GULLIVERS REISEN
In etliche ferne Länder der Welt
von
JONATHAN SWIFT, D.D.
Herausgegeben mit Einleitung und Anmerkungen von Thomas M. Balliet Schulrat, Springfield, Mass.
Mit achtunddreißig Illustrationen und einer Landkarte
TEIL I
EINE REISE NACH LILLIPUT
TEIL II
EINE REISE NACH BROBDINGNAG
D.C. Heath & Co., Verleger Boston New York Chicago
1900
VORWORT.
Und siehe! Das Buch, von allem Ende befreit, Ein harmloses Wunder für ein glückliches Kind.
LORD LYTTON.
Gullivers Reisen wurde 1726 veröffentlicht; und obwohl es keineswegs für sie gedacht war, wurde das Buch schon bald von den Kindern in Beschlag genommen, die es seither als eines ihrer reizvollsten Geschichtenbücher betrachten. Sie können den Anlass, der das Buch hervorrief, nicht begreifen, noch die Satire würdigen, die der Erzählung zugrunde liegt, aber sie erfreuen sich an den wundervollen Abenteuern und wandern voller staunender Augen in die neuen Welten, durch die die lebendige und logisch präzise Phantasie des Autors sie so persönlich führt. Und es liegt eine Bedeutung und eine Moral in den Geschichten der Reisen nach Lilliput und Brobdingnag, die völlig losgelöst von der politischen Satire ist, die sie vermitteln sollen, eine Bedeutung und eine Moral, die selbst das jüngste Kind, das sie lesen kann, nicht verkennen wird und über die es für den Lehrer kaum notwendig ist, einen Kommentar abzugeben.
Für kleine Kinder verbindet das Buch in gewissem Maße das Interesse von Robinson Crusoe mit dem des Märchens; sein Stil ist objektiv, die Erzählung ist einfach, und der Stoff spricht die kindliche Phantasie stark an. Für reifere Jungen und Mädchen sowie für Erwachsene findet sich das Interesse hauptsächlich in der scharfen Satire, die der Erzählung zugrunde liegt. Es spricht daher ein sehr breites Spektrum an Intelligenz und Geschmack an und kann von einem zehnjährigen Kind ebenso gewinnbringend gelesen werden wie von einem jungen Mann oder einer jungen Frau in reiferen Jahren.
Diese Ausgabe ist praktisch ein Nachdruck der Originalausgabe (1726-27). Die Interpunktion und Großschreibung wurden modernisiert, einige Archaismen geändert und die Absätze wurden häufiger gesetzt. Einige wenige Passagen, die moderne Ohren beleidigen würden und für die Lektüre durch Kinder ungeeignet sind, wurden weggelassen, und einige Fußnoten wurden hinzugefügt, um veraltete Wörter und dunkle Ausdrücke zu erklären.
Als Schullektüre, die auf den Durchschnittsverstand ausgerichtet sein muss, werden sich diese Geschichten für Klassen vom fünften oder sechsten Schuljahr bis zur höchsten Stufe der Volksschule als geeignet erweisen.
THOMAS M. BALLIET.
INHALT.
REISE NACH LILLIPUT.
KAPITEL I.
Der Verfasser gibt einige Auskunft über sich selbst und seine Familie – Seine ersten Beweggründe zu reisen – Er erleidet Schiffbruch und schwimmt um sein Leben – Er gelangt sicher an das Ufer im Lande Lilliput – Er wird gefangen genommen und ins Landesinnere gebracht
KAPITEL II.
Der Kaiser von Lilliput kommt, begleitet von mehreren Adligen, um den Verfasser in seiner Gefangenschaft zu sehen – Beschreibung der Person und der Gewohnheiten des Kaisers – Gelehrte werden ernannt, um den Verfasser ihre Sprache zu lehren – Er gewinnt durch sein mildes Wesen an Gunst – Seine Taschen werden durchsucht, und sein Degen sowie seine Pistolen werden ihm abgenommen
KAPITEL III.
Der Verfasser unterhält den Kaiser und seinen Adel beiderlei Geschlechts auf eine sehr ungewöhnliche Weise – Die Vergnügungen des Hofes von Lilliput werden beschrieben – Dem Verfasser wird unter gewissen Bedingungen seine Freiheit gewährt
KAPITEL IV.
Mildendo, die Hauptstadt von Lilliput, wird beschrieben, zusammen mit dem Palast des Kaisers – Ein Gespräch zwischen dem Verfasser und einem Staatssekretär über die Angelegenheiten jenes Reiches – Das Anerbieten des Verfassers, dem Kaiser in seinen Kriegen zu dienen
KAPITEL V.
Der Verfasser verhindert durch eine außerordentliche List eine Invasion – Ein hoher Ehrentitel wird ihm verliehen – Gesandte treffen vom Kaiser von Blefuscu ein und bitten um Frieden
KAPITEL VI.
Über die Bewohner von Lilliput; ihre Gelehrsamkeit, Gesetze und Bräuche; die Art der Erziehung ihrer Kinder – Die Lebensweise des Verfassers in jenem Land – Seine Verteidigung einer vornehmen Dame
KAPITEL VII.
Der Verfasser, der von einem Plan erfährt, ihn des Hochverrats anzuklagen, flieht nach Blefuscu – Seine Aufnahme dort
KAPITEL VIII.
Der Verfasser findet durch einen glücklichen Zufall Mittel, Blefuscu zu verlassen; und kehrt nach einigen Schwierigkeiten sicher in sein Heimatland zurück
* * * * *
VERZEICHNIS DER GANZSEITIGEN ILLUSTRATIONEN.
„Er befahl seinen Generälen, die Truppen aufzustellen“ Landkarte von Lilliput und Blefuscu „Ich lag die ganze Zeit ... in großer Unruhe“ „Seine Beglaubigungsschreiben vorzeigend“ „Diese Herren machten eine genaue Inventur“ „Ihre kaiserliche Majestät geruhte, mich sehr gnädig anzulächeln“ „Und ernannte mich auf der Stelle zum Nardac“ „Dreihundert Schneider waren beschäftigt“ „Das Glück ... mit mir zu speisen“ „Er wünschte, ich möge ihn mit Geduld anhören“ „Ich setzte Segel ... um sechs Uhr morgens“
UND DREIUNDZWANZIG KLEINERE IM TEXT.
INHALT
EINE REISE NACH BROBDINGNAG.
KAPITEL I.
Ein großer Sturm wird beschrieben; das Beiboot wird ausgeschickt, um Wasser zu holen, der Verfasser geht mit, um das Land zu erkunden – Er wird am Ufer zurückgelassen, von einem der Eingeborenen ergriffen und in das Haus eines Bauern gebracht – Seine Aufnahme dort, nebst etlichen Vorfällen, die sich dort ereigneten – Eine Beschreibung der Bewohner
KAPITEL II.
Eine Beschreibung der Bauerntochter – Der Verfasser wird in eine Marktstadt und dann in die Hauptstadt gebracht – Die Einzelheiten seiner Reise
KAPITEL III.
Der Verfasser wird an den Hof gerufen – Die Königin kauft ihn von seinem Herrn, dem Bauern, und präsentiert ihn dem König – Er disputiert mit den großen Gelehrten seiner Majestät – Ein Gemach bei Hofe wird für den Verfasser bereitgestellt – Er steht in hoher Gunst bei der Königin – Er tritt für die Ehre seines eigenen Landes ein – Er gerät in Streit mit dem Zwerg der Königin
KAPITEL IV.
Das Land wird beschrieben – Ein Vorschlag zur Berichtigung moderner Landkarten – Der Palast des Königs und ein Bericht über die Hauptstadt – Die Art und Weise, wie der Verfasser reist – Der Haupttempel wird beschrieben
KAPITEL V.
Etliche Abenteuer, die dem Verfasser widerfuhren – Die Hinrichtung eines Verbrechers – Der Verfasser beweist seine Geschicklichkeit in der Schifffahrt
KAPITEL VI.
Etliche Einfälle des Verfassers, um den König und die Königin zu erfreuen – Er zeigt seine Kunstfertigkeit in der Musik – Der König erkundigt sich nach dem Zustand Europas, was der Verfasser ihm berichtet – Die Beobachtungen des Königs dazu
KAPITEL VII.
Die Liebe des Verfassers zu seinem Vaterland – Er macht einen Vorschlag von großem Nutzen für den König, der jedoch zurückgewiesen wird – Die große Unwissenheit des Königs in politischen Dingen – Die Gelehrsamkeit jenes Landes ist sehr unvollkommen und beschränkt – Ihre Gesetze und militärischen Angelegenheiten sowie der Staat
KAPITEL VIII.
Der König und die Königin machen eine Reise an die Grenzen – Der Verfasser begleitet sie – Die Art und Weise, wie er das Land verlässt, wird sehr ausführlich berichtet – Er kehrt nach England zurück
ANMERKUNG
* * * * *
VERZEICHNIS DER GANZSEITIGEN ILLUSTRATIONEN.
„Sie schlossen daraus, ich sei nur Relplum Sealcath“ Landkarte von Brobdingnag „Eine riesige Kreatur, die ... auf dem Meer wandelte“ „Woraufhin die riesige Kreatur einen kurzen Schritt tat“ „Ich zog meinen Degen, um mich zu verteidigen“ „Ich nannte sie meine Glumdalclitch“ „Fechtend nach Art der Fechter in England“ „Diese gnädige Prinzessin hielt ihren kleinen Finger hin“ „Sie trug mich zum König“ „Ich konnte mich nur rächen, indem ich ihn Bruder nannte“ „Die kleineren Vögel schienen überhaupt keine Angst vor mir zu haben“ „Fächerten mir mit ihren Fächern Wind zu“ „Die heftigste Anstrengung, die ich je durchmachte“ „Sie haben eine bewundernswerte Lobrede gehalten“ „Sie hatte eine Vorahnung“ „Jemand rief in englischer Sprache“ „Meine Tochter kniete nieder, aber ich konnte sie nicht sehen“
UND ZWÖLF KLEINERE IM TEXT.
DER ERSTE VERLEGER AN DEN LESER.
Der Verfasser dieser Reisen, Mr. Lemuel Gulliver, ist mein alter und vertrauter Freund; es besteht zudem eine gewisse Verwandtschaft zwischen uns mütterlicherseits. Vor etwa drei Jahren, als Mr. Gulliver des Andrangs neugieriger Leute, die zu ihm an sein Haus in Redriff[1] kamen, überdrüssig wurde, erwarb er ein kleines Stück Land mit einem bequemen Haus in der Nähe von Newark in Nottinghamshire, seiner Heimatgrafschaft, wo er nun zurückgezogen lebt, jedoch bei seinen Nachbarn in gutem Ansehen steht.
Obwohl Mr. Gulliver in Nottinghamshire geboren wurde, wo sein Vater wohnte, habe ich ihn doch sagen hören, seine Familie stamme aus Oxfordshire; um dies zu bestätigen, habe ich auf dem Kirchhof in Banbury, in jener Grafschaft, mehrere Grabmäler und Denkmäler der Gullivers beobachtet. Bevor er Redriff verließ, übergab er die Verwahrung der folgenden Papiere in meine Hände, mit der Freiheit, über sie nach meinem Gutdünken zu verfügen. Ich habe sie sorgfältig dreimal durchgelesen. Der Stil ist sehr schlicht und einfach, und der einzige Fehler, den ich finde, ist, dass der Verfasser nach Art der Reisenden ein wenig zu umständlich ist. Es liegt ein Hauch von Wahrheit über dem Ganzen; und in der Tat war der Verfasser für seine Wahrhaftigkeit so bekannt, dass es unter seinen Nachbarn in Redriff zu einer Art Sprichwort wurde, wenn jemand etwas bekräftigte, zu sagen, es sei so wahr, als hätte Mr. Gulliver es gesprochen.
Auf den Rat mehrerer würdiger Personen hin, denen ich diese Papiere mit Erlaubnis des Verfassers mitteilte, wage ich es nun, sie in die Welt zu senden, in der Hoffnung, sie mögen zumindest für einige Zeit eine bessere Unterhaltung sein als das übliche Geschreibsel über Politik und Parteien.
Dieser Band wäre mindestens doppelt so umfangreich gewesen, wenn ich es nicht gewagt hätte, zahllose Passagen zu streichen, die sich auf die Winde und Gezeiten sowie auf die Variationen und Peilungen auf den verschiedenen Reisen bezogen; zusammen mit der minuziösen Beschreibung der Schiffsführung in den Stürmen, im Stile der Seeleute; ebenso wie den Bericht über Längengrade und Breitengrade; wobei ich Grund zu der Befürchtung habe, dass Mr. Gulliver ein wenig unzufrieden sein könnte; aber ich war entschlossen, das Werk so weit wie möglich der allgemeinen Fassungskraft der Leser anzupassen. Sollte mich jedoch meine eigene Unwissenheit in Seeangelegenheiten dazu verleitet haben, einige Fehler zu begehen, so bin ich allein dafür verantwortlich, und falls ein Reisender die Neugier haben sollte, das ganze Werk in seiner ursprünglichen Fassung zu sehen, wie es aus der Hand des Autors kam, so werde ich bereit sein, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.
Was weitere Einzelheiten bezüglich des Verfassers betrifft, so wird der Leser auf den ersten Seiten des Buches Zufriedenstellung finden.
RICHARD SYMPSON.
REISEN.
TEIL I.
EINE REISE NACH LILLIPUT.
KAPITEL I.
DER VERFASSER GIBT EINIGE AUSKUNFT ÜBER SICH SELBST UND SEINE FAMILIE: SEINE ERSTEN BEWEGRÜNDE ZU REISEN. ER ERLEIDET SCHIFFBRUCH UND SCHWIMMT UM SEIN LEBEN; GELANGT SICHER ANS UFER IM LANDE LILLIPUT; WIRD GEFANGEN GENOMMEN UND INS LANDESINNERE GEBRACHT.
Mein Vater hatte ein kleines Anwesen in Nottinghamshire; ich war der dritte von fünf Söhnen. Er schickte mich mit vierzehn Jahren an das Emmanuel College in Cambridge, wo ich drei Jahre verweilte und mich intensiv meinen Studien widmete; da die Kosten für meinen Unterhalt jedoch, obwohl ich eine sehr knappe Zuwendung erhielt, für ein schmales Vermögen zu groß waren, wurde ich bei Mr. James Bates, einem angesehenen Chirurgen in London, in die Lehre gegeben, bei dem ich vier Jahre blieb; und da mein Vater mir hin und wieder kleine Geldsummen schickte, gab ich diese dafür aus, Navigation und andere Teile der Mathematik zu erlernen, die für diejenigen nützlich sind, die zu reisen beabsichtigen, da ich stets glaubte, es würde früher oder später mein Schicksal sein, dies zu tun. Als ich Mr. Bates verließ, reiste ich zu meinem Vater, wo ich mit dessen Unterstützung sowie der meines Onkels John und einiger anderer Verwandter vierzig Pfund[2] und das Versprechen von dreißig Pfund pro Jahr erhielt, um mich in Leyden zu unterhalten. Dort studierte ich zwei Jahre und sieben Monate lang Medizin, da ich wusste, dass dies auf langen Seereisen nützlich sein würde.
Kurz nach meiner Rückkehr aus Leyden wurde ich von meinem guten Lehrmeister, Mr. Bates, empfohlen, Chirurg auf der „Swallow“ zu werden, unter Kapitän Abraham Pannell, dem Kommandanten; bei dem ich dreieinhalb Jahre blieb und ein oder zwei Reisen in die Levante[3] und einige andere Gegenden unternahm. Als ich zurückkam, beschloss ich, mich in London niederzulassen; wozu mich Mr. Bates, mein Meister, ermutigte, und durch ihn wurde ich mehreren Patienten empfohlen. Ich nahm einen Teil eines kleinen Hauses in der Old Jewry; und da mir geraten wurde, meinen Lebensstand zu ändern, heiratete ich Mrs. Mary Burton,[4] die zweite Tochter von Mr. Edmund Burton, einem Strumpfwirker in der Newgate Street, mit der ich vierhundert Pfund als Mitgift erhielt.
Doch mein guter Meister, Bates, starb zwei Jahre später, und da ich nur wenige Freunde hatte, begann mein Geschäft zu stocken; denn mein Gewissen wollte es nicht zulassen, die schlechte Praxis allzu vieler meiner Kollegen nachzuahmen. Nachdem ich mich daher mit meiner Frau und einigen meiner Bekannten beraten hatte, entschloss ich mich, wieder zur See zu fahren. Ich war nacheinander auf zwei Schiffen als Chirurg tätig und unternahm während sechs Jahren mehrere Reisen nach Ost- und Westindien, wodurch ich mein Vermögen etwas aufbessern konnte. Meine Mußestunden verbrachte ich mit der Lektüre der besten Autoren, der alten wie der neuen, wobei ich stets mit einer guten Anzahl Bücher versehen war; und wenn ich an Land war, beobachtete ich die Sitten und Gemütsarten der Menschen und erlernte ihre Sprache, wofür ich aufgrund meiner guten Gedächtnisleistung eine große Begabung besaß.
Da die letzte dieser Reisen nicht sehr glücklich verlief, wurde ich des Meeres überdrüssig und beabsichtigte, zu Hause bei meiner Frau und Familie zu bleiben. Ich zog von der Old Jewry in die Fetter Lane und von dort nach Wapping, in der Hoffnung, unter den Seeleuten Arbeit zu finden; aber es wollte sich nicht bezahlt machen. Nach drei Jahren des Wartens auf eine Besserung der Dinge nahm ich ein vorteilhaftes Angebot von Kapitän William Prichard an, dem Kapitän der „Antelope“, der eine Reise in die Südsee[5] unternahm. Wir stachen am 4. Mai 1699 von Bristol aus in See; und unsere Reise war anfangs sehr erfolgreich.
Es wäre aus etlichen Gründen nicht angebracht, den Leser mit den Einzelheiten unserer Abenteuer in jenen Meeren zu behelligen. Es genüge, ihm mitzuteilen, dass wir auf unserer Fahrt von dort nach Ostindien durch einen heftigen Sturm nordwestlich von Van Diemens Land[6] abgetrieben wurden.
Durch eine Beobachtung stellten wir fest, dass wir uns auf dem Breitengrad von 30 Grad und 2 Minuten südlicher Breite befanden. Zwölf unserer Besatzungsmitglieder waren an übermäßiger Arbeit und schlechter Verpflegung gestorben; die übrigen befanden sich in einem sehr schwachen Zustand.
Am fünften November, dem Beginn des Sommers in jenen Breiten, als das Wetter sehr diesig war, erspähten die Seeleute einen Felsen in einer Entfernung von einer halben Kabellänge vom Schiff;[7] aber der Wind war so stark, dass wir direkt darauf zugetrieben wurden und sogleich zerschellten. Sechs der Besatzungsmitglieder, zu denen ich gehörte, brachten das Boot zu Wasser und schafften es, sich vom Schiff und dem Felsen zu entfernen. Wir ruderten nach meiner Berechnung etwa drei Meilen weit, bis wir nicht mehr in der Lage waren zu arbeiten, da wir schon durch die Arbeit auf dem Schiff erschöpft waren. Wir vertrauten uns daher der Gnade der Wellen an; und nach etwa einer halben Stunde wurde das Boot durch einen plötzlichen Böenstoß aus dem Norden zum Kentern gebracht. Was aus meinen Gefährten im Boot wurde, ebenso wie aus jenen, die auf den Felsen flüchteten oder auf dem Schiff zurückblieben, kann ich nicht sagen, doch ich nehme an, dass sie alle umkamen.
Ich meinerseits schwamm, wohin das Schicksal mich lenkte, und wurde von Wind und Strömung vorangetrieben. Oft ließ ich meine Beine sinken und konnte keinen Grund fühlen; doch als ich fast am Ende war und nicht mehr kämpfen konnte, fühlte ich, dass ich wieder Boden unter den Füßen hatte; und zu dieser Zeit hatte der Sturm merklich nachgelassen.
Der Abhang war so gering, dass ich fast eine Meile weit ging, bevor ich das Ufer erreichte, was, wie ich vermutete, gegen acht Uhr abends war. Ich schritt dann fast eine halbe Meile weiter voran, konnte aber kein Anzeichen von Häusern oder Bewohnern entdecken; zumindest war ich in einem so schwachen Zustand, dass ich sie nicht bemerkte. Ich war überaus müde, und zusammen damit, der Hitze des Wetters und dem etwa halben Pint Branntwein, das ich beim Verlassen des Schiffes getrunken hatte, fühlte ich mich sehr schläfrig. Ich legte mich auf das Gras, das sehr kurz und weich war, wo ich tiefer schlief, als ich mich je in meinem Leben erinnern konnte, und zwar, wie ich rechnete, etwa neun Stunden; denn als ich erwachte, war es gerade Tagesanbruch. Ich versuchte aufzustehen, war aber unfähig, mich zu rühren: denn da ich auf dem Rücken lag, bemerkte ich, dass meine Arme und Beine zu beiden Seiten fest am Boden angebunden waren; und mein Haar, das lang und dick war, war auf die gleiche Weise festgebunden. Ich spürte auch etliche dünne Fesseln quer über meinen Körper, von meinen Achselhöhlen bis zu meinen Schenkeln. Ich konnte nur nach oben blicken, die Sonne begann heiß zu werden, und das Licht beleidigte meine Augen.
Ich hörte ein verwirrtes Geräusch um mich herum; aber in der Haltung, in der ich lag, konnte ich nichts als den Himmel sehen. Nach kurzer Zeit spürte ich etwas Lebendiges, das sich auf meinem linken Bein bewegte, das sanft über meine Brust nach vorne kroch und beinahe bis zu meinem Kinn gelangte; als ich dann meine Augen so weit wie möglich nach unten beugte, nahm ich wahr, dass es ein menschliches Geschöpf war, keine sechs Zoll groß, mit Pfeil und Bogen in den Händen und einem Köcher auf dem Rücken. In der Zwischenzeit spürte ich mindestens vierzig weitere derselben Art (wie ich vermutete), die dem ersten folgten.
Ich war höchst erstaunt und brüllte so laut, dass sie alle vor Schreck zurückliefen; und einige von ihnen, wie mir später erzählt wurde, wurden durch die Stürze verletzt, die sie sich beim Sprung von meinen Seiten auf den Boden zuzogen. Sie kehrten jedoch bald zurück, und einer von ihnen, der es wagte, einen vollen Blick auf mein Gesicht zu werfen, hob seine Hände und Augen voll Bewunderung und rief mit schriller, aber deutlicher Stimme: Hekinah degul! Die anderen wiederholten die gleichen Worte mehrmals, aber ich wusste damals nicht, was sie bedeuteten.
Ich lag die ganze Zeit, wie der Leser glauben mag, in großer Unruhe. Endlich, als ich mich abmühte, loszukommen, hatte ich das Glück, die Schnüre zu zerreißen und die Pflöcke herauszureißen, die meinen linken Arm am Boden befestigten; denn als ich ihn an mein Gesicht hob, entdeckte ich die Methoden, die sie angewandt hatten, um mich zu binden, und gleichzeitig lockerte ich mit einem heftigen Ruck, der mir übermäßige Schmerzen bereitete, die Schnüre, die mein Haar auf der linken Seite festbanden, ein wenig, sodass ich gerade in der Lage war, meinen Kopf etwa zwei Zoll zu drehen.
Doch die Kreaturen rannten ein zweites Mal davon, bevor ich sie ergreifen konnte; woraufhin ein großes Geschrei mit sehr schrillem Akzent einsetzte, und nachdem es verstummte, hörte ich einen von ihnen laut rufen: Tolgo phonac; als ich in einem Augenblick spürte, wie über hundert Pfeile auf meine linke Hand abgefeuert wurden, die mich wie so viele Nadeln stachen; und zudem schossen sie eine weitere Salve in die Luft, wie wir es mit Bomben in Europa tun, wovon viele, wie ich vermute, auf meinen Körper fielen (obwohl ich sie nicht spürte) und einige auf mein Gesicht, das ich sofort mit meiner linken Hand bedeckte.
Als dieser Pfeilhagel vorüber war, fing ich vor Kummer und Schmerz an zu stöhnen, und als ich mich dann erneut abmühte, loszukommen, feuerten sie eine weitere Salve ab, die größer war als die erste, und einige von ihnen versuchten, mich mit Speeren in die Seiten zu stechen; doch glücklicherweise trug ich ein Büffellederwams,[8] das sie nicht durchdringen konnten. Ich hielt es für die klügste Methode, still liegen zu bleiben, und mein Plan war, dies bis zur Nacht fortzusetzen, wenn ich, da meine linke Hand bereits frei war, mich leicht befreien könnte; und was die Bewohner betraf, so hatte ich Grund zu der Annahme, dass ich der größten Armee gewachsen sein könnte, die sie gegen mich aufbringen könnten, wenn sie alle von der gleichen Größe wären wie derjenige, den ich sah.
Doch das Schicksal verfügte anders über mich. Als die Leute beobachteten, dass ich ruhig war, feuerten sie keine weiteren Pfeile ab: aber durch das Geräusch, das ich vernahm, wusste ich, dass ihre Anzahl zunahm; und etwa vier Schritt von mir entfernt, gegenüber meinem rechten Ohr, hörte ich über eine Stunde lang ein Klopfen, wie von Leuten bei der Arbeit; als ich meinen Kopf in jene Richtung drehte, so weit wie es die Pflöcke und Schnüre mir erlaubten, sah ich ein Gerüst, das etwa anderthalb Fuß über dem Boden errichtet war und Platz für vier der Bewohner bot, mit zwei oder drei Leitern, um es zu besteigen; von wo aus einer von ihnen, der eine Person von Rang zu sein schien, eine lange Rede an mich hielt, von der ich keine Silbe verstand.
Ich muss jedoch erwähnen, dass die Hauptperson, bevor sie mit ihrer Ansprache begann, dreimal ausrief: Langro debul san (diese Worte und die vorherigen wurden mir später wiederholt und erklärt). Daraufhin kamen sogleich etwa fünfzig der Einwohner und schnitten die Schnüre durch, die die linke Seite meines Kopfes festhielten, was mir die Freiheit gab, ihn nach rechts zu drehen und die Gestalt sowie die Gebärden dessen zu beobachten, der sprechen sollte. Er schien mittleren Alters zu sein und war größer als jeder der anderen drei, die ihn begleiteten, wovon einer ein Page war, der seine Schleppe hielt und mir etwas länger als mein Mittelfinger vorkam; die anderen beiden standen zu seinen Seiten, um ihn zu stützen. Er spielte jede Rolle eines Redners, und ich konnte viele Passagen von Drohungen und andere von Versprechungen, Mitleid und Güte wahrnehmen.
Ich antwortete mit wenigen Worten, jedoch auf die unterwürfigste Weise, indem ich meine linke Hand und beide Augen zur Sonne erhob, als riefe ich sie als Zeugen an: und da ich vor Hunger beinahe verhungert wäre, weil ich einige Stunden vor Verlassen des Schiffes keinen Bissen gegessen hatte, fand ich die Forderungen der Natur so stark, dass ich nicht umhin konnte, meine Ungeduld zu zeigen (vielleicht gegen die strengen Regeln des Anstands), indem ich meinen Finger häufig an meinen Mund führte, um zu bedeuten, dass ich Nahrung brauchte. Der Hurgo (denn so nennen sie einen großen Herrn, wie ich später erfuhr) verstand mich sehr wohl. Er stieg von der Bühne herab und befahl, dass mehrere Leitern an meine Seiten angelegt würden; auf diese stiegen über hundert Einwohner und gingen auf meinen Mund zu, beladen mit Körben voller Fleisch, die auf den ersten Bericht, den der König von mir erhalten hatte, auf seine Befehle hin dort bereitgestellt und hingeschickt worden waren.
Ich bemerkte, dass es das Fleisch verschiedener Tiere war, konnte sie aber dem Geschmack nach nicht unterscheiden. Es gab Schultern, Keulen und Lenden, geformt wie die von Hammeln, und sehr gut zubereitet, aber kleiner als die Flügel einer Lerche. Ich aß sie zu zweit oder dritt auf einen Bissen und nahm drei Laibe auf einmal, etwa von der Größe von Musketenkugeln. Sie versorgten mich, so gut sie konnten, und zeigten tausend Zeichen der Verwunderung und des Erstaunens über meinen Umfang und meinen Appetit. Ich machte dann ein weiteres Zeichen, dass ich etwas zu trinken wollte.
Sie merkten an meinem Essen, dass eine kleine Menge mir nicht genügen würde; und da sie ein äußerst erfinderisches Volk sind, hievten sie mit großer Geschicklichkeit eines ihrer größten Fässer hinauf, rollten es dann auf meine Hand zu und schlugen den Deckel heraus: Ich trank es auf einen Zug aus; was ich wohl tun konnte, denn es fasste keinen halben Pint und schmeckte wie ein leichter Burgunderwein, war aber weitaus köstlicher. Sie brachten mir ein zweites Fass, das ich auf die gleiche Weise austrank, und machte Zeichen, dass ich mehr wollte; aber sie hatten keines mehr zu geben.
Als ich diese Wunder vollbracht hatte, jubelten sie vor Freude und tanzten auf meiner Brust, wobei sie mehrmals, wie zu Beginn, Hekinah degul wiederholten. Sie machten mir ein Zeichen, dass ich die zwei Fässer hinunterwerfen sollte, warnten aber zuvor die Leute unten, aus dem Weg zu gehen, indem sie laut riefen: Borach nevola; und als sie die Gefäße in der Luft sahen, gab es ein allgemeines Rufen von Hekinah degul.
Ich gestehe, ich war oft versucht, während sie auf meinem Körper vor und zurück liefen, vierzig oder fünfzig von den ersten, die in meine Reichweite kamen, zu ergreifen und gegen den Boden zu schleudern. Aber die Erinnerung an das, was ich gefühlt hatte – was wahrscheinlich nicht das Schlimmste war, was sie mir antun konnten –, und das Versprechen der Ehre, das ich ihnen gab – denn so legte ich mein unterwürfiges Verhalten aus –, vertrieben diese Vorstellungen bald. Überdies betrachtete ich mich nun durch die Gesetze der Gastfreundschaft an ein Volk gebunden, das mich mit so viel Aufwand und Pracht behandelt hatte. Dennoch konnte ich mich in meinen Gedanken nicht genug über die Unerschrockenheit dieser winzigen Sterblichen wundern, die es wagten, auf meinen Körper zu steigen und darauf zu laufen, während eine meiner Hände frei war, ohne beim bloßen Anblick einer so ungeheuerlichen Kreatur zu zittern, als die ich ihnen erscheinen musste.
Nach einiger Zeit, als sie bemerkten, dass ich keine weiteren Forderungen nach Nahrung stellte, erschien vor mir eine Person von hohem Rang von seiner kaiserlichen Majestät. Seine Exzellenz, nachdem er auf den unteren Teil meines rechten Beines gestiegen war, rückte mit etwa einem Dutzend seines Gefolges bis vor mein Gesicht vor; und nachdem er seine Beglaubigungsschreiben unter dem königlichen Siegel hervorgeholt hatte, die er direkt an meine Augen hielt, sprach er etwa zehn Minuten lang, ohne Anzeichen von Zorn, sondern mit einer Art entschlossener Bestimmtheit, wobei er oft nach vorne deutete, was, wie ich später herausfand, in Richtung der Hauptstadt war, etwa eine halbe Meile entfernt, wohin, wie von seiner Majestät im Rat beschlossen, ich gebracht werden musste. Ich antwortete mit wenigen Worten, aber ohne Erfolg, und machte mit der Hand, die frei war, ein Zeichen, indem ich sie an die andere legte (jedoch über das Haupt seiner Exzellenz hinweg, aus Angst, ihn oder sein Gefolge zu verletzen) und dann an meinen eigenen Kopf und Körper, um anzuzeigen, dass ich meine Freiheit wünschte.
Es schien, dass er mich gut genug verstand, denn er schüttelte missbilligend den Kopf und hielt seine Hand in einer Haltung, die zeigen sollte, dass ich als Gefangener transportiert werden müsse. Jedoch machte er andere Zeichen, um mich wissen zu lassen, dass ich genug zu essen und zu trinken und eine sehr gute Behandlung erhalten würde. Woraufhin ich erneut daran dachte, zu versuchen, meine Fesseln zu sprengen; aber als ich wieder den Schmerz ihrer Pfeile auf meinem Gesicht und meinen Händen spürte, die ganz wund waren, und viele der Bolzen noch in ihnen steckten, und ich außerdem beobachtete, dass die Zahl meiner Feinde zunahm, gab ich Zeichen, um sie wissen zu lassen, dass sie mit mir tun konnten, was sie wollten. Daraufhin zog sich der Hurgo mit seinem Gefolge mit viel Höflichkeit und heiterer Miene zurück.
Bald darauf hörte ich ein allgemeines Rufen mit häufigen Wiederholungen der Worte Peplom selan, und ich spürte eine große Anzahl von Menschen auf meiner linken Seite, die die Seile so weit lockerten, dass ich mich auf meine rechte Seite drehen und ein wenig Erleichterung finden konnte. Aber zuvor hatten sie mein Gesicht und beide Hände mit einer Art Salbe eingerieben, die sehr angenehm roch und in wenigen Minuten den gesamten Schmerz ihrer Pfeile beseitigte. Diese Umstände, zusammen mit der Erfrischung, die ich durch ihre Speisen und Getränke, die sehr nährend waren, erhalten hatte, stimmten mich schläfrig. Ich schlief etwa acht Stunden, wie mir später versichert wurde; und das war kein Wunder, denn die Ärzte hatten auf Befehl des Kaisers einen Schlaftrunk in die Weinfässer gemischt.
Es scheint, dass der Kaiser schon im ersten Moment, als ich nach meiner Landung schlafend am Boden entdeckt wurde, durch einen Eilboten früh davon unterrichtet worden war; und er beschloss im Rat, dass ich auf die Weise gefesselt werden sollte, wie ich es berichtet habe (was in der Nacht geschah, während ich schlief), dass man mir reichlich Essen und Trinken schicken und eine Maschine vorbereiten sollte, um mich in die Hauptstadt zu befördern.
Dieser Beschluss mag vielleicht sehr kühn und gefährlich erscheinen, und ich bin überzeugt, dass er von keinem Fürsten in Europa bei einer ähnlichen Gelegenheit nachgeahmt würde. Meiner Meinung nach war er jedoch äußerst klug wie auch großmütig; denn angenommen, diese Leute hätten versucht, mich mit ihren Speeren und Pfeilen zu töten, während ich schlief, wäre ich sicherlich beim ersten Schmerzempfinden aufgewacht, was meinen Zorn und meine Kraft so weit hätte aufstacheln können, dass ich in der Lage gewesen wäre, die Schnüre zu zerreißen, mit denen ich gefesselt war; woraufhin sie, da sie keinen Widerstand leisten konnten, keine Gnade hätten erwarten dürfen.
Diese Leute sind ausgezeichnete Mathematiker und haben durch die Gunst und Ermutigung des Kaisers, der ein berühmter Förderer der Gelehrsamkeit ist, eine große Vollkommenheit in der Mechanik erreicht. Der Fürst hat mehrere Maschinen auf Rädern für den Transport von Bäumen und anderen großen Lasten. Oft baut er seine größten Kriegsschiffe, von denen einige neun Fuß lang sind, in den Wäldern, wo das Holz wächst, und lässt sie auf diesen Vorrichtungen drei- oder vierhundert Yards zum Meer transportieren. Fünfhundert Zimmerleute und Ingenieure wurden sofort an die Arbeit gesetzt, um die größte Maschine vorzubereiten, die sie hatten. Es war ein Holzgestell, drei Zoll vom Boden erhoben, etwa sieben Fuß lang und vier breit, das sich auf zweiundzwanzig Rädern bewegte. Der Ruf, den ich hörte, galt der Ankunft dieser Maschine, die, wie es scheint, vier Stunden nach meiner Landung losfuhr. Sie wurde parallel zu mir gebracht, während ich dort lag. Aber die größte Schwierigkeit bestand darin, mich auf dieses Fahrzeug zu heben und zu legen.
Achtzig Pfosten, jeder einen Fuß hoch, wurden zu diesem Zweck errichtet, und sehr starke Schnüre von der Dicke eines Bindfadens wurden mit Haken an vielen Verbänden befestigt, die die Arbeiter um meinen Hals, meine Hände, meinen Körper und meine Beine geschlungen hatten. Neunhundert der stärksten Männer wurden eingesetzt, um diese Schnüre mittels vieler Flaschenzüge, die an den Pfosten befestigt waren, hochzuziehen; und so wurde ich in weniger als drei Stunden angehoben, in die Maschine geworfen und festgebunden.
All dies wurde mir erzählt; denn während die ganze Operation durchgeführt wurde, lag ich in einem tiefen Schlaf, durch die Wirkung der schlafbringenden Medizin, die in mein Getränk gemischt worden war. Fünfzehnhundert der größten Pferde des Kaisers, jedes etwa viereinhalb Zoll hoch, wurden eingesetzt, um mich in Richtung der Metropole zu ziehen, die, wie ich sagte, eine halbe Meile entfernt lag.
Etwa vier Stunden nachdem wir unsere Reise begonnen hatten, erwachte ich durch einen sehr lächerlichen Vorfall; denn da die Beförderung eine Weile anhielt, um etwas in Ordnung zu bringen, das nicht stimmte, hatten zwei oder drei der jungen Eingeborenen die Neugier, zu sehen, wie ich aussah, wenn ich schlief. Sie kletterten auf die Maschine und näherten sich ganz leise meinem Gesicht, da steckte einer von ihnen, ein Offizier der Garde, das scharfe Ende seines Halbpikes ein gutes Stück in mein linkes Nasenloch, was meine Nase wie ein Strohhalm kitzelte und mich heftig niesen ließ; woraufhin sie sich unbemerkt davonmachten, und es dauerte drei Wochen, bis ich den Grund für mein so plötzliches Erwachen erfuhr.
Wir machten am restlichen Tag einen langen Marsch und ruhten nachts mit fünfhundert Wachen auf jeder Seite von mir, die Hälfte mit Fackeln, die Hälfte mit Pfeil und Bogen, bereit, auf mich zu schießen, falls ich versuchen sollte, mich zu rühren. Am nächsten Morgen, bei Sonnenaufgang, setzten wir unseren Marsch fort und kamen gegen Mittag innerhalb von zweihundert Yards vor den Stadttoren an. Der Kaiser und sein gesamter Hof kamen uns entgegen; aber seine hohen Offiziere wollten keinesfalls zulassen, dass seine Majestät seine Person gefährdete, indem er auf meinen Körper stieg.
An dem Ort, wo der Transport anhielt, stand ein alter Tempel, der als der größte im ganzen Königreich galt, der, nachdem er einige Jahre zuvor durch einen unnatürlichen Mord entweiht worden war, gemäß dem Eifer dieser Leute als unheilig angesehen wurde und daher dem allgemeinen Gebrauch zugeführt worden war, wobei alle Ornamente und Einrichtungsgegenstände entfernt worden waren. In diesem Gebäude sollte ich logieren. Das große Tor, das nach Norden ausgerichtet war, war etwa vier Fuß hoch und fast zwei Fuß breit, durch das ich leicht kriechen konnte. Auf jeder Seite des Tores war ein kleines Fenster, nicht mehr als sechs Zoll vom Boden entfernt; in das auf der linken Seite beförderte der Schmied des Königs einundachtzig Ketten, wie sie in Europa an der Uhr einer Dame hängen, und fast ebenso groß, die mit sechsunddreißig Vorhängeschlössern an meinem linken Bein verschlossen wurden.
Gegenüber diesem Tempel, auf der anderen Seite der großen Landstraße, in zwanzig Fuß Entfernung, befand sich ein Türmchen von mindestens fünf Fuß Höhe. Hier stieg der Kaiser mit vielen bedeutenden Lords seines Hofes hinauf, um die Gelegenheit zu haben, mich zu betrachten, wie mir gesagt wurde, denn ich konnte sie nicht sehen. Es wurde geschätzt, dass über einhunderttausend Einwohner aus der Stadt kamen, um dasselbe zu tun; und trotz meiner Wachen glaube ich, dass es nicht weniger als zehntausend gewesen sein konnten, die bei verschiedenen Gelegenheiten mithilfe von Leitern auf meinen Körper stiegen. Aber bald wurde eine Proklamation erlassen, um dies bei Todesstrafe zu verbieten.
Als die Arbeiter feststellten, dass es mir unmöglich war, mich loszureißen, schnitten sie alle Schnüre durch, die mich banden; woraufhin ich aufstand, mit einer so melancholischen Stimmung, wie ich sie noch nie in meinem Leben hatte. Aber das Geräusch und das Erstaunen der Menschen, als sie mich aufstehen und gehen sahen, sind nicht zu beschreiben. Die Ketten, die mein linkes Bein hielten, waren etwa zwei Yards lang und gaben mir nicht nur die Freiheit, in einem Halbkreis vorwärts und rückwärts zu gehen, sondern erlaubten mir, da sie innerhalb von vier Zoll vom Tor befestigt waren, hineinzukriechen und mich in meiner vollen Länge im Tempel hinzulegen.
KAPITEL II.
DER KAISER VON LILLIPUT, BEGLEITET VON MEHREREN ADELIGEN, KOMMT, UM DEN AUTOR IN SEINER GEFANGENSCHAFT ZU BESUCHEN. DIE PERSON UND DIE KLEIDUNG DES KAISERS WERDEN BESCHRIEBEN. GELEHRTE MÄNNER WERDEN ERNANNT, UM DEM AUTOR IHRE SPRACHE ZU LEHREN. ER GEWINNT DURCH SEINE MILDTÄTIGE ART AN GUNST. SEINE TASCHEN WERDEN DURCHSUCHT UND SEIN SCHWERT SOWIE SEINE PISTOLEN WERDEN IHM ABGENOMMEN.
Als ich mich auf meinen Füßen fand, sah ich mich um und muss gestehen, dass ich noch nie einen unterhaltsameren Anblick gesehen habe. Das Land ringsum erschien wie ein fortlaufender Garten, und die umzäunten Felder, die im Allgemeinen vierzig Fuß im Quadrat maßen, glichen ebenso vielen Blumenbeeten. Diese Felder waren mit Wäldern von einem halben Stang vermischt, und die höchsten Bäume, wie ich beurteilen konnte, schienen sieben Fuß hoch zu sein. Ich betrachtete die Stadt zu meiner Linken, die wie die gemalte Kulisse einer Stadt in einem Theater aussah.
Der Kaiser war bereits vom Turm gestiegen und rückte zu Pferd auf mich zu, was ihn beinahe teuer zu stehen gekommen wäre; denn das Tier, obwohl sehr gut abgerichtet, war einen solchen Anblick, der erschien, als ob sich ein Berg vor ihm bewege, überhaupt nicht gewohnt und bäumte sich auf seine Hinterbeine auf. Aber jener Fürst, der ein ausgezeichneter Reiter ist, blieb im Sattel, bis seine Begleiter herbeieilten und den Zügel hielten, während seine Majestät Zeit hatte, abzusteigen.
Als er abgestiegen war, musterte er mich mit großer Bewunderung, blieb aber außerhalb der Länge meiner Kette. Er befahl seinen Köchen und Kellermeistern, die bereits bereit waren, mir Speisen und Getränke zu geben, welche sie in einer Art Fahrzeug auf Rädern vorwärts schoben, bis ich sie erreichen konnte. Ich nahm diese Fahrzeuge und leerte sie bald alle; zwanzig von ihnen waren mit Fleisch gefüllt; jedes bot mir zwei oder drei gute Bissen. Die Kaiserin und die jungen Prinzen von Geblüt beiderlei Geschlechts, begleitet von vielen Damen, saßen in einiger Entfernung in ihren Sänften; aber bei dem Unfall, der dem Pferd des Kaisers passierte, stiegen sie aus und kamen in die Nähe seiner Person, die ich nun beschreiben werde. Er ist fast um die Breite meines Nagels größer als jeder an seinem Hof, was allein ausreicht, um bei den Zuschauern Ehrfurcht zu erwecken. Seine Gesichtszüge sind stark und männlich, mit einer österreichischen Lippe und einer gebogenen Nase, sein Teint ist olivfarben, seine Haltung aufrecht, sein Körper und seine Gliedmaßen wohlproportioniert, alle seine Bewegungen anmutig und sein Gebaren majestätisch. Er war damals über seinen Zenit hinaus, achtundzwanzig Jahre und drei Viertel alt, von denen er etwa sieben in großem Glück regiert hatte und allgemein siegreich war. Zur besseren Bequemlichkeit, ihn zu betrachten, lag ich auf der Seite, sodass mein Gesicht parallel zu seinem war, und er stand nur drei Yards entfernt. Ich habe ihn jedoch seitdem viele Male in meiner Hand gehabt und kann mich daher in der Beschreibung nicht täuschen.
Seine Kleidung war sehr schlicht und einfach, und ihr Schnitt lag zwischen dem asiatischen und dem europäischen; aber er trug auf seinem Kopf einen leichten Helm aus Gold, der mit Juwelen geschmückt war, und einen Federbusch an der Helmzier. Er hielt sein Schwert gezogen in der Hand, um sich zu verteidigen, falls ich mich losreißen sollte; es war fast drei Zoll lang; der Griff und die Scheide waren aus Gold, angereichert mit Diamanten. Seine Stimme war schrill, aber sehr klar und artikuliert, und ich konnte sie deutlich hören, wenn ich aufstand.
Die Damen und Höflinge waren alle aufs Prächtigste gekleidet; sodass der Fleck, auf dem sie standen, einem auf dem Boden ausgebreiteten Unterrock glich, der mit Figuren aus Gold und Silber bestickt war. Seine kaiserliche Majestät sprach oft zu mir, und ich gab Antworten, aber keiner von uns konnte eine Silbe verstehen. Es waren mehrere seiner Priester und Anwälte anwesend (wie ich an ihren Gewändern vermutete), denen befohlen wurde, sich an mich zu wenden; und ich sprach zu ihnen in so vielen Sprachen, wie ich auch nur das geringste bisschen verstand, nämlich Hoch- und Niederdeutsch, Latein, Französisch, Spanisch, Italienisch und Lingua Franca; aber alles ohne Erfolg.
Nach etwa zwei Stunden zog sich der Hof zurück, und ich blieb mit einer starken Wache zurück, um die Unverschämtheit und wahrscheinlich die Bosheit des Pöbels zu verhindern, der sehr ungeduldig war, sich so nah wie möglich um mich zu drängen; und einige von ihnen hatten die Frechheit, ihre Pfeile auf mich zu schießen, während ich auf dem Boden neben der Tür meines Hauses saß, wovon einer mein linkes Auge nur knapp verfehlte. Aber der Oberst ordnete an, sechs der Rädelsführer zu ergreifen, und hielt keine Strafe für angemessener, als sie gebunden in meine Hände zu übergeben; was einige seiner Soldaten auch taten, indem sie sie mit den Kolben ihrer Piken in meine Reichweite schoben. Ich nahm sie alle in meine rechte Hand, steckte fünf von ihnen in meine Rocktasche; und was den sechsten betraf, machte ich eine Miene, als wollte ich ihn bei lebendigem Leib auffressen. Der arme Mann schrie schrecklich, und der Oberst und seine Offiziere waren in großer Sorge, besonders als sie sahen, wie ich mein Taschenmesser herauszog; aber ich nahm ihnen bald die Angst, denn ich blickte mild drein und schnitt sofort die Schnüre durch, mit denen er gebunden war, setzte ihn sanft auf den Boden, und davon lief er. Die anderen behandelte ich auf die gleiche Weise, indem ich sie einen nach dem anderen aus meiner Tasche nahm; und ich beobachtete, dass sowohl die Soldaten als auch das Volk sehr erfreut über dieses Zeichen meiner Milde waren, was bei Hofe sehr zu meinem Vorteil dargestellt wurde.
Gegen Abend gelangte ich mit einiger Mühe in mein Haus, wo ich auf dem Boden lag, und das tat ich etwa vierzehn Tage lang, während dieser Zeit gab der Kaiser Befehle, ein Bett für mich vorzubereiten. Sechshundert Betten von gewöhnlichem Maß wurden auf Wagen herbeigeschafft und in meinem Haus verarbeitet; einhundertfünfzig ihrer Betten, zusammengenäht, ergaben die Breite und Länge; und diese waren vierfach gelegt, was mich jedoch nur sehr mäßig vor der Härte des Bodens schützte, der aus glattem Stein bestand. Nach der gleichen Berechnung versorgten sie mich mit Laken, Decken und Überwürfen, die für jemanden, der so lange an Entbehrungen gewöhnt war wie ich, erträglich genug waren.
Als sich die Nachricht von meiner Ankunft im Königreich verbreitete, brachte sie eine ungeheure Anzahl reicher, müßiger und neugieriger Leute dazu, mich zu sehen; sodass die Dörfer fast leer waren; und eine große Vernachlässigung der Bodenbearbeitung und der häuslichen Angelegenheiten hätte folgen müssen, wenn seine kaiserliche Majestät nicht durch mehrere Proklamationen und staatliche Anordnungen gegen diese Unannehmlichkeit vorgesorgt hätte. Er wies an, dass diejenigen, die mich bereits gesehen hatten, nach Hause zurückkehren sollten und nicht wagen dürften, sich ohne Erlaubnis des Hofes auf fünfzig Yards meinem Haus zu nähern; wodurch die Staatssekretäre erhebliche Gebühren einnahmen.
In der Zwischenzeit hielt der Kaiser häufige Ratsversammlungen ab, um darüber zu debattieren, welcher Kurs mit mir eingeschlagen werden sollte; und mir wurde später von einem besonderen Freund versichert, einer Person von hohem Rang, die so sehr in das Geheimnis eingeweiht war wie jeder andere, dass der Hof viele Schwierigkeiten mit mir hatte. Sie befürchteten, ich könnte mich losreißen; dass meine Ernährung sehr teuer sein und eine Hungersnot verursachen könnte. Manchmal beschlossen sie, mich verhungern zu lassen oder zumindest mit vergifteten Pfeilen auf mein Gesicht und meine Hände zu schießen, was mich bald erledigen würde: aber dann bedachten sie wieder, dass der Gestank eines so großen Kadavers eine Pest in der Metropole verursachen und sich wahrscheinlich durch das ganze Königreich ausbreiten könnte.
Inmitten dieser Beratungen begaben sich mehrere Offiziere der Armee zur Tür der großen Ratskammer, und nachdem zwei von ihnen eingelassen worden waren, erstatteten sie Bericht über mein Verhalten gegenüber den sechs oben genannten Verbrechern, was in der Brust seiner Majestät und des gesamten Gremiums einen so günstigen Eindruck zu meinen Gunsten hinterließ, dass ein kaiserlicher Erlass erging, der alle Dörfer im Umkreis von neunhundert Yards um die Stadt verpflichtete, jeden Morgen sechs Rinder, vierzig Schafe und andere Lebensmittel für meinen Unterhalt zu liefern; zusammen mit einer angemessenen Menge an Brot, Wein und anderen Getränken; für deren ordnungsgemäße Bezahlung seine Majestät Anweisungen an seine Schatzkammer gab. Denn dieser Fürst lebt hauptsächlich von seinen eigenen Domänen und erhebt nur bei großen Anlässen Steuern von seinen Untertanen, die verpflichtet sind, ihm in seinen Kriegen auf eigene Kosten zu dienen. Es wurde auch eine Einrichtung von sechshundert Personen geschaffen, die meine Diener sein sollten; sie erhielten Verpflegungsgeld für ihren Unterhalt, und es wurden für sie sehr bequem Zelte auf jeder Seite meiner Tür errichtet.
Es wurde ebenfalls befohlen, dass dreihundert Schneider mir einen Anzug nach der Mode des Landes anfertigen sollten; dass sechs der größten Gelehrten seiner Majestät damit beauftragt werden sollten, mich in ihrer Sprache zu unterrichten; und schließlich, dass die Pferde des Kaisers sowie die des Adels und der Gardetruppen häufig in meiner Gegenwart exerziert werden sollten, um sich an mich zu gewöhnen.
Alle diese Befehle wurden ordnungsgemäß ausgeführt, und in etwa drei Wochen machte ich große Fortschritte beim Erlernen ihrer Sprache; während dieser Zeit beehrte mich der Kaiser häufig mit seinen Besuchen und war so freundlich, meine Lehrer bei meinem Unterricht zu unterstützen. Wir begannen bereits, uns einigermaßen zu unterhalten; und die ersten Worte, die ich lernte, waren, meinen Wunsch auszudrücken, dass er mir meine Freiheit gewähren möge, was ich jeden Tag auf Knien wiederholte. Seine Antwort, soweit ich sie verstehen konnte, war, dass dies ein Werk der Zeit sein müsse, an das nicht ohne den Rat seines Rates zu denken sei, und dass ich zuerst lumos kelmin pesso desmar lon emposo müsse; das heißt, einen Frieden mit ihm und seinem Königreich schwören. Er versicherte mir jedoch, dass ich mit aller Güte behandelt werden würde; und er riet mir, durch meine Geduld und mein diskretes Verhalten das Wohlwollen seiner selbst und seiner Untertanen zu gewinnen.
Er wünschte, ich möge es nicht übel nehmen, wenn er bestimmten geeigneten Beamten Befehl gäbe, mich zu durchsuchen; denn wahrscheinlich könnte ich bei mir verschiedene Waffen tragen, die notwendigerweise gefährliche Dinge sein müssten, wenn sie der Masse einer so ungeheuren Person entsprächen. Ich sagte, seine Majestät solle zufrieden sein, denn ich sei bereit, mich vor ihm auszuziehen und meine Taschen zu leeren. Dies brachte ich teils in Worten, teils durch Zeichen zum Ausdruck.
Er erwiderte, dass ich nach den Gesetzen des Königreichs von zwei seiner Beamten durchsucht werden müsse; dass er wisse, dies könne nicht ohne mein Einverständnis und meine Mithilfe geschehen; dass er eine so gute Meinung von meiner Großmut und Gerechtigkeit habe, dass er deren Personen in meine Hände lege; dass alles, was sie bei mir fänden, mir zurückgegeben werde, wenn ich das Land verließe, oder zu dem Preis bezahlt würde, den ich selbst dafür festsetzte. Ich nahm die beiden Beamten in meine Hände, steckte sie zuerst in meine Rocktaschen und dann in jede andere Tasche an mir, mit Ausnahme meiner beiden kleinen Uhrentaschen und einer weiteren geheimen Tasche, von der ich nicht wollte, dass sie durchsucht würde, in der ich einige kleine Notwendigkeiten hatte, die für niemanden außer mir von Bedeutung waren. In einer meiner Uhrentaschen befand sich eine silberne Taschenuhr, und in der anderen eine kleine Menge Gold in einem Beutel.
Diese Herren, die Feder, Tinte und Papier bei sich hatten, erstellten ein genaues Inventar von allem, was sie sahen; und als sie fertig waren, baten sie mich, sie abzusetzen, damit sie es dem Kaiser übergeben könnten. Dieses Inventar habe ich später ins Englische übersetzt, und es lautet wörtlich wie folgt:
Imprimis, in der rechten Rocktasche des großen Menschenbergs (denn so interpretiere ich das Wort quinbus flestrin) fanden wir nach strengster Durchsuchung nur ein großes Stück groben Stoffes, groß genug, um als Fußtuch für das Hauptstaatsgemach Eurer Majestät zu dienen. In der linken Tasche sahen wir eine riesige silberne Truhe mit einem Deckel aus demselben Metall, den wir, die Durchsucher, nicht anheben konnten. Wir baten darum, sie zu öffnen, und einer von uns, der hineinstieg, fand sich bis zur Mitte der Beine in einer Art Staub wieder, von dem ein Teil in unsere Gesichter flog und uns beide mehrmals hintereinander niesen ließ. In seiner rechten Westentasche fanden wir eine ungeheure Anzahl weißer, dünner Substanzen, die übereinander gefaltet waren, etwa von der Größe dreier Männer, mit einem starken Seil zusammengebunden und mit schwarzen Figuren markiert; was wir untertänigst für Schriften halten, wobei jeder Buchstabe fast halb so groß ist wie unsere Handfläche. In der linken befand sich eine Art Maschine, von deren Rückseite zwanzig lange Stangen ausgingen, die den Palisaden vor dem Hof Eurer Majestät ähnelten; womit wir vermuten, dass der Menschenberg sich das Haar kämmt, denn wir belästigten ihn nicht immer mit Fragen, weil wir es für sehr schwierig hielten, ihn dazu zu bringen, uns zu verstehen. In der großen Tasche auf der rechten Seite seiner mittleren Hülle (so übersetze ich das Wort ranfu-lo, womit sie meine Hose meinten) sahen wir eine hohle Säule aus Eisen, etwa von der Länge eines Mannes, die an einem starken Stück Holz befestigt war, das größer war als die Säule; und auf einer Seite der Säule ragten riesige Stücke Eisen hervor, die in seltsame Formen geschnitten waren, mit denen wir nichts anzufangen wussten. In der linken Tasche eine weitere Maschine der gleichen Art. In der kleineren Tasche auf der rechten Seite befanden sich mehrere runde, flache Stücke aus weißem und rotem Metall von unterschiedlicher Größe; einige der weißen, die aus Silber zu sein schienen, waren so groß und schwer, dass mein Kamerad und ich sie kaum anheben konnten. In der linken Tasche befanden sich zwei schwarze Säulen von unregelmäßiger Form; wir konnten die Spitze davon nur mit Mühe erreichen, während wir am Boden seiner Tasche standen. Eine davon war bedeckt und schien aus einem Stück zu sein; aber am oberen Ende der anderen erschien eine weiße und runde Substanz, etwa doppelt so groß wie unsere Köpfe. In jeder dieser war eine ungeheure Stahlplatte eingeschlossen, die wir ihn auf unsere Anordnung hin zeigen lassen mussten, weil wir befürchteten, es könnten gefährliche Maschinen sein. Er nahm sie aus ihren Etuis und sagte uns, dass es in seinem eigenen Land üblich sei, sich mit der einen den Bart zu rasieren und mit der anderen sein Fleisch zu schneiden. Es gab zwei Taschen, in die wir nicht eindringen konnten: diese nannte er seine Uhrentaschen. Aus der rechten hing eine große silberne Kette mit einer wunderbaren Art von Maschine am unteren Ende. Wir wiesen ihn an, das herauszuziehen, was am Ende dieser Kette war, was sich als ein Globus erwies, halb Silber und halb aus einem durchsichtigen Metall; denn auf der durchsichtigen Seite sahen wir bestimmte seltsame Figuren, die kreisförmig gezeichnet waren, und dachten, wir könnten sie berühren, bis wir feststellten, dass unsere Finger von dieser durchsichtigen Substanz aufgehalten wurden. Er hielt diese Maschine an unsere Ohren, was ein unaufhörliches Geräusch machte, wie das einer Wassermühle; und wir vermuten, es sei entweder irgendein unbekanntes Tier oder der Gott, den er verehrt; aber wir neigen eher zur letzteren Meinung, da er uns versicherte (falls wir ihn richtig verstanden haben, denn er drückte sich sehr unvollkommen aus), dass er selten etwas tat, ohne ihn zu befragen. Er nannte es sein Orakel und sagte, es zeige ihm die Zeit für jede Handlung seines Lebens an. Aus der linken Tasche nahm er ein Netz heraus, das fast groß genug für einen Fischer war, aber so konstruiert, dass es sich wie ein Beutel öffnen und schließen ließ, und ihm zum gleichen Gebrauch diente; wir fanden darin mehrere massive Stücke aus gelbem Metall, die, wenn es echtes Gold ist, von unermesslichem Wert sein müssen.
Nachdem wir so, im Gehorsam gegenüber den Befehlen Eurer Majestät, all seine Taschen fleißig durchsucht hatten, bemerkten wir einen Gürtel um seine Taille, der aus der Haut irgendeines ungeheuren Tieres gefertigt war, an dem auf der linken Seite ein Schwert von der Länge von fünf Männern hing; und auf der rechten eine Tasche oder ein Beutel, der in zwei Fächer unterteilt war, von denen jedes in der Lage war, drei Untertanen Eurer Majestät aufzunehmen. In einem dieser Fächer befanden sich mehrere Globen oder Kugeln aus einem höchst schwerfälligen Metall, etwa von der Größe unserer Köpfe, und es erforderte eine starke Hand, sie anzuheben; das andere Fach enthielt einen Haufen bestimmter schwarzer Körner, aber von nicht großer Masse oder Gewicht, denn wir konnten etwa fünfzig davon in unseren Handflächen halten.
Dies ist ein genaues Inventar dessen, was wir am Körper des Menschenbergs gefunden haben, der uns mit großer Höflichkeit und gebührendem Respekt gegenüber dem Auftrag Eurer Majestät behandelte. Unterzeichnet und versiegelt am vierten Tag des neunundachtzigsten Mondes der verheißungsvollen Herrschaft Eurer Majestät.
CLEFRIN FRELOC. MARSI FRELOC.
Als dieses Inventar dem Kaiser vorgelesen wurde, wies er mich, wenn auch in sehr sanften Worten, an, die verschiedenen Einzelteile herauszugeben.
Zuerst verlangte er nach meinem Entermesser, das ich samt Scheide herausnahm. In der Zwischenzeit befahl er dreitausend seiner auserwählten Truppen (die ihn damals begleiteten), mich aus der Entfernung zu umstellen, mit ihren Pfeil und Bogen schussbereit; doch ich bemerkte es nicht, denn meine Augen waren ganz auf seine Majestät gerichtet. Er bat mich dann, mein Entermesser zu ziehen, das, obwohl es durch das Meerwasser etwas Rost angesetzt hatte, an den meisten Stellen überaus glänzend war. Ich tat dies, und sofort stießen alle Truppen einen Schrei zwischen Entsetzen und Überraschung aus; denn die Sonne schien hell, und die Spiegelung blendete ihre Augen, als ich das Entermesser in meiner Hand hin und her schwang. Seine Majestät, die ein höchst großmütiger Fürst ist, war weniger eingeschüchtert, als ich erwarten konnte; er befahl mir, es in die Scheide zurückzustecken und es so vorsichtig wie möglich etwa sechs Fuß vom Ende meiner Kette entfernt auf den Boden zu werfen.
Das nächste, was er verlangte, war eine der hohlen Eisensäulen, womit er meine Taschenpistolen meinte. Ich zog sie heraus und erklärte ihm auf seinen Wunsch hin, so gut ich konnte, ihren Gebrauch; und als ich sie nur mit Pulver lud, das durch die Dichtigkeit meines Beutels glücklicherweise nicht im Meer nass geworden war (ein Missgeschick, gegen das alle klugen Seeleute besondere Vorsorge treffen), ermahnte ich den Kaiser zuerst, keine Angst zu haben, und feuerte sie dann in die Luft ab.
Das Erstaunen war hier noch viel größer als beim Anblick meines Entermessers. Hunderte fielen zu Boden, als seien sie vom Blitz getroffen; und selbst der Kaiser, obwohl er standhielt, konnte sich einige Zeit lang nicht wieder fassen. Ich lieferte beide Pistolen auf die gleiche Weise aus, wie ich es mit meinem Entermesser getan hatte, und dann meinen Beutel mit Pulver und Kugeln, wobei ich ihn bat, das Pulver vom Feuer fernzuhalten, da es sich beim kleinsten Funken entzünden und seinen kaiserlichen Palast in die Luft sprengen würde.
Ich lieferte auch meine Uhr aus, die der Kaiser sehr neugierig zu sehen wünschte, und befahl zwei seiner größten Gardesoldaten, sie auf einer Stange auf ihren Schultern zu tragen, so wie Fuhrleute in England ein Fass Bier tragen. Er war erstaunt über das ständige Geräusch, das sie machte, und die Bewegung des Minutenzeigers, den er leicht erkennen konnte; denn ihre Sehkraft ist viel schärfer als unsere. Er fragte seine Gelehrten nach ihrer Meinung darüber, die verschieden und weit hergeholt waren, wie sich der Leser leicht vorstellen kann, ohne dass ich sie wiederhole; obwohl ich sie in der Tat nicht sehr vollkommen verstehen konnte.
Dann gab ich mein Silber- und Kupfergeld ab, meinen Beutel mit neun großen Goldstücken und einigen kleineren; mein Messer und Rasiermesser, meinen Kamm und meine silberne Schnupftabakdose, mein Taschentuch und mein Journalbuch. Mein Entermesser, meine Pistolen und mein Beutel wurden in Wagen zu den Vorräten seiner Majestät befördert; aber der Rest meiner Sachen wurde mir zurückgegeben.
Ich hatte, wie ich bereits erwähnte, eine private Tasche, die ihrer Durchsuchung entgangen war, in der sich ein Paar Brillen befand (die ich manchmal wegen der Schwäche meiner Augen benutze), ein Taschenfernrohr und einige andere kleine Annehmlichkeiten; da diese für den Kaiser von keinerlei Bedeutung waren, hielt ich mich nicht für ehrenhaft verpflichtet, sie zu offenbaren; und ich befürchtete, sie könnten verloren gehen oder beschädigt werden, wenn ich sie aus meinem Besitz gäbe.
KAPITEL III.
DER VERFASSER UNTERHÄLT DEN KAISER UND SEINEN ADEL BEIDERLEI GESCHLECHTS AUF EINE SEHR UNGEWÖHNLICHE WEISE. DIE VERGNÜGUNGEN DES HOFES VON LILLIPUT WERDEN BESCHRIEBEN. DEM VERFASSER WIRD SEINE FREIHEIT UNTER BESTIMMTEN BEDINGUNGEN GEWÄHRT.
Meine Sanftmut und mein gutes Benehmen hatten den Kaiser und seinen Hof, und in der Tat die Armee und das Volk im Allgemeinen, so weit für mich eingenommen, dass ich Hoffnung schöpfte, in kurzer Zeit meine Freiheit zu erlangen. Ich unternahm alle möglichen Schritte, um diese günstige Stimmung zu pflegen. Die Einheimischen begannen allmählich, weniger Angst vor einer Gefahr von meiner Seite zu haben. Manchmal legte ich mich hin und ließ fünf oder sechs von ihnen auf meiner Hand tanzen, und schließlich wagten es die Jungen und Mädchen, in meinem Haar Verstecken zu spielen. Ich hatte nun gute Fortschritte im Verstehen und Sprechen ihrer Sprache gemacht.
Der Kaiser hatte eines Tages Lust, mich mit einer der Schaustellungen des Landes zu unterhalten, in denen sie alle Nationen, die ich kenne, sowohl an Geschicklichkeit als auch an Pracht übertreffen. Nichts unterhielt mich so sehr wie das der Seiltänzer, die auf einem dünnen weißen Faden auftraten, der etwa zwei Fuß lang und zwölf Zoll über dem Boden gespannt war. Worüber ich mir erlauben möchte, mit der Geduld des Lesers, ein wenig ausführlicher zu berichten.
Dieses Vergnügen wird nur von Personen praktiziert, die sich um große Anstellungen und hohe Gunst bei Hofe bewerben. Sie werden in dieser Kunst von Jugend an ausgebildet und sind nicht immer von adliger Geburt oder liberaler Bildung. Wenn ein hohes Amt frei wird, sei es durch Tod oder Ungnade (was oft vorkommt), bitten fünf oder sechs dieser Kandidaten den Kaiser, ihn und den Hof mit einem Tanz auf dem Seil zu unterhalten, und wer am höchsten springt, ohne zu fallen, erhält das Amt. Sehr oft werden die obersten Minister selbst befohlen, ihr Können zu zeigen und den Kaiser davon zu überzeugen, dass sie ihre Fähigkeiten nicht verloren haben. Flimnap, der Schatzmeister, darf auf dem geraden Seil einen Luftsprung machen, mindestens einen Zoll höher als jeder Lord im ganzen Reich. Ich habe gesehen, wie er mehrmals hintereinander den Salto auf einem Holzteller vollführte, der auf einem Seil befestigt war, das nicht dicker ist als ein gewöhnlicher Bindfaden in England. Mein Freund Reldresal, Hauptsekretär für private Angelegenheiten, ist meiner Meinung nach, wenn ich nicht parteiisch bin, der Zweite nach dem Schatzmeister; die übrigen hohen Beamten stehen sich in etwa gleich.
Diese Vergnügungen sind oft mit fatalen Unfällen verbunden, von denen eine große Anzahl aufgezeichnet ist. Ich selbst habe gesehen, wie sich zwei oder drei Kandidaten ein Glied brachen. Aber die Gefahr ist weitaus größer, wenn die Minister selbst befohlen werden, ihre Geschicklichkeit zu zeigen! denn indem sie danach streben, sich selbst und ihre Gefährten zu übertreffen, strengen sie sich so sehr an, dass kaum einer von ihnen dabei ist, der nicht einen Sturz erlitten hat, manche sogar zwei oder drei. Mir wurde versichert, dass Flimnap ein oder zwei Jahre vor meiner Ankunft unfehlbar sein Genick gebrochen hätte, wenn nicht eines der Kissen des Königs, das zufällig auf dem Boden lag, die Wucht seines Sturzes abgeschwächt hätte.
Es gibt ebenfalls ein anderes Vergnügen, das nur vor dem Kaiser und der Kaiserin und dem ersten Minister bei besonderen Anlässen gezeigt wird. Der Kaiser legt drei feine seidene Fäden auf den Tisch, sechs Zoll lang; einer ist purpurrot, der andere gelb und der dritte weiß. Diese Fäden werden als Preise für diejenigen Personen vorgeschlagen, die der Kaiser mit einem besonderen Zeichen seiner Gunst auszeichnen möchte. Die Zeremonie findet im großen Staatsgemach seiner Majestät statt, wo die Kandidaten eine Geschicklichkeitsprüfung ablegen müssen, die sich sehr von der vorherigen unterscheidet und von der ich nicht die geringste Ähnlichkeit in irgendeinem anderen Land der alten oder neuen Welt beobachtet habe.
Der Kaiser hält einen Stock in seinen Händen, beide Enden parallel zum Horizont, während die Kandidaten, einer nach dem anderen vortretend, manchmal über den Stock springen, manchmal darunter hindurchkriechen, vorwärts und rückwärts mehrmals, je nachdem, wie der Stock gehoben oder gesenkt wird. Manchmal hält der Kaiser ein Ende des Stocks und sein erster Minister das andere: manchmal hat der Minister ihn ganz für sich allein. Wer seinen Teil mit der größten Geschicklichkeit vollbringt und beim Springen und Kriechen am längsten durchhält, wird mit der blauen Seide belohnt; die gelbe wird dem Nächsten gegeben und die grüne dem Dritten, die sie alle zweimal um die Mitte gebunden tragen; und man sieht nur wenige bedeutende Personen an diesem Hof, die nicht mit einem dieser Gürtel geschmückt sind.
Die Pferde der Armee und die der königlichen Ställe, die täglich vor mir hergeführt worden waren, waren nicht mehr scheu, sondern kamen bis unmittelbar an meine Füße, ohne zu scheuen. Die Reiter ließen sie über meine Hand springen, während ich sie auf den Boden hielt; und einer der Jäger des Kaisers nahm auf einem großen Ross meinen Fuß, Schuh und alles, was in der Tat ein ungeheurer Sprung war.
Ich hatte das Glück, den Kaiser eines Tages auf eine sehr außergewöhnliche Weise zu unterhalten. Ich bat ihn, mehrere Stöcke von zwei Fuß Höhe und der Dicke eines gewöhnlichen Rohrstocks zu mir bringen zu lassen; woraufhin seine Majestät dem Meister seiner Wälder befahl, entsprechende Anweisungen zu geben; und am nächsten Morgen trafen sechs Holzhauer mit ebenso vielen Wagen ein, die von jeweils acht Pferden gezogen wurden.
Ich nahm neun dieser Stöcke und befestigte sie fest im Boden in einer viereckigen Figur, zweieinhalb Fuß im Quadrat, ich nahm vier weitere Stöcke und band sie an jeder Ecke parallel in etwa zwei Fuß Höhe über dem Boden fest; dann befestigte ich mein Taschentuch an den neun aufrecht stehenden Stöcken und spannte es auf allen Seiten, bis es so straff war wie das Fell einer Trommel; und die vier parallelen Stöcke, die etwa fünf Zoll höher als das Taschentuch aufragten, dienten als Leisten auf jeder Seite.
Als ich meine Arbeit beendet hatte, bat ich den Kaiser, eine Truppe seiner besten Pferde, vierundzwanzig an der Zahl, kommen und auf dieser Ebene exerzieren zu lassen. Seine Majestät billigte den Vorschlag, und ich nahm sie einzeln in meine Hände, bereit zum Aufsitzen und bewaffnet, mit den entsprechenden Offizieren, um sie zu trainieren. Sobald sie in Ordnung waren, teilten sie sich in zwei Parteien, führten Schein-Scharmützel durch, feuerten stumpfe Pfeile ab, zogen ihre Schwerter, flohen und verfolgten, griffen an und zogen sich zurück, und zeigten kurz gesagt die beste militärische Disziplin, die ich je gesehen habe. Die parallelen Stöcke schützten sie und ihre Pferde davor, über die Bühne zu fallen: und der Kaiser war so sehr erfreut, dass er befahl, diese Unterhaltung mehrere Tage lang zu wiederholen, und sich einmal sogar herabließ, hochgehoben zu werden und das Kommando zu geben; und mit großer Mühe überredete er sogar die Kaiserin selbst, mich sie in ihrem geschlossenen Stuhl bis auf zwei Yards an die Bühne heranhalten zu lassen, von wo aus sie einen vollständigen Blick auf die gesamte Aufführung werfen konnte.
Es war mein Glück, dass bei diesen Unterhaltungen kein schlimmer Unfall geschah; nur einmal schlug ein feuriges Pferd, das einem der Hauptleute gehörte, mit seinem Huf ein Loch in mein Taschentuch, und da sein Fuß abrutschte, stürzte er seinen Reiter und sich selbst; aber ich rettete sie beide sofort, und während ich das Loch mit einer Hand bedeckte, setzte ich die Truppe mit der anderen ab, auf die gleiche Weise, wie ich sie aufgenommen hatte. Das Pferd, das stürzte, war an der linken Schulter gezerrt, aber der Reiter trug keinen Schaden davon, und ich reparierte mein Taschentuch so gut ich konnte; jedoch wollte ich mich bei solch gefährlichen Unternehmungen nicht mehr auf seine Stärke verlassen.
Ich war nun entschlossen, die Flotte von Blefuscu zu zerstören. Ich schickte eine Nachricht an den Kaiser, in der ich ihn bat, mir die fähigsten seiner Seeleute und Zimmerleute zur Verfügung zu stellen. Ich begab mich an die nordöstliche Küste von Lilliput und legte mich flach auf den Boden, um durch mein Fernrohr die feindliche Flotte zu beobachten, die aus etwa fünfzig Kriegsschiffen bestand, die in der Bucht vor Anker lagen.
Nachdem ich meine Vorbereitungen getroffen hatte, zog ich meinen Rock aus, behielt nur mein Untergewand an und watete mit dem größten Teil meiner Ausrüstung in das Wasser. Ich erreichte die Mitte des Kanals, wo das Wasser kaum bis zur Mitte meines Brustkorbs reichte, und legte den Rest des Weges schwimmend zurück, bis ich die Flotte erreichte. Die Feinde waren bei meinem Anblick so erschrocken, dass sie ihre Schiffe verließen und sich, in der Hoffnung, das Festland zu erreichen, in das Wasser stürzten.
Ich nahm mein Bündel, das etwa fünfzig Haken an ebenso vielen starken Schnüren enthielt. Ich befestigte einen Haken an jedem Schiff, band die Enden aller Schnüre zusammen und zog sie mit einer Hand mühelos hinter mir her, während ich zum Ufer zurückkehrte. Die Blefuscudianer, als sie sahen, dass ihre Schiffe entführt wurden, ließen einen Schrei des Entsetzens los, der noch lange in meinen Ohren nachhallte.
Als ich die Küste von Lilliput erreichte, begrüßte mich der Kaiser mit dem größten Wohlwollen und verlieh mir den höchsten Adelstitel des Reiches: Nardac. Bald darauf trafen Botschafter aus Blefuscu ein, die um Frieden baten. Der Kaiser, der nun die Oberhand gewonnen hatte, diktierte ihnen harte Bedingungen, doch ich setzte mich für eine mildere Behandlung der Unterlegenen ein, da ich wusste, dass die Unbeständigkeit der Gunst am Hofe gefährlich sein konnte.
Einige Zeit später brach in den Gemächern der Kaiserin ein Feuer aus, während alle schliefen. Ich wurde durch das Geschrei geweckt und eilte sofort zum Palast. Da keine Eimer zur Hand waren und das Feuer bereits die Decke bedrohte, erinnerte ich mich an die Menge Wein, die ich am Abend zuvor zu mir genommen hatte. Ich nutzte dieses Mittel, um den Brand wirksam zu löschen, was mir jedoch den Unmut der Kaiserin zuzog, da sie den Anblick des Feuers weniger fürchtete als die Schmach, die ich ihr durch meine Rettungstat bereitet hatte.
Ich unterbreitete seiner Majestät ein Vorhaben, das ich gefasst hatte, nämlich die gesamte Flotte des Feindes zu kapern; diese lag, wie unsere Späher uns versicherten, in der Hafeneinfahrt vor Anker und war bereit, beim ersten günstigen Wind auszulaufen. Ich beriet mich mit den erfahrensten Seeleuten über die Tiefe des Kanals, den sie oft ausgelotet hatten; sie sagten mir, dass er in der Mitte bei Hochwasser siebzig Glumgluffs tief sei, was etwa sechs Fuß nach europäischem Maß entspricht, und im Übrigen höchstens fünfzig Glumgluffs. Ich ging zur Nordostküste gegenüber von Blefuscu; dort legte ich mich hinter eine kleine Anhöhe, holte mein kleines Fernrohr hervor und betrachtete die vor Anker liegende feindliche Flotte, die aus etwa fünfzig Kriegsschiffen und einer großen Anzahl von Transportschiffen bestand; dann kehrte ich in mein Haus zurück und gab (wofür ich einen Befehl hatte) Anweisung, eine große Menge des stärksten Tauwerks und Eisenstangen zu beschaffen. Das Tauwerk war etwa so dick wie Bindfaden, und die Stangen hatten die Länge und Stärke einer Stricknadel. Ich legte das Tauwerk dreifach, um es zu verstärken; und aus demselben Grund verdrehte ich drei der Eisenstangen miteinander und bog die Enden zu einem Haken.
Nachdem ich auf diese Weise fünfzig Haken an ebenso vielen Tauen befestigt hatte, ging ich zurück zur Nordostküste, legte Rock, Schuhe und Strümpfe ab und ging in meinem ledernen Wams etwa eine halbe Stunde vor Hochwasser ins Meer. Ich watete so hastig ich konnte und schwamm in der Mitte etwa dreißig Yards, bis ich wieder Grund unter den Füßen spürte; ich erreichte die Flotte in weniger als einer halben Stunde. Der Feind war so erschrocken, als er mich sah, dass er von seinen Schiffen sprang und ans Ufer schwamm, wo nicht weniger als dreißigtausend Seelen gestanden haben konnten: Ich nahm dann mein Tauwerk, befestigte an dem Loch am Bug eines jeden Schiffes einen Haken und knüpfte alle Seile am Ende zusammen.
Während ich damit beschäftigt war, schoss der Feind mehrere tausend Pfeile ab, von denen viele in meinen Händen und meinem Gesicht stecken blieben; und abgesehen vom übermäßigen Brennen störten sie mich sehr bei meiner Arbeit. Meine größte Sorge galt meinen Augen, die ich unfehlbar verloren hätte, wenn ich nicht plötzlich auf ein Mittel gekommen wäre. Ich bewahrte unter anderen kleinen Notwendigkeiten eine Brille in einer privaten Tasche auf, die, wie ich bereits erwähnte, den Suchern des Kaisers entgangen war. Diese nahm ich heraus, befestigte sie so fest ich konnte auf meiner Nase und fuhr, so bewaffnet, kühn mit meiner Arbeit fort, ungeachtet der Pfeile des Feindes, von denen viele gegen die Gläser meiner Brille stießen, jedoch ohne andere Wirkung, als dass sie ein wenig verrutschten. Ich hatte nun alle Haken befestigt und begann, den Knoten in meiner Hand haltend, zu ziehen: aber kein Schiff wollte sich bewegen, denn sie waren alle zu fest durch ihre Anker gehalten; so dass der kühnste Teil meines Unternehmens noch vor mir lag. Ich ließ daher das Seil los und schnitt, die Haken an den Schiffen belassend, entschlossen mit meinem Messer die Kabel durch, die die Anker befestigten, wobei ich über zweihundert Treffer in Gesicht und Händen erhielt; dann nahm ich das geknotete Ende der Taue auf, an denen meine Haken befestigt waren, und zog mit großer Leichtigkeit fünfzig der größten Kriegsschiffe des Feindes hinter mir her.
Die Blefuscudianer, die nicht die geringste Vorstellung von meinem Vorhaben hatten, waren zunächst vor Erstaunen wie gelähmt. Sie hatten gesehen, wie ich die Kabel durchschnitt, und dachten, mein Plan sei nur, die Schiffe treiben zu lassen oder aufeinanderprallen zu lassen: aber als sie bemerkten, dass sich die ganze Flotte in Ordnung bewegte, und sahen, wie ich am Ende zog, stießen sie ein Geschrei des Kummers und der Verzweiflung aus, das zu beschreiben oder sich vorzustellen fast unmöglich ist. Als ich außer Gefahr war, hielt ich eine Weile inne, um die Pfeile herauszuziehen, die in meinen Händen und meinem Gesicht steckten: und rieb etwas von derselben Salbe darauf, die man mir bei meiner ersten Ankunft gegeben hatte, wie ich früher erwähnte. Ich nahm dann meine Brille ab und wartete etwa eine Stunde, bis die Flut ein wenig gefallen war; dann watete ich mit meiner Fracht durch die Mitte und erreichte wohlbehalten den königlichen Hafen von Lilliput.
Der Kaiser und sein gesamter Hof standen am Ufer und erwarteten den Ausgang dieses großen Abenteuers. Sie sahen die Schiffe in einem großen Halbmond vorwärts gleiten, konnten mich aber nicht ausmachen, da ich bis zur Brust im Wasser stand. Als ich die Mitte des Kanals erreichte, waren sie noch mehr in Sorge, weil ich bis zum Hals unter Wasser war. Der Kaiser hielt mich für ertrunken und glaubte, die feindliche Flotte nähere sich auf feindliche Weise: aber er wurde bald von seinen Ängsten befreit; denn da der Kanal mit jedem Schritt, den ich machte, flacher wurde, kam ich in kurzer Zeit in Hörweite; und das Ende des Tauwerks hochhaltend, an dem die Flotte befestigt war, rief ich mit lauter Stimme: Lang lebe der mächtigste Kaiser von Lilliput! Dieser große Fürst empfing mich bei meiner Landung mit allen möglichen Lobpreisungen und ernannte mich auf der Stelle zum Nardac, was der höchste Ehrentitel unter ihnen ist.
Seine Majestät wünschte, ich solle bei anderer Gelegenheit alle übrigen Schiffe seines Feindes in seine Häfen bringen. Und so unermesslich ist der Ehrgeiz der Fürsten, dass er an nichts Geringeres zu denken schien, als das gesamte Kaiserreich Blefuscu zu einer Provinz zu machen und es durch einen Vizekönig zu regieren; die Exilanten der Big-endians zu vernichten und jenes Volk zu zwingen, das kleinere Ende seiner Eier zu zerbrechen, wodurch er der alleinige Monarch der ganzen Welt bleiben würde. Ich bemühte mich jedoch, ihn von diesem Plan abzubringen, mit vielen Argumenten, die sowohl der Politik als auch der Gerechtigkeit entlehnt waren. Und ich protestierte ganz offen, dass ich niemals ein Instrument sein würde, ein freies und tapferes Volk in die Sklaverei zu bringen. Und als die Angelegenheit im Rat debattiert wurde, war der weiseste Teil der Regierung meiner Meinung.
Diese offene, kühne Erklärung von mir stand in solchem Widerspruch zu den Plänen und der Politik seiner kaiserlichen Majestät, dass er mir dies niemals verzeihen konnte; er erwähnte es auf sehr kunstvolle Weise im Rat, wo mir berichtet wurde, dass einige der Weisesten zumindest durch ihr Schweigen meiner Meinung zu sein schienen; aber andere, die meine geheimen Feinde waren, konnten sich einige Äußerungen nicht verkneifen, die mich durch die Blume trafen. Und von dieser Zeit an begann eine Intrige zwischen seiner Majestät und einer Clique von Ministern, die boshaft gegen mich eingestellt waren, was nach weniger als zwei Monaten ausbrach und fast in meinem völligen Untergang geendet hätte. Von so geringem Gewicht sind die größten Dienste für Fürsten, wenn sie auf die Waagschale gelegt werden mit einer Weigerung, ihren Leidenschaften Genüge zu tun.
Etwa drei Wochen nach dieser Heldentat traf eine feierliche Gesandtschaft aus Blefuscu ein, mit demütigen Friedensangeboten; der Friede wurde bald geschlossen, zu sehr vorteilhaften Bedingungen für unseren Kaiser, mit denen ich den Leser nicht behelligen werde. Es waren sechs Botschafter mit einem Gefolge von etwa fünfhundert Personen; und ihr Einzug war sehr prachtvoll, der Größe ihres Herrn und der Wichtigkeit ihrer Angelegenheit angemessen. Als ihr Vertrag abgeschlossen war, wobei ich ihnen durch das Ansehen, das ich nun bei Hofe hatte, oder zumindest zu haben schien, mehrere gute Dienste erwies, machten mir die Exzellenzen, denen im Vertrauen mitgeteilt worden war, wie sehr ich ihr Freund gewesen war, einen förmlichen Besuch. Sie begannen mit vielen Komplimenten über meine Tapferkeit und Großmut, luden mich im Namen des Kaisers, ihres Herrn, in jenes Königreich ein und baten mich, einige Beweise meiner erstaunlichen Stärke zu zeigen, von der sie so viele Wunder gehört hatten; womit ich ihnen bereitwillig entgegenkam, den Leser aber mit den Einzelheiten nicht langweilen werde.
Nachdem ich ihre Exzellenzen einige Zeit zu ihrer unendlichen Zufriedenheit und Überraschung unterhalten hatte, bat ich sie, mir die Ehre zu erweisen, dem Kaiser, ihrem Herrn, dessen Ruhm seiner Tugenden die ganze Welt so zu Recht mit Bewunderung erfüllt hatte und dessen königliche Person ich zu besuchen gedachte, bevor ich in mein eigenes Land zurückkehrte, meine untertänigsten Ehrerbietungen zu übermitteln. Dementsprechend bat ich bei der nächsten Gelegenheit, als ich die Ehre hatte, unseren Kaiser zu sehen, um seine allgemeine Erlaubnis, dem blefuscudianischen Monarchen meine Aufwartung zu machen, die er mir, wie ich deutlich bemerken konnte, in sehr kühler Weise zu gewähren geruhte; ich konnte jedoch den Grund nicht erraten, bis ich von einer gewissen Person zugeflüstert bekam, dass Flimnap und Bolgolam meinen Umgang mit jenen Botschaftern als Zeichen von Unzufriedenheit dargestellt hätten, wovon mein Herz, wie ich versichern kann, völlig frei war. Und dies war das erste Mal, dass ich begann, eine vage Vorstellung von Höfen und Ministern zu gewinnen.
Es ist zu beachten, dass diese Botschafter durch einen Dolmetscher zu mir sprachen, da sich die Sprachen beider Reiche ebenso sehr voneinander unterschieden wie irgendwelche zwei in Europa, und jede Nation stolz auf das Alter, die Schönheit und die Kraft ihrer eigenen Zunge war, mit einer offen zur Schau getragenen Verachtung für die ihres Nachbarn; doch unser Kaiser, der sich auf den Vorteil stützte, den er durch die Kaperung ihrer Flotte erlangt hatte, zwang sie, ihre Beglaubigungsschreiben zu übergeben und ihre Rede in lilliputanischer Sprache zu halten.
Und es muss zugegeben werden, dass aufgrund des regen Handels- und Geschäftsverkehrs zwischen beiden Reichen, aufgrund der gegenseitigen ständigen Aufnahme von Exilanten und aufgrund der Sitte in jedem Reich, den jungen Adel und die reichere Gentry in das jeweils andere Land zu schicken, damit sie sich durch das Sehen der Welt und das Kennenlernen von Menschen und Sitten verfeinerten, es nur wenige Personen von Stand, Kaufleute oder Seeleute gibt, die in den maritimen Gebieten wohnen und sich nicht in beiden Sprachen unterhalten können, wie ich einige Wochen später feststellte, als ich auszog, um dem Kaiser von Blefuscu meine Aufwartung zu machen, was sich inmitten großer Missgeschicke durch die Bosheit meiner Feinde als ein sehr glückliches Abenteuer für mich erwies, wie ich an gegebener Stelle berichten werde.
Der Leser erinnert sich vielleicht, dass bei der Unterzeichnung jener Artikel, unter denen ich meine Freiheit wiedererlangte, einige waren, die mir missfielen, weil sie zu unterwürfig waren; auch hätte mich nichts als äußerste Not gezwungen, mich zu fügen. Aber da ich nun ein Nardac von höchstem Rang in jenem Reich war, wurden solche Pflichten als unter meiner Würde betrachtet, und der Kaiser, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, erwähnte sie mir gegenüber kein einziges Mal. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ich Gelegenheit hatte, seiner Majestät, zumindest wie ich damals glaubte, einen überaus bedeutenden Dienst zu erweisen. Ich wurde mitten in der Nacht durch das Geschrei vieler hundert Menschen vor meiner Tür alarmiert, wodurch ich, plötzlich erwacht, in eine gewisse Art von Schrecken versetzt wurde. Ich hörte das Wort burglum unaufhörlich wiederholen.
Mehrere Höflinge des Kaisers, die sich ihren Weg durch die Menge bahnten, flehten mich an, sofort zum Palast zu kommen, wo das Gemach ihrer kaiserlichen Majestät durch die Unvorsichtigkeit einer Hofdame, die beim Lesen eines Romans eingeschlafen war, in Brand geraten war. Ich stand sofort auf; und da Befehle erteilt worden waren, den Weg vor mir frei zu machen, und es zudem eine mondhelle Nacht war, schaffte ich es, zum Palast zu gelangen, ohne jemanden zu zertreten. Ich stellte fest, dass sie bereits Leitern an die Wände des Gemachs angelegt hatten und gut mit Eimern versorgt waren, aber das Wasser war ein Stück entfernt. Diese Eimer hatten etwa die Größe eines großen Fingerhutes, und die armen Leute versorgten mich damit, so schnell sie konnten; aber die Flamme war so heftig, dass sie kaum etwas bewirkten. Ich hätte sie leicht mit meinem Rock ersticken können, den ich in der Eile unglücklicherweise zurückgelassen hatte, und kam nur in meinem ledernen Wams davon. Der Fall schien völlig aussichtslos und beklagenswert, und dieser prächtige Palast wäre unfehlbar bis auf den Grund niedergebrannt, wenn ich nicht, mit einer mir ungewohnten Geistesgegenwart, plötzlich auf ein Mittel gekommen wäre, durch das das Feuer in drei Minuten vollständig gelöscht und der Rest jenes edlen Bauwerks, dessen Errichtung so viele Zeitalter gekostet hatte, vor der Zerstörung bewahrt wurde.
Es war nun Tageslicht, und ich kehrte zu meinem Haus zurück, ohne darauf zu warten, dem Kaiser zu gratulieren; denn obwohl ich einen sehr bedeutenden Dienst geleistet hatte, konnte ich doch nicht sagen, wie seine Majestät die Art und Weise aufnehmen würde, in der ich ihn vollbracht hatte: denn nach den Grundgesetzen des Reiches ist es für jeden Menschen, welcher Art auch immer, ein Kapitalverbrechen, die Kaiserin oder die königlichen Prinzessinnen auch nur ohne Einladung zu berühren. Aber ich wurde ein wenig durch eine Nachricht seiner Majestät getröstet, dass er dem obersten Justiziar Befehl geben werde, meine Begnadigung in förmlicher Weise auszustellen, was ich jedoch nicht erreichen konnte. Und mir wurde im Vertrauen versichert, dass die Kaiserin, die den größten Abscheu vor mir empfand, in Gegenwart ihrer engsten Vertrauten nicht umhin konnte, Rache zu schwören.
KAPITEL VI.
ÜBER DIE EINWOHNER VON LILLIPUT; IHRE GELEHRSAMKEIT, GESETZE UND GEBRÄUCHE; DIE ART DER ERZIEHUNG IHRER KINDER. DIE LEBENSWEISE DES AUTORS IN DIESEM LANDE.
Obwohl ich beabsichtige, die Beschreibung dieses Reiches einer besonderen Abhandlung zu überlassen, bin ich in der Zwischenzeit zufrieden, den neugierigen Leser mit einigen allgemeinen Vorstellungen zu befriedigen. Da die gewöhnliche Größe der Eingeborenen etwas unter sechs Zoll beträgt, so besteht eine exakte Proportion bei allen anderen Tieren sowie Pflanzen und Bäumen: zum Beispiel sind die größten Pferde und Ochsen zwischen vier und fünf Zoll hoch, die Schafe eineinhalb Zoll, mehr oder weniger; ihre Gänse etwa so groß wie ein Sperling, und so weiter in den verschiedenen Abstufungen abwärts, bis man zu den kleinsten kommt, die für mein Auge fast unsichtbar waren; aber die Natur hat die Augen der Lilliputaner an alle für ihre Sicht geeigneten Objekte angepasst; sie sehen mit großer Genauigkeit, aber nicht auf große Entfernung. Und um die Schärfe ihrer Sicht bei nahen Objekten zu zeigen, hat es mich sehr erfreut, einen Koch zu beobachten, der eine Lerche rupfte, die nicht so groß war wie eine gewöhnliche Fliege; und ein junges Mädchen, das mit unsichtbarer Seide eine unsichtbare Nadel einfädelte.
Ihre höchsten Bäume sind etwa sieben Fuß hoch; ich meine einige jener im großen königlichen Park, deren Spitzen ich mit geballter Faust gerade noch erreichen konnte. Die anderen Gewächse stehen im gleichen Verhältnis; aber dies überlasse ich der Vorstellungskraft des Lesers.
Ich werde zurzeit nur wenig über ihre Gelehrsamkeit sagen, die seit vielen Zeitaltern in allen ihren Zweigen unter ihnen blüht: aber ihre Art zu schreiben ist sehr eigentümlich, da sie weder von links nach rechts wie die Europäer geht; noch von rechts nach links, wie die Araber; noch von oben nach unten, wie die Chinesen, sondern schräg, von einer Ecke des Papiers zur anderen, wie die Damen in England.
Sie begraben ihre Toten mit den Köpfen direkt nach unten, weil sie die Meinung vertreten, dass sie in elftausend Monden alle wieder auferstehen werden, in welchem Zeitraum sich die Erde (die sie für flach halten) auf den Kopf stellen wird, und auf diese Weise werden sie bei der Auferstehung bereitgefunden, auf ihren Füßen stehend. Die Gelehrten unter ihnen gestehen die Absurdität dieser Lehre ein, aber die Praxis besteht fort, um dem gemeinen Volk zu entsprechen.
Es gibt einige Gesetze und Gebräuche in diesem Reich, die sehr eigentümlich sind; und wenn sie nicht so direkt im Widerspruch zu denen meines eigenen lieben Landes stünden, wäre ich versucht, ein wenig zu ihrer Rechtfertigung zu sagen. Es ist nur zu wünschen, dass sie ebenso gut ausgeführt würden. Das erste, das ich erwähnen werde, bezieht sich auf Informanten. Alle Verbrechen gegen den Staat werden hier mit der äußersten Strenge bestraft; wenn jedoch die beschuldigte Person ihre Unschuld bei der Gerichtsverhandlung eindeutig darlegt, wird der Ankläger sofort mit einem schmählichen Tod bestraft; und aus seinen Gütern oder Ländereien wird die unschuldige Person vierfach für den Verlust ihrer Zeit, für die Gefahr, der sie sich unterzog, für die Härte ihrer Gefangenschaft und für alle Kosten, die sie bei ihrer Verteidigung hatte, entschädigt; oder, falls dieser Fonds nicht ausreicht, wird er großzügig von der Krone ergänzt. Der Kaiser verleiht ihm auch ein öffentliches Zeichen seiner Gunst, und seine Unschuld wird in der ganzen Stadt ausgerufen.
Sie betrachten Betrug als ein größeres Verbrechen als Diebstahl und bestrafen ihn daher selten ohne den Tod; denn sie behaupten, dass Vorsicht und Wachsamkeit, mit einem sehr gewöhnlichen Verstand, die Güter eines Mannes vor Dieben schützen können, aber Ehrlichkeit hat keinen Schutz gegen überlegene List; und da es notwendig ist, dass ein beständiger Verkehr des Kaufens und Verkaufens und des Handels auf Kredit besteht, ist dort, wo Betrug erlaubt ist und stillschweigend geduldet wird oder kein Gesetz ihn bestraft, der ehrliche Händler immer ruiniert, und der Schurke zieht den Vorteil. Ich erinnere mich, als ich einmal für einen Kriminellen beim König Fürsprache einlegte, der seinen Herrn um eine große Geldsumme betrogen hatte, die er im Auftrag erhalten und mit der er durchgebrannt war, und ich seiner Majestät zufällig zur Entschuldigung sagte, dass es nur ein Vertrauensbruch sei, hielt der Kaiser es für ungeheuerlich von mir, als Verteidigung die größte Erschwerung des Verbrechens anzuführen; und wahrlich, ich hatte wenig darauf zu erwidern, außer der allgemeinen Antwort, dass verschiedene Nationen verschiedene Gebräuche hätten; denn ich gestehe, ich schämte mich zutiefst.
Obwohl wir Belohnung und Strafe gewöhnlich als die zwei Angeln bezeichnen, um die sich alle Regierung dreht, konnte ich diese Maxime bei keiner anderen Nation außer der von Lilliput in die Praxis umgesetzt sehen. Jeder, der dort den ausreichenden Beweis erbringen kann, dass er die Gesetze seines Landes dreiundsiebzig Monde lang streng befolgt hat, hat einen Anspruch auf gewisse Privilegien, je nach seinem Stand und Lebensumständen, mit einer verhältnismäßigen Summe aus einem für diesen Zweck zweckgebundenen Fonds; er erwirbt außerdem den Titel snillpall oder legal, der seinem Namen hinzugefügt wird, aber nicht auf seine Nachkommen übergeht. Und diese Leute hielten es für einen ungeheuerlichen Mangel an Politik bei uns, als ich ihnen sagte, dass unsere Gesetze nur durch Strafen erzwungen würden, ohne jegliche Erwähnung von Belohnung. Es ist aus diesem Grund, dass das Bild der Justiz in ihren Gerichtshöfen mit sechs Augen geformt ist, zwei vorne, ebenso viele hinten und auf jeder Seite eines, um Umsicht zu bezeichnen, mit einem offenen Sack Gold in ihrer rechten Hand und einem Schwert in der Scheide in ihrer linken, um zu zeigen, dass sie eher geneigt sei zu belohnen als zu bestrafen.
Bei der Auswahl von Personen für alle Anstellungen achten sie mehr auf gute Moral als auf große Fähigkeiten; denn da eine Regierung für die Menschheit notwendig ist, glauben sie, dass die gewöhnliche Größe des menschlichen Verstandes für den einen oder anderen Posten geeignet ist und dass die Vorsehung niemals beabsichtigt hat, die Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten zu einem Geheimnis zu machen, das nur von wenigen Personen mit erhabenem Genie begriffen werden kann, von denen in einem Zeitalter selten drei geboren werden; aber sie setzen Wahrheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und dergleichen als in der Macht eines jeden Menschen voraus, deren Ausübung dieser Tugenden, unterstützt durch Erfahrung und eine gute Absicht, jeden Menschen für den Dienst an seinem Land qualifizieren würde, außer dort, wo ein Studium erforderlich ist. Sie dachten aber, dass der Mangel an moralischen Tugenden keineswegs durch überlegene Begabungen des Geistes ausgeglichen werden könne, dass Anstellungen niemals in so gefährliche Hände gelegt werden könnten wie die von Personen, die so qualifiziert seien; und zumindest, dass die Fehler, die aus Unwissenheit in einer tugendhaften Gesinnung begangen würden, niemals so fatale Folgen für das Gemeinwohl hätten wie das Handeln eines Mannes, dessen Neigungen ihn dazu führten, korrupt zu sein, und der große Fähigkeiten besaß, um seine Korruption zu verwalten, zu vervielfältigen und zu verteidigen.
Auf die gleiche Weise macht der Unglaube an eine göttliche Vorsehung einen Menschen unfähig, ein öffentliches Amt zu bekleiden; denn da Könige sich selbst als die Stellvertreter der Vorsehung bekennen, halten die Lilliputaner nichts für absurder, als dass ein Fürst solche Männer beschäftigt, die die Autorität ablehnen, unter der er handelt.
Wenn ich von diesen und den folgenden Gesetzen berichte, so will ich damit nur die ursprünglichen Einrichtungen verstanden wissen und nicht die skandalösesten Verderbtheiten, in die dieses Volk durch die entartete Natur des Menschen verfallen ist. Denn was jene schändliche Praxis betrifft, sich hohe Stellungen durch Seiltanzen oder Gunst- und Unterscheidungszeichen durch das Springen über Stöcke und das Kriechen unter ihnen zu verschaffen, so hat der Leser zu beachten, dass diese zuerst vom Großvater des jetzt regierenden Kaisers eingeführt wurden und durch das allmähliche Anwachsen von Parteiungen und Fraktionen ihre heutige Höhe erreichten.
Undankbarkeit ist bei ihnen ein Kapitalverbrechen, wie wir es auch aus einigen anderen Ländern kennen; denn sie argumentieren folgendermaßen: Wer seinem Wohltäter schlecht vergilt, muss notwendigerweise ein allgemeiner Feind des restlichen Menschengeschlechts sein, von dem er keinerlei Verpflichtung empfangen hat, und deshalb ist ein solcher Mensch nicht lebenswürdig.
Ihre Auffassungen über die Pflichten von Eltern und Kindern unterscheiden sich grundlegend von unseren. Ihre Meinung ist, dass den Eltern am wenigsten von allen die Erziehung ihrer eigenen Kinder anvertraut werden sollte; und deshalb haben sie in jeder Stadt öffentliche Kindergärten, wohin alle Eltern, mit Ausnahme der Landleute und Arbeiter, verpflichtet sind, ihre Säuglinge beiderlei Geschlechts zu schicken, damit sie dort aufgezogen und erzogen werden, sobald sie das Alter von zwanzig Monden erreicht haben, zu welcher Zeit sie als in den ersten Grundlagen der Folgsamkeit befindlich gelten. Diese Schulen sind von verschiedener Art, angepasst an die unterschiedlichen Stände und an beide Geschlechter. Sie haben bestimmte Lehrer, die wohl darin geübt sind, Kinder auf einen Lebenszustand vorzubereiten, der dem Rang ihrer Eltern sowie ihren eigenen Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Ich werde zuerst etwas über die Knaben-Kindergärten sagen und dann über die der Mädchen.
Die Kindergärten für Knaben von adliger oder vornehmer Herkunft sind mit ernsthaften und gelehrten Lehrern und deren verschiedenen Stellvertretern ausgestattet. Kleidung und Nahrung der Kinder sind schlicht und einfach. Sie werden in den Grundsätzen von Ehre, Gerechtigkeit, Mut, Bescheidenheit, Milde, Religion und Vaterlandsliebe erzogen; sie sind immer mit irgendeiner Beschäftigung befasst, außer zu den Zeiten des Essens und Schlafens, die sehr kurz sind, und zwei Stunden für Vergnügungen, die aus körperlichen Übungen bestehen. Sie werden bis zum vierten Lebensjahr von Männern angekleidet und müssen sich danach selbst ankleiden, ganz gleich, wie hoch ihr Stand auch sein mag; und die weiblichen Betreuerinnen, die in ihrem Alter den unseren von fünfzig Jahren entsprechen, verrichten nur die untergeordneten Dienste. Es ist ihnen niemals gestattet, mit Bediensteten zu sprechen, sondern sie gehen in kleineren oder größeren Gruppen zusammen, um sich zu vergnügen, und zwar immer in Anwesenheit eines Lehrers oder eines seiner Stellvertreter; wodurch sie jene frühen schlechten Eindrücke von Torheit und Laster vermeiden, denen unsere Kinder ausgesetzt sind. Ihre Eltern dürfen sie nur zweimal im Jahr sehen; der Besuch darf nur eine Stunde dauern; sie dürfen das Kind bei der Begrüßung und beim Abschied küssen; aber ein Lehrer, der bei solchen Gelegenheiten immer daneben steht, lässt es nicht zu, dass sie flüstern oder zärtliche Ausdrücke gebrauchen oder Geschenke wie Spielzeug, Süßigkeiten und dergleichen mitbringen.
Die Rente von jeder Familie für die Erziehung und Unterhaltung eines Kindes wird bei Ausbleiben der fälligen Zahlung von den Beamten des Kaisers eingetrieben.
Die Kindergärten für Kinder von gewöhnlichen Edelleuten, Kaufleuten, Händlern und Handwerkern werden in verhältnismäßig gleicher Weise geführt; nur werden diejenigen, die für das Handwerk bestimmt sind, mit elf Jahren in die Lehre gegeben, während die Personen von Stand bis zum fünfzehnten Lebensjahr, was bei uns einundzwanzig entspricht, in ihren Übungen bleiben; doch wird die Einschränkung für die letzten drei Jahre allmählich gelockert.
In den Mädchen-Kindergärten werden die jungen Mädchen von Stand ähnlich wie die Knaben erzogen, nur dass sie von ordentlichen Bediensteten ihres eigenen Geschlechts angekleidet werden; jedoch immer in Anwesenheit eines Lehrers oder Stellvertreters, bis sie sich selbst ankleiden, was mit fünf Jahren geschieht. Und wenn sich herausstellt, dass diese Kindermädchen es jemals wagen, die Mädchen mit erschreckenden oder törichten Geschichten oder den bei uns üblichen Torheiten der Zofen zu unterhalten, werden sie dreimal öffentlich um die Stadt gepeitscht, für ein Jahr inhaftiert und auf Lebenszeit in den ödesten Teil des Landes verbannt. So schämen sich die jungen Damen dort ebenso sehr, feige und töricht zu sein, wie die Männer, und verachten allen persönlichen Schmuck, der über Anstand und Sauberkeit hinausgeht: Ich bemerkte auch keinen Unterschied in ihrer Erziehung, der durch ihren Unterschied der Geschlechter bedingt wäre, außer dass die Übungen der Frauen nicht ganz so robust waren und dass ihnen einige Regeln für das häusliche Leben gegeben wurden und ihnen ein kleinerer Bereich der Gelehrsamkeit auferlegt wurde: denn ihre Maxime ist, dass eine Ehefrau unter vornehmen Leuten immer eine vernünftige und angenehme Gefährtin sein sollte, weil sie nicht immer jung sein kann. Wenn die Mädchen zwölf Jahre alt sind, was bei ihnen das heiratsfähige Alter ist, holen ihre Eltern oder Vormünder sie nach Hause, unter großem Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber den Lehrern und selten ohne Tränen der jungen Dame und ihrer Gefährtinnen.
In den Kindergärten für Mädchen aus einfacheren Kreisen werden die Kinder in allen Arten von Arbeiten unterwiesen, die für ihr Geschlecht und ihre jeweiligen Stände angemessen sind; diejenigen, die für eine Lehre vorgesehen sind, werden mit sieben Jahren entlassen, die anderen bleiben bis zum elften Jahr.
Die ärmeren Familien, die Kinder in diesen Kindergärten haben, sind verpflichtet, neben ihrer jährlichen Rente, die so niedrig wie möglich gehalten ist, einen kleinen monatlichen Anteil ihres Verdienstes an den Verwalter des Kindergartens zurückzugeben, um eine Mitgift für das Kind zu bilden; und daher sind alle Eltern durch das Gesetz in ihren Ausgaben begrenzt. Denn die Lilliputaner halten nichts für ungerechter, als wenn Leute die Last der Unterstützung ihrer Kinder der Öffentlichkeit aufbürden. Was Personen von Stand betrifft, so geben sie Sicherheiten, um eine gewisse Summe für jedes Kind bereitzustellen, die ihrem Stand angemessen ist; und diese Fonds werden immer mit guter Wirtschaftlichkeit und der genauesten Gerechtigkeit verwaltet.
Die Landleute und Arbeiter behalten ihre Kinder zu Hause, da ihre Aufgabe nur darin besteht, die Erde zu bestellen und zu kultivieren, und daher ist ihre Erziehung für die Öffentlichkeit von geringer Bedeutung; aber die Alten und Kranken unter ihnen werden von Krankenhäusern unterstützt; denn Betteln ist ein in diesem Kaiserreich unbekannter Beruf.
Und hier mag es den neugierigen Leser vielleicht unterhalten, wenn ich einen Bericht über meine häuslichen Angelegenheiten und meine Lebensweise in diesem Land während eines Aufenthalts von neun Monaten und dreizehn Tagen gebe. Da ich einen Sinn für Mechanik hatte und zudem aus der Not heraus gezwungen war, hatte ich mir aus den größten Bäumen im königlichen Park einen Tisch und einen Stuhl angefertigt, die bequem genug waren. Zweihundert Näherinnen wurden angestellt, um mir Hemden sowie Leinen für mein Bett und meinen Tisch zu nähen, alles von der stärksten und gröbsten Art, die sie bekommen konnten; was sie jedoch gezwungen waren, in mehreren Lagen zusammenzusteppen, denn das dickste war einige Grade feiner als Batist. Ihr Leinen ist gewöhnlich drei Zoll breit, und drei Fuß machen ein Stück.
Die Näherinnen nahmen mein Maß, während ich auf dem Boden lag, eine stand an meinem Hals und eine andere an meinem Unterschenkel, mit einer starken Schnur, die sie jeweils an einem Ende hielten, während eine dritte die Länge der Schnur mit einem ein Zoll langen Maßstab maß. Dann maßen sie meinen rechten Daumen und verlangten nicht mehr; denn durch eine mathematische Berechnung, dass zweimal um den Daumen einmal um das Handgelenk ist und so weiter bis zum Hals und zur Taille, und mit Hilfe meines alten Hemdes, das ich als Muster vor ihnen auf dem Boden ausbreitete, passten sie mich genau an. Dreihundert Schneider wurden auf die gleiche Weise damit beauftragt, meine Kleidung anzufertigen; aber sie hatten eine andere Vorrichtung, um mein Maß zu nehmen. Ich kniete mich hin, und sie stellten eine Leiter vom Boden bis zu meinem Hals auf; auf diese Leiter stieg einer von ihnen und ließ ein Senkblei von meinem Kragen bis zum Boden fallen, was genau der Länge meines Rocks entsprach; aber meine Taille und meine Arme maß ich selbst. Als meine Kleidung fertig war, was in meinem Haus geschah (denn die größten ihrer Häuser hätten sie nicht fassen können), sahen sie aus wie die Flickenteppiche, die die Damen in England anfertigen, nur dass meine alle von einer Farbe waren.
Ich hatte dreihundert Köche, um meine Speisen in kleinen, bequemen Hütten zuzubereiten, die um mein Haus herum gebaut waren, wo sie und ihre Familien lebten und mir jeweils zwei Gerichte zubereiteten. Ich nahm zwanzig Kellner in meine Hand und platzierte sie auf dem Tisch; hundert weitere warteten unten auf dem Boden, einige mit Fleischgerichten und einige mit Weinfässern und anderen Getränken, die sie sich auf die Schultern geworfen hatten; all dies zogen die Kellner oben, wie ich es wünschte, auf sehr geistreiche Weise mit bestimmten Schnüren herauf, wie wir in Europa den Eimer aus einem Brunnen ziehen. Ein Gericht ihres Fleisches war ein guter Bissen, und ein Fass ihres Getränks ein vernünftiger Schluck. Ihr Hammelfleisch steht unserem nach, aber ihr Rindfleisch ist ausgezeichnet; ich habe ein Lendenstück gehabt, das so groß war, dass ich gezwungen war, drei Bissen davon zu machen; aber das ist selten. Meine Diener waren erstaunt, mich es mitsamt den Knochen essen zu sehen, wie wir in unserem Land den Schenkel einer Lerche essen. Ihre Gänse und Truthähne aß ich gewöhnlich mit einem Bissen, und ich muss gestehen, sie übertreffen unsere bei weitem. Von ihrem kleineren Geflügel konnte ich zwanzig oder dreißig auf die Spitze meines Messers nehmen.
Eines Tages, als seine kaiserliche Majestät von meiner Lebensweise erfuhr, wünschte er, dass er selbst und seine königliche Gemahlin, zusammen mit den jungen Prinzen und Prinzessinnen von Geblüt, das Glück, wie er es zu nennen beliebte, haben mögen, mit mir zu speisen. Sie kamen dementsprechend, und ich platzierte sie auf Staatsstühlen auf meinem Tisch, genau mir gegenüber, mit ihren Wachen um sie herum. Flimnap, der Lord-Hochschatzmeister, erschien ebenfalls dort mit seinem weißen Stab; und ich bemerkte, dass er mich oft mit finsterer Miene ansah, was ich nicht zu bemerken schien, aber ich aß mehr als gewöhnlich, zu Ehren meines geliebten Vaterlandes, sowie um den Hof mit Bewunderung zu erfüllen. Ich habe einige private Gründe zu glauben, dass dieser Besuch seiner Majestät Flimnap Gelegenheit gab, mir bei seinem Herrn übel mitzuspielen. Dieser Minister war immer mein geheimer Feind gewesen, obwohl er mich äußerlich mehr liebkoste, als es der mürrischen Natur seines Wesens entsprach. Er schilderte dem Kaiser den niedrigen Stand seiner Schatzkammer; dass er gezwungen sei, Geld mit großem Abschlag aufzunehmen; dass Schatzanweisungen nicht unter neun Prozent unter Nennwert in Umlauf zu bringen seien; dass ich seine Majestät über eine Million und eine halbe Sprugs (ihre größte Goldmünze, etwa von der Größe eines Pailletten) gekostet hätte; und alles in allem, dass es für den Kaiser ratsam wäre, die erste günstige Gelegenheit zu nutzen, mich zu entlassen.
KAPITEL VII.
DER AUTOR, DER ÜBER EINEN PLAN INFORMIERT WIRD, IHN DES HOCHVERRATS ZU BESCHULDIGEN, FLIEHT NACH BLEFUSCU. SEIN EMPFANG DORT.
Bevor ich dazu übergehe, über mein Verlassen dieses Königreichs zu berichten, mag es angebracht sein, den Leser über eine private Intrige zu informieren, die seit zwei Monaten gegen mich geschmiedet worden war.
Ich war bisher mein ganzes Leben lang ein Fremder an Höfen gewesen, wofür ich aufgrund der Niedrigkeit meines Standes ungeeignet war. Ich hatte zwar genug von den Gesinnungen großer Fürsten und Minister gehört und gelesen, aber niemals erwartet, solch schreckliche Auswirkungen davon in einem so abgelegenen Land zu finden, das, wie ich dachte, nach ganz anderen Maximen regiert wurde als die in Europa.
Als ich gerade im Begriff war, dem Kaiser von Blefuscu meine Aufwartung zu machen, kam eine bedeutende Person am Hof (der ich sehr nützlich gewesen war, zu einer Zeit, als er unter dem höchsten Missfallen seiner kaiserlichen Majestät stand) sehr heimlich bei Nacht in einer geschlossenen Sänfte zu meinem Haus und bat um Einlass, ohne seinen Namen zu nennen. Die Sänftenträger wurden weggeschickt; ich steckte die Sänfte mit seinem Lordship darin in meine Rocktasche; und nachdem ich einem vertrauenswürdigen Diener befohlen hatte zu sagen, ich sei unpässlich und zu Bett gegangen, verriegelte ich die Tür meines Hauses, platzierte die Sänfte wie üblich auf den Tisch und setzte mich daneben. Nachdem die üblichen Begrüßungen vorbei waren, bemerkte ich, dass sein Lordship voller Sorge war, und als ich nach dem Grund fragte, bat er mich, ihn mit Geduld anzuhören, in einer Angelegenheit, die meine Ehre und mein Leben in höchstem Maße beträfe. Seine Rede hatte folgenden Inhalt, denn ich machte mir Notizen, sobald er mich verlassen hatte:
Sie müssen wissen, sagte er, dass in letzter Zeit mehrere Ausschüsse des Rates in privatester Weise wegen Ihnen einberufen wurden; und es ist erst zwei Tage her, dass seine Majestät zu einem endgültigen Entschluss gekommen ist.
Sie wissen sehr wohl, dass Skyrris Bolgolam (Galbet oder Großadmiral) seit Ihrer Ankunft Ihr tödlicher Feind ist: seine ursprünglichen Gründe kenne ich nicht; aber sein Hass hat sich seit Ihrem großen Erfolg gegen Blefuscu noch vergrößert, wodurch sein Ruhm als Admiral sehr in den Schatten gestellt wird. Dieser Lord hat in Verbindung mit Flimnap, dem Hochschatzmeister, dessen Feindschaft gegen Sie berüchtigt ist, Limtoc dem General, Lalcon dem Kammerherrn und Balmuff dem Großrichter, Anklagepunkte wegen Verrats und anderer Kapitalverbrechen gegen Sie vorbereitet.
Dieses Vorwort machte mich so ungeduldig, da ich mir meiner eigenen Verdienste und Unschuld bewusst war, dass ich unterbrechen wollte; als er mich anflehte, zu schweigen, und wie folgt fortfuhr:
Aus Dankbarkeit für die Gefälligkeiten, die Sie mir erwiesen haben, beschaffte ich mir Informationen über den gesamten Vorgang und eine Kopie der Artikel; wobei ich meinen Kopf für Ihren Dienst aufs Spiel setze.
ANKLAGEPUNKTE GEGEN QUINBUS FLESTRIN, DEN MENSCHEN-BERG.
ARTIKEL I.
Da durch ein Gesetz, das während der Herrschaft seiner kaiserlichen Majestät Calin Deffar Plune erlassen wurde, festgelegt ist, dass jeder, der Hand an die Kaiserin oder an eines der königlichen Kinder legt, den Schmerzen und Strafen des Hochverrats unterliegt. Nichtsdestotrotz hat der besagte Quinbus Flestrin, unter offenem Bruch des besagten Gesetzes, unter dem Vorwand, das Feuer in den Gemächern der überaus teuren kaiserlichen Gemahlin seiner Majestät zu löschen, sie boshaft und verräterisch an den Armen gepackt und mit beiden Händen hoch in die Luft gehoben, entgegen dem Gesetz, das in diesem Fall vorgesehen ist, usw., entgegen der Pflicht, usw.
ARTIKEL II.
Dass der besagte Quinbus Flestrin, nachdem er die kaiserliche Flotte von Blefuscu in den königlichen Hafen gebracht hatte und danach von seiner kaiserlichen Majestät befohlen wurde, alle anderen Schiffe des besagten Kaiserreichs Blefuscu zu beschlagnahmen und dieses Kaiserreich auf eine Provinz zu reduzieren, die von einem hierher entsandten Vizekönig regiert werden sollte, und nicht nur alle Big-endian-Exilanten zu vernichten und zu töten, sondern auch alle Bewohner dieses Kaiserreichs, die nicht sofort der Big-endian-Häresie abschwören würden. Er, der besagte Flestrin, wie ein falscher Verräter gegen seine verheißungsvolle, heitere, kaiserliche Majestät, ersuchte darum, von dem besagten Dienst entschuldigt zu werden, unter dem Vorwand, nicht gewillt zu sein, das Gewissen zu zwingen oder die Freiheiten und das Leben eines unschuldigen Volkes zu zerstören.
ARTIKEL III.
Dass, wohingegen bestimmte Botschafter vom Hof von Blefuscu ankamen, um am Hofe seiner Majestät um Frieden zu bitten; er, der besagte Flestrin, wie ein falscher Verräter die besagten Botschafter unterstützte, begünstigte, tröstete und unterhielt, obwohl er wusste, dass sie Diener eines Fürsten waren, der kürzlich ein offener Feind seiner kaiserlichen Majestät war und sich in offenem Krieg gegen besagte Majestät befand.
ARTIKEL IV.
Dass der besagte Quinbus Flestrin, entgegen der Pflicht eines treuen Untertanen, sich nun darauf vorbereitet, eine Reise an den Hof und in das Kaiserreich von Blefuscu zu unternehmen, für die er nur eine mündliche Erlaubnis von seiner kaiserlichen Majestät erhalten hat; und unter dem Vorwand der besagten Erlaubnis beabsichtigt er falsch und verräterisch, die besagte Reise anzutreten und dadurch den Kaiser von Blefuscu, einen so späten Feind und im offenen Krieg mit seiner kaiserlichen Majestät, zu unterstützen, zu trösten und zu begünstigen.
Es gibt noch einige andere Artikel, aber dies sind die wichtigsten, von denen ich Ihnen einen Auszug vorgelesen habe.
In den verschiedenen Debatten über diese Anklage muss man gestehen, dass seine Majestät viele Anzeichen seiner großen Milde gab, indem er oft die Dienste betonte, die Sie ihm erwiesen hatten, und versuchte, Ihre Verbrechen zu mildern. Der Schatzmeister und der Admiral bestanden darauf, dass Sie durch das Anzünden Ihres Hauses bei Nacht zum schmerzhaftesten und schändlichsten Tod gebracht werden sollten; und der General sollte mit zwanzigtausend Mann, die mit vergifteten Pfeilen bewaffnet waren, bereitstehen, um Sie ins Gesicht und auf die Hände zu schießen. Einige Ihrer Diener sollten den geheimen Befehl erhalten, einen giftigen Saft auf Ihre Hemden und Laken zu streuen, was Sie bald dazu bringen würde, Ihr eigenes Fleisch zu zerreißen und unter größten Qualen zu sterben. Der General schloss sich dieser Meinung an; sodass lange Zeit eine Mehrheit gegen Sie war: aber seine Majestät, die entschlossen war, wenn möglich Ihr Leben zu schonen, brachte schließlich den Kammerherrn auf seine Seite.
Bei diesem Vorfall wurde Reldresal, der Hauptsekretär für private Angelegenheiten, der sich immer als Ihr wahrer Freund erwiesen hatte, vom Kaiser befohlen, seine Meinung zu äußern, was er auch tat; und darin rechtfertigte er die guten Gedanken, die Sie von ihm haben. Er räumte ein, dass Ihre Verbrechen groß seien, aber dass es immer noch Raum für Barmherzigkeit gebe, die lobenswerteste Tugend bei einem Fürsten, und für die seine Majestät zu Recht so gefeiert werde. Er sagte, die Freundschaft zwischen Ihnen und ihm sei der Welt so wohlbekannt, dass vielleicht das ehrenwerteste Gremium ihn für befangen halten könnte; doch würde er im Gehorsam gegenüber dem Befehl, den er erhalten hatte, frei seine Ansichten darlegen; dass, wenn seine Majestät in Anbetracht Ihrer Dienste und gemäß seiner eigenen barmherzigen Gesinnung geruhen würde, Ihr Leben zu schonen und nur den Befehl zu geben, Ihnen beide Augen auszustechen, er demütig glaube, dass durch dieses Mittel der Gerechtigkeit in gewissem Maße Genüge getan werden könnte und die ganze Welt die Milde des Kaisers sowie das faire und großzügige Vorgehen derjenigen applaudieren würde, die die Ehre haben, seine Ratgeber zu sein: dass der Verlust Ihrer Augen kein Hindernis für Ihre körperliche Kraft wäre, durch die Sie seiner Majestät weiterhin nützlich sein könnten: dass Blindheit eine Ergänzung zum Mut sei, indem sie Gefahren vor uns verbirgt: dass die Angst, die Sie um Ihre Augen hatten, die größte Schwierigkeit war, die feindliche Flotte herüberzubringen: und es für Sie ausreichend wäre, durch die Augen der Minister zu sehen, da die größten Fürsten nicht mehr tun.
Dieser Vorschlag wurde von der gesamten Versammlung mit äußerstem Missfallen aufgenommen. Bolgolam, der Admiral, konnte sein Temperament nicht zügeln, sondern stand in Wut auf und sagte, er wundere sich, wie der Sekretär es wagen könne, seine Meinung zur Erhaltung des Lebens eines Verräters zu äußern: dass die Dienste, die Sie geleistet hatten, aus allen wahren Gründen des Staates die große Erschwerung Ihrer Verbrechen seien: dass Sie, der Sie das Feuer auf diese prinzipienlose Weise gelöscht haben, bei einer anderen Gelegenheit den ganzen Palast überfluten und ertränken könnten; und dieselbe Stärke, die es Ihnen ermöglichte, die feindliche Flotte herüberzubringen, könnte bei der ersten Unzufriedenheit dazu dienen, sie zurückzubringen: dass er gute Gründe zu der Annahme habe, dass Sie im Herzen ein Big-endian seien; und da Verrat im Herzen beginnt, bevor er in offenkundigen Taten erscheint, klagte er Sie aus diesem Grund als Verräter an und bestand daher darauf, dass Sie zum Tode verurteilt werden sollten.
Der Schatzmeister war derselben Meinung. Er zeigte, in welche Nöte die Einkünfte seiner Majestät durch die Kosten für Ihren Unterhalt geraten seien, was bald unerträglich werden würde. Dass das Mittel des Sekretärs, Ihnen die Augen auszustechen, weit davon entfernt sei, ein Heilmittel gegen dieses Übel zu sein, sondern es wahrscheinlich noch vergrößern würde, wie aus der üblichen Praxis des Blendens einiger Arten von Geflügel hervorgeht, wonach sie schneller fraßen und früher fett wurden. Dass seine heilige Majestät und der Rat, die Ihre Richter sind, vor ihrem eigenen Gewissen von Ihrer Schuld völlig überzeugt seien, was ein ausreichendes Argument sei, um Sie ohne die formellen Beweise, die der strenge Buchstabe des Gesetzes erfordert, zum Tode zu verurteilen.
Doch seine kaiserliche Majestät, die sich fest gegen die Todesstrafe entschieden hatte, ließ sich gnädig dazu herab zu sagen, dass, da der Rat den Verlust Ihrer Augen für eine zu milde Zensur hielt, in Zukunft eine andere verhängt werden könne. Und Ihr Freund, der Sekretär, der untertänigst darum bat, erneut angehört zu werden, sagte in Erwiderung auf das, was der Schatzmeister hinsichtlich der großen Kosten eingewandt hatte, die seine Majestät für Ihren Unterhalt aufwende, dass seine Exzellenz, der die alleinige Verfügungsgewalt über die Einkünfte des Kaisers habe, leicht Vorsorge gegen dieses Übel treffen könne, indem er Ihre Versorgung allmählich verringere; wodurch Sie aus Mangel an ausreichender Nahrung schwach und matt würden, Ihren Appetit verlören und in wenigen Monaten dahinschwänden; auch wäre der Gestank Ihres Kadavers dann nicht mehr so gefährlich, wenn er erst einmal mehr als zur Hälfte zusammengeschrumpft wäre; und unmittelbar nach Ihrem Tod könnten fünf- oder sechstausend Untertanen seiner Majestät in zwei oder drei Tagen Ihr Fleisch von den Knochen schneiden, es wagenweise abtransportieren und an entlegenen Orten begraben, um eine Ansteckung zu verhindern, während das Skelett der Nachwelt als ein Denkmal des Staunens bliebe.
So wurde durch die große Freundschaft des Sekretärs die ganze Angelegenheit beigelegt. Es wurde streng befohlen, dass der Plan, Sie allmählich verhungern zu lassen, ein Geheimnis bleiben müsse, doch das Urteil, Ihnen die Augen auszstechen, wurde in die Bücher eingetragen, wobei niemand widersprach, außer Bolgolam, der Admiral, der als ein Geschöpf der Kaiserin von ihrer Majestät unablässig dazu angestiftet wurde, auf Ihren Tod zu bestehen, da sie wegen jener ungesetzlichen Methode, die Sie anwandten, um sie und ihre Kinder in der Nacht des Feuers in Sicherheit zu bringen, ewigen Groll gegen Sie hegte.
In drei Tagen wird Ihr Freund, der Sekretär, angewiesen werden, in Ihr Haus zu kommen und Ihnen die Anklagepunkte zu verlesen; und dann die große Milde und Gunst seiner Majestät und des Rates zu verkünden, wodurch Sie lediglich zur Blendung verurteilt sind, von der seine Majestät nicht zweifelt, dass Sie sich ihr dankbar und demütig unterziehen werden; und zwanzig Chirurgen seiner Majestät werden anwesend sein, um darauf zu achten, dass die Operation gut ausgeführt wird, indem sie sehr scharfkantige Pfeile in Ihre Augäpfel schießen, während Sie auf dem Boden liegen.
Ich überlasse es Ihrer Klugheit, welche Maßnahmen Sie ergreifen werden; und um keinen Verdacht zu erregen, muss ich sofort auf so geheime Weise zurückkehren, wie ich gekommen bin.
Seine Herrschaft tat dies, und ich blieb allein zurück, voll von Zweifeln und geistiger Verwirrung.
Es war ein Brauch, der von diesem Fürsten und seinem Ministerium eingeführt worden war (sehr verschieden, wie mir versichert wurde, von der Praxis früherer Zeiten), dass, nachdem der Hof irgendeine grausame Hinrichtung beschlossen hatte, sei es, um den Groll des Monarchen oder die Bosheit eines Günstlings zu befriedigen, der Kaiser immer eine Rede vor seinem gesamten Rat hielt, in der er seine große Milde und Sanftmut zum Ausdruck brachte, als Eigenschaften, die der ganzen Welt bekannt und anerkannt seien. Diese Rede wurde sofort im ganzen Königreich veröffentlicht; und nichts erschreckte die Menschen so sehr wie diese Lobpreisungen auf die Barmherzigkeit seiner Majestät; denn es wurde beobachtet, dass die Strafe umso unmenschlicher und der Leidtragende umso unschuldiger war, je mehr diese Lobpreisungen erweitert und betont wurden. Was mich selbst betrifft, so muss ich gestehen, da ich weder durch meine Geburt noch durch meine Erziehung für einen Höfling bestimmt war, so schlecht beurteilen konnte ich die Dinge, dass ich die Milde und Gunst dieses Urteils nicht entdecken konnte, sondern es (vielleicht irrtümlich) eher für streng als für sanft hielt. Ich dachte manchmal daran, mich meinem Prozess zu stellen; denn obwohl ich die in den verschiedenen Artikeln angeführten Tatsachen nicht leugnen konnte, hoffte ich doch, dass sie einige Milderung zulassen würden. Aber da ich in meinem Leben viele Staatsprozesse gelesen hatte, die, wie ich stets beobachtete, so endeten, wie es die Richter zu befehlen für richtig hielten, wagte ich es nicht, mich auf eine so gefährliche Entscheidung in einem so kritischen Augenblick und gegen so mächtige Feinde zu verlassen. Einmal war ich fest zum Widerstand entschlossen, denn solange ich meine Freiheit hatte, konnte die ganze Macht jenes Reiches mich kaum unterwerfen, und ich hätte die Hauptstadt leicht mit Steinen in Stücke werfen können; aber ich verwarf diesen Plan bald mit Entsetzen, da ich mich an den Eid erinnerte, den ich dem Kaiser geleistet hatte, die Gunstbeweise, die ich von ihm erhalten hatte, und den hohen Titel eines Nardac, den er mir verliehen hatte. Auch hatte ich die Dankbarkeit der Höflinge nicht so schnell gelernt, als dass ich mich hätte überzeugen können, die jetzige Strenge seiner Majestät entbinde mich von allen vergangenen Verpflichtungen.
Schließlich fasste ich einen Entschluss, für den ich wahrscheinlich einige Tadel ernten werde, und das nicht zu Unrecht; denn ich gestehe, dass ich die Bewahrung meiner Augen und folglich meiner Freiheit meiner eigenen großen Unbesonnenheit und meinem Mangel an Erfahrung verdanke; denn wenn ich damals die Natur von Fürsten und Ministern gekannt hätte, die ich seitdem an vielen anderen Höfen beobachtet habe, und ihre Methoden, mit Kriminellen umzugehen, die weniger anstößig waren als ich, hätte ich mich mit großer Bereitwilligkeit und Schnelligkeit einer so leichten Strafe unterzogen. Aber von der Hast der Jugend getrieben, und da ich die Erlaubnis seiner kaiserlichen Majestät hatte, dem Kaiser von Blefuscu meine Aufwartung zu machen, nutzte ich diese Gelegenheit, bevor die drei Tage verstrichen waren, um einen Brief an meinen Freund, den Sekretär, zu senden, in dem ich meinen Entschluss mitteilte, an jenem Morgen nach Blefuscu aufzubrechen, gemäß der Erlaubnis, die ich erhalten hatte; und ohne auf eine Antwort zu warten, begab ich mich zu der Seite der Insel, wo unsere Flotte lag. Ich ergriff ein großes Kriegsschiff, band ein Kabel am Bug fest und holte die Anker ein, zog mich aus, legte meine Kleider (zusammen mit meiner Bettdecke, die ich unter dem Arm trug) in das Schiff und zog es hinter mir her, wobei ich teils watete, teils schwamm, bis ich im königlichen Hafen von Blefuscu ankam, wo die Menschen mich schon lange erwartet hatten; sie liehen mir zwei Führer, um mich in die Hauptstadt zu leiten, die denselben Namen trägt. Ich hielt sie in meinen Händen, bis ich bis auf zweihundert Yards an das Tor herangekommen war, und bat sie, meine Ankunft einem der Sekretäre mitzuteilen und ihn wissen zu lassen, dass ich dort auf den Befehl seiner Majestät wartete. Ich erhielt nach etwa einer Stunde die Antwort, dass seine Majestät, begleitet von der königlichen Familie und den hohen Beamten des Hofes, herauskomme, um mich zu empfangen. Ich schritt hundert Yards voran. Der Kaiser und sein Gefolge stiegen von ihren Pferden, die Kaiserin und die Damen aus ihren Kutschen, und ich bemerkte nicht, dass sie in irgendeiner Weise erschrocken oder besorgt waren. Ich legte mich auf den Boden, um die Hand seiner Majestät und der Kaiserin zu küssen.
Ich sagte seiner Majestät, dass ich gekommen sei, gemäß meinem Versprechen und mit der Erlaubnis des Kaisers, meines Herrn, um die Ehre zu haben, einen so mächtigen Monarchen zu sehen, und ihm jeden Dienst anzubieten, der in meiner Macht stehe und mit meiner Pflicht gegenüber meinem eigenen Fürsten vereinbar sei, ohne ein Wort von meiner Ungnade zu erwähnen, weil ich bisher keine ordnungsgemäße Unterrichtung darüber erhalten hatte und mich als völlig ahnungslos über einen solchen Plan annehmen konnte; auch konnte ich vernünftigerweise nicht annehmen, dass der Kaiser das Geheimnis enthüllen würde, solange ich außerhalb seiner Macht war, worin ich mich jedoch bald getäuscht sah.
Ich werde den Leser nicht mit dem detaillierten Bericht über meinen Empfang an diesem Hofe behelligen, der der Großzügigkeit eines so großen Fürsten entsprach; noch mit den Schwierigkeiten, in denen ich mich aus Mangel an einem Haus und einem Bett befand, da ich gezwungen war, auf dem Boden zu schlafen, eingewickelt in meine Bettdecke.
ACHTES KAPITEL.
DER AUTOR FINDET DURCH EINEN GLÜCKLICHEN ZUFALL MITTEL, BLEFUSCU ZU VERLASSEN, UND KEHRT NACH EINIGEN SCHWIERIGKEITEN SICHER IN SEIN HEIMATLAND ZURÜCK.
Drei Tage nach meiner Ankunft, als ich aus Neugier zur Nordostküste der Insel spazierte, bemerkte ich etwa eine halbe Meile draußen im Meer etwas, das wie ein umgekipptes Boot aussah. Ich zog meine Schuhe und Strümpfe aus und watete zwei- oder dreihundert Yards, als ich feststellte, dass sich das Objekt durch die Kraft der Gezeiten näherte; und dann sah ich deutlich, dass es ein echtes Boot war, von dem ich annahm, dass es durch irgendeinen Sturm von einem Schiff abgetrieben worden sein könnte: woraufhin ich sofort zur Stadt zurückkehrte und seine kaiserliche Majestät bat, mir zwanzig der größten Schiffe zu leihen, die er nach dem Verlust seiner Flotte noch übrig hatte, sowie dreitausend Seeleute unter dem Kommando seines Vizeadmirals. Diese Flotte segelte außen herum, während ich auf dem kürzesten Weg zurück zur Küste ging, wo ich das Boot zuerst entdeckt hatte. Ich stellte fest, dass die Flut es noch näher herangetrieben hatte. Die Seeleute waren alle mit Tauwerk versehen, das ich zuvor zu einer ausreichenden Stärke verzwirnt hatte. Als die Schiffe ankamen, zog ich mich aus und watete, bis ich bis auf hundert Yards an das Boot herangekommen war, wonach ich gezwungen war zu schwimmen, bis ich es erreichte. Die Seeleute warfen mir das Ende des Taues zu, das ich an einem Loch im vorderen Teil des Bootes befestigte, und das andere Ende an einem Kriegsschiff. Aber ich fand all meine Mühe wenig nützlich; denn da ich nicht mehr stehen konnte, war ich nicht in der Lage zu arbeiten. In dieser Not war ich gezwungen, dahinter zu schwimmen und das Boot so oft ich konnte mit einer Hand vorwärts zu schieben, und da die Flut mich begünstigte, kam ich so weit voran, dass ich mein Kinn gerade noch über Wasser halten und den Boden fühlen konnte. Ich ruhte zwei oder drei Minuten aus und gab dem Boot dann einen weiteren Stoß, und so weiter, bis das Meer nicht höher als meine Achselhöhlen war; und nun, da der mühsamste Teil vorüber war, nahm ich meine anderen Kabel heraus, die in einem der Schiffe verstaut waren, und befestigte sie zuerst an dem Boot und dann an neun der Schiffe, die mich begleiteten; da der Wind günstig war, schleppten die Seeleute, und ich schob, bis wir innerhalb von vierzig Yards vor das Ufer kamen, und nachdem ich gewartet hatte, bis die Flut abgelaufen war, gelangte ich trockenen Fußes zum Boot und schaffte es mit der Hilfe von zweitausend Mann, mit Seilen und Maschinen, es auf den Boden zu drehen, und stellte fest, dass es nur wenig beschädigt war.
Ich werde den Leser nicht mit den Schwierigkeiten behelligen, die ich hatte, um mein Boot mit Hilfe gewisser Paddel, deren Anfertigung mich zehn Tage kostete, in den königlichen Hafen von Blefuscu zu bringen, wo bei meiner Ankunft eine riesige Menschenmenge erschien, voller Staunen beim Anblick eines solch gewaltigen Gefährts. Ich sagte dem Kaiser, dass mein Glück mir dieses Boot in den Weg geworfen habe, um mich an einen Ort zu bringen, von wo aus ich in mein Heimatland zurückkehren könne, und bat um die Befehle seiner Majestät, um Materialien zu seiner Instandsetzung zu erhalten, sowie um seine Erlaubnis zur Abreise, die er mir nach einigem freundlichen Zureden zu gewähren geruhte.
Ich wunderte mich sehr, dass ich in all dieser Zeit nichts von irgendeinem Eilboten unseres Kaisers an den Hof von Blefuscu gehört hatte. Aber ich bekam später privat zu verstehen, dass seine kaiserliche Majestät, da er sich nie im Geringsten vorstellen konnte, dass ich von seinen Plänen wusste, glaubte, ich sei nur nach Blefuscu gegangen, um mein Versprechen gemäß der Erlaubnis, die er mir gegeben hatte, zu erfüllen – was an unserem Hof wohlbekannt war – und würde nach Beendigung der Zeremonie in wenigen Tagen zurückkehren. Aber schließlich beunruhigte ihn meine lange Abwesenheit; und nach Rücksprache mit dem Schatzmeister und dem Rest jener Kabale wurde eine Person von Rang mit einer Kopie der Anklageschrift gegen mich entsandt. Dieser Gesandte hatte Anweisungen, dem Monarchen von Blefuscu die große Milde seines Herrn darzulegen, der sich damit begnügt habe, mich nicht weiter als mit der Blendung zu bestrafen; dass ich der Justiz entflohen sei, und wenn ich nicht innerhalb von zwei Stunden zurückkehre, sollte mir mein Titel als Nardac entzogen und ich zum Verräter erklärt werden. Der Gesandte fügte weiter hinzu, dass sein Herr zur Wahrung des Friedens und der Freundschaft zwischen beiden Reichen erwarte, dass sein Bruder von Blefuscu Befehl gebe, mich an Händen und Füßen gefesselt nach Lilliput zurückzuschicken, um als Verräter bestraft zu werden.
Der Kaiser von Blefuscu, der sich drei Tage zur Beratung Zeit nahm, gab eine Antwort, die aus vielen Höflichkeiten und Entschuldigungen bestand. Er sagte, dass sein Bruder wisse, es sei unmöglich, mich gefesselt zu senden. Dass ich ihm zwar seine Flotte entzogen hätte, er mir aber große Verpflichtungen für viele gute Dienste schulde, die ich ihm beim Friedensschluss erwiesen habe. Dass jedoch beide Majestäten bald beruhigt sein würden; denn ich hätte ein gewaltiges Schiff am Ufer gefunden, das imstande sei, mich auf dem Meer zu tragen, für dessen Instandsetzung er mit meiner eigenen Unterstützung und Anleitung Befehle gegeben habe; und er hoffe, dass beide Reiche in wenigen Wochen von einer solch unerträglichen Last befreit sein würden.
Mit dieser Antwort kehrte der Gesandte nach Lilliput zurück, und der Monarch von Blefuscu berichtete mir alles, was geschehen war; wobei er mir gleichzeitig (unter strengster Vertraulichkeit) seinen gnädigen Schutz anbot, falls ich in seinem Dienst bleiben wolle; wobei ich ihm zwar Aufrichtigkeit zutraute, aber beschloss, niemals wieder irgendein Vertrauen in Fürsten oder Minister zu setzen, wo ich es vermeiden konnte; und deshalb bat ich ihn unter aller gebührenden Anerkennung seiner wohlwollenden Absichten untertänigst, mich zu entschuldigen. Ich sagte ihm, da das Schicksal, ob gut oder böse, mir ein Schiff in den Weg geworfen habe, sei ich entschlossen, mich auf den Ozean zu wagen, anstatt ein Anlass für Zwist zwischen zwei solch mächtigen Monarchen zu sein. Ich fand den Kaiser auch keineswegs verärgert; und durch einen gewissen Zufall entdeckte ich, dass er über meinen Entschluss sehr froh war, ebenso wie die meisten seiner Minister.
Diese Überlegungen bewegten mich dazu, meine Abreise etwas früher zu beschleunigen, als ich beabsichtigt hatte; wozu der Hof, der ungeduldig darauf wartete, dass ich ginge, sehr bereitwillig beitrug. Fünfhundert Arbeiter wurden beschäftigt, um gemäß meinen Anweisungen zwei Segel für mein Boot anzufertigen, indem sie dreizehn Lagen ihres stärksten Leinens zusammensteppten. Ich nahm die Mühe auf mich, Seile und Kabel herzustellen, indem ich zehn, zwanzig oder dreißig ihrer dicksten und stärksten Stränge verzwirnte. Ein großer Stein, den ich nach langem Suchen am Meeresufer zufällig fand, diente mir als Anker. Ich hatte den Talg von dreihundert Kühen zum Einfetten meines Bootes und für andere Zwecke. Ich hatte unglaubliche Mühe, einige der größten Nutzhölzer für Ruder und Masten zu fällen, wobei ich jedoch von den Schiffszimmerleuten seiner Majestät sehr unterstützt wurde, die mir halfen, sie zu glätten, nachdem ich die grobe Arbeit erledigt hatte.
Nach etwa einem Monat, als alles bereit war, sandte ich aus, um die Befehle seiner Majestät zu empfangen und mich zu verabschieden. Der Kaiser und die königliche Familie kamen aus dem Palast. Ich legte mich auf mein Gesicht, um seine Hand zu küssen, die er mir sehr gnädig reichte; ebenso die Kaiserin und die jungen Prinzen von Geblüt. Seine Majestät überreichte mir fünfzig Beutel mit je zweihundert Sprugs, zusammen mit seinem Bildnis in voller Länge, das ich sofort in einen meiner Handschuhe steckte, damit es nicht beschädigt würde. Die Zeremonien bei meiner Abreise waren zu zahlreich, um den Leser zu dieser Zeit damit zu behelligen.
Ich belud das Boot mit den Kadavern von hundert Ochsen und dreihundert Schafen, mit entsprechendem Brot und Trank und so viel bereits zubereitetem Fleisch, wie vierhundert Köche bereitstellen konnten. Ich nahm sechs Kühe und zwei Stiere lebend mit, dazu ebenso viele Mutterschafe und Lämmer, in der Absicht, sie in mein eigenes Land zu bringen und die Zucht zu vermehren. Und um sie an Bord zu füttern, hatte ich ein gutes Bündel Heu und einen Sack Getreide. Ich hätte gerne ein Dutzend der Einheimischen mitgenommen, aber das war eine Sache, die der Kaiser keinesfalls gestatten wollte; und abgesehen von einer sorgfältigen Durchsuchung meiner Taschen verpflichtete mich seine Majestät bei meiner Ehre, keinen seiner Untertanen mitzunehmen, auch nicht mit deren eigenem Einverständnis und Wunsch.
Nachdem ich so alles so gut vorbereitet hatte, wie ich konnte, stach ich am vierundzwanzigsten Tag des September 1701 um sechs Uhr morgens in See; und als ich etwa vier Meilen in nördlicher Richtung zurückgelegt hatte, bei Wind aus Südost, sichtete ich um sechs Uhr abends eine kleine Insel etwa eine halbe Meile nordwestlich. Ich fuhr weiter und warf Anker auf der Leeseite der Insel, die unbewohnt zu sein schien. Ich nahm dann eine Erfrischung zu mir und legte mich zur Ruhe. Ich schlief gut und, wie ich vermute, mindestens sechs Stunden, denn ich bemerkte, dass der Tag zwei Stunden nach meinem Erwachen anbrach. Es war eine klare Nacht. Ich aß mein Frühstück, bevor die Sonne aufging; und nachdem ich den Anker gelichtet hatte, steuerte ich bei günstigem Wind denselben Kurs, den ich am Tag zuvor eingeschlagen hatte, wobei ich mich von meinem Taschenkompass leiten ließ. Meine Absicht war es, wenn möglich eine jener Inseln zu erreichen, von denen ich Grund zu der Annahme hatte, dass sie nordöstlich von Van-Diemens-Land lägen. Ich entdeckte den ganzen Tag über nichts; aber am nächsten Tag, gegen drei Uhr nachmittags, als ich nach meiner Berechnung vierundzwanzig Meilen von Blefuscu zurückgelegt hatte, sichtete ich ein Segel, das nach Südosten steuerte: mein Kurs war genau Ost. Ich rief es an, konnte aber keine Antwort erhalten; doch ich merkte, dass ich aufholte, denn der Wind ließ nach. Ich setzte alle Segel, die ich konnte, und nach einer halben Stunde spähte sie mich aus, hisste ihre Flagge und gab einen Schuss ab.
Es ist nicht leicht, die Freude auszudrücken, die ich über die unerwartete Hoffnung empfand, mein geliebtes Vaterland und die teuren Pfänder, die ich darin zurückgelassen hatte, wiederzusehen. Das Schiff holte die Segel ein, und ich erreichte es zwischen fünf und sechs Uhr abends am sechsundzwanzigsten September; aber mein Herz hüpfte in mir bei dem Anblick ihrer englischen Farben. Ich steckte meine Kühe und Schafe in meine Manteltaschen und stieg mit meiner ganzen kleinen Fracht an Proviant an Bord. Das Schiff war ein englischer Handelssegler, der von Japan über das Nord- und Südmeer zurückkehrte; der Kapitän, Herr John Biddle aus Deptford, ein sehr höflicher Mann und ein ausgezeichneter Seemann. Wir befanden uns nun auf dem 30. Grad südlicher Breite. Es waren etwa fünfzig Mann auf dem Schiff; und hier traf ich einen alten Kameraden von mir, einen gewissen Peter Williams, der ein gutes Wort für mich beim Kapitän einlegte. Dieser Herr behandelte mich mit Freundlichkeit und bat mich, ihn wissen zu lassen, von welchem Ort ich zuletzt gekommen sei und wohin ich unterwegs sei; was ich mit wenigen Worten tat, aber er glaubte, ich phantasiere, und die Gefahren, die ich durchgemacht hatte, hätten meinen Verstand gestört; woraufhin ich mein Vieh und die Schafe aus meiner Tasche holte, was ihn nach großem Erstaunen zweifelsfrei von meiner Wahrhaftigkeit überzeugte. Ich zeigte ihm dann das Gold, das mir der Kaiser von Blefuscu gegeben hatte, zusammen mit dem Bildnis seiner Majestät in voller Länge und einigen anderen Raritäten jenes Landes. Ich gab ihm zwei Beutel mit je zweihundert Sprugs und versprach, ihm bei unserer Ankunft in England eine Kuh und ein Schaf zum Geschenk zu machen.
Ich werde den Leser nicht mit einer detaillierten Beschreibung dieser Reise behelligen, die größtenteils sehr erfolgreich war. Wir kamen am dreizehnten April 1702 in den Downs an. Ich hatte nur ein Unglück, dass die Ratten an Bord eines meiner Schafe mitnahmen; ich fand ihre Knochen in einem Loch, sauber vom Fleisch abgenagt. Ich brachte den Rest meines Viehs sicher an Land und ließ es auf einem Rasenplatz in Greenwich grasen, wo die Feinheit des Grases sie sehr herzhaft fressen ließ, obwohl ich immer das Gegenteil befürchtet hatte: auch hätte ich sie unmöglich auf einer so langen Reise bewahren können, wenn der Kapitän mir nicht einige seiner besten Zwiebäcke überlassen hätte, die, zu Pulver zerrieben und mit Wasser vermischt, ihr ständiges Futter waren. Während der kurzen Zeit, die ich in England blieb, machte ich einen beträchtlichen Gewinn, indem ich mein Vieh vielen vornehmen Personen und anderen zeigte; und bevor ich meine zweite Reise antrat, verkaufte ich sie für sechshundert Pfund.
Seit meiner letzten Rückkehr stelle ich fest, dass die Zucht beträchtlich zugenommen hat, insbesondere die Schafe, was, wie ich hoffe, durch die Feinheit der Vliese der Wollmanufaktur sehr zugutekommen wird.
Ich blieb nur zwei Monate bei meiner Frau und Familie; denn mein unersättlicher Wunsch, fremde Länder zu sehen, ließ mich nicht länger verweilen. Ich hinterließ meiner Frau fünfzehnhundert Pfund und brachte sie in einem guten Haus in Redriff unter. Mein restliches Kapital nahm ich mit, teils in Geld, teils in Waren, in der Hoffnung, mein Vermögen zu mehren. Mein ältester Onkel John hatte mir ein Landgut bei Epping im Wert von etwa dreißig Pfund im Jahr hinterlassen; und ich besaß einen langfristigen Pachtvertrag für den „Black Bull“ in der Fetter Lane, der mir ebenso viel einbrachte: sodass ich keine Gefahr lief, meine Familie der Armenfürsorge zu überlassen. Mein Sohn Johnny, der nach seinem Onkel benannt war, besuchte die Lateinschule und war ein vielversprechendes Kind. Meine Tochter Betty (die heute gut verheiratet ist und Kinder hat) saß damals an ihrer Handarbeit. Ich nahm unter Tränen auf beiden Seiten Abschied von meiner Frau, meinem Jungen und meinem Mädchen und ging an Bord der „Adventure“, eines Handelsschiffes von dreihundert Tonnen, bestimmt für Surat, unter dem Kommando von Kapitän John Nicholas aus Liverpool. Doch mein Bericht über diese Reise muss dem zweiten Teil meiner Reisen vorbehalten bleiben.
ENDE DES ERSTEN TEILS.
REISEN.
TEIL II.
EINE REISE NACH BROBDINGNAG.
KAPITEL I.
BESCHREIBUNG EINES GROSSEN STURMS; DAS BEIBOOT WIRD AUSGESETZT, UM WASSER ZU HOLEN; DER VERFASSER GEHT DAMIT AN LAND, UM DAS LAND ZU ERKUNDEN. ER WIRD AM UFER ZURÜCKGELASSEN, VON EINEM DER EINGEBORENEN GEFANGEN GENOMMEN UND ZUM HAUS EINES BAUERN GEBRACHT. SEINE AUFNAHME UND VERSCHIEDENE ZWISCHENFÄLLE, DIE SICH DORT EREIGNETEN. EINE BESCHREIBUNG DER EINWOHNER.
Von Natur und Schicksal zu einem rastlosen und tätigen Leben verdammt, verließ ich zwei Monate nach meiner Rückkehr erneut meine Heimat und schiffte mich am zwanzigsten Juni 1702 in den Downs auf der „Adventure“ ein, einem Schiff unter dem Kommando von Kapitän John Nicholas, einem Cornishman, mit Ziel Surat. Wir hatten einen sehr günstigen Wind, bis wir am Kap der Guten Hoffnung ankamen, wo wir an Land gingen, um frisches Wasser zu fassen; da wir jedoch ein Leck entdeckten, luden wir unsere Waren aus und überwinterten dort: Da der Kapitän an einem Wechselfieber erkrankte, konnten wir das Kap erst Ende März verlassen. Wir stachen dann in See und hatten eine gute Reise, bis wir die Straße von Madagaskar passierten; doch nachdem wir das nördliche Ende dieser Insel erreicht hatten und uns auf etwa fünf Grad südlicher Breite befanden, begannen die Winde, die in diesen Meeren von Anfang Dezember bis Anfang Mai beständig aus nördlicher und westlicher Richtung wehen, am neunzehnten April mit viel größerer Heftigkeit und westlicher als üblich zu wehen. Dies dauerte zwanzig Tage am Stück, während derer wir ein wenig östlich der Molukken und etwa drei Grad nördlich der Linie abgetrieben wurden, wie unser Kapitän bei einer Beobachtung am zweiten Mai feststellte, zu welcher Zeit der Wind nachließ und es vollkommene Windstille gab; worüber ich nicht wenig erfreut war. Doch da er ein im Befahren dieser Meere wohlerfahrener Mann war, hieß er uns alle, uns auf einen Sturm vorzubereiten, welcher dementsprechend am folgenden Tag eintrat: denn der Südwind, der Südwestmonsun genannt, begann aufzukommen, und bald war es ein heftiger Sturm.
Da wir fanden, dass er zu überhandnehmen drohte, holten wir unser Bugsprietsegel ein und hielten uns bereit, das Focksegel zu bergen; da das Wetter jedoch schlecht wurde, sahen wir nach, ob die Kanonen alle fest waren, und bargen das Besansegel.
Das Schiff lag sehr breit im Wind, also dachten wir, es sei besser, vor dem Sturm herzulaufen, als beizudrehen oder das Schiff treiben zu lassen. Wir refften das Focksegel und setzten es, wir holten die Fockschot an: das Ruder lag hart in Luv. Das Schiff wendete tapfer. Wir belegten den Fock-Niederholer; doch das Segel zerriss, und wir holten die Raa herunter, brachten das Segel ins Schiff und machten alle Dinge davon los. Es war ein sehr heftiger Sturm; die See brach sich seltsam und gefährlich. Wir holten den Laniard des Ruderstocks ein und halfen dem Mann am Ruder. Wir konnten unseren Mast nicht herunterlassen, sondern ließen alles stehen, weil sie sehr gut vor dem Sturm herlief, und wir wussten, dass das Schiff bei stehendem Mast stabiler war und besser durch die See kam, da wir genug Seeraum hatten. Als der Sturm vorüber war, setzten wir Fock- und Großsegel und brachten das Schiff bei. Dann setzten wir Besan-, Großmars- und Fockmarssegel. Unser Kurs war Ost-Nord-Ost, der Wind kam aus Südwest. Wir holten die Steuerbordhälse an, wir lösten unsere Luv-Brassen und Geitau-Tauen; wir setzten die Lee-Brassen ein und holten nach vorne durch die Luv-Bulinen, holten sie fest und belegten sie, und holten den Besanhals nach Luv und hielten sie so voll wie möglich, so nah sie am Wind liegen konnte.
Während dieses Sturms, auf den ein starker Wind aus West-Südwest folgte, wurden wir nach meiner Berechnung etwa fünfhundert Meilen nach Osten getragen, sodass selbst der älteste Seemann an Bord nicht sagen konnte, in welchem Teil der Welt wir uns befanden. Unsere Vorräte reichten gut aus, unser Schiff war dicht und unsere Mannschaft bei guter Gesundheit; doch wir litten höchste Not an Wasser. Wir hielten es für das Beste, denselben Kurs beizubehalten, anstatt weiter nach Norden zu drehen, was uns in die nordwestlichen Teile von Groß-Tartarei und in das Eismeer hätte führen können.
Am sechzehnten Juni 1703 entdeckte ein Junge im Mastkorb Land. Am siebzehnten kamen wir in volle Sicht einer großen Insel oder eines Kontinents (denn wir wussten nicht, was es war), an deren Südseite ein kleiner Landstrich ins Meer ragte und ein Bach war, der zu flach für ein Schiff von mehr als einhundert Tonnen war. Wir warfen den Anker innerhalb einer Meile von diesem Bach, und unser Kapitän schickte ein Dutzend seiner gut bewaffneten Männer im Beiboot mit Gefäßen für Wasser, falls welches gefunden werden könnte. Ich erbat seine Erlaubnis, mit ihnen zu gehen, damit ich das Land sehen und Erkundungen anstellen konnte.
Als wir an Land kamen, sahen wir keinen Fluss oder Quelle, noch irgendein Anzeichen von Bewohnern. Unsere Männer wanderten daher am Ufer entlang, um in Meeresnähe etwas frisches Wasser zu finden, und ich ging allein etwa eine Meile auf der anderen Seite, wo ich bemerkte, dass das Land überall kahl und felsig war. Ich begann nun müde zu werden, und da ich nichts sah, was meine Neugier befriedigen konnte, kehrte ich gemächlich zum Bach zurück; und da ich das Meer voll im Blick hatte, sah ich unsere Männer bereits im Boot sitzen und um ihr Leben zum Schiff rudern. Ich wollte ihnen nachrufen, obwohl es wenig Zweck gehabt hätte, als ich bemerkte, wie eine riesige Kreatur im Meer so schnell sie konnte hinter ihnen herging; er watete nicht viel tiefer als bis zu seinen Knien und machte gewaltige Schritte; doch unsere Männer hatten einen Vorsprung von etwa einer halben Meile vor ihm, und da die See dort voller spitzer Felsen war, konnte das Ungeheuer das Boot nicht einholen. Dies wurde mir später erzählt, denn ich wagte nicht zu bleiben, um den Ausgang des Abenteuers abzuwarten; sondern rannte so schnell ich konnte den Weg zurück, den ich gekommen war, und kletterte dann auf einen steilen Hügel, der mir einen gewissen Ausblick auf das Land bot. Ich fand es vollständig kultiviert; doch was mich zuerst überraschte, war die Länge des Grases, das auf den Feldern, die für Heu bestimmt zu sein schienen, etwa zwanzig Fuß hoch war.
Ich geriet auf eine Landstraße, denn dafür hielt ich sie, obwohl sie den Bewohnern nur als Fußpfad durch ein Gerstenfeld diente. Hier ging ich eine Zeit lang weiter, konnte aber auf beiden Seiten nur wenig sehen, da es kurz vor der Ernte war und das Korn mindestens vierzig Fuß hoch stand. Ich brauchte eine Stunde, um bis zum Ende dieses Feldes zu gehen, das mit einer Hecke von mindestens einhundertzwanzig Fuß Höhe eingezäunt war, und die Bäume waren so hoch, dass ich ihre Höhe nicht berechnen konnte. Es gab einen Zaunübertritt, um von diesem Feld in das nächste zu gelangen. Er hatte vier Stufen und einen Stein zum Übersteigen, wenn man an die oberste kam. Es war mir unmöglich, diesen Übertritt zu erklimmen, da jede Stufe sechs Fuß hoch war und der obere Stein über zwanzig.
Ich versuchte gerade, eine Lücke in der Hecke zu finden, als ich im nächsten Feld einen der Bewohner entdeckte, der auf den Übertritt zuging, von derselben Größe wie derjenige, den ich im Meer hinter unserem Boot hatte hergehen sehen. Er erschien so groß wie ein gewöhnlicher Kirchturm und machte bei jedem Schritt etwa zehn Yards, soweit ich es schätzen konnte. Ich war von äußerster Angst und Erstaunen erfüllt und rannte, um mich im Korn zu verstecken, von wo aus ich ihn oben auf dem Übertritt sah, wie er zurück in das nächste Feld zur Rechten schaute, und hörte, wie er mit einer Stimme rief, die um viele Grade lauter war als eine Sprechtrompete; doch das Geräusch war so hoch in der Luft, dass ich zuerst fest glaubte, es sei Donner. Daraufhin kamen sieben Ungeheuer, ihm gleich, mit Erntesicheln in den Händen auf ihn zu, jede Sichel etwa so groß wie sechs Sensen. Diese Leute waren nicht so gut gekleidet wie der erste, dessen Diener oder Arbeiter sie zu sein schienen; denn auf einige Worte, die er sprach, gingen sie daran, das Korn auf dem Feld zu ernten, in dem ich lag. Ich hielt mich so weit wie möglich von ihnen fern, war aber gezwungen, mich mit äußerster Schwierigkeit zu bewegen, denn die Halme des Korns waren manchmal nicht mehr als einen Fuß voneinander entfernt, sodass ich meinen Körper kaum dazwischen hindurchquetschen konnte. Ich schaffte es jedoch, weiterzugehen, bis ich zu einem Teil des Feldes kam, wo das Korn durch Regen und Wind niedergelegt worden war. Hier war es mir unmöglich, einen Schritt weiterzukommen; denn die Halme waren so miteinander verflochten, dass ich nicht hindurchkriechen konnte, und die Grannen der gefallenen Ähren waren so stark und spitz, dass sie meine Kleidung durchdrangen und in mein Fleisch stachen. Zur gleichen Zeit hörte ich die Schnitter nicht mehr als hundert Yards hinter mir.
Völlig entmutigt von der Plackerei und gänzlich von Gram und Verzweiflung überwältigt, legte ich mich zwischen zwei Furchen und wünschte von Herzen, ich könnte dort mein Leben beenden. Ich beklagte meine verlassene Witwe und meine vaterlosen Kinder. Ich bejammerte meine eigene Torheit und Eigensinnigkeit, eine zweite Reise gegen den Rat all meiner Freunde und Verwandten zu unternehmen. In dieser schrecklichen Gemütsbewegung konnte ich nicht umhin, an Lilliput zu denken, dessen Einwohner mich als das größte Wunder betrachteten, das jemals auf der Welt erschienen war; wo ich imstande war, eine imperiale Flotte in meiner Hand zu ziehen und jene anderen Taten zu vollbringen, die für immer in den Chroniken dieses Reiches verzeichnet sein werden, während die Nachwelt sie kaum glauben wird, obwohl sie von Millionen bezeugt sind. Ich dachte darüber nach, welch eine Demütigung es für mich sein musste, in dieser Nation so unbedeutend zu erscheinen wie ein einzelner Lilliputaner unter uns. Doch dies hielt ich für das geringste meiner Unglücke: denn da man beobachtet, dass menschliche Wesen im Verhältnis zu ihrer Körpermasse wilder und grausamer sind, was konnte ich anderes erwarten, als ein Bissen im Mund des ersten dieser enormen Barbaren zu sein, der mich zufällig ergreifen würde? Zweifellos haben die Philosophen recht, wenn sie uns sagen, dass nichts groß oder klein ist, außer durch Vergleich. Es hätte dem Schicksal gefallen können, die Lilliputaner eine Nation finden zu lassen, in der die Menschen im Verhältnis zu ihnen so klein waren wie sie zu mir. Und wer weiß, ob nicht selbst diese gewaltige Rasse von Sterblichen in irgendeinem fernen Teil der Welt, von dem wir noch keine Entdeckung haben, gleichermaßen übertroffen wird?
Erschrocken und verwirrt, wie ich war, konnte ich nicht umhin, diese Überlegungen fortzusetzen, als einer der Schnitter, der sich bis auf zehn Yards der Furche näherte, in der ich lag, mich befürchten ließ, dass ich mit dem nächsten Schritt unter seinem Fuß zerquetscht oder mit seiner Erntesichel in zwei Stücke geschnitten würde. Und deshalb, als er wieder im Begriff war, sich zu bewegen, schrie ich so laut, wie die Angst es mir ermöglichte. Daraufhin hielt das riesige Geschöpf inne, blickte einige Zeit unter sich umher und erspähte mich schließlich, wie ich auf dem Boden lag. Er überlegte eine Weile, mit der Vorsicht eines Mannes, der versucht, ein kleines, gefährliches Tier so zu ergreifen, dass es ihn weder kratzen noch beißen kann, wie ich es selbst manchmal mit einem Wiesel in England getan habe.
Schließlich wagte er es, mich zwischen Zeigefinger und Daumen aufzuheben, und brachte mich bis auf drei Yards an seine Augen, damit er meine Gestalt vollkommener betrachten konnte. Ich riet seine Absicht, und mein Glück gab mir so viel Geistesgegenwart, dass ich beschloss, mich nicht im Geringsten zu wehren, während er mich über sechzig Fuß über dem Boden in der Luft hielt, obwohl er meine Seiten schmerzhaft drückte, aus Furcht, ich könnte durch seine Finger schlüpfen. Alles, was ich wagte, war, meine Augen zum Himmel zu erheben, meine Hände in flehender Haltung zusammenzulegen und einige Worte in einem demütigen, melancholischen Ton zu sprechen, der meiner damaligen Lage angemessen war. Denn ich fürchtete jeden Augenblick, er würde mich gegen den Boden schleudern, wie wir es gewöhnlich mit jedem kleinen, verhassten Tier tun, das wir vernichten wollen. Doch mein guter Stern wollte es, dass er an meiner Stimme und meinen Gesten Gefallen zu finden schien und mich als eine Kuriosität zu betrachten begann, sehr erstaunt, mich artikulierte Worte aussprechen zu hören, obwohl er sie nicht verstehen konnte. In der Zwischenzeit konnte ich nicht umhin zu stöhnen und Tränen zu vergießen und meinen Kopf zu meinen Seiten zu drehen; ihn so gut ich konnte wissen lassend, wie grausam ich durch den Druck seines Daumens und Fingers verletzt wurde. Er schien meine Absicht zu begreifen; denn er hob den Saum seines Rockes, legte mich sanft hinein und rannte sofort mit mir zu seinem Herrn, der ein wohlhabender Bauer war und dieselbe Person, die ich zuerst auf dem Feld gesehen hatte.
Der Bauer, der (wie ich vermute, durch ihr Gerede) einen solchen Bericht über mich erhalten hatte, wie sein Diener ihn ihm geben konnte, nahm ein Stück eines kleinen Strohhalms, etwa so groß wie ein Spazierstock, und hob damit die Säume meines Rockes an, die er, wie es scheint, für eine Art von Bedeckung hielt, die die Natur mir gegeben hatte. Er blies mir das Haar beiseite, um mein Gesicht besser betrachten zu können. Er rief seine Knechte um sich und fragte sie (wie ich später erfuhr), ob sie jemals auf den Feldern ein kleines Geschöpf gesehen hätten, das mir ähnelte. Dann legte er mich sanft auf allen vieren auf den Boden, aber ich stand sofort auf und ging langsam vor und zurück, um diesen Leuten zu zeigen, dass ich keine Absicht hatte, wegzulaufen.
Sie setzten sich alle in einem Kreis um mich herum, um meine Bewegungen besser beobachten zu können. Ich nahm meinen Hut ab und machte eine tiefe Verbeugung vor dem Bauern. Ich fiel auf die Knie, hob meine Hände und Augen und sprach mehrere Worte, so laut ich konnte: Ich nahm einen Beutel mit Gold aus meiner Tasche und überreichte ihn ihm demütig. Er nahm ihn auf die Handfläche, hielt ihn dann dicht an sein Auge, um zu sehen, was es war, und drehte ihn danach mehrmals mit der Spitze einer Nadel (die er aus seinem Ärmel nahm), konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Daraufhin machte ich ein Zeichen, dass er seine Hand auf den Boden legen sollte. Ich nahm dann den Beutel, öffnete ihn und schüttete alles Gold in seine Handfläche. Es waren sechs spanische Stücke zu je vier Pistolen, neben zwanzig oder dreißig kleineren Münzen. Ich sah, wie er die Spitze seines kleinen Fingers mit der Zunge befeuchtete und eines meiner größten Stücke aufhob und dann ein weiteres, aber er schien völlig unwissend darüber zu sein, was sie waren. Er gab mir ein Zeichen, sie wieder in meinen Beutel und den Beutel wieder in meine Tasche zu stecken, was ich, nachdem ich es ihm mehrmals angeboten hatte, für das Beste hielt.
Der Bauer war inzwischen davon überzeugt, dass ich ein vernunftbegabtes Wesen sein musste. Er sprach oft zu mir, aber der Klang seiner Stimme drang in meine Ohren wie der einer Wassermühle, doch seine Worte waren deutlich genug. Ich antwortete so laut ich konnte in verschiedenen Sprachen, und er legte oft sein Ohr bis auf zwei Yards an mich heran; doch alles vergeblich, denn wir waren uns gegenseitig völlig unverständlich. Er schickte dann seine Diener an ihre Arbeit, und sein Taschentuch aus der Tasche nehmend, faltete er es zusammen und breitete es auf seiner linken Hand aus, die er flach auf den Boden legte, mit der Handfläche nach oben, und machte mir ein Zeichen, hineinzusteigen, was ich leicht konnte, denn es war nicht mehr als einen Fuß dick.
Ich hielt es für meine Pflicht zu gehorchen, und aus Furcht zu fallen, legte ich mich der Länge nach auf das Taschentuch, mit dessen Rest er mich zur weiteren Sicherheit bis zum Kopf einwickelte, und trug mich auf diese Weise nach Hause in sein Haus. Dort rief er seine Frau und zeigte mich ihr; doch sie schrie auf und rannte zurück, wie Frauen in England beim Anblick einer Kröte oder einer Spinne. Als sie jedoch eine Weile mein Verhalten gesehen hatte und wie gut ich die Zeichen beobachtete, die ihr Mann machte, war sie bald versöhnt und wurde mit der Zeit äußerst zärtlich zu mir.
Es war etwa zwölf Uhr mittags, und ein Diener brachte das Mittagessen. Es war nur ein einziges gehaltvolles Fleischgericht (passend für den schlichten Stand eines Landmanns) in einer Schüssel von etwa vierundzwanzig Fuß Durchmesser. Die Gesellschaft bestand aus dem Bauern und seiner Frau, drei Kindern und einer alten Großmutter. Als sie sich gesetzt hatten, platzierte mich der Bauer in einiger Entfernung von sich auf dem Tisch, der dreißig Fuß vom Boden entfernt war. Ich war in schrecklicher Angst und hielt mich so weit wie möglich vom Rand fern, aus Furcht zu fallen. Die Frau hackte ein Stück Fleisch klein, krümelte dann etwas Brot auf einen Holzteller und stellte es vor mich hin. Ich machte ihr eine tiefe Verbeugung, nahm mein Messer und meine Gabel und fing an zu essen, was ihnen außerordentliches Vergnügen bereitete.
Die Hausherrin schickte ihre Magd für einen kleinen Schnapsbecher, der etwa drei Gallonen fasste, und füllte ihn mit Getränk: Ich nahm das Gefäß mit großer Mühe mit beiden Händen auf und trank auf höchst respektvolle Weise auf das Wohl ihrer Herrschaft, wobei ich die Worte so laut ich konnte auf Englisch ausdrückte, was die Gesellschaft so herzlich zum Lachen brachte, dass ich von dem Lärm fast taub wurde. Dieses Getränk schmeckte wie ein leichter Apfelwein und war nicht unangenehm. Dann machte mir der Herr ein Zeichen, an die Seite seines Holztellers zu kommen; doch als ich auf dem Tisch entlangging, während ich die ganze Zeit in großer Überraschung war, wie der nachsichtige Leser leicht begreifen und entschuldigen wird, stolperte ich über eine Brotkruste und fiel flach auf mein Gesicht, erlitt aber keinen Schaden. Ich stand sofort auf, und als ich bemerkte, dass die guten Leute sehr besorgt waren, nahm ich meinen Hut (den ich aus gutem Benehmen unter dem Arm hielt) und machte, indem ich ihn über meinem Kopf schwenkte, dreimal Hurra, um zu zeigen, dass ich durch meinen Sturz keinen Schaden genommen hatte.
Doch als ich auf meinen Herrn (wie ich ihn von nun an nennen werde) zuging, packte mich sein jüngster Sohn, ein vorwitziger Junge von etwa zehn Jahren, der neben ihm saß, bei den Beinen und hielt mich so hoch in die Luft, dass ich an allen Gliedern zitterte; aber sein Vater riss mich ihm aus der Hand und versetzte ihm gleichzeitig eine solche Ohrfeige auf das linke Ohr, dass sie ein europäisches Reiterregiment zu Boden gestreckt hätte, während er befahl, mich vom Tisch zu nehmen. Da ich jedoch fürchtete, der Junge könnte mir nun Groll hegen, und mich wohl erinnerte, wie boshaft alle Kinder bei uns von Natur aus gegen Spatzen, Kaninchen, junge Kätzchen und Hündchen sind, fiel ich auf die Knie und bedeutete meinem Herrn durch Zeigen auf den Jungen so gut ich konnte, dass ich um Begnadigung seines Sohnes bat. Der Vater gab nach, und der Junge nahm wieder seinen Platz ein; daraufhin ging ich zu ihm und küsste seine Hand, was mein Herr annahm, indem er ihn veranlasste, mich sanft damit zu streicheln.
Mitten beim Abendessen sprang die Lieblingskatze meiner Herrin auf ihren Schoß. Ich hörte hinter mir ein Geräusch wie das von einem Dutzend arbeitender Strumpfweber, und als ich meinen Kopf drehte, entdeckte ich, dass es vom Schnurren dieses Tieres stammte, das, wie ich nach Ansicht ihres Kopfes und einer ihrer Pfoten schätzte, dreimal so groß wie ein Ochse war, während ihre Herrin sie fütterte und streichelte. Die Wildheit im Gesichtsausdruck dieser Kreatur brachte mich völlig aus der Fassung, obwohl ich am anderen Ende des Tisches stand, über fünfzig Fuß entfernt, und obwohl meine Herrin sie festhielt, aus Furcht, sie könnte einen Sprung machen und mich mit ihren Krallen packen.
Doch es geschah, dass keine Gefahr bestand; denn die Katze nahm nicht die geringste Notiz von mir, als mein Herr mich in einem Abstand von drei Yards von ihr platzierte. Und da mir stets gesagt wurde und ich durch Erfahrung auf meinen Reisen fand, dass Flucht oder das Zeigen von Furcht vor einem wilden Tier ein sicherer Weg ist, es dazu zu bringen, einen zu verfolgen oder anzugreifen, so beschloss ich in diesem gefährlichen Augenblick, keinerlei Besorgnis zu zeigen. Ich schritt furchtlos fünf- oder sechsmal direkt vor dem Kopf der Katze hin und her und kam ihr bis auf einen halben Yard nahe; woraufhin sie zurückwich, als ob sie mehr Angst vor mir hätte. Weniger Bedenken hatte ich bezüglich der Hunde, von denen drei oder vier in das Zimmer kamen, wie es in Bauernhäusern üblich ist; einer davon war eine Dogge von der Masse von vier Elefanten und ein Windhund, der etwas größer als die Dogge, aber nicht so kräftig war.
Als das Abendessen fast beendet war, kam die Amme mit einem einjährigen Kind auf dem Arm herein, das mich sofort erblickte und ein Geschrei anstimmte, das man von der London Bridge bis Chelsea hätte hören können, in der üblichen Redeweise von Säuglingen, um mich als Spielzeug zu bekommen. Die Mutter nahm mich aus reiner Nachgiebigkeit hoch und hielt mich dem Kind hin, das mich sogleich in der Mitte packte und meinen Kopf in den Mund nahm, woraufhin ich so laut brüllte, dass der Knirps erschrak und mich fallen ließ, und ich wäre unweigerlich auf den Kopf gefallen, wenn die Mutter nicht ihre Schürze unter mich gehalten hätte. Die Amme benutzte, um ihren Säugling zu beruhigen, eine Rassel, eine Art hohles Gefäß, das mit großen Steinen gefüllt und mit einem Seil an der Taille des Kindes befestigt war. Als sie sich dicht an den Tisch setzte, auf dem ich stand, erstaunte mich ihr Anblick nicht wenig. Dies brachte mich zum Nachdenken über die feinen Häute unserer englischen Damen, die uns nur deshalb so schön erscheinen, weil sie von unserer eigenen Größe sind und ihre Mängel nicht anders als durch ein Vergrößerungsglas zu sehen sind, wo wir durch Experimente feststellen, dass die glattesten und weißesten Häute rau, grob und übel gefärbt aussehen.
Ich erinnere mich, dass mir, als ich in Lilliput war, der Teint dieser winzigen Menschen als der reinste der Welt erschien; und als ich mit einer gelehrten Person dort, die ein enger Freund von mir war, über dieses Thema sprach, sagte er, mein Gesicht erscheine viel reiner und glatter, wenn er mich vom Boden aus betrachte, als bei näherer Betrachtung, wenn ich ihn auf die Hand nahm und nah an mich heranbrachte, was er anfangs als einen sehr schockierenden Anblick gestand. Er sagte, er könne große Löcher in meiner Haut entdecken; dass die Stoppeln meines Bartes zehnmal stärker seien als die Borsten eines Ebers und mein Teint aus verschiedenen Farben bestehe, die alles andere als angenehm seien: obwohl ich um die Erlaubnis bitten muss, für mich selbst zu sagen, dass ich so hellhäutig bin wie die meisten meines Geschlechts und Landes und durch meine Reisen nur wenig sonnenverbrannt. Andererseits pflegte er, wenn wir über die Damen am Hofe jenes Kaisers sprachen, mir zu sagen, die eine habe Sommersprossen, eine andere einen zu breiten Mund, eine dritte eine zu große Nase, von alledem konnte ich nichts unterscheiden. Ich gestehe, diese Überlegung lag nahe genug; doch konnte ich nicht umhin, sie anzustellen, damit der Leser nicht etwa dächte, jene riesigen Kreaturen seien tatsächlich missgestaltet: denn ich muss ihnen die Gerechtigkeit widerfahren lassen zu sagen, dass sie ein stattliches Menschengeschlecht sind; und insbesondere die Gesichtszüge meines Herrn, obwohl er nur ein Bauer war, erschienen sehr wohlproportioniert, als ich ihn aus einer Höhe von sechzig Fuß betrachtete.
Als das Abendessen beendet war, ging mein Herr an seine Arbeit und trug seiner Frau, wie ich an seiner Stimme und seinen Gesten erkennen konnte, streng auf, für mich zu sorgen. Ich war sehr müde und schläfrig; als meine Herrin dies bemerkte, legte sie mich auf ihr eigenes Bett und deckte mich mit einem sauberen weißen Taschentuch zu, das jedoch größer und gröber war als das Großsegel eines Kriegsschiffes.
Ich schlief etwa zwei Stunden und träumte, ich sei zu Hause bei meiner Frau und meinen Kindern, was meinen Kummer noch vergrößerte, als ich erwachte und mich allein in einem riesigen Raum vorfand, zwischen zwei- und dreihundert Fuß breit und über zweihundert hoch, liegend in einem Bett von zwanzig Yards Breite. Meine Herrin war ihren häuslichen Geschäften nachgegangen und hatte mich eingeschlossen. Das Bett war acht Yards vom Boden entfernt.
Plötzlich krochen zwei Ratten die Vorhänge hinauf und liefen schnüffelnd auf meinem Bett hin und her. Eine von ihnen kam mir fast bis ins Gesicht; woraufhin ich erschrocken aufsprang und meinen Degen zog, um mich zu verteidigen. Die schrecklichen Tiere hatten die Kühnheit, mich von beiden Seiten anzugreifen, und eine von ihnen hielt ihre Vorderpfoten an meinem Kragen; aber ich tötete sie, bevor sie mir irgendeinen Schaden zufügen konnte. Sie fiel mir zu Füßen; und die andere, die das Schicksal ihrer Gefährtin sah, ergriff die Flucht, jedoch nicht ohne eine gute Wunde am Rücken, die ich ihr auf der Flucht beibrachte und die das Blut aus ihr herausträufeln ließ. Nach dieser Heldentat ging ich sanft auf dem Bett auf und ab, um meinen Atem und meine verloren gegangenen Lebensgeister wiederzufinden. Diese Kreaturen hatten die Größe einer großen Dogge, waren aber unendlich flinker und wilder; hätte ich also meinen Gürtel vor dem Schlafengehen abgelegt, wäre ich unweigerlich in Stücke gerissen und verschlungen worden. Ich maß den Schwanz der toten Ratte und fand ihn zwei Yards lang, bis auf einen Zoll; aber es widerstand mir, den Kadaver vom Bett zu ziehen, wo er noch blutend lag. Ich bemerkte, dass er noch etwas Leben in sich hatte; aber mit einem kräftigen Hieb über den Hals machte ich ihm vollends den Garaus.
Ich hoffe, der geneigte Leser wird mir verzeihen, dass ich mich bei diesen und ähnlichen Einzelheiten aufhalte, die, so unbedeutend sie auch für kriechende, vulgäre Gemüter erscheinen mögen, einem Philosophen sicherlich helfen werden, seine Gedanken und seine Vorstellungskraft zu erweitern und sie zum Nutzen des öffentlichen wie auch des privaten Lebens anzuwenden, was mein einziger Beweggrund war, diesen und andere Berichte meiner Reisen der Welt zu präsentieren; wobei ich hauptsächlich auf Wahrheit bedacht war, ohne irgendeinen Schmuck an Gelehrsamkeit oder Stil zu erzwingen. Aber der ganze Schauplatz dieser Reise machte einen so starken Eindruck auf meinen Geist und ist so tief im Gedächtnis eingeprägt, dass ich bei der Niederschrift keinen wesentlichen Umstand ausgelassen habe. Bei einer genauen Durchsicht strich ich jedoch mehrere Passagen von geringerer Bedeutung, die in meiner ersten Abschrift standen, aus Furcht, als langatmig und trivial getadelt zu werden, wessen Reisende oft, vielleicht nicht zu Unrecht, beschuldigt werden.
KAPITEL II.
EINE BESCHREIBUNG DER TOCHTER DES BAUERN. DER AUTOR WIRD IN EINE MARKTSTADT UND DANN IN DIE HAUPTSTADT GEBRACHT. DIE EINZELHEITEN DIESER REISE.
Meine Herrin hatte eine Tochter von neun Jahren, ein Kind mit für ihr Alter fortschrittlichen Anlagen, sehr geschickt mit der Nadel und geübt darin, ihre Puppe anzuziehen. Ihre Mutter und sie dachten sich aus, die Wiege der Puppe für die Nacht für mich herzurichten. Die Wiege wurde in ein kleines Schubladenmöbel gestellt und die Schublade aus Angst vor den Ratten auf ein hängendes Regal gelegt. Dies war mein Bett, solange ich bei diesen Leuten blieb, wenn auch nach und nach bequemer gemacht, als ich begann, ihre Sprache zu lernen und meine Bedürfnisse kundzutun.
Sie fertigte mir sieben Hemden und etwas andere Wäsche aus so feinem Stoff, wie er zu bekommen war, was freilich gröber als Sackleinen war; und diese wusch sie mir ständig mit ihren eigenen Händen. Sie war auch meine Lehrmeisterin, um mich die Sprache zu lehren. Wenn ich auf etwas deutete, nannte sie mir den Namen in ihrer eigenen Zunge, sodass ich nach wenigen Tagen in der Lage war, nach allem zu verlangen, wonach mir der Sinn stand. Sie war sehr gutmütig und nicht über vierzig Fuß groß, da sie für ihr Alter klein war. Sie gab mir den Namen Grildrig, den die Familie übernahm und später das ganze Königreich. Das Wort bedeutet, was die Lateiner nanunculus, die Italiener homunceletino und die Engländer mannikin nennen. Ihr verdanke ich hauptsächlich meine Erhaltung in jenem Land. Wir waren nie getrennt, solange ich dort war; ich nannte sie meine Glumdalclitch oder kleine Amme; und ich würde mich großer Undankbarkeit schuldig machen, wenn ich diese ehrenvolle Erwähnung ihrer Fürsorge und Zuneigung mir gegenüber ausließe, die ich von Herzen zu erwidern wünsche, wie sie es verdient.
Es begann nun in der Nachbarschaft bekannt zu werden und die Runde zu machen, dass mein Herr auf dem Feld ein seltsames Tier gefunden habe, etwa von der Größe eines Splacnuck, aber in jedem Teil genau wie ein menschliches Geschöpf geformt; das es auch in all seinen Handlungen nachahmte, in einer kleinen eigenen Sprache zu sprechen schien, bereits mehrere Wörter der ihren gelernt hatte, auf zwei Beinen aufrecht ging, zahm und sanft war, kam, wenn man es rief, tat, was immer ihm geheißen wurde, die feinsten Gliedmaßen der Welt hatte und einen Teint, der reiner war als der einer Adligen von drei Jahren. Ein anderer Bauer, der in der Nähe wohnte und ein besonderer Freund meines Herrn war, kam zu Besuch, um der Wahrheit dieser Geschichte nachzugehen. Ich wurde sofort vorgeführt und auf einen Tisch gestellt, wo ich ging, wie mir befohlen wurde, meinen Degen zog, ihn wieder einsteckte, meinem Herrn und seinem Gast meine Reverenz erwies, ihn in seiner eigenen Sprache fragte, wie es ihm gehe, und ihm sagte, er sei willkommen, genau wie meine kleine Amme es mich gelehrt hatte. Dieser Mann, der alt und schwachsichtig war, setzte seine Brille auf, um mich besser zu betrachten, worüber ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte, denn seine Augen erschienen wie der Vollmond, der durch zwei Fenster in eine Kammer scheint. Unsere Leute, die die Ursache meiner Heiterkeit entdeckten, stimmten in das Lachen ein, worüber der alte Kerl töricht genug war, sich zu ärgern und aus der Fassung zu geraten. Er hatte den Ruf eines großen Geizhalses; und zu meinem Unglück verdiente er ihn wohl durch den verfluchten Rat, den er meinem Herrn gab, mich an einem Markttag in der nächsten Stadt, die eine halbe Reitstunde, etwa zweiundzwanzig Meilen von unserem Haus entfernt, lag, als Sehenswürdigkeit auszustellen. Ich ahnte, dass etwas Unheil im Gange war, als ich beobachtete, wie mein Herr und sein Freund lange miteinander flüsterten und manchmal auf mich zeigten; und meine Ängste ließen mich einbilden, dass ich einige ihrer Worte belauschte und verstand.
Doch am nächsten Morgen erzählte mir Glumdalclitch, meine kleine Amme, die ganze Angelegenheit, die sie ihrer Mutter listig entlockt hatte. Das arme Mädchen legte mich an ihren Busen und fing an, vor Scham und Kummer zu weinen. Sie fürchtete, mir könnte von rohen, vulgären Leuten ein Unheil zustoßen, die mich zu Tode quetschen oder mir ein Glied brechen könnten, wenn sie mich in ihre Hände nähmen. Sie hatte auch beobachtet, wie bescheiden ich von Natur aus war, wie genau ich auf meine Ehre achtete und welch eine Schmach ich es empfand, gegen Geld als öffentliches Schauspiel dem gemeinsten Volk ausgesetzt zu werden. Sie sagte, ihr Papa und ihre Mama hätten versprochen, Grildrig solle ihr gehören, aber nun habe sie herausgefunden, dass sie vorhätten, sie so zu behandeln wie im letzten Jahr, als sie ihr ein Lamm zu geben vorgaben und es doch, sobald es fett war, an einen Metzger verkauften. Was mich betrifft, so kann ich wahrhaftig versichern, dass ich weniger besorgt war als meine Amme. Ich hatte eine starke Hoffnung, die mich verließ, dass ich eines Tages meine Freiheit wiedererlangen würde; hinsichtlich der Schande, als Ungeheuer herumgezeigt zu werden, betrachtete ich mich als einen vollkommenen Fremden in diesem Land und dass ein solches Unglück mir niemals als Vorwurf ausgelegt werden könnte, sollte ich jemals nach England zurückkehren; da selbst der König von Großbritannien in meiner Lage das gleiche Elend hätte erdulden müssen.
Mein Herr brachte mich dem Rat seines Freundes folgend am nächsten Markttag in einer Kiste in die benachbarte Stadt und nahm seine kleine Tochter, meine Amme, auf einem Sozius hinter sich mit. Die Kiste war an allen Seiten geschlossen, mit einer kleinen Tür, durch die ich ein- und ausgehen konnte, und ein paar mit dem Bohrer gemachten Löchern, um Luft hereinzulassen. Das Mädchen war so vorsichtig gewesen, die Steppdecke ihres Puppenbettes hineinzulegen, damit ich darauf liegen konnte. Dennoch wurde ich auf dieser Reise, obwohl sie nur eine halbe Stunde dauerte, schrecklich geschüttelt und durchgeschüttelt. Denn das Pferd machte bei jedem Schritt etwa vierzig Fuß und trabte so hoch, dass die Erschütterung dem Auf- und Absteigen eines Schiffes in einem großen Sturm glich, aber viel häufiger; unsere Reise war etwas weiter als von London nach St. Alban's. Mein Herr stieg an einem Gasthof ab, den er zu besuchen pflegte; und nachdem er sich eine Weile mit dem Gastwirt beraten und einige notwendige Vorbereitungen getroffen hatte, mietete er den Grultrud, oder Ausrufer, an, um durch die Stadt bekannt zu machen, dass ein seltsames Geschöpf am Schild zum Grünen Adler zu sehen sei, nicht so groß wie ein Splacnuck (ein Tier in jenem Land, sehr fein geformt, etwa sechs Fuß lang), und in jedem Körperteil einem menschlichen Geschöpf gleichend, das mehrere Wörter sprechen und hundert unterhaltsame Kunststücke vollführen könne.
Ich wurde auf einen Tisch im größten Raum des Gasthofs gestellt, der wohl an die dreihundert Quadratfuß groß war. Meine kleine Amme stand auf einem niedrigen Schemel dicht am Tisch, um für mich zu sorgen und Anweisungen zu geben, was ich tun sollte. Mein Herr wollte, um ein Gedränge zu vermeiden, nur dreißig Leute auf einmal sehen lassen. Ich ging auf dem Tisch umher, wie das Mädchen es befahl. Sie stellte mir Fragen, soweit sie wusste, dass mein Verständnis der Sprache reichte, und ich beantwortete sie so laut ich konnte. Ich drehte mich mehrmals zur Gesellschaft um, erwies ihr meine tiefe Ehrerbietung, sagte, sie seien willkommen, und brachte einige andere Reden vor, die ich gelernt hatte. Ich nahm einen Fingerhut voll Likör, den Glumdalclitch mir als Becher gegeben hatte, und trank auf ihr Wohl. Ich zog meinen Degen und fuchtelte damit nach Art der Fechter in England. Meine Amme gab mir einen Teil eines Strohhalms, den ich als Pike benutzte, da ich die Kunst in meiner Jugend gelernt hatte. Ich wurde an diesem Tag zwölf Gesellschaften vorgeführt und ebenso oft gezwungen, dieselben Mätzchen wieder aufzuführen, bis ich vor Müdigkeit und Ärger halb tot war. Denn diejenigen, die mich gesehen hatten, machten so wundersame Berichte, dass die Leute bereit waren, die Türen einzurennen, um hereinzukommen.
Mein Herr wollte aus eigenem Interesse nicht zulassen, dass mich jemand außer meiner Amme berührte, und um Gefahren vorzubeugen, wurden Bänke in solchem Abstand um den Tisch aufgestellt, dass ich für niemanden erreichbar war. Ein unglücklicher Schuljunge zielte jedoch direkt mit einer Haselnuss auf meinen Kopf, die mich nur ganz knapp verfehlte: Andernfalls wäre sie mit so großer Wucht gekommen, dass sie mir unweigerlich das Gehirn herausgeschlagen hätte, denn sie war fast so groß wie ein kleiner Kürbis; aber ich hatte die Genugtuung, zu sehen, wie der junge Schurke ordentlich verprügelt und aus dem Zimmer geworfen wurde.
Mein Herr machte öffentlich bekannt, dass er mich am nächsten Markttag wieder zeigen würde, und in der Zwischenzeit bereitete er ein bequemeres Transportmittel für mich vor, wozu er allen Grund hatte; denn ich war von meiner ersten Reise und davon, acht Stunden am Stück die Gesellschaft zu unterhalten, so müde, dass ich kaum auf den Beinen stehen oder ein Wort sprechen konnte. Es dauerte mindestens drei Tage, bis ich meine Kräfte wiedererlangte; und damit ich zu Hause keine Ruhe hatte, kamen alle Herren der Umgebung aus einem Umkreis von hundert Meilen, die von meinem Ruhm gehört hatten, um mich im Haus meines Herrn zu sehen. Es konnten nicht weniger als dreißig Personen mit ihren Frauen und Kindern sein (denn das Land war sehr bevölkerungsreich); und mein Herr verlangte den Preis eines vollen Raumes, wann immer er mich zu Hause zeigte, auch wenn es nur für eine einzige Familie war; so dass ich einige Zeit jeden Tag der Woche nur wenig Ruhe hatte (außer mittwochs, was ihr Sabbat ist), obwohl ich nicht in die Stadt gebracht wurde.
Mein Herr, der merkte, wie profitabel ich zu werden versprach, beschloss, mich in die bedeutendsten Städte des Reiches zu bringen. Nachdem er also alles für eine lange Reise Notwendige bereitgestellt und seine Angelegenheiten zu Hause geregelt hatte, verabschiedete er sich von seiner Frau und wir brachen am siebzehnten August 1703, etwa zwei Monate nach meiner Ankunft, zur Metropole auf, die in der Mitte jenes Reiches lag und etwa dreitausend Meilen von unserem Haus entfernt war. Mein Herr ließ seine Tochter Glumdalclitch hinter sich reiten. Sie trug mich auf ihrem Schoß in einer Kiste, die um ihre Taille gebunden war. Das Mädchen hatte sie an allen Seiten mit dem weichsten Stoff ausgekleidet, den sie bekommen konnte, darunter gut gesteppt, sie mit ihrem Puppenbett ausgestattet, mich mit Wäsche und anderen Notwendigkeiten versorgt und alles so bequem wie möglich gemacht. Wir hatten keine weitere Begleitung als einen Jungen aus dem Haus, der mit dem Gepäck hinter uns her ritt.
Die Absicht meines Herrn war es, mich in allen Städten auf dem Weg zu zeigen und für fünfzig oder hundert Meilen von der Straße abzuweichen, zu jedem Dorf oder Haus einer vornehmen Person, wo er sich Kundschaft versprechen konnte. Wir machten bequeme Reisen von nicht mehr als sieben oder acht Mal zwanzig Meilen am Tag; denn Glumdalclitch beschwerte sich, um mich zu schonen, sie sei vom Traben des Pferdes müde. Sie nahm mich oft auf meinen Wunsch aus meiner Kiste, um mir Luft zu verschaffen und mir das Land zu zeigen, hielt mich aber immer fest an einem Führstrick. Wir überquerten fünf oder sechs Flüsse, viele Grade breiter und tiefer als der Nil oder der Ganges; und es gab kaum einen Bach, der so klein war wie die Themse an der London Bridge. Wir waren zehn Wochen auf unserer Reise und ich wurde in achtzehn großen Städten gezeigt, neben vielen Dörfern und privaten Familien.
Am sechsundzwanzigsten Oktober erreichten wir die Metropole, die in ihrer Sprache Lorbrulgrud genannt wurde, oder Stolz des Universums. Mein Herr nahm eine Unterkunft in der Hauptstraße der Stadt, nicht weit vom königlichen Palast entfernt, und hängte Anschläge in der üblichen Form aus, die eine genaue Beschreibung meiner Person und meiner Fähigkeiten enthielten. Er mietete einen großen Raum, der zwischen dreihundert und vierhundert Fuß breit war. Er stellte einen Tisch mit einem Durchmesser von sechzig Fuß bereit, auf dem ich meine Rolle spielen sollte, und versah ihn in drei Fuß Entfernung vom Rand und in gleicher Höhe mit einem Geländer, um zu verhindern, dass ich hinunterfiel. Ich wurde täglich zehnmal vorgeführt, zum Staunen und zur Zufriedenheit aller Leute. Ich konnte die Sprache nun leidlich gut sprechen und verstand jedes Wort, das zu mir gesprochen wurde, vollkommen. Zudem hatte ich ihr Alphabet gelernt und brachte es fertig, hier und da einen Satz zu erklären; denn Glumdalclitch war meine Lehrerin gewesen, während wir zu Hause waren und in den freien Stunden während unserer Reise. Sie trug ein kleines Buch in ihrer Tasche, kaum größer als ein Sanson’s Atlas; es war eine gewöhnliche Abhandlung für den Gebrauch junger Mädchen, die einen kurzen Abriss ihrer Religion gab; daraus brachte sie mir die Buchstaben bei und deutete die Wörter.
DRITTES KAPITEL.
DER VERFASSER WIRD AN DEN HOF BERUFEN. DIE KÖNIGIN KAUFT IHN SEINEM HERRN, DEM BAUERN, AB UND STELLT IHN DEM KÖNIG VOR. ER DISPUTIERT MIT DEN GROSSEN GELEHRTEN SEINER MAJESTÄT. EIN ZIMMER AM HOF WIRD FÜR DEN VERFASSER BEREITGESTELLT. ER STEHT BEI DER KÖNIGIN IN HOHEM ANSEHEN. ER TRITT FÜR DIE EHRE SEINES EIGENEN LANDES EIN. ER GERÄT MIT DEM ZWERG DER KÖNIGIN ANENANDER.
Die häufigen Anstrengungen, die ich jeden Tag auf mich nahm, bewirkten in wenigen Wochen eine sehr beträchtliche Veränderung meines Gesundheitszustands; je mehr mein Herr durch mich verdiente, desto unersättlicher wurde er. Ich hatte meinen Appetit völlig verloren und war fast auf ein Skelett heruntergekommen. Der Bauer bemerkte dies und beschloss, da er annahm, ich müsse bald sterben, so gut wie möglich Nutzen aus mir zu ziehen. Während er bei sich selbst überlegte und Pläne schmiedete, kam ein Slardral, oder Kammerherr, vom Hof und befahl meinem Herrn, mich unverzüglich dorthin zu bringen, zur Zerstreuung der Königin und ihrer Damen. Einige der letzteren hatten mich bereits gesehen und berichteten wundersame Dinge von meiner Schönheit, meinem Betragen und meinem gesunden Menschenverstand. Ihre Majestät und ihr Gefolge waren über alle Maßen von meinem Auftreten entzückt. Ich fiel auf die Knie und erflehte die Ehre, ihren kaiserlichen Fuß küssen zu dürfen; doch diese gnädige Prinzessin streckte mir, nachdem ich auf einen Tisch gesetzt worden war, ihren kleinen Finger entgegen, den ich mit beiden Armen umschloss und mit größter Ehrfurcht an meine Lippen legte.
Sie stellte mir einige allgemeine Fragen über mein Land und meine Reisen, die ich so deutlich und mit so wenigen Worten wie möglich beantwortete. Sie fragte, ob ich damit zufrieden wäre, am Hofe zu leben. Ich verneigte mich bis zur Tischplatte und antwortete demütig, ich sei der Sklave meines Herrn; wäre ich jedoch mein eigener Herr, so wäre es mein Stolz, mein Leben in den Dienst Ihrer Majestät zu stellen. Sie fragte daraufhin meinen Herrn, ob er bereit sei, mich für einen guten Preis zu verkaufen. Er, der befürchtete, ich würde keinen Monat mehr leben, war nur zu bereit, sich von mir zu trennen, und verlangte tausend Goldstücke, die ihm auf der Stelle angewiesen wurden; jedes Stück hatte die Größe von achthundert Moidoren, doch aufgrund der Größenverhältnisse zwischen diesem Land und Europa und des hohen Goldpreises dort war es kaum eine so große Summe, wie tausend Guineen in England wären. Ich sagte dann zur Königin, da ich nun der untertänigste Kreatur und Vasall Ihrer Majestät sei, müsse ich um den Gefallen bitten, dass Glumdalclitch, die mich stets mit so viel Sorgfalt und Güte betreut habe und die dies so gut zu tun verstehe, in ihren Dienst aufgenommen werde und weiterhin meine Pflegerin und Lehrerin bleibe.
Ihre Majestät stimmte meinem Gesuch zu und erhielt leicht die Zustimmung des Bauern, der nur zu froh war, seine Tochter bei Hofe untergebracht zu sehen, und das arme Mädchen selbst konnte ihre Freude nicht verbergen. Mein ehemaliger Herr zog sich zurück, verabschiedete sich von mir und sagte, er habe mich in guten Diensten hinterlassen, worauf ich kein Wort erwiderte, sondern ihn nur leicht verneigte.
Die Königin bemerkte meine Kühle und fragte mich nach dem Grund, als der Bauer das Gemach verlassen hatte. Ich wagte es, Ihrer Majestät zu sagen, dass ich meinem ehemaligen Herrn keinen anderen Dank schulde, als dass er ein armes, harmloses Geschöpf, das er zufällig auf seinem Feld gefunden hatte, nicht erschlagen habe; diese Verpflichtung sei durch den Gewinn, den er durch das Vorführen meiner Person durch das halbe Königreich und durch den Preis, für den er mich nun verkauft habe, reichlich ausgeglichen worden. Dass das Leben, das ich seitdem geführt habe, mühsam genug war, um ein Tier von zehnfacher meiner Stärke zu töten. Dass meine Gesundheit durch die ständige Schufterei, den Pöbel zu jeder Tagesstunde zu unterhalten, stark beeinträchtigt sei, und dass Ihre Majestät kein so billiges Geschäft gemacht hätte, wenn mein Herr nicht um mein Leben gefürchtet hätte. Da ich jedoch unter dem Schutz einer so großen und guten Kaiserin, dem Schmuck der Natur, dem Liebling der Welt, dem Entzücken ihrer Untertanen, dem Phönix der Schöpfung, keinerlei Angst mehr vor Misshandlungen haben müsse, so hoffte ich, dass sich die Befürchtungen meines ehemaligen Herrn als grundlos erweisen würden, denn ich spürte bereits, wie sich meine Lebensgeister durch den Einfluss ihrer erhabensten Gegenwart belebten.
Dies war der Kern meiner Rede, die ich mit großer Ungeschicklichkeit und Stocken vortrug; der letzte Teil war gänzlich in dem dieser Bevölkerung eigentümlichen Stil verfasst, wovon ich einige Redewendungen von Glumdalclitch gelernt hatte, während sie mich zum Hof trug.
Die Königin, die große Nachsicht für meine Mangelhaftigkeit im Sprechen zeigte, war jedoch überrascht über so viel Geist und gesunden Menschenverstand in einem so winzigen Geschöpf.
Sie nahm mich auf ihre eigene Hand und trug mich zum König, der sich damals in sein Kabinett zurückgezogen hatte. Seine Majestät, ein Prinz von großer Ernsthaftigkeit und strengem Antlitz, bemerkte auf den ersten Blick meine Gestalt nicht recht und fragte die Königin auf kalte Weise, wie lange es her sei, dass sie Gefallen an einem Splacnuck gefunden habe; denn für einen solchen hielt er mich offenbar, während ich auf der Brust in der rechten Hand Ihrer Majestät lag. Doch diese Prinzessin, die über unendlich viel Geist und Humor verfügte, setzte mich sanft auf dem Sekretär auf meine Füße und befahl mir, Seiner Majestät Rechenschaft über mich selbst abzulegen, was ich in sehr wenigen Worten tat; und Glumdalclitch, die an der Kabinettstür wartete und es nicht ertragen konnte, dass ich außer ihrer Sicht war, wurde eingelassen und bestätigte alles, was sich seit meiner Ankunft im Hause ihres Vaters zugetragen hatte.
Der König, obwohl er eine so gelehrte Person ist wie kaum ein anderer in seinen Herrschaftsgebieten, war im Studium der Philosophie und insbesondere der Mathematik ausgebildet worden; als er jedoch meine Gestalt genau beobachtete und mich aufrecht gehen sah, bevor ich zu sprechen begann, vermutete er, ich könnte ein Stück Uhrwerk (das in diesem Land zu einer sehr großen Vollkommenheit gelangt ist) sein, das von einem genialen Künstler erdacht wurde. Doch als er meine Stimme hörte und feststellte, dass meine Rede geordnet und vernünftig war, konnte er sein Erstaunen nicht verbergen. Er war keineswegs zufrieden mit dem Bericht, den ich ihm über die Art und Weise meines Kommens in sein Königreich gab, sondern hielt es für eine Geschichte, die zwischen Glumdalclitch und ihrem Vater ausgeheckt worden war, welche mir eine Reihe von Wörtern beigebracht hätten, damit ich mich zu einem besseren Preis verkaufen ließe. Aufgrund dieser Vorstellung stellte er mir verschiedene weitere Fragen und erhielt stets vernünftige Antworten, die in nichts anderem fehlerhaft waren als durch einen fremden Akzent und eine unvollkommene Kenntnis der Sprache sowie einige bäuerliche Redewendungen, die ich im Hause des Bauern gelernt hatte und die nicht zum feinen Stil eines Hofes passten.
Seine Majestät ließ drei große Gelehrte rufen, die damals gemäß der Sitte dieses Landes wöchentlichen Dienst hatten. Diese Herren waren, nachdem sie meine Gestalt eine Weile mit großer Genauigkeit untersucht hatten, verschiedener Meinung über mich. Sie waren sich alle einig, dass ich nicht nach den regulären Gesetzen der Natur hervorgebracht sein könne, da ich nicht mit der Fähigkeit ausgestattet war, mein Leben durch Schnelligkeit, das Klettern auf Bäume oder das Graben von Löchern in der Erde zu erhalten. Sie beobachteten an meinen Zähnen, die sie mit großer Sorgfalt betrachteten, dass ich ein fleischfressendes Tier sei; da jedoch die meisten Vierfüßler mir überlegen waren und Feldmäuse sowie einige andere zu flink, konnten sie sich nicht vorstellen, wie ich imstande sein sollte, mich zu ernähren, es sei denn, ich würde mich von Schnecken und anderen Insekten ernähren, wovon sie durch viele gelehrte Argumente nachzuweisen versuchten, dass ich dies unmöglich tun könne. Sie wollten nicht zulassen, dass ich ein Zwerg sei, da meine Winzigkeit über alle Maße hinausging; denn der Lieblingszwerg der Königin, der kleinste, der jemals in diesem Königreich bekannt war, war fast dreißig Fuß hoch. Nach langer Debatte schlossen sie einstimmig, dass ich lediglich ein Relplum Scalcath sei, was wörtlich als Lusus naturae übersetzt wird; eine Feststellung, die genau mit der modernen Philosophie Europas übereinstimmt: deren Vertreter, die die alte Ausflucht der okkulten Ursachen verschmähen, womit die Anhänger des Aristoteles vergeblich ihre Unwissenheit zu verbergen suchten, haben diese wunderbare Lösung aller Schwierigkeiten erfunden, zum unsagbaren Fortschritt des menschlichen Wissens.
Nach diesem entscheidenden Schluss bat ich darum, ein oder zwei Worte gehört zu werden. Ich wandte mich an den König und versicherte Seiner Majestät, dass ich aus einem Land käme, das von mehreren Millionen beiderlei Geschlechts und von meiner eigenen Statur wimmle; wo die Tiere, Bäume und Häuser alle im Verhältnis stünden und wo ich folglich ebenso imstande sein könnte, mich zu verteidigen und Nahrung zu finden, wie es jeder der Untertanen Seiner Majestät hier könne; was ich als vollständige Antwort auf die Argumente jener Herren betrachtete. Darauf antworteten sie nur mit einem spöttischen Lächeln und sagten, der Bauer habe mich sehr gut in meiner Lektion unterwiesen. Der König, der ein viel besseres Verständnis hatte, entließ seine Gelehrten und ließ den Bauern rufen, der glücklicherweise noch nicht aus der Stadt abgereist war; nachdem er ihn daher zuerst privat befragt und dann mit mir und dem jungen Mädchen konfrontiert hatte, begann Seine Majestät zu glauben, dass das, was wir ihm erzählt hatten, möglicherweise wahr sein könnte. Er wünschte, dass die Königin anordne, dass man sich besonders um mich kümmere, und war der Meinung, dass Glumdalclitch weiterhin ihr Amt der Betreuung ausüben solle, da er beobachtete, dass wir eine große Zuneigung zueinander hätten. Ein bequemes Gemach wurde für sie bei Hofe bereitgestellt; sie bekam eine Art Gouvernante zugeteilt, die sich um ihre Erziehung kümmern sollte, eine Zofe, um sie einzukleiden, und zwei weitere Bedienstete für niedere Dienste; doch die Sorge für mich war gänzlich ihr selbst übertragen. Die Königin befahl ihrem eigenen Kunsttischler, eine Kiste zu entwerfen, die mir als Schlafzimmer dienen konnte, nach dem Modell, auf das Glumdalclitch und ich uns einigen würden. Dieser Mann war ein höchst genialer Künstler und stellte mir nach meinen Anweisungen in drei Wochen eine hölzerne Kammer von sechzehn Fuß im Quadrat und zwölf Fuß Höhe fertig, mit Schiebefenstern, einer Tür und zwei Schränken, wie ein Londoner Schlafzimmer. Das Brett, das die Decke bildete, sollte mit zwei Scharnieren auf- und zugeklappt werden können, um ein Bett hineinzustellen, das von dem Polsterer Ihrer Majestät fertig ausgestattet war und das Glumdalclitch jeden Tag herausnahm, um es zu lüften, es mit ihren eigenen Händen machte und es abends herunterließ, wobei sie das Dach über mir verriegelte. Ein geschickter Handwerker, der für kleine Kuriositäten berühmt war, unternahm es, mir zwei Stühle mit Rückenlehnen und Gestellen aus einer Substanz, die Elfenbein nicht unähnlich war, sowie zwei Tische mit einem Kabinett, um meine Sachen darin aufzubewahren, anzufertigen. Das Zimmer war auf allen Seiten gesteppt, ebenso wie der Boden und die Decke, um Unfälle durch die Unvorsichtigkeit derjenigen zu vermeiden, die mich trugen, und um die Wucht eines Stoßes zu dämpfen, wenn ich in einer Kutsche fuhr. Ich wünschte mir ein Schloss für meine Tür, um Ratten und Mäuse am Eindringen zu hindern: der Schmied fertigte nach mehreren Versuchen das kleinste an, das jemals unter ihnen gesehen wurde; denn ich habe größere am Tor eines Herrenhauses in England gekannt. Ich brachte es fertig, den Schlüssel in meiner eigenen Tasche aufzubewahren, da ich fürchtete, Glumdalclitch könnte ihn verlieren. Die Königin bestellte zudem die dünnsten Seidenstoffe, die zu bekommen waren, um mir Kleider zu machen, kaum dicker als eine englische Decke, sehr beschwerlich, bis ich mich an sie gewöhnt hatte. Sie waren nach der Mode des Königreichs, teils dem Persischen, teils dem Chinesischen ähnelnd, und sind eine sehr würdevolle und anständige Tracht.
Die Königin wurde so von meiner Gesellschaft angetan, dass sie ohne mich nicht speisen konnte. Ich bekam einen Tisch, der auf denselben gestellt wurde, an dem Ihre Majestät aß, genau an ihrem linken Ellbogen, und einen Stuhl, auf dem ich sitzen konnte. Glumdalclitch stand auf einem Schemel auf dem Boden, in der Nähe meines Tisches, um mir zu helfen und für mich zu sorgen. Ich besaß ein vollständiges Set silberner Schüsseln und Teller sowie anderer Notwendigkeiten, die im Verhältnis zu denen der Königin kaum größer waren als das, was ich in einem Londoner Spielzeugladen als Ausstattung für ein Puppenhaus gesehen habe: diese bewahrte meine kleine Pflegerin in ihrer Tasche in einer silbernen Schachtel auf und gab sie mir bei den Mahlzeiten, wie ich sie brauchte, wobei sie sie immer selbst reinigte. Niemand speiste mit der Königin außer den zwei königlichen Prinzessinnen, die ältere sechzehn Jahre alt, und die jüngere zu jener Zeit dreizehn und einen Monat. Ihre Majestät pflegte ein Stück Fleisch auf einen meiner Teller zu legen, wovon ich mir selbst etwas abschnitt: und ihr Zeitvertreib war es, mich im Miniaturformat essen zu sehen; denn die Königin (die in der Tat nur einen schwachen Magen hatte) nahm auf einen Bissen so viel auf, wie ein Dutzend englischer Bauern bei einer Mahlzeit essen konnten, was für mich einige Zeit ein sehr ekelhafter Anblick war. Sie zerkaute den Flügel einer Lerche, samt Knochen, zwischen ihren Zähnen, obwohl er neunmal so groß war wie der eines ausgewachsenen Truthahns; und steckte sich ein Stück Brot in den Mund, so groß wie zwei Zwölfpennylaibe. Sie trank aus einem goldenen Becher, über ein Fass bei einem Schluck. Ihre Messer waren zweimal so lang wie eine Sense, gerade auf dem Griff befestigt. Die Löffel, Gabeln und anderen Instrumente waren alle im gleichen Verhältnis. Ich erinnere mich, als Glumdalclitch mich aus Neugierde zu einigen der Tische bei Hofe trug, wo zehn oder ein Dutzend dieser riesigen Messer und Gabeln gleichzeitig hochgehoben wurden, dachte ich, noch nie zuvor einen so schrecklichen Anblick gesehen zu haben.
Es ist Sitte, dass jeden Mittwoch (der, wie ich bereits bemerkte, ihr Sabbat ist) der König und die Königin mit den königlichen Nachkommen beiderlei Geschlechts zusammen im Gemach Seiner Majestät speisen, bei dem ich nun ein großer Liebling geworden war; und zu diesen Zeiten wurden mein kleiner Stuhl und Tisch zu seiner Linken, vor eines der Salzfässer, gestellt. Dieser Prinz fand Gefallen daran, sich mit mir zu unterhalten und sich nach den Sitten, der Religion, den Gesetzen, der Regierung und der Gelehrsamkeit Europas zu erkundigen; worüber ich ihm den besten Bericht gab, den ich konnte. Seine Auffassungsgabe war so klar und sein Urteilsvermögen so exakt, dass er sehr weise Reflexionen und Beobachtungen zu allem machte, was ich sagte. Doch ich gestehe, dass ich, nachdem ich ein wenig zu ausschweifend über mein geliebtes Land, über unseren Handel und unsere Kriege zu Wasser und zu Lande, über unsere Glaubensspaltungen und Parteien im Staate gesprochen hatte, die Vorurteile seiner Erziehung so weit überwogen, dass er nicht umhin konnte, mich in seine rechte Hand zu nehmen, mich mit der anderen sanft zu streicheln und mich nach einem herzhaften Lachanfall zu fragen, ob ich ein Whig oder ein Tory sei. Dann, sich an seinen ersten Minister wendend, der hinter ihm mit einem weißen Stab wartete, fast so hoch wie der Großmast der „Royal Sovereign“, bemerkte er, wie verächtlich die menschliche Größe sei, die von solch winzigen Insekten wie mir nachgeahmt werden könne: und doch, sagt er, wage ich zu wetten, dass diese Geschöpfe ihre Titel und Auszeichnungen haben; sie erfinden kleine Nester und Bauten, die sie Häuser und Städte nennen; sie machen eine Figur in Kleidung und Gefolge; sie lieben, sie kämpfen, sie streiten, sie betrügen, sie verraten. Und so fuhr er fort, während meine Farbe mehrmals vor Empörung kam und ging, zu hören, wie unser edles Land, die Herrin der Künste und Waffen, die Geißel Frankreichs, die Schiedsrichterin Europas, der Sitz der Tugend, Frömmigkeit, Ehre und Wahrheit, der Stolz und Neid der Welt, so verächtlich behandelt wurde.
Aber da ich nicht in der Lage war, Kränkungen zu vergelten, begann ich nach reiflicher Überlegung zu bezweifeln, ob ich überhaupt gekränkt worden war oder nicht. Denn nachdem ich mich mehrere Monate an den Anblick und die Unterhaltung dieses Volkes gewöhnt hatte und beobachtet hatte, dass jedes Objekt, auf das mein Auge fiel, von verhältnismäßiger Größe war, war der Schrecken, den ich anfangs vor ihrer Masse und ihrem Aussehen empfunden hatte, so weit verflogen, dass ich, hätte ich damals eine Gesellschaft englischer Lords und Damen in ihrem Putz und ihren Festtagsgewändern gesehen, wie sie ihre Rollen auf die höfischste Art des Stolzierens, Verbeugens und Plapperns spielten, um die Wahrheit zu sagen, stark versucht gewesen wäre, genauso über sie zu lachen wie der König und seine Großen über mich. Auch konnte ich nicht umhin, über mich selbst zu lächeln, wenn die Königin mich auf ihre Hand vor einen Spiegel stellte, durch den unsere beiden Personen gemeinsam in vollem Blickfeld vor mir erschienen; und es konnte nichts Lächerlicheres geben als diesen Vergleich; sodass ich wirklich begann, mir vorzustellen, ich sei viele Grade unter meine gewöhnliche Größe geschrumpft.
Nichts erzürnte und demütigte mich so sehr wie der Zwerg der Königin, der von der niedrigsten Statur war, die je in diesem Land bekannt war (denn ich glaube wahrhaftig, er war nicht ganz dreißig Fuß hoch), und der so frech wurde, als er ein Geschöpf sah, das so weit unter ihm stand, dass er immer vorgab zu prahlen und groß zu tun, wenn er an mir vorbeiging, während ich im Vorzimmer der Königin auf irgendeinem Tisch stand und mit den Lords oder Damen des Hofes sprach, und er versäumte selten ein spitzes Wort oder zwei über meine Winzigkeit; wofür ich mich nur revanchieren konnte, indem ich ihn Bruder nannte, ihn zum Ringen herausforderte und solche schlagfertigen Antworten gab, wie sie in den Mündern von Hofpagen üblich sind. Eines Tages, beim Abendessen, war dieser boshafte kleine Wicht so sehr durch etwas gereizt, das ich zu ihm gesagt hatte, dass er sich auf den Rahmen des Stuhls Ihrer Majestät erhob, mich nahm, als ich gerade Platz nahm, ohne an etwas Böses zu denken; und mich in eine große silberne Schüssel mit Sahne fallen ließ und dann so schnell er konnte davonlief. Ich fiel kopfüber hinein, und wäre ich kein guter Schwimmer gewesen, hätte es sehr schlimm für mich ausgehen können; denn Glumdalclitch befand sich in diesem Augenblick zufällig am anderen Ende des Raumes, und die Königin war in einem solchen Schrecken, dass ihr die Geistesgegenwart fehlte, mir zu helfen. Doch meine kleine Pflegerin eilte mir zur Rettung und holte mich heraus, nachdem ich über ein Quart Sahne verschluckt hatte. Ich wurde ins Bett gebracht; doch trug ich keinen anderen Schaden davon als den Verlust eines Anzugs, der völlig verdorben war. Der Zwerg wurde ordentlich ausgepeitscht und als weitere Strafe gezwungen, die Schüssel Sahne auszutrinken, in die er mich geworfen hatte; auch wurde er nie wieder in Gnaden aufgenommen; denn kurz darauf schenkte die Königin ihn einer Dame von hohem Stand, sodass ich ihn zu meiner großen Genugtuung nicht mehr sah; denn ich wusste nicht, bis zu welcher Äußerstheit ein solch boshafter Bengel seinen Groll hätte treiben können.
Er hatte mir schon früher einen üblen Streich gespielt, der die Königin zum Lachen brachte, obwohl sie gleichzeitig herzlich verärgert war und ihn auf der Stelle verstoßen hätte, wenn ich nicht so großmütig gewesen wäre, für ihn einzutreten. Ihre Majestät hatte einen Markknochen auf ihrem Teller gehabt und, nachdem sie das Mark herausgeklopft hatte, den Knochen aufrecht auf die Schüssel gestellt, wie er zuvor gestanden hatte. Der Zwerg, der auf seine Gelegenheit lauerte, während Glumdalclitch zum Anrichtetisch gegangen war, stieg auf den Schemel, auf dem sie bei den Mahlzeiten zu stehen pflegte, um sich um mich zu kümmern, nahm mich mit beiden Händen hoch und, meine Beine zusammendrückend, klemmte er sie in den Markknochen oberhalb meiner Taille, wo ich eine Zeit lang feststeckte und eine höchst lächerliche Figur abgab. Ich glaube, es dauerte fast eine Minute, bis irgendjemand wusste, was aus mir geworden war; denn ich hielt es meiner nicht würdig, aufzuschreien. Aber da Fürsten ihre Speisen selten heiß bekommen, wurden meine Beine nicht verbrüht, nur meine Strümpfe und Kniehosen waren in einem traurigen Zustand. Der Zwerg erhielt auf meine Bitte hin keine andere Strafe als eine tüchtige Tracht Prügel.
Ich wurde von der Königin häufig wegen meiner Ängstlichkeit aufgezogen; und sie pflegte mich zu fragen, ob die Menschen meines Landes ebenso große Feiglinge seien wie ich. Der Anlass war folgender: Das Königreich wird im Sommer sehr von Fliegen geplagt; und diese scheußlichen Insekten, von denen jedes so groß wie eine Dunstable-Lerche war, ließen mir kaum Ruhe, während ich zu Mittag aß, mit ihrem ständigen Summen und Brummen um meine Ohren. Sie ließen sich manchmal auf meinen Speisen nieder. Manchmal setzten sie sich auf meine Nase oder Stirn, wo sie mich bis aufs Blut stachen, und ich hatte große Mühe, mich gegen diese abscheulichen Tiere zu verteidigen, und konnte nicht umhin, zusammenzuzucken, wenn sie mir ins Gesicht kamen. Es war die übliche Praxis des Zwergs, eine Anzahl dieser Insekten mit der Hand zu fangen, wie es Schuljungen bei uns tun, und sie mir plötzlich unter der Nase freizulassen, in der Absicht, mich zu erschrecken und die Königin zu amüsieren. Mein Mittel dagegen war, sie mit meinem Messer in Stücke zu schneiden, während sie in der Luft flogen, wobei meine Geschicklichkeit sehr bewundert wurde.
Ich erinnere mich, dass eines Morgens, als Glumdalclitch mich bei schönem Wetter, wie sie es gewöhnlich tat, in meiner Kiste auf ein Fenster gestellt hatte, um mir Luft zu verschaffen (denn ich wagte es nicht, die Kiste an einem Nagel außerhalb des Fensters aufhängen zu lassen, wie wir es mit Käfigen in England tun), nachdem ich eines meiner Schiebefenster hochgeschoben und mich an meinen Tisch gesetzt hatte, um ein Stück süßen Kuchen zum Frühstück zu essen, über zwanzig Wespen, angelockt vom Geruch, ins Zimmer geflogen kamen und lauter summten als die Drohnen von ebenso vielen Dudelsäcken. Einige von ihnen ergriffen meinen Kuchen und trugen ihn stückweise davon; andere flogen um meinen Kopf und mein Gesicht, verwirrten mich mit ihrem Lärm und versetzten mich in die größte Angst vor ihren Stacheln. Dennoch hatte ich den Mut aufzustehen, meinen Degen zu ziehen und sie in der Luft anzugreifen. Ich erledigte vier von ihnen, aber die übrigen entkamen, und ich schloss sogleich mein Fenster. Diese Kreaturen waren so groß wie Rebhühner; ich nahm ihre Stacheln heraus, fand sie anderthalb Zoll lang und so scharf wie Nadeln. Ich bewahrte sie sorgfältig alle auf, und nachdem ich sie später zusammen mit einigen anderen Kuriositäten in verschiedenen Teilen Europas gezeigt hatte, gab ich bei meiner Rückkehr nach England drei davon dem Gresham College und behielt die vierte für mich.
KAPITEL IV.
BESCHREIBUNG DES LANDES. EIN VORSCHLAG ZUR KORREKTUR MODERNER LANDKARTEN. DER KÖNIGLICHE PALAST UND EINIGE ANGABEN ZUR METROPOLE. DIE REISEWEISE DES AUTORS. BESCHREIBUNG DES HAUPTTEMPELS.
Ich beabsichtige nun, dem Leser eine kurze Beschreibung dieses Landes zu geben, soweit ich es bereist habe, was nicht mehr als zweitausend Meilen um Lorbrulgrud, die Metropole, war. Denn die Königin, die ich stets begleitete, ging nie weiter, wenn sie den König auf seinen Reisen begleitete, und blieb dort, bis seine Majestät von der Besichtigung seiner Grenzen zurückkehrte. Der gesamte Umfang der Herrschaft dieses Fürsten erstreckt sich auf etwa sechstausend Meilen in der Länge und auf drei bis fünf in der Breite. Woraus ich nur schließen kann, dass unsere Geographen in Europa sich stark irren, wenn sie zwischen Japan und Kalifornien nichts als Meer vermuten; denn es war immer meine Meinung, dass es ein Gegengewicht an Land geben müsse, um den großen Kontinent der Tartarei aufzuwiegen; und daher sollten sie ihre Karten und Seekarten korrigieren, indem sie diesen riesigen Landstrich mit den nordwestlichen Teilen Amerikas verbinden, wobei ich bereit sein werde, ihnen meine Unterstützung anzubieten.
Das Königreich ist eine Halbinsel, die im Nordosten durch einen Gebirgszug von dreißig Meilen Höhe begrenzt wird, der aufgrund der Vulkane auf den Gipfeln gänzlich unpassierbar ist: Auch wissen die Gelehrtesten nicht, welche Art von Sterblichen jenseits dieser Berge wohnt oder ob sie überhaupt bewohnt sind. An den drei anderen Seiten wird es vom Ozean begrenzt. Es gibt keinen einzigen Seehafen im ganzen Königreich, und die Teile der Küsten, in die die Flüsse münden, sind so voll von spitzen Felsen, und die See ist im Allgemeinen so rau, dass man es nicht wagt, auch nur mit dem kleinsten ihrer Boote hinauszufahren; sodass diese Menschen von jeglichem Handel mit dem Rest der Welt völlig ausgeschlossen sind.
Aber die großen Flüsse sind voll von Schiffen und bieten einen Überfluss an ausgezeichnetem Fisch, denn sie bekommen selten welchen aus dem Meer, da die Meeresfische von derselben Größe sind wie jene in Europa und folglich nicht wert sind, gefangen zu werden, woraus hervorgeht, dass die Natur bei der Erzeugung von Pflanzen und Tieren von solch außergewöhnlicher Größe gänzlich auf diesen Kontinent beschränkt ist, dessen Gründe ich den Philosophen zu bestimmen überlasse. Hin und wieder fangen sie jedoch einen Wal, der zufällig gegen die Felsen geschleudert wird, wovon sich das einfache Volk herzlich ernährt. Diese Wale habe ich so groß erlebt, dass ein Mann kaum einen auf seinen Schultern tragen konnte; und manchmal werden sie aus Neugier in Körben nach Lorbrulgrud gebracht: Ich sah einen davon in einer Schüssel an der Tafel des Königs, was als eine Rarität galt, aber ich bemerkte nicht, dass er davon angetan war; denn ich glaube in der Tat, dass ihn die Größe anwiderte, obwohl ich in Grönland schon einen etwas größeren gesehen habe.
Das Land ist gut besiedelt, denn es enthält einundfünfzig Städte, fast hundert befestigte Orte und eine große Anzahl von Dörfern. Um meinen neugierigen Leser zufriedenzustellen, mag es genügen, Lorbrulgrud zu beschreiben. Diese Stadt liegt auf fast zwei gleichen Teilen zu beiden Seiten des Flusses, der durch sie hindurchfließt. Sie enthält über achtzigtausend Häuser und etwa sechshunderttausend Einwohner. Sie ist drei Glomglungs lang (was etwa vierundfünfzig englische Meilen ausmacht) und zweieinhalb breit, wie ich es selbst auf der königlichen Karte nachmaß, die auf Befehl des Königs eigens für mich auf den Boden gelegt wurde und einhundert Fuß maß: Ich schritt den Durchmesser und den Umfang mehrmals barfuß ab und berechnete es anhand des Maßstabs ziemlich genau.
Der königliche Palast ist kein regelmäßiges Bauwerk, sondern ein Haufen von Gebäuden von etwa sieben Meilen Umfang: die Haupträume sind im Allgemeinen zweihundertvierzig Fuß hoch und in der Breite und Länge proportional. Eine Kutsche war Glumdalclitch und mir gestattet, worin ihre Gouvernante sie häufig mitnahm, um die Stadt zu sehen oder in die Geschäfte zu gehen; und ich war immer mit von der Partie, getragen in meiner Kiste; obwohl das Mädchen mich auf meinen eigenen Wunsch oft herausnahm und in ihrer Hand hielt, damit ich die Häuser und die Menschen, während wir durch die Straßen fuhren, bequemer betrachten konnte. Ich schätzte unsere Kutsche etwa auf die Größe von Westminster Hall, aber nicht ganz so hoch: allerdings kann ich nicht sehr genau sein.
Neben der großen Kiste, in der ich gewöhnlich getragen wurde, ließ die Königin eine kleinere für mich anfertigen, von etwa zwölf Fuß im Quadrat und zehn Fuß Höhe, für die Bequemlichkeit des Reisens, weil die andere für Glumdalclitchs Schoß etwas zu groß und in der Kutsche hinderlich war. Sie wurde von demselben Künstler angefertigt, den ich bei der gesamten Konstruktion anleitete. Dieser Reiseschrank war ein exaktes Quadrat, mit einem Fenster in der Mitte von drei der Seiten, und jedes Fenster war auf der Außenseite mit Eisendraht vergittert, um Unfälle auf langen Reisen zu vermeiden. An der vierten Seite, die kein Fenster hatte, waren zwei starke Krampen befestigt, durch die die Person, die mich trug, wenn ich Lust hatte, zu Pferde zu sein, einen Lederriemen steckte und ihn um ihre Taille schnallte. Dies war immer das Amt eines ernsthaften, vertrauenswürdigen Dieners, dem ich vertrauen konnte, ob ich nun den König und die Königin auf ihren Reisen begleitete oder Lust hatte, die Gärten zu sehen oder einer großen Dame oder einem Staatsminister am Hofe einen Besuch abzustatten; denn ich fing bald an, bei den höchsten Beamten bekannt und geachtet zu sein, ich nehme an, mehr aufgrund der Gunst ihrer Majestäten als wegen irgendeines eigenen Verdienstes.
Auf Reisen, wenn ich der Kutsche überdrüssig war, schnallte ein Diener zu Pferde meine Kiste fest und platzierte sie auf einem Kissen vor sich; und dort hatte ich von meinen drei Fenstern aus eine volle Aussicht auf das Land nach drei Seiten. Ich hatte in diesem Schrank ein Feldbett und eine von der Decke hängende Hängematte, zwei Stühle und einen Tisch, die ordentlich am Boden festgeschraubt waren, um nicht durch die Erschütterungen des Pferdes oder der Kutsche umhergeworfen zu werden. Und da ich lange an Seereisen gewöhnt war, brachten mich diese Bewegungen, obwohl manchmal sehr heftig, nicht sehr aus der Fassung.
Wann immer ich Lust hatte, die Stadt zu sehen, geschah dies immer in meinem Reiseschrank, den Glumdalclitch auf ihrem Schoß hielt, in einer Art offener Sänfte, nach der Mode des Landes, die von vier Männern getragen und von zwei weiteren in der Livree der Königin begleitet wurde. Die Leute, die oft von mir gehört hatten, waren sehr neugierig, sich um die Sänfte zu drängen, und das Mädchen war gefällig genug, die Träger anhalten zu lassen und mich in ihre Hand zu nehmen, damit ich bequemer gesehen werden konnte.
Ich war sehr begierig darauf, den Haupttempel zu sehen und besonders den dazugehörigen Turm, der als der höchste im Königreich gilt. Dementsprechend trug mich meine Pflegerin eines Tages dorthin, aber ich muss wahrhaftig sagen, dass ich enttäuscht zurückkehrte; denn die Höhe beträgt nicht mehr als dreitausend Fuß, gerechnet vom Boden bis zur höchsten Spitze; was, wenn man den Unterschied zwischen der Größe dieser Menschen und uns in Europa berücksichtigt, keine große Bewunderung verdient und (wenn ich mich recht erinnere) in keiner Weise dem Turm von Salisbury entspricht. Doch um nicht ein Volk herabzusetzen, dem ich mich zeitlebens zu größtem Dank verpflichtet erklären werde, muss man zugeben, dass alles, was diesem berühmten Turm an Höhe fehlt, durch Schönheit und Stärke reichlich wettgemacht wird. Denn die Mauern sind fast hundert Fuß dick, aus behauenen Steinen erbaut, von denen jeder etwa vierzig Fuß im Quadrat misst, und auf allen Seiten mit Statuen von Göttern und Kaisern geschmückt, die aus Marmor größer als das Leben gehauen und in ihre jeweiligen Nischen gestellt sind. Ich maß einen kleinen Finger, der von einer dieser Statuen abgefallen war und unbemerkt zwischen etwas Schutt lag, und fand ihn genau vier Fuß und einen Zoll lang. Glumdalclitch wickelte ihn in ihr Taschentuch und trug ihn in ihrer Tasche nach Hause, um ihn neben anderen Kleinigkeiten aufzubewahren, die das Mädchen sehr liebte, wie es Kinder in ihrem Alter gewöhnlich tun.
Die Küche des Königs ist in der Tat ein prächtiges Gebäude, oben gewölbt und etwa sechshundert Fuß hoch. Der große Backofen ist um zehn Schritte weniger breit als die Kuppel von St. Paul's, denn ich habe letztere nach meiner Rückkehr eigens nachgemessen. Aber wenn ich den Küchenrost, die ungeheuren Töpfe und Kessel, die auf den Spießen sich drehenden Fleischstücke beschreiben sollte, mit vielen anderen Einzelheiten, würde man mir vielleicht kaum glauben; zumindest wäre ein strenger Kritiker geneigt zu denken, ich hätte ein wenig übertrieben, wie Reisende oft verdächtigt werden. Um diesen Tadel zu vermeiden, fürchte ich, bin ich zu sehr ins andere Extrem verfallen; und wenn diese Abhandlung jemals in die Sprache von Brobdingnag (was der allgemeine Name jenes Königreichs ist) übersetzt und dorthin übermittelt werden sollte, hätten der König und sein Volk Grund sich zu beklagen, dass ich ihnen durch eine falsche und verkleinerte Darstellung Schaden zugefügt hätte.
Seine Majestät hält selten mehr als sechshundert Pferde in seinen Ställen: sie sind im Allgemeinen vierundfünfzig bis sechzig Fuß hoch. Aber wenn er an feierlichen Tagen ausgeht, wird er aus Repräsentationsgründen von einer Milizwache von fünfhundert Reitern begleitet, was ich in der Tat für den prächtigsten Anblick hielt, der jemals zu sehen war, bis ich einen Teil seiner Armee in Schlachtordnung sah, wovon ich bei anderer Gelegenheit zu sprechen finden werde.
KAPITEL V.
VERSCHIEDENE ABENTEUER, DIE DEM AUTOR ZUSTIESSEN. DER AUTOR ZEIGT SEINE FERTIGKEIT IN DER SCHIFFFAHRT.
Ich hätte in jenem Land glücklich genug gelebt, wenn meine Kleinheit mich nicht verschiedenen lächerlichen und beschwerlichen Zufällen ausgesetzt hätte, von denen ich einige zu berichten wage. Glumdalclitch trug mich oft in meiner kleineren Kiste in die Gärten des Hofes und nahm mich manchmal heraus, hielt mich in ihrer Hand oder setzte mich ab, damit ich laufen konnte. Ich erinnere mich, bevor der Zwerg die Königin verließ, folgte er uns eines Tages in jene Gärten, und nachdem meine Pflegerin mich abgesetzt hatte, er und ich dicht beieinander in der Nähe einiger Zwergapfelbäume, musste ich meinen Witz durch eine alberne Anspielung auf ihn und die Bäume beweisen, die in ihrer Sprache ebenso zutrifft wie in unserer. Woraufhin der boshafte Schurke, seine Gelegenheit abpassend, als ich unter einem von ihnen herging, ihn direkt über meinem Kopf schüttelte; wodurch ein Dutzend Äpfel, von denen jeder fast so groß wie ein Bristol-Fass war, um meine Ohren purzelte; einer von ihnen traf mich auf den Rücken, als ich mich zufällig bückte, und warf mich flach auf mein Gesicht; aber ich erlitt keinen anderen Schaden; und der Zwerg wurde auf meinen Wunsch begnadigt, weil ich die Provokation geliefert hatte.
An einem anderen Tag ließ mich Glumdalclitch auf einem ebenen Rasenplatz zurück, um mich zu amüsieren, während sie in einiger Entfernung mit ihrer Gouvernante spazieren ging. Inzwischen fiel plötzlich ein so heftiger Hagelschauer, dass ich sogleich durch seine Wucht zu Boden geschlagen wurde; und als ich am Boden lag, versetzten mir die Hagelkörner so grausame Schläge am ganzen Körper, als wäre ich mit Tennisbällen beworfen worden; ich brachte es jedoch fertig, auf allen Vieren zu kriechen und mich in Sicherheit zu bringen, indem ich flach auf dem Gesicht auf der windabgewandten Seite eines Beetes mit Zitronenthymian lag, aber von Kopf bis Fuß so geprellt, dass ich zehn Tage lang nicht ausgehen konnte. Dies ist auch keineswegs verwunderlich, denn da die Natur in jenem Land in all ihren Wirkungen dasselbe Verhältnis wahrt, ist ein Hagelkorn fast achthundertmal so groß wie eines in Europa, was ich aus Erfahrung versichern kann, da ich so neugierig war, sie zu wiegen und zu messen.
Aber ein gefährlicherer Zufall geschah mir im selben Garten, als meine kleine Pflegerin, glaubend, sie hätte mich an einen sicheren Ort gebracht, was ich sie oft zu tun bat, damit ich meine eigenen Gedanken genießen konnte, und nachdem sie meine Kiste zu Hause gelassen hatte, um die Mühe des Tragens zu vermeiden, in einen anderen Teil des Gartens mit der Gouvernante und einigen Damen ihrer Bekanntschaft gegangen war, und sie abwesend und außer Hörweite war, war ein kleiner weißer Hund, der einem der Hauptgärtner gehörte, zufällig in den Garten gelangt und an den Ort gekommen, wo ich lag: Der Hund, der Witterung folgend, kam direkt auf mich zu, nahm mich in seinen Mund, lief gerade auf seinen Herrn zu, wedelte mit dem Schwanz und setzte mich sanft auf den Boden. Durch ein glückliches Geschick war er so gut erzogen worden, dass ich zwischen seinen Zähnen ohne den geringsten Schaden oder gar ein Zerreißen meiner Kleidung getragen wurde. Aber der arme Gärtner, der mich gut kannte und eine große Zuneigung für mich hatte, war in schrecklichem Schrecken: Er nahm mich sanft mit beiden Händen auf und fragte mich, wie es mir gehe; aber ich war so verblüfft und außer Atem, dass ich kein Wort sprechen konnte. Nach wenigen Minuten kam ich wieder zu mir, und er trug mich sicher zu meiner kleinen Pflegerin, die inzwischen zu dem Ort zurückgekehrt war, wo sie mich gelassen hatte, und in grausamen Qualen war, als ich nicht erschien oder antwortete, wenn sie rief. Sie wies den Gärtner wegen seines Hundes streng zurecht, aber die Sache wurde vertuscht und kam nie am Hofe bekannt; denn das Mädchen fürchtete den Zorn der Königin, und was mich selbst betrifft, so hielt ich es nicht für meinen Ruf förderlich, dass eine solche Geschichte die Runde machen würde.
Dieser Vorfall bestimmte Glumdalclitch absolut dazu, mir in Zukunft nicht mehr zu trauen, wenn ich ohne ihre Aufsicht war. Ich hatte mich lange vor diesem Entschluss gefürchtet und ihr deshalb einige kleine unglückliche Abenteuer verschwiegen, die sich in jenen Zeiten ereigneten, als ich allein gelassen wurde. Einmal machte ein Milan, der über dem Garten kreiste, einen Stoß auf mich; und hätte ich nicht entschlossen meinen Degen gezogen und wäre unter ein dichtes Spalier gelaufen, hätte er mich sicherlich mit seinen Klauen entführt. Ein anderes Mal, als ich auf den Gipfel eines frischen Maulwurfshügels stieg, fiel ich bis zum Hals in das Loch, durch das dieses Tier die Erde ausgeworfen hatte. Ich brach mir auch das rechte Schienbein an der Schale einer Schnecke, über die ich zufällig stolperte, während ich allein spazieren ging und an das arme England dachte.
Ich kann nicht sagen, ob ich mehr erfreut oder beschämt war, bei diesen einsamen Spaziergängen zu beobachten, dass die kleineren Vögel überhaupt keine Angst vor mir zu haben schienen, sondern im Umkreis eines Meters herumhüpften und mit solcher Gleichgültigkeit und Sicherheit nach Würmern und anderem Futter suchten, als ob gar kein Geschöpf in der Nähe wäre. Ich erinnere mich, dass eine Drossel die Zuversicht hatte, mir ein Stück Kuchen aus der Hand zu schnappen, das Glumdalclitch mir gerade zum Frühstück gegeben hatte.
Als ich versuchte, einen dieser Vögel zu fangen, wandten sie sich kühn gegen mich und versuchten, nach meinen Fingern zu hacken, was ich nicht wagte, in ihre Reichweite zu bringen; und dann hüpften sie unbekümmert zurück, um wie zuvor nach Würmern und Schnecken zu jagen. Aber eines Tages nahm ich einen dicken Knüppel und warf ihn mit all meiner Kraft so glücklich nach einem Hänfling, dass ich ihn niederschlug, und ihn mit beiden Händen am Hals packte, rannte ich triumphierend mit ihm zu meiner Pflegerin. Doch der Vogel, der nur betäubt war, erholte sich, gab mir so viele Schläge mit seinen Flügeln auf beide Seiten meines Kopfes und Körpers, obwohl ich ihn auf Armlänge hielt und außer Reichweite seiner Klauen war, dass ich zwanzigmal daran dachte, ihn loszulassen. Aber ich wurde bald von einem unserer Diener erlöst, der dem Vogel den Hals umdrehte, und ich hatte ihn am nächsten Tag auf Befehl der Königin zum Abendessen. Dieser Hänfling schien, soweit ich mich erinnern kann, etwas größer als ein englischer Schwan zu sein.
Die Königin, die mich oft von meinen Seereisen erzählen hörte und jede Gelegenheit nutzte, mich aufzuheitern, wenn ich melancholisch war, fragte mich, ob ich verstünde, ein Segel oder ein Ruder zu handhaben, und ob eine kleine Übung im Rudern nicht zuträglich für meine Gesundheit sein könnte. Ich antwortete, dass ich beides sehr wohl verstünde; denn obwohl meine eigentliche Beschäftigung darin bestanden hatte, Schiffsarzt zu sein, war ich doch oft in der Not gezwungen, wie ein gewöhnlicher Matrose zu arbeiten. Aber ich konnte nicht sehen, wie dies in ihrem Land geschehen könnte, wo die kleinste Barkasse einem Linienschiff ersten Ranges bei uns gleichkam und ein solches Boot, wie ich es handhaben könnte, in keinem ihrer Flüsse bestehen würde.
Ihre Majestät sagte, wenn ich ein Boot entwerfen könne, so würde ihr eigener Tischler es anfertigen, und sie wolle mir einen Platz zum Segeln zur Verfügung stellen. Der Bursche war ein geschickter Handwerker und stellte nach meinen Anweisungen in zehn Tagen ein Lustboot samt allem Zubehör fertig, das bequem acht Europäer aufnehmen konnte. Als es fertig war, war die Königin so entzückt, dass sie damit auf dem Schoß zum König lief, der anordnete, es zur Probe in ein mit Wasser gefülltes Zisternenbecken zu setzen, wobei ich darin saß; dort konnte ich jedoch aus Platzmangel meine beiden Skulls oder kleinen Ruder nicht handhaben.
Aber die Königin hatte zuvor ein anderes Projekt ausgeheckt. Sie befahl dem Tischler, einen hölzernen Trog von dreihundert Fuß Länge, fünfzig Fuß Breite und acht Fuß Tiefe zu zimmern; dieser wurde, nachdem er gut mit Pech abgedichtet worden war, um ein Auslaufen zu verhindern, auf den Boden an die Wand eines äußeren Zimmers des Palastes gestellt. Er hatte in Bodennähe einen Hahn, um das Wasser abzulassen, wenn es abgestanden wurde; und zwei Diener konnten ihn leicht in einer halben Stunde füllen. Hier pflegte ich oft zu meinem eigenen Vergnügen zu rudern, wie auch zum Vergnügen der Königin und ihrer Damen, die sich durch meine Geschicklichkeit und Gewandtheit bestens unterhalten fühlten. Manchmal setzte ich mein Segel, und dann bestand meine Aufgabe nur darin zu steuern, während die Damen mir mit ihren Fächern eine Brise zufächelten; und wenn sie müde waren, bliesen einige ihrer Pagen mein Segel mit ihrem Atem vorwärts, während ich meine Kunst durch Steuern nach Steuerbord oder Backbord zeigte, wie es mir gefiel. Wenn ich fertig war, trug Glumdalclitch mein Boot immer zurück in ihr Kabinett und hängte es an einen Nagel, damit es trocknen konnte.
Bei dieser Übung passierte mir einmal ein Unfall, der mich beinahe das Leben gekostet hätte; denn einer der Pagen hatte mein Boot in den Trog gesetzt, und die Gouvernante, die Glumdalclitch begleitete, hob mich sehr eifrig hoch, um mich in das Boot zu setzen, doch ich rutschte ihr unglücklicherweise durch die Finger und wäre unfehlbar vierzig Fuß tief auf den Boden gestürzt, wenn ich nicht durch den glücklichsten Zufall der Welt von einer Hutnadel aufgehalten worden wäre, die im Mieder der guten Frau steckte; der Kopf der Nadel drang zwischen mein Hemd und den Bund meiner Hose, und so hing ich in der Luft, bis Glumdalclitch zu meiner Rettung herbeieilte.
Ein anderes Mal war einer der Diener, dessen Aufgabe es war, meinen Trog jeden dritten Tag mit frischem Wasser zu füllen, so nachlässig, dass er (ohne es zu bemerken) einen riesigen Frosch aus seinem Eimer schlüpfen ließ. Der Frosch blieb verborgen, bis ich in mein Boot gesetzt wurde, doch dann sah er einen Ruheplatz, kletterte hinauf und brachte es so sehr in Schieflage, dass ich gezwungen war, es mit meinem ganzen Gewicht auf der anderen Seite auszubalancieren, um ein Kentern zu verhindern. Als der Frosch erst einmal drin war, hüpfte er auf einmal die halbe Länge des Bootes entlang und dann über meinen Kopf hin und her. Die Größe seiner Gesichtszüge ließ ihn wie das missgestaltetste Tier erscheinen, das man sich vorstellen kann. Ich bat Glumdalclitch jedoch, mich allein mit ihm fertigwerden zu lassen. Ich drosch eine ganze Weile mit einem meiner Ruder auf ihn ein und zwang ihn schließlich, aus dem Boot zu springen.
Die größte Gefahr jedoch, die ich je in jenem Königreich durchlebte, ging von einem Affen aus, der einem der Küchenschreiber gehörte. Glumdalclitch hatte mich in ihrem Kabinett eingeschlossen, während sie in Angelegenheiten oder zu einem Besuch ausgegangen war. Da das Wetter sehr warm war, ließ man das Fenster des Kabinetts offen, ebenso wie die Fenster und die Tür meiner größeren Kiste, in der ich gewöhnlich wohnte, wegen ihrer Größe und Bequemlichkeit. Während ich ruhig an meinem Tisch saß und nachdachte, hörte ich etwas durch das Kabinettsfenster hereinspringen und von einer Seite zur anderen hüpfen; obwohl ich sehr beunruhigt war, wagte ich es, hinauszuschauen, ohne mich jedoch von meinem Platz zu bewegen; und da sah ich dieses ausgelassene Tier, das auf und ab sprang, bis es schließlich zu meiner Kiste kam, die es mit großem Vergnügen und Neugier zu betrachten schien, indem es in die Tür und jedes Fenster spähte.
Ich zog mich in die hinterste Ecke meines Zimmers oder meiner Kiste zurück; doch der Affe, der von allen Seiten hineinsah, versetzte mich in einen solchen Schrecken, dass mir die Geistesgegenwart fehlte, mich unter das Bett zu verkriechen, wie ich es leicht hätte tun können. Nachdem er einige Zeit damit verbracht hatte, zu spähen, zu grinsen und zu plappern, erblickte er mich schließlich, und als er eine seiner Pfoten durch die Tür steckte, wie eine Katze es tut, wenn sie mit einer Maus spielt, ergriff er mich schließlich am Revers meines Rocks (der aus der Seide jenes Landes gefertigt war, also sehr dick und stark) und zerrte mich heraus, obwohl ich oft den Platz wechselte, um ihm auszuweichen. Er nahm mich mit seiner rechten Vorderpfote heraus und hielt mich wie eine Amme ein Kind, genau wie ich es bei dieser Art von Kreatur in Europa mit einem Kätzchen gesehen habe: und als ich anfing, mich zu wehren, drückte er mich so fest, dass ich es für klüger hielt, mich zu ergeben. Ich habe allen Grund zu der Annahme, dass er mich für ein Junges seiner eigenen Art hielt, da er oft mit seiner anderen Pfote sehr sanft mein Gesicht streichelte.
Bei diesen Ergötzungen wurde er durch ein Geräusch an der Tür des Kabinetts unterbrochen, als ob jemand sie öffnen würde; woraufhin er plötzlich zum Fenster sprang, durch das er hereingekommen war, und von dort auf die Bleidächer und Dachrinnen, wobei er auf drei Beinen ging und mich im vierten hielt, bis er auf ein Dach kletterte, das an unseres angrenzte. Ich hörte Glumdalclitch in dem Moment, als er mich hinaustrug, aufschreien. Das arme Mädchen war fast von Sinnen. Dieser Teil des Palastes war in hellem Aufruhr; die Diener rannten nach Leitern; der Affe wurde von Hunderten im Hof gesehen, wie er auf dem First eines Gebäudes saß und mich wie ein Baby in einer seiner Vorderpfoten hielt: worüber der Pöbel unten nicht anders konnte, als zu lachen; und ich glaube auch nicht, dass man ihnen das zu Recht vorwerfen sollte, denn ohne Frage war der Anblick für alle außer mir lächerlich genug. Einige Leute warfen mit Steinen, in der Hoffnung, den Affen herunterzutreiben; doch dies war streng verboten, andernfalls hätte man mir sehr wahrscheinlich das Gehirn eingeschlagen.
Die Leitern wurden nun angebracht und von mehreren Männern bestiegen, was der Affe bemerkte; als er sich fast umstellt sah und nicht in der Lage war, mit seinen drei Beinen schnell genug zu entkommen, ließ er mich auf eine Firstziegel fallen und ergriff die Flucht. Hier saß ich eine Zeit lang, fünfhundert Meter über dem Boden, jeden Augenblick erwartend, vom Wind heruntergeweht zu werden oder durch meinen eigenen Schwindel zu fallen und immer wieder vom First bis zur Dachtraufe herunterzukullern; doch ein ehrlicher Junge, einer der Bediensteten meiner Amme, kletterte hinauf, steckte mich in seine Hosentasche und brachte mich sicher herunter.
Ich war so schwach und an den Seiten von den Quetschungen dieses abscheulichen Tieres so gezeichnet, dass ich gezwungen war, vierzehn Tage lang das Bett zu hüten. Der König, die Königin und der gesamte Hof erkundigten sich jeden Tag nach meinem Befinden, und ihre Majestät stattete mir während meiner Krankheit mehrere Besuche ab. Der Affe wurde getötet, und es wurde angeordnet, dass kein solches Tier mehr im Palast gehalten werden dürfe.
Als ich nach meiner Genesung den König aufsuchte, um ihm für seine Gunst zu danken, gefiel es ihm, mich wegen dieses Abenteuers ein wenig aufzuziehen. Er fragte mich, was meine Gedanken und Spekulationen gewesen seien, während ich in der Pfote des Affen lag. Er wollte wissen, was ich bei einer solchen Gelegenheit in meinem eigenen Land getan hätte. Ich sagte seiner Majestät, dass wir in Europa keine Affen hätten, außer solchen, die als Kuriositäten von anderen Orten mitgebracht würden, und zwar so klein, dass ich mit einem Dutzend von ihnen gleichzeitig fertigwerden könnte, wenn sie es wagten, mich anzugreifen. Und was jenes monströse Tier betraf, mit dem ich es kürzlich zu tun gehabt hatte (es war in der Tat so groß wie ein Elefant), so hätte ich ihm, wenn meine Angst mir erlaubt hätte, so weit zu denken, mein Hänge-Schwert zu benutzen (wobei ich grimmig aussah und mir auf das Heft klopfte, während ich sprach), als er seine Pfote in meine Kammer steckte, vielleicht eine solche Wunde zugefügt, dass er froh gewesen wäre, sie hastiger zurückzuziehen, als er sie hineingesteckt hatte. Dies trug ich in einem festen Ton vor, wie eine Person, die eifersüchtig darauf bedacht ist, dass ihr Mut nicht in Frage gestellt wird.
Meine Rede erzeugte jedoch nichts weiter als ein lautes Gelächter, das alle der Majestät gegenüber gebotene Ehrerbietung der Umstehenden nicht unterdrücken konnte. Dies brachte mich dazu, darüber nachzudenken, wie vergeblich der Versuch eines Menschen ist, sich bei Leuten Ehre zu verschaffen, die in keinerlei Weise mit ihm gleichzusetzen oder zu vergleichen sind. Und doch habe ich die Moral meines eigenen Verhaltens seit meiner Rückkehr sehr häufig in England gesehen, wo ein kleiner verächtlicher Wicht, ohne den geringsten Anspruch auf Geburt, Person, Verstand oder gesunden Menschenverstand, sich anmaßt, mit Wichtigkeit zu blicken und sich auf eine Stufe mit den größten Persönlichkeiten des Königreichs zu stellen.
Ich versorgte den Hof täglich mit irgendeiner lächerlichen Geschichte; und Glumdalclitch, obwohl sie mich über die Maßen liebte, war doch schlagfertig genug, die Königin zu informieren, wann immer ich eine Torheit beging, die ihrer Meinung nach für ihre Majestät amüsant sein würde. Das Mädchen, das unwohl gewesen war, wurde von ihrer Gouvernante etwa eine Stunde, oder dreißig Meilen von der Stadt entfernt, an die frische Luft gebracht. Sie stiegen in der Nähe eines kleinen Fußpfades auf einem Feld aus der Kutsche, und als Glumdalclitch meine Reisekiste absetzte, stieg ich aus, um spazieren zu gehen. Es gab eine Schlammpfütze auf dem Pfad, und ich musste unbedingt meine Geschicklichkeit beweisen, indem ich versuchte, darüber zu springen. Ich nahm Anlauf, sprang aber unglücklicherweise zu kurz und fand mich bis zu den Knien mitten darin wieder. Ich watete mit einiger Mühe hindurch, und einer der Lakaien wischte mich so gut er konnte mit seinem Taschentuch ab, denn ich war schmutzig bespritzt; und meine Amme sperrte mich in meine Kiste, bis wir nach Hause zurückkehrten, worauf die Königin bald über das Vorgefallene informiert wurde und der Lakai es am Hof verbreitete; sodass alle Fröhlichkeit einige Tage lang auf meine Kosten ging.
KAPITEL VI.
VERSCHIEDENE VORRICHTUNGEN DES AUTORS, UM DEM KÖNIG UND DER KÖNIGIN ZU GEFALLEN. ER ZEIGT SEINE GESCHICKLICHKEIT IN DER MUSIK. DER KÖNIG ERKUNDIGT SICH NACH DEM ZUSTAND VON ENGLAND, WAS DER AUTOR IHM BERICHTET. DES KÖNIGS BEOBACHTUNGEN DARÜBER.
Ich pflegte ein- oder zweimal in der Woche die Audienz des Königs zu besuchen und hatte ihn oft unter der Hand des Barbiers gesehen, was in der Tat anfangs sehr schrecklich anzusehen war; denn das Rasiermesser war fast doppelt so lang wie eine gewöhnliche Sense. Seine Majestät wurde, nach der Sitte des Landes, nur zweimal in der Woche rasiert. Ich überredete den Barbier einmal, mir etwas von der Seifenlauge zu geben, aus der ich vierzig oder fünfzig der stärksten Haarstümpfe herausfischte. Dann nahm ich ein Stück feines Holz und schnitt es wie den Rücken eines Kammes, wobei ich mit einer so kleinen Nadel, wie ich sie von Glumdalclitch bekommen konnte, mehrere Löcher in gleichem Abstand hineinmachte. Ich befestigte die Stümpfe so kunstvoll darin, dass ich sie mit meinem Messer zu den Spitzen hin abkratzte und abschrägte, sodass ich einen sehr passablen Kamm erhielt; das war ein zeitgemäßer Ersatz, da mein eigener so viele ausgebrochene Zähne hatte, dass er fast unbrauchbar war: auch kannte ich keinen Künstler in jenem Land, der so fein und exakt gearbeitet hätte, dass er bereit gewesen wäre, mir einen anderen zu machen.
Und das erinnert mich an einen Zeitvertreib, mit dem ich viele meiner freien Stunden verbrachte. Ich bat die Kammerzofe der Königin, für mich die ausgekämmten Haare ihrer Majestät aufzubewahren, wovon ich mit der Zeit eine beachtliche Menge erhielt; und nach Rücksprache mit meinem Freund, dem Kunsttischler, der allgemeine Anweisungen erhalten hatte, kleine Arbeiten für mich zu erledigen, wies ich ihn an, zwei Stuhlgestelle zu bauen, nicht größer als die, die ich in meiner Kiste hatte, und dann mit einer feinen Ahle kleine Löcher um die Stellen zu bohren, an denen ich die Rückenlehnen und Sitze vorsah; durch diese Löcher webte ich die stärksten Haare, die ich auswählen konnte, genau nach der Art der Rohrgeflechtstühle in England. Als sie fertig waren, machte ich sie ihrer Majestät zum Geschenk, die sie in ihrem Kabinett aufbewahrte und sie als Kuriositäten zeigte, wie sie in der Tat das Staunen eines jeden waren, der sie betrachtete. Aus diesen Haaren (da ich immer ein mechanisches Talent hatte) machte ich auch ein hübsches kleines Portemonnaie, etwa fünf Fuß lang, mit dem Namen ihrer Majestät in goldenen Buchstaben, das ich mit Zustimmung der Königin Glumdalclitch gab. Um die Wahrheit zu sagen, war es mehr zum Vorzeigen als zum Gebrauch, da es nicht stark genug war, um das Gewicht der größeren Münzen zu tragen, und daher bewahrte sie nichts darin auf außer einigen kleinen Münzen, die Mädchen gerne mögen.
Der König, der Musik liebte, veranstaltete häufig Konzerte bei Hofe, zu denen ich manchmal mitgenommen und in meiner Kiste auf einen Tisch gestellt wurde, um ihnen zuzuhören; aber der Lärm war so groß, dass ich die Melodien kaum unterscheiden konnte. Ich bin überzeugt, dass alle Trommeln und Trompeten einer königlichen Armee, die genau an Ihren Ohren schlagen und klingen, dem nicht gleichkommen könnten. Meine Praxis war es, meine Kiste so weit wie möglich von dem Ort, an dem die Musiker saßen, entfernen zu lassen, dann die Türen und Fenster zu schließen und die Fenstervorhänge zuzuziehen, wonach ich ihre Musik nicht als unangenehm empfand.
Ich hatte in meiner Jugend gelernt, ein wenig auf dem Spinett zu spielen. Glumdalclitch hatte eines in ihrem Zimmer, und ein Lehrer kam zweimal in der Woche, um es ihr beizubringen. Ich nannte es ein Spinett, weil es diesem Instrument etwas ähnelte und auf die gleiche Weise gespielt wurde.
Ein Einfall kam mir in den Sinn, dass ich den König und die Königin mit einer englischen Melodie auf diesem Instrument unterhalten wollte. Aber das erschien äußerst schwierig; denn das Spinett war fast sechzig Fuß lang, wobei jede Taste fast einen Fuß breit war, sodass ich mit ausgestreckten Armen nicht mehr als fünf Tasten erreichen konnte, und sie herunterzudrücken erforderte einen ordentlichen Schlag mit der Faust, was eine zu große Mühe wäre und zu nichts führen würde. Die Methode, die ich mir ausdachte, war diese: Ich bereitete zwei runde Stöcke vor, etwa so dick wie gewöhnliche Knüppel; sie waren an einem Ende dicker als am anderen, und ich überzog die dickeren Enden mit einem Stück Mausfell, damit ich beim Draufschlagen weder die Oberseiten der Tasten beschädigen noch den Klang unterbrechen würde. Vor das Spinett wurde eine Bank gestellt, etwa vier Fuß unterhalb der Tasten, und ich wurde auf die Bank gesetzt. Ich lief auf ihr so schnell ich konnte hin und her, drosch mit meinen beiden Stöcken auf die richtigen Tasten und schaffte es, eine Jig zur großen Zufriedenheit ihrer beiden Majestäten zu spielen; aber es war die heftigste Anstrengung, die ich je unternahm, und dennoch konnte ich nicht mehr als sechzehn Tasten anschlagen und folglich nicht Bass und Diskant zusammen spielen wie andere Künstler, was ein großer Nachteil für meine Darbietung war.
Der König, der, wie ich bereits bemerkte, ein Fürst mit ausgezeichnetem Verstand war, ordnete häufig an, dass ich in meiner Kiste gebracht und auf den Tisch in seinem Kabinett gestellt werde. Er befahl mir dann, einen meiner Stühle aus der Kiste zu holen und in drei Yards Entfernung oben auf dem Schrank Platz zu nehmen, was mich fast auf Augenhöhe mit ihm brachte. Auf diese Weise hatte ich mehrere Unterhaltungen mit ihm. Ich erlaubte mir eines Tages, seiner Majestät zu sagen, dass die Verachtung, die er gegenüber Europa und dem Rest der Welt zeigte, nicht den ausgezeichneten Eigenschaften seines Geistes zu entsprechen schien, über die er verfügte; dass Vernunft sich nicht mit der Körpergröße erstreckte; im Gegenteil, wir beobachteten in unserem Land, dass die größten Personen normalerweise am wenigsten mit ihr ausgestattet waren. Dass unter anderen Tieren Bienen und Ameisen den Ruf von mehr Fleiß, Kunst und Klugheit genossen als viele der größeren Arten; und dass ich, so unbedeutend er mich auch hielt, hoffe, noch erleben zu dürfen, seiner Majestät einen bedeutenden Dienst zu erweisen. Der König hörte mir aufmerksam zu und begann eine viel bessere Meinung von mir zu haben, als er sie je zuvor gehabt hatte. Er wünschte, ich solle ihm einen so genauen Bericht über die Regierung Englands geben, wie ich nur konnte, denn so sehr Fürsten gewöhnlich an ihren eigenen Bräuchen hängen (denn er mutmaßte von anderen Monarchen durch meine früheren Ausführungen), wäre er froh, von irgendetwas zu hören, das Nachahmung verdiene.
Stelle dir bei dir selbst vor, höflicher Leser, wie oft ich mir damals die Zunge des Demosthenes oder Cicero gewünscht habe, die es mir ermöglicht hätte, das Lob meines eigenen geliebten Vaterlandes in einem Stil zu feiern, der seinen Verdiensten und seinem Glück ebenbürtig war.
Ich begann mein Gespräch damit, seine Majestät zu informieren, dass unsere Herrschaft aus zwei Inseln bestehe, die drei mächtige Königreiche unter einem Souverän bildeten, abgesehen von unseren Pflanzungen in Amerika. Ich verweilte lange bei der Fruchtbarkeit unseres Bodens und der Mäßigung unseres Klimas. Ich sprach dann ausführlich über die Verfassung eines englischen Parlaments, das teilweise aus einem illustren Gremium bestand, dem House of Peers, Personen von edelstem Blut und aus den ältesten und umfangreichsten Vermögen. Ich beschrieb jene außerordentliche Sorgfalt, die immer auf ihre Erziehung in Kunst und Waffen verwendet wurde, um sie zu Beratern sowohl für den König als auch für das Königreich zu qualifizieren; einen Anteil an der Gesetzgebung zu haben; Mitglieder des höchsten Gerichtshofs zu sein, von dem es keine Berufung geben konnte; und Champions zu sein, die jederzeit bereit waren, ihren Fürsten und ihr Land durch ihre Tapferkeit, ihre Führung und ihre Treue zu verteidigen. Dass dies der Schmuck und das Bollwerk des Königreichs seien, würdige Nachfolger ihrer ruhmreichsten Vorfahren, deren Ehre der Lohn ihrer Tugend gewesen war, von der ihre Nachkommen nie degeneriert seien. Zu diesen gesellten sich als Teil jener Versammlung mehrere heilige Personen unter dem Titel von Bischöfen, deren besondere Aufgabe es ist, sich um die Religion und diejenigen zu kümmern, die das Volk darin unterweisen. Diese wurden durch den Fürsten und seine weisesten Ratgeber in der ganzen Nation unter den Priestern ausgesucht, die sich am meisten durch die Heiligkeit ihres Lebens und die Tiefe ihrer Gelehrsamkeit auszeichneten, die in der Tat die geistigen Väter des Klerus und des Volkes waren.
Dass der andere Teil des Parlaments aus einer Versammlung bestand, dem House of Commons genannt, die allesamt vornehme Herren waren, die vom Volk selbst frei für ihre großen Fähigkeiten und ihre Liebe zum Land ausgewählt und herausgepickt wurden, um die Weisheit der ganzen Nation zu repräsentieren. Und dass diese beiden Gremien die erhabenste Versammlung in Europa bildeten, der in Verbindung mit dem Fürsten die gesamte Gesetzgebung anvertraut sei.
Ich ging dann zu den Gerichtshöfen über, über die die Richter, jene ehrwürdigen Weisen und Ausleger des Gesetzes, präsidierten, um die strittigen Rechte und das Eigentum der Menschen zu bestimmen sowie zur Bestrafung des Lasters und zum Schutz der Unschuld. Ich erwähnte die kluge Verwaltung unserer Schatzkammer, die Tapferkeit und die Errungenschaften unserer Streitkräfte zu Wasser und zu Land. Ich berechnete die Anzahl unseres Volkes, indem ich zusammenzählte, wie viele Millionen es von jeder religiösen Sekte oder politischen Partei bei uns geben könnte. Ich ließ nicht einmal unsere Sportarten und Zeitvertreibe aus oder irgendeine andere Einzelheit, von der ich glaubte, dass sie zur Ehre meines Landes gereichen könnte. Und ich beendete alles mit einem kurzen historischen Abriss der Angelegenheiten und Ereignisse in England seit etwa hundert Jahren.
Dieses Gespräch war nicht unter fünf Audienzen von jeweils mehreren Stunden beendet; und der König hörte sich das Ganze mit großer Aufmerksamkeit an, wobei er häufig Notizen von dem machte, was ich sprach, sowie Merkposten von den Fragen, die er mir zu stellen gedachte.
Als ich diese langen Ausführungen beendet hatte, schlug seine Majestät in einer sechsten Audienz, während er seine Notizen zu Rate zog, zu jedem Punkt zahlreiche Zweifel, Fragen und Einwände vor. Er fragte, welche Methoden angewandt würden, um den Geist und Körper unseres jungen Adels zu bilden, und mit welcher Art von Beschäftigungen sie gewöhnlich den ersten und empfänglichen Teil ihres Lebens verbrächten? Welches Verfahren werde angewandt, um diese Versammlung wieder aufzufüllen, wenn ein Adelsgeschlecht aussterbe? Welche Qualifikationen seien bei denjenigen erforderlich, die zu neuen Lords erhoben werden sollen; ob die Laune des Fürsten, eine Geldsumme an eine Hofdame oder einen Premierminister oder der Plan, eine dem öffentlichen Interesse entgegengesetzte Partei zu stärken, jemals Beweggründe für diese Beförderungen gewesen seien? Welchen Anteil an Wissen diese Lords in den Gesetzen ihres Landes besäßen und wie sie dazu gelangt seien, der sie befähige, in letzter Instanz über das Eigentum ihrer Mituntertanen zu entscheiden? Ob sie stets so frei von Habsucht, Parteilichkeit oder Mangel seien, dass ein Bestechungsgeld oder eine andere finstere Absicht bei ihnen keinen Platz finden könne? Ob jene heiligen Lords, von denen ich sprach, immer aufgrund ihrer Kenntnisse in religiösen Dingen und der Heiligkeit ihres Lebens in diesen Rang erhoben würden; ob sie niemals Anpasser an die Zeit gewesen seien, als sie noch einfache Priester waren, oder sklavische, käufliche Kapläne bei irgendwelchen Edelleuten, deren Ansichten sie weiterhin unterwürfig folgten, nachdem sie in jene Versammlung aufgenommen worden waren?
Er wollte daraufhin wissen, welche Künste bei der Wahl derjenigen angewandt würden, die ich als Commoners bezeichnete; ob ein Fremder mit einem gut gefüllten Beutel die ungebildeten Wähler nicht beeinflussen könne, ihn ihrem eigenen Gutsherrn oder dem angesehensten Edelmann der Nachbarschaft vorzuziehen? Wie es komme, dass die Leute so heftig darauf erpicht seien, in diese Versammlung zu gelangen, was ich als eine große Mühe und Ausgabe zugab, die oft zum Ruin ihrer Familien führe, ohne jedes Gehalt oder jede Pension: denn dies erschien ihm als eine so erhabene Art von Tugend und Bürgersinn, dass seine Majestät zu zweifeln schien, ob dies möglicherweise nicht immer aufrichtig sei; und er wollte wissen, ob solche eifrigen Herren irgendwelche Absichten haben könnten, sich für die Kosten und Mühen, die sie auf sich nähmen, zu entschädigen, indem sie das öffentliche Wohl den Plänen eines schwachen und lasterhaften Fürsten in Verbindung mit einer korrupten Regierung opferten? Er vermehrte seine Fragen und prüfte mich gründlich über jeden Teil dieses Kapitels, indem er zahllose Nachforschungen und Einwände vorbrachte, die zu wiederholen ich für weder klug noch angemessen halte.
Auf das, was ich in Bezug auf unsere Gerichtshöfe sagte, wollte seine Majestät in mehreren Punkten befriedigt werden; und dies konnte ich umso besser, da ich früher durch einen langen Prozess im Chancery fast ruiniert worden war, der jedoch mit Kosten für mich entschieden wurde. Er fragte, wie viel Zeit gewöhnlich aufgewendet werde, um zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, und wie hoch der Aufwand sei? Ob Advokaten und Redner die Freiheit hätten, in Fällen zu plädieren, von denen offenkundig bekannt sei, dass sie ungerecht, schikanös oder unterdrückerisch seien? Ob beobachtet werde, dass Parteinahme in Religion oder Politik ein Gewicht in der Waagschale der Gerechtigkeit habe? Ob jene plädierenden Redner Personen seien, die eine allgemeine Kenntnis der Billigkeit besäßen, oder nur in provinziellen, nationalen und anderen lokalen Bräuchen ausgebildet seien? Ob sie oder ihre Richter irgendeinen Anteil an der Abfassung jener Gesetze hätten, die sie sich herausnähmen, nach Belieben auszulegen und zu kommentieren? Ob sie jemals zu verschiedenen Zeiten für oder gegen dieselbe Sache plädiert und Präzedenzfälle angeführt hätten, um gegenteilige Meinungen zu beweisen? Ob sie eine reiche oder eine arme Körperschaft seien? Ob sie eine pekuniäre Belohnung für ihre Plädoyers oder die Abgabe ihrer Gutachten erhielten? Und insbesondere, ob sie als Mitglieder im unteren Senat zugelassen seien?
Er kam als Nächstes auf die Verwaltung unserer Staatskasse zu sprechen und sagte, er glaube, mein Gedächtnis habe mich im Stich gelassen, weil ich unsere Steuern auf etwa fünf oder sechs Millionen im Jahr berechnet habe, und als ich dazu kam, die Ausgaben zu erwähnen, stellte er fest, dass sie manchmal mehr als das Doppelte betrugen; denn die Notizen, die er gemacht hatte, waren in diesem Punkt sehr genau, weil er hoffte, wie er mir sagte, dass die Kenntnis unserer Amtsführung für ihn nützlich sein könnte, und er sich in seinen Berechnungen nicht täuschen lassen konnte. Aber wenn das, was ich ihm erzählte, wahr wäre, sei ihm immer noch schleierhaft, wie ein Königreich wie eine Privatperson sein Vermögen durchbringen könne. Er fragte mich, wer unsere Gläubiger seien und woher wir das Geld nähmen, um sie zu bezahlen. Er wunderte sich, mich von solch kostspieligen und teuren Kriegen sprechen zu hören; dass wir sicherlich ein streitsüchtiges Volk sein müssten oder unter sehr schlechten Nachbarn lebten und dass unsere Generäle reicher sein müssten als unsere Könige. Er fragte, welches Geschäft wir außerhalb unserer eigenen Inseln zu suchen hätten, außer aus Gründen des Handels oder von Verträgen oder um die Küsten mit unserer Flotte zu verteidigen. Vor allem war er erstaunt, mich von einem bezahlten stehenden Heer inmitten des Friedens und unter einem freien Volk sprechen zu hören. Er sagte, wenn wir durch unsere eigene Zustimmung in der Person unserer Repräsentanten regiert würden, könne er sich nicht vorstellen, vor wem wir Angst hätten oder gegen wen wir kämpfen sollten; und er wollte meine Meinung hören, ob das Haus eines Privatmannes nicht besser von ihm selbst, seinen Kindern und seiner Familie verteidigt werden könne als von einem halben Dutzend Schurken, die man aufs Geratewohl für einen geringen Lohn auf der Straße aufgelesen habe und die hundertmal mehr verdienen könnten, wenn sie ihnen die Kehlen durchschnitten.
Er lachte über meine merkwürdige Art der Arithmetik (wie er es zu nennen beliebte), indem ich die Zahl unseres Volkes durch eine Berechnung ermittelte, die sich auf die verschiedenen Sekten unter uns in Religion und Politik stützte. Er sagte, er wisse keinen Grund, warum diejenigen, die Ansichten hegen, die dem Gemeinwohl schaden, gezwungen werden sollten, diese zu ändern, oder nicht gezwungen werden sollten, sie zu verbergen. Und wie es Tyrannei in jeder Regierung sei, das Erste zu verlangen, so sei es Schwäche, das Zweite nicht durchzusetzen: denn einem Mann mag es gestattet sein, Gifte in seinem Kabinett aufzubewahren, aber nicht, sie überall als Stärkungsmittel zu verkaufen.
Er bemerkte, dass ich unter den Zerstreuungen unseres Adels und der vornehmen Welt das Glücksspiel erwähnt hatte: er wollte wissen, in welchem Alter man gewöhnlich mit dieser Unterhaltung beginne und wann man sie aufgebe; wie viel von ihrer Zeit sie in Anspruch nehme: ob es jemals so hoch hergehe, dass es ihre Vermögen beeinträchtige: ob niederträchtige, lasterhafte Menschen durch ihre Geschicklichkeit in dieser Kunst nicht zu großem Reichtum gelangen und manchmal unsere eigenen Adligen in Abhängigkeit halten könnten, ebenso wie sie daran zu gewöhnen, mit niederen Gefährten zu verkehren, sie völlig von der Veredelung ihres Geistes abzubringen und sie durch die erlittenen Verluste zu zwingen, jene schändliche Geschicklichkeit an anderen zu erlernen und anzuwenden?
Er war vollkommen erstaunt über den historischen Bericht, den ich ihm von unseren Angelegenheiten während des letzten Jahrhunderts gab, und protestierte, es sei nur ein Haufen von Verschwörungen, Aufständen, Morden, Massakern, Revolutionen, Verbannungen, die allerschlechtesten Auswirkungen, die Habsucht, Fraktionswesen, Heuchelei, Treulosigkeit, Grausamkeit, Wut, Wahnsinn, Hass, Neid, Wollust, Bosheit und Ehrgeiz hervorbringen könnten.
Seine Majestät machte sich in einer anderen Audienz die Mühe, die Summe dessen, was ich gesprochen hatte, zusammenzufassen; er verglich die Fragen, die er gestellt hatte, mit den Antworten, die ich gegeben hatte; dann nahm er mich in seine Hände, streichelte mich sanft und äußerte sich in diesen Worten, die ich niemals vergessen werde, ebenso wenig wie die Art und Weise, wie er sie aussprach: „Mein kleiner Freund Grildrig, du hast eine höchst bewundernswerte Lobrede auf dein Land gehalten; du hast klar bewiesen, dass Unwissenheit, Müßiggang und Laster die geeigneten Zutaten sind, um einen Gesetzgeber zu qualifizieren; dass Gesetze am besten von denjenigen erklärt, ausgelegt und angewendet werden, deren Interesse und Fähigkeiten darin bestehen, sie zu verdrehen, zu verwirren und zu umgehen. Ich beobachte bei euch einige Züge einer Einrichtung, die in ihrem Ursprung erträglich gewesen sein mag, aber diese sind halb ausgelöscht, und der Rest ist durch Korruption völlig verschmiert und befleckt. Es geht aus alledem, was du gesagt hast, nicht hervor, wie irgendeine Vollkommenheit erforderlich ist, um irgendeine Stellung bei euch zu erlangen; noch viel weniger, dass Männer aufgrund ihrer Tugend geadelt werden, dass Priester wegen ihrer Frömmigkeit oder Gelehrsamkeit befördert werden, Soldaten wegen ihres Verhaltens oder ihrer Tapferkeit, Richter wegen ihrer Rechtschaffenheit, Senatoren wegen ihrer Liebe zum Vaterland oder Ratsherren wegen ihrer Weisheit. Was dich selbst betrifft“, fuhr der König fort, „der du den größten Teil deines Lebens mit Reisen verbracht hast, so bin ich durchaus geneigt zu hoffen, dass du bis jetzt manchen Lastern deines Landes entgangen sein magst. Aber nach dem, was ich aus deiner eigenen Schilderung und den Antworten, die ich dir mit viel Mühe abgerungen und entlockt habe, entnommen habe, kann ich nicht anders, als den Großteil deiner Landsleute für die verderblichste Rasse kleiner abscheulicher Ungeziefer zu halten, die die Natur jemals auf der Erdoberfläche kriechen ließ.“
KAPITEL VII
DIE LIEBE DES VERFASSERS ZU SEINEM LAND. ER MACHT DEM KÖNIG EINEN VORSCHLAG VON GROSSEM NUTZEN, DER JEDOCH ZURÜCKGEWIESEN WIRD. DIE GROSSE UNWISSENHEIT DES KÖNIGS IN DER POLITIK. DIE GELEHRSAMKEIT DIESES LANDES SEHR UNVOLLKOMMEN UND BEGRENZT. DIE GESETZE, DIE MILITÄRISCHEN ANGELEGENHEITEN UND DIE PARTEIEN IM STAAT.
Nichts außer einer extremen Liebe zur Wahrheit hätte mich davon abhalten können, diesen Teil meiner Geschichte zu verheimlichen. Es war vergeblich, meine Empörung zu zeigen, die immer ins Lächerliche gezogen wurde; und ich war gezwungen, mich in Geduld zu fassen, während mein edles und geliebtes Land so kränkend behandelt wurde. Es tut mir so herzlich leid, wie es nur irgendeiner meiner Leser sein kann, dass ein solcher Anlass gegeben wurde: aber dieser Fürst war in jedem Einzelpunkt so neugierig und forschend, dass es weder mit Dankbarkeit noch mit guten Manieren vereinbar gewesen wäre, ihm die Befriedigung zu verweigern, zu der ich fähig war. Dennoch darf mir zu meiner Verteidigung so viel gesagt sein, dass ich vielen seiner Fragen kunstvoll auswich und jedem Punkt eine um viele Grade günstigere Wendung gab, als es die Strenge der Wahrheit erlaubt hätte. Denn ich habe immer jene löbliche Parteilichkeit für mein eigenes Land gehegt, die Dionysius von Halikarnassos mit so viel Gerechtigkeit einem Historiker empfiehlt: Ich wollte die Schwächen und Missbildungen meiner politischen Mutter verbergen und ihre Tugenden und Schönheiten in das vorteilhafteste Licht rücken. Dies war mein aufrichtiges Bestreben in jenen vielen Gesprächen, die ich mit jenem Monarchen führte, obwohl es leider ohne Erfolg blieb.
Doch man sollte einem König, der völlig von der übrigen Welt abgeschieden lebt, große Nachsicht entgegenbringen, der daher mit den Sitten und Gebräuchen, die in anderen Nationen am meisten vorherrschen, gänzlich unbekannt sein muss: der Mangel an solchem Wissen wird immer viele Vorurteile und eine gewisse Enge des Denkens erzeugen, von der wir und die kultivierteren Länder Europas gänzlich befreit sind. Und es wäre in der Tat hart, wenn die Vorstellungen eines so abgelegenen Fürsten über Tugend und Laster als Maßstab für die ganze Menschheit angeboten würden.
Um das, was ich nun gesagt habe, zu bestätigen und ferner die elenden Auswirkungen einer begrenzten Erziehung aufzuzeigen, werde ich hier eine Stelle einfügen, die kaum Glauben finden wird. In der Hoffnung, mich weiter in die Gunst seiner Majestät einzuschmeicheln, erzählte ich ihm von einer Erfindung, die vor drei- bis vierhundert Jahren entdeckt wurde, um ein gewisses Pulver zu einem Haufen aufzuhäufen, auf den der kleinste Funke Feuer fallen würde, der das Ganze in einem Augenblick entzünden würde, selbst wenn es so groß wie ein Berg wäre, und es alles zusammen mit einem Geräusch und einer Erschütterung, die größer als Donner ist, in die Luft fliegen ließe. Dass eine angemessene Menge dieses Pulvers, die in ein hohles Rohr aus Messing oder Eisen, je nach dessen Größe, gestopft würde, eine Kugel aus Eisen oder Blei mit solcher Gewalt und Geschwindigkeit treiben würde, dass nichts ihrer Wucht standzuhalten vermöchte. Dass die größten so abgefeuerten Kugeln nicht nur ganze Reihen einer Armee auf einmal zerstören, sondern auch die stärksten Mauern zu Boden schmettern, Schiffe mit jeweils tausend Mann auf den Grund des Meeres versenken würden; und wenn sie durch eine Kette verbunden wären, würden sie Masten und Takelage zerschneiden, hunderte von Körpern in der Mitte teilen und alles vor sich verwüsten. Dass wir dieses Pulver oft in große hohle Eisenkugeln füllten und sie mit einer Maschine in eine Stadt schossen, die wir belagerten, was das Pflaster aufreißen, die Häuser in Stücke reißen, bersten lassen und Splitter nach allen Seiten werfen würde, wobei denjenigen, die in die Nähe kamen, das Gehirn herausgeschleudert würde. Dass mir die Bestandteile sehr wohl bekannt seien, die billig und gewöhnlich seien; ich verstünde die Art ihrer Zusammensetzung und könnte seinem Handwerker anweisen, wie er diese Rohre in einer Größe herstellen solle, die zu allen anderen Dingen in des Königs Königreich passe, und das größte bräuchte nicht länger als hundert Fuß zu sein; zwanzig oder dreißig solcher Rohre, geladen mit der richtigen Menge Pulver und Kugeln, würden die Mauern der stärksten Stadt in seinen Herrschaftsgebieten in wenigen Stunden niederschmettern oder die ganze Metropole zerstören, falls sie jemals wagen sollte, seinen absoluten Befehlen zu widersprechen. Dies bot ich seiner Majestät demütig als einen kleinen Tribut der Anerkennung an, als Gegenleistung für so viele Zeichen, die ich von seiner königlichen Gunst und seinem Schutz erhalten hatte.
Der König war entsetzt über die Beschreibung, die ich ihm von diesen schrecklichen Maschinen und den Vorschlag, den ich gemacht hatte, gab. Er war erstaunt, wie ein so machtloses und kriechendes Insekt wie ich (das waren seine Ausdrücke) solche unmenschlichen Ideen hegen und in so vertrauter Weise auftreten konnte, dass ich völlig unbewegt von all den Szenen von Blut und Verheerung schien, die ich als die gewöhnlichen Wirkungen jener zerstörerischen Maschinen geschildert hatte, wovon, wie er sagte, irgendein böser Geist, ein Feind der Menschheit, der erste Erfinder gewesen sein müsse. Was ihn selbst betrifft, so protestierte er, dass ihn zwar wenig Dinge so sehr erfreuten wie neue Entdeckungen in der Kunst oder in der Natur, er aber lieber sein halbes Königreich verlieren würde, als in ein solches Geheimnis eingeweiht zu werden, was er mir, bei meinem Leben, untersagte, jemals wieder zu erwähnen.
Eine seltsame Wirkung von engen Prinzipien und kurzsichtigen Ansichten! Dass ein Fürst, der im Besitz jeder Eigenschaft ist, die Verehrung, Liebe und Hochachtung hervorruft; von starkem Verstand, großer Weisheit und profunder Gelehrsamkeit, ausgestattet mit bewundernswerten Talenten für die Regierung und von seinen Untertanen fast angebetet, aus einer kleinlichen, unnötigen Skrupelhaftigkeit heraus, von der wir in Europa keine Vorstellung haben können, eine Gelegenheit verstreichen lassen sollte, die ihm in die Hände gelegt wurde und die ihn zum absoluten Herrn über Leben, Freiheit und Vermögen seines Volkes gemacht hätte. Ich sage dies auch nicht mit der geringsten Absicht, die vielen Tugenden jenes ausgezeichneten Königs zu schmälern, dessen Charakter, wie ich wohl weiß, aus diesem Grund in der Meinung eines englischen Lesers sehr gemindert werden wird; aber ich nehme an, dass dieser Mangel unter ihnen aus ihrer Unwissenheit entstanden ist, weil sie die Politik bisher nicht zu einer Wissenschaft reduziert haben, wie es die schärferen Geister Europas getan haben. Denn ich erinnere mich sehr wohl an ein Gespräch eines Tages mit dem König, als ich erwähnte, dass es bei uns mehrere tausend Bücher über die Kunst des Regierens gäbe, was ihm (ganz im Gegensatz zu meiner Absicht) eine sehr geringe Meinung von unserem Verstand gab. Er bekannte sich dazu, alles Geheimnisvolle, alle Verfeinerungen und Intrigen, sei es bei einem Fürsten oder einem Minister, sowohl zu verabscheuen als auch zu verachten. Er konnte nicht verstehen, was ich mit Staatsgeheimnissen meinte, wenn nicht gerade ein Feind oder ein rivalisierendes Land im Spiel war. Er beschränkte das Wissen vom Regieren auf sehr enge Grenzen, auf gesunden Menschenverstand und Vernunft, auf Gerechtigkeit und Milde, auf die schnelle Entscheidung von zivilen und strafrechtlichen Angelegenheiten, zusammen mit einigen anderen offensichtlichen Themen, die nicht der Rede wert sind. Und er gab die Meinung kund, dass jeder, der zwei Ähren oder zwei Grashalme auf einem Fleck Erde wachsen lassen könne, wo vorher nur einer wuchs, es mehr als die ganze Rasse der Politiker zusammen verdient hätte, der Menschheit zu dienen und seinem Land einen wesentlicheren Dienst zu erweisen.
Die Gelehrsamkeit dieses Volkes ist sehr mangelhaft und besteht nur aus Moral, Geschichte, Poesie und Mathematik, worin sie sich auszeichnen müssen. Aber die letztgenannte wird gänzlich auf das angewandt, was im Leben nützlich sein kann, auf die Verbesserung der Landwirtschaft und alle mechanischen Künste; sodass sie bei uns wenig geschätzt würde. Und was Ideen, Entitäten, Abstraktionen und Transzendentalien angeht, so konnte ich ihnen nie auch nur den geringsten Begriff in den Kopf bringen.
Kein Gesetz dieses Landes darf in der Anzahl der Wörter die Buchstaben ihres Alphabets überschreiten, das nur aus zweiundzwanzig besteht. Aber tatsächlich reichen nur wenige von ihnen auch nur an diese Länge heran. Sie sind in den einfachsten und schlichtesten Begriffen ausgedrückt, in denen jene Menschen nicht geistreich genug sind, mehr als eine Auslegung zu entdecken; und einen Kommentar zu irgendeinem Gesetz zu schreiben, ist ein Kapitalverbrechen. Was die Entscheidung von zivilen Angelegenheiten oder Verfahren gegen Kriminelle betrifft, so sind ihre Präzedenzfälle so gering, dass sie wenig Grund haben, sich irgendeiner außerordentlichen Fertigkeit in beiden zu rühmen.
Sie haben die Kunst des Buchdrucks, wie die Chinesen, seit undenklichen Zeiten: aber ihre Bibliotheken sind nicht sehr groß; denn die des Königs, die als die größte gilt, umfasst nicht mehr als tausend Bände, die in einer zwölfhundert Fuß langen Galerie untergebracht sind, von wo aus ich die Freiheit hatte, mir Bücher auszuleihen, wie ich wollte. Der Tischler der Königin hatte in einem von Glumdalclitchs Zimmern eine Art hölzerne Maschine von fünfundzwanzig Fuß Höhe konstruiert, die wie eine freistehende Leiter geformt war; die Stufen waren jeweils fünfzig Fuß lang: es war in der Tat eine bewegliche Treppe, deren unteres Ende in zehn Fuß Entfernung von der Wand des Zimmers aufgestellt war. Das Buch, das ich lesen wollte, wurde an die Wand gelehnt: Ich stieg zuerst auf die oberste Stufe der Leiter, drehte mein Gesicht zum Buch, begann am oberen Rand der Seite und ging so etwa acht oder zehn Schritte nach rechts und links, je nach der Länge der Zeilen, bis ich ein wenig unter das Niveau meiner Augen gelangt war, und stieg dann allmählich herab, bis ich zum unteren Rand kam: worauf ich wieder hinaufstieg und die andere Seite auf die gleiche Weise begann, und so das Blatt umblätterte, was ich leicht mit beiden Händen tun konnte, denn es war so dick und steif wie eine Pappe, und in den größten Folianten nicht mehr als achtzehn oder zwanzig Fuß lang.
Ihr Stil ist klar, männlich und glatt, aber nicht blumig; denn sie vermeiden nichts mehr, als unnötige Wörter zu vervielfältigen oder verschiedene Ausdrücke zu verwenden. Ich habe viele ihrer Bücher gelesen, besonders die der Geschichte und Moral. Unter anderem wurde ich sehr durch eine kleine alte Abhandlung unterhalten, die immer in Glumdalclitchs Schlafzimmer lag und ihrer Erzieherin gehörte, einer ernsthaften, älteren Dame, die sich mit Schriften über Moral und Andacht befasste. Das Buch handelt von der Schwäche der Menschheit und wird wenig geschätzt, außer bei den Frauen und dem einfachen Volk. Dennoch war ich neugierig zu sehen, was ein Autor jenes Landes zu einem solchen Thema sagen konnte.
Dieser Schriftsteller ging alle üblichen Themen europäischer Moralisten durch und zeigte, welch winziges, verächtliches und hilfloses Tier der Mensch seiner eigenen Natur nach sei; wie unfähig, sich gegen die Unbilden der Witterung oder die Wut wilder Tiere zu verteidigen; wie sehr er von dem einen Geschöpf an Kraft, von einem anderen an Schnelligkeit, von einem dritten an Voraussicht und von einem vierten an Fleiß übertroffen werde. Er fügte hinzu, dass die Natur in diesen späteren, niedergenden Zeitaltern der Welt ausgeartet sei und nun nur noch kleine Geburten hervorbringen könne, verglichen mit denen in alten Zeiten. Er sagte, es sei sehr vernünftig zu denken, dass die Menschengattung ursprünglich nicht nur viel größer gewesen sei, sondern dass es in früheren Zeiten auch Riesen gegeben haben müsse; was, wie es von Geschichte und Überlieferung behauptet wird, durch riesige Knochen und Schädel bestätigt wurde, die zufällig in verschiedenen Teilen des Königreichs ausgegraben wurden und die gewöhnliche, verkümmerte Menschenrasse unserer Tage bei weitem übertrafen. Er argumentierte, dass die Gesetze der Natur selbst absolut erforderten, dass wir am Anfang von einer Größe hätten sein müssen, die größer und robuster sei und nicht so anfällig für die Zerstörung durch jedes kleine Missgeschick, wie eine vom Haus fallende Dachziegel, einen Stein, der von der Hand eines Jungen geworfen wurde, oder das Ertrinken in einem kleinen Bach. Aus dieser Art der Argumentation zog der Autor mehrere moralische Anwendungen, die für die Lebensführung nützlich, hier aber nicht weiter zu wiederholen sind. Ich für meinen Teil konnte nicht umhin, darüber nachzudenken, wie allgemein dieses Talent verbreitet war, Lehren der Moral oder vielmehr Anlass zu Unzufriedenheit und Groll aus den Streitigkeiten zu ziehen, die wir mit der Natur anzetteln. Und ich glaube, bei einer genauen Untersuchung ließe sich zeigen, dass diese Streitigkeiten bei uns ebenso unbegründet sind wie bei jenem Volk.
Was ihre militärischen Angelegenheiten betrifft, so rühmen sie sich, dass die Armee des Königs aus einhundertsechsundsiebzigtausend Mann zu Fuß und zweiunddreißigtausend zu Pferd bestehe: wenn man das eine Armee nennen kann, die sich aus Handwerkern in den verschiedenen Städten und Bauern auf dem Land zusammensetzt, deren Befehlshaber lediglich der Adel und die Gentri sind, ohne Bezahlung oder Belohnung. Sie sind zwar in ihren Übungen recht vollkommen und unter einer sehr guten Disziplin, worin ich keinen großen Verdienst sah; denn wie sollte es auch anders sein, wo jeder Bauer unter dem Befehl seines eigenen Grundherrn steht und jeder Bürger unter dem der vornehmsten Männer seiner eigenen Stadt, die nach Art von Venedig durch Stimmzettel gewählt werden?
Ich habe oft gesehen, wie die Miliz von Lorbrulgrud auf einem großen Feld in der Nähe der Stadt, das zwanzig Meilen im Quadrat maß, zum Exerzieren antrat. Sie waren insgesamt nicht mehr als fünfundzwanzigtausend Mann zu Fuß und sechstausend zu Pferd: aber es war mir unmöglich, ihre Anzahl zu berechnen, wenn man den Raum bedenkt, den sie einnahmen. Ein Kavalier, der auf einem großen Ross saß, mochte etwa neunzig Fuß hoch sein. Ich habe gesehen, wie dieses ganze Korps der Kavallerie auf ein Kommando hin gleichzeitig die Schwerter zog und sie in der Luft schwang. Die Einbildungskraft kann sich nichts so Großartiges, so Überraschendes und so Erstaunliches vorstellen! Es sah aus, als würden zehntausend Blitze gleichzeitig aus jedem Winkel des Himmels zucken.
Ich war neugierig zu erfahren, wie dieser Fürst, zu dessen Herrschaftsgebiet es von keinem anderen Land aus einen Zugang gibt, auf den Gedanken an Armeen kam oder seinem Volk die militärische Disziplin beibrachte. Aber ich wurde bald sowohl durch Gespräche als auch durch das Lesen ihrer Geschichten informiert: denn im Laufe vieler Zeitalter wurden sie von derselben Krankheit geplagt, der das ganze Menschengeschlecht unterworfen ist; der Adel stritt oft um Macht, das Volk um Freiheit und der König um die absolute Herrschaft. All dies jedoch, das durch die Gesetze jenes Königreichs glücklich gemildert wurde, ist manchmal von jeder der drei Parteien verletzt worden und hat mehr als einmal zu Bürgerkriegen geführt, deren letzter durch den Großvater dieses Fürsten in einem allgemeinen Vergleich glücklich beendet wurde; und die Miliz, die damals im allgemeinen Einvernehmen festgesetzt wurde, ist seither in der strengsten Pflicht gehalten worden.
ACHTES KAPITEL
DER KÖNIG UND DIE KÖNIGIN UNTERNEHMEN EINE REISE AN DIE GRENZEN. DER AUTOR BEGLEITET SIE. DIE ART UND WEISE, WIE ER DAS LAND VERLÄSST, WIRD SEHR GENAU BESCHRIEBEN. ER KEHRT NACH ENGLAND ZURÜCK.
Ich hatte immer den starken Drang, dass ich irgendwann meine Freiheit zurückgewinnen würde, obwohl es unmöglich war, zu vermuten, auf welche Weise, oder irgendeinen Plan mit der geringsten Hoffnung auf Erfolg zu schmieden. Das Schiff, auf dem ich segelte, war das erste, von dem man jemals wusste, dass es in Sichtweite der Küste getrieben wurde; und der König hatte strenge Befehle gegeben, dass, falls jemals ein anderes erscheinen sollte, es an Land gebracht und mit seiner gesamten Besatzung und seinen Passagieren in einem Fuhrwerk nach Lorbrulgrud gebracht werden sollte. Ich wurde mit großer Freundlichkeit behandelt: Ich war der Liebling eines großen Königs und einer Königin und die Freude des gesamten Hofes; aber es geschah auf einem Fuße, der der Würde des Menschengeschlechts schlecht anstand. Ich konnte jene häuslichen Versprechen nie vergessen, die ich hinter mir gelassen hatte. Ich wollte unter Menschen sein, mit denen ich mich auf gleicher Ebene unterhalten und in den Straßen und auf den Feldern herumlaufen konnte, ohne Angst haben zu müssen, wie ein Frosch oder ein junger Welpe zu Tode getreten zu werden. Aber meine Rettung kam früher, als ich erwartete, und auf eine nicht sehr gewöhnliche Weise: Die ganze Geschichte und ihre Umstände werde ich getreulich berichten.
Ich war nun zwei Jahre in diesem Land; und gegen Anfang des dritten begleiteten Glumdalclitch und ich den König und die Königin auf einer Reise an die Südküste des Königreichs. Ich wurde, wie üblich, in meiner Reisekiste getragen, die, wie ich bereits beschrieben habe, ein sehr bequemer Schrank von zwölf Fuß Breite war. Und ich hatte angeordnet, eine Hängematte mit seidenen Seilen an den vier Ecken oben zu befestigen, um die Stöße zu dämpfen, wenn mich ein Diener auf dem Pferd vor sich trug, wie ich es manchmal wünschte, und ich schlief oft in meiner Hängematte, während wir unterwegs waren. Auf dem Dach meines Schranks, nicht direkt über der Mitte der Hängematte, ließ ich den Tischler ein Loch von einem Quadratfuß ausschneiden, um mir bei heißem Wetter im Schlaf Luft zu verschaffen, welches Loch ich nach Belieben mit einem Brett verschloss, das sich in einer Nut vor- und zurückschieben ließ.
Als wir am Ende unserer Reise ankamen, hielt es der König für angebracht, ein paar Tage in einem Palast zu verbringen, den er in der Nähe von Flanflasnic hat, einer Stadt achtzehn englische Meilen vom Meer entfernt. Glumdalclitch und ich waren sehr ermüdet, ich hatte mir eine leichte Erkältung zugezogen, aber das arme Mädchen war so krank, dass sie in ihrer Kammer bleiben musste. Ich sehnte mich danach, den Ozean zu sehen, was die einzige Szene meiner Flucht sein musste, falls sie jemals geschehen sollte. Ich gab vor, kränker zu sein, als ich wirklich war, und bat um Erlaubnis, mit einem Pagen, den ich sehr ins Herz geschlossen hatte und dem ich manchmal anvertraut worden war, die frische Seeluft zu genießen. Ich werde nie vergessen, mit welcher Widerwilligkeit Glumdalclitch zustimmte, noch die strenge Anweisung, die sie dem Pagen gab, auf mich achtzugeben, während sie gleichzeitig in einen Tränenstrom ausbrach, als hätte sie eine Vorahnung von dem, was geschehen würde.
Der Junge nahm mich in meiner Kiste etwa eine halbe Stunde Fußweg vom Palast entfernt in Richtung der Felsen am Meeresufer. Ich befahl ihm, mich abzusetzen, und hob eines meiner Fenster hoch, wobei ich viele sehnsüchtige, schwermütige Blicke auf das Meer warf. Ich fühlte mich nicht sehr wohl und sagte dem Pagen, dass ich ein Nickerchen in meiner Hängematte machen wolle, wovon ich mir Besserung versprach. Ich stieg hinein, und der Junge schloss das Fenster fest, um die Kälte abzuhalten. Ich schlief bald ein, und alles, was ich vermuten kann, ist, dass der Page, während ich schlief, in der Meinung, es könne keine Gefahr drohen, unter die Felsen ging, um nach Vogeleiern zu suchen, da ich ihn zuvor von meinen Fenstern aus beobachtet hatte, wie er dort herumsuchte und ein oder zwei in den Felsspalten aufhob. Wie dem auch sei, ich wurde plötzlich durch einen heftigen Ruck an dem Ring geweckt, der oben an meiner Kiste zur Bequemlichkeit beim Tragen befestigt war. Ich spürte, wie meine Kiste sehr hoch in die Luft gehoben und dann mit ungeheurer Geschwindigkeit vorwärts getragen wurde. Der erste Stoß hätte mich beinahe aus meiner Hängematte geschüttelt, aber danach war die Bewegung erträglich. Ich rief mehrmals so laut ich konnte, aber alles war vergeblich. Ich blickte aus meinen Fenstern und konnte nichts als die Wolken und den Himmel sehen. Ich hörte ein Geräusch direkt über meinem Kopf wie das Schlagen von Flügeln und begann dann, meinen kläglichen Zustand zu begreifen: dass irgendein Adler den Ring meiner Kiste in seinem Schnabel hatte, mit der Absicht, sie wie eine Schildkröte in ihrem Panzer auf einen Felsen fallen zu lassen, um dann meinen Körper herauszupicken und zu verschlingen; denn die Scharfsinnigkeit und der Geruch dieses Vogels ermöglichten es ihm, seine Beute aus großer Entfernung zu entdecken, auch wenn sie besser verborgen war als ich innerhalb eines zwei Zoll dicken Brettes.
Nach einer Weile bemerkte ich, dass das Geräusch und das Flattern der Flügel sehr schnell zunahmen, und meine Kiste wurde wie ein Schild an einem windigen Tag hin und her geworfen. Ich hörte mehrere Schläge oder Stöße, wie ich glaubte, die dem Adler versetzt wurden (denn ich bin sicher, dass es dieser gewesen sein muss, der den Ring meiner Kiste im Schnabel hielt), und dann fühlte ich mich plötzlich über eine Minute lang senkrecht in die Tiefe fallen, aber mit einer so unglaublichen Schnelligkeit, dass mir fast der Atem stockte. Mein Fall wurde durch einen schrecklichen Aufprall gestoppt, der in meinen Ohren lauter klang als der Katarakt von Niagara; danach war ich für eine weitere Minute völlig in Dunkelheit, und dann begann meine Kiste so hoch aufzusteigen, dass ich Licht von den oberen Fenstern sehen konnte. Ich bemerkte nun, dass ich ins Meer gefallen war. Meine Kiste schwamm aufgrund des Gewichts meines Körpers, der Waren darin und der breiten Eisenplatten, die zur Verstärkung an den vier Ecken oben und unten befestigt waren, etwa fünf Fuß tief im Wasser. Ich nahm damals an und nehme heute noch an, dass der Adler, der mit meiner Kiste davonflog, von zwei oder drei anderen verfolgt und gezwungen wurde, mich fallen zu lassen, während er sich gegen die anderen verteidigte, die auf einen Anteil an der Beute hofften. Die am Boden der Kiste befestigten Eisenplatten (denn das waren die stärksten) bewahrten beim Fallen das Gleichgewicht und verhinderten, dass sie an der Wasseroberfläche zerbrach. Jede Verbindung war gut gefalzt, und die Tür bewegte sich nicht auf Scharnieren, sondern auf und ab wie ein Schiebefenster, was meinen Schrank so dicht hielt, dass nur sehr wenig Wasser eindrang. Ich kam mit großer Mühe aus meiner Hängematte, nachdem ich es gewagt hatte, mein bereits erwähntes Schiebebrett auf dem Dach zurückzuziehen, das eigens dazu gedacht war, Luft hereinzulassen, aus deren Mangel ich mich fast erstickt fühlte.
Wie oft wünschte ich mich da zu meiner lieben Glumdalclitch, von der mich eine einzige Stunde so weit entfernt hatte. Und ich darf mit Wahrheit sagen, dass ich inmitten meiner eigenen Missgeschicke nicht umhin konnte, meine arme Pflegerin zu beklagen, den Kummer, den sie über meinen Verlust erleiden würde, das Missfallen der Königin und den Ruin ihres Glücks. Vielleicht haben nicht viele Reisende in einer solchen Lage unter größeren Schwierigkeiten und Bedrängnissen gelitten als ich, da ich jeden Moment erwartete, meine Kiste in Stücke gehen oder zumindest bei der ersten heftigen Böe oder auflaufenden Welle umkippen zu sehen. Ein Riss in einer einzigen Fensterscheibe wäre der sofortige Tod gewesen; noch hätte irgendetwas die Fenster bewahren können, außer den starken Gitterdrähten, die an der Außenseite gegen Unfälle auf Reisen angebracht waren. Ich sah das Wasser durch mehrere Ritzen einsickern, obwohl die Lecks nicht beträchtlich waren, und ich versuchte, sie so gut ich konnte zu verstopfen. Ich war nicht in der Lage, das Dach meines Schranks anzuheben, was ich sonst sicherlich getan hätte, um mich auf dessen Oberseite zu setzen, wo ich mich zumindest einige Stunden länger hätte erhalten können, als wenn ich (wie ich es nennen kann) im Laderaum eingesperrt war. Oder, wenn ich diesen Gefahren für ein oder zwei Tage entginge, was konnte ich anderes erwarten als einen elenden Tod durch Kälte und Hunger? Ich war vier Stunden unter diesen Umständen, wobei ich jeden Moment erwartete und tatsächlich wünschte, mein letzter zu sein.
Ich habe dem Leser bereits gesagt, dass zwei starke Krampen an der Seite meiner Kiste befestigt waren, die kein Fenster hatte, in die der Diener, der mich normalerweise auf dem Pferd trug, einen Ledergurt steckte und ihn um seine Taille schnallte. In diesem trostlosen Zustand hörte ich, oder glaubte zumindest zu hören, eine Art reibendes Geräusch an der Seite meiner Kiste, wo die Krampen befestigt waren, und bald darauf begann ich zu vermuten, dass die Kiste im Meer gezogen oder geschleppt wurde, denn ich spürte hin und wieder eine Art Rucken, das die Wellen nahe an die Oberkanten meiner Fenster steigen ließ und mich fast in der Dunkelheit zurückließ. Dies gab mir eine schwache Hoffnung auf Rettung, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, wie sie zustande kommen sollte. Ich wagte es, einen meiner Stühle abzuschrauben, die immer am Boden befestigt waren, und nachdem ich es mühsam geschafft hatte, ihn direkt unter dem Schiebebrett, das ich kurz zuvor geöffnet hatte, wieder festzuschrauben, stieg ich auf den Stuhl und rief, indem ich meinen Mund so nah wie möglich an das Loch hielt, mit lauter Stimme und in allen Sprachen, die ich verstand, um Hilfe. Dann befestigte ich mein Taschentuch an einem Stock, den ich normalerweise bei mir trug, und steckte es durch das Loch, wobei ich es mehrmals in der Luft schwenkte, damit die Seeleute, falls ein Boot oder Schiff in der Nähe wäre, vermuten könnten, dass ein unglücklicher Sterblicher in der Kiste eingeschlossen sei.
Ich fand keine Wirkung bei all meinem Tun, merkte aber deutlich, dass mein Schrank weiterbewegt wurde; und im Zeitraum von einer Stunde oder mehr stieß die Seite der Kiste, an der die Krampen waren und die kein Fenster hatte, gegen etwas Hartes. Ich fürchtete, es sei ein Fels, und fühlte mich mehr als je zuvor hin und her geworfen. Ich hörte deutlich ein Geräusch auf dem Deckel meines Schranks wie das eines Ankertaus und das Scheuern, als es durch den Ring ging. Dann spürte ich, wie ich nach und nach hochgezogen wurde, mindestens drei Fuß höher als zuvor. Daraufhin stieß ich wieder meinen Stock und mein Taschentuch nach oben und rief um Hilfe, bis ich fast heiser war. Als Antwort darauf hörte ich einen großen Ruf, der dreimal wiederholt wurde, was mir solche Freudentaumel bescherte, wie sie nur von denen begriffen werden können, die sie empfinden. Ich hörte nun ein Trampeln über meinem Kopf und jemanden, der mit lauter Stimme durch das Loch in englischer Sprache rief: „Wenn da unten jemand ist, soll er sprechen.“ Ich antwortete, ich sei ein Engländer, durch ein böses Schicksal in das größte Unglück geraten, das jemals ein Geschöpf erlitten habe, und flehte bei allem, was bewegend sei, darum, aus dem Kerker befreit zu werden, in dem ich mich befand. Die Stimme antwortete, ich sei in Sicherheit, denn meine Kiste sei an ihrem Schiff befestigt; und der Zimmermann solle sofort kommen und ein Loch in den Deckel sägen, groß genug, um mich herauszuholen. Ich antwortete, das sei unnötig und würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, denn es sei nichts weiter zu tun, als einen der Besatzungsmitglieder seinen Finger in den Ring stecken zu lassen und die Kiste aus dem Meer auf das Schiff und so in die Kapitänskajüte zu bringen. Einige von ihnen hielten mich für verrückt, als sie mich so wirres Zeug reden hörten; andere lachten; denn es kam mir tatsächlich nie in den Sinn, dass ich nun unter Menschen von meiner eigenen Statur und Kraft geraten war. Der Zimmermann kam und sägte in wenigen Minuten einen Durchgang von etwa vier Quadratfuß, ließ dann eine kleine Leiter herunter, auf die ich stieg, und von dort aus wurde ich in einem sehr schwachen Zustand auf das Schiff gebracht.
Die Matrosen waren alle erstaunt und stellten mir tausend Fragen, die ich nicht beantworten wollte. Ich war gleichermaßen verwirrt beim Anblick so vieler Pygmäen, denn für solche hielt ich sie, nachdem ich meine Augen so lange an die monströsen Objekte gewöhnt hatte, die ich verlassen hatte. Aber der Kapitän, Mr. Thomas Wilcocks, ein ehrlicher, würdiger Mann aus Shropshire, bemerkte, dass ich in Ohnmacht zu fallen drohte, nahm mich in seine Kajüte, gab mir einen Stärkungstrank, um mich zu trösten, und ließ mich auf seinem eigenen Bett ruhen, wobei er mir riet, ein wenig zu schlafen, was ich sehr nötig hatte. Bevor ich einschlief, gab ich ihm zu verstehen, dass ich einige wertvolle Einrichtungsgegenstände in meiner Kiste hatte, die zu schade waren, um verloren zu gehen; eine feine Hängematte, zwei schöne Stühle, einen Tisch und ein Kabinett. Dass mein Schrank an allen Seiten mit Seide und Baumwolle ausgehängt, oder besser gesagt gesteppt, war: dass, wenn er eines der Besatzungsmitglieder meinen Schrank in seine Kajüte bringen ließe, ich ihn dort vor ihm öffnen und ihm meine Waren zeigen würde. Der Kapitän, der mich diese Absurditäten äußern hörte, kam zu dem Schluss, ich phantasiere: Er versprach jedoch (ich vermute, um mich zu beruhigen), die Anweisungen wie gewünscht zu geben, ging an Deck und schickte einige seiner Männer in meinen Schrank, von wo aus sie (wie ich später erfuhr) alle meine Waren herauszogen und die Steppung abstreiften; aber die Stühle, das Kabinett und das Bettgestell, die am Boden festgeschraubt waren, wurden durch die Unwissenheit der Seeleute, die sie mit Gewalt herausrissen, stark beschädigt. Dann schlugen sie einige der Bretter für den Gebrauch des Schiffes ab, und als sie alles hatten, was sie wollten, ließen sie den Rumpf ins Meer fallen, der aufgrund der vielen Risse, die im Boden und an den Seiten entstanden waren, sofort sank. Und ich war in der Tat froh, kein Augenzeuge der Verwüstung zu sein, die sie anrichteten; denn ich bin überzeugt, dass es mich tief berührt hätte, da es mir frühere Begebenheiten in den Sinn gerufen hätte, die ich lieber vergessen hätte.
Ich schlief einige Stunden, wurde aber ständig von Träumen von dem Ort gestört, den ich verlassen hatte, und den Gefahren, denen ich entkommen war. Als ich jedoch aufwachte, fühlte ich mich viel erholter. Es war nun etwa acht Uhr abends, und der Kapitän befahl sofort das Abendessen, da er dachte, ich hätte schon zu lange gefastet. Er unterhielt mich mit großer Freundlichkeit und beobachtete, dass ich nicht mehr wirr aussah oder unzusammenhängend sprach; und als wir allein waren, bat er mich, ihm eine Schilderung meiner Reisen zu geben und durch welchen Unfall ich dazu kam, in jener monströsen hölzernen Kiste ausgesetzt zu werden.
Er sagte, dass er es gegen zwölf Uhr mittags, als er durch sein Fernrohr spähte, in der Ferne erspäht habe und es für ein Segel gehalten habe, das er anzusteuern gedachte, da es nicht weit von seinem Kurs abkam, in der Hoffnung, etwas Zwieback zu kaufen, da sein eigener zur Neige ging. Als er näher kam und seinen Irrtum bemerkte, habe er seine Barkasse ausgeschickt, um zu erkunden, was es sei; seine Männer seien voller Schrecken zurückgekehrt und hätten geschworen, sie hätten ein schwimmendes Haus gesehen. Er habe über ihre Torheit gelacht und sei selbst in das Boot gestiegen, wobei er seinen Männern befahl, ein starkes Tau mitzunehmen. Da das Wetter ruhig war, ruderte er mehrmals um mich herum und beobachtete meine Fenster und die Drahtgitter, die sie schützten. Er entdeckte zwei Krampen auf einer Seite, die ganz aus Brettern bestand und keinerlei Lichtdurchlass bot.
Er befahl seinen Männern dann, zu dieser Seite zu rudern, befestigte ein Tau an einer der Krampen und ließ sie meine Kiste (wie sie sie nannten) zum Schiff schleppen. Dort angekommen, gab er Anweisung, ein weiteres Tau an dem Ring zu befestigen, der am Deckel angebracht war, und meine Kiste mit Flaschenzügen anzuheben, was allen Matrosen zusammen kaum mehr als zwei oder drei Fuß gelang. Er sagte, sie hätten meinen Stock und mein Taschentuch aus dem Loch ragen sehen und daraus geschlossen, dass ein unglücklicher Mensch in dem Hohlraum eingesperrt sein müsse. Ich fragte, ob er oder die Mannschaft zu der Zeit, als er mich zuerst entdeckte, irgendwelche riesigen Vögel in der Luft gesehen hätten; worauf er antwortete, dass, als er diese Angelegenheit mit den Matrosen besprach, während ich schlief, einer von ihnen sagte, er habe drei Adler in Richtung Norden fliegen sehen, aber nichts darüber bemerkt habe, dass sie größer als gewöhnlich gewesen seien, was ich auf die große Höhe zurückführe, in der sie sich befanden; und er konnte den Grund meiner Frage nicht erraten. Ich fragte den Kapitän dann, wie weit wir seiner Einschätzung nach vom Land entfernt sein könnten.
Er sagte, nach der besten Berechnung, die er anstellen könne, seien wir mindestens hundert Meilen entfernt. Ich versicherte ihm, dass er sich um fast die Hälfte irren müsse, denn ich hätte das Land, aus dem ich kam, nicht länger als zwei Stunden vor meinem Sturz ins Meer verlassen. Woraufhin er wieder begann zu glauben, dass mein Verstand gestört sei, wovon er mir einen Wink gab, und mir riet, mich in eine Kabine zu legen, die er vorbereitet hatte. Ich versicherte ihm, dass ich durch seine gute Bewirtung und Gesellschaft wohl erfrischt und so bei Sinnen sei wie je zuvor in meinem Leben.
Er wurde daraufhin ernst und bat mich, ihn freimütig zu fragen, ob mich nicht das Bewusstsein eines ungeheuren Verbrechens quäle, für das ich auf Befehl irgendeines Fürsten bestraft worden sei, indem man mich in jener Kiste aussetzte, so wie große Verbrecher in anderen Ländern gezwungen wurden, in einem leckgeschlagenen Schiff ohne Proviant zur See zu fahren; denn obwohl es ihm leid täte, einen so üblen Menschen auf sein Schiff genommen zu haben, würde er doch sein Wort darauf geben, mich im ersten Hafen, den wir erreichten, sicher an Land zu setzen. Er fügte hinzu, dass seine Verdächtigungen durch einige sehr absurde Reden, die ich zunächst gegenüber seinen Matrosen und später gegenüber ihm selbst in Bezug auf meine Schrank-Kiste gehalten hatte, sowie durch mein seltsames Aussehen und Verhalten während des Abendessens stark zugenommen hätten.
Ich bat ihn um Geduld, während ich ihm meine Geschichte erzählte, was ich wahrheitsgemäß tat, von dem letzten Mal, als ich England verließ, bis zu dem Augenblick, als er mich zuerst entdeckte. Und da sich die Wahrheit immer ihren Weg in vernünftige Geister bahnt, war dieser ehrliche, würdige Herr, der einen Hang zur Gelehrsamkeit und sehr viel Verstand besaß, sogleich von meiner Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe überzeugt. Doch um alles, was ich gesagt hatte, weiter zu bestätigen, bat ich ihn, den Befehl zu geben, mein Kabinett zu bringen, von dem ich den Schlüssel in meiner Tasche hatte (denn er hatte mich bereits wissen lassen, wie die Seeleute mein Kabinett verstaut hatten). Ich öffnete es in seiner Gegenwart und zeigte ihm die kleine Sammlung von Raritäten, die ich in dem Land gemacht hatte, aus dem ich so seltsam errettet worden war. Da war der Kamm, den ich aus den Stoppeln des königlichen Bartes gefertigt hatte. Da war eine Sammlung von Nadeln und Stecknadeln, von einem Fuß bis zu einem halben Yard Länge; vier Wespenstachel, wie Tischlernägel; einige ausgekämmte Haare der Königin; ein goldener Ring, den sie mir eines Tages auf äußerst verbindliche Weise zum Geschenk machte, indem sie ihn von ihrem kleinen Finger nahm und ihn mir wie ein Halsband über den Kopf warf. Ich bat den Kapitän, diesen Ring als Erwiderung auf seine Höflichkeiten anzunehmen, was er entschieden ablehnte. Zuletzt bat ich ihn, die Kniehosen zu betrachten, die ich damals anhatte und die aus einer Maushaut gemacht waren.
Ich konnte ihm nichts aufdrängen außer dem Zahn eines Lakaien, den er, wie ich beobachtete, mit großer Neugier untersuchte und an dem er Gefallen fand. Er nahm ihn mit überaus großem Dank entgegen, mehr als ein solches Bagatell verdient hätte. Er war von einem ungeschickten Chirurgen versehentlich einem von Glumdalclitchs Männern gezogen worden, der unter Zahnschmerzen litt, aber er war so gesund wie jeder andere in seinem Kopf. Ich ließ ihn reinigen und legte ihn in mein Kabinett. Er war etwa einen Fuß lang und vier Zoll im Durchmesser.
Der Kapitän war mit dieser schlichten Darstellung, die ich ihm gegeben hatte, sehr zufrieden und sagte, er hoffe, wenn wir nach England zurückkehrten, würde ich der Welt einen Gefallen tun, indem ich sie zu Papier brächte und veröffentlichte. Meine Antwort war, dass ich glaubte, wir seien bereits mit Reisebeschreibungen überhäuft; dass nichts mehr bestehen könne, was nicht außergewöhnlich sei; wobei ich bezweifelte, dass manche Autoren weniger die Wahrheit als ihre eigene Eitelkeit oder ihren Vorteil oder die Unterhaltung ignoranter Leser im Sinn hätten; dass meine Geschichte wenig mehr als gewöhnliche Ereignisse enthalten könne, ohne jene ornamentalen Beschreibungen von seltsamen Pflanzen, Bäumen, Vögeln und anderen Tieren; oder von den barbarischen Sitten und der Götzenverehrung wilder Völker, mit denen die meisten Schriftsteller überladen sind. Dennoch dankte ich ihm für seine gute Meinung und versprach, über die Angelegenheit nachzudenken.
Er sagte, eine Sache wundere ihn sehr, nämlich mich so laut sprechen zu hören, und fragte mich, ob der König oder die Königin jenes Landes schwerhörig seien. Ich sagte ihm, dass dies etwas sei, woran ich mich seit über zwei Jahren gewöhnt hätte, und dass ich mich ebenso über die Stimmen von ihm und seinen Männern wunderte, die mir nur zu flüstern schienen, und doch konnte ich sie gut genug hören. Aber wenn ich in jenem Land sprach, war es, als spräche ein Mann auf der Straße zu einem anderen, der aus der Spitze eines Kirchturms herausschaute, es sei denn, ich wurde auf einen Tisch gestellt oder von jemandem in der Hand gehalten. Ich sagte ihm, dass ich noch eine andere Sache beobachtet hätte, dass nämlich, als ich zum ersten Mal auf das Schiff kam und die Matrosen alle um mich herumstanden, ich sie für die verächtlichsten kleinen Kreaturen hielt, die ich je erblickt hatte. Denn in der Tat, während ich in jenem Land des Fürsten war, konnte ich es nie ertragen, in einen Spiegel zu schauen, nachdem meine Augen an solch monströse Objekte gewöhnt waren, weil mir der Vergleich eine so verächtliche Vorstellung von mir selbst gab. Der Kapitän sagte, dass er beim Abendessen beobachtet habe, wie ich alles mit einer Art Staunen betrachtete und oft kaum mein Lachen zurückhalten konnte, was er nicht recht einzuordnen wusste, sondern auf eine Störung meines Verstandes zurückführte. Ich antwortete, es sei sehr wahr, und ich wunderte mich, wie ich es unterlassen konnte, als ich seine Geschirre in der Größe eines silbernen Dreipennystücks sah, eine Schweinekeule kaum größer als ein Bissen, eine Tasse nicht so groß wie eine Nussschale, und so fuhr ich fort, den Rest seines Hausrats und seiner Vorräte auf die gleiche Weise zu beschreiben. Denn obwohl die Königin ein kleines Inventar mit allem für mich Notwendigen bestellt hatte, während ich in ihren Diensten stand, waren meine Gedanken ganz von dem eingenommen, was ich überall um mich herum sah, und ich übersah meine eigene Kleinheit, wie Menschen ihre eigenen Fehler übersehen. Der Kapitän verstand meine Neckerei sehr gut und antwortete fröhlich, dass er meinen Appetit nicht so gut bemerkt habe, obwohl ich den ganzen Tag gefastet hätte; und in seiner Heiterkeit verharrend, beteuerte er, er hätte gerne hundert Pfund gegeben, um meinen Schrank im Schnabel des Adlers und später bei seinem Fall aus solch großer Höhe ins Meer zu sehen; was sicherlich ein höchst erstaunliches Objekt gewesen wäre, wert, dass die Beschreibung davon an zukünftige Generationen überliefert würde: und der Vergleich mit Phaeton war so naheliegend, dass er nicht umhin konnte, ihn anzuwenden, obwohl ich den Einfall nicht sehr bewunderte.
Der Kapitän, der in Tonkin gewesen war, wurde auf seiner Rückkehr nach England nordostwärts in den Breitengrad von 44 Grad und den Längengrad 143 getrieben. Doch da wir zwei Tage, nachdem ich an Bord gekommen war, auf einen Passatwind trafen, segelten wir eine lange Zeit südwärts und hielten uns an der Küste von Neuholland, setzten unseren Kurs west-südwest und dann süd-südwest fort, bis wir das Kap der Guten Hoffnung umrundeten. Unsere Reise verlief sehr wohlhabend, aber ich will den Leser nicht mit einem Tagebuch davon behelligen. Der Kapitän lief in ein oder zwei Häfen ein und schickte seine Barkasse für Proviant und frisches Wasser aus, aber ich verließ das Schiff nicht, bis wir in die Downs kamen, was am dritten Juni 1706 war, etwa neun Monate nach meiner Flucht. Ich bot an, Waren als Sicherheit für die Bezahlung meiner Fracht zu hinterlassen, aber der Kapitän beteuerte, er wolle nicht einen Pfennig annehmen. Wir nahmen freundlich Abschied voneinander, und ich ließ ihn versprechen, dass er mich in meinem Haus in Redriff besuchen würde. Ich mietete ein Pferd und einen Führer für fünf Schillinge, die ich mir vom Kapitän lieh.
Als ich unterwegs war und die Kleinheit der Häuser beobachtete – die Bäume, das Vieh und die Menschen – begann ich zu glauben, ich sei in Lilliput. Ich hatte Angst, jeden Reisenden, dem ich begegnete, zu zertreten, und rief oft laut, sie sollten aus dem Weg gehen, so dass ich für meine Unverschämtheit fast ein oder zwei gebrochene Köpfe bekommen hätte.
Als ich zu meinem eigenen Haus kam, nach dem ich mich erkundigen musste, öffnete einer der Diener die Tür, ich bückte mich, um hineinzugehen (wie eine Gans unter einem Tor), aus Angst, mir den Kopf zu stoßen. Meine Frau lief heraus, um mich zu umarmen, aber ich bückte mich tiefer als ihre Knie, weil ich dachte, sie könne sonst niemals meinen Mund erreichen. Meine Tochter kniete nieder, um meinen Segen zu erbitten, aber ich konnte sie nicht sehen, bis sie aufstand, da ich so lange daran gewöhnt war, mit aufrechtem Kopf und aufrechten Augen in über sechzig Fuß Höhe zu stehen; und dann nahm ich sie mit einer Hand an der Taille hoch. Ich sah auf die Diener und ein oder zwei Freunde, die im Haus waren, herab, als wären sie Pygmäen und ich ein Riese. Ich sagte meiner Frau, sie sei zu sparsam gewesen, denn ich fand, sie habe sich und ihre Tochter auf nichts heruntergehungert. Kurzum, ich benahm mich so unerklärlich, dass sie alle der Meinung des Kapitäns waren, als er mich zuerst sah, und schlossen, ich hätte den Verstand verloren. Dies erwähne ich als ein Beispiel für die große Macht der Gewohnheit und des Vorurteils.
Nach kurzer Zeit kamen meine Familie, meine Freunde und ich zu einem richtigen Verständnis: aber meine Frau beteuerte, ich solle nie wieder zur See fahren; obwohl mein böses Schicksal es so wollte, dass sie nicht die Macht hatte, mich daran zu hindern, wie der Leser später erfahren mag. Unterdessen schließe ich hier den zweiten Teil meiner unglückseligen Reisen.
[90] Phaeton, ein Sohn Apollos, der wegen seines Leichtsinns, als er versuchte, einen Tag lang die Rosse der Sonne zu lenken, in den Fluss Eridanus geschleudert wurde.
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Ayrtons Child Life in Japan and Japanese Child Stories. Herausgegeben von William Elliot Griffis. Illustriert von japanischen Künstlern. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
Ewings Jackanapes. Herausgegeben von W.P. Trent. Illustriert von Josephine Bruce. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
Mulochs The Little Lame Prince. Vorwort von Elizabeth Stuart Phelps Ward. Illustriert von Miss E.B. Barry. In zwei Teilen. Broschiert, jeder Teil 10 Cents; Leinen, beide Teile in einem Band 30 Cents.
FÜR DIE KLASSEN V UND VI.
Lambs The Adventures of Ulysses. Herausgegeben von W.P. Trent. Illustrationen nach Flamman. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Gullivers Travels. I. Eine Reise nach Lilliput. II. Eine Reise nach Brobdingnag. Herausgegeben von T.M. Balliet. Vollständig illustriert. In zwei Teilen. Broschiert, jeder Teil 15 Cents; Leinen, beide Teile in einem Band 30 Cents.
Ewings The Story of a Short Life. Herausgegeben von T.M. Balliet. Illustriert von A.F. Schmitt. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
Tales From the Travels of Baron Munchausen. Herausgegeben von Edward Everett Hale. Illustriert von H.P. Barnes nach Doré. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
Mulochs The Little Lame Prince. Vorwort von Elizabeth Stuart Phelps Ward. Illustriert von Miss E.B. Barry. In zwei Teilen. Broschiert, jeder Teil 10 Cents; Leinen, beide Teile in einem Band 30 Cents.
FÜR DIE KLASSEN VI UND VII.
Lambs Tales From Shakespeare. Einleitung von Elizabeth Stuart Phelps Ward. Illustriert von Homer W. Colby nach Pillié. In drei Teilen. Broschiert, jeder Teil 15 Cents; Leinen, drei Teile in einem Band 40 Cents.
Martineaus The Crofton Boys. Herausgegeben von William Elliot Griffis. Illustriert von A.F. Schmitt. Leinen, 30 Cents.
Motleys The Siege Of Leyden. Herausgegeben von William Elliot Griffis. Mit neunzehn Illustrationen aus alten Drucken und Fotografien sowie einer Karte. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
Browns Rab and His Friends and Other Stories of Dogs. Herausgegeben von T.M. Balliet. Illustriert von David L. Munroe nach Sir Noel Paton, Mrs. Blackburn, George Hardy und Lumb Stocks. Broschiert, 10 Cents; Leinen, 20 Cents.
FÜR DIE KLASSEN VII, VIII UND IX.
Hamertons Chapters on Animals: Dogs, Cats and Horses. Herausgegeben von W.P. Trent. Illustriert nach Sir E. Landseer, Sir John Millais, Rosa Bonheur, E. Van Muyder, Veyrassat, J.L. Gérôme, K. Bodmer usw. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Irvings Dolph Heyliger. Herausgegeben von G.H. Browne. Illustriert von H.P. Barnes. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Shakespeares The Tempest. Herausgegeben von Sarah W. Hiestand. Illustrationen nach Retzsch und dem Chandos-Porträt. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Shakespeares A Midsummer Night’s Dream. Herausgegeben von Sarah W. Hiestand. Illustrationen nach Smirke und dem Droeshout-Porträt. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Shakespeares The Comedy of Errors. Herausgegeben von Sarah W. Hiestand. Illustrationen nach Smirke, Creswick und Leslie. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Shakespeares The Winter’s Tale. Herausgegeben von Sarah W. Hiestand. Illustrationen nach Leslie, Wheatley und Wright. Broschiert, 15 Cents; Leinen, 25 Cents.
Defoes Robinson Crusoe. Herausgegeben von Edward Everett Hale. Illustriert. In vier Teilen. Broschiert, jeder Teil 15 Cents; Leinen, vier Teile in einem Band 60 Cents.
Jordans True Tales Of Birds and Beasts. Von David Starr Jordan. Illustriert von Mary H. Wellman. Leinen, 40 Cents.
Fouqués Undine. Einleitung von Elizabeth Stuart Phelps Ward. Illustrationen nach Julius Höppner. Leinen, 30 Cents.
Melvilles Typee: Life in the South Seas. Einleitung von W.P. Trent. Illustriert von H.W. Moore. Leinen, 45 Cents.