EROTICA ROMANA
I
Hier in dem Garten gepflanzt, und hier soll ich die Blumen der Liebe – Wie mich die Muse gelehrt, ordnen in Beete mit Fleiß: Fruchtbare Zweige, die goldene Früchte des Lebens mir tragen, Setzt’ ich in glücklich’re Zeit, pfleg’ ich mit Lust heute noch. Du, steh’ mir bei, mein Priap, wenn auch vor Dieben ich weiter Nichts zu besorgen nicht hab’. Pflücke, wer immer nur will! Heuchler sind’s, die da kommen! Wenn einer der Sünder, von Schande Und von gewissenhaftem Druck, glotzt nun in meinen Garten, Scheltend die reine Natur, so strafe den Schlingel am Hinter – Mit dem Pfahl, der so rot dort an dem Leibe dir steht.
II
Saget, ihr Steine, mir an! O sprecht, ihr hohen Paläste! Stumme Gassen, auf! Genius, regst du dich nicht? Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern, Ewiges Rom; nur mir schweigen noch immer sich aus. Wer flüstert mir denn zu, bei welcher Gelegenheit find’ ich Doch das Fenster, das mich, das mich die Liebende zeigt? Kann ich die Wege noch nicht, die ich zu ihr und von ihr Gehe, die Zeit zu verzehr’n, die ich so köstlich besitze? Kirchen besuch’ ich und Ruinen und Paläste und Säulen, Ein vernünftiger Mann lernt auch bei dieser Gelegenheit. Wenn das Geschäft nun getan, so wird doch endlich ein Tempel, Amors Tempel mich auch, den Eingeweihten, empfahn. Rom, du bist eine Welt; doch außer der Liebe wäre Die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.
III
Mehr als ich jemals gehofft, ich habe das Glückliche funden! Cupido führte mich klug an den Palästen vorbei. Er weiß wohl (und ich hab’ es auch endlich erfahren), was unter Reichen Tapeten, was gold’ne Kabinette verbergen. Mag man ihn nennen den blinden, den leichtfertigen Knaben – Ich kenne dich, kluger Gott! O, unbestechlicher Gott! Nicht in die hohen Fassaden hat er mich locken wollen; Finstere Gänge, den Balcon sah ich an mir vorbeigehn, Bis an ein niedriges, hübsches Portal der Führer mich leitete, Das mir das Heil der Such’ und das Finden versprach. Hier gewährt er mir alles, was ich verlange, und täglich Streut er mir frische Rosen auf den Pfad des Genuss’. Ist das nicht Himmel auf Erden? Sag’, schöne Borghese, Was gibst du mir noch? Du, Nipotina, was dein? Gastmahl, Spiel und Oper, Bälle und Corso, was helfen Diese dem Liebenden, wenn er den Augenblick nutzt? Pracht und Stolz verführen mich nicht. Hebt man das Gewande Aus dem feinsten Brokat nicht wie die wollene Tracht? Will sie den Liebenden sanft an den Busen drücken, so will er Dass sie von Spangen und von Ketten befreit sei, gewiss. Muss nicht der Schmuck, die Spitze, das Korsett, das Fischbein Alles herunter, wenn er fühlen will, was sie empfindet? Solche Beschwerden hab’ ich nicht. Ein einfaches Kleid aus Loden, Fällt bei der Berührung schon, in Falten, gleich auf den Boden. Schnell trägt er sie, das Hemd nur an dem Leibe, die Kleine, Wie ein Pfleger, wohlauf, spielend in’s Bette hinein. Satin-Decken fehlen; die Matratze ist ungestickt. Groß ist der Raum, das Bett bietet Behagen für zwei. Jupiter gönne der Juno das Mehr, wenn er’s haben kann; Jeder Sterbliche finde Ruh’, wo er sie eben nur mag. Wir begnügen uns mit des Cupido reinen Genüssen, Und mit dem Knarren des Betts, das sich so herrlich bewegt.
IV
Frage, wen du nur willst, du erfährst nicht, wo ich gehaust, Unter der hohen Welt, bei den feinen Damen und Herren. „Sagt, war Werther ein wahrer Mann? Ist das alles geschehen?“ „Lotte, ach wo hat sie wohl, Lotte, die Liebende, gelebt?“ Wie oft hab’ ich verwünscht die leichtfertigen Blätter, die meine Leidenschaft meiner Jugend, der ganzen Welt nun verrieten! Wäre er mein Bruder, ich hätte den Werther erschlagen. Doch sein trauriger Geist hätte nicht schlimmer gerächt. So folgt das Lied „Marlborough“ den Engländern auf ihren Reisen Von Frankreich nach Livorno, von Livorno nach Rom, Nach Neapel hinab, und flieht er gar nach Madras noch, „Marlborough“ singt man im Hafen, „Marlborough“ singt man im Land. Glücklich bin ich entflohen, und meine Geliebte kennt Werther Und Lotte nicht, noch weiß sie, wer wohl der Fremde hier sei: Dass ein Fremder, ein lustiger Mann, der über die Berge Kam und die schneeigen Höh’n, in einem Hause gewohnt.
V
Zürne nicht, Liebste, dass du so schnell dich mir hast ergeben; Keinen Gedanken des Schmähs hege ich gegen dich wohl. Amors Pfeile sind verschieden. Einige ritzen: Langsam und giftig wirken sie uns über Jahre hinweg. Aber mit geschliffener Spitze, mit Federn wohlversehen, Andere dringen bis an das Mark, entzünden das Blut. Als die Götter und Göttinnen in den Tagen der Helden liebten, Folgte der Lust der Blick, und das Verlangen war schnell. Glaubst du, die Göttin der Liebe bedachte sich lange, als sie Im Ideischen Hain Anchises den Liebenden sah? Zögerte Luna, den schönen Schläfer zu küssen? Es hätte Sonst die eifersüchtige Morgenröte den Jungen geweckt. Bei dem Mahle sah Hero Leander – und mitten in’s Wasser Stürzte der Liebende sich, eilte zur Liebsten hinab. Als Rhea Silvia, die Königstochter, zum Tiber hinunter Wasser zu schöpfen ging, nahm sie ein Gott, und so zeugte Mars sich Söhne, ein Paar, die eine Wölfin gesäugt hat. Heute nennt sich das stolze Rom die Herrin der Welt.
VI
Fromm sind wir Liebende, wir, und wir ehren die Götter und Göttinnen Jede, hoffend auf Huld, jede bei ihrer Gelegenheit. Wir sind, wie ihr, ihr siegreichen Römer, und stellen den Göttern Aller Völker und Stämme, über die Welt hin, ein Heim – Ob Ägypter, schwarz und aus ehernem Basalt uns erscheinen, Oder in Marmor ein Grieche, freundlich und weiß uns erfreut – Dennoch haben die Ewigen nichts gegen ein Einzelnes (Weihrauch, Köstlich, streuen wir ja nur für die Eine allein). Darum bekennen wir gern, dass wir eine der Göttinnen wählen Und nur ihr unsere Pflicht, täglich, mit Andacht, erweisen. Muntere Priester sind wir bei diesen geheimen Gesängen, Schweigen geziemt dem Ritus, den wir so innig vollziehn. Eher noch würden wir uns die Furien auf die Fersen Halsen, des Zeus’ Strafe, eher noch würden wir wohl – Unter den Felsen gebunden, am rollenden Rade – erdulden, Als wir uns von der Weihe der Liebe ziehen nur ab. Süße Gelegenheit, so ist ihr Name. Du sollst ihr begegnen. Oft erscheint sie dir, immer in neuer Gestalt. Proteus’ Tochter mag sie wohl sein, die Thetis ihm schenkte. In Verwandlungen haben sie manchen Helden getäuscht. So betört die Tochter den Naiven, und blendet den Toren, Neckt ihn, wenn er schläft; wenn er erwacht, ist sie fort. Eifrig gibt sie sich nur dem Schnellen, dem Tätigen hin. Dieser findet sie zahm, spielend und zärtlich und weich. Einmal erschien sie mir auch: ein dunkles Mädchen, die Locken Fielen ihr dicht und schwer über die Stirne herab. Um den zierlichen Hals rollten sich kleine Ringel, Auf dem Wirbel des Kopfes kräuselte sich das Haar. Als sie vorüberlief, fasst’ ich sie, täuschte mich nicht. Sie erwiderte Kuss und Umarmung, wusste und lehrte mich wie. O, wie entzückt war ich! Ach, sag’ nichts mehr. Es ist Vergangenheit. Aber, o Zöpfe von Rom, noch bin ich darin verstrickt.
VII
Glücklich fühl’ ich mich nun auf klassischem Boden, begeistert. Stimmen der Vorzeit sprechen hier, eindringlich, zu mir. Altem Rate folgend, durchblätter’ ich mit emsiger Hand Der Alten Werke. Täglich erneuert sich das Vergnügen. Aber nachts, auf eine andere Weise, beschäftigt mich Amor – Ist die Gelehrsamkeit halb, doppelt ist die Lust. Werde ich nicht auch weise, wenn ich den Busen der Liebsten Forme, und sanft die Hüften mit meinen Händen umspann’? Ich begreife, Wenn ich reflektiere, das erste Verständnis des Marmors, Sehe mit fühlendem Aug’, fühle mit sehender Hand. Wenn mir die Liebste auch raubt die Stunden des hellen Tages, Gibt sie mir nachts die Entschädigung, voll und ganz. Und wir tun mehr als nur küssen; wir halten vernünftige Reden (Wenn sie in Schlaf versinkt, lässt mir das Zeit zum Nachsinnen). In ihren Armen – es ist keineswegs ungewöhnlich – hab’ ich gedichtet Und das Metrum des Hexameters auf ihren Rücken geklopft. Meine Finger zählten im Takt mit dem süßen, rhythmischen Atem Ihres Schlafes. Ihr Hauch dringt aus der Tiefe in mich. Cupido, während er die Flamme der Lampe schürt, denkt wohl an jene Tage, Da er den Triumvirn ähnliche Dienste erwies.
VIII
„Kannst du so grausam sein, mich mit Vorwürfen so zu bedrücken? Deutsche sprechen, so scheint’s, bitter, wenn sie nun lieben. Tragen muss ich’s, wenn das Geschwätz der Nachbarn mich anklagt: Ich bin schuldig – Oder bin ich es nicht? Ach, meine Schuld war bei dir. Kleider, die du mir gabst, sie zeugen den neidischen Nachbarn, Dass die arme Witwe nicht mehr um den Gatten allein trauert. Hast du mich nicht in der Maske eines Klerikers besucht, Eingemummt in den Mantel, das Haar so rund hinten geschnitten? Wer war’s, der den grauen Mönch wählte, wenn nicht du? Nun ein Prälat Ist mein Geliebter – Ach, wer ist mein Prälat als du? Niemals, so unglaublich es klingt in dieser klerikalen Stadt, Hat mich ein Kleriker – schwören will ich’s – in sein Bett gebracht. Ich war arm genug, leider. Ich war jung. Die Verführer Wussten es wohl. Falconier sah mich oft genug an. Einer der Kuppler des Albani, mit Billets doux sehr eindrucksvoll, Rief mich nach Ostia einst. Quattro Fontani das nächste Mal. Wer war’s, der nicht erschien? Wer, als das Mädchen, das eben Hasste von ganzem Herzen die Strümpfe, die roten und violetten. Denn: ‚Am Ende seid ihr armen Mädchen die, die betrogen werden.‘ So sagte mein Vater, obwohl – meine Mutter war nicht sehr beeindruckt. Vater hatte recht. Hier stehe ich am Ende, betrogen und gescholten. Du glaubst deine eigenen Worte nicht. Sie sind der Vorwand zur Flucht. Geh dann. Männer sind der Frauen nicht wert. Wir, die wir eure Kinder Nahe dem Herzen tragen, in diesen Herzen tragen wir Treue auch. Ihr Männer, wenn ihr eure Potenz in unseren Armen verschwendet Und das Verlangen verfliegt, mit ihm vergeht auch die Liebe.“ Dies gesagt, nimmt sie das Kind vom Stuhl, mein Geliebte, Drückt es ans Herz, küsst es, Tränen in ihren Augen. Ich schäme mich nun so sehr, dass ich zugelassen habe, Dass das Geschwätz der Nachbarn ein so beredtes Bild verdarb. Einen kurzen Moment mag ein Feuer dunkel brennen, während Rauch es umwirbelt. Wasser, auf die Kohlen gegossen, erstickt ihr Glühen im Nu. Schnell dann überwindet neue Hitze die niederen Dämpfe, Sendet eine Flamme empor, die neu und mächtiger glänzt.
IX
Wie glücklich bin ich hier in Rom, wenn ich an die schlechten Tage Denke, weit dort im Norden, in graues Licht eingehüllt. Über meinem Kopf lastete dort der Himmel, so düster und trübe; Farblos, formlos lag jene Welt um den Erschöpften herum. Mich in mir selbst suchend, ein unbefriedigter Geist, brütete ich, Spähte nach dunklen Pfaden, verloren in trüber Reflexion. Hier in einem ätherischeren Licht umgibt mich nun Glanz an der Stirne. Phöbus, der Gott, ruft Formen hervor, klar sind die Farben am Tag. Hell mit den Sternen kommt der Abend, klingend von Liedern, so zart, Und der Schein des Mondes, heller als nördliche Sonne. Welche Seligkeit sterbliche Wesen wohl kennen! Träume ich? Oder empfängt Jupiter, Vater, mich als Gast – mich, in ambrosischen Hallen? Sieh, ich liege hier und strecke die Arme zu deinen Knien. Ich bete: Gastfreundlicher Gott, Jupiter Xenius! Höre: Wie ich hierher gekommen bin, kann ich nicht sagen – ich wurde Von Hebe ergriffen. Sie war es, die mich zu diesem heiligen Hügel führte. Hast du ihr befohlen, einen Helden zu suchen und dir zu liefern? Vielleicht hat sie geirrt. Dann vergib. Lass ihr Versehen mir nützen! Gibt Fortuna, deine Tochter, wenn sie ihre herrlichen Gaben streut, Nach der Art von Mädchen nicht jedem flüchtigen Wunsche nach? Du, o gastfreundlicher Gott, wirst nun keineswegs einen Fremden Von deinen olympischen Höhen zurück auf die niedere Erde verbannen. „Dichter, komm zu Besinnung!“ – Vergib mir, Jupiter, ist nicht Roms Kapitol der Hügel, ein zweiter Olymp für dich? Erlaube mir, Jupiter, hier zu bleiben, und Hermes führe mich endlich dann An Cestius’ Grab sanft hinunter in das Reich des Orkus.
X
Als du klein warst, sagst du, hielten dich andere weder für hübsch, noch Fand deine Mutter Lob – und ich glaube es – Bis du größer wurdest, dich in den Jahren ruhig entwickeltest. Ich Stelle mir dich als ein ungewöhnliches Kind vor. Auch die Blüten an den Weinstöcken mangeln an Form und an Farbe, Obwohl die Frucht, wenn sie reif ist, Menschen und Götter erfreut.
XI
Das herbstliche Feuer, das in einem ländlichen, geselligen Kamin brennt (Wie die Stöcke knistern und Flammen und glitzernde Funken speien!) Erscheint mir heute Abend besonders angenehm. Bevor all mein Zunder Stirbt in Kohlen, Kohlen dann zu Asche verfallen, Wird sie zurück sein, und neue Reisigbündel wie auch große Scheite werden lodern, Ein Fest veranstaltend, an dem Liebende die Nacht erwärmen. Dann am Morgen, dienstbeflissen, wird sie das Bett des Liebenden verlassen, Und geschickt die Flammen wieder aus der Asche neu erwecken. Cupido hat ihr vor anderen die Gabe verliehen, das Verlangen Aus der Asche zu schmeicheln, gerade wenn der Schlaf begonnen hat.
XII
Alle jene Großen: Alexander, Cäsar und Heinrich und Friedrich, Würden gerne die Hälfte ihres schwer erkämpften Ruhms mit mir teilen, Könnte ich ihnen nur mein Bett für eine einzige Nacht gewähren, und dessen Komfort, Doch die armen Wichte sind starr in der kalten, orkischen Gewalt gehalten. Darum, ihr Lebenden, freut euch, dass die Liebe euch eine Weile noch wärmt, Bis die kalte Lethe euch salbt und euren Fuß in ihrem Fluge fängt.
XIII
Sie sind für euch, o ihr Grazien, nur ein paar Blätter von einem Dichter, Auf euren reinen Altar gelegt, Knospen der Rose daneben, Im Vertrauen dargeboten. Künstler genießen Ateliers, die so eingerichtet sind, Dass sie einen Raum von pantheonartigem Dekor bilden: Jupiter senkt jene göttliche Stirn, während Juno nach oben blickt; Phöbus macht vorwärts schreitende Schritte, schüttelnd sein lockiges Haupt; Während die phlegmatische Minerva auf uns herabsieht, scheint der leichtfertige Hermes Zur Seite zu blicken, schelmisch, doch zärtlich auch zugleich. Aber es ist zu Bacchus, dem sinnlichen Träumer, dass Cythera Blicke sendet, Gebadet in süßestem Verlangen – selbst im Marmor sind sie feucht. Nachdenkend über seine Umarmung und ihre Genüsse, scheint sie zu fragen, Sollte unser herrlicher Sohn hier an unserer Seite nicht aufrecht stehen?
XIV
Kannst du nicht Stimmen hören, Geliebte, draußen an der Via Flaminia? Schnitter gehen nun heim, zurück von der Getreideernte. Sie waren von fern nach Rom gereist, und flochten hier für Ceres Kränze, die die Römer heute verschmähen, für sich selbst zu machen. Feste feiern Ceres nicht mehr, die nährende Göttin, Die Eicheln der Vorzeit ersetzte, dem Menschen goldenen Weizen gebend. Lass uns ihrer dann selbst in privatem Feste gedenken (Zwei bilden einen ganzen Stamm, wenn sie zwei in der Liebe sind). Hast du zufällig gehört, wie jene mystische, seltsame Feier Siegreichen Truppen von Eleusis nach Rom folgte? Griechen waren es, die sie begannen, und nur den Griechen verkündeten sie es Selbst innerhalb römischer Mauern: „Kommt zur heiligen Nacht.“ Diejenigen, die nicht dem Kult angehörten, hielten Abstand; Neophyten zitterten, Wartend in Gewändern von Weiß, Symbol von allem, was rein ist. Dann mussten die Eingeweihten ziellos umherwandern durch die unheimlichen Kreise von Gestalten, als ob sie durch ihre eigenen Träume pilgerten. Schlangen auf dem Boden wanden sich umher. Nun kamen Jungfrauen, tragend Kästchen, sicher verschlossen, reichlich umkränzt mit Getreide. Sicherlich müssen die Gesten der murmelnden Priester eine tiefe Bedeutung enthalten – Ungeduldige Akolythen warten, ängstlich auf Licht hoffend. Erst nach manchem Test und mancher Prüfung entdeckten sie, Was, innerhalb des heiligen Rings, das geheimnisvolle Bild verbarg. Was war dieses Geheimnis anderes als dies: dass Demeter, die Göttin, Einst einem Helden freundlich gewesen war. Es war Jason, dem mächtigen König der Kreter, dem sie gewährte, Von ihrem unsterblichen, verborgenen, süßen Teil zu erforschen. Das machte das Glück Kretas! Das eheliche Bett der Göttin Wurde bald schwanger mit Getreide, schwer ihre segensreichen Felder. Was den Rest der Welt betraf, so schmachtete er dahin, während Ceres, Ihrer wahren Aufgabe entsagend, Vergnügen in der Liebe bot. – Nun die eingeweihten Jünglinge, nachdem sie dieser Geschichte gefolgt waren, alle erstaunt, Drehten sich um und winkten ihren Geliebten – Liebe, begreifst du? Siehst du dort den heiligen Schatten unter jener buschig belaubten Myrte? Unsere Befriedigung wird dort kaum eine Welt gefährden.
XV
Cupido ist immer ein Schurke, und wenn du ihm glaubst, wird er dich betrügen. Hier ist, was der Heuchler sagte: „Vertrau mir nur noch einmal, diesmal. Ich habe die besten Absichten gegenüber dir, der nun gewidmet hat – Ich erkenne es mit Dank an – Leben und Schriften mir. Siehe, ich bin dir hierher nach Rom gefolgt, und ich möchte etwas tun Hier in diesem weit entfernten Land, das einem solchen alten Freund gefällt. Jeder Reisende, den ich je gekannt habe, hat sich über schlechte Behandlung beklagt: Derjenige, den ich empfehle, erhält eine köstliche Behandlung. Du hast nun mit Ehrfurcht all die Strukturen betrachtet, die hier in Ruinen liegen, Dein Auge kultiviert, jeden geheiligten Raum spürend. Wie du den formenden Willen jener antiken Künstler verehrt hast! In ihren eigenen Ateliers habe ich sie oft besucht. Was ihre Werke betrifft, nun, die habe ich selbst geformt – nun dieses Mal prahle ich Nicht. Oh komm schon, gib zu, was ich sage, ist wahr. Wo sind deine eigenen Schöpfungen, da dein Dienst an mir nachgelassen hat? Wo ist der Glanz der Erfindung nun? Wo ist die Farbe ganz hin? Freund, hoffst du, dass du wieder erschaffen kannst? – Die Schule der Alten Bleibt noch offen. Ihre Tore, die Jahre haben sie dir nicht verschlossen. Ich bin ewig jung, und als Lehrer liebe ich immer noch die Jungen. Weisheit, die mit dem Alter kommt, gefällt mir nicht. Hör zu: War die Antike nicht jung, als jene glücklichen Alten lebten? Glücklich sei dann dein Leben auch: in ihm lebt die Antike. Wo wirst du ein passendes Thema für dein Lied finden? – Ich bin es, der es liefern muss. Was einen Stil betrifft, der wahrhaft groß ist, Liebe kann allein dir den geben.“ All diese Behauptungen stellte dieser Sophist auf. Könnte ich ihm widersprechen? Ich bin es gewohnt zu gehorchen, wenn mein Befehlshaber verordnet. Tückisch hält er nun sein Wort: gibt mir Themen für meine Gedichte, Während er mir meine Zeit, Potenz, Geistesgegenwart stiehlt. In ihre Augen blickend, Hände haltend, Küsse austauschend, austauschend Silben, süß und jene Worte, die nur Liebende verstehen, Murmelnd unsere Konversationen, stottern wir in süßer Beredsamkeit. Hymnen solcher Art vergehen, prosodischer Takt fehlt ihnen. Göttin des Morgens, Aurora, als Freundin meiner Muse kannte ich dich einst. Hat der prinzipienlose Gott, Cupido, dich nun auch verführt? So dass diese Morgen du als seine Geliebte kommst, mich weckend an Seinem festlichen Altar wieder, wo ich ihn feiern muss? Hier auf meiner Brust fließt ihr Haar, eine Fülle von Locken, während ihr Kopf ruht, Drückend meinen Arm, wie er gebogen ist, um ihren Nacken zu stützen. Was für ein köstlicher Zustand, wenn nur diese wenigen ruhigen Momente In meinem Gedächtnis fest fixieren könnten jenes Bild der Freude, Als die Nacht uns in den Schlaf wiegte – aber im Schlummer entfernt sie sich nun, Von meiner Seite wendet sie sich, während sie geht, ihre Hand in meiner Hand lassend. Liebe in unseren Herzen macht uns eins, da das echte Bedürfnis dort beständig bleibt; Nur wiederkehrendes Verlangen kennt Oszillation oder Wandel. Sanft drückt ihre Hand meine, nun öffnet sie ihre Augen und blickt In meine eigenen Augen. Nein – tu es nicht. Lass meine Gedanken auf deiner Form ruhen! Bitte schließe deine Augen. Sie sind Trunkenheit, Verwirrung, sie rauben mir Allzu bald die Freude, die ruhige Reflexion gewährt. Groß sind die Formen dieses Körpers und edel positioniert jedes Glied. Hätte Ariadne so gelegen, Theseus wäre niemals geflohen. Nur ein einziger Kuss für diese Lippen und dann, o Theseus, verlass sie; Schau auf ihre Augen – sie ist wach! Nun bist du ewig gebunden.
XVI
Junge, willst du mir nicht eine Lampe anzünden. „Aber lieber Herr, es ist noch Licht am Himmel. Verschwende nicht dein Öl und den Docht. Schließe die Fensterläden nicht so früh. Nur die Häuser blockieren dort die Sonne, es sind noch nicht die Berge. Bis die Ausgangssperre läutet, muss noch eine volle halbe Stunde vergehen.“
Armer junger Bursche, geh und gehorche mir! Meine Geliebte kommt.
Lampenlicht, tröste mich bis dahin, du warmer Vorbote der Nacht.
XVII
Die Dichter des Altertums riefen im Chor gegen jene zwei Schlangen an,
machten sie zu schrecklichen Namen, verhasst in der ganzen Welt:
Python die eine, die andere die Hydra von Lerna. Diese Ungeheuer
sind nun beide vernichtet, dank der Taten der Götter.
Feuerspeiend, giftig einst, plündern sie nun nicht mehr unsere
Herden und Wiesen und Wälder, die Felder mit goldenem Korn.
Wie kommt es dann, dass irgendein boshafter Gott in seinem Zorn
aus dem giftigen Schlamm wieder so monströse Nachkommen aufgezogen hat?
Da ist eine tückische Viper, die in die schönsten Gärten schleicht,
auf der Lauer liegt, um alle anzugreifen, die dort Vergnügen suchen.
Edler Hesperidendrache, ich nenne dich mutig und aufrichtig,
wie du kühn deine eigenen wunderschönen goldenen Äpfel verteidigst.
Was diesen Wurm betrifft, nun, er bewacht überhaupt nicht, denn seine Anwesenheit
befleckt Garten und Frucht, bis sie keinen Schutz mehr verdienen.
Heimlich unter Büschen geringelt, wo er die süßen Quellen beschmutzt,
und Cupidos lebenspendenden Tau in giftigen Geifer verwandelt.
Der glückliche Lukrez wusste seinerzeit, wie man ganz auf die Liebe verzichtet,
und fürchtete nicht, das Vergnügen in jemandes Armen zu genießen.
Glücklicher Alter, Properz, für dich holte ein Sklave die Mädchen herunter
vom Aventin, aus Tarpeias Hain.
Cynthia dann, als sie dich aus solch unkeuschen Umarmungen vertrieb,
fand dich zwar treulos, aber sie fand dich immerhin ganz.
Wer würde heute wagen, der Langeweile der Treue zu entfliehen?
Die Liebe hält einen nicht zurück – nur die Sorge um die eigene Gesundheit.
Selbst die Frau, die wir lieben, mag uns ungewissen Genuss gewähren;
nirgends kann der weibliche Schoß das Haupt eines Mannes sicher betten.
Das eheliche Bett ist unsicher, ebenso wie die Unzucht;
Ehemann, Liebhaber und Ehefrau reichen einander das Leid weiter.
Denk an jene goldenen Zeiten, als Jupiter seinen Trieben folgte,
an einem Tag Kallisto wählte, am nächsten sich in Semele verwandelte.
Es war ihm wichtig, dass die Schwellen so heiliger Tempel
rein waren, wenn er, verliebt, nach mächtigem Einlass in sie begehrte.
Kannst du dir das Wüten der Juno vorstellen, wenn im Gefecht der Liebe
giftige Waffen von ihrem eigenen Gatten gegen sie gewandt worden wären?
Doch wir Neopaganen müssen vielleicht nicht völlig verlassen sein:
Es eilt ja noch ein Gott barmherzig über die Erde,
schnell und emsig. Jeder kennt ihn und sollte ihn verehren,
Herold des Zeus: Hermes, der heilende Gott.
Obwohl der Tempel seines Vaters gefallen ist und von dessen Säulen
kaum ein Paar noch die alte, verehrte Herrlichkeit bezeugt,
steht dennoch des Sohnes Kultstätte noch, und ewig
werden dort die inbrünstigen Bitten mit dem Dank abwechseln.
Nur einen Gefallen erbitte ich von euch, ihr Grazien (ich bitte heimlich darum –
inbrünstig ist mein Gebet und tief, aus einer leidenschaftlichen Brust):
Meinen kleinen Garten, meine Süße, beschützt ihn und lasst nichts
Böses ihm oder mir nahekommen. Cupido wird seine Hand hinhalten:
O, und mich dem Schelm anvertrauend, bitte ich euch, darf ich dies
in Freude tun, ohne Gefahr oder Sorge oder Furcht.
XVIII
Ich glaube nicht, dass ich mit Julius Caesar nach Britannien gegangen wäre;
zur Popina direkt hier hätte Florus mich mit Leichtigkeit gezogen.
Nebel des trüben Nordens bleiben eine schlimmere Erinnerung
als in den Küchen Roms die Scharen emsiger Flöhe.
Nach heute werde ich euch noch freundlicher in Erinnerung behalten, Tavernen,
ihr Osterien, wie ihr von den Leuten hier in Rom treffend genannt werdet.
Das war der Ort, an dem ich heute meine Geliebte mit dem Onkel antraf,
den sie so oft täuscht, damit sie mich haben kann.
Hier saß ich an einem Tisch, umgeben von gutmütigen Deutschen;
auf jener Seite das Mädchen, das sich einen Platz suchte
neben ihrer Mutter, wo sie, das Bänklein oft rückend, es geschickt
einrichtete, dass ich Profil und Kurve ihres Halses wahrnehmen konnte;
spricht nur ein wenig lauter, als es Frauen in Rom gewohnt sind;
bedeutender Blick, während sie einschenkt – verfehlt das Glas mit dem Wein,
sodass er auf den Tisch verschüttet wird, und sie mit einem zarten Finger
auf dessen Oberfläche Kreise in feuchter Arabeske zeichnen kann:
ihren Namen mit meinem verschlingend, während meine Augen begierig
all dem folgen, was ihre Fingerspitze schreibt. Sie ist sich natürlich bewusst,
dass ich zusehe, also macht sie schließlich das V der römischen
Fünf, mit einem Strich davor. Schnell, sobald ich es gesehen habe,
verschlingt sie die Kreise, reduziert sie alle zu den kunstvollsten
Mustern – doch das süße IV stand noch immer eingraviert in meinem Auge.
Ich saß stumm da und biss mir die leidenschaftlichen Lippen fast blutig,
teils vor Entzücken über die List, teils vor unterdrücktem Verlangen:
Noch so lange bis zur Dunkelheit, dann noch vier weitere Stunden des Wartens.
– Sonne, die du dort oben verweilst und Rom betrachtest:
Größer hast du nie gesehen, noch wirst du in Zukunft Größeres sehen
als Rom, o Sonne, wie dein Priester Horaz entzückt prophezeite.
Verweile heute nicht länger. Geh und suche andere Reiche unter dem Himmel.
Brich früher auf und überlass Roms sieben berühmte Hügel mir.
Tu dem Dichter einen Gefallen und verkürze die glorreichen Stunden,
die der Maler verschlingt, während er begierig seine Augen füllt.
Wirf nun beim Untergehen nur einen flammenden Blick auf noble Fassaden und
Kuppeln, Säulen und – zuletzt – hinauf zu den Obelisken. Dann
stürze dich hastig in den Ozean. Komm morgen umso eher, um das zu sehen,
was Götter dir schon seit Jahrhunderten genießen lassen:
Italiens Küste, so lang überwuchert von feuchtem Schilf, Anhöhen,
die sich düster erheben zu den Schatten, die Büsche und Bäume werfen.
Zuerst waren hier nur wenige einfache Behausungen, plötzlich entdeckte das Sonnenlicht
Völker, die Hügel belebten, wimmelnd von glücklichen Dieben.
An diesen Ort häuften sie solche Beute, in deinem Auge so prächtig,
dass der Rest des Erdenrunds kaum der Erwähnung wert war.
Du hast eine Welt hier entstehen sehen, hast dieselbe Welt untergehen sehen,
und aus jenen Ruinen wieder eine Welt erstehen, vielleicht größer.
O möge ich lange bei deinem Licht nun dieses Rom schauen. Mögen die Parzen
den feinen Faden meines Lebens langsam spinnen, mit großer Sorgfalt.
O, aber komm herbeieilend, der Moment, den meine Liebe so süß bestimmte.
Wunderbar! Klingen schon die Glocken? – Nein, aber ich hörte zumindest drei.
So, meine lieben Musen, habt ihr mir wieder die Monotonie vertrieben
während dieses langen Intervalls, da ich von meiner Liebe getrennt war.
Ihr alle nun, lebt wohl! Ich werde jetzt gehen – seid mir nicht böse.
Denn auch wenn ihr stolz seid, werdet ihr zugeben: Cupido in meinem Herzen kommt zuerst.
XIX
Warum bist du heute nicht in der Hütte im Weinberg erschienen, Liebe?
Wie ich versprochen hatte, wartete ich lange dort auf dich.
„Liebster, ich war fast angekommen, als ich glücklicherweise deinen Onkel
direkt dort bei den Reben stehen sah, mal hierhin, mal dorthin blickend.
Heimlich bin ich davongeschlichen.“ – Ach, welch ein Missverständnis!
Du hast die Vogelscheuche gesehen, das ist alles. Nichts anderes hat dich vertrieben.
Schilf und ein paar ausrangierte Kleidungsstücke, alles hastig zusammengeflickt –
ich habe selbst mitgeholfen: fleißig in meinem eigenen Schmerz.
„Nun, jetzt ist sein Wunsch erfüllt. Der liederlichste Rabe des alten Gärtners hat
an diesem Tag Garten und Nichte unversehrt gelassen.“
XX
Obwohl es viele unangenehme Geräusche gibt, hasse ich das Bellen
mehr als alles andere. Das Brüllen von Hunden zerreißt mir die Ohren.
Dennoch mag ich es, zu hören, und habe Vergnügen daran, dem lauten
Geheul des Hundes zu lauschen, der nebenan als Welpe aufgezogen wurde.
Das ist der Hund, der einst mein Mädchen so anbellte, dass er beinahe
unser Geheimnis verriet (als sie mich besuchte).
Nun, wenn ich den Hund bellen höre, denke ich, meine Geliebte kommt –
oder ich erinnere mich an die Zeit, als sie, lange erwartet, kam.
XXI
Ich kann nicht nur von einem Unbehagen berichten, das weit größer ist als andere,
sondern auch von einem Schrecken, bei dessen Gedanken
jede Faser in mir sich sträubt. Meine Freunde, ich gestehe es:
Großes Missfallen empfinde ich, wenn ich allein in meinem Bett liege.
Aber es ist ein Schrecken, auf den Pfaden der Liebe Schlangen
und ihr Gift unter den Rosen des sehnsüchtigen Verlangens zu entdecken –
dass im höchsten Moment, wenn ich mich dem Vergnügen so voll hingebe,
direkt an meinem Haupt, während es sinkt, zischend die Krankheit naht.
Deshalb macht mich Faustina als meine Bettgefährtin glücklich:
Liebend bleibt sie stets treu, so wie ich es ihr gegenüber bin.
Junge Männer werden in ihren Leidenschaften durch Hindernisse und Aufregung erregt;
ich ziehe es vor, langsam zu gehen und sichere Freuden auszukosten.
Ist es nicht Seligkeit, zärtliche Küsse auszutauschen, die keine Gefahren bergen,
und sorglos die eigene Lebenskraft des Partners in unsere Lungen zu saugen?
So werden unsere langen Nächte des Genusses verbracht. Wir lauschen,
Brust an Brust, dem Sturm, dem strömenden Regen im Wind.
Der Morgen beginnt zu grauen, wir erwarten von diesen kommenden Stunden
Blüten, die den nahenden neuen Tag festlich schmücken werden.
Quiriten, gewährt mir die Freude, und möge dies von allen Freuden auf Erden
die erste und letzte sein, die der Menschheit vom Gott zuteilwird.
XXII
Ach, seinen achtbaren Namen zu wahren, ist nicht leicht. Die Frau
Fame hat einen alten Feind: Cupido, meinen Herrn und Gebieter.
Oh, übrigens, hast du von der Ursache ihres gegenseitigen Hasses gehört?
Es ist eine alte Geschichte, glaube ich – lass sie mich nur wieder erzählen.
Stark war die Göttin schon immer, aber dennoch gegenüber ihren Mitstreitern
anmaßend und unhöflich, völlig unerträglich. Sie
war den Göttern seit Menschengedenken bei ihren Gelagen gefürchtet,
wenn sie mit blecherner Stimme Befehle an Große und Kleine brüllte.
Einst behauptete sie in ihrer Arroganz sogar, sie habe
Joves berühmtesten Sohn ihrem eigenen Willen als Sklaven unterworfen.
„Eines Tages, o Vater der Gottheiten“, rief sie triumphierend,
„werde ich dir meinen – Herkules, wie neu geboren, bringen.
Denk nicht, dass Herkules noch jener Knabe ist, den Alkmene dir einst gebar;
seine Bewunderung für mich macht ihn nun zum Gott auf Erden.
Wenn er zum Olymp blickt, hegst du sicher die Hoffnung, dass er
fromm zu deinen Knien blickt. Kaum. Er sucht nach mir.
Würdigster Mann! O die Vision, meine Gunst zu gewinnen, macht
bisher unerforschte Pfade unter jenem mächtigen Fuß leicht.
Ich tue meinen Teil, denn ich komme ihm entgegen und verkünde seine Abenteuer,
preise seinen Namen im Voraus, noch bevor er begonnen hat.
Eines Tages wirst du mich mit Herkules vermählen. Der Held, der die Amazonen bezwang,
wird mich an jenem Tag überwältigen. Glücklich werde ich ihn rufen: Gatte.“
Alle Götter hielten sich zurück, und keiner wollte der Prahlerin antworten,
damit sie nicht aus gekränkter Eitelkeit Rache gegen einen von ihnen ersänne.
Cupido, der sich der Aufmerksamkeit entzog, schlich sich jedoch davon, um ihren Helden zu versklaven:
kunstlos siegend durch – die Kraft eines schönen Mädchens,
daraufhin schmückte er sein Paar in stummer Maskerade: Löwenhaut
über ihren Schultern, die Keule (mit viel Mühe) an ihrer Seite gelehnt;
das drahtig steife Haar des Helden mit Blüten gesalbt, ein Spinnrocken
in seine Faust gelegt, um Stärke dem Liebesspiel anzupassen.
Die Szene nun vollendet und bereit zum Necken, geht er hüpfend, rufend,
dass der ganze Olymp es hören kann: „Kommt, seht diese glorreichen Taten!
Himmel und Erde und die Sonne auf ihrer unermüdlichen Reise
auf jenem unendlichen Pfad haben dergleichen nie bezeugt!“
Jeder eilte herbei, getäuscht von dem liederlichen Jungen, der, Ernst
heuchelnd, sie alle zusammengerufen hatte (Fame blieb keineswegs zurück).
Welcher der Götter wird nun Cupido mit süßer Herablassung anlächeln?
– Juno! erfreut natürlich, einen Mann so erniedrigt zu sehen.
Fame hingegen stand dort beschämt, verlegen, verzweifelt.
Zuerst lachte sie nur und sagte: „Götter, lasst euch nicht täuschen. Es ist eine Maskerade.
Ich kenne meinen Helden zu gut, um mich von Verkleidungen der Schauspieler täuschen zu lassen.“
Bald aber erkannte sie schmerzlich: Herkules, niemand als er.
(Vulkan wäre nicht um ein Tausendstel so verärgert gewesen, seinen Spielkameraden
unter seinen Maschen gefangen zu entdecken, ertappt mit seiner eigenen lustvollen Freundin,
die so dalagen, wie die Tücke des Netzes im entscheidendsten Moment
geschickt ihre Umarmung umschloss und ihren Moment der Lust einfing.
Wie diese Knaben, Bacchus und Merkur, schallend lachten und frei zugaben:
Süß muss die Ruhe sein, liegend auf dem Busen, so fein,
dieser großartigen Frau. Sie wandten sich an Vulkan und flehten:
„Lass sie noch nicht frei. Lass uns sie noch einmal betrachten.“
Und der alte Hahnrei war Hahnrei genug, ihren Wünschen zu entsprechen.)
Was die arme Fame betrifft, sie muss in aller Eile, vor Zorn brennend, fliehen.
Seither wurde kein Waffenstillstand in der Fehde zwischen ihnen ausgerufen.
Lasse sie nur einen Mann begünstigen, schon ist der Junge in heißer Verfolgung.
Denjenigen, den Fame am meisten ehrt, kann sich am wenigsten gegen Cupido verteidigen,
und ihre gefährlichsten Angriffe treffen die moralisch Stolzesten.
Wer versucht, ihm zu entkommen, wird von schlechten Taten zu noch schlimmeren gezogen.
Ja, er wird dir Mädchen anbieten – wenn du sie als Narr verschmähst,
erst dann fühlst du von seinem Bogen die bösartigsten Pfeile:
Hitze der Liebe des Mannes zum Mann, glühendes Verlangen nach Tieren.
Für jene, die sich seiner schämen, bewahrt Cupido die bittersten Leidenschaften auf,
und vermengt für die Heuchler ihr Vergnügen an der Lasterhaftigkeit mit Reue.
Aber gleichzeitig sucht die Göttin ihn, sie beobachtet und lauscht.
Sollte sie ihn bei dir finden, wird sie missgestimmt sein:
dich erschrecken, streng die Stirn runzelnd, verächtlich, gewaltsam
in den schlechtesten Ruf die Häuser stürzend, die er zu besuchen pflegt.
Ach, mit mir ist es ebenso. Ich bin ihr nicht entgangen, der Göttin.
Eifersüchtig sucht sie mich heim, um die süße geheime Liebe aufzudecken.
Ich werde mich dem alten Gesetz beugen und sie in Schweigen verehren,
denn wenn große Herren in Streit geraten, muss ich wie die Griechen büßen.
XXIII
Wie ansehnlich auch Stärke sei, oder freies und unerschrockenes Benehmen,
Verschwiegenheit ist für einen Mann das Wichtigste von allem.
Mächtige Bezwingerin der Städte, Diskretion, o Prinzessin der Nationen,
Göttin, die ich verehre, sicher hast du mich bis hierher geführt.
Nun aber, welches Schicksal soll mich ereilen? Meine leichtfertige Muse hat nun geöffnet
– Cupido, der Schelm – öffnet Lippen, die bisher so gut versiegelt waren.
Schwierig ist es, ach, die Schande eines Monarchen zu verbergen;
verbergen kann sie weder seine Krone noch eine enge phrygische Mütze:
Midas hat Eselsohren! der erste Diener entdeckt – o Grauen!
Die Schande dieses Geheimnisses wiegt so schwer, Midas erleichtert sein Herz.
In die Erde zur Verwahrung muss der Diener die Geschichte vergraben,
erleichtert auf diese Weise den König: die Erde muss das Märchen verbergen.
Schilf sprießt im Nu und rauscht in murmelnden Brisen:
„Midas, o Midas der König – trägt die Ohren eines Esels!“
Meines ist ein Geheimnis, das angenehmer, aber noch schwieriger zu bewahren ist:
Aus der Fülle des Herzens spricht begierig mein Mund.
Keiner meiner Freundinnen wage ich mich anzuvertrauen, denn sie würden mich nur schelten;
noch irgendeinem Freund, damit er mir nicht zum Rivalen werde.
Die Verzückung dem Hain verkünden, zu den widerhallenden Klippen sie ausposaunen?
Man kann das tun, wenn man jung ist oder wenn man einsam genug ist.
Ich erzähle es in Hexametern, in Pentametern werde ich es anvertrauen:
Tagsüber war sie Freude, Glück die ganze Nacht hindurch.
Von so vielen Freiern umworben, wich sie den Schlingen aus, die ihr gestellt wurden,
nun von einem Kühneren als ich, nun von einem anderen in Tücke,
geschickt, zierlich, schlüpfte sie immer an ihnen vorbei, und der Schleichwege sicher,
kommt sie zur Umarmung ihres Geliebten, wo er so begierig wartet.
Luna! Geh noch nicht auf. Sie kommt und darf vom Nachbarn nicht gesehen werden!
Briesen, rauscht in den Blättern: dämpft den Klang ihrer Schritte.
Und was euch betrifft, kleine Gedichte, o wachst und blüht, eure Blüten
sich in der Luft wiegend, lauwarm und weich von des Lebens Atem.
Wehend, verratet den Quiriten, wie Midas’ Schilf es mit billigem Klatsch tat,
ein glückliches Paar in Liebe, und ihr süßes Geheimnis, endlich.
XXIV
Ich hinten im Garten, der letzte der Götter, in einer Ecke,
ungeschickt geformt, muss ich stehen. Übel sind die Einfälle der Zeit.
Gurkenranken wachsen, sich um dieses urzeitliche Lingam windend,
knacken es fast in zwei unter der Last der Frucht.
Reisig ist rings um mich aufgetürmt gegen die Kälte des Winters,
die ich so hasse wegen der Krähen, die sich dann auf meinem Kopf niederlassen,
den sie sehr schändlich beschmutzen. Der Sommer ist nicht besser: die Diener
entleeren ihre Därme und zeigen ihre unverschämten, nackten Hinterteile.
Schmutz, oben und unten! Ich war eindeutig in Gefahr, mich
selbst in Schmutz zu verwandeln, in Pilz, in verfaultes Holz!
Nun, durch eure Bemühungen, o edelste Künstler, werde ich wieder
mit meinen Götterkollegen meinen gerechten Platz einnehmen. Und es ist nicht mehr als mein Recht.
Jupiters Thron, so unredlich gewonnen, ich war es, der ihn sicherte:
Farbe und Elfenbein, Marmor und Bronze, um nicht von den Gedichten zu sprechen.
Nun schauen alle intelligenten Männer mich in Güte an. Sie mögen es,
sich ihr eigenes Bild von mir zu machen, genau so, wie es der Dichter getan hat.
Auch nehmen die Mädchen keinen Anstoß, wenn sie mich sehen – keineswegs die Matronen.
Keine findet mich heute hässlich, obwohl ich monströs stark bin.
Einen halben Fuß lang, als Belohnung, dein glorreicher Stab (lieber Dichter)
wird stolz aus deinen Lenden strotzen, wenn nur deine Liebste befiehlt,
noch soll dein Glied ermüden, bis du das volle Dutzend
kunstvoller Stellungen genossen hast, die die große Dichterin Philainis beschreibt.