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Die jenische Sprache

by Engelbert Wittich · in German

Die jenische Sprache. [63.1]

Von Engelbert Wittich.

Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. L. Günther in Gießen.

I. Vorbemerkung. Von Prof. Günther.

Daß das Rotwelsch der Gauner und die mit ihm verwandten sog. Geheimsprachen (der Dirnen, »Kunden«, fahrenden Leute, Hausierer und Händler) heute in langsamem, aber stetigem Abnehmen begriffen sind, unterliegt wohl ebensowenig einem Zweifel wie die Tatsache, daß der zurzeit noch gebräuchliche Rest dieser besonderen Ausdrucksweisen sich in fortwährender Umgestaltung befindet. Daher erwirbt sich jeder, der in der Lage ist, einigermaßen zuverlässige Mitteilungen über den gegenwärtigen Wortbestand jener Jargons zu machen, ein wissenschaftliches Verdienst, ähnlich dem des Ethnologen, der uns die Sprachen aussterbender Naturvölker vor ihrem völligen Verschwinden noch rasch zugänglich macht. Dem Gelehrten, der sich für diese Dinge interessiert, also etwa einem Sprachforscher oder gar einem Kriminalisten, wird es freilich nicht leicht gelingen, die noch heute praktische Verwendung einer Geheimsprache aus eigener Anschauung kennen zu lernen, da die Angehörigen des engeren Kreises, in dem die betreffende Verständigungsart üblich ist, dem fremden, ihrem Tun und Treiben sonst meist fernstehenden Eindringling begreiflicherweise ein gewisses Mißtrauen entgegenzubringen pflegen. Selten sind aber auch Aufzeichnungen von Geheimsprachen durch solche Leute, die sie selber aus der »Praxis« kennen (also nach Art etwa des berühmten Gauner Wörterbuchs des »Konstanzer Hans« von 1791), da dies außer dem Willen, den in der Regel sorgfältig behüteten Schatz der Öffentlichkeit preiszugeben, doch auch schon einen bestimmten Grad allgemeiner Bildung, namentlich aber einen gewissen Sprachsinn voraussetzt.

In der Persönlichkeit des Sammlers des hier zu besprechenden [63.2] Wörterbuches der »jenischen Sprache«, Engelbert Wittich, erscheinen jene Voraussetzungen im wesentlichen erfüllt. Er ist nämlich einerseits von Jugend auf vertraut gewesen mit den Ausdrücken des von ihm veröffentlichten Vokabulars[1], da er unter umherziehenden Handelsleuten und Zigeunern aufgewachsen (wenn nicht gar ein geborener Zigeuner) ist, während er andererseits an seiner im ganzen etwas dürftigen Volksschulbildung als Autodidakt so fleißig weiter gearbeitet hat, daß er sich auf dem Gebiete der »Zigeunerkunde« bei den Fachleuten einen gewissen Namen erworben. Auch den meisten Lesern des »Archivs« dürfte er bereits kein Fremder mehr sein. Seine Schrift »Blicke in das Leben der Zigeuner« (Striegau 1911) ist z. B. im »Archiv«, Bd. 46, S. 363 von Albert Hellwig allen zur Lektüre warm empfohlen worden, weil sie »viel Interessantes« enthalte, und schon in Bd. 31 (1908), S. 134 ff. ist eine von ihm verfaßte kurze Grammatik der Zigeunersprache durch Johannes Jühling herausgegeben worden. Ebenso stammt das von demselben Gelehrten in Bd. 32 (1909), S. 219 ff. veröffentlichte »alphabetische Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« eigentlich von Wittich her[2].

Das — ursprünglich 125 Oktavblätter umfassende — Manuskript der Wittichschen Arbeit, die außer dem eigentlichen Wörterbuch (Nr. V) auch einleitende Bemerkungen (über die jenische Sprache im allgemeinen sowie über veraltet gewordene und aus der Zigeunersprache stammende Vokabeln insbesondere [Nr. II-IV]) und zum Schluß noch »Sprachproben« und »jenische Schnadahüpfel« (Nr. VII u. VIII) enthält, ging mir im Sommer 1914 mit der Bitte des Verfs. zu, die Veröffentlichung — am liebsten in einer Zeitschrift — vermitteln zu wollen. Da mir die [63.3] Sammlung recht interessant und — trotz mancher Mängel — wohl wert erschien, weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden, wandte ich mich dieserhalb an den Herausgeber des »Archivs«, der dafür bereitwilligst die Spalten seiner Zeitschrift zur Verfügung stellte, unter der Bedingung jedoch, daß ich dem Ganzen eine annehmbare wissenschaftliche Gestalt zu geben unternähme. Diese Klausel war allerdings notwendig, denn in der »Urform« ließ das Manuskript nicht nur in der Stilistik (bes. in der »Einleitg.«), Grammatik und Orthographie recht viel zu wünschen übrig, es fehlte auch in dem Wörterverzeichnis durchweg eine alphabetisch genaue Reihenfolge der Vokabeln, ja an manchen Stellen fand sich in dieser Beziehung ein kaum zu beschreibender Wirrwarr, dessen Lichtung sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Auch standen mehrere, zu einzelnen Wörtern gegebene Bemerkungen prinzipieller Art nicht an der richtigen Stelle und mußten daher umgesetzt werden.

[Fußnote 1: ([1] auf S. 63.2) Die Versicherung des Vrfs. (s. unten »Einleitung«, S. 25), daß er das von ihm mitgeteilte Wortmaterial aus eigener praktischer Kenntnis und »nicht aus Büchern« geschöpft habe, erscheint im allgemeinen gewiß glaubwürdig. Immerhin hat er aber bei der Zusammenstellung und Bearbeitung des Stoffs auch wohl einige Bücher zur Hand gehabt, wie sich denn z. B. die Benutzung von Rich. Liebichs Schrift »Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache« (Leipz. 1863) an mehreren Stellen (bes. auch der »Einltg.«) nachweisen läßt. S. Näh. in m. Anmerkgn. zur »Einltg.«; vgl. auch in dieser »Vorbemerkg.« weiter unten S. 16 ff.]

[Fußnote 2: ([2] auf S. 63.2) Aus der Überschrift ist dies übrigens nicht ersichtlich. Ich habe daher in meinen »Beiträgen zum Rotwelsch« usw. (im »Archiv«, Bd. 33, 38 ff.) — in Übereinstimmung mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, 6. Aufl. (1914), S. 503, Anm. 3 — dieses Zigeuner-Vokabular unter Jühlings Namen zitiert und halte daran der Gleichmäßigkeit halber auch in der vorliegenden Arbeit fest. — Über Aufsätze Wittichs in einer anderen Zeitschr. s. noch Groß, a. a. O., S. 511, Anm. 2 a. E.]

Leider hat der Verf. für das Wörterbuch nur die Form »Deutsch-Jenisch« — nicht (bzw. nicht auch) »Jenisch-Deutsch« — gewählt, was eine bessere Übersicht über den geheimsprachlichen Wortbestand gegeben hätte. Um jedoch diesen annähernd zu bestimmen, habe ich am Schlusse des Vokabulars wenigstens die (in zahlreichen Verbindungen und Zusammensetzungen wiederkehrenden) jenischen Stammwörter alphabetisch zusammengestellt (Nr. VI). Auch die »Sprachproben« enthielten noch einige Wörter, die im Glossar ursprünglich fehlten. Ich habe sie diesem eingefügt und durch den Zusatz »Spr.« besonders kenntlich gemacht. Im übrigen wiederholen auch diese Sprachproben nur das Material des Wörterbuchs in zusammenhängender Rede (meist in Gesprächsform)[3], wobei aber mehrfache Wiederholungen und Weitschweifigkeiten anzutreffen waren, die ich fortgelassen habe. Andere Partien dieses Teils mußten wegen ihres obszönen oder doch allzu derben, frivolen Inhalts gestrichen werden. Auch die »Schnadahüpfel« erscheinen in dieser Hinsicht zum Teil recht bedenklich. Da sie jedoch nicht — gleich den Prosastücken — nur der Phantasie Wittichs entsprungen sind, sondern als altüberlieferter Besitzstand der »jenischen Leute« zu betrachten sein dürften[4] und [63.4] mithin eine gewisse kulturgeschichtliche Bedeutung haben, ließ ich sie unangetastet. Zu dem eigentlichen Wörterbuche habe ich fortlaufende Anmerkungen hinzugefügt, auf deren Anordnung und Inhalt weiter unten noch genauer einzugehen sein wird. Zuvor aber möchte ich hier über den Begriff und die Eigenart der von Wittich aufgezeichneten Geheimsprache noch einige nähere Bemerkungen vorausschicken.

[Fußnote 3: ([1] auf S. 63.3) Zu der Nr. 25 der Sprachproben (»Dächlespflanzerulme«) war vom Verf. bemerkt, daß »in dieser Skizze … fast alle Wörter der jenischen Sprache enthalten« seien. Gerade hier mußte ich aber — aus den im Text genannten Gründen — Kürzungen vornehmen.]

[Fußnote 4: ([2] auf S. 63.3) Die in Nr. 1 u. 2 von W. mitgeteilten »Schnadahüpfel« stimmen z. B. nach dem Inhalt und zum Teil auch nach der Form fast ganz mit einigen »Strophen aus Jauner-Liedern« überein, die den »Schmusereyen« im W.-B. des Konstanzer Hans (1791) angehängt sind (s. Kluge, Rotw. I, S. 260).]

Über die als Titel des Ganzen gewählte Bezeichnung »die jenische Sprache« ist zunächst zu sagen, daß sie im vorliegenden Falle nicht etwa schlechthin als gleichbedeutend mit dem Rotwelsch oder der Gaunersprache aufzufassen ist, obwohl sich dieser Sprachgebrauch — dem auch die Etymologie des Wortes »jenisch« nach herrschender Meinung sehr wohl entspricht[5] — etwa seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts nachweisen läßt und dann bis in die Neuzeit hinein erhalten hat[6]. Vielmehr liegt hier eine neuere, engere Auffassung zu Grunde, wonach man unter [63.5] »Jenisch« speziell die Sprache der »Landfahrer«[7], der Hausierer, wandernden Krämer und Händler begreift[8]. Es handelt sich demnach bei der »jenischen Sprache« E. Wittichs um einen süddeutschen Händlerjargon. Die Leute, die sich desselben noch bedienen, sind (nach den eigenen Angaben W.s in seiner »Einleitung«) ihrem Gewerbe nach meist Korbmacher, Bürstenbinder, Schirmhändler, Kesselflicker, Scherenschleifer u. dergl., welche namentlich aus Württemberg, Baden und dem Elsaß, ferner auch aus Bayern stammen. So erklärt sich das Überwiegen der schwäbischen Mundart, insbesondere die weitgehende Übereinstimmung mit den (von Kluge u. a. bereits veröffentlichten) »schwäbischen Händlersprachen«. Diese aber zeigen ihrerseits wiederum eine ganz überraschende Ähnlichkeit mit der süddeutschen, namentlich der [63.6] schwäbisch-badischen Gaunersprache, auch älterer Zeit, also z. B. mit dem »Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch« von 1820, ja sogar mit Quellen aus dem 18. Jahrhundert. Mit den letzteren (also z. B. dem nur handschriftlich überlieferten »Dolmetscher der Gaunersprache« [vgl. Groß' Archiv, Bd. 56, S. 177, Anm. 2], den Mitteilungen von Schöll in seinem »Abriß des Jauner- und Bettelwesens in Schwaben« [1793; vgl. Kluge, Rotw. I, S. 268 ff.] sowie dem — hauptsächlich gleichfalls dem schwäbischen Sprachgebiet angehörenden — Wörterbuch des _Konstanzer Hans[9]) weist gerade auch das Wittich_sche »Jenisch« noch merkwürdig viele Berührungspunkte auf[10].

[Fußnote 5: ([1] auf S. 63.4) Es soll nämlich herstammen vom hebr. jn(h) = »übervorteilen, überlisten«, das auch als das Stammwort von »Gauner« angesehen wird. Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 632 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 490]

[Fußnote 6: ([2] auf S. 63.4) In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes (näml. in der Wiener Kellnersprache 1714 [176]) erscheint es allerdings noch in speziellerem Sinne (»eine gewisse Redensart« [d. h. Sprechweise] der Wiener Kellner, »welche sie die jenische Sprache nennen«), aber schon wenige Jahre später (in der Dillinger Liste 1721 [182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — »jenische Sprache« für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die Ludwigsburger Gesamtliste 1728 erkennen (198: »_Jaunerisch oder Jenisch«). Weitere Belege sind dann: Hildburghaus. W.-B._ 1753 ff. (235); Bierbrauer 1753/58 (242); Sulzer Zigeunerliste 1787 (251: »Die Sprache der Jauner, die Jenische Sprache genannt«); _W.-B. des Konst. Hans 1791 (252: »Die Jauner- oder Jenische Sprache_«; vgl. 258: sie [die Gauner] schmusen auf Jenisch = »sie reden auf ihre Sprache«); Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (260-262); Schöll 1793 (268); Schintermicherl 1807 (288: »Die sog. jennische Sprache«); Reichsanzeiger 1810 (290: jännisch); Pfister 1812 (301: _kochemer Lohschen = jenische Sprache); v. Grolman, Aktenmäß. Gesch._ 1813 (310: »die eigentlichen Gauner, Jenische [oder Romanische] Leute«); Brills Nachrichten 1814 (314); Christensen 1814 (315, 316); Falkenberg 1818 (333, im Titel); Stradafisel 1822 (356: »in der jännischen oder sog. Diebessprache«); v. Grolman 30 u. T.-G. 95 (jenisch = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen; jenische Sprache = Gaunersprache); Wenmohs 1821 (358); _Eberhardts Poliz.-Nachrichten 1828 ff. (364: »Die sog. Jenische oder Kochemer Sprache«); Pillwein 1830 (365: »Die sog. Jähnische Sprache_«); v. Train 1832 (366, im Titel: »… Gauner- u. Diebs-, vulgo _Jenische Sprache«); Karmayer 86-88 u. 158 (jendig, jenisch [auch innig_] = gaunerisch, rotwelsch [innig noch bes. = der jenischen Sprache kundig]; jenig, jenisch, der jenische Stand = alle der jenischen Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; jen(d)ig oder _jendisch parlen = jenisch reden); Castelli 1847 (340); Fröhlich_ 1851 (399: jênisch = gaunerisch, spitzbübisch, auch klug [in dieser Verallgemeinerung hier zum ersten Male; vgl. die gleichsam umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von kochem, Kochemer (= Gauner) vom hebr. chkm = »klug, gescheit«, »der Kluge, Gescheite« (s. Günther, Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; Groß' Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2)]; daher: jênische Leute = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551 (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; jenische Leut = kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; _jenisch kacheln [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); Wiener Dirnenspr._ 1886 (417: jenisch = klug, gaunerisch); Lindenberg 185 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren); Klausmann u. Weien X (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch; jenische Leute = kluge, im Gaunertum erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); Groß 470 (jenisch = klug, gescheit, Gauner; jenisch kacheln = Gaunerspreche reden) u. E. K. 42 (innig = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt mit dem Gaunerwesen vertraut ist); Pollak 217 (Jenisch = Gaunersprache); Rabben 66 (jenisch kacheln = in der Gaunerspreche reden); Ostwald (Ku.) 71 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren; vgl. 72: jenisch kacheln = die Gaunersprache reden).]

[Fußnote 7: ([1] auf S. 63.5) So definiert H. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 93 den Begriff »jenisch« grundsätzlich durch »_wer oder was zu Landfahrern u. dergl. gehört«, und ähnlich sagt Ostwald_ (Ku.) 71: »Jenisch sind alle fahrenden Leute, die nicht vom Sinde (s. [Ku.] 143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind«. Dazu: jenischer Adel = »Landfahrer, Vagabunden« (bei Fischer, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die Kundensprache »jenische Sprache« genannt wird, erklärt Ostwald (Ku.) 71 zwar für »irrtümlich«, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere Bezeichnung Jenisch-Tippern — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch »Kundensprache« wiedergegeben.]

[Fußnote 8: ([2] auf S. 63.5) S. dazu näh. Angaben bei Fischer, a. a. O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als »Jenisch« findet sich ausdrücklich z. B. auch bei Kluge (Rotw. I, Sp. 476 ff., 490), W. Zündel in d. Württembg. V.-J.-Heften für Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. R. Kapff in der Z. f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.]

Worin liegt nun der Grund für diese Erscheinung? Man wird zunächst nur allzu geneigt sein, das Schwabenland als die sog. Ganfer-Medine, d. h. das ehemalige Eldorado aller Gauner[11], dafür verantwortlich zu machen, umso mehr als man ja auch in anderen Gegenden unseres Vaterlandes, so z. B. in dem oberhessischen Vogelsberg, ein — in letzter Linie auf den Einfluß der großen Räuberbanden früherer Jahrhunderte zurückzuführendes — Fortleben rotwelschen Sprachguts innerhalb bestimmter Berufsschichten nachgewiesen hat[12]. Allein damit würde man doch etwas über das Ziel hinausschießen; der Richtigkeit jener Schlußfolgerung steht nämlich die Tatsache entgegen, — daß wie Kluge (Rotw. I, S. 476) über die für die schwäbische Händlersprache von ihm herangezogenen Ortschaften bemerkt hat — »die des Jenischen kundige gewerbetreibende Bevölkerung _nicht einheimisch, sondern in ihren Ursprüngen zum größten Teil von außen_« hereingekommen ist. In gleicher Weise dürfte es sich aber auch bei Wittichs »jenischen Leuten« der Hauptsache nach nicht um seßhafte Eingeborene handeln, worauf schon die offenbar vorliegende (und weiter unten noch näher zu berührende) Vermischung mit Zigeunern, jenem [63.7] Wandervolke par excellence, hindeutet. Auf alle Fälle zulässig bleibt dagegen der Hinweis darauf, daß ja von jeher — schon von den Zeiten des Liber Vagatorum an — das Rotwelsch auch den im Lande umherziehenden Krämern und Händlern geläufig gewesen ist[13].

[Fußnote 9: ([1] auf S. 63.6) Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig erkannt, daß in dieser Quelle besonders »der schwäbische … Dialekt … überall stark hervor«tritt.]

[Fußnote 10: ([2] auf S. 63.6) Vgl. dazu auch schon oben S. 3, Anm. 4.]

[Fußnote 11: ([3] auf S. 63.6) S. dazu Näh. bei Günther, Rotwelsch, S. 7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet auch die erste erfolgreiche Bekämpfung des Gaunertums (durch Männer wie den berühmten »Malefiz-Schenk«, den Oberamtmann Schäffer u. a. m.) eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei E. Arnold in Groß' Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd. 53, S. 121 ff.]

[Fußnote 12: ([4] auf S. 63.6) S. den (von mir mit Erläuterungen versehenen) Aufsatz von H. Weber, »Die Lingelbacher Musikantensprache und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer«, in den »Hess. Blättern für Volkskunde«, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.]

Die Ähnlichkeit unseres »Jenisch« mit der deutschen Gaunersprache zeigt sich nun in den verschiedensten Punkten, nicht zum wenigsten gleich in der starken Durchsetzung mit Wörtern fremden Ursprungs, unter denen wieder — ganz wie beim Rotwelsch sowie bei vielen anderen Händlersprachen — diejenigen, die sich auf das Jüdischdeutsche, in letzter Linie also aufs Hebräische zurückführen lassen, den breitesten Raum einnehmen[14]. Es sei gestattet hier diese Vokabeln, und zwar in alphabetischer Ordnung nach ihrer jenischen Form, näher aufzuzählen[15]. Mit ziemlicher Sicherheit gehören dahin: a) die Hauptwörter[16]: Bäzem = Ei (bzw. Betzam = »männliches Glied«), Beiz = Gasthaus (u. s. Ableitungen, wie Beizer = Wirt usw.), Boschert = Kupfergeld, Pfennig, Bossert = Fleisch, Dofes = Arrest, Gefängnis, Gallach = Geistlicher, Pfarrer, G'far = Dorf, Goi = Frau, Jahre = Wald, Kaffer = Bauer, Mann, Kaim = Jude, Keif = das Borgen, Schulden, Keiluf = Hund, Kenem = Laus, Filzlaus, Kies [63.8] = Geld, Klass = Büchse, Gewehr, Kluft = Kleid (u. s. Abltgn.), Kohl = Lüge (u. s. Abltgn.), Lechem oder Lehm = Brot, Leile = Nacht, Malfes = Rock, Mocham oder Mochum = Dorf, More = Prügel, Streit (bezw. Morerei = Geschrei, Gezänk, das Streiten), Rochus = Zorn, Ruf = Hunger, Schaffel = Scheune, Schenagel = Arbeit (u. s. Ableitgn.), Schmelemer = Zigeuner, Schuk = Mark (als Geldstück), Schure = Ding (dann Aushilfswort für sehr verschiedene Begriffe), Schüx = Mädchen (jedoch nur in der Verbindg. schofle Schüx = Hure), Sore = Ware, Ding, Sache (u. dann Aushilfswort ähnlich wie Schure), Soruf = Branntwein, Ulme(-ma) = Leute (bes. in Verbdgn. u. Zus.); b) die (durch die Endung -e(n) oder -a »angedeutschen«) Zeitwörter[17]: achile(n) (-la) = essen, begeren = sterben, dalfen = betteln, diberen = reden, sprechen, kaspere = betrügen, schmusen (= diberen) u. schwächen = trinken[18]; c) die Eigenschaftswörter[19]: dof oder duft = gut, kochem = gescheit, klug, massig = zornig, molum = berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch[20]; d) das Umstandswort kenn = ja. Dazu treten dann noch als nur mit (größerer oder geringerer) Wahrscheinlichkeit hierhin zu rechnen[21]: a) die Hauptwörter[22]: (Boga = Kuh), Bos = After, Duft = Kirche, Galm (plur. Galma) = Kind, Hamore = Fehde, Streit, Heges = Dörfchen, Johle = Wein, (Kafler = Metzger), [63.9] Kober = Wirt, Lanenger = Soldat, (Lek = Zuchthaus [Arrest, Gefängnis]), (Schuker = Gendarm), Stratz (plur. Stratze) = Kind; b) die Zeitwörter[23]: (baschen = kaufen), derchen = betteln, schef(f)ten = sein, sitzen (gehen, kommen), sicheren = kochen; c) das (auch als Adv. u. Verneinungspartikel gebrauchte) unbestimmte subst. Zahlfürwort: Lore (lore) = nichts (nicht, nein)[24]. Daß übrigens früher die Zahl der Vokabeln hebräischen Stammes sogar noch größer gewesen ist, zeigt die von Wittich in seiner »Einleitung« gegebene Zusammenstellung jetzt veralteter Ausdrücke, von denen die Hauptwörter Bomm = die Schweiz und Jamm = Tag sowie die Zeitwörter holchen = gehen (nebst abgeholcht = fortgegangen) und malochen (wohl für: schiebes malochen) = fortgehen, gehen in diese Gruppe gehören (s. Näh. dazu in den Anmerkgn. zur »Einltg.«).

[Fußnote 13: ([1] auf S. 63.7) Vgl. Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl., Leipzig 1910), S. 71.]

[Fußnote 14: ([2] auf S. 63.7) Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß manche Händler, z. B. in der Pfalz und in Franken für ihren (bes. stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung Lôchne-kôdesch (so in der Pfalz [s. Kluge, Rotw. I, S. 438]) oder Lotekhôlisch (so in Franken [s. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus dem jüd. loschon (ha-)kodesch = die »Sprache der Heiligkeit« oder »heilige Sprache«, d. i. das Hebräische. S. Landau in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der schwäb. Händlerspr. (482) bedeutet lotekorisch nur »jüdisch.« Das Wittichsche Jenisch kennt den Ausdruck (auch dafür) nicht.]

[Fußnote 15: ([3] auf S. 63.7) Über die Etymologie dieser Wörter s. das Näh. in den Anmerkgn. zum W.-B. selbst (unter den betr. deutschen Bedeutgn.).]

[Fußnote 16: ([4] auf S. 63.7) Nur substantivisch gebrauchte Eigenschaftswörter, wie Dof = Glück, Pracht (eigtl. dof = gut) — bzw. nobis Dof = Trübsal (eigtl. = nicht gut), Molum = Rausch (eigtl. m. = berauscht) u. Schofel = Gefahr, Not, Schmach (eigtl. sch. = schlecht) sind nicht hier, sondern unter den Eigenschaftswörtern (lit. c) aufgeführt worden. Ebenso ist für die substantivischen Ableitungen von Adjektiven (wie z. B. Schofelei = Unglück, Schoflerei = Gericht von schofel) oder von Zeitwörtern (wie etwa Kasperer = Betrüger von kaspere, Schmuser = Schwätzer von schmusen u. Schwäche = Viehtränke, Schwächerei = Trank, Trinkgelage von schwächen) auf die Rubriken b u. c zu verweisen.]

[Fußnote 17: ([1] auf S. 63.8) Mit Ausnahme bloßer Ableitungen von (den unter a genannten) Hauptwörtern, wie z. B. eidofema = einkerkern (von Dofes), a(n)kluften, aus-, verkluften = ankleiden, ausziehen, verkleiden (von Kluft), kohlen = belügen, betrügen (von Kohl), schenegeln = arbeiten (von Schenagel), schurele = begatten und in Zus. mit Präpos, für sehr verschiedene Begriffe gebr. (von Schure) u. a. m.]

[Fußnote 18: ([2] auf S. 63.8) Über substantiv. Ableitungen hiervon s. schon S. 7, Anm. 16 a. E.]

[Fußnote 19: ([3] auf S. 63.8) Bloße Ableitungen von Hauptwörtern, wie scheneglich = fleißig von Schenagel), schmelemerisch = zigeunerisch (von Schmelemer), oder von Zeitwörtern, wie begerisch = sterblich, krank (von begeren), diberich u. schmusich = gesprächig (von diberen u. schmusen), sind hier nicht berücksichtigt worden.]

[Fußnote 20: ([4] auf S. 63.8) Über den Gebrauch von dof, molum, schofel als Substantive s. schon oben S. 7, Anm. 16. — Auch begerisch (s. Anm. 19) kommt als Hauptw. (= Siechtum) vor.]

[Fußnote 21: ([5] auf S. 63.8) Die in Klammern gesetzten Vokabeln halte ich persönlich nicht (od. doch nicht in erster Linie) für hebräischer Herkunft. Näh. s. in den betr. Anmkgn. zum W.-B.]

[Fußnote 22: ([6] auf S. 63.8) Bloße substantivische Ableitungen von (den unter b genannten) Zeitwörtern (wie etwa Bascher = Käufer, Dercher = Bettler, Sichere = Küche u. a. m.) sind hier außer Betracht geblieben.]

Sehr groß erscheint auch der Einfluß der Zigeunersprache auf unser Glossar. Schon die Zahl der mit Sicherheit unmittelbar hieraus übernommenen Vokabeln steht nämlich nur wenig hinter derjenigen der Wörter hebräischer Herkunft zurück, während sie die der sonst in rotwelschen Quellen oder in anderen Krämersprachen etwa anzutreffenden Mengen von Ausdrücken dieser Art erheblich übersteigt. Nur bei dem Jenisch der schwäbischen Händler in Unterdeufstetten macht sich — wie Rudolf Kapff (in der Zeitschr. für deutsch. Wortforschg., Bd. X. S. 214) nachgewiesen — ebenfalls ein stärkerer zigeunerischer Einschlag bemerkbar. Während aber hier die Wörter dieses Stammes immerhin etwa zwei Dutzend nicht übersteigen, sind sie im Wittich'schen Vokabular ungefähr auf die doppelte Summe zu schätzen. Da der Verf. in seiner »Einleitung« selber ein genaueres Verzeichnis dieser Vokabeln angefertigt hat, kann hier auf ihre Aufzählung verzichtet werden; jedoch sei der Vollständigkeit halber bemerkt, daß dort einerseits die weiteren Ableitungen von den zigeunerischen Stammwörtern (wie z. B. die Zeitw. lubnen = »huren« und matschen = fischen zu Lubne = Hure und Matsche = Fisch oder das Adj. bogelich = gierig u. dergl zu Bog[g]elo = Hunger) nicht berücksichtigt sind, während andererseits [63.10] einige der aufgezählten Vokabeln auch unmittelbar — nicht erst durch Vermittlung der Zigeuner — aus dem Deutschen oder aus anderen Sprachen ins Jenische eingedrungen sein könnten (Näh. s. in den Anmerkgn. zur »Einleitg.«; vgl. auch gleich weiter unten die Anm. 26). Mit der bloßen Rezeption der äußeren Form erscheint übrigens die Einwirkung des Zigeunertums auf die Wittichsche Händlersprache noch lange nicht erschöpft, vielmehr ist auch noch in einer ganzen Reihe von — ihrer äußeren Erscheinung nach dem Deutschen oder anderen Sprachen zuzuweisenden — jenischen Ausdrücken begrifflich die besondere Anschauungs- und Denkweise des Zigeunervolks deutlich wahrnehmbar. Das Nähere hierüber ist aber besser erst weiter unten in anderem Zusammenhange mitzuteilen.

[Fußnote 23: ([1] auf S. 63.9) Ausgenommen solche, die (wie z. B. kafleren = schlachten u. ei'leken = einkerkern) sicher oder (wie z. B. bosen [bosme] = lecken) vielleicht erst wieder von den unter a genannten Hauptwörtern (Kafler, Lek, Bos) abgeleitet sind. S. das Näh. in den einschläg. Anmerkgn. zum W.-B.]

[Fußnote 24: ([2] auf S. 63.9) Selbständige Eigenschaftswörter dieser Art sind nicht vorhanden. Für bloße adjekt. Ableitungen (wie z. B. dercherich = bettelhaft, dürftig von dem Zeitw. derchen) sei auf die Anmerkgn. zum W.-B. verwiesen.]

Von sonstigen fremden Sprachen haben nur das Lateinische[25] und seine beiden Haupt-Töchtersprachen, das Französische und Italienische, etwas breitere Spuren hinterlassen[26], während sich auf das Slawische und auf die nordischen Sprachen mit Bestimmtheit nur ganz wenig zurückführen läßt.[27]

[Fußnote 25: ([1] auf S. 63.10) S. z. B. Patris = Vater, wohl auch g'want = anmutig u. dergl. (von quantum) und Ki(e)bes = Kopf (von caput) sowie nobis = nicht, das jedoch in erster Linie dem Italienischen zuzuweisen sein dürfte (s. das Näh. im W.-B. unter »Dietrich«), ebenso wie Vergondert = Konkurs und bosten = gehen (vermittelt durch unsere Lehnwörter Gant und Post). Auf ältere Lehnwörter aus dem Lateinischen gehen vermutlich noch zurück Kolb = Pfarrer und Sins = Herr (s. das Näh. im W.-B. selbst), während zu durme = schlafen, ruhen, liegen wohl zunächst das Französische (dormir) heranzuziehen sein dürfte. Vgl. auch die Latinisierungen auf -us bei Wörtern deutscher oder fremder Herkunft (wie Bikus = Essen, Rochus = Zorn).]

[Fußnote 26: ([2] auf S. 63.10) S. für das Französische: Bommerling = Apfel (von pomme), Mamere = Mutter(= »ma mêre«), Scharrisele = Kirschen (von cerises), ferner Feneter = Fenster und Furschet = Gabel (die Wittich in seiner »Einltg.« beide unter den Zigeunerwörtern aufgeführt hat; s. dort in den Anm. das Näh. dazu). Über durme s. schon die vorige Anm. Das Zeitw. baschen = kaufen (vgl. oben S. 9) — vielleicht vom französ. passer — kann auch dem Italienischen (passare) zugeteilt werden. Mehr vom ital. grande als vom französ. grand beeinfußt worden ist ferner wohl grandich = groß usw. In erster Linie italien. Herkunft sind endlich nobis (s. oben Anm. 25) und Strade = Weg, Straße. Über Fehte = »Quartier« s. das W.-B. unter »Hauswirt«. Über Vergondert und bosten vgl. oben Anm. 25.]

[Fußnote 27: ([3] auf S. 63.10) Auf das Slawische (Polnische) nämlich: sicher Rawine = Leiter (nur vielleicht auch Bauser = Angst bezw. bausen = fürchten und Stöber = Baum); s. das Näh. im W.-B. unter »Leiter«, »Angst« und »Apfelbaum«; auf das Nordische (Schwedische usw.): Fehma = Hand (und vielleicht auch [das damit wohl zusammenhängende] Zeitw. febern = schreiben); s. das Näh. im W.-B. unter »Hand« und »abschreiben«.]

Auch abgesehen von der »Sprachenmischung« treffen wir weiter in unserem [63.11] Jenisch fast alle charakteristischen Kennzeichen des Rotwelschs an. So begegnet man beinahe auf jeder Seite des Vokabulars einer der typischen rotwelschen Endungen -erich, -ert (aus dem ältern -hart) und -ling (-linger) bezw. -ing (vgl. z. B. Toberich = Tabak, Glansert = Glas, Rauschert = Stroh, Flössling oder Schwimmerling = Fisch, Hitzling = Ofen usw.), die übrigens auch — ganz wie es bei den Gaunern üblich — an Wörter fremden Stammes angehängt sind (vgl. z. B. Schwächerich = Durst, Boschert = Pfennig, Bossert = Fleisch [sämtl. aus d. Hebr.], Babing = Gans [aus d. Zigeun.], Bommerling = Apfel [aus dem Franz.]). Weiter finden sich mehrfach Fälle der — zu größerer Unkenntlichmachung der ursprünglichen Form dienenden — Abbreviaturen (und zwar in der Form der sog. Aphärese, d. h. der Weglassung der Anfangssilbe[n], wie Bolla [= Kartoffeln] statt und neben Schundbolla, Staude [= Hemd] statt [rotw.] Hanfstaude, höchstwahrscheinlich auch Boga [= Kuh] statt Horboga und vielleicht auch Bos [= After] statt Schundbos [vgl. das Näh. in den Anm. zum W.-B.]), und vereinzelt erscheint auch eine sog. Transposition (nämlich bei Kopel = Beinkleid, Hose, vermutl. statt zigeun. cholep). Bei der Begriffsbildung tritt u. a. auf der Gebrauch des »pars pro toto« (wie z. B. Langohr = Hase) und von Eigennamen als Gattungswörtern (s. z. B. Lattenkarle oder August mit dem Ofenrohr = Gendarm), auch für Tiere und Sachen (vgl. Hornikel = Ochse, Groenikel = Schwein [zu Ni(c)kel, Kurzform von Nikolaus], Dietz [wohl Kurzform von Dietrich] = penis, Blauhanze = Zwetschgen), die auch noch auf andere Weise personifiziert erscheinen (vgl. Lachapatscher = Ente, Strohbutzer = Gans sowie das merkwürdige Jerusalemsfreund = Schaf [s. Näh. in den Anm. zum W.-B. unter »Hammel«]; Linzere = Brille, Stradelinzer = Wegweiser u. a. m.), endlich das weite Gebiet der (im Rotwelsch so beliebten) Metaphern oder Begriffsübertragungen (wie z. B. Hasa [d. h. Hasen] = Flöhe, Schundflederling [eigtl. »Dreckvogel«] = Mistkäfer, Kupferflederling [eigtl. »Heuvogel«] = Heuschrecke; Schlang = Kette, Fuchs, Füchsle = Gold, Goldstück, Frösch = Monate; Dächle = Regenschirm, Galgennägel = Rüben usw.).

Während sich in allen diesen und noch manchen anderen Erscheinungen der mehr oder weniger enge Anschluß an rotwelsche Vorbilder unschwer erkennen läßt[28], weist unser Jenisch auch einige ihm speziell eigene, [63.12] überall hervortretende Besonderheiten auf. Es sind dies namentlich: die stark ausgeprägte mundartliche Färbung der Vokabeln und die auffällig große Zahl von (oft recht langen) Zusammensetzungen oder Verbindungen mehrerer Wörter miteinander.

[Fußnote 28: ([1] auf S. 63.11) Hingewiesen sei bes. auch noch auf die fast ganz mit dem Rotwelsch übereinstimmende Bildung der Standes- und Berufsbezeichnungen, namentlich in der Form von Zusammensetzungen mit gewissen substantisierten Tätigkeitsformen, wie Pflanzer (vgl. Groß' Archiv, Bd. 46, S. 12 ff.) — so z. B. Funkpflanzer = Heizer, Schrendepflanzer = Zimmermann — und Schenegler (vgl. Archiv, Bd. 46, S. 304ff.) — so z. B. Bichschenegler = Münzarbeiter, Hitzlingschenegler = Ofensetzer — oder mit selbständigen Hauptwörtern mit der Bedeutung »Mann« (»Herr«, »Kerl«, »Bursche« u. dergl.) bezw. — für weibl. Personen — »Frau« (»Mädchen«), wie Kaffer (vgl. Archiv, Bd. 48, S. 328 ff.), Gadscho (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 331 ff.), Sins (vgl. Archiv, Bd. 38, S. 270), Benk (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.), Freier (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.), Fiesel (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 157 ff.) oder (für weibl. Pers.) Moss und Model (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.). Beispiele: Leilekaffer = Nachtwächter, Rädlingskaffer = Fuhrmann; Begergadscho = Leichenbeschauer; Begersins = Arzt, Sturmkittsins = Ratsherr; Rattebenk = Nachtwächter, Stradebenk = Straßenwärter; Fehtefreier = »Quartierbursche«; Verkemersfiesel = Handelsbursche, Sicherfiesel = Koch; Deiselmoss = Hebamme, Begermoss = Leichenfrau; Galmamodel = Kindermädchen usw.]

Die dialektische Ausgestaltung der Wörter — die natürlich durchweg die süddeutsche, insbesondere schwäbische Eigenart an sich trägt[29], geht zuweilen so weit, daß die ursprüngliche Grundform nur noch schwer zu erkennen ist. So hat z. B. Klettert = Tisch nichts mit unserm Zeitwort »klettern« zu tun, sondern ist nur eine schlechte Aussprache von Glättert = Glatthart, und Blatt (= blatt) pflanzen = im Freien übernachten gehört nicht etwa zu dem Subst. Blatt, sondern zum Adj. platt (vgl. auch baschen, Bommerling u. ä. statt [der sonst — im Rotw. usw. — vorherrschenden Formen] paschen, Pommerling; bugle und bukle = tragen, gril(l)isch u. kril(l)isch = protestantisch, Gluber u. Kluper = Uhr u. a. m.). Fast noch häufiger als die Konsonanten erscheinen die Vokale verändert. So finden sich z. B. neben den Formen Groenert, Groenikel, Ruedel, nuschig auch die breiteren: Groanert, Groanikel, Ruadel, nuaschig, neben Kunde, Rundling, Schund auch Konde, Rondling, Schond, und besonders beliebt erscheint der Wechsel zwischen den Buchstaben i und e. Man [63.13] vergleiche: nobis und nobes, Patris und Patres, linzen und lenzen, link und lenk. Auch die Endung -ling ist demgemäß (wie Wittich auch in seiner »Einleitung« selber betont hat) häufig zu -leng umgewandelt worden. Da hierbei indessen nur völlige Willkür (nicht irgendeine bestimmte Sprachregel) geherrscht zu haben scheint, so erübrigt es sich, die einzelnen Gruppen der nur auf -ling, nur auf -leng und der bald auf die eine, bald auf die andere Weise auslautenden Wörter genauer gegenüberzustellen[30]. Auch bei anderen Endungen von Hauptwörtern oder solchen von Zeitwörtern sind bald die Formen der Mundart, bald die der Schriftsprache, bald beide nebeneinander gewählt worden (vgl. z. B. Fehma = Hand, Hasa = Flöhe, Bolla u. Bolle = Kartoffeln, Buxa u. Buxe = Hose, Ulma u. Ulme = Leute, Schei u. Schein = Tag, Kollerin = Müllerin, aber Deislere = Wöchnerin, Stichlere = Schneiderin; fuchsa = erzeugen, fu(h)la od. schmelza = cacare, i. d. R. auch: achila od. kahla = essen; budera = begatten, kaspere = betrügen, schlummere = liegen, toberiche = rauchen; biken od. butten = essen, bosten od. pfichen = gehen; dagegen [in Zus.]: bohla, bohle und bohlen = fallen, pfladera [-re, -ren] = waschen, ruadla [-le, -len] = fahren usw.). Als eine spezifisch schwäbische Endung von Hauptwörtern dürfte wohl -ete (od. -ede) angesehen werden, die uns (nach Analogie etwa von Gäutschete = Schaukel zu gautschen = schaukeln [s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp, 109[31]]) z. B. in Buklete = Traglast, Dämpfete = Zigarre, Flösslete = Urin, Schmelzede = »Abweichung« (Diarrhöe) und — auch an einen fremden (zigeun.) Stamm angehängt — in Fu(h)lete (= Schmelzede) entgegentritt[32]. Sehr beliebt erscheint auch die bekannte süddeutsche substantivische Verkleinerungsform -le[33]. Die gewöhnliche Adjektiv-Endung schreibt Wittich regelmäßig [63.14] -ich, nur ausnahmsweise -ig (so z. B. neben grandich seltener auch grandig, neben muffich auch mufig); eine kleinere Gruppe dieser Wortgattung endigt auch auf -isch (so z. B. begerisch, biberisch, gril[l]isch, jenisch, wo[h]nisch, schmelemerisch).

[Fußnote 29: ([1] auf S. 63.12) Ausnahmen, wie z. B. die dem Rotwelsch entlehnten, ursprünglich dem niederd. Sprachgebiet angehörenden Vokabeln Buxa(-e) = Hose u. schlummere = liegen (eigtl. »schlafen«, arg.: Schlumerkitt = Herberge) oder wie Strauberts = Haare, das wohl mit dem norddeutsch. Plural-S, wie in »Jungens«, »Mädchens«, versehen sein dürfte, bestätigen nur die Regel.]

[Fußnote 30: ([1] auf S. 63.13) Merkwürdig ist, daß zuweilen bei demselben Worte der Singular auf -leng, der Plural dagegen auf -ling gebildet worden, so z.B. bei Schmaleng = Katze u. Stupfleng = Igel.]

[Fußnote 31: ([2] auf S. 63.13) Mehrere ähnliche Beispiele enthält auch das Pleißlen der Killertaler (s. Kluge, Rotw. I, S. 435, 436).]

[Fußnote 32: ([3] auf S. 63.13) Dagegen ist die Endung -es (wie z. B. in Benges = Bursche u. dgl., dambes [eigtl. Rausch, dam = berauscht], Guf(f)es = Prügel) auch sonst im Rotw. u. den verw. Geheimsprachen bekannt (vgl. Pott, Zigeuner II, S. 33, Nr. 2), aber in den einzelnen Fällen wohl verschieden zu deuten (s. Pott I, S. 103, 104; vgl. auch Behaghel, Deutsche Sprache [5. Aufl. 1911], S. 308). Bei Guf(f)es erblickt Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 in -es die abgeschwächte hebr. Plural-Endg. -ôth.]

[Fußnote 33: ([4] auf S. 63.13) Auch sie ist (wie ebenfalls sonst in den Geheimsprachen) nicht nur an Wörter deutschen Stammes, sondern auch an solche fremder Herkunft angehängt worden (s. z. B. Käfferle, zu Kaffer [aus dem Hebr.]; Doberle = Beil, zu Dober = Axt, Gachnele = Küchlein, d. h. Hühnchen, zu Gachne = Henne, Huhn, u. Gaschele = Kinder, eigtl. »kleine Leute«, zu Gasche od. Gadsche = Leute, plur. von Gadscho = »Kerl« [alle drei aus dem Zigeun.], Sinsle = Junker, zu Sins = Herr [vermittelt wohl durch e. latein. Lehnwort], Scharrisele = Kirschen [aus dem Französ.]). Im übrigen ist noch zu beachten, daß sie nicht immer bloß eine Verkleinerung gegenüber dem Stammwort bedeutet (wie dies z. B. allerdings der Fall bei Fi[e]sele od. Freierle = Junge, Knabe [zu Fi[e]sel, Freier = Bube, Bursche (Jüngling) bezw. fremder Bursche], Mössle = Jungfrau [zu Moss = Frau], Schmalerle = Kätzchen [zu Schmaler = Katze], Trabertle = Füllen [zu Trabert = Pferd] u. a. m.; vgl. auch noch Doberle = Beil [zu Dober = Axt; s. oben], Füchsle = Goldstück [zu Fuchs = Gold], Späusle = Splitter [zu Spraus = Holz]), sondern zuweilen den ursprünglichen Begriff auch vollständig verändert (s. bes. Schwächerle = Brust, Euter [aber Schwächer = Rausch, Trunkenheit], Krächerle = Nuß [aber Kracher = Wald]; vgl. auch Schurele u. Schure [worüber Näh. im W.-B. unter »abbiegen«] u. Hegesle = Knödel u. Heges = kleines Dorf [bei denen aber wohl kein gleicher Stamm zu Grunde liegen dürfte]). Eine Mittelstufe nehmen ein die Ausdrücke Kittle (zu Kitt = Haus), da es in Wittichs Vokabular sowohl »Gartenhaus« als auch spezieller »Arrest, Gefängnis« bedeutet (wie im Rotw. Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar »Junggeselle« und »Greis«, aber auch den »männlichen Samen« bedeutet [s. zu letzterer Bedeutg., die eine längere Erklärung erfordert, das Näh. in den Anm. zum W.-B. unter »Onanie treiben«). Manchmal findet sich endlich sogar nur die Verkleinerung als selbständiger Begriff, während ein entsprechendes unverkleinertes Stammwort (wenigstens im Jenischen) fehlt, so bei Dächle = (Regen-)Schirm, Räp(p)le = Mark, Scharrisele = Kirschen, Schuberle = Geist, Gespenst, Steinhäufle = Stadt, Stupfle = Dorn.]

Was sodann die zahlreichen Zusammensetzungen (bezw. Verbindungen) anbelangt, so dürften hierbei zunächst prinzipiell zwei Gruppen zu unterscheiden sein. Bei einer kleineren Kategorie dieser Fälle handelt es sich einfach um wörtliche Übersetzungen von Ausdrücken, die zum Teil auch im Deutschen schon etwas lang erscheinen, ins »Jenische«, und dabei mag den Verfasser eine gewisse philologische Freude an diesen Gebilden dazu verleitet haben, seinem Wörterbuche auch solche zungenbrecherischen Kompositionen wie z. B. Hornikelgielblättlingschottel (= Ochsenmaulsalatschüssel) einzuverleiben[34], die in der Praxis des täglichen Lebens doch kaum je in ihrer ganzen Fülle ausgesprochen zu [63.15] werden pflegen. Wesentlich anders liegt dagegen die Sache bei der Mehrzahl der Zusammensetzungen oder Verbindungen, insofern sie nämlich als wirklich notwendige Umschreibungen für Begriffe eingestellt sind, für die es im Jenischen überhaupt keine selbständigen Wörter gibt, wobei übrigens der Vollständigkeit halber noch bemerkt werden muß, daß außer diesem Notbehelf auch noch mancherlei andere Mittel, das Fehlende zu ersetzen, Verwendung gefunden haben. So erscheinen z. B. nicht nur (wie ja nicht selten auch in unserer Gemeinsprache) Zeitwörter als Aushilfe für Substantive, sei es in Form des Infinitivs[35] oder von Partizipien[36], sondern es sind — nach Vorbildern im Rotwelsch[37] — auch Adjektive in gleicher Weise oder umgekehrt Hauptwörter für Eigenschaftswörter gebraucht worden[38], und endlich haben dann noch [63.16] viele Substantive eine Verengerung vom Gattungsbegriffe zur Artbezeichnung erfahren. Namentlich kommt dies für im Jenischen nicht vorhandene Bezeichnungen einzelner Tiere und Pflanzen vor, so wenn Kib = Hund auch den Pudel bedeutet, Flössling (Schwimmerling oder Matsche) = Fisch auch den Karpfen oder Hering (argum. Flösslingschottel = Heringsbüchse), Flederling (od. Fläderling) = Vogel auch Elster, Kuckuk, Star und Taube, oder wenn Stöber = Baum auch für Birke, Buche, Eiche und Fichte gebraucht wird, Kupfer = Frucht, Getreide auch Heu, Klee, Häcksel und die meisten Getreidearten (wie Hafer, Roggen, Weizen) umfaßt usw.[39]. Auf die ganz ungeheure Ausdehnung, welche in Wittichs Jenisch besonders noch die Bezeichnungen Sore und — mehr noch — Schure (eigtl. wohl nur »Ware«, dann »Ding«, »Sache«) als Aushilfsmittel für alles Mögliche (z. B. nicht nur für leblose Gegenstände, sondern auch für abstrakte Begriffe, ja selbst für Tiere) erfahren haben, hat der Verf. in seiner »Einleitung« (S. 24) selber ausdrücklich hingewiesen[40] (vgl. für die Einzelheiten, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, m. Anmerkgn. zu den Wörtern »abbiegen« und »Brücke« im W.-B.). Da solche Begriffsverengerungen aber doch mehr oder weniger etwas Gewaltsames, Künstliches an sich haben, so erklärt es sich unschwer, daß man sie nicht ungern durch irgendeinen Zusatz doch häufig noch etwas näher gekennzeichnet oder m. a. W. eben jene Gruppe umschreibender Zusammensetzungen oder Verbindungen verwertet hat, von denen vorhin schon die Rede gewesen. So sind doch z. B. Schallerfleterling (d. h. »Singvogel«) für die Amsel oder den Kanarienvogel, grandicher Flederling (d. h. »großer Vogel«) für den Adler, oder Spronkert-Flössling (d. h. »Salzfisch«) für den Hering schon viel nähere Kennzeichnungen jener Tiere als das einfache Flederling und Flössling.

[Fußnote 34: ([1] auf S. 63.14) Dieses Beispiel steht keineswegs etwa vereinzelt da; vgl. u. a. auch noch Krachersäftlingbrandling = Heidelbeerkuchen u. Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht.]

[Fußnote 35: ([1] auf S. 63.15) So z. B. Bereime u. Zeine (doch wohl beides eigtl. = bereime[n], zeine[n] = zahlen) = Zahlung, Dupfen (eigtl. = stechen) = Stich, Muffen (eigtl. = riechen) = Geruch, Glemsen (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter Begriffsverengerung) Bleisgeren oder Pfreimen (eigtl. = zahlen) = Steuern.]

[Fußnote 36: ([2] auf S. 63.15) So z. B. Begert (eigtl. = gestorben) = Leiche, Verdibert (eigtl. = verraten) = Verrat, Vergondert (eigtl. wohl = »vergantet«, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, Vergrönt (eigtl. = verheiratet) = Ehe, Vermuft (eigtl. etwa = »verfault«, dann verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. — Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für Adjektive vor (so z. B. begert = tot, gefebert [geschrieben] = schriftlich, grandich bikt [viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: _gneis nobis (eigtl. »[ich] kenne nicht«] = unbekannt, hauret nobis_ (eigtl. »[es] ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (eigtl. »[er, sie, es] stirbt nicht«) = unsterblich u. a. m.]

[Fußnote 37: ([3] auf S. 63.15) Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 63, Anm. 64.]

[Fußnote 38: ([4] auf S. 63.15) Beispiele: a) _Gebrauch von Adjektiven für Substantive: Mit Flexion der Adjektive (also z. B. Wo[h]nischer_ = Katholik, nobis Dofs [d. h. eigtl. »nichts Gutes«] = Übel) kommt dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv erhoben worden, s. z. B. die schon oben S. 7, Anm. 4, in anderem Zusammenhange erwähnten Wörter Dof (bezw. nobis Dof), Molum u. Schofel, für letzteres als Synon. auch Lenk, ferner Bauserich (eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, Begerisch (eigtl. krank) = Siechtum, Biberisch (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost, Dercherich (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, Grandich (groß) = Höhe, Gewalt u. a. m.; über Flu(h)tich = Nässe s. lit. b am Ende; über Stumpf = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) _Gebrauch von Substantiven für Adjektive: schwächer (Rausch) u. dambes_ (eigtl. wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, kohl (Lüge) = verlogen, leile u. ratte (Nacht) = dunkel, schei(n) (Tag, Helle) = hell; vgl. auch flu(h)te = naß, während Flu(h)tich für »Nässe« angeführt ist, wobei aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten (Schreibfehler?).]

Hier ist nun die Stelle, wo noch etwas näher auf den Einfluß hinzuweisen ist, den — gerade bei dieser Art von umschreibenden Aushilfs- oder Ersatzbegriffen — die Zigeunersprache geübt hat. Wenn man z. B. Wittichs Glossar mit dem »deutsch-zigeunerischen Wörterbuch« bei Liebich (Die Zigeuner usw. S. 171 ff.) vergleicht, wird man erstaunt [63.17] sein, dort die allermeisten dieser Sprachgebilde — nur eben in zigeunerischer Form — wiederzufinden. Sehr zahlreich sind zunächst die Übereinstimmungen mit den — auch im Jenischen — durch Verbindungen von Substantiven und Eigenschaftswörtern umschriebenen Begriffen, wie z. B.: grandicher Kaffer (zig. bāro gādscho[41]), d. h. »großer Mann« = Riese, grandicher Sins (zig. bāro rai), d. h. »großer Herr« = Amtmann, Richter u. dergl. m.[42], grandich Babing od. Strohbutzer (zig. bāro pāpin), d. h. »große [od. größte] Gans« = Schwan, grandiche Schrende (zig. bāri tattin od. isma), d. h. »große Stube« = Saal, grandicher Kies (zig. bāro parr), d. h. »großer Stein« = Felsen, grandicher Funk (zig. bāro jāk), d. h. »großes Feuer« = Feuersbrunst[43]; oberkünftiger Giel (zig. pralduno mui), d. h. »oberes Maul« = Gaumen, unterkünftiger Tritt (zig. telstuno pīro), d. h. »unterer Fuß« = Fußsohle, näpfiger Schund (zig. danterpáskero tschikk), d. h. »beißender Dreck« = Kalk, _g'funktes Gib_ (zig. chadschēdo gīb), d. h.: »gebranntes Getreide« = Malz, nobes dofer Glitschin (zig. tschi tschātschi glitin), d. h. »kein guter [rechter] Schlüssel« = Dietrich und noch gar vieles andere, wofür hier auf das W.-B. selbst verwiesen werden muß[44]. Ebenso steht es mit derartigen jenischen Zusammensetzungen im e. S. (d. h. der in einem Wort geschriebenen Bildungen aus mehreren Substantiven u. dergl.), nur daß die Zigeuner auch hierbei regelmäßig die Form der lockereren Verbindung (u. zwar meist von Haupt- und Eigenschaftswörtern) kennen. [63.18] Auch dafür nur einige Beispiele, die zugleich die charakteristische Denkweise der braunen Söhne des Ostens besonders ins Licht rücken: Schwächerlemamere (zig. tschutschĭnéngeri dai), d. h. »Brustmutter« = Amme, Trittgriffling (zig. heréngĕro gus[ch]to), d. h. »Fußfinger« = Zehe, Stöberschmaler (zig. rukkéskri mádschka), d. h. »Baumkatze« = Eichhörnchen, Mufferhorboga (zig. nakkéskĕri gurumni), d. h. »nasige Kuh« = Nashorn, Leile- oder Ratteflederling (zig. rattjakro tschirkŭlo), d. h. »Nachtvogel« = Eule, Begerflederling (zig. muléskĕro tschirkŭlo), d. h. »Totenvogel« = Käuzchen, Steineule, Schmuserfläderling (zig. rakkerpáskĕro tschirkŭlo), d. h. »der sprechende Vogel« = Papagei[45], Koelegroenert (zig. bengeskĕri trab), d. h. »Teufelskraut« = Unkraut, Begerkittle (zig. mīleskĕro kēr), d. h. »Totenhäuschen« = Sarg, Bossertschei (zig. [auch], massĕlo diwes), d. h. »Fleischtag« = Sonntag, Bäzamaschei (zig. jāringĕro diwes), d. h. »Eiertag« = Karfreitag, Bäzemaweisling (zig. [u. a. auch] jāringĕro gurko), d. h. »Eiersonntag« = Ostern usw.[46]

[Fußnote 39: ([1] auf S. 63.16) Vgl. auch noch Lanenger (Soldat), sowohl = Infanterist wie Kavallerist (»Husar«), Begerisch = Siechtum im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.]

[Fußnote 40: ([2] auf S. 63.16) S. daselbst auch über das — gleichfalls eine Art Aushilfsfunktion versehende — von Schure abgeleitete Zeitw. schurele (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. pflanzen.]

[Fußnote 41: ([1] auf S. 63.17) Die zigeunerischen Ausdrücke sind im folgenden ausschließlich nach dem Werke von R. Liebich über die Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren Wörterbüchern (vgl. unten S. 22) keines eine deutsch-zigeunerische Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen, ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.]

[Fußnote 42: ([2] auf S. 63.17) S. Näh. noch im W.-B. unter »Amtmann«. Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im Wittichschen Jenisch, wonach über grandicher (als Komparativ aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) grandich — als Superlativ — steht, so daß z. B. grandich Sins mehr als _grandicher Sins_, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter »Bischof«), ist der Zigeunersprache unbekannt.]

[Fußnote 43: ([3] auf S. 63.17) Noch weitere Verbindungen dieser Art mit grandich s. im W.-B. in der Anm. zu »Adler«.]

[Fußnote 44: ([4] auf S. 63.17) Außer Verbindungen von Haupt- und Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von _mehreren Hauptwörtern, wie z. B. Patris und Mamere_ (zigeun. o dad te i dai), d. h. »Vater und Mutter« = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für (im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. Flu(h)te bostet mer herab (zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. »(das) Wasser läuft mir herab« = ich schwitze.]

Man könnte nun geneigt sein, anzunehmen, daß Wittich, dem ja die Zigeunersprache ganz geläufig ist, einfach die zigeunerischen Umschreibungen ins »Jenische« übersetzt habe. Allein dem steht die Tatsache entgegen, daß in vielen ähnlichen Fällen keine wörtliche Übereinstimmung, vielmehr nur eine gewisse Analogie zwischen »Jenisch« und »Zigeunerisch« besteht[47], ja in manchen sogar auch das nicht einmal, sei es, daß die Zigeuner ihre Umschreibung einem anderen [63.19] Vorstellungskreise entnommen haben als die jenischen Leute[48] oder überhaupt für den betreffenden Begriff ein selbständiges kurzes Wort besitzen, während das im Jenischen nicht der Fall ist[49]. So muß man wohl vermuten, daß infolge des Verkehrs zwischen den Händlern, Hausierern usw. und den Zigeunern aus der Anschauungsweise der letzteren zwar ein sehr beträchtlicher Teil auch bei den ersteren eingedrungen ist, während dagegen ein — immerhin noch ganz stattlicher — Rest des Jenischen sich von diesem Einfluß frei gehalten hat.

[Fußnote 45: ([1] auf S. 63.18) Weitere Bezeichnungen dieser Art für Vögel s. im W.-B. unter »Adler«. Auch dem oben (S. 16) erwähnten Spronkert-Flössling = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho, d. h. »gesalzener Fisch«.]

[Fußnote 46: ([2] auf S. 63.18) Über den als Wortspiel zu betrachtenden Ausdruck Sprauskritzler (zig. [u. a. auch] gaschtĕno lil), d. h. »Holzbrief« = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum W.-B. — Über den Einfluß des Aberglaubens, besonderer Gebräuche usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter »Bachstelze« und »Löwenzahn«.]

[Fußnote 47: ([3] auf S. 63.18) So heißt z. B. das Aas im Jensichen mufiger Bossert od. Mass (d. h. »stinkendes Fleisch«), im Zigeun. mulo mass (d. h. »totes Fleisch«), der Pfau im Jenischen Dofefläderling (d. h. »schöner Vogel«), im Zigeun. (u. a. auch) gisĕwo tschirkŭlo (d. h. »stolzer Vogel«), die Wanze im Jenischen Mufkenem (d. h. »Stinklaus«), im Zigeun. platti oder lōli tochīw (d. h. »platte oder rote Laus«), der Mond im Jenischen Leileschei (d. h. »Nachtlicht«), im Zigeun. _rattískĕro kamm_ (d. h. »Nachtsonne«), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch) lenker oder schofler) Kritzler (d. h. »schlechter [böser] Brief«), im Zigeun. (u. a. auch) gālo lil (d. h. »schwarzer Brief«) usw.]

Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die Einrichtung meiner »Anmerkungen« zu Wittichs »Deutsch-Jenischem Wörterbuch«. Was zunächst deren Reihenfolge betrifft, so habe ich dabei grundsätzlich die Methode beobachtet, daß jedesmal dort zu einer jenischen Vokabel die erforderlichen Erläuterungen gegeben wurden, wo diese zum ersten Mal auftritt, sei es nun für sich allein oder auch nur in einer Zusammensetzung mit anderen Wörtern, sodaß also z. B. unter »Apfelbaum« = Bommerlingstöber — als der ersten Zusammensetzung mit Stöber = Baum — auch alles, was über Stöber zu bemerken, mitgeteilt worden[50], während andererseits unter der Zus. »Baumkatze« = Stöberschmaler (und nicht erst unter »Katze«) die Vokabel Schmaler behandelt worden ist. In ganz derselben Weise wurde auch mit den Verbindungen verfahren. Gleich bei der ersten Vokabel des Wörterbuchs: Aas = mufiger Bossert od. Mass (d. h. eigtl. »stinkendes Fleisch«) [63.20] sind daher z. B. auch mufig und sein Stammwort muffen = riechen (stinken) sowie Bossert od. Mass = Fleisch betrachtet und die weiteren Verbindungen und Zusammensetzungen damit aufgezählt worden[51], wogegen an allen anderen Stellen, wo diese Vokabeln noch wiederkehren, auf »Aas« zurückverwiesen worden ist. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch gerade zu Beginn des Glossars die Anmerkungen in Zahl und Umfang reichlich anschwellen mußten, während sie dann weiterhin geringer werden und gegen das Ende zu fast nur noch in Zurückverweisungen bestehen.

[Fußnote 48: ([1] auf S. 63.19) So heißt z. B. im Jenischen der Adler grandicher Flederling (d. h. »großer Vogel« [vgl. oben S. 16]), im Zigeun. dagegen dui menakro tchírkŭlo (d. h. »der doppelhalsige Vogel«, und zwar nach Liebich, S. 146 wahrscheinlich deshalb, »weil dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen Wappenschilde begegnet ist«), weiter die Tanne im Jen. Jahre- oder Kracherstöber (d. h. »Waldbaum«), im Zigeun. dagegen mellĕlo ruk (d. h. »schwarzer Baum«), der Diamant im Jen. dofer Kies (d. h. »schöner Stein«), im Zigeun. dikkapáskĕro parr (d. h. »durchsichtiger Stein«), der Backstein im Jen. Kittleskies (d. h. »Hausstein«), im Zigeun. chadschēdo od. lōlo parr (d. h. »gebrannter« od. »roter Stein«), der Bleistift im Jen. Feberschure (d. h. »Schreibding«), Im Zigeun. geschtĕno pōr (d. h. »hölzerne Feder«) usw.]

[Fußnote 49: ([2] auf S. 63.19) Vgl. z. B. grandich Sins (eigtl. »größter Herr«) = König (s. oben S. 17, Anm. 42), zig. (meist) kralo, grandiche Gachne (eigtl. »große Henne«) = Hahn, zig. paschno(-lo) od. pussin, Schofeleiflederling (eigtl. »Unglücksvogel«) = Rabe, zig. korāko, grandich Flu(h)te (eigtl. »großes [od. größtes] Wasser«) = Meer, zig. sēro, grandiche Kitt (eigtl. »großes Haus«) = Hof, zig. medrīa, dofe Kitt (eigtl. »schönes Haus«) = Schloß, zig. filĕzzin, dofer Schmunk (eigtl. »gutes Fett«) = Butter, zig. kīl u. a. m.]

[Fußnote 50: ([3] auf S. 63.19) Über Bommerling konnte dagegen das Erforderliche schon unter »Apfel« angegeben werden, da ja das einfache Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.]

In den Anmerkungen habe ich außer der Übersicht über den jenischen Wortbestand (Stammwort und Ableitungen davon[52], Zusammensetzungen, Verbindungen und Redensarten damit) auch die etwa nachweisbaren Belege in den stammverwandten (rotwelschen oder sonstigen geheimsprachlichen) Quellen zusammengestellt. Dabei mußte indessen grundsätzlich eine gewisse Beschränkung — nämlich auf das schwäbische (bzw. badische) Sprachgebiet — platzgreifen. Es wurden demnach regelmäßig auf etwa vorhandene Parallelen hin geprüft: a) für das ältere Rotwelsch: der sog. »Dolmetscher der Gaunersprache« (nach einer im Reg.-Archiv zu Sigmaringen befindlichen Handschrift aus dem 18. Jahrh. von Prof. _H. Fischer_ in Tübingen abgedruckt in den »Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern«, Jahrg. 38 [1904/5], S. 89 ff.), zitiert: Dolm. der Gaunerspr.;

das Wörterbuch des Konstanzer Hans, 1791 (vgl. näh. Titel u. Abdr. bei Kluge, Rotw. I, S. 232 ff.), zitiert: W.-B. des Konst. Hans;

die rotwelschen Vokabeln in Schölls »Abriß des Jauner- und Bettelwesens in Schwaben«, 1793 (nach Kluge, a. a. O., S. 268 ff.), zitiert: Schöll;

das Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch von 1820 (s. Titel u. Abdr. bei Kluge, S. 336 ff.), zitiert: Pfulld. J.-W.-B.;

[Fußnote 51: ([1] auf S. 63.20) Und zwar sind diese Aufzählungen der Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in der Form »Deutsch-Jenisch« — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge der deutschen Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.]

[Fußnote 52: ([2] auf S. 63.20) Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor dem Stammworte findet, ist das letztere dort mitbehandelt worden, so z. B. Schure unter »abbiegen« (= abschurele) u. nicht erst unter »Achsel«, wo Schure zum ersten Mal selbständig auftritt, Funk = Feuer unter »abbrennen« (abfunken), Ruadel = Wagen unter »abfahren« (abruadlen), das Zeitw. muffen = riechen, wie schon im Text bemerkt worden, unter »Aas« (= mufiger Bossert od. Mass) usw.]

b) für die Gauner- und Kundensprache der Gegenwart: [63.21]

F. X. Mayer, »Jenisch in der Verbrecherwelt«, in den »Württemb. Vierteljahrsheften für Landesgeschichte«, N. F. Bd. XVI (1907), S. 66 ff., zitiert: Schwäb. Gaun.- und Kundenspr.;

c) für die schwäbischen Händlersprachen:

die Sammlung von Kluge in s. Rotw. I, S. 479 ff., zitiert: _Schwäb. Händlerspr._; dazu die Ergänzungen von:

W. Zündel, »Jenisch in Pfedelbach«, in den »Württ. V.-J. H. f. Landesgesch.«, N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff.[53], zitiert nur durch den Zus.: »Pfedelbach« nebst Seitenzahl zu »Schwäb. Händlerspr.«;

Rud. Kapff, »Nachträge zu Kluge, Rotwelsch I«, in der »Zeitschr. für deutsche Wortforschung«, Bd. X (1908/9), S. 212 ff. Sofern sich diese Nachträge auf die schwäb. Händlerspr. beziehen, sind sie nur nach den Namen der betr. Ortschaften (Unterdeufstetten, Lützenhardt u. Deggingen) abgek. zitiert: U., Lütz. u. Degg. nebst Seitenzahl zu »Schwäb. Händlerspr.«.

Berücksichtigt wurden auch noch das (der schwäb. Händlerspr. sehr ähnliche) sog. Pleißlen der Killertaler in Hohenzollern (nach Kluge, a. a. O., S. 434 ff. vbd. mit R. Kapff, a. a. O., S. 212/13), ferner die (ebenfalls manche Übereinstimmungen usw. enthaltende) _Pfälzer Händlersprache (bei Kluge, S. 437 ff.), das (dieser_ wieder verwandte) Jenisch der Handelsleute aus der Gegend von Metz nach Kapff, S. 216/17 (zit.: Metzer Jenisch) und ausnahmsweise auch noch sonstige Krämersprachen sowie anderen Gegenden angehörige Sammlungen der Gaunersprache (wie z. B. die stets reichen Aufschluß bietende v. Grolmans).

Für die Etymologien der jenischen Vokabeln endlich konnte ich meistens auf die Ausführungen in meinen, in dieser Zeitschr. (Bd. 33 und Bd. 38-56) veröffentlichten »Beiträgen zum Rotwelsch und den ihm verwandten Geheimsprachen« (I, II) verweisen (zitiert einfach: Groß' Archiv [mit Band- und Seitenzahl]), während manches andere in meinen Erläuterungen zu der oben S. 6, Anm. 12 angeführten Abhandlung von H. Weber (zitiert einfach: Weber-Günther) enthalten ist. Eine reiche Fundgrube etymologischer Notizen über die Gauner-, Kunden- und Händlersprache in Schwaben bildet sodann H. Fischers »Schwäbisches Wörterbuch« (z. Zt. 4 Bände, Tübingen, 1901-1911). Da dieses groß angelegte Werk jedoch noch [63.22] nicht ganz abgeschlossen ist, wurde für das Fehlende auch das ältere Schwäbische Wörterbuch von Joh. Christ. v. Schmid (2. Aufl., Stuttg. 1844) herangezogen. Mancherlei etymologische Aufschlüsse verdanke ich endlich wiederum der stets freundlichst gewährten Beihilfe von Dr. A. Landau (Wien). — Für die Zigeunersprache habe ich (außer den schon erwähnten Vokabularen von Liebich und Jühling(-Wittich) sowie den bekannten Werken von Pott und Miklosich [vgl. Groß' Archiv, Bd. 33, S. 225, 231 und Bd. 38, S. 252, Anm. 1]) noch benutzt: Franz Nikolaus Finck, Lehrbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner, Marburg 1903 (zitiert: Finck). Für die Zitierungsart der sonstigen Literatur sei hier auf die Übersicht in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 222-232 (nebst den Ergänzungen in Bd. 38 ff.) verwiesen. H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter wurde überall nach der neuesten (6.) Aufl. (München, Berlin und Leipzig 1914) angeführt.

[Fußnote 53: ([1] auf S. 63.21) Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in Eningen (einem von Kluge, Rotw. I, S. 479 ff. nicht berücksichtigten Orte) vorkommen. Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden (zitiert: Eningen [S. 206, Anm. 1]).]

II. Einleitung. (»Allgemeine Bemerkungen über die jenische Sprache«). Von Engelbert Wittich.

Die vorliegende Arbeit will und kann in keiner Weise auf Sprachforschung — soweit man davon überhaupt bei der jenischen Sprache reden kann — Anspruch erheben, sie soll nur einen bescheidenen Beitrag liefern zur Sprachbereicherung, sozusagen zur Erschließung und Vervollständigung des Sprachschatzes, zur Belehrung für jeden Interessenten. Vielleicht kann sie auch in der Praxis der Kriminal- und Polizeibehörden verwendet werden und ihnen einige Dienste leisten.

Ob die jenische Sprache eine direkte Gaunersprache ist, d. h. eine zu polizeiwidrigen Zwecken erfundene Sprache[54], kann der Verfasser nicht sagen oder beurteilen, denn dazu fehlen ihm alle notwendigen tieferen Kenntnisse[55].

Der Verfasser hat die Sprache unter den »fahrenden Leuten« kennen gelernt, welche mit ihren kleinen zwei- und vierrädrigen, mit Segeltuch [63.23] bedeckten Karren, die gewöhnlich Mann und Frau, Kind und Kegel beherbergen, im Lande umherziehen. Diese Leute, die teils aus dem Württembergischen, teils aus Bayern und Baden, aber auch aus dem Elsaß stammen und in Bayern »Krattler«[56], sonst überall »Jenische« genannt werden (daher auch die Bezeichnung »jenische Sprache«[57]), setzen sich ihrem Berufe nach aus Bürstenbindern, Schirmhändlern, Sieb- und Korbmachern, Kesselflickern (»Keßlern«), Scherenschleifern u. dergl. zusammen.

[Fußnote 54: ([1] auf S. 63.22) Zu dieser Definition des Begriffs »Gaunersprache« durch Wittich vgl. Günther, Rotwelsch, S. 2 und Anm. 1 vbd. mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447 u. Anm. 2.]

[Fußnote 55: ([2] auf S. 63.22) Etwas weiter unten hat der Verf. aber doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl. dazu Anm. 58 auf S. 23.]

Früher wurde das Hausiergewerbe vielfach zum verschleierten Bettel benutzt. Ein charakteristisches und wahrheitsgetreues Bild aus der Vergangenheit dieser Leute gibt unter den »Sprachproben« die Skizze »Dächlespflanzerulme« (Nr. 25; vgl. auch die »Schnadahüpfel« am Schluß der Arbeit). Um aber meinem Gerechtigkeitssinne Genüge zu tun und zur Ehre dieser modernen Nomaden, denen die stete Wanderschaft zwar Licht und Luft in reichem Maße, aber auch ein kärgliches und unruhiges Dasein bietet, sei es gesagt, daß der Bettel bei ihnen heutigen Tages nur noch in geringem Umfange oder gar nicht mehr vorkommt, daß sie also im wesentlichen nur ihrem gesetzlich geregelten Wandergewerbe nachgehen. Auch haben es sich die Heutigen bequemer gemacht als es vor Zeiten ihre Väter hatten; sie haben die kleinen Schnappkarren, die sie selbst ziehen mußten, abgeschafft und sich dafür größere, mit einer Plane überspannte oder ganz aus Holz hergestellte Wagen (ähnlich denen der Zigeuner) zugelegt samt einem Rößlein davor. Übrigens gehen diese Gewerbe bedeutend zurück, und die fahrenden Leute verschwinden daher mehr und mehr von der Landstraße; am häufigsten sind sie noch in den Reichslanden und in Bayern anzutreffen.

Meiner, allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach ist die jenische Sprache ein gemachtes und ersonnenes Kauderwelsch, dem jedoch kein unerlaubter, geheimer Zweck des jenischen Volkes zugrunde liegt, sondern lediglich das Bestreben, sich vor Uneingeweihten abzuschließen und ihren Jargon als harmlose Handelssprache zu benutzen[58], ähnlich wie es auch die Handelsjuden tun, welche die jenische Sprache ebenfalls verstehen und sprechen.

[Fußnote 56: ([1] auf S. 63.23) S. dazu Näh. im Vokabular unter »fahrende Leute«.]

[Fußnote 57: ([2] auf S. 63.23) Diese Behauptung dürfte dahin zu berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff »jenische Sprache« der geschichtlich früher auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in meiner »Vorbemerkung«, S. 4 und Anm. 6.]

[Fußnote 58: ([3] auf S. 63.23) In der Fassung dieses Satzes hat sich der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die Liebich, Die Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder Berufssprachen zur Gaunersprache gegeben hat.]

Beinahe selbstverständlich erscheint es, daß sich die jenische Sprache [63.24] auch durch zigeunerische Wörter bereichert hat, während umgekehrt die Zigeunersprache — die ja eine richtige grammatikalische Sprache und als solche mit der jenischen nicht zu vergleichen ist — aus dieser keine Anleihen gemacht hat. Zwar versteht der Zigeuner fast ohne Ausnahme die jenische Sprache, aber er verschmäht es, das defekte Gefieder der seinigen mit jenischen Federn zu ergänzen und auszuflicken, denn zieren würde er sie dadurch nicht, sondern nur herabwürdigen und schänden[59].

Im Laufe der Zeit haben sich manche Wörter der jenischen Sprache verändert, sind z. B. abgekürzt worden usw., ja es scheint, daß sich auch das zur Zeit noch gebräuchliche Wortmaterial in fortwährender Umgestaltung und die jenische Sprache überhaupt im großen ganzen heute im Rückgange befindet. Die schon veralteten Ausdrücke sowie die Vokabeln zigeunerischen Ursprungs — von denen oben kurz die Rede war — sind vor dem eigentlichen deutsch-jenischen Lexikon noch besonders zusammengestellt worden (s. N. II u. III). Auffallend ist es, daß im Jenischen sehr häufig besondere Ausdrücke für die meisten Tier- und Pflanzengattungen, für Baum- und Straucharten, die doch jeden Tag gesehen werden, fehlen[60], und daß zur Bezeichnung derselben — sowie überhaupt aller Gegenstände (oder auch Tätigkeiten), wofür kein spezieller Name vorhanden ist — die Wörter Schure oder Sore (bei Tätigkeiten das [davon abgeleitete] Zeitw. schurele [oder auch pflanzen]) herhalten müssen, auf welche in dieser Beziehung fast Unglaubliches abgeladen wird. Schure oder Sore bedeutet aber zunächst nur eine (die) Sache oder ein (das) Ding ohne irgendwelche genauere Angabe, so daß der richtige Sinn des Wortes lediglich erst aus dem jeweiligen Zusammenhang der Rede zu entnehmen ist. Ein überaus häufig gebrauchtes Wort der jenischen Sprache ist auch grandich.

Endlich möchte ich noch hervorheben, daß ich mich beim Aufschreiben dieser Sprache sowohl an das schwäbische Idiom hielt als auch an mein [63.25] Gehör. Daher kommt es, daß ich bald l¶i¶nzen, Rädl¶i¶ng, Scheinl¶i¶ng, bald l¶e¶nzen, Rädl¶e¶ng, Scheinl¶e¶ng geschrieben habe u. a. m. Nur nebenbei sei bemerkt, daß ich die jenische Sprache gewissenhaft und nach genauer Prüfung eines jeden Wortes aufgeschrieben habe und nicht — aus Büchern! Leicht war es für mich, die Wörter dieser Sprache zu sammeln, aber schwer, sie zu ordnen und zu erklären, was ja selbst dem Fachmann Schwierigkeiten bereiten dürfte. Der Verfasser bittet daher, etwaige Mißverständnisse, Schreibfehler usw., die sich eingeschlichen haben sollten, zu entschuldigen.

[Fußnote 59: ([1] auf S. 63.24) Auch dieser Satz stimmt fast wörtlich mit dem überein, was Liebich, a. a. O., S. 114, 115 über das Verhältnis der Zigeunersprache zur Gaunersprache bemerkt hat. — Der Sache nach ist das von Wittich Gesagte übrigens unlängst auch von W. Zündel in den »Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte« usw., N. F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. (»Auch weist der richtige Zigeuner einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten will, zurecht: goi dig hawo jenari, d. h. ›sieh da, was für ein Jenischer‹«.)]

[Fußnote 60: ([2] auf S. 63.24) Auch hierbei zeigt sich Anschluß an Liebichs ähnliche Bemerkungen über die Zigeunersprache (a. a. O. S. 118).]

Möge die Arbeit gütige Aufnahme finden im Kreise der Leser und Forscher; dann bin ich reichlich belohnt für den darauf verwandten Fleiß.

Stuttgart, im Juni 1914.

Engelbert Wittich.

III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer Wörter.[61]

früher Bedeutung _heute dafür (meistens)_ abgeholcht[62] fortgegangen schiebes[63] Baiser Wirt Beizer[64] Bomm[65] die Schweiz heute unbekannt [63.26] Fehma[66] die Hände Grifleng[67] holchen[68] kommen bosten[69] Jamm[70] Tag Schei[71] mich kohlert[72] mich hungert mich bickert('s)[73] [63.27] Mahlbosch[74] Rock Malfes[74] malochen[75] fortgehen, gehen schiebes bosten[76] Mogumle[77] Stadt Steinhäufle[78] Mokem[77] Stadt Mochum (aber auch = Dorf)[77] Palar[79] Dorf G'fahr[80] Schofelkitt[81] Zuchthaus Dofes, Lek[82] [63.28] schornen[83] stehlen schoren[83] Schücksel[84] Mädchen Model[85] zopfen[86] stehlen schniffen[87]

[Fußnote 61: ([1] auf S. 63.25) Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln ist hebräischen Ursprungs (vgl. schon m. »Vorbemerkung«, S. 9). Während für Bomm = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen teils Wörter eines anderen Stammes eingetreten (so für abgeholcht, holchen, Jamm, mich kohlert, malochen, Mogumle, Palar), teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der Form geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für Baiser, Mahlbosch, schornen). Als doch nicht völlig veraltet erscheinen nach dem Vokabular selbst: Fehma = Hand und Schofelkitt = Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter »Arrest«); zopfen ist zwar im Wörterbuch für »stehlen« nicht erwähnt, dagegen findet es sich unter »erwischen« sowie in der Zusammensetzung herauszopfen = herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete Subst. Zopferei = Diebstahl. Auch Schücksel für »Mädchen« fehlt im W.-B., aber unter »Hure« ist die Verbindg. schofle Schüx (also unverkleinert) angeführt. Daß Mochum (statt des älteren Mokem) noch jetzt sowohl »Stadt« wie »Dorf« bedeuten soll, ist aus dem Glossar nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form Mocham) nur unter »Dorf« — nicht auch unter »Stadt« — aufgeführt ist. Das vom Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte Rawine = Leiter habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form und Bedeutung auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis von Wittich selber nicht mit aufgenommene veraltete oder in der Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere Bemerkungen gegeben.]

[Fußnote 62: ([2] auf S. 63.26) Das Stammwort holchen (= gehen) findet sich (in dem bes. verwandten Quellenkreise) schon im _Dolm. der Gaunerspr. 92, ferner im W.-B. des Konst. Hans_ 255 (= laufen, springen; vgl. 260: abg'holcht), bei Schöll 271, 272 (= laufen, gehen) u. im Pfulld. J.-W.-B. 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (hulchen = springen). Zur Etymologie des (schon bei G. Edlibach um 1490 [20] in der Form alcha bezeugten) Wortes (vom hebr. hlak) sowie über weitere Belege s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.]

[Fußnote 63: ([3] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »davongehen«.]

[Fußnote 64: ([4] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »Gasthaus«.]

[Fußnote 65: ([5] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der Gaunerspr. 99 u. W.-B. des Konst. Hans 256; im Pfulld. J.-W.-B._ 346: Bum u. noch in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 75: Pumps (od. Pummerkessel). Zur Etymologie (Abkürzung nach den Anfangsbuchstaben von Bores-Medine u. ähnl. [d. h. »Land der Kühe«] aus hebr. pr[h], jüd. pôrô = »Kuh« und medîn[h] = »Landschaft, Gerichtsbezirk, Provinz«) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter »Pumser«) u. Anm. 1.]

[Fußnote 66: ([6] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B unter »Hand«.]

[Fußnote 67: ([7] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »Daumen«.]

[Fußnote 68: ([8] auf S. 63.26) Vgl. oben Anm. 62.]

[Fußnote 69: ([9] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »abgehen«.]

[Fußnote 70: ([10] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der Gaunerspr. 100, W.-B. des Konst. Hans 256, 257 u. Schöll_ 271; vgl. Pfulld. J.-W.-B. 339 (Jum [wie auch schon im Basl. Gloss. v. 1733 [202]). Dagegen hat auffälligerweise in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u. Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. Rabben 65 u. Ostwald (Ku.) 71]) das Dimin. Jämchen (od. Jem[m]chen) die Bedeutung »Jahr« (daher z. B. _ein Jemmchen abreißen = ein Jahr im Gefängnis zubringen [Ostw._, a. a. O.]). Zur Etymologie (vom hebr. jôm = »Tag«) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter »Jomschmi[e]r[e]«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter »Jam«), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei Jämchen keine Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Verquickung von Jamm = Tag mit Jann = Jahr (s. z. B. _Pfister bei Christensen_ 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl. Näh. im W.-B. unter »alljährlich«), vielleicht aber als bloße Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzusehen ist. Auf gleiche Weise könnte ev. auch Jämchen selber entstanden sein.]

[Fußnote 71: ([11] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »alltäglich«.]

[Fußnote 72: ([12] auf S. 63.27) S. dazu schon Dolm. der Gaunerspr. 94 (es kollert mich = es hungert mich); W.-B. des Konst. Hans 258 (_es kohlert mi); vgl. auch Schöll 272 (Koler = Hunger, kolerig_ = hungrig); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (Kolter = Hunger; kolderig = ausgehungert, kolterik = hungrig). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter »koldere[n]«), vbd. mit Sp. 575 (unter »kolderig«) und Sp. 574 (unter »Kolder«) dürften die Vokabeln in Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. cholera = »Galle«, wozu auch das nhd. »Koller« gehört (vgl. darüber Weigand, W.-B. I, Sp. 1095/96). Dagegen ist in Kohldampf u. ä. = Hunger (vgl. Schütze, S. 75, 76), das auch der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. (71) sowie der pfälz. u. schwäb. Händlerspr. (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. Fischer, a. a. O., Sp. 574; vgl. auch Weber-Günther, S. 191.]

[Fußnote 73: ([13] auf S. 63.27) S. im W.-B. unter »Abendessen«.]

[Fußnote 74: ([14] auf S. 63.27) S. unter »Frauenrock«.]

[Fußnote 75: ([15] auf S. 63.27) Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung nur aufzufassen als eine Kürzung von schiebes malochen (vgl. Groß' Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im _W.-B. des Konst. Hans vorkommt (258: Jetzt maloch i' schiabes_ = jetzt gehe ich fort). Zur Etymologie von malochen (aus dem hebr. mel'k[h] = »Arbeit, Verrichtung«) s. Groß' Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.]

[Fußnote 76: ([16] auf S. 63.27) S. über schiebes: oben S. 26, Anm. 63, über bosten: oben S. 26, Anm. 69.]

[Fußnote 77: ([17] auf S. 63.27) S. unter »Dorf«.]

[Fußnote 78: ([18] auf S. 63.27) S. unter »Stadt«.]

[Fußnote 79: ([19] auf S. 63.27) Übereinstimmend hiermit hat schon das W.-B. des Konst. Hans 256, 257 (in den »Schmusereyen«) Palar u. Balar = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur Ballar anführt, das auch der Dolm. der Gaunerspr. 91 hat; ganz ähnlich ferner Schöll 272 u. das Pfulld. J.-W.-B. 339 (Balar) sowie andere Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. Grolman 5 u. T.-G. 90). Die Etymologie bleibt (nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 581) »unklar«. Einen Zusammenhang mit dem für »Wald« vorkommenden kundensprachl. Ballat (s. z. B. Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77; vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder Ballert (s. dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu gewagt.]

[Fußnote 80: ([20] auf S. 63.27) S. Näh. unter »Bauerndorf«.]

Die ältere Zusammensetzung Gefinkelterjohle = Branntwein[88] ist heute in zwei Wörter getrennt worden: Gefinkelter und Johle, indem man unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89]. Grandscharrle (= »Hatschier«) wurde früher (bei den jenischen Leuten) eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl »Hatschier« wie das jenische Grandscharrle sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische Scharrle für »Schultheiß« (Bürgermeister) her[90]. Kochem, früher so viel wie der Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur »schlau, gescheit« (z. B. _kochemer Kaffer = ein gescheiter, kein dummer Mann, sei kochem_ = sei gescheit usw.)[91]. Zwiss = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt gleichfalls veraltete tschi = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm. 118.

[Fußnote 81: ([21] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Abort«, »arg« und »Arrest«.]

[Fußnote 82: ([22] auf S. 63.28) S. im W.-B. »Arrest«, vgl. auch »Gefängnis« und »Zuchthaus«; unter letzterem Wort ist jedoch Dofes nicht angeführt.]

[Fußnote 83: ([23] auf S. 63.28) S. unter »ausstehlen«.]

[Fußnote 84: ([24] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Hure«.]

[Fußnote 85: ([25] auf S. 63.28) S. unter »Beischläferin«.]

[Fußnote 86: ([26] auf S. 63.28) S. unter »Diebstahl«.]

[Fußnote 87: ([27] auf S. 63.28) S. unter »anfassen«.]

[Fußnote 88: ([28] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.]

[Fußnote 89: ([29] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter »Branntwein« und »Apfelwein«. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das Pfulld. J.-W.-B. (338 u. 346).]

[Fußnote 90: ([30] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Bürgermeister«.]

[Fußnote 91: ([31] auf S. 63.28) Mit dieser Bedeutungserweiterung ist das Jenische wieder zu dem Begriffe des hebr. Stammwortes zurückgekehrt; s. schon oben »Vorbemerkung«, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das W.-B. unter »besonnen«.]

[Fußnote 92: ([32] auf S. 63.28) Zwis = zwei haben schon der _Dolm. der Gaunerspr. 102, das W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. das Pfulld. J.-W.-B. 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits der Niedd. Lib. Vagat (78) kennt die Form swis. Vgl. dazu Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in dem schwäb. Quellenkreise bekannte) Zahlwort tribis oder dribis = drei.]

IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache [63.29] stammen.[93]

jenisch Bedeutung zigeunerisch[94] Babing Gans Babi[95] Balo Schwein Bali[96] Bellel Kropf Bälel[95] Bet Mark (Geldstück) Beti[95] bleisgeren bezahlen bleisern[97] Bochdam Leinwand, Tuch Pochtann[98] Bogeia Fischbein Gogeia (d. h. Knochen, Bein)[95] Bog(g)elo Hunger Bock, Bockelo[99] butsche fragen putsche[100] Dibolde Juden Bipolte[95] Dober Axt Tower[95] Doberle Beil zu Tower[101] Feneter Fenster Fenetra[95] Fu(h)l Kot (menschl.od. Ful[102] tierische Exkremente) Furschet Gabel Forschreta[95] [63.30] Gachne Huhn Kachni[103] Garo, Gari penis Gar[104] Gasche Menschen, Leute Gatsche[105] Gaschele Kinder (eigtl. zu Gatschen[105] »kleine Leute«) Gib Frucht, Getreide Gib[95] Girall Käse Girall[95] Glitschin Schlüssel Gliten[106] Jak Licht Jag (= Feuer)[95] kahla essen chala[107] Katschete Branntwein Chatscherti[95] Kopel Hose Cholep[108] Kuiete bes. Viehpulver, aber Chuerti[109] auch Pulver überhaupt, z. B. Schießpulver Lobe Geld Lowe[110] Loli, Lolo Gendarm vgl. lolo (d. h. rot)[95] Lomel Messerklinge Lommla[111] Lubne Dirne (= Hure) Lubni[112] manga betteln manga[95] Maro Brot Maro[95] Mass Fleisch Mass[113] Matrele Kartoffeln Maträli[114] Matsche Fisch Matscho[95] naschen fliehen, gehen nascha[95] Rat Blut Ratt[95] Ratte Nacht Rati[115] Romane Frau Romni[95] schoren stehlen vgl. Tschoraben, d. h. das Stehlen[116] Sende (die) Zigeuner Sinte (sing. Sinto)[95] Tschai Mädchen Tschai (Tochter, Mädchen)[95] tschanen fliehen, gehen (auch tschantamenge[95] [63.31] kommen) Tschuggel Hund Tschukel[95] Tschure Messer Tschuri[95]

[Fußnote 93: ([1] auf S. 63.29) Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß ich es nach dem »deutsch-jenischen Wörterbuche« (sowie nach einzelnen Stellen von Wittichs »Einleitung«) noch vervollständigt habe (es fehlten in ihm ursprünglich die Wörter Bellel, Gib, Loli [Lolo], Maro, Rat, schornen und Tschai); nicht darin aufgenommen sind dagegen die bloßen Ableitungen bogelich = gierig, lubnen = huren, matschen = fischen u. Matscher = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche Vokabeln, bei denen nur vermutungsweise auch zigeunerischer Ursprung angenommen werden könnte (wie z. B. bei Ki[e]bes = Kopf [s. Näh. unter »Angesicht«), Kritsch = Bürgermeister [s. d.] u. Toberich = Tabak, auch Pfeife [s. d.]). Zu Feneter u. Furschot ist zu sagen, daß sie zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter »Fenster« u. »Gabel«), eigentlich aber natürlich, aus dem Französischen herstammen, von dem sie ev. auch direkt entlehnt sein könnten (vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 26). Lomel = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter »Klinge«). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der Wörter Bogeia u. Dibolde (statt zigeun.: Gogeia u. Bipolte) s. d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.]

[Fußnote 94: ([2] auf S. 63.29) Da Wittich die Zigeunerwörter durchweg in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch Jühling in Groß' Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen »alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« (vgl. »Vorbemkg.« S. 2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls danach angeführt.]

[Fußnote 95: ([3] auf S. 63.29) S. das deutsch-jenische W.-B. unter der deutsch. Bedeutg.]

[Fußnote 96: ([4] auf S. 63.29) S. das W.-B. unter »Eber«.]

[Fußnote 97: ([5] auf S. 63.30) S. das W.-B. unter »anzahlen«.]

[Fußnote 98: ([6] auf S. 63.30) S. unter »Barchent«.]

[Fußnote 99: ([7] auf S. 63.30) S. »Appetit«.]

[Fußnote 100: ([8] auf S. 63.30) S. »anfragen«.]

[Fußnote 101: ([9] auf S. 63.30) S. »Axt«.]

[Fußnote 102: ([10] auf S. 63.30) S. »Abort«.]

[Fußnote 103: ([11] auf S. 63.30) S. »Hahn«.]

[Fußnote 104: ([12] auf S. 63.30) S. »Glied (männliches)«.]

[Fußnote 105: ([13] auf S. 63.30) S. »Kerl«.]

[Fußnote 106: ([14] auf S. 63.30) S. »Dietrich«.]

[Fußnote 107: ([15] auf S. 63.30) S. »Abendessen«.]

[Fußnote 108: ([16] auf S. 63.30) S. »Beinkleid«.]

[Fußnote 109: ([17] auf S. 63.30) S. »Mastpulver«.]

[Fußnote 110: ([18] auf S. 63.30) S. »Bank«.]

[Fußnote 111: ([19] auf S. 63.30) S. »Klinge«.]

[Fußnote 112: ([20] auf S. 63.30) S. »Beischläferin«.]

[Fußnote 113: ([21] auf S. 63.30) S. »Aas«.]

[Fußnote 114: ([22] auf S. 63.30) S. »Erdäpfel«.]

[Fußnote 115: ([23] auf S. 63.30) S. »Abend«.]

[Fußnote 116: ([24] auf S. 63.30) S. »ausstehlen«.]

Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln: In der Zigeunersprache bedeutet lolo rot, der Rote, im Jenischen wird mit Loli oder Lolo der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den früheren roten Aufschlägen der Landjäger. Gaschele = Kinder (d. h. eigentl. »kleine Leute«) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun. Gatsche, sing. Gatscho, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im Gegensatze zum zigeun. Rom, der Mann überhaupt[117], und Sinto, der Zigeuner. Tschai ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen (Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].

[Fußnote 117: ([1] auf S. 63.31) Über das fem. Romane s. Näh. im W.-B. unter »Frau«.]

[Fußnote 118: ([2] auf S. 63.31) An einer anderen Stelle der »Einleitung« hatte der Verf. auch die heute in der »jenischen Sprache« veraltete Vokabel tschi = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. _Dolm. der Gaunerspr. 94, W.-B. des Konst. Hans 255, 256 [t'schi_] u. Pfulld. J.-W.-B. 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck tschi = nicht(s) (nein) (vgl. Pott I, S. 274, 323; Liebich, S. 164, 225 [tsi, tschi = nicht, nichts]; Miklosich, Beiträge l/II, S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [či = nicht(s)]; Finck, S. 91 [tši = nicht]), das auch in die schwäbische Händlersprache eingedrungen ist (s. U. [214]: tschi = nein). Danach würde es sich dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog. Enantiosemie, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade Gegenteil (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es dürfte jedoch richtiger sein, mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 das italienische si (dial. ši [spr. schi]) = »ja« (das auch in deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. Lexer, Kärnt. W.-B., Leipz. 1867, S. 216: schi = ja]) als die Quelle zu vermuten.]

V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.

A.

Aas, mufiger Bossert oder mufiger Mass, d. h. stinkendes Fleisch[119]

[Fußnote 119: ([3] auf S. 63.31) a) Über die Analogie in der Zigeunerspr. (mulo mass, eigtl. »totes Fleisch« [s. Liebich, S. 147, 171]) vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47. Das Adj. mufig od. muffich = stinkend gehört zu dem Zeitw. muffen = riechen (»schmecken«), stinken; vgl. auch die Verbdgn. dof muffen (eigtl. »gut riechen«) = duften u. Toberich muffen (eigtl. »Tabak riechen«) = schnupfen (vgl. »Pfeife«). Eine Zusammensetzg. mit dem Stamme (muff-) des Zeitworts ist Muffkenem = Wanze (eigtl. »Stinklaus«; vgl. über Analogie im Zig. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47 u. Näh. unter »Wanze« bezw. »Filzlaus«). Als Subst. gebraucht ist Muffen = Geruch. Weitere Ableitungen sind: Muffer (eigtl. »Riecher«) = Nase (vgl. dazu Mufferhorboge, eigtl. »Nasenkuh« = Nashorn [s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.« S. 18]) und Mufferei = Gestank, Witterung (daher: begerische Mufferei = Totengeruch; vgl. Näh. unter »absterben«). Ein Zeitw. vermuf(f)en setzt voraus das Partizip vermuft, eigtl. = verfault, dann (im übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen, bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. _Zu vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr._ 96 (Muffer = Nase); Schöll 271, 272 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 342, 343 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (Muffer = Nase, vermuft = bankerott, in Pfedelb. [210, 212] auch: muffen = riechen und Muffert = Mist, in Lütz. [215]: muffen = riechen, vermuffen = im Spiel verlieren u. Muffnagel = Zigarre, in Degg. [215]: Mufferling = = Schnupftabak). Zur Etymologie (von dem deutsch., mundartl. weit verbreiteten Zeitw. muffen = »übel, insbes. nach Moder oder Fäulnis riechen« bezw. d. Adj. muffig od. mufficht) s. Pott II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp. 2623 (unter »Muff«, I, Nr. 3), Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff. u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch Weigand, W.-B. II, Sp. 326.

b) Bossert = Fleisch (auch speziell »Wellfleisch«), Braten, erscheint sehr beliebt in allerlei Zusammensetzgn. (oder Verbindgn.) und zwar bes.: [Griechisch: a]) ans Ende gesetzt, so: aa) für die Fleischarten nach den verschiedenen Tieren, wie: Babingbossert = Gänsefleisch (gesicherter Strohbutzerbossert = Gänsebraten), Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Stupflengbossert = Igelfleisch, Schmalerbossert = Katzenfleisch, Horbogebossert = Kuh- oder Rindfleisch, Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Trabertbossert = Pferdefleisch, Groenikelsbossert = Schweinefleisch; ferner bb) für die _Art der Zubereitung: eingespronktes Bossert = Pökelfleisch, Hitzlingbossert_ = Rauchfleisch, Spronkertbossert = Salzfleisch, Schwäzlingbossert = Schinken, Schmunkbossert = Speck, Rondlingbossert = Wurstfleisch; cc) für menschl. Körperteile: Näpflingbossert = Zahnfleisch; dd) auch im übertragenen Sinne: Koelebossert = »Teufelsbraten«; [Griechisch: b]) am Anfang der Zusammensetzg. stehend; aa) für Gerätschaften, wie Bossertschottel = Fleischbüchse, Bossertnolle = Fleischhafen; bb) für gewisse Speisen: Bossertblättling = Gulasch (eigtl. »Fleischsalat«), Bosserträsling = Leberkäse; cc) Bossertschei, d. h. eigtl. »Fleischtag« = Sonntag (s. d. betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Boser = Fleisch, Speck); Pfulld. J.-W. B. 339, 340, 341 (Bosert = Fleisch, Schwarzbosert = geräuchertes Fleisch, B. von einem Horboge = Kalbfleisch); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 69, 75 (Bossert = Fleisch, Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 480 (Bosset, Bôser od. Bôßert = Fleisch; dazu noch in Pfedelb. [209, 213] bes. Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert = Schweine-, Kuh-, Pferdefleisch u. Schmunkbossert = Speck sowie in Lütz. [213]: Flīse-bosert = Ente). Zur Etymologie (vom hebr. bsr, jüd. bôsôr = »Fleisch«) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15. Jahrh.) s. Groß' Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 154 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.

c) Mass (im wesentl. gleichbed. mit Bossert gebraucht) erscheint nicht ganz so beliebt in Zusammensetzgn., doch findet es sich z. B. (am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren, wie Babingmass = Gänsefleisch (gesicherter B. = Gänsebraten), Tschuggel-, Stupfleng-, Horboge-, Trabertmoss = Hunde-, Igel-, Kuh-, Pferdefleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise); _Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Mas = Fleisch, Speck); W.-B. des Konst. Hans_ 245 (Mass); Pfulld. J.-W.-B. (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B. [343] Horboge-Maß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maß; Maßfetzer = Metzger; in Pfedelb. [214]: Mast = Wurst). Vgl. auch Metzer Jenisch 216 (Mās = Fleisch). Zur Etymologie: Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw. Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist (vgl. »Einleitg.« S. 30), welche mas od. (in Deutschl.) mass (schon altind. māsa) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 257 unter »Masengero« und dazu noch Finck, S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. maso mit eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete Mass = »Speise« (»zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen«, schon ahd. u. mhd. maz [vgl. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063], got. mats, angels. mete, engl. meat) s. Näh. bes. bei Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517 (unter »Mass« II, Nr. 1 u. 2).]

abbeißen, abnäpfen[120] [63.33]

abbetteln, abdalfen[121], abderchen[122]

[Fußnote 120: ([4] auf S. 63.33) Das Zeitw. näpfen bedeutet: beißen, kauen, nagen (daher abnäpfen auch = abnagen), auch jucken. Weitere Zusammensetzgn. damit sind (außer abnäpfen) noch ausnäpfen = ausbeißen und wegnäpfen = wegnagen, Ableitungen davon: das Adj. näpfich (-ig) = bissig (beißend), krätzig, räudig (vgl. die Verbdg. näpfiger Schund [eigtl. »beißender Dreck«] = Kalk [s. d. betr. Übereinstmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 17]) u. das Subst. Näpfling = Zahn, Gebiß (vgl. die Zus. Ober- und Vordernäpfling = Ober- und Vorderzahn sowie Näpflingsins = Zahnarzt u. Näpflingbossert = Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkreise): nur Schwäb. Händlerspr. 479 (näpfen_ = beißen, in Pfedelb. [209] = coire, in Lütz. [215]: Näpfling = Zahn). Die Etymologie bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1941 hat näpfen = beißen nicht bestimmt erklärt. Über die Bedeutg. coire s. ebds. vbd. mit Sp. 1914 unter »naffze(n)« u. »Naffke« (wozu zu vgl. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 233).]

[Fußnote 121: ([5] auf S. 63.33) Das Zeitw. dalfen bedeutet: betteln (begehren, fordern). Weitere Zus. damit: andalfen = anbetteln; Ableitungen davon: Dalfer = Bettler u. Dalferei = Bettelei. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (talfnen_ = betteln); Schöll 273 (Talfer od. Talcher = Bettler); _Pfulld. J.-W.-B. 336, 337, 338, 340 (dalven = abbetteln, dalfen_ = betteln, ausdalfen = ausbetteln, Dalver = Armer, Dalfer [Dalcher] = Bettler, Talfkunde = Handwerksbursche); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68 (dalfen = betteln, Kaff abdalfen = Dorf abbetteln, Dalfianus = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 480 (dalfen = betteln). Zur Etymologie (wohl vom hebr. dal = »arm«) sowie über sonstige Belege im Rotw. s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 9 (unter »Talfkunde«) vbd. mit Bd. 33, S. 241/42, Anm. 1. Nach Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 39 ist der Ursprung des Wortes »unklar«.]

abbiegen, abschurele[123] [63.34]

abbinden, abschurele

[Fußnote 122: ([6] auf S. 63.34) Das Zeitw. derchen erscheint im wes. als Synon. zu dalfen (Bedeutg. also bes.: betteln, ferner begehren, bitten (daher abderche auch = abbitten), [er]flehen, fordern, verlangen); vgl. dazu die Verbindg. derchter Lehm = Bettelbrot (wörtl. »gebetteltes Brot«). Weitere Zusammensetzungen: anderchen = anbetteln, auch wohl bederchen = bedanken, danken. Ableitungen: die Subst. Dercher = Bettler (fem.: -ere) u. Dercherei = Bettelei (auch Gesuch) u. das Adj. dercherich = dürftig (ärmlich, bettelhaft), verarmt, das auch als Subst. gebraucht wird (Dercherich = Mangel, Not). Beliebt sind allerlei Zus. mit Dercher, so: Dercherbich (eigtl. = Bettelgeld, dann) = Almosen (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), Dercherulma = arme Leute (Bettelleute), Dercherkritzler = Bettelbrief, Dercherfiesel, -kaffer, -model, -moss = Bettelbube, -mann, -mädchen, -frau, Dercherrande, -stenz = Bettelsack, -stab. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 90, 93 (därgen = betteln, Daerge-stozem_ = Handwerksbursche); (Pfulld. J.-W.-B. 338 (türchen); _Schwäb. Händlerspr. 479 (derchen, in Pfedelb. [213] auch: Dercherkitt_ = Bettelhaus). Die Etymologie ist unsicher (vielleicht zu hebr. dereq, jüd. derech = »Straße, Weg«, jedoch ev. mit Einfluß deutscher Wörter); s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 284/5 u. Anm. 2 u. 3 (unter »Derfen-Schin«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W. B. II, Sp. 74 u. 159 (unter »därgen« und »derchen«).]

[Fußnote 123: ([7] auf S. 63.34) Das Zeitw. schurele findet sich nur vereinzelt ohne weiteren Zusatz gebraucht, nämlich für »begatten« oder »erzeugen« (wozu der Gebrauch des Hauptw. Schure für »männliches Glied« paßt), dagegen versieht es in Zusammensetzgn. die Funktion einer Art von Aushilfszeitw. (vgl. Wittichs »Einleitung«, S. 24 und meine »Vorbemerkung«, S. 16, Anm. 40). So bedeutet z. B. abschurele (außer »abbiegen«) noch: abbinden, ablesen, abmähen, abpflücken, abputzen, abreißen, abschirren, abschneiden, absondern, abwischen und abziehen; ferner anschurele: anbinden, anblasen, anfangen, anhalten, anschneiden; aufschurele: aufbewahren, aufbrechen, aufdecken, aufheben, aufladen, auflesen, aufmachen, aufsuchen; ausschurele: ausbürsten, ausfragen, ausrechnen; einschurele: einblasen, einbrechen, einfangen, einfüllen, eingeben, einschneiden, einschnüren, einschütten, einspannen. Zur Etymologie: Das Zeitw. ist offenbar eine (aus den sonstigen Geheimsprachen mir nicht bekannte) Ableitung des Hauptworts Schure, über dessen Gebrauch als Aushilfswort für die verschiedensten Begriffe, für die es im Jenischen an besonderen Bezeichnungen fehlt, schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 16) und in Wittichs »Einleitung« (S. 24) kurz die Rede gewesen. Hier folgt nun eine genaue Aufzählung der einzelnen Fälle. Schure im allgem. = »Ding« (ursprüngl. wohl [wie Sore] = »Ware«, obwohl es im Vokabular unter diesem Worte fehlt) kommt vor: a) für sich allein (ohne Zusatz), zunächst: [Griechisch: a]) für mancherlei Sachen (unbelebte Dinge), nämlich: Acker, Angel, Bindfaden, Brecheisen, Brei, Bremse, Brücke, Buch, Bürste, Decke, Deckel, Deichsel, Dorn, Dose, Draht, Eimer, Eis, Eisen, Faden, Fahne, Falle, Gitarre, Gürtel, Puppe (Docke); vgl. das Dimin. Schurele = Brett; ferner bes. noch [Griechisch: b]) für gewisse Pflanzen (Gemüse usw.), so: Binsen, Blume, Bohne, Gurke; [Griechisch: g]) für den abstrakten Begriff »Eid«; [Griechisch: d]) für menschl. Körperteile: Achsel, männliches Glied; [Griechisch: e]) für Tiere: Affe, Bock, Bremse (? [s. d.]), Dohle; vgl. das Dimin. Schurele = Eidechse; b) in Zusammensetzungen: [Griechisch: a]) für Sachen (im w. S.): Sauftschure = Bettuch (»Bett[über]züge«), Feberschure = Bleistift, Lehmschure = Brotschrank, Rutscherschure = Bürsten, Kehrbesen, Schmunk-Schure = Butterfaß (Schmalzfaß), Scheischure = Docht, Bich-, Kies- oder Lobeschure = Geldkasse oder -kästen, Begerschure = Gottesacker (Kirchhof), Grab, Gruft, Straubertsschure = Haarnadel, -öl oder Kamm, Dokschure = Hacke, Niklengschure = Harfe, Harmonika, Nikelschure = Klarinette (Nikleschure = Leierkasten), Stöberschure = Obst, Toberichschure = (Tabaks-)Pfeife, Zigarre, Streiflingschure = Strumpfband; [Griechisch: b]) für einen mehr abstrakt. Begriff, näml. Randeschure = Bauchgrimmen (Bauchweh); vgl. auch die Verbindung grandiche Schure = Reichtum, Überfluß, Vermögen (vgl. auch »vermögend«); [Griechisch: g]) für ein Tier: Jahre- oder Kracherschure= Hirsch; [Griechisch: d]) für Personen (Berufe): Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher (Spr.), Groenikelschure = Sau- (Schweine-)Hirt, Jerusalemsfreundschure = Schafhirt, Schäfer. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr._ 480, 481 (Schure = Ding, Gegenstand, nur in Wolfach [484] auch = Mund, in Lütz. [215] = Ware). Die gaunersprachl. Quellen, bes. der älteren Zeit, haben dafür meist die Form Sore (s. darüber Näh. unter »Brücke«). Über sonstige Formen sowie über die Etymologie des Wortes (vom hebr. sĕchôr = »Handelsverkehr«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 241 u. Anm. 1 u. S. 242 (unter »Sorar«).]

abbitten, abderche[124] [63.35]

abbrennen, abfunken[125]

[Fußnote 124: ([8] auf S. 63.35) S. abbetteln.]

[Fußnote 125: ([9] auf S. 63.35) Das Zeitw. funken bedeutet brennen (vgl. funkt = brennend, d. h. eigtl. »[es] brennt«), heizen, zünden; vgl. die Verbindg. g'funktes Gib = Malz (eigtl. »gebranntes Getreide«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17 sowie unter »Malz«]). Weitere Zus. sind: anfunken = anzünden (vgl. dazu a'gefunkter Spraus = Kohle), ausfunken = ausbrennen, verlöschen, einfunken = einbrennen, einheizen, niederfunken = niederbrennen, verfunken = verbrennen, versengen. Das Verbum gehört zu dem Stamme Funk = Feuer (Brand, Flamme, Glut); vgl. die Verbindgn. und Zusammensetzgn.: _Funk anpflanzen und auspflanzen = anbrennen und (aus)löschen, grandicher Funk_ = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Übereinstimmung mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17); Funkkies = Feuerstein, Funkspreisle = Zündhölzer. Ableitungen: das Subst. Funker = Köhler, Kohlenbrenner (aber das Dimin. Funkerle = Zündhölzer) und das Adj. funkich = feurig. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90, 100 (funken_ = brandmarken, gefunkt werden = gebrandmarkt werden, verfunkt werden = verbrannt werden); Schöll 274 (Funkbruder = Brandbettler); Pfulld. J.-W.-B. 336, 337, 339, 345 (Funk = Feuer, funken = brennen, feuern, ab-, verfunken = ab-, verbrennen); Schwäb. Gauner- und Kundenspr. 68 (funken = brennen; Funkerer = Brandstifter); Schwäb. Händlerspr. 480, 483, 488 (Funk [in Pfedelb. (209, 211): [Funkert] = Feuer, Licht, Funker [in Pfedelb. (214): Funkert] oder Funkerle = Zündholz; in Degg. [215]: Funkspraus = Zigarre; in Pfedelb. 208, 213]: funken = brennen, abfunken = abbrennen, anfunke[l]n = anbrennen [dieses auch in Lütz. (214)], verfunken = verbrennen). Vgl. noch Pfälz. Händlerspr. 437 (Funkert = Feuerzeug); _Metzer Jenisch 216, 217 (Funkert = Feuer, funke_ = kochen, sieden). Zur Etymologie der Vokabeln (die sämtl. deutsch. Ursprungs sind) s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 48 unter »Funker«; vgl. auch Weber-Günther, S. 187 (unter »Funkert«), sowie Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1832 (unter »Funk« Nr. 3) und Sp. 1833 (unter »Funker«).]

abbrühen (»abschäumen«), abflu(h)ten[126] [63.36]

Abend, Leile[127], Ratte[128]

[Fußnote 126: ([10] auf S. 63.36) Diese Bezeichnung setzt ein Zeitw. flu(h)ten voraus, das aber (für sich allein) in Wittichs Vokabular nicht vorkommt. Das Stammwort ist das Subst. Flu(h)te (masc. gen.), hier im Sinne von »Brühe« (s. d.), sonst bes. = Wasser (Bach, Bad, Fluß, Flut, Gewässer, Quelle, See, Strom, Teich), das auch als Adj. (= naß) gebraucht wird. Es erscheint beliebt in Verbindungen, wie _biberischer Flu(h)te (Biberischerflute_) = Eiswasser (eigtl. »eisiges Wasser«), bostender Flu(h)te = laufendes Wasser (und dazu die Redensart: Flu[h]te bostet mer herab = ich schwitze (eigtl. »das Wasser läuft mir herab«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. das Näh. unter »schwitzen«]) und grandich Flu(h)te (eigtl. »großes [oder größtes] Wasser«) = Meer (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49), namentlich aber in Zusammensetzgn., wie a) am Anfang stehend: Flu(h)tesore = Brücke (s. d.), aber auch Wasserfaß, Flu(h)tekies (eigentl. »Wasserstein«) = Insel (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen), Flu(h)tefläderling (eigtl. »Wasservogel«) = Bachstelze, Flu(h)tekupfer = Meergras oder Schilf, Flu(h)tegroenikel = Meerschweinchen, Flu(h)tefu(h)l oder -schund = Schlamm, Flu(h)tekib = Seehund, Flu(h)tegachne oder -stierer = Wasserhuhn, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Flu(h)terolle = Wassermühle; b) _ans Ende gesetzt: Scheinlingflu(h)te = Augenwasser, Flösselflu(h)te_ = Harn (Urin), aber auch Regenwasser, Pfladerflu(h)te = Waschwasser, Süßlingflu(h)te = Zuckerwasser; über Biberischerflu(h)te (in einem Wort geschr.) s. schon oben unter a. Eine weitere Ableitung von Flu(h)te (außer abflu[h]ten) ist das Adj. flu(h)tich = feucht, wässerig, auch als Subst. (Flu(h)tich gebr. = Nässe. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Flude = Wasser); Pfulld. J.-W.-B. 337, 342, 346 (ebenso, Bedeutg. auch: Bach; _grandig Flotte = Meer); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (Flude oder Flute_, auch Flôte = Wasser, Fludi = Kaffee [in Pfedelb. (210) dafür Schwarzflude od. -floße]; in Lütz. [215]: flude[n] = regnen). Der Etymologie nach gehört das (auch sonst im Rotwelsch bekannte) Wort (vgl. z. B. schon Basl. Gloss. 1733 [202: Flodi]) wohl zweifelsohne zu unserem deutschen »Flut«. Vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1597 vb. mit Weigand, W-B. I, Sp. 564/65.]

Abendbrot (Abendtisch) s. Abendessen [63.37]

Abendessen, Leilebiken[129], z'Leilebutten[130], Rattekahla[131]

[Fußnote 127: ([11] auf S. 63.37) Leile hat die Grundbedeutg. »Nacht«, kommt aber auch spezieller für Mitternacht, sowie ferner (außer für Abend) noch für Dämmerung oder Finsternis vor, sodann als Adj. gebraucht für dunkel oder finster. Auch sind damit ziemlich viele Zusammensetzgn. gebildet (und zwar sämtl. so, daß das Wort am Anfange steht), nämlich: Leilebiken = Abendessen (während Nachtessen durch Leilebikus u. -achilerei wiedergegeben), Leileschenagel = Nachtarbeit, Leileschei(n) = Nachtlicht, Leilesitzling = Nachtstuhl, Leilekaffer = Nachtwächter, Leilekitt = Wachthaus, Leileschrende = Wachtstube; bes. interessant sind noch die Umschreibungen Leilefläderling = (eigtl. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemrkg.«, S. 18), Leileschei(n) (eigtl. »Nachtlicht« [s. oben]) = Mond (s. d. betr. Analogie im Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47) oder auch Stern (daher Leilescheischund [eigtl. »Nachtlichtschmutz«] = Sternschnuppe). Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 96 (Leile = Nacht); W.-B. des Konst. Hans 258 (z' leili schefte = »logieren«, heute leile = heut' Nacht); Schöll_ 271 (Leile); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Beily [vedr. für Leily]); Schwäb. Händlerspr. 484 (Laile od. [in Pfedelb. (211) Leile). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Laile). Zur Etymologie (vom hebr. lail[h] = »Nacht«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 229 (unter »Leilest«); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1148/49.]

[Fußnote 128: ([12] auf S. 63.37) Ratte, für dieselben Bedeutungen wie Leile (also z. B. auch als Adj. für »dunkel«) gebraucht, kommt in Zusammensetzgn. seltener vor, doch findet sich Rattekahla = Abendessen, Rattebutterei = Nachtessen u. die Umschreibg. Rattefläderling = Eule (s. Anm. 127). Zu vergl. (aus d. _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Ratte = Nacht); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 257, 258 (Ratiginger = Nachtdiebe, Ratte_ = Nacht, zwei Rattene = zwei Nächte); Schöll 272 (Ratte); _Pfulld. J.-W.-B. 342 (ebenso); Schwäb. Gaun.-u. Kundenspr._ 73 (desgl.); Schwäb. Händlerspr. 480 (ratt[e] = dunkel, in Pfedelb. [214] auch Ratte = Nacht. in U. [214]: Rattebutte[n] = Nachtessen). Zur Etymologie (vom gleichbed. zigeun. rat oder [in Deutschl.] ratt, schon altind. ratri) s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 212, Anm. 1, u. dazu noch Finck, S. 82.]

[Fußnote 129: ([13] auf S. 63.37) Das (hier substantivisch gebrauchte) Zeitw. biken bedeutet: essen (kauen, schmausen, verzehren); vgl. dazu: grandich bikt = satt (eigtl. »viel gegessen«). Weitere Zusammensetzgn.: ab-, auf-, ausbiken = ab-, auf-, ausessen. Ableitungen: die Substantive Bikerei = Essen (Frühstück, Gastmahl, Gericht, Mahlzeit, [das] Speisen) oder (in latinis. Form) Bikus = Essen (Gastmahl, Gericht, Kost, Mahlzeit, Schmaus, Speise), beide (namentl. aber das letztere) auch in Zus. beliebt; vgl. Schimmerlingsbikerei od. Flößlingbikus = Fischessen, Strohbuzerbikus = Gansessen, Langohrbikus = Hasenessen, Stupfelbikus = Igelessen, Rondlingbikus = Wurstessen; ferner: Groenereibikus = Hochzeitsschmaus, Begerbikerei od. -bikus = Leichenschmaus, Leilebikus = Nachtessen (vgl. oben Anmerkung 127]. Vermutlich dürfen zu biken aber auch noch in Beziehung gesetzt werden das Zeitw. bikern = hungern (mich bikert['s] = mich hungert [wofür früher mich kohlert gebräuchlich gewesen; s. Wittichs »Einltg.«, S. 21]) sowie das Adj. bikerich = gierig, hungrig, dann auch = habgierig, geizig. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92 u. 94 (bicken = essen u. Bicker = Hunger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 74 (bicken = essen, Bikus_ = Kost, Bickerle = Sparsamer [der nichts gibt]); Schwäb. Händlerspr. 480, 482 (bicken = essen, Bickerei od. Bickus = Essen [in Pfedelb. (211): Pickus = Kost]; bikerisch = hungrig [in Pfedelb. (210)]: bikerischer Klob = Geizhals). Zur Etymologie des (auch sonst im Rotwelsch sowie in den verw. Geheimspr. [z. B. bei den Pfälz. Händlern (437)] verbreiteten) Wortes (wohl jedenfalls vom deutsch. Zeitw. picken, älter bicken [so schon mhd. neben becken], d. h. eigtl. [zunächst von Tieren gebr.] »mit der Schnabelspitze zufahrend stoßen oder aufnehmen« [Weigand, W.-B. II, Sp. 425]) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 184 (unter »picken«); vgl. auch A.-L. IV, 69 u. 524/25 vbd. m. Wagner bei Herrig, S. 227 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1096 (unter »picken«). Die Latinisierung Pickus hat m. Wiss. zuerst Zimmermann 1847 (373, 383) verzeichnet.]

[Fußnote 130: ([14] auf S. 63.38) Das Zeitw. butten wird in denselben Bedeutungen gebraucht wie biken (daher z. B. auch grandich buttet = satt sowie die Zus. ab-, auf-, ausbutten). Desgl. entspricht die Ableitg. Butterei im wes. den Substantivierungen Bikerei u. Bikus, während es in Zusammensetzgn. seltener vorkommt (vgl. aber Matschebutterei = Fischessen u. Rattebutterei = Nachtessen (s. oben S. 37, Anm. 128). Über das stammverwandte Pu(t)lak = Hunger s. das Nähere unter »Appetit«. _Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 92 (butten = essen); W.-B. des Konst. Hans 258 (ebenso; vgl. [255] Buttschnurr = »Steigbettler«); Pfulld. J.-W.-B. 337 (butten = essen, schlucken, abbutten = abfressen); Schwäb. Händlerspr. 480 (butten = essen, Butterei = [das] Essen, in U. [214]: Rattebutte[n] = Nachtessen); s. auch Pleißlen der Killertaler (nach Kapff [212]: butten = essen) u. Metzer Jenisch 216 (butte). Zur Etymologie: Nach A.-L. 528 vbd. m. Wagner bei Herrig 226 ist butten wohl eine Nebenform zu ndd. biten = »beißen« (vgl. schon Ndd. Lib. Vagat [75]: botten, wie noch jetzt im Hennese Flick von Breyell [457]). Vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 52 sowie (über die Verbreitg. des Ausdr. in den südd. Mundarten) Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1564, Nr. 2, der indessen über die Etymologie schweigt.]

[Fußnote 131: ([15] auf S. 63.38) Auch das (hierin substantivierte) Zeitw. kahla (seltener -le) bedeutet »essen, verzehren«; dazu die Zus. ab-, auf-, auskahla. — Mit der Ableitg. Kahlerei (im wes. gleichbed. mit Bikerei u. Butterei) sind gebildet worden die Zus. Flotschekahlerei = Fischessen u. Groenereikahlerei = Hochzeitsschmaus. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92 (kahlen = essen); W.-B. des Konst. Hans 259 (z' kahlet = zu essen); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340 (kahlen_ = abessen, abfressen, kohlen = essen, z' viel kahlen = überfressen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (kahlen); Schwäb. Händlerspr. (U. [214] u. Lütz [214]: khäle[n]). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. oben »Einleitg.«, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 576 (unter »k¶o¶le[n]«) u. Sp. 165 (unter »k¶a¶le[n]«) (der übrigens auch »eine Mischung« mit dem gleichbed., aus d. Hebr. stammenden achlen für möglich hält) vbd. mit Liebich, S. 130, 195 u. 241 (chāwa = ich esse, speise), Miklosich, Beiträge I/II, S. 22 (unter »khād«) u. Denkschriften, Bd. 26, S. 217/18 (unter »cha«: bei d. deutsch. Zig. chāva altind. khād), Jühling 220 (Chalo = Fresser, Chaben = Essen, aber chala = es beißt [anders oben »Einltg.«, S. 30), Finck, S. 67 (Wurzel: xā-).]

aberwitzig, nillich, auch ni(e)sich, nu(a)schich[132] [63.38]

abessen, abbiken, abbutten, abkahla[133]

[Fußnote 132: ([16] auf S. 63.39) Diese Ausdrücke werden wohl alle drei (am häufigsten aber die beiden ersten) als miteinander gleichbedeutend gebraucht, und zwar (außer in der obigen. Bedtg. noch) für: albern, blöde (= blödsinnig), dämlich, dumm, geisteskrank, irrsinnig, läppisch, närrisch, schwachsinnig, töricht, unklug, unsinnig, unvernünftig, unverständig, wahnsinnig. Zusammensetzungen damit sind: Nillicheschei od. Ni(e)sicheschei (d. h. eigtl. »närrischer [oder Narren-] Tag«) = Fastnacht (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.) und Nillichegiel, Ni(e)siche- und Nuschichegiel (d. h. eigtl. »närrisches Maul, Gesicht«) = Fastnachtsmaske, dann einerseits noch spezieller = »Affengesicht« (s. d.) als Bezeichnung einer besonderen Art von Fastnachtsmasken, andererseits allgemeiner = Larve oder Maske überhaupt. Die genannten Adjektive sind Ableitgn. von den Hauptw. Nille, Ni(e)se, Nusche = Dummkopf (dummer Mensch), Geck, Narr, Tor, Tropf (dazu die Zus.: Nille- od. Ni[e]sekitt = Irrenhaus [Narren-, Tollhaus] u. Nille- od. Ni[e]seki[e]bes = Tollkopf). Eine weitere (substant.) Ableitg. von Nille, Ni(e)se, Nusche ist endlich Nillerei, Ni(e)serei od. (seltener) Nuscherei = Blödigkeit (d. h. Blödsinn), Dummheit, Kinderei, Irrsinn, Wahnsinn. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Nille = Narr); ebenso: Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 342 (hier [339] ferner das Adj. nilli = einfältig). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2082 (unter »Nülle« I) ist Nülle (od. Nille) = Narr, Dummkopf usw. identisch mit Nolle = dicker Mensch, Einfältiger, das wohl zu Knoll(en), schwäb. auch G'noll, Noll = »rundlicher harter Körper«, »zusammenhängende runde Masse« (schon mhd. knolle = »Erdscholle, Klumpen« und »grober, plumper Mensch«; vgl. ahd. hnol = »Erhöhung«, angels. cnoll = »Bergspitze«, engl. knoll = »Hügel«) gehört; s. Fischer, a. a. O., Sp. 2055 (unter »Nolle«, Nr. 3) vbd. mit Sp. 541 (unter »Knoll[e(n)]«, bes. Nr. 3c) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 1080 (unter »Knollen«). Schon A.-L. 578 hat Nille = »Narr, Geck, Spaßmacher« und »penis« gleichfalls auf »Knolle« zurückgeführt. Auch bei der letzteren Bedeutung, die (neben der selteneren von »vulva«) auch sonst volkstümlich ist (s. Müller in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 4 u. 10, u. Günther, ebds. Bd. IX, S. 31, Anm. 2 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 980), handelt es sich wohl um dasselbe Wort, denn Grimm, a. a. O. leitet es zwar zunächst von dem Zeitw. nollen (od. nullen) = »futuere« her, stellt dieses aber zum mhd. nol = »mons Veneris« (s. Näh. a. a. O., Sp. 879 unter »nollen«). Überhaupt werden die Begriffe »Dummkopf« u. »penis« öfter ja durch denselben Ausdruck wiedergegeben (vgl. z. B. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 642 betr. d. Wort »Schwanz«). — Die Bezeichnung Niese = Dummkopf hat Fischer, a. a. O., IV, Sp. 2044 vbd. mit Sp. 2050 zu Nise als Kurzform des Eigennamens Dionysius — freilich nur mit einem Fragezeichen — in Verbindung gebracht. Über Nusche wage ich keine Vermutung aufzustellen.]

[Fußnote 133: ([17] auf S. 63.39) S. Abendessen.]

[Fußnote 134: ([18] auf S. 63.39) Das Zeitw. ruadle(n) (-la, ruedle) = fahren ist auch noch enthalten in den Zus. aus-, darüber-, ein-, heraus-, nach-, um- u. wegruadle(n). Es gehört zu dem Subst. Ruadel (od. Ruedel) = Wagen, bes. Fahrzeug auf dem Lande, Karren. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 488 (Rudel = Wagen). Das in älteren rotw. Quellen vorkommende Zeitw. rodeln (s. z. B. auch W.-B. des Konst. Hans 259 u. Schöll 272) dürfte wegen seiner Bedeutung (»führen, mit sich führen«) nicht ohne weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, jedenfalls dagegen aber gradeln od. radeln = fahren, das z. B. Schintermicherl 1807 (288) u. Karmayer 63 u. 129 haben. Denn seiner Etymologie nach ist das Zeitw. ruadle(n) wohl nur aufzufassen als eine dialektische Färbung von »radeln« (s. dazu Günther, Rotw., S. 98, 99, Anm. 118), ebenso wie Ruadel (Ruedel) eine solche von »Radel«, Dim. von »Rad«, sein dürfte. Über das Symn. Rädling (-leng) s. Näh. unter »Eisenbahnwagen«.]

abfahren, abruadlen[134] [63.40]

abfallen (abwerfen), abbohlen[135]

abgeben, abdogen (gib's ab = dog's ab)[136]

abgehen (abspringen), abbosten[137], abpfichen[138]

[Fußnote 135: ([19] auf S. 63.40) Das Zeitw. bohle(n) (-la) = fallen, werfen (Spr.) kommt noch vor in den Zus. ab-, auf-, einbohlen (= einstürzen), hin-, nach-, nieder-, umbohlen. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 210]: bohlen = fallen, nausbolen = hinauswerfen). Für »werfen« ist bohlen auch in rotw. Quellen des 19. Jahrh. bekannt (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [317]; v. Grolman 10 u. T.-G. 133; Karmayer G.-D. 192). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1271 handelt es sich um ein schwäbisches Wort mit der Grundbedeutung »rollen, im Bogen werfen«, ahd. bolôn, mhd. boln = »rollen, werfen, schleudern« (Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 324), das transit. u. intransit. gebraucht wird, so daß daraus auch die Bedeutg. »fallen« entstehen konnte. Über das stammverwandte Bolle = Kartoffeln s. unter »Bratkartoffeln«.]

[Fußnote 136: ([20] auf S. 63.40) Das einfache dogen (-ga), auch doken, kommt vor in dem Sinne von: a) geben (hergeben); b) beschenken; c) schlagen (hauen, fechten). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer abdogen [s. auch unter »abliefern«]) die Zus. aus-, heraus- u. vordogen = aus-, herausgeben und vorschießen (leihen), zu der unter c): zudogen = zuschlagen sowie das Subst. Dokschure (eigtl. »Hauding«) = Hacke (s. d. betr. die Übereinstimmung mit der Zigeunerspr.). Als Ableitg. ist wohl anzusehen Doge = Schläge (falls nicht etwa = Doge[n] als subst. Zeitwort). In dem bes. _verw. Quellenkreise_ ist das Wort m. Wiss. unbekannt, dagegen kommt es sonst vereinzelt vor im Rotw. des 19. Jahrh. (s. z. B. v. Grolman, _Akt. Gesch. 1813 [312: Koberment gedockt_ = Schläge gegeben] u. W.-B. 16 u. T.-G. 95 u. 118 [docken = geben, schenken]; Christensen 1814 [320, 331: tocken = geben, die Vehm tocken = die Hand geben]; Karmayer 30 [docken = reichen, geben) sowie in d. Krämerspr. (s. _Eifl. Hausierspr. (491: geduckt = gegeben). Die Etymologie_ bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 241 (unter »docke[n]«) gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 137: ([21] auf S. 63.40) Das Zeitw. bosten (wofür früher holchen gebräuchl. [s. oben »Einltg.«, S. 26]) = gehen, fliehen, folgen, kommen, laufen, spazieren (gehen) kommt noch vor in den Zus.: aufbosten = auflaufen, ausbosten = ausgehen, auslaufen, darüberbosten = darübergehen, ei'bosten = einlaufen, herabbosten = herabgehen, -laufen, hinausbosten = hinausgehen, nachbosten = nachfolgen, umher-, unterbosten = umher-, untergehen, verbosten = verlaufen, wegbosten = weglaufen, zurückbosten = zurücklaufen; ferner in den Verbindungen: schiebes bosten = davongehen, sich entfernen, entspringen, entweichen, fliehen, fortgehen (früher dafür malochen [s. »Einltg.«, S. 27]), schenzieren bosten = hausieren gehen, Jahre bosten = jagen (eigtl. [in den] Wald gehen [um zu jagen]), begerisch bosten = lahm gehen, ins Sauft bosten (eigtl. »ins Bett gehen«) = niederkommen, grandiche Rande bosten (eigt. »[mit einem] dicken Bauch gehen«) = schwanger gehen, endl. noch in der längern Umschreibung Flu(h)te bostet mer herab = ich schwitze (s. darüber schon oben S. 36, Anm. 126 vbd. m. S. 17, Anm. 44). Eine Ableitg. ist das Subst. Boster = Läufer. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340, 342 (posten = gehen, boschen = laufen, auspostet = ausgelaufen, durchbosten = durchlaufen, verposten = entfliehen); Schwäb. Händlerspr. 481 (pō̆schten [in Pfedelb. (210): boschten] = gehen, pl[^æ]te poschten [in Pfedelb. (209): boschten] = fortgehen, durchgehen, in Pfedelb. [208/9]: naus- u. abboschten = auslaufen u. durch- od. fortgehen). — Die Form boschen (bôschen) = gehen hat auch schon v. Grolman, Akt. Gesch. 1813 (312) u. W.-B. 11 u. T.-G. 96, das Subst. Boster findet sich in der Zus. Leili-Boster = Nachtdieb bei Pfister bei Christensen 1814 (325). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1318 bedeutet poste(n) (bošte) im Schwäb. »herumlaufen, kleine Aufträge besorgen« u. ä., eigentl. soviel wie »Postgänge machen«, so daß es also zu unserem Lehnwort Post (aus dem ital. posta, mlat. posta = »[Post-] Standort«, aus posita, zu lat. ponere [s. Weigand, W.-B. II, Sp. 456, vbd. m. Seiler, Lehnwort III, S. 186) gehört. Näheres (auch über andere südd. Mundarten) s. ebds. vbd. mit Grimm, D. W.-B. II, Sp. 267 (unter »besten«) u. VII, Sp. 2025 (unter »posten«, Nr. 1)]

abgerahmte Milch, abgeschunde Gleis[139] [63.41]

abgeschlossen s. abschließen

[Fußnote 138: ([22] auf S. 63.41) Das Zeitw. pfiche(n) = gehen, folgen findet sich noch in den Zus. auspfichen = ausbrechen, herabpfichen = herabgehen, hinauspfichen = hinausgehen sowie in den Verbindgn. schiebes pfichen = davongehen, fortgehen (entrinnen) und _schenzieren pfichen = hausieren gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr._): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340 (pfichen = gehen [ausgehen, entfliehen, herumziehen]); Schwäb. Händlerspr. 481 (u. Lütz. [214] pfiche[n] = gehen, pficht = er ist fort). Die Etymologie des Wortes (das bei Fischer, Schwäb. W.-B. nicht angeführt ist) bleibt zweifelhaft. Nur unsichere Hypothesen bei A.-L. IV, 245/46.]

[Fußnote 139: ([23] auf S. 63.41) a) Das in dieser Verbindung enthaltene Wort Gleis = Milch kommt auch noch in folgenden Zus. vor: [Griechisch: a]) am Anfang stehend: in Gleisnolle = Melkfaß (oder Milchtopf, -napf), Gleisschottel = Melkgefäß (eigtl. Milchschüssel), Gleiskechelte = Milchbrötchen (Spr.), Gleisglansert = Milchglas, Gleisschnall = Milchsuppe und Gleisschund (eigtl. »Milchdreck«) = Rahm oder Sahne (dem das obige abgeschunde Gleis entspricht!; [Griechisch: b]) am Ende stehend: Schmunkgleis = Buttermilch. _Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 96 (Glais_); Pfullend. J.-W.-B. (Gleis; Gleiskittle = Milchhaus, Gleispolifska oder -schnalla = Milchsuppe); Schwäb. Händlerspr. 484 (Gleiß); s. auch Metzer Jenisch 216 (Gleiss). Zur Etymologie des Wortes (höchstwahrscheinlich von unserem deutsch, gleißen, d. h. glänzen) sowie über weitere Belege im Rotw. usw. s. Näh. Groß' Archiv, Bd. 33, S. 256, Anm. 2 verbd. mit Bd. 42, S. 49 (unter »Gleißer«); vgl. auch Weber-Günther, S. 177/78 (unter »Klais«) und Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 689. — b) Zu abgeschunde, das ein Zeitw. abschunden voraussetzt, vgl. das ähnliche einschunden = einsalben, einschmieren, während das einfache schunden im W.-B. durch »austreten (schwer«), d. h. cacare, wiedergegeben ist. Es ist (gleich dem Adj. schundich [schondich (Spr.)] = beschmutzt, dreckig, kotig, schmierig, schmutzig, trübe, unflätig, unreinlich, unsauber) abgeleitet von dem Hauptw. Schund od. Schond = Dreck, Kot, Schmutz, Unflat, Unrat, auch spezieller noch Asche, Dünger (Mist), Exkremente, Lehm. Dazu die Verbindg. näpfiger Schund = Kalk (worüber das Näh. schon oben S. 17) sowie mannigfache Zusammensetzgn., so: a) mit Sch. am Anfang: Schundkitt = Abort, Schundschottel = Aschenbecher, Schundbolle = Kartoffeln (eigtl. etwa »Dreckknollen«), Schundfurschet = Mistgabel, Schundfläderling = Mistkäfer (eigtl. »Mistvogel«), Schundsitzling = Nachtstuhl; b) mit Sch. am Ende: Gleisschund = Rahm, Sahne (s. oben lit. a), Flu(h)teschund (eigtl. »Wasserdreck«) = Schlamm, Leilescheischund = Sternschnuppe (worüber Näh. schon oben S. 37, Anm. 127). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 92, 93, 97 (Schund = Exkremente, Schund-Kitte = Abtritt, Schompolle [dial. statt: Schundbolle] = »Grundbirnen«, d. h. Kartoffeln; schunden = Notdurft verrichten; vgl. [90]: beschunden = betrügen [also ähnl. wie unser »bescheißen« gebr.; vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 213]); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341, 344 (Schund = Dreck, Kot, Schutt; vgl. auch [342] Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 479, 480, 482, 484, 486 (Schund = Dreck, Schmutz, aber auch = Acker, Feld; schundig = dreckig, schmutzig, Schumbolle = Kartoffeln, Schundplutzer oder Schunplotzer [in Degg. (215): Schundblozer] = Maurer, in U. [214]: schunde[n] = cacare, beschunden [in Lütz. (214): b'schunderle(n)] = betrügen). S. auch noch Metzer Jenisch 216 (schunde = cacare und Schund-Bais = Abtritt). Zur Etymologie (vom deutsch. Stammwort »schinden«, daher Grundbedg. von Schund eigtl. »Abfall beim Schinden«) sowie über weitere rotw. Belege s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 139.]

abkaufen, abbaschen[140], abbikeren[141], abgremen[142], [63.42] abkemere[143]

[Fußnote 140: ([24] auf S. 63.42) Das Stammwort ist basche(n) = kaufen; vgl. einbaschen (Spr.), verbaschen. Ableitungen davon sind die Subst. Bascher = Käufer, Verbascher = Handelsbursche, Verbaschere = Handelsfrau. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 341 (baschen = kaufen, verbaschen = ausbieten); Schwäb. Händlerspr. 487 (verpassen oder verpschen = verkaufen). S. auch Metzer Jenisch 217 (verpasse = verkaufen). Zur Etymologie sowie über weitere Belege im Rotw. (schon 1687: verpassen = verkaufen) s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 62 u. Anm. 1. Der dort (im Anschluß an Schmeller, Paul, Kluge u. a.) vertretenen Ansicht, die das Wort paschen (= schmuggeln usw.) vom französ. passer oder ital. passare (= »[die Landesgrenze] überschreiten«) herleitet (dafür auch z. B. Seiler, Lehnwort III, S. 101 u. Anm. 2), steht noch eine andere gegenüber, die hebräischen Ursprung annimmt; s. darüber Näh. bei H. Klenz, W.-B. nach der neuen deutsch. Rechtschreibung, Leipzig 1904, S. 173, Sp. 3 und Weigand, W.-B. II, Sp. 379. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1261 (unter »verpaschen« u. »verpassen«, Nr. 4) hat keine Erklärung gegeben.]

ablesen, abschurele[144] [63.43]

abliefern, abdogen[145]

abmähen, abschurele[144]

abnagen, abnäpfen[146]

Abort, Fu(h)lkitt[147], Schmelzkitt[148], Schundkitt[149]

[Fußnote 141: ([25] auf S. 63.43) Stammwort: bikeren = kaufen; Ableitung: das Subst. Bikerer = Käufer. In den verw. Quellen unbekannt, ebenso m. Wiss. auch sonst im Rotw. Auch über die Etymologie läßt sich nichts Gewisses sagen; ein Zusammengang mit d. Adj. bikerich (s. oben S. 37, Anm. 129) dürfte kaum anzunehmen sein.]

[Fußnote 142: ([26] auf S. 63.43) Mit dem Zeitw. greme(n) = kaufen (erkaufen) sind noch gebildet die Zus.: ausgremen = auskaufen und vergremen = handeln. Dazu die Ableitungen: Gremer = Käufer (Zus.: Trabertgremer = Pferdehändler), Vergremer = Handelsbursche, Vergremere = Handelsmädchen (Zus.: Vergremerskaffer = Handelsmann, fem. aber Vergremmoss [= Handelsfrau]). Zu vgl. (aus d. _verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (vergrimmen_ = verkaufen; in Lütz. [215]: kremen = kaufen). Die Etymologie ist unsicher. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1200 (unter »verkräme[n]«) und Sp. 1202 (unter »verkrümme[n]« Nr. 2) gibt keinen näheren Aufschluß darüber.]

[Fußnote 143: ([27] auf S. 63.43) Stammwort: kemere = kaufen; vgl. verkemere = verkaufen, handeln. Ableitungen: Kemerer = Käufer, Krämer (Zus.: a) mit K. vorne: Kemererskitt = Kauf- oder Krämerladen; b) mit K. hinten: Trabertkemerer = Pferdehändler, Groenikelkemerer = Schweinehändler), Verkemerer = Verkäufer, Handelsmann, fem. Verkemere = Handelsfrau (Zus. damit: Verkemerers-Benk oder -Fiesel = Handwerksbursche und Verkemeresmodel [sic] = Handelsmädchen [aber Verkemerskaffer = Handelsmann]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 337, 341 (kimmern = kaufen, verkimmern_ = anbieten). Häufigere Belege im sonstigen Rotwelsch seit dem Lib. Vagat (54, 55). S. Näh. darüber sowie über die (nicht ganz sichere) Etymologie in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 58 (u. Anm. 1), 59 (unter »Kümmerer«). Nur Hypothesen bei Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 832, nach welchen d. Ausdr. »kaum zu beurteilen« ist. — Während verkümmeln = verkaufen (s. Schwäb. Händlerspr. in Pfedelb. [215]) wohl bloß eine Weiterbildung von verkümmern ist (s. auch Fischer, a. a. O., Sp. 123), sind dem Stamme nach davon zu sondern die Zeitw. kündigen = kaufen (s. z. B. ähnl. schon: Dolm. der Gaunerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z. B. auch Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 77). Näh. hierüber im Archiv, a. a. O., S. 58, 59, Anm. 1; vgl. auch Fischer, a. a. O., Sp. 1204 vbd. mit Sp 1189 (unter »verkenne[n]«).]

[Fußnote 144: ([28] auf S. 63.43) S. abbiegen.]

[Fußnote 145: ([29] auf S. 63.43) S. abgeben.]

[Fußnote 146: ([30] auf S. 63.43) S. abbeißen.]

[Fußnote 147: ([31] auf S. 63.44) Fu(h)lkitt bedeutet (ebenso wie Schundkitt) wörtl etwa »Kothaus«, zu Kitt = Haus u. Fu(h)l = Dreck, Kot (Exkremente), Mist. Weitere Zusammensetzgn. damit sind noch: a) mit F. vorne: Fu(h)lnolle = Nachthafen; b) mit F. hinten: Flu(h)tefu(h)l = Schlamm. Ableitungen davon sind: das Subst. Fu(h)lete = »Abweichung« (Diarrhöe) u. das Zeitw. fu(h)la = »austreten (schwer)«, d. h. cacare. Zu vergl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [214]: fīle[n]_ = cacare, Fīl-kitt = Abtritt, Fīl-nolle = Nachttopf). Zur Etymologie (vom zigeun. fīl = Kot, Dünger u. dgl. [vgl. Einleitg. S. 29]), s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Spalte 1821 (unter »fīle[n]«) vbd. mit Pott II, S. 391/92, Liebich, S. 135, 190, 216, Miklosich, Beiträge I/II, S. 10 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 238/239 (unter »khul«) u. Finck, S. 58. Bei Jühling, S. 220 (unter »Chen«) ist auch fuhlen (od fuhla) = »schwer austreten« als zigeun. angeführt. — Kitt bedeutet Haus (Landhaus), ferner: Gebäude, Obdach, Wohnung, auch Käfig od. Stall (für Tiere). Das Dimin. Kittle ist angeführt für: Gartenhaus sowie für Arrest, Gefängnis, Haft oder Kerker; dazu: im Kittle = gefangen. Verbindungen mit Kitt sind: _grandiche Kitt (d. h. »großes Haus«) = Hof u. dofe Kitt_ (d. h. »schönes Haus« = Schloß (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.) Sehr zahlreich sind die Zusammensetzungen, so a) mit Kitt voran: Kittkaffer = Hausherr, Kittpatris = Hausvater, Kittmoss = Hausfrau, Kittmamere = Hausmutter, Kittschenegler (fem. -ere) = Hausknecht (-magd), Kittkenluf od. -kib = Haushund, Kittglitschin = Hausschlüssel; b) mit Kitt hinten (außer den obigen drei Synon. für Abort) noch: Schenagelskitt = Arbeitshaus, Dercherkitt = Armenhaus, Bich- oder Lobekitt = Bank (d. h. Bankhaus; dazu: grandiche Lobekitt = »Münze«, d. h Münzwerkstätte, Syn.: Bichpflanzerskitt), Ruechekitt = Bauernhaus, Zschorkitt = Diebesherberge, Schlumerkitt = Herberge, Sinsekitt = Herren-(od. Herrschafts-)haus, Finkelkitt = Hexenhaus, Nille-, Ni(e)se- od. Nuschekitt od. Hegelkitt = Irrenhaus, Narrenhaus (vgl. auch »Tollhaus«), Kemererskitt = Kauf- od. Krämerladen, Nikel- od. Schnurrantekitt = Komödien- od. Schauspielhaus (Theater), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) od. Leichenhaus (vgl. grandich Begerkitt = Hospital, Lanenger-Begerkitt [eigtl. »Soldaten-Krankenhaus«] = Lazarett), Bommer- od. Keifkitt = Leihhaus, Kaflerkitt = Metzgerhaus (vgl. grandiche Kaflerkitt = Schlachthaus), Gallach- oder Kolbekitt = Pfarrhaus (vgl. grandich Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.], Buzereikitt = Polizeiamt, Sturmkitt = Rathaus (s. Näh. unter dies. Wort), Klasskitt = Schießhaus, Plauderkitt = Schule (auch: Lehrerhaus), Blibelkitt = »Stundenhaus« (d. h. »Versammlungshaus der Methodisten«), Patriskitt = Vaterhaus, Leilekitt = Wachthaus (wörtl. »Nachthaus«), Pfladerkitt = Waschhaus, Johlekitt = Weinhaus, Schofelkitt = Zuchthaus. Während in allen diesen Fällen Kitt mehr oder weniger die Bedeutg. von »Haus« im gewöhnl. Sinne des Wortes hat, erscheint es etwas spezieller gebraucht in den Ausdrücken Gachne-, Stenzel- od. Stiererkitt = Hühnerhaus, Keiluf- od. Kibekitt, Hundehütte, Fläderlingskitt = Vogelbauer u. Luberkitt = Uhrgehäuse. Mit dem Dimin. Kittle sind gebildet: a) im Sinne von »kleines Haus, Häuschen«: [Griechisch: a]) am Anfang: Kittlekies = Backstein od. Dachziegel; [Griechisch: b]) am Ende: Ruchekittle = Bauernhäuschen(Spr.), Begerkittle (d. h.»Totenhäuschen«) = Sarg (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun., vgl. schon »Vorbmrkg.«, S. 18); b) im Sinne von »Gefängnis« u. dergl.: Kittlebuz = Gefangenwärter. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89-93, 97, 98, 101 (Kitt = Haus u. kittlen = schlafen; ferner schon mehrere Zus. mit Kitt [Kitte], näml.: Sefle- od. Schund-Kitte = Abtritt, Prinzen Kitt = Amtshaus, Ruochen Kitt = Bauernhaus, Kocheme-Kitt = Diebesherberge, Sturmkitt = Rathaus u. Baiskitt = Wirtshaus; mit engerer Bedeutg. von K. noch: Flotschen-Kitt = Fischkasten); W.-B. des Konst. Hans 253-255, 257, 258 (Zus.: Ruoche-Kitt = Bauernhaus, T'schorr-Kitt = Diebesherberge, Gallacha-Kitt = Pfarrhaus, Sturm-Kitt = Rathaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 274 (die Kitteren = die Häuser u. Kitts = Herbergen [der »Stappler«]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 340, 342, 343, 345, 346 (Kitt = Aufenhaltsort, Haus [Bauernhaus]; Zus.: a) mit Kitt: Bäkerischkitt od. Bollerskitt = Krankenhaus, Kollachekitt = Pfarrhaus, Rauschkitt = Strohhaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus; b) mit Kit[t]le: Schmelzkittle = Abtritt, Gleiskittle = Milchhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 69 (Kittchen = Arrest, Gefängnis, Kittchenbos = Arrestaufseher); Schwäb. Händlerspr. 479, 482, 488 (Kitt = Haus, Arrest, Kittle = Arrest, Drîfekitt = Arrest od. Zuchthaus, in U. [213]: Schmelzkitt [in Pfedelb. (213): Schmelzkittle] = Abtritt u. Derches- od. Mangkitt = Bettelhaus; in Lütz. [214]: Fīl-Kitt od. Schofel-Kitt = Abtritt [hier letzteres also in anderem Sinne gebraucht als sonst üblich!]). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 u. Metzer Jenisch 216 (Kittche = Gefängnis bezw. Arrest). Die Etymologie des Wortes (das schon im Rotwelsch des 17. Jahrh. auftritt [vgl. Schütze, S. 74, unter »Kittchen«]) ist noch nicht sicher festgestellt (vgl. Stumme, S. 19 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 426), jedoch erscheint es wohl immer noch besser, deutschen Ursprung zu vermuten (s. Näh. darüber bei Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit O. Weise in d. Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins, Jahrg. XVI [1901], Sp. 328; vgl. auch Weber-Günther, S. 177, unter »Kittche«) als (wie neuerdings z. B. wieder Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Anm. 1 in Übereinstimmg. mit A.-L. 558 befürwortet hat) es herzuleiten von dem jüdischen kissê = »Sitz, Sessel«, dessen Form und engere Bedeutung dagegen Bedenken erregen müssen.]

[Fußnote 148: ([32] auf S. 63.45) Der Ausdr. Schmelzkitt gehört zu dem Stamme schmelz- des Zeitworts schmelza = »austreten (schwer)«, d. h. cacare. Eine ähnl. Zus. damit ist auch Schmelznolle = Nachthafen. Ableitungen davon sind: die Subst. Schmelzer = After, Hinterer u. Schmelzede = »Abweichung« (d. h. Diarrhöe). Nicht zu Schmelzer im obigen Sinne zu stellen, sondern unmittelbar von dem Zeitw. schmelzen abzuleiten ist die Zus. Buxenschmelzer = Feigling, die wörtlich dem gleichbed. südd. »Hosenscheißer« (vgl. dazu Groß' Archiv, Bd. 56, S. 183) entspricht. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 37 (schmelzen = Notdurft verrichten); _Pfulld. J.-W.-B. 337 (Schmelzkitle od. Schmelzköhrle = Abtritt); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66, 68, 74 schmelzen = cacare, Schmelzer_ = Podex, Schmelzgusch = Abtritt [vgl. betr. -gusch, wohl zu franz. coucher: Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 936)); _Schwäb. Händlerspr. 479, 480, 485 (hat ebenfalls schmelzen, Schmelzer_ u. Schmelzgusch [od. -kanti, in U. (213): Schmelzkitt, in Pfedelb. (208): Schmelzkittle] in gleichem Sinne). Die Etymologie des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch dürfte es kaum zu gewagt sein, darin nur eine Begriffsverengerung zu erblicken von unserem gemeinsprachl. schmelzen = »flüssig werdend zergehen« od. vielmehr von dessen transit. Bedeutg. »schmelzen machen, in Fluß bringen«. S. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 747. (bes. (für die Bedeutg. im Jenischen) zu beachten dort: altnord. melta = »verdauen«); vgl. ferner bei Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1025 (unter »schmelzen«, Nr. IV): ndl. smelten - »stercus liquidum egerere«.]

abpflücken, abschurele[144] [63.44]

abputzen, abschurele

abreißen, abschurele

abschaffen, abschenegeln[150]

[Fußnote 149: ([33] auf S. 63.46) S. (betr. Schund) das Näh. schon unter »abgerahmte Milch«.]

[Fußnote 150: ([34] auf S. 63.46) Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben sein, da schenegeln = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her von dem Subst. Schenagel = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe). Weitere Ableitungen davon sind: das Subst. Schenegler = Arbeiter (Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.: Scheneglere = Magd u. das Adj. scheneglich = fleißig. Mit den Hauptw. Schenagel u. (bes.) Schenegler sind mancherlei Zus. gebildet worden, so a) mit Schenagel: [Griechisch: a]) am Anfang: Schenagelskitt = Arbeitshaus, Schenagelsbich, -lobe od. -kies = Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) am Ende: Griflingschenagel = Handarbeit, Leileschenagel = Nachtarbeit; b) mit Schenegler (nur am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt): Stradeschenegler = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, Rutschenegler = Eisenbahnarbeiter, Glansertschenegler = Glaser, Kittschenegler = Hausknecht (fem.: -ere = Hausmagd), Bichschenegler = Münzarbeiter, Hitzlingschenegler = Ofensetzer, Trabertschenegler = Pferdeknecht, Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh. unter »Hammel«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 89 (schinnageln = arbeiten); Schöll 271 (schönegle_); Pfulld. J.-W.-B. 337-348 (schinepeln [sic] u. Schineplerei = Arbeit, aber [richtig] Schinegglerei = Handwerk; vgl. auch Schiankterei = Kanzlei; für: »Manobisch, schinegeln« = »Faulenzer« [339] ist wohl zu lesen: »[ma] nobisch schinegeln« = »faulenzen«; vgl. noch Schineller[in] = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], Fuchsschineller = Goldarbeiter); Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr. 66, 67 (schenägeln, Schenagel = Arbeit, Schenagelswinde = Arbeitshaus); _Schwäb. Händlerspr. 479 (schenig[e]len oder [seltener] schineg[e]len_ [in Pfedelb. (208): auch schenegln], Schenachel = Arbeit, auch Handwerkszeug, vgl. dazu in Degg. [215]: de[n] Schenagel reiße[n] = arbeiten; in U. [214]: Schenal-penk u. -mŏs = Knecht u. Magd). Vgl. auch noch Pleißlen der Killertaler 416 (schenēge[n]), Pfälz. Händlerspr. 438 (Schineggel = Arbeit, schenigle = arbeiten) u. Metzer Jenisch 216 (schinnegle = arbeiten). Zur Etymologie (vom rotw. Schinagole = Schubkarren, Zus. vom Schin = hebr. schîn, dem Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und Agole = »Karren, Wagen«, vom gleichbed. hebr. agl[h], jüd. agôlô) s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283 (unter »Schien«); vgl. auch Weber-Günther, S. 164 (unter »schenägeln«).]

abschießen, abschnellen[151] [63.97]

abschirren, abschurele[152]

abschließen, beschrenken (abgeschlossen, b'schrenkt)[153]

[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit schnellen = schießen (auch knallen) sind noch zusammengesetzt: herab- und niederschnellen, ferner — als Substantivierung — Fläderlingschnellen = (das) Vogelschießen. Ableitungen: Schnelle oder Schneller = Büchse, Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu Schnellepflanzer = Büchsenmacher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 99, 101 (schnellen = schießen, geschnellt_ = geschossen, verschnellen = verschießen); W.-B. des Konst. Hans 255 (g'schnellt = geschossen); Pfulld. J.-W.-B. 344 (schnellen = schießen, als Subst. Schnellen = Schuß); Schwäb. Händlerspr. 485 (schnellen, in Lütz. [214]: Schneller = Gewehr). Zur Etymologie des (schon seit dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit. [Griechisch: d] sowie Weigand, W.-B. II, Sp. 764, wonach schnellen, mhd. snellen (Ableitg. vom Adj. schnell) = »durch starken Widerdruck in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen, dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch Schneller u. a. = »die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei Stieler).]

[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]

[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) Beschrenken bedeutet auch schließen (oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher b'schrenkt auch = verschlossen); dazu die Zus. anb'schrenke = anschließen und die Ableitg. Beschrenker = Schließer. Dagegen setzt zuschrenken = zuschließen ein einfaches schrenken = schließen voraus, das aber im Vokab. fehlt. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schöll 272 (aufschrenken = aufmachen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 344 (schränken_ = schließen, einschließen, aufschränken = eröffnen); Schwäb. Gaun.- und Kundenspr. 73 (Schränker = Hausdieb); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [215]: schränke[n] = schließen, Schrenke = Tür, in U. [214]: abschränke[n] = verschließen). Zur Etymologie des zweifellos rein deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes schränken usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]

abschreiben, abfeberen[154] [63.98]

absingen, abschallen[155]

absondern, abschurele[152]

abspringen, abbosten[156]

absterben, abbegeren[157]

[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort febere(n) (-ra) = schreiben oder beschreiben (daher gefebert = schriftlich) kommt noch vor in den Zus.: auf-, aus-, ein-, heraus-, nach-, nieder-, über-, unter- und vorfebern. Mit dem Stamm feber- sind gebildet die Subst. Feberschure = Bleistift (eigentl. »Schreibding«) und Feberklettert = Schreibtisch. Ableitungen sind: Feberer = Schreiber (dazu grandicher Feberer = Schriftgelehrter) und Feberei = Schrift oder (das) Schreiben. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 98 (febren und Febrer); W.-B. des Konst. Hans 254, 257 (febere und Feberer, ausfeberen_ = ausschreiben); Schöll 274 (febern = schreiben [in der Bettlerspr.]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 341, 344 (hier ebenfalls febern, Feberer und ausfebern, ferner noch Feberei = Schreibzeug); Schwäb. Händlerspr. 480, 486 (f[^æ]beren oder fêberen und Pfeberei = Brief). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (fêwere = schreiben). Zur Etymologie, die Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s. Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 64 ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über Fehma (unter »Hand«).]

[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit schallen = singen sind noch zusammengesetzt: nach- und vorschallen. Ableitungen: Schaller = Sänger (fem.: -erin, Zus.: Schallerfläderling = Singvogel, insbes. Amsel, Kanarienvogel) und Schallerei = Gesang. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (schallen = singen); desgl. W.-B. des Konst. Hans 254 und Pfulld. J.-W.-B. 343 (hier [340, 342] auch: Schallen = Gesang und Schaller = Sänger); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73, 74 (schallen, Schaller_ = Sänger, Schallerle = Organist, Schallerkasten = Kirche); _Schwäb. Händlerspr. 483, 486 (schallen, Schaller, Duftschaller_ [d. h. »Kirchensänger«] = Lehrer). Zur Etymologie (von unserm deutsch. Zeitw. schallen) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 69-71; vgl. auch Weber-Günther, S. 180 u. 188.]

[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]

[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) Begeren bedeutet: sterben, umkommen, auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. begert = gestorben, verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation begert nobis (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus. Begertflössling (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht ist Begert = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel Beger u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. begern (vgl. unter »Etymologie«), ist für sich allein in Wittichs Vokabular nicht angeführt, wohl aber sind damit (od. vielleicht auch bloß mit dem Stamme beger- des Zeitw. begeren) zahlreiche Zusammensetzgn. gebildet worden, so Begersins = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u. dazu die Verbdg. schofler Begersins = Quacksalber), Begerschure = Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, Begerkies = Grabstein, Leichenstein, Begerfläderling = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18 sowie unter »Käuzchen«), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) u. Leichenhaus (vgl. grandiche B. = Hospital, Lanenger B. = Lazarett, u. das Dim. Begerkittle = Sarg [s. dazu schon oben S. 44, Anm. 147 unter »Abort«]), Begergadscho od. Begerkaffer = Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, Begersauft = Leichenbett (Sterbe-, Totenbett), Begermoss = Leichenfrau, Begerbikus = Leichenschmaus, Begerbochdam = Leichentuch, Begerkluft = Sterbekleid, Begersore = Totenbahre, Begerkritzler = Totenschein. Ableitungen (von begeren) sind: das Subst. Begerei = (das) Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. begerisch = sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm (daher: begerisch bosten = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis begerisch = wohl [gesund], die Verbdg. begerische Mufferei_ = Totengeruch u. die Zus. Begerischsauft = Krankenbett). Auch als Subst. wird Begerisch gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie (Fallsucht), während grandich Begerisch die Schwindsucht bedeutet. _Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 95 (begerisch = krank, vgl. auch 98: begerisch gekeilt werden = hart geschlagen werden); Schöll 271, 273 (Beger = Tod, begern = sterben); Pfulld. J.-W.-B. 341, 345 (bäkeren = sterben, bägeret = gestorben, bäkeret = tot, Bäkerei = Krankheit, bäkerisch = krank, Bäkerischkitt = Krankenhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 72, 76 (begern = sterben od. krank sein [hierfür auch bechern], abgebegert = gestorben, Begerer = Arzt, Begerwinde = Krankenhaus); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (bêkeren = sterben [vgl. in Pfedelb. (213): bägert u. beechert = gestorben], bêkerisch [in Pfedelb. (213): beecherisch] = sterbenskrank, todkrank, Bêkerwinde = Spital). Zur Etymologie (vom hebr. peger = »Leichnam«) sowie über weitere Belege im Rotw. s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1 (unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter »auf-bägere[n]«).]

Abt s. Priester, [63.99]

abtragen, abbugle[158]

Abtritt s. Abort

[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit bugle (-la) od. buk(e)le(n) (-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die Zusammensetzungen: fortbugla = fortbringen, forttragen, herausbukla = heraustragen, mitbukle = mitbringen, umher-, wegbukle = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes bukle = davontragen. Ableitungen sind: die Subst. Bukler_ (in der Zus. Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote) u. Buklete = Last, Traglast. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (buckeln = tragen); Schöll 272 (buklen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (buckeln); _Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213] bukeln, in Lütz._ [215] buckle[n]). Zur Etymologie (vom deutsch. Buckel od. Puckel) sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 209 u. Anm. 2. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit weiteren Angaben).]

abwaschen, abpfladeren[159] [63.100]

abwerfen s. abfallen

Abweichung (Diarrhöe), Fu(h)lete[160], Schmelzede[160]

abwischen, abschurele[161]

abzahlen, abpfreimen[162], abzaine[163]

abziehen, abschurele[164]

Achsel, Schure[164]

Acker, Schure[164]

Adler, grandicher Flederling[165]

[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit pfladere(n) (-ra) = waschen (auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch zusammengesetzt: auf- u. auspfladere(n) (-ra) = auf- u. auswaschen (ausspülen). Mit dem Stamme pflader- zusammenges. Hauptwörter sind Pfladerschottel = Waschbecken, Pfladersore = Wäsche, Pfladermoss = Wäscherin, Pfladerkitt = Waschhaus, Pfladerflu(h)te = Waschwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 91, 101 (Fladerei = Wäsche, Fladerer = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld. J.-W.-B. 343, 346 (fladeren = waschen, Flader-Schury_ = Schermesser); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (flattern = waschen); Schwäb. Händlerspr. 488 (pfladere); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler 435 (fladere[n]) u. Metzer Jenisch 207 (flādere_). Zur (nicht ganz sichern) Etymologie sowie über weitere rotw. Belege s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]

[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit pfreimen (-ma) = bezahlen (zahlen), vergüten ist noch zusammenges. auspfreimen = auszahlen; als Subst. gebraucht: Pfreimen = Steuern. Ableitung: Pfreimerei = Zahlung (Sold, Verdienst). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 346 (pfräumen = auszahlen, bezahlen, zahlen); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (pfreimen = bezahlen, zahlen). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist pfreimen wohl nur eine Nebenform von bereimen (s. darüber das Näh. weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei Karmayer 17 vorkommende) Form bepreimen (vgl. Groß' Archiv, B. 33, S. 305, Anm. 3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]

[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit z¶a¶ine[n] (od. z¶e¶ine[n]) = bezahlen (zahlen) sind noch zus. an- u. auszeine[n] (-na). Als Subst. gebraucht ist Zeine = Zahlung. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 259 (zainen = zahlen); Schwäb. Händlerspr. in U. [214]: zaine[n]= bezahlen). Die Etymologie_ ist unklar.]

[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) Grandicher Flederling heißt wörtlich »großer Vogel«, während ¶grandich¶ Flederling = Storch, eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was Wittich an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von grandich (im Gegensatz zu grandicher) als Superlativ im Jenischen ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u. Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit Flederling (od. Fläderling) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche Zusammensetzungen mit dem Worte finden sich sowohl für bestimmte Gattungen von Vögeln (s. Schallerflederling = Singvogel, Flu[h]teflederling = Wasservogel) als auch für einzelne Arten. So kommt Schallerflederling auch spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und Flu(h)teflederling für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng. jenischer Flederling, worüber das Näh. noch weiter unten bei »Bachstelze«); vgl. ferner: Stämpfflederling (eigtl. »der schimpfende Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Leile- od. Ratteflederling (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127), Begerflederling (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu schon oben S. 98, Anm. 157), Schmuserflederling (d. h. »der sprechende Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), Dofeflederling (d. h. »der schöne Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), Schofeleiflederling (d. h. »Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u. Furschetflederling (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter »Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß Flederling in gewiss. Zus. auch für andere Tiere (Insekten) vorkommt, so in Kupferflederling = Heuschrecke und Schundflederling = Mistkäfer. Seltener sind endlich Zus., in denen das Wort vorangesetzt ist, so: Flederlingskitt = Vogelbauer, Fl.-bäzeme = Vogeleier, Fl.-nolle = Vogelnapf u. Fl.-schnellen = Vogelschießen. — Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Fletterling_ = Vogel); Schwäb. Händlerspr. 488 (Fläterling = Vogel [in Pfedelb. (213): Flätterling auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade diese engere Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb. W.-B. 1753ff (227) u. Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]). Seiner Etymologie nach gehört das Wort natürlich zu »flattern«; s. Günther, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1545 (unter »Flätterling«). —

Das (in der Verbindg. grandich[er] Flederling enthaltene) Adj. grandich (oder grandig) hat außer der häufigsten und allgemeinsten Bedeutung »groß« noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen, gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll, vorzüglich, endlich auch noch »wütend« (doch geht es in diesem Sinne wahrscheinl. auf einen anderen Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der »Etymologie« a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (nobis grandich) ist es = wenig, winzig, als Adverb gebraucht bedeutet es: oft (häufig), als Subst. (Grandich): Gewalt, Höhe. Der Komporat. grandicher kommt nicht nur für »größer«, sondern auch für »mehr« (»mehrfach«, »vielmals«) vor. In Verbindungn. erscheint grandich: a) zuweilen mit einem Zeitw., so grandich¶e¶ pflanzen (eigtl. etwa »den Großen spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen grandich¶e¶r pflanzen nur durch »verlängern« wiedergegeben ist), viel häufiger aber natürlich: b) mit Hauptwörtern, und zwar in d. R. (und nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17ff.), so [Griechisch: a]) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B. Gebäude u. dergl.): grandiche Jahre- od. Krachersäftling (d. h. »große Waldtraube«) = Ananas, grandiche Duft (d. h. »große Kirche«) = Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Kies (d. h. »großer Stein«) = Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, grandiche Kitt (d. h. »großes Haus«) = Hof, grandiche Kolbekitt (d. h. »großes Pfarrhaus«) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Schoflerei (d. h. »großes Gericht«) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr. d. Zigeun. unter »Kreis-« u. »Kriminalgericht«), _grandicher Sins-Obermann_ (d. h. etwa »des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut«) = Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Lobekitt (d. h. »großes Geldhaus«) = Münze, Münzwerkstätte, grandiche Hegerle (d. h. »große Knödel«) = Nudeln, grandiche Kaflerkitt (d. h. »großes Metzgerhaus«) = Schlachthaus, grandiche Schrende (d. h. »große Stube«) = Saal (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Spraus (d. h. »großes [langes] Holz«) = Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner [Griechisch: b]) auch für — mehr od. weniger — abstrakte Begriffe; so: grandich Flu(h)te (d. h. »großes« [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36, Anm. 126), grandich Ulma (d. h. »viele Leute«) = Menge, _grandich Lanenger_ (»viele Soldaten«) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner grandicher Funk (d. h. »großes Feuer«) = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Zigeun.), grandich Bogelo (d. h. »großer Hunger«) = Heißhunger, grandich Begerisch (d. h. »großes [schweres] Siechtum«) = Schwindsucht, grandich Schure od. Sore (d. h. »viele Dinge«) = Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann [Griechisch: g]) für Tiere: so (außer grandich[er] Flederling noch); grandiche Gachne (d. h. »großes Huhn«) = Hahn, grandich Jerusalemsfreund (d. h. »großes Schaf [Hammel]«) = Schafbock, grandich Babing od. Strohbuzer (d. h. »große Gans«) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich [Griechisch: d]) für Menschen, und zwar: aa) nach deren Eigenschaften, wie _grandicher Kaffer_ (d. h. »großer Mann«) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw. nobis grandicher Kaffer = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro toto für die Personen selbst gebräuchl.) Bezeichngn. _grandicher Rande = Dickbauch, grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf oder Starrkopf u. grandicher Giel (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen, daß solche Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z. B. grandicher Rande = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger, trächtig, grandicher Muffer = großnasig; vgl. auch grandich Sore (s. oben) = vermögend; bb) nach dem Stande od. Beruf, wie z. B. grandicher Sins (d. h. »großer Herr«) = Amtmann, Richter (s. d. betr. d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Feberer (d. h. »großer Schreiber«) = Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele dieser Art ist — um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem Worte »Bischof« eingegangen, da dort Wittichs Bemerkung über die in seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen durch Hinzufügung von grandicher (als Komparativ) u. grandich (als Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich Grandicher-Patres u. Grandichemamere = Großvater, -mutter. — Zu vgl. betr. grandich (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (grandig = gewaltig, stark); Schöll 271 (grandig = groß, stark, viel); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 344, 345 (grandig = groß, grandiger Kanoffer od. Gschor = »Erzdieb«, grandiges Schuberle od. Balderle = Gespenst, grandig Flotte = Meer, grandige Kehr = Schloß [Gebäude], grandige Duft [od. Kangeri (aus dem Zigeun.)] = Tempel); Schwäb. Händlerspr. 481 (grandig = groß); auch dem Metzer Jenisch (216) bekannt. Der Etymologie nach geht das (schon zu Beginn des 17. Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung, und zwar noch eher auf das italien. grande als auf das französ. grand, zurück. S. Näh. in Groß' Archiv Bd. 38, S. 270 (unter »Sens«) u. dazu noch Weber-Günther, S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne »wütend« — wozu das bes. in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. grandig = »mürrisch, verdrießlich, übel aufgelegt« u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es wohl auf einen anderen Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei Fischer, a. a. O. unter u. zu »grandig«, Nr. 2, c verbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter »Grand«) sowie Sp. 999 (unter »grennen«).]

Affe, Schure[166] [63.102]

Affengesicht (Fastnachtsmaske), Ni(e)sichegiel, auch Nilliche- od. Nuschichegiel (d. h. »närrisches Maul«)[167]

After, Bos[168], Schmelzer[169] [63.103]

[Fußnote 166: ([16] auf S. 63.103) S. abbiegen.]

[Fußnote 167: ([17] auf S. 63.103) Über die Adj. ni(e)sich, nillich od. nuschich s. d. Näh. schon oben unter »aberwitzig«. Giel bedeutet: Maul (Schnauze), Mund (Lippe), dann auch allgemeiner (gleichsam als pars pro toto) Gesicht, Miene, Signalement (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Andere Zus. bzw. Verbdgn. mit Giel sind noch Grandichergiel = Großmaul (s. dazu schon oben S. 100, Anm. 165), Schmusichergiel = Plappermaul sowie oberkünftiger Giel (d. h. eigtl. etwa »Obermaul«) = Gaumen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zig., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17). Vielleicht dürften als Ableitungen von Giel auch das Zeitw. giele(n) (-la) = (sich) erbrechen, übergeben (auch als Subst. gebr.) u. das Adj. gielerich = übel (»zum Übergeben [Erbrechen] schlecht« [Spr.]) betrachtet werden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 342, 345 (Giel = Maul, gillen = erbrechen, speien); Schwäb. Händlerspr. 4841 (Gîl = Mund). Der Etymologie nach gehört das (als rotw. schon im Lib. Vagat. [54] bekannte) Wort zu dem bereits mhd. giel = »Maul, Rachen, Schlund« (s. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1011; vgl. auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 892), bildet also »einen der nicht häufigen Fälle der Erhaltung von Archaismen im Rotwelsch« (so: Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 651; vgl. auch schon Wagner bei Herrig, S. 207 u. Behaghel in d. Z. der Allg. Deutsch. Sprachver. Jahrg. 1905, Sp. 158). Das Zeitw. gil(l)en = erbrechen usw. hat Fischer, a. a. O., Sp. 658 — freilich nur mit einen Fragezeichen — zu dem hebr. gilla = »enthüllen« in Beziehung gesetzt.]

[Fußnote 168: ([18] auf S. 63.103) Als eine Zus. mit Bos = After (Hinterer) könnte vielleicht aufgefaßt werden Boslem = Exkremente (das wäre dann eigtl. — da Lehm auch im Wittich'schen Vokabular für »Brot« vorkommt — soviel wie »Afterbrot«). Ebenso scheint ein gewisser Zusammenhang vorzuliegen zwischen Bos u. dem Zeitw. bosen od. bosme = lecken, zu dem möglicherweise die Redensart jann' mei Bos = »leck mich (im A….)« (s. d. W.-B.) den Übergang gebildet hat. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (Bos = Podex [ganze Hinterseite]); Schwäb. Händlerspr. 485 (Boß = Podex; vgl. dazu noch in Pfedelb. [211]: muff mei Boß = »l. m. i. A.«). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1303 hat das hebr. bōš = »sich schämen« herangezogen, jedoch nur mit einem Fragezeichen. Weniger gesucht erscheint es m. E., in Bos zu erblicken nur eine Abkürzung (nach Art der sog. Aphärese) von der Zusammensetzg. Schundbos u. ä. (wörtl. etwa »Kothaus«, zu Schund = Kot u. dgl. [s. oben S. 41, Anm. 139] u. Bos = Haus, älterer rotw. Form für Bais u. ä., aus dem gleichbed. hebr. bajit [vgl. Archiv, Bd. 38, S. 221, Anm. 1]), die sich zu Anfang des 19. Jahrh. in einzelnen Sammlungen der Gaunerspr. als Bezeichnung für den »Hinteren« findet (so z. B. bei Karmayer 150 [neben Schandbus (138)]; vgl. Pfister 1812 [303: Schonnboos] u. v. Grolman 58 u. 63 u. T.-G. 101 [Schonboos u. Schandbus od. -buß]).]

albern s. aberwitzig [63.104]

alljährlich, jedes Ja(h)ne (d. h. jedes Jahr)[170]

alltäglich, jeden Schei (d. h. jeden Tag)[171]

[Fußnote 169: ([19] auf S. 63.104) S. Abort.]

[Fußnote 170: ([20] auf S. 63.104) Dieselbe Ausdrucksweise haben auch die Zigeuner (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko bersch [d. h. »jedes Jahr«] = alljährlich). — Jane od. Jahne = Jahr findet sich auch noch in den Verbdgn. voriges Ja(h)ne = vorjährig u. _nobis dofs Ja(h)ne_ (d. h. eigtl. »kein gutes Jahr«) = Mißjahr (s. d. betr. d. Zigeunerspr.) u. in den Zus. Ja(h)neschei = Jahrestag u. Neuja(h)ne = Neujahr (Spr). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 94 (Jone = Jahr, daher Jone Gschok = Jahrmarkt); W.-B. des Konst. Hans 257, 259 (Jane = Jahr, Jann = Jahre); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Jane = Jahr). Die Etymologie_ bleibt zweifelhaft. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 74 hat hingewiesen teils auf Jam = Tag (in der Form Jäm[m]chen = Jahr [s. dazu schon oben »Einleitg.«, S. 26, Anm. 70]), teils auf das hebr. schānā, jüd. schōnō = Jahr, das auch in die Gaunerspr. eingedrungen ist (s. z. B. schon Christensen 1814 [322: Schone], u. dann öfter bis zur Neuzeit [vgl. A.-L. 603 u. Groß 492 (Schono, -num), Rabben 121 u. Ostwald 137 (Schone, -num)]). Jedoch erscheint es vielleicht am einfachsten, auch hier (gleichwie möglicherweise ja bei Jäm[m]chen) nur eine absichtliche Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzunehmen.]

[Fußnote 171: ([21] auf S. 63.104) Auch diese Umschreibung ist bei den Zigeunern gebräuchlich (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko diwes [d. h. »jeden Tag«] = alltäglich). — Das jenische Schei (od. Schein) = Tag (wofür früher Jamm gebräuchlich gewesen [vgl. oben »Einltg.«, S. 26, Anm. 70]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel), Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen begegnen auch in den Zusammensetzungen mit dem Worte, so: a) = Tag (nur ans Ende gestellt) in: Nilliche-(Ni[e]siche- od. Nuschiche-)schei = Fastnacht (vgl. oben S. 39, Anm. 132), Ja(h)neschei = Jahrestag (vgl. oben Anmerkg. 170), Bäzemeschei (eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18), Brandlengschei (eigtl. »Kuchentag«) = Kirchweihe, Flössleschei = Regentag, Bossertschei (eigtl. »Fleischtag«) = Sonntag (vgl. schon oben S. 31, Anm. 119); b) = Licht (od. Lampe): [Griechisch: a]) vorangestellt: in Scheischure (eigtl. »Licht- [od. Lampen-] Ding«) = Docht u. Scheinpflanzer = Lichtzieher; [Griechisch: b]) ans Ende gestellt: in Schuberleschein (d. h. »Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. die Zigeunerspr.), Leileschei(n) = Nachtlicht, dann aber auch Mond u. Stern (vgl. dazu schon oben S. 37, Anm. 127); c) = Fenster: in Scheiglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255, (Sch¶ai¶springer = »Diebe, die bei Tag stehlen«); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: Sch¶ein¶springer bei Schöll 269, 270 u. im Pfulld. J.-W.-B. 345 (vgl. hier [339] auch noch Prenzenschein = Feiertag, während Schein — ohne Zusatz — [337] so viel wie »Auge« bedeutet); Schwäb. Händlerspr. 487 vbd. mit 479, 480, 483 (Schein = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl. in Pfedelb. [214]: Bichschein = Zahltag). In den übrigen rotw. Quellen findet sich Schein für »Tag« (abges. von der oben erwähnten Zus.) m. Wiss. zuerst bei Schintermicherl 1807 (288), für »Auge« zuerst bei Pfister bei Christensen 1814 (328), dagegen schon im Basl. Glossar v. 1733 (201) für »Glas«. Aus den Krämerspr. vgl. noch: Pfälz. Händlerspr. 438 (Schainche = Auge, Fenster, Lampe), _Metzer Jenisch 216 (Scheinche = Augen), u. Winterfeld. Hausierspr._ 441 (Scheincher = Fenster). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. Schein (in dem ursprünglichsten Sinne von »ins Auge fallende Helle«, mhd. schîn, ahd. scîn = »Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit« usw. (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 690/91); vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte Scheinling = Auge s. das Näh. unter »Augapfel«.]

Almosen, Dercherbich (d. h. »Bettelgeld)«[172] [63.105]

Amme, Schwächerlemamere (d. h. »Brustmutter«)[173]

[Fußnote 172: ([22] auf S. 63.105) Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 145 u. 174 (mangamáskero lowo, d. h. eigtl. »Bettelgeld« = Almosen). — Betr. Dercher- s. das Näh. unter »abbetteln«. Das jenische Bich = Geld (Geldstück, Kupfergeld), Münze, dann auch Barschaft, Gehalt (Sold), Summe kommt in mancherlei Zusammensetzgn. vor, so a) am Anfang stehend: [Griechisch: a]) für Personen: in Bichsins = Bankier, aber auch Münzmeister, u. Bichschenegler = Münzarbeiter (auch wohl Bichpflanzer, argum.: Bichpflanzerskitt = Münzwerkstätte, vgl. auch noch die Umschreibg. nobis dufter Bichpflanzer [d. h. eigtl. »kein guter Geldmacher«] = Falschmünzer); [Griechisch: b]) für Sachen: Bichkitt = Bankhaus, Bichschure = Geldkasse od. -kasten, Bichrande = Geldsack; b) _ans Ende gesetzt: (außer in Dercherbich noch) in Stradebich_ = Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), Schenagelsbich = (Arbeits-) Lohn, Duftbicht (eigtl. »Kirchengeld«) = Opfergeld, Kritzlerbich = Papiergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur _Schwäb. Händlerspr. 481 (Bich, Pich od. Spich = Geld; dazu [in Pfedelb._ (214): Bichschein = Zahltag]); die Pfälz. Händlerspr. 438 hat die Form Pech. Über sonstige Belege im Rotwelsch usw. (wo die Form Pich od. Picht — neben Bicht — vorwiegt) sowie die (nicht sichere) Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 279, 280 u. Anm. 1 u. 2 (im Anschluß an A.-L. 583 [unter »Pich«]). — Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1094 gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 173: ([23] auf S. 63.105) Auch hiermit (wie schon in der »Vorbemerkung« S. 18 erwähnt) sachlich übereinstimmend die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 174 (tschutschĭnéngĕri dai, d. h. »die Brustmutter« = Amme; doch wird dai dabei auch wohl weggelassen [s. S. 166, vgl. auch Finck, S. 93]). Das jenische Wort Schwächerle = Brust (bes. Weiberbrust), bei Tieren = Euter (daher Horbogen-, Trabert-, Groenikelsschwächerle = Kuh-, Pferdeeuter, Schweinezitzen), dann auch = Herz, geht zurück auf das Zeitw. schwächen = trinken (saufen, zechen), aber auch = dursten (in der Wendg. mich schwächert's). Zu ersterer Bedtg.: geschwächt = betrunken, berauscht, halbgeschwächt = halbtrunken sowie die Zus.: ausschwächen = austrinken (aber schwäch' [a]uf = trink' aus), beschwächen = betrinken, ver- u. vorschwächen = ver-, vortrinken. Zu beachten ist, daß das (unverkleinerte) Subst. Schwächer nur so viel wie »Rausch, Trunkenheit« (auch wohl »berauscht, betrunken«) bedeutet (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33). Weitere Ableitungen (von schwächen) sind dann noch: d. Adj. schwächerich = durstig (Spr.), als Subst. = Durst, u. d. Subst. Schwäche = Tränke, Viehtränke (daher Trabertschwäche = Pferdetränke), Schwächet = Getränk, Schwächerei = Sauferei, Trank, Trinkgelage, Zeche. Zusammensetzgn. mit dem Stamm schwäch- (des Zeitworts schwächen) sind endlich: Schwächglansert, -nolle, -schottel = Trinkglas, -schale, -schüssel, alle drei aber auch (allgemeiner) = Trinkgefäß. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 u. 100 (schwächen = trinken, _Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwächet mich_ = es dürstet mich); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 258, 259 (schwäche[n] = trinken, _z' Schwächet steken = zu trinken geben, Dow're schwäche_ = Tabak rauchen; es schwächert mi = es durstet mich); Schöll 271 (schwächen = trinken, Schwächer = Durst); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 343, 345 (schwächen = trinken, saufen, aussaufen, verschwächen = versaufen [verdr.: erlaufen], Schwäche od. Schwächer = Rausch, Schwächerei = Trunkenheit); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68, 76 (schwächen, ausschwächen, Schwäche = Trunk; Schwäche¶m¶ = Durst); _Schwäb. Händlerspr. 487 (schwächen, in Pfedelb._ [208, 209, 212-14]: ausschwächen, ferner Schwäche = Trank, Schwächem = Durst, Schwächere = Wirtshaus, schwecherisch = durstig, Schwächbruder = Saufbruder, in Lütz. [215] Schwächer = Rausch). Vgl. noch _Metzer Jenisch 216, 217 (schwäche = trinken, beschwächt_ = betrunken). Zur (nicht sicheren, aber vermutl. auf das Hebr. zurückzuführenden) Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 42 ff. (unter »Schwächer«); vgl. auch Weber-Günther, S. 169 (unter »Schwäche«). —

Das zweite (in der Zus. Schwächerlemamere enthaltene) Wort, Mamere = Mutter, findet sich auch noch in der Verbindg. Patres (d. h. Vater) und Mamere = Eltern (s. d. betr. d. Zigeunerspr., die ebenfalls kein eigenes Wort für »Eltern« hat [vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 44]) sowie in den folgenden Zus.: a) am Anfang stehend: Mamereglied, das drei Bedeutgn. hat, nämlich [Griechisch: a]) Oheim (als »Mutterbruder«), [Griechisch: b]) Tante (als »Mutterschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (v. mütterl. Seite her; vgl. zu [Griechisch: a] u. [Griechisch: b] betr. die Überstimmg. mit d. Zigeun. Näh. unter »Oheim« u. »Tante«), weiter Mameregroenikel = Mutterschwein; b) ans Ende ges.: Grandichemamere = Großmutter, Kittmamere = Hausmutter, Schoflemamere (eigtl. »schlechte Mutter«) = Stiefmutter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Mam¶ai¶re = Mutter), Schöll 271 (Ma¶mm¶ere); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Mamere); Schwäb. Händlerspr. 484 (wie Schöll). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432 ist das (auch sonst noch im Rotw. vorkommende) Wort — wie übrigens auch schon Schöll 271 vermutet hat — wohl ohne Bedenken herzuleiten vom französ. »mamère«. Eine Heranziehung der Zigeunersprache ist daher nicht nötig, wie denn z. B. auch die Sulzer Zigeunerliste v. 1787 (251) ausdrückl. das rotw. Mammere dem gleichb. zigeun. Mamma (vgl. Finck, S. 71: máma) gegenübergestellt hat.]

Ampel, Schei (d. h. mehr das Licht in der Ampel als diese selbst)[174] [63.107]

Amsel, Schallerfläderling (d. h. eigtl. nur Singvogel; vgl. Kanarienvogel)[175]

Amtmann, grandicher Sins[176]

Amtsdiener, Bu(t)z[177]

[Fußnote 174: ([24] auf S. 63.107) Auch die Zigeunerspr. hat denselben Ausdruck (momĕlin) für Licht (Fackel, Kerze) u. Ampel (Lampe, Leuchter); s. Liebich, S. 147, 174, 196, 214, 218 u. 219. Im übrigen s. über Schei(n). Näh. schon oben unter »alltäglich«.]

[Fußnote 175: ([25] auf S. 63.107) S. unter »absingen« u. »Adler«.]

[Fußnote 176: ([26] auf S. 63.107) Auch die Zigeunersprache kennt (wie schon in der »Vorbemerkung«, S. 17 erwähnt) diese Umschreibung (eigtl. »großer Herr« für »Amtmann« u. dergl. (s. Liebich, S. 127 u. 174: bāro rai; vgl. auch Jühling, S. 225 [= »Bezirksamtmann«]), desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr« (s. d. Vork. im W.-B.), während für die weiteren Bedeutgn. »Fürst« u. »Landesherr« bes. Benennungen bestehen. Über grandich Sins = König (fem. _grandich Sinse) — wobei grandich_ als Superlativ zu betrachten — s. d. Näh. noch unter »Bischof«; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42. Zusammensetzgn. mit Sins (od. Sens) = Herr (Edelmann, Gebieter [vgl. fem. Sinse od. Sense = Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. Sinsle = Junker]) sind: a) im Anfang: Sinsekitt = Herrenhaus, Herrschaftshaus u. Sinseschrende = Herrenzimmer, während in Sinsemoss = Herrin (Dame, Edeldame) und Sinsemodel = Fräulein doch wohl eher das fem. Sinse steckt; b) am Ende (beliebt bes. als Berufsbezeichngn.): Begersins = Arzt (Doktor), Wundarzt (u. dazu schofler Begersins = Quacksalber, vgl. auch oben S. 98, Anm. 157), Bich-, Kies-, Lobesins = Bankier (Bichsins auch = Münzmeister), Fehtesins = Quartierherr (fem. -sinse = Quartierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr, Dupfsins = Wundarzt, Näpflingsins = Zahnarzt. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Sinz = Herr, Sinst = der regierende Herr); Schöll 272 (Sens = Herr); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 341 (Sens = Herr, Obersens = Beamter, Senserei = Herrschaft, Kanzlei); _Schwäb. Händlerspr. 482 (Sens_ = Herr, in U. [213] = Amtsrichter [in Pfedelb. (208) dafür: Seetzer] u. Senserei = Amtsgericht). Über weitere Belege im Rotw. seit d. 15. Jahrh. (woraus hier bes. erwähnt sei, daß grandiger Sims für »Amtmann« od. »Edelmann« schon bei _A. Hempel 1687 [168] vorkommt) sowie über die nicht sichere) Etymologie_ s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 269ff (unter (»Sens«).]

[Fußnote 177: ([27] auf S. 63.107) Bu(t)z bedeutet bes. auch noch Büttel, Polizeidiener, Polizist. Eine Verbindung damit ist _grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister und (als nochmal. Steigerung) grandich Bu(t)z_ = Polizeidirektor (s. dazu das Näh. noch unter »Bischof«). Zusammensetzgn. damit sind: a) am Anfang: Bu(t)zekeiluf od. -kib = Polizeihund; b) am Ende: Dofes-, Kittle- oder Lekbu(t)z = Gefangenwärter. Eine Ableitung ist: Bu(t)zerei = Polizei (dazu weiter die Zus. Bu[t]zereikitt = Polizeiamt). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338 (Butz = »Bettelvogt«); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 63, 73 (Buz = Polizei, verdeckter Buz = Geheimpolizist): Schwäb. Händlerspr. 485 (Butz od. Betz [in Pfedelb. (212): auch Buz] = Polizist; vgl. in Lütz. [215]: Grünlingsbutz = Waldhüter). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 u. Metzer Jenisch 216 (Buts bzw. Butz = Polizist). Zur Etymologie des (rein deutschen) Wortes sowie über seine sonstigen Belege im Rotw. (in der Form Putz schon seit d. Mitte des 18. Jahrh.) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 10ff u. zu vgl. dazu etwa noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1571 (unter »Butz«, Nr. 3, b).]

Ananas, grandiche Jahresäftling od. gr. Krachersäftling (d. h. »die [63.108] große Waldtraube«, abzuleiten von Säftling = Traube[178] und Jahre oder Kracher = Wald[179]). Mit Jahre- od. Krachersäftling werden fast alle beerenartigen Früchte bezeichnet (vgl. Anm. 178 im Anf.).

[Fußnote 178: ([28] auf S. 63.108) S. auch unter »Weinbeere« u. »Weintraube«. Zus. mit dem Worte sind (außer Jahre- od. Krachersäftling, das in gleicher Weise für Brombeere, Erdbeere, Heidelbeere u. Himbeere gebräuchl. ist) noch das ähnl. Staubertsäftling = Mehlbeere (so daß Säftling also bes. auch die »Beere« bedeutet [vgl. Wittichs Bemerkg. im Text], obwohl es dafür [ohne Zus.] im W.-B. — vielleicht bloß versehentlich — nicht aufgeführt ist) sowie (am Anf. stehend) Säftlingsore = Weinberg (s. dazu betr. Sore Näh. unter »Brücke«). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Saftling_ = Trauben); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Säftling = Rebe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Säftling = Traube); Schwäb. Händlerspr._ 487 (ebenso; vgl. im Pfedelb. [214]: Säftlingjole = Wein). Der Etymologie nach gehört das Wort natürlich zu unserem gemeinspr. Saft; vgl. Günther, Rotwelsch, S. 61.]

[Fußnote 179: ([29] auf S. 63.108) a) Mit Jahre = Wald (Forst, Gehölz, auch bes. Fichtenwald) sind (außer Jahresäftling) noch folgende Zus. gebildet worden: Jahrekrächerle = Haselnuß, Jahrestöber (d. h. »Waldbaum« = Tanne; Jahreschure (d. h. etwa »Waldding«) = Hirsch u. Jahrestierer (d. h. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Als Verbindg. erscheint Jahre bosten (eigtl. nur »[in den] Wald gehen« [vgl. oben S. 40, Anm. 137]) für das Zeitw. »jagen«. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Jahre = Wald); Schöll 271 (Jaare); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Jahre; vgl. [339, 341]: Jahrhegel = Förster, Jäger); _Schwäb. Händlerspr. 488 (Jre_). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (vom hebr. jaa'r = »Wald«) s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 251, Anm. 2; vgl. auch Bd. 42, S. 7 (unter »Jahrhegel«) sowie noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 79 (unter »Jare«).

b) Mit Kracher (das in denselben Bedeutgn. wie Jahre gebraucht wird) sind im wes. auch die gleichen Zusammensetzgn. gebildet worden, so außer Krachersäftling noch Kracherkrächerle (= Haselnuß), Kracherstöber (= Tanne) u. Kracherschure (= Hirsch); dagegen ist neben Jahrestierer (= Rebhuhn) allerdings nur Krachergachne als Synon. angeführt. Auch Kracher bosten hat den gleichen Sinn wie Jahre bosten. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 340, 346 (Krach = Holz, Wald); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Kracher_ = Wald sowie die geogr. Bezeichg. Schwarzkracher = Schwarzwald); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kracher = Wald). Über weitere rotw. Belege sowie zur Etymologie (von unserem gemeinspr. Zeitw. krachen) s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 11 (u. Anm. 1) u. 12; vgl. auch Weber-Günther, S. 181 (unter »Krachet«) u. Fischer Schwäb. W.-B. IV, Sp. 662 (unter »Krachert«).]

anbeten, anbliblen[180] [63.109]

anbetteln, andalfen, anderchen[181]

anbinden, anschurele[182]

anblasen, anschurele

anbrennen, den Funk anpflanzen (d. h. das Feuer anmachen)[183]

[Fußnote 180: ([30] auf S. 63.109) Mit blible(n) = beten, auch predigen sind ferner noch zusammengesetzt: nach- u. vorblible(n) = nach- u. vorbeten, sodann (mit dem Stamme blibel- [des Zeitworts]) die Substantive Blibelulma = fromme Leute, auch »Stundenleute«, d. h. Methodisten, Blibelkaffer, -moss, -kitt = »Stundenmann, -frau, -haus« (in gleichem Sinne) und Blibelschlang (eigtl. »Betkette«) = Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Ableitungen sind: das Subst. Bliblerei = Gebet u. das Adj. bliblich = gläubig, heilig (dazu die Verbdg. bliblicher Schuberle = heiliger Geist). In dem verw. Quellenkreise hat das Wort nur die schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [214]: b'lipple[n] = beten). Zur Etymologie bietet einigen Aufschluß das veraltete schwäb. Blippenplapper, eine »spöttische Ablautbildung« für »Plapperer« (nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1206).]

[Fußnote 181: ([31] auf S. 63.109) S. abbetteln.]

[Fußnote 182: ([32] auf S. 63.109) S. abbiegen.]

[Fußnote 183: ([33] auf S. 63.109) Über Funk = Feuer s. abbrennen. Das Zeitw. pflanzen (Grundbedeutg.: machen [daher: aufpflanzen = aufmachen (Spr.)], verfertigen) versieht in Verbindg. mit anderen Wörtern die Rolle eines Aushilfsbegriffs in vielen Fällen, wo im Jenischen keine besonderen Bezeichnungen vorhanden sind (vgl. darüber schon die »Einleitg.« S. 24 sowie m. »Vorbemerkg.«, S. 16, Anm. 40), so z. B. in den Redensarten grandiche pflanzen (d. h. eigtl. »den Großen machen« oder »spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (dagegen: grandicher pflanzen [eigtl. »größer machen«] = verlängern), Blatt (blatt) pflanzen = im Freien übernachten (s. d. Näh. unter »übernachten«), Strauberts pflanzen (eigtl. »Haare machen«) = kämmen, Bomme od. Keif pflanzen (eigtl. »Schulden machen«) = leihen, Käfferle pflanzen = Onanie treiben (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Ausdr.), schofle Falle (-la) pflanzen (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter »böse«); mit auspflanzen ist endlich (als Gegensatz zu dem obigen den Funk anpflanzen) gebildet: _d(en) Funk auspflanzen_ = löschen (auslöschen), wonach dann wohl auch das einfache auspflanzen die Bedeutg. von »ausblasen« erhalten hat. Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber (ganz wie im Rotwelsch) die Ableitung Pflanzer, fem. -erin (= »Verfertiger[in]«) in Zusammensetzgn. mit Substantiven als Bezeichnungen für die verschiedensten Berufsarten, insbes. die Gewerbe, so: Klass- od. Schnellepflanzer = Büchsenmacher, Schures- od. Stiepenpflanzer = Bürstenbinder, Griflengtrittlingpflanzer = Handschuhmacher, Nollespflanzer = Häfner, Töpfer, auch Kesselflicker, Oberman(n)pflanzer = Hutmacher (Kappen-, Mützenmacher) od. Kürschner, Straubertsschurepflanzer = Kammacher, Schottel (od. Schottle-) pflanzer = Korbmacher, Rädlengpflanzer = Kutschenbauer, Wagner, Bochdampflanzer = Leineweber, Tuchmacher, Scheinpflanzer = Lichtzieher, Scharflingpflanzer = Messerschmied, Kies- od. Lobepflanzer = Münzarbeiter (auch wohl Bichpflanzer, argum.: Bichpflanzerskitt = Münzwerkstätte u. zu vgl. _nobis dufter Bichpflanzer_ = Falschmünzer [worüber Näh. auch schon oben S. 105, Anm. 172]), Hitzlingpflanzer = Ofensetzer, Kritzlerpflanzer = Papiermacher, Dächles- od. Pflotscherpflanzer (fem.: -erin) = Schirmflicker(in), Glitschinpflanzer = Schlosser, Trittlingpflanzer = Schuhmacher (Schuster), Sprauspflanzer = Stockmacher, Streiflingpflanzer = Strumpfwirker, Gengle- od. Luberpflanzer = Uhrmacher, Lattepflanzer = Waffenschmied, Schrendepflanzer = Zimmermann. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 98 (Nuschepflanzer = Schuhmacher); Pfulld. J.-W.-B._ 337-339, 342-344 (pflanzen = machen, toxpflanzt = abgerichtet, krank od. dildi pflanzen = einstecken; Fleppapflanzer = Büchermacher, Tschuripflanzer = Messerschmied, Girchen- od. Nuschenpflanzer = Schuhmacher, Zinkenpflanzer = Petschaftfälscher); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Pflanzer [ohne Zus.] = Schuhmacher); Schwäb. Händlerspr. 483, 486, 487 (Schottelpflanzer = Korbmacher, Stichlingpflanzer = Schneider, Trittlingpflanzer = Schuster, Gänglingpflanzer [in Pfedelb. (213): Gluckerspflanzer] = Uhrmacher; ferner ebenfalls noch in Pfedelb. [208, 210-213]: Krach [od. Hallas] pflanzen = lärmen, Bummen pflanzen = Schulden machen, Plamppflanzer = Bierbrauer, Schuberlespflanzer = »Geistererlöser« [Tätigkeit des kathol. Pfarrers], aber auch = Teufel, Obermannpflanzer = Hutmacher, Zainepflanzer = Korbmacher, Dickköpfpflanzer = Nagelschmied, Staudenpflanzerin = Näherin, Kluftenpflanzer = Schneider; endl. noch in U. [213]: Mulumpflanzer = Arzt). Zur Etymologie s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 12ff. (wo auch die meisten der oben angeführten Zus. erklärt sind).]

anfangen, anschurele[184] [63.110]

anfassen, anschniffen[185]

[Fußnote 184: ([34] auf S. 63.110) S. abbiegen.]

[Fußnote 185: ([35] auf S. 63.110) Mit schniffen = anpacken, erfassen, nehmen, holen (Spr.), bes. aber = stehlen (entwenden, rauben, berauben) sind noch zusammengesetzt: aus-, heraus- u. wegschniffen = aus-, heraus-, wegstehlen. Ableitungen: die Subst. Schniffer = Dieb, Gauner, Räuber (dazu die Zus. Schnifferulma = Diebesbande) u. Schnifferei = Diebstahl sowie das Adj. schniffich = diebisch. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 345 (schniffen = ausplündern, stehlen, als Subst. Schniffen = Diebstahl); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (schniffen = stehlen [ausplündern (s. Pfedelb. [208])], Schniffer = Strolch). Übrigens sind die Vokabeln schniffen, Schniffer (Nebenf. schnipfen [auch schnüffen] u. Schnipfer) u. Schnifferei schon dem Rotwelsch des 17. u. 18. Jahrh. bekannt gewesen (vgl. z. B. A. Hempel 1687 [168: schniffen = »mausen«, Schnifferey = »Mauserei«, ein grandiger Schniffer = »ein rechter Erzdieb«, Hornickel-, Trabertschniffer = Kuh-, Pferdedieb]; Waldh. Lex. 1726 [187-189, 190: alles im wes. ebenso, außerdem noch für Pferdedieb auch Zußgenschniffer u. Schniffer auch = »einer, der das Geld aus der Ficke (Tasche) ziehet«]; Münchner Deskription 1727 [192: schniffen u. das Schniffen oder Rauben]; Basl. Glossar 1733 [202: schnüffen = stehlen]; Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [288, 231: geschnipft = gestohlen, Schnipffer = »Spitzbub«]; Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241: schniffen od. schnipfen = stehlen]). Zur Etymologie s. Landau im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. IV, S. 240 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1333 (unter »schnipfen«, Nr. 3). Danach bedeutet schnipfen od. schniffen mundartlich (so z. B. im Schwäbischen [vgl. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 474]) soviel wie »mit einer schnellen Bewegung etwas wegschnappen, entwenden, listig stehlen«; es ist hauptsächl. auf die oberdeutschen Mundarten beschränkt geblieben; vgl. u. a. noch Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 578 u. Hügel, Wien. Dial.-Lex., S. 143.]

anfragen (fragen), butschen[186] [63.111]

Angel, Schure[187]

angenehm, dof, duft[188]

[Fußnote 186: ([36] auf S. 63.111) Mit butschen ist zusammengesetzt ausbutschen = ausfragen, ausforschen, forschen. Es ist sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der Etymologie nach stammt es aus der Zigeunersprache her (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei Pott II, S. 375 (unter »Pchuczav«), Liebich, S. 154 u. 198 (putschawa = ich frage, forsche), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 41 (unter »phuč«: bei d. deutsch. Zig.: pučava = ich frage, pučjum = Frage usw.), Jühling, S. 225 (putsch = frage [Imperat.], Putschaben = die Frage, das Fragen), Finck, S. 81 (p'utš-, p'utšew- [p'utšej-, p'utšed-] = »fragen, forschen«).]

[Fußnote 187: ([37] auf S. 63.111) S. abbiegen.]

[Fußnote 188: ([38] auf S. 63.111) Das Adj. dof (weit seltener: duft [das in der modern. Gaun.- u. Kundensprache überwiegt]) mit der Grundbedtg. »gut« (dazu Komparat.: döfer = besser) wird in überaus weitem Sinne gebraucht, wie folgende Übersicht der verschiedenen einzelnen Begriffe (bei denen das [gleichzeitige od. alleinige] Vorkommen der Form duft in Klammern angemerkt ist) dartut. Es bedeutet nämlich noch: anständig, anwendbar (auch duft), artig, aufrichtig, beliebt, bequem, bieder, brav, brauchbar (nur duft; s. d. Verbdgn. unter dies. Worte), dienstfertig, dienstwillig, echt, edel, ehrbar, ehrenhaft, ehrenwert, ehrlich, fein, folgsam, freundlich, friedfertig, frisch (Spr.); geeignet, zufällig, gefühlvoll, geheilt, gemütlich, gemütvoll, genesen, geschmeidig, gesund, getreu, gerecht, geziemend, gnädig, günstig (auch duft), gütig, gutmütig, heil, heilsam, herzlich, hochherzig, höflich, hold (auch duft), hübsch (auch duft), keusch, kostbar, leutselig, lieb, liebenswürdig, lieblich (auch duft), liebreich (auch duft), nobel (auch duft), nützlich, prächtig, sanft, sauber, schamhaft, schön, sittsam, tauglich (auch duft), treu, tüchtig (auch duft), tugendhaft, unschuldig, verschämt, vortrefflich, vorzüglich, wahrhaft, wohlwollend, willig, züchtig; dazu weiter die Verneinung nobis dof (eigtl. »nicht gut«) = garstig, nichtswürdig, treulos, unecht, unkeusch, unnütz, unrichtig, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos. Sowohl dof wie nobis dof sind dann auch zu Hauptwörtern erhoben worden, und zwar ersteres für »Glück« od. »Pracht«, letzteres für »Trübsal« oder (flektiert: nobis Dofs) für »Übel« (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38). Die Umschreibung dof diberen od. schmusen (d. h. »gut reden«, [von jmd.]), bedeutet »(jmd.) loben«. Ferner sind dof u. nobis dof in Verbindg. mit Substantiven zur Umschreibung zahlreicher Begriffe verwendet worden, für die es im Jenischen an besonderen (selbständigen) Bezeichnungen fehlt (vgl. dazu »Vorbemkg.«, S. 17, 18, Anm. 47 u. S. 19, Anm. 48). So: a) Verbindgn. mit dof: dofer Schmunk (d. h. etwa »gutes Fett, Schmalz«) = Butter, dofer Kies (d. h. »schöner Stein«) = Diamant, Edelstein, _dofer Schwimmerling (d. h. »schöner Fisch«) = Forelle, dofer Benges_ od. Benk (d. h. etwa »lieber Bursche«) = Geliebter, Liebhaber u. _dofe Model_ (d. h. »liebes Mädchen«) = Geliebte, Liebhaberin (wogegen bei dofer Benk, Freier od. Fiesel im Sinne von »Junker« nach Wittich dofer als Komparativ aufgefaßt werden soll, so daß die Umschreibung soviel wie »besserer Jüngling« od. »besserer junger Mann« bedeute), dofer Rädling (d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche, dofer Lanenger (d. h. etwa »schöner [feiner] Soldat«) = Offizier, dofe Kitt (d. h. »schönes Haus«) = Schloß. Durch die Zusammenziehung in ein Wort sind noch enger verbunden worden: Dofefläderling (d. h. »schöner Vogel«) = Pfau (s. dazu schon oben S. 18, Anm. 47) u. Dofelehm (d. h. »gutes [feines] Brot«) = Weißbrot (Gegens. Schoflelehm [d. h. »schlechtes Brot«] = Schwarzbrot); b) Verbdgn. mit nobis (-es) dof od. duft: nobes dofer Glitschin (d. h. »kein guter Schlüssel«) = Dietrich (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr., vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), nobis dufter Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer (s. dazu schon oben S. 105, Anm. 172) u. nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. dazu schon oben S. 104, Anm. 170). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (tof = gut); W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (dof = gut); Schöll 271 (tov = gut); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 344 (tofe = gut, töfer = besser, dov_ = schön, Tofe = Biedermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (duft [dov] = gut); Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (dof [in Pfedelb. (212): dov] = gut, schön; in Pfedelb. [209]: auch döver = besser). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (dôf od. tôf = gut. Zur Etymologie (vom hebr. Tôb[h] [tōf] = »gut«) s. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 156; vgl. auch Weber-Günther, S. 155, Seiler, Lehnwort IV, S. 490, u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246 (unter »tof«) u. 445 (unter »duft«).]

Angesicht, Ki(e)bes (d. h. eigtl. Kopf)[189] [63.112]

Angst, Bauser[190]

[Fußnote 189: ([39] auf S. 63.112) Ki(e)bes (-bis), eigtl. = Haupt, Kopf, Schädel, auch bes. Hinterkopf, ferner noch = Stirn u. Hals findet sich in der Verbindg. grandicher Ki(e)bes = Dickkopf od. Starrkopf (s. dazu schon oben S. 100, Anm. 165), in der längeren Umschreibung _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. eigtl. »keine Haare auf dem Kopfe«) = Kahlkopf sowie in den folgenden Zus.: a) am Anfang: in Ki(e)besschlang = Halskette, Ki(e)besstrauberts = Haupthaare, Kopfhaare; b) am Ende: in Straubertski(e)bes = Lockenkopf, Vorderki(e)bes = Vorderkopf sowie (in übertrag. Sinne) in Nille- od. Ni(e)seki(e)bes = Tollkopf u. Toberichki(e)bes = Pfeifenkopf. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Kiebes_ = Kopf); W.-B. des Konst. Hans 254 (Kibes); Schöll 272 (ebenso; vgl. kibesen = enthaupten); Pfulld. J.-W.-B. 341 (desgl.); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Gîbes); Schwäb. Händlerspr. 483 (Kibes od. -bis; vgl. dazu in Pfedelb. [210]: Kahlkibes = Kahlkopf). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kiwes = Kopf) u. Metzer Jenisch 216 (Kibes [Kibes] = Kopf). Im _Pleißlen der Killertaler 435 ist Kîvis_ = Verständnis. — Über die sonstigen verschiedenen Formen im Rotwelsch s. Groß' Archiv, Bd. 56, S. 55 u. Anm. 1. Zur (nicht sicheren) Etymologie vgl. Pott II, S. 16, Günther, Rotwelsch, S. 36 u. Anm. 1 u. bes. jetzt noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 360/61 (»wenn nicht etwa zu zigeun. chīw = »Deckel« [s. Finck, S. 68: xīw] … nur zu Kabas, rotw. = Kopf [s. schon Lib. Vagat. (54)] zu stellen«, wozu mhd. kabez, aus lat. caput [Haupt], heranzuziehen, vielleicht mit ablaut. Form Kibes, Kabes wie piff, paff).]

ängstlich, bauserich[190] [63.113]

anhalten, anschurele[191]

ankaufen, anbaschen, angremen, ankemeren[192]

anklagen, anschurele[191]

ankleiden, a(n)kluften[193]

[Fußnote 190: ([40] auf S. 63.113) Bauser = Angst (Beängstigung), Entsetzen, Erschrecken, Furcht, Schreck ist vielleicht — ebenso wie das Adj. bauserich = ängstlich, furchtsam, auch als Subst. (für »das Grauen«) gebraucht (vgl. dazu bauserich sein = befürchten, [sich] beunruhigen sowie die Verneinung nobis bauserich = furchtlos) erst eine Ableitung von dem Zeitw. bausen = fürchten. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (bausen = fürchten); W.-B. des Konst. Hans 257 (ebenso, auch: es baust ihm = er fürchtet sich, ferner noch: Bauser = Angst); Schöll 271, 273 (bausen = fürchten, Bauser = Angst); Pfulld. J.-W.-B. 337, 343, 344 (Bauser = Angst, Schauer, bauserich = ängstlich, scheu); Schwäb. Händlerspr. 479 (Baußer u. Baußam [in Pfedelb. (208): Bausam] = Angst). Die Etymologie ist unsicher, denn die Hypothesen A.-L.'s (523: Ableitg. vom deutsch. Zeitw. bauschen [pauschen], mhd. bûschen, biuschen, = »schwellen machen« bzw. spätmhd. u. älternhd. bûsen, bausen = »aufschwellen«; s. Näh. bei Weigand, W.-B. I, Sp. 171) erscheinen doch wohl zu gewagt. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 733 gibt keine Erklärung. Nach gefl. Mitteilgn. von Dr. A. Landau (Wien) soll vor etwa 50 Jahren Boitsi haben = »Furcht haben« in der galizisch-jüdischen Schülersprache gebräuchlich gewesen sein, das wahrscheinlich auf das kleinruss. bojati sja = »sich fürchten«, poln. bać sie (3 Pers. Sing. Praes.: boi sie) zurückgeht, doch wagt L. keinen unmittelbaren Zusammenhang dieser Ausdrücke mit dem rotw. bausen anzunehmen.]

[Fußnote 191: ([41] auf S. 63.113) S. abbiegen.]

[Fußnote 192: ([42] auf S. 63.113) S. abkaufen.]

[Fußnote 193: ([43] auf S. 63.113) Das Zeitw. kluften scheint in Wittichs Jenisch nur im Zus. üblich zu sein, wie (außer ankluften [wozu nobis ankluftet, d. h. »nicht angekleidet«, »unbekleidet« = nackt] noch): auskluften = ausziehen, entkleiden (daher auskluftet ebenfalls = nackt) u. verkluften = verkleiden. Es gehört zu den Subst. Kluft = Kleid (Anzug, Gewand, Tracht), womit auch einige Zusammensetzgn. (so: Kafferskluft = Manneskleid, Lanengerkluft = »Montur«, Begerkluft = Sterbekleid) sowie die Verbdg. _unterkünftige Kluft = Unterkleid gebildet sind. Eine weitere Ableitg. (von Kluft_, bzw. kluften) ist dann Klufterei = Kleidung, Bekleidung (Anzug, Gewand), womit ebenfalls wieder zwei Zus. vorhanden sind, näml. Mossklufterei = Frauenkleid u. Kafferklufterei = Männerkleider. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (eine ganze Klufterei = »Kleidung von Kopf bis Fuß«); W.-B. des Konst. Hans_ 253 (Klufterey = die Kleider); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Klufterei = Kleid, vgl. [337] Klufting usmalochen od. abketschen = auskleiden); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66, 71 (Kluft od. Klufterei = Kleid, ankluften = anziehen); Schwab. Händlerspr. 483 Kluft = Kleid, u. dazu noch in Pfedelb. [208, 212]: Kluftenpflanzer = Schneider u. ankluften = anziehen); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Kliftle = Kleid, Anzug) sowie noch Metzer Jenisch 216 (Klăft = Rock). Über die sonstigen Belege u. Formen im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. chălîfôt = »Kleider, insbes. Feier- od. Ehrenkleider«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 273/74 (unter »Kluftier«) u. d. Anm. verbd. mit Bd. 46, S. 10, Anm. 1. Vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 508 (unter »Kluft« II) vbd. mit Sp. 435 (unter »Klaffot«).]

ankommen, anbosten, anpfichen[194] [63.114]

anlachen, anschmol(l)en[195]

anmutig, g'want[196]

[Fußnote 194: ([44] auf S. 63.114) S. abgehen.]

[Fußnote 195: ([45] auf S. 63.114) Als Zus. mit schmol(l)en = lachen (kichern) findet sich noch ausschmol(l)en = auslachen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (schmollen = scherzen); _Pfulld. J.-W.-B. 342 u. Schwäb. Händlerspr. 483 (= lachen). Zur Etymologie_: Da wir heute unter schmollen meist soviel wie »mit mürrischem Stillschweigen unfreundlich sein« verstehen (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 751), erscheint die in den Geheimsprachen begegnende — fast entgegengesetzte — Bedeutung zunächst auffällig; jedoch handelt es sich hier nicht etwa um eine sog. Enantiosemie, d. h. Umkehrung des Sinnes in das Gegenteil (s. Behaghel in d. Z. des Allg. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 1905, Sp. 158 gegen Günther, Rotwelsch, S. 21, Anm. 14), vielmehr hat schmollen (mhd. smollen) anfangs nur die gleichsam »neutrale« Bedeutg. »das Gesicht verziehen« gehabt, aus der sich dann sowohl der Begriff »das Gesicht zum Lächeln verziehen« od. »lächeln« (so z. B. noch bei Schiller u. Uhland) entwickeln konnte (vgl. d. engl. to smile) als auch der uns jetzt geläufige des mürrischen Stillschweigens. Vgl. (außer Weigand, a. a. O.) noch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 472 u. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1105/6, Nr. 1.]

[Fußnote 196: ([46] auf S. 63.114) Das Adj. g'want hat in Wittichs W.-B. noch folgende Bedeutungen: anständig, artig, behend, brauchbar, fein, flink, geschickt, geschmeidig, gewandt, nützlich, tauglich, tüchtig; dazu die Verneinung nobis g'want = nichtsnutzig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 257, 258 (_e Gwandter = »ein Handfester« u. der gwandtste = der Beste); Schwäb. Händlerspr. 481 (gwant = gut [in Pfedelb. (210, 212): quant_ = geschickt, gut, schön; ebendas. (212) Quantheit = Schönheit, in Eningen (206, Anm. 1): Gwanderpenk = Schultheiß]); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435, 436 (gwant = gut, schön, _gwanter Jôle od. Plempel = Wein) u. Metzer Jenisch 216 (gewandt_ = gut). Über die sonstigen Belege im Rotw. (s. z. B. schon Ndd. Lib. Vaget [77: quant = »vel eft grot«) u. den Geheimspr. sowie über die Etymologie s. Weber-Günther, S. 172 (unter »gewahnd«). Der Ableitung des Wortes vom latein. quantum (s. A.-L. IV, S. 70; Günther, Rotwelsch S. 34; Stumme, S. 22, 23) steht gegenüber die Auffassung, die darin nichts anderes als unser deutsches »gewandt« erblickt. So u. a. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607, der jedoch ausdrückl. bemerkt, daß in Schwaben das Wort (das z. B. auch die Tübinger Studenten gebrauchen) aus der Schriftsprache aufgenommen sein müßte, da das Partiz. zu »wenden« schwäb. g(e)wend(e)t heißt.]

anpacken, schniffen (daher: schniff' ihn = pack' ihn)[197] [63.115]

anreden, ansprechen, andiberen[198]

ansagen, anschmusen[199]

[Fußnote 197: ([47] auf S. 63.115) S. anfassen.]

[Fußnote 198: ([48] auf S. 63.115) Das Zeitw. dibere(n) (-ra) = reden, sprechen (erzählen, plaudern, auch spezieller antworten, beantworten) kommt noch vor in den Zus.: nachdiberen = nachsagen, verdiberen = verraten (dazu das subst. Partiz. Verdibert = Verrat) u. vordiberen = vorsagen sowie in d. Verbdgn. dof diberen = loben (vgl. oben S. 111, Anm. 188) u. nobis diberen = stumm sein (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Dazu die Ableitungen: Diberer = Plauderer, Sprecher, Verdiberer = Verräter, Diberei = Erzählung, Gerede, Gespräch, Geschwätz, dann auch spezieller Untersuchung od. Verhör u. das Adj. diberich = gesprächig. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. d. Gaunerspr. 49 97, 99 (tiebern od. madiebern_ = reden, schwatzen, Madiberei = »Jaunersprache«); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 343-45 (diberen = aussagen, sprechen, schwatzen, gedibert = abgeredet, Dib(l)erei = Sprache, Geständnis); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70, 74, 75 diberen = reden, sprechen, Gediwer_ = Geschwätz); Schwäb. Händlerspr. 486 (diberen = sprechen, in Pfedelb. [210]: Gediewer = Geschwätz); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler 435 (debere[n] = schimpfen) u. Pfälz. Händlerspr._ 437 (dîbere = sprechen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. dibbêr = »reden, sprechen«, Partiz. mĕdabbêr) s. Näh. bes. bei Weber-Günther, S. 162 (unter »dewern«); vgl. auch Wagner bei Herrig, S. 236; Günther, Rotwelsch, S. 27; Seiler, Lehnwort IV, S. 489/90; Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 186.]

[Fußnote 199: ([49] auf S. 63.115) Das Zeitw. schmusen hat im wes. dieselben Bedeutgn. wie diberen. Von Zus. damit finden sich: aufschmusen = aufsagen, ausschmusen = aussagen, aussprechen, nachschmusen = nachsprechen u. vorschmusen = vorsagen, von Verbindungen: dof schmusen u. nobis schmusen in gleichem Sinne wie dof u. nobis diberen (s. oben Anm. 198) sowie Bremser schmusen = »auslassen« (d. h. furzen). Ableitungen sind: Schmuser = Plauderer, Schwätzer, Sprecher (vgl. Schmuserfläderling = Papagei [s. oben S. 100, Anm. 165]) u. Schmuserei = Diberei sowie das Adj. schmusich = gesprächig (vgl. dazu Schmusichergiel = Plappermaul). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (schmusen = reden); W.-B. des Konst. Hans 256 (= sagen; vgl. 258: auf Jenisch schmusen); Schöll 272 (= sagen; vgl. 273: Schmusereyen [ohne Übers.]); _Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 344-46 (schmusen od. schmußen_ = aussagen, schwatzen, sprechen, verraten, verschmusen = ausplaudern, abgeschmust = abgeredet, abgeurteilt, Schmuserei = Geständnis); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schmußen = reden, sprechen; vgl. [68] Glattschmuser = Denunziant); Schwäb. Händlerspr. 486 (schmusen = sprechen, [in Pfedelb. (208): aussagen; vgl. ebendas. (214) zuschmusen = zutragen]). Zu vgl. auch noch _Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (261, 263: anschmusen_ = anreden), ferner Pfälz. Händlerspr. 438 (schmûsen = sprechen) u. _Winterfeld. Hausiererspr. 442 (doufe schmusen_ für a) »beichten« u. b) »sich verbürgen«). Noch weitere Belege bei Schütze, S. 90. Zur Etymologie (vom hebr. schĕmû'ôth [jüd. schemûoß ausgespr.] = »Erzählungen«, plur. von schĕmû' = »Nachricht [Geschichte], Gerücht, Gerede«) s. Stumme, S. 14 u. 21 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1135, Weigand, W.-B. II, Sp. 755 (unter »Schmus«) u. Seiler, Lehnwort IV, S. 494.]

anschauen, anlinzen[200] [63.116]

anschließen, anb'schrenke[201]

anschneiden, anschurele[202]

ansehen s. anschauen

ansprechen s. anreden

anständig, dof[203], g'want[204]

Antlitz s. Angesicht u. Gesicht

antworten, diberen[205], schmusen[206]

anwendbar, dof, duft[203]

[Fußnote 200: ([50] auf S. 63.116) Das Zeitw. linzen (od. lenzen) = bedeutet a) blicken, schauen, sehen (auch: beobachten, besehen, besichtigen, betrachten, ersehen, gaffen, gucken, spähen; ferner aber auch b) fragen (erfragen). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer anlinzen) noch die Zus. auflinzen = aufsehen, auslenzen = aussehen, herablinzen = herabschauen, herumlinzen = herumblicken, nachlinzen = nachsehen, niederlinzen = niederblicken, überlinzen = übersehen, umlinzen = umblicken, -schauen, weglinzen = wegsehen, zulinzen = zuschauen, zurücklinzen = zurücksehen; zu der unter b): auslinzen = (aus)forschen. Ableitgn.: Linzer = Spiegel, Linzere (fem.) = Brille (Zus.: Stradelinzer = Wegweiser) u. (mit dem Stamme des Zeitw.: linz-): Linzgrifling = Zeigefinger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Verlenz = Verhör); W.-B. des Konst. Hans 257, 259 (ebenso, ferner lenzen = sehen, anlenzen = ansehen); Schöll 273 (Verlenz = Verhör); _Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (linzen = schauen, sehen, verlenzen_ = verhören, Verlinz = Verhör); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: lensen = sehen). Zur Etymologie des Wortes (das deutsch. Ursprungs ist) s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 60, 61 unter »Linser« (ebds. Anm. 4 noch weitere rotw. Belege); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1258 (unter linzen) vbd. mit Sp. 1175 (unter »lenzen«).]

[Fußnote 201: ([51] auf S. 63.116) S. abschließen.]

[Fußnote 202: ([52] auf S. 63.116) S. abbiegen.]

[Fußnote 203: ([53] auf S. 63.116) S. angenehm.]

[Fußnote 204: ([54] auf S. 63.116) S. anmutig.]

[Fußnote 205: ([55] auf S. 63.116) S. anreden.]

[Fußnote 206: ([56] auf S. 63.116) S. ansagen.]

anzahlen, anbleisgeren[207], anpfreimen[208], anzeinen[208] [63.117]

anziehen s. ankleiden

Anzug, Kluft, Klufterei[209]

anzünden, anfunken[210]

Apfel, Bommerling[211]

Apfelbaum, Bommerlingstöber[212]

[Fußnote 207: ([57] auf S. 63.117) Zu bleisgeren = bezahlen, zahlen (auch als Hauptw.: Bleisgeren = Steuern) s. noch die Zus. ausbleisgeren = auszahlen. In dem verw. Quellenkr. (u. wohl auch sonst im Rotw.) anscheinend unbekannt. Etymologie: aus der Zigeunerspr. (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei Liebich, S. 152 u. 185 (pleisserwāwa = »ich bezahle, vergelte«); Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 46, 47 (unter »pleisker«: bei d. deutsch. Zig. pleisservāva = »bezahlen«, vgl. slaw. plati-ti); Finck, S. 78 (plaiserw - [plaiserd -]= »bezahlen, ersetzen, lohnen, vergelten«).]

[Fußnote 208: ([58] auf S. 63.117) S. abzahlen.]

[Fußnote 209: ([59] auf S. 63.117) S. ankleiden.]

[Fußnote 210: ([60] auf S. 63.117) S. abbrennen; vgl. auch anbrennen.]

[Fußnote 211: ([61] auf S. 63.117) Mit Bommerling sind gebildet die Zus. Bommerlingstöber, -kies, -brandling, -jo(h)le = Apfelbaum, -kern, -kuchen, -wein sowie (ans Ende gesetzt) Scheinlingbommerling = Augapfel. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89 (Bommerlen = Apfel); W.-B. des Konst. Hans 254 (Bommerling); Schöll 271 (Pommerling_); Pfulld. J.-W.-B. 337 (ebenso, Bedtg.: = Äpfel; vgl. Pommerlingsteberling = Apfelbaum); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66 (Bommerling, Nebenbdtg. [71]: Kartoffel); Schwäb. Händlerspr. 479, 484 (Bommerling = Apfel, Obst); dieselbe Form hat auch die _Pfälz. Händlerspr. 437 (für Apfel); vgl. noch Metzer Jenisch_ 216 (Bomeche). Auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. bekannt. Zur Etymologie (vom französ. pomme) s. Pott II, S. 36; A.-L. 585, Günther, Rotwelsch, S. 38; Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1283.]

[Fußnote 212: ([62] auf S. 63.117) Stöber = Baum (Dimin. Stöberle = Bäumchen) wird auch als Bezeichnung einzelner Baumarten gebraucht, für die keine besonderen jenischen Ausdrücke vorhanden sind (vgl. d. W.-B. unter »Birke«), so für Birke, Buche, Eiche und Fichte. Dagegen sind für andere Bäume (bzw. baumartige Gewächse) besondere Zusammensetzgn. mit Stöber gebildet worden, so (außer Bommerlingstöber) noch: Stielingstöber = Birnbaum, Scharriselestöber = Kirschbaum, Staubertsäftlingstöber = Mehlbeerbaum, Krächer(le)stöber = Nußbaum, Blaulingstöber = Pflaumenbaum, Jahre- oder Kracherstöber = Tanne (vgl. oben S. 108, Anm. 179, lit. a u. b), Kupferstöber (eigtl. etwa »Grasbaum«) = Weidenbaum, Jo(h)lestöber = Weinstock, Blauhanzestöber = Zwetschgenbaum. Andere Zus. mit Stöber (am Anfang stehend) sind noch: Stöberspraus = Baumholz oder Stamm (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.), Stöberschmaler = »Baumkatze«, d. h. Eichhörnchen (s. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeunerspr. schon. »Vorbemerkung«, S. 18 sowie noch unter »Baumkatze«), Stöbersschure oder -sore = Obst. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 271 (Steber_ = Baum); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stöberling, vgl. [337] Pommerlingsteberling = Apfelbaum); in der schwäb. Händlerspr. (479, 487) ist dagegen nur Stemmerling = Baum, Stock bekannt. Die Etymologie des (auch sonst noch im Rotw. [bes. in d. Form Steber] vorkommenden) Wortes ist unsicher; vielleicht gehört es zu unserem »Stab« od. damit stammverw. Ausdr. in andern Sprachen (vgl. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 940 unter »Stab«: lit. stabarai = »trockene Baumäste«). Miklosich, Beitr. III, S. 19 (unter »Steber«) hat zunächst slaw. Ursprung (vgl. neusl. steber = »Säule« u. bes. serb. stabar = »Stamm«) vermutet.]

Apfelkern, Bommerlingkies[213] [63.118]

Apfelkuchen, Bommerlingbrandling[214]

[Fußnote 213: ([63] auf S. 63.118) Kies, eigentl. a) = Stein (Gestein), bes. auch Kieselstein, dann auch b) = Kern, kommt in beiden Bedeutgn. in zahlreichen Verbindgn. u. Zusammensetzgn. vor, so in der Bdtg. unter a: in den Verbdgn. dofer Kies = Diamant, Edelstein u. grandicher Kies = Felsen (s. dazu schon oben S. 100, Anm. 165) od. Quaderstein sowie in den folgenden Zus.: [Griechisch: a]) mit K. vorne: Kieslobe = Pflastergeld (eigtl. »Steingeld«) u. Kiesguffer = Steinhauer, Steinmetz; [Griechisch: b]) mit K. am Ende: Kittlekies = Backstein od. Dachziegel, Funkkies = Feuerstein, Begerkies = Grab-, Leichenstein, Flu(h)tekies (eigtl. »Wasserstein«) = Insel (vgl. schon oben S. 36, Anm. 126); Stradekies = Kilometer-, Meilenstein; ferner in der Bedtg. unter b: (außer Bommerlingkies) noch: Stieling-, Scharrisele-, Kräckerle-, Blauling- u. Blauhanzekies = Birnen-, Kirschen-, Nuß-, Pflaumen- u. Zwetschgenkern. — Eine Ableitg. von Kies = Stein ist das Adj. kiesich = steinig. Zu trennen ist der Etymologie nach: Kies = Geld, worüber das Näh. unter »Bank«. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Kißel = Stein); Schwäb. Händlerspr. 487 (Kûß od. Kisel [in Lütz. (215): Khis] = Stein; vgl. auch [484]: Kîseler [in Pfedelb. (218): Kieseler], Kî(e)slerspink- od. Kî(e)slerfisl = Maurer). Etymologie: wohl jedenfalls zu unserem gemeinsprachl. »Kies« bzw. »Kiesel« (mhd. kis, kisel); vgl. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 9 (unter »Kîseler«), auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter »Kis«, Nr. 4, c), 422 (unter »Kisel«, Nr. 3) u. 872 (unter »Kus«).]

[Fußnote 214: ([64] auf S. 63.118) Brandling (-leng) = Kuchen erscheint noch in d. folgenden Zus. a) am Anfang stehend: Brandlingschei (= eigtl. »Kuchentag«) = Kirchweihe u. Brandlingweisleng (eigtl. »Kuchensonntag«) = Kirchweihsonntag; b) ans Ende gesetzt: (außer Bommerlingbr. noch): Bäzemebrandling = Eierkuchen, Niesichescheibrandling = Fastnachtskuchen, Krachersäftlingbr. = Heidelbeerkuchen, Girall- od. Räslingbr. = Käsekuchen, Scharriselebr. = Kirschkuchen, Süßlingbr. = Lebkuchen, Blauhanzebr. = Zwetschenkuchen, Sorebrandling = Zwiebelkuchen. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Brandling_ = Küchlein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Form ebenso, Bedtg.: Pfannkuchen); Schwäb. Händlerspr. 483 (Bedtg.: Kuchen, in Pfedelb. [212] = Pfannkuchen). Vielleicht ist auch statt Bundling = Kuchen im Dolm. der Gaunerspr. 35 zu lesen: Brandling. Etymologie: Das Wort, das sonst im Rotwelsch, wenigstens in der Form Brändling (od. Brendling), für »Kaffee« (s. z. B. auch schon Dolm. der Gaunerspr. 94 [Brendling]) oder »Schnaps« (vgl. A.-L. 526) u. dergl. m. (s. z. B. schon Körners Zus. zur Rotw.-Gramm. v. 1755 [209: Brandling = »Kofent«]) vorkommt, gehört wohl zu unserem Zeitw. brennen.]

Apfelwein, Bommerlingjo(h)le[215]; s. auch Most [63.119]

Appetit, Bog(g)elo[216], Putl(t)ak[217], Ruf[218]; s. auch Hunger

[Fußnote 215: ([65] auf S. 63.119) Jo(h)le = Wein (Rebensaft) kommt noch vor in der Verbdg. gesicherter Jo(h)le = Glühwein, Punsch, und in den folgenden Zusammensetzgn.: Jo(h)lesore = Weinfaß, Jo(h)leglansert = Weinglas od. -flasche, Jo(h)lekitt, -spraus, -schnall, -stöber = Weinhaus, -rebe, -suppe, -stock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans (G'finkelterjole = Branntwein [vgl. dazu oben »Einltg.«, S. 28]); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Jole = Wein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr. 488 (Jole od. Jôli [in Pfedelb. (214): Jole_ od. Säftlingsjole] = Wein; vgl. 484]: Stielingsjôle [eigtl. »Birnenwein«] = Most); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Jôle od. gwanter Jôle = Wein) u. Metzer Jenisch 217 (Jole = Wein). Die Form Joli hat schon das Basl. Glossar v. 1733 (202). Die Etymologie ist unsicher; nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 103/4 (unter »Jole«, Nr. 1) handelt es sich vielleicht um eine der zahlreichen rotw. Verunstaltungen des hebr. jajin = Wein (s. darüber Näh. bei Weber-Günther, S. 156; vgl. auch A.-L. 550 u. Günther, Rotwelsch, S. 81).]

[Fußnote 216: ([66] auf S. 63.119) Zu Bog(g)elo (od. Bogalo) = Hunger (Appetit) vgl. noch die Verbdg. grandich Bogelo = Heißhunger u. die Ableitung bogelich, das aber im W.-B. nur durch »gierig« od. »knickerig« (nicht durch »hungrig«) wiedergegeben ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.) nur: Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Boggelo = Hunger). Etymologie: aus der Zigeunerspr. (s. »Einleitg.«, S. 29); vgl. A.-L. 526 (unter »Bock« [wo auch bokelo (-kalo) = hungrig, Bokillo = Geiz u. bockelig = geizig od. hungrig als gaunersprachl. angeführt ist]) u. Günther, Rotwelsch, S. 31 vbd. mit Pott II, S. 396 (unter »Bokh«), Liebich, S. 129, 201, 206, 211 (bōk = Hunger, Geiz, Habgier, bōkĕlo [od. -ŏlo] = hungrig, geizig, habgierig), Miklosich, Beitr. I/II, S. 20, 25 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 180/81 (unter »bokh«: bei den deutsch. Zig.: bōk = Hunger), Jühling, S. 220 (Bok = Hunger), Finck, S. 52 (bok = Hunger, Geiz u. bok'elo = hungrig, geizig). Über d. Ursprung aus dem Altind. s. Pott u. Miklosich, a. a. O.]

[Fußnote 217: ([67] auf S. 63.119) Mit Put(t)lak = Hunger (Appetit, auch Gier) ist gebildet die Verbdg. grandich P. (= gr. Bogelo), also = Heißhunger. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buttlak = Hunger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (puttlachen = essen). — In der Form Buttlack (nebst d. Adj. buttlakig = hungrig) tritt die Vokabel auch sonst im Rotw. des 19. Jahrh. auf (vgl. z. B. Pfister 1812 [296] u. bei Christensen 1814 [318]; v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 [313] u. W.-B. 12 u. T.-G. 103; Karmayer 24). Etymologie: Der erste Bestandteil des Wortes gehört wohl ohne Zweifel zu butten = essen (worüber das Näh. schon oben S. 38, Anm. 130 unter »Abendessen«). Einige Schwierigkeiten macht dagegen die Endung -lak. Vielleicht dürfte sie in Beziehung gesetzt werden zu dem rotw. bezw. geheimspr. Adj. la(c)k = schlecht, böse, schlimm u. dgl. (s. z. B. aus dem verw. Quellenkr.: _Dolm. der Gaunerspr. 100 [lack = übel]; Pfullend. J.-W.-B._ 337, 338, 344 [lak = abgemattet, bös, schlimm]; Schwäb. Händlerspr. 480, 486 [lack = dumm, schlecht (in Pfedelb. [209] auch bös, vgl. ebds. lacke Schix = Dirne)]; mit flekt. Endung [laker = liederlich,falsch], bei Schöll 272, womit zu vgl. locker = falsch, schlecht bei Pfister bei Christensen 1814 [325], zu welcher Form dann wieder noch lock = klein, schlecht, arm usw. in dem [freilich nicht mehr verwandten] Hennese Flick von Breyell [456] paßt). Danach wäre dann Put(t)lak od. Buttla(c)k zu deuten etwa als Umschreibung für »(mit dem) Essen (steht es) schlecht« oder als reine Negation »Essen — nicht«. Fraglich bleibt übrigens auch noch die Herkunft des Adj. la(c)k. Während z. B. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 910 ff. das zigeun. láko = »leicht, gering« (Finck, S. 69) herangezogen hat, ist darin vermutl. eher eine mundartl. Nebenform zu lau = »nicht frisch, matt, abgestanden, ohne Salz, ungewürzt« u. dgl. (vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1432; Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 34 vbd. m. Sp. 285/86) zu erblicken (nach gefl. Mitteilungen von Dr. A. Landau).]

Äquilibrist (Seiltänzer), Schnurrand[219] [63.120]

Arbeit, Schenagel[220]

arbeiten, sch(e)negle(n)[220]

Arbeiter, Schenegler[220]

Arbeitshaus, Schenagelskitt[221]

[Fußnote 218: ([68] auf S. 63.120) Ruf = Hunger (Appetit) ist m. Wiss. in dem speziell verw. Quellenkr. nicht bekannt, dagegen die Form Roof u. ähnl. (sowie d. Adj. roofig = hungrig) sonst hier u. da im Rotw. usw. anzutreffen (vgl. z. B. Christensen 1814 [318 u. 324]; _v. Grolman 57 u. T.-G. 1 B.; Karmayer G.-D. 215; Thiele_ 297; A.-L. 592 u. Groß 487 [hier Roëw, Roow u. Raiwon]; Rabben 112; Ostwald 123; in der Pfälz. Händlerspr. [438]: Rôch od. Rauch). Zur Etymologie (vom hebr. r 'b = »Hunger« s. A.-L. 592 u. 457 unter »Roëw«).]

[Fußnote 219: ([69] auf S. 63.120) Schnurran¶d¶ od. (besser) Schnurran¶t¶ hat auch noch die (etwas allgemeinere) Bedeutgn. »Gaukler« od. »Komödiant« (Schauspieler). S. dazu die Zus. a) mit Sch. voran: Schnurrantekitt = Komödien-, Schauspielhaus, Schnurrantekritzler = Komödienzettel, Programm; b) mit Sch. am Ende: Randeschnurrant = Taschenspieler. In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, dagegen hat d. Kundenspr. II (423): Schnurrant = Bettler. Zur Etymologie s. A.-L. IV, Sp. 293: »Nach dem mhd. snarrence ist Schnurrant der umherziehende Bettelmusikant, wahrscheinlich vom schnarrenden Laute seiner Leier so genannt«. Es handelt sich (nach Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1413) bei dem mundartlich, besonders auch in Schwaben, verbreiteten Ausdruck (s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 475), der aber auch noch der Schriftsprache unserer klassischen Literatur (z. B. bei Goethe) — für einen »Possenreißer« — geläufig gewesen, um eine Ableitung von dem latinisierten Zeitwort schnurrare, gleichbed. mit schnurren (od. schnorren), d. h. eigtl. »(mit der Schnurrpfeife [u. dgl.]) als Bettelmusikant umherziehen«, dann »betteln« überhaupt (vgl. Grimm, a. a. O., Sp. 1420, Nr. 8), wofür es insbes. bekanntl. auch im Rotwelsch usw. verbreitet erscheint (vgl. A.-L. 293 u. 602 sowie [aus dem verw. Quellenkr.]: Dolm. der Gaunerspr. 90 [schorren (sic) = betteln]; W.-B. des Konst. Hans 255 [Schnurrer = Bettelleute]; Schöll 273 [Form ebenso]; Pfulld. J.-W.-B. 336 bis 338 [schnurren = (ab)betteln, ausschnurren = ausbetteln, Schnurrer = Bettler]; Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68 [schnurren (gehen) = betteln (gehen), auf die Schnurre = auf den Bettel]); _Schwäb. Händlerspr. 479 [schnurren]). In Wittichs W.-B. ist es aber nicht_ angeführt.]

[Fußnote 220: ([70] auf S. 63.120) S. abschaffen.]

[Fußnote 221: ([71] auf S. 63.120) Betr. Kitt s. Abort.]

Arbeitslohn, Schenagelsbich[222], vgl. Lohn [63.121]

arg, lenk[223], schofel[224]

[Fußnote 222: ([72] auf S. 63.121) Betr. Bich s. Almosen.]

[Fußnote 223: ([73] auf S. 63.121) Das Adj. lenk (mundartl. = link [so bei Wittich nur in d. Spr. u. vereinzelt in einer Zus.] = arg (Grundbed.: falsch) umfaßt (ähnlich wie sein Gegenstück dof od. duft) noch eine große Zahl mehr od. weniger ähnlicher Begriffe, nämlich: bösartig, böse (vgl. dazu d. Komparat.: lenker = böser), böswillig, buhlerisch, eifersüchtig, elend, erzürnt, frech, garstig, gefährlich, gehässig, gefühllos, gemütlos, gewalttätig, gottlos, grausam, grimmig, grob, hartherzig, haßartig, heftig, nichtswürdig, ruchlos, streng, tückisch, unverschämt, wüst; als Subst. gebr.: = Gefahr od. Schmach. Dazu die Verbdg. lenker Kritzler (eigtl. »böser Brief«) = Steckbrief (s. d. betr. Analogie im Zigeuner., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47) u. d. Zus. Linkfi(e)sel = böser Mann (Syn.: lenker Kaffer). Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92, 97 (link = falsch, linke Fleppe_ = falscher Paß); Pfulld. J.-W.-B. 339 (link = falsch); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (link = falsch, schlecht, Linkmichel = falscher Mensch, _linker Schenagel = nicht passende Arbeit); Schwäb. Händlerspr. 486 (lenk_ = schlecht [in Pfedelb. (209): auch = bös, falsch]; in Degg. [215]: Linkmichel = schlechter Kerl). Über sonstige rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) s. Schütze 78; betr. Linkmichel s. auch Groß' Archiv, Bd. 51, S. 152, Anm. 2 u. Bd. 59, S. 266. Zur Etymologie (Erweiterng. des gemeinspr. link als Gegensatz zu recht, nach der Hand genommen [Weigand, W.-B. II, Sp. 70]) s. Pott II, S. 15, 16; A.-L. 567, vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1254 (betr. lenk).]

[Fußnote 224: ([74] auf S. 63.121) Das Adj. schofel (auch schoffel) hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie lenk. Es fehlt nur unter »gemütlos« u. »wüst« (wohl bloß versehentlich), während anderseits nur schofel (nicht aber lenk) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm, entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos, schlecht (wofür lenk gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig, treulos, unanständig, verrucht; als Subst. gebraucht ist es = Gefahr, Schmach (wie Lenk) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. schofler ist durch »böser« wiedergegeben. Viel häufiger als mit lenk sind mit schofel Verbindgn. od. Zusammensetzgn. für selbständige Begriffe gebildet worden, nämlich: a) Verbindgn. schofle Model = Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn. auch: schofle Schüx]), schofle Moss = Ehebrecherin, Kebsweib (für letzt. auch: schofle Goi), schofler Kaffer (auch — Benk, — Fiesel od. — Freier) = Heuchler (alles [außer sch. Benk] auch unter »Hurenkerl« angeführt; sch. Benk [Benges] oder Fiesel auch = Krüppel); schofler Begersins = Quacksalber, schofler Kritzler (wie lenker Kr. [s. oben Anm. 223] = Steckbrief; vgl. auch noch die Redensart schofle Falle (-la) pflanzen = »huren«; b) Zusammensetzungen (d. h. in einem Wort geschr.): Schoflelehm = Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. Dofelehm = Weißbrot [oben S. 111, Anm. 188]), Schoflergalm = Stiefkind, Schoflemamere = Stiefmutter, Schoflerpatris = Stiefvater, Schofelkitt = Zuchthaus. Ableitungen: Schofelei = Unglück (s. dazu Schofeleifläderling = Rabe [vgl. oben S. 100, Anm. 165]), Schoflerei = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu grandige Schoflerei = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u. Schoflereisitzling = Richterstuhl, dagegen Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 91, 92, 97, 99, 101 (schofel_ = falsch, streng, Schofel-fleppe = falscher Paß, schofel Marum, Lehm [od. Lechem] = schwarzes Brot, Schofel Kitt = Zuchthaus); W.-B. des Konst. Hans 256, 257, 259 (schofel = bös, schofler Kaffer = böser Mann, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 273 (schovel = schlimm, schovel Gasche = schlimme Leute); Pfulld. J.-W.-B. 344, 346 (schofel = schlimm, Schofelkitt = Zuchthaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schofel = schlecht); Schwäb. Händlerspr._ 486 (ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in Lütz. [214]: Schofel-Kitt = Abtritt [vgl. oben S. 44, Anm. 147]). Etymologie: Die Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von »einem nicht gerade üblichen« schōfēl (statt: schāfāl), dem Partizip des hebr.-rabb. schāfēl = »niedrig gemacht, gedemütigt werden, sinken«). S. Weigand, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit A.-L. 603 u. 475, Günther, Rotwelsch, S. 94, Stumme, S. 19 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 495.]

Ärger, Stumpf[225] [63.122]

ärgerlich, stumpfich[225]; s. auch zornig

[Fußnote 225: ([75] auf S. 63.122) Zu Stumpf (auch = Entrüstung, Trotz, Zorn) gehören als Ableitungen: a) das Adj. stumpfich oder (seltener) stämpfich) = ärgerlich, empfindlich, entrüstet, ergrimmt, erzürnt, gereizt, grimmig, trotzig, unwillig, verdrießlich, verstimmt, wütend, zänkisch, zornig; b) das Zeitw. stumpfen (stümpfen) oder (häufiger) stämpfen (erstere Formen für: schmähen, lästern, letztere Form für: bedrohen, beleidigen, beschimpfen, drohen, fluchen, schelten, schimpfen, zanken; dazu die Zus.: ausstämpfen = ausschelten, -schimpfen, -zanken); c) die (zunächst auf das Zeitw. stämpfen zurückgehenden) Substantive: Stämpfer = Schmäher, Zänker und Stämpferei = Wortwechsel, Zank, Zänkerei, Zwist. Zu dem Stamme stämpf- (des Zeitw. stämpfen) gehört auch die Zus. Stämpffläderling (d. h. eigtl. der »schimpfende Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 343, 346 (stumpf_ = bös [345: = taub], Stumpf = Haß, Zorn, stimpfen = schelten, zanken); Schwäb. Händlerspr. 485, 488 (stumpf = zornig [in Pfedelb. (214) als Subst. Stumpf = Zorn], stumpfen = schimpfen). Übrigens dürften sich die Vokabeln bis ins 18. Jahrh. hinein verfolgen lassen. So findet sich z. B. im W.-B. von St. Georgen 1750 (219, 220) stumpf = unsicher, im Schwäb. Falschmünzerprozeß von 1791/92 (261 ff.) mehrmals Stumpf oder stumpf machen = »Lärmen« oder »Angst machen« (v. S. der Gauner) sowie das Subst. Stumpfmacher = »Lermen- (d. h. Lärm-) Macher«; vgl. noch ebds. (263) sowie in der _Uracher Jauner- und Betrügerliste 1792 (268): anstimpfen od. anstempfen_ (= anschmusen), d. h. etwa Überreden eines leichtgläubigen Opfers v. S. der Betrüger. Bei Schintermicherl 1807 (288) — der auch stumpf = »hart od. böse« hat — bedeutet das Zeitw. stimpfen = bellen (von Hunden). Etymologie: Bei Stumpf = Ärger, Zorn usw. liegt wohl nur eine Substantivierung vom Adj. stumpf vor, das u. a. in dem Sinne von »böse« schon im Mhd. bekannt gewesen (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 999) und sich noch bis in die neuere Zeit hinein in der bayr.-österreich. Mundart erhalten hat (vgl. bes. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 761 m. Hinweis auf Castelli [Öster. W.-B., 1847], S. 239: stumpf = böse, verdrießlich). Für das Zeitw. stumpfen, stämpfen vgl. noch bes. Schmeller, a. a. O., Sp. 760 (stimpfen, stümpfen = »sticheln, [be]kritteln, schmähen«) u. Sp. 762 (stumpfieren = »kritteln, [be]spotten«); auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 518 vbd. m. 515 (stumpfieren = schimpfen, lächerlich machen, stumpflerisch = spöttisch, anzüglich).]

arm (ärmlich, armselig), vermuft[226], auch wohl schofel (Spr.)[227] [63.123] u. dercherich[228]

arme Leute, Dercherulma (d. h. eigtl. »Bettelleute«)[229]

Armenhaus, Dercherkitt[230]

Armut, Vermuft[231]

Arrest, Dofes[232], Kittle[233], Lek[234]. Eigentlich soll mit Dofes das Gefängnis im e S., mit Kittle der Arrest (Haft) und mit [63.124] Lek (od. Schofelkitt) das Zuchthaus bezeichnet werden.

[Fußnote 226: ([76] auf S. 63.123) S. Aas.]

[Fußnote 227: ([77] auf S. 63.123) S. arg.]

[Fußnote 228: ([78] auf S. 63.123) S. abbetteln.]

[Fußnote 229: ([79] auf S. 63.123) Über Dercher- s. abbetteln. — Ulma (-me) = Leute kommt noch vor: a) in den Zusammensetzungen: Schniffer- od. Schorerulma = Diebesbande, Fehteulme = Herbergsleute (Spr.), Dächlespflanzerulma = Schirmflickerleute (Spr.), Steinhäuflesulme = Städter, Blibelulma (-e) = fromme Leute, »Stundenleute« (d. h. Methodisten); b) in den Verbindgn.: _jenische Ulma = »fahrende Leute« u. grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) = Menge (s. d. betr. Übereinstimme, mit d. Zigeun.). Das Wort ist in dem bes. verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt u. auch sonst im Rotwelsch (wenigstens in gleicher Form u. Bedeutg.) selten; vgl. aber z. B. schon Lib. Vagat 55 (Wyßulm = »einfaltig volck«), dann öfter wiederholt, ferner Münchner Deskription 1727 (192: die platten Ulm, etwa im Sinne von »Gaunern« u. dergl.) u. Schintermicherl 1807 (289: Ulm = Leute); dagegen hat Pfister bei Christensen 1814 (327) die Form Ohlem (= Menge), die sich dem jüd. (hebr.) Stammworte mehr annähert. Ihrer Etymologie nach geht die Vokabel nämlich zurück auf das hebr. 'ôlm = »Ewigkeit, Welt«, jüd. ôlem od. ulen = »Welt, dann Leute, Menschenmenge« (wie französ. monde = »Welt« u. »Leute«); vgl. A.-L. 426 (unter »Olam«) u. Wagner bei Herrig, S. 237.]

[Fußnote 230: ([80] auf S. 63.123) S. abbetteln u. Abort.]

[Fußnote 231: ([81] auf S. 63.123) S. Aas, vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 (subst. Partiz.).]

[Fußnote 232: ([82] auf S. 63.123) Dofes ist im W.-B. auch durch »Gefängnis, Gewahrsam, Haft« u. »Kerker« wiedergegeben; dazu: im Dofes = gefangen sowie die Zusammensetzg. Dofesbu(t)z = Gefangenwärter. Ableitg.: das Zeitw. ei'dofema = einkerkern (einsperren, einstecken). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Doves = Gefängnis); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Doves = Arrest, Ratte-Doves = Dunkelarrest); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (Dôfes [in Pfedelb. (214): Doves] = Arrest, Zuchthaus). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (Dôfes = Gefängnis). Über sonstige Belege im Rotwelsch sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom hebr. tfaf = »ergreifen, gefangen nehmen«) s. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 288 (mit weiteren Angaben); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246/47, welcher meint, daß der Ausdruck »vielleicht volkstümlich an tōf (gut) ironisch angelehnt« sei.]

[Fußnote 233: ([83] auf S. 63.123) S. Abort.]

[Fußnote 234: ([84] auf S. 63.123) Lek hat dieselben Bedeutgn. wie Dofes u. außerdem noch insbes. die von »Zuchthaus« (s. oben i. Text); vgl. dazu: im Lek = gefangen; Zus.: Lekbu(t)z = Gefangenwärter; Ableitg.: ei'leken = ei'dofema. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 100 (Leck = Gefängnis, Leik_ = Turm); W.-B. des Konst. Hans 254 (Lek, plur. Leke = Gefängnis); Schöll 272 (ebenso, vgl. 273: in der Leke = in der Gefangenschaft); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Leke [sing.] = Gefängnis); in der _schwäb. Händlerspr. unbekannt. Zur Etymologie bemerkt Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1172 nur, daß sie »unklar« sei; Stumme, S. 21, hat das hebr. lqach = »nehmen, ergreifen« herangezogen; vgl. auch A.-L. 566 unter »Lekach« vbd. mit 561 unter »Leck«, wo jedoch in erster Linie deutscher Ursprung des Wortes angenommen (mhd. lûchen od. liechen, ahd. lûhhan, liohhan = »schließen, zuschließen«, das auch das Stammwort für unser »Loch« [schon mhd. loch oder (seltener) luch auch = Gefängnis]) gewesen ist; s. Weigand, W.-B. II, Sp. 75, vbd. mit Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1093, 1094, Nr. 4). Demnach dürfte Lek = Loch zu deuten sein, wofür auch die Form L¶o¶cke (= Gefängnis) schon im älteren Rotwelsch (s. A. Hempel 1687 [169]; Waldheim. Lex. 1726 [187]; Körners Zus. zur Rotw. Gramm. von 1755 [240]) spricht, ferner der gleiche Gebrauch von Loch in der modernen Gaun.- u. Kundenspr. (s. z. B. Rabben 83 u. Ostwald [Ku.] 96), bei den Studenten (vgl. Kluge, Studentenspr., S. 18 [schon in älterer Zeit]: Hundsloch = Karzer), Schülern (s. Eilenberger, Pennälerspr. S. 15 u. 42: Loch = Karzer) und Soldaten (s. Horn, Soldatenspr., S. 9 u. 121: Loch = Arrestlokal) sowie auch wohl in der allgemeinen Umgangssprache (vgl. dazu u. a. Blumschein in d. Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv. III, S. 117).]

artig, dof[235], g'want[236]

Arzt, Begersins[237]

Asche, Schund[238]

Aschenbecher, Schundschottel[239]

[Fußnote 235: ([85] auf S. 63.124) S. angenehm.]

[Fußnote 236: ([86] auf S. 63.124) S. anmutig.]

[Fußnote 237: ([87] auf S. 63.124) S. absterben und Amtmann.]

[Fußnote 238: ([88] auf S. 63.124) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 239: ([89] auf S. 63.124) Schottel (plur.: Schottle) = Schüssel, Büchse (Gefäß, »Gelte«, Geschirr, Korb, Kübel, Schale, Tasse, Teller, Wanne) ist beliebt in zahlreichen Zusammensetzungen für allerlei Behältnisse, so (außer Schundschottel) noch: Lehmschottel = Brotbüchse, Soreschottel = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch Pfefferbüchse u. Porzellantasse, Schmunkschottel = Fettbüchse, Bossertschottel = Fleischbüchse, Flößlingschottel = Heringbüchse, Süßlengschottel = Kaffeetasse, aber auch Zichorienbüchse, Staubschottel = Mehlschüssel, Gleisschottel = Milchgefäß, eigtl. Milchschüssel, Hornikelgielblättlingschottel = Ochsenmaulsalatschüssel, Horbogebossertschottel = Rindfleischbüchse, Spronkertschottel = Salzbüchse, Schwächschottel = Trinkgeschirr, Trinkschale, Pfladerschottel = Waschbecken. Mit Schottel am Anfang ist dagegen nur eine Zus. gebildet worden, nämlich Schottelpflanzer = Korbmacher. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 95, 98 (Schodel = Schüssel, Schottel_ = Korb, Schottelpflanzer = Korbmacher); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Schottel = Kachel); Schwäb. Händlerspr. 481, 483, 488 (Schottele = Korb, Glas [in Pfedelb. (212): Schoppen], Wanne, Schottelepflanzer = Korbmacher). Etymologie: Die Vokabel, die sonst im Rotw. auch in der Form Schuttel vorkommt (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [330]), ist doch wohl nur eine (dialekt.) Veränderung von uns. gemeinspr. »Schüssel« (mnd. schottel od. schuttel [Weigand, W.-B. II, Sp. 805]); s. Günther, Rotwelsch, S. 52; vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 46, S. 31.]

Ast (Baumast), Sprate[240], Stenz[241] [63.125]

Attest, Kritzler[242]

[Fußnote 240: ([90] auf S. 63.125) Sprate hat auch die allgemeinere Bedeutung von »Stecken« od. »Stock«. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Sprade = Stock); ebenso_: Pfulld. J.-W.-B. 345 u. Schwäb. Händlerspr. 487. Die Etymologie ist unsicher. Da sich jedoch in der Pfälzer Händlerspr. (439) die Form spte = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl. »Spaten« denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. spatha = »zweischneidiges Schwert« u. dergl. (s. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 904), ital. spada, auch rotw. (z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [330]) Spaden = Degen (vgl. dazu Pott II, S. 17; Günther, Rotwelsch, S. 37).]

[Fußnote 241: ([91] auf S. 63.125) Stenz heißt ebenfalls eigentlich »Stock« (»Stecken«), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten) Prügel (auch im plur. Stenze = Schläge). Zus. damit: Dercherstenz = Bettelstab; Ableitgn.: zunächst das Zeitw. stenzen = hauen, prügeln, schlagen (Zus. niederstenzen = niederschlagen, verstenzen = verhauen, zustenzen = zuschlagen) u. davon wieder das Subst. Stenzerei = Schlägerei (Fehde). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 76 (Stenz_ = Stock, Flatter- od. Flosserstenz = Schirm; stenzen = durchhauen); Schwäb. Händlerspr. 487, 488 (Stenz od. Stanz [in Pfedelb. (213): auch Stenzling] = Stock, Stenz kriegen = Prügel bekommen; Nebenbdtg. [483]: »Louis«; in U. [215]: stenzen = schlagen, in Pfedelb. [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (nicht sichere) Etymologie s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter »Stanzer«) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.]

[Fußnote 242: ([92] auf S. 63.125) Kritzler hat noch die Bedeutgn.: Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende Zusammensetzgn.: a) mit Kr. vorne: Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote, Kritzlerrande = Brieftasche, auch Papiersack, Kritzlerbich od. -lobe = Papiergeld, Kritzlerpflanzer = Papiermacher, Kritzlerrädling = Postwagen; b) mit Kr. hinten: Dercherkritzler = Bettelbrief, Schnurrantekritzler = Komödienzettel (Programm), Sprauskritzler = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache übernommenes Wortspiel [vgl. schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 46], worüber das Näh. noch unter »Steckbrief«), Begerkritzler = Totenschein. Als Verbindg. erscheint lenker od. schofler Kritzler = Steckbrief (vgl. Näh. schon oben S. 121, Anm. 223 u. Anm. 224). _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr._ 480 (Kritzler = Brief); auch Pleißlen der Killertaler 435 (Bedtg.: Brief, auch [nach Kapff 213]: Paß, Wandergewerbeschein; kritzle[n] = schreiben). In der Pennälersprache bedeutet Kritzler den Federhalter (s. Eilenberger, S. 38). Der Etymologie nach gehört der Ausdr. jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. kritzeln = »kratzend fein schreiben«, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. kritzen, ahd. krizôn = »einritzen«, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s. Weigand, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 771.]

aufbewahren, aufschurela[243] [63.126]

aufbrechen, aufschurela

aufdecken, aufschurela

aufessen, aufbiken, aufbutten, aufkahla[244]

auffallen, aufbohlen[245]

aufgeblasen sein s. hoffärtig (stolz) sein

aufhängen, aufschnüren[246]

aufheben, aufschurelen[243]

aufhenken s. aufhängen

aufhören, sich (auf)schupfen (bes. als Imperat.: hör' auf, _schupf dich [auf]_)[247]

[Fußnote 243: ([93] auf S. 63.126) S. abbiegen.]

[Fußnote 244: ([94] auf S. 63.126) S. (betr. alle drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 245: ([95] auf S. 63.126) S. abfallen.]

[Fußnote 246: ([96] auf S. 63.126) Das einfache schnüren = erhängen, hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem _Lib. Vagat [55: schnuren]) bekannt gewesen. Aus dem verw. Quellenkr._ vgl. Dolm. der Gaunerspr. 93 (schüren [sic] = henken u. geschürt [sic] werden = gehenkt werden); W.-B. des Konst. Hans 257 (g'schürt [sic] = gehängt); Schöll 271 (schmieren [sic] = hängen, aber richtig [273]: die Geschnürten = die Gehängten); _Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (schnüren = aufhenken, schniren_ = henken). Etymologie: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602, vbd. m. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch Horn, Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.]

[Fußnote 247: ([97] auf S. 63.126) Die Aufforderung schupf dich (od. schupf dich auf) ist auch wiedergegeben durch »sei ruhig«, »schweig still« od. »halts Maul« (für letzteres auch: schupf' de' Giel [s. unter »Maul«]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Händlerspr. 487 (schupf dich auf = still). Etymologie_: Die auch schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. Hempel 1687 [169: schuff dich = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das schles. schupf dich = »setz' dich nieder« [s. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. verschupfen, ab-, wegschupfen = wegschieben, -stoßen [s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 481 u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl. Zeitwort schupfen (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch Groß' Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über schupfen = backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in Wittichs Jenisch bekannt ist. Dazu die Ableitungen: Schupfer = Bäcker, jedoch nur in der Zus. Lehmschupfer, fem. -ere (d. h. eigtl. »Brotbäcker[in]«; vgl. dazu die weitere Zus. Lehmschupferhitzling = Backofen) u. Schupferei = Bäckerei. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _W.-B. des Konst. Hans 254 (Leemschlupfer [sic] = »Beck«); Pfulld. J.-W.-B._ 337 (Lächumschupfer); Schwäb. Händlerspr. 479 (schupfen = backen, Schupferei = Bäckerei, Lêmschupfer [in Pfedelb. (208): auch Schupferbink] = Bäcker).]

aufladen, aufschurelen[248] [63.127]

auflaufen, aufbosten (-tet)[249]

auflesen, aufschurela[248]

aufmachen, aufschurelen, aufpflanzen (Spr.)[250]

aufnähen, aufstichlen[251]

aufrichtig, dof[252]

aufsagen, aufschmusen[253]

aufschlagen, aufguffen[254]

[Fußnote 248: ([98] auf S. 63.127) S. abbiegen.]

[Fußnote 249: ([99] auf S. 63.127) S. abgehen.]

[Fußnote 250: ([100] auf S. 63.127) S. anbrennen.]

[Fußnote 251: ([101] auf S. 63.127) Mit stichle(n) = nähen ist ferner noch zusammengesetzt ei'stichle = einnähen. Ableitungen: Stichler = Schneider (vgl. dazu Stichlersmoss = Schneidersfrau) u. Stichlere = a) Schneiderin, b) Nadel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.); Dolm. der Gaunerspr. 96, 98 (Stichler = Schneider, Stichlerin = Näherin); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Stichler = Schneider); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (ebenso); Schwäb. Händlerspr._ 484, 486 (ebenso, doch Stichler auch = Metzger [wie nur so im _Pleißlen der Killertaler 436]; sticheln = nähen). Zur Etymologie_ (v. deutsch sticheln, d. h. eigtl. »Stiche machen« [beim Nähen usw.]) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter »Stichling« u. »Stich[e]ler« [= Schneider]). Über das stammverwandte Stichling = Gabel s. unter diesem Worte.]

[Fußnote 252: ([102] auf S. 63.127) S. angenehm.]

[Fußnote 253: ([103] auf S. 63.127) S. ansagen.]

[Fußnote 254: ([104] auf S. 63.127) Weitere Zus. mit guffe(n) (-fa) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: einguffen = einhauen, einschlagen, niederguffa = niederschlagen, verguffen = verhauen, zuguffen = zuschlagen. Ableitungen: Guffe = Schläge (wenn nicht bloß subst. Infin.), Guf(f)es = Hieb(e), Prügel; Guf(f)erei = Fehde, Schlägerei, auch Guffer in den Zusammensetzgn. Galmeguffer = Lehrer, Schullehrer (eigtl. »Kinderprügler«) u. Hertling- od. Kiesguffer = Steinhauer, Steinmetz. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (guft = geschlagen); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (gufen = schlagen, prügeln, niedergufen = niederschlagen, Gufes od. Guves = Prügel, Schlag, Streich); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 74 (guffen = schlagen, Guffer_ = »Bickel« [d. h. Spitzhacke], Meißel, Gufferei = Schlägerei); _Schwäb. Händlerspr. 483, 485-487 (guffen = prügeln, schlagen, Galmeguffer_ = Lehrer [in U. (214): Galme¶n¶guffer, in Pfedelb. (211): Form ebenso, Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der »Unterlehrer« Schrazeskneppler (vgl. dazu: Groß' Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt], Hertlingguffer = Steinhauer; speziell in Pfedelb. [212, 213] ferner noch: Gufes = Schläge, Gufferei = Schlägerei, Galmegufferei = Schule u. Guffertemente = Ohrfeige). Vgl. auch noch _Pfälz. Händlerspr. 438 (kuffese_ = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] Goffe = »Hinterbacke«) s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 178 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 (der in der Endung -es bei Guf[f]es das hebr. -ôth erblickt [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 32]).]

aufschreiben, auffeberen[255] [63.128]

aufsehen, auflinzen[256]

aufspielen (zum Tanz), aufnikla[257]

aufsuchen, aufschurele[258]

aufwachen, aufdurme[259]

[Fußnote 255: ([105] auf S. 63.128) S. abschreiben.]

[Fußnote 256: ([106] auf S. 63.128) S. anschauen.]

[Fußnote 257: ([107] auf S. 63.128) Das einfache nikle(n) (-la) hat die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = »spielen«, d. h. musizieren (daher auch vornikle = a) vortanzen u. b) vorspielen), während nur die erstere (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl. die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in herum- (od. umher-) nikla (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. Ableitungen: Nikler = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: Vornikler = Vortänzer); fem.: Niklere = Tänzerin; Niklerei = Tanz, Theater, Nikelei (besser wohl gleichfalls Niklerei[?]) = Musik, Spiel. Mit dem Stamm des Zeitw. (nikel-) sind gebildet die Zus.: Nikelkitt = Komödienhaus u. Nikelschure = Klarinette od. Klavier (vgl. auch Nikleschure = Leierkasten, während für »Harfe« und »Harmonika« das vollere Niklengschure angeführt ist). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (nikle_ = tanzen [wohl zugleich der früheste Beleg]); Schöll 272 (niklen = tanzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (nikeln, Bedeutg. ebenso); _Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: nickle[n] = tanzen). Die Etymologie_ des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher, es mit Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. nickle(n) = »Kopf und Nacken hin- und herbewegen«) zu unserem Zeitw. nicken zu stellen, als es mit Stumme, S. 20 mit dem hebr. niggên = »Musik machen« in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere Bedeutg. doch wohl zweifelsohne »tanzen« gewesen ist.]

[Fußnote 258: ([108] auf S. 63.128) S. abbiegen.]

[Fußnote 259: ([109] auf S. 63.128) Das Zeitw. durme(n) bedeutet: schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: aufdurme eigtl. wohl = »aufhören zu schlafen«; weitere Zus. sind noch: ausdurme(n) = ausschlafen (vgl. ausdurmt = erwacht), ei'durme = einschlafen, herumdurma = herumliegen, hindurmen = (sich) hinlegen, niederdurmen = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. durmerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Durmklamine = Schlafzimmer [während schlafen hier durch schlaunen wiedergegeben]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 77 (durmen = schlafen, Durmel = Schlaf, Durmmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (durmen [in Pfedelb. (212): dormen] = schlafen, desgl. in Pfedelb. [212]: dormisch = schläfrig, _i hab Darming = ich bin schläfrig u. Dormmalfes_ = Schlafrock). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (durme = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die Etymologie (zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. durmeln [turmeln u. ä.]) = taumeln, schlummern, leicht schlafen, Durmel [Turmel u. ä.] = Taumel, Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. türmeln, turmeln = taumeln, türmel, turmel = Taumel, Schwindel (vgl. Grimm, D. W.-B. II, Sp. 1733 ff; Schmeller, Bayer. W-B. I, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber auch wohl vom französ. dormir [in letzter Linie also vom lat. dormire] beeinflußt worden [vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 25 u. 26) s. Näheres bei Weber-Günther, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit Pott II, S. 17, A.-L. 534 u. Günther, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter »durme[n]« vbd. mit Sp. 499 (unter »Durmel«).]

aufwaschen, aufpfladeren[260] [63.129]

aufzehren s. aufessen

Augapfel, Scheinlingbommerling[261]

Auge, Scheiling[261]

Augenbrauen, Scheinlingstrauberts[262]

Augenwasser, Scheinlingflu(h)te[263]

ausbeißen, ausnäpfen[264]

[Fußnote 260: ([110] auf S. 63.129) S. abwaschen.]

[Fußnote 261: ([111] auf S. 63.129) Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. Liebich, S. 140 u. 178). Mit Schei(n)ling = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch: Scheinlingstrauberts (d. h. eigtl. »Augenhaare«) = Augenbrauen (s. d. betr. die Zigeunerspr.) u. Scheinlingflu(h)te = Augenwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89 (Scheinling = Auge); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 337, 342 (ebenso, Nebenbdtg. auch: Licht); Schwäb. Händlerspr. 479 (Scheinling[e] = Augen [in Pfedelb. (209) auch = Brille]). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler 435 (Schenling = Augen, Fenster). Zur Etymologie_ des — auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. »Fenster« [so schon bei A. Hempel 1687 (168: Schein¶d¶ling)], »Laterne« [s. schon Hermann 1818 (336)], »Spiegel« [s. Fröhlich 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u. Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. scheinen — s. Weber-Günther, S. 186 vbd. mit Pott II, S. 20 u. A.-L. 597.]

[Fußnote 262: ([112] auf S. 63.129) Mit Strauberts = Haar(e), (Borsten) sind noch folgende Zus. gebildet worden: a) am Anfang stehend: Straubertsschure = Haarnadel, Haaröl u. Kamm, Straubertski(e)bes = Lockenkopf; b) ans Ende gesetzt: Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, Trabertstrauberts = Pferdehaar, Groenikelsstrauberts = Schweinsborsten, Jerusalemfreundsstrauberts (d. h. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Als Verbindgn. kommen vor: Straubertspflanzen (d. h. etwa »Haare machen«) = kämmen, nobis Strauberts (d. h. »keine Haare«) = kahl sowie das längere nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes = Kahlkopf. Eine Ableitg. ist das Adj. straubertsich = haarig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Straupert = Haar); Schöll 271 (Straubert); Schwäb. Händlerspr. 479, 481 (Straubert [in Pfedelb. (210) auch Straub od. Straupert = Haar, letztere Form sowie [in Pfedelb. (208) auch Straub] auch = Bart [womit schon das ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. Scherffer 1650 (160)). Vgl. noch Metzer Jenisch 216 (Straubert = Haar). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. (sich) sträuben, d. h. »sich starr empor richten (vom Haar)« (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 984). Über das -s am Ende s. schon »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29.]

[Fußnote 263: ([113] auf S. 63.129) Betr. Flu(h)te s. abbrühen.]

[Fußnote 264: ([114] auf S. 63.129) S. abbeißen.]

ausblasen, auspflanzen[265] [63.130]

ausbrechen, auspfiche[266]

ausbrennen, ausfunken[267]

ausbürsten, ausschurele[268]

ausessen, ausbiken, ausbutten, auskahla[269]

ausfahren, ausruadlen[270]

ausfegen, ausschurele[268]

ausforschen, ausbutschen[271], auslinzen[272]; vgl. forschen

ausfragen, ausbutchen[271]

ausgeben, ausdogen[273]

ausgehen, ausbosten[274]

ausgekleidet, auskluftet[275]

ausgeschlafen, s. ausschlafen

auskleiden, auskluften[276]

auskochen, aussicheren[275]

auslachen, ausschmol(l)en[277]

auslassen, bremsere[278], Bremser schmusen[279]

[Fußnote 265: ([115] auf S. 63.130) S. anbrennen.]

[Fußnote 266: ([116] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 267: ([117] auf S. 63.130) S. abbrennen, vgl. anzünden.]

[Fußnote 268: ([118] auf S. 63.130) S. abbiegen.]

[Fußnote 269: ([119] auf S. 63.130) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 270: ([120] auf S. 63.130) S. abfahren.]

[Fußnote 271: ([121] auf S. 63.130) S. anfragen.]

[Fußnote 272: ([122] auf S. 63.130) S. anschauen.]

[Fußnote 273: ([123] auf S. 63.130) S. abgeben.]

[Fußnote 274: ([124] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 275: ([125] auf S. 63.130) S. ankleiden.]

[Fußnote 276: ([126] auf S. 63.130) Stammwort: sicheren = kochen (braten); vgl. dazu: gesichert (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn. gesicherter Babingermass od. Strohbutzerbossert = Gänsebraten u. gesicherter Jo(h)le = Glühwein,Punsch; nobis gesichert = ungekocht; ferner (als Zus. mit dem Stamm sicher-): Sicherbenk, -fiesel oder -kaffer = Koch. Ableitung: Sichere = Küche (u. dazu Sichereglitschin = Küchenschlüssel). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (sichern = kochen, Sicherei_ = Küche); W.-B. des Konst. Hans 254, 257 (Sicherey od. Zicherey = Küche); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 342, 344 (sichern = aussieden, schmälzen, gesichert = gesotten, versichern = ausschmälzen, Sicherei = Küche); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 72 (sichern = kochen, gesichert = gekocht, Sichere = Küche); Schwäb. Händlerspr. 483 (sichern = kochen, in Pfedelb. [210, 211]: gesichert = gesotten u. Sichere = Küche). Über die unsichere Etymologie (vielleicht vom hebr. sîr = »Topf«) s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 51.]

[Fußnote 277: ([127] auf S. 63.130) S. anlachen.]

[Fußnote 278: ([128] auf S. 63.130) Was hier unter »auslassen« zu verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei Kapff in seinen Ergänzungen zur schwäb. Händlerspr. (Lütz. 214: bremse[n] = »furzen«, Bremser = »Furz«). Die Etymologie bleibt unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter »bremse[n]«, Nr. 5: bremse[n] = »prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke«).]

auslaufen, ausbosten[280] [63.131]

auslöschen s. löschen

ausrechnen, ausschurele[281]

aussagen, ausschmusen[282]

ausschalten, ausstämpfen[283]

ausschimpfen, ausstämpfen

ausschlafen, ausdurmen[284], ausschlauna[285]

ausschreiben, ausfeberen[286]

aussehen, auslenzen[287]

ausspotten, ausschmol(l)en[288]

aussprechen, ausschmusen[289]

[Fußnote 279: ([129] auf S. 63.131) Zu dieser Redensart s. (betr. schmusen) das Näh. unter »ansagen«.]

[Fußnote 280: ([130] auf S. 63.131) S. abgehen.]

[Fußnote 281: ([131] auf S. 63.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 282: ([132] auf S. 63.131) S. ansagen.]

[Fußnote 283: ([133] auf S. 63.131) S. Ärger.]

[Fußnote 284: ([134] auf S. 63.131) S. aufwachen.]

[Fußnote 285: ([135] auf S. 63.131) Das Zeitw. schlanne(n) (-na) entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen) ganz dem Syn. durme(n), so auch in den Zus., nämlich (außer ausschlauna [wozu zu vgl.: ausg'schlaunet = erwacht]) noch einschlauna = einschlafen, herumschlauna = herumliegen, hinschlaunen = (sich) hinlegen, niederschlaune = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. schlaunerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (schlaunen = schlafen); W.-B. des Konst. Hans 256 (schlauna = schlafen); Schöll 271 (Schlauna = Schlaf); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 344 (schlaunen = schlafen, verschlaunen = einschlafen, nobus schlaune = schlaflos sein, Schlane = Schlaf, Schlaunklamine = Schlafzimmer, Schlaumalfes [sic] = Schlafrock, schlaunerig = schläfrig); _Schwäb. Händlerspr. (Lütz. 215: schlaune[n] = schlafen). Etymologie_: Der Ausdruck, der sich bis in den Lib. Vagat. zurückverfolgen läßt (s. dort 55: schlun = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: schlunen). S. Pott II, S. 17, A.-L. 601 (unter schlonen), Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter »schlummern«) u. Stalder, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (schlunen); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. Über das stammverwandte schlummern s. d. Näh. unter »Herberge«.]

[Fußnote 286: ([136] auf S. 63.131) S. abschreiben.]

[Fußnote 287: ([137] auf S. 63.131) S. anschauen.]

[Fußnote 288: ([138] auf S. 63.131) S. anlachen.]

[Fußnote 289: ([139] auf S. 63.131) S. ansagen.]

ausspülen, auspfladera[290] [63.132]

ausstehlen, ausschniffen[291], ausschoren[292]

austreten (schwer), d. h. cacare, fu(h)la, schmelza[293], schunden[294]

austreten (leicht), d. h. mingere, flösle[295]

[Fußnote 290: ([140] auf S. 63.132) S. abwaschen.]

[Fußnote 291: ([141] auf S. 63.132) S. anfassen.]

[Fußnote 292: ([142] auf S. 63.132) Das Zeitw. schoren (z'schore [Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d. Zus.: herausschoren = herausstehlen u. wegschoren = wegstehlen. Ableitungen: Schorer = Dieb, Räuber (vgl. dazu Schorerulma = Diebesbande) u. Schorerei = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw. Zschor = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. Zschor-Kitt = Diebesherberge. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _W.-B. des Konst. Hans 253, 255, 257, 260 (schornen = stehlen, T'schor_ od. Schorne = Dieb, T'schorr-Kitt = Diebesherberge, T'schor-Bais = Diebeswirtshaus, T'schor-Kaffer, -Gaya = Mann [bzw. Frau], der [die] gestohlene Sachen kauft); Schöll 268, 271-73 (dschornen = stehlen, Dschorn = Raub, Tschor = Dieb, »Jauner«); Pfulld. J.-W.-B. 337-39, 343, 345 (schornen = stehlen, ausplündern, Schornen = Diebstahl, Gschor = Dieb, Schelm, Spitzbube); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (tschornen = stehlen); Schwäb. Händlerspr. 486 (schôren [in U. (214): tschōren] = stehlen). Zur Etymologie der (auch sonst im Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch Jühling, S. 227 (Tschoraben = das Stehlen, Tschormasskäro = Dieb) u. Finck, S. 92 (tšōr = »Dieb, Räuber«, tšōr[d]- = »stehlen, rauben«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschor[n]« bzw. »tschor[n]e[n]«).]

[Fußnote 293: ([143] auf S. 63.132) S. (zu beiden Ausdr.) Abort.]

[Fußnote 294: ([144] auf S. 63.132) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 295: ([145] auf S. 63.132) Das Zeitw. flös(s)le(n) od. flessle bedeutet (außer: »harnen«, »pissen«) auch noch »regnen« (Spr.) u. dementsprechend das Subst. Flösle = a) Harn (»Pisse«, Urin), b) Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: Flöslete. Mit dem Stamm (flössel-) des Zeitw. flöss(e)le(n) erscheinen gebildet die Zus. Flösselflu(h)te = a) Harn (»Pisse«), Urin, b) Regenwasser, Flösselnolle = Nachthafen, Urintopf u. Flösselglansert = Uringlas, ferner noch Flösselreifling = Regenbogen u. Flösselschei = Regentag. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (flöslen = »Wasser abschlagen«); Pfulld. J.-W.-B. 338 (flößeln = »brunzen«, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); Schwäb. Händlerspr. 484, 485, 488 (flößlen = mingere, flößeln od. flößeren = regnen [aber flôßeren = weinen]; dazu in Pfedelb. [211] noch Flößl = »Kandel«, d. h. Dachrinne). Vgl. auch Pleißlen der Killertaler (nach Kapff [212]: flüssne[n] = mingere). Zur Etymologie von flös(s)len u. ä. (dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a) Basler Betrügnisse um 1450 (15: geflösselt = ertränkt) u. dann öfter im 16. u. 17. Jahrh.; b) Lib. Vagat. 53 (flößlen = »seichen«) u. dann öfter (s. oben; vgl. auch noch Pfister 1812 [298: Flössel = Urin]); c) D. Schwenter um 1620 (140: flösseln = sieden; vgl. Flos = Suppe); d) A. Hempel 1687 (168: flösseln = weinen); e) Schintermicherl 1807 (289: flösseln = regnen; vgl. Flos = Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter »Floß«) u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1585/86 (unter »flössere[n]« u. »flössle[n]«). An erster Stelle dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. Floß für »kleines fließendes Wasser« (vgl. auch mhd. vlôz = »Fluß, Strömung« u. a. m. [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter »Floß« 1 u. 2]), weiterhin überhaupt das gemein-deutsche Fluß bzw. fließen usw. Vgl. auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische Flößling = Fisch, worüber d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. Floßart (Flossert) u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei Weber-Günther, S. 186).]

austrinken, ausschwächen (trink aus, schwäch [a]uf)[296] [63.133]

auswaschen s. ausspülen

ausweinen, ausglemsa[297]

auszahlen, ausbleisgeren[298], auspfreima, auszeina[299]

auszanken, ausstämpfen[300]

ausziehen, ausklufta (-ten)[301]

Axt, Dober[302]

[Fußnote 296: ([146] auf S. 63.133) S. Amme.]

[Fußnote 297: ([147] auf S. 63.133) Zu glemse(n) (-sa) = weinen (beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. Glemsen = Tränen, Ableitung: Glemserei = Heulerei) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 101 (klemsen_ = heulen, weinen); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: glimse[n] = weinen). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht aufgeführt.]

[Fußnote 298: ([148] auf S. 63.133) S. anzahlen.]

[Fußnote 299: ([149] auf S. 63.133) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]

[Fußnote 300: ([150] auf S. 63.133) S. Ärger.]

[Fußnote 301: ([151] auf S. 63.133) S. ankleiden.]

[Fußnote 302: ([152] auf S. 63.133) Dazu das Diminutiv Doberle = Beil. In den verw. Quellen m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren Rotwelsch (denn in der Sulzer Zigeunerliste v. 1787 [252] ist es nur als Zigeunerwort — für rotw. Hekerling — aufgeführt), dagegen findet es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie Pfister 1812 [297], v. Grolman 17 u. T.-G. 84, Karmayer G.-D. 196). Zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einltg.«, S. 29) s. Näh. bei Liebich, S. 162, 180 u. 182 (tōwer = Axt, Beil); Miklosich, Beiträge III, S. 20 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter »tover«: bei den deutsch. Zig.: tover; vgl. pers. u. hind. tabar, kurd. taver, armen. tapar, russ. topor usw.); Jühling, S. 89 (Dowär = Axt, Beil); Finck, S. 89 (tower = »Axt, Beil«).]

B. [63.372]

Bach, Flu(h)te[303]

Bachstelze, Flu(h)tefläderling[304]. Häufiger ist indessen die Bezeichnung jenischer Fläderling, d. h. »der jenische Vogel«[305]. Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit vielen »Fahrenden«) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben, den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von ihnen ausschließlich als ihr romano tschirklo, d. h. »Zigeunervogel« angesehen wird[306].

[Fußnote 303: ([1] auf S. 63.372) S. abbrühen.]

[Fußnote 304: ([2] auf S. 63.372) Betr. Fläderling s. Adler.]

[Fußnote 305: ([3] auf S. 63.372) Der Ausdruck jenisch ist hier, wie die nachfolgenden Bemerkungen Wittichs im Text zeigen, in dem Sinne von »zu den fahrenden Leuten gehörig« oder »auf sie Bezug habend« (vgl. »Vorbemerkung«, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die weiteren Verbindungen: jenischer Benk (Benges) od. Fi(e)sel = »fahrender Bursche«, jenische Moss u. Model = »fahrende Frau« u. »fahrendes Mädchen«, jenische Ulma = »fahrende Leute«. Bemerkt sei hierzu noch, daß nach Jühling, S. 220 von den Zigeunern »alle herumziehenden Leute«, die »nicht Zigeuner« sind, als Chalo-Jenische (zu Chalo = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen vgl. betr. die Etymologie, die verschiedenen Bedeutungen u. die Belege für das Wort jenisch (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in m. »Vorbemerkg.«, S. 4, Anm. 6 ff.]

[Fußnote 306: ([4] auf S. 63.372) Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von Liebich, S. 156, 165 u. 180 u. Finck, S. 92 (rómeno tširklo), die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll sich nach einer Mitteilg. Wittichs in seinen (auch von Groß, Handb. für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im Jahrg. 1912, Heft 1 der »Mitteilungen über die Vogelwelt« (S. 89, 212 ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.]

backen, schupfen[307] [63.373]

Bäcker (Bäckermeister), Lehmschupfer, d. h. eigtl. (genauer) »Brotbäcker«[307][308]

Bäckerei, Schupferei[307]

Bäckerin, Schupferin[307]

Backofen, Lehmschupferhitzling[309]

Backstein, Kittleskies, d. h. »Hausstein«[310]

[Fußnote 307: ([5] auf S. 63.373) S. aufhören.]

[Fußnote 308: ([6] auf S. 63.373) Lehm (od. [seltener] Lechem) = Brot kommt auch noch in folgenden Zusammensetzgn. vor: a) im Anfang stehend: Lehmschottel = Brotbüchse, Lehmrande = Brotsack, Lehmschure = Brotschrank; b) ans Ende gesetzt: Dercherlehm = Bettelbrot, Schmunklehm = Butterbrot, Lanengerlehm od. -lechem (d. h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schoflelehm od. Schofellechem (Spr.) = Schwarzbrot, Dofelehm od. dofer Lehm (Spr.) = Weißbrot, Süßlinglehm = Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch Boslem = Exkremente zu Lehm zu ziehen s. schon oben unter »After«. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Lechem od. Lehm_ = Brot, schofel —, gehechelter — (= schwarzes, weißes Brot); _W.-B. des Konst. Hans 254 (Leham = Brot, Lehmschlupfer_ [sic] = Bäcker); Schöll 271 (Lehem = Brot); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338 (Lächum = Brot, Lächumschupfer od. Lemer = Bäcker, Lächumrande = Brotsack); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Lechum od. Lehm = Brot, Kafferlechum = Bauernbrot); Schwäb. Händlerspr. 479, 480 (Lêm [in Pfedelb. (209): Lehm] od. Lechem = Brot, Lêmschupfer = Bäcker, in Pfedelb. [208]: Kafferlehm = Bauernbrot). S. auch noch _Pfälz. Händlerspr. 436, 437 (Lêchem od. Leachem = Brot, Finne Lêchum_ = Stück Brot) u. Metzer Jenisch 216 (Lēm). Zur Etymologie (vom gleichbed. hebr. lĕchĕm) s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 25, 26 (dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch Weber-Günther, S. 157/58 (unter »Legem«) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter »Lechem« u. »Lehm«).]

[Fußnote 309: ([7] auf S. 63.373) Mit Hitzling = Ofen (am Anfang) sind noch folgende Zus. gebildet: Hitzlingschwä(t)zling = Ofenruß (s. d. betr. Schwetzling [wohl für Schwärzling] = Ruß), Hitzlingpflanzer od. -schenegler = Ofensetzer, Hitzlingbossert = Rauchfleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 89, 91 (Hitzling = Ofen, Lechem- od. Lehmhitzling_ = Backofen); Schöll 271 (Hitzling = Ofen, aber auch = Sonne); _Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (Hitzling = Ofen, Lächumschupferhitzling_ = Backhaus); Schwäb. Händlerspr. 487 (Hitzling). Zur Etymologie des Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei A. Hempel [167] — für »Stube« vorkommt) vom deutsch. Subst. Hitze vgl. A.-L. 549, Günther, Rotwelsch, S. 60 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.]

[Fußnote 310: ([8] auf S. 63.373) S. (betr. Kittle) Abort u. (betr. Kies) Apfelkern; vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48 sowie die Anm. zu »Ziegelstein« im W.-B.]

Bad, Flu(h)te[311] [63.374]

baden, pfladeren[312]

Bahn, Rutsch[313]

Bank (zum Sitzen), Sitzleng[314]

Bank (= Bankhaus), Bichkitt[315] oder Lobekitt[316]

bankerott vgl. Konkurs

Bankier, Bichsins[317], Kiessins[318] oder Lobesins[319]

[Fußnote 311: ([9] auf S. 63.374) S. abbrühen.]

[Fußnote 312: ([10] auf S. 63.374) S. abwaschen.]

[Fußnote 313: ([11] auf S. 63.374) Mit Rutsch = Bahn, Eisenbahn sind zusammengesetzt: Rutschschenegler = Eisenbahnarbeiter u. Rutschrädling = Eisenbahnwagen. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (Rutsch_ = Eisenbahn); Schwäb. Händlerspr. 480 (ebenso); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rutscher = Wagen, Eisenbahn). Zur Etymologie (vom Zeitw. rutschen) s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter »Rutscher«).]

[Fußnote 314: ([12] auf S. 63.374) Sitzleng (-ling) = Bank (Kanapee) oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den Zus. Leile- od. Schundsitzl¶e¶ng = Nachtstuhl u. Schoflereisitzl¶i¶ng = Richterstuhl. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Händlerspr. 487 (Sitzling = Stuhl, Bank); s. auch im Metzer Jenisch_ (217) Setzerling = Stuhl, während der Hennese Flick von Breyell (450) dafür Sitterd, das Bargunsch von Zeele (470) Zitterik hat. Der Etymologie nach gehört der Ausdr. natürlich zu sitzen.]

[Fußnote 315: ([13] auf S. 63.374) S. Almosen u. Abort.]

[Fußnote 316: ([14] auf S. 63.374) Vgl. dazu die Verbindg. _grandiche Lobekitt = Münze, Münzwerkstätte. — Lobe_ = Geld, Geldstück, Münze (ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Lobesins = Bankier, Lobeschure = Geldkasse od. -kästen, Loberande = Geldsack, Lobepflanzer = Münzarbeiter (dazu: nobis dufter Lobepflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Stradelobe = Chausseegeld, Schenagelslobe (eigtl. »Arbeitsgeld«) = Lohn, Duftlobe (eigtl. »Kirchengeld«) = Opfergeld, Kieslobe (eigtl. »Steingeld«) = Pflastergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Labe = Geld); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Labai); Schwäb. Händlerspr. 481 (Lôbe); ebenso auch im Metzer Jenisch 216. Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. Liebich, S. 144, 201, 223 (lōwo = Geld, Münze), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei d. deutsch. Zig.: lōvo) u. Finck, S. 71 (lōwo = Münze, plur. lōwe = Geld); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter »Labe«) u. 1310 (unter »Lobe«).]

[Fußnote 317: ([15] auf S. 63.374) S. Almosen und Amtmann.]

[Fußnote 318: ([16] auf S. 63.374) Mit Kies = Geld, Geldstück, Münze sind ferner noch zusammengesetzt: a) am Anfang: Kiesreiber = Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, Kiesschure = Geldkasse od. -kästen, Kiesrande = Geldsack, Kiespflanzer = Münzarbeiter (vgl. nobis dufter Kiespflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Schenagelskies = Lohn u. Duftkies = Opfergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kis = Beutel u. kislen = Beutel schneiden); W.-B. des Konst. Hans 254 u. 258 (Kies = Silber, Geld; vgl. auch [255]: kiesle = Beutel schneiden); Schöll 269, 270 (Kis = Beutel, Geld; Kißler = Beutel schneiden); _Pfulld. J.-W.-B. 340 (Kiß = Geld, Kißrande = Geldbeutel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Kies = Geld, Kiesreiber_ = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîs [in Pfedelb. (211): Kies] = Geld, Kis- [od. Kies]reiber = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie (vom hebr. kîs = »Beutel, Geldbeutel, Geld«, jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. Kisow od. Kisof[f] = Silber[geld] aus hebr. kesef = »Silber«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter »Kis«, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. kísik = »Beutel, Geldbeutel« [Finck, S. 64]).]

Barchent, Bochdam[320] [63.375]

Barschaft, Bich[321], Gore[322], Lobe[323]

Bauch, Rande[324]

[Fußnote 319: ([17] auf S. 63.375) S. Bank u. Amtmann.]

[Fußnote 320: ([18] auf S. 63.375) Bochdam bedeutet auch allgemeiner Leinwand od. Tuch. Zus. damit sind: a) am Anfang: Bochdampflanzer = Leinenweber od. Tuchmacher; b) am Ende: Begerbochdam = Leichentuch. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 100 (Bockdam = »Tuch en général«); W.-B. des Konst. Hans_ 255 (Bokdam = Tuch); Pfulld. J.-W.-B. 342 u. 345 (Bokdame = wollenes Tuch; Dame = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei Schintermicherl 1807 [288] z. B. in der Form Poktam [= Leinwand]) bekannt. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. A.-L. 585 (unter »Pochtam« [der an eine zigeunerische Verstümmelung von begodim, Plur. des hebr. beged = »Kleid«, dachte]) vbd. mit Pott II, S. 367/68 (unter »Pochtan«), Liebich, S. 152, 181, 219 (pōchtánn = Leinwand, Barchent), Miklosich, Beiträge III, S. 17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: pōchtan = Leinwand), Jühling 220 (Bochtan = Leinwand) u. Finck, S. 79 (póxtan = »Leinwand, Tuch, Barchent«).]

[Fußnote 321: ([19] auf S. 63.375) S. Almosen.]

[Fußnote 322: ([20] auf S. 63.375) Gore hat ungefähr dieselben Bedeutgn. wie Bich, Kies u. Lobe, also (außer Barschaft noch) bes. Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in Zus. weniger beliebt; vgl. jedoch Stradegore = Chausseegeld. Unter den _verw. Quellen hat das Wort nur die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Gore_ = Geld). Nach Horn, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die Etymologie ist unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen Aufschluß.]

[Fußnote 323: ([21] auf S. 63.375) S. Bank.]

[Fußnote 324: ([22] auf S. 63.375) Die Bedeutung von Rande = Bauch (Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen [auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In diesem Sinne ist er verwendet in folgenden Zus.: a) am Anfang (selten): Randeschnurrant = Taschenspieler; b) am Ende (sehr häufig): Dercherrande = Bettelsack, Kritzlerrande = Brieftasche, Lehmrande = Brotsack, Bich-, Kies- u. Loberande = Geldsack, Bäzemerande = Hodensack, Sprausrande = Holzsack, Buxen- od. Kopelrande = Hosensack (-tasche), Stupflengrande = Igelsack, Schmalerrande = Katzensack, Staubertrande = Mehlsack, Malfesrande = Rocktasche, Dächlesrande = Schirmsack, Toberichrande = Tabaksbeutel, Toberichschurerande = Zigarrentasche. Mit Rande = Bauch sind gebildet nur die Zus. Randeschure = Bauchgrimmen u. die Verbindg. grandicher Rande = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt, insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu gr. Rande bosten = schwanger gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 98 (Rante = Sack); W.-B. des Konst. Hans_ 255, 260 (Rande = Sack, Felleisen); Schöll 271 (Rande = Sack); _Pfulld. J.-W-B. 338, 340, 343, 345 (Rande_ = Bündel, Sack, Tasche, Lächumrande = Brotsack, Kißrande = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Rande = Bauch [nur so!]); Schwäb. Händlerspr._ 485, 487 (Rande = Ranzen, Tasche, [in Pfedelb. (208) auch = Bauch]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rande = Portemonnaie). Zur Etymologie des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl. Lib. Vagat. [55]: Rantz = Sack), das auch als Quelle unseres gemeinsprachl. »Ranzen« zu betrachten ist, s. Günther, Rotwelsch, S. 96 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter »Ranzen«, Nr. 2), Kluge, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und Weigand, W.-B. II, Sp. 526 (unter »Ranzen« u. »Ränzel«); vgl. auch Horn, Soldatenspr., S. 65. Auch unser Ranzen ist wohl für »Bauch«, »dicken Leib, auch im Zustand der Schwangerschaft«, zunächst als »ein niedriges Volkswort des 18./19. Jahrhunderts«, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S. Grimm, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit Kluge, a. a. O.]

Bauchgrimmen, Randeschure[325] [63.376]

Bauer, Kaffer[326], Ruch[327]; vgl. auch Landmann

[Fußnote 325: ([23] auf S. 63.376) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 326: ([24] auf S. 63.376) Kaffer (Plur. Käffer [Spr.]) hat auch in Wittichs Jenisch — in wesentlicher Übereinstimmg. mit dem Rotwelsch (vgl. Groß' Archiv, Bd. 48, S. 331/32) — mehrfache Bedeutgn., nämlich: a) Mann (Kerl); b) spezieller: Ehemann (Gatte, Gemahl); c) Bauer (Landmann). Zu der Bedeutg. unter a gehört das Dimin. Käfferle mit den Bedeutgn. a) Junggeselle u. b) Greis (alter Mann), während die Redensart Käfferle pflanzen = Onanie treiben wohl (wie noch weiter unten auszuführen ist) an die Bedeutung unter c angeknüpft hat. Mit K. in der Bedeutg. unter a (= Mann) sind gebildet worden: [Griechisch: a]) die Verbindungen: grandicher Kaffer = Riese (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17) nebst dem Gegensatz nobis grandicher Kaffer = Zwerg sowie schofler Kaffer = Heuchler (od. auch »Hurenkerl«); [Griechisch: b]) folgende Zusammensetzgn.: aa) mit K. am Anfang: Kaffermalfes = Gewand für Männer, Kafferkluft, -klufterei = Mannskleid, -kleider, Kafferstreifling = Socken; bb) mit K. am Ende (bes. beliebt für Standes- u. Berufsbezeichnungen, wie im Rotw. [vgl. »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]): Dercherkaffer = Bettelmann, Rädlingskaffer = Fuhrmann, Vergremers- od. Verkemerskaffer = Handelsmann, Kittkaffer = Hausherr, Fehtekaffer = Hauswirt, Herbergsgeber, Quartierherr, Finkelkaffer = Hexenmeister, Schwarzkünstler, Sprauskaffer = Holzmacher, Sicherkaffer = Koch, Begerkaffer = Leichenbeschauer, aber auch Totengräber, Leilekaffer = Nachtwächter, Blibelkaffer = »Stundenmann« (Methodist). Mit K. in der Bedeutg. unter b (= Ehemann) sind zusammengesetzt: [Griechisch: a]) im Anf.: Kaffersglied = Mannsschwester; [Griechisch: b]) am Ende: Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn); zu vgl. hierzu auch das (gleichsam menschliche Begriffe auf Tiere übertragende) Trabertkaffer = Hengst (eigtl. »Pferde[ehe]mann«, männl. Pferd im Gegens. zu Trabertmoss = Stute [s. d.]; betr. der Zigeunerspr. s. unter »Hengst«). Mit K. in der Bedeutg. unter c (= Bauer) sind keine Zus. od. Verbdgn. gebildet worden. Mit dem Dimin. Käfferle findet sich noch die Verbdg. nobis vergrönter Käfferle (eigtl. »nicht verheiratetes Männchen«) = Junggeselle, die insofern pleonastisch erscheint, als ja auch schon das einfache Käfferle dasselbe bezeichnet. Über die Redensart Käfferle pflanzen s. schon oben. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 91, 96, 98 (Kaffer = Mann, Grönkaffer = Ehemann, Gaskekaffer = Schulmeister); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 259 (Kaffer = Kameraden [s. dazu: Groß' Archiv, Bd. 43, S. 22 u. Anm. 1], schofler Kaffer = böser Mann, T'schorkaffer = Mann, der gestohlene Sachen kauft); Schöll 271 (Gaver = Mann); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 342 (Kafer = Mann, Biedermann, kochemer Kafer = kluger Mann); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Kaffer = Bauer, Dorfbewohner, Kafferlechem_ = Bauernbrot.); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kaffer = Mann, Bauer). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kafrînum = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus dem Hebr. [kfr, Verbindgsform kĕfar, = Dorf, bzw. rabbin. kaphri = »Dorfbewohner, Bauer«]) s. d. ausführl. Angaben in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 328 ff. u. dazu noch Weber-Günther, S. 165, Seiler, Lehnwort IV, S. 490 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 145.]

Bauerndorf, Rucheg'fahr[328] [63.377]

[Fußnote 327: ([25] auf S. 63.377) Mit Ruch = Bauer (Landmann) sind zusammengesetzt: Rucheg'fahr = Bauerndorf (vgl. dazu die folgende Anm.), Ruchamoss = Bauernfrau (vgl. S. 378, Anm. 329) u. Ruchekitt = Bauernhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 90 (Ruoch = Bauer, Ruochen Kitt = Bauernhaus); W.-B. des Konst. Hans 253 (im wes. ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Ruech_ = Bauer, Ruechekehr = Bauernhaus, Ruchemalfes = Bauernkittel, Ruchegasche = Bauernvolk u. a. m.); Schwäb. Händlerspr. 479 (Rûch od. Ruoch = Bauer); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Ruch). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie (wahrscheinl. vom mhd. Adj. rûch u. ä. = »rauh«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 5.]

[Fußnote 328: ([26] auf S. 63.377) Für G'fahr (Gefahr) = Dorf (Ortschaft) war früher im Jenischen Palar gebräuchlich (s. »Einleitung«, S. 27); über d. Synon. Mochum (-am) bzw. Hegesle (= kleines Dorf) s. unter »Dorf«. Außer Rucheg'fahr finden sich _keine Zus. mit dem Worte. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (G'far = Dorf); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Gfart_); Schwäb. Händlerspr. 480 (Gefar); s. auch Metzer Jenisch 216 (G'fār), u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Kfr). Dagegen hat die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 die stammverwandte Form Kaff; ähnlich bei den schwäb. Händlern in Lütz. 214 (Khāf). Über sonstige Belege im Rotwelsch u. die Etymologie (vom hebr. kfr = Dorf [vgl. oben Anmerkung 326 (zu Kaffer)]) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 328 u. Anm. 3; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 135 (unter »G[e]fahr« II); insbs. noch über die Form Kaff s. Archiv, Bd. 48, S. 329, Anm. 2 u. dazu noch Fischer, a. a. O., Bd. IV, Sp. 143 (unter »Kaf[f]«, Nr. 1) vbd. mit Bd. III, Sp. 2 (betr. Gab = Dorf, das nach ihm zum zigeun. gāw = Dorf [s. Finck, S. 58; vgl. Jühling, S. 221] zu stellen ist).]

Bauernfrau, Ruchamos(s)[329] [63.378]

Bauernhaus, Ruchakitt (Dimin.: Ruchekittle [Spr.])[330]

Bauersleute, Rucheulme (Spr.)[331]

Baum, Stöber[332]

Bäumchen, Stöberle[332]

[Fußnote 329: ([27] auf S. 63.378) Moss od. (seltner) Mos bedeutet: a) Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib, sodann enger b) entsprechd. der Bedtg. von Kaffer unter b): Ehefrau (Gattin, Gemahlin); dazu das Dimin. Mössle = Jungfrau; eine Ableitung davon ist mossich = weiblich od. weibisch. In der Bedeutg. unter a) findet sich das Wort in den Verbindungen: schofle Mos(s) = Ehebrecherin, Kebsweib und jenische Mos(s) = fahrende Frau sowie in folgenden Zusammensetzgn.: [Griechisch: a]) am Anfang stehend: Mos(s)malfes = Gewand für Frauen, Frauen- od. Weiberrock, Mos(s)klufterei = Frauenkleid, Mos(s)fīrflamme = Frauenschürze, Mos(s)schrende = Frauenstube; [Griechisch: b]) ans Ende gesetzt (bes. für _Standes- u. Berufsbezeichn. [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29]): Derchermos(s)_ = Bettelfrau, Vergremmos(s) = Handelsfrau, Kittmos(s) = Hausfrau, Deisel- od. Disselmos(s) = Hebamme, Finkelmos(s) = Hexe, Begermos(s) = Leichenfrau, Fehtemos(s) = Quartiersfrau, Jerusalemsfreundmos(s) = Schäferin, Blibelmos(s) = »Stundenfrau« (Methodistin), Pfladermos(s) = Wäscherin. Dagegen beziehen sich mehr auf die Bedeutg. unter b (= Ehefrau) die Zus.: Ruchamos(s) = Bauernfrau, Stichtlersmos(s) = Schneidersfrau, Trittlingpflanzersmos(s) = Schustersfrau u. Lanengersmos(s) = Soldatenfrau, wohl auch noch Sinsemos(s) = Dame, Herrin, das aber auch zu Gruppe a gerechnet werden könnte. Über Trabertmos(s) = Stute (als Gegens. zu Trabertkaffer) s. schon oben S. 376, Anm. 326; vgl. dazu betr. d. Zigeunerspr. Näh. unter »Hengst«. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 101 (Moos_ = Weib, Grünt'-Moss = Ehefrau); Schöll 272 (Moos = Weib); _Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 346 (Mosch = Eheweib, Musch = Frau, Muß_ = Weib, Fingelmuß = Hexe, Oldrischmus = Mutter); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Moß = Frau, Mößle = Fräulein, Finkelmos_ = Hexe); Schwäb. Händlerspr. 483 (Moß = Frau, Weib [in Pfedelb. (211) auch: Mutter]; Dimin.: Mößle od. Mêßle = Mädchen [in Pfedelb. (209 u. 213) auch = Fräulein, Tochter]; Zus.: Finkelmoss = Hexe, in Pfedelb. [208 u. 214]: Rammelsmoß = Bäuerin, Baizersmoß = Wirtin, Wittmoß = Witwe, in U. [214]: Schenalmoss = Magd). S. auch noch Metzer Jenisch 217 (Muss = Weib) u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Moss = Frau). Über noch weitere Belege im Rotwelsch u. die Etymologie des Wortes (das deutschen Ursprungs u. eigentl. eine pars pro toto [spätmhd. mucze od. mutz(e) = »weibl. Geburtsglied«] gewesen) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 345 ff.; vgl. auch »Anthropophytoia«, Bd. IX, S. 34 ff. u. Weber-Günther, S. 178 (unter »Moß«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1770 (unter »Moß«) vbd. mit Sp. 1827 (unter »Musch«).]

[Fußnote 330: ([28] auf S. 63.378) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 331: ([29] auf S. 63.378) S. (betr. Ulme) arme Leute.]

[Fußnote 332: ([30] auf S. 63.378) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 333: ([31] auf S. 63.378) Spraus = Holz hat auch noch die engeren Bedeutgn.: Block, Dorn, Pfahl, Pflock, Prügel, Scheitholz, Stab, Stecken, Stock; dazu das Dimin. Spräusle = Splitter u. die Ableitung sprausich = hölzern. Zus. mit Spraus sind noch: a) am Anf.: Sprausrande = Holzsack, Sprauskaffer = Holzmacher, Sprauskritzler = Steckbrief (s. Näh. unter diesem Worte; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 46 sowie die Anm. zu »Attest«), Sprauspflanzer = Stockmacher; b) am Ende (außer Stöberspraus): Johlespraus = Weinrebe. Mit Spräusle ist gebildet Funkspr¶ei¶sle (sic) = Zündhölzer. Eine Verbindg. ist grandicher Spraus = Stange (s. d. betr. wes. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. a'gefunkter Spraus (eigtl. »angebranntes Holz«) = Kohle. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunersprache 94 (Spraus = Holz); W.-B. des Konst. Hans 255 (Sprauß, Bedeutg. ebenso); Pfulld. J.-W.-B._ 340, 346 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Wald, Sprausfetzer = Zimmermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Sprausfetzer); _Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (wie Pfulld. J.-W.-B., dazu in Degg._ [215]: Funk-Spraus = Zigarre). Auch das Metzer Jenisch (216) kennt Spraus = Holz. Zur Etymologie des Wortes (wohl verwandt mit unserem gemeinspr. »Sproß«) sowie noch über sonstige Belege im Rotw. s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 55, Anm. 1.]

Baumholz, Stöberspraus[333]; vgl. auch Stamm [63.379]

Baumkatze (d. h. Eichhörnchen), Stöberschmaler[334]

Beängstigung, Bauser[335]

[Fußnote 334: ([32] auf S. 63.379) Die Bezeichnung des Eichhörnchens als Stöberschmaler, d. h. »Baumkatze«, ist sicher aus der Zigeunersprache übernommen, in der das Tier sachlich ganz ebenso heißt (näml. [nach Liebich 156, 181, 191] rukkéskri od. rukkengĕri mádschka od. [nach Finck 72] rakéskeri mátška, d. h. etwa die sich auf Bäumen aufhaltende Katze, zu ruk(k) = Baum u. mátška (madschka) = Katze [s. Liebich, S. 156, 181, 214 u. Finck, S. 72, 82]); vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18. Ein Synon. damit ist auch _romésk(e)ri mátška, d. h. »Zigeunerkatze« (s. Liebich_, S. 156 u. 191 u. Finck, S. 72), wie denn das Eichhörnchen neben dem Igel und dem Fuchs (sowie dem Federvieh) zu den »Leckerbissen« der Zigeunerküche gehört (s. Liebich, S. 85). — Neben Schmaler = Katze (auch Kater; Dimin.: Schmalerle = Kätzchen) findet sich im Jenischen auch die gleichbd. Form Schmaleng (plur. Schmaling [vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 30). Mit Schmaler sind zusammengesetzt noch Schmalerbossert = Katzenfleisch und Schmalerrande = Katzensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Schmaling = Katze); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Gschmaling); Schwäb. Händlerspr. 482/83 (Schmle [in Pfedelb. (211): Gschmale], Schmling [in Pfedelb. (211): Schmarling] oder Gschmling [in Pfedelb. (211): auch Gschmarling] = Katze); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Schmalert) u. Regensb. Rotwelsch 489 (Schmali u. a. m.). Der Dolm. der Gaunerspr. (98) kennt das Synon. Schmalfus, das schon im W.-B. von St. Georgen 1750 (207) verzeichnet ist und sich — gleich den Formen Schmaler (zuerst dial.: Schmola bei Schintermicherl 1807 [289]) u. Schmaling — bei den Gaunern bzw. Kunden bis in die Neuzeit erhalten hat (vgl. z. B. Groß 491 u. Ostwald [Ku.] 133). Der Etymologie nach gehören alle diese Ausdrücke gewiß zu unserem Adj. schmal; s. Pott II, S. 23; Wagner bei Hersig, S. 249; Günther, Rotwelsch, S. 57 u. 63, Anm. 64; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 481 (unter »G[e]schmaling«).]

[Fußnote 335: ([33] auf S. 63.379) S. Angst.]

beantworten, dibera[336], schmusen[337] [63.380]

bedanken, bederchen[338]

bedeutend, grandich[339]

Bedrängnis, Vermuft[340]; vgl. Armut und Konkurs

bedrohen, stämpfen[341]

befragen, lenzen[342]; vgl. fragen

befürchten, bauserich sein[343]

begatten (Begattung), bodera oder budera[344], kirmen[345] schnirgla[346], schurela[347]

[Fußnote 336: ([34] auf S. 63.380) S. anreden.]

[Fußnote 337: ([35] auf S. 63.380) S. ansagen.]

[Fußnote 338: ([36] auf S. 63.380) S. abbetteln.]

[Fußnote 339: ([37] auf S. 63.380) S. Adler.]

[Fußnote 340: ([38] auf S. 63.380) S. Aas; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36 (Substantivierung eines Partizips).]

[Fußnote 341: ([39] auf S. 63.380) S. Ärger.]

[Fußnote 342: ([40] auf S. 63.380) S. anschauen.]

[Fußnote 343: ([41] auf S. 63.380) S. Angst.]

[Fußnote 344: ([42] auf S. 63.380) Das Zeitw. bodera (-re) od. budera (-re) = begatten (erzeugen), als Subst. gebr. = Begattung (Beischlaf) ist m. W. nicht nur in dem verw. Quellenkreis, sondern auch sonst im Rotw. usw. ungebräuchlich. Es ist nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1557 (unter »budere[n]«) ein gemein-schwäbischer Ausdruck mit den Bedeutungen: a) »klopfen, schlagen«, b) »poltern« u. c) »Unzucht treiben«, der seinerseits zu dem Hauptw. Buder (Nebenf. zu Bauder) = »Stoß« (s. W.-B. I, Sp. 1506 vbd. m. Sp. 69) gehört, wobei (bezügl. der Bedeutg. unter c) »volkstüml. etymol. an buttern, auch an pudern (d. h. ›mit Puder bestreuen‹) gedacht werden« mag.]

[Fußnote 345: ([43] auf S. 63.380) Das Zeitw. kirme(n) (mit gleicher Bedeutg. u. Verwendung wie bodera) kommt für »Unzucht treiben« auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. (76) vor, desgl. (noch etwas allgemeiner) für »coire« in der schwäb. Händlerspr. (in U. [213]). Es scheint sich auch hier zunächst um ein schwäb. (bzw. überhaupt südd.) Dialektwort (mit ursprüngl. wohl allgemeinerer Bedeutg.) zu handeln; s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 213 (unter »g[e]hirme[n]«) mit weitern Angaben über südd. Mundarten.]

[Fußnote 346: ([44] auf S. 63.380) Das Zeitw. schnirgla (-le) — ebenfalls gleichbed. m. bodera — ist m. Wiss. sonst in den Geheimsprachen nicht bekannt. Etymologisch darf man es (nach gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau-Wien) vielleicht stellen zu mundartl. Schneck(e) = »feminal«, vulva u. dgl. (s. z. B. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 567 [unter »Schneck«, lit. g] u. ausführl. Angaben bes. bei Aigremont in d. »Anthropophyteia«, Bd. VI, S. 48, 49; vgl. auch Müller, ebds. Bd. VIII, S. 11) bzw. (schwäb. u. bayr.) Schnickel = »penis« (s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 474 u. Schmeller, a. a. O., Sp. 567 [mit Anführg. v. holl. sneukelen = »Hurenhäuser besuchen«]) oder (schles.) Schnicke = »penis«, schnicken = »supprimere abiquam« (s. Weinhold, Beitr. zu e. schles. W.-B., S. 87; vgl. auch Müller, a. a. O. S. 6).]

[Fußnote 347: ([45] auf S. 63.380) S. abbiegen.]

begehren, dalfen, derchen[348] [63.381]

begütert, grandich[349]

behend, g'want[350]

behext, verfinkelt[351]

Beil, Doberle[352]

Beinkleid, Buxa[353], Kopel[354]; vgl. Hose(n)

[Fußnote 348: ([46] auf S. 63.381) S. abbetteln.]

[Fußnote 349: ([47] auf S. 63.381) S. Adler.]

[Fußnote 350: ([48] auf S. 63.381) S. anmutig.]

[Fußnote 351: ([49] auf S. 63.381) Diese Vokabel setzt ein Zeitw. verfinkeln = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt ist, ebenso wie ein einfaches finkeln (im Rotw. für »kochen [sieden, braten]« usw. bekannt) fehlt, während als Ableitungen von letzterem die Subst. Finkler = Zauberer, Schwarzkünstler, Finklere = Zauberin, Finklerei = Hexerei, Zauberei u. als Zus. mit dessen Stamm finkel-: Finkelmoss = Hexe, Finkelkaffer = Hexenmeister u. Finkelkitt = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem Zeitw. gehörige — Subst. Gefinkelter = Branntwein s. Näh. unter diesem Ausdr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 270 (Fenkel Caspar = Betrug mit Hexerei); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: Finkelmoß = Hexe, Finkelschütz = Hexenmeister). — Das einfache Finckel = Hexe kannte die Scharfrichtersprache v. 1813 (308). Zur Etymologie: Den Übergang von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort Funk u. ähnl. = Feuer (vgl. Bd. 63 S. 35 u. Anm. 125) gehörenden — Zeitw. finkeln od. fünkeln = kochen usw. (s. schon Lib. Vagat [53]: fünckeln = sieden od. braten u. dann öfter) zu den Begriffen Finklerei = Hexerei, Finklere od. Finkelmoss = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie »Teufelsbraten« u. »Hexenküche« (u. überhaupt die Vorstellung von dem Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen) vermittelt; s. dazu Pott II, S. 34; vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 50, S. 350 (unter »Fingelmusch«).]

[Fußnote 352: ([50] auf S. 63.381) S. Axt.]

[Fußnote 353: ([51] auf S. 63.381) Buxa (-e), plur. Buxen = Beinkleid, Hose kommt auch vor in Zus., nämlich Buxeschmelzer = Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, S. 132, Anm. 293 zu »austreten [schwer]«) u. Buxerande = Hosensack. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buchsen = Hosen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Buxen = Hosen); Schwäb. Händlerspr._ 482 (ganz ebenso). S. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Unterhosen) u. Regensburg. Rotw. 490 (Buxen = Hose). Etymologie: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes niederd. Wort. S. Pott II, S. 17 u. Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. I, Sp. 1495 (unter »Buchse[e]«).]

[Fußnote 354: ([52] auf S. 63.381) Mit Kopel (plur. Kopla) = Beinkleid, Hose zusammengesetzt ist nur Kopelrande (= Buxerande). In dem verw. Quellenkr. ist der Ausdr. unbekannt. Der Etymologie nach handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein Zigeunerwort (s. »Einleitung« S. 30), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach Jühling, S. 221 — Cholep lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch Ch¶och¶lep). Vgl. ferner Pott II, S. 163, 170 (unter »Chólov«); Liebich, S. 130, 182, 211 (chōlib od. chóleb = Beinkleid, Hose); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter »cholov«: bei den deutsch. Zig.: cholib); Finck, S. 69 (xóli¶w¶ od. xólu¶w¶ = »Hose«). In dieser Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch eingedrungen (vgl. z. B. v. Grolman 39 u. T.-G. 102 [Kolle¶w¶ od. Kollet = Hosen] u. Karmayer, G.-D. 206 [ebenso]).]

Beischlaf s. begatten [63.382]

Beischläferin, Lubne[355], schofle Model (d. h. »schlechtes Mädchen«)[356]

beißen, näpfen[357]

beiwohnen s. begatten

Bekleidung, Klufterei[358]

[Fußnote 355: ([53] auf S. 63.382) Lubne hat im W.-B. auch die Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin, Kebsweib (Mätresse). Dazu die Zus. Lubnebenk = »Hurenkerl« und die Ableitg.: lubnen = »huren«. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort unbekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten, anzutreffen. S. darüber sowie über die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30]) d. näh. Angaben in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 19 (vgl. auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch Finck, S. 71 (zig. lúbni [-li, -lin] = »Hure«); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311 (unter »Lubegane«). Nach Miklosich, Beitr. I/II, S. 32 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. lubh = »verlangen, begierig sein« zurück.]

[Fußnote 356: ([54] auf S. 63.382) Über schofel s. unter »arg«. — Schof(e)le Model (auch Schoflemodel) ist im W.-B. auch noch durch »Dirne«, »Freudenmädchen« u. »Hure« wiedergegeben. Mit Model = Mädchen (Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu d. Dimin. Mödele = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a) die Verbindgn.: dofe Model = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen dufte Model nur allgemeiner ein »brauchbares Mädchen« bedeuten soll]) u. jenische Model = »fahrendes Mädchen«; b) mehrere Zusammensetzgn., näml. [Griechisch: a]) am Anfang: Modelgalm = Tochterkind, Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn), Modelfiesel = Tochtersohn; [Griechisch: b]) am Ende (bes. für Stände u. Berufe [vgl. »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]): Derchermodel = Bettelmädchen, Sinsemodel = Fräulein, Verkemeresmodel = Handelsmädchen, Galma- od. Schrabinermodel = Kindermädchen, Fehtemodel = Quartiermädchen, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Schmelemermodel = Zigeunermädchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 342 (Model = Mädchen); Schwäb. Händlerspr._ 481, 483 (Môdel = Mädchen, Frau [in Pfedelb. (209): auch Fräulein u. Tochter]). Über die Belege im sonst. Rotwelsch usw. sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 27 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem Model »vielleicht einfach« aus »Modell« entstanden ist).]

[Fußnote 357: ([55] auf S. 63.382) S. abbeißen.]

[Fußnote 358: ([56] auf S. 63.382) S. ankleiden.]

bekommen, bestieben (als Partiz. bestiebst)[359] [63.383]

Bekümmernis haben s. befürchten

beleibt, grandicher Rande[360]

beleidigen s. bedrohen

beliebt, dof[361]

beloben, dof schmusen (d. h. »schön reden«)[362]; vgl. loben

belügen, ko(h)len[363]

bemittelt s. begütert

beobachten, linzen[364]

[Fußnote 359: ([57] auf S. 63.383) Bestieben heißt auch noch spezieller: erwischen od. fangen. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 90, 92 (bestieben_ = bekommen, bestiebt werden = arretiert od. erwischt werden); _W.-B. des Konst. Hans 256, 257 ff. (bestieben [Partiz.: bestiebt_] = bekommen); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (bestieben = bekommen, ertappen, fangen); Schwäb. Händlerspr. 479 (auch Lütz. [214]: besti[e]be[n] = bekommen [in Pfedelb. (209, 210, 212) auch = ertappen, fangen, geben u. schenken; in Eningen (S. 206, Anm. 1): stieben = geben u. die merkwürd. Subst. Beistieber(in) = Knecht, Magd u. Käppelesstieber = Pfarrer (zu Käppele = Kirche [vgl. Groß' Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht stieben = laufen im Pleißlen der Killertaler 436 herangezogen werden dürfte]). Die Etymologie bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr. »stöbern« gestellt, Stumme, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit »stibitzen« (wofür bestieben = bestehlen im Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. stipare = stopfen (»in die Tasche stopfen?«), Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu »bestieben«, Nr. 2) bemerkt nur negativ: »vielleicht ein anderes Wort« als »bestäuben«.]

[Fußnote 360: ([58] auf S. 63.383) S. Adler und Bauch.]

[Fußnote 361: ([59] auf S. 63.383) S. angenehm.]

[Fußnote 362: ([60] auf S. 63.383) S. (betr. schmusen) ansagen.]

[Fußnote 363: ([61] auf S. 63.383) Das Zeitw. ko(h)len = belügen, erlügen (während es für das einfache »lügen« — wohl nur versehentlich — im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der Zus. vorko(h)len = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort Kohl = Lüge (Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird. Ableitungen davon sind: Kohler = Lügner u. Kohlerei = das Lügen, der Betrug. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kohl machen = »einen zum besten haben«); W.-B. des Konst. Hans 259 (Kohl malochen = lügen); Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (kohlen = erzählen, lügen, ankohlen = anführen, anlügen; _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68, 72 (Kohl = Aufschneiderei, Lüge, Kohl reissen od. kohlen = lügen, ankohlen od. verkohlen_ = betrügen); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kohl reissen od. kôlen = lügen, verkôlen = betrügen; dazu in Pfedelb. [208, 209, 211] noch: Kohl = Lüge, ankohlen = anlügen u. betrügen sowie wegkohlen = leugnen). Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie (vom hebr. qôl = »Stimme«) s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter »Oberkohler«) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter »Kol« II).]

[Fußnote 364: ([62] auf S. 63.383) S. anschauen.]

bequem, dof[365] [63.384]

berauben, schniffen[366], schoren[367]

berauscht, dambes (= Dambes)[368], geschwächt[369], molum[370], schwächer (= Schwächer)[369][371]

Beruf, Schenagel[372]

[Fußnote 365: ([63] auf S. 63.384) S. angenehm.]

[Fußnote 366: ([64] auf S. 63.384) S. anfassen.]

[Fußnote 367: ([65] auf S. 63.384) S. ausstehlen.]

[Fußnote 368: ([66] auf S. 63.384) Bei dambes = berauscht liegt offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (Dambes = Rausch [Spr.]) vor; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38). Der Etymologie nach gehört Dambes, das als Dam¶p¶es auch in süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch (mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 510 u. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl. Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu Dampf od. auch zu dem Zeitw. dämmen = »prassen, schwelgen« u. dgl. (s. Schmeller, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. Grimm, D. W.-B. II, Sp 709). Die Endung -es (vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 32) ist hier wohl als eine Abschwächung des latein. -us zu betrachten. — Im Rotw. u. in sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. nicht bekannt.]

[Fußnote 369: ([67] auf S. 63.384) S. Amme.]

[Fußnote 370: ([68] auf S. 63.384) Molum = berauscht kommt (gleichsam als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. Dambes für »berauscht«) auch als Hauptw. — für »Rausch« — gebraucht vor. Zu vgl. (aus d. _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr._ 485, die übereinstimmend nur Molum = Rausch (also nicht als Adj.) haben. Seiner Etymologie nach ist das Wort aber als Adj. (bzw. Partiz.) aufzufassen, da es nicht etwa zu dem zigeun. mōl = »Wein« (s. Finck, S. 74; vgl. Liebich, S. 146 u. 259, Miklosich, Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie Jühling, S. 224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. môle (hebr. mle' = »erfüllend, voll«, zu ml' [mlê'] = »erfüllen« [vgl. A.-L. 403]), das in die meisten deutschen Mundarten als mole (moule, moile) od. molum (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen, Hessen u. Westfalen) und (in d. Form molum = »besoffen«) auch der Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s. Kluge, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der Gaunersprache aufgenommen wäre (s. J. Meier, Hall. Studentenspr., S. 10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i. d. R. in der Form mole) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt, und auch dann meist nur in dem allgemeinen Sinne von »voll, gefüllt« überhaupt (s. z. B. v. Grolman, T.-G. 131; Karmayer, G.-D. 121; Groß 479; nur bei Thiele noch bes. mole jajin = »voll Weines«; erst bei A.-L. 575 in d. Form molum = »betrunken« u. bei Groß 479 vbd. m. 476 [unter »lunen«]: Molum (-lun) = »Rausch«). S. Weber-Günther, S. 159/60 (unter »moule«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1733 (unter »Molum«).]

[Fußnote 371: ([69] auf S. 63.384) Auch hierbei handelt es sich (wie bei d. Syn. dambes) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs, Schwächer = Rausch (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38).]

[Fußnote 372: ([70] auf S. 63.384) S. abschaffen.]

beschenken, dogen[373], ste(c)ken[374], s. auch schlagen [63.385]

beschimpfen, stämpfen[375]

beschmutzt, schundich[376]

beschreiben, febera (d. h. eigtl. nur »schreiben«)[377]

besehen, linzen (d. h. eigtl. »sehen«)[378]

Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste

besichtigen, linzen[378]

besonnen, kochem[379]

[Fußnote 373: ([71] auf S. 63.385) S. abgeben.]

[Fußnote 374: ([72] auf S. 63.385) Ste(c)ken hat (gleich dogen) auch die allgemeinere Bedeutung von »geben« (so z. B. Fehma oder _Grifling ste[c]ken_ = die Hand geben), dann aber auch die von »hauen, prügeln« (s. auch: »fechten«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92 (stecken = geben); W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259 (steken = geben, aber auch: sagen); Schöll 272 (ganz ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (steken = hergeben, schenken, _Fehma steken = Hand geben, usserkinnig steken = herausgeben); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (stecken = geben); Schwäb. Händlerspr._ (in Pfedelb. [210]: stecken = geben, Griffling stecken = die Hand geben); s. auch Metzer Jenisch 216 (st¶i¶cken = geben). Zur Etymologie: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl. Zeitw. stecken, das »Bewirkungswort« zu stec¶h¶en (Weigand, W.-B. II, Sp. 957 unter »stecken« 1), das wohl auch (z. B. nach Ku. IV [433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der neueren Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: »heimlich geben« [»zustecken«], »heimlich zu verstehen geben« (vgl. z. B. A.-L. 610; Groß 495; Rabben 125] od. »heimlich Unterschrift geben« [s. Ostwald 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie den Kohl stecken = »den Staupenschlag geben« oder einem Guffti od. Macks stecken = »schlagen« (eigtl. »jmdm. Schläge geben«) im älteren Rotwelsch (s. für die erstere Wendung: A. Hempel 1687 [168] u. Waldheim. Lex. 1726 [189], für die letztere: W.-B. von St. Georgen 1750 [218 u. 220]) sowie dem mundartl. volkstüml. »einem eine (näml. Ohrfeige) stecken« (s. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann die engere Bedeutung von »prügeln« usw. leicht entwickeln; außerdem mag auch der Anklang an »Stecken« (= Stock) dabei vielleicht noch mit eingewirkt haben.]

[Fußnote 375: ([73] auf S. 63.385) S. Ärger.]

[Fußnote 376: ([74] auf S. 63.385) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 377: ([75] auf S. 63.385) S. abschreiben.]

[Fußnote 378: ([76] auf S. 63.385) S. anschauen.]

[Fußnote 379: ([77] auf S. 63.385) Kochem hat im W.-B. noch folgende Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen, verschmitzt, verständig. In dem verw. Quellenkreise der älteren Zeit tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von »gaunerisch«, »auf die Gauner bezüglich« u. dgl. oder in d. R. vielmehr substantivisch gebraucht für »Gauner« (»Spitzbube«, »Dieb«) u. ä. auf, während es in der neueren Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl. unten »Etymologie«) — von »klug«, »gescheit« usw. — angenommen hat, also mit Wittichs Jenisch übereinstimmt (s. auch schon »Einleitung«, S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit »Vorbemerkung« S. 5, Anm. 8). Vgl. _Dolm. der Gaunerspr. 91, 93, 94 (Kocheme [sing.] = Spitzbub, Kocheme-Kitt_ = Diebsherberge, Kocheme Grunerej od. Gascherey = Diebshochzeit, Kochemgeis = Diebsvolk u. a. m.); W.-B. des Konst. Hans 256 (Kochem = Dieb); Schöll 268, 271, 273 (Kochum = Dieb, Kochumer [plur.] = »Jauner«, Kochumebaiser = Diebswirt); Pfulld. J.-W.-B. 308, 341, 343 (Kochemer = »Schelm«, Kochemer Kehr, -Kitt od. -Baiss = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber kochem = klug, daher kochemer Baiser, Kaim, Kafer = kluger Wirt, Jud, Mann); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70, 71, 77 (kochem = klug, kochum_ = hochfein, cochum = vortrefflich); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: kochem = gescheit, klug). Zur Etymologie (vom hebr. chkm = »klug, weise«) s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2 u. bei Weber-Günther, S. 157 (hier auch weiter rotw. Belege); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.]

besser, döfer[380] [63.386]

bestehlen s. berauben

bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken

bestraft (gerichtlich), g'strupft[381]

besudelt s. beschmutzt

beten, bliblen[382]

betrachten, linzen[383]

betrinken, beschwächen[384]

Betrug, Kasperei[385], Kohlerei[386]

betrügen, kaspere[385], kohlen[386]

[Fußnote 380: ([78] auf S. 63.386) Komparativ zu dof; s. angenehm.]

[Fußnote 381: ([79] auf S. 63.386) Ein danach zu erwartender Infin. strupfen = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. Strupf = Strafe (u. dazu: Strupf bereimen = Strafe bezahlen). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]: Strups_ = Strafe [aber schripfen od. stricheln = strafen]). Die Etymologie erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 514 und Schmeller, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter »strupfen«) angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher nur bloße Verunstaltung von »Strafe«, »strafen« vor. Mit Bezug auf den (aus der Wendg. Strupf bereimen [für Strupf] zu entnehmenden) engeren Begriff »Geldstrafe« könnte man allenfalls auch an das wienerische Strupf'n = Gulden (s. Schranka, Wien. Dial.-Lex., S. 167) denken.]

[Fußnote 382: ([80] auf S. 63.386) S. anbeten.]

[Fußnote 383: ([81] auf S. 63.386) S. anschauen.]

[Fußnote 384: ([82] auf S. 63.386) S. Amme.]

[Fußnote 385: ([83] auf S. 63.386) Kasperei = Betrug (bes. auch Wahrsagen) u. Kasperer = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem. Kaspere = Wahrsagerin sind Ableitungen von dem Zeitw. kaspere = betrügen, auch zaubern (Spr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kasperer = »Betrüger mit falschen Arzneien«); Schöll 270, 271 (kaspern = betrügen, Fenkel Caspar = »Betrug mit Hexerei«, Höllich Caspar = »Betrug mit Beschwörung unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze«); _Pfulld. J.-W.-B. 338 (kaspern = betrügen, lügen); Schwäb. Händlerspr._ (in Pfedelb. [209]: kaspern = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s. Schütze, S. 72, 73. Zur Etymologie (vom hebr. kzab = »belügen«) s. Groß' Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter »Kasper-Fehlinger«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter »kaspern«) betr. Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.]

Betrüger, Fehlinger[387], Kasperer[385] [63.387]

betrunken s. berauscht; vgl. trunken.

Bett, Sauft, plur. Sauften, Säufter oder Säuftlinge (letzteres Spr.)[388]

Bettelbrief, Dercherkritzler[389]

Bettelbrot, derchter Lehm (d. h. »gebetteltes Brot«)[390]

Bettelbube, Dercherfi(e)sel[391]

[Fußnote 386: ([84] auf S. 63.387) S. belügen.]

[Fußnote 387: ([85] auf S. 63.387) Fehlinger findet sich schon in den verw. Quellen des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von »Betrüger mit falschen Arzneien« (so: Dolm. der Gaunerspr. 90; Synon.: Kasperer [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] Feling = Arznei) u. dergl. (s. W.-B. des Konst. Hans 255 [= »falsche Ärzte, Ölträger«]). Eine nähere Einteilung der Fehlinger (in Staats- u. gemeine Fehlinger) gibt dann Schöll 1793 (269/70; vgl. 272: Feling = Arzneien); s. auch noch Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (262) und _Uracher Jauner- u. Betrügerliste 1792 (268) sowie weitere Belege in Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21 (unter »Fe(h)ling«). In neuerer Zeit ist dagegen der Ausdruck m. Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren) Etymologie s. das Näh. in Groß' Archiv Bd. 42, S. 20, 21. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.]

[Fußnote 388: ([86] auf S. 63.387) Sauft (wohl auch im Sing. Säuftl¶e¶ng, argum.: plur. Säuftling [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der Redensart in Sauft bosten = niederkommen sowie in folgenden Zus.: a) im Anfang: Sauftschottel = Bettschüssel u. Sauftschure = Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) am Ende: Rauschertsauft = Streu- od. Strohlager u. Galmesauft (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld J.-W.-B. 338, 341 (Sa¶n¶ft = Bett, Kissen); Schwäb. Händlerspr. 479 (Sonft od. Saunft = Bett; Nebenformen: Senftling u. Sänftel [in Eningen (206, Anm. 2): Seifle]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Sempfle oder Siampfle). Zur Etymologie: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um eine (mundartl.) Verunstaltung von Sanft (bzw. Sänftling), einer alten rotw. Vokabel, die — in der Form Senfterich — schon im 15. u. 16. Jahrh. auftritt (s. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]; Lib. Vagat. 55 [Senfftrich]), dann später als Senftling (so schon A. Hempel 1687 [167]), Sänftling, Senffte (s. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [231]), Sänft (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu unserem Adj. »sanft« gehört (s. Weber-Günther, S. 181 vbd. im Pott II, S. 11, A.-L. a. a. O., Stumme, S. 25). Der Übergang von Sanft (Sonft) zu Sau¶n¶ft (s. Schwäb. Händlerspr.) und von da zu Sauft ist leicht gegeben.]

[Fußnote 389: ([87] auf S. 63.387) S. abbetteln u. Attest.]

[Fußnote 390: ([88] auf S. 63.387) S. (betr. Lehm) Bäcker.]

[Fußnote 391: ([89] auf S. 63.387) Fi(e)sel = Bube (Jüngling) bedeutet auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam, Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. Fi(e)sele = Junge (Knabe), Sohn. Verbindungen damit sind: schofler Fi(e)sel = Heuchler, ferner, »Hurenkerl« u. auch Krüppel, jenischer Fi[e]sel = fahrender Bursche, dofer Fi(e)sel = Junker (während dufter Fi(e)sel für »brauchbarer Bursche« angeführt ist); als Zusammensetzgn. damit kommen (bes. auch als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. »Vorbemerkung« S. 12, Anm. 29]) noch (außer Dercherfi[e]sel) vor: Linkfi(e)sel = böser Mensch (Mann), Verkemerfi(e)sel = Handelsbursche, Sicherfi(e)sel = Koch, Kenemerfi(e)sel = »Lausbube«, Fehtefi(e)sel = Quartierbursche, Modelfi(e)sel = Tochtersohn (während unter »Sohn« nur das Dim. Fi[e]sele [s. oben] angeführt ist), Schmelemerfi(e)sel = Zigeunerbursche. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 344 (Fißel = Bube, Junge, Knabe, Visel_ = Sohn); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 76 (Fiesel = Bursche, Bruchfiesel = lumpiger Stromer); Schwäb. Händerspr. 482-84, 486 (Fîsel [Fisel], Fîßel = Junge, Mann, Sohn [in Pfedelb. (209, 210): Bursche, Junggeselle]; Zus.: Kîslerfîsl = Maurer, in Pfedelb. [209, 211, 212]: Stibbersfisel = Bettler, Wägersfisel = Kaufmannslehrling, Facklersfisel = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.: vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter »Fisel«, Nr. 5).]

Bettelei, Dalferei, Dercherei[392] [63.388]

Bettelfrau, Derchermoss[393]

bettelhaft s. arm; vgl. dürftig

Bettelleute, Dercherulma (-me)[394]

Bettelmädchen, Derchermodel[395]

Bettelmann, Dercherkaffer[396]

betteln, dalfen, derchen[392], manga[397]

Bettelsack, Dercherrande[398]

Bettelstab, Dercherstenz[399]

[Fußnote 392: ([90] auf S. 63.388) S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.]

[Fußnote 393: ([91] auf S. 63.388) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 394: ([92] auf S. 63.388) S. (betr. Ulma) arme Leute.]

[Fußnote 395: ([93] auf S. 63.388) S. (betr. Model) Beischläferin.]

[Fußnote 396: ([94] auf S. 63.388) S. (betr. Kaffer) Bauer.]

[Fußnote 397: ([95] auf S. 63.388) Zu manga (dial. = mange[n]) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 330, 338 (mangölen = abbetteln, betteln, Mangöler = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 479 (mangen = betteln; in U. [213]: Mangkitt = Bettelhaus); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (mange = betteln). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1438 vbd. m. Pott II, S. 445 (unter »Mangawa«), Liebich, S. 145, 184 u. 197 (mangāwa = ich bitte, flehe, bettele), Miklosich, Beitr. III, S. 15 (unter »mangen«) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S. 9, 10 (unter »mang«: bei d. deutsch. Zig.: mangāva = bitten, betteln), Jühling, S. 224 (manga = betteln) u. Finck, S. 72 (Stamm: mang- [mangd-] = »bitten, betteln, fordern«).]

[Fußnote 398: ([96] auf S. 63.388) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 399: ([97] auf S. 63.388) S. (betr. Stenz) Ast.]

Bettelweib s. Bettelfrau [63.389]

Bettler, Dalfer, Dercher (fem. Derchere [Spr.])[392]

Bettschüssel, Sauftschottel[400]

Bettüberzug, Sauftschure[401]

Bettuch, " "

Bettzüge, " "

beunruhigen (sich), bauserich sein[402]

Beutel, Kiesreiber[403], Rande[404]

beweinen, glemsen[405]; vgl. weinen

bewerfen, plotzen[406]; vgl. werfen

bezahlen, bereimen[407], bleisgeren[408], pfreimen, zainen, (zeinen [Spr.])[409]

[Fußnote 400: ([98] auf S. 63.389) S. Bett u. Aschenbecher.]

[Fußnote 401: ([99] auf S. 63.389) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 402: ([100] auf S. 63.389) S. Angst.]

[Fußnote 403: ([101] auf S. 63.389) Kiesreiber bedeutet eigentl. spezieller Geldbeutel, Geldbörse (Börse, Säckel), zus. aus Kies = Geld u. dgl. (s. Näh. unter »Bankier«) u. Reiber = Beutel, das jedoch in Wittichs W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur in gewiss. Zus. wie (außer Kiesreiber) noch Toberichreiber = Tabaksbeutel u. Dämpferereiber = Zigarrenbeutel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 98 (Reipert = Sack) Megesreipert = Geldbeutel [wozu betr. Meges = Geld zu vgl. Groß' Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 572: zu hebr. mäkäs = »Abgabe«]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Kiesreiber = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîsreiber, Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s. schon Lib. Vagat. 54 [Rippart = »Säckel«]) — u. die Etymologie (wohl zu unserem Zeitw. reiben, mhd. rîben) s. Näh. bes. bei Weber-Günther, S. 179; vgl. auch Pott II, S. 34, 35; A.-L. 591 (unter »Reiber«); Stumme, S. 24.]

[Fußnote 404: ([102] auf S. 63.389) S. Bauch.]

[Fußnote 405: ([103] auf S. 63.389) S. ausweinen.]

[Fußnote 406: ([104] auf S. 63.389) Mit plotze[n] (-za) = werfen (bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: einplotza = einwerfen (oder einfallen), herab-, hin-, nach-, niederplotze[n] = herab-, hin-, nach-, niederwerfen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (plozen = fallen, aufplozen = aufbrechen, aufmachen, niederplozen = niederwerfen; Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 488 (Schumplotzer od. Schundplotzer [in Degg. (215): Schund-blozer] = Maurer; in Pfedelb. [212]: niederpletzen = niederwerfen). Zur Etymologie (zu d. mundartl., bes. schwäb. plotzen od. blotzen = »stoßen, schlagen [prügeln], werfen« [bes. mit Geräusch »hin- und herwerfen« u. dgl.]) s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1217.]

[Fußnote 407: ([105] auf S. 63.389) Zu bereimen = bezahlen (auch vergüten) s. die Wendung Strupf bereimen = Strafe bezahlen (vgl. oben unter »bestraft«). Auch Bereime = Zahlung ist wohl nichts anderes als der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während Bereimerei = Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 479 (beräumen [in Pfedelb. (209): bereimen] = bezahlen, in Pfedelb. [208] auch: ausbereimen = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18. Jahrh. [s. Kluge Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. Groß' Archiv Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die Etymologie des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei Graff, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck »bereinigen« (im Sinne von »bezahlen«) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch meint, eine Entstellung aus »bereinen« passe deshalb nicht, weil dieses ebenso wie das Adj. »rein« in Schwaben nicht volksüblich sei.]

bieder, dof[410] [63.390]

Bier, Blamb[411]

Bierglas (-flasche), Blambglansert[412]

Bindfaden, Schure[413]

Binsen, "

Birke, Stöber (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen — alle Bäume bezeichnet[414]

[Fußnote 408: ([106] auf S. 63.390) S. anzahlen.]

[Fußnote 409: ([107] auf S. 63.390) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]

[Fußnote 410: ([108] auf S. 63.390) S. angenehm.]

[Fußnote 411: ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammengesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), das auch unter »Schoppenglas« angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 90 (Blembel = Bier); W.-B. des Konst. Hans_ 254 (B[l]empel); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Blamp od. Blempel); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Plampe); Schwab. Händlerspr. 480 (Plamp_ = Bier, dazu in Pfedelb. [208]; Plamppflanzer = Bierbrauer; abweichend in Eningen [206, Anm. 1]: Plempel = Wein). Im _Pleißlen der Killertaler (436) ist Plamp, Plempel od. Plimpel_ = Getränk schlechthin, Gañsplempel = Wasser, gwanter Plempel = Wein. Über sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch Weber-Günther, S. 179 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter »Plämpel«).]

[Fußnote 412: ([110] auf S. 63.390) Mit Glansert = Glas (Humpen, Schoppen) aber auch Flasche (»Bouteille«, »Pulle«) finden sich ferner noch folgende Zus.: Gefinkelter- oder Sorufglansert = Branntweinpulle (-flasche), Feneter- oder Scheiglansert = Fensterglas, Gleisglansert = Milchglas, Grabegautsehertglansert = Mostglas, Schwächglansert = Trinkglas, -geschirr, Flösselglansert = Uringlas, Johleglansert = Weinglas. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Glensert = Glas); Schwäb. Händlerspr. (U. [213]: Glänzerle = Glas). Etymologie_: Das Wort, dem sich auch sonst im Rotwelsch noch manche ähnliche Formen zur Seite stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. »Glanz« bzw. »glänzen«. Vgl. Pott II, S. 33; Weber-Günther, S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter »Glänzer«).]

[Fußnote 413: ([111] auf S. 63.390) S. abbiegen.]

[Fußnote 414: ([112] auf S. 63.390) S. alles Nähere unter »Apfelbaum«.]

Birnbaum, Stielingstöber[415] [63.391]

Birne, Stieling

Birnenkern, Stielingkies[416]

Bischof, grandicher Kolb, d. h. »der große Pfarrer«[417], während der Papst als grandich Kolb, d. h. »der größte Pfarrer«, bezeichnet wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit grandicher immer die nächste höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit grandich dagegen stets der höchste Rang usw.[419].

[Fußnote 415: ([113] auf S. 63.391) Mit Stieling = Birne ist ferner noch zusammengesetzt Stielingkies = Birnenkern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Stieling = Birne); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stühling); _Schwäb. Händlerspr. 480, 484 (Stîling; vgl. Stîlingsjôle_ = Most); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Stilche od. Stîlche). Der Etymologie nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort (vgl. Kluge, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr. »Stiel«; vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch, S. 61.]

[Fußnote 416: ([114] auf S. 63.391) S. (betr. Kies) Apfelkern.]

[Fußnote 417: ([115] auf S. 63.391) Vgl. auch Hoherpriester. Mit Kolb = Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kolbekitt = Pfarrhaus (u. dazu die Verbindg. grandiche Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.]) u. Kolbemalfes = Priesterrock; b) am Ende: Kaimekolb (d. h. »Judenpfarrer«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vergl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kolb_ = Pfarrer, Priester, Unterkolb = Kaplan); Schwäb. Händlerspr. 482 (unter »katholisch«) u. 484 (Kol¶p¶ [in Pfedelb. (212): Kol¶b¶] = Pfarrer, in Pfedelb. [212]: Oberkolb = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.] Kolbe = »geschorener Kopf« mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch Weber-Günther, S. 172 (unter »Kolm«).]

[Fußnote 418: ([116] auf S. 63.391) Auch die Zigeunersprache kennt die Umschreibung »großer Pfarrer«, bāro rašai (raschai), für »Bischof« oder »Superintendent« (s. Finck, S. 82) u. dergl. (z. B. »Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer« [s. Liebich, S. 127]), ja nach Jühling, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach Liebich, S. 131 u. 228] schwendo dād, d. h. »heiliger Vater« gebräuchlich ist). Die von Wittich im Text erwähnte Art der Steigerung der Rangstufen im Jenischen (durch grandicher — grandich) ist mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — nicht bekannt (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch weiter unten die Anm. zu »Förster«).]

[Fußnote 419: ([117] auf S. 63.391) Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der grandicher als eine Art Komparativ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch »größer« wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der »Positiv«) als Superlativ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein »besseres Kindermädchen« nicht so hoch geschätzt wird wie ein »gutes«, ein »älterer Herr« jünger zu sein pflegt als ein »alter« usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei Kolb, grandicher Kolb, grandich Kolb) noch in folgenden Fällen: Sins = »Herr« (Edelmann, Gebieter), grandicher Sins = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, grandich Sins, d. h. »der größte Herr«, = König (fem. grandich Sinse = Königin); Grünwedel = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, grandicher Grünwedel (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. »der größere Forstmann«) = Förster, grandich Grünwedel (d. h. »der größte Forstmann«) = Oberförster; Schuker = Gendarm, grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm), grandich Schuker = Oberwachtmeister; Bu(t)z = Polizeidiener, grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister, _grandich Bu(t)z = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu Lanenger_ = Soldat, grandicher Lanenger (Grandicher-Lanenger) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ grandich L., den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat grandich Lanenger im Vokab. die Bedeutg. von »Heer«, ist demnach als Plural und in dem Sinne von »(sehr) viele Soldaten« auszulegen. In gleicher Weise ist grandich auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in grandich Ulma = Menge (eigtl. »[sehr] viele Menschen«), grandich Schure od. Sore = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. »[sehr] viele Dinge«), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von grandicher gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch »groß« oder »sehr groß« wiederzugeben, so z. B. bei grandich Flu(h)te = Meer (eigtl. »[sehr] großes Wasser«), grandich Begerisch = Schwindsucht (eigtl. »[sehr] großes Siechtum«) oder grandich Babing od. Strohbutzer = Schwan (eigtl. »[sehr] große Gans«). Dagegen könnte man die Verbindg. _grandich Flederling_ = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch »größter Vogel« (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in grandicher Flederling = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter »Adler«).]

bissig, näpfich (-ig)[420] [63.392]

bitten, derchen[421]

Bittschrift s. Bettelbrief

Bleistift, Feberschure[422]

Blick, Scheileng[423]

blicken, linzen[424]

Block s. Holz

blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern

Blödigkeit (Blödsinn), Ni(e)sserei, Nillerei, Nuscherei[425]

Blume, Schure[426]

[Fußnote 420: ([118] auf S. 63.392) S. abbeißen.]

[Fußnote 421: ([119] auf S. 63.392) S. abbetteln.]

[Fußnote 422: ([120] auf S. 63.392) S. abschreiben u. abbiegen; vgl. dazu auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 423: ([121] auf S. 63.392) S. Augapfel.]

[Fußnote 424: ([122] auf S. 63.392) S. anschauen.]

[Fußnote 425: ([123] auf S. 63.392) S. aberwitzig.]

[Fußnote 426: ([124] auf S. 63.392) S. abbiegen.]

Blut, Rat[427] [63.393]

blutig, ratich[427]

Bock, Schure[426]

Bohnen, "

Bohrer, "

Borg (Kredit), auf —, auf den Bengel[428], auf Keif[429]; vgl. auch Schulden

borgen (leihen), Bomma od. Keif pflanzen (d. h. »Schulden machen«)[430]

Börse, Kiesreiber[431]

[Fußnote 427: ([125] auf S. 63.393) Zu Rat = Blut (Geblüt) gehören die Ableitungen ratich = blutig u. verratten = verbluten. In dem verw. Quellenkr. ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl. jedoch z. B. Groß 486). Zur Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Näh. bei Pott II, S. 272 (unter »Rat«), Liebich, S. 154 u. 186 (rād), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: rād, zu altind. rakta, hind. rātā = »rot«), Jühling, S. 225 (Ratt) u. Finck, S. 82 (rat).]

[Fußnote 428: ([126] auf S. 63.393) Diese Wendung, die m. Wiss. sonst nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.]

[Fußnote 429: ([127] auf S. 63.393) Keif = Borg(en), Kredit, aber auch Schulden kommt noch vor in der Verbindg. Keif pflanzen (eigtl. »Schulden machen«) = borgen, leihen u. in der Zus. Keifkitt = Leihhaus. Aus dem verw. Quellenkr. darf wahrscheinlich schon keif = teuer im W.-B. des Konst. Hans (260) hierher gezogen werden, als Subst. erscheint das Wort in der Pfälz. Händlerspr. (438) in der Form Kôfes = Schuld. — Die (allgem.) Kundenspr. kennt die Redensart Keif machen = Schulden (auf der Penne) machen (s. Ku. III [426] u. IV [431]; Ostwald [Ku.] 78) sowie ein Adj. keif = schuldig (s. Ostwald, a. a. O.). Seiner Etymologie nach stammt Keif wohl jedenfalls aus dem Hebr. (chôb = »Schuld«, jüd. chuf, chof, poln.-jüd. choiw); s. A.-L. 368 (unter »Chuw«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd. Keifel = »Geldstück« zur Wahl stellt).]

[Fußnote 430: ([128] auf S. 63.393) Betr. pflanzen s. anbrennen. — Bomma (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der Zus. Bommerkitt = Syn. zu Keifkitt (s. Anm. 429). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 486 (Bommer [in Pfedelb. (212): Bummen] = Schulden; dazu in Pfedelb. [212] noch bummich = schuldig); Pleißlen der Killertaler 434 (Bommer = Schulden). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu »Pommer«, Nr. 6 [d. i. schwäb. = »Schulden, spez. Trink- u. Spielschulden«]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. »Pump« bzw. »pumpen«, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen ist. (S. schon bei A. Hempel 1687 [168]: pompen — borgen, u. so auch noch bei den schwäb. Händlern [in Pfedelb. (209)]; in _Körner's Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241]: die Subst. Pumpes_ = Schuld, Pumpesmacher od. Pumper = Borger). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 54 vbd. m. Kluge, W.-B. S. 358 u. Weigand, W-B. II, Sp. 491 (unter »pumpen«, Nr. 3).]

[Fußnote 431: ([129] auf S. 63.393) S. Beutel; vgl. Bankier.]

Borsten, Strauberts[432] [63.394]

bösartig, lenk, schofel[433]

böse, lenk (link [Spr.]), schofel[433]

böse Frau, lenke Goi[434] od. Moss[435]

böse Sachen (Dinge) machen, lenke od. schofle Falla pflanzen[436]; vgl. huren

böser (Komporativ), lenker, schofler[433]

böser Mann (Mensch), lenker Kaffer[437], Linkfi(e)sel (Spr.)[438]

böses Kind, Gof, plur. Gofa[439]

böses kleines Kind, Göfle (Gefle [Spr.])[439]

Bouteille (Flasche), Glansert[440]

[Fußnote 432: ([130] auf S. 63.394) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 433: ([131] auf S. 63.394) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]

[Fußnote 434: ([132] auf S. 63.394) Mit Goi (= Frau, Weib) kommt noch vor die Verbindg. schofle Goi = Kebsweib (also mit engerem Sinne als lenke Goi, während sonst die Adj. lenk u. schofel ja ungefähr gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter »arg«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Tschor-Gaya = Frau, die gestohlene Sachen kauft); Schöll 272 (Gaja = Weib); Pfulld. J.-W.-B. 339, 346 (Gai = Frau, Gaie = Weib, Grängoi = Eheweib); Schwäb. Händlerspr. 481 u. 483 (Goie = Frau, Goi = Mädchen) s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (Gôje = Frau). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (fem. zu rotw. Goi = »Mann« [in Zus.], vom hebr. gôi, pl. gojim, = »Volk, Nichtjude, Heide, Christ«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m. 323/24; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter »Goi«, Nr. 2).]

[Fußnote 435: ([133] auf S. 63.394) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 436: ([134] auf S. 63.394) Um was für »böse Sachen« es sich bei dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein, daß sie auch gleichbedeutend mit »huren« gebraucht wird, so daß das Wort Falla (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von »Bett« zu nehmen ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. _H. Meyer, Richt. Berliner, S. 39 u. Horn_, Soldatensprache, S. 9 u. 100). Die rotw. Wendg. Falle machen u. ä. (für »zum [betrüglichen] Spiel verlocken« [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt sei übrigens noch der Ausdruck Falbais = »Hurenschenke« bei Castelli 1847 (391), Fröhlich 1851 (397) u. in der Wiener Dirnenspr. 1886 (417).]

[Fußnote 437: ([135] auf S. 63.394) S. Bauer.]

[Fußnote 438: ([136] auf S. 63.394) S. Bettelbube.]

[Fußnote 439: ([137] auf S. 63.394) Gof (plur. Gofa) = böses Kind (Dim. Göfle [Gefle (Spr.)] ist in gleicher Bedeutg. auch der schwäb. Händlerspr. bekannt (483: Gôf = böses Kind, im Plur. [Gôfe] dagegen = Kinder schlechthin). Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) »nur geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts« gebraucht wird, bes. für ein »unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind« (»Range«, »Göre«), während er sie der Etymologie nach unerklärt gelassen hat.]

[Fußnote 440: ([138] auf S. 63.394) S. Bierglas.]

Brand, Funk[441] [63.395]

Branntwein, Gefinkelter[442], Katschete[443], Soruf[444]

Branntweinpulle (-flasche), Gefinkelterglansert od. Sorufglansert[445]

braten, sicheren[446]

Braten, Bossert, Mass, d. h. »Fleisch«[447]

Bratkartoffeln, Schmunkbolle (Spr.)[448]

[Fußnote 441: ([139] auf S. 63.395) S. abbrennen.]

[Fußnote 442: ([140] auf S. 63.395) Zusammengesetzt hiermit sind a) am Anfang: Gefinkelterglansert = Branntweinpulle (-flasche) u. b) am Ende: Blauhanzegefinkelter = »Zwetschgenwasser«. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 ([Finkeljochem od.] gefinkelter Jaiem = Branntwein); W.-B. des Konst. Hans 254, 256 (G'finkelterjole = Branntwein); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Gfinkelter = Branntwein); Schwäb. Händlerspr. 486 (G[e]finkelte[r] = Schnaps); s. auch noch Metzer Jenisch 217 (Fünkeler = Schnaps). Zur Etymologie: Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich Gefinkelter Jaiem, -jole, d. h. »gebrannter Wein« (vgl. »Einleitung«, S. 28), zu finkeln (fünkeln) u. ä. = »sieden, braten, kochen« (s. dazu schon oben unter »behext«). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 81; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter »g[e]finkelt«).]

[Fußnote 443: ([141] auf S. 63.395) Mit Katschete sind im W.-B. _keine Zus. gebildet worden, auch fehlt es in dem verw. Quellenkreise_ und kommt auch sonst im Rotw. nur selten vor (so z. B. bei Pfister 1812 [300: Katschedi, in einer Zusammensetzg.], v. Grolman 33 [Katschedi] u. Karmayer, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch Miklosich, Beitr., S. 11 u. 22). Über die Etymologie des Wortes aus der Zigeunersprache (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. bei Pott II, S. 160 (unter »Chatschjevava«), Liebich, S. 130 u. 186 (chatschérdi), Miklosich, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter »chačar«: bei den deutsch. Zig.: chačerdi = Branntwein, Partiz. von chačāva od. chačevava = »brennen, anzünden«), Jühling, S. 220 (Chatschärti = Schnaps) u. Finck, S. 68 (xátšerdi = »Branntwein«).]

[Fußnote 444: ([142] auf S. 63.395) Soruf erscheint in gleicher Weise in Zus. verwendet wie Gefinkelter (Sorufglansert, Blauhanzesoruf). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 486 (Sorof = Branntwein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (Soruff od. Soroff = Schnaps); Schwäb. Händlerspr. 486 (Sôruf = Schnaps); ebenso auch in der Pfälz. Händlerspr. 439. Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. frûf, Part. pass. von fraf = »brennen«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 223 u. Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 85 u. in d. »Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins«, V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.]

[Fußnote 445: ([143] auf S. 63.395) S. (betr. Glansert) Bierglas.]

[Fußnote 446: ([144] auf S. 63.395) S. auskochen.]

[Fußnote 447: ([145] auf S. 63.395) S. (zu beiden Wörtern) Aas.]

[Fußnote 448: ([146] auf S. 63.395) a) Schmunk bedeutet soviel wie: Schmalz (Fett, Mark, »Schmer«), in Zus. auch Butter, wofür sonst spezieller dofer Schmunk, d. h. »gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)«, gebraucht wird. Die Zusammensetzgn. sind: [Griechisch: a]) mit _Schm. voran (außer Schmunkbolle noch): Schmunklehm_ = Butterbrot Schmunkschure = Butter-(od. Schmalz-)faß, Schmunkgleis = Buttermilch Schmunkschottel = Fettbüchse, Schmunkhornikel = Mastochse, Schmunkbossert = Speck; [Griechisch: b]) mit Schm. am Ende:_ Bogaschmunk = Kuhbutter, Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Horbogeschmunk = Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine Ableitg. ist das Zeitw. schmunken = schmälzen (schmelzen). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 98 (Schmunk_ = Butter, Schmalz); W.-B. des Konst. Hans 253 (Form: ebenso, Bedtg.: Schmalz), Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso, dazu: schmunkig = schmutzig); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 75 (Schmunke = Schmalz; Zus.: Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 486 (Schmunk = Schmalz; dazu in Pfedelb. [209, 213]: Rindschmunk = Butter u. Schmunkbossert = Speck); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Schmoñg = Schmalz) u. Metzer Jenisch 216 (Schmunk = Butter). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie des Wortes (das nach richtiger Ansicht deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter »Schmunk-Buckeler«); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. — b) Bolle (-la) bedeutet — ebenso wie die Zus. Schundbolla (s. dazu Näh. schon unter »abgerahmte Milch«) —: Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere Zus. damit sind noch (nach den Spr.) Bolleblättling = Kartoffelsalat u. Bolleschottel = Kartoffelschüssel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 93 (Schompollen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Bolle = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr. 482 (Bolle od. Schunbolle = Kartoffeln). Zur Etymologie s. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter »Bolle«, Nr. 5, bes. lit. b), wonach Bolle im allgem. einen »runden Körper, Klumpen, Kugel«, weiter eine »rundliche (knorpelige) Frucht« u. bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch Groß' Archiv, Bd. 46, S. 298 (betr. Bolle = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form Schundbolle u. ä. A.-L. 605 u. Groß' Archiv, Bd. 59, S. 263, 265, 283. Über die Verwandschaft von Bolle mit d. mhd. Zeitw. boln (ahd. bolôn) = »rollen, wälzen, werfen, schleudern« u. dgl. s. Kluge, W.-B., S. 64 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter »abfallen«) betr. das jenische Zeitw. bohlen.

[Fußnote 449: ([147] auf S. 63.396) S. angenehm.]

brauchbar, duft[449], g'want[450] [63.396]

brauchbare Frau, dufte Mos(s)[451]

[Fußnote 450: ([148] auf S. 63.396) S. anmutig.]

[Fußnote 451: ([149] auf S. 63.396) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

brauchbarer Bursche, dufter Benges, — Benk[452] oder — [64.127] Fi(e)sel[453]

[Fußnote 452: ([1] auf S. 64.127) Benges od. Benk = Bube, Bursche, Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter, Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin. Bengesle = Junge, Knabe) erscheint beliebt in Verbindungen und Zusammensetzgn. (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u. Berufsbezeichnungen [vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]), so: a) in Verbindgn. (außer dufter B. noch): jenischer Benges od. Benk = fahrender Bursche, schofler Benk = Heuchler, auch Krüppel, _dofer Benk = Junker, dann (gleich dofer Benges_) auch: Geliebter (also wie das einfache Benges od. Benk [s. oben], während dufter Benk od. Benges nur durch »brauchbarer Bursche« wiedergegeben ist (s. oben im Text), nobis vergrönter Benges (d. h. eigtl. »nicht verheirateter Bursche«) = lediger Mann; b) in Zus.: [Griechisch: a]) für Eigenschaften: Lubnebenges = »Hurenkerl«, Kenemerbenges (-benk) = »Lausbube«; [Griechisch: b]) für Berufe: Verkemersbenk = Handelsbursche, Sicherbenk = Koch, Rattebenk = Nachtwächter, Groenikelbenk = Sauhirt, Schweinehirt, Jerusalemsfreundbenk = Schäfer, Schafhirt, Stradebenk = Straßenwärter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Bink = Vater); Schwäb. Händlerspr. 482-484 (Penk = Herr, Pink [in Pfedelb. (211, 213): Bink] = Mann [in Pfedelb. (a. a. O) auch: Meister, Vater]; Kislerpink = Maurer, in Pfedelb. [208, 210, 211, 213] noch: alter Bink = »Ausdinger«, Schupferbink = Bäcker, Treppertsbink = Fuhrmann, Hausbink = Hausherr, Wägersbink = Kaufmann, Langraßlersbink = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in Eningen [206, Anm. 1]: Penk = Mann, Stichelpenk = Landjäger, Gwanderpenk = Schultheiß, Plempenteilespenk = Wirt; in U. [214]: Schenägelspenk = Knecht, Balespenk = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit Penk (Pink) = Mann (vgl. dazu Penkle = Bube, Knabe) auch im _Pleißlen der Killertaler_, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in Groß' Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: Fetschnerspink = schlechter Kerl u. Schnellpenk = geiler Mann; vgl. auch [nach Kapff 213]: Schwenzlerspenk = Dieb (zu schwenzle(n) = stehlen]). Über weitere Belege aus dem Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter »Penk«).]

brauchbarer Mann, dufter Kaffer[454] [64.128]

brauchbares Kind, dufter Galm[455]; im Plural: dufte Galme oder Schrabiner[456]; vgl. braves Kind

brauchbares Mädchen, dufte Model[457]

Braut, Model[457]

Bräutigam, Benges[458], Fie(s)el[459]

brav, dof[460]

braves Kind, dofer Galm, plur.: dofe Galme oder Schrabiner[461]

[Fußnote 453: ([2] auf S. 64.128) S. Bettelbube.]

[Fußnote 454: ([3] auf S. 64.128) S. Bauer.]

[Fußnote 455: ([4] auf S. 64.128) Galm = Kind, plur. Galme (od. -ma) = Kinder (Nachkommen), Dimin. Gälmle (Kindlein [Spr.]) findet sich noch in der Verbdg. dofer Galm = braves Kind sowie in den folgenden Zusammenstzgn.: a) am Anfang: Galmamodel = Kindermädchen (-magd), Galmeguffer (d. h. eigtl. »Kinderprügler«) = Lehrer, Schullehrer, Galmesauft (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege; b) am Ende: Schoflergalm = Stiefkind. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 95 (Gallme = Kind); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Galma_ = Kind); Schwäb. Händlerspr. 483 (Galme = Kinder [sowohl kleinere wie auch größere], Galmeguffer = Lehrer [in Pfedelb. (211, 213): Galmen = Kind (sic), Galmenguffer = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem Schrazeskneppler = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter »aufschlagen«] u. Galmegufferei = Schule]): s. auch Metzer Jenisch 216 (Galmes [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw. Belege sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie (vielleicht in erster Linie zu hebr. gôlem = »Leibesfrucht, Embryo« u. dergl.) s. Groß' Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350 (Nachtr. u. Berichtigungen: Galme zu mhd. galmen = »schallen«?)]

[Fußnote 456: ([5] auf S. 64.128) Schrabiner od. Schrawiner = Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein als Galme (-ma), auch in Verbdgn. u. Zus.; s. jedoch noch _dofe Schrabiner und Schrabinermodel als Synon. zu dofe Galme_ u. Galmamodel (s. d.) Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Händlerspr. 483 (Schrawêner = Kinder). — Nach Schütze_ 90 soll Schrab(b)iner (das auch schon in Ku. III [428] angeführt) gemäß einer Mitteilung eines ostpreußischen »Kunden« der Plural zu Schrappen = Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die Mehrzahl [»Kinder«]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. v. Grolman 64 u. T.-G. 105 [Schrappen = Kinder]; Karmayer 149 (Schrapp od. Schrampen = Kind [also beides sing.]; A.-L. 604 [Schrappen, Schrabben od. Schrammen = Kinder]; Groß 492 [Schrapfen = kleine Kinder]; vgl. ferner noch Hall. Lattcherschmus 492 [Schräppchens = Kinder]). Die Etymologie bleibt unsicher (s. Groß' Archiv, Bd. 47, S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. screpan (nach Kluge W.-B., S. 415: crimpan) = »schrumpfen«, das engl. shrimp = »Knirps, Zwerg« sowie unser volkstüml. spött. Krabbe (eigtl. »kleiner Seekrebs«) für ein kleines (munteres) Kind (s. Paul, W.-B., S. 304 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon. Stratz (plur.: Stratze) s. unter »Hurenkind«.]

Brecheisen, Schure[462] [64.129]

Brei, "

Bremse, "

brennen; funken[463]

brennend, funkt (d. h. »es brennt«)

Brett, Schurele[462]

Brief, Kritzler[464]

Brieftasche, Kritzlerrande[465]

Briefträger, Kritzlerbuckler[466]

Brille, Linzere[467]

Brombeere, Jahresäftling od. Krachersäftling[468]

Brot, Lechem od. Lehm[469], Maro[470]

Brotbäcker, Lehmschupfer[471]

Brotbüchse, Lehmschottel[472]

[Fußnote 457: ([6] auf S. 64.129) S. Beischläferin.]

[Fußnote 458: ([7] auf S. 64.129) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 459: ([8] auf S. 64.129) S. Bettelbube.]

[Fußnote 460: ([9] auf S. 64.129) S. angenehm.]

[Fußnote 461: ([10] auf S. 64.129) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 462: ([11] auf S. 64.129) S. abbiegen. Ob es sich bei Schure = Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug handelt, ist nicht ersichtlich.]

[Fußnote 463: ([12] auf S. 64.129) S. abbrennen.]

[Fußnote 464: ([13] auf S. 64.129) S. Attest.]

[Fußnote 465: ([14] auf S. 64.129) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 466: ([15] auf S. 64.129) S. (betr. -buckler) abtragen.]

[Fußnote 467: ([16] auf S. 64.129) S. anschauen.]

[Fußnote 468: ([17] auf S. 64.129) S. Ananas.]

[Fußnote 469: ([18] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 470: ([19] auf S. 64.129) Maro = Brot (seltener als Lechem od. Lehm) kommt im W.-B. nur in einer Zus. vor, Lanengermaro (eigtl. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 91 (Marum = Brot, gehechelter, schofel M._ = weißes, schwarzes Brot); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Maro = Brot, Kächeltema¶n¶o (sic, Druckf.) = »Bäckerbrot«); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maro); s. auch Metzer Jenisch 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw. sowie die Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u. dazu noch Finck, S. 72 (māro). Nach Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (manḍha = »eine Art Gebäck«) zurückverfolgen.]

[Fußnote 471: ([20] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 472: ([21] auf S. 64.129) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

Brötchen s. Semmel (Weck) [64.130]

Brotsack, Lehmrande[473]

Brotschrank, Lehmschure[474]

Brücke, Flu(h)tesore[475], Schure[474]

Bruder, Glied. Unter Glied versteht man die Kinder (den Sohn, die Tochter) einer Familie, aber auch sonstige Verwandte, z. B. einen Bruder oder eine Schwester (des Vaters oder der Mutter); vgl. Geschwister, Schwester, Sohn, Tochter, ferner Oheim, Tante u. Neffe[476]

[Fußnote 473: ([22] auf S. 64.130) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 474: ([23] auf S. 64.130) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 475: ([24] auf S. 64.130) Betr. Flu(h)te s. abbrühen. — Das Wort Sore nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf denselben Stamm zurückzuführende) Schure (vgl. »Einltg.«, S. 24 u. »Vorbmkg.«, S. 16), jedoch kommt es für sich allein doch seltener vor als letzteres und auch in Verbindgn. u. Zusammensetzgn. mit anderen Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie Schure. a) Ohne Zusatz erscheint es gebraucht: [Griechisch: a]) für Tiere: im Sinne von »Vieh«; [Griechisch: b]) für Sachen: in den Bedeutgn. »Ding, Sache«, ferner »Ware« (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch: Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.: Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine Verbindg. mit Sore für einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist grandich Sore (ebenso wie gr. Schure) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = »[sehr] viele Dinge«; vgl. dazu oben unter »Bischof«). c) Zusammensetzgn. mit Sore sind: [Griechisch: a]) im Anfang: Soreschottel = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u. Sorebrandling = Zwiebelkuchen; [Griechisch: b]) am Ende: (außer Flu[h]tesore, das noch die Nebenbdtg. »Wasserfaß« hat, noch): Stöbersore = Obst, Kupfersore (d. h. eigtl. »Grasding«) = Sense, Begersore = Totenbahre, Pfladersore = Wäsche, Johlesore = Weinfaß, Säftlingsore = Weinberg, Rondlingsore = Wursthaut. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr. [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in Wittichs Jenisch]): Dolm. der Gaunerspr. 89, 95, 99, 101 (Sore = allerhand Ware, _Mette Sōre = Barche[n]t [zu Mette = Bett, vom jüd. mittō_, hebr. mittā; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], g'socht Sore = Krämerware, Gschock Sore = gestohlene Marktware); _W.-B. des Konst. Hans 253 (Sore_ = »die in den Kammern und Kisten befindliche Ware«); Schöll 272 (Sore = Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343, 345, 346 (Sore = Ware, Zeug, Sache, Achselsore od. schluckige Sore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, Kangerisore = Kirchengerät [zu Kangeri = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B. Finck, S. 63], Sichereisore = Küchengerätschaften); _Schwäb. Händlerspr. 488 (Sore_ = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie des Wortes (die die gleiche wie die von Schure ist) s. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter »abbiegen«.]

[Fußnote 476: ([25] auf S. 64.130) Glied bedeutet demnach: Bruder, Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die Zusammensetzgn.: Kafferglied = Mannesschwester (Schwägerin), Patrisglied = a) Oheim väterlicherseits (»Vatersbruder«), b) Tante väterlicherseits (»Vatersschwester«), c) Neffe (väterlicherseits), Mamereglied = a) Oheim mütterlicherseits (»Mutterbruder«), b) Tante mütterlicherseits (»Mutterschwester«), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter »Oheim« u. »Tante«. — _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 344 (Glied_ = Bruder, Schwester); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: Glied = Schwester). Etymologie: Ein Zusammenhang mit dem rotw. Gli(e)d = Hure (worüber Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u. »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 692 (unter »Glid« II) anzunehmen scheint — schlechthin mit unserem gemeinsprachl. »Glied« (hier im Sinne etwa von »Familienglied«) gleichbedeutend sein.]

Brühe, Flu(h)te[477] [64.131]

Brust (weibliche), Schwächerle[478]

Bube Benges[479], Fi(e)sel[480]

Buch, Schure[481]

Buche, Stöber[482]

Büchse (als Behältnis), Schottel[483]

Büchse (= Flinte), Klass[484], Schnelle[485]

Büchsenmacher, Klass- od. Schnellepflanzer[486]

Büchsenranzen, Rande[487]

Buhldirne, Lubne[488]

buhlerisch, lenk, schofel[489]

[Fußnote 477: ([26] auf S. 64.131) S. abbrühen.]

[Fußnote 478: ([27] auf S. 64.131) S. Amme.]

[Fußnote 479: ([28] auf S. 64.131) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 480: ([29] auf S. 64.131) S. Bettelbube.]

[Fußnote 481: ([30] auf S. 64.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 482: ([31] auf S. 64.131) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 483: ([32] auf S. 64.131) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 484: ([33] auf S. 64.131) Klass = Büchse (Flinte, Gewehr [Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei Zus., näml. Klasspflanzer = Büchsenmacher und Klasskitt = Schießhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaun. 93 (Klosheim = Gewehr); W.-B. des Konst. Hans 256 (Klasse [plur.] = Pistolen); Schöll 271 (Glasse = Flinte, Gewehr); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (Klassa = Geschütz, Klasse = Gewehr, Schießgewehr, klassen = schießen, Klasset = Schuß); Schwäb Gaun.- u. Kundenspr. 70, (Klass = Gewehr); Schwäb. Händlerspr. 481 (Klaß [in Pfedelb. (209): Klasse] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens schon 1724 [im Duisb. Vokab. (184)] — als Classey = Pistole — nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber sowie über die Etymologie (entw. vom hebr. kĕli ēma = »Gerät der Furcht« od. vom hebr. kĕli zimma — »Gerät der Schädlichkeit«) in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu »Klassensenteser«).]

[Fußnote 485: ([34] auf S. 64.131) S. abschießen.]

[Fußnote 486: ([35] auf S. 64.131) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 487: ([36] auf S. 64.131) S. Bauch.]

[Fußnote 488: ([37] auf S. 64.131) S. Beischläferin.]

[Fußnote 489: ([38] auf S. 64.131) S. arg.]

[Fußnote 490: ([39] auf S. 64.131) Hornikel od. Hornigel = Ochse (Bulle, Stier) findet sich in den folgenden Zusammensetzgn.: a) _am Anfang: Schmunkhornikel = Mastochse; b) am Ende: Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.), Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat, Hornikelkafler = Ochsenmetzger, Hornikelstenkert = Ochsenstall. In dem spez. verw. Quellenkr. ist der Ausdr. m. W. unbekannt, dagegen findet er sich im Metzer Jenisch 216 (in der Form Hornigl für »Kuh«) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für »Ochse« oder »Kuh« (s. z. B. Schwenter 1620 [137: Hornnickl = Ochsen]; bei A. Hempel 1687 [167: Hornickel = Kuh) u. a. m.). Zur Etymologie (wohl von Horn u. Nickel, Kurzform von Nikolaus, also e. Art. Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. Günther, Rotwelsch, S. 80; vgl. auch Pott II, S. 11 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete Gronickel = Schwein, worüber Näh. auch noch unten unter »Eber«).]

Bulle (= Ochse), Hornikel[490] [64.132]

Bündel, Rande[487]

Bürgermeister, Kritsch[491], Schar(r)le[492]

Bursche s. Bube; fahrender Bursche, jenischer Benges, Benk oder Fi(e)sel[493]

Bürste, Stiepa, Plural: Stiebe (Spr.)[494], Rutscherschure[495] oder bloß Schure[496]

[Fußnote 491: ([40] auf S. 64.132) Kritsch = Bürgermeister (Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem _Dolm. der Gaunerspr. 98, 101 bekannt gewesen (Kritsch_ = Schulz, Vogt; vgl. [89]: Krisch = Ammann [sic]); vgl. ferner: Pfulld. J.-W.-B. 346 (Gritsch = Vogt) u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Kritsch = Schultheiß). Die Etymologie ist zweifelhaft. Von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 770 (unter »Kritsch« II) ist das zigeun. krísni = »Amt, Gericht« (s. Finck, S. 66; vgl. auch Pott II, S. 123 [unter »Krisni«]; Liebich, S. 138, 174 u. 202 [grisni = Gericht, Amt]; Jühling, S. 222 [Grissni = Gericht]) herangezogen worden.]

[Fußnote 492: ([41] auf S. 64.132) Schar(r)le (Synon. zu Kritsch) kommt in dieser Form und Bedeutung im Dolm. der Gaunerspr. noch nicht vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere Grandscharle für »Hatschier«, das früher auch in Wittichs Jenisch gebräuchlich gewesene (vgl. »Einleitung«, S. 28), dagegen hat schon das W.-B. des Konst. Hans neben Grandscharle = Hatschier (so: 257, in den »Schmusereyen«) auch noch Scharle = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254, im Vokabular), und ebenso führt das Pfulld. J.-W.-B. beide Vokabeln auf (s. 339: Granscharle = Gardist; 346: Scharle = Vogt). Die neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s. Schwäb. Gaun. u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Scharle od. Schrle = Schultheiß). Etymologie: Die Herkunft des Wortes Schar(r)le (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter »Grandscharle«) hat keine Erklärung gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 49, S. 347 (unter »Scha[a]rbin[c]k«); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw. Belege für Scha(a)r(r)le u. Gran(d)schar(r)le.]

[Fußnote 493: ([42] auf S. 64.132) S. (betr. jenisch) Bachstelze, (betr. Benges od. Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. (Fi[e]sel) Bettelbube.]

[Fußnote 494: ([43] auf S. 64.132) Stiepa (plur. Stiebe [Spr.]) = Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. Stiepenpflanzer = Bürstenbinder (Spr.) — ist dem verw. Quellenkr. sowie auch sonst im Rotw. m. Wiss. nicht bekannt. Der Etymologie nach dürfte es wohl zu unserm gemeinsprachl. »stieben« bezw. »stäuben« gestellt werden (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 955: stäuben, [eigtl.] »stieben machen, Staub erregen; aber auch in denselben Bedeutgn. wie stauben«, d. h. »Staub von sich geben, Staub erregen, Staub entfernen [in abstauben]«; vgl. Sp. 970 unter »stieben«).]

Bürstenbinder, Schurespflanzer oder Stiepenpflanzer (beides [64.133] Spr.)[497]

Busen s. Brust

Büttel, Buz[498]; vgl. Polizeidiener

Butter, dofer Schmunk, d. h. »(gutes oder) besseres Fett (Schmalz)«[499]

Butterbrot, Schmunklehm[500]

Butterfaß (Schmalzfaß), Schmunkschure[501]

Buttermilch, Schmunkgleis[502]

C.

Charfreitag s. Karfreitag

Chaussee (Straße, Weg), Strade[503]

[Fußnote 495: ([44] auf S. 64.133) In Rutscherschure (sonst m. Wiss. nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem Zeitw. rutschen (= »sich gleitend bewegen«); vgl. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 630. — Betr. Schure s. d. folgde. Anm.]

[Fußnote 496: ([45] auf S. 64.133) S. abbiegen.]

[Fußnote 497: ([46] auf S. 64.133) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 498: ([47] auf S. 64.133) S. Amtsdiener.]

[Fußnote 499: ([48] auf S. 64.133) S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]

[Fußnote 500: ([49] auf S. 64.133) S. (betr. Lehm) Bäcker.]

[Fußnote 501: ([50] auf S. 64.133) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 502: ([51] auf S. 64.133) S. (betr. Gleis) abgerahmte Milch.]

[Fußnote 503: ([52] auf S. 64.133) Strade = Straße (Chaussee, Pfad, Weg) findet sich auch in einer Reihe von Zusammensetzgn. (nur am Anfang), nämlich: Stradeschenegler = Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), Stradebich, -gore oder -lobe = Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), Stradekies od. -hertling = Kilometerstein (Meilenzeiger), Stradebenk = Straßenwärter, Stradelinzer = Wegweiser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 99, 101 (Strade = Weg; Stratekehr = Straßenräuber); _W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Strade = Weg, Straße, Stradekehrer_ u. -kehr¶a¶ = Straßenräuber u. -raub); Schöll 271 (Strade = Straße); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); Schwäb. Händlerspr. 487 (Strate [in Pfedelb. (212): Strade] = Straße); s. auch _Metzer Jenisch 216 (Strālje_ = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (Wurzel wohl: ital. strada bzw. lat. strata, zu vgl. ndd. Strt) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1 (zu »Straderadler«); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter »Stradehändler« u. »Stradekehrer«).]

Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), Stradeschenegler[504] [64.134]

Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), Stradebich[505], Stradegore[506], Stradelobe[507]

Cichorie s. Zichorie

Cigarre s. Zigarre

D.

Da (hier), da herum, her(r)les oder her(r)lem[508]

Dachziegel s. Backstein

daher (= hierher), her(r)les[508], komme daher (= hierher), _bost' her(r)lem, pfich' her(r)les[509], schef(f)t' her(r)les_[510]

[Fußnote 504: ([53] auf S. 64.134) S. (betr. -schenegler) abschaffen.]

[Fußnote 505: ([54] auf S. 64.134) S. (betr. Bich) Almosen.]

[Fußnote 506: ([55] auf S. 64.134) S. (betr. Gore) Barschaft.]

[Fußnote 507: ([56] auf S. 64.134) S. (betr. Lobe) Bank.]

[Fußnote 508: ([57] auf S. 64.134) Zu her(r)les od. her(r)lem = hier, da (daher, daneben, danieder) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (herles = hier oder da); _W.-B. des Konst. Hans 256 (herrles = hier); Pfulld. J.-W.-B. 340 (hirles_ = hier, hierher); Schwäb. Händlerspr. 480, 482 (hirles [in Pfedelb. (209) dagegen: herlis] = dieser, herles od. hirles = hierher! [komm her!], in Lütz. [214]: hirlem = hier); s. auch Metzer Jenisch 216 (herlis = hier). Zur Etymologie des (auch sonst hin und wieder im Rotw. begegnenden) Wortes s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680 (unter »hirles«), wonach es »gewiß« zu unserem »hier« zu stellen ist.]

[Fußnote 509: ([58] auf S. 64.134) S. (betr. bosten u. pfichen) = abgehen.]

[Fußnote 510: ([59] auf S. 64.134) Das Zeitwort schef(f)ten hat mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von »sein« (s. weiter unten im Vokabular: das schef[f]t Lore = das ist nichts u. schef[f]t a Ruch = das ist ein Bauer; vgl. auch dof schef[f]t's = heil, d. h. eigtl. »es ist [geht] gut«), sodann b) die spezielleren von [Griechisch: a]) »sitzen« (niedersitzen) u. [Griechisch: b]) »kommen« (vgl. oben: schef[f]t' her[r]les = komm daher [hierher]) oder »gehen«, bes. in der Verbindg. schiebes schef(f)ten = davongehen (fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. schiebes] Näh. unter »davongehen«). Auch in dem verw. Quellenkr. lassen sich diese verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a, in der neuern die unter b, [Griechisch: b] überwiegt. Vgl. _Dolm. der Gaunerspr. 94 (scheft = ist); W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 256 (scheften = sein); Schöll 272 (scheften = sein, aber auch: haben, ferner: sich setzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 schefften = gehen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210, 214]: schee[f]ten = gehen [vgl. scheeft ab, ist abgescheeft], zusammenscheften = zusammenkommen; in Lütz. [215]: schäfte[n] = laufen); vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (scheften = sein; gehen). Über weitere rotw. Belege s. Weber-Günther S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s. Kluge, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind). Ebends. auch Näh. über die Etymologie des Wortes, die nicht ganz sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern ist. So hat es Stumme, S. 14 für die Bedeutg. »sein« und bes. »sitzen« auf das hebr. schebet, infinit. construct. von jschab = »sitzen, verweilen«, zurückgeführt, während bezügl. der anderen Bedeutungen von A.-L. 597 u. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III (1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. »schaffen« als Quelle betrachtet worden ist.]

Dame, Sense, Sinsemos(s)[511] [64.135]

dämlich s. aberwitzig; vgl. albern

Dämmerung, Leile, Ratte (eigtl. »Nacht«)[512]

daneben (danieder), her(r)les, her(r)lem[513]

danken (bedanken), bederchen[514]

darüberfahren, darüberruadla[515]

darübergehen (-springen), darüberbosten[516]

das ist nichts, das sche(f)ft[517] Lore (lore)[518], das ist ein Bauer, schef(f)t[517] a Ruch[519]

[Fußnote 511: ([60] auf S. 64.135) S. Amtmann u. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 512: ([61] auf S. 64.135) S. Abend.]

[Fußnote 513: ([62] auf S. 64.135) S. da.]

[Fußnote 514: ([63] auf S. 64.135) S. abbetteln.]

[Fußnote 515: ([64] auf S. 64.135) S. abfahren.]

[Fußnote 516: ([65] auf S. 64.135) S. abgehen.]

[Fußnote 517: ([66] auf S. 64.135) S. unter »daher« a. E.]

[Fußnote 518: ([67] auf S. 64.135) Lore (lore) = nichts, nicht, auch wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen. Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar ein Schreibfehler für Lo¶n¶e (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen »nichts« (nicht), nein (auch: »niemand«) vorkommt (s. z. B. _Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241 unter »wächeln«: lone = nichts]; Krünitz' Enzyklopädie 1820 [351: Lohne = niemand, nein]; v. Grolman_ 43 u. T.-G. 112, 113 u. Karmayer G.-D. 208 [lo[h]ne = nein, nicht, nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach Weber-Günther, S. 156) vermutlich eine Abkürzung der volleren Form lolohne, laulo(h)ne, die in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch »mit nichten« u. dergl. wiedergegeben ist (s. z. B. v. Reitzenstein 1764 [247]; vgl. Thiele 273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich trägt (s. z. B. Kluge, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht dem hebr. lô lnû, d. h. eigtl. »nicht uns« (s. schon Thiele 272, Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines traurigen Ereignisses, also etwa »Gott behüte« (nach gefl. Mitteilg. von A. Landau). Das einfache lo (loo), lau, law u. a. = nicht (nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei Weber-Günther, a. a. O.), so namentl. auch in dem _schwäb. Quellenkr.; vgl. Dolm. der Gaunerspr. 97 (lau = nein); W.-B. des Konst. Hans 255 (ebenso); Schöll_ 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts); Pfulld. J.-W.-B. 342 (lau, lo = nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (lo = nicht); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (lô = nein); merkwürdig die Form lopach = nichts (es ist nichts) in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (während nein dort none_ heißt). Zur Etymologie von lo, lau (u. s. Nebenbedeutg. »falsch, schlecht«) s. noch A.-L. 565 (unter »Lametaleph«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1020 u. 1261.]

[Fußnote 519: ([68] auf S. 64.135) S. Bauer.]

Daumen, Grif(f)leng[520] [64.136]

davongehen, schiebes[521] bosten[522], — pfichen[522], — schef(f)ten[523]

davontragen, schiebes bukle[524]

Decke, Schure[525]

Deckel, "

Degen, Latt[526]

[Fußnote 520: ([69] auf S. 64.136) Grif(f)leng (-ling) = Hand (Faust, auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung Grif(f)leng steken = die Hände geben sowie in folgenden Zusammenstzgn.: a) im Anfang: Grif(f)lingobermann = Fingerhut, Gri(f)lengschenagel = Handarbeit, Grif(f)lingtrittling = Handschuh; b) am Ende: Trittgrif(f)leng (eigtl. »Fußfinger«) = Zehe (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), Linzgrif(f)ling = Zeigefinger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (hier Griffling = Handschuh, während die Hand durch Feme wiedergegeben ist); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Grifling = Hand); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Griffling); Schwäb. Händlerspr. 481 (Griffling_ = Hand, Finger). Das Pleißlen der Killertaler 435 kennt Greiferle = Hand. S. weiteres, bes. auch zur Etymologie des Wortes (das natürlich zu unserm »Griff« bezw. »greifen« gehört), noch in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 50 (unter »Greifer«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 834.]

[Fußnote 521: ([70] auf S. 64.136) Schiebes (davon, fort, weg) kommt in Wittichs W.-B. nur vor in den Wendungen schiebes bosten, pfichen od. schef(f)ten = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie schiebes bukle = davontragen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Schiebes[-]machen = durchgehen od. »echappieren« [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von St. Georgen 1750 (216: Schübes machen, Bdtg. ebenso)]; _W.-B. des Konst. Hans 258 (schiabes malochen_ = fortgehen [vgl. dazu »Einleitung«, S. 27, Anm. 75]; Schöll 273 (schiebes machen = sich aus dem Staube machen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342 (schibes = fort, los, schibisnaschen = scheiden [s. betr. naschen in Wittichs W.-B. unter »fliehen«]); s. auch Metzer Jenisch 216 (schiebes = fort) u. Eifler Hausiererspr. 491 (bod schiebes = geh fort). Zur Etymologie: Am einfachsten ist das Wort schiebes doch wohl (mit Stumme, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. »schieben« (über dessen Gebrauch im Rotw. zu vgl. Groß' Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.) herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch hebr. Vokabeln mit von Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei Weigand im »Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd. Schībes gehen = zu Grunde, verloren gehen das hebr. schêbet = »Ruhe, Aufhören« herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter »schieben« u. Weber-Günther, S. 192.]

[Fußnote 522: ([71] auf S. 64.136) S. abgehen.]

[Fußnote 523: ([72] auf S. 64.136) S. unter »daher« a. E.]

[Fußnote 524: ([73] auf S. 64.136) S. (betr. bukle) abtragen.]

[Fußnote 525: ([74] auf S. 64.136) S. abbiegen.]

[Fußnote 526: ([75] auf S. 64.136) Latt = Degen, Säbel (Hirschfänger) kommt auch vor in der Zus. Lattenkarle = Gendarm (s. darüber Näh. unter diesem Worte) u. Lattenpflanzer = Waffenschmied. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 486 (Latt = Seitengewehr); s. auch noch Hennese Flick von Breyell 450 (Lott = Degen). Auch in der Soldatensprache ist Latt in gleichem Sinne bekannt (s. Horn, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den bayrischen Soldaten auch das Gewehr, und ebenso auch wohl bei den Gaunern (s. Pollak 221; Ostwald 93) u. Kunden (arg.: _August mit der Latte = Landjäger, Gendarm [Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 u. Ostwald (Ku.) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. Latte stellen darf (vgl. dazu noch Groß' Archiv, Bd. 51, S. 140 u. Fischer Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1015 unter »Latt[e]«, Nr. 2).]

Deichsel, Schure[525] [64.137]

Diamant, dofer Kies[527]

dick, grandich[528]

Dickbauch, grandicher Rande[529]

Dickkopf, grandicher Ki(e)bes[530]

Dieb, Schniffer[531], Schorer[532]

Diebesbande, Schnifferulma, Schorerulma[533]

Diebesherberge, Zschorkitt[534]

diebisch, schniffich[531]

Diebstahl, Schnifferei[531], Schorerei[532], Zopferei[535]

[Fußnote 527: ([76] auf S. 64.137) S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas abweichende Umschreibung für »Diamant« kennt die Zigeunersprache, nämlich dikkapáskĕro parr, d. h. »durchsichtiger Stein« (Liebich, S. 132, 189); vgl. »Vorbemerkung« S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 528: ([77] auf S. 64.137) S. Adler.]

[Fußnote 529: ([78] auf S. 64.137) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 530: ([79] auf S. 64.137) S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.]

[Fußnote 531: ([80] auf S. 64.137) S. anfassen.]

[Fußnote 532: ([81] auf S. 64.137) S. ausstehlen.]

[Fußnote 533: ([82] auf S. 64.137) S. (betr. Ulma) arme Leute.]

[Fußnote 534: ([83] auf S. 64.137) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 535: ([84] auf S. 64.137) Zopferei = Diebstahl ist eine Ableitung von dem Zeitw. zopfen, das für »stehlen« — nach Wittichs »Einleitung« (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem Sinne noch im W.-B. in der Zus. herauszopfen = herausstehlen angeführt ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für »erwischen« vorkommt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _W.-B. des Konst. Hans 259 (krank zopfen = gefangen nehmen); Schöll_ 271, 273 (zopfen = nehmen, krank zopfen = gefangen nehmen); _Pfulld. J.-W.-B. 337, 339-341, 345 (zopfen_ = ausplündern, herausnehmen, stehlen, Zopfen [als Subst.] = Diebstahl; krankzopfen = gefangennehmen, kiwiszopfen = köpfen u. a. m.); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (zopfen = ausplündern); Schwäb. Händlerspr._ 484, 486 (zopfen = ausplündern, nehmen, stehlen [in Pfedelb. (208, 213) auch: ausplündern, nehmen u. verhaften], Staubzepfer [eigtl. »Mehldieb«] = Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die Etymologie (= Nebenform zu »zupfen«, die bes. auch der allgem. schwäb. Mundart bekannt ist) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1 vbd. m. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 550.]

Dienstbote, Schenegler (Knecht), Scheneglere (Magd)[536]; vgl. [64.138] Gesinde

dienstfertig, dof[537]

Dienstknecht s. Dienstbote

Dienstmagd " " " "

dienstwillig, dof[537]

Dietrich Glitschin[538] oder (genauer) nobes dofer Glitschin, d. h. »kein guter Schlüssel«[539]; vgl. Nachschlüssel

[Fußnote 536: ([85] auf S. 64.138) S. abschaffen.]

[Fußnote 537: ([86] auf S. 64.138) S. angenehm.]

[Fußnote 538: ([87] auf S. 64.138) Glitschin, eigtl. = Schlüssel, dann auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. _nobes dofer Glitschin_, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Glitschinpflanzer = Schlosser; b) am Ende: Kittglitschin = Hausschlüssel, Duftglitschin = Kirchenschlüssel, Sichereglitschin = Küchenschlüssel, Sturmkittglitschin = Rathhausschlüssel, Luberglitschin = Uhrschlüssel. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort zwar nicht bekannt, wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in ähnl. Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text) auch ausführl. Angaben über die Etymologie — aus der Zigeunersprache (s. »Einleitung« S. 30); vgl. dazu auch noch Finck, S. 65 (der jedoch nur die Form klídi[n] anführt, während die älteren Sammlungen meist glitschin u. glitin als gebräuchlichste Form bei d. deutsch. Zig. haben).]

[Fußnote 539: ([88] auf S. 64.138) Eine ähnliche Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache, wenigstens nach Liebich, S. 189, der _tschi tschātschi glitin, d. h. »kein rechter_ Schlüssel«, für »Dietrich« hat (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17), wogegen der Begriff bei Finck, S. 65 einfacher durch bángi klídin, d. h. etwa »falscher Schlüssel«, wiedergegeben ist. — Nobes od. (häufiger) nobis hat außer der Hauptbedeutg. »nicht« auch noch die von »nein«, »niemals« und »umsonst«, ferner von »unbedeutend« od. »unnütz« sowie (als Subst. gebraucht) von »Null« u. »Tand« (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Dazu zahlreiche Verbindungen, nämlich: a) mit Zeitwortformen, u. zwar [Griechisch: a]) mit Infinitiven: nobis sehenegla (d. h. »nicht[s] arbeiten«) = faulenzen, nobis diberen od. schmusen (d. h. »nicht[s] reden, sprechen«) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Griechisch: b]) mit der _ersten u. dritten Pers. Präs. (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): gneis nobis_ (d. h. »[ich] kenne [es] nicht«) = unbekannt, hauret nobis (d. h. »[es] ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (d. h. »[er, sie, es] stirbt nicht«) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); [Griechisch: g]) mit Partizipien (z. Teil für deutsche Adjektive): nobis vergrönt (eigtl. »nicht verheiratet«) = ledig (unverheiratet), nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) = nackt (unbedeckt), nobis geschert = ungekocht; b) mit Adjektiven: nobis bauserich = furchtlos, nobis dof = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch, unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die Substantivierung nobis Dofs = Trübsal, Übel), nobis grandich = machtlos, wenig, winzig, nobis g'want = nichtsnutzig, _nobis wo(h)nisch (bzw. gril[l]isch, diboldisch_), d. h. eigtl. »nicht katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch«) = ungläubig, _nobis begerisch (d. h. »nicht krank«) = wohl (gesund, unverletzt); c) mit einem Substantiv (für ein deutsches Adjektiv): nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«) = kahl; d) mit Substantiven und vorgesetzten Adjektiven (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer nobes dofer Glitschin = Dietrich noch — nobis dofer Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer, nobis vergrönter Käfferle = Junggeselle, _nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast satzartigen Wendung: nämlich nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes (d. h. »keine Haare auf dem Kopfe«) für das deutsche Subst. Kahlkopf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 345 (noves = nicht; nobus schlaune = schlaflos; Manobisch, schinegeln = Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) nobisch schinegeln = faulenzen], nobis maker [v. hebr. makr = »bekannt«; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. nobis knais = unbekannt); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (nobes = nichts [es ist nichts], lauter nobes = alles nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (nobis_ = nein, nôbis = nicht [in Pfedelb. (212): nowes = nein, nicht u. binowes = gar nichts]). Auch in nicht verwandten Krämersprachen findet sich das Wort (s. z. B. in nordwestfäl. Bargunsch 446 [nobis = nein, nicht] u. im Hennese Flick von Breyell 456 [nobes = nein]). Über das Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s. z. B. schon Ulenhart 1617 [132, 132: nobis = nicht] u. dann öfter in verschiedenen Formen) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 173/74 unter »nowes«; desgl. bezügl. der Etymologie, worüber u. a. folgendes ausgeführt ist: »Nach Wagner bei Herrig, S. 225 hängt das Wort ›ohne Zweifel … mit dem alten Nobis zusammen, welches wieder von der italienischen Nebenform nabisso (= in abisso; französ. abîme, griech.-lat. abyssus = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‹. Dazu das bekannte Nobiskrug = Hölle; eigtl. ›Höllenschenke‹ (s. dazu Kluge, W.-B. S. 332/33, Weigand, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet dieser Etymologie besteht aber vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. A. Landau) auch noch ein gewisser Zusammenhang zwischen nobis = nicht und dem oben (Anm. 518) betrachteten lo[h]ne. Da nämlich lô lnû (woraus lolone, lone entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps. 113) ›Non nobis, Domine …, sed nomini tuo da gloriam‹ lautet, so könnte dies analog zur Anwendung von non nobis allein in der Bedeutung ›nein‹ geführt haben, zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in nobis das no als Negation empfunden werden konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß dahingestellt bleiben.« Über weitere Bedeutungsveränderungen von nobis in den Krämersprachen s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.]

Ding, Schure[540], Sore[541] [64.139]

Dirne, Lubne[542], schofele Model[543] (bes. ersteres in der üblen Bedeutg. von »Hure«); vgl. Buhldirne.

Docht, Scheischure[544]

[Fußnote 540: ([89] auf S. 64.139) S. abbiegen.]

[Fußnote 541: ([90] auf S. 64.139) S. Brücke.]

[Fußnote 542: ([91] auf S. 64.139) S. Beischläferin.]

[Fußnote 543: ([92] auf S. 64.139) S. arg. u. Beischläferin.]

[Fußnote 544: ([93] auf S. 64.139) S. alltäglich u. abbiegen.]

Docke s. Puppe [64.140]

Dohle, Schure[540]

Doktor (Arzt), Begersins[545]

Dokument s. Attest; vgl. Brief

Dolch, Scharfling[546]

Dom, grandiche Duft[547] (d. h. »große Kirche«)[548]

Dorf, G'fahr (Gefahr)[549], Mocham, Mochem (Spr.) od. Mochum[550]

[Fußnote 545: ([94] auf S. 64.140) S. absterben u. Amtmann.]

[Fußnote 546: ([95] auf S. 64.140) Mit Scharfling (od. Scharpflengl = Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur die Zus. Scharflingpflanzer = Messerschmied gebildet. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 484 (Schärfling = Messer), wogegen in der Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 der Ausdr. soviel wie »Rettich« bedeutet. Der Etymologie nach gehört er natürlich zu unserem Adj. scharf.]

[Fußnote 547: ([96] auf S. 64.140) Duft = Kirche (Gotteshaus, Kapelle, Tempel) erscheint auch noch in der Verbindg. Duft halten = Gottesdienst halten sowie in den Zus.: Duftnolle = Kelch, Duftglitschin = Kirchenschlüssel, Duftkies = Opfergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Duft = Kirche); ebenso übereinstimmend auch W.-B. des Konst. Hans 254 u. Pfulld. J.-W.-B. 341 (hier [345] auch: grandiche Duft = Tempel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Duft = Kirche, Duftreiter = Kirchenräuber); Schwäb. Händlerspr. 483 (Duft, Bedg. ebenso, Dufter od. Duftschaller = Lehrer), s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Duft = Kirche) u. Eifler Hausiererspr. 490 (Doft). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (unsichere) Etymologie des Wortes (vielleicht vom hebr. tefill[h] = »Gebet« od. zu duft [heb. Tôb] = gut) s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter »Duftschaller«); vgl. auch Weber-Günther, S. 169. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in Beziehung gesetzt.]

[Fußnote 548: ([97] auf S. 64.140) Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 189 (bari kangri = Dom).]

[Fußnote 549: ([98] auf S. 64.140) S. Bauerndorf. — Über das frühere (jetzt veraltete) Synon. Palar s. »Einleitung«, S. 27 u. Anm. 79.]

[Fußnote 550: ([99] auf S. 64.140) Die dritte Form (Mochum [Dim. Mochumle (Spr.)]) soll nach der »Einltg.«, S. 27 — gleich den früheren, jetzt veralteten Mokem u. Mogumle — auch »Stadt« bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für »Stadt« nur Steinhäufle angeführt ist (vgl. »Einltg.«, S. 25, Anm. 61). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.); Dolm. der Gaunerspr. 99 (Mokum = Stadt); W.-B. des Konst. Hans 251, 257 (Mokem = Stadt, Dimin.: Mogumle = Städtchen); Schöll 271 (Mokum = Stadt, Ortschaft); Pfulld. J.-W.-B. 339, 345 (Mochum = Stadt, Dorf); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb. Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: Dorf [in Degg. (215) = Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (v. hebr. mqôm = »Ort«) s. Groß' Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214; vgl. auch Weber-Günther, S. 159 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1720/21 (unter »Mochum«).]

Dörfchen (Dörflein), Heges[551], auch Mochumle (Spr.)[550] [64.141]

Dorn, Schure[552], Spraus[553], Stupfle[554]

Dose, Schure[552]

Draht, "

Dreck, Fu(h)l[555], Schund od. Schond[556]

dreckig, schundich[556]

Drehorgel s. Leierkasten

drohen, stämpfen[557]

[Fußnote 551: ([100] auf S. 64.141) Die Vokabel ist im obigen Sinne sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Hegis = Spital, Bettelhaus), Pfulld. J.-W.-B. 337 (Heges = Armenhaus) u. _Schwäb. Händlerspr. 482 (Hêges = kleines Haus), wenn_ man nämlich eine Bedeutungsveränderung von »kleines Haus« (Bettel- oder Armenhaus usw.) zu »kleines Dorf« für möglich hält. Auch für Hegis (-es) usw. in jenem Sinne, das auch z. B. schon im Lib. Vagat, 54 (Hegiß = Spital) vorkommt, ist die Etymologie übrigens zweifelhaft; A.-L.s Hypothesen (548 unter »Heckdisch«) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte das jüd. hekdisch = »Siechenhaus, Bettlerherberge«, vom neuhebr. hekdêsch = »was dem Heiligtum geweiht ist«, »Geheiligtes« (zu hkdasch = »abgesondert sein«) als Quelle herangezogen werden (nach Dr. A. Landau). Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter »Hegis«) hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte Heges = Dörflein auch einfach aus unserm deutsch. Hege (= »Umhegung, Umzäunung« [vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.]

[Fußnote 552: ([101] auf S. 64.141) S. abbiegen.]

[Fußnote 553: ([102] auf S. 64.141) S. Baumholz.]

[Fußnote 554: ([103] auf S. 64.141) Stupfle = Dorn, Stachel ist in dem verw. Quellenkr. zwar nicht bekannt, dagegen findet sich hier das Zeitw. stupfen = stechen, zu dem das Hauptw. als Ableitg. gehört; vgl. Pfulld. J.-W.-B. 337, 342, 344 (ausstupfen = ausstechen; stupfeln = nähen, Stupfler = Schneider [schon im _W.-B. des Konst. Hans dafür: Stupfer]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75 (stupfen = stechen, erstechen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: dupfen [worüber Näh. in Wittichs W.-B. unter »stechen«]; vgl. 484, 486: Stupfer = Schneider, Stupflerin = Näherin, womit auch zu vgl. Pleißlen der Killertaler 436 [Stupferles-Penk = Schneider, Stupferles-Senn = Näherin, auch Floh, für erstere Bedtg. auch Stupferin, während Stupfer hier »Gabel« bedeutet]). Zur Etymologie: das Stammwort stupfen = stechen (s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart an. S. Näh. bei Groß' Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter »Stupfer«) vbd. mir v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 774. Über den auf den gleichen Stamm zurückgehenden jenisch. Ausdr. Stupfel od. Stupfleng = Igel s. noch weiter unten.]

[Fußnote 555: ([104] auf S. 64.141) S. Abort.]

[Fußnote 556: ([105] auf S. 64.141) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 557: ([106] auf S. 64.141) S. Ärger.]

duften, dof muffen (eigtl. »gut riechen«; herles muft's dof, hier [64.142] riecht es gut[558]

dumm, ni(e)sich, nillich, nuschich[559]

dummer Mensch s. Dummkopf

Dummheit, Hegelei[560], Ni(e)serei, Nillerei, Nuscherei[559]

Dummkopf, Hegel[560], Ni(e)se, Nille, Nusche[559]

Dünger s. Dreck

dunkel, leile (= Leile), ratte (= Ratte, d. h. Nacht)[561]

dürftig, dercherich (eigtl. »bettelhaft«)[562]

Durst, Schwächerich (subst. Adj.; s. durstig)[563]

dursten, mich durstet, mich schwächert's[563]

durstig, schwächerich (Spr.)[563]

E.

Eber, Balo[564], Groanikel[565]

[Fußnote 558: ([107] auf S. 64.142) S. angenehm u. Aas.]

[Fußnote 559: ([108] auf S. 64.142) S. aberwitzig.]

[Fußnote 560: ([109] auf S. 64.142) Hegelei ist — ebenso wie das Adj. hegelich = unverständig — eine Ableitung von Hegel = Dummkopf (dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn. Hegelkitt = Irrenhaus u. Hegellauti = närrischer Kerl, Possenreißer (wobei die Bedtg. des -lauti zweifelhaft bleibt). Auch das _Metzer Jenisch 216 kennt Hēgel_ = Dummkopf, wogegen das Wort in den zunächst verw. Quellen in diesem Sinne unbekannt erscheint (s. jedoch Pfulld. J.-W.-B. 389 [Jahrhegel = Förster]). Über das Vorkommen der Vokabel im sonstigen Rotwelsch (in d. Formen Hegel, Heckel, Häckel, Hög[e]l mit den Bedtgn. »Narr, Geck; Lump; Schaf; Bauer«) sowie ihre Etymologie s. die Angaben in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 6, 7 u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter »Hegel«) vbd. mit Sp. 1011 (unter »Häckel« I, Nr. 2), der Heckel = »roher Mensch« zu »hacken« stellt. Vgl. auch Weber-Günther, S. 183 (unter »Häckel«).]

[Fußnote 561: ([110] auf S. 64.142) S. Abend; vgl. über den Gebrauch des Substantivs als Adjektiv: »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 562: ([111] auf S. 64.142) S. abbetteln.]

[Fußnote 563: ([112] auf S. 64.142) S. Amme.]

[Fußnote 564: ([113] auf S. 64.142) Balo = Schwein, Sau (Eber, Hauer, auch Ferkel) findet sich (in dem verw. Quellenkr.) schon bei Schöll 271, während das Pfulld. J-W.-B. 343, 344 die Form Bale (= Sau, Schwein), die schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 aber Male (= Schwein) hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. d. näh. Angaben in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu »Balebumser«), u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter »Male«) vbd. mit Finck, S. 49 (bálo oder bālo = »Schwein«).]

[Fußnote 565: ([114] auf S. 64.142) Groanikel od. (häufiger) Groenikel, Syn. zu Balo, findet sich auch in verschied. Zusammensetzgn. (während solche mit Balo nicht gebildet sind) u. zwar: a) am Anfang: Groenikelbenk od. -schure = Sau- od. Schweinehirt, Groenikelstenkert = Sau- od. Schweinestall, Groenikelbossert = Schweinefleisch, Groenikelkemerer = Schweinehändler, Groenikelkafler = Schweinemetzger, Groenikelschwächerle = Schweinezitzen, Groenikelstrauberts = Schweinsborsten; b) am Ende: Flu(h)tegroanikele = Meerschweinchen u. Mameregroanikel = Mutterschwein. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Kranickel_ = Schwein); Pfulld. J.-W.-B. 343, 344 (Kronickel = Sau, Schwein); _Schwäb. Händlerspr. 486 (Krûnikel, Krônikel [in Pfedelb._ (213): Graunickel], auch wohl bloß Nickel = Schwein). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (zu mundl. gronen [graunen] u. ä. = »grunzen« [s. bes. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. Ni[c]kel, Abkürzung vom Eigennamen Nikolaus [vgl. oben unter »Bulle« betr. Hornickel], also eigtl. »Grunznikel« [wie in Strelitz. Gloss. v. 1747 (214/15)]) s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu »Kronickels-Bumser«); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 849/50 (unter »Gronickel«, mit Anfühg. von bayr. Gronigl = »Murrkopf« nach Schmeller, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter »Nickel«).]

echt, dof[566] [64.143]

edel, dof[566], g'want[567]

Edelmann, Sins, femin. (Edeldame), Sense[568]

Edelstein s. Diamant

Ehe, Vergrönt (= vergrönt, d. h. eigtl. »in der Ehe«, »verheiratet«)[569]; vgl. Heirat u. Hochzeit

[Fußnote 566: ([115] auf S. 64.143) S. angenehm.]

[Fußnote 567: ([116] auf S. 64.143) S. anmutig.]

[Fußnote 568: ([117] auf S. 64.143) S. Amtmann.]

[Fußnote 569: ([118] auf S. 64.143) Es liegt hier wohl vor der Fall des Gebrauchs eines Partizips (vergrönt = verheiratet [ehelich], von dem Zeitw. vergrönen od. vergröneren = [ver]heiraten, verehelichen) als Substantiv (s. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36); vgl. als Gegensatz: nobis vergrönt = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher _nobis vergrönter Benges od. Käfferle_ = lediger Mann, Junggeselle. Eine Ableitg. von vergröne(re)n ist Vergrönerei = Heirat, während Groenerei = Hochzeit (nebst d. Zus. Groenereibikus od. -kahlerei = Hochzeitsschmaus) ein einfaches groenen = heiraten voraussetzt, das aber im W.-B. nicht angeführt ist. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 93, 94 (Grunerej_ = Hochzeit, Kocheme Grunerej = Diebshochzeit, Grünt'schaj od. -Mos = Ehefrau, Grün-Kaffer = Ehemann); Schöll 271 (Grunerey = Hochzeit); _Pfulld. J.-W.-B. 339, 340 (Gränerei = Ehe, Hochzeit, Kränerei_ = Heirat, Grenzgasch = Ehe, Grängoi = Eheweib); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68-70 (krönern = heiraten, Krönerin = Ehefrau, Kroner = Ehemann, Krone = Frau); Schwäb. Händlerspr. 482 (krönen od. krö[h]nern = heiraten, dazu [in Pfedelb. (209): Krönerei = Hochzeit, Kröner, Krönerin = Ehemann, -frau, ferner vergrünt [in Pfedelb. (213): verkrönert] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) Etymologie des Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter »Krönerin«) sowie Bd. 56, S. 69 (unter »Krone«).]

Ehebrecherin, Lubne[570] od. schofle Mos(s)[571] [64.144]

Ehefrau, Mos(s)[571]

ehelich s. Ehe

Ehemann, Kaffer[572]

ehrbar, dof[573]

ehrenhaft, ehrenwert, "

ehrlich, "

Ei, Bäzem, plur. Bäzema (od. -me)[574]

Eiche, Stöber[575]

Eichhörnchen s. Baumkatze

Eid, Schure[576]

[Fußnote 570: ([119] auf S. 64.144) S. Beischläferin.]

[Fußnote 571: ([120] auf S. 64.144) S. arg u. Bauernfrau.]

[Fußnote 572: ([121] auf S. 64.144) S. Bauer.]

[Fußnote 573: ([122] auf S. 64.144) S. angenehm.]

[Fußnote 574: ([123] auf S. 64.144) Der Plural Bäzeme bedeutet auch: »Hoden«. Ebenso handelt es sich bei dem — nach Wittich (im Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — Betzam od. Bezem = männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — »in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden« ist, um dasselbe Wort, nur in etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). Zus. a) mit Bäzem(e) = Ei(er) sind: [Griechisch: a]) am Anfang: Bäzemabrandleng = Eierkuchen, Bäzemagachne od. -stierer = Legehuhn, Bäzemaschei (eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18); [Griechisch: b]) _am Ende: Fläderlingbäzeme = Vogeleier, Strohbutzersbäzeme_ = Gänseeier. b) Mit Bäzeme = Hoden ist gebildet Bäzemerande = Hodensack. c) Mit Betzam (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339 (Betzum = Ei); Schwäb. Händlerspr. 480 (Betze od. Betzum = Eier, in Pfedelb. [209]: Bezem = Ei u. Eier, ebds. [211] Bēzĕmĕ = membrum muliebre, dagegen in Lütz. [215] — übereinstimmend mit Wittichs Jenisch — = membrum virile); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 u. Metzer Jenisch 212 (Bĕtzche = Ei). Die Bedeutg. von Betzam (Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh. (s. z. B. Pfister 1812 [Pehzem = männliches Glied]; v. Grolman 7 u. T.-G. 98 [Behzem]; Castelli 1847 [391: Bedzem]; ebenso: Fröhlich 1851 [394] u. Wiener Dirnenspr. 1886 [417], während A.-L. 523 Bezem hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in der ursprgl. Bedeutg. »Ei«) im Rotw. sowie die Etymologie (vom gleichbed. hebr. bêça [jüd. bezo], plur. beçîm) s. Weber-Günther, S. 152/53 (unter »Bärkse«) vbd. mit A.-L. 523 (unter »Beitze«) u. 341 (unter »Beza«), Günther, Rotwelsch, S. 26, Stumme, S. 23 u. Kleemann, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff penis) s. A.-L. 523 u. Müller in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum muliebre (bei d. schwäb. Händl. i. Pfedelb. [s. oben]) auf einer weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag dahingestellt bleiben.]

[Fußnote 575: ([124] auf S. 64.144) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 576: ([125] auf S. 64.144) S. abbiegen.]

Eierkuchen, Bäzemabrandleng[577] [64.145]

eifersüchtig, lenk, schofel[578]

Eimer, Schure[576]

einblasen, einschurele[576]

einbrechen, "

einbrennen, einfunken[579]

einfahren, einruadla[580]

einfallen, einplotza[581]

einfältig, ni(e)sich, nillich, nuschich[582]

Einfaltspinsel, Hegel[583]

einfangen, einschurele[576]

einfüllen, "

eingeben, "

einhandeln s. einkaufen

einhauen, einguffen[584]

einheizen, einfunken[579]

einkaufen, einbaschen (Spr.), eingreme[585]

einkerkern, eindofema, einleken[586]

einlaufen, ei'bosten[587]

einnähen, ei'stichle[588]

einsalben, einschunde[589]

einsalzen, einspronken[590]

[Fußnote 577: ([126] auf S. 64.145) S. (betr. Brandleng) Apfelkuchen.]

[Fußnote 578: ([127] auf S. 64.145) S. arg.]

[Fußnote 579: ([128] auf S. 64.145) S. abbrennen.]

[Fußnote 580: ([129] auf S. 64.145) S. abfahren.]

[Fußnote 581: ([130] auf S. 64.145) S. bewerfen.]

[Fußnote 582: ([131] auf S. 64.145) S. aberwitzig.]

[Fußnote 583: ([132] auf S. 64.145) S. Dummheit.]

[Fußnote 584: ([133] auf S. 64.145) S. aufschlagen.]

[Fußnote 585: ([134] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 586: ([135] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 587: ([136] auf S. 64.145) S. abgehen.]

[Fußnote 588: ([137] auf S. 64.145) S. aufnähen.]

[Fußnote 589: ([138] auf S. 64.145) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 590: ([139] auf S. 64.145) Das Zeitw. einspronken (s. dazu die Verbdg. eingespronkter Bossert = Pökelfleisch) ist ebenso wie das einfache spronkere = salzen (richtiger doch wohl: spronken?) — u. dazu g'spronkt od. gesprunkt = gesalzen, salzig — eine Ableitung von dem Hauptwort Spronkert = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt: Spronkert-Flössling, Spronkertflotscher od. -schwimmerling (d. h. eigtl. »Salzfisch«) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.), Spronkertschottel = Salzbüchse, Spronkertbossert = Salzfleisch, Spronkertnolle = Salznapf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Sprunkert = Salz); übereinstimmd.: Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 343 (hier [339] auch: einsprunken = einsalzen); Schwäb. Händlerspr. 485 (Sprungert [in Pfedelb. (212): Sprunk] = Salz). Auch die Pfälz. Händlerspr. 439 kennt Sprungert. Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh. — in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere) Etymologie s. Näh. bei Weber-Günther, S. 187/88 (unter »Sprunkert«) vbd. m. Pott II, S. 35, A.-L. 610 u. Hoffmann-Krayer im Schweiz. Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw. »springen«, »sprenkeln« u. »[be]sprengen« gedacht haben).]

einschlafen, ei'durme (-ma)[591], einschlauna[592] [64.146]

einschlagen s. einhauen

einschlummern s. einschlafen

einschmieren s. einsalben

einschneiden, einschurelen[593]

einschnüren, "

einschreiben, einfebera[594]

einschütten, einschurelen[593]

einspannen, "

einsperren s. einkerkern

einstecken " "

einstürzen, einbohla[595]

einwerfen, einplotza[596]

Eis, Schure[593]

Eisen, "

Eisenbahn, Rutsch[597]

Eisenbahnarbeiter, Rutschschenegler[598]

Eisenbahnwagen, Rutschrädling[599]

[Fußnote 591: ([140] auf S. 64.146) S. aufwachen.]

[Fußnote 592: ([141] auf S. 64.146) S. ausschlafen.]

[Fußnote 593: ([142] auf S. 64.146) S. abbiegen.]

[Fußnote 594: ([143] auf S. 64.146) S. abschreiben.]

[Fußnote 595: ([144] auf S. 64.146) S. abfallen.]

[Fußnote 596: ([145] auf S. 64.146) S. bewerfen.]

[Fußnote 597: ([146] auf S. 64.146) S. Bahn.]

[Fußnote 598: ([147] auf S. 64.146) S. (betr. Schenegler) abschaffen.]

[Fußnote 599: ([148] auf S. 64.146) Rädling (-leng) = Fahrzeug (auf dem Lande), Wagen findet sich noch in der Verbindg. dofer Rädling (d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche sowie in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Rädlingkaffer = Fuhrmann u. Rädlingpflanzer = Kutschenbauer, Wagner; b) am Ende: Kritzlerrädling (eigtl. »Briefwagen«) = Postwagen u. Schmelemerrädling = Zigeunerwagen. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans_ 255 (Rädling = Landkutsche); Pfulld. J.-W.-B. 346 (= Wagen); _Schwäb. Händlerspr. 488 (ebenso; Syn. Rdel od. Rudel_). Über weitere rotw. Belege u. die Etymologie (zu »Rad«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 25 u. Anm. 1 (unter »Radlinger«) vbd. m. Pott II, S. 37, A.-L. 583 u. Günther, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46, S. 27 (Radlingpflanzer = Wagner bei Karmayer 130).]

eisig, bib(e)risch (eigtl. »kalt«)[600] [64.147]

Eiswasser, Biberischerflu(h)te (d. h. eigtl. »kaltes Wasser«)[601]

elend, lenk, schofel[602] (elend daran gewesen, _schofel daran gehauret_)[603]

Elster, Flederling[604] oder (genauer) Stämpfflederling[605], d. h. »der schimpfende Vogel«[606]

Eltern, Patris[607] und Mamere[608], d. h. »Vater und Mutter«[609]

[Fußnote 600: ([149] auf S. 64.147) Das Adj. biberisch (bibrisch [Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost) gebracht wird, ist eine Ableitung von dem Zeitw. biberen = frieren (mich biberts' = mich friert's). Eine Zus. mit biberisch ist Biberischerflu(h)te = Eiswasser. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (biberisch = kalt); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341 (biberisch = kalt, biberen = frieren, verbibern_ = erfrieren); Schwäb. Händlerspr. 482 (biberisch = kalt, in Pfedelb. [209, 210]: biberen = frieren [z. B. _mi bibert's an d' Grifling = mich friert's an den Händen] u. verbiberen_ = erfrieren). Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt (letzteres auch mit den Nebenbedeutgn. »beten« u. »lesen«; s. A.-L. 524). Der Etymologie nach erscheint biberen (wie auch das gemeinspr. bebern = »heftig beben« u. d. mundartl. bibbern od. bebbern = »zittern« [s. z. B. H. Meyer, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S. 19]) wohl als »Iteritivbildung« von »beben«. S. Pott II, S. 17 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 79, Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie Groß' Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1 (zu S. 336).]

[Fußnote 601: ([150] auf S. 64.147) S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.]

[Fußnote 602: ([151] auf S. 64.147) S. arg.]

[Fußnote 603: ([152] auf S. 64.147) Das Zeitw. hauren hat (ähnl. wie schef[f]ten) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen (niedersitzen). S. zur ersteren Bedeutg. noch die Umschreibung _hauret nobis_ (eigtl. »es ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben unter »Dietrich«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 342, 344-46 (hauren_ = ausruhen, bleiben, liegen, sitzen, oberkinnig hauren = aufsitzen, beducht hauren = still stehen [vgl. dazu betr. beducht: Weigand, W.-B. I, Sp. 225 unter »betuchen«], scheffhauren = warten, Haurigerlaninger = Schildwache); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 210]: hawern = dasein, sein, ghawert = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (vom ältern deutsch, hauren [od. hauern] = »niederhocken, kauern«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u. Anm. 1 zu »Haurigerlaninger«).]

[Fußnote 604: ([153] auf S. 64.147) S. Adler.]

[Fußnote 605: ([154] auf S. 64.147) S. (betr. Stämpf-) Ärger.]

[Fußnote 606: ([155] auf S. 64.147) Übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache. S. Liebich, S. 118, 164 u. 193 u. Finck, S. 92 (tšingerpáskero tširklo = Elster, eigtl. der »zänkische«, der »Zank- u. Streitvogel«).]

[Fußnote 607: ([156] auf S. 64.147) Patris od. Patres = Vater findet sich auch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Patrisglied (das — gleich Mamereglied [s. dazu oben unter »Amme«] — drei Bedeutgn. hat, näml.): [Griechisch: a]) Oheim (im Sinne v. »Vatersbruder«); [Griechisch: b]) Tante (im Sinne von »Vatersschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon oben unter »Bruder« sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter »Oheim« u. »Tante«), Patriskitt = Vaterhaus, Patrissteinhäufle = Vaterstadt; b) am Ende: Grandicher-Patres = Großvater, Kittpatris = Hausvater, Schoflerpatris = Stiefvater. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Patres_ = Vater [so: auch Sulz, Zigeunerliste 1787 (251)]); Schöll 271 (Patris); _Schwäb. Händlerspr. 487 (Ptris_). Über weitere rotw. Belege u. die Etymologie (von latein. pater, gen. patris) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 677.]

empfindlich, stumpfich[610] [64.148]

emporblicken, linzen[611]

Ente, Lachapatscher[612]

Entenfuß, Lachepatscherstritt[613]

[Fußnote 608: ([157] auf S. 64.148) S. Amme.]

[Fußnote 609: ([158] auf S. 64.148) Nach Liebich, S. 131 u. 193 umschreiben auch die Zigeuner den Begriff »Eltern« in gleicher Weise (_o dad te i dai_, d. h. Vater u. Mutter); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 44.]

[Fußnote 610: ([159] auf S. 64.148) S. Ärger.]

[Fußnote 611: ([160] auf S. 64.148) S. anschauen.]

[Fußnote 612: ([161] auf S. 64.148) Lacha- od. Lachepatscher = Ente (s. dazu die Zus.: Lachepatscherstritt u. -stenkert = Entenfuß, -stall sowie das Dimin. Lachepatscherle = »Küchlein« [d. h. Entenküchlein]) findet sich auch in der schwäb. Händlerspr. 480 (Lachepatscher od. Lachpatsche). Das ältere Rotwelsch kannte dafür den Ausdr. Dreckpatscher (s. z. B. auch: Dolm. der Gaunerspr. 92: Treckpatscher). S. dazu, insbes. auch über die Etymologie der Wörter, Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.]

[Fußnote 613: ([162] auf S. 64.148) Tritt = Fuß (auch Fußstapfe, Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh kommt noch vor in der Verbindg. unterkünftiger Tritt (d. h. eigtl. »der untere Fuß«) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie in den folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Trittgrif(f)leng (-ling) (eigtl. »Fußfinger«) = (Fuß-) Zehe (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) am Ende: (_außer Lachepatscherstritt noch): Babinger- od. Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, Traperttritt = Gaul- od. Pferdefuß, Gachne-, Stanzel- od. Stierertritt = Hühnerfuß u. Vordertritt = Vorderfuß. Für »Handschuhmacher« ist im W.-B. Grif(f)lingstrittpflanzer angeführt, woraus sich Grif(f)lingstritt = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür nur Grif(f)lengstrittleng genannt ist. Auch in dem verw. Quellenkr. kommt statt Tritt durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte Trittling vor (s. darüber Näh. unter »Ferse«), während sich in der sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch Tritt für »Schuh« findet neben dem (häufigern) Dimin. Trittchen u. ä., das bes. auch in der neueren Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 [Trittchen = Stiefel] u. Metzer Jenisch_ 217 [Trittche = Schuh]). Ausführl. Belege s. (betr. Tritt) in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. Trittchen u. ä.) ebds., Bd. 46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit Weber-Günther, S. 191/92. Die Etymologie bedarf keiner näheren Erläuterung.]

Entenstall, Lachepatschersstenkert[614] [64.149]

entfernen (sich), schiebes bosten od. schef(f)ten, entferne dich, gehe fort, schef(f)te schiebes[615]

entkleiden, ausklufte[616]

entleibt, begeret (d. h. »gestorben«)[617]

entrinnen, schiebes pfichen[618]

entrüstet, stumpfich[619]

Entrüstung, Stumpf[619]

entschlafen s. entleibt

entseelt " "

Entsetzen, Bauser[620]

entspringen, entweichen, schiebes bosten[615]

entwenden (Entwendung), schniffen[621], schornen[622]

entwischen s. entspringen

entzwei, schofel (Spr.)[623]

Epilepsie, Begerisch (subst. Adj.)[624]

[Fußnote 614: ([163] auf S. 64.149) Mit Stenkert od. (seltener) Stenker = Stall (Käfig) sind noch folgende Zusammensetzgn. gebildet: Strohbutzerstenkert = Gänsestall, Gachnestenkert = Hühnerstall, Keiluf- od. Kibestenkert = Hundestall, Horbogestenkert = Kuhstall, Rinderstall, Hornikelstenkert = Ochsenstall, Trabertstenker (hier so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. Trabertstenkertle = Füllenstall, wofür eigentlich Trabertlestenkert zu erwarten, da das Füllen Trabertle, Dimin. zu Trabert [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl. Näh. unter »Füllen«), Groenikelstenkert = Sau- (Schweine)stall, Jerusalemsfreundstenkert = Schafstall. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Stenkert = Stall); W.-B. des Konst. Hans 255 (Stenker); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Stinker_; vgl. aber auch [343] unter »Roßstall«: Stenger, ferner [340]: Stierestinker = Hühnerstall); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Stenkert); Schwäb. Händlerspr. 486 (ebenso, in Pfedelb. [213] aber Stinkert, das übrigens hier auch »Käs« bedeutet, während es in Lütz. [214] soviel wie »Abtritt« ist). Das auch sonst im Rotw. verbreitete Wort gehört der Etymologie nach natürlich zu unserm Zeitw. »stinken«; s. Pott II, S. 35 u. A.-L. 610 (unter »Stänker«).]

[Fußnote 615: ([164] auf S. 64.149) S. davongehen; vgl. (betr. bosten): abgehen u. (betr. schef[f]ten): daher a. E.]

[Fußnote 616: ([165] auf S. 64.149) S. ankleiden.]

[Fußnote 617: ([166] auf S. 64.149) S. absterben.]

[Fußnote 618: ([167] auf S. 64.149) S. (betr. schiebes) Anm. 615 u. (betr. pfichen) abgehen.]

[Fußnote 619: ([168] auf S. 64.149) S. Ärger.]

[Fußnote 620: ([169] auf S. 64.149) S. Angst.]

[Fußnote 621: ([170] auf S. 64.149) S. anfassen.]

[Fußnote 622: ([171] auf S. 64.149) S. ausstehlen.]

[Fußnote 623: ([172] auf S. 64.149) S. arg.]

[Fußnote 624: ([173] auf S. 64.149) S. absterben.]

erbitten s. bitten [64.150]

erbittert s. entrüstet; vgl. auch zornig

erbrechen (sich), übergeben (sich), giela (Spr.), auch als Subst.: das Erbrechen, Übergeben, Giela (-le)[625]

Erbsen, Sore[626]

Erbsenschüssel, Soreschottel[627]

Erdäpfel, Bolla[628], Matrele[629]; vgl. Kartoffel

Erdbeere, Jahresäftling od. Krachersäftling[630]

erfassen, schniffen[631]

erflehen, derchen[632]

erforschen s. ausfragen

erfragen (fragen), lenzen[633]

ergrimmt s. entrüstet

erhängen, aufknüpfen[634], schnüren[635]

erkaufen, grema[636]

erkennen, kneisen (gneis[s]en)[637]

[Fußnote 625: ([174] auf S. 64.150) S. Affengesicht.]

[Fußnote 626: ([175] auf S. 64.150) S. Brücke.]

[Fußnote 627: ([176] auf S. 64.150) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 628: ([177] auf S. 64.150) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 629: ([178] auf S. 64.150) Diese Vokabel ist im W.-B. nicht zu Verbindgn. od. Zusammensetzgn. verwendet worden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Matrellen = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B. 341 (Matrella = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: Matrelle = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie — aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter »Matrelen-Bosseler«) u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter »Matērelle«) vbd. mit Finck, S. 72 (matrēli = »Kartoffel«).]

[Fußnote 630: ([179] auf S. 64.150) S. Ananas.]

[Fußnote 631: ([180] auf S. 64.150) S. anfassen.]

[Fußnote 632: ([181] auf S. 64.150) S. abbetteln.]

[Fußnote 633: ([182] auf S. 64.150) S. anschauen.]

[Fußnote 634: ([183] auf S. 64.150) Der Ausdruck bedarf keiner Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht gebräuchlich; vgl. jedoch bei Karmayer 95 die Bezeichng. Knüpfschragen für den Galgen (wohl zu Schagen = »Holzgestell mit schräg od. kreuzweise stehenden Füßen« nach Weigand, W.-B. II, Sp. 784).]

[Fußnote 635: ([184] auf S. 64.150) S. aufhängen.]

[Fußnote 636: ([185] auf S. 64.150) S. abkaufen.]

[Fußnote 637: ([186] auf S. 64.150) Das Zeitw. kneisen od. gneis(s)en bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können (wissen, verstehen); dazu die Umschreibung gneis nobis = unbekannt (vgl. schon oben unter »Dietrich«). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen_ = [einen] kennen); Schöll 272 (kneissen — »inne werden«); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (begneist = bekannt, verkneissen = erkennen); _Schwäb. Händlerspr. 479, 484, 488 (kneißen od. kneißen_ = bemerken, merken, verstehen, in Pfedelb. [213]: kneissen, auch = sehen). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die Etymologie s. Näh. bei Weber-Günther, S. 178 (unter, »kneisen«). Zu den dortigen Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759 [g'neißen = »(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen«]) s. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357 (unter »g[e]neisse[n]«); zu vgl. ferner H. Meyer, Richt. Berliner (7. Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin kneißen für »scharf hinsehen« bekannt ist).]

erlogen, kohl (eigtl. Kohl = Lüge)[638] [64.151]

ermorden, deisen (Partiz.: ermordet, deist)[639]

erschlagen, " "

erschießen, verschnellen (erschossen, verschnellt)[640]

Erschrecken (das), Bauser[641]

ersehen (sehen), linzen[642]

ersticken, begeren[643]

erwachsen, grandich (od. -dig)[644]

erwacht, ausdurmt[645], ausg'schlaunet[646]

erwischen, bestieben[647], zopfen[648]

erwürgen, deisen[649]

[Fußnote 638: ([187] auf S. 64.151) S. belügen.]

[Fußnote 639: ([188] auf S. 64.151) Das Zeitw. deisen kommt vor für: ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für »erwürgen« sowie für »schlachten«; dazu die Zus. halbdeist = halbtot u. die Ableitg. Deiser = Mörder od. Totschläger. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (deisen od. teißen_ = schlagen, Teißerei = Schlägerei); Schwab. Händlerspr. 484, 487 (deißen = töten, metzgen, schlachten, dazu: Klæbedeißer = Pferdemetzger; in Pfedelb. [212]: deisen = schlachten, aber deißen = coire [Grundbedtg. auch hier wohl »schlagen«, vgl. (209): _eindeißte Bezem = »eingeschlagene Eier«], ferner in Lütz. [215): deisse[n]_ = schlagen, Deisser = Metzger u. in Degg. [215]: Deiss = Schlag). Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) Etymologie s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.: »Teissflamerer«). Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet die Etymol. als »unklar«.]

[Fußnote 640: ([189] auf S. 64.151) S. abschießen.]

[Fußnote 641: ([190] auf S. 64.151) S. Angst.]

[Fußnote 642: ([191] auf S. 64.151) S. anschauen.]

[Fußnote 643: ([192] auf S. 64.151) S. absterben.]

[Fußnote 644: ([193] auf S. 64.151) S. Adler.]

[Fußnote 645: ([194] auf S. 64.151) S. aufwachen.]

[Fußnote 646: ([195] auf S. 64.151) S. ausschlafen.]

[Fußnote 647: ([196] auf S. 64.151) S. bekommen.]

[Fußnote 648: ([197] auf S. 64.151) S. Diebstahl.]

[Fußnote 649: ([198] auf S. 64.151) S. ermorden.]

erzählen, dibere[650], schmusen[651] [64.152]

Erzählung, Diberei, Schmuserei

erzeugen, bodere (od. budere), kirme, schnirgle[652], schurele[653], auch fuchsa[654]

erzürnt, stumpfich[655], auch wohl lenk od. schof(f)el[656]

essen, achila[657], biken, butten, kahla[658]

Essen (das), Achilerei[657], Bikerei (od. Bikus), Butterei, Kahlerei[658]

Eule, Leile- od. Ratteflederling, d. h. »Nachtvogel«)[659]

Euter, Schwächerle[660]

[Fußnote 650: ([199] auf S. 64.152) S. ansagen.]

[Fußnote 651: ([200] auf S. 64.152) S. anreden.]

[Fußnote 652: ([201] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.]

[Fußnote 653: ([202] auf S. 64.152) S. abbiegen.]

[Fußnote 654: ([203] auf S. 64.152) Das oben unter »begabten« nicht als Syn. angeführte Zeitw. fuchsa kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr. nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für »unehelich beiwohnen« od. — allgemeiner — »Unzucht treiben«; s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter »fuchse[n]« vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter »fugsen« [u. neben »vögeln«], der zwar das Wort zunächst zu fügen im Sinne von »vereinigen« stellt, jedoch weiter bemerkt, daß es »auch von Vögeln wegen ihrer Begattungslust und vom Fuchs hergeleitet werden« könne, »da auch das lateinische lupa und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen«.]

[Fußnote 655: ([204] auf S. 64.152) S. Ärger.]

[Fußnote 656: ([205] auf S. 64.152) S. arg.]

[Fußnote 657: ([206] auf S. 64.152) Von dem Zeitw. achila, achile(n) = essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw. Achilerei = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu die Zus.: Fösslingachilerei = Fischessen, Leileachilerei = Nachtessen, Rundlingachilerei = Wurstessen. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schöll 271, 272 (achlen = essen, Achelsore_ = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 342, 345 (acheln = essen, abacheln = abfressen, Achelsore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen); Schwäb. Händlerspr. 480 (ach[e]len [in Pfedelb. (209): ach¶i¶len] = essen); s. auch Pfälz. Händlerspr. 337 (achîle = essen). Die zuletzt genannten (mit ¶i¶ in der zweiten Silbe gebildeten) Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B. Thiele 223 u. A.-L. 516 [Achile-Bajes = Speisehaus, Restaurant]; Ostwald [Ku.] 11 [ach¶ie¶len neben acheln]). Über weitere rotw. Belege im allg. (seit d. Lib. Vagat [52]) sowie die Etymologie (vom gleichbed. hebr. kal [od. āchal]) s. Groß' Archiv, Bd. 51, S. 154 (unter »Achelpeter«) vbd. mit Schütze, S. 70; vgl. auch Weber-Günther, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch. Mundarten), ferner Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter »achle[n]«) u. Seiler, Lehnwort IV, Sp. 489.]

[Fußnote 658: ([207] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 659: ([208] auf S. 64.152) S. Abend u. Adler. — Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als rattjakro tschirkulo, d. h. gleichfalls »Nachtvogel«) auch in der Zigeunersprache nach Liebich, S. 165 u. 193 (vgl. »Vorbemerkung«, S. 18).]

[Fußnote 660: ([209] auf S. 64.152) S. Amme.]

evangelisch, gril(l)isch od. kril(l)isch (Spr.)[661] [64.153]

Exkremente (tierische u. menschliche), Boslem[662], Fu(h)l[663], Schond[664]

F.

Fabel, Kohl[665]

Fackel, Schein[666]

Faden, Schure[667]

Fahne, "

fahren, ruadla[668]

fahrende Leute, jenische Ulma[669], Krattler[670]

Fahrzeug (auf dem Lande), Rädleng[671], Ruadel[668]

Falle, Schure[667]

fallen, bohla[672]

[Fußnote 661: ([210] auf S. 64.153) Das Adj. gril(l)isch od. (seltener) kril(l)isch = evangelisch (protestantisch) erscheint auch als Substantivierung Gril(l)ischer = Protestant sowie in die Verneinung nobis gril(l)isch = ungläubig. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (grillisch_ = lutherisch); W.-B. des Konst. Hans 257 (ebenso, vgl. [256]: _Grillische Käfer-Märtine = Württemberg [u. dazu Günther_ i. d. Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); Schöll 274 (in d. »Bettlersprache«: crilisch); Pfulld. J.-W.-B. 342 (grillisch); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209]: krillisch [oder krittisch] = evangelisch, in Lütz. [215]: grillisch = protestantisch). Zur Etymologie (des auch sonst im Rotw. [des 19. Jahrb.] bekannten Wortes s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter »Grill[e]« Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen Gegenden Schwabens die Protestanten Grillen (wobei zunächst wohl an unsere Tierbezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj. grillisch (in schlechter Ausspr. krillisch) gebildet worden (s. a. a. O., Sp. 836 unter »grillisch«).]

[Fußnote 662: ([211] auf S. 64.153) S. After u. Bäcker.]

[Fußnote 663: ([212] auf S. 64.153) S. Abort.]

[Fußnote 664: ([213] auf S. 64.153) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 665: ([214] auf S. 64.153) S. belügen.]

[Fußnote 666: ([215] auf S. 64.153) S. alltäglich.]

[Fußnote 667: ([216] auf S. 64.153) S. abbiegen.]

[Fußnote 668: ([217] auf S. 64.153) S. abfahren.]

[Fußnote 669: ([218] auf S. 64.153) S. Bachstelze u. arme Leute.]

[Fußnote 670: ([219] auf S. 64.153) Krattler ist eine mundartliche, besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die »fahrenden Leute«, zunächst eigtl. für »die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft ihrer ganzen Familie kleine Karren« (mit zwei Rädern, Kratten genannt, v. latein caretta) »voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen«. (Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch Grimm, D. W.-B. V, Sp. 2070 (unter »Kratte« Nr. 3) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693 (unter »Kratte[n]«). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss. sonst nicht gebräuchlich.]

[Fußnote 671: ([220] auf S. 64.153) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 672: ([221] auf S. 64.153) S. abfallen.]

fallende Sucht (Fallsucht), Begerisch (subst. Adj.)[673]; vgl. [64.154] Epilepsie

falsch, lenk, schofel[674]

Falschmünzer, nobis dofer Bich-, Kies- od. Lobepflanzer (d. h. »kein guter Geldmacher«)[675]

fangen, bestieben[676]

Fastnacht, Ni(e)sicheschei od. Nillicheschei (d. h. der »närrische« oder »Narrentag«)[677]

Fastnachtsküchle, Nillichescheibrandling[678]

Fastnachtsmaske, Ni(e)sichegiel, Nilliche- od. Nuschichegiel (d. h. »närrisches Maul«)[679]

faul s. falsch

faulenzen, nobis schenegla (d. h. »nicht[s] arbeiten«)[680]

Faust, Grif(f)leng[681]

fechten, doga[682], guffa[683], ste(c)ken[684]; vgl. schlagen

Federbett, Sauft[685]

Federmesser, Scharfling od. Scharpfleng[686]

Fehde, Guferei[683], Hamore[687], Stenzerei[688]

[Fußnote 673: ([222] auf S. 64.154) S. absterben.]

[Fußnote 674: ([223] auf S. 64.154) S. arg.]

[Fußnote 675: ([224] auf S. 64.154) S. Dietrich; vgl. auch (betr. Bich) Almosen, (betr. Kies) Bankier, (betr. Lobe) Bank u. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 676: ([225] auf S. 64.154) S. bekommen.]

[Fußnote 677: ([226] auf S. 64.154) S. aberwitzig u. alltäglich. In gleicher Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s. Liebich, S. 169 (narbuléngĕro diwes, d. h. »Narrentag«) u. Finck, S. 55, (narwelengero díwes).]

[Fußnote 678: ([227] auf S. 64.154) S. (btr. Brandling) Apfelkuchen.]

[Fußnote 679: ([228] auf S. 64.154) S. Affengesicht.]

[Fußnote 680: ([229] auf S. 64.154) S. (betr. nobis) Dietrich u. (betr. schenegla) abschaffen.]

[Fußnote 681: ([230] auf S. 64.154) S. Daumen.]

[Fußnote 682: ([231] auf S. 64.154) S. abgeben.]

[Fußnote 683: ([232] auf S. 64.154) S. aufschlagen.]

[Fußnote 684: ([233] auf S. 64.154) S. beschenken.]

[Fußnote 685: ([234] auf S. 64.154) S. Bett.]

[Fußnote 686: ([235] auf S. 64.154) S. Dolch.]

[Fußnote 687: ([236] auf S. 64.154) Hamore = Streit (Fehde, Gefecht, Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in Wittichs W.-B. gewissermaßen als Synonym zu More (= Prügelei, Streit) od. Morerei (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Hamore = Händel); Schöll_ 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 345 (More = Händel, Mori = Streit, Zus. Morekaffen [lies: -kaffer] = »bestohlene Diebsverfolger«); Schwäb. Händlerspr. 479 (Môrest od. Mores = Angst, in U. [214]: Mōre = Streit u. mōre[n] [in Lütz. (214): hamīre(n)] = streiten); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Môres = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. Etymologie s. noch Näh. in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das _Pfulld. J.-W.-B. (340) More_ durch ganz denselben Ausdruck (»Händel«) verdeutscht wie die älteren rotw. Quellen Hamore, so läßt dies wohl darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. More aber (von dem weiter Morerei — ev. durch Vermittlung eines Zeitw. mōren [s. Schwäb. Händlerspr. in Lütz. (214)] — leicht gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. môr' = »Furcht« gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach durch »Angst« od. »Furcht« wiedergegeben ist (u. ebenso in d. _Schwäb. u. Pfälz. Händlerspr._ [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem Fragezeichen — aufgestellte, wonach zu Hamore das hebr. chămôr = »Esel« herangezogen worden.]

Feiertag, Festtag, Weisleng[689]. (Obgleich Weisleng eigentlich [64.155] Sonntag bedeutet, wird doch auch jeder andere Feiertag damit bezeichnet)

Feigling, Buxeschmelzer (d. h. eigtl. »Hosenscheißer«)[690]

fein, dof, g'want[691]

feines Haus, dofe Kitt[692]; vgl. Schloß

Feldschütz s. Flurschütz

Felleisen, Rande[693]

Felsen, grandicher Kies (d. h. »großer Stein«)[694]

[Fußnote 688: ([237] auf S. 64.155) S. Ast.]

[Fußnote 689: ([238] auf S. 64.155) Mit Weisleng (-ling) = Sonntag (Feier-, Festtag) sind folgende Zus. gebildet worden: Brandlingweisling (d. h. eigtl. »Kuchensonntag« = Kirchweihsonntag (der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), Bäzemaweisling (d. h. eigtl. »Eiersonntag«) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schuberleweisling (d. h. eigtl. »Geistsonntag« [mit Bez. auf die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.). Aus dem verw. Quellenkr. kennt nur die _schwäb. Händlerspr. in Deggingen (215) Weissling_ in der Bedeutg. »Sonntag«. Im Rotw. kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne nicht, dagegen für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z. B. für Ei (so auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68), für Milch (so auch in der schwäb. Händlerspr. 484), für Schnee (s. z. B. schon Schintermicherl 1807 [288]), für den »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg. »Zwanzig- od. Fünfpfennigstück«) usw. Vgl. Pott II, S. 8, A.-L. 621, Günther, Rotwelsch, S. 62 u. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm. 3. Der Etymologie nach nimmt Weissling = Sonntag usw. jedenfalls wohl Bezug auf das Weiße als »Farbe des Tages, Lichtes .. und _der festlichen Freude« (vgl. Näh. dazu bei H. Schrader_, Wundergarten, S. 70).]

[Fußnote 690: ([239] auf S. 64.155) S. Beinkleid u. Abort.]

[Fußnote 691: ([240] auf S. 64.155) S. angenehm u. anmutig.]

[Fußnote 692: ([241] auf S. 64.155) S. angenehm u. Abort.]

[Fußnote 693: ([242] auf S. 64.155) S. Bauch.]

[Fußnote 694: ([243] auf S. 64.155) S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich S. 196 (bāro parr, d. h. »großer Stein« [od. pesso parr, d. h. »dicker Stein«] = Fels).]

Fenster, Feneter[695], Schei[696] [64.156]

Fensterglas, Feneter- od. Scheiglansert[697]

Ferkel, Balo, Groanikel[698]

Ferse, Tritt[699], Trittleng[700]

Fett, Schmunk[701]

Fettbüchse, Schmunkschottel[702]

feucht, flu(h)tich[703]

Feuer, Funk[704]

[Fußnote 695: ([244] auf S. 64.156) Zusammengesetzt damit ist nur Feneterglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 258 (Fenette [fem. gen.] = Fenster); Schöll 271 (Feneter); Pfulld. J.-W.-B. 389 (Finetter) _Schwäb. Händlerspr. 480 (Feneter od. Finêter); s. auch Metzer Jenisch_ 216 (Fenēt); Eifler Hausiererspr. 490 (Finet) u. Winterfeld, Hausiererspr. 441 (Finester = Fenster u. Auge). Zur Etymologie (vom franz. fenêtre [ital. finestra]) s. Pott II, S. 17, Günther, Rotwelsch, S. 37 u. Weber-Günther, S. 173; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da Wittich in sr. »Einleitung« (S. 29) die Vokabel unter den aus der Zigeunersprache stammenden (in der Form Fenetra) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine »jenischen Leute« sie zunächst von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in ähnl. Form) auch kennen (s. Finck, S. 57: fenétri = »Fenster«, während Liebich S. 196 dafür nur wochni hat [vgl. bei Jülling, S. 227: Wochli = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26 u. »Einleitg.« S. 29, Anm. 93).]

[Fußnote 696: ([245] auf S. 64.156) S. alltäglich.]

[Fußnote 697: ([246] auf S. 64.156) S. (betr. Glansert) Bierglas.]

[Fußnote 698: ([247] auf S. 64.156) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]

[Fußnote 699: ([248] auf S. 64.156) S. Entenfuß.]

[Fußnote 700: ([249] auf S. 64.156) Trittleng (-ling) bedeutet (ähnlich wie Tritt) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh od. Stiefel. Zusammensetzgn. damit sind: a) im Anfang: Trittlengstreifling = Fußlappen; b) am Ende: Grif(f)lingtrittling = Handschuh, Halbtrittleng = Halbstiefel, Traperttrittling = Huf (eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. Traperttritt = »Gaulfuß« [s. oben unter »Entenfuß«]. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92, 98 (Trittling = Füße, Schuh); Schöll_ 271 (Form: ebenso, Bedtg.: Fuß); Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75, 76 (Trittling = Schuh, Stiefel); Schwäb. Händlerspr._ 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel, vgl. Trittlingspflanzer = Schuster); auch im _Pleißlen der Killertaler (436) hat Trittling dieselben_ Bedeutgn. Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (zu »Tritt« bzw. »treten«) s. Groß' Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.]

[Fußnote 701: ([250] auf S. 64.156) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 702: ([251] auf S. 64.156) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 703: ([252] auf S. 64.156) S. abbrühen.]

[Fußnote 704: ([253] auf S. 64.156) S. abbrennen.]

Feuersbrunst, grandicher Funk (d. h. »großes Feuer«)[705] [64.157]

Feuerstein, Funkkies[706]

feurig, funkich[707]

Fichte, Stöber[708]

Fichtenwald, Jahre, Kracher (d. h. überhaupt »Wald«)[709]

Filzlaus, Kenem[710]

Finger, Grif(f)ling[711]

Fingerhut, Grif(f)lingoberman(n)[712]

[Fußnote 705: ([254] auf S. 64.157) S. Adler u. abbrennen. — Auch die Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern sagen dafür bāro jāk, d. h. gleichfalls »großes Feuer«, oder diwii jāk, d. h. »wildes, wütendes Feuer« (s. Liebich, S. 197); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 17.]

[Fußnote 706: ([255] auf S. 64.157) S. (betr. Kies) Apfelkern.]

[Fußnote 707: ([256] auf S. 64.157) S. abbrennen.]

[Fußnote 708: ([257] auf S. 64.157) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 709: ([258] auf S. 64.157) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 710: ([259] auf S. 64.157) Mit Kenem (= Laus, Filzlaus, plur. Keneme = Ungeziefer) sind zusammengesetzt: a) am Anfang: Kenemebenges, -benk od. -fi(e)sel = »Lausbub«; b) am Ende: Muffkenem (d. h. eigtl. »Stinklaus«) = Wanze (vgl. Aas). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Kinum = Läuse); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Künum = Laus, plur. hier: Künumer); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, 72 (Kinum od. Kinem = Läuse, Kinumrechen = Kamm [vgl. das volkstüml. »Lauseharke«]); _Schwäb. Händlerspr. 488 (Kenum, Kînum od. Kîneme [in Pfedelb._ (211): Kinnem] = Laus, in Pfedelb. [211] auch Kinnemrechen = Kamm); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kînum = Laus). Zur Etymologie aus dem Hebr. (bibl. kinnîm od. kinnm, eigtl. = »Stechmücken«, jüd. kinnim = »Läuse«) s. Günther, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit A.-L. 538 u. 390 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch Weber-Günther, S. 157 (unter »Kinnem«), woselbst auch noch weitere Belege aus d. Rotw. angeführt sind.]

[Fußnote 711: ([260] auf S. 64.157) S. Daumen.]

[Fußnote 712: ([261] auf S. 64.157) Oberman(n) = Hut (Haube, Kappe, Mütze) kommt auch noch in folgenden Zus. vor: a) am Anfang: Oberman(n)pflanzer = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b) am Ende: Lanengeroberman(n) = Helm od. Soldatenmütze, Grandicher-Sins-Oberman(n) (d. h. eigtl. »Königshut«, zu _grandich Sins_ = König [s. oben unter »Bischof«], weshalb genauer Grandich-Sins-Oberm. zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. Süslingoberman(n) = Zuckerhut (wobei der Ausdr. — wie in Grif[f]lingoberman[n] — im übertrag. Sinne gebraucht ist). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 94 (Obermann = Hut, dann auch Rahm); Pfulld. J.-W.-B._ 339-342 (Aberma = Filzhut, Oberma = Hut, auch Milchrahm, Obermäne = Kappe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Obermann = steifer Hut, vgl. Strohmann = Strohhut); Schwäb. Händlerspr. 482 (Oberman = Hut; dazu in Pfedelb. [210] noch: Obermannspflanzer = Hutmacher). Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die Erklärung des Ausdrucks s. Groß' Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch Weber-Günther, S. 191/92 (unter »Öwermännche«).]

Fingerring, Reifling[713] [64.158]

finster, leile (eigtl. Leile = Nacht)[714]

Finsternis, Leile

Fisch, Flössling[715], Flotscher[716], Matsche[717], Schwimmerling[718]

[Fußnote 713: ([262] auf S. 64.158) Reifling = Ring (Fingerring) kommt (in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der Zus. Flösselreifling (d. h. eigtl. »Wasserring«) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem »Reif[en]« gehörende) Wort ist auch der schwäb. Händlerspr. (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr. dagegen kaum gebräuchlich. Das Pleißlen der Killertaler (436) hat Raifle = Ring.]

[Fußnote 714: ([263] auf S. 64.158) S. Abend.]

[Fußnote 715: ([264] auf S. 64.158) Flössling wird (ähnlich wie Flederling = Vogel für bestimmte Vogelarten) auch für einzelne Fischarten verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in der Gaunerspr. [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg. als argum.: Flösslingschottel = »Heringbüchse«), der übrigens auch genauer durch Spronkertsflössling (d. h. »Salzfisch«) oder Begertflössling (d. h. »toter Fisch«) wiedergegeben wird (s. hierzu auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter »Hering«; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. Schwimmerling (s. unten Anm. 4) gebräuchlicher. Zusammensetzgn. mit Flössling am Anfang sind noch Flösslingachilerei od. -bikus = Fischessen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flösling); Schöll 271 (Flößling); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Fl¶e¶ßling, vgl. fleßlinge = fischen); Schwäb. Händlerspr. 480 (Flößling [plur.] = Fische). Etymologie: Nach Stumme, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15. Jahrb. (s. z. B. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]) auftretende — Ausdruck »weniger von der Flosse des Fisches (s. dazu Weigand, W.-B. I, Sp. 559) als von Floß = ›Wasser‹ (s. dazu Weigand, a. a. O., Sp. 559 unter »Floß« Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. Schintermicherl 1807 [289: Flos = Wasser]) ausgehend zu deuten«. S. auch A.-L. 541 (unter »Floß«). — Vgl. oben flösle(n) usw. unter »austreten (leicht)«.]

[Fußnote 716: ([265] auf S. 64.158) Flotscher (od. Pflotscher) erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. Flössling u. Schwimmerling, auch in Zus., von denen nur Spronkertflotscher = Hering (vgl. Anm. 715) u. Flotscherkahlerei = Fischessen zu nennen sind. Außerdem hat aber Flotscher od. Pflotscher[t] auch noch die Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (Zus.: Bogeiepflotschert[t] = Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. Pflotscherpflanzer[in] = Schirmflicker[in]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flotschen = Fisch, Flotschenkitt_ = Fischkasten; Schwäb. Händlerspr. 480 (Flotscher = Fisch; vgl. auch [488]: pflötsche = [sich] waschen). Zur Etymologie: In der Bedeutg. »Fisch« dürfte Flotscher doch wohl in letzter Linie mit fließen (im Sinne von »schwimmen« [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 554 unter »fließen«, Nr. 2 u. 559 unter »Flosse« a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu der zweiten Bedeutg. (Regenschirm) gibt Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1068 (unter »Pflotsch«) vbd. mit Sp. 1057 (unter »Pflatsch«) u. 1058 (unter »pflatsche[n]«) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb. pflatsche(n) »mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut: »pflatsch«) auf den Boden fallen«, was besonders vom Wasser und Regen gebraucht wird, daher Pflatschregen od. auch bloß Pflatsch (Pflatscher) od. Pflotsch = Regenguß (vgl. »Platzregen«). Das Wort geht (nach Fischer) »etwa parallel mit patschen« (worüber zu vgl. Groß' Archiv, Bd. 47, S. 215), »nur daß es sich weit mehr auf das Wasser bezieht« (vgl. auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens läßt Fischer (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob pflotsche[n] (das auch für »im Wasser waten« vorkommt) nicht »ein Wort für sich« sein könnte.]

Fischbein, Bogeia[719] [64.159]

Fischbeinschirm, Bogeilepflotschert[720]

[Fußnote 717: ([266] auf S. 64.159) Matsche kommt (gleich Flössling) ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. »Karpfen« vor. Zus. damit: Matschebutterei = Fischessen; Ableitungen davon: matschen = fischen u. (davon wieder) Matscher = Fischer. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 480 (Matsche = Fische, in U. [214] auch d. sing. Mătsch = Fisch); nur vereinzelt auch im Rotw. bekannt (s. z. B. Pfister 1812 [302: Matsche = Fisch]; _v. Grolman 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: Matscho als sing.]; Karmayer_ G.-D. 209 [wie v. Grolm.]). Zur Etymologie: (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525 (unter »Matsch«) vbd. mit Pott II, S. 437 (unter »Maczo«), Liebich, S. 145 u. 197 (mādscho od. mādschin), Miklosich, Beitr. III, S. 14 (bei d. deutsch. Zigeun.: mādšo od. -šin) u. Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter »mačo«: bei den deutsch. Zigeun.: māčo [mādscho]), Jühling, S. 224 [Matscho, plur. -e) u. Finck, S. 73 (mātšo). Nach Miklosich (a. a. O.) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (matsja) zurückverfolgen.]

[Fußnote 718: ([267] auf S. 64.159) Auch Schwimmerling kommt (gleich Flössling u. Matsche) noch spezieller für »Karpfen« vor. Für andere Fischarten erscheint es in der Verbindg. dofer Schwimmerling (d. h. etwa »schöner Fisch«) = Forelle sowie in der Zus. Fuchsschwimmerling = Goldfisch u. Spronkertschwimmerling = Hering (vgl. die Synon. Spronkertflössling u. -flotscher). An den Anfang gestellt ist dieses Wort in der Zus. Schwimmerlingbikerei = Fischessen u. Schwimmerlingsflederling = Fischreiher (d. h. eigtl. nur »Fischvogel«). In dem verw. Quellenkr. ist die Vokabel (die natürlich zu »schwimmen« gehört) nicht bekannt, im sonst. Rotw. vereinzelt anzutreffen, während die Kundenspr. ein kürzeres Schwimmling = Hering kennt. S. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.]

[Fußnote 719: ([268] auf S. 64.159) Dieses Wort (mit dem die Zus. Bogeiepflotschert = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist) hat auch die schwäb. Händlerspr. 480 (Bogeie = Fischbein), während es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner Etymologie nach stammt es wohl aus der Zigeunersprache her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. Jühling, S. 222 (wo Gogcia = »Beiner[?]« u. als Sing. Gogalo [= Bein] angeführt ist, das auch in anderen Sammlungen vorkommt [s. Liebich, S. 137, 182 u. 215 (gogālo od. kokālo = Bein od. Knochen); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter »kokalo«: bei den deutsch. Zigeun.: gogālo); Finck, S. 65 (kókalo = »Knochen, Bein, Knöchel«)] und [nach Mikl., a. a. O ] mit dem neugriech. [Griechisch: kokalon] zusammenhängt).]

fischen, matschen[721] [64.160]

Fischer, Matscher

Fischessen, Flösslingachilerei[722] od. -bikus[723], Flotscherkahlerei, Matschebutterei od. Schwimmerlingbikerei[724]

Fischreiher, Schwimmerlingsflederling[725]

Flamme, Funk[726]

Flasche, Glansert[727]

flehen, derchen[728]

Fleisch, Bossert, Mas(s)[729]

Fleischbüchse, Bossertschottel[730]

Fleischer, Kafler[731]

[Fußnote 720: ([269] auf S. 64.160) S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158, Anm. 716).]

[Fußnote 721: ([270] auf S. 64.160) S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).]

[Fußnote 722: ([271] auf S. 64.160) S. Fisch u. essen.]

[Fußnote 723: ([272] auf S. 64.160) S. (betr. Bikus) Abendessen.]

[Fußnote 724: ([273] auf S. 64.160) S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und Abendessen.]

[Fußnote 725: ([274] auf S. 64.160) S. (betr. Flederling) Adler.]

[Fußnote 726: ([275] auf S. 64.160) S. abbrennen.]

[Fußnote 727: ([276] auf S. 64.160) S. Bierglas.]

[Fußnote 728: ([277] auf S. 64.160) S. abbetteln.]

[Fußnote 729: ([278] auf S. 64.160) S. Aas.]

[Fußnote 730: ([279] auf S. 64.160) (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 731: ([280] auf S. 64.160) Mit Kafler = Fleischer (Metzger, Schlächter) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kaflerkitt = Metzgerhaus (u. dazu die weitere Verbdg. _grandich Kaflerskitt = Schlachthaus); b) am Ende: Kibekafler_ = Hundemetzger, Stupfelkafler = Igelmetzger, Horboge- od. Bogakafler = Kuh- (ersteres auch Rindvieh-) Metzger, Trabert-, Hornikel-, Groenikelkafler = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. Ableitungen von Kafler sind das Zeitw. kaflere = schlachten (s. dazu die Zus. niederkaflere = niedermetzeln) u. das Subst. Kaflerei = Metzgerei (s. dazu die Zus. Kaflereischnall = »Metzelsuppe«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Kafler = Schinder); Pfullend. J.-W.-B. 338, 340, 341, 344 (Kaffler = Abdecker, Metzger, Kafler = Henker, Schinder, Kaflerei = Schinderei, kaflen = schlachten); Schwäb. Händlerspr. 480, 484, 485 (Kfler = Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], kfelen = schlachten, Kfel = Fleisch von verrecktem Vieh). Etymologie: Der Ausdruck, der im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw. Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von »Abdecker« oder »Schinder« (dann auch wohl von »Henker«) gehabt hat, ist offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren Caviller od. Kafiller u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst vom Hebräischen (syr. kephál = »abdecken, ziehen«) herleiten will — doch auch das md., früher auch hochd. fillen (mhd. villen) = »das Fell abziehen« Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch Seiler, Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 36 ff. (unter »Caviller«; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die notw. Belege für Kaf[f]ler u. Caffler). Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 146 (unter »Kafler«) gibt keine bestimmte Erklärung.]

Fleischhafen, Bossertnolle[732] [64.161]

fleißig, scheneglich[733]

flicken, pflanzen (Spr.)[734]

fliehen, bosten[735] od. schiebes bosten[736], naschen (geflohen, genascht)[737] od. tschanen[738]

[Fußnote 732: ([281] auf S. 64.161) Nolle ist eine beliebte Bezeichnung für ein »Gefäß« verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen, Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen, Pokal, Schoppen), namentl. auch in Zusammensetzgn. Als solche sind zu nennen: a) mit N. am Anfang: Nollepfanzer = Hafner (Töpfer), Kesselflicker; b) mit N. am Ende (außer Bossertnolle noch): Süslengnolle = Kaffeekanne, Duftnolle (d. h. eigtl. »Kirchenpokal«) = Kelch, Gleisnolle = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), Fu(h)lnolle od. Schmelznolle = Nachthafen, Flösselnolle = Nachttopf (Urintopf), Spronkertnolle = Salznapf, Schwächnolle = Trinkgeschirr, Fläderlingsnolle = Vogelnapf, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Johlenolle = Weinkrug. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 93, 100 (Nolle = Hafen, Topf); W.-B. des Konst. Hans 255 (Nolle = Kochhafen); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Servnolle = Kessel [Brennkessel]); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (Nolle = Schüssel, Topf, in Lütz. [214]: Fülnolle = Nachttopf). Zur (nicht sicheren) Etymologie s. etwa A.-L. 579 vbd. mit v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 409 (Noll [G'noll, Knoll] = »rundlicher, harter Körper«), Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2055 (unter »Nolle« Nr. 2) u. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 879 vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch Keiper in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. II (1901), S. 53 ff.]

[Fußnote 733: ([282] auf S. 64.161) S. abschaffen.]

[Fußnote 734: ([283] auf S. 64.161) S. anbrennen.]

[Fußnote 735: ([284] auf S. 64.161) S. abgehen.]

[Fußnote 736: ([285] auf S. 64.161) S. davongehen.]

[Fußnote 737: ([286] auf S. 64.161) Das Zeitw. naschen (= fliehen, auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem verw. Quellenkr. m. Wissens nur im Pfulld. J.-W.-B. (342) für »laufen« (vgl. auch 341: naschirlen = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen Reihe von Zusammensetzgn. (nämlich: ausnaschen = ausgehen, durchnaschen = durchlaufen, innerkinnignaschen = einsteigen, vernaschen = entfliehen, hinternaschen = hintergehen, schibisnaschen = scheiden, beduchtnaschen = schleichen, hordignaschen od. guantnaschen = springen). Für sich allein kommt es hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. _Pfister bei Christensen 1814 [= gehen]; v. Grolman_ 50 u. T.-G. 96 [ebenso]; Karmayer 116 [desgl., doch hier auch andere Bedeutgn.]). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. A.-L. IV, S. 245 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit Pott II, S. 324 (unter »Naszavav«), Liebich, S. 149, 197, 218 (naschāwa = ich laufe [fließe], fliehe), Miklosich, Beitr. III, S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter »naš«: bei den deutsch. Zigeun.: našav̄a = laufen, fließen), Jühling, S. 224 (nascha = fliehen) u. Finck, S. 75 (Stamm: naš-, nāšs-, našew- u. ä. = »laufen, gehen, fließen, schwärmen, jagen«).]

flink, dof[739], g'want[740] [64.162]

Flinte, Klass[741], Schnelle(r)[742]

Flöhe, Hasa[743]

fluchen, stämpfen[744]

Flurschütz (Feldschütz), Grünleng[745]

Fluß, Flu(h)te[746]

Flut, "

Fohlen s. Füllen

folgen, boste[734], pfichen[734]

folgsam, dof[739]

fordern, dalfen, derchen[747]

Forelle, dofer Schwimmerling (d. h. etwa »schöner [guter] Fisch«)[748]

[Fußnote 738: ([287] auf S. 64.162) Zu dem Zeitw. tschanen = fliehen (auch wohl gehen, kommen) ist zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (tschanen = herumziehen) u. _Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. (214]: tschāne[n]_ = gehen). Seiner Etymologie nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. naschen) aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. Näh. bei Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit Pott II, S. 212/13 (unter »Dscha«), Liebich, S. 133 u. 201 (dschāwa = ich gehe), Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter »dža«: bei den deutsch. Zigeun.: džava = ich gehe), Jühling, S. 227 (tschah = geh!) a. Finck, S. 56 (Stamm: dša- = gehen; vgl. dšā́ben = »Gang, Tritt«).]

[Fußnote 739: ([288] auf S. 64.162) S. angenehm.]

[Fußnote 740: ([289] auf S. 64.162) S. anmutig.]

[Fußnote 741: ([290] auf S. 64.162) S. Büchse.]

[Fußnote 742: ([291] auf S. 64.162) S. abschießen.]

[Fußnote 743: ([292] auf S. 64.162) Die gleiche Bezeichnung (nur im Sing.) kennt auch die schwäb. Händlerspr. 481 (Hase = Floh). Es handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine andere (vgl. dazu Günther, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium comparationis gewesen ist. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1206 (zu »Hase«, Nr. 3).]

[Fußnote 744: ([293] auf S. 64.162) S. Ärger.]

[Fußnote 745: ([294] auf S. 64.162) Zu Grünleng = Jäger, Flur-od. Feldschütz vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Grün¶d¶ing = Jäger, das nach Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 vielleicht nur ein Schreibfehler für Grünling ist; vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 56, S. 184) u. Schwäb. Händlerspr. 488 (Grünling [Groêling] = Waldhüter [in Lütz. (215) = Jäger, während der Waldhüter dort Grü(n)lingsbutz heißt]); s. auch noch _Regensburg. Rotw. 489 (Grünling = Jäger, Förster). Zur Etymologie_ s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von Grünling im Rotw. s. Günther, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche Grünwedel s. unter »Förster«.]

[Fußnote 746: ([295] auf S. 64.162) S. abbrühen.]

[Fußnote 747: ([296] auf S. 64.162) S. abbetteln.]

[Fußnote 748: ([297] auf S. 64.162) S. angenehm u. Fisch. Über die abweichenden Bezeichnungen in d. Zigeunerspr. s. Näh. unter »Hering«.]

forschen, ausbutschen[749], auslinzen[750] [64.163]

Förster, grandicher Grünwedel, d. h. »der größere Forstmann«)[751]

Forstmann, Forstwart, Grünwedel

fortbringen, fortbugla[752]

fortfahren, abruadla[753]

fortgehen, schiebes bosten, — pfichen od. — schef(f)ten[754]

fortschleichen s. fortgehen

forttragen s. fortbringen

fragen, butschen[749], lenzen[750]

Frau, Goi[755], Mogel[756], Mos(s)[757], Romane[758]

[Fußnote 749: ([298] auf S. 64.163) S. anfragen.]

[Fußnote 750: ([299] auf S. 64.163) S. anschauen.]

[Fußnote 751: ([300] auf S. 64.163) S. über die Rangsteigerung Grünwedel = Forstmann (-wart), grandich¶er¶ Gr. = Förster, grand¶ich¶ Gr. = Oberförster schon oben unter »Bischof«. Zwei ähnliche Abstufungen kennen (nach Liebich, S. 198) auch die Zigeun., nämlich: wēschéskero = Forstmann, Förster u. barĭdīr w. (d. h. »der größere [höhere] Forstmann«) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63, S. 391, Anm. 418 [zu »Bischof«]). Für die Bezeichg. Grünwedel vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Grünwedel = Jäger); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); in der _Schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. nicht bekannt, obwohl dort mancherlei ähnliche_ Ausdrücke vorkommen (wie z. B. Grünstäudle = Jäger [so: _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 und Schwäb. Händlerspr. 82], Grünstaudler_ = Feldhüter, Grünstäudel, -staud od. -stäudling, Grünsteiger, -rattler u. a. m. = Waldhüter [s. Schwäb. Händlerspr. 480 u. 488]). Über weitere Belege (für Grünwedel) aus dem Rotw. sowie die Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm. 2.]

[Fußnote 752: ([301] auf S. 64.163) S. abtragen.]

[Fußnote 753: ([302] auf S. 64.163) S. abfahren.]

[Fußnote 754: ([303] auf S. 64.163) S. davongehen; vgl. (betr. bosten u. pfichen) abgehen u. (betr. schef[f]ten) unter »daher« a. E.]

[Fußnote 755: ([304] auf S. 64.163) S. böse Frau.]

[Fußnote 756: ([305] auf S. 64.163) Zu Mogel od. Mokel = Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib vgl. Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (Mockel = Frau, Mokel = Mutter). Die Etymologie bleibt unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. Mockel, u. a. = »plumpes Weibsbild«, Mockele(in) = »rundliches Kind, Mädchen« (aber beides auch für Rindvieh, bes. Kuh od. Kalb gebraucht) nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (Mockel [auch] = »weibliche Geschlechtsteile«). Über ein seltenes rotw. Muck (od. Mück) = Frau s. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.]

[Fußnote 757: ([306] auf S. 64.163) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 758: ([307] auf S. 64.163) Zu Romane = Frau vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 72 (Rumie = Frau, femin. zu Romno = Mann u. Schwäb. Händlerspr. (in U. [214]: Romli = Mädchen [vgl. Rom = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw. ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [Rumini = Frau]; v. Grolman 57 [ebenso]; Karmayer G.-D. 215 [verdr.: Runinni]). Etymologie: Die Vokabel stammt aus der Zigeunersprache (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. bildet das fem. (romni u. ä.) zu rom = Mann, Ehemann, Zigeuner, (vgl. rōmano [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter »Rammenin«) vbd. mit Pott I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528, Liebich S. 156 u. 191, 198, 262 (romni = Frau, Ehefrau, Zigeunerin), Miklosich, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter »rom«: bei den deutsch. Zig. romni = Frau [Eheweib], Zigeunerin), Jühling, S. 227 (unter »Tschai«: Romni = Frau).]

Frau, fahrende, jenische Mos(s) od. — Model[759] [64.164]

Frau, junge, Mössle (das jedoch auch »kleines Mädchen« u. »alte Frau« bedeutet)[760]

Frauenkleid, Mos(s)klufterei[761]

Frauenrock, Mos(s)malfes[762]

Frauenschürze, Mos(s)fürflamme[763]

[Fußnote 759: ([308] auf S. 64.164) S. Bachstelze, Bauernfrau u. Beischläferin.]

[Fußnote 760: ([309] auf S. 64.164) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 761: ([310] auf S. 64.164) S. (betr. Klufterei) ankleiden.]

[Fußnote 762: ([311] auf S. 64.164) Malfes (neuere Form für das ältere Mahlbosch [vgl. »Einleitung«, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte, Überrock) ist verwendet in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Malfesrande = Rocktasche; b) am Ende: (außer Mos[s]malfes noch): Gadscho- od. Kaffermalfes = Männerrock, Plauderermalfes = Lehrerrock, Gallach- od. Kolbemalfes = Priesterrock. Eine Verbindg. damit ist unterkünftiger Malfes = Unterrock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94, 98 (Malebosch od. Malus = Rock, ein ganzer M. = Rock und Kamisol, ein halber M. = Kamisol); W.-B. des Konst. Hans 254 (Malves = Kamisol, Mahlbosch = Rock); Schöll 271 (Formen: Malves u. Malbosch, Bedeutgn.: wie im W.-B. des Konst. Hans); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 343, 344: Malves od. Malboschum = Kittel, Malfes od. Maleboschen = Rock, Ruchemalfes [od. Mahlboschen] = Bauernkittel, Schlaumalfes = Schlafrock); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Malfes = Weste, dagegen Walmusch [sic] = Rock, aber wieder Dormmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (Malfes u. Walmusch = Rock, dazu [in Pfedelb. (212)]: Dormmalfes = Schlafrock); s. auch noch _Pfälzer Händlerspr. 438, 439 (Malebīsch = Anzug, Walmüsch_ = Rock) u. Metzer Jenisch 216 (Malbosche = Kleider). Über weitere, in der Form sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über die Etymologie (vom. hebr. mlbûsch = »Kleider«) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. Schütze S. 98 (unter »Walmusch«); vgl. Weber-Günther, S. 167 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.]

[Fußnote 763: ([312] auf S. 64.164) Zu Fürflamme = Schürze vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Vorflam = Schürz); Pfulld. J.-W.-B. 344 (Flamme = Schürze). Auch in d. sonst. rotw. Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form Flamme (od. Flammert), teils in der längeren Vorflamme(rt) od. Fürflamme(rt) u. ä. mehrfach anzutreffen. S. z. B. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (227: Flamme); ferner Krünitz' Encyklopädie 1820 (353: Vorflamme); v. Grolman 21, 22 u. T.-G. 120 (Fürflamm[e], Für- od. Vorflammert od. Flamme, Flammert); Karmayer 52 (Fürflamm [masc. gen.]) Die Etymologie ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer weithin leuchtenden (gleichsam »flammenden«) weißen Schürze zu denken; vgl. A.-L. 540 (unter »Flamme« [wo auch die Nebenbedeutgn. von Flamme(rt) — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s. auch noch Groß' Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter »Flamme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]

Frauensperson (Frauenzimmer), Goi[764], Model[765], Mogel[766], [64.165] Mos(s)[767]; vgl. Frau

Frauenstube, Mos(s)schrende[768]

Fräulein, Sinsemodel[769]

frech, lenk, schofel[770]

Freien, im — übernachten s. übernachten

Fremder (d. h. ein Herr, Bursche, Mann, aber kein Bauer), Freier[771]

[Fußnote 764: ([313] auf S. 64.165) S. böse Frau.]

[Fußnote 765: ([314] auf S. 64.165) S. Beischläferin.]

[Fußnote 766: ([315] auf S. 64.165) S. Frau.]

[Fußnote 767: ([316] auf S. 64.165) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 768: ([317] auf S. 64.165) Mit Schrende = Stube (Gemach, Zimmer) sind gebildet die Verbdgn. grandiche Schrende = Saal) (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schrendepflanzer = Zimmermann; b) am Ende (außer Mos[s]schrende noch) Sinseschrende = Herrenzimmer, Leileschrende (eigtl. »Nachtstube«) = Wachtstube. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Schrende_ = Stube); übereinstimmend (in Form und Bedeutg.) auch: W.-B. des Konst. Hans 254, Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 345; dagegen in der _schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]): Schrenze_ = Stube. Über weitere Belege im Rotwelsch sowie Etymologie des Wortes (das ohne Zweifel deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 54, S. 165, Anm. 2 u. dazu etwa auch noch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter »Schrand«).]

[Fußnote 769: ([318] auf S. 64.165) S. Amtmann u. Beischläferin.]

[Fußnote 770: ([319] auf S. 64.165) S. arg.]

[Fußnote 771: ([320] auf S. 64.165) Zu Freier = Fremder (auch Herr, Jüngling) s. das Dimin. Freierle = Junge, Knabe, auch Sohn, die Verbindungen dofer Freier = Junker u. schofler Freier = Heuchler od. auch »Hurenkerl« sowie die Zus. Fehtefreier = Quartierbursche (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Freier_ = »ein gewachsener Bub«); Schwäb. Händlerspr. 480 (Freier = Mann). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie s. Groß' Archiv, Bd. 49, S. 350 ff. Daß Freier in Wittichs Jenisch niemals für einen Bauer verwendet werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste Bedeutg. im Rotwelsch gerade »Bauer« gewesen sein dürfte (s. u. a. schon W.-B. v. St. Georgen 1750 [350]).]

Freudenmädchen, Lubne, Schoflemodel[772] [64.166]

Freund, Benges od. Benk[773]; Fi(e)sel[774]

freundlich, dof[775]

friedfertig, "

Friedhof s. Gottesacker

frieren, mich friert's, mich bibert's[776]

frisch, dof (Spr.)[775]

fromm, "

fromme Leute, Blibelulma[777]

Frost, Bib(e)risch (subst. Adj.)[778]

frostig, bib(e)risch[776]

Frucht, Gib[779], Kupfer[780]

[Fußnote 772: ([321] auf S. 64.166) S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin.]

[Fußnote 773: ([322] auf S. 64.166) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 774: ([323] auf S. 64.166) S. Bettelbube.]

[Fußnote 775: ([324] auf S. 64.166) S. angenehm.]

[Fußnote 776: ([325] auf S. 64.166) S. eisig.]

[Fußnote 777: ([326] auf S. 64.166) S. anbeten u. arme Leute.]

[Fußnote 778: ([327] auf S. 64.166) Vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 779: ([328] auf S. 64.166) Gib (= Frucht, bedeutet bes. auch Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie aus der Verbdg. g'funktes Gib [»gebranntes Getreide« (Gerste)] = Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17] zu schließen sein dürfte). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339-341 (Gi[e]b = Frucht, Korn, Hafer, für letzteres auch: Spitzgib); Schwäb. Händlerspr. 481 (Gîp = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. Etymologie: Das Wort stammt aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. in letzter Linie aus dem Altind. S. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647 (unter »Gip«) vbd. m. Pott II, S. 67 (unter »Gieb«), Liebich, S. 136 u. 203, 216 (gīb = Getreide, Korn), Miklosich, Beitr. III, S. 21 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter »giv«: bei d. deutsch. Zigeun.: gīb = Getreide, Korn), Jühling 222 (Gib = Frucht, Feld) u. Finck, S. 59 (giw = »Getreide [Korn, Weizen, Gerste, Roggen«]).]

[Fußnote 780: ([329] auf S. 64.166) Auch Kupfer = Frucht, dann Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich Gib) noch spezieller für einzelne Getreidearten vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling). Auch sind damit (im Gegens. zu Gib) verschiedene Zusammensetzgn. gebildet worden, nämlich a) am Anfang: Kupfertrapert = Heupferd, Kupferflederling (eigtl. »Heuvogel«) = Heuschrecke, Kupfersore (eigtl. etwa »Gras- od. Heuding«) = Sense (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.), Kupferstöber (eigtl. »Grasbaum«) = Weidenbaum; b) _am Ende: Flu(h)tekupfer = Meergras, Schilf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Kupfer = Heu); Schöll_ 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340 (desgl.); Schwäb. Händlerspr. 481, 482 (Kupfer = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt die Vokabel (für »Heu«) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [271: Kuffert (sic) = Heu] u. dann [i. d. Form Kupfer] öfter; merkwürdig die Umkehrung Heu [als rotw. Vok.] = Kupfer im W.-B. von St. Georgen 1750 [217], die aber vielleicht bloß auf einem Irrtum beruht). Die Etymologie ist ungewiß, auch von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch. (Lehn-)Worte »Kupfer« — als Metallbezeichnung — (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.]

Frühstück, Achilerei[781], Bikerei od. Bikus, Kahlerei[782] [64.167]

Fuhrmann, Rädlingskaffer (d. h. »Fuhrwerksmann«)[783]

Füllen (Fohlen), Trabertle (d. h. »Pferdchen«)[784]

Füllenstall, Trabertstenkertle[785]

Furcht, Bauser[786]

fürchten, bausen[786]

furchtlos, nobis bauserich (d. h. »nicht furchtsam«)[787]

furchtsam, bauserich[786]

Fürst, grandicher Sins (d. h. »großer Herr«)[788]

Furz, Bremser[789]

[Fußnote 781: ([330] auf S. 64.167) S. essen.]

[Fußnote 782: ([331] auf S. 64.167) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 783: ([332] auf S. 64.167) S. Eisenbahnwagen u. Bauer.]

[Fußnote 784: ([333] auf S. 64.167) Trabertle ist Dimin. zu Trabert od. Trapert = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für »Hengst« noch spezieller auch Trabertkaffer (d. h. eigtl. »Pferdemann«, männliches Pferd), wozu dann als Gegenstück Trabertmos(s) (eigtl. »Pferdefrau«) = Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu »Bauer« u. »Bauernfrau« sowie weiter unten unter »Hengst«). Weitere Zusammensetzgn. mit Tr. sind noch: a) am Anfang: Trapertstritt = Gaul- od. Pferdefuß, Traperttrittleng = Huf (eigtl. wohl auch »Pferdefuß«), Trabertbossert od. -mass = Pferdefleisch, Trabertstrauberts = Pferdehaare, Trabertkemerer = Pferdehändler, Trabertschenegler = Pferdeknecht, Trabertstenkert = Pferdestall (u. dazu das Dimin. Trabertstenkertle, wofür logischer Trabertlestenkert zu erwarten [s. schon oben unter »Entenstall«]) u. Trabertschwäche = Pferdetränke (wogegen Trabertschwächerle »Pferdeeuter« bedeutet [vgl. oben unter »Amme«]); b) am Ende: Kupfertrapert = Heupferd (vgl. oben S. 166, Anm. 780). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 97 (Trappert = Pferd); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Trappen_); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Trappert u. Trapperle = Pferd); Schwäb. Händlerspr. 485 (Trappert [Treppert, Treppling] u. Traber); s. auch Metzer Jenisch 216 (Trappert). Über weitere rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die Etymologie (zu »traben« bzw. »trappeln« usw.) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu »Trappert-Leininger«).]

[Fußnote 785: ([334] auf S. 64.167) S. Entenstall; vgl. auch die vorige Anm.]

[Fußnote 786: ([335] auf S. 64.167) S. Angst.]

[Fußnote 787: ([336] auf S. 64.167) S. (betr. nobis) Dietrich.]

[Fußnote 788: ([337] auf S. 64.167) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 789: ([338] auf S. 64.167) S. auslassen.]

furzen, bremsere[789], Bremser schmusen[790] [64.168]

Fuß, Tritt[791], Trittleng[792]; vgl. auch Schuh, Stiefel

Fußlappen, Trittlengstreifleng[793]; vgl. Socken

Fußsohle, unterkünftiger Tritt (d. h. »der untere Fuß«)[794]

Fußstapfe, Fußtritt, Tritt[791]

[Fußnote 790: ([339] auf S. 64.168) S. (betr. schmusen) ansagen.]

[Fußnote 791: ([340] auf S. 64.168) S. Entenfuß.]

[Fußnote 792: ([341] auf S. 64.168) S. Ferse.]

[Fußnote 793: ([342] auf S. 64.168) Streifleng (-ling, plur. -linge), eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Streiflingschure = Strumpfband u. Streiflingpflanzer = Strumpfwirker; b) am Ende (außer in d. obigen Vok. noch in) Kafferstreifling = Socken (eigtl. »Männerstrümpfe«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Streifling = Paar Strümpfe); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Streifling = Strümpfe); _Schwäb. Händlerspr. 484 (wie im Pfulld. J.-W.-B.); s. auch noch Metzer Jenisch 217 (Stre[i]fche_ = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt die Vokabel zunächst in der Bedeutg. »Hose« (s. schon Lib. Vagat. [55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für »Strumpf« auf (s. _Schwenter's Steganologia_ um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl. Schütze, S. 94, auch Groß' Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur Etymologie (von streifen = »überstreifen [über den Fuß]«) s. Archiv, a. a. O., S. 29: vgl. auch Pott II, S. 37.]

[Fußnote 794: ([343] auf S. 64.168) Übereinstimmende Umschreibung des deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. Liebich, S. 199 (telstīno pīro [d. h. »der untere Fuß«] = Fußsohle); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv. gebr. = unten — (im Gegensatze zu oberkünftig = oberer, als Adv. = oben [s. Näh. unter »Gaumen«]) kommt auch noch vor in den Verbindgn.: unterkünftige Kluft = Unterkleid u. unterkünftiger Malfes = Unterrock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _W.-B. des Konst. Hans 256 (unterkönig = unten); Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (unterkönig = hinab [Gegens.: oberkönig = hinauf] u. unterki¶m¶ig [besser wohl zu lesen: unterkinnig] = unten; vgl. auch inner-, usler- u. ennenkönig = hinein, hinaus, hinüber); _Schwäb. Händlerspr. 487 (unterkünftig = unten; vgl. [484]: oberkünftig_ = oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon seit dem 18. Jahrh. (s. W.-B. v. St. Georgen 1750 [219]: unterkünftig = unten, Gegens. [218]: oberkünftig = oben), während sie in neuerer Zeit wohl bes. in der Kundensprache fortlebt (vgl. z. B. Ku. III, 429 u. Ostwald [Ku.] 159 vbd. m. Ku. III 427 u. Ostwald [Ku.] 109 [Gegenstz.: oberkünftig]), obgleich sie in der schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr. fehlt, die dafür (76) aber hinterkünftig = hintenherum kennt. Etymologie: Man darf wohl mit A.-L. 557 (unter »kenntlich«) u. 579 (unter »oberkünftig«) den zweiten (zu einer »Verstärkung« der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des Wortes (-künftig, verunstaltet zu -kinnig, -könig usw.) — gleich unserem gemeinspr. Adj. künftig — zu dem jetzt nur noch in Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst. Kunft (mhd. kunft, kumft) = »das Kommen«, einem »Verbalabstraktum« zu dem Zeitw. kommen (vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung setzen.]

Fußzehe, Trittgrif(f)leng (d. h. eigtl. »Fußfinger«)[795] [64.169]

Futter, Kupfer[796]

G.

Gabel, Furschet[797], Stichling[798]

gaffen, linzen[799], spannen[800]

[Fußnote 795: ([344] auf S. 64.169) S. (betr. Grif[f]leng) Daumen. — Auch diese Umschreibung findet sich nach Liebich, S. 199 u. 262 (unter »Zehe«) bei den Zigeunern (näml.: berengĕro gus[ch]to, d. h. eigtl. »Fußfinger«).]

[Fußnote 796: ([345] auf S. 64.169) S. Frucht.]

[Fußnote 797: ([346] auf S. 64.169) Zusammensetzgn. hiermit sind: a) am Anfang; Furschetfläderling (d. h. eigtl. »Gabelvogel«) = Schwalbe (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) am Ende: Schundfurschet = Mistgabel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 481 (Furschett = Gabel). Im Rotw. m. Wiss. sonst kaum gebräuchlich. Zur Etymologie: An und für sich kann der Ausdruck unmittelbar vom Französischen (fourchette) hergeleitet werden (vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die Vokabel (gleich Feneter = Fenster [s. d.]) in Wittich's Jenisch wohl durch die Vermittlung von Zigeunern eingedrungen sein und insofern auf deren Sprache zurückgeführt werden (vgl. »Einleitung«, S. 30), in die sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S. ausdrücklich auch Liebich, S. 116; vgl. »Einleitung«, S. 29, Anm. 93 vbd. m. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26. Als zigeun. Form führt Liebich (a. a. O. S. 135 u. 199): forschétta, Finck, S. 58: foršéta, Jühling, S. 221 dagegen: Forsch¶r¶äta (vgl. i. d. »Einltg.«: -reta) an.]

[Fußnote 798: ([347] auf S. 64.169) Mit Stichling ist nur zusammengesetzt: Fu[h]lstichling = Mistgabel (Syn. zu Schundfurschet). Auch Stichling = Gabel ist in dem _verw. Quellenkr. nur der schwäb. Händlerspr._ (481) bekannt, doch deutet hier das Vorkommen des Ausdrucks Stichlingspflanzer = Schneider (486) hin auf die Nebenbedeutg. »Nadel«, wofür die Vokabel z. B. auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. (73) — allein — angeführt ist, während sie bei den Pfälz. Händlern (439) — wieder abweichend — »Messer« bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die Etymologie (zu »Stich«, »stechen«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 24 u. Anm. 1.]

[Fußnote 799: ([348] auf S. 64.169) S. anschauen.]

[Fußnote 800: ([349] auf S. 64.169) Zu dem Zeitw. spannen = sehen (gaffen, gucken) vgl. (aus dem vorw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (spannen = ausschauen aussehen, schauen); _Schwäb. Händlerspr. 486 (spannen = sehen; vgl. [470] Spanner_ = Augen); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (spanne[n] = sehen, beobachten, Spanner = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (das deutschen Ursprungs ist) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 75 (unter »Spanner«) vbd. mit Weber-Günther, S. 181 (unter »spennen«, wonach der wohl älteste Beleg für das Zeitw. [in der Form spenden] bereits bei A. Hempel 1687 [169: der spendts = »der siehets«] anzutreffen ist).]

Gans, Babing[801], Strohbutzer[802] [64.170]

Gänsebraten, gesicherter Babingermass od. _gesicherter Strohbutzerbossert_ (d. h. »gekochtes [gebratenes] Gänsefleisch«)[803]

Gänseeier, Strohbutzersbäzeme[804]

Gänsefleisch, Babingerbossert od. -mass oder Strohbutzerbossert[805]

[Fußnote 801: ([350] auf S. 64.170) Mit Babing (plur. Babinger) sind gebildet die Verbindg. grandich Babing (d. h. etwa [»sehr] große Gans« [vgl. oben unter »Bischof«]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17) sowie die Zusammensetzgn. Babingerbossert od. Babingermass = Gänsefleisch (letzteres in der weiteren Verbdg. gesicherter Babingermass = Gänsebraten) u. Babingerstritt = Gänsefuß. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): nur Dolm. der Gaunerspr. 92 (Bappe_ = Gans); im sonst. Rotw. tritt die Form Babing u. a. etwa seit Anfang des 19. Jahrh. (s. Pfister 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. A.-L. 521 u. Günther, Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit Pott II, S. 350 (unter »Papin«), Liebich, S. 149 u. 200 (pāpin), Miklosich, Beitr. III, S. 17, 23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. deutsch. Zig.: pāpin), Jühling S. 220 (Babni), Finck, S. 76 (pāpi[n]). Das Wort ist (nach Pott u. Miklosich, a. a. O.) verwandt mit ngriech. [Griechisch: pappia] = »Ente«.]

[Fußnote 802: ([351] auf S. 64.170) Mit Strohbutzer (Dimin. Strohbutzerle = »Küchlein«, d. h. Gänschen) sind gebildet die Verbindung grandich Strohbutzer = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu dem Synon. gr. Babing [oben Anm. 801]) sowie die Zus. Strohbutzerbossert = Gänsefleisch (u. dazu weiter _gesicherter Str.-bossert = Gänsebraten), Strohbutzerbäzeme_ = Gänseeier, Strohbutzerstritt = Gänsefuß, Strohbutzerbikus = Gansessen, Strohbutzerstenkert = Gänsestall. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Strohbuz od. Budel_ = Gans); W.-B. des Konst. Hans 254 (Strohbuze); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Strohbutzer od. Strohbudel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Strbudel); s. auch noch Regensb. Rotwelsch 489 (Strohbuze). Zur Etymologie: Bei der Form Strohbutzer, dial. = Strohputzer (so z. B. schon Waldheim. Lex. 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere Ausgestaltung der noch älteren Form Strohbohrer (s. z. B. schon _Lib. Vagat. [55: Stroborer_] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes. Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch die Form Strohbuz(e) u. ä. (s. z. B. schon Schwenters Steganologia um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw. Quellenkreise]) — u. dann auch bloß Butze, Buhze, Budel u. a. m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man diese auch wohl zu Butz(-e) im Sinne von »Person oder Tier von kleiner Gestalt« (s. dazu Grimm, D. W.-B. II, Sp. 591 unter »Butze«, Nr. 1; Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch Groß' Archiv, Bd. 42, S. 10 unter »Putz«) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch Pott, II, S. 22, A.-L. 612 (unter »Strohbohrer«) vbd. mit 528 (unter »Buze«) u. Günther, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.]

[Fußnote 803: ([352] auf S. 64.170) S. (betr. gesichert) auskochen u. (betr. Bossert u. Mass) Aas.]

[Fußnote 804: ([353] auf S. 64.170) S. (betr. Bäzeme) Ei.]

[Fußnote 805: ([354] auf S. 64.170) S. (betr. Bossert u. Mass) Aas.]

Gänsefuß, Babingerstritt[806] [64.171]

Gansessen, Strohbutzerbikus[807]

Gänsestall, Strohbutzerstenkert[808]

garstig, nobis dof (d. h. »nicht schön«)[809], auch lenk, schofel[810]

Gartenhaus, Kittle[811]

Gastgeber s. Gastwirt

Gasthaus, Beiz, Beizerei,[812] Kober, Koberei[813]

[Fußnote 806: ([355] auf S. 64.171) S. (betr. Tritt) Entenfuß.]

[Fußnote 807: ([356] auf S. 64.171) S. Abendessen.]

[Fußnote 808: ([357] auf S. 64.171) S. Entenstall.]

[Fußnote 809: ([358] auf S. 64.171) S. Dietrich u. angenehm.]

[Fußnote 810: ([359] auf S. 64.171) S. arg.]

[Fußnote 811: ([360] auf S. 64.171) S. Abort.]

[Fußnote 812: ([361] auf S. 64.171) Zu Beiz oder (seltener) Beizerei = Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die Zusammensetzg. Lanengerbeiz = Soldatenwirtschaft und die Ableitung Beizer (in früherer Zeit: Baiser [vgl. »Einleitung«, S. 25]) od. (seltner) Beizerer = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: Beizere. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 101 (Beis = Haus, Beisskitt od. Koberbeis = Wirtshaus, Baiser = Wirt, Baiserin = Wirtin); W.-B. des Konst. Hans 254, 256, 258 (Bais od. Baiser-Kitt = Wirtshaus, T'schorbais = Diebswirtshaus, Baiser = Wirt); Schöll 271, 272 (Bais = Haus, plur. Baiser = Wirtshäuser); _Pfulld. J.-W.-B. 338, 339, 346 (Kochemer-Baies = Diebsherberge, Baiser_ = Wirt, Gastwirt, Baiserkitt = Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Baiz = Wirtshaus, Baizer[in] = Wirt[in]); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (Baiß = Haus, aber — sowohl in dieser_ Form wie in den Nebenformen Baitz, Boitz, Beitzg [Beitzle] — auch = Wirtschaft; Baiser, Baitzer od. Beitz[g]er = Wirt); s. auch noch Pleißlen der Killertaler 434 (Baitze = Wirtshaus), während die Pfälz. Händlerspr. (437) Bais od. Bôies nur in dem allgem. Sinne von »Haus« kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den Basl. Betrügnissen um 1450 [15] das Wort in der Form Pöse = Herberge auftritt, während es in der Form Bais zunächst für »Haus« [s. _W.-B. v. St. Georgen 1750 (216)], für »Wirtshaus« dagegen zuerst im W.-B. des Konst. Hans [s. oben] vorkommt) s. Näh. in Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter »Baiser«) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1 u. Weber-Günther, S. 153. Ebds. auch über die Etymologie (vom hebr. bajit = »Haus«); vgl. auch A.-L. 524 (unter »Bes«); Günther, Rotwelsch, S. 27; Stumme, S. 27; Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 580/81.]

[Fußnote 813: ([362] auf S. 64.171) Zu Kober od. (seltener) Koberei, Synon. zu Beiz (Beizerei) s. d. Zusammensetzgn. Lanengerkober (= Lanengerbeiz) u. die Ableitung Koberer = Wirt (Gast-, Schankwirt), femin. Kobere. Bemerkenswert erscheint, daß auch Kober in Wittichs Jenisch das Wirtshaus bedeutet, während es im Rotwelsch (ebenso wie d. längere Koberer) i. d. R. für den Wirt vorkommt (über Ausnahmen s. Groß' Archiv Bd. 43, S. 24, Anm. 3 [zu S. 23] a. E). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Koberbeis = Wirtshaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Kober = Diebswirt); Schwäb. Händlerspr. 488 (Koberer = Wirt, Koberei = Wirtschaft); s. auch Metzer Jenisch 217 (Koberei = Wirtshaus). Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die (nicht sichere, vielleicht aber zu dem hebr. chber = »Gefährte, Genosse« in Beziehung zu setzende) Etymologie s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 22 ff. u. d. Anmkgn. vbd. m. Bd. 38, S. 197, Anm. 2 — Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 59 hat keine Erklärung gegeben.]

Gastmahl, Bikerei, Bikus, Butterei, Kahlerei[807] [64.172]

Gastwirt, Beizer(er)[812], Koberer[813]

Gastwirtin, Beizere[812], Kobere[813]

Gatte, Kaffer[814]

Gattin, Mos(s)[815]

Gaukler, Schnurrant[816]

Gaul, Trapert[817]

Gaulfuß, Traperttritt[818]

Gaumen, oberkünftiger Giel (d. h. etwa »Obermaul«)[819]

Gauner, Schniffer[820], Zschor[821]; vgl. Dieb

gebären, Deislere werden (d. h. eigtl. »Wöchnerin werden« od. »niederkommen«)[822]

Gebäude, Kitt[823]

[Fußnote 814: ([363] auf S. 64.172) S. Bauer.]

[Fußnote 815: ([364] auf S. 64.172) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 816: ([365] auf S. 64.172) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 817: ([366] auf S. 64.172) S. Füllen.]

[Fußnote 818: ([367] auf S. 64.172) S. Entenfuß.]

[Fußnote 819: ([368] auf S. 64.172) Dieselbe Umschreibung ist auch bei den Zigeunern üblich nach Liebich, S. 153 u. 200 (praldīno mui, d. h. »das Obermaul«, = Gaumen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 17). — Betr. Giel s. Affengesicht. Das Adj. oberkünftig (= oberer) — als Adv. gebr. = oben — ist der Gegens. zu unterkünftig [s. darüber schon oben unter »Fußsohle«). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (oberkönig = hinauf, oberkinnighauren_ = aufsitzen); Schwäb. Händlerspr. 484 (oberkünftig = oben); s. auch Pfälz. Händlerspr. 439 (überkindig = gegenüber). Im sonst. Rotw. tritt oberkünftig (ebenso wie s. Gegens. unterkünftig) z. B. schon im W.-B. v. St. Georgen 1750 (218) auf, ist dagegen in d. Neuzeit hauptsächl. Kundenausdr. geworden. S. darüber sowie über die Etymologie das Näh. schon oben unter »Fußsohle«.]

[Fußnote 820: ([369] auf S. 64.172) S. anfassen.]

[Fußnote 821: ([370] auf S. 64.172) S. ausstehlen.]

[Fußnote 822: ([371] auf S. 64.172) Zu Deislere = Wöchnerin (»Kindbetterin«) s. die Weiterbildg. Deislerei = Geburt u. die (zu dem Stamme (Deis[e]l- gehörige) Zusammensetzg. Deiselmoss (od. Disselmoss) = Hebamme. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 35 (Deuslerin = Kindbetterin) u. Pfulld. J.-W.-B._ 341 (Deußleri [-rin] = Kindbetterin u. Deußlerei = Kindbett). Sonst m. W. unbekannt. Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 hat die Vokabel zu d. Zeitw. deisen (deißen) = schlagen, töten, schlachten, auch coire (s. oben unter »ermorden«) gestellt (aber weshalb?).]

[Fußnote 823: ([372] auf S. 64.172) S. Abort.]

geben, dogen[824], ste(c)ken[825] [64.173]

Gebet, Bliblerei[826]

Gebieter, Sins[827]

Gebiß, Näpfling (d. h. »Zähne«)[828]

Geblüt, Rat[829]

Geburt, Deislerei[830]

gebratene Kartoffeln s. Bratkartoffeln

gebrechlich, begerisch[831]

Geck, Hegel[832], Ni(e)se, Nille, Nusche[833]

geeignet, dof[834]

Gefahr, Lenk, Schofel[835]

gefällig, dof[834]

gefangen, im Dofes[836], im Kittle[837], im Lek[836]

Gefangenwärter, Dofesbu(t)z, Kittlesbu(t)z, Lekbu(t)z[838]

Gefängnis, Dofes[836], Kittle[837], Lek[836]

Gefäß, Nolle (bes. Topf, Hafen)[839] od. Schottel (bes. Schüssel)[840]

Gefecht, Hamore[841]

gefühllos, lenk, schofel[842]

gefühlvoll, dof[834]

Gehalt, Bich[843], Gore[844], Lobe[845]

[Fußnote 824: ([373] auf S. 64.173) S. abgeben.]

[Fußnote 825: ([374] auf S. 64.173) S. beschenken.]

[Fußnote 826: ([375] auf S. 64.173) S. anbeten.]

[Fußnote 827: ([376] auf S. 64.173) S. Amtmann.]

[Fußnote 828: ([377] auf S. 64.173) S. abbeißen.]

[Fußnote 829: ([378] auf S. 64.173) S. Blut.]

[Fußnote 830: ([379] auf S. 64.173) S. gebären.]

[Fußnote 831: ([380] auf S. 64.173) S. absterben.]

[Fußnote 832: ([381] auf S. 64.173) S. Dummheit.]

[Fußnote 833: ([382] auf S. 64.173) S. aberwitzig.]

[Fußnote 834: ([383] auf S. 64.173) S. angenehm.]

[Fußnote 835: ([384] auf S. 64.173) Substantivierung der entsprechd. Adjektive (s. arg); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 836: ([385] auf S. 64.173) S. Arrest.]

[Fußnote 837: ([386] auf S. 64.173) S. Abort.]

[Fußnote 838: ([387] auf S. 64.173) S. (betr. Bu(t)z) Amtsdiener.]

[Fußnote 839: ([388] auf S. 64.173) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 840: ([389] auf S. 64.173) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 841: ([390] auf S. 64.173) S. Fehde.]

[Fußnote 842: ([391] auf S. 64.173) S. arg.]

[Fußnote 843: ([392] auf S. 64.173) S. Almosen.]

[Fußnote 844: ([393] auf S. 64.173) S. Barschaft.]

[Fußnote 845: ([394] auf S. 64.173) S. Bank.]

gehängt, g'schnürt[846] [64.174]

gehässig, lenk, schofel[842]

geheilt, dof[834]

gehen, bosten, pfichen[847] (wohl auch naschen, tschanen)[848]

gehenkt s. gehängt

Gehölz, Jahre, Kracher[849]

Geist (Gespenst), Schuberle[850]

geistesarm, ni(e)sich, nillich, nuschich[851]

Geistlicher, Gal(l)ach[852], Kolb[853]

[Fußnote 846: ([395] auf S. 64.174) S. aufhängen.]

[Fußnote 847: ([396] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) abgehen.]

[Fußnote 848: ([397] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) fliehen.]

[Fußnote 849: ([398] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 850: ([399] auf S. 64.174) Mit Schuberle = Geist (Gespenst, Spuk) ist gebildet die Verbindg. bliblischer Schuberle = heiliger Geist u. die Zusammensetzg. Schuberleschein (d. h. eigtl. »Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Schuberle = Gespenst); Uracher Jauner- u. Betrügerliste 1792 (268: Schuberlenspflanzer = »ein vorgeblicher Geistererlöser« [als Betrügerart]); Schöll 272 (Schuberle = Geist, Gespenst); _Pfulld. J.-W.-B. 340, 342 (grandiges Schuberle = Gespenst, Tschuberle_ = Nachtgespenst); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210, 213]: Schuberle [od. Schubachtle], plur.: Schuberlich = Geist; Schuberlespflanzer = a) Geistererlöser (»Tätigkeit des kathol. Pfarrers«); b) Teufel; dazu als Zeitw. es schubert = es spukt). Im sonst. Rotw. findet sich vereinzelt — neben dem Dim. auf -le — auch wohl ein unverkleinertes Schuhwer (od. Schuwe) in gleicher Bedeutg. (s. z. B. Pfister 1812 [305]; v. Grolman 64 u. T.-G. 97; Karmayer G.-D. 218). Die Etymologie des Wortes ist noch nicht festgestellt; vgl. auch Groß' Archiv, Bd. 46, S. 15, Anm. 1.]

[Fußnote 851: ([400] auf S. 64.174) S. aberwitzig.]

[Fußnote 852: ([401] auf S. 64.174) Mit Gal(l)ach = Geistlicher (Pfarrer, Prediger, Priester) sind gebildet die Verbdg. _grandicher Gal(l)ach = Hoherpriester (betr. d. Syn. gr. Kolb_ s. unter »Bischof«) u. folgd. Zus.: a) am Anfang: Gal(l)achkitt = Pfarrhaus, Gal(l)achmalfes = Priesterrock; b) am Ende: Diboldegal(l)ach (d. h. eigtl. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 37 (Galloch = Pfarrer); W.-B. des Konst. Hans 257, 258 (Galach, Galoch u. Gallach = Pfarrer; Galacha-Kitt = Pfarrhaus); _Pfulld. J.-W.-B. 343 (Kollach = Pfarrer, Rollach_ [verdruckt] = Priester, Kollachekitt = Pfarrhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Galach = Pfarrer [neben Galorum = »Pfaffe«], Galachswinde = [kathol.] Pfarrhaus); Schwäb. Händlerspr. 483, 484 (Gallach = Pfarrer, aber auch Kaufmann; vgl. [486] d. merkwürd.: Gallach reißen = »Spektakel machen«); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Gallach = Pfarrer). Über das Vorkommen der (alten u. sehr verbreiteten) Vokabel im Rotwelsch usw. sowie die Etymologie (vom aram. u. nhebr. gelach = »scheren«, Bedeutg. also »der Geschorene«, mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. ausführt. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 225 ff.; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 23.]

geistlos s. geistesarm. [64.175]

geizig, bikerich[854]

Geld, Bich[843], Gore[844], Kies[855], Lobe[845]; vgl. Kupfergeld

Geldbeutel, Kiesreiber[856]

Geldkasse, Geldkasten, Bichschure, Kies- od. Lobeschure[857]

Geldsack, Bich-, Kies- od. Loberande[858]

Geldstück (Münze) s. Geld

Geldtasche s. Geldbeutel

gelehrt, kochem[859]

Geliebte, dofe Model oder (bloß) Model[860]

Geliebter, Benges[861], Fi(e)sel[862], dofer Benges (od. Benk)

Gelte (Gefäß für Flüssigkeiten), Schottel[863]

Gemach, Schrende[864]

Gemahl, Kaffer[865]

Gemahlin, Mos(s)[866]

gemein, schofel[867]

Gemüse, Groanert[868]

[Fußnote 853: ([402] auf S. 64.175) S. Bischof.]

[Fußnote 854: ([403] auf S. 64.175) S. Abendessen.]

[Fußnote 855: ([404] auf S. 64.175) S. Bankier.]

[Fußnote 856: ([405] auf S. 64.175) S. Beutel.]

[Fußnote 857: ([406] auf S. 64.175) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 858: ([407] auf S. 64.175) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 859: ([408] auf S. 64.175) S. besonnen.]

[Fußnote 860: ([409] auf S. 64.175) S. Beischläferin; vgl. angenehm.]

[Fußnote 861: ([410] auf S. 64.175) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 862: ([411] auf S. 64.175) S. Bettelbube.]

[Fußnote 863: ([412] auf S. 64.175) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 864: ([413] auf S. 64.175) S. Frauenstube.]

[Fußnote 865: ([414] auf S. 64.175) S. Bauer.]

[Fußnote 866: ([415] auf S. 64.175) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 867: ([416] auf S. 64.175) S. arg.]

[Fußnote 868: ([417] auf S. 64.175) Mit Groanert od. Groenert = Gemüse, dann (auch spezieller) Kohl, Kraut (Sauerkraut) sind zusammengesetzt: a) am Anfang: Groanertblättling = Krautsalat; b) am Ende: Koelesgroenert (d. h. eigentl. »Teufelskraut«) = Unkraut (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18) Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 95 (Gronert = Kraut); W.-B. des Konst. Hans_ 254 (Gruonert = Kraut); Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kronet = Kraut neben Kro¶m¶et [wohl verdruckt] = Salat); Schwäb. Händerspr. 483 (Grûnert = Kraut). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch (wo die Vokabel als Grunhart = Feld z. B. schon im Lib. Vagat [54] u. dann öfter, als Grünert = Heu bei A. Hempel 1687 [167] u. a. m., als Grunert = Krauthaupt im Waldheim Lex. 1726 [188], als Gronert = Kraut im Hildburgh. W.-B. 1783 ff. [228] vorkommt) s. Weber-Günther, S. 187 (unter »Kronert«). Zur Etymologie (von »grün« in versch. mundartl. Aussprache) s. ebds. vbd. mit Pott II, S. 9, Günther, Rotwelsch, S. 62 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 (unter »Grunert«).]

gemütlich, dof[869] [64.176]

gemütlos, lenk[867]

gemütskrank, ni(e)sich, nil(l)ich[870]

gemütvoll, dof[869]

Gendarm, Lolo od. Loli[871], Schuker[872], auch (humoristisch) August mit dem Ofenrohr[873] od. Lattenkarle[874]

[Fußnote 869: ([418] auf S. 64.176) S. angenehm.]

[Fußnote 870: ([419] auf S. 64.176) S. aberwitzig.]

[Fußnote 871: ([420] auf S. 64.176) Lolo od. Loli = Gendarm findet sich zwar nicht in dem bes. verwandten Quellenkr., dagegen kennt das Metzer Jenisch (216) die Bezeichg. in fast gleicher Form (Lole) und in derselben Bedeutung; im Rotw. ist sie m. Wiss. unbekannt. Etymologie: aus der Zigeunersprache, u. zwar vom Adj. lōlo = rot, nach Wittich wohl mit Bez. auf die roten Aufschläge an der frühern Uniform der »Landjäger« (vgl. »Einleitung«, S. 31). Vgl. (über das Zigeunerwort, das sich aufs Altind. [lōha = »rötlich, eisern«] zurückführen läßt) noch Pott II, S. 338, Liebich, S. 144, 187 u. 233 (lōlo = rot, bunt), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 6 (wie Liebich) u. Finck 71 (lōlo = rot); bei Jühling, S. 223 nur im Zus. angeführt.]

[Fußnote 872: ([421] auf S. 64.176) Zu Schuker s. die (schon oben unter »Bischof« näher besprochenen) Gradsteigerungen _grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm) u. grandich Schuker_ = Oberwachtmeister. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 338, 344 (Tschugger = Bettelvogt neben Schuker_ = Gardist); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 72, 73, 75 (Schucker = Aufseher, Schuker od. linker Schucker = Landjäger, Oberschucker = Oberaufseher, Stationskommandant); Schwäb. Händlerspr. 481, 483 (Schu[c]ker [in Pfedelb. (211): auch Schoker] = Gendarm, Landjäger). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 40, 41 (unter »Schoter«, lit. i). Zu der (noch nicht sicher festgestellten) Etymologie s. ebds. S. 39, 40 u. Anm. 2 vbd. mit Bd. 56, S. 185 (in d. »Nachträgen u. Berichtigungen«), wo die Ableitung vom deutsch. mundartl. Zeitw. schucken = »werfen, stoßen, schubsen« als die wahrscheinlichste angenommen ist.]

[Fußnote 873: ([422] auf S. 64.176) Diese (einen beliebten Eigennamen zum Gattungsbegriff erhebende) Verbindung dürfte wohl aufzufassen sein als eine Weiterbildung des synon. Ausdrucks August mit der Latte, der z. B. (neben windiger August) auch in der schwäb. _Gauner- u. Kundenspr._ 72 (für den »Landjäger«) bekannt ist (ebenso wie auch sonst in der Kundenspr.; s. Groß' Archiv, Bd. 51, S. 140 [u. oben unter »Degen«]; vgl. auch ebds. S. 139 über d. Syn. blanker August).]

[Fußnote 874: ([423] auf S. 64.176) Bei dieser (zu Karle, südd. Dim. zum Eigennamen Karl, gehörigen, also sprachlich der vorigen Umschreibung gleich zu beurteilenden) Bezeichnung (vgl. auch schon oben unter »Degen«) liegt vermutlich eine Kombination vor von dem gauner- u. kundenspr. Lattenseppel (bes. [wie August mit der Latte] = Gendarm), doch auch wohl allgemeiner Polizeibeamter (vgl. Groß' Archiv, Bd. 51, S. 154]) mit Klempners Karl, das (bei Gaunern u. Kunden) gleichfalls für den Gendarmen (Polizisten od. Schutzmann) vorkommt (s. Näh. darüber in Groß' Archiv, Bd. 51, S. 149/50).]

genehm, dof[875] [64.177]

genießen, achila[876], biken, butten, kahla[877]

Gerät s. Geschirr

Gerede, Diberei od. Gedieber (Spr.)[878], Schmuserei[879]

gereizt, stumpfich[880]

Gericht (= Speise), Bikerei od. Bikus, Butterei, Kahlerei[877]

Gericht (bes. Amtsgericht), Schoflerei[881]

Gerichtsvollzieher, Schoffeleischure (Spr.)[882]

Gerste, wohl durch Gib auszudrücken[883]; vgl. Malz

Geruch, Muffen (d. h. eigtl. »das Riechen, Stinken«)[884]

gesalzen, g'spronkt, gesprunkt[885]

Gesang, Schallerei[886]

Geschäft, Schenagel[887]

gescheit, kochem[888]

geschickt, g'want[889]

Geschirr (als Gerät), Schottel[890]

geschmeidig, dof[875], g'want[889]

Geschrei, Hamore, Morerei[891]

Geschwätz, Diberei[878], Schmuserei[879]

Geschwister, Glied[892]

[Fußnote 875: ([424] auf S. 64.177) S. angenehm.]

[Fußnote 876: ([425] auf S. 64.177) S. essen.]

[Fußnote 877: ([426] auf S. 64.177) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 878: ([427] auf S. 64.177) S. anreden.]

[Fußnote 879: ([428] auf S. 64.177) S. ansagen.]

[Fußnote 880: ([429] auf S. 64.177) S. Ärger.]

[Fußnote 881: ([430] auf S. 64.177) S. arg.]

[Fußnote 882: ([431] auf S. 64.177) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 883: ([432] auf S. 64.177) S. Frucht.]

[Fußnote 884: ([433] auf S. 64.177) S. Aas; vgl. »Vorbemkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 885: ([434] auf S. 64.177) S. einsalzen.]

[Fußnote 886: ([435] auf S. 64.177) S. absingen.]

[Fußnote 887: ([436] auf S. 64.177) S. abschaffen.]

[Fußnote 888: ([437] auf S. 64.177) S. besonnen.]

[Fußnote 889: ([438] auf S. 64.177) S. anmutig.]

[Fußnote 890: ([439] auf S. 64.177) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 891: ([440] auf S. 64.177) S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.]

[Fußnote 892: ([441] auf S. 64.177) S. Bruder.]

Gesicht, Giel (d. h. eigtl. »Mund« od. »Maul«)[893], auch Ki(e)bes [64.178] (d. h. eigtl. »Kopf«)[894]

Gesinde, Schenegler (Knecht) bezw. Scheneglere (Magd)[895]; vgl. Dienstboten

Gespenst, Schuberle[896]

Gespräch, Diberei[897], Schmuserei[898]

gesprächig, diberich[897], schmuserich[898]

Gestank, Mufferei[899]

Gestein, Hertling[900], Kies[901]

gestorben, begert[902]

Gesuch, Dercherei[903]

gesund, dof[904]

Getränk, Schwächet[905]

Getreide, Gib, Kupfer[906]

getreu, dof[904]

[Fußnote 893: ([442] auf S. 64.178) S. Affengesicht.]

[Fußnote 894: ([443] auf S. 64.178) S. Angesicht.]

[Fußnote 895: ([444] auf S. 64.178) S. abschaffen.]

[Fußnote 896: ([445] auf S. 64.178) S. Geist.]

[Fußnote 897: ([446] auf S. 64.178) S. anreden.]

[Fußnote 898: ([447] auf S. 64.178) S. ansagen.]

[Fußnote 899: ([448] auf S. 64.178) S. Aas.]

[Fußnote 900: ([449] auf S. 64.178) Hertling hat im W.-B. zwei verschiedene Bedeutungen, nämlich: a) Stein (Gestein) u. noch spezieller Kieselstein; b) Messer. Zusammensetzgn. sind jedoch nur mit dem Worte im ersterem Sinne gebildet worden, u. zwar: a) am Anfang: Hertlingsguffer = Steinhauer, Steinmetz; b) am Ende: Rollehertling = Mühlstein, Stradehertling (d. h. eigtl. »Wegstein«) = Kilometerstein, Meilenzeiger (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Unter den verw. Quellen kennen die Sammlungen der _Gaun.- u. Kundenspr. die Vokabel nur_ in der Bedeutung »Messer«, während die schwäb. Händlerspr. Härtling = Messer, dagegen Hertling = Stein hat. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 96 (Hertling = Messer); _Pfulld. J.-W.-B. 342 (Hettling [sic] = Messer, Hettlingflammerer_ = Messerschmied); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Hertling = Messer); Schwäb. Händlerspr. 484, 487 (Härtling = Messer, Hertling = Stein, Hertlingsguffer [in Pfedelb. (213) auch Hertlingskneppler] = Steinhauer). Über weitere Belege im Rotw. (wo die Bedeutg. durchweg »Messer« u. dgl. [Axt, Schwert, Säbel] ist) sowie die Etymologie (zu »hart«) s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 45, 46 u. Anm. 1 vbd. m. Bd. 47, S. 139/40; vgl. auch Pott, S. 33, Günther, Rotwelsch, S. 59 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1194.]

[Fußnote 901: ([450] auf S. 64.178) S. Apfelkern.]

[Fußnote 902: ([451] auf S. 64.178) S. absterben.]

[Fußnote 903: ([452] auf S. 64.178) S. abbetteln.]

[Fußnote 904: ([453] auf S. 64.178) S. angenehm.]

[Fußnote 905: ([454] auf S. 64.178) S. Amme.]

[Fußnote 906: ([455] auf S. 64.178) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]

Gewahrsam, Dofes, Lek[907] [64.179]

Gewalt, Grandich[908]

gewalttätig, lenk, schofel[909]

Gewand, Kluft, Klufterei[910], Kaffermalfes (Gew. für Männer)[911], Mos(s)malfes (für Frauen)[912]; vgl. Männerrock, Frauenrock

gewandt (flink) dof[913], g'want[914]

Gewässer, Flu(h)te[915]

Gewehr, Klass[916], Schnelle[917]

Gewerbe, Schenagel[918]; vgl. Arbeit, Beruf

Gewerbeschein, Flebbe[919]

gewichtig, grandich[920]

gewogen (= wohlgesinnt), dof[913]

Gezänk, Hamore, Morerei[921]

[Fußnote 907: ([456] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 908: ([457] auf S. 64.179) Substantivierung des Adj. grandich (s. Adler); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 909: ([458] auf S. 64.179) S. arg.]

[Fußnote 910: ([459] auf S. 64.179) S. ankleiden.]

[Fußnote 911: ([460] auf S. 64.179) S. Bauer u. Frauenrock.]

[Fußnote 912: ([461] auf S. 64.179) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 913: ([462] auf S. 64.179) S. angenehm.]

[Fußnote 914: ([463] auf S. 64.179) S. anmutig.]

[Fußnote 915: ([464] auf S. 64.179) S. abbrühen.]

[Fußnote 916: ([465] auf S. 64.179) S. Büchse.]

[Fußnote 917: ([466] auf S. 64.179) S. abschießen.]

[Fußnote 918: ([467] auf S. 64.179) S. abschaffen.]

[Fußnote 919: ([468] auf S. 64.179) Zu Flebbe (das auch noch »Paß« bedeutet) gehört als Ableitung das Zeitw. flebben od. fleppen für »(die Papiere) kontrollieren« od. »(den Paß) visieren«, das jedoch im Vokabular nur im Partiz. geflebbt od. gefleppt (= »kontrolliert, visiert«) angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 97 (Fleppe = Paß); Schöll 271 (Flebbe_ = Brief); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 343, 344 (Flepp [Fleppe, -en] = Attestat, Brief, Buch, Paß, Schrift, Fleppapflanzer = Bücherschreiber, Fleppemalocher = Paßmacher); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73, 76 (Fleppe = Papiere zum Wandern, fleppen = die Papiere visitieren); Schwäb. Händlerspr. 484 (Flepp [in Pfedelb. (212): Flebbe] = Papiere zum Ausweis, Paß [in Pfedelb. (213, 214) auch = Wanderbuch, Zeugnis], auffällig [in Pfedelb. (210)] flebben = gehen); s. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Flepp = Papiere zum Ausweis) u. Pfälz. Händlerspr. 437 (Flebbe od. Flêber = Legitimation). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die (nicht sichere) Etymologie s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 252/53 u. Anm. 4 u. Bd. 42, S. 41, Anm. 1 vbd. m. Weber-Günther, S. 186 (unter »Flebbert«) u. Schütze, S. 68. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1567 (unter »Flepp[e]«) gibt keine etymol. Erklärung.]

[Fußnote 920: ([469] auf S. 64.179) S. Adler.]

[Fußnote 921: ([470] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.]

geziemend, dof[913] [64.180]

Gier, Put(t)lak[922]

gierig, bikerich[923], bogelich[922]

Gitarre, Schure[924]

Glas, Glansert[925]

Glaser, Glansertschenegler[918]

gläubig, bliblich[926]

Glied, männliches (penis), Betzam od. Bezem[927], Dietz[928], Garo od. Gari[929], auch Schure (letzteres in diesem Falle kräftig gesprochen)[924]

Glied, weibliches (»Scham«), Geschmu od. G'schmui[930]

[Fußnote 922: ([471] auf S. 64.180) S. Appetit.]

[Fußnote 923: ([472] auf S. 64.180) S. Abendessen.]

[Fußnote 924: ([473] auf S. 64.180) S. abbiegen.]

[Fußnote 925: ([474] auf S. 64.180) S. Bierglas.]

[Fußnote 926: ([475] auf S. 64.180) S. anbeten.]

[Fußnote 927: ([476] auf S. 64.180) Die Bemerkung Wittichs, die hierzu im Text hinzugefügt gewesen, daß man nämlich die Vokabel nicht verwechseln dürfe mit Bäzam od. Bäzem = Ei, obwohl dieses »in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden« sei, erledigt sich dadurch, daß es sich in der Tat doch (auch der Etymologie nach) um dasselbe Wort handelt. Vgl. das Näh. schon unter »Ei«.]

[Fußnote 928: ([477] auf S. 64.180) Der Ausdruck (der sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht vorkommt) dürfte aufzufassen sein als die Kurzform des Eigennamens Dietrich, dessen Gebrauch für den penis in deutsch. Mundarten nachweisbar (u. schon 1710 in d. Literatur bezeugt) ist. Vgl. Müller in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 2 (wo noch das obersächs. Schwippkedietrich als Synon. angeführt ist).]

[Fußnote 929: ([478] auf S. 64.180) Zu Garo (-ri) vgl. in der _schwäb. Händlerspr. (484) Anglersgre = »membrum virile«. Ohne_ Zusatz ist Gari (-ro) in gleichem Sinne in einzelnen rotw. Quellen des 19. Jahrh. angeführt (s. z. B. Pfister 1812 [298], v. Grolman 23 u. T.-G. 98; Karmayer 58) und auch sonst mundartlich gebräuchlich (so z. B. im Elsaß; vgl. Martin-Lienhardt, Els. W.-B. II, Sp. 940). Zur Etymologie — aus der Zigeunersprache (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s. die Lit-.Angaben in Groß' Archiv, Bd. 56, S. 58, Anm. 3 u. dazu noch Finck, S. 63 (kār, kāro = »Schwanz, Schweif, männliches Glied, Ziemer« [in den übrigen zig. W.-Büchnern usw. meist: gāro, bei Jühling, S. 221: Gār]).]

[Fußnote 930: ([479] auf S. 64.180) Zu G(e)schmu(i) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Schmoi = »membr. fem.«); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [215]: G'schmu = »membrum muliebre«, während in U. [214] die Zus. G'schmufink für den penis gebraucht wird, in Degg. [215] dagegen Schmufink die Zigarre bedeutet [Metapher?]). S. auch Metzer Jenisch 216 (Schmu = »membrum muliebre«) sowie aus dem älteren Rotw.: Körner's Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 (240: Schmoje = Weibesscham; Pfister 1812 (305: Schmue = weibliche Scham); Brills Nachrichten 1814 (324: ebenso); v. Grolman 62 u. T.-G. 98 (Schmu); Karmayer 145 (ebenso). Die Etymologie ist unsicher. Auch Müller in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 9 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 485 geben keine Erklärung. Nach A.-L. 601 soll es sich — bei der Form Schmu(e) — um eine »Transposition« von Musch handeln (vgl. Groß' Archiv, Bd. 50, S. 346); in G(e)schmu(i) wäre dann das Wort wohl mit der (bes. bayr.-österr.) Vorsilbe Ge- versehen; vgl. das Geschmudel = »feminal« (Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 545 unter »schmudeln«).]

Glück, Dof[931] [64.181]

Glühwein, gesicherter Johle[932]

Glut, Funk[933]

gnädig, dof[913]

Gold, Fuchs[934]

Goldfisch, Fuchsschwimmerling[935]

Goldstück, Füchsle od. Goldfüchsle[934]

Gottesacker, Begerschure[936]; vgl. Friedhof, Kirchhof

Gottesdienst (halten), Duft (halten)[937]

Gotteshaus, Duft[937]; vgl. Kirche

gottlos, lenk, schofel[938]

Grab, Begerschure[936]

Grabstein, Begerkies[939]

Gras, Kupfer[940]

gewaltsam, lenk, schofel[938]

Grausen (das), Bauserich[941]

Greis, Käfferle (d. h. eigtl. etwa »[altes] Männchen«)[942]

grimmig, lenk, schofel[938]

grob, " "

groß, grandich (-dig)[943]

[Fußnote 931: ([480] auf S. 64.181) Substantivierung des Adj. dof (s. angenehm); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 932: ([481] auf S. 64.181) S. auskochen u. Apfelwein.]

[Fußnote 933: ([482] auf S. 64.181) S. abbrennen.]

[Fußnote 934: ([483] auf S. 64.181) Zu Fuchs (Dimin. Füchsle [od. Goldfüchsle] = Goldstück, Zus.: Fuchsschwimmerling = Goldfisch) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 u. Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fuchs = Gold). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch u. d. Kundenspr. sowie zur Etymologie (metaphor. Tierbezeichng.) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 33, S. 317 ff. u. Anm. 3 vbd. m. Bd. 55, S. 157, Anm. 1; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1808, Nr. 7.]

[Fußnote 935: ([484] auf S. 64.181) S. Fisch.]

[Fußnote 936: ([485] auf S. 64.181) S. absterben u. abbiegen.]

[Fußnote 937: ([486] auf S. 64.181) S. Dom.]

[Fußnote 938: ([487] auf S. 64.181) S. arg.]

[Fußnote 939: ([488] auf S. 64.181) absterben u. Apfelkern.]

[Fußnote 940: ([489] auf S. 64.181) S. Frucht.]

[Fußnote 941: ([490] auf S. 64.181) Wohl Substantivierung des Adj. bauserich = ängstlich (s. Angst); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 942: ([491] auf S. 64.181) S. Bauer.]

[Fußnote 943: ([492] auf S. 64.181) S. Adler.]

große Arbeit, grandicher Schenagel[944] [64.182]

große Augen, grandiche Scheiling[945]

große Dame, grandiche Sense[946]

große Kirche, grandiche Duft[937]

große Nase, grandicher Muffer[947]

große Schulden, grandich Bomme[948]

großer Bauer, grandicher Ruch[949]

großer Herr, grandicher Sins[946]

großer Kopf, grandicher Ki(e)bes[950]

großer Mann, grandicher Kaffer[951]

großer Mund, grandicher Giel[952]

großes Herrenhaus, grandiche Sinsekitt[953]

Großmaul, Grandichergiel[952]

Großmutter, Grandichemamere[954]; vgl. Mutter

großnasig; grandicher Muffer[947]

Großvater, Grandicher-Patres[955], vgl. Vater

Gruft s. Grab

Grummet, Kupfer[956]

gucken (schauen, sehen), linzen[957], spannen[958]

Gulasch, Bossertblättling (d. h. eigtl. »Fleischsalat«)[959]

[Fußnote 944: ([493] auf S. 64.182) S. abschaffen.]

[Fußnote 945: ([494] auf S. 64.182) S. Augapfel.]

[Fußnote 946: ([495] auf S. 64.182) S. Amtmann.]

[Fußnote 947: ([496] auf S. 64.182) S. Aas.]

[Fußnote 948: ([497] auf S. 64.182) S. borgen.]

[Fußnote 949: ([498] auf S. 64.182) S. Bauer.]

[Fußnote 950: ([499] auf S. 64.182) S. Angesicht.]

[Fußnote 951: ([500] auf S. 64.182) S. Bauer.]

[Fußnote 952: ([501] auf S. 64.182) S. Affengesicht.]

[Fußnote 953: ([502] auf S. 64.182) S. Amtmann u. Abort.]

[Fußnote 954: ([503] auf S. 64.182) S. Amme.]

[Fußnote 955: ([504] auf S. 64.182) S. Eltern.]

[Fußnote 956: ([505] auf S. 64.182) S. Frucht.]

[Fußnote 957: ([506] auf S. 64.182) S. anschauen.]

[Fußnote 958: ([507] auf S. 64.182) S. gaffen.]

[Fußnote 959: ([508] auf S. 64.182) Blättling (= Salat) findet sich auch noch in folgenden Zus. (nur vorne): Schureblättling = Gurkensalat, Spronkertflösslingblättling = Heringsalat, Bolleblättling = Kartoffelsalat (Spr.), Groanertblättling = Krautsalat, Schmelemerblättling (d. h. eigtl. »Zigeunersalat«) = Löwenzahn (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Worte), Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 343 (Blättling_ = Salat, aber [341, 342] auch = Karte u. Teller); Schwäb. Händlerspr. 485 (Bl[^æ]tling [in Pfedelb. (212): Blättling] = Salat); s. auch _Pleißlen der Killertaler 434 (Blättlinger_ = Salat, aber auch Kuchen). Der Etymologie nach gehört der Ausdr. ohne Zweifel zu »Blatt«, während Blättling = Kuchen (richtiger Plattling [s. z. B. Schlemmer 1840 (369)]), Teller (s. oben u. auch sonst im Rotw. des 19. Jahrh.) oder Tisch (s. z. B. v. Grolman 9 u. T.-G. 127) mit »Platte« od. »platt« zusammenhängt. Vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch S. 61.]

Gurke, Schure[960] [64.183]

Gurkensalat, Schureblättling[959]

günstig, dof, duft[961]

günstiger Bursche, dufter Benges od. Benk[962], _dufter Fi(e)sel[963], — Freier_[964]

günstiges Mädchen, dufte Model[965]

Gürtel, Schure[960]

gut, dof[961]

gute Frau, dofe Goi[966], dofe Mos(s)[967]

guter Bursche, dofer Benges (Benk)[962], — Fi(e)sel[963], — Freier[964]

guter Mann, dofer Kaffer[951]

gutes Mädchen, dofe Model[965]

gütig, dof[961]

gutmütig, "

[Fußnote 960: ([509] auf S. 64.183) S. abbiegen.]

[Fußnote 961: ([510] auf S. 64.183) S. angenehm.]

[Fußnote 962: ([511] auf S. 64.183) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 963: ([512] auf S. 64.183) S. Bettelbube.]

[Fußnote 964: ([513] auf S. 64.183) S. Fremder.]

[Fußnote 965: ([514] auf S. 64.183) S. Beischläferin.]

[Fußnote 966: ([515] auf S. 64.183) S. böse Frau.]

[Fußnote 967: ([516] auf S. 64.183) S. Bauernfrau.]

H. [64.297]

Haar, Strauberts[968]

haarig, straubertsich[968]

Haarnadel, Straubertsschure[969]

Haaröl, "

Haber s. Hafer

habgierig, bikerich[970]

Hacke, Dogschure (d. h. eigtl. ein »Hauding«, zu dogen = hauen)[971]

Häckerling, Häcksel, Kupfer[972]

Hafen s. Toof

Hafer, Kupfer[972], Spitzling[973]; vgl. Futter

[Fußnote 968: ([1] auf S. 64.297) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 969: ([2] auf S. 64.297) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 970: ([3] auf S. 64.297) S. Abendessen.]

[Fußnote 971: ([4] auf S. 64.297) S. abgeben und abbiegen. — Auch die zigeun. Vokabel für Hacke (dawmáskeri) soll nach Liebich, S. 206 eigtl. soviel wie ein »Hauding« bedeuten.]

[Fußnote 972: ([5] auf S. 64.297) S. Frucht.]

[Fußnote 973: ([6] auf S. 64.297) Zu Spitzling = Hafer vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 481 (Spitzling [od. (seltener) Spitz] = Hafer; Nebenbdg. [488]: Weidenbaum), während das Pfulld. J.-W.-B. 340 dafür Spitzgib (od. bloß Gib [s. oben unter »Frucht«]) hat und das W.-B. des Konst. Hans 255 u. Schöll 271 Spitznase für »Gerste« kennen. Im sonstigen Rotwelsch kommt Spitzling zwar schon seit d. 16. Jahrh. (s. Lib. Vagat [55]) für den Hafer vor, hat jedoch auch noch mehrere Nebenbedeutungen, wie (Näh-)Nadel, Nagel, Ahle (Pfriem) u. Messer; s. Günther, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit Schütze, S. 93 (nach dem noch heute Spitzling = Hafer »besonders in Süddeutschland von fahrenden Künstlern u. dgl., die für ihr Wagenpferd fechten«, gebraucht werden soll).]

Häfner, Nollespflanzer[974] [64.298]

Haft, Dofes[975], Kittle[976], Lek[975]

Hahn, Grandiche-Gachne (d. h. »große Henne« od. »großes Huhn«)[977]

Halbstiefel, Halbtrittleng[978]

halbtot, halbdeist[979]

halbtrunken, halbgeschwächt[980]

Hals, Ki(e)bes[981]

Halskette, Ki(e)besschlang[982]

[Fußnote 974: ([7] auf S. 64.298) S. Fleischhafen u. anbrennen.]

[Fußnote 975: ([8] auf S. 64.298) S. Arrest.]

[Fußnote 976: ([9] auf S. 64.298) S. Abort.]

[Fußnote 977: ([10] auf S. 64.298) Diese Bezeichnung ist den Zigeunern (die sonst ja ähnliche Umschreibungen wohl kennen [s. z. B. _bāri pāpin (jen.: grandich Babing_), d. h. »(sehr) große Gans« = Schwan]) nicht bekannt; vgl. auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49. — Mit Gachne = Henne, Huhn (Dimin. Gachnele = »Küchlein«) ist auch eine Reihe von Zusammensetzgn. gebildet worden, nämlich: a) _am Anfang: Gachnekitt = Hühnerhaus, Gachnetritt_ = Hühnerfuß, Gachnekeiluf = Hühnerhund, Gachnestenkert = Hühnerstall; b) _am Ende: Bäzemegachne_ (d. h. eigtl »Eierhuhn«) = Legehuhn, Krachergachne (d. h. eigtl. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Flu(h)tegachne = Wasserhuhn. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kachine = Huhn); Sulzer, Zigeunerliste 1787 (251: Gachene = Hennen); _W.-B. des Konst. Hans 254 (Gachene [sing.] = Henne); Schöll_ 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Gachem = Henne); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kachum = Henne [in Pfedelb. (210): dafür Gagak]). Zur Etymologie des Wortes — aus der Zigeunersprache (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s. Näh. bei Pott II, S. 16, Günther, Rotwelsch, S. 31 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 142 (unter »Kachine«) vbd. mit Pott II, S. 91 (unter »Kachni«), Liebich, S. 141, 208 u. 211 (kachní[n] = Huhn, Henne), Miklosich Beitr. I/II, S. 29, III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 228 (unter »kahni«: bei d. deutsch. Zigeun.: kachni[n]), Jühling, S. 223 (Kachni = Huhn, plur.: -ia) u. Finck, S. 62 (káxni, káxnin od. káxli = »Huhn, Henne«). Bei der Form Gagak — bei den schwäb. Händlern in Pfedelbach (s. oben) — liegt wohl eine — ev. zugleich mit Anlehnung an das zigeun. Stammwort vorgenommene — lautnachahmende Bildung (mit Bez. auf das »Gackern« der Hennen) vor, wie sie bes. die Kindersprache liebt. S. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 16.]

[Fußnote 978: ([11] auf S. 64.298) S. Ferse.]

[Fußnote 979: ([12] auf S. 64.298) S. ermorden.]

[Fußnote 980: ([13] auf S. 64.298) S. Amme; vgl. berauscht.]

[Fußnote 981: ([14] auf S. 64.298) S. Angesicht.]

[Fußnote 982: ([15] auf S. 64.298) Mit Schlang = Kette, Leine (Spr.) sind noch folgende Zus. gebildet (nur am Ende): Loslingschlang (eigtl. »Ohrkette«) = Ohrring, Blibelschlang (eigtl. »Betkette«) = Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Lubertschlang = Uhrkette. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 90, 95 (Schlangen = Borten, Ketten); Pfulld. J.-W.-B._ 337 (Schlang = Kette; vgl. [341] das Zeitw. schlangen = anschließen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Schlange = Kette); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schlang = Kette [in Degg. (215) dagegen: Schlang(e) = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten Metapher aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter »Schlangemer«).]

halt das Maul!, schupf dich auf![983] [64.299]

Hammel, Jerusalemsfreund[984]; vgl. Schaf

Hand, Fehma[985], Grif(f)leng[986]

[Fußnote 983: ([16] auf S. 64.299) S. aufhören.]

[Fußnote 984: ([17] auf S. 64.299) Mit Jerusalemsfreund = Schaf (Hammel) sind gebildet die Verbdgn. grandich Jerusalemsfreund = Schafbock u. folgende Zus.: Jerusalemsfreundbenk od. -schure = Hirt, Schäfer, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Jerusalemsfreundkib = Schäferhund, Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht, Jerusalemsfreundstenkert = Schafstall, Jerusalemsfreundstrauberts (d. h. eigtl. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung (die nach e. Mitteilg. Wittichs bes. bei den Bürstenhändlern u. Schirmflickern des schwäb. Dorfes Lützenhardt gebräuchlich sein soll) findet sich weder in dem verw. Quellenkreise noch m. Wiss. sonst im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. Jerusalem für eine bestimmte Kleesorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in Pflanzennamen (vgl. dazu schon Frisch, Teutsch-Latein. W.-B., Berl. 1741, Bd. I, S. 186; Grimm, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot. III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung Kleebeißer gebräuchlich gewesen (s. z. B. A. Hempel 1687 [169] u. dann öfter; vgl. Groß' Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang hiervon zu dem »Freund« guten Klees, dem »Jerusalemsfreund«, wohl leicht gegeben.]

[Fußnote 985: ([18] auf S. 64.299) Fehma = Hand (Hände) ist demnach doch im Jenisch noch nicht völlig veraltet (vgl. »Einleitung«, S. 25, Anm. 61), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. Fehma ste(c)ken = die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. nicht in Zusammensetzgn., während mit dem Synon. Grif(f)ling (-leng) eine Reihe solcher gebildet ist (vgl. Näh. schon unter »Daumen«). Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Feme = Hand, plur. Fenem_ [wohl verschrieben], u. Fehm¶a¶ [sic] stecken = die Hand geben [wogegen Griffling hier »Handschuhe« bedeutet); _W.-B. des Konst. Hans 256 (Fehma = Hand); Schöll 272 (Feme = Hand); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (Fehma = Arm, Hand, Fehma stecken_ = die Hand geben); in der schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. nicht mehr bekannt, dagegen noch im Metzer Jenisch 216 (Fēm = Hand). Über weitere Belege im Rotwelsch sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom nord. Zahlwort fem = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1051 (unter »Feme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]

[Fußnote 986: ([19] auf S. 64.299) S. Daumen.]

Handarbeit, Grif(f)lengsschenagel[987] [64.300]

Hände, die — geben, Fehma od. Grif(f)leng ste(c)ken[988]

handeln, verbaschen, vergremen, verkemeren[989], verkitschen[990]

Handelsbursche, Verbascher, Vergremerer[991], Verkemerers-Benk[992] od. -Fi(e)sel[993]

Handelsfrau (-weib), Verbaschere, Vergremere, Verkemerere[991], Vergremmos(s)[994]

Handelsmädchen, Vergremere[991], Verkemeresmodel[995]

Handelsmann, Verkemerer[991], Vergremerskaffer od. Verkemerskaffer[996]

Handgemenge, Hamore[997]

[Fußnote 987: ([20] auf S. 64.300) S. abschaffen.]

[Fußnote 988: ([21] auf S. 64.300) S. (betr. ste[c]ken) beschenken.]

[Fußnote 989: ([22] auf S. 64.300) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 990: ([23] auf S. 64.300) Das Zeitw. verkitschen = handeln, verkaufen (s. dazu die Ableitg. Verkitscher = Verkäufer) findet sich (in dem verw. Quellenkr.) auch in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. (s. Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, 77 [kitschen_ = kaufen, verkitschen = verkaufen]; Schwäb. Händlerspr. 487 [verkitschen od. vergitschen = verkaufen]), auch ist es — in etwas abweichender Form (nämlich verkitzen [od. verklitschen]) u. im etwas engeren Sinne (nämlich »erbetteltes Zeug verkaufen«) der _älteren Kundenspr. überhaupt bekannt gewesen (s. Ku._ III [429]). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter »verkitschen«) u. IV, Sp. 426 (unter »kitschen«) bedeutet in der schwäb. Mundart (ver)kitschen »im Kleinen (ver)handeln«, dann spezieller auch »auf listige Art (ver)kaufen« (vgl. bei Grimm, D. W.-B. XII, Sp. 641: verkitschen = »auf unehrliche Weise verkaufen«) und könnte vielleicht gedeutet werden als eine Ableitung von Kitsch, das u. a. für »kurzes Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware« vorkommt. In der letzteren Bedeutg. (»schlechte Holzware«) stimmt Kitsch merkwürdig zu dem (neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen) Künstlerausdruck Kitsch = »wertloser Schund« (s. Fischer, a. a. O.), der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909), Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. (ver)kitschen entstanden sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch »etwas für Geld anbringen, los werden, z. B. ein Gemälde verkitschen«] verwiesen worden).]

[Fußnote 991: ([24] auf S. 64.300) S. abkaufen.]

[Fußnote 992: ([25] auf S. 64.300) S. (betr. Benk) brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 993: ([26] auf S. 64.300) S. Bettelbube.]

[Fußnote 994: ([27] auf S. 64.300) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 995: ([28] auf S. 64.300) S. (betr. Model) Beischläferin.]

[Fußnote 996: ([29] auf S. 64.300) S. (betr. Kaffer) Bauer.]

[Fußnote 997: ([30] auf S. 64.300) S. Fehde.]

Handschuh, Grif(f)lengstrittleng[998] [64.301]

Handschuhmacher, Grif(f)lingstrittpflanzer[999]

Handwerksbursche, Konde od. Kunde[1000]

hängen (= aufhängen, henken), schnüren[1001]

Harfe, Niklengschure (d. h. etwa »Spielding«)[1002]

Harmonika, " " "

Harn (Urin), Flösle, Flösslete, Flösselflu(h)te[1003]

harnen, flössle[1003]; vgl. auch regnen

hartherzig, lenk, schofel[1004]

Hase, Langohr[1005]

Hasenessen, Langohrbikus[1006]

Haselnuß, Jahrekrächerle od. Kracherkrächerle (d. h. eigtl. »Waldnuß«)[1007]

haßartig, lenk, schofel[1004]

[Fußnote 998: ([31] auf S. 64.301) S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl auch Grif(f)lingstritt, wie aus der Zus. Grif(f)lingstrittpflanzer = Handschuhmacher zu schließen.]

[Fußnote 999: ([32] auf S. 64.301) Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr. -pflanzer s. anbrennen.]

[Fußnote 1000: ([33] auf S. 64.301) Zu Konde od. Kunde (= Handwerksbursche) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Talfkunde = Handwerksbursche [zugleich wohl erster Beleg für das Wort im Rotw. überhaupt]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Kunde = Handwerksbursch); Schwäb. Händlerspr. 479 (Kundi [in Pfedelb. (209): Kunde] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch (nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: wandernder Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. Etymologie des Wortes (zu »kennen«, also eigtl. soviel wie »der Bekannte«, als Anrede der Kunden unter sich) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.]

[Fußnote 1001: ([34] auf S. 64.301) S. aufhängen.]

[Fußnote 1002: ([35] auf S. 64.301) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1003: ([36] auf S. 64.301) S. austreten (leicht) u. (betr. Flu[h]te) abbrühen.]

[Fußnote 1004: ([37] auf S. 64.301) S. arg.]

[Fußnote 1005: ([38] auf S. 64.301) Zu Langohr = Hase, auch Kaninchen (Zus.: Langohrbikus = Hasenessen) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Grünspreit-Langohr_ = Hase [zu Grünspreit = Feld], während Langohr [ohne Zusatz] hier = Esel ist); Schwäb. Händlerspr. 481 = Hase [in Pfedelb. (210) auch = Esel); s. auch Regensb. Rotwelsch 490 (Langöhrl = Hase). Im sonst. Rotw. tritt Langohr zunächst für den Esel auf (s. z. B. Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [229], während d. Hase hier Langfuß heißt, in _Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [240] aber zwischen gross Langohr_ = Esel u. klein Langohr [od. Langfuß] = Hase unterschieden ist), seit d. 19. Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. »Hase« (s. schon Pfister 1812 [301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl. Pott II, S. 23; Günther, Rotwelsch, S. 58; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 985.]

[Fußnote 1006: ([39] auf S. 64.301) S. (betr. Bikus) Abendessen.]

[Fußnote 1007: ([40] auf S. 64.301) Betr. Jahre od. Kracher = Wald s. Ananas. — Mit Krächerle = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die Zusammensetzgn.: Krächerlestöber (i. d. Spr.: Krächerstöber [wohl versehentlich]) = Nußbaum u. Krächerlekies = Nußkern. In dem _verw. Quellenkr._ lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw. überhaupt [s. z. B. schm. Lib. Vagat (54) u. dann öfter]): Krächling od. Kracherling. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 93, 97 (Kracherling = Nuß, Heckenkracherling = Haselnuß); _Pfulld. J.-W.-B. 338, 342 (Krächling_ = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]: Zahn); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Krächling = Nuß); _Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [212]: Krächling_, in U. [214]: Kracherling). Zur Etymologie (vom deutsch. Zeitw. »krachen«) s. Pott II, S. 38; A.-L. 562 (unter »Kracher«); Günther, Rotwelsch, S. 61; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter »Krachling«).]

Haube, Oberman(n)[1008] [64.302]

hauen, dogen od. doken[1009], ste(c)ken[1010], stenzen[1011]

Hauer (wilder Eber), Balo, Groanikel[1012]

häufig, grandich[1013]

Haupt, Ki(e)bes[1014]

Haupthaar, Ki(e)besstrauberts[1015]

Hauptmann, Grandicher-Lanenger. Mit Lanenger werden alle Soldaten (ohne Unterschied der Waffengattung) bezeichnet, Offiziere nur unter Hinzufügung der Eigenschaftswörter dof od. grandich, also _dofer Lanenger, d. h. eigtl. guter (od. besserer) Soldat, od. grandicher L._, d. h. großer, hoher (od. höherer) Soldat[1016]

[Fußnote 1008: ([41] auf S. 64.302) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1009: ([42] auf S. 64.302) S. abgeben.]

[Fußnote 1010: ([43] auf S. 64.302) S. beschenken.]

[Fußnote 1011: ([44] auf S. 64.302) S. Ast.]

[Fußnote 1012: ([45] auf S. 64.302) S. Eber.]

[Fußnote 1013: ([46] auf S. 64.302) S. Adler.]

[Fußnote 1014: ([47] auf S. 64.302) S. Angesicht.]

[Fußnote 1015: ([48] auf S. 64.302) S. (betr. Strauberts) Augenbrauen.]

[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d. Anm. zu »Bischof«. — Lanenger = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur. Lanengere = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar« und »Infanterist« angeführt worden (vgl. Wittichs Bemerkg. oben im Text). — Die Verbindg. grandich Lanenger (mit der Bedeutg. »[sehr] viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter »Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter unten unter »Heer«). Als Zusammensetzgn. mit dem Wort erscheinen: Lanengeroberman(n) (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm, Lanengerlechem, -lehm oder -maro (d. h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), Lanengerbegerkitt (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett, Lanengerkluft (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, Lanengermoss = Soldatenfrau, Lanengerbeiz od. -kober = Soldatenwirtschaft. _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 99 (Laninger = Soldat); Schöll 271 (Launinger); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339, 344 (Laninger = Soldat, aber auch Bettelvogt, Schmirlaninger = Wache, Haurigerlaninger = Schildwache); _Schwäb. Händlerspr. 483, 486 (Laninger od. Lanenger_ = Soldat, erstere Form [neben Lner] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch sowie die (nicht sichere) Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«, wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]

Haus, Kitt[1017] [64.303]

Hausfrau, Kittmos(s)[1018]

Hausherr, Kittkaffer[1019]

Haushund, Kittkeiluf[1020] od. Kittkip[1021]

hausieren (gehen), schenzieren (bosten od. pfichen) (Spr.)[1022]

[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]

[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau; vgl. auch die Anm. zu »Hauswirt«.]

[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]

[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit Keiluf = Hund, auch spezieller Pudel, sind noch folgende Zusammensetzgn. gebildet: a) im Anfang: Keilufkitt = Hundehütte, Keilufstenkert = Hundestall; b) am Ende: Gachnekeiluf = Hühnerhund, Bu(t)zekeiluf = Polizeihund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Keluf); W.-B. des Konst. Hans 254 (Kohluf); Schöll 271 (ebenso): _Pfulld. J.-W.-B. 340 (Gilof); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kailuf_); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kêluf). Über noch weitere rotw. Belege sowie die Etymologie des Wortes (vom gleichbed. hebr. keleb) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]

[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit Kip oder (häufiger) Kib (plur. Kibe, Dimin. Kible [Spr.]), Synon. zu Keiluf (daher auch = Pudel), sind noch mehr Zusammensetzgn. gebildet als mit letzteren, nämlich: a) im Anfang: Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Kibekitt (= Keilufkitt), Kibekafler = Hundemetzger, Kibestenkert (= Keilufstenkert), Kibeschwächerle = Hundezitzen; b) am Ende: Stierer- od. Stenzelkib (= Gachnekeiluf), Stupfelkib = Igelhund (Spr.), Bu(t)zekib (= Bu(t)zekeiluf), Jerusalemsfreundkib = Schäferhund, Flu(h)tekib = Seehund, Schmelemerkib = Zigeunerhund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Kipp = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Kib); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kipp); s. auch Metzer Jenisch 216 (ebenso). Die Etymologie des (auch in sonst. rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes bleibt dunkel; auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen Aufschluß darüber.]

[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. bosten u. pfichen s. abgehen. — Zu schenzieren = hausieren finde ich keinen Beleg in anderen Quellen. Dagegen kennt das Metzer Jenisch 216 sch¶r¶anze in gleicher Bedeutung, während schon Schöll 269 ein Subst. Sch¶r¶enzierer als Synon. für die sonst als Scheinspringer bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form Sch¶ra¶nzierer (zu dem Zeitw. schr¶a¶nzieren od. schrenzieren = »sich [unter irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. schr¶a¶nz = List hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das rotw. Schrende (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. Groß' Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das zugleich auch für schranze = hausieren passen würde. Danach aber dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jenisch statt schenzieren richtiger sch¶r¶enzieren zu lesen sein.]

Hausknecht, Kittschenegler[1023] [64.304]

Hausmagd, Kittscheneglere

Hausmutter, Kittmamere[1024]

Hausschlüssel, Kittglitschin[1025]

Hausvater, Kittpatris[1026]

Hauswirt, Fehtekaffer (Dimin.: -käfferle [Spr.])[1027]; vgl. Herberge

Hebamme, Deiselmos(s) od. Disselmos(s)[1028]

Hebräer, Kaim[1029]; vgl. Juden

[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. Schenegler) abschaffen.]

[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]

[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]

[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]

[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. Kaffer s. Bauer. — Mit Fehte = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer Fehtekaffer, das auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr« wiedergegeben) noch zusammengesetzt: Fehteulme = Herbergsleute (Spr.), Fehtefi(e)sel od. -freier = Quartierbursche, Fehtemos(s) od. -sinse = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau« wiedergegeben), Fehtesins = Quartiersherr (also Syn. zu Fehtekaffer) u. Fehtemodel = Quartiermädchen. Ableitung: fehten = übernachten, auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (Fede = Herberge; _Pfulld. J.-W.-B. 343 (Fede = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. feden_ = beherbergen); Schwäb. Händlerspr. 479 (Fêde = Bett [in Pfedelb. (212) auch = Quartier; vgl. ebd.: in d' Fede hotschen = schlafen]); auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. Basl. Glossar v. 1733 [201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) Etymologie s. Fischer, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung »Quartier« aus dem ital. fede im Sinne von »Verschreibung« (warum?), die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden könnte.]

[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]

[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) Kaim = Jude (Hebräer), fem.: Kaime, plur.: Kaimen, erscheint noch in der Zus. Kaimkolb (d. h. »Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kaim = Jude); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Keim [Gheim, Goim] = Juden); Schwäb. Händlerspr._ 482 (Kaim [in Pfedelb. (210): Keim] od. Kaimchen = Jude). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus dem Hebr. [chajjim]) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]

Heer, grandich Lanenger (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030] [64.305]

heftig, lenk, schofel[1031]

Heidelbeere, Jahresäftling od. Krachersäftling[1032]

Heidelbeerkuchen, Krachersäftlingbrandling[1033]

heil, dof schef(f)t's (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]

heilig, bliblich[1035]

heiliger Geist, bliblischer Schuberle[1036]

heilsam, dof[1037]

Heirat, Vergrönerei[1038]

heiraten, vergröneren[1038]

Heißhunger, grandich Bogelo od. grandich Put(t)lak[1039]

heizen, funken[1040]

Heizer, Funkpflanzer[1041]

hell, schei (= Schei)[1042]

Helle, Schei[1042]

Helm, Lanengeroberman(n), d. h. »Soldatenhut«)[1043]

Hemd, Hamfert[1044], Staud[1045]

[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. — Dieselbe Umschreibung kennt nach Liebich, S. 207 auch die Zigeunerspr. (but līrde, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]

[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]

[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]

[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. Brandling) Apfelkuchen.]

[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]

[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]

[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. Schuberle) Geist.]

[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]

[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]

[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]

[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]

[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über schei als Adj. gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]

[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz gleicher Form und Bedeutung in der Schwäb. Händlerspr. in Degg. (215), während für Lütz. (214) die Schreibung Ha¶n¶fert angeführt ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung -ert versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog. Apokope) von dem älteren — als eine Art pars pro toto (nach dem Hauptbestandteil) erscheinenden — Synon. Hanfstaud(e) (s. schon Lib. Vagat. [54] u. a. m., so z. B. auch Dolm. der Gaunerspr. 93 sowie noch Schwäb. Händlerspr. 482). Vgl. Pott II, S. 23 und Günther, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die folgende Anm.]

[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für Staud = Hemd sind aus dem verw. Quellenkr. anzuführen: Pfullend. J.-W.-B. 340 und _Schwäb. Händlersprache 482 (neben Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in Pfedelb. [210]: Staude neben den längeren Synon. Hanf-, Flächse-, Wergstaude; vgl. ebds. [211]: Staudenpflanzerin = = Näherin); s. auch noch Winterfelder Hausierersprache 442 (Staudche) Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im sonstigen neueren Rotwelsch (des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege bei Schütze, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei Hamfert) um eine Abkürzung von Hanfstaude, jedoch in der Form des sog. Aphärese (Weglassung der Anfangssilbe). S. A.-L. 610; vgl. auch Horn, Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]

Hengst, Trapert (-bert)[1046] od. (genauer) Trabert-Kaffer (d. h. [64.306] eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]

henken ([auf]hängen), schnüren[1048]

Henne, Brawari[1049], Stenzel[1050], Stierer[1051]

[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]

[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. Kaffer) Bauer; vgl. Stute (= Trabertmoss, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«). — Auch bei den Zigeunern heißt nach Liebich, S. 208, 244 der Hengst morschkerdino grai, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder) graieskĕri tschuwli, d. h. etwa »Pferdeweib«.]

[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]

[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn« nicht angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in etymolog. Beziehung nichts Sicheres in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch Wittich auf eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »böhmischen jenischen Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. brav (worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form und Bedeutung noch einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. Dr. A. Landau).]

[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit Stenzel = Henne (Huhn) sind gebildet die Zusammensetzgn.: Stenzeltritt = Hühnerfuß, Stenzelkitt = Hühnerhaus u. Stenzelkib = Hühnerhund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Stenzel = Huhn); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Stanzla = Henne); Schwäb. Händlerspr. 482 (Stenzel, Stenzling [in Lütz. (214): Stelzling] od. Stanzel = Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die Etymologie bleibt zweifelhaft. Auch Hoffmann-Krayer u. Landau im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren Erläuterungen zu den Vokabeln des Basler Glossars v. 1733 (das [201] schon Stenzel = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß über die Herkunft des Wortes.]

[Fußnote 1051: ([84] auf S. 64.306) Stierer, Syn. zu Stenzel, kommt nicht nur in denselben Zus. wie dieses vor (also: Stierertritt, -kitt u. -kib), sondern auch noch in einigen anderen, so: a) _am Anfang: Stiererstenkert = Hühnerstall; b) am Ende: Bäzemestierer_ = Legehuhn und Flu(h)testierer = Wasserhuhn. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Stire = Henne; Stirestinker_ = Hühnerstall); Schwäb. Händerspr. 482 (Stîrer = Henne); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Stieri = Hahn [aber auch = Ochse]). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit d. 17. Jahrh.) u. in der Kundenspr. sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom deutsch. mundartl. Zeitw. stieren [stüren, stören] = »durchsuchen, scharren«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 38, S. 231, Anm. 1.]

herabblicken, -schauen, herablinzen[1052] [64.307]

herabgehen, -laufen, herabbosten, -pfichen[1053]

herabschießen, herabschnelle[1054]

herabwerfen, herabplotzen[1055]

herausfahren, herausruadla[1056]

herausgeben, herausdogen[1057]

herausschreiben, herausfeberen[1058]

herausstehlen, herausschniffen[1059], herausschoren[1060], herauszopfen[1061]

heraustragen, herausbukla[1062]

Herberge, Fehte[1063] od. Schlumerkitt[1064]

[Fußnote 1052: ([85] auf S. 64.307) S. anschauen.]

[Fußnote 1053: ([86] auf S. 64.307) S. abgehen.]

[Fußnote 1054: ([87] auf S. 64.307) S. abschießen.]

[Fußnote 1055: ([88] auf S. 64.307) S. bewerfen.]

[Fußnote 1056: ([89] auf S. 64.307) S. abfahren.]

[Fußnote 1057: ([90] auf S. 64.307) S. abgeben.]

[Fußnote 1058: ([91] auf S. 64.307) S. abschreiben.]

[Fußnote 1059: ([92] auf S. 64.307) S. anfassen.]

[Fußnote 1060: ([93] auf S. 64.307) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1061: ([94] auf S. 64.307) S. Diebstahl.]

[Fußnote 1062: ([95] auf S. 64.307) S. abtragen.]

[Fußnote 1063: ([96] auf S. 64.307) S. Hauswirt.]

[Fußnote 1064: ([97] auf S. 64.307) Diese Zusammensetzung bedeutet wörtlich »Schlafhaus«, zu Schlummer = Schlaf (das in Wittichs Vokab. nicht angeführt ist) bezw. dem Zeitw. schlummern (das zwar im W.-B. in der Form schlummere enthalten ist, jedoch nicht unter »schlafen«, sondern nur unter dem weiteren Begriffe »liegen«) u. Kitt = Haus (s. Abort). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Schlummer = Schlaf, schlummern = schlafen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (schlummern = übernachten; Schwäb. Händlerspr._ 485 (schlummern = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. s. Näh. bei Weber-Günther, S. 179/180 (wo jedoch die Bemerkung, daß in den Quellen das Hauptw. Schlummer früher als das Zeitw. schlummern auftrete, zu berichtigen ist, da — ganz abgesehen von dem alten gleichbed. slöm im Ndd. Lib. Vagat. [78] — auch die Form schlummern schon im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218] als rotw. Vokabel vorkommt, während Schlummer sich m. Wiss. zuerst im Hildburgh. W.-B. v. 1753 ff. [231] findet). Ebds. auch Näh. über die Etymologie des Wortes, das aus den deutsch. Mundarten, insbes. dem niederdeutsch. Sprachgebiet, übernommen sein dürfte; vgl. auch Pott II, S. 17 u. Kluge, Unser Deutsch, S. 81 vbd. mit Et. W.-B., S. 403 (unter »schlummern«) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 738 (unter »Schlummer«). Über den Ausdr. Schlummerpech = Schlafgeld (bes. in d. Kundenspr.) s. Groß' Archiv, Bd. 33, S. 279, Anm. 1.]

Herberggeber, Herbergsvater, Fehtekaffer[1065] [64.308]

Herbergsleute, Fehteulme (Spr.)[1066]

Herd, Hitzling[1067]

hergeben, dogen[1057]

Hering, Spronkert-Flössling, Spronkertflotscher od. -schwimmerling (d. h. »Salzfisch«)[1068] od. auch Begertflössling (d. h. »toter Fisch«)[1069]

Heringsbüchse, Flösslingschottel (d. h. eigtl. nur »Fischbüchse«)[1070]

Heringsalat, Spronkertflösslingblättling[1071]

Herr, Freier[1072], Sens od. Sins[1073]

Herrenhaus (Herrschaftshaus) Sinserkitt[1074]

Herrenzimmer, Sinseschrende[1075]

Herrin, Sinse[1073], Sinsemos(s)[1076]

[Fußnote 1065: ([98] auf S. 64.308) S. Hauswirt und Bauer.]

[Fußnote 1066: ([99] auf S. 64.308) S. (betr. Ulme) arme Leute.]

[Fußnote 1067: ([100] auf S. 64.308) S. Backofen.]

[Fußnote 1068: ([101] auf S. 64.308) S. einsalzen und Fisch.]

[Fußnote 1069: ([102] auf S. 64.308) S. (betr. Begert-) absterben. — Während die Umschreibung »salziger (od. gesalzener) Fisch« (_lon̄do mādscho_ [od. lon̄di mādschin]) für den Hering auch den Zigeunern bekannt ist (s. Liebich, S. 144 u. 209 und Finck, S. 73 [lon̄do mātšo]; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45), bedeutet dagegen bei ihnen »toter Fisch« (mīlo mādscho [matšo]) die Forelle (für die aber auch lolo mādscho, d. h. »roter [bunter] Fisch«, vorkommt); s. Liebich, S. 147 u. 198 sowie Finck, S. 73. Zur Erklärung des ersteren Ausdrucks bemerkt Liebich, S. 32, 33 (gegen Zweifel bei Pott II, S. 437): »(Der) Ängstlichkeit (mit dem der Zigeuner den Namen Verstorbener auszusprechen vermeidet) verdankt der unter dem Namen Forelle bekannte Fisch seine jetzt übliche zigeunerische Bezeichnung als mulo madscho, _mulĕno madscho_, d. h. der tote Fisch. Als nämlich eine Zigeunerin mit Namen Forella gestorben war, wollte man auch die gleichlautende Bezeichnung des Fisches aufgeben, um nicht bei dem Anblick des Fisches an die Verstorbene direkt erinnert zu werden, deshalb hieß von da an der Fisch Forelle der tote Fisch, und dieser Ausdruck ist (neben lolo madscho [s. oben]) jedem Zigeuner geläufig, jedem verständlich.« Wie nun aber die gleiche Umschreibung in der jenischen Sprache für den Hering zu deuten ist, vermag ich nicht zu sagen.]

[Fußnote 1070: ([103] auf S. 64.308) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 1071: ([104] auf S. 64.308) S. (betr. Blättling) Gulasch.]

[Fußnote 1072: ([105] auf S. 64.308) S. Fremder.]

[Fußnote 1073: ([106] auf S. 64.308) S. Amtmann.]

[Fußnote 1074: ([107] auf S. 64.308) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1075: ([108] auf S. 64.308) S. (betr. Schrende) Frauenstube.]

[Fußnote 1076: ([109] auf S. 64.308) S. (betr. Mos(s)) Bauernfrau.]

Herrscher, grandicher Sins (d. h. »großer Herr«)[1077] [64.309]

herumblicken, herumlinzen[1078]

herumfahren, herumruadla[1079]

herumliegen, herumdurma[1080], herumschlauna[1081]

herumtanzen, herumnikla[1082]

herumtragen, herumbukla[1083]

heruntergekommen, vermuft[1084], verschoffelt[1085]

Herz, Schwächerle[1086]

herzlich, dof[1087]

Heu, Kupfer[1088]

Heuchler, schofler Benk[1089], schofler Fi(e)sel[1090], — Freier[1091], — Kaffer[1092]

heulen, glemsen[1093]

Heulerei, Glemserei

Heupferd (Heuschrecke), Kupfertrabert[1094], Kupferflederling (d. h. eigtl. »Heuvogel«)[1095]

Hexe, Finkelmos(s)[1096]

Hexenhaus, Finkelkitt[1097]

Hexenmeister, Finkelkaffer[1092]

Hexerei, Finklerei[1096]

Hieb(e), Guffes[1098]

[Fußnote 1077: ([110] auf S. 64.309) S. Adler u. Amtmann, vgl. Bischof. Dieselbe Art der Umschreibung für Herrscher (näml. baro rai) kennen auch die Zigeuner nach Liebich, S. 209.]

[Fußnote 1078: ([111] auf S. 64.309) S. anschauen.]

[Fußnote 1079: ([112] auf S. 64.309) S. abfahren.]

[Fußnote 1080: ([113] auf S. 64.309) S. aufwachen.]

[Fußnote 1081: ([114] auf S. 64.309) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1082: ([115] auf S. 64.309) S. aufspielen.]

[Fußnote 1083: ([116] auf S. 64.309) S. abtragen.]

[Fußnote 1084: ([117] auf S. 64.309) S. Aas.]

[Fußnote 1085: ([118] auf S. 64.309) S. arg.]

[Fußnote 1086: ([119] auf S. 64.309) S. Amme.]

[Fußnote 1087: ([120] auf S. 64.309) S. angenehm.]

[Fußnote 1088: ([121] auf S. 64.309) S. Frucht.]

[Fußnote 1089: ([122] auf S. 64.309) S. arg u. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1090: ([123] auf S. 64.309) S. (betr. Fi[e]sel) Bettelbube.]

[Fußnote 1091: ([124] auf S. 64.309) S. (betr. Freier) Fremder.]

[Fußnote 1092: ([125] auf S. 64.309) S. (betr. Kaffer) Bauer.]

[Fußnote 1093: ([126] auf S. 64.309) S. ausweinen.]

[Fußnote 1094: ([127] auf S. 64.309) S. Frucht u. Füllen.]

[Fußnote 1095: ([128] auf S. 64.309) S. Frucht und Adler.]

[Fußnote 1096: ([129] auf S. 64.309) S. behext und Bauernfrau.]

[Fußnote 1097: ([130] auf S. 64.309) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1098: ([131] auf S. 64.309) S. aufschlagen.]

hier, her(r)les, her(r)lem[1099] (hier ist er, da hauret er; hier [64.310] ist es, her[r]les hauret's)[1100]

Himbeere, Jahresäftling od. Krachersäftling[1101]

hinausgehen, hinausbosten[1102]

hinauskommen, hinauspfichen[1102]

hinfallen, hinbohla[1103]

hinlegen, hindurmen[1080], hinschlaunen[1081]

hinken s. lahmgehen

Hintere (der), Bos[1104], Schmelzer[1105]

Hinterkopf, Ki(e)bes[1106]

hinwerfen, hinplotzen[1107]

Hirsch, Jahreschure od. Kracherschure[1108]

Hirschfänger, Latt[1109]

Hirt, Jerusalemsfreundschure (d. h. zunächst bes. »Schafhirt, Schäfer«)[1110]

hoch, grandich[1111]

hochherzig, dof[1112], grandich[1111]

Hochzeit, Grönerei[1113]

Hochzeitsschmaus, Grönereibikus[1114]

Hoden, Bäzeme (d. h. eigtl. »Eier«)[1115]

Hodensack, Bäzemerande[1116]

Hof, grandiche Kitt (d. h. »großes Haus«)[1117]

hoffärtig sein, grandiche pflanzen (d. h. eigtl. etwa: »den Großen spielen«)[1118]

[Fußnote 1099: ([132] auf S. 64.310) S. da.]

[Fußnote 1100: ([133] auf S. 64.310) S. unter »elend«.]

[Fußnote 1101: ([134] auf S. 64.310) S. Ananas.]

[Fußnote 1102: ([135] auf S. 64.310) S. abgehen.]

[Fußnote 1103: ([136] auf S. 64.310) S. abfallen.]

[Fußnote 1104: ([137] auf S. 64.310) S. After.]

[Fußnote 1105: ([138] auf S. 64.310) S. Abort.]

[Fußnote 1106: ([139] auf S. 64.310) S. Angesicht.]

[Fußnote 1107: ([140] auf S. 64.310) S. bewerfen.]

[Fußnote 1108: ([141] auf S. 64.310) S. Ananas u. abbiegen.]

[Fußnote 1109: ([142] auf S. 64.310) S. Degen.]

[Fußnote 1110: ([143] auf S. 64.310) S. Hammel und abbiegen.]

[Fußnote 1111: ([144] auf S. 64.310) S. Adler.]

[Fußnote 1112: ([145] auf S. 64.310) S. angenehm.]

[Fußnote 1113: ([146] auf S. 64.310) S. Ehe.]

[Fußnote 1114: ([147] auf S. 64.310) S. (betr. Bikus) Abendessen.]

[Fußnote 1115: ([148] auf S. 64.310) S. Ei.]

[Fußnote 1116: ([149] auf S. 64.310) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 1117: ([150] auf S. 64.310) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1118: ([151] auf S. 64.310) S. (betr. pflanzen) anbrennen.]

höflich, dof[1112] [64.311]

Höhe, Grandich[1111][1119]

Hoherpriester, grandicher Gallach[1120] od. grandicher Kolb[1121]

holen, buk(e)le(n) (Spr.)[1122], schniffen (Spr.)[1123]

hold, dof, duft[1112]

Holz, Spraus[1124]

hölzern, sprausich[1124]

Holzmacher, Sprauskaffer[1125]

Holzsack, Sprausrande[1126]

hör auf, schupf dich[1127]

Hose, Buxe, Kopel (plur.: Buxen, Kopla)[1128]

Hosensack(-tasche) Buxerande, Kopelrande[1126]

Hospital, grandiche Begerkitt[1129]

hübsch, dof, duft[1112]

Huf, Traperttrittleng[1130]; vgl. Gaulfuß

Huhn, Gachne[1131], Stenzel, Stierer[1132]

Hühnerfuß, Gachnetritt, Stenzel- od. Stierertritt[1133]

Hühnerhaus, Gachnekitt, Stenzel- oder Stiererkitt[1134]

Hühnerhund, Gachnekeiluf, Stenzel- od. Stiererkib[1135]

Hühnerstall, Gachne- od. Stiererstenkert[1136]

Humpen, Glansert[1137], Nolle[1138]

humpeln s. lahm gehen

[Fußnote 1119: ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives grandich; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1120: ([153] auf S. 64.311) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1121: ([154] auf S. 64.311) S. Bischof.]

[Fußnote 1122: ([155] auf S. 64.311) S. abtragen.]

[Fußnote 1123: ([156] auf S. 64.311) S. anfassen.]

[Fußnote 1124: ([157] auf S. 64.311) S. Baumholz.]

[Fußnote 1125: ([158] auf S. 64.311) S. (betr. Kaffer) Bauer.]

[Fußnote 1126: ([159] auf S. 64.311) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 1127: ([160] auf S. 64.311) S. aufhören.]

[Fußnote 1128: ([161] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Beinkleid.]

[Fußnote 1129: ([162] auf S. 64.311) S. Adler, absterben u. Abort.]

[Fußnote 1130: ([163] auf S. 64.311) S. Füllen und Ferse.]

[Fußnote 1131: ([164] auf S. 64.311) S. Hahn.]

[Fußnote 1132: ([165] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Henne.]

[Fußnote 1133: ([166] auf S. 64.311) S. (betr. Tritt) Entenfuß.]

[Fußnote 1134: ([167] auf S. 64.311) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1135: ([168] auf S. 64.311) S. (betr. Keiluf u. Kib) Haushund.]

[Fußnote 1136: ([169] auf S. 64.311) S. (betr. Stenkert) Entenstall.]

[Fußnote 1137: ([170] auf S. 64.311) S. Bierglas.]

[Fußnote 1138: ([171] auf S. 64.311) S. Fleischhafen.]

Hund, Keiluf, Kib (Dimin.: Kible [Spr.])[1135], Tschuggel[1139] [64.312]

Hundefleisch, Kibe(n)bossert, Tschuggelmass[1140]

Hundestätte, Keilufkitt od. Kibekitt[1134]

Hundemetzger, Kibekafler[1141]

Hundestall, Keiluf- od. Kibestenkert[1136]

Hundezitzen, Kibeschwächerle[1142]

Hunger, Bog(g)elo, Put(t)lack, Ruf[1143]

hungern, mich hungert's, mich bikert's[1144]

hungrig, bikerich (Spr.)[1144]

Hure, Lubne, schofle Model[1145], schofle Schüx[1146]

[Fußnote 1139: ([172] auf S. 64.312) Im Gegensatz zu dem Synon. Keiluf u. bes. Kib, die mehrfach in Zusammensetzgn. erscheinen, tritt Tschuggel bloß in der Zus. Tschuggelmass = Hundefleisch auf. Unter den verw. Quellen kennt schon der Dolm. der Gaunerspr. 94 die Vokabel in der Form Schokel sowie noch jetzt die schwäb. Händlerspr. in Lütz. (214) in der Form Tschŭglo, weiter findet sie sich auch im sonst. neuern Rotw. (seit d. 19. Jahrh.) öfter (in verschied. Formen) angeführt (vgl. z. B. Pfister 1812 [305, 307: Schukel od. Tschukel]; Christensen 1814 [323, 324: Juckel]; v. Grolman, 31, 64, 72 u. T.-G. 102 [hier alle drei Formen]; Karmayer G.-D. 202, 218 u. 222 [im wes. ebenso] u. a. m.) Zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 31) s. Näheres bei A.-L. 605 (unter »Schuckel«) und Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschuckle«) [wo übrigens auch das mhd. zohe = Hündin herangezogen]) vbd. mit Pott II, S. 213/14 (unter »Xukel«), Liebich, S. 166 u. 211 (tschukklo), Miklosich, Beitr. I/II, S. 13, III, S. 9, 22 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 209 (unter »džukel«: bei d. deutsch. Zig.: čukklo), Jühling (S. 207 (Tschukäl) u. Finck, S. 56 (dšuklo od. dšukel). Das Wort ist (nach Pott u. Miklosich, a. a. O.) bis aufs Altindische zu verfolgen.]

[Fußnote 1140: ([173] auf S. 64.312) S. (betr. Bossert u. Mass) Aas.]

[Fußnote 1141: ([174] auf S. 64.312) S. Fleischer.]

[Fußnote 1142: ([175] auf S. 64.312) S. (betr. Schwächerle) Amme.]

[Fußnote 1143: ([176] auf S. 64.312) S. (zu allen drei Ausdr.) Appetit.]

[Fußnote 1144: ([177] auf S. 64.312) S. Abendessen.]

[Fußnote 1145: ([178] auf S. 64.312) S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin, vgl. arg.]

[Fußnote 1146: ([179] auf S. 64.312) Schüx, früher wohl auch Schücksel (= Mädchen; vgl. »Einleitung«, S. 28) ist natürlich nur eine mundartl. gefärbte Nebenform zu den im Rotw. u. in der Kundenspr. sehr verbreiteten Ausdr. Schix, Schi(c)kse, Schicksel usw. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Schickse = Mädchen); W.-B. des Konst. Hans 255 (Schikse = ein Mägdlein); Schöll 271 (Schikse = Mädchen, Beischläferin); Pfulld. J.-W.-B. 342, 345 (Schix = Mädchen, Tochter; vgl. [340]: Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 77 (Schix = Dirne, Weibsperson, dazu versch. Zus. wie z. B. Dippelschix = Landfahrerin, Gallachschixe = Pfarrköchin); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schix = Mädchen [in Pfedelb. (214): = Weibsbild, ebds. (209): lacke Schix = Dirne, eigtl. »schlechtes Weibsbild« (vgl. betr. lack: Bd. 63, S. 119, Anm. 217 zu Put[t]lak)]); s. auch Metzer Jenisch 216 (Schicksi = Mädchen). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie (aus dem Hebräischen) s. ausführl. Groß' Archiv, Bd. 48, S. 341 ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 15 ff., Weber-Günther, S. 160/61 (unter »Schecks«) u. Seiler, Lehnwort IV, S. 493.]

huren, lubnen[1145], schofle Falle pflanzen[1147] [64.313]

Hurenkerl, Lubnebenges[1148], schofler Fi(e)sel[1149], — Freier[1150] od. — Kaffer[1151]

Hurenkind (uneheliches Kind), Stratz (plur.: Stratze). Dieses Wort ist aber auch für Kind im allgem. gebräuchlich[1152]

hurtig, g'want[1153]

Husar, Lanenger (d. h. eigtl. nur »Soldat«)[1154]

Hut, Oberman(n)[1155]

Hutmacher, Oberman(n)pflanzer[1156]

I.

Igel, Stupfel od. Stupfleng (plur.: Stupfl¶i¶ng)[1157]

[Fußnote 1147: ([180] auf S. 64.313) S. unter »böse Sachen machen«; vgl. auch anbrennen.]

[Fußnote 1148: ([181] auf S. 64.313) S. (betr. Benges) brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1149: ([182] auf S. 64.313) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1150: ([183] auf S. 64.313) S. Fremder.]

[Fußnote 1151: ([184] auf S. 64.313) S. Bauer.]

[Fußnote 1152: ([185] auf S. 64.313) Die Vokabel findet sich (in der Form Stratze als sing. für »Kind« schlechthin) auch in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, sonst aber m. Wiss. nicht in den Geheimsprachen. Die Etymologie ist unsicher, falls man nicht annehmen will, daß es sich bloß um eine Nebenform oder Entstellung von Schraze handelt, das — gleichfalls für »Kind« — sowohl im Rotw. überhaupt als auch speziell in dem verw. Quellenkr. vorkommt. Vgl. _Pfullend. J.-W.-B. 341 (Schraze = Kind [s. auch Schrada = Knabe]); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schrtze = [kleinere] Kinder [in Degg._ (215): auch als sing. = Kind], (Schratzesknippler [in Pfedelb. 211): Schrazeskneppler], d. h. eigtl. »Kinderprügler«, = Lehrer [in Pfedelb.: spez. Unterlehrer im Gegens. zu Galmenguffer, dem Oberlehrer (vgl. dazu schon oben unter »brauchbares Kind« u. »aufschlagen«)]). Über weitere rotw. Belege für dieses Wort sowie seine (gleichfalls nicht ganz sichere) Etymologie s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 47, S. 140 u. Anm. 3; vgl. auch Weber-Günther, S. 168.]

[Fußnote 1153: ([186] auf S. 64.313) S. anmutig.]

[Fußnote 1154: ([187] auf S. 64.313) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1155: ([188] auf S. 64.313) S. Fingerhut]

[Fußnote 1156: ([189] auf S. 64.313) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1157: ([190] auf S. 64.313) S. dazu die Zusammensetzgn.: Stupfelbikus = Igelessen, Stupfelmass od. Stupflengbossert = Igelfleisch, Stupfelkib = Igelhund (Spr.), Stupfelkafler = Igelmetzger, Stupfel- od. Stupflengrande = Igelsack. Sowohl in der Form Stupfel wie auch Stupfling ist die Vokabel auch der _schwäb. Händlerspr. 482 bekannt (in Lütz.: [215] daneben noch Stachling_, während in Matzenbach dafür die latinisierte Form Stachelinus gebräuchlich ist, ähnlich wie sich bei den Zigeunern (bei denen der Igel eine große Rolle, bes. auch als beliebte Speise, spielt [s. Liebich, S. 39, 85, 86]) dafür (u. a.) wohl stachlino (bei den deutsch. Zigeun. allerdings meist stacheléngĕro) findet (vgl. Pott II, S. 245 [unter »Stàchlo«], Liebich, S. 160 u. 212 [stachélengĕro], Miklosich, Beitr. III, S. 19 [ebenso], Jühling 226 [hier: Stachlino, dagegen plur.: Stachlingäre], Finck, S. 87 [štaxeléngero]). Der Etymologie nach gehört Stupfel od. Stupfleng (-ling) zu dem gauner-, kunden- und geheimsprachl. sowie auch allgem. mundartl. stupfen = stechen mit Rücks. auf die Stacheln des Igels (vgl. jen.: Stupfle = Stachel [s. dazu Näh. schon oben unter »Dorn«]), denen natürlich auch die Syn. Stachling, Stachelinus u. die ähnlichen Zigeunerwörter ihre Entstehung verdanken.]

Igelessen, Stupfelbikus[1158] [64.314]

Igelfleisch, Stupfelmass, Stupflengbossert od. Stupfelbossert (Spr.)[1159]

Igelhund, Stupfelkib (Spr.)[1160]

Igelmetzger, Stupfelkafler[1161]

Igelsack, Stupfel- od. Stupflengrande[1162]

Infanterist, Lanenger (d. h. »Soldat«)[1163]

ingrimmig, stumpfich[1164]

Insel, Flu(h)tekies (d. h. eigtl. »Wasserstein«, als Stein = Gebirge, das aus dem Wasser hervorragt[1165]

irr, irrsinnig, ni(e)sich, nillich, nuschich[1166]

Irrenhaus, Hegelkitt[1167] od. Ni(e)sekitt, Nillekitt, Nuschekitt[1168]

Irrlicht, Schuberleschein (d. h. »Gespensterlicht«[1169]

Irrsinn s. Wahnsinn.

J (= Jod).

ja, kenn[1170]

[Fußnote 1158: ([191] auf S. 64.314) S. (betr. Bikus) Abendessen.]

[Fußnote 1159: ([192] auf S. 64.314) S. (betr. Mass u. Bossert) Aas.]

[Fußnote 1160: ([193] auf S. 64.314) S. Haushund.]

[Fußnote 1161: ([194] auf S. 64.314) S. Fleischer.]

[Fußnote 1162: ([195] auf S. 64.314) S. Bauch.]

[Fußnote 1163: ([196] auf S. 64.314) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1164: ([197] auf S. 64.314) S. Ärger.]

[Fußnote 1165: ([198] auf S. 64.314) S. abbrühen u. Apfelkern. — Ähnlich heisst bei den Zigeunern (nach Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri montaia, d. h. »Wasserberg« od. »Wassergebirge«.]

[Fußnote 1166: ([199] auf S. 64.314) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1167: ([200] auf S. 64.314) S. Dummheit u. Abort.]

[Fußnote 1168: ([201] auf S. 64.314) Vgl. Anm. 1166 u. 1167 a. E.]

[Fußnote 1169: ([202] auf S. 64.314) S. Geist u. alltäglich. — Ähnlich ist die Bezeichnung des Irrlichts bei den Zigeunern, näml. _muléskĕri momelin, d. h. eigtl. »Totenlicht« (Syn. auch: dschapáskĕri momelin, d. h. »wanderndes Licht«) nach Liebich_, S. 147 u. 212.]

[Fußnote 1170: ([203] auf S. 64.314) Vgl. dazu (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (kenn = ja, kenn Mathilde = ganz richtig); Schwäb. Händlerspr. 481, 482 (kenn_ = ja, kenn Mathilde = »grüß Gott«); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (kent = ja) sowie d. Winterfelder u. Eifler Hausiererspr. 441, 491 (kenn). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. Schütze, S. 73, vbd. mit Groß' Archiv, Bd. 51, S. 162 (unter »Mathilde«) und Anm. 2 (betr. kenn Kunde, wozu auch zu vgl. Bd. 59, S. 267, 287). Über die Etymologie (vom hebr. kên od. ken = »so [richtig], ja«) s. A.-L. 556 und Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 330, vgl. jedoch auch Archiv, Bd. 51, S. 162, Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw. »kennen« bei dem Ausdr. kenn Kunde od. Mathilde).]

Jacke, Malfes[1171] [64.315]

jagen, Jahre od. Kracher bosten (d. h. eigtl. »[in den] Wald gehen [zum Jagen]«)[1172]

Jäger, Grünleng[1173]

Jahr, Ja(h)ne[1174]

Jahrestag, Ja(h)neschei[1175]

jammern, glemsen[1176]

jucken, näpfen[1177]

Jude, Kaim (plur.: Kaimen[1178] od. Dibolde[1179])

[Fußnote 1171: ([204] auf S. 64.315) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1172: ([205] auf S. 64.315) S. Ananas u. abgehen.]

[Fußnote 1173: ([206] auf S. 64.315) S. Flurschütz.]

[Fußnote 1174: ([207] auf S. 64.315) S. alljährlich.]

[Fußnote 1175: ([208] auf S. 64.315) S. (betr. Schei) alltäglich.]

[Fußnote 1176: ([209] auf S. 64.315) S. ausweinen.]

[Fußnote 1177: ([210] auf S. 64.315) S. abbeißen.]

[Fußnote 1178: ([211] auf S. 64.315) S. Hebräer.]

[Fußnote 1179: ([212] auf S. 64.315) Zu Dibolde = Juden gehören die Zusammensetzg. Dibolde-Gallach (d. h. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. die Ableitg. diboldisch = jüdisch (Gegensatz: nobis diboldisch [eigtl. nicht-jüdisch] = ungläubig [vom jüd. Standpunkt aus; Syn. _nobis gril(l)isch, — wonisch_, d. h. eigtl. »nicht-evangelisch, -katholisch«]). Die Vokabel, die in dem verw. Quellenkreise unbekannt ist, kommt im sonstig. Rotwelsch (d. 19. Jahrh.) vereinzelt vor, jedoch mit anderem Anlaut (Ba-, Bi-, Pi-); s. z. B. Pfister 1812 (295: Babolde); v. Grolman 5 u. T.-G. 103 (ebenso); Karmayer G.-D. 190 (desgl.); Derenbourgs Glossar 1856 (414: desgl.); A.-L. 584 (Pipolte, fem. Pipoltiza); Groß 458 (Biboldo). Der Etymologie nach stammt der Ausdr. aus der Zigeunersprache her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der biboldo (od. bipoldo) eigtl. »der Ungetaufte« bedeutet (von boldo [od. poldo], zu [me] polāwa = »[ein]tauchen, taufen« [s. Liebich, S. 152 u. 245; vgl. Finck, S. 52 (Stamm: bōl [od. bold] = »[ein]tauchen, taufen«, das sich bis ins Hind. [bōrnā = »eintauchen«] verfolgen läßt)] u. dem Negativpräfix bi-). S. Näh. bei Pott II, S. 422 (unter »Bolaw«), Liebich, S. 128 u. 213 (bipoldo), Miklosich, Beitr. III, S. 8 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 181 (unter »bol«: bei den deutsch. Zig.: bipoldo), Finck, S. 51 (bibóldo); bei Jühling nicht angeführt. — Über die Veränderung des Anlauts im Jenischen s. auch Pott, a. a. O.]

Jüdin, Kaime[1178] [64.316]

jüdisch, diboldisch[1179]

Junge, Bengesle[1180], Fi(e)sele[1181], Freierle[1182]

junges (kleines) Mädchen, Mödele[1183]

Jungfrau, Mössle[1184]

Junggeselle, Käfferle (d. h. eigtl. »Männchen«)[1185] od. (genauer) nobis vergröntes Käfferle (d. h. »nicht verheiratetes Männchen«)[1186]

Jüngling, Benges od. Benk[1180], Fi(e)sel[1181], Freier[1182]

Junker, dofer Benk[1180] od. Fi(e)sel[1181] (d. h. etwa ein »guter [od. besserer] junger Mann«) od. Sinsle (d. h. »Herrchen«)[1187].

K.

Kadaver, mufiger Bossert od. — Maas[1188]

Kaffee, Süs(s)leng (-ling [Spr.])[1189]

Kaffekanne, Süs(s)lengnolle[1190]

Kaffeetasse, Süs(s)lengschottel[1191]

[Fußnote 1180: ([213] auf S. 64.316) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1181: ([214] auf S. 64.316) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1182: ([215] auf S. 64.316) S. Fremder.]

[Fußnote 1183: ([216] auf S. 64.316) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1184: ([217] auf S. 64.316) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1185: ([218] auf S. 64.316) S. Bauer.]

[Fußnote 1186: ([219] auf S. 64.316) S. (betr. nobis vergröntes) Dietrich u. Ehe.]

[Fußnote 1187: ([220] auf S. 64.316) S. Amtmann.]

[Fußnote 1188: ([221] auf S. 64.316) S. Aas.]

[Fußnote 1189: ([222] auf S. 64.316) Süs(s)leng (od. -ling) bedeutet außer Kaffee (Zichorie) auch noch: Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende Zusammensetzgn.: Süs(s)lengnolle = Kaffeekanne, Süs(s)lengschottel = Kaffeetasse, auch Zichorienbüchse, Süs(s)lingbrandling = Lebkuchen, Süs(s)linglehm = Zuckerbrot, Süs(s)lingoberman(n) = Zuckerhut, Süs(s)lingflu(h)te = Zuckerwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 u. 101 (Süsling = Zucker, auch Honig); Schwäb. Händlerspr. 488 (Süßling = Zucker). Im Pfulld. J.-W.-B. 340 bedeutet Süß den Honig, im Pleißlen der Killertaler 436 Süessler od. Süssholz den Zucker. Über weitere Belege im Rotw. (s. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [222, 232: Süßling = Honig oder Bienenstock] u. dann öfter [mit versch. Bedeutgn.]) sowie über die Nebenform Süssert s. noch Weber-Günther, S. 188 (unter »Zosset«). Der Stamm des Wortes ist natürlich unser Adj. »süß«; vgl. Pott II, S. 10; A.-L. 612; Günther, Rotwelsch, S. 60. — Zu der Bedeutg. »Kaffee« sei noch bemerkt, daß (nach Liebich, S. 138 u. 213) auch bei den Zigeunern der Kaffee gudli, d. i. etwa »der Süße« (vgl. gudlo = Zucker), heißt (neben mellĕli, d. i. »der Schwarze«;) vgl. auch Finck, S. 59.]

[Fußnote 1190: ([223] auf S. 64.316) S. (betr. Nolle) Fleischhafen.]

[Fußnote 1191: ([224] auf S. 64.316) S. Aschenbecher.]

Käfig, Kitt (d. h. »Haus«)[1192], Stenkert (d. h. »Stall«)[1193]; [64.317] vgl. Vogelbauer

kahl, nobis Strauberts (d. h. »keine Haare«)[1194]

Kahlkopf, nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes (d. h. »keine Haare auf dem Kopf«[1195]

Kalb, Horbögle[1196]

Kalk, näpfiger Schund (d. h. »beißender Dreck«)[1197]

kalt, biberisch (bibrisch [Spr.])[1198]

Kälte, Biberisch (subst. Adj.)[1198]

[Fußnote 1192: ([225] auf S. 64.317) S. Abort.]

[Fußnote 1193: ([226] auf S. 64.317) S. Entenstall.]

[Fußnote 1194: ([227] auf S. 64.317) S. Dietrich u. Augenbrauen,]

[Fußnote 1195: ([228] auf S. 64.317) S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.]

[Fußnote 1196: ([229] auf S. 64.317) Horbögle (= Kalb) ist Dimin. zu Horboge (-boga) oder (abgekürzt in der Form der Aphärese) bloß Boga = Kuh, Rind. Von Zusammensetzgn. mit diesen Wörtern vgl. a) _am Anfang: Horbogaschwächerle = Kuheuter, Horbogebossert od. -mass_ = Kuh- od. Rindfleisch, Horbogekafler od. Bogakafler = Kuhmetzger (letzteres auch Rindermetzger), Horbogestenkert = Kuh- od. Rinderstall, Horbogeschmunk = Rinderfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Analogie mit der Zigeunerspr.), wogegen Bogaschmunk nur durch »Kuhbutter« wiedergegeben; b) am Ende: Mufferhorboge (d. h. eigtl. »Nasenkuh«) = Nashorn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun). _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr._ 95, 97 (Hobogen = Kuß [wofür jedenfalls zu lesen: Kuh, argum.: Hohrbogen = Ochs); W.-B. des Konst. Hans 254 (Hohrboge = Stück Rindvieh); Schöll 271 (Haarbogen = Rindvieh); Pfulld. J.-W.-B. 340, 342, 343 (Horboge = Kuh, Ochs, Rind, junge Horboge = Kalb, Horbogemaß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 482, 483, 485, 487 (Hôrbôg[e] [in Pfedelb. (211): Hobuche] = Kuh, Rind, Stier, Hôrb[^oe]gle = Kalb, Hôrbôgmost = Rindfleisch); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Haarbogen = Kuh). Über weitere Belege im Rotw. s. Groß' Archiv, Bd. 43, S. 31/32, Anm. 3. Der Etymologie nach handelt es sich wahrscheinl. um eine Verunstaltung aus dem älteren Synon. Hornbock, das schon im Lib. Vagat. (54) vorkommt. S. Näh. darüber im Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 1 u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1822 unter Ho(r)nbog(e[n]), der zwar die Silbe Hor- ebenfalls als »Horn« auslegt, dagegen -boge(n) »eher zu hebr. bakar = Rindvieh«, poln.-jüd. boker (vgl. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 32) »als zu Bogen« in Beziehung setzen möchte. Die kürzere Form Boga könnte natürlich unmittelbar von der hebr. Vokabel hergeleitet werden, doch halte ich die Auffassung derselben als Abbreviatur von Horboga für richtiger (vgl. »Vorbemerkung«, S. 8). Über das ähnl. Hornikel = Ochse s. schon oben unter »Bulle«.]

[Fußnote 1197: ([230] auf S. 64.317) S. abbeißen und abgerahmte Milch. — Dieselbe Umschreibung (näml. danterpaskĕro tschikk) kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 131, 164 u. 213 sowie auch Finck, S. 91 (danderpáskero tšik) vbd. m. S. 54 (danderpáskero = »ätzend, beißend«); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17.]

[Fußnote 1198: ([231] auf S. 64.317) S. eisig; über Biberisch als subst. Adj. vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

Kamerad, Benges od. Benk[1199], Fi(e)sel[1200] [64.318]

Kamm, Straubertsschure[1201]

Kammacher, Straubertsschurepflanzer[1202]

kämmen, Strauberts pflanzen (d. h. »die Haare machen«)[1202]

Kampf, Hamore[1203]

Kanapee, Sitzleng[1204]

Kanarienvogel, Schallerfläderling (d. h. »Singvogel«)[1205]; vgl. Amsel

Kaninchen, Langohr[1206]

Kanne, Nolle[1207]

Kapelle, Duft[1208]

Kappe, Oberman(n)[1209]

Kappenmacher, Oberman(n)pflanzer[1202]

Karfreitag, Bäzamaschei (d. h. »Eiertag«)[1210]; vgl. Ostern

Karpfen, Flössling, Matsche, Schwimmerling (d. h. eigentl. nur »Fisch«)[1211]

Karren, Rädleng[1212], Ruadel[1213]

Kartoffeln, Bolla od. Schundbolla[1214], Matrele[1215]

" , gebratene s. Bratkartoffeln.

Kartoffelsalat, Bolleblättling (Spr.)[1216]

Kartoffelschüssel, Bolleschottel (Spr.)[1217]

[Fußnote 1199: ([232] auf S. 64.318) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1200: ([233] auf S. 64.318) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1201: ([234] auf S. 64.318) S. Augenbrauen und abbiegen.]

[Fußnote 1202: ([235] auf S. 64.318) S. (betr. -pflanzer [pflanzen]) anbrennen.]

[Fußnote 1203: ([236] auf S. 64.318) S. Fehde.]

[Fußnote 1204: ([237] auf S. 64.318) S. Bank.]

[Fußnote 1205: ([238] auf S. 64.318) S. absingen u. Adler.]

[Fußnote 1206: ([239] auf S. 64.318) S. Hase.]

[Fußnote 1207: ([240] auf S. 64.318) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1208: ([241] auf S. 64.318) S. Dom.]

[Fußnote 1209: ([242] auf S. 64.318) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1210: ([243] auf S. 64.318) S. Ei u. alltäglich. — Auch in der Zigeunersprache heißt der Karfreitag (aber auch wohl das Osterfest) jāréngĕro (od. jāríngĕro) diwes, d. i. gleichfalls der »Eiertag«; s. Liebich, S. 140 u. 188 vbd. m. Finck, S. 55 (hier nur = Ostern); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18. Über eine der jenischen Umschreibg. für Ostern genau entsprechende zigeun. Bezeichnung s. noch weiter unten (unter »Ostern«).]

[Fußnote 1211: ([244] auf S. 64.318) S. Fisch. Das Synm. Flotscher ist hier nicht angeführt.]

[Fußnote 1212: ([245] auf S. 64.318) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1213: ([246] auf S. 64.318) S. abfahren.]

[Fußnote 1214: ([247] auf S. 64.318) S. Bratkartoffeln; vgl. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1215: ([248] auf S. 64.318) S. Erdäpfel.]

[Fußnote 1216: ([249] auf S. 64.318) S. Gulasch.]

[Fußnote 1217: ([250] auf S. 64.318) S. Aschenbecher.]

Käse, Girall[1218], Räsleng[1219] [64.319]

Käskuchen, Girall- od. Räslengbrandleng[1220]

Kater s. Katze

Katholik, Wo(h)nischer[1221]

katholisch, wo(h)nisch

[Fußnote 1218: ([251] auf S. 64.319) Zu Girall s. die Zus. Girallbrandleng = Käskuchen. Die Vokabel ist sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der Etymologie nach stammt sie aus der Zigeunersprache (vgl. schon »Einleitg.«, S. 30). Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Giral«); Liebich, S. 142 u. 213 (kīral); Miklosich, Beitr. I/II, S. 12 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 234 (unter »keral«: bei den deutsch. Zig.: kiral) vbd. mit S. 238 (unter »khil«); Jühling, S. 222 (Girall); Finck, S. 64 (kiral). Das Wort läßt sich (nach Pott und Miklosich, a. a. O.) bis ins Altind. (kšīra = Milch) zurückverfolgen.]

[Fußnote 1219: ([252] auf S. 64.319) Mit Räsleng ist (außer Räslengbrandleng = Girallbrandleng) noch zusammengesetzt: Bosserträsleng (eigtl. »Fleischkäse«) = Leberkäse. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 482 (Ræßling = Käse, aber [485] auch = Rettich). Sonst nirgends erwähnt. Zur Etymologie: Vermutlich handelt es sich um eine durch Anhängung der typischen rotw. Endung -ling (= leng) vorgenommene Substantivierung des mundartl., insbes. schwäbischen Adj. räs, das (nach v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 425) u. a. etwa bedeutet was »die Zunge reizt«, im Geschmack »scharf« (wie Rettich) oder »herb« ist.]

[Fußnote 1220: ([253] auf S. 64.319) S. (betr. Brandleng) Apfelkuchen.]

[Fußnote 1221: ([254] auf S. 64.319) Wo(h)nischer ist Substantivierung des Adj. wo(h)nisch = katholisch (Gegens. nobis wo[h]nisch = ungläubig [vom Standpunkt der Katholiken aus]); s. auch »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 94 (wohnisch = katholisch); W.-B. des Konst. Hans_ 257 (wahnisch); Schöll 274 (Bettlersprache: wohnisch); _Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); Schwäb. Händlersprache 482 (wônisch Kolp_ [in Pfedelb. (212): Kolb] = katholischer Pfarrer). Auch im sonstigen Rotw. hier u. da anzutreffen (z. B. Pfister bei Christensen [332: wohnisch]; v. Grolman 75 u. T.-G. 105 [wo(h)nisch]; Karmayer 182 [wonnisch] usw.). Zur Etymologie s. Näh. bei Günther in der Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. 4 (1906), Nr. 5, S. 99, Sp. 2 u. Anm. 29. Danach handelt es sich bei wo(h)nisch wohl um »eine zugleich mit Änderung des Anlauts vorgenommene Abkürzung« (in der Form der »Aphärese«) von dem Synon. doflemonisch oder toflemonisch (s. z. B. Pfister 1812 [296]; v. Grolman 16, 71 u. T.-G. 105; Karmayer 166 usw.; vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 [dôfelmnisch]), einer Adjektivbildung aus Toflemone u. ä. = »katholische Religion« (s. z. B. bei v. Grolman 71 [neben Toflenemone]), zusammengesetzt aus tofel oder dofel emone, d. h. zunächst »der andere Glaube«, dann aber wohl auch der »falsche«, d. i. der christliche (katholische) »Glaube« (vom hebr. Tifla = »das Falsche, Unrechte« u. 'amn[h] oder 'emûmn[h], jüd. emônô, emûnô = »Glaube, Religion«). Daß dofel oder tofel in den Vokabularien der Gaunerspr. nicht bloß für »ungereimt, abgeschmackt«, sondern auch für »alt« angeführt ist (s. Thiele 316 vbd. mit Pfister 1812 [297], Christensen 1814 [327] u. v. Grolman 16, 71 u. T.-G. 81, die nur die letztere Bedeutg. haben), erklärt sich daraus, daß nach der Reformation die protestantische Religion mit chodesch emone (chadesch emûnô) u. ä., d. h. »neuer Glaube« (vgl. v. Grolman 12 [Cadisch - Amune oder -nemone] u. A.-L. 367 u. 530) bezeichnet wurde, wodurch sich der früher für den christlichen Glauben überhaupt gebrauchte Ausdruck tofel od. dofel emone u. ä. zu dem Begriff »katholischer«, mithin jetzt »alter Glaube«, verengerte.]

Kätzchen, Schmalerle[1222] [64.320]

Katze, Schmaleng (plur. Schmaling) od. Schmaler[1222]

Katzenfleisch, Schmalerbossert[1223]

Katzensack, Schmalerrande[1224]

kauen, achile[1225], biken, butten[1226], näpfen[1227]

kaufen, bascha, bikeren, gremen, kemere[1228]

Käufer, Bascher, Bikerer, Gremer, Kemerer[1228]

Kaufladen, Kemererskitt[1229]

Käuzchen, Begerflederling (d. h. »Totenvogel«)[1230]; vgl. Steineule

Kebsweib, Lubne[1231], schofle Goi od. — Mos(s)[1232]

Kehrbesen, Rutscherschure[1233], Stiepa[1234]

Kelch, Duftnolle[1235]

kennen, gneissen[1236]

Kerker, Dofes[1237], Kittle[1229], Lek[1237]; vgl. Gefängnis

[Fußnote 1222: ([255] auf S. 64.320) S. Baumkatze.]

[Fußnote 1223: ([256] auf S. 64.320) S. (betr. Bossert) Aas.]

[Fußnote 1224: ([257] auf S. 64.320) S. Bauch.]

[Fußnote 1225: ([258] auf S. 64.320) S. essen.]

[Fußnote 1226: ([259] auf S. 64.320) S. Abendessen.]

[Fußnote 1227: ([260] auf S. 64.320) S. abbeißen.]

[Fußnote 1228: ([261] auf S. 64.320) S. abkaufen.]

[Fußnote 1229: ([262] auf S. 64.320) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1230: ([263] auf S. 64.320) S. absterben u. Adler. — Zu vgl. dazu bei Karmayer 122: Pegerfletterl = Nachteule oder Kauz. In derselben Weise umschreiben (nach Liebich, S. 214 u. 243) auch die Zigeuner das Käuzchen od. die Steineule, (näml. als _muléskĕro [-ri] tschirkŭlo_, d. i. »Totenvogel«; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1231: ([264] auf S. 64.320) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1232: ([265] auf S. 64.320) S. arg u. böse Frau bezw. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 1233: ([266] auf S. 64.320) S. abbiegen, vgl. auch Bürste.]

[Fußnote 1234: ([267] auf S. 64.320) S. Bürste.]

[Fußnote 1235: ([268] auf S. 64.320) S. Dom u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1236: ([269] auf S. 64.320) S. erkennen.]

[Fußnote 1237: ([270] auf S. 64.320) S. Arrest.]

Kerl, Gadscho[1238], Kaffer[1239] [64.321]

Kern, Kies[1240]

Kerze, Schein[1241]

Kessel, Nolle[1242], Russling[1243]

Kesselflicker, Nollepflanzer[1244]; vgl. Häfner

Kette, Schlang[1245]

keusch, dof[1246]

kichern, schmol(l)en[1247]

Kieselstein, Hertling[1248], Kies[1240]

Kilometerstein, Stradehertling od. -kies (d. h. eigtl. »Straßenstein«)[1249]

Kind, Galm (Dimin. Gälmle [Spr.])[1250], Gof[1251], Stratz[1252]

[Fußnote 1238: ([270a] auf S. 64.321) Zu Gadscho = Kerl, auch Landmann (dagegen nicht unter »Bauer« angeführt) — im Plural Gadsche od. Gasche = Leute, Dim. Gaschele = Kinder — gehören die Zusammensetzgn.: Gadschomalfes = Männerrock u. Begergadscho = Leichenbeschauer (vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kochem gasche = »Hurenleben führen und im solchen herumziehen«); Schöll_ 272 (Gasche = Leute, schovel Gasche = schlimme Leute); _Pfulld. J.-W.-B. 338, 342, 343 (Gasche_ = Leute, Menschen, Personen, Ruchegasche = Bauernvolk); Schwäb. Händlerspr. 483 (Gsche = Leute, in Lütz. [215]: Gātsche = Kind); s. auch Metzer Jenisch 216 (Gātsch = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 30], in der gadžo od. gadšo [gadscho] od. gatscho zunächst den »Nichtzigeuner«, dann aber wohl auch allgemeiner »Mensch« oder — wieder spezieller — »Bauer« bedeutet) s. d. ausführl. Angaben in Groß' Archiv, Bd. 49, S. 331/32, u. dazu noch Finck, S. 58. Bei Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 78 (unter »Gasche« II) u. Sp. 87 (unter »Gatsche«) ist über die Etymologie nichts angegeben.]

[Fußnote 1239: ([271] auf S. 64.321) S. Bauer.]

[Fußnote 1240: ([272] auf S. 64.321) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1241: ([273] auf S. 64.321) S. alltäglich.]

[Fußnote 1242: ([274] auf S. 64.321) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1243: ([275] auf S. 64.321) Zu Russling = Kessel (Pfanne, Tiegel) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Rusling, hier = Kamin); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Rußling = Pfanne). Über weitere rotw. Belege (mit verschied. Bedeutgn.) sowie die Etymologie (von »Ruß«) s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 72 (unter »Russlings-Schlangemer«).]

[Fußnote 1244: ([279] auf S. 64.321) S. Fleischhafen u. anbrennen.]

[Fußnote 1245: ([280] auf S. 64.321) S. Halskette.]

[Fußnote 1246: ([281] auf S. 64.321) S. angenehm.]

[Fußnote 1247: ([282] auf S. 64.321) S. anlachen.]

[Fußnote 1248: ([283] auf S. 64.321) S. Gestein.]

[Fußnote 1249: ([284] auf S. 64.321) S. (betr. Strade) Chaussee; vgl. Meilenstein.]

[Fußnote 1250: ([285] auf S. 64.321) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 1251: ([286] auf S. 64.321) Gof wird besonders für ein unartiges Kind, jedoch auch in allgemeinerem Sinne gebraucht; s. böses Kind.]

[Fußnote 1252: ([287] auf S. 64.321) S. Hurenkind.]

Kindbetterin, Deislere[1253] [64.322]

Kinder, Galma[1250], Gaschele (d. h. eigtl. »kleine Leute«)[1244], Schrabiner[1254], Stratze[1252]

Kinderei, Ni(e)serei, Nillerei[1255]

Kindermädchen (-magd), Galmamodel od. Schrabinermodel[1256]

Kirche, Duft[1257]

Kirchenschlüssel, Duftglitschin[1258]

Kirchhof s. Gottesacker

Kirchweih, Brandlingschei (d. h. »Kuchentag«)[1259]

Kirchweihsonntag, Brandlengweisling (d. h. »Kuchensonntag«)[1260]

Kirschbaum, Scharriselestöber[1261]

Kirsche, Scharrisele

Kirsch(en)kern, Scharriselekies[1262]

Kirsch(en)kuchen, Scharriselebrandling[1263]

Kirschenstein s. Kirsch(en)kern

Kissen, Sauft[1264]

Kittel, Malfes[1265]

Klarinette, Nikelschure[1266]

Klavier, "

Klee, Kupfer[1267]

[Fußnote 1253: ([288] auf S. 64.322) S. gebären.]

[Fußnote 1254: ([289] auf S. 64.322) S. brauchbares Kind (am Ende).]

[Fußnote 1255: ([290] auf S. 64.322) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1256: ([291] auf S. 64.322) S. (betr. Model) Beischläferin.]

[Fußnote 1257: ([292] auf S. 64.322) S. Dom.]

[Fußnote 1258: ([293] auf S. 64.322) S. (betr. Glitschin) Dietrich.]

[Fußnote 1259: ([294] auf S. 64.322) S. Apfelkuchen u. alltäglich.]

[Fußnote 1260: ([295] auf S. 64.322) S. (betr. Weisling) Feiertag.]

[Fußnote 1261: ([296] auf S. 64.322) S. (betr. Stöber) Apfelbaum. — Scharrisele = Kirsche (nur als Dimin. gebräuchl. [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33 a. E.]) findet sich noch in den Zusammensetzgn.: Scharriselekies = Kirsch(en)kern od. -stein u. Scharriselebrandling = Kirsch(en)kuchen. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 95 (Scharriselen_ = Kirschen); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Scharisele = Kirsche). Die Etymologie des (sonst zieml. seltenen) Ausdrucks gebt zweifelsohne auf das gleichbed. französ. cérise (ital. ciriegia, lat. cerasus) zurück; vgl. Günther, Rotwelsch, S. 37.]

[Fußnote 1262: ([297] auf S. 64.322) S. (betr. Kies) Apfelkern.]

[Fußnote 1263: ([298] auf S. 64.322) S. (betr. Brandling) Apfelkuchen.]

[Fußnote 1264: ([299] auf S. 64.322) S. Bett.]

[Fußnote 1265: ([300] auf S. 64.322) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1266: ([301] auf S. 64.322) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1267: ([302] auf S. 64.322) S. Frucht.]

Kleid, Kluft[1268] [64.323]

kleiden, a'klufte[1269]

Kleidung, Klufterei[1268]

Klepper, Trabert[1269]

Klinge, Lomel[1270]

Kloster, grandiche Kolbekitt[1271]

Kloß s. Knödel.

Klotz, Spraus[1272]

klug, kochem[1273]

Knabe, Bengesle[1274], Fi(e)sele[1275], Freierle[1276]

knallen, schnelle[1277]

knauserig, bogelich[1278]

Knecht, Schenegler[1279]

Kneipe, Beiz, Kober[1280]

Kneipwirt s. Gastwirt; vgl. Wirt.

Knödel (»Knöpfle« [Spr.], »Spätzle« [Spr.]), Hegesle (nicht zu verwechseln mit Heges = kleines Dorf)[1281]

[Fußnote 1268: ([303] auf S. 64.323) S. ankleiden.]

[Fußnote 1269: ([304] auf S. 64.323) S. Füllen.]

[Fußnote 1270: ([305] auf S. 64.323) S. Für Lomel = Klinge, Messerschneide finde ich im Rotw. u. i. d. sonst. Geheimspr. keine Belege. Das Wort soll (nach Wittichs »Einleitg.«, S. 30) aus der Zigeunersprache stammen, auch findet sich bei Liebich, S. 215 in der Tat lommla = Klinge verzeichnet (während in den anderen zigeun. Vokalbularien, auch bei Jühling, etwas Ähnliches nicht anzutreffen ist). Nach Fischer, Schwab. W.-B. IV, Sp. 938 (unter »Lamel«) ist Lamel (od. Lomel) = Messerklinge (insbes. eine lahme, stumpfe) allgem. schwäbisch, und ebenso ist der Ausdr. in Bayern (als Lammel, Lämmel od. Lommel [fem. u. neutr. gen.]; s. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1470) u. in anderen Gegenden (Kurhessen, Elsaß, Schweiz) bekannt. Er soll nach Fischer (a. a. O. vbd. mit Schmeller, a. a. O.) vom mhd. lmel (s. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1816) abzuleiten sein, das seinerseits auf das latein. lamella od. lamina zurückgeht.]

[Fußnote 1271: ([306] auf S. 64.323) S. Adler, Bischof u. Abort. — Dieselbe Umschreibung (die etwa »großes Haus für Geistliche [Mönche]« bedeutet) findet sich auch bei den Zigeunern; s. Liebich, S. 127 u. 215 (baro raschaiéngĕro kēr = Kloster).]

[Fußnote 1272: ([307] auf S. 64.323) S. Baumholz.]

[Fußnote 1273: ([308] auf S. 64.323) S. besonnen.]

[Fußnote 1274: ([309] auf S. 64.323) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1275: ([310] auf S. 64.323) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1276: ([311] auf S. 64.323) S. Fremder.]

[Fußnote 1277: ([312] auf S. 64.323) S. abschießen. Vgl. dazu das rotw. knallen = schießen (Belege in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 54).]

[Fußnote 1278: ([313] auf S. 64.323) S. Appetit.]

[Fußnote 1279: ([314] auf S. 64.323) S. abschaffen.]

[Fußnote 1280: ([315] auf S. 64.323) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 1281: ([316] auf S. 64.323) Hegesle (nur als Dimin. gebr.) bedeutet Knödel u. insbes. »Knöpfle« u. »Spätzle«, beides mundartl. Bezeichnungen für südd., bes. schwäb. knödelartige Mehlspeisen (vgl. [über Knöfle, Dimin. zu Knopf] Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 544 unter »Knopf«, Nr. 4, a; [über Spätzle, Dimin. zu Spatz = Sperling] v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 499 unter »Spatzen« u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 692 unter »Spatz«, lit. c). Dazu die Zus. Hegesleschnall = Spätzlessuppe (Spr.) u. die Verbdg. _grandiche Hegesle = Nudeln. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Hegesle = »Knöpflen«); Pfulld. J.-W.-B._ 341 (Hegesle = Knopf). Die Etymologie bleibt dunkel. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. III. Sp. 1331 (unter »Hegis«, Nr. 2) gibt keine Erklärung.]

Koch, Sicherbenk, Sicherfi(e)sel od. -kaffer[1282] [64.324]

kochen, sichere[1282]

Kohl, Groanert[1283]

Kohle, a'gefunkter Spraus (d. h. »angebranntes Holz«)[1284]

Kohlenbrenner, Köhler, Funker[1284]

Kollege, Benges[1285], Fies(e)l[1286]

kommen, bosten[1287]

Kommißbrot, Lanengerlehm od. -lechem[1288], Lanengermaro[1289]

Komödiant, Schnurrant[1290]

Komödienhaus, Schnurrantekitt[1291], auch Nikelkitt[1292]

Komödienzettel (Programm), Schnurrantekritzler[1293]

König, grandich Sins (d. h. »der größte Herr«)[1294]

Königin, grandich Sinse (d. h. »die größte Dame«)[1294]

können (verstehen, wissen), gneisen (daher z. B.: ich kann's nicht, ich gneis es nobis)[1295]

Konkurs, Vergondert[1296]

[Fußnote 1282: ([317] auf S. 64.324) S. abkochen vbd. mit brauchbarer Bursche, Bettelbube u. Bauer.]

[Fußnote 1283: ([318] auf S. 64.324) S. Gemüse.]

[Fußnote 1284: ([319] auf S. 64.324) S. abbrennen u. Baumholz.]

[Fußnote 1285: ([320] auf S. 64.324) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1286: ([321] auf S. 64.324) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1287: ([322] auf S. 64.324) S. abgehen.]

[Fußnote 1288: ([323] auf S. 64.324) S. Hauptmann u. Bäcker.]

[Fußnote 1289: ([324] auf S. 64.324) S. (betr. Maro) Brot.]

[Fußnote 1290: ([325] auf S. 64.324) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 1291: ([326] auf S. 64.324) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1292: ([327] auf S. 64.324) S. (betr. Nikel-) aufspielen.]

[Fußnote 1293: ([328] auf S. 64.324) S. (betr. Kritzler) Attest.]

[Fußnote 1294: ([329] auf S. 64.324) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1295: ([330] auf S. 64.324) S. erkennen.]

[Fußnote 1296: ([331] auf S. 64.324) Vergondert ist ein substantiviertes Partizip (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36) von vergondere = verpfänden, das etymolog. gehört zu gemeinsprachl. verganten = versteigern, einer Ableitg. von dem (bes. in Bayern u. Österreich gebräuchl.) Hauptw. Gant (f.), d. h. gerichtlicher Verkauf an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung, dann auch Konkurs, aus dem ital. incanto = lat. incantum, in quantum, d. h. »für wie viel«, »wie hoch«, nach dem Rufe des Versteigerers. S. u. a. Weigand, W.-B. I, Sp. 619 vbd. mit A. Schirmer, W.-B. der deutschen Kaufmannssprache (1911), S. 68 u. 69, Anm. 1 ff. (woselbst noch näh. Angaben).]

Konkurs, Vermuft[1297] (d. h. eigentlich »im Konkurs« oder [64.325] »bankerott«)

kontrolliert, gefleppt[1298]

Kopf, Kie(b)es[1299]

Kopfhaar, Ki(e)besstrauberts[1300]

Korb, Schottel, plur. Schottle[1301]

Korbmacher, Schottel- od. Schottlepflanzer[1302]

Korn, Kupfer[1303]

Kost, Achilerei[1304], Bikus, Butterei, Kahlerei[1305]

kostbar, dof[1306]

Kot, Fuhl[1307], Schond od. Schund[1308]

kotig, schundich[1308]

Krämer, Kemerer[1309]

Krämerladen, Kemererskitt[1310]

krank, begerisch[1311]

Krankenbett, Begerischsauft[1312]

Krankenhaus, Begerkitt[1311][1310]

Krankheit, Begerei[1311]

krätzig, näpfich[1313]

Kraut, Groanert[1314]

[Fußnote 1297: ([332] auf S. 64.325) S. Aas. — Auch Vermuft ist substantiv. Partizip (s. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36); vgl. Armut u. Bedrängnis.]

[Fußnote 1298: ([333] auf S. 64.325) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 1299: ([334] auf S. 64.325) S. Angesicht.]

[Fußnote 1300: ([335] auf S. 64.325) S. (betr. Strauberts) Augenbrauen.]

[Fußnote 1301: ([336] auf S. 64.325) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1302: ([337] auf S. 64.325) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1303: ([338] auf S. 64.325) S. Frucht.]

[Fußnote 1304: ([339] auf S. 64.325) S. essen (Essen).]

[Fußnote 1305: ([340] auf S. 64.325) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 1306: ([341] auf S. 64.325) S. angenehm.]

[Fußnote 1307: ([342] auf S. 64.325) S. Abort.]

[Fußnote 1308: ([343] auf S. 64.325) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1309: ([344] auf S. 64.325) S. abkaufen.]

[Fußnote 1310: ([345] auf S. 64.325) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1311: ([346] auf S. 64.325) S. absterben.]

[Fußnote 1312: ([347] auf S. 64.325) S. (betr. Sauft) Bett.]

[Fußnote 1313: ([348] auf S. 64.325) S. abbeißen.]

[Fußnote 1314: ([349] auf S. 64.325) S. Gemüse.]

Krautsalat, Groanertblättling[1315] [64.326]

Kredit, auf —, auf den Bengel, auf Keif[1316]

Kreisgericht, grandiche Schoflerei[1317]

krepieren, begere[1311]

Krieger, Kriegsmann, Lanenger[1318]

Kriminalgericht, grandiche Schoflerei[1317][1319]

Krone, grandicher Sins-Oberman(n) (d. h. »des Königs Hut«)[1320]

Kropf, Bellel[1321]

Krug, Nolle[1322]

Krüppel, schofler Benges od. Benk, schofler Fi(e)sel[1323]. (Das schofel soll hier soviel ausdrücken wie: »Der Mann [Bursche] ist übel, schlimm daran«).

Kübel, Schottel[1324]

Küche, Sichere[1325]

Kuchen, Brandleng[1326]

Küchenschlüssel, Sichereglitschin[1327]

Küchlein (als Tierbezeichng.), Gachnele (d. h. »Hühnchen«)[1328], [64.327] Lachebatscherle (d. h. »Entlein«)[1329], Strohbutzerle (d. h. »Gänschen«)[1330]

[Fußnote 1315: ([350] auf S. 64.326) S. (betr. Blättling) Gulasch.]

[Fußnote 1316: ([351] auf S. 64.326) S. Borg (auf —).]

[Fußnote 1317: ([352] auf S. 64.326) S. Adler u. arg.]

[Fußnote 1318: ([353] auf S. 64.326) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1319: ([354] auf S. 64.326) Auch bei den Zigeunern heißt (nach Liebich, S. 217) das Kriminalgericht bāri grisni, d. h. »großes, hohes Gericht«, das Kreisgericht bāri zephāni, d. h. eigtl. wohl »großer Kreis« (zephāni allein auch = Landgericht); vgl. Liebich, S. 216, 218.]

[Fußnote 1320: ([355] auf S. 64.326) S. Adler, Amtmann u. Fingerhut; vgl. Bischof u. König. — Dieselbe Umschreibung für »Krone« kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 217 (_kraléskĕro dschakkerpenn, d. h. »des Königs Hut«, od. bāro raiéskĕro_ [od. scheréskĕri] stātin, d. h. »des großen Herrn [od. Häuptlings] Hut«).]

[Fußnote 1321: ([356] auf S. 64.326) Diese Vokabel fehlt sowohl in dem verw. Quellenkr. als auch sonst in d. Geheimsprachen (falls nicht etwa Belly [= Bauch?] in d. Rotw. Gramm. v. 1755 [III, 59; vgl. Kluge, Rotw. I, S. 237, Anm. 1] hierher zu rechnen). Sie soll (nach »Einleitung«, S. 29) aus der Zigeunersprache stammen; s. dazu Jühling, S. 219, wo Bälel in gleicher Bedeutg. angeführt ist, während m. Wiss. in den übrigen zigeun. Vokabularien nichts Ähnliches enthalten ist.]

[Fußnote 1322: ([357] auf S. 64.326) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1323: ([358] auf S. 64.326) S. arg u. brauchbarer Bursche bzw. Bettelbube.]

[Fußnote 1324: ([359] auf S. 64.326) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1325: ([360] auf S. 64.326) S. abkochen.]

[Fußnote 1326: ([361] auf S. 64.326) S. Apfelkuchen.]

[Fußnote 1327: ([362] auf S. 64.326) S. (betr. Glitschin) Dietrich.]

[Fußnote 1328: ([363] auf S. 64.326) S. Hahn.]

Kuckuck, Flederling[1331]

Kuh, Horboga, auch Boga[1332]

Kuhbutter, Bogaschmunk[1333]

Kuheuter, Horbogaschwächerle[1334]

Kuhfleisch, Horbogebossert od. -mass[1335]

Kuhmetzger, Horbogekafler od. Bogakafler[1336]

Kuhstall, Horbogestenkert[1337]

kümmerlich, schofel[1338]

Kupfergeld, Bich[1339], Boschert[1340]

Kürschner, Oberman(n)pflanzer[1341]; vgl. Kappenmacher

Kutsche, dofer Rädleng (d. h. »schöner Wagen«)[1342]

Kutschenbauer, Rädlengpflanzer[1343]; vgl. Wagner

Kutte, Malfes[1344]

L.

lachen, schmol(l)en[1345]

Lager, Sauft[1346]

[Fußnote 1329: ([364] auf S. 64.327) S. Ente.]

[Fußnote 1330: ([365] auf S. 64.327) S. Gans.]

[Fußnote 1331: ([366] auf S. 64.327) S. Adler.]

[Fußnote 1332: ([367] auf S. 64.327) S. Kalb.]

[Fußnote 1333: ([368] auf S. 64.327) S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1334: ([369] auf S. 64.327) S. Amme.]

[Fußnote 1335: ([370] auf S. 64.327) S. Aas.]

[Fußnote 1336: ([371] auf S. 64.327) S. Fleischer.]

[Fußnote 1337: ([372] auf S. 64.327) S. Entenstall.]

[Fußnote 1338: ([373] auf S. 64.327) S. arg.]

[Fußnote 1339: ([374] auf S. 64.327) S. Almosen.]

[Fußnote 1340: ([375] auf S. 64.327) Zu Boschert = Kupfergeld (bes. Pfennig) vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): _Schwäb Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Boscher = Pfennig); Schwäb. Händlerspr._ 485 (Bôscher u. Bôschet = Pfennig, in Lütz. [215] dafür: Bōschem); s. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Bôscher = Pfennig) u. Pfälz. Händlerspr. 437 (Bôsche, Bdtg. ebenso). Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die Etymologie (wohl vom neuhebr. paschut, jüdisch poschut od. poschit = »Kleingeld«) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 268/69 u. Anm. 2 ff.; vgl. auch Weber-Günther, S. 154. Bei Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1310 ist keine Erklärung gegeben.]

[Fußnote 1341: ([376] auf S. 64.327) S. Fingerhut u. anbrennen.]

[Fußnote 1342: ([377] auf S. 64.327) S. angenehm u. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1343: ([378] auf S. 64.327) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1344: ([379] auf S. 64.327) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1345: ([380] auf S. 64.327) S. anlachen.]

[Fußnote 1346: ([381] auf S. 64.327) S. Bett.]

lahm, begerisch[1347] [64.328]

lahm gehen, begerisch bosten[1348]

Lampe, Schein[1349]

Landesherr, grandicher Sins[1350]

Landgericht, grandige Schoflerei[1351]

Landhaus, Kitt[1352]

Landmann, Gadscho[1353], Kaffer, Ruch[1354]

lang, grandich[1355]

läppisch, ni(e)sich, nillich, nuschich[1356]

Larve, Ni(e)sichergiel, Nillichergiel[1357]; vgl. Fastnachtsmaske

Last (Traglast), Buklete[1358]

lasterhaft, schofel[1359]

lästern, stümpfen[1360]

Laterne, Schein[1349]

laufen, bosten[1348]

laufendes Wasser, bostender Flu(h)te[1361]

Läufer, Boster[1348]

Laus, Kenem[1362]

Lausbube, Lausejunge, Kenemebenges (-benk) od. -fi(e)sel[1363]

Lazarett, Lanenger-Begerkitt (d. h. »Soldaten-Krankenhaus«)[1364]

Leberkäse, Bosserträsling (d. h. eigtl. »Fleischkäse«)[1365]

Leberwurst, Rundling. (Damit wird aber auch jede andere Wurst bezeichnet)[1366]

[Fußnote 1347: ([382] auf S. 64.328) S. absterben.]

[Fußnote 1348: ([383] auf S. 64.328) S. (betr. bosten) abgehen.]

[Fußnote 1349: ([384] auf S. 64.328) S. alltäglich.]

[Fußnote 1350: ([385] auf S. 64.328) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1351: ([386] auf S. 64.328) S. Adler u. arg; vgl. die Anmkgn. zu »Kriminalgericht«.]

[Fußnote 1352: ([387] auf S. 64.328) S. Abort.]

[Fußnote 1353: ([388] auf S. 64.328) S. Kerl.]

[Fußnote 1354: ([389] auf S. 64.328) S. (zu beiden Ausdr.) Bauer.]

[Fußnote 1355: ([390] auf S. 64.328) S. Adler.]

[Fußnote 1356: ([391] auf S. 64.328) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1357: ([392] auf S. 64.328) S. (betr. Giel) Affengesicht.]

[Fußnote 1358: ([393] auf S. 64.328) S. abtragen.]

[Fußnote 1359: ([394] auf S. 64.328) S. arg.]

[Fußnote 1360: ([395] auf S. 64.328) S. Ärger.]

[Fußnote 1361: ([396] auf S. 64.328) S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.]

[Fußnote 1362: ([397] auf S. 64.328) S. Filzlaus.]

[Fußnote 1363: ([398] auf S. 64.328) S. (betr. Benges [Benk] u. Fi[e]sel) brauchbarer Bursche u. Bettelbube.]

[Fußnote 1364: ([399] auf S. 64.328) S. Hauptmann, absterben u. Abort; vgl. Krankenhaus.]

[Fußnote 1365: ([400] auf S. 64.328) S. Aas u. Käse.]

[Fußnote 1366: ([401] auf S. 64.328) Mit Rondling = Rundling (im Sinne von »Wurst« schlechthin) sind folgende Zus. gebildet: Rondlingachilerei od. -bikus = Wurstessen, Rondlingbossert = Wurstfleisch, Rondlingsore = Wursthaut, Rondlingschnall = Wurstsuppe. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur _Schwäb. Händlerspr. 488 (Rundling = Wurst; Synon. Darmling u. Schling_). Sonst kommt der (natürlich von »rund« abzuleitende) Ausdruck noch vor: a) in der (neueren) Gaunerspr. für Kugel, b) in der Kundenspr. (im Plural) für Kartoffeln (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 60), während das übliche Gauner- u. Kundenwort für Wurst u. a. Längling ist (so z. B. auch schon im Dolm. der Gaunerspr. 90 [Lengling = Bratwurst]), das jedoch auch noch Nebenbedeutungen hat; vgl. dazu Groß', Archiv, Bd. 46, S. 313 u. Anm. 1 vbd. mit Weber-Günther, S. 186.]

Lebkuchen, Süslingbrandling (d. h. »Zuckerkuchen«)[1367] [64.329]

leblos, begert (d. h. »gestorben, tot«)[1368]

lecken, bosen (bosme)[1369], jannen[1370]

leck mich … (Einladung des Götz von Berlichingen), _jann mei Bos_[1370][1369]

ledig, nobis vergrönt (d. h. »nicht verheiratet«)[1371]

lediger Mann, nobis vergrönter Benges[1372]; vgl. Junggeselle

Legende, Kohl[1373]

Leghuhn, Bäzemagachne[1374], Bäzemastierer[1375]

Lehm, Schund[1376]

Lehrer, Galmeguffer (d. h. »Kinderprügler«)[1377], Plauderer[1378]

[Fußnote 1367: ([402] auf S. 64.329) S. Kaffee und Apfelkuchen. — Eine ähnliche Umschreibung für den Lebkuchen kennt auch die Zigeunersprache, nämlich gīlo maro, d. h. »süßes Brot« (s. Liebich, S. 138 u. 218).]

[Fußnote 1368: ([403] auf S. 64.329) S. absterben.]

[Fußnote 1369: ([404] auf S. 64.329) S. After.]

[Fußnote 1370: ([405] auf S. 64.329) Zu jannen = lecken vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (janne mich = »lecke mich im Hintern«). Zur Etymologie s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 75 mit Hinweis auf das Vorkommen des Ausdr. in den deutsch. Mundarten, z. B. im Elsaß (s. Martin-Lierhardt, Els. W.-B. I, 407) und in der Schweiz (s. Schweiz. Idiotikon III, Sp. 45). Hier lautet die Form jenne[n] und kommt nur in der Redensart »_du cha[nn]st mer jenne[n]_« als »schnöder Abfertigung« vor. Dazu ist bemerkt, daß es sich vielleicht nur scheinbar um ein Zeitwort, in Wirklichkeit dagegen um ein Pronomen (»jenen«) im Sinne von »Hinteren« handle (wobei zu ergänzen »lecken«), so daß das Ganze sich als eine elliptische Redeweise darstelle.]

[Fußnote 1371: ([406] auf S. 64.329) S. Dietrich u. Ehe.]

[Fußnote 1372: ([407] auf S. 64.329) S. (betr. Benges) brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1373: ([408] auf S. 64.329) S. belügen.]

[Fußnote 1374: ([409] auf S. 64.329) S. Ei u. Hahn.]

[Fußnote 1375: ([410] auf S. 64.329) S. (betr. Stierer) Henne.]

[Fußnote 1376: ([411] auf S. 64.329) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1377: ([412] auf S. 64.329) S. brauchbares Kind u. aufschlagen.]

[Fußnote 1378: ([413] auf S. 64.329) Mit Plauderer sind zusammengesetzt: Plaudererskitt = Lehrershaus (auch: Schule) u. Plauderersmalfes, Lehrersrock. Eine Ableitung davon ist Plauderei = Schule. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72, 75 (Plauderer = Lehrer, Schullehrer [s' Plauderle_ = Herr Lehrer], Plauderwinde = Schulhaus); Schwäb. Händlerspr. 483 (Plauderer = Lehrer). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die Etymologie (von unserm Zeitw. »plaudern«) s. Groß' Archiv, Bd. 42, S. 64; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1182 (unter »Plauder«).]

Lehrershaus, Plaudererskitt[1379]; vgl. Schule [64.330]

Lehrersrock, Plauderersmalfes[1380]

Leibweh (-schmerz), Begerisch (subst. Adj.)[1381]

Leiche, Begert (d. h. »der Gestorbene, Tote«)[1381]

Leichenbeschauer, Begergadscho[1382], Begerkaffer[1383] (d. h. »der Totenmann«); letzteres auch = Totengräber

Leichenbett (Totenbett), Begersauft[1384]

Leichenfrau, Begermos(s)[1385]

Leichenhaus, Begerkitt[1379]; vgl. auch Krankenhaus

Leichenschmaus, Begerbikerei od. -bikus[1386]

Leichenstein, Begerkies[1387]

Leichentuch, Begerbochdam[1388]

leidend, begerisch[1381]

Leierkasten, Nikleschure[1389]

leihen; Bomma od. Keif pflanzen (d. h. »Schulden machen«)[1390]

Leihhaus, Bommerkitt, Keifkitt[1379]

Leine, Schlang (Spr.)[1391]

Leinenweber, Bochdampflanzer[1392]

Leinwand, Bochdam

Leiter, Rawine[1393]

[Fußnote 1379: ([414] auf S. 64.330) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1380: ([415] auf S. 64.330) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1381: ([416] auf S. 64.330) S. absterben; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 u. 38.]

[Fußnote 1382: ([417] auf S. 64.330) S. Kerl.]

[Fußnote 1383: ([418] auf S. 64.330) S. Bauer.]

[Fußnote 1384: ([419] auf S. 64.330) S. Bett.]

[Fußnote 1385: ([420] auf S. 64.330) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1386: ([421] auf S. 64.330) S. Abendessen.]

[Fußnote 1387: ([422] auf S. 64.330) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1388: ([423] auf S. 64.330) S. Barchent.]

[Fußnote 1389: ([424] auf S. 64.330) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1390: ([425] auf S. 64.330) S. borgen u. Borg (auf —).]

[Fußnote 1391: ([426] auf S. 64.330) S. Halskette.]

[Fußnote 1392: ([427] auf S. 64.330) Barchent u. anbrennen.]

[Fußnote 1393: ([428] auf S. 64.330) Zu Rawine vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Revine = Leiter); W.-B. des Konst. Hans 253, 258 (Rawine); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Rabine_); in der schwäb. Kunden- u. Händlerspr. unbekannt. Im sonst. Rotw. findet sich die Vokabel in recht verschied. Formen, s. z. B. schon _Koburg. Designation 1735 (204: Trapin); ferner Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (228: Harbine = Stiege); Pfister bei Christensen 1814 327 (Rawine); v. Grolman 55, 71 u. T.-G. 109 (Rawine od. Trapin = Leiter; zu vgl. auch 72 u. T. G. 127: Treppine, Treppone = Treppe); Karmayer G.-D. 214 u. 221 (im wesentl. ebenso). Etymologie: Die Bezeichnung stammt her von dem gleichbed. poln. drabina. S. Landau in d. Mitteilgn. zur jüd. Volkskunde, Jahrg. 10 (1908), S. 37.]

Leute, Gadsche od. Gasche[1394], Ulma[1395] [64.331]

leutselig, dof[1396]

Licht, Jak[1397], Schein[1398]

Lichtzieher, Scheinpflanzer[1399]

lieb, dof[1396] (mein lieber Bursche, mein dofer Fi[e]sel[1400], mein liebes Mädchen, meine dofe Model[1401])

liebenswürdig, dof[1396]

Liebhaber, Benges od. Benk[1402], Fi(e)sel[1400]

Liebhaberin, Model[1401]

lieblich, dof[1396]

liebreich, "

Liebste, dofe Model[1396][1401]

liegen, durmen[1403], schlaune[1404], schlummere[1405] (eigtl. »schlafen, schlafend daliegen«)

Linsen, Sore[1406]

Linsenschüssel, Soreschottel[1407]

[Fußnote 1394: ([429] auf S. 64.331) S. Kerl.]

[Fußnote 1395: ([430] auf S. 64.331) S. arme Leute.]

[Fußnote 1396: ([431] auf S. 64.331) S. angenehm.]

[Fußnote 1397: ([432] auf S. 64.331) Zu Jak = Licht vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Fak = Licht [doch wohl = Jak, wenn nicht = Funk]); W.-B. des Konst. Hans 255, 258 (Jak = Licht); Schöll 271 (Jak = Feuer). Pfulld. J.-W.-B. 341, 342 (Jak = Licht, Kerzenlicht). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh. seit Pfister bei Christensen 1814 [322: Jak = Feuer]. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 65 vbd. mit Pott II, S. 47 (unter »Ack«), Liebich, S. 140 u. 197 (jāk = Feuer, Flamme), Miklosich, Beitr. I/II, S. 15, III, S. 11, 22 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 225 (unter »jag«: bei d. deutsch. Zig.: jāk), Jühling, S. 223 (Jag = Feuer) u. Finck, S. 61 (jāk = Feuer).]

[Fußnote 1398: ([433] auf S. 64.331) S. alltäglich.]

[Fußnote 1399: ([434] auf S. 64.331) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1400: ([435] auf S. 64.331) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1401: ([436] auf S. 64.331) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1402: ([437] auf S. 64.331) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1403: ([438] auf S. 64.331) S. aufwachen.]

[Fußnote 1404: ([439] auf S. 64.331) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1405: ([440] auf S. 64.331) S. Herberge.]

[Fußnote 1406: ([441] auf S. 64.331) S. Brücke.]

[Fußnote 1407: ([442] auf S. 64.331) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

Lippe, Giel[1408] [64.332]

Liste, Kritzler[1409]

loben, dof diberen[1410] od. dof schmusen[1411] (d. h. »gut reden«).

Lockenkopf, Straubertskiebes[1412]

Löffel, Schnabel (plur. Schnäbel)[1413]

Lohn, Schenegelsbich, -kies, -lobe[1414]

Lohndiener, Schenegler[1414]

löschen, d' Funk auspflanzen (d. h. »das Feuer ausmachen«)[1415]

Löwenzahn (Pflanze), Schmelemerllättling, d. h. »Zigeunersalat«.[1416] (Aus dieser Pflanze machen die Zigeuner für ihr Leben gern Salat und [64.333] nennen ihn wegen der harntreibenden Eigenschaft des Saftes der Pflanze muterdo schach, d. h. »Urinkraut«)[1417]

[Fußnote 1408: ([443] auf S. 64.332) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1409: ([444] auf S. 64.332) S. Attest.]

[Fußnote 1410: ([445] auf S. 64.332) S. angenehm u. anreden.]

[Fußnote 1411: ([446] auf S. 64.332) S. (betr. schmusen) ansagen.]

[Fußnote 1412: ([447] auf S. 64.332) S. Augenbrauen u. Angesicht.]

[Fußnote 1413: ([448] auf S. 64.332) Zu vgl. dazu (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Schnabel[-lapp]_ = Löffel, Kesurener Schnabel = silberne Löffel); Pfulld. J.-W.-B. 341, 342 (Schnabel = Kochlöffel, Schnabelholz = Löffel). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh. (seit Pfister bei Christensen 1814 [229]). Zur Etymologie: Wie aus Schnabelholz zu entnehmen, handelt es sich bei Schnabel wohl nur um Abkürzung (Apokope) dieser od. einer ähnl. längeren Form (vgl. bei Schintermicherl 1807 [290: Schnapelberger = Löffel]); s. Günther, Rotwelsch, S. 46.]

[Fußnote 1414: ([449] auf S. 64.332) S. abschaffen u. Almosen bezw. Bankier u. Bank.]

[Fußnote 1415: ([450] auf S. 64.332) S. abbrennen u. anbrennen.]

[Fußnote 1416: ([451] auf S. 64.332) Mit Schmelemer = Zigeuner sind noch zusammengesetzt: Schmelemerfi(e)sel u. -model = Zigeunerbursche u. -mädchen, Schmelemerkib = Zigeunerhund, Schmelemerrädling = Zigeunerwagen. Eine Ableitg. davon ist: schmelemerisch = zigeunerisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Schmelemer = Zigeuner); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Schmälemer = »Heide« [während es unter »Zigeuner« fehlt]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (Schmälemer = »fahrende Leute«); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. 215: Schmēlemer = Zigeuner). S. auch schon Bruchsaler Liste 1770 (248: »die schmählem oder Zigeuner-Sprach«); ferner noch Eberhardts Poliz. Nachrichten 1828 ff. (364: »Die Schmelmer- oder Zigeunersprache«). Zur Etymologie: Unhaltbar erscheint die Hypothese A.-L.'s, der (601 unter »Schmal« vbd. mit 606/7 unter »Schwelemer«) den Ausdr. Schmelemer (oder Schmälinger [vgl. auch Groß 491 (neben Schmelinger)]) zu »schmal« in Beziehung gesetzt hat, während er betr. der Nebenform Schwelemer od. Schwählemer (s. Pfister bei Christensen 1814 [330]; _v. Grolman 65 u. T.-G. 135 Karmayer G.-D._ 218) zu keinem festen Ergebnis gelangt ist. Richtig erscheint dagegen seine Bemerkung (544 unter »Gischmol«), daß Schmälinger wohl »gleicher Abstammung« sei wie Gischmol u. ä., das als Synon. dafür ebenfalls hier und da vorkommt (s. z. B. Christensen 1814 [330: Gischschmol od. Geschmeilen]; _v. Grolman 24 u. T.-G. 135 [Geschmol(l), plur.: Geschmeilim_]; Karmayer G.-D. 199 [ebenso]; Derenbourgs Glossar 1856 [414: desgl.]). Von dieser Form ist nämlich bei der Erklärung auszugehen. Sie ist entstanden aus dem jüd. Jischmô(e)l, vom hebr. jischm'êl = Ismaël. Die früher nicht nur in England, Spanien und Griechenland, sondern auch in Deutschland (vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 544) verbreitete Meinung von der Herkunft der Zigeuner aus Ägypten wird noch von den Juden geteilt. Sie haben nun offenbar diese Annahme auch geneologisch zu begründen versucht, indem sie Ismaël, dessen Mutter und Frau nach 1. Mos. 16, 1 u. 21, 21 Ägypterinnen waren, zum Stammvater der Zigeuner machten. Aus dem oben angeführten Plur. Geschmeilim, d. h. eigtl. »Ismasēliter«, ist dann Schmelemer u. ä. hervorgegangen (nach gefl. Mittlg. von Dr. A. Landau).]

Luder, mufiger Bossert[1418]

Lüge, Kohl (aufs Kohl, d. h. »es ist erlogen«)[1419]

Lügen (das), Kohlerei

Lügner, Kohler

M.

machen, pflanzen (Spr.)[1420]

mächtig, grandich (-dig)[1421]

machtlos, nobis grandich[1422]

Mädchen, Model[1423], Tschai[1424]

" , fahrendes, jenische Model[1425]

Magd, Scheneglere[1426]

[Fußnote 1417: ([452] auf S. 64.333) Bestätigt ist dies auch schon von Liebich, S. 86; vgl. ebds. (im Vokab.) S. 147 u. 220.]

[Fußnote 1418: ([453] auf S. 64.333) S. Aas.]

[Fußnote 1419: ([454] auf S. 64.333) S. belügen. — Das Zeitw. kohlen = lügen fehlt hier wohl nur aus Versehen.]

[Fußnote 1420: ([455] auf S. 64.333) S. anbrennen.]

[Fußnote 1421: ([456] auf S. 64.333) S. Adler.]

[Fußnote 1422: ([457] auf S. 64.333) S. (betr. nobis) Dietrich.]

[Fußnote 1423: ([458] auf S. 64.333) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1424: ([459] auf S. 64.333) Zu vgl. dazu (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 u. 101 (Tschai_ = Weib; Grünt'schaj = Ehefrau); Schwäb. Händlerspr. (U. 214: Tschoj [od. Tschigi] = Mädchen). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30 u. 31]) s. Näheres in Groß' Archiv, Bd. 50, S. 366 u. Anm. 2 u. »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 19 (unter »Guidillerschey«) u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, S. 431, 432 (unter »Tschoj« u. »Tschigi«) vbd. mit Finck, S. 90 (tšai = Mädchen, Tochter). Nach Jühling, S. 227 ist Tschai nur als Anrede bei den Zigeunern untereinander gebräuchlich; vgl. oben unter »Frau« betr. Romni.]

[Fußnote 1425: ([460] auf S. 64.333) S. (betr. jenisch) Bachstelze; vgl. »Vorbemerkung«, S. 4, 5, Anm. 6 ff.]

[Fußnote 1426: ([461] auf S. 64.333) S. abschaffen.]

Mahl, Mahlzeit, Achilerei[1427], Bikerei od. Bikus, [64.334] Butterei[1428]

Mähre (Pferd), Trabert[1429]

Malz, g'funktes Gib (d. h. »gebranntes Getreide«)[1430]

Mangel, Dercherich (subst. Adj.)[1431]

Mann, Kaffer (plur.: Käffer [Spr.])[1432]

Männerrock, Gadschomalfes[1433] Kaffermalfes

männliches Glied, Betzam (Bezem)[1434], Dietz, Gari (od. Garo)[1435], Schure[1436]

Mannskleid, Kafferskluft[1437]

Mannskleider, Kaffersklufterei[1437]

Mannesschwester, Kaffersglied[1438]

Mark (das), Schmunk[1439]

Mark (die), Bet[1440], Flachs od. Flächsle[1441], Räp(p)le[1442] [64.335] od. Schuk[1443]

[Fußnote 1427: ([462] auf S. 64.334) S. essen.]

[Fußnote 1428: ([463] auf S. 64.334) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 1429: ([464] auf S. 64.334) S. Füllen.]

[Fußnote 1430: ([465] auf S. 64.334) S. abbrennen u. Frucht. — Betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17) s. Liebich, S. 130 u. 220: chadschēdo gib (d. h. »gebranntes Getreide«) = Malz, wozu noch zu betonen, daß nach Finck, S. 59 das zigeun. gīw̱ (= gib) u. a. auch spezieller für »Gerste« gebraucht wird (vgl. oben unter »Frucht«).]

[Fußnote 1431: ([466] auf S. 64.334) S. abbetteln; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1432: ([467] auf S. 64.334) S. Bauer.]

[Fußnote 1433: ([468] auf S. 64.334) S. Kerl u. Frauenrock.]

[Fußnote 1434: ([469] auf S. 64.334) S. Ei.]

[Fußnote 1435: ([470] auf S. 64.334) S. (zu beiden Ausdr.) Glied (männliches).]

[Fußnote 1436: ([471] auf S. 64.334) S. abbiegen.]

[Fußnote 1437: ([472] auf S. 64.334) S. (betr. Kluft[erei]) ankleiden.]

[Fußnote 1438: ([473] auf S. 64.334) S. (betr. Glied) Bruder.]

[Fußnote 1439: ([474] auf S. 64.334) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1440: ([475] auf S. 64.334) Zu vgl. zu dieser Vokabel (aus dem verw. Quellenkr.): nur W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Beta = Jahrmarkt, Markt, grandig beta = Messe). Danach würde es sich offenbar bei der Bedeutung »Mark« (als Geldstück) um eine Begriffsübertragung auf Grund des (fast völligen) Gleichklangs der deutschen Wörter »Markt« u. »Mark« handeln, wie sie auch bei dem (auch rotw.) Schuk (s. unten Anm. 1443) vorgenommen worden. Nach Wittich (»Einleitung«, S. 29) soll Bet = Mark zigeunerischen Ursprungs sein, ich finde aber in den zigeun. Vokabularien (außer bei Jühling, S. 220: Beti [Bete] = Mark) nichts Ähnliches angeführt.]

[Fußnote 1441: ([476] auf S. 64.334) Die Vokabel ist u. a. bekannt auch in der schwäb. Händlerspr., S. 484 (Flachs, Flächsle [in Pfedelb. (210) auch Flucks od. Flux] = Mark). Über sonstige Belege (aus dem Rotw. u. der Kundenspr.) sowie zur Erklärung des Ausdrucks s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 245 u. Anm. 6. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1553 schweigt über die Deutung.]

[Fußnote 1442: ([477] auf S. 64.334) S. dazu die Verbdgn. _drei Räp(p)le = Taler. Räpple = Mark ist auch der schwäb. Händlerspr._ in U. (214) bekannt. Zur Etymologie (Dimin. von Rappen) s. d. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 302 u. Anm. 5 vbd. mit S. 305, Anm. 3 u. dazu noch Weigand, W.-B. II, Sp. 528 (unter »Rappen«), wo bemerkt ist, daß das Wort nach E. Schröder »ursprünglich eine spöttische Bezeichnung der schlechten Pfennige« gewesen, »die der Herr von Rappoltstein bei Kolmar 1291 unbefugterweise prägte«; vgl. Schweiz. Idiot. VI, Sp. 1178.]

Maske, ni(e)sicher, nillicher od. muschicher Giel[1444]

Mastochse, Schmunkhornikel (eigtl. »Fettochse«)[1445]

Mastpulver, Kuiete (Das Wort wird auch für Pulver jeder Art gebraucht; vgl. Pulver, Schießpulver)[1446]

Maßkrug, Blambnolle (eigtl. = »Bierkrug«)[1447]

Mätresse, Lubne[1448], schofle Model[1449]

Maul, Giel[1450] (halt's Maul, schupf[1451] de Giel [od. _schupf dich_])

Meer, grandich Flu(h)te[1452]

Meergras, Flu(h)tekupfer[1453]

[Fußnote 1443: ([478] auf S. 64.335) Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Schuk_ = Mark); Schwäb. Händlerspr. 484 (ebenso); s. auch Metzer Jenisch 216 (Schockum = Mark). Etymologie. Hier liegt (gleichwie wohl auch bei Bet [s. Anm. 1440]) zweifelsohne eine auf Grund der Ähnlichkeit von »Markt« und »Mark« vorgenommene Begriffsübertragung, nämlich von dem hebr. schûq = »Straße, Markt, Jahrmarkt«, vor. S. Näh. hierzu sowie über die Belege für Schock (Geschock, G'schuk) u. ä. = (Jahr-)Markt im Rotw. u. (das seltenere) Schuk (od. Schock) = Mark in der neueren Gaun.- u. Kundenspr. in Groß' Archiv, Bd. 33, S. 283/84 u. Anm. 5 vbd. m. Bd. 59, S. 285; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W. B. III, Sp. 490 (unter »G[e]schock«).]

[Fußnote 1444: ([479] auf S. 64.335) S. aberwitzig u. Affengesicht.]

[Fußnote 1445: ([480] auf S. 64.335) S. Bratkartoffeln u. Bulle.]

[Fußnote 1446: ([481] auf S. 64.335) Mit Kuiete = Pulver ist zusammengesetzt Kuieterolle u. -roller = Pulvermühle, -müller. Das Wort, das m. W. im Rotw. usw. nicht vorkommt, stammt wohl aus der Zigeunersprache (s. »Einleitung«, S. 30); vgl. Näh. bei Pott II, S. 159 (unter »Churdo« [Adj. = klein, zerbröckelt]), Liebich, S. 230 (gurdi = Pulver [Schießpulver]) vbd. mit S. 131, 206, 242 (churdin = Spreu, Häcksel), Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 223 (unter »churdo«: bei den deutsch. Zig.: churdin [Bedtg. wie bei Liebich], bei den böhm. Zigeun.: churdo = klein, mürbe, bei den span.: churdi = Pulver; Etym. wohl zu altind. khud = brechen), Jühling, S. 221 (Chuiärti = Pulver) u. Finck, S. 69 (xúrdi[n], Bedtg. wie bei Liebich).]

[Fußnote 1447: ([482] auf S. 64.335) S. Bierglas u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1448: ([483] auf S. 64.335) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1449: ([484] auf S. 64.335) S. arg u. Beischläferin.]

[Fußnote 1450: ([485] auf S. 64.335) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1451: ([486] auf S. 64.335) S. aufhören.]

[Fußnote 1452: ([487] auf S. 64.335) S. Adler u. abbrühen; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1453: ([488] auf S. 64.335) S. (betr. Kupfer) Frucht.]

Meerschweinchen, Flu(h)tegroanikele[1454] [64.336]

Mehl, Staubert[1455]

Mehlbeere, Staubertsäftling[1456]

Mehlbeerbaum, Staubertsäftlingstöber[1457]

Mehlschüssel, Staubertschottel[1458]

Mehlsack, Staubertrande[1459]

mehr, grandich[1460]

mehrfach, grandicher

Meilenstein (Meilenzeiger), Stradehertling[1461] od. Stradekies (d. h. »Straßenstein«)[1462]; vgl. Kilometerstein

Melkfaß, Gleisnolle (d. h. eigtl. »Milchnapf«)[1463]

Melkgefäß, Gleisschottel (d. h. eigtl. »Milchschüssel«)[1464]

Menge, grandich Ulma (d. h. »[sehr] viele Leute«)[1465]

[Fußnote 1454: ([489] auf S. 64.336) S. Eber.]

[Fußnote 1455: ([490] auf S. 64.336) S. hierzu die Zusammensetzgn.: Staubertsäftling = Mehlbeere (-stöber = Mehlbeerbaum), Staubertschottel = Mehlschüssel, Staubertrande = Mehlsack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Staupert = Mehl); Pfulld. J.-W.-B. 342 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [211]: Staubert u. Staub, in Lütz. [215]: Staubert). Die einfachere Form Staub = Mehl kennt auch die _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72, die Händlerspr. 484 (abgesehen von Lützenhardt_) sowie das Pleißlen der Killertaler 436. Über weitere Belege des sehr alten rotw. (schon im Lib. Vagat. 55 in der Form Stupart vorkommenden) Wortes, das natürlich zu unserem gemeinspr. Staub gehört, s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 77 (unter »Stöber«).]

[Fußnote 1456: ([491] auf S. 64.336) S. (betr. Säftling) Ananas.]

[Fußnote 1457: ([492] auf S. 64.336) S. Apfelbaum. — Bemerkt sei hierzu beiläufig, daß der Mehlbeerbaum (zig. jarriéngĕro rukk, zu jár[r]o = Mehl [s. Liebich, S. 140 u. 221]) bei den Zigeunern für heilig gilt, weshalb die Mehlbeere u. a. auch _deweléngēro brōl, d. i. »Götterbirne«, heißt (Liebich_, S. 38 u. 221).]

[Fußnote 1458: ([493] auf S. 64.336) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1459: ([494] auf S. 64.336) S. Bauch.]

[Fußnote 1460: ([495] auf S. 64.336) S. Adler.]

[Fußnote 1461: ([496] auf S. 64.336) S. Chaussee u. Gestein.]

[Fußnote 1462: ([497] auf S. 64.336) S. (betr. Kies) Apfelkern. — Auch bei den Zigeunern wird der Meilenstein wohl bezeichnet als troméskĕro parr (d. h. »Wegstein«) od. auch als _tschiréskĕro parr (d. h. »Zeitstein«); s. Liebich_, S. 162 u. 221.]

[Fußnote 1463: ([498] auf S. 64.336) S. abgerahmte Milch u. Fleischhafen. — Dieselbe Ausdrucksweise kennen die Zigeuner; s. Liebich, S. 221 vbd. m. S. 162 (thīteskĕri pīri, d. h. eigtl. »Milchnapf«, = Melkfaß).]

[Fußnote 1464: ([499] auf S. 64.336) S. (betr. Schottel) Aschenbecher. — Auch hiermit fast übereinstimmend das Zigeunerische; s. Liebich, S. 221 u. 162 (thīteskĕri turdli[n], d. h. eigtl. »Milchfaß«, = Melkgefäß).]

[Fußnote 1465: ([500] auf S. 64.336) S. Adler u. arme Leute; vgl. auch Bischof. — Die Zigeuner sagen für »Menge« bīt kettenè, d. h. »viele zusammen«; s. Liebich, S. 221.]

merken, gneisen[1466] [64.337]

Messer, Scharfling (od. Scharpfleng)[1467], Tschure[1468], auch öfter Hertling[1469]

Messerklinge, Messerschneide, Lomel[1470]

Messerschmied, Scharfling- (od. Scharpfleng-)pflanzer[1471]

Methodist, Blibelkaffer[1472]; femin.: Blibelmos(s)[1473], plur.: Blibelulme[1474]

Methodistenhaus, Blibelkitt[1475]

Metzelsuppe, Kaflereischnall[1476]

Metzger, Kafler[1476]

Metzgershaus, Kaflerskitt[1476][1475]

[Fußnote 1466: ([501] auf S. 64.337) S. erkennen.]

[Fußnote 1467: ([502] auf S. 64.337) S. Dolch.]

[Fußnote 1468: ([503] auf S. 64.337) Zu vgl. dazu (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Tschuri = Messer); Pfulld. J.-W.-B. 342, 345 (ebenso [u. dazu Tschuripflanzer_ = Messerschmied]; Nebenformen: Schury [= Scheermesser; Syn.; Flader-Schury] od. Schuri [= Stilett]). Zur Etymologie: Es handelt sich hier nicht etwa bloß um eine etwas veränderte Schreibung des (ja allerdings in Wittichs Jenisch sehr speziell verwendeten) Wortes Schure, sondern um eine Entlehnung aus der Zigeunersprache (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. darüber die näh. Angaben (einschl. weiterer Belege im Rotw.) in Groß' Archiv, Bd. 46, S. 22 u. Anm. 1 (unter »Tschuripflanzer«) u. dazu noch Finck, S. 93 (tšuri[n] = Messer). Nach Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 197 (unter čurī) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (čhurī od. kšurī) zurückverfolgen.]

[Fußnote 1469: ([504] auf S. 64.337) S. Gestein.]

[Fußnote 1470: ([505] auf S. 64.337) S. Klinge.]

[Fußnote 1471: ([506] auf S. 64.337) S. (betr. -planzer) anbrennen.]

[Fußnote 1472: ([507] auf S. 64.337) S. anbeten u. Bauer.]

[Fußnote 1473: ([508] auf S. 64.337) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 1474: ([509] auf S. 64.337) S. arme Leute.]

[Fußnote 1475: ([510] auf S. 64.337) S. Abort.]

[Fußnote 1476: ([511] auf S. 64.337) S. (betr. Kaflerei u. ä.) Fleischer. — Mit Schnall = Suppe sind ferner noch zusammengesetzt: Gleisschnall = Milchsuppe (Dimin.: Gleisschnälle = Milchsüppchen [Spr.]), Hegesleschnall = Spätzlessuppe (Spr.) u. Rondlingschnall = Wurstsuppe. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 345, 347 (Schnallen = Suppe, Gleisschnalla = Milchsuppe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76, 77 (Schnalle = Suppe, Wasserschnalle_ = Wassersuppe); Schwäb. Händlerspr. 480, 487 (Schnall = Suppe, Wasserschnall = Brotsuppe; vgl. auch [484] Gräbeschnalle = Fallobst); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Schnell od. Schneltse = Suppe); auch im sonst. Rotw. bekannt in versch. Formen (s. z. B schon im Basl. Gloss. v. 1733 [202]: Schnallen, im 19. Jahrh. [seit Pfister bei Christensen [329]) öfter auch Schnelle). Zur Etymologie (vom mundartl. schnallen = »geräuschvoll schlürfen« [Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 574 u. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1163 unter »Schnalle«, Nr. 7, 6 u. Sp. 1164 unter »schnallen«, Nr. 2] s. Weber-Günther, S. 180; vgl. auch Wiss. Beih. zur Z. der Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 186.]

Miene (Gesicht), Giel (eigtl. »Mund, Maul«)[1477] [64.338]

Milch, Gleis[1478]

Milchbrötchen, Gleiskechelte (Spr.)[1479]

Milchglas, Gleisglansert[1480]

Milchnapf (-hafen, -topf), Gleisnolle[1481]

Milchschüssel, Gleisschottel[1482]

Milchsuppe, Gleisschnall, (Dimin.: Gleisschnälle = Milchsüppchen [Spr.])[1476]

Militär, Lanengere (d. h. Soldaten)[1483]

Mist, Fuhl[1484], Schund[1485]

Mistgabel, Fuhlstichling, Schundfurschet[1486]

Mistkäfer, Schundflederling (d. h. eigtl. »Dreckvogel«)[1487]

Mißjahr, nobis dofs Ja(h)ne (d. h. »kein gutes Jahr«)[1488]

[Fußnote 1477: ([512] auf S. 64.338) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1478: ([513] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1479: ([514] auf S. 64.338) Zu Kechelte = Brötchen (Semmel, Weck) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 95 (gehechelter Lechem, Lehm od. Marum = weißes Brot, Gehechelter = Kuchen); W.-B. des Konst. Hans 258 (Kächelterleam = Weißbrot); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Kächelterma¶n¶o [sic] = Bäckerbrot); _Schwäb. Händlerspr. 488 (Kĕchelte [in Pfedelb. (214): Ghechelter_] = Weck, Semmel). Über weitere Belege im Rotw. (wo das Wort zum Teil arg verunstaltet worden] sowie in sonst. Geheimspr. (s. z. B. _Frickhöfer Sprache 442 [Geh[^æ]chelter = Brötchen]) s. Näh. bei Weber-Günther_, S. 189; ebds. auch über die Etymologie des Ausdrucks, über die hier folgendes bemerkt sei. Kechelte(r) ist die schlechte (mundartl.) Aussprache von Gehechelte(r) u. dieses ein substantiviertes Partizip, bei dem eigentl. Lechem (= Brot) od. dergl. zu ergänzen ist (s. _W.-B. v. St. Georgen 1750 [219: gehechelter Legum od. Löben_ = Weißbrot] sowie die oben angeführten älteren schwäb. Quellen). Zu denken ist aber dabei (nach Pott II, S. 24) »an die Beutelung des Mehls, die sich entfernt mit der Aushechelung des Flachses vergleichen läßt«, wie denn hecheln im allgemeinen Sinne (etwa von »schön machen«) früher auch sonst gebraucht worden, so z. B. sogar in der Verbindg. _gehechelter Wein_ für einen solchen, der irgendwie künstlich behandelt war. S. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 190 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IV, 1, Sp. 2335; vgl. auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1041.]

[Fußnote 1480: ([515] auf S. 64.338) S. (betr. Glansert) Bierglas.]

[Fußnote 1481: ([516] auf S. 64.338) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1482: ([517] auf S. 64.338) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1483: ([518] auf S. 64.338) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1484: ([519] auf S. 64.338) S. Abort.]

[Fußnote 1485: ([520] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1486: ([521] auf S. 64.338) S. (betr. Stichling u. Furschet) Gabel.]

[Fußnote 1487: ([522] auf S. 64.338) S. (betr. Flederling) Adler.]

[Fußnote 1488: ([523] auf S. 64.338) S. Dietrich, angenehm u. alljährlich — Auch die Zigeuner haben die sachlich gleiche Umschreibung (kek ladscho bersch) für »Mißjahr«; s. Liebich, S. 222.]

mitbringen, mitbukle[1489] [64.339]

Mitternacht, Leile, Ratte (d. h. Nacht)[1490]

Möhren, Galgennägel[1491]

Monat, Frosch, plur. Frösche[1492]

Mond, Leileschein (d. h. »Nachtlicht«)[1493]

Montur, Lanengerkluft (d. h. »Soldatenanzug, -kleidung«)[1494]

morden, deisen[1495]

Mörder, Deiser; vgl. auch Totschläger

Most, Grabagautschert[1496]

[Fußnote 1489: ([524] auf S. 64.339) S. abtragen.]

[Fußnote 1490: ([525] auf S. 64.339) S. (zu beiden Ausdr.) Abend.]

[Fußnote 1491: ([526] auf S. 64.339) Diese eigenartige Metapher ist auch bekannt der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (Bedtg.: Rüben) sowie der schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210], Bedtg.: gelbe Rüben). Sie ist ferner sonst im neueren Rotw. (schon seit Pfister bei Christensen 1814 [320] u. noch bei Rabben 53) u. in der Kundenspr. (s. Ostwald [Ku.] 55) beliebt, desgl. auch bei den Soldaten. S. Günther, Rotwelsch, S. 15 u. in d. Wiss. Beih. zur Z. d. Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 29, Nr. 3; Horn, Soldatensprache, S. 91; vgl. i. allg. auch noch Grimm, D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 1176.]

[Fußnote 1492: ([527] auf S. 64.339) Zu vgl. hierzu (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Frosch_ od. Fröschchen = Monat) u. Schwäb. Händlerspr. 484 (Frösch = Monate). Nach der letzteren Stelle dürfte der sonderbare Ausdruck besonders für die Angabe der Dauer einer Freiheitsstrafe gebraucht werden, wie dies — nach Ostwald (Ku.) 53 (6 Frösch = 6 Monate Gefängnis) — auch in der allgemeinen Kundenspr. üblich zu sein scheint. Die Entstehung bleibt dunkel; auch bei Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1791, Nr. 8 ist darüber keine Erklärung gegeben.]

[Fußnote 1493: ([528] auf S. 64.339) S. Abend u. alltäglich. — Bei den Zigeunern heißt der Mond — ähnlich — die »Nachtsonne«, _rattiskĕro kamm (s. Liebich_, S. 141 u. 223).]

[Fußnote 1494: ([529] auf S. 64.339) S. Hauptmann u. ankleiden. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache (s. Näh. bei Liebich, S. 223).]

[Fußnote 1495: ([530] auf S. 64.339) S. ermorden.]

[Fußnote 1496: ([531] auf S. 64.339) Zu Grab¶a¶gautschert od. Grab¶e¶gautschert = Most (u. s. Zus. Gr.-glansert, Gr.-nolle = Mostglas, Mostkrug) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Grabbengautscher) u. Schwäb. Händlerspr._ 488 (Grabbegautschert [in Pfedelb. (211): -scher]); s. auch _Pleißlen der Killertaler 436 (Rappegautscher_); wieder anders, nämlich Krabberkautscher bei Ostwald (Ku.) 87. Zur Etymologie: Da gautschen in der schwäb. Mundart allgemein gebräuchlich ist für »schaukeln, (sich) schaukelnd hin- und herbewegen, wiegen, schwanken« (s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 109), so erscheint es sehr verführerisch, den ersten Bestandteil in Grabegautschert u. ä. mit unserem »Graben« in einen Zusammenhang zu bringen, weil ja der Most den Zecher leicht in den Graben wirft; jedoch hat der Ausdruck damit nichts zu tun, er soll vielmehr (wie die Form Rappegautscher bei den Killertalern am deutlichsten erkennen läßt) herzuleiten sein von Rapp od. Krapp (Krabb, Grab) = Rabe, Krähe (s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 690/91 unter »Krapp[e]«) und würde demnach (weil die Raben häufig auf den Obstbäumen sitzen) soviel bedeuten wie »das Ergebnis des ›Gautschens‹ der Raben auf den Obstbäumen«, d. i. Obst, Obstmost, Most (nach gefl. Mittlg. von Prof. Dr. O. Meisinger in Karlsruhe); vgl. auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36, S. 187 u. Anm. 1. — Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 691 (unter »Krappe[n]gautscher«) weist noch (für die allgemeinere Bedeutg. »saurer Wein«) hin auf den Anklang an »Rachenputzer«; vgl. ebds. V, Sp. 139.]

Mostglas, Grabegautschertglansert[1497] [64.340]

Mostkrug, Grabegautschertnolle[1498]

müde s. schläfrig

Mühle, Rolle[1499]

Mühlstein, Rollerhertling[1500], Rollerkies[1501]

Müller, Roller; Müllerin, Rollerin[1500]

Mund, Giel[1502]

Münzarbeiter, Bichschenegler[1503], Kies- od. Lobepflanzer (diese beiden eigtl. = »Geldmacher«)[1504]

Münze (= Geldstück), Bich[1503], Gore[1505], Kies, Lobe[1504]

Münze (= Münzwerkstätte), Bichpflanzerskitt (d. h. »Geldmacherhaus«)[1506] od. grandiche Lobekitt (d. h. »großes Geldhaus«)[1507]

Münzmeister, Bichsins[1508]; vgl. Bankier.

Musik, Nikelei[1509]

[Fußnote 1497: ([532] auf S. 64.340) S. Bierglas.]

[Fußnote 1498: ([533] auf S. 64.340) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1499: ([534] auf S. 64.340) Mit Rolle sind zusammengesetzt: a) im Anfang: Rollehertling oder -kies = Mühlstein; b) am Ende: Kuieterolle = Pulvermühle u. Flu(h)terolle = Wassermühle. Ableitg.: Roller = Müller (dazu Kuieteroller = Pulvermüller), fem.: Rollerin. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 342 (Roll = Mühle, Roller = Müller); Schwäb. Händlerspr._ 484 (ebenso). Über weitere Belege der schon früh im Rotw. weitverbreiteten Vokabeln sowie die Etymologie s. das Näh. in Groß' Archiv, Bd. 42, S. 65 u. Anm. 2 u. S. 66.]

[Fußnote 1500: ([535] auf S. 64.340) S. Gestein.]

[Fußnote 1501: ([536] auf S. 64.340) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1502: ([537] auf S. 64.340) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1503: ([538] auf S. 64.340) S. Almosen u. abschaffen.]

[Fußnote 1504: ([539] auf S. 64.340) S. (betr. Kies) Bankier, (betr. Lobe) Bank u. (betr. -pflanzer) anbrennen. Nicht erwähnt ist hier Bichpflanzer als Synon., auf dessen Vorkommen jedoch aus der Zus. Bichpflanzerskitt = Münze (Münzwerkstätte) zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies- od. Lobepflanzer) = Falschmünzer.]

[Fußnote 1505: ([540] auf S. 64.340) S. Barschaft.]

[Fußnote 1506: ([541] auf S. 64.340) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1507: ([542] auf S. 64.340) S. (betr. grandich) Adler.]

[Fußnote 1508: ([543] auf S. 64.340) S. (betr. Sins) Amtmann.]

[Fußnote 1509: ([544] auf S. 64.340) S. aufspielen.]

Musikant, Nikler [64.341]

musizieren, nikle

Muskete (Gewehr), Klass[1510]

Mutter, Mamere[1511]

Mutterbruder (od. -Schwester), Mameresglied[1512]

Mutterschwein, Mameregroenikel[1513]

Mütze, Oberman(n)[1514]

Mützenmacher, Oberman(n)pflanzer[1515]

N.

nachbeten, nachblible[1516]

nachfahren, nachruadle[1517]

nachfallen, nachbohle[1518]

nachfolgen, nachbosten[1519]

Nachkommen (die), Galma, Schrawiner[1520]

nachschießen, nachschnelle[1521]

Nachschlüssel, nobes dofer Glitschin[1522]

nachschreiben, nachfebere[1523]

nachsehen, nachlinzen[1524]

nachsingen, nachschalle[1525]

nachsprechen, nachdiberen[1526], nachschmusen[1527]

Nacht, Leile, Ratte[1528]

Nachtarbeit, Leileschenagel[1529]

[Fußnote 1510: ([545] auf S. 64.341) S. Büchse.]

[Fußnote 1511: ([546] auf S. 64.341) S. Amme.]

[Fußnote 1512: ([547] auf S. 64.341) S. (betr. Glied) Bruder.]

[Fußnote 1513: ([548] auf S. 64.341) S. Eber.]

[Fußnote 1514: ([549] auf S. 64.341) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1515: ([550] auf S. 64.341) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1516: ([551] auf S. 64.341) S. anbeten.]

[Fußnote 1517: ([552] auf S. 64.341) S. abfahren.]

[Fußnote 1518: ([553] auf S. 64.341) S. abfallen.]

[Fußnote 1519: ([554] auf S. 64.341) S. abgehen.]

[Fußnote 1520: ([555] auf S. 64.341) S. (zu beiden Ausdr.) brauchbares Kind.]

[Fußnote 1521: ([556] auf S. 64.341) S. abschießen.]

[Fußnote 1522: ([557] auf S. 64.341) S. Dietrich; vgl. angenehm.]

[Fußnote 1523: ([558] auf S. 64.341) S. abschreiben.]

[Fußnote 1524: ([559] auf S. 64.341) S. anschauen.]

[Fußnote 1525: ([560] auf S. 64.341) S. absingen.]

[Fußnote 1526: ([561] auf S. 64.341) S. anreden.]

[Fußnote 1527: ([562] auf S. 64.341) S. ansagen.]

[Fußnote 1528: ([563] auf S. 64.341) S. Abend.]

[Fußnote 1529: ([564] auf S. 64.341) S. (betr. Schenagel) abschaffen.]

Nachtessen, Leileachilerei[1530], Leilebikus, Rattebutterei[1531] [64.342]

Nachthafen, Fuhlnolle, Schmelznolle[1532]

Nachtlicht, Leileschein[1533]

Nachtstuhl, Leilesitzleng[1534], Schundsitzleng[1535]

Nachttopf, Flöselnolle[1536]

Nachtwächter, Leilekaffer[1537], Rattebenk[1538]

nachwerfen, nachplotzen[1539]

nackt, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od. auskluftet (d. h. »ausgezogen«)[1540]

Nadel, Stichlere[1541]

nagen, näpfen[1542]

nähen, stichle[1541]

Napf, Nolle[567)

Narr, Hegel[1543], Ni(e)se, Nille, Nusche[1544]

Narrenhaus, Hegelkitt, Ni(e)sekitt, Nillekitt, Nuschekitt[1545]

närrisch, ni(e)sich, nillich, nuschich[1544]

närrischer Kerl, Mensch, Hegellauti[1543]

Nase, Muffer[1546]

Nashorn, Mufferhorboga (d. h. eigtl. »Nasenkuh«)[1547]

Nässe, Flu(h)tich[1548]

naß, flu(h)te[1549]

[Fußnote 1530: ([565] auf S. 64.342) S. essen.]

[Fußnote 1531: ([566] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 1532: ([567] auf S. 64.342) S. Abort u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1533: ([568] auf S. 64.342) S. (betr. Schein) alltäglich.]

[Fußnote 1534: ([569] auf S. 64.342) S. Bank.]

[Fußnote 1535: ([570] auf S. 64.342) S. (betr. Schund) abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1536: ([571] auf S. 64.342) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 1537: ([572] auf S. 64.342) S. Bauer.]

[Fußnote 1538: ([573] auf S. 64.342) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1539: ([574] auf S. 64.342) S. bewerfen.]

[Fußnote 1540: ([575] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) ankleiden.]

[Fußnote 1541: ([576] auf S. 64.342) S. aufnähen.]

[Fußnote 1542: ([577] auf S. 64.342) S. abbeißen.]

[Fußnote 1543: ([578] auf S. 64.342) S. Dummheit.]

[Fußnote 1544: ([579] auf S. 64.342) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1545: ([580] auf S. 64.342) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1546: ([581] auf S. 64.342) S. Aas.]

[Fußnote 1547: ([582] auf S. 64.342) S. (betr. Horboga) Kalb. — Auch die Zigeuner bezeichnen das Nashorn als _(baro) nakkésk(ĕ)ri gurumni, d. h. »(groß)nasige Kuh«; s. Liebich_, S. 139 u. 225.]

[Fußnote 1548: ([583] auf S. 64.342) S. abbrühen.]

[Fußnote 1549: ([584] auf S. 64.342) Wenn nicht im Vokabular vielleicht doch zu lesen ist: Nässe, Flu(h)te, naß, flu(h)tich, würde es sich bei Flu(h)tich = Nässe handeln um die Substantivierung eines Adjektivs (s. flu[h]tich = feucht), bei flu(h)te = naß dagegen um Gebrauch eines Hauptworts (Bedeutg.: Wasser u. dgl.) als Eigenschaftswort (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 a. E.).]

Neffe (von väterlicher Seite) Patrisglied[1550], (von mütterlicher [64.343] Seite) Mamereglied[1551]; vgl. auch Oheim u. Tante

nehmen, schniffen[1552]

nein, nobis[1553], auch lore (Spr.)[1554]

Neujahr, Neujahne[1555]

nicht, nobis[1553]

nichts, Lore (Spr.)[1554]

nichtsnutzig, nobis dof[1556], nobis g'want[1557]

nichtswürdig, lenk, schofel[1558]

nie, nobis[1553]

niederblicken, niederlinzen[1559]

niederbrennen, niederfunken[1560]

niederfallen, niederbohle[1561]

niederkommen, Deislere werden (d. h. »Wöchnerin werden«)[1562] od. _in Sauft bosten_ (d. h. »ins [Wochen-]Bett gehen«)[1563]

niederlegen (sich), niederdurme[1564], niederschlaune[1565]

niedermetzeln, niederkaflere[1566]

niederschießen, niederschnelle[1567]

niederschlagen, niederguffa[1568], niederstenze[1569]

niederschreiben, niederfebere[1570]

[Fußnote 1550: ([585] auf S. 64.343) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1551: ([586] auf S. 64.343) S. (betr. Mamere) Amme.]

[Fußnote 1552: ([587] auf S. 64.343) S. anfassen.]

[Fußnote 1553: ([588] auf S. 64.343) S. Dietrich.]

[Fußnote 1554: ([589] auf S. 64.343) S. »das ist nichts.«]

[Fußnote 1555: ([590] auf S. 64.343) S. alljährlich.]

[Fußnote 1556: ([591] auf S. 64.343) S. Dietrich u. angenehm.]

[Fußnote 1557: ([592] auf S. 64.343) S. (betr. g'want) mutig.]

[Fußnote 1558: ([593] auf S. 64.343) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]

[Fußnote 1559: ([594] auf S. 64.343) S. anschauen.]

[Fußnote 1560: ([595] auf S. 64.343) S. abbrennen.]

[Fußnote 1561: ([596] auf S. 64.343) S. abfallen.]

[Fußnote 1562: ([597] auf S. 64.343) S. gebären.]

[Fußnote 1563: ([598] auf S. 64.343) S. Bett u. abgehen.]

[Fußnote 1564: ([599] auf S. 64.343) S. aufwachen.]

[Fußnote 1565: ([600] auf S. 64.343) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1566: ([601] auf S. 64.343) S. Fleischer.]

[Fußnote 1567: ([602] auf S. 64.343) S. abschießen.]

[Fußnote 1568: ([603] auf S. 64.343) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1569: ([604] auf S. 64.343) S. Ast.]

[Fußnote 1570: ([605] auf S. 64.343) S. abschreiben.]

niedersitzen s. sitzen [64.344]

niederträchtig, schofel[1571]

niederwerfen, niederplotzen[1572]

niemals s. nie

nobel, dof, duft[1573]

Not, Dercherich[1574], Schofel[1571] (beides subst. Adj.); vgl. Mangel

Nudeln, grandiche Hegesle (d. h. »große Spatzen« od. »Knöpfle« [Knödel])[1575]

Null, Nobis (d. h. eigtl. »nichts«)[1576]

Nuß (Nüsse), Krächerle[1577]

Nußbaum, Krächerlestöber (in d. Spr: »Krächerstöber«)[1578]

Nußkern, Krächerlekies[1579]

nützlich, dof[1573], g'want[1580]

O.

Obdach, Kitt[1581]

oben, oberkünftig[1582]

Oberförster, grandich Grünwedel (d. h. »der größte Forstmann«)[1583]

Obergendarm, grandicher Schuker[1584]; vgl. Wachtmeister

Oberherr, grandicher Sins[1585]

Oberwachtmeister, grandich Schuker (d. h. »der größte Gendarm«)[1584]

Oberzahn, Obernäpfling[1586]

[Fußnote 1571: ([606] auf S. 64.344) S. arg; betr. das Subst. Schofel vgl. »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1572: ([607] auf S. 64.344) S. bewerfen.]

[Fußnote 1573: ([608] auf S. 64.344) S. angenehm.]

[Fußnote 1574: ([609] auf S. 64.344) S. abbetteln (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1575: ([610] auf S. 64.344) S. Adler und Knödel.]

[Fußnote 1576: ([611] auf S. 64.344) Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 226 (tschi, d. h. »nichts« = Null).]

[Fußnote 1577: ([612] auf S. 64.344) S. Haselnuß.]

[Fußnote 1578: ([613] auf S. 64.344) S. (betr. Stöber) Apfelbaum.]

[Fußnote 1579: ([614] auf S. 64.344) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1580: ([615] auf S. 64.344) S. anmutig.]

[Fußnote 1581: ([616] auf S. 64.344) S. Abort.]

[Fußnote 1582: ([617] auf S. 64.344) S. Gaumen.]

[Fußnote 1583: ([618] auf S. 64.344) S. Adler u. Forstmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1584: ([619] auf S. 64.344) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1585: ([620] auf S. 64.344) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 227.]

[Fußnote 1586: ([621] auf S. 64.344) S. abbeißen.]

Obst, Stöberschure[1587] oder Stöbersore[1588] [64.345]

Ochse, Hornikel[1589]

Ochsenfett, Hornikel-Schmunk[1590]

Ochsenfleisch, Hornikelbossert[1591]

Ochsenmaulsalat, Hornikelgielblättling[1592]

Ochsenmaulsalatbüchse, Hornikelgielblättlingschottel[1593]

Ochsenmetzger, Hornikelkafler[1594]

Ochsenstall, Hornikelstenkert[1595]

Ofen, Hitzling[1596]

Ofenruß, Hitzlingschwä(t)zling[1597]

Ofensetzer, Hitzlingpflanzer[1598], Hitzlingschenegler[1599]

Offizier, grandicher (od. auch dofer) Lanenger[1600]

oft, grandich[1601]

Oheim (von väterl. Seite), Patrisglied[1602], (von mütterl. Seite), Mamereglied[1603]; vgl. Neffe u. Tante

Ohr, Losling[1604]

[Fußnote 1587: ([622] auf S. 64.345) S. Apfelbaum u. abbiegen.]

[Fußnote 1588: ([623] auf S. 64.345) S. (betr. Sore) Brücke.]

[Fußnote 1589: ([624] auf S. 64.345) S. Bulle.]

[Fußnote 1590: ([625] auf S. 64.345) S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1591: ([626] auf S. 64.345) S. Aas.]

[Fußnote 1592: ([627] auf S. 64.345) S. Affengesicht u. Gulasch.]

[Fußnote 1593: ([628] auf S. 64.345) S. (Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 1594: ([629] auf S. 64.345) S. Fleischer.]

[Fußnote 1595: ([630] auf S. 64.345) S. Entenstall.]

[Fußnote 1596: ([631] auf S. 64.345) S. Backofen.]

[Fußnote 1597: ([632] auf S. 64.345) Schwä(t)zling (od. Schwetzling) = Ruß kommt noch vor in der Zusammensetzg. Schwä(t)zlingbossert = Schinken (d. h. eigentl. »Ruß- od. Rauchfleisch«). Der Etymologie nach ist es jedenfalls nur schlechte Aussprache für Schwärzling, gehört also zu »schwarz«. Doch findet sich — auch in der richtigen Schreibung — die Vokabel in der jenisch. Bedeutg. m. Wiss. nicht in den _verw. Quellen oder im sonst. Rotw., in dem vielmehr Schwärzling_ für »Kaffee(bohne)« vorkommt; s. u. a. v. Grolman 65 u. T.-G. 104; Karmayer G.-D. 218; A.-L. 606; Groß 493; nach Ostwald (Ku.) 141 auch = Tinte.]

[Fußnote 1598: ([633] auf S. 64.345) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1599: ([634] auf S. 64.345) S. abschaffen.]

[Fußnote 1600: ([635] auf S. 64.345) S. Hauptmann vbd. m. Adler u. angenehm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1601: ([636] auf S. 64.345) S. Adler.]

[Fußnote 1602: ([637] auf S. 64.345) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1603: ([638] auf S. 64.345) S. (betr. Mamere) Amme. — Auch von den Zigeunern wird für »Oheim« unterschieden dādéskĕro und dākro prāl, d. h. »väterlicher (des Vaters)« u. »mütterlicher (der Mutter) Bruder«; s. Liebich, S. 131 u. 207.]

[Fußnote 1604: ([639] auf S. 64.345) Zus. damit: Loslingschlang = Ohrring. Zu vgl. (aus dem. verw. Quellenkr.): Schwäb Händlerspr. 484 (Loser = Ohr; vgl. [482] losere [in Pfedelb. (210): losen] = hören); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Luser = Ohr); auch schon (mit der Endung -ling) im älteren Rotw. des 15. u. 16. Jahrh. (s. schon Basl. Betrügnisse um 1450 [15: Luselinge = Ohren]; Lib. Vagat. 54 [Lüßlinng = Ohr] u. a. m.) bekannt. Etymologie: Der Ausdr. gehört, wie das weidmänn. (u. wohl auch sonst mundartl. gebr.) Loser (Luser) = Ohr des Wildes (eigentl. »Aufhorcher« [vgl. mhd. losære = Horcher, Lauscher, ahd. losari = Hörer, Zuhörer]), zu dem Zeitw. losen (schon mhd. losen, ahd. [h]losên, losên) = aufhorchen, zuhören; s. Pott II, S. 20 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1297 (unter Loser, Nr. 3), Sp. 1298 (unter »losere[n]«, Sp. 1346 (unter »Luser«) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 85.]

Ohrring, Loslingschlang[1605] [64.346]

Onanie treiben, Käfferle pflanzen[1606]

Onkel s. Oheim

Opfergeld, Duftbich[1607], Duftlobe oder -kies[1608] (d. h. »Kirchengeld«).

Orgel s. Leierkasten

Ortschaft, G'fahr[1609]

Ortsvorsteher, Kritsch, Schar(r)le[1610]

Ostern, Bäzemaweisling (d. h. »Eiersonntag«)[1611]

o weh!, o Laich![1612]

[Fußnote 1605: ([640] auf S. 64.346) S. (betr. Schlang), Halskette.]

[Fußnote 1606: ([641] auf S. 64.346) Bei dieser (m. Wiss. im Rotw. u. in d. sonstigen Geheimsprachen nicht bekannten) eigentümlichen Redensart ist Käfferle wohl nicht (wie bei Käfferle = Junggeselle oder Greis) zu Kaffer im Sinne von »Mann (Kerl)«, sondern im Sinne vor »Bauer« zu stellen, und zwar dürfte es sich sehr wahrscheinlich handeln um eine jenische Übersetzung der mundartl. fast in ganz Deutschland (einschl. Schweiz und Österreich) verbreiteten Bezeichnung »_kalter Bauer_« für Onanie bzw. Pollution u. deren Spuren; s. dazu die Redensarten: den kalten Bauern schlagen od. herunterreißen (steir.) u. zu vgl. im einzelnen über die deutsch. Mundarten: Grimm, D. W.-B. I. Sp. 1176 (unter »Bauer«, Nr. 2) vbd. mit Müller in den »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 20. Ob nun aber hierbei der Ausdruck »Bauer« wirklich = rusticus (Landmann) aufzufassen ist (wofür z. B. unbedenklich Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 703 [unter »Bauer«, Nr. 3, d] eingetreten) oder ob man ihn mit Grimm, a. a. O., Sp. 1175 als ein eigenes (auf das Gotische zurückzuführendes) Wort im Sinne von voluptas, libido nehmen will, mag dahingestellt bleiben. Für das Adj. kalt (hier etwa = »wider die Natur«) verweist Fischer, a. a. O. auf »die Vorstellung von der ›kalten‹ Natur der Teufelsbuhlschaft.«]

[Fußnote 1607: ([642] auf S. 64.346) S. Dom u. Almosen.]

[Fußnote 1608: ([643] auf S. 64.346) S. (betr. Lobe u. Kies) Bank u. Bankier.]

[Fußnote 1609: ([644] auf S. 64.346) S. Bauerndorf.]

[Fußnote 1610: ([645] auf S. 64.346) S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.]

[Fußnote 1611: ([646] auf S. 64.346) S. Ei u. Feiertag. — Auch bei den Zigeunern kommt wohl jāréngĕro gurko (d. h. »Eiersonntag«) für Ostern vor, doch scheint dafür jetzt jāréngĕro diwes (d. h. »Eiertag«) gebräuchlicher zu sein, das jedoch auch entsprechend dem jenisch. Bäzamaschei — den Karfreitag bedeutet; s. Liebich, S. 140 u. 227 vbd. mit Finck, S. 55; vgl. oben unter »Karfreitag«.]

[Fußnote 1612: ([647] auf S. 64.346) Eine Deutung des Wortes Laich in dieser Verbdg. vermag ich nicht zu geben.]

P. [64.347]

Pallasch (Säbel), Latt[1613]

Papagei, Schmuserfläderling (d. h. »der sprechende Vogel«)[1614]

Papiergeld, Kritzlerbich[1615], Kritzlerlobe[1616]

Papiermacher, Kritzlerpflanzer[1617]

Papst, grandich Kolb (d. h. »der größte Pfarrer«)[1618]

Paß, Flebb(e)[1619]

Pastor, Gallach[1620], Kolb[1618]

penis s. Glied (männliches)

Pfad, Strade[1621]

Pfahl, Spraus[1622]

Pfanne, Russling[1623]

Pfarrer, Gallach[1620], Kolb[1618]

Pfarrhaus, Gallachekitt, Kolbekitt[1624]

Pfau, Dofefläderling (d. h. »der schöne Vogel«)[1625]

[Fußnote 1613: ([648] auf S. 64.347) S. Degen.]

[Fußnote 1614: ([649] auf S. 64.347) S. ansagen u. Adler. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (rak[k]erpáskĕro tschirkulo [tširklo], d. h. etwa »der gesprächige Vogel«, = Papagei): s. Liebich, S. 118, 155 u. 228 vbd. m. Finck, S. 92; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1615: ([650] auf S. 64.347) S. Attest u. Almosen.]

[Fußnote 1616: ([651] auf S. 64.347) S. (betr. Lobe) Bank.]

[Fußnote 1617: ([652] auf S. 64.347) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1618: ([653] auf S. 64.347) S. Adler u. Bischof. Ebds. (S. 391, Anm. 116) auch betr. die Zigeunersprache.]

[Fußnote 1619: ([654] auf S. 64.347) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 1620: ([655] auf S. 64.347) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1621: ([656] auf S. 64.347) S. Chaussee.]

[Fußnote 1622: ([657] auf S. 64.347) S. Baumholz.]

[Fußnote 1623: ([658] auf S. 64.347) S. Kessel.]

[Fußnote 1624: ([659] auf S. 64.347) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1625: ([660] auf S. 64.347) S. angenehm u. Adler. — Bei den Zigeunern kommt für den Pfau (neben pōno od. pōni [s. Pott II, S. 362; Liebich, S. 152 u. 228; Finck, S. 79]) auch _gisĕwo tschirkulo (tširklo), d. h. »stolzer Vogel«, vor (nach Liebich_, S. 228); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47.]

[Fußnote 1626: ([661] auf S. 64.347) S. dazu das Zeitw. dämpfe(n) = (Tabak) rauchen sowie die weitere Ableitung Dämpfere od. Dämpfete (Spr.) = Zigarre (u. dazu die Zus. Dämpferereiber = Zigarrenbeutel). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 343, 345 (Dämpfköllen = Pfeife, Tabakspfeife); Schwäb. Händlerspr. 485, 488 (dämpfen = rauchen, Dämpfere = Zigarre); s. auch _Pleißlen der Killertaler 434 (Dämpfer = Schnupftabak). Zur Etymologie_ (von »Dampf«, »dampfen«) s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46.]

Pfeife, Dämpfe[1626] Toberich[1627] od. (genauer) [64.348] Toberichschure[1628] (d. h. »Tabakspfeife« [s. d.]); vgl. Tabak u. Zigarre

Pfeifenkopf, Toberichki(e)bes[1629]

Pfeffer, Sore[1630]

Pfefferbüchse, Soreschottel[1631]

Pfennig, Boschert[1632]

Pferd, Trabert od. Trapert[1633]

Pferdeeuter, Trabertschwächerle[1634]

Pferdefleisch, Trabertbossert od. Trabertmass[1635]

Pferdefuß, Trapertritt[1636]

Pferdehaar, Trabertstrauberts[1637]

Pferdehändler, Trabertgremer, Trabertkemerer[1638]

[Fußnote 1627: ([662] auf S. 64.348) Mit Toberich (= a) Tabak; b) Pfeife [Tabakspfeife]) sind mehrere Zusammensetzgn. gebildet worden, u. zwar: a) in der ersten Bedeutg.: Toberichrande od. -reiber = Tabaksbeutel, Toberichschure = (Tabaks-) Pfeife, auch Zigarre (od. bloß Tabak); b) in der zweiten Bedeutg.: Toberichki(e)bes = Pfeifenkopf. Ableitung: toberiche = (Tabak) rauchen, während für »schnupfen« die Verbindg. Toberich muffe(n), d. h. eigtl. »Tabak riechen«) gebraucht wird. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Dolm. der Gaunerspr. 100 (Dobrisch = Tabak, Dobrischfinne, -klinge_ = Tabaksdose, -pfeife; D. schwächen = Tabak rauchen); _W.-B. des Konstanzer Hans 255 (Dow're = Tabak, D. schwäche_ = Tabak rauchen); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (Dobere = Tabak, Schnupftabak, Dobereckling = Tabakspfeife); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Doverich = Tabak); Schwäb. Händlerspr. 485, 487, 488 (Tôberich [in Pfedelb. (213): Dowerich] = Tabak, Zigarre [für letzteres auch Tob(e)rich(s)stengel], Tôberichskling [in Pfedelb. (213): Dowerichsklinge] od. Tôbere = [Tabaks-]Pfeife, tôberichen [in Pfedelb. (212): dowrichen] = rauchen). Über weitere Rotw. Belege (seit d. Basl. Glossar v. 1733 [202: Doberen]) sowie die Etymologie des Wortes (das von einigen mit der Zigeunersprache [tīvăli = Rauchtabak (s. z. B. Liebich, S. 166, 244 u. Finck, S. 94)] in Verbindg. gebracht worden, einfacher aber doch wohl als bloße Verunstaltung von »Tobak« aufzufassen sein dürfte) s. Näh. in Groß' Archiv, Bd. 43, S. 46, 47 u. Anm. 2; vgl. auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, 36. Heft, S. 186, Anm. 1 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 235/36.]

[Fußnote 1628: ([663] auf S. 64.348) S. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 1629: ([664] auf S. 64.348) S. Angesicht.]

[Fußnote 1630: ([665] auf S. 64.348) S. Brücke.]

[Fußnote 1631: ([666] auf S. 64.348) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 1632: ([667] auf S. 64.348) S. Kupfergeld.]

[Fußnote 1633: ([668] auf S. 64.348) S. Füllen.]

[Fußnote 1634: ([669] auf S. 64.348) S. (betr. Schwäche[rle]) Amme.]

[Fußnote 1635: ([670] auf S. 64.348) S. Aas.]

[Fußnote 1636: ([671] auf S. 64.348) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1637: ([672] auf S. 64.348) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 1638: ([673] auf S. 64.348) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

Pferdemetzger, Trabertkafler[1639] [64.349]

Pferdestall, Trabertstenker[1640]

Pferdetränke, Trabertschwäche[1634]

Pfingsten, Schuberleweisling (d. h. »Geistsonntag«)[1641]

Pflastergeld, Kieslobe[1642]; Stradebich[1643]

Pflaume, Blauling od. Bloling [Spr.][1644]

Pflaumenbaum, Blaulingstöber[1645]

Pflaumenkern, Blaulingkies[1646]

Pflock, Spraus[1647]

Pfote, Tritt[1648]

Pisse (= Harn, Urin), Flösle, Flösslete, Flösselflu(h)te[1649]

pissen, flöslen[1649]

Pistole, Schneller[1650]

Plappermaul, Schmusichergiel[1651]

plaudern, diberen[1652], schmusen[1653]

Plauderer, Diberer, Schmuser

Pokal, Nolle[1654]

Pökelfleisch, eingespronkter Bossert (d. h. »eingesalzenes Fleisch«)[1655]

[Fußnote 1639: ([674] auf S. 64.349) S. Fleischer.]

[Fußnote 1640: ([675] auf S. 64.349) S. Entenstall.]

[Fußnote 1641: ([676] auf S. 64.349) S. Geist u. Feiertag. — Die Beziehung auf die Ausgießung des heiligen Geistes in diesem Ausdrucke tritt noch deutlicher hervor in dem gleichbed. zigeunerisch. _dīlo tucho dīwes_, d. h. »heiliger Geisttag« (neben d. einfacheren dīlŏ dīwes, d. h. »heiliger Tag«); s. Liebich, S. 228 u. 134 vbd. m. Finck, S. 55.]

[Fußnote 1642: ([677] auf S. 64.349) S. Apfelkern u. Bankier.]

[Fußnote 1643: ([678] auf S. 64.349) S. Chaussee u. Almosen.]

[Fußnote 1644: ([679] auf S. 64.349) S. zu diesem (natürlich von »blau« hergeleiteten) Worte die Zus. Blaulingstöber u. -kies = Pflaumenbaum u. -kern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 485 (Bläuling = Pflaume); im Rotw. gleichbed. wohl Blauerling (s. z. B. bei v. Grolman 9 u. T.-G. 114 u. Karmayer G.-D. 192), während schon in älterer Zeit (z. B. im _W.-B. von St. Georgen 1750 [217]) Blauling_ für »Milch« vorkommt. Über Blauhanze s. unter »Zwetschgen«.]

[Fußnote 1645: ([680] auf S. 64.349) S. (betr. Stöber) Apfelbaum.]

[Fußnote 1646: ([681] auf S. 64.349) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1647: ([682] auf S. 64.349) S. Baumholz.]

[Fußnote 1648: ([683] auf S. 64.349) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1649: ([684] auf S. 64.349) S. austreten (leicht) u. (betr. Flu[h]te) abbrühen.]

[Fußnote 1650: ([685] auf S. 64.349) S. abschießen.]

[Fußnote 1651: ([686] auf S. 64.349) S. ansagen u. Affengesicht.]

[Fußnote 1652: ([687] auf S. 64.349) S. anreden.]

[Fußnote 1653: ([688] auf S. 64.349) S. ansagen.]

[Fußnote 1654: ([689] auf S. 64.349) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1655: ([690] auf S. 64.349) S. einsalzen u. Aas.]

Polizei, Bu(t)zerei[1656] [64.350]

Polizeiamt, Bu(t)zereikitt[1657]

Polizeidiener, Polizist, Bu(t)z[1656]

Polizeidirektor, grandich Bu(t)z (d. h. »der größte Polizist«)[1658]

Polizeihund, Bu(t)zekeiluf, Bu(t)zekibe[1659]

Polizeiwachtmeister, grandicher Bu(t)z[1658]

Porzellan, Sore[1660]

Porzellantasse, Soreschottel[1661]

Possenreißer, Hegellauti[1662]

Postbote, Kritzlerbukler[1663]

Postwagen, Kritzlerrädling[1664]

Pracht, Dof (= dof)[1665]

prächtig, dof[1665], grandich[1658]

predigen, blible[1666]

Prediger, Gallach[1667], Kolb[1668]

Priester s. Prediger

Priesterrock, Gallachmalfes, Kolbemalfes[1669]

Protestant, Gril(l)ischer[1670]

protestantisch, gril(l)isch od. kril(l)isch[1670]

Prügel (= Stock), Spraus[1671]

Prügel (= Hiebe), Gufes[1672], Stenz[1673]

Prügelei, Hamore, More[1674]

prügeln, guffen[1672], ste(c)ken[1675], stenzen[1673]; vgl. schlagen

[Fußnote 1656: ([691] auf S. 64.350) S. Amtsdiener.]

[Fußnote 1657: ([692] auf S. 64.350) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1658: ([693] auf S. 64.350) S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1659: ([694] auf S. 64.350) S. (zu beiden Ausdr.) Haushund.]

[Fußnote 1660: ([695] auf S. 64.350) S. Brücke.]

[Fußnote 1661: ([696] auf S. 64.350) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 1662: ([697] auf S. 64.350) S. Dummheit.]

[Fußnote 1663: ([698] auf S. 64.350) S. Attest u. abtragen.]

[Fußnote 1664: ([699] auf S. 64.350) S. (betr. Rädling) Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1665: ([700] auf S. 64.350) S. angenehm; vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1666: ([701] auf S. 64.350) S. anbeten.]

[Fußnote 1667: ([702] auf S. 64.350) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1668: ([703] auf S. 64.350) S. Bischof.]

[Fußnote 1669: ([704] auf S. 64.350) S. (betr. Malfes) Frauenrock.]

[Fußnote 1670: ([705] auf S. 64.350) S. evangelisch.]

[Fußnote 1671: ([706] auf S. 64.350) S. Baumholz.]

[Fußnote 1672: ([707] auf S. 64.350) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1673: ([708] auf S. 64.350) S. Ast.]

[Fußnote 1674: ([709] auf S. 64.350) S. Fehde.]

[Fußnote 1675: ([710] auf S. 64.350) S. beschenken.]

Pudel, Keiluf, Kib[1659] [64.351]

Pulle (Flasche), Glansert[1676]

Pulver (jeder Art), Kuiete[1677]

Pulvermühle, Kuiete-Rolle[1678]

Pulvermüller, Kuieteroller (fem.: -rollerin)[1678]

Punsch, gesicherter Johle[1679]; vgl. Glühwein

Puppe (Docke), Schure[1680]

putzen (reinigen), pfladere[1681]

Q.

Quacksalber, schofler Begersins (d. h. »schlechter Doktor [Arzt]«[1682]

Quaderstein, grandicher Kies[1683]

Quartier, Fehte[1684]

Quartierbursche, Fehtefi(e)sel od. -freier[1685]

Quartierherr, Fehtekaffer od. -sins[1686] vgl. Hauswirt

Quartierfrau, Fehtemos(s) od. -sinse[1687]

Quartiermädchen, Fehtemodel[1688]

Quelle, Flu(h)te[1689]

Quersack, Rande[1690]

R.

Rabbiner, Diboldegallach[1691] od. Kaimekolb[1692] (d. h. »Judengeistlicher od. -pfarrer«)[1693]

[Fußnote 1676: ([711] auf S. 64.351) S. Bierglas.]

[Fußnote 1677: ([712] auf S. 64.351) S. Mastpulver.]

[Fußnote 1678: ([713] auf S. 64.351) S. (betr. Rolle[r]) Mühle.]

[Fußnote 1679: ([714] auf S. 64.351) S. abkochen u. Apfelwein.]

[Fußnote 1680: ([715] auf S. 64.351) S. abbiegen.]

[Fußnote 1681: ([716] auf S. 64.351) S. abwaschen.]

[Fußnote 1682: ([717] auf S. 64.351) S. arg, absterben u. Amtmann. — Bei den Zigeunern findet sich der Begriff negativ umschrieben durch tschi tschātscho (od. ladscho) radíngĕro (radískĕro), d. h. »kein rechter (od. guter) Arzt«; s. Liebich, S. 154 u. 230.]

[Fußnote 1683: ([718] auf S. 64.351) S. Adler u. Apfelkern.]

[Fußnote 1684: ([719] auf S. 64.351) S. Hauswirt.]

[Fußnote 1685: ([720] auf S. 64.351) S. (betr. Fi[e]sel u. Freier) Bettelbube u. Fremder.]

[Fußnote 1686: ([721] auf S. 64.351) S. Bauer u. Amtmann.]

[Fußnote 1687: ([722] auf S. 64.351) S. Bauernfrau u. Amtmann.]

[Fußnote 1688: ([723] auf S. 64.351) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1689: ([724] auf S. 64.351) S. abbrühen.]

[Fußnote 1690: ([725] auf S. 64.351) S. Bauch.]

[Fußnote 1691: ([726] auf S. 64.351) S. Jude u. Geistlicher.]

[Fußnote 1692: ([727] auf S. 64.351) S. Hebräer u. Bischof.]

[Fußnote 1693: ([728] auf S. 64.351) Die gleiche Umschreibung (bipoldéngĕro raschai, d. h. »Judenpriester«) kennen auch die Zigeuner; s. Liebich, S. 128 u. 230.]

Rabe, Schofeleiflederling (d. h. »Unglücksvogel«)[1694] [64.352]

Rahm, Gleisschund (d. h. eigtl. »Milchdreck«)[1695]

Ranzen, Rande[1690]

Rappe, Trabert[1696]. Für die verschiedene Farbe der Pferde gibt es keine nähere Bezeichnung (vgl. Schimmel); dagegen wird das Geschlecht der Tiere wohl kenntlich gemacht; vgl. Näh. unter »Hengst« u. »Stute«

Rasiermesser, Scharfling[1697] od. Tschure[1698] (d. i. beides eigtl. nur »Messer«)

Rathaus, Sturmkitt[1699]

Rathausschlüssel, Sturmkittglitschin[1700]

Rathausuhr, Sturmkittgluber[1701]

[Fußnote 1694: ([729] auf S. 64.352) S. arg u. Adler; vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]

[Fußnote 1695: ([730] auf S. 64.352) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1696: ([731] auf S. 64.352) S. Füllen.]

[Fußnote 1697: ([732] auf S. 64.352) S. Dolch.]

[Fußnote 1698: ([733] auf S. 64.352) S. Messer.]

[Fußnote 1699: ([734] auf S. 64.352) S. dazu die Zusammensetzgn. Sturmkittglitschin u. -gluber = Rathausschlüssel u. -uhr sowie Sturmkittsins = Ratsherr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (Sturmkitt = Rathaus); _W.-B. des Konst. Hans 254 (ebenso); Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: ebenso; vgl. ebds. [214]: hohe Sturmkitt = Amtsgericht). Auch sonst im Rotw. neben den Synon. Sturm-Kaste(n) (s. z. B. schon A. Hempel 1687 [167]), Sturm-Bayes (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [331]) od. Sturmkandich (s. z. B. v. Grolman 70 n. T.-G. 116). Zur Etymologie s. Pott II, S. 18 u. A.-L. 612, nach denen die erste Silbe in diesen Zusammensetzgn. zu unserem Worte »Turm« gehört (also Sturmkitt wohl = »s'Turmkitt«, abgek. für das Turmkitt, d. h. »das Turmhaus«), weil die Rathäuser »gewöhnlich mit einem Turm geziert« sind (A.-L., a. a. O.).]

[Fußnote 1700: ([735] auf S. 64.352) S. (betr. Glitschin) Dietrich.]

[Fußnote 1701: ([736] auf S. 64.352) Mit Gluber (auch Gluper od. Kluper od. — am richtigsten wohl — Luber) = Uhr sind auch noch zusammengesetzt (am Anfang): Luberkitt = Uhrgehäuse, Luberschlang = Uhrkette, Luberpflanzer = Uhrmacher, Luberglitschin = Uhrschlüssel, Luberrande = Uhrtasche. Zu vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Lupper = Sackuhr); W.-B. des Konst. Hans 254 (ebenso; vgl. auch 258: Lopper u. Lapper); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Lupper [od. Nopper] = Uhr, Randelupper_, bes. = Sackuhr); Schwäb. Händlerspr. 487 (Lôber[e], Lubbere, Klupper [in Pfedelb. (213): Glupper (od. Gluckere), in Lütz. (215): Klepper] = Uhr, Taschenuhr). Über weitere Belege im Rotw. s. noch Groß' Archiv, Bd. 46, S. 23, Anm. 2. Ebds. S. 24 auch über die Hypothesen betr. die (zweifelhafte) Etymologie, unter denen diejenige, die den Ausdruck mit d. niederd. lupen (lopen) = laufen in Zusammenhang gebracht hat, wohl noch am annehmbarsten erscheint; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1263 (unter »Lober« II) vbd. mit Sp. 1346 (unter »Lupper[e]«). Vgl. auch unten die Anm. zu dem ähnl. Synon. Gengle (unter »Uhr«).]

Ratsherr, Sturmkittsins[1702], auch Kritsch od. Schar(r)le[1703] [64.353]

rauben, schniffen[1704], schoren[1705]

Räuber, Schniffer[1704], Schorer od. Tschor[1705]

rauchen, dämpfen, toberiche[1706]

Rauchfleisch, Hitzlingbossert[1707]

räudig, näpfich[1708]

Rausch, Molum (subst. Adj.)[1709], Schwächer[1710], nach den Spr. auch Dambes[1709]

Rebe s. Weinrebe

Rebensaft, Johle[1711]

Rebhuhn, Jahrestierer od. Krachergachne[1712] (d. h. »Waldhuhn«)[1713]

reden, dibere[1714], schmuse[1715]

Regen, Flössle[1716]

Regenbogen, Flösselreifling (d. h. eigtl. »Regenring«)[1717]

Regenschirm s. Schirm

Regentag, Flösselschei[1718]

Regenwasser, Flösselflu(h)te[1719]

regnen, flössle od. flessle (Spr.)[1716]

reich, grandich[1720]

reicher Bauer, grandicher Ruch[1721]

[Fußnote 1702: ([737] auf S. 64.353) S. (betr. Sins) Amtmann.]

[Fußnote 1703: ([738] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.]

[Fußnote 1704: ([739] auf S. 64.353) S. anfassen.]

[Fußnote 1705: ([740] auf S. 64.353) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1706: ([741] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.) Pfeife.]

[Fußnote 1707: ([742] auf S. 64.353) S. Backofen u. Aas.]

[Fußnote 1708: ([743] auf S. 64.353) S. abbeißen.]

[Fußnote 1709: ([744] auf S. 64.353) S. berauscht; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1710: ([745] auf S. 64.353) S. Amme.]

[Fußnote 1711: ([746] auf S. 64.353) S. Apfelwein.]

[Fußnote 1712: ([747] auf S. 64.353) S. Ananas u. Henne bezw. Hahn.]

[Fußnote 1713: ([748] auf S. 64.353) Die sachlich gleiche Ausdrucksweise kennen auch die Zigeuner; s. Liebich, S. 152 u. 231 (_porréskĕri kachnin = Rebhuhn, eigtl. »Busch- od. Waldhuhn«, zu porr_ = Busch, Gebüsch, Gehölz, Wald u. dergl.).]

[Fußnote 1714: ([749] auf S. 64.353) S. anreden.]

[Fußnote 1715: ([750] auf S. 64.353) S. ansagen.]

[Fußnote 1716: ([751] auf S. 64.353) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 1717: ([752] auf S. 64.353) S. (betr. Reifling) Fingerring. — Auch bei den Zigeunern heißt der Regenbogen _brschindéskĕri gusterin, d. i. »Regenring« od. deweléskĕri (an)gusterin_, d. i. »Gottes Ring« (nach Liebich, S. 129 u. 231).]

[Fußnote 1718: ([753] auf S. 64.353) S. alltäglich.]

[Fußnote 1719: ([754] auf S. 64.353) S. abbrühen.]

[Fußnote 1720: ([755] auf S. 64.353) S. Adler.]

[Fußnote 1721: ([756] auf S. 64.353) S. (betr. Ruch) Bauer.]

reicher Herr, grandiger (sic) Sins[1722] [64.354]

Reichtum, grandich Schure od. Sore (d. h. »[sehr] viele Sachen«)[1723]

reinigen, pfladere[1724]

reizend, dof, duft[1725]

Richter, grandicher Sins[1722] (d. h. eigtl. »großer Herr«)[1726]

Richterstuhl, Schoflereisitzling (d. h. eigtl. »Gerichtsstuhl«)[1727]

riechen, muffen[1728]

Riese, grandicher Kaffer (d. h. »großer Mann«)[1729]

Rind, Horboge[1730]

Rinderfett, Horbogeschmunk[1731]

Rinderstall, Horbogestenkert[1732]

Rindfleisch, Horbogebossert[1728]

Rindfleischbüchse, Horbogebossertschottel[1733]

Rindvieh s. Rind

Rindviehmetzger, Horbogekafler[1734]

Ring, Reifling[1735]

Rock, Malfes[1736]

Rocktasche, Malfesrande[1737]

Roggen, Kupfer[1738]

Rosenkranz, Blibelschlang (d. h. »Betkette«)[1739]

[Fußnote 1722: ([757] auf S. 64.354) S. (betr. Sins) Amtmann; vgl. auch Bischof.]

[Fußnote 1723: ([758] auf S. 64.354) S. (betr. Schure) abbiegen u. (betr. Sore) Brücke; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1724: ([759] auf S. 64.354) S. abwaschen.]

[Fußnote 1725: ([760] auf S. 64.354) S. angenehm.]

[Fußnote 1726: ([761] auf S. 64.354) Über die sachlich gleiche Bezeichnung (bāro rai) für den Richter bei den Zigeunern s. Näh. bei Liebich, S. 232; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1727: ([762] auf S. 64.354) S. arg u. Bank.]

[Fußnote 1728: ([763] auf S. 64.354) S. Aas.]

[Fußnote 1729: ([764] auf S. 64.354) S. Adler u. Bauer. — Sachlich übereinstimmende Ausdrucksweise auch in der Zigeunersprache; s. Liebich, S. 232 (bāro dschēno od. gādscho, d. h. »großer Mensch (Kerl)«, = Riese); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1730: ([765] auf S. 64.354) S. Kalb.]

[Fußnote 1731: ([766] auf S. 64.354) S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1732: ([767] auf S. 64.354) S. Entenstall.]

[Fußnote 1733: ([768] auf S. 64.354) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1734: ([769] auf S. 64.354) S. Fleischer.]

[Fußnote 1735: ([770] auf S. 64.354) S. Fingerring.]

[Fußnote 1736: ([771] auf S. 64.354) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1737: ([772] auf S. 64.354) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 1738: ([773] auf S. 64.354) S. Frucht.]

[Fußnote 1739: ([774] auf S. 64.354) S. anbeten u. Halskette. — Sachlich übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 153 u. 233 u. Finck, S. 95 (pris[s]ermásk[ē]ri wērklin, d. h. »die Betkette«, = Rosenkranz).]

Roß s. Pferd [64.355]

Roßmetzger s. Pferdemetzger

Rüben s. Möhren

ruchlos, lenk, schofel[1740]

Rucksack, Rande[1737]

ruhen, durme[1741], schlaune[1742]

ruhig sein s. schweigen; vgl. aufhören

Rüssel, Muffer[1728]

Ruß, Schwetzling[1743]

[Fußnote 1740: ([775] auf S. 64.355) S. arg.]

[Fußnote 1741: ([776] auf S. 64.355) S. aufwachen.]

[Fußnote 1742: ([777] auf S. 64.355) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1743: ([778] auf S. 64.355) S. Ofenruß. ]

S. [65.33]

Saal, grandiche Schrende (d. h. »große Stube«)[1744]

Säbel, Latt[1745]

Sache, Sore[1746]

Sack, Rande[1747]

Säckel, Kiesreiber[1748]

sagen s. reden; vgl. sprechen

Sahne, Gleisschund[1749]; vgl. Rahm

Salat, Blättling[1750]

Salz, Spronkert[1751]

Salzbüchse, Spronkertschottel[1752]

salzen, spronkere[1751]

salzig, g'spronkt

Salzfisch, Spronkertschwimmerling[1753]; vgl. Hering

Salzfleisch, Spronkertbossert[1754]

[Fußnote 1744: ([1] auf S. 65.33) S. Adler u. Frauenstube. — Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 234 (bāri [od. buchli] tattin [od. isma], d. h. »große [od. weite] Stube« = Saal); vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1745: ([2] auf S. 65.33) S. Degen.]

[Fußnote 1746: ([3] auf S. 65.33) S. Brücke.]

[Fußnote 1747: ([4] auf S. 65.33) S. Bauch.]

[Fußnote 1748: ([5] auf S. 65.33) S. Beutel; vgl. Bankier.]

[Fußnote 1749: ([6] auf S. 65.33) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1750: ([7] auf S. 65.33) S. Gulasch.]

[Fußnote 1751: ([8] auf S. 65.33) S. einsalzen.]

[Fußnote 1752: ([9] auf S. 65.33) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 1753: ([10] auf S. 65.33) S. (betr. Schwimmerling) Fisch.]

[Fußnote 1754: ([11] auf S. 65.33) S. (betr. Bossert) Aas.]

Salznapf, Spronkertnolle[1755] [65.34]

sanft, dof[1756]

Sänger, Schaller; Sängerin, Schallerin[1757]

Sarg, Begerkittle (d. h. »Totenhäuschen«)[1758]

Satan, Koele[1759]; vgl. Teufel

satt, grandich bikt od. buttet (d. h. »viel gegessen«)[1760]

Sau, Balo, Groenikel[1761]

sauber, dof[1756]

säubern, pfladere[1762]

Sauerkraut, Groenert[1763]

saufen, schwächen[1764]

Sauferei, Schwächerei

Sauhirt, Groenikelbenk, Groenikelschure[1761][1765]

Saustall, Groenikelstenkert[1766]

[Fußnote 1755: ([12] auf S. 65.34) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1756: ([13] auf S. 65.34) S. angenehm.]

[Fußnote 1757: ([14] auf S. 65.34) S. absingen.]

[Fußnote 1758: ([15] auf S. 65.34) S. absterben u. Abort. — Auch bei den Zigeunern kommt für den Sarg muléskĕro ker, d. h. »Totenhaus«, vor neben muléskĕri kistari, d. h. »Totenkiste«, oder _muléskéro rukk_, d. h. »Totenbaum« (»weil vormals ein ausgehöhlter Baum als Sarg diente«); s. Liebich, S. 147 u. 234; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1759: ([16] auf S. 65.34) S. dazu die Zusammenstzgn.: Koelebossert = »Teufelsbraten«, Koeleklettert = »Teufelstisch« (?) u. Koelesgroenert (d. h. eigtl. »Teufelskraut«) = Unkraut (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); eine Ableitg. davon ist das Adj. koelich = teuflisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Pfulld. J.-W.-B. 345 (Kohle = Teufel, kohlezopfen_ = »Teufelholen«); Schwäb. Händlerspr. 487 (Kôle, Koule [od. Quane] = Teufel). Sonst m. Wiss. unbekannt. Die Etymologie des Wortes ist unsicher. Bei der Form Ko(h)le könnte man ja allenfalls an eine Metapher mit Bez. auf die (kohl)schwarze Farbe des Teufels denken (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 66); nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 575 (unter »Kole« I) liegt dagegen — ebenso wie bei Quane in der schwäb. Händlerspr. (s. Sp. 889) — vielleicht eine koseformartige Verunstaltung des Eigennamens Konrad vor, der (gleich verschiedenen anderen Eigennamen) in manchen Gegenden für den Teufel vorkommt (vgl. dazu Fischer, a. a. O. IV, Sp. 608 unter »Konrad«, Nr. 4 vbd. mit Wackernagel, Kleinere Schriften [Leipz. 1872 ff.], Bd. III, S. 151/52 u. O. Meisinger, die Appellativnamen in den hochd. Mundarten [Progr.] I [Lörrach 1904], S. 15, 16).]

[Fußnote 1760: ([17] auf S. 65.34) S. Adler u. Abendessen; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1761: ([18] auf S. 65.34) S. Eber.]

[Fußnote 1762: ([19] auf S. 65.34) S. abwaschen.]

[Fußnote 1763: ([20] auf S. 65.34) S. Gemüse.]

[Fußnote 1764: ([21] auf S. 65.34) S. Amme.]

[Fußnote 1765: ([22] auf S. 65.34) S. (betr. Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. Schure) abbiegen.]

[Fußnote 1766: ([23] auf S. 65.34) S. Entenstall.]

Schädel, Ki(e)bes[1767] [65.35]

Schaf, Jerusalemsfreund[1768]

Schafbock, grandich Jerusalemsfreund[1769]

Schäfer, Jerusalemsfreundschure[1770]

Schäferhund, Jerusalemsfreundkib[1771]

Schäferin, Jerusalemsfreundmos(s)[1772]

Schäferknecht, Jerusalemsfreundschenegler[1773]

Schafhirt s. Schäfer

Schafstall, Jerusalemsfreundstenkert[1766]

Schale (Schüssel), Schottel[1752]

Scham, (weibliche), Geschmu, G'schmui[1774]

schamhaft, dof[1756]

schamlos, schofel[1775]

schauen, linzen[1776]

Schauspieler s. Komödiant

Schauspielhaus, Schnurrantekitt[1777]; vgl. Komödienhaus

Scheit, Scheitholz, Spraus[1778]

schelten, stämpfen[1779]

Schemel, Sitzleng[1780]

Schenke, Beiz, Kober[1781]

Schenkel, Tritt[1782]

schenken s. beschenken

Schenkwirt, Beizerer, Koberer; Schenkwirtin, Beizere, Kobere[1781]

Scheune, Schaffel (Dimin.: Schaffelle [Spr.])[1783]

[Fußnote 1767: ([24] auf S. 65.35) S. Angesicht.]

[Fußnote 1768: ([25] auf S. 65.35) S. Hammel.]

[Fußnote 1769: ([26] auf S. 65.35) S. (betr. grandich) Adler; vgl. auch Bischof.]

[Fußnote 1770: ([27] auf S. 65.35) S. Anm. 1765 a. E.]

[Fußnote 1771: ([28] auf S. 65.35) S. Haushund.]

[Fußnote 1772: ([29] auf S. 65.35) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1773: ([30] auf S. 65.35) S. abschaffen.]

[Fußnote 1774: ([31] auf S. 65.35) S. Glied (weibliches).]

[Fußnote 1775: ([32] auf S. 65.35) S. arg.]

[Fußnote 1776: ([33] auf S. 65.35) S. anschauen.]

[Fußnote 1777: ([34] auf S. 65.35) S. Äquilibrist u. Abort.]

[Fußnote 1778: ([35] auf S. 65.35) S. Baumholz.]

[Fußnote 1779: ([36] auf S. 65.35) S. Ärger.]

[Fußnote 1780: ([37] auf S. 65.35) S. Bank.]

[Fußnote 1781: ([38] auf S. 65.35) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 1782: ([39] auf S. 65.35) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1783: ([40] auf S. 65.35) Zu Schaffel = Scheune (Schuppen, Speicher, Tenne), Dimin.: Schaffelle (Spr.), vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Schaffel[e] = Scheuer); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Schafell_ = Scheune). Im sonst. Rotw. findet sich (in älterer Zeit) die Form Schabelle(n) — für Scheune, »Stadel« u. dgl. = (s. z. B. Hempel 1687 [169]; Waldheim. Lex. 1726 [188]; Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [251] u. a. m.), später auch Schowelle (s. z. B Pfister bei Christensen 1814 [330]; v. Grolman 63 u. T.-G. 118; Thiele 311), Schabolle, Schapolle, Schewelle u. ä. (s. A.-L. 598 unter »Schibboles«). Ob auch das gleichbed. Schambutter (so z. B. schon im W.-B. des Konst. Hans 258 sowie im 19. Jahrh.) nur eine Weiterbildung desselben Stammes ist, wage ich nicht zu entscheiden; wegen der abweichenden Bedeutung zu trennen dürften dagegen wohl sein Schaffel (Schaffehl oder Schaffihl) = Schüssel (z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [328] und v. Grolman 58 u. T.-G. 120) bezw. Schaffel = Schlüssel (z. B. bei Falkenberg 1818 [334]). Etymologie: Der Ausdruck darf wohl mit A.-L. 598 hergeleitet werden vom hebr. schibbôlet = Ähre (Kornähre), woraus die Begriffserweiterung zu »Scheune« u. dgl. unschwer zu erklären ist.]

schießen, schnelle[1784] [65.36]

Schießgewehr, Klass[1785], Schnelle[1784]

Schießhaus, Klasskitt[1786]

Schießpulver, Kuiete[1787]

Schilf, Flu(h)tekupfer (d. h. »Wassergras«)[1788]

Schimmel, Trabert[1789]; vgl. die Bemerkung unter »Rappe«

schimpfen, stämpfen[1779]

Schinken, Schwärzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch-] fleisch«)[1790]

Schirm (bes. Regenschirm), Dächle (Spr.)[1791], Flotscher od. Pflotscher(t) (Spr.)[1792]

Schirmflicker(in), Dächlespflanzer(in) od. Pflotscherpflanzer(in) (Spr.)[1793]

[Fußnote 1784: ([41] auf S. 65.36) S. abschießen.]

[Fußnote 1785: ([42] auf S. 65.36) S. Büchse.]

[Fußnote 1786: ([43] auf S. 65.36) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1787: ([44] auf S. 65.36) S. Mastpulver.]

[Fußnote 1788: ([45] auf S. 65.36) S. abbrühen u. Frucht.]

[Fußnote 1789: ([46] auf S. 65.36) S. Füllen.]

[Fußnote 1790: ([47] auf S. 65.36) S. Ofenruß u. Aas — An das in Schwär(z)ling steckende »schwarz« erinnert auch die Ausdrucksweise der Zigeuner, die den Schinken (nach Liebich, S. 135 u. 236) durch gālo mass, d. h. »schwarzes (geräuchertes) Fleisch«, od. baléskĕro méllelo mass, d. h. »schwarzes Schweinefleisch«, umschreiben.]

[Fußnote 1791: ([48] auf S. 65.36) Zu Dächle = (Regen-)Schirm s. die Zus.: Dächlespflanzer(in) = Schirmflicker(in) (u. dazu Dächlespflanzerulma = Schirmflickerleute) u. Dächlesrande = Schirmsack (sämtl. in den Spr.). Der (in den Geheimsprachen sonst m. Wiss. nicht gebräuchl.) Ausdruck ist wohl nur eine Weiterbildung (verkleinerte Verkürzung) des (neueren) volkstüml. »Regendach« für Regenschirm (vgl. dazu Grimm, D. W.-B. VIII, Sp. 519).]

[Fußnote 1792: ([49] auf S. 65.36) S. Fisch.]

[Fußnote 1793: ([50] auf S. 65.36) S. (betr. -pflanzer[in]) anbrennen.]

Schirmflickerleute, Dächlespflanzerulma (Spr.)[1794] [65.37]

Schirmsack, Dächlesrande (Spr.)[1795]

schlachten, deisen[1796], kaflere[1797]

Schlächter, Kafler

Schlachthaus, grandich Kaflerskitt[1798]

schlafen, durme[1799], schlaune[1800]

schläfrig, durmerich[1799], schlaunerich[1800]

Schläge, Doge[1801], Guffe[1802], Stenze[1803]; vgl. Prügel

schlagen, dogen[1801], guffen[1802], koberen[1804], stenzen[1803]; vgl. prügeln

Schlägerei, Gufferei[1802], Hamore[1805], Stenzerei[1803]

Schlamm, Flu(h)tefu(h)l od. Flu(h)teschund (d. h. eigtl. »Wasserdreck«)[1806]

schlau, kochem[1807]

schlecht, schofel[1808]

[Fußnote 1794: ([51] auf S. 65.37) S. (betr. Ulma) arme Leute.]

[Fußnote 1795: ([52] auf S. 65.37) S. Bauch.]

[Fußnote 1796: ([53] auf S. 65.37) S. ermorden.]

[Fußnote 1797: ([54] auf S. 65.37) S. Fleischer.]

[Fußnote 1798: ([55] auf S. 65.37) S. (betr. Kitt) Abort; vgl. Metzgerhaus.]

[Fußnote 1799: ([56] auf S. 65.37) S. aufwachen.]

[Fußnote 1800: ([57] auf S. 65.37) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1801: ([58] auf S. 65.37) S. abgeben.]

[Fußnote 1802: ([59] auf S. 65.37) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1803: ([60] auf S. 65.37) S. Ast.]

[Fußnote 1804: ([61] auf S. 65.37) S. dazu verkobere = verhauen. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343, 345 (koberen = auspeitschen, prügeln, schlagen, makoberen od. mulkobern = totschlagen [s. betr. mul = tot (aus dem Zigeun.): Groß' Archiv, Bd. 46, S. 81], Koberei = Schlag, Streich); _Schwäb. Händlerspr. 486 (Koprement[e]_ = Schläge). Im sonst Rotw. selten; s. jedoch z. B. noch v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 (312: _Koberment gedockt = Schläge gegeben). Die Etymologie_ ist zweifelhaft. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 627 hat zu Koprement das ital. coprire = »zudecken« (mit einem Fragezeichen) herangezogen. Nach Grimm, D. W.-B. V, Sp. 1546, Nr. 3, lit. g u. Sp. 1547 soll das in deutschen Mundarten verbreitete kobern = »durchprügeln« (auch _Kober kriegen_ = »Prügel kriegen« u. ä. m.) entstanden sein aus dem latein. recuperare = »sich erholen« (vielleicht in scherzhafter Anwendung), das jedoch zugleich wohl auch mit einem abgestorbenen germanischen Stamm verwachsen sei.]

[Fußnote 1805: ([62] auf S. 65.37) S. Fehde.]

[Fußnote 1806: ([63] auf S. 65.37) S. abbrühen u. Abort bezw. abgerahmte Milch. — Bei den Zigeunern wird der Schlamm (nach Liebich, S. 164 u. 236 durch sāno tschikk, d. h. »dünner Schmutz«, umschrieben.]

[Fußnote 1807: ([64] auf S. 65.37) S. besonnen.]

[Fußnote 1808: ([65] auf S. 65.37) S. arg.]

schließen, beschrenken[1809] [65.38]

Schließer, Beschrenker

Schlosser, Glitschinpflanzer[1810]

Schloß (Gebäude), dofe Kitt (d. h. »schönes Haus«)[1811]

schluchzen, glemsen[1812]

schlummern, durme[1813], schlaune[1814]

Schlüssel, Glitschin[1815]

Schmach, Lenk, Schofel (subst. Adj.)[1816]

schmähen, stämpfen od. stumpfen[1817]

Schmäher, Stämpfer

Schmalz, Schmunk[1818]

schmalzen, schmunken

Schmaus, Bikus, Butterei, Kahlerei[1819]

schmausen, achilen[1820], biken, butten[1819]

schmecken, (= riechen), muffen[1821]

schmeißen, plotzen[1822]

schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), schmunken[1818]

Schmiere, Schmunk[1818]

schmierig, schundich[1823]

Schmutz, Schund[1823]

schmutzig, schundich od. schondich (Spr.)

Schnabel, Muffer[1821]

Schnaps s. Branntwein

Schnauze, Giel[1824]

Schneider, Stichler; Schneiderin, Stichlere[1825]

[Fußnote 1809: ([66] auf S. 65.38) S. abschließen.]

[Fußnote 1810: ([67] auf S. 65.38) S. Dietrich u. anbrennen.]

[Fußnote 1811: ([68] auf S. 65.38) S. angenehm u. Abort.]

[Fußnote 1812: ([69] auf S. 65.38) S. ausweinen.]

[Fußnote 1813: ([70] auf S. 65.38) S. aufwachen.]

[Fußnote 1814: ([71] auf S. 65.38) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1815: ([72] auf S. 65.38) S. Dietrich.]

[Fußnote 1816: ([73] auf S. 65.38) S. (zu beiden Ausdr.) arg; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 8, Anm. 20.]

[Fußnote 1817: ([74] auf S. 65.38) S. Ärger.]

[Fußnote 1818: ([75] auf S. 65.38) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1819: ([76] auf S. 65.38) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 1820: ([77] auf S. 65.38) S. essen.]

[Fußnote 1821: ([78] auf S. 65.38) S. Aas.]

[Fußnote 1822: ([79] auf S. 65.38) S. bewerfen.]

[Fußnote 1823: ([80] auf S. 65.38) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1824: ([81] auf S. 65.38) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1825: ([82] auf S. 65.38) S. aufnähen.]

Schneidersfrau, Stichlersmos(s)[1826] [65.39]

schnupfen, Toberich muffe (d. h. »Tabak riechen«)[1827]

schön, dof[1828]

Schoppen, Glansert[1829], Nolle[1830]

Schoppenglas, Blambglansert (d. h. »Bierglas«)[1829]

Schreck(en), Bauser[1831]

schreiben, feberen[1832]

Schreiben (= Schreiberei, Schrift), Feberei[1832], (= Brief), Kritzler[1833]

Schreiber, Feberer

Schreibtisch, Feberklettert[1834]

schreien, glemsen[1835]

Schrift, Feberei[1832], Kritzler[1833]

Schriftgelehrter, grandich Feberer[1836]

schriftlich, gefebert (d. h. »geschrieben«)[1832]

Schuh, Tritt[1837], Trittling[1838]

Schuhmacher, Trittlengspflanzer[1839]

[Fußnote 1826: ([83] auf S. 65.39) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 1827: ([84] auf S. 65.39) S. Pfeife u. Aas. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 160, 238 u. 244 (me sungāwa tuwăli, d. h. »ich rieche Tabak«, = ich schnupfe.)]

[Fußnote 1828: ([85] auf S. 65.39) S. angenehm.]

[Fußnote 1829: ([86] auf S. 65.39) S. Bierglas.]

[Fußnote 1830: ([87] auf S. 65.39) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1831: ([88] auf S. 65.39) S. Angst.]

[Fußnote 1832: ([89] auf S. 65.39) S. abschreiben; betr. gefebert = schriftlich vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]

[Fußnote 1833: ([90] auf S. 65.39) S. Attest.]

[Fußnote 1834: ([91] auf S. 65.39) Mit Klettert (= Tisch [Tafel]) sind weiter noch zusammengesetzt: a) im Anfang: Klettertpflanzer = Tischler; b) am Ende: Koeleklettert = »Teufelstisch« (?). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Glettert = Tisch); W.-B. des Konst. Hans 259 (Kleppert = Tisch). Zur Etymologie: Ohne Zweifel ist die ältere Form Glettert (aus der durch mundartl. Aussprache leicht Klettert entstehen konnte) richtiger als Kleppert und (wie auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 676 meint) nichts anderes als das ältere Glattert (s. z. B. A. Hempel 1687 [167] u. Waldh. Lex. 1726 [190]), das seinerseits dem noch älteren Glatthart u. ä. (s. Lib. Vagat. 53 u. schon bei G. Edlibach um 1490 [20: Glatthar]) entspricht (mit Bez. auf die Glätte der Tischplatte; vgl. im Pfulld. J.-W.-B. 345: Glatt = Tisch). S. Stumme, S. 24; Günther, Rotwelsch, S. 59; vgl. auch Pott II, S. 34 u. A.-L. IV, S. 282/83 sowie schon »Vorbemerkg.«, S. 10.]

[Fußnote 1835: ([92] auf S. 65.39) S. ausweinen.]

[Fußnote 1836: ([93] auf S. 65.39) S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1837: ([94] auf S. 65.39) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1838: ([95] auf S. 65.39) S. Ferse.]

[Fußnote 1839: ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

Schulden, Bomma[1840], Keif[1841] [65.40]

Schule, Plaudererskitt[1842], auch Plauderei (Spr.)

Schullehrer, Galmeguffer[1843], Plauderer[1842]

Schultheiß, Kritsch, Schar(r)le[1844]

Schuppen, Schaffel[1845]

Schürze, Fürflamme[1846]

Schüssel, Schottel[1847]

Schuster s. Schuhmacher

Schustersfrau, Trittlingpfanzersmos(s)[1848]

Schutzmann s. Polizeidiener

schwachsinnig, ni(e)sich, nillich[1849]

Schwalbe, Furschetefläderling (d. h. »Gabelvogel«, nach der gabelförmigen Gestalt des Schwanzes)[1850]

Schwan, grandich Babing od. Strohbutzer (d. h. etwa »[sehr] große Gans«)[1851]

schwanger, grandiche Rande (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[1852]

schwanger gehen, grandiche Rande bosten[1853]

Schwarzbrot, Schoflelehm od. Schofellechem (Spr.) (d. h. »schlechtes Brot«)[1854]

Schwarzkünstler, Finkelkaffer[1855]

Schwätzer, Schmuser[1856]

schweigen, (sich) schupfen, sich aufschupfen (schweig still, schupfte [Spr.], schupf dich [auf])[1857]

[Fußnote 1840: ([97] auf S. 65.40) S. borgen.]

[Fußnote 1841: ([98] auf S. 65.40) S. Borg (auf —)]

[Fußnote 1842: ([99] auf S. 65.40) S. Lehrer u. Abort.]

[Fußnote 1843: ([100] auf S. 65.40) S. brauchbares Kind u. aufschlagen; vgl. Lehrer.]

[Fußnote 1844: ([101] auf S. 65.40) S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.]

[Fußnote 1845: ([102] auf S. 65.40) S. Scheune.]

[Fußnote 1846: ([103] auf S. 65.40) S. Frauenschürze.]

[Fußnote 1847: ([104] auf S. 65.40) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1848: ([105] auf S. 65.40) S. Ferse, anbrennen u. Bauernfrau.]

[Fußnote 1849: ([106] auf S. 65.40) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1850: ([107] auf S. 65.40) S. Gabel u. Adler. — Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (forschettākro tschirkŭlo, d. h. »Gabelvogel«, — neben forschettākri porin, d. h. »Gabelschwanz«); s. Liebich, S. 135 u. 239.]

[Fußnote 1851: ([108] auf S. 65.40) S. Adler u. Gans; vgl. Bischof. — Dieselbe Art der Umschreibung kennen die Zigeuner; s. Liebich, S. 239 (bāri pāpin, d. h. »große Gans« = Schwan); vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1852: ([109] auf S. 65.40) S. Adler u. Bauch.]

[Fußnote 1853: ([110] auf S. 65.40) S. (betr. bosten) abgehen.]

[Fußnote 1854: ([111] auf S. 65.40) S. arg u. Bäcker.]

[Fußnote 1855: ([112] auf S. 65.40) S. behext u. Bauer.]

[Fußnote 1856: ([113] auf S. 65.40) S. ansagen.]

[Fußnote 1857: ([114] auf S. 65.40) S. aufhören.]

Schwein, Balo, Groenikel[1858] [65.41]

Schweinefleisch, Groenikelbossert[1859]

Schweinehändler, Groenikelkemerer[1860]

Schweinehirt s. Sauhirt

Schweinemetzger, Groenikelkafler[1861]

Schweinestall s. Saustall.

Schweinezitzen, Groenikelschwächerle[1862]

Schweinsborsten, Groenikelstrauberts[1863]

Schwert, Latt[1864]

Schwester, Glied[1865], Model[1866]; vgl. Geschwister

Schwiegersohn s. Tochtermann.

Schwindsucht, grandich Begerisch[1867]

schwitzen (ich schwitze, Flu[h]te bostet mer herab, d. h. »das Wasser läuft mir herab«)[1868]

See, Flu(h)te[1868]

Seehund, Flu(h)tekib[1869]

sehen, linzen[1870]

sei ruhig (still) s. schweigen

Seiltänzer, Schnurrant[1871]

Semmel (Weck), Kechelte[1872]

Sense, Kupfersore (d. h. etwa »Grasding«)[1873]

Sessel, Sitzleng[1874]

[Fußnote 1858: ([115] auf S. 65.41) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]

[Fußnote 1859: ([116] auf S. 65.41) S. (betr. Bossert) Aas.]

[Fußnote 1860: ([117] auf S. 65.41) S. abkaufen.]

[Fußnote 1861: ([118] auf S. 65.41) S. Fleischer.]

[Fußnote 1862: ([119] auf S. 65.41) S. Amme.]

[Fußnote 1863: ([120] auf S. 65.41) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 1864: ([121] auf S. 65.41) S. Degen.]

[Fußnote 1865: ([122] auf S. 65.41) S. Bruder.]

[Fußnote 1866: ([123] auf S. 65.41) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1867: ([124] auf S. 65.41) S. Adler u. absterben; vgl. Bischof; s. auch (betr. die Substantivierung des Adj) »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1868: ([125] auf S. 65.41) S. abbrühen u. abgehen. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. das Näh. schon in der »Vorbemerkg«, S. 17, Anm. 44 a. E. vbd. mit Liebich, S. 240 (unter »schwitzen«).]

[Fußnote 1869: ([126] auf S. 65.41) S. (betr. Kib) Haushund.]

[Fußnote 1870: ([127] auf S. 65.41) S. anschauen.]

[Fußnote 1871: ([128] auf S. 65.41) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 1872: ([129] auf S. 65.41) S. Milchbrötchen.]

[Fußnote 1873: ([130] auf S. 65.41) S. Frucht u. Brücke. — Im Zigeun. heißt (nach Liebich, S. 164 u. 240) die Sense _kasséskĕri tschinamáskĕri, d. h. »ein Heuschneideding« (zu kass_ = Heu), od. wohl auch bloß tschinamáskĕri.]

[Fußnote 1874: ([131] auf S. 65.41) S. Bank.]

Seuche, Begerei[1875] [65.42]

Siechenhaus s. Krankenhaus; vgl. Spital

Siechtum, Begerisch[1875]

Signalement, Giel (d. h. »Gesicht«)[1876]

singen, schallen[1877]

Singvogel, Schallerfläderling[1878]

sinnlos, ni(e)sich, nillich[1879]

sittsam, dof[1880]

sitzen (niedersitzen), hauren[1881], schef(f)ten[1882]

Socken, Kafferstreifling (d. h. »Männerstrümpfe«)[1883]

Sohn, Bengesle[1884], Fi(e)sele[1885], Freierle[1886], auch Glied[1887]

Sold, Bich[1888], Lobe[1889], Pfreimerei[1890]

Soldat, Lanenger[1891]

Soldaten, Lanengere

Soldatenfrau, Lanengermos(s)[1892]

Soldatenmütze, Lanengeroberman(n)[1893]

Soldatenwirtschaft, Lanengerbeiz od. -kober[1894]

Sonntag, Bossertschei (d. h. »Fleischtag«)[1895] od. Weisleng[1896]

Sorge, Bauser[1897]

[Fußnote 1875: ([132] auf S. 65.42) S. absterben.]

[Fußnote 1876: ([133] auf S. 65.42) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1877: ([134] auf S. 65.42) S. absingen.]

[Fußnote 1878: ([135] auf S. 65.42) S. (betr. Fläderling) Adler.]

[Fußnote 1879: ([136] auf S. 65.42) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1880: ([137] auf S. 65.42) S. angenehm.]

[Fußnote 1881: ([138] auf S. 65.42) S. elend.]

[Fußnote 1882: ([139] auf S. 65.42) S. daher (a. E.)]

[Fußnote 1883: ([140] auf S. 65.42) S. Bauer u. Fußlappen.]

[Fußnote 1884: ([141] auf S. 65.42) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1885: ([142] auf S. 65.42) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1886: ([143] auf S. 65.42) S. Fremder.]

[Fußnote 1887: ([144] auf S. 65.42) S. Bruder.]

[Fußnote 1888: ([145] auf S. 65.42) S. Almosen.]

[Fußnote 1889: ([146] auf S. 65.42) S. Bank.]

[Fußnote 1890: ([147] auf S. 65.42) S. abzahlen.]

[Fußnote 1891: ([148] auf S. 65.42) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1892: ([149] auf S. 65.42) S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.]

[Fußnote 1893: ([150] auf S. 65.42) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1894: ([151] auf S. 65.42) S. Gasthaus.]

[Fußnote 1895: ([152] auf S. 65.42) S. Aas u. alltäglich. — Auch die Zigeuner kennen für Sonntag (neben dem einfachen gurko) die Umschreibung más(s)elo diwes, d. h. ebenfalls »Fleischtag« (s. Liebich, S. 145, 190 u. 241 sowie Finck, S. 55 u. 72), weil an diesem Tage ausnahmsweise »Fleisch aufgetragen zu werden pflegt« (Liebich, S. 85); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1896: ([153] auf S. 65.42) S. Feiertag.]

[Fußnote 1897: ([154] auf S. 65.42) S. Angst.]

spähen, linzen[1898] [65.43]

Spätzle (schwäb. Mehlspeise), Hegesle (Spr.)[1899]

Spätzlessuppe, Hegesleschnall (Spr.)[1900]

spazieren (gehen), bosten[1901]

Speck, Schmunkbossert (d. h. »Fettfleisch«)[1902]

Speicher, Schaffel[1903]

Speise, Bikus[1904]

Speisen (das), Achilerei[1905], Bikerei, Butterei, Kahlerei[1904].

sperren (schließen), beschrenken[1906]

Spiegel, Linzer[1898]

Spiel (Musik), Niklerei[1907]

spielen (musizieren), niklen

Spieler (Musikant), Nikler

Spital, Begerkitt[1908]

Splitter, Spräusle[1909]

sprechen, dibere[1910], schmusen[1911]

Sprecher, Diberer, Schmuser

Spuk (Gespenst), Schuberle[1912]

Staar, Fläderling[1913]

Stab, Spraus[1909]

Stachel, Stupfle[1914]

Stadt, Steinhäufle[1915]

[Fußnote 1898: ([155] auf S. 65.43) S. anschauen.]

[Fußnote 1899: ([156] auf S. 65.43) S. Knödel.]

[Fußnote 1900: ([157] auf S. 65.43) S. (betr. Schnall) Metzelsuppe.]

[Fußnote 1901: ([158] auf S. 65.43) S. abgehen.]

[Fußnote 1902: ([159] auf S. 65.43) S. Bratkartoffeln u. Aas.]

[Fußnote 1903: ([160] auf S. 65.43) S. Scheune.]

[Fußnote 1904: ([161] auf S. 65.43) S. Abendessen.]

[Fußnote 1905: ([162] auf S. 65.43) S. essen.]

[Fußnote 1906: ([163] auf S. 65.43) S. abschließen.]

[Fußnote 1907: ([164] auf S. 65.43) S. aufspielen.]

[Fußnote 1908: ([165] auf S. 65.43) S. absterben u. Abort.]

[Fußnote 1909: ([166] auf S. 65.43) S. Baumholz.]

[Fußnote 1910: ([167] auf S. 65.43) S. anreden.]

[Fußnote 1911: ([168] auf S. 65.43) S. ansagen.]

[Fußnote 1912: ([169] auf S. 65.43) S. Gespenst.]

[Fußnote 1913: ([170] auf S. 65.43) S. Adler.]

[Fußnote 1914: ([171] auf S. 65.43) S. Dorn; vgl. Igel.]

[Fußnote 1915: ([172] auf S. 65.43) Mit Steinhäufle sind zusammengesetzt: a) im Anfang: Steinhäuflesulme = Städter; b) _am Ende: Patrissteinhäufle = Vaterstadt u. Vorsteinhäufle_ = Vorstadt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Steinhäufle = Stadt); Pfulld. J.-W.-B. 345 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr. 486 (desgl., nur in Wolfach_ auch = Dorf [s. 480]). Zur Etymologie (Dimin. von dem humorist., im Rotw. schon seit dem 18. Jahrh. [s. z. B. Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (232)] auftretenden Ausdr. Steinhaufen = Stadt [s. A.-L. 611]) vgl. Näh. noch (z. B. auch über Verbindgn. u. Zus. mit dem Worte zur Bezeichnung _bestimmter Städte) bei Günther_ in der Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. IV (1906), S. 122/23. — Nach Wittichs »Einleitung«, S. 27 soll für Steinhäufle im Jenischen früher Mogumle od. Mokem gebräuchlich gewesen u. Mochum sogar noch jetzt üblich sein, obwohl es mehr für »Dorf« vorzukommen scheint; vgl. Näh. unter »Dorf«.]

Städter, Steinhäuflesulme[1916] [65.44]

Stall, Stenkert[1917]

Stamm, Stöberspraus[1918]

Stange, grandicher Spraus (d. h. etwa »langes Holz«)[1919]

starr, begert (d. h. »gestorben«, »tot«)[1920]

Starrkopf (Dickkopf), grandicher Ki(e)bes[1921]

stechen, dupfen[1922]

Steckbrief, lenker od. schofler Kritzler (d. h. »schlechter Brief«)[1923] oder auch Sprauskritzler (d. h. eigentl. »Holzbrief«)[1924]

[Fußnote 1916: ([173] auf S. 65.44) S. (betr. Ulme) arme Leute.]

[Fußnote 1917: ([174] auf S. 65.44) S. Entenstall.]

[Fußnote 1918: ([175] auf S. 65.44) S. Apfelbaum u. Baumholz. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 242 (rukkéskĕro gascht, eigtl. etwa »Baumholz«, = Stamm).]

[Fußnote 1919: ([176] auf S. 65.44) S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof. — Vgl. i. d. Zigeunerspr.: bāro sāno gascht, d. h. »großes (langes) dünnes Holz«, = Stange; s. Liebich, 242.]

[Fußnote 1920: ([177] auf S. 65.44) S. absterben. — Vgl. auch im Zigeun.: mulo (eigtl. »tot«) = starr (Liebich, S. 242).]

[Fußnote 1921: ([178] auf S. 65.44) S. betr. (Ki[e]bes) Angesicht. — Vgl. im Zigeun.: pesso schēro, d. h. »Dickkopf«, = Starrkopf (Liebich, S. 242).]

[Fußnote 1922: ([179] auf S. 65.44) Zu dupfen = stechen (auch als Subst. Dupfen = Stich, das Stechen) s. d. Zus. Dupfsins = Wundarzt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (vertupfen = verstechen); Schöll 271 (verdupfen = erstechen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 346 (dupfen = verstechen, verlupfen [lies: verdupfen] = erstechen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 u. 75 (dupfen = stechen, tupfen = erstechen); Schwäb. Händlerspr. 486 (dupfen = stechen). Auch sonst noch im (neueren) Rotw. gebr. (s. z. B. Schintermicherl 1807 (288: tupfen = stechen], _Pfister bei Christensen 1814 [319: dupfen = stechen] u. a. m.). Zur Etymologie_ (von unserem gemeinspr., bes. in Süddeutschl. gebräuchl. Zeitw. tupfen = »gelinde spitz anstoßen«) s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 472-73 (unter »tupfen«) vbd. mit Weigand, W.-B. II, Sp. 1088; vgl. auch Schmeller, W.-B. I, Sp. 615.]

[Fußnote 1923: ([180] auf S. 65.44) S. arg u. Attest.]

[Fußnote 1924: ([181] auf S. 65.44) Vgl. (betr. Spraus) Anm. 1909. — Es handelt sich hierbei um ein Wortspiel, indem man das »Steck-« in Steckbrief als »Stecken« (= Stock, Holz) aufgefaßt und dann ins Jenische übersetzt hat (vgl. Stock). Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 242 u. Finck, S. 70 (gaschtĕno [od. kašteno] līl, d. h. eigtl. »hölzerner Brief« od. »Steck¶en¶brief«, = Steckbrief neben gālo [od. kālo] līl, d. h. eigtl. »schwarzer Brief«); vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 46 u. 47.]

Stecken s. Stock [65.45]

Steg, Strade[1925]

stehlen, schniffen[1926], schoren od. z'schoren (Spr.)[1927]

Stein, Hertling[1928], Kies[1929]

steinern, kiesich[1929]

Steineule, Begerfläderling (d. h. »Totenvogel«)[1930]; vgl. Käuzchen

Steinhauer, Steinmetz, Hertlingsguffer oder Kiesguffer[1931]

Steinklopfer s. Steinhauer

Sterbebett, Begersauft[1932]

Sterbekleid, Begerkluft[1933]

sterben, begeren[1932]

Sterben (das), Begerei

sterblich, begerisch

Stern, Leileschei (d. h. »Nachtlicht«)[1934]; vgl. Mond

Sternschnuppe, Leileschei-Schund (d. h. »Nachtlichtschmutz«)[1935]

Steuern, Bleisgeren[1936], Pfreimen[1937]

Stich (= »das Stechen«), Dupfen[1938]

Stiefel, Trittleng[1939]

Stiefkind, Schoflergalm[1940]

[Fußnote 1925: ([182] auf S. 65.45) S. Chaussee.]

[Fußnote 1926: ([183] auf S. 65.45) S. anfassen.]

[Fußnote 1927: ([184] auf S. 65.45) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1928: ([185] auf S. 65.45) S. Gestein.]

[Fußnote 1929: ([186] auf S. 65.45) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1930: ([187] auf S. 65.45) S. absterben u. Adler; betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunern s. Käuzchen.]

[Fußnote 1931: ([188] auf S. 65.45) S. (betr. -guffer) aufschlagen.]

[Fußnote 1932: ([189] auf S. 65.45) S. (betr. Sauft) Bett.]

[Fußnote 1933: ([190] auf S. 65.45) S. ankleiden.]

[Fußnote 1934: ([191] auf S. 65.45) S. Abend u. alltäglich.]

[Fußnote 1935: ([192] auf S. 65.45) S. (betr. Schund) abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1936: ([193] auf S. 65.45) S. anzahlen.

[Fußnote 1937: ([194] auf S. 65.45) S. abzahlen. — Beide Ausdr. bedeuten eigentl. nur »das Bezahlen«; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 35. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 242: pleisserpenn, d. h. »die Bezahlung«, = Steuer.]

[Fußnote 1938: ([195] auf S. 65.45) S. stechen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 35.]

[Fußnote 1939: ([196] auf S. 65.45) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1940: ([197] auf S. 65.45) S. arg u. brauchbares Kind.]

Stiefmutter, Schoflemamere[1941] [65.46]

Stiefvater, Schoflerpatris[1942]

Stier, Hornigel (sic)[1943]

still schweigen (still sein) s. schweigen

stinken, muffen[1944]

stinkend, muffich (mufig)

Stirn, Ki(e)bis (sic)[1945]

Stock (Stecken), Spraus[1946], Sprate, Stenz[1947]

Stockmacher, Sprauspflanzer[1948]

stolz sein, grandiche pflanzen (d. h. »den Großen machen«, »den großen Herrn spielen«)[1949]

Storch, grandich Flederling (wohl = »der größte Vogel«)[1950]

Strafe, Strupf[1951]; Strafe bezahlen, Strupf bereimen[1952]

strafen s. bestraft

Straße, Strade[1953]

Straßenarbeiter, Stradeschenegler[1954]

Straßenwärter, Stradebenk[1955]

Streichhölzer s. Zündhölzer

Streit, Hamore, More[1956]

Streiten (das), Morerei

streng, lenk, schofel[1957]

Streu, Rauschert[1958]

[Fußnote 1941: ([198] auf S. 65.46) S. (betr. Mamere) Amme]

[Fußnote 1942: ([199] auf S. 65.46) S. Eltern.]

[Fußnote 1943: ([200] auf S. 65.46) S. Bulle.]

[Fußnote 1944: ([201] auf S. 65.46) S. Aas.]

[Fußnote 1945: ([202] auf S. 65.46) S. Angesicht.]

[Fußnote 1946: ([203] auf S. 65.46) S. Baumholz.]

[Fußnote 1947: ([204] auf S. 65.46) S. (zu beiden Ausdr.) Ast.]

[Fußnote 1948: ([205] auf S. 65.46) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1949: ([206] auf S. 65.46) S. (betr. grandiche) Adler.]

[Fußnote 1950: ([207] auf S. 65.46) S. Adler; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1951: ([208] auf S. 65.46) S. bestraft.]

[Fußnote 1952: ([209] auf S. 65.46) S. (betr. bereimen) bezahlen.]

[Fußnote 1953: ([210] auf S. 65.46) S. Chaussee.]

[Fußnote 1954: ([211] auf S. 65.46) S. (betr. Schenegler) abschaffen.]

[Fußnote 1955: ([212] auf S. 65.46) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1956: ([213] auf S. 65.46) S. Fehde.]

[Fußnote 1957: ([214] auf S. 65.46) S. arg.]

[Fußnote 1958: ([215] auf S. 65.46) Zu Rauschert = Streu, Stroh (Zus.: Rauschertsauft = Streu- od. Strohlager, Strohbett) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Rauscher = Stroh); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Rauschet = Stroh, Rauschkitt = Strohhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Rauscher); Schwäb. Händlerspr. 487 (Rauschet). Auch sonst im Rotw. schon früh (seit d. Basl. Betrügnissen um 1450 [16: Ruschart = Strohsack] u. Lib. Vagat. 54 [Rauschart, Bedtg. ebenso]) weit verbreitet. Zur Etymologie (vom »Rauschen« des Strohs) s. Pott II, S. 34; A.-L. 590; Stumme, S. 15, 21; Günther, Rotwelsch, S. 59.]

Streulager, Rauschertsauft[1959] [65.47]

Stroh, Rauschert

Strohbett (Strohlager), Rauschertsauft

Strom, Flu(h)te[1960]

Strumpf, Streifling (plur.: Streiflinge)[1961]

Strumpfwirker, Streiflingpflanzer[1962]

Stube, Schrende[1963]

Stuhl, Sitzling[1964]

stumm sein, nobis dibere od. schmuse[1965] (d. h. »nicht[s] sprechen«)[1966]

Stundenfrau (Methodistin), Blibelmos(s)[1967]

Stundenhaus (Methodistenhaus), Blibelkitt[1968]

Stundenleute (Methodisten), Blibelulme[1969]

Stundenmann (Methodist), Blibelkaffer[1970]

Stute, Trabertmoss (d. h. eigtl. »Pferdefrau«, weibliches Pferd)[1971]; vgl. Hengst

Summe, Bich[1972], Lobe[1973]

Suppe, Schnall[1974]

Süßigkeit, Süs(s)ling[1975]

[Fußnote 1959: ([216] auf S. 65.47) S. (betr. Sauft) Bett.]

[Fußnote 1960: ([217] auf S. 65.47) S. abbrühen.]

[Fußnote 1961: ([218] auf S. 65.47) S. Fußlappen.]

[Fußnote 1962: ([219] auf S. 65.47) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 1963: ([220] auf S. 65.47) S. Frauenstube.]

[Fußnote 1964: ([221] auf S. 65.47) S. Bank.]

[Fußnote 1965: ([222] auf S. 65.47) S. Dietrich u. anreden bezw. ansagen.]

[Fußnote 1966: ([223] auf S. 65.47) Ähnlich auch in der Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 244 (unter »stumm sein«: me naschti rakkerwāwa, d. h. »ich kann nicht reden«).]

[Fußnote 1967: ([224] auf S. 65.47) S. anbeten u. Bauernfrau.]

[Fußnote 1968: ([225] auf S. 65.47) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 1969: ([226] auf S. 65.47) S. arme Leute.]

[Fußnote 1970: ([227] auf S. 65.47) S. Bauer.]

[Fußnote 1971: ([228] auf S. 65.47) S. Füllen u. Bauernfrau. — Betr. Analogie in der Zigeunerspr. s. schon oben unter »Hengst«.]

[Fußnote 1972: ([229] auf S. 65.47) S. Almosen.]

[Fußnote 1973: ([230] auf S. 65.47) S. Bank.]

[Fußnote 1974: ([231] auf S. 65.47) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 1975: ([232] auf S. 65.47) S. Kaffee.]

T. [65.48]

Tabak, Toberich[1976]; Tabak rauchen, dämpfe oder toberiche[1976]; Tabak schnupfen, Toberich muffe (d. h. »Tabak riechen«)[1977]

Tabaksbeutel, Toberichrande[1978] od. Toberichreiber[1979]

Tabakspfeife, Toberichschure[1980] od. auch bloß Toberich

Tafel, Klettert[1981]

Tag, Schei[1982]; Tag und Nacht, Schei und Leile[1983]

Taler, drei Räp(p)le (d. h. »drei Mark«)[1984]

Tand, Nobis (d. h. eigtl. »nichts«)[1985]

Tanne, Jahrestöber od. Kracherstöber (d. h. »Waldbaum«)[1986]

Tante (von väterl. Seite), Patrisglied[1987], (von mütterl. Seite), Mamereglied[1988]; vgl. Oheim u. Neffe

Tanz, Niklerei[1989]

tanzen, nikle

Tänzer, Nikler, fem.: Niklere

Tasche, Rande[1990]

Taschenspieler, Randeschnurrant[1991]

Tasse, Schottel[1992]

Taube, Fläderling[1993]

[Fußnote 1976: ([233] auf S. 65.48) S. Pfeife.]

[Fußnote 1977: ([234] auf S. 65.48) S. Aas; vgl. schnupfen; daselbst auch über die Zigeunersprache.]

[Fußnote 1978: ([235] auf S. 65.48) S. Bauch.]

[Fußnote 1979: ([236] auf S. 65.48) S. Beutel.]

[Fußnote 1980: ([237] auf S. 65.48) S. abbiegen.]

[Fußnote 1981: ([238] auf S. 65.48) S. Schreibtisch.]

[Fußnote 1982: ([239] auf S. 65.48) S. alltäglich.]

[Fußnote 1983: ([240] auf S. 65.48) S. Abend.]

[Fußnote 1984: ([241] auf S. 65.48) S. Mark.]

[Fußnote 1985: ([242] auf S. 65.48) S. Dietrich. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr. nach Liebich, S. 244 (Tschi, d. h. »nichts«, = Tand).]

[Fußnote 1986: ([243] auf S. 65.48) S. Ananas u. Apfelbaum; vgl. dazu auch über die Zigeunerspr. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 1987: ([244] auf S. 65.48) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1988: ([245] auf S. 65.48) S. (betr. Mamere) Amme. — Auch von den Zigeunern wird für »Tante« unterschieden dadéskĕri pēn u. dākri pēn, d. h. »väterliche (des Vaters)« u. »mütterliche (der Mutter) Schwester«; s. Liebich, S. 244; vgl. dazu auch oben die Anm. zu »Oheim«.]

[Fußnote 1989: ([246] auf S. 65.48) S. aufspielen.]

[Fußnote 1990: ([247] auf S. 65.48) S. Bauch.]

[Fußnote 1991: ([248] auf S. 65.48) S. (betr. Schnurrant) Äquilibrist.]

[Fußnote 1992: ([249] auf S. 65.48) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1993: ([250] auf S. 65.48) S. Adler.]

tauglich, dof od. duft[1994], g'want[1995] [65.49]

Teich, Flu(h)te[1996]

Teller, Schottel[1992]

Tempel, Duft[1997]

Tenne, Schaffel[1998]

teuer, grandich[1993]

Teufel, Koele[1999]

Teufelsbraten, Koelebossert[2000]

Teufelstisch (?), Koeleklettert[2001]

teuflisch, koelich[1999]

Theater, Niklerei[1989]

Thee, Süs(s)ling[2002]

Tiegel, Nolle[2003], Russling[2004]

Tisch, Klettert[2001]

Tischler, Klettertpflanzer[2005]

Tochter, Model[2006], auch wohl Glied[2007]

Tochterkind, Modelgalm[2008]

Tochtermann, Modelkaffer[2009]

Tochtersohn, Modelfi(e)sel[2010]

Tollhaus, Ni(e)sekitt, Nilleskitt[2011]

Tollkopf, Ni(e)seki(e)bes, Nilleki(e)bes[2012]

Topf, Nolle[2003]

Töpfer, Nollepflanzer[2005]

Tor, Ni(e)se, Nille[2011]

[Fußnote 1994: ([251] auf S. 65.49) S. angenehm.]

[Fußnote 1995: ([252] auf S. 65.49) S. anmutig.]

[Fußnote 1996: ([253] auf S. 65.49) S. abbrühen.]

[Fußnote 1997: ([254] auf S. 65.49) S. Dom.]

[Fußnote 1998: ([255] auf S. 65.49) S. Scheune.]

[Fußnote 1999: ([256] auf S. 65.49) S. Satan.]

[Fußnote 2000: ([257] auf S. 65.49) S. (betr. Bossert) Aas.]

[Fußnote 2001: ([258] auf S. 65.49) S. (betr. Klettert) Schreibtisch.]

[Fußnote 2002: ([259] auf S. 65.49) S. Kaffee.]

[Fußnote 2003: ([260] auf S. 65.49) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2004: ([261] auf S. 65.49) S. Kessel.]

[Fußnote 2005: ([262] auf S. 65.49) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 2006: ([263] auf S. 65.49) S. Beischläferin.]

[Fußnote 2007: ([264] auf S. 65.49) S. Bruder.]

[Fußnote 2008: ([265] auf S. 65.49) S. (betr. Galm) brauchbares Kind.]

[Fußnote 2009: ([266] auf S. 65.49) S. Bauer.]

[Fußnote 2010: ([267] auf S. 65.49) S. Bettelbube.]

[Fußnote 2011: ([268] auf S. 65.49) S. aberwitzig u. Abort.]

[Fußnote 2012: ([269] auf S. 65.49) S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.]

töricht, ni(e)sich, nillich [65.50]

Tornister, Rande[1990]

tot, begert (d. h. »gestorben«)[2013]

töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), deisen[2014]

Totenbahre, Begersore[2015]

Totenbett, Begersauft[2016]

Totengeruch, begerische Mufferei[2017]

Totengräber, Begerkaffer[2018]; vgl. auch Leichenbeschauer

Totenschein, Begerkritzler[2019]

Totschläger, Deiser[2014]; vgl. Mörder

Tracht (Kleidung), Kluft[2020]

trächtig, grandiche Rande (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2021]; vgl. schwanger

tragen, buk(e)le(n) (Spr.)[2022]

Tränen, Glemsen (substantivierter Infinitiv)[2023]

Trank, Schwächerei[2024]

Tränke (Viehtränke), Schwäche[2024]

Traube, Säftling[2025]; vgl. Weintraube

traurig, schofel (Spr.)[2026]

treu, dof[2024]

treulos, lenk, schofel[2026] od. nobis dof[2027]

trinken, schwächen[2024]

Trinkgelage, Schwächerei

Trinkgeschirr, Schwächglansert (eigentl. »Trinkglas«)[2028], Schwächnolle (eigtl. »Trinktopf«)[2029] od. Schwächschottel (eigtl. »Trinkschüssel«)[2030]

[Fußnote 2013: ([270] auf S. 65.50) S. absterben; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36.]

[Fußnote 2014: ([271] auf S. 65.50) S. ermorden.]

[Fußnote 2015: ([272] auf S. 65.50) S. (betr. Sore) Brücke.]

[Fußnote 2016: ([273] auf S. 65.50) S. Bett.]

[Fußnote 2017: ([274] auf S. 65.50) S. Aas.]

[Fußnote 2018: ([275] auf S. 65.50) S. Bauer.]

[Fußnote 2019: ([276] auf S. 65.50) S. Attest.]

[Fußnote 2020: ([277] auf S. 65.50) S. ankleiden.]

[Fußnote 2021: ([278] auf S. 65.50) S. Adler u. Bauch.]

[Fußnote 2022: ([279] auf S. 65.50) S. abtragen.]

[Fußnote 2023: ([280] auf S. 65.50) S. ausweinen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 35.]

[Fußnote 2024: ([281] auf S. 65.50) S. Amme.]

[Fußnote 2025: ([282] auf S. 65.50) S. Ananas.]

[Fußnote 2026: ([283] auf S. 65.50) S. arg.]

[Fußnote 2027: ([284] auf S. 65.50) S. angenehm.]

[Fußnote 2028: ([285] auf S. 65.50) S. (betr. nobis) Dietrich.]

[Fußnote 2029: ([286] auf S. 65.50) S. (betr. Glansert) Bierglas.]

[Fußnote 2030: ([287] auf S. 65.50) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2031: ([288] auf S. 65.50) S. Aschenbecher.]

Trinkglas, Schwächglansert [65.51]

Trinkschale, Schwächschottel

Tropf, Ni(e)se, Nille[2031]

Trotz (Zorn) Stumpf[2032]

trotzig (zornig), stumpfich

trübe, schundich (d. h. eigtl. »schmutzig«)[2033]

Trübsal, nobis Dof (d. h. »nicht gut, nichts Gutes«)[2034][2027]; vgl. Übel

trunken (betrunken), geschwächt[2024]; vgl. berauscht

Trunkenheit, Schwächer

Truppen, Lanengere (d. h. »Soldaten«)[2035]

Tuch (Gewebe), Bochdam[2036]

Tuchmacher, Bochdampflanzer[2037]

tüchtig, duft[2038], g'want[2039]

tückisch, lenk, schofel[2026]

tugendhaft, dof[2038]

U.

übel (zum Übergeben, Erbrechen schlecht), gielerich (Spr.)[2040]

Übel (das), nobis Dofs (d. h. »nichts Gutes«)[2027][2034] vgl. Trübsal

Überfluß, grandich Schure od. Sore[2041]; vgl. Reichtum

übergeben (sich) (= sich erbrechen), giele[2040]

Übergeben (das) (= Erbrechen), Giele

übermütig sein, grandiche pflanzen[2042]; vgl. stolz sein

übernachten, auch das Übernachten erlauben (v. S. des Wirtes), fehten (Spr.)[2043]

übernachten, im Freien —, Blatt (blatt) pflanzen (Spr.)[2044]

[Fußnote 2032: ([289] auf S. 65.51) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2033: ([290] auf S. 65.51) S. Ärger.]

[Fußnote 2034: ([291] auf S. 65.51) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2035: ([292] auf S. 65.51) Vgl. dazu »Vorbemerkung« S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 2036: ([293] auf S. 65.51) S. Hauptmann.]

[Fußnote 2037: ([294] auf S. 65.51) S. Barchent.]

[Fußnote 2038: ([295] auf S. 65.51) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 2039: ([296] auf S. 65.51) S. anmutig.]

[Fußnote 2040: ([297] auf S. 65.51) S. Affengesicht.]

[Fußnote 2041: ([298] auf S. 65.51) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke; vgl. Bischof.]

[Fußnote 2042: ([299] auf S. 65.51) S. Adler u. anbrennen.]

[Fußnote 2043: ([300] auf S. 65.51) S. Hauswirt.]

[Fußnote 2044: ([301] auf S. 65.51) In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt; dagegen kennt die Wiener Gaunerspr. nach Pollak 207 Blatt machen = »unter freiem Himmel schlafen«. Das Blatt (= blatt) in diesen Redensarten aber ist offenbar nur eine mundartliche Form für platt, was sich ergibt aus den sonst weiter verbreiteten neueren gauner- und kundensprachlich. gleichbedeut. Wendungen platt machen, platt od. (eine) Platte(n) reißen (s. Lindenberg 188; Groß 484; Rabben 102; Ku. II [423], III [427], IV [432]; Schütze 83; Pollak [Ku.] 190; Ostwald [Ku.] 114; vgl. auch Weber im Archiv, Bd. 59, S. 283) — wofür in der älteren Zeit auch platte Penne machen (s. z. B. schon Hermann 1818 [336]; Krünitz Enzyklopädie 1820 [352]; Thiele 292; Zimmermann 1847 [384]; A.-L. 584) —, worin sich das »platt« (bzw. »Platte«) auf das Liegen auf der »platten« Erde bezieht.]

Überrock, Malfes[2045] [65.52]

überschreiben, überfeberen[2046]

übersehen, überlinzen[2047]

Uhr, Gluber (Gluper [Spr.]), Kluper (Spr.) od. Luber[2048], auch Gengle[2049]

Uhrgehäuse, Luberkitt[2050]

Uhrkette, Luberschlang, Gluperschlang (Spr.)[2051]

Uhrmacher, Genglespflanzer, Luberpflanzer[2037]

Uhrschlüssel, Luberglitschin[2052]

Uhrtasche, Luberrande[2053]

umblicken, umlinzen[2044]

umbringen (töten), deise[2054]

umfahren, umruadle[2055]

umfallen, umbohle[2056]

umhergehen, umherbosten[2057]

umhertanzen, umhernikle[2058]

umhertragen, umherbukle[2059]

[Fußnote 2045: ([302] auf S. 65.52) S. Frauenrock.]

[Fußnote 2046: ([303] auf S. 65.52) S. abschreiben.]

[Fußnote 2047: ([304] auf S. 65.52) S. anschauen.]

[Fußnote 2048: ([305] auf S. 65.52) S. Rathausuhr.]

[Fußnote 2049: ([306] auf S. 65.52) Zu Gengle = Uhr (u. dazu die Zus. Genglespflanzer = Uhrmacher) zu vgl. in der _schwäb. Händlerspr. (487) Gängling = Uhr und Gänglingpflanzer_ = Uhrmacher, wo die Schreibung mit ä deutlicher auf die Ableitung des Wortes von »Gang« (mit Bez. auf das »Gehen« der Uhr) hinweist; s. Groß' Archiv, Bd. 46, S. 31 sowie auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 46; vgl. auch die ähnliche Auslegung des Synon. Luper (oben unter »Rathausuhr«).]

[Fußnote 2050: ([307] auf S. 65.52) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 2051: ([308] auf S. 65.52) S. Halskette.]

[Fußnote 2052: ([309] auf S. 65.52) S. Dietrich.]

[Fußnote 2053: ([310] auf S. 65.52) S. Bauch.]

[Fußnote 2054: ([311] auf S. 65.52) S. ermorden.]

[Fußnote 2055: ([312] auf S. 65.52) S. abfahren.]

[Fußnote 2056: ([313] auf S. 65.52) S. abfallen.]

[Fußnote 2057: ([314] auf S. 65.52) S. abgehen.]

[Fußnote 2058: ([315] auf S. 65.52) S. aufspielen.]

[Fußnote 2059: ([316] auf S. 65.52) S. abtragen.]

umkommen (sterben), begere[2060] [65.53]

umschauen, umlinzen[2047]

umsonst, nobis (eigtl. = »nichts«)[2061]

umwerfen, umbohle(n) (Spr.)[2056]

unanständig, schofel[2062]

unbedeckt, nobis ankluftet (d. h. »nicht angekleidet«)[2063]

unbekannt, gneis nobis (d. h. »[ich] kenne [es] nicht«)[2064]

unecht, nobis dof (d. h. »nicht gut«)[2065]

Unflat, Schund[2066]

unflätig, schundich

ungekocht, nobis gesichert[2067]

Ungeziefer, Keneme[2068]

ungläubig, nobis wo(h)nisch (d. h. »nicht katholisch«)[2069], _nobis gril(l)isch (d. h. »nicht evangelisch«)[2070], nobis diboldisch_ (d. h. »nicht jüdisch«)[2071]

Unglück, Schofelei[2062]

Unglücksvogel, Schofeleifläderling[2072]; vgl. auch Rabe

ungültig, hauret nobis (d. h. »[es] ist nichts«)[2073]

unkeusch, nobis dof[2065]

unklug, ni(e)sich, nillich[2074]

Unkraut, Koelesgroenert (d. h. »Teufelskraut«)[2075]

unnütz, nobis (d. h. eigtl. »nichts«)[2061]

unpäßlich, begerisch[2076]

[Fußnote 2060: ([317] auf S. 65.53) S. absterben.]

[Fußnote 2061: ([318] auf S. 65.53) S. Dietrich.]

[Fußnote 2062: ([319] auf S. 65.53) S. arg.]

[Fußnote 2063: ([320] auf S. 65.53) S. (betr. ankluftet) ankleiden.]

[Fußnote 2064: ([321] auf S. 65.53) S. (betr. gneis) erkennen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]

[Fußnote 2065: ([322] auf S. 65.53) S. (betr. dof) angenehm.]

[Fußnote 2066: ([323] auf S. 65.53) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2067: ([324] auf S. 65.53) S. abkochen.]

[Fußnote 2068: ([325] auf S. 65.53) S. Filzlaus.]

[Fußnote 2069: ([326] auf S. 65.53) S. Katholik.]

[Fußnote 2070: ([327] auf S. 65.53) S. evangelisch.]

[Fußnote 2071: ([328] auf S. 65.53) S. Jude.]

[Fußnote 2072: ([329] auf S. 65.53) S. (betr. Fläderling) Adler.]

[Fußnote 2073: ([330] auf S. 65.53) S. unter »elend«; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]

[Fußnote 2074: ([331] auf S. 65.53) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2075: ([332] auf S. 65.53) S. Satan u. Gemüse. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich 127 u. 249 vbd. mit Finck, S. 55 (bengéskĕro [od. -ri] trāb [od. drāw], d. h. »des Teufels Kraut« od. noch genauer »teuflische Wurzel«, = Unkraut); vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18.]

[Fußnote 2076: ([333] auf S. 65.53) S. absterben.]

Unrat, Schund[2077] [65.54]

unrein, schundich[2077]

unrichtig, nobis dof[2075]

unsauber, schundich[2074]

Unschlitt, Horboge- od. Hornikelschmunk (d. h. »Rinds- od. Ochsenfett«)[2078]

unschuldig, dof[2065]

unsinnig, ni(e)sich, nillich[2074]

unsittlich, schofel[2062]

unsterblich, begert nobis (d. h. »stirbt nicht«)[2076][2079]

untauglich, nobis dof[2075]

unten, unterkünftig[2080]

untergehen, unterbosten[2081]

Unterkleid, unterkünftige Kluft[2082]

Unterrock, unterkünftiger Malfes[2083]

unterschreiben, unterfebere[2084]

Untersuchung, Diberei[2085] od. Schmuserei[2086] (d. h. [beides] etwa = »Fragerei«)[2087]

untreu, nobis dof[2065]

unverehelicht (unverheiratet), nobis vergrönt[2088]

unverletzt, nobis begerisch[2076]

unvernünftig, hegelich[2089], ni(e)sich, nillich od. nuschich[2074]

unverschämt, lenk, schofel[2062]

unverständig s. unvernünftig

unwillig, stumpfich[2090]

unwissend, nillich[2074]

[Fußnote 2077: ([334] auf S. 65.54) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2078: ([335] auf S. 65.54) S. Kalb bezw. Bulle u. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 2079: ([336] auf S. 65.54) Vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E. sowie auch bei den Zigeun.: nāno merēla (d. h. »stirbt nicht«) = unsterblich; s. Liebich, S. 249.]

[Fußnote 2080: ([337] auf S. 65.54) S. Fußsohle.]

[Fußnote 2081: ([338] auf S. 65.54) S. abgehen.]

[Fußnote 2082: ([339] auf S. 65.54) S. (betr. Kluft) ankleiden.]

[Fußnote 2083: ([340] auf S. 65.54) S. Frauenrock.]

[Fußnote 2084: ([341] auf S. 65.54) S. abschreiben.]

[Fußnote 2085: ([342] auf S. 65.54) S. anreden.]

[Fußnote 2086: ([343] auf S. 65.54) S. ansagen.]

[Fußnote 2087: ([344] auf S. 65.54) Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 154, 250, 252 (putschäpenn, d. h. »die Frage, Fragerei«, = Verhör, Untersuchung).]

[Fußnote 2088: ([345] auf S. 65.54) S. Ehe.]

[Fußnote 2089: ([346] auf S. 65.54) S. Dummheit.]

[Fußnote 2090: ([347] auf S. 65.54) S. Ärger.]

unzüchtig, nobis dof[2065] [65.55]

unzweckmäßig, hauret nobis (d. h. »[es] ist nichts«)[2091]; vgl. ungültig

Urin, Flösle, Flösslete[2092] od. Flösselflu(h)te[2093]

Uringlas, Flösselglansert[2094]

Urintopf, Flösselnolle[2095]

Urkunde, Kritzler[2096]

V.

Vater, Patris[2097]

Vaterhaus, Patriskitt[2098]

Vaterstadt, Patrissteinhäufle[2099]

verarmt, dercherich[2100]

verbluten, verratten[2101]

verbrennen, verfunken[2102]

Verdienst, Bereimerei[2103], Pfreimerei[2104] (d. h. »Bezahlung, [Lohn]«)[2105]

verdrießlich, stumpfich[2090]

verehelichen (sich) s. heiraten

verehelicht (verheiratet), vergrönt[2088]

verfault, vermuft[2106]

verfertigen, pflanzen[2107]

Verfertiger, Pflanzer (nur in Zus. gebräuchlich)

vergüten, bereimen[2103], pfreimen[2104]

[Fußnote 2091: ([348] auf S. 65.55) S. unter »elend«.]

[Fußnote 2092: ([349] auf S. 65.55) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 2093: ([350] auf S. 65.55) S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.]

[Fußnote 2094: ([351] auf S. 65.55) S. Bierglas.]

[Fußnote 2095: ([352] auf S. 65.55) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2096: ([353] auf S. 65.55) S. Attest.]

[Fußnote 2097: ([354] auf S. 65.55) S. Eltern.]

[Fußnote 2098: ([355] auf S. 65.55) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 2099: ([356] auf S. 65.55) S. Stadt.]

[Fußnote 2100: ([357] auf S. 65.55) S. abbetteln.]

[Fußnote 2101: ([358] auf S. 65.55) S. Blut.]

[Fußnote 2102: ([359] auf S. 65.55) S. abbrennen.]

[Fußnote 2103: ([360] auf S. 65.55) S. bezahlen.]

[Fußnote 2104: ([361] auf S. 65.55) S. abzahlen.]

[Fußnote 2105: ([362] auf S. 65.55) Vgl. dazu auch in der Zigeunerspr.: pleisserpenn, d. h. »Bezahlung, Lohn«, = Verdienst; s. Liebich, S. 251 vbd. mit S. 152.]

[Fußnote 2106: ([363] auf S. 65.55) S. Aas.]

[Fußnote 2107: ([364] auf S. 65.55) S. anbrennen.]

verhauen, verguffe[2108], verkobere[2109], verstenze[2110] [65.56]

Verhör, Diberei (eigentl. etwa »Fragerei«)[2111]; vgl. Untersuchung

verkaufen, verbaschen (Spr.), vergremen, verkemere[2112], verkitschen[2113]

Verkäufer, Verkemerer, Verkitscher

verkleiden, verkluften[2114]

verlachen, ausschmol(l)en[2115]

verlangen, derchen[2116]

verlängern, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«)[2117]

verlaufen, verbosten[2118]

verleugnen, kohlen (eigtl. »lügen«)[2119]

verlogen, Kohl[2120]

verlöschen, ausfunken[2121]

Vermögen, grandich Schure od. Sore[2122]; vgl. Reichtum

vermögend, grandich Schure[2120]

vernichten, deisen[2123]

vernünftig, kochem[2124]

verpfänden, vergondere[2125]

verprügeln s. verhauen

Verrat, Verdibert[2111][2126]

verraten, verdibern

Verräter, Verdiberer

[Fußnote 2108: ([365] auf S. 65.56) S. aufschlagen.]

[Fußnote 2109: ([366] auf S. 65.56) S. schlagen.]

[Fußnote 2110: ([367] auf S. 65.56) S. Ast.]

[Fußnote 2111: ([368] auf S. 65.56) S. anreden; vgl. (betr. die Zigeunerspr.) oben Anm. 2087.]

[Fußnote 2112: ([369] auf S. 65.56) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 2113: ([370] auf S. 65.56) S. handeln.]

[Fußnote 2114: ([371] auf S. 65.56) S. ankleiden.]

[Fußnote 2115: ([372] auf S. 65.56) S. anlachen.]

[Fußnote 2116: ([373] auf S. 65.56) S. abbetteln.]

[Fußnote 2117: ([374] auf S. 65.56) S. Adler u. anbrennen.]

[Fußnote 2118: ([375] auf S. 65.56) S. abgehen.]

[Fußnote 2119: ([376] auf S. 65.56) S. belügen.]

[Fußnote 2120: ([377] auf S. 65.56) Vgl. (betr. den Gebrauch des Subst. als Adj.) »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 E.]

[Fußnote 2121: ([378] auf S. 65.56) S. abbrennen.]

[Fußnote 2122: ([379] auf S. 65.56) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke.]

[Fußnote 2123: ([380] auf S. 65.56) S. ermorden.]

[Fußnote 2124: ([381] auf S. 65.56) S. besonnen.]

[Fußnote 2125: ([382] auf S. 65.56) S. Konkurs.]

[Fußnote 2126: ([383] auf S. 65.56) Substant. Partiz. von verdibern; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]

verrucht, schofel[2127] [65.57]

verrückt, ni(e)sich, nillich, nuschich[2128]

verschämt, dof[2129]

verschlagen s. verschmitzt

verschließen, beschrenken[2130]

verschlossen, beschrenkt

verschmitzt, kochem[2124]

versengen, verfunken[2121]

verspotten, ausschmol(l)en (d. h. »auslachen«)[2115]

verständig, kochem[2124]

verstimmt (ärgerlich), stumpfich[2131]

verstorben, begert[2132]

vertrinken, verschwächen[2133]

verwahrlost s. heruntergekommen

verzehren, achilen[2134], biken, butten, kahle[2135]

Vieh, Sore[2136]

Viehpulver, Kuiete[2137]

Viehtränke, Schwäche[2133]

viel, grandig[2138]

vielmals, grandicher (wohl Komparativ)

visieren (den Paß kontrollieren), flebben; visiert, geflebbt[2139]

Vogel, Fläderling[2138]

Vogelbauer (Käfig), Fläderlingskitt[2140] od. Fläderlingsstenkert[2141]

Vogeleier, Flederlingsbäzeme[2142]

[Fußnote 2127: ([384] auf S. 65.57) S. arg.]

[Fußnote 2128: ([385] auf S. 65.57) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2129: ([386] auf S. 65.57) S. angenehm.]

[Fußnote 2130: ([387] auf S. 65.57) S. abschließen.]

[Fußnote 2131: ([388] auf S. 65.57) S. Ärger.]

[Fußnote 2132: ([389] auf S. 65.57) S. absterben.]

[Fußnote 2133: ([390] auf S. 65.57) S. Amme.]

[Fußnote 2134: ([391] auf S. 65.57) S. essen.]

[Fußnote 2135: ([392] auf S. 65.57) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 2136: ([393] auf S. 65.57) S. Brücke.]

[Fußnote 2137: ([394] auf S. 65.57) S. Mastpulver.]

[Fußnote 2138: ([395] auf S. 65.57) S. Adler.]

[Fußnote 2139: ([396] auf S. 65.57) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 2140: ([397] auf S. 65.57) S. (betr. Kitt) Abort.]

[Fußnote 2141: ([398] auf S. 65.57) S. Entenstall.]

[Fußnote 2142: ([399] auf S. 65.57) S. Ei.]

Vogelnapf, Fläderlingsnolle[2143] [65.58]

Vogelspießer, Fläderlingsschnellen[2144]

voll, grandig[2138]

vorbeten, vorblible[2145]

Vorderfuß, Vordertritt[2146]

Vorderkopf, Vorderki(e)bes[2147]

Vorderzahn, Vordernäpfling[2148]

vorjährig, voriges Ja(h)ne[2149]

vorlügen, vorkohlen[2150]

vorsagen, vordibere[2151], vorschmuse[2152]

vorschießen (leihen), vordogen (eigentl. »vorgeben«)[2153]

vorschreiben, vorfeberen[2154]

vorsingen, vorschallen[2155]

vorspielen, vornikle[2156]

Vorstadt, Vorsteinhäufle[2157]

vortanzen, vornikle[2156]

Vortänzer, Vornikler

vortrefflich, dof[2129]

vortrinken, vorschwächen[2133]

vorzüglich, dof[2129], grandich[2138]

W.

Wachsfackel (-kerze, -licht), Schein[2158]

Wachthaus (d. h. eigtl. »Nachthaus«), Leilekitt[2159]

[Fußnote 2143: ([400] auf S. 65.58) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2144: ([401] auf S. 65.58) S. abschießen.]

[Fußnote 2145: ([402] auf S. 65.58) S. anbeten.]

[Fußnote 2146: ([403] auf S. 65.58) S. Entenfuß.]

[Fußnote 2147: ([404] auf S. 65.58) S. Angesicht.]

[Fußnote 2148: ([405] auf S. 65.58) S. abbeißen.]

[Fußnote 2149: ([406] auf S. 65.58) S. alljährlich.]

[Fußnote 2150: ([407] auf S. 65.58) S. belügen.]

[Fußnote 2151: ([408] auf S. 65.58) S. anreden.]

[Fußnote 2152: ([409] auf S. 65.58) S. ansagen.]

[Fußnote 2153: ([410] auf S. 65.58) S. abgeben.]

[Fußnote 2154: ([411] auf S. 65.58) S. abschreiben.]

[Fußnote 2155: ([412] auf S. 65.58) S. absingen.]

[Fußnote 2156: ([413] auf S. 65.58) S. aufspielen.]

[Fußnote 2157: ([414] auf S. 65.58) S. Stadt.]

[Fußnote 2158: ([415] auf S. 65.58) S. alltäglich.]

[Fußnote 2159: ([416] auf S. 65.58) S. Abend u. Abort.]

Wachtmeister, grandicher Schuker (d. h. »großer« oder [genauer] [65.59] »größerer [od. Ober-] Gendarm«)[2160]; vgl. Oberwachtmeister

Wachtstube, Leileschrende[2161]

Waffenschmied, Lattepflanzer[2162]

Wagen, Rädling[2163], Ruedel[2164]

Wagner (Kutschenbauer), Rädlingpflanzer[2156][2155]

Wahnsinn, Ni(e)serei, Nillerei[2128]

wahnsinnig, ni(e)sich, nillich, nuschich

wahrhaft, dof[2129]

Wahrsagen (das), Kasperei[2165]

Wahrsager, Kasperer; Wahrsagerin, Kaspere

Wald (Waldung), Jahre, Kracher[2166]

Waldhüter s. Flurschütz.

Wallnuß, Krächerle[2167]

Wanne, Schottel[2168]

Wanst, Rande[2169]

Wanze, Mufkenem (d. h. »Stinklaus«)[2170]

Ware, Sore[2171]

Waschbecken, Pfladerschottel[2172][2168]

Wäsche, Pfladersore[2172][2171]

waschen, pfladeren

Wäscherin (Waschfrau), Pfladermoss[2173]

Waschhaus, Pfladerkitt[2174]

Waschwasser, Pfladerflu(h)te[2175]

Wasser, Flu(h)te[2176]

[Fußnote 2160: ([417] auf S. 65.59) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 2161: ([418] auf S. 65.59) S. (betr. Schrende) Frauenstube.]

[Fußnote 2162: ([419] auf S. 65.59) S. Degen u. anbrennen.]

[Fußnote 2163: ([420] auf S. 65.59) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 2164: ([421] auf S. 65.59) S. abfahren.]

[Fußnote 2165: ([422] auf S. 65.59) S. Betrug.]

[Fußnote 2166: ([423] auf S. 65.59) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 2167: ([424] auf S. 65.59) S. Haselnuß.]

[Fußnote 2168: ([425] auf S. 65.59) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 2169: ([426] auf S. 65.59) S. Bauch.]

[Fußnote 2170: ([427] auf S. 65.59) S. Aas u. Filzlaus; — Bei den Zigeunern wird (nach Liebich, S. 258 vbd. m. S. 166) die Wanze durch platti tschīw od. lōli tschuw, d. h. »platte« od. »rote Laus«, umschrieben; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47]

[Fußnote 2171: ([428] auf S. 65.59) S. Brücke.]

[Fußnote 2172: ([429] auf S. 65.59) S. (betr. Pflader- [pfladeren]) abwaschen.]

[Fußnote 2173: ([430] auf S. 65.59) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 2174: ([431] auf S. 65.59) S. Abort.]

[Fußnote 2175: ([432] auf S. 65.59) S. abbrühen.]

Wasserfaß, Flu(h)tesoe[2171] [65.60]

Wasserhuhn, Flu(h)tegachne[2166] od. Flu(h)testierer[2177]

wässerig, flu(h)tich; vgl. feucht

Wasserkrug, Flu(h)tenolle[2178]

Wassermühle, Flu(h)terolle[2179]

Wasserstelze s. Bachstelze

Wassersuppe, Flu(h)teschnall[2180]

Wasservogel, Flu(h)tefläderling[2181]

Weck s. Semmel

weg (fort)!, schef(f)t' schiebes (d. h. »geh weg [fort]!«)[2182]

Weg, Strade[2183]

Wegegeld, Stradebich[2184]

wegfahren, wegruadla[2185]

weglaufen, wegbosten[2186]

wegnagen, wegnäpfen[2187]

wegnehmen s. nehmen

wegsehen, weglinzen[2188]

wegstehlen, wegschniffen[2189], wegschoren[2190]

wegtragen, wegbukle[2191]

Wegweiser, Stradelinzer[2183][2188]

Weib, Goi[2192], Mokel[2193], Mos(s) (Dim.: Mös[s]le [Spr.])[2194]

Weiberbrust, Schwächerle[2195]

Weiberrock, Mos(s)malfes[2196]

[Fußnote 2176: ([433] auf S. 65.60) S. Hahn.]

[Fußnote 2177: ([434] auf S. 65.60) S. Henne.]

[Fußnote 2178: ([435] auf S. 65.60) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2179: ([436] auf S. 65.60) S. Mühle.]

[Fußnote 2180: ([437] auf S. 65.60) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 2181: ([438] auf S. 65.60) S. Adler.]

[Fußnote 2182: ([439] auf S. 65.60) S. daher a. E. u. davongehen.]

[Fußnote 2183: ([440] auf S. 65.60) S. Chaussee.]

[Fußnote 2184: ([441] auf S. 65.60) S. (betr. Bich) Almosen.]

[Fußnote 2185: ([442] auf S. 65.60) S. abfahren.]

[Fußnote 2186: ([443] auf S. 65.60) S. abgehen.]

[Fußnote 2187: ([444] auf S. 65.60) S. abbeißen.]

[Fußnote 2188: ([445] auf S. 65.60) S. anschauen.]

[Fußnote 2189: ([446] auf S. 65.60) S. anfassen.]

[Fußnote 2190: ([447] auf S. 65.60) S. ausstehlen.]

[Fußnote 2191: ([448] auf S. 65.60) S. abtragen.]

[Fußnote 2192: ([449] auf S. 65.60) S. böse Frau.]

[Fußnote 2193: ([450] auf S. 65.60) S. Frau.]

[Fußnote 2194: ([451] auf S. 65.60) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 2195: ([452] auf S. 65.60) S. Amme.]

[Fußnote 2196: ([453] auf S. 65.60) S. (betr. Malfes) Frauenrock.]

weibisch, weiblich, mossich[2196] [65.61]

weibliches Glied s. Glied; vgl. Scham

Weide (= Weidenbaum), Kupferstöber (d. h. eigtl. etwa »Grasbaum«)[2197]

Weidmann (Jäger), Grünling[2198]

Wein, Johle[2199]

Weinbeere, Säftling[2200]

Weinberg, Säftlingsore[2201]

weinen, glemsen[2202]

Weinfaß, Johlesore[2199][2201]

Weinflasche (-glas), Johleglansert[2203]

Weinhaus, Johlekitt[2204]

Weinkrug, Johlenolle[2205]

Weinrebe, Johlespraus[2206]

Weinstock, Johlestöber[2207]

Weintraube, Säftling[2200]

Weißbrot, Dofelehm (od. dofer Lehm [Spr.]) (d. h. »gutes [feines] Brot«)[2208]

Weizen, Gib, Kupfer[2209]

Wellfleisch, Bossert, Mass (d. h. [beides] eigtl. nur »Fleisch«)[2210]

wenig, nobis grandig (d. h. »nicht viel«)[2211]

werfen, plotzen[2212], auch bohlen (Spr.)[2213]

wertlos, nobis dof (d. h. »nicht gut«)[2129]

Wiege, Galmesauft (wörtlich »Kinderbett«)[2214]

willig, dof[2129]

[Fußnote 2197: ([454] auf S. 65.61) S. Frucht u. Apfelbaum.]

[Fußnote 2198: ([455] auf S. 65.61) S. Flurschütz.]

[Fußnote 2199: ([456] auf S. 65.61) S. Apfelwein]

[Fußnote 2200: ([457] auf S. 65.61) S. Ananas.]

[Fußnote 2201: ([458] auf S. 65.61) S. (betr. Sore) Brücke.]

[Fußnote 2202: ([459] auf S. 65.61) S. ausweinen.]

[Fußnote 2203: ([460] auf S. 65.61) S. Bierglas.]

[Fußnote 2204: ([461] auf S. 65.61) S. Abort.]

[Fußnote 2205: ([462] auf S. 65.61) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2206: ([463] auf S. 65.61) S. Baumholz.]

[Fußnote 2207: ([464] auf S. 65.61) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 2208: ([465] auf S. 65.61) S. angenehm u. Bäcker.]

[Fußnote 2209: ([466] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]

[Fußnote 2210: ([467] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Aas.]

[Fußnote 2211: ([468] auf S. 65.61) S. Dietrich u. Adler.]

[Fußnote 2212: ([469] auf S. 65.61) S. bewerfen.]

[Fußnote 2213: ([470] auf S. 65.61) S. abfallen.]

[Fußnote 2214: ([471] auf S. 65.61) S. brauchbares Kind u. Bett. — Vgl. bei den Zigeunern (nach Liebich, S. 260): _tschawéskĕro schukklepenn_, d. h. etwa »Kinderschaukel«, = Wiege.]

winzig, nobis grandig (d. h. »nicht groß«)[2211] [65.62]

Wirt, Beizer, Koberer[2215]

Wirtin, Beizere, Kobere

Wirtshaus, Wirtschaft, Beiz, Kober od. Koberei

wischen, pfladere[2216]

Witterung (= Geruch), Mufferei[2217]

Wöchnerin, Deislere[2218]

wohl (gesund), nobis begerisch (d. h. »nicht krank«)[2219]

wohlbeleibt, grandicher Rande (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2220]

wohlwollend, dof[2129]

Wohnung, Fehte (bes. Herberge)[2221], Kitt (bes. Haus)[2222]

Wolle, Jerusalemsfreundstrauberts (d. h. »Schafhaare«)[2223]

Wortwechsel (Zank), Stämpferei[2224]

Wundarzt, Begersins[2225] od. (genauer) Dupfsins (d. h. etwa »der Stechmann«)[2226]

Wurst, Rondling od. Rundling[2227]

Wurstessen, Rondlingachilerei[2228] od. Rondlingbikus[2229]

Wurstfleisch, Rondlingbossert[2230]

Wursthaus, Rondlingsore[2231]

Wurstsuppe, Rondlingschnall[2232]

wüst, lenk (Spr.)[2233]

wütend, grandich[2211], stumpfich[2224]

[Fußnote 2215: ([472] auf S. 65.62) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 2216: ([473] auf S. 65.62) S. abwaschen.]

[Fußnote 2217: ([474] auf S. 65.62) S. Aas.]

[Fußnote 2218: ([475] auf S. 65.62) S. gebären.]

[Fußnote 2219: ([476] auf S. 65.62) S. (betr. begerisch) absterben.]

[Fußnote 2220: ([477] auf S. 65.62) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 2221: ([478] auf S. 65.62) S. Hauswirt.]

[Fußnote 2222: ([479] auf S. 65.62) S. Abort.]

[Fußnote 2223: ([480] auf S. 65.62) S. Hammel u. Augenbrauen. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 261 (bakoréngere balla, d. h. »Schafhaare«, = Wolle); vgl. auch Finck, S. 49 (bakréskero bal = Schafwolle).]

[Fußnote 2224: ([481] auf S. 65.62) S. Ärger.]

[Fußnote 2225: ([482] auf S. 65.62) S. absterben u. Amtmann.]

[Fußnote 2226: ([483] auf S. 65.62) S. (betr. Dupf-) stechen.]

[Fußnote 2227: ([484] auf S. 65.62) S. Leberwurst.]

[Fußnote 2228: ([485] auf S. 65.62) S. (betr. Achilerei) essen.]

[Fußnote 2229: ([486] auf S. 65.62) S. Abendessen.]

[Fußnote 2230: ([487] auf S. 65.62) S. Aas.]

[Fußnote 2231: ([488] auf S. 65.62) S. Brücke.]

[Fußnote 2232: ([489] auf S. 65.62) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 2233: ([490] auf S. 65.62) S. arg.]

Z. [65.63]

zahlen s. bezahlen.

zahlreich, grandich[2211]

Zahlung, Bereime[2234], Pfreimerei, Zeine[2235]

Zahn, Näpfling[2236]

Zahnarzt, Näpflingsins[2237]

Zahnfleisch, Näpflingbossert[2238]

Zank, Stämpferei[2224]

zanken, stämpfen

Zänker, Stämpfer

Zänkerei s. Zank

zänkisch, stämpfich

zärtlich, dof[2129]

Zauber, Finklerei[2239]

zaubern, kaspere (Spr.)[2240]

Zauberer, Finkler, Kasperer (Spr.); Zauberin, Finklere

Zeche, Schwächerei[2241]

zechen, schwächen

Zehe, Trittgriffling (d. h. »Fußfinger«)[2242]

Zehnpfennigstück (»Zehner«), Schafnase[2243]

Zeigefinger, Linzgriffling[2244]

Zettel, Kritzler[2245]

[Fußnote 2234: ([491] auf S. 65.63) S. bezahlen; vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 35 (Bereime [u. Zeine] wohl = subst. Infinitive).]

[Fußnote 2235: ([492] auf S. 65.63) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen; vgl. (betr. Zeine) auch die vor. Anm. a. E.]

[Fußnote 2236: ([493] auf S. 65.63) S. abbeißen.]

[Fußnote 2237: ([494] auf S. 65.63) S. (betr. Sins) Amtmann.]

[Fußnote 2238: ([495] auf S. 65.63) S. Aas.]

[Fußnote 2239: ([496] auf S. 65.63) S. behext.]

[Fußnote 2240: ([497] auf S. 65.63) S. Betrug.]

[Fußnote 2241: ([498] auf S. 65.63) S. Amme.]

[Fußnote 2242: ([499] auf S. 65.63) S. Entenfuß u. Daumen.]

[Fußnote 2243: ([500] auf S. 65.63) Diese merkwürdige Bezeichnung findet sich schon in dem Dolm. der Gaunerspr. 93 (in der Form Schofnase u. mit der Bedeutg. »Groschen«); sonst ist sie m. Wiss. unbekannt im Rotwelsch u. in den Geheimsprachen. Ob es sich um eine Metapher handelt oder wie die Umschreibung sonst zu erklären ist (ob vielleicht nach einem mit einer »Schafnase« ausgestatteten Regentenkopfe auf einer Münze [Hypothese von Dr. A. Landau, Wien]), bleibt zweifelhaft.]

[Fußnote 2244: ([501] auf S. 65.63) S. (betr. Linz-) anschauen.]

[Fußnote 2245: ([502] auf S. 65.63) S. Attest.]

Zichorie, Süs(s)ling[2246] [65.64]

Zichorienbüchse, Süs(s)lingschottel[2247]

Ziegelstein, g'funkter Kies (d. h. »gebrannter Stein«)[2248]

zierlich, dof[2129]

Zigarre, Dämpfere od. Dämpfete (letzteres Spr.)[2249], Toberichschure (das jedoch auch »[Tabaks-]Pfeife« bedeutet)[2250]

Zigarrenbeutel, Dämpferereiber[2251]

Zigarrentasche, Toberichschurerande[2252]

Zigeuner, Schmelemer[2253], Sende[2254]

zigeunerisch, schmelemerisch[2253]

[Fußnote 2246: ([503] auf S. 65.64) S. Kaffee.]

[Fußnote 2247: ([504] auf S. 65.64) S. (betr. Schottel) Aschenbecher.]

[Fußnote 2248: ([505] auf S. 65.64) S. abbrennen u. Apfelkern. — Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 262 (chadschēdo parr, d. h. »gebrannter Stein« = Ziegelstein; Syn: lōlo parr, d. h. »roter Stein«). Beide Ausdr. auch bei Lieblich, S. 180 unter »Backstein«, während in Wittichs Jenisch dafür nur Kittleskies angeführt ist; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 2249: ([506] auf S. 65.64) S. Pfeife.]

[Fußnote 2250: ([507] auf S. 65.64) S. Pfeife u. abbiegen.]

[Fußnote 2251: ([508] auf S. 65.64) S. (betr. Reiber) Beutel.]

[Fußnote 2252: ([509] auf S. 65.64) S. (betr. Rande) Bauch.]

[Fußnote 2253: ([510] auf S. 65.64) S. Löwenzahn.]

[Fußnote 2254: ([511] auf S. 65.64) Zu Sende = Zigeuner vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Sulzer Zigeunerliste 1787 (252: die Sende = die Zigeuner); W.-B. des Konst. Hans 257 (die Sente [ebenfalls plur.]); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 77 (Sendo = Zigeuner); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Sĭndo). Auch in der sonstigen Gauner- u. Kundenspr., bes. d. 19. Jahrh. (seit Pfister 1812 [206]) öfter in versch. Formen (Sende, Sente, Sande, Sinde usw.) angeführt u. bis in die Neuzeit erhalten s. Groß 494 [Sinte; Nebenbedtg.: Genosse]; Rabben 123 [Sinter; auch hier Nebenbedtg.: Genosse, Komplize); Ostwald [Ku.] 143 [hier getrennt: Sinde = Zigeuner; Sinter = Komplize). Zur Etymologie des aus der Zigeunerspr. entlehnten Wortes (vgl. »Einleitung«, S. 30) von noch unsicherer Herkunft s. Näh. bei Pott I, S. 32 ff. vbd. m. Liebich, S. 7, Anm. 1. Die Form lautet bei den deutsch. Zig. nach den meisten Vokab. sínto (plur. sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebich, S. 159 u. 262) auch Miklosich, Beitr. III, S. 19 u. Finck, S. 85; bei Jühling, S. 226 dagegen: Sendo, plur. Sendi; fem. Sendaza; vgl. Sendeaza = »Volk der Sendi«. — Über das zigeun. Synon. rom (eigtl. »Mann«) s. oben unter »Frau« (Anm. zu Romane a. E.). Die ebenfalls gleichbed. Bezeichnung mānuš (»mānusch«), d. h. eigtl. »Mensch« (vgl. darüber Näh. bei Pott II, S. 446; Liebich, S. 145 u. 262; Miklosich, Beitr. III, S. 15 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 10; Jühling, S. 224; Finck, S. 72), fehlt in Wittichs »Jenisch«, obwohl sie mit veränderter Form mehrfach im Rotwelsch des 19. Jahrh. (seit Pfister bei Christensen 1814 [326]) anzutreffen und auch in die schwäb. Händlerspr. eingedrungen ist (s. Lütz. [215]: Manischer = Zigeuner; vgl. 488: mônisch = zigeunerisch); vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1440 sowie noch Archiv, Bd. 59, S. 263, 64.]

Zigeunerbursche, Schmelemerfi(e)sel[2255] [65.65]

Zigeunerhund, Schmelemerkib[2256]

Zigeunermädchen, Schmelemermodel[2257]

Zigeunerwagen, Schmelemerrädling[2258]

Zimmer, Schrende[2259]

Zimmermann, Schrendepflanzer[2260]

Zorn, Rochus[2261], Stumpf[2224]

zornig, massig[2262], stämpfich od. stumpfich[2224]

Zuchthaus, Lek[2263], Schofelkitt[2264]

züchtig, dof[2129]

Zucker, Süs(s)ling[2246]

[Fußnote 2255: ([512] auf S. 65.65) S. (betr. Fi(e)sel) Bettelbube.]

[Fußnote 2256: ([513] auf S. 65.65) S. Haushund.]

[Fußnote 2257: ([514] auf S. 65.65) S. Beischläferin.]

[Fußnote 2258: ([515] auf S. 65.65) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 2259: ([516] auf S. 65.65) S. Frauenstube.]

[Fußnote 2260: ([517] auf S. 65.65) S. (betr. -pflanzer) anbrennen.]

[Fußnote 2261: ([518] auf S. 65.65) Zu Rochus vgl. (aus dem _verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Roches od. Broches_ = Zorn); Schwäb. Händlerspr. 488 (hier nur das Adj. prouches = zornig; vgl. in Pfedelb. [215]: broches = trotzig). Im sonst. Rotw. kommt die Vokabel vorwiegend als Adjektiv vor (s. z. B. Pfister 1812 [286: brooges = bös, feind] u. dann so öfter, mit lateinisch. Endung — brochus = böse — in Krünitz' Enzyklopädie 1820 [349], in der Handthierka 1820 [354]: braukes = böse, bei Thiele 236 und Fröhlich 1851 [395]: brauges, das auch A.-L. 592 — neben b[e]roges [= zornig, tobend] — hat, desgl. auch Groß 459 [= böse, erzürnt]), jedoch vereinzelt auch als Hauptwort (s. A.-L. 592 u. Groß 487: Roges = Unruhe, Zorn, Toben, desgl. Ostwald 123 [Bedeutg.: Zorn]). Etymologie: Rochus (gleichsam latinisiert), richtiger Roges, stammt her vom hebr. rôgez = »Unruhe, Zorn«, das Adj. b(e)roges usw. aus be rôges, d. h. »im Zorn«. Vgl. A.-L. 592 (unter »Roges«) u. 454 (unter »Rogas«) vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1433.]

[Fußnote 2262: ([519] auf S. 65.65) Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1519, Nr. 2 bedeutet massig im Schwäbischen (ähnlich wie auch in anderen südd. Mundarten, z. B. im Elsaß) so viel wie: unzuverlässig, störrisch (von Menschen u. Tieren, z. B. Pferden, gebr.), eigensinnig, zornig, wütend, ungestüm, wild, derb, grob, mürrisch, widerwärtig, zänkisch u. a. m. und wird auch als Subst. für »roher, derber Mensch« gebraucht. Seiner Etymologie nach gehört der Ausdruck wohl zu dem neuhebr. mazziq = »böser Geist, verderbenbringendes Wesen« (vom hebr. Stamm nzaq [vgl. A.-L., S. 410 unter »Nĕsack«]), das als Massig od. Massik = Teufel ins Rotwelsch eingedrungen sowie (in der Form Massing und mit gleicher Bedeutg.) auch der schwäb. Händlerspr. bekannt ist. S. Dolm. der Gaunerspr. 100 (Massig = Teufel); _Pfulld. J.-W.-B. 345 (Massik); Schwäb. Händlerspr. 487 (Massing_). Vgl. Fischer, a. a. O.]

[Fußnote 2263: ([520] auf S. 65.65) S. Arrest; vgl. Gefängnis.]

[Fußnote 2264: ([521] auf S. 65.65) S. arg u. Abort; vgl. Arrest sowie »Einleitung«, S. 28 u. S. 25, Anm. 61.]

Zuckerbrot, Süs(s)linglehm[2265] [65.66]

Zuckerhut, Süs(s)lingoberman(n)[2266]

Zuckerwasser, Süs(s)lingflu(h)te[2267]

zünden, funken[2268]

Zündhölzer, Funkerle[2268], Funkspreisle[2269]

zurücklaufen, zurückbosten[2270]

zurücksehen, zurücklinzen[2271]

zuschauen (zusehen), zulinzen

zuschlagen, zudogen[2272], zuguffen[2273], zustenzen[2274]

zuschließen, zub'schrenken od. auch (einfach) beschrenken (Spr.)[2275]

Zwerg, nobis grandicher Kaffer (d. h. »kein großer Mann«)[2276]

Zwetschgen, Blauhanze (od. -hanse [Spr.])[2277]

Zwetschgenbaum, Blauhanzestöber[2278]

Zwetschgenkern (-stein), Blauhanzekies[2279]

Zwetschgenkuchen, Blauhanzebrandling[2280]

[Fußnote 2265: ([522] auf S. 65.66) S. (betr. Lehm) Bäcker.]

[Fußnote 2266: ([523] auf S. 65.66) S. Fingerhut.]

[Fußnote 2267: ([524] auf S. 65.66) S. abbrühen.]

[Fußnote 2268: ([525] auf S. 65.66) S. abbrennen.]

[Fußnote 2269: ([526] auf S. 65.66) S. (betr. Spreisle) Baumholz.]

[Fußnote 2270: ([527] auf S. 65.66) S. abgehen.]

[Fußnote 2271: ([528] auf S. 65.66) S. anschauen.]

[Fußnote 2272: ([529] auf S. 65.66) S. abgeben.]

[Fußnote 2273: ([530] auf S. 65.66) S. aufschlagen.]

[Fußnote 2274: ([531] auf S. 65.66) S. Ast.]

[Fußnote 2275: ([532] auf S. 65.66) S. abschließen.]

[Fußnote 2276: ([533] auf S. 65.66) S. Dietrich, Adler u. Bauer. — Die Zigeuner umschreiben (nach Liebich S. 264) den Begriff etwas einfacher durch dikkno gādscho, d. h. »kleiner Mann«; vgl. oben unter »Riese«.]

[Fußnote 2277: ([534] auf S. 65.66) Mit Blauhanze (od. -hanse) sind zusammengesetzt: Blauhanzestöber = Zwetschenbaum, Blauhanzekies, -brandling u. -g'finkelter od. -soruf = Zwetschgenkern (-stein), -kuchen u. -wasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): _Schwäb. Händlerspr. 488 (Blauhansen_ = Zwetschgen neben dem gleichbed. Blauhosen [das auch das Pfulld. J.-W.-B. 346 sowie (in der Form Blohosen) schon der Dolm. der Gaunerspr. 102 kennt]); s. auch Metzer Jenisch 218 (Blauhänsche = Zwetschge). Über Belege (für Blauhan[n]se) im Rotw. (des 19. u. 20. Jahrh.) s. Groß' Archiv, Bd. 51, S. 145, Anm. 3. Ebds. zur Etymologie (gleichsam Personifizierung durch Verbindung mit dem Eigennamen Hans); vgl. auch Pott II, S. 9 u. 36 u. Günther, Rotwelsch, S. 84. = Über Blauling = Pflaume s. schon oben.]

[Fußnote 2278: ([535] auf S. 65.66) S. (betr. Stöber) Apfelbaum.]

[Fußnote 2279: ([536] auf S. 65.66) S. Apfelkern.]

[Fußnote 2280: ([537] auf S. 65.66) S. Apfelkuchen.]

Zwetschgenwasser (Branntwein), Blauhanzeg'finkelter od. [65.67] Blauhanzesoruf[2281]

Zwiebel, Sore[2282]

Zwiebelkuchen, Sorebrandling[2280]

Zwirn, Sore[2282]

Zwist, Stämpferei[2224]

[Fußnote 2281: ([538] auf S. 65.67) S. (zu beiden Ausdr.) Branntwein; vgl. (betr. G'finkelter) auch behext.]

[Fußnote 2282: ([539] auf S. 65.67) S. Brücke.]

VI. Alphabetisches Verzeichnis der jenischen Stammwörter.

A.

achile(n) (-la) s. essen.

aufknüpfen s. erhängen.

August mit dem Ofenrohr s. Gendarm.

B.

Babing s. Gans.

Balo s. Eber.

baschen s. abkaufen.

bausen s. Angst.

Bäzem (Betzam, Bezem) s. Ei.

begeren s. absterben.

Beiz s. Gasthaus.

Bellel s. Kropf.

Bengel, auf den — s. Borg, auf den —

Benges vgl. Benk.

Benk (Benges) s. brauchbarer Bursche.

bereimen s. bezahlen.

beschrenken s. abschließen.

bestieben s. bekommen.

Bet s. Mark.

Betzam (Bezem) vgl. Bäzem.

bibern (mich bibert's) s. eisig.

Bich s. Almosen.

biken s. Abendessen.

bikeren s. abkaufen.

Blamb s. Bier.

Blatt (pflanzen) s. übernachten (im Freien.)

Blättling s. Gulasch.

Blauhanze s. Zwetschgen.

Blauling s. Pflaume.

bleisgeren s. anzahlen.

bliblen s. anbeten.

Bochdam s. Barchent.

bodere (-ra) (budere [-ra]) s. begatten.

Boga s. Kalb; vgl. Horboge.

Bogalo vgl. Bog(g)elo.

Bogeia s. Fischbein

Bog(g)elo (Bogalo) s. Appetit.

bohle(n) (-la) s. abfallen.

Bolle (-la) s. Bratkartoffeln.

Bomme (-ma) s. borgen.

Bommerling s. Apfel.

Bos (bosen) s. After.

Boschert s. Kupfergeld.

bosen vgl. Bos.

Bossert s. Aas.

bosten s. abgehen.

Brandling (-leng) s. Apfelkuchen.

Brawari s. Henne.

bremsere s. auslassen.

budere (-ra) vgl. bodere (-ra).

buk(e)le(n) (-la) od. bugle (-la) s. abtragen.

butschen s. anfragen.

butten s. Abendessen.

Bu(t)z s. Amtsdiener.

Buxe (-xa) s. Beinkleid.

D.

Dächle s. Schirm.

dalfen s. abbetteln.

dambes s. berauscht.

dämpfe(n) s. Pfeife.

deisen s. ermorden.

Deislere s. gebären.

derchen s. abbetteln.

dibere(n) (-ra) s. anreden. [65.68]

Dibolde s. Jude.

Dietz s. Glied (männliches).

Dober s. Axt.

dof (duft) s. angenehm.

Dofes s. Arrest.

dogen (-ga), doken s. abgeben.

Duft s. Dom.

duft vgl. dof.

dupfen s. stechen.

durme(n) s. aufwachen.

F.

Falle (-la) (schofle — pflanzen) s. böse Sachen machen.

febere(n) (-ra) s. abschreiben.

Fehlinger s. Betrüger.

Fehma s. Hand.

Fehte s. Hauswirt.

Feneter s. Fenster.

Fi(e)sel s. Bettelbube.

Finkel- = (bzw. Finkler u. ä.) s. behext.

Flachs (Flächsle) s. Mark.

Fläderling vgl. Flederling.

Flebbe s. Gewerbeschein.

Flederling (Fläderling) s. Adler.

flös(s)le(n) s. austreten (leicht).

Flössling s. Fisch.

Flotscher (Pflotscher[t]) s. Fisch.

Flu(h)te s. abbrühen.

Freier s. Fremder.

Frosch s. Monat.

Fuchs s. Gold.

fuchsa s. erzeugen.

Fuhl s. Abort.

Funk s. abbrennen.

Fürflamme s. Frauenschürze.

Furschet s. Gabel.

G.

Gachne s. Hahn.

Gadscho s. Kerl.

Galgennägel s. Möhren.

Gal(l)ach s. Geistlicher.

Galm s. brauchbares Kind.

Garo (-ri) s. Glied (männliches).

G(e)fahr s. Bauerndorf.

Gefinkelter vgl. Finkel-; s. auch Branntwein.

Gengle s. Uhr.

G(e)schmu(i) s. Glied (weibliches).

Gib s. Frucht.

Giel s. Affengesicht.

Girall s. Käse.

Glansert s. Bierglas.

Gleis s. abgerahmte Milch.

glemsen s. ausweinen.

Glied s. Bruder.

Glitschin s. Dietrich.

Gluber (Kluber, -per) vgl. Luber.

gneis(s)en vgl. kneisen.

Goi s. böse Frau.

Gof s. böses Kind.

Gore s. Barschaft.

Grabegautschert (oder Grabagautschert) s. Most.

grandich (-dig) s. Adler.

gremen s. abkaufen.

Grif(f)ling (-leng) s. Daumen.

gril(l)isch (kril[l]isch) s. evangelisch.

Groanikel (od. Groenikel) s. Eber.

Groanert (Groenert) s. Gemüse.

Groenerei vgl. vergroene(re)n.

Groenert vgl. Groanert.

Groenikel vgl. Groanikel.

Grünleng s. Flurschütz.

Grünwedel s. Förster.

guffe(n) (-fa) s. aufschlagen.

g'want s. anmutig.

H.

Hamfert s. Hemd.

Hamore vgl. More (Morerei).

Hasa s. Flöhe.

hauren s. elend.

Hegel s. Dummheit.

Heges s. Dörfchen.

Hegesle s. Knödel.

her(r)les (-lem) s. da.

Hertling s. Gestein.

Hitzling s. Backofen.

Horboge s. Kalb; vgl. Boga.

Hornikel (-nigel) s. Bulle.

J. (Jod).

Ja(h)ne s. alljährlich.

Jahre s. Ananas.

Jak s. Licht.

jannen s. lecken. [65.69]

jenisch s. Bachstelze.

Jerusalemsfreund s. Hammel.

Johle s. Apfelwein.

K.

Kaffer s. Bauer.

Kafler s. Fleischer.

kahle (-la) s. Abendessen.

Kaim s. Hebräer.

Karle (in Lattenkarle) s. Gendarm; vgl. Latt.

kaspere s. Betrug.

Katschete s. Branntwein.

Kechelte s. Milchbrötchen.

Keif s. Borg, auf —

Keiluf s. Haushund.

kemere s. abkaufen.

Kenem s. Filzlaus.

kenn s. ja.

Kib s. Haushund.

Ki(e)bes s. Angesicht.

Kies (= Stein, Kern) s. Apfelkern.

Kies (= Geld) s. Bankier.

kirmen s. begatten.

Kitt s. Abort.

Klass s. Büchse.

Klettert s. Schreibtisch.

Kluft s. ankleiden.

Kluber (Kluper od. Gluber) vgl. Luber.

kneisen (gneis[s]en) s. erkennen.

Kober s. Gasthaus.

koberen s. schlagen.

kochem s. besonnen.

Koele s. Satan.

Kohl s. belügen.

Kolb s. Bischof.

Konde vgl. Kunde.

Kopel s. Beinkleid.

Kracher s. Ananas.

Krächerle s. Haselnuß.

Krattler s. fahrende Leute.

Kritsch s. Bürgermeister.

Kritzler s. Attest.

kril(l)isch vgl. gril(l)isch.

Kunde (Konde) s. Handwerksbursche.

Kuiete s. Mastpulver.

Kupfer s. Frucht.

L.

Lache- od. Lachapatscher s. Ente.

Laich, o — s. o weh.

Lanenger s. Hauptmann.

Langohr s. Hase.

Latt s. Degen.

Lechem vgl. Lehm.

Lehm (od. Lechem) s. Bäcker.

Leile s. Abend.

Lek s. Arrest.

lenk (link) s. arg.

lenzen vgl. linzen.

link vgl. lenk.

linzen (lenzen) s. anschauen.

Lobe s. Barschaft.

Lolo (-li) s. Gendarm.

Lomel s. Klinge.

Lore (lore) s. das ist nichts.

Losling s. Ohr.

Luber (Gluber, Kluber, -per) s. Rathausuhr.

Lubne s. Beischläferin.

M.

Malfes s. Frauenrock.

Mamere s. Amme.

manga s. betteln.

Maro s. Brot.

Mass s. Aas.

massig s. zornig.

Matrele s. Erdäpfel.

Matsche s. Fisch.

Mocham (-um) s. Dorf.

Model s. Beischläferin.

Mogel (-kel) s. Frau.

molum s. berauscht.

Moss s. Bauernfrau.

More (Hamore, Morerei) s. Fehde.

muffen s. Aas.

N.

näpfen s. abbeißen.

naschen s. fliehen.

Ni(e)se s. aberwitzig.

nikle(n) s. aufspielen.

Nille s. aberwitzig.

nobis s. Dietrich.

Nolle s. Fleischhafen.

Nusche s. aberwitzig.

O. [65.70]

oberkünftig s. Gaumen.

Oberman(n) s. Fingerhut.

P.

Patris (-tres) s. Eltern.

pfiche(n) s. abgehen.

pfladere(n) s. abwaschen.

pflanzen s. anbrennen.

pfreimen (-ma) s. abzahlen.

Pflotscher(t) vgl. Flotscher.

Plauderer s. Lehrer.

plo(t)ze(n) (-za) s. bewerfen.

Put(t)lak s. Appetit.

R.

Rädling (-leng) s. Eisenbahnwagen.

Rande s. Bauch.

Räp(p)le s. Mark.

Räsleng s. Käse.

Rat s. Blut.

Ratte s. Abend.

Rauschert s. Streu.

Rawine s. Leiter.

Reiber (in Zusammensetzgn.) s. Beutel.

Reifling s. Fingerring.

Rochus s. Zorn.

Rolle (Roller) s. Mühle.

Romane s. Frau.

Rondling vgl. Rundling.

Ruadel (Ruedel) s. abfahren.

Ruch s. Bauer.

Ruedel vgl. Ruadel.

Rundling (Rondling) s. Leberwurst.

Ruf s. Appetit.

Russling s. Kessel.

Rutsch s. Bahn.

Rutscherschure s. Bürste.

S.

Säftling s. Ananas.

Sauft s. Bett.

Schaffel s. Scheune.

Schafnase s. Zehnpfennigstück.

schallen s. absingen.

Scharfling (od. Scharpfleng) s. Dolch.

Scharrisele s. Kirschbaum.

Schar(r)le s. Bürgermeister.

schef(f)ten s. daher (a. E.)

Schei(n) s. alltäglich.

Schei(n)ling (-leng) s. Augapfel.

Schenagel (schenegle usw.) s. abschaffen.

schenzieren s. hausieren.

schiebes s. davongehen.

Schlang s. Halskette.

schlaune(n) (-na) s. ausschlafen.

schlummere s. Herberge.

Schmaleng od. Schmaler s. Baumkatze.

Schmelemer s. Löwenzahn.

schmol(l)en s. anlachen.

Schmunk s. Bratkartoffeln.

schmuse(n) s. ansagen.

Schnabel s. Löffel.

Schnall s. Metzelsuppe.

schnelle(n) s. abschießen.

schniffen s. anfassen.

schnirgle (-la) s. begatten.

schnüren s. aufhängen.

Schnurrant (-rand) s. Äquilibrist.

schofel s. arg.

Schond vgl. Schund.

schoren s. ausstehlen.

Schottel s. Aschenbecher.

Schrabiner (-winer) s. brauchbares Kind.

Schrende s. Frauenstube.

Schuberle s. Geist.

Schuk s. Mark.

Schuker s. Gendarm.

Schund (od. Schond) s. abgerahmte Milch.

schupfen (sich) s. aufhören.

Schure (schurele) s. abbiegen.

Schüx s. Hure.

schwächen s. Amme.

Schwä(t)zling (Schwetzling) s. Ofenruß.

Schwimmerling s. Fisch.

Sende s. Zigeuner.

sichere(n) s. auskochen.

Sins s. Amtmann.

Sitzling (-leng) s. Bank (zum Sitzen).

Sore s. Brücke.

Soruf s. Branntwein.

spannen s. gaffen.

Spitzling s. Hafer.

Sprate s. Ast.

Spraus s. Baumholz.

Spronkert s. einsalzen.

stämpfen (stämpfich) vgl. Stumpf.

Staubert s. Mehl.

Staud s. Hemd. [65.71]

ste(c)ken s. beschenken.

Steinhäufle s. Stadt.

Stenker(t) s. Entenstall.

Stenz s. Ast.

Stenzel s. Henne.

stichle(n), Stichling s. aufnähen u. Gabel.

Stieling s. Birne.

Stiepa s. Bürste.

Stierer s. Henne.

Stöber s. Apfelbaum.

Strade s. Chaussee.

Stratz s. Hurenkind.

Strauberts s. Augenbrauen.

Streifling (-leng) s. Fußlappen.

Strohbutze s. Gans.

Strupf s. bestraft (gerichtlich).

Stupfle (Stupfel, Stupfleng) s. Dorn u. Igel.

Sturmkitt s. Rathaus.

Stumpf (stümpfen [stämpfen], stumpfich [stämpfich] s. Ärger.

Süsling (-leng) s. Kaffee.

T.

Toberich s. Pfeife.

Trabert (-pert) s. Füllen.

Tritt s. Entenfuß.

Trittling (-leng) s. Ferse; vgl. Tritt.

Tschai s. Mädchen.

tschanen s. fliehen.

Tschuggel s. Hund.

Tschure s. Messer.

U.

Ulme (-ma) s. arme Leute.

unterkünftig s. Fußsohle.

V.

verfinkelt vgl. Finkel-.

Vergondert s. Konkurs.

vergröne(re)n s. Ehe.

verkitschen s. handeln.

W.

Weisling (-leng) s. Feiertag.

wo(h)nisch s. Katholik.

Z.

zaine(n) od. zeine(n) (-na) s. abzahlen.

zopfen s. Diebstahl.

VII. Sprachproben.[2283]

Jenisch. Deutsch.

1. Meinst', scheffte keine 1. Meinst du, es seien keine Grünwedel herles im Kracher? Forstwärter hier im Wald? 2. Herles im Steinhäufle schefft 2. Hier in der Stadt ist der der Kolb krillisch und der Pfarrer evangelisch und der Kritsch wonisch. Schultheiß katholisch. 3. Hauret herles das G'fahr 3. Ist hier das Dorf evangelisch [65.72] krillisch oder wonisch? oder katholisch? Nein, Juden Nobis, Kaime schefften sind darin. herlem. 4. Herlem im Gefahr schefft ein 4. Hier im Dorf ist ein strenger lenker Schuker; Buz und Gendarm; der Polizeidiener Scharle hauret aber dof. und der Schultheiß sind aber gut. 5. Diberei: Schmus', Kaffer, 5. Gespräch: Sag, Mann, bist du [65.73] hauerst begerisch? Nobis, krank? Nein, Frau. Hungrig? Moss. Bikerich? Nobis. Nein. Durstig? Nein. Schwächerich? Nobis. Schläfrig? Nein. Betrunken? Durmerich? Nobis. Geschwächt? Nein, Frau. Ist es dir Nobis, Moss. Schefft's dir schlecht? Nein. Zum Übergeben schofel? Nobis. Gielerich? schlecht (übel)? Nein. Gut? Nobis. Dof? Kenn, Moss. Ja, Weib. 6. Moss, was sicherst? Ich 6. Frau, was kochst du (da)? Ich [65.74] sichere Hegesle mit koche »Knöpfle« (»Spätzle«) Stupfelbossert und pflanz' mit Igelfleisch und mache ein Blättling. (dazu) einen Salat. 7. Der Sore scheft in dem 7. Die Sache ist in dem vermuften Ruchekittle. verwahrlosten Bauernhäuschen. 8. Lenzerei: Model, lenz' die 8. Fragerei: Mädchen, frag' die [65.75] Rucheulme, was herles der Bauersleute, was hier der Ruch schefft? Kenn, Patris. Bauer ist? Ja, Vater. — — Ulme, hauret der Kaffer Leute, ist der Mann wonisch? Nobis, Model. katholisch? Nein, Mädchen. Krillisch? Kenn. Schefft er Evangelisch? Ja. Ist er dumm? niesich? Nobis. Nillich? Nein. Verrückt?[2284] Nein. Nobis. Schofel? Nobis. Arm? Nein. Vergantet (im Vermufft? Nobis. Grandich? Konkurs)? Nein. Reich? Ja. Kenn. Haurets ein Ist's ein Hexenmeister? Nein. Finkelkaffer? Nobis. Ein Zauberer? Nein. Ein Kasperer? Nobis. »Stundenmann« (Methodist)? Blibelkaffer? Kenn. Schefft's Ja. Ist es ein hungriger oder ein bikerischer oder lenker böser Mann? Nein, ein guter. Benk? Nobis, ein dofer. Ist er hier vom Dorfe? Ja. Schefft er herles vom Gefahr? Gibt er schlecht (beim Kenn. Stekt er lenk? Nobis, Betteln)? Nein, Mädchen. Gut? Model. Dof? Kenn. — Ja. — Es ist gut, Mädchen, Schefftet dof, Model, schupf höre auf und gehe fort. Ja, dich auf und bost' schiebes. Vater. Kenn, Patris. 9. Warum glemst unterkünftig das 9. Warum weint da unten das böse [65.76] Gefle so grandig? Den Malfes (kleine) Kind so sehr? Den hats verfunkt am Hitzling. Rock hat's verbrannt am Ofen. Jetzt schefft's bauserich, 's Jetzt fürchtet es (wörtl.: bestiebt Guffes. ist es ängstlich), es bekomme Hiebe. 10. Oberkünftig herles in der 10. Oben hier in dem großen grandiche Ruchekitt schefft Bauernhaus ist ein ein Nille. Der hauret link. geistesgestörter Mensch. Der Spann', da linzt er zum ist (sehr) böse. Sieh', hier Feneter am Stenkert. Kenn, schaut er zum Fenster am ich bost' schiebes. Stall heraus. Ja, ich gehe fort. 11. Fiesel, — dibert der 11. Kamerad, — sagt der Schurespflanzer — heut' Bürstenbinder — heute Nacht Leile bostemer in Stupfling; gehen wir auf den Igelfang; mei' Keiluf scheft ein dofer mein Hund ist ein guter Stupfelkib, aber link auf d' Igelhund, aber bös auf die Schmaler und Langohren. Ich Katzen und Hasen. Ich nehme schniff' ein Rande und Stenz einen Sack und einen Stock mit, vielleicht bestiebemer mit, vielleicht bekommen wir ein Schmaler und spannet eine Katze und sehen Kraut Groenert zum Schniffen. zum Stehlen. 12. Bostet, bostet, herles im 12. Kommt, kommt, hier im Kober schefft ein dofer Wirtshaus ist ein freigebiger Freier, der pfreimt grandich Fremder, der bezahlt viel zum z'schwächet. Trinken. 13. Schwäch' Grabegautschert, 13. Trink' Most, Freund, hier im Benges, herles im Nolle Krug ist (er), und im Glas hauret, und im Glansert ist Branntwein. Trink' fest, schefft Gefinkelter. Schwäch' bis du umfällst. — Nein, ich grandig, bis d' umbohlst. — bekomme keinen Rausch, Lore, ich bestieb' kein Kamerad, falle nicht und Dambes, Benk, bohl' nobis und übergebe (breche) mich (auch) giel' nobis. nicht. 14. Linz', Kaffer, herles im 14. Schau', Mann, hier im [65.77] Dofes schefft mei' Patris Gefängnis sitzt mein Vater zwei Frösch wegen zwei Monate wegen Enten- und Lachepatscher und Stenzel Hühnerstehlens ab. schniffe. 15. Jetzt schwäch' ich Blamb und 15. Jetzt trink' ich Bier und bik' Räsling. Schwächst du esse Käse. Trinkst du nichts, nobis, Benges? — Kenn, ich Kamerad? — Ja, ich trinke schwäch' Johle und kahl' Wein und esse Wurst. Meine Rundling. Mei' Moss schwächt Frau trinkt Kaffee. Süssling. 16. Schon Leile, und mei' Kaffer 16. Schon Nacht, und mein Mann schefft nobis herles. Ich ist (noch) nicht hier. Ich baus' mir herlem in der fürchte mich hier in der grandigen Schaffel — schmust großen Scheune — sagt die die jenisch' Moss —, ich fahrende Frau —, ich gehe boste und beschrenk'. und schließe zu. 17. So, Galme, — dibert die 17. So, Kinder, — sagt die Mamere — ist Schnall und Mutter — habt ihr (eigtl.: Bolle' buttet und Gleis ist) die Suppe und die geschwächt? — Kenn, Mamere. Kartoffeln gegessen und Milch — Dann bostet in Sauft und getrunken? — Ja, Mutter. — schlaunet. Dann geht zu (ins) Bett und schlaft. 18. Fiesel, linz', herles bostet 18. Kamerad, schau, hier kommt ein Kaffer aus dem ein Mann aus dem Bauerndorf Rucheg'fahr mit einem mit einem großen Hund an der grandigen Kib an der Schlang Leine und (einem) Regenschirm und Pflotscher in de' in der Hand. Es regnet doch Griffling. Es flösslet doch nicht? — Nein, es ist ein nobis? — Nobis, 's hauret Herr, kein Bauer, ich sehe es ein Sins, kein Ruch, ich an dem feinen Anzug und (den) spann's an der dofe Kluft und Stiefeln. — Ja, es ist ein Tritt. — Kenn, 's schefft Herr, schau seinen schönen ein Sins, spann' sein dofer Hut auf dem Kopfe, die Oberman auf 'em Kiebes, die Uhrkette und (die) Uhr in der Gluperschlang und Gluper im Tasche. — Regnen wird's Rande. — Flössle wird's heute bei Tage nicht, es hat heut' nobis am Schei, es hat heute Nacht viel (stark) heut' Leile grandig geregnet. Sieh', der Herr g'flesslet. Linz' der Sins lacht, er merkt es, daß wir schmollt, er gneist's, dass von ihm und (dem) Hunde wir von ihm und Keiluf sprechen. Komm', wir gehen schmuset. Pfich', wir fort. — Ja, wir gehen. schefften schiebes. — Kenn, wir pfichet. 19. Patris, — dibert der Galm — 19. Vater, — sagt das Kind — ruedlemer in das Mochumle, wo fahren wir in das Dörfchen, wir am grandigen Fluhte wo wir am großen Wasser halten mit dem Rädling, und halten mit dem Wagen, und sicheren? In der Schaffel vom kochen (da)? Übernachten Scharle fehten? — Kenn, — (wir) in der Scheune vom schmust die Mamere — das Schultheiß? — Ja, — sagt Gefahr hauret's, wo neben der die Mutter — dieses Dorf ist Fehte der Trabertkober es, wo neben der Herberge die schefft mit der dof Beizere Rößleswirtschaft ist mit der und Beizer mit dem grandigen guten Wirtin und (dem) Wirt Muffer, wo wir vor'm Jahne so mit der großen Nase, wo wir grandich Sore verbaschten. — voriges Jahr so viel Ware Schwächet und buttemer heut' verkauften. — Trinken und Leile nobis in der Beiz? — essen wir heute Abend nichts lenzt der Kaffer seine Moss. in der Wirtschaft? — fragt — Nobis, nobis, — schmust der Mann sein Weib. — Nein, die Moss — kein Boschert nein, — sagt die Frau — Lobe schefft herles. kein Pfennig Geld ist (dafür) da. 20. Schupf' dich auf und sei 20. Sei ruhig und gescheit und [65.78] kochem und stämpf' nicht so schimpfe nicht so viel, grandich, Fiesel. — Nobis, Freund. — Nein, ich bin ich schupf' mich lore, ich nicht still, ich habe einen schefft' grandich stumpfich großen Zorn (eigtl.: bin sehr auf den bikerichen Beizer zornig) auf den geizigen Wirt herles und schmusem's noch. hier und sage es ihm noch. Der Beizer schefft ein Der Wirt ist ein böser Linkfiesel, der kemeret nobis Mensch, der kauft keine keine Stiebe und Schottle. Bürsten und keine Körbe. Die Die Beizerin hauret nobis so Wirtin ist nicht so schlecht. schofel. — Kenn, das schefft — Ja, das ist ein braves ein g'want's Mössle. — Weibchen. — Schweig still, Schupfte, schefft' nobis sei nicht dumm. Schau, der nillich. Spann, der Koberer Wirt sieht ganz zornig (aus). linzt massig. Fiesel, er Kamerad, er merkt unser gneist die lenke Diberei. — schimpfendes Gespräch. — Ich Ich kahl' und schwäch' nobis esse und trinke nichts mehr mehr herles. Pfich', wir hier. Komm, wir bezahlen den zeinet den Beizer und Wirt und gehen fort. — Ja, schefften schiebes. — Kenn, Kamerad. Fiesel. 21. Linz', in dem Mochem, wo man 21. Schau, in dem Dorfe, das man spannt, schefft ein g'wanter (da) sieht, ist ein braver Plauderer. Der stekt dof Schulmeister. Der gibt gut zu z'biket und z'schwächet und essen und zu trinken und kemeret grandich Sore. kauft viel Ware. 22. Herles in dem Gefahr 22. Hier in dem Dorfe sind schefften schofle Ruchen, da schlechte Bauern, da bekommt bestiebtmer nobis zu dalfen. man nichts beim Betteln. 23. Schefft Schnall nobis 23. Ist die Suppe nicht kalt, ist [65.79] bibrisch, hauretse auch dof sie auch gut geschmalzen und geschmunkt und gesprunkt? gesalzen? 24. Stiepenpflanzer: Ulme, 24. Bürstenbinder: Leute, schwächet grandicher Blamb trinket (lieber) mehr Bier und Grabegautschert als und Most anstatt zu dibere. Beizer, ich schwäch' schwätzen. Wirt, ich trinke ein Stielingsjohle. Schwächet einen Birnenmost. Trinket auf, Ulme! Benges, Käffer, aus, Leute! Burschen, Männer, schwächet grandiger trinkt mehr Branntwein und Gefinkelter und niklet! tanzt. Weiber, Mädchen, Mossen, Modle, schwächet trinkt Wein und singt! Johle und schallet! Model (nikelt und schallt): Mädchen (tanzt und singt): »Und a' jenische Model »Und ein fahrendes Mädchen Schnifft a' jenischer Fiesel« Nimmt sich einen fahrenden Burschen« — — — — — — — — — — — — — — Koberer: Lore, Ulme, herles Wirt: Nichts, Leute, hier wird wird nobis g'schallet. nicht gesungen. Beizere: Model, schupf dich Wirtin: Mädchen, höre auf! auf! Jenischer Benk: Und nobis Fahrender Bursche: Und (darf nikle? man auch) nicht tanzen? Beizer: Nobis, nobis! Wirt: Nein, nein! 25. Dächlespflanzerulme. 25. Schirmflickersleute. Dächlespflanzer: Moss, Schirmflicker: Weib, (es) schefft Leile, pfich' ist Abend, geh' fort, (um schiebes Fehte linze. Galme, nach einer) Herberge (zu) schupfetich, bis Mamere vom sehen. Kinder, seid ruhig, Fehte linzen bostet herles im bis (die) Mutter zurückkommt Heges. — von dem Suchen (eigtl. Sehen) (nach) einer Herberge hier in dem Dörfchen. — Patris, linz', die Mamere pficht. Vater, schau', die Mutter kommt. — — Kenn, schniffet den Rädling, Ja, nehmt den Wagen, Kinder, und Galme, und bostet. gehet. Dächlespflanzerin: Kaffer, die Schirmflickerin: Mann, die Fehteulme hauret nobis Herbergsleute sind nicht da herles, aber's Glied hat (zu Hause), aber der Sohn hat gefehtet. — uns das Übernachten erlaubt. — Wo schlaunetmer, Moss, im Wo schlafen wir, Weib, im Stall Stenkert oder Schaffel? Wo oder (in der) Scheune? Wo ist schefft Fehte? — Spann', die Herberge? — Schau, hier herles das Schaffelle die kleine Scheune ist es. — hauret's. — Galme, pflanzet Kinder, macht (die) Scheune Schaffel auf und schefftet auf und geht fort zum schiebes zum Dalfen. Moss, Betteln. Weib, mach' das pflanz' den Sauft. — Linz', Bett. — Sieh', Mann, die Kaffer, die Galme bosten vom Kinder kommen vom Betteln, Derchen, und heiles pficht und hier kommt (auch) der der Fehtekaffer. Dibere mit Hauswirt. Sprich mit dem dem Hegel. — Kenn, Moss. — Einfaltspinsel. — Ja, Frau. — Moss, ich haure begerisch. Der Weib, ich bin krank. Der Hauswirt [65.80] Fehtekaffer schmust, es sagt, es stehe schlecht (mit scheffte schofel. mir). Moss: Kaffer, ich bestieb' Frau: Mann, ich bekomme Angst; Bauser; boste in Begerkitt gehe in (das) Krankenhaus oder zum Begersins. — Nobis, oder zum Doktor. — Nein, nobis, nur nobis in nein, nur nicht ins Spital. Begerkitt. — Kenn, 's ist — Ja, es ist besser, Mann, döfer, Kaffer, du buttest du ißt hier (die) Kartoffeln herles Schundbolle mit mit Butter und Rahm. Ich esse Schmunk und Gleisschund. Ich Brot und trinke Milch; dann bik' Lehm und schwäch' Gleis; gehen wir in (unsere) Betten. dann pfichet mir in Sauftlinge. Model: Mamere, ich hab' nobis Mädchen: Mutter ich habe nichts g'buttet bestiebt und hab' zu essen bekommen und habe grandig Puttlak. Dog' mir (sehr) großen Hunger Schofellechem oder Bolle und (Heißhunger). Gib mir abg'schunde Gleis. Schwarzbrot oder Kartoffeln und abgerahmte Milch. Mamere: Kenn, kenn, herles Mutter: Ja, ja, hier nimm den schniff' den Gleisnolle mit Milchhafen mit (dem) Löffel Schnabel und Bolleschottel. und (die) Kartoffelschüssel. Patris: Moss, bukle die Stratze Vater: Frau, bringe die Kinder in Sauft. Galme (glemsen zu Bette. (Die) Kinder und schmusen): Bostet heut' (weinen und sagen): Kommt Leile nobis a' Schuberle? heute Nacht (auch) kein Gespenst? Patris (stumpfich): Vater (zornig): Seid still, Schupfetich, Galme, oder der Kinder, oder der Teufel soll Koele mussich bukele. (muß) euch holen. Moss: Schupfte, Kaffer, mit dem Frau: Hör' auf, Mann, mit dem lenken Gedieber oder ich wüsten Gerede oder ich bestieb' ein Stumpf. Galme, bekomme einen Zorn. Kinder, bliblet z'Leile und betet zur Nacht und schlaft. schlaunet. Kaffer: Durmet die Schrawiner? Mann: Schlafen die Kinder? [65.81] Moss: Kenn. — Frau: Ja. — Kaffer: Dann schniff' Mann: Dann nimm (ein) Zündholz Funkspreisle und funk' herles und zünde hier das Licht an den Schein an und linz' nach und sieh nach Läusen im Rock Keneme im Malfes und und (in den) Strümpfen. Ich Streifling. Ich linz' im schaue im Hemd und (in der) Hanfert und Buxen. Es näpft Hose (nach). Es beißt mich so mich grandig, seit der sehr, seit der Wagen (mit) Rädling Schwelemer herles Zigeuner(n) bei uns gewesen gehauret und ein Schei und einen Tag mit (uns) mitgerudelt ist. Moss, ich gefahren ist. Weib, ich linz' und linz' und bestieb' schaue und schaue und bekomme nobis und spann' nobis kei' und sehe keine Laus. Kenem. Moss: Kaffer, soll der Fiesel Frau: Mann, soll der Junge nobis aufs Kohl in Stupfling nicht fortgehen und so tun, bosten und Bommerling, als wolle er Igel fangen und Stieling und Blauhanse (statt dessen) Äpfel, Birnen schniffe? und Zwetschgen stehlen? Kaffer: Ich schmoll', der Mann: Ich muß lachen, der Hegellauti … Ich boste am närrische Kerl … Ich gehe Schei und schniff Säftling, am Tage (selbst) und stehle Bloling und Scharrisele und Trauben, Pflaumen und bukles' im Buxe- und Kirschen und trage sie in Malfesrande. (meiner) Hosen- und Rocktasche (heim). Moss: Schupfte, Kaffer, ich Frau: Sei still, Mann, ich sehe spann' ein Schein. Linz', ein Licht. Schau, hier kommen herles pfichet Ulme! Leute! Kaffer: Kenn, 's hauret das Mann: Ja, es ist der bankrotte vermufft' Fehtekäfferle und kleine Hauswirt und (die) Fehtemoss. Sie bosten in Hausfrau (= Quartiersfrau). Horbogestenkert. Sie gehen in den Kuhstall. Moss: Kenn, linz', sie Frau: Ja, schau, sie sind schefften im Stenkert. (schon) im Stall. Mann, … Fiesel, … der Ruch pflanzt der Bauer macht einen wüsten ein linker Giel. Mund. Kaffer: Kenn, der Fehtekaffer Mann: Ja, der Hauswirt ist schefft stumpfich, er hauret zornig, er ist in Konkurs vermufft vor grandich Bommen. geraten wegen großer Schulden. Moss: Vergondert hauret er? Frau: Im Konkurs ist er? Jetzt Jetzt gneiss' ich den verstehe ich seinen großen grandigen Rochus. Zorn. Kaffer: Kenn, g'schnifft und Mann: Ja, (weg)genommen und verkemeret hat der verkauft hat der Schoffeleischure ein Gerichtsvollzieher ein Groenikel, Trabert und Schwein, (ein) Pferd und Hornikel, und die Horboge (einen) Ochsen, und die Kühe hauret am Kaim. gehören dem Juden. Moss: Das schefft schofel, Frau: Das ist traurig, Mann. [65.82] Benges. Linz', die Moss Schau, die Frau geht vom bostet vom Stenkert zur Stall in die Scheune und holt Schaffel und schnifft Kupfer. Heu. Kaffer: Nobis, sie pficht Mann: Nein, sie kommt hierher herles und bukelt Rauschert und trägt Stroh in (den) in Stenkert. Stall. Pflotscherpflanzerin: Dofe Schirmflickerin: Guten Abend, Leile, Fehtemoss, noch nobis Hausfrau, noch nicht im (zu) im Sauft? — Nobis, noch Bett? — Nein, noch nicht. nobis. Durmeter noch nobis? Schlaft ihr noch nicht? Ich Ich pfich' heut' Ratte lore komme heute Nacht nicht ins in Sauft, wir bestieben ein Bett, wir bekommen ein junges Horbögle. Herles hauret ein Kalb. Hier ist ein Hund. Kib. Napft er nobis? — Beißt er nicht? — Nein, Nobis, Fehtemoss. — Das Hausfrau. — Das ist gut. schefft dof. Dofe Leile, Goi, Gute Nacht, Frau, schlaft schlaunet dof! — Dofe Leile, gut! — Gute Nacht, Hausfrau, Fehtemoss, pflanzet's dof! macht's gut! Moss: Spannst nobis, Kaffer, Frau: Siehst du nichts, Mann, herles bostet ein grandiger da läuft eine große Katze. Schmaler. Kaffer: Das schefft g'want, Mann: Das ist gut, Weib, gib Moss, dog' mir mein Sprate, mir meinen Stock, dann (will dann deisen, und Scharfling, ich sie) totschlagen, und dann dupfen. mein Messer, dann (will ich sie) stechen. Moss: Nobis, Fiesel, Frau: Nein, Mann, Katzenfleisch Schmalerbossert bik' ich und esse und koche ich nicht. sichere nobis. Kaffer: Was muft herles so Mann: Was riecht hier so schofel? schlecht? Moss: Spann', der Schein Frau: Schau, das Licht ist es, hauret's, er bostet schiebes, es geht aus, jetzt gehen wir jetzt pfichet mir in Sauft, (auch) zu (ins) Bett, Mann. Kaffer. — — Die Leile ist schiebes, es Die Nacht ist vorbei, es ist Tag. schefft Schei. Wo hauret Wo sind meine Kleider? Guten meine Klufterei? Dofer Schei, Morgen, Mann. Gib mir meinen Kaffer! Stek' mir mein Malfes Rock und (meine) Schuhe zum und Trittling zum Ankluften, Anziehen, ich gehe hausieren. ich boste schenzieren. Dog' Gib mir Wasser zum Waschen mir Fluhte zum Pfladeren und und Haarmachen. — Kinder tut Straubertspflanzen. — Galme, (eigtl.: werft) (die) Betten bohlet Säuftling in Rädling, in (den) Wagen (und) macht pflanzet den Rauschert das Stroh weg. — schiebes. — Moss, pfich' schenzieren und Weib, geh' hausieren und verkaufe [65.83] vergrem' grandig. — viel. — Kenn, kenn, Kaffer, aber ich Ja, ja, Mann, aber ich sehe es spann's, in dem krillischen (schon), in diesem Heges verkemere ich nobis lutherischen Dorfe verkaufe grandig. Doge mir mein ich nicht viel. Gib mir Dächlesrande, Kaffer, und meinem Schirmsack, Mann, und pflanzte Sore, dann scheffte (die) gemachte Ware, dann schiebes. — gehe (ich) fort. — Galme, pflanzet Strauberts, Kinder, macht (euch) die Haare, pfladert eure schondiche wascht (euch) eure Griffling und Kiebes. schmutzigen Hände und (das) Schnifft Spraus zum Sicheren. Gesicht. Nehmt Holz (mit) zum Linzet, herles scheft ein Kochen. Seht, hier ist ein g'wantes Schurele, schönes Brett(chen), stehlet z'schoret's. — Kenn, Patris. es. — Ja, Vater. — — Pflanzet den Kib vom Rädling und Macht den Hund vom Wagen (los) Schaffel auf! Fiesel, boste und (die) Scheune auf! Junge, Bolle und Schmunk dalfen. Die gehe fort, (um) Kartoffeln Mamere dercht Gleis und Lehm. und Schmalz (zu) betteln. Die Model, schniff herles den Mutter bettelt Milch und Staubertrande und pfich' zur Brot. Mädchen, nimm hier den Rolle und derch' Staubert zu Mehlsack und gehe zur Mühle Hegesle pflanzen. Der Roller und bettle um Mehl zum schefft g'want und stekt dof. Spätzlemachen. Der Müller ist Ich schniff' dofen Fluhte zum brav und gibt gut. Ich nehme Süsling sichere und ruedle frisches Wasser (mit) zum vor's Gefahr und pflanz' den Kaffeekochen und fahre vor's Funk. — Dorf hinaus und brenne das Feuer an. — Fiesel, pfichst? — Junge, kommst du? — Kenn, Patris. — Ja, Vater. — Schmunk und Bolle bestiebt? — (Hast du) Schmalz und Kartoffeln Kenn. — bekommen? — Ja. — Patris, linz', die Mamere und Vater, schau', die Mutter und Model bosten. — (das) Mädchen kommen. — Verkemeret nobis, kein Boschert, Verkauft (habe ich) nichts, (für) Kaffer; aber grandig z'dalfet keinen Pfennig, Mann; aber bestiebt und ein g'wanter viel zu betteln (habe ich) Bogeiepflotschert ein'bascht, bekommen und einen noch guten spann'! — Fischbeinschirm eingehandelt, schau! — Kenn, die Bogeie schefften dof Ja, die Fischbeine sind gut zum [65.84] zum verkitschen, da derche Verkaufen, da(für) verlange ich grandig. — ich viel. — Model, herles hauret Bich. Boste Mädchen, hier ist Geld. Gehe zum zum Lehmschupfer und grem' Bäcker und kaufe für zehn für a' Schafnas' Kechelte zum Pfennige Wecken zum Kaffee. Süsling. Dem Patris pflanze Dem Vater mache (ich) Schmunkbolle. — Bratkartoffeln. — Patris, linz', 's pficht ein Vater, sieh, es kommt ein Schuker! — Gendarm! — Nobis, Fiesel, 's schefft ein Nein, Junge, es ist ein Grünwedel. Linze die dof Latt Forstwart. Schau (nur) den und Klass. — schönen Hirschfänger und (das) Gewehr. — Moss, spann, die Model buklet ein Weib, sieh (nur), das Mädchen Brandling. Die Model schefft bringt einen Kuchen. Das wie a' Finkelmoss und hauret Mädchen ist wie eine Hexe und eine g'wante Derchere. — (ist) eine tüchtige Bettlerin. — Wo bestiebt, Model? In der Wo (hast du das) bekommen, Schupferei 'dalft? — Mädchen? (Hast du es) in der Bäckerei gebettelt? — Kenn, Patris. — Ja, Vater. — Es schefft gesichert. Galme, Es ist gekocht. Kinder, Mann, Kaffer, bostet zum Bicken. kommt zum Essen! Werft nichts Bohlet nobis um! Herles um! Hier sind (die) Löffel, hauret Schnäbel, Kaffeetassen und Milchhafen. Süslingschottle und Esset! — Gleisnolle. Achilt! — Dog' mir ein Stichling, Moss. Ich Gib mir eine Gabel, Weib. Ich pfich' und butte meine gehe und esse meine Schmunkbolle unter dem gebratenen Kartoffeln unter Stöber. — diesem Baum. — Kenn, Kaffer, herles schefft Ja, Mann, hier ist deine Gabel. deine Furschet. — — Doge mir Spronkert, Fiesel, die Gib mir Salz, Junge, die Bolle hauret nobis dof Kartoffeln sind nicht genug g'sprunkt. Wie hauret's, (eigtl.: nicht gut) gesalzen. Galme, bostet ihr nobis zur Wie steht es, Kinder, geht Plauderei? — ihr nicht zur Schule? — Nobis, Patris, der Plauderer und Nein, Vater, der Lehrer und (der) Kolb schefften schiebes in's Pfarrer sind fort in die Steinhäufle und pfichet in Stadt und gehen in die schöne die dof Duft. — Kirche. — Patris, Mamere, linzet herles Vater, Mutter, sehet, da kommt bostet ein Rädling ein Wagen (mit) Zigeuner(n). Schmelemer! Nobis, es — Nein, es sind »jenische schefften jenische Ulme, Leute«, Korbmacher oder Schottlepflanzer oder Schirmmacher. — Dächlespflanzer. — Lore, 's hauret Ulme, wo kasperet Nein, es sind Leute die zaubern, [65.85] oder Dercherulme. — oder Bettelleute. — Nobis, nobis, Schurespflanzer Nein, nein, Bürstenbinder sind hauret's. — es. — Kenn, aber ich gneise's nobis. — Ja, aber ich kenne sie nicht. — Pflanzet den Funk aus! Die Sore Macht das Feuer aus! Packt in Rädling bohlt! Patris und (eigtl.: werft) die Ware in Fiesel, schniffet den Rädling den Wagen. Vater und Junge, in Griffling, und nehmt den Wagen in die Hand, abgeruadelt! Pfich', Model, und (dann) abgefahren! Komm, wir bosten. Mädchen, wir laufen. Patris, bostet mir ins dofe Vater, gehen wir in die schöne Steinhäufle, wo der grandich Stadt, wo der König ist? — Sins schefft? — Kenn, Fiesel. — Ja, Kind. — Gremst wieder Trabertbossert beim Kaufst (du da) wieder Trabertkafler, Patris? — Der Pferdefleisch beim Mass vor'm Jahne ist dof Roßmetzger, Vater. Das g'hauret. — Fleisch voriges Jahr ist gut gewesen. — Nobis Fiesel, wir kemeret, ein Nein, Junge, wir kaufen ein Kible. Kibenbossert hauret Hündchen. Hundefleisch ist döfer. — besser. — Kaffer, wenn's nobis flösslet, Mann, wenn's nicht regnet, pflanzet mir Blatt unter dem übernachten wir am Sonntag im grandichen Krächerstöber in Freien unter dem großen dem wonischen Ruchegefahr Nußbaum in dem katholischen über'n Weisling. Rauschert Bauerndorf. Stroh bekommen bestiebet mir. Wenn's nobis wir (schon). Wenn's (nur) ein Flösselschei schefft! — kein Regentag wird! — Kenn, Moss, und sicheret eine Ja, Weib, und (dann) kochen wir Hegesleschnall, Groenert und eine »Spätzles«suppe, Kraut Groenikelbossert. — und Schweinefleisch. — Lore, Kaffer, Bolleblättling und Nein, Mann, Kartoffelsalat und Stupfelmass. Igelfleisch. 26. Stichler, — dibert der 26. Schneider, — sagt der Schmelemer — schefftet so Zigeuner — seid so gut und dof und pflanzet diese macht mir diese schlechte schofle Buxe. Ich bereim' ein (zerrissene) Hose. Ich Flächsle. — bezahle (dafür) eine Mark. — Nobis, nobis, — schmust der Nein, nein, — sagt der Schneider [65.86] Stichler — ich pflanz' die — ich flicke (eigtl.: mache) schundich' Buxe nobis. Ich diese schmutzige Hose nicht. will lore Kenemer. Ich will keine Läuse (bekommen). 27. Ruch (butschet ein 27. Bauer (fragt ein jenischen Galmen): Wo »jenisches« Kind): Woher seid haureter schureles?[2285] — ihr? — Dibert des Schrawiners Patris: (Es) sagt des Kindes Vater: Schmus' nobis, Galm! — Sag' (es) nicht, Kind! — Galm: Von Schmusdernobishausen Kind: Von »Sag' - dir's - nicht am Niesebach. — - hausen« am Narrenbach. — Ruch: Wo hauret's? — Bauer: Wo liegt (denn) das? Galm: Bei Nobisgneis am Kind: Bei »Ich - weiß - (es) - Nilleberg aufs Kohl und nicht« am Dummkopfberg, und Blauangestrichen[2286]. alles ist recht erlogen. 28. Pflanz', doge mir ein 28. Mach', gib mir ein Funkerle zum Toberich Streichholz zum Anzünden der anfunken. — Pfeife. — Herles, meine Dämpfete funkt, Hier, meine Zigarre brennt, nimm schniffse zum anfunken. sie zum Anzünden. 29. Herles, Galme, schefft der 29. Hier Kinder, sitzt (ist) der Patris ein' Schei im Kittle Vater einen Tag im Arrest wegen Hamore und Stenzerei. wegen Händel und Schlägerei. 30. Linz, Moss, herlem in der Lek 30. Sieh, Frau, hier im Gefängnis schefft mein Glied ein Jahne sitzt (ist) mein Bruder ein wegen Dupfen und Schnellen. Jahr (lang) wegen Stechens und Schießens. 31. Herles im Gefahr scheffte 31. Hier im Dorf wurde (ich) gestrupft wegen Derchen und bestraft wegen Bettelns und link Schenzieren. Mein Kaffer unerlaubten Hausierens. Mein stämpft und pflanzt Hamore Mann schimpft und fängt mit Buz und Scharle. Streit an (eigtl.: macht Streit) mit dem Polizeidiener und dem Schultheiß. 32. Spann', die grandich Kitt 32. Schau, das große Haus hier! [65.87] herles! — Kenn, Gneistse — Ja. Kennst du es nicht? — lore? — Nobis. — Die Nein. — Das Zuchthaus ist Schoffelkitt schefft's. es. 33. Derchermoss: Hauret so dof, 33. Bettelweib: Seid so gut, Lehmschupfer, und dogt mir Bäcker, und gebt mir (etwas) dofen Lehm oder Gleiskechelte Weißbrot oder Milchbrötchen für mein Gälmle zum für mein Kindlein, um eine Gleisschnälle sicheren. Milchsuppe zu kochen. Lehmschupfer: Nobis, nobis, für Bäckermeister: Nein, nein, Dercherulme wird lore 'dogt. Bettelleuten wird nichts gegeben. 34. Mir schefft's gielerich vor 34. Mir ist (es) schlecht vom grandig Grabegautschert vielen Apfelmost-Trinken, schwächen und lore biken. — ohne etwas (dazu) gegessen zu Herles, schwäche Fluhte. — haben (wörtlich: »und nichts Nobis. essen«). — Hier, trinke Wasser. — Nein. 35. Mei' Kluper schefft schofel. 35. Meine Uhr ist entzwei. Ich Ich pfich' schiebes zum gehe fort zum Uhrmacher. — Genglespflanzer.

[Fußnote 2283: ([1] auf S. 65.71) Schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 3) habe ich erwähnt, daß die »Sprachproben« — aus dort näher angegebenen Gründen — nicht unwesentlich gekürzt worden sind. Sie umfaßten ursprünglich 46 Nummern, die auf 35 reduziert werden konnten; außerdem wurden aber auch noch innerhalb einzelner Nummern (s. bes. in Nr. 25) mehrfache Streichungen vorgenommen. Bei der Übersetzung der jenischen Gespräche ins Deutsche habe ich grundsätzlich soweit wie möglich den Wittichschen Wortlaut beibehalten und nur hier und da einzelne Stellen in eine etwas flüssigere Form gebracht. Der jenische Text stellt sich als wichtige Ergänzung zu dem »Wörterbuch« dar, nicht nur durch die Verwendung mancher dort ursprünglich fehlender (und erst von mir mit dem Zusatz »Spr.« hinzugefügter) Vokabeln, sondern namentlich auch insofern, als wir erst hier erfahren, wie die einzelnen Wörter in einer konkreten Satzverbindung gebraucht zu werden pflegen. Während z. B. im Wörterbuch über das Geschlecht der Hauptwörter nur ganz ausnahmsweise etwas zu entnehmen ist, erscheinen sie hier regelmäßig in Verbindung mit dem (bestimmten oder unbestimmten) Artikel, also unter Geschlechtsbezeichnung. Diese aber weicht in zahlreichen Fällen von der in unserer Gemeinsprache üblichen ab (vgl. z. B. der Galm = das Kind, der Funk = das Feuer, der Flu[h]te = das Wasser [vgl. die Flut], der Stichling = die Gabel [aber — in Übereinstimmg. mit dem Deutsch. u. Französ. — die Furschet], die Model = das Mädchen, die Kitt = das Haus usw.). Zuweilen scheint auch der Sprachgebrauch zu schwanken. So findet sich z. B. in Nr. 7 der Sore = die Sache (in Übereinstimmg. u. a. mit dem W.-B. des Konst. Hans [254]), während an einer anderen Stelle (Nr. 26) das Wort als femin. gebraucht wird (pflanzte Sore = die gemachte Ware), was auch in der neueren Gaunersprache der Fall ist (vgl. z. B. [Griechisch: Ô] [Griechisch: S] in Z. V, 429 u. Rabben 124). In einzelnen Fällen ist aber kein Artikel gesetzt worden, während wir nach dem deutschen Text einen solchen erwarten würden, so z. B. in Nr. 23 (_Schefft Schnall nobis bibrisch? = Ist die Suppe nicht kalt?); Nr. 25 (Wo schefft Fehte? = Wo ist die Herberge?; … pflanzet Schaffel auf_ = … macht die Scheune auf; bohlet Säuftling in Rädling = tut [eigtl. werft] die Betten in den Wagen; … pflanzet Strauberts = … macht [euch] die Haare), namentlich auch dann, wenn schon ein anderes, mit (dem bestimmten od. unbestimmten) Artikel versehenes Hauptwort vorangestellt worden; vgl. z. B. Nr. 11 (_Ich schniff' ein Rande und Stenz = Ich nehme einen Sack und einen Stock mit); Nr. 19 (mit der dof Beizere und Beizer … = … mit der guten Wirtin und dem_ Wirt …); Nr. 25 (Linze die dof Latt und Klass = Schau [nur] den schönen Hirschfänger und das Gewehr).

Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax sich auch beim Gebrauch des »Jenischen« grundsätzlich den allgemeinen Regeln unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.

I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:

1. daß »des Nachdrucks halber Verneinungen doppelt (ja dreifach) gesetzt werden können, ohne einander aufzuheben« (Polle-Weise, Wie denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl. Näh. noch bei R. Hildebrand, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.). Beispiele: in Nr. 20 (… der kemeret nobis keine Stiebe … = … der kauft keine Bürsten …) u. Nr. 25 (… ich spann' nobis kei Kenem = … ich sehe keine Laus);

2. die Verwechselung des Dativs u. Akkusativs bei den _persönlichen Fürwörtern_ (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt). Beispiel: in Nr. 16 (Ich baus' mir = ich fürchte mich).

II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die Mundarten namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:

1. der Gebrauch des Nominativs statt des Akkusativs bei Hauptwörtern. Während sich für den umgekehrten Fall (also Gebrauch des Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter »ein« Nr. I: das ist einen guten Mann) m. Wiss. in Wittichs Jenisch kein Beispiel findet, enthält es für die zuerst genannte Besonderheit — außer einigen unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel ein ev. auch als Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere zweifelsfreie, so z. B. Nr. 11 (… _vielleicht bestiebemer ein Schmaler = … vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (… spann' sein dofer Oberman = … schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (… ich schwäch' ein Stielingsjohle_ = … ich trinke einen Birnenmost; … schwächt … Gefinkelter = … trinket … Branntwein), Nr. 25 (… ich bestieb' ein Stumpf = … ich bekomme einen Zorn; … _der Ruch pflanzt ein linker Giel_ = … der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.; 2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. wo statt des Relativpronomens welcher (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. _v. Schmid, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 828 (unter »wo«, lit. c). Beispiele: Nr. 21 (… _in dem Mochem, wo man spannt = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (… Ulme, wo kasperet_ = Leute, die zaubern).

III. Zum Teil gleichfalls auf die Mundarten beschränkt, zum Teil aber auch allgemein volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur neben den schriftdeutschen Formen auftretende) Veränderungen (namentlich Kürzungen) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1) des (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) Artikels; s. Nr. 11 (d' Schmaler = die Katzen); Nr. 18 (in de' Griffling = in der Hand; auf'em Kiebes = auf dem Kopfe); Nr. 19 (vor'm Jahne = vor einem Jahre); Nr. 25 (s' Glied = der Sohn; in's Steinhäufle = in die Stadt); bes. aber (betr. a' = ein [einer, eine]; vgl. dazu _v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 1 u. Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578): Nr. 24 a' jenisches Model; a' jenischer Fiesel); Nr. 25 (_a' Schuberle; a' Schafnas'; a' Finkelmoss); 2) des adj. Zahlpronomens kein (-ner, -ne) = kei' (vgl. dazu Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310); s. Nr. 25 (kei' Kenem = keine Laus); 3) _des besitzanzeigenden Fürworts mein (-ner, -ne) = mei'; s. z. B. Nr. 11 (mei' Keiluf_); Nr. 14 (mei' Patris); Nr. 15 (mei' Moss); Nr. 35 (mei' Kluper); 4) der persönlichen Fürwörter in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B. a) du = d'; s. z. B. Nr. 13 (bis d' umbohlst = bis du umfällst); b) dir = der; s. Nr. 27 (Schmusder nobis = sag' dir['s] nicht); c) dich = te in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden) Imperativform schupfte (für: schupf dich) = hör' auf (schweig' still); d) ihm = (e)m; s. Nr. 20 (ich schmusem's = ich sage es ihm); e) sie (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (hauretse …? = ist sie …?); Nr. 25 (ich … bukles' = ich trage sie); Nr. 28 (schniffse = nimm sie); Nr. 32 (gneistse lore …?); f) es (Nom. u. Akkus.) = 's; s. Nr. 8, 9, 18 (s' schefft od. s' hauret ein Sins = es ist ein Herr; ich spann's = ich sehe es; er gneist's = er merkt es); Nr. 19, 25 (s' hauret = es ist) u. a. m.; g) man = mer (vgl. dazu _v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 382 unter »mer«, Nr. 1; Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1433 unter »man«; auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1642 unter »mir«, lit. c); s. Nr. 22 (… da bestiebtmer nobis = … da bekommt man nichts); h) wir = mer oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. S. 533 unter »wir«; Fischer, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter »man« a. E.; Schmeller, a. a. O. I, Sp. 1641 unter »mir«, lit. b); Beispiele: [Griechisch: a]) für mer: Nr. 11 (bostemer = gehen wir; bestiebemer = bekommen wir); Nr. 19 (ruedlemer …? = fahren wir …?; buttemer …? = essen wir …?); Nr. 25 (Wo schlaunetmer = Wo schlafen wir?) u. a. m.; [Griechisch: b]) für mir: Nr. 25 (_Dann [Jetzt] pfichet mir in Sauft[linge] = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; bostet mir_ = gehen wir; pflanzet mir Blatt = übernachten wir im Freien; bestiebet mir = bekommen wir); i) ihr = er; s. Nr. 25 (durmeter noch nobis? = schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (haureter? = seid ihr?); k) euch = ich; s. Nr. 25 (schupfetich = seid still; der Koele mussich bukele = der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl. Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (hauerst begerisch? = bist du krank?); Nr. 6 (was sicherst? = was kochst du?); Nr. 13 (_in Nolle hauret = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (spannst nobis_ = siehst du nichts; dann scheffte schiebes = dann gehe ich fort; pflanze = mache ich) u. a. m.

IV. Auch allerlei Abkürzungen durch Weglassung der Endsilben (Buchstaben) oder der Anfangssilben — bei Haupt-, Eigenschafts-, Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. Beispiele: 1) für Kürzung durch Weglassung der Endsilbe -e (-en): a) bei Substantiven: Nr. 25 (a' Schafnas'); b) bei Adjektiven: u. a. Nr. 16 (_die jenisch Moss); Nr. 19 (mit der dof Beizere); Nr. 25 (in die dof Duft; die dof Latt) usw.; c) bei Adverbien: Nr. 11 und öfter (heut'_ [Leile] = heute [Nacht]; d) bei Verben: hier ist dieser Sprachgebrauch für _die erste Person Präsentis und den Imperativ_ so häufig, daß er fast als Regel erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen auch noch die volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar neben den kürzeren; vgl. z. B. (für die 1. Person Präs.) Nr. 16 (_Ich boste und beschrenk' = ich gehe und schließe zu) und (für den Imperativ_) Nr. 28 (Pflanz', doge mir ein Funkerle = Mach', gib mir ein Streichholz); 2) für Kürzung durch Weglassung der Anfangssilbe (ge-): bei Zeitwörtern (Partizipien): Nr. 17 ('buttet = gegessen); Nr. 25 (ein'bascht = eingekauft; 'pflanzte Sore = gemachte Ware; 'dalft = gebettelt); Nr. 33 ('dogt = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g' statt ge-; s. z. B. Nr. 24 (g'schallet = gesungen); Nr. 25 (abg'schunde Gleis, g'sprunkt, g'hauret usw.).

V. Eine spezielle (wohl auch auf mundartlichen Einfluß zurückzuführende) Eigentümlichkeit des Wittichschen Jenisch ist endlich noch der Gebrauch der Endsilbe -et statt des im Schriftdeutsch üblichen -en in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den Infinitiv, für die erste und für die dritte Person Pluralis des Präsens, wofür sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im _W.-B. des Konstanzer Hans_ (»Schmusereyen«) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 3, Anm. 4, S. 6 u. in dieser Anm. oben S. 73 sowie noch weiter unten die Anm. 2284 zu den »jenischen Schnadahüpfeln«). Beispiele: 1) für den Infinitiv: a) in W.-B. des Konst. Hans: 256 u. 258 (z' malochet = zu plündern; z' holchet = zu laufen); 259 (_z' kahlet und z' schwächet = zu essen und zu trinken); b) in Wittichs Sprachpr._: Nr. 12 (z' schwächet = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (_z' biket und z' schwächet = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (z' buttet_ = zu essen; z' dalfet = zu betteln); 2) für die erste Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konstanzer Hans: 256 (Holchet mir …? = Kommen wir …?); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 11 (_vielleicht bestiebemer … und spannet = vielleicht bekommen wir … und sehen); Nr. 18 (dass wir … schmuset = daß wir … sprechen); ebds. (wir pfichet_ = wir gehen); Nr. 19 (Schwächet und buttemer …? = Trinken und essen wir …?); Nr. 20 (Wir zeinet … und schefften schiebes = wir bezahlen … und gehen fort); Nr. 25 (wir kemeret = wir kaufen usw.); ebds. ([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von mer und mir = wir angeführt]: Wo schlaunetmer?; _Jetzt pfichet mir in Sauft; bostet mir; pflanzet mir Blatt; bestiebet mir_); 3) für die dritte Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konst. Hans: 256 (… den Kochem, die schiaunet = … den Dieben, die schlafen; S'e schmuset = sie sagen; Jetzt schwächet s'e = Jetzt trinken sie); 260 (… Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel = … Die Hatschier' sind für nichts, und die Herren sind gar nicht scharf); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 4 (_Buz und Scharle hauret … dof = Polizeidiener und Schultheiß sind … gut); Nr. 25 (Durmet die Schrawiner? = Schlafen die Kinder?; herles pfichet Ulme_ = hier kommen Leute; die Horboge hauret am Kaim = die Kühe gehören dem Juden) u. a. m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.]

[Fußnote 2284: ([2] auf S. 65.75) Nach dem Wörterbuch bedeutet ni(e)sich und nillich sowohl dumm als auch verrückt.]

[Fußnote 2285: ([1] auf S. 65.86) Das hier in Verbindung mit »wo« (für »woher«) vorkommende Wort schureles habe ich nicht ins jenisch-deutsche Wörterbuch eingestellt, weil es sehr schwierig erscheint, eine passende Verdeutschung dafür (ohne Rücksicht auf den ganzen Satz) zu geben. (Das einfache »her« würde kaum deutlich genug sein.) In der schwäbischen Händlersprache in Unterdeufstetten (213) ist schurles für »fort!« gebräuchlich. Dahingestellt lasse ich es auch sein, ob dieses Adverb — etwa gleich dem Zeitw. schurele(n) — noch in Verbindung mit dem — einen Aushilfscharakter an sich tragenden — Hauptw. Schure (Schurele) gebracht werden darf oder etwa anders zu erklären ist.]

[Fußnote 2286: ([2] auf S. 65.86) Eine wörtliche Übersetzung dieser Redensart erscheint nicht gut möglich. Ins W.-B. ist sie deshalb nicht mit eingetragen worden.]

VIII. Jenische Schnadahüpfel.[2287]

1.

Ei, g'want sein Kocheme, Denn sie tun nobis als schoren, Wann sie lore Rande füllen Und dof mit der Sore springen. Hei ja! Viva! Grandscharle was pflanzst du da?[2288]

[Fußnote 2287: ([1] auf S. 65.87) Wittich hat hierzu in einer Anmerkung bemerkt, daß er von einer Übersetzung dieser »Schnadahüpfel« abgesehen habe, weil teils ihr Sinn sich leicht mit Hilfe des jenisch-deutschen Wörterbuchs herausbringen lasse, teils dagegen (wie z. B. bei Nr. 3) eine Wiedergabe der jenischen Unflätigkeiten im Deutschen kaum möglich erscheine. Ich kann dem nur beistimmen. Die Gründe, weshalb ich von diesen »Schnadahüpfeln« — trotz ihres groben Inhalts — nichts gestrichen habe, sind in meiner »Vorbemerkung.«, S. 3, 4 angegeben worden.]

[Fußnote 2288: ([2] auf S. 65.87) Die Nummern 1 u. 2 (bezw. 4) der »Schnadahüpfel« stimmen (wie schon in der »Vorbemerkg.«, S. 3, Anm. 4 erwähnt) auffälligerweise dem Inhalte nach fast ganz und auch in der Form zum Teil noch mit »ein paar Strophen aus Jauner-Liedern« überein, die sich am Schluß des »Wörterbuchs des Konstanzer Hans« von 1791 (bei Kluge, Rotw. I, S. 260) abgedruckt finden. Da mir nun Wittich auf eine Anfrage hin versicherte, daß ihm das W.-B. des Konstanzer Hans gänzlich unbekannt gewesen sei, so muß man wohl schlechterdings annehmen, daß es sich hier um alte, bis in die Gegenwart hinein erhaltene Überlieferungen aus der Blütezeit des deutschen Gaunertums handelt, die bei den »jenischen Leuten« nur in der äußeren Form einige Abänderungen erfahren haben. — Von Nr. 1 lautet (nach Kluge, a. a. O.) die ältere Fassung folgendermaßen:

Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne) Dann sia thun nichts als Schofle; Wann sia kenne Rande fülla Und brav mit der Sore springa. Hei ja! Vi va! Grandscharrle, was machst du da?

Zu Kanofer, das auch das Pfulld. J.-W.-B. 338 (Kanoffer = Dieb; vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar zu jüd. chonef = »Heuchler, Betrüger«, chanufa = »Heuchelei« gestellt hat (vgl. dazu auch Weigand im »Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch hinzufügt, daß es »doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu ganfen, stehlen« sei.]

2. [65.88]

Schicksel, was hat auch der Kochem g'schmust? Er hat g'schmust: Wann er vom Schoren pficht, Schefft er gleich wieder zu mir[2289].

3.

Jann mei' Bos, Bos mei' Bos, Pflanz' mei Bos um, Bik' mein Schund, Zehnthalb Pfund, Weil der'n wohl gunnt!

4.

Model, was hat der Fiesel g'schmust, Wo er ist 'bostet zu dir? Er hat g'schmust, wenn er nobis eine andere bestiebt, Bostet er gleich wieder zu mir[2289].

5.

Do' drüben auf'm Bergele Haun i d' Derchermodel karessiert, No' hauret ihrs Schmunkschottele, Der Berg na' g'marschiert.

[Fußnote 2289: ([1] auf S. 65.88) Zu dieser Nummer (sowie auch zu Nr. 4) vgl. die folgende Fassung beim »Konstanzer Hans«:

Schicksal, was hot auch der Kochern g'schmußt, Wia er ist abgeholcht von dier? Er hat g'schmußt: Wann er vom Schornen holch, Scheft er gleich wieder zu mier. ]

6. [65.89]

Jenischer Benges, bist nena g'want, I schmelz dir in d'Griffling, No' bohlst da an d' Wand.

7.

Jesses Marerkele, vors Grandscharleskitt Grandscharleskitt, Grandscharleskitt, Wenn du mi' nobis schniffst, No' schmelz d'r in's G'nick. Holdri, Holdra, Holdro!

Nachträge.

Nachträge zu Band 63. Zu S. 5, Anm. 8: Die Verallgemeinerung des Wortes jenisch zu der Bedeutg. »klug« findet sich auch schon bei Thiele 259, dem Fröhlich 1851 gefolgt ist.

Zu S. 19, Anm. 48 a. E.: Mit dem zigeun. chadschē do parr, d. h. »gebrannter Stein« = Backstein steht in Übereinstimmg. in Wittichs W.-B. g'funkter Kies = Ziegelstein.

Zu S. 105, Anm. 173 a. E.: Der (im Anschluß an Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432) vertretenen Herleitung von Mamere = Mutter vom französischen ma mère steht entgegen, daß die rotw. Quellen ganz überwiegend die Vokabel mit mm (also Mammere od. [wie z. B. _v. Grolman 44 u. T.-G. 112 u. andere] Mammer_) schreiben, woraus zu schließen, daß der Ton auf die erste Silbe zu legen ist. Nach einer gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau (Wien) würde es sich deshalb wohl um das in den meisten Mundarten (auch im Schwäbischen [s. Fischer, a. a. O.]) bekannte Wort Mamme = Mutter handeln, das mit der Endung -re versehen worden. Zur Erklärung dieses Vorgangs aber vermag allerdings auch Landau nur zu verweisen auf »die polnisch-jüdische verächtliche Bezeichnung für Mutter: Mammeru (mit dem Hauptton auf a und der Pejorativendung -ru)«.

Zu S. 123, Anm. 229: Die Vokabel Ulme (-ma) = Leute findet sich in der Form Ohlen und mit der Bedeutg. »Welt« auch bei Pfister 1812 (303); vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. V, Sp. 55 unter »Olem« vbd. mit I, Sp. 448 unter »Aulem«.

Nachträge zu Band 64. Zu S. 138, Anm. 539 (Zeile 5 von unten) ist das non vor nobis zu streichen.

Zu S. 140, Anm. 550: Die Beschränkung des Ausdrucks Mokum auf die Bedeutung »Dorf« findet sich auch in der von H. Weber in Groß' Archiv, Bd. 59 veröffentlichten Liste von Wörtern der Kundensprache (s. das. S. 283 vbd. m. S. 266). Zu S. 174, Anm. 850: Eine Zusammensetzung mit Schuberle ist auch noch Schuberleweisling (d. h. eigentl. »Geistsonntag« = Pfingsten (worüber das Näh. schon S. 155, Anm. 689 [zu »Feiertag«] angeführt).

Zu S. 142, Anm. 565 vbd. mit S. 336, Anm. 1454 ist zu Flu(h)tegroanikele = Meerschweinchen zu bemerken, daß es sich hierbei wohl um eine Diminutivbildung von Groanikel handelt.

Zu S. 164/165, Anm. 763. Für Fünflamme = Schürze stellte mir Dr. _A. Landau_ die folgende Etymologie zur Verfügung, die in der Tat weniger gesucht erscheint als die von A.-L. 540 gegebene, der ich mich angeschlossen. Er denkt nämlich an die ältere Bedeutung von Flamm (Flamme) = »Haut, Lappen« (s. Grimm, D. W.-B. III, Sp. 1712, Nr. 2), wozu zu vgl. auch französ. flamme — »Lappen, Wimpel, Fähnchen« (vom lat. flamma). In den vom D. W.-B. III, Sp. 1714, Nr. 3 zitierten Stellen aus Musculus (»Hosenteufel«) scheint Flamme u. Hosenflamme soviel wie »Hosenlatz« zu bedeuten. Fünflamm(e) wäre demnach aus Flamm(e) analog gebildet wie Fürfleck = »Schurzfell, Schürze« (s. D. W.-B. IV 1, 1, Sp. 727; vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 786) aus Fleck (Grundbedtg.: »pannus, Lappen, Fetzen«; s. D. W.-B. III, Sp. 1741, Nr. 1). Vgl. auch Fürschurz u. bes. noch Fürtuch (= »[Weiber-]Schürze«; s. Näh. D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 920/21, Nr. 2).

Zu S. 180, Anm. 929: Gari = penis ist (nach Pollak 213) auch noch der neueren Wiener Gaunersprache bekannt.

Nachtrag zu Band 65. Zu S. 65, Anm. 2262: In rotwelschen Quellen des 19. Jahrhunderts (so z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [326], _v. Grolman 46 u. T.-G. 130 u. Karmayer_ G.-D. 209) kommt das Wort Massi(c)k auch für »Schwätzer« oder »Verräter« vor. Man könnte dabei an einen Zusammenhang mit dem rotw. massern, hebr. masr = »verraten« (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 76) denken; jedoch kann sich jene Bedeutung auch ohne dem entwickelt haben, da es ja nur begreiflich ist, daß die Gauner, um ihren gefährlichsten Feind, den Verräter, zu bezeichnen, zu den stärksten Ausdrücken greifen.

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Anmerkungen zur Transkription

Dieses Buch ist ursprünglich erschienen als eine Serie von Artikeln in: Groß, Hans (Hrsg.); Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik, F. C. W. Vogel, Leipzig; Bd. 63 (1915), S. 1-46, 97-133, 372-396; Bd. 64 (1915), S. 127-183, 297-355; Bd. 65 (1916), S. 33-89. Die einzelnen Artikel wurden zu einem zusammenhängenden Text vereinigt. Fortsetzungshinweise und Wiederholungen der Zwischenüberschriften wurden entfernt und die »Nachträge« am Ende der jeweiligen Artikel an einer Stelle zusammengefaßt. Seitennummern wurden durch Voranstellung der Nummer des jeweiligen Bandes des »Archivs« ergänzt.

Die Fußnoten mußten vom Fließtext getrennt und durchgängig neu numeriert werden. Auf Grund der großen Anzahl von Fußnoten (2289) und der zahllosen Querverweise zwischen den Fußnoten wurde eine Liste der ursprünglichen Nummern, der entsprechenden neuen Nummern und der zugehörigen Seitennummern zum Vergleich weiter unten angefügt.

Außerdem wurden die Fußnoten mit der ursprünlichen Nummer sowie der Seitennummer markiert.

Einige Seiten enthielten nur Fußnoten. Die entsprechenden Seitennummern wurden entfernt.

Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie hier gekennzeichnet. Fettdruck wurde ¶so¶ markiert.

Offensichtliche Fehler wurden berichtigt, teilweise unter Verwendung der zitierten Quellenliteratur. Eine Liste der Änderungen findet sich weiter unten. Der folgende Fall ließ sich nicht eindeutig klären: Anm. 302, »topor«: Am Ende des russischen Wortes topor (Axt) erscheint im Druck ein Buchstabe, der wie ein kleines b oder das Weichheitszeichen des kyrillischen Alphabetes aussieht, dort aber nicht hingehört (entfernt).

Liste der Änderungen am Originaltext

Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 63.7]: … jenischem Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit … … jenischen Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit …

[S. 63.8]: … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; c) das … … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; d) das …

[S. 63.14]: … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffee [s. oben]), das zwar »Junggeselle« und … … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar »Junggeselle« und …

[S. 63.19]: … grundsätzlich die Methode beobachtet, das jedesmal dort zu einer … … grundsätzlich die Methode beobachtet, daß jedesmal dort zu einer …

[S. 63.33]: … Zahnfleich). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur Schwäb. Händlerspr. … … Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur Schwäb. Händlerspr. …

[S. 63.42]: … Erkärung gegeben. … … Erklärung gegeben. …

[S. 63.43]: … Gauerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z. B. auch … … Gaunerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z. B. auch …

[S. 63.100]: … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in den … … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem …

[S. 63.105]: … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwachet mich = es dürstet … … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwächet mich = es dürstet …

[S. 63.107]: … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr« (s. d. Vok. … … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr« (s. d. Vork. …

[S. 63.107]: … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimien. Sinsle = Junker]) sind: a) im Anfang: … … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. Sinsle = Junker]) sind: a) im Anfang: …

[S. 63.107]: … (fem. -sinse = Quatierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr, Dupfsins = … … (fem. -sinse = Quartierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr, Dupfsins = …

[S. 63.109]: … (dazu die Verbdg. biblicher Schuberle = heiliger Geist). In dem verw. … … (dazu die Verbdg. bliblicher Schuberle = heiliger Geist). In dem verw. …

[S. 63.109]: … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter »böse«); mit auspfanzen ist … … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter »böse«); mit auspflanzen ist …

[S. 63.115]: … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 97 (schmusen = reden); W.-B. des … … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (schmusen = reden); W.-B. des …

[S. 63.120]: … = Taschenspieler. In den verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, … … = Taschenspieler. In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, …

[S. 63.130]: … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzem«, Bremser = »Furz«). Die Etymologie … … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzen«, Bremser = »Furz«). Die Etymologie …

[S. 63.390]: … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammgesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), … … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammengesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), …

[S. 64.130]: … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343, 34ö, 34ô (Sore … … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343, 345, 346 (Sore …

[S. 64.136]: … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 91 (Schiebes[-]machen = durchgehen … … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Schiebes[-]machen = durchgehen …

[S. 64.138]: … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u. dritten Perf. Präs. (als … … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u. dritten Pers. Präs. (als …

[S. 64.138]: … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in nobis des no als … … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in nobis das no als …

[S. 64.147]: … s. A.-L. 524). Der Etymolgie nach erscheint biberen (wie auch das gemeinspr. … … s. A.-L. 524). Der Etymologie nach erscheint biberen (wie auch das gemeinspr. …

[S. 64.149]: … Zusammensetzgn. gebildet: Srohbutzerstenkert = Gänsestall, … … Zusammensetzgn. gebildet: Strohbutzerstenkert = Gänsestall, …

[S. 64.150]: … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 95 ([einen] kneisen = [einen … … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen = [einen …

[S. 64.155]: … [288]), für dem »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419]; vgl. in der neueren … … [288]), für den »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419]; vgl. in der neueren …

[S. 64.170]: … sind gebildet die Verbindung grandich Stohbutzer = Schwan (s. … … sind gebildet die Verbindung grandich Strohbutzer = Schwan (s. …

[S. 64.178]: … dem verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u. Kundenspr. die … … den verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u. Kundenspr. die …

[S. 64.181]: … Goldstück, Füchsle od. Godfüchsle … … Goldstück, Füchsle od. Goldfüchsle …

[S. 64.182]: … große Dame, grandische Sense … … große Dame, grandiche Sense …

[S. 64.303]: … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jensich statt schenzieren richtiger … … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jenisch statt schenzieren richtiger …

[S. 64.311]: … ([152] auf S. 64.311) S. Subtantivierung des Adjektives grandich; vgl. »Vorbemerkung«, … … ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives grandich; vgl. »Vorbemerkung«, …

[S. 64.314]: … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri monteia, d. h. »Wasserberg« od. … … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri montaia, d. h. »Wasserberg« od. …

[S. 64.314]: … Anm. 2 a. E. (über einem Einfluß auch des deutschen Zeitw. »kennen« bei dem … … Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw. »kennen« bei dem …

[S. 64.316]: … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende Zusammensetzgn.: Süs(s)plengnolle … … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende Zusammensetzgn.: Süs(s)lengnolle …

[S. 64.319]: … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Ciral«); Liebich, S. 142 u. 213 … … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Giral«); Liebich, S. 142 u. 213 …

[S. 64.329]: … Brot« (s. Liebisch, S. 138 u. 218). … … Brot« (s. Liebich, S. 138 u. 218). …

[S. 64.340]: … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies- od. Lobepfanzer) … … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies- od. Lobepflanzer) …

[S. 64.342]: … nacht, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od. auskluftet … … nackt, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od. auskluftet …

[S. 64.345]: … Ochenmaulsalat, Hornikelgielblättling … … Ochsenmaulsalat, Hornikelgielblättling …

[S. 64.351]: … Begriff negativ umschrieben dursh tschi tschātscho (od. ladscho) radíngĕro … … Begriff negativ umschrieben durch tschi tschātscho (od. ladscho) radíngĕro …

[S. 65.35]: … = Scheuer); Schwäb. Händerspr. (Lütz. [215]: Schafell = Scheune). … … = Scheuer); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Schafell = Scheune). …

[S. 65.36]: … Schinken, Schwäzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- … … Schinken, Schwärzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- …

[S. 65.38]: … schmelzen (richtiger wohl: schmälzen), schmunken … … schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), schmunken …

[S. 65.39]: … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -planzer) anbrennen. … … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -pflanzer) anbrennen. …

[S. 65.41]: … Schwester, Glied, Model; vgl. Gsschwister … … Schwester, Glied, Model; vgl. Geschwister …

[S. 65.56]: … verlängere, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) … … verlängern, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) …

[S. 65.64]: … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebisch, S. 159 u. 262) … … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebich, S. 159 u. 262) …

[S. 65.70]: … Schure (shcurele) s. abbiegen. … … Schure (schurele) s. abbiegen. …

[S. 65.87]: … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntex sich … … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax sich …

[S. 65.87]: … oder (etwa seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. … … oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. …

[S. 65.89]: … eine Diminitivbildung von Groanikel handelt. … … eine Diminutivbildung von Groanikel handelt. …

Liste der Fußnotennummern vor und nach der durchgehenden Neunumerierung

Band 63

S. 2 [1]: [1], S. 2 [2]: [2], S. 3 [1]: [3], S. 3 [2]: [4], S. 4 [1]: [5], S. 4 [2]: [6], S. 5 [1]: [7], S. 5 [2]: [8], S. 6 [1]: [9], S. 6 [2]: [10], S. 6 [3]: [11], S. 6 [4]: [12], S. 7 [1]: [13], S. 7 [2]: [14], S. 7 [3]: [15], S. 7 [4]: [16], S. 8 [1]: [17], S. 8 [2]: [18], S. 8 [3]: [19], S. 8 [4]: [20], S. 8 [5]: [21], S. 8 [6]: [22], S. 9 [1]: [23], S. 9 [2]: [24], S. 10 [1]: [25], S. 10 [2]: [26], S. 10 [3]: [27], S. 11 [1]: [28], S. 12 [1]: [29], S. 13 [1]: [30], S. 13 [2]: [31], S. 13 [3]: [32], S. 13 [4]: [33], S. 14 [1]: [34], S. 15 [1]: [35], S. 15 [2]: [36], S. 15 [3]: [37], S. 15 [4]: [38], S. 16 [1]: [39], S. 16 [2]: [40], S. 17 [1]: [41], S. 17 [2]: [42], S. 17 [3]: [43], S. 17 [4]: [44], S. 18 [1]: [45], S. 18 [2]: [46], S. 18 [3]: [47], S. 19 [1]: [48], S. 19 [2]: [49], S. 19 [3]: [50], S. 20 [1]: [51], S. 20 [2]: [52], S. 21 [1]: [53], S. 22 [1]: [54], S. 22 [2]: [55], S. 23 [1]: [56], S. 23 [2]: [57], S. 23 [3]: [58], S. 24 [1]: [59], S. 24 [2]: [60], S. 25 [1]: [61], S. 26 [2]: [62], S. 26 [3]: [63], S. 26 [4]: [64], S. 26 [5]: [65], S. 26 [6]: [66], S. 26 [7]: [67], S. 26 [8]: [68], S. 26 [9]: [69], S. 26 [10]: [70], S. 26 [11]: [71], S. 27 [12]: [72], S. 27 [13]: [73], S. 27 [14]: [74], S. 27 [15]: [75], S. 27 [16]: [76], S. 27 [17]: [77], S. 27 [18]: [78], S. 27 [19]: [79], S. 27 [20]: [80], S. 28 [21]: [81], S. 28 [22]: [82], S. 28 [23]: [83], S. 28 [24]: [84], S. 28 [25]: [85], S. 28 [26]: [86], S. 28 [27]: [87], S. 28 [28]: [88], S. 28 [29]: [89], S. 28 [30]: [90], S. 28 [31]: [91], S. 28 [32]: [92], S. 29 [1]: [93], S. 29 [2]: [94], S. 29 [3]: [95], S. 29 [4]: [96], S. 30 [5]: [97], S. 30 [6]: [98], S. 30 [7]: [99], S. 30 [8]: [100], S. 30 [9]: [101], S. 30 [10]: [102], S. 30 [11]: [103], S. 30 [12]: [104], S. 30 [13]: [105], S. 30 [14]: [106], S. 30 [15]: [107], S. 30 [16]: [108], S. 30 [17]: [109], S. 30 [18]: [110], S. 30 [19]: [111], S. 30 [20]: [112], S. 30 [21]: [113], S. 30 [22]: [114], S. 30 [23]: [115], S. 30 [24]: [116], S. 31 [1]: [117], S. 31 [2]: [118], S. 31 [3]: [119], S. 33 [4]: [120], S. 33 [5]: [121], S. 34 [6]: [122], S. 34 [7]: [123], S. 35 [8]: [124], S. 35 [9]: [125], S. 36 [10]: [126], S. 37 [11]: [127], S. 37 [12]: [128], S. 37 [13]: [129], S. 38 [14]: [130], S. 38 [15]: [131], S. 39 [16]: [132], S. 39 [17]: [133], S. 39 [18]: [134], S. 40 [19]: [135], S. 40 [20]: [136], S. 40 [21]: [137], S. 41 [22]: [138], S. 41 [23]: [139], S. 42 [24]: [140], S. 43 [25]: [141], S. 43 [26]: [142], S. 43 [27]: [143], S. 43 [28]: [144], S. 43 [29]: [145], S. 43 [30]: [146], S. 44 [31]: [147], S. 45 [32]: [148], S. 46 [33]: [149], S. 46 [34]: [150], S. 97 [1]: [151], S. 97 [2]: [152], S. 97 [3]: [153], S. 98 [4]: [154], S. 98 [5]: [155], S. 98 [6]: [156], S. 98 [7]: [157], S. 99 [8]: [158], S. 100 [9]: [159], S. 100 [10]: [160], S. 100 [11]: [161], S. 100 [12]: [162], S. 100 [13]: [163], S. 100 [14]: [164], S. 100 [15]: [165], S. 103 [16]: [166], S. 103 [17]: [167], S. 103 [18]: [168], S. 104 [19]: [169], S. 104 [20]: [170], S. 104 [21]: [171], S. 105 [22]: [172], S. 105 [23]: [173], S. 107 [24]: [174], S. 107 [25]: [175], S. 107 [26]: [176], S. 107 [27]: [177], S. 108 [28]: [178], S. 108 [29]: [179], S. 109 [30]: [180], S. 109 [31]: [181], S. 109 [32]: [182], S. 109 [33]: [183], S. 110 [34]: [184], S. 110 [35]: [185], S. 111 [36]: [186], S. 111 [37]: [187], S. 111 [38]: [188], S. 112 [39]: [189], S. 113 [40]: [190], S. 113 [41]: [191], S. 113 [42]: [192], S. 113 [43]: [193], S. 114 [44]: [194], S. 114 [45]: [195], S. 114 [46]: [196], S. 115 [47]: [197], S. 115 [48]: [198], S. 115 [49]: [199], S. 116 [50]: [200], S. 116 [51]: [201], S. 116 [52]: [202], S. 116 [53]: [203], S. 116 [54]: [204], S. 116 [55]: [205], S. 116 [56]: [206], S. 117 [57]: [207], S. 117 [58]: [208], S. 117 [59]: [209], S. 117 [60]: [210], S. 117 [61]: [211], S. 117 [62]: [212], S. 118 [63]: [213], S. 118 [64]: [214], S. 119 [65]: [215], S. 119 [66]: [216], S. 119 [67]: [217], S. 120 [68]: [218], S. 120 [69]: [219], S. 120 [70]: [220], S. 120 [71]: [221], S. 121 [72]: [222], S. 121 [73]: [223], S. 121 [74]: [224], S. 122 [75]: [225], S. 123 [76]: [226], S. 123 [77]: [227], S. 123 [78]: [228], S. 123 [79]: [229], S. 123 [80]: [230], S. 123 [81]: [231], S. 123 [82]: [232], S. 123 [83]: [233], S. 123 [84]: [234], S. 124 [85]: [235], S. 124 [86]: [236], S. 124 [87]: [237], S. 124 [88]: [238], S. 124 [89]: [239], S. 125 [90]: [240], S. 125 [91]: [241], S. 125 [92]: [242], S. 126 [93]: [243], S. 126 [94]: [244], S. 126 [95]: [245], S. 126 [96]: [246], S. 126 [97]: [247], S. 127 [98]: [248], S. 127 [99]: [249], S. 127 [100]: [250], S. 127 [101]: [251], S. 127 [102]: [252], S. 127 [103]: [253], S. 127 [104]: [254], S. 128 [105]: [255], S. 128 [106]: [256], S. 128 [107]: [257], S. 128 [108]: [258], S. 128 [109]: [259], S. 129 [110]: [260], S. 129 [111]: [261], S. 129 [112]: [262], S. 129 [113]: [263], S. 129 [114]: [264], S. 130 [115]: [265], S. 130 [116]: [266], S. 130 [117]: [267], S. 130 [118]: [268], S. 130 [119]: [269], S. 130 [120]: [270], S. 130 [121]: [271], S. 130 [122]: [272], S. 130 [123]: [273], S. 130 [124]: [274], S. 130 [125]: [275], S. 130 [126]: [276], S. 130 [127]: [277], S. 130 [128]: [278], S. 131 [129]: [279], S. 131 [130]: [280], S. 131 [131]: [281], S. 131 [132]: [282], S. 131 [133]: [283], S. 131 [134]: [284], S. 131 [135]: [285], S. 131 [136]: [286], S. 131 [137]: [287], S. 131 [138]: [288], S. 131 [139]: [289], S. 132 [140]: [290], S. 132 [141]: [291], S. 132 [142]: [292], S. 132 [143]: [293], S. 132 [144]: [294], S. 132 [145]: [295], S. 133 [146]: [296], S. 133 [147]: [297], S. 133 [148]: [298], S. 133 [149]: [299], S. 133 [150]: [300], S. 133 [151]: [301], S. 133 [152]: [302], S. 372 [1]: [303], S. 372 [2]: [304], S. 372 [3]: [305], S. 372 [4]: [306], S. 373 [5]: [307], S. 373 [6]: [308], S. 373 [7]: [309], S. 373 [8]: [310], S. 374 [9]: [311], S. 374 [10]: [312], S. 374 [11]: [313], S. 374 [12]: [314], S. 374 [13]: [315], S. 374 [14]: [316], S. 374 [15]: [317], S. 374 [16]: [318], S. 375 [17]: [319], S. 375 [18]: [320], S. 375 [19]: [321], S. 375 [20]: [322], S. 375 [21]: [323], S. 375 [22]: [324], S. 376 [23]: [325], S. 376 [24]: [326], S. 377 [25]: [327], S. 377 [26]: [328], S. 378 [27]: [329], S. 378 [28]: [330], S. 378 [29]: [331], S. 378 [30]: [332], S. 378 [31]: [333], S. 379 [32]: [334], S. 379 [33]: [335], S. 380 [34]: [336], S. 380 [35]: [337], S. 380 [36]: [338], S. 380 [37]: [339], S. 380 [38]: [340], S. 380 [39]: [341], S. 380 [40]: [342], S. 380 [41]: [343], S. 380 [42]: [344], S. 380 [43]: [345], S. 380 [44]: [346], S. 380 [45]: [347], S. 381 [46]: [348], S. 381 [47]: [349], S. 381 [48]: [350], S. 381 [49]: [351], S. 381 [50]: [352], S. 381 [51]: [353], S. 381 [52]: [354], S. 382 [53]: [355], S. 382 [54]: [356], S. 382 [55]: [357], S. 382 [56]: [358], S. 383 [57]: [359], S. 383 [58]: [360], S. 383 [59]: [361], S. 383 [60]: [362], S. 383 [61]: [363], S. 383 [62]: [364], S. 384 [63]: [365], S. 384 [64]: [366], S. 384 [65]: [367], S. 384 [66]: [368], S. 384 [67]: [369], S. 384 [68]: [370], S. 384 [69]: [371], S. 384 [70]: [372], S. 385 [71]: [373], S. 385 [72]: [374], S. 385 [73]: [375], S. 385 [74]: [376], S. 385 [75]: [377], S. 385 [76]: [378], S. 385 [77]: [379], S. 386 [78]: [380], S. 386 [79]: [381], S. 386 [80]: [382], S. 386 [81]: [383], S. 386 [82]: [384], S. 386 [83]: [385], S. 387 [84]: [386], S. 387 [85]: [387], S. 387 [86]: [388], S. 387 [87]: [389], S. 387 [88]: [390], S. 387 [89]: [391], S. 388 [90]: [392], S. 388 [91]: [393], S. 388 [92]: [394], S. 388 [93]: [395], S. 388 [94]: [396], S. 388 [95]: [397], S. 388 [96]: [398], S. 388 [97]: [399], S. 389 [98]: [400], S. 389 [99]: [401], S. 389 [100]: [402], S. 389 [101]: [403], S. 389 [102]: [404], S. 389 [103]: [405], S. 389 [104]: [406], S. 389 [105]: [407], S. 390 [106]: [408], S. 390 [107]: [409], S. 390 [108]: [410], S. 390 [109]: [411], S. 390 [110]: [412], S. 390 [111]: [413], S. 390 [112]: [414], S. 391 [113]: [415], S. 391 [114]: 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Band 64

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Band 65

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End of Project Gutenberg's Die jenische Sprache, by Engelbert Wittich

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