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Catriona

by Robert Louis Stevenson · in German

CATRIONA

TEIL I. DER LORD ADVOCATE

KAPITEL I. EIN BETTLER ZU PFERDE

Am 25. August 1751, gegen zwei Uhr nachmittags, trat ich, David Balfour, aus dem Hause der British Linen Company, gefolgt von einem Lastträger mit einem Sack voll Geld, während mich einige der vornehmsten Kaufleute höflich von ihren Türen aus verabschiedeten. Noch zwei Tage zuvor, ja selbst am gestrigen Morgen, war ich wie ein Bettler am Wegesrand gewesen, in Lumpen gekleidet, auf meine letzten Schillinge heruntergekommen, mein Begleiter ein verurteilter Verräter, ein Preis auf meinen eigenen Kopf ausgesetzt für ein Verbrechen, dessen Nachricht durch das ganze Land hallte. Heute war ich als Erbe meiner Stellung im Leben anerkannt, ein Grundbesitzer, ein Bankträger trug mein Gold, Empfehlungsschreiben steckten in meiner Tasche und (um es mit dem Sprichwort zu sagen) der Ball lag direkt vor meinem Fuß.

Es gab zwei Umstände, die mir bei so viel Segel als Ballast dienten. Der erste war das überaus schwierige und tödliche Geschäft, das ich noch zu erledigen hatte; der zweite war der Ort, an dem ich mich befand. Die hohe, schwarze Stadt sowie die Menge, die Bewegung und der Lärm so vieler Leute schufen für mich eine neue Welt nach den Moorhügeln, den Meeresstränden und der stillen Landschaft, in der ich mich bis dahin aufgehalten hatte. Besonders das Gedränge der Bürger machte mich verlegen. Rankeillors Sohn war von kurzer Statur und schmalem Wuchs; seine Kleider saßen kaum an mir, und es war offensichtlich, dass ich denkbar ungeeignet dazu war, vor einem Bankträger einherzustolzieren. Es war klar, dass ich, täte ich dies, die Leute nur zum Lachen brächte und (was in meinem Fall schlimmer war) dazu veranlasste, Fragen zu stellen. Also musste ich mir eigene Kleidung beschaffen und einstweilen an der Seite des Trägers gehen, wobei ich ihm die Hand auf den Arm legte, als wären wir ein Paar Freunde.

Bei einem Kaufmann in den Luckenbooths ließ ich mich einkleiden: nicht allzu fein, denn ich hatte nicht im Sinn, wie ein Bettler zu Pferde zu erscheinen, aber anständig und würdig, sodass die Dienerschaft mich respektieren würde. Von dort ging ich zu einem Waffenschmied, wo ich einen schlichten Degen erwarb, der meinem Stande im Leben entsprach. Mit der Waffe fühlte ich mich sicherer, auch wenn sie (für jemanden, der so wenig von Verteidigung verstand) als eine zusätzliche Gefahr hätte gelten können. Der Träger, der von Natur aus ein Mann mit einiger Erfahrung war, befand meine Ausrüstung für gut gewählt.

„Naething kenspeckle“, sagte er; „schlichte, anständige Kleidung. Was den Degen angeht, so passt er zweifellos zu Eurem Stand, aber wäre ich an Eurer Stelle gewesen, hätte ich mein Geld besser angelegt.“ Und er schlug vor, ich solle bei einem Weib in der Cowgate-back, die eine Cousine von ihm sei, Winterhosen kaufen, die „außerordentlich haltbar“ seien.

Doch ich hatte andere, dringendere Angelegenheiten. Hier war ich in dieser alten, schwarzen Stadt, die für die Welt einem Kaninchenbau glich, nicht nur wegen der Zahl ihrer Bewohner, sondern wegen der Verworrenheit ihrer Durchgänge und Löcher. Es war wahrlich ein Ort, an dem ein Fremder kaum eine Chance hatte, einen Freund zu finden, geschweige denn einen anderen Fremden. Selbst wenn er die richtige Gasse fände, lebten die Menschen in diesen hohen Häusern so dicht gedrängt, dass er gut und gerne einen Tag suchen könnte, ehe er auf die richtige Tür stieße. Der gewöhnliche Weg war es, einen Burschen anzuheuern, den sie Caddie nannten, der wie ein Führer oder Lotse war, einen dorthin brachte, wo man hin musste, und (nach Erledigung der Besorgungen) wieder zurück an den Ort, wo man logierte. Doch diese Caddies, da sie stets mit der gleichen Art von Diensten beschäftigt waren und die Verpflichtung hatten, über jedes Haus und jede Person in der Stadt bestens unterrichtet zu sein, waren zu einer Bruderschaft von Spionen geworden; und ich wusste aus Mr. Campbells Erzählungen, wie sie miteinander kommunizierten, welche Neugier sie bezüglich der Geschäfte ihrer Arbeitgeber entwickelten und wie sie Augen und Ohren der Polizei waren. Es wäre wenig klug gewesen, in meiner jetzigen Lage ein solches Frettchen an meine Fersen zu heften. Ich hatte drei Besuche zu machen, alle sofort notwendig: bei meinem Verwandten Mr. Balfour von Pilrig, bei Stewart dem Schreiber, der Appins Agent war, und bei William Grant Esquire von Prestongrange, Lord Advocate von Schottland. Der Besuch bei Mr. Balfour war unverbindlich; und da Pilrig auf dem Lande lag, wagte ich es, den Weg dorthin selbst zu finden, mit Hilfe meiner zwei Beine und einer schottischen Zunge. Aber die anderen lagen anders. Nicht nur war der Besuch bei Appins Agent inmitten des Geschreis um den Appin-Mord an sich gefährlich, sondern er stand auch in hohem Widerspruch zum anderen. Ich hatte ohnehin schon eine schlimme Zeit mit meinem Lord Advocate Grant zu erwarten, auf die beste Weise; aber direkt von Appins Agenten zu ihm zu eilen, würde meine eigene Sache kaum bessern und könnte für meinen Freund Alan den sicheren Ruin bedeuten. Überdies erweckte das Ganze bei mir den Anschein, als liefe ich mit den Hasen und jagte mit den Hunden, was mir gar nicht behagte. Ich beschloss daher, sofort mit Mr. Stewart und der ganzen jakobitischen Seite meiner Angelegenheiten abzuschließen und zu diesem Zweck die Führung des Trägers an meiner Seite zu nutzen. Doch es traf sich, dass ich ihm kaum die Adresse gegeben hatte, als ein Regenschauer niederging – nichts Schlimmes, nur für meine neuen Kleider –, und wir unter einem Torweg am oberen Ende einer Gasse Schutz suchten.

Da mir alles fremd war, trat ich ein Stück weiter hinein. Der schmale, gepflasterte Weg führte steil hinab. Gigantisch hohe Häuser schossen auf jeder Seite empor und wölbten sich, Stockwerk um Stockwerk, nach außen, während sie in die Höhe wuchsen. Ganz oben war nur ein Band Himmel zu sehen. Nach dem, was ich in den Fenstern erspähen konnte, und nach den respektablen Personen, die ein- und ausgingen, sah ich, dass die Häuser sehr gut bewohnt waren; und das gesamte Erscheinungsbild des Ortes interessierte mich wie eine Erzählung.

Ich starrte noch immer, als hinter mir ein plötzlicher, zügiger Tritt von Füßen im Takt und das Klirren von Stahl ertönte. Als ich mich rasch umwandte, wurde ich einer Gruppe bewaffneter Soldaten gewahr und in ihrer Mitte einen großen Mann in einem schweren Mantel. Er ging mit einem gebeugten Gang, der wie ein Stück Höflichkeit wirkte, vornehm und einschmeichelnd; er winkte mit den Händen auf eine plausible Weise, während er dahinging, und sein Gesicht war schlau und hübsch. Ich glaubte, sein Blick erfasste mich, aber ich konnte ihm nicht standhalten. Dieser Zug ging an einer Tür in der Gasse vorbei, die ein Diener in feiner Livree öffnete; und zwei der Soldatenburschen trugen den Gefangenen hinein, während die übrigen mit ihren Musketen bei der Tür verweilten.

Nichts kann in den Straßen einer Stadt geschehen, ohne dass eine Schar von Müßiggängern und Kindern folgt. So war es auch jetzt; doch der größte Teil verlief sich alsbald, bis nur noch drei übrig blieben. Eines war ein Mädchen; sie war wie eine Dame gekleidet und trug einen Schirm in den Farben der Drummonds auf dem Kopf; aber ihre Gefährten oder (ich sollte sagen) Anhänger waren zerlumpte Gillies, wie ich sie dutzendfach auf meiner Reise durch die Highlands gesehen hatte. Sie sprachen alle eifrig miteinander auf Gälisch, dessen Klang mir um Alans willen angenehm in den Ohren war; und obwohl der Regen vorbei war und mein Träger an mir zerrte, um aufzubrechen, trat ich sogar näher an sie heran, um zuzuhören. Die Dame schalt scharf, während die anderen sich entschuldigten und vor ihr krochen, sodass ich mir sicher war, sie stammte aus dem Hause eines Häuptlings. Die ganze Zeit über suchten sie in ihren Taschen, und nach dem, was ich feststellen konnte, besaßen sie zusammen kaum einen halben Farthing; was mich ein wenig lächeln ließ, da ich sah, dass alle Leute aus den Highlands gleich waren, was feine Verbeugungen und leere Sporrans betraf.

Es traf sich, dass das Mädchen sich plötzlich umwandte, sodass ich ihr Gesicht zum ersten Mal sah. Es gibt kein größeres Wunder als die Art und Weise, wie das Gesicht einer jungen Frau in den Sinn eines Mannes passt und dort bleibt, und er könnte niemals sagen, warum; es scheint einfach das zu sein, was er wollte. Sie hatte wunderbar helle Augen wie Sterne, und ich wage zu sagen, dass die Augen ihren Teil dazu beitrugen; aber das, woran ich mich am deutlichsten erinnere, war die Art, wie ihre Lippen ein wenig geöffnet waren, als sie sich umdrehte. Und was auch immer der Grund war, ich stand da und starrte wie ein Narr. Ihrerseits, da sie nicht gewusst hatte, dass jemand so nahe war, sah sie mich ein wenig länger an, und vielleicht mit mehr Überraschung, als gänzlich höflich war.

Mir ging durch meinen bäuerlichen Kopf, sie könnte sich über meine neuen Kleider wundern; dabei wurde ich rot bis in die Haare, und beim Anblick meiner Röte ist anzunehmen, dass sie ihre eigenen Schlüsse zog, denn sie bewegte ihre Gillies weiter die Gasse hinunter, und sie verfielen wieder in diesen Streit, von dem ich nichts mehr hören konnte.

Ich hatte schon oft ein Mädchen bewundert, wenn auch kaum so plötzlich und stark; und es war eher meine Art, mich zurückzuziehen, als vorwärts zu drängen, denn ich fürchtete mich sehr vor Spott seitens der Frauenwelt. Man hätte meinen können, ich hätte nun allen Grund mehr, meine übliche Praxis zu verfolgen, da ich dieses junge Fräulein in der Stadtstraße getroffen hatte, anscheinend einen Gefangenen verfolgend und begleitet von zwei sehr zerlumpten, unanständig aussehenden Highlandern. Aber hier gab es eine andere Zutat; es war offensichtlich, dass das Mädchen dachte, ich hätte ihre Geheimnisse ausspioniert; und mit meinen neuen Kleidern und dem Degen, und auf dem Höhepunkt meines neuen Glücks, war das mehr, als ich schlucken konnte. Der Bettler zu Pferde konnte es nicht ertragen, so tief herabgesetzt zu werden, oder zumindest nicht von dieser jungen Dame.

Ich folgte ihr daher und nahm meinen neuen Hut vor ihr ab, so gut ich es vermochte.

„Gnädiges Fräulein“, sagte ich, „ich denke, es ist mir gegenüber nur fair, Euch verstehen zu lassen, dass ich kein Gälisch spreche. Es ist wahr, ich habe zugehört, denn ich habe selbst Freunde jenseits der Highland-Linie, und der Klang dieser Zunge ist mir freundschaftlich; aber was Eure privaten Angelegenheiten betrifft, wenn Ihr Griechisch gesprochen hättet, hätte ich es vielleicht eher erraten können.“

Sie machte mir einen kleinen, distanzierten Knicks. „Es ist kein Schaden geschehen“, sagte sie mit einem hübschen Akzent, dem Englischen sehr ähnlich (aber angenehmer). „Eine Katze darf einen König ansehen.“

„Ich habe nicht die Absicht, zu beleidigen“, sagte ich. „Ich habe kein Geschick in städtischen Sitten; ich habe noch nie zuvor einen Fuß in die Tore von Edinburgh gesetzt. Haltet mich für einen Jungen vom Land – das bin ich; und ich würde es Euch lieber selbst sagen, als dass Ihr es herausfindet.“

„In der Tat, es wird eine sehr ungewöhnliche Sache sein, dass Fremde auf dem Pflaster miteinander sprechen“, antwortete sie. „Aber wenn Ihr landwärts erzogen seid, wird es anders sein. Ich bin so landwärts wie Ihr; ich bin Highlanderin, wie Ihr seht, und halte mich für umso weiter von meinem Zuhause entfernt.“

„Es ist noch keine Woche her, seit ich die Linie überschritten habe“, sagte ich. „Weniger als eine Woche, da war ich auf den Hügeln von Balwhidder.“

„Balwhidder?“, rief sie. „Kommt Ihr aus Balwhidder! Der Name lässt alles, was in mir ist, jubeln. Ihr werdet nicht lange dort gewesen sein, ohne einige unserer Freunde oder Familien zu kennen?“

„Ich lebte bei einem sehr ehrlichen, freundlichen Mann namens Duncan Dhu Maclaren“, antwortete ich.

„Nun, ich kenne Duncan, und Ihr gebt ihm den wahren Namen!“, sagte sie; „und wenn er ein ehrlicher Mann ist, so ist seine Frau wahrlich ehrlich.“

„Ja“, sagte ich, „sie sind feine Leute, und der Ort ist ein schöner Ort.“

„Wo auf der großen Welt gibt es einen zweiten solchen!“, ruft sie; „Ich liebe den Geruch dieses Ortes und die Wurzeln, die dort wachsen.“

Ich war unendlich eingenommen vom Geist der Maid. „Ich könnte mir wünschen, ich hätte Euch ein Büschel dieses Heathers mitgebracht“, sage ich. „Und obwohl ich übel daran tat, Euch zuerst anzusprechen, scheint es nun, da wir gemeinsame Bekannte haben, dass ich meine Bitte an Euch richte, mich nicht zu vergessen. David Balfour ist der Name, unter dem ich bekannt bin. Dies ist mein Glückstag, da ich gerade in ein ererbtes Anwesen gekommen bin und nicht allzu lange aus einer tödlichen Gefahr heraus bin. Ich wünschte, Ihr würdet meinen Namen um des Balwhidder willen im Gedächtnis behalten“, sagte ich, „und ich werde Euren um meines Glückstages willen.“

„Mein Name wird nicht ausgesprochen“, antwortete sie mit viel Hochmut. „Mehr als hundert Jahre ist er nicht mehr auf den Zungen der Menschen gewesen, außer für einen Augenblick. Ich bin namenlos, wie das Volk des Friedens. Catriona Drummond ist der, den ich benutze.“

Nun wusste ich in der Tat, wo ich stand. In ganz Schottland gab es nur den einen geächteten Namen, und das war der Name der Macgregors. Doch weit davon entfernt, diese unerwünschte Bekanntschaft zu fliehen, tauchte ich nur tiefer hinein.

„Ich habe mit jemandem zusammen gesessen, der im selben Falle war wie Ihr selbst“, sagte ich, „und ich denke, er wird einer Eurer Freunde sein. Sie nannten ihn Robin Oig.“

„Tatet Ihr das?“, ruft sie. „Ihr habt Rob getroffen?“

„Ich habe die Nacht mit ihm verbracht“, sagte ich.

„Er ist ein Vogel der Nacht“, sagte sie.

„Es gab einen Satz Dudelsäcke dort“, fuhr ich fort, „da könnt Ihr Euch ausmalen, ob die Zeit verging.“

„Ihr solltet auf jeden Fall kein Feind sein“, sagte sie. „Das war sein Bruder dort vor einem Augenblick, mit den roten Soldaten um ihn herum. Es ist derjenige, den ich Vater nenne.“

„Ist es so?“, rief ich. „Seid Ihr eine Tochter von James Mores?“

„Die einzige Tochter, die er hat“, sagt sie: „die Tochter eines Gefangenen; dass ich das nur für eine Stunde vergessen konnte, um mit Fremden zu sprechen!“

Hier redete sie einer der Gillies auf Englisch an, soweit er es beherrschte, um zu wissen, was „sie“ (damit sich selbst meinend) wegen des „Sneeshin“ zu tun gedachte. Ich merkte mir den kleinen, krummbeinigen, rothaarigen, großköpfigen Mann, von dem ich noch zu meinem Schaden hören sollte.

„Es kann heute keines geben, Neil“, antwortete sie. „Wie wollt Ihr an ‚Sneeshin‘ kommen, ohne Silber! Es wird Euch lehren, ein anderes Mal vorsichtiger zu sein; und ich denke, James More wird mit Neil vom Tom nicht sehr zufrieden sein.“

„Miss Drummond“, sagte ich, „ich habe Euch gesagt, ich sei an meinem Glückstag. Hier bin ich, und ein Bankträger an meinem Gefolge. Und bedenkt, ich habe die Gastfreundschaft Eures eigenen Landes Balwhidder genossen.“

„Es war nicht einer der Meinen, der sie gab“, sagte sie.

„Nun gut“, sagte ich, „aber ich schulde Eurem Onkel zumindest einige Weisen auf den Pfeifen. Außerdem habe ich mich angeboten, Euer Freund zu sein, und Ihr wart so vergesslich, dass Ihr mich nicht zur rechten Zeit abgewiesen habt.“

„Wenn es eine große Summe gewesen wäre, hätte es Euch Ehre machen können“, sagte sie; „aber ich will Euch sagen, was das ist. James More liegt gefesselt im Gefängnis; aber seit einiger Zeit bringen sie ihn täglich hierher zum Advocate. . . .“

„Zum Advocate!“, rief ich. „Ist das . . . ?“

„Es ist das Haus des Lord Advocate Grant von Prestongrange“, sagte sie. „Dorthin bringen sie meinen Vater das eine oder andere Mal, zu welchem Zweck, davon habe ich keinen Gedanken in meinem Sinn; aber es scheint, als dämmere Hoffnung für ihn. Die ganze Zeit lassen sie mich ihn nicht sehen, noch lässt er schreiben; und wir warten auf der Straße des Königs, um ihn abzufangen; und jetzt geben wir ihm seinen Schnupftabak, wenn er vorbeigeht, und jetzt etwas anderes. Und hier ist dieser Sohn des Kummers, Neil, Sohn des Duncan, hat mein Vierpennystück verloren, das diesen Tabak kaufen sollte, und James More muss darben und wird denken, seine Tochter habe ihn vergessen.“

Ich nahm sechs Pence aus meiner Tasche, gab sie Neil und hieß ihn, seine Besorgung zu machen. Dann zu ihr: „Diese sechs Pence kamen mit mir von Balwhidder“, sagte ich.

„Ah!“, sagte sie, „Ihr seid ein Freund der Gregara!“

„Ich möchte Euch auch nicht täuschen“, sagte ich. „Ich weiß sehr wenig über die Gregara und noch weniger über James More und sein Tun, aber seit ich in dieser Gasse stehe, scheine ich etwas von Euch selbst zu wissen; und wenn Ihr nur ‚ein Freund von Miss Catriona‘ sagt, werde ich dafür sorgen, dass Ihr weniger betrogen werdet.“

„Das eine kann nicht ohne das andere sein“, sagte sie.

„Ich will es sogar versuchen“, sagte ich.

„Und was werdet Ihr von mir denken!“, rief sie, „dass ich dem ersten Fremden meine Hand reiche!“

„Ich denke nichts anderes, als dass Ihr eine gute Tochter seid“, sagte ich.

„Ich darf nicht ohne Erwiderung bleiben“, sagte sie; „wo seid Ihr untergebracht!“

„Um die Wahrheit zu sagen, ich bin noch nirgendwo untergebracht“, sagte ich, „da ich noch keine drei Stunden in der Stadt bin; aber wenn Ihr mir Eure Adresse gebt, werde ich so kühn sein und meine sechs Pence selbst suchen kommen.“

„Kann ich Euch deswegen vertrauen?“, fragte sie.

„Ihr braucht wenig Furcht zu haben“, sagte ich.

„Anders könnte James More es nicht ertragen“, sagte sie. „Ich wohne hinter dem Dorf Dean, auf der Nordseite des Wassers, bei Mrs. Drummond-Ogilvy von Allardyce, die meine nahe Freundin ist und sich freuen wird, Euch zu danken.“

„Ihr werdet mich also sehen, sobald es meine Pflichten erlauben“, sagte ich; und da mir die Erinnerung an Alan wieder in den Sinn kam, beeilte ich mich, Abschied zu nehmen.

Ich konnte nicht umhin, selbst während ich es tat, zu denken, dass wir nach so kurzer Bekanntschaft außergewöhnlich vertraut miteinander umgegangen waren und dass ein wirklich kluges junges Fräulein sich zurückhaltender gezeigt hätte. Ich glaube, es war der Bankdiener, der mich aus diesem ungalanten Gedankengang riss.

„Ich dachte, Ihr wärt ein Bursche mit ein bisschen Verstand“, begann er und schob die Lippen vor. „Ihr werdet auf diesem Weg nicht weit kommen. Ein Narr und sein Geld sind schnell geschieden. Ach, was seid Ihr doch für ein grün hinter den Ohren!“, rief er, „und ein verkommener dazu! Euch mit solchem Gesindel abzugeben!“

„Wenn Ihr es wagt, von dem jungen Fräulein zu sprechen ...“, begann ich.

„Fräulein!“, rief er. „Behüte uns, was für ein Fräulein? Nennt Ihr das ein Fräulein? Die Stadt ist voll davon. Fräulein! Mann, man sieht deutlich, dass Ihr in Edinburgh nicht sehr bewandert seid!“

Ein Zornesausbruch überkam mich.

„Hier“, sagte ich, „führt mich dorthin, wo ich Euch sagte, und haltet Euer schmutziges Maul!“

Er gehorchte mir nicht vollständig, denn obwohl er mich nicht mehr direkt ansprach, sang er sehr unverschämt, während er ging, eine Art von Anspielung, und das mit einer außerordentlich schlechten Stimme und ohne Taktgefühl:

„Als Mally Lee die Straß’ herabkam, ihr Kapuziner flog, Sie warf einen Blick zurück, wie sie ihr Negligé wohl zog. Und wir gehen alle ostwärts und westwärts, wir gehen alle krumm, Wir gehen alle ostwärts und westwärts und werben um Mally Lee.“

KAPITEL II. DER SCHREIBER AUS DEM HOCHLAND

Mr. Charles Stewart, der Schreiber, wohnte ganz oben auf der längsten Treppe, die je ein Maurer errichtet hat; nicht weniger als fünfzehn Absätze; und als ich an seine Tür gelangt war, ein Schreiber sie geöffnet und mir mitgeteilt hatte, sein Herr sei zu Hause, hatte ich kaum genug Atem, um meinen Träger abzufertigen.

„Schert Euch ostwärts und westwärts fort mit Euch!“, sagte ich, nahm ihm den Geldbeutel aus der Hand und folgte dem Schreiber hinein.

Der äußere Raum war ein Büro, in dem der Stuhl des Schreibers an einem mit Rechtspapieren bedeckten Tisch stand. Im inneren Gemach, das sich von dort aus öffnete, saß ein kleiner, geschäftiger Mann und vertiefte sich in eine Urkunde, von der er bei meinem Eintritt kaum die Augen hob; tatsächlich behielt er den Finger noch an der Stelle, als sei er bereit, mich hinauszuweisen und sich wieder seinen Studien zuzuwenden. Das gefiel mir nur wenig; und was mir noch weniger gefiel, war der Gedanke, dass der Schreiber in einer guten Position war, um alles zu belauschen, was zwischen uns geschehen würde.

Ich fragte, ob er Mr. Charles Stewart, der Schreiber, sei.

„Der bin ich“, sagte er; „und wenn die Frage ebenso fair ist, wer mögt Ihr selbst wohl sein?“

„Ihr habt weder von meinem Namen noch von mir selbst je gehört“, sagte ich, „aber ich bringe Euch ein Zeichen von einem Freund, den Ihr gut kennt. Den Ihr gut kennt“, wiederholte ich und senkte die Stimme, „von dem Ihr aber vielleicht zurzeit nicht ganz so erpicht darauf seid, etwas zu hören. Und die kleinen Angelegenheiten, die ich Euch vorzutragen habe, sind eher vertraulicher Natur. Kurz gesagt, ich wüsste gern, dass wir ganz unter uns sind.“

Er erhob sich ohne weitere Worte, warf sein Papier wie ein missmutiger Mann nieder, schickte seinen Schreiber auf einen Botengang und schloss die Haustür hinter sich.

„Nun, mein Herr“, sagte er, als er zurückkehrte, „sagt heraus, was Ihr auf dem Herzen habt, und fürchtet nichts; obwohl, bevor Ihr beginnt“, rief er aus, „sage ich Euch, mein Gefühl trügt mich nicht! Ich sage Euch im Voraus, Ihr seid entweder ein Stewart, oder ein Stewart hat Euch geschickt. Es ist ein guter Name, und es stünde dem Sohn meines Vaters schlecht an, ihn gering zu achten. Aber mir graut schon beim Klang davon.“

„Mein Name ist Balfour“, sagte ich, „David Balfour von Shaws. Was denjenigen betrifft, der mich geschickt hat, so lasse ich sein Zeichen sprechen.“ Und ich zeigte den silbernen Knopf.

„Steckt ihn in die Tasche, mein Herr!“, rief er. „Ihr braucht keine Namen zu nennen. Des Teufels eigener Kerl, ich kenne seinen Knopf! Und zum Kuckuck! Wo ist er jetzt?“

Ich sagte ihm, ich wüsste nicht, wo Alan sei, aber er habe einen sicheren Ort (oder glaube ihn zu haben) auf der Nordseite, wo er sich aufhalten wolle, bis ein Schiff für ihn gefunden sei; und wie und wo er verabredet habe, kontaktiert zu werden.

„Es war schon immer meine Meinung, dass ich wegen dieser Familie von mir noch am Galgen landen würde“, rief er, „und bei Gott! Ich glaube, der Tag ist jetzt gekommen! Besorgt ein Schiff für ihn, sagt er! Und wer soll das bezahlen? Der Mann ist wahnsinnig!“

„Das ist mein Teil der Angelegenheit, Mr. Stewart“, sagte ich. „Hier ist ein Beutel mit gutem Geld, und wenn mehr gebraucht wird, ist mehr zu haben, woher es kam.“

„Nach Eurer politischen Einstellung brauche ich nicht zu fragen“, sagte er.

„Das braucht Ihr nicht“, sagte ich lächelnd, „denn ich bin ein ebenso großer Whig, wie es nur geht.“

„Halt ein wenig, halt ein wenig“, sagt Mr. Stewart. „Was ist das alles? Ein Whig? Warum seid Ihr dann mit Alans Knopf hier? Und was ist das für ein zwielichtiger Handel, bei dem ich Euch ertappe, Mr. Whig? Hier ist ein geächteter Rebell und ein beschuldigter Mörder, auf dessen Leben zweihundert Pfund ausgesetzt sind, und Ihr bittet mich, mich in seine Angelegenheiten einzumischen, und sagt mir dann, Ihr seid ein Whig! Ich erinnere mich an keine solchen Whigs, obwohl ich viele von ihnen gekannt habe.“

„Er ist ein geächteter Rebell, umso schlimmer“, sagte ich, „denn der Mann ist mein Freund. Ich kann nur wünschen, er wäre besser beraten gewesen. Und ein beschuldigter Mörder, das ist er auch, zu seinem Unglück; aber fälschlicherweise beschuldigt.“

„Ich höre Euch das sagen“, sagte Stewart.

„Mehr als das werdet Ihr mich in Kürze sagen hören“, sagte ich. „Alan Breck ist unschuldig, und das ist James auch.“

„Oh!“, sagt er, „die beiden Fälle hängen zusammen. Wenn Alan draußen ist, kann James niemals drinnen sein.“

Daraufhin erzählte ich ihm kurz von meiner Bekanntschaft mit Alan, von dem Unfall, der mich beim Mord von Appin zugegen sein ließ, und den verschiedenen Etappen unserer Flucht durch das Heidekraut sowie meiner Wiedererlangung meines Erbes. „So, mein Herr, nun habt Ihr die ganze Abfolge dieser Ereignisse“, fuhr ich fort, „und könnt selbst sehen, wie ich dazu komme, so sehr in die Angelegenheiten Eurer Familie und Freunde verwickelt zu sein, was (zu unser aller Wohl) ich mir einfacher und weniger blutig gewünscht hätte. Ihr könnt auch selbst sehen, dass ich gewisse geschäftliche Angelegenheiten habe, die kaum geeignet waren, sie einem zufällig gewählten Anwalt vorzulegen. Es bleibt nichts weiter, als zu fragen, ob Ihr meine Dienste übernehmen wollt?“

„Ich habe keine große Lust dazu; aber da Ihr mit Alans Knopf kommt, bleibt mir kaum die Wahl“, sagte er. „Was sind Eure Anweisungen?“, fügte er hinzu und nahm seine Feder zur Hand.

„Der erste Punkt ist, Alan aus diesem Land zu schmuggeln“, sagte ich, „aber das brauche ich nicht zu wiederholen.“

„Ich werde das kaum vergessen“, sagte Stewart.

„Die nächste Sache ist das bisschen Geld, das ich Cluny schulde“, fuhr ich fort. „Es wäre für mich schwer, eine Übermittlung zu finden, aber das sollte für Euch kein Hindernis sein. Es waren zwei Pfund fünf Schilling und drei Halbpennys Farthing Sterling.“

Er notierte es.

„Dann“, sagte ich, „gibt es einen Mr. Henderland, einen lizenzierten Prediger und Missionar in Ardgour, dem ich gerne etwas Schnupftabak zukommen lassen würde; und da ich vermute, dass Ihr mit Euren Freunden in Appin (die so nahe liegen) in Verbindung steht, ist das eine Arbeit, die Ihr zweifellos mit der anderen erledigen könntet.“

„Wie viel Schnupftabak sollen wir sagen?“, fragte er.

„Ich dachte an zwei Pfund“, sagte ich.

„Zwei“, sagte er.

„Dann ist da noch das Mädchen Alison Hastie in Lime Kilns“, sagte ich. „Sie, die Alan und mir über den Forth geholfen hat. Ich dachte, wenn ich ihr ein gutes Sonntagskleid besorgen könnte, wie sie es ihrem Stande gemäß anständig tragen kann, wäre das eine Erleichterung für mein Gewissen; denn die reine Wahrheit ist, dass wir ihr unsere beiden Leben verdanken.“

„Es freut mich zu sehen, dass Ihr sparsam seid, Mr. Balfour“, sagt er, während er seine Notizen macht.

„Ich würde mich schämen, am ersten Tag meines Glücks anders zu sein“, sagte ich. „Und nun, wenn Ihr die Ausgaben und Eure eigenen angemessenen Gebühren berechnen wollt, würde ich gerne wissen, ob ich etwas Taschengeld zurückbekommen könnte. Es ist nicht so, dass ich das Ganze ungern ausgebe, um Alan in Sicherheit zu bringen; es ist nicht so, dass mir mehr fehlt; aber da ich an einem Tag so viel abgehoben habe, denke ich, dass es einen sehr schlechten Eindruck machen würde, wenn ich am nächsten Tag wieder käme, um zu bitten. Seid nur sicher, dass Ihr genug habt“, fügte ich hinzu, „denn ich bin sehr wenig darauf erpicht, Euch wieder zu treffen.“

„Nun, und ich freue mich zu sehen, dass Ihr auch vorsichtig seid“, sagte der Schreiber. „Aber ich denke, Ihr geht ein Risiko ein, wenn Ihr eine so beträchtliche Summe in mein Ermessen legt.“

Er sagte dies mit einem deutlichen Hohn.

„Ich werde das Wagnis eingehen müssen“, antwortete ich. „Oh, und da ist noch ein weiterer Dienst, um den ich bitten möchte, und das ist, mich zu einer Unterkunft zu führen, denn ich habe kein Dach über dem Kopf. Aber es muss eine Unterkunft sein, die ich scheinbar durch Zufall gefunden habe, denn es wäre fatal, wenn der Lord Advocate irgendeinen Verdacht bezüglich unserer Bekanntschaft schöpfen würde.“

„Ihr könnt Euren müden Geist zur Ruhe bringen“, sagte er. „Ich werde niemals Euren Namen nennen, mein Herr; und ich glaube, der Advocate ist noch so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er von Eurer Existenz nichts weiß.“

Ich sah, dass ich bei dem Mann an die falsche Adresse geraten war.

„Dann steht ihm ein schöner Tag bevor“, sagte ich, „denn er wird spätestens morgen, wenn ich ihn besuche, auf dem linken Ohr davon erfahren.“

„Wenn Ihr ihn besucht!“, wiederholte Mr. Stewart. „Bin ich wahnsinnig, oder seid Ihr es! Was führt Euch in die Nähe des Advocate!“

„Oh, nur um mich zu stellen“, sagte ich.

„Mr. Balfour“, rief er, „macht Ihr Euch über mich lustig?“

„Nein, mein Herr“, sagte ich, „obwohl ich glaube, dass Ihr Euch selbst eine solche Freiheit gegenüber mir erlaubt habt. Aber ich gebe Euch ein für alle Mal zu verstehen, dass ich nicht in scherzhafter Stimmung bin.“

„Ich auch nicht“, sagt Stewart. „Und ich gebe Euch zu verstehen (wenn das das Wort ist), dass mir die Art Eures Benehmens immer weniger gefällt. Ihr kommt hierher zu mir mit allen möglichen Vorschlägen, die mich in eine Reihe sehr zweifelhafter Handlungen bringen und mich für lange Zeit unter sehr unerwünschte Personen führen werden. Und dann sagt Ihr mir, Ihr geht direkt aus meinem Büro, um Euren Frieden mit dem Advocate zu machen! Alans Knopf hin oder her, die vier Viertel von Alan würden mich nicht dazu bringen, weiterzugehen.“

„Ich würde das ein wenig gelassener nehmen“, sagte ich, „und vielleicht können wir vermeiden, was Ihr beanstandet. Ich sehe keinen anderen Weg, als mich zu stellen, aber vielleicht seht Ihr einen anderen; und wenn Ihr könntet, könnte ich niemals leugnen, dass ich eher erleichtert wäre. Denn ich glaube, mein Verkehr mit seiner Lordschaft ist kaum geeignet, meiner Gesundheit zuträglich zu sein. Nur eines ist klar, dass ich meine Aussage machen muss; denn ich hoffe, es wird Alans Charakter (was davon übrig ist) retten und James’ Hals, was das Dringendere ist.“

Er schwieg für einen Moment und sagte dann: „Mein Freund, Ihr werdet niemals die Erlaubnis erhalten, eine solche Aussage zu machen.“

„Das werden wir ja sehen“, sagte ich; „Ich bin starrköpfig, wenn ich will.“

„Ihr Esel!“, rief Stewart, „es ist James, den sie wollen; James muss hängen – Alan auch, wenn sie ihn erwischen könnten – aber James auf jeden Fall! Geht mit einer solchen Angelegenheit in die Nähe des Advocate, und Ihr werdet sehen! Er wird einen Weg finden, Euch den Mund zu stopfen.“

„Ich halte mehr vom Advocate als das“, sagte ich.

„Der Advocate ist verdammt!“, ruft er. „Es sind die Campbells, Mann! Ihr werdet die ganze Meute von ihnen auf dem Hals haben; und der Advocate auch, der arme Tropf! Es ist außerordentlich, dass Ihr nicht sehen könnt, wo Ihr steht! Wenn es keinen fairen Weg gibt, Euer Geschwätz zu stoppen, gibt es einen faulen, der klafft. Sie können Euch auf die Anklagebank setzen, seht Ihr das nicht?“, rief er und stach mir mit einem Finger in das Bein.

„Ja“, sagte ich, „genau das wurde mir heute Morgen erst von einem anderen Anwalt gesagt.“

„Und wer war das?“, fragte Stewart. „Er sprach zumindest vernünftig.“

Ich sagte, ich müsse mich entschuldigen, ihn nicht zu nennen, denn er sei ein anständiger, kräftiger alter Whig und habe wenig Lust, in solche Angelegenheiten verwickelt zu werden.

„Ich glaube, die ganze Welt scheint darin verwickelt zu sein!“, ruft Stewart. „Aber was habt Ihr gesagt?“

Ich erzählte ihm, was zwischen Rankeillor und mir vor dem Haus von Shaws vorgefallen war.

„Nun, und so werdet Ihr hängen!“, sagte er. „Ihr werdet neben James Stewart hängen. Da habt Ihr Eure Weissagung.“

„Ich hoffe noch auf etwas Besseres als das“, sagte ich; „aber ich könnte niemals leugnen, dass es ein Risiko gibt.“

„Risiko!“, sagt er und saß dann wieder schweigend da. „Ich sollte Euch für Eure Standhaftigkeit gegenüber meinen Freunden danken, denen Ihr einen sehr guten Geist zeigt“, sagt er, „wenn Ihr die Kraft habt, dabei zu bleiben. Aber ich warne Euch, dass Ihr in tiefem Wasser watet. Ich würde mich nicht an Eure Stelle setzen (ich, der ich ein geborener Stewart bin!) für alle Stewarts, die es seit Noah je gab. Risiko? Ja, ich gehe zu viele ein; aber vor Gericht vor einer Campbell-Jury und einem Campbell-Richter zu stehen, und das in einem Campbell-Land und wegen eines Campbell-Streits – denkt von mir, was Ihr wollt, Balfour, das übersteigt meine Kräfte.“

„Es ist wohl eine andere Denkweise, schätze ich“, sagte ich; „Ich wurde von meinem Vater vor mir dazu erzogen.“

„Ehre sei seinen Knochen! Er hat einen anständigen Sohn hinterlassen“, sagt er. „Dennoch möchte ich nicht, dass Ihr mich zu hart beurteilt. Mein Fall ist verdammt schwer. Seht, mein Herr, Ihr sagt mir, Ihr seid ein Whig: Ich frage mich, was ich bin. Sicher kein Whig; das könnte ich gerade nicht sein. Aber – leise in Euer Ohr, Mann – ich bin vielleicht nicht sehr erpicht auf die andere Seite.“

„Ist das eine Tatsache?“, rief ich. „Das ist es, was ich von einem Mann Eurer Intelligenz denken würde.“

„Hut! Nichts von Eurem Geschwätz!“, ruft er. „Es gibt Intelligenz auf beiden Seiten. Aber für meinen Teil habe ich keinen besonderen Wunsch, König George zu schaden; und was König James betrifft, Gott segne ihn! Er macht sich sehr gut für mich auf der anderen Seite des Wassers. Ich bin Anwalt, versteht Ihr: Ich liebe meine Bücher und meine Flasche, ein gutes Plädoyer, eine gut formulierte Urkunde, einen Klatsch im Parliament House mit anderen Anwaltskollegen und vielleicht eine Partie Golf an einem Samstagabend. Wo passt Ihr da mit Euren Highland-Karos und Claymores hinein?“

„Nun“, sagte ich, „es ist eine Tatsache, dass Ihr wenig vom wilden Highlander habt.“

„Wenig?“, fragte er. „Nichts, Mann! Und doch bin ich im Hochland geboren, und wenn der Clan pfeift, wer muss dann tanzen, wenn nicht ich! Der Clan und der Name, das geht über alles. Es ist genau das, was Ihr selbst gesagt habt; mein Vater hat es mich gelehrt, und ich habe ein schönes Handwerk damit. Verrat und Verräter, und sie hinaus- und hineinzuschmuggeln; und die französische Anwerbung, verflucht sei sie! Und das Durchschmuggeln der Rekruten; und ihre Plädoyers – ein Kummer mit ihren Plädoyers! Hier habe ich eines für den jungen Ardsheil, meinen Cousin, vorgebracht; das Erbe unter dem Ehevertrag beansprucht – ein verfallenes Erbe! Ich sagte ihnen, es sei Unsinn: Was hat sie das geschert! Und da saß ich, hinter einem Anwalt, der die Angelegenheit so wenig mochte wie ich selbst, denn es war der sichere Ruin für uns beide – ein schwarzer Fleck, unzuverlässig, auf unser Hinterteil gebrandmarkt, wie Namen auf dem Vieh! Und was kann ich tun? Ich bin ein Stewart, versteht Ihr, und muss für meinen Clan und meine Familie sorgen. Dann, nicht später als gestern, wurde einer unserer Stewart-Jungen zum Castle gebracht. Wofür? Ich weiß es genau: Gesetz von 1736: Anwerbung für König Ludwig. Und Ihr werdet sehen, er wird mich pfeifen lassen, um sein Anwalt zu sein, und es wird einen weiteren schwarzen Fleck auf meinem Charakter geben! Ich sage Euch offen: Wenn ich nur den Anfang eines hebräischen Wortes von seinem Ende unterscheiden könnte, verdammt, ich würde das Ganze hinschmeißen und Pfarrer werden!“

„Es ist eine ziemlich schwierige Lage“, sagte ich.

„Verdammt schwer!“, ruft er. „Und das ist es, was mich so viel von Euch denken lässt – Ihr, der Ihr kein Stewart seid –, Euren Kopf so tief in Stewart-Angelegenheiten zu stecken. Und wofür, das weiß ich nicht: es sei denn, es war der Sinn für Pflicht.“

„Ich hoffe, es wird das sein“, sagte ich.

„Nun“, sagt er, „es ist eine großartige Eigenschaft. Aber hier ist mein Schreiber zurück; und, mit Eurer Erlaubnis, werden wir drei zusammen eine Kleinigkeit zu Abend essen. Wenn das getan ist, werde ich Euch die Adresse eines sehr anständigen Mannes geben, der sehr froh sein wird, Euch als Untermieter zu haben. Und ich werde Euch außerdem Eure Taschen aus Eurem eigenen Beutel füllen. Denn diese Angelegenheit wird nicht annähernd so teuer, wie Ihr vermutet – nicht einmal der Schiffsteil davon.“

Ich gab ihm ein Zeichen, dass sein Schreiber in Hörweite war.

„Hoot, Ihr braucht Euch um Robbie nicht zu scheren“, ruft er. „Auch ein Stewart, armer Teufel! Und hat mehr französische Rekruten und handelnde Papisten herausgeschmuggelt, als er Haare im Gesicht hat. Warum, Robin ist es, der diesen Zweig meiner Angelegenheiten verwaltet. Wen nehmen wir jetzt, Rob, für die andere Seite des Wassers?“

„Da wäre Andie Scougal, in der Thistle“, antwortete Rob. „Ich habe Hoseason neulich gesehen, aber es scheint, er will das Schiff nicht. Dann wäre da noch Tam Stobo; aber bei Tam bin ich mir nicht so sicher. Ich habe ihn gesehen, wie er mit einigen ziemlich merkwürdigen Bekannten zusammenhing; und wenn es jemand Wichtiges wäre, würde ich Tam meiden.“

„Der Kopf ist zweihundert Pfund wert, Robin“, sagte Stewart.

„Gott, das wird doch nicht Alan Breck sein!“, rief der Schreiber.

„Genau Alan“, sagte sein Herr.

„Du meine Güte! Das ist ernst“, rief Robin. „Ich werde es dann bei Andie versuchen; Andie wird der Beste sein.“

„Es scheint, es ist eine ziemlich große Angelegenheit“, bemerkte ich.

„Mr. Balfour, es nimmt kein Ende“, sagte Stewart.

„Es gab einen Namen, den Euer Schreiber erwähnte“, fuhr ich fort: „Hoseason. Das muss mein Mann sein, denke ich: Hoseason, von der Brigg Covenant. Würdet Ihr Euer Vertrauen in ihn setzen?“

„Er hat sich Euch und Alan gegenüber nicht sehr gut verhalten“, sagte Mr. Stewart; „aber meine Meinung von dem Mann im Allgemeinen ist eher anders. Wenn er Alan auf der Grundlage einer Vereinbarung auf sein Schiff genommen hätte, ist meine Vorstellung, dass er sich als fairer Händler erwiesen hätte. Was meinst Du, Rob?“

„Kein ehrlicherer Kapitän im Handel als Eli“, sagte der Schreiber. „Ich würde mich auf Elis Wort verlassen – ja, selbst wenn es der Chevalier oder Appin selbst wäre“, fügte er hinzu.

„Und er war es, der den Arzt brachte, nicht wahr?“, fragte der Herr.

„Er war genau der Mann“, sagte der Schreiber.

„Und ich glaube, er hat den Arzt zurückgebracht?“, sagt Stewart.

„Ja, mit vollgestopftem Sporran!“, rief Robin. „Und Eli wusste davon!“

„Nun, es scheint, es ist schwer, Leute richtig zu kennen“, sagte ich.

„Das war genau das, was ich vergaß, als Ihr hereinkamt, Mr. Balfour!“, sagt der Schreiber.

KAPITEL III. ICH GEHE NACH PILRIG

Am nächsten Morgen war ich, kaum in meiner neuen Unterkunft aufgewacht, schon auf und in meinen neuen Kleidern; und kaum war das Frühstück hinuntergeschluckt, war ich auf meinen Abenteuern unterwegs. Alan, so konnte ich hoffen, war versorgt; James war eine schwierigere Angelegenheit, und ich konnte nicht umhin zu denken, dass dieses Unternehmen mich teuer zu stehen kommen könnte, genau wie alle sagten, denen ich meine Meinung offenbart hatte. Es schien, als sei ich auf den Gipfel des Berges gekommen, nur um mich in den Abgrund zu stürzen; dass ich durch so viele und harte Prüfungen nach oben geklettert war, um reich zu sein, anerkannt zu werden, Stadtkleidung zu tragen und ein Schwert an der Seite, alles nur, um am Ende reinen Selbstmord zu begehen, und dazu noch die schlimmste Art von Selbstmord, nämlich auf Kosten des Königs gehängt zu werden.

Wozu tat ich das alles? fragte ich mich, während ich die High Street hinunterging und durch den Leith Wynd nach Norden hinausgelangte. Zuerst sagte ich mir, es sei, um James Stewart zu retten; und zweifellos wirkten die Erinnerung an seine Not, die Schreie seiner Frau und das eine oder andere Wort, das ich bei jener Gelegenheit hatte fallen lassen, stark auf mich ein. Gleichzeitig überlegte ich, dass es für meines Vaters Sohn (oder sein sollte) die gleichgültigste Angelegenheit der Welt war, ob James in seinem Bett starb oder auf dem Schafott. Er war zwar Alans Vetter, doch was Alan betraf, wäre das Beste gewesen, sich bedeckt zu halten und den König, seine Gnaden von Argyll und die Rabenkrähen die Knochen seines Verwandten auf ihre eigene Weise abnagen zu lassen. Auch konnte ich nicht vergessen, dass James, als wir alle zusammen in der Klemme steckten, keine derartige besondere Besorgnis um Alan oder mich gezeigt hatte.

Als Nächstes kam mir der Gedanke, dass ich im Namen der Gerechtigkeit handelte: Ich hielt das für ein schönes Wort und legte mir zurecht, dass (da wir in Gemeinwesen lebten, wenn auch für jeden von uns mit einigem Unbehagen) das Wichtigste von allem immer die Gerechtigkeit sein müsse und der Tod eines jeden Unschuldigen eine Wunde für die gesamte Gemeinschaft darstelle. Dann wieder war es der Ankläger der Brüder, der mich mit einem seiner Argumente auf die Probe stellte; er hieß mich mich schämen, weil ich vorgab, an diesen hohen Dingen Anteil zu nehmen, und sagte mir, ich sei nur ein schwatzhaftes, eitles Kind, das gegenüber Rankeillor und Stewart große Worte geführt habe und mich nun durch meine Eitelkeit gezwungen sähe, dieser Großsprecherei Taten folgen zu lassen. Ja, und er schlug mich mit dem anderen Ende des Stocks; denn er beschuldigte mich einer Art listiger Feigheit, indem ich versuchte, auf Kosten eines geringen Risikos eine größere Sicherheit zu erkaufen. Zweifellos könnte ich, bis ich mich erklärt und reingewaschen hätte, jeden Tag Mungo Campbell oder dem Gerichtsdiener begegnen, erkannt und wegen des Appin-Mordes an den Fersen fortgeschleift werden; und zweifellos würde ich, falls mir meine Erklärung gelänge, für alle Zeiten freier atmen können. Aber als ich diesem Argument offen ins Gesicht sah, konnte ich nichts entdecken, dessen ich mich schämen müsste. Was den Rest betraf, dachte ich: „Hier sind die zwei Wege, und beide führen an denselben Ort. Es ist ungerecht, dass James hängen sollte, wenn ich ihn retten kann; und es wäre lächerlich von mir, so viel geredet zu haben und dann nichts zu tun. Es ist ein Glück für James of the Glens, dass ich im Voraus geprahlt habe; und gar nicht so unglücklich für mich selbst, denn nun bin ich verpflichtet, das Rechte zu tun. Ich trage den Namen eines Gentleman und habe die Mittel eines solchen; es wäre eine armselige Pflicht, wenn mir das Wesentliche daran fehlte.“ Und dann dachte ich, dies sei ein heidnischer Geist, und sprach ein Gebet zu mir selbst, in dem ich um den Mut bat, der mir etwa fehlen mochte, und darum, dass ich schnurstracks wie ein Soldat in die Schlacht und wieder unversehrt daraus hervorgehen möge, wie es so viele tun.

Dieser Gedankengang brachte mich zu einer entschlosseneren Stimmung; obwohl er mein Gefühl für die Gefahren, die mich umgaben, keineswegs ausschaltete, noch die Tatsache, wie sehr ich (wenn ich weitermachte) Gefahr lief, über die Leiter des Galgens zu stolpern. Es war ein klarer, schöner Morgen, aber der Wind kam aus Osten. Die kleine Kälte darin sang in meinem Blut und gab mir ein Gefühl für den Herbst, für die toten Blätter und für die Leichen toter Leute in ihren Gräbern. Es schien, als hätte der Teufel seine Hand im Spiel, wenn ich in jener Zeit meines Glücks und wegen anderer Leute Angelegenheiten sterben sollte. Oben auf dem Calton Hill, obwohl es nicht die übliche Jahreszeit für diesen Zeitvertreib war, weinten einige Kinder und liefen mit ihren Drachen. Diese Spielzeuge erschienen sehr deutlich gegen den Himmel; ich bemerkte einen großen, der im Wind in eine große Höhe stieg und dann mitten in den Ginster plumpste; und beim Anblick dessen dachte ich bei mir: „Da geht Davie.“

Mein Weg führte über Mouter’s Hill und durch ein Ende eines Clachans am Hang inmitten von Feldern. Ein Surren von Webstühlen ging von Haus zu Haus; Bienen summten in den Gärten; die Nachbarn, die ich an den Türschwellen sah, sprachen in einer fremden Zunge; und ich fand später heraus, dass dies Picardy war, ein Dorf, in dem die französischen Weber für die Leinenkompanie arbeiteten. Hier erhielt ich eine neue Wegbeschreibung nach Pilrig, meinem Ziel; und ein Stück weiter, am Wegesrand, kam ich an einem Galgen vorbei, an dem zwei Männer in Ketten hingen. Sie waren mit Teer bestrichen, wie es Sitte ist; der Wind wirbelte sie herum, die Ketten klirrten, und die Vögel hingen um die unheimlichen Hampelmänner und schrien. Der Anblick, der mich plötzlich wie eine Illustration meiner Ängste überkam, ließ mich kaum davon ablassen, ihn zu betrachten und das Unbehagen in mich aufzunehmen. Und während ich so um den Galgen herumging, auf wen sollte ich da stoßen, als auf ein verschrobenes altes Weib, das hinter einem seiner Pfosten saß, nickte und mit Kopfnicken und Verbeugungen laut zu sich selbst sprach.

„Wer sind die beiden, Mutter?“, fragte ich und deutete auf die Leichen.

„Ein Segen auf dein kostbares Gesicht!“, rief sie. „Zwei Liebhaber von mir: einfach zwei meiner alten Liebhaber, mein süßes Schätzchen.“

„Wofür haben sie gelitten?“, fragte ich.

„Ach, nur für die gute Sache“, sagte sie. „Oft habe ich ihnen geweissagt, wie es enden würde. Zwei Schillinge Scots: kein bisschen mehr; und da hängen zwei hübsche Burschen dafür! Sie nahmen es von einem Kind, das zu Brouchton gehörte.“

„Ja!“, sagte ich zu mir selbst und nicht zu dem verrückten Weib, „und sind sie wegen einer so armseligen Sache auf eine solche Zahl gekommen? Das heißt wirklich alles verlieren.“

„Gib mir deine Handfläche, Schätzchen“, sagt sie, „und lass mich dein Schicksal für dich weissagen.“

„Nein, Mutter“, sagte ich, „ich sehe weit genug, wie es um mich steht. Es ist eine unheimliche Sache, zu weit nach vorne zu sehen.“

„Ich lese es in deiner Stirn“, sagte sie. „Da ist ein hübsches Mädchen mit hellen Augen, und da ist ein kleiner Mann in einem prächtigen Mantel, und ein großer Mann in einer gepuderten Perücke, und da ist der Schatten des Galgens, Liebchen, der breit über deinen Pfad fällt. Gib mir deine Handfläche, Schätzchen, und lass die alte Merren es dir schön weissagen.“

Die zwei zufälligen Schüsse, die auf Alan und die Tochter von James More zu deuten schienen, trafen mich hart; und ich floh vor der gespenstischen Kreatur, nachdem ich ihr einen Penny zugeworfen hatte, mit dem sie weiterhin unter den sich bewegenden Schatten der Gehängten sitzen blieb und spielte.

Mein Weg den Damm des Leith Walk entlang wäre mir angenehmer gewesen, wäre diese Begegnung nicht gewesen. Der alte Wall verlief zwischen Feldern, derengleichen ich in Bezug auf die Kunstfertigkeit der Landwirtschaft noch nie gesehen hatte; ich war zudem erfreut, so weit in der stillen Landschaft zu sein; aber die Fesseln des Galgens klirrten in meinem Kopf; und das Mucken und Mimen der alten Hexe und der Gedanke an die toten Männer ritten meine Seele wie eine Hexe. An einem Galgen zu hängen, das schien ein harter Fall; und ob ein Mann nun für zwei Schillinge Scots dort hängte oder (wie Herr Stewart es ausdrückte) aus Pflichtgefühl, sobald er erst einmal geteert, in Ketten gelegt und aufgehängt war, schien der Unterschied gering. Da mochte David Balfour hängen, und andere Burschen mochten ihrer Wege gehen und ihn gering achten; und alte verrückte Weiber mochten an einem Pfostenfuß sitzen und ihre Schicksale weissagen; und die sauberen, vornehmen Mädchen mochten vorbeigehen, zur anderen Seite schauen und die Nase rümpfen. Ich sah sie deutlich, sie hatten graue Augen, und ihre Häubchen auf ihren Köpfen waren in den Farben von Drummed.

Ich war also in der niedergeschlagensten Stimmung, wenn auch noch ziemlich entschlossen, als ich Pilrig in Sicht bekam, ein angenehmes Giebelhaus, das am Wegesrand inmitten einiger mutiger junger Wälder lag. Das Pferd des Gutsherrn stand gesattelt an der Tür, als ich ankam, aber er selbst war im Arbeitszimmer, wo er mich inmitten gelehrter Werke und Musikinstrumente empfing, denn er war nicht nur ein tiefgründiger Philosoph, sondern auch ein großer Musikliebhaber. Er begrüßte mich anfangs recht gut, und als er Rankeillors Brief gelesen hatte, stellte er sich bereitwillig zu meiner Verfügung.

„Und was ist es, Vetter David!“, sagte er – „da es scheint, dass wir Vettern sind – was ist es, das ich für dich tun kann? Ein Wort an Prestongrange! Zweifellos ist das leicht gegeben. Aber was soll das Wort sein?“

„Herr Balfour“, sagte ich, „wenn ich Ihnen meine ganze Geschichte so erzählen würde, wie sie sich zugetragen hat, ist es meine Meinung (und es war schon Rankeillors Meinung vor mir), dass Sie wenig davon angetan wären.“

„Es tut mir leid, das von dir zu hören, Verwandter“, sagt er.

„Das darf ich nicht von Ihnen annehmen, Herr Balfour“, sagte ich; „ich habe nichts auf dem Gewissen, das mich oder Sie für mich betrüben müsste, nur die allgemeinen Schwächen der Menschheit. ‚Die Schuld von Adams erster Sünde, das Fehlen ursprünglicher Gerechtigkeit und die Verderbtheit meiner ganzen Natur‘, so viel muss ich verantworten, und ich hoffe, ich bin gelehrt worden, wo ich Hilfe suchen soll“, sagte ich; denn ich beurteilte nach dem Aussehen des Mannes, dass er besser von mir denken würde, wenn ich meine Fragen kannte. „Aber in Bezug auf weltliche Ehre habe ich keinen großen Fehltritt, den ich mir vorwerfen müsste; und meine Schwierigkeiten sind mir sehr gegen meinen Willen und (nach allem, was ich sehen kann) ohne meine Schuld widerfahren. Mein Problem ist, dass ich in eine politische Verwicklung geraten bin, von der man annimmt, dass Sie froh wären, nichts davon zu wissen.“

„Nun, sehr wohl, Herr David“, antwortete er, „ich freue mich zu sehen, dass Sie all das sind, was Rankeillor darstellte. Und was Sie über politische Verwicklungen sagen, tun Sie mir nicht mehr als recht. Es ist mein Bestreben, über jeden Verdacht erhaben und tatsächlich außerhalb des Feldes desselben zu sein. Die Frage ist“, sagt er, „wie ich Ihnen wohl behilflich sein kann, wenn ich nichts von der Angelegenheit wissen soll?“

„Nun, mein Herr“, sagte ich, „ich schlage vor, Sie schreiben an seine Lordschaft, dass ich ein junger Mann von vernünftiger, guter Familie und von guten Mitteln bin: beides, so glaube ich, ist der Fall.“

„Ich habe Rankeillors Wort dafür“, sagte Herr Balfour, „und ich zähle das als eine Gewährleistung gegen alles Tödliche.“

„Wozu Sie hinzufügen könnten (wenn Sie mein Wort für so viel annehmen wollen), dass ich ein guter Kirchgänger bin, loyal zu König George, und so erzogen“, fuhr ich fort.

„Nichts davon wird Ihnen schaden“, sagte Herr Balfour.

„Dann könnten Sie fortfahren zu sagen, dass ich seine Lordschaft in einer Angelegenheit von großer Wichtigkeit aufsuchte, die mit dem Dienst Seiner Majestät und der Verwaltung der Gerechtigkeit verbunden ist“, schlug ich vor.

„Da ich von der Angelegenheit nichts hören soll“, sagt der Gutsherr, „werde ich es nicht auf mich nehmen, ihr Gewicht zu qualifizieren. ‚Große Wichtigkeit‘ fällt daher weg, und ‚Wichtigkeit‘ zusammen damit. Im Übrigen könnte ich mich ähnlich ausdrücken, wie Sie vorschlagen.“

„Und dann, mein Herr“, sagte ich und rieb mir ein wenig mit dem Daumen am Hals, „dann wäre ich sehr begierig darauf, wenn Sie ein Wort einfügen könnten, das vielleicht zu meinem Schutz sprechen könnte.“

„Schutz?“, sagt er, „zu Ihrem Schutz! Hier ist ein Ausdruck, der mich etwas dämpft. Wenn die Angelegenheit so gefährlich ist, gestehe ich, dass ich ein wenig zögern würde, mich blindlings darin zu bewegen.“

„Ich glaube, ich könnte in zwei Worten angeben, wo die Sache steckt“, sagte ich.

„Vielleicht wäre das das Beste“, sagte er.

„Nun, es ist der Appin-Mord“, sagte ich.

Er hob beide Hände. „Herr! Herr!“, rief er.

Ich dachte angesichts des Ausdrucks seines Gesichts und seiner Stimme, dass ich meinen Helfer verloren hätte.

„Lassen Sie mich erklären...“, begann ich.

„Ich danke Ihnen freundlich, ich will nichts mehr davon hören“, sagt er. „Ich lehne es in toto ab, mehr davon zu hören. Um Ihres Namens und Rankeillors willen, und vielleicht ein wenig um Ihrer selbst willen, werde ich tun, was ich kann, um Ihnen zu helfen; aber ich werde nichts mehr über die Fakten hören. Und es ist meine erste klare Pflicht, Sie zu warnen. Dies sind tiefe Wasser, Herr David, und Sie sind ein junger Mann. Seien Sie vorsichtig und denken Sie zweimal nach.“

„Es ist anzunehmen, dass ich öfter als das nachgedacht haben werde, Herr Balfour“, sagte ich, „und ich werde Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Rankeillors Brief lenken, in dem (wie ich hoffe und glaube) er seine Zustimmung zu dem registriert hat, was ich beabsichtige.“

„Nun, nun“, sagte er; und dann noch einmal: „Nun, nun! Ich werde tun, was ich für Sie tun kann.“ Damit nahm er Stift und Papier, saß eine Weile in Gedanken und begann mit großer Überlegung zu schreiben. „Ich verstehe, dass Rankeillor das befürwortete, was Sie im Sinn haben?“, fragte er kurz darauf.

„Nach einiger Diskussion, mein Herr, hieß er mich, in Gottes Namen voranzugehen“, sagte ich.

„Das ist der Name, in dem man gehen sollte“, sagte Herr Balfour und nahm sein Schreiben wieder auf. Kurz darauf unterschrieb er, las noch einmal, was er geschrieben hatte, und wandte sich wieder an mich. „Nun hier, Herr David“, sagte er, „ist ein Empfehlungsschreiben, das ich siegeln werde, ohne es zu schließen, und Ihnen offen in die Hände gebe, wie es die Form verlangt. Aber da ich im Dunkeln handele, werde ich es Ihnen einfach vorlesen, damit Sie sehen können, ob es Ihren Zweck sichern wird –

Pilrig, 26. August 1751.

Mein Lord – Dies soll Ihre Aufmerksamkeit auf meinen Namensvetter und Vetter, David Balfour Esquire von Shaws, lenken, einen jungen Gentleman von unbefleckter Abstammung und gutem Besitz. Er hat zudem die wertvolleren Vorteile einer gottgefälligen Erziehung genossen, und seine politischen Prinzipien sind alles, was Ihre Lordschaft sich wünschen kann. Ich bin nicht im Vertrauen von Herrn Balfour, aber ich verstehe ihn so, dass er eine Angelegenheit zu erklären hat, die den Dienst Seiner Majestät und die Verwaltung der Gerechtigkeit betrifft; Zwecke, für die der Eifer Ihrer Lordschaft bekannt ist. Ich sollte hinzufügen, dass die Absicht des jungen Gentleman einigen seiner Freunde bekannt ist und von ihnen gebilligt wird, die mit hoffnungsvoller Besorgnis den Ausgang seines Erfolgs oder Misserfolgs beobachten werden.

Wobei“, fuhr Herr Balfour fort, „ich mich mit den üblichen Komplimenten unterzeichnet habe. Sie bemerken, ich habe ‚einigen Ihrer Freunde‘ gesagt; ich hoffe, Sie können meinen Plural rechtfertigen?“

„Vollkommen, mein Herr; meine Absicht ist mehr als einem bekannt und von ihnen gebilligt“, sagte ich. „Und Ihr Brief, für den ich Ihnen mit Vergnügen danke, ist alles, worauf ich hätte hoffen können.“

„Es war alles, was ich herauspressen konnte“, sagte er; „und nach dem, was ich von der Sache weiß, in die Sie sich einzumischen beabsichtigen, kann ich nur zu Gott beten, dass es sich als ausreichend erweist.“

KAPITEL IV. LORD ADVOCATE PRESTONGRANGE

Mein Verwandter hielt mich zu einer Mahlzeit zurück, „für die Ehre des Daches“, sagte er; und ich glaube, ich machte auf meinem Rückweg mehr Eile. Ich hatte keinen anderen Gedanken, als das nächste Stadium hinter mich zu bringen und mich vollständig festzulegen; für eine Person in meiner Lage war der Anschein, eine Tür für Zögern und Versuchung zu schließen, selbst äußerst verlockend; und ich war umso enttäuschter, als ich bei Prestongranges Haus ankam und erfuhr, dass er auswärts sei. Ich glaube, es war in dem Moment wahr, und noch einige Stunden danach; und dann habe ich keinen Zweifel, dass der Advocate wieder nach Hause kam und sich in einem benachbarten Zimmer unter Freunden amüsierte, während vielleicht die Tatsache meiner Ankunft selbst vergessen war. Ich wäre ein Dutzend Mal weggegangen, nur wegen dieses starken Drangs, meine Erklärung sofort hinter mich zu bringen und mich mit reinem Gewissen schlafen legen zu können. Zuerst las ich, denn das kleine Kabinett, in dem ich zurückgelassen wurde, enthielt eine Vielzahl von Büchern. Aber ich fürchte, ich las mit wenig Gewinn; und da das Wetter bewölkt wurde, die Dämmerung früher als gewöhnlich einsetzte und mein Kabinett nur mit einem schmalen Fensterschlitz beleuchtet war, war ich schließlich gezwungen, von diesem Zeitvertreib (wie er auch war) abzulassen und den Rest meiner Wartezeit in einer sehr beschwerlichen Leere zu verbringen. Das Geräusch von Menschen, die in einem nahegelegenen Zimmer sprachen, der angenehme Klang eines Cembalos und einmal die Stimme einer singenden Dame leisteten mir eine Art Gesellschaft.

Ich kenne die Stunde nicht, aber die Dunkelheit war längst hereingebrochen, als sich die Tür des Kabinetts öffnete und ich durch das Licht hinter ihm eine hohe männliche Gestalt an der Schwelle bemerkte. Ich stand sofort auf.

„Ist jemand da?“, fragte er. „Wer ist da?“

„Ich bin Überbringer eines Briefes vom Gutsherrn von Pilrig an den Lord Advocate“, sagte ich.

„Sind Sie schon lange hier?“, fragte er.

„Ich würde nicht wagen, eine Schätzung abzugeben, wie viele Stunden“, sagte ich.

„Das ist das Erste, was ich davon höre“, antwortete er mit einem Glucksen. „Die Burschen müssen Sie vergessen haben. Aber Sie sind endlich im Bilde, denn ich bin Prestongrange.“

So sagend, ging er vor mir in das nächste Zimmer, wohin ich ihm (auf sein Zeichen hin) folgte, und wo er eine Kerze anzündete und seinen Platz vor einem Arbeitstisch einnahm. Es war ein langer Raum, von guten Proportionen, vollständig mit Büchern ausgekleidet. Dieser kleine Funke Licht in einer Ecke hob die stattliche Gestalt und das starke Gesicht des Mannes hervor. Er war gerötet, seine Augen wässerten und funkelten, und bevor er sich setzte, beobachtete ich, wie er hin und her schwankte. Zweifellos hatte er reichlich gespeist; aber sein Geist und seine Zunge waren unter voller Kontrolle.

„Nun, mein Herr, setzen Sie sich“, sagte er, „und lassen Sie uns Pilrigs Brief sehen.“

Er überflog ihn zu Beginn flüchtig, blickte auf und verbeugte sich, als er zu meinem Namen kam; aber bei den letzten Worten glaubte ich zu bemerken, wie sich seine Aufmerksamkeit verdoppelte, und ich war sicher, dass er sie zweimal las. Während all dieser Zeit müssen Sie annehmen, dass mein Herz klopfte, denn ich hatte nun meinen Rubikon überschritten und war rechtmäßig auf dem Schlachtfeld angekommen.

„Es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Balfour“, sagte er, als er fertig war. „Lassen Sie mich Ihnen ein Glas Claret anbieten.“

„Mit Verlaub, mein Lord, ich glaube, es wäre kaum fair mir gegenüber“, sagte ich. „Ich bin hierher gekommen, wie der Brief erwähnt haben wird, in einer Angelegenheit von einiger Schwere für mich selbst; und da ich wenig an Wein gewöhnt bin, könnte ich umso schneller beeinflusst werden.“

„Sie sollen der Richter sein“, sagte er. „Aber wenn Sie gestatten, glaube ich, dass ich mir den Wein selbst einschenken werde.“

Er berührte eine Glocke, und ein Diener kam, wie auf ein Signal, und brachte Wein und Gläser.

„Sie sind sicher, dass Sie sich mir nicht anschließen wollen?“, fragte der Advocate. „Nun, auf unsere bessere Bekanntschaft! Auf welche Weise kann ich Ihnen dienen?“

„Ich sollte vielleicht damit beginnen, Ihnen zu sagen, mein Lord, dass ich hier auf Ihre eigene dringende Einladung bin“, sagte ich.

„Sie haben mir irgendwo etwas voraus“, sagte er, „denn ich muss gestehen, ich glaube, ich habe vor diesem Abend noch nie von Ihnen gehört.“

„Richtig, mein Lord; der Name ist in der Tat neu für Sie“, sagte ich. „Und doch sind Sie schon seit einiger Zeit äußerst begierig darauf, meine Bekanntschaft zu machen, und haben dies auch öffentlich erklärt.“

„Ich wünschte, Sie würden mir einen Hinweis geben“, sagt er. „Ich bin kein Daniel.“

„Es wird vielleicht als solcher dienen“, sagte ich, „dass, wenn ich in einer scherzhaften Stimmung wäre – was ganz und gar nicht der Fall ist –, ich glaube, ich könnte einen Anspruch an Ihre Lordschaft auf zweihundert Pfund geltend machen.“

„In welchem Sinne?“, erkundigte er sich.

„Im Sinne der Belohnungen, die für meine Person ausgesetzt sind“, sagte ich.

Er stieß sein Glas ein für alle Mal weg und setzte sich gerade in den Stuhl, in dem er zuvor gelümmelt hatte. „Was soll ich verstehen?“, sagte er.

„Ein großer, starker Bursche von etwa achtzehn Jahren“, zitierte ich, „spricht wie ein Lowlander und hat keinen Bart.“

„Ich erkenne diese Worte wieder“, sagte er, „die, wenn Sie mit irgendeiner schlecht überlegten Absicht gekommen sind, sich zu amüsieren, äußerst schädlich für Ihre Sicherheit sein dürften.“

„Mein Zweck dabei“, antwortete ich, „ist genau so ernst wie Leben und Tod, und Sie haben mich vollkommen verstanden. Ich bin der Junge, der mit Glenure sprach, als er erschossen wurde.“

„Ich kann nur annehmen (da ich Sie hier sehe), dass Sie behaupten, unschuldig zu sein“, sagte er.

„Die Schlussfolgerung ist klar“, sagte ich. „Ich bin ein sehr loyaler Untertan von König George, doch hätte ich mir selbst etwas vorzuwerfen, so besäße ich mehr Diskretion, als in Ihre Höhle zu spazieren.“

„Das freut mich“, sagte er. „Dieses schreckliche Verbrechen, Mr. Balfour, ist von einer Art, die keinerlei Milde zulässt. Blut wurde auf barbarische Weise vergossen. Es wurde in direktem Widerspruch zu seiner Majestät und unserer gesamten Rechtsordnung vergossen, von jenen, die deren bekannte und öffentliche Gegner sind. Ich messe dem eine sehr große Bedeutung bei. Ich werde nicht leugnen, dass ich das Verbrechen als eine direkte Beleidigung seiner Majestät betrachte.“

„Und unglücklicherweise, Mylord“, fügte ich ein wenig trocken hinzu, „direkt persönlich gegen eine andere große Persönlichkeit gerichtet, die ungenannt bleiben mag.“

„Wenn Sie mit diesen Worten etwas meinen, muss ich Ihnen sagen, dass ich sie für eines guten Untertans unwürdig halte; und wären sie öffentlich ausgesprochen worden, so würde ich es mir zur Aufgabe machen, sie zur Kenntnis zu nehmen“, sagte er. „Es scheint mir nicht, als würden Sie den Ernst Ihrer Lage erkennen, sonst wären Sie vorsichtiger, sie nicht durch Worte zu verschlimmern, die die Reinheit der Justiz in Zweifel ziehen. Die Justiz in diesem Land und in meinen armen Händen kennt kein Ansehen der Person.“

„Sie räumen mir einen zu großen Anteil an meiner eigenen Rede ein, Mylord“, sagte ich. „Ich habe nur das allgemeine Gerede des Landes wiederholt, das ich unterwegs überall und von Männern aller Ansichten gehört habe.“

„Wenn Sie zu mehr Besonnenheit gelangt sind, werden Sie verstehen, dass solchem Gerede nicht zuzuhören ist, geschweige denn, es zu wiederholen“, sagt der Generalanwalt. „Aber ich spreche Sie von einer üblen Absicht frei. Jener Adlige, den wir alle ehren und der durch die jüngste Barbarei in der Tat an einer empfindlichen Stelle verwundet wurde, sitzt zu hoch, als dass ihn diese Verleumdungen erreichen könnten. Der Herzog von Argyle – Sie sehen, dass ich offen mit Ihnen spreche – nimmt es sich so sehr zu Herzen wie ich, und wie wir beide durch unsere richterlichen Funktionen und den Dienst an seiner Majestät dazu verpflichtet sind; und ich wünschte, alle Hände wären in diesem schlimmen Zeitalter gleichermaßen frei von familiärem Groll. Doch aus dem Umstand, dass dies ein Campbell ist, der als Märtyrer seiner Pflicht gefallen ist – denn wer sonst als die Campbells hat sich je an die Spitze dieses Pfades gestellt? – ich kann es sagen, der ich kein Campbell bin – und dass das Oberhaupt jenes großen Hauses (trotz all unserer Vorteile) zufällig das derzeitige Oberhaupt des College of Justice ist, sind kleine Geister und missgünstige Zungen in jedem Wirtshaus des Landes aufgeschreckt; und ich finde einen jungen Gentleman wie Mr. Balfour so unbedacht, ihr Echo zu sein.“ So viel sprach er mit sehr oratorischem Vortrag, als wäre er vor Gericht, und fiel dann wieder in die Manier eines Gentlemans zurück. „All das beiseite“, sagte er. „Es bleibt nun, dass ich erfahren muss, was ich mit Ihnen zu tun habe.“

„Ich hatte gedacht, eher ich sei es, der das von Eurer Lordschaft erfahren sollte“, sagte ich.

„Ja, wahr“, sagt der Generalanwalt. „Aber, sehen Sie, Sie kommen gut empfohlen zu mir. Da ist ein guter, ehrlicher Whig-Name unter diesem Brief“, sagt er und nimmt ihn einen Moment vom Tisch. „Und – außergerichtlich, Mr. Balfour – besteht immer die Möglichkeit einer gewissen Vereinbarung, ich sage es Ihnen, und ich sage es Ihnen im Voraus, damit Sie umso mehr auf der Hut sind: Ihr Schicksal liegt allein bei mir. In einer solchen Angelegenheit (man sage es mit Ehrfurcht) bin ich mächtiger als die Majestät des Königs; und sollten Sie mir gefallen – und natürlich mein Gewissen zufriedenstellen – in dem, was noch von unserem Gespräch zu halten ist, so sage ich Ihnen, es kann unter uns bleiben.“

„Was bedeutet das?“, fragte ich.

„Nun, ich meine es so, Mr. Balfour“, sagte er, „dass, wenn Sie zufriedenstellen, keine Seele so viel erfahren muss, als dass Sie mein Haus besucht haben; und Sie mögen bemerken, dass ich nicht einmal meinen Schreiber rufe.“

Ich sah, worauf er hinauswollte. „Ich nehme an, es ist unnötig, dass irgendjemand über meinen Besuch informiert wird“, sagte ich, „obwohl ich die genaue Art meines Gewinns dabei nicht erkennen kann. Ich schäme mich keineswegs, hierhergekommen zu sein.“

„Und haben auch keinen Grund dazu“, sagt er ermutigend. „Und auch nicht (wenn Sie vorsichtig sind), die Konsequenzen zu fürchten.“

„Mylord“, sagte ich, „unter Ihrer Korrektur gesprochen, ich bin nicht leicht zu erschrecken.“

„Und ich bin sicher, ich versuche nicht, Sie zu erschrecken“, sagt er. „Aber zur Befragung; und lassen Sie mich Sie warnen, nichts freiwillig über die Fragen hinaus anzubieten, die ich Ihnen stellen werde. Es könnte sehr unmittelbar mit Ihrer Sicherheit zusammenhängen. Ich habe eine große Diskretion, das ist wahr, aber es gibt Grenzen.“

„Ich werde versuchen, dem Rat Eurer Lordschaft zu folgen“, sagte ich.

Er breitete ein Blatt Papier auf dem Tisch aus und schrieb eine Überschrift. „Es scheint, Sie waren übrigens im Wald von Lettermore zum Zeitpunkt des tödlichen Schusses zugegen“, begann er. „War dies ein Zufall?“

„Ein Zufall“, sagte ich.

„Wie kamen Sie dazu, mit Colin Campbell zu sprechen?“, fragte er.

„Ich erkundigte mich bei ihm nach dem Weg nach Aucharn“, antwortete ich.

Ich bemerkte, dass er diese Antwort nicht niederschrieb.

„Hm, wahr“, sagte er, „das hatte ich vergessen. Und wissen Sie, Mr. Balfour, ich würde, wenn ich Sie wäre, so wenig wie möglich auf Ihre Beziehungen zu diesen Stewarts eingehen. Es könnte sich herausstellen, dass es unsere Angelegenheit verkompliziert. Ich bin noch nicht geneigt, diese Dinge als wesentlich zu betrachten.“

„Ich hatte gedacht, Mylord, dass alle Tatsachen in einem solchen Fall gleichermaßen wesentlich wären“, sagte ich.

„Sie vergessen, dass wir jetzt diese Stewarts vor Gericht stellen“, erwiderte er mit großer Bedeutung. „Sollten wir jemals dazu kommen, Sie vor Gericht zu stellen, wird es ganz anders sein; und ich werde genau diese Fragen drängen, bei denen ich jetzt bereit bin, hinwegzugehen. Aber um fortzufahren: Ich habe hier in Mr. Mungo Campbells Voruntersuchung, dass Sie sofort den Abhang hinaufliefen. Wie kam das?“

„Nicht sofort, Mylord, und der Grund war, dass ich den Mörder sah.“

„Sie haben ihn also gesehen?“

„So deutlich, wie ich Eurer Lordschaft sehe, wenn auch nicht aus so nächster Nähe.“

„Sie kennen ihn?“

„Ich würde ihn wiedererkennen.“

„Bei Ihrer Verfolgung hatten Sie also nicht das Glück, ihn einzuholen?“

„Das hatte ich nicht.“

„War er allein?“

„Er war allein.“

„Es war niemand sonst in dieser Nachbarschaft?“

„Alan Breck Stewart war nicht weit entfernt, in einem Stück Wald.“

Der Generalanwalt legte seine Feder nieder. „Ich glaube, wir reden aneinander vorbei“, sagte er, „was sich für Sie als ein sehr übler Zeitvertreib erweisen dürfte.“

„Ich begnüge mich damit, dem Rat Eurer Lordschaft zu folgen und das zu beantworten, was man mich fragt“, sagte ich.

„Seien Sie so weise, sich rechtzeitig zu besinnen“, sagte er, „ich behandle Sie mit der ängstlichsten Zartheit, die Sie kaum zu würdigen scheinen und die (wenn Sie nicht vorsichtiger sind) sich als vergeblich erweisen könnte.“

„Ich weiß Ihre Zartheit zu schätzen, halte sie aber für fehlgeleitet“, erwiderte ich mit einem Anflug von Zögern, denn ich sah, dass wir uns endlich in die Haare geraten waren. „Ich bin hier, um Ihnen gewisse Informationen vorzulegen, durch die ich Sie überzeugen werde, dass Alan bei der Tötung von Glenure keinerlei Hand im Spiel hatte.“

Der Generalanwalt schien einen Moment lang festzustecken, saß mit geschürzten Lippen da und blinzelte mich an wie eine wütende Katze. „Mr. Balfour“, sagte er schließlich, „ich sage Ihnen ausdrücklich, Sie schlagen einen üblen Weg für Ihre eigenen Interessen ein.“

„Mylord“, sagte ich, „ich bin genauso frei von dem Vorwurf, meine eigenen Interessen in dieser Angelegenheit zu verfolgen, wie Eurer Lordschaft. So wahr Gott mich richtet, ich habe nur das eine Ziel, und das ist, die Gerechtigkeit vollzogen zu sehen und die Unschuldigen freizusprechen. Wenn ich bei der Verfolgung dessen unter das Missfallen Eurer Lordschaft falle, muss ich es ertragen, wie ich kann.“

Daraufhin erhob er sich von seinem Stuhl, zündete eine zweite Kerze an und starrte mich eine Weile stetig an. Ich war überrascht, eine große Veränderung von Ernst auf seinem Gesicht zu sehen, und ich hätte fast gedacht, er sei ein wenig blass.

„Sie sind entweder sehr einfach oder extrem das Gegenteil, und ich sehe, dass ich vertraulicher mit Ihnen verhandeln muss“, sagt er. „Dies ist ein politischer Fall – ach ja, Mr. Balfour! ob es uns gefällt oder nicht, der Fall ist politisch – und ich zittere, wenn ich daran denke, welche Folgen sich daraus ergeben können. An einen politischen Fall, das muss ich einem jungen Mann Ihrer Bildung kaum sagen, gehen wir mit ganz anderen Gedanken heran als an einen, der nur kriminell ist. Salus populi suprema lex ist eine Maxime, die zu großem Missbrauch fähig ist, aber sie hat jene Kraft, die wir anderswo nur in den Gesetzen der Natur finden: Ich meine, sie hat die Kraft der Notwendigkeit. Ich werde Ihnen das darlegen, wenn Sie mir erlauben, etwas ausführlicher. Sie wollen mich glauben machen –“

„Mit Verlaub, Mylord, ich möchte Sie nichts glauben machen, außer dem, was ich beweisen kann“, sagte ich.

„Papperlapapp, junger Mann“, sagt er, „seien Sie nicht so rechthaberisch und gestatten Sie einem Mann, der Ihr Vater sein könnte (wenn es nicht mehr wäre), seine eigene unvollkommene Sprache zu gebrauchen und seine eigenen armen Gedanken auszudrücken, selbst wenn sie das Unglück haben, nicht mit denen von Mr. Balfour übereinzustimmen. Sie wollen mich glauben machen, Breck sei unschuldig. Ich würde dies für wenig bedeutsam halten, umso mehr, da wir unseren Mann nicht fassen können. Aber die Frage von Brecks Unschuld schießt über ihr Ziel hinaus. Einmal zugestanden, würde sie die gesamte Vermutung unseres Falls gegen einen anderen und sehr verschiedenen Kriminellen zerstören; einen Mann, der im Verrat alt geworden ist, schon zweimal in Waffen gegen seinen König und schon zweimal begnadigt; einen Anstifter zum Unmut, und (wer auch immer den Schuss abgefeuert haben mag) das unverkennbare Original der fraglichen Tat. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass ich James Stewart meine.“

„Und ich kann einfach offen sagen, dass die Unschuld von Alan und James das ist, was ich hier unter vier Augen vor Eurer Lordschaft erklären will und was ich bereit bin, vor Gericht durch mein Zeugnis zu belegen“, sagte ich.

„Worauf ich nur mit gleicher Offenheit antworten kann, Mr. Balfour“, sagte er, „dass (in diesem Fall) Ihr Zeugnis von mir nicht aufgerufen wird, und ich wünsche, dass Sie es ganz zurückhalten.“

„Sie stehen an der Spitze der Justiz in diesem Land“, rief ich, „und Sie schlagen mir ein Verbrechen vor!“

„Ich bin ein Mann, der mit beiden Händen die Interessen dieses Landes pflegt“, erwiderte er, „und ich dränge Ihnen eine politische Notwendigkeit auf. Patriotismus ist nicht immer moralisch im formalen Sinne. Sie könnten froh darüber sein, denke ich: Es ist Ihr eigener Schutz; die Fakten sprechen schwer gegen Sie; und wenn ich immer noch versuche, Sie von einem sehr gefährlichen Ort auszunehmen, so ist das teilweise natürlich, weil ich nicht unempfindlich gegenüber Ihrer Ehrlichkeit bin, hierherzukommen; teilweise wegen Pilrigs Brief; aber teilweise, und zu einem Hauptteil, weil ich in dieser Angelegenheit meine politische Pflicht zuerst und meine richterliche Pflicht nur zweitrangig betrachte. Aus demselben Grund – ich wiederhole es Ihnen mit denselben offenen Worten – will ich Ihr Zeugnis nicht.“

„Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, eine Replik zu geben, wenn ich nur den einfachen Sinn unserer Position ausdrücke“, sagte ich. „Aber wenn Eurer Lordschaft mein Zeugnis nicht braucht, glaube ich, die andere Seite wäre außerordentlich froh, es zu bekommen.“

Prestongrange erhob sich und begann im Raum auf und ab zu gehen. „Sie sind nicht so jung“, sagte er, „als dass Sie sich nicht sehr klar an das Jahr '45 und den Schock erinnern müssten, der das Land durchlief. Ich lese in Pilrigs Brief, dass Sie fest in Kirche und Staat stehen. Wer hat sie in jenem verhängnisvollen Jahr gerettet? Ich beziehe mich nicht auf Seine Königliche Hoheit und seine Ladestöcke, die ihrer Zeit äußerst nützlich waren; aber das Land war gerettet und das Feld gewonnen, noch ehe Cumberland jemals auf Drummossie kam. Wer hat es gerettet? Ich wiederhole; wer hat die protestantische Religion und das gesamte Gefüge unserer zivilen Institutionen gerettet? Der verstorbene Lord President Culloden, zum einen; er spielte die Rolle eines Mannes, und er bekam wenig Dank dafür – ebenso wie ich, den Sie vor sich sehen, der jede Nerven im selben Dienst anspannt, keine Belohnung erwartet, außer dem Gewissen meiner erfüllten Pflichten. Nach dem Präsidenten, wer noch? Sie kennen die Antwort ebenso gut wie ich; es ist teilweise ein Skandal, und Sie haben selbst darauf angespielt, und ich habe Sie dafür getadelt, als Sie zuerst hereinkamen. Es war der Herzog und der große Clan der Campbells. Nun ist hier ein Campbell auf schändliche Weise ermordet worden, und das im Dienste des Königs. Der Herzog und ich sind Hochländer. Aber wir sind zivilisierte Hochländer, und bei der großen Masse unserer Clans und Familien ist das nicht so. Sie haben immer noch wilde Tugenden und Laster. Sie sind immer noch Barbaren, wie diese Stewarts; nur waren die Campbells Barbaren auf der richtigen Seite und die Stewarts Barbaren auf der falschen. Nun seien Sie der Richter. Die Campbells erwarten Rache. Wenn sie sie nicht bekommen – wenn dieser Mann James entkommt – wird es Ärger mit den Campbells geben. Das bedeutet Unruhe in den Highlands, die unruhig und weit davon entfernt sind, entwaffnet zu sein: die Entwaffnung ist eine Farce...“

„Das kann ich bestätigen“, sagte ich.

„Unruhe in den Highlands macht die Stunde unseres alten wachsamen Feindes“, fuhr seine Lordschaft fort und hielt einen Finger hoch, während er auf und ab ging; „und ich gebe Ihnen mein Wort, wir können wieder ein '45 bekommen, mit den Campbells auf der anderen Seite. Um das Leben dieses Mannes Stewart zu schützen – das bereits auf ein halbes Dutzend verschiedener Arten verwirkt ist, wenn nicht auf diese – schlagen Sie vor, Ihr Land in den Krieg zu stürzen, den Glauben Ihrer Väter zu gefährden und Leben und Vermögen von wie vielen tausend unschuldigen Personen aufs Spiel zu setzen? ... Das sind Überlegungen, die bei mir ins Gewicht fallen, und die, wie ich hoffe, nicht weniger bei Ihnen ins Gewicht fallen werden, Mr. Balfour, als Liebhaber Ihres Landes, einer guten Regierung und religiöser Wahrheit.“

„Sie behandeln mich sehr offen, und ich danke Ihnen dafür“, sagte ich. „Ich werde versuchen, meinerseits nicht weniger ehrlich zu sein. Ich glaube, Ihre Politik ist vernünftig. Ich glaube, diese tiefen Pflichten mögen auf Eurer Lordschaft lasten; ich glaube, Sie mögen sie Ihrem Gewissen auferlegt haben, als Sie den Eid auf das hohe Amt ablegten, das Sie bekleiden. Aber für mich, der ich nur ein einfacher Mann bin – oder kaum ein Mann –, müssen die einfachen Pflichten genügen. Ich kann nur an zwei Dinge denken, an eine arme Seele in unmittelbarer und ungerechter Gefahr eines schändlichen Todes und an das Schreien und Weinen seiner Frau, das mir noch im Kopf dröhnt. Ich kann nicht weitersehen, Mylord. So bin ich gemacht. Wenn das Land fallen muss, dann muss es fallen. Und ich bete zu Gott, wenn dies vorsätzliche Blindheit ist, dass Er mich erleuchten möge, ehe es zu spät ist.“

Er hatte mich regungslos angehört und stand noch eine Weile so da.

„Dies ist ein unerwartetes Hindernis“, sagt er laut, aber zu sich selbst.

„Und wie gedenkt Eurer Lordschaft über mich zu verfügen?“, fragte ich.

„Wenn ich wollte“, sagte er, „wissen Sie, dass Sie im Gefängnis schlafen könnten?“

„Mylord“, sagte ich, „ich habe an schlimmeren Orten geschlafen.“

„Nun, mein Junge“, sagte er, „eines geht aus unserem Gespräch sehr klar hervor, dass ich mich auf Ihr gegebenes Wort verlassen kann. Geben Sie mir Ihre Ehre, dass Sie vollkommen verschwiegen sein werden, nicht nur über das, was heute Nacht geschehen ist, sondern auch in der Angelegenheit des Appin-Falls, und ich lasse Sie frei gehen.“

„Ich werde sie bis morgen oder einen anderen nahen Tag geben, den Sie festlegen mögen“, sagte ich. „Ich möchte nicht als zu schlau gelten; aber wenn ich das Versprechen ohne Vorbehalt gäbe, hätte Eurer Lordschaft sein Ziel erreicht.“

„Ich hatte nicht den Gedanken, Sie in eine Falle zu locken“, sagte er.

„Ich bin sicher, das ist so“, sagte ich.

„Lassen Sie sehen“, fuhr er fort. „Morgen ist der Sabbat. Kommen Sie am Montag um acht Uhr morgens zu mir und geben Sie mir Ihr Versprechen bis dahin.“

„Frei gegeben, Mylord“, sagte ich. „Und in Bezug auf das, was von Ihnen selbst gekommen ist, werde ich es geben, solange es Gott gefallen wird, Ihre Tage zu verschonen.“

„Sie werden bemerken“, sagte er als nächstes, „dass ich keine Drohungen gebraucht habe.“

„Das war wie der Adel Eurer Lordschaft“, sagte ich. „Doch ich bin nicht ganz so stumpf, als dass ich nicht die Art derer wahrnehmen könnte, die Sie nicht ausgesprochen haben.“

„Nun“, sagte er, „gute Nacht. Mögen Sie gut schlafen, denn ich glaube, das ist mehr, als ich wahrscheinlich tun werde.“

Damit seufzte er, nahm eine Kerze und begleitete mich bis zur Straßentür.

KAPITEL V. IM HAUS DES GENERALANWALTS

Am nächsten Tag, Sabbat, den 27. August, hatte ich die Gelegenheit, auf die ich lange gewartet hatte, einige der berühmten Prediger von Edinburgh zu hören, die mir alle bereits durch den Bericht von Mr. Campbell wohlbekannt waren. Ach! und ich hätte genauso gut in Essendean sein und unter Mr. Campbells würdigem Selbst sitzen können! die Unruhe meiner Gedanken, die ständig bei dem Gespräch mit Prestongrange verweilten, hinderte mich an aller Aufmerksamkeit. Ich war in der Tat weit weniger von der Argumentation der Geistlichen beeindruckt als von dem Anblick der überfüllten Gemeinde in den Kirchen, wie ich es mir von einem Theater vorstellte oder (in meiner damaligen Verfassung) von einer Gerichtssitzung; vor allem in der West Kirk mit ihren drei Reihen von Emporen, wo ich in der vergeblichen Hoffnung hinging, dass ich Miss Drummond sehen könnte.

Am Montag begab ich mich zum ersten Mal zu einem Barbier und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Von dort zum Haus des Generalanwalts, wo die roten Röcke der Soldaten wieder um seine Tür zu sehen waren und einen hellen Fleck in dem Hof bildeten. Ich sah mich nach der jungen Dame und ihren Begleitern um: es gab kein Zeichen von ihnen. Aber ich war kaum in das Kabinett oder das Vorzimmer geführt worden, wo ich am Samstag eine so ermüdende Zeit verbracht hatte, als ich die große Gestalt von James More in einer Ecke bemerkte. Er schien eine Beute schmerzlicher Unruhe zu sein, streckte Füße und Hände aus, und seine Augen eilten ohne Rast hierhin und dorthin an den Wänden des kleinen Zimmers, was mich mit einem Gefühl des Mitleids an die elende Lage des Mannes erinnerte. Ich nehme an, es war teilweise dies und teilweise mein starkes anhaltendes Interesse an seiner Tochter, das mich dazu bewegte, ihn anzusprechen.

„Einen guten Morgen, mein Herr“, sagte ich.

„Und einen guten Morgen Ihnen, mein Herr“, sagte er.

„Sie haben eine Verabredung mit Prestongrange?“, fragte ich.

„Das habe ich, mein Herr, und ich bete, dass Ihre Geschäfte mit diesem Gentleman angenehmer sind als meine“, war seine Antwort.

„Ich hoffe zumindest, dass Ihre kurz sein werden, denn ich nehme an, Sie kommen vor mir dran“, sagte ich.

„Alle kommen vor mir dran“, sagte er mit einem Achselzucken und einer Geste der offenen Hände nach oben. „Das war nicht immer so, mein Herr, aber die Zeiten ändern sich. Das war nicht so, als das Schwert in der Waagschale lag, junger Gentleman, und die Tugenden des Soldaten sich behaupten konnten.“

Es kam eine Art Hochländer-Schniefen aus dem Mann, das meinen Zorn seltsam erregte.

„Nun, Mr. Macgregor“, sagte ich, „ich verstehe, die Hauptsache für einen Soldaten ist es, zu schweigen, und die erste seiner Tugenden, niemals zu klagen.“

„Sie kennen meinen Namen, wie ich sehe“ – er verbeugte sich vor mir mit verschränkten Armen – „obwohl es einer ist, den ich selbst nicht benutzen darf. Nun, es gibt eine Öffentlichkeit – ich habe mein Gesicht gezeigt und meinen Namen zu oft vor den Bärten meiner Feinde genannt. Ich darf mich nicht wundern, wenn beide vielen bekannt sein sollten, die ich nicht kenne.“

„Die Sie im Geringsten nicht kennen, mein Herr“, sagte ich, „und auch sonst niemand; aber der Name, mit dem ich gerufen werde, wenn es Sie interessiert, ist Balfour.“

„Es ist ein guter Name“, erwiderte er höflich; „es gibt viele anständige Leute, die ihn führen. Und jetzt, da ich mich erinnere, gab es einen jungen Gentleman, Ihren Namensvetter, der im Jahr '45 als Chirurg mit meinem Bataillon marschierte.“

„Ich glaube, das wäre ein Bruder von Balfour von Baith“, sagte ich, denn ich war nun bereit für den Chirurgen.

„Derselbe, mein Herr“, sagte James More. „Und da ich ein Mitstreiter Ihres Verwandten war, müssen Sie mir gestatten, Ihre Hand zu ergreifen.“

Er schüttelte mir lange und zärtlich die Hand und strahlte mich dabei an, als hätte er einen Bruder gefunden.

„Ah!“, sagt er, „das sind andere Zeiten, seit dein Vetter und ich die Kugeln an unseren Ohren pfeifen hörten.“

„Ich glaube, er war ein sehr weitläufiger Vetter“, sagte ich trocken, „und ich sollte dir sagen, dass ich den Mann noch nie zu Gesicht bekommen habe.“

„Nun, nun“, sagte er, „das macht keinen Unterschied. Und du – ich glaube nicht, dass du selbst draußen warst, mein Herr – ich habe kein klares Bild von deinem Gesicht, das man eigentlich nicht so leicht vergessen dürfte.“

„In dem Jahr, auf das du dich beziehst, Mr. Macgregor, wurde ich in der Gemeindeschule verprügelt“, sagte ich.

„So jung!“, ruft er. „Ah, dann wirst du dir nie vorstellen können, was diese Begegnung für mich bedeutet. In der Stunde meiner Not, und hier im Haus meines Feindes, auf das Blut eines alten Waffenbruders zu treffen – das ermutigt mich, Mr. Balfour, wie der Klang der schottischen Dudelsäcke! Mein Herr, das ist ein trauriger Rückblick, den viele von uns halten müssen: manche mit fließenden Tränen. Ich habe in meinem eigenen Land wie ein König gelebt; mein Schwert, meine Berge und der Glaube meiner Freunde und Stammesgenossen reichten mir aus. Jetzt liege ich in einem stinkenden Kerker; und weißt du, Mr. Balfour“, fuhr er fort, ergriff meinen Arm und begann, mich durch den Raum zu führen, „weißt du, mein Herr, dass es mir am Nötigsten fehlt? Die Bosheit meiner Feinde hat meine Mittel völlig sequestriert. Ich liege, wie Ihr wisst, mein Herr, wegen einer erfundenen Anklage, von der ich so unschuldig bin wie Ihr selbst. Sie wagen es nicht, mich vor Gericht zu bringen, und währenddessen werde ich nackt in meinem Gefängnis festgehalten. Ich hätte mir gewünscht, es wäre Euer Vetter gewesen, den ich getroffen hätte, oder sein Bruder Baith selbst. Jeder von beiden, das weiß ich, hätte sich gefreut, mir zu helfen; während ein relativer Fremder wie Ihr –“

Ich würde mich schämen, alles niederzuschreiben, was er in dieser bettelhaften Art vor mir ausgoss, oder die sehr kurzen und widerwilligen Antworten, die ich ihm gab. Es gab Augenblicke, da war ich versucht, ihm mit etwas Kleingeld den Mund zu stopfen; aber ob es aus Scham war oder aus Stolz – ob es um meinetwillen oder um Catrionas willen geschah – ob es daran lag, dass ich ihn für keinen geeigneten Vater für seine Tochter hielt, oder weil ich mich gegen die Grobheit jener unmittelbaren Falschheit auflehnte, die dem Mann selbst anhaftete – das Ding überstieg meine Kräfte bei weitem. Und immer noch wurde ich bequatscht und belehrt, immer noch wurde ich in jener kleinen Kammer auf und ab geführt, drei Schritte und eine Drehung, und hatte bereits durch einige sehr knappe Antworten meinen Bettler sehr aufgebracht, wenn auch noch nicht endgültig entmutigt, als Prestongrange im Türrahmen erschien und mich eifrig in sein großes Zimmer bat.

„Ich habe einen kurzen Termin“, sagte er; „und damit Ihr nicht mit leeren Händen dasitzt, werde ich Euch meine drei hübschen Töchter vorstellen, von denen Ihr vielleicht schon gehört habt, denn ich glaube, sie sind berühmter als Papa. Hier entlang.“

Er führte mich in einen anderen langen Raum darüber, wo eine dürre alte Dame an einem Stickrahmen saß und die drei (wie ich meine) schönsten jungen Frauen in Schottland zusammen an einem Fenster standen.

„Dies ist mein neuer Freund, Mr. Balfour“, sagte er und stellte mich am Arm vor. „David, hier ist meine Schwester, Miss Grant, die so gut ist, mir den Haushalt zu führen, und die sich sehr freuen wird, wenn sie Euch behilflich sein kann. Und hier“, sagt er und wendet sich an die drei jüngeren Damen, „hier sind meine *drei braw dauchters*. Eine faire Frage an Euch, Mr. Davie: Welche der drei ist die Schönste? Und ich wette, er wird niemals die Unverschämtheit besitzen, die ehrliche Antwort von Alan Ramsay vorzubringen!“

Daraufhin riefen alle drei, und auch die alte Miss Grant, gegen diesen Ausfall, was (da ich mit den Versen, auf die er sich bezog, vertraut war) Scham in meine Wangen trieb. Es schien mir ein Zitat, das einem Vater nicht ansteht, und ich war erstaunt, dass diese Damen lachen konnten, selbst während sie ihn zurechtwiesen oder es vorgaben.

Unter dem Schutz dieser Heiterkeit kam Prestongrange aus der Kammer, und ich blieb wie ein Fisch auf dem Trockenen in jener höchst unpassenden Gesellschaft zurück. Ich konnte beim Rückblick auf das Folgende nie leugnen, dass ich mich überaus hölzern verhielt; und ich muss sagen, die Damen waren gut gedrillt, um so lange Geduld mit mir zu haben. Die Tante saß in der Tat dicht an ihrer Stickerei, blickte nur hin und wieder auf und lächelte; aber die jungen Damen, und besonders die Älteste, die zudem die Schönste war, widmeten mir eine Menge an Aufmerksamkeiten, die ich nur sehr schlecht erwidern konnte. Es war alles vergebens, mir einzureden, ich sei ein junger Mann von einigem Wert sowie einem guten Erbe und hätte keinen Grund, mich vor diesen Mädchen verlegen zu fühlen, von denen die Älteste kaum älter war als ich selbst und keine von ihnen wahrscheinlich halb so gelehrt. Vernunftgründe änderten nichts an der Tatsache; und es gab Zeiten, da stieg mir die Röte ins Gesicht bei dem Gedanken, dass ich mich an jenem Tag zum ersten Mal rasiert hatte.

Da das Gespräch trotz all ihrer Bemühungen sehr schleppend verlief, hatte die Älteste Erbarmen mit meiner Ungeschicklichkeit, setzte sich an ihr Instrument, auf dem sie eine vollendete Meisterin war, und unterhielt mich eine Weile mit Spiel und Gesang, sowohl nach schottischer als auch nach italienischer Art; das brachte mich mehr zur Ruhe, und da ich an Alans Weise erinnert wurde, die er mich in der Höhle bei Carriden gelehrt hatte, fasste ich den Mut, einen oder zwei Takte zu pfeifen und zu fragen, ob sie diese kenne.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe noch nie eine Note davon gehört“, sagte sie. „Pfeif sie ganz durch. Und nun noch einmal“, fügte sie hinzu, nachdem ich es getan hatte.

Dann suchte sie die Melodie auf der Tastatur heraus und bereicherte sie (zu meiner Überraschung) augenblicklich mit wohlklingenden Akkorden und sang, während sie spielte, mit sehr drolligem Ausdruck und breitem Akzent:

„Hab ich nicht genau den Schwung davon? Ist das nicht die Melodie, die du gepfiffen hast?“

„Seht Ihr“, sagt sie, „ich kann auch dichten, nur will es sich nicht reimen. Und dann noch einmal:

Ich bin Miss Grant, verwandt mit dem Advokaten: Ihr, so glaube ich, seid Dauvit Balfour.“

Ich sagte ihr, wie sehr mich ihre Genialität in Erstaunen versetzte.

„Und wie nennt Ihr sie?“, fragte sie.

„Ich kenne den wirklichen Namen nicht“, sagte ich. „Ich nenne sie einfach Alans Weise.“

Sie sah mir direkt ins Gesicht. „Ich werde sie Davids Weise nennen“, sagte sie; „obwohl, wenn sie nur annähernd so ist wie das, was Euer Namensvetter aus Israel dem Saul vorspielte, würde ich mich nicht wundern, dass der König wenig Gutes davon hatte, denn es ist nur melancholische Musik. Euren anderen Namen mag ich nicht; wenn Ihr also jemals Eure Weise wieder hören wollt, müsst Ihr unter meinem Namen danach fragen.“

Dies wurde mit einer Bedeutung gesagt, die meinem Herzen einen Stoß versetzte. „Warum das, Miss Grant?“, fragte ich.

„Nun“, sagt sie, „falls Ihr jemals am Galgen enden solltet, werde ich Eure letzte Sterberede und Euer Geständnis auf diese Weise setzen und sie singen.“

Dies ließ keinen Zweifel daran, dass sie teilweise über meine Geschichte und meine Gefahr informiert war. Wie, oder wie genau, war schwerer zu erraten. Es war klar, dass sie wusste, dass der Name Alan eine gewisse Gefahr barg, und mich so warnte, ihn nicht zu erwähnen; und es war klar, dass sie wusste, dass ich unter einem kriminellen Verdacht stand. Ich vermutete außerdem, dass die Schroffheit ihrer letzten Rede (auf die sie zudem unmittelbar ein sehr lautes Musikstück folgen ließ) dazu diente, das gegenwärtige Gespräch zu beenden. Ich stand neben ihr, tat so, als würde ich zuhören und bewundern, war aber in Wahrheit von meinen eigenen Gedanken davongetragen. Ich habe diese junge Dame immer als eine Liebhaberin des Geheimnisvollen empfunden; und sicherlich machte dieses erste Treffen ein Geheimnis daraus, das mein Verständnis überstieg. Eines erfuhr ich erst lange Zeit später: Die Stunden des Sonntags waren gut genutzt worden, der Bankportier war gefunden und vernommen worden, mein Besuch bei Charles Stewart war aufgedeckt worden, und man hatte den Schluss gezogen, dass ich bei James und Alan ziemlich tief drin steckte und höchstwahrscheinlich in fortlaufendem Briefwechsel mit Letzterem stand. Daher dieser deutliche Wink, der mir über das Cembalo hinweg gegeben wurde.

Mitten im Musikstück rief eine der jüngeren Schwestern, die an einem Fenster über dem Hof stand, ihre Schwestern, sie sollten schnell kommen, denn da sei „Graue Augen wieder“. Die ganze Familie trottete sofort dorthin und drängte sich gegenseitig, um einen Blick zu erhaschen. Das Fenster, zu dem sie liefen, befand sich in einer seltsamen Ecke des Raums, ging über der Eingangstür hinaus und flankierte den Hof.

„Kommt, Mr. Balfour“, riefen sie, „kommt und seht. Sie ist das schönste Geschöpf! Sie treibt sich in diesen letzten Tagen am Ende des Hofes herum, immer mit irgendwelchen elend aussehenden Gilliess, und scheint doch eine feine Dame zu sein.“

Ich hatte es nicht nötig zu schauen; noch schaute ich zweimal oder lange. Ich hatte Angst, sie könnte mich dort gesehen haben, wie ich aus dieser Musikkammer auf sie hinabsah, während sie draußen war und ihr Vater im selben Haus vielleicht unter Tränen um sein Leben bettelte und ich selbst gerade erst davon kam, seine Gesuche zurückzuweisen. Aber selbst dieser flüchtige Blick versetzte mich in eine bessere Stimmung bezüglich meiner selbst und nahm mir viel von der Ehrfurcht vor den jungen Damen. Sie waren schön, das stand außer Frage, aber Catriona war auch schön und hatte eine Art Helligkeit in sich wie ein glühendes Kohlenbecken. So sehr mich die anderen niederschlugen, so sehr richtete sie mich auf. Ich erinnerte mich, dass ich leicht mit ihr gesprochen hatte. Wenn ich mit diesen feinen Mädchen nicht zurechtkam, war es vielleicht ein Stück weit ihre eigene Schuld. Meine Verlegenheit begann sich ein wenig mit einem Gefühl von Spaß zu mischen und zu erleichtern; und als die Tante mich von ihrer Stickerei aus anlächelte und die drei Töchter sich mir gegenüber wie ein Kleinkind entspannten, alles mit „Papas Befehlen“ auf ihren Gesichtern geschrieben, gab es Zeiten, da hätte ich es in meinem Herzen finden können, selbst zu lächeln.

Bald darauf kehrte Papa zurück, derselbe freundliche, glücklich wirkende, angenehm sprechende Mann.

„Nun, Mädchen“, sagte er, „ich muss Mr. Balfour wieder mitnehmen; aber ich hoffe, Ihr konntet ihn überreden, wiederzukommen, wo ich ihn immer gern empfangen werde.“

Also machten sie mir jede ein kleines, geringfügiges Kompliment, und ich wurde weggeführt.

Wenn dieser Besuch bei der Familie dazu gedacht war, meinen Widerstand zu erweichen, war er ein völliger Fehlschlag. Ich war kein solcher Esel, als dass ich nicht begriffen hätte, wie kläglich ich mich angestellt hatte und dass die Mädchen sich die Kiefer ausgiebig gähnen würden, sobald mein steifer Rücken sich abgewandt hatte. Ich hatte das Gefühl, gezeigt zu haben, wie wenig Weiches und Anmutiges in mir steckte; und ich sehnte mich nach einer Gelegenheit, zu beweisen, dass ich etwas von dem anderen Stoff besaß, dem Strengen und Gefährlichen.

Nun, ich sollte nach meinem Wunsch bedient werden, denn die Szene, in die er mich führte, war von anderer Art.

KAPITEL VI. DER EHEMALIGE MASTER OF LOVAT

In Prestongranges Arbeitszimmer wartete ein Mann auf uns, der mir auf den ersten Blick missfiel, wie uns ein Frettchen oder ein Ohrwurm missfällt. Er war bitterhässlich, schien aber sehr ein Gentleman zu sein; hatte stille Manieren, war aber zu plötzlichen Sprüngen und Gewalttätigkeiten fähig; und eine kleine Stimme, die schrill und gefährlich klingen konnte, wenn er es so wünschte.

Der Advokat stellte uns auf vertraute, freundliche Weise vor.

„Hier, Fraser“, sagte er, „hier ist Mr. Balfour, von dem wir gesprochen haben. Mr. David, dies ist Mr. Simon Fraser, den wir früher bei einem anderen Titel nannten, aber das ist ein altes Lied. Mr. Fraser hat ein Anliegen an Euch.“

Damit trat er beiseite zu seinen Bücherregalen und tat so, als wolle er einen Quartband am anderen Ende konsultieren.

Ich war also (in gewissem Sinne) allein mit der vielleicht letzten Person auf der Welt, die ich erwartet hatte. Es gab keinen Zweifel an den Bedingungen der Vorstellung; dies konnte kein anderer sein als der entehrte Master of Lovat und Häuptling des großen Clans Fraser. Ich wusste, dass er seine Männer in der Rebellion angeführt hatte; ich wusste, dass das Haupt seines Vaters – meines alten Lords, jenes grauen Fuchses der Berge – für dieses Vergehen auf dem Block gefallen war, die Ländereien der Familie beschlagnahmt und ihr Adel für aberkannt erklärt worden waren. Ich konnte mir nicht vorstellen, was er in Grants Haus zu suchen hatte; ich konnte mir nicht vorstellen, dass er als Anwalt zugelassen worden war, alle seine Prinzipien verzehrt hatte und nun beim Gouvernement um Gunst buhlte, sogar bis zu dem Punkt, als Advokat-Deputierter im Appin-Mordfall zu fungieren.

„Nun, Mr. Balfour“, sagte er, „was ist das alles, was ich von Euch höre?“

„Es würde mir nicht anstehen, vorzuverurteilen“, sagte ich, „aber wenn der Advokat Eure Autorität war, so ist er vollständig über meine Meinungen im Bilde.“

„Ich kann Euch sagen, dass ich im Appin-Fall engagiert bin“, fuhr er fort; „ich soll unter Prestongrange erscheinen; und aus meinem Studium der Voruntersuchungen kann ich Euch versichern, dass Eure Meinungen irrtümlich sind. Die Schuld von Breck ist offensichtlich; und Eure Zeugenaussage, in der Ihr zugebt, ihn in jenem Augenblick auf dem Hügel gesehen zu haben, wird sein Aufhängen bescheinigen.“

„Es dürfte eher schwierig sein, ihn aufzuhängen, bevor Ihr ihn gefangen habt“, bemerkte ich. „Und was andere Angelegenheiten betrifft, so überlasse ich Euch sehr bereitwillig Euren eigenen Eindrücken.“

„Der Herzog ist informiert worden“, fuhr er fort. „Ich komme gerade von Seiner Gnaden, und er drückte sich vor mir mit einer ehrlichen Freiheit aus, wie der große Adlige, der er ist. Er sprach Euch beim Namen an, Mr. Balfour, und erklärte seine Dankbarkeit im Voraus, für den Fall, dass Ihr Euch von denen leiten lassen würdet, die Eure eigenen Interessen und die des Landes so viel besser verstehen als Ihr selbst. Dankbarkeit ist kein leerer Ausdruck in diesem Mund: experto crede. Ich wage zu sagen, dass Ihr etwas von meinem Namen und Clan wisst, und von dem verdammten Beispiel und dem beklagenswerten Ende meines verstorbenen Vaters, ganz zu schweigen von meinen eigenen Irrtümern. Nun, ich habe meinen Frieden mit jenem guten Herzog gemacht; er hat sich für mich bei unserem Freund Prestongrange eingesetzt; und hier bin ich wieder mit meinem Fuß im Steigbügel und einem Teil der Verantwortung, König Georges Feinde zu verfolgen und die jüngste dreiste und schamlose Beleidigung seiner Majestät zu rächen.“

„Zweifellos eine stolze Position für den Sohn Eures Vaters“, sage ich.

Er wedelte mit seinen kahlen Augenbrauen vor mir. „Ihr beliebt Experimente mit der Ironie zu machen, wie mir scheint“, sagte er. „Aber ich bin hier im Dienst, ich bin hier, um meinen Auftrag in gutem Glauben zu erfüllen, es ist vergeblich, dass Ihr glaubt, mich ablenken zu können. Und lasst mich Euch sagen, für einen jungen Burschen von Geist und Ehrgeiz wie Euch wird ein guter Stoß zu Beginn mehr bewirken als zehn Jahre Schufterei. Der Stoß ist nun in Eurer Gewalt; wählt, worin Ihr vorankommen wollt, der Herzog wird mit der liebevollen Gesinnung eines Vaters über Euch wachen.“

„Ich denke, dass mir die Fügsamkeit des Sohnes fehlt“, sage ich.

„Und glaubt Ihr wirklich, mein Herr, dass die gesamte Politik dieses Landes darunter leiden muss, über einen ungezogenen Fohlen-Jungen zu stolpern und zu stürzen?“, rief er. „Dies ist zu einem Testfall gemacht worden, alle, die in Zukunft gedeihen wollen, müssen ein Rad am Wagen drehen. Seht mich an! Glaubt Ihr, es ist zu meinem Vergnügen, dass ich mich in die höchst missliche Lage bringe, einen Mann zu verfolgen, an dessen Seite ich das Schwert gezogen habe? Die Wahl ist mir nicht gelassen.“

„Aber ich denke, mein Herr, dass Ihr Eure Wahl verwirkt habt, als Ihr Euch in diese unnatürliche Rebellion eingemischt habt“, bemerkte ich. „Mein Fall liegt glücklicherweise anders; ich bin ein aufrichtiger Mann und kann sowohl den Herzog als auch König George ohne Sorge ins Gesicht sehen.“

„Sitzt der Wind so?“, sagt er. „Ich protestiere, Ihr seid in die schlimmste Art von Irrtum verfallen. Prestongrange war bisher so höflich (sagt er mir), Eure Anschuldigungen nicht zu bekämpfen; aber Ihr dürft nicht glauben, dass sie nicht mit großem Verdacht betrachtet werden. Ihr sagt, Ihr seid unschuldig. Mein lieber Herr, die Fakten erklären Euch für schuldig.“

„Darauf habe ich bei Euch gewartet“, sagte ich.

„Die Zeugenaussage von Mungo Campbell; Eure Flucht nach der Vollendung des Mordes; Euer langer Weg der Geheimhaltung – mein guter junger Mann!“, sagte Mr. Simon, „hier ist genug Beweismaterial, um einen Ochsen zu hängen, geschweige denn einen David Balfour! Ich werde bei diesem Prozess dabei sein; meine Stimme wird erhoben werden; ich werde dann ganz anders sprechen, als ich es heute tue, und weit weniger zu Eurer Befriedigung, so wenig Ihr es jetzt mögt! Ah, Ihr seht weiß aus!“, schreit er. „Ich habe den Schlüssel Eures unverschämten Herzens gefunden. Ihr seht bleich aus, Eure Augen schwanken, Mr. David! Ihr seht das Grab und den Galgen näher, als Ihr Euch vorgestellt hattet.“

„Ich gestehe eine natürliche Schwäche ein“, sagte ich. „Ich schäme mich nicht dafür. Scham...“, fuhr ich fort.

„Scham wartet auf Euch am Galgen“, unterbrach er mich.

„Wo ich nur mit dem Lord, Eurem Vater, gleichgestellt sein werde“, sagte ich.

„Aha, aber nicht so!“, rief er, „und Ihr seht noch nicht bis zum Grund dieser Angelegenheit. Mein Vater litt für eine große Sache und dafür, dass er sich in die Angelegenheiten von Königen einmischte. Ihr werdet für einen schmutzigen Mord wegen ein paar Groschen hängen. Eure persönliche Rolle dabei, die verräterische, den armen Wicht in ein Gespräch zu verwickeln, Eure Komplizen ein Pack zerlumpter Hochland-Gillies. Und es kann gezeigt werden, mein großer Mr. Balfour – es kann gezeigt werden, und es wird gezeigt werden, vertraut mir, der ich meine Finger im Spiel habe – es kann gezeigt werden, und es soll gezeigt werden, dass Ihr dafür bezahlt wurdet, es zu tun. Ich glaube, ich kann sehen, wie die Blicke durch das Gericht gehen, wenn ich meine Beweise vorbringe, und es wird erscheinen, dass Ihr, ein junger Mann von Bildung, Euch zu diesem schockierenden Akt für einen Anzug abgetragener Kleidung, eine Flasche Hochlandgeist und drei Schilling und fünf Pence und einen halben Penny in Kupfergeld habt korrumpieren lassen.“

Da war ein Hauch von Wahrheit in diesen Worten, der mich wie ein Schlag traf: Kleidung, eine Flasche Usquebaugh und drei Schilling und fünf Pence und einen halben Penny an Wechselgeld machten in der Tat das meiste von dem aus, was Alan und ich aus Auchurn mitgenommen hatten; und ich sah, dass einige von James’ Leuten in ihren Kerkern geplaudert hatten.

„Ihr seht, ich weiß mehr, als Ihr Euch vorgestellt habt“, fuhr er triumphierend fort. „Und was diese Wendung betrifft, großer Mr. David, dürft Ihr nicht glauben, dass die Regierung von Großbritannien und Irland jemals aus Mangel an Beweisen feststecken wird. Wir haben hier Männer im Gefängnis, die ihr Leben ausschwören werden, wie wir es ihnen vorschreiben; wie ich es vorschreibe, wenn Ihr den Ausdruck bevorzugt. Also ratet nun Euren Teil an Ruhm, wenn Ihr zu sterben wählt. Auf der einen Seite Leben, Wein, Frauen und ein Herzog als Eure Waffe: auf der anderen ein Seil für Euren Hals und ein Galgen, an dem Eure Knochen klappern, und die lausigste, niedrigste Geschichte, die je über einen bezahlten Mörder erzählt wurde, um sie Euren Namensvettern in der Zukunft zu überliefern. Und seht her!“, schrie er mit einer erschreckend schrillen Stimme, „seht dieses Papier, das ich aus meiner Tasche ziehe. Seht Euch den Namen dort an: es ist der Name des großen David, glaube ich, die Tinte kaum trocken. Könnt Ihr seine Art erraten? Es ist der Haftbefehl für Eure Verhaftung, den ich nur zu berühren brauche, diese Glocke neben mir, um ihn auf der Stelle vollstrecken zu lassen. Einmal im Tolbooth aufgrund dieses Papiers, möge Gott Euch helfen, denn der Würfel ist gefallen!“

Ich darf niemals leugnen, dass ich durch so viel Niedertracht sehr entsetzt und durch die Unmittelbarkeit und Hässlichkeit meiner Gefahr sehr entmutigt war. Mr. Simon hatte sich bereits an den Veränderungen meiner Gesichtsfarbe ergötzt; ich zweifle nicht daran, dass ich jetzt nicht röter als mein Hemd war; meine Rede bebte zudem.

„Es ist ein Gentleman in diesem Raum“, rief ich. „Ich appelliere an ihn. Ich lege mein Leben und meine Ehre in seine Hände.“

Prestongrange schloss sein Buch mit einem Schnappen. „Ich habe es dir ja gesagt, Simon“, sagte er; „du hast dein Blatt so gut ausgespielt, wie es nur ging, und du hast verloren. Mr. David“, fuhr er fort, „ich möchte, dass Sie glauben, es geschah nicht auf mein Bestreben hin, dass Sie dieser Prüfung unterzogen wurden. Ich wünschte, Sie könnten verstehen, wie froh ich bin, dass Sie mit so viel Anstand daraus hervorgehen. Sie mögen nicht ganz sehen, wie, aber es ist ein kleiner Dienst an mir selbst. Denn wäre unser Freund hier gestern Abend erfolgreicher gewesen als ich, hätte es scheinen können, als sei er ein besserer Menschenkenner als ich; es hätte scheinen können, als befänden wir uns gänzlich in den falschen Rollen, Mr. Simon und ich. Und ich kenne unseren Freund Simon als einen Ehrgeizigen“, sagte er und klopfte leicht auf Frasers Schulter. „Was dieses Theaterstück angeht, so ist es vorbei; meine Gefühle sind sehr für Sie eingenommen; und welchen Ausgang wir auch für diese unglückliche Angelegenheit finden mögen, ich werde es zu meiner Sache machen, darauf zu achten, dass er mit Nachsicht gegen Sie gewählt wird.“

Das waren sehr gute Worte, und ich konnte zudem erkennen, dass wenig Liebe, und vielleicht eine Prise echter Widerwillen, zwischen diesen beiden herrschte, die mir gegenüberstanden. Trotz alledem war es unverkennbar, dass diese Unterredung geplant, vielleicht sogar geprobt war, mit der Zustimmung beider; es war klar, dass meine Widersacher ernsthaft danach trachteten, mich mit allen Mitteln zu prüfen; und nun (da Überredung, Schmeichelei und Drohungen vergeblich versucht worden waren) konnte ich nicht anders, als mich zu fragen, welches ihr nächstes Mittel sein würde. Meine Augen waren zudem noch immer getrübt und meine Knie zitterten unter mir vor der Erschöpfung der jüngsten Prüfung; und ich konnte nicht mehr tun, als die gleiche Formel zu stammeln: „Ich lege mein Leben und meine Ehre in Ihre Hände.“

„Nun, nun“, sagte er, „wir müssen versuchen, sie zu retten. Und in der Zwischenzeit lassen Sie uns zu sanfteren Methoden zurückkehren. Sie dürfen meinem Freund, Mr. Simon, der nur nach seinem Auftrag sprach, keinen Groll hegen. Und selbst wenn Sie gegen mich, der danebenstand und eher die Kerze zu halten schien, einigen Groll hegen sollten, so darf ich nicht zulassen, dass sich das auf unschuldige Mitglieder meiner Familie erstreckt. Diese sind sehr darauf erpicht, Sie wiederzusehen, und ich kann nicht einwilligen, meine jungen Damen enttäuscht zu sehen. Morgen werden sie nach Hope Park fahren, wo ich es für sehr angemessen halte, dass Sie Ihre Aufwartung machen. Sprechen Sie zuvor bei mir vor, wenn ich möglicherweise etwas für Ihre privaten Ohren habe; danach sollen Sie unter der Führung meiner jungen Damen wieder ins Freie gelassen werden; und bis zu diesem Zeitpunkt wiederholen Sie mir Ihr Versprechen der Verschwiegenheit.“

Ich hätte besser daran getan, sofort abzulehnen, doch in Wahrheit war ich der Macht des Denkens beraubt; ich tat, wie mir geheißen; nahm meinen Abschied, ich weiß nicht wie; und als ich wieder draußen im Hof war und die Tür hinter mir ins Schloss gefallen war, war ich froh, mich an eine Hauswand lehnen und mein Gesicht abwischen zu können. Diese entsetzliche Erscheinung (wie ich sie nennen darf) von Mr. Simon hallte in meiner Erinnerung nach, wie ein plötzlicher Lärm, der im Ohr nachklingt, nachdem er vorüber ist. Geschichten von des Mannes Vater, von seiner Falschheit, von seinen vielfältigen, beständigen Verrätereien stiegen in mir auf aus allem, was ich gehört und gelesen hatte, und verbanden sich mit dem, was ich gerade von ihm selbst erlebt hatte. Jedes Mal, wenn es mir in den Sinn kam, erschreckte mich die geniale Niedertracht jener Verleumdung, die er an meinen Charakter zu nageln beabsichtigt hatte, aufs Neue. Der Fall des Mannes am Galgen beim Leith Walk schien kaum unterscheidbar von dem, was ich nun als meinen eigenen betrachten musste. Einem Kind so wenig mehr als nichts zu rauben, war sicherlich ein erbärmliches Unterfangen für zwei erwachsene Männer; doch meine eigene Geschichte, wie sie von Simon Fraser vor Gericht dargestellt werden sollte, erschien mir in jeder Hinsicht an Erbärmlichkeit und Feigheit als ebenbürtig.

Die Stimmen von zwei der livrierten Männer Prestongranges auf seiner Türschwelle riefen mich zur Besinnung zurück.

„Ha’e“, sagte der eine, „diesen Zettel so schnell du kannst zum Captain.“

„Ist das wieder für den Cateran?“, fragte der andere.

„Es scheint so“, erwiderte der erste. „Er und Simon suchen ihn.“

„Ich glaube, Prestongrange ist verrückt geworden“, sagt der zweite. „Er wird sich als nächstes James More ins Bett holen.“

„Nun, das ist weder deine noch meine Angelegenheit“, sagte der erste.

Und sie gingen auseinander, der eine auf seinem Botengang, der andere zurück ins Haus.

Das sah so schlecht aus wie nur möglich. Ich war kaum weg, und sie schickten bereits nach James More, auf den Mr. Simon wohl gedeutet haben musste, als er von Männern im Gefängnis sprach, die bereit seien, ihr Leben durch alle Extreme zu erkaufen. Meine Kopfhaut schauerte unter meinem Haar, und im nächsten Moment jagte mir das Blut in den Adern, als ich mich an Catriona erinnerte. Armes Mädchen! Ihr Vater stand kurz davor, für ziemlich unentschuldbares Fehlverhalten aufgehängt zu werden. Was noch unangenehmer war, es schien nun, als sei er bereit, seine vier Viertel durch die schlimmste Schande und den feigsten aller feigen Morde zu retten – Mord durch falschen Eid; und um unser Unglück zu vervollständigen, schien es, als sei ich dazu auserkoren, das Opfer zu sein.

Ich begann schnell und ziellos zu gehen, nur im Bewusstsein eines Verlangens nach Bewegung, Luft und freiem Feld.

KAPITEL VII. ICH BEGEHE EINEN FEHLER GEGEN DIE EHRE

Ich kam, ich schwöre, ich weiß nicht wie, auf die Lang Dykes [12]. Dies ist eine ländliche Straße, die auf der Nordseite gegenüber der Stadt verläuft. Von dort konnte ich die ganze schwarze Länge der Stadt sehen, wie sie sich hinzog, von dort, wo das Schloss auf seinen Klippen über dem Loch steht, in einer langen Linie von Türmen und Giebeln und rauchenden Schornsteinen, und beim Anblick schwoll mir das Herz in der Brust. Meine Jugend war, wie ich erzählt habe, bereits an Gefahren gewöhnt; doch eine solche Gefahr, deren Antlitz ich erst an jenem Morgen inmitten dessen, was sie die Sicherheit einer Stadt nennen, gesehen hatte, erschütterte mich über alle Erfahrung hinaus. Gefahr der Sklaverei, Gefahr des Schiffbruchs, Gefahr durch Schwert und Schuss – all das hatte ich ohne Schande überstanden; aber die Gefahr, die in der scharfen Stimme und dem fetten Gesicht von Simon, dem eigentlichen Lord Lovat, lag, entmutigte mich gänzlich.

Ich saß am Seeufer an einer Stelle, wo das Schilf ins Wasser hinabführte, und dort kühlte ich meine Handgelenke und wusch meine Schläfen. Hätte ich es mit irgendwelchen Resten meines Selbstwertgefühls tun können, wäre ich nun vor meinem tollkühnen Unterfangen geflohen. Aber (nennen Sie es Mut oder Feigheit, und ich glaube, es war beides zugleich) ich entschied, dass ich mich zu weit vorgewagt hatte, als dass ein Rückzug möglich wäre. Ich hatte diesen Männern die Stirn geboten, ich würde ihnen weiter die Stirn bieten; komme, was da wolle, ich würde zu meinem gegebenen Wort stehen.

Das Gefühl meiner eigenen Beständigkeit hob meine Stimmung ein wenig, aber nicht viel. Im Grunde meines Herzens blieb eine eisige Stelle, und das Leben schien eine schwarze Angelegenheit, in die man sich überhaupt einlassen sollte. Für zwei Seelen im Besonderen floss mein Mitleid. Die eine war ich selbst, so freundlos und verloren inmitten von Gefahren. Die andere war das Mädchen, die Tochter von James More. Ich hatte nur wenig von ihr gesehen; doch mein Blick war gefallen und mein Urteil gefällt. Ich hielt sie für ein Mädchen von reiner Ehre, wie die eines Mannes; ich hielt sie für jemanden, der an einer Schande sterben würde; und nun glaubte ich, dass ihr Vater in diesem Augenblick sein niederträchtiges Leben gegen das meine eintauschte. Es knüpfte in meinen Gedanken ein Band zwischen dem Mädchen und mir. Ich hatte sie zuvor nur als eine Erscheinung am Wegesrand gesehen, wenn auch eine, die mir auf seltsame Weise gefiel; ich sah sie nun in einer plötzlichen Nähe der Beziehung, als die Tochter meines Blutsfeindes und, ich könnte sagen, meines Mörders. Ich dachte darüber nach, dass es hart sei, dass ich all meine Tage wegen der Angelegenheiten anderer Leute so geplagt und verfolgt werden sollte und selbst keinerlei Freude haben sollte. Ich bekam Mahlzeiten und ein Bett zum Schlafen, wenn meine Sorgen es zuließen; darüber hinaus war mir mein Reichtum keine Hilfe. Wenn ich hängen sollte, würden meine Tage wohl kurz sein; wenn ich nicht hängen, sondern aus diesem Schlamassel entkommen sollte, könnten sie mir noch lang erscheinen, ehe ich mit ihnen fertig wäre. Plötzlich erschien ihr Gesicht in meiner Erinnerung, so wie ich es zuerst gesehen hatte, mit den gespaltenen Lippen; dabei kam Schwäche in meine Brust und Stärke in meine Beine; und ich machte mich entschlossen auf den Weg nach Dean. Wenn ich morgen hängen sollte, und es war sicher genug, dass ich jene Nacht sehr wahrscheinlich in einem Kerker schlafen könnte, so war ich entschlossen, dass ich noch einmal von Catriona hören und mit ihr sprechen wollte.

Die Bewegung des Gehens und der Gedanke an mein Ziel stärkten mich noch mehr, sodass ich begann, eine Art von Mut zu fassen. Im Dorf Dean, wo es im Grund eines Tals neben dem Fluss liegt, erfragte ich meinen Weg bei einem Müllerknecht, der mich auf der anderen Seite auf einem einfachen Pfad den Hügel hinaufschickte und so zu einem anständigen kleinen Haus in einem Garten mit Rasenflächen und Apfelbäumen. Mein Herz schlug hoch, als ich in die Gartenhecke trat, aber es sank tief, als ich einem grimmigen und wilden alten Weib gegenüberstand, das dort in einer weißen Haube mit einem darauf festgeschnallten Männerhut einherging.

„Was kommst du hier suchen?“, fragte sie.

Ich sagte ihr, ich sei auf der Suche nach Miss Drummond.

„Und was mag Ihr Geschäft mit Miss Drummond sein?“, sagt sie.

Ich erzählte ihr, dass ich sie am letzten Samstag getroffen, das Glück gehabt hätte, ihr einen geringfügigen Dienst zu erweisen, und nun auf Einladung der jungen Dame gekommen sei.

„O, also bist du Sechspfennig!“, rief sie mit sehr spöttischer Art. „Ein prächtiges Geschenk, ein hübscher Gentleman. Und hast du irgendeinen anderen Namen und eine Bezeichnung, oder wurdest du Sechspfennig getauft?“, fragte sie.

Ich nannte meinen Namen.

„Bewahre mich!“, rief sie. „Hat Ebenezer einen Sohn bekommen?“

„Nein, Ma’am“, sagte ich. „Ich bin ein Sohn von Alexanders. Ich bin es, der der Laird von Shaws ist.“

„Du wirst alle Hände voll zu tun haben, das zu beweisen“, meinte sie.

„Ich nehme an, Sie kennen meinen Onkel“, sagte ich; „und ich wage zu sagen, Sie mögen es umso lieber hören, dass diese Angelegenheit geregelt ist.“

„Und was bringt dich hierher zu Miss Drummond?“, fuhr sie fort.

„Ich bin wegen meiner Sechspfennig hier, Mem“, sagte ich. „Es ist anzunehmen, dass man als Neffe meines Onkels ein vorsichtiger Bursche ist.“

„Also hast du einen Funken Schlitzohrigkeit in dir?“, bemerkte die alte Dame mit einigem Wohlwollen. „Ich dachte, du wärst nur ein Dummkopf – du mit deiner Sechspfennig und deinem Glückstag und deiner Sache von Balwhidder“ – woraus ich erfreut erfuhr, dass Catriona einiges von unserem Gespräch nicht vergessen hatte. „Aber all das ist nicht der Punkt“, fuhr sie fort. „Soll ich verstehen, dass du hierher kommst, um den Hof zu machen?“

„Das ist sicherlich eine etwas frühe Frage“, sagte ich. „Das Mädchen ist jung, ich auch, leider Gottes. Ich habe sie nur das eine Mal gesehen. Ich werde nicht leugnen“, fügte ich hinzu, während ich mich entschloss, es mit einer gewissen Offenheit bei ihr zu versuchen, „ich werde nicht leugnen, dass sie mir seit unserem Treffen einiges im Kopf herumgegangen ist. Das ist die eine Sache; aber es wäre eine ganz andere, und ich denke, ich würde sehr wie ein Narr aussehen, mich zu binden.“

„Du kannst deinen Mund aufmachen, wie ich sehe“, sagte die alte Dame. „Gott sei Dank, und das kann ich auch! Ich war töricht genug, die Verantwortung für die Tochter dieses Schurken zu übernehmen: eine feine Bürde habe ich mir da aufgehalst; aber sie ist meine, und ich werde sie so führen, wie ich es will. Wollen Sie mir weismachen, Mr. Balfour von Shaws, dass Sie James Mores Tochter heiraten würden, während er am Galgen hängt! Nun denn, wo keine mögliche Heirat ist, da soll es auch keinerlei Annäherungsversuche geben, und nehmen Sie das als gesagt hin. Mädchen sind zerbrechliche Dinge“, fügte sie mit einem Nicken hinzu; „und obwohl man es meinen faltigen Wangen nie ansehen würde, war ich selbst ein Mädchen, und ein hübsches dazu.“

„Lady Allardyce“, sagte ich, „denn das nehme ich als Ihren Namen an, Sie scheinen beide Seiten des Gesprächs zu führen, was eine sehr schlechte Art ist, zu einer Einigung zu kommen. Sie versetzen mir einen ziemlich harten Stoß, wenn Sie fragen, ob ich am Fuße des Galgens eine junge Dame heiraten würde, die ich nur einmal gesehen habe. Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass ich nicht so unbesonnen wäre, mich zu binden. Und doch werde ich Ihnen ein Stück entgegenkommen. Wenn ich das Mädchen weiterhin so mag, wie ich es erwarten darf, dann wird es etwas mehr als ihr Vater oder der Galgen sein, das uns beide trennt. Was meine Familie angeht, so habe ich sie am Wegesrand gefunden wie eine verlorene Kupfermünze! Ich schulde meinem Onkel weniger als nichts, und wenn ich jemals heirate, dann nur, um eine einzige Person zufriedenzustellen: das bin ich selbst.“

„Ich habe diese Art von Gerede gehört, bevor du geboren wurdest“, sagte Mrs. Ogilvy, „was vielleicht der Grund ist, warum ich so wenig darauf gebe. Es gibt vieles zu bedenken. Dieser James More ist ein Verwandter von mir, zu meiner Schande sei es gesagt. Aber je besser die Familie, desto mehr Männer werden gehängt oder geköpft, das war immer die Geschichte des armen Schottland. Und wenn es nur das Hängen wäre! Meinerseits denke ich, ich wäre am meisten zufrieden mit James am Galgen, was zumindest ein Ende für ihn wäre. Catrine ist ein gutes Mädchen genug und hat ein gutes Herz und lässt sich den ganzen Tag von einem alten Weib wie mir den Kopf verdrehen. Aber, sehen Sie, das ist der schwache Punkt. Sie ist verrückt nach diesem langen, falschen, schmeichelnden Bettler von einem Vater und wahnsinnig wegen der Gregara, und geächteter Namen, und König James, und einer Menge Dummheiten. Und Sie mögen denken, Sie könnten sie führen, doch Sie würden sich sehr irren. Sie sagen, Sie haben sie nur das eine Mal gesehen...“

„Nur das eine Mal mit ihr gesprochen, hätte ich sagen sollen“, unterbrach ich. „Ich habe sie heute Morgen noch einmal von einem Fenster bei Prestongrange’s aus gesehen.“

Das, wage ich zu sagen, fügte ich hinzu, weil es gut klang; aber ich wurde für meine Prahlerei bei der Rückkehr gebührend bezahlt.

„Was ist das für eine Sache?“, ruft die alte Dame mit einem plötzlichen Zusammenziehen ihres Gesichts. „Ich glaube, es war an der Türschwelle des Advokaten, wo Sie sie zuerst getroffen haben.“

Ich sagte ihr, dass das so sei.

„H’m“, sagte sie; und dann plötzlich, in einem eher scheltenden Tonfall: „Ich habe nur Ihr bloßes Wort dafür“, ruft sie, „wer und was Sie sind. Ihrer Art nach sind Sie Balfour von den Shaws; aber soweit ich weiß, könnten Sie Balfour von des Teufels Achselhöhle sein. Es ist möglich, dass Sie hierher kommen wegen dessen, was Sie sagen, und es ist genauso möglich, dass Sie hierher kommen, der Teufel weiß warum! Ich bin Whig genug, um still zu sitzen und all die Köpfe meiner Männer auf ihren Schultern behalten zu haben. Aber ich bin nicht Whig genug, um mich zum Narren halten zu lassen. Und ich sage Ihnen offen heraus, hier gibt es zu viel Advokatentür und Advokatenfenster für einen Mann, der einem Macgregor-Mädchen hinterherläuft. Das können Sie dem Advokaten, der Sie geschickt hat, mit meiner herzlichen Liebe ausrichten. Und ich küsse meine Handfläche für Sie, Mr. Balfour“, sagt sie und lässt die Geste der Tat folgen; „und eine gute Reise zurück dorthin, wo Sie hergekommen sind.“

„Wenn Sie mich für einen Spion halten“, brach es aus mir heraus, und die Rede blieb mir im Halse stecken. Ich stand da und sah die alte Dame eine Zeit lang mordlustig an, dann verneigte ich mich und wandte mich ab.

„Hier! Heda! Der Bursche ist nicht bei Sinnen!“, rief sie. „Denkt Ihr, ich halte Euch für einen Spion? Was sollte ich Euch sonst halten – ich, die nichts von Euch weiß? Aber ich sehe, dass ich im Unrecht war; und da ich nicht kämpfen kann, werde ich mich entschuldigen müssen. Eine schöne Figur würde ich mit einem Breitschwert abgeben. Ja! Ja!“, fuhr sie fort, „Sie sind gar kein so schlechter Bursche auf Ihre Weise; ich glaube, Sie werden einige erlösende Laster haben. Aber, O! Davit Balfour, Sie sind verdammt bäuerisch. Sie werden darüber hinwegkommen müssen, Junge; Sie werden Ihr Rückgrat geschmeidiger machen müssen und ein wenig weniger an Ihr empfindliches Selbst denken; und Sie werden versuchen müssen herauszufinden, dass Frauen keine Grenadiere sind. Aber das kann niemals sein. Bis zu Ihrem letzten Tag werden Sie nicht mehr von Frauen verstehen als ich vom Kastrieren von Säuen.“

Ich war nie an solche Ausdrücke aus dem Munde einer Dame gewöhnt gewesen, da die einzigen zwei Damen, die ich gekannt hatte, Mrs. Campbell und meine Mutter, sehr fromme und sehr korrekte Frauen waren; und ich nehme an, mein Erstaunen muss sich auf meinem Gesicht abgebildet haben, denn Mrs. Ogilvy brach plötzlich in ein Gelächter aus.

„Bewahre mich!“, rief sie, während sie mit ihrer Heiterkeit kämpfte, „Sie haben das feinstmögliche Gesicht – und Sie wollen die Tochter eines Hochland-Caterans heiraten! Davie, mein Lieber, ich glaube, wir müssen eine Partie daraus machen – wenn es nur wäre, um die Kinder zu sehen. Und nun“, fuhr sie fort, „hat es keinen Sinn, hier herumzutrödeln, denn die junge Frau ist nicht zu Hause, und ich fürchte, dass die alte Frau keine geeignete Begleiterin für den Sohn Ihres Vaters ist. Abgesehen davon habe ich niemanden außer mir selbst, der auf meinen Ruf achtet, und bin schon lange genug mit einem verführerischen Jüngling allein gewesen. Und kommen Sie ein anderes Mal für Ihre Sechspfennig wieder!“, rief sie mir nach, als ich ging.

Mein Scharmützel mit dieser verwirrenden Dame gab meinen Gedanken eine Kühnheit, die ihnen sonst gefehlt hätte. Zwei Tage lang hatte sich das Bild von Catriona in all meine Meditationen gemischt; sie bildete ihren Hintergrund, sodass ich kaum meine eigene Gesellschaft genoss, ohne einen Glanz von ihr in einem Winkel meines Geistes. Aber nun kam sie unmittelbar nahe; ich schien sie zu berühren, die ich nur das eine Mal berührt hatte; ich ließ mich in einer glücklichen Schwäche zu ihr hinströmen, und als ich mich umsah, nach vorne und nach hinten, sah ich die Welt wie eine unerwünschte Wüste, in der die Menschen wie Soldaten auf einem Marsch gehen, ihrer Pflicht mit der Beständigkeit folgen, die sie haben, und Catriona allein dort, um mir ein wenig Freude an meinen Tagen zu bieten. Ich wunderte mich über mich selbst, dass ich in jener Zeit meiner Gefahr und Schande über solche Erwägungen nachdenken konnte; und als ich mich an meine Jugend erinnerte, schämte ich mich. Ich hatte meine Studien zu vollenden: Ich musste in ein nützliches Geschäft gerufen werden; ich hatte noch meinen Teil des Dienstes an einem Ort zu leisten, wo alle dienen müssen; ich hatte noch zu lernen, zu wissen und mich als Mann zu beweisen; und ich hatte so viel Verstand, dass ich errötete, dass ich bereits mit diesen weiter entfernten und heiligeren Freuden und Pflichten in Versuchung geführt wurde. Meine Erziehung sprach scharf zu mir; ich war nie mit Zuckergebäck aufgezogen worden, sondern mit der harten Nahrung der Wahrheit. Ich wusste, dass derjenige völlig ungeeignet als Ehemann war, der nicht auch bereit war, ein Vater zu sein; und für einen Jungen wie mich, den Vater zu spielen, war eine bloße Verspottung.

Als ich mitten in diesen Gedanken war und etwa auf halbem Weg zurück in die Stadt, sah ich eine Gestalt auf mich zukommen, und die Unruhe meines Herzens wurde gesteigert. Es schien, als hätte ich alles auf der Welt zu ihr zu sagen, aber nichts, um anzufangen; und in der Erinnerung daran, wie sprachlos ich an jenem Morgen beim Advokaten gewesen war, war ich sicher, dass ich mich stumm vorfinden würde. Aber als sie näher kam, flogen meine Ängste davon; nicht einmal das Bewusstsein dessen, was ich privat gedacht hatte, brachte mich im Geringsten aus der Fassung; und ich fand, dass ich mit ihr so leicht und vernünftig sprechen konnte, wie ich es mit Alan getan hätte.

„O!“, rief sie, „Sie haben Ihre Sechspfennig gesucht; haben Sie sie bekommen?“

Ich sagte ihr nein; aber nun, da ich sie getroffen hatte, sei mein Spaziergang nicht umsonst gewesen. „Obwohl ich Sie heute schon gesehen habe“, sagte ich und erzählte ihr, wo und wann.

„Ich habe Sie nicht gesehen“, sagte sie. „Meine Augen sind groß, aber es gibt bessere als meine, um weit zu sehen. Nur habe ich Gesang im Haus gehört.“

„Das war Miss Grant“, sagte ich, „die Älteste und die Hübscheste.“

„Man sagt, sie seien alle wunderschön“, sagte sie.

„Sie denken dasselbe von Ihnen, Miss Drummond“, antwortete ich, „und drängten sich alle ans Fenster, um Sie zu beobachten.“

„Es ist ein Jammer, dass ich so blind bin“, sagte sie, „sonst hätte ich sie vielleicht auch gesehen. Und Sie waren im Haus? Sie müssen eine schöne Zeit gehabt haben, mit der schönen Musik und den hübschen Damen.“

„Gerade da irren Sie“, sagte ich; „denn ich war auf dem Berghang so ungeschickt wie ein Seefisch. Die Wahrheit ist, dass ich besser dazu geeignet bin, mit rauhen Männern umzugehen als mit hübschen Damen.“

„Nun, das würde ich jedenfalls auch denken!“, sagte sie, worauf wir beide lachten.

„Es ist eine seltsame Sache“, sagte ich. „Bei Ihnen habe ich nicht das geringste bisschen Angst, doch vor den Miss Grants hätte ich davonlaufen können. Und vor Ihrer Cousine hatte ich auch Angst.“

„O, ich glaube, jeder Mann hat Angst vor ihr“, rief sie. „Mein Vater hat selbst Angst vor ihr.“

Der Name ihres Vaters brachte mich zum Schweigen. Ich betrachtete sie, wie sie an meiner Seite ging; ich erinnerte mich an den Mann, an das Wenige, das ich wusste, und das viele, das ich von ihm vermutete; und wenn ich das eine mit dem anderen verglich, fühlte ich mich wie ein Verräter, wenn ich schwieg.

„Wo wir gerade davon sprechen“, sagte ich, „ich habe Ihren Vater erst heute Morgen getroffen.“

„Haben Sie das?“, rief sie mit einer Stimme voll Freude, die mich zu verspotten schien. „Sie haben James More gesehen? Sie werden dann wohl mit ihm gesprochen haben?“

„Das habe ich sogar“, sagte ich.

Dann glaube ich, nahmen die Dinge für mich den schlimmsten Verlauf, der nur menschenmöglich war. Sie warf mir einen Blick bloßer Dankbarkeit zu. „Ah, danke dafür!“, sagt sie.

„Sie danken mir für sehr wenig“, sagte ich und hielt inne. Doch da ich so viel zurückhielt, musste wohl zumindest etwas herauskommen. „Ich habe ziemlich schlecht mit ihm gesprochen“, sagte ich; „ich mochte ihn nicht sehr; ich habe schlecht von ihm geredet, und er war zornig.“

„Ich denke, das war kaum Ihre Aufgabe, und noch weniger, es seiner Tochter zu erzählen!“, rief sie aus. „Aber diejenigen, die ihn nicht lieben und ehren, will ich nicht kennen.“

„Ich nehme mir dennoch die Freiheit für ein Wort“, sagte ich und begann zu zittern. „Vielleicht sind weder Ihr Vater noch ich bei Prestongrange bester Laune. Ich wage zu sagen, wir beide haben dort beunruhigende Geschäfte, denn es ist ein gefährliches Haus. Er tat mir auch leid, und ich sprach ihn zuerst an, hätte ich doch nur klüger gesprochen. Und eines ist sicher, meiner Meinung nach werden Sie bald feststellen, dass sich seine Angelegenheiten bessern.“

„Das wird nicht durch Ihre Freundschaft geschehen, so denke ich“, sagte sie; „und er ist Ihnen für Ihr Mitleid sehr verbunden.“

„Miss Drummond“, rief ich, „ich bin allein auf dieser Welt.“

„Und darüber wundere ich mich nicht“, sagte sie.

„O, lassen Sie mich sprechen!“, sagte ich. „Ich werde nur dieses eine Mal sprechen und Sie dann, wenn Sie wollen, für immer verlassen. Ich kam an diesem Tag in der Hoffnung auf ein freundliches Wort, dessen ich schmerzlich bedarf. Ich weiß, dass das, was ich sagte, Sie verletzen musste, und das wusste ich auch damals. Es wäre leicht gewesen, sanft zu sprechen, leicht, Sie anzulügen; können Sie sich nicht denken, wie sehr ich dazu versucht war? Können Sie nicht die Wahrheit meines Herzens erstrahlen sehen?“

„Ich denke, das ist eine große Angelegenheit, Mr. Balfour“, sagte sie. „Ich denke, wir werden uns nur dieses eine Mal getroffen haben und können uns wie anständige Leute trennen.“

„O, lassen Sie mich jemanden haben, der an mich glaubt!“, flehte ich, „sonst kann ich es nicht ertragen. Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen. Wie soll ich mein schreckliches Schicksal bestehen? Wenn niemand an mich glaubt, kann ich es nicht. Der Mann muss einfach sterben, denn ich kann es nicht.“

Sie hatte immer noch geradeaus geblickt, den Kopf erhoben; aber bei meinen Worten oder dem Ton meiner Stimme hielt sie an. „Was ist das, was Sie da sagen?“, fragte sie. „Wovon sprechen Sie?“

„Es ist mein Zeugnis, das ein unschuldiges Leben retten kann“, sagte ich, „und sie lassen mich nicht zu Wort kommen. Was würden Sie selbst tun? Sie wissen, worum es hier geht, wessen Vater in Gefahr schwebt. Würden Sie die arme Seele im Stich lassen? Sie haben alles bei mir versucht. Sie haben versucht, mich zu bestechen; sie boten mir Berge und Täler an. Und heute hat mir dieser Bluthund gesagt, wie es um mich steht und wie weit er gehen würde, um mich abzuschlachten und zu beschimpfen. Ich soll als Teilnehmer am Mord angeklagt werden; ich soll Glenure für Geld und alte Kleider in ein Gespräch verwickelt haben; ich soll getötet und beschämt werden. Wenn dies der Weg ist, auf dem ich fallen soll, und ich bin kaum ein Mann – wenn das die Geschichte ist, die man sich in ganz Schottland über mich erzählt – wenn Sie das auch glauben sollen und mein Name nichts als ein Schimpfwort sein wird – Catriona, wie kann ich das durchstehen? Das ist nicht möglich; es ist mehr, als ein Mensch im Herzen tragen kann.“

Ich sprudelte meine Worte in einem Wirbel hervor, eines über das andere; und als ich aufhörte, sah ich, dass sie mich mit erschrockenem Gesicht anstarrte.

„Glenure! Es ist der Appin-Mord“, sagte sie leise, aber mit einer sehr tiefen Überraschung.

Ich war umgekehrt, um ihr Gesellschaft zu leisten, und wir waren nun nahe am Gipfel des Hügels über dem Dorf Dean angekommen. Bei diesem Wort trat ich vor sie, als wäre ich plötzlich von Sinnen.

„Um Gottes willen!“, rief ich, „um Gottes willen, was habe ich getan?“ und führte meine Fäuste an meine Schläfen. „Was hat mich dazu gebracht? Wahrlich, ich bin verhext, solche Dinge zu sagen!“

„Im Namen des Himmels, was fehlt Ihnen jetzt!“, rief sie.

„Ich habe mein Ehrenwort gegeben“, stöhnte ich, „ich habe mein Ehrenwort gegeben und nun habe ich es gebrochen. O, Catriona!“

„Ich frage Sie, was es ist“, sagte sie; „waren es diese Dinge, die Sie nicht hätten sagen sollen? Und glauben Sie etwa, ich hätte keine Ehre? Oder dass ich jemand wäre, der einen Freund verraten würde? Ich hebe meine rechte Hand vor Ihnen und schwöre es.“

„O, ich wusste, dass Sie aufrichtig sein würden!“, sagte ich. „Ich bin es – ich selbst. Ich, der ich heute Morgen noch vor ihnen stand und ihnen die Stirn bot, der ich eher riskierte, in Schande am Galgen zu sterben, als Unrecht zu tun – und ein paar Stunden später werfe ich meine Ehre am Straßenrand in einem gewöhnlichen Gespräch weg! ‚Eines ist nach unserem Gespräch klar‘, sagt er, ‚dass ich mich auf Ihr gegebenes Wort verlassen kann.‘ Wo ist mein Wort jetzt? Wer könnte mir jetzt noch glauben? Sie könnten mir nicht glauben. Ich bin tief gefallen; ich sollte am besten sterben!“ All dies sagte ich mit weinender Stimme, aber ich hatte keine Tränen in meinem Körper.

„Mein Herz ist schwer für Sie“, sagte sie, „aber seien Sie versichert, Sie sind zu pingelig. Ich würde Ihnen nicht glauben, sagen Sie? Ich würde Ihnen alles anvertrauen. Und diese Männer? Ich würde nicht an sie denken! Männer, die versuchen, Sie in Fallen zu locken und zu vernichten! Pfui! Das ist keine Zeit, um zu verzagen. Blicken Sie auf! Glauben Sie nicht, dass ich Sie wie einen großen Helden des Guten bewundern werde – und Sie ein Junge, kaum älter als ich selbst? Und weil Sie ein Wort zu viel im Ohr eines Freundes gesagt haben, der sterben würde, ehe er Sie verrät – daraus eine solche Sache zu machen! Das ist eine Sache, die wir beide vergessen müssen.“

„Catriona“, sagte ich und blickte sie zerknirscht an, „ist das wahr? Würden Sie mir immer noch vertrauen?“

„Wollen Sie den Tränen auf meinem Gesicht nicht glauben?“, rief sie. „Es ist die Welt, an die ich denke, Mr. David Balfour. Lassen Sie sie Sie hängen; ich werde es niemals vergessen, ich werde alt werden und mich immer noch an Sie erinnern. Ich denke, es ist großartig, so zu sterben: Ich werde Sie um diesen Galgen beneiden.“

„Und vielleicht bin ich die ganze Zeit nur ein Kind, das sich vor Gespenstern fürchtet“, sagte ich. „Vielleicht treiben sie nur ihren Spott mit mir.“

„Das ist es, was ich wissen muss“, sagte sie. „Ich muss alles hören. Der Schaden ist ohnehin angerichtet, und ich muss alles hören.“

Ich hatte mich an den Straßenrand gesetzt, wo sie neben mir Platz nahm, und ich erzählte ihr die ganze Angelegenheit, so wie ich sie aufgeschrieben habe, wobei nur meine Gedanken über die Machenschaften ihres Vaters ausgelassen wurden.

„Nun“, sagte sie, als ich geendet hatte, „Sie sind wahrlich ein Held, und das hätte ich nie gedacht! Und ich glaube, Sie sind auch in Gefahr. O, Simon Fraser! Wenn man an diesen Mann denkt! Um seines Lebens und des schmutzigen Geldes willen, solche Geschäfte zu treiben!“ Und gerade da rief sie laut mit einem seltsamen Wort, das ihr geläufig war und, wie ich glaube, zu ihrer eigenen Sprache gehört. „Meine Marter!“, sagt sie, „sieh dir die Sonne an!“

Tatsächlich neigte sie sich bereits den Bergen zu.

Sie hieß mich, bald wiederzukommen, gab mir ihre Hand und ließ mich in einem Wirbel froher Stimmung zurück. Ich zögerte, in meine Unterkunft zurückzukehren, denn ich hatte Angst vor einer sofortigen Verhaftung; aber ich aß in einem Wirtshaus zu Abend und wanderte den größten Teil der Nacht allein durch die Gerstenfelder und hatte ein solches Gefühl von Catrionas Anwesenheit, dass mir war, als trüge ich sie in meinen Armen.

KAPITEL VIII. DER BRAVO

Am nächsten Tag, dem 29. August, hielt ich meinen Termin beim Advokaten in einem Rock ein, den ich mir nach eigenem Maß hatte anfertigen lassen und der erst kurz zuvor fertig geworden war.

„Aha“, sagt Prestongrange, „Sie sind heute sehr fein herausgeputzt; meine Fräulein werden einen feinen Kavalier haben. Kommen Sie, das rechne ich Ihnen hoch an. Das rechne ich Ihnen hoch an, Mr. David. O, wir werden uns noch sehr gut verstehen, und ich glaube, Ihre Sorgen haben fast ein Ende.“

„Sie haben Neuigkeiten für mich?“, rief ich.

„Jenseits aller Erwartungen“, antwortete er. „Ihr Zeugnis soll nun doch entgegengenommen werden; und Sie können, wenn Sie wollen, in meiner Begleitung zum Prozess reisen, der am Donnerstag, den 21. des nächsten Monats, in Inverary stattfinden soll.“

Ich war zu verblüfft, um Worte zu finden.

„In der Zwischenzeit“, fuhr er fort, „obwohl ich Sie nicht bitten werde, Ihr Versprechen zu erneuern, muss ich Sie streng ermahnen, sich in Zurückhaltung zu üben. Morgen wird Ihre Voruntersuchung aufgenommen; und abgesehen davon, wissen Sie, glaube ich, dass das, was man am wenigsten sagt, am schnellsten heilt.“

„Ich werde versuchen, mich diskret zu verhalten“, sagte ich. „Ich glaube, Ihnen selbst habe ich dieses krönende Erbarmen zu verdanken, und ich danke Ihnen dankbar. Nach dem gestrigen Tag, mein Herr, ist dies wie das Öffnen der Himmelstore. Ich kann es in meinem Herzen kaum fassen, dass es wahr ist.“

„Ah, aber Sie müssen versuchen, es zu begreifen, Sie müssen versuchen, es zu begreifen“, sagt er beschwichtigend, „und ich freue mich sehr, Ihre Anerkennung der Verpflichtung zu hören, denn ich denke, Sie könnten mir schon sehr bald etwas zurückzahlen können“ – er hustete – „oder sogar jetzt schon. Die Angelegenheit hat sich sehr verändert. Ihr Zeugnis, um das ich Sie heute nicht bitten werde, wird zweifellos das Bild des Falles für alle Beteiligten verändern, und das macht es für mich weniger heikel, mit Ihnen auf ein Nebenthema einzugehen.“

„Mein Herr“, unterbrach ich ihn, „entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber wie ist das zustande gekommen? Die Hindernisse, von denen Sie mir am Samstag erzählten, schienen selbst mir völlig unüberwindbar; wie wurde das bewerkstelligt?“

„Mein lieber Mr. David“, sagte er, „es wäre nie im Sinne der Regierung, wenn ich (selbst Ihnen gegenüber, wie Sie sagen) die Beratungen preisgeben würde; und Sie müssen sich, wenn es Ihnen beliebt, mit der bloßen Tatsache begnügen.“

Er lächelte mich an wie ein Vater, während er sprach, und spielte dabei mit einer neuen Feder; mir schien es unmöglich, dass auch nur der geringste Schatten von Täuschung in diesem Mann liegen könnte: doch als er ein Blatt Papier zu sich heranzog, die Feder in die Tinte tauchte und wieder anfing, mich anzusprechen, war ich mir irgendwie nicht mehr so sicher und nahm instinktiv eine Haltung der Wachsamkeit ein.

„Es gibt einen Punkt, den ich ansprechen möchte“, begann er. „Ich habe ihn absichtlich zuvor beiseite gelassen, was nun nicht mehr nötig sein dürfte. Dies ist natürlich kein Teil Ihrer Befragung, die von anderer Hand folgen wird; dies ist ein privates Anliegen meinerseits. Sie sagen, Sie sind Alan Breck auf dem Hügel begegnet?“

„Das bin ich, mein Herr“, sagte ich.

„Das war unmittelbar nach dem Mord?“

„Das war es.“

„Haben Sie mit ihm gesprochen?“

„Das habe ich.“

„Sie hatten ihn schon früher gekannt, glaube ich?“, sagt mein Herr beiläufig.

„Ich kann nicht erraten, aus welchem Grund Sie das denken, mein Herr“, antwortete ich, „aber so ist es in der Tat.“

„Und wann haben Sie sich wieder von ihm getrennt?“, sagte er.

„Ich behalte mir meine Antwort vor“, sagte ich. „Die Frage wird mir bei der Assise gestellt werden.“

„Mr. Balfour“, sagte er, „wollen Sie nicht verstehen, dass all dies ohne Nachteil für Sie selbst ist? Ich habe Ihnen Leben und Ehre versprochen; und glauben Sie mir, ich kann mein Wort halten. Sie sind daher aller Sorgen ledig. Alan, so scheint es, glauben Sie, schützen zu können; und Sie sprechen zu mir von Ihrer Dankbarkeit, die ich (wenn Sie mich drängen) für durchaus verdient halte. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Überlegungen, die alle in dieselbe Richtung weisen; und ich werde mich niemals davon überzeugen lassen, dass Sie uns nicht helfen könnten (wenn Sie wollten), Alan das Handwerk zu legen.“

„Mein Herr“, sagte ich, „ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich nicht einmal ahne, wo Alan ist.“

Er hielt einen Atemzug lang inne. „Auch nicht, wie er gefunden werden könnte?“, fragte er.

Ich saß vor ihm wie ein Holzklotz.

„So viel also zu Ihrer Dankbarkeit, Mr. David!“, bemerkte er. Wieder gab es ein Stück Stille. „Nun“, sagte er aufstehend, „ich habe kein Glück, und wir reden aneinander vorbei. Lassen Sie uns nicht mehr darüber sprechen; Sie werden benachrichtigt werden, wann, wo und von wem wir Ihre Voruntersuchung aufnehmen werden. Und in der Zwischenzeit müssen meine Fräulein auf Sie warten. Sie werden mir niemals verzeihen, wenn ich ihren Kavalier aufhalte.“

In die Hände dieser Grazien wurde ich dementsprechend übergeben und fand sie feiner gekleidet, als ich es für möglich gehalten hätte, und sie sahen schön wie ein Blumenstrauß aus.

Als wir aus den Türen traten, ereignete sich ein kleiner Umstand, der sich im Nachhinein als äußerst bedeutsam erwies. Ich hörte eine Pfeife laut und kurz wie ein Signal ertönen, und als ich mich umsah, erblickte ich für einen Augenblick den roten Kopf von Neil of the Tom, dem Sohn von Duncan. Im nächsten Augenblick war er wieder verschwunden, noch konnte ich auch nur den Rocksaum von Catriona sehen, von der ich natürlicherweise angenommen hatte, dass er sie begleitete.

Meine drei Aufseher führten mich durch Bristo und die Bruntsfield Links; von wo aus uns ein Pfad zum Hope Park führte, einer wunderschönen Anlage, angelegt mit Kieswegen, ausgestattet mit Sitzbänken und Gartenhäuschen und bewacht von einem Wärter. Der Weg dorthin war ein wenig lang; die beiden jüngeren Fräulein legten eine Miene vornehmer Müdigkeit an den Tag, die mich grausam niederschlug, die Älteste betrachtete mich mit etwas, das zuweilen wie Heiterkeit erschien; und obwohl ich dachte, ich würde mir mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen als am Tag zuvor, war es nicht ohne Anstrengung. Als wir den Park erreichten, wurde ich in eine Schar von acht oder zehn jungen Herren entlassen (einige von ihnen kokadierte Offiziere, die anderen hauptsächlich Advokaten), die sich drängten, um diese Schönheiten zu bedienen; und obwohl ich ihnen allen mit sehr schönen Worten vorgestellt wurde, schien ich von allen sogleich vergessen zu sein. Junge Leute in einer Gesellschaft sind wie wilde Tiere: Sie fallen über einen Fremden her oder verachten ihn ohne Höflichkeit oder, darf ich sagen, Menschlichkeit; und ich bin sicher, wenn ich unter Pavianen gewesen wäre, hätten sie mir ebenso viel von beidem gezeigt. Einige der Advokaten spielten sich als Witzbolde auf, und einige der Soldaten als Schwätzer; und ich konnte nicht sagen, welche dieser Extreme mich am meisten ärgerte. Alle hatten eine Art, mit ihren Degen und Rockschößen umzugehen, wofür ich sie (aus reinem schwarzen Neid) hätte aus dem Park treten können. Ich wage zu sagen, dass sie mir auf ihrer Seite die feine Gesellschaft, in der ich angekommen war, äußerst missgönnten; und alles in allem war ich bald zurückgefallen und schritt steif hinter all dieser Fröhlichkeit mit meinen eigenen Gedanken her.

Aus diesen wurde ich von einem der Offiziere, Lieutenant Hector Duncansby, einem tölpelhaften, grinsenden Highland-Jungen, zurückgerufen, der fragte, ob mein Name nicht „Palfour“ sei.

Ich sagte ihm, dass er es sei, nicht sehr freundlich, denn seine Art war wenig zivil.

„Ha, Palfour“, sagt er, und dann, es wiederholend, „Palfour, Palfour!“

„Ich fürchte, mein Name gefällt Ihnen nicht, mein Herr“, sage ich, geärgert über mich selbst, mich über einen solch bäuerlichen Kerl zu ärgern.

„Nein“, sagt er, „aber ich war am Nachdenken.“

„Ich würde Ihnen nicht raten, sich das zur Gewohnheit zu machen, mein Herr“, sage ich. „Ich bin mir sicher, Sie würden feststellen, dass es Ihnen nicht bekommt.“

„Habt Ihr jemals gehört, wo Alan Grigor die Zange fand?“, sagte er.

Ich fragte ihn, was er damit meinen könnte, und er antwortete mit einem hämischen Lachen, dass er denke, ich müsse den Schürhaken an derselben Stelle gefunden und verschluckt haben.

Daran konnte es keinen Zweifel geben, und meine Wange brannte.

„Bevor ich anfangen würde, Gentlemen zu beleidigen“, sagte ich, „würde ich erst einmal die englische Sprache lernen.“

Er nahm mich mit einem Nicken und Zwinkern am Ärmel und führte mich leise aus dem Hope Park hinaus. Doch kaum waren wir außerhalb des Blickfeldes der Spaziergänger, änderte sich die Art seines Gesichts. „Du verdammter schottischer Halunke!“, ruft er und versetzte mir mit der geballten Faust einen Schlag auf den Kiefer.

Ich zahlte es ihm ebenso gut oder besser heim; woraufhin er ein wenig zurücktrat und höflich seinen Hut vor mir abnahm.

„Genug der Schläge, denke ich“, sagt er. „Ich werde der beleidigte Gentleman sein, denn wer hat je von einer solchen Anmaßung gehört, einem Gentleman, der ein Offizier des Königs ist, zu sagen, er könne kein göttliches Englisch sprechen? Wir haben Degen an unseren Seiten, und hier ist der King’s Park in der Nähe. Wollen Sie vorangehen oder soll ich Ihnen den Weg zeigen?“

Ich erwiderte seine Verbeugung, sagte ihm, er solle vorangehen, und folgte ihm. Während er ging, hörte ich ihn über das göttliche Englisch und den *Rock des Königs* vor sich hin brummen, sodass ich ihn für ernsthaft beleidigt hätte halten können. Aber seine Art zu Beginn unseres Gesprächs war dazu da, ihn Lügen zu strafen. Es war offensichtlich, dass er gekommen war, um mir auf Biegen und Brechen einen Streit anzuhängen; offensichtlich, dass ich in eine neue Machenschaft meiner Feinde geraten war; und für mich (bewusst meiner Unzulänglichkeiten) offensichtlich genug, dass ich derjenige sein würde, der in unserer Begegnung fallen würde.

Als wir in diese raue, felsige Einöde des King’s Park kamen, war ich ein halbes Dutzend Mal versucht, die Beine in die Hand zu nehmen und davonzulaufen, so sehr war ich abgeneigt, meine Unkenntnis im Fechten zu zeigen, und so sehr abgeneigt zu sterben oder auch nur verwundet zu werden. Aber ich bedachte, wenn ihre Bosheit so weit ginge, würde sie wahrscheinlich vor nichts zurückschrecken; und dass es immer noch eine Verbesserung gegenüber dem Galgen war, durch das Schwert zu fallen, wie ungeschickt auch immer. Ich bedachte außerdem, dass ich mich durch die unbedachte Frechheit meiner Worte und die Schnelligkeit meines Schlages selbst völlig ins Unrecht gesetzt hatte; und dass mein Gegner, selbst wenn ich liefe, mich wahrscheinlich verfolgen und erwischen würde, was mein Unglück noch um Schande vermehren würde. So fuhr ich alles in allem fort, hinter ihm herzumarschieren, fast wie ein Mann dem Henker folgt, und sicherlich ohne mehr Hoffnung.

Wir umrundeten das Ende der langen Klippen und kamen in das Hunter’s Bog. Hier, auf einem Stück gutem Rasen, zog mein Gegner den Degen. Niemand war da, um uns zu sehen, außer ein paar Vögeln; und für mich gab es keinen anderen Ausweg, als seinem Beispiel zu folgen und mit dem besten Gesicht, das ich aufsetzen konnte, Wache zu stehen. Es scheint, es war nicht gut genug für Mr. Duncansby, der einen Fehler in meinen Manövern entdeckte, innehielt, mich scharf ansah, auf und ab ging und mich mit seiner Klinge in der Luft bedrohte. Da ich von Alan keine solchen Vorgehensweisen gesehen hatte und zudem durch die Nähe des Todes ziemlich mitgenommen war, geriet ich völlig durcheinander, stand hilflos da und hätte mir gewünscht, wegzulaufen.

„Welcher Teufel reitet sie?“, ruft der Leutnant.

Und plötzlich angriffslustig, entwischte er mir den Degen aus dem Griff und ließ ihn weit in das Schilf fliegen.

Zweimal wurde dieses Manöver wiederholt; und als ich beim dritten Mal meine gedemütigte Waffe zurückbrachte, fand ich, dass er seine eigene bereits in die Scheide zurückgesteckt hatte. Er stand da und erwartete mich mit einem Gesichtsausdruck von einigem Zorn und den Händen unter seinem Rock verschränkt.

„Zum Teufel, wenn ich Euch noch einmal anrühre!“, rief er und fragte mich bitter, welches Recht ich hätte, mich vor „shentlemans“ hinzustellen, wenn ich das hintere Ende eines Schwertes nicht von seinem vorderen unterscheiden könne.

Ich antwortete, das sei die Schuld meiner Erziehung; und ob er mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen würde zu sagen, dass ich ihm alle Genugtuung gegeben hätte, die in meiner unglücklichen Macht gestanden habe, und dass ich wie ein Mann dabeigestanden hätte?

„Und das ist die Wahrheit“, sagte er. „Ich bin selbst sehr tapfer und mutig wie ein Löwe. Aber dort dazustehen – und Ihr versteht nichts vom Fechten! – auf die Art, wie Ihr es getan habt, ich erkläre, das ging über meinen Verstand. Und der Schlag tut mir leid; obwohl ich glaube, Eurer war der ältere Bruder, und mein Kopf singt immer noch davon. Und ich erkläre, wenn ich gewusst hätte, was für eine Art Sache das ist, hätte ich nicht die Hand an ein solches Stück Geschäft gelegt.“

„Das ist anständig gesagt“, antwortete ich, „und ich bin sicher, Ihr werdet nicht ein zweites Mal dastehen, um der Handlanger meiner persönlichen Feinde zu sein.“

„Wahrlich nicht, Palfour“, sagte er; „und ich denke, ich bin selbst außerordentlich suffeeciently benutzt worden, um dazu aufgestellt zu werden, mit einer alten Frau zu fechten, oder alles das Gleiche wie ein Kind whateffer! Und ich werde es dem Master so sagen und ihn, bei Gott, selbst herausfordern!“

„Und wenn Ihr die Art von Mr. Simons Streit mit mir kennen würdet“, sagte ich, „würdet Ihr noch mehr beleidigt sein, in solche Angelegenheiten verwickelt zu werden.“

Er schwor, das könne er wohl glauben; dass alle Lovats aus demselben Mehl gebacken seien und der Teufel der Müller sei, der es mahle; dann schüttelte er mir plötzlich die Hand, schwor, ich sei nach alledem ein recht hübscher Bursche, es sei ein Jammer, dass ich vernachlässigt worden sei, und wenn er die Zeit finden könne, würde er selbst ein Auge darauf haben, mich bilden zu lassen.

„Ihr könnt mir einen besseren Dienst erweisen, als das, was Ihr vorschlagt“, sagte ich; und als er mich nach dessen Art fragte: „Kommt mit mir zum Haus eines meiner Feinde und bezeugt, wie ich mich heute benommen habe“, sagte ich ihm. „Das wird der wahre Dienst sein. Denn obwohl er mir für das erste einen galanten Gegner geschickt hat, ist der Gedanke in Mr. Simons Kopf lediglich Mord. Es wird ein zweites und dann ein drittes Mal geben; und nach dem, was Ihr von meiner Geschicklichkeit mit dem kalten Stahl gesehen habt, könnt Ihr selbst beurteilen, wie das Ergebnis aussehen dürfte.“

„Und ich würde es selbst nicht mögen, wenn ich nicht mehr Mann wäre als das, was Ihr wart!“, rief er. „Aber ich werde Euch Recht widerfahren lassen, Palfour. Geht voran!“

Wenn ich auf dem Weg in diesen verfluchten Park langsam gegangen war, so waren meine Fersen auf dem Rückweg leicht genug. Sie hielten den Takt zu einer sehr guten alten Weise, die so alt ist wie die Bibel, und deren Worte lauten: „Wahrlich, die Bitterkeit des Todes ist vorüber.“ Ich erinnere mich, dass ich außerordentlich durstig war und auf dem Weg hinunter einen Trunk am Brunnen der heiligen Margareta nahm, und die Süße dieses Wassers war unglaublich. Wir gingen durch das Sanktuarium, die Canongate hinauf, durch den Netherbow herein und direkt zur Tür von Prestongrange, wobei wir unterwegs sprachen und die Einzelheiten unserer Angelegenheit regelten. Der Diener gab zu, dass sein Herr zu Hause sei, erklärte aber, er sei mit anderen Herren in sehr privaten Geschäften beschäftigt, und sein Zimmer sei verboten.

„Mein Geschäft dauert nur drei Minuten, und es kann nicht warten“, sagte ich. „Ihr könnt sagen, es sei keineswegs privat, und ich wäre sogar froh, einige Zeugen zu haben.“

Als der Mann mehr als unwillig auf diesen Auftrag hin wegging, nahmen wir uns die Freiheit, ihm bis zum Vorzimmer zu folgen, von wo aus ich eine Weile das Gemurmel mehrerer Stimmen im inneren Raum hören konnte. Die Wahrheit ist, sie waren zu dritt an einem Tisch – Prestongrange, Simon Fraser und Mr. Erskine, Sheriff von Perth; und da sie sich in Beratung über die Angelegenheit des Appin-Mordes trafen, waren sie durch mein Erscheinen ein wenig beunruhigt, beschlossen aber, mich zu empfangen.

„Nun, nun, Mr. Balfour, und was bringt Euch wieder hierher? Und wen bringt Ihr da mit Euch?“, sagt Prestongrange.

Was Fraser betrifft, so sah er vor sich auf den Tisch.

„Er ist hier, um ein wenig Zeugnis zu meinen Gunsten abzulegen, mein Herr, was ich für sehr notwendig halte, dass Ihr es hört“, sagte ich und wandte mich an Duncansby.

„Ich habe nur dies zu sagen“, sagte der Leutnant, „dass ich heute mit Palfour im Hunter’s Pog stand, was mir jetzt sehr leidtut, und er hat sich so hübsch benommen, wie ein Gentleman es verlangen könnte. Und ich habe große Achtung vor Palfour“, fügte er hinzu.

„Ich danke Euch für Eure ehrlichen Äußerungen“, sagte ich.

Woraufhin Duncansby der Gesellschaft seine Verbeugung machte und das Zimmer verließ, wie wir es vorher vereinbart hatten.

„Was habe ich damit zu tun?“, sagt Prestongrange.

„Ich werde es Eurer Lordschaft mit zwei Worten sagen“, sagte ich. „Ich habe diesen Gentleman, einen Offizier des Königs, mitgebracht, um mir so viel Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Nun glaube ich, mein Charakter ist reingewaschen, und bis zu einem bestimmten Datum, das Eure Lordschaft sehr wohl angeben kann, wird es ganz umsonst sein, noch mehr Offiziere gegen mich auszusenden. Ich werde nicht zustimmen, mich durch die Garnison des Schlosses zu kämpfen.“

Die Adern schwollen an Prestongranges Stirn, und er betrachtete mich mit Wut.

„Ich glaube, der Teufel hat diesen Hund von einem Burschen zwischen meinen Beinen losgelassen!“, rief er; und dann, sich heftig an seinen Nachbarn wendend: „Das ist ein Teil Eurer Arbeit, Simon“, sagte er. „Ich spioniere Eure Hand in der Sache aus, und lasst mich Euch sagen, ich nehme es übel. Es ist illoyal, wenn wir uns über ein Mittel einig sind, ein anderes im Dunkeln zu verfolgen. Ihr seid illoyal gegen mich. Was! Ihr lasst mich diesen Burschen mit meinen eigenen Töchtern an den Ort schicken! Und weil ich Euch ein Wort fallen ließ... Pfui, mein Herr, behaltet Eure Ehrlosigkeiten für Euch!“

Simon war totenblass. „Ich werde kein Spielball zwischen Euch und dem Herzog mehr sein“, rief er aus. „Kommt entweder zu einer Einigung oder kommt zu einer Differenz und tragt es unter Euch aus. Aber ich werde nicht länger holen und tragen und Eure gegensätzlichen Anweisungen entgegennehmen und von beiden beschuldigt werden. Denn wenn ich Euch sagen würde, was ich von all Eurer Hannover-Sache halte, würde es Euren Kopf zum Singen bringen.“

Aber Sheriff Erskine hatte die Beherrschung bewahrt und griff nun sanft ein. „Und in der Zwischenzeit“, sagt er, „denke ich, wir sollten Mr. Balfour sagen, dass sein Ruf für Tapferkeit völlig feststeht. Er mag in Frieden schlafen. Bis zu dem Datum, auf das er so freundlich war hinzuweisen, wird er nicht mehr auf die Probe gestellt werden.“

Seine Kühle brachte die anderen zur Besonnenheit; und sie beeilten sich mit einer etwas zerstreuten Höflichkeit, mich aus dem Haus zu befördern.

KAPITEL IX. DAS HEIDEKRAUT IN FLAMMEN

Als ich Prestongrange an jenem Nachmittag verließ, war ich zum ersten Mal wütend. Der Advokat hatte mich zum Narren gehalten. Er hatte so getan, als ob mein Zeugnis angenommen und ich respektiert würde; und genau in dieser Stunde übte Simon nicht nur durch die Hände des Highland-Soldaten gegen mein Leben, sondern (wie aus seiner eigenen Sprache hervorging) Prestongrange selbst hatte irgendeinen Plan in Arbeit. Ich zählte meine Feinde; Prestongrange mit der ganzen Autorität des Königs hinter sich; und den Herzog mit der Macht der West Highlands; und den Lovat-Interessen an ihrer Seite, um ihnen mit einer so großen Streitmacht im Norden zu helfen, und den ganzen Clan der alten jakobitischen Spione und Händler. Und als ich mich an James More und den roten Kopf von Neil, dem Sohn von Duncan, erinnerte, dachte ich, es gäbe vielleicht einen vierten in der Konföderation, und was von Rob Roys alten verzweifelten Räuberbanden übrig geblieben war, würde sich mit den anderen gegen mich verbünden. Eine Sache war erforderlich – ein starker Freund oder ein weiser Ratgeber. Das Land musste voll von solchen sein, sowohl fähig als auch begierig, mich zu unterstützen, sonst hätten Lovat und der Herzog und Prestongrange nicht nach Auswegen gesucht; und es machte mich wütend zu denken, dass ich auf der Straße an meinen Verfechtern vorbeistreifen könnte und nicht klüger wäre.

Und genau in diesem Moment (wie eine Antwort) streifte mich ein Gentleman, der vorbeiging, warf mir einen bedeutungsvollen Blick zu und bog in eine Gasse ein. Ich erkannte ihn aus dem Augenwinkel – es war Stewart der Schreiber; und, mein Glück segnend, bog ich ein, um ihm zu folgen. Sobald ich die Gasse betreten hatte, sah ich ihn am Eingang einer Treppe stehen, wo er mir ein Signal gab und sofort verschwand. Sieben Stockwerke höher war er wieder da, in einer Haustür, hinter die er blickte, nachdem wir eingetreten waren. Das Haus war völlig leergeräumt, ohne ein Stück Möbel; tatsächlich war es eines, dessen Vermietung Stewart in seinen Händen hatte.

„Wir werden uns auf den Boden setzen müssen“, sagte er; „aber wir sind hier vorerst sicher, und ich habe mich schon danach gesehnt, Euch zu sehen, Mr. Balfour.“

„Wie steht es mit Alan?“, fragte ich.

„Gut“, sagte er. „Andie holt ihn morgen, Mittwoch, am Sandstrand von Gillane ab. Er war erpicht darauf, sich von Euch zu verabschieden, aber so wie die Dinge liefen, fürchtete ich, es wäre vielleicht am besten, wenn Ihr zwei getrennt wärt. Und das bringt mich zum Wesentlichen: Wie geht Euer Geschäft voran?“

„Nun“, sagte ich, „mir wurde erst heute Morgen gesagt, dass mein Zeugnis akzeptiert sei und ich mit dem Advokaten höchstpersönlich nach Inverary reisen sollte.“

„Hout awa!“, rief Stewart. „Das werde ich nie glauben.“

„Ich habe vielleicht meinen eigenen Verdacht“, sage ich, „aber ich würde gerne Eure Gründe hören.“

„Nun, ich sage Euch offen, ich bin stinksauer“, ruft Stewart. „Wenn meine eine Hand ihre Regierung stürzen könnte, würde ich sie wie einen faulen Apfel pflücken. Ich bin der Bevollmächtigte für Appin und für James of the Glens; und natürlich ist es meine Pflicht, meinen Verwandten bei seinem Leben zu verteidigen. Hört, wie es bei mir läuft, und ich überlasse das Urteil Euch selbst. Das Erste, was sie tun müssen, ist, Alan loszuwerden. Sie können James nicht als Täter und Beteiligten vorbringen, bis sie nicht zuerst Alan als Haupttäter vorgebracht haben; das ist solides Recht: Sie könnten niemals den Karren vor das Pferd spannen.“

„Und wie wollen sie Alan vorbringen, bis sie ihn fangen können?“, sage ich.

„Ah, aber es gibt einen Weg, diese Verhaftung zu vermeiden“, sagte er. „Auch solides Recht. Es wäre eine schöne Sache, wenn durch die Flucht eines Missetäters ein anderer ungeschoren davonkäme, und das Rechtsmittel ist es, den Haupttäter vorzuladen und ihn wegen Nicht-Erscheinens für vogelfrei zu erklären. Nun gibt es vier Orte, an denen eine Person vorgeladen werden kann: an ihrem Wohnhaus; an einem Ort, an dem sie vierzig Tage lang gewohnt hat; in der Hauptstadt des Bezirks, in dem sie sich gewöhnlich aufhält; oder zuletzt (wenn Grund zu der Annahme besteht, dass sie sich außerhalb Schottlands befindet) am Kreuz von Edinburgh und am Pier und Ufer von Leith, für sechzig Tage. Der Zweck dieser letzten Bestimmung liegt auf der Hand: damit ausgehende Schiffe Zeit haben, Nachrichten von dem Vorgang zu überbringen, und die Vorladung etwas anderes ist als eine bloße Formalität. Nun nehmt den Fall von Alan. Er hat kein Wohnhaus, von dem ich je gehört hätte; ich wäre verpflichtet, wenn mir jemand zeigen könnte, wo er seit dem Jahr '45 vierzig Tage lang zusammen gelebt hat; es gibt keinen Bezirk, in dem er sich aufhält, sei es gewöhnlich oder außerordentlich; wenn er überhaupt einen Wohnsitz hat, was ich bezweifle, muss es bei seinem Regiment in Frankreich sein; und wenn er noch nicht außerhalb Schottlands ist (wie wir zufällig wissen und sie zufällig vermuten), muss es für den Stumpfsinnigsten offensichtlich sein, dass er darauf abzielt. Wo also und auf welche Weise sollte er vorgeladen werden? Ich frage es Euch selbst, einen Laien.“

„Ihr habt genau die Worte gegeben“, sagte ich. „Hier am Kreuz, und am Pier und Ufer von Leith, für sechzig Tage.“

„Dann seid Ihr ein besserer schottischer Anwalt als Prestongrange!“, ruft der Schreiber. „Er hat Alan einmal vorladen lassen; das war am fünfundzwanzigsten, dem Tag, an dem wir uns zum ersten Mal trafen. Einmal, und damit hat es sich. Und wo? Wo anders als am Kreuz von Inverary, der Hauptstadt der Campbells? Ein Wort unter uns, Mr. Balfour – sie suchen Alan nicht.“

„Was meint Ihr?“, rief ich. „Nicht suchen?“

„Nach dem Besten, was ich daraus machen kann“, sagte er. „Meiner armen Meinung nach wollen sie ihn nicht finden. Sie denken vielleicht, er könnte eine faire Verteidigung aufbauen, hinter der James, der Mann, hinter dem sie eigentlich her sind, herausklettern könnte. Das ist kein Fall, seht Ihr, das ist eine Verschwörung.“

„Dennoch kann ich Euch sagen, dass Prestongrange eifrig nach Alan fragte“, sagte ich; „obwohl, wenn ich darüber nachdenke, er sich ziemlich leicht abwimmeln ließ.“

„Seht Ihr!“, sagt er. „Aber da! Ich mag recht oder unrecht haben, das ist bestenfalls Raterei, und lasst mich wieder zu meinen Fakten kommen. Mir kommt zu Ohren, dass James und die Zeugen – die Zeugen, Mr. Balfour! – in engen Kerkern liegen und dazu noch gefesselt sind, im Militärgefängnis in Fort William; niemand darf zu ihnen, noch dürfen sie schreiben. Die Zeugen, Mr. Balfour; habt Ihr je das Gleiche gehört? Ich versichere Euch, kein alter, krummer Stewart der Bande hat das Gesetz jemals unverschämter verhöhnt. Es steht klar in den beiden Augen des Parlamentsgesetzes von 1700 bezüglich ungerechtfertigter Inhaftierung. Kaum hatte ich die Nachricht, da petitionierte ich den Lord Justice Clerk. Ich habe heute sein Wort. Da habt Ihr Recht! Hier ist Gerechtigkeit!“

Er legte ein Papier in meine Hand, dasselbe breiige, falschgesichtige Papier, das später in der Broschüre „von einem Umstehenden“ gedruckt wurde, zugunsten (wie der Titel sagt) von James’ „armer Witwe und fünf Kindern“.

„Seht“, sagte Stewart, „er konnte es nicht wagen, mir den Zugang zu meinem Klienten zu verweigern, also empfiehlt er dem kommandierenden Offizier, mich hineinzulassen. Empfiehlt! – der Lord Justice Clerk von Schottland empfiehlt. Ist der Zweck einer solchen Sprache nicht offensichtlich? Sie hoffen, der Offizier könnte so stumpfsinnig oder so sehr das Gegenteil sein, die Empfehlung abzulehnen. Ich müsste den Weg zwischen hier und Fort William noch einmal zurücklegen. Dann würde eine neue Verzögerung folgen, bis ich eine neue Autorität erhielte, und sie hätten den Offizier desavouiert – Militär, berüchtigt unwissend im Gesetz und so weiter – ich kenne den Cant davon. Dann der Weg ein drittes Mal; und da wären wir unmittelbar vor dem Prozess, bevor ich meine erste Anweisung erhalten hätte. Habe ich nicht recht, dies eine Verschwörung zu nennen?“

„Es wird diese Farbe tragen“, sagte ich.

„Und ich werde Euch beweisen, dass es eine ist“, sagte er. „Sie haben das Recht, James im Gefängnis zu halten, doch sie können mir nicht verwehren, ihn zu besuchen. Sie haben kein Recht, die Zeugen zu halten; aber soll ich einen Blick auf sie werfen dürfen, die so frei sein sollten wie der Lord Justice Clerk selbst! Seht – lest: Was den Rest betrifft, verweigert er jegliche Anordnung an Gefängniswärter, die nicht beschuldigt werden, etwas entgegen den Pflichten ihres Amtes getan zu haben. Etwas entgegen! Herrgott! Und das Gesetz von siebzehnhundert? Mr. Balfour, das lässt mein Herz zerspringen; das Heidekraut brennt in meinem Bauch.“

„Und das klare Englisch dieser Phrase“, sagte ich, „ist, dass die Zeugen weiterhin im Gefängnis liegen sollen und Ihr sie nicht sehen dürft?“

„Und ich soll sie nicht sehen bis Inverary, wenn das Gericht sitzt!“, ruft er, „und dann Prestongrange über die ängstlichen Verantwortlichkeiten seines Amtes und die großen Erleichterungen für die Verteidigung hören! Aber ich werde sie dort zum Narren halten, Mr. David. Ich habe einen Plan, die Zeugen auf der Straße abzufangen und zu sehen, ob ich nicht ein wenig Gerechtigkeit von dem Militärkerl bekommen kann, der berüchtigt unwissend im Gesetz ist, der den Trupp befehligt.“

Es war tatsächlich so – es war tatsächlich am Wegesrand bei Tynedrum, und durch die Duldung eines Militäroffiziers, dass Mr. Stewart die Zeugen in dem Fall zum ersten Mal sah.

„Es gibt nichts, was mich in dieser Angelegenheit überraschen würde“, bemerkte ich.

„Ich werde Euch überraschen, ehe ich fertig bin!“, ruft er. „Seht Ihr das?“ – er produzierte einen Druck, der noch feucht von der Presse war. „Das ist die Anklageschrift: Seht, da ist Prestongranges Name auf der Zeugenliste, und ich finde kein Wort von irgendeinem Balfour. Aber hier ist nicht die Frage. Wer, glaubt Ihr, hat für den Druck dieses Papiers bezahlt?“

„Ich nehme an, das wäre wahrscheinlich König Georg gewesen“, sagte ich.

„Aber es passiert, dass ich es war!“, rief er. „Nicht, dass es nicht von und für sie selbst gedruckt wurde, für die Grants und die Erskines und jenen Dieb der schwarzen Mitternacht, Simon Fraser. Aber konnte ich eine Kopie gewinnen! Nein! Ich sollte blindlings in meine Verteidigung gehen; ich sollte die Anklagen zum ersten Mal vor Gericht zusammen mit der Jury hören.“

„Ist das nicht gegen das Gesetz?“, fragte ich.

„Ich kann nicht so viel sagen“, antwortete er. „Es war eine Gefälligkeit, die so natürlich und so beständig erwiesen wurde (bis zu dieser einmaligen Angelegenheit), dass das Gesetz nie darauf geachtet hat. Und nun bewundert die Hand der Vorsehung! Ein Fremder ist in Flemings Druckerei, erspäht einen Probeabzug auf dem Boden, hebt ihn auf und bringt ihn mir. Von allen Dingen war es genau diese Anklageschrift. Woraufhin ich sie neu setzen ließ – gedruckt auf Kosten der Verteidigung: sumptibus moesti rei; hat je ein Mensch Derartiges gehört? – und hier ist sie für jeden, das große Geheimnis ist raus – alle können es jetzt sehen. Aber wie glaubt Ihr, würde ich das genießen, der das Leben meines Verwandten auf dem Gewissen hat?“

„Wahrlich, ich glaube, Ihr würdet es schlecht genießen“, sagte ich.

„Und nun seht Ihr, wie es ist“, schloss er, „und warum ich, wenn Ihr mir sagt, dass Eure Aussage zugelassen werden soll, laut in Euer Gesicht lache.“

Nun war ich an der Reihe. Ich legte ihm kurz Mr. Simons Drohungen und Angebote dar und den ganzen Vorfall mit dem Bravo, mit der anschließenden Szene bei Prestongrange. Von meinem ersten Gespräch sagte ich, dem Versprechen gemäß, nichts, noch war es nötig. Die ganze Zeit, während ich sprach, nickte Stewart mit dem Kopf wie eine mechanische Figur; und kaum war meine Stimme verstummt, öffnete er den Mund und gab mir seine Meinung in zwei Wörtern, wobei er auf beiden stark betonte.

„Verschwindet“, sagte er.

„Ich verstehe Euch nicht“, sagte ich.

„Dann werde ich Euch dorthin bringen“, sagte er. „Nach meiner Ansicht werdet Ihr sowieso verschwinden. Oh, das steht außerhalb jeder Debatte. Der Advokat, der nicht ohne einige Funken von verbleibendem Anstand ist, hat Eure Lebensversicherung aus Simon und dem Herzog herausgeholt. Er hat sich geweigert, Euch vor Gericht zu stellen, und sich geweigert, Euch töten zu lassen; und da ist der Schlüssel zu ihren bösen Worten untereinander, denn Simon und der Herzog können weder Freund noch Feind die Treue halten. Ihr sollt also nicht vor Gericht gestellt werden, und Ihr sollt nicht ermordet werden; aber ich irre mich bitter, wenn Ihr nicht entführt und weggeschleppt werdet wie Lady Grange. Wettet was Ihr wollt – das war ihr Ausweg!“

„Ihr bringt mich zum Nachdenken“, sagte ich und erzählte ihm von dem Pfiff und dem rothaarigen Handlanger, Neil.

„Wo immer James More ist, da ist ein großer Schurke, lasst Euch niemals täuschen“, sagte er. „Sein Vater war kein so schlechter Mann, wenn auch ein wenig auf der falschen Seite des Gesetzes und kein Freund meiner Familie, als dass ich meinen Atem verschwenden sollte, ihn zu verteidigen! Aber was James betrifft, er ist ein Dachs und ein Schuft. Ich mag das Erscheinen dieses rothaarigen Neil genauso wenig wie Ihr. Es sieht unheimlich aus: Pfui! Es riecht schlecht. Es war der alte Lovat, der die Lady-Grange-Affäre leitete; wenn der junge Lovat Eure handhaben soll, wird es alles in der Familie bleiben. Warum ist James More im Gefängnis? Dasselbe Vergehen: Entführung. Seine Männer haben Übung in dem Geschäft. Er wird sie Simon als Werkzeuge leihen; und das Nächste, was wir hören werden, ist, dass James seinen Frieden gemacht hat oder er entkommen ist; und Ihr werdet in Benbecula oder Applecross sein.“

„Ihr habt ein starkes Argument“, gab ich zu.

„Und was ich will“, fuhr er fort, „ist, dass Ihr verschwindet, bevor sie ihre Hände an Euch legen können. Haltet Euch ruhig bis kurz vor dem Prozess und überfallt sie ganz zum Schluss, wenn sie am wenigsten mit Euch rechnen. Dies vorausgesetzt, Mr. Balfour, dass Eure Zeugenaussage ein solches Maß an Risiko und Umtrieben wert ist.“

„Eines will ich Euch sagen“, sagte ich. „Ich habe den Mörder gesehen, und es war nicht Alan.“

„Dann, bei Gott, ist mein Vetter gerettet!“ rief Stewart. „Ihr habt sein Leben auf der Zunge; und weder Zeit, noch Risiko, noch Geld sollen gescheut werden, um Euch zum Prozess zu bringen.“ Er leerte seine Taschen auf den Boden. „Hier ist alles, was ich bei mir habe“, fuhr er fort. „Nehmt es, Ihr werdet es brauchen, bevor Ihr durch seid. Geht geradewegs diesen Durchgang hinunter, dort gibt es einen Ausgang zu den Lang Dykes, und wenn es nach meinem Willen geht, seht Edinburgh nicht wieder, bis der Lärm vorbei ist.“

„Wohin soll ich dann gehen?“, erkundigte ich mich.

„Und ich wünschte, ich könnte es Euch sagen!“, meinte er, „aber all die Orte, an die ich Euch schicken könnte, wären genau die Orte, an denen sie suchen würden. Nein, Ihr müsst für Euch selbst sorgen, und Gott sei Euer Geleit! Fünf Tage vor dem Prozess, am sechzehnten September, lasst mir Nachricht zukommen im King’s Arms in Stirling; und wenn Ihr es bis dahin geschafft habt, für Euch selbst zu sorgen, werde ich dafür sorgen, dass Ihr Inverary erreicht.“

„Noch eins“, sagte ich. „Kann ich Alan nicht sehen?“

Er schien verlegen. „Hech, ich wäre lieber, Ihr würdet es nicht“, sagte er. „Aber ich kann nicht leugnen, dass Alan äußerst erpicht darauf ist, und er hat die Absicht, diese Nacht bei Silvermills zu nächtigen, und zwar eigens deswegen. Wenn Ihr sicher seid, dass Ihr nicht verfolgt werdet, Mr. Balfour – aber vergewissert Euch dessen – legt Euch an einen guten Ort und beobachtet Euren Weg eine volle Stunde lang, bevor Ihr es riskiert. Es wäre eine schreckliche Sache, wenn sowohl Ihr als auch er ins Verderben geraten würdet!“

KAPITEL X. DER ROTHÄARIGE MANN

Es war etwa halb vier, als ich auf den Lang Dykes herauskam. Dean war der Ort, an den ich wollte. Da Catriona dort wohnte und ihre Verwandten, die Glengyle Macgregors, fast sicher gegen mich eingesetzt zu sein schienen, war es gerade einer der Orte, von denen ich mich hätte fernhalten sollen; und da ich ein sehr junger Mann war und anfing, sehr verliebt zu sein, wandte ich ohne Zögern mein Gesicht in diese Richtung. Als Sklave meines Gewissens und meines gesunden Menschenverstandes ließ ich jedoch eine gewisse Vorsicht walten. Als ich über die Kuppe einer kleinen Anhöhe auf dem Weg kam, duckte ich mich plötzlich in die Gerste und blieb abwartend liegen. Nach einer Weile ging ein Mann vorbei, der wie ein Hochländer aussah, aber ich hatte ihn bis zu jener Stunde noch nie gesehen. Kurz darauf kam Neil mit dem roten Kopf. Der nächste, der vorbeifuhr, war ein Mühlenwagen, und danach nichts als offensichtliche Landleute. Das hätte den tollkühnsten Menschen von seinem Vorhaben abbringen müssen, aber mein Hang in die andere Richtung war zu stark. Ich redete mir ein, wenn Neil auf diesem Weg war, so war es der richtige Weg, um ihn zu finden, da er direkt zur Tochter seines Häuptlings führte; was den anderen Hochländer betraf, wenn ich bei jedem Hochländer, den ich sah, erschreckt umkehren wollte, würde ich kaum irgendwohin gelangen. Und nachdem ich mich mit dieser unaufrichtigen Debatte völlig zufriedengestellt hatte, legte ich ein höheres Tempo vor und kam kurz nach vier bei Mrs. Drumond-Ogilvys Haus an.

Beide Damen waren im Haus; und als ich sie gemeinsam an der offenen Tür bemerkte, nahm ich den Hut ab und sagte: „Hier ist ein Bursche, der nach einem Sechspenner sucht“, was der Witwe gefallen könnte, wie ich dachte.

Catriona lief hinaus, um mich herzlich zu begrüßen, und zu meiner Überraschung schien die alte Dame kaum weniger zuvorkommend zu sein als sie selbst. Ich erfuhr erst lange danach, dass sie bei Tagesanbruch einen Reiter zu Rankeillor nach Queensferry geschickt hatte, von dem sie wusste, dass er der Anwalt für Shaws war, und dass sie damals einen Brief von diesem guten Freund von mir bei sich trug, der meinen Charakter und meine Aussichten im günstigsten Licht darstellte. Aber hätte ich ihn gelesen, hätte ich ihre Absichten kaum klarer sehen können. Vielleicht war ich bäurisch; zumindest war ich es nicht so sehr, wie sie glaubte; und selbst meinem schlichten Verstand kam es in den Sinn, dass sie darauf aus war, eine Verbindung zwischen ihrem Vetter und einem bartlosen Jungen zu schmieden, der in Lothian so etwas wie ein Laird war.

„Sechspenner sollte lieber seine Brühe mit uns einnehmen, Catrine“, sagte sie. „Lauf und sag es den Mädels.“

Und während wir die kleine Weile allein waren, gab sie sich große Mühe, mir zu schmeicheln; immer geschickt, immer mit dem Anschein eines Scherzes, nannte sie mich weiterhin Sechspenner, aber mit einer solchen Wendung, dass es mich in meiner eigenen Meinung eher aufwerten sollte. Als Catriona zurückkehrte, wurde das Vorhaben, wenn möglich, noch offensichtlicher; und sie stellte die Vorzüge des Mädchens zur Schau wie ein Pferdehändler ein Pferd. Mein Gesicht glühte, dass sie mich für so stumpfsinnig hielt. Mal bildete ich mir ein, das Mädchen werde unschuldig vorgeführt, und dann hätte ich die alte Vettel mit einem Knüppel verprügeln können; und dann wieder, dass diese beiden die Köpfe zusammengesteckt hätten, um mich in eine Falle zu locken, und dabei saß ich da und starrte zwischen ihnen wie das leibhaftige Ebenbild des Missmuts. Schließlich hatte die Heiratsvermittlerin einen besseren Einfall, nämlich uns beide allein zu lassen. Wenn mein Misstrauen erst einmal geweckt ist, ist es manchmal etwas schwerer als leicht, es zu zerstreuen. Aber obwohl ich wusste, aus welchem Holz sie geschnitzt war, und das war das Holz von Dieben, konnte ich niemals in Catrionas Gesicht schauen und ihr misstrauen.

„Ich darf nicht fragen?“, sagt sie eifrig in dem Moment, als wir allein gelassen wurden.

„Ach, aber heute kann ich mit reinem Gewissen sprechen“, antwortete ich. „Ich bin von meinem Versprechen entbunden, und tatsächlich (nach allem, was seit dem Morgen geschehen ist) würde ich es nicht erneuern, selbst wenn man mich darum bäte.“

„Erzähl mir“, sagte sie. „Mein Vetter wird nicht mehr so lange brauchen.“

Also erzählte ich ihr die Geschichte von dem Leutnant vom ersten bis zum letzten Schritt, wobei ich sie so vergnüglich wie möglich gestaltete, und tatsächlich lag in dieser Absurdität Stoff für Heiterkeit.

„Und ich glaube, Ihr seid nach allem ebenso wenig für die rauen Männer geeignet wie für die hübschen Damen!“, sagt sie, als ich fertig war. „Aber was war Euer Vater, dass er Euch nicht beibringen konnte, den Degen zu ziehen! Das ist sehr unritterlich; ich habe von so etwas bei niemandem gehört.“

„Es ist zumindest höchst ungelegen“, sagte ich; „und ich glaube, mein Vater (der ehrliche Mann!) muss mit den Gedanken woanders gewesen sein, um mir stattdessen Latein beizubringen. Aber Ihr seht, ich tue mein Bestes und stehe einfach da wie Lots Weib und lasst sie auf mich einschlagen.“

„Wisst Ihr, was mich zum Lächeln bringt?“, sagte sie. „Nun, dies. Ich bin so gemacht, dass ich ein Junge hätte sein sollen. In meinen eigenen Gedanken bin ich es immer; und ich erzähle mir ständig von dieser Sache, die geschehen soll, und jener. Dann kommt es zur Stelle des Kämpfens, und es dämmert mir, dass ich sowieso nur ein Mädchen bin und keinen Degen halten oder einen guten Schlag führen kann; und dann muss ich meine Geschichte zurechtbiegen, so dass das Kämpfen aufhört und ich trotzdem die Oberhand behalte, genau wie Ihr und der Leutnant; und ich bin der Junge, der die ganze Zeit die schönen Reden schwingt, wie Mr. David Balfour.“

„Ihr seid ein blutrünstiges Mädchen“, sagte ich.

„Nun, ich weiß, es ist gut, zu nähen und zu spinnen und Muster zu sticken“, sagte sie, „aber wenn Ihr in der großen Welt nichts anderes tun solltet, glaube ich, werdet Ihr selbst sagen, es ist eine dröge Angelegenheit; und ich glaube nicht, dass ich töten will. Habt Ihr jemals jemanden getötet?“

„Das habe ich, wie es der Zufall will. Zwei, nicht weniger, und ich bin immer noch ein Bursche, der eigentlich am College sein sollte“, sagte ich. „Aber dennoch, wenn ich zurückblicke, schäme ich mich nicht dafür.“

„Aber wie habt Ihr Euch gefühlt – danach?“, fragte sie.

„Tatsächlich, ich setzte mich hin und weinte wie ein Kind“, sagte ich.

„Das kenne ich auch“, rief sie. „Ich fühle, woher diese Tränen kommen sollten. Und jedenfalls möchte ich nicht töten, nur Catherine Douglas sein, die ihren Arm durch die Riegel des Bolzens steckte, als er zerbrochen war. Das ist mein größter Held. Würdet Ihr nicht gerne so sterben – für Euren König?“, fragte sie.

„Wahrhaftig“, sagte ich, „meine Zuneigung zu meinem König, Gott segne sein Affengesicht, ist unter mehr Kontrolle; und ich glaubte schon heute, den Tod so nahe bei mir zu sehen, dass ich eher mit dem Gedanken beschäftigt bin, zu leben.“

„Richtig“, sagte sie, „der richtige Sinn eines Mannes! Nur müsst Ihr Waffen lernen; ich möchte keinen Freund haben, der nicht zuschlagen kann. Aber es wird wohl nicht mit dem Degen gewesen sein, dass Ihr diese zwei getötet habt?“

„In der Tat nicht“, sagte ich, „sondern mit einem Paar Pistolen. Und es war ein glücklicher Umstand, dass die Männer so nahe bei mir waren, denn ich bin mit den Pistolen ungefähr so geschickt wie mit dem Degen.“

Also entlockte sie mir die Geschichte von unserem Kampf auf der Brigg, die ich in meiner ersten Schilderung meiner Angelegenheiten ausgelassen hatte.

„Ja“, sagte sie, „Ihr seid tapfer. Und Euren Freund, den bewundere und liebe ich.“

„Nun, ich denke, das würde jeder!“, sagte ich. „Er hat seine Fehler wie andere Leute auch; aber er ist tapfer und treu und gütig, Gott segne ihn! Das wird ein seltsamer Tag sein, wenn ich Alan vergesse.“ Und der Gedanke an ihn, und dass es in meiner Wahl stand, mich diese Nacht mit ihm zu besprechen, hatte mich fast überwältigt.

„Und wo werden meine Gedanken gewesen sein, dass ich meine Neuigkeiten nicht erzählt habe!“, rief sie und sprach von einem Brief ihres Vaters, der besagte, dass sie ihn morgen in der Burg besuchen dürfe, wohin er nun verlegt worden sei, und dass sich seine Angelegenheiten besserten. „Ihr hört das nicht gerne“, sagte sie. „Wollt Ihr über meinen Vater urteilen, ohne ihn zu kennen?“

„Ich bin tausend Meilen davon entfernt zu urteilen“, antwortete ich. „Und ich gebe Euch mein Wort, ich freue mich zu wissen, dass Euer Herz erleichtert ist. Wenn mein Gesicht überhaupt finster wurde, wie ich annehme, müsst Ihr zugestehen, dass dies ein eher schlechter Tag für Kompositionen ist und die Leute an der Macht äußerst schlechte Personen sind, um sich mit ihnen zu vergleichen. Simon Fraser liegt mir immer noch äußerst schwer im Magen.“

„Ach!“, rief sie, „Ihr werdet diese beiden nicht auf eine Stufe stellen; und Ihr solltet bedenken, dass Prestongrange und James More, mein Vater, vom selben Blut sind.“

„Davon habe ich noch nie gehört“, sagte ich.

„Es ist ziemlich einzigartig, wie wenig Ihr kennt“, sagte sie. „Ein Teil mag sich Grant nennen und ein Teil Macgregor, aber sie sind immer noch vom selben Clan. Sie sind alle die Söhne von Alpin, von dem, glaube ich, unser Land seinen Namen hat.“

„Welches Land ist das?“, fragte ich.

„Mein Land und Eures“, sagte sie.

„Das ist mein Tag für Entdeckungen, glaube ich“, sagte ich, „denn ich dachte immer, der Name sei Schottland.“

„Schottland ist der Name dessen, was Ihr Irland nennt“, antwortete sie. „Aber der alte wahre Name dieses Ortes, auf dem wir stehen und aus dem unsere Knochen gemacht sind, wird Alban sein. Alban nannten sie es, als unsere Vorfahren für es gegen Rom und Alexander kämpften; und es wird in Eurer eigenen Sprache, die Ihr vergesst, immer noch so genannt.“

„Wahrhaftig“, sagte ich, „und das habe ich nie gelernt!“ Denn mir fehlte das Herz, sie wegen des Mazedoniers zu korrigieren.

„Aber Eure Väter und Mütter sprachen es, eine Generation nach der anderen“, sagte sie. „Und es wurde an den Wiegen gesungen, bevor Ihr oder ich überhaupt erträumt waren; und Euer Name erinnert immer noch daran. Ach, wenn Ihr diese Sprache sprechen könntet, würdet Ihr mich als ein anderes Mädchen finden. Das Herz spricht in dieser Zunge.“

Ich nahm eine Mahlzeit mit den beiden Damen ein, alles sehr gut, serviert auf feinem altem Silber, und der Wein war ausgezeichnet, denn es scheint, dass Mrs. Ogilvy reich war. Unser Gespräch war auch angenehm genug; aber sobald ich sah, wie die Sonne steil sank und die Schatten lang wurden, erhob ich mich, um Abschied zu nehmen. Denn mein Entschluss stand nun fest, Alan Lebewohl zu sagen; und es war notwendig, dass ich den Treffpunkt im Wald sah und ihn bei Tageslicht erkundete. Catriona begleitete mich bis zum Gartentor.

„Es ist lange, bis ich Euch nun wiedersehe?“, fragte sie.

„Das entzieht sich meinem Urteil“, antwortete ich. „Es wird lange dauern, vielleicht niemals.“

„Es mag sein“, sagte sie. „Und Ihr seid traurig?“

Ich neigte mein Haupt und sah sie an.

„Ich bin es jedenfalls“, sagte sie. „Ich habe Euch nur eine kurze Zeit gesehen, aber ich schätze Euch sehr hoch ein. Ihr seid treu, Ihr seid tapfer; mit der Zeit werdet Ihr, glaube ich, noch mehr ein Mann werden. Ich werde stolz sein, davon zu hören. Wenn es Euch schlechter ergehen sollte, wenn es kommen sollte, wie wir befürchten – O nun! Denkt daran, dass Ihr den einen Freund habt. Lange nachdem Ihr tot seid und ich eine alte Frau, werde ich den Kindern von David Balfour erzählen, und meine Tränen werden fließen. Ich werde erzählen, wie wir uns trennten und was ich zu Euch sagte und Euch antat. Gott gehe mit Euch und leite Euch, *betet Eure kleine Freundin*: so sagte ich – werde ich ihnen erzählen – und hier ist, was ich tat.“

Sie nahm meine Hand und küsste sie. Das überraschte meinen Geist so sehr, dass ich wie ein Verwundeter aufschrie. Die Farbe stieg stark in ihr Gesicht, und sie sah mich an und nickte.

„O ja, Mr. David“, sagte sie, „das ist es, was ich von Euch denke. Der Kopf geht mit den Lippen.“

Ich konnte in ihrem Gesicht hohen Geist lesen und eine Ritterlichkeit wie die eines tapferen Kindes; nichts anderes daneben. Sie küsste meine Hand, wie sie Prinz Charlies geküsst hatte, mit einer höheren Leidenschaft, als die gewöhnliche Art von Ton irgendeinen Sinn dafür hat. Nichts zuvor hatte mich gelehrt, wie sehr ich ihr Liebhaber war, noch wie weit ich noch steigen musste, damit sie mich in einem solchen Charakter sähe. Dennoch konnte ich mir sagen, dass ich ein Stück vorangekommen war und dass ihr Herz geschlagen und ihr Blut geflossen war bei Gedanken an mich.

Nach dieser Ehre, die sie mir erwiesen hatte, konnte ich keine trivialen Höflichkeiten mehr anbieten. Es fiel mir sogar schwer zu sprechen; ein gewisses Beben in ihrer Stimme hatte direkt an die Tür meiner eigenen Tränen geklopft.

„Ich preise Gott für Eure Güte, Liebste“, sagte ich. „Lebt wohl, meine kleine Freundin!“, indem ich ihr den Namen gab, den sie sich selbst gegeben hatte; womit ich mich verneigte und sie verließ.

Mein Weg führte durch das Tal des Leith River in Richtung Stockbridge und Silvermills. Ein Pfad führte am Fuß entlang, das Wasser plätscherte und sang inmitten; die Sonnenstrahlen über uns brachen aus dem Westen zwischen langen Schatten hervor und (als sich das Tal wandte) machten es an jeder Ecke wie eine neue Szene und eine neue Welt. Mit Catriona hinter mir und Alan vor mir war ich wie einer, der emporgehoben wurde. Der Ort außerdem, und die Stunde, und das Reden des Wassers erfreuten mich unendlich; und ich zögerte in meinen Schritten und sah vor und hinter mich, während ich ging. Dies war der Grund, unter der Vorsehung, dass ich ein wenig hinter mir einen roten Kopf zwischen einigen Büschen erspähte.

Zorn stieg in meinem Herzen auf, und ich wandte mich geradewegs um und ging mit steifen Schritten dorthin, woher ich gekommen war. Der Pfad verlief dicht bei den Büschen, wo ich den Kopf bemerkt hatte. Das Versteck reichte bis an den Wegesrand, und als ich vorbeiging, war ich ganz darauf eingestellt, einem Angriff zu begegnen und Widerstand zu leisten. Nichts dergleichen geschah, ich ging unbehelligt vorbei; und da nahm die Furcht über mich zu. Es war zwar noch Tag, aber der Ort äußerst einsam. Wenn meine Verfolger diese günstige Gelegenheit hatten verstreichen lassen, konnte ich nur urteilen, dass sie auf etwas mehr als David Balfour abzielten. Die Leben von Alan und James wogen auf meinem Geist mit dem Gewicht zweier ausgewachsener Ochsen.

Catriona war noch im Garten und ging allein umher.

„Catriona“, sagte ich, „Ihr seht mich wieder zurück.“

„Mit einem veränderten Gesicht“, sagte sie.

„Ich trage die Leben zweier Männer neben meinem eigenen“, sagte ich. „Es wäre eine Sünde und eine Schande, nicht vorsichtig zu gehen. Ich war zweifelhaft, ob ich recht daran tat, hierher zu kommen. Es würde mir sehr missfallen, wenn wir auf diese Weise zu Schaden kämen.“

„Ich könnte Euch einen nennen, dem es weniger gefallen würde, und dem es wenig genug gefallen wird, Euch genau zur selben Zeit reden zu hören“, rief sie. „Was habe ich überhaupt getan?“

„O, Ihr – Ihr seid nicht allein“, antwortete ich. „Aber seit ich ging, wurde ich wieder verfolgt, und ich kann Euch den Namen dessen nennen, der mir folgt. Es ist Neil, Sohn des Duncan, Euer Mann oder der Eures Vaters.“

„Da seid Ihr gewiss im Irrtum“, sagte sie mit weißem Gesicht. „Neil ist in Edinburgh in Erledigungen meines Vaters.“

„Es ist das, was ich fürchte“, sagte ich, „das Letzte davon. Aber dass er in Edinburgh ist, da glaube ich, kann ich Euch etwas anderes zeigen. Sicher habt Ihr ein Signal, ein Signal der Not, das ihn zu Eurer Hilfe bringen würde, wenn er irgendwo in Reichweite von Ohren und Beinen wäre?“

„Nun, woher wollt Ihr das wissen?“, sagt sie.

„Mittels eines magischen Talismans, den Gott mir gab, als ich geboren wurde, und der Name, den sie ihm geben, ist Gesunder Menschenverstand“, sagte ich. „Verpflichtet mich so weit, Euer Signal zu geben, und ich werde Euch den roten Kopf von Neil zeigen.“

Zweifellos sprach ich bitter und scharf. Mein Herz war bitter. Ich beschuldigte mich selbst und das Mädchen und hasste uns beide: sie wegen der niederträchtigen Bande, der sie entstammte, mich selbst wegen meiner leichtfertigen Torheit, meinen Kopf in einen solchen Wespenschwarm gesteckt zu haben.

Catriona legte ihre Finger an die Lippen und pfiff einmal, mit einem äußerst klaren, starken, aufsteigenden Ton, so voll wie der eines Pflügers. Eine Weile standen wir schweigend da; und ich wollte sie gerade bitten, dasselbe zu wiederholen, als ich das Geräusch von jemandem hörte, der durch die Büsche unterhalb am Hang brach. Ich deutete mit einem Lächeln in diese Richtung, und kurz darauf sprang Neil in den Garten. Seine Augen brannten, und er hatte ein schwarzes Messer (wie sie es auf der Hochlandseite nennen) nackt in seiner Hand; aber als er mich neben seiner Herrin sah, stand er wie ein vom Schlag Getroffener.

„Er ist Eurem Ruf gefolgt“, sagte ich; „urteilt, wie nahe er an Edinburgh war oder was die Art der Erledigungen Eures Vaters war. Fragt ihn selbst. Wenn ich mein Leben oder die Leben derer, die an mir hängen, durch das Mittel Eures Clans verlieren soll, lasst mich gehen, wohin ich zu gehen habe, mit offenen Augen.“

Sie sprach ihn zitternd auf Gälisch an. Da ich mich an Alans ängstliche Höflichkeit in dieser Hinsicht erinnerte, hätte ich vor Bitterkeit laut auflachen können; hier, sicher, inmitten dieser Verdächtigungen, war die Stunde, in der sie beim Englischen hätte bleiben sollen.

Zwei- oder dreimal sprachen sie miteinander, und ich konnte erkennen, dass Neil (trotz seiner Unterwürfigkeit) ein zorniger Mann war.

Dann wandte sie sich an mich. „Er schwört, es ist nicht so“, sagte sie.

„Catriona“, sagte ich, „glaubt Ihr dem Mann selbst?“

Sie machte eine Geste, als würde sie die Hände ringen.

„Woher soll ich das wissen können?“, rief sie.

„Aber ich muss einen Weg finden, es zu wissen“, sagte ich. „Ich kann nicht fortfahren, in der schwarzen Nacht mit den Leben zweier Männer an meinem Gürtel herumzuirren! Catriona, versucht, Euch in meine Lage zu versetzen, so wie ich Gott gelobe, dass ich mich hart bemühe, mich in Eure zu versetzen. Das ist keine Art von Gespräch, die jemals zwischen mir und Euch hätte fallen sollen; keine Art von Gespräch; mein Herz ist krank davon. Seht, behaltet ihn bis zwei Uhr morgens hier, und es ist mir einerlei. Versucht es mit ihm.“

Sie sprachen noch einmal auf Gälisch miteinander.

„Er sagt, er habe einen Auftrag von James More, meinem Vater“, sagte sie. Sie war blasser als je zuvor, und ihre Stimme bebte, während sie es sagte.

„Das ist nun ziemlich klar“, sagte ich, „und möge Gott den Bösen vergeben!“

Darauf erwiderte sie nichts, sondern starrte mich weiterhin mit demselben bleichen Gesicht an.

„Das ist eine schöne Bescherung“, sagte ich wieder. „Soll ich also fallen, und jene zwei mit mir?“

„O, was soll ich tun?“, rief sie. „Könnte ich mich gegen die Befehle meines Vaters stellen, wo er doch im Gefängnis sitzt und sein Leben in Gefahr ist!“

„Aber vielleicht gehen wir zu schnell vor“, sagte ich. „Das kann ebenso gut eine Lüge sein. Vielleicht hat er gar keine richtigen Befehle; vielleicht ist alles von Simon eingefädelt worden, ohne dass Euer Vater etwas davon weiß.“

Sie brach zwischen uns beiden in Tränen aus; und mein Herz stach mich schwer, denn ich dachte, dieses Mädchen befand sich in einer entsetzlichen Lage.

„Hier“, sagte ich, „haltet ihn nur die eine Stunde auf; und ich will es wagen, und möge Gott Euch segnen.“

Sie streckte mir ihre Hand entgegen. „Ich werde ein gutes Wort nötig haben“, schluchzte sie.

„Die volle Stunde also?“, sagte ich und hielt ihre Hand in meiner. „Drei Leben hängen daran, mein Kind!“

„Die volle Stunde!“, sagte sie und rief laut ihren Erlöser an, ihr zu vergeben.

Ich hielt den Ort für nicht geeignet für mich und floh.

KAPITEL XI. DER WALD BEI SILVERMILLS

Ich verlor keine Zeit, sondern stürmte durch das Tal und an Stockbridge und Silvermills vorbei, so schnell ich konnte. Es war Alans Verabredung, jede Nacht zwischen zwölf und zwei „in einem kleinen Buschwerk östlich von Silvermills und südlich des südlichen Mühlgrabens“ zu sein. Dies fand ich leicht genug, wo es an einem steilen Abhang wuchs, mit dem Mühlgraben, der schnell und tief am Fuße entlangfloss; und hier begann ich langsamer zu gehen und vernünftiger über meine Aufgabe nachzudenken. Ich sah ein, dass ich mit Catriona nur ein närrisches Geschäft abgeschlossen hatte. Es war nicht anzunehmen, dass Neil allein auf seinen Botengang geschickt worden war, aber vielleicht war er der einzige Mann, der zu James More gehörte; in diesem Fall hätte ich alles getan, um Catrionas Vater an den Galgen zu bringen, und nichts, was mir auch nur im Geringsten geholfen hätte. Um die Wahrheit zu sagen, gefiel mir keine dieser Vorstellungen. Angenommen, durch das Aufhalten Neils hätte das Mädchen dazu beigetragen, ihren Vater zu hängen, dachte ich, sie würde sich das auf dieser Seite des Grabes niemals verzeihen. Und angenommen, es wären in diesem Augenblick andere hinter mir her, was für ein Geschenk brachte ich da Alan? Und wie würde mir das gefallen?

Ich war am westlichen Ende dieses Waldes angelangt, als mich diese beiden Überlegungen wie ein Knüppel trafen. Meine Füße blieben von selbst stehen und mein Herz mit ihnen. „Was für ein wildes Spiel habe ich da gespielt?“, dachte ich und kehrte augenblicklich auf dem Absatz um, um woanders hinzugehen.

Dies brachte mich mit dem Gesicht in Richtung Silvermills; der Pfad führte in einer Krümmung am Dorf vorbei, aber alles war deutlich sichtbar; und, ob Hochländer oder Flachländer, es regte sich niemand. Hier war mein Vorteil, hier war genau jene Konjunktur, von der Stewart mir geraten hatte zu profitieren, und ich lief am Rande des Mühlgrabens entlang, machte einen Bogen hinter der östlichen Ecke des Waldes, fädelte mich durch die Mitte hindurch und kehrte an den westlichen Saum zurück, von wo aus ich den Pfad wieder überblicken und dennoch selbst unsichtbar bleiben konnte. Wieder war alles leer, und mein Herz begann sich zu heben.

Mehr als eine Stunde saß ich dicht am Waldrand, und kein Hase oder Adler hätte ein genaueres Auge haben können. Als diese Stunde begann, war die Sonne bereits untergegangen, aber der Himmel noch ganz golden und das Tageslicht klar; bevor die Stunde um war, war es halbdunkel geworden, die Umrisse und Entfernungen der Dinge verschwammen, und das Beobachten begann schwierig zu werden. Die ganze Zeit über war kein Fuß eines Menschen von Silvermills her nach Osten gekommen, und die wenigen, die nach Westen gegangen waren, waren ehrliche Landleute und ihre Frauen auf dem Weg ins Bett. Wenn ich von den gerissensten Spionen Europas verfolgt wurde, hielt ich es für naturwidrig, dass sie irgendeinen Verdacht haben konnten, wo ich mich aufhielt: und ein Stück weiter in den Wald hineingehend, legte ich mich nieder, um auf Alan zu warten.

Die Anspannung meiner Aufmerksamkeit war groß gewesen, denn ich hatte nicht nur den Pfad beobachtet, sondern jeden Busch und jedes Feld in meiner Sichtweite. Das hatte nun ein Ende. Der Mond, der im ersten Viertel stand, glitzerte ein wenig im Wald; ringsum herrschte die Stille des Landes; und als ich da auf dem Rücken lag, die nächsten drei oder vier Stunden, hatte ich reichlich Gelegenheit, mein Verhalten zu überdenken.

Zwei Dinge wurden mir zuerst klar: dass ich kein Recht hatte, an jenem Tag nach Dean zu gehen, und (nachdem ich dort gewesen war) nun kein Recht hatte, dort zu liegen, wo ich war. Dies (wo Alan kommen sollte) war genau der eine Wald im weiten Schottland, der aus jedem richtigen Gefühl heraus für mich gesperrt war; das gab ich zu und blieb doch, mich über mich selbst wundernd. Ich dachte an das Maß, mit dem ich Catriona am selben Abend gemessen hatte; wie ich von den zwei Leben geschwatzt hatte, die ich mit mir trug, und sie so gezwungen hatte, die ihres Vaters aufs Spiel zu setzen; und wie ich sie hier wieder preisgab, wie es schien, aus reinem Übermut. Ein gutes Gewissen ist acht Teile des Mutes. Kaum hatte ich das Vertrauen in mein eigenes Verhalten verloren, schien ich entwaffnet inmitten einer Schar von Schrecken zu stehen. Plötzlich setzte ich mich auf. Wie, wenn ich jetzt zu Prestongrange ginge, ihn (wie ich es immer noch leicht hätte tun können) noch vor dem Schlafengehen erwischte und ein volles Geständnis ablegte? Wer könnte mir Vorwürfe machen? Nicht Stewart der Anwalt; ich müsste nur sagen, dass ich verfolgt wurde, die Hoffnung aufgab, davonzukommen, und deshalb nachgab. Nicht Catriona: auch hier hatte ich meine Antwort bereit; dass ich es nicht ertragen könne, dass sie ihren Vater gefährde. So könnte ich im Augenblick all diese Sorgen ablegen, die doch eigentlich und wahrhaftig nicht die meinen waren; mich vom Appin-Mord freischwimmen; aus der Reichweite aller Stewarts und Campbells, aller Whigs und Tories im Lande gelangen; und von nun an nach meinem eigenen Sinn leben, und meine Vermögensverhältnisse genießen und verbessern können, und einige Stunden meiner Jugend dem Werben um Catriona widmen, was sicherlich eine passendere Beschäftigung wäre, als sich zu verstecken, zu rennen und wie ein gejagter Dieb verfolgt zu werden und die schrecklichen Leiden meiner Flucht mit Alan von vorn zu beginnen.

Zuerst schämte ich mich nicht für diese Kapitulation; ich war nur erstaunt, dass ich nicht früher daran gedacht und es getan hatte; und begann, nach den Ursachen der Veränderung zu forschen. Diese führte ich auf meine gedrückte Stimmung zurück, diese auf meine jüngste Rücksichtslosigkeit und jene wieder auf die gewöhnliche, alte, öffentliche, geringgeschätzte Sünde der Selbstgefälligkeit. Sofort kam mir der Text in den Sinn: „Wie kann der Satan den Satan austreiben?“ Was? (dachte ich) Ich hatte mich durch Selbstgefälligkeit, das Folgen angenehmer Pfade und den Reiz eines jungen Mädchens völlig aus der Achtung vor meinem eigenen Charakter gebracht und das Leben von James und Alan gefährdet? Und ich sollte den Ausweg auf demselben Weg suchen, auf dem ich eingetreten war? Nein; der Schaden, der durch Selbstgefälligkeit verursacht wurde, musste durch Selbstverleugnung geheilt werden; das Fleisch, das ich verwöhnt hatte, musste gekreuzigt werden. Ich sah mich nach dem Weg um, den ich am wenigsten gehen mochte: das war, den Wald zu verlassen, ohne auf Alan zu warten, und wieder allein hinauszuziehen, im Dunkeln und inmitten meiner verworrenen und gefährlichen Schicksale.

Ich bin umso sorgfältiger darauf bedacht gewesen, diesen Abschnitt meiner Überlegungen zu schildern, weil ich glaube, dass er von einigem Nutzen ist und jungen Männern als Beispiel dienen kann. Aber es gibt (sagt man) ein Maß beim Grünkohlpflanzen, und selbst in der Ethik und Religion Raum für den gesunden Menschenverstand. Es war bereits kurz vor Alans Stunde, und der Mond war untergegangen. Wenn ich ging (da ich nicht sehr anständig nach meinen Spionen pfeifen konnte, damit sie mir folgten), könnten sie mich im Dunkeln verfehlen und sich versehentlich an Alan hängen. Wenn ich blieb, könnte ich meinen Freund zumindest auf der Hut sein lassen, was seine reine Rettung bedeuten könnte. Ich hatte die Sicherheit anderer Leute in einem Anfall von Selbstgefälligkeit riskiert; sie noch einmal zu gefährden, und nun aus einem reinen Entwurf der Buße, wäre kaum rational gewesen. Dementsprechend war ich kaum von meinem Platz aufgestanden, als ich mich wieder hinsetzte, aber schon in einer anderen Gemütsverfassung, gleichermaßen über meine vergangene Schwäche staunend und mich über meine jetzige Gelassenheit freuend.

Kurz darauf kam ein Knistern aus dem Dickicht. Ich legte meinen Mund nahe an den Boden und pfiff ein oder zwei Noten von Alans Weise; eine Antwort kam im gleichen vorsichtigen Ton, und bald waren wir im Dunkeln zusammengestoßen.

„Bist du das endlich, Davie?“, flüsterte er.

„Nur ich selbst“, sagte ich.

„Gott, Mann, aber ich habe mich danach gesehnt, dich zu sehen!“, sagt er. „Ich hatte die längste Zeit. Den ganzen Tag lang hatte ich meine Bleibe im Inneren eines Heuhaufens, wo ich nicht einmal die Spitzen meiner zehn Finger sehen konnte; und dann zwei Stunden lang hier gewartet auf dich, und du bist nie gekommen! Potztausend, und du bist auch nicht zu früh dran, so wie es ist, wo ich am Morgen segeln muss! Am Morgen? Was sage ich da? – am Tag, meine ich.“

„Ja, Alan, Mann, am Tag, ganz sicher“, sagte ich. „Es ist jetzt sicher nach zwölf, und du segelst am Tag. Das ist ein weiter Weg, den du vor dir hast.“

„Wir werden zuerst ein langes Gespräch darüber führen“, sagte er.

„Nun, wahrlich, und ich habe einiges, was dir zu hören gefallen wird“, sagte ich.

Und ich erzählte ihm, was nötig war, und machte dabei zwar ein ziemliches Durcheinander, aber es war verständlich genug, als ich fertig war. Er hörte mich mit sehr wenigen Fragen an und lachte hier und da wie ein Mann, der erfreut ist: und der Klang seines Lachens (vor allem dort, im Dunkeln, wo keiner von uns den anderen sehen konnte) war außergewöhnlich freundlich für mein Herz.

„Ja, Davie, du bist ein seltsamer Charakter“, sagt er, als ich fertig war: „ein seltsamer Kauz nach alledem, und ich habe keine Erinnerung daran, seinesgleichen getroffen zu haben. Was deine Geschichte angeht, Prestongrange ist ein Whig wie du selbst, also werde ich weniger von ihm sagen; und, potztausend! Ich glaube, er war der beste Freund, den du hattest, wenn du ihm nur hättest vertrauen können. Aber Simon Fraser und James More sind mein eigenes Vieh, und ich werde ihnen den Namen geben, den sie verdienen. Der große schwarze Teufel war der Vater der Frasers, das weiß ein jeder; und was die Gregara betrifft, ich konnte den Gestank von ihnen nie ausstehen, seit ich auf zwei Beinen wanken konnte. Ich habe einem die Nase blutig geschlagen, ich erinnere mich, als ich noch so schwank auf den Beinen war, dass ich über ihn drüberfiel. Ein stolzer Mann war mein Vater an jenem Tag, Gott hab ihn selig! und ich denke, er hatte Grund dazu. Ich werde nie leugnen können, dass Robin etwas von einem Pfeifer verstand“, fügte er hinzu; „aber was James More angeht, der Teufel soll ihn für mich führen!“

„Eines müssen wir bedenken“, sagte ich. „Hatte Charles Stewart recht oder unrecht? Sind sie nur hinter mir her oder hinter uns beiden?“

„Und was ist deine eigene Meinung, du, der du ein Mann von so viel Erfahrung bist?“, sagte er.

„Es übersteigt meinen Verstand“, sagte ich.

„Und meinen auch“, sagt Alan. „Glaubst du, dieses Mädchen würde ihr Wort gegenüber dir halten?“, fragte er.

„Das glaube ich“, sagte ich.

„Nun, das lässt sich nicht sagen“, sagte er. „Und wie dem auch sei, das ist vorbei und erledigt: er wird sich schon längst zu den anderen gesellt haben.“

„Wie viele, glaubst du, wären es von ihnen?“, fragte ich.

„Das kommt darauf an“, sagte Alan. „Wenn es nur du wärst, würden sie wahrscheinlich zwei, drei lebhafte, flinke junge Burschen schicken, und wenn sie dachten, dass ich im Dienste erscheinen würde, wage ich zu sagen, zehn oder zwölf“, sagte er.

Es half nichts, ich stieß ein kleines Lachen aus.

„Und ich denke, deine eigenen zwei Augen werden gesehen haben, wie ich diese Anzahl, oder das Doppelte davon, aus der Nähe vertrieben habe!“, ruft er.

„Das macht weniger aus“, sagte ich, „weil ich sie für diesmal gut losgeworden bin.“

„Kein Zweifel, das ist deine Meinung“, sagte er; „aber ich wäre nicht im Mindesten überrascht, wenn sie in diesem Wald lauern würden. Weißt du, David Mann; das werden Hochlandleute sein. Da werden einige Frasers sein, denke ich, und einige von den Gregara; und ich würde nie bestreiten, dass beide, und die Gregara im Besonderen, kluge, erfahrene Personen sind. Ein Mann weiß wenig, bis er (sagen wir) eine Beute von Rindvieh zehn Meilen durch ein dicht besiedeltes Flachland getrieben hat und die schwarzen Soldaten vielleicht an seinem Schwanz. Dort habe ich einen großen Teil meiner Durchdringungskraft gelernt. Und du brauchst mir nichts zu erzählen: es ist besser als Krieg; was allerdings das Nächstbeste ist, wenn auch im Allgemeinen eher eine lächerliche Angelegenheit. Nun, die Gregara hatten großartige Übung.“

„Kein Zweifel, das ist ein Zweig der Ausbildung, der bei mir ausgelassen wurde“, sagte ich.

„Und ich kann die Spuren davon ständig an dir sehen“, sagte Alan. „Aber das ist das Seltsame an euch Leuten mit der College-Bildung: ihr seid unwissend, und ihr könnt es nicht sehen. Weh mir wegen meines Griechischen und Hebräischen; aber, Mann, ich weiß, dass ich sie nicht weiß – das ist der Unterschied. Nun, hier bist du. Du liegst ein bisschen auf deinem Bauch im Schutz dieses Waldes und erzählst mir, dass du diese Frasers und Macgregors abgeschüttelt hast. Warum? Weil ich sie nicht sehen konnte, sagst du. Du Dummkopf, das ist ihr Lebensunterhalt.“

„Nimm das Schlimmste an“, sagte ich, „und was sollen wir tun?“

„Ich denke über dasselbe nach“, sagte er. „Wir könnten uns trennen. Es wäre nicht sehr nach meinem Geschmack; und abgesehen davon sehe ich Gründe dagegen. Erstens ist es jetzt ungemein dunkel, und es ist menschlich gesehen möglich, dass wir ihnen glatt entwischen könnten. Wenn wir zusammenbleiben, bilden wir nur eine Linie; wenn wir getrennt gehen, bilden wir zwei: die größere Wahrscheinlichkeit, auf einige dieser deiner Herrschaften zu stoßen. Und dann, zweitens, wenn sie auf unserer Spur bleiben, mag es doch noch zu einem Kampf kommen, Davie; und dann, das muss ich gestehen, wäre ich froh, dich an meiner Seite zu haben, und ich denke, du wärst nicht schlechter dran, mich an deiner zu haben. Also, nach meiner Art, sollten wir aus diesem Wald kriechen, nicht weiter entfernt als gerade eben das Innere der nächsten Minute, und uns nach Osten halten nach Gillane, wo ich mein Schiff finden soll. Es wird wie in alten Tagen sein, solange es dauert, Davie; und (wenn die Zeit kommt) werden wir uns überlegen müssen, was du tun sollst. Ich bin betrübt, dich hier ohne mich zurückzulassen.“

„Ich komme mit dir, dann!“, sage ich. „Gehst du dorthin zurück, wo du untergekommen warst?“

„Der Teufel, keine Angst!“, sagte Alan. „Sie waren gute Leute zu mir, aber ich glaube, sie wären ein gutes Stück enttäuscht, wenn sie mein hübsches Gesicht wiedersehen würden. Denn (so wie die Zeiten laufen) bin ich nicht gerade das, was du einen willkommenen Gast nennen könntest. Was mich umso eifriger auf deine Gesellschaft macht, Herr David Balfour von den Shaws, und setz dich auf! Denn, abgesehen von zwei Gesprächen hier im Wald mit Charlie Stewart, habe ich kaum Schwarz oder Weiß gesagt, seit dem Tag, als wir uns in Corstorphine trennten.“

Womit er von seinem Platz aufstand und wir begannen, uns leise nach Osten durch den Wald zu bewegen.

KAPITEL XII. WIEDER AUF DEM MARSCH MIT ALAN

Es war wahrscheinlich zwischen eins und zwei; der Mond (wie ich gesagt habe) war untergegangen; ein ziemlich starker Wind, der eine schwere Wolkendecke mit sich führte, hatte plötzlich aus dem Westen eingesetzt; und wir begannen unsere Bewegung in einer so schwarzen Nacht, wie sie sich ein Flüchtling oder ein Mörder nur wünschen konnte. Die Weiße des Pfades führte uns in die schlafende Stadt Broughton, von dort durch Picardy und an meinem alten Bekannten, dem Galgen der zwei Diebe, vorbei. Ein Stück weiter machten wir ein nützliches Leuchtfeuer aus, das ein Licht in einem oberen Fenster von Lochend war. Indem wir uns daran orientierten, aber ein gutes Stück aufs Geratewohl, und unter einigem Zertrampeln der Ernte und Stolpern und Hinfallen auf den Dämmen, bahnten wir uns unseren Weg querfeldein und gelangten schließlich auf die linkige, moorige Heide, die sie die Figgate Whins nennen. Hier, unter einem Ginsterbusch, legten wir uns für den Rest der Nacht nieder und schlummerten.

Der Tag rief uns gegen fünf. Ein wunderschöner Morgen war es, der hohe Westwind blies immer noch stark, aber die Wolken waren alle nach Europa hinweggeblasen. Alan saß bereits auf und lächelte vor sich hin. Es war mein erster Anblick meines Freundes, seit wir getrennt worden waren, und ich betrachtete ihn mit Vergnügen. Er hatte immer noch denselben großen Mantel auf dem Rücken; aber (was neu war) er hatte nun ein Paar gestrickte Stiefelstrümpfe über das Knie gezogen. Zweifellos waren diese zur Tarnung gedacht; aber da der Tag warm zu werden versprach, gab er eine höchst unpassende Figur ab.

„Nun, Davie“, sagte er, „ist das kein schöner Morgen? Hier ist ein Tag, der so aussieht, wie ein Tag aussehen sollte. Das ist eine große Veränderung zum Bauch meines Heuhaufens; und während du dort geschlafen und gedöst hast, habe ich eine Sache getan, die ich vielleicht sehr selten tue.“

„Und was war das?“, sagte ich.

„O, einfach meine Gebete gesprochen“, sagte er.

„Und wo sind meine Herrschaften, wie du sie nennst?“, fragte ich.

„Gott weiß es“, sagt er; „und kurz und gut, wir müssen es auf einen Versuch mit ihnen ankommen lassen. Hoch mit deinen Fußsohlen, Davie! Auf, Fortuna, noch einmal! Und einen schönen Spaziergang werden wir wohl haben.“

So gingen wir nach Osten am Meeresstrand entlang, in Richtung dorthin, wo die Salzpfannen bei der Esk-Mündung rauchten. Zweifellos war ein außergewöhnlich schöner Schimmer der Morgensonne auf Arthur’s Seat und den grünen Pentlands; und die Annehmlichkeit des Tages schien Alan unter Brennnesseln zu versetzen.

„Ich komme mir wie ein Dummkopf vor“, sagt er, „Schottland an einem Tag wie diesem zu verlassen. Es steckt mir im Kopf; ich würde vielleicht lieber hier bleiben und hängen.“

„Ja, aber das würdest du nicht, Alan“, sagte ich.

„Nein, aber Frankreich ist auch ein guter Ort“, erklärte er; „aber es ist irgendwie nicht dasselbe. Es ist prächtiger, glaube ich, aber es ist nicht Schottland. Ich mag es sehr, wenn ich dort bin, Mann; dennoch sehne ich mich irgendwie nach schottischen Rasenstücken und dem schottischen Torfrauch.“

„Wenn das alles ist, worüber du dich zu beklagen hast, Alan, ist das keine so große Angelegenheit“, sagte ich.

„Und es steht mir schlecht an, mich überhaupt zu beklagen“, sagte er, „und ich erst frisch aus jenem Teufelsheuhaufen raus.“

„Und du warst also ungemein müde von deinem Heuhaufen?“, fragte ich.

„Müde ist nicht das richtige Wort dafür“, sagte er. „Ich bin nicht gerade ein Mann, der sich leicht unterkriegen lässt; aber ich komme besser mit frischer Luft und dem Himmelszelt über meinem Kopf zurecht. Ich bin wie der alte Black Douglas (war er es nicht?), der lieber die Lerche singen hörte als die Maus piepsen. Und jener Ort, siehst du, Davie – was ein sehr geeigneter Ort zum Verstecken war, wie ich frei zugebe – war stockdunkel von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung. Es gab Tage (oder Nächte, denn wie sollte ich die einen von den anderen unterscheiden?), die mir so lang vorkamen wie ein langer Winter.“

„Woher wusstest du die Stunde, um deine Verabredung einzuhalten?“, fragte ich.

„Der gute Mann brachte mir mein Essen und einen Schluck Brandy und einen Kerzenstummel, um dazu zu essen, gegen elf“, sagte er. „Also, wenn ich einen Bissen geschluckt hatte, wäre es Zeit gewesen, in den Wald zu kommen. Dort lag ich und sehnte mich schmerzlich nach dir, Davie“, sagt er und legt seine Hand auf meine Schulter, „und riet, wann die zwei Stunden etwa um wären – es sei denn, Charlie Stewart würde kommen und es mir auf seiner Uhr sagen – und dann zurück zu dem verdammten Heuhaufen. Nein, es war eine trostlose Beschäftigung, und preise den Herrn, dass ich mich damit durchgekämpft habe!“

„Was hast du mit dir selbst angefangen?“, fragte ich.

„Bei meinem Glauben“, sagte er, „das Beste, was ich konnte! Manchmal spielte ich mit den Knöcheln. Ich bin außerordentlich geschickt bei den Knöcheln, aber es ist ein ärmliches Geschäft, mit niemandem zu spielen, der einen bewundert. Und manchmal machte ich Lieder.“

„Wovon handelten sie?“, fragte ich.

„O, von den Hirschen und dem Heidekraut“, sagte er, „und von den alten Häuptlingen von einst, mit denen es längst vorbei ist, und einfach von dem, wovon Lieder im Allgemeinen handeln. Und dann tat ich manchmal so, als hätte ich einen Dudelsack und würde spielen. Ich spielte ein paar prächtige Weisen, und ich bildete mir ein, ich spielte sie schrecklich schön; ich schwöre manchmal, dass ich ihr Quietschen hören konnte! Aber das Wichtigste ist, dass es vorbei ist.“

Damit führte er mich wieder zu meinen Abenteuern, die er sich noch einmal mit mehr Einzelheiten und außerordentlicher Zustimmung anhörte, wobei er zwischendurch schwor, ich sei „ein sonderbarer Kerl von einem Burschen“.

„Also hattest du Angst vor Sim Fraser?“, fragte er einmal.

„Das hatte ich in der Tat!“, rief ich.

„Das hätte ich auch, Davie“, sagte er. „Und das ist wahrlich ein furchtbarer Mann. Aber es ist nur recht und billig, dem Teufel das Seine zu geben: und ich kann dir sagen, er ist ein höchst respektabler Mensch auf dem Schlachtfeld.“

„Ist er so tapfer?“, fragte ich.

„Tapfer!“, sagte er. „Er ist so tapfer wie mein Stahl-Schwert.“

Die Geschichte meines Duells versetzte ihn außer sich.

„Sich das vorzustellen!“, rief er. „Ich habe dir den Trick in Corrynakiegh auch gezeigt. Und dreimal – dreimal entwaffnet! Es ist eine Schande für meinen Charakter, der dich das gelehrt hat! Hier, steh auf, raus mit deinem Eisen; du gehst keinen Schritt weiter auf dieser Straße, bis du dir und mir mehr Ehre machen kannst.“

„Alan“, sagte ich, „das ist heller Wahnsinn. Dies ist nicht die Zeit für Fechtstunden.“

„Das kann ich wohl nicht abstreiten“, gab er zu. „Aber dreimal, Mensch! Und du stehst da wie eine Strohpuppe und läufst los, um dein eigenes Schwert wie ein Hündchen mit einem Taschentuch zu holen! David, dieser Mann Duncansby muss etwas ganz Außergewöhnliches sein! Er muss außerordentlich geschickt sein. Hätte ich die Zeit, würde ich schnurstracks zurückgehen und mich selbst einmal mit ihm messen. Der Mann muss ein Provost sein.“

„Du alberner Kerl“, sagte ich, „du vergisst, dass ich es nur war.“

„Na“, sagte er, „aber dreimal!“

„Wenn du selbst weißt, dass ich völlig unfähig bin“, rief ich.

„Nun, so etwas habe ich noch nie gehört“, sagte er.

„Ich verspreche dir eines, Alan“, sagte ich. „Das nächste Mal, wenn wir uns treffen, werde ich besser gelernt haben. Du sollst nicht länger die Schande eines Freundes ertragen, der nicht zuschlagen kann.“

„Ja, das nächste Mal!“, sagt er. „Und wann wird das sein, möchte ich wohl wissen?“

„Nun, Alan, ich habe auch darüber nachgedacht“, sagte ich; „und mein Plan ist folgender. Ich habe die Absicht, Advokat zu werden.“

„Das ist ein mühseliges Handwerk, Davie“, sagt Alan, „und obendrein ein ziemliches Schlawiner-Ding. Du wärst besser in einem Königskittel aufgehoben als damit.“

„Und das wäre zweifellos der Weg, wie wir uns wiedersehen würden“, rief ich. „Aber da du in König Lewies Kittel steckst und ich in König Geordies, werden wir ein feines Treffen haben.“

„Darin steckt ein Funken Vernunft“, gab er zu.

„Ein Advokat muss es also sein“, fuhr ich fort, „und ich halte es für ein passenderes Handwerk für einen Gentleman, der dreimal entwaffnet wurde. Aber das Schöne an der Sache ist dies: dass eines der besten Kollegs für diese Art von Gelehrsamkeit – und dasjenige, wo mein Verwandter Pilrig seine Studien machte – das Kolleg von Leyden in Holland ist. Nun, was sagst du, Alan? Könnte ein Kadett der Royal Ecossais nicht einen Urlaub bekommen, über die Grenzen schlüpfen und bei einem Leydener Studenten vorbeischauen?“

„Nun, ich denke, das könnte er!“, rief er. „Du siehst, ich stehe gut bei meinem Oberst, Graf Drummond-Melfort; und was noch wichtiger ist, ich habe einen Cousin, der Oberstleutnant in einem Regiment der Scots-Dutch ist. Nichts könnte angemessener sein, als dass ich einen Urlaub bekäme, um Oberstleutnant Stewart von Halketts zu besuchen. Und Lord Melfort, der ein sehr wissenschaftlicher Mann ist und Bücher schreibt wie Cäsar, wäre zweifellos sehr erfreut, den Vorteil meiner Beobachtungen zu haben.“

„Ist Lord Melfort also ein Autor?“, fragte ich, denn so sehr Alan Soldaten schätzte, so sehr dachte ich an die Herrschaften, die Bücher schreiben.

„Ganz genau, Davie“, sagte er. „Man sollte meinen, ein Oberst hätte etwas Besseres zu tun. Aber was soll ich sagen, der Lieder macht?“

„Nun dann“, sagte ich, „bleibt nur noch, dass du mir eine Adresse gibst, unter der ich dir in Frankreich schreiben kann; und sobald ich in Leyden angekommen bin, werde ich dir meine schicken.“

„Das Beste wird sein, mir unter der Obhut meines Häuptlings zu schreiben“, sagte er, „Charles Stewart, Esquire, von Ardsheil, in der Stadt Melons, auf der Isle of France. Es könnte lange dauern, oder es könnte kurz dauern, aber es würde am Ende immer in meine Hände gelangen.“

Wir aßen einen Schellfisch zum Frühstück in Musselburgh, wo es mich ungemein amüsierte, Alan zuzuhören. Sein großer Mantel und seine Stiefelstrümpfe waren an diesem warmen Morgen höchst bemerkenswert, und vielleicht wäre ein kleiner Hinweis zur Erklärung klug gewesen; aber Alan ging an die Sache heran wie an ein Geschäft, oder ich sollte lieber sagen, wie an einen Zeitvertreib. Er verwickelte die Hauswirtin in einige Komplimente über das Pökeln unserer Schellfische; und den Rest unseres Aufenthalts hielt er sie mit Gerede über eine Erkältung, die er sich auf den Magen geholt hatte, wobei er ernsthaft alle möglichen Symptome und Leiden schilderte und mit großem Anschein von Interesse all die alten Hausmittel hörte, die sie ihm im Gegenzug anbieten konnte.

Wir verließen Musselburgh, bevor die erste Neun-Penny-Kutsche aus Edinburgh fällig war, denn (wie Alan sagte) das war eine Begegnung, die wir sehr gut vermeiden konnten. Der Wind war zwar immer noch stark, aber sehr mild, die Sonne schien kräftig, und Alan begann im gleichen Maße zu leiden. Von Prestonpans aus nahm er mich beiseite zum Feld von Gladsmuir, wo er sich weit mehr als nötig anstrengte, die Etappen der Schlacht zu beschreiben. Von dort reisten wir in seinem alten, zügigen Tempo nach Cockenzie. Obwohl sie dort bei Mrs. Cadell Heringslogger bauten, schien es eine öde, rückständige Stadt zu sein, halb voll mit verfallenen Häusern; aber das Wirtshaus war sauber, und Alan, der nun in heller Hitze war, musste sich eine Flasche Bier gönnen und bei der neuen Wirtin mit der alten Geschichte von der Magenverkältung fortfahren, nur dass die Symptome jetzt alle anders waren.

Ich saß da und hörte zu; und mir kam in den Sinn, dass ich ihn kaum jemals drei ernste Worte zu einer Frau habe sagen hören, ohne dass er immer scherzte, spottete und sich insgeheim über sie lustig machte, und doch brachte er bei diesem Geschäft ein bemerkenswertes Maß an Energie und Interesse auf. Etwas in diesem Sinne bemerkte ich ihm gegenüber, als die Wirtin (wie es der Zufall wollte) weggerufen wurde.

„Was willst du?“, sagt er. „Ein Mann sollte bei der Frauenwelt immer sein bestes Bein nach vorne setzen; er sollte ihnen immer ein kleines Geschichtchen erzählen, um sie zu zerstreuen, die armen Lämmer! Das ist es, was du lernen solltest zu beachten, David; du solltest dir die Prinzipien aneignen, es ist wie ein Handwerk. Nun, wenn das ein junges Mädel gewesen wäre, oder irgendwie hübsch, hätte sie niemals von meinem Magen gehört, Davie. Aber sobald sie zu alt sind, um sich Liebhaber zu suchen, spielen sie alle Apotheker. Warum? Was weiß ich? Sie sind wohl einfach so, wie Gott sie gemacht hat, nehme ich an. Aber ich halte einen Mann für einen Einfaltspinsel, der dem keine Aufmerksamkeit schenkt.“

Und hier, als die Wirtin zurückkam, wandte er sich ungeduldig von mir ab, um ihr früheres Gespräch zu erneuern. Die Dame war vor einer Weile von Alans Magen auf den Fall eines Schwagers von ihr in Aberlady abgekommen, dessen letzte Krankheit und Ableben sie in außerordentlicher Länge beschrieb. Manchmal war es einfach nur langweilig, manchmal sowohl langweilig als auch schrecklich, denn sie sprach mit einer gewissen Salbung. Das Ergebnis war, dass ich in tiefes Nachdenken verfiel, aus dem Fenster auf die Straße blickte und kaum wahrnahm, was ich sah. Bald darauf hätte man mich zusammenfahren sehen können, wenn jemand hingesehen hätte.

„Wir legten ihm einen Umschlag auf die Füße“, sagte die Wirtin, „und einen heißen Stein auf den Bauch, und wir gaben ihm Ysop und Poleiminze-Wasser, und feinen, sauberen Balsam aus Schwefel gegen den Husten...“

„Mein Herr“, sagte ich und unterbrach sie sehr leise, „ein Freund von mir ist gerade am Haus vorbeigegangen.“

„Ist das wirklich so?“, antwortete Alan, als wäre es eine Sache von geringer Bedeutung. Und dann: „Sie sagten, gnädige Frau?“, sagt er; und die mühselige Frau fuhr fort.

Bald jedoch bezahlte er sie mit einem halben Kronenstück, und sie musste rausgehen, um das Wechselgeld zu holen.

„War er das mit dem roten Kopf?“, fragte Alan.

„Du hast es erfasst“, sagte ich.

„Was habe ich dir im Wald gesagt?“, rief er. „Und doch ist es seltsam, dass er auch hier sein sollte! War er allein?“

„Ganz allein, soweit ich sehen konnte“, sagte ich.

„Ist er vorbeigegangen?“, fragte er.

„Schnurstracks vorbei“, sagte ich, „und hat weder nach rechts noch nach links geschaut.“

„Und das ist noch sonderbarer“, sagte Alan. „Es bleibt mir im Gedächtnis, Davie, dass wir uns regen sollten. Aber wohin? – Teufel auch! Das ist wie in alten Zeiten“, ruft er.

„Es gibt allerdings einen großen Unterschied“, sagte ich, „dass wir jetzt Geld in unseren Taschen haben.“

„Und noch einen großen Unterschied, Mr. Balfour“, sagt er, „dass wir jetzt Hunde an unserer Fährte haben. Sie haben die Witterung aufgenommen; sie sind in vollem Lauf, David. Es ist eine üble Sache, verdammt noch mal.“ Und er saß da und dachte angestrengt nach, mit einem Blick, den ich gut kannte.

„Sag mal, Wirtin“, sagt er, als die Wirtin zurückkehrte, „habt ihr einen Hinterausgang aus diesem Wirtshaus?“

Sie sagte ihm, es gäbe einen und wohin er führe.

„Dann, mein Herr“, sagt er zu mir, „denke ich, das wird der kürzeste Weg für uns sein. Und hier ist ein Lebewohl an dich, meine brave Frau; und ich werde das mit dem Zimtwasser nicht vergessen.“

Wir gingen durch den Kohlacker der Frau und einen Pfad zwischen den Feldern hinauf. Alan blickte scharf nach allen Seiten, und als er sah, dass wir uns in einer kleinen Senke der Landschaft befanden, außer Sichtweite von Menschen, setzte er sich.

„Nun zum Kriegsrat, Davie“, sagte er. „Aber zuerst eine kleine Lektion für dich. Angenommen, ich wäre wie du gewesen, was hätte die alte Frau von uns beiden im Gedächtnis behalten? Nur, dass wir durch das Hintertor gegangen sind. Und was behält sie jetzt im Gedächtnis? Einen feinen, fröhlichen, freundlichen, gesprächigen Mann, der mit dem Magen zu tun hatte, armes Ding! und der sehr um den Schwager besorgt war. O Mensch, David, versuche zu lernen, etwas Verstand zu zeigen!“

„Ich werde es versuchen, Alan“, sagte ich.

„Und nun zu dem mit dem roten Kopf“, sagt er; „ist er schnell oder langsam gegangen?“

„Weder noch“, sagte ich.

„Keine Eile bei dem Mann?“, fragte er.

„Kein Anzeichen davon“, sagte ich.

„Nhm!“, sagte Alan, „es sieht seltsam aus. Wir haben heute Morgen nichts von ihnen auf den Ginsterhügeln gesehen; er ist an uns vorbeigegangen, er scheint nicht zu suchen, und doch ist er hier auf unserem Weg! Potztausend, Davie, ich fange an, eine Ahnung zu bekommen. Ich glaube, nicht dich suchen sie, ich glaube, sie suchen mich; und ich glaube, sie wissen genau, wo sie hingehen.“

„Sie wissen es?“, fragte ich.

„Ich glaube, Andie Scougal hat mich verraten – er oder sein Gefährte, der einen Teil der Angelegenheit kannte – oder sonst Charlies Schreiberling, was auch schade wäre“, sagt Alan; „und wenn du mich nach meiner inneren, privaten Überzeugung fragst, glaube ich, dass es auf Gillane Sands Köpfe geben wird, die eingeschlagen werden.“

„Alan“, rief ich, „wenn du auch nur im Geringsten recht hast, wird es dort Leute im Überfluss geben. Es wird wenig nützen, Köpfe einzuschlagen.“

„Es wäre immerhin eine Genugtuung“, sagt Alan. „Aber warte ein wenig; warte ein wenig; ich überlege – und dank dieses schönen Westwinds glaube ich, dass ich noch eine Chance habe. Es ist so, Davie. Ich bin mit diesem Mann Scougal nicht vor der Dämmerung verabredet. Aber“, sagt er, „wenn ich einen Wind aus dem Westen bekomme, bin ich lange vorher da“, sagt er, „und werde hinter der Isle of Fidra beidrehen und auf dich warten. Nun, wenn deine Herrschaften den Ort kennen, kennen sie auch die Zeit. Siehst du mich kommen, Davie? Dank Johnnie Cope und anderer Rotrock-Einfaltspinsel sollte ich dieses Land wie meine Westentasche kennen; und wenn du bereit für einen weiteren Lauf mit Alan Breck bist, können wir landeinwärts zurückkehren und bei Dirleton wieder an die Küste kommen. Wenn das Schiff da ist, versuchen wir an Bord zu kommen. Wenn es nicht da ist, muss ich eben zurück zu meinem mühseligen Heuhaufen. Aber so oder so, ich glaube, wir werden deine Herrschaften auf ihren Daumen pfeifen lassen.“

„Ich glaube, da ist eine Chance dabei“, sagte ich. „Vorwärts mit dir, Alan!“

KAPITEL XIII. GILLANE SANDS

Ich profitierte nicht von Alans Lotsendienst, wie er es von seinen Märschen unter General Cope getan hatte; denn ich kann kaum sagen, welchen Weg wir einschlugen. Meine Entschuldigung ist, dass wir außerordentlich schnell reisten. Ein Teil liefen wir, einen Teil trabten wir, und den Rest gingen wir in einem mörderischen Tempo. Zweimal, während wir in höchster Geschwindigkeit waren, liefen wir Leuten vom Land über den Weg; aber obwohl wir bei der ersten Gelegenheit um eine Ecke auf sie stießen, war Alan so bereit wie ein geladene Muskete.

„Habt ihr mein Pferd gesehen?“, keuchte er.

„Na, Mensch, ich habe heute kein Pferd gesehen“, antwortete der Landmann.

Und Alan nahm sich die Zeit, ihm zu erklären, dass wir „reitend und zu Fuß“ unterwegs seien; dass unser Reittier entlaufen sei, und man fürchte, es sei nach Linton nach Hause gelaufen. Nicht nur das, er verschwendete auch noch etwas Atem (von dem er nicht mehr viel übrig hatte), um sein eigenes Unglück und meine Dummheit zu verfluchen, die angeblich die Ursache dafür war.

„Diejenigen, die nicht die Wahrheit sagen können“, bemerkte er zu mir, während wir weitergingen, „sollten immer darauf bedacht sein, eine ehrliche, praktische Lüge hinter sich zu lassen. Wenn die Leute nicht wissen, was du tust, Davie, sind sie schrecklich damit beschäftigt; aber wenn sie glauben, es zu wissen, scheren sie sich nicht mehr darum als ich um Erbsenbrei.“

Da wir uns zunächst landeinwärts gehalten hatten, verlief unser Weg am Ende fast direkt nach Norden; die alte Kirche von Aberlady als Wahrzeichen zur Linken; zur Rechten die Spitze des Berwick Law; und so stießen wir unweit von Dirleton wieder auf die Küste. Von North Berwick westlich bis Gillane Ness verläuft eine Reihe von vier kleinen Inseln, Craiglieth, the Lamb, Fidra und Eyebrough, bemerkenswert durch ihre Vielfalt an Größe und Form. Fidra ist die eigenartigste, eine seltsame graue Insel mit zwei Höckern, die durch ein Ruinenstück umso auffälliger wird; und ich erinnere mich, dass (als wir näher kamen) durch irgendeine Tür oder ein Fenster dieser Ruinen das Meer wie ein menschliches Auge hindurchblickte. Unter dem Schutz von Fidra gibt es bei Westwinden einen guten Ankerplatz, und dort konnten wir von weitem die Thistle liegen sehen.

Das Ufer gegenüber diesen Inseln ist völlig öde. Hier gibt es keine menschliche Behausung und kaum einen Durchgang, höchstens von Landstreicherkindern, die bei ihrem Spiel laufen. Gillane ist ein kleiner Ort auf der anderen Seite des Ness, die Leute von Dirleton gehen ihren Geschäften auf den Feldern im Landesinneren nach, und die von North Berwick direkt zum Fischfang von ihrem Hafen aus; so dass nur wenige Teile der Küste einsamer sind. Aber ich erinnere mich, als wir auf unseren Bäuchen in diese Vielfalt von Höhen und Tiefen krochen, mit wachem Auge nach allen Seiten und unseren Herzen, die gegen unsere Rippen hämmerten, dass es einen solchen Glanz von Sonne und Meer gab, ein solches Rauschen des Windes im Dünengras und ein solches Treiben von Kaninchen und aufsteigenden Möwen, dass mir die Wüste wie ein lebendiger Ort vorkam. Zweifellos war es in jeder Hinsicht gut gewählt für eine geheime Einschiffung, wenn das Geheimnis gewahrt geblieben wäre; und selbst jetzt, da es herausgekommen war und der Ort bewacht wurde, konnten wir unbemerkt an die Vorderseite der Sanddünen kriechen, von wo aus sie direkt auf den Strand und das Meer hinabblicken.

Doch hier machte Alan einen plötzlichen Halt.

„Davie“, sagte er, „das ist eine heikle Angelegenheit! Solange wir hier liegen, sind wir sicher; aber ich bin meinem Schiff oder der Küste von Frankreich kein Stück näher. Und sobald wir aufstehen und dem Brigg-Schiff signalisieren, ist es eine andere Sache. Denn wo werden deine Herrschaften wohl sein?“

„Vielleicht sind sie noch nicht da“, sagte ich. „Und selbst wenn sie es sind, gibt es eine klare Sache, die für uns spricht. Sie werden alles darauf ausgerichtet haben, uns zu fangen, das ist wahr. Aber sie werden unser Kommen von Osten her eingeplant haben, und hier sind wir auf ihrer Westseite.“

„Ja“, sagt Alan, „ich wünschte, wir wären in irgendeiner Stärke, und dies wäre eine Schlacht, wir hätten sie herrlich übermanövriert! Aber das ist es nicht, Davit; und so wie es ist, ist es ein wenig weniger inspirierend für Alan Breck. Ich schwanke, Davie.“

„Die Zeit fliegt, Alan“, sagte ich.

„Ich weiß das“, sagte Alan. „Ich weiß nichts anderes, wie die Franzosen sagen. Aber das ist ein schrecklicher Fall von Kopf oder Zahl. O! Wenn ich nur wüsste, wo deine Herrschaften sind!“

„Alan“, sagte ich, „das ist nicht wie du. Es muss jetzt oder nie sein.“

„Das bin nicht ich“, sang er,

sang Alan mit einem sonderbaren Gesicht zwischen Scham und Komik.

„Weder du noch ich, sagte er, weder du noch ich. Wow, nein, Johnnie Mensch! weder du noch ich.“

Und dann stand er plötzlich auf, wo er war, und mit einem Taschentuch, das in seiner rechten Hand flatterte, marschierte er den Strand hinunter. Ich stand selbst auf, blieb aber hinter ihm zurück und suchte die Sanddünen im Osten ab. Sein Erscheinen wurde anfangs nicht bemerkt: Scougal erwartete ihn nicht so früh, und meine Herrschaften hielten auf der anderen Seite Wache. Dann erwachten sie an Bord der Thistle, und es schien, als hätten sie alles bereit, denn es gab kaum eine Sekunde Aufregung an Deck, bevor wir ein Skiff um ihr Heck kommen und lebhaft auf die Küste zu rudern sahen. Fast im gleichen Augenblick, und vielleicht eine halbe Meile entfernt in Richtung Gillane Ness, erschien für einen Augenblick die Gestalt eines Mannes auf einer Sanddüne, der mit den Armen winkte; und obwohl er im gleichen Blitz wieder verschwunden war, flogen die Möwen in diesem Teil noch ein wenig länger unruhig umher.

Alan hatte dies nicht gesehen, da er direkt seewärts auf das Schiff und das Skiff blickte.

„Es muss kommen, wie es kommen soll!“, sagte er, als ich es ihm erzählt hatte. „Möge das Bootchen gut rudern, oder mein Hals wird ein Dehnen ertragen müssen.“

Dieser Teil des Strandes war lang und flach und bot bei Ebbe hervorragende Wege; ein kleiner, kressebewachsener Bach floss an einer Stelle in das Meer; und die Sanddünen verliefen entlang des oberen Randes wie die Stadtmauer. Kein Auge von uns konnte erspähen, was sich dort hinten im Dünengras abspielte, keine Eile von uns konnte die Geschwindigkeit des herankommenden Bootes steigern: die Zeit stand während dieser unheimlichen Wartezeit für uns still.

„Es gibt eine Sache, die ich gerne wüsste“, sagt Alan. „Ich wüsste gerne die Befehle dieser Herrschaften. Wir sind vierhundert Pfund das Paar wert: wie, wenn sie die Geschütze auf uns richteten, Davie! Sie würden einen schönen Schuss von der Spitze dieser langen Sandbank abgeben.“

„Moralisch unmöglich“, sagte ich. „Der Punkt ist, dass sie keine Geschütze haben können. Diese Sache wurde zu heimlich betrieben; Pistolen mögen sie haben, aber niemals Geschütze.“

„Ich glaube, du hast recht“, sagt Alan. „Trotz allem bin ich um dieses Boot sehr besorgt.“

Und er schnippte mit den Fingern und pfiff danach wie nach einem Hund.

Wir waren vielleicht bei einem Drittel des Weges angelangt und befanden uns bereits hart am Saum des Meeres, sodass mir der weiche Sand bis über die Schuhe reichte. Es gab nichts weiter zu tun, als zu warten, so gut wir konnten auf das Näherkommen des Bootes zu schauen und so wenig wie möglich auf die lange, undurchdringliche Front der Sandhügel, über denen die Möwen funkelten und hinter denen sich zweifellos unsere Feinde formierten.

„Das ist ein feiner, heller, zugiger Ort, um sich erschießen zu lassen“, sagt Alan plötzlich; „und bei Gott, ich wünschte, ich hätte deinen Mut!“

„Alan!“, rief ich, „was ist das für ein Gerede! Du bestehst nur aus Mut; es ist der wahre Charakter des Mannes, wie ich selbst beweisen könnte, wenn sonst niemand da wäre.“

„Und da würdest du dich gewaltig irren“, sagte er. „Was bei mir den Unterschied macht, ist nur mein großer Scharfsinn und meine Erfahrung in den Dingen der Welt. Aber für alten, kalten, sturen, tödlichen Mut bin ich nicht würdig, dir die Kerze zu halten. Sieh uns zwei hier auf dem Sand an. Hier bin ich, ganz zappelig, um fortzukommen; hier bist du (soviel ich weiß), unschlüssig, ob du nicht bleiben willst. Glaubst du, dass ich das könnte oder wollte? Nicht ich! Erstens, weil ich den Mut nicht habe und es nicht wagen würde; und zweitens, weil ich ein Mann von so viel Scharfsinn bin und dich erst verdammt sehen wollte.“

„Darauf willst du also hinaus, nicht wahr?“, rief ich. „Ach, Mann Alan, du kannst deine alten Weiber bequatschen, aber mich kannst du niemals einwickeln.“

Die Erinnerung an meine Versuchung im Wald machte mich stark wie Eisen.

„Ich habe ein Treffen einzuhalten“, fuhr ich fort. „Ich bin mit deinem Vetter Charlie verabredet; ich habe mein Wort gegeben.“

„Schöne Treffen, die du da einhalten wirst“, sagte Alan. „Du wirst dich nur ein für alle Mal mit dem Gesindel in den Dünen verheddern. Und wozu?“, fuhr er mit einer extrem drohenden Ernsthaftigkeit fort. „Sag mir das doch, mein Junge! Willst du dich wie Lady Grange entführen lassen? Wollen sie dir einen Dolch in den Leib stoßen und dich in den Dünen verscharren? Oder soll es andersherum sein, und sie wollen dich mit James zusammenbringen? Sind das Leute, denen man trauen kann? Willst du deinen Kopf in das Maul von Sim Fraser und den anderen Whigs stecken?“, fügte er mit außerordentlicher Bitterkeit hinzu.

„Alan“, rief ich, „sie sind allesamt Schurken und Lügner, da bin ich deiner Meinung. Umso mehr Grund, dass es einen anständigen Mann in einem solchen Land der Diebe geben sollte! Mein Wort ist gegeben, und dabei bleibe ich. Ich habe schon vor langer Zeit zu deiner Verwandten gesagt, dass ich vor keinem Risiko zurückschrecken würde. Erinnerst du dich daran? – In der Nacht, als Red Colin fiel, war das. Und das werde ich auch jetzt nicht tun. Hier bleibe ich. Prestongrange hat mir mein Leben versprochen: Wenn er wortbrüchig wird, dann muss ich hier sterben.“

„Aweel, aweel“, sagte Alan.

Die ganze Zeit über hatten wir nichts mehr von unseren Verfolgern gesehen oder gehört. In Wahrheit hatten wir sie überrascht; ihre ganze Truppe (wie ich später erfahren sollte) hatte den Schauplatz noch nicht erreicht; was von ihnen da war, verteilte sich in den Dünen in Richtung Gillane. Es war ein ziemliches Stück Arbeit, sie zusammenzurufen und herüberzuholen, und das Boot nahm Fahrt auf. Sie waren außerdem nur feige Kerle: eine bloße Meute von Hochland-Viehdieben aus verschiedenen Clans, kein Gentleman unter ihnen als Anführer, und je mehr sie Alan und mich am Strand betrachteten, desto weniger (so muss ich annehmen) gefiel ihnen unser Anblick.

Wer auch immer Alan verraten hatte, es war nicht der Kapitän: Er saß selbst im Kahn, steuerte und trieb seine Ruderer an wie ein Mann, dessen Herz bei der Sache war. Er war bereits nahe heran, und das Boot legte an – schon war Alans Gesicht vor Aufregung über seine Rettung dunkelrot angelaufen –, als unsere Freunde in den Dünen, sei es aus Verzweiflung, ihre Beute entkommen zu sehen, oder in der Hoffnung, Andie zu erschrecken, plötzlich einen schrillen Schrei mit mehreren Stimmen ausstießen.

Dieser Laut, der von einer völlig verlassen scheinenden Küste ausging, war wirklich sehr entmutigend, und die Männer im Boot hielten augenblicklich inne.

„Was soll das?“, ruft der Kapitän, denn er war in Rufweite gekommen.

„Freunde von mir“, sagt Alan und begann sofort, im flachen Wasser auf das Boot zuzuwaten. „Davie“, sagte er und hielt inne, „Davie, kommst du nicht mit? Es fällt mir schwer, dich zurückzulassen.“

„Kein Haar von mir“, sagte ich.

Er stand für einen Bruchteil einer Sekunde, wo er bis zu den Knien im Salzwasser stand, und zögerte.

„Wer nach Cupar will, der muss nach Cupar“, sagte er, watete tiefer bis zur Taille hinein und wurde in den Kahn gezogen, der sofort auf das Schiff zusteuerte.

Ich stand, wo er mich verlassen hatte, mit den Händen auf dem Rücken; Alan saß mit dem Kopf zu mir gewandt und beobachtete mich; und das Boot entfernte sich sanft. Plötzlich war ich dem Weinen nahe und kam mir wie der verlassenste, einsamste Bursche in ganz Schottland vor. Damit kehrte ich dem Meer den Rücken und stellte mich den Sandhügeln. Es gab weder Sicht noch Laut von einem Menschen; die Sonne schien auf den nassen und trockenen Sand, der Wind wehte in den Dünen, die Möwen stießen einen trübseligen Pfeifton aus. Als ich den Strand weiter hinaufging, hüpften die Sandflöhe flink um das angeschwemmte Seegras. Zum Teufel auch, kein anderer Anblick oder Laut an diesem unheimlichen Ort. Und doch wusste ich, dass dort Leute waren, die mich beobachteten, in einer geheimen Absicht. Es waren keine Soldaten, sonst hätten sie uns schon längst angegriffen und überwältigt; zweifellos waren es gewöhnliche Schurken, die für meinen Untergang angeheuert worden waren, vielleicht um mich zu entführen, vielleicht um mich auf der Stelle zu ermorden. Aus der Position derer, die dort warteten, war Ersteres wahrscheinlicher; nach dem, was ich über ihren Charakter und ihren Eifer in dieser Angelegenheit wusste, hielt ich Zweiteres für sehr wohl möglich; und das Blut gefror mir in den Adern.

Ich hatte den verrückten Gedanken, mein Schwert in der Scheide zu lockern; denn obwohl ich sehr ungeeignet war, wie ein Gentleman Klinge an Klinge zu stehen, glaubte ich, in einem willkürlichen Kampf etwas Schaden anrichten zu können. Aber ich erkannte rechtzeitig die Torheit des Widerstands. Dies war zweifellos das gemeinsame „Hilfsmittel“, auf das Prestongrange und Fraser sich geeinigt hatten. Der Erste, da war ich mir sehr sicher, hatte etwas getan, um mein Leben zu sichern; der Zweite hatte ziemlich wahrscheinlich einige gegenteilige Andeutungen in die Ohren von Neil und seinen Gefährten flüstern lassen; und wenn ich blanken Stahl zeigte, könnte ich direkt in die Hände meines schlimmsten Feindes spielen und mein eigenes Schicksal besiegeln.

Diese Gedanken brachten mich zum oberen Ende des Strandes. Ich warf einen Blick zurück; das Boot näherte sich der Brigg, und Alan schwenkte sein Taschentuch zum Abschied, was ich mit dem Winken meiner Hand erwiderte. Aber Alan selbst war in meinem Blickfeld zu einer kleinen Gestalt geschrumpft, angesichts dieses Passes, der vor mir lag. Ich drückte meinen Hut fest auf den Kopf, biss die Zähne zusammen und ging geradeaus den Hang der Sanddüne hinauf. Es war ein mühsamer Aufstieg, da er steil war und der Sand unter den Füßen wie Wasser nachgab. Aber schließlich fand ich Halt an dem langen Dünengras auf dem Kamm und zog mich auf einen festen Stand. Im selben Augenblick regten sich Männer und standen hier und da auf, sechs oder sieben von ihnen, zerlumpte Schurken, jeder mit einem Dolch in der Hand. Die reine Wahrheit ist, ich schloss die Augen und betete. Als ich sie wieder öffnete, waren die Schurken ein kleines Stück näher gekommen, ohne ein Wort oder Hast. Jedes Auge war auf meine gerichtet, was mich mit einem seltsamen Gefühl für ihre Helligkeit und die Angst erfüllte, mit der sie sich mir weiterhin näherten. Ich hielt meine leeren Hände hin; woraufhin einer mit einem starken Hochland-Akzent fragte, ob ich mich ergäbe.

„Unter Protest“, sagte ich, „falls ihr wisst, was das bedeutet, was ich bezweifle.“

Bei diesem Wort fielen sie alle wie ein Schwarm Vögel über ein Aas über mich her, packten mich, nahmen mir mein Schwert und alles Geld aus den Taschen, banden mir Hände und Füße mit einem starken Seil und warfen mich auf einen Büschel Dünengras. Dort saßen sie im Halbkreis um ihren Gefangenen und starrten ihn schweigend an wie etwas Gefährliches, vielleicht einen Löwen oder einen Tiger, der zum Sprung bereit war. Nach einer Weile ließ diese Aufmerksamkeit nach. Sie rückten näher zusammen, begannen auf Gälisch zu sprechen und teilten sehr zynisch mein Eigentum vor meinen Augen auf. Es war mein Zeitvertreib in dieser Zeit, dass ich von meinem Platz aus den Fortschritt der Flucht meines Freundes beobachten konnte. Ich sah, wie das Boot die Brigg erreichte und hochgezogen wurde, wie sich die Segel füllten und das Schiff seewärts hinter den Inseln und bei North Berwick vorbeizog.

Im Laufe von etwa zwei Stunden sammelten sich immer mehr zerlumpte Hochländer. Neil war unter den Ersten, bis die Gruppe an die zwanzig Mann stark gewesen sein musste. Mit jeder neuen Ankunft gab es eine neue Runde von Gesprächen, die wie Klagen und Erklärungen klangen; aber ich beobachtete eines: Keiner derer, die spät kamen, hatte einen Anteil an der Aufteilung meiner Beute. Die letzte Diskussion war sehr heftig und hitzig, sodass ich einmal dachte, sie würden sich streiten; kurz darauf trennte sich ihre Gesellschaft, der Großteil kehrte in einem Trupp nach Westen zurück, und nur drei, Neil und zwei andere, blieben als Wachen bei dem Gefangenen.

„Ich könnte einen nennen, der mit eurer Tagesarbeit sehr unzufrieden wäre, Neil Duncanson“, sagte ich, als die anderen weggegangen waren.

Er versicherte mir zur Antwort, dass ich pfleglich behandelt würde, denn er wisse, dass er „bekannt mit der Dame“ sei.

Das war unser ganzes Gespräch, und kein anderer Menschensohn erschien mehr an diesem Küstenabschnitt, bis die Sonne hinter den Hochlandbergen untergegangen war und die Dämmerung dunkel wurde. Zu dieser Stunde wurde ich eines langen, mageren, knochigen Mannes aus Lothian mit einem sehr dunklen Gesicht gewahr, der auf einem Bauernpferd durch die Dünen auf uns zukam.

„Jungs“, rief er, „habt ihr ein Papier wie dieses?“, und hielt eines in der Hand. Neil zog ein zweites hervor, das der Neuankömmling durch eine Hornbrille studierte, und mit der Bemerkung, alles sei in Ordnung und wir seien die Leute, die er suche, stieg er sofort ab. Ich wurde dann an seine Stelle gesetzt, meine Füße unter dem Bauch des Pferdes zusammengebunden, und wir brachen unter der Führung des Lowlanders auf. Sein Weg muss sehr gut gewählt gewesen sein, denn wir trafen auf dem ganzen Weg nur ein einziges Paar – ein Liebespaar –, und diese flohen, vielleicht in der Annahme, wir seien Schmuggler, als wir uns näherten. Wir waren einmal ganz in der Nähe des Fußes von Berwick Law auf der Südseite; ein anderes Mal, als wir über einige offene Hügel zogen, erspähte ich die Lichter eines Dorfes und den alten Turm einer Kirche zwischen einigen Bäumen, nicht weit entfernt, aber zu weit, um um Hilfe zu rufen, selbst wenn ich daran gedacht hätte. Schließlich kamen wir wieder in Hörweite des Meeres. Es gab Mondlicht, wenn auch nicht viel; und dadurch konnte ich die drei riesigen Türme und zerbrochenen Zinnen von Tantallon sehen, jener alten Hauptburg der Red Douglases. Das Pferd wurde im Graben zum Grasen angebunden, und ich wurde hineingeführt, hinaus in den Hof und von dort in die verfallene Steinhalle. Hier entfachten meine Begleiter ein munteres Feuer inmitten des Pflasters, denn die Nacht war kühl. Meine Hände wurden gelöst, ich wurde an der inneren Seite an die Wand gesetzt, und (nachdem der Lowlander Vorräte hervorgeholt hatte) bekam ich Haferbrot und einen Krug französischen Branntwein. Nachdem dies geschehen war, blieb ich wieder mit meinen drei Hochländern allein. Sie saßen dicht am Feuer, tranken und sprachen; der Wind wehte durch die Lücken, wirbelte Rauch und Flammen umher und sang in den Spitzen der Türme; ich konnte das Meer unter den Klippen hören, und da mein Geist hinsichtlich meines Lebens beruhigt war und mein Körper und meine Stimmung durch die Beschäftigung des Tages ermüdet waren, drehte ich mich auf eine Seite und schlief ein.

Ich hatte keine Möglichkeit zu erraten, um welche Stunde ich geweckt wurde, nur dass der Mond untergegangen war und das Feuer heruntergebrannt war. Meine Füße waren jetzt gelöst, und ich wurde durch die Ruinen und die Klippe hinunter auf einem steilen Pfad dorthin getragen, wo ich ein Fischerboot in einer Felsbucht fand. Auf dieses wurde ich an Bord gebracht, und wir begannen bei schönem Sternenlicht vom Ufer abzulegen.

KAPITEL XIV. DIE BASS

Ich hatte keinen Gedanken daran, wohin sie mich brachten; ich suchte nur hier und da nach dem Erscheinen eines Schiffes; und währenddessen ging mir ein Wort von Ransome durch den Kopf – die Zwanzig-Pfünder. Wenn ich ein zweites Mal jener früheren Gefahr der Plantagen ausgesetzt wäre, urteilte ich, müsste es schlecht für mich ausgehen; es gab keinen zweiten Alan; und kein zweites Schiffswrack und keine Ersatzrah waren jetzt zu erwarten; und ich sah mich Tabak unter der Peitschenhieb-Peitsche hacken. Der Gedanke ließ mich erschauern; die Luft war scharf auf dem Wasser, die Streckbalken des Bootes mit kaltem Tau durchnässt: und ich zitterte an meinem Platz neben dem Steuermann. Dies war der dunkle Mann, den ich bisher den Lowlander genannt habe; sein Name war Dale, gewöhnlich Black Andie genannt. Als er das Beben meines Schauers spürte, reichte er mir sehr freundlich eine raue Jacke voller Fischschuppen, mit der ich mich gerne bedeckte.

„Ich danke Ihnen für diese Güte“, sagte ich, „und werde so frei sein, sie mit einer Warnung zu erwidern. Sie übernehmen eine hohe Verantwortung in dieser Angelegenheit. Sie sind nicht wie diese unwissenden, barbarischen Hochländer, sondern wissen, was das Gesetz ist und welche Risiken diejenigen eingehen, die es brechen.“

„Ich bin nicht gerade das, was man einen Extremisten für das Gesetz nennen würde“, sagt er, „im besten Fall; aber in dieser Sache handle ich mit einer guten Vollmacht.“

„Was haben Sie mit mir vor?“, fragte ich.

„Kein Schaden“, sagte er, „überhaupt kein Schaden. Du wirst starke Freunde haben, glaube ich. Du wirst schon noch zurechtkommen.“

Eine Graufärbung begann über das Gesicht des Meeres zu fallen; kleine Tupfen von Rosa und Rot, wie Kohlen eines langsamen Feuers, erschienen im Osten; und zur selben Zeit erwachten die Gänse und begannen um die Spitze der Bass zu schreien. Es ist nur ein einziger Felsklippenhügel, wie jeder weiß, aber groß genug, um eine Stadt daraus zu meißeln. Die See war extrem ruhig, aber ein hohles Plätschern lief um die Basis herum. Mit dem Wachsen der Morgendämmerung konnte ich es klarer und klarer sehen; die geraden Klippen, die mit dem Kot von Seevögeln wie von Morgenfrost bemalt waren, die abfallende Spitze, die mit Gras grün war, der Clan weißer Gänse, der um die Seiten schrie, und die schwarzen, zerbrochenen Gebäude des Gefängnisses, die dicht am Meeresrand saßen.

Beim Anblick kam mir die Wahrheit schlagartig in den Sinn.

„Dorthin bringt ihr mich!“, rief ich.

„Nur zur Bass, mein Junge“, sagte er: „Wo die alten Heiligen vor dir waren, und ich bezweifle, ob du so redlich zu deinem Gefängnis gekommen bist.“

„Aber niemand wohnt jetzt dort“, rief ich; „der Ort ist seit langem eine Ruine.“

„Dann wird es eine umso angenehmere Abwechslung für die Basstölpel sein“, sagte Andie trocken.

Als der Tag langsam heller wurde, bemerkte ich auf der Bilge, zwischen den großen Steinen, mit denen Fischer ihre Boote ballastieren, mehrere Fässer und Körbe sowie einen Vorrat an Brennstoff. All dies wurde auf dem Felsen abgeladen. Andie, ich und meine drei Hochländer (ich nenne sie meine, obwohl es umgekehrt war), landeten zusammen mit ihnen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als das Boot sich wieder entfernte, wobei das Geräusch der Ruder auf den Dollen von den Klippen widerhallte und uns in unserer sonderbaren Abgeschiedenheit zurückließ.

Andie Dale war der Präfekt (wie ich ihn scherzhaft nennen würde) der Bass, da er gleichzeitig der Hirte und der Wildhüter dieses kleinen und reichen Anwesens war. Er musste sich um das Dutzend oder so Schafe kümmern, die auf dem Gras des abfallenden Teils weideten und fett wurden, wie Tiere, die das Dach einer Kathedrale abgrasen. Er hatte außerdem die Aufsicht über die Basstölpel, die in den Klippen nisteten; und daraus wird ein außergewöhnliches Einkommen erzielt. Die Jungen sind eine delikate Speise, bis zu zwei Schilling das Stück ist ein üblicher Preis, der von Feinschmeckern bereitwillig gezahlt wird; sogar die ausgewachsenen Vögel sind wegen ihres Öls und ihrer Federn wertvoll; und ein Teil des Pfarrergehalts von North Berwick wird bis heute in Basstölpeln gezahlt, was es (in den Augen mancher Leute) zu einer begehrten Pfarrei macht. Um diese verschiedenen Geschäfte auszuführen sowie um die Gänse vor Wilderern zu schützen, hatte Andie häufig Gelegenheit, auf dem Felsen zu schlafen und Tage dort zu verbringen; und wir fanden den Mann dort zu Hause wie einen Bauern auf seinem Hof. Er hieß uns alle, einige der Pakete zu schultern, eine Angelegenheit, bei der ich mich beeilte, Hand anzulegen, und führte uns durch ein verschlossenes Tor, das der einzige Zugang zur Insel war, und durch die Ruinen der Festung zum Haus des Gouverneurs. Dort sahen wir an der Asche im Kamin und einer feststehenden Schlafstätte in einer Ecke, dass er sie üblicherweise bewohnte.

Dieses Bett bot er mir nun an, mit der Bemerkung, er nehme an, ich würde mich als von Stand gerieren.

„Mein Stand hat nichts damit zu tun, wo ich liege“, sagte ich. „Ich danke Gott, dass ich schon früher hart gelegen habe und dasselbe wieder mit Dankbarkeit tun kann. Während ich hier bin, Mr. Andie, falls das Ihr Name ist, werde ich meinen Teil tun und meinen Platz neben dem Rest von Ihnen einnehmen; und ich bitte Sie im Gegenzug, mir Ihren Spott zu ersparen, den ich, wie ich zugebe, ungern höre.“

Er grummelte ein wenig bei dieser Rede, schien sie aber nach einigem Nachdenken gutzuheißen. In der Tat war er ein kluger, vernünftiger Mann und ein guter Whig und Presbyterianer; las täglich in einer Taschenbibel und war sowohl fähig als auch begierig, ernsthaft über Religion zu sprechen, wobei er mehr als ein wenig zu den cameronianischen Extremen neigte. Seine Moral war von zweifelhafterer Farbe. Ich fand heraus, dass er tief im freien Handel steckte und die Ruinen von Tantallon als Magazin für geschmuggelte Waren benutzte. Was einen Steuereinnehmer anging, so glaube ich nicht, dass er das Leben eines solchen auch nur einen halben Pfennig wert achtete. Aber dieser Teil der Küste von Lothian ist bis heute ein so wilder Ort und die einfache Bevölkerung dort eine so raue Bande wie jede andere in Schottland.

Ein Vorfall während meiner Gefangenschaft blieb mir durch eine Folge in Erinnerung, die er noch lange Zeit danach hatte. Es lag zu jener Zeit ein Kriegsschiff im Firth, die Seahorse, unter dem Kommando von Kapitän Palliser. Es fügte sich, dass sie im Monat September auf Kreuzfahrt war, zwischen Fife und Lothian pendelte und das Meer nach versunkenen Gefahren lotete. Früh an einem schönen Morgen wurde sie etwa zwei Meilen östlich von uns gesichtet, wo sie ein Boot zu Wasser ließ und die Wildfire Rocks sowie Satan’s Bush zu untersuchen schien, berüchtigte Gefahrenstellen jener Küste. Kurz darauf, nachdem sie ihr Boot wieder an Bord geholt hatte, kam sie mit dem Wind und hielt direkt auf die Bass zu. Dies war für Andie und die Hochländer sehr beunruhigend; die ganze Angelegenheit meiner Internierung war auf Diskretion ausgelegt, und nun, da ein Marinekapitän womöglich plump an Land gehen wollte, drohte die Sache öffentlich zu werden, wenn nicht gar Schlimmeres geschah. Ich war in der Minderheit, ich bin kein Alan, der es mit so vielen aufnehmen könnte, und ich war keineswegs sicher, dass ein Kriegsschiff meine Lage verbessern würde. All dies in Betracht ziehend, gab ich Andie mein Ehrenwort, mich wohl zu verhalten und zu gehorchen, und wurde flugs auf den Gipfel des Felsens gebracht, wo wir uns alle an der Klippenkante an verschiedenen Stellen zur Beobachtung und Tarnung niederlegten. Die Seahorse kam geradewegs auf uns zu, bis ich glaubte, sie würde auflaufen, und wir (die wir schwindelig hinabsahen) konnten die Schiffsbesatzung auf ihren Posten sehen und den Lotgasten das Lot ausrufen hören. Dann wendete sie plötzlich und feuerte eine Salve aus, ich weiß nicht wie vielen großen Geschützen, ab. Der Felsen erbebte vom Donner des Schalls, der Rauch wallte über unsere Köpfe hinweg, und die Gänse erhoben sich in einer Zahl, die jenseits jeder Berechnung oder Vorstellung lag. Ihr Geschrei zu hören und das Flirren ihrer Flügel zu sehen, war eine höchst unnachahmliche Kuriosität; und ich nehme an, es war dieses etwas kindische Vergnügen, weshalb Kapitän Palliser der Bass so nahe gekommen war. Er sollte es mit der Zeit teuer bezahlen. Während seiner Annäherung hatte ich Gelegenheit, eine Bemerkung über die Takelage jenes Schiffes zu machen, an der ich es fortan schon aus Meilen Entfernung erkannte; und dies war (unter der Vorsehung) ein Mittel, mit dem ich ein großes Unheil von einem Freund abwenden und Kapitän Palliser selbst eine empfindliche Enttäuschung bereiten konnte.

Während meiner gesamten Zeit auf dem Felsen lebten wir gut. Wir hatten Dünnbier und Branntwein sowie Hafermehl, aus dem wir uns morgens und abends unseren Brei kochten. Zuweilen kam ein Boot von Castleton und brachte uns ein Viertel Hammelfleisch, denn die Schafe auf dem Felsen durften wir nicht anrühren, da diese eigens für den Markt gemästet wurden. Die Gänse waren leider außerhalb der Saison, und wir ließen sie in Ruhe. Wir fischten selbst, und noch öfter ließen wir die Gänse für uns fischen: Wir beobachteten eine, wenn sie einen Fang gemacht hatte, und verscheuchten sie von ihrer Beute, ehe sie sie verschluckt hatte.

Die sonderbare Natur dieses Ortes und die Kuriositäten, an denen er überreich war, hielten mich beschäftigt und amüsiert. Da eine Flucht unmöglich war, genoss ich meine volle Freiheit und erforschte unablässig die Oberfläche der Insel, wo immer sie den Fuß eines Menschen tragen mochte. Der alte Garten des Gefängnisses war noch zu erkennen, mit verwilderten Blumen und Küchenkräutern und einigen reifen Kirschen an einem Strauch. Etwas tiefer stand eine Kapelle oder die Zelle eines Einsiedlers; wer sie erbaut hatte oder darin wohnte, mag niemand wissen, und der Gedanke an ihr Alter lieferte den Grundstoff für viele Meditationen. Auch das Gefängnis, wo ich nun mit schottischen Rindviehdieben biwakierte, war ein Ort voller Geschichte, sowohl menschlicher als auch göttlicher Art. Ich fand es seltsam, dass so viele Heilige und Märtyrer so kürzlich hier vorbeigegangen waren und nicht einmal ein Blatt aus ihren Bibeln oder einen in die Wand geritzten Namen hinterlassen hatten, während die rauen Soldatenburschen, die auf den Zinnen Wache hielten, die Umgebung mit ihren Andenken gefüllt hatten – meist zerbrochene Tabakpfeifen, und das in überraschender Fülle, aber auch metallene Knöpfe ihrer Röcke. Es gab Zeiten, da glaubte ich, den frommen Klang von Psalmen aus den Kerkern der Märtyrer hören und die Soldaten mit ihren glitzernden Pfeifen auf den Wällen stampfen zu sehen, während hinter ihnen die Morgenröte aus der Nordsee aufstieg.

Zweifellos waren es zu einem guten Teil Andie und seine Geschichten, die mir diese Einfälle in den Kopf setzten. Er war mit der Geschichte des Felsens in allen Einzelheiten außerordentlich gut vertraut, bis hin zu den Namen der einfachen Soldaten, da sein Vater dort in eben dieser Eigenschaft gedient hatte. Zudem war er mit einer natürlichen Begabung zum Erzählen geschenkt, sodass die Leute zu sprechen und die Taten sich vor den Augen zu vollziehen schienen. Diese seine Gabe und mein Eifer zuzuhören, brachten uns einander näher. Ich konnte ehrlich nicht leugnen, dass ich ihn mochte; ich sah bald, dass er mich mochte; und tatsächlich hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, mir sein Wohlwollen zu sichern. Ein seltsamer Umstand (der bald erzählt werden soll) bewirkte dies über meine Erwartung hinaus; doch selbst in den frühen Tagen waren wir ein freundliches Paar für einen Gefangenen und seinen Kerkermeister.

Ich würde mein Gewissen betrügen, wenn ich vorgäbe, mein Aufenthalt auf der Bass sei gänzlich unangenehm gewesen. Es erschien mir als ein sicherer Ort, als wäre ich dorthin meinen Sorgen entkommen. Mir sollte kein Leid geschehen; eine materielle Unmöglichkeit, der Felsen und die tiefe See, hinderte mich an neuen Versuchen; ich fühlte, dass mein Leben sicher war und meine Ehre sicher war, und es gab Zeiten, da erlaubte ich mir, mich daran zu laben wie an gestohlenem Wasser. Zu anderen Zeiten waren meine Gedanken ganz anders, ich erinnerte mich daran, wie stark ich mich sowohl gegenüber Rankeillor als auch gegenüber Stewart ausgedrückt hatte; ich überlegte, dass meine Gefangenschaft auf der Bass, in Sichtweite eines großen Teils der Küste von Fife und Lothian, eine Sache war, von der man eher annehmen würde, ich hätte sie erfunden, als dass ich sie erlitten hätte; und in den Augen dieser beiden Herren zumindest musste ich als Prahler und Feigling gelten. Jetzt wollte ich das leicht genug nehmen; mir einreden, solange ich bei Catriona Drummond einen guten Stand hätte, sei die Meinung des Rests der Menschheit nur Mondschein und verschüttetes Wasser; und von dort in jene Meditationen eines Liebenden übergehen, die für ihn selbst so entzückend sind und einem Leser immer so überraschend müßig erscheinen müssen. Doch bald ergriff mich die Angst auf andere Weise; ich wurde von einer regelrechten Panik des Selbstwertgefühls geschüttelt, und diese vermeintlich harten Urteile erschienen als eine Ungerechtigkeit, die nicht zu ertragen war. Damit wurde ein anderer Gedankengang angestoßen, und kaum hatte ich begonnen, mich über die Urteile der Menschen über mich zu sorgen, als mich die Erinnerung an James Stewart in seinem Kerker und die Klagen seiner Frau heimsuchten. Dann begann die Leidenschaft in mir zu wirken; ich konnte mir nicht verzeihen, dort untätig zu sitzen: Es schien (wenn ich überhaupt ein Mann war), dass ich aus meinem sicheren Ort fliehen oder schwimmen könnte; und es war in solchen Stimmungen und um meine Selbstvorwürfe zu zerstreuen, dass ich mich besonders darum bemühte, Andie Dale für mich zu gewinnen.

Schließlich, als wir beide an einem hellen Morgen allein auf dem Gipfel des Felsens waren, brachte ich einen Hinweis auf ein Bestechungsgeld an. Er sah mich an, warf den Kopf zurück und lachte laut auf.

„Ja, Ihr seid lustig, Mr. Dale“, sagte ich, „aber vielleicht werdet Ihr Euren Ton ändern, wenn Ihr einen Blick auf dieses Papier werft.“

Die dummen Hochländer hatten mir zum Zeitpunkt meiner Festnahme nichts als bares Geld abgenommen, und das Papier, das ich nun Andie zeigte, war eine Quittung der British Linen Company über eine beträchtliche Summe.

Er las es. „Treu und Glauben, Ihr seid gar nicht so schlecht dran“, sagte er.

„Ich dachte, das würde vielleicht Eure Meinung ändern“, sagte ich.

„Hout!“, sagte er. „Es zeigt mir, dass Ihr bestechen könnt; aber ich lasse mich nicht bestechen.“

„Das werden wir noch sehen“, sagte ich. „Und zuerst werde ich Euch zeigen, dass ich weiß, wovon ich rede. Ihr habt Befehle, mich hier bis nach Donnerstag, den 21. September, festzuhalten.“

„Ihr habt auch nicht ganz unrecht“, sagt Andie. „Ich soll Euch, sofern keine Gegenbefehle vorliegen, am Samstag, dem 23., laufen lassen.“

Ich konnte nicht umhin zu fühlen, dass in dieser Anordnung etwas überaus Hinterhältiges lag. Dass ich genau rechtzeitig wieder erscheinen sollte, um zu spät zu kommen, würde meine Geschichte, falls ich gewillt wäre, eine zu erzählen, nur noch unglaubwürdiger machen; und das spornte mich bis zum Kampf an.

„Nun denn, Andie, Ihr, der Ihr die Welt kennt, hört mir zu und denkt nach, während Ihr zuhört“, sagte ich. „Ich weiß, dass große Leute in der Sache ihre Finger im Spiel haben, und ich zweifle nicht daran, dass Ihr ihre Namen habt, auf die Ihr Euch stützt. Ich habe einige von ihnen selbst gesehen, seit diese Affäre begann, und ihnen meine Meinung ins Gesicht gesagt. Aber was für ein Verbrechen sollte das sein, das ich begangen habe? Oder was für ein Prozess ist das, in den ich geraten bin? Von einem zerlumpten John-Hielandman am 30. August aufgegriffen, zu einem Haufen alter Steine verschleppt zu werden, der nun weder Fort noch Gefängnis ist (was auch immer er einst war), sondern nur das Jägerhaus des Bass Rock, und am 23. September wieder freigelassen zu werden, so heimlich, wie ich zuerst verhaftet wurde – klingt das für Euch nach Gesetz? Oder klingt das nach Gerechtigkeit? Oder klingt es nicht ehrlich wie ein Stück einer schmutzigen Intrige, derer sich die Leute, die sich damit befassen, selbst schämen?“

„Ich kann Euch nicht widersprechen, Shaws. Es sieht ungemein hinterhältig aus“, sagt Andie. „Und wären die Leute nicht gute, solide Whigs und echte, stramme Presbyterianer, hätte ich sie jenseits von Jordan und Jerusalem gesehen, bevor ich Hand daran gelegt hätte.“

„Der Master of Lovat wird ein braver Whig sein“, sage ich, „und ein großartiger Presbyterianer.“

„Ich weiß nichts von ihm“, sagte er. „Ich habe keine Geschäfte mit Lovats.“

„Nein, es wird Prestongrange sein, mit dem Ihr zu tun habt“, sagte ich.

„Ah, aber das werde ich Euch nicht sagen“, sagte Andie.

„Wenig Notwendigkeit, wenn ich es weiß“, war meine Erwiderung.

„Es gibt nur die eine Sache, der Ihr Euch ziemlich sicher sein könnt, Shaws“, sagt Andie. „Und das ist, dass (versucht es, wie Ihr wollt) ich nicht mit Euch selbst verhandle; und das werde ich auch nicht“, fügte er hinzu.

„Nun, Andie, ich sehe, ich werde mit Euch offen sprechen müssen“, antwortete ich. Und erzählte ihm so viel von den Tatsachen, wie ich für nötig hielt.

Er hörte mich mit einigem ernsten Interesse an, und als ich fertig war, schien er ein wenig in sich zu gehen.

„Shaws“, sagte er schließlich, „ich werde mit offenen Karten spielen. Es ist eine seltsame Geschichte, und nicht sehr glaubwürdig, die Art, wie Ihr sie erzählt; und ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass sie anders ist als die Art, wie Ihr sie glaubt. Was Euch betrifft, Ihr scheint mir ein ziemlich anständiger junger Mann zu sein. Aber ich, der ich älter und umsichtiger bin, sehe vielleicht ein kleines Stück weiter in die Zukunft bei dieser Sache, als Ihr es könnt. Und hier ist die Sache klar und deutlich für Euch. Es wird Euch kein Leid geschehen, wenn ich Euch hier behalte; ganz im Gegenteil, ich denke, Ihr werdet daran um einiges besser sein. Es wird dem Land kein Leid geschehen – nur ein Hochländer mehr, der aufgehängt wird – Gott weiß, ein gutes Aufräumen! Andererseits wäre es ein beträchtlicher Schaden für mich, wenn ich Euch freilassen würde. Also, als ein guter Whig gesprochen, ein ehrlicher Freund von Euch und ein besorgter Freund meiner selbst, ist die einfache Tatsache, dass ich denke, Ihr werdet einfach hier bei Andie und den Basstölpeln bleiben müssen.“

„Andie“, sagte ich und legte meine Hand auf sein Knie, „dieser Hochländer ist unschuldig.“

„Ja, das ist eine Schande“, sagte er. „Aber seht Ihr, auf dieser Welt, so wie Gott sie geschaffen hat, können wir nicht alles bekommen, was wir wollen.“

KAPITEL XV. BLACK ANDIES GESCHICHTE VON TOD LAPRAIK

Ich habe bisher nur wenig von den Hochländern erzählt. Sie waren alle drei Anhänger von James More, was die Anklage sehr eng um den Hals ihres Herrn legte. Alle verstanden ein oder zwei Worte Englisch, aber Neil war der einzige, der urteilte, dass er genug davon für ein allgemeines Gespräch besäße, bei dem (sobald er einmal angefangen hatte) seine Gesellschaft oft zum gegenteiligen Urteil verleitet wurde. Sie waren gefügige, einfache Geschöpfe; zeigten viel mehr Höflichkeit, als man von ihrer Zerlumptheit und ihrem ungeschliffenen Aussehen hätte erwarten können, und wurden spontan zu so etwas wie drei Dienern für Andie und mich.

Da ich an diesem isolierten Ort in den alten, verfallenden Ruinen eines Gefängnisses lebte und von den endlosen seltsamen Geräuschen des Meeres und der Seevögel umgeben war, glaubte ich, bei ihnen schon früh die Auswirkungen von abergläubischer Angst wahrzunehmen. Wenn nichts zu tun war, legten sie sich entweder hin und schliefen, wofür ihr Appetit unersättlich schien, oder Neil unterhielt die anderen mit Geschichten, die immer einen erschreckenden Tonfall zu haben schienen. Wenn keine dieser Freuden in Reichweite war – wenn vielleicht zwei schliefen und der dritte keinen Weg fand, ihrem Beispiel zu folgen –, sah ich ihn sitzen, zuhören und sich mit einer Zunahme von Unbehagen umsehen, zusammenzucken, das Gesicht bleich, die Hände verkrampft, ein Mann gespannt wie ein Bogen. Die Art dieser Ängste hatte ich nie Gelegenheit herauszufinden, doch ihr Anblick war ansteckend, und die Art des Ortes, an dem wir uns befanden, begünstigte Alarme. Ich finde kein Wort dafür im Englischen, aber Andie hatte im Schottischen einen Ausdruck dafür, von dem er nie abwich.

„Ja“, pflegte er zu sagen, „es ist ein unheimlicher Ort, die Bass.“

So denke ich immer an ihn. Es war ein unheimlicher Ort bei Nacht, unheimlich bei Tag; und es waren unheimliche Laute, vom Rufen der Basstölpel und dem Plätschern des Meeres und den Echos des Felsens, die ständig in unseren Ohren hingen. Dies war vor allem bei mäßigem Wetter so. Wenn die Wellen einigermaßen groß waren, donnerten sie um den Felsen wie Donner und die Trommeln von Armeen, schrecklich, aber lustig anzuhören; und es war an den ruhigen Tagen, dass ein Mann sich durch das Zuhören einschüchtern konnte – nicht nur ein Hochländer, wie ich mehrere Male an mir selbst experimentierte, so viele stille, hohle Geräusche spukten und hallten in den Poren des Felsens.

Dies bringt mich zu einer Geschichte, die ich hörte, und einer Szene, an der ich teilnahm, die unsere Lebensbedingungen völlig veränderte und einen großen Einfluss auf meine Abreise hatte. Es fügte sich eines Nachts, dass ich neben dem Feuer in Grübeleien versank und (als diese kleine Melodie von Alan in meine Erinnerung zurückkehrte) anfing zu pfeifen. Eine Hand wurde auf meinen Arm gelegt, und die Stimme von Neil gebot mir einzuhalten, denn es sei keine „kanny Musik“.

„Nicht kanny?“, fragte ich. „Wie kann das sein?“

„Nein“, sagte er; „sie wird von einem Bogle gemacht, und sie will den Kopf auf seinem Körper haben.“

„Nun“, sagte ich, „hier kann es keine Bogles geben, Neil; denn es ist nicht wahrscheinlich, dass sie sich die Mühe machen würden, Gänse zu erschrecken.“

„Ja?“, sagt Andie, „ist es das, was Ihr davon haltet! Aber ich kann Euch sagen, dass es hier Schlimmeres als Bogles gegeben hat.“

„Was ist schlimmer als Bogles, Andie?“, sagte ich.

„Hexenmeister“, sagte er. „Oder zumindest einen Hexenmeister. Und das ist auch eine sonderbare Geschichte“, fügte er hinzu. „Und wenn Ihr möchtet, werde ich sie Euch erzählen.“

Sicherlich waren wir alle einer Meinung, und sogar der Hochländer, der von den dreien das wenigste Englisch verstand, machte sich daran, mit aller Macht zuzuhören.

Die Geschichte von Tod Lapraik

Mein Vater, Tam Dale, Friede seinen Gebeinen, war ein wilder, prahlender Bursche in seinen jungen Tagen, mit wenig Weisheit und wenig Anmut. Er liebte ein Mädchen und liebte ein Glas und liebte das Herumstreifen; aber ich konnte nie hören, dass er viel Nutzen für eine ehrliche Beschäftigung gehabt hätte. Von einer Sache zur anderen kam es, dass er sich schließlich als Soldat einschrieb und in der Garnison dieses Forts war, was der erste Weg war, wie irgendeiner der Dales jemals Fuß auf die Bass setzte. Kummer über diesen Dienst! Der Gouverneur braute sein eigenes Bier; es scheint, es war das schlechteste, das man sich vorstellen konnte. Der Felsen wurde vom Ufer her mit Lebensmitteln versorgt, die Sache war schlecht geführt, und es gab Zeiten, da mussten sie Fische und Basstölpel für ihre Kost fangen und schießen. Um alles zu krönen, das waren die Tage der Verfolgung. Die eiskalten Kammern waren alle mit Heiligen und Märtyrern belegt, dem Salz der Erde, dessen sie nicht wert war. Und obwohl Tam Dale dort ein Gewehr trug, ein einfacher Soldat, und ein Mädchen und ein Glas mochte, wie ich sagte, war der Geist des Mannes gerechter, als es zu seiner Position passte. Er hatte Einblicke in die Herrlichkeit der Kirche; es gab Zeiten, da stieg sein Zorn, die Heiligen des Herrn misshandelt zu sehen, und Scham bedeckte ihn, dass er eine Kerze halten (oder ein Gewehr tragen) sollte in einer so schwarzen Angelegenheit. Es gab Nächte, wenn er hier auf Posten stand, der Ort ganz still, der Frost des Winters vielleicht in den Mauern reißend, und er hörte einen der Gefangenen einen Psalm anstimmen, und die anderen stimmten ein, und die gesegneten Klänge stiegen aus den verschiedenen Kammern – oder Kerkern, sollte ich eher sagen – auf, sodass dieser alte Fels im Meer wie ein Teil des Himmels war. Schwarze Schande lag auf seiner Seele; seine Sünden türmten sich vor ihm auf, groß wie die Bass, und vor allem diese Hauptsünde, dass er eine Hand beim Hacken und Hauen an Christi Kirche haben sollte. Aber die Wahrheit ist, dass er dem Geist widerstand. Der Tag kam, da waren die aufreizenden Gefährten, und seine guten Vorsätze verschwanden.

In diesen Tagen wohnte auf der Bass ein Mann Gottes, Peden der Prophet war sein Name. Ihr werdet von Prophet Peden gehört haben. Es gab seitdem nie wieder seinesgleichen, und es ist für viele eine Frage, ob es je seinesgleichen zuvor gab. Er war wild wie ein Torfmoor, furchterregend anzusehen, furchterregend zu hören, sein Gesicht wie der Tag des Jüngsten Gerichts. Seine Stimme war wie die eines Basstölpels und dröhnte in den Ohren der Leute, und seine Worte waren wie glühende Kohlen.

Nun gab es ein Mädchen auf dem Felsen, und ich glaube, sie hatte wenig zu tun, denn es war kein Ort für anständige Frauen; aber es scheint, sie war hübsch, und sie und Tam Dale waren sich sehr einig. Es begab sich, dass Peden allein im Garten betete, als Tam und das Mädchen vorbeikamen; und was sollte das Mädchen tun, als sich lachend über die Andacht des Heiligen lustig zu machen? Er stand auf und sah die beiden an, und Tams Knie schlotterten bei seinem Anblick. Aber als er sprach, war es eher mit Kummer als mit Zorn. „Armes Ding, armes Ding!“, sagt er, und es war das Mädchen, das er ansah, „ich höre dich schreien und lachen“, sagt er, „aber der Herr hat einen tödlichen Schuss für dich bereit, und bei diesem überraschenden Urteil wirst du nur das eine Mal schreien!“ Kurz darauf spazierte sie mit zwei, drei Soldaten auf den Felsen herum, und es war ein windiger Tag. Da kam ein Windstoß, ergriff sie bei den Röcken und weg mit ihr, mit Sack und Pack. Und es wurde von den Soldaten bemerkt, dass sie nur das eine Mal schrie.

Kein Zweifel, dieses Urteil hatte einiges Gewicht auf Tam Dale; aber es verging wieder, und er war kein bisschen besser. Eines Tages stritt er mit einem anderen Soldatenburschen. „Der Teufel hole mich!“, sagte Tam, denn er war ein profaner Flucher. Und da war Peden, der ihn anstarrte, grimmig und wehklagend; Peden mit seinen langen Kiefern und glimmenden Augen, den Überwurf um seine Brust gewickelt, und seine Hand hielt er ausgestreckt mit den schwarzen Nägeln an den Fingerspitzen – denn er kümmerte sich nicht um den Körper. „Pfui, pfui, armer Mann!“, ruft er, „der arme dumme Mann! Der Teufel hole mich, sagt er; und ich sehe den Teufel an seiner Achsel.“ Die Überzeugung von Schuld und Gnade kam über Tam wie die tiefe See; er warf den Spieß, den er in den Händen hielt, hin – „Ich werde nicht mehr die Waffen gegen die Sache Christi erheben!“, sagt er, und hielt Wort. Es gab anfangs ein großes Geschrei, aber der Gouverneur, der sah, dass er entschlossen war, gab ihm seinen Abschied, und er ging, wohnte und heiratete in North Berwick und hatte von jenem Tag an immer einen guten Namen bei ehrlichen Leuten.

Es war im Jahr siebzehnhundertsechs, dass die Bass in die Hände der Dalrymples kam, und es gab zwei Männer, die sich um die Verwaltung bewarben. Beide waren wohlqualifiziert, denn sie waren beide Soldaten in der Garnison gewesen und kannten den Kniff, wie man mit Basstölpeln umging, sowie deren Jahreszeiten und Werte. Außerdem waren beide – oder schienen es beide zu sein – ernsthafte Bekenner und Männer von gefälliger Unterhaltung. Der erste von ihnen war gerade Tam Dale, mein Vater. Der zweite war ein gewisser Lapraik, den die Leute meist Tod Lapraik nannten, aber ob wegen seines Namens oder seines Wesens, das konnte ich nie in Erfahrung bringen. Nun, Tam ging zu Lapraik, um mit ihm über diese Angelegenheit zu sprechen, und nahm mich, der ich ein torkelnder kleiner Junge war, bei der Hand. Tod hatte seine Behausung in der langen Gasse nördlich des Kirchhofs. Es ist eine dunkle, unheimliche Gasse, abgesehen davon, dass die Kirche seit den Tagen von James dem Sechsten und den Zaubereien des Teufels, die darin getrieben wurden, als die Königin auf See war, immer einen schlechten Ruf hatte; und was Tods Haus betraf, so lag es am finstersten Ende und war bei manchen, die es besser wussten, wenig beliebt. Die Tür war an jenem Tag nur angelehnt, und mein Vater und ich gingen schnurstracks hinein. Tod war von Beruf Weber; sein Webstuhl stand in der Stube. Dort saß er, ein gewaltiger, fetter, weißer Klumpen von einem Mann wie Talg, mit einer Art heiligen Lächelns, das mich schaudern machte. Seine Hand trieb immer den Webschützen an, aber seine Augen waren geschlossen. Wir riefen ihn bei seinem Namen, wir schrien in sein taubes Ohr, wir schüttelten ihn an der Schulter. Keine Art von Reaktion! Da saß er auf seinem Hintern, trieb den Webschützen an und lächelte wie Talg.

„Gott sei uns gnädig“, sagt Tam Dale, „das ist nicht geheuer.“

Er hatte das Wort kaum ausgesprochen, als Tod Lapraik zu sich kam.

„Bist du das, Tam?“, sagt er. „Heidewitzka, Mann! Ich freue mich, dich zu sehen. Ich verfalle manchmal in so eine Art Dämmerschlaf“, sagt er; „das kommt vom Magen.“

Nun, sie begannen über die Bass zu plaudern und welcher von ihnen beiden die Aufsicht darüber bekommen sollte, und nach und nach kamen sie zu sehr bösen Worten und gingen im Zorn auseinander. Ich erinnere mich gut, dass mein Vater auf dem Heimweg immer und immer wieder denselben Ausdruck wiederholte, wie wenig er Tod Lapraik und seine Dämmerschlafe mochte.

„Dämmerschlaf!“, sagt er. „Ich denke, Leute sind schon für Dämmerschlafe wie jene verbrannt worden.“

Nun, mein Vater bekam die Bass und Tod ging leer aus. Es wurde später erinnert, auf welche Weise er die Sache aufgenommen hatte. „Tam“, sagt er, „du hast mich wieder einmal übervorteilt, und ich hoffe“, sagt er, „du wirst auf der Bass zumindest alles finden, was du erwartest.“ Was seither für bemerkenswerte Äußerungen gehalten wurde. Endlich kam die Zeit für Tam Dale, junge Basstölpel zu fangen. Das war ein Geschäft, das er gut kannte; er war seit seiner Jugend ein Kletterer gewesen und vertraute niemandem außer sich selbst. So hing er da an einem Seil und spreizte sich an der Felswand, wo sie am höchsten und steilsten ist. Vier umsichtige Burschen waren oben, hielten das Seil und achteten auf seine Signale. Aber wo Tam hing, gab es nichts als den Felsen, das Meer unter sich und die Basstölpel, die schrien und flogen. Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen, und Tam pfiff, während er die jungen Gänse griff. Oft habe ich ihn von dieser Erfahrung erzählen hören, und immer lief ihm der Schweiß über den Mann.

Es fügte sich, versteht Ihr, dass Tam aufblickte, und er wurde eines großen Basstölpels gewahr, der am Seil pickte. Er hielt dies für außergewöhnlich und gegen die Gewohnheiten des Geschöpfes. Er dachte daran, dass Seile verdammt weiche Dinge seien und der Schnabel des Basstölpels und der Bass Rock verdammt hart, und dass zweihundert Fuß etwas mehr waren, als er gerne fallen würde.

„Schsch!“, sagt Tam. „Weg, Vogel! Schsch, weg mit dir!“, sagt er.

Der Basstölpel blickte hinunter in Tams Gesicht, und es lag etwas Unheimliches im Auge der Kreatur. Nur diesen einen Blick warf er und ging zurück ans Seil. Aber nun arbeitete und zappelte er wie ein von Sinnen gebrachtes Ding. Es gab nie einen Basstölpel, der so arbeitete wie dieser Basstölpel; und er schien sein Handwerk vortrefflich zu verstehen, indem er das weiche Seil zwischen seinem Schnabel und einem gezackten Felsvorsprung zerquetschte.

Ein kalter Schauer der Angst fuhr in Tams Herz. „Dieses Ding ist kein Vogel“, denkt er. Seine Augen drehten sich in seinem Kopf nach hinten und der Tag wurde schwarz um ihn herum. „Wenn ich jetzt einen Dämmerschlaf bekomme“, dachte er, „dann ist es aus mit Tam Dale.“ Und er signalisierte den Burschen, ihn hochzuziehen.

Und es schien, als verstünde der Basstölpel die Signale. Denn kaum war das Signal gegeben, als er das Seil losließ, seine Flügel ausbreitete, laut krächzte, eine Flugkurve beschrieb und direkt auf Tam Dales Augen zustieß. Tam hatte ein Messer, er ließ den kalten Stahl glitzern. Und es schien, als verstünde der Basstölpel etwas von Messern, denn kaum blitzte der Stahl in der Sonne, als er das eine Krächzen ausstieß, aber leiser, wie jemand, der enttäuscht ist, und davonflog um die Rundung des Felsens, und Tam sah ihn nicht mehr. Und sobald jenes Ding fort war, sank Tams Kopf auf seine Schulter, und sie zogen ihn hoch wie einen toten Körper, der gegen den Felsen stieß.

Ein Schluck Branntwein (ohne den er nie ausging) brachte ihn wieder zu sich, oder was von ihm übrig war. Er setzte sich auf.

„Lauf, Geordie, lauf zum Boot, sorge für das Boot, Mann – lauf!“, schreit er, „oder jener Basstölpel wird es uns wegnehmen“, sagt er.

Die vier Burschen starrten einander an und versuchten ihn zu beschwichtigen, er solle ruhig sein. Aber nichts konnte Tam Dale zufriedenstellen, bis einer von ihnen vorausgelaufen war, um beim Boot Wache zu halten. Die anderen fragten, ob er wieder hinunterwolle.

„Nein“, sagt er, „und weder ihr noch ich“, sagt er, „und sobald ich auf meinen zwei Beinen stehen kann, werden wir weg sein von diesem Felsen des Satans.“

Wahrlich, keine Zeit wurde verloren, und das war schon zu viel; denn bevor sie North Berwick erreichten, lag Tam im Wechselfieber. Er lag den ganzen Sommer; und wer war so freundlich, sich nach ihm zu erkundigen, als Tod Lapraik! Die Leute dachten später, dass jedes Mal, wenn Tod sich dem Haus näherte, das Fieber sich verschlimmert habe. Ich weiß es nicht; aber was ich am besten weiß, das war das Ende davon.

Es war um diese Zeit des Jahres; mein Großvater war draußen beim Weißfischfang; und wie ein Kind musste ich mit ihm gehen. Wir hatten einen großartigen Fang, ich erinnere mich, und die Art, wie die Fische lagen, brachte uns nahe an die Bass heran, wo wir auf ein anderes Boot trafen, das einem gewissen Sandie Fletcher in Castleton gehörte. Er ist auch nicht lange tot, sonst könntet Ihr ihn selbst fragen. Nun, Sandie rief herüber.

„Was ist das da auf der Bass?“, sagt er.

„Auf der Bass?“, sagt Großvater.

„Ja“, sagt Sandie, „auf der grünen Seite davon.“

„Was für ein Ding?“, sagt Großvater. „Da kann nichts auf der Bass sein außer den Schafen.“

„Es sieht verdammt nach einem Körper aus“, sagte Sandie, der näher dran war.

„Ein Körper!“, sagen wir, und keinem von uns gefiel das. Denn es gab kein Boot, das einen Mann hätte bringen können, und der Schlüssel zum Gefängnistor hing zu Hause bei meinem Vater im Schrankbett.

Wir hielten die beiden Boote zur Gesellschaft dicht beieinander und krochen näher heran. Großvater hatte ein Fernrohr, denn er war Seemann gewesen und Kapitän einer Schaluppe, und hatte sie auf den Sandbänken von Tay verloren. Und als wir das Glas darauf richteten, wahrhaftig, da war ein Mann. Er war in einer Falte des grünen Hügels, ein wenig unterhalb der Kapelle, ganz für sich allein, und sprang und wirbelte und tanzte wie ein verrücktes Weib auf einer Hochzeit.

„Es ist Tod“, sagt Großvater und reichte Sandie das Glas.

„Ja, er ist es“, sagt Sandie.

„Oder einer in seiner Gestalt“, sagt Großvater.

„Klein ist der Unterschied“, sagte Sandie. „Teufel oder Hexenmeister, ich werde es mit der Flinte auf ihn versuchen“, sagte er und holte eine Flinte hervor, die er immer bei sich trug, denn Sandie war ein bemerkenswert berühmter Schütze in der ganzen Gegend.

„Halt inne, Sandie“, sagt Großvater; „wir müssen erst klarer sehen“, sagt er, „sonst könnte das ein teurer Tag für uns beide werden.“

„Pah!“, sagt Sandie, „das ist sicherlich ein Gericht des Herrn, und verdammt sei es“, sagt er.

„Vielleicht ja und vielleicht nein“, sagt mein Großvater, der gute Mann! „Aber denkst du an den Staatsanwalt, dem du, glaube ich, schon einmal begegnet bist“, sagt er.

Das war nur allzu wahr, und Sandie war ein wenig aus dem Konzept gebracht. „Nun, Edie“, sagt er, „und was wäre dein Weg?“

„Oh, einfach dies“, sagt Großvater. „Lass mich, der ich das schnellste Boot habe, zurück nach North Berwick fahren, und du bleibst hier und behältst Jenes im Auge. Wenn ich Lapraik nicht finden kann, stoße ich zu dir und wir beide werden ein Wörtchen mit ihm reden. Aber wenn Lapraik zu Hause ist, werde ich die Flagge am Hafen hissen, und du kannst Jenes Ding mit der Flinte versuchen.“

Nun, so wurde es zwischen den beiden vereinbart. Ich war nur ein Kind und kletterte in Sandies Boot, wo ich dachte, dass ich das Beste von der Angelegenheit sehen würde. Mein Großvater gab Sandie einen silbernen Teston, den er mit den Bleischroten in seine Flinte stecken sollte, da dies gegen Geister tödlicher sei. Und dann fuhr das eine Boot nach North Berwick, und das andere lag, wo es war, und beobachtete das unheilvolle Ding auf dem Hügelhang.

Die ganze Zeit, die wir dort lagen, sprang und wirbelte und hüpfte es und drehte sich wie ein Kreisel, und manchmal konnten wir es kreischen hören, während es sich drehte. Ich habe Mädchen gesehen, die verrückten Weiber, die eine Winternacht lang springen und tanzen würden und immer noch springen und tanzen, wenn der Wintertag anbrach. Aber dort wären Leute gewesen, die ihnen Gesellschaft leisteten, und Burschen, die sie anstachelten; und dieses Ding war ganz allein. Und da wäre ein Geiger gewesen, der seinen Ellbogen im Kaminwinkel bewegte; und dieses Ding hatte keine Musik außer dem Kreischen der Basstölpel. Und die Mädchen waren junge Dinger, bei denen das rote Leben in ihren Gliedern pulsierte und bebte; und dies war ein gewaltiger, fetter, öliger Mann, der im Herbst seiner Jahre stand. Sagt, was Ihr wollt, ich muss sagen, was ich glaube. Freude war im Herzen der Kreatur, die Freude der Hölle, wage ich zu sagen: Freude allemal. Oft habe ich mich gefragt, warum Hexen und Hexenmeister ihre Seelen (die ihre kostbarsten Besitztümer sind) verkaufen und alte, zerlumpte, runzlige Weiber oder alte, schwächliche, tattrige Männer sein sollten; und dann denke ich an Tod Lapraik, der stundenlang ganz allein in der schwarzen Herrlichkeit seines Herzens tanzte. Zweifellos brennen sie in der Hölle gewaltig dafür, aber sie haben hier eine großartige Zeit, wie auch immer! – und der Herr verzeihe uns!

Nun, am Ende sahen wir das kleine Fähnchen zum Masttop auf den Hafenfelsen hochschnellen. Das war alles, worauf Sandie wartete. Er nahm die Flinte, zielte wohlüberlegt und drückte ab. Es gab einen Knall und dann ein einziges wehevolles Kreischen von der Bass. Und da waren wir, rieben uns die Augen und sahen einander an wie Verrückte. Denn mit dem Knall und dem Kreischen war das Ding sauber verschwunden. Die Sonne glitzerte, der Wind blies, und da war der kahle Hügel, wo das Wunder noch eine Sekunde zuvor gesprungen und gewirbelt hatte.

Den ganzen Weg nach Hause brüllte und weinte ich vor Schreck über diese Fügung. Die Erwachsenen waren kaum besser; in Sandies Boot wurde wenig gesagt außer nur dem Namen Gottes; und als wir am Pier ankamen, waren die Hafenfelsen ganz schwarz von den Leuten, die auf uns warteten. Es scheint, sie hatten Lapraik in einem seiner Dämmerschlafe gefunden, wie er den Webschützen trieb und lächelte. Einen Burschen schickten sie, um die Flagge zu hissen, und die übrigen blieben dort im Haus des Webers. Ihr könnt sicher sein, dass ihnen das wenig gefiel; aber es war ein Gnadenmittel für etliche, die dort standen und für sich beteten (denn niemand wagte laut zu beten) und auf dieses ehrfurchtgebietende Ding schauten, wie es den Webschützen trieb. Dann, plötzlich und mit dem einen schrecklichen Kreischen, sprang Tod von seinem Hinterteil auf und fiel nach vorne auf das Gewebe, ein blutiger Leichnam.

Als der Leichnam untersucht wurde, hatten die Bleischrote nicht etwa am Körper des Hexenmeisters abgeprallt; keine Spur eines Bleischrots war zu finden! Aber da war Großvaters silberner Teston im Krötenherzen von ihm.

Doch der zweite Beilagezettel war bei weitem der überraschendere. Er war in der Handschrift einer Dame verfasst. „Maister Dauvit Balfour wird in Kenntnis gesetzt, dass ein Freund nach ihm fragte und ihre Augen von der grauen Farbe waren“, lautete er – und erschien mir als ein so außergewöhnliches Schriftstück, das mir in einem solchen Augenblick und unter dem Siegel der Regierung in die Hände fiel, dass ich stutzig dastand. Catriona graue Augen leuchteten in meiner Erinnerung auf. Ich dachte mit einem Freudensprung, sie müsse diese Freundin sein. Aber wer sollte die Verfasserin sein, dass ihr Zettel derart mit dem von Prestongrange zusammen verschickt wurde? Und welch ein Wunder, warum hielt man es für nötig, mir diese erfreuliche, aber völlig zusammenhanglose Nachricht auf der Bass zu übermitteln? Was die Verfasserin betraf, so fiel mir keine andere als Miss Grant ein. Ihre Familie, so erinnerte ich mich, hatte Catriona auf die Augen angesprochen und sie sogar nach ihrer Farbe benannt; und sie selbst pflegte mich oft mit einer breiten Aussprache anzusprechen, wohl als eine Art Nase-Rümpfen über meine bäuerliche Herkunft, wie ich vermutete. Zweifellos wohnte sie zudem in demselben Haus, aus dem dieser Brief kam. So blieb nur ein Schritt zu erklären; und das war, wie Prestongrange ihr überhaupt erlauben konnte, sich in eine so geheime Angelegenheit einzumischen, oder ihren törichten Zettel im selben Umschlag mit seinem eigenen zu versenden. Aber selbst hier hatte ich eine Ahnung. Denn erstens ging von der jungen Dame etwas ziemlich Beängstigendes aus, und der Papa stand womöglich stärker unter ihrem Einfluss, als ich wusste. Und zweitens war die beständige Taktik des Mannes zu bedenken, wie sein Gebaren stets mit Schmeicheleien vermischt war und er inmitten so vieler Streitigkeiten kaum je die Maske der Freundschaft abgelegt hatte. Er musste annehmen, dass meine Inhaftierung mich erzürnt hatte. Vielleicht war diese kleine scherzhafte, freundliche Nachricht dazu gedacht, meinen Groll zu entwaffnen?

Ich will ehrlich sein – und ich glaube, das tat sie. Ich empfand eine plötzliche Wärme für diese schöne Miss Grant, dass sie sich dazu herabließ, so viel Anteil an meinen Angelegenheiten zu nehmen. Die Erinnerung an Catriona bewegte mich von selbst zu milderen und feigeren Ratschlägen. Wenn der Advocate von ihr und unserer Bekanntschaft wusste – wenn ich ihm mit jener „Diskretion“ gefiel, auf die sein Brief hindeutete –, wohin könnte das nicht führen! Vergebens ist das Netz ausgelegt vor den Augen aller Vögel, sagt die Schrift. Nun, Vögel müssen weiser sein als die Leute! Denn ich glaubte, die Taktik zu durchschauen, und ließ mich doch darauf ein.

Ich war in dieser Stimmung, mein Herz klopfte, die grauen Augen standen mir deutlich wie zwei Sterne vor Augen, als Andie meine Träumereien unterbrach.

„Ich sehe, Ihr habt gute Nachrichten erhalten“, sagte er.

Ich bemerkte, wie er mein Gesicht neugierig betrachtete; damit tauchte vor mir wie eine Vision James Stewart und das Gericht von Inverary auf; und mein Geist schlug sofort um wie eine Tür in ihren Angeln. Prozesse, so überlegte ich, ziehen sich manchmal länger hin, als man glaubt. Selbst wenn ich gerade zu spät nach Inverary käme, könnte vielleicht doch noch etwas im Interesse von James versucht werden – und im Interesse meines eigenen Rufes wäre das Beste erreicht. In einem Augenblick, scheinbar ohne nachzudenken, hatte ich einen Plan entworfen.

„Andie“, sagte ich, „soll es immer noch morgen sein?“

Er sagte mir, es habe sich nichts geändert.

„Wurde etwas über die Uhrzeit gesagt?“, fragte ich.

Er sagte mir, es solle zwei Uhr nachmittags sein.

„Und über den Ort?“, fuhr ich fort.

„Was für einen Ort?“, sagt Andie.

„Den Ort, an dem ich an Land gehen soll?“, sagte ich.

Er gab zu, dass diesbezüglich nichts abgemacht sei.

„Sehr gut dann“, sagte ich, „das werde ich arrangieren. Der Wind kommt aus Osten, mein Weg führt nach Westen: Behaltet Euer Boot, ich miete es; lasst uns den ganzen Tag den Forth hinaufarbeiten; und setzt mich morgen um zwei Uhr an dem westlichsten Punkt ab, den wir erreichen können.“

„Ihr verrückter Bursche!“, rief er; „Ihr wollt es nach all dem doch noch auf Inverary ankommen lassen!“

„Genau das, Andie“, sage ich.

„Nun, Ihr seid schwer zu schlagen!“, sagt er. „Und ich hatte den ganzen gestrigen Tag eine Art Mitleid mit Euch“, fügte er hinzu. „Ihr seht, ich war mir bis dahin nie ganz sicher, was Ihr eigentlich wolltet.“

Das war ein Sporn für ein lahmes Pferd!

„Ein Wort unter uns, Andie“, sagte ich. „Dieser mein Plan hat noch einen weiteren Vorteil. Wir können diese Hochländer auf dem Felsen zurücklassen, und eines Eurer Boote aus Castleton kann sie morgen abholen. Jener Neil hat einen seltsamen Blick, wenn er einen ansieht; vielleicht gäbe es wieder Messer, wenn ich erst einmal aus dem Tor wäre; diese Rotröcke sind ungemein nachtragend. Und falls es Fragen geben sollte, hier ist Eure Ausrede. Unser Leben war durch diese Wilden in Gefahr; da Ihr für meine Sicherheit verantwortlich wart, habt Ihr die Entscheidung getroffen, mich aus ihrer Nachbarschaft wegzubringen und mich die restliche Zeit an Bord Eures Bootes festzuhalten: und wisst Ihr was, Andie?“, sage ich mit einem Lächeln, „ich halte das für sehr klug gewählt.“

„Die Wahrheit ist, ich habe keinen Narren an Neil gefressen“, sagt Andie, „und er auch nicht an mir, denke ich; und ich würde nur ungern mit dem Mann aneinandergeraten. Tam Anster wird sowieso besser mit dem Vieh umgehen können.“ (Denn dieser Mann, Anster, stammte aus Fife, wo noch Gälisch gesprochen wird.) „Ja, ja!“, sagt Andie, „Tam wird mit ihnen am besten zurechtkommen. Und wahrhaftig! Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger sehe ich ein, dass wir dort gebraucht würden. Der Ort – ja, verflixt! Sie hatten den Ort vergessen. Eh, Shaws, Ihr seid ein langköpfiger Kerl, wenn Ihr wollt! Abgesehen davon, dass ich Euch mein Leben schulde“, fügte er feierlicher hinzu und bot mir seine Hand zum Handel an.

Daraufhin stiegen wir mit kaum mehr Worten plötzlich an Bord des Bootes, legten ab und setzten das Luggersegel. Die Gregara waren gerade mit dem Frühstück beschäftigt, denn das Kochen war üblicherweise ihre Aufgabe; aber einer von ihnen trat auf die Zinnen, und unsere Flucht wurde bemerkt, bevor wir zwanzig Faden vom Felsen entfernt waren; und die drei liefen um die Ruinen und den Anlegesteg herum, für alle Welt wie Ameisen um ein zerstörtes Nest, und riefen und schrien uns hinterher, wir sollten zurückkehren. Wir befanden uns noch im Windschatten und im Schatten des Felsens, der letztere lag breit auf dem Wasser, aber im nächsten Augenblick kamen wir fast gleichzeitig in den Wind und den Sonnenschein; das Segel füllte sich, das Boot legte sich bis zur Dollbordkante, und wir fegten augenblicklich außerhalb der Reichweite der Stimmen der Männer davon. Welche Ängste sie auf dem Felsen ausstanden, wo sie nun ohne den Beistand einer zivilisierten Person oder auch nur den Schutz einer Bibel verlassen waren, lässt sich nicht ermessen; noch hatten sie Branntwein als Trost übrig, denn selbst in der Eile und Heimlichkeit unseres Aufbruchs hatte Andie es geschafft, ihn zu entfernen.

Unsere erste Sorge war es, Anster in einer Bucht bei den Glenteithy Rocks an Land zu setzen, damit die Befreiung unserer auf dem Felsen Zurückgelassenen am nächsten Tag ordnungsgemäß in die Wege geleitet werden konnte. Von dort aus hielten wir uns den Firth hinauf. Die Brise, die bis dahin so lebhaft war, flaute schnell ab, ließ uns aber nie ganz im Stich. Den ganzen Tag über blieben wir in Bewegung, wenn auch oft kaum mehr; und es war nach Einbruch der Dunkelheit, ehe wir Queensferry erreichten. Um den Buchstaben von Andies Abmachung (oder was davon übrig war) einzuhalten, musste ich an Bord bleiben, aber ich hielt es für unbedenklich, mich schriftlich mit dem Ufer in Verbindung zu setzen. Auf Prestongranges Umschlag, wo das Regierungssiegel meinen Korrespondenten sicher sehr überrascht haben muss, schrieb ich beim Licht der Bootslaterne ein paar notwendige Worte an Bord, und Andie trug sie zu Rankeillor. Nach etwa einer Stunde kam er wieder, mit einem Geldbeutel und der Versicherung, dass für mich am nächsten Tag um zwei Uhr ein gutes Pferd am Clackmannan Pool gesattelt bereitstehen würde. Dies erledigt, und während das Boot an seinem Steinanker lag, legten wir uns unter dem Segel schlafen.

Wir waren am nächsten Tag lange vor zwei Uhr am Pool; und mir blieb nichts anderes übrig, als zu sitzen und zu warten. Ich verspürte wenig Eifer bei meiner Besorgung. Ich wäre froh über jede halbwegs plausible Ausrede gewesen, sie aufzugeben; aber da keine zu finden war, war meine Unruhe nicht geringer, als wäre ich zu einem ersehnten Vergnügen geeilt. Kurz nach eins stand das Pferd am Ufer, und ich konnte einen Mann sehen, der es hin und her führte, bis ich an Land gehen würde, was meine Ungeduld gewaltig steigerte. Andie schaffte den Moment meiner Befreiung sehr genau, zeigte sich als ein Mann seines bloßen Wortes, bediente seine Arbeitgeber aber kaum mit vollem Maß; und etwa fünfzig Sekunden nach zwei saß ich im Sattel und in vollem Galopp Richtung Stirling. Nach etwas mehr als einer Stunde hatte ich die Stadt passiert und ritt bereits am Ufer des Alan Water entlang, als das Wetter in einem kleinen Unwetter umschlug. Der Regen blendete mich, der Wind hätte mich beinahe aus dem Sattel geworfen, und die erste Dunkelheit der Nacht überraschte mich in einer Wildnis noch ein Stück östlich von Balwhidder, nicht sehr sicher über meine Richtung und auf einem Pferd, das bereits müde zu werden begann.

Im Drang meiner Eile und um mir die Verzögerung und den Ärger eines Führers zu ersparen, war ich (soweit es für einen Reiter möglich war) der Linie meiner Reise mit Alan gefolgt. Ich tat dies mit offenen Augen, da ich ein großes Risiko darin voraussah, das das Unwetter nun zur Wirklichkeit gemacht hatte. Das Letzte, was ich von meinem Standort wusste, muss wohl bei Uam Var gewesen sein; die Stunde vielleicht sechs Uhr abends. Ich muss es immer noch für großes Glück halten, dass ich gegen elf Uhr mein Ziel erreichte, das Haus von Duncan Dhu. Wo ich mich in der Zwischenzeit herumgetrieben hatte, könnte vielleicht das Pferd sagen. Ich weiß, dass wir zweimal am Boden waren und einmal über dem Sattel hingen und für einen Moment in einem tosenden Bach mitgerissen wurden. Ross und Reiter waren bis über die Augen verschlammt.

Von Duncan erhielt ich Nachrichten über den Prozess. Er wurde in all diesen Hochlandregionen mit religiösem Interesse verfolgt; Nachrichten davon verbreiteten sich von Inverary aus so schnell, wie Männer reisen konnten; und ich war froh zu erfahren, dass er bis zu später Stunde jenes Samstags noch nicht abgeschlossen war; und alle Leute begannen anzunehmen, dass er sich über den Montag hinziehen würde. Unter dem Sporn dieser Nachricht wollte ich nicht zum Essen sitzen; aber da Duncan sich bereit erklärte, mein Führer zu sein, machte ich mich zu Fuß wieder auf den Weg, das Stück Brot in der Hand, und kaute beim Gehen. Duncan brachte eine Flasche Usquebaugh und eine Handlaterne mit; letztere erleuchtete uns nur so lange, wie wir Häuser finden konnten, in denen wir sie wieder anzünden konnten, denn das Ding leckte entsetzlich und blies bei jedem Windstoß aus. Den größten Teil der Nacht liefen wir blind durch Regenschauer, und der Tag fand uns ziellos in den Bergen. Dicht dabei stießen wir auf eine Hütte an einem Bachlauf, wo wir einen Bissen und eine Wegbeschreibung bekamen; und kurz vor Ende der Predigt erreichten wir die Kirchentüren von Inverary.

Der Regen hatte die oberen Teile meiner Kleidung etwas gewaschen, aber ich war immer noch bis zu den Knien verschlammt; das Wasser lief an mir herunter; ich war so müde, dass ich kaum humpeln konnte, und mein Gesicht sah aus wie das eines Gespenstes. Ich hatte sicherlich mehr Bedarf an einem Wechsel der Kleidung und einem Bett zum Ausruhen als an allen Wohltaten des Christentums. Trotz alledem (da ich überzeugt war, der wichtigste Punkt für mich sei, mich sofort öffentlich zu zeigen) betrat ich mit dem schmutzigen Duncan im Schlepptau die Kirche und setzte mich auf einen freien Platz.

„Dreizehntens, meine Brüder, und in Klammern, das Gesetz selbst muss als ein Gnadenmittel betrachtet werden“, sagte der Geistliche mit der Stimme eines Mannes, der es liebt, ein Argument zu verfolgen.

Die Predigt war wegen des Assisen-Gerichts auf Englisch. Die Richter waren mit ihrem bewaffneten Gefolge anwesend, die Hellebarden glitzerten in einer Ecke bei der Tür, und die Bänke waren über das übliche Maß hinaus mit der Schar der Anwälte gedrängt. Der Text war aus Römer 5, 13 – der Geistliche ein geschickter Mann; und die ganze fähige Kirchengemeinde – von Argyle und meinen Lords Elchies und Kilkerran bis hinunter zu den Hellebardieren, die in ihrem Gefolge gekommen waren – war mit zusammengezogenen Brauen in eine tiefe kritische Aufmerksamkeit versunken. Der Geistliche selbst und ein paar der Leute in der Nähe der Tür bemerkten unser Eintreten in dem Moment und vergaßen es sofort wieder; die anderen hörten es entweder nicht, wollten es nicht hören oder wollten nicht gehört werden; und ich saß unbemerkt zwischen meinen Freunden und Feinden.

Der Erste, den ich herausgriff, war Prestongrange. Er saß weit vorne, wie ein eifriger Reiter im Sattel, seine Lippen bewegten sich mit Genuss, seine Augen waren auf den Geistlichen geklebt; die Lehre war ganz nach seinem Geschmack. Charles Stewart hingegen war halb eingeschlafen und sah gehetzt und blass aus. Was Simon Fraser betraf, so erschien er wie ein Fleck und fast ein Skandal inmitten dieser aufmerksamen Gemeinde; er steckte die Hände in die Taschen, verlagerte seine Beine, räusperte sich, rollte seine kahlen Augenbrauen nach oben und schoss seine Augen nach rechts und links, mal mit einem Gähnen, mal mit einem heimlichen Lächeln. Manchmal nahm er auch die Bibel vor sich, blätterte sie durch, schien ein Stück zu lesen, blätterte sie wieder durch, hielt inne und gähnte ungeheuerlich: alles wie zur Übung.

Im Laufe dieser Rastlosigkeit landete sein Blick auf mir. Er saß eine Sekunde lang verblüfft da, riss dann ein halbes Blatt aus der Bibel, kritzelte mit einem Bleistift darauf und reichte es mit einem geflüsterten Wort an seinen nächsten Nachbarn weiter. Die Notiz kam an Prestongrange, der mir nur den einen Blick zuwarf; von dort wanderte sie in die Hände von Mr. Erskine; von dort wiederum an Argyle, wo er zwischen den beiden anderen Richtern des Sessionsgerichts saß, und seine Gnaden drehte sich um und fixierte mich mit einem arroganten Blick. Der Letzte derjenigen, die an meiner Anwesenheit interessiert waren, war Charlie Stewart, und auch er begann, Depeschen zu schreiben und herumzureichen, von denen ich keine in der Menge bis zu ihrem Ziel verfolgen konnte.

Aber das Weiterreichen dieser Notizen hatte Aufmerksamkeit erregt; alle, die eingeweiht waren (oder sich dafür hielten), flüsterten Informationen zu – die anderen Fragen; und der Geistliche selbst schien durch das Flattern in der Kirche und das plötzliche Aufstehen und Flüstern völlig aus dem Konzept gebracht. Seine Stimme veränderte sich, er stockte sichtlich, noch gewann er die leichte Überzeugung und die vollen Töne seines Vortrags zurück. Es würde ihm bis an sein Lebensende ein Rätsel bleiben, warum eine Predigt, die in vier Teilen triumphierend verlaufen war, im fünften Teil so missglückte.

Was mich betrifft, so saß ich weiterhin dort, sehr nass und müde und ein gutes Stück in Sorge, was als Nächstes geschehen würde, aber über meinen Erfolg groß triumphierend.

KAPITEL XVII. DAS MEMORIAL

Das letzte Wort des Segens war kaum aus dem Mund des Geistlichen, da hatte mich Stewart schon am Arm. Wir waren die Ersten, die aus der Kirche kamen, und er legte eine so außerordentliche Eile an den Tag, dass wir in Sicherheit innerhalb der vier Wände eines Hauses waren, bevor die Straße von der heimkehrenden Gemeinde gedrängt wurde.

„Bin ich noch rechtzeitig?“, fragte ich.

„Ja und nein“, sagte er. „Der Fall ist vorbei; die Jury ist eingeschlossen und wird so freundlich sein, uns ihre Ansicht morgen am Vormittag mitzuteilen, genau wie ich es mir selbst vor drei Tagen sagen konnte, bevor das Stück begann. Die Sache war von Anfang an öffentlich. Der Angeklagte wusste es: ‚Ihr könnt für mich tun, was Ihr wollt‘, flüstert er vor zwei Tagen. ‚Ihr kennt mein Schicksal durch das, was der Herzog von Argyle gerade zu Mr. Macintosh gesagt hat.‘ Oh, es war ein Skandal!

‚Der große Argyle ging voran, Er ließ die Kanonen und Gewehre donnern‘,

und der Gerichtsdiener rief sogar ‚Cruachan!‘. Aber jetzt, da ich Euch wiederhabe, werde ich niemals verzweifeln. Die Eiche wird die Myrte noch überragen; wir werden die Campbells noch in ihrer eigenen Stadt schlagen. Gott sei Dank, dass ich diesen Tag erleben darf!“

Er sprang vor Aufregung, entleerte seine Taschen auf den Boden, damit ich Kleidung wechseln konnte, und belästigte mich mit seiner Hilfe beim Umziehen. Was noch zu tun blieb oder wie ich es anstellen sollte, war etwas, das er mir nie sagte, noch glaube ich, dass er auch nur daran dachte. „Wir werden die Campbells noch schlagen!“ das war immer noch sein Schlager. Und es drängte sich mir auf, wie dies, was die Äußerlichkeiten eines nüchternen Rechtsverfahrens hatte, im Wesentlichen ein Clan-Kampf zwischen wilden Clans war. Ich hielt meinen Freund, den Anwalt, für keineswegs den am wenigsten Wilden. Wer ihn nur hinter einem Anwalt vor dem Lord Ordinary gesehen hatte oder einem Golfball folgend und seine Schläger auf den Links von Bruntsfield ablegend, hätte in dieser Person diesen redseligen und gewalttätigen Clansmann wiedererkannt?

James Stewarts Anwälte waren vier an der Zahl – die Sheriffs Brown von Colstoun und Miller, Mr. Robert Macintosh und Mr. Stewart der Jüngere von Stewart Hall. Diese hatten sich verpflichtet, nach der Predigt mit dem Anwalt zu speisen, und ich wurde sehr entgegenkommend in die Gesellschaft aufgenommen. Kaum war das Tischtuch abgeräumt und die erste Bowle sehr kunstvoll von Sheriff Miller zusammengemischt, da kamen wir auf das vorliegende Thema. Ich machte eine kurze Schilderung meiner Entführung und Gefangenschaft und wurde dann über die Umstände des Mordes erneut vernommen. Man wird sich erinnern, dass dies das erste Mal war, dass ich meine Sicht der Dinge darlegen konnte oder die Angelegenheit überhaupt unter Anwälten behandelt wurde; und das Ergebnis war sehr entmutigend für die anderen und (ich muss zugeben) enttäuschend für mich selbst.

„Zusammenfassend“, sagte Colstoun, „Ihr beweist, dass Alan am Tatort war; Ihr habt ihn Drohungen gegen Glenure aussprechen hören; und obwohl Ihr uns versichert, er sei nicht der Mann gewesen, der geschossen hat, hinterlasst Ihr einen starken Eindruck, dass er mit ihm im Bunde war und der Tat zugestimmt, vielleicht unmittelbar geholfen hat. Ihr zeigt ihn außerdem dabei, wie er unter Einsatz seiner eigenen Freiheit aktiv die Flucht des Kriminellen fördert. Und der Rest Eurer Aussage (soweit er am wenigsten materiell ist) hängt vom bloßen Wort Alans oder James’ ab, der beiden Angeklagten. Kurz gesagt, Ihr zerschlagt die Kette, die unseren Klienten mit dem Mörder verbindet, keineswegs, sondern verlängert sie nur um eine Person; und ich brauche kaum zu sagen, dass die Einführung eines dritten Komplizen den Anschein einer Verschwörung, die von Anfang an unser Stolperstein war, eher noch verschlimmert.“

„Ich bin der gleichen Meinung“, sagte Sheriff Miller. „Ich glaube, wir können Prestongrange alle sehr verpflichtet sein, dass er einen höchst unbequemen Zeugen aus unserem Weg geräumt hat. Und vor allem, denke ich, könnte Mr. Balfour selbst verpflichtet sein. Denn Ihr sprecht von einem dritten Komplizen, aber Mr. Balfour hat (meiner Ansicht nach) sehr das Aussehen eines vierten.“

„Erlauben Sie mir, meine Herren!“, warf Stewart der Anwalt ein. „Es gibt noch eine andere Sichtweise. Hier haben wir einen Zeugen – egal ob materiell oder nicht – einen Zeugen in dieser Sache, der von jener alten, gesetzlosen Banditenbande der Glengyle-Macgregors entführt und fast einen Monat lang in einem Haufen alter Ruinen auf der Bass gefangen gehalten wurde. Erwähnt das und seht, welchen Schmutz Ihr auf das Verfahren werft! Meine Herren, das ist eine Geschichte, von der die Welt widerhallen wird! Es wäre seltsam, wenn wir mit einem solchen Griff wie diesem nicht einen Gnadenerweis für meinen Klienten herauspressen könnten.“

„Und angenommen, wir würden Mr. Balfour’s Sache morgen aufgreifen?“, sagte Stewart Hall. „Ich täusche mich sehr, oder wir würden auf so viele Hindernisse stoßen, dass James bereits gehängt wäre, bevor wir ein Gericht gefunden hätten, das uns anhört. Dies ist ein großer Skandal, aber ich nehme an, keiner von uns hat einen noch größeren vergessen, ich meine die Angelegenheit der Lady Grange. Die Frau war noch in Haft; mein Freund Mr. Hope von Rankeillor tat, was menschenmöglich war; und wie ist es ihm ergangen? Er hat nie einen Haftbefehl erhalten! Nun, es wird jetzt genauso sein; dieselben Waffen werden benutzt werden. Dies ist eine Szene, meine Herren, der Clan-Feindseligkeit. Der Hass auf den Namen, den ich die Ehre habe zu tragen, tobt in hohen Kreisen. Hier gibt es nichts weiter zu sehen als nackte Campbell-Bosheit und schäbige Campbell-Intrige.“

Sie können gewiss sein, dass dies ein willkommenes Thema berührte, und ich saß eine Zeit lang inmitten meines gelehrten Rechtsbeistands, fast betäubt von ihrem Gerede, aber um dessen Sinn kaum weiser. Der Advokat wurde zu einigen hitzigen Äußerungen hingerissen; Colstoun musste ihn unterbrechen und zurechtweisen; die Übrigen mischten sich auf verschiedenen Seiten ein, alle jedoch ziemlich lautstark; der Duke of Argyle wurde wie ein Bettvorleger verprügelt; King George bekam im Vorbeigehen ein paar Stiche ab und eine ganze Menge eher umständlicher Verteidigung; und es gab nur eine Person, die vergessen schien, und das war James of the Glens.

Während all dessen saß Mr. Miller still. Er war ein schmächtiger, etwas älterer Herr, rotwangig und mit funkelnden Augen; er sprach mit einer weichen, vollen Stimme, mit einer unendlichen Wirkung von Schlitzohrigkeit, und wog jedes Wort ab, wie es ein Schauspieler tut, um den größtmöglichen Ausdruck zu erzielen; und selbst jetzt, da er schwieg und dort saß, die Perücke beiseitegelegt, das Glas in beiden Händen, den Mund drollig gespitzt und das Kinn vorgestreckt, wirkte er wie das reine Bild einer fröhlichen Verschlagenheit. Es war offensichtlich, dass er etwas zu sagen hatte und nur auf den passenden Augenblick wartete.

Er kam alsbald. Colstoun hatte eine seiner Reden mit einer Äußerung über ihre Pflicht gegenüber ihrem Mandanten beschlossen. Sein Amtskollege war, so nehme ich an, von dem Übergang angetan. Er nahm die Tafel mit einer Geste und einem Blick in sein Vertrauen.

„Das legt mir eine Überlegung nahe, die übersehen zu sein scheint“, sagte er. „Das Interesse unseres Mandanten geht sicher über alles, aber die Welt geht nicht mit James Stewart unter.“ Woraufhin er das Auge hochzog. „Ich könnte, exempli gratia, einen Mr. George Brown, einen Mr. Thomas Miller und einen Mr. David Balfour anführen. Mr. David Balfour hat einen sehr guten Grund zur Beschwerde, und ich denke, meine Herren – wenn seine Geschichte ordentlich aufgearbeitet würde –, so denke ich, gäbe es eine Menge Perücken auf dem Grün.“

Der ganze Tisch wandte sich ihm mit einer gemeinsamen Bewegung zu.

„Richtig angepackt und sorgfältig aufgearbeitet, ist seine Geschichte eine, die kaum ohne Folgen bleiben könnte“, fuhr er fort. „Die gesamte Justizverwaltung, von ihrem höchsten Beamten abwärts, würde vollkommen diskreditiert; und es sieht mir so aus, als müssten sie ersetzt werden.“ Er schien vor Verschlagenheit zu strahlen, als er das sagte. „Und ich brauche Ihnen wohl nicht darauf hinzuweisen, dass dies eine bemerkenswert schöne Sache wäre, in der man auftreten könnte“, fügte er hinzu.

Nun, da hatten sie alle einen weiteren Hasen aufgescheucht; Mr. Balfours Sache, und welche Art von Reden dort gehalten werden könnten, und welche Beamten man auf diese Weise aus dem Amt jagen könnte, und wer ihren Posten nachfolgen würde. Ich will nur zwei Beispiele geben. Es wurde vorgeschlagen, sich an Simon Fraser zu wenden, dessen Aussage, wenn sie zu erlangen wäre, sich sicherlich als fatal für Argyle und Prestongrange erweisen würde. Miller hieß den Versuch sehr gut. „Wir haben hier einen tropfenden Braten vor uns“, sagte er, „hier ist für jeden etwas dabei.“ Und mich dünkte, sie leckten sich alle die Lippen. Das andere war bereits nahe am Ende. Stewart, der Advokat, war vor Entzücken außer sich und witterte Rache an seinem Hauptfeind, dem Duke.

„Meine Herren“, rief er und füllte sein Glas, „auf Sheriff Miller! Seine juristischen Fähigkeiten sind jedermann bekannt. Seine kulinarischen, davon zeugt diese Schale vor uns. Aber wenn es an das Poleetische geht!“ – ruft er und leert das Glas.

„Ja, aber es wird sich kaum als Politik in Eurem Sinne erweisen, mein Freund“, sagte der zufriedene Miller. „Eine Revolution, wenn Ihr so wollt, und ich glaube, ich kann Euch versprechen, dass die Geschichtsschreiber von Mr. Balfours Sache an rechnen werden. Aber richtig gelenkt, Mr. Stewart, behutsam gelenkt, wird sie sich als eine friedliche Revolution erweisen.“

„Und wenn die verdammten Campbells ihre Ohren gerieben bekommen, was kümmert es mich?“, ruft Stewart und schlägt mit der Faust auf den Tisch.

Man wird denken, dass ich mit all dem nicht sehr zufrieden war, obwohl ich mich kaum enthalten konnte, über eine Art Unschuld bei diesen alten Ränkespielen zu lächeln. Aber es war nicht mein Plan, so viele Leiden für die Beförderung von Sheriff Miller auf mich genommen zu haben oder eine Revolution im Parlamentsgebäude anzuzetteln: und ich schaltete mich dementsprechend mit so viel Einfachheit im Gebaren ein, wie ich nur aufbringen konnte.

„Ich habe Ihnen für Ihren Rat zu danken, meine Herren“, sagte ich. „Und nun möchte ich, wenn ich darf, Ihnen zwei oder drei Fragen stellen. Es gibt eine Sache, die beispielsweise etwas in den Hintergrund geraten ist: Wird diese Sache unserem Freund James of the Glens irgendetwas nützen?“

Sie schienen alle ein wenig zurückgewichen zu sein und gaben verschiedene Antworten, stimmten aber praktisch in einem Punkt überein: dass James nun keine Hoffnung mehr habe als auf die Gnade des Königs.

„Um nun fortzufahren“, sagte ich, „wird es Schottland nützen? Wir haben ein Sprichwort, dass es ein übler Vogel ist, der sein eigenes Nest beschmutzt. Ich erinnere mich, gehört zu haben, dass wir einen Aufruhr in Edinburgh hatten, als ich noch ein Kleinkind war, was die verstorbene Königin dazu veranlasste, dieses Land barbarisch zu nennen; und ich habe immer verstanden, dass wir dadurch eher verloren als gewonnen haben. Dann kam das Jahr Fünfundvierzig, das Schottland überall ins Gerede brachte; aber ich habe nie sagen hören, dass wir durch das Fünfundvierzig in irgendeiner Weise gewonnen hätten. Und nun kommen wir zu dieser Sache von Mr. Balfour, wie Sie sie nennen. Sheriff Miller sagt uns, die Geschichtsschreiber würden davon an zu zählen beginnen, und mich würde es nicht wundern. Ich fürchte nur, sie würden davon an als eine Zeit des Unglücks und der öffentlichen Schande zählen.“

Der schlagfertige Miller hatte bereits gewittert, wohin ich steuerte, und beeilte sich, auf denselben Weg zu gelangen. „Wuchtig vorgebracht, Mr. Balfour“, sagt er. „Eine gewichtige Beobachtung, mein Herr.“

„Wir müssen uns als nächstes fragen, ob es gut für King George sein wird“, fuhr ich fort. „Sheriff Miller erscheint diesbezüglich ziemlich gelassen; aber ich bezweifle, dass Sie das Haus unter ihm zum Einsturz bringen können, ohne dass seine Majestät den einen oder anderen Stoß abbekommt, von denen einer leicht fatal enden könnte.“

Ich gab ihnen eine Gelegenheit zu antworten, aber niemand meldete sich freiwillig.

„Von denen, für die der Fall gewinnbringend sein sollte“, fuhr ich fort, „nannte uns Sheriff Miller einige Namen, unter denen er so freundlich war, meinen zu erwähnen. Ich hoffe, er verzeiht mir, wenn ich das anders sehe. Ich glaube, ich habe mich in dieser Angelegenheit nicht im Geringsten zurückgehalten, solange es ein Leben zu retten gab; aber ich gestehe, dass ich mich selbst extrem gefährdet sah, und ich gestehe, dass ich es für einen jungen Mann, der den Gedanken hegt, zur Anwaltschaft zugelassen zu werden, für ein Jammer hielte, sich den Ruf eines aufwieglerischen, parteiischen Burschen einzuprägen, bevor er noch zwanzig ist. Was James betrifft, so scheint es – zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens, da das Urteil so gut wie gefällt ist –, dass er keine Hoffnung mehr hat als auf die Gnade des Königs. Könnte man sich dann nicht pointierter an seine Majestät wenden, die Charaktere dieser hohen Beamten vor der Öffentlichkeit schützen und mich aus einer Position heraushalten, von der ich glaube, dass sie mein Ruin ist?“

Sie alle saßen da und starrten in ihre Gläser, und ich konnte sehen, dass sie meine Einstellung zu der Angelegenheit ungenießbar fanden. Aber Miller war immerhin bereit.

„Wenn es mir erlaubt ist, die Auffassung meines jungen Freundes in eine formellere Form zu gießen“, sagt er, „verstehe ich ihn so, dass wir die Tatsache seiner Gefangensetzung und vielleicht einige Kernpunkte der Aussage, zu der er bereit war, in einer Denkschrift an die Krone verkörpern sollten. Dieser Plan hat Aussicht auf Erfolg. Es ist so wahrscheinlich wie jedes andere (und vielleicht wahrscheinlicher), unserem Mandanten zu helfen. Vielleicht hätte seine Majestät die Güte, eine gewisse Dankbarkeit für alle an einer solchen Denkschrift Beteiligten zu empfinden, was als Ausdruck einer sehr feinen Loyalität ausgelegt werden könnte; und ich denke, bei der Abfassung derselben könnte diese Ansicht vorgebracht werden.“

Sie alle nickten sich zu, nicht ohne Seufzer, denn die frühere Alternative entsprach zweifellos eher ihrer Neigung.

„Papier dann, Mr. Stewart, wenn es beliebt“, fuhr Miller fort; „und ich denke, es könnte sehr passend von uns fünf hier Anwesenden als Prokuratoren für den Verurteilten unterzeichnet werden.“

„Es kann zumindest keinem von uns schaden“, sagt Colstoun und stieß einen weiteren Seufzer aus, denn er hatte sich die letzten zehn Minuten schon als Lord Advocate gesehen.

Daraufhin machten sie sich, nicht sehr enthusiastisch, daran, die Denkschrift zu entwerfen – ein Prozess, bei dem sie bald Feuer fingen; und ich hatte nichts weiter zu tun, als dazusitzen, zuzusehen und gelegentliche Fragen zu beantworten. Das Papier war sehr gut formuliert; es begann mit einer Aufzählung der Tatsachen über mich selbst, der Belohnung für meine Ergreifung, meiner Kapitulation, dem Druck, der auf mich ausgeübt wurde; meiner Internierung; und meiner Ankunft in Inverary, rechtzeitig, um zu spät zu kommen; es fuhr fort, die Gründe der Loyalität und des öffentlichen Interesses zu erklären, aus denen man sich einigte, auf jeden Rechtsanspruch zu verzichten; und schloss mit einem nachdrücklichen Appell an die Gnade des Königs zugunsten von James.

Mich dünkte, ich wurde ein gutes Stück geopfert und eher im Licht eines Brandstifters dargestellt, den meine Schar von Anwälten mit Mühe von Extremen abgehalten hatte. Aber ich ließ es durchgehen und machte nur den einen Vorschlag, dass ich als bereit beschrieben werden sollte, meine eigene Aussage zu liefern und die anderer vor jeder Untersuchungskommission vorzubringen – und die eine Forderung, dass mir unverzüglich eine Kopie ausgehändigt werde.

Colstoun drückte sich vage aus. „Dies ist ein sehr vertrauliches Dokument“, sagte er.

„Und meine Position gegenüber Prestongrange ist höchst eigentümlich“, antwortete ich. „Keine Frage, dass ich bei unserem ersten Treffen sein Herz berührt haben muss, sodass er mir seitdem beständig als Freund zur Seite stand. Ohne ihn, meine Herren, läge ich jetzt tot oder würde neben dem armen James auf mein Urteil warten. Aus diesem Grund wähle ich, ihm die Tatsache dieser Denkschrift mitzuteilen, sobald sie kopiert ist. Sie müssen auch bedenken, dass dieser Schritt meinem Schutz dienen wird. Ich habe hier Feinde, die es gewohnt sind, hart zuzugreifen; seine Gnaden ist in seinem eigenen Land, Lovat an seiner Seite; und sollte irgendeine Unklarheit über unser Vorgehen schweben, so denke ich, könnte ich sehr wohl im Gefängnis erwachen.“

Da sie auf diese Überlegungen keine recht parate Antwort fanden, ließ sich meine Gesellschaft von Ratgebern schließlich überreden zuzustimmen und stellte nur diese Bedingung, dass ich das Papier Prestongrange mit den ausdrücklichen Empfehlungen aller Beteiligten vorlegen sollte.

Der Advocate war im Schloss und speiste bei seinen Gnaden. Durch die Hand eines von Colstouns Dienern sandte ich ihm ein Billet, in dem ich um ein Gespräch bat, und erhielt die Vorladung, ihn sofort in einem Privathaus der Stadt zu treffen. Hier fand ich ihn allein in einem Zimmer; von seinem Gesicht war nichts abzulesen; dennoch war ich nicht so unaufmerksam, dass ich nicht einige Hellebarden im Flur erspäht hätte, und nicht so dumm, dass ich nicht hätte begreifen können, dass er darauf vorbereitet war, mich auf der Stelle zu verhaften, sollte es ratsam erscheinen.

„Also, Mr. David, Ihr seid es?“, sagte er.

„Wo ich fürchte, nicht übermäßig willkommen zu sein, mein Lord“, sagte ich. „Und ich möchte, bevor ich weitergehe, mein Gefühl für die guten Dienste Ihrer Lordschaft ausdrücken, selbst wenn sie nun enden sollten.“

„Ich habe schon früher von Eurer Dankbarkeit gehört“, erwiderte er trocken, „und ich denke, das kann kaum die Angelegenheit sein, wegen der Ihr mich von meinem Wein gerufen habt. Ich würde auch bedenken, wenn ich Ihr wäre, dass Ihr immer noch auf sehr morastigem Boden steht.“

„Jetzt nicht mehr, mein Lord, glaube ich“, sagte ich; „und wenn Eure Lordschaft nur einen Blick hierauf werfen wollt, werdet Ihr vielleicht so denken wie ich.“

Er las es sorgfältig durch, die Stirn schwer gerunzelt; dann wandte er sich wieder zu dem einen oder anderen Teil, dessen Wirkung er abzuwägen schien. Sein Gesicht erhellte sich ein wenig.

„Das ist nicht so schlimm, als dass es nicht noch schlimmer sein könnte“, sagte er; „obwohl ich wohl immer noch teuer für meine Bekanntschaft mit Mr. David Balfour werde bezahlen müssen.“

„Eher für Eure Nachsicht gegenüber diesem unglücklichen jungen Mann, mein Lord“, sagte ich.

Er überflog das Papier noch immer, und die ganze Zeit über schien sich seine Stimmung zu bessern.

„Und wem habe ich dies zu verdanken?“, fragte er alsbald. „Andere Ratschläge müssen diskutiert worden sein, denke ich. Wer schlug diese private Methode vor? War es Miller?“

„Mein Lord, das war ich selbst“, sagte ich. „Diese Herren haben mir nicht eine solche Rücksichtnahme entgegengebracht, dass ich mir selbst irgendeinen Kredit versagen sollte, den ich mit Fug und Recht beanspruchen kann, oder ihnen irgendeine Verantwortung ersparen sollte, die sie ordnungsgemäß zu tragen hätten. Und die bloße Wahrheit ist, dass sie alle für einen Prozess waren, der bemerkenswerte Konsequenzen im Parlamentsgebäude haben sollte und sich für sie (in einem ihrer eigenen Ausdrücke) als tropfender Braten erweisen würde. Bevor ich eingriff, denke ich, waren sie kurz davor, die verschiedenen juristischen Posten untereinander aufzuteilen. Unser Freund Mr. Simon sollte gegen eine gewisse Zusammensetzung mit einbezogen werden.“

Prestongrange lächelte. „Das sind unsere Freunde“, sagte er. „Und was waren Eure Gründe für den Widerspruch, Mr. David?“

Ich nannte sie ohne Umschweife, drückte jedoch jene, die Prestongrange selbst betrafen, mit mehr Kraft und Umfang aus.

„Ihr tut mir nur Gerechtigkeit widerfahren“, sagte er. „Ich habe ebenso hart in Eurem Interesse gekämpft, wie Ihr gegen meines. Und wie kamt Ihr heute hierher?“, fragte er. „Als sich der Fall hinzog, begann ich unruhig zu werden, dass ich den Zeitraum so knapp bemessen hatte, und ich erwartete Euch sogar erst morgen. Aber heute – daran habe ich nie im Traum gedacht.“

Ich hatte natürlich nicht vor, Andie zu verraten.

„Ich vermute, es gibt einige sehr müde Rinder auf der Straße“, sagte ich.

„Wenn ich gewusst hätte, dass Ihr so ein Wegelagerer seid, hättet Ihr länger auf der Bass kosten sollen“, sagt er.

„Wo wir davon sprechen, mein Lord, ich gebe Euch den Brief zurück.“ Und ich gab ihm die Anlage in der nachgeahmten Handschrift.

„Da war auch das Kuvert mit dem Siegel“, sagte er.

„Ich habe es nicht“, sagte ich. „Es trug nicht einmal eine Adresse und konnte keine Katze gefährden. Die zweite Anlage habe ich, und mit Eurer Erlaubnis wünsche ich sie zu behalten.“

Ich glaubte, er zuckte ein wenig zusammen, aber er sagte nichts zur Sache. „Morgen“, fuhr er fort, „ist unsere Angelegenheit hier beendet, und ich reise über Glasgow weiter. Ich würde mich sehr freuen, Euch in meiner Begleitung zu haben, Mr. David.“

„Mein Lord . . .“, begann ich.

„Ich leugne nicht, dass es mir von Nutzen sein wird“, unterbrach er mich. „Ich wünsche sogar, dass Ihr, wenn wir nach Edinburgh kommen, in meinem Haus absteigt. Ihr habt sehr herzliche Freunde in den Miss Grants, die überglücklich sein werden, Euch für sich zu haben. Wenn Ihr glaubt, dass ich Euch nützlich war, könnt Ihr mich so leicht entschädigen und, weit davon entfernt zu verlieren, auf dem Weg vielleicht einigen Vorteil ernten. Es ist nicht jeder fremde junge Mann, der durch den King’s Advocate in die Gesellschaft eingeführt wird.“

Schon oft genug zuvor (in unseren kurzen Beziehungen) hatte dieser Gentleman meinen Kopf zum Drehen gebracht; kein Zweifel, dass er es für einen Moment auch jetzt tat. Hier war die alte Fiktion immer noch aufrechterhalten, von meiner besonderen Gunst bei seinen Töchtern, von denen die eine so gütig gewesen war, über mich zu lachen, während die anderen zwei kaum die Tatsache meiner Existenz zur Kenntnis genommen hatten. Und nun sollte ich mit meinem Lord nach Glasgow reiten; ich sollte mit ihm in Edinburgh wohnen; ich sollte unter seinem Schutz in die Gesellschaft eingeführt werden! Dass er so viel Gutmütigkeit haben sollte, mir zu verzeihen, war überraschend genug; dass er mich aufnehmen und mir dienen wollen könnte, schien unmöglich; und ich begann nach irgendeinem Hintergedanken zu suchen. Einer lag auf der Hand. Wenn ich sein Gast wurde, war Reue ausgeschlossen; ich konnte niemals meine jetzige Absicht überdenken und irgendeine Klage einreichen. Und außerdem, würde meine Anwesenheit in seinem Haus nicht die ganze Schärfe aus der Denkschrift ziehen? Denn diese Beschwerde konnte nicht sehr ernst genommen werden, wenn die Person, die am meisten geschädigt war, der Gast des am meisten beschuldigten Beamten war. Als ich darüber nachdachte, konnte ich mich nicht ganz des Lächelns enthalten.

„Dies ist also eine Art Gegenmaßnahme zur Denkschrift?“, sagte ich.

„Ihr seid verschlagen, Mr. David“, sagte er, „und Ihr ratet nicht ganz falsch; die Tatsache wird mir bei meiner Verteidigung von Nutzen sein. Vielleicht unterschätzt Ihr jedoch freundschaftliche Gefühle, die vollkommen echt sind. Ich habe einen Respekt vor Euch, David, vermischt mit Ehrfurcht“, sagt er lächelnd.

„Ich bin mehr als willens, ich bin ernsthaft begierig, Euren Wünschen entgegenzukommen“, sagte ich. „Es ist mein Plan, zur Anwaltschaft zugelassen zu werden, wo Eurer Lordschaft Unterstützung von unschätzbarem Wert wäre; und ich bin zudem aufrichtig dankbar Euch selbst und Eurer Familie für verschiedene Zeichen des Interesses und der Nachsicht. Die Schwierigkeit liegt hier. Es gibt einen Punkt, in dem wir aneinander vorbeiziehen. Ihr versucht, James Stewart zu hängen, ich versuche, ihn zu retten. Soweit mein Mitreiten mit Euch Eurer Lordschaft Verteidigung verbessern würde, stehe ich zu Eurer Lordschaft Verfügung; aber soweit es dazu beitragen würde, James Stewart zu hängen, seht Ihr mich am Ende meiner Weisheit.“

Ich glaubte, er fluchte vor sich hin. „Ihr solltet sicherlich zugelassen werden; die Anwaltschaft ist der wahre Schauplatz für Eure Talente“, sagt er bitter und schwieg dann eine Weile. „Ich sage Euch“, fuhr er alsbald fort, „es gibt keine Frage bezüglich James Stewart, weder dafür noch dagegen, James ist ein toter Mann; sein Leben ist gegeben und genommen – gekauft (wenn Ihr es lieber so wollt) und verkauft; keine Denkschrift kann helfen – kein Ausfall eines treuen Mr. David kann ihm schaden. Ob es stürmt oder schneit, es wird keine Begnadigung für James Stewart geben: und nehmt das als gesagt! Die Frage ist jetzt meine Person: soll ich stehen oder fallen? Und ich leugne Euch nicht, dass ich in einiger Gefahr bin. Aber wird Mr. David Balfour überlegen, warum? Es ist nicht, weil ich den Fall gegen James unangemessen vorangetrieben habe; dafür bin ich sicher, Absolution zu erhalten. Und es ist nicht, weil ich Mr. David auf einem Felsen interniert habe, obwohl es unter dieser Farbe durchgehen wird; sondern weil ich nicht den einfachen und klaren Weg eingeschlagen habe, zu dem ich wiederholt gedrängt wurde, und Mr. David ins Grab oder an den Galgen geschickt habe. Daher der Skandal – daher diese verdammte Denkschrift“, wobei er das Papier auf sein Bein schlug. „Meine Zärtlichkeit für Euch hat mich in diese Schwierigkeit gebracht. Ich möchte wissen, ob Eure Zärtlichkeit für Euer eigenes Gewissen zu groß ist, um mich da herauszuhelfen.“

Kein Zweifel, dass viel Wahres an dem war, was er sagte; wenn James nicht mehr zu retten war, an wen war es natürlicher, dass ich mich wandte, um zu helfen, als gerade an den Mann vor mir, der mir selbst so oft geholfen hatte und mir sogar jetzt ein Muster an Geduld vorgab? Ich war zudem nicht nur müde, sondern begann mich meiner ständigen Haltung des Argwohns und der Ablehnung zu schämen.

„Wenn Ihr Zeit und Ort nennt, werde ich pünktlich bereit sein, Eurer Lordschaft zu folgen“, sagte ich.

Er schüttelte mir die Hand. „Und ich denke, meine Fräulein haben einige Neuigkeiten für Euch“, sagt er und entließ mich.

Ich ging weg, ungemein erfreut, meinen Frieden gemacht zu haben, aber doch ein wenig besorgt im Gewissen; noch konnte ich umhin mich zu fragen, als ich zurückging, ob ich vielleicht nicht einen Deut zu gutmütig gewesen war. Aber da war die Tatsache, dass dies ein Mann war, der mein Vater hätte sein können, ein fähiger Mann, ein hoher Würdenträger, und einer, der mir in der Stunde meiner Not die Hand zur Hilfe gereicht hatte. Ich war in der besseren Stimmung, den Rest jenes Abends zu genießen, den ich bei den Advokaten verbrachte, in exzellenter Gesellschaft zweifellos, aber vielleicht mit etwas mehr als einem Übermaß an Punsch: denn obwohl ich früh zu Bett ging, habe ich keine klare Vorstellung davon, wie ich dorthin kam.

Am nächsten Morgen hörte ich aus dem privaten Zimmer der Richter, wo mich niemand sehen konnte, wie das Urteil verkündet und das Strafmaß über James gefällt wurde. Ich bin mir sicher, die Worte des Herzogs korrekt wiederzugeben; und da jene berühmte Passage zum Gegenstand von Auseinandersetzungen geworden ist, kann ich ebenso gut meine Version festhalten. Nachdem er sich auf das Jahr ’45 bezogen hatte, wandte sich das Oberhaupt der Campbells, das als oberster Justiziar auf der Richterbank saß, wie folgt an den unglücklichen Stewart vor ihm: „Wären Sie mit jener Rebellion erfolgreich gewesen, könnten Sie heute das Recht diktieren, wo Sie nun dessen Urteil empfangen haben; wir, die wir an diesem Tage Ihre Richter sind, könnten vor einem Ihrer Schein-Gerichtshöfe gestanden haben; und dann wären Sie vielleicht gesättigt gewesen vom Blut eines jeden Namens oder Clans, dem Sie abhold waren.“

„Das heißt in der Tat, die Katze aus dem Sack zu lassen“, dachte ich. Und das war der allgemeine Eindruck. Es war außergewöhnlich, wie die jungen Advokaten-Burschen diese Rede aufgriffen und verspotteten und wie kaum eine Mahlzeit verging, ohne dass jemand die Worte einbrachte: „Und dann wären Sie vielleicht gesättigt gewesen.“ Viele Lieder wurden damals zur Zerstreuung für die Stunde gemacht und sind fast alle vergessen. Ich erinnere mich, eines begann so:

„Wessen Blut wollt ihr, wessen Blut? Ist’s ein Name oder ist’s ein Clan, Oder ist’s ein aufrichtiger Hochlandmann, Dessen Blut ihr wollt, wessen Blut?“

Ein anderes wurde zur Melodie meines alten Lieblingsliedes, The House of Airlie, gesungen und begann folgendermaßen:

„Es begab sich an einem Tag, als Argyle auf der Richterbank saß, Dass man ihm einen Stewart zum Abendessen servierte.“

Und einer der Verse lautete:

„Dann stand auf der Herzog und schimpfte auf seinen Koch, Ich halte es für eine maßlose Unterstellung, Dass ich speisen würde überhaupt, und sättigen meinen Schlund, Mit dem Blut irgendeines Clans meiner Abneigung.“

James wurde ebenso rechtmäßig ermordet, als hätte der Herzog eine Flinte genommen und ihn gejagt. So viel wusste ich natürlich: aber andere wussten nicht so viel und waren mehr beeindruckt von den Skandalgeschichten, die im Verlauf des Prozesses ans Licht kamen. Einer der wichtigsten war sicherlich dieser Ausfall des Richters. Er wurde noch übertroffen von dem eines Geschworenen, der mitten in Coulstons Plädoyer für die Verteidigung mit einem „Ich bitte Sie, mein Herr, fassen Sie sich kurz, wir sind ganz ermüdet“ dazwischenfuhr, was der Inbegriff von Unverschämtheit und Einfalt zu sein schien. Doch einige meiner neuen Anwaltsfreunde waren noch mehr bestürzt über eine Neuerung, die das Verfahren entehrt und sogar verdorben hatte. Ein Zeuge wurde niemals aufgerufen. Sein Name war tatsächlich gedruckt, wo er noch immer auf der vierten Seite der Liste zu sehen ist: „James Drummond, alias Macgregor, alias James More, vormals Pächter in Inveronachile“; und seine Vorvernehmung war, wie es üblich ist, schriftlich festgehalten worden. Er hatte sich an Dinge erinnert oder sie erfunden (Gott stehe ihm bei), die für James Stewart wie Blei an den Schuhen waren, und wie ich sah, drohten sie, seinem eigenen zu Flügeln zu verhelfen. Es war höchst wünschenswert, diese Aussage der Jury zur Kenntnis zu bringen, ohne den Mann selbst den Gefahren eines Kreuzverhörs auszusetzen; und die Art und Weise, wie dies bewerkstelligt wurde, versetzte alle in Erstaunen. Denn das Papier wurde im Gerichtssaal (wie eine Kuriosität) herumgereicht; es wanderte durch die Geschworenenbank, wo es seine Arbeit tat; und verschwand wieder (als wäre es ein Versehen), bevor es den Anwalt des Angeklagten erreichte. Dies wurde als ein höchst heimtückischer Trick gewertet; und dass der Name von James More damit vermengt wurde, erfüllte mich mit Scham für Catriona und Sorge um mich selbst.

Am folgenden Tag brachen Prestongrange und ich mit einer beträchtlichen Gesellschaft nach Glasgow auf, wo wir (zu meiner Ungeduld) noch einige Zeit in einer Mischung aus Vergnügen und Geschäften verweilten. Ich logierte bei meinem Lord, bei dem ich zur Vertraulichkeit ermutigt wurde; nahm meinen Platz bei Empfängen ein; wurde den wichtigsten Gästen vorgestellt; und insgesamt mehr beachtet, als ich glaubte, dass es meinen Fähigkeiten oder meinem Stand entsprach; so dass ich bei der Anwesenheit von Fremden oft für Prestongrange errötete. Man muss zugeben, dass die Sicht, die ich in diesen letzten Monaten auf die Welt gewonnen hatte, dazu geeignet war, meinen Charakter zu trüben. Ich hatte viele Männer getroffen, einige von ihnen Anführer in Israel, sei es durch Geburt oder Talent; und wer unter ihnen allen hatte reine Hände bewiesen? Was die Browns und Millers betraf, so hatte ich ihr Streben nach eigenem Vorteil gesehen, ich konnte sie nie wieder respektieren. Prestongrange war der beste von allen; er hatte mich gerettet, oder besser gesagt verschont, als andere im Sinn hatten, mich kurzerhand zu ermorden; aber das Blut von James klebte an seinen Händen; und ich hielt seine jetzige Verstellung mir gegenüber für etwas, das keine Verzeihung verdient. Dass er vorgab, Gefallen an meinem Gespräch zu finden, brachte mich fast um meine Geduld. Ich saß da und beobachtete ihn mit einer Art langsamem Feuer des Zorns in meinem Inneren. „Ach, Freund, Freund“, dachte ich bei mir, „wenn du erst mit dieser Angelegenheit des Memorandums durch wärst, würdest du mich dann nicht auf der Straße treten?“ Hier tat ich ihm, wie die Ereignisse bewiesen haben, das schwerste Unrecht; und ich glaube, er war zugleich weit aufrichtiger und ein weitaus raffinierterer Schauspieler, als ich vermutete.

Doch ich hatte eine gewisse Rechtfertigung für meine Ungläubigkeit im Verhalten jenes Hofstaats junger Advokaten, die in der Hoffnung auf Gunstbeweise umherhingen. Die plötzliche Gunst für einen Burschen, von dem man vorher nichts gehört hatte, beunruhigte sie anfangs über die Maßen; doch zwei Tage waren nicht vergangen, bevor ich mich von Schmeicheleien und Aufmerksamkeit umringt sah. Ich war derselbe junge Mann, weder besser noch schöner, den sie einen Monat zuvor zurückgewiesen hatten; und nun gab es keine Höflichkeit, die zu fein für mich war! Derselbe, sage ich? Das war nicht so; und der Beiname, unter dem ich hinter meinem Rücken bekannt war, bestätigte es. Da sie sahen, wie fest ich mit dem Anwalt stand, und überzeugt waren, dass ich hoch und weit fliegen würde, hatten sie ein Wort vom Golfplatz genommen und nannten mich den „Tee’d Ball“. Mir wurde gesagt, ich sei nun „einer von ihnen“; ich sollte von ihrem weichen Futter kosten, nachdem ich bereits meine eigene Erfahrung mit der Rauheit der äußeren Schale gemacht hatte; und einer, dem ich im Hope Park vorgestellt worden war, war so dreist, mich sogar an jenes Treffen zu erinnern. Ich sagte ihm, ich hätte nicht das Vergnügen, mich daran zu erinnern.

„Warum“, sagte er, „Miss Grant persönlich hat mich vorgestellt! Mein Name ist so und so.“

„Das mag sehr wohl sein, mein Herr“, sagte ich; „aber ich habe es mir nicht gemerkt.“

Woraufhin er abließ; und inmitten des Ekels, der gewöhnlich mein Gemüt überflutete, hatte ich einen flüchtigen Moment der Freude.

Doch ich habe nicht die Geduld, mich lange bei jener Zeit aufzuhalten. Wenn ich in Gesellschaft dieser jungen Politiker war, war ich niedergedrückt von Scham für mich selbst und meine eigene schlichte Art, und von Verachtung für sie und ihre Doppelzüngigkeit. Von den zwei Übeln hielt ich Prestongrange für das geringste; und während ich gegenüber den jungen Wilden stets steif wie ein Stärkeleinen war, legte ich eine gewisse Verstellung gegenüber meinen harten Gefühlen für den Anwalt an den Tag und war (in den Worten des alten Mr. Campbell) „geschmeidig gegenüber dem Gutsherrn“. Er selbst kommentierte den Unterschied und forderte mich auf, mehr meinem Alter entsprechend zu handeln und Freundschaft mit meinen jungen Kameraden zu schließen.

Ich sagte ihm, ich sei langsam darin, Freunde zu finden.

„Ich nehme das Wort zurück“, sagte er. „Aber es gibt so etwas wie einen freundlichen Abschied und einen freundlichen Gruß, Mr. David. Das sind dieselben jungen Männer, mit denen Sie Ihre Tage verbringen und durch das Leben kommen werden: Ihre Zurückhaltung hat den Anschein von Arroganz; und wenn Sie nicht ein wenig mehr Leichtigkeit im Auftreten annehmen können, fürchte ich, werden Sie auf Schwierigkeiten stoßen.“

„Es wird ein schlechtes Geschäft sein, aus einem Schweineohr eine Seidentasche zu machen“, sagte ich.

Am Morgen des 1. Oktober wurde ich durch das Geklapper eines Eilboten geweckt; und da ich fast noch vor seinem Absteigen am Fenster war, sah ich, dass der Bote hart geritten war. Einige Zeit später wurde ich zu Prestongrange gerufen, wo er im Schlafrock und mit der Nachtmütze saß, seine Briefe um sich herum.

„Mr. David“, fügte er hinzu, „ich habe eine Neuigkeit für Sie. Sie betrifft einige Freunde von Ihnen, für die Sie sich meines Erachtens ein wenig schämen, denn Sie haben nie auf deren Existenz hingewiesen.“

Ich nehme an, ich wurde rot.

„Ich sehe, Sie verstehen, da Sie das Antwortsignal geben“, sagte er. „Und ich muss Ihnen zu Ihrem ausgezeichneten Geschmack in Sachen Schönheit gratulieren. Aber wissen Sie, Mr. David? Dies scheint mir ein sehr unternehmungslustiges Mädchen zu sein. Sie taucht von allen Seiten auf. Die Regierung von Schottland scheint unfähig zu sein, gegen Mistress Katrine Drummond vorzugehen, was vor nicht allzu langer Zeit bei einem gewissen Mr. David Balfour der Fall war. Sollten diese nicht ein gutes Paar abgeben? Ihr erstes Eingreifen in die Politik – aber ich darf Ihnen diese Geschichte nicht erzählen, die Behörden haben beschlossen, dass Sie sie anders und von einer lebhafteren Erzählerin hören sollen. Dieses neue Beispiel ist jedoch ernster; und ich fürchte, ich muss Sie mit der Nachricht alarmieren, dass sie jetzt im Gefängnis sitzt.“

Ich schrie auf.

„Ja“, sagte er, „die kleine Dame ist im Gefängnis. Aber ich möchte nicht, dass Sie verzweifeln. Sofern Sie (mit Ihren Freunden und Memoranden) nicht meinen Untergang herbeiführen, wird ihr nichts geschehen.“

„Aber was hat sie getan? Was ist ihr Vergehen?“, rief ich.

„Es könnte fast als Hochverrat ausgelegt werden“, entgegnete er, „denn sie hat das königliche Schloss von Edinburgh aufgebrochen.“

„Die Dame ist sehr mit mir befreundet“, sagte ich. „Ich weiß, Sie würden mich nicht verspotten, wenn die Sache ernst wäre.“

„Und doch ist es in gewissem Sinne ernst“, sagte er; „denn diese Schurkin von Katrine – oder Cateran, wie wir sie nennen können – hat jenen höchst zweifelhaften Charakter, ihren Papa, wieder auf die Welt losgelassen.“

Hier bewahrheitete sich eine meiner Vorahnungen: James More war wieder einmal in Freiheit. Er hatte seine Männer geliehen, um mich als Gefangenen zu halten; er hatte seine Zeugenaussage im Fall Appin freiwillig angeboten, und dieselbe (egal durch welches Täuschungsmanöver) war benutzt worden, um die Jury zu beeinflussen. Nun kam seine Belohnung, und er war frei. Den Behörden mochte es gefallen, dem Ganzen den Anstrich einer Flucht zu geben; aber ich wusste es besser – ich wusste, es musste die Erfüllung einer Abmachung sein. Derselbe Gedankengang befreite mich von der geringsten Sorge um Catriona. Man mochte denken, sie habe für ihren Vater das Gefängnis aufgebrochen; sie mochte das selbst geglaubt haben. Aber die führende Hand bei der ganzen Angelegenheit war die von Prestongrange; und ich war sicher, weit davon entfernt, sie bestrafen zu lassen, würde er nicht einmal zulassen, dass sie vor Gericht gestellt wird. Woraufhin mir die nicht sehr kluge Äußerung entfuhr:

„Ach! Das hatte ich erwartet!“

„Sie haben zuweilen auch eine große Portion Diskretion!“, sagt Prestongrange.

„Und was meint mein Lord damit?“, fragte ich.

„Ich habe mich nur gewundert“, antwortete er, „dass Sie, obwohl Sie so klug sind, diese Schlussfolgerungen zu ziehen, nicht klug genug sind, sie für sich zu behalten. Aber ich denke, Sie würden gerne die Einzelheiten der Affäre hören. Ich habe zwei Versionen erhalten: und die weniger offizielle ist die ausführlichere und bei weitem unterhaltsamere, da sie aus der lebhaften Feder meiner ältesten Tochter stammt. ‚Hier ist die ganze Stadt in heller Aufregung wegen eines schönen Stücks Arbeit‘, schreibt sie, ‚und was die Sache noch bemerkenswerter machen würde (wenn es nur bekannt wäre), ist, dass der Übeltäter ein Schützling seines Lords, meines Papas, ist. Ich bin sicher, Ihr Herz ist zu sehr bei Ihrer Pflicht (wenn es nichts anderes wäre), um die Grauen Augen vergessen zu haben. Was macht sie? Sie besorgt sich einen breiten Hut mit offenen Krempen, einen langen haarigen Männer-Großmantel und ein großes Halstuch; schürzt ihre Röcke bis Gott weiß wohin, zieht zwei Paar Stiefelstrümpfe über ihre Beine, nimmt ein Paar geflickte Schuhe in die Hand und ab zum Schloss! Hier gibt sie sich als Schuster im Dienst von James More aus und bekommt Zugang zu seiner Zelle, wobei der Leutnant (der voller Scherze zu sein scheint) vor seinen Soldaten seinen Spaß mit dem Großmantel des Schusters treibt. Plötzlich hören sie im Inneren Streitigkeiten und das Geräusch von Schlägen. Heraus stürmt der Schuster, sein Mantel fliegt, die Krempen seines Hutes schlagen ihm ins Gesicht, und der Leutnant und seine Soldaten spotten über ihn, als er davonrennt. Sie lachten nicht so herzlich, als sie das nächste Mal die Gelegenheit hatten, die Zelle zu besuchen, und niemanden vorfanden außer einer großen, hübschen, grauäugigen Maid in weiblicher Kleidung! Was den Schuster betrifft, so war er ‚über die Hügel jenseits von Dumblane‘, und es wird angenommen, dass das arme Schottland sich ohne ihn trösten muss. Ich habe heute Abend in der Öffentlichkeit auf Catrionas Gesundheit getrunken. Tatsächlich bewundert sie die ganze Stadt; und ich glaube, die Dandys würden Stücke ihrer Strumpfbänder in ihren Knopflöchern tragen, wenn sie sie nur bekommen könnten. Ich wäre auch gerne im Gefängnis zu ihr gegangen, nur erinnerte ich mich rechtzeitig daran, dass ich Papas Tochter bin; also schrieb ich ihr stattdessen ein Billet, das ich dem treuen Doig anvertraute, und ich hoffe, Sie geben zu, dass ich politisch sein kann, wenn ich will. Derselbe treue Tölpel soll diesen Brief zusammen mit denen der Klugscheißer per Eilboten verschicken, damit Sie Tom Narr in Gesellschaft von Salomo hören können. Apropos Tölpel, sagen Sie das Dauvit Balfour. Ich wünschte, ich könnte sein Gesicht bei dem Gedanken an ein langbeiniges Mädchen in einer solchen Klemme sehen; ganz zu schweigen von den Leichtsinnigkeiten Ihrer liebevollen Tochter und seines respektvollen Freundes.‘ So unterschreibt sich mein Schelm!“, fuhr Prestongrange fort. „Und Sie sehen, Mr. David, es ist ganz wahr, was ich Ihnen sage, dass meine Töchter Sie mit der liebevollsten Verspieltheit betrachten.“

„Der Tölpel ist zu großem Dank verpflichtet“, sagte ich.

„Und war das nicht hübsch gemacht!“, fuhr er fort. „Ist dieses Hochlandmädchen nicht ein Stück einer Heldin?“

„Ich war immer sicher, dass sie ein großes Herz hat“, sagte ich. „Und ich wette, sie ahnte nichts ... Aber ich bitte um Verzeihung, das heißt, verbotene Themen zu betreten.“

„Ich wette darauf, dass sie es nicht tat“, erwiderte er ganz offen. „Ich wette darauf, dass sie dachte, sie fliege direkt in das Gesicht von König George.“

Die Erinnerung an Catriona und der Gedanke an ihre Gefangenschaft bewegten mich seltsam. Ich konnte sehen, dass selbst Prestongrange bewunderte und seine Lippen nicht davon abhalten konnte, zu lächeln, wenn er an ihr Verhalten dachte. Was Miss Grant betrifft, so leuchtete ihre Bewunderung trotz ihrer schlechten Angewohnheit zu spotten deutlich hervor. Eine Art Hitze kam über mich.

„Ich bin nicht die Tochter Eurer Lordschaft ...“, begann ich.

„Das weiß ich!“, warf er lächelnd ein.

„Ich spreche wie ein Narr“, sagte ich; „oder besser gesagt, ich habe falsch angefangen. Es wäre zweifellos unklug von Mistress Grant, sie im Gefängnis zu besuchen; aber was mich betrifft, so denke ich, ich sähe aus wie ein halbherziger Freund, wenn ich nicht augenblicklich dorthin fliegen würde.“

„So-ho, Mr. David“, sagt er; „ich dachte, dass Sie und ich eine Abmachung hätten?“

„Mein Lord“, sagte ich, „als ich diese Abmachung traf, war ich ein gutes Stück von Ihrer Güte beeindruckt, aber ich werde niemals leugnen können, dass ich außerdem von meinem eigenen Interesse bewegt war. Da war Eigennutz in meinem Herzen, und ich schäme mich jetzt dafür. Es mag für die Sicherheit Eurer Lordschaft sein, zu sagen, dieser lästige Davie Balfour ist Ihr Freund und Hausgenosse. Sagen Sie es dann; ich werde Ihnen niemals widersprechen. Aber was Ihre Schirmherrschaft betrifft, so gebe ich sie ganz zurück. Ich bitte nur um das eine – lassen Sie mich gehen und geben Sie mir einen Passierschein, um sie in ihrem Gefängnis zu sehen.“

Er sah mich mit einem harten Auge an. „Sie spannen den Wagen vor das Pferd, glaube ich“, sagt er. „Das, was ich gegeben habe, war ein Teil meines Wohlwollens, das Ihre undankbare Natur nicht bemerkt zu haben scheint. Aber was meine Schirmherrschaft betrifft, so ist sie nicht gegeben, noch (um genau zu sein) ist sie noch angeboten.“ Er hielt kurz inne. „Und ich warne Sie, Sie kennen sich selbst nicht“, fügte er hinzu. „Die Jugend ist eine hastige Zeit; Sie werden vor Ablauf eines Jahres besser über all das denken.“

„Nun, und ich möchte diese Art von Jugend sein!“, rief ich. „Ich habe zu viel von der anderen Seite bei diesen jungen Advokaten gesehen, die bei Ihrer Lordschaft schleimen und sich sogar die Mühe machen, bei mir zu schleimen. Und ich habe es auch bei den alten gesehen. Sie sind alle auf Eigennutz aus, der ganze Clan von ihnen! Das ist es, was mich an dem Wohlwollen Eurer Lordschaft zweifeln lässt. Warum sollte ich denken, dass Sie mich mögen? Aber Sie sagten mir selbst, Sie hätten ein Interesse!“

Ich hielt hier inne, verwirrt darüber, dass ich so weit gegangen war; er beobachtete mich mit einem unergründlichen Gesicht.

„Mein Lord, ich bitte um Entschuldigung“, fuhr ich fort. „Ich habe nichts in meinem Mund als eine raue Landessprache. Ich denke, es wäre nur anständig, wenn ich meine Freundin in ihrer Gefangenschaft besuchen würde; aber ich schulde Ihnen mein Leben – ich werde das niemals vergessen; und wenn es zum Wohl Eurer Lordschaft ist, hier bleibe ich. Das ist kaum Dankbarkeit.“

„Dies hätte in weniger Worten erreicht werden können“, sagt Prestongrange grimmig. „Es ist einfach, und es ist manchmal gnädig, ein schlichtes schottisches ‚Ja‘ zu sagen.“

„Ah, aber, mein Lord, ich glaube, Sie verstehen mich noch nicht ganz!“, rief ich. „Ihres Willens wegen, für mein Leben, und die Güte, die Sie sagen, für mich zu hegen – dafür willige ich ein; aber nicht für irgendeinen Vorteil, der mir selbst zuteilwerden könnte. Wenn ich beiseite stehe, wenn dieses junge Mädchen ihren Prozess bekommt, ist es eine Sache, von der ich in keiner Weise profitieren werde; ich werde dabei verlieren, niemals gewinnen. Ich würde lieber ganz Schiffbruch erleiden, als auf diesem Fundament zu bauen.“

Er war eine Minute ernst, dann lächelte er. „Sie erinnern mich an den Mann mit der langen Nase“, sagte er; „würden Sie den Mond durch ein Teleskop sehen, Sie würden David Balfour dort sehen! Aber Sie sollen Ihren Willen haben. Ich werde Sie um einen Dienst bitten und Sie dann freigeben: Meine Schreiber sind überlastet; seien Sie so gut und kopieren Sie mir diese wenigen Seiten, und wenn das erledigt ist, werde ich Ihnen Lebwohl wünschen! Ich würde mich niemals mit Mr. Davids Gewissen belasten; und wenn Sie einen Teil davon (im Vorbeigehen) in ein Moorloch werfen könnten, würden Sie feststellen, dass Sie ohne es viel leichter reiten.“

„Vielleicht aber nicht gerade ganz in dieselbe Richtung, mein Lord!“, sage ich.

„Und das letzte Wort sollen Sie auch noch haben!“, ruft er fröhlich.

In der Tat hatte er einigen Grund zur Heiterkeit, da er nun die Mittel gefunden hatte, sein Ziel zu erreichen. Um das Gewicht des Memorandums zu verringern oder eine schnellere Antwort zur Hand zu haben, wünschte er, dass ich öffentlich als sein Vertrauter auftrete. Aber wenn ich mit derselben Öffentlichkeit als Besucher bei Catriona in ihrem Gefängnis auftreten würde, würde die Welt kaum davor zurückschrecken, Schlüsse zu ziehen, und die wahre Natur von James Mores Flucht müsste für alle offensichtlich werden. Das war das kleine Problem, das ich ihm plötzlich gestellt hatte, und auf das er so prompt eine Antwort gefunden hatte. Ich sollte durch diese Kopierarbeit in Glasgow festgehalten werden, die ich aus bloßem äußerem Anstand kaum ablehnen konnte; und während dieser Stunden der Beschäftigung wurde Catriona insgeheim beiseitegeschafft. Ich schäme mich, über diesen Mann zu schreiben, der mich mit so vielen Gütern überhäuft hat. Er war freundlich zu mir wie ein Vater, doch ich hielt ihn immer für so falsch wie eine gesprungene Glocke.

Das Abschreiben war ein ermüdendes Geschäft, umso mehr, als ich schon sehr früh begriff, dass die behandelten Angelegenheiten keinerlei Dringlichkeit besaßen, und ich schon bald meine Beschäftigung als einen Vorwand betrachtete. Kaum war ich fertig, schwang ich mich aufs Pferd, nutzte den Rest des Tageslichts aufs Beste und, als es schließlich vollends Nacht geworden war, schlief ich in einem Haus am Almond-Water. Ich saß wieder im Sattel, bevor der Tag anbrach, und die Buden in Edinburgh öffneten gerade, als ich durch den West Bow hineingeklappert kam und ein dampfendes Pferd vor der Tür meines Herrn Advokaten zum Stehen brachte. Ich hatte ein schriftliches Wort für Doig, die rechte Hand meines Herrn, von der man glaubte, sie sei in alle seine Geheimnisse eingeweiht – ein wackerer, kleiner, schlichter Mann, ganz aus Fett, Schnupftabak und Selbstgefälligkeit bestehend. Ihn fand ich bereits an seinem Schreibtisch und schon besudelt mit Maccabaw, in demselben Vorzimmer, in dem ich mit James More zusammengestoßen war. Er las den Zettel gewissenhaft durch wie ein Kapitel aus seiner Bibel.

„H’m“, sagte er; „Ihr kommt ein wenig spät dran, Mr. Balfour. Der Vogel ist ausgeflogen – wir haben sie herausgelassen.“

„Miss Drummond ist wieder frei?“, rief ich.

„Ach!“, sagte er. „Wozu sollten wir sie auch festhalten, wisst Ihr? Ein Aufheben um das Mädchen zu machen, hätte niemandem genützt.“

„Und wo mag sie jetzt sein?“, fragte ich.

„Gott weiß es!“, sagte Doig mit einem Achselzucken.

„Sie wird wohl nach Hause zu Lady Allardyce gegangen sein, denke ich“, sagte ich.

„Das wird es sein“, sagte er.

„Dann werde ich direkt dorthin gehen“, sagte ich.

„Aber Ihr werdet doch einen Bissen essen, bevor Ihr geht?“, sagte er.

„Weder Bissen noch Schluck“, sagte ich. „Ich hatte einen guten Schluck Milch bei Ratho.“

„Nun gut, nun gut“, sagte Doig. „Aber Ihr könnt Euer Pferd und Eure Taschen hierlassen, denn es scheint, als würden wir Euch beherbergen.“

„Nein, nein“, sagte ich. „Tamson’s Mähre wäre heute, an diesem Tag von allen Tagen, niemals das Richtige für mich.“

Da Doig recht breit sprach, hatte ich mich durch Nachahmung zu einem Akzent hinreißen lassen, der viel bäuerlicher war, als ich normalerweise darauf achtete – in der Tat ein gutes Stück breiter, als ich es hier niedergeschrieben habe; und ich schämte mich umso mehr, als eine andere Stimme hinter mir mit einem Stückchen einer Ballade einstimmte:

„Sattelt mir den schönen Schwarzen, Sattelt ihn geschwind und macht ihn bereit, Denn ich reite den Gatehope-slack hinab, Und das alles, um meine schöne Dame zu sehen.“

Die junge Dame, als ich mich zu ihr umdrehte, stand in einem Morgenrock, die Hände darin vergraben, als wolle sie mich auf Abstand halten. Dennoch konnte ich nicht umhin zu glauben, dass Güte in dem Blick lag, mit dem sie mich betrachtete.

„Meine besten Empfehlungen an Sie, Mistress Grant“, sagte ich und verneigte mich.

„Desgleichen an Sie, Mr. David“, antwortete sie mit einem tiefen Knicks. „Und ich erlaube mir, Sie an ein altes, verstaubtes Sprichwort zu erinnern: Essen und Messe haben noch niemanden aufgehalten. Die Messe kann ich Ihnen nicht bieten, denn wir sind allesamt gute Protestanten. Aber auf das Essen lege ich Ihnen ans Herz. Und es würde mich nicht wundern, wenn ich etwas für Ihr privates Ohr fände, für das es sich lohnte, innezuhalten.“

„Mistress Grant“, sagte ich, „ich glaube, ich stehe bereits in Ihrer Schuld für einige fröhliche Worte – und ich meine, sie waren auch freundlich –, auf einem unbeschriebenen Blatt Papier.“

„Unbeschriebenes Blatt?“, sagte sie und verzog das Gesicht zu einer drolligen Grimasse, die zugleich wunderbar schön war, wie bei jemandem, der versucht, sich zu erinnern.

„Oder ich bin sehr getäuscht“, fuhr ich fort. „Doch sicher werden wir Zeit haben, darüber zu sprechen, da Ihr Vater so gütig ist, mich eine Zeit lang bei Ihnen aufzunehmen; und der Einfaltspinsel bittet Sie zu dieser Stunde nur um die Gunst seiner Freiheit.“

„Sie geben sich selbst harte Namen“, sagte sie.

„Mr. Doig und ich würden uns freuen, härtere von Ihrer geistreichen Feder zu hören“, sagte ich.

„Wieder einmal muss ich die Diskretion aller Männer bewundern“, antwortete sie. „Aber wenn Sie nicht essen wollen, dann machen Sie sich sofort auf den Weg; Sie werden umso schneller zurück sein, denn Sie reiten einem Narrengang hinterher. Gehen Sie schon, Mr. David“, fuhr sie fort und öffnete die Tür.

„Er ist auf seinen schönen Grauen gesprungen, Er ritt den rechten und den bereiten Weg, Ich glaube, er wollte weder rasten noch weilen, Denn er suchte seine schöne Dame.“

Ich wartete nicht, bis man mich zweimal bat, und tat Miss Grants Zitat auf dem Weg nach Dean Genüge.

Die alte Lady Allardyce ging dort allein im Garten, in ihrer Haube und ihrem Kopftuch, und stützte sich auf einen silberbeschlagenen Stab aus einem schwarzen Holz. Als ich von meinem Pferd stieg und mich ihr mit Verbeugungen näherte, konnte ich sehen, wie das Blut in ihr Gesicht stieg und ihr Kopf in die Luft fuhr, wie ich es mir bei Kaiserinnen vorgestellt hatte.

„Was führt Sie an meine arme Tür?“, rief sie und sprach hoch und näselnd. „Ich kann sie nicht verriegeln. Die Männer meines Hauses sind tot und begraben; ich habe weder Sohn noch Ehemann, der am Tor für mich einsteht; jeder Bettler kann mich beim Bart zupfen – und einen Bart gibt es, und das ist noch das Schlimmste von allem!“, fügte sie halb zu sich selbst hinzu.

Ich war über diesen Empfang äußerst verstört, und die letzte Bemerkung, die wie von einer verrückten Frau klang, machte mich beinahe sprachlos.

„Ich sehe, ich bin in Ihre Ungnade gefallen, gnädige Frau“, sagte ich. „Doch ich werde dennoch so kühn sein, nach Mistress Drummond zu fragen.“

Sie betrachtete mich mit einem brennenden Blick, die Lippen fest zusammengepresst zu zwanzig Falten, die Hand zitternd auf ihrem Stab. „Das schlägt dem Fass den Boden aus!“, rief sie. „Ihr kommt zu mir, um nach ihr zu fragen? Wollte Gott, ich wüsste es!“

„Sie ist nicht hier?“, rief ich.

Sie warf das Kinn in die Höhe und machte einen Schritt und einen Schrei auf mich zu, sodass ich unverzüglich zurückwich.

„Hinaus mit Eurer lügnerischen Kehle!“, rief sie. „Was! Ihr kommt und fragt mich! Sie ist im Gefängnis, wohin Ihr sie gebracht habt – das ist alles, was es dazu zu sagen gibt. Und von allen Wesen, die ich je in Hosen gesehen habe, zu denken, dass es ausgerechnet Ihr sein solltet! Ihr hölzerner Schurke, wenn ich noch einen Mann in meinem Namen hätte, ich ließe Euch die Jacke so lange durchprügeln, bis Ihr schreit.“

Ich hielt es für nicht ratsam, länger an diesem Ort zu verweilen, da ich bemerkte, wie ihre Leidenschaft zu steigen begann. Als ich mich zum Pferdepfosten wandte, folgte sie mir sogar; und ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich mit nur einem Steigbügel davonritt und nach dem anderen hastete.

Da ich kein anderes Quartier wusste, wo ich meine Erkundigungen anstellen konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als zum Advokaten zurückzukehren. Ich wurde von den vier Damen, die nun beisammen waren, gut empfangen und musste die Neuigkeiten von Prestongrange und was man sich im Westen erzählte, in überaus ausführlicher Weise berichten, was mich selbst sehr ermüdete; während die junge Dame, mit der ich so sehr allein sein wollte, mich spöttisch beobachtete und anscheinend Gefallen an der Sicht meiner Ungeduld fand. Schließlich, nachdem ich eine Mahlzeit mit ihnen überstanden hatte und dem Punkt sehr nahe war, vor ihrer Tante um ein Gespräch zu bitten, ging sie zum Musikkasten, suchte eine Melodie aus und sang sie in hoher Tonlage: „Wer nicht will, wenn er kann, der wird nicht dürfen, wenn er will.“ Aber dies war das Ende ihrer Strenge, und nach einer Weile, unter irgendeinem Vorwand, an den ich mich nicht erinnere, nahm sie mich beiseite in die Bibliothek ihres Vaters. Ich darf nicht versäumen zu erwähnen, dass sie herausgeputzt war und außerordentlich schön erschien.

„Nun, Mr. David, setzen Sie sich hierher und lassen Sie uns ein Gespräch unter vier Augen führen“, sagte sie. „Denn ich habe Ihnen viel zu erzählen, und es scheint außerdem, dass ich Ihrem guten Geschmack gegenüber grob ungerecht war.“

„Inwiefern, Mistress Grant?“, fragte ich. „Ich hoffe, es hat nie den Anschein gehabt, dass es mir an gebührendem Respekt fehlte.“

„Ich will Ihre Bürgin sein, Mr. David“, sagte sie. „Ihr Respekt, ob Ihnen selbst oder Ihren armen Nachbarn gegenüber, war immer und höchst glücklich über jede Nachahmung erhaben. Aber das steht nicht zur Debatte. Sie haben einen Zettel von mir bekommen?“, fragte sie.

„Ich war so kühn, dies aufgrund von Schlussfolgerungen anzunehmen“, sagte ich, „und es war ein freundlicher Gedanke.“

„Das muss Sie ungeheuer überrascht haben“, sagte sie. „Aber lassen Sie uns mit dem Anfang beginnen. Sie haben vielleicht nicht einen Tag vergessen, an dem Sie so freundlich waren, drei sehr langweilige Fräulein zum Hope Park zu begleiten? Ich habe weniger Grund, es selbst zu vergessen, weil Sie so besonders gefällig waren, mich in einige Prinzipien der lateinischen Grammatik einzuführen, eine Sache, die sich tief in meine Dankbarkeit eingeschrieben hat.“

„Ich fürchte, ich war traurig pedantisch“, sagte ich, überwältigt von Verwirrung bei der Erinnerung. „Sie müssen nur bedenken, dass ich mit der Gesellschaft von Damen ganz und gar nicht vertraut bin.“

„Ich werde dann weniger über die Grammatik sagen“, antwortete sie. „Aber wie kamen Sie dazu, Ihre Schützlinge zu verlassen? ‚Er hat sie über Bord geworfen, seine eigene liebe Annie!‘“, summte sie; „und seine eigene liebe Annie und ihre zwei Schwestern mussten wie eine Schar Gänse alleine nach Hause trotten! Es scheint, Sie kehrten zum Haus meines Vaters zurück, wo Sie sich überaus kriegerisch zeigten, und dann weiter in unbekannte Gefilde, mit einem Auge (wie es scheint) auf den Bass Rock; Basstölpel sind Ihnen vielleicht lieber als hübsche Mädchen.“

Durch all diese Neckerei hindurch lag etwas Nachsichtiges im Blick der Dame, das mich vermuten ließ, dass noch Besseres kommen könnte.

„Sie finden ein Vergnügen daran, mich zu quälen“, sagte ich, „und ich gebe ein sehr klägliches Spielzeug ab; aber lassen Sie mich Sie bitten, barmherziger zu sein. In diesem Augenblick gibt es nur die eine Sache, die mir am Herzen liegt, und das sind Nachrichten von Catriona.“

„Nennen Sie sie bei diesem Namen, wenn Sie ihr gegenüberstehen, Mr. David?“, fragte sie.

„In der Tat, und ich bin mir nicht ganz sicher“, stammelte ich.

„Ich würde das Fremden gegenüber in keinem Fall tun“, sagte Miss Grant. „Und warum sind Sie so sehr in die Angelegenheiten dieser jungen Dame vertieft?“

„Ich hörte, sie sei im Gefängnis“, sagte ich.

„Nun, und jetzt hören Sie, dass sie wieder draußen ist“, antwortete sie, „und was wollen Sie noch mehr? Sie hat keinen Bedarf mehr an einem weiteren Vorkämpfer.“

„Ich habe vielleicht umso mehr Bedarf an ihr, gnädige Frau“, sagte ich.

„Kommen Sie, das ist besser!“, sagt Miss Grant. „Aber sehen Sie mir offen ins Gesicht; bin ich nicht hübscher als sie?“

„Ich wäre der Letzte, der das leugnen würde“, sagte ich. „Es gibt Ihresgleichen nicht in ganz Schottland.“

„Nun, hier haben Sie die Auswahl der beiden zur Hand und müssen doch von der anderen sprechen“, sagte sie. „Das ist gewiss nicht der Weg, den Damen zu gefallen, Mr. Balfour.“

„Aber, Mistress“, sagte ich, „es gibt sicher andere Dinge außer bloßer Schönheit.“

„Womit ich verstehen soll, dass ich nicht besser bin, als ich sein sollte, vielleicht?“, fragte sie.

„Womit Sie bitte verstehen wollen, dass ich wie der Hahn auf dem Misthaufen im Fabelbuch bin“, sagte ich. „Ich sehe das glänzende Juwel – und ich sehe es nur zu gerne – aber ich habe mehr Bedarf an dem Körnchen Korn.“

„Bravissimo!“, rief sie. „Da ist endlich ein Wort gut gesagt, und ich werde Sie dafür mit meiner Geschichte belohnen. In derselben Nacht Ihres Verschwindens kam ich spät von einem Freundeshaus zurück – wo ich außerordentlich bewundert wurde, was immer Sie auch darüber denken mögen – und was musste ich hören, als dass ein Mädchen in einem Schottenkaro mit mir sprechen wollte? Sie sei dort schon eine Stunde oder länger gewesen, sagte das Dienstmädchen, und sie habe vor sich hin geweint, während sie wartete. Ich ging direkt zu ihr; sie erhob sich, als ich hereinkam, und ich erkannte sie auf einen Blick. ‚Graue Augen!‘, sagte ich zu mir selbst, war aber klug genug, es nicht zu zeigen. ‚Sie werden wohl Mistress Grant sein?‘, sagt sie, steht auf und sieht mich fest und mitleidig an. ‚Ja, es war wahr, was er sagte, Sie sind jedenfalls hübsch.‘ – ‚So wie Gott mich geschaffen hat, mein Liebling‘, sagte ich, ‚aber ich wäre sehr verbunden, wenn Sie mir sagen könnten, was Sie zu einer solchen Nachtzeit hierher führt.‘ – ‚Gnädige Frau‘, sagte sie, ‚wir sind Verwandte, wir stammen beide vom Blut der Söhne Alpins ab.‘ – ‚Mein Liebling‘, antwortete ich, ‚ich denke nicht mehr über Alpin oder seine Söhne nach als über einen Kohlstrunk. Sie haben ein besseres Argument in diesen Tränen auf Ihrem schönen Gesicht.‘ Und da war ich so schwach, sie zu küssen, was das ist, was Sie nur zu gerne tun würden, und ich wette, Sie werden nie den Mut dazu finden. Ich sage, es war schwach von mir, denn ich wusste nichts von ihr als die Fassade; aber es war der klügste Streich, den ich hätte spielen können. Sie ist von sehr standhafter, tapferer Natur, aber ich glaube, sie ist wenig mit Zärtlichkeit behandelt worden; und bei dieser Liebkosung (obwohl sie, um die Wahrheit zu sagen, nur leicht gegeben war) öffnete sich ihr Herz mir gegenüber. Ich werde niemals die Geheimnisse meines Geschlechts verraten, Mr. Davie; ich werde Ihnen niemals erzählen, wie sie mich um den Finger gewickelt hat, denn es ist dieselbe Art, mit der sie Sie um den Finger wickeln wird. Ja, es ist ein feines Mädchen! Sie ist so rein wie Quellwasser vom Hügel.“

„Das ist sie in der Tat!“, rief ich.

„Nun, dann erzählte sie mir ihre Sorgen“, fuhr Miss Grant fort, „und in welcher Zwickmühle sie wegen ihres Vaters steckte, und in welcher Aufregung wegen Ihnen, mit sehr wenig Grund, und in welcher Verwirrung sie sich befunden hatte, nachdem Sie fortgegangen waren. ‚Und dann fiel mir endlich ein‘, sagte sie, ‚dass wir Verwandte seien, und dass Mr. David Ihnen den Namen der Schönsten der Schönen gegeben habe, und ich dachte mir: Wenn sie so schön ist, wird sie jedenfalls gut sein; und ich habe mich auf den Weg gemacht.‘ Das war der Moment, als ich Ihnen verzieh, Mr. Davie. Als Sie in meiner Gesellschaft waren, wirkten Sie wie auf glühenden Kohlen: nach allen Anzeichen, wenn ich je einen jungen Mann gesehen habe, der fortwollte, dann waren Sie es, und ich und meine zwei Schwestern waren die Damen, von denen Sie so begierig waren fortzukommen; und nun schien es, Sie hatten mir im Vorbeigehen etwas Aufmerksamkeit geschenkt und waren so freundlich, meine Reize zu kommentieren! Von jener Stunde an können Sie unsere Freundschaft datieren, und ich begann mit Zärtlichkeit an die lateinische Grammatik zu denken.“

„Sie werden noch viele Stunden haben, mich aufzuziehen“, sagte ich; „und ich glaube außerdem, Sie tun sich selbst Unrecht. Ich glaube, es war Catriona, die Ihr Herz in meine Richtung gelenkt hat. Sie ist zu einfach, um so wie Sie die Steifheit ihres Freundes wahrzunehmen.“

„Darauf würde ich nicht wetten, Mr. David“, sagte sie. „Die Mädchen haben klare Augen. Aber wenigstens ist sie Ihre Freundin durch und durch, wie ich sehen durfte. Ich brachte sie zu Seiner Lordschaft, meinem Papa; und seine Advokatur, die sich in einem günstigen Stadium des Claret befand, war so gütig, uns beide zu empfangen. ‚Hier ist das Graue Auge, mit dem Sie diese Tage geplagt wurden‘, sagte ich, ‚sie ist gekommen, um zu beweisen, dass wir die Wahrheit sagten, und ich lege Ihnen das hübscheste Mädchen der drei Lothians zu Füßen‘ – wobei ich mich selbst päpstlich ausnahm. Sie passte ihre Handlungen meinen Worten an: Sie fiel vor ihm auf die Knie – ich möchte nicht schwören, dass er nicht zwei von ihr sah, was zweifellos ihr Flehen unwiderstehlicher machte, denn Sie sind alle ein Haufen Mahommedaner – erzählte ihm, was in jener Nacht geschehen war, und wie sie den Mann ihres Vaters davon abgehalten hatte, Ihnen zu folgen, und in welcher Lage sie wegen ihres Vaters war, und wie aufgeregt wegen Ihnen selbst; und bettelte unter Tränen um das Leben von Ihnen beiden (von denen keiner in der geringsten Gefahr war), bis ich schwöre, dass ich stolz auf mein Geschlecht war, weil es so hübsch getan wurde, und beschämt deswegen, wegen der Geringfügigkeit des Anlasses. Sie war nicht weit gekommen, das versichere ich Ihnen, bevor der Advokat vollkommen nüchtern war, zu sehen, wie seine innersten politischen Pläne von einem jungen Mädchen entwirrt und der ungebändigsten seiner Töchter offenbart wurden. Aber wir nahmen ihn in die Mangel, wir beide, und brachten die Sache in Ordnung. Richtig gehandhabt – und das heißt von mir gehandhabt – gibt es niemanden, der sich mit meinem Papa vergleichen lässt.“

„Er war ein guter Mann zu mir“, sagte ich.

„Nun, er war ein guter Mann zu Katrine, und ich war dabei, um darauf zu achten“, sagte sie.

„Und sie hat für mich gebettelt?“, sage ich.

„Das hat sie, und sehr bewegend“, sagte Miss Grant. „Ich möchte Ihnen nicht sagen, was sie gesagt hat – ich finde Sie ohnehin schon eitel genug.“

„Gott belohne sie dafür!“, rief ich.

„Mit Mr. David Balfour, nehme ich an?“, sagt sie.

„Sie tun mir am Ende noch zu viel Unrecht!“, rief ich. „Ich würde zittern, bei dem Gedanken an sie in solch harten Händen. Glauben Sie, ich würde mir anmaßen, weil sie um mein Leben gebettelt hat? Das würde sie für einen neugeborenen Welpen tun! Ich habe mehr als das bekommen, das mich aufgerichtet hat, wenn Sie nur wüssten. Sie hat diese meine Hand geküsst. Ja, das hat sie. Und warum? Weil sie dachte, ich spiele eine tapfere Rolle und könnte in den Tod gehen. Es war nicht um meinetwillen – aber das brauche ich Ihnen nicht zu erzählen, die mich nicht ansehen kann, ohne zu lachen. Es war aus Liebe zu dem, was sie für Tapferkeit hielt. Ich glaube, außer mir und dem armen Prince Charlie hat niemand diese Ehre zuteilwerden lassen. War das nicht, mich zum Gott zu machen? Und glauben Sie nicht, mein Herz würde beben, wenn ich mich daran erinnere?“

„Ich lache tatsächlich eine ganze Menge über Sie, und ein gutes Stück mehr, als ganz höflich ist“, sagte sie; „aber ich werde Ihnen eines sagen: Wenn Sie so mit ihr sprechen, haben Sie ein paar Fünkchen einer Chance.“

„Ich?“, rief ich, „das würde ich niemals wagen. Ich kann mit Ihnen sprechen, Miss Grant, weil es gleichgültig ist, was Sie von mir denken. Aber sie? Keine Chance!“, sagte ich.

„Ich glaube, Sie haben die größten Füße in ganz Schottland“, sagt sie.

„Wahrhaftig, sie sind nicht sehr klein“, sagte ich und sah nach unten.

„Ach, arme Catriona!“, ruft Miss Grant.

Und ich konnte sie nur anstarren; denn obwohl ich jetzt sehr wohl sehe, worauf sie hinauswollte (und vielleicht eine gewisse Rechtfertigung dafür), war ich bei solch flüchtigem Gerede nie schnell im Begreifen.

„Ach nun, Mr. David“, sagte sie, „es geht schwer gegen mein Gewissen, aber ich sehe, ich werde Ihr Sprachrohr sein müssen. Sie soll wissen, dass Sie direkt nach der Nachricht von ihrer Inhaftierung zu ihr gekommen sind; sie soll wissen, dass Sie nicht innehalten wollten, um zu essen; und von unserem Gespräch soll sie gerade so viel hören, wie ich für ein Mädchen ihres Alters und ihrer Unerfahrenheit für angemessen halte. Glauben Sie mir, Sie werden auf diese Weise viel besser bedient sein, als Sie sich selbst bedienen könnten, denn ich werde die großen Füße aus der Schüssel halten.“

„Sie wissen also, wo sie ist?“, rief ich aus.

„Das tue ich, Mr. David, und werde es niemals verraten“, sagte sie.

„Warum das?“, fragte ich.

„Nun“, sagte sie, „ich bin eine gute Freundin, wie Sie bald entdecken werden; und die Erste, der ich eine Freundin bin, ist mein Papa. Ich versichere Ihnen, Sie werden mich niemals dazu bringen oder schmelzen lassen, also können Sie sich Ihre schmachtenden Blicke sparen; und Adieu zu Ihrer David-Balfour-Herrlichkeit für den Moment.“

„Aber es gibt noch eine Sache mehr“, rief ich. „Es gibt eine Sache, die gestoppt werden muss, da sie für sie und auch für mich reiner Ruin ist.“

„Nun“, sagte sie, „fassen Sie sich kurz; ich habe schon den halben Tag mit Ihnen verbracht.“

„Meine Lady Allardyce glaubt“, begann ich – „sie vermutet – sie denkt, dass ich sie entführt habe.“

Die Farbe stieg in Miss Grants Gesicht, sodass ich zunächst ganz beschämt war, ihr Ohr so empfindlich zu finden, bis ich bedachte, dass sie eher mit Heiterkeit kämpfte, eine Vorstellung, in der ich durch das Zittern ihrer Stimme, als sie antwortete, vollkommen bestätigt wurde –

„Ich werde die Verteidigung Ihres Rufs übernehmen“, sagte sie. „Sie können ihn in meinen Händen lassen.“

Und damit zog sie sich aus der Bibliothek zurück.

Ich blieb für etwa genau zwei Monate Gast in der Familie von Prestongrange, wo ich meine Bekanntschaft mit dem Richterstand, der Anwaltschaft und der Blüte der Edinburgher Gesellschaft vertiefte. Sie dürfen nicht meinen, dass meine Bildung vernachlässigt wurde; im Gegenteil, ich wurde außerordentlich beschäftigt gehalten. Ich studierte Französisch, um besser für den Gang nach Leyden vorbereitet zu sein; ich legte mich auf das Fechten und arbeitete hart, manchmal drei Stunden am Tag, mit bemerkenswerten Fortschritten; auf Vorschlag meines Cousins Pilrig, der ein geschickter Musiker war, wurde ich in eine Gesangsklasse gesteckt; und auf Anordnung meiner Miss Grant in eine für das Tanzen, bei dem ich, wie ich gestehen muss, alles andere als eine Zierde war. Dennoch waren alle so freundlich zu sagen, es verleihe mir ein etwas vornehmeres Auftreten; und es steht außer Frage, dass ich lernte, meine Rockschöße und meinen Degen mit mehr Geschick zu handhaben und in einem Zimmer zu stehen, als ob es mir gehörte. Meine Kleidung selbst wurde allesamt ernsthaft neu geordnet; und die unbedeutendste Kleinigkeit, wie etwa wo ich mein Haar binden sollte oder die Farbe meines Bandes, wurde unter den drei jungen Damen wie eine gewichtige Angelegenheit debattiert. So oder so hatte ich mich zweifellos rein äußerlich ein gutes Stück verbessert und mir einen Hauch von bescheidener Haltung zugelegt, der die guten Leute in Essendean überrascht hätte.

Die beiden jüngeren Fräulein waren sehr bereit, eine Frage meiner Kleidung zu erörtern, da dies in den Bereich ihrer Hauptgedanken fiel. Ich kann nicht sagen, dass sie sich meiner Gegenwart auf andere Weise bewusst schienen; und obwohl sie stets mehr als höflich waren, mit einer Art herzlosen Herzlichkeit, konnten sie nicht verbergen, wie sehr ich sie langweilte. Was die Tante betraf, so war sie eine wunderbar stille Frau; und ich glaube, sie schenkte mir etwa die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Rest der Familie, was wahrlich wenig genug war. Die älteste Tochter und der Advokat selbst waren somit meine hauptsächlichen Freunde, und unsere Vertrautheit wurde durch ein Vergnügen, das wir gemeinsam hatten, sehr vergrößert. Bevor das Gericht tagte, verbrachten wir ein oder zwei Tage im Hause Grange, wo wir sehr vornehm bei offenem Tisch lebten, und hier war es, dass wir drei begannen, gemeinsam in die Felder auszureiten, eine Gewohnheit, die später in Edinburgh beibehalten wurde, soweit es die ständigen Geschäfte des Advokaten erlaubten. Wenn wir durch die Lebhaftigkeit der Übung, die Schwierigkeiten des Weges oder die Zufälle des schlechten Wetters in gute Stimmung versetzt wurden, verflog meine Schüchternheit gänzlich; wir vergaßen, dass wir Fremde waren, und da es keiner Rede bedurfte, floss sie umso natürlicher. Damals war es, dass sie meine Geschichte von mir erfuhren, Stück für Stück, von der Zeit an, als ich Essendean verließ, mit meiner Seereise und dem Kampf auf der Covenant, den Wanderungen im Heidekraut usw.; und aus dem Interesse, das sie an meinen Abenteuern fanden, entsprang der Umstand eines Ausflugs, den wir etwas später machten, an einem Tag, an dem die Gerichte nicht tagten, und von dem ich ein wenig ausführlicher berichten werde.

Wir stiegen früh zu Pferd und ritten zuerst am Hause Shaws vorbei, wo es rauchlos in einem großen Feld aus weißem Frost stand, denn es war noch früh am Tag. Hier stieg Prestongrange ab, gab mir sein Pferd und ging allein, um meinen Onkel zu besuchen. Mein Herz, so erinnere ich mich, schwoll bitter in mir an beim Anblick dieses kahlen Hauses und bei dem Gedanken an den alten Geizhals, der zitternd drinnen in der kalten Küche saß!

„Dort ist mein Heim“, sagte ich; „und meine Familie.“

„Armer David Balfour!“, sagte Miss Grant.

Was während des Besuchs geschah, habe ich nie erfahren; aber es dürfte Ebenezer zweifellos nicht sehr angenehm gewesen sein, denn als der Advokat wieder herauskam, war sein Gesicht finster.

„Ich denke, Sie werden bald tatsächlich der Laird sein, Mr. Davie“, sagt er, indem er sich halb umdrehte, mit einem Fuß im Steigbügel.

„Ich werde niemals Trauer heucheln“, sagte ich; und um die Wahrheit zu sagen, hatten Miss Grant und ich den Ort während seiner Abwesenheit in unserer Fantasie mit Pflanzungen, Blumenbeeten und einer Terrasse verschönert – so wie ich es seitdem in der Tat ausgeführt habe.

Von dort aus stießen wir zum Queensferry vor, wo uns Rankeillor einen guten Empfang bereitete, da er wahrhaftig außer sich vor Freude war, einen so großen Besucher zu empfangen. Hier war der Advokat so ungezwungen gütig, meine Angelegenheiten vollumfänglich durchzugehen, wobei er vielleicht zwei Stunden mit dem Anwalt in dessen Arbeitszimmer saß und (wie mir berichtet wurde) eine große Hochachtung vor meiner Person und Anteilnahme an meinem Schicksal zum Ausdruck brachte. Um diese Zeit zu überbrücken, nahmen Miss Grant, ich und der junge Rankeillor ein Boot und überquerten den Hope nach Limekilns. Rankeillor machte sich sehr lächerlich (und, wie ich fand, anstößig) mit seiner Bewunderung für die junge Dame, und zu meinem Erstaunen (nur ist es eine so verbreitende Schwäche ihres Geschlechts) schien sie, wenn überhaupt, ein wenig geschmeichelt zu sein. Einen Nutzen hatte es: Denn als wir auf der anderen Seite angekommen waren, befahl sie ihm, auf das Boot achtzugeben, während sie und ich ein Stück weiter zum Wirtshaus gingen. Das war ihr eigener Gedanke gewesen, denn sie war von meiner Schilderung der Alison Hastie eingenommen worden und wünschte, das Mädchen selbst zu sehen. Wir fanden sie wieder einmal allein – ich glaube tatsächlich, ihr Vater arbeitete den ganzen Tag auf den Feldern –, und sie knickste pflichtschuldig vor den Herrschaften und der schönen jungen Dame im Reitrock.

„Ist das der ganze Willkommensgruß, den ich bekomme?“, sagte ich und hielt ihr die Hand hin. „Und hast du keine Erinnerung mehr an alte Freunde?“

„Bewahre! Wha’s this of it?“, rief sie, und dann: „Gottes Wahrheit, es ist der tautit laddie!“

„Ganz genau der“, sage ich.

„Mony’s the time I’ve thocht upon you and your freen, and blythe am I to see in your braws“, rief sie. „Obwohl ich wusste, dass du zu deinen eigenen Leuten gekommen warst, durch das großartige Geschenk, das du mir geschickt hast, und für das ich dir von ganzem Herzen danke.“

„Da“, sagte Miss Grant zu mir, „renn hinaus, wie ein braves Kind. Ich bin nicht hierher gekommen, um herumzustehen und eine Kerze zu halten; sie und ich haben zu plaudern.“

Ich vermute, sie blieb zehn Minuten im Haus, aber als sie herauskam, bemerkte ich zwei Dinge – dass ihre Augen gerötet waren und eine silberne Brosche an ihrer Brust fehlte. Das berührte mich sehr.

„Ich habe dich noch nie so gut geschmückt gesehen“, sagte ich.

„O Davie Mann, sei kein pompöser Gauk!“, sagte sie und war den Rest des Tages schärfer zu mir als gewöhnlich.

Gegen Kerzenlicht kamen wir von diesem Ausflug zurück.

Eine gute Weile hörte ich nichts weiter von Catriona – meine Miss Grant blieb völlig undurchdringlich und stoppte meinen Mund mit Scherzen. Als sie eines Tages vom Spaziergang zurückkehrte und mich allein im Salon über meinem Französisch fand, glaubte ich, etwas Ungewöhnliches in ihrem Blick zu sehen; die Farbe vertieft, die Augen hochfunkelnd und ein kleines Lächeln, das sie ständig unterdrückte, während sie mich betrachtete. Sie schien tatsächlich wie der Geist des Unfugs selbst, und als sie schwungvoll in den Raum trat, hatte sie mich bald in einen Streit um nichts verwickelt und (zumindest) mit keinerlei Absicht auf meiner Seite. Ich war wie Christian im Morast – je mehr ich versuchte, an der Seite herauszuklettern, desto tiefer verstrickte ich mich; bis ich sie schließlich mit einer großen Leidenschaft erklären hörte, dass sie diese Antwort von niemandem hinnehmen würde und ich für eine Begnadigung auf die Knie fallen müsse.

Die Grundlosigkeit all dieses Aufhebens stachelte meinen eigenen Zorn an. „Ich habe nichts gesagt, woran Sie berechtigterweise Anstoß nehmen könnten“, sagte ich, „und was meine Knie betrifft, so ist das eine Haltung, die ich für Gott reserviere.“

„Und als eine Göttin bin ich zu bedienen!“, rief sie, schüttelte ihre braunen Locken gegen mich und mit einer hellen Farbe. „Jeder Mann, der in den Bereich meiner Unterröcke kommt, soll mich so behandeln!“

„Ich werde so weit gehen, um der Form halber um Verzeihung zu bitten, obwohl ich schwöre, dass ich nicht weiß, warum“, antwortete ich. „Aber für diese schauspielerischen Posen können Sie sich an andere wenden.“

„O Davie!“, sagte sie. „Nicht, wenn ich Sie anflehen würde?“

Ich besann mich darauf, dass ich mit einer Frau stritt, was so viel heißt wie mit einem Kind, und zwar über einen Punkt, der rein formal war.

„Ich halte es für eine kindische Sache“, sagte ich, „nicht wert, dass Sie danach fragen oder ich sie leiste. Doch ich werde es Ihnen auch nicht verweigern“, sagte ich; „und der Makel, falls es einen gibt, liegt bei Ihnen selbst.“ Und bei diesen Worten kniete ich ordentlich nieder.

„Da!“, rief sie. „Da ist die richtige Stellung, da ist es, wo ich Sie hinmanövrieren wollte.“ Und dann, plötzlich: „Kep“, sagte sie, warf mir einen gefalteten Zettel zu und rannte lachend aus dem Zimmer.

Der Zettel hatte weder Ort noch Datum. „Lieber Mr. David“, begann es, „ich erhalte ständig Nachrichten von Ihnen durch meine Cousine, Miss Grant, und es ist ein erfreuliches Hören. Ich bin sehr wohl, an einem guten Ort, unter guten Leuten, aber gezwungen, ganz privat zu sein, obwohl ich hoffe, dass wir uns endlich wiedersehen können. All Ihre Freundschaften wurden mir von meiner lieben Cousine erzählt, die uns beide liebt. Sie bittet mich, Ihnen dieses Schreiben zu senden, und beaufsichtigt dasselbe. Ich werde Sie bitten, alle ihre Befehle zu befolgen, und verbleibe Ihre liebevolle Freundin, Catriona Macgregor-Drummond. P.S. – Werden Sie meinen Cousin, Allardyce, nicht sehen?“

Ich halte es nicht für den wenigsten tapferen meiner Feldzüge (wie die Soldaten sagen), dass ich getan habe, wie mir hier geheißen wurde, und geradewegs zum Haus bei Dean gegangen bin. Aber die alte Dame war nun völlig verändert und geschmeidig wie ein Handschuh. Auf welche Weise Miss Grant dies herbeigeführt hatte, konnte ich nie erraten; ich bin mir zumindest sicher, dass sie es nicht wagte, offen in der Angelegenheit aufzutreten, denn ihr Papa war ziemlich tief darin verstrickt. Er war es in der Tat, der Catriona überredet hatte, zu gehen, oder besser gesagt, nicht zu ihrem Cousin zurückzukehren, und sie stattdessen bei einer Familie Gregory untergebracht hatte – anständige Leute, ganz nach dem Belieben des Advokaten, und bei denen sie umso mehr Vertrauen haben konnte, da sie aus seinem eigenen Clan und seiner eigenen Familie stammten. Diese hielten sie privat, bis alles reif war, heizten ihr ein und halfen ihr, die Rettung ihres Vaters zu versuchen, und nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen worden war, nahmen sie sie wieder in dieselbe Geheimhaltung auf. So erlangte und benutzte Prestongrange sein Instrument; noch sickerte das kleinste Wort über seine Bekanntschaft mit der Tochter von James More durch. Es gab natürlich einiges Flüstern über die Flucht dieser diskreditierten Person; aber die Regierung antwortete mit einer Schau von Strenge, einer der Zellengefängniswärter wurde ausgepeitscht, der Leutnant der Wache (mein armer Freund Duncansby) wurde seines Ranges enthoben, und was Catriona betraf, so waren alle Männer ganz zufrieden damit, dass ihr Fehler mit Schweigen übergangen wurde.

Ich konnte Miss Grant niemals dazu bewegen, eine Antwort zurückzubringen. „Nein“, sagte sie, wenn ich beharrte, „ich werde die großen Füße aus der Schüssel halten.“ Dies war umso schwerer zu ertragen, als ich wusste, dass sie meine kleine Freundin mehrmals in der Woche sah und ihr meine Nachrichten überbrachte, wann immer (wie sie sagte) ich „mich gut benommen hatte“. Schließlich gewährte sie mir eine sogenannte Nachsicht, die ich eher für eine Frotzelei hielt. Sie war sicherlich eine starke, fast gewalttätige Freundin für alle, die sie mochte, allen voran eine gewisse gebrechliche alte Dame, sehr blind und sehr geistreich, die oben in einem hohen Haus in einer engen Gasse wohnte, mit einem Nest von Hänflingen in einem Käfig, und den ganzen Tag mit Besuchern überlaufen war. Miss Grant liebte es sehr, mich dorthin mitzunehmen und mich ihre Freundin mit der Erzählung meiner Unglücke unterhalten zu lassen: und Miss Tibbie Ramsay (so war ihr Name) war besonders freundlich und erzählte mir vieles, was des Wissens wert war über alte Leute und vergangene Angelegenheiten in Schottland. Ich sollte erwähnen, dass es von ihrem Zimmerfenster aus, und keine drei Fuß entfernt, so eng ist diese Gasse, möglich war, in ein vergittertes Guckloch zu schauen, das das Treppenhaus des gegenüberliegenden Hauses beleuchtete.

Hier ließ mich Miss Grant eines Tages unter irgendeinem Vorwand allein mit Miss Ramsay. Ich erinnere mich, dass ich diese Dame unaufmerksam und wie eine Beschäftigte fand. Ich war zudem sehr unbehaglich, denn das Fenster war entgegen der Gewohnheit offen gelassen worden und der Tag war kalt. Auf einmal erklang die Stimme von Miss Grant in meinen Ohren wie aus der Ferne.

„Hier, Shaws!“, rief sie, „keek aus dem Fenster und sieh, was ich dir mitgebracht habe.“

Ich glaube, es war der schönste Anblick, den ich je gesehen habe. Der Schacht der Gasse lag ganz im klaren Schatten, wo man einen Mann deutlich sehen konnte, die Wände sehr schwarz und schmutzig; und dort sah ich aus dem vergitterten Guckloch zwei Gesichter, die mir zulächelten – Miss Grants und Catrionas.

„Da!“, sagt Miss Grant, „ich wollte, dass sie dich in deinen Braws sieht wie das Mädchen von Limekilns. Ich wollte, dass sie sieht, was ich aus dir machen kann, wenn ich mich ernsthaft an die Arbeit mache!“

Es kam mir in den Sinn, dass sie an diesem Tag mehr als gewöhnlich auf meine Kleidung geachtet hatte; und ich denke, dass ein Teil derselben Sorgfalt auch Catriona gewidmet worden war. Für eine so fröhliche und vernünftige Dame war Miss Grant sicherlich wunderbar von Lumpen eingenommen.

„Catriona!“, war alles, was ich herausbringen konnte.

Was sie betraf, sie sagte überhaupt nichts, sondern winkte mir nur mit der Hand zu und lächelte mir zu, und war plötzlich wieder vom Guckloch verschwunden.

Diese Vision war kaum verloren, da rannte ich zur Haustür, wo ich feststellte, dass ich eingesperrt war; von dort zurück zu Miss Ramsay, nach dem Schlüssel rufend, aber ich hätte genauso gut den Burgfelsen anrufen können. Sie habe ihr Wort gegeben, sagte sie, und ich müsse ein braver Junge sein. Es war unmöglich, die Tür aufzubrechen, selbst wenn es anständig gewesen wäre; es war unmöglich, dass ich aus dem Fenster springen konnte, da ich sieben Stockwerke über dem Boden war. Alles, was ich tun konnte, war, über die Gasse zu schauen und auf ihr Wiedererscheinen aus der Treppe zu warten. Es war wenig zu sehen, da es nicht mehr als die Oberseiten ihrer beiden Köpfe waren, jeder auf einem lächerlichen Spulchen von Röcken, wie ein Paar Nadelkissen. Auch schaute Catriona nicht einmal zum Abschied hinauf; da sie (wie ich später hörte) von Miss Grant daran gehindert wurde, die sagte, Leute seien von oben nach unten betrachtet niemals im Vorteil.

Auf dem Heimweg, sobald ich befreit war, warf ich Miss Grant ihre Grausamkeit vor.

„Es tut mir leid, dass Sie enttäuscht waren“, sagt sie scheinheilig. „Ich für meinen Teil war sehr erfreut. Sie sahen besser aus, als ich befürchtet hatte; Sie sahen – wenn es Sie nicht eitel macht – ein mächtig hübscher junger Mann aus, als Sie im Fenster erschienen. Sie müssen bedenken, dass sie Ihre Füße nicht sehen konnte“, sagt sie, mit der Art einer Person, die mich beruhigt.

„O!“, rief ich, „lassen Sie meine Füße in Ruhe – sie sind nicht größer als die meiner Nachbarn.“

„Sie sind sogar kleiner als manche“, sagte sie, „aber ich spreche in Gleichnissen wie ein hebräischer Prophet.“

„Ich wundere mich wenig, dass sie manchmal gesteinigt wurden!“, sage ich. „Aber, du elendes Mädchen, wie konntest du das tun? Warum solltest du dich darum scheren, mich mit einem Moment zu quälen?“

„Liebe ist wie Leute“, sagt sie; „sie braucht eine Art Kost.“

„Oh, Barbara, lass mich sie richtig sehen!“, flehte ich. „Du kannst – du siehst sie, wann immer es dir beliebt; lass mich eine halbe Stunde haben.“

„Wer ist es, der diese Liebesgeschichte leitet! Du! Oder ich?“, fragte sie, und als ich fortfuhr, sie mit meinen Bitten zu drängen, fiel sie auf ein tödliches Mittel zurück: das Nachahmen der Töne meiner Stimme, wenn ich Catriona beim Namen rief; womit sie mich tatsächlich für einige Tage unterwarf.

Es wurde nie ein Wort von der Denkschrift gehört, oder keines von mir. Prestongrange und seine Gnaden der Lord President mögen davon (was weiß ich) auf ihren taubsten Seiten der Ohren gehört haben; sie behielten es zumindest für sich – die Öffentlichkeit war um nichts klüger; und im Laufe der Zeit, am 8. November, und inmitten eines gewaltigen Wind- und Regensturms, wurde der arme James of the Glens ordnungsgemäß bei Lettermore in Ballachulish gehängt.

So war also das endgültige Ergebnis meiner Politik! Unschuldige Männer sind vor James umgekommen und werden (trotz all unserer Weisheit) bis ans Ende der Zeit weiter umkommen. Und bis ans Ende der Zeit werden junge Leute (die noch nicht mit der Doppelzüngigkeit des Lebens und der Menschen vertraut sind) kämpfen wie ich, heldenhafte Entschlüsse fassen und lange Risiken eingehen; und der Lauf der Ereignisse wird sie zur einen Seite drängen und weitergehen wie eine marschierende Armee. James wurde gehängt; und hier wohnte ich im Haus von Prestongrange und war ihm für seine väterliche Aufmerksamkeit dankbar. Er wurde gehängt; und siehe da! Als ich Mr. Simon auf der Straße begegnete, war ich froh, ihm meinen Biber abzunehmen wie ein braver kleiner Junge vor seinem Lehrer. Er war durch Betrug und Gewalt gehängt worden, und die Welt wackelte weiter, und es gab keinen Pfennig Unterschied; und die Schurken dieser schrecklichen Verschwörung waren anständige, gütige, respektable Familienväter, die zur Kirche gingen und das Sakrament empfingen!

Aber ich hatte meine Sicht auf dieses abscheuliche Geschäft, das sie Politik nennen, gehabt – ich hatte es von hinten gesehen, wo es nur Knochen und Schwärze ist; und ich war für mein Leben geheilt von jeglicher Versuchung, wieder daran teilzunehmen. Ein einfacher, ruhiger, privater Pfad war der, auf dem ich ehrgeizig zu wandeln wünschte, wenn ich meinen Kopf aus dem Weg der Gefahren und mein Gewissen aus dem Weg der Versuchung halten könnte. Denn im Rückblick schien es, dass ich es gar nicht so großartig gemacht hatte; sondern mit dem größtmöglichen Maß an großen Reden und Vorbereitungen nichts erreicht hatte.

Am 25. desselben Monats wurde eine Anzeige geschaltet, dass ein Schiff von Leith aus segeln würde; und mir wurde plötzlich empfohlen, meine Sachen für Leyden zu packen. Prestongrange konnte ich natürlich nichts sagen; denn ich war schon lange genug ein Schmarotzer auf seinem Haus und Tisch. Aber bei seiner Tochter war ich offener, beklagte mein Schicksal, dass ich aus dem Land geschickt werden sollte, und versicherte ihr, dass ich mich in der letzten Stunde weigern würde, falls sie mich nicht dazu brächte, mich von Catriona zu verabschieden.

„Habe ich Ihnen nicht meinen Rat gegeben?“, fragte sie.

„Ich weiß, dass Sie es getan haben“, sagte ich, „und ich weiß, wie sehr ich Ihnen bereits verpflichtet bin und dass ich angewiesen bin, Ihre Befehle zu befolgen. Aber Sie müssen zugeben, dass Sie manchmal ein etwas zu fröhliches Mädchen sind, um sich ganz darauf zu verlassen.“

„Ich werde es Ihnen also sagen“, sagte sie. „Seien Sie um neun Uhr vormittags an Bord; das Schiff segelt nicht vor eins; halten Sie Ihr Boot längsseits; und wenn Sie mit meinen Abschiedsgrüßen, wenn ich sie senden werde, nicht zufrieden sind, können Sie wieder an Land gehen und Katrine für sich selbst suchen.“

Da ich nichts mehr aus ihr herausholen konnte, musste ich mich damit begnügen.

Der Tag kam schließlich, an dem sie und ich uns trennen sollten. Wir waren äußerst vertraut und nahe gewesen; ich stand tief in ihrer Schuld; und wie wir uns trennen sollten, war eine Sache, die mich um meinen Schlaf brachte, wie die Trinkgelder, die ich den Hausangestellten geben sollte. Ich wusste, dass sie mich für zu zurückhaltend hielt, und wünschte vielmehr, in ihrer Meinung in dieser Hinsicht zu steigen. Außerdem hätte es nach so viel Zuneigung, die auf beiden Seiten gezeigt (und, glaube ich, gefühlt) worden war, kalt gewirkt, in irgendeiner Weise steif zu sein. Dementsprechend nahm ich meinen Mut zusammen und meine Worte bereit, und bei der letzten Gelegenheit, bei der wir wahrscheinlich allein sein würden, bat ich ziemlich kühn darum, sie zum Abschied grüßen zu dürfen.

„Sie vergessen sich seltsam, Mr. Balfour“, sagte sie. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Ihnen das Recht gegeben habe, auf unsere Bekanntschaft zu pochen.“

Ich stand vor ihr wie eine stehengebliebene Uhr und wusste nicht, was ich denken, geschweige denn sagen sollte, als sie plötzlich ihre Arme um meinen Hals legte und mich mit dem besten Willen der Welt küsste.

„Du unnachahmliches Kind!“, rief sie. „Hast du geglaubt, ich ließe uns wie Fremde scheiden? Nur weil ich bei dir keine fünf Minuten am Stück ernst bleiben kann, darfst du nicht meinen, ich hätte dich nicht sehr lieb: Ich bin voll Liebe und Lachen, jedes Mal, wenn mein Blick auf dich fällt! Und nun gebe ich dir einen Rat zum Abschluss deiner Erziehung, den du noch vor Ablauf langer Zeit brauchen wirst. Frag niemals die Frauenwelt. Sie sind darauf festgelegt, mit ‚Nein‘ zu antworten; Gott hat kein Mädchen geschaffen, das dieser Versuchung widerstehen könnte. Von den Theologen wird es als der Fluch Evas angesehen: Weil sie es nicht sagte, als der Teufel ihr den Apfel anbot, können ihre Töchter nichts anderes sagen.“

„Da ich meinen holden Professor so bald verlieren werde“, begann ich.

„Das ist in der Tat galant“, sagt sie und macht einen Knicks.

„Ich möchte die eine Frage stellen“, fuhr ich fort. „Darf ich ein Mädchen fragen, ob sie mich heiraten will?“

„Du glaubst, du könntest sie nicht ohne heiraten!“, fragte sie. „Oder sie dazu bringen, es anzubieten?“

„Du siehst, du kannst nicht ernst bleiben“, sagte ich.

„In einer Sache werde ich sehr ernst sein, David“, sagte sie: „Ich werde immer deine Freundin sein.“

Als ich am nächsten Morgen zu meinem Pferd kam, standen die vier Damen alle an eben jenem Fenster, von dem aus wir einst auf Catriona hinabgeschaut hatten, und alle riefen Abschiedsgrüße und schwenkten ihre Taschentücher, während ich davonritt. Bei einer der vier wusste ich, dass sie wahrhaft betrübt war; und bei dem Gedanken daran, und wie ich vor drei Monaten zum ersten Mal an diese Tür gekommen war, vermischten sich Trauer und Dankbarkeit in meinem Geist.

TEIL II. VATER UND TOCHTER

KAPITEL XXI. DIE REISE NACH HOLLAND

Das Schiff lag vor einem einzelnen Anker, weit außerhalb der Mole von Leith, sodass wir Passagiere alle mittels Kähnen dorthin gelangen mussten. Dies war nur wenig beschwerlich, da der Tag vollkommen windstill, sehr frostig und bewölkt war und ein tiefer, ziehender Nebel auf dem Wasser lag. Der Rumpf des Schiffes war daher ganz verborgen, als ich mich näherte, doch seine hohen Masten standen hoch und hell im Sonnenschein wie das Flackern eines Feuers. Es erwies sich als ein sehr geräumiger, bequemer Frachter, wenn auch etwas stumpf im Bug und außerordentlich tief beladen mit Salz, gesalzenem Lachs und feinen weißen Leinenstrümpfen für die Holländer. Bei meinem Kommen an Bord hieß mich der Kapitän willkommen – ein gewisser Sang (aus Lesmahago, glaube ich), ein sehr herzlicher, freundlicher Seebär von einem Mann, der jedoch in diesem Augenblick ziemlich in Eile war. Kein anderer Passagier war bisher erschienen, sodass ich auf dem Deck umhergehen konnte, die Aussicht betrachtete und mich sehr wunderte, was es mit diesen Abschieden auf sich haben sollte, die mir versprochen worden waren.

Ganz Edinburgh und die Pentland Hills glänzten über mir in einer Art nebliger Helligkeit, die ab und zu von Wolkenflecken überzogen wurde; von Leith waren nicht mehr als die Schornsteinspitzen sichtbar, und auf der Wasseroberfläche, wo der Haar [24] lag, war gar nichts zu sehen. Aus diesem nahm ich bald darauf das Geräusch von rudernden Riemen wahr, und ein wenig später (wie aus dem Rauch eines Feuers) tauchte ein Boot auf. Im Heck saß ein ernster Mann, dick eingehüllt gegen die Kälte, und an seiner Seite eine große, hübsche, zarte Mädchengestalt, die mein Herz zum Stillstand brachte. Ich hatte kaum Zeit, Atem zu schöpfen und mich bereit zu machen, sie zu empfangen, als sie an Bord stieg, lächelnd, und ich machte meine beste Verbeugung, die nun weitaus feiner war als vor einigen Monaten, als ich sie das erste Mal ihrer Ladyschaft darbrachte. Zweifellos hatten wir uns beide sehr verändert: Sie schien wie ein junger, wohlgestalteter Baum in die Höhe geschossen zu sein. Sie hatte nun eine Art hübscher Zurückhaltung, die ihr gut stand, wie bei jemandem, der sich selbst höher achtete und nun eine richtige Frau war; und zum anderen hatte die Hand desselben Magiers bei uns beiden ihr Werk getan, und Miss Grant hatte uns beide schmuck gemacht, wenn sie auch nur die eine hold machen konnte.

Derselbe Ausruf, in nicht sehr verschiedenen Worten, kam von uns beiden, dass der jeweils andere nur zum Abschied gekommen sei, und dann begriffen wir in einem Blitz, dass wir gemeinsam reisen würden.

„O, warum wird mir Baby das nicht erzählt haben!“, rief sie; und erinnerte sich dann an einen Brief, den sie erhalten hatte, unter der Bedingung, ihn erst zu öffnen, wenn sie wohl an Bord sei. Darin befand sich eine Beilage für mich, die so lautete:

„Lieber Davie, – Was sagst du zu meinem Abschied? Und was sagst du zu deiner Mitreisenden? Hast du geküsst oder hast du gefragt? Ich wollte hier unterschreiben, aber das würde den Sinn meiner Frage zweifelhaft lassen, und in meinem eigenen Fall kenne ich die Antwort. Also fülle hier mit gutem Rat auf. Sei nicht zu schüchtern [25], und um Himmels willen versuche nicht, zu forsch zu sein; nichts wirkt bei dir schlimmer. Ich bin

„Deine zugetane Freundin und Gouvernante, „Barbara Grant.“

Ich schrieb eine Antwort und ein Kompliment auf ein Blatt aus meinem Notizbuch, legte es zusammen mit einer weiteren Zeile von Catriona bei, versiegelte das Ganze mit meinem neuen Siegelring des Balfour-Wappens und sandte es durch den Diener von Prestongrange, der noch in meinem Boot wartete.

Dann hatten wir Zeit, uns einander gemächlicher zu betrachten, was wir zuvor (auf einen gemeinsamen Impuls hin) eine Minute lang nicht getan hatten, bevor wir uns erneut die Hände reichten.

„Catriona?“, sagte ich. Es schien, das war das erste und letzte Wort meiner Beredsamkeit.

„Du wirst froh sein, mich wiederzusehen?“, sagt sie.

„Und ich glaube, das ist ein leeres Wort“, sagte ich. „Wir sind zu tiefe Freunde, um über solche Kleinigkeiten zu sprechen.“

„Ist sie nicht das Mädchen von aller Welt?“, rief sie wieder. „Ich habe noch nie ein solches Mädchen gekannt, so ehrlich und so schön.“

„Und doch kümmerte sie sich nicht mehr um Alpin als um einen Kohlstrunk“, sagte ich.

„Ach, sie wird das wohl sagen!“, ruft Catriona. „Doch es war wegen des Namens und des edlen, gütigen Blutes, dass sie mich aufnahm und so gut zu mir war.“

„Nun, ich will dir sagen, warum es so war“, sagte ich. „Es gibt alle Arten von Gesichtern auf dieser Welt. Da ist Barbaras Gesicht, das jeder ansehen und bewundern muss, und sie für ein feines, tapferes, fröhliches Mädchen halten muss. Und dann ist da dein Gesicht, das ganz anders ist – ich habe nie gewusst, wie anders, bis heute. Du kannst dich selbst nicht sehen, und deshalb verstehst du es nicht; aber es war aus Liebe zu deinem Gesicht, dass sie dich aufnahm und so gut zu dir war. Und jeder auf der Welt würde dasselbe tun.“

„Jeder?“, sagt sie.

„Jede lebende Seele!“, sagte ich.

„Ach, dann wird das der Grund sein, warum die Soldaten auf dem Schloss mich aufnahmen!“, rief sie.

„Barbara hat dir beigebracht, mich zu fangen“, sagte ich.

„Sie wird mir jedenfalls mehr als das beigebracht haben. Sie wird mir viel über Mr. David beigebracht haben – alles Schlechte an ihm, und ab und zu auch ein wenig, das nicht so schlecht war“, sagte sie lächelnd. „Sie wird mir alles über Mr. David erzählt haben, nur eben, dass er auf genau diesem Schiff segeln würde. Und warum gehst du?“

Ich erzählte es ihr.

„Ach so“, sagte sie, „wir werden einige Tage in Gesellschaft sein und dann (nehme ich an) auf Nimmerwiedersehen! Ich gehe, um meinen Vater an einem Ort namens Helvoetsluys zu treffen, und von dort nach Frankreich, um als Verbannte an der Seite unseres Häuptlings zu leben.“

Ich konnte nicht mehr sagen als nur „O!“; der Name James More vertrocknete mir immer die Kehle.

Sie bemerkte es schnell und erriet einen Teil meines Gedankens.

„Es gibt eine Sache, die ich zuallererst sagen muss, Mr. David“, sagte sie. „Ich glaube, zwei meiner Verwandten haben sich dir gegenüber nicht gerade sehr gut verhalten. Und der eine von den beiden ist James More, mein Vater, und der andere ist der Laird of Prestongrange. Prestongrange wird für sich selbst gesprochen haben oder seine Tochter an seiner Stelle. Aber für James More, meinen Vater, habe ich so viel zu sagen: Er lag in Fesseln in einem Gefängnis; er ist ein schlichter, ehrlicher Soldat und ein schlichter Hochland-Gentleman; was sie im Schilde führten, konnte er niemals ahnen; aber wenn er verstanden hätte, dass es ein Nachteil für einen jungen Gentleman wie dich sein würde, wäre er lieber gestorben. Und um all deiner Freundschaften willen möchte ich dich bitten, meinem Vater und meiner Familie diesen Fehler zu verzeihen.“

„Catriona“, sagte ich, „was dieser Fehler war, kümmert mich nicht zu wissen. Ich weiß nur das eine – dass du zu Prestongrange gingst und auf Knien um mein Leben betteltest. O, ich weiß wohl genug, dass du für deinen Vater gingst, aber als du dort warst, hast du auch für mich gebeten. Es ist eine Sache, von der ich nicht sprechen kann. Es gibt zwei Dinge, an die ich bei mir selbst nicht denken kann: das eine sind deine guten Worte, als du dich meine kleine Freundin nanntest, und das andere, dass du für mein Leben gebeten hast. Lass uns, wir zwei, nie mehr von Verzeihung oder Kränkung sprechen.“

Wir standen danach schweigend, Catriona blickte auf das Deck und ich auf sie; und bevor weiter gesprochen wurde, da ein wenig Wind aus Nordwest aufgekommen war, begannen sie, die Segel zu setzen und den Anker zu lichten.

Es gab außer uns beiden sechs Passagiere, was die Kabine voll machte. Drei waren solide Kaufleute aus Leith, Kirkcaldy und Dundee, alle auf demselben Abenteuer nach Hochdeutschland. Einer war ein zurückkehrender Holländer; die anderen waren würdige Kaufmannsfrauen, unter deren Obhut Catriona empfohlen war. Mrs. Gebbie (denn so war ihr Name) war durch großes Missgeschick schwer seekrank und lag Tag und Nacht flach auf dem Rücken. Wir waren zudem die einzigen halbwegs jungen Geschöpfe an Bord der Rose, abgesehen von einem bleichgesichtigen Jungen, der meine alte Pflicht tat, bei Tisch zu bedienen; und so kam es, dass Catriona und ich fast völlig uns selbst überlassen blieben. Wir hatten die Plätze nebeneinander am Tisch, wo ich ihr mit außerordentlichem Vergnügen aufwartete. An Deck machte ich ihr mit meinem Mantel einen weichen Platz; und da das Wetter für diese Jahreszeit ungewöhnlich schön war, mit hellen, frostigen Tagen und Nächten, einem beständigen, sanften Wind und kaum einem gelösten Schothorn auf der ganzen Fahrt durch die Nordsee, saßen wir dort (nur hin und wieder zur Wärme auf und ab gehend) vom ersten Sonnenstrahl bis acht oder neun Uhr abends unter den klaren Sternen. Die Kaufleute oder Kapitän Sang blickten manchmal zu uns herüber und lächelten, oder wechselten das eine oder andere fröhliche Wort und gingen an uns vorüber; aber die meiste Zeit waren sie tief vertieft in Heringe, Kattun und Leinen oder in Berechnungen über die Langsamkeit der Überfahrt und ließen uns bei unseren eigenen Angelegenheiten, die für niemanden außer uns von Bedeutung waren.

Anfangs hatten wir uns viel zu sagen und hielten uns für ziemlich geistreich; und ich gab mir ein wenig Mühe, der Kavalier zu sein, und sie (glaube ich) die junge Dame von Welt zu spielen. Aber bald wurden wir ungezwungener miteinander. Ich legte mein hohes, abgehacktes Englisch (was davon noch übrig war) ab und vergaß meine Edinburgher Verbeugungen und Verrenkungen; sie ihrerseits verfiel in eine Art freundliche Vertrautheit; und wir lebten zusammen wie Menschen aus demselben Haushalt, nur (meinerseits) mit einem tieferen Gefühl. Etwa zur gleichen Zeit schien der Boden aus unserer Unterhaltung zu fallen, ohne dass einer von uns weniger zufrieden war. Manchmal erzählte sie mir alte Frauengeschichten, von denen sie eine wunderbare Vielfalt hatte, viele davon von meinem Freund, dem rothaarigen Niel. Sie erzählte sie sehr hübsch, und es waren hübsche, kindliche Geschichten genug; aber das Vergnügen für mich lag im Klang ihrer Stimme und dem Gedanken, dass sie erzählte und ich zuhörte. Manchmal wiederum saßen wir völlig schweigend da, ohne uns auch nur mit einem Blick zu verständigen, und kosteten genug Vergnügen an der Süße dieser Nähe. Ich spreche hier nur für mich selbst. Was im Kopf des Mädchens vorging, da bin ich mir nicht sicher, ob ich mich das je gefragt habe; und was in meinem eigenen vorging, das zu ergründen fürchtete ich mich. Ich muss daraus jetzt kein Geheimnis machen, weder vor mir selbst noch vor dem Leser; ich hatte mich vollkommen verliebt. Sie trat zwischen mich und die Sonne. Sie war plötzlich größer geworden, wie ich sagte, aber auf ein gesundes Wachstum hin; sie schien nur aus Gesundheit, Leichtigkeit und tapferem Geist zu bestehen; und ich dachte, sie schreite wie ein junges Reh und stünde wie eine Birke auf den Bergen. Es reichte mir, nah bei ihr an Deck zu sitzen; und ich erkläre, ich verschwendete kaum zwei Gedanken an die Zukunft und war so zufrieden mit dem, was ich damals genoss, dass ich mir nie die Mühe machte, mir einen weiteren Schritt vorzustellen; es sei denn, dass ich manchmal versucht war, ihre Hand in meine zu nehmen und sie darin zu halten. Aber ich war zu sehr wie ein Geizhals mit dem, was ich an Freuden hatte, und wollte nichts aufs Spiel setzen.

Worüber wir sprachen, war meist wir selbst oder der andere, sodass, wenn jemand sich die Mühe gemacht hätte, uns zu belauschen, er uns für die egoistischsten Personen der Welt hätte halten müssen. Es geschah eines Tages, als wir diese Gewohnheit pflegten, dass wir auf das Thema Freunde und Freundschaft kamen, und ich denke jetzt, dass wir uns auf dünnem Eis bewegten. Wir sagten, was für eine feine Sache Freundschaft sei, und wie wenig wir davon geahnt hätten, und wie sie das Leben zu einer neuen Sache mache, und tausend verborgene Dinge der gleichen Art, die seit Anbeginn der Welt von jungen Leuten in der gleichen Lage gesagt worden sein mögen. Dann bemerkten wir die Seltsamkeit des Umstands, dass Freunde anfangs zusammenfanden, als ob sie zum ersten Mal da wären, und doch jeder schon eine ganze Weile gelebt und Zeit mit anderen Leuten verloren hatte.

„Es ist nicht viel, was ich getan habe“, sagte sie, „und ich könnte dir die fünf Fünftel davon in zwei, drei Worten erzählen. Ich bin nur ein Mädchen, und was kann einem Mädchen schon zustoßen, alles in allem? Aber ich ging im Jahr ’45 mit dem Clan. Die Männer marschierten mit Schwertern und Feuerwaffen, und einige von ihnen in Brigaden im selben Tartan; sie waren nicht zögerlich beim Marschieren, das kann ich dir sagen. Und da waren Gentlemen aus dem Flachland, mit ihren Pächtern zu Pferd und Trompeten, die erschallten, und es gab ein großartiges Gekreische von Dudelsäcken. Ich ritt auf einem kleinen Hochlandpferd zur Rechten meines Vaters, James More, und von Glengyle selbst. Und hier ist eine feine Sache, an die ich mich erinnere, dass Glengyle mich ins Gesicht küsste, weil (sagte er) ‚meine Verwandte, du bist die einzige Dame des Clans, die herausgekommen ist‘, und ich ein kleines Mädchen von vielleicht zwölf Jahren! Ich sah auch Prinz Charlie und seine blauen Augen; er war wirklich hübsch! Ich durfte seine Hand vor der Armee küssen. O, nun, das waren die guten Tage, aber es ist alles wie ein Traum, den ich gesehen habe und dann erwacht bin. Es ging den Weg, den du sehr wohl kennst; und das waren die schlimmsten Tage von allen, als die Rotrocksoldaten draußen waren und mein Vater und meine Onkel in den Hügeln lagen und ich ihnen ihr Essen mitten in der Nacht bringen musste, oder beim kurzen Tageslicht, wenn die Hähne krähten. Ja, ich bin oft in der Nacht gegangen, viele Male, und mein Herz war groß vor Angst vor der Dunkelheit. Es ist eine seltsame Sache, dass ich nie von einem Geist behelligt wurde; aber man sagt, ein Mädchen geht sicher. Als nächstes war da die Hochzeit meines Onkels, und das war eine schreckliche Angelegenheit, alles übersteigend. Jean Kay war der Name dieser Frau; und sie hatte mich jene Nacht in Inversnaid mit sich im Zimmer, die Nacht, in der wir sie auf die alte, antike Art ihren Freunden entrissen. Sie wollte und sie wollte nicht; sie wollte Rob die eine Minute heiraten, und die nächste wollte sie nichts von ihm wissen. Ich habe nie ein solch untaugliches Geschöpf von einer Frau gesehen; sicherlich hätte ihr alles an ihr Ja oder Nein sagen müssen. Nun, sie war eine Witwe; und ich kann eine Witwe nie für eine gute Frau halten.“

„Catriona!“, sage ich, „wie kommst du darauf?“

„Ich weiß es nicht“, sagte sie; „ich sage dir nur, was mein Herz mir vorgaukelt. Und dann einen neuen Mann heiraten! Pfui! Aber das war sie; und sie wurde wieder mit meinem Onkel Robin verheiratet und ging eine Weile mit ihm in Kirche und Markt; und dann wurde sie müde, oder ihre Freunde bekamen sie zu fassen und redeten auf sie ein, oder vielleicht schämte sie sich; kurzum, sie lief davon und ging zurück zu ihren Leuten und sagte, wir hätten sie im See festgehalten, und ich werde dir nie alles erzählen, was noch. Ich habe seit jenem Tag von keinem weiblichen Wesen viel gehalten. Und so wurde schließlich mein Vater, James More, ins Gefängnis geworfen, und du kennst den Rest genauso gut wie ich.“

„Und währenddessen hattest du keine Freunde?“, sagte ich.

„Nein“, sagte sie; „ich war mit zwei, drei Mädchen auf den Hängen ziemlich vertraut, aber das kann man nicht Freunde nennen.“

„Nun, meine Geschichte ist schlicht“, sagte ich. „Ich hatte nie einen Freund, bis ich dich traf.“

„Und dieser tapfere Mr. Stewart?“, fragte sie.

„O ja, den hatte ich vergessen“, sagte ich. „Aber er ist ein Mann, und das ist etwas ganz anderes.“

„Das würde ich auch denken“, sagte sie. „O ja, es ist ganz anders.“

„Und dann war da noch einer“, sagte ich. „Ich dachte einmal, ich hätte einen Freund, aber es erwies sich als eine Enttäuschung.“

Sie fragte mich, wer sie sei?

„Es war ein Er, dann“, sagte ich. „Wir waren die zwei besten Jungen an der Schule meines Vaters, und wir dachten, wir liebten uns sehr. Nun, die Zeit kam, da er nach Glasgow in das Handelshaus eines entfernten Verwandten ging; und schrieb mir zwei, drei Mal durch den Boten; und dann fand er neue Freunde, und ich konnte schreiben, bis ich müde wurde, er nahm keine Notiz mehr. Eh, Catriona, es dauerte lange, bis ich der Welt verzieh. Es gibt nichts Bittereres, als einen vermeintlichen Freund zu verlieren.“

Dann begann sie mich eindringlich nach seinem Aussehen und Charakter zu fragen, denn wir waren beide sehr an allem interessiert, was den anderen betraf; bis ich mich schließlich, in einer sehr bösen Stunde, an seine Briefe erinnerte und das Bündel aus der Kabine holte.

„Hier sind seine Briefe“, sagte ich, „und alle Briefe, die ich jemals bekommen habe. Das wird das Letzte sein, was ich von mir sagen kann; den Rest [26] kennst du so gut wie ich.“

„Willst du mich sie dann lesen lassen?“, sagt sie.

Ich sagte ihr, wenn sie sich die Mühe machen wolle; und sie hieß mich weggehen, und sie würde sie von einem Ende zum anderen lesen. Nun, in diesem Bündel, das ich ihr gab, waren nicht nur alle Briefe meines falschen Freundes zusammengepackt, sondern auch ein oder zwei von Mr. Campbell, als er in der Stadt bei der Versammlung war, und um eine vollständige Liste all dessen zu haben, was mir jemals geschrieben wurde, Catrionas kleines Wort und die zwei, die ich von Miss Grant erhalten hatte, einen, als ich auf der Bass war, und einen an Bord jenes Schiffes. Aber an diese letzten dachte ich in dem Augenblick nicht besonders.

Ich befand mich in einem derartigen Zustand der Unterwürfigkeit gegenüber dem Gedanken an meine Freundin, dass es keine Rolle spielte, was ich tat, und kaum, ob ich in ihrer Gegenwart war oder nicht; ich hatte sie wie eine Art edles Fieber in mir eingefangen, das ständig in meiner Brust wohnte, bei Nacht und bei Tag, und ob ich nun wachte oder schlief. So begab es sich, dass ich, als ich in den vorderen Teil des Schiffes gekommen war, wo die breiten Bugs in die Wogen klatschten, es keineswegs so eilig hatte, zurückzukehren, wie Sie vielleicht vermuten würden; vielmehr verlängerte ich meine Abwesenheit wie eine Abwechslung im Vergnügen. Ich glaube nicht, dass ich von Natur aus ein großer Epikureer bin; und bis dahin war mir ein so geringer Anteil an Vergnügen zuteilgeworden, dass man mir vielleicht verzeihen konnte, wenn ich mich über Gebühr darin erging.

Als ich wieder zu ihr zurückkehrte, hatte ich einen schwachen, schmerzhaften Eindruck, als wäre eine Schnalle verrutscht, so kühl gab sie das Paket zurück.

„Sie haben sie gelesen?“, sagte ich; und ich glaubte, meine Stimme klänge nicht ganz natürlich, denn ich überlegte, was ihr wohl fehlen mochte.

„Wollten Sie, dass ich alles lese?“, fragte sie.

Ich sagte ihr mit niedergeschlagener Stimme: „Ja.“

„Auch die letzten davon?“, sagte sie.

Ich wusste jetzt, woran wir waren; doch wollte ich sie auch nicht anlügen. „Ich gab sie dir ganz ohne Hintergedanken“, sagte ich, „da ich annahm, dass du sie lesen würdest. Ich sehe in keinem davon einen Schaden.“

„Ich bin wohl anders geschaffen“, sagte sie. „Ich danke Gott, dass ich anders geschaffen bin. Es war kein passender Brief, um ihn mir zu zeigen. Es war nicht passend, ihn zu schreiben.“

„Ich glaube, Sie sprechen von Ihrer eigenen Freundin, Barbara Grant?“, sagte ich.

„Es wird nichts so Bitteres geben, wie eine vermeintliche Freundin zu verlieren“, sagte sie und zitierte meinen eigenen Ausdruck.

„Ich glaube, es ist manchmal die Freundschaft, die vermeintlich war!“, rief ich. „Was nennen Sie das für eine Gerechtigkeit, mir die Schuld für einige Worte zu geben, die ein alberner, tollkühner Latz auf ein Stück Papier geschrieben hat? Sie wissen selbst, mit welchem Respekt ich mich verhalten habe – und immer verhalten würde.“

„Und doch wollten Sie mir denselben Brief zeigen!“, sagt sie. „Ich will solche Freunde nicht. Ich kann sehr gut ohne sie auskommen, Mr. Balfour – oder ohne Sie.“

„Das ist Ihre feine Dankbarkeit!“, sage ich.

„Ich bin Ihnen sehr verbunden“, sagte sie. „Ich werde Sie bitten, Ihre – Briefe – mitzunehmen.“ Sie schien an dem Wort zu ersticken, sodass es wie ein Fluch klang.

„Sie werden nie ein zweites Mal bitten müssen“, sagte ich; hob das Bündel auf, ging ein Stück nach vorne und warf es so weit wie möglich ins Meer. Für ein Geringes hätte ich mich selbst hinterhergeworfen.

Den Rest des Tages lief ich wütend auf und ab. Es gab kaum einen Namen, so schlimm er auch war, den ich ihr in meinen Gedanken nicht gab, bevor die Sonne unterging. Alles, was ich je von schottischem Stolz gehört hatte, schien weit übertroffen; dass ein Mädchen (kaum erwachsen) einen so unbedeutenden Anspielung gegenüber so übel nehmen konnte, und das von ihrer engsten Freundin, von der sie mich fast mit dem Loben ermüdet hatte! Ich hatte bittere, scharfe, harte Gedanken von ihr, wie ein wütender Junge. Wenn ich sie tatsächlich geküsst hätte (dachte ich), hätte sie es vielleicht ziemlich gut aufgenommen; und nur weil es aufgeschrieben war, und mit einem Schuss Scherz, musste sie in dieser lächerlichen Leidenschaft auffahren. Es schien mir, als mangele es dem weiblichen Geschlecht an Scharfsinn, die Engel über das Schicksal der armen Männer weinen zu lassen.

Beim Abendessen saßen wir wieder nebeneinander, und was für ein Wandel war dort! Sie war wie geronnene Milch für mich; ihr Gesicht war wie das einer Holzpuppe; ich hätte sie gleichgültig schlagen oder vor ihr zu Kreuze kriechen können, aber sie gab mir nicht den geringsten Anlass zu beidem. Kaum war die Mahlzeit beendet, da begab sie sich dazu, Mrs. Gebbie aufzuwarten, was sie meines Erachtens bisher ein wenig vernachlässigt hatte. Aber sie wollte die verlorene Zeit nachholen, und in dem, was von der Überfahrt übrig blieb, war sie außerordentlich eifrig bei der alten Dame und fing an Deck an, viel mehr Aufhebens von Kapitän Sang zu machen, als ich für klug hielt. Nicht, dass der Kapitän nicht ein würdiger, väterlicher Mann gewesen wäre; aber ich hasste es, sie auch nur in der geringsten Vertrautheit mit jemand anderem als mir zu sehen.

Insgesamt war sie so schnell darin, mich zu meiden, und so beständig darin, sich von anderen umgeben zu halten, dass ich eine lange Weile aufpassen musste, bevor ich meine Gelegenheit finden konnte; und nachdem sie gefunden war, machte ich nicht viel daraus, wie Sie jetzt hören werden.

„Ich habe keine Ahnung, wie ich beleidigt habe“, sagte ich; „es sollte dann kaum unverzeihlich sein. O, versuchen Sie, ob Sie mir verzeihen können.“

„Ich habe keine Verzeihung zu geben“, sagte sie; und die Worte schienen wie Murmeln aus ihrem Hals zu kommen. „Ich werde für all Ihre Freundschaften sehr verbunden sein.“ Und sie machte mir einen knappen Knicks.

Aber ich hatte mich vorher geschult, mehr zu sagen, und ich wollte es auch sagen.

„Es gibt eine Sache“, sagte ich. „Wenn ich Ihre Eigenheit durch das Zeigen dieses Briefes schockiert habe, kann es Miss Grant nicht berühren. Sie schrieb nicht an Sie, sondern an einen armen, einfachen, gewöhnlichen Burschen, der mehr Verstand hätte haben können, als ihn zu zeigen. Wenn Sie mir die Schuld geben wollen –“

„Ich werde Ihnen raten, auf jeden Fall kein Wort mehr über dieses Mädchen zu verlieren!“, sagte Catriona. „Es ist die, nach der ich niemals auch nur schauen werde, selbst wenn sie im Sterben läge.“ Sie wandte sich von mir ab und plötzlich wieder zurück. „Wollen Sie schwören, dass Sie nichts mehr mit ihr zu tun haben werden?“, rief sie.

„Wahrlich, und ich werde dann niemals so ungerecht sein“, sagte ich; „und auch nicht so undankbar.“

Und nun war ich es, der sich abwandte.

KAPITEL XXII. HELVOETSLUYS

Das Wetter verschlechterte sich am Ende beträchtlich; der Wind sang in den Wanten, das Meer schwoll höher an, und das Schiff begann unter den Wogen zu ächzen und zu schreien. Der Gesang des Lotsen in den Wanten verstummte nun kaum noch, denn wir bahnten uns den ganzen Weg durch Untiefen. Gegen neun Uhr morgens, bei einem Ausbruch winterlicher Sonne zwischen zwei Hagelschauern, hatte ich meinen ersten Blick auf Holland – eine Reihe von Windmühlen, die sich im Wind drehten. Es war zudem meine erste Bekanntschaft mit diesen albernen Vorrichtungen, die mir ein unmittelbares Gefühl von Auslandsreise und einer neuen Welt und einem neuen Leben gaben. Wir gingen gegen halb elf vor Anker, außerhalb des Hafens von Helvoetsluys, an einem Ort, wo das Meer manchmal brach und das Schiff entsetzlich stampfte. Sie können sicher sein, dass wir alle an Deck waren, außer Mrs. Gebbie, einige von uns in Mänteln, andere in die Planen des Schiffes gehüllt, alle an Seilen festhaltend und so sehr wie alte Seefahrer scherzend, wie wir es nur nachahmen konnten.

Bald kam ein Boot, das wie eine Krabbe rückwärts ruderte, vorsichtig längsseits, und dessen Schiffer rief unseren Kapitän auf Niederländisch an. Daraufhin wandte sich Kapitän Sang, sehr beunruhigt, an Catriona; und da der Rest von uns sich darum drängte, wurde die Art der Schwierigkeit für alle deutlich. Die Rose war für den Hafen von Rotterdam bestimmt, wohin die anderen Passagiere in großer Ungeduld zu gelangen wünschten, im Hinblick auf eine Transportmöglichkeit, die noch an jenem Abend in Richtung Oberdeutschland abfahren sollte. Dies, mit dem gegenwärtigen halben Sturm, erklärte der Kapitän (wenn keine Zeit verloren ginge) noch für machbar. Nun hatte James More sich in Helvoet mit seiner Tochter verabredet, und der Kapitän hatte sich verpflichtet, vor dem Hafen anzuhalten und sie (nach dem Brauch) in ein Landungsboot zu bringen. Das Boot war zwar da, und hier war Catriona bereit: aber sowohl unser Kapitän als auch der Schiffer des Bootes scheuten das Risiko, und ersterer war nicht in der Stimmung, zu verzögern.

„Ihr Vater“, sagte er, „wäre nicht sonderlich erfreut, wenn wir Ihnen ein Bein brechen würden, Miss Drummond, geschweige denn, Sie zu ertränken. Nehmen Sie meinen Vorschlag an“, sagt er, „und kommen Sie mit uns anderen hier nach Rotterdam weiter. Sie können eine Passage flussabwärts auf der Maas in einer Segelschute bis nach Brill bekommen, und von dort weiter, mit einem Platz in einem Rattenwagen, zurück nach Helvoet.“

Aber Catriona wollte von keiner Änderung hören. Sie sah bleich aus, als sie das Bersten der Gischt, die grünen Seen, die manchmal auf das Vorschiff ergossen, und das ständige Springen und Stürzen des Bootes zwischen den Wogen betrachtete; aber sie hielt fest an den Befehlen ihres Vaters. „Mein Vater, James More, wird es so arrangiert haben“, war ihr erstes und letztes Wort. Ich hielt es für sehr müßig und in der Tat leichtfertig von dem Mädchen, so wortwörtlich zu sein und sich so viel gutem Rat entgegenzustellen; aber die Tatsache ist, dass sie einen sehr guten Grund hatte, wenn sie ihn uns hätte sagen wollen. Segelschuten und Rattenwagen sind ausgezeichnete Dinge; nur muss deren Gebrauch zuerst bezahlt werden, und alles, was sie auf der Welt besaß, waren gerade zwei Schilling und ein Penny-Halbpenny Sterling. So kam es, dass Kapitän und Passagiere, die nichts von ihrer Mittellosigkeit wussten – und sie war zu stolz, es ihnen zu sagen –, vergeblich sprachen.

„Aber Sie verstehen kein Französisch und auch kein Niederländisch“, sagte einer.

„Das ist sehr wahr“, sagt sie, „aber seit dem Jahr ’46 gibt es so viele ehrliche Schotten im Ausland, dass ich sehr gut zurechtkommen werde. Ich danke Ihnen.“

Es gab eine hübsche ländliche Einfachheit darin, die manche zum Lachen brachte, andere noch mehr mitleidig schauen ließ, und Mr. Gebbie geradewegs in Wut versetzte. Ich glaube, er wusste, dass es seine Pflicht war (da seine Frau die Obhut über das Mädchen übernommen hatte), mit ihr an Land zu gehen und für ihre Sicherheit zu sorgen: Nichts hätte ihn dazu bewegen können, da es den Verlust seiner Mitfahrgelegenheit bedeutet hätte; und ich glaube, er entschädigte sein Gewissen durch die Lautstärke seiner Stimme. Zumindest fuhr er Kapitän Sang an, tobte und sagte, die Sache sei eine Schande; dass es reiner Tod sei, zu versuchen, das Schiff zu verlassen, und auf jeden Fall könnten wir kein unschuldiges Mädchen in ein Boot voller garstiger holländischer Fischer werfen und sie ihrem Schicksal überlassen. Ich dachte etwas Ähnliches; nahm den Steuermann beiseite, arrangierte mit ihm, meine Kisten per Treckschute an eine Adresse, die ich in Leyden hatte, weiterzuschicken, und stellte mich hin und gab den Fischern ein Zeichen.

„Ich werde mit der jungen Dame an Land gehen, Kapitän Sang“, sagte ich. „Es ist einerlei, auf welchem Weg ich nach Leyden komme“; und sprang zur gleichen Zeit in das Boot, was mir nicht so elegant gelang, als dass ich nicht mit zwei der Fischer in der Bilge landete.

Vom Boot aus erschien die Angelegenheit noch prekärer als vom Schiff aus, sie stand so hoch über uns, schwang so schnell herab und bedrohte uns so ständig mit ihrem Eintauchen und Hin- und Herbewegen am Ankerseil. Ich fing an zu denken, ich hätte ein narrenhaftes Geschäft gemacht, dass es schlicht unmöglich sei, dass Catriona zu mir an Bord gebracht werden könne, und dass ich Gefahr liefe, ganz allein in Helvoet an Land gesetzt zu werden, ohne Hoffnung auf eine andere Belohnung als das Vergnügen, James More zu umarmen, falls ich das wollte. Aber das hieß, ohne den Mut des Mädchens zu rechnen. Sie hatte gesehen, wie ich mit sehr wenig Anschein (wie viel Realität auch immer dabei war) des Zögerns sprang; wahrlich, sie sollte sich von ihrem verstoßenen Freund nicht schlagen lassen. Sie stellte sich auf die Schanzkleider und hielt sich an einem Stag fest, der Wind blies in ihre Unterröcke, was das Unterfangen gefährlicher machte und uns eher mehr von ihren Strümpfen zeigte, als in Städten als fein gelten würde. Es ging keine Minute verloren, und es blieb kaum Zeit für irgendjemanden, einzugreifen, wenn sie das gewollt hätten. Ich stellte mich auf der anderen Seite hin und breitete die Arme aus; das Schiff schwang auf uns zu, der Schiffer lenkte sein Boot näher heran, als vielleicht ganz sicher war, und Catriona sprang in die Luft. Ich hatte das Glück, sie zu fangen, und da die Fischer uns bereitwillig stützten, entgingen wir einem Sturz. Sie hielt sich einen Moment sehr fest an mir, atmete schnell und tief; von da an (sie klammerte sich immer noch mit beiden Händen an mich) wurden wir vom Steuermann nach achtern an unsere Plätze weitergereicht; und während Kapitän Sang und die ganze Mannschaft und die Passagiere jubelten und Abschied riefen, wurde das Boot zum Ufer gewendet.

Sobald Catriona wieder ein wenig zu sich kam, ließ sie mich plötzlich los, sagte aber kein Wort. Ich auch nicht; und wahrlich, das Pfeifen des Windes und das Brechen der Gischt machten es zu keiner Zeit für eine Unterhaltung; und unsere Mannschaft arbeitete nicht nur übermäßig hart, sondern kam auch extrem wenig voran, sodass die Rose ihren Anker gehoben hatte und schon wieder weg war, bevor wir uns der Hafeneinfahrt genähert hatten.

Kaum waren wir in ruhigem Wasser, da stoppte der Schiffer, nach ihrer scheußlichen holländischen Sitte, sein Boot und forderte von uns unsere Fahrpreise. Zwei Gulden war die Forderung des Mannes – zwischen drei und vier Schilling englischen Geldes – für jeden Passagier. Aber bei diesem fing Catriona an, mit einer großen Menge an Aufregung aufzuschreien. Sie habe Kapitän Sang gefragt, sagte sie, und der Fahrpreis betrage nur einen englischen Schilling. „Glauben Sie, dass ich an Bord gekommen wäre, ohne vorher zu fragen?“, schreit sie. Der Schiffer schimpfte zurück in einem Jargon, in dem die Flüche englisch und der Rest echtes Holländisch waren; bis ich schließlich (als ich sah, dass sie den Tränen nahe war) dem Schurken heimlich sechs Schilling in die Hand steckte, woraufhin er gefällig genug war, von ihr den anderen Schilling ohne weiteres Klagen anzunehmen. Zweifellos war ich ein gutes Stück verärgert und beschämt. Ich sehe Leute gerne sparsam, aber nicht mit so viel Leidenschaft; und ich wage zu sagen, dass ich sie eher kühl fragte, als sich das Boot wieder zum Ufer bewegte, wo sie mit ihrem Vater verabredet sei.

„Er ist bei dem Haus eines gewissen Sprott zu erfragen, eines ehrlichen schottischen Kaufmanns“, sagt sie; und dann im selben Atemzug: „Ich wünsche Ihnen sehr zu danken – Sie sind ein tapferer Freund für mich.“

„Es wird früh genug Zeit sein, wenn ich Sie zu Ihrem Vater bringe“, sagte ich, kaum ahnend, dass ich so wahre Worte sprach. „Ich kann ihm eine schöne Geschichte von einer loyalen Tochter erzählen.“

„O, ich glaube nicht, dass ich auf jeden Fall ein loyales Mädchen sein werde“, rief sie mit viel Schmerz im Ausdruck. „Ich glaube nicht, dass mein Herz treu ist.“

„Und doch gibt es sehr wenige, die diesen Sprung gemacht hätten, und alles, um die Befehle eines Vaters zu befolgen“, bemerkte ich.

„Ich kann nicht zulassen, dass Sie so von mir denken“, rief sie wieder. „Als Sie dasselbe getan hatten, wie hätte ich da zurückbleiben sollen? Und auf jeden Fall waren das nicht alle Gründe.“ Woraufhin sie mir mit brennendem Gesicht die nackte Wahrheit über ihre Armut sagte.

„Behüte uns!“, rief ich, „was ist das für ein albernes Vorgehen, sich mit leerer Börse auf dem europäischen Kontinent aussetzen zu lassen – ich halte es für kaum anständig – kaum anständig!“, rief ich.

„Sie vergessen, James More, mein Vater, ist ein armer Gentleman“, sagte sie. „Er ist ein gejagter Exilant.“

„Aber ich glaube nicht, dass alle Ihre Freunde gejagte Exilanten sind“, rief ich aus. „Und war das fair gegenüber denen, die sich um Sie sorgen? War es fair gegenüber mir? War es fair gegenüber Miss Grant, die Ihnen riet zu gehen, und die hornverrückt werden würde, wenn sie davon hören könnte? War es sogar fair gegenüber diesen Gregory-Leuten, bei denen Sie lebten und die Sie liebevoll behandelt haben? Es ist ein Segen, dass Sie in meine Hände gefallen sind! Angenommen, Ihr Vater wäre durch einen Unfall gehindert, was würde aus Ihnen hier werden, und Sie ganz allein an einem fremden Ort? Der Gedanke an die Sache erschreckt mich“, sagte ich.

„Ich werde sie alle belogen haben“, antwortete sie. „Ich werde ihnen allen gesagt haben, dass ich genug hätte. Ich sagte es ihr auch. Ich konnte James More nicht vor ihnen erniedrigen.“

Ich fand später heraus, dass sie ihn im allerletzten Staub erniedrigt haben musste, denn die Lüge war ursprünglich die des Vaters, nicht die der Tochter, und sie war somit gezwungen, aus Rücksicht auf den Ruf des Mannes daran festzuhalten. Aber zu der Zeit wusste ich nichts davon, und der bloße Gedanke an ihre Not und die Gefahren, in die sie hätte geraten müssen, hatte mich fast über Gebühr aufgeregt.

„Nun, nun, nun“, sagte ich, „Sie werden mehr Verstand lernen müssen.“

Ich ließ ihr Gepäck für den Moment in einem Gasthaus am Ufer, wo ich mir in meinem neuen Französisch den Weg zu Sprotts Haus erklären ließ, und wir gingen dorthin – es war ein gutes Stück –, während wir den Ort voller Staunen betrachteten, während wir gingen. Wahrlich, es gab für schottische Leute viel zu bewundern: Kanäle und Bäume, die mit den Häusern vermischt waren; die Häuser, jedes für sich, aus einem wackeren roten Backstein, der Farbe einer Rose, mit Stufen und Bänken aus blauem Marmor an der Wange jeder Tür, und die ganze Stadt so sauber, dass man auf dem Straßenpflaster hätte speisen können. Sprott war drinnen, über seinen Geschäftsbüchern, in einer niedrigen Stube, sehr ordentlich und sauber, mit Porzellan und Bildern ausgestattet und einem Globus der Erde in einem Messingrahmen. Er war ein großkinniger, roter, kräftiger Mann, mit einem schiefen, harten Blick; und er erwies uns nicht so viel Höflichkeit, uns einen Sitzplatz anzubieten.

„Ist James More Macgregor jetzt in Helvoet, mein Herr?“, sage ich.

„Ich kenne niemanden unter einem solchen Namen“, sagt er, fast ungeduldig.

„Da Sie so genau sind“, sage ich, „werde ich meine Frage ändern und Sie fragen, wo wir in Helvoet einen James Drummond finden, alias Macgregor, alias James More, ehemaliger Pächter in Inveronachile?“

„Mein Herr“, sagt er, „er mag in der Hölle sein, für das, was ich weiß, und meinerseits wünschte ich, er wäre es.“

„Die junge Dame ist die Tochter jenes Gentleman, mein Herr“, sagte ich, „vor der, wie ich glaube, Sie mir zustimmen werden, es nicht sehr schicklich ist, seinen Charakter zu erörtern.“

„Ich habe weder mit ihm, noch mit ihr, noch mit Ihnen etwas zu tun!“, schreit er mit seiner groben Stimme.

„Unter Ihrer Gunst, Mr. Sprott“, sagte ich, „diese junge Dame ist aus Schottland gekommen, um ihn zu suchen, und durch irgendeinen Fehler wurde ihr der Name Ihres Hauses als Adresse gegeben. Ein Irrtum scheint es gewesen zu sein, aber ich glaube, dies versetzt sowohl Sie als auch mich – der ich nur zufällig ihr Mitreisender bin – unter eine starke Verpflichtung, unserer Landsfrau zu helfen.“

„Wollen Sie mich für verrückt halten?“, schreit er. „Ich sage Ihnen, ich weiß nichts und kümmere mich auch nicht um ihn oder seine Brut. Ich sage Ihnen, der Mann schuldet mir Geld.“

„Das mag sehr wohl sein, mein Herr“, sagte ich, der ich nun etwas wütender als er selbst war. „Zumindest schulde ich Ihnen nichts; die junge Dame steht unter meinem Schutz; und ich bin weder an diese Manieren gewöhnt, noch im Mindesten damit zufrieden.“

Als ich dies sagte, und ohne besonders darüber nachzudenken, was ich tat, trat ich einen Schritt oder zwei näher an seinen Tisch; und stieß so, durch reines Glück, auf das einzige Argument, das den Mann überhaupt beeinflussen konnte. Das Blut wich aus seinem kräftigen Gesicht.

„Um Gottes willen, seien Sie nicht hastig, mein Herr!“, rief er. „Ich bin wahrlich nicht darauf aus, beleidigend zu sein. Aber Sie wissen, mein Herr, ich bin wie eine Handvoll gutmütiger, ehrlicher, fröhlicher alter Kerle – mein Bellen ist schlimmer als mein Biss. Wenn Sie mich hören, könnten Sie manchmal meinen, ich sei ein wenig stur; aber nein, nein! Es ist ein gütiger alter Kerl im Herzen, dieser Sandie Sprott! Und Sie könnten sich niemals die Mühe und den Ärger vorstellen, die dieser Mann mir bereitet hat.“

„Sehr gut, mein Herr“, sagte ich. „Dann werde ich mir diese Freiheit Ihrer Freundlichkeit herausnehmen und Sie um Ihre letzten Neuigkeiten von Mr. Drummond behelligen.“

„Gern geschehen, mein Herr!“, sagte er. „Was das junge Fräulein angeht (meine Ehrerbietung an sie!), so wird er sie glatt vergessen haben. Ich kenne den Mann, sehen Sie; ich habe schon vor dieser Zeit Geld durch ihn verloren. Er denkt an niemanden außer sich selbst; Clan, König oder Tochter, wenn er nur seinen Wanst vollbekommt, würde er sie alle im Stich lassen! Ja, oder auch seinen Korrespondenten. Denn es gibt einen Sinn, in dem man fast sagen könnte, dass ich sein Korrespondent bin. Die Tatsache ist, wir sind gemeinsam in einer geschäftlichen Angelegenheit tätig, und ich glaube, es wird ein teurer Spaß für Sandie Sprott. Der Mann ist so gut wie mein Teilhaber, und ich gebe Ihnen mein bloßes Wort, dass ich nichts darüber weiß, wo er ist. Er könnte hier nach Helvoet kommen; er könnte morgen hierherkommen, er könnte ein Jahr lang nicht kommen; ich würde mich über nichts wundern – oder nur über das eine, und das wäre, wenn er mir mein Geld bezahlen würde. Sie sehen, wie ich dazu stehe; und es ist klar, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass ich mich mit dem jungen Fräulein, wie Sie es nennen, einlasse. Sie kann hier nicht bleiben, das ist eine Sache, die sicher ist. Gott, mein Herr, ich bin ein einsamer Mann! Wenn ich sie aufnehmen würde, ist es höchstwahrscheinlich, dass der Wildfang versuchen würde, mich dazu zu bringen, sie zu heiraten, wenn er auftaucht.“

„Genug dieses Geredes“, sagte ich. „Ich werde das junge Fräulein zu besseren Freunden bringen. Geben Sie mir Feder, Tinte und Papier, und ich werde hier für James More die Adresse meines Korrespondenten in Leiden hinterlassen. Er kann bei mir nachfragen, wo er seine Tochter suchen soll.“

Dieses Wort schrieb und siegelte ich; während ich dies tat, machte Sprott von sich aus ein willkommenes Angebot, sich der Post von Miss Drummond anzunehmen und sogar einen Lastträger zu ihr ins Gasthaus zu schicken. Ich gab ihm zu diesem Zweck einen oder zwei Dollar als Deckung, und er stellte mir eine schriftliche Empfangsbestätigung über die Summe aus.

Woraufhin (ich bot Catriona meinen Arm an) wir das Haus dieses ungenießbaren Schurken verließen. Sie hatte die ganze Zeit kein Wort gesagt und es mir überlassen, an ihrer Stelle zu urteilen und zu sprechen; ich meinerseits hatte mich gehütet, sie durch einen Blick in Verlegenheit zu bringen; und selbst jetzt, obwohl mein Herz noch immer vor Scham und Zorn in mir glühte, machte ich es mir zur Aufgabe, ganz unbefangen zu erscheinen.

„Nun“, sagte ich, „lassen wir uns in jenes Gasthaus zurückkehren, wo sie Französisch sprechen, ein Stück zu Abend essen und uns nach Beförderungsmöglichkeiten nach Rotterdam erkundigen. Ich werde nicht eher Ruhe finden, bis ich Sie wieder sicher in den Händen von Mrs. Gebbie habe.“

„Ich nehme an, es wird so sein müssen“, sagte Catriona, „obwohl, wer auch immer erfreut sein wird, ich glaube nicht, dass sie es sein wird. Und ich werde Sie noch einmal daran erinnern, dass ich nur einen Schilling und drei Baubees habe.“

„Und genau dieses eine Mal noch“, sagte ich, „werde ich Sie daran erinnern, dass es ein Segen war, dass ich mit Ihnen gekommen bin.“

„Was hätte ich die ganze Zeit wohl anderes denken sollen?“, sagt sie, und ich glaubte, sie drückte sich ein wenig an meinen Arm. „Sie sind der gute Freund für mich.“

KAPITEL XXIII. REISEN IN HOLLAND

Der Rattel-Wagen, eine Art langer Wagen mit Bänken, brachte uns in vier Stunden Fahrt in die große Stadt Rotterdam. Es war schon lange nach Einbruch der Dunkelheit, aber die Straßen waren ziemlich hell beleuchtet und drängten sich voll von wild aussehenden, fremdartigen Charakteren – bärtigen Hebräern, schwarzen Männern und den Horden von Kurtisanen, die höchst unanständig mit Flitter geschmückt waren und die Seeleute buchstäblich an den Ärmeln festhielten; das Stimmengewirr um uns herum ließ unsere Köpfe wirbeln; und was am unerwartetsten von allem war, wir schienen von all diesen Fremden nicht mehr beeindruckt zu sein als sie von uns. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel, des Mädchens wegen und um meiner eigenen Ehre willen; aber die Wahrheit ist, dass ich mich wie ein verlorenes Schaf fühlte und mein Herz vor Angst in meiner Brust schlug. Ein- oder zweimal erkundigte ich mich nach dem Hafen oder dem Liegeplatz des Schiffes Rose: aber entweder stieß ich auf Leute, die nur Holländisch sprachen, oder mein eigenes Französisch ließ mich im Stich. Auf gut Glück eine Straße entlanggehend, kam ich in eine Gasse mit beleuchteten Häusern, deren Türen und Fenster voller aufgetakelter, verwahrloster Frauen waren; diese stießen uns an und verspotteten uns, während wir vorbeigingen, und ich war dankbar, dass wir ihre Sprache nicht verstanden. Ein wenig später traten wir auf einen offenen Platz am Hafen hinaus.

„Wir werden jetzt vorankommen“, rufe ich, sobald ich Masten erspähte. „Lass uns hier am Hafen entlanggehen. Wir werden sicher jemanden treffen, der Englisch spricht, und im besten Fall stoßen wir auf genau dieses Schiff.“

Wir taten das Nächstbeste, wie es sich ergab; denn gegen neun Uhr abends, in wessen Arme sollten wir da laufen, wenn nicht in die von Kapitän Sang? Er erzählte uns, sie hätten ihre Überfahrt in der unglaublich kurzen Zeit hinter sich gebracht, da der Wind stark anhielt, bis sie den Hafen erreichten; wodurch seine Passagiere bereits alle auf ihrer Weiterreise waren. Es war unmöglich, den Gebbies in das Hochdeutschland nachzujagen, und wir hatten keine anderen Bekannten, auf die wir zurückgreifen konnten, außer Kapitän Sang selbst. Es war umso erfreulicher, den Mann freundlich und hilfsbereit zu finden. Er machte es sich zur Kleinigkeit, eine gute, einfache Kaufmannsfamilie zu finden, bei der Catriona unterkommen konnte, bis die Rose beladen war; erklärte, er würde sie dann fröhlich umsonst nach Leith zurückbringen und sicher in die Hände von Mr. Gregory übergeben; und in der Zwischenzeit führte er uns in eine späte Wirtschaft für die Mahlzeit, die wir nötig hatten. Er schien äußerst freundlich, wie gesagt, aber was mich ein gutes Stück überraschte, auch ziemlich stürmisch; und der Grund dafür sollte bald erscheinen. Denn in der Wirtschaft, wo er nach rheinischem Wein verlangte und tief daraus trank, wurde er bald unsagbar betrunken. In diesem Fall, wie es bei allen Männern nur allzu üblich ist, besonders aber bei denen seines rauen Handwerks, verließen ihn der wenige Verstand oder die Manieren, die er besaß; und er benahm sich so skandalös gegenüber dem jungen Fräulein, dass er sich höchst unschicklich über die Figur lustig machte, die sie auf der Schiffsreling abgegeben hatte, dass ich keine andere Wahl hatte, als sie plötzlich wegzuführen.

Sie kam aus der Wirtschaft und klammerte sich fest an mich. „Bring mich weg, David“, sagte sie. „Du behältst mich. Bei dir habe ich keine Angst.“

„Und haben keinen Grund dazu, meine kleine Freundin!“, rief ich, und hätte es in meinem Herzen finden können zu weinen.

„Wo wirst du mich hinbringen?“, sagte sie noch einmal. „Verlass mich auf keinen Fall – verlass mich niemals.“

„Wohin bringe ich dich?“, sage ich und bleibe stehen, denn ich war in reiner Blindheit vorwärts gestolpert. „Ich muss stehen bleiben und nachdenken. Aber ich werde dich nicht verlassen, Catriona; der Herr tue mir dies und noch mehr, sollte ich dich im Stich lassen oder in Bedrängnis bringen.“

Sie schmiegte sich als Antwort eng an mich.

„Hier“, sagte ich, „ist der stillste Ort, den wir bisher in diesem geschäftigen Bienenstock einer Stadt gefunden haben. Lass uns hier unter jenem Baum niedersetzen und über unser weiteres Vorgehen nachdenken.“

Dieser Baum (den ich so bald nicht vergessen werde) stand hart am Hafenrand. Es war wie eine rabenschwarze Nacht, aber in den Häusern brannten Lichter, und näher bei den stillen Schiffen; auf der einen Seite schimmerte die Stadt, und ein Summen von Tausenden, die gingen und sprachen, hing über ihr; auf der anderen Seite war es dunkel, und das Wasser blubberte an den Seiten. Ich breitete meinen Umhang auf einem Baustein aus und ließ sie sich darauf setzen; sie hätte mich am liebsten festgehalten, denn sie zitterte immer noch von den vorangegangenen Beleidigungen; aber ich wollte klar denken, löste mich von ihr und schritt vor ihr auf und ab, in der Art, wie wir es Schmugglergang nennen, und zermarterte mir das Gehirn nach irgendeinem Ausweg. Im Verlauf dieser zerstreuten Gedanken wurde ich plötzlich mit der Erinnerung konfrontiert, dass ich in der Hitze und Hast unseres Aufbruchs Kapitän Sang das Bezahlen der Wirtschaft überlassen hatte. Da fing ich an laut aufzulachen, denn ich hielt den Mann für gut bedient; und im selben Moment griff ich instinktiv in die Tasche, in der mein Geld war. Ich vermute, es war in der Gasse, wo uns die Frauen bedrängten; aber es gibt nur die eine Gewissheit, dass mein Geldbeutel weg war.

„Du wirst an etwas Gutes gedacht haben“, sagte sie, als sie bemerkte, dass ich innehielt.

In der Klemme, in der wir steckten, wurde mein Geist plötzlich klar wie ein Fernrohr, und ich sah, dass es keine Wahl der Methoden gab. Ich hatte nicht einen Doit an Münzen, aber in meiner Brieftasche hatte ich noch meinen Brief an den Leidener Kaufmann; und es gab nun nur noch den einen Weg, nach Leiden zu kommen, und der war, auf unseren eigenen zwei Füßen zu wandern.

„Catriona“, sagte ich, „ich weiß, du bist mutig, und ich glaube, du bist stark – glaubst du, du könntest dreißig Meilen auf einer ebenen Straße gehen?“ Wir fanden, glaube ich, es waren kaum zwei Drittel davon, aber das war meine Vorstellung von der Entfernung.

„David“, sagte sie, „wenn du nur in der Nähe bleibst, gehe ich überall hin und tue alles. Der Mut meines Herzens, er ist ganz gebrochen. Verlass mich nicht alleine in diesem schrecklichen Land, und ich werde alles andere tun.“

„Kannst du jetzt losgehen und die ganze Nacht marschieren?“, sagte ich.

„Ich werde alles tun, worum du mich bitten kannst“, sagte sie, „und dich niemals fragen, warum. Ich bin ein schlechtes, undankbares Mädchen für dich gewesen; und tu jetzt mit mir, was du willst! Und ich denke, Miss Barbara Grant ist die beste Dame der Welt“, fügte sie hinzu, „und ich sehe nicht ein, was sie dir überhaupt verwehren würde.“

Das war Griechisch und Hebräisch für mich; aber ich hatte andere Dinge zu bedenken, und das erste davon war, aus dieser Stadt auf der Straße nach Leiden herauszukommen. Es erwies sich als ein grausames Problem; und es mochte ein oder zwei Uhr morgens sein, bevor wir es gelöst hatten. Einmal außerhalb der Häuser gab es weder Mond noch Sterne, die uns leiteten; nur die Weiße des Weges inmitten und die Schwärze einer Gasse auf beiden Seiten. Das Gehen wurde zudem außerordentlich erschwert durch einen klaren Frost, der in den frühen Morgenstunden plötzlich einsetzte und diese Landstraße in eine einzige lange Rutschbahn verwandelte.

„Nun, Catriona“, sagte ich, „hier sind wir wie die Königssöhne und die Töchter der alten Weiber in deinen verrückten Hochland-Geschichten. Bald werden wir über die ‚sieben Bens, die sieben Täler und die sieben Bergmoore‘ gehen.“ Was ein gebräuchliches Sprichwort oder ein wiederkehrender Refrain in jenen Erzählungen von ihr war, die in meiner Erinnerung haften geblieben waren.

„Ach“, sagt sie, „aber hier gibt es keine Täler oder Berge! Obwohl ich niemals leugnen werde, dass die Bäume und einige der flachen Orte hier in der Gegend sehr hübsch sind. Aber unser Land ist doch das beste.“

„Ich wünschte, wir könnten das Gleiche von unserem eigenen Volk sagen“, sage ich und denke an Sprott und Sang und vielleicht James More selbst.

„Ich werde mich niemals über das Land meines Freundes beklagen“, sagte sie und sprach es mit einem so besonderen Akzent aus, dass ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht zu sehen glaubte.

Ich hielt den Atem scharf an und wäre beinahe (zu meinem Leidwesen) auf dem schwarzen Eis gestürzt.

„Ich weiß nicht, was du denkst, Catriona“, sagte ich, als ich mich ein wenig erholt hatte, „aber das war der bisher beste Tag! Ich schäme mich, es zu sagen, wo du solche Unglücksfälle und Misshandlungen erfahren hast; aber für mich war es der beste Tag bisher.“

„Es war ein guter Tag, als du mir so viel Liebe gezeigt hast“, sagte sie.

„Und doch schäme ich mich auch, glücklich zu sein“, fuhr ich fort, „und du hier auf der Straße in der schwarzen Nacht.“

„Wo in der weiten Welt sollte ich sonst sein?“, rief sie. „Ich denke, ich bin am sichersten, wo ich bin, bei dir.“

„Ich bin also ganz vergeben?“, fragte ich.

„Wirst du mir nicht so weit verzeihen, dass du es nicht wieder in den Mund nimmst?“, rief sie. „Es gibt nichts in diesem Herzen für dich außer Dank. Aber ich will auch ehrlich sein“, fügte sie mit einer Art Plötzlichkeit hinzu, „und ich werde jenem Mädchen niemals verzeihen können.“

„Ist das schon wieder Miss Grant?“, sagte ich. „Du hast selbst gesagt, sie sei die beste Dame der Welt.“

„Das wird sie auch sein, in der Tat!“, sagt Catriona. „Aber ich werde ihr trotzdem niemals verzeihen. Ich werde ihr niemals, niemals verzeihen, und lass mich nichts mehr von ihr hören.“

„Nun“, sagte ich, „das übertrifft alles, was mir jemals zu Ohren gekommen ist; und ich wundere mich, dass du dich solchen kindischen Grillen hingeben kannst. Hier ist ein junges Fräulein, das die beste Freundin der Welt für uns beide war, das uns beigebracht hat, wie wir uns kleiden und in hohem Maße, wie wir uns benehmen sollen, wie jeder sehen kann, der uns beide vorher und nachher kannte.“

Aber Catriona blieb mitten auf der Landstraße stehen.

„Es ist so“, sagte sie. „Entweder du sprichst weiter von ihr, und ich gehe zurück in jene Stadt und lasse geschehen, was Gott will! Oder aber du erweist mir die Höflichkeit, von anderen Dingen zu sprechen.“

Ich war der ratloseste Mensch auf dieser Welt; aber ich besann mich darauf, dass sie ganz von meiner Hilfe abhing, dass sie vom zarten Geschlecht und nicht viel mehr als ein Kind war, und es an mir lag, für uns beide klug zu sein.

„Mein liebes Mädchen“, sagte ich, „ich werde aus alledem nicht schlau; aber Gott bewahre, dass ich irgendetwas tue, um dich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Was das Reden über Miss Grant angeht, habe ich gar keine Lust dazu, und ich glaube, du selbst hast damit angefangen. Meine einzige Absicht (falls ich dich überhaupt aufgegriffen habe) war zu deiner eigenen Verbesserung, denn ich hasse den bloßen Anblick von Ungerechtigkeit. Nicht, dass ich nicht wünschte, dass du einen guten Stolz und eine feine weibliche Zartheit hättest; sie stehen dir gut; aber hier zeigst du sie im Übermaß.“

„Nun, bist du fertig?“, sagte sie.

„Ich bin fertig“, sagte ich.

„Eine sehr gute Sache“, sagte sie, und wir gingen weiter, aber jetzt in Stille.

Es war eine unheimliche Beschäftigung, in der tiefen Nacht zu gehen, nur Schatten zu sehen und nichts als unsere eigenen Schritte zu hören. Zuerst, glaube ich, brannten unsere Herzen mit einer Menge Feindseligkeit gegeneinander; aber die Dunkelheit und die Kälte und die Stille, die nur manchmal die Hähne oder manchmal die Hofhunde unterbrachen, hatten unseren Stolz ziemlich schnell in den Staub gebracht; und ich für meinen Teil wäre für jeden anständigen Ansatz zum Gespräch dankbar gewesen.

Bevor der Tag graute, setzte ein wärmlicher Regen ein, und der Frost war überall unter unseren Füßen weggewischt. Ich nahm meinen Umhang für sie und versuchte, sie darin einzuhüllen; sie bat mich, eher ungeduldig, ihn zu behalten.

„In der Tat, das werde ich nicht tun“, sagte ich. „Hier bin ich, ein großer, hässlicher Bursche, der alle Arten von Wetter gesehen hat, und hier bist du, ein zartes, hübsches Mädchen! Mein Schatz, du würdest mich doch nicht beschämen?“

Ohne weitere Worte ließ sie mich sie zudecken; während ich dies in der Dunkelheit tat, ließ ich meine Hand einen Moment auf ihrer Schulter ruhen, fast wie eine Umarmung.

„Du musst versuchen, geduldiger mit deinem Freund zu sein“, sagte ich.

Ich glaubte, sie lehnte sich die kleinste Kleinigkeit der Welt an meine Brust, oder vielleicht war es nur Einbildung.

„Deine Güte wird kein Ende haben“, sagte sie.

Und wir gingen schweigend weiter; aber nun war alles verändert; und das Glück, das in meinem Herzen war, war wie ein Feuer in einem großen Kamin.

Der Regen hörte vor Tagesanbruch auf; es war ein matschiger Morgen, als wir in die Stadt Delft kamen. Die roten Giebelhäuser machten einen stattlichen Eindruck auf beiden Seiten eines Kanals; die Dienstmädchen waren draußen am Schrubben und Scheuern direkt auf dem Pflaster der öffentlichen Straße; Rauch stieg aus hundert Küchen auf; und es kam mir stark in den Sinn, dass es Zeit war, unser Fasten zu brechen.

„Catriona“, sagte ich, „ich glaube, du hast noch einen Schilling und drei Baubees?“

„Willst du sie haben?“, sagte sie und reichte mir ihre Geldbörse. „Ich wünschte, es wären fünf Pfund! Wofür wirst du sie brauchen?“

„Und wofür sind wir die ganze Nacht gelaufen, wie ein Paar heimatlose Ägypter!“, sage ich. „Nur weil ich in dieser unglückseligen Stadt Rotterdam meines Geldbeutels und all meines Besitzes beraubt wurde. Ich erzähle es dir jetzt, weil ich glaube, das Schlimmste ist überstanden, aber wir haben noch einen guten Fußmarsch vor uns, bis wir dort sind, wo mein Geld ist, und wenn du mir nicht ein Stück Brot kaufen würdest, würde ich wohl hungern müssen.“

Sie sah mich mit offenen Augen an. Im Licht des neuen Tages war sie ganz schwarz und blass vor Müdigkeit, sodass mein Herz für sie erbebte. Aber was sie betraf, sie brach in Lachen aus.

„Meine Qual! Sind wir also Bettler!“, rief sie. „Du auch? Oh, ich hätte mir diese selbe Sache wünschen können! Und ich freue mich, dir dein Frühstück zu kaufen. Aber es wäre vergnüglich, wenn ich hätte tanzen müssen, um eine Mahlzeit für dich zu bekommen! Denn ich glaube, sie sind hier nicht sehr vertraut mit unserer Art zu tanzen und würden vielleicht für die Neugier dieses Anblicks bezahlen.“

Ich hätte sie für dieses Wort küssen können, nicht mit dem Sinn eines Liebhabers, sondern in einer Hitze der Bewunderung. Denn es wärmt einen Mann immer, eine Frau tapfer zu sehen.

Wir bekamen einen Schluck Milch von einer Bäuerin, die gerade erst in die Stadt gekommen war, und bei einem Bäcker ein Stück ausgezeichnetes, heißes, wohlriechendes Brot, das wir unterwegs aßen, während wir weitergingen. Diese Straße von Delft nach Den Haag ist gerade einmal fünf Meilen lang, eine feine Allee, die von Bäumen beschattet wird, auf der einen Seite ein Kanal, auf der anderen ausgezeichnete Viehweiden. Es war hier in der Tat angenehm.

„Und nun, Davie“, sagte sie, „was wirst du auf jeden Fall mit mir tun?“

„Das ist es, worüber wir sprechen müssen“, sagte ich, „und je eher, desto besser. Ich kann in Leiden an Geld kommen; das wird alles gut sein. Aber das Problem ist, wie ich dich unterbringen soll, bis dein Vater kommt. Ich dachte letzte Nacht, du schienst ein wenig unwillig, dich von mir zu trennen?“

„Es wird dann mehr als nur Anschein gewesen sein“, sagte sie.

„Du bist ein sehr junges Mädchen“, sagte ich, „und ich bin nur ein sehr junger Bursche. Das ist eine große Schwierigkeit. Wie sollen wir das anstellen? Außer natürlich, du könntest als meine Schwester durchgehen?“

„Und warum denn nicht?“, sagte sie, „wenn du mich ließe!“

„Ich wünschte, du wärst es tatsächlich“, rief ich. „Ich wäre ein feiner Mann, wenn ich so eine Schwester hätte. Aber der Haken ist, dass du Catriona Drummond bist.“

„Und jetzt werde ich Catriona Balfour sein“, sagte sie. „Und wer will das wissen? Sie sind alle fremde Leute hier.“

„Wenn du denkst, dass es funktionieren würde“, sage ich. „Ich gebe zu, es beunruhigt mich. Ich würde es sehr übel nehmen, wenn ich dir einen falschen Rat gäbe.“

„David, ich habe hier keinen Freund außer dir“, sagte sie.

„Die bloße Wahrheit ist, ich bin zu jung, um dein Freund zu sein“, sagte ich. „Ich bin zu jung, um dich zu beraten, oder dass du beraten wirst. Ich sehe nicht, was wir sonst tun sollen, und doch müsste ich dich warnen.“

„Ich werde keine Wahl mehr haben“, sagte sie. „Mein Vater James More hat mich nicht sehr gut behandelt, und es ist nicht das erste Mal, ich werde dir wie ein Sack Gerstenmehl in die Hände geworfen und habe an nichts anderes zu denken als an dein Vergnügen. Wenn du mich willst, gut und schön. Wenn du nicht willst“ – sie drehte sich um und berührte meinen Arm mit ihrer Hand – „David, ich habe Angst“, sagte sie.

„Nein, aber ich sollte dich warnen“, begann ich; und besann mich dann, dass ich der Träger des Geldbeutels war, und es sich gar nicht schickte, allzu mürrisch zu erscheinen. „Catriona“, sagte ich, „versteh mich nicht falsch: Ich versuche nur, meine Pflicht dir gegenüber zu erfüllen, Mädchen! Hier bin ich, auf dem Weg allein in diese fremde Stadt, um dort ein einsamer Student zu sein; und hier hat sich diese Gelegenheit ergeben, dass du ein Weilchen bei mir wohnen und wie meine Schwester sein könntest; du kannst doch sicher so viel verstehen, meine Liebe, dass ich es einfach lieben würde, dich bei mir zu haben?“

„Nun, und hier bin ich“, sagte sie. „Also ist das schnell erledigt.“

Ich weiß, ich war pflichtgemäß dazu verpflichtet, mich deutlicher auszusprechen. Ich weiß, das war ein großer Fleck auf meinem Charakter, für den ich noch Glück hatte, nicht teurer bezahlt zu haben. Aber ich dachte daran, wie leicht ihre Zartheit durch ein Wort über das Küssen in Barbaras Brief erschreckt worden war; wie sollte ich, da sie nun von mir abhing, kühner sein? Außerdem ist die Wahrheit, dass ich keinen anderen gangbaren Weg sah, sie unterzubringen. Und ich wage zu sagen, dass meine Neigung mich sehr stark dazu drängte.

Ein wenig hinter Den Haag wurde sie sehr lahm und legte den Rest des Weges ziemlich schwerfällig zurück. Zweimal musste sie am Wegesrand rasten, was sie mit hübschen Entschuldigungen tat, wobei sie sich selbst eine Schande für das Hochland und das Geschlecht, aus dem sie stammte, nannte und nichts weiter als ein Hindernis für mich. Es war ihre Entschuldigung, sagte sie, dass sie nicht sehr daran gewöhnt sei, in Schuhen zu gehen. Ich hätte sie gerne ihre Schuhe und Strümpfe ausziehen und barfuß gehen lassen. Aber sie wies mich darauf hin, dass die Frauen jenes Landes, selbst auf den Landwegen, alle beschuht zu sein schienen.

„Ich darf meinem Bruder keine Schande machen“, sagte sie und war dabei sehr fröhlich, obwohl ihr Gesicht etwas anderes verriet.

Es gibt in der Stadt, in die wir unterwegs waren, einen Garten, dessen Boden mit sauberem Sand bestreut ist, die Bäume treffen sich oben, manche sind beschnitten, manche gepredigt, und der ganze Ort ist mit Alleen und Lauben verschönert. Hier ließ ich Catriona zurück und ging allein weiter, um meinen Korrespondenzpartner zu finden. Dort nahm ich mein Guthaben in Anspruch und bat darum, mir eine anständige, zurückgezogene Unterkunft zu empfehlen. Da mein Gepäck noch nicht eingetroffen war, sagte ich ihm, ich nehme an, ich würde seine Bürgschaft bei den Leuten des Hauses benötigen; und erklärte, da meine Schwester für eine Weile gekommen sei, um mir den Haushalt zu führen, würde ich zwei Kammern brauchen. Das war alles ganz gut; aber das Problem war, dass Mr. Balfour in seinem Empfehlungsschreiben eine ganze Menge Einzelheiten dargelegt hatte, und kein einziges Wort von einer Schwester darin vorkam. Ich konnte sehen, dass mein Holländer äußerst misstrauisch war; und während er mich über den Rand einer großen Brille hinweg betrachtete – er war ein armer, gebrechlicher Körper und erinnerte mich an ein krankes Kaninchen – begann er, mich scharf zu befragen.

Hier geriet ich in Panik. Angenommen, er glaubt meine Geschichte (dachte ich), angenommen, er lädt meine Schwester in sein Haus ein, und ich bringe sie mit. Ich werde ein fein verwirrtes Garnknäuel zu entwirren haben und könnte am Ende sowohl das Mädchen als auch mich selbst in Schande bringen. Daraufhin begann ich hastig, ihm den Charakter meiner Schwester darzulegen. Sie sei von schüchternem Wesen, so schien es, und habe solche Angst davor, Fremde zu treffen, dass ich sie in diesem Augenblick allein an einem öffentlichen Ort zurückgelassen hätte. Und dann, nachdem ich einmal auf dem Strom der Lüge gelandet war, musste ich es wie alle anderen auf der Welt unter denselben Umständen halten und tiefer eintauchen, als es irgendeinem Zweck diente; ich fügte noch einige völlig unnötige Einzelheiten über den schlechten Gesundheitszustand und die Zurückgezogenheit von Miss Balfour während ihrer Kindheit hinzu. Inmitten dessen erwachte ich zu einem Bewusstsein für mein Verhalten und verwandelte mich in ein einziges Erröten.

Der alte Herr war nicht so sehr getäuscht, als dass er nicht eine Bereitschaft entdeckte, mich loszuwerden. Aber er war zuallererst ein Geschäftsmann; und da er wusste, dass mein Geld gut genug war, wie auch immer es um mein Benehmen stehen mochte, war er so entgegenkommend, seinen Sohn zu schicken, der mein Führer und Bürge in der Angelegenheit der Unterkunft sein sollte. Dies bedeutete, dass ich den jungen Mann Catriona vorstellen musste. Das arme, hübsche Kind hatte sich durch das Ausruhen sehr erholt, sah perfekt aus und verhielt sich auch so, nahm meinen Arm und gab mir den Namen Bruder leichter, als ich ihr antworten konnte. Aber da war ein Unglück: In dem Glauben, zu helfen, war sie eher zutraulich als das Gegenteil gegenüber meinem Holländer. Und ich konnte nicht umhin, darüber nachzudenken, dass Miss Balfour ihre Schüchternheit ziemlich plötzlich abgelegt hatte. Und da war noch eine Sache, der Unterschied unserer Sprache. Ich hatte den Zungenschlag der Low Countries und verweilte bei meinen Wörtern; sie hatte eine Stimme wie aus den Bergen, sprach mit einem gewissen englischen Akzent, nur weit entzückender, und war kaum ganz dazu geeignet, eine Diakonin in der Kunst der englischen Grammatik genannt zu werden; sodass wir als Bruder und Schwester ein höchst ungleiches Paar abgaben. Aber der junge Holländer war ein schwerfälliger Hund, ohne so viel Geist im Leib, um ihre Hübschheit zu bemerken, wofür ich ihn verachtete. Und sobald er ein Dach über unseren Köpfen gefunden hatte, ließ er uns allein, was der größere Dienst von beiden war.

„Es ist durch meine Behandlung nicht besser geworden“, sagte ich noch einmal und errötete.

„Ich werde es sicher nicht schlechter finden, darauf kannst du dich verlassen“, sagte sie.

Wir sprachen an diesem Tag nicht viel; sie schien ein wenig zurückhaltend, wenn auch nicht unfreundlich. Was mich betrifft, so dachte ich die ganze Zeit während unseres Spaziergangs, und nachdem wir nach Hause gekommen waren und ich gesehen hatte, wie sie meine Blume in einen Wassertopf stellte, bei mir selbst darüber nach, welch ein Rätsel Frauen doch waren. Im einen Augenblick dachte ich, es sei die dümmste Sache der Welt, dass sie meine Liebe nicht bemerkt haben sollte; und im nächsten, dass sie sie sicherlich schon längst bemerkt hatte und (als kluges Mädchen mit dem feinen weiblichen Instinkt für den Anstand) ihr Wissen verbarg.

Wir machten unsere täglichen Spaziergänge. Draußen auf den Straßen fühlte ich mich sicherer; ich ließ in meiner Wachsamkeit ein wenig nach; und eines war gewiss: Es gab keinen Heineccius. Dies machte diese Zeiten nicht nur für mich zu einer Erleichterung, sondern zu einem besonderen Vergnügen für mein armes Kind. Wenn ich zur verabredeten Stunde zurückkam, fand ich sie gewöhnlich schon fertig angezogen und vor Vorfreude strahlend. Sie dehnte die Dauer unserer Gänge bis zum Äußersten aus und schien (wie ich selbst) die Stunde der Rückkehr zu fürchten; und es gibt kaum ein Feld oder ein Ufer in der Nähe von Leiden, kaum eine Straße oder Gasse dort, wo wir nicht verweilt hätten. Abgesehen davon hielt ich sie dazu an, sich ganz auf unsere Unterkunft zu beschränken; dies aus der Furcht heraus, sie könnte Bekannten begegnen, was unsere Lage sehr schwierig gemacht hätte. Aus derselben Sorge heraus ließ ich sie niemals den Gottesdienst besuchen, noch ging ich selbst hin; sondern fand eine Art, den Gottesdienst privat in unserem eigenen Zimmer abzuhalten – ich hoffe mit ehrlichem, aber ich bin mir sicher, mit einem sehr gespaltenen Herzen. In der Tat gab es kaum etwas, das mich mehr berührte, als so allein mit ihr vor Gott wie Mann und Frau niederzuknien.

Eines Tages schneite es in Strömen. Ich hatte gedacht, es sei unmöglich, dass wir uns hinauswagten, und war überrascht, sie fertig angezogen auf mich warten zu sehen.

„Ich werde nicht auf meinen Spaziergang verzichten“, rief sie. „Du bist niemals ein braver Junge, Davie, wenn wir im Haus sind; ich mag dich nur unter freiem Himmel. Ich glaube, wir beide werden besser zu Zigeunern und wohnen am Straßenrand.“

Das war der beste Spaziergang von allen; sie schmiegte sich im fallenden Schnee an mich; er wirbelte um uns herum und schmolz auf uns, und die Tropfen standen auf ihren leuchtenden Wangen wie Tränen und liefen in ihren lächelnden Mund. Mit diesem Anblick schien eine Kraft wie die eines Riesen über mich zu kommen; ich dachte, ich hätte sie aufheben und mit ihr an die äußersten Enden der Erde laufen können; und wir sprachen die ganze Zeit über so frei und innig miteinander, wie man es kaum für möglich gehalten hätte.

Es war bereits finstere Nacht, als wir an die Haustür kamen. Sie drückte meinen Arm an ihre Brust. „Ich danke dir herzlich für diese guten Stunden“, sagte sie mit tiefer Stimme.

Die Unruhe, die mich bei diesen Worten augenblicklich befiel, versetzte mich mit derselben Schnelligkeit wieder in meine Wachsamkeit; und kaum waren wir im Zimmer und das Licht angezündet, als sie schon wieder das alte, mürrische, sture Gesicht des Heineccius-Studenten vor sich sah. Zweifellos war sie mehr als gewöhnlich verletzt; und ich für meinen Teil fand es schwieriger denn je, irgendeine Fremdheit aufrechtzuerhalten. Selbst beim Essen wagte ich kaum, mich zu entspannen, und wagte kaum, die Augen zu ihr zu erheben; und kaum war es vorüber, da stürzte ich mich wieder auf meinen Zivilisten, mit mehr scheinbarer Abwesenheit und weniger Verständnis als zuvor. Während ich las, meinte ich, mein Herz wie eine Uhr schlagen zu hören. So sehr ich auch vorgab zu studieren, mein Blick glitt doch immer wieder über das Buch hinaus auf Catriona. Sie saß auf dem Boden neben meinem großen Reisekoffer, und das Kaminfeuer leuchtete auf sie, schien und flackerte auf ihr und ließ sie in einem Wunder aus feinen Farben erstrahlen und wieder im Dunkeln verschwinden. Bald starrte sie ins Feuer, bald wieder zu mir; und bei diesem Anblick wurde ich von einer Angst vor mir selbst gepackt und blätterte in den Seiten des Heineccius wie ein Mann, der in der Kirche nach dem Text sucht.

Plötzlich rief sie laut aus. „O, warum kommt mein Vater nicht?“, schrie sie und brach sofort in einen Tränenstrom aus.

Ich sprang auf, schleuderte den Heineccius kurzerhand ins Feuer, rannte an ihre Seite und legte einen Arm um ihren schluchzenden Körper.

Sie stieß mich scharf von sich. „Du liebst deinen Freund nicht“, sagt sie. „Ich könnte auch so glücklich sein, wenn du mich nur ließen!“ Und dann: „O, was habe ich getan, dass du mich so hassen solltest?“

„Dich hassen!“, riefe ich und hielt sie fest. „Du Blindes, kannst du nicht ein wenig in mein elendes Herz sehen? Glaubst du nicht, wenn ich dort sitze und in diesem Narrenbuch lese, das ich gerade verbrannt habe, verdammt sei es, dass ich auch nur einen Gedanken an etwas anderes verschwende als an dich? Nacht für Nacht hätte ich weinen können, wenn ich dich da allein sitzen sah. Und was sollte ich tun? Du bist hier unter meinem Schutz; willst du mich dafür bestrafen? Ist es deshalb, dass du einen liebenden Diener zurückweisen willst?“

Bei diesen Worten schmiegte sie sich mit einer kleinen, plötzlichen Bewegung an mich. Ich hob ihr Gesicht zu meinem, ich küsste es, und sie neigte ihre Stirn an meine Brust und umklammerte mich fest. Mir drehte sich alles wie einem Betrunkenen. Dann hörte ich ihre Stimme sehr klein und gedämpft in meiner Kleidung klingen.

„Hast du sie wirklich geküsst?“, fragte sie.

Ein so großer Schwall von Überraschung durchlief mich, dass ich ganz davon erschüttert war.

„Miss Grant?“, rief ich ganz verwirrt. „Ja, ich habe sie gebeten, mich zum Abschied zu küssen, was sie auch tat.“

„Ah, nun!“, sagte sie, „du hast mich jedenfalls auch geküsst.“

Bei der Seltsamkeit und Süße dieses Wortes sah ich, wohin wir geraten waren; ich erhob mich und stellte sie auf ihre Füße.

„Das wird niemals gut gehen“, sagte ich. „Das wird niemals, niemals gut gehen. O Catrine, Catrine!“ Dann kam eine Pause, in der ich unfähig war, irgendetwas zu sagen. Und dann: „Geh weg in dein Bett“, sagte ich. „Geh weg in dein Bett und lass mich.“

Sie wandte sich um, um mir wie ein Kind zu gehorchen, und das Nächste, was ich davon mitbekam, war, dass sie genau im Türrahmen stehen geblieben war.

„Gute Nacht, Davie!“, sagte sie.

„Und o, gute Nacht, meine Liebe!“, rief ich mit einem großen Ausbruch meiner Seele und zog sie wieder an mich, so dass es schien, als müsste ich sie zerbrechen. Im nächsten Augenblick hatte ich sie aus dem Zimmer gestoßen, die Tür sogar mit Gewalt zugeschlagen und stand allein.

Die Milch war nun verschüttet, das Wort war heraus und die Wahrheit gesagt. Ich hatte mich wie ein treuloser Mensch in die Zuneigung des armen Mädchens geschlichen; sie war in meiner Hand wie jedes zerbrechliche, unschuldige Ding, das man formen oder zerstören konnte; und welche Verteidigungswaffe blieb mir? Es schien wie ein Symbol, dass Heineccius, mein alter Schutz, nun verbrannt war. Ich bereute, doch konnte ich es nicht über mich bringen, mir selbst dieses große Versagen vorzuwerfen. Es schien nicht möglich, der Kühnheit ihrer Unschuld oder jener letzten Versuchung ihres Weinens zu widerstehen. Und alles, was ich zur Entschuldigung hatte, ließ meine Sünde nur noch größer erscheinen – es war an einem so wehrlosen Wesen und mit solchen Vorteilen der Lage, dass ich mich wie ein Betrüger vorkam.

Was sollte nun aus uns werden? Es schien, als könnten wir nicht länger an demselben Ort bleiben. Aber wohin sollte ich gehen? Oder sie? Ohne unsere Wahl oder unser Verschulden hatte das Leben sich verschworen, uns an diesem engen Ort zusammenzupferchen. Ich hatte einen wilden Gedanken, sie sofort zu heiraten; und im nächsten Moment verwarf ich ihn mit Abscheu. Sie war ein Kind, sie konnte ihr eigenes Herz nicht deuten; ich hatte ihre Schwäche überrascht, ich durfte niemals darauf aufbauen; ich musste sie nicht nur frei von Vorwürfen halten, sondern so frei, wie sie zu mir gekommen war.

Ich setzte mich vor das Feuer, dachte nach, bereute und zerbrach mir vergeblich den Kopf nach irgendeinem Ausweg. Gegen zwei Uhr morgens, als nur noch drei rote Glutstücke übrig waren und das Haus und die ganze Stadt schliefen, wurde ich eines kleinen Weinens im Nebenzimmer gewahr. Sie dachte, dass ich schlief, die arme Seele; sie bedauerte ihre Schwäche – und was sie vielleicht (Gott helfe ihr!) ihre Voreiligkeit nannte – und tröstete sich in der Totenstille der Nacht mit Tränen. Zärtliche und bittere Gefühle, Liebe und Reue und Mitleid kämpften in meiner Seele; es schien, als stünde ich in der Pflicht, dieses Weinen zu heilen.

„O, versuch mir zu verzeihen!“, rief ich aus, „versuch, versuch mir zu verzeihen. Lass uns das alles vergessen, lass uns versuchen, ob wir es nicht vergessen können!“

Es kam keine Antwort, aber das Schluchzen hörte auf. Ich stand lange Zeit mit immer noch gefalteten Händen da, so wie ich gesprochen hatte; dann ergriff mich die Kälte der Nacht mit einem Schauer, und ich glaube, mein Verstand erwachte wieder.

„Du kannst das nicht bewältigen, Davie“, dachte ich. „Geh zu Bett wie ein kluger Junge und versuche, ob du schlafen kannst. Morgen magst du einen Weg sehen.“

KAPITEL XXV. DIE RÜCKKEHR VON JAMES MORE

Ich wurde am Morgen aus einem späten und unruhigen Schlaf durch ein Klopfen an meiner Tür gerufen, rannte, um sie zu öffnen, und wäre fast in Ohnmacht gefallen vor der Widersprüchlichkeit meiner Gefühle, die zumeist schmerzhaft waren; denn auf der Schwelle, in einem groben Überrock und einem außerordentlich großen Hut mit Spitzenbesatz, stand James More.

Ich hätte vielleicht ohne Beimischung froh sein sollen, denn es gab einen Sinn, in dem der Mann wie eine Antwort auf ein Gebet kam. Ich hatte mir bis zur Erschöpfung gesagt, dass Catriona und ich uns trennen müssten, und bis zum Kopfschmerz nach irgendeiner Möglichkeit der Trennung gesucht. Hier war das Mittel, das auf zwei Beinen zu mir gekommen war, und Freude war der letzte meiner Gedanken. Es ist jedoch zu bedenken, dass, selbst wenn die Last der Zukunft durch die Ankunft des Mannes von mir genommen wurde, die Gegenwart umso schwärzer und bedrohlicher aufragte; so dass ich, als ich zuerst in meinem Hemd und meinen Kniehosen vor ihm stand, glaube, einen springenden Schritt rückwärts gemacht zu haben wie jemand, der erschossen wird.

„Ah“, sagte er, „ich habe Sie gefunden, Mr. Balfour.“ Und bot mir seine große, feine Hand an, die ich (während ich gleichzeitig meinen Platz im Türrahmen wieder einnahm, als hätte ich einen Gedanken an Widerstand) zweifelnd ergriff. „Es ist ein bemerkenswerter Umstand, wie sich unsere Angelegenheiten zu vermischen scheinen“, fuhr er fort. „Ich schulde Ihnen eine Entschuldigung für einen unglücklichen Eingriff in Ihre, zu dem ich mich durch mein Vertrauen in dieses falsche Gesicht, Prestongrange, hinreißen ließ; ich schäme mich, Ihnen zu gestehen, dass ich jemals einem Anwalt vertraut habe.“ Er zuckte mit den Schultern in einer sehr französischen Art. „Aber tatsächlich ist der Mann sehr plausibel“, sagt er. „Und nun scheint es, dass Sie sich großzügig in die Angelegenheit meiner Tochter eingemischt haben, für deren Führung ich an Sie verwiesen wurde.“

„Ich glaube, mein Herr“, sagte ich mit sehr schmerzlicher Miene, „dass es notwendig ist, dass wir beide eine Erklärung abgeben.“

„Es ist nichts nicht in Ordnung?“, fragte er. „Mein Agent, Mr. Sprott –“

„Um Himmels willen, mäßigen Sie Ihre Stimme!“, rief ich. „Sie darf nicht hören, bis wir eine Erklärung hatten.“

„Sie ist an diesem Ort?“, ruft er.

„Das ist ihre Zimmertür“, sagte ich.

„Sie sind hier allein mit ihr?“, fragte er.

„Und wen sonst hätte ich finden sollen, der bei uns bleibt?“, rufe ich.

Ich werde ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, zuzugeben, dass er blass wurde.

„Das ist sehr ungewöhnlich“, sagte er. „Das ist ein sehr ungewöhnlicher Umstand. Sie haben recht, wir müssen eine Erklärung abhalten.“

So sagend, ging er an mir vorbei, und ich muss zugeben, der große alte Schurke erschien in diesem Moment außerordentlich würdevoll. Er hatte nun zum ersten Mal den Blick auf mein Zimmer, welches ich (ich darf sagen) mit seinen Augen absuchte. Ein Stück Morgensonne glitzerte durch die Fensterscheibe und stellte es zur Schau; mein Bett, meine Reisekoffer und Waschschüssel, mit einigem Durcheinander meiner Kleidung und dem unbeleuchteten Kamin, bildeten das einzige Inventar; kein Zweifel, es sah kahl und kalt aus, und der unpassendste, ärmlichste Ort, den man sich vorstellen konnte, um eine junge Dame unterzubringen. Zur selben Zeit kam mir die Erinnerung an die Kleidung, die ich für sie gekauft hatte; und ich dachte, dieser Kontrast von Armut und Verschwendung habe einen üblen Anschein.

Er sah sich im ganzen Zimmer nach einem Sitz um, und da er nichts anderes für seinen Zweck fand außer meinem Bett, nahm er darauf Platz; wo ich, nachdem ich die Tür geschlossen hatte, nicht umhin konnte, mich zu ihm zu gesellen. Denn wie auch immer dieses außerordentliche Gespräch enden mochte, es musste, wenn möglich, ohne Catriona zu wecken, verlaufen; und das Einzige, was nötig war, war, dass wir eng beieinander saßen und leise sprachen. Aber ich kann mir kaum ausmalen, was für ein Paar wir abgaben; er in seinem großen Mantel, den die Kälte meines Zimmers äußerst passend machte; ich zitternd in meinem Hemd und meinen Kniehosen; er sehr mit dem Anschein eines Richters; und ich (was immer ich auch aussah) mit den Gefühlen eines Mannes, der die letzte Posaune gehört hat.

„Nun?“, sagt er.

Und „Nun“, begann ich, fand mich aber unfähig, weiterzugehen.

„Sie sagen mir, sie ist hier?“, sagte er wieder, aber nun mit einer Prise Ungeduld, die mich zu stützen schien.

„Sie ist in diesem Haus“, sagte ich, „und ich wusste, der Umstand würde als ungewöhnlich bezeichnet werden. Aber Sie müssen bedenken, wie sehr ungewöhnlich die ganze Angelegenheit von Anfang an war. Hier ist eine junge Dame, die an der Küste Europas mit zwei Schilling und einem Penny und einem halben Penny gelandet ist. Sie ist an jenen Mann Sprott in Helvoet verwiesen. Ich höre Sie ihn Ihren Agenten nennen. Alles, was ich sagen kann, ist, dass er nichts tun konnte, als zu fluchen und zu schwören bei der bloßen Erwähnung Ihres Namens, und ich musste ihn aus meiner eigenen Tasche bezahlen, nur um die Obhut ihrer Sachen zu übernehmen. Sie sprechen von ungewöhnlichen Umständen, Mr. Drummond, wenn das der Name ist, den Sie bevorzugen. Hier war ein Umstand, wenn Sie so wollen, dem sie auszusetzen Barbarei war.“

„Aber das ist es, was ich am allerwenigsten verstehen kann“, sagte James. „Meine Tochter wurde in die Obhut einiger verantwortungsbewusster Personen gegeben, deren Namen ich vergessen habe.“

„Gebbie war der Name“, sagte ich; „und es gibt keinen Zweifel, dass Mr. Gebbie mit ihr bei Helvoet an Land hätte gehen sollen. Aber das tat er nicht, Mr. Drummond; und ich denke, Sie könnten Gott dafür preisen, dass ich da war, um mich an seiner Stelle anzubieten.“

„Ich werde bald ein Wörtchen mit Mr. Gebbie zu reden haben“, sagte er. „Was Sie selbst betrifft, so hätte Ihnen einfallen können, dass Sie etwas jung für einen solchen Posten waren.“

„Aber die Wahl war nicht zwischen mir und jemand anderem, es war zwischen mir und niemandem“, rief ich. „Niemand bot sich an meiner Stelle an, und ich muss sagen, ich finde, Sie zeigen ein sehr geringes Maß an Dankbarkeit gegenüber mir, der es tat.“

„Ich werde warten, bis ich meine Verpflichtung ein wenig genauer verstehe“, sagt er.

„In der Tat, und ich denke, sie starrt Ihnen dann ins Gesicht“, sagte ich. „Ihr Kind war verlassen, sie war mitten in Europa einfach weggeworfen worden, mit kaum zwei Schilling, und nicht zwei Wörtern irgendeiner Sprache, die dort gesprochen wird: Ich muss sagen, ein schönes Geschäft! Ich brachte sie an diesen Ort. Ich gab ihr den Namen und die Zärtlichkeit, die einer Schwester gebühren. All dies ist nicht ohne Ausgaben geschehen, aber das brauche ich kaum anzudeuten. Es waren Dienste, die dem Charakter der jungen Dame gebührten, den ich respektiere; und ich denke, es wäre auch ein schönes Geschäft, wenn ich ihre Lobpreisungen ihrem Vater gegenüber singen müsste.“

„Sie sind ein junger Mann“, begann er.

„So höre ich Sie mir sagen“, sagte ich mit ziemlicher Hitze.

„Sie sind ein sehr junger Mann“, wiederholte er, „oder Sie hätten die Bedeutung des Schrittes verstanden.“

„Ich denke, Sie sprechen sehr ungeniert“, rief ich. „Was hätte ich sonst tun sollen? Es ist eine Tatsache, dass ich irgendeine anständige, arme Frau hätte anstellen können, um eine dritte Person für uns zu sein, und ich erkläre, ich habe bis zu diesem Moment nie daran gedacht! Aber wo hätte ich sie finden sollen, da ich selbst ein Ausländer bin? Und lassen Sie mich auf Ihre Beobachtung hinweisen, Mr. Drummond, dass es mich Geld aus meiner eigenen Tasche gekostet hätte. Denn hier ist es genau das, worauf es hinausläuft, dass ich für Ihre Vernachlässigung teuer bezahlen musste; und es gibt nur die eine Geschichte dazu, einfach, dass Sie so lieblos und so nachlässig waren, Ihre Tochter verloren zu haben.“

„Wer in einem Glashaus lebt, sollte nicht mit Steinen werfen“, sagt er; „und wir werden die Untersuchung des Verhaltens von Miss Drummond beenden, bevor wir fortfahren, über ihren Vater zu Gericht zu sitzen.“

„Aber ich werde in eine solche Haltung nicht hineingeraten“, sagte ich. „Der Charakter von Miss Drummond ist weit erhaben über jede Untersuchung, wie ihr Vater wissen sollte. Meiner ebenso, und das sage ich Ihnen. Es stehen nur zwei Wege offen. Der eine ist, mir Ihren Dank als Gentleman zu Gentleman auszusprechen und nichts weiter zu sagen. Der andere (falls Sie so schwierig sind, immer noch unzufrieden zu sein) ist, mir das zu bezahlen, was ich ausgegeben habe, und damit ist es gut.“

Er schien mich mit einer Hand in der Luft zu beruhigen. „Da, da“, sagte er. „Sie gehen zu schnell, Sie gehen zu schnell, Mr. Balfour. Es ist eine gute Sache, dass ich gelernt habe, geduldiger zu sein. Und ich glaube, Sie vergessen, dass ich meine Tochter noch sehen muss.“

Ich begann bei dieser Rede und einer Veränderung in der Art des Mannes, die ich an ihm bemerkte, sobald der Name Geld zwischen uns fiel, ein wenig erleichtert zu werden.

„Ich dachte, es wäre passender – wenn Sie die Schlichtheit meiner Kleidung in Ihrer Gegenwart entschuldigen wollen –, dass ich hinausgehe und Sie allein mit ihr lasse?“, sagte ich.

„Was ich von Ihnen erwartet hätte!“, sagt er; und es gab keinen Zweifel, dass er es höflich sagte.

Ich dachte, das sei immer besser und besser, und als ich begann, meine Strümpfe anzuziehen, und mich an die unverschämte Bettelei des Mannes bei Prestongrange erinnerte, beschloss ich, das zu verfolgen, was mein Sieg zu sein schien.

„Wenn Sie Lust haben, eine Weile in Leiden zu bleiben“, sagte ich, „steht Ihnen dieses Zimmer sehr zur Verfügung, und ich kann leicht ein anderes für mich finden: Auf diese Weise werden wir die geringstmögliche Menge an Umzug haben, da nur einer zu wechseln braucht.“

„Nun, mein Herr“, sagte er, indem er seine Brust groß machte, „ich schäme mich nicht für eine Armut, zu der ich im Dienst meines Königs gekommen bin; ich mache kein Geheimnis daraus, dass meine Angelegenheiten ziemlich verwickelt sind; und für den Augenblick wäre es mir sogar unmöglich, eine Reise zu unternehmen.“

„Bis Sie Gelegenheit haben, mit Ihren Freunden zu kommunizieren“, sagte ich, „vielleicht wäre es für Sie bequem (wie es natürlich für mich ehrenvoll wäre), wenn Sie sich im Lichte meines Gastes betrachten würden?“

„Mein Herr“, sagte er, „wenn ein Angebot offen gemacht wird, denke ich, ehre ich mich am meisten, diese Offenheit zu imitieren. Ihre Hand, Mr. David; Sie haben den Charakter, den ich am meisten respektiere; Sie sind einer von denen, von denen ein Gentleman einen Gefallen annehmen kann und keine weiteren Worte darüber verlieren muss. Ich bin ein alter Soldat“, fuhr er fort und sah sich ziemlich angewidert in meinem Zimmer um, „und Sie brauchen nicht zu fürchten, dass ich zur Last falle. Ich habe zu oft am Deich gegessen, aus dem Graben getrunken und kein anderes Dach als den Regen gehabt.“

„Ich sollte Ihnen wohl sagen“, sagte ich, „dass unsere Frühstücke für gewöhnlich um diese Zeit des Morgens gebracht werden. Ich schlage vor, ich gehe jetzt zum Wirtshaus und bitte sie, ein Gedeck für Sie hinzuzufügen und die Mahlzeit um etwa eine Stunde hinauszuzögern, was Ihnen ein Intervall verschaffen wird, um Ihre Tochter zu treffen.“

Mich dünkte, seine Nasenflügel bebten bei diesen Worten. „O, eine Stunde?“, sagt er. „Das ist vielleicht überflüssig. Eine halbe Stunde, Mr. David, oder sagen wir zwanzig Minuten; damit werde ich sehr gut zurechtkommen. Und übrigens“, fügt er hinzu und hält mich am Rock fest, „was trinken Sie am Morgen, Ale oder Wein?“

„Um offen mit Ihnen zu sein, mein Herr“, sage ich, „ich trinke nichts weiter als karges, kaltes Wasser.“

„Tut-tut“, sagt er, „das ist die reinste Zerstörung für den Magen, nehmen Sie das Wort eines alten Kämpfers darauf. Unser heimischer Branntwein ist vielleicht das einzig rundum Heilsame; aber da der nicht zu bekommen ist, werden rheinischer oder ein Weißwein aus Burgund das Nächstbeste sein.“

„Ich werde mich darum kümmern, dass Sie versorgt werden“, sagte ich.

„Nun, sehr gut“, sagte er, „und wir werden noch einen Mann aus Ihnen machen, Mr. David.“

Zu diesem Zeitpunkt kann ich kaum sagen, dass ich ihn überhaupt noch beachtete, abgesehen von einem seltsamen Gedanken an die Art von Schwiegervater, die er wohl abgeben würde; und alle meine Sorgen konzentrierten sich auf das Mädchen, seine Tochter, der ich eine Warnung bezüglich ihres Besuchers zu übermitteln entschlossen war. Ich trat dementsprechend zur Tür und rief durch die Türfüllungen, während ich gleichzeitig dagegen klopfte: „Miss Drummond, hier ist Ihr Vater, er ist endlich gekommen.“

Damit ging ich meiner Wege, nachdem ich (mit zwei Worten) meine Angelegenheiten außerordentlich beschädigt hatte.

KAPITEL XXVI. DAS DREIGESPANN

Ob ich nun so sehr zu tadeln oder vielleicht eher zu bedauern war, muss ich andere beurteilen lassen. Mein Scharfsinn (von dem ich auch eine ganze Menge besitze) scheint bei den Damen nicht so groß zu sein. Zweifellos dachte ich in dem Augenblick, als ich sie weckte, viel an die Wirkung auf James More; und ebenso verhielt ich mich, als ich zurückkehrte und wir alle zum Frühstück zusammensaßen, weiterhin mit Zurückhaltung und Distanz gegenüber der jungen Dame; was ich nach wie vor für das Klügste halte. Ihr Vater hatte Zweifel an der Unschuld meiner Freundschaft gesät; und diese zu zerstreuen, war meine erste Aufgabe. Aber es gibt auch eine Art Entschuldigung für Catriona. Wir hatten an einer Szene von einiger Zärtlichkeit und Leidenschaft teilgehabt und Liebkosungen gegeben und empfangen: Ich hatte sie mit Gewalt von mir gestoßen; ich hatte in der Nacht aus dem einen Zimmer in das andere laut nach ihr gerufen; sie hatte Stunden des Wachens und Weinens verbracht; und es ist nicht anzunehmen, dass ich bei ihren nächtlichen Gedanken abwesend gewesen war. Nach all dem, mit ungewohnter Förmlichkeit unter dem Namen Miss Drummond geweckt und von da an mit einer großen Portion Distanz und Respekt behandelt zu werden, führte sie völlig in die Irre bezüglich meiner privaten Empfindungen; und sie war tatsächlich so unglaublich getäuscht, dass sie sich einbildete, ich sei reumütig und versuchte mich zurückzuziehen!

Das Übel zwischen uns scheint dies gewesen zu sein: Während ich (seit ich seinen großen Hut zum ersten Mal erblickt hatte) einzig an James More dachte, seine Rückkehr und seine Verdächtigungen, machte sie sich so wenig daraus, dass ich sagen kann, sie bemerkte sie kaum, und all ihre Sorgen und ihr Tun bezogen sich auf das, was zwischen uns in der Nacht zuvor vorgefallen war. Dies erklärt sich teilweise durch die Unschuld und Kühnheit ihres Charakters; und teilweise dadurch, dass James More, da er bei seinem Gespräch mit mir so schlecht abgeschnitten hatte oder durch meine Einladung zum Schweigen gebracht worden war, kein Wort zu ihr über das Thema verlor. Beim Frühstück zeigte sich dementsprechend bald, dass wir aneinander vorbeiredeten. Ich hatte erwartet, sie in ihrer eigenen Kleidung vorzufinden: Ich fand sie (als sei ihr Vater vergessen) in einigen der besten Sachen, die ich für sie gekauft hatte und von denen sie wusste (oder dachte), dass ich sie darin bewunderte. Ich hatte erwartet, dass sie meine gespielte Distanz nachahmen und äußerst präzise und förmlich sein würde; stattdessen fand ich sie gerötet und wild aussehend vor, mit außerordentlich hellen Augen und einem schmerzlichen und wechselnden Ausdruck, während sie mich beim Namen nannte, mit einer Art flehendem Ausdruck von Zärtlichkeit, und auf meine Gedanken und Wünsche verwies und sich ihnen unterordnete wie eine ängstliche oder verdächtigte Ehefrau.

Doch das währte nicht lange. Als ich sie so unbekümmert um ihre eigenen Interessen sah, die ich gefährdet hatte und nun wiederherzustellen versuchte, verdoppelte ich meine eigene Kälte, um dem Mädchen eine Lektion zu erteilen. Je mehr sie auf mich zuging, desto weiter wich ich zurück; je mehr sie die Vertrautheit unseres Verhältnisses verriet, desto pointierter höflich wurde ich, bis selbst ihr Vater (wenn er nicht so sehr mit Essen beschäftigt gewesen wäre) den Gegensatz hätte bemerken können. Inmitten dessen änderte sie sich plötzlich völlig, und ich sagte mir mit einiger Erleichterung, dass sie den Wink endlich verstanden habe.

Den ganzen Tag war ich in meinen Vorlesungen oder auf der Suche nach meiner neuen Unterkunft; und obwohl sich die Stunde unseres gewohnten Spaziergangs elend in die Länge zog, kann ich nicht sagen, dass ich nicht alles in allem froh war, meinen Weg geebnet zu sehen, das Mädchen wieder in ordentlicher Obhut, den Vater zufrieden oder zumindest einwilligend, und mich selbst frei, meine Liebe in Ehren zu verfolgen. Beim Abendessen, wie bei allen unseren Mahlzeiten, war es James More, der das Reden übernahm. Zweifellos redete er gut, wenn ihn jemand hätte glauben können. Aber ich werde gleich ausführlicher von ihm sprechen. Als die Mahlzeit beendet war, stand er auf, holte seinen großen Mantel und bemerkte, während er (wie ich meinte) zu mir sah, er habe auswärts Geschäfte zu erledigen. Ich hielt dies für einen Wink, dass ich auch gehen sollte, und stand auf; woraufhin das Mädchen, das mich bei meinem Eintreten kaum begrüßt hatte, ihre Augen weit geöffnet auf mich richtete mit einem Blick, der mich zum Bleiben aufforderte. Ich stand zwischen ihnen wie ein Fisch auf dem Trockenen und wandte mich von einem zum anderen; keiner schien mich zu bemerken, sie starrte auf den Boden, er knöpfte seinen Mantel zu: was meine Verlegenheit gewaltig steigerte. Dieser Anschein von Gleichgültigkeit zeugte auf ihrer Seite von einer großen Portion Ärger, der kurz vor dem Ausbruch stand. Auf seiner Seite hielt ich es für schrecklich alarmierend; ich war mir sicher, dass sich da ein Sturm zusammenbraute; und da ich dies für die größte Gefahr hielt, wandte ich mich ihm zu und legte mich (sozusagen) in die Hände des Mannes.

„Kann ich irgendetwas für Sie tun, Mr. Drummond?“, sage ich.

Er unterdrückte ein Gähnen, was ich wiederum für Falschheit hielt. „Nun, Mr. David“, sagte er, „da Sie so zuvorkommend sind, es vorzuschlagen, könnten Sie mir den Weg zu einem gewissen Wirtshaus zeigen“ (von dem er den Namen nannte), „wo ich hoffe, auf ein paar alte Waffenbrüder zu stoßen.“

Es gab nichts weiter zu sagen, und ich holte meinen Hut und Mantel, um ihm Gesellschaft zu leisten.

„Und was dich betrifft“, sagt er zu seiner Tochter, „du gehst am besten zu Bett. Ich werde spät nach Hause kommen, und früh zu Bett und früh aufstehen, _gars bonny lasses have bright eyes_.“

Daraufhin küsste er sie mit einer guten Portion Zärtlichkeit und geleitete mich vor sich her aus der Tür. Dies geschah (wie ich dachte, mit Absicht) so, dass es kaum möglich war, einen Abschiedsgruß auszutauschen; aber ich bemerkte, dass sie mich nicht ansah, und schob es auf die Angst vor James More.

Es war ein gutes Stück Weges bis zu diesem Wirtshaus. Er redete den ganzen Weg über Dinge, die mich nicht im Geringsten interessierten, und entließ mich an der Tür mit leeren Manieren. Von dort ging ich zu meiner neuen Unterkunft, wo ich nicht einmal einen Kamin hatte, der mich wärmte, und keine Gesellschaft außer meinen eigenen Gedanken. Diese waren immer noch hell genug; ich träumte nicht einmal davon, dass Catriona sich gegen mich gewandt hatte; ich dachte, wir wären wie Leute, die sich versprochen haben; ich dachte, wir wären uns zu nahe gekommen und hätten zu warm gesprochen, um getrennt zu werden, am allerwenigsten durch das, was nur Schritte in einer höchst notwendigen Politik waren. Und meine Hauptsorge war nur die Art von Schwiegervater, die ich bekam, was keineswegs die Art war, die ich gewählt hätte: und die Frage, wie bald ich mit ihm sprechen sollte, was in mehrfacher Hinsicht ein heikler Punkt war. Erstens errötete ich am ganzen Körper, wenn ich daran dachte, wie jung ich war, und hätte es fast im Herzen gefunden, davon abzulassen; nur dass ich sie, wenn ich sie einmal ohne Erklärung von Leyden aus ziehen ließe, ganz verlieren könnte. Und zweitens gab es unsere sehr unregelmäßige Situation im Auge zu behalten und das eher magere Maß an Zufriedenheit, das ich James More an jenem Morgen gegeben hatte. Ich kam insgesamt zu dem Schluss, dass Zögern nichts schaden würde, doch ich wollte auch nicht zu lange zögern; und legte mich mit vollem Herzen in mein kaltes Bett.

Am nächsten Tag, da James More wegen meines Zimmers etwas klagend klang, bot ich an, mehr Möbel hereinzubringen; und als ich am Nachmittag mit Trägern kam, die Stühle und Tische brachten, fand ich das Mädchen wieder sich selbst überlassen. Sie begrüßte mich bei meinem Eintritt höflich, zog sich aber sofort in ihr eigenes Zimmer zurück, dessen Tür sie schloss. Ich traf meine Anordnungen, bezahlte und entließ die Männer, damit sie hören konnte, wie sie gingen, woraufhin ich annahm, sie würde sofort wieder herauskommen, um mit mir zu sprechen. Ich wartete noch eine Weile, dann klopfte ich an ihre Tür.

„Catriona!“, sagte ich.

Die Tür wurde so schnell geöffnet, noch bevor ich das Wort heraushatte, dass ich dachte, sie müsse dahinter gestanden und zugehört haben. Sie blieb in der Zwischenzeit ganz still dort stehen; aber sie hatte einen Blick, dem ich keinen Namen geben kann, wie von jemandem in bitterer Not.

„Werden wir heute auch nicht spazieren gehen?“, stammelte ich also.

„Ich danke Ihnen“, sagte sie. „Ich werde nicht viel Lust zum Spazierengehen haben, jetzt, da mein Vater nach Hause gekommen ist.“

„Aber ich glaube, er ist selbst ausgegangen und hat dich hier allein gelassen“, sagte ich.

„Und glaubst du, das war sehr freundlich gesagt?“, fragte sie.

„Es war nicht unfreundlich gemeint“, antwortete ich. „Was bedrückt dich, Catriona? Was habe ich dir getan, dass du dich so von mir abwenden musst?“

„Ich wende mich gar nicht von dir ab“, sagte sie und sprach sehr vorsichtig. „Ich werde meinem Freund, der gut zu mir war, immer dankbar sein; ich werde immer seine Freundin sein, in allem, was ich kann. Aber jetzt, da mein Vater James More wiedergekommen ist, muss ein Unterschied gemacht werden, und ich denke, es gibt einige Dinge, die gesagt und getan wurden, die besser vergessen wären. Aber ich werde immer deine Freundin sein, in allem, was ich kann, und wenn das nicht alles ist ... wenn es nicht so viel ist ... Nicht, dass es dich kümmern würde! Aber ich möchte nicht, dass du zu hart von mir denkst. Es war wahr, was du zu mir sagtest, dass ich zu jung sei, um beraten zu werden, und ich hoffe, du wirst dich daran erinnern, dass ich nur ein Kind war. Ich möchte deine Freundschaft auf keinen Fall verlieren.“

Sie begann dies sehr blass; aber bevor sie fertig war, stieg ihr das Blut wie Scharlach ins Gesicht, sodass nicht nur ihre Worte, sondern ihr Gesicht und das Zittern ihrer Hände mich anflehten, sanft zu sein. Ich sah zum ersten Mal, wie sehr ich Unrecht getan hatte, das Kind in jene Lage zu bringen, in der sie in einem Moment der Schwäche gefangen worden war und nun wie eine beschämte Person vor mir stand.

„Miss Drummond“, sagte ich, und blieb stecken, und machte denselben Anfang noch einmal, „ich wünschte, Sie könnten in mein Herz sehen“, rief ich. „Sie würden dort lesen, dass mein Respekt ungebrochen ist. Wenn das möglich wäre, würde ich sagen, er ist gewachsen. Dies ist nur das Ergebnis des Fehlers, den wir gemacht haben; und es musste kommen; und je weniger jetzt darüber gesagt wird, desto besser. Von allem, was wir hier an Leben hatten, verspreche ich Ihnen, dass es nie meine Lippen verlassen wird; ich würde Ihnen auch gerne versprechen, dass ich nie daran denken werde, aber es ist eine Erinnerung, die mir immer teuer sein wird. Und was einen Freund betrifft, so haben Sie hier einen, der für Sie sterben würde.“

„Ich danke Ihnen“, sagte sie.

Wir standen eine Weile schweigend da, und mein Kummer um mich selbst begann die Oberhand zu gewinnen; denn hier waren all meine Träume jämmerlich zusammengestürzt, meine Liebe war verloren, und ich war wieder allein auf der Welt wie zu Beginn.

„Nun“, sagte ich, „wir werden immer Freunde sein, das ist eine sichere Sache. Aber das ist auch eine Art Abschied: Es ist letztendlich eine Art Abschied; ich werde immer Miss Drummond kennen, aber das ist ein Abschied von meiner Catriona.“

Ich sah sie an; ich konnte kaum sagen, dass ich sie sah, aber sie schien in meinen Augen groß zu werden und zu leuchten; und damit muss ich wohl den Verstand verloren haben, denn ich rief noch einmal ihren Namen und machte einen Schritt auf sie zu, mit ausgestreckten Händen.

Sie schrak zurück wie jemand, der geschlagen wurde, ihr Gesicht flammte auf; aber das Blut schoss nicht schneller in ihre Wangen, als es bei dessen Anblick mit Reue und Besorgnis in mein eigenes Herz zurückfloss. Ich fand keine Worte, um mich zu entschuldigen, verbeugte mich aber sehr tief vor ihr und ging mit dem Tod im Herzen aus dem Haus.

Ich glaube, es folgten etwa fünf Tage ohne jede Änderung. Ich sah sie kaum jemals, außer bei den Mahlzeiten, und dann natürlich in Begleitung von James More. Wenn wir auch nur für einen Moment allein waren, machte ich es mir zur Pflicht, mich umso distanzierter zu verhalten und respektvolle Aufmerksamkeiten zu vermehren, wobei ich immer jenes Bild des Mädchens vor Augen hatte, das bei einem Schamröte-Anfall zurückwich und flammte, und in meinem Herzen mehr Mitleid mit ihr hatte, als ich in Worte fassen konnte. Ich hatte genug Mitleid mit mir selbst, darauf muss ich nicht näher eingehen, da ich in wenigen Sekunden meine ganze Länge und mehr als meine ganze Höhe verloren hatte; aber in der Tat tat mir das Mädchen fast genauso leid, und ich war zu traurig, um ihr, außer in Anfällen, böse sein zu können. Ihre Verteidigung war gut; sie war in eine unfaire Lage gebracht worden; wenn sie sich selbst und mich getäuscht hatte, war das nicht mehr als zu erwarten gewesen.

Und noch dazu war sie jetzt sehr viel allein. Ihr Vater, wenn er da war, war eher ein liebkosender Elternteil; aber er ließ sich sehr leicht von seinen Geschäften und Vergnügungen ablenken, vernachlässigte sie ohne Reue oder Bemerkung, verbrachte seine Nächte in Wirtshäusern, wenn er das Geld hatte, was öfter vorkam, als ich mir überhaupt erklären konnte; und selbst im Laufe dieser wenigen Tage versäumte er es einmal, zu einer Mahlzeit zu erscheinen, die Catriona und ich schließlich ohne ihn einnehmen mussten. Es war das Abendessen, und ich ging sofort, nachdem ich gegessen hatte, mit der Bemerkung, ich nehme an, sie würde es vorziehen, allein zu sein; womit sie einverstanden war und (so seltsam es scheinen mag) ich glaubte ihr vollkommen. In der Tat hielt ich mich nur für einen Dorn im Auge des Mädchens und für eine Erinnerung an einen Moment der Schwäche, an den sie jetzt mit Abscheu dachte. So musste sie allein in jenem Zimmer sitzen, in dem sie und ich so fröhlich gewesen waren, und im Schein jenes Kamins, dessen Licht auf unsere vielen schwierigen und zärtlichen Momente geschienen hatte. Dort musste sie allein sitzen und an sich selbst denken wie an ein Mädchen, das in höchst unmädchenhafter Weise ihre Zuneigung angeboten und dafür eine Abfuhr erhalten hatte. Und währenddessen war ich irgendwo anders allein und las mir (wann immer ich versucht war, wütend zu sein) Lektionen über menschliche Gebrechlichkeit und weibliche Zartheit. Und alles in allem glaube ich, dass es noch nie zwei arme Narren gab, die sich in einem größeren Missverständnis unglücklicher gemacht haben.

Was James betrifft, so achtete er nicht so sehr auf uns oder auf irgendetwas in der Natur außer seinem Geldbeutel, seinem Bauch und seinem eigenen geschwätzigen Gerede. Ehe zwölf Stunden vergangen waren, hatte er mir ein kleines Darlehen entlockt; vor Ablauf von dreißig hatte er um ein zweites gebeten und war abgewiesen worden. Geld und Ablehnung nahm er mit derselben Art von hochherziger guter Laune. In der Tat hatte er eine äußere Art von Großmut, die sehr gut dazu geeignet war, bei einer Tochter Eindruck zu schinden; und das Licht, in dem er ständig in seinem Gerede erschien, und das feine Auftreten des Mannes und seine großspurigen Manieren passten recht harmonisch zusammen. So dass ein Mann, der keine Geschäfte mit ihm hatte und entweder sehr wenig Durchblick oder eine wütende Menge Vorurteile, fast hätte getäuscht werden können. Für mich, nach meinen ersten zwei Gesprächen, war er so klar wie Druckerschwärze; ich sah, dass er vollkommen egoistisch war, mit einer vollkommenen Unschuld in demselben; und ich lauschte seinem großtuerischen Gerede (von Waffen und „einem alten Soldaten“ und „einem armen Highland-Gentleman“ und „der Stärke meines Landes und meiner Freunde“), wie ich es beim Geplapper eines Papageis tun würde.

Das Seltsame war, dass ich glaube, er glaubte selbst einen Teil davon, oder tat es manchmal; ich glaube, er war durch und durch so falsch, dass er kaum wusste, wann er log; und eines ist sicher, seine Momente der Niedergeschlagenheit müssen vollkommen echt gewesen sein. Es gab Zeiten, da war er die schweigsamste, anhänglichste, sich schmiegende Kreatur, die man sich vorstellen kann, hielt Catrionas Hand wie ein großes Baby und bettelte mich an, nicht zu gehen, wenn ich irgendeine Liebe für ihn hätte; von der ich in der Tat keine hatte, wohl aber umso mehr für seine Tochter. Er drängte und bat uns sogar, ihn mit unserem Gespräch zu unterhalten, eine sehr schwierige Sache bei unserem Beziehungsverhältnis; und brach wieder in klägliche Reue über sein eigenes Land und seine Freunde oder in gälischen Gesang aus.

„Dies ist eine der melancholischen Weisen meiner Heimat“, pflegte er zu sagen. „Sie mögen es seltsam finden, einen Soldaten weinen zu sehen, und in der Tat ist es, um einen engen Freund aus Ihnen zu machen“, sagt er. „Aber die Noten dieses Gesangs sind in meinem Blut, und die Worte kommen aus meinem Herzen. Und wenn ich an meine roten Berge denke und die wilden Vögel, die dort rufen, und die tapferen Wasserströme, die hinunterlaufen, würde ich mich kaum schämen, vor meinen Feinden zu weinen.“ Dann sang er wieder und übersetzte mir Teile des Liedes, mit einer Menge Stocken und viel zum Ausdruck gebrachter Verachtung gegenüber der englischen Sprache. „Hier steht“, sagte er, „dass die Sonne untergegangen ist und die Schlacht zu Ende ist und die tapferen Häuptlinge besiegt sind. Und hier wird erzählt, wie die Sterne sie in fremde Länder fliehen sehen oder tot auf dem roten Berg liegen; und sie werden niemals wieder den Ruf der Schlacht ausstoßen oder ihre Füße in den Strömen des Tals waschen. Aber wenn Sie nur etwas von dieser Sprache hätten, würden Sie auch weinen, weil die Worte dafür jenseits allen Ausdrucks sind, und es ist reine Spotterei, es Ihnen auf Englisch zu sagen.“

Nun, ich dachte, es steckte eine ganze Menge Spott in der Sache, so oder so; und doch war auch etwas Gefühl dabei, wofür ich ihn, glaube ich, am allermeisten hasste. Und es schnitt mir ins Herz, Catriona so sehr um den alten Schurken besorgt zu sehen, wie sie selbst weinte, um ihn weinen zu sehen, wo ich mir sicher war, dass die Hälfte seiner Not von seinem Trinken in irgendeinem Wirtshaus am Vorabend herrührte. Es gab Zeiten, da war ich versucht, ihm eine runde Summe zu leihen und ihn für immer loszuwerden; aber das hätte bedeutet, auch Catriona loszuwerden, wozu ich kaum bereit war; und außerdem widerstrebte es meinem Gewissen, mein gutes Geld an jemanden zu verschwenden, der so wenig von einem Ehemann war.

KAPITEL XXVII. DAS ZWEIGESPANN

Ich glaube, es war etwa am fünften Tag, und ich weiß zumindest, dass James in einem seiner Anfälle von Schwermut war, als ich drei Briefe erhielt. Der erste war von Alan, der mir anbot, mich in Leyden zu besuchen; die anderen beiden kamen aus Schottland und waren durch dieselbe Angelegenheit veranlasst, nämlich den Tod meines Onkels und meinen vollständigen Antritt meines Erbes. Rankeillors Brief war natürlich rein geschäftlicher Natur; der von Miss Grant war wie sie selbst, ein wenig geistreicher als weise, voller Vorwürfe an mich, weil ich nicht geschrieben hatte (obwohl, wie hätte ich mit solchen Nachrichten schreiben sollen?) und voller neckischer Reden über Catriona, die mir in ihrer unmittelbaren Gegenwart durch Mark und Bein gingen.

Denn natürlich fand ich sie in meinen eigenen Zimmern, als ich zum Abendessen kam, sodass ich im allerersten Moment des Lesens von meiner Nachricht überrumpelt wurde. Dies sorgte für eine willkommene Ablenkung für uns drei, noch konnte jemand die schlimmen Folgen vorhersehen, die daraus erwuchsen. Es war ein Zufall, dass die drei Briefe am selben Tag eintrafen und dass sie mir im selben Zimmer mit James More in die Hände fielen; und von all den Ereignissen, die aus diesem Zufall flossen und die ich hätte verhindern können, wenn ich den Mund gehalten hätte, ist die Wahrheit, dass sie vorherbestimmt waren, noch bevor Agricola nach Schottland kam oder Abraham sich auf seine Reisen begab.

Der erste, den ich öffnete, war natürlich Alans; und was wäre natürlicher gewesen, als dass ich seinen Plan, mich zu besuchen, kommentierte? Aber ich bemerkte, wie James sich mit einem Ausdruck unmittelbarer Aufmerksamkeit aufsetzte.

„Ist das nicht Alan Breck, der wegen des Vorfalls in Appin verdächtigt wurde?“, erkundigte er sich.

Ich sagte ihm: „Ja“, es sei derselbe; und er hielt mich einige Zeit von meinen anderen Briefen ab, fragte nach unserer Bekanntschaft, nach Alans Lebensweise in Frankreich, von der ich nur sehr wenig wusste, und weiter nach seinem nun vorgeschlagenen Besuch.

„Wir alle, die wir unsere Heimat verloren haben, halten ein wenig zusammen“, erklärte er, „und außerdem kenne ich den Herrn: Und obwohl seine Abstammung nicht die beste ist, und er in Wahrheit kein echtes Recht hat, den Namen Stewart zu führen, wurde er zur Zeit von Drummossie sehr bewundert. Er handelte dort wie ein Soldat; wenn einige, die nicht genannt zu werden brauchen, ebenso gehandelt hätten, hätte das Ergebnis nicht so melancholisch in Erinnerung bleiben müssen. Es waren zwei, die an jenem Tag ihr Bestes gaben, und das knüpft ein Band zwischen uns beide“, sagt er.

Ich konnte es mir kaum verkneifen, ihm die Zunge herauszustrecken, und hätte mir fast gewünscht, Alan wäre dort gewesen, um ein wenig genauer nach dieser Erwähnung seiner Geburt zu fragen. Obwohl, wie man mir sagt, diese in der Tat nicht ganz regelmäßig war.

Unterdessen hatte ich den Brief von Miss Grant geöffnet und konnte einen Ausruf nicht unterdrücken.

„Catriona“, rief ich, und vergaß das erste Mal, seit ihr Vater angekommen war, sie mit einem Ehrentitel anzusprechen, „ich bin rechtmäßig in mein Königreich gelangt, ich bin wahrlich der Laird von Shaws – mein Onkel ist endlich tot.“

Sie schlug die Hände zusammen und sprang von ihrem Sitz auf. Im nächsten Augenblick muss uns beiden gleichzeitig klargeworden sein, wie wenig Grund zur Freude für uns beide geblieben war, und wir standen uns gegenüber und starrten einander traurig an.

Doch James erwies sich als ein geschickter Heuchler. „Meine Tochter“, sagt er, „ist das die Art, wie mein Vetter dich gelehrt hat, dich zu benehmen? Mr. David hat einen neuen Freund verloren, und wir sollten ihm zuerst unser Beileid zu seinem Verlust aussprechen.“

„Wahrhaftig, mein Herr“, sagte ich und wandte mich in einer Art Zorn an ihn, „ich kann kein so großes Gesicht machen. Sein Tod ist die erfreulichste Nachricht, die ich je erhalten habe.“

„Das ist eine gute Soldatenphilosophie“, sagt James. „So ist der Lauf alles Fleisches, wir müssen alle gehen, alle gehen. Und wenn der Herr so wenig in Ihrer Gunst stand, nun, sehr wohl! Aber wir können Ihnen zumindest zu Ihrem Erbe gratulieren.“

„Das kann ich auch nicht sagen“, antwortete ich mit derselben Hitze. „Es ist ein gutes Anwesen; was bedeutet das schon für einen einsamen Mann, der ohnehin genug hat? Ich hatte zuvor ein gutes Einkommen durch meine Genügsamkeit; und wenn ich nicht an den Tod des Mannes denke – der mich erfreut, Schande über mich, dass ich das gestehen muss! – sehe ich nicht, wie irgendjemand durch diese Veränderung besser gestellt sein soll.“

„Kommen Sie, kommen Sie“, sagte er, „Sie sind mehr bewegt, als Sie zugeben, sonst würden Sie sich nie als so einsam darstellen. Hier sind drei Briefe; das bedeutet drei, die Ihnen wohlwollen; und ich könnte noch zwei weitere nennen, hier in diesem Zimmer. Ich kenne Sie noch nicht allzu lange, aber Catriona hört, wenn wir allein sind, nie auf, Ihr Lob zu singen.“

Sie sah zu ihm auf, ein wenig verstört bei diesen Worten; und er glitt sogleich zu einem anderen Thema über, dem Umfang meines Anwesens, bei dem er (während des größten Teils der Essenszeit) mit Interesse verweilte. Aber es war umsonst, dass er sich verstellte; er hatte die Angelegenheit mit zu grober Hand berührt: und ich wusste, was mich erwartete. Das Abendessen war kaum gegessen, als er seine Absichten offen enthüllte. Er erinnerte Catriona an eine Besorgung und bat sie, sich darum zu kümmern. „Ich sehe nicht ein, warum du länger als eine Stunde fort sein solltest“, fügte er hinzu, „und Freund David wird so freundlich sein, mir Gesellschaft zu leisten, bis du zurückkehrst.“ Sie beeilte sich, ihm ohne ein Wort zu gehorchen. Ich weiß nicht, ob sie es verstand, ich glaube nicht; aber ich war vollkommen zufrieden und saß da, um meinen Geist für das zu stärken, was folgen sollte.

Die Tür war kaum hinter ihr zugefallen, als der Mann sich in seinem Stuhl zurücklehnte und mich mit einer gekonnten Anwandlung von Gelassenheit ansprach. Nur eines verriet ihn, und das war sein Gesicht; das plötzlich überall mit feinen Schweißperlen glänzte.

„Ich bin recht froh, ein Wort unter vier Augen mit Ihnen zu wechseln“, sagt er, „denn in unserem ersten Gespräch gab es einige Ausdrücke, die Sie missverstanden haben und auf die ich Sie schon lange aufmerksam machen wollte. Meine Tochter steht über jedem Zweifel. Sie auch, und ich würde das mit meinem Schwert gegen alle Widersprecher beweisen. Aber, mein lieber David, diese Welt ist ein tadelnder Ort – wer sollte das besser wissen als ich selbst, der ich seit den Tagen meines verstorbenen Vaters, Gott hab ihn selig!, in einer wahren Flut von Verleumdungen gelebt habe? Dem müssen wir uns stellen; Sie und ich müssen darüber nachdenken; wir müssen darüber nachdenken.“ Und er schüttelte den Kopf wie ein Geistlicher auf der Kanzel.

„Was hat das zu bedeuten, Mr. Drummond?“, sagte ich. „Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie auf den Punkt kommen würden.“

„Ja, ja“, sagte er lachend, „ganz Ihr Charakter, in der Tat! Und was ich am meisten daran bewundere. Aber der Punkt, mein werter Freund, ist manchmal eine heikle Sache.“ Er füllte ein Glas Wein. „Obwohl das uns beide, die wir so gute Freunde sind, nicht lange bekümmern muss. Der Punkt, das brauche ich Ihnen kaum zu sagen, ist meine Tochter. Und das Erste ist, dass ich nicht im Mindesten daran denke, Ihnen Vorwürfe zu machen. Unter den unglücklichen Umständen, was hätten Sie sonst tun können? Wahrlich, das kann ich nicht sagen.“

„Ich danke Ihnen dafür“, sagte ich, ziemlich auf der Hut.

„Ich habe außerdem Ihren Charakter studiert“, fuhr er fort; „Ihre Talente sind ordentlich; Sie scheinen über ein mäßiges Vermögen zu verfügen, was nicht schadet; und alles in allem bin ich sehr glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich mich für den zweiten der beiden Wege entschieden habe, die offenstehen.“

„Ich fürchte, ich bin begriffsstutzig“, sagte ich. „Welche Wege sind das?“

Er zog die Brauen furchterregend zusammen und kreuzte die Beine aus. „Nun, mein Herr“, sagt er, „ich denke, ich brauche sie einem Gentleman Ihres Standes kaum zu beschreiben; entweder, dass ich Ihnen die Kehle durchschneide, oder dass Sie meine Tochter heiraten.“

„Sie geruhen endlich, ganz offen zu sein“, sagte ich.

„Und ich glaube, ich war von Anfang an offen!“, ruft er polternd. „Ich bin ein fürsorglicher Vater, Mr. Balfour; aber ich danke Gott, ein geduldiger und wohlüberlegter Mann. Es gibt manchen Vater, mein Herr, der Sie sogleich entweder vor den Altar oder auf das Feld gezerrt hätte. Meine Hochachtung für Ihren Charakter—“

„Mr. Drummond“, unterbrach ich ihn, „wenn Sie auch nur die geringste Hochachtung vor mir haben, bitte ich Sie, Ihre Stimme zu mäßigen. Es ist völlig unnötig, einen Gentleman im selben Zimmer, der Ihnen seine volle Aufmerksamkeit schenkt, anzubrüllen.“

„Nun, sehr wahr“, sagt er mit einer plötzlichen Wandlung. „Und Sie müssen die Aufregung eines Vaters entschuldigen.“

„Ich verstehe Sie also“, fuhr ich fort – „denn ich werde Ihre andere Alternative, von der es vielleicht schade war, dass Sie sie fallen ließen, nicht beachten – ich verstehe Sie so, dass Sie mir Ermutigung bieten, falls ich um die Hand Ihrer Tochter anhalten sollte?“

„Es ist nicht möglich, meine Meinung besser auszudrücken“, sagte er, „und ich sehe, wir werden gut miteinander auskommen.“

„Das bleibt noch abzuwarten“, sagte ich. „Aber so viel sei kein Geheimnis: dass ich die Dame, auf die Sie sich beziehen, mit der zärtlichsten Zuneigung betrachte und mir, selbst im Traum, kein größeres Glück vorstellen könnte, als sie zu bekommen.“

„Ich war mir sicher, ich fühlte mich Ihrer gewiss, David“, rief er und streckte mir die Hand entgegen.

Ich wies sie ab. „Sie eilen zu sehr, Mr. Drummond“, sagte ich. „Es gibt Bedingungen zu stellen; und es gibt eine Schwierigkeit auf dem Weg, bei der ich nicht ganz sehe, wie wir sie überwinden sollen. Ich habe Ihnen gesagt, dass es meinerseits keinen Einwand gegen die Ehe gibt, aber ich habe guten Grund zu der Annahme, dass es viel Widerstand bei der jungen Dame geben wird.“

„Das ist alles nebensächlich“, sagt er. „Ich werde für ihre Zustimmung bürgen.“

„Ich glaube, Sie vergessen, Mr. Drummond“, sagte ich, „dass Sie sich, selbst im Umgang mit mir, zu zwei oder drei unschönen Äußerungen haben hinreißen lassen. Ich dulde es nicht, dass solche gegenüber der jungen Dame gebraucht werden. Ich bin hier, um für uns beide zu sprechen und zu denken; und ich gebe Ihnen zu verstehen, dass ich genauso wenig zulassen würde, dass mir eine Ehefrau aufgezwungen wird, wie ich zulassen würde, dass der jungen Dame ein Ehemann aufgezwungen wird.“

Er saß da und starrte mich an wie jemand, der zweifelt und in ziemlicher Erregung ist.

„So soll es also sein“, schloss ich. „Ich werde Miss Drummond heiraten, und zwar freudig, wenn sie vollkommen bereit dazu ist. Aber wenn auch nur die geringste Abneigung besteht, wie ich zu fürchten Anlass habe – heiraten werde ich sie niemals.“

„Nun, nun“, sagte er, „das ist eine kleine Angelegenheit. Sobald sie zurückkommt, werde ich sie ein wenig aushorchen und hoffe, Sie zu beruhigen—“

Doch ich unterbrach ihn wieder. „Keinen Finger rühren Sie, Mr. Drummond, sonst trete ich zurück, und Sie können sich andernorts einen Ehemann für Ihre Tochter suchen“, sagte ich. „Ich bin der Einzige, der verhandelt, und der Einzige, der urteilt. Ich werde mich genau vergewissern; und niemand sonst soll sich in irgendeiner Weise einmischen – Sie am wenigsten von allen.“

„Bei meinem Wort, mein Herr!“, rief er, „und wer sind Sie, dass Sie der Richter sein wollen?“

„Der Bräutigam, so glaube ich“, sagte ich.

„Das ist Wortklauberei“, rief er. „Sie kehren der Tatsache den Rücken. Das Mädchen, meine Tochter, hat keine Wahl mehr. Ihr Ruf ist dahin.“

„Und ich bitte um Verzeihung“, sagte ich, „aber solange diese Angelegenheit zwischen ihr und Ihnen und mir liegt, ist das nicht so.“

„Welche Sicherheit habe ich!“, rief er. „Soll ich den Ruf meiner Tochter vom Zufall abhängig machen?“

„Darüber hätten Sie schon lange nachdenken sollen“, sagte ich, „bevor Sie so töricht waren, sie zu verlieren; und nicht erst jetzt, wo es viel zu spät ist. Ich weigere mich, mich in irgendeiner Weise für Ihre Nachlässigkeit verantwortlich zu machen, und ich lasse mich von keinem Menschen auf Erden schikanieren. Mein Entschluss steht fest, und komme was wolle, ich werde nicht um einen Haarbreit davon abweichen. Sie und ich werden hier in Gesellschaft sitzen, bis sie zurückkehrt: woraufhin sie und ich, ohne ein Wort oder einen Blick von Ihnen, wieder hinausgehen werden, um unser Gespräch zu führen. Wenn sie mich davon überzeugen kann, dass sie zu diesem Schritt bereit ist, werde ich ihn tun; und wenn sie es nicht kann, werde ich es nicht.“

Er sprang aus seinem Stuhl wie ein Gestochener. „Ich kann Ihr Manöver durchschauen“, rief er; „Sie wollen auf sie einwirken, damit sie ablehnt!“

„Vielleicht ja, vielleicht nein“, sagte ich. „So jedenfalls wird es sein.“

„Und wenn ich mich weigere?“, ruft er.

„Dann, Mr. Drummond, wird es auf das Kehlendurchschneiden hinauslaufen“, sagte ich.

Angesichts der Statur des Mannes, seiner großen Armlänge, mit der er fast an seinen Vater heranreichte, und seiner bekannten Fertigkeit im Umgang mit Waffen, sprach ich dieses Wort nicht ohne Beklemmung aus, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass er Catrionas Vater war. Aber ich hätte mir meine Ängste sparen können. Aufgrund der Einfachheit meiner Unterkunft – er scheint die Kleider seiner Tochter nicht bemerkt zu haben, die ihm in der Tat alle gleichermaßen neu waren – und der Tatsache, dass ich mich abgeneigt gezeigt hatte, Geld zu leihen, hatte er eine feste Vorstellung von meiner Armut gewonnen. Die plötzliche Nachricht von meinem Erbe überzeugte ihn von seinem Irrtum, und er hatte nur diesen einen Sprung auf dieses neue Wagnis gemacht, dem er nun so verfallen war, dass ich glaube, er hätte alles erduldet, nur nicht die Alternative des Kämpfens.

Noch eine kleine Weile stritt er mit mir, bis ich auf ein Wort stieß, das ihn zum Schweigen brachte.

„Wenn ich Sie so abgeneigt finde, die Dame allein zu sehen“, sagte ich, „muss ich annehmen, dass Sie sehr gute Gründe haben zu glauben, dass ich mit meiner Vermutung über ihre Abneigung recht habe.“

Er stammelte eine Art Entschuldigung.

„Aber all das ist sehr zermürbend für unsere beiderseitige Gemütsverfassung“, fügte ich hinzu, „und ich denke, wir täten besser daran, ein vernünftiges Schweigen zu bewahren.“

Was wir auch taten, bis das Mädchen zurückkehrte, und ich muss annehmen, dass wir eine sehr lächerliche Figur abgegeben hätten, wäre jemand da gewesen, um uns zu beobachten.

KAPITEL XXVIII. IN DEM ICH ALLEIN GELASSEN WERDE

Ich öffnete die Tür für Catriona und hielt sie an der Schwelle an.

„Dein Vater wünscht, dass wir unseren Spaziergang machen“, sagte ich.

Sie sah zu James More, der nickte, und daraufhin wandte sie sich wie eine geschulte Soldatin, um mit mir zu gehen.

Wir nahmen einen unserer alten Wege, auf denen wir oft zusammen gegangen waren und glücklicher gewesen waren, als ich aus der Vergangenheit berichten kann. Ich ging einen halben Schritt hinter ihr, damit ich sie unbeobachtet beobachten konnte. Das Klopfen ihrer kleinen Schuhe auf dem Weg klang außerordentlich hübsch und traurig; und ich hielt es für einen seltsamen Moment, dass ich so nah an beiden Enden zugleich sein sollte und mitten zwischen zwei Schicksalen wandelte und nicht sagen konnte, ob ich diese Schritte zum letzten Mal hörte oder ob ihr Klang mich begleiten würde, bis der Tod uns scheiden würde.

Sie vermied es sogar, mich anzusehen, und ging nur vor sich hin, wie jemand, der eine Vorahnung von dem hatte, was kommen würde. Ich sah, dass ich bald sprechen musste, bevor mein Mut zu Ende war, aber wo ich anfangen sollte, wusste ich nicht. In dieser schmerzlichen Lage, in der das Mädchen so gut wie gezwungen war, in meine Arme zu fallen, und bereits um meine Nachsicht gebeten hatte, musste jedes Zuviel an Druck unanständig erscheinen; doch es ganz zu vermeiden, hätte einen sehr kalten Eindruck erweckt. Zwischen diesen Extremen stand ich hilflos da und hätte mir in die Finger beißen können; sodass man, als ich es endlich schaffte, überhaupt zu sprechen, sagen kann, ich sprach aufs Geratewohl.

„Catriona“, sagte ich, „ich befinde mich in einer sehr schmerzlichen Lage; oder vielmehr, wir befinden uns beide in einer; und ich wäre Ihnen zu großem Dank verpflichtet, wenn Sie versprechen würden, mich zuerst alles sagen zu lassen und mich nicht zu unterbrechen, bis ich fertig bin.“

Sie versprach es mir schlicht.

„Nun“, sagte ich, „das, was ich zu sagen habe, ist sehr schwierig, und ich weiß sehr wohl, dass ich kein Recht habe, es zu sagen. Nachdem, was letzten Freitag zwischen uns beiden war, habe ich keinerlei Recht dazu. Wir haben uns so verstrickt (und alles durch meine Schuld), dass ich sehr wohl weiß, das Mindeste, was ich tun könnte, wäre, einfach den Mund zu halten, was ich auch fest beabsichtigte, und nichts lag mir ferner, als Sie wieder zu behelligen. Aber, meine Liebe, es ist einfach notwendig geworden, und es gibt keinen anderen Weg. Wissen Sie, dieses Anwesen von mir ist mir zugefallen, was mich zu einer etwas besseren Partie macht; und die – die Angelegenheit hätte nicht mehr ganz das lächerliche Aussehen, das sie zuvor gehabt hätte. Abgesehen davon wird angenommen, dass unsere Angelegenheiten sich so sehr verstrickt haben (wie ich schon sagte), dass es besser wäre, sie so zu belassen, wie sie sind. Meiner Ansicht nach ist dieser Teil der Sache maßlos übertrieben, und wenn ich Sie wäre, würde ich mir darüber keine zwei Gedanken machen. Nur ist es richtig, dass ich es erwähne, denn es besteht kein Zweifel, dass es einen gewissen Einfluss auf James More hat. Dann denke ich, wir waren gar nicht so unglücklich, als wir früher in dieser Stadt zusammen wohnten. Ich glaube, wir kamen ganz gut miteinander aus. Wenn Sie zurückblicken würden, meine Liebe –“

„Ich werde weder zurück- noch vorwärtsblicken“, unterbrach sie. „Sagen Sie mir das eine: Ist das das Werk meines Vaters?“

„Er billigt es“, sagte ich. „Er billigte, dass ich um Ihre Hand anhalten sollte“, und wollte mit etwas mehr Appell an ihre Gefühle fortfahren; aber sie beachtete mich nicht und fiel mir mitten ins Wort.

„Er hat es dir befohlen!“, rief sie. „Es hat keinen Sinn, es zu leugnen, du hast selbst gesagt, dass dir nichts ferner lag. Er hat es dir befohlen.“

„Er sprach als Erster davon, wenn Sie das meinen“, begann ich.

Sie ging immer schneller und sah starr vor sich hin; aber dabei stieß sie ein kleines Geräusch aus, und ich dachte, sie würde wegrennen.

„Ohne das“, fuhr ich fort, „nach dem, was Sie letzten Freitag sagten, wäre ich niemals so lästig gewesen, Ihnen das Angebot zu machen. Aber als er mich sozusagen dazu aufforderte, was sollte ich tun?“

Sie blieb stehen und wandte sich zu mir um.

„Nun, es ist jedenfalls abgelehnt“, rief sie, „und damit soll es ein Ende haben.“

Und sie begann wieder vorwärts zu gehen.

„Ich nehme an, ich konnte nichts Besseres erwarten“, sagte ich, „aber ich denke, Sie könnten versuchen, zum letzten Ende hin ein wenig freundlich zu mir zu sein. Ich sehe nicht ein, warum Sie hart sein sollten. Ich habe Sie sehr geliebt, Catriona – es ist kein Schaden, wenn ich Sie zum letzten Mal so nenne. Ich habe mein Bestes getan, ich versuche es immer noch, und bin nur betrübt, dass ich es nicht besser kann. Es ist eine seltsame Sache für mich, dass Sie Freude daran finden können, hart zu mir zu sein.“

„Ich denke nicht an Sie“, sagte sie, „ich denke an diesen Mann, meinen Vater.“

„Nun, und auf diese Weise auch!“, sagte ich. „Ich kann Ihnen auch auf diese Weise von Nutzen sein; das muss ich wohl. Es ist sehr notwendig, meine Liebe, dass wir uns wegen Ihres Vaters beraten; denn so wie dieses Gespräch verlaufen ist, wird James More ein zorniger Mann sein.“

Sie blieb wieder stehen. „Ist es, weil ich entehrt bin?“, fragte sie.

„Das ist es, was er denkt“, antwortete ich, „aber ich habe Ihnen bereits gesagt, dass Sie sich nichts daraus machen sollen.“

„Es wird mir einerlei sein“, rief sie. „Ich ziehe es vor, entehrt zu sein!“

Ich wusste nicht recht, was ich antworten sollte, und schwieg.

Es schien nach diesem letzten Ausruf etwas in ihrer Brust zu arbeiten; plötzlich brach sie hervor: „Und was ist der Sinn von alledem? Warum wird alle diese Schande auf mein Haupt geladen? Wie konnten Sie es wagen, David Balfour?“

„Meine Liebe“, sagte ich, „was hätte ich sonst tun sollen?“

„Ich bin nicht Ihre Liebe“, sagte sie, „und ich verbiete Ihnen, mich so zu nennen.“

„Ich denke nicht an meine Worte“, sagte ich. „Mein Herz blutet für Sie, Miss Drummond. Was ich auch sagen mag, seien Sie versichert, dass Sie mein Mitleid in Ihrer schwierigen Lage haben. Aber es gibt da nur eine Sache, die ich Ihnen ans Herz legen möchte, wenn es auch nur lange genug wäre, um sie in Ruhe zu besprechen; denn es wird ein gewaltiges Theater geben, wenn wir beide nach Hause kommen. Glauben Sie mir, es wird uns beide brauchen, damit diese Angelegenheit in Frieden endet.“

„Ja“, sagte sie. Ein roter Fleck erschien auf jeder ihrer Wangen. „War er darauf aus, mit Ihnen zu kämpfen?“, sagte sie.

„Nun, das war er allerdings“, sagte ich.

Sie stieß ein schreckliches Lachen aus. „Auf jeden Fall ist es vollständig!“, rief sie. Und dann wandte sie sich an mich. „Mein Vater und ich sind ein schönes Paar“, sagte sie, „aber ich danke dem lieben Gott, dass es jemanden geben wird, der noch schlimmer ist als wir. Ich danke dem lieben Gott, dass er mich Sie so hat sehen lassen. Es wird niemals das Mädchen geben, das Sie nicht verachten wird.“

Ich hatte einiges ziemlich geduldig ertragen, aber das war zu viel des Guten.

„Sie haben kein Recht, so mit mir zu sprechen“, sagte ich. „Was habe ich getan, außer gut zu Ihnen zu sein, oder es zumindest zu versuchen? Und hier ist meine Belohnung! Oh, das ist zu viel.“

Sie sah mich weiterhin mit einem hasserfüllten Lächeln an. „Feigling!“, sagte sie.

„Das Wort in Ihrem Hals und in dem Ihres Vaters!“, rief ich. „Ich habe ihn heute bereits in Ihrem Interesse herausgefordert. Ich werde ihn wieder herausfordern, dieses garstige Wiesel; es ist mir einerlei, wer von uns fallen sollte! Kommen Sie“, sagte ich, „zurück zum Haus mit uns; lassen Sie uns damit abschließen, lassen Sie mich mit Ihrer ganzen Hieland-Sippschaft abschließen! Sie werden sehen, was Sie denken, wenn ich tot bin.“

Sie schüttelte den Kopf über mich mit demselben Lächeln, für das ich sie hätte schlagen können.

„Oh, lächeln Sie nur!“, rief ich. „Ich habe Ihren hübschen Vater heute schon von der falschen Seite lächeln sehen. Nicht dass ich meine, er hätte Angst gehabt, natürlich“, fügte ich hastig hinzu, „aber er zog die andere Art vor.“

„Was ist das?“, fragte sie.

„Als ich anbot, mit ihm zu ziehen“, sagte ich.

„Sie haben angeboten, gegen James More zu ziehen!“, rief sie.

„Und das habe ich“, sagte ich, „und fand ihn wenig geneigt dazu, oder wie kämen wir sonst hierher?“

„Das hat eine Bedeutung“, sagte sie. „Was meinen Sie damit?“

„Er sollte Sie dazu bringen, mich zu nehmen“, erwiderte ich, „und ich wollte das nicht haben. Ich sagte, Sie sollten frei sein, und ich müsse allein mit Ihnen sprechen; ich habe mir wenig vorgestellt, dass es ein solches Sprechen sein würde! ‚Und was, wenn ich mich weigere?‘, sagte er. ‚Dann muss es zum Kehlenschnitt kommen‘, sage ich, ‚denn ich lasse mir ebenso wenig einen Ehemann für diese junge Dame aufzwingen, wie ich mir eine Ehefrau aufzwingen ließe.‘ Das waren meine Worte, es waren die Worte eines Freundes; hübsch habe ich für sie bezahlt! Jetzt haben Sie mich aus Ihrem eigenen klaren, freien Willen abgewiesen, und es lebt kein Vater in den Highlands, oder außerhalb, der diese Ehe erzwingen kann. Ich werde dafür sorgen, dass Ihre Wünsche respektiert werden; ich werde das zu meiner Angelegenheit machen, so wie ich es die ganze Zeit getan habe. Aber ich denke, Sie könnten so viel Anstand besitzen, etwas Dankbarkeit zu zeigen. Wahrhaftig, ich dachte, Sie würden mich besser kennen! Ich habe mich nicht ganz korrekt Ihnen gegenüber verhalten, aber das war Schwäche. Und mich für einen Feigling zu halten, und für einen solchen Feigling noch dazu – oh, mein Mädchen, das war ein Stich für das Letzte.“

„Davie, wie hätte ich das ahnen sollen?“, rief sie. „Oh, das ist eine schreckliche Angelegenheit! Ich und die Meinen“ – sie stieß eine Art elenden Schrei bei dem Wort aus – „ich und die Meinen sind nicht würdig, mit Ihnen zu sprechen. Oh, ich könnte vor Ihnen auf der Straße niederknien, ich könnte Ihnen die Hände küssen um Vergebung!“

„Die Küsse, die ich schon von Ihnen bekommen habe, werde ich behalten“, rief ich. „Ich werde die behalten, die ich wollte und die etwas wert waren; ich lasse mich nicht aus Reue küssen.“

„Was können Sie von diesem elenden Mädchen denken?“, sagt sie.

„Was ich die ganze Zeit versuche, Ihnen zu sagen!“, sagte ich, „dass Sie mich am besten in Ruhe lassen sollten, den Sie nicht unglücklicher machen können, auch wenn Sie es versuchten, und Ihre Aufmerksamkeit James More zuwenden sollten, Ihrem Vater, mit dem Sie wahrscheinlich ein seltsames Garn zu spinnen haben werden.“

„Oh, dass ich mit einem solchen Mann allein in die Welt hinausgehen muss!“, rief sie und schien sich mit einer großen Anstrengung zu fassen. „Aber beunruhigen Sie sich darüber nicht länger“, sagte sie. „Er weiß nicht, welche Art von Natur in meinem Herzen ist. Er wird mich für diesen Tag teuer bezahlen lassen; teuer, teuer wird er bezahlen.“

Sie wandte sich um und begann nach Hause zu gehen, und ich begleitete sie. Woraufhin sie stehen blieb.

„Ich werde allein gehen“, sagte sie. „Ich muss ihn allein sehen.“

Einige Zeit tobte ich durch die Straßen und sagte mir, ich sei der am schlimmsten behandelte Bursche in der Christenheit. Wut erstickte mich; es war ja alles schön und gut, tief durchzuatmen; es schien, als gäbe es in Leyden nicht genug Luft, um mich zu versorgen, und ich dachte, ich würde wie ein Mann auf dem Grund des Meeres zerplatzen. Ich blieb an einer Straßenecke stehen und lachte eine Minute lang über mich selbst, lachte laut, sodass ein Passant mich ansah, was mich wieder zu mir brachte.

„Nun“, dachte ich, „ich war lange genug ein Trottel und ein Dummkopf und ein weicher Kerl. Es war Zeit, dass es aufhörte. Hier ist eine gute Lektion, nichts mit diesem verfluchten Geschlecht zu tun zu haben, das von Anfang an der Ruin des Mannes war und es bis zum Ende sein wird. Gott weiß, ich war glücklich genug, bevor ich sie jemals sah; Gott weiß, ich kann wieder glücklich genug sein, wenn ich das Letzte von ihr gesehen habe.“

Das schien mir die Hauptsache zu sein: sie gehen zu sehen. Ich verweilte erbittert bei diesem Gedanken; und glitt bald darauf, in einer Art Bosheit, dazu über, zu überlegen, wie jämmerlich sie es wohl haben würden, wenn Davie Balfour nicht mehr dabei wäre, um ihre Milchkuh zu sein; woraufhin sich, zu meiner eigenen großen Überraschung, meine Stimmung ins Gegenteil verkehrte. Ich war immer noch wütend; ich hasste sie immer noch; und doch dachte ich, ich sei es mir selbst schuldig, dass sie nichts erleiden sollte.

Das brachte mich sofort wieder nach Hause, wo ich das Reisegepäck fertig gepackt bei der Tür fand und Vater und Tochter mit jedem Anzeichen eines kürzlichen Streits. Catriona war wie eine hölzerne Puppe; James More atmete schwer, sein Gesicht war mit weißen Flecken übersät, und seine Nase war zur Seite verschoben. Sobald ich hereinkam, sah das Mädchen ihn mit einem festen, klaren, dunklen Blick an, dem ein Schlag hätte folgen können. Es war ein Hinweis, der verächtlicher war als ein Befehl, und ich war überrascht zu sehen, dass James More ihn akzeptierte. Es war offensichtlich, dass er eine meisterhafte Standpauke erhalten hatte; und ich konnte sehen, dass mehr vom Teufel in dem Mädchen stecken musste, als ich geahnt hatte, und mehr gute Laune in dem Mann, als ich ihm zugeschrieben hatte.

Er begann zumindest damit, mich Mr. Balfour zu nennen, und sprach offensichtlich eine Lektion nach; aber er kam nicht sehr weit, denn beim ersten pompösen Schwellen seiner Stimme unterbrach ihn Catriona.

„Ich werde Ihnen sagen, was James More meint“, sagte sie. „Er meint, wir sind zu Ihnen gekommen, als Bettler, und haben uns Ihnen gegenüber nicht sehr gut verhalten, und wir schämen uns unserer Undankbarkeit und unseres schlechten Benehmens. Nun wollen wir gehen und vergessen werden; und mein Vater wird sein Hab und Gut so schlecht verwaltet haben, dass wir nicht einmal das können, wenn Sie uns nicht noch mehr Almosen geben. Denn das sind wir, jedenfalls, Bettler und Schmarotzer.“

„Wenn Sie erlauben, Miss Drummond“, sagte ich, „muss ich mit Ihrem Vater unter vier Augen sprechen.“

Sie ging in ihr eigenes Zimmer und schloss die Tür, ohne ein Wort oder einen Blick.

„Sie müssen sie entschuldigen, Mr. Balfour“, sagt James More. „Sie hat kein Feingefühl.“

„Ich bin nicht hier, um das mit Ihnen zu besprechen“, sagte ich, „sondern um Sie loszuwerden. Und zu diesem Zweck muss ich über Ihre Lage sprechen. Nun, Mr. Drummond, ich habe den Verlauf Ihrer Angelegenheiten genauer verfolgt, als Sie es beabsichtigt hatten. Ich weiß, dass Sie eigenes Geld hatten, als Sie sich von mir welches liehen. Ich weiß, dass Sie mehr hatten, seit Sie hier in Leyden waren, obwohl Sie es sogar vor Ihrer Tochter verborgen hielten.“

„Ich fordere Sie auf, vorsichtig zu sein. Ich lasse mir keine weiteren Schikanen gefallen“, brach er aus. „Ich habe genug von ihr und Ihnen. Was ist das für ein verdammtes Geschäft, ein Elternteil zu sein! Ich habe Ausdrücke gegen mich verwendet gehört –“ Da brach er ab. „Mein Herr, das ist das Herz eines Soldaten und eines Vaters“, fuhr er fort, indem er seine Hand auf seine Brust legte, „in beiden Charakteren beleidigt – und ich fordere Sie auf, vorsichtig zu sein.“

„Wenn Sie mich hätten ausreden lassen“, sage ich, „hätten Sie gefunden, dass ich zu Ihrem Vorteil sprach.“

„Mein lieber Freund“, rief er, „ich weiß, ich hätte mich auf die Großzügigkeit Ihres Charakters verlassen können.“

„Mensch! Lassen Sie mich sprechen?“, sagte ich. „Tatsache ist, dass ich nicht herausfinden kann, ob Sie reich oder arm sind. Aber meine Vorstellung ist, dass Ihre Mittel, so geheimnisvoll ihr Ursprung auch ist, in ihrer Höhe etwas unzureichend sind; und ich möchte nicht, dass es Ihrer Tochter an etwas fehlt. Wenn ich es wagte, mit ihr selbst zu sprechen, können Sie sicher sein, dass ich niemals daran denken würde, es Ihnen anzuvertrauen; denn ich kenne Sie wie meine eigene Westentasche, und all Ihr polterndes Gerede ist für mich nur heiße Luft. Wie dem auch sei, ich glaube, dass Sie sich auf Ihre Weise doch noch etwas um Ihre Tochter sorgen; und ich muss mich eben mit dieser Grundlage des Vertrauens begnügen, so wie sie ist.“

Woraufhin ich mit ihm vereinbarte, dass er mir bezüglich seines Aufenthaltsortes und Catriona’s Wohlergehen schreiben sollte, wofür ich ihm ein kleines Stipendium zahlen würde.

Er hörte sich die Angelegenheit mit großer Eifrigkeit an; und als sie erledigt war: „Mein lieber Kerl, mein lieber Sohn“, rief er aus, „das ist mehr wie Sie selbst als alles bisher! Ich werde Ihnen mit der Treue eines Soldaten dienen –“

„Lassen Sie mich nichts mehr davon hören!“, sage ich. „Sie haben mich so weit gebracht, dass mir bei dem bloßen Namen Soldat übel wird. Unser Handel ist besiegelt; ich gehe jetzt hinaus und werde in einer halben Stunde zurückkehren, wenn ich erwarte, meine Zimmer von Ihnen gereinigt zu finden.“

Ich gab ihnen reichlich Zeit; es war meine eine Befürchtung, dass ich Catriona wiedersehen könnte, denn Tränen und Schwäche lagen in meinem Herzen bereit, und ich hegte meinen Zorn wie ein Stück Würde. Vielleicht verging eine Stunde; die Sonne war untergegangen, ein kleiner Schnipsel eines Neumondes folgte ihr über einen scharlachroten Sonnenuntergang; bereits standen Sterne im Osten, und in meinen Zimmern, als ich sie endlich betrat, lag die Nacht blau. Ich zündete ein Licht an und musterte die Räume; im ersten blieb nichts zurück, was eine Erinnerung an die weckte, die gegangen waren; aber im zweiten, in einer Ecke des Bodens, entdeckte ich einen kleinen Haufen, der mir das Herz in den Mund trieb. Sie hatte bei ihrem Aufbruch alles zurückgelassen, was sie jemals von mir gehabt hatte. Es war der Schlag, den ich am schmerzlichsten empfand, vielleicht weil es der letzte war; und ich stürzte mich auf diesen Kleiderhaufen und benahm mich törichter, als ich zu erzählen wage.

Spät in der Nacht, bei strengem Frost und klappernden Zähnen, kam ich wieder zu einem Teil meines Mannestums zurück und überlegte mit mir selbst. Der Anblick dieser armen Röcke und Bänder, und ihrer Unterröcke, und der bestickten Strümpfe war nicht zu ertragen; und wenn ich irgendeine Beständigkeit des Geistes wiedererlangen wollte, sah ich, dass ich sie vor dem Morgen loswerden musste. Mein erster Gedanke war, ein Feuer zu machen und sie zu verbrennen; aber mein Wesen war schon immer gegen Verschwendung, einerseits; und andererseits schien es mir eine Art Grausamkeit zu sein, diese Dinge zu verbrennen, die sie so nah am Körper getragen hatte. Es gab einen Eckschrank in jenem Zimmer; dort beschloss ich, sie unterzubringen. Was ich auch tat, und es war eine langwierige Angelegenheit, sie mit sehr wenig Geschick, aber umso mehr Sorgfalt zu falten; und sie manchmal unter Tränen fallen zu lassen. Das ganze Herz war mir aus dem Leib gewichen, ich war müde, als wäre ich meilenweit gelaufen, und wund wie einer, der geschlagen worden war; als ich ein Kopftuch faltete, das sie oft an ihrem Hals trug, bemerkte ich, dass eine Ecke sauber davon abgeschnitten war. Es war ein Kopftuch von einer sehr hübschen Farbe, das mir häufig aufgefallen war; und einmal, als sie es trug, erinnerte ich mich daran, ihr (im Scherz) gesagt zu haben, dass sie meine Farben trüge. Ein Glühen von Hoffnung und wie eine Flut von Süße kam in meinen Busen; und im nächsten Augenblick stürzte ich in eine neue Verzweiflung zurück. Denn da lag die Ecke, zu einem Knoten zerknüllt und für sich allein an einer anderen Stelle des Bodens hingeworfen.

Aber als ich mit mir selbst stritt, wurde ich hoffnungsvoller. Sie hatte diese Ecke in irgendeiner kindischen Laune abgeschnitten, die offensichtlich zärtlich war; dass sie sie wieder weggeworfen hatte, war kaum verwunderlich; und ich war geneigt, mehr über das erste als über das zweite nachzudenken und mehr darüber erfreut zu sein, dass sie jemals die Idee zu diesem Andenken gefasst hatte, als besorgt darüber, dass sie es in einer Stunde natürlicher Entrüstung von sich geworfen hatte.

KAPITEL XXIX. WIR TREFFEN UNS IN DÜNKIRCHEN

Alles in allem war ich in den nächsten Tagen kaum so elend, als dass ich nicht viele hoffnungsvolle und glückliche Augenblicke gehabt hätte; ich stürzte mich mit einigem Eifer auf meine Studien; und schaffte es, die Zeit zu überdauern, bis Alan eintreffen oder ich durch James More Nachricht von Catriona erhalten würde. Ich hatte insgesamt drei Briefe in der Zeit unserer Trennung. Einer sollte ihre Ankunft in der Stadt Dünkirchen in Frankreich ankündigen, von wo aus James kurz darauf allein zu einer privaten Mission aufbrach. Diese führte nach England und zu einem Treffen mit Lord Holderness; und es war immer ein bitterer Gedanke, dass mein gutes Geld dazu beitrug, die Kosten dafür zu bezahlen. Aber wer mit dem Teufel aus einer Schüssel isst, braucht einen langen Löffel, oder mit James More. Während dieser Abwesenheit sollte die Zeit für einen weiteren Brief fällig werden; und da der Brief die Bedingung für sein Stipendium war, war er so vorsichtig gewesen, ihn im Voraus vorzubereiten und ihn bei Catriona zu hinterlassen, damit er abgeschickt werden konnte. Die Tatsache unseres Briefwechsels erregte ihren Verdacht, und er war kaum fort, als sie das Siegel gebrochen hatte. Was ich erhielt, begann dementsprechend in der Handschrift von James More:

„Mein lieber Herr – Ihr geschätztes Schreiben ist ordnungsgemäß eingegangen, und ich habe den beigefügten Betrag gemäß Vereinbarung zu bestätigen. Er wird alles getreulich für meine Tochter ausgegeben werden, der es gut geht und die sich ihrem lieben Freund empfehlen lässt. Ich finde sie in einer eher melancholischen Stimmung, vertraue aber auf die Barmherzigkeit Gottes, sie wiederhergestellt zu sehen. Unsere Lebensweise ist sehr einsam, aber wir trösten uns mit den melancholischen Melodien unserer heimischen Berge und mit Spaziergängen am Rande des Meeres, das Schottland am nächsten liegt. Es waren bessere Tage für mich, als ich mit fünf Wunden an meinem Körper auf dem Feld von Gladsmuir lag. Ich habe hier eine Anstellung im Gestüt eines französischen Edelmanns gefunden, wo meine Erfahrung geschätzt wird. Aber, mein lieber Herr, der Lohn ist derart unangemessen, dass ich mich schämen würde, ihn zu erwähnen, was Ihre Zuwendungen für den Komfort meiner Tochter umso notwendiger macht, obgleich ich sagen darf, dass der Anblick alter Freunde noch besser wäre.

„Mein lieber Herr, „Ihr ergebener, gehorsamer Diener, „James Macgregor Drummond.“

Darunter begann es wieder in der Hand von Catriona: –

„Glauben Sie ihm nicht, es sind alles nur Lügen – C. M. D.“

Nicht nur, dass sie dieses Postskriptum hinzufügte, ich glaube, sie wäre fast so weit gegangen, den Brief zu unterdrücken; denn er kam lange nach dem Datum an und wurde dicht vom dritten gefolgt. In der Zeit dazwischen war Alan eingetroffen und hatte mit seiner fröhlichen Unterhaltung ein neues Leben in mir geweckt; ich war seinem Vetter bei den schottisch-holländischen Truppen vorgestellt worden, einem Mann, der mehr trank, als ich für möglich gehalten hätte, und der ansonsten nicht von Interesse war; ich war zu vielen geselligen Abendessen eingeladen worden und hatte selbst einige gegeben, alles ohne große Veränderung an meinem Kummer; und wir beide (womit ich Alan und mich meine, und keineswegs den Vetter) hatten viel über die Art meiner Beziehungen zu James More und seiner Tochter diskutiert. Ich war natürlich zurückhaltend, Einzelheiten zu nennen; und diese Veranlagung wurde durch die Art von Alans Kommentar zu denen, die ich gab, in keiner Weise gemildert.

„Ich kann nicht klug daraus werden“, sagte er immer, „aber es steckt mir im Sinn, dass du dich zum Narren gemacht hast. Es gibt wenige Leute, die mehr Erfahrung haben als Alan Breck: und ich kann mich nicht entsinnen, jemals von einem Mädchen wie diesem deines gehört zu haben. So wie du es erzählst, ist die Sache schlicht unmöglich. Du musst bei der Sache einen schrecklichen Mist gebaut haben, David.“

„Es gibt Zeiten, da bin ich derselben Meinung“, sagte ich.

„Das Seltsame ist, dass du auch eine Art Zuneigung für sie zu haben scheinst!“, sagte Alan.

„Die größte Art, Alan“, sagte ich, „und ich denke, ich werde sie mit ins Grab nehmen.“

„Nun, du schlägst mich, wie auch immer!“, schloss er dann.

Ich zeigte ihm den Brief mit Catrionas Postskriptum. „Und hier wieder!“, rief er. „Unmöglich, dieser Catriona eine Art Anstand abzusprechen, und Verstand obendrein! Was James More angeht, der Mann ist hohl wie eine Trommel; er ist nur ein Bauch und ein Bündel Worte; obwohl ich niemals leugnen kann, dass er bei Gladsmuir einigermaßen gut gekämpft hat, und es stimmt, was er hier über die fünf Wunden sagt. Aber das Verderben bei ihm ist, dass der Mann hohl ist.“

„Du siehst, Alan“, sagte ich, „es widerstrebt mir, das Mädchen in solch armseligen Händen zu lassen.“

„Du könntest kaum schlechtere finden“, gab er zu. „Aber was willst du damit anfangen? Es ist so mit einem Mann und einer Frau, verstehst du, Davie: Die Frauensleute haben keine Art von Vernunft an sich. Entweder mögen sie den Mann, und dann geht alles fein; oder aber sie verabscheuen ihn einfach, und du kannst deinen Atem sparen – du kannst nichts tun. Es gibt nur die zwei Arten von ihnen – diejenigen, die ihre Mäntel für dich verkaufen würden, und diejenigen, die nie den Weg ansehen, auf dem du gehst. Das ist alles, was es bei Frauen gibt; und du scheinst ein solcher Dummkopf zu sein, dass du das Eine vom Anderen nicht unterscheiden kannst.“

„Nun, und ich fürchte, das ist wahr bei mir“, sagte ich.

„Und doch gibt es nichts Leichteres!“, rief Alan. „Ich könnte dir die Wissenschaft der Sache leicht beibringen; aber du scheinst mir blind geboren zu sein, und da liegt die Schwierigkeit.“

„Und kannst du mir nicht helfen?“, fragte ich, „du, der du so geschickt in dem Handel bist?“

„Du siehst, David, ich war nicht hier“, sagte er. „Ich bin wie ein Feldoffizier, der niemanden als blinde Männer als Kundschafter und Aufklärer hat; und was soll der wissen? Aber es steckt mir im Sinn, dass du irgendeinen Bock geschossen hast; und wenn ich du wäre, würde ich es noch einmal bei ihr versuchen.“

„Würdest du das, Mann Alan?“, sagte ich.

„Ich würde es tun“, sagt er.

Der dritte Brief kam mir in die Hand, während wir tief in einem solchen Gespräch steckten: und man wird sehen, wie passend er sich zur Gelegenheit fügte. James gab vor, in einiger Sorge um die Gesundheit seiner Tochter zu sein, die, wie ich glaube, nie besser war; schwelgte in freundlichen Ausdrücken mir gegenüber; und schlug schließlich vor, dass ich sie in Dünkirchen besuchen sollte.

„Du wirst nun die Gesellschaft meines alten Kameraden Mr. Stewart genießen“, schrieb er. „Warum begleitest du ihn nicht ein Stück auf seiner Rückreise nach Frankreich? Ich habe etwas ganz Bestimmtes für Mr. Stewarts Ohren; und ohnehin würde es mich freuen, einen alten Mitstreiter und einen so wackeren Mann wie ihn wiederzutreffen. Was dich angeht, mein lieber Herr, so wären meine Tochter und ich stolz, unseren Wohltäter zu empfangen, den wir als Bruder und Sohn betrachten. Der französische Adlige hat sich als ein Mensch von schändlichster Habsucht erwiesen, und ich war gezwungen, das Gestüt zu verlassen. Du wirst uns daher etwas dürftig untergebracht finden, in der Herberge eines Mannes namens Bazin auf den Dünen; aber die Lage ist frisch, und ich zweifle nicht daran, dass wir einige sehr angenehme Tage verbringen könnten, in denen Mr. Stewart und ich unsere Dienste Revue passieren lassen und du und meine Tochter euch auf eine eurer Jugend angemessenere Weise vergnügen könntet. Ich bitte zumindest darum, dass Mr. Stewart hierher kommt; meine Angelegenheit mit ihm öffnet eine sehr weite Tür.“

„Was will der Mann von mir?“, rief Alan, als er es gelesen hatte. „Was er von dir will, ist klar genug – es ist Zaster. Aber was kann er von Alan Breck wollen?“

„Oh, das wird nur ein Vorwand sein“, sagte ich. „Er ist immer noch hinter dieser Heirat her, die ich mir von Herzen wünsche, dass wir sie zustande bringen könnten. Und er bittet um dich, weil er glaubt, ich würde weniger geneigt sein zu kommen, wenn ich dich nicht dabei hätte.“

„Nun, ich wünschte, ich wüsste es“, sagt Alan. „Er und ich waren nie sonderlich grün miteinander; wir pflegten uns anzufletschen wie ein Paar Dudelsackspieler. ‚Etwas für mein Ohr‘, sagte er! Ich werde vielleicht etwas für sein Hinterteil haben, bevor wir damit durch sind. Potzblitz, ich denke, es wäre eine Art Zeitvertreib, hinzugehen und zu sehen, worauf er aus ist! Abgesehen davon, dass ich dann dein Mädel sehen könnte. Was sagst du, Davie? Willst du mit Alan reiten?“

Du kannst sicher sein, dass ich nicht zurückwich, und da Alans Urlaub sich dem Ende zuneigte, brachen wir alsbald zu diesem gemeinsamen Abenteuer auf.

Es war fast dunkel an einem Januartag, als wir schließlich in die Stadt Dünkirchen ritten. Wir ließen unsere Pferde bei der Poststation und fanden einen Führer zur Bazinschen Herberge, die jenseits der Mauern lag. Die Nacht war bereits völlig hereingebrochen, sodass wir die Letzten waren, die diese Festung verließen, und wir hörten, wie sich die Tore hinter uns schlossen, als wir die Brücke passierten. Auf der anderen Seite lag ein beleuchteter Vorort, den wir eine Weile durchstreiften, dann bogen wir in eine dunkle Gasse ein und fanden uns bald darauf in der Nacht im tiefen Sand wieder, wo wir ein Grollen des Meeres hören konnten. Wir reisten eine ganze Weile auf diese Weise und folgten unserem Begleiter hauptsächlich dem Klang seiner Stimme nach; und ich hatte schon angefangen zu glauben, er führe uns vielleicht in die Irre, als wir auf die Kuppe eines kleinen Hügels kamen und aus der Dunkelheit ein schwaches Licht in einem Fenster erschien.

„Voilà l’auberge à Bazin“, sagt der Führer.

Alan leckte sich die Lippen. „Ein unheimlich einsames Plätzchen“, sagte er, und ich dachte an seinem Tonfall, dass er nicht gänzlich erfreut war.

Wenig später standen wir im Erdgeschoss jenes Hauses, das aus einem einzigen Raum bestand, mit einer Treppe, die zu den Zimmern an der Seite führte, Bänken und Tischen an der Wand, dem Kochfeuer am einen Ende und Regalen voller Flaschen sowie der Kellertür am anderen. Hier teilte uns Bazin, ein übel aussehender, großer Mann, mit, der schottische Herr sei auswärts gegangen, er wisse nicht wohin, aber die junge Dame sei oben, und er werde sie zu uns herunterrufen.

Ich nahm das Taschentuch ohne die Ecke aus meiner Brust und knotete es mir um den Hals. Ich konnte hören, wie mein Herz klopfte; und als Alan mir mit einem seiner lächerlichen Sprüche auf die Schulter klopfte, konnte ich mich kaum eines scharfen Wortes erwehren. Doch die Zeit des Wartens war kurz. Ich hörte ihre Schritte über mir und sah sie auf der Treppe. Sie stieg sehr ruhig herab und begrüßte mich mit blassem Gesicht und einer gewissen Anmutung von Ernst oder Unbehagen in ihrem Gebaren, die mich überaus niederschlug.

„Mein Vater, James More, wird bald hier sein. Er wird sich sehr freuen, dich zu sehen“, sagte sie. Und dann flammte plötzlich ihr Gesicht auf, ihre Augen leuchteten, die Rede erstarb auf ihren Lippen; und ich war mir sicher, dass sie das Taschentuch bemerkt hatte. Es war nur für einen Atemzug, dass sie die Fassung verlor; doch mir schien es eine neue Lebhaftigkeit zu sein, mit der sie sich Alan zuwandte, um ihn zu begrüßen. „Und du wirst sein Freund sein, Alan Breck?“, rief sie. „Dutzende Male habe ich ihn schon von dir erzählen hören; und ich liebe dich bereits für all deine Tapferkeit und Güte.“

„Nun, nun“, sagt Alan, während er ihre Hand in der seinen hielt und sie betrachtete, „und das ist also das junge Fräulein, am Ende der Reise! David, du bist ein schrecklich schlechter Beschreiber.“

Ich weiß nicht, ob ich ihn jemals so direkt zu den Herzen der Menschen habe sprechen hören; der Klang seiner Stimme war wie Gesang.

„Was? Er wird mich beschrieben haben?“, rief sie.

„Wenig anderes, seit ich aus Frankreich herausgekommen bin!“, sagt er, „abgesehen von einer kleinen Kostprobe eines Nachts in Schottland in einem Gehölz bei Silvermills. Aber Kopf hoch, meine Liebe! Du bist hübscher, als er sagte. Und nun ist eines sicher; du und ich, wir werden ein Paar Freunde sein. Ich bin eine Art Handlanger für Davie hier; ich bin wie ein Hund an seinen Fersen; und was immer ihm am Herzen liegt, darum muss ich mich auch kümmern – und beim heiligen Eisen! Sie müssen sich auch um mich kümmern! Also kannst du jetzt sehen, woran du bei Alan Breck bist, und du wirst finden, dass du bei diesem Handel kaum verlieren wirst. Er ist nicht sehr hübsch, meine Liebe, aber er ist treu denen, die er liebt.“

„Ich danke dir von Herzen für deine guten Worte“, sagte sie. „Ich habe eine solche Hochachtung vor einem tapferen, ehrlichen Mann, dass ich keine finde, um zu antworten.“

Der Freiheit der Reisenden folgend, ersparten wir es uns, auf James More zu warten, und setzten uns zu dritt zu Tisch. Alan ließ Catriona neben sich sitzen und ihn bedienen: Er ließ sie zuerst aus seinem Glas trinken, umgab sie mit ständigen freundlichen Galanterien und gab mir doch nicht den geringsten Anlass, eifersüchtig zu sein; und er hielt das Gespräch so sehr in seiner Hand, und das in einem so fröhlichen Ton, dass weder sie noch ich daran dachten, verlegen zu sein. Hätte uns dort jemand gesehen, so hätte man vermuten müssen, dass Alan der alte Freund und ich der Fremde sei. Wahrlich, ich hatte oft Grund, den Mann zu lieben und zu bewundern, doch ich habe ihn nie mehr geliebt oder bewundert als in jener Nacht; und ich konnte nicht umhin, mir selbst anzumerken (was ich manchmal eher zu vergessen drohte), dass er nicht nur viel Lebenserfahrung besaß, sondern auf seine eigene Art auch eine Menge natürlicher Begabung. Was Catriona betrifft, so schien sie völlig hingerissen; ihr Lachen war wie ein Glockenspiel, ihr Gesicht so heiter wie ein Maimorgen; und ich gestehe, obwohl ich sehr erfreut war, so war ich doch auch ein wenig traurig und hielt mich im Vergleich zu meinem Freund für einen stumpfen, hölzernen Charakter, der sehr ungeeignet sei, in das Leben eines jungen Mädchens zu treten und vielleicht ihre Heiterkeit zu trüben.

Doch wenn das meine Rolle zu sein drohte, so fand ich, dass ich zumindest nicht allein darin war; denn als James More plötzlich zurückkehrte, wurde das Mädchen zu Stein. Den Rest des Abends, bis sie eine Entschuldigung vorbrachte und sich ins Bett schlich, beobachtete ich sie ohne Unterlass; und ich kann bezeugen, dass sie nie lächelte, kaum sprach und meist auf den Tisch vor sich blickte. So dass ich wirklich staunte, eine solche Hingabe (wie sie früher zu sein pflegte) in eine wahre Krankheit des Hasses verwandelt zu sehen.

Über James More ist es unnötig, viel zu sagen; du kennst den Mann bereits, alles, was es von ihm zu wissen gab; und ich bin müde, seine Lügen aufzuschreiben. Genug, dass er eine Menge trank und uns sehr wenig erzählte, was irgendeinen Zweck gehabt hätte. Was die Angelegenheit mit Alan betraf, so sollte diese für den Morgen und seine private Anhörung reserviert bleiben.

Es war umso leichter, dies aufzuschieben, da Alan und ich nach vier Tagen Ritt ziemlich müde waren und nicht sehr lange nach Catriona aufblieben.

Wir waren bald allein in einer Kammer, wo wir uns mit einem einzigen Bett behelfen mussten. Alan sah mich mit einem seltsamen Lächeln an.

„Du großer Esel!“, sagte er.

„Was meinst du damit?“, rief ich.

„Meinen? Was ich meine! Es ist außergewöhnlich, Mann David“, sagt er, „dass du so sterblich dumm sein kannst.“

Wieder bat ich ihn, sich offen auszusprechen.

„Nun, es ist so“, sagte er. „Ich sagte dir, es gäbe zwei Arten von Frauen – jene, die ihr letztes Hemd für dich verkaufen würden, und die anderen. Versuch es nur selbst, mein hübscher Mann! Aber was ist das für ein Tuch an deinem Hals?“

Ich erzählte es ihm.

„Ich dachte mir, es wäre so etwas in der Art“, sagte er.

Er wollte kein weiteres Wort mehr sagen, obwohl ich ihn lange mit Bitten bestürmte.

KAPITEL XXX. DER BRIEF VOM SCHIFF

Das Tageslicht zeigte uns, wie einsam die Herberge stand. Sie lag offensichtlich dicht am Meer, jedoch ohne jede Sicht darauf, und war von allen Seiten mit schäbigen Sandhügeln umstellt. Es gab in der Tat nur eine einzige Sache, die wie eine Aussicht wirkte, wo über einer Anhöhe die zwei Flügel einer Windmühle hervorragten, wie Eselsohren, doch mit dem Esel gänzlich verborgen. Es war seltsam (nachdem der Wind aufgefrischt war, denn anfangs war es totenstill), das Drehen und gegenseitige Folgen dieser großen Flügel hinter dem Hügel zu sehen. Kaum ein Weg führte dort vorbei; doch eine Anzahl von Fußpfaden verliefen in alle Richtungen durch die Dünengräser bis zu Mr. Bazins Tür. Die Wahrheit ist, er war ein Mann vieler Gewerbe, von denen keines ehrlich war, und die Lage seiner Herberge war die beste Grundlage seines Lebensunterhalts. Schmuggler frequentierten sie; politische Agenten und Geächtete, die über das Wasser wollten, kamen dorthin, um ihre Überfahrt abzuwarten; und ich wage zu sagen, es gab Schlimmeres im Hintergrund, denn eine ganze Familie hätte in diesem Haus abgeschlachtet werden können, ohne dass es jemand erfahren hätte.

Ich schlief wenig und schlecht. Lange bevor es Tag war, war ich von der Seite meines Bettgenossen geschlüpft und wärmte mich am Feuer oder ging vor der Tür auf und ab. Die Morgendämmerung brach sehr düster an; doch kurz darauf sprang ein Wind aus Westen auf, der die Wolken zerriss, die Sonne durchließ und die Mühle in Bewegung setzte. Es lag etwas vom Frühling im Sonnenschein, oder vielleicht war es in meinem Herzen; und das Erscheinen der großen Flügel einer nach dem anderen hinter dem Hügel amüsierte mich über die Maßen. Hin und wieder konnte ich ein Quietschen der Maschinerie hören; und um halb neun Uhr morgens dachte ich, dieser trostlose, öde Ort sei wie ein Paradies.

Trotz allem, als der Tag voranschritt und niemand in die Nähe kam, begann ich eine Unruhe zu verspüren, die ich kaum erklären konnte. Es schien, als sei Ärger im Anzug; die Flügel der Windmühle, wie sie über den Hügel kamen und wieder verschwanden, waren wie Leute, die ausspionierten; und jenseits aller Einbildung war es wahrlich eine seltsame Umgebung und ein seltsames Haus, um ein junges Mädchen dorthin zum Wohnen zu bringen.

Beim Frühstück, das wir spät einnahmen, war es offensichtlich, dass James More in Gefahr oder Verlegenheit steckte; offensichtlich, dass Alan sich dessen bewusst war und ihn genau beobachtete; und dieser Anschein von Doppelzüngigkeit auf der einen und Wachsamkeit auf der anderen Seite hielt mich auf glühenden Kohlen. Die Mahlzeit war kaum beendet, als James begann, Entschuldigungen vorzubringen. Er hatte eine private Verabredung in der Stadt (es war mit dem französischen Adligen, sagte er mir), und wir möchten ihn bitte bis etwa Mittag entschuldigen. Währenddessen nahm er seine Tochter beiseite an das andere Ende des Raumes, wo er sehr ernst zu sprechen schien und sie mit viel Neigung zuzuhören.

„Ich mache mir immer weniger aus diesem Mann James“, sagte Alan. „Da ist etwas nicht in Ordnung mit dem Mann James, und es würde mich nicht wundern, wenn Alan Breck heute ein Auge auf ihn hätte. Ich würde diesen französischen Adligen gerne sehen, Davie; und ich wage zu sagen, du könntest für dich selbst eine Beschäftigung finden, und das wäre, das Mädel nach Neuigkeiten über deine Angelegenheit zu fragen. Sag es ihr einfach klar – sag ihr, du seist zu Beginn ein großer Esel gewesen; und dann, wenn ich du wäre und es natürlich rüberbringen könntest, würde ich ihr einfach andeuten, dass ich in einer Art Gefahr schwebe; das mögen alle Frauen.“

„Ich kann nicht lügen, Alan, ich kann es nicht natürlich machen“, sage ich und spottete über ihn.

„Umso dümmer du!“, sagt er. „Dann kannst du ihr erzählen, dass ich es empfohlen habe; das wird sie zum Lachen bringen; und es würde mich nicht wundern, wenn das das zweitbeste wäre. Aber sieh dir die beiden an! Wenn ich mir nicht ganz sicher wäre, was das Mädel angeht, und dass sie sehr erfreut und dicke mit Alan ist, würde ich denken, es gäbe irgendeinen Hokuspokus um dich herum.“

„Und ist sie so erfreut über dich, Alan?“, fragte ich.

„Sie hält eine Menge von mir“, sagt er. „Und ich bin nicht wie du: Ich bin einer, der es merken kann. Das tut sie – sie hält eine Menge von Alan. Und wahrhaftig! Ich halte selbst eine Menge von ihm; und mit deiner Erlaubnis, Shaws, werde ich mich ein wenig hinaus zu den Binsen begeben, damit ich sehen kann, welchen Weg James einschlägt.“

Einer nach dem anderen ging, bis ich allein am Frühstückstisch zurückblieb; James nach Dünkirchen, Alan ihm auf den Fersen, Catriona die Treppe hinauf in ihre eigene Kammer. Ich konnte sehr wohl verstehen, warum sie es vermeiden sollte, mit mir allein zu sein; doch ich war deshalb keineswegs erfreuter darüber und richtete meinen Geist darauf, sie zu einer Unterredung zu überreden, bevor die Männer zurückkehrten. Alles in allem schien es mir das Beste, es wie Alan zu halten. Wenn ich außer Sichtweite in den Sandhügeln war, würde der schöne Morgen sie herauslocken; und sobald ich sie im Freien hätte, könnte ich mich meiner Sache widmen.

Gesagt, getan; auch war ich nicht lange unter dem Schutz eines Hügels, bevor sie an der Herbergstür erschien, hierhin und dorthin schaute und (da sie niemanden sah) einen Pfad einschlug, der direkt zum Meer führte und dem ich ihr folgte. Ich hatte es nicht eilig, meine Anwesenheit kundzutun; je weiter sie ging, umso länger wusste ich eine Anhörung für mein Anliegen sicher; und da der Boden ganz sandig war, war es leicht, ihr ungehört zu folgen. Der Pfad stieg an und kam schließlich auf die Kuppe eines Hügels. Von dort hatte ich zum ersten Mal ein Bild davon, in welch einsamer Wildnis diese Herberge verborgen lag; wo kein Mensch zu sehen war, noch irgendein Haus von Menschenhand, außer Bazins und der Windmühle. Nur ein wenig weiter erschien das Meer und zwei oder drei Schiffe darauf, hübsch wie auf einer Zeichnung. Eines davon war extrem nahe, um ein so großes Schiff zu sein; und ich wurde von einem Schock neuen Verdachts erfasst, als ich den Rumpf der Seahorse erkannte. Was sollte ein englisches Schiff so nahe an Frankreich zu suchen haben? Warum wurde Alan in ihre Nähe gebracht, und das an einem Ort, der so fern von jeder Hoffnung auf Rettung war? Und war es Zufall oder Absicht, dass die Tochter von James More an jenem Tag zum Meeresufer spazierte?

Bald darauf kam ich hinter ihr vor den Sandhügeln und oberhalb des Strandes hervor. Es war hier lang und einsam; mit einem Boot eines Kriegsschiffes, das etwa in der Mitte des Ausblicks an Land gezogen war, und einem Offizier, der das Kommando hatte und den Sand wie jemand auf und ab schritt, der wartete. Ich setzte mich dorthin, wo mich das raue Gras ziemlich verdeckte, und sah zu, was folgen würde. Catriona ging geradewegs auf das Boot zu; der Offizier begegnete ihr mit Höflichkeiten; sie wechselten zehn Worte miteinander; ich sah, wie ein Brief die Besitzer wechselte; und schon kehrte Catriona zurück. Zur gleichen Zeit, als wäre dies ihr einziges Geschäft auf dem Kontinent, stieß das Boot ab und steuerte auf die Seahorse zu. Aber ich bemerkte, dass der Offizier zurückblieb und in den Binsen verschwand.

Die Angelegenheit gefiel mir wenig; und je mehr ich darüber nachdachte, umso weniger gefiel sie mir. War es Alan, den der Offizier suchte? Oder Catriona? Sie näherte sich mit gesenktem Kopf, den Blick ständig auf den Sand gerichtet, und bot ein so zartes Bild, dass ich es nicht ertragen konnte, an ihrer Unschuld zu zweifeln. Im nächsten Moment hob sie ihr Gesicht und erkannte mich; sie schien zu zögern und kam dann weiter, aber langsamer, und ich meinte mit veränderter Farbe. Und bei diesem Gedanken war alles andere, was auf meinem Herzen lastete – Ängste, Verdächtigungen, die Sorge um das Leben meines Freundes – gänzlich verschlungen; und ich erhob mich und stand in einer Trunkenheit der Hoffnung wartend vor ihr.

Ich wünschte ihr einen „Guten Morgen“, als sie herankam, was sie mit ziemlicher Gelassenheit erwiderte.

„Wirst du mir verzeihen, dass ich dir gefolgt bin?“, sagte ich.

„Ich weiß, dass du es immer gut meinst“, antwortete sie; und dann, mit einem kleinen Ausbruch: „Aber warum schickst du diesem Mann Geld! Das darf nicht sein.“

„Ich habe es nie für ihn geschickt“, sagte ich, „sondern für dich, wie du wohl weißt.“

„Und du hast kein Recht, es einem von uns beiden zu schicken“, sagte sie. „David, es ist nicht richtig.“

„Es ist nicht, es ist alles falsch“, sagte ich, „und ich bete zu Gott, dass er diesem stumpfsinnigen Kerl (falls es überhaupt möglich ist) helfen möge, es besser zu machen. Catriona, das ist kein Leben für dich; und ich bitte dich um Verzeihung für das Wort, aber jener Mann ist kein geeigneter Vater, um für dich zu sorgen.“

„Sprich nicht einmal von ihm!“, war ihr Ausruf.

„Und ich brauche nicht mehr von ihm zu sprechen; es ist nicht an ihn, an den ich denke, oh, sei dir dessen gewiss!“, sage ich. „Ich denke an die eine Sache. Ich bin jetzt seit langer Zeit allein in Leiden gewesen; und wenn ich bei meinen Studien war, dachte ich immer noch daran. Dann kam Alan, und ich ging unter Soldaten zu ihren großen Abendessen; und immer noch hatte ich denselben Gedanken. Und es war dasselbe vorher, als ich sie dort neben mir hatte. Catriona, siehst du dieses Tuch an meinem Hals? Du hast einmal eine Ecke davon abgeschnitten und es dann von dir geworfen. Es sind jetzt deine Farben; ich trage sie in meinem Herzen. Meine Liebe, ich kann nicht ohne dich sein. Oh, versuche, dich mit mir abzufinden!“

Ich trat vor sie, um ihren Weg zu versperren.

„Versuche, dich mit mir abzufinden“, sagte ich, „versuche, mich ein wenig zu ertragen.“

Immer noch brachte sie kein Wort hervor, und eine Angst begann in mir aufzusteigen wie eine Angst vor dem Tod.

„Catriona“, rief ich und starrte sie fest an, „ist es wieder ein Irrtum? Bin ich ganz verloren?“

Sie hob ihr Gesicht zu mir, atemlos.

„Willst du mich, Davie, wahrhaftig?“, sagte sie, und ich konnte sie es kaum sagen hören.

„Das will ich“, sagte ich. „Oh, sicher weißt du es – das will ich.“

„Ich habe nichts mehr zu geben oder zurückzuhalten“, sagte sie. „Ich war vom ersten Tag an ganz dein, wenn du ein Geschenk von mir gewollt hättest!“, sagte sie.

Dies war auf dem Gipfel eines Hügels; der Ort war windig und auffällig, wir waren dort sogar vom englischen Schiff aus zu sehen; aber ich kniete vor ihr im Sand nieder, umklammerte ihre Knie und brach in jenen Sturm des Weinens aus, dass ich dachte, es müsse mich zerbrechen. Jeder Gedanke war durch die Heftigkeit meiner Erschütterung völlig aus meinem Sinn verbannt. Ich wusste nicht, wo ich war. Ich hatte vergessen, warum ich glücklich war; ich wusste nur, dass sie sich herabbeugte, und ich fühlte, wie sie mich an ihr Gesicht und ihre Brust drückte, und hörte ihre Worte aus einem Wirbel.

„Davie“, sagte sie, „o Davie, ist das, was du von mir denkst! Ist es wahr, dass du dich um mich Arme gesorgt hast! O Davie, Davie!“

Damit weinte auch sie, und unsere Tränen vermischten sich in vollkommenem Glück.

Es mochte zehn Uhr am Vormittag sein, bevor ich zu einem klaren Bewusstsein dessen kam, welch eine Gnade mir widerfahren war; und ich saß ihr gegenüber, ihre Hände in meinen, blickte in ihr Gesicht, lachte vor Vergnügen laut auf wie ein Kind und nannte sie närrisch und mit zärtlichen Namen. Ich habe nie einen Ort gesehen, der so hübsch aussah wie diese Dünen bei Dunkirk; und die Windmühlenflügel, wie sie über dem Hügel auf und ab tanzten, waren wie eine Weise voller Musik.

Ich weiß nicht, wie viel länger wir noch hätten fortfahren können, alles andere außer uns selbst zu vergessen, wäre ich nicht zufällig auf eine Erwähnung ihres Vaters gestoßen, die uns in die Wirklichkeit zurückholte.

„Meine kleine Freundin“, rief ich sie immer wieder, erfreut, die Vergangenheit durch den Klang des Wortes heraufzubeschwören, und zu ihr hinüberzublicken und ein wenig distanziert zu sein – „meine kleine Freundin, nun gehörst du mir ganz und gar; mir für immer, meine kleine Freundin, und jenem Manne nun gar nicht mehr.“

Da trat ein plötzliches Bleichwerden in ihr Gesicht, sie entzog mir ihre Hände.

„Davie, bring mich von ihm weg!“, rief sie. „Da ist etwas nicht in Ordnung; er ist nicht aufrichtig. Da wird etwas Schlimmes geschehen; ich habe eine schreckliche Angst hier in meinem Herzen. Was will er überhaupt mit diesem Schiff des Königs? Was mag dieses Wort besagen?“ Und sie hielt mir den Brief entgegen. „Mein Herz sagt mir, es wird ein Unheil für Alan sein. Öffne ihn, Davie – öffne ihn und sieh nach.“

Ich nahm ihn, betrachtete ihn und schüttelte den Kopf.

„Nein“, sagte ich, „es widerstrebt mir, ich kann den Brief eines Mannes nicht öffnen.“

„Nicht, um deinen Freund zu retten?“, rief sie.

„Ich kann es nicht sagen“, erwiderte ich. „Ich glaube nicht. Wenn ich nur sicher wäre!“

„Und du brauchst doch nur das Siegel zu brechen!“, sagte sie.

„Ich weiß es“, sagte ich, „aber die Sache widerstrebt mir.“

„Gib ihn her“, sagte sie, „und ich werde ihn selbst öffnen.“

„Du auch nicht“, sagte ich. „Du am allerwenigsten. Er betrifft deinen Vater und seine Ehre, meine Liebe, an der wir beide zweifeln. Kein Zweifel, der Ort ist gefährlich, und das englische Schiff, das hier liegt, und dein Vater, der Nachricht von ihm erhalten hat, und jener Offizier, der an Land geblieben ist. Er wird auch nicht allein sein; es müssen noch mehr bei ihm sein; ich wage zu sagen, wir werden in dieser Minute ausspioniert. Ja, kein Zweifel, der Brief sollte geöffnet werden; aber irgendwie nicht von dir oder mir.“

Ich war ungefähr so weit, und mein Geist war sehr von einem Gefühl der Gefahr und verborgener Feinde überwältigt, als ich Alan erblickte, der von der Verfolgung James’ zurückkehrte und allein zwischen den Sandhügeln dahinging. Er trug natürlich seinen Soldatenrock und war mächtig fein; aber ich konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, als ich daran dachte, wie wenig ihm diese Jacke nützen würde, wenn er erst einmal gefasst, in ein Boot geworfen und an Bord der Seahorse gebracht würde – ein Deserteur, ein Rebell und nun ein verurteilter Mörder.

„Dort“, sagte ich, „dort ist der Mann, der das beste Recht hat, ihn zu öffnen: oder eben nicht, wie er es für richtig hält.“

Damit rief ich seinen Namen, und wir standen beide auf, um für ihn ein Ziel zu sein.

„Wenn es so ist – wenn es noch mehr Schande bedeutet – wirst du es ertragen können?“, fragte sie und blickte mich mit brennendem Auge an.

„Mir wurde etwas Ähnliches gefragt, als ich dich erst ein einziges Mal gesehen hatte“, sagte ich. „Was glaubst du, was ich antwortete? Dass ich dich, wenn ich dich so sehr mochte, wie ich glaubte – und o, ich mag dich noch mehr! – am Fuße seines Galgens heiraten würde.“

Das Blut stieg ihr in das Gesicht; sie kam dicht heran und drückte sich an mich, meine Hand haltend: und so erwarteten wir Alan.

Er kam mit einem seiner sonderbaren Lächeln. „Was habe ich dir gesagt, David?“, sagt er.

„Es gibt eine Zeit für alles, Alan“, sagte ich, „und diese Zeit ist ernst. Wie ist es dir ergangen? Du kannst vor dieser Freundin von uns offen sprechen.“

„Ich bin einem Narrengang gefolgt“, sagte er.

„Ich glaube, wir haben es besser gemacht als du“, sagte ich; „und zumindest ist hier eine Menge Stoff, über den du urteilen musst. Siehst du das dort?“, fuhr ich fort und deutete auf das Schiff. „Das ist die Seahorse, Kapitän Palliser.“

„Ich sollte sie auch kennen“, sagt Alan. „Ich hatte genug Ärger mit ihr, als sie im Forth stationiert war. Aber was treibt den Mann, so nah heranzukommen?“

„Ich werde dir sagen, warum er zuerst herkam“, sagte ich. „Es war, um diesen Brief an James More zu überbringen. Warum er jetzt hier bleibt, wo er übergeben ist, worum es wahrscheinlich geht, warum ein Offizier sich in den Dünen versteckt und ob es wahrscheinlich ist, dass er allein ist – das würde ich lieber dich selbst erwägen lassen.“

„Ein Brief an James More?“, sagte er.

„Der gleiche“, sagte ich.

„Nun, und ich kann dir mehr als das sagen“, sagte Alan. „Denn letzte Nacht, als du fest schliefst, hörte ich den Mann mit jemandem auf Französisch tuscheln, und dann die Tür jenes Gasthauses öffnen und schließen.“

„Alan!“, rief ich, „du hast die ganze Nacht geschlafen, und ich bin hier, um es zu beweisen.“

„Ja, aber ich würde Alan nie trauen, ob er schlief oder wach war!“, sagt er. „Aber die Angelegenheit sieht schlecht aus. Lass den Brief sehen.“

Ich gab ihn ihm.

„Catriona“, sagte er, „du musst mich entschuldigen, meine Liebe; aber es geht um nichts Geringeres als meine feinen Knochen bei dieser Sache, und ich werde dieses Siegel brechen müssen.“

„Es ist mein Wunsch“, sagte Catriona.

Er öffnete ihn, überflog ihn und warf die Hand in die Luft.

„Der stinkende Dachs!“, sagt er und stopfte das Papier in seine Tasche. „Hier, lasst uns unsere Sachen zusammenpacken. Dieser Ort ist mein sicherer Tod.“ Und er begann in Richtung des Gasthauses zu gehen.

Es war Catriona, die als Erste sprach. „Er hat dich verkauft?“, fragte sie.

„Verkauft, meine Liebe“, sagte Alan. „Aber dank dir und Davie werde ich ihn noch austricksen können. Lass mich nur auf mein Pferd kommen“, fügte er hinzu.

„Catriona muss mit uns kommen“, sagte ich. „Sie kann mit diesem Mann keinen Umgang mehr haben. Sie und ich werden heiraten.“ Woraufhin sie meine Hand an ihre Seite drückte.

„Bist du so weit?“, sagt Alan und blickt zurück. „Die beste Arbeit, die einer von euch beiden je getan hat! Und ich muss sagen, mein Schatz, ihr gebt ein wirklich hübsches Paar ab.“

Der Weg, den er einschlug, brachte uns dicht an der Windmühle vorbei, wo ich einen Mann in Seemannshosen bemerkte, der hinter ihr zu spionieren schien. Nur hatten wir ihn natürlich im Rücken.

„Sieh, Alan!“

„Pst!“, sagte er, „das ist meine Angelegenheit.“

Der Mann war zweifellos ein wenig taub durch das Klappern der Mühle, und wir kamen ganz nah heran, bevor er es bemerkte. Dann drehte er sich um, und wir sahen, dass er ein großer Kerl mit mahagonifarbenem Gesicht war.

„Ich glaube, mein Herr“, sagt Alan, „dass Sie Englisch sprechen?“

„Non, monsieur“, sagt er mit einem unglaublich schlechten Akzent.

„Non, monsieur“, ruft Alan und äfft ihn nach. „Ist es das, wie sie dir Französisch auf der Seahorse beibringen? Du großer, gefräßiger Vielfraß, hier ist ein schottischer Stiefel für deinen englischen Hintern!“

Und er sprang ihn an, bevor er entkommen konnte, und versetzte dem Mann einen Tritt, der ihn auf die Nase legte. Dann stand er da, mit einem wilden Lächeln, und sah zu, wie er auf die Beine kam und in die Sandhügel davonlief.

„Aber es ist höchste Zeit, dass ich von diesen leeren Dünen wegkomme!“, sagte Alan; und setzte seinen Weg in höchstem Tempo fort, wir immer noch folgend, zur Hintertür von Bazins Gasthaus.

Es traf sich, dass wir, als wir durch die eine Tür eintraten, James More gegenüberstanden, der durch die andere kam.

„Hier!“, sagte ich zu Catriona, „schnell! Geh nach oben und pack deine Sachen; das ist kein passender Ort für dich.“

In der Zwischenzeit waren James und Alan mitten im langen Raum aufeinandergetroffen. Sie ging dicht an ihnen vorbei, um die Treppe zu erreichen; und nachdem sie ein Stück hinaufgegangen war, sah ich, wie sie sich umdrehte und sie noch einmal ansah, ohne jedoch anzuhalten. Wahrlich, sie waren einen Blick wert. Alan zeigte, als sie sich trafen, eine seiner besten Darstellungen von Höflichkeit und Freundlichkeit, doch mit etwas ausgesprochen Kriegerischem, sodass James die Gefahr von dem Mann roch, wie Leute Feuer in einem Haus riechen, und auf Zwischenfälle gefasst war.

Die Zeit drängte. Alans Lage an diesem einsamen Ort, mit seinen Feinden um ihn herum, hätte Cäsar entmutigen können. An ihm änderte es nichts; und es war in seinem alten Geist der Verspottung und des Scherzes, dass er das Gespräch begann.

„Einen schönen guten Tag noch einmal, Mr. Drummond“, sagte er. „Worum mag es bei jenem Geschäft von dir eigentlich gehen?“

„Nun, da die Sache privat ist und eine ziemlich lange Geschichte“, sagt James, „denke ich, sie kann sehr gut warten, bis wir gegessen haben.“

„Da bin ich mir nicht so sicher“, sagte Alan. „Mir geht es nicht aus dem Kopf, dass es jetzt oder nie sein muss; denn die Tatsache ist, ich und Mr. Balfour hier haben eine Nachricht erhalten, und wir denken an die Weiterreise.“

Ich sah ein wenig Überraschung in James’ Augen; aber er hielt sich tapfer.

„Ich habe nur ein Wort zu sagen, um euch davon abzubringen“, sagte er, „und das ist der Name meines Geschäfts.“

„Sag es dann“, sagt Alan. „Ach! Wer schert sich um Davie?“

„Es ist eine Angelegenheit, die uns beide zu reichen Männern machen würde“, sagte James.

„Erzählst du mir das?“, ruft Alan.

„Das tue ich, mein Herr“, sagte James. „Die einfache Tatsache ist, dass es sich um Clunys Schatz handelt.“

„Nein!“, rief Alan. „Hast du davon erfahren?“

„Ich kenne den Ort, Mr. Stewart, und kann euch dorthin führen“, sagte James.

„Das krönt alles!“, sagt Alan. „Nun, und ich bin froh, dass ich nach Dunkirk gekommen bin. Und das war also dein Geschäft, war es? Halbe-halbe, denke ich?“

„Das ist das Geschäft, mein Herr“, sagte James.

„Nun, nun“, sagte Alan; und dann im gleichen Ton kindlicher Neugier: „Es hat also nichts mit der Seahorse zu tun?“, fragte er.

„Womit?“, sagt James.

„Oder mit dem Burschen, dem ich gerade hinter jener Windmühle in den Hintern getreten habe?“, fuhr Alan fort. „Halt, Mann! Schluss mit deinen Lügen! Ich habe Pallisers Brief hier in meiner Tasche. Du bist erledigt, James More. Du kannst dich nie wieder unter anständigen Leuten blicken lassen.“

James war völlig überrumpelt. Er stand eine Sekunde lang unbeweglich und weiß da, dann schwoll er vor lebendigem Zorn an.

„Redest du so mit mir, du Bastard?“, brüllte er.

„Du schielendes Schwein!“, schrie Alan, versetzte ihm einen schallenden Schlag auf den Mund, und im nächsten Augenblick prallten ihre Klingen aufeinander.

Beim ersten Klang des blanken Stahls sprang ich instinktiv vor dem Zusammenprall zurück. Im nächsten Moment sah ich, wie James einen Stoß so knapp parierte, dass ich ihn für tot hielt; und mir fuhr durch den Kopf, dass dies das Mädchen, ihr Vater war, und in gewisser Weise fast mein eigener, und ich zog mein Schwert und stürzte hinein, um sie zu trennen.

„Bleib zurück, Davie! Bist du wahnsinnig! Verdammt, bleib zurück!“, brüllte Alan. „Dein Blut sei dann auf deinem eigenen Haupt!“

Ich schlug ihre Klingen zweimal nieder. Ich wurde gegen die Wand geschleudert; ich war wieder zwischen ihnen. Sie achteten nicht auf mich und stießen wie zwei Furien aufeinander ein. Ich kann mir nie erklären, wie ich es vermied, selbst erstochen zu werden oder einen dieser beiden Rodomonts zu erstechen, und das ganze Geschehen drehte sich um mich wie in einem Traum; inmitten dessen hörte ich einen großen Schrei von der Treppe, und Catriona sprang vor ihren Vater. Im selben Moment stieß die Spitze meines Schwertes auf etwas Nachgiebiges. Sie kam mir gerötet zurück. Ich sah das Blut auf das Kopftuch des Mädchens fließen und wurde krank.

„Willst du ihn vor meinen Augen töten, und ich seine Tochter nach allem!“, rief sie.

„Meine Liebe, ich bin mit ihm fertig“, sagte Alan, ging hin und setzte sich auf einen Tisch, mit verschränkten Armen und dem blanken Schwert in der Hand.

Eine Weile stand sie vor dem Mann, keuchend, mit großen Augen, dann wirbelte sie plötzlich herum und stellte sich ihm entgegen.

„Verschwinde!“, war ihr Wort, „nimm deine Schande aus meinen Augen; lass mich bei anständigen Leuten. Ich bin eine Tochter von Alpin! Schande über die Söhne von Alpin, verschwinde!“

Es wurde mit so viel Leidenschaft gesagt, dass es mich aus dem Entsetzen über mein eigenes blutverschmiertes Schwert erweckte. Die beiden standen sich gegenüber, sie mit dem roten Fleck auf ihrem Tuch, er so weiß wie ein Laken. Ich kannte ihn gut genug – ich wusste, es musste ihn an der empfindlichsten Stelle seiner Seele getroffen haben; aber er nahm seine Zuflucht zu einer trotzigen Miene.

„Nun“, sagt er und steckte sein Schwert weg, wenn auch immer noch mit einem hellwachen Auge auf Alan, „wenn diese Schlägerei vorbei ist, werde ich nur meine Reisetasche holen –“

„Es geht kein Koffer aus diesem Ort, außer mit mir“, sagt Alan.

„Mein Herr!“, ruft James.

„James More“, sagt Alan, „diese Dame, deine Tochter, wird meinen Freund Davie heiraten, weswegen ich dich mit heiler Haut gehen lasse. Aber nimm meinen Rat an und bringe diese Haut aus dem Gefahrenbereich, bevor es zu spät ist. So wenig du es vermutest, es gibt Grenzen für mein Temperament.“

„Verdammt, mein Herr, aber mein Geld ist da!“, sagte James.

„Das ärgert mich auch“, sagt Alan mit seinem drolligen Gesicht, „aber nun, siehst du, gehört es mir.“ Und dann mit mehr Ernst: „Lass dir raten, James More, du verlässt dieses Haus.“

James schien einen Moment lang in seinem Geist zu suchen; aber man darf annehmen, dass er genug von Alans Fechtkunst hatte, denn er nahm plötzlich seinen Hut vor uns ab und (mit einem Gesicht wie einer der Verdammten) verabschiedete er sich in einer Reihe. Damit war er verschwunden.

Zur gleichen Zeit fiel ein Bann von mir ab.

„Catriona“, rief ich, „ich war es – es war mein Schwert. O, bist du sehr verletzt?“

„Ich weiß es, Davie, ich liebe dich für den Schmerz davon; es geschah bei der Verteidigung dieses bösen Mannes, meines Vaters. Sieh!“, sagte sie und zeigte mir einen blutenden Kratzer, „sieh, du hast einen Mann aus mir gemacht jetzt. Ich werde eine Wunde tragen wie ein alter Soldat.“

Die Freude, dass sie so wenig verletzt war, und die Liebe zu ihrem tapferen Wesen stützten mich. Ich umarmte sie, ich küsste die Wunde.

„Und soll ich vom Küssen ausgeschlossen sein, ich, der nie eine Chance verpasst hat?“, sagt Alan; und er schob mich beiseite und nahm Catriona bei beiden Schultern: „Meine Liebe“, sagte er, „du bist eine wahre Tochter von Alpin. Allen Berichten nach war er ein sehr feiner Mann, und er kann wohl stolz auf dich sein. Wenn ich jemals heiraten würde, dann wäre es das Mark von dir, das ich als Mutter für meine Söhne suchen würde. Und ich trage einen Königsnamen und sage die Wahrheit.“

Er sagte es mit einer ernsthaften Wärme der Bewunderung, die wie Honig für das Mädchen war, und durch sie auch für mich. Es schien uns von all James Mores Schanden reinzuwaschen. Und im nächsten Moment war er einfach wieder er selbst.

„Und nun, mit eurer Erlaubnis, meine Schätze“, sagte er, „das ist alles sehr schön; aber Alan Breck wird dem Galgen ein wenig näher sein, als ihm lieb ist; und bei Gott! Ich denke, das ist ein großartiger Ort, um ihn zu verlassen.“

Das Wort rief uns zur Vernunft. Alan rannte nach oben und kam mit unseren Satteltaschen und James Mores Reisetasche zurück; ich hob Catriona Bündel auf, wo sie es auf der Treppe fallen gelassen hatte; und wir waren gerade dabei, aus diesem gefährlichen Haus aufzubrechen, als Bazin uns mit Schreien und Gestikulationen den Weg versperrte. Er war unter einen Tisch geschlüpft, als die Schwerter gezogen wurden, aber jetzt war er mutig wie ein Löwe. Da war seine Rechnung zu begleichen, da war ein zerbrochener Stuhl, Alan hatte zwischen seinen Esssachen gesessen, James More war geflohen.

„Hier“, rief ich, „bezahl dich selbst“, und warf ihm einige Louisd’or hin; denn ich dachte, es sei nicht die Zeit, um abzurechnen.

Er stürzte sich auf das Geld, und wir gingen an ihm vorbei und rannten hinaus ins Freie. Auf drei Seiten des Hauses eilten Seeleute herbei und schlossen den Kreis; etwas näher bei uns schwenkte James More seinen Hut, als wolle er sie antreiben; und direkt hinter ihm, wie jemand Törichtes, der die Hände in die Höhe hielt, drehten sich die Flügel der Windmühle.

Alan warf nur einen Blick zurück und legte sich ins Zeug, um zu rennen. Er trug ein großes Gewicht in James Mores Reisetasche; aber ich glaube, er hätte lieber sein Leben verloren, als diese Beute wegzuwerfen, die seine Rache war; und er rannte so, dass ich mich abmühte, ihm zu folgen, und staunte und jauchzte, das Mädchen an meiner Seite springen zu sehen.

Sobald wir auftauchten, legten sie auf der anderen Seite jede Maske ab; und die Seeleute verfolgten uns mit Rufen und Jagdgeschrei. Wir hatten einen Vorsprung von etwa zweihundert Yards, und sie waren schließlich nur krummbeinige Seebären, die nicht hoffen konnten, uns bei einer solchen Übung zu übertreffen. Ich nehme an, sie waren bewaffnet, wollten aber ihre Pistolen auf französischem Boden nicht benutzen. Und als ich merkte, dass wir unseren Vorsprung nicht nur hielten, sondern sogar etwas ausbauten, begann ich mich des Ausgangs ganz sicher zu fühlen. Trotz alledem war es ein heißes, flottes Stück Arbeit, solange es dauerte; Dunkirk war noch weit entfernt; und als wir über einen Hügel sprangen und auf der anderen Seite eine Kompanie der Garnison bei einer Übung marschieren sahen, konnte ich sehr wohl verstehen, was Alan meinte.

Er hörte sofort auf zu rennen; und sich den Schweiß von der Stirn wischend, „Es ist ein wirklich hübsches Volk, die französische Nation“, sagt er.

SCHLUSS

Kaum waren wir sicher innerhalb der Mauern von Dunkirk, hielten wir einen sehr notwendigen Kriegsrat über unsere Lage. Wir hatten eine Tochter ihrem Vater mit dem Schwert in der Hand entzogen; jeder Richter würde sie ihm sofort zurückgeben und höchstwahrscheinlich mich und Alan in den Kerker werfen; und obwohl wir mit Kapitän Pallisers Brief ein Argument auf unserer Seite hatten, waren weder Catriona noch ich sehr erpicht darauf, es öffentlich zu verwenden. Aus allen Gründen erschien es am klügsten, das Mädchen nach Paris in die Hände ihres eigenen Häuptlings, Macgregor of Bohaldie, zu bringen, der einerseits sehr bereit wäre, seiner Verwandten zu helfen, andererseits aber gar nicht darauf aus wäre, James zu entehren.

Wir machten eine langsame Reise dorthin, denn Catriona war nicht so geübt im Reiten wie im Laufen und hatte seit dem Jahr Fünfundvierzig kaum noch im Sattel gesessen. Aber wir schafften es schließlich, erreichten Paris früh an einem Sabbatmorgen und beeilten uns unter Alans Führung, Bohaldie zu finden. Er war fein untergebracht und lebte in gutem Stil, mit einer Pension aus dem Schottischen Fonds sowie eigenen Mitteln; begrüßte Catriona wie jemanden aus seinem eigenen Haus und wirkte insgesamt sehr höflich und diskret, aber nicht besonders offen. Wir fragten nach Neuigkeiten von James More. „Armer James!“, sagte er, schüttelte den Kopf und lächelte, sodass ich dachte, er wisse mehr, als er sagen wollte. Dann zeigten wir ihm Pallisers Brief, und er verzog das Gesicht.

„Armer James!“, sagte er wieder. „Nun, es gibt auch schlimmere Leute als James More. Aber das ist schrecklich schlecht. Tst, tst, er muss sich völlig vergessen haben! Das ist ein höchst unerwünschter Brief. Aber trotz alledem, meine Herren, kann ich nicht sehen, wozu wir ihn öffentlich machen sollten. Es ist ein schlimmer Vogel, der sein eigenes Nest beschmutzt, und wir sind alle Schotten und alle Hochländer.“

Darüber waren wir uns alle einig, außer vielleicht Alan; und noch mehr über die Frage unserer Heirat, die Bohaldie in seine eigenen Hände nahm, als ob es eine Person wie James More gar nicht gäbe, und Catriona mit sehr feinen Manieren und angenehmen Komplimenten auf Französisch wegab. Erst als alles vorbei war und auf unser Wohl getrunken worden war, erzählte er uns, dass James in der Stadt sei, wohin er uns einige Tage zuvor vorausgegangen war und wo er nun krank lag und dem Tode nahe war. Ich glaubte am Gesicht meiner Frau zu sehen, wohin ihre Neigung wies.

„Und lass uns ihn dann besuchen gehen“, sagte ich.

„Wie es Euch beliebt“, sagte Catriona. Das war noch in der ersten Zeit.

Er war im selben Stadtviertel untergebracht wie sein Anführer, in einem großen Haus an einer Straßenecke; wir wurden durch den Klang von Hochland-Dudelsäcken hinauf zu der Dachkammer geführt, in der er lag. Es schien, als habe er sich von Bohaldie einen Satz davon geliehen, um sich während seiner Krankheit die Zeit zu vertreiben; obgleich er nicht so geschickt war wie sein Bruder Rob, brachte er doch eine gute Musik dieser Art zustande; und es war sonderbar zu beobachten, wie sich das französische Volk auf der Treppe drängte, und wie manche von ihnen lachten. Er lag auf einer Strohmatte aufgebahrt. Beim ersten Blick auf ihn sah ich, dass er seine letzten Geschäfte erledigte; und zweifellos war dies ein seltsamer Ort für ihn, um zu sterben. Doch selbst jetzt merke ich, dass ich kaum geduldig bei seinem Ende verweilen kann. Zweifellos hatte Bohaldie ihn vorbereitet; er schien zu wissen, dass wir verheiratet waren, beglückwünschte uns zu diesem Ereignis und gab uns einen Segen wie ein Patriarch.

„Ich bin nie verstanden worden“, sagte er. „Ich vergebe euch beiden ohne jeden Hintergedanken“; danach sprach er ganz wie in seiner alten Art, war so gefällig, uns ein oder zwei Stücke auf seinen Pfeifen zu spielen, und lieh sich eine kleine Summe, bevor ich ging.

Ich konnte nicht einmal einen Anflug von Scham in irgendeinem Teil seines Verhaltens feststellen; aber er war groß im Vergeben; es schien ihm immer wieder frisch zu sein. Ich glaube, er verzieh mir jedes Mal, wenn wir uns trafen; und als er nach etwa vier Tagen in einer Art Duft von liebevoller Heiligkeit verschied, hätte ich mir vor Verärgerung die Haare ausreißen können. Ich ließ ihn begraben; aber was ich auf seinen Grabstein schreiben sollte, überstieg mein Vermögen, bis ich schließlich entschied, dass das Datum allein am besten aussehen würde.

Ich hielt es für klüger, alle Gedanken an Leyden aufzugeben, wo wir einst als Bruder und Schwester aufgetreten waren, und es würde sicherlich seltsam aussehen, in einer neuen Eigenschaft dorthin zurückzukehren. Schottland würde für uns ausreichen; und dorthin segelten wir, nachdem ich das wiedererlangt hatte, was ich zurückgelassen hatte, auf einem Schiff aus den Niederlanden.

Und nun, Miss Barbara Balfour (um die Damen zuerst zu nennen), und Mr. Alan Balfour, der Jüngere von Shaws, hier ist die Geschichte nun glücklich zu Ende gebracht. Eine ganze Reihe der Leute, die daran teilhatten, werdet Ihr (wenn Ihr darüber nachdenkt) feststellen, dass Ihr sie gesehen und mit ihnen gesprochen habt. Alison Hastie in Limekilns war das Mädchen, das Eure Wiege schaukelte, als Ihr noch zu klein wart, um es zu wissen, und das mit Euch im Park spazieren ging, als Ihr größer wart. Jene sehr feine, große Dame, die Miss Barbaras Namenspatin ist, ist keine andere als dieselbe Miss Grant, die David Balfour im Hause des Lord Advocate so sehr zum Narren hielt. Und ich frage mich, ob Ihr Euch an einen kleinen, hageren, lebhaften Gentleman in einer zerschlissenen Perücke und einem Überrock erinnert, der sehr spät in einer dunklen Nacht nach Shaws kam und dem Ihr, aus dem Schlaf geweckt und in den Speisesaal hinuntergebracht, unter dem Namen Mr. Jamieson vorgestellt wurdet? Oder hat Alan vergessen, was er auf Mr. Jamiesons Bitte hin tat – ein höchst illoyaler Akt –, für den er nach dem Buchstaben des Gesetzes gehängt werden könnte – nichts Geringeres als das Trinken auf das Wohl des Königs über das Wasser hinweg? Das waren seltsame Machenschaften in einem guten Whig-Haus! Aber Mr. Jamieson ist ein privilegierter Mann und könnte meine Kornscheune in Brand stecken; und der Name, unter dem sie ihn jetzt in Frankreich kennen, ist der Chevalier Stewart.

Was Davie und Catriona angeht, so werde ich Euch in den nächsten Tagen ziemlich genau beobachten und sehen, ob Ihr so dreist seid, über Papa und Mama zu lachen. Es stimmt, wir waren nicht so klug, wie wir hätten sein können, und machten aus dem Nichts eine Menge Kummer; aber Ihr werdet feststellen, wenn Ihr heranwachst, dass selbst die gerissene Miss Barbara und selbst der tapfere Mr. Alan nicht gar so viel klüger sein werden als ihre Eltern. Denn das Leben des Menschen auf dieser unserer Welt ist ein komisches Geschäft. Sie sprechen davon, dass die Engel weinen; aber ich denke, sie müssen sich öfter die Seiten halten, während sie zusehen; und eines hatte ich mir vorgenommen, als ich diese lange Geschichte begann, und das war, alles so zu erzählen, wie es sich ereignete.

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