halte; es könnte wie Weichgespüle klingen. Aber lassen Sie mich Ihnen sagen, dass Sie einen großartigen alten Vater haben!“, erklärte er ernst; aber obwohl er versuchte, sein Gesicht ernst und seine Stimme ruhig zu halten, sah er zu ihr hinunter und verlor sofort die Kontrolle über sich. Heiterkeit vermischte sich mit Tränen in ihren Augen.

„Ist er nicht komisch?“, keuchte sie, und sie blieben stehen und lachten im Chor mit der aufrichtigen Inbrunst der Jugend; dieses Lachen löste die Anspannung dieses angstvollen Tages.

„Ich lache nicht über Ihren Vater – das verstehen Sie doch!“, versicherte er ihr.

„Natürlich tun Sie das nicht! Ich weiß. Aber Sie beginnen, ihn zu verstehen, so wie ich ihn verstehe. Er ist nur ein großes Kind unter all seinem Gepolter. Aber er macht mich manchmal so wütend!“

„Man kann nicht viel über einen Yankee sagen, bis er aus seinem Schneckenhaus herauskommt, und ich stimme Ihnen zu, was die provozierenden Eigenschaften von Kapitän Candage betrifft. Ich selbst bin auch nicht sehr geduldig, wenn ich provoziert werde! Aber danach werden er und ich schon gut miteinander auskommen.“

Sie gingen weiter zur Hütte.

„Gute Nacht“, sagte er an der Tür.

„Und Sie haben noch keinen Plan?“

„Vielleicht fällt mir im Traum etwas ein.“

Der Traum blieb aus, denn sein Schlaf war der tiefe Schlummer der Erschöpfung. Er ging im frühen Morgengrauen hinunter und tauchte ins Meer, und während er zurück zum Häuschen ging, stellten sich ihm eine Idee und eine Überzeugung Hand in Hand vor. Die Überzeugung hatte er schon vorher gehabt – dass er sich in diesem Augenblick nicht zurückziehen und diese armen Leute sich selbst überlassen konnte, so sehr er sich auch wünschte, seine eigenen Angelegenheiten voranzutreiben; sein Vorhaben war abenteuerlich, aber wenn er es in diesem kritischen Moment aufgäbe, würde ihm eine sonderbare Geschichte die Küste entlang folgen, und er wusste, welche Art von Achtung Seeleute vor Drückebergern hatten.

Doch tief in seinem Herzen gestand er sich ein, dass es nicht bloß der Stolz eines Seemanns war, der ihn antrieb. Die erbärmliche Hilflosigkeit des Stammes von Hue and Cry appellierte an ihn mit einer Eindringlichkeit, die er nicht leugnen konnte. Er verstand sie, so wie er ähnliche Kolonien entlang der Küste verstand – Kinder, die eine gleichgültige Welt als Erwachsene einstufte und mit gedankenloser Ungerechtigkeit behandelte! Arbeit war ihnen vorgeschrieben, wie auch anderen! Aber sie wussten weder, wie man arbeitete, noch wie man seine Arbeit bezahlt bekam.

Die Idee, die ihm mit der Überzeugung kam, dass er diesen Leuten helfen müsse, betraf Arbeit für sie.

Nach dem Frühstück weihte er Kapitän Candage in sein Vertrauen ein, sehr zur freundlichen Freude des Skippers, miteinbezogen zu werden.

„Ich hoffe, es ist etwas, bei dem wir Rowley mit ins Boot holen können“, gestand der Skipper. „Ich mache mir nichts aus diesen Kreaturen“, fügte er hinzu und legte eine gewisse Grobheit an den Tag. „Ich will nicht, dass man mir nachsagt, ich würde im Alter einfältig werden. Aber sie geben mir einen Vorwand, um Rowley eins auszuwischen.“

„Um den Plan, den ich skizziert habe, auszuführen, brauchen wir eine Art Schiff“, sagte Mayo.

„Sicher! Wir gehen direkt zu Rowley. Er wird es wissen. Wenn es in diesem Abschnitt irgendetwas gibt, bei dem er nicht irgendwie seine Finger im Spiel hat – Kaufvertrag, Hypothek, geschuldete oder zu erwartende Schulden –, dann ist es nicht der Rede wert.“

Mr. Rowley hörte in seinem Hinterzimmer zu. Er strich sich zufrieden über den Bart und strahlte vor Vergnügen, als er die Aussicht sah, ein weiteres profitables Geschäft mit Männern zu machen, die zuverlässig und energisch zu sein schienen.

„Ich hatte eine Hypothek auf die Ethel and May, als Kapitän Tebbets in das höhere Leben einging“, informierte er sie. „Die Witwe gab den Schoner auf, als ich die Zwangsvollstreckung betrieb, da sie nicht den Wunsch hatte, sich mit – äh – Schiffsbesitz zu befassen. Also habe ich ihn frei und unbelastet, ohne dass es mich eine solch schreckliche Summe gekostet hat! Ich werde mich freuen, ihn an Sie, meine Herren, zu einem angemessenen Preis zu verchartern. Außerdem, da Fleiß ja bekanntlich zur Rechtschaffenheit führt, wie uns gesagt wird, mag Ihr Plan, diese Kreaturen zur Arbeit anzuhalten, ein guter sein, vorausgesetzt, Sie benutzen oft genug einen Knüppel bei ihnen.“

„Nach dem, was ich von Ihrem Gerede im Gebetstreffen gehört habe, hätte ich gedacht, Sie würden moralisches Zureden empfehlen“, schlug Kapitän Candage vor, der diese Gelegenheit, „eins auszuwischen“, sichtlich genoss.

„Ich benutze gesunden Menschenverstand, egal ob in der Religion, der Politik oder im Geschäft“, schnauzte Rowley und zeigte ein wenig unchristliche Hitze.

„Es ist ratsam, den gesunden Menschenverstand mit ein wenig Wohltätigkeit zu ölen, dann quietscht die Maschine nicht so sehr.“

„Ich würde es nicht unternehmen, einen Hundshai auf mein Knie zu setzen oder ihn mit einem Pfennigkraut-Lied in den Schlaf zu singen, Kapitän Candage.“

„Ich denke, wir können Ergebnisse erzielen, ohne den Knüppel“, warf Mayo mit der milden Absicht ein, den Ton dieser Wortgefechte zu glätten.

Der Angestellte rief Mr. Rowley wegen einer wichtigen Angelegenheit in den Laden, und der Stadtrat ging, wobei er ziemlich fest mit den Fersen auftrat.

„Der alte Adam leuchtet ab und zu durch seine Schale“, bemerkte Candage.

„Wir sollten den Charterpreis festlegen, Sir, bevor Sie ihn zu sehr in die Mangel nehmen“, riet der junge Mann.

„Ich kann einfach nicht anders, als ihn aufzuspießen“, gestand der Skipper. „Er ist ein verdammter alter Heuchler, der aus freien Stücken Witwen und Waisen betrügt, weil sie nicht den Mumm haben, zurückzuschlagen, und ich habe es immer genossen, solche wie ihn zu bekämpfen. Er und ich, wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen. Aber ich werde mich so gut ich kann zurückhalten, bis wir ihn kleingekriegt haben.“

Mayos Plan beinhaltete das bescheidene Wagnis, ein für den Fischfang geeignetes Boot zu chartern. In der Kolonie Hue and Cry gab es kein Material für echte Hochseefischer, aber der Großteil der Männer würde ausreichen, um ein paar Meilen vor der Küste nach Grundfisch und Beifang zu schleppen. Es war der einzige Plan, der der gesamten Gruppe von Abhängigen Arbeit bieten würde; ältere und gebrechlichere Männer sowie Frauen und Kinder könnten Muscheln für den Schleppnetzköder graben und öffnen. Um Ehrgeiz und Unabhängigkeit unter den fähigeren Männern der Kolonie zu fördern, schlug Mayo vor, die Fischer am Ertrag zu beteiligen, und Kapitän Candage stimmte zu.

Als Mr. Rowley in das Büro zurückkehrte, fand er in Kapitän Candage, der darauf vorbereitet war, ein hartes Geschäft abzuschließen, seinen Meister vor. Nach einer Stunde wurden die Papiere über die Vercharterung der Ethel and May übergeben.

„Ich rechne damit, dass es eine gute Sache ist“, bestätigte der Skipper, als er und Mayo vor Rowleys Laden standen. „Ich habe mich dazu entschlossen, die arme alte Polly in Davy Jones’ Locker gehen zu lassen. Ich habe gestern Abend an die Versender und die Empfänger des Holzes geschrieben. Wenn sie es wollen, können sie es sich holen. Ich kann genauso gut für den Rest dieser Saison fischen!“ Er betrachtete Kapitän Mayo mit Augen, in denen die Frage fast wehmütig war. „Natürlich können Sie sich darauf verlassen, dass ich dafür sorge, dass Sie Ihren Anteil bekommen, Sir, genau als wären Sie an Bord.“

„Ich werde an Bord gehen, Kapitän Candage.“

Der alte Mann blieb wie angewurzelt stehen und starrte ihn an.

„Ich habe im Moment nichts in Aussicht. Sie brauchen Hilfe, um die Sache richtig in Gang zu bringen. Ich gehe nicht weg und überlasse Ihnen diese Bande, bis ich sehen kann, wie der Plan aufgeht. Ich werde als Maat bei Ihnen anheuern.“

„Auf keinen Fall werden Sie als Maat bei mir anheuern“, widersprach Candage. „Sie werden als Skipper gehen, und ich werde stolz sein, Ihre Befehle entgegenzunehmen, Sir.“

Sie stritten sich freundschaftlich über diesen Punkt, als sie zur Hütte der Witwe zurückkehrten. Polly Candage löste den Stillstand auf.

„Warum nicht zwei Kapitäne haben? Das wäre etwas völlig Neues an der Küste!“

„Der Rest ist auch ohne das neu genug“, platzte ihr Vater heraus. „Aber wenn man bedenkt, was für eine Crew wir haben, glaube ich, dass zwei Kapitäne nicht zu viel sind! Ich werde Kapitän Nummer zwei sein, und ich weiß genug, um meinen Platz zu kennen.“

„Ich glaube nicht, dass Sie und ich jemals wieder viel streiten werden!“, lächelte Kapitän Mayo, reichte ihm die Hand und empfing Candages kräftigen Händedruck. „Ich werde ein paar Briefe aufsetzen, und ich gehe jetzt und schreibe sie. Bis diese Briefe mir eine Arbeit einbringen, bin ich bei Ihnen, Sir.“

Kapitän Candage ging mit seiner Tochter in Richtung des Fischhauses. „Polly“, erklärte er nach einer verlegenen Stille, „ich habe mich in deinem Fall völlig geirrt, Mädchen. Hier und jetzt gebe ich dir die Papiere zur Abreise. Segle nach Hause, wann immer du willst. Ich stelle keine Fragen! Das ist nicht meine Angelegenheit!“

„Meine kleinen Angelegenheiten müssen immer deine Angelegenheit sein, Vater“, antwortete sie. „Ich liebe dich. Ich werde dir gehorchen.“

„Aber ich gebe keine Befehle mehr. Ich bin nicht dazu geeignet, in den Gewässern zu befehlen, in denen du segelst, liebe Polly. Also lauf nach Hause und sei mein gutes Mädchen! Ich weiß, das wirst du sein!“

„Ich habe meine Meinung darüber geändert, nach Hause zu gehen – zumindest im Moment!“ Ihre Augen trafen seine offen. „Ich habe Tante Zilpah geschrieben, dass sie mir ein paar meiner Sachen schicken soll. Vater“, in ihrer Stimme lag ein weibliches, eher empörtes Erstaunen, „weißt du, dass es keine einzige Frau aus Hue and Cry gibt, die weiß, wie man eine Nadel benutzt?“

„Das hätte ich mir denken können, wenn man sieht, wie ihre Kinder und Männer herumlaufen!“

„Ist dir klar, dass diese Kinder nicht einmal das ABC kennen?“

„Habe nie davon gehört, dass auf dieser Insel College-Professoren großgezogen werden.“

„Ich werde mir eine Auszeit vom Hutgeschäft nehmen, jetzt, wo ich hier bin. Ich werde diesen Frauen zeigen, wie man näht und kocht, und ich werde diesen Kindern beibringen, wie man liest. Es ist nur richtig – meine Pflicht! Ich könnte nicht nach Hause gehen und glücklich sein, ohne es zu tun!“

„Das Urlaub zu nennen, ist eine höfliche Umschreibung dafür, Polly.“

„Wenn du ihre Augen hättest sehen können, Vater, als ich ihnen versprach zu helfen, würdest du dich nicht wundern, warum ich bleibe.“

„Ich wundere mich nicht, Polly, mein Mädchen! Wenn du weggegangen wärst und – und uns – Mayo und mich – verlassen hättest, wäre ich sehr enttäuscht von dir gewesen! Aber ich habe eigentlich nie viel darüber nachgedacht, dass du gehst – denn ich wusste, dass du nicht gehen würdest, bevor du nicht so viel wie möglich geholfen hättest.“ Er legte seinen Arm um sie. „Ich habe mir Sorgen gemacht, dass ich dich hierher gebracht habe. Aber ich schätze, Gott hatte das alles für uns ausgerechnet. Ich kannte mein eigenes Mädchen nicht so, wie ich es hätte kennen müssen. Ich war zu oft weg. Aber jetzt wachsen wir irgendwie zusammen auf – irgendwie so, nicht wahr, liebe Polly?“

Sie legte ihre Arme um seinen Hals und antwortete ihm mit einem Kuss.

XIV ~ PEILUNGEN FÜR EINEN NEUEN KURS

Und nun, meine tapferen Jungs, kommt der beste Spaß, Es heißt „Klar zum Wenden“ und „Refft die Marssegel“ in einem; Also rauf in die Toppen, Toppgast, während das Ruder hart liegt, Und die Segel gerefft, während die Rah sich dreht. — La Pique.

Am Ende dieser Woche hatte die Ethel and May ihren ersten Fischfang auf dem Markt abgeliefert, und ihre Kapitäne hatten ihre ersten Anteile aufgeteilt. Mayo entschied, dass die Ergebnisse in keinem Verhältnis zu den bescheidenen Erträgen standen. Er sah die Regeneration des Stammes von Hue and Cry. In ihrem Fall war es der richtige Anstoß zur richtigen Zeit gewesen. Jahrelang war ihre Hoffnung hungrig nach einer Chance gewesen, sich zu beweisen. Nun inspirierte sie Dankbarkeit, und ein fast wahnsinniger Wunsch, zu zeigen, dass sie nicht wertlos waren, trieb sie zu Höchstleistungen an. Der Sauerteig der Psychologie der Unabhängigkeit begann zu wirken.

Die Menschen von Hue and Cry waren drei Generationen lang das Gefühl vermittelt worden, Parias zu sein. Wenn sie ihren Fisch oder ihre Muscheln zum Festland brachten, waren die Käufer sowohl ungerecht als auch verächtlich, als hätten sie es mit bettelnden Kindern zu tun, die für ihre Produkte nur ein Almosen statt eines echten Preises erwarten durften. Die Preise richteten sich nach der Laune der Fischkäufer. Die Inselbewohner waren nie wie andere Fischer auf die Ebene eines fairen Geschäfts zugelassen worden. Sie hatten immer demütig hingenommen, was ihnen angeboten wurde – egal ob Münzen oder Beleidigungen. Daher hatte ihre Arbeit ihnen nie den vollen Wert zurückgegeben.

Diejenigen, die kauften, ließen die armen Teufel spüren, dass es eine besondere Gunst sei, ihren Fisch zu irgendeinem Preis zu nehmen.

Sie schienen an jenem ersten Tag auf dem Markt, als die Ethel and May ihre Ladung im Dock am städtischen Fischhaus löschte, zu ihrem Recht zu kommen. Meisterhafte Männer vertraten sie in den Verhandlungen mit den Käufern. Die Crew versteckte ihr erfreutes Grinsen hinter rauen Handflächen, als Kapitän Epps Candage die Bieter zusammenstauchte, die unter den Marktpreisen lagen; sie blickten voller Ehrfurcht zu Kapitän Mayo auf, als er von gedruckten Blättern vorlas – Druck war ein Mysterium, das sie nie gemeistert hatten – und mit bereitem Bleistift rechnete und sogar den Käufer korrigierte, der seinen Fehler zugab und sich demütig entschuldigte. Kein unterwürfiges Feilschen mehr vor den Türen der Fischhäuser!

Zurück zu Hause hatten die Frauen, die Kinder und die alten Leute ein gutes Dach über dem Kopf; die Fischer hatten das Deck eines ordentlichen Schoners unter den Füßen. Die Antriebslosigkeit war von ihnen gewichen. Nach Jahren der Unterdrückung hatten sie ihre Chance gefunden. Erfahrenere Männer hätten dieses neue Glück nur als bescheiden empfunden; diese Männer griffen danach mit jugendlicher Begeisterung.

Sie waren über die Seite des Schoners und in ihren Dories draußen, während vorsichtigere Schleppnetzfischer sich im Vorschiff verkrochen. Auf ihrer dritten Fahrt fingen sie aufgrund dieser Kühnheit den städtischen Markt an einem Donnerstag leer und machten einen riesigen Schnitt.

„Mir wurde gesagt, dass Sankt Petrus diese Freitag-Notion angefangen hat, weil er im Fischgeschäft war“, stellte Kapitän Candage fest, während er das Geld für die Anteile sortierte. „Alles, was ich sagen kann, ist, er hat einen guten Job gemacht.“

Mr. Speed, der als Maat fuhr, fand immer bereitwilligen Gehorsam.

Der rußnasige Dolph hatte noch nie zuvor solch ein Lob gehört, wie es die hungrigen Männer über die Pfannen schütteten, die er anhäufte.

Kapitän Mayo, der eines Tages die Konten prüfte, war ehrlich erstaunt festzustellen, dass fast ein Monat vergangen war, seit er in Maquoit gelandet war.

„Das zeigt, wie sehr ein Mann sich interessieren wird, wenn er aufgegriffen und in eine Sache geworfen wird“, sagte er zu Polly Candage.

„Sie machen echte Männer aus ihnen, Kapitän Mayo!“ Sie fügte lachend hinzu: „Und Sie haben mir gesagt, Sie seien kein Stück gut darin, die menschliche Natur umzukrempeln!“

„Sie tun es selbst.“

„Ich werde nichts sagen, um Ihre Bescheidenheit zu verletzen, Sir.“

„Jetzt muss ich aufwachen. Ich muss! Es gibt für mich keinen Gewinn in dem Profit für Ihren Vater und mich selbst. Ich möchte, dass er das Unternehmen allein führt. Es wird ein fairer Ertrag für ihn sein. Ich hatte nicht vor, so lange hier zu bleiben. Ich glaube, ich habe mich irgendwie selbst vergessen.“ Er fuhr mit seinen Berechnungen fort.

„Aber ich wusste, dass Sie es nicht vergessen konnten“, wagte sie nach einer Pause.

Er sah auf und fand einen seltsamen Ausdruck in ihrem Gesicht. In ihren Augen lagen offenes Mitgefühl und Freundlichkeit. Er hatte allein bittere Gedanken gewälzt und mit einem Problem gerungen, das er nicht meistern konnte. In plötzlicher Emotion – in einem unvorhergesehenen Loslassen seiner selbst – streckte er die Hand nach jemandem aus, dem er sich anvertrauen konnte. Er brauchte Rat in einer Angelegenheit, bei der kein Mann ihm helfen konnte. Dieses Mädchen war die Einzige, die ihn verstehen konnte.

„Vielleicht warten Briefe in der Stadt auf mich – in der großen Stadt, wo man mich erwarten mag“, platzte er heraus. „Ich habe mich nicht getraut, welche zu schicken.“ Er zögerte und gab dann seinem Impuls nach. „Miss Polly, ich habe kein Recht, Sie mit meinen Angelegenheiten zu behelligen. Ich mag unverschämt erscheinen. Aber Sie sind ein Mädchen! Setzt sich ein Mädchen normalerweise hin und denkt über alle Schwierigkeiten nach – wenn sie keine Briefe bekommt – und zeigt dann Verständnis?“

„Ich bin sicher, das tut sie – wenn sie jemanden liebt.“

„Und doch mag es sehr seltsam erscheinen. Ich bin vor Sorge fast von Sinnen. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“

Sie schwieg lange, sah von ihm weg und wand ihre Hände in ihrem Schoß; sie suchte offensichtlich ihre Seele nach Inspiration – und Mut!

„Sie glauben, sie wird die Situation verstehen?“, beharrte er.

„Sie sollte es.“

„Aber kein Wort von mir! Wochenlanges Schweigen!“

Ihre Stimme war leise, aber sie hatte offensichtlich Mut gefunden. „Ich habe kein einziges Wort gehört – kein Brief ist bei mir angekommen – seit ich das Haus meiner Tante verlassen habe.“

„Fühlen Sie sich sicher, dass er Sie immer noch genauso liebt? Sie brauchen keine Briefe?“

„Oh nein! Ich brauche keine Briefe.“

„Aber in meinem Fall?“

„Ich konnte sehen, dass sie Sie sehr liebt. Sie stand vor ihnen allen, Kapitän Mayo. Diese Art von Mädchen braucht keine Briefe.“

„Sie haben mir neuen Mut gegeben. Ich glaube, Sie verstehen genau, wie sich ein Mädchen fühlen würde. Sie kennen einen Yankee! Er erwartet, dass er einen Freund genau dort findet, wo er ihn zurückgelassen hat, wenn es um Zuneigung geht.“

„Ein Mädchen muss kein Yankee sein, um in ihrer Liebe so zu sein.“

„Ich kann mich nicht auf dem Hinterweg an sie heranschleichen – das kann ich nicht!“, rief er. „Ich möchte mich nicht meiner selbst schämen. Ich möchte ihr nicht mehr Ärger bereiten. Glauben Sie nicht, dass sie auf mich warten wird, bis ich kommen kann – und zwar richtig kommen kann!“

„Sie wird auf Sie warten, Sir. Es liegt in der Natur der Frauen zu warten – wenn sie lieben.“

„Aber ich kann sie nicht bitten, ewig zu warten. Deshalb muss ich weggehen und versuchen, es gutzumachen.“ Er biss die Zähne zusammen, und seine Kiefermuskeln traten hervor. „Ich glaube, ein Mann kann das bekommen, worauf er aus ist, wenn er es im richtigen Geist tut, Miss Polly.“ Er schwang sich von der Veranda und ließ sie zurück.

Der Nebel war an jenem Tag dicht über Land und Meer und hielt die Ethel and May im Hafen. Er verschwand im erstickenden Dunst, und das Mädchen saß da und starrte lange in diese Leere.

Mayo ruderte zu dem Schoner, der in der Hafeneinfahrt vor Anker lag. Er trug seine Abrechnungen zu Kapitän Candage.

Während er ruderte und nach vorne blickte, stieß er plötzlich auf eine große Dampfyacht, die durch den Nebel in die Bucht geschlichen war und auf seinem Kurs vor Anker lag. Es war die Sprite, und er hatte in jenem Sommer eine flüchtige Bekanntschaft mit ihrem Skipper geschlossen, indem er ihn in Häfen traf, wo die Sprite und die Olenia Nachbarn am Ankerplatz gewesen waren. Er hörte auf zu rudern und ließ die Dory treiben. Er bemerkte, dass die blaue Flagge an der Hauptsteuerbord-Rah wehte, was die Abwesenheit des Eigentümers ankündigte, und er verstand, dass er nach dem Skipper rufen konnte, ohne diesen Gentleman in Verlegenheit zu bringen. Einer der Crewmitglieder legte gerade Abdeckungen über die Messingbeschläge im Vorschiff.

„Komplimente an Kapitän Trott und sagen Sie ihm, dass Kapitän Mayo an der Gangway ist.“

Der Skipper erschien sofort und antwortete auf den Ruf, noch bevor der Seemann sich bewegt hatte. „Kommen Sie an Bord, Sir.“

„Ich werde Ihnen nicht so viel Umstände machen, Kapitän. Ich kann meine Frage genauso gut von hier aus stellen. Kennen Sie eine gute Gelegenheit für einen Mann in meiner Größe?“

Der Kapitän der Sprite trat an die Reling und antwortete nicht sofort.

„Ich habe die Olenia verlassen und suche etwas.“

Kapitän Trott machte sich auf den Weg zur Gangway. „Oh, Sie brauchen sich nicht die Mühe zu machen, herunterzukommen, Sir.“

„Ich möchte lieber“, sagte Kapitän Mayo. Nachdem er ausgestiegen war, kauerte er auf der Plattform am Fuß der Leiter und hielt die Dory fest, indem er die Schanzkleidung ergriff. „Was machen Sie heutzutage für sich?“

Mayo hatte keine Lust auf eine lange Geschichte. „Ich warte darauf, irgendwo zuzugreifen“, antwortete er.

Kapitän Trott zeigte keinen Eifer, auf das Thema einzugehen, das Mayo angesprochen hatte. „Es ist ziemlich dicht geworden, nicht wahr? Ich habe den Befehl erhalten, hier auf meine Leute zu warten; sie besuchen ein großes Anwesen flussaufwärts.“

„Aber wegen der Chance auf einen Job, Kapitän!“

„Hören Sie mal! Was für einen Zusammenstoß hatten Sie mit dem Eigentümer der Olenia?“

Mayo öffnete den Mund und schloss ihn sofort wieder. Er konnte die Art des Ärgers zwischen sich und seinem früheren Arbeitgeber nicht enthüllen.

„Wir hatten ein Wortgefecht“, sagte er steif.

„Ja, das nehme ich an! Aber der Rest davon!“

„Das ist alles.“

„Sie brauchen mir natürlich nicht mehr zu sagen, als Sie möchten“, sagte Kapitän Trott. „Aber ich muss Ihnen sagen, dass Mr. Marston mit ziemlich heftigen Worten herausgekommen ist, wie sie ein Eigentümer kaum macht. Er hat es zu einem regelrechten Geschäft gemacht, diese Worte zu verbreiten. Mir war nicht klar, dass Sie von so großer Bedeutung in der Welt sind, Mayo“, fügte er trocken hinzu.

„Ich weiß nicht, was er sagt.“

„Haben Sie ihn nicht in der Nacht verlassen – ohne Vorankündigung oder etwas in der Art?“

„Es war ein Unfall.“

„Ich hoffe, Sie haben eine gute Geschichte, die Sie stützt, Kapitän Mayo, denn ich mochte Sie sehr, seit wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Was steckt dahinter?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Aber Sie können es jemandem sagen – jemandem, der die Sache für Sie in Ordnung bringen kann, nicht wahr?“

„Nein, Kapitän Trott.“

„Nun, Sie wissen, was in Ihrem Fall passiert ist, oder?“ Der Skipper der Sprite zeigte ein wenig Gereiztheit darüber, dass ihm Mayos Vertrauen verwehrt blieb.

Der junge Mann schüttelte den Kopf.

„Marston behauptet, dass Sie gemeutert und ihn verlassen haben – sich in der Nacht davongeschlichen – Ihren Job auf hoher See hingeschmissen – ihn mit einer unterbesetzten Crew nach New York arbeiten lassen – der Maat als Kapitän.“

„Das ist eine verfluchte Lüge!“

„Dann treten Sie vor und stellen Sie ihn bloß.“

„Ich kann nicht über den Fall sprechen. Ich habe meine Gründe – gute Gründe!“

„Es tut mir leid für Sie, Mayo. Ich fürchte, Sie sind im Yachtsport erledigt. Er wird Sie in jedem Yachtclub von Bar Harbor bis Miami auf die schwarze Liste setzen. Ich habe meine Leute darüber sprechen hören. Er scheint einen schrecklichen Groll zu hegen – mehr als ein großer Mann normalerweise wegen eines Skippers macht.“

Mayo setzte sein Ruder gegen den Rand der Plattform und stieß sich ab. Der Skipper rief ihm nach, aber er wurde augenblicklich vom Nebel verschluckt und antwortete nicht.

An Bord der Ethel and May war seine zerlumpte, aber fröhliche Besatzung dabei, die Köder anzubringen, Muscheln auf die Angelhaken zu stecken und die Leinen in Wannen aufzuschießen. Die Männer grinsten zur Begrüßung, als er über die Reling schwang. Er sah sie finster an; er bedachte sogar Captain Candage mit einem grimmigen Blick, als er diesen auf dem Achterdeck traf.

„Ja, Sir! Ich sehe, wie es ist! Sie haben die Schnauze voll von diesem Zweicent-Spiel hier“, sagte Candage wehmütig. „Ich mache Ihnen keinen Vorwurf. Wir sind nicht Ihre Klasse, hier, Captain Mayo.“ Er nahm die Papiere entgegen, die der junge Mann ihm hinhielt. „Ich nehme an, dies ist das letzte Mal, dass wir teilen, Sie und ich. Ich werde Sie verdammt noch mal vermissen. Ich würde lieber umsonst fahren und Sie alles behalten lassen, als Sie zu verlieren. Aber natürlich hat es keinen Zweck, zu argumentieren oder zu überreden.“

Mayo ging und setzte sich auf die Reling, verschränkte die Arme und antwortete nicht. Der alte Skipper stapfte nach vorne, den Kopf gesenkt, die Hände hinter dem Rücken zusammengeballt. Als er zurückkehrte, stand Mayo auf und legte seine Hand auf die Schulter des alten Mannes.

„Captain Candage, bitte missverstehen Sie mich nicht. Im Augenblick habe ich das Gefühl, dass die einzigen Freunde, die ich auf der Welt habe, hier sind. Denken Sie sich nichts bei der Art, wie ich mich gerade verhalten habe, als ich an Bord kam. Ich hatte eine Menge Ärger – ich habe immer noch welchen. Ich werde Sie noch nicht verlassen. Ich möchte an Bord bleiben, bis ich das alles durchdenken kann – bis ich mich wieder im Griff habe. Das heißt, wenn Sie damit zufrieden sind!“

„Zufrieden! Beim heiligen Cicero!“, explodierte Captain Candage. Er nahm das Dory und ruderte ans Ufer. Er fand seine Tochter, wie sie von der Veranda des Hauses der Witwe in den Nebel starrte. „Er bleibt noch eine Weile“, informierte er sie voller Begeisterung. „Etwas ist passiert. Glaubst du, dass dieses Mädchen ihn abserviert hat?“

„Vater, wagst du es zu kichern, weil ein Freund in Schwierigkeiten steckt?“

„Ich werde lachen und mir auf die Schenkel klopfen, wenn er jemals dieses hochnäsige Mädchen loswird“, entgegnete er bestimmt.

„Ich bin erstaunt – ich schäme mich für dich, Vater!“

„Polly Liebes, sei ehrlich zu deinem Vater!“, bettelte er. „Willst du sehen, wie er an sie verschachert wird?“

„Das will ich allerdings. Ich wünschte nur, ich könnte ihm helfen.“ Ihre Lippen waren weiß, ihre Stimme zitterte. Sie stand auf und eilte ins Haus.

„Ich will verdammt sein, wenn ich die Weiber verstehe“, erklärte Captain Candage und fummelte mit dem Finger unter seiner Nase. „Dieser Kerl, den sie sich ausgesucht hat, muss wohl der Kaiser von Peru sein.“

Captain Mayo kam nicht mehr an Land, bevor die Ethel and May auslief.

Der Nebel lichtete sich in jener Nacht und sie jagten bei einer frischen Brise voran zu den Fischgründen und hatten ihre Schleppnetze im frühen Morgengrauen unten. Bei Sonnenuntergang, gefolgt von einer flatternden Fahne kreischender Möwen, die den „Abfall“ verschlangen, der von der geschäftigen Besatzung beim Reinigen des Fangs über Bord geworfen wurde, legten sie am städtischen Fischhaus an.

„Wieder Glück gehabt“, kommentierte Captain Candage, als er von seinem knallharten Geschäft mit dem Käufer zurückkehrte. „Die Stadtbewohner sind alle hungrig auf Schellfisch, und genau das haben wir heute erwischt.“ Er musterte seinen düsteren Partner mit mitfühlender Sorge. „Warum laufen Sie nicht mal in die Stadt?“, schlug er vor. „Sie kleben zu sehr an diesem Kahn für einen jungen Mann. Außerdem, wenn Sie einen offenen Laden sehen, kaufen Sie mir eine Schachtel Papierkragen. Rowley hat meine Größe nicht!“

Mayo, unversöhnt und unruhig, der an diesem Tag das Geräusch der flatternden, rutschenden Fische hasste, während sie zum Verladen in die Wannen geschaufelt wurden, genervt vom Quietschen der Flaschenzüge und in der Erkenntnis, dass seine Nerven überhaupt nicht in Ordnung waren, gehorchte dem Vorschlag. Er hatte ein eigenes geheimes Anliegen, einer halben Hoffnung nachgebend; er ging zum Postschalter für allgemeine Zustellungen und fragte nach Post. Er wusste, dass die Liebe scharfsinnige Vermutungen anstellt. Die Olenia hatte diesen Hafen häufig wegen der Post angelaufen. Aber es gab nichts für ihn. Er schlenderte durch die Straßen, pflegte seine Melancholie, vergaß den Auftrag von Captain Candage und beneidete die Zufriedenheit, die andere zeigten.

In dieser Stimmung hätte er Captain Zoradus Wass gemieden, wenn er diesen polternd fröhlichen Seemann rechtzeitig erspäht hätte. Aber der Captain hatte ihn bereits am Arm und wirbelte ihn auf dem Gehweg herum, wobei er mehr Leutseligkeit zeigte, als er es sonst tat.

„Beim Herodes! Bursche“, rief der grauhaarige Kapitän, „bist du etwa auf der Suche nach mir hier?“

„Nein“, stammelte Mayo. „Wollten Sie mich sprechen?“

„Habe heute die Sohlen meiner Stiefel abgelaufen, während ich vom Büro des Schifffahrtsbeauftragten bis in jeden Winkel am Wasser gejagt bin. Habe gehört, dass Sie auf einer Yacht aufgehört haben, und dachte, Sie wären wieder vernünftig geworden und wollten richtige Arbeit.“

„Wenn Sie bei den Fischhäusern gefragt hätten, hätten Sie mich vielleicht aufspüren können, Sir.“ Mayos Ton war düster.

„Fisch! Sie fischen?“, verlangte Captain Wass mit Ungläubigkeit zu wissen.

„Ja, und obendrein auf einem gecharterten Kahn – Fischerei auf Anteil!“ Mayo war sauer entschlossen, seine niedere Lage in schwarzen Farben zu malen. „Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich für mehr nicht tauge.“

„Das ist feines, seemännisches Gerede von einem jungen Burschen, den ich bis zum Kapitänspatent ausgebildet habe und dem ich zwei Jahre in meinem Steuerhaus gab. Ich hatte Angst, dass Sie abrutschen würden, Sie junger Bengel, als ich hörte, Sie wären Skipper einer Yacht geworden, aber ich dachte nicht, dass es so schlimm wie das hier ist.“

„Mein Yachtgeschäft ist erledigt, Sir.“

„Gott sei Dank! Es gibt Hoffnung für dich. Hat dir jemand gesagt, dass ich nach dir gesucht habe?“

„Nein, Sir!“

„Freut mich. Jetzt kann ich es dir selbst sagen. Weißt du, wo ich jetzt bin?“

„Ich habe gehört, Sie wären auf einem Frachter der Vose-Linie, Sir.“

„Weiß nicht, wer dir das erzählt hat – aber es war nicht Ananias. Du hast recht. Es ist die alte Nequasset, mir wieder zurückgegeben, weil ich der Einzige bin, der ihre verfluchten Schrullen versteht. Der erste Maat hat sich gestern betrunken und dem zweiten Maat im Handgemenge das Bein gebrochen – einer ist im Gefängnis und der andere im Krankenhaus, und keiner von beiden wird jemals wieder mit mir auf ein Schiff steigen. Ich laufe bei Tagesanbruch aus, Richtung Chesapeake für Stahlschienen. Hast du deine Papiere?“

„Ja, Sir!“

„Komm mit. Du bist erster Maat.“

„Wollen Sie mich wirklich, Sir?“

„Wollen? Verdammt noch mal, ich habe dich! In etwa einem halben Tag werde ich dir alle Yacht-Flausen ausgetrieben und die Fischschuppen abgestreift haben, und dann wirst du wieder das sein, was du warst, als ich dich gehen ließ – der klügste Bursche, den ich je ausgebildet habe.“

Mayo gehorchte dem Stoß des jubelnden Kapitäns und ging mit. „Ich werde Captain Candage, meinen Partner, informieren.“

„In Ordnung. Ich komme mit und helfe dir, es kurz zu machen.“

Während sie gingen, musterte Captain Wass seinen Begleiter kritisch.

„Hat das Leben im Überfluss auf Marstons Yacht dir Magenbeschwerden bereitet, Sohn? Du siehst aus, als hätten dir deine Mahlzeiten nicht zugesagt.“

„Meine Gesundheit ist in Ordnung, Sir.“

„Habe gehört, du hattest Ärger mit Marston“, fuhr der alte Skipper mit brutaler Offenheit fort. „Jeder, der Ärger mit diesem verdammten Piraten hat, ist mir bestens empfohlen. Er versucht, jede Dampfschifffahrtslinie an dieser Küste zu stehlen. Gott sei Dank, er kann niemals seine Klauen in die alte Vose-Linie bekommen. Es stehen große Dinge im Dampfschifffahrtsgeschäft bevor, Mayo. Ich denke, es ist eine gute Linie, um dabei zu sein, wenn man Kampf mag und groß herauskommen will.“

Mayo ging schweigend weiter. Er war beunruhigt durch diese zusätzliche Information, dass die Nachrichten von seiner Affäre mit Marston einen so weiten Umlauf gefunden hatten. Dennoch war er froh, dass diese neue Gelegenheit ihm eine Chance bot, sich in der Abgeschiedenheit des Steuerhauses eines Frachters zu verstecken.

Captain Candage nahm die Nachricht mit demütiger Resignation auf. „Ich wusste, dass es so kommen würde“, sagte er. „Konnte nicht viel anderes erwarten. Wie dem auch sei, es ist nicht tröstlich.“

„Man kann einen guten Jungen wie diesen nicht im Fischschlamm wühlen lassen“, stellte Captain Wass fest.

„Ich weiß es, und ich wünsche ihm alles Gute und das Beste!“

Ihr Abschied, unter dem Vorsitz des herrischen Kapitäns der Nequasset, war kurz.

„Ich werde wahrscheinlich eine Gelegenheit haben, Sie zu sehen, wenn wir wieder hier sind“, rief Mayo vom Kai aus und blickte in das betrübte Gesicht des Skippers. „Vielleicht habe ich Zeit, nach Maquoit hinunterzulaufen, während wir entladen. Auf jeden Fall erklären Sie alles für mich, besonders Ihrer Tochter.“

„Ich werde allen Beteiligten genau das Richtige sagen“, versicherte ihm Captain Candage. „Ich werde es ihr für dich sagen.“

Sie war am Strand, als der Skipper allein von der Ethel and May herüberrudert kam.

„Er ist fort“, rief er ihr zu. „Natürlich konnten wir ihn nicht halten. Er ist zu klug, um bei einem Job wie diesem zu bleiben.“

Als sie auf dem Weg zum Haus der Witwe waren, warf er ihr verstohlene Blicke zu, und ihr Schweigen bedrückte ihn.

„Mal sehen! Er sagt zu mir – wenn ich mich richtig erinnere –, er sagt, sagt er: ‚Richten Sie ihr meine besten Grüße aus und‘ – mal sehen – ja, ‚richten Sie ihr meine besten Grüße und meine Liebe für Ihre Polly aus...‘“

„Vater! Bitte schwindle nicht.“

„Es ist genau so, wie ich es in Erinnerung habe, Liebes. ‚Besonders‘, sagt er. Daran erinnere ich mich! ‚Besonders‘, sagt er. Und er sah sehr traurig aus, Liebes, sehr traurig.“ Er legte seinen Arm um sie. „Es gibt eine Menge trauriger Dinge auf dieser Welt für jeden, Polly. Manchmal geraten die Dinge so verflucht durcheinander, dass ich am liebsten weglaufen und auf einen Baum klettern möchte!“

XV ~ DIE VERKEHRSREGELN

Nun segelt die Dreadnought den Atlantik so weit, Wo die hohen, brüllenden Seen an ihrer schwarzen Seite rollen. Ihre Matrosen gehen wie Löwen auf dem Deck hin und her, Sie ist der Liverpool-Packet – O Herr, lass sie laufen! — Lied der Flash Packet.

An einem Tag Anfang August stampfte die Nequasset mühsam die Küste hinauf durch einen dungeonartigen Nebel, Stahlschienen ihre schleppende Last, Vorsicht ihre Losung.

Die Nadel ihres Anzeigers markierte „Halbe Kraft“, und das bedeutete wirklich halbe Kraft. Captain Zoradus Wass machte aus den Regeln des Handels- und Arbeitsministeriums heilige Schrift. Unter seiner Herrschaft gab es kein trickreiches Durchschlüpfen – keine konspirativen Fingerzeige zwischen dem Steuerhaus und der Gitterplattform des leitenden Ingenieurs. Nein, Captain Wass war nicht diese Art von Mann, obwohl der Nebel zwei Tage lang vor ihm gelegen hatte, Dampf so dick wie Federn in einem Kissen, und er durchschnittlich nicht viel mehr als sechs Seemeilen pro Stunde erreicht hatte und bitter bewusst war, dass die Frachtrate für Stahlschienen fünfundsechzig Cent pro Tonne betrug.

„Und wie ich Ihnen bereits sagte, bei fünfundsechzig Cent ist der Gewinn ungefähr so groß, als würde man harte Dollar von einer Hand in die andere tauschen und darauf hoffen, wie viel Silber man abreiben kann“, sagte Captain Wass zum ersten Maat Mayo.

Der Kapitän hielt den Knauf des Pfeifenzugs ständig fest umschlossen. Regelmäßig jede Minute ertönte der langgezogene Pfiff der Nequasset, streng nach den Verkehrsregeln.

Ihre Stimme begann mit einem klagenden Quietschen, war für ein paar Momente volltönend und klang dann in noch mehr Quengelei aus; der Klang dieser Tonlage schien zur Stimmung von Captain Wass zu passen.

„Es sind harte Zeiten, wenn ein Frachtschiff so genau rechnen muss, dass es Gewinn verliert, nur weil die Männer essen“, fuhr er fort. „Wenn Sie zwei Tage zu spät dran sind, weil Sie bei Nebel die Regeln befolgen, fragen die Eigentümer, was zum Teufel mit Ihnen los ist! Diese Art von Geschäft braucht keine Dampfschiffleute mehr; es verlangt nach Pensionswirten, die ein Sirloin-Steak bis auf den Knochen abschneiden können und die geschickt darin sind, bei Resten scharfe Kurven zu drehen. Ich werde mir ein Kochbuch kaufen und versuchen, Dividenden zu erwirtschaften.“

Der Kapitän war breit gebaut, wie die Nequasset, er sackte auf kurzen Beinen zusammen, als trüge er eine Fracht, die genauso schwer wie Stahlschienen wäre, seine weißen Schnurrhaare wehten von seiner schneidenden Nase weg wie der Schaum, den der Bug des alten Frachters aufwirbelte. Er kaute langsam, gewissenhaft und ununterbrochen auf Tabak, der in seiner Wange wölbte; seine Kiefer, die sich so stetig wie das Schwingen eines Pendels bewegten, schienen den Takt für den isochronen Pfeifenton anzugeben. Sechzig wiederkäuende Kieferbewegungen, dann spuckte er in den Nebel, dann der Pfiff – korrekt nach der Uhrzeit der Gezeiten!

Die Fenster des Steuerhauses waren in ihre Führungen gelassen, damit alle Geräusche eindringen konnten; die nasse Brise perlte an den Schnurrhaaren des Skippers und feuchtete das krause Haar des Maats an. Während der Maat sich aus dem Fenster lehnte, das Ohr auf Signale gespitzt, unterzog ihn der Kapitän der weiteren kritischen Inspektion, in der er sich ergangen hatte, wann immer sich die Gelegenheit bot.

Darüber hinaus pickte Captain Wass weiter an den Rändern eines Themas herum, das er von Zeit zu Zeit mit ungeschickten Versuchen einer kunstvollen Befragung angegriffen hatte.

„So schlecht es auf einem Frachter ist, ich nehme an, du bist nicht traurig, dass du von dieser Yacht weg bist, Sohn?“

„Ich bin nicht traurig, Sir.“

„Nach dem, was du mir erzählt hast, war der Eigentümer die ganze Zeit da und hat sich eingemischt.“

„Ich erinnere mich nicht, dass ich das jemals gesagt hätte, Sir.“

„Oh, ich dachte, das hättest du“, brummte Captain Wass und überdeckte seine kurze Stockung, indem er die Pfeife ertönen ließ.

„Jetzt, wo du wieder im Dampfschifffahrtsgeschäft bist, bist du natürlich ein Dampfschiffmann. Hab die Interessen deiner Eigentümer im Herzen“, fuhr er fort.

„Natürlich, Sir.“

„Es wäre eine große Hilfe für die regulären Dampfschiffleute – die guten alten Stützen –, wenn sie eine Ahnung davon bekommen könnten, was diese Wall-Street-Verbrecher mit Marston an der Spitze durchziehen – oder zumindest wird angenommen, dass er sie anführt. Er versteckt sich in der Mitte des Netzes und lässt die anderen Spinnen rennen und holen. Aber es ist Marstons Plan, darauf kannst du wetten! Was denkst du?“

„Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, Captain Wass.“ „Aber wie konntest du nicht darüber nachdenken, wenn du an Bord dieser Yacht ein Wort hier und ein Wort dort aufgeschnappt hast?“

„Ich habe nie zugehört – ich habe nie etwas gehört.“

„Aber er hatte die anderen Spinnen an Bord – habe sie selbst durch mein Spähglas gesehen, als du uns eines Tages im Juni passierst hast.“

„Ich nehme an, sie haben achtern miteinander gesprochen, aber meine Pflicht war vorne, Sir.“

„Es ist zu schade, dass dir niemand einen Floh ins Ohr gesetzt hat, Marstons Plan auszuspionieren, was auch immer es ist. Du hättest den echten Jungs in diesem Spiel helfen können!“

Mayo antwortete nicht.

Captain Wass zeigte die Entschlossenheit, vom Picken an den Rändern abzulassen und einen Stoß in die Mitte des Themas zu wagen. Er zog die Pfeife, ließ den Knauf los und wandte sich wieder dem Fenster zu, die Ellbogen auf das Gehäuse gestützt.

„Sohn, du bist nicht in diesen Piraten Marston verliebt, oder?“

„Nein, Sir!“, antwortete der junge Mann mit einer Bitterkeit, an der nicht zu zweifeln war.

„Nun, wie steht es damit, dass du in seine Tochter verliebt bist?“ Der ätzende Humor in den Tönen des alten Skippers raubte der Frage etwas von ihrer brutalen Stumpfheit, und Mayo war an Captain Wass' Art von Humor gewöhnt. Der junge Mann drehte seinen Kopf für einige Augenblicke nicht; er starrte weiter in den Nebel, als wäre er auf seine Pflicht konzentriert; er versuchte, sich zu beherrschen, wohl wissend, dass Ressentiments im Fall von Zoradus Wass nicht funktionieren würden. Als Mayo dem Skipper ins Gesicht sah, war dieser seinerseits verlegen, denn Mayo zeigte seine ebenmäßigen Zähne in einem herzlichen Lächeln.

„Glauben Sie, ich habe den Chauffeur-Trick versucht, um eine Erbin zu angeln, Sir?“

„Nun, es gibt ein ziemliches Funkgeflüster entlang der Küste, und Seeleute halten ihren Mund nicht immer geschlossen, nachdem sie das Geld eines Mannes genommen haben, um still zu sein“, stellte Captain Wass pointiert fest. „Ich würde dir keinen Vorwurf machen, wenn du zugreifen würdest. Du bist gut aussehend genug, um das zu tun, was andere in ähnlichen Fällen getan haben.“

„Danke, Sir. Was ist der Rest des Witzes?“

„Ich mache nie Witze“, erwiderte der Skipper, drehte sich um und zog an der Pfeifenschnur. Der Schrei der Nequasset erhob sich und erstarb in ihrer ehernen Kehle. „Ihr Name ist Alma?“, stichelte er. „Ein ziemlicher Klipper. Wenn Marston dich jemals zum Geschäftsführer macht, gib mir einen besseren Job als diesen, ja?“

„Werde ich, Sir!“

Der Skipper warf seinem Maat einen angewiderten Blick zu. „Du bist ein Teufelskerl, mit dem man ein Gespräch führen kann!“ Er spuckte gegen die Nebelwand und ließ erneut das heisere Klagen des Frachters los.

Von irgendwoher, voraus, ertönte ein Horn, das seinen Ruf in zwei Stößen aufteilte.

„Backbordbug und auf uns zu“, knurrte der Kapitän nach einem Schnuppern in der Luft und einem Blick auf die träge Kräuselung.

„Warum ist der verdammte Narr nicht vor Anker, anstatt hier unter unseren Füßen herumzudriften? Wie liegt er, Mr. Mayo?“ Er war nun wieder bei der Steuerhaus-Formalität mit seinem Maat.

„Zwei Strich halb, Steuerbordbug, Sir. Und da ist noch ein Kerl, der etwa in der gleichen Richtung ein Hornsignal gibt.“

„Noch ein Drifter – nicht genug Wind, damit sie wissen, auf welchem Bug sie wirklich sind. Nun, es gibt immer Artikel siebenundzwanzig, auf den man zurückgreifen kann“, brummte der Skipper. Er zitierte sarkastisch in dem Ton, in dem diese Regel so oft in Steuerhäusern entlang der Küste gemurmelt wird: „‚Es ist gebührende Rücksicht auf alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes zu nehmen, sowie auf besondere Umstände, die ein Abweichen von den obigen Regeln erforderlich machen können, und so weiter und so fort.‘ Was Gott sei Dank bedeutet, dass ein Dampfer immer vor einem verdammt noch mal verfluchten Schoner wegrennen kann, selbst bei halber Kraft. Ich hoffe, wenn es jemals zum Schwur kommt, wird der Sekretär des Handelsamtes mir zustimmen. Legen Sie sie auf Steuerbord, Mr. Mayo, bis wir sie querab haben.“

Der Maat warf einen schnellen Blick auf den Kompass. „Ost zu Nord, Jack“, befahl er.

„Ost zu Nord, Sir“, wiederholte der Quartiermeister in mechanischem Ton und drehte das große Rad nach links.

Es war offensichtlich, dass die Nequasset an diesem Tag erhebliche Gesellschaft auf See hatte. Ein wenig hinter ihrem Heck pfiff ein Schlepper einmal lang und zweimal kurz, was seine Schlepptau anzeigte. Er war schon seit einiger Zeit ihr „Kumpel“, und Mayo hatte gelegentlich seine Peilungen nach Schall und Kompass genommen und wusste, dass der Frachter langsam vorankam. Er rechnete, während er wieder auf die Hörner achtete, dass die Nequasset auf Kurs war, um alles zu umgehen.

„Nimm einen Skipper, der seine Bücher studiert und immer bereit ist, dem Amt ohne Zögern in die Augen zu schauen, er muss sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und auch um die des anderen“, sagte Captain Wass, während er seinen Monolog der Missmutigkeit fortsetzte. „Hier und da ausweichen, aus dem Weg gehen, zwei Tage hinter dem Zeitplan, Fleisch dreimal am Tag, sonst kann man keine Besatzung halten, und alle sind zur Essenszeit herzlich! Meine Eigentümer haben mir nie gesagt, ich solle das Gesetz zum Teufel jagen und rammen, was das Zeug hält! Aber wenn ich meine Abrechnungen einreiche, scheinen sie zu versuchen, sich eine Sprache auszudenken, die einem Mann sagt, er solle etwas tun, und ihm doch nicht sagt, was. Was ist das?“ Er streckte seinen Kopf weit aus dem Fenster.

Aus dem Nebel schwebte ein dumpfes, grunzendes Geräusch, ein ferner und weiter Diapason, eine Schiffspfeife, die einen großen Kerl ankündigte.

„Ich würde sagen, es ist ein Linienschiff der Union, Sir – entweder die Triton oder Neptune.“

Sie hörten zu. Sie warteten zwei lange Minuten auf ein weiteres Signal.

„Scheint sich seine volle, gesetzliche Zeit zu nehmen“, knurrte Captain Wass. „Seit Marston diese Linie geschluckt hat, hat er vielleicht ein spezielles Register eingeführt, um das Tuten im Auge zu behalten – denkt, es ist Dampfverschwendung und wird die Dividenden schmälern. Erwartet, dass wir kleinen Kerle das Quietschen übernehmen!“

Die große Pfeife dröhnte erneut, direkt voraus, und so viel näher, dass es den Skipper dazu brachte, einen deftigen Fluch auszustoßen.

„Er legt achtzehn Knoten vor, oder du kannst meinen Kopf als Nietmutter benutzen!“ Er riss an der Schnur und der Frachter heulte wütend. Der andere antwortete mit brüllendem Gebrüll – autokratisch, herrschsüchtig. Mit Ironie, mit Rachsucht, stimmte Captain Wass seine Stimme in einem sarkastisch näselnden Ton und rezitierte eine weitere Regel – um damit seine aufgebrachte Meinung über die Gesetzlosigkeit anderer Männer auszudrücken.

„Artikel sechzehn, Mr. Mayo! Er trägt sie wahrscheinlich in seinem Uhrengehäuse anstelle des Bildes seines Mädchens! Schöne Lektüre für einen Regentag! ‚Ein Dampfschiff, das scheinbar vor seinem Bug das Nebelsignal eines Schiffes hört, dessen Position nicht ermittelt ist, muss, soweit die Umstände des Falles es erlauben, seine Maschinen stoppen und dann mit Vorsicht navigieren, bis alle Gefahr eines Zusammenstoßes vorüber ist.‘ Hoch lebe das Regelwerk!“

Captain Wass hakte einen knorrigen Finger in die Schlaufe des Glockenzugs und riss bösartig nach oben. Ein dumpfer Klang ertönte weit unten. Er zog erneut und die Vibration des Motors hörte auf.

„Verdammt noch mal! Ich werde das volle Programm abziehen, wie es das Amt anordnet! Wenn er in mich hineinknallt, werden wir sehen, wer bei der Anhörung am besten davonkommt.“

Er gab der Glockenschlaufe zwei schnelle Rucke; dann wechselte er seine Hand zu einem anderen Zug und die Klingel ertönte im Maschinenraum – der Nequasset wurde befohlen, volle Fahrt achteraus zu machen.

Der Frachter bebte und schüttelte sich, als die Schiffsschraube begann, sich rückwärts zu drehen; sie zerrte am schäumenden Meer und krallte sich verzweifelt fest, um das Schiff zum Stehen zu bringen. Der Kapitän stieß daraufhin drei verbitterte, protestierende Pfiffe aus.

Doch die Antwort, die er von vorn erhielt, war ein heiseres, langgezogenes Geheul. Darin lag keinerlei Anzeichen, dass der große Kerl gedachte, den Protest der drei Pfiffe zu beachten. Es war ein Beharren auf dem Vorfahrtsrecht, die Unverschämtheit eines großspurigen Schnelldampfers, der im Wettbewerb mit Rivalen Zeit gutmachen wollte; es deutete auf die überhebliche Meinung hin, dass kleinere Burschen besser aus dem Weg gehen sollten.

Der Herannahende hatte ein Signal erhalten, das diese Ansicht zu rechtfertigen schien. Kapitän Wass hatte gefügig angekündigt, dass er mit voller Kraft achteraus ging, seine Pfiffe hatten erklärt, dass er vom Bürgersteig der Meeresstraße heruntergetreten war – wie üblich! Die großen Kerle wussten, dass die kleinen Burschen es tun würden!

Erster Offizier Mayo lehnte sich aus dem Fenster, die Kiefermuskeln angespannt, Sorge in den Augen.

Das große Signalhorn erschütterte nun regelrecht die Vorhänge aus Nebel und gab ihm keinerlei beruhigende Gewissheit, dass der Dampfer ausschwenkte, um ihnen auszuweichen.

Der Quartiermeister nahm die Situation philosophischer als seine Vorgesetzten. Er summte:

Sagen all die kleinen Fische, die hin und her schwimmen, Sie ist der Liverpool-Dampfer – o Herr, lass sie ziehen!

„Glaubt dieser gottverdammt törichte Kerl da vorn etwa, ich hätte drei Pfiffe geblasen, um Marstons Geburtstag oder ihre letzte Dividende zu grüßen, Mr. Mayo?“, rief Kapitän Wass.

Nebel sind eigenartig; Meeresdunst ist in seinen Bewegungen oft unheimlich. Es gibt Schichten, es gibt wirbelnde Luftströmungen, die den Vorhang zerreißen oder die sich ansammelnden Dämpfe zerfetzen. Die Männer im Steuerhaus der Nequasset stellten plötzlich fest, dass sich ihr Sichtfeld erweitert hatte. Der Nebel klärte sich nicht; er wurde dünner und gab einen Bereich des Meeres preis. Es war wie ein dünner Schleier, der undeutlich enthüllte, was er verzerrte und vergrößerte.

Bei Nebel untersuchen erfahrene Dampfschiffer immer mit ernstem Blick die Linie, wo Nebel und Ozean verschmelzen. Sie starren nicht in den Nebel hinauf, um den Umriss eines herannahenden Fahrzeugs zu erkennen; sie sind in der Lage, zuallererst die weiße Schaumlinie auszumachen, die das Aufspritzen des Vorstevens oder das Kielwasser des Schiffes markiert.

„Da kommt sie, Sir!“, kündigte der Offizier an. Er richtete seinen Finger auf ein schäumendes Aufbäumen von aufgewühltem Wasser.

„Ja, Sir! Achtzehn Knoten und beide Augen zu!“ Doch unter den Groll mischte sich Erleichterung. Sein flüchtiger Blick verriet ihm, dass der Dampfer die Nequasset weit an Steuerbord passieren würde – ihr Bug zeigte eine Abweichung von mindestens zwei Strich vom Kurs des Frachters. Doch im nächsten Augenblick stieß Kapitän Wass einen Schrei wütenden Alarms aus. „Ja, beide Augen zu!“, wiederholte er.

Genau auf der Linie des pflügenden Bugs des Dampfers befand sich ein Hampton-Boot eines Fischers, das sichtbar wurde, als der Nebel weiterzog.

Der Passagierdampfer stieß ein halbes Dutzend „Wuffs“ aus seinem Horn aus, als Antwort auf die Stakkato-Warnung des Frachters, zeigte aber keine Anzeichen, langsamer zu werden. Dass sie jedoch den Versuch unternahmen, dem Winzling auf ihrem Weg auszuweichen, wurde durch den Ruf ihres Ausgucks und dessen schrillen Zuruf deutlich: „Backbord! Hart ruderlegen!“

Der Fischer besaß die ganze Wachsamkeit seines Schlages, geschult durch Gefahren und die allgegenwärtige Aussicht auf Missgeschick, um zu verzweifelten Maßnahmen zu greifen. Er sprang nach vorn, riss seinen Mast heraus und warf Mast und Segel über Bord.

Er wusste, dass er dem gewaltigen Sog und Kielwasser des heranrasenden Rumpfes begegnen musste. Seine Nussschale von einem Boot, falls durch das Segel kopflastig gemacht, hätte kaum eine Chance.

„Er ist erledigt!“, keuchte Kapitän Wass. „Sie wird ihn glatt unter sich begraben – es sei denn, sie legt noch ein bisschen an Geschwindigkeit zu und springt über ihn hinweg!“, fügte er hinzu, zu bitterem Sarkasmus bewegt.

Sie sahen, wie das kleine Boot hinter dem schwarzen Vorsteven verschwand, wobei das erste Anheben der aufgewühlten Wasser das Nussschälchen wie eine Münze emporflipte, die mit dem Daumen geschnippt wird. Der Fischer war nicht zu sehen – er hatte sich flach auf den Boden seines Bootes geworfen.

„Er ist für immer untergetaucht“, stellte der Kapitän überzeugt fest. „Wenn ihn ihr Kimmkiel nicht zerquetscht, dann ihre Backbord-Schraube!“

So schnell bewegte sich der Dampfer, so abrupt war seine Kurve nach rechts, dass er sich weit überlegte und ihnen das Rot seines riesigen Kimmbereichs zeigte. Seine hohe Geschwindigkeit ermöglichte es ihm, eine besonders schnelle Wende zu vollziehen. Während sie staunten, schwenkten ihre beiden Schornsteine fast in eine Linie. Ihr scharfer Bug bedrohte die Nequasset.

„Der verdammte alte Höllenhund rammt uns jetzt!“, brüllte Kapitän Wass. In seiner Panik und Wut sprang er auf und ab und riss an der Leine der Signalpfeife.

Sie war fast über ihnen – nur ein paar hundert Meter grauen Wassers trennten die beiden Dampfer.

Es war die Triton!

Ihr Name wurde an ihrem Bug enthüllt. Ihre roten Klüsenlöcher starrten wie glühende und wilde Augen. Es lag eine unbeschreiblich brutale Drohung in diesem plötzlichen Vorstoß in ihre Richtung. Es war, als hätte ein Seeungeheuer ein Insekt in Gestalt eines Hampton-Bootes verschluckt und suchte nun nach einem richtigen Bissen. Doch ihr mächtiges Ruder schwang auf den schnellen Zug ihrer Dampfsteuerungsanlage und sie scherte erneut aus, wobei sie ein S schnitt. Die Bewegung brachte sie am Heck der Nequasset vorbei, eine Kekswurfweite entfernt. Die gewaltige Woge ihrer donnernden Passage hob den Rumpf des Frachters achtern an, und die riesige Welle, die zwischen den beiden Rümpfen eingepfercht war, krönte sich mit schäumendem Weiß und klatschte eine gute, großzügige Tonne grünen Wassers über die Aufbauten des kleineren Dampfers.

Kapitän Wass griff nach seinem Megaphon; er wollte ein paar Bemerkungen loswerden, die dem Vorfall angemessen schienen.

Doch der Kapitän der Triton war mit einer Schnelligkeit zuvorgekommen, die der modernen Geschwindigkeit seines Schiffes entsprach. Er brüllte durch den riesigen Trichter, den ein Quartiermeister für ihn hielt. Seine Sprache war erschreckend. Er verfluchte Frachter auf höchst gekonnte Weise. Er fragte, warum die Nequasset da im Seegang herumlungerte, ohne Fahrt im Schiff, um zu steuern! Diese erstaunliche Frage verschlug Kapitän Wass den Atem und jede Fähigkeit zur Erwiderung. So etwas einen Mann zu fragen, der das Gesetz buchstäblich befolgt hatte! Ein Kerl, der mit achtzehn Knoten durch den Nebel knallte und einen gewissenhaften Kapitän beschuldigte, weil dieser angehalten hatte, um aus dem Weg zu gehen!

Und vor allem, während er die Frage stellte, so schnell unterwegs, dass er außer Hörweite war, bevor eine angemessene Antwort gegeben werden konnte!

Kapitän Wass ließ diese wirbelnden Gedanken in einem Gehirn kreisen, das loderte und sein Feuer durch die weit aufgerissenen Augen des Kapitäns zeigte.

Dann knallte er sein Megaphon quer durch das Steuerhaus. Es prallte gegen ihn zurück, und er trat es in eine Ecke. Er begann, mit der Faust gegen ein großes Plakat zu hämmern, das unter seinem Kapitänspatent festgenagelt war. Der Karton war frisch weiß, und seine Reißzwecken waren hell, was zeigte, dass es erst kürzlich als Element des Steuerhauses hinzugefügt worden war. Große Buchstaben in roter Tinte oben rieten: „Sicherheit geht vor“. Andere große Buchstaben unten warnten: „Keine Risiken eingehen“. Der mittlere Text wies die Schiffsführer darauf hin, dass im Falle eines Unfalls die Schuldigen die volle Schwere von Uncle Sams schwerer Hand zu spüren bekämen; es war die neueste Ausgabe des Handels- und Arbeitsministeriums und trug die Unterschrift des ehrenwerten Sekretärs des Amtes.

Mayo bemerkte, dass sein Chef völlig in diese sprachlose Aktivität versunken war; deshalb zog er an den Glocken, die das rückwärtige Wühlen stoppten und den Frachter auf seinen Weg brachten. Sie passierten den Fischer im Hampton-Boot; er war dabei, sein Fahrzeug auszuschöpfen.

„Das war ein ziemlich knappes Ding, Sir! Ich bin froh, dass ich von Ihnen dazu ausgebildet wurde, ein vorsichtiger Mann zu sein. Sie sind kein Risiko eingegangen!“

„Und wo bin ich gelandet, indem ich die Regeln der Vereinigten Staaten befolgt und niemals Risiken eingegangen bin, Mr. Mayo? Mit fünfundsechzig bin ich Kapitän eines Frachtkahns, angemault von den Eignern an Land und angemault auf hoher See von Kerlen wie dem da, der gerade an uns vorbeigedonnert ist! Wenn dieser Passagierdampfer mich getroffen hätte, hätten mir die Anwälte das kürzere Ende des Stocks in die Hand gedrückt! Es ist alles zum Wohle der höllischen Kerle, wie die Dinge heutzutage auf dieser Welt geregelt sind. Ich werde Glück haben, wenn er nicht in New York Beschwerde gegen mich einreicht und behauptet, ich sei ihm in den Weg gekommen!“ Er schnitt sich ein frisches Stück schwarzen Kautabaks ab und nahm seinen Platz am Pfeifenzug ein. „Sie sollten sich besser eine Erbin angeln“, riet er seinem Offizier säuerlich. „Ein altmodischer Kapitän in diesen Tagen der Dampfschifffahrt zu sein, ist etwas, das ich aus Höflichkeit nicht beim Namen nenne. Und was die andere Art betrifft – nun, Sie haben gerade gesehen, wie er vorbeigedonnert ist!“

Während sie jedoch die Küste entlangwälzten, wobei ihr alter Kahn unter dem Gewicht der Schienen unter seinen Luken ächzte, empfand Erster Offizier Mayo einiges von der ehrgeizigen Neid eines jungen Mannes auf jenen piekfeinen Großsprecher, der Anathema aus dem Steuerhaus der Triton gebrüllt hatte. Es war echtes Dampfschiffahren, überlegte er, auch wenn die Forderungen der Eigner und Dividendenjäger einen Kapitän dazu zwangen, sein Glück zwischen die Zähne zu nehmen und über die Meere zu galoppieren.

XVI ~ MILLIONEN UND EIN WINZLING

Zu Tiffanys nahm ich sie mit, Die Kosten waren mir egal; Ich kaufte ihr zwei goldene Ohrringe, Sie kosteten mich fünfzig Cent. Und a-a-ab, du Santee! Meine liebe Annie! O ihr New Yorker Mädchen! Könnt ihr nicht die Polka tanzen! --Shanty, „The Lime Juicer.“

Mr. Ralph Bradish, der eines der Kabinentelefone in den Büros von Marston & Waller an der Wall Street benutzte, bat den Kassierer eines Restaurants in der Innenstadt eindringlich als besonderen Gefallen, den persönlichen Scheck über fünfundzwanzig Dollar, den Mr. Bradish am Abend zuvor ausgestellt hatte, vierundzwanzig Stunden lang zurückzuhalten.

Zehn Minuten später, mit größter Nonchalance und völlig sicher, dass das Dokument so gut wie Weizen war, unterzeichnete Mr. Bradish einen Scheck über eine Million zweihundertfünfzigtausend Dollar.

Dieser Betrag erstaunte ihn in keiner Weise. Er war es durchaus gewohnt, gewaltig hohe Schecks zu unterschreiben, wenn er in die Gegenwart von Julius Marston gerufen wurde. Einmal betrug der genannte Betrag zwei Millionen. Und es hatte unzählige Male das gegeben, was Mr. Bradish geistig als „Piker-Schecks“ bezeichnete – hunderttausend, zwei- und dreihunderttausend. Und er war nie gezwungen gewesen, wegen Geldmangels eine Zurückhaltung bei diesen Schecks zu erbitten. Denn in jedem Fall gab es eine magische, gedruckte Zeile, auf der Mr. Bradish seine Unterschrift platziert hatte.

Bevor er die Tinte auf diesem Scheck abwischte, warf Bradish nur aus untätiger Neugier einen Blick darauf, um festzustellen, in welcher Funktion er diesmal diente. Die gedruckte Zeile verkündete ihm, dass er „Schatzmeister der Paramount Coast Transportation Company, Inc.“ sei. Er erinnerte sich, dass er in der Vergangenheit als Schatzmeister der „Union Securities Company“, der „Amalgamated Holding Company“ und für andere Unternehmen unterzeichnet hatte, die Eisenbahnen und große Industrien unterstützten, deren Geschicke Julius Marston, Finanzier, offenbar stark beeinflussten. Es war offensichtlich, dass Finanzier Marston es vorzog, einen Vierzig-Dollar-die-Woche-Angestellten die niedere Arbeit des Scheckunterzeichnens erledigen zu lassen, oder zumindest den Namen dieses Angestellten statt Marstons eigenen in Erscheinung treten zu lassen.

Diese Bescheidenheit, seinen Namen öffentlich auf einem Scheck erscheinen zu lassen, schien an den Geschäftsgewohnheiten von Mr. Marston zu haften.

Nur sehr wenige Personen wurden jemals in dieses innere Heiligtum zugelassen, wo Bradish seinem Arbeitgeber gegenüber am flachen Schreibtisch saß. Und Männer, die diesen Arbeitgeber außerhalb seines Büros sahen, drehten ihre Köpfe nicht um, um ihm nachzustarren oder mit respektvollem Finger auf ihn zu zeigen oder zu jemand anderem zu bemerken: „Da ist der große Julius Marston.“ Erstens war Mr. Marston in physischer Hinsicht nicht groß, und es gab nichts an ihm, das Aufmerksamkeit erregen oder dazu führen würde, in einer Menge bemerkt zu werden. Und nur wenige Personen kannten ihn ohnehin wirklich.

Er saß in seinem massiven Stuhl; eine Hand auf die Armlehne gestützt, der Ellbogen abgewinkelt, und mit der anderen Hand zupfte er langsam an dem schmalen Bartstreifen, der sich von seiner Unterlippe bis zum spitzen Ende seines Kinns erstreckte.

„Sehr wohl, Mr. Bradish“, bemerkte er, nachdem Letzterer den Löschwieger vom Scheck gehoben hatte.

Bradish stand auf, verbeugte sich und wollte gehen. Er war ein großer und wohlgeformter junger Mann, mit Taille, mit Haltung. Seine Kleidung war nach der neuesten Mode – zurückhaltend. Er war eine Studie in Braun, was den Stoff der Kleidung und deren Accessoires betraf. Einer dieser weißgesichtigen Kerle, die immer ein wenig gelangweilt aussehen, mit einem Hauch von modernem Zynismus! Einer dieser Typen, die viel zuhören und wenig sagen!

„Nur einen Moment, Bradish“, lud Marston ein, und der junge Mann hielt an. „Ich mag Ihre Art in diesen Angelegenheiten. Sie stellen keine Fragen. Sie zeigen kein albernes Interesse an irgendeinem Scheck, den Sie unterschreiben.“

Bradish dachte einen Moment an den Scheck in der Schublade des Restaurantkassierers und presste seine dünnen Lippen ein wenig fester zusammen.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie nicht herumerzählen, welche Art diese besonderen Pflichten haben.“ Der Finanzier deutete auf den Scheck. „Ich sage ganz offen, dass ich Sie für diesen Dienst nicht ausgewählt habe, bevor ich mich vergewissert hatte, dass Sie im Büro mit meinen anderen Angestellten nicht über Ihre eigenen Angelegenheiten sprachen.“

Bradish neigte respektvoll den Kopf.

„In finanziellen Angelegenheiten ist es notwendig, Männer sorgfältig auszuwählen. Ich vertraue darauf, dass Sie meine Einstellung verstehen. Diese Transaktionen sind völlig legitim. Aber moderne Methoden der Hochfinanz machen es notwendig, die Details ein wenig zu manipulieren. Ihre Einstellung, diese Pflichten als selbstverständlich anzusehen, ist vom geschäftlichen Standpunkt aus sehr erfreulich. Als kleines Zeichen unseres Vertrauens in Sie werden Sie von nun an fünfundsiebzig Dollar pro Woche erhalten.“

„Danke.“

Mr. Marston gestattete sich ein kurzes, trockenes Lächeln. „Das ist kein Bestechungsgeld, verstehen Sie. Mit diesem nominellen Dienst ist nichts verbunden, was Bestechung erfordert. Wir wollen lediglich dafür sorgen, dass es sich für einen umsichtigen und verschwiegenen jungen Mann lohnt, bei uns zu bleiben.“

Ein Summer, so unauffällig wie alle Eigenschaften von Finanzier Marston, ließ sein sanftes Schnurren hören.

„Ja“, murmelte er in den Hörer des Telefons, das mit dem wachsamen Posten der Büros von Marston & Waller kommunizierte. „Wer? Oh, sie kann sofort reinkommen.“

„Warten Sie hier einen Moment, bitte, Mr. Bradish. Es ist meine Tochter, die kurz reingekommen ist, um ein Wort mit mir zu sprechen. Ich habe noch etwas für Sie zu erledigen.“

Bradish ging zu einem der Fenster. Er starrte scharf auf das Mädchen, das hastig eintrat. Ihr Hut und ihr Gesicht waren in einen Automobilschleier gehüllt, und das klösterliche Licht des großen Raumes trug dazu bei, ihre Gesichtszüge zu verbergen. Aber Bradish schien trotz der Unbestimmtheit der Umrisse etwas an ihr wiederzuerkennen. Als sie zu ihrem Vater sprach, blitzten die Augen des jungen Mannes vor echtem Erstaunen auf.

„Ich konnte es am Telefon nicht sehr gut erklären, Papa, also bin ich direkt runtergekommen. Verzeih mir bitte, wenn ich dich nur für eine Minute störe.“ Sie warf einen kurzen Blick auf den jungen Mann am Fenster, fand ihn aber nur als Umriss gegen das Licht.

„Nur einer unserer Angestellten“, sagte ihr Vater. „Was gibt es, mein Mädchen?“

„Es geht um Nan Burgess’ Hausparty in Kingston! Es soll eine Automobilparade geben – alles dekoriert – beim Fest, und ich möchte mit unserem großen Auto fahren und es zwei Tage haben. Ich hatte Angst, du würdest nein sagen, wenn ich dich am Telefon frage, aber jetzt, wo ich direkt hier bin und dir mit der ganzen Überzeugungskraft meiner Seele in die Augen schaue, kannst du einfach nicht ablehnen, oder, Papa?“

„Ich glaube, vielleicht hätte ich am Telefon zugestimmt, Alma.“

„Dann darf ich das Auto nehmen?“ Ihre verspielten Töne stiegen in ein ekstatisches Crescendo. Die Impulsivität ihres Wesens zeigte sich in ihrer Art, diesen Gefallen anzunehmen. Sie tanzte zu ihrem Vater und schlang die Arme um ihn. Sie zeigte so viel Freude, als hätte er ihr ein Geschenk aus unbezahlbaren Perlen gemacht. Die Ausgelassenheit ihrer Freude schien ihn ein wenig zu stören.

„Sanft, sanft, Alma! Wenn du deinen Dank auf diese Weise für einen kleinen Gefallen verschwendest, was wirst du eines Tages an Superlativen tun, wenn du wirklich begierig darauf bist, jemandem für ein großes Geschenk zu danken?“

„Oh, ich werde immer genug Dank haben, um ihn zu verteilen – das ist meine Art. Die Leute, die mich lieben, die kann ich doppelt so sehr lieben. Du bist ein lieber alter Vater, und ich weiß, du möchtest, dass ich loslaufe, damit du wieder eine Menge mehr Geld verdienen kannst. Also werde ich mich einfach aus dem Weg schaffen.“

Als sie sich umdrehte, warf sie erneut einen Blick auf die Person in Fensternähe, und diesmal konnte sie sein Gesicht gut sehen. Selbst der Schleier konnte vor Bradish nicht die Farbe verbergen, die sich auf ihre Wangen ausbreitete. Sie war sich ihrer Verlegenheit und ihres Erscheinungsbildes so bewusst, dass sie ihr Gesicht nicht ihrem Vater zuwandte, als er zu ihr sprach.

„Einen Moment, Alma! Da mein großes Auto einen zweitägigen Urlaub auf dem Land haben wird, kann ich es genauso gut noch eine letzte geschäftliche Besorgung für mich erledigen lassen.“

Er rief Bradish mit einem seitlichen Ruck des Kopfes an den Schreibtisch.

„Ich möchte, dass dieser Scheck so schnell wie möglich in die Hände der Maklerfirma Mower Brothers gelangt. Mein Auto steht vor der Tür, und es kann Sie genauso gut mitnehmen. Alma, erlauben Sie diesem jungen Mann von uns, mit Ihnen zu dem Ort zu fahren, an den ich ihn schicke.“

Er stellte Bradish nicht Miss Marston vor. Bradish erwartete auch nicht, dass der Finanzier dies tat. Aber diese Abfertigung als bloßer Laufbursche – während die junge Dame ihn halb verängstigt aus dem Konzept brachte – kränkte den Stolz ein wenig, selbst bei einem bloßen Angestellten. Und dieser Angestellte grübelte über die Erinnerung nach, dass er erst am Abend zuvor diese junge Dame – damals eine unbekannte Person, die offensichtlich auf ein inkognites Abenteuer aus war – umschlungen gehalten hatte, eben diese Maid während vieler glückseliger Tänze in einem der prächtigen öffentlichen Ballsäle am Broadway. Und er hatte sie und eine Freundin mit Speisen bewirtet, für die sein Scheck über fünfundzwanzig Dollar kaum ausgereicht hatte.

Bradish war ziemlich vertraut mit den Phasen und Seltsamkeiten des Tanzwahns, aber dieser Zwischenfall erschütterte ihn doch ein wenig.

Sie hatten einander während dieser Tänze keine Fragen gestellt. Sie waren mit der Freude des Augenblicks völlig zufrieden gewesen. Sie hatte ihn auf eine Weise angesehen, mit einer solchen Sanftheit in ihren Augen, die ihm verriet, dass sie ihn in ihren Augen für gefällig befand. Sie war begeistert gewesen, mit derselben Ausgelassenheit, die er gerade erlebt hatte, von seiner Anmut beim Tanzen. Sie hatten versprochen, sich wieder in dem Ballsaal zu treffen, wo soziale Konventionen gesunde junge Leute nicht daran hinderten, sich zu amüsieren.

„Gütiger Himmel!“, flüsterte sie ihm zu, als sie vor ihm durch die Tür ging. „Sie arbeiten im Büro meines Vaters?“

„Sie sind überrascht – ein wenig schockiert – und ich kann es Ihnen nicht verübeln“, erwiderte er demütig. „Was mich betrifft, so bin ich einfach fassungslos. Aber ich bin kein Klatschmaul.“

Sie stahl einen Blick auf sein blasses, ausdrucksloses Gesicht, und etwas von der Instinktsicherheit ihres Vaters bei der Beurteilung von Männern schien sie zu beruhigen.

„Man muss ein bisschen spielen“, seufzte sie. „Und es ist die meiste Zeit so dumm, unter Leuten, die man sehr gut kennt. Es gibt keine Überraschungen mehr.“

Als er die Tür leise hinter ihnen schloss, hörte Bradish Marston, der erneut in seine geschäftlichen Angelegenheiten vertieft war, am Telefon anweisen, einen gewissen Fletcher Fogg ausfindig zu machen und zu ihm zu schicken.

„Ich entschuldige mich“, sagte Bradish auf dem Korridor. Sie warteten auf den Fahrstuhl.

„Wofür?“, sie hob die Augenbrauen, und in ihren dunklen Augen lag kein Hinweis auf Verärgerung.

„Dafür, dass ich – nun – angesichts der Lage fast so aussieht, als hätte ich mich angemaßt – Maskerade getrieben. Ich bin nur ein Angestellter, und –“

„Aber Sie sind ein Angestellter in Julius Marstons Büros“, sagte sie stolz, „und das bedeutet, dass man Ihnen vertrauen kann. Ich verlange keine Entschuldigung von Ihnen, Mr. – er –“

„Mein Name ist Ralph Bradish.“

„Ich bin gestern Abend der Langeweile entflohen; ich hatte gehofft, ein wenig Spaß zu haben. Und ich fand einen jungen Gentleman, der keine unverschämten Fragen stellte, der sehr zuvorkommend war und der eine Freude beim Tanzen war. Es war alles sehr unschuldig – ziemlich unbesonnen – aber rundum schön. Da!“

„Ich danke Ihnen.“

„Und – nun, nach Nan Burgess’ Hausparty, ich –“

Sie blickte zu ihm auf, Provokation in ihren Augen.

„Aber ich darf wohl nicht hoffen, dass Sie sich herablassen, wiederzukommen und mit mir zu tanzen?“

„Julius Marston hat seine Tochter gelehrt, ihr Versprechen zu halten, Sir. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich versprochen.“

Er antwortete nicht, denn das Gittertor des Fahrstuhls schlug krachend auf, damit sie eintreten konnten.

Und im Fahrstuhl und später im Auto schwieg er, wie es sich für einen Angestellten in Marstons Büros gehörte, wenn er in Begleitung von Marstons Tochter war und Zuhörer in der Nähe waren.

Ihre Augen drückten ihm gegenüber deutliche Anerkennung aus, und ihre Lippen schenkten ihm ein bezauberndes Lächeln, als er an seinem Ziel ausstieg.

Bradish blieb einen Moment stehen und sah dem Wagen nach, als dieser sich seinen Weg in den Verkehr des Broadway bahnte.

„Sie ist eine flatterhafte junge Dame mit einer neuen Idee für jede Minute“, sagte er sich. „Das sieht man deutlich genug. Es ist wahrscheinlich alles nur Spaß von ihrer Seite. Aber in diesen Tagen, wenn ein Kerl einen kühlen Kopf bewahrt und seine Füße in Bewegung hält, lässt sich nicht sagen, wohin der Tango führen kann. Das könnte genau das sein, wofür ich die Schneidereirechnungen bezahlt habe.“

Was darauf hindeutet, dass in diesen berechnenden Zeiten der Geist der Jugend im Eifer der Liebe auf den ersten Blick nicht so ist, wie ihn der Dichter der Romantik gemalt hat.

XVII ~ „GENAU!“, SAGTE MR. FOGG

„O, ich bin kein Kriegsschiff oder Kaperer“, sagte er, Weh hoch, weh tief, und so segelten wir! „Doch ich bin ein ehrlicher Pirat auf der Suche nach meiner Heuer, Kreuzend die Küste entlang der hohen Barbarei.“ --Shanty der „Prince Luther“.

Mr. Fletcher Fogg schlug sich privat, geistig und metaphorisch selbst auf die Schulter, wann immer er über seine vielen Aktivitäten nachdachte.

Er war vollkommen sicher, dass er der beste kleine zweihändige Generalunternehmer mit Allround-Charakter war, den ein Gentleman sich sichern konnte, wenn dieser Gentleman eine Arbeit erledigt haben wollte und sich nicht darum scherte, explizite Anweisungen zu den Einzelheiten des Ablaufs zu geben.

Der Blick der Trauer und des Bedauerns, den das dicke Gesicht von Mr. Fogg annehmen konnte, wenn besagter Gentleman – nachdem die Arbeit erledigt war – die Methoden als unbefugt tadelte, obwohl das Ergebnis erzielt worden war – dieser Ausdruck war eine Studie in Demut – Demut mit der Zunge in der Wange.

Wenn Mr. Fogg sein Geschäft nach eigenem Gutdünken hätte bewerben können – da er sich seiner Taktik nicht im Geringsten schämte –, hätte er eine Karte herausgegeben, die etwa so beschriftet gewesen wäre:

„Mr. FLETCHER FOGG: Beförderung und Degradierung. Aufbau und Zerstörung. Das gesamte Innere jedes finanziellen oder industriellen Käses ausgeräumt, ohne die äußere Rinde zu stören. Alle stillen Arbeiten lautlos ausgeführt. Genügend Blechmusik für laute Arbeiten. Breite Schultern geliefert, um die ganze Schuld auf sich zu nehmen.“

Mr. Fogg war in Gegenwart von Julius Marston angemessen unterwürfig, aber nicht im Geringsten kriecherisch. Er wischte die Feuchtigkeitsflecken neben seiner Nase mit einem violetten Taschentuch ab und steckte es zurück in seine äußere Brusttasche, wobei die Ecken wie aufmerksame Ohren herausragten. Er schlug die Beine übereinander und legte einen Knöchel, der in einen violetten Seidenstrumpf gehüllt war, auf sein Knie. Aufgrund seiner Leibesfülle war er gezwungen, den Knöchel fest in seiner Hand zu halten. Mit der anderen Hand rückte er seine violette Krawatte zurecht.

„Ich bin froh, dass ich in Reichweite war, als Sie mich brauchten“, versicherte er Mr. Marston. „Ich bin gerade mit der Triton angekommen. Und ich möchte Ihnen sagen, dass Sie diese Dampfschifflinie so führen, wie ein amerikanischer Geschäftsmann es sich wünscht. Wenn ich auf einer anderen Linie gewesen wäre, Sir, wäre ich heute nicht hier gewesen, als Sie nach mir suchten. Alles andere an der Küste schleicht nur mit halber Kraft dahin, aber die alte Triton preschte voran und verstreute sie unter ihren Füßen wie ein Auto, das durch eine Hühnerschar fährt, aber kein Ruckeln, kein Schrammen, kein Stoßen, und direkt in ihr Dock, durch zwei Tage dichten Nebels, genau auf die Minute. Das ist die Art und Weise, wie ein Amerikaner befördert werden will, Sir.“

„Das glaube ich, Mr. Fogg“, stimmte Julius Marston zu. „Und deshalb halten wir es für eine gute Sache, dass alle Küstenlinien unter einer Verwaltung stehen – unserer Verwaltung.“

„Genau!“

„Es ist wahrer Fortschritt – wahrer Nutzen für Reisende, Aktionäre und alle Beteiligten. Konsolidierung statt Rivalität. Ich glaube daran.“

„Genau!“

„Als ein breit aufgestellter Geschäftsmann – groß genug, um große Angelegenheiten zu erfassen – haben Sie gesehen, wie Konsolidierung Reformen bewirkt.“

„Da gibt es kein Wenn und Aber“, bekräftigte Mr. Fogg.

„Das war sehr gute Missionsarbeit, die Sie in der Angelegenheit der Sound & Cape-Linie geleistet haben – wirklich sehr gut.“

„Es ist erstaunlich, welch hohe und hehre Vorstellungen manche Aktionäre von den Immobilien haben, an denen sie interessiert sind. In finanziellen Angelegenheiten ist die ärmste Schlussfolgerung, die ein Mann ziehen kann, dass eine Aktie immer weiterhin Dividenden zahlen wird, nur weil sie es immer getan hat. Ich musste einen ziemlich lauten Feuerwerkskörper zünden, um diese Sound & Cape-Leute aufzuwecken. Ich musste ihnen zeigen, welchen Schaden die neuen Geschäfte, der Wettbewerb und unsere Kombination ihnen zufügen würden, wenn sie weiterhin auf ihren Aktienzertifikaten schliefen. Es ist komisch, wie schwer es ist, manche Leute von ihren Vorstellungen über den Nennwert abzubringen.“ Mr. Fogg hielt diese kleine Abhandlung über die Widerspenstigkeit von Aktionären mit vorwurfsvoller Kraft und starrte dabei sanft in den unverwandten Blick von Mr. Marston. „Ich möchte meine eigenen bescheidenen Bemühungen nicht zu sehr loben“, fuhr er fort, „aber ich glaube wirklich, dass die Sound-Leute innerhalb weiterer dreißig Tage bereit gewesen wären, zu fünfzig auszuzahlen, trotz dieser Minderheitengruppe, die nach dem Nennwert schrie. Das war nur ein großes Geschrei von ein paar Leuten.“

„Fünfzig war ein fairer Preis angesichts dessen, was an Wettbewerb bevorsteht, aber wir haben ein Fünf-Achtel-Angebot daraus gemacht, um den Deal schnell unter Dach und Fach zu bringen. Ich habe gerade einen unserer Jungs mit dem Scheck vorbeigeschickt.“

Mr. Fogg strahlte. Er benutzte sein violettes Taschentuch noch einmal auf seinen Wangen. Er erlaubte sich ein paar Worte des Lobes: „Sie werden eines Tages verstehen, dass ich sie vor einem größeren Stoß bewahrt habe. Aber es ist schwer, manchen Leuten etwas klarzumachen.“

„Nun, Mr. Fogg, wir kommen zur Angelegenheit der Vose-Linie. Wie sieht der Ausblick aus?“

Mr. Fogg sah traurig aus. „Nach wochenlanger Jagd nach ihnen kann ich nur sagen, dass sie unnachgiebig und stur sind, einfach blind gegenüber ihren eigenen besten Interessen.“

„Sie bestehen auf dem Nennwert, nicht wahr?“

„Schlimmer als das. Der alte Vose und seine Söhne und diese alten Hainbuchen-Direktoren – pensionierte Schiffskapitäne, wissen Sie, so hart wie alte Schildkröten – sie haben sich gegen die Konsolidierung gestellt. Sie gehören in das dunkle Zeitalter des Geschäfts. Der alte Vose hatte die Unverschämtheit, mir zu sagen, dass die Gründung dieses Dampfschiff-Kombinats ein Verbrechen sei und dass er kein Teil eines Verrats an der Öffentlichkeit sein wolle. Er wird nicht mitmachen; er wird nicht verkaufen; er wird konkurrieren.“

Mr. Marston strich sich über seinen Bartstreifen. „Damit unsere Aktie das wird, was wir beabsichtigen, muss die Paramount Coast Transportation als vollständiges Monopol agieren, wie Sie verstehen, Mr. Fogg. Ein wohltätiges Monopol – eine Konsolidierung, die allen nützt – aber dennoch ein Monopol. Wenn eine Linie uns die Gefolgschaft verweigert, haben wir nur ein hinkendes Angebot.“

„Genau!“

„Was werden wir wegen der Vose-Linie unternehmen?“

„Lassen Sie sie konkurrieren, Sir. Wir können sie am Ende vernichten.“

„Möglicherweise – wahrscheinlich. Aber dieser Plan wird nicht funktionieren, Mr. Fogg.“

„Es ist Geschäft.“

„Aber es ist keine Finanzwirtschaft. Ich betrachte diesen Vorschlag ausschließlich als Finanzier, Mr. Fogg. Ich kenne kaum das eine Ende eines Dampfschiffs vom anderen. Ich interessiere mich nicht für Probleme der Preissenkungen. Ich weiß nicht, wie lange es dauern würde, die Vose-Linie zu Fall zu bringen. Aber ich weiß eines, als Finanzier, der ein großes Geschäft abwickelt, dass die Paramount-Aktie für Investoren oder die Anleihen für Banken nicht attraktiv sein werden, es sei denn, wir können unser Projekt als eine saubere, perfekte Kombination starten, bei der jeder Transport-Charter unter Verschluss ist. Ich gehe mit Geld um, und ich kenne all die Ängstlichkeit des Geldes und all seinen Mut. Sie glauben, die Vose-Direktoren sind in der Lage, ihre Aktionäre bei der Stange zu halten, nicht wahr?“

Mr. Fogg nahm die Beine übereinander weg, stellte beide Füße auf den Boden, hängte seine Hände über seinen Bauch und starrte an die Decke, wobei er offensichtlich tief nachdachte.

„Ich wiederhole, ich betrachte diese Sache nicht als Dampfschiff-Projekt, ich rechne nicht aus, welche Art von Tarifen den Wettbewerb töten wird“, erklärte Mr. Marston. „Ich schätze nicht ab, welche Art von Tarifen für die Paramount einen Gewinn abwerfen wird. Ich würde genauso gut Zucker über den Tresen verkaufen. Meine Partner erwarten von mir, dass ich auf andere Weise Geld für sie verdiene – in großen Batzen und durch schnelles Handeln. Die konkurrierende Vose-Linie tötet uns aus finanzieller Sicht.“

„Genau.“

Es herrschte einige Zeit Stille im Raum.

„Man kann nie wissen, was Aktionäre tun werden“, bemerkte Mr. Fogg, dessen Augen immer noch die Paneele der Decke studierten.

Mr. Marston widersprach diesem Diktum nicht.

Sein Feldmarschall neigte langsam den Kopf und schenkte seinem Vorgesetzten einen weiteren dieser sanften Blicke.

„Also werde ich direkt weitermachen und sehen, was sie tun werden, Sir.“

Er stand auf und zupfte seine Hosenbeine zurecht.

„Sie verstehen, dass es in dieser Angelegenheit, wie in allen Sachen, in denen Sie beschäftigt waren, absolut saubere Arbeit geben muss. Es darf kein Zurück geben. Natürlich habe ich Sie regelmäßig in diesem Sinne angewiesen, aber ich möchte, dass Sie sich daran erinnern, dass ich die Anweisungen wiederholt habe, Sir.“

„Genau!“ Mr. Foggs Augen blinzelten nicht.

„Sie werden bereit sein, in diesem Sinne auszusagen, falls die Notwendigkeit jemals entsteht.“

„Genau!“

Mr. Fogg sprach dieses Wort wie eine Losung aus. In seine Gespräche mit Julius Marston legte er Verständnis, Demut, Versprechen.

„Dürfen wir mit schnellem Handeln rechnen?“, fragte der Finanzier. „Die Sache darf nicht ins Stocken geraten. Wir haben ohnehin schon eine Menge unseres flinken Geldes gebunden.“

„Genau!“, erwiderte Mr. Fogg auf dem Weg zur Tür. „Schnelles Handeln ist es!“

„Das ist wahrscheinlich die verrückteste Idee, die jemals in den Kopf eines Mannes geschossen ist, wenn dieser Mann in Julius Marstons Büro saß“, reflektierte Mr. Fogg, während er durch das Vorzimmer dieses Tempels der Finanzen marschierte. „Es gibt eine Sache daran, die beruhigend ist – sie ist so wahnwitzig, dass man sie niemals Julius Marston als sein Werk anlasten wird. Und das ist seine Hauptsorge, wenn ein Geschäft ansteht. Es scheint an mir zu liegen, die Ware zu liefern.“

Er setzte sich auf eine Bank im Warteraum und rieb seine Knöchel über seine Stirn.

„Lass mich diese Sache nur richtig herum kriegen“, sagte er zu sich selbst. „Wie ist die Idee überhaupt bei mir gelandet? Oh, ja! Der alte Vose hat bei mir damit geprahlt, dass jeder Aktionär der Vose-Linie hinter ihm stünde und dass die jährliche Versammlung kurz bevorstünde, und dann würde ich sehen, was für ein verdammt schlechtes Blatt ich hätte, um auch nur die Schuhspitze in den Türspalt des Unternehmens zu bekommen. Er ist eine Maine-Gesellschaft. Ich habe Fälle gekannt, in denen diese Tatsache sehr geholfen hat. Es gibt viele Wenn und Aber bei dieser Sache, aber es geht los!“

Er wandte sich einem der Büro-Telefone zu, bat um mehrere Nummern, eine nach der anderen, und stellte Fragen mit Eifer und Schnelligkeit.

Die Information, die er erhielt, schien ihn beträchtlich zu stören. Er kam aus der Telefonzelle und rieb sich die Wangen mit seinem violetten Taschentuch.

„Ihre jährliche Versammlung morgen früh um zehn Uhr, vierhundert Meilen von hier! Nun, ich schätze, ich sollte dankbar sein, dass sie nicht gerade jetzt abgehalten wird“, informierte Mr. Fogg sich selbst, entschlossen, diesen einen Hoffnungsschimmer mit beiden Flügeln seines Optimismus anzufachen. „Aber ich muss zugeben, dass vierundzwanzig Stunden eine verdammt knappe Zeit für eine Arbeit dieser Art sind, selbst wenn der Ausführende der kleine Fogg-Junge persönlich ist. Verdammt, ich habe noch nicht einmal ein volles, bewusstes Verständnis davon, was ich alles tun muss und wie ich es tun werde.“

Er eilte hinaus, tauchte in einen Fahrstuhl und wurde hinunter auf die Straße geschossen.

Er hatte das Glück, am Straßenrand ein Taxi zu finden.

„Grand Central“, sagte er dem Fahrer. „Ich habe fünf Dollar, die darauf wetten, dass Sie den U-Bahn-Express schlagen und mich rechtzeitig für den Zehn-Uhr-Zug nach Boston absetzen können.“

Sobald für Mr. Fogg offensichtlich war, dass sein Fahrer seine Pflicht erkannt hatte und sie erfüllen würde, Verkehrspolizei hin oder her, lehnte sich der Promoter zurück, und seine Gedanken begannen schneller zu kreisen als die Räder des Taxis.

„Es wird wie das 'Lulu-Blatt' im Bergbaucamp sein“, war seine gedankliche Einleitung für seine Pläne. „Es kann nur einmal in einer Sitzung gespielt werden; es muss mit gutem Bluff gedeckt werden, aber es ist ein Goldstück, wenn es funktioniert. Und warum bin ich Promoter? Warum habe ich ausländische Gesellschaftsgesetze studiert?“

Mr. Fogg nahm seinen Hut ab und wischte über seine kahle Stelle, wobei er seine Augenlider in tiefem Nachdenken runzelte.

„Die Idee ist“, sinnierte er, „ich bin Kandidat für die Präsidentschaft der Vose-Linie bei der morgigen Versammlung. Aber ich bin noch nicht gewählt!“

Allerdings hatte Mr. Foggs vorläufiges Schnüffeln an den Angelegenheiten der Vose-Linie ihn darüber informiert, wo er zumindest zehn verstreute Aktien ihres Bestands aufschnappen konnte. Er rechnete damit, dass er sie vor Mitternacht in seinem Besitz haben würde. Was den nächsten Tag und die nächsten Schritte anging, nun, der Mut eines echten amerikanischen Glücksritters klammert sich bis zum Untergang aller Hoffnungen ans Leben, selbst wie der Schwanz der Schlange, obwohl der Kopf der Schlange unheilbar verletzt ist, soll er bis zum Sonnenuntergang zappeln.

Er schickte ein Telegramm in New Haven ab. Er erhielt eine Antwort in Providence, las sie und fühlte sich wie ein Spieler, der eine Karte gezogen hat, um sein unvollständiges Blatt zu vervollständigen. Wenn ein Plan dreist ist und das Spiel größtenteils ein Bluff, muss man an das schlichte, glückliche Schicksal appellieren.

Das Telegramm war an den Anwalt Sawyer Franklin in einer Stadt in Maine adressiert gewesen. Es hatte um einen Termin mit Mr. Franklin am nächsten Morgen gebeten.

Die Antwort hatte besagt, dass Mr. Franklin kritisch krank im Krankenhaus liege, aber dass alle geschäftlichen Angelegenheiten so weit wie möglich von seinem Büropersonal erledigt würden.

Anwalt Sawyer Franklin war, wie Mr. Fogg natürlich vollkommen bewusst war, der Schriftführer der Vose-Linie, die nach dem Recht von Maine als „ausländische Gesellschaft“ organisiert war, gemäß den liberaleren Vorschriften, die so viele Großstadt-Promoter in die Staaten Maine und New Jersey gezogen haben.

XVIII ~ WIE EINE JÄHRLICHE VERSAMMLUNG ABGEHALTEN WURDE – EINMAL!

O, ein Schiff war aufgetakelt und bereit für die See, Und all ihre Matrosen sollten Fische werden! Windiges Wetter, Stürmisches Wetter! Wenn der Wind weht, sind wir alle zusammen! --Die Fische.

Fletcher Fogg, gewandt, würdevoll, Geschäftswichtigkeit ausstrahlend, erfrischt durch die Dienste eines Barbiers, spazierte am nächsten Morgen um neun Uhr dreißig in die Franklin-Anwaltskanzleien.

Er meldete sich bei einer Schreibkraft, und sie verwies ihn an einen jungen Mann, der aus einem privaten Raum trat.

„Ich habe eine Vollmacht von Mr. Franklin, seine Routinegeschäfte abzuwickeln“, erklärte der junge Mann. „Natürlich, wenn es sich um einen neuen Fall oder eine Rechtsfrage handelt –“

„Weder noch, mein lieber Herr! Einfach eine Routineangelegenheit. Aber“, er beugte sich nah an das Ohr des jungen Mannes, „streng vertraulich.“

Mr. Fogg schloss selbst die Tür des inneren Büros, als die beiden sich dorthin zurückgezogen hatten.

„Eine Ihrer heutigen Angelegenheiten, glaube ich, ist die jährliche Versammlung der Vose-Linie. Ich bin Aktionär.“

Fogg holte ein Paket mit Zertifikaten hervor und legte es auf den Schreibtisch.

„Werden irgendwelche Offiziere oder andere Aktionäre anwesend sein?“, fragte er und zeigte trotz sich selbst ein wenig Besorgnis.

„Ich glaube nicht“, erwiderte der junge Mann. „Davon wurde nichts gesagt. Die Stimmrechtsvollmachten und Anweisungen wurden wie üblich per Einschreiben geschickt.“ Er deutete auf Dokumente, die auf dem Schreibtisch gestapelt waren. „Ich war gerade dabei, mit der Angelegenheit zu beginnen.“

„Ich nehme an, unsere Vollmachten lauten wie üblich auf den Schriftführer der Gesellschaft, mit voller Substitutionsbefugnis, wobei der Schriftführer den Anweisungen zu folgen hat“, sagte Mr. Fogg ein wenig pomphaft und nutzte sein vollständiges Wissen über die Routine von Gesellschaften.

„Ja, Sir. Wir wickeln die meisten Gesellschaftsversammlungen so ab, wenn alles in trockenen Tüchern ist. In diesem Fall ist es lediglich eine Wiederwahl der alten Offiziere.“

„Genau!“

Mr. Fogg zog seinen Stuhl näher, tupfte mit seinem violetten Taschentuch auf jede Seite seiner Nase und fragte freundlich und vertraulich: „Mein Sohn, wie ist Ihr Name?“

„David Boyne.“

„Jurastudent hier – Sekretär, was?“

„Ja, Sir.“

„Genau – und ein langer, harter Weg liegt vor Ihnen. Es ist zu schade, dass Sie nicht in New York sind, wo ein junger Mann nicht den ganzen Weg außen herum reisen muss, sondern die eine oder andere Abkürzung nehmen kann. Ich könnte Ihnen eine Menge Beispiele von brillanten jungen Kerlen geben, die zugegriffen haben, als es etwas zu holen gab.

Aber ich habe keine Zeit. Sie nehmen mein Wort dafür. Ich bin ein einfacher, offener Geschäftsmann und stehe mit den größten Finanzinteressen in New York in Verbindung. Und ich werde Ihnen jetzt gleich die großartigste Gelegenheit Ihres Lebens bieten, David.“

Er hob seine Zertifikate auf und ordnete sie in einer Hand, wie ein Spieler seine Karten ordnet.

„Ich habe hier zehn Aktien, sagen wir, und jede Aktie gehört einem anderen Individuum – alles gute Männer. Sie kennen sie nicht, aber ich kenne sie. Sie sind mit unseren großen Interessen verbunden. Und ich bin als Aktionär direkt hier. Begreifen Sie, David, dass die Anweisung an Sie, diese Versammlung ohne einen einzigen anwesenden Aktionär abzuhalten, Sie eigentlich bittet, etwas zu tun, das nicht streng legal ist?“

„Wir machen das normalerweise so“, stammelte Boyne.

„Genau! Männer wie jene, die die Vose-Linie führen, bitten einen unschuldigen Mann immer, etwas Illegales zu tun. Ich werde direkt auf den Punkt mit Ihnen kommen, David. Diese alten Moosköpfe, die diese Anweisungen geschickt haben, versuchen, die Vose-Linie zu ruinieren. Ich möchte, dass Sie diese Anweisungen missachten. Ich bin darauf erpicht, Präsident und Geschäftsführer der Linie zu sein. Ich möchte, dass Sie diese Aktionäre als Direktoren wählen.“ Er tippte mit dem Finger auf die Zertifikate.

Der junge Mann war sowohl verängstigt als auch verwirrt. Er wurde blass. „Das kann ich nicht tun“, keuchte er.

„Doch, das können Sie. Da sind die Vollmachten. Es liegt an Ihnen, sie so zu wählen, wie Sie wollen. Sie erlauben volle Substitutionsbefugnis, wie üblich!“

„Aber ich kann meinen Anweisungen nicht widersprechen.“

„Ich sage, Sie können es, wenn Sie genug Mumm haben, um etwas Gutes für sich selbst daraus zu machen.“

„So etwas wurde hier noch nie getan.“

„Wahrscheinlich nicht. Es ist eine neue Idee. Aber neue Dinge werden ständig im Finanzwesen gemacht. Sie sollten dort oben sein, wo jeden Tag große Dinge passieren. Sie halten zu mir, und ich bringe Sie dort hin. Wissen Sie, ich komme direkt auf den Kern dieser Angelegenheit mit Ihnen, David. Wählen Sie diese Vollmachten so, wie ich es anweise, und ich werde Ihnen innerhalb von zwei Stunden fünftausend Dollar übergeben und Sie in einen erstklassigen Job bei meinen Leuten einsetzen, sobald sich diese Sache beruhigt hat. Ich hätte lange palavern können, bevor ich auf diese Weise zum Geschäft komme, aber ich sehe, Sie sind ein heller junger Bursche und brauchen kein Gerede mit Pomaden-Stimme. Ich verlange nicht von Ihnen, jemandem im Besonderen zu schaden. Sie können den alten Schatzmeister wählen – wir wollen das Geld nicht verwalten – das ist kein billiges abgekartetes Spiel. Aber ich will einen Vorstand, der mich als Geschäftsführer einsetzt, bis bestimmte Reformen eingeleitet werden können, um die Linie auf den neuesten Stand zu bringen. Fünftausend Dollar, denken Sie daran, und dann wird für Sie gesorgt sein.“

„Aber ich werde ins Staatsgefängnis gesteckt.“

„Unsinn, mein Junge! Warum sollten Sie diese Vollmachten gemäß Ihren Anweisungen wählen? Nun, weil es in Ihrem Interesse wäre, dies zu tun, wenn ich nicht mit einem besseren Angebot hierhergekommen wäre. Jetzt ist es in Ihrem Interesse, sie so zu wählen, wie ich es Ihnen sage. Das Beste, was sie daraus machen können, ist ein Vertrauensbruch, und das läuft auf nichts hinaus. Mit fünftausend Dollar in der Tasche müssten Sie hier nicht herumhängen, um sich eine Menge Schmähungen anzuhören. Ich werde Ihnen noch tausend Dollar für Ihre Ausgaben auf einer kleinen Reise zustecken, bis die Luft wieder ganz rein ist.“

Boyne starrte diesen unverblümten und kraftvollen Verführer an; seine Hand, die die Stuhllehnen umklammerte, zitterte. „Ich werde noch offener mit Ihnen sein, mein Junge. Und übrigens, Sie müssen wissen, dass ich kein bloßer Angeber bin. Sie haben von Fletcher Fogg gehört, was? Sie wussten, wer ich war, als Sie gestern dieses Telegramm von mir bekamen?“

„Nun, ja, ich kenne Sie durch unsere Gesellschaftsarbeit, Sir.“

„Ganz genau!“ Mr. Fogg nahm noch salbungsvoller die Art eines alten Freundes an. „Wie gesagt, ich will offen mit Ihnen sein – Sie von Anfang an mit ins Boot holen. Natürlich können sie eine weitere Versammlung abhalten – eine außerordentliche Sitzung der Vose-Linie nach einer dreißigtägigen Frist für die Aktionäre. Wahrscheinlich werden sie diese Versammlung einberufen, und mir ist es gleich, ob sie das tun. Aber ich habe den Ehrgeiz, für diese dreißig Tage Geschäftsführer der Linie zu sein, um eine – nun, ich möchte eine kleine Untersuchung der allgemeinen Bedingungen vornehmen“, erklärte Mr. Fogg und griff zu seinem violetten Taschentuch. „Das ist alles, was ich dazu sagen möchte. Nach Ablauf der dreißig Tage werden wir vielleicht – ich spreche von den großen Interessen, die ich vertrete – wir werden vielleicht beschließen, die Linie zu kaufen und sie für die Aktionäre wirklich wertvoll zu machen. Ich hoffe, Sie verstehen das. Es ist eine rein geschäftliche Angelegenheit – alles rechtens – es ist gute Finanzierung. Wenn alles vorüber ist und diese alten, verkrusteten Direktoren aufwachen, wage ich zu behaupten, dass sie rundum zufrieden sein werden, dass diese kleine Wendung vollzogen wurde. Und da Sie in der Zwischenzeit versorgt sind, brauchen Sie sich nicht darum zu kümmern, ob sie zufrieden sind oder nicht.“

Boyne betrachtete das Bündel Urkunden in Foggs Hand; er warf einen erschrockenen Blick auf die auf dem Schreibtisch gestapelten Dokumente. Sie lagen dort und repräsentierten seine Verantwortung, aber sie stellten auch eine Gelegenheit dar. Ihr Anblick war ein Vorwurf gegen die aufgewühlten Gedanken des Verrats, die ihn bestürmten. Doch die bloßen Papiere hatten keine Stimme, um diesen Vorwurf zu schärfen.

Mr. Fogg hingegen hatte eine Stimme. „Fünftausend Dollar in Ihrer Faust, mein Junge, sobald ich die Drähte nach New York zum Glühen bringen kann – und der Mann, der sich fünftausend Dollar hierher schicken lassen kann, wenn er darum bittet, ist kein kleiner Fisch. Sie können sehen, welche Art von Leuten hinter mir stehen. Was scheren Sie sich um den alten Vose und seine Bande?“

„Da ist Mr. Franklin! Ich würde ein verdammt gemeines Stück begehen, Mr. Fogg. Nein, das werde ich nicht tun.“

Mr. Fogg polterte nicht. Er schwieg eine Weile. Er presste die Lippen zusammen, starrte Boyne an und richtete dann seinen Blick auf die Decke.

„Es ist zu schade – zu schade für einen jungen Kerl, eine solche Gelegenheit auszuschlagen“, seufzte er. „Es lässt sich auch ohne Sie machen, Boyne, auf andere Weise. Das Ergebnis wird dasselbe sein. Aber Sie könnten genauso gut dabei sein. Lassen Sie mich Ihnen nun einige Beispiele erzählen, wie einige der großen Männer dieses Landes ihren Anfang gemacht haben.“

Mr. Fogg war ein ausgezeichneter Geschichtenerzähler mit einer lebhaften Fantasie, und sein Gewissen quälte ihn nicht, weil die Erzählungen, die er diesem aufgeweckten Jüngling auftischte, weitgehend erfunden waren.

„Sehen Sie“, fügte er am Ende der ersten Geschichte hinzu, „was ein fliegender Start für einen Mann bewirken kann. Nehmen Sie an, jener Kerl, von dem ich Ihnen gerade erzählt habe, hätte sich zurückgelehnt und geweigert zu springen, als ihm der Weg offenstand! Sie hören heutzutage niemanden schlecht über diesen Mann reden, nicht wahr? Und doch war das der Trick, den er angewandt hat, um seinen Anfang zu machen.“

Mit einem ähnlichen Knüller würzte Mr. Fogg jede seiner Erfolgsgeschichten.

„Ich – ich hatte keine Ahnung – ich dachte, sie hätten es auf andere Weise geschafft“, murmelte David Boyne.

„Ihr Horizont war begrenzt; Sie sind noch nicht genug in der Welt herumgekommen, um es zu wissen, mein Sohn.“

„Ich habe natürlich von all diesen Männern gehört. Sie sind heute große Persönlichkeiten.“

„Sie haben doch nicht etwa geglaubt, sie seien Millionäre geworden, indem sie das Geld von den Gehältern der Angestellten gespart haben? Natürlich, Boyne, ich gebe zu, dass Sie sich bei dieser Angelegenheit ein wenig an der Grenze des Erlaubten bewegen werden. Aber Sie stehlen nichts. Niemand kann Dampfschiffe in der Westentasche wegtragen. Es ist nur ein Geschäft – und solche Geschäfte werden jeden Tag gemacht.“

Fogg war ein scharfer Menschenkenner. Er erkannte Schwäche, wenn er sie sah. Er konnte an der Unterlippe und der Nasenpartie eines Mannes feststellen, ob diese Person habgierig war. Und er wusste nun, was die Röte auf Boynes Wangen und das Leuchten in seinen Augen bedeutete. Es gab jedoch noch etwas anderes, das in Betracht gezogen werden musste.

„Ich werde Mr. Franklins Vertrauen in mich nicht missbrauchen. Ganz bestimmt nicht“, sagte der junge Mann. „Er ist krank, und das würde es nur noch schlimmer machen.“

„Wie krank ist er?“

„Er ist sehr, sehr krank. Es war eine Operation, und er hat einen Rückfall erlitten. Aber wir hoffen, dass er wieder auf dem Damm ist.“

„In welchem Krankenhaus liegt er?“

Boyne nannte den Namen.

„Ich glaube, ich werde dort anrufen und fragen, wann er voraussichtlich Besucher empfangen kann“, kündigte Fogg mit geschäftiger Lebhaftigkeit an. „Ich wünschte, Franklin wäre hier an Deck gewesen – Franklin persönlich.“

„Ich glaube nicht, dass Mr. Franklin so ein Ding drehen würde“, behauptete der Angestellte. „Ich würde es hassen, ihm unter die Augen zu treten, nachdem ich es selbst getan hätte.“

„Franklin wäre in der Lage, tiefer in ein Finanzgeschäft zu blicken als ein junger Bursche“, sagte Mr. Fogg streng, und dann suchte er seine Nummer und tätigte den Anruf. „Gütiger Himmel!“, platzte er nach einer Frage heraus. „Ich bin in seinem Büro. Ja, ich werde es Boyne sagen.“

Mit einer feinen Darstellung von Trauer und Überraschung ließ er den Hörer auf die Gabel schnellen und wirbelte zu Boyne herum. Er hatte dem jungen Mann den Rücken zugekehrt – er hatte mit der Hand über dem Hörer gesprochen.

„Er ist gerade gestorben – er ist tot! Franklin ist von uns gegangen.“

„Man hätte mich benachrichtigen müssen“, keuchte Boyne.

„Sie wollten Sie gerade anrufen. Sie haben mich doch sagen hören, dass ich Sie informieren würde.“

„Aber ich muss das Krankenhaus anrufen – meine Dienste anbieten. Ich muss dorthin gehen.“

Mr. Fogg streckte die Hand aus und drückte den jungen Mann zurück in seinen Stuhl. „Ein Kuhhandel muss schnell abgewickelt und der Gewinn rasch eingestrichen werden“, dachte er bei sich.

„Nur einen Moment, mein Sohn. Jetzt stehen Sie auf eigenen Beinen. Sie brauchen sich Mr. Franklin gegenüber nicht mehr zu erklären.“

Er zeigte auf die Uhr. Seine Geschichten hatten Zeit gekostet. Es war zehn Uhr fünfunddreißig.

„Diese Jahreshauptversammlung der Vose-Linie war für zehn Uhr heute Morgen angesetzt. Mr. Franklin war zu dieser Stunde noch am Leben. Er war der Schriftführer dieser Gesellschaft. Was jetzt geschieht, wird Sie in Bezug auf ihn nicht in Verlegenheit bringen. Seien Sie vernünftig. Wagen Sie einen Schritt für sich selbst. Sie sind ohnehin Ihren Job los. Legen Sie jetzt los.“

Fogg sprach scharf, gebieterisch. Er übte auf den jungen Mann die ganze Kraft seiner Persönlichkeit aus.

„Fünftausend Dollar – abgesichert durch meine Interessen – für ein paar Monate aus den Augen geschafft – das ist einfach. Setzen Sie sich hin und führen Sie Ihre Protokolle; stimmen Sie mit diesen Vollmachten ab. Stimmen Sie ab, sage ich Ihnen. Diese Versammlung fand um zehn Uhr statt. Erstellen Sie Ihre Protokolle.“

Er stand über Boyne, argumentierte, versprach, drängte, und der junge Mann, schließlich schwitzend, gerötet, zitternd, beugte sich über seine Dokumente, sortierte sie und erstellte seine Aufzeichnungen.

„Wir schicken eine Kopie per Einschreiben an das Büro der Vose-Linie“, befahl Fogg. „Lassen Sie es von einem Notar als Kopie des wahren Protokolls beglaubigen. Wenn es bei ihnen eintrifft, werde ich dort sein, mit meinen Direktoren und meiner kleinen Geschichte – und das Gesicht von Onkel Vose wird einen Blick wert sein, auch wenn seine Ausdrucksweise vielleicht nicht gerade erhebend ist. Kommen Sie mit mir, Boyne. Ich gehe zum Telegrafenamt.“

„Aber ich muss sofort Kontakt mit Mr. Franklins Familie aufnehmen – meine Dienste anbieten“, flehte der Angestellte.

„Sie können im Moment absolut nichts tun“, schnauzte der bestimmende Herr aus New York. „Ich schlage vor, dass Sie das Büro schließen. Schicken Sie das Mädchen nach Hause. Das sollten Sie aus Respekt vor dem Andenken Ihres Arbeitgebers tun.“

Zehn Minuten später war das Protokoll abgeschickt und der aufgeregte Boyne trabte mit Mr. Fogg durch die Stadt. Letzterer schien eine enorme Menge an Geschäften zu haben. Er mietete eine Droschke und wurde hierhin und dorthin gejagt, wobei er den jungen Mann im Fahrzeug zurückließ, mit der Anweisung, dort zu bleiben, wann immer ein Stopp eingelegt wurde. Aber schließlich kehrte Mr. Fogg von einem Besorgungsrundgang mit einigen sehr greifbaren Ergebnissen zurück. Er legte Boyne ein Bündel Banknoten in die zitternden Hände.

„Haben Sie jemals so viel echtes Geld gesehen, mein Sohn?“, fragte Fogg freundlich. „Das sind Ihre fünftausend. Und hier sind fünfhundert für die Spesen, die wir versprochen haben. Ich schlage vor, dass Sie heute Nacht die Stadt verlassen. Stecken Sie das Bargeld ein und machen Sie sich aus dem Staub.“

Nachdem er sich das Geld gesichert und dieses mächtige Argument in die Hände des jungen Mannes gelegt hatte, schienen Mr. Foggs Eile und Unruhe verflogen zu sein. Als er gesehen hatte, wie das Bündel in Boynes Jackentasche verschwand, lächelte er.

„Das Geschäft ist besiegelt und der Job erledigt, mein Sohn, und ich bin sicher, dass Sie als gesunder junger amerikanischer Staatsbürger mit genügend Bargeld, um Ihren Weg zu bezahlen, dieses Geld nicht mehr aus der Hand geben und kein dummes Geschwätz von sich geben werden.“

„Ich bin zu weit gegangen, um einen Rückzieher zu machen“, gab Boyne zu und klopfte auf die Außenseite seiner Jacke. „Aber es kommt mir vor wie ein Traum.“

„Ich habe eine kleine gute Nachricht gehört, während ich herumgelaufen bin – ich habe vergessen, sie Ihnen zu sagen“, sagte Fogg in sachlichem Ton. „Dieser dumme Pfleger im Krankenhaus muss mich missverstanden haben, oder ich habe ihn missverstanden. Franklin ist nicht tot.“

„Er – ist – nicht – tot?“

„Nein. Der letzte Bericht besagt, dass es ihm heute Vormittag besser geht. Aber so bringen einige dieser verrückten Pfleger die Dinge durcheinander, wenn jemand im Krankenhaus nachfragt. Da nun die beglaubigte Kopie auf dem Weg ist und Franklin wieder gesund wird, ist das umso mehr ein Grund, warum Sie nicht hier herumlungern und sich ärgern wollen. Ich habe einen Plan. Er wird Sie auf sehr diskrete Weise aus der Stadt bringen. Ich habe bei den Docks angerufen, und da liegt ein Vose-Frachter, der Schienen entlädt. Wohnen Sie zu Hause oder in einer Pension?“

„Ich wohne zur Untermiete“, sagte Boyne, immer noch ringend mit der niederschmetternden Information, dass er einen Arbeitgeber verraten hatte, der am Leben war; irgendwie hatte sich das Gefühl, dass es ebenso niederträchtig sei, einen verstorbenen Arbeitgeber zu verraten, nicht in seinem betäubten Gewissen festgesetzt. Er war sich nun schmerzlich bewusst, dass er fürchtete, dem lebenden und aufgebrachten Anwalt Franklin zu begegnen. Fogg fragte nach, und Boyne gab die Adresse seiner Pension an.

„Wir fahren dorthin, und ich warte draußen in der Droschke, bis Sie ein paar Sachen in eine Tasche kratzen können. Laden Sie sich nicht zu viel auf. Denken Sie daran, Sie haben genug Bargeld in den Taschen.“

Wenig später begleitete Fogg den jungen Mann über die Gangway der Nequasset, aus deren Laderaum die letzten Schienenladungen von keuchenden Winden an Land gehievt wurden. Auf Kapitän Zoradus Wass zugehend, der direkt außerhalb des Steuerhauses an der Reling lehnte, schritt Mr. Fogg mit geschäftlicher Entschlossenheit zu und sprach voller Selbstsicherheit.

„Kapitän, mein Name ist Fletcher Fogg. Innerhalb von achtundvierzig Stunden werden die Direktoren der Vose-Linie mich zum Präsidenten und Geschäftsführer wählen. Diese Nachricht mag ziemlich erstaunlich sein, aber sie ist wahr.“

Der erfahrene Kapitän antwortete nicht. Er schob eine gewisse Beule von einer Wange zur anderen.

„Nun?“, fragte Fogg ein wenig scharf.

„Ich sage dazu gar nichts.“

„Sie glauben doch, was ich Ihnen sage, oder?“

„Ich kenne Sie nicht.“

„Dieser junge Mann ist David Boyne, amtierender Schriftführer der Vose-Linie. Die Jahreshauptversammlung wurde gerade in dieser Stadt abgehalten. Er hat die offiziellen Protokolle erstellt. Er wird Ihnen sagen, dass ein neuer Vorstand gewählt wurde – die alte Bande ist raus.“

„Das stimmt“, erklärte Boyne, dem Wink von Foggs schnellem Blick gehorchend.

„Ich kenne Sie auch nicht.“

Mr. Fogg war nicht aus der Fassung zu bringen. „Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass Sie uns kennen. Wie bald fahren Sie ab?“

„Wir fahren leer raus, sobald die Schienen auf dem Kai sind.“

„Ich schicke Mr. Boyne mit Ihnen auf eine Inspektionsreise, Kapitän. Bitte geben Sie ihm ein Quartier und behandeln Sie ihn gut.“

„Nichts da, bis ich Befehle von den Eigentümern erhalte“, erklärte Kapitän Wass.

„Habe ich Ihnen nicht gesagt, dass ich spätestens morgen oder übermorgen Geschäftsführer dieser Linie sein werde?“

„Wenn Sie Geschäftsführer sind, kommen Sie wieder und erteilen Sie Ihre Befehle, Sir.“

„Das werde ich. Ich werde in New York an Bord kommen –“

„Ich habe Order nach Philadelphia“, warf Kapitän Wass ein. „Da werden Sie mich finden.“

„Philadelphia also! Ich werde an Bord kommen und Sie feuern.“

„Tun Sie ganz, wie Sie wollen.“

„Sie weigern sich, diesen jungen Mann mitzunehmen?“

„Das ist kein Passagierdampfer. Ich kenne Sie nicht. Zeigen Sie mir die Order der Eigentümer – sonst läuft hier gar nichts.“

Der Erste Offizier Mayo war aus seiner Kabine gekommen. Mit der schnelleren Wahrnehmung eines jungen Mannes für Möglichkeiten und Eventualitäten erkannte er, dass sein Kapitän vielleicht zuließ, dass die Sturheit eines alten Mannes den gesunden Menschenverstand blockierte.

Der Erste Offizier hatte ein Auge für Menschen und ihre Art. Er hatte Mr. Fogg zugehört. Dieser Herr schien zweifellos zu wissen, wovon er sprach. Und der junge Offizier Mayo, der sowohl einen Riecher für Nachrichten als auch ein Auge für Leute hatte, verstand, dass das Küstentransportgeschäft allgemein in einem empfindlichen Zustand war. Er musterte Mr. Fogg erneut und entschied, dass ein wenig geschickter Kompromiss ratsam sei.

„Kapitän Wass, kommen Sie bitte einen Moment mit mir beiseite?“, fragte der Offizier.

„Wozu?“

„Ich möchte ein Wort mit Ihnen reden.“

„Sagen Sie es hier“, sagte der Kapitän schroff. „Ich habe niemals Geschäfte, die hinter verschlossenen Türen geflüstert werden müssen.“ Er runzelte die Stirn, als sein Offizier ihm zuzwinkerte, was sowohl suggestiv als auch flehend wirkte. „Spucken Sie es aus!“

„Das Gesetz erlaubt uns nicht, Passagiere mitzunehmen, wie Sie vorschlagen. Und natürlich möchten Sie nicht ohne Anweisungen der Eigentümer handeln.“ Er blickte Mr. Fogg an, als er sprach, und bot diesem Herrn deutlich eine Entschuldigung an. „Aber wir brauchen einen zweiten Steward und –“

„Brauchen wir nicht!“ Kapitän Wass war direkt und taktlos.

„Ich bitte um Entschuldigung – wir brauchen ihn wirklich. Und wir können diesen jungen Mann auf eine – eine Art nominelle Weise anheuern, und wenn wir dann in Philadelphia sind, hat sich die Sache wahrscheinlich schon geklärt.“

„Wie ist Ihr Name?“, fragte Mr. Fogg.

„Boyd Mayo, Sir. Erster Offizier.“

„Mr. Mayo, Sie sind ein junger Mann mit einer Menge gesundem Menschenverstand“, erklärte Fogg.

Zu sich selbst sagte er, während er den jungen Mann anstarrte: „Ich werde dieses Spiel mit den niedrigsten Karten spielen, und hier ist eine, die bereit ist für den Zug!“

„Ich werde Sie in Philadelphia sehen, Mr. Mayo“, fuhr er laut fort. „Ich bin genau das, was ich sage, dass ich bin. Kapitän Wass, Sie haben etwas gut bei mir. Mr. Mayo, Sie haben ebenfalls etwas gut bei mir – und es ist etwas Gutes!“ Sein Durchsetzungsvermögen war zwingend, und selbst der Kapitän zeigte Anzeichen davon, beeindruckt zu sein. „Es ist überhaupt nicht notwendig, dass mein Agent diese Reise mit Ihnen macht, Kapitän Wass. Vielleicht hatte ich kein klares Recht, ihn hierher zu bringen. Aber ich bin ein geschäftiger Mann und möchte die Dinge kurz und schmerzlos erledigen. Wie auch immer, ich bitte um keine Gefälligkeiten. Kommen Sie, Boyne!“

„Wir stellen ihn als Steward ein, um dem Gesetz Genüge zu tun“, bot der Kapitän an, so knapp in seiner Zustimmung, wie er es in seiner Ablehnung war.

„Sehr wohl“, stimmte Fogg zu. „Sie haben einen fähigen Ersten Offizier, Sir.“ Er zog seine Uhr hervor. „Ich muss einen Zug erwischen, meine Herren. Guten Tag!“

Er nahm Boyne am Arm und führte ihn zur Leiter von der Brücke. „Sohn“, sagte er, „Sie graben sich in diesen Mayo-Typen ein, bis Sie ihn in- und auswendig kennen. Ich werde ihn benutzen. Und halten Sie über sich selbst den Mund.“ Er stieg rückwärts die Leiter hinunter, tastete vorsichtig mit seinen dicken Beinen, trabte zur wartenden Droschke und wurde davonwirbelt.

Am nächsten Tag, genau zur Mittagsstunde, marschierte Fletcher Fogg in Begleitung von zehn solide aussehenden Bürgern in die Geschäftsräume der Vose-Linie. Unbeirrt und lächelnd ließ er es zu, dass Präsident Vose Anathemen schrie und die beglaubigte Kopie des Protokolls der Jahreshauptversammlung unter Foggs Stupsnase schwenkte.

„Was Sie sagen, ändert die Situation nicht im Geringsten“, bekräftigte Mr. Fogg. „Sie werden die tatsächlichen Protokolle der Versammlung am üblichen Ort in dem Bundesstaat finden, in dem Ihre Gesellschaft eingetragen ist. Wenn Sie glauben, dass diese neuen Direktoren nicht rechtmäßig und ordnungsgemäß gewählt wurden, können Sie sich an die Gerichte wenden.“

„Sie verdammter Dieb, es wird wahrscheinlich ein Jahr dauern, bis es eine Entscheidung gibt. Das ist verdammt noch mal. Das ist Piraterie. Sie wissen, wie die Gerichte sind!“

„Dann stacheln Sie Ihre Gerichte eben auf. Es ist nicht meine Schuld, wenn sie langsam sind.“

Die neuen Direktoren zogen in den Sitzungssaal ein und schritten mit großer Schnelligkeit dazu über, Fletcher Fogg zum Präsidenten und Geschäftsführer der Vose-Linie zu wählen.

„Was haben Sie vor?“, flehte das abgesetzte Exekutivoberhaupt. „Mein Geld steckt hier drin – mein ganzes Leben steckt darin – mein Stolz – meine Absicht, dafür zu sorgen, dass die Öffentlichkeit fair behandelt wird. Sie höllischer Schurke, was haben Sie mit meinem Eigentum vor?“

„Das ist meine eigene Angelegenheit“, sagte Fletcher Fogg.

„Sie kommen damit nicht durch – Sie können das nicht tun!“, tobte Vose. „Ich werde herausfinden, wie diese Versammlung durchgeführt wurde. Sie sollten jetzt besser einen Rückzieher machen, Fogg, und sich selbst retten. Ich habe keine Angst, Ihnen zu sagen, was ich tun werde. Ich werde eine einstweilige Verfügung erwirken. Ich werde beweisen, dass bei dieser Versammlung Betrug angewandt wurde – Bestechung, ja, Sir!“

Mr. Fogg lächelte und setzte sich an den Schreibtisch des Präsidenten. „Zuerst muss er einen jungen Mann namens David Boyne finden“, sagte er sich.

„Vose“, sagte der neue Präsident, „alles, was Sie einem Gericht vorlegen können, ist das Protokoll einer Jahreshauptversammlung, die ordnungsgemäß und rechtmäßig abgehalten wurde. Und wenn der Richter einen Blick auf mich werfen will, wird er feststellen, dass ich diese Linie verdammt viel besser führe, als Sie es jemals getan haben.“

„Das ist ein billiger, schlichter Trick“, blökte der gealterte Dampfschiffmanager. „Ihre Bande wird an die Paramount verkaufen – das ist Ihr Komplott.“

„Oh nein! Wir laden keine einstweiligen Verfügungen, Gesetze, Zeitungsgeschwätz, Verleumdungen und Verunglimpfungen ein, Mr. Vose. Wenn jemals etwas verkauft wird, werden Sie die Ersten sein, die es vorschlagen; ich werde das nie tun. Sehen Sie, ich bin genauso offen zu Ihnen, wie Sie zu mir. Diese Linie jetzt an Paramount zu verkaufen, nur weil das neue Gremium am Ruder ist, wäre eine stümperhafte Arbeit – sehr grobe Arbeit. Gott sei Dank habe ich den gebührenden Respekt vor dem Gesetz – und davor, was es tun kann, um einen Narren zu belästigen. Ich bin kein Narr, Mr. Vose.“

XIX ~ DAS PREISPAKET VON MR. FOGG

Unser Kapitän stand auf seinem Achterdeck, Und ein feiner kleiner Mann war er! „Überholen, überholen, auf euer Davit-Tackle-Fall, Und lasst eure Boote zu Wasser in die See, Mutige Jungs! Und lasst eure Boote zu Wasser in die See.“ --Der Wal.

Ein langsamer Schlepper, der mit aufgeblasenen und abgehackten Stößen hupte, die Kapitän Wass als Befehl zum Anhalten interpretierte, fing die Nequasset in den Hampton Roads ab.

Mr. Fletcher Fogg war ein Passagier auf dem Schlepper. In einem schicken grauen Anzug ragte er auffällig in der Gasse außerhalb des Steuerhauses des Schleppers hervor. Er fluchte laut, als er mühsam die Leiter zum Deck des Frachters hinaufkletterte, denn die rostige Verkleidung beschmutzte die Knie seiner Hose.

„Ich mache ein wenig mehr als das, was ich Ihnen versprochen habe, Kapitän“, erklärte er, als er schließlich in Gegenwart des Kapitäns ankam. „Ich sagte Philadelphia. Aber hier bin ich. Erkennen Sie mich jetzt?“

„Ihr Name ist Fogg“, erwiderte Kapitän Wass, ohne besondere Begeisterung zu zeigen.

„Und ich bin der Manager dieser Linie. Da es anscheinend ziemlich schwer für Sie ist, irgendetwas durch Ihre dicke Birne zu bekommen, werde ich Sie bitten, einen Blick auf ein Papier zu werfen, das uns Diskussionen erspart.“

Das Papier war eine beglaubigte Mitteilung, unterzeichnet von den Direktoren, die in lakonischer juristischer Sprache darlegte, was Mr. Fogg gerade erklärt hatte.

„Sie erkennen meine Autorität an, nicht wahr?“

„Ihr Frachtbrief ist in Ordnung“, stimmte der Skipper zu.

„Sehr gut! Ganz genau! Dann nehmen Sie Ihre Befehle entgegen. Fahren Sie zu einem Ankerplatz vor Lambert Point unterhalb von Norfolk, suchen Sie sich einen Liegeplatz weit abseits des Kanals und lassen Sie beide Anker fallen. Das Boot wird außer Dienst gestellt. Ich stelle fest, dass Sie für die Eigentümer kein Geld verdienen.“

„Es ist nicht meine Schuld. Bei Charterraten von –“, begann der Kapitän empört.

„Ich habe keine Zeit für eine gemeinsame Debatte. Sie sind entlassen. Bringen Sie Ihre Konten in die Hauptgeschäftsstelle, sobald Sie den Dampfer dem Hausmeister übergeben haben – er wird aus Norfolk kommen.“ Manager Fogg wandte sich auf dem Absatz um, um Mate Mayo zu treffen. „Sie werden sich ebenfalls in der Hauptgeschäftsstelle melden, Mr. Mayo. Haben Sie Kapitänspapiere?“

„Das habe ich, Sir – atlantische Gewässer, Jacksonville bis Eastport.“

„Sehr gut – Sie werden befördert. Ich werde Sie als Kapitän auf den Passagierdampfer Montana setzen.“ Er sah sich scharf um. „Wo ist mein Agent?“

„Dort, in der Kabine des Quartiermeisters. Wir haben ihm diese gegeben“, antwortete Kapitän Wass mürrisch. „Ich bin froh, dass ich aus der Dampfschifffahrt raus bin. Ich habe gelernt, wie man eine Pension führt und damit Geld verdient.“

Mr. Fogg verstand diesen Hohn nicht und achtete nicht auf die Art des Kapitäns. Er machte sich auf den Weg zur angegebenen Kabine.

„Na, nun können Sie ja in Goldlitzen herumstolzieren und sich Ihre Erbin angeln“, bemerkte Kapitän Wass zu seinem Steuermann.

„Es tut mir leid, Skipper“, sagte der junge Mann mit echtem Gefühl. „Sie sind der Mann, der befördert werden sollte, nicht ich. Es ist nicht richtig – es fühlt sich nicht echt an.“

„Es gibt keine echte Dampfschifffahrt mehr an dieser Küste. Es ist – ich weiß nicht, was zum Teufel das ist“, knurrte der Veteran. „Ich habe herumgeschnüffelt und ausgekundschaftet. Ich wäre gerne eine Maus in der Wand dieser New Yorker Büros, um zu hören, was sie uns armen Schluckern da antun wollen. Einen Tag wird befohlen, das Gesetz zu wahren; am nächsten Tag, es zu brechen; von Reedern gejagt und von der Regierung bedroht! Ich bin froh, dass ich da raus bin, und froh, dass Sie einen guten Job bekommen haben. Über Letzteres bin ich besonders froh. Aber halten Sie die Augen offen. Es gehen merkwürdige Dinge um Sie herum vor!“

Fogg betrat die Kabine und schloss die Tür hinter sich. Er fand Boyne auf einem Hocker sitzend vor, der etwas besorgt aussah. „Verstecken Sie sich?“, erkundigte sich Fogg.

„Ich dachte, ich zeige mich erst, wenn ich sicher bin, wer auf diesem Schlepper ist“, sagte der junge Mann.

„So ist es recht, David“, lobte Fogg mit echter Herzlichkeit. „Sie sind kein Dummkopf. Nichts geht über Vorsicht. Packen Sie Ihre Tasche und gehen Sie an Bord des Schleppers.“ Er marschierte hinaus.

„Der Chartervertrag für Philadelphia ist also storniert, was?“, fragte Kapitän Wass. Sein Tonfall lud nicht gerade zu Freundschaft ein.

„Das ist er, Sir.“

„Es scheint merkwürdig, eine Ladung abzulehnen, die dort bereitsteht – und das alte Boot kann sie billiger befördern als jeder andere, so wie ich die Ausgaben zusammengestrichen habe.“

„Wollen Sie mir etwa mein Geschäft erklären?“

„Ich bin vierzig Jahre in der Dampfschifffahrt tätig, und ich verstehe ein wenig davon.“

Mr. Fogg sah den alten Seemann mit zusammengekniffenen Augen an. Er wollte Kapitän Wass wissen lassen, dass Letzterer in diesen heiklen Zeiten viel zu viel von der Dampfschifffahrt verstand für die Art von Arbeit, die entlang der Küste geplant war.

„Dann habe ich von jetzt an nichts Besonderes mehr zu erwarten?“, fragte der Skipper. Trotz seines Entschlusses, schroff zu sein und die Oberlippe steif zu halten, konnte er eine gewisse Wehmut nicht unterdrücken, und seine Augen schweiften liebevoll über den alten Frachter.

„Keineswegs, Sir!“ Mr. Fogg blieb unverblümt und kühl. Er machte sich auf den Weg zur Leiter. Er klopfte Mayo auf die Schulter, als er an dem jungen Mann vorbeiging. „Hier ist die Art von Kerl, die wir heutzutage suchen. Je früher Sie sich melden, mein Junge, desto besser für Sie.“

Mit Boyne im Schlepptau kletterte er die schwankende Leiter hinunter und wurde von den unteren Sprossen über die Reling des Schleppers auf festen Boden gehoben.

Nachdem die Leinen losgeworfen worden waren und der Schlepper in einem spitzen Winkel davonstapfte, schlurfte Kapitän Wass in sein Steuerhaus und betätigte die Glocken.

„Sie scheint es zu spüren – ehrlich, das tut sie!“, sagte er zu Steuermann Mayo. „Sie fährt sich schwerfällig. Sie kommt nicht aus dem Quark. Und ich konnte es auch nicht, als ich hier reinkam. Wir beide werden verschrottet! Verflucht sei ihr Pflücken und Stehlen und Kämpfen und Finanzieren. Das ist keine Dampfschifffahrt mehr. Sie benutzen gute Boote, um an der Wall Street Dame zu spielen.“ Nun, Sohn“, jammerte er, während er niedergeschlagen über dem Fensterbrett hing und den windgepeitschten Chesapeake hinaufstarrte, „ich werde nicht winseln – aber ich werde das alte Schiff und das Rumpeln und den Lärm der alten Maschine da unten in ihrem Bauch vermissen. Ich würde sogar den Job als Nachtwächter an Bord annehmen, wenn er mich einstellen würde.“

„Er scheint mich ein bisschen zu mögen. Ich werde ihn bitten, Sie einzustellen“, bot der Steuermann eifrig an.

„Ich glaube nicht, dass Sie den Blick in seinen Augen gesehen haben, als er mich gefeuert hat“, sagte Kapitän Wass. „Ich erlaube Ihnen nicht, ein Wort über mich bei ihm zu verlieren. Gehen Sie nur, Junge, und nehmen Sie den Job an, den er Ihnen angeboten hat. Aber denken Sie immer daran, dass er ein gerissener Betreiber ist. Sehen Sie, was er mit Onkel Vose gemacht hat; und wir haben es nicht einmal aus diesem Passagier herausbekommen können, wie das gemacht wurde. Finanzierung in diesen Tagen kommt dem Fahren ohne Licht und mit forciertem Zug ziemlich nahe. Es bringt einen Mann schnell nach Prosperity Landing, vorausgesetzt, er trifft auf nichts, das größer ist als er selbst. Sie werden diesen Frachter stilllegen und mir die Schuld geben, weil ich kein Geld für die Besitzer verdiene. Sie werden genug Zahlen haben, um das zu beweisen. Passen Sie auf, dass sie Ihnen nicht etwas Schlimmeres und Größeres anhängen. Sie werden ein Spiel mit der Vose-Linie spielen, das sage ich Ihnen! Im Spiel der großen Finanzen scheint es verdammt populär zu sein, dem kleinen Kerl, der nicht schnell rennen kann, den ‚schwarzen Peter‘ zuzuschieben.“

Er verlangsamte den Frachter auf Schritttempo, als er sich der ausgebaggerten Fahrrinne näherte, und schließlich fand der Lotse einen geeigneten Grund. Beide Anker wurden geworfen.

Der alte Skipper betätigte das Signal, um dem Chefingenieur mitzuteilen, dass die Maschinencrew entlassen sei. Über ein Sprachrohr befahl der Kapitän, beide Kessel abzublasen.

„Und das ist das Ende von mir als Kapitän meines Schiffes“, sagte er.

Steuermann Mayos Augen waren feucht, aber Worte des Trostes, die zur Situation gepasst hätten, kamen ihm nicht über die Lippen, und er schwieg.

Als der Schlepper in der Nähe von Newport News war, nahm Manager Fogg David Boyne beiseite, weg von allen Ohren, die hätten zuhören können. Er gab dem jungen Mann ein weiteres Geldbündel.

„Der Rest Ihrer Spesen für eine gute Reise“, sagte er. „Sie scheinen ein Kerl zu sein, der weiß, wie man sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmert – und der auch die Geschäfte des anderen ziemlich gut durchschaut. Sie haben nicht allzu viel über den jungen Mayo erzählt, aber es ist erfreulich zu erfahren, dass er ein so einfaches und alltägliches Leben geführt hat, dass es nicht viel zu erzählen gibt.“

„Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der so arglos ist“, bestätigte Boyne. „Nicht, dass ich viel Erfahrung hätte, aber in einer Anwaltskanzlei bekommt man zwangsläufig einiges von der menschlichen Natur mit.“

„Er ist zweifellos ein sehr verdienter junger Mann – und ich bin froh, dass ich ihn gebrauchen kann“, sagte Fogg, unfähig, die ganze Härte aus seinem Tonfall fernzuhalten. „Nun, Sohn“, fuhr er nach einem Moment des Nachdenkens fort, „Sie bleiben an Bord dieses Schleppers, bis ich fünf Minuten weg bin. In diesen Zeiten gibt es viele scharfe Augen, und einige von Voses Freunden würden gerne zu ihm rennen mit einer Geschichte über mich. Nach fünf Minuten nehmen Sie Ihre Tasche, gehen zum Dock Seven und gehen an Bord des Frachters Ariel – gehen Sie einfach, als ob Sie dorthin gehörten. Sagen Sie dem Kapitän, dass Sie Daniel Boyle sind – merken Sie sich den Namen – Daniel Boyle. Und erzählen Sie niemandem, bis Sie von mir hören, dass Ihr Name David Boyne ist. Dieser Frachter fährt heute Nacht mit Zuckermaschinen nach Barbados. Sie werden eine schöne Reise haben.“

„Es ist mir egal, wie weit ich wegkomme“, erklärte Boyne ziemlich bitter. „Ich habe ein übles Ding gedreht. Ich bin so gut wie ein Abtrünniger. Nein, es ist mir egal, wie weit ich gehe.“

„Mir auch nicht“, stimmte Fogg zu, aber ein Lächeln milderte die Brutalität der Aussage. „Sehen Sie, Sohn, wir beide haben spezielle Gründe, warum es ganz gut für Sie ist, für eine Weile von hier fernzubleiben. Wenn einige Leute Sie in die Finger bekommen, werden sie Sie mit einer Menge törichter Fragen belästigen. Wenn Sie Barbados leid sind, suchen Sie sich einfach die nächste schöne Reise aus und machen Sie weiter so, und später werden wir einen guten Job für Sie hier oben finden. Halten Sie mich auf dem Laufenden. Auf Wiedersehen.“

Der Schlepper hatte angelegt, und er eilte davon.

„Es ist ein ziemliches Spiel“, reflektierte Mr. Fogg. „Ich habe einen Pot mit einer Zwei geblufft. Die Arbeit war ein wenig grob, weil sie kurzfristig erledigt werden musste. Die Arbeit, die ich mit meiner zweiten Zwei mache, wird reibungsloser sein, und es wird nicht so viel Gemecker geben, nachdem der Pot eingestrichen ist. Zu viel Geschrei, und dein Spiel wird ausgehoben! Ich kann mir vorstellen, was mit mir passieren würde – wenn Julius Marston das täte –, wenn ich der Schlägertruppe eine Öffnung biete. Aber wenn sie sehen, wie der kleine Fogg-Junge beim nächsten Deal eine Karte zusteckt, die er machen wird – nun, ich werde die Montana fressen, wenn das der einzige Weg ist, sie loszuwerden.“

Boyd Mayo verlor keine Zeit damit, seinen Befehlen Folge zu leisten, sich in New York zu melden. Er nannte seinen Namen bei einem Angestellten in den Büros der Vose-Linie und bat darum, Mr. Fogg zu sehen. Er stellte sich ein wenig zaghaft vor. Er war sich seines Glücks keineswegs sicher. Es ist ziemlich verwirrend für einen jungen Mann, wenn einem das Kommando über einen Passagierdampfer mit Doppelschraube so beiläufig zugeworfen wird, wie man einem Kind eine Erdnuss zuwirft. Er zerdrückte seine Mütze zwischen zitternden Handflächen, als er dem Angestellten in das innere Büro folgte.

Mr. Fogg erhob sich und begrüßte Mayo mit großer Herzlichkeit. „Guten Morgen, Kapitän“, sagte der Manager. „Erlauben Sie mir die Hoffnung, dass Sie beim Einhalten des Fahrplans genauso lebhaft sein werden wie bei Ihrer Anreise von Norfolk.“

„Ich hatte nicht das Gefühl, viel Zeit zu verschwenden, in Anbetracht dessen, was mir versprochen wurde“, stammelte Mayo, noch immer nicht sicher, ob er sich trauen konnte.

„Angst, dass ich meine Meinung ändern könnte?“

„Es schien zu schön, um wahr zu sein. Ich wollte so schnell wie möglich hierher kommen und sichergehen, dass ich richtig gehört hatte, Sir. Hier sind meine Papiere.“

Er legte sie in die Hand des Managers. Fogg faltete sie nicht auf. Er fächerte sie auf und deutete auf einen Stuhl.

„Setzen Sie sich, Kapitän Mayo. Sie verstehen, dass ein neues Management die Vose-Linie übernommen hat, um etwas Leben und Schwung in das Geschäft zu bringen. Wir haben starke Konkurrenz. Ein großes Konsortium übernimmt die anderen Dampfschifffahrtsgesellschaften, und wir müssen uns beeilen, um mitzuhalten. Ich lege Frachter still, die keinen angemessenen Gewinn abwerfen – ich sortiere die moosbewachsenen Kapitäne aus, die nicht auf der Höhe der Zeit sind. Deshalb setze ich Sie anstelle von Jacobs auf die Montana.“

„Er ist ein guter Mann – einer der Besten“, wagte Mayo einzuwerfen, wobei ihn die Loyalität zu seinesgleichen dazu antrieb. „Es wird mir leid tun, ihn abtreten zu sehen, so sehr ich mich auch über meine Beförderung freue – und das ist ehrlich.“

„Das ist die richtige Art zu reden; aber wir brauchen Schwung und Elan, und junge Männer können uns das geben, wonach wir suchen. Das bedeutet nicht, dass Sie leichtsinnige Risiken eingehen müssen.“

„Ich hoffe nicht, Mr. Fogg. Meine Ausbildung bei Kapitän Wass war genau umgekehrt. Und wenn Sie ihm nur...“

„Kapitän, Sie haben Ihre eigene Reihe zu hacken. Behalten Sie sie im Auge“, riet der Generalmanager scharf. „Ich wähle Kapitäne für die Vose-Boote aus, und ich glaube, ich verstehe mein Geschäft. Nun möchte ich wissen, haben Sie Vertrauen zu mir? Werden Sie mir gegenüber loyal sein?“

„Ja, Sir!“, bekräftigte Mayo, beeindruckt vom geschäftigen, schroffen Geschäftsgebaren seines Vorgesetzten.

„Genau! Und das einzige Gerede, das ich von Ihnen hören will, ist, dass Sie glauben, ich tue mein Bestes, um diese Linie für die Aktionäre wertvoll zu machen. Wo wohnen Sie?“

Mayo nannte ein kleines Hotel um die Ecke.

„Ich werde Sie an Bord der Montana bringen, sobald ich die Details des Wechsels arrangieren kann. Vielleicht lasse ich Jacobs noch eine oder zwei Fahrten machen. Melden Sie sich jeden Morgen um neun Uhr hier. Halten Sie sich für die restliche Zeit in Reichweite des Hoteltelefons auf.“

Mayo salutierte und ging hinaus.

Fogg rief den Beobachter beim Wetteramt an und stellte einige Fragen. Er wurde informiert, dass der Wind auf Nordwest gedreht hatte und der lange herrschende Nebel von der Küste weggeblasen worden war.

Mr. Fogg schien etwas gereizt über diesen plötzlichen Abgang des Wetterphänomens zu sein, das seinen Familiennamen trug. Er knallte den Hörer auf die Gabel und sagte ein böses Wort. Ein Zuhörer hätte sich vielleicht ein wenig gewundert, denn hier fluchte ein Dampfschiff-Manager über das Ausbleiben des Nebels, anstatt seine Flüche für das Vorhandensein der demoralisierenden Dunstschleier aufzusparen. Aber die Herrschaft des Nordwinds im Spätsommer währt nie lange; drei Tage später drehte die Brise, und die grauen Nebelbänke zogen von der offenen See herein.

Mayo wurde früh durch das Getöse der Schiffshörner auf dem Fluss geweckt, denn das kleine Hotel lag in der Nähe der Uferpromenade. Er sah den Nebel in zerfetzten Massen gegen die hohen Gebäude treiben und die Türme einhüllen. Er hatte mit großer Ungeduld auf seinen Dienstruf gewartet, empfand die Enge des Hotels an den klaren Tagen des Sonnenscheins als lästig und war begierig darauf, draußen zu sein und diese großartige neue Aufgabe anzugehen, die so viel versprach.

Es war der Tag, an dem die Montana von New York aus in See stechen sollte.

Er war mit der ernsthaften Hoffnung eingeschlafen, dass er gerufen würde, um sie hinauszubringen. Aber als er an diesem Morgen hinaussah, die heranziehenden Nebelschleier sah, das panische Geschrei der Fahrzeuge im Hafen hörte, das verzweifelte Geheul der Warnungen, das heisere Gehupe der Proteste und Mahnungen, war er plötzlich und gezielt besorgt, dass seine Beförderung in das Steuerhaus der Montana aufgeschoben werden könnte. Besser das verrauchte, enge Büro des kleinen Hotels, in dem er in düsterem Warten geschmort hatte. Er war vollkommen bereit, dort zu sitzen und wieder einmal die Werbeplakate an den Wänden zu studieren und auf den ewigen Zug der rumpelnden Fuhrwerke hinauszublicken. Aber um acht Uhr rief ihn das Telefon.

„Hier ist Generalmanager Fogg“, informierte ihn die Stimme, obwohl er die Information nicht brauchte; er kannte diese scharfen Töne. „Ich spreche aus meinem Apartment. Bitte begeben Sie sich umgehend zur Montana. Ich werde innerhalb einer Stunde an Bord kommen.“

„Erwarten Sie, dass ich das Kommando übernehme – um – um sie heute hinauszubringen?“, stammelte Mayo.

„Natürlich. Kapitän Jacobs wird das Kommando übergeben, sobald ich dort bin.“

Mayo hatte sich gerade im Herzen darüber gefreut, dass Jacobs gezwungen sein würde, die Verantwortung für die Abfahrt an diesem Tag zu tragen; er war sich vollkommen sicher gewesen, dass ein neuer Mann unter den herrschenden Bedingungen nicht gerufen werden würde. Er wollte Manager Fogg vorschlagen, dass der Wechsel gerade jetzt unratsam wäre. Er räusperte sich und suchte in seiner Seele nach Worten. Aber ein scharfes und entschiedenes Klicken teilte ihm mit, dass Mr. Fogg die Angelegenheit für erledigt hielt. Er kam vom Telefon weg, schwindelig und beunruhigt, und er wurde nicht getröstet, als er sich daran erinnerte, wie Manager Fogg sanfte Vorschläge in der Vergangenheit aufgenommen hatte. Er bezahlte seine bescheidene Rechnung, nahm seine Reisetasche und machte sich auf den Weg zum Pier der Vose-Linie.

Als er sie im Nebel aufragen sah – sein Schiff endlich –, hatte er Lust, schnurstracks von ihr wegzulaufen, anstatt auf sie zuzulaufen.

Mayo hatte den Eifer, den Ehrgeiz und den Mut eines jungen Mannes – aber er besaß in vollem Maße die Vorsicht eines Seemanns und das Wissen um die Bedingungen; er war von jenem Meister der Vorsicht, Kapitän Zoradus Wass, ausgebildet worden. Er war wirklich verängstigt, als er zum hoch aufragenden Bug, den mächtigen Flanken, dem eleganten Schwung der Aufbauten hinaufsah und erkannte, dass er diesen Riesen und seine menschliche Fracht in das weiße Nichts des Nebels lenken musste. In seiner Ehrlichkeit gab er vor sich selbst zu, dass er Angst hatte.

Das ganze große Gebilde schrie ihn förmlich mit Verantwortung an.

Er war von seinen Fähigkeiten überzeugt. Als Erster Offizier hatte er die Probleme von Kursen und Manövern im Nebel auf derselben Route gemeistert, die er nun nehmen musste. Aber bis dahin hatte die oberste Verantwortung bei einem anderen gelegen.

Männer beeilten sich, Fracht auf rasselnden Wagen an Bord zu bringen – parallele Reihen von Hafenarbeitern arbeiteten. Es gab viele Koffer, Vorboten der Passagiere.

Er ging über den Frachteingang an Bord und fand seinen Weg zu der Reihe der Offizierskabinen. Er erkannte den grau bärtigen Veteranen, der den Gang außerhalb des Steuerhauses auf und ab ging, obwohl der Mann keine Uniform trug; es war der abgesetzte Kapitän.

„Guten Morgen, Kapitän Mayo“, sagte er, ohne jeglichen Groll in seiner Stimme. „Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Beförderung.“

„Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich nicht nach diesem Job gejagt habe“, platzte Mayo heraus.

„Ich glaube, es ist lediglich eine Frage der neuen Politik – so sagt mir Manager Fogg. Verstehen Sie mich auch, Kapitän Mayo! Ich hege keinen Groll, vor allem nicht gegen Sie.“

Er reichte ihm auf feine, männliche Art die Hand und war so deutlich der beste Typ des würdevollen, selbstbewussten Kapitän zur See der alten Schule, dass Mayo beim Gedanken daran, diesen Mann zu ersetzen, förmlich zusammenzuckte.

Kapitän Jacobs öffnete die Tür mit der Aufschrift „Kapitän“. „All mein Zeug ist raus und über der Reling. Ich werde mich zu Ihnen setzen, wenn es Ihnen nichts ausmacht, bis Mr. Fogg eintrifft. Sie werden eine dichte Überfahrt haben, Kapitän Mayo.“

„Es erscheint mir nicht richtig – einen neuen Mann bei diesem Nebel hier einzusetzen“, protestierte Mayo hitzig. „Ich sollte sie bei klarem Wetter führen, bis ich ihre Tücken kenne. Wenn es darauf ankommt, wenn man wissen muss, wie sich ein Boot verhält, und das verdammt schnell wissen muss, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bringt einen ein falscher Schritt ins Verderben.“

„Sie scheinen Dampfschifffahrtslinien heutzutage von der Wall Street aus zu führen, anstatt vom Wasser aus“, sagte Kapitän Jacobs trocken. „Das gehört alles zum Spiel, wie sie es in diesen Zeiten spielen. Im Steuerhaus gibt es da nichts zu sagen.“

„Ich bin ein Seemann, und zwar ein einfacher. Ich denke, ich kenne meine Arbeit, Kapitän Jacobs, sonst würde ich diese Beförderung nicht annehmen. Aber ich habe keinen aufgeblasenen Kopf. Es wäre das Richtige und Vernünftige, wenn Sie die Montana heute Abend hinausbringen und ich im Steuerhaus herumlungern und Ihnen zusehen könnte. Wenn ich Mr. Fogg davon überzeugen kann, es zu erlauben, würden Sie noch eine Fahrt machen?“

„Ich würde es tun, um Ihnen zu helfen, aber ich lasse mich verdammt noch mal nicht von Fogg ausnutzen – nicht, wenn er jetzt ankommen und mich anbetteln würde“, erklärte Kapitän Jacobs und zeigte zum ersten Mal sein Temperament. „Und wenn Sie nach all Ihren Jahren ehrlichen Dienstes so hinausgeworfen worden wären wie ich, würden Sie genauso fühlen wie ich, Kapitän Mayo. Sie nehmen es mir doch nicht übel, oder?“

„Ich kann es Ihnen nicht übel nehmen.“

„Sie kennen die Kurse, und Sie werden dasselbe Personal haben wie ich. Sie werden jeden Eintrag im Logbuch auf den Meter oder die Sekunde genau finden. Sie ist ein stabiles altes Mädchen, und da Sie den Gezeitenstrom und die Kurse kennen, wie Sie es tun, können Sie sich auf sie verlassen, bis auf die Umdrehung einer Schraube. Sie haben meine besten Wünsche – aber ich bin fertig.“

Er legte den Inbrunst endgültiger Entschlossenheit in die Erklärung. Aber mit dem brüderlichen Geist der Hilfsbereitschaft eines Seemanns setzte er sich hin und ging die Details aller wenigen Launen der Montana durch. Er rief die Offiziere herein und stellte sie dem neuen Kapitän vor. Es schienen ruhige, robuste Männer zu sein, die keinen Groll hegten, weil eine neue Politik einen neuen Mann über sie gesetzt hatte.

Dann traf Generalmanager Fogg ein, und in dieser rein geschäftlichen Präsenz wagte es Mayo nicht, irgendeinen seiner Zweifel oder seine Meinung über seine eigene Unzulänglichkeit zu äußern.

Die ziemlich steife und ausgesprochen schmerzhafte Zeremonie der Verabschiedung des ehemaligen Kommandanten war bald vorbei, und Kapitän Jacobs ging.

„Warum haben Sie Ihre Uniform nicht angezogen?“, fragte Fogg. „Sie haben sich natürlich eine neue angeschafft, oder?“

„Ja, Sir.“ Mayos Wangen röteten sich leicht, als er sich daran erinnerte, wie er vor dem Spiegel in seinem Zimmer im Hotel stolziert war. Aber er hatte sich geschämt, in Gegenwart von Kapitän Jacobs in seinen goldverzierten Mantel zu schlüpfen.

„Ziehen Sie sie so schnell wie möglich an“, befahl der Generalmanager. „Ich möchte, dass Sie mit mir eine allgemeine Inspektion des Bootes machen.“

Sie machten den Rundgang, und trotz seiner Bedenken fühlte Kapitän Mayo, als er die Nebel am Ende des Piers vorbeiziehen sah und die Grüße respektvoller Untergebener entgegennahm, den stolzen Stolz dessen, der endlich das Ziel seines Ehrgeizes erreicht hat.

Kapitän der glänzenden Montana, Königin der Vose-Flotte, im Alter von sechsundzwanzig Jahren!

Er warf einen Blick in jeden der prächtigen Spiegel des großen Salons, um sich der goldenen Buchstaben auf seiner Mütze zu versichern.

Der dicke Teppich schien seinem Schritt wohlzutun. Das Bordorchester probte auf seiner Galerie.

Wenn sich nur dieser verfluchte Nebel lichten würde! Aber er drängte immer noch von der See herein, und das Barometer, das auf 29.40 gefallen war, versprach kein klareres Wetter.

„Sicherheit bis ins kleinste Detail – das ist mein Motto“, erklärte Manager Fogg. „Befehlen Sie eine Feuerübung.“

Es war vollbracht, und Mr. Fogg bemängelte den Mangel an Schwung. Er war ziemlich streng, nachdem die Rettungsbootübung vorüber war. Er ordnete eine zweite Wiederholung an. Er befahl der Mannschaft, es ein drittes Mal zu tun. Die Eindringlichkeit, mit der er auf diesem Teil der Disziplin an Bord bestand, war sehr auffällig.

„Und wenn ihr diese Boote wieder festmacht, seht zu, dass jede Leine frei und aufgeschossen ist und jede Abdeckung locker sitzt. Es kostet eine Menge gutes Geld, wenn man heutzutage Passagiere umbringt.“ Dann eilte er davon. „Ich sehe Sie vor dem Auslaufen“, teilte er Kapitän Mayo mit.

Der neue Skipper war froh, allein zu sein und Muße zu haben, die Logbücher des Dampfers zu studieren. Er war an das langsamere Tempo eines Frachters auf dieser Route gewöhnt. Er stellte ein paar Berechnungen an. Er fand heraus, dass die Montana bei fünfundsiebzig Umdrehungen pro Minute etwa die gleiche Geschwindigkeit erreichen würde wie der Frachter, wenn er sein Bestes gab. Er beschloss, den Nebel als Vorwand zu nutzen und auf das vertraute Tempo der Nequasset zu drosseln. Er überlegte, dass er sich unter diesen Umständen ziemlich zu Hause fühlen würde. Er war ermutigt und ging über das Schiff, wobei er weniger wie ein zum Tode verurteilter Übeltäter aussah.

Als Geschäftsführer Fogg wenige Minuten vor der angekündigten Abfahrtszeit um fünf Uhr an Bord hastete, kommentierte er die verbesserte Haltung von Kapitän Mayo.

„Es schien Sie zu einem ziemlichen Trauerkloß zu machen, einen der besten Jobs an dieser Küste zu bekommen. Vielleicht hat Ihnen ein Spiegel gezeigt, wie gut Sie in dieser neuen Uniform aussehen. Jedenfalls freue ich mich, dass Sie aufgeheitert sind. Und nun gebe ich Ihnen eine Nachricht, die Sie noch glücklicher machen dürfte: Ich fahre auf dieser Reise mit Ihnen. Wenn Sie mir zeigen, dass Sie bei diesem Wetter einen guten Job machen können, brauchen Sie sich um Ihre Stellung keine Sorgen zu machen.“

Der Gesichtsausdruck von Kapitän Mayo deutete nicht auf ungetrübte Freude hin, als er diese „gute Nachricht“ hörte. Da er das Schiff nicht kannte, konnte er nicht darauf hoffen, einen reibungslosen Eindruck zu machen.

„Und immer noch weigern Sie sich, aufzuheitern!“, ermahnte der Manager.

„Ich freue mich, dass Sie mitkommen, Sir. Verstehen Sie mich nicht falsch. Aber ein Seemann ist ein ziemlich ernster Kerl, wenn er Verantwortung spürt. Ich übernehme eine große Aufgabe.“

„Es ist der beste Weg herauszufinden, ob Sie der Mann für den Job sind – ob Sie der Mann sind, für den ich Sie halte. Es ist ein Test, der das Segeln auf einer Pfütze in den Schatten stellt.“

„Ich bin froh, dass Sie an Bord sind“, wiederholte der Kapitän. „Das wird meine Verantwortung ein wenig schmälern.“

„Wird es das, ja?“, rief Manager Fogg mit scharfem Ton. „Aber sicher nicht! Sie sind der Kapitän dieses Fahrzeugs. Ich bin ein Passagier. Versuchen Sie nicht, sich zu drücken. Sie haben doch keine Angst, oder?“

Sie standen neben der triefenden Reling außerhalb des Steuerhauses. Tief unter ihnen, in den geräumigen Tiefen des Dampfers, ertönte ein Signalhorn mit langgezogenen Tönen, und die monotonen Rufe der Stewards warnten: „Alles von Bord!“

Die Gangways wurden mit dem dumpfen Klackern nasser Ketten über Rollen eingezogen, und Kapitän Mayo befahl nach einem schnellen Blick auf seine Uhr, um sich der Zeit zu versichern, einem Quartiermeister, das Signal zum „Ablegen“ zu geben. Die Pfeife stieß einen barscheren Ton aus, und als er sah, dass alles frei war, zog der Kapitän an den Hilfsglockenzügen an der Reling. Zwei für die Backbordmaschine, zwei für die Steuerbordmaschine, und die Montana begann, in den grauen Schleier zurückzusetzen, der den Fluss verhüllte.

Kapitän Mayo sah die Reihen von Gesichtern auf dem Pier, Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Liebste, die sich von denen verabschiedeten, die von den Decks des Dampfers winkten. Er nahm sich mit äußerster Entschlossenheit zusammen. Es lag an ihm! Er sprach es fast laut aus.

Zweifel zitterten nicht länger in ihm. Es war ein unreflektierter Glaube, dennoch war es ein implizites Vertrauen, das all diese Leute in ihn setzten. Sie vertrauten sich seinem Schiff mit der blinden Gewissheit von Reisenden an, die einer festen Route folgen und sich nicht darum scheren, wie das Ziel erreicht wird, solange sie ihr Reiseende erreichen.

Der heisere, lange Warnruf, der allen auf dem Fluss ankündigte, dass der Dampfer seinen Anlegeplatz verließ, übertönte die Abschiedsrufe und die Klänge der fröhlichen Weise, die das Orchester spielte.

„Wir sehen uns später“, sagte Geschäftsführer Fogg. „Ich glaube, ich werde früh zu Abend essen.“

Kapitän Mayo stieg die kurze Leiter hinauf und betrat sein Steuerhaus.

Es lag an ihm!

XX ~ EINEN MANN AUF DIE PROBE STELLEN

Nun ist das erste Land, das wir erreichten, The Deadman genannt, The Ramhead vor Plymouth, Start, Portland und Wight. Wir segelten an Beachy vorbei, An Fairlee und Dungeness, Bis wir querab vom South Foreland Light kamen. --Lebewohl und Adieu.

Mit der Steuerbordmaschine, die sie rückwärts krallte, und der Backbordmaschine, die sie vorwärts trieb, schwang die Montana ihren riesigen Rumpf, als sie frei von den einengenden Pfeilern war. Die aufgewühlten Propeller, die sich gegenseitig ausglichen, drehten sie auf der Stelle. Dann begann sie, sich ihren Weg aus dem Labyrinth des Verkehrs zu bahnen.

Die grimmigen, schweigsamen Männer der Steuerhäuser reden nicht viel, selbst wenn sie an Land frei haben. Sie sind wortkarg, wenn sie im Dienst sind. Sie berichten nicht von ihren Empfindungen, wenn sie sich bei Nebel durch den East River drängeln; ihnen fehlt die Sprache dazu.

Ein Psychologe könnte viel aus dem Thema machen, indem er sublimierte Konzentration diskutiert, menschliche Sinne, die Sicht und Klang im Augenblick koordinieren, eine Art sechster Sinn, der als Instinkt in das Limbus des Rätselratens übergehen muss.

Der Mann im Steuerhaus würde kein Wort von dem verstehen, wovon der Psychologe spricht.

Der Dampfschiffoffizier versteht lediglich, dass er bei der Sache sein muss!

Die Montana fügte ihre Stimme dem Lärm des Flussgebrülls hinzu.

Der Nebel war so dicht, dass selbst der Ausguck, der an ihren vorderen Winden postiert war, vom Steuerhaus aus nur eine verschwommene Gestalt war. Eine untersetzte Fähre, die direkt auf den Anleger zusteuerte, wo ihr Ufergong sie herbeirief, platschte unter den Bugs des Dampfers hindurch, zwei Schlepper trotteten lässig in die andere Richtung davon – naseweise Spatzen des Flussverkehrs, die immer im Weg waren und der Gefahr mit knappem Vorsprung auswichen.

Pfeifentöne pfiffen oder brüllten einzeln und paarweise, ein Duett von Dampfstimmen, oder verschmolzen manchmal zu einem verwirrenden Chor.

Die Pfeife eines Dampfers im Nebel vermittelt wenig Information, außer dass sie ankündigt, dass sich irgendwo da draußen in dem weißen Nichts ein dampfbetriebenes Fahrzeug befindet, unsichtbar, in Fahrt. Kein Fahrzeug darf Passiersignale geben, es sei denn, das Schiff, dem es signalisiert, ist in klarer Sicht.

Kapitän Mayo konnte nichts sehen – selbst die Wasseroberfläche war kaum zu erkennen.

Vor, hinter, rechts und links war alles, was tuten konnte, beschäftigt und lautstark. Hier und da zeigte ein Duett aus drei kurzen Stößen an, dass Nachbarn zusammenzustoßen drohten und sich so gut wie möglich zurückzogen.

Zweimal stoppte der große Dampfer seine Maschinen und trieb, bis der Streit vor ihm beigelegt schien.

Ein Halt vermischt die Aufzeichnungen des Logs, aber die Maate des Dampfers gaben die Signale an der Battery, und nach einer Weile gaben die spinnennetzartigen Umrisse der ersten großen Brücke die Gewissheit, dass ihre Berechnungen korrekt waren.

Vorsehungsgemäß gab es am Hell Gate ein Zerreißen des Nebels, als eine Uferbrise den Dunst von der Wasseroberfläche fegte.

Dann enthüllte sich die Situation, die hinter den besonders nachdrücklichen und lärmenden „einem langen und zwei kurzen“ Stößen einer gewaltsamen Pfeife lag. Ein Lehigh-Valley-Schlepper kam mit der Fünf-Knoten-Strömung mit drei leeren Lastkähnen herunter, die die Strömung so weit auseinandergetrieben hatte, dass sie den gesamten Kanal einnahmen. Mit ihren Kabeln erstreckten sich der Schlepper und der Schleppzug auf mindestens viertausend Fuß, fast eine Meile gefährlicher Ballast.

„Unser Glück, Sir“, gab der erste Maat zu. „Sie hat so laut geheult, verdammt, ich konnte nicht sagen, ob sie kam oder ging. Sie hat nichts auf dem Sound verloren.“

Kapitän Mayo, die Zähne zusammengebissen, sein starres Gesicht tropfend vor Feuchtigkeit, während er im offenen Fenster stand, stoppte die Maschinen seiner riesigen Fracht und bimmelte für volle Kraft zurück, um sie anzuhalten. Er hatte kein Verlangen, um den Besitz des Kanals mit dem zu kämpfen, was er vor sich sah.

In diesem Moment kam Geschäftsführer Fogg ins Steuerhaus und missachtete aufgrund seiner Position das „Kein Zutritt“-Schild. Er zündete sich eine Zigarre an und zeigte die zufriedene Miene eines Mannes, der sich ausgiebig ernährt hatte.

„Sie haben sich ziemlich langsam durchgeschleppt, nicht wahr, Kapitän Mayo? Ich hatte Zeit, zu Abend zu essen – und ich bin ein guter Esser! Und wir haben das Gate noch nicht erreicht!“

„Wir konnten keinen Deut besser sein und sicher sein“, sagte der Kapitän über die Schulter, die Augen auf den Schleppzug gerichtet.

„Was ist jetzt schon wieder?“

„Ein Schlepper und drei Lastkähne im Weg.“

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie einen Vose-Liner mit achthundert Passagieren aufhalten, nur wegen eines Schleppers? Sehen Sie hier, Mayo, wir müssen die Leute dahin bringen, wo sie hinwollen, und sie rechtzeitig dorthin bringen.“

„Dieser Schleppzug kommt mit der Strömung herunter und hat Vorfahrt, Sir. Und es gibt keine Möglichkeit zu überholen, denn er fegt den Kanal.“

„Ich glaube nicht, dass es ein Gesetz gibt, das ein Passagierboot dazu zwingt, für Kähne zu halten“, brummte Fogg. „Wenn es eines gibt, weiß ein guter Mann, wie er es umgeht und seinen Zeitplan einhält.“ Er schritt am hinteren Ende des Steuerhauses auf und ab und puffte an seiner Zigarre.

Er brummte, als Mayo die Glocken für Voraus gab und das Pochen der Maschinen begann.

„Jetzt treiben Sie sie an, Junge. Die Leute heutzutage wollen keine Zeit auf dem Weg verschwenden. Sie beschleunigen sogar die Leichenwagen.“

Kapitän Mayo antwortete nicht. Er war dankbar, dass die Gefahren von Hell Gate enthüllt worden waren. Der Dunst hing in Fetzen gegen North Brother Island, als er in den Kanal des Gates einbog, und er konnte weit voraus den Schaft des Leuchtturms sehen. Es war ein Abschnitt, bei dem genaues Rechnen erforderlich war, und diese Laune des Dunstes hatte ihm eine gute Chance gegeben. Er bimmelte für volle Fahrt und warf einen Blick darauf, um die Peilung der Sunken Meadow Spindel zu notieren.

„Nordost, fünf Achtel Ost!“, wies er den Quartiermeister am Steuer an.

Der Mann wiederholte den Befehl mechanisch und brachte sie auf ihren Kurs für die Middle-Ground-Passage.

Nachdem sie North Brother gerundet hatten, wurde der Turm von Whitestone Point sichtbar. Es schien wirklich, als ob der Nebel sich lichtete, und selbst im Kanal zwischen Execution Rocks und Sands Point stiegen seine Hoffnungen. Aber in den breiteren Gewässern vor Race Rock stieß die Montana ihre schwarze Schnauze erneut in das weiße Leichentuch, und ihre Pfeife begann wieder zu schreien.

Der junge Kapitän seufzte. „Ost, ein halber Nord!“

„Ost, ein halber Nord, ist es, Sir!“

Wenigstens hatte er den East River, das Gate und die Engen dahinter bezwungen und hatte noch viele Meilen geradeaus bis zum Pfeifer vor Point Judith vor sich. Er beschloss, für kleine Gefälligkeiten dankbar zu sein.

Er hoffte, dass er mit dem Einbruch der Nacht und aufgrund des vorherrschenden Nebels feststellen würde, dass die Schifffahrt der gewöhnlichen Art aufgehört hatte, sich zu bewegen. Jedoch hörte er in wenigen Minuten verräterische Pfeifsignale voraus und signalisierte halbe Fahrt. Ein schwerfälliger alter Leichter mit einem gierenden Derrick passierte dicht an Bord. Ein Hilfsfischer, dessen Auspuff wie ein Maschinengewehr knallte und der sich anscheinend auf diesen Lärm für die Warnung verließ, wurde überholt.

„Können Sie dieses Fenster für eine Minute verlassen, Kapitän Mayo?“, fragte der Geschäftsführer.

Der Kapitän gesellte sich sofort zu Mr. Fogg am hinteren Teil des geräumigen Steuerhauses.

„Sehen Sie hier, Käpt’n“, ermahnte ihn sein Vorgesetzter, „ich kam neulich auf der Triton der Union Line durch diese Gewässer, und sie hat ihre Zeit eingehalten. Was ist mit uns los?“

„Ich befolge das Gesetz, Sir. Und es sind gerade neue Warnungen herausgegeben worden.“ Er zeigte auf das Plakat, das mit großen roten Buchstaben „Sicherheit zuerst“ überschrieben war. „Es ist das Wort verbreitet worden, dass der erste Kapitän, der mit den Waren erwischt wird, als Beispiel dienen soll.“

„Ist das so?“, kommentierte Fogg und studierte das Ende seiner Zigarre. Sein Ton war ein wenig eigenartig. „Aber die Triton kam durch.“

„Und sie rammte beinahe die Nequasset im Nebel bei der letzten Fahrt, die ich die Küste hinauf machte. Es war einfach nur knapp, Mr. Fogg, und alles ihre Schuld. Wir folgten den Regeln bis aufs Wort.“

„Und das ist eine Art, das Geschäft einer Dampfschifffahrtslinie zu ruinieren“, schnauzte Fogg. Er fügte für sich hinzu: „Aber das ist nicht meine Art!“

„Es tut mir leid, aber ich bin so ausgebildet worden, dass ich glaube, ein Rekord für Sicherheit ist besser als alle Rekorde für Geschwindigkeit, Sir.“

„Ich habe Jacobs gehen lassen, weil er altmodisch war, Mayo. Dies ist das Zeitalter der Risiken – Risiken eingehen und ankommen! Geschäft, Politik, Eisenbahnwesen und Dampfschifffahrt. Die Leute erwarten es. Die richtigen Leute tun es.“

„Sie sind Geschäftsführer dieser Linie, Mr. Fogg. Befehlen Sie mir, den Zeitplan einzuhalten, egal unter welchen Bedingungen?“

„Sie sind der Kapitän dieses Bootes. Ich möchte einfach, dass Sie zeitgemäße Waren liefern. Wie Sie das tun, ist nicht mein Geschäft. Ich bin kein Kapitän zur See, und ich maße mir nicht an, Details zu beraten.“

Kapitän Mayo war jung. Er kannte das Spiel an der Küste. Er war ehrgeizig. Die Gelegenheit hatte sich geboten. Er verstand die unvernünftige Stimmung derer, die Dividenden anstrebten, ohne sich viel um Details zu kümmern. Er wusste, wie andere Passagierkapitäne bei den Mächten, die die Transportinteressen kontrollierten, erfolgreich waren. Er gestand sich ein, dass er den Kapitän der rasenden Triton beneidet hatte, der geprahlt hatte, als gehöre ihm das Meer.

Bis dahin war Mayo der sanftmütige und entschuldigende Passant auf der Seestraße gewesen, der erwartete, zur Seite gedrängt zu werden, und auswich, wenn der Große nach freier Bahn brüllte.

Er erinnerte sich, mit welcher Hast er immer die alte Nequasset aus dem Weg manövrierte, wenn er den herrischen Ruf der Passagierdampfer hörte. War das nicht die allgemeine Methode der Frachter-Skipper? Warum sollte er nicht erwarten, dass sie ihm aus dem Weg gehen, jetzt, wo er einer der Angeber der See war? Sollen sie sich jetzt Sorgen machen, so wie er in der Vergangenheit Sorgen hatte und auswich! Er trat zurück zu seinem Fenster, während diese Überlegungen in seinem Gehirn wirbelten.

„Dies ist kein Frachter“, sagte er sich. „Fogg hat recht. Wenn ich die Waren nicht liefere, wird jemand anders gerufen, um es zu tun, also was soll’s? Ich spiele das Spiel. Denk nur daran – wirst du, Mayo? –, dass du deinen Herzenswunsch erfüllt hast und Kapitän der Montana bist. Wenn ich diesen Job wegen eines Plakats mit roten Buchstaben verliere, trete ich mich selbst auf ein Schleppboot und bleibe den Rest meines Lebens dort.“

Er riss ein Logbuch aus dem Regal und notierte die Durchschnittsgeschwindigkeit des Dampfers aus den Einträgen. Er signalisierte dem Maschinenraum durch das Sprachrohr.

„Geben Sie ihr zweihundert pro Minute, Chef!“, befahl er.

Und fünfzehn Sekunden später, während ihre Maschinen rhythmisch pulsierten, spaltete das große Fahrzeug Nebel und Wasser in Expressgeschwindigkeit und heulte, dass kleine Kerle sich aus dem Weg machen sollten.

Unten in ihren glänzenden Tiefen spielte das Orchester einen fröhlichen Walzer, Silber klapperte auf der weißen Tischdecke des Speisesaals, Männer und Frauen lachten, schwatzten und flirrteten; Männer schrieben Telegramme, machten Termine für den nächsten Tag in den frühen Stunden, und das Funkgerät blitzte sie hervor. Sie wurden mit der Gewissheit seitens der Absender gesendet, dass heutzutage niemand auf Gezeiten oder Nebel wartet. Die schäumenden Wasser blitzten draußen in der Nacht vorbei, und diejenigen, die sich auf die triefenden Decks wagten, blickten auf den Fächer aus weißem Gischt, der sich in den Nebel ausbreitete, und waren froh, in gemütliche Stühle und den Glanz des Salons zurückzukehren.

Hoch oben vorn im Steuerhaus waren die Augen und die Gehirne dieses rasenden Ungeheuers. Es war dunkel dort, abgesehen vom sanften, gelben Schein der Kompasslichter. Es war still, bis auf die leise Stimme eines Maats, der seine Notizen ankündigte.

Gelegentlich warfen die Maate im Dunkeln einen Blick zueinander, wenn ein Dampferpfeifen voraus ertönte. Dieser junge Kapitän schien ein Kerl zu sein, der seinen Mut bei sich trug! Sie waren an das vorsichtigere System von Kapitän Jacobs gewöhnt.

Der Kapitän reduzierte die Geschwindigkeit nicht. Er lehnte sich weit hinaus, die Hand am Ohr. Als ein Unbekannter zum dritten Mal sein Signal ertönen ließ, warf er einen schnellen Blick auf den Kompass.

„Zwei Strich Abweichung – so zeigt es“, sagte er laut. „Wir werden sie gut passieren.“

Die Änderung der Richtung des Schalls hatte ihn überzeugt. Ein paar Minuten später verlieh die Pfeife einem Standort sicher querab Ausdruck. Aber das nächste Pfeifen, das sie hörten, klang direkt voraus und nahm nur allmählich an Lautstärke zu. Sie überholten ein Schiff, das in die gleiche Richtung steuerte.

Kapitän Mayo zog öfter an der Schnur und ließ längere, gebieterischere Hupgeräusche ertönen. Er ordnete keine Kursänderung an. Er war auf den Pfeifer von Point Judith ausgerichtet und beabsichtigte nicht, Risiken bei einem Umweg einzugehen. Das Fahrzeug voraus schien endlich die Stimme seines Meisters zu erkennen. Der Klang der Pfeife zeigte, dass es vom Kurs abgewichen war.

Der Maat murmelte Notizen.

„Alle Ohren auf!“, befahl der Kapitän. „Wir sollten diesen Pfeifer erreichen!“ Und im nächsten Atemzug sagte er: „Da ist er!“ Er zeigte mit einer nassen Hand voraus und leicht nach Backbord. Ein seltsames, dröhnendes Grunzen drang zu ihnen. „Du bist in Ordnung, altes Mädchen“, erklärte er. „Jacobs hat dich nicht übermäßig gelobt.“ Er griff über die Schwelle und tätschelte das Holzwerk seines riesigen Lieblings. Er wandte sich an den Quartiermeister. „Ost, fünf Achtel Süd“, war seine Anweisung.

„Ost, fünf Achtel Süd, Sir!“

„Was ist das nächste, das wir erreichen, Kapitän?“, fragte der Geschäftsführer aus dem Dunkeln am hinteren Ende des Steuerhauses.

„Sow and Pigs Feuerschiff, Eingang des Vineyard Sound, Sir.“

„Gute Arbeit! Ich werde eine Runde nach unten drehen. Wir sehen uns wieder! Was kann ich einem unruhigen Gentleman sagen, der befürchtet, er verpasst am Morgen einen Geschäftstermin?“

„Sagen Sie ihm, wir werden pünktlich auf die Sekunde sein“, erklärte der Kapitän ruhig.

Mr. Fogg schloss die Tür des Steuerhauses hinter sich und kicherte, als er sich die rutschige Leiter hinunterarbeitete.

Mr. Fogg schlenderte durch den brillant beleuchteten Salon, die Hände in den Taschen, und vermittelte den Eindruck eines völlig entspannten Mannes. Niemand schien den neuen Geschäftsführer der Vose-Linie zu erkennen, und er erregte keine besondere Aufmerksamkeit. Aber wenn jemand genug Interesse an Mr. Fogg gehabt hätte, um ihn genau zu beobachten, wäre aufgefallen, dass sein Mund nervös zuckte, als er am Kopf der großen Treppe stand und um sich starrte. Seine Wangen hingen durch. Als er sein Taschentuch herauszog, zitterte seine Hand.

Er stieg die Treppe zum Hauptdeck hinunter und spähte in den Raucherbereich, wobei er die Gesichter der dort versammelten Männer überflog. Plötzlich hob er das Kinn mit einem kleinen Ruck und stieg die Treppe wieder hinauf. Ein großer Mann warf eine Zigarre weg und folgte in respektvollem Abstand. Er verfolgte Mr. Fogg durch den Salon und einen Korridor entlang und ging hinter dem Geschäftsführer in eine Kabine.

„Bei Gott, Burkett, ich bekomme kalte Schauer!“, explodierte Mr. Fogg, sobald die Tür geschlossen war.

„Verstehe nicht ganz, warum.“

„Diese Leute da draußen – ich habe sie mir gerade angesehen. Das ist Affentheater mit einem zu großen Vorhaben, Burkett. Man kann bei so einer Sache nicht vorausrechnen.“

„Sicher kannst du das. Ich habe es richtig gedopt.“

„Oh, ich weiß, dass du verstehst, wovon du redest, aber –“

„Nun, ich sollte es wissen. Ich war zwei Monate lang Lotse für die Vermessungstruppe auf den Untiefen. Ich kenne jeden Zentimeter des Bodens.“

„Aber die Panik. Es wird sicher eine geben. Die anderen werden es nicht verstehen, Burkett. Es wird schrecklich an Bord hier. Ich werde selbst hier sein. Ich halte das nicht aus.“

„Hör mal, Gouverneur; es wird keine Panik geben. Sie wird in den Sand gleiten wie ein Baby, das sich in eine Wiege kuschelt. Da ist kein Kieselstein in diesem Sand für Meilen. Die Hälfte dieses Haufens von Passagieren wird im Bett liegen und schlafen. Sie werden nicht aufwachen. Die anderen werden nie etwas Besonderes wissen, außer dass die Maschinen gestoppt haben. Und das ist nichts Ungewöhnliches bei Nebel. Es ist eine ruhige Nacht – keine Welle. Nichts, was uns schaden könnte. Das Funkgerät wird den Zollkutter aus Wood's Hole herbeiholen, und er wird bis zum Morgen bereitstehen und sie abnehmen.“

„Die Theorie ist gut. Sie stammt größtenteils aus meinem eigenen Kopf, und ich bin stolz darauf, und ich war verdammt froh, einen Mann mit Ihrer Erfahrung zu finden, der mir bei den praktischen Details den Rücken stärkt“, sagte Fogg und versuchte, seinen Glauben mit Worten zu festigen, was ihm jedoch misslang. „Aber jetzt, wo es ernst wird, fürchte ich mich davor.“

„Nun, das liegt ganz bei Ihnen, natürlich, Gouverneur. Ich bestehe darauf, dass es machbar ist, und zwar reibungslos, und Sie werden diesen Dampfer schön, glatt und einfach auf Grund setzen! Das wird der Vose-Linie einen Dämpfer verpassen und ihre Aktionäre dazu bringen, aufmerksam zu werden, wenn das nächste Mal ein faires Angebot gemacht wird.“

„Es ist das Richtige, das weiß ich. Die Bedingungen sind genau richtig, und wir haben einen grünen Kapitän, dem wir den Schwarzen Peter zuschieben können. Alles ist bereit! Aber es ist eine schreckliche Sache, mit so etwas zu spielen – achthundert Menschen, und wer weiß, wie sie reagieren werden! Das wurde mir erst klar, als ich dort stand und sie mir ansah!“

„Sand ist Sand, und die ganze, runde Erde ist unter diesem Sand abgestützt. Sie kann nicht sinken. Sie wird sich einfach wie ein Pflug in eine Furche graben und dort feststecken, aufrecht sitzend, solide wie eine Insel – und es wird eine verfluchte Weile dauern, bis sie sie wieder freischaufeln können. Es ist ein Dämpfer für die Vose-Linie, sage ich Ihnen, Gouverneur!“ Bosheit glühte in Burketts kleinen Augen.

„Natürlich, das Geld, das ich für diesen Auftrag bekomme, sieht gut aus für mich, Gouverneur, aber die Chance, dem alten Vose und seinen Söhnen eins auszuwischen, sieht genauso gut aus. Ich wäre bei dieser Sache nicht nur des Geldes wegen dabei. Ich bin kein Pirat, aber als sie mich aus dem Steuerhaus warfen und mich die ganze Küste entlang an den Pranger stellten, haben sie sich selbst in die Lage versetzt, von mir das zu bekommen, was sie verdienen.“

„Aber haben Sie jede Seite der Sache bedacht?“, flehte Fogg. „Sie sind der praktische Mann bei diesem Vorschlag. Was kann passieren?“

„Wenn Sie genau das tun, was ich Ihnen sage, kann nichts passieren, außer dem, was auf unserem Programm steht. Lassen Sie mich Sie nur noch einmal stärken, indem ich die Sache noch einmal durchgehe.“

Er zog eine schmutzige, gefaltete Karte aus seiner Brusttasche und breitete sie auf seinen Knien aus. Mit einem stumpfen Zeigefinger deutete er auf die Punkte, auf die er sich in seiner Erklärung bezog.

„Wenn er Nobska Horn an Backbord hat, auf Nordwest zu West, wird er seinen Kurs ändern. Nach etwa fünf Meilen muss er wieder korrigieren und sechs Strich nach Norden drehen. Sie werden hören, wie der Steuermann die Peilung des West Chop-Dampfpfeifensignals nennt. Dann gehen Sie direkt links neben den Kompass und bleiben dort stehen. Vielleicht hören Sie ein paar Sekunden lang ein wenig Gezeter. Es wird vielleicht ein wenig Flucherei geben, aber Sie werden natürlich nicht angeflucht. Sie bleiben genau da, ruhig und gelassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und dann wird es passieren, und wenn es passiert, wird es eine Überraschungsparty sein, ganz bestimmt.“

„Das ist das Wrackmachen eines siebentausend Tonnen schweren Passagierdampfers in der Nacht!“, klagte der Geschäftsführer.

„Ist es nicht! Es ist das Versetzen in eine sichere Wiege.“

„Aber bei dieser Geschwindigkeit!“

„Dieser Kerl im Steuerhaus ist kein Narr. Er wird seinen Hinweis rechtzeitig bekommen, um sie vor echtem Schaden zu bewahren. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen!“

Fogg öffnete seine Reisetasche und holte einen Metallstreifen heraus. Er behandelte ihn so vorsichtig, als wäre er ein Reptil, und er betrachtete ihn mit einem Blick, als fürchte er, er würde ihn beißen.

„Das ist der kleine Joker“, sagte Burkett. „Etwa zwei Strich Abweichung durch lokale Anziehung werden das Geschäft erledigen!“

„Ich bin versucht, ihn über Bord zu werfen und die ganze Sache abzublasen, Burkett. Ich habe in meinem Leben schon viele Geschäfte im großen Stil abgeschlossen, aber das sieht fast zu plump aus. Ich kann nicht anders! Ich habe so ein ungutes Gefühl, als ob etwas schiefgehen würde.“

„Ich habe nichts mehr zu sagen, Gouverneur.“

„Meine Leute stellen mir keine Fragen, aber sie erwarten Ergebnisse. Wenn ich es nicht tue, werde ich mir am Morgen wohl selbst in den Hintern treten.“ Er spitzte die Ohren und lauschte dem Gebrüll der großen Pfeife des Liners. „Aber in der Nacht scheint es anders zu sein.“

„Sie hinterlassen keine Spuren“, machte Burkett ihm Mut. „Und dass dies seine erste Fahrt ist, macht es nur plausibler. Sie sind ganz natürlich hier, als Sie selbst. Es würde vielleicht ziemlich seltsam aussehen, wenn Sie eine weitere Reise machen würden. Es ist seine erste Fahrt auf ihr, das erinnere ich Sie. Wenn er einen Fehler macht, wird es die schlauen Jungs kein bisschen überraschen.“

„Es scheint alles bereit zu sein – das muss ich zugeben. Bei Gott, Burkett, ich habe immer eine Sache durchgezogen, wenn ich einmal damit angefangen habe! Deshalb rufen sie immer den kleinen Fogg-Jungen. Ich würde mich lieber bei meinem Gewissen entschuldigen als bei – nun, egal, wer er ist.“ Er steckte den Metallstreifen in seine innere Manteltasche und knöpfte den Mantel zu. „Verdammt! In dieser ruhigen See kann nichts wirklich Schlimmes passieren – und diese letzte Rettungsbootübung lief hervorragend. Jetzt geht’s los!“, erklärte Fogg mit verzweifeltem Nachdruck.

„So ist es richtig!“, erklärte Burkett, ermutigt zur Vertraulichkeit durch ihre gemeinsame Missetat.

Der Geschäftsführer empfand die Nacht als pechschwarz, als er sich den nassen Decks entlang zum Steuerhaus tastete. Die Lichter des Dampfers bildeten verschwommene Flecken im Nebel. Jetzt schien sie das Meer für sich allein zu haben; es gab keine antwortenden Pfeifsignale.

„Ich bin wieder da, Kapitän Mayo“, sagte er, als er die Tür gegen die Nacht schloss. „Ich hoffe, ich störe Sie hier nicht. Ich werde Ihnen nicht im Weg stehen.“ Er setzte sich auf eine Sitzbank am äußersten Ende des Hauses und rauchte seine Zigarre mit nervöser Heftigkeit.

Ein anderer Quartiermeister löste den Mann am Ruder ab, der Steuermann machte seine Notizen zur Koppelnavigation und stach die Karte ein, die übliche Routine wurde fortgesetzt. Mayo blieb am Fenster, den Kopf vorgestreckt, außer wenn er auf die Karte oder den Kompass blickte oder die Anzeigen beachtete, die die Umdrehungen der Schrauben anzeigten.

Hin und wieder hielt er sein Ohr an den Unterwasser-Signalempfänger. Schließlich hörte er das schwache, ferne Pochen der Sow and Pigs-Unterwasserglocke – sieben Schläge, mit der viersekündigen Pause, dann die sieben Schläge wiederholt.

Ein wenig später hörte er, lieblich und leise wie ein Elfenhorn, die Glockenpfeife des Feuerschiffs. Sie lag genau voraus, was nicht ganz in seinen Berechnungen lag. Die Gezeitenströmung war stärker gewesen, als er angenommen hatte. Er befahl dem Rudergänger, sie um einen halben Strich abfallen zu lassen, um einen sicheren Abstand für die Drehung in den Vineyard Sound zu gewinnen.

Weit oben im Sound beruhigte ihn die Glocke von Tarpaulin Cove, und nach einer Weile hörte er den unverkennbaren Schrei des großen Rohrhorns von Nobska, das wie eine riesige Eule, die irgendwo im Nebel hockte, dreifach hootete.

„Nobska“, sagte der Steuermann. „Wir kommen bestimmt voran, Sir.“

„Nobel“, stimmte Kapitän Mayo zu und gönnte sich einen Moment des Jubels, auch wenn die gefürchteten Untiefen vor ihnen lagen.

„Wollen Sie diese Geschwindigkeit über die Untiefen beibehalten, Kapitän Mayo?“, fragte der Geschäftsführer und zeigte echten Respekt.

„Nein, Sir!“, erklärte der Kapitän entschieden und bereitete sich darauf vor, Herrn Fogg ein oder zwei scharfe Worte zu sagen, falls dieser Herr noch mehr seiner „Geschäftsmann-Gründe“ für Geschwindigkeit vorbringen sollte. „Das wäre nicht die gebotene Sorgfalt.“

„Ich bin froh, das von Ihnen zu hören“, bekräftigte Herr Fogg herzlich. „Es mag zwar gerade etwas unpassend sein, aber ich möchte, dass Sie wissen, dass ich das Gefühl habe, genau den richtigen Mann für das Kommando auf diesem Schiff ausgewählt zu haben. Ich bin froh über eine Gelegenheit, dies zu sagen, wo Ihre Steuerleute mich hören können.“

„Danke, Herr Fogg“, erwiderte der junge Mann dankbar. „Dies ist eine nervenaufreibende Arbeit, und ich bin froh, dass Sie hier sind, um zu sehen, womit wir es zu tun haben. Ich glaube nicht, dass wir viel Zeit bei der Überquerung der Untiefen verlieren werden, wenn wir vorsichtig fahren. Wir können sie laufen lassen, nachdem wir östlich von Monomoy gedreht haben. Sie ist ein großartiges altes Schiff.“

In der Dunkelheit fuhr Fogg vorsichtig mit den Fingern über die Außenseite seines Mantels, um sich zu vergewissern, dass der Metallstreifen an seinem Platz war.

Danach herrschte Stille im Steuerhaus. Vor ihnen lag eine heikle Navigation. Es gab die engen Fahrrinnen, die sich drängenden Untiefen, die blinden Kurven des Nantucket Sound, die bei jedem Wetter gefürchtet, aber im Nebel der Horror eines Seemanns sind.

Der schrille Ruf von Nobska zog langsam querab an Backbord vorbei, und nach einer angemessenen Zeit erhob das Dampfpfeifensignal von West Chop seine führende Stimme im Nebel vor ihnen.

„Benutzen Sie besser den Pelorus und seien Sie vorsichtig mit der Peilung von West Chop, nachdem wir sie passiert haben, Herr Bangs“, warnte Kapitän Mayo seinen ersten Steuermann.

Wie ein Seemann wohl weiß, gibt die Peilung von West Chop die Kompassrichtung für die Passage zwischen den Untiefen namens Hedge Fence und Squash Meadow – eine zehn Meilen lange Strecke bis zum Cross Rip-Feuerschiff. Im Nebel ist es lebenswichtig, West Chop auf ein Achtel Strich genau zu haben.

Fogg war froh, dass er dort, wo er saß, allein war. Er zitterte so heftig, dass er sich eine unangezündete Zigarre zwischen die Zähne steckte, damit sie nicht gegeneinander klapperten.

Der Steuermann war vor dem Fenster umrissen, seine Augen auf das Instrument gerichtet, sein Ohr gespitzt. Alle halbe Minute hootete die Pfeife von West Chop.

„Richtig, Sir!“, meldete der Steuermann schließlich und sprach munter. „Ich komme auf West zu Nord, fünf Achtel Nord.“

Fogg stand auf und taumelte halb nach vorne, wobei er eine Position direkt links vom Rad und Kompass einnahm.

„Ost zu Süd, fünf Achtel Süd“, wies der Kapitän den Rudergänger an. „Vorsichtige Aufmerksamkeit, Sir. Die Flut ist auflaufend, vier Knoten. Halten Sie den Kurs gut!“

Der Quartiermeister wiederholte und drehte sein Rad um die übliche Anzahl von Umdrehungen, um eine Kursänderung um drei Strich zu ermöglichen.

Kapitän Mayo trat einen Schritt zurück und blickte auf den Kompass, um sicherzugehen, dass sein Rudergänger seinen Kurs ordnungsgemäß fand. „Was zum Teufel ist mit Ihnen los, Mann?“, schrie er. „Bringen Sie dieses Schiff herum! Bringen Sie sie herum!“ Er ergriff das Rad und wirbelte es herum. „Sie sind langsamer als der Teufel beim Melassesirup-Ziehen“, tobte Mayo und vergaß seine Würde.

„Sie muss gegiert haben“, protestierte der Mann. „Ich hatte sie auf Kurs, Sir. Ich nahm an, ich hätte sie drüber.“

„Sie haben nicht anzunehmen. Sie haben Ihre Augen auf dieser Kompassrose zu behalten und sich schneller zu bewegen, wenn ich einen Befehl gebe.“

Die Augen des Rudergängers traten hervor, als er auf den Kompass starrte. Während er mit den Augen gezwinkert hatte, so schien es ihm, hatte sich der wahre Kurs regelrecht von der Steuerstrichmarke entfernt.

In seiner panischen Eile legte Kapitän Mayo sie zu weit rüber. Er half dem Mann, sie auf den richtigen Kurs zu bringen. Dann signalisierte er halbe Kraft. Die verschlungenen und engen Pfade lagen vor ihnen.

„Das ist ein verdammt komischer Sprung, den die alte Dame da gemacht hat“, überlegte der Quartiermeister. Aber er war zu gut ausgebildet, um mit einem Kapitän zu streiten. Er akzeptierte den Fehler als seinen eigenen, und jetzt, da sie auf Kurs war, hielt er sie verbissen dort.

Selbst die halbe Fahrt der Montana war ein beachtliches Tempo, und die stumme Besatzung im Steuerhaus konnte hören, wie das Meer an ihren Seiten schäumte.

„Was halten Sie davon, Herr Bangs?“, fragte der Kapitän nach einer längeren Zeit des Lauschens.

„Glocke, Sir!“

„Aber die einzige Glocke in dieser Richtung wäre auf dem Hedge Fence-Feuerschiff, falls ihre Pfeife ausgefallen ist.“

„Klingt für mich wie ein Schiff vor Anker.“

„Aber sie liegt genau im Fahrwasser.“ Kapitän Mayo überzeugte sich mit einem Blick auf den Kompass. „Kein Schiff würde seinen Anker im Fahrwasser werfen. Das ist keine Glocke auf Hedge Fence“, überlegte der Kapitän. „Es ist die Glocke eines Schoners. Aber Schall wird im Nebel oft eigenartig. Wir sind auf unserem Kurs aufs Haar genau, und wir müssen weiterfahren!“

Und nach einem Moment hörte die Glocke auf zu klingen. Es war ein entfernter Ton, und sein Standort war selbst für ein scharfes Ohr unbestimmt.

„Es kommt mir so vor, als ob Töne im Allgemeinen plötzlich etwas verzerrt sind“, sagte der Kapitän zu seinem Steuermann. „Ich schwöre, dass ich jetzt die Fünf-Sekunden-Stöße von Hedge Fence hören kann. Aber da heult sie vor dem Steuerbordbug. Die Wolken müssen uns ein Echo geben. Wir müssen uns auf den Kompass verlassen.“

Ein geschickter Seemann ist vorsichtig, wenn es darum geht, den stetigen Finger eines bewährten Kompasses aufzugeben, um bei nebligem Wetter Klängen um die Ecke nachzujagen. Er versteht, dass Luftschichten mit Pfeifentönen ihre Späße treiben. Es gibt Zonen der Stille – es gibt Abweichungen des Schalls.

Fogg hielt seine Position, die Beine gespreizt, und niemand schenkte ihm besondere Beachtung. Sie im Steuerhaus waren zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt.

Es gibt einen Klang bei dickem Wetter, der einem Navigator viel verrät. Es ist das Echo seiner eigenen Pfeife.

Der große Dampfer hootete sich heiser durch den Nebel.

Plötzlich gab es einen Ton, der regelrecht herbeiflog und Kapitän Mayo ins Gesicht traf. Es war ein Echo. Es war der Klang des Pfeifenstoßes der Montana, der von einem so nahe gelegenen Objekt zu ihm zurückgeworfen wurde, dass zwischen Pfeifen und Echo kaum ein Uhrticken lag.

Der Kapitän stieß einen großen Fluch aus und riss wütend an seinen Glockenzügen. „Dieses Echo kam von den Segeln eines Schoners“, schrie er.

Dann, genau voraus, erklang ihre Glocke. Im nächsten Augenblick, mit mindestens acht Meilen pro Stunde dahinrasend, trotz der Maschinen, die mit voller Kraft rückwärts arbeiteten, zerschmetterte der hoch aufragende Bug das Hindernis auf ihrem Weg.

Es war ein gewaltiger Stoß, der ein Zittern vom Bug bis zum Heck des großen Gefährts sandte. Sie sahen, dass sie ihn getroffen hatten – einen dreimastigen Schoner vor Anker, mit gesetzten Segeln, schmutziges Segeltuch, nass und unbewegt in der nebligen, windstillen Nacht. Aber ihr Aufprall gegen ihn war fast so, als hätten sie einen Pier getroffen. Die Kollision schleuderte sie im Steuerhaus herum. Als sie vorbeifuhren, sahen sie ihn untergehen, sein Heck eine zersplitterte Masse aus Trümmern, in der Männer verzweifelt kämpften.

„Das ist ein Granitfrachter! Sehen Sie, wie er untergeht, wie ein Stein!“, keuchte Steuermann Bangs. „Mein Gott! Was glauben Sie, was er uns vorne angetan hat?“

„Gehen Sie hin. Gehen Sie hin!“, brüllte Kapitän Mayo. „Gehen Sie hin und erstatten Sie Bericht, Sir!“

Aber bevor der erste Steuermann auf halbem Weg die Leiter hinunter war, meldete die klagende Stimme des Ausgucks das Unglück. „Loch unter der Wasserlinie vorne“, schrie er.

„Da sind Männer im Wasser da hinten, Sir“, sagte ein Quartiermeister.

„Wir nehmen schnell Wasser im vorderen Abteil auf“, kam eine Stimme durch das Sprechrohr.

Schon konnten sie im Steuerhaus das Wehklagen der Frauen in den Tiefen des Schiffes hören, und dann übertönte das raue Geschrei der vielen Männerstimmen die schrilleren Rufe.

Kapitän Mayo hatte die Überlebenden des Schoners im Wasser kämpfen sehen. Aber er läutete auf volle Fahrt voraus und befahl dem Quartiermeister, ihn in den Norden zu steuern, da er wusste, dass in dieser Richtung Land lag.

„Achthundert Leben auf meinen Schultern und ein Loch im Schiff“, sagte er sich, während seine ganze Welt der Hoffnung und des Ehrgeizes in Ruinen zu versinken schien. „Ich kann nicht warten, um diese armen Teufel aufzulesen.“

In wenigen Minuten – in so wenigen Minuten, dass all seine Berechnungen über seinen Standort über den Haufen geworfen wurden – pflügte sich die Montana mit einem erschütternden Halt auf eine Untiefe, wobei sich ihr Bug leicht anhob. Und als die Maschinen gestoppt wurden, ruhte sie dort, stramm aufrecht, fest wie eine Insel. Aber in ihrem Salon waren die Männer und Frauen, die kämpften, schrien und fluchten, hin und her treibend in Gruppen von Menschen wie Wellen in einer Höhle, überzeugt, dass der erschütternde Stoß das Verhängnis des Schiffes signalisiert hatte. Halb angezogene Männer, noch benommen vom Schlaf, verwirrt von Träumen, die sich mit der schrecklichen Realität vermischten, trampelten die Hilflosen unter die Füße, auf der Suche nach einem Ausgang aus dem Salon.

Der abscheuliche Lärm, der die Panik ankündigte, war ein lauter Ruf an den Kapitän des Schiffes. Er verstand, welches Unheil durch die brutale Sinnlosigkeit des Kampfes angerichtet werden konnte. Er rannte aus dem Steuerhaus und trat auf die Füße des Geschäftsführers, der verwirrt umherstolperte.

„Rufen Sie die gesamte Besatzung auf ihre Stationen und bewachen Sie die Ausgänge“, befahl Kapitän Mayo dem zweiten Steuermann.

Auf seinem eiligen Weg zum Salon passierte der Kapitän den Raum des Funkers, und das angespannte Knistern des Funkens verriet ihm, dass das SOS-Signal seinen flehenden Flug durch die Nacht nahm.

Drei Männer, halb bekleidet, mit Rettungswesten, die sie irgendwie angelegt hatten, trafen ihn auf dem Deck, wichen seinem wütenden Griff aus und sprangen über die Reling ins Meer, wobei sie aus Leibeskräften schrien.

Ein Quartiermeister war dem Kapitän auf den Fersen.

„Lassen Sie auf jeder Seite ein Rettungsboot zu Wasser und kümmern Sie sich um diese Idioten!“, brüllte Mayo.

Er drängte sich in einen überfüllten Korridor, schlug verzweifelte Männer mit seinen Fäusten zurück, beschwor, versicherte, appellierte, drohte. Er stieg auf einen Stuhl im Salon. Er übertönte regelrecht den Rest von ihnen. Seeleute sind darauf trainiert, gegen den Sturm anzuschreien.

„Sie sind sicher! Bleiben Sie ruhig! Setzen Sie sich! Dieser Dampfer liegt auf einer Sandbank. Er ist so solide wie Bunker Hill.“ Er schrie diese Versicherungen immer und immer wieder.

Sie begannen, ihn anzusehen, auf ihn zu achten. Seine Uniform kennzeichnete seine Identität.

„Sie lügen!“, schrie ein aufgeregter Mann. „Wir sind auf hoher See! Wir sinken! Wo sind Ihre Rettungsboote?“

Das Chaos begann von Neuem. Wie der Narr, der in einer Menschenmenge „Feuer!“ schreit, schürte dieses hirnlose Individuum alle Ängste der aufgebrachten Passagiere.

Mayo erkannte, dass heroisches Handeln notwendig war. Er sprang vom Stuhl, packte den Mann, der geschrien hatte, und schlug dem Kerl mit der flachen Hand ins Gesicht.

Diese Szene des Konflikts war erschreckend genug, um als echter Schock für ihre Aufmerksamkeit zu dienen. Sie verstummten; sie sahen zu, beeindruckt, eingeschüchtert.

„Wenn es in dieser Menge noch einen anderen Mann gibt, der mir sagen will, dass ich ein Lügner bin, soll er vortreten und es sagen“, schrie Kapitän Mayo. „Sie machen sich zum Narren. Es gibt keine Gefahr.“

Er ließ den bleichen und zitternden Mann los, an dem er ein Exempel statuiert hatte, und stieg auf einen Stuhl. Er hob die Hand und beherrschte sie, bis er absolute Stille erreicht hatte.

„Sie – Sie – Sie!“, sagte er kurz angebunden, den Finger hierhin und dorthin richtend, einzelne Individuen hervorhebend. „Sie scheinen einen kühleren Kopf zu haben als der Rest, Sie Männer! Gehen Sie nach vorne, wo der Mann das Lot auswirft. Werfen Sie selbst das Lot. Kommen Sie zurück und berichten Sie diesen Passagieren als ihr Komitee. Ich sage Ihnen die Wahrheit. Es ist so gut wie kein Wasser unter uns.“ Er blieb im Salon, bis sein Komitee zurückkehrte.

Der Mann, der berichtete, sah ein wenig verschämt aus. „Der Kapitän hat recht, meine Damen und Herren. Wir konnten sogar den Sand sehen, wo sie ihn aufgewühlt hat – sie haben Laternen über die Reling gehalten. Es besteht keine Gefahr.“

Ein Steward trottete zu Kapitän Mayo und reichte ihm einen Zettel. Der Kapitän las die Nachricht und schüttelte das Papier vor den Gesichtern der Menge.

„Der Zollkutter Acushnet hat unseren Notruf empfangen und ist auf dem Weg, und die Itasca wird folgen. Ich rate Ihnen, ins Bett zu gehen und zu schlafen. Sie sind vollkommen, absolut sicher. Sie werden bei Tageslicht umgesetzt. Seien Sie jetzt Männer und Frauen!“

Er eilte auf das Deck. Seine Männer hievten die drei tropfenden, prustenden Passagiere an Bord, die durchgedreht waren.

„Und dieselben Männer würden sich um ein durchgegangenes Pferd kümmern und spötteln, dass es kein Gehirn hätte“, bemerkte Kapitän Mayo angewidert.

Für die nächste halbe Stunde war er ein vielbeschäftigter Mann. Er untersuchte zuerst die Wunde der Montana. Er fand sie vorne überflutet – ihre Nase war mit der Solidität eines Felsens im Sand verankert.

Sein Herz sank, als er erkannte, was ihre Notlage aus der Sicht der Wrackbergung und Rettung bedeutete. In diesen wandernden Sandbänken, die ständig von den reißenden Strömungen des Sound durchsiebt werden, könnte das Freischaufeln eine gigantische Aufgabe sein, das Freibekommen ein hoffnungsloses Unterfangen.

Sein Rundgang zeigte ihm, dass der Dampfer bis auf seinen zertrümmerten Bug intakt war. Ihre Hilflosigkeit dort im Sand war aus diesem Grund umso erbärmlicher.

Er hatte noch nicht begonnen, Bilanz über seine eigene Verantwortung für dieses Unglück zu ziehen. Die Abfolge der Ereignisse war zu schwindelerregend gewesen. Als Kapitän des Schiffes würde er für ihr Missgeschick zur Rechenschaft gezogen werden. Aber in welchem Ausmaß war er fahrlässig gewesen? Er konnte es nicht herausfinden. Er erkannte, dass Aufregung seltsame Streiche mit dem Bewusstsein eines Mannes für zusammenhängende Ereignisse oder das Vergehen der Zeit spielt. Er konnte nicht verstehen, warum der Dampfer nach der Kollision so schnell auf Grund lief. Gemäß seiner umfassenden Kenntnis der Untiefen war er auf seinem wahren Kurs gewesen und weit weg von den gefährlichen Untiefen.

Sein erster Offizier traf ihn mittschiffs. „Ich habe eines unserer Rettungsboote ausgeschickt, Sir. Ich habe sie angewiesen, umzukehren und nach den Männern zu suchen, die wir im Wasser gesehen haben. Sie haben zwei gefunden. Die anderen scheinen fort zu sein.“

„Ich bin froh, dass Sie daran gedacht haben, Mr. Bangs. Ich hätte mich selbst darum kümmern sollen.“

„Sie hatten ohnehin genug um die Ohren, Sir. Es war die Lucretia M. Warren, beladen mit Granit aus Vinal-haven. Das ist es, was uns den fürchterlichen Schlag versetzt hat.“

„Wer sind die Männer?“

„Der Steuermann und ein Matrose. Sie haben etwas Heißes zu trinken bekommen und sind wieder auf dem Damm.“

„Wir werden ein Wort mit ihnen wechseln, Mr. Bangs.“

Die Überlebenden der Warren befanden sich vorn in der Mannschaftsunterkunft und standen noch immer unter Schock. Sie hatten sich von ihrem Schrecken noch nicht erholt; sie waren mürrisch.

„Es tut mir leid, Männer! Von Seemann zu Seemann – Sie wissen, was ich meine, auch wenn ich nicht mehr dazu sage. Es ist eine üble Sache für beide Seiten. Aber was haben Sie in der Fahrrinne gemacht?“

„Wir waren nicht in der Fahrrinne“, protestierte ein grauhaariger Mann, offensichtlich der Steuermann. Er fühlte sich in seinen geliehenen Kleidern unwohl – er hatte seine eigenen Sachen einem Proviantmeister überlassen, der sich bereit erklärt hatte, sie zu trocknen.

„Das müssen Sie gewesen sein“, beharrte Kapitän Mayo.

„Ich weiß, dass wir gut zwei Meilen nördlich des regulären Kurses waren. Ich segle diese Untiefen seit dreißig Jahren nicht, um nicht zu wissen, wo ich bin, wenn ich selbst die Lotungen vornehme. Außerdem wird sie für sich selbst sprechen, dort, wo sie gesunken ist.“

Der Kapitän konnte diesem Diktum nicht widersprechen.

Der Steuermann funkelte den jungen Mann böse an.

„Ich habe selbst eine Frage. Was machen Sie eigentlich, gute zwei Meilen außerhalb Ihres Kurses, und brettern hier entlang, während Sie mit Ihrer alten Pfeife tuten, als gehörte Ihnen das Meer und als hätten Sie Rollen unter sich, um auch über trockenes Land zu fahren?“

„Ich war nicht zwei Meilen außerhalb meines Kurses“, protestierte der Kapitän, und doch beschlich ihn das beklemmende Gefühl, dass irgendwo und irgendwie ein schrecklicher Fehler passiert sein musste.

„Wenn man diese Dampfer in die Hände echter Männer legen würde, anstatt Dandy-Typen und Kinder damit fahren zu lassen, dann hätte die Schifffahrt an dieser Küste eine anständige Chance“, erklärte der Steuermann und warf einen abfälligen Blick auf Mayos neue Uniform. „Es war meine Wache an Deck, und ich weiß, wovon ich rede. Sie kamen direkt auf uns zugeschossen, zwei Strich aus Ihrem Kurs, und ich dachte, der Nebel spielt mir Streiche, und ich traute meinen eigenen Ohren nicht. Sie haben meinen Kapitän und vier ehrliche Männer ertränkt. Wenn ich vor Gericht stehe, werden sie von mir die nackte Wahrheit erfahren, das kann ich Ihnen sagen. Und man sagt mir, es sei Ihre erste Fahrt. Ich hätte wissen müssen, dass es ein Grünschnabel ist, als ich Sie zwei Strich aus Ihrem Kurs kommen hörte. Sie sollten diese Kleider ausziehen. Ich schätze, Sie haben auch Ihre letzte Fahrt gemacht!“

Es war das quengelige Gezeter eines Mannes, der dem Tod nahe gewesen war; es war der ewige Groll des Segelschiffers gegen den hochnäsigen Dampferkapitän. Mayo hatte keinen Mut zu Zurechtweisung oder Erwiderung. Was war überhaupt mit ihm geschehen? Dieser alte Schoner-Mann schien ganz genau zu wissen, wovon er sprach.

„Wenn Sie mir nicht glauben, was ich Ihnen sage, gehen Sie an Deck und schauen Sie, ob Sie nicht die Pfeife von Hedge Fence hören können“, riet der Steuermann säuerlich. „Wenn sie nicht südlich von Ost liegt, fresse ich den Anzug, den sie gerade für mich trocknen. Und das wird Ihnen zeigen, dass Sie zwei Meilen nördlich von dort sind, wo Sie sein sollten.“

Auf dem Weg zum Ruderhaus hörte Kapitän Mayo tatsächlich die hohle Stimme der fernen Pfeife mit ihrem doppelten Signal und dem langen Intervall der Stille. Der Klang kam von achtern, und seine Unruhe wuchs.

Dann drängte sich ihm die schmerzliche Erkenntnis auf, dass er dem Generaldirektor der Reederei gegenübertreten musste. Der Kapitän hatte seinen Vorgesetzten während der Aufregung nicht gesehen; er fragte sich nun, warum Mr. Fogg sich so sorgfältig verborgen gehalten hatte.

Die rote Glut einer Zigarre leuchtete in einer Ecke des Ruderhauses. Aus dieser Ecke kam die schroffe Frage: „Nun, Kapitän Mayo, was haben Sie dazu zu sagen?“

„Ich denke, ich werde mich dazu äußern, wenn ich bei Tageslicht auf die Angelegenheit blicken kann, Sir.“

„Haben Sie keine Ahnung, wie Sie so weit von Ihrem Kurs abkommen konnten?“, fragte Fogg, wobei seine Besorgnis in seinem Tonfall deutlich wurde.

„Woher wissen Sie, dass ich von meinem Kurs abgekommen bin?“

„Nun – äh – warum, nun, Sie wären doch nicht auf Grund gelaufen, wenn Sie nicht vom Weg abgekommen wären, oder?“

„Ich bin nicht vom Weg abgekommen, Mr. Fogg.“

„Was ist dann passiert?“

„Das herauszufinden, ist meine Aufgabe.“

„Ich werde Ihnen noch nichts sagen, Kapitän Mayo. Es ist zu plötzlich – ein zu großer Schlag. Es wird die Vose-Linie lähmen.“ Mr. Fogg sagte dies flott, als würde er über das Wetter plaudern.

„Ich bin dankbar, dass Sie die Sache so gelassen hinnehmen, Sir. Ich habe mich davor gefürchtet, Sie zu treffen.“

„Oh – ein Geschäftsmann kann es sich heutzutage nicht erlauben, wegen Rückschlägen die Nerven zu verlieren. Optimismus ist die halbe Miete.“

Doch Mayo, der den Rest der Nacht in diesem dunklen Ruderhaus saß, in die leere Nebelwand starrte und die Trümmer seiner Hoffnungen betrachtete, war alles andere als optimistisch.

XXI ~ BITTERER BEWEIS IM MORGENLICHT

Schlechte Nachricht, schlechte Nachricht kam für unsern Kapitän, Die kränkte ihn sehr schwer; Doch als er wusste, dass all das wahr war, Kränkte es ihn zehnmal mehr, Tapfere Jungs! Es kränkte ihn zehnmal mehr! --Cold Greenland.

Der Morgen brachte ihm weder Trost noch Rat. Die Winde fegten den Nebel von der See, und die Helligkeit des Sonnenscheins verspottete nur die Schwermut von Kapitän Mayos Gedanken.

Er war unmissverständlich weit von seinem Kurs abgekommen. Er nahm sorgfältig seine Peilungen vor und suchte in seinem Gedächtnis und seiner Erfahrung nach Gründen, die erklären könnten, wie er dort oben auf Hedge Fence gelandet war. Zwei der Masten des gesunkenen Steinschoners ragten aus dem Meer, zwei deprimierende Denkmäler der Katastrophe. Er nahm weitere Peilungen vor und prüfte seinen Kompass mit minutiöser Sorgfalt. Soweit er feststellen konnte, war er punktgenau korrekt.

Es war ein geschäftiger Vormittag für alle an Bord des Dampfers. Die Zollkutter holten die Passagiere ab. Vertreter der Versicherer kamen auf einem Schlepper aus Wood's Hole. Die riesige Montana, fest in ihr Sandbett gedrückt, ragte gegen den Himmel, ein stummes Zeugnis für jemandes Unfähigkeit oder Fehler.

Spät am Tag schlossen sich Kapitän Mayo und Generaldirektor Fogg in der Kapitänskajüte ein, um die Sache auszufechten.

Als der Kapitän seine Aussage beendet hatte, schnippte Mr. Fogg die Asche von seiner Zigarre, studierte eine Weile das glühende Ende und kniff die Augen zusammen.

„Also, alles in allem ist es passiert, und Sie wissen nicht genau, wie. Sie waren von Ihrem Kurs abgekommen und wissen nicht, wie das passieren konnte. Sie erwarten doch nicht, dass wir Sie vor den Dampferinspektoren mit dieser Erklärung verteidigen, Mayo?“

„Alles, was ich tun kann, ist bei der Anhörung die Wahrheit zu sagen, Sir.“

„Sie werden Sie fertigmachen, so sicher wie ein Esel mit den Ohren wackelt. Es gibt fünf tote Männer in diesem Wrack da drüben. Glauben Sie nicht, dass Sie wegen Totschlags angeklagt werden?“

„Ich werde behaupten, dass die Kollision unvermeidlich war.“

„Aber Sie waren von Ihrem Kurs abgekommen – Sie waren an einem Ort, an dem Sie nichts zu suchen hatten. Das macht Ihre Verteidigung zunichte. Sie stecken tief in der Tinte, Mayo. Das müssen Sie einsehen.“

Der junge Mann war blass, starr und schwieg.

„Die Vose-Linie ist schon so in einer schlechten Lage, da können wir nicht auch noch versuchen, Sie zu verteidigen. Ich nehme an, man wird mir die Schuld dafür geben, einen jungen Kapitän eingesetzt zu haben. Mayo, ich bin älter als Sie und klüger, was das Gesetz und solche Dinge angeht. Warum ziehen Sie sich nicht einfach aus der Affäre, hm?“

„Sie meinen, abhauen?“

„Ich würde es nicht ganz so unverblümt ausdrücken. Ich meine, gehen Sie weg und halten Sie sich versteckt, bis sich die Lage beruhigt hat. Wenn Sie bleiben, werden sie Sie auf die Folter spannen und Sie mit Fragen in die Enge treiben. Und was gewinnen Sie, wenn Sie das ganze Theater durchmachen? Sie müssen mir zustimmen, dass die Inspektoren Sie suspendieren – Ihre Lizenz widerrufen – werden. Hier liegt dieser Dampfer und spricht für sich selbst. Wenn Sie hier in der Gegend herumlungern und alle Beweise bei der Anhörung vorgebracht werden, dann wird sich vermutlich die Bundesgeschworenenjury der Sache annehmen. Sie werden eine Anklage wegen Totschlags gegen Sie erheben.“

Kapitän Mayo sprach noch immer nicht.

„Wenn Sie einfach von der Bildfläche verschwinden, glaube ich nicht, dass sie Sie jagen werden. Ich persönlich, nachdem ich Sie letzte Nacht beobachtet habe, glaube nicht, dass Sie für einen allzu großen Fehler verantwortlich sind. Es ist einfach unglücklich gelaufen. Wir wollen nicht die ganze Aufmerksamkeit, die ein Gerichtsverfahren der Reederei bringen würde. Und hier ist, was ich tun werde, Mayo. Ich werde Ihnen ein paar Hundert für Ausgaben zustecken, damit Sie weggehen und sich irgendwo anders im Schifffahrtsgeschäft festbeißen können. Ein Kerl wie Sie kann immer wieder auf die Füße fallen.“

„Mr. Fogg, ein abtrünniger Dampfermann hat verdammt schlechte Karten. Ich mag suspendiert werden, und Schlimmeres mag mir zustoßen, aber ich werde mich nicht selbst und meinen guten Namen ruinieren, indem ich davonlaufe. Das ist ein Geständnis! Es zerstört alle meine Aussichten für immer – und ich habe zu hart für das gearbeitet, was ich erreicht habe. Ich werde hierbleiben und mich der Musik stellen – meine Geschichte wie ein Mann erzählen.“

„Das wird eine schöne Geschichte – und Sie haben mir selbst gesagt, dass sie nur darauf warten, an jemandem ein Exempel zu statuieren“, spottete Fogg. „Sie, ein Anfänger-Kapitän, haben letzte Nacht gegen die Navigationsregeln verstoßen, indem Sie im Nebel mindestens fünfzehn Knoten gefahren sind. Ihr Logbuch und die Aussage Ihrer Offiziere werden das zeigen. Ich mache Ihnen keine Vorwürfe, Junge. Ich zeige Ihnen nur, wie das aussieht! Sie sind von Ihrem Kurs abgekommen und haben einen vor Anker liegenden Schoner gerammt, und Sie haben nicht einmal angehalten, um seine Männer aufzulesen. Das habe ich gesehen. Mayo, das einzig Vernünftige, was Sie tun können, ist sich aus der Affäre zu ziehen. Das wird der Reederei eine Menge Skandal und schlechte Werbung ersparen. Bei Gott! Wenn Sie nicht einmal das für uns tun, nach dem Angebot, das ich Ihnen gerade gemacht habe, werde ich in den Zeugenstand treten und gegen Sie aussagen.“

„Sie scheinen verdammt bereit und erpicht darauf zu sein, mich zum Sündenbock in dieser Sache zu machen“, wetterte der junge Mann, während er die Beherrschung verlor. Er hatte viele Stunden nicht geschlafen, seine Seele war durch die bitteren Erfahrungen, die er durchgemacht hatte, gekreuzigt worden.

„Suchen Sie Streit?“

„Nein, Mr. Fogg, ich suche ein faires Verfahren. Ich habe nichts vorsätzlich getan, das mich zu einem Flüchtling vor der Justiz machen würde. Ich werde nicht weglaufen.“

„Sie werden nicht der erste Zeuge sein, der großen Interessen geholfen hat, indem er sich versteckt und außerhalb der Reichweite der Anwälte gehalten hat. Das ist Geschäft, Mayo.“

„Mag sein, Mr. Fogg. Ich kenne die Hintergründe der großen Geschäfte nicht. Ich bin nur ein Seemann. Ich verkehre mit Seeleuten. Und ich habe ein wenig Stolz auf meinen guten Namen.“

Mr. Fogg betrachtete diesen Widerspenstigen mit Hohn. Er wollte diesem sturen Individuum sagen, dass er lediglich eine kleine Nummer in dem großen Spiel war, das gerade gespielt wurde. Aber der Ausdruck auf Mayos Gesicht lud weder zu Leichtsinn noch zu Spott ein.

„Ich gebe Ihnen tausend Dollar Spesen für Ihre Reise und werde nächstes Jahr mit Ihnen über einen Job sprechen, nachdem Sie Ihre Lizenz zurückhaben“, bot der Generaldirektor an.

Kapitän Mayo fixierte den Versucher mit flammenden Augen. „Welchen speziellen, privaten Grund haben Sie, mich bestechen zu wollen?“, verlangte der junge Mann mit solcher Schärfe, dass Fogg zurückwich. „Sie machen etwas sehr Geheimnisvolles aus dem, was offen und ehrlich sein sollte. Das mag die Taktik der Wall Street sein, Mr. Fogg, aber das zieht nicht bei einem Seemann, der sich ein Kapitänspatent erarbeitet hat und stolz darauf ist.“

„Nun, dann ziehen Sie weiter“, wies Fogg an. „Draußen liegt ein Schlepper, der die Versicherer zurück nach Wood's Hole bringt. Gehen Sie mit – ins Gefängnis oder wo immer Sie landen werden.“

„Ich werde als ihr Kapitän an Bord dieses Schiffes bleiben, bis ich gemäß den Formalitäten des Admiralitätsrechts abgelöst werde“, erklärte Kapitän Mayo mit Würde. „Ich habe nicht vor, vor Pflicht oder Strafe davonzulaufen, Mr. Fogg.“

Der Generaldirektor verzog verächtlich den Mund und verließ die Kajüte. Er fuhr auf dem Schlepper davon, ohne ein weiteres Wort an Mayo zu richten.

In den nächsten zwei Tagen schwirrten kleine Fahrzeuge um den getroffenen Riesen wie Fliegen um einen Kadaver. Es waren Versicherungsleute, Wracktaucher mit Plänen und Projekten, Schaulustige, Aktionäre – und ein Besucher war Kapitän Zoradus Wass.

„Nichts anderes zu tun, als herzukommen und mein Mitgefühl auszudrücken, Junge.“ Er schnalzte mit der Zunge, als er den Dampfer musterte. Es war ein wortloses Beileid. „Nun erzähl mir die Geschichte – mit allen feinen Details“, forderte er, nachdem sie sich in der Kapitänskajüte eingeschlossen hatten. Er saß mit den Ellbogen auf den Knien und starrte während der Erzählung auf den Boden, und er starrte noch eine ganze Weile auf den Boden, nachdem Mayo aufgehört hatte zu sprechen.

„Ich gebe zu, dass der Quartiermeister sie für eine Minute – weniger als eine Minute – vom Kurs hat abweichen lassen“, wiederholte der junge Mann. „Ich hatte nur für einen Augenblick weggeschaut. Ich habe ihm geholfen, sie wieder auf Kurs zu bringen. Wir können kaum mehr als ein S für ein paar Längen geschnitten haben. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto merkwürdiger erscheint es mir. Zwei Strich abweichend, fast wie im Fingerschnippen!“

„Erzähl diesen Teil immer und immer wieder, während ich meine Augen schließe und es mir so einpräge, als hätte ich es selbst gesehen“, verlangte Kapitän Wass. „Wer war da, wo standen sie, und so weiter und so fort. Wenn etwas passiert und man kann es sich nicht zusammenreimen, liegt es meist daran, dass man die Details nicht gründlich genug durchgekaut hat. Nur zu! Ich bin ein guter Zuhörer.“

Doch nachdem er zugehört hatte, hatte er keine Kommentare abzugeben. Er verließ nach einigen Minuten des tiefen Nachdenkens die Kajüte und schlenderte mit den Händen auf dem Rücken und schlurfenden Schritten über das Schiff. Eine halbe Stunde später, als er Kapitän Mayo bei seinem Rundgang traf, fragte der Veteran:

„Wie kommt es, dass du Oliver Burkett hier an Bord hast?“ „Ich kenne ihn nicht.“

„Du solltest ihn kennen. Er ist der Kapitän, den die Vose-Linie vor drei Jahren von der Nirvana gefeuert hat. Er gab bei der Anfahrt zum Dock das Signal für volle Fahrt voraus und hat vier Fischerboote und einen Teil des Piers zerlegt. Er musste sich entscheiden zwischen dem Eingeständnis, betrunken oder verrückt zu sein, oder von der Konkurrenz bestochen worden zu sein. Und ich schätze, sie dachten, er sei alles drei. War er die Nacht, als es passierte, an Bord?“

„Ich weiß es nicht, Sir.“

„Meiner Meinung nach ist es wert, das herauszufinden“, knurrte Kapitän Wass. „Ich sehe noch nicht sehr weit in diese Sache hinein, Junge, das gebe ich zu. Aber wenn dir übel mitgespielt wurde, wäre Burkett ein handlicheres Werkzeug für Fogg gewesen als ein Rohrschlüssel bei einer Klempnerarbeit. Nein, stell mir jetzt keine Fragen. Ich habe keinen Trost für dich und kein Vertrauen in mich selbst. Ich denke nur nach.“

Am nächsten Tag wurde die beschädigte Montana formell an die Versicherer übergeben.

Kapitän Boyd Mayo wurde befohlen, vor den Inspektoren der Vereinigten Staaten zu erscheinen, und er ging hin und erzählte seine Geschichte, so gut er konnte. Aber sein Bestes war letztendlich eine wenig überzeugende Geschichte. Er verließ die Anhörung nach seiner Aussage und ging hinunter zu dem kleinen Hotel am Wasser, um auf Neuigkeiten zu warten.

Kapitän Wass kam geschäftig zu dem kleinen Hotel herunter, stampfte mit einer Extra-Geschwindigkeit daher, setzte die Fersen hart auf den Boden, ein bewegliches Monument der Düsternis.

Sein Schützling, der seinen trostlosen Blick von den staubigen Chromos an den Bürowänden abwandte, brauchte keinen mündlichen Bericht; Kapitän Wass’ Gebaren verriet alles.

„Und man konnte auch nicht viel anderes erwarten“, erklärte der alte Mann. „Ich habe das Beste für dich herausgeholt, nachdem du deine Aussage beendet hattest und gegangen warst. Aber es war zwecklos, Junge! Das Ministerium hat auf ein Opfer gelauert. Das wussten wir beide schon die ganze Zeit. Sie haben es dir richtig eingeschenkt.“

„Wie lange bin ich suspendiert?“, stammelte Mayo.

„Das ist der Punkt! Auf unbestimmte Zeit. Du warst das Futter. Alle haben den Fall beobachtet. Sie haben dich rasiert.“

Mayo grub seine Hände in sein dichtes Haar, stützte den Kopf und starrte auf den Boden.

„Auf unbestimmte Zeit bedeutet nicht für immer, aber viel Trost liegt nicht darin. Ich sage dir, was es bedeutet, Junge. Es bedeutet, dass wir, falls es unsaubere Machenschaften gab, diese aufdecken müssen, um dich zu rehabilitieren. Und jetzt nimm dich zusammen. Ich habe einen Blick in das Bundesgericht der Vereinigten Staaten geworfen.“

Der junge Mann warf dem Veteranen, ohne den Kopf zu heben, einen erbärmlichen Seitenblick zu.

„Fletcher Fogg summt außerhalb dieses Bienenstocks herum. Er hat Burkett als Handlanger dabei. Sie versammeln Zeugen vor der Grand Jury – diese Männer von der Warren, und du weißt natürlich, was sie sagen werden! Auch deine Offiziere und Quartiermeister! Mayo, sie werden dich in den Knast nach Atlanta befördern. Sie haben dir etwas untergeschoben, weil du jung bist und sie dachten, du seist ein wenig grün hinter den Ohren. Es kam mir komisch vor, als Fogg auf einmal so furchtbar nett zu dir war. Aber sie entlassen keinen Mann wie Jacobs und setzen einen neuen Mann ein, nur um nett zu sein. Sie hatten entweder das Gefühl, sie könnten Jacobs nicht manipulieren, oder sie dachten, ein Grünschnabel wäre eine gute Entschuldigung für das, was passiert ist.“

„Aber sie konnten doch nicht arrangieren, einen Schoner zu...“

„Das war wahrscheinlich mehr, als sie eingeplant hatten. Aber da es nun einmal passiert ist, werden sie es bestmöglich ausnutzen. Du wirst beide Blechdosen angebunden bekommen, Junge. Jedes verdammte bisschen Einfluss wird gegen dich verwendet werden. Arme Teufel wie wir beide verstehen nicht, wie glatt die Wege geschmiert werden können. Mayo, ich gebe dir einen guten Rat. Hau ab!“

„Weglaufen wie ein geständiger Krimineller? Das ist der Rat, den mir Fogg gegeben hat. Ich glaube nicht, dass dein Rat gut ist, Kapitän Wass. Ich werde nicht weglaufen.“

„Es mag kein guter Rat sein. Ich bin nicht weise genug, um zu wissen, was das Beste ist. Aber wenn sie dich in Atlanta hinter Gitter stecken, Junge, bleibst du dort, bis deine Zeit abgelaufen ist. Egal, was in deinem Fall herausgefunden wird, es wird Geld und viel Zeit kosten, die Wahrheit vor die richtigen Leute zu bringen. Aber wenn du nicht im Gefängnis bist und wir eine Spur in diesem Fall finden und nur einen Teil der Wahrheit ausgraben können, dann hast du im Freien eine Chance, zu kämpfen. Wenn wir nur genug bekommen, um sie davor zurückschrecken zu lassen, dich in den Zeugenstand zu rufen, mag das ausreichen, um sie zum Schweigen zu bringen. Du bist Seemann, Junge! Du weißt, ein Seemann kann nicht viel tun, wenn seine Hände gebunden sind. Bleib außerhalb des Gefängnisses und hilf mir, diese Sache zu bekämpfen.“

„Ich weiß nicht, was ich tun soll“, klagte der junge Mann. „Ich bin völlig durcheinander. Ich bin kein Feigling, Kapitän Wass. Ich bin bereit, mich der Musik zu stellen. Aber ich bin so hilflos.“

„Bleib außerhalb des Gefängnisses, bis sich der Nebel in diesem Fall ein wenig lichtet“, mahnte sein Mentor. „Willst du dich hinlegen und die Beine hochstrecken, damit man sie dir bindet, wie ein Kalb, das für den Markt bestimmt ist? Hier sind ein paar Dinge, die du tun kannst, wenn du dich für eine Weile aus dem Staub machst. Ich werde vorangehen und...“

Plötzlich hielt er inne. Er stand vor dem Fenster, das einen beträchtlichen Teil der Straße überblickte. Er verschwendete keinen weiteren Atemzug mit gutem Rat.

„Ich kenne diese Männer, die da herunterkommen“, rief er. „Das sind Gerichtsvollzieher. Ich habe sie vor dem Gerichtsgebäude gesehen. Sie sind hinter dir her, Mayo! Lauf! Hau ab! Hier muss es eine Hintertür geben. Mach, dass du wegkommst!“ Er riss den widerstandslosen Sündenbock aus seinem Stuhl und drängte ihn in den hinteren Teil des Büros.

Ein junger Mann mag die besten Absichten haben. Er mag sich vornehmen, ein Märtyrer zu sein, sich der Majestät des Gesetzes zu beugen. Aber in diesem Moment erhielt Mayo einen herrischen Befehl von dem Schiffskapitän, dessen Anweisungen er so lange befolgt hatte, dass Gehorsam zur zweiten Natur geworden war. Und Panik ergriff ihn! Männer waren in der Nähe, um ihn zu verhaften. Es gab keine Zeit, die Sache zu durchdenken. Flucht ist der erste Impuls der verfolgten Unschuld. Männlicher Entschluss schmolz dahin. Er rannte.

„Ich bleibe zurück und werde sie abwimmeln! Ich werde sagen, Sie sind nur für eine Minute weg, dass ich hier auf Sie warte“, rief Kapitän Wass. „Das verschafft Ihnen einen Vorsprung. Versuchen Sie es bei den Docks. Vielleicht finden Sie einen von den Jungs, der Ihnen hilft.“

Mayo entkam in einen Hof, drückte sich in eine Gasse und plante seine nächsten Schritte, während er sich beeilte, wobei er die für einen Seemann typische Geistesgegenwart in einer Notsituation bewahrte.

Er steuerte direkt auf den Pier zu, an dem die Dampfschiffe Wasser aufnahmen. Ein riesiger Hochseeschlepper machte sich gerade bereit, seinen Liegeplatz unter dem Wasserschlauch zu verlassen. Sein barscher Pfeifton hatte das Loswerfen der Trossen befohlen. Mayos Bekanntschaft mit der Küstenschifffahrt war ziemlich umfangreich. Dies war ein Kohlenkahn-Schlepper, und er winkte dem vertrauten Gesicht im Steuerhaus zum schnellen Gruß und sprang an Bord. Er kletterte flink die vordere Leiter hinauf.

„Ich schätze, du musst Hallo und Auf Wiedersehen in einem Atemzug sagen, Kumpel“, riet der Kapitän. „Ich bin auf dem Weg, einen leichten Schleppzug die Küste runterzubringen. Nächster Halt Norfolk.“

„Lass sie los – je eher, desto besser“, keuchte der Flüchtige. „Ich erkläre dir warum, sobald wir aus dem Dock sind.“

„Du willst doch wohl nicht etwa die Reise mitmachen?“

„Ich muss sie mitmachen.“

Der Kapitän zog eine Augenbraue hoch und betätigte seine Glocke. „Mach es dir gemütlich, Kumpel“, riet er. „Ich hoffe, du hast es nicht so eilig, dorthin zu kommen, wie es scheint, denn ich habe drei Kähne zu schleppen.“

Mayo setzte sich auf das hintere Heckbalkon-Deck und war für alle Augen am Pier verborgen.

Es gab keine Gelegenheit für eine Erklärung, bis die Kähne aufgenommen waren, denn es gab viel Manövriererei und viel Getute. Aber er fand bereitwilliges Verständnis, nachdem er sich erklärt hatte.

„Die Advokaten sind immer darauf aus, einen armen Kerl zu erwischen, der versucht, diese Gewässer zu befahren und es gleichzeitig den Inspektoren und den Eignern recht zu machen“, gab der Kapitän des Schleppers zu. „Ich habe alles gelesen, was die Zeitungen über deinen Fall zu sagen hatten, und ich hatte den Eindruck, man hat dir keine faire Chance gegeben. Zeitungen, Anwälte und Eigner verstehen nicht, womit ein Kerl zu kämpfen hat. Ich bin froh, dass du an Bord bist, Kumpel, denn ich will deine Seite der Geschichte hören, mit allen Details.“

Das Durchkauen der Angelegenheit nahm viele Stunden der langen Fahrt die Jersey-Küste hinunter in Anspruch, und der Schlepperkapitän wog alle Aspekte des Falls mit der Sorgfalt eines Mannes ab, der viel Zeit zur Verfügung hat, und mit dem Eifer, den ein Seemann an den Tag legt, wenn er die Angelegenheiten seinesgleichen erörtert.

„Wenn ich dich nicht ziemlich gut kennen würde, Mayo, und wüsste, bei welcher Art von Mann du deine Ausbildung genossen hast, könnte ich – genau wie diese Advokaten wahrscheinlich sagen werden – denken, dass du kriminell nachlässig warst oder dein Handwerk nicht verstanden hast. Aber dieses Ausweichmanöver, das sie mit dir gemacht hat! Zwei Strich von ihrem Kurs ab! Da musst du den Finger direkt drauflegen und festhalten! Lass dir mal was sagen. Das war eine seltsame Sache in meinem eigenen Fall. Das war eine seltsame Sache in deinem Fall. Stell zwei seltsame Dinge aus unserem Geschäft nebeneinander, schiel sie an, und vielleicht lernst du etwas.“

„Sie war auf Kurs – ich habe sie mit meinen eigenen Händen darauf gebracht“, beharrte Mayo.

„Sicher! Du verstehst dein Geschäft. Wenn diese Sache den Leuten überlassen würde, die dich kennen, kämest du frei. Aber hier ist, was in meinem Fall passierte: Ich hatte einen neuen Mann im Steuerhaus, hier, und er hätte mich fast in Cuttyhunk auf Grund gesetzt, gab mir eine knappe Sache mit dem Pollock Rip Feuerschiff und hatte mich auf Nauset zu steuern, als der Nebel sich lichtete. Und er steuerte meine Kurse haargenau, sogar das! Sag mal, ich bin plötzlich misstrauisch geworden, habe den Kerl gefilzt und ein Messer aus seiner Tasche gezogen – eines dieser regulären, einen Fuß langen Messer. Er war den ganzen Weg von einem Strich bis zu anderthalb Strich vom Kompass abgewichen. Wann hast du die Ruderwache gewechselt?“

„Bevor wir den Vineyard Sound erreichten.“

„Und kein Ärger beim Herauffahren des Sounds?“

„Habe Nobska und West Chop genau auf den Punkt getroffen.“

„Dann hatte vielleicht dein Geschäftsführer, der in diesem Steuerhaus war, einen Magen aus Eisen. Die meisten dieser Wall-Street-Typen haben das!“ sagte der Kapitän sarkastisch.

„Es geht etwas in der Dampfschifffahrt vor, das ich nicht verstehen kann“, erklärte Mayo. „Es ist weit oben; es hat nichts mit uns Kerlen zu tun, die die Prügel einstecken müssen. Fogg hat einen Mann an Bord der alten Nequasset gebracht, und er hat keine gute Erklärung für diesen Mann mitgeliefert. Ich habe mich seither gefragt, wie es dazu kam, dass Fogg so verdammt plötzlich Geschäftsführer der Vose-Linie wurde.“

„Diese Hochfinanz-Typen spielen ein großes Spiel, Kumpel. Und wenn du zufällig eine gezinkte Karte darin bist, würden sie dich zerreißen und unter den Tisch werfen, ohne zweimal nachzudenken. Wenn du einen Rat von mir annimmst, dann tauch unter und denk viel nach, während Onkel Zoradus seine Erkundungen anstellt. Was wirst du tun, wenn du in Norfolk ankommst?“

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht.“

„Nun, wir beide sollten besser nachdenken, und zwar gründlich, Kumpel. Wenn die Vereinigten Staaten wirklich hinter dir her sind, wird an jedem Astloch ein scharfes Auge sein. Ich kann es mir nicht leisten, dass sie mir wegen dessen, was ich getan habe, an den Kragen gehen.“

„Ich springe über Bord, bevor wir die Kaps erreichen, eher bringe ich dich in Schwierigkeiten“, versicherte Mayo mit tiefem Gefühl.

In jener Nacht übernahm der Kapitän des Schleppers persönlich eine Schicht am Steuer.

Sein Gast lag auf dem Heckbalkon, rauchte die Ersatzpfeife des Kapitäns und zerbrach sich den Kopf über Wege und Mittel. Nach einer Weile nahm er wahr, dass der Kapitän ein Lied vor sich hin brummte, um die Langeweile seiner Aufgabe zu lindern. Er sang immer wieder dieselben Worte – ein bewährtes, altes Chesapeake-Shanty:

„Oh, ich segelte auf einem Lugger und heuerte auf einem Prahm, Und ich segelte auf einer Nussschale, die einen Rasiermesserbug hatte. Nadel im Heuhaufen, Ziegelstein in einer Mauer! Ein schwarzer Mann in Norfolk, der zählt gar nichts!“

Mayo rollte vom Heckbalkon und trat an die Seite des Kapitäns. „In diesem Lied von Ihnen steckt mehr Wahrheit als Poesie, Sir“, sagte er. „Sie haben mir eine Idee gegeben. Ein Schwarzer in Norfolk erregt nicht viel Aufmerksamkeit. Und ich muss nicht einmal einer der schwarzen sein. Glauben Sie nicht, dass es an Bord hier etwas gibt, womit ich mein Gesicht färben kann?“

„Mein Koch ist ein großer Künstler als Tätowierer.“

„Ich glaube nicht, dass ich die Verkleidung dauerhaft machen will, Sir“, erklärte der junge Mann mit einem Lächeln.

„Ich meine, er hat vielleicht etwas in seinem Kasten, womit er dich bemalen kann. Was ist deine Idee – dort bleiben? Ich fürchte, sie werden dich festnageln.“

„Ich bleibe nur so lange dort, bis ich auf einem Schoner anheuern kann. Es ist gerade keine Zeit, sich einen besseren Plan auszudenken. Irgendetwas, um außer Sichtweite zu bleiben, bis ich mich entscheiden kann, was wirklich das Beste ist.“

„Wir holen den Koch hierher“, bot der Kapitän an. „Er ist sicher.“

Der Koch zeigte promptes und professionelles Interesse an der Sache. „Sicher!“, sagte er. „Ich habe eine Beize, die einzieht und lange hält, wenn keine Schminke verwendet wird. Nur darfst du dein Gesicht nicht waschen.“

„Es besteht keine Gefahr, dass ein Kerl einen Anreiz dazu hat, wenn er heutzutage auf einem Schoner vor dem Mast steht“, erklärte der Schlepperkapitän trocken.

Eine Stunde später war Kapitän Boyd Mayo, ehemals vom Luxusdampfer Montana, ein sehr glaubwürdiger Mulatte, wobei sein krauses, lockiges Haar die Verkleidung noch verstärkte. Er tauschte seinen ordentlichen braunen Anzug mit einem Decksarbeiter und erhielt einige besonders ungepflegte Kleidungsstücke.

Am nächsten Abend, als der Schlepper an der Wasserstation anlegte, schlüpfte er in die Dunkelheit, obdachlos und so trostlos wie ein ausgesetzter Hund.

XXII ~ BESONDERE GESCHÄFTSANGELEGENHEITEN EINES PASSAGIERS

O Ranzo war kein Seemann, Er heuerte auf einem Walfänger an. O bemitleidet Reuben Ran-zo, Ran-zo, Jungs! O armer alter Reuben Ranzo, Ran-zo, Jungs! --Reuben Ranzo.

Kapitän Mayo hielt sich eine Zeit lang von den Gegenden mit heller Beleuchtung fern. Er kannte sich in dem Hafen von Virginia ziemlich gut aus und kannte die ausgetretenen Pfade der Dampfschifffahrtsleute, die für ein kurzes Vergnügen an Land waren.

Er lauerte in Gassen und fühlte sich besonders verrufen. Er war sich keineswegs sicher, ob seine Maskerade wirksam war. Sein eigenes Selbstbewusstsein überzeugte ihn davon, dass er ein offensichtlicher Betrüger war, dessen Identität jedem, der ihn kannte, sofort offenbart werden würde. Aber während er sich in den Außenbezirken der Stadt herumtrieb, passierten ihn etliche seiner Bekannten vom Hafen, ohne einen zweiten Blick zu werfen. Einer, ein zweiter Ingenieur auf einem Frachter der Union-Linie, wirbelte nach dem Passieren herum und kam zu ihm zurück.

„Hast einen Job, Junge?“

„Nein, Sir.“

„Wir brauchen Kohlentrimmer auf der Drummond. Sie liegt im Strom. Komm morgen früh an Bord.“

Aber es entsprach nicht Mayos Plan, sich mit Dampfschiffleuten abzugeben. „Ah gläub, ah will koin solchen Job“, sagte er gedehnt.

„Nein, natürlich willst du nicht arbeiten, du verdammter gelber Köter!“ schnauzte der Ingenieur. Er marschierte fluchend weiter, und Mayo war ermutigt, denn der Mann hatte ihn gründlich gemustert.

Er ging auf die breiteren Straßen hinaus. Er suchte nach einem umherziehenden Schoner-Kapitän, in der Annahme, er würde einen von dieser Sorte am Schnitt seines Segels erkennen.

Ein schwerfälliger Mann stampfte den Gehweg entlang und schwang die Schultern.

„Er ist einer von ihnen“, entschied Mayo. Der rundköpfige weiche Hut, ungedellt, die flatternden Hosenbeine, der Gang, den jeder leicht erkennt, der jemals einen Kapitän sein Quarterdeck patrouillieren sah – all das kennzeichnete ihn als einen sicheren Mann, den man ansprechen konnte. Er hielt an, rieb ein Streichholz an der Ziegelwand eines Gebäudes und zündete seine Zigarre wieder an. Aber bevor Mayo ihn erreichen konnte, eilte ein Farbiger herbei und sprach den großen Herrn an, riss den Hut ab und verbeugte sich mit selbstgefälliger Demut. Mayo hielt in einiger Entfernung inne. Er erkannte den farbigen Mann; er war einer der zahlreichen Norfolk-Vermittler, die Besatzungen für Schiffe bereitstellen. Er trug perlgraue Hosen, einen Gehrock und hatte ein Nelke im Knopfloch.

„Ah muss sagen, dass ah den Mann Nummer sieben bis jetzt nicht hab, Käpt'n Downs, obwohl ah überall nach ihm gesucht hab. Aber ah erwart' –“

Kapitän Downs blickte finster über seine hohlen Hände und paffte stark an seiner Zigarre. Er warf das Streichholz weg.

„Hör mal zu! Du jagst mich seit zwei Tagen mit neuen Geschichten über diesen siebten Mann. Kennst du mich nicht lange genug, um zu wissen, dass du mich nicht für eine weitere Gebühr hinters Licht führen kannst?“

„Käpt'n Downs, Sie wissen doch selbst um die momentane Dürftigkeit des Seemannsangebots.“

„Ich weiß, dass wenn du diesen Mann nicht heute Abend oder morgen früh als Erstes an Bord meines Schoners bringst, du nie wieder einen für mich an Bord bringen wirst. Beweg dich! Und hör mal! Ich seh, wie du dein Maul aufmachst! Nicht noch einen Cent!“

Der farbige Mann wich zurück und ging davon.

Mayo sprach den Kapitän an, als dieser schimpfende Herr den Gehweg entlanglief. „Ah hätt' gern den Job, Käpt'n“, bat er.

„Du bist Seemann?“

„Ja, Sir.“

„Wie kommt es, dass du nicht über die regulären Vermittler anheuerst?“

„Ah mag's nicht, mein ganzes Geld einem feinen Neger zu geben, damit der sich aufplustert.“

„Nun, da ist was dran“, gab Kapitän Downs zu und wurde ein wenig milder. „Ich selbst habe für diese Sorte auch nicht viel übrig. Du kommst mit. Aber wenn du nicht erstklassig, seetüchtig und seemännisch bist und an Bord meines Schiffes kommst, um faulenzend deinen Job zu machen, wirst du dir wünschen, du wärst in der Hölle, wo die Fackeln brennen. Hast du irgendwo Gepäck herumliegen?“

„Nein, Sir.“

„Nun, dann schätze ich, du bist ein echter Seemann, so wie die Rasse heutzutage läuft. Das klingt vollkommen natürlich.“ Der Kapitän führte den Weg hinunter zu einem öffentlichen Anlegesteg, wo eine Motorbarkasse mit Ingenieur und Steuermann wartete. „Wird sie heute Abend in den Strom gehen, Mr. Dodge?“ fragte Kapitän Downs kurz angebunden.

„Nein, Sir! Etwa vierhundert Tonnen müssen noch geladen werden.“

Schonerkapitäne halten sich religiös von ihren Schiffen fern, solange die Fahrzeuge an den Kohlenkais liegen.

„Holt mich morgen früh ab, sobald sie im Strom liegt. Hier ist ein Mann, um die Besatzung zu vervollständigen. Wenn dieser Kerl mit noch einem Mann auftaucht, tretet die beiden vom Kai runter.“

„Kommt der Passagier mit Ihnen an Bord, Sir?“

„Er rief mich beim Abendessen im Hotel an und sagte etwas davon, dass er am Dock an Bord kommen wolle. Ich habe versucht ihm zu sagen, dass es töricht ist, aber es ist sicher anzunehmen, dass ein Mann, der von hier nach Boston als Passagier auf einem Kohlenschoner segeln will, sowieso ein Narr ist. Wenn er auftaucht, lasst ihn an Bord.“ Kapitän Downs wandte sich ab und die Nacht schloss sich hinter ihm.

Mayo nahm seinen Platz in der Barkasse ein und bewahrte während der Fahrt durch den Hafen schweigsames und angemessenes Stillschweigen.

Als sie unter das Heck des Schoners schwenkten, der ihr Ziel war, bemerkte der junge Mann, dass es die Drusilla M. Alden war, ein Fünfmaster, der an der Küste keinen beneidenswerten Ruf hatte, was die Methoden und Manieren seines Meisters anging; Mayo hatte von ihrem Kapitän gehört, dessen Spitzname „Old Mull“ war. Er hatte ihn unter dem Namen Kapitän Downs nicht erkannt, als der Vermittler ihn so angesprochen hatte.

Das neue Besatzungsmitglied folgte dem Steuermann die Leiter hinauf – nur wenige Stufen, denn der riesige Schoner mit dem größten Teil seiner Ladung an Bord wies mittschiffs weniger als zehn Fuß Freibord auf.

„Müde, George?“, fragte der Steuermann, als sie an Deck waren.

„Nein, Sir.“

„Dann kannst du genauso gut diese Wache gehen.“

„Ja, Sir!“

„Wir nennen es jetzt acht Glas, Mitternacht. Du gehst um acht Glas am Morgen von der Wache.“

Mayo wusste, dass die Stunde nicht viel später als elf war, aber er protestierte nicht; er wusste einiges über das Verfahren an Bord von Küsten-Kohlenschonern.

Suchscheinwerfer richteten ihre stetige Blendung auf die Rutschen, durch die die Kohlenströme rasten, wobei schwarzer Staub im weißen Licht wirbelte. Die großen Taschen am Lambert Point ruhen nie. Hoch oben, auf der Eisenbahn, ratterten Kohlenzüge. Unter seinen Füßen bebte die Struktur des Schiffes, während die Rutschen sie durch die drei Luken fütterten. Schwitzende, kohlenschwarze Männer arbeiteten in ihren Tiefen, unter den Luken durch elektrisches Licht enthüllt, pickten mit ihren Schaufeln auf die Lawine ein, trimmten die Ladung.

Der junge Mann wechselte ein paar lustlose Worte mit den beiden Negern, die an Deck waren, seinen Kameraden der Wache.

Sie waren offensichtlich nicht an ihm interessiert, und er mied sie.

Die Stunden zogen sich hin. Er half, die vordere Luke zu schließen und zu verriegeln, und verrichtete später ähnliche Dienste an der hinteren Luke. Die Hauptluke schluckte weiterhin die schwarze Nahrung, die die Rutsche ihr zuführte.

Plötzlich erschien ein großer junger Mann vor Mayo. Der Fremde war schick gekleidet, und sein blitzsauberer Aufzug stand in seltsamem Kontrast zum allgemeinen Schmutz an Bord des Schoners. Er trat vorsichtig über die staubbedeckten Planken und trug zwei Koffer.

„Hier, George“, befahl er. „Bring die in meine Kabine.“

Mayo zögerte.

„Ich fahre als Passagier mit“, sagte der junge Mann ungeduldig, und Mayo erinnerte sich daran, was der Kapitän dem Steuermann gesagt hatte.

Passagiere auf Kohlenschonern, die als Freunde des Kapitäns mitsegelten, waren an der Küste nicht unbekannt, aber Mayo schloss aus dem, was er gehört hatte, dass diese Person kein Freund war, und wunderte sich ein wenig.

„Ich darf nicht achtern gehen, Sir, ohne Befehl vom Steuermann.“

„Wo ist der Steuermann?“

„Ich glaube, er ist unter Deck, Sir.“

„Schläft er?“

„Das würde mich nicht wundern.“

Mayo machte sich nicht die Mühe, bei diesem Fremden seinen Dialekt zu benutzen, einem bloßen Passagier, der sprach, als würde er einen Gepäckträger ansprechen. Der Ton erzeugte sofortige Reizung, Groll bei dem Mann, der so kurz zuvor noch Kapitän seines eigenen Schiffes gewesen war.

Der Passagier stellte sein Gepäck ab und überlegte einen Moment. Er musterte Mayo auf kalkulierende Weise; er starrte den Kai hinauf. Dann nahm er seine Taschen, eilte den Backbordgang entlang und verschwand im Niedergang.

Er kehrte nach wenigen Augenblicken zurück, kam in die Mitte des Schiffes und nahm alles um sich herum genau in Augenschein. Es waren zwei Matrosen weit vorne, nur dunkle Schatten. Aus irgendeinem Grund schienen die allgemeinen Bedingungen auf dem Schoner den Fremden zufrieden zu stellen.

„Die Sache läuft genau richtig – so wie ich es mir ausgerechnet hatte“, sagte er laut. „Hör mal, George, wie viel redest du über Dinge, die du siehst?“

„Reden mit wem, Sir?“

„Nun, mit deinem Boss – dem Kapitän – dem Steuermann.“

„Ein Seemann vor dem Mast ist ziemlich vorsichtig, nichts zu einem Kapitän oder den Steuermännern zu sagen, es sei denn, sie sprechen ihn zuerst an, Sir.“

„George, ich werde nichts tun, als was vollkommen in Ordnung ist, verstehst du? Du wirst deswegen keine Schwierigkeiten bekommen. Aber was du nicht siehst, kannst du nicht erzählen, egal ob später Fragen gestellt werden. Hier, nimm das!“ Er drückte Mayo zwei Silberdollar in die Hand und gab ihm einen Stoß. „Du trabst nach vorne und bleibst dort etwa fünf Minuten, das ist ein braver Junge! Es ist alles in Ordnung. Es ist ein wenig meine eigene private Angelegenheit. Geh schon!“

Mayo ging. Er dachte bei sich, dass es nicht seine Angelegenheit sei, was ein Passagier an Bord des Schiffes tue. Er interessierte sich ohnehin nur sehr wenig für den Kahn, außer als vorübergehende Zuflucht. Er wandte sich ab und steckte das Geld in seine Tasche, während die Dunkelheit sein Lächeln verbarg.

Er blickte nicht in Richtung Kai. Er schlenderte am vorderen Deckshaus vorbei, wo der Ingenieur seinen Kessel befeuerte, um Dampf für die Ankerwinde des Schoners zu erzeugen. Als er nach einem gewissenhaften Warten wieder nach achtern patrouillierte, fand er den Passagier an die Tür des Deckshauses gelehnt, eine Zigarette rauchend. Das elektrische Licht zeigte sein Gesicht, und es trug einen Ausdruck besonderer Zufriedenheit.

Gerade da fummelte jemand hinter dem Rücken des Fremden an der Tür des Deckshauses, und als dieser beiseite trat, erschien der erste Steuermann gähnend.

„Ich bin der Passagier – Mr. Bradish“, erklärte der junge Mann prompt. „Ich habe mich nur häuslich eingerichtet, meine Sachen in eine Kabine gebracht, die Tür abgeschlossen und den Schlüssel genommen. Ist das in Ordnung?“

„Es mag genauso gut sein, sie abzuschließen, während wir am Dock liegen und Stauer an Bord sind“, stimmte der Steuermann zu.

„Wann legen wir hier ab?“

Der Steuermann gähnte wieder und spähte in den Himmel, wo das erste Grau der Sommerdämmerung über den Kränen der Kohlentaschen erschien. „In etwa einer halben Stunde, würde ich sagen. Sobald der Schlepper das Tageslicht nutzen kann, um uns in den Strom zu bringen.“

Das Donnern der Kohle in der Rutsche der Hauptluke hatte aufgehört. Der Schoner war beladen.

„Geh schlag acht Glas, Jeff, und leg dich hin!“, befahl der Steuermann an Mayo gewandt.

„Nun, ich bleibe hier draußen und beobachte den Sonnenaufgang“, sagte Bradish. „Das wird eine neue Erfahrung sein.“

„Es ist ein verdammt schmutziger Ort zum Faulenzen, bis wir im Strom sind und das Schiff reinigen, Sir. Ich sollte meinen, einen Ausflug auf einem Kohlenschoner zu machen, wäre eine andere neue Erfahrung!“ Es lag ein Hauch von grimmigem Sarkasmus in seinem Ton.

„Der Arzt hat mir verordnet, rauszukommen, wo ich nichts von Geschäften hören oder sehen würde, und ein Freund von mir sagte, dass an Bord eines dieser großen Schoner viel Platz und Komfort sei. Diese Kajüte und die Kabinen, die sind fein!“

„Oh, sie müssen einem Kapitän heutzutage ein gutes Zuhause bieten. Das ist ein Winton-Teppich im Salon“, erklärte der Steuermann stolz. „Und wir haben einen einäugigen Koch, der wirklich Essen zusammenbrauen kann. Ja, für einen billigen Urlaub, ich weiß nicht, aber ein Schoner ist in Ordnung!“

Die beiden verstanden sich bestens, als Mayo nach vorne ging. Er war hundemüde und legte sich auf die blanken Bretter seiner Koje im Back.

Bettzeug wird den Männern vor dem Mast auf den Kohlenträgern nicht gestellt.

Wenn ein Mann etwas zwischen sich und den Brettern haben will, muss er es selbst mitbringen, und nur wenige tun das. Am Ende jeder Reise wird eine Besatzung entlassen und neue Männer angeheuert, um Lohnkosten zu sparen, während ein Schiff im Hafen liegt, um zu laden oder zu löschen. Daher beherbergt ein Küstenschoner nur Reisende, für die das Back lediglich ein Schutzraum zwischen den Wachen ist.

Aber Mayo war ein Seemann, und die blanken Bretter dienten ihm besser als Bettzeug, in dem sich irgendein dunkler und schmutziger Sohn Hams eingenistet hatte. Er legte sich hin und schlief tief und fest.

Der Zweite Steuermann weckte die Freiwache bei vier Glas – sechs Uhr morgens. Der Schoner lag im Strom, und die gesamte Mannschaft wurde benötigt, um Schläuche und Besen zu bedienen und den Kohlenstaub wegzuspülen. Mayo arbeitete in der wogenden schwarzen Flut, bis seine Muskeln schmerzten.

Es gab eine willkommene Atempause – man unterbrach die Arbeit lange genug, um zu frühstücken. Es wurde ihnen aus der Kombüse in einer einzigen riesigen Metallschale gebracht, ohne Geschirr, Messer oder Gabeln.

Ein weißer Koch wäscht ab für Neger?

Mayo kannte den Brauch, der an Bord der Schoner zwischen den Kohlehäfen und den Städten Neuenglands herrschte, und so fischte er mit seinen Fingern nach Essen und schnitt das Fleisch mit seinem Taschenmesser mit der gebotenen Unterwürfigkeit.

Als er wieder mit dem Schrubben beschäftigt war, ging der Koch achtern vorbei und trug den mit Zink ausgekleideten Korb, der das Frühstück für den Salontisch enthielt. Dass dieser Koch über den vollständigen Wortschatz anderer seines Schlages verfügte, zeigte sich, als der Mann mit dem Schlauch nur knapp daran vorbeischrammte, den Korb zu durchnässen.

„Das ist richtig so, Koch!“, brüllte Kapitän Downs, der schwerfällig von seinem Jollenboot an Bord kletterte. „Rede so mit den faulen, schielenden, topffarbigen Söhnen eines Kohlenkastens, wenn ich nicht da bin, um es zu tun. Drehst du dich weg von dem Schlauch, du maultierohriger Fidschianer!“ Er wandte sich an Mayo, der an der Seite stand und seinen Schrubber in Stellung brachte, um den Kapitän vorbeizulassen. „An die Arbeit, gelber Köter! An die Arbeit!“

Normalerweise spricht der Kapitän nur über den Steuermann zu einem seiner Matrosen. Aber gerade war kein Steuermann zur Hand.

„Eine Hand für die Reeder und eine Hand für dich selbst, wenn du im Mast bist, aber an Deck sind es beide Hände für die Reeder“, verkündete er, während er achtern stapfte und das Aphorismus zum Besten gab, damit es jeder in Hörweite mitbekam.

Der Passagier war noch an Deck, und Mayo hörte, wie Kapitän Downs ihn ziemlich barsch begrüßte.

Dann kündigte die Handglocke des Kochs das Frühstück an, und bevor der Kapitän und sein Gast wieder auf dem Deck erschienen, hatte ein Schlepper die Trosse der Alden übernommen und schleppte sie durch den ausgebaggerten Kanal auf dem Weg nach Hampton Roads und zur See.

Mayo erledigte seine neuen Aufgaben so geschickt, dass er als vollwertiger Matrose durchging. Wenn ein Seemann auf einem großen Schoner dieser Tage schnell, willig und stark ist, braucht er nicht die Qualitäten und das Wissen, die einen Mann in alten Zeiten zu einem „A. B.“ machten.

Während der Schoner hinter dem Schlepper unterwegs war, hissten sie die Segel, wobei ein langes Kabel, „der Messenger“ genannt, es der Dampfwinde vorn ermöglichte, die ganze Arbeit zu verrichten. Mayo wurde dem Jiggermast zugewiesen und stieg hinauf, um das Toppsegel auszuschütteln. Es war eine schwindelerregende Höhe, und die Aufgabe stellte seinen Mut auf die Probe, denn das Segel war schwer, und es fiel ihm schwer, das Gleichgewicht zu halten, während er an den Falten des Segeltuchs zerrte. Er musste alleine arbeiten – es gab nur einen Mann pro Mast, und sehr winzige Insekten erschienen seine Kameraden, als Mayo vorn entlang der Mastreihe blickte.

Der Schlepper ließ sie vor dem Tail of the Horseshoe los; ein heftiger Südwestwind war ihnen behilflich.

Mit allen gesetzten Segeln pflügte der Schoner an den Kaps vorbei hinaus, und Mayo erhielt seine willkommene Freiwache; er war so schläfrig, dass ihm der Kopf schwamm.

Als er aufstand, wurde ihm befohlen, das Ruder zu übernehmen. Der Schoner hatte sich vom Land entfernt und steuerte auf seinen Nordkurs entlang der Küste zu, die sich als dünner weißer Faden entlang des blitzenden Blaus des Meeres abzeichnete.

Mayo übernahm den Kurs von dem hageren, rußigen Jamaikaner, der vom Steuer wegtrat; er richtete seinen Blick auf den Kompass und hatte alle Hände voll zu tun, denn ein großer Schoner, der bei achterlichem Wind sechs oder acht Knoten läuft, ist für einen Steuermann keine leichte Aufgabe. Gelegentlich war er gezwungen, leibhaftig auf das Steuer zu klettern, um das Schiff auf Kurs zu halten.

Kapitän Downs schritt stetig von Backbord nach Steuerbord zwischen dem Steuer und dem Aufbau hin und her. Bei jeder Wendung blickte er nach oben, um die Segel zu mustern. Es war die regelmäßige Patrouille eines Schoner-Kapitäns.

Trotz seiner Konzentration auf seine Aufgabe konnte Mayo nicht widerstehen, gelegentlich einen flüchtigen Blick auf den Passagier zu werfen. Das Gebaren des jungen Mannes war so merkwürdig geworden, dass es Aufmerksamkeit erregte. Er wirkte besorgt, unbehaglich, rauchte nervös seine Zigaretten, warf eine gerade angezündete über die Reling und machte sich auf den Weg zum Kapitän, mit offenem Mund. Dann drehte er sich weg, schirmte ein Streichholz unter der Haube des Niedergangs ab und zündete eine weitere Zigarette an. Er kämpfte sichtlich mit einem Problem, das ihn sehr bedrückte.

Schließlich eilte er nach unten. Er kam fast sofort wieder herauf. Er hatte die Ausstrahlung eines Mannes, der sich entschlossen hatte, eine unangenehme Angelegenheit hinter sich zu bringen.

„Kapitän Downs“, platzte er heraus, trat vor den alten Mull und hielt den erstaunten Kapitän an, „würden Sie bitte für ein paar Augenblicke mit mir in die Kajüte kommen? Ich habe Ihnen etwas zu sagen.“

„Nun, sagen Sie es – sagen Sie es hier!“, bellte der Kapitän.

„Es ist sehr privat, mein Herr!“

„Ich kenne keinen privateren Ort als dieses Achterdeck, fünfzehn Meilen vor der Küste.“

„Aber der – der Mann am Steuer!“

„Beim heiligen Josephus! Das ist kein Mann! Das ist ein Neger-Matrose, der meinen Schoner steuert. Erzählen Sie Ihre Geschichte, Mr. Bradish. Erzählen Sie sie genau hier. Dieser Kerl zählt nicht mehr, als dieser Ruderkopf zählt.“

„Wenn Sie in die Kajüte kommen könnten, ich –“

„Mein Platz ist auf diesem Achterdeck, mein Herr. Wenn Sie mir etwas zu sagen haben, sagen Sie es!“ Er begann wieder zu schreiten.

Bradish passte sich nach ein paar schlurfenden Schritten seinem Tempo an.

„Ich hoffe, Sie nehmen das richtig auf, Kapitän Downs. Es mag für Sie zunächst seltsam klingen“, stammelte er.

„Nun, nun, nun, sagen Sie es mir – sagen Sie es! Dann werde ich Ihnen mitteilen, ob es seltsam klingt oder nicht.“

„Ich habe einen weiteren Passagier mit an Bord gebracht. Sie ist in einer Kabine eingeschlossen.“

Der alte Mull stoppte seine Patrouille mit einem Ruck. „Sie?“, verlangte er zu wissen. „Wollen Sie mir weismachen, dass Sie eine Frau an Bord haben?“

„Wir sind verlobt – wir wollen heiraten. Also ist sie mitgekommen –“

„Warum zum Teufel haben Sie dann nicht geheiratet? Sie glauben doch nicht, dass dies ein Pfarrhaus ist, oder?“

„Es gab Gründe, warum wir an Land nicht heiraten konnten. Man braucht Lizenzen, und es werden Fragen gestellt, und wir hatten Angst, dass es herauskommen würde, bevor wir es arrangieren konnten.“

„Also ist das eine Entführung, was?“

„Nun, der Vater der jungen Dame hat törichte Vorstellungen von einem Ehemann für seine Tochter, und sie stimmt ihm nicht zu.“

„Wer ist ihr Vater?“

„Ich habe nicht die Absicht, es Ihnen zu sagen, mein Herr. Das hat mit der Sache nichts zu tun.“

Kapitän Downs musterte seinen Passagier mit großem Missfallen von oben bis unten. „Und was ist Ihre allgemeine Idee dabei, sich mir auf diese Weise aufzubürden?“

„Sie haben als Kapitän eines Schiffes außerhalb der Drei-Meilen-Zone das Recht, Leute in einem Notfall zu trauen.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein solches Recht habe, und ich bin mir bezüglich des Notfalls überhaupt nicht sicher, Mr. Bradish. Ich habe nicht vor, meinen Kopf in ein Schlamassel zu stecken.“

„Aber für Sie kann es kein Schlamassel geben. Sie üben einfach Ihr Recht aus, trauen uns, tragen es in Ihr Logbuch ein und geben uns ein Papier. Es wird eine Ehe genug sein, damit wir nicht getrennt werden können.“

„Wollen Sie ein Blatt in der Hand halten, mit dem Sie ihrem Vater bluffen können, was? Ich billige solche Taktiken bei der Ehe nicht.“

„Ich würde das nicht tun, wenn es irgendeinen anderen sicheren Weg für uns gäbe“, protestierte Bradish ernst. „Ich bin kein billiger Kerl. Ich habe einen guten Job, mein Herr. Aber das Problem ist, dass ich für ihren Vater arbeite – und Sie wissen ja, wie das in einem solchen Fall immer ist. Er kann mich nicht ausstehen!“

„Reich, was?“

„Ja, mein Herr!“ Bradish machte das Zugeständnis ziemlich mürrisch.

„Das ist meistens der Fall, wenn Entführungen stattfinden!“

„Aber das wird nicht wie eine Entführung aussehen, wenn es direkt in den Zeitungen berichtet wird. Hochzeit auf See – es wird wie eine romantische Art erscheinen, das Theater einer kirchlichen Hochzeit loszuwerden. Wir werden eine entsprechende Erklärung herausgeben. Es wird ihrem Vater die Möglichkeit geben, das ganze Gerede zu stoppen. Er wird froh sein, wenn Sie die Zeremonie vollziehen.“

„Sagen Sie mal, junger Mann, Sie proben doch nicht etwa das Zeug an mir, das Sie bei dem Mädchen benutzt haben, oder? Nun, das zieht nicht!“

„Kapitän Downs, Sie müssen verstehen, wie stur manche reichen Männer in solchen Dingen sind. Ich bin aktiv und unternehmungslustig. Ich werde ein nützlicher Mann für ihn sein. Er mag mich geschäftlich – er hat es gesagt. Er wird sich wieder beruhigen, wenn er abgekühlt ist.“

„Noch mehr Proben! Aber ich bin nicht so in Sie verliebt wie dieses Mädchen.“

„Wir sind in einer schrecklichen Lage, Kapitän! Vielleicht war es nicht klug, das zu tun. Aber es wird alles gut werden, wenn Sie uns trauen.“

„Wie heißt sie?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Wie zum Teufel kann ich Sie und sie trauen, wenn ich ihren Namen nicht kenne?“

„Aber Sie haben nicht versprochen, dass Sie Ihren Teil tun werden! Ich will das alles nicht offenlegen, um dann abgelehnt zu werden.“

„Ich gebe keine voreiligen Versprechen“, erklärte Kapitän Downs, ging zur Reling und warf einen Blick auf die Takelage. „Außerdem“, fügte er beim Vorbeigehen zur anderen Seite hinzu, „könnte er ein Reeder an diesem Schoner-Eigentum sein, für alles, was ich weiß. Sechzehntel davon sind von der Hölle bis Tar Hollow verstreut!“

„Sie brauchen sich keine Sorgen über sein Schoner-Eigentum zu machen! Er leistet gerade ganze Arbeit dabei, Leute wie Sie aus dem Geschäft zu drängen!“

Neugier und noch etwas anderes blitzten in den Augen von Kapitän Downs auf. „Chance für mich, ihm eins auszuwischen, was, indem ich Ihnen die Familie aufhalse?“

Diese neue Idee in der Situation erschien Bradish sofort als eine Möglichkeit, die man nutzen konnte. „Versprechen Sie mir von Mann zu Mann, dass Sie die Trauung vollziehen, und ich sage Ihnen seinen Namen; dann werden Sie froh sein, dass Sie es versprochen haben“, sagte er eifrig.

„Ich glaube nicht, dass ich versuchen würde, es Judas Iskariot selbst heimzuzahlen, indem ich ihm seine Tochter stehle, mein Herr. In all solchen Fällen muss das Mädchen berücksichtigt werden!“

„Aber das ist kein Stehlen! Wir sind verliebt.“

„Vielleicht, aber Sie machen mir nicht viel vor, junger Mann. Ich sage nicht, dass Sie sie nicht wirklich mögen, aber Sie sind auch hinter etwas anderem her.“

„Ein Mann muss sich seinen Weg in der Welt so gut wie möglich bahnen.“

„Dieser Plan scheint heutzutage unter Leuten wie Ihnen, die sich mit Finanzierung befassen, ziemlich in Mode zu sein. Aber ich bin ein ziemlich guter Menschenkenner und Sie können mich nicht täuschen, sage ich. Nun, wie haben Sie das Mädchen getäuscht?“

Es war eine plumpe und beleidigende Frage, aber Bradish hatte nicht den Mut, sich darüber aufzuregen; er musste diesen Despoten zu sehr beschwichtigen. Der Liebhaber zögerte und blickte besorgt auf den Mann am Steuer.

„Kümmern Sie sich nicht um diesen Neger!“, keifte Kapitän Downs. „Wie sind Sie jemals nah genug an das Mädchen herangekommen, um sie in diesen Unsinn hineinzulegen?“

„Wir trafen uns auf Tänzen. Wir fühlten uns zueinander hingezogen“, erklärte Bradish unterwürfig.

„Huh! Ja, man sagt mir, dass Mädchen heutzutage verrückt nach dem Herumgetanze sind, und ich nehme an, es ist leicht, von dort aus in einen allgemeinen Zustand vollkommener Verrücktheit überzugehen“, kommentierte der alte Mull mit Abscheu. „Sie zeigen, dass Sie nicht wirklich in sie verliebt sind, junger Mann. Sie würden niemals zulassen, dass sie diesen Unfug treibt, wenn Sie es wären!“

Er steckte sich eine unangezündete Zigarre in den Mund und patrouillierte weiter auf seinem Achterdeck, vor sich hin murmelnd.

Bradish zündete sich eine Zigarette an, warf sie nach zwei Zügen weg und lehnte sich gegen den Aufbau, studierte seine Fingerspitzen, die Stirn in Falten gelegt und mürrisch.

Mayo hatte das ganze Gespräch gehört, aber sein Interesse an der Identität dieser Personen war begrenzt; New York war voll von reichen Männern, und es gab viele törichte Töchter.

„Hören Sie mal“, schlug der Kapitän unfreundlich vor, „was auch immer später getan wird, es gibt jetzt etwas zu tun. Es ist Tierquälerei, dieses Mädchen länger in dieser Kabine eingesperrt zu halten.“

„Sie wollte nicht herauskommen und sich zeigen, bis ich mit Ihnen gesprochen hatte, mein Herr. Ich habe ein paar Mal durch die Tür mit ihr gesprochen.“ Er richtete sich auf und nahm eine würdige Haltung ein. „Kapitän Downs, ich mache Sie darauf aufmerksam – ich möchte, dass Sie sich daran erinnern, dass ich alle Anstandsregeln beachtet habe, seit ich an Bord bin.“

Kapitän Downs schnaubte. „Anstandsregeln – pah! Sie haben sie in ein schönes Schlamassel gebracht! Und sie ist da unten eingesperrt wie eine Katze und verhungert wahrscheinlich!“

„Sie möchte nicht essen. Ich glaube, sie fühlt sich nicht sehr wohl.“

„Das würde mich bei ihr nicht wundern! Holen Sie sie hier rauf, wo sie etwas frische Luft schnappen kann. Ich werde mit ihr sprechen.“

Nach kurzem Zögern ging Bradish nach unten. Er kehrte nach einer Weile zurück.

Trotz seiner Bemühungen, Unwissenheit vorzutäuschen, starrte Mayo angestrengt auf den Niedergang, begierig darauf, das Gesicht des Mädchens zu sehen. Aber sie folgte ihrem Liebhaber nicht.

„Sie fühlt sich nicht wohl genug, um an Deck zu kommen“, berichtete Bradish. „Aber sie ist im Salon. Kapitän Downs, gehen Sie nicht und sprechen Sie mit ihr und sagen Sie etwas, um sie zu beruhigen? Sie ist sehr nervös. Sie ist verängstigt.“

„Ich bin nicht besonders gut mit Damen“, erklärte der alte Mull. Aber er nahm seine Mütze ab und strich sich durch das ergraute Haar.

„Und wenn Sie nur sagen könnten, dass Sie uns helfen werden!“, flehte der Liebhaber. „Wir legen uns in Ihre Gnade, mein Herr.“

„Ich bin kein besonders gutes Rettungsboot in diesem Liebesgeschäft.“ Er machte sich auf den Weg zum Niedergang.

„Aber sagen Sie ihr nicht, dass Sie uns nicht trauen werden – nicht gerade jetzt. Warten Sie, bis sie ruhiger ist.“

„Oh, das werde ich ihr nicht sagen! Keine Sorge!“, sagte Kapitän Downs mit einem grimmigen Zug um den Mund. „Alles, was sie oder Sie von mir bekommen, passt in ein Flohaugen.“

Er verschwand die Stufen hinunter, und Bradish folgte ihm. Ein Steuermann war achtern erschienen, der Handbewegung des Kapitäns folgend, und übernahm die Wache. Nach einer Weile wurde Mayo abgelöst. Er ging nach vorn, im Bewusstsein, dass er ein wenig irritiert und enttäuscht war, weil er die Heldin dieses Liebesabenteuers nicht gesehen hatte, und wunderte sich ein wenig über sein Interesse an dieser jungen Dame.

Eine Stunde später, als Mayo draußen im Gang neben dem Maschinenraum Leinen aufschoss, belauschte er ein Bulletin, das der einäugige Koch dem Maschinisten überbrachte.

Der Koch war nach vorn getrabt, sein gesundes Auge trat hervor und drückte somit stumm großes Erstaunen aus. „Da ist ein Weibstück achtern. Ich habe Tee und Toast für sie gemacht.“

„Na, du tust ja so, als wäre es die erste Frau, die du je gesehen hast. Was ist die besondere Aufregung wert, dass ein Rock als Passagier mitfährt?“

„Sie war nicht als Passagier an Bord erwartet worden. Ich habe den Alten mit ihr sprechen hören. Der feine Pinkel, der Passagier ist, hat sie irgendwie eingeschleust. Ich habe nicht alles mitbekommen, weil der Alte nur so eine Art Schnurren von sich gab, während ich in Hörweite war. Aber ich habe genug mitbekommen, um zu wissen, dass das nicht nach Plan läuft.“

„Sieht sie gut aus?“ Der Maschinist zeigte ein wenig Interesse.

„Das tut sie wirklich!“, erklärte der Koch und bewies damit, dass ein Auge manchmal genauso nützlich ist wie zwei. „Pfirsiche und Sahne, Zuckerguss-Haare, Hände so weiß wie Backmehl. Sieht aus, als könnte man sie verspeisen.“

„Niemand würde jemals erraten, dass du Koch bist, wenn er dich hört, wie du ein Mädchen beschreibst“, spottete der Maschinist.

„Da ist ein Geheimnis um sie. Ich habe gehört, wie sie sich irgendwie aufgeregt hat, bevor der Typ sie zum Schweigen brachte. Sie sagte so etwas darüber, dass es ihr leid täte, dass sie gekommen war, und dass sie wünschte, sie wäre wieder zurück, und dass sie immer alles aus dem Impuls heraus getan hätte und nicht angehalten hätte, um nachzudenken, und so weiter, und ob das Schiff nicht umgedreht werden könnte.“

Mayo vergaß sich. Er hörte auf, Seile aufzuschießen, und stand da und lauschte gespannt, bis das empörte Auge des Kochs zufällig in seine Richtung schwenkte.

„Siehst du, wer da steht und sich in das private Gespräch von zwei Herren einmischt?“, fragte er den Maschinisten. „Gib mir mal den Rostschürhaken – den heißen. Ich werde diesem Neger zeigen, wo er hingehört.“

Aber Mayo zog sich hastig zurück, wissend, dass es ihm nicht gestattet war, weder mit Worten noch mit Blicken zu protestieren. Dennoch hatte ihm der Koch außer einer Beleidigung noch etwas anderes gegeben – er hatte Klatsch verbreitet, der die Gedanken des jungen Mannes beschäftigte.

Trotz seiner eher verächtlichen Meinung über den Verstand eines Mädchens, das ein solch törichtes Abenteuer riskieren würde, ertappte er sich dabei, wie er Mitleid mit ihrer Lage hatte, und vermutete, dass sie es wirklich bereute. Aber was in der Kajüte des Kapitäns vor sich ging, hatte er keine Möglichkeit herauszufinden. Er fragte sich, ob Kapitän Downs das Paar auf solch zweifelhafte Weise trauen würde.

Auf jeden Fall, überlegte Mayo, wie kam es dazu, dass das irgendeine Angelegenheit von ihm war? Er hatte genug eigene Sorgen, die seine volle Aufmerksamkeit beanspruchten.

Ihr schneidender Wind aus Südwest ließ nach, gerade als die Dämmerung einsetzte. Ein gelblicher Dunst trübte die Sterne. Mayo hörte einen der Steuermänner sagen, dass das Barometer gefallen sei. Er roch selbst das üble Wetter, da er den scharfen Instinkt des Seemanns hatte. Die Toppsegel wurden beigedreht, und er kletterte in den Mast und hatte einen langen, einsamen Kampf, bevor er das schwere Segeltuch gefaltet und gelascht hatte.

Als er das Deck erreichte, befahl ihm ein Steuermann, die Segeltuchabdeckungen über den Oberlichtern des Aufbaus zu befestigen. Die Arbeit brachte ihn in Reichweite des Gesprächs, das Kapitän Downs und Bradish führten, während sie zusammen auf dem Deck auf und ab gingen.

„Natürlich will ich niemanden im Stich lassen, Kapitän“, sagte Bradish. In seiner Stimme lag ein unterwürfiger Unterton; es war der Ton eines Mannes, der vertrauliche Herzlichkeit heuchelte, um weiterzukommen – um sich einen Gefallen zu sichern. „Aber ich habe viel Sympathie für Sie und für den Rest der Leute vom Schoner. Ich war direkt dort im Büro und habe meine Finger im Spiel gehabt, und ich habe gesehen, was in einer ganzen Reihe von Fällen getan wurde. Natürlich, verstehen Sie, das bleibt alles unter uns! Ich verrate keine der Bürogeheimnisse, die gegen die großen Jungs verwendet werden könnten. Aber ich bin bereit zu zeigen, dass ich ein Freund von Ihnen bin. Und ich weiß, Sie werden ein Freund von mir sein und den Mund halten. Alles, was ich meine, ist, dass Sie durch das, was ich Ihnen erzähle, klüger werden und von nun an Ihre Augen offen halten können.“

Mayo hörte bruchstückhafte Erklärungen darüber, wie die Kombination der Interessen von Dampfschiffen und Lastkähnen dazu geführt hatte, dass für die Schoner nur noch Brosamen übrig blieben. Die beiden Männer stapften gemeinsam über das Deck, und bei den Wendungen waren sie zu weit von ihm entfernt, um deutlich gehört zu werden.

„Aber sie planen gerade das größte Ding von allen“, fuhr Bradish fort. „Verdammt, Kapitän Downs, ich bin nicht dafür zu beschuldigen, mit der Tochter eines Mannes durchzubrennen, nachdem ich ihn so lange habe agieren sehen. Sein Motto lautet: ‚Geh hinterher, wenn du etwas siehst, das du in dieser Welt haben willst.‘ Ich bin auf dieses System trainiert worden. Ich habe genauso viel Recht, hinter etwas herzugehen wie er. Ich bin Schatzmeister der Paramount – das ist der Trust, mit dem sie beabsichtigen, die Konkurrenz zu zerschlagen. Mein Job ist es, keine Fragen zu stellen und Schecks zu unterschreiben, wenn sie es mir sagen, und der Himmel weiß nur, was für ein Sündenbock aus mir wird, wenn sie jemals eine Abrechnung vor Gericht haben! Sie haben irgendeine Gaunerei abgezogen, um sich die Vose-Linie zu krallen; ich habe einen Haufen Geld an Fletcher Fogg telegraphiert, der die Drecksarbeit erledigte, und es wurde an einen Angestellten gezahlt, um bei der Jahreshauptversammlung die Vollmachten zu manipulieren. Und dann hat Fogg irgendeine Falle für einen grünen Kapitän gestellt – hat einen schmutzigen Trick bei dem Kerl angewandt und ihn dazu gebracht, die Montana auf den Sand zu setzen. Ich nehme an, sie werden die Vose-Linie zu ihrem Preis haben, bevor ich zurück bin.“

Mayo saß dort im Schatten, kauernd auf Beinen, die zitterten.

Dieser Schwätzer – die Zunge gelockert durch seine neue Freiheit und durch die Feindseligkeit, die sein kleiner Charakter entwickelte, da er die Anfeindungen seines Arbeitgebers erahnte – hatte ein Wort von dem fallen lassen, was Mayo als die Wahrheit erkennen musste. Es war ein abgekartetes Spiel gewesen – und Fletcher Fogg hatte es eingefädelt! Mayo wusste nicht, wer der Arbeitgeber von Fletcher Fogg sein mochte. Aus welchem Büro dieser Verräter stammte, wusste er nicht; doch es war offensichtlich, dass Bradish von diesem Betrug wusste. Als Folge dieses Betrugs war ein ehrlicher Mann ruiniert und auf die schwarze Liste gesetzt worden, seiner Chance beraubt, seinen Beruf auszuüben, war ein Gejagter, ein verachteter Seemann, der auf das unterste Ende der Leiter getreten wurde, die er so geduldig und ehrenhaft erklommen hatte.

Wütende Leidenschaft überrollte Mayos Vorsicht. Er sprang vom Dach des Deckshauses herunter und stellte sich vor die beiden Männer.

„Ich habe es gehört – ich konnte nicht anders, als es zu hören!“, stammelte er.

„Da ist ein Nigger verrückt geworden!“, kläffte Kapitän Downs. „Ahoi, da vorne! Kommt achtern mit einem Tau!“

„Ich bin kein Nigger und ich bin nicht verrückt!“, schrie Mayo.

Die schwingende Laterne im Niedergang beleuchtete ihn nur schwach. Doch in der Dunkelheit war sein dunkler Teint nur umso ausgeprägter. Seine Aufregung schien die eines Mannes zu sein, dessen Verstand getrübt war.

„Ich wusste, dass es ein Trick war. Aber was war der Trick?“, verlangte er zu wissen, während er auf Bradish zuging, die greifenden Hände ausgebreitet.

Kapitän Downs trat nach diesem widerspenstigen Seemann und fächerte gleichzeitig mit offener Handfläche einen Schlag gegen seinen Kopf.

Mayo wich sowohl dem Fuß als auch der Hand aus. „Was sagt das Gesetz über das Schlagen eines Seemanns, Kapitän? Halten Sie ein! Ich bin genauso viel wert wie Sie. Befehlen Sie diesen Männern nicht, Hand an mich zu legen.“ Er wich vor den Seeleuten zurück, die nach achtern gelaufen kamen, angeführt vom zweiten Offizier. Er krempelte seinen Ärmel hoch und hielt seinen Arm in den Schein des Binnacle-Lichts. „Das ist die Haut eines weißen Mannes, nicht wahr?“, forderte er.

„Was für eine Art von Schauspielerei ist das alles?“, fragte Old Mull mit erstaunter Empörung.

In dieser Krise beherrschte Mayo seine Zunge nach einer gewaltigen Anstrengung, sich zu fassen. Er war versucht, seiner Stimmung nachzugeben und seine Identität mit all der Wut, die in ihm brannte, preiszugeben. Doch hier stand der Mann, der als eines der Werkzeuge seiner Feinde gedient hatte, wer immer sie auch sein mochten. Als Waffe gegen diesen Mann besaß Mayo nur ein paar Worte aus dem Klatsch, der in einem unbedachten Moment gefallen war; er erkannte seine Lage; er bereute seine leidenschaftliche Hast. Er war nicht bereit, sich in die Gewalt seiner Feinde zu begeben, indem er diesem Mann sagte, wer er war; er erinnerte sich, dass er vor dem Gesetz auf der Flucht war.

Bradish starrte diesen Eindringling an, ohne zu verstehen, was das alles zu bedeuten hatte.

„Die Passagiere sollten besser unter Deck gehen, um aus dem Schlamassel herauszukommen“, riet Kapitän Downs. „Da ist ein verrückter Nigger, Maat. Packt ihn und bindet ihn fest.“

Mayo wich zum Belegnagelbrett an der Reling zurück und zog zwei Belegnägel heraus, mächtige Waffen, eine für jede Hand.

Bradish eilte in die Tiefen des Deckshauses davon, sichtlich froh, aus dem Weg zu sein.

„Erlauben Sie diesen Niggern nicht, Hand an mich zu legen“, wiederholte der in die Enge Getriebene. „Kapitän Downs, lassen Sie mich ein Wort unter vier Augen mit Ihnen sprechen.“ Er hatte sich verzweifelt dazu entschlossen, einen seinesgleichen einzuweihen. Er brauchte bitter nötig die Hilfe, die ein Kapitän ihm geben konnte.

„Packt ihn euch!“, brüllte der Schiffsführer. „Geht vor, ihr Nigger!“

„Bei den Göttern! Dann werdet Ihr unterbesetzt sein, Sir. Ich werde sie umbringen!“

Diese Drohung war wirkungsvoller als bloße Prahlerei. Kapitän Downs schielte instinktiv nach oben zu den Wolkenfetzen, die die Sterne verdunkelten; er schnupperte am aufbrausenden Wind.

„Ein Wort zu Ihnen, und Sie werden verstehen, Sir!“, flehte Mayo. Er steckte die Nägel zurück in das Brett und ging direkt auf den Kapitän zu.

Es lag keine Drohung in seinem Handeln, und der Maat griff nicht ein.

„Nur ein oder zwei Worte an Sie, Sir, um Ihnen zu zeigen, dass ich mehr getan habe, als nur meinen Hut in die Tür der Masters and Mates Association zu werfen.“ Er beugte sich nah heran und flüsterte. „Nun lassen Sie mich Ihnen noch etwas sagen – unter vier Augen?“, drängte er in leisem Ton.

Kapitän Downs warf einen weiteren Blick auf den entblößten Arm und betrachtete diesen Seemann mit prüfenderem Blick. „Gehen Sie außen herum und kommen Sie durch die Tür des Kartenhauses in die vordere Kajüte“, befahl er nach kurzem Zögern.

Mayo verneigte sich und eilte den Leeseitengang entlang.

Die Kajüte, die als Ort der Besprechung bestimmt war, war der Speisesalon des Schoners. Er wartete dort, bis Kapitän Downs, der seine Masse bedächtiger bewegte, den Hauptniedergang hinunterstapfte und durch die hintere Tür, die keinem Seemann zu entweihen erlaubt war, in den Raum kam.

„Kann irgendjemand – da drinnen – uns hören?“, fragte Mayo vorsichtig. Er zeigte auf den Hauptsalon.

„Sie ist in ihrer Kabine und er spricht durch die Tür“, brummte der Schiffsführer. „Nun, was liegt Ihnen auf dem Herzen?“

Mayo steckte die Hand in eine Innentasche seines Hemdes und holte ein Dokument hervor. Er legte es in die Hand von Kapitän Downs. Der Kapitän setzte sich an den Tisch, holte seine Brille hervor, setzte sie sich gemächlich auf die wulstige Nase, breitete das Papier auf der roten Damasttischdecke aus und studierte es. Er neigte den Kopf und starrte Mayo über den Rand seiner Brille mit echtem Erstaunen an.

„Ist das Ihr Name in diesen Kapitänspapieren?“, verlangte er zu wissen.

„Ja, Sir.“

„Sie sind – Sie behaupten, der Kapitän Mayo zu sein, der die Montana zu Schrott gefahren hat?“

„Ich bin der Mann, Sir. Ich habe an meinen Papieren festgehalten, auch wenn sie für ungültig erklärt wurden.“

„Woher soll ich wissen, ob es diese Papiere sind? Woher soll ich wissen, dass Ihr Name Mayo ist? Sie könnten sie gestohlen haben – obwohl, was das betrifft, könnten Sie genauso gut eine Dynamitbombe in der Tasche tragen, bei dem Nutzen, den sie Ihnen bringen.“

„Das ist der Punkt, Sir. Sie beweisen lediglich meine Identität. Niemand sonst würde sie haben wollen. Kapitän Downs, ich bin auf der Flucht vor dem Gesetz. Ich gestehe es Ihnen. Lassen Sie mich Ihnen erzählen, wie es dazu kam.“

„Fassen Sie sich kurz“, schnauzte der Kapitän, der keine große Liebenswürdigkeit für diesen gerupften und diskreditierten Kapitän zeigte. „Der Wind frischt auf.“

Er erzählte seine Geschichte knapp und auf männliche Art, während er stand und Kapitän Downs saß und über seine Brille starrte, wobei er mit seinen stämmigen Fingern auf dem roten Damast trommelte.

„Da, Sir, das ist der Grund, warum ich hier bin und wie ich dazu kam“, schloss Mayo.

„Ich bin nicht bereit zu sagen, dass es nicht so ist“, gab Old Mull schließlich zu, „egal wie albern es klingt. Und ich frage mich, ob ich als Nächstes den König von Peruvia oder die Königin von Saba an Bord dieses Schoners finde. Neue Leute strömen schnell an Bord! Ich kenne Kapitän Wass recht gut, obwohl ich Sie nie gesehen habe, um Sie zu kennen. Wo ist diese Warze in seinem Gesicht?“

„An der Steuerbordseite seiner Nase, Sir.“

„Was macht er, schnitzt er von seinem Kautabak ab oder beißt er das Stück ab?“

„Weder noch. Er kaut Feinschnitt.“

„Was ist seine bevorzugte Art zu reden?“

„Das Zitieren der Lotsenvorschriften und das Schimpfen, weil die großen Dinger vorbeirasen, ohne sie zu beachten.“

„Die letzte Bemerkung zeigt, dass Sie zusammen mit Kapitän Wass im Ruderhaus waren! Die Prüfung ist beendet, Sie haben die Note Eins, und der Ausschuss ist vertagt!“ Er stand auf und schüttelte Mayo die Hand. „Nun, was kann ich für Sie tun?“

„Ich nehme nicht an, dass Sie viel tun können, Kapitän Downs. Aber ich werde Sie um eines bitten, von Kapitän zu Kapitän. Lassen Sie niemanden an Bord dieses Schoners wissen, wer ich bin – besonders die beiden da hinten nicht!“ Er zeigte auf die Tür des Hauptsalons.

„Es scheint hier an Bord mehr oder weniger eine Maskenball-Gesellschaft zu sein!“, knurrte der Schiffsführer.

„Der Mann, den Sie Bradish nennen, wer immer er auch ist, weiß, welche Art von Spiel sie mit mir getrieben haben. Ich will es aus ihm herausbekommen. Wenn er weiß, wer ich bin, wird er sich nicht öffnen! Ich war ein Narr, so hereinzuplatzen, wie ich es tat. Er war gerade dabei, zu Ihnen zu kommen.“

„Schien recht geschwätzig zu sein“, gab der Kapitän zu. „Versucht mein besonderer Kumpel zu sein, um mich einzuspannen!“

„Glauben Sie nicht, dass Sie noch mehr aus ihm herausbekommen können?“

„Könnte machbar sein.“

„Ich habe das Gefühl, es sind die Seeleute gegen die Küstenpiraten diesmal, Sir. Wollen Sie diesen Mann nicht hierher rufen, ihm ein paar Fragen stellen und mich zuhören lassen?“

„Unter den Umständen werde ich es tun. Seeleute zuerst, das ist mein Motto. Sie gehen in die Kabine des Maats dort und legen Ihr Ohr an den Türspalt.“

Doch als Bradish erschien, um der Vorladung des Kapitäns Folge zu leisten, war all seine Geschwätzigkeit verflogen. Er erklärte, er wisse nichts über den Ärger im Montana-Fall.

„Aber Sie haben etwas von einem Plan gesagt, einen grünen Kapitän zu foppen?“

„Das war nur Klatsch – ich habe es wahrscheinlich falsch verstanden. Ich habe darüber nachgedacht und kann mich wirklich nicht erinnern, wo ich es gehört habe oder viel darüber sagen. Könnte nur Zeitungsgeschwätz gewesen sein.“

Er spähte ständig in dem schwach beleuchteten Raum umher.

„Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, junger Mann. Dieser Nigger ist nicht hier.“

„Aber er sagte, er sei ein weißer Mann. Und wie kommt er dazu, sich dafür zu interessieren?“

„Es ist ein Nigger, der wegen dieses Falls verrückt geworden ist – er hat wahrscheinlich auch falsche Geschichten in den Zeitungen gelesen“, stellte Kapitän Downs grimmig fest. „Ich muss Sie noch einmal daran erinnern, Bradish, dass Sie in recht lebhafter Weise mit mir gesprochen haben.“

„Oh, ein Mann lässt eine Menge Vermutungen raus, wenn er wegen seiner eigenen Angelegenheiten nervös ist.“

„Nun, ich könnte es vielleicht so einrichten, dass Sie ein wenig weniger nervös sind, vorausgesetzt, Sie zeigen eine willigere Haltung, wenn ich Ihnen ein paar Fragen stelle“, bohrte der Schiffsführer. Doch dieses Beharren beunruhigte Bradish, und seine blinzelnden Augen verrieten seine Ängste und Verdächtigungen.

„Ich weiß nichts über den Montana-Fall. Ich habe nicht die Absicht, darüber zu reden.“

Kapitän Downs klopfte härter auf den Tisch, runzelte die Stirn und schwieg.

„Noch etwas, Sir?“, erkundigte sich Bradish nach einer Pause.

„Ich glaube nicht, wenn das Ihre Einstellung dazu ist!“, schnauzte Kapitän Downs.

Bradish ging zurück in den Hauptsalon, und der Lauscher wagte sich hervor.

„Ich weiß gerade nicht, was zum Teufel ich mit Ihnen anfangen soll, jetzt, wo ich weiß, wer Sie sind“, gestand der Kapitän und musterte Mayo von oben bis unten.

„Es gibt nichts zu tun, außer mich wieder an meine Arbeit gehen zu lassen, Sir.“

„Ich bin in einer verdammt schwierigen Lage. Sie sind Kapitän.“

„Ich habe hier vor dem Mast angeheuert, Kapitän Downs, und wusste genau, was ich tat. Ich werde meine Strafe absitzen.“

„Ich mag es nicht, wenn Sie da vorne unter diesem Vieh sind, Mayo.“

„Kapitän Downs, es war falsch von mir, auf Ihrem Achterdeck so hereinzubrechen. Ich hätte still bleiben sollen; aber die Sache kam so plötzlich über mich, dass ich völlig die Fassung verloren habe. Ich würde gerne wieder zur Mannschaft zurückkehren und Sie vergessen, dass ich Boyd Mayo bin. Ich werde mich in Boston an Land schleichen und mich aus dem Staub machen.“

Der Kapitän lüpfte seine Mütze und kratzte sich am Kopf. „Mir scheint, ich erinnere mich, dass Sie am Ruder waren, Mayo, als dieser Kerl einige ziemlich wichtige Informationen bei mir ablud.“

„Ich konnte nicht umhin, es zu hören, Sir.“

„Sie wissen also, dass er mit einem Mädchen durchbrennt?“ Der alte Kapitän senkte die Stimme.

„Ja, Sir.“

„Haben Sie jemals von so einer verfluchten, höllischen Angelegenheit gehört? Und ich habe mit dem Mädchen gesprochen, und sie scheint eigentlich gar nicht so eine Sorte zu sein. Sie ist flatterhaft, das kann man sehen. Sie wurde zu sehr sich selbst überlassen, wie viele Mädchen in der Gesellschaft heutzutage. Sie denken sich etwas aus, das anders ist, und biff! gehen sie und tun es. Sie wünscht sich, sie hätte das nicht getan. Das zeigt ein gewisses Maß an Vernunft.“ Er studierte den jungen Mann. „Wissen Sie etwas über dieses Recht eines Kapitäns, Trauungen vollziehen zu dürfen?“

„Nichts Besonderes.“

„Es wird wahrscheinlich eine gute Sache für dieses Mädchen sein, verheiratet und sesshaft zu werden. Sie scheint sich Bradish ausgesucht zu haben. Mayo, Sie sind einer von meinem Schlag, und ich will Ihnen helfen. Ich werde ein Risiko eingehen bezüglich meines Rechts, die Zeremonie zu vollziehen. Was sagen Sie dazu, wenn wir Bradish zurückholen und eine Heirat gegen das eintauschen, was er uns über die Montana-Sache erzählen kann?“

„Kapitän Downs, ein Kerl, der ein solches Ding mit einem Mädchen abzieht, egal ob sie ihn ermutigt hat, ist ein billiger Hund“, erklärte Mayo prompt und bestimmt. „Ich will meine Papiere nicht auf eine solche Art zurückkaufen.“

„Dann billigen Sie nicht, dass ich sie verheirate?“

„Ich habe kein Recht, Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen, Sir. Ich spreche nur für mich selbst.“

Kapitän Downs überlegte. „Wenn er der rechte Arm ihres Vaters ist, ist er wahrscheinlich genauso gut wie die meisten Landpiraten, die ihr den Hof gemacht haben. Wenn sie verheiratet nach Hause kommt, selbst wenn es nur eine Heirat auf hoher See ist, ein Vertrag zwischen willigen Personen mit Zeugen und dem Schiffsführer als Amtsperson, wie ich glaube, dass es erlaubt ist, wird ihr guter Name geschützt sein, und das bedeutet viel. Ich weiß nicht, ob ich das Recht habe, mich dagegen zu stellen und ihnen den Weg zu versperren, wenn man bedenkt, wie weit es gekommen ist. Was meinen Sie, Mayo?“

„Ich glaube nicht, dass ich irgendwelche Vorschläge machen möchte, Sir.“

In diesem Moment öffnete sich die hintere Tür. Mayo war in den Schatten nahe der Tür zur Kabine des Maats, und er wich zurück in sein Versteck. Er hörte Bradishs Stimme.

„Kapitän Downs, diese junge Dame hat Ihnen etwas zu sagen, und ich hoffe, Sie hören zu!“

Dann die Stimme des Mädchens! Es war ein ungestümer Ausbruch. Sie überstürzte ihre Worte, als fürchte sie, auf eine zweite und vernünftigere Überlegung zu warten.

„Kapitän Downs, ich kann nicht länger warten. Sie müssen handeln. Ich flehe Sie an. Ich habe mich entschieden. Ich bin bereit!“

„Bereit zu heiraten, meinen Sie?“

„Ja! Jetzt, wo ich mich entschieden habe, bitte beeilen Sie sich!“

Ihr Ton war schrill, Tränen waren ihrer Verzweiflung nahe, ihre Worte sprudelten fast zusammenhanglos hervor. Doch Mayo, der in die schwarze Finsternis der kleinen Kabine starrte, die Ohren gespitzt, kannte diese Stimme. Er konnte sich nicht zurückhalten. Er riss die Tür weit auf.

Das Mädchen war Alma Marston.

Ihre Augen leuchteten, ihre Wangen waren gerötet, und es war offensichtlich, dass ihre impulsive Natur vor Entschlossenheit flammte. Die Schatten waren tief in den Ecken des Salons, und der Mann in der Kabinentür wurde von den drei Personen, die dort im Lichtkegel der schwingenden Lampe standen, nicht bemerkt.

„Ich bitte Sie – ich flehe Sie an – ich habe mich entschieden! Ich muss es hinter mich bringen.“

„Bekommen Sie keine hysterischen Anfälle! Das ist keine Sache, die überstürzt werden sollte.“

„Sie müssen.“

„Sie sprechen mit einem Kapitän an Bord seines eigenen Schiffes, Ma'am!“

Aus Mayos würgender Kehle kam ein Laut, und das Mädchen blickte in seine Richtung, doch es war ein flüchtiger und gleichgültiger Blick. Ihre eigenen Angelegenheiten nahmen sie völlig in Anspruch. Er taumelte zurück in den kleinen Raum, und der Schwung des Schoners ließ die Tür zufallen.

„Sie sind der Kapitän! Sie haben die Macht! Deshalb spreche ich mit Ihnen, Sir!“

„Aber als Sie vorhin mit mir sprachen, haben Sie noch einen Rückzieher gemacht!“, war Kapitän Downs' stumpfer Einwand.

„Es tut mir leid, dass ich so unvorsichtig war. Ich sollte nicht hier sein. Ich habe es gesagt. Ich tue zu viele Dinge aus dem Impuls heraus. Jetzt will ich heiraten!“

„Noch ein Impuls, was?“

„Ich muss meinem Vater gegenübertreten können.“

Es herrschte Stille im Salon.

Mayo schob sich zitternde Finger in den Mund und biss darauf, um das zurückzuhalten, wovor ihn sein entsetzter Verstand als einen Schrei des Protests warnte. Trotz dessen, was seine Augen und Ohren ihm sagten, schien das alles eine Art scheußliche Unwirklichkeit zu sein.

„Das ist eine große Verantwortung“, fuhr Kapitän Downs fort, murmelte seine Worte und sprach halb zu sich selbst in seiner Unsicherheit. „Ich habe versucht, etwas Licht darauf zu werfen von einem anderen – von einem Mann, der mehr davon verstehen sollte als ich. Es ist zu sehr ein Problem für einen Mann, mit dem er ganz allein ringen muss.“

Er wandte ihnen den Rücken zu, starrte auf die Tür der Kabine, kippte seine Mütze schief und kratzte sich heftiger am Kopf, als er es bei seinen früheren Überlegungen getan hatte.

„Sag mal, du da drinnen! Maat!“, rief er und wahrte dabei ungeschickt Mayos Inkognito. „Ich stecke in der Klemme. Sag, was du wirklich denkst!“

Es kam kein Wort aus der Kabine.

„Du bist eine unvoreingenommene Partei“, beharrte der Schiffsführer. „Du hast ein gutes Urteilsvermögen. Was nun?“

„Wer ist das da drinnen?“, verlangte Bradish zu wissen.

„Warum sollte diese Person, wer immer sie auch ist, irgendetwas zu meinen Angelegenheiten zu sagen haben?“, fragte das Mädchen.

„Weil ich ihn bitte, es zu sagen!“, kläffte der Schiffsführer und zeigte Zorn. „Ich leite das hier! Versuchen Sie nicht, mir mein eigenes Geschäft zu erklären!“ Er ging auf die Tür zu. „Sprich, Maat!“

„Es ist eine Beleidigung für mich – Fremde nach meinen privaten Angelegenheiten zu fragen!“ Der Protest des Mädchens war ein wütender Ausbruch.

„Ich empfinde es als Beleidigung, Kapitän! Ich empfinde es als zutiefst beleidigend“, erklärte Bradish.

Der alte Schiffsführer ging zurück auf sie zu. „Empfinden Sie es so sehr, wie Sie wollen, Sir! Sie sind hier und bitten mich um Gefallen. Ich will das Richtige für alle Beteiligten tun. Sie sollten verheiratet sein – das gebe ich zu. Aber in was für eine Lage bringt mich das? Wollen Sie mir den Namen dieses Mädchens verraten?“

„Ich bin Alma Marston!“, schmetterte sie ihm den Namen mit hysterischer Heftigkeit entgegen, doch er schien nicht beeindruckt zu sein. „Ich bin Julius Marstons Tochter!“

Der Schiffsführer musterte sie von oben bis unten.

„Nun seien Sie so gut und fahren Sie mit Ihrer Pflicht fort!“, befahl sie hochnäsig.

„Nun, Sie können nicht erwarten, dass ich dem Wall-Street-Abzocker, der mich im letzten Frühjahr mit seinen Dampfschiff-Kombinationen und seinen Geschäften zwei Monate lang ohne Charter festgebunden hat, irgendeine besondere nachbarschaftliche Güte erweise!“

„Wie sollen wir das verstehen, Sir?“, fragte Bradish.

Das Mädchen starrte mit offener Verwunderung auf diesen hartschaligen Seemann, den sie weder mit ihrem Namen noch mit ihrem Auftreten beeindrucken konnte.

„Genau so, wie Sie wollen.“

„Ich verlange eine Erklärung.“

„Nun, ich werde sie Ihnen geben, da ich vollkommen dazu bereit bin. Betrachten Sie es von der einen Seite, und ich bin bereit, Julius Marston eine auszuwischen, indem ich ihm die Art von Schwiegersohn gebe, die Sie abgeben würden; betrachten Sie es von der anderen Seite, und ich bin nicht darauf aus, irgendetwas zu tun, um irgendjemandem in der Familie Marston einen Gefallen zu tun.“ Er betrachtete sie spöttisch.

„Sehen Sie also, ich stecke in der Zwickmühle! Es ist, als würde man eine Frage durch das Werfen einer Münze entscheiden. Und ich sage Ihnen, was ich tun werde!“ Er schlug mit der Handfläche auf den Tisch. Er schritt zurück auf die Tür der Kabine zu. „Maat, Ahoi da! Von Seemann zu Seemann jetzt, und denken Sie daran, dass Sie mich um etwas gebeten haben! Wenn Sie Kapitän dieses Schoners wären, würden Sie diese beiden verheiraten?“

Sie warteten in Stille, in der sie das Heulen und Kreischen des Windes draußen und das wütende Quietschen der Verkleidung der Wände der schwankenden Schonerkajüte hörten.

Die Stimme, die auf die Frage von Kapitän Downs antwortete, klang nicht menschlich. Es war eine Art gedämpftes Wehklagen, aber an ihrer Bestimmtheit gab es keinen Zweifel.

„Nein!“, sagte der Mann hinter der Tür.

Zurück zum Tisch torkelte Kapitän Downs. Er schlug mit der Faust darauf. „Das ist für mich entschieden!“ Dann legte er seine große Hand auf die Kante der Tischdecke. „Ich war bereit, in die eine oder andere Richtung zu tendieren, und es brauchte nur einen kleinen Schubs. Ich habe mich entschieden.“ Die Handfläche schlug mit endgültiger und entscheidender Festigkeit auf das Tischtuch. „Junger Mann“, teilte er Bradish mit, „da ist eine zusätzliche Kabine, dort, abseits dieses Speisesalons. Sie nehmen die!“

„Was soll ich meinem Vater sagen?“, jammerte das Mädchen, dessen Entschlossenheitsfeuer plötzlich durch schluchzende Hilflosigkeit gelöscht war.

„Sie können ihm sagen, dass ich Sie heute Abend zur dritten Wache vorübergehend als meine Tochter adoptiert habe, und ich werde zu ihm gehen und Ihnen den Rücken stärken, falls es nötig wird.“ Er öffnete die Tür, die nach achtern führte, und verbeugte sich. „Nun, verkrümeln Sie sich in Ihre Kabine, Püppchen!“

Nachdem sie einige Momente gezögert hatte, eilte sie davon. Der Schiffsführer schloss die Tür ab und steckte den Schlüssel in seine Tasche.

„Glauben Sie, ich werde mich einfach –“, begann Bradish wütend.

„Ich verschwende keine Gedanken an Sie, Sir. Ich hebe sie mir alle für die Drusilla M. Alden auf.“

Das Stampfen und Rollen des Schiffes bewies, dass die See zunahm. In diesem Augenblick kam der erste Offizier einige Stufen des vorderen Niedergangs herunter und betrat das Schiff durch die Tür des Kartenhauses.

„Es frischt frisch von Osten her auf, Sir!“, meldete er.

„Das habe ich an der Art und Weise beurteilt, wie diese Verkleidung zu sprechen anfängt. Ich bin sofort an Deck, Mr. Dodge.“

Dieser Bericht war ein Ruf zu den Waffen für einen Seemann; Mayo kam schwankend aus der Kabine. Er schaute weder nach rechts noch nach links, noch eines der beiden Männer im Salon an. Er stolperte in Richtung des Niedergangs und streckte die Hände vor sich aus, so wie ein Mann im Dunkeln tastet.

„Lassen Sie zu, dass ein Nigger – und noch dazu ein verrückter – über das Wichtigste in meinem Leben entscheidet?“, tobte Bradish.

„Ich weiß, was ich tue“, versicherte ihm Kapitän Downs. Doch der Schiffsführer war sichtlich verblüfft über den Ausdruck, den er auf Mayos Gesicht sah.

„Das lasse ich mir nicht gefallen! He, Sie!“, Bradish stürmte durch den Raum und stellte sich Mayo in den Weg.

„Kommen Sie weg von diesem Mann!“, befahl der Kapitän.

Doch Bradish war nicht in der Stimmung, Autorität zu akzeptieren. „Da steckt etwas dahinter, und ich verlange, eingeweiht zu werden! Bleiben Sie stehen, Sie da!“ Er stieß Mayo zurück, doch das Gesicht des Letzteren änderte nichts an seinem Ausdruck dumpfer, leerer, völliger Verzweiflung, die weder sah noch hörte. Mayo fing sich wieder und kam erneut auf ihn zu, den Blick in die Leere gerichtet.

„Wenn Sie einen Groll gegen mich hegen, bei Gott, ich werde Sie aufwecken und Sie dazu bringen, ihn zu erklären!“, schrie Bradish. Er holte mit dem Arm aus und versetzte dem ausdruckslosen Gesicht einen schnellen Schlag. Der Schlag fiel mit einem Ruck des Schiffes zusammen, und Mayo schlug flach auf den Rücken. Er ging so steif zu Boden, wie er gelaufen war, mit so wenig Anstrengung, sich zu retten, wie es eine Schaufensterpuppe getan hätte.

Doch als er wieder auf die Beine kam, war er ein anderer Mann.

Bradish hatte ihn aufgeweckt!

Der Kapitän der Alden eilte um den Tisch herum, brüllte Verwünschungen und versuchte, zwischen sie zu treten, doch er war ein schwerfälliger Mann auf kurzen Beinen. Ehe er in Reichweite war, gingen sie aufeinander los und wichen hierhin und dorthin aus.

Bradish war kein schwächlicher Gegner; er war größer als sein Kontrahent und führte seine Fäuste wie ein Mann, der als Amateurboxer ausgebildet worden war.

Sie kämpften durch die ganze Kabine und schlugen aufeinander ein.

Der empörte Kapitän bedrohte sie mit einem erhobenen Stuhl und versuchte, ihre Hände damit herunterzuschlagen, doch sie waren nicht in der Stimmung, auf einen Schlichter zu hören. Sie kämpften wie wild gewordene Katzen, prallten gegen die Kabinenwände und wirbelten in einem irren Rigadoon umher, um eine Lücke für ihre Fäuste zu finden; Kapitän Downs war nicht flink genug, um sie zu fassen. Unter Ausstoßung schrecklicher Flüche drohte er, beide zu erschießen, und stürmte in den Hauptsalon, wo er die Tür aufschloss.

„Ich komme mit einer Waffe zurück!“, versprach er. Doch der Kampf endete plötzlich durch einen Wrestling-Griff.

Mayo ging zum Nahkampf über, packte Bradishs rechte Hand und drehte den Arm hinter den Rücken seines Gegners. Dann brachte er den Stadtmenschen zu Fall und drückte ihn rückwärts über den Tisch und gegen dessen Kante, mit einer Gewalt, die einen Schmerzensschrei hervorrief und Bradish schlaff und widerstandslos machte. Mayo hielt ihn dort fest.

„Mein Groll, was? Mein Groll!“, keuchte der Sieger. „Weil du mir nicht sagen wolltest, wie die hinterhältigen Kerle mich ruiniert haben? Nein! Das Mädchen ist jetzt nicht hier. Ich sage es dir! Weil du ihr Selbstachtung und ihren guten Namen gestohlen hast, und das macht dich zu einem zu schmutzigen Hund, um ihr Ehemann zu sein!“

Er hob Bradish auf und warf ihn auf den Boden. Als er sich umdrehte, sah er das weiße, gequälte, verängstigte Gesicht des Mädchens im Türspalt des Salons.

„Kapitän Downs!“, schrie sie, „dieser Neger bringt ihn um. Er bringt Ralph um!“

Der Sieger kehrte ihr den Rücken zu und schwankte auf seinem Weg nach draußen um den Tisch. Er strich sich mit der Handfläche das Blut vom Gesicht und war froh, dass sie ihn nicht erkannt hatte; und doch war ihr Unvermögen, dies zu tun, obwohl er eine solch erbärmliche Gestalt des Mannes war, den sie gekannt hatte, ein weiterer Peitschenhieb der Qual über seine wunde Seele. Einen Moment lang hatten sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden, und nur leere Nichterkennung war ihm begegnet; das ließ dieses schreckliche Missgeschick nur noch unwirklicher erscheinen.

Mayo blieb nicht stehen, um den Tiraden von Kapitän Downs zuzuhören, der an ihr vorbeidrängte. Schwindlig, blutend, halb blind, stürmte er den vorderen Niedergang hinauf und begab sich in die schwarze Nacht an Deck.

Der Steuermann brüllte nach der gesamten Mannschaft, um die Segel zu reffen, und Mayo nahm seinen Platz bei den Arbeitern ein, die die Schoten und Niederholer bedienten.

XXIII ~ DAS MONSTER, DAS SICH VON DER LEINE LÖSTE

Und dort erwies sich Kapitän Kirby schließlich als Feigling, Und er spielte Verstecken hinter dem Großmast, Und dort standen sie, Jungs, und zitterten und bebten, Aus Angst, dass dieser Schrecken ihr Leben fordern könnte. --Admiral Benbow.

Regen kam mit dem Wind, und das Wetter festigte sich zu einem düsteren, treibenden Sommerostwind.

Der Spätsommer beschert der Atlantikküste regelmäßig einen dieser Stürme, ein Wiederaufleben der winterlichen Böen, ein Probelauf der Elemente, eine Art zwischenäquinoktiale Prüfung, damit Eurus sicher sein kann, dass sein Blasebalg in funktionstüchtigem Zustand ist.

Ein solcher Sturm gibt selten eine Vorwarnung, dass er schwer werden wird. Es scheint ein meteorologischer Streich zu sein, um die Seefahrer im Schlaf zu überraschen.

Um Mitternacht tauchte die Alden in schäumende Seen ein, ihre fünf Masten dröhnten im Sturm. Mit fünftausend Tonnen Kohle belastet, wälzte sie sich wie ein vollgesogener Baumstamm.

Mayo, der um vier Glasen am Morgen aus seiner grauenhaften Seelenqual geweckt wurde, um für seine Wache an Deck zu gehen, wagte sich so nah an die Tür des Maschinenraums, wie er konnte, denn der Regen durchnässte seine dürftige Kleidung und der rote Schein aus dem Inneren war eine Wohltat. Die Schiffspumpe klapperte, ein Umstand, der in keiner Weise beunruhigend war, da die riesigen Schoner des Kohlehandels in unruhigem Wasser geschüttelt und verrenkt werden.

Der zweite Offizier kam zum Maschinenraum und trug die Peilstange zum Licht, um den Schmierfleck auf ihrer frisch gekreideten Länge zu untersuchen.

Er warf sie mit einem zufriedenen Grunzen an Deck. „Nichts Schlimmes!“, sagte er zum Maschinisten. „Trotzdem wäre ich bei diesem Wetter lieber in den Kaps. Der alte Kahn ist nicht mehr das, was er einmal war. Johnson, wissen Sie, dass dieser Schoner gut zwei Fuß länger ist, wenn er beladen ist, als wenn er leer ist?“

„Ich wusste, dass sie durchhing, aber ich wusste nicht, dass es so schlimm ist.“

„Ich habe die Senkbleileine an ihr angesetzt, bevor sie bei dieser Fahrt ins Kohledock ging, und ich habe sie gestern im Strom erneut vermessen. Mit Fracht wölbt sie sich einfach nach oben wie ein Affe, der in den Krieg zieht. So ist das mit diesen Fünfmastern! Sie werden so stark verrenkt, dass sie kaputtgehen, bevor die Eigner es merken.“

„Sie werden nie wieder welche bauen, und ich nehme nicht an, dass sie viel Geld für die alten ausgeben wollen“, schlug der Maschinist vor.

„Natürlich nicht, wenn sie ohnehin keine Dividenden zahlen.“ Er trat an die Luvreling und schnupperte. „Ich schätze, der Alte wird in Kürze den Anker werfen“, sagte er.

Mayo wusste einiges über die Methoden der Schonerkapitäne und war über die letzte Bemerkung nicht überrascht.

In den glorreichen alten Tagen, als es üblich war, einen Sturm auszusitzen, wäre der spätere Plan, ein großes Schiff in der hohen See vor der Küste von Delaware zu verankern, mit Europa als Windschutz, von einem Kapitän mit einer gewissen Abscheu betrachtet worden.

Doch der moderne Schiffsführer kalkuliert, dass es weniger Verschleiß gibt, wenn er ankert und das Wetter abwartet. Sicher, es ist kein Ort für eine zimperliche Person an Bord eines beladenen Schoners, dessen Anker den Grund krallt, während die See ihn hin- und herwirft, aber die Kapitäne und Mannschaften der Kohlenfrachter sind nicht zimperlich.

Mayo, der nach achtern blickte, sah zwei Männer langsam nach vorn kommen, wobei sie in regelmäßigen Abständen anhielten. Das Licht einer Laterne spielte auf ihrem tropfenden Ölzeug. Als sie am Abbruch des Hauptdecks in der Nähe des vorderen Decksaufbaus ankamen, erkannte er Kapitän Downs und den ersten Offizier. Der zweite Offizier trat hervor und antwortete auf den Zuruf des Kapitäns.

„Bringen Sie einen Hammer und noch mehr Keile!“, befahl der Kapitän.

„Drusilla bäumt sich noch ein bisschen mehr auf“, kommentierte der zweite Offizier und machte sich auf den Weg zum Lagerraum. „Ich mache ihr keinen großen Vorwurf. Das ist kein Ort für eine alte Dame, heute Nacht hier draußen.“ Er befahl Mayo, ihn zu begleiten.

Nach wenigen Augenblicken meldeten sie sich beim Kapitän, wobei der Offizier den doppelköpfigen Hammer trug und der junge Mann eine Armvoll Keile.

Kapitän Downs schenkte Mayo etwa die gleiche Aufmerksamkeit, die er einer Kombüsenkakerlake entgegengebracht hätte. Er zeigte auf eine Lücke in der Reling.

„Dort – treiben Sie einen da hinein“, sagte er zum Offizier. „Lassen Sie den Nigger den Keil halten.“ Groll lag in seiner Stimme – finstere Feindseligkeit leuchtete aus seinen blitzenden Augen; kein Kapitän duldet Ungehorsam auf See, und Mayo hatte jegliche Disziplin in der Kabine missachtet.

Der junge Mann kniete nieder, verrichtete den Dienst und folgte der Gruppe pflichtbewusst, als sie zur nächsten Lücke weitergingen.

Der stampfende Schoner ächzte und knurrte und kreischte in seiner gesamten Struktur.

Jedes Winkelgelenk arbeitete – klaffte auf und schloss sich mit dumpfem Mahlen, während das Schiff rollte und stampfte.

„Beim Kuckuck, sie beißt kräftig die Zähne zusammen!“, kommentierte der erste Offizier.

„Sie hätte vor einem Jahr versteift werden müssen, als sie anfing, sich zu lockern und zu arbeiten!“, erklärte Kapitän Downs. Seine Angst trieb sowohl sein Temperament als auch seine Zunge an. „Ich war bereit, meinen sechzehnten Anteil für Reparaturen veranschlagen zu lassen, aber ein Aktionär muss nicht zur See fahren! Ich wünschte, ich hätte jetzt eine Ausflugsgruppe von Eignern an Bord.“

„Wenn diese alten Biester einmal locker genug sind, um zu spielen, klappern sie verdammt schnell auseinander“, sagte der Offizier. „Aber das hier ist nichts besonders Schlimmes.“

„Finden Sie heraus, was wir unter uns haben“, schnauzte Kapitän Downs. Die Keile waren eingeschlagen worden. „Lassen Sie diesen Nigger das Senkblei nach vorne bringen!“

Es war eine schwierige Aufgabe in der Nacht, da die Lotleine vom Achterdeck zum Klüverbaum außerhalb der Wanten geführt werden musste; die Reling und das Deck waren glatt. Offensichtlich hatte Kapitän Downs vor, Mayo „ein paar Dinge“ zu zeigen.

Er ließ das Senkblei auf Befehl los und hörte, wie der Mann auf dem Achterdeck, der die Leine auffing, als sie in eine senkrechte Position schwang, fünfundzwanzig Faden meldete.

Wiederum den gebrüllten Befehlen des Offiziers gehorchend, trug Mayo das Senkblei nach vorne und ließ es nach einer Wartezeit, in der der Schoner abgefallen war, hinab. Er war bis auf die Haut durchnässt und fühlte sich sowohl körperlich als auch geistig elend. Er hatte sich verraten, er hatte sich einen Feind aus dem Mann gemacht, der etwas wusste, das ihm helfen konnte; er spürte ein seltsames Gefühl der Scham und Verzweiflung, als er an das Mädchen und den Ausdruck ihres Gesichts dachte. Er versuchte sich einzureden, dass es ihm egal sei, was sie von ihm hielt. Was war aus jener Liebe geworden, die sie an Bord der Olenia beteuert hatte? Was für eine Art von Mädchen war das? Er verstand es nicht!

Fünfmal machte er seinen gefährlichen Weg mit dem Senkblei und tastete sich außerhalb der Takelage voran.

In zwanzig Faden beschloss Kapitän Downs zu ankern, nachdem der Offizier, der das Senkblei „bewaffnete“, indem er dessen Becher mit Fett füllte, feststellte, dass sie sich über gutem Ankergrund befanden.

Als die Alden in den Wind drehte und langsamer wurde, wobei die nassen Segel klatschten, schlug der zweite Offizier den Haltestift des riesigen Backbordankers aus, und das Kettenkasten spuckte Faden um Faden Kette aus.

Die gesamte Mannschaft war an Deck, um die Segel in die Lazy-Jacks laufen zu lassen, und der große Schoner legte sich quer zum Wellental. Er bildete ein mächtiges Pendel, rollte die Reling unter Wasser und sägte mit seinen hoch aufragenden Masten den schwarzen Himmel.

Es gibt viele Dinge, die an Bord eines Schoners in dieser Lage passieren können, wenn Männer entweder langsam oder dumm sind. Ein großer Neger, der die Besan-Giek-Fallen ausgab, ließ seine Leine sich verheddern. Der Wind schoss in das Segeldreieck, und der dreißig Fuß lange Besanbaum schwang, unterstützt durch das Rollen des Schiffes, so weit, wie es seine gelockerten Schoten erlaubten. Der „Traveler“, ein Eisenring, der eine lange Eisenstange umschloss, die an beiden Enden am Deck befestigt war, schlug Funken, wie eine Trolley-Rolle Feuer aus einem vereisten Draht erzeugt.

Unter Splittern von Holz und Klirren von Metall wurde die Eisenstange aus ihren Deckbefestigungen gerissen und begann an ihrem Halteband wie ein Schleuderball eines Riesen über das Deck hin und her zu fliegen. Sie kreiste, sie drehte sich, sie schleuderte sich weit weg und kehrte in unerwarteten Bögen zurück.

Die Männer flohen aus dem Bereich, den dieser Schrecken beherrschte.

Der Baum schwang, bis er gegen die Besanwanten an Backbord prallte, und kam dann wieder über das Deck geschwenkt, um gegen die Steuerbordwanten zu knallen. Das klirrende, angebundene Geschoss, das er an seinem Ende trug, schien nach einem Opfer zu suchen. Als der Baum bei seinem kopflosen Ansturm auf die Steuerbordwanten traf, erbebte der Schoner.

„Machen Sie das Fall frei und bergen Sie das Segel!“, brüllte der erste Offizier.

Ein Seemann machte sich auf den Weg, duckte sich tief, rannte aber zurück, als der Baum mit einem so bösartigen Schwung über das Deck kam, dass die Eisenstange regelrecht durch die Luft schrie.

„Gott im Himmel! Sie wird den Mast aus ihr herausschlagen!“, lärmte Kapitän Downs. „Holen Sie ein paar Männer an diese Fallen, Mr. Dodge! Fangen Sie diesen Baum!“

Der Offizier rannte und trat nach einem Seemann, wobei er profane Befehle schrie. Er packte den Kerl und stieß ihn in Richtung der Belegnägel, wo die Fallen belegt waren. Doch in diesem Moment kam der rasende Baum mit seinem Schleuderball über ihre Köpfe geschossen, und das Eisen knallte gegen die Reling, fast genau dort, wo die verhedderte Leine befestigt war. Der Offizier und der Seemann fielen flach auf ihre Gesichter und krochen aus der Gefahrenzone zurück.

„Holen Sie ein Seil und schlingen Sie den Baum ein! Lasso ihn!“, befahl der Kapitän und würzte seine Befehle mit einigen derben Seemannsflüchen.

Doch die Männer, die vortraten, taten dies zögerlich und langsam und wichen zurück, wenn der Baum drohte. Die fliegende Stange war eine schreckliche Waffe. Jetzt schwang sie zum Mast hin – jetzt schwang sie in einem weiteren Radius. Wo sie als Nächstes das Deck zwischen den Masten überstreichen würde, hing von der Laune der Welle und des Windes ab. Es war völlig klar, dass jeder, der ihr in den Weg geriet, den Tod so unmittelbar finden würde wie eine Fliege unter dem Besansegel einer Hausfrau.

Das Leben ist süß, selbst wenn ein Mann schwarz ist und für einen Dollar Lohn am Tag arbeitet.

Und selbst wenn ein Mann ein Offizier ist, mit einem höheren Lohn und mehr Verantwortung, neigt er dazu, an sich selbst zu denken, bevor er daran denkt, einen Mast und Ausrüstung für die Eigner eines Schoners zu retten.

„Was für eine verfluchte Mannschaft habe ich hier an Bord?“, schrie der Kapitän.

„Etwa die Art, die alle Windjammer heutzutage befördern“, sagte eine Stimme an seinem Ellbogen.

Kapitän Downs wirbelte herum und fand Mayo dort. „Wie wagen Sie es, mit mir zu sprechen, Sie Blechdosen-Seemann?“, forderte der Kapitän. In seiner Leidenschaft fuhr er fort: „Sie sind unter falschen Voraussetzungen an Bord. Sie können nicht einmal Ihre Arbeit machen. Sie haben dieses Schiff haftbar gemacht, indem Sie einen Passagier angegriffen haben. Sie taugen nichts! Mit Ihnen an Bord bin ich genauso gut dran, als würde mir ein Mann fehlen.“ Doch er hatte keine Zeit, sich dieser Person zu widmen.

Er wandte sich ab und begann, seine Offiziere und seine Matrosen zu beschimpfen, wobei seine Stimme jedes Mal höher wurde, wenn der randalierende Baum von einer Seite zur anderen krachte. Ein oder zwei der Achterstagen waren gerissen, und es war klar, dass der Mast in Kürze über Bord gehen würde.

„Wenn dieser Mast herauskommt, wird er uns wahrscheinlich bis zur Wasserlinie zerschmettern“, jammerte der Kapitän.

„Wenn Sie Ihre Schafherde dazu bringen können, mir im richtigen Moment zu helfen, werde ich Ihnen zeigen, dass ein Blechdosen-Seemann so gut ist wie ein Windjammer-Matrose“, sagte Mayo und zahlte mit der gleichen Art von Groll zurück, die Kapitän Downs verbraucht hatte. In dieser Krise war er mutig genug, sich auf seine Identität als Kapitän zur See zu berufen. „Ich würde es hassen, so einen Haufen auf irgendeinem Dampfschiff zu finden, mit dem ich jemals Erfahrung hatte.“

Dann rannte er weg, bevor der Kapitän Zeit hatte, zu antworten. Er machte einen Rutsch über die Gefahrenzone auf seinem Rücken, wie ein Läufer bei einem Ballspiel. Diese Bewegung brachte ihn an einen sicheren Ort zwischen dem Großmast und dem Besanmast. Hier lag ein Ring zusätzliches Kabel, und er ergriff das lose Ende und machte geschickt einen laufenden Palstek. Er legte sich die Schlinge fest über die Schultern, sprang auf und griff nach den Ringen am Besanmast.

„Sehen Sie zu, dass die Leine frei von diesem Ring läuft, und halten Sie sich bereit für Befehle!“, schrie er, und obwohl seine gefärbte Haut dunkel war und er die Kleidung eines gewöhnlichen Seemanns trug, sprach er mit dem unverkennbaren Ton eines Kapitäns zur See. Der zweite Offizier rannte zur Leine und übernahm das Kommando.

„Das ist ein bockiges Pferd, keine Frage!“, murmelte Mayo. „Aber es ist für die Ehre der Dampfschiffleute! Ich werde es dieser Bande zeigen!“

Er hielt sich für ein paar Augenblicke auf dem Gabelbaum des Baumes bereit, wobei er sich an den Kauschen des Vorlieks festklammerte – den kurzen Seilen, mit denen das Segel gerefft wird.

Während er dort stand, sich für sein verzweifeltes Unterfangen sammelte, auf eine Gelegenheit wartete, das Maß des peitschenden und sinnlosen Monsters nahm, das er zu bändigen beschlossen hatte, hörte er Kapitän Downs einen ungeduldigen Befehl brüllen:

„Passagiere unter Deck!“

Mayo blickte nach achtern und sah Alma Marston, die sich an das Nagelband des Besanmastes klammerte. Die Laterne des Aufbauhauses schien auf ihr weißes Gesicht.

„Gehen Sie unter Deck!“, wiederholte der Kapitän.

Sie schüttelte den Kopf.

„Das ist kein Ort für eine Frau.“

„Das Schiff wird sinken!“, zitterte sie.

„Der Schoner ist in Ordnung. Gehen Sie unter Deck!“

Wie bitter ihre Angst war, konnte Mayo nicht feststellen. Aber selbst aus seiner Entfernung konnte er sture Entschlossenheit auf ihrem Gesicht sehen.

„Wenn ich sterben muss, werde ich nicht dort unten in einer Kiste sterben“, rief sie. „Ich bleibe genau hier.“

Kapitän Downs fluchte und kehrte ihr den Rücken zu. Offenbar wollte er sich nicht wirklich mit dieser weiblichen Meuterin anlegen.

Der große Mast krachte bis zum Ende seines Bogens heraus, und das Segel blähte sich mit ihm unter dem Gewicht des Windes auf. Die Reffbändsel waren für Mayo nicht mehr erreichbar. Er rannte entlang des Baums, die Arme ausgebreitet, um sich im Gleichgewicht zu halten, und war halbwegs am Ende, bevor das verräterische Beben unter ihm eine Warnung gab. Dann fiel er auf den riesigen Stock, rollte unter ihn und schob Arme und Beine unter den Fuß des Segels. Kaum hatte er den Mast in wilder Umarmung ergriffen, als er seine Rückreise antrat. Es war ein schwindelerregender Schwung über das Deck, ein atemberaubender Sturz.

Als der Mast mit den Stagen kollidierte, fühlte er sich, als würden Arme und Beine aus seinem Körper gerissen werden. Er wagte es nicht, sich zu bewegen oder seinen Griff zu lockern. Er klammerte sich mit aller Kraft fest und bereitete sich auf die Rückreise vor. Er hatte genau beobachtet und wusste einiges über die Launen des riesigen Flegels. Wenn er nach Backbord geschleudert wurde, half der Wind, ihn dort zu halten, bis der unaufhaltsame Schwung des Schoners ihn erneut wild fliegen ließ. Er wusste, dass kein bloßes Fleisch und Blut viele dieser Kollisionen mit den Stagen ertragen konnte. Er beschloss, bei der nächsten Oszillation nach Backbord zu handeln, damit seine Kraft nicht erschöpft war.

„Sehen Sie zu, dass das Kabel frei läuft!“, schrie er, als er spürte, wie sich der Stock für seinen Sturzflug anhob.

Er schwang sich in dem Moment, als er aufschlug, über den Mast, und der Schwung half ihm. Er rannte wieder und stabilisierte sich wie ein Seiltänzer. Er riss sich die Schlinge von den Schultern, streifte sie über das Ende des Baums und schrie einen Befehl mit der ganzen Kraft seiner Lungen:

„Ziehen Sie sie straff!“

In diesem Augenblick begann der Baum wieder zu schwingen.

Da er am Ende des Stocks stand, befand er sich außerhalb des Schiffes; die schäumende See war unter ihm. Er konnte nicht springen; zu springen, während der Baum über das Deck fegte, bedeutete eine Haut voll gebrochener Knochen; zu warten, bis der Baum gegen die Stage prallte, so erkannte er, würde ein sicheres Unheil bedeuten; er würde entweder zwischen Baum und Wanten zerquetscht oder weit hinaus in den Ozean geschleudert werden, wie eine Bohne, die von einem Daumen geschnippt wird. Am äußersten Ende des Stocks wäre die Hebelwirkung so groß, dass er nicht hoffen konnte, sich dort mit Armen und Beinen festzuklammern.

Ein seltsamer Gedankengang brachte Mayo die Redewendung „Zwischen dem Teufel und der tiefen See“ in den Sinn. Dieser fliegende Baum war sicherlich der Teufel, und die schäumende See sah verdammt tief aus.

Die Längsschwankungen des Schiffes waren träger geworden, und Mayo hatte einen Moment Zeit, sich nach einer Fluchtmöglichkeit umzusehen.

Er sah das Segel des „Nummer vier“-Mastes, das lose in seinen Lazy-Jacks hing, entfaltet und eine wirre Fläche aus Segeltuch preisgebend. Als er hinter die Reling gelangte und der Baum gerade an Schwung gewann, nahm er sein Leben in seine Hände und seinen Mut zusammen und sprang auf das Segel zu. Er vollführte den Sprung genau in dem Augenblick, als der Baum ihm den größten Auftrieb bot.

Er hörte Captain Downs' erstaunten Fluch, als er über den Kopf jenes wackeren Seemanns hinwegtauchte, ein menschlicher Komet in einer zwanzig Fuß langen Parabel.

Er landete auf Händen und Knien in dem Segel und schrie schon während des Aufpralls: „Fangt sie auf, Jungs!“

Sie taten es, als der Mast gegen die Wanten schlug. Sie zogen am Tau, strafften die Schlinge und hatten, bevor das Schiff erneut rollte, ein halbes Dutzend Windungen des freien Kabelendes um die nächstgelegenen Klampen gelegt.

Mayo kletterte aus dem Segel und half ihnen, die Sicherung des Mastes zu vollenden. Als die Arbeit getan war, kam er an Captain Downs vorbei.

„Nun“, brummte der Kapitän der Alden, „was erwartest du, dass ich dazu sage?“

„Ich bitte Sie lediglich darum, nichts zu sagen.“

„Was?“

„Dass ein Dampfschiffmann seinen Lohn an Bord eines Windjammers nicht verdienen kann, Sir. Ich mag das Gefühl nicht, in irgendeiner Weise verpflichtet zu sein.“

Der Kapitän grunzte.

„Und wenn die Kleinigkeit, die ich getan habe, hilft, den Fauxpas wiedergutzumachen, den ich mir durch das Verprügeln Ihres Passagiers geleistet habe, dann bin ich froh darüber“, fügte Mayo hinzu.

„Du brauchst nicht in der Wunde zu bohren“, sagte Captain Downs und achtete sorgfältig darauf, dass niemand in Hörweite war. „Wenn ein Mann vierundzwanzig Stunden lang in einem Albtraum gelebt hat, so wie ich, dann musst du einige Nachsicht üben, Captain Mayo. Das hier ist ein schrecklich verworrenes Durcheinander.“ Er kniff die Augen zusammen und blickte auf das Besan-Rigging, wo die Laternen den Schaden enthüllten. „Und bei der Art und Weise, wie diese Achterstagen herausgerissen sind, und wenn man sieht, wie dieser Mast wackelt, wird dieser Schoner wahrscheinlich genauso schlimm zugerichtet sein wie die Leute an Bord.“

Mayo drehte sich weg und ging wieder an seine Arbeit. Sie waren dabei, zusätzliche Stagen für den Besanmast zu spannen. Und er bemerkte, dass das Mädchen nahe der Kajütentür ihn mit großem Interesse beobachtete. Doch in jenem Dunkel war er nur eine sich bewegende Gestalt unter schuftenden Männern.

Eine Stunde später befahl der Steuermann, die Ölbeutel an den Klysengatten zu befestigen. Die Beutel waren riesige Jutesäcke, gefüllt mit Baumwollabfällen, die mit Öl getränkt waren.

Trotz der Tatsache, dass ihr Besansegel, doppelt gerefft, gesetzt war, um sie windwärts zu halten, schien der Schoner entschlossen, dem tosenden Meer die Breitseite zu zeigen. Der Ölteppich half nur wenig; alle paar Augenblicke krachte eine Welle, von der die Gischt flog, über das Deck und schleuderte tonnenweise Wasser mit einem Donnerhall zwischen die Relingen. In solchen Momenten reichte der wirbelnde Sturzbach in der Schiffsmitte einem Mann bis an die Knie.

Mayo trat seine Wache unter Deck nicht an. Die Aufregung seines jüngsten Erlebnisses hatte jegliches Verlangen nach Schlaf vertrieben, und die Wandverkleidung im Vorschiff ächzte mit einem solch höllischen Lärm, dass nur ein tauber Mann dort in Ruhe hätte bleiben können.

Dennoch war er hinsichtlich der Sicherheit des Schoners nicht beunruhigt. In einem Wintersturm, wenn sich Eis auf ihr festsetzte, hätte er ihre Lage in einem anderen Licht betrachtet. Aber er hatte häufig gesehen, wie die See über die schwerfälligen Kohlenfrachter hinwegbrach, wenn er sie vor Anker an der Küste passiert hatte.

Er machte einen eigenen Rundgang entlang des Hauptdecks und kletterte auf die Masten, um der gelegentlichen Sintflut zu entgehen, die über das Mitteldeck hinwegfegte. Die verrammelten Luken hielten den Anstürmen der Wellen anscheinend stand. Er konnte spüren, dass der Wind weniger Gewicht hatte. Es war offensichtlich, dass der Höhepunkt des Sturms vorüber war. Die Wellen waren nicht mehr so grausam; ihre Kämme brachen nicht mehr. Doch gerade dann eilte der zweite Steuermann vorbei, und Mayo hörte den Bericht, den er dem Kapitän gab, der im Windschatten auf und ab ging:

„Der Besanmast bekommt mehr Spiel, Sir. Ich fürchte, er richtet am Mastfuß und am Kielschwein ein heilloses Durcheinander an.“

„Spannen Sie zusätzliche Stagen und versuchen Sie es noch einmal mit dem Wasser“, befahl der Kapitän.

Mayo kehrte zum Besanmast zurück und fand die gesamte Besatzung dort versammelt. Der Mast wand und ächzte in seinem Deckkragen und verdrehte sein Segeltuch – die Abdeckung an seinem Fuß, wo er durch das Deck trat.

Die dunklen Gesichter zeigten große Besorgnis. Sie hatten sich dort versammelt, wo das Schiff sich eine Wunde zugefügt hatte; der sechstee Sinn der Seemänner für drohendes Unglück hatte sie dorthin gezogen.

„Vier von euch, ab in die Takelage und macht euch bereit, diese Stagen zu befestigen!“ befahl der erste Steuermann.

„Der Rest von euch, macht das Geschirr fertig!“, rief der zweite Steuermann, der Mayo dicht auf den Fersen war.

Die Neger rührten sich nicht. Sie murmelten untereinander.

„Bewegt euch!“, bestand der Steuermann darauf.

„Verzeihung, aber der Mast stürzt gleich ein“, wagte es ein Mann zu sagen.

„Rauf mit euch, sage ich!“

Genau in diesem Moment schlug der Schoner auf eine große Walze, und die Steuerbordstagen rissen eine nach der anderen wie riesige Geigensaiten. Der Mast schwankte, und unter dem Deck war ein unheilvolles Geräusch zu hören.

„Sie hat sich ein Loch in den Rumpf gehauen!“, quiekte ein Seemann.

Im Halbdunkel funkelten ihre Augen mit dem Feuer, das man in den Augen verängstigter Katzen sieht.

„Da kommt sie!“, rief einer von ihnen. Er zeigte mit zitterndem Finger.

Über die Süllränder der vorderen Luke sprudelte schwarzes Wasser.

Wie Tiere jaulend, stürmten die Seeleute als Gruppe nach achtern und warfen Mayo und die Steuermänner bei ihrem Ansturm um.

„Haltet sie auf, Kapitän!“, brüllte der erste Steuermann, der ihre Absicht erahnte. Er stand auf und rannte ihnen hinterher. Doch die Angst verlieh ihnen Flügel an den Fersen. Sie huschten über das Dach der achteren Kajüte und waren auf dem Achterdeck, bevor der Kapitän aus dem Gang war. Sie sprangen in die Jolle, die an den Davits am Heck hing.

„Ihr Abtrünnigen!“, brüllte der Kapitän. „Raus aus dem Boot!“

Mit den beiden Steuermännern auf den Fersen stürmte er auf sie zu. Sie packten drei der kämpfenden Männer an den Beinen und zerrten sie zurück. Doch die Neger wanden sich los, getrieben von ihrer Panik zu rasenden Anstrengungen. Sie warfen sich erneut in das Boot.

„Seid Männer!“, forderte Mayo, der sich den Kräften der Disziplin anschloss. „Es ist eine Frau an Bord!“

Doch der Appell, der bei einem Angelsachsen hätte wirken können, setzte sich nicht durch. Ihre Messer waren gezückt – nicht zum Angriff auf ihre Vorgesetzten, sondern um die Davit-Trossen zu kappen.

„Kommt schon, Jungs! Werft sie raus!“, rief der Kapitän und führte den Weg über die Reling in die Jolle an.

Seine beiden Steuermänner und Mayo folgten, und der Maschinist, der gerade vom Vorschiff angekommen war, sprang ihnen nach. Doch so schnell sie auch einen Mann auf das Achterdeck warfen, er war wieder auf den Beinen und kämpfte im Boot erneut um einen Platz.

„Werft sie über Bord!“, brüllte der Kapitän und stieß einen schrecklichen Fluch aus. Er beförderte einen der wahnsinnig gewordenen Unglücklichen ins Meer. Im nächsten Moment lag der Kapitän flach auf dem Rücken, und die Seeleute trampelten auf ihm herum.

Die meisten Sturzwellen kamen bis zur Relinghöhe; manchmal wusch eine besonders heftige Welle das Deck achtern ab.

Danach öffnete sich regelmäßig ein Abgrund unter dem Heck des Schiffes, eine wirbelnde Grube im Ozean, zwanzig Fuß tief.

Es gab bei der Affäre mit der Jolle sowohl Glück als auch Unglück. Als sie schließlich abfiel, entging sie dem Zeitraum des Abgrunds.

Trotz der Bemühungen des Kapitäns und seiner Helfer gelang es den Seeleuten, die Davit-Trossen zu kappen. Eine anschwellende Walze kam dem Boot entgegen, als das letzte Ende nachgab, und fegte es samt seiner Fracht hinaus in die Nacht. Doch als es davonging, ergriff Mayo einen Davit-Block und schwang in der Luft.

Die schwindelerregenden Tiefen des Meeres öffneten sich unter ihm, als er dort baumelte und hinunterblickte.

Einen Augenblick später konzentrierte sich seine ganze Aufmerksamkeit auf Alma Marston, die im Niedergang stand, sich an den Seiten festklammerte und ihre Ängste herausschrie. Die Laterne beleuchtete sie für ihn deutlich. Ihr Schein erhellte auch ihn. Er rief ihr mehrmals zu, schließlich zornig.

„Wo ist dieser Mann, Bradish?“, verlangte er grimmig zu wissen.

Es schien, als würden ihm die Arme ausgerissen werden. Er konnte das Davit-Eisen von dort, wo er hing, nicht erreichen; die Reling des Schoners war zu weit entfernt, obwohl er mit den Füßen in diese Richtung trat.

„Seien Sie keine Närrin! Hören Sie auf zu schreien“, sagte er zu ihr. „Holen Sie Bradish!“

„Er ist krank – er – er – hat Angst“, stammelte sie.

„Kommen Sie hierher! Ziehen Sie an diesem Seil! Schwingen Sie mich herein, ich kann mich hier nicht mehr lange halten. Wollen Sie zusehen, wie ich ertrinke?“

Sie kam entlang der Reling und klammerte sich daran fest.

„Nein, nicht das Seil! Das andere! Ziehen Sie fest!“

Sie gehorchte und kämpfte gegen ihre Angst an. Der Davit schwang langsam nach innen, und es gelang ihm, seine Beine über die Reling zu schieben und das Deck zu erreichen.

„Danke!“, keuchte er. „Sie sind eine richtige Seefrau!“

Er hatte sich gefragt, was seine ersten Worte an sie sein würden. Selbst während er über den gähnenden Tiefen des Meeres schwang, war das Problem seiner Liebe so viel fesselnder als seine Angst vor dem Tod, dass seine Gedanken bei ihr waren. Er versuchte, mit sorglosem Ton zu ihr zu sprechen; er hatte im Sinn gehabt, zu sprechen, sich zu verbeugen und wegzugehen. Doch er konnte sich nicht bewegen, als sie ihre Augen auf ihn richtete. Sie war so unbeweglich wie er – eine stille, starrende, bleiche Statue des erstaunten Schreckens. Das Seil glitt langsam aus ihren erschlafften Fingern.

„Ja! Es ist genau der Mann, für den Sie ihn halten“, informierte er sie kurz angebunden. „Aber es gibt nichts zu sagen!“

„Ich muss etwas sagen –“

Doch er unterbrach sie wild. „Dies ist kein Ort, um über Torheiten zu reden! Es ist kein Ort, um irgendetwas zu besprechen! Es gibt noch anderes zu tun, als zu reden!“

„Wir werden sterben, nicht wahr?“ Sie beugte sich nah zu ihm, und die Frage war kaum mehr als ein Flüstern, geformt von ihren zitternden Lippen.

„Ich glaube schon“, antwortete er brutal.

„Dann lassen Sie mich Ihnen sagen –“

„Sie können mir nichts sagen! Bleiben Sie still!“, rief er und wich von ihr zurück.

„Warum kommt Captain Downs nicht zurück, um uns zu holen?“

„Seien Sie keine Närrin! Das Meer hat sie mitgenommen.“

Sie tauschten Blicke aus und schwiegen eine Weile, und der Stolz in ihnen beiden errichtete gegenseitige Barrieren. Es war eine Haltung, die auf beiden Seiten zur Erleichterung beitrug. Weil es so viel zu sagen gab, gab es nichts zu sagen in diesem Aufruhr des Meeres und ihrer Emotionen.

„Ich werde keine Närrin sein – nicht mehr“, sagte sie ihm. Es lag so deutlich ein neuer Ton in ihrer Stimme, dass er sie anstarrte. „Ich bin keine Feigling“, sagte sie. Sie schien sich plötzlich und auf sonderbare Weise selbst gemeistert zu haben.

Mayos Augen drückten offenes Erstaunen aus; er sagte sich wieder, dass er Frauen nicht verstand.

„Ich mache Ihnen keinen Vorwurf, dass Sie mich für eine Närrin halten, aber ich bin kein Feigling“, wiederholte sie.

„Es tut mir leid“, stammelte der junge Mann. „Ich habe mich vergessen.“

„Es besteht Gefahr, nicht wahr?“

„Ich fürchte, der Mast hat ein schlimmes Loch in den Rumpf geschlagen. Ich muss zum Vorschiff laufen. Ich muss sehen, ob man nicht etwas tun kann.“

„Ich komme mit Ihnen.“ Sie folgte ihm, als er wegging.

„Sie müssen achtern bleiben. Sie kommen auf diesem Deck nicht nach vorne. Sehen Sie sich die Wellen an, die über sie hinwegbrechen!“

„Ich komme mit Ihnen“, beharrte sie. „Vielleicht kann man etwas tun. Vielleicht kann ich helfen.“

Das Mädchen war stur, und er wusste, dass keine Zeit für Diskussionen war.

Dreimal auf ihrem Weg nach vorne war er gezwungen, sie in der Beuge seines Arms zu halten, während er gegen den Sturzbach kämpfte, den eine Welle auf das Deck schleuderte.

Es gab keinen Zweifel bezüglich der verzweifelten Lage des Schoners. Sie lag merklich tief im Bug, und schwarzes Wasser schwappte vor dem Abbruch des Hauptdecks. Die Tür der Kombüse war offen, und der einäugige Koch war zu sehen, wie er darin unter einer schwingenden Laterne saß. Er hielt eine Katze unter seinem Arm.

„Packen Sie mit an, Koch!“, rief Mayo.

Doch der Mann erhob sich nicht von seinem Hocker.

„Packen Sie mit an, sage ich! Wir müssen das Geschirr aufklaren und dieses Rettungsboot über Bord bekommen.“

Das Ersatzboot des Schoners lag in den Blöcken zwischen dem Fockmast und dem Großmast. Mayo bemerkte, dass es bis oben hin mit Ersatzkabeln gefüllt war und den üblichen Kleinkram einer Rumpelkiste enthielt. Er kletterte hastig hinein und reichte dem Mädchen die Hand, um ihr über die Reling zu helfen.

„Das wird Sie aus dem Schwall halten“, riet er ihr. „Setzen Sie sich dort in das Heck, während ich diesen Kram hinauswerfe.“

Doch sie setzte sich nicht. Sie begann, solche Gegenstände hinauszuwerfen, wie es ihre Kraft erlaubte.

Wieder rief Mayo den Koch an und verfluchte ihn herzlich.

„Oh, es hat keinen Zweck“, erklärte der Mann resigniert. „Wir sind verloren.“

„Wir sind nicht verloren, bis wir untergehen, du höllische Schildkröte! Komm her und pack mit an.“

„Ich habe kein Herz mehr für irgendetwas. Ich hätte es nie geglaubt. Der Alte haut ab und rettet eine Menge Neger-Seeleute anstatt mich – nach all den Mahlzeiten, die ich ihm zubereitet habe. Wenn das die Art von Dankbarkeit ist, die es auf der Welt gibt, bin ich froh, dass ich sie verlasse. Ich und die Katze gehen zusammen. Die Katze ist jedenfalls ein Freund.“

Da verlor Mayo endgültig die Beherrschung. Sein ganzes Wesen war in dieser Krise aufs Äußerste angespannt, und diese willenlose Kapitulation eines körperlich gesunden Mannes, dessen zwei Hände so verzweifelt gebraucht wurden, war besonders erbitternd. Er sprang aus dem Boot, rannte in die Kombüse und verpasste dem Koch mit der flachen Hand eine belebende Tracht Prügel. Der Koch klammerte sich fester an seine Katze, stützte sich auf dem Hocker ab und nahm seine Strafe hin.

„Töte mich, wenn du willst“, lud er ihn ein. „Ich muss sterben, und es macht nicht das Geringste aus, wie. Morde mich, wenn du dazu neigst.“

„Mann – Mann – Mann, was ist nur mit dir los?“, keuchte Mayo. „Wir haben eine Chance! Hier ist ein Mädchen zu retten!“

„Sie hat hier nichts zu suchen. Hat sich an Bord geschlichen. Es hat keinen Zweck, auf mich einzuschlagen. Ich rühre keinen Finger. Mein Entschluss steht fest. Ich bin vom Alten im Stich gelassen worden.“

„Du alter Verrückter, Captain Downs wurde von diesen Feiglingen mitgenommen. Wach auf! Hilf mir! Um Himmels willen, hilf mir!“

„Herumlaufen wird mich nur von Gedanken an das Jenseits ablenken, und ich muss vor meinem Ende noch ein wenig richtig nachdenken. Es hat keinen Zweck zu drohen und zu schwätzen; nichts macht für mich jetzt noch einen Unterschied.“

Mayo sah die Sinnlosigkeit weiterer Appelle ein, und der Kerl baumelte so schlaff wie eine ausgestopfte Puppe, als der junge Mann ihn schüttelte. Daher gab Mayo seine Bemühungen auf und eilte zurück zum Rettungsboot. Der Anblick des Mädchens, das mit dem Zeug kämpfte, das sie über Bord warf, gab ihm neue Entschlossenheit. Ihre erstaunliche Tapferkeit in einer Zeit, in der er mit Hysterie und Zusammenbruch gerechnet hatte, gab ihm ein neues Licht auf das Rätsel der Weiblichkeit.

„Haben Sie mir gesagt, dass Bradish krank ist?“, fragte er hastig.

„Er ist in der Kajüte. Er wollte nicht mit mir sprechen. Ich konnte ihn nicht dazu bewegen, an Deck zu kommen.“

„Ich muss Hilfe beim Geschirr haben“, sagte er zu ihr und lief los, um nach achtern zu gelangen.

Er fand Bradish in einem Morris-Stuhl ausgestreckt, der an einen Heizkörper gebunden war. Er erwartete scharfe Worte und weitere Beleidigungen, doch Bradish drehte ihm ein Gesicht zu, das grau vor offensichtlichem Terror war. Sein Kiefer hing schlaff; seine Augen flehten.

„Das ist schrecklich!“, jammerte er. „Was ist an Deck passiert? Ich habe das Kämpfen gehört. Wo ist Miss Marston?“

„Sie ist vorne. Es gab einen Unfall – einen schlimmen. Wir haben den Kapitän und die Besatzung verloren. Kommen Sie. Ich brauche Hilfe.“

„Ich kann nicht helfen. Ich bin am Ende!“, stöhnte Bradish.

„Ich sage, Sie müssen. Es ist die einzige Möglichkeit, unser Leben zu retten.“

Bradish rollte seinen Kopf auf der Lehne des Stuhls hin und her und weigerte sich. Seine Art, sein plötzlicher Wandel von der kämpferischen Stimmung, erstaunte Mayo. Der Gedanke kam ihm, dass dieser Mann eher durch einen bitteren Groll als durch seinen Mut zum Konflikt angestachelt worden war.

„Hören Sie, Bradish, wollen Sie mir nicht helfen, dieses Mädchen zu retten?“

„Ich bin kein Seemann. Ich kann nichts tun.“

„Aber Sie haben zwei Hände, Mann. Ich will ein Boot über Bord bringen. Beeilung!“

„Nein, nein! Ich würde bei diesen hohen Wellen nicht in ein kleines Boot steigen. Das wäre nicht sicher.“

„Dieser Schoner sinkt!“, schrie Mayo. Er packte Bradish mit festem Griff an den Schultern. „Es ist keine Zeit, darüber zu streiten. Kommen Sie mit!“

Er zog Bradish auf die Beine und trieb ihn zum Niedergang, und der Mann ging ohne Widerstand. Es war offensichtlich, dass die reale Gefahr und die Angst vor dem Tod ihn fast gelähmt hatten.

„Ich kann nichts tun!“, meckerte er weiter.

Doch Mayo drängte ihn nach vorne.

„Ralph!“, rief das Mädchen und peitschte ihn förmlich mit dem Tonfall, in dem sie das Wort hervorbrachte. „Was ist mit dir los?“

„Ich kann nichts tun. Es ist hier draußen nicht sicher.“

„Du musst tun, was dieser Mann dir sagt. Er weiß Bescheid.“

Doch Bradish klammerte sich an die Dollbordkante des Rettungsbootes und starrte mit blinzelnden Augen auf die schäumenden Wellen.

„Wenn ich nur ein paar Männer anstelle dieser zwei höllischen Bandwürmer hätte“, tobte Mayo, „könnte ich das Geschirr aufklaren und dieses Boot über Bord bringen. Wach auf! Wach auf!“, schrie er und schlug mit der Faust auf Bradishs Rücken.

„Ralph! Sei ein Mann!“ In ihrem Tonfall lagen Wut, Protest und schockiertes Staunen.

Plötzlich sah Mayo einen unheilvollen Anblick und hörte ein ahnungsvolles Geräusch. Die vordere Luke barst mit einem gewaltigen Knall auf, herausgedrückt von der Luft, die durch das einströmende Wasser komprimiert wurde. Er verschwendete keinen Atem mehr für Argumente und Appelle. Er erkannte, dass selbst eine fähige Besatzung keine Zeit gehabt hätte, das Boot zu Wasser zu lassen. Der Schoner war dem Untergang nahe.

In aller Eile zog er sein Taschenmesser und schnitt die Laschungen durch, die das Boot in seinen Blöcken hielten. Dass das Fahrzeug frei von den sich verfangenden Trümmern kommen und aufschwimmen würde, wenn der Schoner unterging, konnte er kaum hoffen. Aber es war die einzige verzweifelte Chance, auf die man sich in der Not verlassen konnte.

In seiner Qual der Verzweiflung und seiner Wut der Empörung war er versucht, in das Boot zu steigen und die beiden Feiglinge ihrem Schicksal zu überlassen. Doch er bückte sich, packte Bradish an den Beinen und wuchtete ihn über die Bordwand in die Jolle. Ein Impuls des Seemanns ist es, Leben zu retten, selbst unter Einsatz des eigenen. Mayo rannte zur Kombüse, trat den Koch vom Hocker und trieb ihn dann kopfüber zum Rettungsboot. Der Mann ging mit, seine Katze umklammernd.

„Was wird mit uns passieren?“, fragte das Mädchen, als Mayo hineinkletterte.

„Ich weiß es nicht“, keuchte er. „Ich glaube, der Teufel wirft gerade Münzen für uns – und der Penny hüpft gerade von seinem Daumennagel!“

Sein Tonfall war rücksichtslos. Die Aufregung der letzten Stunden zeigte schließlich ihre Wirkung auf ihn. Er war nicht mehr normal. Etwas, das fast an ein Delirium grenzte, befallen ihn.

„Haben Sie keine Angst?“, fragte sie.

„Doch“, gab er zu. „Aber ich werde trotzdem weitermachen.“

Bradish und der Koch hockten mittschiffs in der Jolle.

„Ihr beide, legt euch unter diese Duchten und haltet euch fest“, rief Mayo. Dann legte er dem Mädchen schnell ein Seil um die Taille und befestigte die Enden der Leine an den Klampen. „Ich weiß nicht, was passiert, wenn der alte Eimer taucht“, sagte er zu ihr. „Diese fünftausend Tonnen Kohle werden sie mit einem Ruck mitziehen, wenn sie erst einmal anfängt. Alles, was ich sagen kann, ist: Haltet euch fest und betet inständig!“

„Danke“, sagte sie leise.

„Beim Kuckuck, sie hat Mumm!“, murmelte der junge Mann, während er über die ausgestreckten Gestalten der anderen Passagiere nach vorne kletterte. „Ich frage mich, ob alle Frauen auf der Welt so sind?“ Er erinnerte sich an die Tapferkeit von Polly Candage.

Im Bug befand sich ein riesiges Tauwerkbündel, dort gelagerte Reservekabel. Mayo machte das freie Ende fest, arbeitete so schnell er konnte, und wickelte etwa die Hälfte des Bündels zu einer kompakten Masse zusammen – ein Knoten am Ende von etwa zehn Faden Leine. An diesen Knoten laschte er Ruder und den Mast, den er verstaut im Boot fand. Er wusste, dass, falls sie wirklich von dem Schoner loskamen, nur ein wirksamer Treibanker oder ein Schlepptau die Jolle aufrecht halten würde. Als diese Aufgabe erledigt war, kauerte er sich tief im Bug nieder und sah das Mädchen an.

„Wir sind fast bereit für unsere Reise“, rief er ihr zu. „Falls ich dich nicht wiedersehe, leb wohl!“

„Ich werde dir nicht Lebwohl sagen, Kapitän Mayo – noch nicht!“

XXIV ~ AUF EINER GALOPPIERENDEN SEE

Ich sattelte mir ein Araberross und sattelte ihr ein weiteres, Und wir ritten gemeinsam davon wie Schwester und wie Bruder, Sangen: „Blas, du Wind, am Morgen! Blas, du Wind, hi ho! Wisch den Morgentau beiseite, Blas, du Wind, hi ho!“ --Blas, du Wind.

Mit einer Angst, die beinahe Verzweiflung war, blickte Mayo zu den Wanten, Stagen und Fallen hinauf, die wie Netze zur linken und rechten Seite und über ihnen gespannt waren.

Eine große Woge stürzte an Bord und füllte den Raum vor dem Abbruch des Hauptdecks. Das wirbelnde Wasser berührte die Seiten des Beibootes und wich dann zurück, als der angeschlagene Schoner aus dem Gewühl emporrang. Ein Spundfass wurde aus seinen Laschungen gerissen und ging über Bord, und anderes Treibgut folgte ihm.

Mayo fand diesen Anblick ermutigend. Aber das Beiboot saß hoch in seinen Stützen; wenn es erst einmal schwamm, könnte es zu spät sein.

Eine weitere Welle rauschte vorbei, und das Beiboot erbebte. Dann ging Mayo ein Risiko ein, ohne die Folgen zu bedenken. Er legte das Kabel mit einer doppelten Windung um seinen Unterarm, sprang aus dem Boot und stand auf dem Deck, die Schulter gegen den Vorsteven gestemmt. Die nächste Welle spülte ihn bis zur Taille ein, zerrte an ihm, schlug ihn gegen den Kiel des Beibootes, doch er hielt fest und hob und drückte mit all seiner Kraft.

Dieser Stoß tat es!

Das Boot brauchte genau diesen Anstoß, um sich von den Stützen zu befreien. Es hob sich und schoss mit dem Heck voran nach Lee, und der junge Mann wurde hinterhergezogen.

Als das Boot eintauchte und in einem Wellental anhielt, klammerte er sich am Bug fest und kletterte hinein. Mit gewaltigem Rucken gelang es ihm, den Treibanker über Bord zu werfen.

Die nächste Welle erwischte das Boot an der Seite und schwappte ein Fass Wasser hinein. Aber es blieb aufrecht, und nach wenigen Augenblicken straffte sich das Kabel und es ritt mit dem Bug in das Tosen des Ozeans; der Treibanker schleppte und erfüllte seinen Dienst.

Mayo musste den beiden Männern mit ziemlicher Herzhaftigkeit in die Seite treten, bevor er sie dazu bewegen konnte, mit den Eimern zu schöpfen. Die durchnässte Katze floh in den Schutz der Arme des Mädchens. Mayo kämpfte sich nach achtern, um sein Gewicht vom Bug des Bootes zu nehmen, und als er sich neben das Mädchen setzte, „bemutterte“ sie das Tier.

„Es kommt schneller herein, als ich es hinauswerfen kann!“, jammerte Bradish.

„Schöpf schneller, dann! Schöpf oder ertrinke!“

„Sie ist undicht“, verkündete der Koch. „Sie war so lange an Deck, dass sie ganz ausgetrocknet ist.“

„Schöpf oder ertrinke!“, wiederholte Mayo. Zum Mädchen sagte er: „Das scheint der einzige Weg zu sein, Arbeit aus Feiglingen herauszuholen. Sie werden es tun müssen. Ich bin so gut wie am Ende.“

Die Wellen hoben und senkten sie auf schwindelerregende Weise. Plötzlich gab es ein heftigeres Werfen des Wassers.

„Das ist das alte Paket! Sie ist jetzt untergegangen!“, erklärte Mayo. „Gott sei Dank sind wir ihren Klauen entkommen! Ich hatte Angst, wir würden dort feststecken.“

„Gibt es jetzt noch Hoffnung für uns?“, erkundigte sie sich.

„Ich weiß es nicht. Wenn das Boot über Wasser bleibt und der Wind nicht dreht und diese See nicht kreuzweise schlägt, wenn uns jemand am Morgen sieht, wenn wir nicht an die Küste in die Brandung gerollt werden und –“ Er beendete den Satz nicht.

„Es scheint, dass auf See eine Menge passieren kann“, deutete sie an.

„Diese Tatsache wurde mir in den letzten Wochen bewiesen.“

„Du meinst in den letzten paar Stunden, nicht wahr?“

„Miss Marston, was auf diesem Schoner geschehen ist, ist Teil des Geschäfts, und ein Seemann muss es nehmen, wie es kommt. Ich wünschte, mir wäre nichts Schlimmeres zugestoßen als das, was jetzt gerade passiert.“

Sie gab keine Antwort.

„Aber egal“, sagte er barsch.

Die beiden Männer, die mittschiffs knieten, sich an einer Sitzbank festklammerten und mit ihren freien Händen schöpften, rackerten sich ab; sogar Bradish war zu der Erkenntnis gelangt, dass er für seine eigene Rettung arbeitete.

In der Dunkelheit schienen die Wellen, die vor ihnen aufstiegen, Berge mit schneebedeckten Gipfeln zu sein. Täler und Hügel aus Wasser fegten rechts und links an ihnen vorbei. Aber die Kämme der Wellen brachen nicht, und diese Tatsache bedeutete eine Atempause von unmittelbarer Gefahr.

„Es tut mir leid, dass das alles an dir hängen blieb“, wagte das Mädchen und durchbrach ein langes Schweigen. „Ich dachte, Ralph hätte mehr Mumm“, fügte sie bitter hinzu. „Ich habe das Gefühl, er sollte sich bei dir entschuldigen für – für verschiedene Dinge.“

Er seinerseits antwortete darauf nicht. Er fürchtete, sie wolle ihn in eine Diskussion oder Erklärung verstricken. Was genau er ihr zu diesem Thema sagen könnte, war ihm nicht klar.

„Es scheint, als wären Jahre vergangen statt Stunden. Es scheint, als hätte ich ein halbes Leben gelebt, seit ich mein Zuhause verlassen habe. Es scheint, als hätte ich mein Wesen geändert und wäre erwachsen geworden, um die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Das alles ist sehr seltsam für mich.“

Er wusste nicht, ob sie mit sich selbst oder mit ihm sprach. Er bot keinen Kommentar an.

Es gab eine lange Zeit des Schweigens. Das Geräusch der rauschenden Wasser erfüllte diese Stille und machte ihr Gespräch nur für sie selbst hörbar, wenn sie sprachen.

„Ich verstehe nicht, wie du auf diesen Schoner gekommen bist – so wie – wie du es warst“, sagte sie zögernd.

„Ich habe mich nicht so aufgetakelt, um irgendwelche Scherze zu treiben, Miss Marston“, erwiderte er bitter.

„Ich würde gerne wissen, wie das alles passiert ist – deine Seite der Geschichte.“

„Ich habe schon zu viel geredet.“

Eine lange Zeit gab es kein Gespräch mehr. Er fragte sich, wie sie überhaupt den Mut zum Sprechen aufgebracht hatte. Sie befanden sich in einer Lage, die den Mut selbst eines erfahrenen Seemanns auf die Probe stellen würde. In der Nacht, umhergeworfen von dieser wilden See, treibend, ohne zu wissen wohin, hatte sie die Gefahr scheinbar außer Acht gelassen. Er fragte sich, ob sie nicht lediglich weibliche Unwissenheit darüber zur Schau gestellt hatte, was ihre Lage bedeutete. Er hatte oft Fälle gesehen, in denen scheinbare Angeberei auf einer solchen Unwissenheit beruhte.

„Ich muss sagen, dass du mir vorhin zumindest eine Wahrheit gesagt hast – du bist kein Feigling“, sagte er schließlich.

Sie tröstete die elende Katze. „Aber ich habe schreckliche Angst“, gab sie zu. „Ich wage nicht, über die Sache nachzudenken. Ich wage es nicht, auf die Wellen zu sehen. Ich habe mit dir gesprochen, um meine Gedanken von meinen Sorgen abzulenken. Ich wollte nicht neugierig sein.“

„Ich werde dir erzählen, was mir angetan wurde“, platzte er heraus. „Das Anhören der Sorgen eines anderen mag deine Gedanken von deinen eigenen ablenken.“

Während die beiden Männer mittschiffs beharrlich und ermüdet schöpften, erzählte er seine Geschichte so kurz wie möglich. Das graue Morgengrauen zeigte ihm nach einer Weile ihr Gesicht, und er war seltsam getröstet von dem Mitgefühl, das er dort sah. Er teilte ihr keine Verdächtigungen mit, die er vielleicht gehegt hatte. Mit seemännischer Direktheit schilderte er, wie er gehofft hatte und wie ihm alles entrissen worden war. Doch zu einem Thema schienen die Münder beider versiegelt zu sein!

Nach einer Weile konnten Bradish und der Koch sich von der Arbeit des Schöpfens ausruhen. Die Planken des Bootes quollen auf und das Leck war gestopft.

„Du solltest besser hier nach achtern kriechen und dich neben Miss Marston setzen“, riet Mayo. „Pass auf, wie du dich bewegst.“

Er ging an Bradish vorbei und nahm dessen Platz beim Koch ein und verspürte ein Gefühl der Erleichterung; er hatte befürchtet, das eine, das gefürchtete Thema würde sich ihm aufdrängen.

„Ich sehe keinen Sinn darin, all diese Qual zu verlängern“, behauptete sein niedergeschlagener Gefährte. „Wir werden hier niemals lebend herauskommen. Wir treiben auf die Küste zu, und du weißt, was das bedeutet.“

„Du kannst jederzeit über Bord springen, wenn dir danach ist“, sagte der Kapitän des Fahrzeugs. „Ich brauche dich nicht länger zum Schöpfen!“

„Wenn du das so siehst, wirst du mich nicht so leicht los“, erklärte der Koch mit Bosheit in seinem einen Auge.

Mayo bemerkte mit einiger Überraschung, dass nach dem Austausch einiger Worte zwischen den beiden Stille zwischen Bradish und dem Mädchen herrschte. Der New Yorker war blass und zitterte, sein Kiefer hing immer noch herab, und er warf Blicke nach rechts und links, während die Wogen unter ihnen dahin galoppierten. Er war eindeutig und gänzlich mit seinen Ängsten beschäftigt.

Als der Tag schließlich ohne Regen, aber mit schwerem Himmel kam, an dem Nebelmassen dahinzogen, begann Mayo eine eifrige Suche auf der See. Er hatte keine Möglichkeit, ihren Aufenthaltsort zu bestimmen; er hoffte, sie seien weit genug vor der Küste, um auf der Schifffahrtsroute zu sein. Er konnte jedoch kein Segel sehen, keine ermutigende Rauchfahne. Aber nach einer Weile erblickte er doch etwas, das nicht ermutigend war. Er stand auf, hielt das Gleichgewicht und starrte nach Westen, in die Richtung, in die sie trieben; hin und wieder ermöglichte ihm eine hebende Welle, eine weite Fläche der See zu überblicken.

Er sah ein weißes Band aus Gischt, das sich nach Norden und Süden in die Ungewissheit der Nebel erstreckte. Er berichtete von diesem Fund nicht sofort. Er sah seine Gefährten an und grübelte.

„Ich glaube, du hast mir etwas zu sagen“, schlug das Mädchen vor.

„Ich nehme an, ich sollte es sagen. Ich habe mich gefragt, wie es gesagt werden sollte. Es sind keine angenehmen Nachrichten.“

„Ich bin bereit, alles zu hören, Kapitän Mayo. Nichts ist im Augenblick von großer Bedeutung.“

„Wir werden auf die Küste zugetrieben. Ich weiß nicht, ob es die Küste von Delaware oder New Jersey ist. Das macht keinen großen Unterschied. Die Brandung ist an der einen Stelle genauso schlimm wie an der anderen.“

„Warum ankerst du dieses Boot nicht? Wirst du zulassen, dass es an Land geht und zerschellt?“, fragte Bradish mit einem Ärger, der kindisch war.

„Der Anker scheint übersehen worden zu sein, als wir diesen kleinen Ausflug begannen. Soweit ich mich erinnere, herrschte etwas Eile und Trubel“, erwiderte Mayo trocken.

„Warum hast du nicht daran gedacht? Du hast uns in diese Klemme gebracht. Du hast herumgebrüllt und alle herumkommandiert. Du hast niemandem sonst eine Chance gelassen nachzudenken. Du nennst dich einen Seemann! Du bist ein Teufel von einem Seemann, ohne Anker loszufahren.“

„Ich nehme an, das stimmt“, gab Mayo zu.

„Und es hatte keinen Sinn, in diesem kleinen Boot loszufahren. Wir hätten auf dem Schoner bleiben sollen.“

„Ralph!“, protestierte das Mädchen. „Hast du völlig den Verstand verloren? Weißt du denn nicht, dass der Schoner in dem Moment sank, als wir ihn verließen?“

„Mr. Bradishs Geist war zu diesem Zeitpunkt sehr in Anspruch genommen“, sagte Kapitän Mayo.

„Ich glaube nicht, dass der Schoner sank. Was weiß ein Mädchen schon von solchen Dingen? Dieser Kerl bekam Angst, das ist das Problem. Es hat keinen Sinn, ein großes Boot in einem Sturm zu verlassen. Wir wären längst gerettet worden. Wir wären in Ordnung gewesen. Das kommt davon, wenn man sich von einem Narren herumkommandieren lässt, wenn er Angst hat“, tobte er.

„Du bist der Narr!“, rief sie leidenschaftlich. „Kapitän Mayo hat uns gerettet.“

„Gerettet wovor? Hier fahren wir in die Brandung – und er sagt es selbst – und es ist kein Anker hier. Er hat mir alles aus der Hand genommen. Warum tut er jetzt nichts?“

„Beachte ihn nicht“, flehte sie.

„Wir werden ertrinken! Das kannst du nicht leugnen, oder? Wir werden sterben!“ Er zog eine zitternde Hand zwischen seinen Knien hervor, wo er beide Hände eingeklemmt gehalten hatte, um sie zu beruhigen. Er schüttelte seine Faust gegen Mayo. „Gib es jetzt zu. Wir werden sterben, nicht wahr?“

„Ich denke, es ist richtig, in diesem Stadium die Wahrheit zu sagen“, sagte Mayo mit festem Ton. „Wir sind keine Kinder. Dort drüben ist ein Strand mit Sandbänken und Brandung, und wenn wir den Sand treffen, wird dieses Boot sich überschlagen, und wir werden hinausgeworfen. Die Wellen werden uns hochwerfen und zurückziehen wie eine Katze, die mit Mäusen spielt. Und wir haben ungefähr dieselben Chancen wie Mäuse.“

„Und das ist das Beste, was du für uns tun kannst – und du nennst dich einen Seemann!“, wimmerte Bradish.

„Ich bin nur ein armer Kerl, der sein Bestes gegeben hat, wie es ihm möglich war“, sagte der junge Mann und suchte mit seinen Augen die des Mädchens.

Sie starrte ihn einen Moment an, dann hielt sie sich beide Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen.

„Es ist eine schwere Sache, der man ins Auge blicken muss, aber wir sollten die Wahrheit verstehen und so tapfer sein, wie wir können“, sagte Mayo sanft.

„Für mich persönlich bin ich kein bisschen überrascht“, beteuerte der Koch. „Ich hatte meine Vorahnung! Ich hatte mich damit abgefunden. Aber meine Pläne wurden durchkreuzt. Ich wollte in gutem, tiefem, grünem, sauberem Wasser untergehen, wie es sich für einen Seemann gehört. Und jetzt werde ich in den Sand geschleift und einen schmerzhaften Tod erleiden.“

„Halt den Mund!“, bellte Mayo.

Das Mädchen zitterte, und er fürchtete einen Zusammenbruch.

Bradish begann zu heulen. „Ich bin nicht bereit zu sterben“, protestierte er.

Mayo betrachtete seinen Passagier eine Zeit lang und runzelte die Stirn. „Bradish, hör mir einen Moment zu!“

Der New Yorker schenkte ihm so viel Aufmerksamkeit, wie es Angst und Kummer erlaubten.

„Es gibt nicht viel, was wir im Moment tun können, um unsere allgemeinen irdischen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Aber wir können genauso gut reinen Tisch zwischen uns beiden machen. Das wird unser Gewissen ein wenig erleichtern. Ich habe keinen Streit mehr mit dir. Wir werden nicht weinerlich dabei. Aber lass uns einen Strich darunter ziehen.“

„Es ist alles vorbei“, trauerte Bradish. „Also was nützt es, Groll zu hegen?“

„Ich nehme an, es stimmt, dass das Gericht mich wegen Totschlags angeklagt hat. Bradish, sag mir, von Mann zu Mann, ob ich mit diesem Ballast auf meinem Gewissen in diese Brandung gehen muss!“

„Ich weiß nicht, was du meinst.“

„Doch, das weißt du! Du weißt, ob diese Männer des Schoners *Warren* durch einen verbrecherischen Fehler meinerseits ertrunken sind oder nicht!“

Bradish sprach nicht.

„Du hättest Kapitän Downs nicht so viel gesagt, wenn du nicht etwas gewusst hättest“, beharrte das Opfer der Intrige.

„Es war nur das, was Burkett herausließ, als er hinter etwas Geld her war. Ich nehme an, er dachte, es sei sicher, mit mir zu reden. Aber was bringt es dir, wenn ich dir Vermutungen gebe? Ich weiß nichts Bestimmtes. Ich verstehe nichts von seemännischen Angelegenheiten.“

„Bradish, was Burkett sagte – war es etwas über den Kompass – darüber, mir einen Streich zu spielen, indem man am Kompass herumspielte?“

„Es war so etwas in der Art.“ Sein Tonfall zeigte Gleichgültigkeit; es war offensichtlich, dass er mehr mit seiner Angst als mit seinem Geständnis beschäftigt war.

„Hat Burkett nicht etwas von einem Magneten gesagt?“

„Er ließ irgendeinen Witz über Fogg im Steuerhaus und Nebel draußen los – aber dass der Fogg drinnen das Geschäft erledigte. Und er sagte etwas über Foggs eisernes Wünschelknochen.“

„So war es also gemacht worden – und vom Geschäftsführer der Linie!“, rief Mayo. „Der Geschäftsführer selbst! Kein Wunder, dass ich diesen Verdacht jedes Mal zerschlagen habe, wenn er auftauchte! Ich ahnte es – aber ich wagte nicht, es zu vermuten! Ist das ein Teil deiner Hochfinanz, Bradish?“

„Nein, ist es nicht“, erklärte der New Yorker hitzig. „Es ist ein Untergebener wie Fogg, der vorprescht und Ergebnisse erzielt, wie er es nennt. Die großen Leute kümmern sich nie um die Details.“

„Die Details! Mir alles zu nehmen, wofür ich gearbeitet habe – meinen Ruf als Kapitän, meine Papiere, meine Stellung – meine Freiheit. Bei den Göttern, ich werde leben! Ich werde durch diese Brandung gehen! Ich werde dieser Bande wie ein Mann entgegentreten, der sich seinen Weg aus der Hölle zurück erkämpft hat“, wütete das Opfer.

„Das – das war nicht die Sache meines Vaters! Das könnte es nicht gewesen sein“, protestierte Miss Marston.

„Dein Vater weiß nie etwas über die Details von Foggs Operationen“, erklärte Bradish.

„Er sollte es wissen“, beharrte der wütende Sündenbock. „Er gibt seine Befehle, nicht wahr? Er sitzt in der Mitte des Netzes. Was, wenn er wusste, wie Fogg operierte?“

„Würde er wahrscheinlich nicht gutheißen! Aber er weiß es nicht. Und der Engel Gabriel selbst bekäme keine Chance, es ihm zu sagen!“, erklärte der Angestellte.

„Ein abgekartetes Spiel also – und alles nennt man Hochfinanz!“, höhnte Mayo.

„Hochfinanz ist nicht schuld an den Tricks, die die Leute vor Ort anwenden, damit sie ihr Geld schnell und einfach verdienen können. Was bringt es, mich zu dieser schrecklichen Zeit mit Fragen zu belästigen? Ich werde sterben! Ich werde sterben!“, jammerte er.

Miss Marston rutschte vom Sitz auf ihre Knie, damit sie ihre Hand nach Mayo ausstrecken konnte. „Lass mich dich wissen lassen, was ich fühle – all deinen Kummer, all deine tapfere Arbeit in dieser schrecklichen Zeit! Ich habe solche Angst, Kapitän Mayo! Aber ich werde meine Augen auf dich gerichtet lassen – und ich werde mich schämen, dir zu zeigen, wie viel Angst ich habe.“

Er erwiderte den inbrünstigen Händedruck mit sanftem Druck und einem beruhigenden Lächeln. „Ehrlich gesagt, ich fühle mich gerade zu mies, um zu sterben. Lass uns weiter hoffen.“

Aber als er aufstand und die weißen Berge aus Wasser zwischen ihrem kleinen Boot und dem Ufer sah und erkannte, was geschehen würde, wenn sie in diesem wilden Getümmel wären, mit dem Sog, der nach unten zog, und den Wogen, die peitschten, verspürte er keine Hoffnung in sich.

Vom Aussehen der Küste konnte er ihren wahrscheinlichen Standort nicht bestimmen. Das Land war karg und sandig. Es schien keine Einfahrt zu geben. Soweit er sehen konnte, war die Linie aus schäumendem Weiß ungebrochen. Das Meer schäumte über breite Untiefen, wo kein Boot aufrecht bleiben und kein menschliches Wesen zu überleben hoffen konnte.

Dennoch blieb er stehen und spähte unter seiner Hand hervor, entschlossen, bis zuletzt wachsam zu sein, entschlossen, jede Gelegenheit zu ergreifen.

Plötzlich erblickte er bestimmte schwarze Linien in senkrechter Silhouette gegen den Schaum. Zuerst war er sich nicht sicher, was das sein könnte, und er beobachtete sie genau, während das Boot auf seinem Weg geworfen wurde.

Schließlich enthüllte sich ihre Identität. Es waren Reusenpfähle. Die Reuse selbst war offensichtlich abgebaut. Die Pfähle, die noch standen, waren in einigem Abstand voneinander aufgestellt, wie unregelmäßig angeordnete Zaunpfähle.

Er machte eine hastige Beobachtung der Peilung, als das Boot trieb, und war sicher, dass die See sie an den Pfählen vorbei tragen würde. Wie nah sie vorbeikamen, hing von der Laune der Wellen und der Gezeiten ab. Er erkannte, dass drei Männer, selbst wenn sie fähige Seeleute wären, wenig ausrichten könnten, um das Beiboot in dem Gewühl dieser See, die nun wahnsinnig über die Untiefen brandete, zu rudern oder zu steuern. Er wusste, dass unter dem Kiel nicht viel Wasser war, denn der Ozean war trüb von wirbelndem Sand, und die Wellen waren bergiger, hoch aufgehäuft durch die Reibung des Wassers am Boden. Hin und wieder zeigte der Kamm einer Woge eine Fahne aus berstender Gischt, die Brandung in nächster Nähe anzeigte.

Mayo eilte zum Bug des Bootes und zog ein langes Stück Kabel frei. Er machte einen Palstek-Knoten, öffnete eine Schlinge, so groß er sie handhaben konnte, wickelte den Rest des Kabels sorgfältig auf und brachte sich auf einer Sitzbank in Position.

„Was nun?“, fragte der Koch.

„Egal“, erwiderte Mayo. Sein Vorhaben war ein solches Glücksspiel, dass er es nicht im Voraus besprechen wollte.

Je näher sie auf die Pfähle zutrieben, desto unerreichbarer schienen diese Objekte. Sie ragten hoch aus dem Wasser heraus.

Der Koch bemerkte sie, kam auf seine Knie und kniff die Augen zusammen. „Huh!“, schnaubte er. „Das schaffst du nie. Das geht nicht!“

In seiner heftigen Angst warf Mayo seine Schlinge zu früh, und sie fiel zu kurz. Er zog das Kabel mit all seiner Schnelligkeit und Kraft ein und warf die Schlinge erneut. Das Seil traf den Pfahl zu drei Vierteln der Höhe und fiel ins Meer.

„Dafür braucht man einen Cowboy“, murmelte der Koch.

Mayo holte seine Schlinge zurück und brachte sich erneut in Position.

In den Untiefen, in denen sie sich befanden, wurde das Boot, das ihn trug, zu einem wahrhaft bockenden Bronco. Es wurde hochgeschleudert, es stürzte hinab in die Mulden. Er unternahm einen verzweifelten Versuch, den nächsten Pfahl in der Reihe zu erreichen. Die Schlinge fing, und er hielt ruckartig gegen. Das obere Ende des Pfahls brach mit einem dumpfen Knacken von morsch gewordenem Holz ab, als die nächste Welle das Boot anhob.

Mayo zog sein Seil Hand über Hand mit hastiger Eile ein. Er war gezwungen, den abgebrochenen Pfahl aus der Schlinge zu befreien und sein improvisiertes Lasso wieder in Position zu bringen. Er machte eine weitere Schlinge. Sein Scheitern hatte ihn ein oder zwei Dinge gelehrt. Er wartete, bis das Boot auf dem Kamm einer Welle war. Er zügelte seine verzweifelte Ungeduld, biss die Zähne zusammen und wirbelte die Schlinge in einem sich weitenden Kreis um seinen Kopf. Dann warf er, genau als das Boot zu fallen begann. Das Seil umschlang den Pfahl, sank ins Wasser, und er gab sein gesamtes freies Kabel aus, damit ein gutes Stück des schweren Seils im Wasser liegen und eine behelfsmäßige Verbindung bilden konnte. Als er vorsichtig gegenhielt, zog sich die Schlinge fest um den Pfahl, und dieser hielt. Die Wellen, die unter ihnen dahinjagten, waren gewaltig, und Mayos Herz rutschte ihm jedes Mal in die Hose, wenn ein Ruck und Stoß anzeigten, dass das Seil straff geworden war.

Nach fünf Minuten des bangen Wartens jedoch, während er im Bug kniete und seine Augen auf dem Kabel hielt, spürte er, wie sein Mut wuchs und seine Hoffnung aufglühte.

„Bedeutet das –“, keuchte das Mädchen, als er sich umdrehte und sie ansah.

„Ich weiß nicht genau, was es am Ende bedeuten wird, Miss Marston“, sagte er bewegt. „Aber es ist ein Aufschub, solange dieses Seil hält.“

Bradish saß da, die Dollbordkante mit beiden Händen umklammernd, und starrte über die Schulter auf die schäumenden und tosenden Wasser am Ufer. Das Mädchen betrachtete ihn gelegentlich mit einer gewissen Verwunderung im Ausdruck. Mayo schien es, als versuche sie sich zu vergewissern, dass Bradish jemand sei, den sie kannte. Aber es schien ihr nicht recht zu gelingen, ihn real wirken zu lassen. Sie sprach ein oder zwei Mal mit gedämpfter Stimme zu ihm, doch er antwortete nicht. Dann wandte sie ihm den Rücken zu.

Plötzlich sprang Mayo auf und rief.

Ein Mann rannte entlang des sandigen Kamms eines niedrigen Hügels nahe dem Strand. Er verschwand in einem kleinen Bauwerk, das nicht größer als ein Wachhäuschen war.

„Da ist eine Küstenwachenpatrouille von der Rettungsstation. Es muss irgendwo hier eine geben!“

Der Mann stürzte heraus und fuchtelte mit den Armen.

„Er hat telefoniert“, erklärte Mayo. „Das sind die Jungs! Es gibt Hoffnung für uns!“

Es gab mehr als Hoffnung – es gab die Rettung nach einigen Stunden des trostlosen und banges Wartens.

Das Rettungsboot kam schäumend von der fernen Bucht herüber, und sie wurden von starken Armen an Bord gehoben.

Und dann warf Alma Marston Mayo den seltsamsten Blick zu, den er je von den Augen einer Frau erhalten hatte. Doch ihre Lippen wurden weiß und ihre Augen schlossen sich, und sie verfiel in Bewusstlosigkeit, während er eine Decke um sie legte.

„Sie müssen ein ziemliches Stück Arbeit gehabt haben, eine Frau durch diese Klemme zu bringen“, meinte der Kapitän der Mannschaft.

„Es ist genau umgekehrt“, erklärte Mayo. „Ich schreibe ihr zu, dass sie uns alle gerettet hat.“

„Wie das?“

„Es könnte mir etwas schwerfallen, Ihnen das verständlich zu machen, Kapitän. Lassen Sie es dabei bewenden, wie ich es gesagt habe.“

XXV ~ EIN MÄDCHEN UND IHRE EHRENSCHULD

Sie sagt: „Du Limettensaft-Seemann, nun kannst du mich heimwärts bringen.“ Doch als wir ihre Türe erreichten, da sprach sie zu mir – Und hinweg, du Santee, meine liebe Annie! Oh, ihr New Yorker Mädchen, könnt ihr nicht die Polka tanzen! --Walking Down the Broadway.

Mayo wurde umgehend informiert, dass Kapitän Downs und die Mannschaft der Alden in Sicherheit seien.

„Er hat unser Signalfeuer gesehen, seinen Motor zum Laufen gebracht und die Bucht mit einem glücklichen Stoß erreicht“, erklärte der Kapitän der Küstenstation. „Aber er hätte nicht gedacht, dass er Sie Leute jemals wiedersehen würde. Wie kam es, dass er mir nicht gesagt hat, dass eine Frau an Bord war?“

„Das müssen Sie ihn fragen.“

„Wer ist sie?“

„Das müssen Sie ihn auch fragen. Ich bin nur ein Seemann.“

Der Kapitän musterte ihn mit erheblichem Argwohn: Sein Hemd war zerrissen und seine weiße Haut wurde sichtbar. Das Durchnässtwerden durch Regen und Gischt hatte sein Verkleidungsspiel zunichtegemacht; der größte Teil der Farbe war abgewaschen worden.

„Haben Sie etwas Besonderes über sich selbst zu sagen?“

„Nein, mein Herr.“

Der Kapitän wandte seinen Männern den Rücken zu und beugte sich nahe zu Mayo. „Sie hatten in dieser Woche Ihr Bild in der Zeitung“, sagte er. „Sie sind der Kapitän, den sie in diesem Montana-Fall suchen. Sie sind hinter Ihnen her. Ich muss Bericht über diese Sache erstatten, verstehen Sie!“

„Sehr wohl, Kapitän.“

„Aber ich denke, wir werden das alles besprechen, nachdem wir die Station erreicht haben“, sagte der Leiter freundlich. „Vielleicht steckt etwas dahinter, das ich nicht verstehe.“

„Da steckt eine ganze Menge dahinter, die ich selbst im Augenblick nicht verstehe, aber ich werde es herausfinden“, erklärte Kapitän Mayo.

Sie brachten Alma Marston in die Obhut der Frau des Stationskapitäns, sobald sie sicher am Ufer in der Bucht waren. Der glückliche Zufall hatte die Frau an jenem Tag zu einem Besuch bei ihrem Mann zur Station geführt.

Kapitän Downs, gesättigt und gewärmt, beobachtete die Neuankömmlinge, wie sie neben dem Küchenherd aßen, und lauschte der Geschichte, die Mayo für ihn hatte.

Die zerzauste Katze schleckte Milch, geschützt vor der missgünstigen Eifersucht des ständigen felinen Anhängsels der Station durch den einäugigen Koch.

Und danach, unter vier Augen mit Kapitän Downs und dem Stationskapitän, ging Mayo seinen Fall durch.

„Ich muss sagen, Sie scheinen in verdammt trübem Wasser ziemlich fest auf Grund gelaufen zu sein“, kommentierte der Küstenwachenkapitän. „Es ist nicht mein spezielles Geschäft – aber was haben Sie vor zu tun?“

„Nach New York gehen und die Strafe hinnehmen, die sie mir aufbrummen werden, nehme ich an. Ich hätte dort bleiben und mich der Musik stellen sollen. Ich habe mich durch die Flucht in eine schlechte Lage gebracht. Aber ich war durcheinander.“

„Die Besten von uns geraten durcheinander“, sagte der Gastgeber tröstend. „Ich bin kein Polizist, Sheriff oder Detektiv, Kumpel. Ich werde diesen Fall als Kapitän Downs und so und so viele Seelen, die von dem Schoner Alden gerettet wurden, melden. Sie sollten besser in die Stadt trotten und ihnen entgegentreten, wie ein Mann es tun sollte. Ich werde Sie mit einigen meiner Kleider ausstatten. Ihr alter Freund, Wass, meinte es gut damit, Sie wegzuschicken, aber ich habe immer festgestellt, dass man in einem Kampf unter Männern nicht viel ausrichten kann, es sei denn, man ist nah genug am anderen Kerl, um ihn zu schlagen, wenn er nach einem greift.“

Eine halbe Stunde später, in dem Ausgangsanzug des Küstenwachenkapitäns präsentabel gemacht, ging Mayo durch die Küche. Bradish und der Koch waren noch immer vor dem Herd.

Die Frau des Kapitäns, die in einer Tür stand, die zu einem inneren Raum führte, hob einen Finger, um dem jungen Mann ein Signal zu geben, und nickte dann mit dem Kopf als Einladung. „Die junge Dame möchte Sie sehen, mein Herr“, teilte sie ihm flüsternd mit, als er an ihre Seite trat. „Gehen Sie hinein!“ Sie schloss die Tür hinter ihm und blieb in der Küche.

Er stand in der Mitte des Raumes und starrte das Mädchen für einige Zeit an, und keiner von ihnen sprach. Sie war in Decken gehüllt und in einen großen Stuhl gekauert; ihr Gesicht war bleich und ihre Augen zeigten ihre Erschöpfung. Doch ihre Stimme war fest und ernst, als sie ihn ansprach.

„Kapitän Mayo, was ich Ihnen sagen werde, wird sehr seltsam klingen. Sagen Sie mir, dass Sie mir so zuhören werden, wie Sie einem Mann zuhören würden.“

„Ich fürchte –“, stammelte er.

„Es ist zu schade, dass Mann und Frau selten auf der Ebene zusammenkommen können, auf der Mann und Mann sich begegnen. Aber ich möchte im Augenblick nicht als Mädchen betrachtet werden. Ich bin ein menschliches Wesen, und Sie sind ein anderes, und ich schulde Ihnen etwas, das bezahlt werden muss, sonst werde ich durch eine Schuld entehrt sein, die mich mein ganzes Leben lang quälen wird.“ Sie streckte ihre Hände aus und verschränkte die Finger in flehender Geste. „Verstehen Sie mich – helfen Sie mir!“

Er war unbehaglich. Er fürchtete mit ganzer Seele, dem einen großen Thema zu begegnen.

„Als wir dachten, wir würden sterben, sagte ich Ihnen, es sei, als hätte ich in wenigen Stunden ein ganzes Leben gelebt – dass ich mir selbst nicht wie dieselbe Person vorkam, als ich in meine Gedanken blickte. Kapitän Mayo, das ist wahr. Es ist mir jetzt deutlicher, nachdem ich Zeit hatte, meine Seele zu erforschen. Oh, ich bin nicht die Alma Marston, die verwöhnt und verhätschelt wurde – eine Närrin, die mit jedem Impuls hierhin und dorthin springt – die zusieht, wie ein Mädchen in meinem Kreis etwas Dummes tut, und dann etwas noch Dümmeres tut, nur um sie in Erstaunen zu versetzen. Das war unser Leben in der Stadt. Ich wusste nie, was es bedeutete, ein bloßes menschliches Wesen zu sein, dem Tode nahe. Sie wissen, dass Sie mich vor diesem Tod gerettet haben!“

„Ich habe nur getan, was ein Mann tun sollte, Miss Marston.“

„Vielleicht. Aber Sie haben es getan, das ist der Punkt. Es gibt andere Männer –“, sie zögerte. „Ich hatte ein Gespräch mit Mr. Bradish“, sagte sie ihm. „Es war ein Fehler. Sie haben mich vor diesem Fehler bewahrt. Sie haben es in der Kajüte des Schoners getan. Er hat es mir gesagt. Es war besser für mich, als mein Leben zu retten.“

„Aber nur weil ein Mann kein Seemann ist – nicht an Gefahr gewöhnt ist –“, wandte er ein.

„Das ist es nicht. Ich sage, ich hatte gerade ein Gespräch mit Mr. Bradish! Ich habe genau herausgefunden, was er ist. Ich habe es nicht herausgefunden, als ich mit ihm tanzte. Aber jetzt, da ich dem Sterben mit ihm nahe war, habe ich ihn durchschaut.“ Die roten Banner auf ihren Wangen signalisierten sowohl Scham als auch Empörung. „Ein Feigling wird sein ganzes Wesen offenbaren, bevor er sich wieder im Griff hat, und Mr. Bradish hat mir gezeigt, dass er bereit ist, mich in den Ruin und in die Schande zu stürzen, um Profit für sich selbst zu machen. Und es gibt nichts weiter über ihn zu sagen!“ Sie hielt inne.

„Kapitän Mayo, ich weiß, welche Vorstellung Sie von mir haben müssen – von einem Mädchen, das das getan hätte, was ich getan habe! Aber Sie haben nicht halb so viel Verachtung für mich wie ich für mich selbst – für das Mädchen, das ich war. Aber ich habe jetzt meine Selbstachtung! Ich respektiere die Frau, die ich in diesem Moment nach dieser Erfahrung bin! Vielleicht verstehen Sie das nicht. Ich tue es! Ich bin froh, dass ich diese Selbstachtung habe. Ich werde dem entgegentreten, was vor mir liegt. Ich werde von nun an das Rechte tun.“ Sie sprach schnell und leidenschaftlich, und er wollte etwas sagen, aber seine Seemannszunge stockte. „Ich werde eine gewisse Angelegenheit nicht zur Sprache bringen – nicht jetzt! Es ist zu heilig. Ich schäme mich zu sehr! Noch einmal, Kapitän Mayo, sage ich, dass ich als Mann zu Mann zu Ihnen stehen möchte! Ich möchte einen Dienst erweisen für das, was Sie für mich getan haben. Sie haben alles in Ihrem Leben verloren, was Ihnen wichtig ist. Ich möchte, dass Sie es zurückbekommen. Wollen Sie mir jetzt zuhören?“

„Ja, Miss Marston.“

„Sie gehen mit einem Brief von mir zu meinem Vater. Ich glaube nicht, dass er weiß, welche Art von Methoden seine Untergebenen praktiziert haben, aber er kann es herausfinden. Sie sagen ihm, dass er es herausfinden muss – dass er sie zum Geständnis zwingen muss. Sie sagen ihm, dass dies ein Kampf unter Männern ist und dass Sie mit aller Stärke, die Sie aufbieten können, zurückschlagen. Sie sagen ihm, dass Sie mich versteckt halten und dass ich nicht entkommen kann – wie mein eigener Brief ihm sagen wird. Sie sagen ihm, dass er einen fairen Austausch mit Ihnen machen muss – Ihnen zurückgeben, was Ihnen gehört, bevor er das haben kann, was sein ist.“

Mayo wich schlapp zurück, tastete mit seinen Händen hinter sich nach der Wand und lehnte sich dagegen.

„Sie sind auf sich allein gestellt – es ist ein großes Spiel, das sie oben in der Stadt spielen, wenn sie hinter Geld her sind – und Sie müssen die Karten nehmen, die Ihnen geboten werden“, bestand sie darauf und zeigte den Scharfsinn der Marston-Natur.

„Sie wollen damit sagen, dass ich zu Ihrem Vater gehe, als würde ich Sie als Lösegeld festhalten?“, keuchte er.

„So etwas in der Art“, erwiderte sie eifrig. „Der einzige Weg, wie Sie bekommen, was Sie wollen – und das schnell –, ist ein guter Bluff. Ich habe einige gute Beispiele Ihres Mutes gehabt, Kapitän Mayo. Sie können es wunderbar machen.“

„Aber ich werde es nicht tun!“

„Ich sage, Sie werden!“

„Nicht bei einer –“, seine Gefühle gingen mit ihm durch. Er vergaß, dass er es mit einem impulsiven Mädchen zu tun hatte. Sein Zorn stieg. Sie rückte ihn in die Nähe eines Gauners.

„Nur zu, reden Sie so scharf, wie Sie wollen, Kapitän Mayo. Das wird es wie Männersache zwischen uns erscheinen lassen.“

„Solche Tricks mögen an der Wall Street in Ordnung sein, aber bei mir ziehen sie nicht. Und Sie haben eine ziemlich schlechte Meinung von mir, wenn Sie glauben, dass ich das tun werde.“

„Seien Sie nicht quixotisch“, protestierte sie ungeduldig. „Wir leben in modernen Zeiten, Kapitän Mayo. Einige dieser Untergebenen haben Ihnen einen üblen Streich gespielt. Sie müssen entlarvt werden.“

„Das ist die verrückte Vorstellung eines Mädchens!“

„Kapitän Mayo, ist das die Art, wie Sie mir helfen, meine Schuld zu begleichen?“

„Sie schulden mir gar nichts.“

„Und jetzt beleidigen Sie mich! Sind meine Ehre als Mädchen und mein Leben nichts wert? Sie haben beides gerettet.“

„Ich weiß nicht, wie ich mit Ihnen reden soll. Ich hatte noch keine Erfahrung darin, mit Frauen zu reden. Ich sage einfach, dass ich nicht auf eine solche Weise zu Ihrem Vater gehe. Ganz sicher nicht!“

„Begreifen Sie denn nicht, was ich Ihnen angeboten habe?“, flehte sie. „Sie werfen mir mein Opfer ins Gesicht. So wie der Fall jetzt liegt, kann ich mich zum Haus einer Freundin beeilen und mir eine kleine Geschichte über einen törichten Streich ausdenken, und mein Vater wird nie erfahren, was geschehen ist. Er erwartet, dass ich eine Menge alberner Dinge tue.“

„Das ist Ihre Angelegenheit – und die seines Vaters“, erwiderte er trocken.

„Kapitän Mayo, ich habe versucht, Ihnen zu zeigen, dass ich dazu tauge, für etwas anderes gehalten zu werden als für ein albernes Mädchen. Ich wollte, dass Sie wissen, dass ich ein Pflichtgefühl habe. Der Plan mag wie die romantische Vorstellung eines Mädchens wirken. Aber das ist er nicht. Er ist mutig, und Ihr Fall erfordert Mut. Ich habe versucht Ihnen zu zeigen, dass ich keine Feigin bin. Ich wollte meinem Vater gestehen, was ich getan habe, und auf gleicher Ebene mit ihm beginnen. Sie werfen mir alles ins Gesicht – Sie beleidigen meinen Plan, indem Sie ihn verrückt nennen.“

„Das ist er“, beharrte er stur. „Und ich stecke schon tief genug im Schlamassel!“

„Oh, Sie haben also Angst?“

Er runzelte die Stirn. Ihr Hohn schien eine unbegründete Verletzung zu sein.

Er verstand jene Art von weiblicher List nicht, die darauf abzielt, jemanden zum Handeln anzustacheln, der sich weigert, sich führen zu lassen.

„Ich bewundere Mut bei einem Mann, wenn sein Fall verzweifelt ist und er versucht, sich selbst zu retten. Ich habe unter Männern gelebt, die mutig sind, wenn es darum geht, zu bekommen, was sie wollen.“

„Ich habe ein wenig Erfahrung mit dieser Art von Landpiraten, und ich mag das System nicht.“

„Ich werde keine unnötigen Opfer bringen“, erklärte sie scharf, doch in ihren Augen waren Tränen. „Ich habe getan, was ich konnte, um Ihnen zu helfen, als Sie versuchten, mich zu retten. Warum sind Sie so ungroßzügig, mir jetzt die Hilfe zu verweigern?“

„Es ist eine Ausnutzung von Ihnen – Ihrer Position.“

„Aber ich biete es an – ich flehe Sie an, es zu tun.“

„Ich werde es nicht tun.“

„Sie weigern sich absolut?“

„Ja, Miss Marston.“

„Dann überlasse ich Sie Ihrem Schicksal, Kapitän Mayo. Sie erwarten doch nicht von mir, dass ich mit der Geschichte zu meinem Vater gehe, oder?“

„Ganz sicher nicht.“

„Ich werde nun weitermachen und mich so gut schützen, wie ich kann. Ich bin sicher, dass Kapitän Downs mein Geheimnis bewahren wird. Ich werde vergessen, dass ich jemals auf diesem Schoner gesegelt bin. Ich nehme an, Sie werden sich wieder schwarz anmalen und weglaufen!“

„Ich werde nach New York gehen.“

„Um ins Gefängnis gesteckt zu werden?“

„Wahrscheinlich.“

„Sie machen mich sehr wütend. Nachdem Sie gezeigt haben, dass Sie kämpfen können, ziehen Sie sich, gerade wenn Sie am härtesten kämpfen sollten, zurück, um sich verprügeln zu lassen.“

„Ja, Miss Marston, wenn Sie es so ausdrücken möchten.“

„Dann, auf Wiedersehen!“

„Auf Wiedersehen!“

Vielleicht erwartete jeder von ihnen, dass der andere in diesem Moment des Abschieds die Mauer der Zurückhaltung durchbrechen würde. Er zögerte einen Moment – einen unbeholfenen Augenblick –, dann verbeugte er sich und verließ den Raum.

Kapitän Downs ging ein Stück weit mit Mayo über die Sanddünen, als dieser sich auf den Weg zum nächsten Bahnhof machte. Der Kapitän beabsichtigte, in der Bucht zu bleiben, bis ein Vertreter der Besitzer der Alden eintraf.

Sie ließen Bradish immer noch zusammengekauert hinter dem Ofen in der Küche zurück.

„Wenn meine Augen mich nicht getäuscht haben, Kapitän Mayo, dann ist meine Vorstellung, dass der Dandy seine Zeit verschwendet, wenn er weiter um dieses Mädchen herumhängt“, schlug Kapitän Downs vor. „Sie hat ihn auf die Helling der Liebe gezogen, hat eine ordentliche Begutachtung vorgenommen und beschlossen, dass sie es hassen würde, mit ihm auf dem Meer der Ehe zu segeln. Glauben Sie nicht auch, dass das so ist?“

„Ich denke, Sie sind ein guter Richter dessen, was Sie sehen, Kapitän Downs.“

„Ich nehme an, dass Sie und ich als Gentlemans und Kapitän zur See darüber schweigen werden, dass sie an Bord der Alden war?“

„Ganz sicher, mein Herr.“

„Die Küstenwachenmannschaft weiß nicht, wer sie ist, und sie kann es nicht herausfinden. Also kann sie nach Hause gehen und sich von nun an um ihre eigenen Dinge kümmern. Fast jede Frau tut einmal eine verflucht dumme Sache in ihrem Leben – und ist danach für immer in Ordnung. Aber jetzt ein Wort zu einem Thema, das vernünftig ist! Was werden Sie tun?“

„Meinen Kopf in die Schlinge stecken. Das ist so ziemlich das Einzige, was ich tun kann.“

„Aber Sie werden ihnen schon die Meinung sagen, natürlich?“

„Ich werde die wenigen Karten, die ich halte, so gut spielen, wie ich kann, mein Herr. Das Beste, auf das ich hoffen kann, ist, dass sie diesen Fall wegen fahrlässiger Tötung fallen lassen. Vielleicht kann ich genug sagen, damit sie Angst bekommen, mich vor Gericht zu stellen. Was die Rückgabe meiner Papiere betrifft, fürchte ich, dass das außer Frage steht. Ich werde mein Leben mit etwas anderem von vorn beginnen müssen.“

„Mayo, warum gehen Sie nicht zum Büro des Kapitäns?“ Er beantwortete prompt den fragenden Blick des jungen Mannes. „Julius Marston selbst ist der oberste Chef dieses Dampfschiff-Konsolidierungsgeschäfts. Bradish hat all das verraten, als er von diesen Schecks erzählte; obwohl wir natürlich alle vorher von Marston wussten. Es ist wahrscheinlich, dass Marston seinen Untergebenen den wahren Kurs vorgibt. Wenn sie zwischen den Bojen Abkürzungen nehmen, um schnell ans Ziel zu kommen, wette ich, dass er nichts davon weiß. Gehen Sie zu ihm und erzählen Sie ihm, von Mann zu Mann, was Ihnen widerfahren ist.“

„Es gibt zwei Gründe, warum ich Mr. Marston wahrscheinlich niemals sehen werde“, erwiderte Mayo grimmig. „Erstens werde ich verhaftet, bevor ich quer durch New York zu seinem Büro gelangen kann; zweitens werde ich nie weiter als bis zum Vorzimmer kommen. Er wird bewacht wie der Zar von Russland, wie man mir sagt.“

„Weiß sein Mädchen etwas von Ihrem Fall?“

„Ich habe es ihr ausgeplaudert – wie ein Narr –, als wir im Boot waren. Warum ist es so, dass ein Mann, wenn er betrunken oder aufgeregt oder in Schwierigkeiten ist, einer Frau die ganze Geschichte seines Lebens erzählt?“, knurrte Mayo.

„Ich habe selbst schon ein wenig darüber nachgedacht“, gab Kapitän Downs zu. „Besonders bei Gelegenheiten, bei denen ich wieder zu mir gekommen bin und realisiert habe, was ich alles ausgeplaudert habe. Ich nehme an, es ist so ungefähr dies: Ein Mann erzählt seine Sorgen nicht einem anderen Mann, weil er weiß, dass der andere Mann insgeheim meist froh darüber ist, weil irgendein Freund in Schwierigkeiten steckt. Aber das Mitgefühl einer Frau ist wie ein Leinsamen-Umschlag – es lindert den Schmerz und zieht gleichzeitig.“

Mayo trottete schweigend weiter und trat in den Sand.

„Es scheint mir, das Mindeste, was das Mädchen hätte tun können, war, Ihnen anzubieten, Ihnen eine Anhörung bei ihrem alten Herrn zu verschaffen. Das war eine ziemliche Arbeit, die Sie für sie erledigt haben, Kumpel!“

„Ich musste mich selbst retten. Ein paar mehr in der Gruppe spielten keine Rolle.“

„Diese Gesellschaftsmädchen denken natürlich zuerst an sich selbst! Ich nehme nicht an, dass Sie sich einen Deut um meinen Rat scheren, Kapitän Mayo, aber ich spreche zu Ihnen im besten Geiste der Welt.“

„Ich weiß, dass Sie das tun, Kapitän Downs“, erklärte der junge Mann, wobei seine Griesgrämigkeit wich. „Ich wollte Ihnen nicht die Borsten zeigen! Ich werde versuchen, Marston zu sehen. Es wird ein hartes Stück Arbeit. Aber ich bin in der Stimmung, alles zu versuchen. Beim Kuckuck! Wenn sie mich ins Gefängnis schleppen, werde ich mich wehren!“

„Das ist die richtige Einstellung, Junge. Und wenn du ein paar Tritte anbringen kannst, wo Julius Marston sie sehen kann, dann mögen sie vielleicht zählen. Er ist der Boss! Ich glaube nicht, dass ich noch weiter mit dir gehe. Das ist ein zu harter Boden für einen alten Watschelgänger wie mich. Viel Glück!“

Sie schüttelten einander die Hände und kehrten sich den Rücken zu, mit der für Seeleute typischen Unterdrückung von Gefühlen.

Der junge Mann setzte seinen Weg fort und fragte sich in betäubter Verzweiflung, wie er Alma Marston mit bloß einem knappen Abschiedswort hatte zurücklassen können.

Mayo lungerte an jenem Abend in den Außenbezirken von Jersey City herum und erreichte die Metropole nach Mitternacht auf einem Fährschiff, das nur wenige Passagiere beförderte und ihm eine dunkle Ecke bot, in der er allein war. Er fand eine Unterkunft in bescheidenen Räumlichkeiten auf der East Side.

Am Morgen nahm er all seinen Mut zusammen für die Tortur, auf die Straße zu treten. Sein Glaube an seine eigene Unschuld ließ sein Leiden nur noch größer werden, während er auf das Klatschen einer schweren Hand auf seiner Schulter und die Vorladung durch die Stimme eines Beamten wartete. Er wusste, dass die Augen von Uncle Sam scharf sind und seine Arme lang. Er hegte einen festen Glauben an die beinahe unheimliche Wachsamkeit der Regierungsbeamten. Er war ziemlich überrascht, sich schließlich im Vorzimmer von Marston & Waller wiederzufinden.

Er setzte sich auf eine Bank und wartete eine Weile, um seine Selbstbeherrschung zurückzugewinnen. Er wollte Gesichtszüge und Stimme unter Kontrolle haben, bevor er einen der Wächter des Magnaten ansprach. Doch die Spionage der Angestellten erlaubte es Herumtreibern nicht, lange ohne Erklärung an diesem Ort zu verweilen. Ein Mann kam auf Zehenspitzen zu ihm und fragte nach seinem Namen und seinem Anliegen.

„Mein Name spielt keine Rolle“, sagte Mayo. „Aber ich habe ein wichtiges Geschäft mit Herrn Marston. Wenn Sie ihm sagen würden, dass das Geschäft von höchster Wichtigkeit ist – dass es etwas ist, das er wissen sollte, und dass –“

„Sie haben also keinen Termin?“

„Nein.“

„Glauben Sie auch nur für einen Moment, dass Sie zu Herrn Marston vorgelassen werden, ohne Ihren Namen zu nennen und vorher den Grund Ihres Besuchs zu erklären?“

„Ich hatte es gehofft, denn es ist wichtig.“

„Worum geht es?“

„Es ist privat – es ist etwas für Herrn Marston.“

„Unmöglich!“, war die knappe Antwort des Mannes. Er kehrte an seinen Platz zurück. Nach wenigen Augenblicken kam er zu Mayo zurück. „Sie dürfen hier nicht bleiben. Sie können Herrn Marston nicht sprechen.“

„Wollen Sie nicht eine Nachricht von mir hineinbringen? Ich werde erklären –“

„Erklären Sie es mir. Dafür bin ich da.“

Diesem kaltblütigen Menschen zu sagen, dass dieser Besucher der gestürzte Kapitän der Montana sei, war ausgeschlossen. Den Fall der Montana vor diesem Wachhund zu erwähnen, war gefährlich. Doch Mayo scheute davor zurück, wieder auf die Straße zu gehen.

„Ich werde noch eine Weile hier bleiben und vielleicht kann ich –“, begann er.

„Wenn Sie hier bleiben, ohne Ihr Anliegen zu erklären, werde ich Sie von einem Beamten auf die Straße begleiten lassen, mein Freund.“

Mayo stand auf und eilte hinaus.

„Ein Beamter!“ Selbst bei seinem verzweifelten und unschuldigen Versuch, Gehör zu finden, wurde ihm mit Verhaftung gedroht! Er schlich zurück zu seiner Unterkunft, versteckte sich in dem verwahrlosten Zimmer und pflegte das Elend seiner Seele.

In jener Nacht saß Mayo bis spät auf und arbeitete an einem Brief an Julius Marston.

Er schickte ihn in aller Frühe per Bote ab, fasste am Vormittag seinen Mut zusammen und folgte persönlich. Er legte eine Kühnheit an den Tag, die er in seinem vor Angst beben den Herzen nicht spürte, als er sich dem Wächter des Vorzimmers näherte.

„Wollen Sie Herrn Marston fragen, ob er den Mann empfangen will, der ihm heute Morgen einen Brief per Bote geschickt hat?“ „Welchen Brief? Mit welchem Namen unterzeichnet?“ „Er wird verstehen, welchen Brief ich meine.“ „Das wird er, nicht wahr?“ Der Angestellte musterte den Bittsteller scharf. Die Alltagskleidung des Küstenwachkapitäns war nicht beeindruckend und saß auch nicht besonders gut. Mayo zeigte die Verlegenheit eines Mannes, der wusste, dass er gejagt wurde. „Glauben Sie, Herr Marston erhält nur einen Brief pro Vormittag per Bote? Hören Sie mal, mein Guter, Sie waren gestern schon hier, und ich halte Sie für ein verdächtiges Individuum. Sie können Herrn Marston nicht unter einem solchen Vorwand sprechen. Verschwinden Sie in einer Minute aus dieser Tür, oder ich rufe die Polizei!“

Und ein weiteres Mal floh Mayo vor der Gefahr, die ihm drohte. Er kaufte an einem Zeitungsstand am Gehweg einen Stapel Zeitungen; seine einsamen Stunden in seinem kleinen Zimmer am Tag zuvor hatten ihn seelisch gequält. Er setzte sich und las sie. Die Nachricht, dass die Vose-Linie in den Dampfschiff-Verbund aufgenommen worden war, war interessant und bedeutsam. Offensichtlich hatte die Stilllegung der Montana die Masse der Aktionäre entmutigt. Er hatte Zeit totzuschlagen und Gedanken zu unterdrücken; er las gewissenhaft weiter, verweilte bei Angelegenheiten, für die er sich nicht interessierte, und bemühte sich, seinen Geist zu beschäftigen und die bitteren Erinnerungen und seine Ängste von sich fernzuhalten. Noch nie in seinem Leben zuvor hatte er den Klatsch über die feine Gesellschaft in den Zeitungen gelesen. Doch während er sich durch die Spalten kämpfte, fand er einen Absatz, bei dem er lange verweilte. Es stand darin, dass Miss Marston aus der Fifth Avenue mit dem Auto von einer Gesellschaft aus den Catskills zurückgekehrt sei, in Begleitung von Miss Lana Vanadistine, die für einige Tage ein Gast im Hause von Miss Marston sein würde.

Diese Nachricht war bedeutsam. Sie hatte ihr Alibi etabliert; sie hatte sich rehabilitiert und der Welt ein glattes Gesicht gezeigt.

Mayo war in seiner Seele sicher, dass er ihre Art kannte. Seine Illusionen schwanden. Jetzt, da ihr tragisches Erlebnis hinter ihr lag, jetzt, da sie wieder unter den Ihren war, jetzt, da die Inbrunst der Romanze abgekühlt war, dankte sie Gott, so sagte er sich, dass sie sich nicht für irgendwen aufgeopfert hatte. Er war aufrichtig froh, dass sie zu Hause war, froh über den Hinweis, den der Absatz gab – dass ihr Geheimnis, was die Familie und die soziale Welt betraf, ihr eigenes geblieben war.

In jener Nacht hielt Mayo weiter Rat mit sich selbst. Am Morgen war seine endgültige Entscheidung gefallen. Er würde noch einmal versuchen, Julius Marston zu sehen. Er beschloss, in das Vorzimmer zu marschieren, mutig seinen Namen anzukündigen, zu behaupten, er sei da, um ein Verbrechen aufzudecken, und ihnen zu sagen, dass er, falls Herr Marston sich weigere, ihn anzuhören, der Öffentlichkeit durch die Zeitungen mitteilen würde, was er wisse; dann würde er sie bitten, die Polizei zu rufen, falls die Tür zu Marstons Büro ihm verschlossen bliebe. Er würde durch den ganzen Aufruhr, den er machen konnte, die Aufmerksamkeit auf sich und seinen Fall lenken. Wenn er ins Gefängnis ging, dann würde er mit vielen Leuten gehen, die zusahen. Sollen Marston und seine Finanzkollegen doch sehen, wie ihnen das gefällt!

Es war ein verzweifelter und naiver Plan, aber Mayo war kein Diplomat – er war ein Seemann.

Er marschierte mit erhobenem Kinn und flammender Entschlossenheit auf seiner Mission los.

Andere Männer, wohlhabend aussehende und rundliche Männer, fuhren mit ihm im Aufzug nach oben und gingen vor ihm in das Büro von Marston & Waller, denn er war bescheiden zur Seite getreten, um sie vorbeizulassen.

Er hörte etwas von einer „Vorstandssitzung“ reden. Es war klar, dass Herr Marston für eine Weile beschäftigt sein würde. Dies war kein günstiger Moment, um sich der Aufmerksamkeit des Finanzmagnaten aufzudrängen; er brauchte ein freies Feld. Deshalb schritt er den Korridor des Bürogebäudes auf und ab, beobachtete die Aufzugtür und wartete darauf, die rundlichen Herren ihres Weges ziehen zu sehen. Und während seine Aufmerksamkeit so fokussiert war, sah er Miss Alma Marston ankommen.

Sie wartete, bis der Aufzug weitergefahren war, und dann kam sie direkt auf ihn zu. Ihr Ausdruck verriet ihre Stimmung nicht, außer dass er andeutete, dass sie gefasst war.

„Ich bin nicht sonderlich überrascht, Sie hier zu finden“, sagte sie ihm. „Ich glaube, Sie haben Kapitän Downs gesagt – so hat er es mir mitgeteilt –, dass Sie versuchen würden, meinen Vater zu sprechen. Und Männer, die versuchen, meinen Vater ohne ordentliche Empfehlung zu sprechen, vertreten sich normalerweise tagelang die Beine vor seinem Büro.“

Ein wenig Hochmut lag in ihrer Stimme. Sie bewahrte viel von der Schärfe, die ihr Gebaren geprägt hatte, als sie einander Lebewohl gesagt hatten. Er wollte sich nicht eingestehen, dass er gehofft hatte, sie würde ihm auf einer anderen Ebene begegnen; er nahm ihre Haltung demütig als die angemessene hin. Er war ein Seemann, und sie war die Tochter von Julius Marston.

„Werden Sie mir vor, dass ich misstrauisch bin in Bezug auf das, was Sie meinem Vater sagen wollen?“, verlangte sie zu wissen. „Ich sage Ihnen offen, dass ich hierher gekommen bin, um Sie zu suchen. Wir müssen unsere Angelegenheit regeln.“

„Ich versuche, ihn wegen meiner eigenen Sache zu sprechen – einfach wegen meiner eigenen Sache, Miss Marston.“

„Aber was mich betrifft! Was werden Sie ihm über mich sagen? Sie erinnern sich, dass ich Ihnen sagte, ich beabsichtige, mich selbst zu schützen“, erklärte sie mit einer gewissen Unverschämtheit.

„Ich dachte, Sie hätten eine bessere Meinung von mir“, protestierte er. „Miss Marston, was mich betrifft, Sie waren niemals auf diesem Schoner. Ich weiß nichts über Sie. Ich kenne Sie nicht einmal. Verstehen Sie?“

Er wollte hastig weggehen. „Bleiben Sie nicht hier. Sprechen Sie nicht mit mir. Jemand könnte Sie sehen.“

„Kommen Sie zurück!“

Er blieb stehen.

„Ich verlange ein ausdrückliches Versprechen von Ihnen, dass Sie, wenn Sie mit meinem Vater sprechen können, niemals meinen Namen vor ihm erwähnen oder versuchen, den schrecklichen Fehler, den ich begangen habe, auszunutzen.“

„Ich verspreche es, bei meiner Ehre“, sagte er und richtete sich auf.

„Danke, mein Herr.“

„Und jetzt, da ich es versprochen habe“, fügte er hinzu, während seine gebräunten Wangen röteten, „möchte ich Ihnen sagen, Miss Marston, dass Sie mich grundlos beleidigt haben. Ich nehme an, ich bin nicht gerade die Art von Gentleman, wie Sie sie in der Gesellschaft treffen. Ich bin nur ein Seemann. Aber ich bin weder ein Verleumder noch ein Erpresser. Ich weiß, was in Bezug auf eine Frau anständig ist, und ich hätte es getan, ohne dass man mich unter Eid hätte nehmen müssen.“ Er verneigte sich und ging davon.

Sie blickte ihm nach, ein seltsames Funkeln in ihren Augen. „Wir werden sehen, was es mit dir auf sich hat, du großes Kind!“, murmelte sie.

Sie betrat das Wartezimmer der Suite von Marston & Waller und wurde informiert, dass ihr Vater mit einer Vorstandssitzung beschäftigt sei.

„Aber es ist nur ein wenig Routinearbeit. Es wird bald vorüber sein, Miss Marston – wenn Sie so gut wären, zu warten.“

Nach einer Weile zogen die Herren hinaus, aber sie wartete weiter.

„Sagen Sie meinem Vater, dass ich hier bin und gleich hineinkommen werde“, befahl sie dem Wächter.

Bevor der Bote zurückkehrte, kam Mayo herein, ziemlich besorgt. Er versuchte ihr auszuweichen, doch sie trat ihm von Angesicht zu Angesicht entgegen und sprach ihn energisch an.

„Nachdem ich Sie nun bei Ihrer Ehre gepackt habe, fürchte ich mich nicht mehr davor, dass Sie Ihr Anliegen mit meinem Vater besprechen. Kommen Sie mit mir. Ich werde Sie zu ihm bringen. Dann werden wir die Rechnung zwischen uns begleichen.“

„Sehr wohl“, willigte er ein. „Nach dem, was ich hier durchgemacht habe, habe ich das Gefühl, dass ein Dienst den anderen wert ist.“ Mayo folgte ihr und trat in die Gegenwart.

Julius Marston war allein, verschanzt hinter seinem Schreibtisch, auf seinem Thron der Geschäfte; die dunkle Rückenlehne des Stuhls, die über seinem Kopf aufragte, hob im Kontrast seine graue Kleidung und sein kaltes Gesicht hervor; auf Mayo, der respektvoll direkt hinter der Tür stehen blieb, wirkte er wie ein Flachrelief vor diesem Hintergrund – etwas Gefühlloses, ohne Ohren zum Zuhören oder Herz, um Mitleid zu gewähren.

Das Mädchen eilte zu ihm und nahm seine Aufmerksamkeit in Anspruch, bis sie sich auf die Armlehne seines Stuhls gesetzt hatte. Dann sah er Mayo, erkannte ihn und wollte aufstehen, aber sie drückte ihn zurück und drängte ihn mit eifriger Bitte.

„Du musst mir zuhören, Vater! Es ist ernst! Es ist wichtig!“

Er tastete nach der Reihe von Schreibtischknöpfen, aber sie hielt seine Hand davon ab.

Kapitän Mayo schritt vorwärts, entschlossen, für sich selbst zu sprechen, kühn geworden durch das mutige Opfer, das das Mädchen brachte.

„Kein Wort! Kein Wort! Diese unerhörte Unverschämtheit!“ Marston wiederholte den letzten Satz mehrmals mit zunehmender Heftigkeit. Er stieß seine Tochter von der Armlehne des Stuhls und kämpfte sich hoch. Nur heldenhafte Maßnahmen konnten diese Situation retten – und das Mädchen kannte ihren Vater! Sie zwängte sich zwischen ihn und seinen Schreibtisch.

„Du solltest besser zuhören!“, warnte sie ihn hysterisch. „Vor ein paar Tagen bin ich davongelaufen, um zu heiraten!“

Er stand da, wie vom Schlag getroffen, und sie legte ihre Hände auf seine Brust und drückte ihn zurück in seinen Stuhl.

„Aber das ist nicht der Mann, Vater!“

Marston hatte seine Stimme für wilde Schmähungen gesammelt, aber diese letzte Aussage raubte ihm jegliche Sprache.

„Ich habe dich gewarnt, dass du besser zuhören solltest!“

In diesem Moment beherrschte sie die Situation so vollständig, als ob sie mit einer brennenden Bombe in der Hand zwischen den beiden Männern stünde.

Mayo war noch überwältigter als der Finanzier. Er erkannte, dass ihre Erpressung eines Versprechens von ihm eine List gewesen war; ihre triumphierenden Augen blitzten mit vollständiger Information zu diesem Punkt. Sowohl Wut als auch Verwirrung machten ihn unfähig, zu diesem Zeitpunkt irgendeinen vernünftigen Versuch zu unternehmen, sein Anliegen bei Marston vorzubringen. Er drehte sich um und ging auf die Tür zu.

„Halte diesen Mann auf, Vater. Du wirst es bereuen, wenn du es nicht tust! Er muss bleiben!“

„Komm zurück!“, schrie Marston.

Mayo blickte zurück.

Der Magnat stand mit dem Finger auf dem Druckknopf. „Komm zurück, sage ich!“

„Ich protestiere. Das geht mich alles nichts an. Ich bin hier, um etwas anderes zu tun, als mir die privaten Angelegenheiten Ihrer Tochter anzuhören.“

„Du kommst zurück!“, befahl der Vater in einem leisen, drohenden Ton, „oder ich lasse dich für die Bundesmarshals festhalten, in dem Moment, in dem du einen Fuß außerhalb dieser Tür setzt.“

Innerlich tobend vor Wut über die Taktik dieses unfassbaren Mädchens, ging Kapitän Mayo langsam zum Schreibtisch; ihm kam der Gedanke, dass es genauso schwer war, aus Julius Marstons Büro herauszukommen, wie hineinzukommen.

„Ich wäre niemals hier hereingekommen, wenn ich geahnt hätte, dass Ihre Tochter Ihnen sagen würde, was sie getan hat. Ich bin in einer falschen Position. Ich bestehe darauf, dass Sie mich gehen lassen.“

„Du wirst gehen, wenn ich der Sache auf den Grund gegangen bin! Nun, Alma, was ist das für eine neue Verrücktheit?“

„Ich widerspreche dem Wort nicht, das du dafür verwendest“, erwiderte sie und trat ihm entschlossen entgegen. „Ich habe es getan – und ich weiß nicht, warum ich es getan habe!“

„Was getan?“

„Ich bin davongelaufen. Ich habe es getan, weil die Mädchen mich herausgefordert haben. Ich habe einem Mann versprochen, ihn zu heiraten.“

„Dieser Mann, was?“

„Nein. Ich habe dir gesagt, dies ist nicht der Mann.“

„Nun, wer dann?“ Ungläubigkeit mischte sich unter den Zorn ihres Vaters.

„Einer deiner jungen Angestellten, denen du vertraust. Herr Ralph Bradish.“

„Wo hast du ihn getroffen?“

„Auf den Tänzen.“

„Nicht in unserem Haus?“

„Ich weiß nicht, warum du dir da so sicher bist, Vater“, erwiderte sie mit einem Anflug von eher wehmütigem Vorwurf in ihrer Stimme. „Du hast mich in diesem Haus allein gelassen, seit Mutter fortgegangen ist. Aber es war nicht in unserem Haus – es war in den öffentlichen Ballsälen.“

„Die Hölle, auf Musik gesetzt!“, fuhr er ihn an. „Ich hätte begreifen sollen, dass du immer noch ein Kind bist!“

„Nein; ich bin heute eine Frau. Ich habe in einer einzigen Nacht auf dem Ozean ein ganzes Leben gelebt. Ich weiß, du hast Grund, dich meiner zu schämen. Aber ich werde dir nie wieder Anlass zur Scham geben. Nun, was wirst du diesem Mann sagen, der mein Leben gerettet hat – der mehr als das getan hat? Er hat mich vor mir selbst bewahrt!“

Marston kniff die Augen zusammen und musterte Mayo. „Ich verstehe diese Sache noch nicht! Die Geschichte klingt nicht richtig.“ Er wandte sich an seine Tochter. „Wie hat dieser Mann dein Leben gerettet? Sei kurz und bündig!“

Er unterbrach sie mitten in ihrer eifrigen Schilderung. Er hatte finster dreingeblickt, während sie sprach, und in Gedanken ins Leere gestarrt.

„Eine Geschichte aus einem Märchenbuch!“, erklärte er ungeduldig, und doch lag ein Hauch von Unaufrichtigkeit in dieser Ungeduld. „Ich würde mich bitterlich für dich schämen, Alma, wenn du so davongelaufen wärst, wie du mich glauben machen willst. Aber –“

„Glaubst du mir nicht?“

„Stille! Aber diese erfundene Geschichte ist zu durchsichtig. Du spielst immer noch die Närrin in Bezug auf diese Person hier. Nun hör mal, mein Guter, Sie sind heute wegen der Montana-Angelegenheit hier. Ist das nicht so?“

„Das ist es, mein Herr.“

„Ich war mir sicher. Wie konnten Sie es wagen, sich in diesen Job einzuschleichen, nachdem ich Sie von der Olenia entlassen hatte?“

„Da war kein Einschleichen dabei! Ich wurde von Herrn Fogg angeheuert und ich –“

„Sie können sicher sein, dass ich nicht wusste, dass Sie an Bord der Montana waren. Aber ich kann mich nicht um alle Details meines Geschäfts kümmern. Sie wissen doch, dass Sie ein Flüchtiger vor der Justiz sind?“

„Ich bin ein Sündenbock für die dreckigen Hunde, die für Sie arbeiten!“

„Das reicht! Ich untersuche diese Angelegenheit jetzt. Setzen Sie sich auf diesen Stuhl!“

Mayo gehorchte, eingelullt von der Zusicherung.

„Alma, du gehst nach Hause!“

„Ich werde hierbleiben, Vater, bis Kapitän Mayo –“

„Ich habe mir alle Lügen angehört, die ich mir anhören werde!“ Diese Erwiderung verblüffte seine beiden Zuhörer. „Ich durchschaue diese Angelegenheit bis auf den Grund. Ich bin erstaunt, dass Sie denken könnten, ein solch albernes Garn würde mich auch nur einen Moment täuschen.“ Er hatte einen der Knöpfe gedrückt. Zu dem Mann, der die Tür öffnete, sagte er: „Sagen Sie Herrn Bradish, dass ich ihn sofort hier sprechen will. Er ist im Büro, nicht wahr?“

„Ja, mein Herr! Ich werde ihn informieren.“

Mayo und das Mädchen tauschten vielsagende Blicke aus; sie hatten Herrn Bradish aus ihren Berechnungen ausgelassen; sie hatten ihn aus ihren Gedanken gestrichen; dass er die Unverschämtheit besessen hatte, wieder in den Büros von Marston & Waller aufzutauchen, war in der Tat eine Nachricht.

Marston nahm das Mädchen am Arm und führte sie zu einer Tür. „Ich sage dir, geh nach Hause!“, rief er wütend und unterband ihre Proteste. „Nein, du gehst durch diese Seitentür. Ich glaube kein Wort von dem, was du mir gesagt hast. Das ist alles ein durchsichtiger Versuch, deine Torheit fortzusetzen. Ich werde von nun an wissen, wie ich auf dich aufzupassen habe!“ Er schloss die Tür hinter ihr ab und verriegelte sie.

„Ich schwöre, das ist alles wahr, mein Herr“, flehte Mayo. „Ich versuche nicht, Sie durch Ihre Tochter zu täuschen. Ich habe nicht verstanden, was sie sagen wollte. Ich will mein Recht als ein Mann, der betrogen und missbraucht wurde –“

Herr Bradish erschien und verneigte sich respektvoll. Er war wieder Teil der glatten Maschinerie der Büros von Marston & Waller. Er war blass, ruhig, gelassen, ein unterdrückter Herr seiner Gefühle, so wie die Angestellten von Julius Marston es gelernt hatten zu sein.

„Haben Sie diesen Mann schon einmal gesehen? Natürlich haben Sie das nicht!“, stichelte der Finanzier.

„Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen, mein Herr.“

„Sicher nicht! Was haben Sie zu der lächerlichen, unsinnigen Geschichte zu sagen, dass Sie versucht hätten, mit meiner Tochter durchzubrennen?“

Nicht durch ein Zucken der Augenlider zeigte der unerschütterliche Hersteller von Millionen-Dollar-Schecks Verwirrung.

„Wenn eine solche Lüge ein Dementi von mir erfordert, so dementiere ich sie aufs Bestimmteste, mein Herr.“

„Du billiger Abtrünniger!“, brüllte der Kapitän.

„Das wird genügen, Herr Bradish!“

Der Angestellte gehorchte der Handbewegung seines Herrn und zog sich schnell zurück.

„Herr Marston“, tobte Mayo, „ich kämpfe für alles, was mir im Leben etwas wert ist. Mein Ruf als Kapitän, meine Chance, durch meine Arbeit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich war ein Narr an Bord Ihrer Yacht! Aus tiefster Seele bereue ich es. Ich werde –“

„Genug! Wagen Sie es nicht, meine eigene Tochter mit mir zu diskutieren!“

„Das habe ich nicht vor, mein Herr. Ich gehe davon aus, dass Sie nicht wissen, was Ihre Handlanger mir angetan haben. Sie sehen nur die Ergebnisse. Aber finden Sie heraus, was in Ihrem Namen getan wird, Herr Marston. Eines Tages wird es schlecht für Sie ausgehen, wenn Sie sie nicht stoppen.“

„Ist das eine Drohung?“

„Es ist nur mein Appell an die Gerechtigkeit. Mein Gott, mein Herr –“

„Es wartet Gerechtigkeit auf Sie.“

„Dann lassen Sie Ihre Marshals rufen. Lassen Sie sie mich vor Gericht zerren! Ihr Mann Bradish hält jetzt den Mund, aber er war schon offen. Ich weiß, was mir angetan wurde. Lassen Sie sie mich in den Zeugenstand rufen. Sie wagen es nicht, mich vor Gericht aussagen zu lassen, was ich weiß.“

„Glauben Sie etwa, ich leite die Bundesgerichte?“

„Sie sollten besser herausfinden, ob Sie Macht haben oder nicht. Es gibt Männer auf dieser Welt, die die wahre Geschichte eines ehrlichen Mannes glauben werden!“

„Guten Tag!“, sagte Herr Marston bezeichnend.

Mayo zögerte, blickte in das ausdruckslose Antlitz des Magnaten, und dann überkam ihn die Überzeugung von der Nutzlosigkeit jedes Arguments. Er ging auf die Tür zu.

„Es lassen sich gewisse vernünftige Dinge tun“, rief Marston ihm nach. „Sie sollten besser aus New York verschwinden. Wenn Sie einen Ort zum Verstecken kennen, sollten Sie sich dorthin begeben.“

Mayo antwortete nicht. Er schritt durch die Büros hinaus, stieg auf die Straße hinab und ging seines Weges.

Er bemerkte nicht, dass ein Automobil ihn durch den tosenden Verkehr der Straßen verfolgte und vor ihm anhielt, als er in eine der ruhigeren Durchgangsstraßen eingebogen war.

Der Wagen stand dicht am Bordstein, und Alma Marston streckte die Hand aus und gab ihm ein Zeichen. „Er hat dir keine Hoffnung gegeben – nichts?“

„Nichts!“

„Ich habe gewartet. Ich hatte daran gedacht, dich zu bitten, mit mir zu kommen, damit wir uns unterhalten können.“

Er schüttelte den Kopf.

„Vielleicht ist es besser so! Es gibt nicht viel zu sagen – nicht jetzt!“ Sie lehnte sich über die Seite des Tonneaus, und das Geklapper des Verkehrs erlaubte ihr zu sprechen, ohne den lauschenden Chauffeur in ihr Vertrauen zu ziehen. „Ich bin deine Gedanken oder dein Vertrauen nach alldem nicht wert, Boyd. Was ich gestern war, bin ich heute nicht mehr; das habe ich dir gesagt. Nein, sag nichts! Ich weiß jetzt, dass ich nur mit der Liebe gespielt habe. Ich kann nicht benennen, was ich jetzt für dich empfinde; ich habe das Wort ‚Liebe‘ in der Vergangenheit zu sehr beleidigt. Ich werde nichts darüber sagen. War es eine Entschuldigung für mich, dass du ein Schiff versenkt hattest, dass du wegen des Tötens von Männern ins Gefängnis gehen würdest, wie die Zeitungen andeuteten? Nein, das war es nicht! Aber ich habe mir erlaubt, es als Entschuldigung für meine Torheit zu benutzen.“

„Du weißt nicht, was Liebe ist“, erklärte er. In der Agonie seiner Erniedrigung hatte er keinen Sinn für sanftere Gefühle. Aber er wagte es nicht, zu ihr aufzublicken.

„Ich wusste es nicht! Aber vielleicht kann ich dir eines Tages zeigen, dass ich es jetzt weiß“, antwortete sie demütig. „Das wird der Tag sein, an dem ich dir die Beweise gegen die Männer geben kann, die versucht haben, dich zu ruinieren. Ich befinde mich im Lager deiner Feinde, Boyd, und ich werde dir diese Beweise liefern – selbst gegen meinen eigenen Vater, wenn er schuldig ist. Das ist alles! Lass uns warten. Aber während du arbeitest, hoffe ich, dass es dir ein wenig Mut gibt zu wissen, dass ich für dich arbeite!“ Sie tätschelte seine Wange. „Fahr weiter!“, rief sie ihrem Fahrer zu. Der Wagen ruckte vorwärts und verschwand zwischen den Streitwagen, die durch das moderne Babylon rasten.

Ohne die Fähigkeit zur Selbstanalyse, ohne in der Lage zu sein, in dieser Krise in die innersten Winkel seiner eigenen Seele einzudringen, trottete er weiter.

Wenig später, seinen Willen in dieser Angelegenheit kaum wahrnehmend, fand er sich in einem Dampfschiffbüro wieder und kaufte eine Fahrkarte. Er kehrte in die Verborgenheit von Maquoit zurück. Doch er war sich vollkommen bewusst, dass er Julius Marstons Anweisung, sich zu verstecken, nicht befolgte. Ein tieferes Gefühl zog ihn an. Er wusste, wo es einfachen Glauben an ihn und Zuneigung für ihn gab, und er sehnte sich nach diesem Trost. Es gab einfache Leute in Maquoit, die ihn willkommen heißen würden.

„Ich werde zurückkehren – ich werde nach Hause gehen“, sagte er. Einst hätte er über den Gedanken gelächelt, dass er die Hue-and-Cry-Kolonie jemals „zu Hause“ nennen würde.

XXVI ~ DIE REISSZÄHNE DES ALTEN RAZEE

Einen Dollar am Tag bekommt der Hoosier für Plag, Niederungen, Niederungen, fort, mein John! Ja, einen Dollar am Tag bekommt der Hoosier für Plag, Mein Dollar und einen halben am Tag. --Altes Pump-Lied.

Bevor Mayo New York verließ, erkundigte er sich in den Büros von Schiffsmaklern und spürte Kapitän Zoradus Wass in dessen Versteck im Aufenthaltsraum eines Schlepperbüros auf. Ihre Unterredung war düster; keiner hatte Trost für den anderen. Mayo war lakonisch in seiner Schilderung der Ereignisse: Er sagte, er sei weggelaufen – und sei zurückgekommen. Von Marston und Marstons Tochter erwähnte er nichts.

„Ich war bei diesem fetten Welpen von Fogg“, erklärte der alte Seefahrer. „Ich habe keine Angst vor ihm. Ich hatte eine gute Ausrede; ich sagte, ich wollte einen Job. Ich habe ihn nicht wissen lassen, dass ich dir geraten habe, die Leinen loszumachen, aber ich hätte bei ihm Eindruck schinden können, indem ich es gesagt hätte. Er schien ziemlich zufrieden damit zu sein, dass du dich aus dem Staub gemacht hast.“

„Kapitän Wass, das ist die Hauptsache, über die ich mit Ihnen sprechen wollte. Hier ist mein Ticket zurück nach Hause. Aber ich habe das Gefühl, ich sollte zum Büro des US-Marshals gehen und mich stellen. Und ich möchte Sie nach den Aussichten fragen, ob ich auf Kaution freikommen kann. Können Sie mir helfen?“

„Ich schätze, wenn ich dich hinter Gittern sähe, würde ich mein Bestes tun, um dich herauszuholen, Sohn. Aber du hältst dich von hier fern, fährst einen geraden Kurs und kümmerst dich um deine eigenen Angelegenheiten! Wenn die Vereinigten Staaten dich wollen, werden sie kommen und dich holen – du brauchst dir keine Sorgen zu machen!“

„Aber ich mache mir Sorgen, Sir! Ich drücke mich auf den Straßen herum. Ich erwarte jeden Augenblick eine Hand auf meiner Schulter zu spüren. Ich ertrage die Anspannung nicht! Ich will nicht, dass irgendjemand denkt, ich sei ein Feigling.“

„Soweit ich durch Herumschnüffeln herausfinden konnte, ist jene Anklage geheim – selbst wenn sie wirklich eingereicht wurde. Und ich bin halb geneigt zu glauben, dass es gar keine Anklage gab! Vielleicht wurden diese Beamten nur ausgesandt, um dich zu fassen und als Zeugen festzuhalten. Fogg hat am meisten davon geredet, dass es eine Anklage gäbe. Wie dem auch sei, wenn sie dich noch nicht wollen, würde ich nicht zu einer Zellentür gehen, Sohn, und schreien und hämmern und darum bitten, eingelassen zu werden. Das Gesetz hat so seine Art, einem Mann das zu geben, wonach er schreit. Geh weg und lass mich für dich hier in der Gegend spähen und lauschen. Ich sammle hier am Wasser ein wenig Zeug. Ich habe in diesen Tagen nicht viel anderes zu tun!“

„Ich schätze, mein erster Instinkt war der richtige, Sir! Ich werde nach Hause fahren. Wenn Sie hören, dass jemand mit einem Abzeichen nach mir fragt, sagen Sie ihm, ich sei auf der Ethel and May beim Fischen.“

„Das ist eine miese Arbeit für dich, Sohn. Aber ich glaube, ich sollte besser nichts darüber sagen, wenn ich bedenke, worauf ich dich da reingelegt habe.“

„Es war nicht Ihre Schuld oder meine, was passiert ist, Sir. Ich jammere nicht!“

„Beim Kuckuck! Ich weiß, das tust du nicht! Aber mach dich bereit zu knurren, wenn die richtige Zeit gekommen ist, und halte deine Zähne gewetzt! Wenn wir an der Reihe sind zuzubeißen, werden wir einen Bulldoggenbiss daraus machen!“ Er betonte die Kraft dieses Griffs bei seinem Abschiedshändedruck.

Doch Mayo dachte nicht mit viel Begeisterung an Kapitän Wass' metaphorische Aufforderung zum Kampf.

Als er nach Maquoit zurückkehrte, entschied der junge Mann, dass er eher wie ein geschlagener Hund sei, der mit hündischer Angst zurückschlich, um seine Wunden im Geheimen zu lecken.

Seine Erfahrungen waren in den letzten Tagen zu schrecklich und zu zahlreich gewesen, als dass er sie hätte trennen und verarbeiten können. Er war wie ein Mann gewesen, der durch einen Sturz benommen – durch einen Schlag gelähmt war. Jetzt machten das qualvolle Kribbeln der Erinnerung und die Verzweiflung seine Gedanken zu einer exquisiten Folter. Er versuchte, Alma Marston aus diesen Gedanken zu verbannen. Er wagte es nicht, zu versuchen, einen Platz für sie im Gefüge seiner Angelegenheiten zu finden. Wie dem auch sei, sie und er waren gemeinsam bis an die Tore des Todes gegangen, und er erkannte, dass diese Erfahrung eine Wirkung auf ihr Wesen gehabt hatte; er glaubte, dass sie auch ihren Charakter entwickelt hatte. Eindringlich war die Erinnerung an ihre Abschiedsworte bei ihm, und er wusste, trotz seiner brutalen und wütenden Versuche, sie zu verurteilen, dass die Liebe nicht tot war und dass die Hoffnung noch lebte.

Er schwang sich eines Nachmittags an Bord der Ethel and May, nachdem er geduldig auf ihre Ankunft mit ihrem Fang gewartet hatte.

„Ich bin zurückgekommen, um mit Ihnen zu fischen, Kapitän Candage, bis meine Probleme bereinigt sind – falls sie das jemals werden.“

Kapitän Candage schwieg und beherrschte einige sichtbare Emotionen.

„Ich bin zurückgekommen, um bei Leuten zu sein, die nicht zu viel über diese Probleme reden“, fügte er düster hinzu.

„Genau“, stimmte der Skipper zu. „Nichts wird jemals dadurch gewonnen, dass man Ärger aufwühlt, nachdem er gut durchgekocht ist. Den Topf zurück über das Feuer stellen, sage ich, und ihn köcheln lassen, bis er von selbst abkühlt. Ich dachte, du würdest zurückkommen.“

„Warum?“

„Nun, ich wusste, dass sie dir deine Papiere abgenommen hatten. Außerdem hat Polly gesagt, dass du zurückkommen würdest.“

„Und warum dachte sie das?“, fragte Mayo mit milderen Tönen.

„Sie hat nicht gesagt warum“, gab Kapitän Candage zu. „Vielleicht sehen Frauen tiefer in die Dinge hinein als Männer.“

„Es fühlt sich an wie nach Hause kommen – nach Hause kommen, wenn ein Mann krank und müde von allem auf der Welt ist, Sir.“

„Ich schätze, meine Polly hatte so etwas im Sinn. Sie hat ein paar Andeutungen gemacht, dass sie hoffte, du würdest kommen und dich von deinen Problemen erholen.“

„Und sie ist wieder bei ihrer Arbeit, nehme ich an?“

„Nein, sie ist immer noch bei ihrem Job in Maquoit, Sir – sie nennt es ihren echten Job. Sie ist keine, die aufgibt, Polly nicht. Sie sagt, sie brauchen sie.“

„Wie das Lied sagt: ‚Die Blumen brauchen den Sonnenschein und die Rosen brauchen den Tau‘, so brauchen sie sie“, beteuerte Oakum Otie. „Obwohl man von den Hue-and-Cry-Frauen und Kindern nicht gerade sagen kann, dass sie viel wie Rosen und Geranien sind! Aber sie sind es mehr als je zuvor, seit Miss Polly sie übernommen hat. Es ist wunderbar, was ein gutes Mädchen tun kann, wenn sie es versucht, Kapitän Mayo!“

Sein Leben auf dem Fischereischoner wieder aufzunehmen war wie das Hineinschlüpfen in ein Paar alter Schuhe, und Mayo war dankbar für diesen Neuengland-Stoizismus, der ihn auf so sachliche Weise begrüßt hatte.

„Was du mir sagen willst, ist in Ordnung, und was du mir nicht sagen willst, ist noch besser“, erklärte Kapitän Candage. „Denn wenn du nicht darüber redest, rührst du es nicht auf!“

So kam er auf diese Weise zurück in das bescheidene Leben von Maquoit. Es hatte keine Peinlichkeit bei seinem Treffen mit Kapitän Candage gegeben; es war von Mann zu Mann, und sie verstanden es, auf Worte zu verzichten. Aber Mayo sah seinem Treffen mit Polly Candage entgegen, ohne jene Gelassenheit zu spüren, die der Vater inspiriert hatte.

Er verspürte ein fast überwältigendes Verlangen, ihr seine Herzensangelegenheiten anzuvertrauen. Aber er wusste, dass er dazu nicht in der Lage sein würde. Sein kleiner Tempel war so grausam geschändet worden. Seine Demütigung war zu groß.

Er war sich bewusst, dass ein anderer Grund dazu beitrug, ihn davon abzuhalten, es ihr zu erklären; und weil er nicht genau verstand, was es war, war er unwohl, als er ihr tatsächlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. Er war dankbar für einen Umstand – ihr erstes Treffen fand im alten Fischhaus in Maquoit statt, unter den hundert neugierigen Augen der Kolonie. Er war mit seinem Ruderboot ans Ufer gerudert und hatte sie inmitten ihrer Aktivitäten aufgesucht. Sie streckte beide Hände aus und begrüßte ihn mit offener Freude und schien seine Befangenheit zu verstehen, seinen Gedanken zuvorzukommen, seine Zurückhaltung zu respektieren.

„Ich bin froh, dass du zurückgekommen bist, um zu warten, bis all deine Probleme gelöst sind. Die tröstlichsten Freunde sind diejenigen, die Bescheid wissen und mitfühlen und schweigen! Nun komm mit mir und hör den Kindern zu und sieh, was die Frauen tun. Du wirst stolz und froh sein, weil du an jenem Tag, als wir nach Hue and Cry hinübergingen, für sie eingetreten bist.“

Danach gab es keine Befangenheit mehr zwischen ihnen; sie hielten ihre eigenen Angelegenheiten voreinander verborgen. Der Herbst verging und die langen, kühlen Abende kamen, und wenn der Fischereischoner zwischen den Fahrten im Hafen von Maquoit lag, verbrachten Mayo und das Mädchen gemütliche Stunden zusammen, spielten Karten unter der rot schirmten Lampe der Witwe und unter den zustimmenden Augen der Witwe.

„Nein, sie machen auch keine Werbung“, informierte sie die lästigen Nachbarn. „Glaubt ihr etwa, ich war zweimal verheiratet und zweimal Witwe, um nicht zu wissen, wie Werbung aussieht, wenn ich sie sehe? Es ist ‚Boyd dies‘ und ‚Polly das‘, sicher, die ganze Zeit über; aber sie ist mit jemand anderem verlobt, denn sie trägt einen Verlobungsring, den sie bekommen hat, seit sie hier ist. Sie hat ihn mir gezeigt, und sie hat ihn ihm gezeigt! Und was ihn betrifft, jeder an der Küste weiß, wie verrückt dieses Millionärsmädchen nach ihm ist! Nun kümmere sich jeder um seinen eigenen Kram!“

Im Laufe der Tage schien der Rat der Witwe auf alle Angelegenheiten von Maquoit zuzutreffen; die Leute gingen ernsthaft an ihre Arbeit.

Der Winterwind biss, die Hafenpfähle waren mit Eis überzogen, und nur hartgesottene Männer waren am Wasser der Küstenstadt unterwegs, aber die Besatzung der Ethel and May war an jenem Tag ungewöhnlich fröhlich.

Der Schoner war auf den Cashes Banks geblieben und hatte einen Sturm überstanden, der andere Fischer in den Schutz getrieben hatte. Dann, in der ersten Windstille, hatte er seine Ruderboote über die Reling gesetzt und seine Grundleinen zum Auslegen hinuntergelassen, und es war ein rauschender Satz! Es schien, als hätten der Kabeljau, der Seehecht und der Schellfisch nur darauf gewartet, dass dieser Sturm aufhörte, damit sie nach beköderten Haken jagen und ein Festmahl abhalten konnten. Fast jede Vorfachleine hatte ihren Preis. Die Bugrolle in jedem Ruderboot gluckste geradezu vor Vergnügen, als die Grundleine darüber gezogen wurde. Alle drei Fuß war eine Vorfachleine. Jedes Ruderboot spannte eine Meile Grundleine. Und als die Ruderboote zum Schoner zurückkehrten und den Fang in den Laderaum schütteten, wälzte sich das kleine Fahrzeug geradezu unter seiner Last.

Sie trafen den Markt leer an; der Sturm hatte fast eine Woche lang gewütet. Fischhäuser überboten sich gegenseitig, und als schließlich ein Geschäft gemacht wurde und die Besatzung des Schoners begann, die Fische mit Heugabeln in die Windenkübel zu schaufeln und die Kübel knarrend über die Reling stiegen, gingen die beiden Kapitäne in das Büro des Fischhauses, um einige äußerst erfreuliche Gewinne zu berechnen.

„Nichts geht über Glück beim Fischen, meine Herren“, bemerkte der Manager.

„Nun, Mumm zählt für etwas“, erklärte Kapitän Candage. „Wir haben eine Besatzung, die keine Angst vor ein bisschen Wetter hat.“

„Wenn das der Fall ist, gibt es vielleicht jetzt etwas für euch vor der Küste, das besser ist als das Fischereigeschäft.“

„Was ist das?“, fragte der alte Skipper.

„Wracktauchen. Haben Sie die Morgenzeitungen gesehen?“

„Wir hatten etwas anderes zu tun, als mit Zeitungen zu spielen.“

„Dieser neue Bee-Line-Dampfer, Conomo, ist auf dem Razee-Riff aufgelaufen.“

„Einmal – dieses letzte Mal – hat sie sich zu eng herangeschmiegt!“, schnappte der junge Mann. Die anderen richteten einen fragenden Blick auf ihn. Aber er erklärte es nicht. Seine Gedanken waren mit den Ereignissen jenes Tages beschäftigt, als der Bee-Line-Dampfer seine Probleme mit Marston begann.

„Die Zeitung sagt, sie gilt als Totalverlust“, fuhr der Manager fort. „Wenn das so ist und die Versicherer sie aufgeben, sollte es für Männer mit Mumm ein paar feine Beuten geben. Der Begutachtungsausschuss ist heute Morgen mit einem Schlepper zu ihr hinausgefahren.“ Er gab ihnen ihren Scheck, und sie gingen an Bord ihres Schoners.

Die Angelegenheit der Conomo wurde zwischen ihnen nicht erwähnt, bis sie wieder auf See waren, auf dem Weg nach Osten. Die Nachricht interessierte Mayo zunächst nicht, außer als ein maritimes Unglück, das keinen Bezug zu seinen eigenen Angelegenheiten hatte.

Kapitän Candage stampfte auf dem Achterdeck und paffte an seiner kurzen, schwarzen Pfeife. „Ich weiß nicht, ob Sie das genauso sehen wie ich, Kapitän Mayo, aber es wird kein großer Aufwand für uns sein, wenn wir einen Schlag nach Razee machen und sehen, was da vor sich geht“, schlug er vor.

„Ich habe keine Einwände“, erwiderte Mayo. „Aber wie die Dinge heutzutage bei Wracks gehandhabt werden, sehe ich keine großen Aussichten, dass wir in irgendeiner Weise daran teilhaben können.“

„Vielleicht nicht; aber falls sie sie aufgeben wollen, wird es einiges Gezanke geben, und wir könnten genauso gut mit den anderen zugreifen.“

„Wenn sie sie nicht freibekommen, wird irgendein Schrotthändler darauf wetten. Aber wir machen einen Ausflug daraus, um die Sehenswürdigkeiten zu sehen, Sir. Wir können uns nach dem, was wir heute eingeheimst haben, einen kleinen Ausflug leisten.“

Es gab keine Hoffnung, das Wrack vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, also joggten sie gemütlich im leichten Westwind, der auf den Sturm gefolgt war.

Kapitän Candage übernahm die erste Wache nach der zweiten Hundewache, und um zwei Glasen, oder neun Uhr abends, erwachte Mayo und hörte ihn Befehle geben, „sie anzuziehen“. Er hörte die Segel flattern und wusste, dass die Männer die Segel kürzten, um bereit zu sein, beizudrehen. Er zog seine Oberbekleidung an und ging an Deck.

„Wir sind da“, erklärte der alte Skipper, „und es sieht so aus, als ob uns andere Mücken zuvorgekommen wären, bereit, ihre kleinen Schnäbel hineinzustecken, wenn sie eine Chance bekommen.“

Es war eine klare Nacht, glänzend von Sternen. Im Kontrast zu den funkelnden und reinen Lichtern des Himmels gab es schwache rote, grüne und gelb-weiße Lichter auf der Meeresoberfläche. Diese Lichter schaukelten und schwankten und warfen sich hin und her, während die riesigen Wogen vorbeizogen.

„Ich erkenne ein halbes Dutzend Segel – kleine Kerle – und zwei Schlepper“, sagte Kapitän Candage. „Aber richten Sie Ihren Blick auf den Hauptfang!“

Mayo schaute in die Richtung der ausgestreckten, behandschuhten Hand.

„Einige Eisberge, was?“, kommentierte der Skipper.

Eine knappe halbe Meile entfernt, ein wahrhaftiges Geisterschiff, ragte die verunglückte Conomo hervor. Gischt war über sie hinweggepeitscht und war gefroren, bis sie wie eine Eismasse aussah, die in die Form eines Schiffes gegossen worden war. Sie glänzte, eine gespenstische Figur, unter dem sternenklaren Himmel.

Ein einzelnes rotes Licht, ein unheilvoller Klecks Farbe, zeigte sich von ihrem Hauptmast aus.

Sie begutachteten sie eine Weile.

„Ich würde sagen, sie ist vergeben“, war Kapitän Candages Meinung. „Es ist jetzt Flut, und zwar eine Springflut, und die Schlepper da draußen faulenzen nur – sie machen keine Anstalten, sie zu bewegen. Wir können morgen mehr über die Aussichten sagen.“

Dann legten sich die beiden Kapitäne schlafen, denn die Ethel and May lag gehorsam mit einem einzigen Rudergänger am Steuer bei.

Das klare Licht des Morgens enthüllte nichts besonders Neues oder Wichtiges. Es gab ein halbes Dutzend kleiner Schoner, Fischer, die unter gekürzten Segeln in der Nähe des Wracks faulenzten. Einer der Schlepper fuhr nach einer Weile landwärts ab.

Mayo hatte sich durch das Teleskop des Schoners vergewissert, dass der verbleibende Schlepper Seba J. Ransom hieß.

„Der Kapitän dieses Kerls war einmal Steuermann bei mir auf einem Fischereidampfer“, informierte er Kapitän Candage. „Jockey mich in Reichweite und ich werde in einem Ruderboot an Bord gehen. Er hat vielleicht Neuigkeiten.“

Kapitän Dodge war ungemein erfreut, seinen alten Kumpel zu sehen, rief ihn in das Steuerhaus und gab ihm eine Zigarre.

„Es ist nur ein Job zum Faulenzen“, sagte er. „Ich muss bereitstehen und ihren Kapitän und ihre Besatzung abnehmen, falls das Wetter rau wird oder irgendetwas mehr losbricht, als schon kaputt ist. Sie hängen immer noch an ihr, um sie dem Käufer zu übergeben.“

„Käufer?“

„Ja! An welchen Schrotthändler auch immer dumm genug ist, auf sie zu bieten. Sie steckt fest. Die Versicherer haben den Schlepper im Stich gelassen und werden sie versteigern. Ich bin hier, um Piraten fernzuhalten und ihre Männer an Land zu bringen, nachdem sie übergeben wurde. Bist du ein Pirat, Mayo?“, fragte er mit einem Grinsen.

„Ich bin heutzutage fast alles, wenn es einen Dollar zu verdienen gibt“, erwiderte der junge Mann.

Der Kapitän der Ransom zwinkerte ihm zu. „Ich weiß, was an Bord der Olenia passiert ist“, vertraute er ihm an. „Ein Kerl, der in der Besatzung war, hat es mir erzählt. Du bist gut genug für das Mädchen des alten Marston. Warum bist du nicht nach New York gefahren und hast –“

„Unterbrich diese Unterhaltung, Dodge“, bellte Mayo, sein Gesicht hart und sein Kiefer bedrohlich vorspringend. „Guten Tag!“, fügte der junge Mann hinzu und schlug die Tür des Steuerhauses hinter sich zu.

Sein Schoner, der auf und ab kreuzte, nahm ihn auf.

„Es hat keinen Sinn, hier herumzuhängen“, informierte er den alten Skipper. „Sie werden sie verschrotten, wenn sie jemanden finden, der dumm genug ist zu bieten. Sie wird bewacht, bis nach der Auktion.“

Daher setzte die Ethel and May alle Segel und steuerte voll und bei auf Maquoit zu, um ihren frischen Ködervorrat zu sichern.

„Es ist eine Schande“, trauerte Kapitän Candage und starrte über das Heck auf den eisbedeckten Dampfer. „Fast neu und kostete zweihundertfünfzigtausend Dollar im Bau, wenn ich mich recht erinnere, was die Zeitung sagte, als sie vom Stapel gelassen wurde.“

„Wenn sie Geld verdient hat, werden sie eine andere an ihre Stelle setzen“, sagte Mayo.

„Weiß nicht recht, Sir. Die Bee-Linie war finanziell nicht allzu stark aufgestellt, wie man mir sagte – eine Menge kleiner Leute, die das einbrachten, was sie zusammenkratzen konnten, und den Rest liehen. Hängt von der Versicherung und ihrem Mut ab, was sie nach dieser Sache tun.“ Er bot eine weitere Beobachtung an, nachdem er eine Ladung in seiner schwarzen Pfeife festgestampft hatte. „Männer tun so ziemlich alles für Geld – genug Geld.“

„Scheint, als hätte ich diese Aussage schon einmal gehört“, war Mayos knappe Entgegnung.

„Oh, ich weiß, dass das in keiner Weise neu ist. Aber je mehr ich darüber nachdenke, was der Conomo passiert ist, desto treffender scheint mir diese Bemerkung. Und während ich in der Nähe auf und ab kreuzte und auf Sie wartete, bin ich nah genug an diesen Dampfer herangekommen, um ein paar Gesichter an Bord auszumachen.“

Mayo sah ihn ohne Kommentar an.

„Zum Beispiel habe ich Art Simpson gesehen. Sie kennen ihn doch, oder?“

„Er war einmal Kapitän auf Mr. Marstons Yacht.“

„Warum hat er sie verlassen?“

„Ich habe gehört, er sei entlassen worden. Das war es, was der Makler sagte, als er mich anstellte.“

„Ja, das ist es, was Simpson sagte. Er machte es sich zur Aufgabe, herumzugehen und darüber zu fluchen. Schien zu wollen, dass jeder an der Küste ihn darüber fluchen hört. Wenn ich sehe, dass ein Mann sich zu sehr darauf spezialisiert, über einen anderen Mann zu fluchen, werde ich misstrauisch. Nachdem Art Simpson seine Karten so ausgespielt hatte, dass er den Job als zweiter Offizier an Bord der neuen Conomo bekam, wurde ich noch misstrauischer. Jetzt, da ich gesehen habe, wie dieser Dampfer schnurgerade auf Razee gesetzt wurde, bin ich verdammt misstrauisch. Ich bin misstrauisch genug zu glauben, dass sie während Art Simpsons Wache aufgelaufen ist.“

„Worauf wollen Sie hinaus, Kapitän Candage? Deuten Sie an, dass irgendjemand einen Mann für einen Job dieser Art platziert haben könnte?“

„Genau das deute ich an“, zog der Skipper den Satz in die Länge.

„Aber einen Dampfer um diese Jahreszeit auf die Felsen zu setzen!“

„Keine Passagiere – und reichlich Rettungsboote für die Mannschaft, Sir. Ich habe eine Menge Gerede über die Zustände bei den Dampfschiffen gehört, seit ich Fisch anliefere.“

„Ich habe selbst ein wenig etwas in dieser Richtung herausgefunden“, gab Mayo zu.

„Eines muss man über Blackbeard und Kapitän Teach und den alten Kapitän Kidd sagen – sie fuhren auf die See hinaus und erledigten ihre Piraterie selbst; sie blieben nicht hinter einem Schreibtisch sitzen und schickten Handlanger vor.“

Mayo fühlte sich trotz seiner bitteren Erinnerungen an Julius Marstons Haltung genötigt, die offensichtlichen Ungeheuerlichkeiten der Dampfschiff-Magnaten in gewissem Maße zu beschönigen.

„Ich glaube nicht, dass die großen Herren alles wissen, was getan wird, Kapitän Candage. Als verantwortliche Parteien würden sie es nicht wagen, solche Dinge tun zu lassen. Die Handlanger, wie Sie sagen, sind bestrebt, sich zu bewähren und ihr Geld zu verdienen, und wenn das Wort an sie weitergegeben wird, gehen sie rücksichtslos an die Arbeit. Ich denke, es wird ziemlich schwer sein, den wirklichen Hintermännern etwas nachzuweisen. Deshalb stehe ich im Moment im Kalten und habe mir die Hände gebunden.“

„Ich wünschte, wir würden uns ein wenig mit der Conomo-Angelegenheit befassen, damit wir selbst vor Ort Nachforschungen anstellen könnten. Es sieht für mich nach dem übelsten Ding bis heute aus, und es könnte der Auftakt für eine allgemeine Überprüfung sein. Wenn die Teufelei zu wild getrieben wird, stößt sie sich im Allgemeinen die Zehen an, Sir.“ Kapitän Candage fand ein aufmerksames Glänzen in Mayos Augen und fuhr fort. „Natürlich habe ich das Gerede nicht gehört, noch gesehen, wie das Geld den Besitzer wechselte, noch war ich im Ruderhaus, als Art Simpson die Augen schloss und sie krachen ließ. Aber da ich mein Leben lang Seemann war, rieche ich schlechtes Wetter schon von weitem. Dieser Dampfer wurde mit Absicht zum Wrack gemacht, und er wurde zu einer Jahreszeit zum Wrack gemacht, in der er nicht geborgen werden kann. Man muss dem Teufel nicht beibringen, wie man ein Freudenfeuer anzündet.“

Mayo bot keinen Kommentar an. Er schien sehr mit seinen Gedanken beschäftigt zu sein.

Zwei Tage später gelangte in Maquoit eine Zeitung in Mayos Hände, und er las, dass der havarierte Dampfer von den Versicherern versteigert worden war. Es war offensichtlich, dass die Bieter das allgemeine Gefühl der Pessimisten bei den Versicherungsleuten teilten – sie wurde für zweitausendfünfhundert Dollar zugeschlagen. Die Zeitungen erklärten, dass nur diese lächerliche Summe erzielt worden war, weil Experten entschieden hatten, dass der Dampfer beim ersten Sturm von den Felsen rutschen würde, auf denen er aufgespießt war, und wie ein Senkblei in das tiefe Wasser gehen würde, aus dem das alte Razee herausragte. Selbst von dem rücksichtslosesten schrottsammelnden Glücksritter konnte man nicht erwarten, dass er bei einem solchen Versteckspiel viel investieren würde.

„Aber ich frage mich, was mit dem Experten los war, der das vorhergesagt hat“, sinnierte Mayo. „Er kennt die alten Kieferknochen des Razee-Riffs nicht so gut wie ich.“

Als die Ethel and May von Maquoit zu ihrer nächsten Fahrt zu den Cashes Banks aufbrach, schlug Mayo vor – und er schämte sich ein wenig dabei –, dass sie genauso gut einen kleinen Umweg machen und sehen könnten, was die Schrotthändler bei Razee trieben.

Kapitän Candage betrachtete seinen Partner mit einem ziemlich spöttischen Ausdruck. „Große Geister reisen, et cetera!“, kicherte er. „Ich wollte Ihnen gerade dasselbe sagen. Beschäftigt Sie ein wenig, was?“

„Ja, und nur ein wenig. Natürlich kann für uns nichts dabei herausspringen. Diese Schrotthändler werden an ihr kleben bleiben, bis sie sich ins tiefe Wasser verabschiedet. Aber ich habe mich gefragt, warum sie glauben, dass sie abtauchen wird. Ich habe eine Weile um Razee herum geschleppt, und der alte Kerl hat Zähne wie eine Hyäne – regelrechte Reißzähne.“

„Vielleicht haben sie Art Simpsons Wort geglaubt“, bemerkte der alte Mann und rümpfte die Nase. „Art wäre sehr ermutigend in Bezug auf die Aussichten, sie zu retten – das heißt, er wäre es für den Fall, dass der Verlust dieses Dampfers seinen Verstand getrübt hat.“

„Schätze, das Interesse der Versicherer war nicht sehr groß“, deutete Mayo an. „Sie waren nicht allzu stark betroffen, wie ich herausgefunden habe. Sie war größtenteils in 64-tel Anteilen im Besitz, und bei den heutigen Seeversicherungsrisiken versichern sich kleine Eigentümer nicht. Es ist eine verruchte Sache durch und durch, Candage! Dieser große, neue Dampfer, dort auf Grund gesetzt durch jemandes Teufelei! Ich glaube wie Sie an diese Affäre! Ich bin so lange zur See gefahren, dass ein Boot für mich mehr bedeutet als Eisen und Holz. Es gibt etwas an ihnen – etwas –“

„Fast menschlich“, warf der alte Mann ein. „Ich habe um die Polly getrauert, aber ich fühlte mich nicht so schlecht, als wäre sie neu gewesen. Es war irgendwie wie wenn alte Leute aus natürlichen Ursachen sterben – man weiß, dass sie so lange gelebt haben, wie sie konnten. Es ist traurig, sie gehen zu sehen, aber man muss sich damit abfinden. Aber ich weiß genau, wie es Ihnen im Fall dieses Dampfers geht, denn ich bin ein Seemann wie Sie. Es ist genau so, als würde man einen feinen Jungen durch das College bringen, ihn voll Leben, Mut, Hoffnungen und Aussichten starten sehen, und ihn dann tot vor seinen Füßen zusammenbrechen sehen.“

Es lag ein Beben in der Stimme des alten Mannes. Aber Mayo, der die Seelen der Seeleute kannte, verstand. Unter ihren harten Schalen steckt eine Vorstellungskraft, die in langen, langen Gedanken genährt wurde. In der Windstille unter sternenklaren Himmeln, in der pechschwarzen Dunkelheit, wenn wogende Sturzseen unter dem Kiel schwingen, in den schimmernden Weiten sonnenbeschienener Meere, grübeln Seeleute, während ihre phlegmatischeren Brüder an Land ihre Seelen dösen lassen.

„Sie haben recht, Kapitän Candage. Deshalb hasse ich es fast, zur Conomo hinauszufahren. Diese höllischen Leichenfledderer von Schrotthändlern werden sie in Stücke reißen, anstatt zu versuchen, ihr wieder Leben einzuhauchen.“

Der hilflose Dampfer wirkte einsamer als bei ihrem letzten Besuch. Die Mückenflotte, die ihn umringt hatte, in der Hoffnung auf eine verstreute Beute, hatte sich aufgelöst. Ein Schlepper und ein paar Leichter klebten an seinen eisigen Seiten und saugten wie Blutegel aus ihm, was sie konnten. Sie betrieben ihre Arbeit fleißig, denn die See war ruhig in einer jener Pausen zwischen den Stürmen, ein winterlicher Waffenstillstand, den die Küstenarbeiter am Atlantik verstehen und auf den sie sich verlassen.

Mayo, von Neugier getrieben, beschloss, an Bord eines der Leichter zu gehen und herauszufinden, zu welchen Extremen die Schrott-Schakale vorgingen.

Zwei seiner Dory-Männer ruderten ihn hinüber, nachdem der Schoner in der Nähe des Wracks beigedreht hatte.

„Was ist Ihr Anliegen?“, erkundigte sich ein Mann, der in einen Pelzmantel eingehüllt war und die Arbeiten zu leiten schien.

„Nichts Besonderes“, gestand der junge Mann aus seinem Dory, das neben dem Leichter schaukelte. „Ich bin nur ein Fischer.“

Die schwingenden Kräne der Leichter, das Schnurren der Winden, das Schnaufen der kleinen Lasthebemaschinen im atemlosen Stakkato, hievten und senkten die Ladung – Kartoffeln in Säcken und riesige Rollen Druckpapier. Mayo war ein wenig erstaunt festzustellen, dass sie den Dampfer nicht ausschlachteten; nicht einmal seine Anker und Ketten waren angetastet worden.

„Abhalten!“, befahl der Boss.

Kapitän Dodge ließ eines der Fenster seines Ruderhauses herunter und stützte sich auf die Ellbogen, wobei er den Kopf herausstreckte. Der Schlepper Seba J. Ransom war immer noch bei der Arbeit. Er lag längsseits des Wracks und rieb seine Fender gegen den eisgepanzerten Rumpf.

„Hallo, Kapitän Mayo!“, rief er, während ein einladendes Grinsen seine Gesichtszüge spaltete. „Kommen Sie an Bord und rauchen Sie eine Zigarre, und diesmal werde ich das Gespräch bei Fischschuppen und Fischabfällen belassen.“

Der Mann im Pelzmantel blickte von einem zum anderen und war sofort besänftigt. „Oh, das ist ein Freund von Ihnen, nicht wahr, Kapitän Dodge?“

„Darauf können Sie wetten. Er war schon vor mir mein Chef.“

„Wenn das so ist, fühlen Sie sich überall wie zu Hause. Aber Sie wissen ja, was einige dieser Kerle entlang der Küste, die sich Fischer nennen, bei einem Wrack anstellen, wenn man ihnen den Rücken kehrt!“

Mayo nickte freundlich.

„Kommen Sie an Bord“, lud der Boss ein.

„Ich bin hier im Dory ganz gut aufgehoben und stehe niemandem im Weg, Sir. Wir sind gleich auf dem Weg zu den Fischgründen. Ich stille nur die Neugier eines Seemanns. Habe mich gefragt, was Sie mit dieser Angelegenheit vorhaben.“

„Wir schnappen uns nur, was gerade griffbereit ist. Ein Teil der Ladung im Vorschiff ist über Wasser. Ich bin selbst auf eine ziemlich eigenartige Weise an der Sache beteiligt.“ Dieser scharfsinnige junge Mann, der vom Schlepperkapitän so herzlich empfohlen worden war, bot dem Mann im Pelzmantel die Gelegenheit zu einer kleinen Unterhaltung über sich selbst. „Ich bin der Außendienstler für Todd & Simonton aus Boston und habe sofort zugegriffen, nachdem ich ein oder zwei Depeschen mit dem Haus ausgetauscht hatte. Bin zufällig in diese Auktion geraten und habe blind gekauft. Ich bin selbst ein Freund des Glücksspiels. Dann telegrafierte jemand an die Firma, dass sie voll reingefallen wären, und sie haben mich in einer Nachtnachricht ordentlich zusammengestaucht. Ein Mann kann an einem Schreibtisch in Boston sitzen und sich eine ganze Menge Dinge ausdenken, die nicht wahr sind. Nun, ich bin hierhergeflogen mit der Ausrüstung, die ich auf die Schnelle zusammenkratzen konnte, und Sie sehen ja, was ich tue! Es ist genug lose Ladung in Sicht, um mich mit der Firma zu quittieren. Aber, verfluchtes Glück! Wenn Jake Simonton ein wenig Mumm hätte und mich unterstützen würde, glaube ich, wir würden einen Riesengewinn machen.“

„Natürlich hängt alles davon ab, wie sie liegt und was passiert, wenn der nächste Sturm kommt“, sagte Mayo. „Waren Sie schon unten?“

„Ich bin ein Hektiker bei Geschäften und ein Teufel bei Schrott“, schnappte der Boss. „Ich bin kein Seemann, Prophet oder Schiffsarchitekt. Ich weiß einfach nur, dass sie achtern voller Wasser ist und etwas Ernsthaftes mit ihrem Inneren nicht stimmt. Ich ziehe genug heraus, damit Simonton es bereut, mich in einer Nachtnachricht angemacht zu haben. Nur wird er niemals zugeben, dass er es bereut. Er lässt nie Bumerangs los, die um den Block fliegen und zurückkommen, um ihn zu treffen. Er will in der Position sein, mich das nächste Mal fertigzumachen, wenn ich beim Glücksspiel einen Fehler mache.“

„Ist die gesamte Besatzung an Land gegangen – die Leute der Bee-Linie?“

„Sicher – mit Sack und Pack. Wir besitzen sie, so wie sie dasteht. Dieser zweite Offizier hat sie jedes Mal zittern lassen, wenn eine Welle dagegen schlug. Ich war froh, als er weg war. Er hat meine Männer fast in Panik versetzt. Sagte, sie könne jeden Moment abrutschen.“

Die schleppende Stimme von Kapitän Dodge unterbrach sie von oben. „Hier kommt der Schlepper Resolute“, stellte er fest. „Vielleicht ist es noch eine dieser Nachtnachrichten von Ihrer Firma, Titus. Wollen vielleicht, dass Sie alles, was Sie davon tragen können, in eine Papiertüte packen und nach Boston bringen.“

„Man weiß nie, was sie in Boston als nächstes tun werden“, knurrte der Außendienstler. „Ich werde manchmal entmutigt, wenn ich versuche, unternehmerisch zu sein.“

Er begann auf und ab zu gehen, sah besorgt aus und antwortete nicht auf mehrere Fragen, die Mayo ihm stellte. Also nahm der junge Mann die Einladung von Kapitän Dodge an und stieg in das Ruderhaus des Schleppers. Er hatte ein sehr menschliches Bedürfnis zu wissen, was das Kommen dieses Schleppers vom Festland bedeutete, und beschloss, noch eine Weile in der Nähe zu bleiben, selbst auf die Gefahr hin, Kapitän Candage ungeduldig zu machen.

Die Resolute brachte ein Telegramm, und der Mann im Pelzmantel riss es auf, erfasste den Kern auf einen Blick und begann mit großem Eifer zu fluchen.

Er stieg in das Ruderhaus der Ransom, mit der Miene eines Mannes, der Trost bei Freunden sucht, und fächelte wütend mit dem Blatt Papier.

„Befehl zum Wiederverkauf. Raus aus der Sache. Nehmen, was ich kriegen kann. Wollen das Glücksspiel nicht. Und dabei habe ich schon einen guten Gewinn gemacht.“

„Warum schießen Sie nicht eine Nachricht zurück und raten ihnen, abzuwarten?“, fragte Kapitän Dodge.

„Und dann soll in ein paar Stunden ein Sturm aufkommen und sie von diesem Felsen stoßen? Das würde passieren. Das wäre genau mein Glück. Ich bin nur ein Angestellter, meine Herren. Wenn meine Firma nicht spielen will, ist es nicht meine Sache. Wenn ich Befehle missachte und halte, werde ich jedes Mal zu Tode erschreckt sein, wenn der Wind anfängt zu wehen. Es hat keinen Zweck, ein feines Nervenkostüm für eine Firma zu ruinieren, die das Opfer nicht zu schätzen weiß, und ich brauche meine Nerven, um weiter für sie zu arbeiten. Ich sage, das ist nicht meine Sache. Ich bin weg, sobald ich die Leichter beladen habe. Jeder Dollar, den ich durch den Wiederverkauf bekomme, ist reiner Gewinn, also soll es so sein!“

„Was sagen sie Ihnen bezüglich des Preises?“, wagte Mayo zu fragen.

„Das erste Angebot annehmen – und beeilen Sie sich damit. Sie scheinen die Idee zu haben, dass dieser Dampfer auf der Spitze einer Nadel steht und dass nur ein Blinder ihn kaufen wird.“

Er kehrte zu seiner Mannschaft zurück, sehr angewidert, befahl dem gerade angekommenen Schlepper, auf einen Schleppzug zu warten, und spornte die säumigen Arbeiter mit scharfen Kraftausdrücken an.

„Jemand hat seine Firma verängstigt“, deutete Mayo an, der mit Kapitän Dodge allein gelassen wurde.

„Vielleicht – aber es mag gute Geschäftspraxis sein, Angst zu bekommen, vorausgesetzt, sie können das hier für ein wenig Bargeld an jemand anderen loswerden. Diese Wetterlage kann nicht mehr lange anhalten. Sehen Sie sich diese Bank im Süden an. Ich weiß nicht genau, was unter ihr an Felsen liegt – habe nie viel über das alte Razee gewusst. Aber meine Vorhersage ist, dass sie in zwei Teile bricht, sobald die Wellen ihr irgendeine Bewegung geben.“

Es lag Mayo auf der Zunge, über die Angelegenheit mit dem Schlepperfahrer zu streiten, aber er besann sich eines Besseren und hielt den Mund.

„Sie haben wahrscheinlich recht“, gab er zu. „Ich sollte besser aufbrechen. Ich sehe keine Fische an Bord unseres Schoners springen. Wir müssen los und sie fangen. Auf Wiedersehen, Dodge.“

Als sein Partner über die Reling der Ethel and May kam, gab Kapitän Candage, nachdem er seine Männer aufgepickt hatte, aus alter Gewohnheit den Befehl, sie in den Wind zu legen.

„Alles beigedreht lassen!“, befahl Mayo. „Entschuldigen Sie, Kapitän Candage, für den Gegenbefehl, aber ich habe ein paar Neuigkeiten, die Sie hören müssen, bevor wir gehen. Die Schrott-Meute hat kalte Füße bekommen und will sie verkaufen, so wie sie dasteht, sobald sie die Ladungen für diese Leichter haben.“

„Nun, sie liegt wirklich in einem schlechten Zustand, und das Wetter braut sich zusammen“, sagte der Skipper und fummelte zweifelnd mit dem Zeigefinger unter seiner Nase.

„Sie haben nicht einmal den Rahm abgeschöpft – werden wahrscheinlich die ganze Ladung bekommen, die es wert ist, gerettet zu werden, und ein paar lose Sachen in Bezug auf das Rigg. Bei Gott! Was für eine Chance zum Zocken!“

„Es könnte eine für einen Kerl sein, der so viel Geld hat, dass er sich von einem Teil verabschieden kann, falls der Atlantische Ozean Asse zeigt“, sagte der alte Mann und offenbarte die Vertrautheit eines Seemanns mit einem beliebten Spiel.

„Es gibt so etwas, wie verzweifelt genug zu sein, um seinen ganzen Besitz aufs Spiel zu setzen“, erklärte Mayo. „Kapitän, ich bin jung, und ich nehme an, ich habe die Torheit eines jungen Mannes. Ich kann nicht erwarten, dass Sie so fühlen wie ich, wenn es um ein Glücksspiel geht.“

„Ich mag alt aussehen, aber ich bin noch nicht verblüht“, brummte der Skipper. „Worauf wollen Sie hinaus?“

„Dieser dicke Mann auf dem Leichter hat ein Telegramm von seinen Leuten aus Boston in der Tasche, in dem ihm befohlen wird, das erste Angebot anzunehmen, das für die Conomo so wie sie dasteht gemacht wird. Ich bin dumm genug, bereit zu sein, jeden Dollar, den ich habe, einzusetzen und es zu riskieren.“

Kapitän Candage starrte seinen Partner eine Zeit lang an, ging dann zur Reling und warf einen langen Blick auf den Dampfer. „Ich habe nie von einem Kerl gehört, der im Fischereigewerbe besonders reich geworden ist“, bemerkte er.

Mayo, von wilden Gedanken zu verzweifelten Unternehmungen gedrängt, schoss eine Bestätigung dieses Diktums heraus.

„Und ich habe eine Menge Kerle gekannt, die im Wrack-Geschäft pleitegegangen sind“, fuhr Kapitän Candage fort. „Wie viel haben Sie?“ Diese Frage kam unerwartet.

„Ich habe an die sechshundert Dollar.“ Er trug seinen kleinen Schatz in der Tasche, denn ein Mann, der vom Weiler Maquoit aus operierte, musste sein eigener Bankier sein.

„Ich habe an die sechshundert in meiner eigenen Tasche“, sagte der Skipper. „Dieser dicke Mann mag Befehle haben, das erste Angebot anzunehmen, das gemacht wird, aber wir müssen ihm eines machen, das groß genug ist, damit er uns nicht über Bord kickt und dann einen Käufer auf dem Festland sucht.“

Die zwei Hue and Cry-Fischer, die den jungen Mann übergesetzt hatten, stapelten gerade ihr Dory auf andere Dories, direkt vor dem Aufbau, und waren in Hörweite. Keiner der Kapitäne bemerkte, mit welchem Interesse diese Männer zuhörten und Blicke mit dem Mann am Ruder austauschten.

„Und nachdem wir ihm unser Bündel unter die Nase gehalten haben – und weniger als tausend wird eine Beleidigung sein, so rechne ich –, was haben wir dann noch zum Arbeiten übrig? Es wird uns nichts nützen, den Rest des Winters um diesen Dampfer herumzusegeln und ihn zu bewundern. Was dachten Sie, Mayo, wenn Sie versuchen, ihn zu einem Schnäppchenpreis zu überreden, jetzt, wo er hier vor Ort und verkaufswillig ist, und dann einen kleinen schnellen Gewinn durch den Weiterverkauf an jemand anderen einzustreichen?“

„Nein, Sir!“, rief der junge Mann entschieden. „Ich habe meine eigenen guten Gründe, warum ich dieses Geschäft zum Ganzen oder gar nicht machen will! Ich werde mich auf keinen anderen Plan einlassen.“

„Nun, wir werden uns auf etwas einlassen, das ist sicher, nachdem wir unser Geld investiert haben – den ganzen Batzen. Wir werden höchstwahrscheinlich in der Klemme sitzen, kein Dollar mehr übrig, um Männer einzustellen oder eine Bergungsausrüstung zu kaufen.“

Die beiden Männer beendeten das Verzurren der Dories und gingen nach vorne.

„Es ist ein wilder Plan, und ich bin ein Narr, darüber nachzudenken, Kapitän Candage. Aber wilde Pläne reizen mich gerade. Ich kann mehr Geld verdienen, indem ich hart arbeite und es spare, ein paar Dollar nach dem anderen, aber ich erwarte nicht, jemals wieder eine Chance wie diese zu sehen. Oh ja, ich sehe diese Bank im Süden!“ Seine Augen folgten dem düsteren Starren des Skippers. „Morgen um diese Zeit könnte sie vierzig Faden tiefer liegen. Aber so fühle ich mich.“ Er zog seine Brieftasche heraus und knallte sie auf das Dach des Aufbaus. „Alles auf den Wurf einer Karte! Und da kommt der Sturm, der sie wenden wird!“ Er zeigte nach Süden in die schiefergrauen Wolken.

Kapitän Candage pausierte in seinem Patrouillengang auf dem Achterdeck und starrte auf die Brieftasche. Dann begann er, an seiner eigenen zu ziehen. „Ich bin kein Toter, auch wenn mein Haar grau ist“, brummte er.

Die beiden Kapitäne sahen auf die zwei Brieftaschen und dann einander an. Im nächsten Augenblick wurde ihre Aufmerksamkeit vollständig von einer anderen Angelegenheit in Anspruch genommen. Ihre fünfzehnköpfige Mannschaft kam achtern heraufmarschiert und stellte sich vor dem Aufbau auf. Ein Sprecher trat vor.

„Entschuldigen Sie, Kapitäne, dass wir uns in etwas einmischen, das vielleicht nicht unsere Sache ist. Wir wollen nicht spionieren oder herumschnüffeln, aber einige von uns konnten nicht anders, als zuzuhören. Wir haben unsere Taschen geleert. Hier ist es – dreihundertachtundsechzig Dollar und siebenunddreißig Cent. Erlauben Sie mir, auf das Achterdeck zu steigen und es zu den Brieftaschen zu legen?“ Er nahm ihr erstauntes Schweigen als Zustimmung entgegen und leistete feierlich seine Einlage.

„Aber das hier ist ein Glücksspiel, und zwar ein verdammt ungewisses“, protestierte Mayo.

„Wir hatten noch nie in unserem ganzen Leben die Chance, Spieler zu sein“, flehte der Mann. „Wir hätten dieses Geld nicht, wenn Sie zwei Helden uns nicht die Chance gegeben hätten, die Sie uns gaben. Vorher waren wir nicht mehr als halbe Männer. Jetzt können wir den Kopf hochhalten. Sie lassen uns sehr erbärmlich fühlen, als wären wir nicht gut genug, um bei Ihnen zu sein, wenn Sie uns nicht mitmachen lassen.“

„Darauf könnt ihr wetten, Jungs, ihr seid dabei!“, rief Kapitän Candage. „Ich weiß, wie ihr euch fühlt.“

„Und noch etwas“, fuhr der Sprecher fort. „Wir hatten nicht viel Zeit, das zu besprechen; wir sind nach achtern geeilt, sobald wir es gehört hatten, und haben unsere Taschen geleert. Aber wir haben genug miteinander geredet, um Ihnen sagen zu können, dass wir alle mit Ihnen an diesem Wrack arbeiten werden, und zwar umsonst, bis – bis – nun, was auch immer passiert. Wir wollen keinen Lohn! Wir brauchen keine Versprechen! Und wenn sie sinkt, singen wir ein Lied und gehen wieder zum Fischen.“

Der Mann am Ruder ließ die Speichen los, trat vor und legte eine Handvoll Geld zu dem Rest. „Da ist meins. Ich wünschte, es wäre eine Million; sie wäre genauso freiwillig gegeben.“

„Jungs, ich würde eine Rede an euch halten – aber mein Hals ist zu eng“, würgte Mayo hervor. „Ich weiß jetzt besser, warum mich im letzten Sommer etwas nach Hue and Cry gerufen hat. Hart ruderlag mit dem Steuer! Manövriert sie runter in Richtung Wrack!“

Als sie in Rufweite des Leichters waren, hob Mayo sein Megafon. „Wollen Sie fünfzehntausend Dollar – bar – jetzt – für dieses Wrack, wenn Sie es verlassen, nachdem Sie die Leichter beladen haben?“, schrie er.

Es folgte eine lange Zeit des Schweigens. Dann antwortete der Mann im Pelzmantel durch seine geformten Hände: „Ja – und verflucht seien die Narren in Boston, die mich zum Verkauf zwingen!“

XXVII ~ DER STURM WENDET DIE KARTE

Und eines müssen wir erflehen, Dass er mag im Wasser untergehen. So werfen wir ihn in ein tiefes Loch, Wo Haie sein Fleisch und der Teufel sein Seelenheil noch. Mit einem großen Bau-Wau! Tow-row-row! Pal de, rai de, ri do day! --Boston.

Nachdem der Mann im Pelzmantel Mayo einen hastig aufgesetzten Kaufvertrag in die Hand gedrückt hatte, erklärte er offen, dass sein Interesse am Schicksal des gestrandeten Dampfers erloschen sei.

„Die Resolute meldet, dass Sturmwarnungen ausgegeben wurden. Ich werde mich einfach absichern, was ich habe. Ich werde das Spiel so spielen, wie diese Kneifer in Boston es anscheinend von mir wollen.“

Die Schlepper, die mit ihren Schleppzügen abfuhren, stießen hupend Abschiedsgrüße an die kleine Schoner aus, die unter dem Heck der Conomo beigedreht hatte.

„Klingt, als würden sie sich über uns lustig machen“, knurrte Candage. Er blickte finster in den grauen Himmel und über die einsame See.

Auch Mayo spürte einen spöttischen Ton in den Pfiffen. Auf die Aufregung, die ihn in dieses Wagnis getrieben hatte, war prompt Niedergeschlagenheit gefolgt. Das Knistern des juristischen Papiers in seiner Jackentasche unterstrich nur seine Düsternis. Dieses Papier schien jetzt so wenig wert zu sein. Es war nicht nur sein eigenes Glücksspiel – er hatte Männer in ein verzweifeltes Unterfangen hineingezogen, die sich das Verlieren nicht leisten konnten. Sie hatten all ihren kleinen Wohlstand aufs Spiel gesetzt. Es gab Frauen und Kinder an Land, an die man denken musste. Er und seine Leute besaßen nun diesen großen Dampfer, der dort unter dem brütenden Himmel aufragte. Aber es war ein unsicherer Besitz. Ihr Verlust würde jetzt nicht nur den Verlust all ihrer kleinen Ersparnisse bedeuten – er würde den Verlust der Hoffnung, das Opfer der Erwartungen und das Bedauern von Männern bedeuten, die bei einer großen Aufgabe gescheitert sind. Er erkannte, wie stechend eine Niederlage sein würde, denn er baute seine Zukunftsaussichten darauf auf, bei dieser Sache zu gewinnen.

Die Hoffnung versagte beinahe, ihn zu beruhigen, als er zuerst auf die abfahrenden Leichter und dann auf den eisbedeckten Rumpf auf Razee blickte.

Sicherlich hatte noch kein Bettler einen widerspenstigeren Elefanten in Händen gehabt, ohne auch nur einen Halm Heu in Sicht zur Fütterung. Er hatte Bergungsarbeiten gesehen: Geld, Männer und riesige Ausrüstung scheiterten oft. Technische Fertigkeiten und Expertenwissen waren erforderlich. Er wusste nicht, was eine Untersuchung ihres Rumpfes enthüllen würde. Er hatte gekauft, wie Jungen Taschenmesser tauschen – ungesehen! Er gestand sich ein, dass selbst der kärgliche Betrag, den sie auf dieses Risiko gesetzt hatten, mit der Rücksichtslosigkeit der Torheit ausgegeben worden war, wenn man bedachte, dass sie alles ausgegeben hatten, was sie besaßen. Sie hatten nichts mehr übrig, um zu operieren. Es war, als ob ein Mann seine Hände hinter dem Rücken zusammenbindet, bevor er über Bord springt.

Oh, das war eine einsame See! Sie war grau und mürrisch und unheilvoll.

Schwarzer Rauch von den fernen Schleppern winkte düsteren Abschied. Ein kalter Wind hatte begonnen, durch das Tauwerk der kleinen Schoner zu harfen; das Stöhnen – weit hinübergetragen, mystisch, eine Stimme aus dem Nichts – das den Sturm ankündigt, summte in seinen Ohren.

„Ich kann bei diesem Wetter etwas riechen, das schlimmer ist als angebrannter Getreidebrei“, stellte Kapitän Candage fest. „Ich weiß nicht genau, wie Sie sich fühlen, Sir, aber wenn jetzt ein Kerl in einem Leichenwagen hierherfahren und meine Option für das, was ich bezahlt habe, haben wollte, ich glaube, ich würde mit ihm feilschen, bevor wir uns prügeln.“

„Ich kann es Ihnen nicht verübeln“, gestand der junge Mann. „Dies scheint ein weiterer Fall von ‚Jetzt, wo wir es haben, was zum Teufel sollen wir damit anfangen?‘ zu sein.“

„Lassen Sie uns an Land gehen, den Leichtern hinterher, und es verticken, und vernünftig sein“, riet sein Partner. „Ich habe das Gefühl, als besäße ich einen Anteil an der alten Poppocatterpettul – oder wie dieser Berg auch immer heißt – und hätte den Befehl bekommen, ihn in einem Schalriemen zu bewegen.“

Mayo betrachtete ihr neu erworbenes Eigentum durch die aufkommende Dämmerung.

„Ich glaube, ich kenne einen Kerl, bei dem wir es abladen können“, beharrte Candage. „Er hat schon einige Bergungen gemacht und ist ein tollkühner Kerl.“

„Hören Sie mal“, fuhr ihn sein Partner an, „wir klären jetzt sofort einen Punkt, Sir. Ich jubele dieser Aussicht nicht zu – absolut nicht. Aber ich bin dabei, und ich werde bei meinem ursprünglichen Plan bleiben. Ich will niemanden dabei haben, der ständig zurückblickt und jammert. Wenn alles über Bord geht, werden Sie kein Winseln von mir hören. Wenn Sie jetzt aufhören wollen, Kapitän Candage, nur zu, und ich werde meine Zukunft verpfänden, um das zurückzuzahlen, was Sie riskiert haben. Nun, was sagen Sie?“

„Nun, ich sage, Sie reden genau so, wie ich es gerne von einem Mann höre“, erklärte der Kapitän entschieden. „Ich will verdammt sein, wenn ich mit einem halbherzigen Kerl in eine Sache gehe. Sie sind meine Art von Mensch, und nach diesem Tag werden Sie feststellen, dass ich die Ihre bin.“ Er drehte sich um und rief Befehle. „Großsegel einholen, Fock dicht reffen und sie nur damit und mit dem Jumbo reiten lassen.“

„Das ist die richtige Einstellung!“, lobte Mayo. „Der Atlantische Ozean macht sich bereit, bei diesem Spiel eine Hand auszuteilen. Wir müssen eng zusammenbleiben, wenn wir sehen wollen, welche Karten wir ziehen.“

Ein Fischerschoner ist, wenn er gut geführt wird, ein wahrer Sturmvogel beim Überstehen einer Brise. Selbst die bedrohlichen Anzeichen des Sturms schreckten die beiden Kapitäne nicht. Sie waren dort, um ihr Eigentum zu bewachen und ihre Hoffnungen oder Ängste verwirklicht zu sehen.

„Wenn die Conomo ihren Mut bei sich hat und das überlebt“, sagte Kapitän Candage, „werden wir hier sein, um ihr dreimal hoch zu leben, wenn es vorbei ist. Und wenn sie untergeht, werden wir an Deck sein, um ihr ein Lebewohl zuzuwinken.“

In diesem Geist machten sie alles an Bord des Schoners sturmfest und bereiteten sich darauf vor, dem Sturm zu trotzen. Er kam in der Nacht, mit einem Heulen der Böen und einem Hagel aus Graupel wie Schrotkugeln. Er stampfte auf die pulsierende See und verursachte Tumult in Wasser und Luft. Um Mitternacht wallten sie nur noch mit einem Vorstagsegel, das zu der Härte einer Kesselplatte vereist war. Aber obwohl die gewaltigen Wogen ihre mächtigen Arme ausstreckten, um den Schoner zu ergreifen, wich er aus, tanzte auf seinem flinken Weg und vereitelte ihre Bösartigkeit. Seine Männer schliefen nicht; sie tauten sich in Schichten auf und schwärmten wieder an Deck. Jeder schien von persönlichem und lebenswichtigem Interesse beseelt zu sein.

„Solche Mannschaften kann man nicht mit Lohn kaufen“, bemerkte Kapitän Candage, während sein vereister Bart eng an Mayos Ohr klebte. „Ich glaube, es war so, wie meine Polly sagte – man wirft sein Brot auf das Wasser, wenn man auf Hue and Cry für sie Partei ergreift.“

Der junge Mann, der sich an einer Klampe festhielt und die Kämpfe ihres Handwerks beobachtete, winkte mit einer behandschuhten Hand, um zu signalisieren, dass er zustimmte. In diesem Aufruhr des Sturms und dem Gedränge der See strengte er seine Augen an und versuchte, einen Blick auf den Rumpf auf Razee zu erhaschen. Aber der Schoner hatte sich zu weit nach Westen gearbeitet, unter der unerbittlichen Hand des Sturms nach Lee gedrückt.

Dann endlich kam der Morgen, ein undurchsichtiger Tagesanbruch, der von wirbelndem Schnee eingehüllt war, und alles war vor ihren Augen verborgen, außer den tanzenden Wasserbergen, die auf sie zujagten, drohten sie zu verschlingen, und dann unter ihrem Kiel zerschmolzen. Die Kapitäne konnten das Ausmaß ihres Abtreibens nur erahnen, aber als der Wind nach Mittag nachließ und sie in der Lage waren, Segel auf dem Schoner zu setzen, zweifelten sie nicht daran, in welcher Richtung der Dampfer liegen musste. Sie begannen ihre mühsame Kreuzfahrt zurück nach Osten.

Mayo trotzte dem beißenden Wind und dem vereisten Takelwerk und nahm das Glas zu den Mastspitzen. Er blieb dort, obwohl er bis auf die Knochen durchgefroren war.

Endlich, am Rand des Horizonts, erspähte er einen schäumenden Tumult der See, der ein Hindernis markierte, an dem sich die Wellen abmühten. Inmitten dieses weißen Gewühls gab es eine Form, die unter dem grauen Himmel fast gespenstisch wirkte. Der kleine Schoner stampfte so heftig, dass er dieses Objekt nur gelegentlich in den Bereich des Glases bringen konnte. Aber er wurde schließlich gewiss. Er umklammerte das Glas und rodelte an den rutschigen Wanten zum Deck hinunter.

„Sie ist da, Kapitän Candage!“, rief er. „Die Zähne des alten Razee beißen immer noch.“

Sie waren wieder bei ihr, bevor die frühe Nacht hereinbrach. Sie war bis zum Großmast vereist, und die Gischt hatte Hügel aus Eis auf ihrem Deck abgelagert, die sie schwer auf die Felsen drückten, die sie festgesetzt hatten. Aber trotz der Schläge, die sie erhalten hatte, hatte sich ihre Position nicht verändert. Sie kreisten um sie – der winzige Schoner, der erbärmlich unzureichend schien, um es mit diesem Ungetüm aufzunehmen.

„Nun“, seufzte Kapitän Candage, „danke dem Herrn, sie ist noch da. Unsere Arbeit ist uns jetzt vorgezeichnet – was auch immer wir mit ihr anfangen können. Man sagt, eine Maus habe einmal einen Löwen befreit, indem sie an seinen Seilen nagte. Es sieht mir so aus, als ob wir hier ein verdammt langsames Nagen vor uns haben.“

Sie lagen jene Nacht in einer sich beruhigenden See bei ihr und verbrachten schlaflose Stunden in der Kabine, wo sie ziemlich hilflos mit Plänen rangen.

„Natürlich ist es tröstlich, sie hier zu finden und zu wissen, dass der Atlantische Ozean mehr Kraft aufbringen muss, um sie zu bewegen“, sagte Candage. „Und dann wieder ist es nicht so verdammt tröstlich. Mir scheint, sie sitzt so fest, dass man sie nicht losrütteln könnte, selbst wenn man den Mond auf sie schleudern würde. Ich schätze, meine Hoffnung war dieselbe wie Ihre, Mayo – sie ganz zu bergen, anstatt sie zu verschrotten.“

„Ich bin Seemann, kein Schrotthändler. Ich würde fast lieber mein Geld verlieren, Kapitän Candage, als daran beteiligt zu sein, diesen neuen Dampfer zu altem Eisen zu zertrümmern. Sie hat die Rater getäuscht, indem sie blieb, wo sie ist. Es war von Anfang an meine Hoffnung, dass sie flott gemacht werden kann. Sie ist kein verrosteter alter Eisenhaufen. Natürlich hat sie ein Loch, und wir können jetzt sehen, dass sie verdammt fest sitzt. Aber ich wette, sie ist solide und dicht in allen Teilen, außer dort, wo diese Wunde ist. Ich nehme an, die meisten Leute, die jetzt hier vorbeikämen, würden raten, dass sie nicht ganz flottgemacht werden kann. Ich gehe in diese Sache und versuche, auch diese Rater zu täuschen.“

„Das ist das einzig wahre Glücksspiel“, stimmte der Skipper zu. „Wir würden nur Tageslohn verdienen, indem wir sie in einen Schrotthaufen verwandeln. Ein Schrotthaufen ist nicht viel wert, außer als altes Eisen zu einem halben Cent das Pfund; aber ein neuer Dampfer wie dieser ist zweihunderttausend Dollar wert, bei Gott! wenn er flott ist.“

„Nun, wir müssen etwas anderes tun, als hier beizuliegen und ihre Linien zu betrachten. Erstens will ich wissen, was mit ihr los ist – ungefähr wie groß das Loch ist. Unsere Augen sollten uns ein wenig etwas sagen können.“

Und mit diesem Auftrag brach Mayo am nächsten Morgen nach dem Frühstück auf.

Nur ein Seemann, jung, wach und kühn, hätte bei diesem Wetter die Seite des Dampfers erklimmen können. Ihre Leiter war an Ort und Stelle, aber nichts weiter als ein übertriebener Eiszapfen. Aber sie war auf der Leeseite, und sein Dory war ziemlich gut vor dem Ansturm der See geschützt. Mit seinem Beil hackte er sich einen Tritt in die Leiter, ließ seine Männer im Dory und kerbte sich seinen gefährlichen Weg zum Deck. Die vordere Luke war offen, genau wie die hastig abreisenden Berger sie hinterlassen hatten. Er ging unter Deck, die gefrorene Eisenleiter hinunter. Er wurde mit einem freudlosen Anblick konfrontiert. Fracht und Wasser verbargen, welchen Schaden sie erlitten hatte. Der dicke Mann hatte den größten Teil der Ladung gesichert, die das Wasser nicht ruiniert hatte.

Er kletterte zurück an Deck und erkundete mittschiffs und achtern. Ihr Maschinenraum war teilweise überflutet, da ihr Vorsteven auf dem höheren Teil des Riffs aufgestützt war und sich das Wasser achtern abgesetzt hatte. Die Mannschaftsunterkünfte befanden sich über dem Hauptdeck, wie es bei den meisten Frachtschiffen der neueren Bauart der Fall ist. Er fand reichlich Dosenfutter in den Bereichen des Stewards, Kohle im Kombüsenbunker, und es gab Bettzeug in den Offizierskabinen.

Mayo kletterte zurück in sein Dory und ging an Bord des Schoners. Er berichtete von seinen Erkenntnissen.

„Und hier ist der einzig vernünftige Plan für den Augenblick, Kapitän Candage: Ich nehme zwei Männer und ein Dory, gehe an Bord und bewache unser Eigentum. Jemand muss hier bleiben – und ich will nicht, dass Sie das Risiko auf diesem Wrack eingehen. Sie haben eine Tochter. Sie kennen wahrscheinlich mehr Leute auf der Werft in Limeport als ich. Das ist die nächstgelegene Stadt, und ich glaube, wenn Sie melden, dass die Conomo nach diesem Sturm hält, können Sie etwas Ausrüstung auf Kredit anmieten und etwas Geld leihen.“

„Ich schwöre, ich werde mein Bestes tun. Ich kenne viele Leute an der Wasserfront, und ich habe meine Rechnungen immer bezahlt.“

„Wir brauchen Zeug für das ganze Bergungsspiel – Maschine, Pumpen und all den Rest. Sie gehen an Land, spähen aus, fangen ein paar Männer ein und bringen sie hierher, damit sie sich unser Projekt ansehen.“

„Ihnen einen Anteil anbieten?“

„Nein, Sir. Wir machen daraus eine geschlossene Gesellschaft. Ich habe nicht vor, eine Menge Landhaie hier reinzulassen, die uns um das bringen, was unser eigenes ist. Es ist unser Glücksspiel, und wir wollen, was dabei herauskommt. Gehen Sie an Land und sehen Sie, was Sie bei Preisen und Konditionen tun können. Schließen Sie nichts ab, bis Sie und ich beraten haben. Ich werde eine Bedarfsliste erstellt haben, bis Sie zurück sind.“

Eine halbe Stunde später befand er sich mit den zwei Männern, die er als seine Begleiter ausgewählt hatte, auf dem Wrack. Sie trugen Takelage bei sich, mit der sie ihr Dory hochhievten – ihr wichtigstes Rettungsmittel für den Notfall.

Und das Meer, das Mayo überblickte, war einsamer als je zuvor, denn die Ethel and May stand über die wogende Oberfläche hinweg in Richtung Festland, und der Rumpf blieb allein in der Weite des Ozeans zurück. Er fühlte sich sehr wie ein Zwerg und sehr hilflos, als er über die eisigen Decks kletterte. Er erinnerte sich, dass Glaube Berge versetzen kann, aber er war noch nicht in der Lage zu bestimmen, welche Kraft in der Lage wäre, diesen Dampfer zu bewegen, in dessen Eingeweide das Riff von Razee seine Zähne gebohrt hatte.

Um acht Glas, Mitternacht, stieg Mayo aus seiner Koje, denn er hörte etwas, das ihn interessierte. Es war ein sanftes Plätschern, ein sanftes Rauschen. Als Seemann wusste er, wie plötzlich meteorologische Veränderungen an der Küste im Winter sein können. Wenn die Nordwinde getobt und geheult und sich ausgeblasen haben, Graupel und Schnee spuckend, haben die sanfteren Südwinde ihren Auftritt und bringen mildere Feuchtigkeit vom Golfstrom. Er steckte seinen Kopf heraus und fühlte eine weiche Luft und warmen Regen. Er hatte gehofft und halb erwartet, dass eine Wetteränderung diesen Zustand bringen würde – bekannt als Januartauwetter. Er ging zurück in seine Koje, sehr getröstet.

Eine helle Sonne weckte ihn. Klarer Himmel war auf den Regen gefolgt. Alles tropfte und schmolz. Eisstücke fielen von den stämmigen Masten des Dampfers, und ihre Speigatten begannen, Wasser aus der aufweichenden Masse auf ihrem Deck abzuführen.

Er und seine kleine Mannschaft aßen das Frühstück bei bester Laune, holten dann Äxte aus dem Werkzeugschuppen des Dampfers und begannen, Wasserläufe in das Eis zu hacken. Eine gütige Sonne an einem wolkenlosen Himmel hatte sich als Mitglied der Bergungsmannschaft auf dem Razee-Riff eingetragen. Dieses Wetter würde die Conomo bald von ihrer Umhüllung befreien.

Das war eine erfreuliche Aussicht, denn Takelage und Deckausrüstung verschiedener Art würden freigegeben werden. Der Dampfer begann wie ein weniger entmutigendes Unterfangen auszusehen. Er war nicht mehr der Eiszapfen, der Versicherern und Bietern einen Schauer über den Rücken gejagt hatte. Mayo verlor die Schwermut, die auf ihm gelastet hatte. Das Meer schien nicht mehr so einsam und bedrohlich. Er fühlte, dass er den Parteien, die Kapitän Candage vielleicht ansprechen könnte, etwas Greifbares und Hoffnungsvolles zeigen konnte.

Als er am Nachmittag einen Schlepper näherkommen sah, legte sein Optimismus nahe, dass er den Skipper und seine Gruppe brachte; seine eigenen Hoffnungen waren jetzt so hoch, dass er das Gefühl hatte, dass Männer mit Ausrüstung und Geld begierig darauf sein würden, sie Parteien zu leihen, die so ausgezeichnete Aussichten besaßen. Auf diese Weise interpretierte er diese offensichtliche Eile, zum Riff zu gelangen.

Aber es war nicht Kapitän Candage, der ihn rief, als der Schlepper sich an die Leiter legte, wobei seine Schraube die See im Rückwärtsgang aufwühlte. Ein Fremder kam aus dem Steuerhaus der Resolute und trug einen großen Lederkoffer. Er war eindeutig der Passagier, der sie gechartert hatte. Ein Decksmann warf eine Wurfleine zum Deck des Dampfers, und Mayo warf sie prompt zurück.

„Sie kommen nicht an Bord.“

„Wer sagt das?“

„Ich sage das. Ich habe einen Kaufvertrag von ihr in der Tasche.“

„Ich erkenne ihn nicht an. Das Gesetz wird später ein Wort dazu mitzureden haben.“

„Es ist mir egal, was das Gesetz später sagen mag. Ich spreche jetzt. Wir besitzen diesen Dampfer. Weshalb sind Sie hier?“

„Ich habe eine ganze Menge kleiner persönlicher Habseligkeiten auf ihr zurückgelassen. Ich ging in Eile. Ich will mit dieser Reisetasche an Bord kommen und sie holen.“

„Das müssen ziemlich wertvolle Habseligkeiten sein, wenn man bedenkt, dass Sie einen Schlepper gechartert haben, um hierher zu kommen.“

„Das Eigentum eines Mannes bedeutet ihm mehr als jedem anderen. Jetzt, wo ich all diese Ausgaben hatte, Sie sind doch nicht so gemein, mich draußen zu halten? Das ist unter Seeleuten.“

„Wer sind Sie?“

Der Mann zögerte. „Nun, wenn ich vorgestellt werden muss, sage ich, mein Name ist Simpson – ich war zweiter Offizier an Bord.“

„Sie sind nicht mit irgendwelchen rechtlichen Papieren hier – Sie versuchen nicht irgendeinen Trick, um in den Besitz zu gelangen, oder?“

„Nehmt alle, die es hören, zum Zeugen, dass ich das nicht tue! Ich werde mein Zeug zusammenpacken und in zehn Minuten gehen.“

„Kommen Sie dann an Bord.“

Der Mann stellte seinen Koffer ab und befestigte eine Wurfleine am Griff. Er wickelte die Leine auf und gab sie einem Decksmann. „Werf mir die zu, wenn ich an Deck bin“, befahl er. Dann kam er die Leiter hoch.

„Hieven Sie, und ich werde die Tasche hochziehen“, schlug Mayo an der Reling vor.

„Warten Sie, bis ich oben bin“, bellte der Besucher, während er weiter kletterte. Er fing die Leine, nachdem er die Reling erreicht hatte, und zog den Koffer mit einiger Mühe und großer Sorgfalt herauf.

„Passen Sie auf, die Tasche ist nicht leer“, sagte Mayo.

„Wer hat gesagt, dass sie das wäre? Ich trage darin alles, was ich auf der Welt besitze. Ich breche nach New York auf, sobald mich dieser Schlepper an Land bringt.“

Er nahm den Koffer und ging in Richtung der Offiziersquartiere. Mayo ging mit.

„Haben Sie Angst, dass ich ihr den Motor ausbauen will? Die paar Kleinigkeiten, die ich suche, waren versteckt, und deshalb habe ich sie vergessen. Beleidigen Sie mich jetzt nicht, indem Sie mir nachlaufen, als wäre ich ein Dieb.“

„Ich weiß nicht genau, was Sie sind“, murmelte der junge Mann. „Da ist etwas, das verdammt faul aussieht, aber ich habe Sie noch nicht ganz durchschaut.“

„Ich gehe zurück – ich gehe sofort zurück. Ich nahm an, ich würde einen Gefallen von einem Gentleman und einem Kollegen erbitten.“ Er machte Anstalten, zur Leiter zurückzukehren.

„Holen Sie Ihr Zeug“, befahl Mayo. „Wenn Ihre Angelegenheiten hier nur Sie etwas angehen, will ich Sie nicht ausspionieren.“

Er ging zurück, um den Kapitän des Schleppers nach Informationen bezüglich der Ethel and May zu fragen.

„Sie liegt in Limeport“, berichtete der Kapitän mit den Ellbogen auf dem Fensterbrett. „Bin heute Morgen im inneren Hafen an ihr vorbeigefahren. Da haben Sie sich ein ganz schönes Stück vorgenommen, was? Wir alle dachten, dieser Sturm hätte sie zerschlagen. Es gab ziemliches Aufsehen am Hafen, als der alte Candage ankam und meldete, dass sie es überstanden hat.“

„Ich schätze, einige der Panikmacher reden jetzt in einem anderen Ton über die Aussichten hier draußen, oder?“

„Da bin ich mir nicht so sicher, Sir“, erklärte der Schlepperkapitän und nahm eine lässigere Haltung ein.

„Gibt es an Land nicht das Gefühl, dass wir mit diesem Vorhaben Erfolg haben werden?“ In Mayos Stimme lag Besorgnis. Er war äußerst beunruhigt. Von der Stimmung an Land hing Kapitän Candages Erfolg ab.

„Kann nicht sagen, dass ich davon etwas höre!“

„Aber das Gerede muss doch –“

„Es gibt nicht viel Gerede – nicht jetzt. Man geht allgemein davon aus, dass dieser Kahn erledigt ist, und die Leute reden über etwas anderes.“

„Aber sie ist hier – sie ist aufrecht und liegt fest! Sie ist –“

Der Schlepperkapitän war nicht interessiert genug, um sich Erklärungen zum Zustand der Conomo anzuhören. „Passen Sie mal auf, mein Sohn“, unterbrach er ihn, „glauben Sie im Ernst, dass sich das nicht schon längst die richtigen Leute unter den Nagel gerissen hätten, wenn es irgendeine Aussicht auf Erfolg gäbe? Ich weiß, da ist keine Aussicht!“

„Woher wollen Sie das wissen?“, forderte Mayo empört.

„Habe ich nicht mit dem Vertreter einer der größten Bergungsfirmen an der Atlantikküste gesprochen? Er ist jetzt in Limeport – war heute Morgen an Bord meines Schleppers.“

„Woher will er das wissen?“

„Nun, er weiß es eben. Das ist sein Geschäft. Und jeder in Limeport weiß, was er gesagt hat. Er war nicht schüchtern damit, seine Meinung zu äußern.“

Mayo lehnte sich über die Reling, und ein unheilvolles Licht in seinen Augen verriet, was er in diesem Moment von diesem unbekannten Verleumder hielt.

„Ich würde gerne wissen, wer dieser Herr Vermut-mal ist – der hinter dem Rücken ehrbarer Männer bellt!“

„Mr. Fogg! Das ist er! Scheint sein Geschäft zu verstehen!“

„Fogg?“

„‚Genau!‘ Das ist sein Lieblingswort“, erklärte der andere und grinste. „Ein Kerl, sag ich Ihnen, mit Zigarren und großer Klappe!“

„Beim Himmel, jetzt weiß ich, wer diesen Schlepper gechartert hat!“, rief er. „Was für ein Dummkopf werde ich eigentlich?“

Er drehte sich um und rannte zu den Offiziersquartieren. Er stürmte in den Hauptgang und suchte überstürzt die Kabinen ab. Von seinem Besucher fehlte jede Spur.

In diesem Moment, im Wirbel seiner Gedanken, hatte er nur eine vage Vorstellung davon, was das Motiv für den Besuch des Mannes sein könnte. Aber er war sich jetzt sicher, dass ein Schurke, der vorsätzlich einen konkurrierenden Dampfer versenkt hatte – falls Candages Vermutungen korrekt waren – für Geld zu allem fähig war.

Ein enger Niedergang mit Messinggeländer führte hinunter zu den Mannschaftsquartieren. Mayo, der das obere Ende erreichte, sah, wie der Mann hastig nach unten eilte. Der Kapitän packte das Geländer und glitt mit einem Schwung hinunter.

„Was zum Teufel tun Sie da?“, keuchte er.

Der Eindringling packte ihn, stieß ihn zur Seite und wollte den Niedergang wieder hinauf. Er hatte den Koffer fallen lassen, um Mayo zu greifen, und dieser prallte so auf, dass man sah, er war leer.

Mayo sprang und packte den anderen an den Beinen, als dieser gerade wieder hinaufklettern wollte. Der Mann trat ihm wütend in die Brust, bevor es dem Angreifer gelang, die Beine mit den Armen zu fixieren. Sie stürzten zusammen und rollten immer wieder übereinander.

Der Fremde war stämmig und kräftig, seine Muskeln durch die Arbeit eines Seemanns gestählt. Überdies schien er von mehr als nur einem Groll oder dem Wunsch, sich zu verteidigen, angetrieben zu sein; er kämpfte wie von Sinnen und hämmerte mit den Fäusten auf Mayos Gesicht und Rippen ein, während sie rollten. Dann begann er zu schreien. Er kreischte förmlich, während er versuchte, sich zu befreien.

Aber sein Angreifer war genauso zäh und verzweifelt, und er verfügte über die überlegene Wendigkeit eines jüngeren Mannes. Der andere hatte den Kampf provoziert. Mayo war entschlossen, an ihm dranzubleiben, bis er den Grund für diese seltsame Raserei herausgefunden hatte.

Er schnellte über seinen Gefangenen, packte ihn an beiden Ohren und schlug dessen Kopf so heftig auf die Deckplanken, dass sein Opfer erschlaffte, halb bewusstlos.

Dann öffnete er starrende Augen. „Lass mich los! Lass mich los! Ich gebe auf. Lauf weg. Lass mich laufen. Wir sind dem Untergang geweiht!“, schrie er.

„Lauf weg? Warum?“, forderte der Sieger.

„Dynamit! Ich habe es platziert. Die Lunte brennt.“

„Wo ist es?“

„Unten – irgendwo. Ich habe es vergessen. Ich kann mich nicht erinnern. Mein Verstand ist weg. Ich habe zu viel Angst, um zu denken. Lauf!“

Mayo sprang auf und zerrte den Mann auf die Füße. „Bring mich hin!“, schrie er.

„Es ist keine Zeit mehr. Ich habe die Lunte nur geschätzt – sie brennt vielleicht schneller, als ich dachte.“

Der junge Mann rammte seine Faust in das Gesicht des anderen und schlug ihn nieder. Dann zerrte er ihn wieder hoch.

„Bring mich dorthin, wo du das Dynamit platziert hast, oder wir bleiben hier und fliegen zusammen in die Luft. Und jetzt weißt du, dass ich meine, was ich sage.“

Der letzte Schlag hatte den Mann eingeschüchtert; er hob erneut die Faust.

Der Besucher sprang von ihm weg und rannte über das untere Deck, Mayo dicht auf seinen Fersen. Er führte den Weg nach achtern. Im Dunkeln des Zwischendecks leuchtete ein roter Funken. Mayo stürzte darauf zu, riss seine Mütze ab und erstickte den unheilvollen Schein. Als er sicher war, dass die Lunte aus war, hörte er, wie sein Mann die Niedergangsleiter hinaufkletterte. Er verfolgte und stellte den Gejagten, als dieser das Oberdeck erreichte, prügelte ihn an den Ohren und zwang ihn in eine Kabine.

„Das bedeutet Zuchthaus für Sie! Sie haben sich bereits früher der Meuterei schuldig gemacht, und das wissen Sie! Wie konnten Sie es wagen, diesen letzten Trick zu versuchen?“

„Ich hatte meine Befehle.“

„Befehle von wem?“

„Egal. Sie brauchen nicht zu fragen. Ich werde es nicht verraten.“ Der Fremde war mürrisch und hatte einen Teil seiner Sicherheit wiedergewonnen, jetzt, da die Angst vor dem Dynamit verflogen war.

„Sie sind ein Wahnsinniger. Sie hätten wissen müssen, dass Sie so etwas nicht durchziehen können.“

„Ich weiß nicht! Es hat ziemlich reibungslos funktioniert. Wenn sie aufgebrochen wäre und von diesen Riffen abgetrieben wäre, hätten Sie nichts Besonderes beweisen können. Ich habe gute Rückendeckung. Sie lassen mich besser laufen.“

Mayo starrte ihn an, sprachlos ob dieser Unverschämtheit.

„Sie sollten sich lieber den Großen anschließen“, riet der Mann. „Ich kann Ihnen jetzt schon sagen, dass jedes Schlupfloch in Limeport für Sie dicht ist. Sie können dort keine Ausrüstung mieten oder einen Cent Kredit bekommen. Darum wurde sich bestens gekümmert. Sie spielen hier mit einer toten Ente. Es wäre besser für Sie gewesen, wenn Sie das Dynamit hätten explodieren lassen, um sie zu spalten.“

Die völlige Nutzlosigkeit von Worten in einer solchen Situation, die Unzulänglichkeit der Sprache, einer solchen dreisten Kühnheit zu begegnen, unterbrach Mayos mit Flüchen gespicktes Anathema. Er zog den Schlüssel aus der Kabinentür und drohte dem Gefangenen mit der Faust, als dieser versuchte, ihm hinauszufolgen.

„Sie wagen es nicht, mich an Bord zu behalten! Warnen Sie sich an dem, was sie Ihnen bereits angetan haben, Mayo! Ich bin mir meiner Rückendeckung sicher.“

„Sie werden Gelegenheit haben, sie zu nutzen!“, entgegnete der junge Mann. Er schlüpfte hinaus und schloss die Kabinentür ab.

„Ihr Passagier fährt nicht mit Ihnen zurück, Sir“, rief er vom Deck herunter zum Schlepperkapitän.

„Ich nehme meine Befehle von ihm entgegen.“

„Sie nehmen sie jetzt von mir entgegen. Legen Sie ab!“

„Passen Sie mal auf –“

„Ich meine, was ich sage, Sir. Der Mann, den Sie hierher gebracht haben, bleibt hier, bis ich ihn der Polizei übergeben kann.“

„Was hat er getan?“

„Je weniger Sie über die Angelegenheit wissen, desto besser wird es für Sie und Ihr Boot sein! Sagen Sie dem Mann, der Ihren Schlepper gechartert hat –“

„Sie haben ihn doch an Bord!“

Mayo sah dem Schlepperkapitän direkt in die Augen.

„Sagen Sie Mr. Fogg, der Ihren Schlepper gechartert hat, dass ich seinen Mann unter Verschluss habe und dass ich umso zufriedener bin, je mehr Aufruhr er deswegen macht. Und bringen Sie keine Passagiere mehr hierher, es sei denn, es sind Polizeibeamte.“ Dann brüllte er in seinem Tonfall als Kapitän: „Legen Sie ab! Sie wissen, was das Admiralitätsgesetz besagt!“

Der Kapitän nickte, schloss das Fenster seines Steuerhauses und ließ die Glocke läuten. Mayo wusste an seinem verdutzten Gesichtsausdruck, dass er nicht vollständig in das Vertrauen seines Passagiers und seines Arbeitgebers eingeweiht war.

Dieser stümperhafte, dreiste Versuch, den Dampfer zu zerstören, traf Mayos Stolz so tief, wie er seinen Zorn entfachte. Fogg betrachtete die Ansprüche der neuen Eigentümer offensichtlich mit Verachtung. Er müsse wohl an seine eigene Macht glauben, ruinieren zu können und den Konsequenzen zu entgehen, überlegte der junge Mann. Er hatte Mayo und seine bescheidenen Mitarbeiter auf die Stufe der gewöhnlichen Piratenwrackplünderer der Küste gestellt – Männer, die ohne Gesetz oder Recht zugriffen, die darauf vorbereitet sein mussten, gegen andere Piraten derselben Sorte zu kämpfen, und deren Angelegenheiten vor keinem Gericht Bestand haben konnten.

Noch beunruhigender waren die Aussagen, dass die Kreditwege an Land verschlossen seien. Böswillige Behauptungen konnten das Projekt effektiver ruinieren als Dynamit. Aber jetzt, da die Conomo dem Peitschen eines Sturms standgehalten hatte und wuchtig auf dem Riff lag, ein sichtbares Pfand von Wert, schien es, dass Kapitän Candage jemanden finden musste, der sie unterstützte.

Zwei Tage lang wartete Mayo mit großer Ungeduld, während er und seine Männer die vorläufigen Arbeiten verrichteten, die sich anboten.

Er erwartete, dass Fogg eine Rettungsexpedition schicken würde, aber seine Befürchtungen blieben folgenlos. Sein Gefangener war mürrisch verschwiegen und schien sich mit den wenigen Worten, die er von sich gab, mit der Gewissheit zu trösten, dass Mayo die Vergeltung sicher sei.

Am dritten Tag kam der Schoner. Er kam lustlos bei leichtem Wind, und seine schlaffen Segel schienen Entmutigung und Enttäuschung auszudrücken. Mayo, der zu ihm hinüberstarrte, während er sich näherte, empfing diesen Eindruck trotz seiner Hoffnungen. Er erhaschte einen Blick auf das Gesicht von Kapitän Candage, als er in seinem Beiboot zur Seite des Dampfers kam, und seine Befürchtungen wurden bestätigt.

„Es hat keinen Zweck“, war der lakonische Bericht des Skippers, als er die Leiter hochschwang.

„Sie wollen damit sagen, dass Sie niemanden dazu bewegen konnten?“

„Nichts zu machen, nirgends. Da ist ein dicker Mann namens Fogg in Limeport, und der verbreitet das Gerede, dass wir keine rechtliche Grundlage oder Aussichten hätten. Habe ein paar Männer dazu gebracht, mir zuzuhören, aber sie haben mich verjagt, als sie herausfanden, dass wir sie nicht aufnehmen und ihnen alle Gewinne geben würden. Bin nach Maquoit gegangen und habe versucht, Diakon Rowley in die Sache hineinzuziehen – und wenn ich hingehe und Diakon Rowley um Gefälligkeiten bitte, können Sie sich vorstellen, wie verzweifelt ich bin. Er ist ein Mann, der nur Bares sieht – das haben Sie ja selbst herausgefunden.“

„Aber konnten Sie ihm nicht zeigen, dass dies das beste Glücksspiel an der Küste ist?“

„Er ist kein Spieler; er ist ein Geschäftemacher, der nur auf Nummer sicher geht. Und als er wusste, dass wir unser ganzes Geld reingesteckt hatten, drohte er uns den Schoner wegzunehmen, falls wir nicht wieder zum Fischen gehen und ‚vernünftig werden‘ – so drückte er das aus. Also hatten er und ich dann diesen aufgeschobenen Streit.“

„Aber sehen Sie sie sich an“, flehte Mayo und winkte mit der Hand, „das Eis ist runter, alle Nieten fest nach dem Schlag. Wenn wir jetzt die richtigen Leute hierher bekommen könnten –“

„Ich selbst bin mir auch nicht mehr sicher“, erklärte Kapitän Candage und ließ einen misstrauischen Blick über ihr Eigentum schweifen. „Wenn man hier draußen abseits von vernünftigen Geschäftsleuten ist und davon träumt, was passieren könnte, kann man sich selbst etwas vormachen. Ich kann verstehen, wie es Ihnen geht. Aber ich war an Land, und mir wurde es ordentlich und deutlich gesagt. Ich habe an eine Möglichkeit gedacht, an Geld zu kommen, aber ich bin zur Vernunft gekommen und habe es aufgegeben.“

„An Geld kommen – wie?“

„Egal. Ich würde mir beide Hände abhacken, bevor ich zuließe, dass diese Hände dieses Geld für eine solch verzweifelte Sache nehmen. Lassen Sie uns sie an den ersten Besten als Schrott verkaufen, der sie nimmt – und dann unseren eigenen Geschäften nachgehen und fischen gehen.“

„Wollen Sie Ihren Dienst hier an Bord antreten und mich an Land lassen?“

„Es hat keinen Sinn, dass wir noch mehr Zeit verschwenden.“

„Ich habe hier meinen Dienst getan, Kapitän Candage, und es war ein guter. Ich bitte Sie nur, Ihren Dienst zu tun, wie es einem Schiffsgefährten gebührt. Behalten Sie ein Dutzend der Männer hier bei sich. Es gibt reichlich zu essen. Wehren Sie alle ab, die kommen, bis ich zurück bin.“

„Was haben Sie vor?“

„Einen männlichen Versuch wagen, Sir, bevor ich sie uns abstoßen lasse. Fischen gehen können wir immer noch. Aber es gibt nur eine Conomo.“

„Ich bleibe. Es ist nur fair Ihnen gegenüber, dass Sie Ihre Chance an Land bekommen. Und ich habe ein verdammt gutes Gewehr an Bord dieses Schoners“, erklärte der Skipper. „Schicken Sie es mir mit einem der Männer.“

„Sie könnten es brauchen“, erklärte Kapitän Mayo mit grimmig entschlossenem Kiefer. „Kommen Sie mit mir. Ich möchte Ihnen einen Vogel zeigen, der neulich hier an Bord geflogen ist.“

Vor der Kabinentür hielt er Kapitän Candage an, der ihm auf den Fersen folgte, Mayos Aussage wörtlich nahm und nur mildes Interesse zeigte.

„Kapitän Candage, Ihr Mann, Art Simpson, ist in dieser Kabine. Er kam auf einem Schlepper mit einer Tasche voll Dynamit hierher und wollte dieses Wrack in die Luft jagen.“

„Gott im Himmel, machen die vor gar nichts halt?“, krächzte der alte Skipper.

„Es ist an der Zeit, dass wir herausfinden, wie viel davon rücksichtslose Teufelei von angeheuerten Leuten ist und wie viel die großen Männer wirklich davon wissen, was an dieser Küste getan wird, Sir. Und deshalb halte ich diesen Simpson fest.“

„Lassen Sie mich an ihn ran!“, flehte Candage. „Ich knacke seine Schale für ihn! Ich komme an sein Fleisch!“

Mayo schloss die Tür auf und trat ein.

„Simpson, du –“, brüllte der alte Skipper und hielt dann verwirrt inne, den Mund weit offen.

„Das ist nicht Art Simpson!“, erklärte er nach einem erstaunten Blick auf den finster dreinblickenden Fremden. „Wer sind Sie?“

„Geht Sie einen Dreck an! Wenn Sie wissen, wer ich bin, werden Sie feststellen, dass Sie sich mit einem harten Brocken angelegt haben.“

„Das merken wir bereits, ohne Ihren Namen zu kennen“, entgegnete Mayo.

„Ich mache mir keine Sorgen; Sie sind es, die sich Sorgen machen müssen! Ich habe Sie gewarnt! Jetzt nehmen Sie, was Sie von den Männern erwartet, die hinter mir stehen.“

„Wie ist Ihr Name – das habe ich Sie gefragt?“, forderte Candage.

„Geht Sie nichts an – das habe ich Ihnen gesagt.“

„Wir werden etwas Licht in die Sache bringen, nachdem ich Sie an Land habe“, sagte Mayo. „Kommen Sie! Sie gehen!“

„Je früher, desto besser!“, stimmte der Fremde zu. „Ich werde es genießen, Sie dabei zu sehen, wie Sie Ihr Fett wegkriegen!“

Mayo verlor keine Zeit. Er schickte seinen Gefangenen vor sich die Leiter zum Beiboot hinunter und reichte dem alten Skipper die Hand.

„Wenn ich es nicht besser machen kann, werde ich diesen Teufel, wer immer er auch ist, an den Fersen packen und die Gehirne der anderen Piraten ausschlagen.“

„Ich schätze, sie werden einen Rückzieher machen, wenn sie sehen, dass Sie ihn bei einer Schweinerei erwischt haben“, sagte der Skipper tröstend. „Ich habe viel Vertrauen in Ihren Mut, Sir. Aber ich muss sagen, es ist eine schrecklich hinterhältige Bande, gegen die wir antreten, so scheint es mir.“

„Dies könnte genau der richtige Faden sein, an dem wir ziehen müssen“, erwiderte Mayo; „mit ihnen lässt sich nicht verhandeln, aber wir können sie vielleicht erschrecken.“

„Ich fürchte, ich neige zu sehr dazu, die dunkle Seite zu sehen“, gestand Kapitän Candage. „Sie werden an Land alle gegen sich haben, Sir. Aber die letzten Worte, die meine Polly mir sagte, bevor sie mich zu Ihnen schickte, waren, ich solle meinen Mut nicht verlieren und mich nicht um mein Knurren kümmern. Sie glaubt, dass wir hier ein sicheres Ding haben – und das zeigt, wie wenig ein Mädchen von Männerarbeit versteht!“

Und doch tröstete ihn diese eine kleine Nachricht voll guter Laune vom Festland so sehr, dass er seinen Weg mit dem skurrilen Gedanken fortsetzte, dass Mädchen, die genau wissen, wann sie ein Tätscheln oder ein Lächeln geben müssen, Männerarbeit verdammt gut verstehen.

XXVIII ~ MÄDCHENHILFE UND MÄNNERARBEIT

Wir kennen die Tücken von Wind und Gezeiten, Die Unheil stiften und meinen, Und wir trotzen ihnen, der Zaunkönig und ich, Draußen auf der Weide des alten Mannes. Tag ein, Tag aus watscheln die Schwarzfische dort Hinaus und drunter, Und nachts beobachten wir, wie die Küstenfahrer kriechen Von Licht zu Licht da drüben. – Der Skipper.

Es war die Zeit der Januarkalmen – jene Flaute zwischen den stürmischen Ausbrüchen der Tagundnachtgleichen, und die Ethel and May kam auf ihrer Rückkehr zum Festland nur langsam voran. In Mayos Stimmung ängstlicher Ungeduld war die Hoffnung in seinen Angelegenheiten genauso verwirrend wie die Winde in den Segeln des kleinen Schoners.

Sein Passagier saß auf der Reling und warf dem auf und ab gehenden Kapitän gelegentliche Blicke zu, in denen sich Ironie und Trübsinn mischten.

„Sie wollen mich also vor Gericht bringen, was?“, erkundigte er sich, als sie schließlich am Ende der Mole in Limeport vorbeidrifteten. „Nun, das wird Ihnen eine gute Ausrede geben, Ihre Arbeit an diesem Wrack aufzugeben.“

Mayo ging weiter und antwortete nicht. Er hatte darüber nachgedacht, was er mit diesem neuen „Elefanten“, den er sich da eingehandelt hatte, anfangen sollte. In gewisser Weise war dieser Fremde ein unhandliches Problem in Verbindung mit der Angelegenheit der Conomo.

„Verstehen Sie bloß, dass es mir scheißegal ist, ob Sie mich der Polizei ausliefern“, fuhr der Mann fort. „Für mich wird gesorgt werden. Und für Sie auch! Sie werden gefesselt sein! Gerichte sehen es gerne, wenn Hauptzeugen sich strikt um ihre Pflicht kümmern.“

Der junge Mann hatte nur das vage Wissen eines Seemanns über den Ablauf von Gerichtsverfahren; aber dieses Wissen und die vielen Gerüchte hatten ihn überzeugt, dass das Gesetz langsam, fordernd und anmaßend war.

Seine ganze Zeit, seine besten Anstrengungen, seine Anwesenheit wurden bei der gigantischen Aufgabe benötigt, die er bei Razee übernommen hatte. Sich zusammen mit dieser Person in einen juristischen Schlamassel verstricken zu lassen, selbst bei einer Strafverfolgung des Mannes, bedeutete mit Sicherheit Verzögerung, zusammen mit ständigen Unterbrechungen seiner Arbeit, wenn nicht gar deren Aufgabe für eine gewisse Zeit.

„Wo ist Ihr Chef?“, forderte er und blieb vor dem Gefangenen stehen.

„Name, bitte?“

„Versuchen Sie nicht, mich zu bluffen. Fogg, meine ich!“

„Sie werden Mr. Fogg wahrscheinlich im Nicholas Hotel finden.“

„Ich werde Sie dort hinaufbegleiten. Wenn Sie versuchen wegzulaufen –“

„Lauf du nur deiner Tante Huldah hinterher! Piff, Sohn! Jetzt zeigen Sie Vernunft. Bringen Sie mich zu Mr. Fogg. Ihnen werden ein paar Dinge gezeigt werden.“

Sie hatten keine Schwierigkeiten, Mr. Fogg zu finden. Er stand vor dem Kamin im Büro des Nicholas, wärmte seinen Rücken und seine langsam fächelnden Handflächen und sprach zu einer Gruppe von Männern.

Er tat so, als würde er Mayo nicht wiedererkennen, als der junge Mann brüsk fragte, ob er ihn privat sprechen könne.

„Natürlich, Sir. Und Ihr Freund?“

„Ja.“

Der Fremde, der mit Mayo die Treppe hinaufging, stieß seinen Begleiter an.

„Er ist ein Wunder! ‚Und Ihr Freund?‘“, zitierte er mit einem Kichern. „Keine plumpe Arbeit dabei!“

Mayo hatte fest beschlossen, dass sein gegenwärtiges Geschäft die einzige Angelegenheit war, die er mit Fletcher Fogg besprechen würde. Auch wenn der gerechte Zorn eines unschuldigen Mannes, der ruiniert und verfolgt wurde, ihn dazu drängte, diesen arroganten Betrüger mit Worten und sogar mit Fäusten anzugreifen, verpflichtete er sich durch ein geistiges Versprechen, zu warten, bis er andere Beweise als vage Worte und seine eigenen Überzeugungen hatte.

„Und nun –“, lud Fogg ein, als er die Tür seines Zimmers geschlossen hatte, und wartete, bis seine Besucher eingetreten waren.

„Ja, jetzt!“, platzte Captain Mayo heraus. „Nicht dann, Mr. Fogg! Das klären wir später, wenn ich Sie für das bezahlen lasse, was Sie mir angetan haben. Diesen Mann hier, den kennen Sie natürlich! Er hat versucht, die Conomo in die Luft zu sprengen. Ich habe ihn auf frischer Tat ertappt. Er ist Ihr Mann. Er hat damit geprahlt, dass er geschützt werden würde.“

Mr. Fogg warf dem anerkennenden Grinsen des Mannes einen kalten Blick zu.

„Ich habe diese Person noch nie zuvor gesehen, mein Herr.“

„Ich weiß es besser!“ Mayo zog voreilige Schlüsse und bluffte. „Ich kann durch Männer hier in dieser Stadt beweisen, dass Sie mit ihm gesprochen haben.“

„Er mag einer der Leute gewesen sein, die zu mir kamen und um Arbeit an dem Wrack baten, für den Fall, dass mein Unternehmen sich für die Bergung entscheiden würde. Aber wir haben beschlossen, die Arbeit nicht zu übernehmen, und ich habe ihn nicht weiter beachtet. Soweit meine Erinnerung reicht, habe ich ihn, wie gesagt, noch nie zuvor gesehen.“

„Sie vertreten keine Bergungsfirma“, beharrte Mayo. „Sie sind hierhergekommen, um jeden zu behindern, der versucht, diesen Dampfer zu bergen.“

„Was haben Sie mit mir zu schaffen, mein Herr? Scheren Sie sich weg!“

„Ich bin hier, um Ihnen diesen Mann zu zeigen. Wenn Sie die Finger von meinen Angelegenheiten lassen, den Mund halten und aufhören, den Leuten hier zu erzählen, der Plan zur Bergung sei aussichtslos, dann überlasse ich Ihnen diesen Mann. Sie wissen, was ich jetzt gleich hier mit Ihnen tun sollte, Fogg“, rief er grimmig. „Aber ich mache mir nicht die Mühe – nicht jetzt. Ich bin hier, um mit Ihnen über diese eine Sache zu verhandeln.“

„Ich bin nicht interessiert.“

„Dann werde ich diesen Mann zur Polizeistation bringen und meine Anzeige erstatten. Wenn das Strafverfahren beginnt, werden Sie sehen, was mit Ihnen geschieht.“

„Gehen Sie so weit, wie Sie wollen“, gab Mr. Fogg gleichgültig zu. „Sie können mich nicht für die Taten einer Person verantwortlich machen, die ich nicht im Geringsten kenne.“

„Ist das Ihr letztes Wort?“

„Natürlich ist es das!“, schnauzte der Promoter. „Sie müssen ein Wahnsinniger sein, wenn Sie etwas anderes denken.“

„Sehr wohl. Darf ich Ihr Telefon benutzen, um die Polizei zu rufen?“

„Gewiss.“ Mr. Fogg zündete sich eine Zigarre an und nahm eine Zeitung zur Hand.

„Nur einen Moment, bevor Sie dieses Telefon benutzen“, wandte das dritte Mitglied der Gruppe ein. „Ich möchte eine Abmachung. Verlassen Sie bitte den Raum, Mayo.“

„Bleiben Sie, wo Sie sind“, befahl Fogg. „Ich werde keinerlei Gelegenheit für hinterhältige Machenschaften bieten.“ Er verzog das Gesicht, als der Gefangene ihm zuzwinkerte. „Das sieht für mich nach einem abgekarteten Spiel zwischen Ihnen beiden aus.“

„Hier ist nichts zwischen uns abgekartet“, erklärte der Mann. „Es wäre besser, wenn zwischen Ihnen beiden etwas abgekartet wäre. Die Sache kann für mich nur bis zu einem gewissen Punkt gehen, nicht weiter. Ich sage, ich will eine Abmachung!“

Fogg schlug die Seiten seiner Zeitung auf.

„Ich habe mein Wort gesagt“, sagte Mayo.

„Verdammt, ich gehe nicht in den Knast – für niemanden!“

Fogg nahm seine Brille ab und starrte den Mann unverwandt an.

„Haben Sie versucht, das Wrack zu sprengen?“

„Sind das Befehle – Befehle, offen zu reden?“

„Befehle? Ich weiß nicht, was Sie meinen, mein Herr. Ich habe Ihnen eine einfache Frage gestellt.“

„Und Sie wollen eine Antwort?“

„Natürlich.“

„Was ich versucht habe, hat nicht funktioniert – er war zu schnell für mich. So, jetzt raufen Sie sich zusammen! Er hat Ihnen ein faires Angebot gemacht, Mr. Fogg. Ich muss nicht ins Gefängnis. Ich gehe nicht!“

„Sie sollten für das, was Sie getan haben, ins Gefängnis gehen!“, bemerkte Fogg trocken.

„Nein, für das, was er nicht getan hat – aus Ihrem Blickwinkel“, schlug Captain Mayo vor.

„Und Sie haben damit geprahlt, was?“, Fogg behielt seinen unangenehmen Blick mit seinen fischartigen Augen bei.

„Ich lasse es nicht zu, dass Männer über mich hinweggehen und sich die Füße an mir abwischen, wenn ich Befehle befolge.“

„Befehle von wem, mein Herr?“

„Verdammt noch mal, Befehle von Männern, die mich schützen können, indem sie ein einziges Wort sagen! Ich mache dieses ganze Rätselraten nicht länger mit! Nun heraus damit, Mr. Fogg, was sagen Sie?“

„Kein Wort! Wenn wahr ist, was dieser Kerl sagt, sollten Sie im Gefängnis sitzen.“

„Der Rat ist gut. Er wird sehr bald dort sein“, erklärte Mayo und machte sich auf den Weg zum Telefon. Fogg setzte seine Brille wieder auf und begann zu lesen.

„Ich bin bereit loszuschlagen!“, warnte der Mann. Er eilte durch den Raum und bewachte das Telefon mit ausgebreiteten Armen.

„Sie werden es beide bereuen, wenn die Polizei gerufen wird“, rief er. Mayo, der dicht bei ihm stand, murmelte er zu: „Verdammt noch mal, wenn er mich so fallen lässt, wirst du der Gewinner sein!“

In dem Groll des Mannes lag so viel Wirklichkeit, dass Mayo beeindruckt war und die Idee aufgriff, die ihm in den Sinn kam.

„Wir werden deinen Freund testen“, flüsterte er, packte den Mann und täuschte ein Gerangel vor. „Ich werde einen Anruf vortäuschen. Kämpfe weiter.“

Fogg schenkte dem Geschehen in der Ecke des Zimmers nur beiläufige Aufmerksamkeit.

Mit einer Hand hielt Mayo die Sprechmuschel gedrückt; er wurde heftig hin und her gestoßen, schaffte es aber zu sagen: „Zentrale? Rufen Sie die Polizei zum Hotel – Lobby – sofort!“

„Mr. Fogg“, flehte der Mann und gab Mayo mit dem Ellbogen einen verstehenden Stoß, „geben Sie mir keine Chance für ein privates Gespräch?“

„Wenn Sie mich noch einmal ansprechen oder versuchen, mich zu sehen, lasse ich Sie verhaften.“

„Aber Sie lassen mich fallen.“

„Raus aus diesem Zimmer, Sie beide! Ich will die Polizei nicht hier oben haben.“

Mayo legte dem Gefangenen die Hand auf die Schulter und stieß ihn hinaus.

„Gehen Sie langsam die Treppe runter“, protestierte der Mann. „Er wird garantiert rauskommen und mich zurückrufen! Er muss! Er wagt es nicht, mich fallen zu lassen!“

„Er wagt alles“, erklärte Mayo verbittert, „einschließlich dessen, was er mir und der Montana angetan hat. Ich nehme an, Sie haben darüber gelesen – alle anderen haben das auch.“

Sie gingen gemächlich, aber Mr. Foggs Tür blieb geschlossen. Sie warteten in der Lobby des Hotels. Er erschien nicht.

„Beim Judas!“, rauchte der Mann, „noch ein Zweier, der zerrissen und zusammen mit dir auf den Müll geworfen wurde! Und ich habe ihnen geholfen, es dir anzutun! Ich packe aus, Mayo! Die Sache mit dem Telefon war ein verdammt freundlicher Trick, um mir zu helfen, ihn zu zwingen. Ich schätze das! Ich war an jenem Abend an Bord der Montana, als du und sie euer Fett wegkriegtet! Mein Name ist Burkett – Oliver. Ich war da, auch wenn du mich nicht gesehen hast.“

„Ich habe hinterher gehört, dass du da warst“, erklärte Captain Mayo grimmig. „Captain Wass hat dich erwähnt!“

„Und hat mir wahrscheinlich keinen guten Ruf eingebracht. Dagegen kann ich nichts tun! Du brauchst mir kein bisschen mehr zu vertrauen, Captain Mayo, als du willst. Ich verlange nicht, dass du irgendeinen Respekt vor mir hast. Aber ich will dir sagen: Wenn ein Mann verspricht, mich zu unterstützen, und sich dann umdreht und mich fallen lässt, um seine eigenen Spuren zu verwischen, dann wird er sein Fett wegkriegen, wenn ich in der Lage bin, es ihm zu verpassen! Ich bin im Allgemeinen schmutzig. Ich bin besonders schmutzig in einem Fall wie diesem!“

„Wenn du mir Gefälligkeiten erweist, Mr. Burkett, dann muss ich mich wohl auf deinen Groll gegen Fogg verlassen statt auf deine Zuneigung zu mir. Du siehst, ich bin vollkommen offen. Aber ich bin zu oft getäuscht worden, um irgendjemandem zu vertrauen.“

„Ich verlange nicht, dass du mir vertraust. Ich weiß, wie der Montana-Job erledigt wurde. Ich werde es dir jetzt noch nicht sagen. Ich will sichergehen, dass ich von Fogg fallen gelassen wurde. Und wenn ich das bin – wenn er es ernst meint –, dann werde ich dich benutzen, damit ich ihm eins auswischen kann, ganz egal, wie sehr es dir hilft. Ich kann selbst verdammt offen sein, verstehst du!“

Sie schwiegen und sahen sich an.

„Nun?“, erkundigte sich Burkett mürrisch.

„Nun was?“, fragte Mayo, ohne auch nur den Anschein von Sympathie zu erwecken.

„Was ist mit dieser Polizeisache – mit deiner Anzeige gegen mich?“

„Ich werde kein Wort über den Fall verlieren! Du bist frei, was mich angeht. Ich bin hier an Land, um etwas Geld oder Kredit aufzutreiben. Ich kann keine Zeit vor Gericht verschwenden, um mich mit dir herumzuschlagen.“

„Ich schätze, du hast deine Befriedigung aus dem Tritt bekommen, den du mir verpasst hast. Ich fing an, dich danach sogar zu mögen“, sagte Burkett und verzog einen Mundwinkel zu einem Grinsen, das eine Grimasse war. „Ich bleibe in diesem Hotel.“

„Fogg wird sehen, dass unsere Affäre vorhin ein Bluff war. Er wird dich wieder ins Lager zurückholen.“

„Du musst das Risiko eingehen, Mayo. Was sagst du?“

„Ich gehe das Risiko ein.“

„Beim Kuckuck! Mein Herr, Sie sind ein aufrechter Kerl, und davon treffe ich heutzutage nicht viele! Lassen Sie die Sache ruhen. Bevor Sie die Stadt verlassen, lassen Sie mir hier eine Nachricht zukommen. Ich werde Ihnen die Neuigkeiten erzählen!“

Mit dieser Abmachung trennten sie sich.

Drei Tage später ging Mayo in das Nicholas Hotel, wobei er sich eingestand, dass er ein zutiefst geschlagener junger Mann war. Er war unfähig gewesen, Ermutigung, Geld oder Kredit zu sichern. Es gab Parteien, die ihn bei jedem Versuch unterstützen würden, die Conomo zu verschrotten; aber sein Vorschlag, sie mit Hilfe der Sippe von Hue and Cry zu heben, ließ sein Projekt wie einen riesigen Scherz aussehen und sorgte entlang der gesamten Hafenfront für herzliche Erheiterung. Überall fand er Beweise für Foggs geschickte Arbeit der Entmutigung. Wenn eine echte Bergungsfirma das Vorhaben als unausführbar abgelehnt hatte, wie konnten dann mittellose Amateure hoffen? In Geschäfts- und Finanzkreisen war man sich einig, dass sie nur hofften, weil sie Amateure waren.

Mayos Blick auf seine rein persönlichen Angelegenheiten war ebenso düster wie seine Sicht auf das Razee-Projekt, an dem seine Partner beteiligt waren. Er ging nur deshalb zum Hotel, weil er Burkett versprochen hatte, dass er diesem modernen Freibeuter jede beabsichtigte Abreise mitteilen würde. Niedergeschlagen reflektierte er, dass die Kombination gegen ihn immer noch bestand, falls Fogg und Burkett sich wieder geeinigt hatten. Sollten sie weiterhin zerstritten sein, war Burkett lediglich ein diskreditierter Agent, dessen Wort ohne Beweise genauso leicht beiseite gewischt werden konnte wie seine Verbindung zu Fogg in der Angelegenheit der Conomo. Tatsächlich, so überlegte Mayo, könnte eine Verbindung mit Burkett gefährlich sein, da Forderungen nach Entschädigung von fähigen Anwälten in den Anschein von Erpressung verdreht werden können. Er hegte so wenig Hoffnung bezüglich einer Unterstützung durch Burkett, dass er eher erleichtert war, als er feststellte, dass der Mann kein Gast mehr im Hotel war.

„Hat er die Stadt verlassen?“

„Ich nehme an, das ist kein Geheimnis“, erklärte der Angestellte. „Mr. Fogg ließ den Mann gestern verhaften, wegen drohender Worte und Handlungen. So etwas in der Art. Wie auch immer, er sitzt im Gefängnis und muss eine Kaution stellen, um den Frieden zu wahren.“

Mayos erlahmtes Interesse an den Möglichkeiten von Burkett als Helfer in seinen Angelegenheiten wurde durch diese Neuigkeit ein wenig angeregt, und er eilte zum Gefängnis. Wenn jemals ein gefangener und widerspenstiger Zugvogel vor Wut und Verzweiflung mit den Flügeln gegen die Gitterstäbe seines Käfigs schlug, dann tat Mr. Burkett dies mit Nachdruck. Mayo, der als Freund zugelassen wurde, der helfen könnte, die Unruhe zu schlichten, die die tauben Gefängniswärter und die lärmgeplagten Gefangenen an der Anwesenheit von Mr. Burkett verzweifeln ließ, fand den Mann an den Eisenstangen klammernd und mit dem Fuß dagegen tretend.

„Das ist das Letzte, was er getan hat, bevor er die Stadt verließ, das, was er mir angetan hat. Ich kann keine Kaution stellen. Ich kenne niemanden in dieser Stadt“, tobte der Gefangene.

„Ich fürchte, ich kenne die Leute hier nicht besonders gut, wenn ich von meinen Erfahrungen beim Versuch, Geld aufzutreiben, ausgehe“, erklärte Captain Mayo, nachdem er Burkett beruhigt hatte. „Aber ich werde rausgehen und sehen, was ich tun kann.“

Nach einigem Flehen brachte er einen Fischgroßhändler dazu, mit ihm zum Gefängnis zu gehen und Burkett als Risiko in Sachen Kaution zu begutachten. Mr. Burkett, ein Mann der List, zügelte seinen Zorn und bot eine vorzeigbare Miene der Milde.

„Aber woher soll ich wissen, dass er nicht Jagd auf diesen Feind macht, sobald ich die Kaution hinterlege?“, fragte der Fischhändler.

„Captain Mayo nimmt sich einen Wrack-Job vor der Küste vor“, sagte Burkett, „und ich bin gerade arbeitslos und werde mit ihm gehen. Da draußen werde ich ein sicheres Risiko sein, ganz bestimmt.“

„Gilt das auch für Sie, Captain Mayo?“

„Ja, mein Herr.“

Nachdem die Kautionsangelegenheit vor dem Kommissar geregelt war und Burkett mit Mayo die Straße hinunterging, hielt Letzterer an einer Ecke an.

„Ich muss dich hier verlassen, Burkett. Ich gehe an Bord des Schoners. Wir legen ab.“

„Aber was ist damit, dass du mich mitnimmst?“

„Ich war bereit, dir so weit beim Lügen zu helfen, Burkett. Ich wusste, dass du nicht vorhattest, mit mir zu kommen.“

„Ich will dich nach dieser Sache bei niemandem in Misskredit bringen, Captain Mayo. Ich muss für eine Weile weg, wo ich nicht in Gefahr bin, Fletcher Fogg zu sehen. Wenn ich ihm begegne, während ich so schäume, werde ich ihn umbringen, selbst wenn es den elektrischen Stuhl bedeutet. Gib mir eine Anstellung an Bord dieses Dampfers, egal wie schlecht deine Aussichten sind, und ich werde mit dir quitt sein. Das ist das Wort eines Mannes an dich. Ich weiß, das ist in deinen Augen nicht viel wert – aber es gibt Versprechen, die ich halten kann. Ich habe vor, dir zu helfen, es Fogg und seiner Bande heimzuzahlen. Das ist Grund genug für das, was ich tue“, flehte er ernst. „Das solltest du selbst einsehen. Ich bin genauso gut mit Maschinen wie im Ruderhaus. Ich werde dich nicht behindern!“

„Na gut, Mr. Burkett, kommen Sie mit“, stimmte Mayo kurz angebunden und ohne Enthusiasmus zu.

Ein günstiger Wind begünstigte ihre Abfahrt und Mayo steuerte den Schoner Richtung Maquoit. Die wenigen Worte, die Captain Candage über Rowleys Geisteszustand fallen gelassen hatte, beunruhigten Mayo. Sein kleines Gebäude der Hoffnung schwankte kurz vor dem Einsturz, aber der Verlust der Ethel and May bedeutete den letzten Anstoß und den völligen Ruin. Er entschied, dass er aus Ehrengründen verpflichtet war, den Schoner für die Zwecke der Männer von Hue and Cry zu bewahren, selbst wenn das bedeutete, die Conomo aufzugeben und zur Fischerei zurückzukehren. Ohne dieses Fahrzeug wären sie wieder Bettler.

Die Ethel and May schlich sich in den Hafen von Maquoit – wenn man von einem Schoner sagen kann, er schliche sich. Eine Brise bei Anbruch der Nacht fächelte sie voran, und als ihr Anker sank, stöhnte die rostige Kette klagend aus ihrem Klüsenloch.

Mayo ruderte an Land und schleppte sich die kleine Straße hinauf zum Häuschen der Witwe. Er schämte sich, Polly Candage zu treffen – geschämt mit den Gefühlen eines starken Mannes, der jede Anstrengung unternommen hat und gescheitert ist. Aber irgendwie wollte er diesen schwesterlichen Händedruck spüren und in diese ermutigenden grauen Augen blicken. Er erinnerte sich, dass sie ihn in früheren Zeiten beruhigt und stimuliert hatte. Diesmal kam er nicht zu ihr, in der Erwartung, neuen Mut für weitere Anstrengungen zu gewinnen; er hatte alle Ressourcen erschöpft, sagte er sich. Aber in seiner bitteren Demütigung brauchte er die Kameradschaft einer wahren Freundin – ja, er fühlte fast, dass sie nun die einzige Freundin war, die ihm geblieben war. Seine Erfahrungen mit denen, die er zuvor als Freunde betrachtet hatte, hatten ihm das Gefühl gegeben, er stünde allein da.

Sie kam ihm im kleinen Salon entgegengelaufen, die Hände ausgestreckt und das Gesicht hell erleuchtet.

Beim ersten Anblick von ihr fühlte er – und sein Gesicht rötete sich bei dem Gedanken an seine Schwäche –, dass er seinen Kopf an ihre Schulter legen und weinen wollte.

„Du armer Junge, die Dinge sind nicht gut gelaufen!“

Er verschluckte sich, denn das Mitgefühl in ihrem Tonfall berührte sein Herz. Er tätschelte ihre Hände, und sie setzte sich neben ihn auf das alte Sofa mit Rosshaarbezug.

„Ich hatte eine schreckliche Woche, Polly.“

Ihr süßes Lächeln wich nicht. Die grauen Augen starrten direkt in seine.

„Ich habe auf sie eingeredet, bis mein Mund ausgetrocknet war und meine Zunge schmerzte, und Gott weiß, mein Herz schmerzt. Alles, was sie tun, ist, mich anzusehen und den Kopf zu schütteln. Ich dachte, ich hätte Freunde an der Küste – Männer, die an mich glaubten – Männer, die mein Wort nehmen und mir helfen würden. Ich werde mich nie wieder von den Leuten täuschen lassen, die dir bei sonnigem Wetter auf die Schulter klopfen und dir bei Regen keinen Regenschirm leihen, wenn du ihnen nicht deine Uhr als Sicherheit dalässt. Und wo wir gerade von der Uhr sprechen“, fuhr er mit einem wehmütigen Lächeln fort, denn ihre bloße Anwesenheit und ihr unausgesprochenes Mitgefühl hatten begonnen, ihn aufzumuntern, „erinnert mich das daran, warum ich hier in Maquoit bin. Oh ja“, fügte er hastig hinzu, als er einen seltsamen Ausdruck der Enttäuschung auf ihrem Gesicht bemerkte, „ich wollte dich wirklich sehen. Ich habe mich darauf gefreut, dich zu sehen, nachdem alle anderen mir den Rücken gekehrt hatten. Es liegt etwas wunderbar Tröstliches in deinem Gesicht, Polly, wenn du mich nur ansiehst. Du brauchst kein Wort zu sagen.“

„Ich danke dir, Boyd.“

„Ich höre, dass Rowley unruhig wegen seines Schoners wird – er will ihn uns wegnehmen. Also habe ich meine Uhr und alle anderen kleinen persönlichen Dinge verkauft, die ich zu Geld machen konnte, und bin hier, um ihm das Geld zu geben und ihm zu sagen, dass wir wieder zum Fischen zurückkehren.“

„Du gibst den Dampfer auf?“

„Ja – und Hoffnungen und Aussichten und alles. Ich muss.“

„Aber wenn du gewinnen könntest!“

„Ich bleibe unten, wo ich hingehöre. Ich werde nicht mehr träumen.“

„Gib nicht auf.“

„Es gibt nichts anderes zu tun. Wir armen Teufel brauchen etwas mehr als unsere bloßen Hände.“

Das Mädchen kämpfte heftig mit ihrer nächsten Frage, aber er bemerkte ihre Emotionen nicht, denn seine Ellbogen ruhten auf seinen Knien und er starrte auf den Lumpenteppich.

„Wird es viel Geld kosten, was du auf dem Dampfer vorhast?“

„Wir brauchen vielleicht viel, bevor wir alles erledigen können. Aber ich habe nächtelang hier gesessen und die Sache geplant, Polly. Ich habe sie immer und immer wieder durchdacht. Als ich an Bord des Dampfers war und auf deinen Vater wartete, habe ich sie so gut ich konnte untersucht. Wenn ich ein wenig Geld hätte, könnte ich einen Anfang machen, und nachdem ich angefangen hätte und den Zweiflern zeigen könnte, was möglich ist, könnte ich dann mehr Geld aufbringen. Ich bin sicher. Natürlich ist die erste Investition das gefährlichste Glücksspiel, und deshalb ist jeder so zurückhaltend. Aber ich glaube, mein Plan würde funktionieren, obwohl es mir nicht gelingt, jemanden dazu zu bringen, es zu glauben.“

„Werde ich es verstehen, wenn du es mir erzählst?“

„Ich würde eine Taucherausrüstung und Material besorgen und Schotten in ihr bauen, auf beiden Seiten des Lochs in ihrem Boden. Dann hätte ich eine Maschine und Pumpen und würde zeigen, dass ich das Wasser aus ihr herausbekommen kann, oder zumindest genug davon, damit sie schwimmt.“

„Aber das große Loch, das würdest du nicht flicken?“

„Ich denke, wir könnten die Schotten so abstützen, dass wir das Wasser aus beiden Enden heraushalten und das Hauptloch in ihrem Rumpf in Ruhe lassen könnten.“

„Und sie würde nicht sinken?“

Er war geduldig mit der Unkenntnis des Mädchens über die Gebräuche auf See.

„Seit du hier in Maquoit bist, Polly, hast du die Hummerfischerboote mit dem gesehen, was man ‚Brunnen‘ nennt. Alles mittschiffs ist voller Wasser, weißt du – es kommt durch Löcher im Rumpf herein – frisches Meerwasser, das hinein- und herausströmt und die Hummer am Leben erhält, bis sie den Markt erreichen. Aber das Schiff ist an beiden Enden dicht, und es schwimmt. Nun, das ist es, was ich mit der Conomo plane. Mit ein paar tausend Dollar bin ich sicher, dass ich einen genügend großen Anfang machen kann, um ihnen zu zeigen, dass der Rest erledigt werden kann.“ Er verlor prompt das bisschen Enthusiasmus, das er während seiner Erklärung gezeigt hatte. Er begann wieder seine düstere Musterung des Teppichs. „Aber es hat keinen Zweck. Niemand will einem Mann zuhören, der sich Geld für eine wilde Hoffnung leihen will.“

Sie schwieg lange und starrte ihn an, und er merkte nicht, dass er das Ziel einer so intensiven Betrachtung war. Mehrfach öffnete sie den Mund und schien ihn eifrig ansprechen zu wollen, denn ihre Augen leuchteten und ihre Wangen waren gerötet.

„Ich wünschte, ich hätte das Geld, um es dir zu leihen“, wagte sie schließlich.

„Oh, das würde ich nicht annehmen – nicht von einem Mädchen, Polly. Nein, wirklich nicht! Das ist ein Glücksspiel für Männer – keine Investition für Witwen und Waisen“, erklärte er und lächelte sie an. „Ich glaube daran; das liegt daran, dass ich verzweifelt bin und gewinnen muss. Es ist aus einem großen Grund, Polly!“

Sie wandte ihr Gesicht ab und wurde blass. Sie errötete bei seinen nächsten Worten:

„Das Wichtigste auf der Welt für mich ist, diesen Dampfer von Razee wegzubekommen und zu zeigen, dass dieser verfluchte Marston und seine ganze ‚Küstenbande‘, dass ich kein Aufschneider bin. Ich habe es auf sie abgesehen!“

Er tätschelte die Hände, die sie auf ihren Knien verschränkt hatte, und bemerkte nicht, dass sie ihre Finger so fest ineinander krallte, dass sie beinahe blutleer wurden. Er stand auf und ging zur Tür.

„Ich werde heute Abend Rowley besänftigen und für einen frühen Aufbruch bereit sein.“

„Boyd“, bat sie, „wirst du mir einen kleinen Gefallen tun?“

„Sehr gerne, Polly.“

„Warte mit deiner Angelegenheit mit Mr. Rowley bis morgen früh.“

„Warum?“ Er sah sie mit beträchtlicher Überraschung an.

„Weil – nun, weil du ein wenig aufgewühlt und müde bist, und du und er könnten aneinandergeraten, und du würdest vielleicht nicht dein kühles Urteilsvermögen einsetzen, wenn er kurz angebunden sein sollte. Du weißt, dass du dich gerade mit der ganzen Welt ein wenig überworfen hast!“ Sie sprach nervös und lächelte wehmütig. „Es würde mir leidtun, wenn du dich mit Mr. Rowley streiten würdest, denn – nun, Vater ist ein Teilhaber und hat sich bereits mit ihm gestritten. Bitte warte bis zum Morgen. Du darfst den Schoner nicht verlieren!“

„Ich bin zu sehr am Ende, als dass ich es wagen könnte, mich mit Rowley zu streiten, aber ich werde tun, was du sagst, Polly. Gute Nacht.“

„Du bist ein braver Junge, wenn du der Laune eines Mädchens nachgibst. Gute Nacht.“

In dem Augenblick, als sein Fuß die letzte Stufe der Veranda verließ, eilte sie in ihr Zimmer im Häuschen und holte ein kleines Päckchen aus ihrer Mappe.

Sie hörte das dumpfe Geräusch seiner Dory-Ruder, während sie die Straße hinunterging. Sie war froh zu wissen, dass er sicher aus dem Weg war.

Rowleys schmutzige Fenster warfen einen trüben Lichtschein in die frostige Nacht. Es war fast Zeit für ihn, seinen Laden zu schließen, und als sie eintrat, war er gerade dabei, die Faulenzer hinauszuwerfen, die sich dicht an seinen Trommelofen gekuschelt hatten.

Nach kurzem Warten war das Mädchen mit ihm allein.

„Nein, ich möchte nichts kaufen, Mr. Rowley. Ich brauche Ihre Hilfe. Ich bitte Sie, mir zu helfen, eine gute Tat zu vollbringen.“

Er schob seine Brille bis an das Ende seiner Nase und starrte sie zweifelnd und neugierig an.

„Wenn es um den Schoner geht, mache ich lieber Geschäfte mit Männern“, sagte er.

„Dies ist ein Geschäft, das nur Sie und ich erledigen können, und es muss ein Geheimnis zwischen uns bleiben. Würden Sie bitte einen Blick in dieses Sparbuch werfen?“

Er leckte einen dünnen Finger ab und blätterte die Seiten um.

„Einlage von fünftausend Dollar und aufgelaufene Zinsen“, bemerkte er und nahm seine forschende Musterung ihres lebhaften Gesichts wieder auf.

„Die Schwester meiner Mutter hat mir dieses Erbe hinterlassen. Es ist mein ganzes kleines Vermögen, Sir. Ich möchte dieses Geld meinem Vater und Captain Mayo leihen.“

„Nun, nur zu, wenn Sie dumm genug dazu sind. Ich bin nicht Ihr Vormund“, stimmte Deacon Rowley zu und hielt ihr das Buch hin. „Aber ich rate Ihnen, Ihr Geld zu behalten. Ich weiß alles über deren Narrheiten.“

„Mein Vater würde es nicht von mir annehmen – und Captain Mayo auch nicht.“

„Das zeigt, dass sie außer Narren wenigstens keine Schurken sind.“

„Aber ich habe Vertrauen, dass sie Erfolg haben und viel Geld verdienen können, wenn sie einen Anfang machen“, beharrte sie. „Ich sehe, Sie verstehen nicht, Sir, was ich von Ihnen brauche. Ich möchte, dass Sie ihnen das Geld leihen, so als käme es von Ihnen. Ich gebe Ihnen das Buch und eine schriftliche Bestätigung, und Sie können es abheben.“

„Nein, meine Dame.“

„Wollen Sie einem Mädchen nicht helfen, das so dringend Hilfe braucht? Sie sind ein christlicher Mann, sagen Sie.“

„Genau deshalb kann ich über dieses Geld nicht lügen. Ich werde ihnen sagen müssen, dass ich es verleihe.“

„Sie werden es ja verleihen.“

„Wie meinen Sie das, Miss?“

„Für Ihre Mühe in dieser Angelegenheit lasse ich Sie die Zinsen zu sechs Prozent für sich selbst einbehalten. Oh, Deacon Rowley, alles, was Sie tun müssen, ist, das Geld auszuhändigen und zu sagen, dass Sie lieber nicht darüber sprechen möchten. Sie sind ein kluger Geschäftsmann; Sie werden wissen, was Sie sagen können, ohne eine Unwahrheit zu sprechen. Sie werden mein Herz brechen, wenn Sie ablehnen. Denken Sie nach! Sie helfen mir nur dabei, meinem eigenen Vater zu helfen. Er hat törichte Vorstellungen davon. Sie können sagen, Sie lassen es ihnen für ein Jahr, und Sie bekommen dreihundert Dollar Zinsen für Ihre Mühe.“

„Ich glaube nicht, dass sie jemals genug verdienen werden, um die Zinsen zu zahlen – geschweige denn das Kapital.“

„Geben Sie ihnen fünftausend Dollar und nehmen Sie sich die Zinsen für ein Jahr von meinen aufgelaufenen Zinsen.“

„Sagen Sie mal, wie alt sind Sie eigentlich?“

„Ich werde im Juni zweiundzwanzig.“

Deacon Rowley betrachtete sie berechnend und strich sich über die Nase.

„Da Sie volljährig sind, sollten Sie es eigentlich besser wissen, aber da Sie volljährig sind, können Sie mit Ihrem Eigentum tun, was Sie wollen. Versprechen Sie mir, niemandem etwas darüber zu verraten?“

„Das verspreche ich, feierlich.“

„Dann unterschreiben Sie einige Papiere, wenn ich sie aufgesetzt habe, und ich werde ihnen das Geld übergeben; aber passen Sie auf, wenn ich mit fünftausend Dollar hinter ihnen herlaufe, werden sie vermuten, dass ich verrückt bin oder noch Schlimmeres. Es ist nicht die Art von Rufus Rowley, so etwas mit seinem Geld zu tun.“

„Ich weiß“, gestand sie und milderte ihre offene Zustimmung mit einem unschuldigen Lächeln. „Aber Captain Mayo kommt morgen früh wegen des Schoners geschäftlich zu Ihnen, und Sie können ihm die Angelegenheit auf irgendeine Weise unterbreiten. Oh, ich weiß, Sie sind so scharfsinnig und klug, dass Sie das tun können, ohne dass er den geringsten Verdacht schöpft.“

„Ich weiß nicht, ob Sie mir schmeicheln oder mich frech anreden, Miss. Aber ich werde es irgendwie durchziehen.“

Sie unterschrieb die Papiere, mit denen sie ihm die Vollmacht erteilte, ließ ihr Sparbuch bei ihm und ging in die Nacht hinaus, ihr Gesicht strahlend.

Sie warf einen fröhlichen Kuss in Richtung des trüben Ankerlichts, das den Standort der Ethel and May im Hafen markierte.

„Ich helfe dir, das Mädchen zu bekommen, das du liebst“, sagte sie laut.

Sie ging weiter in Richtung des Häuschens der Witwe. Ihr Kopf war erhoben, aber auf ihren Wangen waren Tränen.

XXIX ~ DIE SCHUFTEN VON ALT-RAZEE

Hurra! Hurra! auf den Yankees Witz. Hurra! Hurra! auf den Cape-Ann-Schlitz. Es ist Mut und Schwung, der gewinnt – „Die Horton ist da! Die Horton ist da!“ — Alte Ortsweisheit.

Polly Candage, die ihre Gefühle mit jener Maske der Sittsamkeit bedeckte, die die Natur dem schwächeren Geschlecht zu ihrem Schutz verleiht, empfing am nächsten Morgen einen stürmischen Mayo im Salon des Häuschens.

„Ich weiß nicht, wie das passiert ist. Ich verstehe es nicht“, platzte es aus ihm heraus. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand mit Dynamit Geld aus seiner Tasche sprengen könnte – Ihr Vater sagte, das sei unmöglich. Aber Deacon Rowley hat uns fünftausend Dollar geliehen. Hier ist sein Scheck auf die Limeport First National. Er berechnet nur sechs Prozent. Ich bin so schwach, dass ich kaum hierher laufen konnte.“

„Was hat er gesagt, um es zu erklären?“, erkundigte sich Polly mit der Neugier eines Mädchens, das erfahren wollte, zu welchem Ausmaß an Verdrehung ein Diakon fähig war, um dreihundert Dollar zu verdienen.

„Er wollte nicht viel sagen. Er überreichte mir diesen Scheck, sagte, mein Indossament darauf reiche als Quittung aus, und sagte, Ihr Vater und ich könnten später – irgendwann – ein gemeinsames Schuldschein unterschreiben, wenn er dazu käme. Haben Sie irgendein Gerücht gehört, dass der alte Kerl den Verstand verliert? Aber dieser Scheck sieht gut aus!“

„Nun, ich denke, er hat über die Angelegenheit nachgedacht, seit Vater dort war. Tatsächlich hat Deacon Rowley mir ein paar Dinge gesagt“, sagte das Mädchen und begegnete Mayos Blick offen. „Nicht viel natürlich, aber etwas, das andeutete, dass er großes Vertrauen in Sie beide hat, wenn man bedenkt, dass Sie ihn in anderen Geschäften, die er mit Ihnen gemacht hat, gut behandelt haben. Manchmal, wissen Sie, fassen diese harten alten Yankees Zuneigung zu jemandem und tun plötzlich Dinge.“

„Das ist jedenfalls plötzlich genug“, stellte Mayo fest und kratzte mit der gezackten Kante des Schecks über seine Handfläche, als wollte er sich vergewissern, dass er echt war und kein Schatten. „Ja, er sagte mir, ich solle den Schuldschein nicht erwähnen, bis er selbst etwas dazu sagt, und das Darlehen für mich behalten. Er wollte nicht, dass andere mit ihren Plänen zu ihm rennen.“

„Und wenn ich an Ihrer Stelle wäre“, riet das Mädchen, „würde ich Vater nicht sagen, woher Sie das Geld haben – nicht vorerst. Sie wissen ja, er kommt mit Deacon Rowley nicht besonders gut aus – alte Leute streiten sich manchmal so – und er könnte sich Sorgen machen, weil er denkt, der Diakon hätte einen Hintergedanken dabei. Aber das denken Sie doch nicht, oder?“

„Ich habe das Geld, und er hat mich nicht gebeten, irgendwelche Papiere zu unterschreiben. Da gibt es keinen Haken, soweit ich das sehen kann“, erklärte der junge Mann.

„Was werden Sie jetzt tun?“

„Nach Limeport eilen, Ausrüstung mieten – denn ich habe Bargeld, um Pacht im Voraus zu bezahlen – und zu diesem Wrack gelangen und mich an die Arbeit machen.“

„Sagen Sie Vater einfach, Sie hätten das Geld aufgetrieben – von einem Freund! Wenn er sich über irgendetwas Sorgen macht, arbeitet er nur halb so gut. Ich werde Gott bitten, Ihnen jede Stunde des Tages zu helfen und Sie zu segnen.“

„Polly Candage“, rief Mayo und nahm ihre warmen, prallen Hände, „es gibt etwas an dir, das mir Mut, Mumm und Entschlossenheit gegeben hat, seit du mir da auf der alten Polly auf die Schulter geklopft hast. Ich habe viel darüber nachgedacht – ich hatte Zeit zum Nachdenken, als ich da draußen an Bord dieses Dampfers war und gewartet habe.“

„Es gibt nur ein Mädchen, an das du denken solltest“, neckte sie.

Sein Gesicht verdüsterte sich. „Und es ist die Art von Denken, die für einen Mann mit gesundem Verstand nicht gesund ist. Gott sei Dank habe ich jetzt echte Arbeit, an die ich denken kann – und das Bargeld, um diese Arbeit zu tun.“ Er tätschelte seine Tasche.

Sie begleitete ihn zum Kai, und als der Schoner hinter Hue and Cry aufs Meer hinausglitt, gab ihm ihr weißes Taschentuch einen letzten Gruß und ein stilles Geleit.

Captain Boyd Mayo, wieder zurück in Limeport, war nicht mehr der eingeschüchterte, entschuldigende, flehende Bittsteller, der vor wenigen Tagen die Maschinisten und Werftbesitzer am Hafen um Hilfe gebeten hatte. Er bot ihnen keine Schecks mehr an, bei denen sie misstrauisch die Stirn runzelten. Er zog eine Brieftasche, die prall gefüllt war mit neuen Geldscheinen. Er zeigte sein Geld oft und mit Absicht. Er handelte harte Preise aus, während er es in Sichtweite hielt. Er erhielt Kreditangebote an Orten, an denen ihm dies zuvor verweigert worden war. Solche Magie übt sichtbarer Reichtum im Umgang zwischen Menschen aus!

Er begegnete Fletcher Fogg nicht in Limeport, und er war froh darüber. Jemand informierte ihn, dass der Magnat nach New York zurückgekehrt war. Es war für Mayo offensichtlich, dass Fogg in seiner Verachtung beschlossen hatte, die Bergung der Conomo sei in den Bereich der Träume verwiesen worden. Es käme seinen Zielen entgegen, wenn sie verschrottet würde, das erkannte der junge Mann. Nur die schwimmfähige Conomo, ein erfolgreicher Pionier bei neuen Transportexperimenten entlang der Küste, würde seine festen Interessen bedrohen.

Es hatte winterliche Winde und dazwischenliegende Flauten gegeben in den Tagen, seit Mayo seine Projekte an Land vorangetrieben hatte. Aber durch mündliche Berichte von umherirrenden Fischern und Kapitänen von Postschiffen war ihm versichert worden, dass der Dampfer immer noch auf Razee festsaß.

Und als er schließlich ausgerüstet war, brach er von Limeport auf; er fuhr frohen Mutes, obwohl er wusste, dass eine Arbeit für Titanen vor ihm lag. Er hielt seine Absichten bezüglich des Dampfers für sich. Er erlaubte sogar den Tratschern am Hafen, unwidersprochen zu vermuten, dass er das Wrack verschrotten wolle. Er wollte nicht noch mehr von dieser unverfrorenen Feindseligkeit auf sich ziehen, die die Operationen von Fogg und seinen Handlangern auszeichnete.

Er saß am Steuer eines kräftigen Leichters, den er gechartert hatte; den Rest der Besatzung stellte er aus seinen eigenen Leuten zusammen. Der Leichter wurde durch eigene Kraft angetrieben und führte eine gute Pumpe und einen stabilen Kran mit sich; seine Decks waren hoch mit Kohle beladen. Der Schoner war nun nur noch Geleit. Es war eine ganztägige Reise nach Razee, denn der Leichter war ein langsames und schwerfälliges Fahrzeug, aber als Mayo schließlich längsseits der Conomo festmachte und einen schrillen Gruß mit der Pfeife ausstieß, machte die Freude, die er in Captain Candages rosigem Gesicht sah, die Angst und die Verzögerung wett.

„Ich wusste, dass du es irgendwie schaffen würdest“, gab der alte Kapitän zu. „Aber wen musstest du an einem dunklen Ort niederschlagen, um ihm sein Geld zu stehlen?“

„Das ist eine private Angelegenheit, bis wir bereit sind, es mit sechs Prozent Zinsen zurückzuzahlen“, erklärte der junge Mann kurz angebunden.

„Oh, sehr gut. Solange wir es haben, ist es mir egal, wo du es gestohlen hast“, erwiderte Candage mit großer Gelassenheit. „Ich weiß nur, dass du es nicht von dem Geizhals Rowley hast, und das ist Trost genug für mich. Lass mich dir sagen, dass wir hier an Bord nicht gefaulenzt haben. Wir haben den Hebelzug, den du da oben siehst, aufgebaut und die ganze Fracht über Bord geworfen, an die wir herankommen konnten. Sie war durch das Wasser ganz verdorben. Es gibt ziemlich viel freien Platz für Operationen mittschiffs. Ich habe das ganze Ersatzkabel herausgeholt, es ist bereit.“

„Und Sie haben da gute Arbeit geleistet, Sir. Wir müssen diesen Leichter so längsseits festmachen, dass ein Sturm ihn nicht gegen uns zertrümmert. Federkabel – reichlich davon – und wir sind gute genug Seemänner, um zu wissen, wie man festmacht. Aber wenn ich daran denke, was für Amateure wir beim Rest dieser Arbeit sind, laufen mir kalte Schauer über den Rücken.“

„Die Menge am Limeport-Hafen hat dich auch erwischt, was?“

„Captain Candage, ich habe Menschen mehr oder weniger in diesem Leben beobachtet. Es ist manchmal ein gewaltiges Hindernis für einen Mann, zu klug zu sein. Während der ach so kluge Mann sich zurücklehnt, den Kopf schüttelt, die Aussichten berechnet und sagt, es sei nicht machbar, stürzt sich der Narr hinein, weil er es nicht besser weiß, und bringt die Arbeit durch einen Zufall zum Erfolg. Lassen wir uns weiterhin Narren sein, und zwar gründlich, aber seien wir trotzdem beschäftigt.“

Und auf dieser Grundlage machten die absoluten Amateure von Razee mit all dem Mumm weiter, der in ihnen steckte.

Die Männer von Hue and Cry hatten reichlich Muskelkraft und wenig Verstand. Sie stellten keine Fragen, sie blickten nicht düster auf zweifelhafte Aussichten. Dieselbe Philosophie, oder deren Fehlen, die das Leben immer voller froher Hoffnung gemacht hatte, wenn ihre Mägen gefüllt waren, ohne an den nächsten Tag zu denken, belebte sie nun. Das Schicksal hatte Mayo und seinen Partner eine ideale Besatzung für diese gefahrvolle Arbeit gegeben. Es war keine Frage von Gewerkschaftsstunden und festgesetzten Löhnen; sie arbeiteten die ganze Nacht genauso fröhlich wie den ganzen Tag.

Ein Epos des Meeres wurde dort auf Razee Reef während der folgenden Wochen gelebt.

Die Aufgabe, die vollbracht wurde, wäre eine Geschichte für sich, weit über die Grenzen einer solchen Erzählung hinaus, wie diese es sein muss.

Bittere Mühsal vieler Tage erwies sich oft als ein trauriger Fehler, denn die Männer, die dort arbeiteten, hatten mehr Mut beim Versuch als ein gutes Verständnis der Methoden.

Dann, nach der Enttäuschung, keimte Hoffnung auf, denn weiteres Bemühen vermied die Fehler, die so kostspielig gewesen waren.

Die Last der Arbeit, die Pflicht, Pionier zu sein, fiel Mayo zu.

Er zog einen Taucheranzug an, stieg in die klaffenden Eingeweide des Wracks hinab und räumte den Weg für die anderen frei.

An Deck bauten sie Abschnitte für Schotten, und er ging hinunter, tastete im trüben Wasser, nagelte die Stützen fest, setzte diese Abschnitte ein und kalfaterte die Räume zwischen Schott und Rumpf.

Es gab Stürme, die ihren Leichter bedrohten und den kleinen Schoner in ein Chaos aus Sturm auf das Meer hinaus trieben.

Es gab Flauten, die sie mit dem Versprechen auf den Frühling aufmunterten.

Der Schoner war der Laufbursche, der Vorräte und Kohle vom Festland brachte. Aber die Männer, die an Land gingen, weigerten sich, am Hafen zu plaudern, und die gelegentlichen Fahrzeuge, die in der Nähe von Razee beidrehten, durften keine neugierigen Personen auf dem Wrack absetzen.

Nach vielen Wochen waren die Schotten gesetzt und die Pumpen wurden in Gang gebracht. Es gab drei Mannschaften für diese Pumpen, und ihr Klappern hörte Tag und Nacht nicht auf. Im vorderen Teil war weniger Wasser; der Bug war hoch auf den Felsen abgestützt. Der Fortschritt hier war ermutigend.

Achteraus gab es Katastrophen. Dreimal knickte das Schott unter dem gewaltigen Druck des Meeres ein, sobald die Pumpen den Gegendruck im Inneren des Rumpfes entlastet hatten. Mayo, abgezehrt, ungepflegt, unrasiert, dünn vor lauter Wachen, blieb in seinem Taucheranzug unter Wasser, bis er selbst zum Wrack eines Menschen wurde. Aber schließlich bauten sie einen Querschnitt, der zu halten versprach. Die Pumpen begannen, gegen das Wasser zu gewinnen. Als die Flut im Inneren sank und sie effektiver von innen an die Schotten herankamen, fügten sie immer weiter hinzu und verstärkten sie.

Und dann kam der Bedarf an mehr Material und mehr Ausrüstung, denn die gigantische Aufgabe, den Dampfer flott zu machen, lag noch vor ihnen.

Mayo hatte das Gefühl, seine Theorie bewiesen zu haben und war nun in der Lage, Kapital zu beschaffen, das sie durchbringen würde. Er konnte einen Rumpf zeigen, der bis auf den Riss mittschiffs intakt war – einen Rumpf, aus dessen beiden Enden das eindringende Meer vertrieben wurde. Mit dem Geld, das Auftriebsleichter und Schlepper und die massive Ausrüstung zum Flottmachen beschaffen würde, hatte er das Gefühl, diesen hilflosen Schrotthaufen wieder in einen Dampfer verwandeln zu können – Altmetall in einen aktiven Wert von mindestens einhundertfünfzigtausend Dollar.

Und als er und Captain Candage zu dieser hoffnungsvollen und ernsthaften Überzeugung gelangt waren, nach Tagen des zittrigen Beobachtens der Arbeit, die die Pumpen leisteten, begab sich der junge Mann erneut auf seine bedeutsame Reise zum Festland.

Als sie in Limeport einsegelten, war Mayo ein wenig erstaunt, Grün an den abfallenden Hügeln zu sehen. Er hatte in einem wachen Traum von gewaltiger Arbeit auf Razee gelebt; er hatte fast vergessen, dass so viele Wochen vergangen waren.

Als er mit seiner Dory vom Schoner an Land ging, wehte ihm der milde Hauch des Frühlings aus knospenden Gärten entgegen, und die warme Brise streichelte seine rauen Wangen.

So wie er vergessen hatte, dass der Frühling gekommen war, so hatte er auch sein persönliches Erscheinungsbild vergessen. Er war von einer Arbeit für Männer an Land geeilt, die nun darauf wartete, dass er zurückkehrte. Er erkannte nicht, dass er wie ein Höhlenmensch aussah – einem zotteligen, prähistorischen Menschen glich; sein Geist war zu sehr mit seinen Angelegenheiten auf Razee beschäftigt.

Als Captain Mayo die Hauptstraße von Limeport entlangschritt, störte es ihn kein bisschen, dass die Leute ihn anstarrten und sich nach ihm umdrehten. Er hatte sich nur für einen Zweck von seiner gigantischen Aufgabe losgerissen, und dieser Gedanke erfüllte seinen Geist.

Er war zerlumpt, seine Hände waren geschwollen, violett, zerschnitten und wund von seiner Taucherarbeit, sein Haar hing ihm bis auf den Kragen, und ein Bart maskierte sein Gesicht. Diejenigen, die die Straßen bevölkerten, nutzten die ersten warmen Tage, um ihren Frühlingsschmuck zu zeigen. Der Kontrast dieser groben Gestalt aus der offenen See wurde umso auffälliger, als er sich durch die Menschenmengen drängte.

Hier und da stürmte er in Büros, in denen Männer waren, die er kannte und für die er sich interessieren wollte. Er hatte diesmal keine dicke Brieftasche, die er ihnen vorzeigen konnte. Er hatte nur seine leeren, geschwollenen Hände und eine wilde, eifrige, stammelnde Geschichte von dem, was er zu tun gedachte. Sie starrten ihn an, viele von ihnen stumpfsinnig, manche offen ungläubig, die meisten ohne besonderes Interesse. Er sah aus wie ein Mann, der kläglich gescheitert war; nichts an ihm deutete auf Erfolg hin.

Ein Mann brachte es auf den Punkt: „Hören Sie mal, Mayo, wenn Sie hier hereinkamen, so wie Sie aussehen, und mich um einen Vierteldollar für eine Mahlzeit bitten würden, fände ich das völlig natürlich und würde Ihnen den Vierteldollar zustecken. Aber nicht zehntausend – Sie sehen nicht danach aus.“

„Was hat meine Kleidung damit zu tun? Ich habe keine Zeit, an Kleidung zu denken. Ich kann keinen Zylinder in einem Taucheranzug tragen. Ich habe gearbeitet. Und ich bin immer noch bei der Arbeit. Die Art, wie ich aussehe, sollte Ihnen zeigen, dass es mir ernst ist.“

Aber sie wiesen ihn ab. In einem halben Dutzend Büros hörten sie zu und schüttelten die Köpfe oder weigerten sich kurz angebunden, sich die Sache anzusehen. Er war nicht an Land gekommen, um um Unterstützung zu betteln, als wäre sie ein Gefallen. Er war gekommen, in der Gewissheit, dass er diesmal eine wertvolle Sache anzubieten hatte. Seine Arbeit hatte seinen Körper zermürbt, seine Nerven lagen blank, seine Laune war schlecht. Als sie sich weigerten zu helfen, verfluchte er sie und riss sich los. Dass sie zuliessen, dass sein persönliches Erscheinungsbild ihr Urteil beeinflusste, erregte seinen Zorn – es war so ungerecht gegenüber seiner aufopfernden Hingabe an seine Aufgabe.

Bald hatte er seinen Bekanntenkreis ausgeschöpft, doch die Zurückweisungen machten ihn wütend, anstatt ihn zu entmutigen. Er stieß grob an höflichen und gepflegten Fußgängern vorbei und marschierte finster dreinblickend die Straße entlang.

Und dann fiel sein Blick auf ein Gesicht, das all die Bitterkeit, die in ihm schlummerte, von Neuem aufwühlte.

Er sah Fletcher Fogg vor dem Nicholas Hotel stehen. Der Tag war mild, die Frühlingssonne wärmte, doch es war offensichtlich, dass Mr. Fogg sich nicht behaglich in ihr sonnte; sein Gesichtsausdruck war ebenso düster wie der von Captain Mayo, und er kaute auf einer unangezündeten Zigarre und spuckte Tabakkrümel über den Bordstein, während er nachdachte.

Mayo war nicht in der Stimmung, seine Leidenschaft mit Vernunft zu zügeln. Er hatte gerade seinen Stolz und seine Beharrlichkeit an Männern aufgerieben, deren Art der Ablehnung zeigte, dass sie sich daran erinnerten, was Fletcher Fogg hinsichtlich der Aussichten auf ein erfolgreiches Flottmachen der Conomo gesagt hatte. Da stand der schwerfällige Pirat und versperrte Mayo auf dem Bürgersteig den Weg, genau wie er in der Montana-Affäre die Aussichten des jungen Mannes im Leben blockiert hatte – genau wie er ihm die Kreditwege versperrt hatte. Mayo stieß gegen ihn und drängte ihn über den Bürgersteig zurück gegen die Granitwand des Hotels. Er legte seine zwei rohen, geschwollenen Hände auf Foggs makellose Weste und schob sein salzverkrustetes, arbeitgezeichnetes und bärtiges Gesicht dicht heran.

Selbst da schien der Geschäftemacher Mayo nicht zu erkennen. Er blinzelte verängstigt. Er sah sich um, als wolle er Hilfe rufen.

„Diesmal scheinst du dein eisernes Wunschbein nicht in der Tasche zu haben“, knurrte der Angreifer. Er stieß seine Daumen grausam in Foggs Rippen.

„Du meine Güte! Sie sind – Sie sind Captain Mayo! Ich will verdammt sein, wenn ich Sie erkannt habe, bevor Sie den Mund aufgemacht haben!“

„Ich habe mich das letzte Mal, als du mich gesehen hast, beherrschen können, Fogg. Ich habe gewartet. Und jetzt, verdammt noch mal, hab ich dich!“

Er bezog sich dabei lediglich auf den physischen Griff, mit dem er den Mann festhielt. Doch Fogg schien eine tiefere Bedeutung in den Worten zu finden.

„Ich weiß, Mayo“, wimmerte er. „Deshalb bin ich hier unten. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich am besten an Sie herankomme – um Sie richtig zu treffen!“

„Du bist schon richtig an mich herangekommen, du verfluchter Abtrünniger!“

„Aber hören Sie, Mayo, wir können diese Angelegenheit nicht hier auf der Straße besprechen.“

„Es wird gar keine Besprechung geben!“ Das Zusammentreffen war so unerwartet gewesen und Mayos Zorn war so ungestüm, dass der junge Mann nicht darüber nachgedacht hatte, was er zu tun gedachte. Sein Impuls war es, dieses fette Gesicht zu Brei zu schlagen. Er hatte schon lange jede Hoffnung aufgegeben, dass irgendein Appell an Fogg als Mensch helfen würde. Er erwartete keine Rücksichtnahme, keine Wiedergutmachung.

„Aber es muss ein Gespräch geben. Ich bin hier, um es zu führen. Sie haben mich in der Hand! Ich gebe es zu. Aber hören Sie auf die Vernunft“, flehte er. „Es bringt Ihnen nichts, zu toben.“

„Ich werde dir dein Gesicht einschlagen! Ich nehme die Konsequenzen in Kauf.“

„Aber selbst wenn Sie das tun, müssen Sie sich trotzdem mit mir über diese Papiere einig werden.“

Trotz seiner Wut erkannte Mayo an Foggs Gebaren und seinen Worten, dass nicht bloße Angst vor einer Tracht Prügel diese Unterwürfigkeit hervorrief; an der Ecke stand ein Polizist.

„Reden Sie nicht so laut“, drängte Fogg. „Kommen Sie auf mein Zimmer, wo wir unter uns sein können.“

Mayo zögerte, verwirrt über die Haltung seines Feindes.

„Es ist ein Wort vom Alten persönlich. Er hat mich hierher befohlen. Es kommt von Marston!“, flüsterte der Geschäftemacher. „Ich stecke rundherum in einem Teufelsloch, Mayo.“

„Sehr wohl! Ich komme mit. Ich kann dich in deinem Zimmer bequemer verprügeln!“

„Ich habe keine Angst vor der Prügel! Ich wünschte, das wäre alles“, murmelte Fogg. Er ging voran ins Hotel, und Mayo folgte ihm, wobei er sich wieder in den Griff bekam, wohl wissend, dass in seinen Angelegenheiten eine neue Krise herrschte, und in Foggs erstaunlicher Unterwürfigkeit eine Art Kapitulation witterte.

„Wollen Sie rauchen?“, fragte Fogg unterwürfig, als sie im Hotelzimmer waren.

„Nein!“ Er lehnte mit Gift und Galle ab. Er sah sich in einem der langen Spiegel und hatte bis dahin nicht bemerkt, wie ungepflegt und ungeschlacht er aussah. Als er sich in einen gepolsterten Sessel setzte, fühlte er sich unwohl. Seit Wochen war er an die rauen Provisorien an Bord gewöhnt. In seiner Stimmung und seinem Aussehen fühlte er sich wie ein Höhlenmensch.

„Ich hoffe, dass wir auf irgendeiner freundschaftlichen Basis zueinanderfinden können“, bat Fogg demütig. „Die Sache einfach noch einmal auszufechten, bringt uns nirgendwo hin. Ich musste bestimmte Dinge tun, und ich habe sie getan. Sie sprachen von meinem eisernen Wunschbein! Nun, was diese Montana-Sache betrifft –“

„Ich will keine Wiederholung, Mr. Fogg. Was ist Ihr Anliegen bei mir?“

„Es ist schwer anzufangen, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass Sie sich einige Erklärungen anhören und einige Zugeständnisse machen würden. Wenn ein Mann für Julius Marston arbeitet, muss er sich selbst vergessen und tun –“

„Ich habe für Julius Marston gearbeitet!“

„Aber nicht im Finanzgeschäft, Mayo!“ In der Stimme des Geschäftemachers zitterte es. „Männer sind für ihn nur Schatten, wenn es um große Finanzen geht. Er gibt seine Befehle, damit Ergebnisse erzielt werden. Er hält nicht inne, um an die betroffenen Männer zu denken. Es sind die Zahlen in seinen Büchern, auf die er schaut! Er benutzt einen Menschen wie eine Serviette bei Tisch!“

„So wie du mich benutzt hast! Du hast eine gute Ausbildung genossen!“

„Nun, wenn der Trick weitergegeben wurde, wird er jetzt nach oben weitergegeben“, stellte Fogg niedergeschlagen fest. „Ich bin der Sündenbock, genau jetzt. Können Sie mich in dieser Angelegenheit nicht persönlich sehen?“

„Das will ich nicht. Ich würde am liebsten aufstehen und meine Fäuste an dir benutzen, so wund sie auch sind!“

„Ich fürchte, es wird eine schwierige Angelegenheit für uns, das zu regeln“, seufzte der Geschäftemacher. „Ich dachte, ich hätte alles wie üblich unter Dach und Fach. Verdammt, wenn nicht eine Frau mit hineinspielen würde, hätte die Sache gut funktioniert!“ Er ließ seinem Zorn freien Lauf. „Man kann im Geschäft nie mit etwas rechnen, wenn eine Frau ihre Finger im Spiel hat! Es ist mir egal, ob Sie in Marstons Tochter verliebt sind, Mayo! Sie ist wie viele andere dieser verfluchten hochnäsigen Mädchen, die schon immer mehr Zeit und Geld hatten, als ihnen gut tut. Sie ist das Unheil in raschelnden Unterröcken! Und Sie müssen ein ziemliches Pfand auf sie haben, wenn sie ihren eigenen Vater hintergangen hat, um Ihre Kastanien aus dem Feuer zu holen!“

Da Mayo nicht die leiseste Ahnung hatte, wovon Mr. Fogg sprach, schwieg er.

„Sie sind ein kühler Hund! Das muss ich Ihnen lassen!“, schnappte der Geschäftemacher.

„Sie lassen besser den Namen von Miss Marston aus dieser Angelegenheit mit mir heraus, mein Herr.“

„Wie zum Teufel kann ich ihn herauslassen, wenn ich sehe, was sie getan hat?“

Und Mayo, der nicht wusste, welcher neue Ausbruch die Aktivitäten der unbegreiflichen jungen Dame gekennzeichnet hatte, nahm sein grimmiges Schweigen wieder auf, da sein eigenes Interesse ihm nahelegte, dass abwartendes Beobachten seine beste Strategie sei.

„Nun, was wollen Sie zu den Papieren sagen?“, forderte Fogg. „Wir können genauso gut zum Punkt kommen!“

„Ich werde gar nichts sagen.“

„Sie müssen etwas sagen, Mayo. Das ist eine zu große Sache, um damit zu spielen. Wenn Sie vernünftig sind, können Sie mir helfen, es zu regeln – und das wird dem Mädchen helfen. Sie ist nun einmal Marstons Tochter, und ihr Vater versteht, wie sprunghaft sie ist, und sieht über ihre Launen hinweg. Aber manche Dinge kann er nicht dulden.“

In diesem Moment war die Neugier in Mayo brennender als der Groll, obwohl Foggs Tonfall in Bezug auf Alma Marston Letzteren durchaus provozierte. Es war offensichtlich, dass sie in seinem Namen etwas unternommen hatte – dass sie auf irgendeine Weise die Interessen ihres Vaters und ihren eigenen Seelenfrieden geopfert hatte, um dem Ausgestoßenen zu helfen. Er fragte sich, warum er nicht mehr Freude empfand, als er diese Nachricht hörte. Er erinnerte sich an ihr Versprechen bei ihrem Abschied, aber er hatte keine Hoffnungen auf dieses Versprechen gebaut. Es hatte ihn nicht getröstet, während er mit seinen Problemen kämpfte. Er war sich bewusst, dass seine Gefühle in Bezug auf die ganze Angelegenheit ziemlich komplex waren, und er machte sich nicht die Mühe, sie zu analysieren; er blieb stur und starrte Mr. Fogg mit nichtssagender Miene an.

„Haben Sie die Papiere bei sich?“

„Nein!“ Er fügte hinzu: „Natürlich nicht!“

„Das ist in Ordnung. Es mag besser sein, vorausgesetzt, sie sind an einem sicheren Ort. Nun hören Sie zu, Mayo! Ich werde bei Ihnen keine Bluffs versuchen. Das kann ich unter den Umständen nicht. Ich weiß nicht, wo Burkett hingegangen ist und –“

„Burkett ist bei mir auf der Conomo. Ich werde bei Ihnen auch keine Bluffs versuchen, Fogg!“

„Es ist mir egal, wo er ist oder was er Ihnen erzählt hat. Jede Behauptung von gewohnheitsmäßigen Lügnern und Männern, die gefeuert wurden, kann vor Gericht nach dem Erpressungsgesetz behandelt werden. Aber bei diesen Papieren ist es anders. Ich bin offen und ehrlich zu Ihnen, Mayo. Wir wurden innerhalb der Festung verraten. Durch ein Leck im Büro hat dieses Mädchen diese Papiere in die Hände bekommen. Ich weiß nicht, wie es um Ihr Ehrgefühl in solchen Dingen bestellt ist. Ich bin nicht hier, um daran zu appellieren. Ihnen wurde zu viel Schmutz angetan, als dass dieses Argument irgendeine besondere Wirkung haben könnte. Ich sage ja, ich bin offen und ehrlich!“ Er breitete die Hände aus. „Wahrscheinlich war ihr gar nicht richtig klar, was sie tat! Aber jetzt, wo Sie die Papiere haben, erkennen Sie es!“

Nicht mit einem Wimpernzucken verriet Mayo seine völlige Unkenntnis dessen, worauf Fogg sich bezog.

„Ich möchte Sie von Mann zu Mann fragen“, fuhr der Gesandte fort, „ob Sie beabsichtigen, diese Papiere nur für sich selbst zu verwenden – um zurückzubekommen – nun ja – Sie wissen schon!“ Er winkte mit der Hand. „Oder wollen Sie damit kreuz und quer um sich schlagen, zur allgemeinen Rache?“

„Ich habe mich noch nicht entschieden.“

„Es ist eine faire Frage, die ich gestellt habe. Was Sie in Bezug auf alles betrifft, was in diesen Papieren stehen mag – und das sind größtenteils meine eigenen Berichte –, werden Sie entschädigt und mehr als das, Captain. Sie können die Triton mit einem Zehnjahresvertrag als Kapitän haben, der Vertrag durch eine Bürgschaft abgesichert, Ihr Gehalt zweihundertfünfzig Dollar im Monat. Natürlich beinhaltet dieser Handel Ihre Wiedereinstellung als lizenzierter Kapitän und das Fallenlassen aller Anklagen in der Montana-Angelegenheit. Es gibt keine Anklage, und für die Zeugen wird gesorgt, sodass die Angelegenheit nicht zur Sprache kommt, vorausgesetzt, Sie haben Feinde. Das ist ein Gespräch unter Männern, Mayo! Das müssen Sie zugeben!“

„Es gibt noch eine Sache, die zugegeben werden muss, Fogg! Ich wurde entehrt, gejagt und verfolgt. Die Leute an dieser Küste, die meisten von ihnen, werden immer glauben, dass ich einen Fehler gemacht habe. Sie wissen, was das für einen Kapitän bedeutet!“

Mr. Fogg wischte sich mit einem violetten Taschentuch die Feuchtigkeit von den Wangen.

„Sie wurden in ein teuflisch falsches Licht gerückt. Ich gebe es zu. Ich bin zu weit gegangen. Deshalb macht Marston mich jetzt zum Sündenbock. Ich werde rausgeworfen, wenn diese Angelegenheit nicht zwischen uns bereinigt wird!“

„Ich war eines Tages in diesem Zimmer, Mr. Fogg, und habe gesehen, wie Sie einen gewissen Burkett rausgeworfen haben. Sie schienen Spaß daran zu haben. Warum sollte ich nicht auch ein wenig Spaß haben?“

„Ich musste ihn rauswerfen. Er war ein Dummkopf. Er hatte geprahlt. Ich musste sowohl meine Interessen als auch mich selbst schützen. Aber Sie haben im Moment nichts weiter zu berücksichtigen als Ihren eigenen Profit.“

„Ist das so?“, fragte Mayo sardonisch. „Sie scheinen mich als einen dieser sanften und vergebenden Engel eingeschätzt zu haben.“

„Nun hören Sie zu, Mayo, lassen Sie keine dummen Vorstellungen im Weg stehen, wenn es darum geht, Erfolg zu haben. Das ist nicht vernünftig; das ist kein Geschäft! Sie haben etwas, das wir wollen, und wir sind bereit, dafür zu bezahlen.“

„Welche anderen Bedingungen sind daran geknüpft?“, fragte der junge Mann und täuschte Widerspenstigkeit als sein bestes Mittel in dieser rätselhaften Angelegenheit vor.

„Nun, natürlich geben Sie diesen dummen Job auf, an dem Sie arbeiten. Hören Sie auf, ein Schrotthändler zu sein!“

„Ich bin kein Schrotthändler. Wir werden die Conomo flottmachen.“

„Mayo, reden Sie vernünftig! Dieser Job kann nicht erledigt werden!“

„Das haben Sie jedem Ausstatter und Bankier in dieser Stadt erzählt, Fogg! Aber jetzt reden Sie mit einem Mann, der es besser weiß. Und lassen Sie mich Ihnen noch etwas sagen. Ich mache keine Geschäfte mit der Art von Mann, als die Sie sich erwiesen haben.“

„Seien Sie kein Junge, Mayo. Ich bin hier mit allen Vollmachten. Wir werden Ihnen das Wrack abnehmen.“

„Wollen Sie sie verschrotten, wie sie da liegt, was?“

„Es ist unsere Sache, was wir mit ihr machen, nachdem wir unser Geld bezahlt haben“, erklärte Fogg und bäumte sich auf.

„Es gibt in dieser Angelegenheit etwas, das über das Geschäft – Ihr Geschäft – hinausgeht.“

„Ja, das sehe ich! Es ist Ihre kindische Rache, auf die Sie aus sind. Ich gebe Ihnen zehntausend Dollar, die Sie unter diesem Haufen von Habenichtsen verteilen können. Schicken Sie sie mit ihrem Fischen weiter und seien Sie vernünftig.“

„Es hat keinen Sinn, dass wir reden, Fogg. Ich sehe, dass Sie mich überhaupt nicht verstehen. Sie sollten es besser wissen, als mich zu bitten, mich und meine Partner zu verkaufen.“ Er stand auf und ging auf die Tür zu.

„Partner – diese Habenichtse?“

„Sie haben gefroren und geschwitzt, gearbeitet und gehungert, mit mir draußen auf dem Razee Reef, Fogg. Sie sind Partner.“

„Was ist Ihr Plan? Was ist mit den Schriften?“, bestand der Geschäftemacher darauf und folgte Mayo.

„Nicht ein Strich mit der Feder. Nur menschlicher Anstand und Ehre. Sie und Ihr Boss haben nicht genug Geld, um das zu kaufen – es gibt nichts zu verkaufen!“

„Aber es gibt einige Dinge, die wir kaufen können, wenn es auf eine Erpressung hinausläuft“, tobte Fogg. „Sind Sie so billig, mit der verfluchten Einmischung eines törichten Mädchens in Angelegenheiten zu handeln, die sie nicht verstand? Sie haben diese Papiere durchwühlt. Sie wissen, was sie bedeuten!“

Mayo drehte sich um und sah den aufgeregten Mann an.

„Sie haben nichts mit Ihnen oder Ihren Angelegenheiten zu tun, die meisten dieser Papiere“, sprudelte Fogg. „Mayo, seien Sie vernünftig. Wir können es uns nicht leisten, dass unsere Holdinggesellschaften bloßgestellt werden. Das Syndikat kann an diesem verfluchten Bundesgesetz vorbeikommen, wenn wir vorsichtig arbeiten.“

„Andernfalls könnten Marston und Sie und ein paar andere nach Atlanta wandern, was?“

„Es ist noch nicht zu spät, Sie dorthin zu schicken.“

„Sie machen sich Sorgen wegen dieser Papiere, nicht wahr?“

„Natürlich mache ich mir Sorgen wegen ihnen! Was glauben Sie, warum ich hier unten bin?“

„Machen Sie sich weiter Sorgen, Mr. Fogg! Kommen Sie mit in die kleine Ecke der Hölle, in der ich die letzten Monate war; das Feuer ist herrlich!“

Er riss die Tür auf und schlug sie hinter sich zu, wodurch er die rasenden Appelle des Geschäftemachers abschaltete.

XXX ~ DIE SACHE MIT EINEM MONOGRAMM IN WACHS

O komm, hör ein Weilchen zu und bald wirst du hören. Am rollenden Meer lebte ein schönes Mädchen. Ihr Vater folgte dem Schmugglerhandwerk Wie ein kriegerischer Held, Wie ein kriegerischer Held, der niemals Angst hatte! --Die Schmugglerin.

Captain Mayo brachte nur Zweifel und Entmutigung zurück zum Wrack auf Razee. Seine Zweifel betrafen hauptsächlich die Dokumente, nach denen Mr. Fogg so beharrlich suchte. Mayo selbst hatte ein wenig gesucht. Er hatte beim Postamt nachgefragt, aber es gab keine Post für ihn. Wenn keine Papiere aus den Marston-Archiven entwendet worden waren, wenn diese Affäre ein neuer Versuch der Hinterlist seitens Foggs war, dann hatte der Geschäftemacher sicherlich ein meisterhaftes Stück Schauspielerei abgeliefert, sagte sich Mayo. Er beschloss, für sich zu bleiben und die Entwicklung abzuwarten.

Zwei Tage später kamen die Entwicklungen in Person von Captain Zoradus Wass auf Razee an, der mit einem gecharterten Motorboot zu Besuch kam. Er kletterte die Leiter hoch, begrüßte seinen Schützling mit seemännischer Herzlichkeit und begab sich auf einen gemütlichen Inspektionsrundgang.

„So etwas wie eine Klempnerarbeit an einem Eisenkessel, Sohn“, kommentierte er. „Du musst mit dem Instinkt eines Klempners geboren worden sein. Mach so weiter wie bisher, dann kriegst du sie frei.“

„Ich werde sie nie frei bekommen, wenn ich so arbeite wie jetzt, Captain Wass. Wir stehen still. Kein Geld, kein Kredit, kein Futter. Ich habe fünftausend aufgetrieben und sie ausgegeben. Ich wage es nicht, noch einmal zu dem alten Geizhals zu gehen.“

„Nun, warum versuchst du es nicht bei der Erbin?“, erkundigte sich der alte Skipper. „Du weißt, ich habe dir immer nachdrücklich zur Erbin geraten.“

„Hören Sie mal, Captain Wass, ich will keine Witze mehr zu diesem Thema hören“, widersprach der junge Mann kurz angebunden.

„Kein Witz dabei“, erklärte der Captain mit Gelassenheit. „Lass uns in diese Kabine gehen.“ Er ging voran und schloss die Tür ab.

„Es ist kein Witz, Sohn“, wiederholte er, „und ich mag es nicht, wenn du in dieser Angelegenheit scharf wirst. Wenn man bedenkt, was für Freunde wir waren, nehme ich es dir nicht sehr gut, dass du so verschlossen warst. Ich bin ein Mann, dem man vertrauen kann. Du hast einen Fehler gemacht, als du es mir nicht gesagt hast. Die Sache wäre fast zwischen ihr und mir schiefgegangen!“

Er runzelte vorwurfsvoll die Stirn über den erstaunten Mayo.

„Sie kam in der Erwartung, natürlich, dass ich dein engster Freund sei, und als ich zugeben musste, dass du sie nie bei mir erwähnt hast, dachte sie, sie hätte sich in mir geirrt, und wollte mir das Ding nicht geben!“

„Welches Ding, und wovon zum Teufel reden Sie?“

Captain Wass tätschelte seine Manteltasche.

„Ich habe sie überzeugt, und es war ein Glück, dass ich es konnte, denn es ist eine Angelegenheit, in die nur ein enger und vorsichtiger Freund eingeweiht werden sollte. Aber danach darfst du keine Geheimnisse mehr vor mir haben, wenn du erwartest, dass ich dir helfe. Wie dem auch sei, du hast gezeigt, dass du guten Rat annehmen kannst, wenn ich ihn dir gebe. Ich habe dir geraten, dir Julius Marstons Tochter zu schnappen, und beim Donnerwetter! Du hast es getan. Nun –“

Mayo unterbrach ihn ungeduldig. Captain Wass zog die Worte in die Länge, wobei er das Vergnügen an der Rolle, die er in dieser Romanze spielte, deutlich zur Schau stellte.

„Sie haben etwas für mich mitgebracht, nicht wahr?“

„Sie ist eine Pfiffige, Sohn“, fuhr der Captain fort, ohne eine Anstalt zu machen, das Objekt zu zeigen, das er tätschelte. „Sie hat mich aufgespürt, in der Erinnerung, dass ich dich bei mir auf der alten Nequasset hatte, und hat mir schlaue Fragen gestellt, das kann ich dir sagen! Du hättest vertraulicher mit mir sein sollen.“

„Captain Wass, ich halte diesen Unsinn nicht länger aus. Wenn Sie etwas für mich haben, rücken Sie es raus!“

„Ich habe mir Mühe für dich gegeben, bin hierher gereist, vier- oder fünfhundert Meilen, habe –“

„Ja, haben Ihre Zeit für die Reise und für dieses Gespräch geopfert“, erklärte Mayo gereizt. „Ich bin in eine verdammt miese Lage geraten, weil ich nicht wusste, dass Sie diese Papiere hatten.“

„Sicher und zuverlässig war schon immer mein Motto! Und ich hatte auf dem Weg ein kleines Geschäft für mich selbst zu erledigen. Ich habe herausgefunden, wie dieser dicke Fogg sich als Geschäftsführer der Vose-Linie eingeschlichen hat. Natürlich war es gut genug bekannt, wie er es gemacht hat, aber ich habe den Kerl ausfindig gemacht, der es für ihn getan hat – dieses Geschöpf, das wir als Steward mitgenommen haben, erinnerst du dich?“

Trotz seiner Angst, das Päckchen in der Tasche des alten Skippers in seine Hände zu bekommen, hörte Mayo mit Interesse zu; es bezog sich auf seine eigenen Angelegenheiten mit Fogg.

„Ich werde der ehrlichen Truppe im Management der Vose-Linie helfen, diesen Verkauf rückgängig zu machen, und wenn die richtige Zeit gekommen ist, werde ich diesen weißleberigen Schreiber in den Zeugenstand bringen, selbst wenn ich ihn an den Ohren dorthin schleppen muss. Nun, Mayo, das Mädchen hat nicht gesagt, was in diesem Paket ist.“ Er zog ein kleines Päckchen heraus, das sorgfältig mit Schnüren verschnürt war. „Sie ist in dich verliebt, denn sie muss verliebt sein, um sich so viel Mühe zu machen, Nachricht an dich zu senden. Wenn das ein Liebesbrief ist, dann ist es ein großer. Es scheint nur aus Papier zu bestehen! Ich habe es gewogen und ordentlich befühlt.“

Er hielt es außerhalb von Mayos gieriger Reichweite und untersuchte es noch weiter mit tastenden Fingern.

„Ich hoffe, sie schickt nicht deine Liebesbriefe zurück, Sohn. Aber nach dem Gesichtsausdruck, den sie hatte, als sie mit mir über dich sprach, glaube ich das nicht. Nun, hier ist Trost für dich!“ Er legte das Päckchen in Mayos Hände.

Das Paket war mit drei sauberen Wachsflecken versiegelt, und auf jedem Klecks war das Monogramm „A M“ eingeprägt. Mayo drehte das Päckchen immer wieder um.

„Wenn du willst, dass ich gehe, da du mir nicht mehr so vertraust wie früher, werde ich das tun“, bot Captain Wass nach höflichem Warten an.

„Ich werde dieses Ding nicht öffnen – noch nicht“, erklärte der junge Mann. „Das hat seine Gründe – ganz private, mein Herr.“

„Aber ich gehe auch gerne.“

„Nein, mein Herr. Dass Sie hier sind, hat absolut nichts mit der Sache zu tun.“

Er knöpfte das Päckchen in seine Manteltasche. Er hatte wenig Achtung vor Fletcher Foggs Feingefühl in jeglichen Verfahrensfragen; die Gehässigkeit des Vermittlers in Bezug auf diese Papiere war offensichtlich. Dennoch hatte der Agent in bitteren Worten eine Idee kristallisiert, die Mayo abschreckte: Würde er den unüberlegten Verrat eines Mädchens an ihrem Vater ausnutzen? Irgendwie machten diese Siegel mit ihrem Monogramm das Innere des Päckchens zu einem heiligen Bereich; er berührte sie und zog seine Hand zurück, als würde er an der Tür eindringen, die vor der Privatsphäre der Familie verschlossen war.

„Ich nehme an, Sie möchten Ihren Geist lieber ganz auf das reine Geschäft konzentrieren, wenn man bedenkt, in welch schlechter Lage Sie sind“, schlug Captain Wass vor. „Sehr wohl, wir legen die Liebesbriefe beiseite und reden über etwas Vernünftiges. Es ist zu schade, dass wir kein Werkzeug haben, um den Ausverkauf der Vose-Linie aufzuhebeln. Die Aktionäre bekamen kalte Füße und schlüpften unter Vose hervor, nachdem die Montana stillgelegt worden war.“

„Was ist mit ihr gemacht worden?“

„Bisher nichts. Mit den Versicherern abgerechnet und benutzen das Geld wahrscheinlich, um an der Wall Street Dame zu spielen. Vielleicht benutzen sie sie als abschreckendes Beispiel, bis sie den Rest der Unabhängigen in das Kombinat getrieben haben.“

„Haben die Versicherer verkauft?“

„Ja. Sie wurde ersteigert – wahrscheinlich von einem Handlanger der großen Piraten. Es ist ein Wunder, dass sie Sie diese hier haben ergattern lassen.“

„Sie dachten, sie sei bereits versprochen. Als sie herausfanden, dass das nicht der Fall war, schickten sie Burkett hierher, um sie in die Luft zu jagen.“

Captain Wass war über diese Information nicht erstaunt.

„Wahrscheinlich! Alles Gerede, das in Umlauf gebracht wurde, besagt, dass Sie sie verschrotten würden. Ich hatte keine Ahnung, dass Sie versuchten, sie zu retten.“

„Wir wurden von einigen geschwätzigen Leuten blockiert“, gab der junge Mann zu.

„Es ist schade, dass die anderen Leute nicht etwas reden und die Fakten zur Untermauerung haben können, mein Sohn. Wissen Sie, was getan werden könnte, wenn dieses Syndikat gesprengt werden könnte? Die alte Vose-Truppe würde sich wahrscheinlich mit den Leuten der Bee-Linie zusammentun. Die Bee-Leute sind entmutigt, aber sie haben ihren Pachtvertrag nicht aufgegeben. Sie müssten sich dann keine Sorgen mehr machen, wie Sie das Geld für die Fertigstellung dieser Arbeit bekommen, und Sie hätten einen verdammt schnellen Absatzmarkt für diesen Dampfer, sobald er von diesem Riff herunter ist.“

Das ausgebeulte Päckchen schien gegen Mayos Rippen zu drücken und deutete eindringlich auf seine helfende Kraft hin.

„Ich werde zurückgehen und mit dem alten Vose über diesen Dampfer sprechen“, sagte Captain Wass. „Nun, mein Sohn, ein letztes Wort. Ich möchte nicht in heikle Angelegenheiten eindringen. Aber ich rieche irgendwie Lunte bei diesen Papieren in Ihrer Tasche. Als sie sie aus ihrem Muff nahm, konnte ich nur Veilchen riechen. Glauben Sie, dass Sie etwas bei sich haben, das mir helfen könnte – uns helfen könnte – Ihnen selbst helfen könnte?“

„Nein, mein Herr; nur das, was Sie selbst in den Möglichkeiten dieses Dampfers sehen.“

„Sehr wohl; dann werde ich mein Bestes tun. Aber verdammt noch mal, diese Mädchengeschichte, wenn sie in Männerangelegenheiten eingemischt wird!“ Es war ein herzliches Echo auf Mr. Foggs Gefühle.

Captain Wass fuhr mit seinem gecharterten Motorboot ab, nachdem er etwas von dem gekochten Fisch und den Kartoffeln gegessen hatte, die die bescheidene Kost der Arbeiter auf Razee ausmachten.

Mayo setzte keine Hoffnungen auf das versprochene Eingreifen des alten Skippers. Er war von all den kaltherzigen Interessen an Land so gründlich entmutigt worden, dass er sicher war, sein Projekt werde allgemein als gescheitert angesehen. Wenn er selbst an Land war, schien das Ganze mehr oder weniger ein Traum zu sein. {*}

* Als der Dampfer Carolyn vor ein paar Jahren am Metinic Rock strandete, gelang es einem abenteuerlustigen jungen Mann ohne Geld oder Erfahrung in der Bergung, ein paar tausend Dollar aufzutreiben, kaufte den Dampfer für 1.000 Dollar von einem verängstigten Schrottunternehmen und schaffte es nach vielen Monaten harter Arbeit, während der er von erfahrenen Männern verspottet wurde, ihn flottzumachen. Er wurde kürzlich für 180.000 Dollar verkauft und transportiert nun Fracht nach Europa.

An Bord der Conomo waren sie auf das Äußerste reduziert. Es gab keine Kohle mehr für die Maschine des Leichters, die Ausrüstung war defekt, Ersatzteile wurden für die abgenutzte Maschinerie benötigt, und Smut-nosed Dolph hämmerte den Hungryman-Takt auf den Boden des Mehlfasses, in dem Versuch, genug Staub für eine weitere Ladung Zwieback herauszuholen.

Mayo hatte sein Versprechen gehalten und Captain Candage nicht die Quelle des Darlehens anvertraut, das ihnen ermöglicht hatte, das zu tun, was sie getan hatten. Nach ein paar Tagen verzweifelter Überlegung segelte Mayo auf der Ethel and May nach Maquoit.

Er mied die Blicke der Dorfbewohner, so gut er konnte; er landete weit abseits des Hauses am Strand, das die Zuflucht für die Leute von Hue and Cry war. In seinem eigenen Herzen kannte er den Grund für dieses duckmäuserische Annähern: Er wollte nicht, dass Polly Candage ihn in dieser Notlage sah. Ihr Vertrauen war so absolut gewesen! Ihr Glaube an ihn so grenzenlos! In seiner geistigen Not dachte er nicht an seine Lumpen oder sein körperliches Erscheinungsbild. Er ging direkt zum Laden von Deacon Rowley, und sein Anblick erschreckte diesen Herrn zu einigen eher unbiblischen Ausrufen.

Dennoch gewann Deacon Rowley schnell seine Fassung zurück, als Mayo um ein zusätzliches Darlehen bat. Die Weigerung war scharf und endgültig.

„Aber Sie können bei der Sache genauso gut bei der Stange bleiben“, beharrte Mayo. „Deshalb bin ich zu Ihnen gekommen. Ich habe es gehasst zu kommen, mein Herr. Ich habe alle anderen Mittel versucht. Sie können sehen, wie ich gearbeitet habe!“ Er breitete seine gequälten Hände aus. „Kommen Sie raus und sehen Sie selbst!“

„Ich mag das Wasser nicht.“

„Aber Sie können sehen, dass wir Erfolg haben werden, wenn wir mehr Geld bekommen. Sie haben fünftausend in dem Projekt; Sie können es sich nicht leisten, an diesem Punkt auszusteigen.“

„Ich weiß, was ich mir leisten kann. Ich habe von Anfang an immer gesagt, dass Sie das nie schaffen werden.“

Bei dieser Aussage zeigte Mayo wahres Erstaunen.

„Aber verdammt noch mal, Sie haben uns Geld geliehen! Was meinen Sie damit, sich auf diese Weise aus der Affäre zu ziehen?“

Deacon Rowley war sichtlich verlegen; er hatte diesem zutiefst interessierten Partner ein schädliches Eingeständnis seiner wahren Gefühle entlockt.

„Ich meine, dass ich kein Geld mehr hineinstecken werde, jetzt wo Sie keinen Erfolg haben! Ich hätte Ihnen beim ersten Mal glauben können, als Sie kamen. Ich schätze, das muss ich getan haben. Aber Sie können mich nicht noch einmal täuschen. Es hat keinen Zweck zu betteln! Keinen Cent mehr.“

„Sind Sie nicht besorgt darüber, wie Sie das zurückbekommen sollen, was Sie bereits geliehen haben?“, fragte Mayo mit Verärgerung.

„Der Herr wird sorgen“, erklärte Deacon Rowley andächtig.

Der junge Mann starrte diesen erstaunlichen Gläubiger an, bewegte seine Kiefer ein paar Augenblicke wortlos, fand keine angemessene Rede und stampfte aus dem Laden. Er fürchtete sich nicht mehr davor, Polly Candage zu treffen. Er spürte, dass er sie sehen musste. Er suchte den Trost der Vernunft in jener Welt am Ufer voller unbegreiflichen Wahnsinns; er hatte die Erfahrung mit Polly Candages beruhigender Gelassenheit gemacht.

Sie kam aus ihrer kleinen Schule und kontrollierte ihre Gefühle nur mit Mühe, als sie seinen erbarmungswürdigen Zustand sah.

„Lass uns dorthin gehen, wo ich den Trost des grünen Grases unter meinen Füßen spüren kann“, flehte er; „das mag real erscheinen! Nichts anderes tut das!“

Durch ihre sachliche Akzeptanz seiner Person, seines Aussehens und seiner Stimmung beruhigte sie ihn, während sie spazieren gingen.

„Und sogar Rowley“, fügte er nach seinem unverblümten Geständnis des Scheiterns hinzu, „er hat mich gerade abgewiesen. Er wird seinen fünftausend keinen Cent mehr folgen lassen. Der alte Schurke verdient es, betrogen zu werden, wenn wir scheitern. Er sagt mir, dass er immer geglaubt hat, wir würden es bei der Arbeit nie schaffen. Ist er verrückt oder ich?“

„Habe Nachsicht mit Deacon Rowley“, bat sie. „Halte dich von ihm fern. Er ist kein tröstlicher Mann. Aber es muss einen Weg für dich geben, Boyd. Lass uns nachdenken! Du hast dich zu sehr an die Sache geklammert – an deine Arbeit – und es gibt noch andere Orte außer Limeport.“

„Es gibt New York – und es gibt einen Weg“, knurrte er.

„Du musst jede Chance versuchen; es bedeutet so viel für dich!“

„Ist das dein Rat?“

„Gewiss, Boyd!“

Er blieb stehen und zog das versiegelte Päckchen aus seinem Mantel. Im Druck seiner Verzweiflung und seines Grolls war er eher brutal als rücksichtsvoll.

„Da sind Papiere drin, mit denen ich Julius Marston verprügeln kann, bis er quietscht. Ich habe sie nicht gesehen, aber ich weiß gut genug, was sie sind. Ich kann ihn dazu bringen, alles zurückzugeben, was er mir weggenommen hat. Ich kann ihn dazu bringen, eine Menge an andere Leute zurückzugeben. Und von diesen anderen Leuten kann ich Geld bekommen, um unsere Arbeit an der Conomo zu beenden. Schau dir das Monogramm auf diesem Siegel an, Polly!“ Er zeigte mit schmutzigem Finger darauf und hielt das Päckchen nah heran.

„Von – Miss Marston?“, fragte sie zittrig.

„Ja, Polly.“

„Und sie hilft dir?“

„Ich nehme an, sie versucht es.“

„Nun, das ist es, was ein Mädchen tun sollte, wenn sie einen Mann liebt“, entgegnete sie. Aber sie sah ihn nicht an und ihre Lippen waren weiß.

„Und du denkst, ich sollte ihre Hilfe annehmen?“

„Ja.“ Sie erkannte offensichtlich, dass ihr Ton nur ein Zittern der Zustimmung war, denn sie wiederholte das Wort fester.

„Aber diese Papiere gehören nicht ihr, Polly. Sie hat sie gestohlen – oder jemand hat sie für sie gestohlen – von ihrem eigenen Vater“, fuhr er unerbittlich fort.

„Sie muss dich sehr lieben, Boyd.“

Sie wandten sich voneinander ab und starrten in entgegengesetzte Richtungen. Er fragte sich, wie er es in vielen qualvollen Stunden getan hatte, welches Motiv Alma Marston in diesen späteren Tagen beeinflusste. Mit seiner ganzen Seele wollte er Polly Candage befragen – um das Licht ihres weiblichen Instinkts auf seine aufgewühlten Angelegenheiten zu werfen; aber die Art des Geheimnisses, das er verbarg, legte seinem Zungen einen wirksamen Riegel vor.

„Unter diesen Umständen, egal welch ein Opfer sie für dich gebracht hat, solltest du es annehmen, Boyd.“

„Ich will es annehmen; jeder Impuls in mir sagt mir, ich soll reingehen und zugreifen. Polly, das Höllenfeuer lodert in mir. Ich will sie niederreißen – die ganze Bande. Das will ich! Du brauchst nicht zusammenzuzucken! Aber wenn ich diese Papiere benutze, die das Mädchen von ihrem Vater gestohlen hat, werde ich ein schmutziger Hund sein. Du weißt es, und ich weiß es! Angenommen, du würdest mir ein Geheimnis über deinen eigenen Vater erzählen, damit ich es benutzen könnte, um ihn um seinen Anteil an unserer Partnerschaft zu betrügen? Du könntest es gut meinen, aber nachdem ich es benutzt hätte, würdest du mich hassen! Nicht wahr?“

„Vielleicht – wahrscheinlich würde ich dich nicht hassen“, stammelte sie. „Aber ich würde mehr von dir halten, wenn du – ja, ich bin sicher, ich würde mehr von dir halten, wenn du meine Torheit nicht ausnutzen würdest.“

„Das ist es genau! Jeder Mann, wenn ich ihm von dieser Situation erzählen würde, würde sagen, ich sei ein Narr, nicht jedes Werkzeug zu benutzen, dessen ich habhaft werden kann. Aber du verstehst es besser! Ich bin froh, dass ich gekommen bin, um mit dir zu reden. Ich war schrecklich versucht. Dein Rat hält mich auf dem richtigen Weg!“

„Ich habe dir keinen Rat gegeben, Boyd!“

„Du brauchst keine Worte zu benutzen! Es ist dein Instinkt, der mir sagt, was richtig zu tun ist. Du würdest nicht denken, dass es ein faires Geschäft für mich wäre, diese Papiere zu benutzen, oder?“

„Wenn du sie so sehr liebst, dass du bereit bist, dich selbst und deine Arbeit zu opfern und –“

„Sag es, Polly! Ich opfere auch deinen Vater! Es ist für eine Idee – nicht viel mehr!“

„Nein, es muss daran liegen, dass du sie so sehr liebst. Du hast Angst, dass sie weniger von dir halten wird, wenn du ihre Torheit ausnutzt. Ich finde deine Haltung edel, Boyd!“

„Ich nicht! Ich finde es höllische Dummheit, und ich wünschte, die Mayo-Art hätte nicht so viel von diesem verfluchten, steifen Gewissen! Unsere Familie wäre heute nicht da, wo sie ist.“ Er sprach mit so viel Hitze, dass sie verwunderte Augen auf ihn richtete.

„Aber es ist ihretwegen, Boyd! Es ist –“

„Nichts dergleichen! Das heißt, es ist nicht so, wie du denkst.“

„Ich denke nur, dass du sie liebst.“

„Ich will nicht, dass du das sagst – oder es glaubst!“, tobte er. „Wenn du nur wüsstest – wenn ich es dir sagen könnte – du würdest sehen, dass es beleidigend für meinen gesunden Menschenverstand ist zu sagen, dass ich in Alma Marston verliebt bin. Ich liebe sie nicht! Ich – ich weiß nicht genau, woran ich bin. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich bin in der verdammtesten Lage, in der ein Mann sein kann. Und ich rede wie ein Narr. Ist das nicht so?“

„Ich verstehe dich nicht“, stammelte sie.

„Natürlich tust du das nicht. Ich schätze, ich bin ein Wahnsinniger. Ich werde mich gleich hier hinlegen und ins Gras beißen!“

Seine Leidenschaft verwirrte sie. Seine flammenden Augen, sein rauer Bart, seine Wut und seine ganze ungeschliffene Persönlichkeit schockierten sie.

„Boyd, was – was ist nur los? Ich habe Angst.“

„Ich mache dir keinen Vorwurf. Ich habe dieser Tage Angst vor mir selbst!“ Er schüttelte seine geschwollenen Fäuste über seinem Kopf.

„Es sollte dich ermutigen, weil sie versucht, dir zu helfen!“

„Sei still!“, brüllte er. „Du weißt nicht, wovon du redest. Mir helfen! Es gibt Frauen, die einem Mann helfen können – einem Mann helfen, bei jedem Schritt, den er macht. Es gibt andere Frauen, die einen immer weiter in die Verdammnis treten, selbst wenn sie glauben, sie würden helfen. Ich bleibe hier nicht länger. Ich darf nicht bleiben, Polly. Ich werde Dinge sagen, die schlimmer sind als das, was ich gesagt habe. Was ich über Frauen gesagt habe, bezieht sich nicht auf dich! Du bist treu und gut, und ich beneide diesen Mann, wer immer er auch ist.“

Er ging den Abhang hinunter zum Strand.

„Gehst du zurück zum Wrack?“, fragte sie klagend.

„Zum Wrack!“

„Aber warte!“ Sie konnte weder ihre Gefühle noch ihre Stimme kontrollieren.

„Ich kann nicht warten. Ich wage es nicht, noch eine Minute zu bleiben!“

Sie rief erneut, und er hielt in geringer Entfernung an und drehte sich zu ihr um. Er war absolut wild in Gebaren und Ton.

„Erinnere dich an das, was ich über sie gesagt habe! Beleidige nicht meinen gesunden Menschenverstand! Sie ist – Oh, egal!“ Er schüttelte wieder seine Fäuste und ging seines Weges.

Sie stand am Hang und sah ihm zu, wie er zu dem kleinen Schoner ruderte. Und durch ihre Tränen wusste sie nicht, ob er ihr mit diesen armen, arbeitsgezeichneten Händen einen Gruß zuwinkte oder wieder seine Fäuste schüttelte. Er machte irgendeine Art von Bewegung über der Reling des Achterdecks. Das trauernde und verwirrte Mädchen war düster überzeugt davon, dass seine Sorgen Mayos Verstand berührt hatten.

XXXI ~ DER GROSSE KERL SELBST

Will hatte seiner Sue versprochen, dass diese Reise, wenn gut beendet, Seine Seile aufrollen und er an Land ankern würde. Wenn seine Taschen gefüllt wären, nun, sein Leben würde gebessert sein, Die Gesetze, die er gebrochen hatte, würde er nie wieder brechen. --Will Watch.

Sie brauchten Nahrung, die Pacht für ihre gemietete Ausrüstung war fällig, und für die Unterhaltsberechtigten in Maquoit musste gesorgt werden.

Stolz und Hoffnung hatten die Mannschaft auf Razee inspiriert, die Conomo intakt zu bergen. Material, das von ihr entfernt wurde, würde sofort zu Schrott werden, der zu Schrottpreisen bewertet würde, anstatt ein wertvoller und aktiver Vermögenswert an Bord zu sein. Aber es war keine andere Ressource in Sicht. Es kam kein Wort von Captain Wass; und Mayo hatte ohnehin wenig Vertrauen in diese Möglichkeit gesetzt.

Es gab nichts anderes zu tun – sie mussten etwas verkaufen, bei dem sie schnell zu Geld kommen konnten.

In der Einschätzung vieler praktischer Männer wäre dieses Vorgehen ein vertretbares Provisorium gewesen, dessen einziger Nachteil das Opfer von Werten gewesen wäre. Aber für die Kapitäne auf Razee erschien es wie der Beginn der völligen Kapitulation; es war der erste Schritt zur Demontage des Dampfers. Es machte einen Schrotthaufen aus ihr, und sie gestanden sich ein, dass sie wahrscheinlich gezwungen sein würden, mit der Arbeit der Zerstörung fortzufahren. In der Vergangenheit war ihre bitterste Arbeit mit der Hoffnung auf große Erfolge gewürzt gewesen; die Arbeit, die sie sich jetzt vornahmen, war melancholische Schufterei.

Sie brachten die Ethel and May längsseits und luden die Anker, Ketten, Ersatzkabel und mehrere Rettungsboote auf sie. Mayo übernahm die Leitung der Expedition zum Festland.

Der kleine Schoner, der unter seiner Last tief im Wasser lag, wälzte sich eines Nachmittags kurz vor Sonnenuntergang in den Hafen von Limeport. Der Frühsommer war auf den Meeren unterwegs und die ersten Yachtkreuzer waren in Richtung Osten gelockt worden; Mayo sah mehrere schöne Schiffe, die hinter der Mole vor Anker lagen, und beachtete sie kaum. Er schritt die engen Grenzen seines Achterdecks auf und fühlte dieselbe Scham, die ein ruinierter Mann empfindet, wenn er das erste Mal auf dem Weg zum Pfandhaus ist. Er hatte den Kopf gesenkt; er hasste es, nach vorne auf die verräterische Fracht des Schoners zu blicken.

„Beim Kuckuck! Hier ist ein alter Freund von Ihnen, diese Yacht!“, rief Mr. Speed, der am Steuer stand.

Sie segelten quer durch den Hafen zu einem Ankerplatz weit oben in Richtung der Kais und fuhren unter dem Heck einer großen Yacht hindurch. Mayo sah auf. Es war die Olenia.

„Aber verzeihen Sie mir, dass ich sie als Freund bezeichne, Captain Mayo“, brüllte der Steuermann mit der für das offene Wasser typischen Missachtung der Möglichkeiten einer Enthüllung in seiner weit tragenden Stimme.

Ein Mann erhob sich von einem Stuhl auf dem Achterdeck der Yacht und kam an die Reling. Obwohl der Schoner kaum einen Kekswurf entfernt vorbeizog, richtete der Mann ein Marineglas auf ihn, offensichtlich um sicherzugehen, dass das, was er nach der Bemerkung von Mr. Speed vermutet hatte, wahr war.

Mayo verspürte den Impuls, sich umzudrehen, sich unter Deck zu ducken. Aber er wich nicht zurück; er ging zu seiner eigenen bescheidenen Reling und blickte finster in das Gesicht von Julius Marston. Der Schoner war schwerfällig und die Brise war schwach, und die beiden Männer hatten Zeit für einen langen Austausch visuellen Grolls.

„Ich wollte nicht so laut schreien, Captain Mayo“, bellte Oakum Otie auf noch resonantere Weise, um sich zu entschuldigen. „Aber als ich sie sah und mich an das letzte Mal erinnerte, als ich sie erblickte –“

„Halt den Mund!“, befahl der Kapitän. „Ich nehme das Steuer. Geh nach vorne, mach das Kabel klar und halte dich bereit für das Wort!“

Er sah trotz sich selbst zurück und sah, dass ein Motortender von der Olenia gekommen war. Er schäumte im Kielwasser des Schoners entlang. Er umkreiste ihn, nachdem er vorbeigefahren war, und setzte diese Manöver fort, bis der Anker des Schoners fallen gelassen wurde. Dann kam der Tender an die Seite und hielt an. Der Steuermann und der Ingenieur darin waren neue Männer; Mayo kannte sie nicht. Der Steuermann gab einen respektvollen Gruß und erklärte, dass Mr. Marston sie geschickt habe, um Captain Mayo sofort an Bord der Yacht zu bringen.

„Meine Komplimente an Mr. Marston. Aber ich kann nicht kommen.“

Sie gingen weg, kehrten aber nach kurzer Zeit zurück, und der Steuermann reichte einen Zettel über die Reling. Es war eine knappe Erklärung, diktiert und maschinengeschrieben, dass Mr. Marston Captain Mayo in einer Angelegenheit bezüglich der Conomo sprechen wolle und dass, falls Captain Mayo nicht in der Lage sei, dieses Geschäft abzuwickeln, Mr. Marston gezwungen wäre, sich nach einer anderen Partei umzusehen, die in Bezug auf die Conomo Geschäfte machen könne. In der Erinnerung daran, dass er die Interessen anderer zu berücksichtigen hatte, stieg Mayo in den Tender, mürrisch, verärgert, sich fragend, welche neue Prüfung seiner Ausdauer ihm bevorstand, und fühlte sich in seinem derzeitigen Zustand von Mut und Gemüt besonders schlecht ausgerüstet, um Julius Marston zu begegnen.

Letzterer hatte sich voll unter Kontrolle, als sie sich auf dem Achterdeck der Yacht trafen, und Mayo war sich seiner eigenen Unzulänglichkeit bewusster.

„Nach unten, wenn ich bitten darf, Kapitän.“ Er ging voraus, selbst während er die Einladung aussprach.

Niemand war im Salon zu sehen. In dem Luxus dieses Interieurs wirkte der ungepflegte Besucher besonders seltsam, besonders fehl am Platz.

„Sie werden entschuldigen, was wie meine Eile aussah, Sie hierher zu bekommen, mein Herr, aber ich nehme an, dass Ihr Segeln in diesen Hafen gerade jetzt mit der Ankunft der Vose-Truppe in dieser Stadt heute zusammenfällt.“

Zuerst Mr. Fletcher Fogg und nun Mr. Foggs Arbeitgeber hatten Vorabinformationen gegeben, die Mayos Wissen vorwegnahmen. Der junge Mann hatte ein gewisses spezielles Training in Verstellung genossen und ließ sich keine Überraschung anmerken. Er verbeugte sich.

„Es ist besser für Sie, mit mir zu sprechen, bevor Sie zulassen, dass sie Sie zum Narren halten. Ich bin bereit, Ihnen diesen Dampfer, so wie er steht, zu einer fairen Schätzung abzunehmen, und ich werde Bürgschaften leisten, um alle Kosten des von den Versicherern angestrengten Prozesses zu übernehmen.“

„Es wurde von den Versicherern kein Prozess angestrengt.“

Mr. Marston hob die Augenbrauen. „Oh! Ich muss daran denken, dass Sie ziemlich weit ab vom Schuss leben. Die Versicherer erheben Anspruch darauf, dass das Schiff nicht rechtmäßig von ihnen übergeben wurde. Haben Sie Dokumente, die die Freigabe belegen? Wenn ja, bin ich bereit, Ihnen etwa das Doppelte dessen zu zahlen, was ich sonst anzubieten gewillt wäre. Wenn man sich einen umstrittenen Titel in einem Admiralitätsverfahren einhandelt, ist das eine heikle Angelegenheit.“

Mayo erinnerte sich an die planlose Art und Weise, wie der Dampfer übertragen worden war, und er antwortete nicht.

Marstons Auftreten war das eines ruhigen, gefassten und kühlen Geschäftsmannes; sein Gehaben hatte Gewicht. Mehr denn je spürte Mayo seine eigene erbärmliche Schwäche in diesen großen Angelegenheiten, bei denen in der endgültigen Regelung mehr als nur ehrliche, harte Arbeit zählte.

„Wie viel haben Sie Ihren großen Anwälten gezahlt, damit sie diesen Prozess der Versicherer anzetteln?“, platzte er heraus, und Marstons Augenlider zuckten, trotz seiner Teilnahmslosigkeit. Hinter Mayos Frage steckte eher der Instinkt des in die Enge getriebenen Tieres als irgendein Wissen.

„Warum sollten Sie unterstellen, dass ich irgendetwas mit einem solchen Prozess zu tun habe?“

„Sie scheinen verdammt bereitwillig, die gesamte Haftung zu übernehmen.“

„Ich bin nicht hier, um kindische Streitigkeiten mit Ihnen zu führen, mein Herr. Das hier ist ein reines Geschäft.“

„Sehr wohl. Was wollen Sie?“

„Haben Sie Dokumente, wie ich es vorgeschlagen habe?“

„Ich habe meinen Kaufvertrag. Ich gehe davon aus, dass die Leute, die an mich verkauft haben, durch Papiere der Versicherer abgesichert sind.“

„Da irren Sie sich leider. Sie sind alle zu einer Klage beigeladen worden. Zeitklausel, tatsächliche Aufgabe, Rückkaufsrecht – all diese Angelegenheiten sind betroffen. Natürlich bedeutet das eine einstweilige Verfügung und einen langwierigen Rechtsstreit. Ich habe vorgeschlagen, die Verbindlichkeiten zu übernehmen und einzuspringen, weil ich von den besten Admiralitätsanwälten in New York unterstützt werde. Ich wiederhole das Angebot, das Mr. Fogg Ihnen gemacht hat.“

„Sie geben also zu, dass Mr. Fogg dieses Angebot für Sie oder Ihre Interessen gemacht hat?“

„Nun ja!“, gab Marston zu. „Wir gestatten Mr. Fogg, in einigen Angelegenheiten für uns zu handeln.“

„Das freut mich zu hören. Es gab so viel Verwirrung hin und her, dass ich ein wenig zweifelhaft geworden war!“

„Vermeiden Sie bitte Sarkasmus und Temperamentsausbrüche! Wollen Sie das Angebot annehmen?“

Mayo starrte den Finanzier an und maß ihn mit dem Blick. Wütender Hass raubte ihm die Fähigkeit zu vernünftigem Überlegen. Er war nicht in der Stimmung, Chancen abzuwägen, weder für sich selbst noch für seine Geschäftspartner. Er zweifelte an Marstons Redlichkeit. Er wusste, wie dieser Mann gegenüber dem anmaßenden Narren empfinden musste, der es gewagt hatte, zu Alma Marston aufzusehen; er war sich bewusst, dass der Magnat hinter seiner kalten Fassade ein spezielles Motiv verbergen musste.

Ob Marston eine Erpressung durch Mayos Besitz der Dokumente erwartete oder einen vorgeblichen Rechtsstreit angezettelt hatte, um die lästigen Amateure aus dem Conomo-Projekt zu drängen, konnte der junge Mann nicht bestimmen; beide Sichtweisen der Situation waren gleichermaßen beleidigend für diejenigen, die er zu seinen Gegnern gemacht hatte.

„Nun!“, schnappte der Magnat, dem es sichtlich schwerfiel, seinen eigenen heftigen Hass in diesem Gespräch noch länger zu zügeln. „Entscheiden Sie, ob Sie ein wenig bares Geld und eine gute Stellung haben wollen oder ob Sie vollständig hinausgeworfen werden!“

„Ich will Ihr Geld nicht! Sie versuchen, mich mit gefälschten juristischen Manövern zu betrügen, selbst während Sie mir Geld anbieten! Ich will Ihren Job nicht! Ich habe einmal für Sie gearbeitet. Ich werde nie wieder Ihr Handlanger sein.“

„Wenn ich nicht wüsste, dass Sie einen besseren Grund haben, sich auf diese Weise zu widersetzen, würde ich sagen, dass Ihr Groll Sie wahnsinnig gemacht hat, junger Mann.“

„Was ist dieser bessere Grund?“

„Erpressung! Sie haben vor, mit einem Diebstahl zu handeln.“

Mayo kämpfte einen Moment lang mit einem Impuls, der fast verzweifelt war; er wollte Marston das Bündel ins Gesicht werfen und ihm sagen, dass er log. Wieder spürte der junge Mann dieses seltsame Gefühl der Hilflosigkeit; er wusste, dass er Marston nicht dazu bringen konnte, es zu verstehen.

„Mayo, ich habe versucht, mit Ihnen umzugehen, als wären Sie mehr oder weniger ein Mann. Ich war bereit zuzugeben, dass meine Agenten Sie durch ihre Fehler geschädigt haben. Ich habe einen anständigen Kompromiss angeboten. Ich habe getan, was ich kaum jemals tue – mich mit kleinkarierten Details wie diesem abzugeben!“

Dieser Impuls, die Papiere an Marston auszuhändigen, war nun nicht mehr so drängend; selbst Mayos aufsteigende Wut brachte ihn nicht dazu, das zu tun. Das Wrack des Lebens und der Hoffnungen eines Menschen wurde leichtfertig als kleinkariertes Detail abgetan!

„Da ich nicht in der Lage bin, mit Ihnen auf der Basis eines Geschäftsmannes zu verhandeln, werde ich Sie behandeln, wie ich jeden anderen Dieb behandeln würde.“

Mayo wandte sich zum Gehen, aus Angst vor seinem eigenen verzweifelten Wunsch, diesen höhnischen Mund zu Brei zu schlagen.

Am Kopf der Niedergangstreppe standen ein halbes Dutzend Seeleute, bewaffnet mit eisernen Roststäben.

„Wenn Sie diese Papiere bei sich tragen, werde ich sie mir holen“, erklärte der Finanzier. „Wenn Sie sie nicht bei sich haben, werden Sie froh sein, mir zu sagen, wo sie sind, bevor ich mit Ihnen fertig bin.“

Der Gefangene hielt zwischen dem Herrn und den Vasallen inne.

„Ich werde meine Gefühle noch ein wenig weiter kreuzigen, Mayo“, erklärte Marston. „Treten Sie hier vor, wo diese Männer es nicht hören können. Es ist wichtig.“

Marston klopfte leise an eine Kabinentür und seine Tochter kam heraus. Sie schnappte nach Luft, als sie diesen zerlumpten Besucher sah, und in ihrem Blick lag echtes Entsetzen.

„Ich war nicht in der Lage, diese Sache bis auf den Grund zu prüfen. Indem ich Sie beide konfrontiere, wie ich es tue, werde ich vielleicht die Wahrheit über den Fall erfahren“, sagte Marston mit dem Gebaren eines Richters, der es mit Übeltätern zu tun hat. „Nun, Alma, ich gewähre dir eine Minute oder zwei, um deine Zunge an diesem feinen Exemplar zu gebrauchen, bevor meine Männer ihre Stangen gebrauchen.“

„Ich habe gehört, was mein Vater dir angeboten hat. Du musst es annehmen.“

„Ich habe andere Männer zu berücksichtigen – ehrliche Männer, die hart mit mir gearbeitet haben.“

Er zitterte in ihrer Gegenwart. Ihr Erscheinen vertrieb vernünftige Gedanken aus seinem Kopf und würgte die Worte in seiner Kehle ab. Er sah sich in einem Spiegel und fragte sich, ob dies nicht ein Traum sei – ob es nicht ein Traum gewesen sei, dass sie ihn jemals geliebt hatte.

Er wollte ihr seine verstümmelten Hände entgegenstrecken, die er hinter sich verbarg. Er sehnte sich danach, ihr die Seite des Mannes in diesem Fall zu erklären. Er wollte, dass sie verstand, was er den Männern schuldete, die ihr Leben riskiert hatten, um ihm zu dienen; er wollte sie die Bindung spüren lassen, die zwischen Männern existiert, die gemeinsam geschuftet und gehungert haben.

„Du musst zuallererst an dich selbst denken. Vieles hängt davon ab. Mit deinen törichten Vorstellungen von einer Menge Bettler wirfst du meines Vaters Güte in sein Gesicht!“

Er stammelte, unfähig, eine zusammenhängende Antwort zu formulieren.

„Sei vernünftig. Du hast kein Recht, einen Haufen Schrott und eine Menge niedriger Kreaturen über deine persönlichen Interessen zu stellen.“

In Marstons Augen lag Bosheit. Er sah eine Gelegenheit, Mayos Position in den Augen des Mädchens noch verkehrter darzustellen.

„Ich werde vollkommen offen sein, Mayo. Trotz unserer persönlichen Differenzen möchte ich Ihre Dienste – ich brauche sie. Ich habe herausgefunden, dass Sie ein junger Mann mit Entschlossenheit und viel Können sind. Ich werde Sie schnell voranbringen, wenn Sie sich mir anschließen. Aber Sie müssen reinen Tisch machen. Keine Bindungen an diese andere Gruppe.“

„Ich kann sie nicht verraten. Ich werde es nicht tun“, protestierte Mayo. Er verstand nicht genau alle Gründe für seine Sturheit. Aber sein Instinkt sagte ihm, dass Julius Marston nicht auf diese Weise herabsteigen würde, außer aus gewichtigen Gründen, und dass er versuchte, einen Verräter für seine Zwecke zu kaufen.

„Wie wagst du es, dich gegen meinen Vater zu wenden?“

„Ich – ich weiß es nicht! Irgendetwas scheint mit mir nicht zu stimmen.“ Er zerrte mit der Hand an seinem Hals.

„Und nach dem, was ich getan habe – meine böse Torheit – diese Papiere –“

„Weiter! Ich habe vor, dieser Sache auf den Grund zu gehen“, erklärte Marston.

Der junge Mann fuhr mit der Hand in seine Tasche, zog das versiegelte Paket heraus und drückte es dem Mädchen in die Hände. Marston ergriff es sofort.

„Du hast es nicht geöffnet?“

„Nein, mein Herr.“

„Ich habe es auch nicht geöffnet“, rief das Mädchen. „Ich habe es versiegelt, genau so, wie es zusammengebunden war.“

Marston riss die Schnüre und das Wachs ab.

Draußen rief eine laute Stimme die Yacht an. „Komplimente von Kapitän Wass an Kapitän Mayo, und würde er bitte sagen, wann er wieder an Bord seines Schoners kommt?“

Der Finanzier beachtete das nicht; er war mit den Papieren beschäftigt. Sein Gesicht war weiß vor Wut. Er warf sie um sich auf den Boden.

„Jedes Blatt ist leer – es ist Makulatur!“, schrie er. „Was ist das für ein verfluchter Trick?“

„Sie sollten besser den Mann fragen, der dieses Paket Ihrer Tochter gegeben hat“, schlug Mayo vor. Er schien weniger erstaunt zu sein als Marston und das Mädchen. „Ich hätte wissen sollen, dass Ihr Mann Bradish diese Art von Feigling ist.“

„Was wissen Sie darüber, dass Bradish darin verwickelt ist?“

„Ich rate es. Wahrscheinlich kann Ihre Tochter es sagen.“

„Ich will keine Ausflüchte mehr von dir, Alma. Ich werde dieser Angelegenheit jetzt auf den Grund gehen. Hat Bradish dir dieses Paket gegeben?“

„Ja, Vater.“

„Wie ist es zu diesem Mann hier gekommen?“

„Ich habe es einem Mann namens Kapitän Wass gegeben.“

Wieder hörten sie die Stimme draußen. „Es ist mir egal, ob er beschäftigt ist! Ich sage dir, richte Kapitän Mayo aus, dass er sofort auf seinem Schoner gebraucht wird. Sag ihm, es ist Kapitän Wass.“

„Der Teufel hat diesen Mann zur rechten Zeit geschickt“, erklärte Marston. Er schritt zum Niedergang. „Informieren Sie Kapitän Wass, dass er hier an Bord gebraucht wird! Versteckt diese Stangen, bis er unten ist!“

Er kam zurück, tobend, und stellte sich zwischen Mayo und das Mädchen, die während der kurzen Zeit, in der sie allein gelassen worden waren, keine Worte gefunden zu haben schienen.

„Ich glaube kein Wort, das Sie mir sagen! Hier gibt es einen höllischen Trick. Die Papiere fehlen. Jemand hat sie.“

Seine Wut blendete seine Vorsicht.

Er schritt auf Kapitän Wass zu, als der alte Seemann den Niedergang heraufstampfte.

„Ist Ihr Name Wass?“

„Kapitän Wass, mein Herr.“

„Sie haben Papiere von meiner Tochter genommen und sie zu diesem Mann gebracht!“

„Richtig.“

Marston trat zurück und trat nach den leeren Blättern auf dem Boden.

„Vielleicht können Sie mir sagen, ob das die sind, die Sie gebracht haben.“

Kapitän Wass starrte lange auf Mayo, auf das Mädchen und auf den aufgebrachten Finanzier. Dann blickte er auf die verstreuten Papiere hinunter und kratzte sich mit viel Bedacht den Kopf.

„Warum sagen Sie nichts?“, verlangte Marston.

„Ich bin von Natur aus langsam und vorsichtig“, erklärte Kapitän Wass. Er setzte seine Brille auf, kniete auf dem weichen Teppich und untersuchte die leeren Papiere und die zerbrochenen Siegel. Er legte sie zurück auf den Teppich und sann eine Weile nach, immer noch auf den Knien. Als er aufblickte und über den Rand seiner Brille spähte, beachtete er Marston nicht, zur empörten Verblüffung des Letzteren.

„Vose und andere warten im Hotel auf uns“, informierte er Kapitän Mayo, „und es ist ein wichtiges Geschäft, und wir sollten uns besser darum kümmern, anstatt hier herumzualbern.“

„Kein Geschäft ist wichtiger als dieses, mein Herr“, rief Marston.

„In einem Haufen leerer Papierblätter kann nicht viel Geschäft stecken“, schnauzte Kapitän Wass. „Was ist los?“

„Ich habe wertvolle Papiere verloren.“

Der alte Schiffer warf einen schiefen, forschenden Blick auf den wütenden Mann, der über ihm stand. „Dampfer-Kombinationspapiere, was?“

„Sie scheinen ziemlich gut Bescheid zu wissen.“

„Sollte ich.“

„Warum?“

Kapitän Wass stand langsam mit Ächzen auf und rieb sich die steifen Knie. „Weil ich sie habe.“

„Haben Sie sie aus dem Paket gestohlen?“

„Es war kein Stehlen – es war Geschäft.“

„Rücken Sie sie raus.“

„Ich bestehe auch darauf, Kapitän Wass“, sagte Mayo mit Empörung. „Rücken Sie diese Papiere raus.“

„Das geht nicht, denn ich habe sie nicht bei mir. Und ich werde sie nicht herausrücken, bis ich sie in meinem Geschäft verwendet habe.“

„Ich werde Sie verhaften lassen“, kündigte Marston an.

„Tun Sie das. Je eher die ganze Sache vor Gericht kommt, desto besser.“ Seine vollkommene Ruhe zeigte Wirkung beim Finanzier.

„Wofür wollen Sie diese Papiere verwenden?“

„Um Sie Piraten dazu zu bringen, das Eigentum der Vose-Linie zurückzugeben und Schadenersatz zu zahlen. Was den Rest Ihrer Kombination angeht, die Kreaturen, die darin stecken, können ihre eigenen Stinktiere häuten. Ich schätze, die ganze Sache wird sich von selbst erledigen, wenn wir die Vose-Linie zurückhaben.“

„Sie verlangen ein Ding der Unmöglichkeit. Die Angelegenheit kann nicht geregelt werden.“

„Dann werden wir sehen, wie weit Onkel Sam gehen kann, um dieses spezielle Nest voller Eier zu entwirren. Ich werde die Papiere der Regierung übergeben.“

„Haben Sie keinerlei Einfluss auf diesen Mann?“, fragte Marston den verblüfften Mayo.

„Nein, hat er nicht – nicht das Geringste in diesem Fall“, erwiderte Kapitän Wass. „Er braucht in manchen Dingen einen Vormund, und ich diene gerade als solcher.“

„Sie müssen sie von ihm bekommen – Sie müssen es, Kapitän Mayo“, rief das Mädchen. „Ich habe nicht verstanden, was ich tat.“

„Ich werde sie bekommen.“

„Ich möchte sehen, wie du das machst, Junge!“

Er wandte sich dem Wall-Street-Mann zu. „Ich verlange nur das, was meinen Leuten rechtmäßig zusteht. Ich bin ein Mann weniger Worte und im Moment halte ich mich strikt an den Zeitplan. Bis elf Uhr heute Abend finden Sie Vose, mich selbst und unsere Anwälte im Nicholas Hotel. Nach elf Uhr sind wir im Bett, weil wir einen frühen Start zum Wrack draußen auf Razee haben müssen. Wir werden diesen Job finanzieren. Und falls wir uns heute Abend nicht mit Ihnen einigen, werden wir unseren Knüppel benutzen, um Sie danach aus unserem Geschäft herauszuhalten. Sie wissen, was der Knüppel ist.“

Marston war zu sehr mit Kapitän Wass beschäftigt, um auf seine Tochter zu achten. Sie ging nahe an Mayo heran und flüsterte.

„Du musst sie verlassen, Boyd. Es ist meinetwegen. Du musst meinem Vater helfen. Sie sind Scheusale. Denke daran, was es für dich bedeuten wird, wenn du uns helfen kannst! Du wirst es tun. Versprich es mir!“

Er antwortete nicht.

„Wagst du es, auch nur einen Moment zu zögern – wenn ich dich bitte – meinetwegen?“

„Das ist mein letztes Wort“, brüllte Kapitän Wass. „Da ist keine Erpressung dabei – wir nehmen uns nur zurück, was uns gehört.“

„Sind Sie eines dieser – Geschöpfe?“, fragte sie empört.

Wenn sie in dieser Krise ihrer Angelegenheiten auch nur einen Funken Mitgefühl oder echtes Verständnis gezeigt hätte, wenn sie in diesem Moment nicht so sehr die Tochter von Julius Marston gewesen wäre, die zu Eigennutz riet, hätte er vielleicht törichterweise fortgefahren, seine Romanze zu hätscheln, trotz allem, was vorausgegangen war. Aber ihre Augen waren hart. Ihre Stimme hatte das Klimpern von Geld. Er schreckte auf wie ein Mann, der erwacht ist. Seine alte Mütze war auf den Teppich gefallen. Er hob sie auf.

„Leb wohl!“, sagte er. „Ich habe herausgefunden, wo ich auf dieser Welt hingehöre.“

Und auf diese unheldenhafte Weise endete etwas, von dem ihm damals klar wurde, dass es niemals hätte begonnen werden dürfen. Er folgte Kapitän Wass über den Salon.

„Raten Sie Ihren Kerlen besser, vorsichtig damit zu sein, wie sie diese Roststäbe handhaben“, rief Kapitän Wass. „Ich bin geladen, und wenn ich angerempelt werde, explodiere ich womöglich.“

Sie wurden nicht belästigt, als sie die Yacht verließen. Der Dory-Fahrer, der Kapitän Wass gebracht hatte, ruderte sie zum Kai.

„Diese Papiere –“ hatte Mayo kurz nachdem sie die Seite der Yacht verlassen hatten, gewagt.

„Kein Wort darüber!“, kläffte der alte Schiffer. „Es ist meine Angelegenheit – vollständig! Wenn die Zeit reif ist, werde ich Ihnen zeigen, dass es meine private Angelegenheit ist. Ich erlaube niemals jemandem, sich da einzumischen.“

In jener Nacht, nach der Konferenz im Hotel und nachdem Julius Marston, fluchend, seinen Namen unter bestimmte Papiere gesetzt hatte, die von sorgfältigen Anwälten aufgesetzt worden waren, erklärte Kapitän Wass, warum die Angelegenheit mit dem versiegelten Paket seine private Angelegenheit war. Er nahm Marston zu diesem Zweck von den anderen beiseite.

„Ich habe kein Wort zu Vose oder seinen Partnern über diese Sache mit den Dokumenten gesagt. Sie glauben, Sie sind gekommen, weil Sie einen niedrigen Trick wiedergutmachen wollten, den ein Untergebener ausgeheckt hat. Das hat Sie also in eine sehr gute Position bei der Vose-Gruppe gebracht, mein Herr.“

Marston brummte.

„Es sollte irgendwie erfreulich sein, dass ein paar Leute glauben, Sie seien anständig“, fuhr Kapitän Wass fort.

„Genug dieses albernen Geschwätzes. Rücken Sie diese Papiere raus!“

„Nur einen Moment!“ Er gab Kapitän Mayo ein Zeichen, der zu ihnen kam. „Ich werde Mr. Marston sagen, warum diese Dokumente heute meine spezielle Angelegenheit waren und warum Sie mich in dieser Sache nicht kontrollieren konnten. Ich kann es Ihnen beiden genauso gut sofort erklären. Es war aus folgendem Grund meine eigene Angelegenheit: Ich weiß nichts über irgendwelche Papiere. Ich habe nie welche gesehen. Ich habe dieses Paket nie geöffnet. Ich habe es so weitergereicht, wie es mir gegeben wurde. Das ist die Wahrheit, bei meinem heiligen Wort, Mr. Marston; und ich habe keinen Grund, Sie anzulügen – nicht nachdem Sie diese Vereinbarungen unterzeichnet haben.“

„Kommen Sie nach draußen“, drängte der Finanzier. „Ich möchte Ihnen sagen, was ich von Ihnen halte.“

„Nein“, sagte der alte Schiffer sanft. „Und ich würde meine Stimme senken, mein Herr, wenn ich Sie wäre. Diese Männer hier haben jetzt eine ziemlich gute Vorstellung von Ihnen, und ich möchte nicht, dass Sie sie verderben.“

„Sie sind ein lügender Abtrünniger!“

„Oh nein! Ich habe Ihnen nur gezeigt, dass nicht alle guten Bluffers auf die Wall Street beschränkt sind. Einer ist dort noch auf freiem Fuß. Ihr Mann Bradish hatte wahrscheinlich Gründe, Ihre Tochter an der Nase herumzuführen – und seine eigene Haut zu retten. Er wird Ihnen Ihre Papiere wahrscheinlich noch aushändigen!“

Marston fluchte und ging.

„Ich habe diesen Kurs abgesteckt, während ich unten in seiner Kabine auf den Knien lag und sozusagen für eine gute Lüge in einer Zeit verzweifelter Not betete“, vertraute Kapitän Wass Mayo an. „Es war nicht schlecht, in Anbetracht der Art und Weise, wie es ausgegangen ist.“

XXXII ~ EINES MÄDCHENS LIEBES „WARUM!“

Fass Mut, Jack, helle Lächeln erwarten dich Von der Schönsten der Schönen, Und ihre liebevollen Augen werden dich begrüßen Mit freundlichem Willkommen überall. Heimwärts rollend, heimwärts rollend, Heimwärts rollend über das Meer. Heimwärts rollend zum lieben alten England, Heimwärts rollend, liebes Land, zu dir! --Rolling Home.

Es gab keine Knauserei bei dem Handel, den die Vose-Leute mit Kapitän Mayo machten. Sie schlossen einen Vertrag ab, um mit ihm und seinen Männern bei der Bergung des Dampfers zusammenzuarbeiten, ihn im Trockendock zu reparieren und ihn für seine Route neu auszurüsten. Er würde nach der Umrüstung im Zustand als laufendes Unternehmen bewertet werden, und Mayo sollte Aktien in Höhe seines Wertes erhalten – Aktien der neu organisierten Vose-Linie.

„Außerdem“, erklärte der alte Vose, „werden wir einen Kerl von genau Ihrem Kaliber als Manager brauchen. Sie haben gezeigt, dass Sie in der Lage sind, Dinge zu bewegen.“

Er war an Deck der Conomo, nach einer langen Inspektion der Arbeit, die unter Schwierigkeiten geleistet worden war.

„Sie hätten diesen Dampfer mit Ihren eigenen Anstrengungen vom Fleck bekommen, wenn Ihr Geld gereicht hätte. Ihr nächster Job ist die Montana; aber Sie werden das einfach managen, Kapitän Mayo – benutzen Sie Ihren Kopf und sparen Sie Ihre Muskeln.“

„Ich werde sie vom Fleck bekommen, da ich sie auch darauf gesetzt habe.“

„Wir alle wissen genau, wie sie darauf gesetzt wurde – und Marston wird dafür mit seinem harten Geld bezahlen.“

Unter diesen Umständen war Razee Reef keine Trauerbank mehr! Die trostlosen Tage des Provisoriums waren vorbei.

Die Leichter einer der größten Bergungsfirmen der Küste eilten nach Razee und scharten sich um den verstümmelten Dampfer – Samariter der See. Gigantische Ausrüstung umfasste ihn; große Pumpen schluckten das Wasser aus ihm; gestützt und unterstützt, wie ein angeschlagener Mann mit den Armen auf den Schultern seiner Freunde hinkt, kam der Dampfer mit der ersten Springflut im Juli vom Razee Reef frei, schleppte sich über das Meer im Kielwasser schnaufender Schlepper und war schließlich sicher in einem Trockendock – dem Krankenhaus der verkrüppelten Giganten des Ozeans.

Keine Musik klang jemals so süß für Kapitän Mayo wie dieser scheppernde Chor, den die Hämmer der Eisenarbeiter auf den Flanken der Conomo spielten. Aber er riss sich von dieser Musik los und fuhr zusammen mit einem überaus zufriedenen Kapitän Candage, der sich nun daran erinnerte, dass eine Tochter auf ihn wartete, nach Maquoit.

Sie war per Brief über ihren Erfolg und ihre Ankunft informiert worden.

Maquoit machte ein Fest aus der Ankunft der Ethel and May, und Dolph und Otie, Koch und Maat des Schoners, führten die Parade an, als die Männer an Land waren.

Sie kehrten mit den vollen Geldbeuteln, die die Großzügigkeit ihrer Arbeitgeber bereitgestellt hatte, zu den Ihrigen zurück, und es gab keinen Zweifel mehr an der Zukunft der Männer, die einst auf Hue and Cry gehungert hatten.

Kapitän Mayo hatte erklärt, dass er wisse, wo er treue Arbeiter finden könne, wenn es an der Zeit sei, Jobs zu verteilen.

Polly Candage war zu ihm gekommen, als er den Fuß an Land setzte, die Hände ihm entgegengestreckt und die Augen leuchtend. Und als sie ihre Hände in die seinen legte, wusste er in seiner Seele, dass dies der Empfang war, auf den er gewartet hatte; ihre Worte der Glückwunschung waren die liebsten von allen, ihr Lächeln war der beste Lohn, und nach ihr selbst, der Teuren, hatte er gehungert.

Doch er wollte sich selbst nicht eingestehen, dass er gekommen war, um zu werben.

Als die sanfte Dämmerung die harten Umrisse des kleinen Weilers gemildert hatte und die anderen mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt waren und Mayo und Polly allein gelassen hatten, saß er mit ihr auf der Veranda des Hauses der Witwe, wo sie jenen ersten Abend verbrachten, nachdem sie aus dem Meer gerettet worden waren.

Es war ein langes Schweigen zwischen ihnen. „Wir hatten keine Gelegenheit – ich habe es noch nicht gewagt, Ihnen meine besten Hoffnungen für das Liebste von allem zu offenbaren“, wagte sie zu sagen.

„Derjenige oben im Binnenland. Ich weiß. Ich freue mich für Sie.“

„Welcher oben im Binnenland?“

„Jener junge Mann – der einzige junge Mann auf der ganzen Welt.“

„Oh ja! Das hatte ich vergessen.“

Er starrte sie an. „Vergessen?“

„Nun – nun – ich meine nicht direkt vergessen. Aber ich habe nicht an ihn gedacht, als ich sprach. Ich meine, dass Sie jetzt – mit Ihren neuen Aussichten – gehen können zu – zu – Es mag eine Zeit kommen, in der Sie mit Mr. Marston sprechen können.“

„Ich habe mit Mr. Marston gesprochen, erst kürzlich. Er hat mit mir gesprochen“, sagte er mit hartem Gesicht. „Wir werden nie wieder miteinander sprechen, wenn es nach mir geht.“

Er begegnete ihrem erstaunten Blick. „Polly, es tut mir leid, Sie mit meinen armseligen Angelegenheiten dieser Art zu behelligen. Mit Mr. Vose kann ich über Geschäfte reden und mit Ihrem Vater über das Meer. Aber es gibt eine andere Sache, die ich niemandem gegenüber erwähnen kann – außer Sie hören zu. Ich werde Ihnen sagen, wo ich Mr. Marston gesehen habe – und seine Tochter.“

Sie hörte zu, die Lippen leicht geöffnet.

„Also sehen Sie“, sagte er am Ende, „es war schlimmer als ein Traum; es war ein Irrtum. Es kann keine wahre Liebe gewesen sein, denn sie war nicht auf dem richtigen Fundament erbaut. Ich habe nie viel Erfahrung mit Mädchen gehabt. Ich bin fast mein ganzes Leben auf See herumgeirrt. Vielleicht weiß ich nicht, was wahre Liebe ist. Aber mir scheint, sie kann nicht viel bedeuten, wenn sie nicht auf gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft, füreinander zu opfern, aufgebaut ist.“

„Das denke ich auch“, erwiderte Polly leise.

„Ich möchte diesen jungen Mann von Ihnen oben im Binnenland sehen. Ich möchte ihm sagen, dass er ein Riesenglück hat, weil er Sie zuerst getroffen hat.“

„Warum?“

„Ich kann Ihnen nicht genau sagen, warum. Es ist nicht recht von mir, das zu tun.“

„Aber ein Mädchen hört so etwas gern. Bitte!“

„Verzeihen Sie mir, dass ich sage, was ich nicht sagen sollte?“

„Ich werde Ihnen verzeihen.“

„Er hat Glück, denn wenn ich nicht wüsste, dass Sie versprochen sind und lieben, würde ich mich zu Ihren Füßen niederwerfen und Sie anflehen, mich zu heiraten. Sie sind die Frau für einen Yankee-Seemann, Polly Candage. Wenn es nur zwei von Ihnen auf dieser Welt gäbe, würden wir eine Doppelhochzeit feiern.“

Er sprang auf und wollte gehen.

„Wo gehen Sie hin?“, fragte sie, und es lag fast ein Wehklagen in ihrem Ton. „Nein, er versteht Mädchen nicht gut“, sagte sie sich bitter.

„Ich gehe hinunter zu Rowleys Laden, um zu sehen, ob er sein Geld zurücknimmt und uns die Zinsen erspart. Er sagte mir, ich müsse das Geld ein Jahr lang behalten.“

Sie rief ihm stockend nach, aber mit einer solchen Bitte in ihrer Stimme, dass er innehielt und sie anstarrte.

„Könnten Sie nicht – Ist es nicht ebenso gut, die Sache ruhen zu lassen, bis – bis –“

„Oh, in Geldangelegenheiten gibt es keine Zeit wie die Gegenwart“, erklärte er lachend, völlig ahnungslos, ohne die geringste Ahnung von ihrer Verlegenheit, ihrem kläglichen Versuch, ihren kleinen Tempel des Liebesopfers so zu versperren, dass er nicht gerade jetzt hineinstürmen konnte.

Sein Lachen war erzwungen. Er erkannte, dass er, wenn er nicht schnell von diesem Mädchen wegging, die Arme nach ihr ausstrecken und die Liebe erklären würde, die in ihm aufwallte, jetzt, da er zum vollen Bewusstsein dieser Liebe erwacht war; seine Yankee-Zurückhaltung, sein Instinkt für die Ehre unter Männern kämpften heftig gegen seine Leidenschaft; er sagte sich, dass er keinen Mann verraten würde, den er nicht kannte, und einem Mädchen, das, wie er glaubte, einen anderen liebte, keine Liebe anbieten würde.

„Darf ich mit Ihnen kommen?“, flehte sie und unterdrückte ihren wilden Impuls, vor ihm herzueilen und den Diakon zu warnen.

„Natürlich!“, willigte er ein, und sie gingen die Straße hinunter, ohne dass einer von beiden zu sprechen wagte.

Sie fanden Rowley allein in seinem Laden vor. Er werkelte herum und machte sich bereit, den Laden für die Nacht zu schließen.

Als sie eintraten, trat das Mädchen hinter Mayo und machte, während sie den Blick des Diakons auffing, wilde Gesten. Im Halbdunkel waren diese Gesten ausgesprochen unverständlich; der Diakon senkte seine Brille und starrte sie an, in dem Versuch, dieses Winken zu verstehen.

„Ich würde das Darlehen gern zurückzahlen und den Rest der Jahreszinsen sparen, Diakon Rowley“, erklärte Mayo mit seemännischer Offenheit.

Das Mädchen versuchte dem Diakon zu vermitteln, dass er ihr Geheimnis nicht verraten durfte. Sie schüttelte den Kopf. Dies erschien dem Vermittler wie direkte und endgültige Anweisungen des Auftraggebers.

„Nein, mein Herr, Kapitän Mayo! Das geht nicht.“

„Ich nenne das kein faires Geschäft unter Männern, egal wie gerade das Geschäft sein mag.“

Polly signalisierte nun eifrig Zustimmung, in der Absicht, den Diakon verstehen zu lassen, dass er das Geld annehmen müsse. Aber der Diakon verstand nicht; er glaubte, das Mädchen bestätige ihren Wunsch nach einem korrekten Geschäft.

„Sie haben es für ein Jahr genommen. Kein Zurück mehr, Kapitän.“

Sie schüttelte heftig den Kopf.

„Nein, mein Herr! Behalten Sie es, wie vereinbart, und zahlen Sie Ihre Zinsen.“

„Diakon Rowley, Sie sind ein alter Idiot!“, flammte das Mädchen auf.

Als der Diakon sich die Brille von der Nase riss und Kapitän Mayo erstaunte Augen auf sie richtete, hielt sie sich die Hände vor das Gesicht und rannte schluchzend aus dem Laden. Sie war nur ein Mädchen! Sie hatte keine Mittel mehr, um dieser Situation in den Angelegenheiten der Männer zu begegnen.

Mayos Impuls war es, ihr zu folgen, aber der Diakon hielt ihn auf.

„Ich lasse mich hier nicht länger zum Narren halten, selbst wenn es dreihundert Dollar einbringt“, krächzte er.

„Ein Narr! Was meinen Sie damit?“

„Gehen Sie und regeln Sie das mit ihr.“

„Was hat Polly Candage mit diesem Geschäft zu tun?“

„Es ist ihr Geld.“

„Sie wollen damit sagen –“

„Sie hat ihr Geld von der Bank abgehoben und mich dazu überredet, für sie zu lügen. Was tut ein Mädchen nicht alles, wenn sie in einen Kerl verliebt ist? Wenn Sie das vorher nicht gewusst haben, ist es höchste Zeit, dass Sie es erfahren!“

Diese letzte Bemerkung des Diakons bezog sich angewidert nur auf die Geldangelegenheit. Aber sie vermittelte Kapitän Boyd Mayo etwas anderes.

Er rannte aus dem Laden!

Weit oben auf der Straße holte er sie ein. Sie eilte nach Hause. Als sie sich ihm zuwandte, sah er Tränen auf ihren Wangen, obwohl das großzügige Abenddunkel sie dort einhüllte, wo sie standen. Er nahm ihre beiden Hände.

„Polly Candage, warum haben Sie Ihr Geld für mich riskiert?“, fragte er.

„Ich wusste, dass Sie Erfolg haben würden!“, murmelte sie und wandte ihr Gesicht ab. „Es war eine – eine gute Investition.“

„Als Sie es gaben, haben Sie da – Haben Sie gedacht – War es nur eine Investition, Polly?“

Sie antwortete nicht.

„Sehen Sie her! Diese letzte Sache sollte mir die Zunge binden, denn ich verdanke Ihnen alles. Aber meine Zunge will nicht gebunden bleiben – nicht jetzt, Polly. Es ist mir egal, ob es da oben im Land jemanden anderen gibt. Das sollte es mir nicht sein. Ich sollte Ihre – respektieren –“

Sie zog eine Hand frei und legte ihre vollen Finger auf seine Lippen. „Es gibt niemanden oben im Land; es gab nie jemanden, Boyd“, flüsterte sie.

Er nahm sie in die Arme, küsste sie und hielt sie fest.

„Wollen Sie mir jetzt eine Sache sagen? Ich kenne die Antwort, mein Schatz, aber ich möchte Sie es sagen hören. Warum haben Sie mir all Ihr Geld gegeben?“

Sie legte ihre Handflächen gegen seine Wangen und sprach die Worte, nach denen seine Seele hungerte:

„Weil ich dich liebe!“

ENDE

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