VORFÄLLE IM LEBEN EINES SKLAVENMÄDCHENS.
VON IHR SELBST GESCHRIEBEN.
„Die Nordstaatler wissen absolut nichts über die Sklaverei. Sie halten sie lediglich für eine dauerhafte Knechtschaft. Sie haben keine Vorstellung von der Tiefe der Erniedrigung, die in diesem Wort, Sklaverei, liegt; hätten sie diese, so würden sie ihre Bemühungen nicht eher einstellen, bis ein solch schreckliches System gestürzt wäre.“
Eine Frau aus North Carolina.
„Stehet auf, ihr Frauen, die ihr so sicher seid! Hört meine Stimme, ihr sorglosen Töchter! Leihet meinem Reden ein Ohr.“
Jesaja 32, 9.
Herausgegeben von L. Maria Child.
Boston: Veröffentlicht für die Verfasserin. 1861.
Vorwort der Verfasserin
Leser, seien Sie versichert, diese Erzählung ist keine Fiktion. Ich bin mir bewusst, dass einige meiner Abenteuer unglaublich erscheinen mögen; sie sind jedoch strikt wahr. Ich habe die durch die Sklaverei zugefügten Unrechte nicht übertrieben; im Gegenteil, meine Beschreibungen bleiben weit hinter den Tatsachen zurück. Ich habe die Namen von Orten verschwiegen und Personen fiktive Namen gegeben. Ich hatte für mich selbst kein Motiv zur Geheimhaltung, aber ich hielt es gegenüber anderen für freundlich und rücksichtsvoll, diesen Weg zu gehen.
Ich wünschte, ich wäre für die Aufgabe, die ich übernommen habe, kompetenter. Doch ich vertraue darauf, dass meine Leser Mängel in Anbetracht der Umstände entschuldigen werden. Ich wurde in der Sklaverei geboren und aufgezogen; und ich blieb siebenundzwanzig Jahre lang in einem Sklavenstaat. Seit ich im Norden bin, war es für mich notwendig, fleißig für meinen eigenen Unterhalt und die Erziehung meiner Kinder zu arbeiten. Dies ließ mir wenig Freizeit, um den Verlust frühzeitiger Gelegenheiten zur eigenen Weiterbildung auszugleichen; und es zwang mich, diese Seiten in unregelmäßigen Abständen zu schreiben, wann immer ich eine Stunde von meinen häuslichen Pflichten abzweigen konnte.
Als ich das erste Mal in Philadelphia ankam, riet mir Bischof Paine, eine Skizze meines Lebens zu veröffentlichen, aber ich sagte ihm, ich sei für ein solches Unterfangen gänzlich unfähig. Obwohl ich meinen Geist seit jener Zeit etwas weiterentwickelt habe, bleibe ich bei derselben Meinung; doch ich vertraue darauf, dass meine Beweggründe das entschuldigen, was andernfalls als anmaßend erscheinen könnte. Ich habe meine Erfahrungen nicht niedergeschrieben, um Aufmerksamkeit auf mich selbst zu lenken; im Gegenteil, es wäre mir angenehmer gewesen, über meine eigene Geschichte zu schweigen. Auch liegt mir nichts daran, Mitleid für meine eigenen Leiden zu erregen. Aber ich wünsche ernsthaft, die Frauen des Nordens zu einem bewussten Verständnis für die Lage von zwei Millionen Frauen im Süden zu wecken, die noch immer in Knechtschaft leben, die erleiden, was ich erlitt, und von denen die meisten weit Schlimmeres durchmachen. Ich möchte mein Zeugnis zu dem fähigerer Federn hinzufügen, um die Menschen der Freistaaten davon zu überzeugen, was Sklaverei wirklich ist. Nur durch Erfahrung kann man erkennen, wie tief, wie dunkel und wie abscheulich diese Grube der Gräuel ist. Möge der Segen Gottes auf diesem unvollkommenen Versuch zugunsten meines verfolgten Volkes ruhen!
Linda Brent.
Einleitung der Herausgeberin
Die Verfasserin der folgenden Autobiografie ist mir persönlich bekannt, und ihre Konversation und ihr Benehmen flößen mir Vertrauen ein. Während der letzten siebzehn Jahre lebte sie den größten Teil der Zeit bei einer angesehenen Familie in New York und hat sich so betragen, dass sie von dieser hoch geachtet wird. Diese Tatsache genügt, ohne weitere Beglaubigungen ihres Charakters. Ich glaube, diejenigen, die sie kennen, werden nicht dazu neigen, an ihrer Wahrhaftigkeit zu zweifeln, obwohl einige Vorfälle in ihrer Geschichte romantischer sind als Fiktion.
Auf ihr Ersuchen hin habe ich ihr Manuskript überarbeitet; doch die Änderungen, die ich vorgenommen habe, dienten hauptsächlich der Straffung und der geordneten Anordnung. Ich habe den Vorfällen nichts hinzugefügt oder die Bedeutung ihrer sehr treffenden Bemerkungen verändert. Mit unbedeutenden Ausnahmen sind sowohl die Ideen als auch die Sprache ihr eigen. Ich habe ein wenig Wildwuchs beschnitten, aber ansonsten hatte ich keinen Grund, ihre lebendige und dramatische Art, ihre eigene Geschichte zu erzählen, zu ändern. Die Namen sowohl der Personen als auch der Orte sind mir bekannt; aber aus guten Gründen unterdrücke ich sie.
Es wird natürlich Überraschung hervorrufen, dass eine in der Sklaverei aufgezogene Frau so gut schreiben kann. Doch die Umstände erklären dies. Erstens hat die Natur sie mit schneller Auffassungsgabe ausgestattet. Zweitens war die Herrin, bei der sie bis zu ihrem zwölften Lebensjahr lebte, eine freundliche, rücksichtsvolle Freundin, die sie lesen und buchstabieren lehrte. Drittens befand sie sich in günstigen Umständen, nachdem sie in den Norden gekommen war; sie hatte häufigen Umgang mit intelligenten Personen, die ein freundschaftliches Interesse an ihrem Wohlergehen hatten und bereit waren, ihr Gelegenheiten zur Selbstverbesserung zu geben.
Ich bin mir wohl bewusst, dass viele mich der Unschicklichkeit beschuldigen werden, diese Seiten der Öffentlichkeit zu präsentieren; denn die Erfahrungen dieser intelligenten und schwer geschädigten Frau gehören zu einer Klasse, die manche als heikle Themen bezeichnen, andere als unschickliche. Diese besondere Phase der Sklaverei wurde im Allgemeinen verschleiert gehalten; aber die Öffentlichkeit sollte mit ihren monströsen Zügen vertraut gemacht werden, und ich übernehme bereitwillig die Verantwortung, sie mit gelüftetem Schleier zu präsentieren. Ich tue dies um meiner Schwestern in der Knechtschaft willen, die solch abscheuliche Unrechte erleiden, dass unsere Ohren zu empfindlich sind, um ihnen zuzuhören. Ich tue es in der Hoffnung, gewissenhafte und nachdenkende Frauen im Norden zu einem Bewusstsein ihrer Pflicht anzuregen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit moralischen Einfluss auf die Frage der Sklaverei auszuüben. Ich tue es in der Hoffnung, dass jeder Mann, der diese Erzählung liest, feierlich vor Gott schwört, dass, soweit es in seiner Macht steht, dies zu verhindern, kein Flüchtling aus der Sklaverei jemals zurückgeschickt werden soll, um in jener abscheulichen Höhle der Korruption und Grausamkeit zu leiden.
L. Maria Child.
Inhalt
Kindheit Der neue Herr und die neue Herrin Der Neujahrstag der Sklaven Der Sklave, der es wagte, sich wie ein Mann zu fühlen Die Prüfungen des Mädchenalters Die eifersüchtige Herrin Der Liebhaber Was Sklaven gelehrt wird, über den Norden zu denken Skizzen benachbarter Sklavenhalter Eine gefährliche Passage im Leben des Sklavenmädchens Das neue Band zum Leben Furcht vor Aufstand Die Kirche und die Sklaverei Ein weiteres Glied am Leben Anhaltende Verfolgungen Szenen auf der Plantage Die Flucht Monate der Gefahr Die Kinder verkauft Neue Gefahren Das Schlupfloch des Rückzugs Weihnachtsfeierlichkeiten Immer noch im Gefängnis Der Kandidat für den Kongress Wettbewerb in Verschlagenheit Wichtige Ära im Leben meines Bruders Neues Ziel für die Kinder Tante Nancy Vorbereitungen zur Flucht Auf dem Weg nach Norden Vorfälle in Philadelphia Das Treffen von Mutter und Tochter Ein gefundenes Zuhause Der alte Feind wieder Vorurteile gegen die Hautfarbe Die haarscharfe Flucht Ein Besuch in England Erneute Einladungen, in den Süden zu gehen Das Geständnis Das Gesetz über flüchtige Sklaven Endlich frei Anhang
VORFÄLLE IM LEBEN EINES SKLAVENMÄDCHENS, SIEBEN JAHRE VERBORGEN.
* * * * *
I. Kindheit
Ich wurde als Sklavin geboren; doch ich wusste es nicht, bis sechs Jahre glücklicher Kindheit vergangen waren. Mein Vater war Zimmermann und galt in seinem Handwerk als so intelligent und geschickt, dass man ihn aus weiter Ferne als leitenden Handwerker holte, wenn Gebäude außerhalb der üblichen Art errichtet werden mussten. Unter der Bedingung, seiner Herrin zweihundert Dollar im Jahr zu zahlen und für seinen eigenen Unterhalt aufzukommen, durfte er seinem Handwerk nachgehen und seine eigenen Angelegenheiten regeln. Sein stärkster Wunsch war es, seine Kinder freizukaufen; doch obwohl er mehrmals seinen hart verdienten Lohn zu diesem Zweck anbot, gelang es ihm nie. Im Teint waren meine Eltern von einem hellen bräunlich-gelben Farbton und wurden Mulatten genannt. Sie lebten zusammen in einem komfortablen Zuhause; und obwohl wir alle Sklaven waren, wurde ich so liebevoll beschirmt, dass ich niemals träumte, ich sei ein Stück Handelsware, das ihnen zur sicheren Verwahrung anvertraut und jederzeit von ihnen zurückgefordert werden konnte. Ich hatte einen Bruder, William, der zwei Jahre jünger war als ich – ein aufgewecktes, liebevolles Kind. Ich besaß zudem einen großen Schatz in meiner Großmutter mütterlicherseits, die in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Frau war. Sie war die Tochter eines Pflanzers in South Carolina, der bei seinem Tod ihre Mutter und seine drei Kinder frei ließ, mit Geld, um nach St. Augustine zu reisen, wo sie Verwandte hatten. Es war während des Unabhängigkeitskrieges; und sie wurden auf ihrer Überfahrt gefangen genommen, zurückgebracht und an verschiedene Käufer verkauft. Das war die Geschichte, die meine Großmutter mir zu erzählen pflegte; doch ich erinnere mich nicht an alle Einzelheiten. Sie war ein kleines Mädchen, als sie gefangen genommen und an den Besitzer eines großen Hotels verkauft wurde. Ich habe sie oft erzählen hören, wie schwer sie es in ihrer Kindheit hatte. Doch als sie älter wurde, bewies sie so viel Intelligenz und war so treu, dass ihr Herr und ihre Herrin nicht umhin konnten zu sehen, dass es in ihrem Interesse lag, für ein so wertvolles Stück Eigentum zu sorgen. Sie wurde zu einer unverzichtbaren Person im Haushalt und amtierte in allen Funktionen, von der Köchin und Amme bis zur Näherin. Sie wurde für ihre Kochkünste sehr gelobt; und ihre feinen Cracker wurden in der Nachbarschaft so berühmt, dass viele Leute begierig darauf waren, sie zu erhalten. Infolge zahlreicher Bitten dieser Art bat sie ihre Herrin um Erlaubnis, nachts Cracker zu backen, nachdem die gesamte Hausarbeit erledigt war; und sie erhielt die Erlaubnis dazu, unter der Bedingung, dass sie sich selbst und ihre Kinder von den Gewinnen einkleidete. Unter diesen Bedingungen begann sie, nachdem sie den ganzen Tag hart für ihre Herrin gearbeitet hatte, ihre nächtlichen Backvorgänge, unterstützt von ihren zwei ältesten Kindern. Das Geschäft erwies sich als profitabel; und jedes Jahr legte sie ein wenig beiseite, was für einen Fonds zum Freikauf ihrer Kinder gespart wurde. Ihr Herr starb, und das Eigentum wurde unter seine Erben aufgeteilt. Die Witwe erhielt ihren Witwenteil am Hotel, das sie weiterhin offen hielt. Meine Großmutter blieb als Sklavin in ihrem Dienst; doch ihre Kinder wurden unter die Kinder ihres Herrn aufgeteilt. Da sie fünf hatte, wurde Benjamin, der Jüngste, verkauft, damit jeder Erbe einen gleichen Anteil an Dollar und Cent erhalten konnte. Es gab so wenig Unterschied in unserem Alter, dass er mir mehr wie ein Bruder als wie ein Onkel vorkam. Er war ein aufgeweckter, gut aussehender Junge, fast weiß; denn er hatte den Teint geerbt, den meine Großmutter von angelsächsischen Vorfahren erhalten hatte. Obwohl er erst zehn Jahre alt war, wurden siebenhundertzwanzig Dollar für ihn bezahlt. Sein Verkauf war ein schrecklicher Schlag für meine Großmutter; doch sie war von Natur aus hoffnungsvoll, und sie ging mit erneuerter Energie an die Arbeit, im Vertrauen darauf, mit der Zeit einige ihrer Kinder freikaufen zu können. Sie hatte dreihundert Dollar zurückgelegt, um die ihre Herrin eines Tages als Darlehen bat, mit dem Versprechen, sie bald zurückzuzahlen. Der Leser weiß wahrscheinlich, dass kein Versprechen und kein Schriftstück, das einem Sklaven gegeben wird, rechtlich bindend ist; denn nach den Gesetzen des Südens kann ein Sklave, da er Eigentum ist, kein Eigentum besitzen. Als meine Großmutter ihrer Herrin ihren hart verdienten Lohn lieh, vertraute sie allein auf deren Ehre. Die Ehre eines Sklavenhalters gegenüber einem Sklaven!
Dieser guten Großmutter verdankte ich viele Annehmlichkeiten. Mein Bruder Willie und ich erhielten oft Teile der Cracker, Kuchen und Eingemachten, die sie zum Verkauf herstellte; und nachdem wir keine Kinder mehr waren, verdankten wir ihr viele weitere wichtige Dienste.
Dies waren die ungewöhnlich glücklichen Umstände meiner frühen Kindheit. Als ich sechs Jahre alt war, starb meine Mutter; und da erfuhr ich zum ersten Mal durch das Gerede um mich herum, dass ich eine Sklavin war. Die Herrin meiner Mutter war die Tochter der Herrin meiner Großmutter. Sie war die Pflegeschwester meiner Mutter; beide wurden an der Brust meiner Großmutter genährt. Tatsächlich war meine Mutter mit drei Monaten abgestillt worden, damit der Säugling der Herrin genügend Nahrung erhalten konnte. Sie spielten als Kinder zusammen; und als sie Frauen wurden, war meine Mutter eine höchst treue Dienerin für ihre weißere Pflegeschwester. Auf dem Sterbebett versprach ihre Herrin, dass ihre Kinder niemals an irgendetwas Mangel leiden sollten; und ihr Leben lang hielt sie ihr Wort. Sie alle sprachen freundlich von meiner verstorbenen Mutter, die nur dem Namen nach eine Sklavin gewesen war, im Wesen aber edel und mütterlich. Ich trauerte um sie, und mein junger Geist war beunruhigt bei dem Gedanken, wer nun für mich und meinen kleinen Bruder sorgen würde. Mir wurde gesagt, dass mein Zuhause nun bei ihrer Herrin sein sollte; und ich empfand es als ein glückliches. Mir wurden keine mühsamen oder unangenehmen Pflichten auferlegt. Meine Herrin war so freundlich zu mir, dass ich immer froh war, ihrem Geheiß zu folgen, und stolz darauf, so viel für sie zu arbeiten, wie meine jungen Jahre es erlaubten. Ich saß stundenlang an ihrer Seite und nähte fleißig, mit einem Herzen, das so frei von Sorgen war wie das eines jeden frei geborenen weißen Kindes. Wenn sie dachte, ich sei müde, schickte sie mich hinaus, um zu rennen und zu springen; und ich sprang davon, um Beeren oder Blumen zu sammeln, um ihr Zimmer zu schmücken. Das waren glückliche Tage – zu glücklich, um von Dauer zu sein. Das Sklavenkind dachte nicht an morgen; doch es kam jene Fäulnis, die allzu sicher auf jedes menschliche Wesen wartet, das dazu geboren ist, ein bewegliches Gut zu sein.
Als ich fast zwölf Jahre alt war, erkrankte meine gütige Herrin und starb. Als ich sah, wie die Wange blasser wurde und der Blick gläserner, betete ich in meinem Herzen so inständig, dass sie leben möge! Ich liebte sie; denn sie war mir fast wie eine Mutter gewesen. Meine Gebete wurden nicht erhört. Sie starb, und sie begruben sie auf dem kleinen Kirchhof, wo meine Tränen Tag für Tag auf ihr Grab fielen.
Ich wurde geschickt, eine Woche bei meiner Großmutter zu verbringen. Ich war nun alt genug, um an die Zukunft zu denken; und immer wieder fragte ich mich, was sie mit mir tun würden. Ich war sicher, ich würde niemals wieder eine Herrin finden, die so freundlich war wie die, die gegangen war. Sie hatte meiner sterbenden Mutter versprochen, dass ihre Kinder niemals an irgendetwas Mangel leiden sollten; und als ich mich daran erinnerte und an ihre vielen Beweise der Anhänglichkeit an mich zurückdachte, konnte ich nicht umhin, die Hoffnung zu hegen, dass sie mich frei gelassen hatte. Meine Freunde waren fast sicher, dass es so sein würde. Sie dachten, sie würde es sicher tun, wegen der Liebe und des treuen Dienstes meiner Mutter. Aber ach! Wir wissen alle, dass das Andenken an eine treue Sklavin nicht viel dazu beitragen kann, ihre Kinder vor dem Auktionsblock zu retten.
Nach einer kurzen Zeit der Ungewissheit wurde das Testament meiner Herrin verlesen, und wir erfuhren, dass sie mich der Tochter ihrer Schwester vermacht hatte, einem Kind von fünf Jahren. So schwanden unsere Hoffnungen. Meine Herrin hatte mich die Gebote von Gottes Wort gelehrt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“ Aber ich war ihre Sklavin, und ich nehme an, sie erkannte mich nicht als ihre Nächste an. Ich würde vieles geben, um dieses eine große Unrecht aus meinem Gedächtnis zu löschen. Als Kind liebte ich meine Herrin; und wenn ich auf die glücklichen Tage zurückblicke, die ich mit ihr verbrachte, versuche ich, mit weniger Bitterkeit an diesen Akt der Ungerechtigkeit zu denken. Während ich bei ihr war, lehrte sie mich lesen und buchstabieren; und für dieses Privileg, das so selten dem Schicksal eines Sklaven zuteilwird, segne ich ihr Andenken.
Sie besaß nur wenige Sklaven; und bei ihrem Tod wurden diese alle unter ihre Verwandten verteilt. Fünf von ihnen waren die Kinder meiner Großmutter und hatten dieselbe Milch geteilt, die die Kinder ihrer Mutter genährt hatte. Trotz des langen und treuen Dienstes meiner Großmutter für ihre Besitzer entkam keines ihrer Kinder dem Auktionsblock. Diese gottbeseelten Maschinen sind in den Augen ihrer Herren nicht mehr als die Baumwolle, die sie pflanzen, oder die Pferde, die sie pflegen.
II. Der neue Herr und die neue Herrin
Dr. Flint, ein Arzt in der Nachbarschaft, hatte die Schwester meiner Herrin geheiratet, und ich war nun das Eigentum ihrer kleinen Tochter. Es war nicht ohne Murren, dass ich mich auf mein neues Zuhause vorbereitete; und was mein Unglück noch vergrößerte, war die Tatsache, dass mein Bruder William von derselben Familie gekauft wurde. Mein Vater hatte durch seine Natur, sowie durch die Gewohnheit, als geschickter Mechaniker Geschäfte zu führen, mehr von den Gefühlen eines freien Mannes, als unter Sklaven üblich ist. Mein Bruder war ein temperamentvoller Junge; und da er unter solch einem Einfluss aufwuchs, verabscheute er schon früh die Namen Herr und Herrin. Eines Tages, als sein Vater und seine Herrin ihn gleichzeitig riefen, zögerte er zwischen beiden; er war verwirrt, weil er nicht wusste, wer den stärkeren Anspruch auf seinen Gehorsam hatte. Er entschied sich schließlich, zu seiner Herrin zu gehen. Als mein Vater ihn deswegen tadelte, sagte er: „Ihr habt mich beide gerufen, und ich wusste nicht, zu wem ich zuerst gehen sollte.“
„Du bist mein Kind“, antwortete unser Vater, „und wenn ich dich rufe, solltest du sofort kommen, selbst wenn du durch Feuer und Wasser gehen müsstest.“
Armer Willie! Er musste nun seine erste Lektion im Gehorsam gegenüber einem Herrn lernen. Großmutter versuchte, uns mit hoffnungsvollen Worten aufzumuntern, und sie fanden ein Echo in den leichtgläubigen Herzen der Jugend.
Als wir unser neues Zuhause betraten, begegneten uns kalte Blicke, kalte Worte und eine kalte Behandlung. Wir waren froh, als die Nacht kam. Auf meinem schmalen Bett stöhnte und weinte ich, ich fühlte mich so trostlos und allein.
Ich war dort fast ein Jahr, als eine liebe kleine Freundin von mir beerdigt wurde. Ich hörte ihre Mutter schluchzen, als die Erdschollen auf den Sarg ihres einzigen Kindes fielen, und ich wandte mich vom Grab ab, dankbar, dass ich noch etwas zum Lieben hatte. Ich traf meine Großmutter, die sagte: „Komm mit mir, Linda;“ und an ihrem Tonfall wusste ich, dass etwas Trauriges geschehen war. Sie führte mich abseits von den Leuten und sagte dann: „Mein Kind, dein Vater ist tot.“ Tot! Wie konnte ich das glauben? Er war so plötzlich gestorben, dass ich nicht einmal gehört hatte, dass er krank war. Ich ging mit meiner Großmutter nach Hause. Mein Herz rebellierte gegen Gott, der mir Mutter, Vater, Herrin und Freundin genommen hatte. Die gute Großmutter versuchte mich zu trösten. „Wer kennt die Wege Gottes?“, sagte sie. „Vielleicht wurden sie freundlich aus den kommenden bösen Tagen hinweggenommen.“ Jahre später dachte ich oft daran. Sie versprach, ihren Enkelkindern eine Mutter zu sein, soweit es ihr gestattet sein würde; und gestärkt durch ihre Liebe kehrte ich zu meinem Herrn zurück. Ich dachte, ich dürfe am nächsten Morgen zum Haus meines Vaters gehen; aber mir wurde befohlen, Blumen zu holen, damit das Haus meiner Herrin für eine Abendgesellschaft geschmückt werden konnte. Ich verbrachte den Tag damit, Blumen zu sammeln und sie in Girlanden zu flechten, während der tote Körper meines Vaters keine Meile von mir entfernt lag. Was scherte das meine Besitzer? Er war lediglich ein Stück Eigentum. Außerdem dachten sie, er habe seine Kinder verdorben, indem er sie gelehrt habe, zu fühlen, dass sie menschliche Wesen seien. Dies war eine blasphemische Lehre für einen Sklaven; anmaßend von ihm und gefährlich für die Herren.
Am nächsten Tag folgte ich seinen sterblichen Überresten zu einem bescheidenen Grab neben dem meiner lieben Mutter. Es gab Menschen, die den Wert meines Vaters kannten und sein Andenken respektierten.
Mein Zuhause erschien mir nun trostloser als je zuvor. Das Lachen der kleinen Sklavenkinder klang hart und grausam. Es war egoistisch, so über die Freude anderer zu fühlen. Mein Bruder bewegte sich mit einem sehr ernsten Gesicht. Ich versuchte ihn zu trösten, indem ich sagte: „Fass Mut, Willie; hellere Tage werden nach und nach kommen.“
„Du weißt nichts darüber, Linda“, antwortete er. „Wir werden unser ganzes Leben hier bleiben müssen; wir werden niemals frei sein.“
Ich argumentierte, dass wir älter und stärker würden und dass wir vielleicht bald die Erlaubnis erhalten könnten, unsere eigene Zeit zu mieten, und dann könnten wir Geld verdienen, um unsere Freiheit zu kaufen. William erklärte, das sei viel leichter gesagt als getan; außerdem beabsichtige er nicht, seine Freiheit zu kaufen. Wir führten tägliche Kontroversen über dieses Thema.
Benjamin war in dieser Zeit ein hübscher junger Mann geworden, der bei den anderen Sklaven sehr beliebt war. Er besaß einen natürlichen Scharfsinn und war, trotz der Unterdrückung, der er unterworfen war, stolz und freiheitsliebend geblieben. Er arbeitete als Tischler und war in seinem Handwerk so geschickt, dass sein Besitzer ihn oft an Leute in der Stadt auslieh, die seine Dienste benötigten. Durch seinen Fleiß und seine Sparsamkeit war es ihm gelungen, eine kleine Summe Geld beiseitezulegen, mit der er hoffte, sich eines Tages freikaufen zu können. Doch Dr. Flint, der immer ein wachsames Auge auf ihn hatte, erfuhr davon und nahm ihm das Geld weg, mit der Begründung, ein Sklave dürfe kein Eigentum besitzen. Benjamin war zutiefst gekränkt, doch er verbarg seinen Zorn hinter einer Maske der Unterwerfung, was seinen Herrn nur noch mehr misstrauisch machte.
Eines Tages geriet Benjamin in eine Auseinandersetzung mit einem weißen Arbeiter, der ihn ohne Grund beleidigt hatte. Benjamin wehrte sich, und es kam zu einem Handgemenge, bei dem der weiße Mann zu Boden ging. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Es hieß, ein Sklave habe es gewagt, die Hand gegen einen Weißen zu erheben. Die Wut der weißen Bevölkerung war grenzenlos, und Dr. Flint, der jede Gelegenheit nutzte, um seine Macht zu demonstrieren, ließ Benjamin in das Gefängnis werfen. Man beschuldigte ihn des Aufruhrs und drohte ihm mit der Auspeitschung. Ich war außer mir vor Angst um ihn. Jeden Tag schlich ich zum Gefängnis, um zu hören, wie es ihm ging, doch man verwehrte mir den Zutritt.
Während Benjamin im Kerker schmachtete, verbreitete sich das Gerücht, er solle verkauft und in den tiefen Süden verschleppt werden. Dieser Gedanke war unerträglich. Meine Großmutter weinte Tag und Nacht, und ich versuchte, ihr Trost zu spenden, obwohl mein eigenes Herz vor Kummer fast zerbrach. Schließlich wurde Benjamin aus dem Gefängnis geholt, doch statt ihn freizulassen, wurde er an einen Händler verkauft, der ihn in Ketten fortbrachte. Ich werde nie den letzten Blick vergessen, den er mir zuwarf, als er auf den Wagen geladen wurde; er wirkte so tapfer und doch so verloren. In diesem Moment begriff ich, dass es für uns keinen Schutz gab, solange wir dem Willen solcher Männer ausgeliefert waren.
Von diesem Tag an änderte sich etwas in mir. Die kindliche Hoffnung, dass wir durch Gehorsam und Demut unser Los verbessern könnten, war endgültig erloschen. Ich sah nun deutlicher als je zuvor die Grausamkeit des Systems, das uns nicht als Menschen, sondern als bloße Handelsware betrachtete. Mein Entschluss, eines Tages frei zu sein, festigte sich zu einer unerschütterlichen Überzeugung. Ich wusste, dass es ein langer und gefährlicher Weg werden würde, doch die Erinnerung an Benjamin, der für seine Selbstachtung einen so hohen Preis gezahlt hatte, gab mir die Kraft, den Kampf fortzusetzen. Ich begann, jeden Umstand zu beobachten, jede Schwäche meiner Unterdrücker zu studieren, in der Hoffnung, eines Tages die Gelegenheit zu finden, meine Fesseln zu sprengen.
Ich zog sie aus, ebenso meine Strümpfe. Dann schickte sie mich auf eine Besorgung, die mich weit weg führte. Als ich durch den Schnee ging, kribbelten meine nackten Füße. In jener Nacht war ich sehr heiser; ich ging zu Bett mit dem Gedanken, dass ich am nächsten Tag krank, vielleicht sogar tot sein würde. Welcher Kummer beim Erwachen, als ich feststellte, dass ich völlig gesund war!
Ich hatte mir eingebildet, wenn ich stürbe oder für einige Zeit ans Bett gefesselt wäre, würde meine Herrin von Gewissensbissen geplagt werden, weil sie „den kleinen Wicht“, wie sie mich nannte, so gehasst hatte. Es war meine Unkenntnis über diese Herrin, die zu solch ausschweifenden Vorstellungen geführt hatte.
Dr. Flint bekam gelegentlich hohe Preise für mich geboten; doch er sagte immer: „Sie gehört nicht mir. Sie ist das Eigentum meiner Tochter, und ich habe kein Recht, sie zu verkaufen.“ Ein guter, ehrlicher Mann! Meine junge Herrin war noch ein Kind, und ich konnte von ihr keinen Schutz erwarten. Ich liebte sie, und sie erwiderte meine Zuneigung. Einmal hörte ich ihren Vater auf ihre Anhänglichkeit mir gegenüber anspielen; seine Frau erwiderte prompt, sie rühre von Angst her. Dies weckte unangenehme Zweifel in mir. Heuchelte das Kind etwas, was es nicht fühlte? Oder war ihre Mutter eifersüchtig auf das bisschen Liebe, das sie mir entgegenbrachte? Ich kam zu dem Schluss, dass es Letzteres sein müsse. Ich sagte mir: „Sicherlich, kleine Kinder sind aufrichtig.“
Eines Nachmittags saß ich bei meiner Näharbeit und verspürte eine ungewöhnliche Niedergeschlagenheit. Meine Herrin hatte mich eines Vergehens beschuldigt, von dem ich ihr versicherte, dass ich vollkommen unschuldig sei; doch an dem verächtlichen Kräuseln ihrer Lippen sah ich, dass sie glaubte, ich loge.
Ich fragte mich, zu welchem weisen Zweck Gott mich durch solch dornige Pfade führte und ob noch dunklere Tage vor mir lägen. Während ich so nachsann, öffnete sich die Tür leise, und William trat ein. „Nun, Bruder“, sagte ich, „was ist diesmal los?“
„O Linda, Ben und sein Herr hatten eine schreckliche Auseinandersetzung!“, sagte er.
Mein erster Gedanke war, dass Benjamin getötet worden sei. „Hab keine Angst, Linda“, sagte William; „ich werde dir alles darüber erzählen.“
Es schien, als habe Benjamins Herr ihn zu sich gerufen, und er war der Aufforderung nicht sofort nachgekommen. Als er es tat, war sein Herr zornig und begann, ihn auszupeitschen. Er leistete Widerstand. Herr und Sklave kämpften, und schließlich wurde der Herr zu Boden geworfen. Benjamin hatte Grund zu zittern; denn er hatte seinen Herrn zu Boden geschleudert – einen der reichsten Männer der Stadt. Ich erwartete ängstlich den Ausgang.
In jener Nacht schlich ich zum Haus meiner Großmutter, und Benjamin schlich ebenfalls von seinem Herrn dorthin. Meine Großmutter war verreist, um ein oder zwei Tage bei einer alten Freundin auf dem Land zu verbringen.
„Ich bin gekommen“, sagte Benjamin, „um dir Lebewohl zu sagen. Ich gehe fort.“
Ich fragte, wohin.
„In den Norden“, antwortete er.
Ich sah ihn an, um zu sehen, ob es ihm ernst war. Ich sah es in seinem festen, entschlossenen Mund. Ich flehte ihn an, nicht zu gehen, doch er achtete nicht auf meine Worte. Er sagte, er sei kein Junge mehr, und jeder Tag mache sein Joch drückender. Er habe die Hand gegen seinen Herrn erhoben und solle dafür öffentlich ausgepeitscht werden. Ich erinnerte ihn an die Armut und die Entbehrungen, denen er unter Fremden begegnen müsse. Ich sagte ihm, er könne gefasst und zurückgebracht werden; und daran zu denken, sei schrecklich.
Er wurde ungehalten und fragte, ob Armut und Entbehrungen in Freiheit nicht vorzuziehen seien gegenüber unserer Behandlung in der Sklaverei. „Linda“, fuhr er fort, „wir sind hier Hunde; Fußbälle, Vieh, alles, was niederträchtig ist. Nein, ich bleibe nicht. Sollen sie mich zurückbringen. Wir sterben nur einmal.“
Er hatte recht; doch es war schwer, ihn aufzugeben. „Geh“, sagte ich, „und brich deiner Mutter das Herz.“
Ich bereute meine Worte, noch ehe sie ausgesprochen waren.
„Linda“, sagte er, in einem Ton, wie ich ihn an diesem Abend noch nicht gehört hatte, „wie konntest du das sagen? Arme Mutter! Sei gütig zu ihr, Linda; und du auch, Cousine Fanny.“
Cousine Fanny war eine Freundin, die einige Jahre bei uns gelebt hatte.
Abschiede wurden gewechselt, und der aufgeweckte, gütige Junge, der uns durch so viele Taten der Liebe ans Herz gewachsen war, verschwand aus unserem Blickfeld.
Es ist nicht nötig zu schildern, wie er seine Flucht bewerkstelligte. Es genügt zu sagen, dass er auf dem Weg nach New York war, als ein heftiger Sturm das Schiff einholte. Der Kapitän sagte, er müsse den nächsten Hafen anlaufen. Dies beunruhigte Benjamin, der wusste, dass er in jedem Hafen in der Nähe seiner Heimatstadt zur Fahndung ausgeschrieben sein würde. Seine Verlegenheit blieb dem Kapitän nicht verborgen. Sie liefen den Hafen an. Dort fiel dem Kapitän die Anzeige ins Auge. Benjamin entsprach der Beschreibung so genau, dass der Kapitän ihn packte und in Ketten legte. Der Sturm legte sich, und sie setzten die Reise nach New York fort. Vor Erreichen dieses Hafens gelang es Benjamin, seine Ketten abzulegen und über Bord zu werfen. Er entkam dem Schiff, wurde jedoch verfolgt, gefangen genommen und zu seinem Herrn zurückgebracht.
Als meine Großmutter nach Hause zurückkehrte und erfuhr, dass ihr jüngstes Kind geflohen war, war ihr Kummer groß; doch mit charakteristischer Frömmigkeit sagte sie: „Gottes Wille geschehe.“ Jeden Morgen fragte sie, ob es Nachrichten von ihrem Jungen gebe. Ja, es gab Nachrichten. Der Herr freute sich über einen Brief, der die Gefangennahme seines menschlichen Eigentums verkündete.
Jener Tag scheint wie gestern, so gut erinnere ich mich daran. Ich sah, wie er in Ketten durch die Straßen ins Gefängnis geführt wurde. Sein Gesicht war totenbless, doch voller Entschlossenheit. Er hatte einen der Matrosen angefleht, zum Haus seiner Mutter zu gehen und sie zu bitten, ihm nicht entgegenzukommen. Er sagte, der Anblick ihres Kummers würde ihm jede Selbstbeherrschung rauben. Sie sehnte sich danach, ihn zu sehen, und sie ging; doch sie hielt sich in der Menge verborgen, damit es so käme, wie ihr Kind es gesagt hatte.
Uns war es nicht gestattet, ihn zu besuchen; doch wir kannten den Gefängniswärter seit Jahren, und er war ein gütiger Mann. Um Mitternacht öffnete er meiner Großmutter und mir die Gefängnistür, damit wir, verkleidet, eintreten konnten. Als wir die Zelle betraten, durchbrach kein Laut die Stille. „Benjamin, Benjamin!“, flüsterte meine Großmutter. Keine Antwort. „Benjamin!“, stammelte sie erneut. Es gab ein Klirren von Ketten. Der Mond war gerade aufgegangen und warf ein unsicheres Licht durch die Gitterstäbe des Fensters. Wir knieten nieder und nahmen Benjamins kalte Hände in unsere. Wir sprachen nicht. Schluchzen war zu hören, und Benjamins Lippen lösten sich; denn seine Mutter weinte an seinem Hals. Wie lebendig ruft das Gedächtnis jene traurige Nacht zurück! Mutter und Sohn sprachen miteinander. Er bat sie um Verzeihung für das Leid, das er ihr zugefügt hatte. Sie sagte, sie habe nichts zu vergeben; sie könne seinen Wunsch nach Freiheit nicht tadeln. Er erzählte ihr, dass er, als er gefangen genommen wurde, ausbrach und sich in den Fluss stürzen wollte, als Gedanken an sie über ihn kamen und er davon abließ. Sie fragte, ob er nicht auch an Gott gedacht habe. Ich meinte zu sehen, wie sein Gesicht im Mondlicht grimmig wurde. Er antwortete: „Nein, ich habe nicht an ihn gedacht. Wenn ein Mensch wie ein wildes Tier gejagt wird, vergisst er, dass es einen Gott, einen Himmel gibt. Er vergisst alles in seinem Kampf, außerhalb der Reichweite der Bluthunde zu gelangen.“
„Sprich nicht so, Benjamin“, sagte sie. „Setze dein Vertrauen auf Gott. Sei demütig, mein Kind, und dein Herr wird dir vergeben.“
„Mir vergeben wofür, Mutter? Dafür, dass ich ihn mich nicht wie einen Hund behandeln ließ? Nein! Ich werde mich niemals vor ihm demütigen. Ich habe mein ganzes Leben umsonst für ihn gearbeitet, und ich werde mit Hieben und Gefängnis belohnt. Hier werde ich bleiben, bis ich sterbe, oder bis er mich verkauft.“
Die arme Mutter schauderte bei seinen Worten. Ich glaube, er spürte es; denn als er das nächste Mal sprach, war seine Stimme ruhiger. „Gräme dich nicht um mich, Mutter. Ich bin es nicht wert“, sagte er. „Ich wünschte, ich hätte etwas von deiner Güte. Du erträgst alles geduldig, gerade so, als dächtest du, es sei alles recht so. Ich wünschte, ich könnte das.“
Sie sagte ihm, sie sei nicht immer so gewesen; einst sei sie wie er gewesen; doch als schwere Sorgen über sie kamen und sie keinen Arm hatte, an den sie sich lehnen konnte, lernte sie, zu Gott zu rufen, und er erleichterte ihre Lasten. Sie flehte ihn an, dasselbe zu tun.
Wir blieben zu lange und mussten eilig aus dem Gefängnis fliehen.
Benjamin war drei Wochen lang inhaftiert, als meine Großmutter ging, um bei seinem Herrn für ihn zu bitten. Er war unerbittlich. Er sagte, Benjamin solle als Beispiel für den Rest seiner Sklaven dienen; er solle im Gefängnis bleiben, bis er unterworfen sei, oder verkauft werden, wenn er auch nur einen Dollar für ihn bekäme. Jedoch gab er später in gewissem Maße nach. Die Ketten wurden abgenommen, und wir durften ihn besuchen.
Da seine Nahrung von der einfachsten Art war, brachten wir ihm so oft wie möglich ein warmes Abendessen, begleitet von einer kleinen Leckerei für den Wärter.
Drei Monate vergingen, und es gab keine Aussicht auf Freilassung oder einen Käufer. Eines Tages hörte man ihn singen und lachen. Diese Ungebührlichkeit wurde seinem Herrn zugetragen, und der Aufseher wurde angewiesen, ihn wieder in Ketten zu legen. Er war nun in einem Raum mit anderen Gefangenen untergebracht, die in schmutzige Lumpen gehüllt waren. Benjamin wurde in deren Nähe angekettet und war bald voller Ungeziefer. Er arbeitete an seinen Ketten, bis es ihm gelang, sich aus ihnen zu befreien. Er schob sie durch die Gitterstäbe des Fensters mit der Bitte, sie seinem Herrn zu überbringen und ihn wissen zu lassen, dass er voller Ungeziefer sei.
Diese Dreistigkeit wurde mit schwereren Ketten und einem Verbot unserer Besuche bestraft.
Meine Großmutter schickte ihm weiterhin frische Kleidung zum Wechseln. Die alten Sachen wurden verbrannt. In der letzten Nacht, als wir ihn im Gefängnis sahen, bat ihn seine Mutter immer noch, nach seinem Herrn zu schicken und ihn um Verzeihung zu bitten. Weder Überredung noch Argumente konnten ihn von seinem Vorhaben abbringen. Er antwortete ruhig: „Ich warte auf seine Zeit.“
Jene Ketten waren kläglich anzuhören.
Weitere drei Monate vergingen, und Benjamin verließ seine Gefängnismauern. Wir, die wir ihn liebten, warteten, um ihm ein langes und letztes Lebewohl zu sagen. Ein Sklavenhändler hatte ihn gekauft. Ihr erinnert euch, ich sagte euch, welchen Preis er im Alter von zehn Jahren erzielte. Nun war er über zwanzig Jahre alt und wurde für dreihundert Dollar verkauft. Der Herr war blind für seinen eigenen Vorteil gewesen. Lange Gefangenschaft hatte sein Gesicht zu bleich, seine Gestalt zu hager gemacht; zudem hatte der Händler etwas von seinem Charakter gehört, und es erschien ihm nicht als geeignet für einen Sklaven. Er sagte, er würde jeden Preis zahlen, wenn der hübsche Junge ein Mädchen wäre. Wir dankten Gott, dass er es nicht war.
Hättet ihr diese Mutter sehen können, wie sie sich an ihr Kind klammerte, als sie ihm die Eisen an die Handgelenke legten; hättet ihr ihre herzzerreißenden Stöhnen hören und ihre blutunterlaufenen Augen wild von Gesicht zu Gesicht wandern sehen können, vergeblich um Gnade flehend; hättet ihr diese Szene miterlebt, wie ich sie sah, würdet ihr ausrufen: Sklaverei ist verdammt! Benjamin, ihr Jüngster, ihr Liebling, war für immer fort! Sie konnte es nicht begreifen. Sie hatte ein Gespräch mit dem Händler gehabt, um in Erfahrung zu bringen, ob Benjamin gekauft werden könne. Ihr wurde gesagt, es sei unmöglich, da er sich verpflichtet habe, ihn nicht zu verkaufen, bevor er den Staat verlassen habe. Er versprach, ihn nicht zu verkaufen, bis er New Orleans erreicht habe.
Mit starkem Arm und unveränderlichem Vertrauen begann meine Großmutter ihr Werk der Liebe. Benjamin musste frei sein. Wenn ihr das gelang, wusste sie, würden sie dennoch getrennt bleiben; doch das Opfer war nicht zu groß. Tag und Nacht arbeitete sie. Der Preis des Händlers würde das Dreifache dessen betragen, was er gegeben hatte; doch sie ließ sich nicht entmutigen.
Sie beauftragte einen Anwalt, an einen Herrn zu schreiben, den sie in New Orleans kannte. Sie bat ihn, sich für Benjamin einzusetzen, und er kam ihrer Bitte bereitwillig nach. Als er Benjamin sah und sein Anliegen vortrug, dankte er ihm; sagte jedoch, er ziehe es vor, noch eine Weile zu warten, bevor er dem Händler ein Angebot mache. Er wusste, dass dieser versucht hatte, einen hohen Preis für ihn zu erzielen, und dabei ausnahmslos gescheitert war. Dies ermutigte ihn, einen weiteren Versuch für die Freiheit zu unternehmen. So wurde Benjamin eines Morgens, lange vor Tagesanbruch, vermisst. Er ritt über die blauen Wogen, auf dem Weg nach Baltimore.
Für einmal leistete ihm sein weißes Gesicht einen guten Dienst. Sie hatten keinen Verdacht, dass es einem Sklaven gehörte; andernfalls wäre das Gesetz buchstabengetreu befolgt und das Ding der Sklaverei zurückgegeben worden. Der hellste Himmel wird oft von den dunkelsten Wolken überschattet. Benjamin wurde krank und musste drei Wochen in Baltimore bleiben. Seine Kräfte kehrten nur langsam zurück; und sein Wunsch, seine Reise fortzusetzen, schien seine Genesung zu verzögern. Wie sollte er ohne Luft und Bewegung zu Kräften kommen? Er beschloss, einen kurzen Spaziergang zu wagen. Eine Seitenstraße wurde gewählt, wo er sich sicher wähnte, niemandem zu begegnen, der ihn kannte; doch eine Stimme rief: „Hallo, Ben, mein Junge! Was machst du denn hier?“
Sein erster Impuls war zu rennen; doch seine Beine zitterten so sehr, dass er sich nicht rühren konnte. Er drehte sich um, um seinem Widersacher gegenüberzutreten, und siehe da, dort stand der Nachbar seines alten Herrn! Er dachte, es sei nun alles vorbei mit ihm; doch es kam anders. Dieser Mann war ein Wunder. Er besaß eine stattliche Anzahl von Sklaven und war doch nicht ganz taub für jene mystische Uhr, deren Ticken in der Brust eines Sklavenhalters selten zu hören ist.
„Ben, du bist krank“, sagte er. „Du siehst ja aus wie ein Gespenst. Ich schätze, ich habe dir einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Mach dir nichts draus, Ben, ich werde dich nicht anrühren. Du hattest eine ziemlich harte Zeit, und du kannst deinetwegen frohgemut weiterziehen. Aber ich würde dir raten, schleunigst aus diesem Ort zu verschwinden, denn hier sind mehrere Herren aus unserer Stadt.“ Er beschrieb den kürzesten und sichersten Weg nach New York und fügte hinzu: „Ich werde mich freuen, deiner Mutter zu sagen, dass ich dich gesehen habe. Leb wohl, Ben.“
Benjamin wandte sich ab, erfüllt von Dankbarkeit und überrascht, dass die Stadt, die er hasste, ein solches Juwel enthielt – ein Juwel, das eines reineren Rahmens würdig wäre.
Dieser Herr war von Geburt an ein Nordstaatler und hatte eine Südstaaten-Dame geheiratet. Nach seiner Rückkehr erzählte er meiner Großmutter, dass er ihren Sohn gesehen habe und welchen Dienst er ihm erwiesen habe.
Benjamin erreichte New York sicher und beschloss, dort zu bleiben, bis er genug Kraft gesammelt hatte, um weiterzuziehen. Es fügte sich, dass der einzige verbliebene Sohn meiner Großmutter in geschäftlichen Dingen für seine Herrin in dieselbe Stadt gesegelt war. Durch Gottes Vorsehung trafen sich die Brüder. Ihr könnt sicher sein, es war ein glückliches Wiedersehen. „O Phil“, rief Benjamin aus, „ich bin endlich hier.“ Dann erzählte er ihm, wie nah er dem Tode gewesen sei, fast in Sichtweite des freien Landes, und wie er gebetet habe, dass er leben möge, um einen Atemzug freier Luft zu bekommen. Er sagte, das Leben sei jetzt etwas wert, und es wäre schwer zu sterben. Im alten Gefängnis hatte er es nicht geschätzt; einmal war er versucht, es zu beenden; doch irgendetwas, er wusste nicht was, hatte ihn daran gehindert; vielleicht war es Angst. Er hatte von Leuten, die sich als religiös bezeichnen, sagen hören, es gebe keinen Himmel für Selbstmörder; und da sein Leben hier ziemlich heiß gewesen war, begehrte er keine Fortsetzung desselben in einer anderen Welt. „Wenn ich jetzt sterbe“, rief er aus, „danke Gott, werde ich als freier Mann sterben!“
Er flehte meinen Onkel Phillip an, nicht in den Süden zurückzukehren; sondern zu bleiben und mit ihm zu arbeiten, bis sie genug verdient hätten, um die zu Hause zu kaufen. Sein Bruder sagte ihm, es würde ihre Mutter umbringen, wenn er sie in ihrer Not im Stich ließe. Sie hatte ihr Haus verpfändet und mit Mühe Geld aufgebracht, um ihn zu kaufen. Sollte er gekauft werden?
„Nein, niemals!“, antwortete er. „Glaubst du, Phil, wenn ich so weit aus ihren Klauen entkommen bin, werde ich ihnen auch nur einen roten Cent geben? Nein! Und glaubst du, ich würde Mutter in ihrem Alter aus ihrem Haus vertreiben? Dass ich zulassen würde, dass sie all diese hart verdienten Dollar für mich bezahlt und mich nie wiedersieht? Denn du weißt, sie wird im Süden bleiben, solange ihre anderen Kinder Sklaven sind. Was für eine gute Mutter! Sag ihr, sie soll dich kaufen, Phil. Du warst ihr ein Trost, und ich war ein Kummer. Und Linda, die arme Linda; was wird aus ihr werden? Phil, du weißt nicht, was für ein Leben sie ihr bereiten. Sie hat mir einiges darüber erzählt, und ich wünschte, der alte Flint wäre tot oder ein besserer Mensch. Als ich im Gefängnis war, fragte er sie, ob sie nicht wolle, dass er meinen Herrn bitte, mir zu vergeben und mich wieder nach Hause zu nehmen. Sie sagte ihm: Nein; dass ich nicht zurückwollte. Er wurde wütend und sagte, wir seien alle gleich. Ich habe meinen eigenen Herrn nie halb so sehr verachtet wie diesen Mann. Es gibt viele schlimmere Sklavenhalter als meinen Herrn; aber trotzdem möchte ich nicht sein Sklave sein.“
Während Benjamin krank war, hatte er sich von fast all seiner Kleidung getrennt, um notwendige Ausgaben zu bezahlen. Aber er trennte sich nicht von einer kleinen Nadel, die ich an seiner Brust befestigt hatte, als wir uns trennten. Es war das Wertvollste, das ich besaß, und ich dachte, niemand sei würdiger, sie zu tragen. Er hatte sie immer noch.
Sein Bruder versorgte ihn mit Kleidung und gab ihm, was er an Geld hatte.
Sie trennten sich mit feuchten Augen; und als Benjamin sich abwandte, sagte er: „Phil, ich trenne mich von all meinen Verwandten.“ Und so kam es. Wir haben nie wieder von ihm gehört.
Onkel Phillip kam nach Hause; und die ersten Worte, die er sprach, als er das Haus betrat, waren: „Mutter, Ben ist frei! Ich habe ihn in New York gesehen.“ Sie stand da und sah ihn mit verwirrtem Blick an. „Mutter, glaubst du es nicht?“, sagte er und legte seine Hand sanft auf ihre Schulter. Sie hob ihre Hände und rief aus: „Gott sei gepriesen! Lasst uns ihm danken.“ Sie sank auf die Knie und schüttete ihr Herz im Gebet aus. Dann musste Phillip sich hinsetzen und ihr jedes Wort wiederholen, das Benjamin gesagt hatte. Er erzählte ihr alles; nur unterließ er es zu erwähnen, wie krank und bleich ihr Liebling aussah. Warum sollte er sie bekümmern, wenn sie ihm doch nicht helfen konnte?
Die tapfere alte Frau arbeitete immer weiter, in der Hoffnung, einige ihrer anderen Kinder zu retten. Nach einer Weile gelang es ihr, Phillip zu kaufen. Sie zahlte achthundert Dollar und kam mit dem kostbaren Dokument nach Hause, das seine Freiheit sicherte. Die glückliche Mutter und ihr Sohn saßen an jenem Abend zusammen am alten Herdfeuer und erzählten einander, wie stolz sie aufeinander seien und wie sie der Welt beweisen würden, dass sie für sich selbst sorgen könnten, so wie sie lange Zeit für andere gesorgt hatten. Wir schlossen alle mit den Worten: „Wer bereit ist, Sklave zu sein, der sei ein Sklave.“
Während der ersten Jahre meines Dienstes in der Familie von Dr. Flint war ich daran gewöhnt, gewisse Vergünstigungen mit den Kindern meiner Herrin zu teilen. Obwohl mir dies nur recht und billig erschien, war ich dankbar dafür und versuchte, mir diese Güte durch die treue Erfüllung meiner Pflichten zu verdienen. Doch nun trat ich in mein fünfzehntes Lebensjahr – eine traurige Epoche im Leben eines Sklavenmädchens. Mein Herr begann, mir abscheuliche Worte ins Ohr zu flüstern. So jung ich auch war, konnte ich deren Bedeutung nicht verkennen. Ich versuchte, ihnen mit Gleichgültigkeit oder Verachtung zu begegnen. Das Alter des Herrn, meine äußerste Jugend und die Furcht, dass sein Verhalten meiner Großmutter zu Ohren kommen könnte, veranlassten ihn, diese Behandlung viele Monate lang zu ertragen. Er war ein verschlagener Mann und griff zu vielen Mitteln, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal legte er stürmische, erschreckende Arten an den Tag, die seine Opfer erzittern ließen; manchmal nahm er eine Sanftmut an, von der er glaubte, sie müsse gewiss gefügig machen. Von beidem waren mir seine stürmischen Launen lieber, obwohl sie mich zitternd zurückließen. Er versuchte sein Äußerstes, um die reinen Grundsätze zu verderben, die meine Großmutter mir eingeprägt hatte. Er bevölkerte meinen jungen Geist mit unreinen Bildern, wie sie sich nur ein abscheuliches Monster ausdenken konnte. Ich wandte mich mit Abscheu und Hass von ihm ab. Aber er war mein Herr. Ich war gezwungen, unter demselben Dach mit ihm zu leben – wo ich täglich mit ansehen musste, wie ein Mann, der vierzig Jahre älter war als ich, die heiligsten Gebote der Natur verletzte. Er sagte mir, ich sei sein Eigentum; dass ich in allen Dingen seinem Willen unterworfen sein müsse. Meine Seele empörte sich gegen diese niederträchtige Tyrannei. Doch wohin konnte ich mich um Schutz wenden? Es spielt keine Rolle, ob das Sklavenmädchen so schwarz wie Ebenholz ist oder so hellhäutig wie ihre Herrin. In jedem Fall gibt es keinen Schatten eines Gesetzes, das sie vor Beleidigung, vor Gewalt oder gar vor dem Tod schützt; all dies wird von Ungeheuern zugefügt, die die Gestalt von Männern tragen. Die Herrin, die das hilflose Opfer eigentlich beschützen sollte, hegt für sie keine anderen Gefühle als Eifersucht und Wut. Die Erniedrigung, das Unrecht, die Laster, die aus der Sklaverei erwachsen, sind mehr, als ich beschreiben kann. Sie sind größer, als ihr willentlich glauben würdet. Sicherlich, würdet ihr nur die Hälfte der Wahrheiten glauben, die man euch über die hilflosen Millionen erzählt, die in dieser grausamen Knechtschaft leiden, würdet ihr im Norden nicht dabei helfen, das Joch fester zu schnallen. Ihr würdet euch sicherlich weigern, auf eurem eigenen Boden für den Herrn die niederträchtige und grausame Arbeit zu verrichten, die abgerichtete Bluthunde und die unterste Schicht der Weißen im Süden für ihn erledigen.
Überall bringen die Jahre für alle genug an Sünde und Leid; doch in der Sklaverei ist selbst das erste Morgengrauen des Lebens von diesen Schatten verdunkelt. Sogar das kleine Kind, das daran gewöhnt ist, ihrer Herrin und deren Kindern aufzuwarten, wird vor ihrem zwölften Lebensjahr erfahren, warum ihre Herrin den einen oder anderen Sklaven hasst. Vielleicht gehört die eigene Mutter des Kindes zu den Gehassten. Sie lauscht den heftigen Ausbrüchen eifersüchtiger Leidenschaft und kann nicht anders, als den Grund zu verstehen. Sie wird vorzeitig wissend in bösen Dingen. Bald wird sie lernen zu zittern, wenn sie den Schritt ihres Herrn hört. Sie wird gezwungen sein zu erkennen, dass sie kein Kind mehr ist. Wenn Gott ihr Schönheit verliehen hat, wird sich diese als ihr größter Fluch erweisen. Was bei der weißen Frau Bewunderung hervorruft, beschleunigt bei der Sklavin nur die Erniedrigung. Ich weiß, dass manche durch die Sklaverei zu sehr abgestumpft sind, um die Demütigung ihrer Lage zu spüren; doch viele Sklaven empfinden sie aufs Äußerste und schrecken vor der Erinnerung daran zurück. Ich kann nicht sagen, wie sehr ich unter der Gegenwart dieses Unrechts gelitten habe, noch wie sehr ich noch immer von dem Rückblick gequält werde. Mein Herr begegnete mir auf Schritt und Tritt, erinnerte mich daran, dass ich ihm gehörte, und schwor bei Himmel und Erde, dass er mich zwingen würde, mich ihm zu fügen. Wenn ich nach einem Tag unermüdlicher Plackerei ins Freie ging, um einen Atemzug frische Luft zu schnappen, verfolgten mich seine Schritte. Wenn ich am Grab meiner Mutter kniete, fiel sein dunkler Schatten selbst dort auf mich. Das leichte Herz, das die Natur mir gegeben hatte, wurde schwer von traurigen Vorahnungen. Die anderen Sklaven im Haus meines Herrn bemerkten die Veränderung. Viele von ihnen bemitleideten mich, doch niemand wagte es, nach dem Grund zu fragen. Sie brauchten nicht zu fragen. Sie wussten nur allzu gut um die sündhaften Praktiken unter diesem Dach; und sie waren sich bewusst, dass es ein Vergehen war, das niemals ungestraft blieb, darüber zu sprechen.
Ich sehnte mich nach jemandem, dem ich mich anvertrauen konnte. Ich hätte die Welt darum gegeben, meinen Kopf an die treue Brust meiner Großmutter zu legen und ihr all meine Nöte zu klagen. Doch Dr. Flint schwor, er würde mich töten, wenn ich nicht so schweigsam wie das Grab wäre. Obwohl meine Großmutter mein Ein und Alles war, fürchtete ich sie ebenso sehr, wie ich sie liebte. Ich war es gewohnt, zu ihr mit einem Respekt aufzublicken, der an Ehrfurcht grenzte. Ich war sehr jung und schämte mich, ihr solch unreine Dinge zu erzählen, zumal ich wusste, dass sie in dieser Hinsicht sehr streng war. Zudem war sie eine Frau von hohem Geist. Sie war in ihrem Auftreten gewöhnlich sehr ruhig; doch war ihr Zorn erst einmal geweckt, war er nicht leicht zu bändigen. Mir war erzählt worden, dass sie einst einen weißen Herrn mit einer geladenen Pistole verfolgt hatte, weil er eine ihrer Töchter beleidigt hatte. Ich fürchtete die Folgen eines heftigen Ausbruchs; und sowohl Stolz als auch Furcht hielten mich stumm. Doch obwohl ich mich meiner Großmutter nicht anvertraute und sogar ihrer wachsamen Aufmerksamkeit und Nachforschung auswich, war ihre Anwesenheit in der Nachbarschaft ein gewisser Schutz für mich. Obwohl sie selbst Sklavin gewesen war, fürchtete Dr. Flint sie. Er fürchtete ihre vernichtenden Zurechtweisungen. Zudem war sie vielen Leuten bekannt und wurde von ihnen unterstützt; und er wollte nicht, dass seine Schurkerei öffentlich wurde. Es war mein Glück, dass ich nicht auf einer abgelegenen Plantage lebte, sondern in einer Stadt, die nicht so groß war, dass die Bewohner nichts von den Angelegenheiten der anderen wussten. So schlecht die Gesetze und Bräuche in einer sklavenhaltenden Gemeinschaft auch sind, der Doktor hielt es als Mann von Stand für klug, einen gewissen äußeren Schein von Anstand zu wahren.
O, welche Tage und Nächte voller Angst und Sorgen bereitete mir dieser Mann! Leser, ich erzähle dir nicht deshalb wahrheitsgemäß, was ich in der Sklaverei erlitt, um Mitleid für mich selbst zu erwecken. Ich tue es, um in euren Herzen eine Flamme des Mitgefühls für meine Schwestern zu entzünden, die noch immer in Knechtschaft sind und so leiden, wie ich einst litt.
Ich sah einmal zwei wunderschöne Kinder miteinander spielen. Das eine war ein hellhäutiges weißes Kind; das andere war ihre Sklavin und zugleich ihre Schwester. Als ich sie sah, wie sie sich umarmten, und ihr freudiges Lachen hörte, wandte ich mich traurig von dem schönen Anblick ab. Ich ahnte das unvermeidliche Verderben voraus, das über das Herz des kleinen Sklavenmädchens kommen würde. Ich wusste, wie bald ihr Lachen in Seufzer verwandelt werden würde. Das weiße Kind wuchs zu einer noch schöneren Frau heran. Von der Kindheit bis zum Frausein war ihr Pfad mit Blumen blühend und von einem sonnigen Himmel überwölbt. Kaum ein Tag ihres Lebens war getrübt, als die Sonne an ihrem glücklichen Hochzeitstag aufging.
Wie war das Schicksal ihrer Sklavenschwester, der kleinen Spielgefährtin ihrer Kindheit, ergangen? Auch sie war sehr schön; doch die Blumen und der Sonnenschein der Liebe waren nicht für sie bestimmt. Sie trank den Kelch der Sünde, der Schande und des Elends, aus dem ihre verfolgte Rasse gezwungen ist zu trinken.
Angesichts dieser Dinge, warum schweigt ihr, ihr freien Männer und Frauen des Nordens? Warum versagen eure Zungen in der Verteidigung des Rechts? Wäre ich doch fähiger! Aber mein Herz ist so voll und meine Feder ist so schwach! Es gibt edle Männer und Frauen, die für uns eintreten und danach streben, denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können. Gott segne sie! Gott gebe ihnen Kraft und Mut, weiterzumachen! Gott segne all jene, überall, die sich für die Förderung der Sache der Menschheit einsetzen!
VI. Die eifersüchtige Herrin.
Zehntausendmal lieber wäre es mir, meine Kinder wären die halbverhungerten Habenichtse Irlands, als die meistverwöhnten unter den Sklaven Amerikas zu sein. Ich würde lieber mein Leben auf einer Baumwollplantage abarbeiten, bis sich das Grab öffnet, um mir Ruhe zu gewähren, als mit einem prinzipienlosen Herrn und einer eifersüchtigen Herrin zu leben. Das Haus des Sträflings in einem Zuchthaus ist vorzuziehen. Er mag bereuen und von seinem Irrweg abkehren und so Frieden finden; doch bei einer bevorzugten Sklavin ist dies nicht der Fall. Es ist ihr nicht gestattet, irgendeinen Stolz auf ihren Charakter zu haben. Es gilt ihr als Verbrechen, tugendhaft sein zu wollen.
Mrs. Flint besaß den Schlüssel zum Charakter ihres Mannes, noch bevor ich geboren wurde. Sie hätte dieses Wissen nutzen können, um die jungen und Unschuldigen unter ihren Sklaven zu beraten und zu beschirmen; doch für sie empfand sie kein Mitleid. Sie waren die Objekte ihres ständigen Misstrauens und ihrer Gehässigkeit. Sie bewachte ihren Ehemann mit unaufhörlicher Wachsamkeit; doch er war wohlgeübt in Mitteln, sich dieser zu entziehen. Was er nicht mit Worten zu sagen wagte, drückte er in Zeichen aus. Er erfand mehr, als man sich in einem Taubstummeninstitut je ausgedacht hat. Ich ließ sie unbeachtet, als ob ich nicht verstünde, was er meinte; und viele waren die Flüche und Drohungen, die mir für meine Dummheit zuteilwurden. Eines Tages erwischte er mich dabei, wie ich mir selbst das Schreiben beibrachte. Er runzelte die Stirn, als wäre er nicht sehr erfreut; doch ich vermute, er kam zu dem Schluss, dass eine solche Fertigkeit dazu beitragen könnte, seinen Lieblingsplan voranzutreiben. Schon bald wurden mir oft Zettel zugesteckt. Ich gab sie zurück und sagte: „Ich kann sie nicht lesen, mein Herr.“ „Kannst du nicht?“, entgegnete er; „dann muss ich sie dir vorlesen.“ Er beendete das Vorlesen immer mit der Frage: „Verstehst du?“ Manchmal beklagte er sich über die Hitze im Teezimmer und befahl, sein Abendessen auf einen kleinen Tisch auf der Veranda zu stellen. Er setzte sich mit einem zufriedenen Lächeln dorthin und befahl mir, daneben zu stehen und die Fliegen zu verscheuchen. Er aß sehr langsam und machte Pausen zwischen den Bissen. Diese Zwischenräume nutzte er, um das Glück zu beschreiben, das ich so töricht wegwarf, und um mir mit der Strafe zu drohen, die schließlich meinem eigensinnigen Ungehorsam erwartete. Er brüstete sich sehr mit der Nachsicht, die er mir gegenüber geübt hatte, und erinnerte mich daran, dass seiner Geduld Grenzen gesetzt seien. Wenn es mir gelang, Gelegenheiten zu vermeiden, bei denen er zu Hause mit mir sprechen konnte, wurde mir befohlen, in sein Büro zu kommen, um einen Botengang zu erledigen. Dort angekommen, war ich gezwungen dazustehen und mir eine Sprache anzuhören, die er für angemessen hielt, an mich zu richten. Manchmal brachte ich meine Verachtung für ihn so offen zum Ausdruck, dass er in heftigen Zorn geriet, und ich wunderte mich, warum er mich nicht schlug. Unter seinen gegebenen Umständen hielt er es wohl für die bessere Politik, nachsichtig zu sein. Doch der Zustand der Dinge wurde täglich schlimmer. In meiner Verzweiflung sagte ich ihm, dass ich mich um Schutz an meine Großmutter wenden müsse und werde. Er drohte mir mit dem Tod und Schlimmerem als dem Tod, falls ich ihr gegenüber irgendeine Klage vorbrächte. Seltsamerweise verzweifelte ich nicht. Ich war von Natur aus von lebhaftem Gemüt und hatte immer die Hoffnung, irgendwie aus seinen Klauen zu entkommen. Wie so manch armes, einfaches Sklavenmädchen vor mir hoffte ich, dass noch einige Fäden der Freude in mein dunkles Schicksal gewoben würden.
Ich war in mein sechzehntes Lebensjahr eingetreten, und jeder Tag machte deutlicher, dass meine Gegenwart für Mrs. Flint unerträglich war. Wütende Worte fielen häufig zwischen ihr und ihrem Mann. Er hatte mich selbst nie bestraft, und er erlaubte niemandem sonst, mich zu bestrafen. In dieser Hinsicht war sie niemals zufrieden; doch in ihren wütenden Stimmungen gab es keinen Ausdruck, der zu niederträchtig gewesen wäre, um ihn mir gegenüber zu gebrauchen. Doch ich, die sie so erbittert hasste, empfand weit mehr Mitleid für sie als er, dessen Pflicht es gewesen wäre, ihr Leben glücklich zu machen. Ich habe ihr niemals Unrecht getan oder wollte ihr Unrecht tun; und ein einziges freundliches Wort von ihr hätte mich zu ihren Füßen gebracht.
Nach wiederholten Streitigkeiten zwischen dem Doktor und seiner Frau verkündete er seine Absicht, seine jüngste Tochter, damals vier Jahre alt, mit in sein Zimmer zu nehmen. Es war notwendig, dass ein Dienstbote im selben Raum schlief, um zur Hand zu sein, falls das Kind sich regte. Ich wurde für diese Aufgabe ausgewählt und darüber informiert, zu welchem Zweck diese Anordnung getroffen worden war. Indem ich es schaffte, tagsüber so viel wie möglich in Sichtweite der Menschen zu bleiben, war es mir bisher gelungen, meinem Herrn auszuweichen, obwohl mir oft ein Rasiermesser an die Kehle gehalten wurde, um mich zu zwingen, diese Taktik aufzugeben. Nachts schlief ich an der Seite meiner Großtante, wo ich mich sicher fühlte. Er war zu vorsichtig, um ihr Zimmer zu betreten. Sie war eine alte Frau und seit vielen Jahren in der Familie. Zudem hielt er es als verheirateter Mann und Mann von Stand für notwendig, den Schein in gewissem Maße zu wahren. Doch er war entschlossen, das Hindernis für seinen Plan aus dem Weg zu räumen; und er glaubte, es so geplant zu haben, dass er dem Verdacht entging. Er war sich wohl bewusst, wie sehr ich meine Zuflucht an der Seite meiner alten Tante schätzte, und er war entschlossen, mich ihrer zu berauben. Die erste Nacht hatte der Doktor das kleine Kind allein in seinem Zimmer. Am nächsten Morgen wurde mir befohlen, in der folgenden Nacht meinen Posten als Kindermädchen anzutreten. Eine gütige Vorsehung griff zu meinen Gunsten ein. Tagsüber erfuhr Mrs. Flint von dieser neuen Anordnung, und ein Sturm folgte. Ich frohlockte, als ich ihn toben hörte.
Nach einer Weile ließ meine Herrin mich zu sich rufen. Ihre erste Frage war: „Wusstest du, dass du im Zimmer des Doktors schlafen solltest?“
„Ja, gnädige Frau.“
„Wer hat es dir gesagt?“
„Mein Herr.“
„Wirst du alle Fragen, die ich dir stelle, wahrheitsgemäß beantworten?“
„Ja, gnädige Frau.“
„Sag mir dann, so wahr du auf Vergebung hoffst: Bist du unschuldig an dem, dessen ich dich beschuldigt habe?“
„Das bin ich.“
Sie reichte mir eine Bibel und sagte: „Lege deine Hand auf dein Herz, küsse dieses heilige Buch und schwöre vor Gott, dass du mir die Wahrheit sagst.“
Ich leistete den Eid, den sie verlangte, und ich tat es mit reinem Gewissen.
„Du hast Gottes heiliges Wort genommen, um deine Unschuld zu bezeugen“, sagte sie. „Wenn du mich betrogen hast, nimm dich in Acht! Nimm jetzt diesen Hocker, setz dich, schau mir direkt ins Gesicht und erzähl mir alles, was zwischen deinem Herrn und dir vorgefallen ist.“
Ich tat, wie sie befahl. Während ich mit meiner Erzählung fortfuhr, wechselte ihre Gesichtsfarbe häufig, sie weinte und stöhnte bisweilen. Sie sprach in so traurigen Tönen, dass ich von ihrem Kummer berührt war. Mir traten Tränen in die Augen; doch ich war bald überzeugt, dass ihre Gefühle aus Zorn und verletztem Stolz herrührten. Sie spürte, dass ihre Eheversprechen geschändet, ihre Würde beleidigt waren; doch sie empfand kein Mitleid für das arme Opfer der Treulosigkeit ihres Mannes. Sie bemitleidete sich selbst als Märtyrerin; doch sie war unfähig, für den Zustand der Schande und des Elends zu empfinden, in dem sich ihre unglückliche, hilflose Sklavin befand. Doch vielleicht hatte sie einen Funken Gefühl für mich; denn als das Gespräch beendet war, sprach sie freundlich und versprach, mich zu beschützen. Ich wäre durch diese Zusicherung sehr getröstet gewesen, wenn ich Vertrauen in sie hätte haben können; doch meine Erfahrungen in der Sklaverei hatten mich mit Misstrauen erfüllt. Sie war keine sehr feinfühlige Frau und hatte ihre Leidenschaften nicht unter Kontrolle. Ich war ein Objekt ihrer Eifersucht und folglich ihres Hasses; und ich wusste, dass ich unter den Umständen, in denen ich mich befand, keine Güte oder Vertrauen von ihr erwarten konnte. Ich konnte es ihr nicht verübeln. Die Frauen der Sklavenhalter fühlen wie andere Frauen unter ähnlichen Umständen. Das Feuer ihres Temperaments entzündete sich an kleinen Funken, und nun wurde die Flamme so intensiv, dass der Doktor gezwungen war, seine beabsichtigte Anordnung aufzugeben.
Ich wusste, dass ich die Fackel entzündet hatte, und erwartete, später darunter zu leiden; doch ich war meiner Herrin für die rechtzeitige Hilfe, die sie mir leistete, zu dankbar, um mich groß darum zu sorgen. Sie ließ mich nun in einem Zimmer direkt neben ihrem eigenen schlafen. Dort war ich ein Objekt ihrer besonderen Fürsorge, wenn auch nicht ihres besonderen Trostes, denn sie verbrachte so manche schlaflose Nacht damit, über mich zu wachen. Manchmal wachte ich auf und fand sie über mich gebeugt. Zu anderen Zeiten flüsterte sie mir ins Ohr, als wäre es ihr Ehemann, der zu mir spräche, und lauschte, was ich antworten würde. Wenn sie mich bei solchen Gelegenheiten erschreckte, glitt sie verstohlen davon; und am nächsten Morgen sagte sie mir, ich hätte im Schlaf gesprochen, und fragte mich, mit wem ich gesprochen hätte. Schließlich begann ich um mein Leben zu fürchten. Es war oft bedroht worden; und du kannst dir besser vorstellen, als ich beschreiben kann, welch unangenehmes Gefühl es hervorrufen muss, mitten in der Nacht aufzuwachen und eine eifersüchtige Frau über sich gebeugt zu finden. So schrecklich diese Erfahrung auch war, ich hatte Befürchtungen, dass sie einer noch schrecklicheren weichen würde.
Meine Herrin wurde ihrer Wachdienste müde; sie erwiesen sich als unbefriedigend. Sie änderte ihre Taktik. Sie versuchte nun den Trick, meinen Herrn in meiner Gegenwart eines Verbrechens zu beschuldigen, und nannte meinen Namen als Urheber der Anschuldigung. Zu meinem äußersten Erstaunen antwortete er: „Ich glaube es nicht; aber wenn sie es eingeräumt hat, hast du sie dazu gefoltert, mich zu entlarven.“ Zu Tode gefoltert, ihn zu entlarven! Wahrlich, Satan hatte keine Schwierigkeit, die Farbe seiner Seele zu unterscheiden! Ich verstand seine Absicht, diese falsche Darstellung zu geben. Es sollte mir zeigen, dass ich nichts gewann, wenn ich den Schutz meiner Herrin suchte; dass die Macht immer noch ganz in seinen Händen lag. Ich bemitleidete Mrs. Flint. Sie war eine zweite Frau, viele Jahre jünger als ihr Mann; und der grauhaarige Schurke war genug, um die Geduld einer weiseren und besseren Frau auf die Probe zu stellen. Sie war völlig gescheitert und wusste nicht, wie sie weiter vorgehen sollte. Sie hätte mich nur allzu gern für meinen vermeintlich falschen Eid auspeitschen lassen; doch wie ich bereits erwähnt habe, erlaubte der Doktor niemandem, mich zu peitschen. Der alte Sünder war politisch klug. Die Anwendung der Peitsche hätte zu Bemerkungen führen können, die ihn in den Augen seiner Kinder und Enkelkinder entlarvt hätten. Wie oft habe ich mich gefreut, dass ich in einer Stadt lebte, in der alle Bewohner einander kannten! Wäre ich auf einer abgelegenen Plantage gewesen oder verloren in der Menge einer überfüllten Stadt, wäre ich heute keine lebende Frau mehr.
Die Geheimnisse der Sklaverei sind verborgen wie die der Inquisition. Mein Herr war, soweit ich weiß, der Vater von elf Sklaven. Aber wagten es die Mütter, zu sagen, wer der Vater ihrer Kinder war? Wagten es die anderen Sklaven, darauf anzuspielen, außer in Flüstertönen untereinander? Nein, wahrlich nicht! Sie kannten nur allzu gut die schrecklichen Folgen.
Meine Großmutter konnte nicht umhin, Dinge zu sehen, die ihr Misstrauen erregten. Sie war wegen meiner besorgt und versuchte auf verschiedene Weise, mich freizukaufen; doch die unveränderliche Antwort wurde immer wiederholt: „Linda gehört nicht mir. Sie ist das Eigentum meiner Tochter, und ich habe kein gesetzliches Recht, sie zu verkaufen.“ Der gewissenhafte Mann! Er war zu skrupulös, um mich zu verkaufen; aber er hatte keinerlei Skrupel, der hilflosen jungen Frau, die seiner Vormundschaft als Eigentum seiner Tochter unterstellt war, ein weitaus größeres Unrecht anzutun. Manchmal fragte mich mein Peiniger, ob ich gerne verkauft werden würde. Ich sagte ihm, ich würde lieber an irgendjemanden verkauft werden, als ein solches Leben zu führen, wie ich es tat. Bei solchen Gelegenheiten nahm er die Haltung eines tief gekränkten Individuums an und warf mir meine Undankbarkeit vor. „Habe ich dich nicht ins Haus aufgenommen und dich zur Gesellschafterin meiner eigenen Kinder gemacht?“, pflegte er zu sagen. „Habe ich dich jemals wie eine Negerin behandelt? Ich habe nie erlaubt, dass du bestraft wirst, nicht einmal, um deiner Herrin einen Gefallen zu tun. Und das ist der Lohn, den ich erhalte, du undankbares Mädchen!“ Ich antwortete, dass er seine eigenen Gründe habe, mich vor Bestrafung zu bewahren, und dass sein Vorgehen dazu führe, dass meine Herrin mich hasse und verfolge. Wenn ich weinte, sagte er: „Armes Kind! Weine nicht! Weine nicht! Ich werde Frieden zwischen dir und deiner Herrin schließen. Lass mich die Angelegenheiten nur auf meine eigene Weise regeln. Armes, törichtes Mädchen! Du weißt nicht, was zu deinem eigenen Besten ist. Ich würde dich hegen und pflegen. Ich würde eine Dame aus dir machen. Geh jetzt und denk über alles nach, was ich dir versprochen habe.“
Ich dachte darüber nach.
Leser, ich entwerfe keine imaginären Bilder von Häusern im Süden. Ich sage Ihnen die reine Wahrheit. Doch wenn Opfer aus diesem wilden Tier namens Sklaverei entkommen, erklären sich die Nordstaatler bereit, die Rolle von Bluthunden zu spielen und die armen Flüchtlinge zurück in ihre Höhle zu jagen, „voller Totengebeine und alles Unreinen“. Mehr noch: Sie sind nicht nur willens, sondern sogar stolz darauf, ihre Töchter an Sklavenhalter zu verheiraten. Die armen Mädchen haben romantische Vorstellungen von einem sonnigen Klima und von blühenden Weinreben, die das ganze Jahr über ein glückliches Zuhause beschatten. Welchen Enttäuschungen sind sie geweiht! Die junge Ehefrau erfährt bald, dass der Ehemann, in dessen Hände sie ihr Glück gelegt hat, seine Ehegelübde in keiner Weise achtet. Kinder jeder Hautfarbe spielen mit ihren eigenen hellhäutigen Babys, und sie weiß nur allzu gut, dass sie ihm von seinem eigenen Hausstand geboren wurden. Eifersucht und Hass ziehen in das blühende Heim ein, und es wird seiner Lieblichkeit beraubt.
Frauen im Süden heiraten oft einen Mann, wohlwissend, dass er der Vater vieler kleiner Sklaven ist. Sie machen sich daraus nichts. Sie betrachten solche Kinder als Eigentum, so marktfähig wie die Schweine auf der Plantage; und es kommt selten vor, dass sie sie das nicht spüren lassen, indem sie sie so schnell wie möglich in die Hände von Sklavenhändlern geben und sie so aus ihren Augen schaffen. Ich bin froh sagen zu können, dass es einige ehrenwerte Ausnahmen gibt.
Ich selbst habe zwei Südstaaten-Ehefrauen gekannt, die ihre Ehemänner dazu drängten, jene Sklaven freizulassen, zu denen sie in einem „elterlichen Verhältnis“ standen; und ihrem Wunsch wurde entsprochen. Diese Ehemänner erröteten vor der überlegenen Edelmut der Natur ihrer Frauen. Obwohl sie ihnen nur geraten hatten, das zu tun, was ihre Pflicht war, erzwang es ihren Respekt und machte ihr Verhalten vorbildlicher. Das Versteckspiel hatte ein Ende, und Vertrauen trat an die Stelle des Misstrauens.
Obwohl diese schlimme Institution den moralischen Sinn selbst bei weißen Frauen in erschreckendem Maße abstumpft, ist er nicht völlig erloschen. Ich habe Damen aus dem Süden über Herrn Sowieso sagen hören: „Er hält es nicht nur für keine Schande, der Vater dieser kleinen Nigger zu sein, sondern er schämt sich nicht einmal, sich ihren Herrn zu nennen. Ich erkläre, solche Dinge sollten in keiner anständigen Gesellschaft geduldet werden!“
VII. Der Liebhaber.
Warum liebt der Sklave überhaupt? Warum lässt er zu, dass sich die Ranken des Herzens um Dinge schlingen, die jeden Moment durch die Hand der Gewalt weggerissen werden können? Wenn Trennungen durch die Hand des Todes kommen, kann die fromme Seele sich in Ergebung beugen und sagen: „Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe, o Herr!“ Aber wenn die grausame Hand des Menschen den Schlag führt, ohne Rücksicht auf das Elend, das sie verursacht, ist es schwer, unterwürfig zu sein. Ich dachte nicht so, als ich ein junges Mädchen war. Jugend will Jugend sein. Ich liebte, und ich gab mich der Hoffnung hin, dass die dunklen Wolken um mich herum ein helles Futter haben würden. Ich vergaß, dass im Land meiner Geburt die Schatten zu dicht sind, als dass Licht sie durchdringen könnte. Ein Land
„Wo Lachen nicht Fröhlichkeit ist; noch Gedanken der Geist; Weder Worte eine Sprache; noch selbst Männer Menschheit. Wo Schreie auf Flüche antworten, Kreischen auf Schläge, Und jeder in seiner eigenen Hölle gefoltert wird.“
Es gab in der Nachbarschaft einen jungen farbigen Zimmermann; ein freigeborener Mann. Wir kannten uns seit der Kindheit gut und trafen uns danach häufig. Wir fühlten uns zueinander hingezogen, und er machte mir einen Heiratsantrag. Ich liebte ihn mit all dem Ungestüm der ersten Liebe eines jungen Mädchens. Doch als ich darüber nachdachte, dass ich eine Sklavin war und die Gesetze die Ehe solcher Menschen nicht sanktionierten, sank mein Herz in mir zusammen. Mein Liebhaber wollte mich freikaufen; aber ich wusste, dass Dr. Flint ein zu eigensinniger und willkürlicher Mann war, um dieser Vereinbarung zuzustimmen. Von ihm war ich sicher, auf alle erdenklichen Widerstände zu stoßen, und von meiner Herrin hatte ich nichts zu hoffen. Sie wäre entzückt gewesen, mich loszuwerden, aber nicht auf diese Weise. Es hätte ihren Geist von einer Last befreit, wenn sie gesehen hätte, wie ich in einen entfernten Staat verkauft wurde, aber wenn ich in der Nähe meines Zuhauses heiratete, wäre ich genauso sehr in der Gewalt ihres Mannes wie zuvor – denn der Ehemann einer Sklavin hat keine Macht, sie zu schützen. Überdies schien meine Herrin, wie viele andere, zu denken, dass Sklaven kein Recht auf eigene familiäre Bindungen hätten; dass sie nur dazu geschaffen seien, der Familie der Herrin zu dienen. Ich hörte sie einmal ein junges Sklavenmädchen beschimpfen, das ihr erzählte, ein farbiger Mann wolle sie zur Frau nehmen. „Ich werde dich häuten und einlegen lassen, meine Dame“, sagte sie, „wenn ich jemals wieder höre, dass du dieses Thema erwähnst. Glaubst du etwa, dass ich dulde, dass du meine Kinder mit den Kindern dieses Niggers pflegst?“ Das Mädchen, zu dem sie dies sagte, hatte ein Mulattenkind, das natürlich vom Vater nicht anerkannt wurde. Der arme schwarze Mann, der sie liebte, wäre stolz darauf gewesen, seinen hilflosen Nachwuchs anzuerkennen.
Viele und ängstliche Gedanken wälzte ich in meinem Geist. Ich war ratlos, was ich tun sollte. Vor allen Dingen war ich darauf bedacht, meinem Liebhaber die Beleidigungen zu ersparen, die sich so tief in meine eigene Seele geschnitten hatten. Ich sprach mit meiner Großmutter darüber und teilte ihr teilweise meine Ängste mit. Ich wagte es nicht, ihr das Schlimmste zu sagen. Sie hatte schon lange geahnt, dass nicht alles in Ordnung war, und wenn ich ihre Vermutungen bestätigte, wusste ich, dass ein Sturm aufziehen würde, der den Umsturz all meiner Hoffnungen bedeuten würde.
Dieser Liebestraum war mein Halt durch viele Prüfungen gewesen; und ich konnte es nicht ertragen, das Risiko einzugehen, ihn plötzlich zerstört zu sehen. Es gab eine Dame in der Nachbarschaft, eine besondere Freundin von Dr. Flint, die das Haus oft besuchte. Ich hatte großen Respekt vor ihr, und sie hatte mir gegenüber immer ein freundliches Interesse gezeigt. Großmutter dachte, sie hätte großen Einfluss auf den Doktor. Ich ging zu dieser Dame und erzählte ihr meine Geschichte. Ich sagte ihr, mir sei bewusst, dass die Tatsache, dass mein Liebhaber ein freigeborener Mann war, sich als großer Einwand erweisen würde; aber er wollte mich freikaufen; und wenn Dr. Flint dieser Vereinbarung zustimmen würde, war ich mir sicher, dass er bereit wäre, jeden angemessenen Preis zu zahlen. Sie wusste, dass Mrs. Flint mich nicht mochte; deshalb wagte ich anzudeuten, dass meine Herrin vielleicht zustimmen würde, dass ich verkauft werde, da sie mich so loswerden würde. Die Dame hörte mit gütigem Mitgefühl zu und versprach, ihr Äußerstes zu tun, um meine Wünsche zu fördern. Sie hatte eine Unterredung mit dem Doktor, und ich glaube, sie vertrat mein Anliegen eindringlich; doch es war alles umsonst.
Wie fürchtete ich nun meinen Herrn! Jede Minute erwartete ich, in seine Gegenwart gerufen zu werden; doch der Tag verging, und ich hörte nichts von ihm. Am nächsten Morgen wurde mir eine Nachricht überbracht: „Der Herr verlangt dich in seinem Arbeitszimmer.“ Ich fand die Tür angelehnt und stand einen Moment da, während ich auf den hasserfüllten Mann starrte, der ein Recht beanspruchte, mich an Leib und Seele zu beherrschen. Ich trat ein und versuchte, ruhig zu erscheinen. Ich wollte nicht, dass er wusste, wie mein Herz blutete. Er sah mich fest an, mit einem Ausdruck, der zu sagen schien: „Ich hätte große Lust, dich auf der Stelle umzubringen.“ Endlich brach er das Schweigen, und das war eine Erleichterung für uns beide.
„Du willst also heiraten, nicht wahr?“, sagte er, „und zwar einen freien Nigger.“
„Ja, mein Herr.“
„Nun, ich werde dich bald überzeugen, ob ich dein Herr bin oder der Nigger-Kerl, den du so sehr ehrst. Wenn du unbedingt einen Ehemann haben musst, kannst du dich mit einem meiner Sklaven begnügen.“
Was für eine Lage wäre das für mich, als Ehefrau eines seiner Sklaven, selbst wenn mein Herz interessiert gewesen wäre!
Ich antwortete: „Glauben Sie nicht, mein Herr, dass eine Sklavin eine gewisse Vorliebe beim Heiraten haben kann? Glauben Sie, dass alle Männer für sie gleich sind?“
„Liebst du diesen Nigger?“, sagte er barsch.
„Ja, mein Herr.“
„Wie kannst du es wagen, mir das zu sagen!“, rief er in großem Zorn. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Ich nahm an, du würdest mehr von dir halten; dass du dich über die Beleidigungen solcher Welpen erhaben fühlst.“
Ich antwortete: „Wenn er ein Welpe ist, dann bin ich ein Welpe, denn wir gehören beide der Negerrasse an. Es ist richtig und ehrenhaft, dass wir einander lieben. Der Mann, den Sie einen Welpen nennen, hat mich nie beleidigt, mein Herr; und er würde mich nicht lieben, wenn er mich nicht für eine tugendhafte Frau hielte.“
Er sprang auf mich zu wie ein Tiger und versetzte mir einen betäubenden Schlag. Es war das erste Mal, dass er mich jemals geschlagen hatte; und die Angst half mir nicht, meinen Zorn zu kontrollieren. Als ich mich ein wenig von den Auswirkungen erholt hatte, rief ich aus: „Sie haben mich geschlagen, weil ich Ihnen ehrlich geantwortet habe. Wie sehr ich Sie verachte!“
Es herrschte einige Minuten lang Stille. Vielleicht entschied er gerade, was meine Strafe sein sollte; oder vielleicht wollte er mir Zeit geben, über das nachzudenken, was ich gesagt hatte, und zu wem ich es gesagt hatte. Schließlich fragte er: „Weißt du, was du gesagt hast?“
„Ja, mein Herr; aber Ihre Behandlung hat mich dazu getrieben.“
„Weißt du, dass ich das Recht habe, mit dir zu tun, was ich will – dass ich dich umbringen kann, wenn ich es will?“
„Sie haben versucht, mich umzubringen, und ich wünschte, Sie hätten es getan; aber Sie haben kein Recht, mit mir zu tun, was Sie wollen.“
„Schweigen!“, rief er mit donnernder Stimme. „Beim Himmel, Mädchen, du vergisst dich zu weit! Bist du wahnsinnig? Wenn du es bist, werde ich dich bald zur Besinnung bringen. Glaubst du, irgendein anderer Herr würde ertragen, was ich heute Morgen von dir ertragen habe? Viele Herren hätten dich auf der Stelle umgebracht. Wie würde es dir gefallen, wegen deiner Unverschämtheit ins Gefängnis geschickt zu werden?“
„Ich weiß, dass ich respektlos war, mein Herr“, antwortete ich; „aber Sie haben mich dazu getrieben; ich konnte nicht anders. Was das Gefängnis angeht, so gäbe es dort mehr Frieden für mich als hier.“
„Du verdienst es, dorthin zu gehen“, sagte er, „und so behandelt zu werden, dass du die Bedeutung des Wortes Frieden vergisst. Es würde dir gut tun. Es würde dir einige deiner hochtrabenden Vorstellungen austreiben. Aber ich bin noch nicht bereit, dich dorthin zu schicken, trotz deiner Undankbarkeit für all meine Güte und Nachsicht. Du bist die Plage meines Lebens gewesen. Ich wollte dich glücklich machen, und ich wurde mit der schnödesten Undankbarkeit belohnt; aber obwohl du dich als unfähig erwiesen hast, meine Güte zu würdigen, will ich nachsichtig mit dir sein, Linda. Ich werde dir noch eine Chance geben, deinen Charakter zu bessern. Wenn du dich benimmst und tust, was ich verlange, werde ich dir vergeben und dich wie immer behandeln; aber wenn du mir ungehorsam bist, werde ich dich bestrafen, wie ich den geringsten Sklaven auf meiner Plantage bestrafen würde. Lass mich nie wieder hören, dass der Name dieses Kerls erwähnt wird. Wenn ich jemals erfahre, dass du mit ihm sprichst, werde ich euch beide mit der Peitsche aus Rindsleder züchtigen; und wenn ich ihn dabei erwische, wie er auf meinem Grundstück herumlungert, werde ich ihn so schnell erschießen wie einen Hund. Hörst du, was ich sage? Ich werde dir eine Lektion über die Ehe und freie Nigger erteilen! Geh jetzt, und lass dies das letzte Mal gewesen sein, dass ich Anlass habe, mit dir über dieses Thema zu sprechen.“
Leser, haben Sie jemals gehasst? Ich hoffe nicht. Ich habe es nie getan, außer einmal; und ich hoffe, ich werde es nie wieder tun. Jemand hat es die „Atmosphäre der Hölle“ genannt; und ich glaube, das ist sie.
Zwei Wochen lang sprach der Doktor nicht mit mir. Er dachte, er könne mich kränken; mich fühlen lassen, dass ich mich entehrt hätte, indem ich die ehrenhaften Avancen eines respektablen farbigen Mannes den schnöden Vorschlägen eines weißen Mannes vorgezogen hatte. Aber obwohl seine Lippen es verschmähten, mich anzusprechen, waren seine Augen sehr redselig. Kein Tier beobachtete seine Beute jemals genauer, als er mich beobachtete. Er wusste, dass ich schreiben konnte, obwohl es ihm nicht gelungen war, mich dazu zu bringen, seine Briefe zu lesen; und er war nun besorgt, dass ich Briefe mit einem anderen Mann austauschen könnte. Nach einer Weile wurde er des Schweigens müde; und das tat mir leid. Eines Morgens, als er durch den Flur ging, um das Haus zu verlassen, schaffte er es, mir einen Zettel in die Hand zu drücken. Ich dachte, ich lese ihn lieber selbst und erspare mir den Ärger, ihn mir von ihm vorlesen zu lassen. Er drückte sein Bedauern über den Schlag aus, den er mir versetzt hatte, und erinnerte mich daran, dass ich selbst ganz allein daran schuld sei. Er hoffte, ich sei nun überzeugt von dem Schaden, den ich mir selbst zufüge, indem ich seinen Unmut auf mich ziehe. Er schrieb, dass er den Entschluss gefasst habe, nach Louisiana zu gehen; dass er mehrere Sklaven mitnehmen würde und beabsichtige, dass ich eine aus dieser Anzahl sei. Meine Herrin würde dort bleiben, wo sie war; daher hätte ich von dieser Seite nichts zu befürchten. Wenn ich seine Güte verdiene, versicherte er mir, dass sie mir großzügig zuteilwerden würde. Er bat mich, über die Angelegenheit nachzudenken und am nächsten Tag zu antworten.
Am nächsten Morgen wurde ich gerufen, um ein Paar Scheren in sein Zimmer zu bringen. Ich legte sie mit dem Brief daneben auf den Tisch. Er dachte, es sei meine Antwort, und rief mich nicht zurück. Ich ging wie gewöhnlich, um meine junge Herrin zur Schule und zurück zu begleiten. Er traf mich auf der Straße und befahl mir, auf dem Rückweg bei seinem Büro vorbeizukommen. Als ich eintrat, zeigte er mir seinen Brief und fragte mich, warum ich nicht geantwortet hätte. Ich antwortete: „Ich bin das Eigentum Ihrer Tochter, und es steht in Ihrer Macht, mich dorthin zu schicken oder mitzunehmen, wohin es Ihnen beliebt.“ Er sagte, er sei sehr froh, mich so willig zu sehen, und dass wir früh im Herbst aufbrechen würden. Er hatte eine große Praxis in der Stadt, und ich dachte eher, er hätte die Geschichte nur erfunden, um mich zu erschrecken. Wie dem auch sei, ich war entschlossen, dass ich niemals mit ihm nach Louisiana gehen würde.
Der Sommer verging, und früh im Herbst wurde der älteste Sohn von Dr. Flint nach Louisiana geschickt, um das Land im Hinblick auf eine Auswanderung zu untersuchen. Diese Nachricht beunruhigte mich nicht. Ich wusste sehr wohl, dass ich nicht mit ihm geschickt würde. Dass ich bis dahin nicht auf die Plantage gebracht worden war, lag an der Tatsache, dass sein Sohn dort war. Er war eifersüchtig auf seinen Sohn; und die Eifersucht auf den Aufseher hatte ihn davon abgehalten, mich zu bestrafen, indem er mich auf die Felder zur Arbeit schickte. Ist es seltsam, dass ich nicht stolz auf diese Beschützer war? Was den Aufseher betraf, so war er ein Mann, für den ich weniger Respekt hatte als für einen Bluthund.
Der junge Mr. Flint brachte keinen günstigen Bericht aus Louisiana mit, und ich hörte nichts mehr von diesem Plan. Kurz darauf traf mich mein Liebhaber an der Straßenecke, und ich blieb stehen, um mit ihm zu sprechen. Als ich aufblickte, sah ich meinen Herrn, der uns von seinem Fenster aus beobachtete. Ich eilte nach Hause, zitternd vor Angst. Ich wurde sofort gerufen, um in sein Zimmer zu kommen. Er empfing mich mit einem Schlag. „Wann soll die Herrin heiraten?“, sagte er in spöttischem Ton. Ein Schauer von Flüchen und Verwünschungen folgte. Wie dankbar war ich, dass mein Liebhaber ein freier Mann war! Dass mein Tyrann keine Macht hatte, ihn dafür auszupeitschen, dass er mit mir auf der Straße gesprochen hatte!
Immer wieder wälzte ich in meinem Geist, wie das alles enden würde. Es gab keine Hoffnung, dass der Doktor zustimmen würde, mich unter irgendwelchen Bedingungen zu verkaufen. Er hatte einen eisernen Willen und war entschlossen, mich zu behalten und mich zu unterwerfen. Mein Liebhaber war ein intelligenter und religiöser Mann. Selbst wenn er die Erlaubnis erhalten hätte, mich zu heiraten, während ich eine Sklavin war, hätte die Ehe ihm keine Macht gegeben, mich vor meinem Herrn zu schützen. Es hätte ihn unglücklich gemacht, die Beleidigungen mitanzusehen, denen ich ausgesetzt gewesen wäre. Und dann, wenn wir Kinder gehabt hätten, wusste ich, dass sie „dem Status der Mutter folgen“ mussten. Welch schrecklicher Fluch wäre das für das Herz eines freien, intelligenten Vaters! Seinetwegen fühlte ich, dass ich sein Schicksal nicht mit meinem eigenen unglücklichen Geschick verknüpfen durfte. Er wollte nach Savannah gehen, um nach einem kleinen Eigentum zu sehen, das ihm ein Onkel hinterlassen hatte; und so schwer es auch war, meine Gefühle dazu zu bringen, flehte ich ihn inständig an, nicht zurückzukommen. Ich riet ihm, in die Freien Staaten zu gehen, wo seine Zunge nicht gefesselt sein würde und wo seine Intelligenz ihm von größerem Nutzen sein würde. Er verließ mich, immer noch hoffend, dass der Tag kommen würde, an dem ich freigekauft werden könnte. Für mich war die Lampe der Hoffnung erloschen. Der Traum meiner Mädchenzeit war vorbei. Ich fühlte mich einsam und trostlos.
Dennoch war ich nicht alles beraubt. Ich hatte immer noch meine gute Großmutter und meinen liebevollen Bruder. Wenn er seine Arme um meinen Hals legte und mir in die Augen sah, als wolle er darin die Sorgen lesen, die ich nicht zu erzählen wagte, fühlte ich, dass ich immer noch etwas hatte, das ich lieben konnte. Aber selbst dieses angenehme Gefühl wurde durch die Überlegung getrübt, dass er mir jeden Moment durch irgendeinen plötzlichen Launenstreich meines Herrn entrissen werden könnte. Hätte er gewusst, wie sehr wir uns liebten, glaube ich, hätte er darin triumphiert, uns zu trennen. Wir planten oft zusammen, wie wir in den Norden gelangen könnten. Aber, wie William bemerkte, solche Dinge sind leichter gesagt als getan. Meine Bewegungen wurden sehr genau überwacht, und wir hatten keine Möglichkeit, Geld zu beschaffen, um unsere Ausgaben zu bestreiten. Was die Großmutter betraf, so war sie strikt dagegen, dass ihre Kinder ein solches Unterfangen wagten. Sie hatte die Leiden des armen Benjamin nicht vergessen, und sie fürchtete, dass, wenn ein weiteres Kind versuchte zu entkommen, es ein ähnliches oder noch schlimmeres Schicksal erleiden würde. Für mich schien nichts schrecklicher als mein gegenwärtiges Leben. Ich sagte mir: „William muss frei sein. Er soll in den Norden gehen, und ich werde ihm folgen.“ Viele Sklavenschwestern haben dieselben Pläne gefasst.
VIII. Was Sklaven gelehrt wird, über den Norden zu denken.
Sklavenhalter brüsten sich damit, ehrbare Männer zu sein; doch wenn Sie die ungeheuerlichen Lügen hörten, die sie ihren Sklaven auftischen, hätten Sie wenig Achtung vor ihrer Wahrhaftigkeit. Ich habe mich in klarem Englisch ausgedrückt. Verzeihen Sie mir. Ich kann keinen milderen Ausdruck wählen. Wenn sie den Norden besuchen und in ihre Heimat zurückkehren, erzählen sie ihren Sklaven von den Entlaufenen, die sie gesehen haben, und beschreiben sie als in den beklagenswertesten Umständen lebend. Ein Sklavenhalter erzählte mir einmal, er habe eine flüchtige Freundin von mir in New York gesehen und sie habe ihn angefleht, sie zu ihrem Herrn zurückzubringen, denn sie stürbe buchstäblich vor Hunger; viele Tage lang habe sie nur eine kalte Kartoffel zu essen gehabt, und zu anderen Zeiten habe sie gar nichts bekommen. Er sagte, er habe sich geweigert, sie mitzunehmen, weil er wusste, dass ihr Herr ihm nicht dafür danken würde, ein solches elendes Geschöpf in sein Haus zu bringen. Er schloss mit den Worten: „Das ist die Strafe, die sie sich selbst zugezogen hat, weil sie von einem gütigen Herrn davongelaufen ist.“
Diese ganze Geschichte war gelogen. Ich wohnte später bei jener Freundin in New York und fand sie in komfortablen Verhältnissen vor. Sie hatte niemals auch nur den Gedanken gehegt, in die Sklaverei zurückzukehren. Viele der Sklaven glauben solche Geschichten und denken, es lohne sich nicht, die Sklaverei gegen eine so harte Art von Freiheit einzutauschen. Es ist schwierig, solche davon zu überzeugen, dass Freiheit sie zu nützlichen Männern machen und sie in die Lage versetzen könnte, ihre Frauen und Kinder zu schützen. Wenn jene Heiden in unserem christlichen Land so viel Unterweisung erhielten wie manche Hindus, würden sie anders denken. Sie wüssten, dass Freiheit wertvoller ist als das Leben. Sie würden beginnen, ihre eigenen Fähigkeiten zu verstehen, und sich anstrengen, Männer und Frauen zu werden.
Doch solange die Freien Staaten ein Gesetz aufrechterhalten, das Flüchtlinge zurück in die Sklaverei schleudert, wie können sich die Sklaven dazu entschließen, Männer zu werden? Es gibt einige, die danach streben, ihre Frauen und Töchter vor den Beleidigungen ihrer Herren zu schützen; doch diejenigen, die solche Gefühle hegen, hatten Vorteile gegenüber der großen Masse der Sklaven. Sie sind durch günstige Umstände teilweise zivilisiert und christianisiert worden. Einige sind kühn genug, solche Empfindungen gegenüber ihren Herren zu äußern. O, dass es mehr von ihnen gäbe!
Manche armen Geschöpfe sind durch die Peitsche so entmenschlicht worden, dass sie sich aus dem Weg schleichen, um ihren Herren freien Zugang zu ihren Frauen und Töchtern zu gewähren. Glauben Sie, dass dies beweist, der schwarze Mann gehöre zu einer niederen Ordnung von Wesen? Was wären Sie, wenn Sie als Sklave geboren und aufgewachsen wären, mit Generationen von Sklaven als Vorfahren? Ich gebe zu, dass der schwarze Mann unterlegen ist. Aber was macht ihn dazu? Es ist die Unwissenheit, in der weiße Männer ihn zu leben zwingen; es ist die marternde Peitsche, die das Menschsein aus ihm herauspeitscht; es sind die grimmigen Bluthunde des Südens und die kaum weniger grausamen menschlichen Bluthunde des Nordens, die das Flüchtlingssklavengesetz durchsetzen. Sie verrichten diese Arbeit.
Südstaatliche Gentlemen ergehen sich in den verächtlichsten Ausdrücken über die Yankees, während diese ihrerseits bereit sind, die schändlichste Arbeit für sie zu verrichten, wie etwa jene, die die wilden Bluthunde und die verachteten Negerjäger zu Hause zu erledigen haben. Wenn Südstaatler in den Norden reisen, sind sie stolz darauf, geehrt zu werden; doch der Nordstaatler ist südlich der Mason-Dixon-Linie nicht willkommen, es sei denn, er unterdrückt jeden Gedanken und jedes Gefühl, das im Widerspruch zu ihrer „besonderen Institution“ steht. Und es reicht nicht, zu schweigen. Die Herren sind nicht zufrieden, wenn sie nicht ein höheres Maß an Unterwürfigkeit erlangen; und dem wird im Allgemeinen entsprochen. Respektieren sie den Nordstaatler dafür? Ich glaube kaum. Selbst die Sklaven verachten „einen Nordstaatler mit Südstaatenprinzipien“; und das ist die Sorte, die sie für gewöhnlich zu sehen bekommen. Wenn Nordstaatler in den Süden ziehen, um dort zu leben, erweisen sie sich als sehr gelehrige Schüler. Sie nehmen bald die Gesinnung und die Art ihrer Nachbarn an und übertreffen in der Regel ihre Lehrer. Von den beiden sind sie sprichwörtlich die härtesten Herren.
Sie scheinen ihr Gewissen mit der Lehre zu beruhigen, dass Gott die Afrikaner dazu erschaffen habe, Sklaven zu sein. Welche Schmähung des himmlischen Vaters, der „aus einem Blut alle Völker der Menschen gemacht hat!“ Und wer sind dann die Afrikaner? Wer kann das Ausmaß an angelsächsischem Blut ermessen, das durch die Adern amerikanischer Sklaven fließt?
Ich habe von der Mühe gesprochen, die sich Sklavenhalter machen, um ihren Sklaven eine schlechte Meinung vom Norden einzupflanzen; doch ungeachtet dessen wissen intelligente Sklaven, dass sie in den Freien Staaten viele Freunde haben. Selbst die Unwissendsten haben einige vage Vorstellungen davon. Sie wussten, dass ich lesen konnte; und ich wurde oft gefragt, ob ich in den Zeitungen etwas über die weißen Leute dort drüben im großen Norden gesehen hätte, die versuchten, ihre Freiheit für sie zu erlangen. Manche glauben, dass die Abolitionisten sie bereits befreit hätten und dies gesetzlich festgeschrieben sei, dass aber ihre Herren die Umsetzung des Gesetzes verhinderten. Eine Frau flehte mich an, eine Zeitung zu besorgen und sie ihr vorzulesen. Sie sagte, ihr Mann habe ihr erzählt, die schwarzen Leute hätten der Königin von ’Merika die Nachricht geschickt, dass sie alle Sklaven seien; sie habe das nicht geglaubt und sei nach Washington City gereist, um den Präsidenten deswegen aufzusuchen. Sie hätten sich gestritten; sie habe ihr Schwert gegen ihn gezogen und geschworen, er müsse ihr helfen, sie alle zu befreien.
Diese arme, unwissende Frau dachte, Amerika werde von einer Königin regiert, der der Präsident unterstellt sei. Ich wünschte, der Präsident wäre der Königin Gerechtigkeit unterstellt.
IX. Skizzen benachbarter Sklavenhalter.
Es gab einen Pflanzer in der Gegend, nicht weit von uns entfernt, den ich Mr. Litch nennen will. Er war ein ungebildeter, roher Mann, aber sehr wohlhabend. Er besaß sechshundert Sklaven, von denen er viele nicht vom Sehen kannte. Seine ausgedehnte Plantage wurde von gut bezahlten Aufsehern verwaltet. Auf seinem Gelände gab es ein Gefängnis und einen Schandpfahl; und welche Grausamkeiten dort auch begangen wurden, sie blieben ohne Kommentar. Er war durch seinen großen Reichtum so wirksam abgeschirmt, dass er für seine Verbrechen, nicht einmal für Mord, zur Rechenschaft gezogen wurde.
Vielfältig waren die Bestrafungen, zu denen gegriffen wurde. Eine beliebte war es, ein Seil um den Körper eines Mannes zu binden und ihn über dem Boden aufzuhängen. Ein Feuer wurde unter ihm entzündet, über dem ein Stück fettes Schweinefleisch hing. Während es briet, fielen die siedend heißen Fetttröpfchen ununterbrochen auf das nackte Fleisch. Auf seiner eigenen Plantage verlangte er sehr strengen Gehorsam gegenüber dem achten Gebot. Doch Übergriffe auf die Nachbarn waren erlaubt, sofern es dem Missetäter gelang, Entdeckung oder Verdacht zu entgehen. Wenn ein Nachbar eine Anklage wegen Diebstahls gegen einen seiner Sklaven erhob, wurde er vom Herrn eingeschüchtert, der ihm versicherte, seine Sklaven hätten zu Hause von allem genug und keinerlei Anlass zu stehlen. Kaum hatte der Nachbar den Rücken gedreht, wurde der Beschuldigte aufgespürt und wegen mangelnder Diskretion ausgepeitscht. Wenn ein Sklave ihm auch nur ein Pfund Fleisch oder ein Peck Mais stahl, wurde er bei Entdeckung in Ketten gelegt und eingesperrt, und so lange festgehalten, bis seine Gestalt durch Hunger und Leiden abgemagert war.
Ein Hochwasser trug einmal seinen Weinkeller und sein Fleischhaus meilenweit von der Plantage fort. Einige Sklaven folgten und sicherten sich Fleischstücke und Weinflaschen. Zwei wurden entdeckt; ein Schinken und etwas Alkohol wurden in ihren Hütten gefunden. Sie wurden von ihrem Herrn vorgeladen. Es wurden keine Worte gewechselt, sondern ein Knüppel fällte sie zu Boden. Eine grobe Kiste war ihr Sarg, und ihre Beisetzung war eine Bestattung für Hunde. Nichts wurde gesagt.
Mord war auf seiner Plantage so alltäglich, dass er fürchtete, nach Einbruch der Dunkelheit allein zu sein. Er mag an Geister geglaubt haben.
Sein Bruder war ihm, wenn nicht an Reichtum, so doch an Grausamkeit ebenbürtig. Seine Bluthunde waren gut abgerichtet. Ihr Zwinger war geräumig und ein Schrecken für die Sklaven. Sie wurden auf einen Flüchtling losgelassen, und wenn sie ihn aufspürten, rissen sie ihm buchstäblich das Fleisch von den Knochen. Als dieser Sklavenhalter starb, waren seine Schreie und Stöhnen so schrecklich, dass sie seine eigenen Freunde entsetzten. Seine letzten Worte waren: „Ich fahre zur Hölle; begraben mein Geld mit mir.“
Nach dem Tod blieben seine Augen offen. Um die Lider zu schließen, legte man Silberdollars darauf. Diese wurden mit ihm begraben. Aufgrund dieses Umstands verbreitete sich das Gerücht, sein Sarg sei mit Geld gefüllt. Dreimal wurde sein Grab geöffnet und sein Sarg herausgeholt. Beim letzten Mal fand man seinen Leichnam auf der Erde liegend, und ein Schwarm Geier hackte darauf ein. Er wurde erneut beerdigt und ein Wächter an seinem Grab aufgestellt. Die Täter wurden nie entdeckt.
Grausamkeit ist ansteckend in unzivilisierten Gemeinschaften. Mr. Conant, ein Nachbar von Mr. Litch, kehrte eines Abends in leicht angetrunkenem Zustand aus der Stadt zurück. Sein Leibdiener leistete sich ein Vergehen gegenüber ihm. Er wurde bis auf sein Hemd entkleidet, ausgepeitscht und an einen großen Baum vor dem Haus gebunden. Es war eine stürmische Nacht im Winter. Der Wind pfiff bitterkalt, und die Zweige des alten Baumes knarrten unter fallendem Graupel. Ein Familienmitglied, das fürchtete, er könne erfrieren, flehte darum, ihn loszubinden; doch der Herr wollte nicht nachgeben. Er blieb dort drei Stunden lang; und als er losgeschnitten wurde, war er mehr tot als lebendig. Ein anderer Sklave, der ein Schwein von diesem Herrn stahl, um seinen Hunger zu stillen, wurde schrecklich ausgepeitscht. In seiner Verzweiflung versuchte er zu fliehen. Doch nach zwei Meilen war er vor Blutverlust so ohnmächtig, dass er glaubte zu sterben. Er hatte eine Frau und sehnte sich danach, sie noch einmal zu sehen. Zu krank zum Gehen, kroch er die lange Strecke auf Händen und Knien zurück. Als er das Haus seines Herrn erreichte, war es Nacht. Er hatte nicht die Kraft aufzustehen und das Tor zu öffnen. Er wimmerte und versuchte um Hilfe zu rufen. Ich hatte eine Freundin, die in derselben Familie lebte. Endlich erreichte sein Schrei sie. Sie ging hinaus und fand den am Boden liegenden Mann am Tor. Sie lief zum Haus zurück, um Hilfe zu holen, und zwei Männer kehrten mit ihr zurück. Sie trugen ihn hinein und legten ihn auf den Boden. Der Rücken seines Hemdes war ein einziger Klumpen Blut. Mithilfe von Schmalz löste meine Freundin es vom rohen Fleisch. Sie verband ihn, gab ihm ein kühles Getränk und ließ ihn ruhen. Der Herr sagte, er hätte hundert Peitschenhiebe mehr verdient. Als seine eigene Arbeit ihm gestohlen wurde, hatte er Essen gestohlen, um seinen Hunger zu stillen. Das war sein Verbrechen.
Eine weitere Nachbarin war eine Mrs. Wade. Zu keiner Tagesstunde gab es auf ihrem Anwesen ein Aufhören der Peitsche. Ihre Arbeit begann mit der Morgendämmerung und endete nicht lange nach Einbruch der Dunkelheit. Die Scheune war ihr besonderer Ort der Folter. Dort peitschte sie die Sklaven mit der Kraft eines Mannes. Eine alte Sklavin von ihr sagte einmal zu mir: „Es ist die Hölle im Haus der Herrin. Es scheint, ich kann nie entkommen. Tag und Nacht bete ich darum zu sterben.“
Die Herrin starb vor der alten Frau und flehte im Sterben ihren Ehemann an, keinem ihrer Sklaven zu erlauben, sie nach ihrem Tod zu sehen. Eine Sklavin, die ihre Kinder gestillt hatte und noch ein Kind in ihrer Obhut hatte, passte einen günstigen Moment ab und schlich sich mit dem Kind auf dem Arm in das Zimmer, in dem ihre tote Herrin lag. Sie starrte eine Weile auf sie, dann hob sie ihre Hand und versetzte ihr zwei Schläge ins Gesicht, wobei sie sagte: „Der Teufel hat dich jetzt!“ Sie vergaß, dass das Kind zusah. Es hatte gerade erst angefangen zu sprechen; und es sagte zu seinem Vater: „Ich habe Mama gesehen, und Mammy hat Mama so geschlagen“, wobei es sich mit seinem kleinen Händchen selbst ins Gesicht schlug. Der Herr war erschrocken. Er konnte sich nicht vorstellen, wie die Amme Zugang zu dem Zimmer finden konnte, in dem die Leiche lag; denn er hielt die Tür verschlossen. Er befragte sie. Sie gestand, dass das, was das Kind gesagt hatte, wahr sei, und erzählte, wie sie an den Schlüssel gekommen war. Sie wurde nach Georgia verkauft.
In meiner Kindheit kannte ich eine wertvolle Sklavin namens Charity und liebte sie, wie es alle Kinder taten. Ihre junge Herrin heiratete und nahm sie mit nach Louisiana. Ihr kleiner Sohn James wurde an einen guten Herrn verkauft. Dieser geriet in Schulden, und James wurde erneut an einen wohlhabenden Sklavenhalter verkauft, der für seine Grausamkeit bekannt war. Bei diesem Mann wuchs er zum Mann heran und wurde wie ein Hund behandelt. Nach einer schweren Auspeitschung, um sich vor weiteren Hieben zu bewahren, mit denen ihm gedroht wurde, floh er in die Wälder. Er war in einem elenden Zustand – zerschnitten von der Peitsche, halb nackt, halb verhungert und ohne die Mittel, sich eine Kruste Brot zu beschaffen.
Einige Wochen nach seiner Flucht wurde er gefangen genommen, gefesselt und zurück auf die Plantage seines Herrn gebracht. Dieser Mann hielt eine Bestrafung in seinem Gefängnis bei Brot und Wasser, nachdem er Hunderte von Peitschenhieben erhalten hatte, für zu mild für das Vergehen des armen Sklaven. Daher beschloss er, nachdem der Aufseher ihn zu seiner Zufriedenheit ausgepeitscht hatte, ihn zwischen die Schrauben der Baumwollentkörnungsmaschine zu spannen, damit er dort so lange bleibe, wie er in den Wäldern gewesen war. Dieses elende Geschöpf wurde mit der Peitsche vom Kopf bis zu den Füßen zerschnitten und dann mit starker Salzlake gewaschen, um zu verhindern, dass das Fleisch verfaulte, und damit es schneller heilte, als es sonst der Fall gewesen wäre. Dann wurde er in die Entkörnungsmaschine gelegt, die zugeschraubt wurde, wobei ihm nur so viel Platz blieb, dass er sich auf die Seite drehen konnte, wenn er nicht auf dem Rücken liegen konnte. Jeden Morgen wurde ein Sklave mit einem Stück Brot und einer Schale Wasser geschickt, die in Reichweite des armen Kerls gestellt wurden. Dem Sklaven wurde bei Androhung schwerer Strafe befohlen, nicht mit ihm zu sprechen.
Vier Tage vergingen, und der Sklave brachte weiterhin das Brot und das Wasser. Am zweiten Morgen fand er das Brot weg, aber das Wasser unangetastet. Als er vier Tage und fünf Nächte in der Presse gelegen hatte, teilte der Sklave seinem Herrn mit, dass das Wasser seit vier Morgen nicht mehr angerührt worden sei und dass ein schrecklicher Gestank aus dem Maschinenhaus komme. Der Aufseher wurde geschickt, um die Sache zu untersuchen. Als die Presse aufgeschraubt wurde, fand man den toten Körper, der teilweise von Ratten und Ungeziefer gefressen war. Vielleicht hatten die Ratten, die sein Brot fraßen, ihn angenagt, bevor das Leben erloschen war. Arme Charity! Großmutter und ich fragten uns oft, wie ihr liebevolles Herz die Nachricht ertragen würde, falls sie jemals von der Ermordung ihres Sohnes erfahren sollte. Wir hatten ihren Ehemann gekannt und wussten, dass James ihm an Männlichkeit und Intelligenz glich. Das waren die Eigenschaften, die es ihm so schwer machten, ein Plantagensklave zu sein. Sie legten ihn in eine grobe Kiste und begruben ihn mit weniger Gefühl, als man für einen alten Haushund aufgebracht hätte. Niemand stellte Fragen. Er war ein Sklave; und die Auffassung war, dass der Herr das Recht habe, mit seinem Eigentum zu tun, was er wolle. Und was kümmerte ihn der Wert eines Sklaven? Er hatte Hunderte davon. Wenn sie ihre tägliche Arbeit beendet hatten, mussten sie sich beeilen, ihre kleinen Bissen zu essen, und bereit sein, ihre Kienspäne vor neun Uhr zu löschen, wenn der Aufseher seine Kontrollgänge machte. Er betrat jede Hütte, um zu sehen, ob Männer und Frauen zusammen zu Bett gegangen waren, damit die Männer vor Erschöpfung nicht im Kaminwinkel einschliefen und dort bis zum Morgenhorn blieben, das sie zu ihrer täglichen Arbeit rief. Frauen werden als wertlos angesehen, es sei denn, sie vermehren ständig den Bestand ihres Eigentümers. Sie werden auf eine Stufe mit Tieren gestellt. Derselbe Herr schoss einer Frau in den Kopf, die davongelaufen war und zu ihm zurückgebracht wurde. Niemand zog ihn dafür zur Rechenschaft. Wenn sich ein Sklave gegen das Auspeitschen wehrte, wurden die Bluthunde losgelassen und auf ihn gehetzt, um ihm das Fleisch von den Knochen zu reißen. Der Herr, der diese Dinge tat, war hochgebildet und wurde als perfekter Gentleman bezeichnet. Er rühmte sich auch des Namens und Standes eines Christen, obwohl Satan nie einen wahreren Anhänger hatte.
Ich könnte von mehr Sklavenhaltern berichten, die so grausam sind wie die, die ich beschrieben habe. Sie sind keine Ausnahmen von der allgemeinen Regel. Ich sage nicht, dass es keine humanen Sklavenhalter gibt. Solche Charaktere existieren, ungeachtet der verhärtenden Einflüsse um sie herum. Aber sie sind „wie Engelbesuche – selten und weit auseinander“.
Ich kannte eine junge Dame, die eines dieser seltenen Exemplare war. Sie war eine Waise und erbte als Sklaven eine Frau und ihre sechs Kinder. Ihr Vater war ein freier Mann. Sie hatten ein komfortables Zuhause für sich, Eltern und Kinder lebten zusammen. Die Mutter und die älteste Tochter dienten ihrer Herrin während des Tages und kehrten nachts in ihre Wohnung zurück, die sich auf dem Gelände befand. Die junge Dame war sehr fromm, und ihre Religion hatte einen wahren Kern. Sie lehrte ihre Sklaven, ein reines Leben zu führen, und wünschte, dass sie die Früchte ihrer eigenen Arbeit genießen konnten. Ihre Religion war kein Gewand, das man für den Sonntag anlegte und beiseitelegte, bis der Sonntag wiederkehrte. Die älteste Tochter der Sklavenmutter war einem freien Mann zur Ehe versprochen; und am Tag vor der Hochzeit emanzipierte diese gute Herrin sie, damit ihre Ehe die Sanktion des Gesetzes haben konnte.
Man sagte, diese junge Dame hege eine unerwiderte Zuneigung für einen Mann, der beschlossen hatte, aus Vermögensgründen zu heiraten. Im Laufe der Zeit starb ein reicher Onkel von ihr. Er hinterließ sechstausend Dollar seinen beiden Söhnen von einer farbigen Frau und den Rest seines Eigentums dieser verwaisten Nichte. Das Metall zog bald den Magneten an. Die Dame und ihr schwerer Geldbeutel wurden sein. Sie bot an, ihre Sklaven freizulassen – und sagte ihnen, dass ihre Heirat unerwartete Veränderungen in ihrem Schicksal mit sich bringen könne und sie ihr Glück sichern wolle. Sie lehnten es ab, ihre Freiheit anzunehmen, und sagten, dass sie immer ihre beste Freundin gewesen sei und sie nirgendwo glücklicher sein könnten als bei ihr. Ich war nicht überrascht. Ich hatte sie oft in ihrem komfortablen Zuhause gesehen und dachte, dass die ganze Stadt keine glücklichere Familie enthielt. Sie hatten niemals die Sklaverei gespürt; und als es zu spät war, wurden sie von ihrer Realität überzeugt.
Als der neue Herr diese Familie als sein Eigentum beanspruchte, wurde der Vater wütend und wandte sich an seine Herrin um Schutz. „Ich kann jetzt nichts mehr für dich tun, Harry“, sagte sie. „Ich habe nicht mehr die Macht, die ich vor einer Woche hatte. Es ist mir gelungen, die Freiheit deiner Frau zu erlangen; aber ich kann sie nicht für deine Kinder erlangen.“ Der unglückliche Vater schwor, dass niemand ihm seine Kinder wegnehmen dürfe. Er versteckte sie einige Tage lang in den Wäldern; doch sie wurden entdeckt und mitgenommen. Der Vater wurde ins Gefängnis gesteckt und die zwei ältesten Jungen nach Georgia verkauft. Ein kleines Mädchen, zu jung, um ihrem Herrn von Nutzen zu sein, blieb bei der elenden Mutter. Die anderen drei wurden auf die Plantage ihres Herrn gebracht. Die Älteste wurde bald Mutter, und als die Frau des Sklavenhalters das Baby ansah, weinte sie bitterlich. Sie wusste, dass ihr eigener Ehemann die Reinheit verletzt hatte, die sie so sorgfältig gelehrt hatte. Sie bekam ein zweites Kind von ihrem Herrn, und dann verkaufte er sie und seinen Nachwuchs an seinen Bruder. Sie gebar zwei Kinder von dem Bruder und wurde erneut verkauft. Die nächste Schwester wurde verrückt. Das Leben, das sie führen musste, trieb sie in den Wahnsinn. Die dritte wurde die Mutter von fünf Töchtern. Vor der Geburt der vierten starb die fromme Herrin. Bis zum Schluss erwies sie den Sklaven jede Freundlichkeit, die ihre unglücklichen Umstände erlaubten. Sie schied friedlich dahin, froh, ihre Augen vor einem Leben zu schließen, das durch den Mann, den sie liebte, so elend gemacht worden war.
Dieser Mann verschwendete das Vermögen, das er erhalten hatte, und versuchte, seine Angelegenheiten durch eine zweite Ehe zu sanieren; doch nachdem er sich nach einer Nacht voller Trunkenheit zurückgezogen hatte, wurde er am Morgen tot aufgefunden. Er wurde ein guter Herr genannt; denn er fütterte und kleidete seine Sklaven besser als die meisten Herren, und die Peitsche war auf seiner Plantage nicht so häufig zu hören wie auf vielen anderen. Wäre die Sklaverei nicht gewesen, wäre er ein besserer Mann und seine Frau eine glücklichere Frau gewesen.
Keine Feder kann eine angemessene Beschreibung der allumfassenden Korruption geben.
Zügellosigkeit und Furcht. Die Peitsche und das schmutzige Gerede ihres Herrn und seiner Söhne sind ihre Lehrmeister. Wenn sie vierzehn oder fünfzehn ist, beginnen ihr Eigentümer, seine Söhne, der Aufseher oder vielleicht alle zusammen, sie mit Geschenken zu bestechen. Wenn diese ihr Ziel nicht erreichen, wird sie geschlagen oder ausgehungert, bis sie sich ihrem Willen beugt. Vielleicht wurden ihr religiöse Grundsätze von einer frommen Mutter oder Großmutter oder einer guten Herrin eingeprägt; vielleicht hat sie einen Liebhaber, dessen gute Meinung und Seelenfrieden ihr am Herzen liegen; oder die ausschweifenden Männer, die Macht über sie haben, sind ihr zutiefst zuwider. Doch Widerstand ist hoffnungslos.
„Der arme Wurm Wird seinen Kampf als eitel finden. Das kurze Tagewerk des Lebens Wird vergehen, und sie ist dahin!“
Die Söhne der Sklavenhalter sind natürlich schon als Jungen durch die unreinen Einflüsse verdorben, die sie überall umgeben. Auch die Töchter des Herrn bleiben nicht immer verschont. Manchmal ereilt ihn eine schwere Vergeltung für das Unrecht, das er den Töchtern der Sklaven antut. Die weißen Töchter hören schon früh ihre Eltern über irgendeine Sklavin streiten. Ihre Neugier ist geweckt, und bald erfahren sie den Grund. Sie werden von den jungen Sklavenmädchen bedient, die ihr Vater verdorben hat; und sie hören Dinge, die niemals an jugendliche Ohren, oder überhaupt an irgendwelche Ohren, dringen sollten. Sie wissen, dass die Sklavinnen in allen Dingen der Autorität ihres Vaters unterworfen sind; und in manchen Fällen üben sie dieselbe Autorität über die männlichen Sklaven aus. Ich selbst habe den Herrn eines solchen Haushalts gesehen, dessen Haupt vor Scham gesenkt war; denn in der Nachbarschaft war bekannt, dass seine Tochter einen der ärmsten Sklaven auf seiner Plantage als Vater ihres ersten Enkelkindes ausgewählt hatte. Sie machte ihre Avancen nicht ihresgleichen, nicht einmal den intelligenteren Dienern ihres Vaters. Sie wählte den am meisten Verrohten, über den ihre Autorität mit weniger Furcht vor Entdeckung ausgeübt werden konnte. Ihr Vater, halb wahnsinnig vor Zorn, versuchte sich an dem beleidigenden schwarzen Mann zu rächen; doch seine Tochter, die den Sturm, der aufziehen würde, vorausgesehen hatte, hatte ihm Freibriefe ausgestellt und ihn aus dem Staat geschickt.
In solchen Fällen wird der Säugling erstickt oder dorthin geschickt, wo er niemals von jemandem gesehen wird, der seine Geschichte kennt. Wenn jedoch der weiße Elternteil der Vater statt der Mutter ist, werden die Nachkommen schamlos für den Markt aufgezogen. Wenn es Mädchen sind, habe ich deutlich genug angedeutet, was ihr unvermeidliches Schicksal sein wird.
Sie können glauben, was ich sage; denn ich schreibe nur das, wovon ich weiß. Ich war einundzwanzig Jahre lang in diesem Käfig der unsauberen Vögel. Ich kann aus eigener Erfahrung und Beobachtung bezeugen, dass die Sklaverei ein Fluch für die Weißen ebenso wie für die Schwarzen ist. Sie macht die weißen Väter grausam und sinnlich; die Söhne gewalttätig und zügellos; sie befleckt die Töchter und macht die Ehefrauen unglücklich. Und was die farbige Rasse betrifft, so bedarf es einer fähigeren Feder als meiner, um das Ausmaß ihres Leidens und die Tiefe ihrer Erniedrigung zu beschreiben.
Doch nur wenige Sklavenhalter scheinen sich des weitverbreiteten moralischen Ruins bewusst zu sein, den dieses böse System verursacht. Sie reden von verdorbenen Baumwollernte – nicht vom Verderben der Seelen ihrer Kinder.
Wenn Sie von den Abscheulichkeiten der Sklaverei vollkommen überzeugt sein wollen, gehen Sie auf eine Plantage im Süden und geben Sie sich als Negerhändler aus. Dann wird es keine Verheimlichung geben; und Sie werden Dinge sehen und hören, die Ihnen unter menschlichen Wesen mit unsterblichen Seelen unmöglich erscheinen werden.
X. Ein gefährlicher Lebensabschnitt der Sklavin.
Nachdem mein Liebhaber fortgegangen war, ersann Dr. Flint einen neuen Plan. Er schien die Vorstellung zu haben, dass meine Furcht vor meiner Herrin sein größtes Hindernis sei. Im sanftesten Ton sagte er mir, er wolle ein kleines Haus für mich bauen, an einem abgelegenen Ort, vier Meilen von der Stadt entfernt. Ich schauderte; doch ich war gezwungen zuzuhören, während er von seiner Absicht sprach, mir ein eigenes Zuhause zu geben und eine Dame aus mir zu machen. Bisher war ich meinem gefürchteten Schicksal entgangen, indem ich unter Menschen war. Meine Großmutter hatte bereits heftige Worte mit meinem Herrn wegen mir gewechselt. Sie hatte ihm ziemlich deutlich gesagt, was sie von seinem Charakter hielt, und es gab in der Nachbarschaft viel Klatsch über unsere Angelegenheiten, zu dem die offen zur Schau getragene Eifersucht von Mrs. Flint nicht wenig beitrug. Als mein Herr sagte, er wolle ein Haus für mich bauen, und dass er dies mit wenig Mühe und Kosten tun könne, hatte ich die Hoffnung, es würde etwas geschehen, um seinen Plan zu vereiteln; doch bald hörte ich, dass mit dem Haus tatsächlich begonnen worden war. Ich schwor vor meinem Schöpfer, dass ich es niemals betreten würde. Ich wollte lieber von Anbruch des Tages bis zum Einbruch der Dunkelheit auf der Plantage schuften; ich wollte lieber im Gefängnis leben und sterben, als Tag für Tag ein solches Leben im Tode zu fristen. Ich war entschlossen, dass der Herr, den ich so hasste und verabscheute, der die Aussichten meiner Jugend zerstört und mein Leben zu einer Wüste gemacht hatte, nach meinem langen Kampf mit ihm nicht zuletzt doch noch Erfolg haben sollte, sein Opfer unter seine Füße zu treten. Ich würde alles, einfach alles tun, um ihn zu besiegen. Was konnte ich tun? Ich dachte und dachte, bis ich verzweifelt war und den Sprung in den Abgrund wagte.
Und nun, Leser, komme ich zu einer Zeit in meinem unglücklichen Leben, die ich gerne vergessen würde, wenn ich könnte. Die Erinnerung erfüllt mich mit Kummer und Scham. Es schmerzt mich, Ihnen davon zu berichten; doch ich habe versprochen, Ihnen die Wahrheit zu sagen, und ich werde es ehrlich tun, koste es mich, was es wolle. Ich werde nicht versuchen, mich hinter der Ausrede des Zwangs durch einen Herrn zu verstecken; denn so war es nicht. Ich kann mich auch nicht auf Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit berufen. Jahrelang hatte mein Herr sein Äußerstes getan, um meinen Geist mit schmutzigen Bildern zu vergiften und die reinen Prinzipien zu zerstören, die mir meine Großmutter und die gute Herrin meiner Kindheit vermittelt hatten. Die Einflüsse der Sklaverei hatten bei mir dieselbe Wirkung wie bei anderen jungen Mädchen; sie hatten mich vorzeitig wissend gemacht über die bösen Wege der Welt. Ich wusste, was ich tat, und ich tat es mit bewusster Berechnung.
Aber, o ihr glücklichen Frauen, deren Reinheit seit der Kindheit geschützt wurde, die frei waren, die Objekte eurer Zuneigung zu wählen, deren Heim durch das Gesetz geschützt ist, verurteilt das arme, trostlose Sklavenmädchen nicht zu streng! Wäre die Sklaverei abgeschafft worden, hätte auch ich den Mann meiner Wahl heiraten können; ich hätte ein Zuhause haben können, das durch die Gesetze geschützt ist; und mir wäre die schmerzliche Aufgabe erspart geblieben, das zu beichten, was ich nun zu berichten habe; doch all meine Aussichten waren durch die Sklaverei zerstört worden. Ich wollte mich rein halten; und unter den widrigsten Umständen versuchte ich hart, meine Selbstachtung zu bewahren; doch ich kämpfte allein im mächtigen Griff des Dämons Sklaverei; und das Monster erwies sich als zu stark für mich. Ich fühlte mich, als wäre ich von Gott und den Menschen verlassen; als müssten all meine Bemühungen vereitelt werden; und ich wurde rücksichtslos in meiner Verzweiflung.
Ich habe Ihnen gesagt, dass die Verfolgungen durch Dr. Flint und die Eifersucht seiner Frau zu einigem Klatsch in der Nachbarschaft geführt hatten. Unter anderen hatte es sich gefügt, dass ein weißer, unverheirateter Herr etwas von den Umständen erfahren hatte, in denen ich mich befand. Er kannte meine Großmutter und sprach mich oft auf der Straße an. Er begann, sich für mich zu interessieren, und stellte Fragen über meinen Herrn, die ich zum Teil beantwortete. Er drückte viel Mitgefühl aus und den Wunsch, mir zu helfen. Er suchte ständig Gelegenheiten, mich zu sehen, und schrieb mir häufig. Ich war ein armes Sklavenmädchen, erst fünfzehn Jahre alt.
So viel Aufmerksamkeit von einer höhergestellten Person war natürlich schmeichelhaft; denn die menschliche Natur ist überall gleich. Ich war auch dankbar für sein Mitgefühl und ermutigt durch seine freundlichen Worte. Es schien mir eine große Sache zu sein, einen solchen Freund zu haben. Allmählich schlich sich ein zärtlicheres Gefühl in mein Herz. Er war ein gebildeter und redegewandter Gentleman; leider zu redegewandt für das arme Sklavenmädchen, das ihm vertraute. Natürlich sah ich, wohin das alles führte. Ich kannte den unüberbrückbaren Abgrund zwischen uns; doch ein Objekt des Interesses für einen Mann zu sein, der nicht verheiratet ist und nicht ihr Herr, ist angenehm für den Stolz und die Gefühle einer Sklavin, wenn ihre elende Lage ihr überhaupt noch Stolz oder Empfindung gelassen hat. Es erscheint weniger erniedrigend, sich selbst hinzugeben, als sich einem Zwang zu beugen. Es hat etwas von Freiheit, einen Liebhaber zu haben, der keine Kontrolle über einen hat, außer derjenigen, die er durch Güte und Zuneigung gewinnt. Ein Herr kann dich so grob behandeln, wie er will, und du wagst es nicht zu sprechen; zudem erscheint das Unrecht bei einem unverheirateten Mann nicht so groß wie bei einem, der eine Frau hat, die unglücklich gemacht wird. Es mag Sophisterei in all dem liegen; doch der Zustand eines Sklaven verwirrt alle Prinzipien der Moral und macht ihre Ausübung tatsächlich unmöglich.
Als ich feststellte, dass mein Herr tatsächlich mit dem Bau des einsamen Häuschens begonnen hatte, mischten sich andere Gefühle unter die, die ich beschrieben habe. Rache und Kalkulationen des eigenen Vorteils kamen zu geschmeichelter Eitelkeit und aufrichtiger Dankbarkeit für Freundlichkeit hinzu. Ich wusste, dass nichts Dr. Flint so sehr erzürnen würde, wie zu wissen, dass ich einen anderen bevorzugte; und es bedeutete etwas, meinen Tyrannen selbst auf diese kleine Weise zu besiegen. Ich dachte, er würde sich rächen, indem er mich verkaufte, und ich war sicher, dass mein Freund, Mr. Sands, mich kaufen würde. Er war ein Mann von mehr Großmut und Gefühl als mein Herr, und ich dachte, meine Freiheit könnte leicht von ihm erlangt werden. Die Krise meines Schicksals kam nun so nahe, dass ich verzweifelt war. Ich schauderte bei dem Gedanken, die Mutter von Kindern zu sein, die meinem alten Tyrannen gehören würden. Ich wusste, dass seine Opfer, sobald ihn ein neuer Einfall überkam, weit weg verkauft wurden, um sie loszuwerden; besonders wenn sie Kinder hatten. Ich hatte mehrere Frauen verkauft gesehen, mit seinen Babys an der Brust. Er erlaubte niemals, dass seine Nachkommen von Sklavinnen lange in seiner Sichtweite und der seiner Frau blieben. Einen Mann, der nicht mein Herr war, konnte ich bitten, meine Kinder gut zu versorgen; und in diesem Fall war ich zuversichtlich, dass ich die Gunst erhalten würde. Ich fühlte mich auch ziemlich sicher, dass sie freigelassen würden. Mit all diesen Gedanken, die in meinem Kopf kreisten, und da ich keinen anderen Weg sah, dem Schicksal zu entkommen, das ich so sehr fürchtete, machte ich einen kopfüber Sprung. Erbarmen Sie sich meiner und verzeihen Sie mir, o tugendhafter Leser! Sie wussten nie, wie es ist, eine Sklavin zu sein; vollkommen ungeschützt durch Gesetz oder Sitte; die Gesetze zum Zustand eines beweglichen Gutes herabgestuft, vollkommen dem Willen eines anderen unterworfen. Sie haben nie Ihren Einfallsreichtum erschöpft, um den Schlingen zu entgehen und der Macht eines gehassten Tyrannen zu entkommen; Sie haben nie beim Klang seiner Schritte geschaudert und bei seinem Stimmklang gezittert. Ich weiß, dass ich Unrecht getan habe. Niemand kann das schmerzlicher empfinden als ich. Die schmerzvolle und demütigende Erinnerung wird mich bis an mein Lebensende verfolgen. Wenn ich jedoch ruhig auf die Ereignisse meines Lebens zurückblicke, fühle ich, dass die Sklavin nicht nach demselben Maßstab wie andere beurteilt werden sollte.
Die Monate vergingen. Ich hatte viele unglückliche Stunden. Ich trauerte heimlich über den Kummer, den ich meiner Großmutter bereitete, die so sehr versucht hatte, mich vor Schaden zu bewahren. Ich wusste, dass ich der größte Trost ihres Alters war und dass es für sie eine Quelle des Stolzes war, dass ich mich nicht wie die meisten Sklaven erniedrigt hatte. Ich wollte ihr gestehen, dass ich ihrer Liebe nicht mehr würdig war; doch ich konnte die gefürchteten Worte nicht aussprechen.
Was Dr. Flint betraf, so hatte ich ein Gefühl der Befriedigung und des Triumphs bei dem Gedanken, es ihm zu sagen. Von Zeit zu Zeit erzählte er mir von seinen beabsichtigten Arrangements, und ich schwieg. Endlich kam er und sagte mir, das Häuschen sei fertiggestellt, und befahl mir, dorthin zu gehen. Ich sagte ihm, dass ich es niemals betreten würde. Er sagte: „Ich habe genug von solchem Gerede gehört. Du wirst gehen, wenn du mit Gewalt getragen wirst; und du wirst dort bleiben.“
Ich erwiderte: „Ich werde niemals dorthin gehen. In wenigen Monaten werde ich Mutter sein.“
Er stand da, sah mich mit stummem Erstaunen an und verließ das Haus ohne ein Wort. Ich dachte, ich würde glücklich sein in meinem Triumph über ihn. Doch jetzt, da die Wahrheit heraus war und meine Verwandten davon hören würden, fühlte ich mich elend. So bescheiden ihre Umstände auch waren, sie waren stolz auf meinen guten Charakter. Wie konnte ich ihnen nun unter die Augen treten? Meine Selbstachtung war dahin! Ich hatte mir vorgenommen, tugendhaft zu sein, obwohl ich eine Sklavin war. Ich hatte gesagt: „Lass den Sturm toben! Ich werde ihm trotzen, bis ich sterbe.“ Und nun, wie gedemütigt fühlte ich mich!
Ich ging zu meiner Großmutter. Meine Lippen bewegten sich zur Beichte, doch die Worte blieben mir im Halse stecken. Ich setzte mich in den Schatten eines Baumes an ihrer Tür und begann zu nähen. Ich glaube, sie sah, dass etwas Ungewöhnliches mit mir war. Die Mutter von Sklaven ist sehr wachsam. Sie weiß, dass es keine Sicherheit für ihre Kinder gibt. Nachdem sie ins Teenageralter gekommen sind, lebt sie in täglicher Erwartung von Ärger. Das führt zu vielen Fragen. Wenn das Mädchen ein sensibles Wesen hat, hält sie die Schüchternheit davon ab, wahrheitsgemäß zu antworten, und dieser wohlgemeinte Kurs neigt dazu, sie vom mütterlichen Rat wegzutreiben. Plötzlich kam meine Herrin herein, wie eine Wahnsinnige, und beschuldigte mich wegen ihres Mannes. Meine Großmutter, deren Argwohn zuvor geweckt worden war, glaubte, was sie sagte. Sie rief aus: „O Linda! Ist es so weit gekommen? Ich sähe dich lieber tot, als dich so zu sehen, wie du jetzt bist. Du bist eine Schande für deine tote Mutter.“ Sie riss mir den Ehering meiner Mutter und ihren silbernen Fingerhut von den Fingern. „Geh weg!“, rief sie, „und komm nie wieder in mein Haus.“ Ihre Vorwürfe fielen so heiß und schwer, dass sie mir keine Chance ließen zu antworten. Bittere Tränen, wie sie die Augen nur einmal vergießen, waren meine einzige Antwort. Ich erhob mich von meinem Sitz, fiel aber wieder zurück und schluchzte. Sie sprach nicht zu mir; doch die Tränen liefen über ihre gefurchten Wangen, und sie versengten mich wie Feuer. Sie war immer so gut zu mir gewesen! So gut! Wie sehnte ich mich danach, mich ihr zu Füßen zu werfen und ihr die ganze Wahrheit zu sagen! Doch sie hatte mir befohlen zu gehen und niemals wiederzukommen. Nach einigen Minuten raffte ich meine Kraft zusammen und machte mich auf, ihr zu gehorchen. Mit welchen Gefühlen schloss ich nun jenes kleine Tor, das ich in meiner Kindheit mit so eifriger Hand zu öffnen pflegte! Es schloss sich hinter mir mit einem Klang, den ich nie zuvor gehört hatte.
Wohin konnte ich gehen? Ich fürchtete mich, zu meinem Herrn zurückzukehren. Ich ging rücksichtslos weiter, ohne mich darum zu scheren, wohin ich ging oder was aus mir werden würde. Als ich vier oder fünf Meilen gegangen war, zwang mich die Erschöpfung zum Anhalten. Ich setzte mich auf den Stumpf eines alten Baumes. Die Sterne schienen durch die Zweige über mir. Wie sie mich verspotteten mit ihrem hellen, ruhigen Licht! Die Stunden vergingen, und als ich dort allein saß, überkam mich eine Kälte und tödliche Übelkeit. Ich sank auf den Boden. Mein Geist war voller schrecklicher Gedanken. Ich betete darum zu sterben; doch das Gebet wurde nicht erhört. Schließlich raffte ich mich mit großer Anstrengung auf und ging noch ein Stück weiter bis zum Haus einer Frau, die eine Freundin meiner Mutter gewesen war. Als ich ihr erzählte, warum ich dort war, sprach sie tröstend zu mir; doch ich konnte nicht getröstet werden. Ich dachte, ich könnte meine Schande ertragen, wenn ich mich nur mit meiner Großmutter versöhnen könnte. Ich sehnte mich danach, ihr mein Herz auszuschütten. Ich dachte, wenn sie den wahren Sachverhalt kennen könnte und all das, was ich seit Jahren ertrug, würde sie mich vielleicht weniger hart beurteilen. Meine Freundin riet mir, nach ihr zu schicken. Ich tat es; doch Tage qualvoller Ungewissheit vergingen, bevor sie kam. Hatte sie mich gänzlich verlassen? Nein. Sie kam schließlich. Ich kniete vor ihr nieder und erzählte ihr die Dinge, die mein Leben vergiftet hatten; wie lange ich verfolgt worden war; dass ich keinen Ausweg sah; und in einer Stunde der Not war ich verzweifelt geworden. Sie hörte schweigend zu. Ich sagte ihr, ich würde alles ertragen und alles tun, wenn ich mit der Zeit Hoffnung auf ihre Vergebung hätte. Ich flehte sie an, sich meiner zu erbarmen, um meiner toten Mutter willen. Und sie erbarmte sich meiner. Sie sagte nicht: „Ich vergebe dir“; aber sie sah mich liebevoll an, mit ihren Augen voller Tränen. Sie legte ihre alte Hand sanft auf meinen Kopf und murmelte: „Armes Kind! Armes Kind!“
XI. Das neue Band zum Leben.
Ich kehrte zum Haus meiner guten Großmutter zurück. Sie hatte ein Gespräch mit Mr. Sands. Als sie ihn fragte, warum er ihr nicht ein Mutterschaf hätte lassen können – ob es nicht genug Sklaven gäbe, denen der Charakter gleichgültig sei –, gab er keine Antwort; doch er sprach freundliche und ermutigende Worte. Er versprach, für mein Kind zu sorgen und mich zu kaufen, wie die Bedingungen auch sein mochten.
Ich hatte Dr. Flint fünf Tage lang nicht gesehen. Ich hatte ihn seit meinem Geständnis nicht mehr gesehen. Er sprach von der Schande, die ich über mich gebracht hatte; wie ich gegen meinen Herrn gesündigt und meine alte Großmutter gekränkt hatte. Er deutete an, dass er mich als Arzt vor der Entblößung hätte bewahren können, wenn ich seine Vorschläge angenommen hätte. Er herabließ sich sogar dazu, mich zu bemitleiden. Hätte er mir bitterere Wermut reichen können? Er, dessen Verfolgungen die Ursache meiner Sünde gewesen waren!
„Linda“, sagte er, „obwohl du gegen mich straffällig geworden bist, fühle ich mit dir und kann dir verzeihen, wenn du meinen Wünschen gehorchst. Sag mir, ob der Kerl, den du heiraten wolltest, der Vater deines Kindes ist. Wenn du mich täuschst, wirst du die Feuer der Hölle spüren.“
Ich fühlte mich nicht mehr so stolz wie zuvor. Meine stärkste Waffe gegen ihn war dahin. Ich war in meiner eigenen Achtung gesunken und hatte beschlossen, seine Misshandlungen schweigend zu ertragen. Doch als er verächtlich über den Liebhaber sprach, der mich immer ehrenhaft behandelt hatte; als ich mich daran erinnerte, dass ich ohne ihn vielleicht eine tugendhafte, freie und glückliche Ehefrau hätte sein können, verlor ich meine Geduld. „Ich habe gegen Gott und mich selbst gesündigt“, antwortete ich, „aber nicht gegen Sie.“
Er knirschte mit den Zähnen und murmelte: „Verflucht sollst du sein!“ Er kam mit kaum unterdrücktem Zorn auf mich zu und rief aus: „Du eigensinniges Mädchen! Ich könnte deine Knochen zu Pulver zermahlen! Du hast dich an irgendeinen wertlosen Schurken weggeworfen. Du bist leichtsinnig und wurdest von denen leicht überzeugt, die keinen Pfifferling auf dich geben. Die Zukunft wird unsere Rechnungen begleichen. Du bist jetzt verblendet; doch später wirst du überzeugt sein, dass dein Herr dein bester Freund war. Meine Nachsicht dir gegenüber ist ein Beweis dafür. Ich hätte dich auf viele Arten bestrafen können. Ich hätte dich auspeitschen lassen können, bis du unter der Peitsche tot umgefallen wärst. Doch ich wollte, dass du lebst; ich hätte deine Lage verbessert. Andere können das nicht. Du bist meine Sklavin. Deine Herrin, angewidert von deinem Verhalten, verbietet dir die Rückkehr ins Haus; daher lasse ich dich vorerst hier; doch ich werde dich oft sehen. Ich werde morgen vorbeikommen.“
Er kam mit finsterer Miene, die einen unzufriedenen Geisteszustand verriet. Nachdem er sich nach meinem Befinden erkundigt hatte, fragte er, ob meine Kost bezahlt sei und wer mich besuche. Dann fuhr er fort zu sagen, er habe seine Pflicht vernachlässigt; als Arzt gäbe es gewisse Dinge, die er mir hätte erklären müssen. Es folgte ein Gespräch, wie es selbst die Schamlosesten hätte erröten lassen. Er befahl mir, vor ihm aufzustehen. Ich gehorchte. „Ich befehle dir“, sagte er, „mir zu sagen, ob der Vater deines Kindes weiß oder schwarz ist.“ Ich zögerte. „Antworte mir auf der Stelle!“, rief er. Ich antwortete. Er sprang mich wie ein Wolf an und packte meinen Arm, als wolle er ihn brechen. „Liebst du ihn?“, sagte er in zischendem Ton.
„Ich bin dankbar, dass ich ihn nicht verachte“, erwiderte ich.
Er erhob die Hand, um mich zu schlagen; doch sie sank wieder herab. Ich weiß nicht, was den Schlag aufhielt. Er setzte sich, die Lippen fest zusammengepresst. Endlich sprach er. „Ich kam her“, sagte er, „um dir einen freundschaftlichen Vorschlag zu machen; doch deine Undankbarkeit reizt mich unerträglich. Du weist alle meine guten Absichten dir gegenüber zurück. Ich weiß nicht, was mich davon abhält, dich zu töten.“ Wieder stand er auf, als habe er die Absicht, mich zu schlagen.
Doch er fuhr fort. „Unter einer Bedingung werde ich deine Unverschämtheit und dein Verbrechen verzeihen. Du darfst von nun an keinerlei Verbindung mehr mit dem Vater deines Kindes haben. Du darfst nichts von ihm verlangen oder etwas von ihm annehmen. Ich werde für dich und dein Kind sorgen. Du solltest dies besser sofort versprechen und nicht warten, bis du von ihm verlassen wirst. Dies ist der letzte Akt der Gnade, den ich dir erweisen werde.“
Ich sagte etwas darüber, dass ich nicht gewillt sei, mein Kind von einem Mann unterstützen zu lassen, der es und auch mich verflucht habe. Er entgegnete, dass eine Frau, die auf mein Niveau gesunken sei, kein Recht habe, etwas anderes zu erwarten. Er fragte zum letzten Mal, ob ich seine Güte annehmen wolle? Ich antwortete, dass ich dies nicht wolle.
„Sehr wohl“, sagte er; „dann trage die Konsequenzen deines eigenwilligen Weges. Erwarte nie Hilfe von mir. Du bist meine Sklavin und wirst immer meine Sklavin sein. Ich werde dich niemals verkaufen, darauf kannst du dich verlassen.“
Die Hoffnung starb in meinem Herzen, als er die Tür hinter sich schloss. Ich hatte damit gerechnet, dass er mich in seinem Zorn an einen Sklavenhändler verkaufen würde; und ich wusste, dass der Vater meines Kindes auf der Hut war, um mich zu kaufen.
Um diese Zeit wurde die Rückkehr meines Onkels Phillip von einer Seereise erwartet. Am Tag vor seiner Abreise hatte ich einer jungen Freundin als Brautjungfer gedient. Mein Herz war damals nicht unbeschwert, doch mein lächelndes Gesicht verriet es nicht. Nur ein Jahr war vergangen; doch welch furchtbare Veränderungen hatte es bewirkt! Mein Herz war im Elend grau geworden. Leben, die im Sonnenschein aufleuchten, und Leben, die in Tränen geboren werden, erhalten ihre Farbe durch die Umstände. Keiner von uns weiß, was ein Jahr bringen mag.
Ich empfand keine Freude, als sie mir sagten, mein Onkel sei gekommen. Er wollte mich sehen, obwohl er wusste, was geschehen war. Zuerst wich ich vor ihm zurück; doch schließlich willigte ich ein, dass er in mein Zimmer kommen durfte. Er empfing mich, wie er es immer getan hatte. O, wie stach es mir ins Herz, als ich seine Tränen auf meinen brennenden Wangen spürte! Die Worte meiner Großmutter kamen mir in den Sinn: „Vielleicht sind deine Mutter und dein Vater vor den kommenden bösen Tagen bewahrt worden.“ Mein enttäuschtes Herz konnte Gott nun dafür preisen, dass es so war. Aber warum, dachte ich, hegten meine Verwandten jemals Hoffnungen für mich? Was gab es da, das mich vor dem üblichen Schicksal von Sklavenmädchen bewahren konnte? Viele, die schöner und intelligenter waren als ich, hatten ein ähnliches oder ein weitaus schlimmeres Schicksal erfahren. Wie konnten sie hoffen, dass ich entkommen würde?
Der Aufenthalt meines Onkels war kurz, und ich war nicht unglücklich darüber. Ich war an Geist und Körper zu krank, um meine Freunde so zu genießen, wie ich es getan hatte. Einige Wochen lang konnte ich mein Bett nicht verlassen. Ich konnte keinen anderen Arzt haben als meinen Herrn, und ich wollte nicht, dass man nach ihm schickte. Schließlich, beunruhigt durch meine zunehmende Krankheit, sandten sie nach ihm. Ich war sehr schwach und nervös; und sobald er das Zimmer betrat, fing ich an zu schreien. Sie sagten ihm, mein Zustand sei sehr kritisch. Er hatte keinen Wunsch, mich aus der Welt zu befördern, und er zog sich zurück.
Als mein Kind geboren wurde, sagten sie, es sei eine Frühgeburt. Es wog nur vier Pfund; doch Gott ließ es leben. Ich hörte den Arzt sagen, ich würde den Morgen nicht überleben. Ich hatte oft um den Tod gebetet; doch nun wollte ich nicht sterben, es sei denn, mein Kind könnte auch sterben. Viele Wochen vergingen, bevor ich mein Bett verlassen konnte. Ich war nur noch ein Wrack meiner selbst. Ein Jahr lang gab es kaum einen Tag, an dem ich frei von Schüttelfrost und Fieber war. Mein Kind war ebenfalls kränklich. Seine kleinen Gliedmaßen wurden oft von Schmerz geplagt. Dr. Flint setzte seine Besuche fort, um nach meiner Gesundheit zu sehen; und er versäumte es nicht, mich daran zu erinnern, dass mein Kind ein Zuwachs seines Sklavenbestandes sei.
Ich fühlte mich zu schwach, um mit ihm zu streiten, und hörte seine Bemerkungen schweigend an. Seine Besuche wurden seltener; doch sein rastloser Geist konnte nicht zur Ruhe kommen. Er beschäftigte meinen Bruder in seiner Praxis, und dieser wurde zum Übermittler häufiger Zettel und Nachrichten an mich. William war ein aufgeweckter Junge und dem Arzt von großem Nutzen. Er hatte gelernt, Medikamente zusammenzustellen, Blutegel anzusetzen, zu schröpfen und zur Ader zu lassen. Er hatte sich selbst Lesen und Buchstabieren beigebracht. Ich war stolz auf meinen Bruder; und der alte Arzt ahnte das wohl. Eines Tages, als ich ihn mehrere Wochen nicht gesehen hatte, hörte ich seine Schritte, die sich der Tür näherten. Ich fürchtete die Begegnung und versteckte mich. Er fragte natürlich nach mir; doch ich war nirgends zu finden. Er ging in sein Büro und schickte William mit einem Zettel los. Die Farbe stieg meinem Bruder ins Gesicht, als er ihn mir gab; und er sagte: „Hassest du mich nicht, Linda, dass ich dir diese Dinge bringe?“ Ich sagte ihm, ich könne ihm keine Vorwürfe machen; er sei ein Sklave und verpflichtet, dem Willen seines Herrn zu gehorchen. Der Zettel befahl mir, in seine Praxis zu kommen. Ich ging. Er verlangte zu wissen, wo ich gewesen sei, als er rief. Ich sagte ihm, ich sei zu Hause gewesen. Er geriet in Zorn und sagte, er wisse es besser. Dann ließ er sich über seine üblichen Themen aus – meine Verbrechen gegen ihn und meine Undankbarkeit für seine Nachsicht. Die Gesetze wurden mir aufs Neue dargelegt, und ich wurde entlassen. Ich fühlte mich gedemütigt, dass mein Bruder danebenstehen und sich solche Sprache anhören musste, die nur an eine Sklavin gerichtet werden würde. Armer Junge! Er war machtlos, mich zu verteidigen; doch ich sah die Tränen, die er vergeblich zurückzuhalten versuchte. Diese Gefühlsäußerung reizte den Arzt. William konnte nichts tun, um ihm zu gefallen. Eines Morgens kam er nicht so früh wie gewöhnlich in die Praxis; und dieser Umstand bot seinem Herrn eine Gelegenheit, seiner schlechten Laune freien Lauf zu lassen. Er wurde ins Gefängnis gesteckt. Am nächsten Tag schickte mein Bruder einen Händler zum Arzt mit der Bitte, verkauft zu werden. Sein Herr war über das, was er seine Unverschämtheit nannte, sehr aufgebracht. Er sagte, er habe ihn dorthin gesteckt, damit er über sein schlechtes Betragen nachdenken könne, und er liefere sicherlich keinen Beweis der Reue. Zwei Tage lang plagte er sich ab, jemanden zu finden, der seine Büroarbeit erledigte; doch ohne William ging alles schief. Er wurde freigelassen und angewiesen, seinen alten Posten wieder einzunehmen, mit vielen Drohungen für den Fall, dass er in seinem zukünftigen Verhalten nicht vorsichtig sei.
Als die Monate vergingen, besserte sich die Gesundheit meines Jungen. Als er ein Jahr alt war, nannten sie ihn wunderschön. Die kleine Rebe schlug tiefe Wurzeln in meiner Existenz, obwohl ihre klammernde Anhänglichkeit eine Mischung aus Liebe und Schmerz erregte. Wenn ich am niedergedrücktesten war, fand ich Trost in seinem Lächeln. Ich liebte es, seinen kindlichen Schlummer zu beobachten; doch immer lag eine dunkle Wolke über meinem Vergnügen. Ich konnte nie vergessen, dass er ein Sklave war. Manchmal wünschte ich, er möge im Kindesalter sterben. Gott prüfte mich. Mein Liebling wurde sehr krank. Die hellen Augen wurden trüb, und die kleinen Füße und Hände waren so eiskalt, dass ich dachte, der Tod habe sie bereits berührt. Ich hatte für seinen Tod gebetet, aber niemals so inbrünstig, wie ich nun für sein Leben betete; und mein Gebet wurde erhört. Ach, welch Hohn ist es für eine Sklavenmutter, versuchen zu wollen, ihr sterbendes Kind ins Leben zurückzubeten! Der Tod ist besser als Sklaverei. Es war ein trauriger Gedanke, dass ich keinen Namen hatte, den ich meinem Kind geben konnte. Sein Vater liebkoste ihn und behandelte ihn freundlich, wann immer er die Gelegenheit hatte, ihn zu sehen. Er war nicht abgeneigt, dass er seinen Namen tragen sollte; doch er hatte keinen rechtlichen Anspruch darauf; und hätte ich ihn ihm gegeben, hätte mein Herr es als ein neues Verbrechen betrachtet, ein neues Stück Unverschämtheit, und hätte es vielleicht an dem Jungen gerächt. O, die Schlange der Sklaverei hat viele und giftige Fangzähne!
XII. Furcht vor einem Aufstand.
Nicht lange nach dieser Zeit brach Nat Turners Aufstand aus; und die Nachricht versetzte unsere Stadt in große Aufregung. Seltsam, dass sie beunruhigt sein sollten, wo ihre Sklaven doch so „zufrieden und glücklich“ waren! Aber so war es.
Es war immer Brauch, jedes Jahr eine Musterung abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit sollte jeder weiße Mann seine Muskete schultern. Die Bürger und die sogenannten Country Gentlemen trugen militärische Uniformen. Die armen Weißen nahmen ihren Platz in den Reihen in Alltagskleidung ein, manche ohne Schuhe, manche ohne Hüte. Dieser große Anlass war bereits vorüber; und als den Sklaven gesagt wurde, dass es eine weitere Musterung geben solle, waren sie überrascht und freuten sich. Arme Geschöpfe! Sie dachten, es würde ein Feiertag sein. Ich wurde über den wahren Sachverhalt informiert und teilte ihn den wenigen mit, denen ich vertrauen konnte. Am liebsten hätte ich es jedem Sklaven verkündet; doch ich wagte es nicht. Auf alle war kein Verlass. Mächtig ist die Kraft der quälenden Peitsche.
Bei Sonnenaufgang strömten die Menschen von überall her aus einem Umkreis von zwanzig Meilen in die Stadt. Ich wusste, dass die Häuser durchsucht werden sollten; und ich erwartete, dass dies von den Schlägertypen vom Land und den armen Weißen getan würde. Ich wusste, dass nichts sie mehr ärgerte, als zu sehen, wie Farbige in Komfort und Anstand lebten; also traf ich für sie mit besonderer Sorgfalt Vorkehrungen. Ich ordnete alles im Haus meiner Großmutter so ordentlich wie möglich an. Ich legte weiße Steppdecken auf die Betten und schmückte einige der Zimmer mit Blumen. Als alles bereit war, setzte ich mich ans Fenster, um zu beobachten. Soweit mein Auge reichte, ruhte es auf einer bunten Menge von Soldaten. Trommeln und Pfeifen gaben martialische Musik von sich. Die Männer waren in Kompanien zu sechzehn Mann unterteilt, jede von einem Hauptmann geführt. Befehle wurden erteilt, und die wilden Spähtrupps stürmten in alle Richtungen, wo immer ein farbiges Gesicht zu finden war.
Es war eine großartige Gelegenheit für die niederen Weißen, die keine eigenen Neger zum Auspeitschen hatten. Sie frohlockten über eine solche Chance, ein wenig kurze Autorität auszuüben und ihre Unterwürfigkeit gegenüber den Sklavenhaltern zu zeigen; ohne zu bedenken, dass die Macht, die auf den Farbigen herumtrampelte, sie selbst in Armut, Unwissenheit und moralischer Erniedrigung hielt. Diejenigen, die solche Szenen nie miterlebt haben, können kaum glauben, was ich weiß, dass damals unschuldigen Männern, Frauen und Kindern zugefügt wurde, gegen die nicht der geringste Verdachtsgrund vorlag. Farbige und Sklaven, die in abgelegenen Teilen der Stadt lebten, litten in besonderer Weise. In einigen Fällen verstreuten die Suchtrupps Pulver und Schrot unter ihren Kleidern und schickten dann andere Gruppen, um sie zu finden und als Beweis dafür vorzubringen, dass sie einen Aufstand planten. Überall wurden Männer, Frauen und Kinder ausgepeitscht, bis das Blut in Pfützen an ihren Füßen stand. Einige erhielten fünfhundert Peitschenhiebe; andere wurden an Händen und Füßen gefesselt und mit einem Bucking-Paddel gefoltert, das die Haut schrecklich versengt. Die Wohnungen der Farbigen wurden, sofern sie nicht zufällig von einer einflussreichen weißen Person in der Nähe geschützt wurden, um Kleidung und alles andere beraubt, was die Plünderer für mitnehmenswert hielten. Den ganzen Tag lang liefen diese gefühllosen Unmenschen wie eine Schar von Dämonen herum, terrorisierten und quälten die Hilflosen. Nachts formierten sie sich zu Patrouillenbanden und gingen überall hin, wo sie wollten, unter die Farbigen, um ihren brutalen Willen auszuleben. Viele Frauen versteckten sich in Wäldern und Sümpfen, um ihnen aus dem Weg zu gehen. Wenn einer der Ehemänner oder Väter von diesen Gräueltaten berichtete, wurden sie an den öffentlichen Pranger gebunden und grausam ausgepeitcht, weil sie Lügen über weiße Männer erzählten. Die Bestürzung war allgemein. Niemand, der auch nur den geringsten Anflug von Farbe im Gesicht hatte, wagte es, sich zusammen unterhalten zu sehen.
Ich hegte keine konkreten Befürchtungen um unseren Haushalt, weil wir inmitten weißer Familien lebten, die uns beschützen würden. Wir waren bereit, die Soldaten zu empfangen, wann immer sie kamen. Es dauerte nicht lange, bis wir das Trampeln von Füßen und den Klang von Stimmen hörten. Die Tür wurde grob aufgestoßen; und sie stolperten herein wie ein Rudel hungriger Wölfe. Sie schnappten nach allem, was in ihre Reichweite kam. Jede Kiste, jeder Koffer, jeder Schrank und jede Ecke wurde einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Auf eine Kiste in einer der Schubladen, die etwas Silbergeld enthielt, wurde sich gierig gestürzt. Als ich vortrat, um sie ihnen abzunehmen, drehte sich einer der Soldaten um und sagte wütend: „Was folgst du uns? Glaubst du, die Weißen sind gekommen, um zu stehlen?“
Ich erwiderte: „Sie sind gekommen, um zu suchen; doch Sie haben diese Kiste bereits durchsucht, und ich werde sie nehmen, wenn es Ihnen recht ist.“
In diesem Moment sah ich einen weißen Herrn, der uns freundlich gesinnt war; und ich rief nach ihm und bat ihn, die Güte zu haben, hereinzukommen und zu bleiben, bis die Durchsuchung vorüber sei. Er kam bereitwillig nach. Sein Eintreten in das Haus brachte den Hauptmann der Kompanie mit sich, dessen Aufgabe es war, die Außenseite des Hauses zu bewachen und sicherzustellen, dass keiner der Insassen es verließ. Dieser Offizier war Mr. Litch, der wohlhabende Sklavenhalter, den ich in dem Bericht über die benachbarten Pflanzer als berüchtigt für seine Grausamkeit erwähnt habe. Er hielt sich zu fein, um sich bei der Durchsuchung die Hände schmutzig zu machen. Er gab nur Befehle; und wenn ein Stück Schrift entdeckt wurde, wurde es ihm von seinen unwissenden Anhängern gebracht, die nicht lesen konnten.
Meine Großmutter hatte einen großen Koffer mit Bettwäsche und Tischdecken. Als dieser geöffnet wurde, gab es einen großen Schrei der Überraschung; und einer rief: „Wo haben die verdammten Nigger das ganze Laken und Tischzeug her?“
Meine Großmutter, ermutigt durch die Anwesenheit unseres weißen Beschützers, sagte: „Sie können sicher sein, dass wir sie nicht aus Ihren Häusern gestohlen haben.“
„Hör mal, Mammy“, sagte ein grimmig aussehender Kerl ohne Jacke, „du scheinst dich mächtig groß zu fühlen, weil du all das Zeug hast. Weiße Leute sollten das alles haben.“
Seine Bemerkungen wurden durch einen Chor von Stimmen unterbrochen, die riefen: „Wir haben es! Wir haben es! Dieses gelbe Mädchen hat Briefe!“
Es gab ein allgemeines Gedränge um den vermeintlichen Brief, der sich bei der Untersuchung als einige Verse herausstellte, die mir ein Freund geschrieben hatte. Beim Verstauen meiner Sachen hatte ich sie übersehen. Als ihr Hauptmann sie über den Inhalt informierte, schienen sie sehr enttäuscht. Er fragte mich, wer sie geschrieben habe. Ich sagte ihm, es sei einer meiner Freunde. „Kannst du sie lesen?“, fragte er. Als ich ihm sagte, ich könne es, fluchte und tobte er und riss das Papier in Stücke. „Bring mir alle deine Briefe!“, sagte er in befehlendem Ton. Ich sagte ihm, ich hätte keine. „Hab keine Angst“, fuhr er in einschmeichelndem Ton fort. „Bring sie mir alle. Niemand soll dir etwas zuleun.“ Als er sah, dass ich mich nicht bewegte, um ihm zu gehorchen, verwandelte sich sein angenehmer Ton in Flüche und Drohungen. „Wer schreibt dir? Halbfreie Nigger?“, fragte er. Ich erwiderte: „O nein; die meisten meiner Briefe stammen von weißen Leuten. Manche bitten mich, sie zu verbrennen, nachdem sie gelesen wurden, und manche vernichte ich, ohne sie zu lesen.“
Ein Ausruf der Überraschung aus der Kompanie beendete unser Gespräch. Einige Silberlöffel, die ein altmodisches Buffet schmückten, waren gerade entdeckt worden. Meine Großmutter hatte die Gewohnheit, für viele Damen in der Stadt Obst einzukochen und Abendessen für Partys vorzubereiten; folglich hatte sie viele Gläser mit Eingemachtem. Der Schrank, der diese enthielt, wurde als nächstes überfallen und der Inhalt probiert. Einer von ihnen, der sich großzügig bediente, klopfte seinem Nachbarn auf die Schulter und sagte: „Gut gemacht! Wundert mich nicht, dass die Nigger alle Weißen töten wollen, wenn sie von Eingemachtem leben.“ Ich streckte meine Hand aus, um das Glas zu nehmen, und sagte: „Sie wurden nicht hierher geschickt, um nach Süßigkeiten zu suchen.“
„Und wofür wurden wir geschickt?“, sagte der Hauptmann und sträubte sich gegen mich. Ich wich der Frage aus.
Die Durchsuchung des Hauses war abgeschlossen, und nichts wurde gefunden, um uns zu verurteilen. Sie gingen dann zum Garten über und stießen gegen jeden Busch und jede Rebe, ohne besseren Erfolg. Der Hauptmann rief seine Männer zusammen, und nach einer kurzen Beratung wurde der Befehl zum Abmarsch gegeben. Als sie aus dem Tor gingen, drehte sich der Hauptmann um und sprach einen Fluch über das Haus aus. Er sagte, es sollte bis auf die Grundmauern niedergebrannt werden, und jeder seiner Insassen sollte neununddreißig Peitschenhiebe erhalten. Wir kamen bei dieser Angelegenheit sehr glücklich davon; wir verloren nichts außer einiger Kleidung.
Gegen Abend nahm die Unruhe zu. Die Soldaten, durch Alkohol angestachelt, begingen noch größere Grausamkeiten. Schreie und Rufe erfüllten ständig die Luft. Da ich mich nicht wagte, zur Tür zu gehen, lugte ich unter dem Fenstervorhang hervor. Ich sah eine Meute, die eine Anzahl Farbiger hinter sich her schleifte, wobei jeder weiße Mann mit erhobener Muskete den sofortigen Tod androhte, wenn sie ihre Schreie nicht einstellten. Unter den Gefangenen war ein respektabler alter farbiger Geistlicher. Sie hatten in seinem Haus ein paar Päckchen Schrot gefunden, die seine Frau seit Jahren zum Ausgleichen ihrer Waage benutzt hatte. Dafür wollten sie ihn auf dem Court House Green erschießen. Was war das für ein Schauspiel für ein zivilisiertes Land! Ein Pöbel, der unter Rausch taumelnd vorgab, die Verwalter der Gerechtigkeit zu sein!
Die bessere Klasse der Gemeinschaft übte ihren Einfluss aus, um die unschuldigen, verfolgten Menschen zu retten; und in mehreren Fällen gelang es ihnen, indem sie sie im Gefängnis eingesperrt hielten, bis die Aufregung nachließ. Schließlich merkten die weißen Bürger, dass ihr eigenes Eigentum vor dem gesetzlosen Pöbel, den sie zu ihrem Schutz zusammengerufen hatten, nicht sicher war. Sie versammelten die betrunkene Schar, trieben sie zurück aufs Land und stellten eine Wache über die Stadt.
Am nächsten Tag wurden die Stadtpatrouillen beauftragt, farbige Menschen zu durchsuchen, die außerhalb der Stadt lebten; und die schockierendsten Gräueltaten wurden völlig ungestraft begangen. Jeden Tag zwei Wochen lang sah ich, wenn ich hinausschaute, Reiter mit irgendeinem armen, keuchenden Neger, der an ihre Sättel gebunden war und durch die Peitsche gezwungen wurde, mit ihrem Tempo mitzuhalten, bis sie den Gefängnishof erreichten. Diejenigen, die zu unbarmherzig ausgepeitscht worden waren, um zu gehen, wurden mit Salzlake gewaschen, auf einen Karren geworfen und ins Gefängnis gebracht. Ein schwarzer Mann, der nicht die Standhaftigkeit hatte, die Auspeitschung zu ertragen, versprach, Informationen über die Verschwörung zu geben. Doch es stellte sich heraus, dass er überhaupt nichts wusste. Er hatte nicht einmal den Namen Nat Turner gehört. Der arme Kerl hatte sich jedoch eine Geschichte ausgedacht, die sein eigenes Leid und das der Farbigen vergrößerte.
Die Tagwache wurde für einige Wochen fortgesetzt, und bei Sonnenuntergang wurde sie durch eine Nachtwache ersetzt. Gegen die farbigen Menschen, ob leibeigen oder frei, konnte absolut nichts bewiesen werden. Der Zorn der Sklavenhalter legte sich durch die Gefangennahme von Nat Turner ein wenig. Die Inhaftierten wurden freigelassen. Die Sklaven wurden zu ihren Herren zurückgeschickt, und die Freien durften in ihre verwüsteten Häuser zurückkehren. Besuche waren auf den Plantagen strengstens untersagt. Die Sklaven erflehten das Privileg, sich wieder in ihrem kleinen Kirchlein im Wald versammeln zu dürfen, das von ihrem Friedhof umgeben war. Es war von den farbigen Menschen selbst erbaut worden, und sie kannten kein größeres Glück, als sich dort zu treffen, gemeinsam Hymnen zu singen und ihre Herzen in spontanen Gebeten auszuschütten. Ihr Gesuch wurde abgelehnt, und die Kirche wurde abgerissen. Sie durften nun die weißen Kirchen besuchen, wobei ihnen ein bestimmter Teil der Emporen zugewiesen wurde. Dort, wenn alle anderen das Abendmahl empfangen hatten und der Segen gesprochen war, sagte der Geistliche: „Kommt nun herunter, meine farbigen Freunde.“ Sie gehorchten dem Ruf und nahmen Brot und Wein zu sich, im Gedenken an den sanftmütigen und demütigen Jesus, der sagte: „Gott ist euer Vater, und ihr alle seid Brüder.“
XIII. Die Kirche und die Sklaverei.
Nachdem der Aufruhr, der durch Nat Turners Aufstand verursacht worden war, abgeklungen war, kamen die Sklavenhalter zu dem Schluss, dass es ratsam wäre, den Sklaven so viel religiöse Unterweisung zuteilwerden zu lassen, dass sie davon abgehalten würden, ihre Herren zu ermorden. Der episkopale Geistliche bot an, sonntags einen separaten Gottesdienst zu ihrem Wohl abzuhalten. Seine farbigen Mitglieder waren sehr wenige und zudem sehr achtbar – ein Umstand, der, wie ich vermute, bei ihm einiges Gewicht hatte. Die Schwierigkeit bestand darin, einen geeigneten Ort für ihre Gottesdienste zu finden. Die methodistischen und baptistischen Kirchen ließen sie am Nachmittag zu; aber deren Teppiche und Kissen waren nicht so kostbar wie die in der Episkopalkirche. Schließlich wurde beschlossen, dass sie sich im Haus eines freien farbigen Mannes treffen sollten, der ein Mitglied der Gemeinde war.
Ich wurde eingeladen, teilzunehmen, weil ich lesen konnte. Der Sonntagabend kam, und im Vertrauen auf den Schutz der Dunkelheit wagte ich mich hinaus. Ich wagte mich selten bei Tageslicht nach draußen, denn ich ging immer voller Furcht und erwartete bei jeder Wendung, Dr. Flint zu begegnen, der mich mit Sicherheit zurückschicken oder in sein Büro beordern würde, um mich zu fragen, woher ich meine Haube oder ein anderes Kleidungsstück hätte. Als Rev. Mr. Pike kam, waren etwa zwanzig Personen anwesend. Der ehrwürdige Herr kniete zum Gebet nieder, setzte sich dann und forderte alle Anwesenden, die lesen konnten, auf, ihre Bücher zu öffnen, während er die Abschnitte vorgab, die sie wiederholen oder auf die sie antworten sollten.
Sein Text war: „Ihr Diener, seid gehorsam euren Herren nach dem Fleisch mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als Christus.“
Der fromme Mr. Pike strich sein Haar so lange, bis es aufrecht stand, und begann mit tiefer, feierlicher Stimme: „Hört, ihr Diener! Gebt meinen Worten genau Acht. Ihr seid widerspenstige Sünder. Eure Herzen sind mit aller Art von Bösem erfüllt. Es ist der Teufel, der euch versucht. Gott ist zornig auf euch und wird euch sicherlich strafen, wenn ihr eure sündigen Wege nicht verlasst. Ihr, die ihr in der Stadt lebt, seid Augendiener hinter dem Rücken eures Herrn. Anstatt euren Herren treu zu dienen, was in den Augen eures himmlischen Herrn wohlgefällig ist, seid ihr träge und drückt euch vor eurer Arbeit. Gott sieht euch. Ihr sagt Lügen. Gott hört euch. Anstatt ihn anzubeten, seid ihr irgendwo versteckt und schlagt euch mit der Habe eures Herrn den Bauch voll; lest aus Kaffeesatz mit irgendeiner bösen Wahrsagerin oder spielt Karten mit einem anderen alten Hexenweib. Eure Herren mögen euch nicht entdecken, aber Gott sieht euch und wird euch strafen. O, die Verderbtheit eurer Herzen! Wenn die Arbeit eures Herrn getan ist, seid ihr dann still beisammen und denkt an die Güte Gottes gegenüber solch sündigen Geschöpfen? Nein; ihr streitet euch und knotet kleine Beutel mit Wurzeln, um sie unter den Türschwellen zu vergraben und euch gegenseitig zu vergiften. Gott sieht euch. Ihr Männer schleicht euch in jede Kneipe, um den Mais eures Herrn zu verkaufen, damit ihr Rum zum Trinken kaufen könnt. Gott sieht euch. Ihr schleicht euch in die Hintergassen oder ins Gebüsch, um mit Münzen zu werfen. Auch wenn eure Herren euch nicht finden mögen, Gott sieht euch; und er wird euch strafen. Ihr müsst eure sündigen Wege verlassen und treue Diener sein. Gehorcht eurem alten Herrn und eurem jungen Herrn – eurer alten Herrin und eurer jungen Herrin. Wenn ihr eurem irdischen Herrn ungehorsam seid, beleidigt ihr euren himmlischen Herrn. Ihr müsst Gottes Gebote befolgen. Wenn ihr von hier weggeht, bleibt nicht an den Straßenecken stehen, um zu reden, sondern geht direkt nach Hause und lasst euren Herrn und eure Herrin sehen, dass ihr angekommen seid.“
Der Segen wurde gesprochen. Wir gingen nach Hause, sehr amüsiert über Bruder Pikes Evangeliumspredigt, und wir beschlossen, ihn wieder zu hören. Ich ging am nächsten Sabbatabend hin und hörte so ziemlich eine Wiederholung der letzten Predigt. Am Ende des Treffens teilte uns Mr. Pike mit, dass er es für sehr unbequem halte, sich im Haus des Freundes zu treffen, und dass er sich freuen würde, uns jeden Sonntagabend in seiner eigenen Küche zu sehen.
Ich ging nach Hause mit dem Gefühl, dass ich den Reverend Mr. Pike zum letzten Mal gehört hatte. Einige seiner Mitglieder begaben sich zu seinem Haus und stellten fest, dass die Küche mit zwei Talglichtern glänzte; das erste Mal, da bin ich sicher, seit der derzeitige Bewohner sie besaß, denn die Dienerschaft hatte nie etwas anderes als Kiefernharz. Es dauerte so lange, bis der ehrwürdige Herr aus seinem bequemen Wohnzimmer herabstieg, dass die Sklaven gingen, um bei einer methodistischen Andacht zu jubeln. Sie scheinen nie so glücklich zu sein wie beim Jubeln und Singen während religiöser Versammlungen. Viele von ihnen sind aufrichtig und dem Himmelstor näher als der scheinheilige Mr. Pike und andere langgesichtige Christen, die verwundete Samariter sehen und auf der anderen Seite vorbeigehen.
Die Sklaven dichten im Allgemeinen ihre eigenen Lieder und Hymnen; und sie zerbrechen sich nicht viel den Kopf über das Metrum. Oft singen sie die folgenden Verse:
„Alter Satan ist ein geschäftiger alter Mann; Er rollt mir diese Hindernisse in den Weg; Doch Jesus ist mein Herzensfreund; Er rollt diese Hindernisse fort.
Wäre ich gestorben, als ich jung war, Dann hätte meine stammelnde Zunge gesungen; Doch ich bin alt, und nun stehe ich hier Mit geringer Chance, jenes himmlische Land zu betreten.“
Ich erinnere mich gut an eine Gelegenheit, als ich an einer methodistischen Gruppenstunde teilnahm. Ich ging mit bedrücktem Geist und setzte mich zufällig neben eine arme, trauernde Mutter, deren Herz noch schwerer war als meins. Der Gruppenleiter war der Stadtpolizist – ein Mann, der Sklaven kaufte und verkaufte, der seine Brüder und Schwestern in der Kirche am öffentlichen Pranger auspeitschte, ob im Gefängnis oder außerhalb. Er war bereit, dieses christliche Amt überall für fünfzig Cent auszuüben. Dieser weißgesichtige, schwarzherzige Bruder trat zu uns und sagte zu der niedergeschlagenen Frau: „Schwester, kannst du uns nicht sagen, wie der Herr mit deiner Seele verfährt? Liebst du ihn so, wie du es früher getan hast?“
Sie erhob sich und sagte mit kläglichem Ton: „Mein Herr und Meister, hilf mir! Meine Last ist schwerer, als ich tragen kann. Gott hat sich vor mir verborgen, und ich bin in Finsternis und Elend zurückgelassen.“ Dann, sich an die Brust schlagend, fuhr sie fort: „Ich kann euch nicht sagen, was hier drin ist! Sie haben alle meine Kinder. Letzte Woche haben sie das letzte genommen. Gott allein weiß, wohin sie sie verkauft haben. Sie ließen mir sie sechzehn Jahre, und dann—— O! O! Betet für ihre Brüder und Schwestern! Ich habe jetzt nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Gott mache meine Zeit kurz!“
Sie setzte sich, an jedem Glied zitternd. Ich sah, wie dieser Polizist und Gruppenleiter vor unterdrücktem Lachen im Gesicht purpurrot wurde, während er sein Taschentuch vorhielt, damit diejenigen, die um das Unglück der armen Frau weinten, seine Heiterkeit nicht sehen konnten. Dann sagte er mit gespielter Ernsthaftigkeit zu der trauernden Mutter: „Schwester, bete zum Herrn, dass jede Fügung seines göttlichen Willens zum Wohle deiner armen, bedürftigen Seele geheiligt werde!“
Die Gemeinde stimmte eine Hymne an und sang, als wären sie so frei wie die Vögel, die um uns herum zwitscherten, —
„Alter Satan dachte, er hätte ein mächtiges Ziel; Er verfehlte meine Seele und fing meine Sünden. Ruft Amen, ruft Amen, ruft Amen zu Gott!
Er nahm meine Sünden auf seinen Rücken; Ging murrend und grummelnd hinab in die Hölle. Ruft Amen, ruft Amen, ruft Amen zu Gott!
Satans Kirche ist hier unten. Zu Gottes freier Kirche hoffe ich zu gehen. Ruft Amen, ruft Amen, ruft Amen zu Gott!“
Kostbar sind solche Momente für die armen Sklaven. Wenn ihr sie in solchen Augenblicken hören würdet, könntet ihr denken, sie seien glücklich. Aber kann jene Stunde des Singens und Jubelns sie durch die trostlose Woche tragen, in der sie ohne Lohn schuften, unter der ständigen Furcht vor der Peitsche?
Der episkopale Geistliche, der seit meiner frühesten Erinnerung eine Art Gott unter den Sklavenhaltern gewesen war, kam zu dem Schluss, da seine Familie groß war, dass er dorthin gehen müsse, wo Geld reichlicher vorhanden sei. Ein ganz anderer Geistlicher trat an seine Stelle. Der Wechsel war für die farbigen Menschen sehr angenehm, die sagten: „Gott hat uns diesmal einen guten Mann geschickt.“ Sie liebten ihn, und ihre Kinder folgten ihm für ein Lächeln oder ein freundliches Wort. Sogar die Sklavenhalter spürten seinen Einfluss. Er brachte fünf Sklaven ins Pfarrhaus. Seine Frau brachte ihnen Lesen und Schreiben bei, damit sie für sie und für sich selbst nützlich sein konnten. Sobald er sich eingelebt hatte, wandte er seine Aufmerksamkeit den bedürftigen Sklaven um ihn herum zu. Er legte seinen Gemeindemitgliedern die Pflicht nahe, jeden Sonntag eine Versammlung eigens für sie abzuhalten, mit einer Predigt, die ihrem Verständnis angepasst war. Nach langem Argumentieren und Drängen wurde schließlich vereinbart, dass sie sonntagabends die Empore der Kirche besetzen durften. Viele farbige Menschen, die bisher nicht gewohnt waren, die Kirche zu besuchen, gingen nun gerne hin, um das Evangelium gepredigt zu hören. Die Predigten waren einfach, und sie verstanden sie. Außerdem war es das erste Mal, dass sie jemals als menschliche Wesen angesprochen wurden. Es dauerte nicht lange, bis seine weißen Gemeindemitglieder unzufrieden wurden. Er wurde beschuldigt, den Negern bessere Predigten zu halten als ihnen. Er gestand ehrlich, dass er sich bei diesen Predigten mehr Mühe gab als bei allen anderen; denn die Sklaven seien in solcher Unwissenheit aufgewachsen, dass es eine schwierige Aufgabe sei, sich ihrem Verständnis anzupassen. Zwietracht entstand in der Gemeinde. Einige wollten, dass er ihnen am Abend predigte und den Sklaven am Nachmittag. Inmitten dieser Streitigkeiten starb seine Frau nach kurzer Krankheit. Ihre Sklaven versammelten sich in großer Trauer um ihr Sterbebett. Sie sagte: „Ich habe versucht, euch Gutes zu tun und euer Glück zu fördern; und wenn ich gescheitert bin, so war es nicht aus Mangel an Interesse an eurem Wohlergehen. Weint nicht um mich; bereitet euch aber auf die neuen Pflichten vor, die vor euch liegen. Ich lasse euch alle frei. Mögen wir uns in einer besseren Welt wiedersehen.“ Ihre befreiten Sklaven wurden fortgeschickt, mit Mitteln, um sie komfortabel niederzulassen. Die farbigen Menschen werden das Andenken dieser wahrhaft christlichen Frau lange segnen. Kurz nach ihrem Tod hielt ihr Mann seine Abschiedspredigt, und viele Tränen wurden bei seinem Weggang vergossen.
Einige Jahre später kam er durch unsere Stadt und predigte vor seiner früheren Gemeinde. In seiner Nachmittagspredigt wandte er sich an die farbigen Menschen. „Meine Freunde“, sagte er, „es bereitet mir großes Glück, wieder die Gelegenheit zu haben, zu euch zu sprechen. Zwei Jahre lang habe ich mich bemüht, etwas für die farbigen Menschen meiner eigenen Gemeinde zu tun; aber nichts ist bisher erreicht worden. Ich habe ihnen nicht einmal eine Predigt gehalten. Versucht, nach dem Wort Gottes zu leben, meine Freunde. Eure Haut ist dunkler als meine; aber Gott beurteilt die Menschen nach ihren Herzen, nicht nach der Farbe ihrer Haut.“ Dies war eine seltsame Lehre von einer Kanzel im Süden. Sie war für die Sklavenhalter sehr anstößig. Sie sagten, er und seine Frau hätten ihre Sklaven zu Narren gemacht, und er predige wie ein Narr zu den Negern.
Ich kannte einen alten schwarzen Mann, dessen Frömmigkeit und kindliches Gottvertrauen wunderschön mitanzusehen waren. Mit dreiundfünfzig Jahren schloss er sich der Baptistenkirche an. Er hatte den sehnlichsten Wunsch, lesen zu lernen. Er dachte, er würde besser wissen, wie man Gott dient, wenn er nur die Bibel lesen könnte. Er kam zu mir und flehte mich an, ihn zu unterrichten. Er sagte, er könne mich nicht bezahlen, denn er habe kein Geld; aber er würde mir köstliches Obst bringen, wenn die Zeit dafür gekommen sei. Ich fragte ihn, ob er nicht wisse, dass dies gegen das Gesetz verstoße; und dass Sklaven ausgepeitscht und eingesperrt würden, wenn sie einander das Lesen beibrächten. Das brachte Tränen in seine Augen. „Sei nicht bekümmert, Onkel Fred“, sagte ich. „Ich denke nicht daran, mich zu weigern, dich zu unterrichten. Ich habe dir nur vom Gesetz erzählt, damit du die Gefahr kennst und auf der Hut bist.“ Er glaubte, er könne planen, dreimal pro Woche zu kommen, ohne dass es Verdacht erregte. Ich wählte einen stillen Winkel, in den wahrscheinlich kein Eindringling vordringen würde, und dort brachte ich ihm das A, B, C bei. Sein Alter in Betracht gezogen, war sein Fortschritt erstaunlich. Sobald er zweisilbige Wörter buchstabieren konnte, wollte er Wörter in der Bibel buchstabieren. Das glückliche Lächeln, das sein Gesicht erhellte, erfüllte mein Herz mit Freude. Nachdem er ein paar Wörter buchstabiert hatte, hielt er inne und sagte: „Schätzchen, es scheint, wenn ich dieses gute Buch lesen kann, werde ich Gott näher sein. Der weiße Mann hat allen Verstand. Er kann leicht lernen. Es ist nicht leicht für einen alten schwarzen Mann wie mich. Ich will nur dieses Buch lesen, damit ich weiß, wie man lebt; dann habe ich keine Furcht vor dem Sterben.“
Ich versuchte ihn zu ermutigen, indem ich von den raschen Fortschritten sprach, die er gemacht hatte. „Hab Geduld, Kind“, antwortete er. „Ich lerne langsam.“
Ich hatte keine Geduld nötig. Seine Dankbarkeit und das Glück, das ich vermittelte, waren mehr als eine Vergeltung für all meine Mühe.
Nach sechs Monaten hatte er das Neue Testament durchgelesen und konnte jede Textstelle darin finden. Eines Tages, als er ungewöhnlich gut rezitiert hatte, sagte ich: „Onkel Fred, wie schaffst du es, deine Lektionen so gut zu lernen?“
„Gott segne dich, Kind“, antwortete er. „Du gibst mir nie eine Lektion, bei der ich nicht zu Gott bete, damit er mir hilft zu verstehen, was ich buchstabiere und was ich lese. Und er hilft mir, Kind. Gepriesen sei sein heiliger Name!“
Es gibt Tausende, die wie der gute Onkel Fred nach dem Wasser des Lebens dürsten; aber das Gesetz verbietet es, und die Kirchen enthalten es ihnen vor. Sie senden die Bibel an die Heiden in der Fremde und vernachlässigen die Heiden zu Hause. Ich bin froh, dass Missionare in die dunklen Winkel der Erde gehen; aber ich bitte sie, die dunklen Winkel zu Hause nicht zu übersehen. Sprecht zu den amerikanischen Sklavenhaltern, wie ihr zu den Wilden in Afrika sprecht. Sagt ihnen, dass es falsch ist, mit Menschen zu handeln. Sagt ihnen, dass es sündhaft ist, ihre eigenen Kinder zu verkaufen, und abscheulich, ihre eigenen Töchter zu verletzen. Sagt ihnen, dass alle Menschen Brüder sind und dass der Mensch kein Recht hat, seinem Bruder das Licht des Wissens vorzuenthalten. Sagt ihnen, dass sie Gott gegenüber verantwortlich sind, weil sie die Quelle des Lebens für Seelen versiegeln, die danach dürsten.
Es gibt Männer, die solch missionarische Arbeit gerne auf sich nehmen würden; aber leider ist ihre Zahl gering. Sie werden vom Süden gehasst und würden von seinem Boden vertrieben oder ins Gefängnis geschleppt werden, um zu sterben, wie andere es vor ihnen getan haben. Das Feld ist reif für die Ernte und wartet auf die Schnitter. Vielleicht mögen den Urenkeln von Onkel Fred die göttlichen Schätze frei dargeboten werden, die er sich heimlich und unter dem Risiko von Gefängnis und Peitsche suchte.
Sind Doktoren der Theologie blind, oder sind sie Heuchler? Ich nehme an, einige sind das eine, einige das andere; aber ich denke, wenn sie das Interesse an den Armen und Niedrigen fühlten, das sie fühlen sollten, wären sie nicht so leicht zu blenden. Ein Geistlicher, der zum ersten Mal in den Süden geht, hat gewöhnlich das Gefühl, wie vage auch immer, dass die Sklaverei falsch ist. Der Sklavenhalter ahnt dies und spielt sein Spiel dementsprechend. Er macht sich so angenehm wie möglich; spricht über Theologie und andere verwandte Themen. Der ehrwürdige Herr wird gebeten, einen Segen für einen mit Luxus beladenen Tisch zu erbitten. Nach dem Abendessen spaziert er durch das Anwesen und sieht die wunderschönen Haine und blühenden Reben sowie die komfortablen Hütten der bevorzugten Haussklaven. Der Südstaatler lädt ihn ein, mit diesen Sklaven zu sprechen. Er fragt sie, ob sie frei sein wollen, und sie sagen: „O, nein, Massa.“ Das reicht aus, um ihn zufriedenzustellen. Er kehrt nach Hause zurück, um eine „Südstaaten-Ansicht der Sklaverei“ zu veröffentlichen und sich über die Übertreibungen der Abolitionisten zu beklagen. Er versichert den Leuten, dass er im Süden gewesen sei und die Sklaverei mit eigenen Augen gesehen habe; dass es eine wunderschöne „patriarchale Institution“ sei; dass die Sklaven ihre Freiheit nicht wollten; dass sie Hallelujah-Versammlungen und andere religiöse Privilegien hätten.
Was weiß er von den halb verhungerten Unglücklichen, die auf den Plantagen von der Morgendämmerung bis zur Dunkelheit schuften? Von Müttern, die nach ihren Kindern schreien, die ihnen von Sklavenhändlern aus den Armen gerissen wurden? Von jungen Mädchen, die in moralischen Schmutz hinabgezogen werden? Von Blutlachen um den Pranger? Von Hunden, die darauf abgerichtet sind, menschliches Fleisch zu zerreißen? Von Männern, die in Baumwollentkörnungsmaschinen zu Tode gequetscht werden? Der Sklavenhalter zeigte ihm nichts davon, und die Sklaven wagten nicht, davon zu erzählen, selbst wenn er sie gefragt hätte.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Christentum und der Religion im Süden. Wenn ein Mann zum Abendmahl geht und Geld in die Kasse der Kirche zahlt, ist es egal, ob es der Preis für Blut ist, er wird als religiös bezeichnet. Wenn ein Pastor Nachkommen von einer Frau hat, die nicht seine Ehefrau ist, entlässt ihn die Kirche, wenn sie eine weiße Frau ist; aber wenn sie farbig ist, hindert ihn das nicht daran, weiterhin ihr guter Hirte zu sein.
Als mir gesagt wurde, dass Dr. Flint der Episkopalkirche beigetreten sei, war ich sehr überrascht. Ich nahm an, dass Religion eine läuternde Wirkung auf den Charakter von Menschen habe; aber die schlimmsten Verfolgungen, die ich von ihm erlitt, fanden statt, nachdem er Kommunikant war. Das Gespräch des Doktors am Tag nach seiner Konfirmation gab mir sicherlich keinen Hinweis darauf, dass er „dem Teufel und all seinen Werken entsagt“ habe. Als Antwort auf einige seiner üblichen Reden erinnerte ich ihn daran, dass er gerade der Kirche beigetreten sei. „Ja, Linda“, sagte er. „Es war angemessen für mich, dies zu tun. Ich komme in die Jahre, und meine Stellung in der Gesellschaft erfordert es, und es setzt all dem verdammten Geschwätz ein Ende. Du würdest gut daran tun, Linda, auch der Kirche beizutreten.“
„Es gibt schon genug Sünder darin“, entgegnete ich. „Wenn es mir erlaubt wäre, wie eine Christin zu leben, wäre ich froh.“
„Du kannst tun, was ich verlange; und wenn du mir treu bist, wirst du so tugendhaft sein wie meine Frau“, antwortete er.
Ich antwortete, dass die Bibel das nicht sage.
Seine Stimme wurde heiser vor Wut. „Wie wagst du es, mir von deiner verdammten Bibel zu predigen!“ rief er aus. „Welches Recht hast du, die mein Neger bist, mir davon zu erzählen, was du möchtest und was nicht? Ich bin dein Herr, und du sollst mir gehorchen.“
Kein Wunder, dass die Sklaven singen: —
„Satans Kirche ist hier unten; Zu Gottes freier Kirche hoffe ich zu gehen.“
XIV. Ein weiteres Lebensband.
Seit der Geburt meines Kindes war ich nicht mehr in das Haus meines Herrn zurückgekehrt. Der alte Mann tobte, dass ich ihm so seiner unmittelbaren Gewalt entzogen war; doch seine Frau schwor bei allem, was gut und groß war, dass sie mich töten würde, wenn ich wiederkäme; und er zweifelte nicht an ihrem Wort. Manchmal blieb er für eine Weile fern. Dann kam er wieder und nahm das alte, abgedroschene Gerede über seine Nachsicht und meine Undankbarkeit wieder auf. Er mühte sich, höchst unnötigerweise, mich davon zu überzeugen, dass ich mich erniedrigt hätte. Der giftige alte Wüstling brauchte sich über dieses Thema nicht auszulassen. Ich fühlte mich gedemütigt genug. Mein unbewusstes Kind war der allgegenwärtige Zeuge meiner Schande. Ich hörte mit stillem Verachtung zu, als er davon sprach, dass ich sein gutes Ansehen verwirkt hätte; doch ich vergoss bittere Tränen darüber, dass ich nicht länger würdig war, von den Guten und Reinen geachtet zu werden. Ach! Die Sklaverei hielt mich noch immer in ihrem giftigen Griff. Es gab keine Aussicht für mich, geachtet zu sein. Es gab keine Aussicht, ein besseres Leben führen zu können.
Manchmal, wenn mein Herr feststellte, dass ich mich noch immer weigerte, seine sogenannten freundlichen Angebote anzunehmen, drohte er damit, mein Kind zu verkaufen. „Vielleicht macht dich das demütig“, sagte er.
Demütig! War ich nicht schon im Staub? Doch seine Drohung zerriss mir das Herz. Ich wusste, dass das Gesetz ihm die Macht gab, sie auszuführen; denn die Sklavenhalter waren gerissen genug, zu erlassen, dass „das Kind dem Stande der Mutter folgt“, nicht dem des Vaters; und trugen so Sorge dafür, dass die Zügellosigkeit nicht mit der Habsucht in Konflikt geriet. Dieser Gedanke ließ mich mein unschuldiges Kind nur noch fester an mein Herz drücken. Schreckliche Visionen zogen durch meinen Geist, wenn ich an seine Ausgesetztheit dachte, in die Hände des Sklavenhändlers zu fallen. Ich weinte über ihn und sagte: „O mein Kind! Vielleicht lassen sie dich in irgendeiner kalten Hütte sterben und werfen dich dann in ein Loch, als wärst du ein Hund.“
Als Dr. Flint erfuhr, dass ich erneut Mutter werden sollte, war er maßlos aufgebracht. Er stürmte aus dem Haus und kehrte mit einer Schere zurück. Ich hatte schönes Haar; und er schimpfte oft über meinen Stolz, es hübsch zu arrangieren. Er schnitt jedes Haar dicht an meinem Kopf ab, während er die ganze Zeit tobte und fluchte. Ich erwiderte einige seiner Beleidigungen, und er schlug mich. Einige Monate zuvor hatte er mich in einem Wutanfall die Treppe hinuntergestoßen; und die Verletzung, die ich davontrug, war so schwer, dass ich mich viele Tage lang nicht im Bett umdrehen konnte. Er sagte damals: „Linda, ich schwöre bei Gott, ich werde nie wieder die Hand gegen dich erheben“; aber ich wusste, dass er sein Versprechen vergessen würde.
Nachdem er meinen Zustand entdeckt hatte, war er wie ein rastloser Geist aus der Hölle. Er kam jeden Tag; und ich war solchen Beleidigungen ausgesetzt, die keine Feder beschreiben kann. Ich wollte sie nicht beschreiben, wenn ich könnte; sie waren zu niederträchtig, zu abstoßend. Ich versuchte, sie so gut wie möglich vor meiner Großmutter zu verbergen. Ich wusste, dass ihr Leben schon genug Sorgen bereitete, ohne meine Nöte ertragen zu müssen. Wenn sie sah, dass der Doktor mich mit Gewalt behandelte, und hörte, wie er Flüche ausstieß, die schrecklich genug waren, um die Zunge eines Mannes zu lähmen, konnte sie nicht immer schweigen. Es war natürlich und mütterlich, dass sie versuchte, mich zu verteidigen; doch es machte die Sache nur noch schlimmer.
Als man mir sagte, mein Neugeborenes sei ein Mädchen, war mein Herz schwerer als je zuvor. Die Sklaverei ist schrecklich für Männer; aber sie ist weitaus schrecklicher für Frauen. Zu der Last, die allen gemeinsam ist, kommen noch Kränkungen, Leiden und Demütigungen hinzu, die ganz speziell ihre eigenen sind.
Dr. Flint hatte geschworen, er würde mich für dieses neue Verbrechen gegen ihn, wie er es nannte, bis an mein Lebensende büßen lassen; und solange er mich in seiner Gewalt hatte, hielt er Wort. Am vierten Tag nach der Geburt meines Kindes kam er plötzlich in mein Zimmer und befahl mir aufzustehen und ihm mein Baby zu bringen. Die Pflegerin, die sich um mich kümmerte, war aus dem Zimmer gegangen, um etwas Nahrung zuzubereiten, und ich war allein. Es gab keine Alternative. Ich stand auf, nahm mein Baby und ging durch das Zimmer dorthin, wo er saß. „Jetzt bleib da stehen“, sagte er, „bis ich dir sage, dass du zurückgehen sollst!“ Mein Kind hatte eine starke Ähnlichkeit mit ihrem Vater und mit der verstorbenen Mrs. Sands, ihrer Großmutter. Er bemerkte das; und während ich vor ihm stand, zitternd vor Schwäche, überhäufte er mich und mein Kleines mit jedem niederträchtigen Schimpfwort, das ihm einfiel. Selbst die Großmutter im Grabe entging seinen Flüchen nicht. Inmitten seiner Schmähungen fiel ich zu seinen Füßen in Ohnmacht. Das brachte ihn zur Besinnung. Er nahm das Baby aus meinen Armen, legte es auf das Bett, spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, hob mich auf und schüttelte mich heftig, um mein Bewusstsein wiederherzustellen, bevor jemand das Zimmer betrat. Genau in diesem Moment kam meine Großmutter herein, und er eilte aus dem Haus. Ich litt unter den Folgen dieser Behandlung; aber ich flehte meine Freunde an, mich lieber sterben zu lassen, als nach dem Doktor zu schicken. Es gab nichts, was ich so sehr fürchtete wie seine Anwesenheit. Mein Leben wurde verschont; und ich war froh um meiner Kleinen willen. Wären diese Bande zum Leben nicht gewesen, wäre ich froh gewesen, durch den Tod erlöst zu werden, obwohl ich erst neunzehn Jahre alt war.
Es bereitete mir immer einen Schmerz, dass meine Kinder keinen rechtmäßigen Anspruch auf einen Namen hatten. Ihr Vater bot seinen an; doch selbst wenn ich das Angebot hätte annehmen wollen, wagte ich es nicht, solange mein Herr lebte. Zudem wusste ich, dass es bei ihrer Taufe nicht akzeptiert würde. Einen christlichen Namen waren sie zumindest wert; und wir beschlossen, meinen Jungen nach unserem lieben, guten Benjamin zu benennen, der weit weg von uns gegangen war.
Meine Großmutter gehörte der Kirche an; und sie wünschte sich sehr, die Kinder taufen zu lassen. Ich wusste, Dr. Flint würde es verbieten, und ich wagte es nicht, es zu versuchen. Doch der Zufall begünstigte mich. Er wurde gerufen, um einen Patienten außerhalb der Stadt zu besuchen, und musste am Sonntag verreisen. „Jetzt ist die Zeit“, sagte meine Großmutter; „wir bringen die Kinder zur Kirche und lassen sie taufen.“
Als ich die Kirche betrat, kamen mir Erinnerungen an meine Mutter in den Sinn, und ich fühlte mich gedrückt. Dort hatte sie mich zur Taufe dargeboten, ohne irgendeinen Grund, sich schämen zu müssen. Sie war verheiratet gewesen und hatte die gesetzlichen Rechte, die die Sklaverei einer Sklavin zugesteht. Die Gelübde waren ihr zumindest heilig gewesen, und sie hatte sie nie verletzt. Ich war froh, dass sie nicht mehr am Leben war, um zu erfahren, unter welch anderen Umständen ihre Enkel zur Taufe dargeboten wurden. Warum war mein Los so anders als das meiner Mutter? Ihr Herr war gestorben, als sie ein Kind war; und sie blieb bei ihrer Herrin, bis sie heiratete. Sie war nie in der Gewalt eines Herrn; und so entging sie einer Klasse von Übeln, die im Allgemeinen über Sklaven hereinbrechen.
Als mein Baby getauft werden sollte, trat die frühere Herrin meines Vaters auf mich zu und schlug vor, ihm ihren christlichen Namen zu geben. Dazu fügte ich den Nachnamen meines Vaters hinzu, der selbst keinen rechtmäßigen Anspruch darauf hatte; denn mein Großvater väterlicherseits war ein weißer Herr. Was für ein verworrener Strang sind die Genealogien der Sklaverei! Ich liebte meinen Vater; aber es kränkte mich, gezwungen zu sein, seinen Namen an meine Kinder weiterzugeben.
Als wir die Kirche verließen, lud mich die alte Herrin meines Vaters ein, mit ihr nach Hause zu gehen. Sie legte eine goldene Kette um den Hals meines Babys. Ich dankte ihr für diese Güte; doch das Sinnbild gefiel mir nicht. Ich wollte keine Kette um meine Tochter geschlossen wissen, selbst wenn ihre Glieder aus Gold wären. Wie inbrünstig betete ich, dass sie niemals das Gewicht der Kette der Sklaverei spüren möge, deren Eisen in die Seele dringt!
XV. Fortgesetzte Verfolgungen.
Meine Kinder gediehen prächtig; und Dr. Flint sagte oft mit einem triumphierenden Lächeln zu mir: „Diese Bälger werden mir eines Tages eine hübsche Summe Geld einbringen.“
Ich dachte bei mir, dass sie, mit Gott als meinem Helfer, niemals in seine Hände gelangen würden. Es schien mir, ich würde sie lieber tot sehen, als sie seiner Macht auszuliefern. Das Geld für die Freiheit meiner selbst und meiner Kinder konnte beschafft werden; doch ich hatte keinen Vorteil von diesem Umstand. Dr. Flint liebte das Geld, aber er liebte die Macht noch mehr. Nach vielen Beratungen beschlossen meine Freunde, einen weiteren Versuch zu unternehmen. Es gab einen Sklavenhalter, der im Begriff war, nach Texas aufzubrechen, und er wurde beauftragt, mich zu kaufen. Er sollte mit neunhundert Dollar beginnen und bis zu zwölfhundert gehen. Mein Herr lehnte seine Angebote ab. „Sir“, sagte er, „sie gehört nicht mir. Sie ist das Eigentum meiner Tochter, und ich habe kein Recht, sie zu verkaufen. Ich misstraue Ihnen, dass Sie von ihrem Liebhaber kommen. Falls dem so ist, können Sie ihm sagen, dass er sie für kein Geld der Welt kaufen kann; ebenso wenig kann er ihre Kinder kaufen.“
Der Doktor kam am nächsten Tag, um mich zu sehen, und mein Herz schlug schneller, als er eintrat. Ich hatte den alten Mann noch nie mit so majestätischem Schritt schreiten sehen. Er setzte sich und betrachtete mich mit vernichtender Verachtung. Meine Kinder hatten gelernt, Angst vor ihm zu haben. Die Kleine schloss die Augen und versteckte ihr Gesicht an meiner Schulter, wann immer sie ihn sah; und Benny, der jetzt fast fünf Jahre alt war, fragte oft: „Warum kommt dieser böse Mann so oft hierher? Will er uns wehtun?“ Ich drückte den lieben Jungen an mich, in der Hoffnung, dass er frei sein würde, bevor er alt genug wäre, das Problem zu lösen. Und nun, als der Doktor da so grimmig und schweigsam saß, ließ das Kind sein Spiel und kam und schmiegte sich an mich. Endlich sprach mein Peiniger. „Du bist also mit Ekel verlassen worden, nicht wahr?“, sagte er. „Es ist nicht mehr, als ich erwartet habe. Du erinnerst dich, ich habe dir vor Jahren gesagt, dass man dich so behandeln würde. Er hat also genug von dir? Ha! Ha! Ha! Die tugendhafte Madam hört das nicht gern, nicht wahr? Ha! Ha! Ha!“ Es lag ein Stachel darin, mich tugendhafte Madam zu nennen. Ich hatte nicht mehr die Kraft, ihm so zu antworten, wie ich es früher getan hatte. Er fuhr fort: „Es scheint also, als versuchtest du, eine neue Intrige anzuzetteln. Dein neuer Liebhaber kam zu mir und bot an, dich zu kaufen; aber du kannst dir sicher sein, dass du keinen Erfolg haben wirst. Du bist mein; und du sollst mein sein auf Lebenszeit. Es lebt kein Mensch, der dich aus der Sklaverei befreien kann. Ich hätte es getan; aber du hast mein freundliches Angebot zurückgewiesen.“
Ich sagte ihm, dass ich keine Intrige anzetteln wolle; dass ich den Mann, der mich kaufen wollte, nie gesehen hätte.
„Willst du mir sagen, dass ich lüge?“, rief er und zerrte mich von meinem Stuhl. „Willst du noch einmal sagen, dass du diesen Mann nie gesehen hast?“
Ich antwortete: „Das sage ich.“
Er packte meinen Arm unter einem Hagel von Flüchen. Ben fing an zu schreien, und ich sagte ihm, er solle zu seiner Großmutter gehen.
„Rühr dich nicht vom Fleck, du kleines Scheusal!“, sagte er. Das Kind kam näher zu mir und legte seine Arme um mich, als wollte es mich beschützen. Das war zu viel für meinen wütenden Herrn. Er packte ihn und schleuderte ihn quer durch den Raum. Ich dachte, er sei tot, und stürzte auf ihn zu, um ihn aufzuheben.
„Noch nicht!“, rief der Doktor. „Lass ihn dort liegen, bis er wieder zu sich kommt.“
„Lassen Sie mich los! Lassen Sie mich los!“, schrie ich, „oder ich mache das ganze Haus wach.“ Ich wehrte mich und kam frei; doch er packte mich erneut. Jemand öffnete die Tür, und er ließ mich los. Ich hob mein bewusstloses Kind auf, und als ich mich umdrehte, war mein Peiniger verschwunden. Ängstlich beugte ich mich über die kleine Gestalt, so blass und still; und als sich die braunen Augen schließlich öffneten, weiß ich nicht, ob ich sehr glücklich war. Alle früheren Verfolgungen des Doktors wurden erneuert. Er kam morgens, mittags und abends. Kein eifersüchtiger Liebhaber beobachtete einen Rivalen je genauer, als er mich und den unbekannten Sklavenhalter beobachtete, mit dem ich angeblich eine Intrige anzetteln wollte. Wenn meine Großmutter nicht in der Nähe war, durchsuchte er jeden Raum, um ihn zu finden.
Bei einem seiner Besuche traf er zufällig ein junges Mädchen an, das er ein paar Tage zuvor an einen Händler verkauft hatte. Seine Aussage war, er habe sie verkauft, weil sie dem Aufseher zu nahe gekommen war. Sie hatte ein bitteres Leben bei ihm geführt und war froh, verkauft zu werden. Sie hatte keine Mutter und keine engen Bindungen. Sie war vor Jahren von ihrer ganzen Familie weggerissen worden. Ein paar Freunde hatten eine Bürgschaft für ihre Sicherheit geleistet, falls der Händler ihr erlauben würde, die Zeit zwischen ihrem Verkauf und dem Abtransport seiner menschlichen Ware bei ihnen zu verbringen. Ein solcher Gefallen wurde selten gewährt. Es ersparte dem Händler die Kosten für Kost und Logis im Gefängnis, und obwohl der Betrag gering war, war es für einen Sklavenhändler eine gewichtige Überlegung.
Dr. Flint hatte immer eine Abneigung dagegen, Sklaven zu begegnen, nachdem er sie verkauft hatte. Er befahl Rose, das Haus zu verlassen; doch er war nicht mehr ihr Herr, und sie beachtete ihn nicht. Einmal war die unterdrückte Rose die Siegerin. Seine grauen Augen blitzten sie zornig an; aber das war das Ausmaß seiner Macht. „Wie kommt dieses Mädchen hierher?“, rief er. „Welches Recht hattest du, das zu erlauben, wenn du wusstest, dass ich sie verkauft hatte?“
Ich antwortete: „Dies ist das Haus meiner Großmutter, und Rose kam, um sie zu besuchen. Ich habe kein Recht, jemanden vor die Tür zu setzen, der aus ehrlichen Gründen hierher kommt.“
Er gab mir den Schlag, der Rose getroffen hätte, wenn sie noch seine Sklavin gewesen wäre. Die Aufmerksamkeit meiner Großmutter war durch laute Stimmen geweckt worden, und sie trat ein, gerade rechtzeitig, um einen zweiten Schlag zu sehen. Sie war keine Frau, die eine solche Schandtat in ihrem eigenen Haus ungerügt ließ. Der Doktor versuchte zu erklären, dass ich unverschämt gewesen sei. Ihre empörten Gefühle stiegen höher und höher und kochten schließlich in Worten über. „Raus aus meinem Haus!“, rief sie. „Geh nach Hause und kümmere dich um deine Frau und deine Kinder, dann hast du genug zu tun, ohne meine Familie zu beobachten.“
Er warf ihr die Geburt meiner Kinder ins Gesicht und beschuldigte sie, das Leben, das ich führte, zu billigen. Sie sagte ihm, dass ich auf Drängen seiner Frau bei ihr lebte; dass er sie nicht beschuldigen müsse, denn er sei derjenige, der die Schuld trage; er sei derjenige, der den ganzen Ärger verursacht habe. Sie wurde immer aufgeregter, je mehr sie sprach. „Ich sage Ihnen was, Dr. Flint“, sagte sie, „Sie haben nicht mehr viele Jahre zu leben, und Sie sollten lieber Ihre Gebete sprechen. Es wird sie alle brauchen, und noch mehr, um den Schmutz von Ihrer Seele zu waschen.“
„Wissen Sie, mit wem Sie sprechen?“, rief er.
Sie antwortete: „Ja, ich weiß sehr wohl, mit wem ich spreche.“
Er verließ das Haus in großer Wut. Ich sah meine Großmutter an. Unsere Blicke trafen sich. Ihr zorniger Ausdruck war verschwunden, aber sie sah traurig und müde aus – müde von dem unaufhörlichen Streit. Ich wunderte mich, dass es ihre Liebe zu mir nicht minderte; aber wenn dem so war, ließ sie es sich nie anmerken. Sie war immer gütig, immer bereit, Anteil an meinen Nöten zu nehmen. Es hätte Frieden und Zufriedenheit in diesem bescheidenen Heim geben können, wenn nicht der Dämon Sklaverei gewesen wäre.
Der Winter verging, ohne dass der Doktor mich behelligte. Der schöne Frühling kam; und wenn die Natur ihre Lieblichkeit wiedererlangt, neigt auch die menschliche Seele dazu, wieder aufzublühen. Meine gesunkenen Hoffnungen erwachten mit den Blumen zu neuem Leben. Ich träumte wieder von Freiheit; mehr um meiner Kinder willen als um meiner selbst. Ich plante und plante. Hindernisse stellten sich meinen Plänen in den Weg. Es schien keinen Weg zu geben, sie zu überwinden; und doch hoffte ich.
Zurück kam der durchtriebene Doktor. Ich war nicht zu Hause, als er vorbeikam. Eine Freundin hatte mich zu einer kleinen Feier eingeladen, und um ihr eine Freude zu machen, ging ich hin. Zu meinem großen Entsetzen kam ein Bote in Eile, um zu sagen, dass Dr. Flint bei meiner Großmutter sei und darauf bestehe, mich zu sehen. Sie sagten ihm nicht, wo ich war, sonst wäre er gekommen und hätte bei meiner Freundin einen Aufruhr veranstaltet. Sie schickten mir ein dunkles Tuch; ich warf es über und eilte nach Hause. Meine Eile rettete mich nicht; der Doktor war zornig gegangen. Ich fürchtete den Morgen, aber ich konnte ihn nicht aufhalten; er kam, warm und hell. Am frühen Morgen kam der Doktor und fragte mich, wo ich letzte Nacht gewesen sei. Ich sagte es ihm. Er glaubte mir nicht und schickte zu meiner Freundin, um die Tatsachen zu ermitteln. Er kam am Nachmittag, um mir zu versichern, er sei überzeugt, dass ich die Wahrheit gesagt hätte. Er schien in scherzhafter Laune zu sein, und ich erwartete, dass einige Spötteleien folgen würden. „Ich nehme an, du brauchst etwas Erholung“, sagte er, „aber ich bin überrascht, dass du dort warst, unter diesen Negern. Das war kein Ort für dich. Darfst du solche Leute besuchen?“
Ich verstand diese versteckte Spitze auf den weißen Herrn, der mein Freund war; doch ich antwortete lediglich: „Ich ging, um meine Freunde zu besuchen, und jede Gesellschaft, die sie pflegen, ist gut genug für mich.“
Er fuhr fort: „Ich habe dich in letzter Zeit sehr wenig gesehen, aber mein Interesse an dir ist unverändert. Als ich sagte, ich würde keine Gnade mehr mit dir haben, war ich unbesonnen. Ich nehme meine Worte zurück. Linda, du wünschst dir Freiheit für dich und deine Kinder, und du kannst sie nur durch mich erlangen. Wenn du dem zustimmst, was ich vorschlagen werde, sollst du und sie frei sein. Es darf keinerlei Verbindung zwischen dir und ihrem Vater geben. Ich werde ein Häuschen beschaffen, wo du und die Kinder zusammenleben könnt. Deine Arbeit soll leicht sein, wie Nähen für meine Familie. Denke darüber nach, was dir geboten wird, Linda – ein Zuhause und Freiheit! Lass die Vergangenheit vergessen sein. Wenn ich manchmal streng zu dir war, hat mich dein Eigensinn dazu getrieben. Du weißt, ich verlange Gehorsam von meinen eigenen Kindern, und ich betrachte dich noch immer als Kind.“
Er hielt inne, um eine Antwort zu erhalten, doch ich blieb stumm. „Warum sprichst du nicht?“, sagte er. „Worauf wartest du noch?“
„Auf nichts, Sir.“
„Dann nimmst du mein Angebot an?“
„Nein, Sir.“
Sein Zorn war bereit auszubrechen; doch es gelang ihm, ihn zu zügeln, und er antwortete: „Du hast ohne nachzudenken geantwortet. Aber ich muss dich wissen lassen, dass mein Vorschlag zwei Seiten hat; wenn du die helle Seite ablehnst, wirst du gezwungen sein, die dunkle zu wählen. Du musst entweder mein Angebot annehmen, oder du und deine Kinder werdet auf die Plantage deines jungen Herrn geschickt, um dort zu bleiben, bis deine junge Herrin verheiratet ist; und deine Kinder werden es wie der Rest der Negerkinder haben. Ich gebe dir eine Woche Zeit, darüber nachzudenken.“
Er war gerissen; aber ich wusste, dass man ihm nicht trauen konnte. Ich sagte ihm, dass ich bereit sei, meine Antwort jetzt zu geben.
„Ich werde sie jetzt nicht entgegennehmen“, antwortete er. „Du handelst zu sehr aus dem Impuls heraus. Denke daran, dass du und deine Kinder in einer Woche ab heute frei sein könnt, wenn ihr wollt.“
An was für einem monströsen Zufall hing das Schicksal meiner Kinder! Ich wusste, dass das Angebot meines Herrn eine Falle war und dass es unmöglich wäre zu entkommen, wenn ich darauf einginge. Was sein Versprechen betraf, so kannte ich ihn so gut, dass ich sicher war, wenn er mir Freiheitspapiere gäbe, würden sie so gehandhabt, dass sie keinen rechtlichen Wert hätten. Die Alternative war unausweichlich. Ich beschloss, auf die Plantage zu gehen. Doch dann dachte ich daran, wie vollständig ich in seiner Gewalt wäre, und die Aussicht war erschreckend. Selbst wenn ich vor ihm niederknien und ihn anflehen würde, mich um meiner Kinder willen zu verschonen, wusste ich, dass er mich mit dem Fuß wegstoßen würde, und meine Schwäche wäre sein Triumph.
Bevor die Woche um war, hörte ich, dass der junge Mr. Flint im Begriff war, eine Dame seines eigenen Schlages zu heiraten. Ich sah die Stellung voraus, die ich in seinem Haushalt einnehmen würde. Einst war ich zur Strafe auf die Plantage geschickt worden, und die Furcht vor dem Sohn hatte den Vater dazu bewogen, mich sehr bald zurückzuholen. Mein Entschluss stand fest; ich war fest entschlossen, meinen Herrn zu überlisten und meine Kinder zu retten, oder bei dem Versuch umzukommen. Ich behielt meine Pläne für mich; ich wusste, dass Freunde versuchen würden, mich davon abzubringen, und ich wollte ihre Gefühle nicht verletzen, indem ich ihren Rat ausschlug.
Am entscheidenden Tag kam der Doktor und sagte, er hoffe, ich hätte eine weise Wahl getroffen.
„Ich bin bereit, auf die Plantage zu gehen, mein Herr“, antwortete ich.
„Hast du bedacht, wie wichtig deine Entscheidung für deine Kinder ist?“, sagte er.
Ich sagte ihm, das hätte ich.
„Sehr gut. Geh auf die Plantage, und mein Fluch möge dich begleiten“, antwortete er. „Dein Junge soll zur Arbeit herangezogen werden und soll bald verkauft werden; und dein Mädchen soll dazu aufgezogen werden, sich gut zu verkaufen. Geh deiner Wege!“ Er verließ den Raum mit Flüchen, die nicht wiederholt werden sollen.
Als ich wie angewurzelt dastand, kam meine Großmutter und sagte: „Linda, Kind, was hast du ihm gesagt?“
Ich antwortete, dass ich auf die Plantage gehen würde.
„Musst du gehen?“, sagte sie. „Kann man nichts tun, um es aufzuhalten?“
Ich sagte ihr, es sei zwecklos, es zu versuchen; doch sie flehte mich an, nicht aufzugeben. Sie sagte, sie würde zum Doktor gehen und ihn daran erinnern, wie lange und wie treu sie in der Familie gedient habe und wie sie ihr eigenes Baby von ihrer Brust genommen habe, um seine Frau zu ernähren. Sie würde ihm sagen, ich sei so lange nicht in der Familie gewesen, dass sie mich nicht vermissen würden; sie würde sie für meine Zeit bezahlen, und das Geld würde eine Frau beschaffen, die mehr Kraft für die Stelle hätte als ich. Ich flehte sie an, nicht zu gehen; doch sie beharrte darauf und sagte: „Er wird auf mich hören, Linda.“ Sie ging und wurde so behandelt, wie ich es erwartet hatte. Er hörte sich kühl an, was sie sagte, schlug ihre Bitte jedoch ab. Er sagte ihr, was er tue, sei zu meinem Besten, meine Gefühle stünden gänzlich über meiner Lage, und auf der Plantage würde ich eine Behandlung erfahren, die meinem Verhalten angemessen sei.
Meine Großmutter war sehr niedergeschlagen. Ich hatte meine geheimen Hoffnungen; doch ich musste meinen Kampf allein ausfechten. Ich hatte den Stolz einer Frau und die Liebe einer Mutter zu meinen Kindern; und ich nahm mir vor, dass aus der Dunkelheit dieser Stunde eine hellere Morgenröte für sie aufgehen sollte. Mein Herr hatte Macht und Gesetz auf seiner Seite; ich hatte einen entschlossenen Willen. In beidem liegt Kraft.
XVI. Szenen auf der Plantage.
Früh am nächsten Morgen verließ ich das Haus meiner Großmutter mit meinem jüngsten Kind. Mein Junge war krank, und ich ließ ihn zurück. Ich hatte viele traurige Gedanken, während der alte Wagen holpernd weiterfuhr. Bisher hatte ich allein gelitten; nun sollte mein kleines Kind wie eine Sklavin behandelt werden. Als wir uns dem großen Haus näherten, dachte ich an die Zeit, als ich früher aus Rache dorthin geschickt worden war. Ich fragte mich, zu welchem Zweck ich nun geschickt wurde. Ich konnte es nicht sagen. Ich nahm mir vor, den Befehlen Folge zu leisten, soweit die Pflicht es erforderte; doch in meinem Inneren beschloss ich, meinen Aufenthalt so kurz wie möglich zu halten. Mr. Flint wartete darauf, uns in Empfang zu nehmen, und sagte mir, ich solle ihm nach oben folgen, um Anweisungen für den Tag zu erhalten. Meine kleine Ellen wurde unten in der Küche gelassen. Es war eine Umstellung für sie, die immer so sorgsam umsorgt worden war. Mein junger Herr sagte, sie könne sich im Hof vergnügen. Das war freundlich von ihm, da das Kind ihm ein Dorn im Auge war. Meine Aufgabe war es, das Haus für den Empfang der Braut herzurichten. Inmitten von Laken, Tischtüchern, Handtüchern, Gardinen und Teppichen war mein Kopf ebenso sehr mit Planen beschäftigt wie meine Finger mit der Nadel. Mittags durfte ich zu Ellen gehen. Sie hatte sich in den Schlaf geweint. Ich hörte, wie Mr. Flint zu einem Nachbarn sagte: „Ich habe sie jetzt hier unten, und ich werde ihr die städtischen Flausen bald aus dem Kopf treiben. Mein Vater ist teilweise an ihrem Unsinn schuld. Er hätte sie schon vor langer Zeit brechen sollen.“ Die Bemerkung fiel in meiner Hörweite, und es wäre ebenso männlich gewesen, sie mir ins Gesicht zu sagen. Er hatte Dinge zu mir gesagt, die seinen Nachbarn vielleicht überrascht hätten – oder auch nicht –, wenn er davon gewusst hätte. Er war ganz der Vater.
Ich nahm mir vor, ihm keinen Grund zu geben, mich als zu vornehm für die Arbeit zu beschuldigen. Ich arbeitete Tag und Nacht, während das Elend vor mir lag. Als ich mich neben mein Kind legte, fühlte ich, wie viel leichter es wäre, sie sterben zu sehen, als mitanzusehen, wie ihr Herr sie schlug, so wie ich ihn täglich andere kleine Kinder schlagen sah. Der Geist der Mütter war durch die Peitsche so gebrochen, dass sie danebenstanden, ohne den Mut, sich zu widersetzen. Wie viel mehr musste ich noch erleiden, bevor ich in dem Maße „gebrochen“ wäre?
Ich wollte so zufrieden wie möglich erscheinen. Manchmal hatte ich die Gelegenheit, ein paar Zeilen nach Hause zu schicken; und das rief Erinnerungen wach, die es zeitweise schwer machten, ruhig und gleichgültig gegenüber meinem Los zu wirken. Trotz meiner Bemühungen sah ich, dass Mr. Flint mich mit misstrauischem Blick betrachtete. Ellen brach unter den Prüfungen ihres neuen Lebens zusammen. Von mir getrennt, ohne jemanden, der sich um sie kümmerte, irrte sie umher und weinte sich in wenigen Tagen krank. Eines Tages saß sie unter dem Fenster, an dem ich arbeitete, und weinte jenes müde Weinen, das das Herz einer Mutter bluten lässt. Ich war gezwungen, mich zu verhärten, um es zu ertragen. Nach einer Weile hörte es auf. Ich sah hinaus, und sie war weg. Da es kurz vor Mittag war, wagte ich es, hinunterzugehen, um nach ihr zu suchen. Das große Haus war zwei Fuß über dem Boden errichtet. Ich sah darunter und erblickte sie in der Mitte, fest schlafend. Ich kroch darunter und zog sie hervor. Als ich sie in meinen Armen hielt, dachte ich, wie gut es für sie wäre, wenn sie niemals wieder aufwachen würde; und ich sprach meinen Gedanken laut aus. Ich erschrak, als ich jemanden sagen hörte: „Hast du mit mir gesprochen?“ Ich sah auf und erblickte Mr. Flint, der neben mir stand. Er sagte nichts weiter, sondern wandte sich stirnrunzelnd ab. In jener Nacht schickte er Ellen einen Zwieback und eine Tasse gesüßte Milch. Diese Großzügigkeit überraschte mich. Ich erfuhr später, dass er am Nachmittag eine große Schlange getötet hatte, die unter dem Haus hervorgekrochen war; und ich nahm an, dass dieser Vorfall seine ungewöhnliche Güte veranlasst hatte.
Am nächsten Morgen wurde der alte Karren mit Dachschindeln für die Stadt beladen. Ich setzte Ellen hinein und schickte sie zu ihrer Großmutter. Mr. Flint sagte, ich hätte ihn um Erlaubnis fragen sollen. Ich sagte ihm, das Kind sei krank und benötige Aufmerksamkeit, für die ich keine Zeit hätte. Er ließ es durchgehen; denn er war sich bewusst, dass ich in kurzer Zeit viel Arbeit verrichtet hatte.
Ich war drei Wochen auf der Plantage, als ich einen Besuch zu Hause plante. Es musste nachts sein, nachdem alle im Bett waren. Ich war sechs Meilen von der Stadt entfernt, und der Weg war sehr trostlos. Ich sollte mit einem jungen Mann gehen, von dem ich wusste, dass er sich oft in die Stadt stahl, um seine Mutter zu sehen. Eines Nachts, als alles still war, machten wir uns auf den Weg. Die Angst verlieh unseren Schritten Schnelligkeit, und wir brauchten nicht lange für den Weg. Ich kam bei meiner Großmutter an. Ihr Schlafzimmer lag im ersten Stock, und das Fenster war offen, da das Wetter warm war. Ich sprach sie an, und sie wachte auf. Sie ließ mich herein und schloss das Fenster, damit kein später Vorübergehender mich sehen konnte. Ein Licht wurde gebracht, und der ganze Haushalt versammelte sich um mich, einige lächelnd, einige weinend. Ich ging, um nach meinen Kindern zu sehen, und dankte Gott für ihren glücklichen Schlaf. Die Tränen flossen, als ich mich über sie beugte. Als ich mich zum Gehen wandte, regte sich Benny. Ich kehrte um und flüsterte: „Mutter ist da.“ Nachdem er mit seinem kleinen Fäustchen in seinen Augen gebohrt hatte, öffneten sie sich, und er setzte sich im Bett auf und sah mich neugierig an. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass ich es war, rief er aus: „O Mutter! Du bist doch nicht tot, oder? Sie haben dir auf der Plantage nicht den Kopf abgeschnitten, oder?“
Meine Zeit war zu schnell um, und mein Begleiter wartete auf mich. Ich legte Benny zurück in sein Bett und trocknete seine Tränen mit dem Versprechen, bald wiederzukommen. Schnell legten wir den Rückweg zur Plantage zurück. Etwa auf halbem Weg trafen wir auf eine Patrouille von vier Männern. Glücklicherweise hörten wir ihre Pferdehufen, bevor sie in Sicht kamen, und wir hatten Zeit, uns hinter einem großen Baum zu verstecken. Sie ritten vorbei, johlend und schreiend auf eine Weise, die auf ein kürzliches Gelage hindeutete. Wie dankbar waren wir, dass sie ihre Hunde nicht dabei hatten! Wir beschleunigten unsere Schritte, und als wir auf der Plantage ankamen, hörten wir das Geräusch der Handmühle. Die Sklaven mahlten ihr Getreide. Wir waren sicher im Haus, bevor das Horn sie zur Arbeit rief. Ich teilte mein kleines Päckchen Essen mit meinem Begleiter, da ich wusste, dass er die Gelegenheit verloren hatte, sein Getreide zu mahlen, und den ganzen Tag auf dem Feld schuften musste.
Mr. Flint inspizierte oft das Haus, um zu sehen, dass niemand untätig war. Die gesamte Leitung der Arbeit wurde mir anvertraut, weil er nichts davon verstand; und anstatt einen Aufseher einzustellen, begnügte er sich mit meinen Vorkehrungen. Er hatte seinem Vater oft die Notwendigkeit nahegelegt, mich auf der Plantage zu haben, um die Leitung seiner Angelegenheiten zu übernehmen und Kleidung für die Sklaven anzufertigen; aber der alte Mann kannte ihn zu gut, um dieser Regelung zuzustimmen.
Als ich einen Monat auf der Plantage gearbeitet hatte, kam die Großtante von Mr. Flint zu Besuch. Dies war die gute alte Dame, die fünfzig Dollar für meine Großmutter bezahlt hatte, um sie frei zu machen, als sie auf dem Auktionsblock stand. Meine Großmutter liebte diese alte Dame, die wir alle Miss Fanny nannten. Sie kam oft zum Tee zu uns. Bei solchen Gelegenheiten wurde der Tisch mit einem schneeweißen Tuch gedeckt, und die Porzellantassen und Silberlöffel wurden aus dem altmodischen Buffet genommen. Es gab heiße Muffins, Teegebäck und köstliche Süßigkeiten. Meine Großmutter hielt zwei Kühe, und die frische Sahne war Miss Fannys Entzücken. Sie erklärte ausnahmslos, dass es die beste in der Stadt sei. Die alten Damen hatten gemütliche Stunden zusammen. Sie arbeiteten und plauderten, und manchmal, wenn sie über alte Zeiten sprachen, wurden ihre Brillen vor Tränen trüb und mussten abgenommen und abgewischt werden. Wenn Miss Fanny sich von uns verabschiedete, war ihre Tasche mit den besten Kuchen meiner Großmutter gefüllt, und sie wurde gedrängt, bald wiederzukommen.
Es gab eine Zeit, da Dr. Flints Frau zum Tee zu uns kam und da ihre Kinder ebenfalls geschickt wurden, um ein Festmahl von „Tante Marthys“ guter Küche zu genießen. Doch nachdem ich ein Objekt ihrer Eifersucht und ihres Neids geworden war, war sie meiner Großmutter böse, weil sie mir und meinen Kindern Unterschlupf gewährt hatte. Sie wollte nicht einmal auf der Straße mit ihr sprechen. Das verletzte die Gefühle meiner Großmutter, denn sie konnte keinen Groll gegen die Frau hegen, die sie als Baby mit ihrer Milch genährt hatte. Die Frau des Doktors hätte unseren Umgang mit Miss Fanny gerne verhindert, wenn sie es gekonnt hätte, aber glücklicherweise war diese nicht auf die Großzügigkeit der Flints angewiesen. Sie hatte genug, um unabhängig zu sein; und das ist mehr, als jemals durch Wohltätigkeit gewonnen werden kann, wie verschwenderisch sie auch sein mag.
Miss Fanny war mir durch viele Erinnerungen teuer geworden, und ich war erfreut, sie auf der Plantage zu sehen. Die Wärme ihres großen, treuen Herzens ließ das Haus angenehmer erscheinen, solange sie dort war. Sie blieb eine Woche, und ich hatte viele Gespräche mit ihr. Sie sagte, ihr Hauptgrund für den Besuch sei es gewesen, zu sehen, wie ich behandelt würde und ob man etwas für mich tun könne. Sie erkundigte sich, ob sie mir auf irgendeine Weise helfen könne. Ich sagte ihr, ich glaube nicht. Sie kondolierte mir auf ihre eigene eigentümliche Weise; sie sagte, sie wünschte, ich und die ganze Familie meiner Großmutter lägen in unseren Gräbern, denn erst dann würde sie Frieden um uns haben. Die gute alte Seele ahnte nicht, dass ich plante, ihr Frieden zu schenken, was mich und meine Kinder betraf; nicht durch den Tod, sondern durch die Sicherung unserer Freiheit.
Wieder und wieder hatte ich diese trostlosen zwölf Meilen von und zur Stadt zurückgelegt; und den ganzen Weg über sann ich auf Mittel zur Flucht für mich und meine Kinder. Meine Freunde hatten jede Anstrengung unternommen, die der Scharfsinn ersinnen konnte, um unseren Freikauf zu bewirken, doch alle ihre Pläne waren gescheitert. Dr. Flint war misstrauisch und entschlossen, seinen Griff um uns nicht zu lockern. Ich hätte allein fliehen können; doch es war mehr für meine hilflosen Kinder als für mich selbst, dass ich mich nach Freiheit sehnte. Obwohl mir die Wohltat über alles kostbar gewesen wäre, hätte ich sie nicht um den Preis erkauft, sie in der Sklaverei zurückzulassen. Jede Prüfung, die ich ertrug, jedes Opfer, das ich für sie brachte, zog sie näher an mein Herz und gab mir frischen Mut, die dunklen Wellen zurückzuschlagen, die über mir in einer scheinbar endlosen Nacht der Stürme rollten und rollten.
Die sechs Wochen waren fast vorüber, als Mr. Flints Braut erwartet wurde, um ihr neues Heim zu beziehen. Die Vorbereitungen waren alle abgeschlossen, und Mr. Flint sagte, ich hätte meine Sache gut gemacht. Er rechnete damit, am Samstag abzureisen und am folgenden Mittwoch mit seiner Braut zurückzukehren. Nachdem ich verschiedene Befehle von ihm entgegengenommen hatte, wagte ich es, um die Erlaubnis zu bitten, den Sonntag in der Stadt zu verbringen. Sie wurde gewährt; für diese Gunst war ich dankbar. Es war die erste, um die ich ihn je gebeten hatte, und ich beabsichtigte, dass es die letzte sein sollte. Es bedurfte mehr als einer Nacht, um das Projekt, das ich im Sinn hatte, zu verwirklichen; doch der ganze Sonntag würde mir eine Gelegenheit geben. Ich verbrachte den Sabbat bei meiner Großmutter. Ein ruhigerer, schönerer Tag ist nie vom Himmel herabgekommen. Für mich war es ein Tag widerstreitender Gefühle. Vielleicht war es der letzte Tag, den ich je unter diesem lieben, alten schützenden Dach verbringen würde! Vielleicht waren dies die letzten Gespräche, die ich je mit der treuen alten Freundin meines ganzen Lebens führen würde! Vielleicht war es das letzte Mal, dass ich und meine Kinder zusammen waren! Nun, besser so, dachte ich, als dass sie Sklaven sein sollten. Ich kannte das Schicksal, das mein liebes Baby in der Sklaverei erwartete, und ich war entschlossen, sie davor zu bewahren oder bei dem Versuch umzukommen. Ich ging, um dieses Gelübde an den Gräbern meiner armen Eltern auf dem Friedhof der Sklaven abzulegen. „Dort hören die Bösen auf zu toben, und dort finden die Müden Ruhe. Dort ruhen die Gefangenen miteinander; sie hören nicht die Stimme des Unterdrückers; der Knecht ist frei von seinem Herrn.“ Ich kniete an den Gräbern meiner Eltern nieder und dankte Gott, wie ich es oft zuvor getan hatte, dass sie nicht gelebt hatten, um meine Prüfungen mitzuerleben oder meine Sünden zu beklagen. Ich hatte den Segen meiner Mutter empfangen, als sie starb; und in mancher Stunde der Trübsal schien ich ihre Stimme zu hören, die mich manchmal tadelte, manchmal liebevolle Worte in mein verwundetes Herz flüsterte. Ich habe viele und bittere Tränen vergossen bei dem Gedanken, dass sie, wenn ich von meinen Kindern gegangen bin, meiner nicht mit solch vollkommener Zufriedenheit gedenken können, wie ich meiner Mutter gedachte.
Der Friedhof lag im Wald, und die Dämmerung setzte ein. Nichts unterbrach die totenstille Ruhe außer dem gelegentlichen Zwitschern eines Vogels. Mein Geist war von der Feierlichkeit der Szene überwältigt. Seit mehr als zehn Jahren besuchte ich diesen Ort, doch niemals war er mir so heilig erschienen wie jetzt. Ein schwarzer Baumstumpf am Kopfende des Grabes meiner Mutter war alles, was von einem Baum übrig geblieben war, den mein Vater gepflanzt hatte. Sein Grab war durch ein kleines Holzbrett gekennzeichnet, das seinen Namen trug, dessen Buchstaben fast verblasst waren. Ich kniete nieder, küsste sie und schüttete ein Gebet zu Gott aus, um Führung und Unterstützung bei dem gefährlichen Schritt, den ich zu tun im Begriff war. Als ich am Wrack des alten Gemeindehauses vorbeikam, wo sich die Sklaven vor Nat Turners Zeit zum Gottesdienst versammeln durften, schien ich die Stimme meines Vaters daraus zu hören, die mich aufforderte, nicht zu zaudern, bis ich die Freiheit oder das Grab erreicht hätte. Ich eilte mit erneuerten Hoffnungen weiter. Mein Vertrauen in Gott war durch dieses Gebet zwischen den Gräbern gestärkt worden.
Mein Plan war, mich im Haus eines Freundes zu verbergen und dort einige Wochen zu bleiben, bis die Suche vorbei war. Meine Hoffnung war, dass der Doktor den Mut verlieren würde und, aus Angst, meinen Wert zu verlieren und auch, meine Kinder später unter den Vermissten zu finden, er zustimmen würde, uns zu verkaufen; und ich wusste, dass jemand uns kaufen würde. Ich hatte alles in meiner Macht Stehende getan, um es meinen Kindern während der Zeit, in der ich von ihnen getrennt zu sein erwartete, so angenehm wie möglich zu machen. Ich packte meine Sachen, als meine Großmutter ins Zimmer kam und fragte, was ich täte. „Ich ordne meine Sachen“, antwortete ich. Ich versuchte fröhlich auszusehen und zu sprechen; doch ihr wachsames Auge entdeckte etwas unter der Oberfläche. Sie zog mich zu sich und bat mich, mich hinzusetzen. Sie sah mich eindringlich an und sagte: „Linda, willst du deine alte Großmutter umbringen? Willst du deine kleinen, hilflosen Kinder verlassen? Ich bin jetzt alt und kann für deine Babys nicht mehr tun, was ich einst für dich getan habe.“
Ich antwortete, wenn ich fortginge, könnte ihr Vater vielleicht ihre Freiheit sichern.
„Ach, mein Kind“, sagte sie, „vertraue ihm nicht zu sehr. Steh zu deinen eigenen Kindern und leide mit ihnen bis zum Tod. Niemand achtet eine Mutter, die ihre Kinder im Stich lässt; und wenn du sie verlässt, wirst du niemals einen glücklichen Moment haben. Wenn du gehst, wirst du mich für die kurze Zeit, die ich noch zu leben habe, unglücklich machen. Du würdest gefasst und zurückgebracht werden, und dein Leiden wäre schrecklich. Erinnere dich an den armen Benjamin. Gib es auf, Linda. Versuche, noch ein wenig länger durchzuhalten. Die Dinge könnten sich besser entwickeln, als wir erwarten.“
Mein Mut verließ mich angesichts des Kummers, den ich diesem treuen, liebenden alten Herzen bereiten würde. Ich versprach, dass ich es noch länger versuchen würde und dass ich nichts aus ihrem Haus ohne ihr Wissen mitnehmen würde.
Wann immer die Kinder auf mein Knie kletterten oder ihre Köpfe in meinen Schoß legten, sagte sie: „Arme kleine Seelen! Was würdet ihr ohne eine Mutter tun? Sie liebt euch nicht so wie ich.“ Und sie würde sie an ihre eigene Brust drücken, als wolle sie mir meinen Mangel an Zuneigung vorwerfen; doch sie wusste die ganze Zeit, dass ich sie mehr als mein Leben liebte. Ich schlief in jener Nacht bei ihr, und es war das letzte Mal. Die Erinnerung daran verfolgte mich viele Jahre lang.
Am Montag kehrte ich auf die Plantage zurück und beschäftigte mich mit den Vorbereitungen für den wichtigen Tag. Der Mittwoch kam. Es war ein schöner Tag, und die Gesichter der Sklaven waren so strahlend wie der Sonnenschein. Die armen Geschöpfe waren fröhlich. Sie erwarteten kleine Geschenke von der Braut und hofften auf bessere Zeiten unter ihrer Führung. Ich hatte keine solchen Hoffnungen für sie. Ich wusste, dass die jungen Ehefrauen der Sklavenhalter oft glaubten, ihre Autorität und Bedeutung ließen sich am besten durch Grausamkeit etablieren und aufrechterhalten; und was ich von der jungen Mrs. Flint gehört hatte, gab mir keinen Grund zu der Erwartung, dass ihre Herrschaft über sie weniger streng sein würde als die des Herrn und des Aufsehers. Wahrlich, die farbige Rasse ist das fröhlichste und vergebendste Volk auf dem Antlitz der Erde. Dass ihre Herren in Sicherheit schlafen, verdanken sie ihrer Überfülle an Herz; und doch betrachten sie ihr Leiden mit weniger Mitleid, als sie dem eines Pferdes oder Hundes entgegenbringen würden.
Ich stand mit anderen an der Tür, um den Bräutigam und die Braut zu empfangen. Sie war ein hübsches, zart aussehendes Mädchen, und ihr Gesicht rötete sich vor Erregung beim Anblick ihres neuen Zuhauses. Ich hielt es für wahrscheinlich, dass Visionen einer glücklichen Zukunft vor ihr aufstiegen. Es machte mich traurig; denn ich wusste, wie bald Wolken über ihren Sonnenschein ziehen würden. Sie untersuchte jeden Teil des Hauses und sagte mir, sie sei entzückt von den Vorkehrungen, die ich getroffen hatte. Ich hatte befürchtet, die alte Mrs. Flint hätte versucht, sie gegen mich einzunehmen, und ich tat mein Bestes, ihr zu gefallen.
Alles verlief für mich reibungslos, bis die Zeit für das Abendessen kam. Die Verlegenheit, zum ersten Mal in meinem Leben bei einer Abendgesellschaft zu bedienen, machte mir nicht halb so viel aus wie das Zusammentreffen mit Dr. Flint und seiner Frau, die unter den Gästen sein würden. Es war mir ein Rätsel, warum Mrs. Flint während der ganzen Zeit, in der ich das Haus in Ordnung brachte, nicht auf der Plantage erschienen war. Ich hatte sie seit fünf Jahren nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gesehen und hatte auch jetzt keinen Wunsch, ihr zu begegnen. Sie war eine betende Frau und hielt meine jetzige Lage zweifellos für eine direkte Erhörung ihrer Gebete. Nichts konnte ihr mehr gefallen, als mich gedemütigt und unterdrückt zu sehen. Ich war genau da, wo sie mich haben wollte – in der Gewalt eines harten, prinzipienlosen Herrn. Sie sprach kein Wort mit mir, als sie ihren Platz bei Tisch einnahm; aber ihr zufriedenes, triumphierendes Lächeln, als ich ihr den Teller reichte, war beredter als Worte. Der alte Doktor war in seinen Äußerungen nicht so still. Er befahl mich hierhin und dorthin und sprach mit besonderer Betonung, wenn er „deine Herrin“ sagte. Ich wurde gedrillt wie ein in Ungnade gefallener Soldat. Als alles vorüber war und der letzte Schlüssel gedreht wurde, suchte ich mein Kopfkissen, dankbar dafür, dass Gott den Müden eine Zeit der Ruhe beschert hatte.
Am nächsten Tag begann meine neue Herrin mit der Haushaltsführung. Ich war nicht direkt als Mädchen für alles eingestellt; aber ich sollte tun, was immer mir befohlen wurde. Der Montagabend kam. Es war immer eine arbeitsreiche Zeit. An diesem Abend erhielten die Sklaven ihre wöchentliche Essensration. Drei Pfund Fleisch, ein Peck Mais und vielleicht ein Dutzend Heringe standen jedem Mann zu. Frauen erhielten anderthalb Pfund Fleisch, ein Peck Mais und die gleiche Anzahl Heringe. Kinder über zwölf Jahren bekamen die halbe Ration der Frauen. Das Fleisch wurde vom Vorarbeiter der Feldarbeiter geschnitten, gewogen und vor dem Fleischhaus auf Planken gestapelt. Dann ging der zweite Vorarbeiter hinter das Gebäude, und wenn der erste Vorarbeiter rief: „Wer nimmt dieses Stück Fleisch?“, antwortete er, indem er jemandes Namen nannte. Zu dieser Methode griff man, um Parteilichkeit bei der Verteilung des Fleisches zu verhindern. Die junge Herrin kam heraus, um zu sehen, wie die Dinge auf ihrer Plantage gehandhabt wurden, und sie legte bald eine Probe ihres Charakters ab. Unter denen, die auf ihre Ration warteten, war ein sehr alter Sklave, der der Familie Flint treu durch drei Generationen gedient hatte. Als er herbeihumpelte, um sein Stück Fleisch zu bekommen, sagte die Herrin, er sei zu alt, um noch eine Ration zu erhalten; wenn Neger zu alt zum Arbeiten seien, sollten sie mit Gras gefüttert werden. Armer alter Mann! Er litt viel, bevor er im Grab Ruhe fand.
Meine Herrin und ich kamen ganz gut miteinander aus. Nach einer Woche stattete uns die alte Mrs. Flint einen weiteren Besuch ab und war lange Zeit mit ihrer Schwiegertochter unter vier Augen eingeschlossen. Ich hatte meine Vermutungen, was der Gegenstand der Besprechung war. Die Frau des alten Doktors war darüber informiert worden, dass ich die Plantage unter einer Bedingung verlassen konnte, und sie war sehr darauf bedacht, mich dort zu halten. Hätte sie mir vertraut, wie ich es von ihr verdient hätte, hätte sie keine Furcht haben müssen, dass ich auf diese Bedingung eingehen würde. Als sie ihre Kutsche bestieg, um nach Hause zurückzukehren, sagte sie zur jungen Mrs. Flint: „Vergiss nicht, so schnell wie möglich nach ihnen zu schicken.“ Mein Herz war die ganze Zeit auf der Hut, und ich schloss sofort daraus, dass sie von meinen Kindern sprach. Der Doktor kam am nächsten Tag, und als ich das Zimmer betrat, um den Teetisch zu decken, hörte ich ihn sagen: „Warte nicht länger. Schicke morgen nach ihnen.“ Ich durchschaute den Plan. Sie dachten, dass das Vorhandensein meiner Kinder mich an den Ort fesseln würde, und dass dies ein guter Ort sei, um uns alle zur unterwürfigen Ergebenheit gegenüber unserem Los als Sklaven zu brechen. Nachdem der Doktor gegangen war, kam ein Herr zu Besuch, der meiner Großmutter und ihrer Familie gegenüber immer freundliche Gefühle gezeigt hatte. Mr. Flint führte ihn über die Plantage, um ihm die Ergebnisse der Arbeit von Männern und Frauen zu zeigen, die unbezahlt, elend bekleidet und halb verhungert waren. An die Baumwollernte dachten sie nur. Sie wurde gebührend bewundert, und der Herr kehrte mit Proben zurück, um sie seinen Freunden zu zeigen. Ich wurde befohlen, Wasser zu bringen, damit er seine Hände waschen konnte. Als ich das tat, sagte er: „Linda, wie gefällt dir dein neues Zuhause?“ Ich sagte ihm, es gefalle mir so gut, wie ich es erwartet hatte. Er antwortete: „Sie glauben nicht, dass du zufrieden bist, und morgen wollen sie deine Kinder holen, damit sie bei dir sind. Es tut mir leid für dich, Linda. Ich hoffe, sie werden dich gut behandeln.“ Ich eilte aus dem Zimmer, unfähig, ihm zu danken. Meine Vermutungen waren richtig. Meine Kinder sollten auf die Plantage gebracht werden, um „eingebrochen“ zu werden.
Bis heute bin ich dem Herrn dankbar, der mir diese rechtzeitige Information gab. Sie stärkte mich für sofortiges Handeln.
XVII. Die Flucht.
Mr. Flint hatte große Not mit Hausbediensteten, und anstatt mich zu verlieren, hatte er seinen Groll zurückgehalten. Ich verrichtete meine Arbeit gewissenhaft, wenn auch natürlich nicht mit willigem Geist. Sie hatten offensichtlich Angst, ich könnte sie verlassen. Mr. Flint wollte, dass ich im großen Haus statt in den Quartieren der Dienerschaft schlief. Seine Frau stimmte dem Vorschlag zu, sagte aber, ich dürfe mein Bett nicht ins Haus bringen, weil es Federn auf ihrem Teppich verstreuen würde. Ich wusste, als ich dorthin ging, dass sie niemals daran denken würden, ein Bett irgendeiner Art für mich und mein Kleines bereitzustellen. Ich brachte daher mein eigenes Bett mit, und nun war es mir verboten, es zu benutzen. Ich tat, wie mir befohlen wurde. Aber jetzt, da ich sicher war, dass meine Kinder in ihre Gewalt gebracht werden sollten, um einen stärkeren Griff auf mich zu bekommen, beschloss ich, sie in jener Nacht zu verlassen. Ich erinnerte mich an den Kummer, den dieser Schritt meiner lieben alten Großmutter bereiten würde; und nichts Geringeres als die Freiheit meiner Kinder hätte mich dazu gebracht, ihren Rat zu missachten. Ich ging mit zitternden Schritten an meine abendliche Arbeit. Mr. Flint rief zweimal von seiner Zimmertür aus, um zu fragen, warum das Haus nicht zugeschlossen sei. Ich antwortete, dass ich meine Arbeit noch nicht beendet hätte. „Du hattest Zeit genug dazu“, sagte er. „Nimm dich in Acht, wie du mir antwortest!“
Ich schloss alle Fenster, verriegelte alle Türen und ging in den dritten Stock, um bis Mitternacht zu warten. Wie lang diese Stunden schienen, und wie inbrünstig betete ich, dass Gott mich in dieser Stunde der höchsten Not nicht verlassen möge! Ich war im Begriff, alles auf einen einzigen Würfelwurf zu setzen; und wenn ich scheiterte, o was würde aus mir und meinen armen Kindern werden? Sie würden für meinen Fehler büßen müssen.
Um halb eins schlich ich leise die Treppe hinunter. Ich hielt im zweiten Stock inne, da ich glaubte, ein Geräusch zu hören. Ich tastete mich in den Salon hinunter und schaute aus dem Fenster. Die Nacht war so tief dunkel, dass ich nichts sehen konnte. Ich öffnete das Fenster ganz leise und sprang hinaus. Große Regentropfen fielen, und die Dunkelheit verwirrte mich. Ich ließ mich auf die Knie fallen und hauchte ein kurzes Gebet zu Gott um Führung und Schutz. Ich tastete mich zur Straße vor und eilte mit fast blitzartiger Schnelligkeit in Richtung Stadt. Ich kam am Haus meiner Großmutter an, wagte es aber nicht, sie zu sehen. Sie würde sagen: „Linda, du bringst mich um“; und ich wusste, das würde mich entmutigen. Ich klopfte leise an das Fenster eines Zimmers, das von einer Frau bewohnt wurde, die bereits seit einigen Jahren im Haus lebte. Ich wusste, sie war eine treue Freundin und man konnte ihr mein Geheimnis anvertrauen. Ich klopfte mehrmals, bevor sie mich hörte. Endlich öffnete sie das Fenster, und ich flüsterte: „Sally, ich bin weggelaufen. Lass mich schnell herein.“ Sie öffnete die Tür leise und sagte mit gedämpfter Stimme: „Um Gottes willen, tu das nicht. Deine Großmutter versucht, dich und de chillern zu kaufen. Mr. Sands war letzte Woche hier. Er sagte ihr, er müsse geschäftlich verreisen, aber er wolle, dass sie mit dem Kauf von dir und de chillern weitermache, und er werde ihr helfen, so gut er könne. Lauf nicht weg, Linda. Deine Großmutter ist jetzt ganz gebeugt vor Kummer.“
Ich antwortete: „Sally, sie wollen meine Kinder morgen auf die Plantage bringen; und sie werden sie niemals an irgendwen verkaufen, solange sie mich in ihrer Gewalt haben. Würdest du mir jetzt raten, zurückzugehen?“
„Nein, Kindchen, nein“, antwortete sie. „Wenn sie herausfinden, dass du weg bist, werden sie die Plage mit den Kindern nicht wollen; aber wo willst du dich verstecken? Sie kennen jeden Zoll dieses Hauses.“
Ich sagte ihr, ich hätte ein Versteck, und das sei alles, was sie wissen müsse. Ich bat sie, sobald es hell sei, in mein Zimmer zu gehen, alle meine Kleider aus meinem Koffer zu nehmen und sie in ihren zu packen; denn ich wusste, Mr. Flint und der Constable würden früh dort sein, um mein Zimmer zu durchsuchen. Ich fürchtete, der Anblick meiner Kinder wäre zu viel für mein volles Herz; aber ich konnte nicht ohne einen letzten Blick in die ungewisse Zukunft hinausgehen. Ich beugte mich über das Bett, in dem mein kleiner Benny und die kleine Ellen lagen. Arme kleine Wesen! Vaterlos und mutterlos! Erinnerungen an ihren Vater kamen über mich. Er wollte gut zu ihnen sein; aber sie waren ihm nicht alles, wie sie es für mein mütterliches Herz waren. Ich kniete nieder und betete für die unschuldigen kleinen Schläfer. Ich küsste sie sanft und wandte mich ab.
Als ich im Begriff war, die Straßentür zu öffnen, legte Sally ihre Hand auf meine Schulter und sagte: „Linda, gehst du ganz allein? Lass mich deinen Onkel rufen.“
„Nein, Sally“, antwortete ich, „ich will nicht, dass wegen meiner Person jemand in Schwierigkeiten gerät.“
Ich ging hinaus in die Dunkelheit und den Regen. Ich rannte weiter, bis ich zum Haus des Freundes kam, der mich verstecken sollte.
Am nächsten Morgen war Mr. Flint früh bei meiner Großmutter und erkundigte sich nach mir. Sie sagte ihm, sie habe mich nicht gesehen und nehme an, ich sei auf der Plantage. Er beobachtete ihr Gesicht genau und sagte: „Wissen Sie nichts darüber, dass sie weggelaufen ist?“ Sie versicherte ihm, dass sie es nicht wisse. Er fuhr fort: „Letzte Nacht ist sie ohne den geringsten Anlass weggelaufen. Wir haben sie sehr freundlich behandelt. Meine Frau mochte sie. Sie wird bald gefunden und zurückgebracht werden. Sind ihre Kinder bei Ihnen?“ Als er erfuhr, dass sie es seien, sagte er: „Das höre ich sehr gern. Wenn sie hier sind, kann sie nicht weit sein. Wenn ich herausfinde, dass einer meiner Neger etwas mit dieser verfluchten Geschichte zu tun hatte, werde ich ihm fünfhundert Peitschenhiebe geben.“ Als er aufbrach, um zu seinem Vater zu gehen, drehte er sich um und fügte überzeugend hinzu: „Lassen Sie sie zurückbringen, und sie soll ihre Kinder haben, damit sie bei ihr leben können.“
Die Nachricht ließ den alten Doktor in rasender Weise toben und stürmen. Es war ein geschäftiger Tag für sie. Das Haus meiner Großmutter wurde von oben bis unten durchsucht. Da mein Koffer leer war, schlossen sie daraus, dass ich meine Kleider mitgenommen hatte. Vor zehn Uhr wurde jedes Schiff, das nach Norden fuhr, gründlich untersucht, und das Gesetz gegen das Beherbergen von Flüchtlingen wurde allen an Bord vorgelesen. Nachts wurde eine Wache über die Stadt gestellt. Da ich wusste, wie bekümmert meine Großmutter sein würde, wollte ich ihr eine Nachricht zukommen lassen; aber es konnte nicht getan werden. Jeder, der ihr Haus betrat oder verließ, wurde genau beobachtet. Der Doktor sagte, er werde meine Kinder mitnehmen, falls sie nicht die Verantwortung für sie übernehme; was sie natürlich bereitwillig tat. Der nächste Tag wurde mit Suchen verbracht. Vor Einbruch der Nacht wurde an jeder Ecke und an jedem öffentlichen Platz meilenweit im Umkreis die folgende Anzeige ausgehängt:—
„$300 Belohnung! Weggelaufen von dem Unterzeichneten, ein intelligentes, hellhäutiges Mulattenmädchen namens Linda, 21 Jahre alt. Fünf Fuß vier Zoll groß. Dunkle Augen und schwarzes Haar, das zum Locken neigt; es kann aber glatt gemacht werden. Hat einen kariösen Fleck an einem Vorderzahn. Sie kann lesen und schreiben und wird aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen, in die Freien Staaten zu gelangen. Allen Personen ist es bei Strafe des Gesetzes untersagt, die besagte Sklavin zu beherbergen oder zu beschäftigen. $150 werden demjenigen gezahlt, der sie innerhalb des Staates fängt, und $300, wenn sie außerhalb des Staates gefasst und mir übergeben oder ins Gefängnis eingeliefert wird.
Dr. Flint.“
XVIII. Monate der Gefahr.
Die Suche nach mir wurde mit mehr Ausdauer fortgesetzt, als ich erwartet hatte. Ich begann zu denken, dass eine Flucht unmöglich sei. Ich war in großer Sorge, dass ich die Freundin, die mich beherbergte, mit hineinziehen könnte. Ich wusste, die Folgen wären schrecklich; und so sehr ich es fürchtete, gefasst zu werden, schien selbst das besser, als zuzulassen, dass eine unschuldige Person für ihre Freundlichkeit mir gegenüber leiden musste. Eine Woche war in schrecklicher Ungewissheit vergangen, als meine Verfolger in so nahe Umgebung kamen, dass ich schloss, sie hätten mich bis zu meinem Versteck aufgespürt. Ich floh aus dem Haus und versteckte mich in einem Gebüsch. Dort verharrte ich zwei Stunden lang in Todesangst. Plötzlich packte mich ein Reptil irgendeiner Art am Bein. Vor Schreck schlug ich zu, was seinen Griff lockerte, aber ich konnte nicht sagen, ob ich es getötet hatte; es war so dunkel, ich konnte nicht sehen, was es war; ich wusste nur, dass es etwas Kaltes und Schleimiges war. Der Schmerz, den ich fühlte, deutete bald darauf hin, dass der Biss giftig war. Ich war gezwungen, mein Versteck zu verlassen, und tastete mich zurück ins Haus. Der Schmerz war heftig geworden, und meine Freundin erschrak über meinen schmerzerfüllten Anblick. Ich bat sie, einen Umschlag aus warmer Asche und Essig zuzubereiten, und ich legte ihn auf mein Bein, das bereits stark geschwollen war. Die Anwendung verschaffte mir etwas Linderung, aber die Schwellung ging nicht zurück. Die Angst, arbeitsunfähig zu werden, war größer als der körperliche Schmerz, den ich ertrug. Meine Freundin fragte eine alte Frau, die unter den Sklaven als Ärztin fungierte, was gut gegen den Biss einer Schlange oder Eidechse sei. Sie riet ihr, ein Dutzend Kupfermünzen über Nacht in Essig einzulegen und den vergrünten Essig auf die entzündete Stelle aufzutragen.[1]
[Fußnote 1: Das Gift einer Schlange ist eine starke Säure und wird durch starke Alkalien wie Pottasche, Ammoniak usw. neutralisiert. Die Indianer tragen gewöhnlich feuchte Asche auf oder tauchen das Gliedmaß in starke Lauge. Weiße Männer, die beim Bau von Eisenbahnen in schlangenreichen Gebieten beschäftigt sind, tragen oft Ammoniak als Gegenmittel bei sich.—HERAUSGEBER.]
Es war mir gelungen, vorsichtig einige Nachrichten an meine Verwandten zu übermitteln. Sie wurden scharf bedroht, und da sie verzweifelten, dass ich eine Chance zur Flucht hätte, rieten sie mir, zu meinem Herrn zurückzukehren, ihn um Vergebung zu bitten und ihn ein Exempel an mir statuieren zu lassen. Aber ein solcher Rat hatte keinen Einfluss auf mich. Als ich dieses gefährliche Unternehmen begann, hatte ich mir fest vorgenommen, dass es kein Zurück mehr geben sollte, komme was wolle. „Gib mir Freiheit oder gib mir den Tod“, war mein Motto. Als meine Freundin es einrichtete, meinen Verwandten die schmerzliche Lage mitzuteilen, in der ich mich seit vierundzwanzig Stunden befand, sagten sie nichts mehr davon, dass ich zu meinem Herrn zurückkehren solle. Etwas musste geschehen, und zwar schnell; aber wo sie Hilfe suchen sollten, wussten sie nicht. Gott in seiner Gnade erweckte eine „Freundin in der Not“.
Unter den Damen, die meine Großmutter kannten, war eine, die sie von Kindheit an kannte und ihr immer sehr freundschaftlich gesinnt war. Sie kannte auch meine Mutter und ihre Kinder und fühlte sich für sie interessiert. In dieser Krise kam sie zu Besuch zu meiner Großmutter, wie sie es nicht selten tat. Sie bemerkte den traurigen und besorgten Ausdruck in ihrem Gesicht und fragte, ob sie wisse, wo Linda sei und ob sie in Sicherheit sei. Meine Großmutter schüttelte den Kopf, ohne zu antworten. „Komm, Tante Martha“, sagte die freundliche Dame, „erzähl mir alles darüber. Vielleicht kann ich etwas tun, um dir zu helfen.“ Der Ehemann dieser Dame hielt viele Sklaven und kaufte und verkaufte Sklaven. Sie selbst hielt auch eine Anzahl auf ihren eigenen Namen; aber sie behandelte sie freundlich und wollte niemals zulassen, dass einer von ihnen verkauft wurde. Sie war anders als die Mehrheit der Ehefrauen von Sklavenhaltern. Meine Großmutter sah sie ernst an. Etwas im Ausdruck ihres Gesichts sagte: „Vertrau mir!“ Und sie vertraute ihr. Sie hörte aufmerksam den Einzelheiten meiner Geschichte zu und saß eine Weile nachdenklich da. Schließlich sagte sie: „Tante Martha, ich bedauere euch beide. Wenn du glaubst, dass es eine Chance gibt, dass Linda die Freien Staaten erreicht, werde ich sie für eine Zeit verstecken. Aber zuerst musst du mir feierlich versprechen, dass mein Name niemals erwähnt wird. Wenn eine solche Sache bekannt würde, würde es mich und meine Familie ruinieren. Niemand in meinem Haus darf davon wissen, außer der Köchin. Sie ist so treu, dass ich ihr mein eigenes Leben anvertrauen würde; und ich weiß, sie mag Linda. Es ist ein großes Wagnis; aber ich vertraue darauf, dass kein Schaden daraus entstehen wird. Lass Linda ausrichten, sie solle bereit sein, sobald es dunkel ist, bevor die Patrouillen unterwegs sind. Ich werde die Dienstmädchen mit Besorgungen ausschicken, und Betty soll Linda treffen.“ Der Ort, an dem wir uns treffen sollten, wurde bestimmt und vereinbart. Meine Großmutter war unfähig, der Dame für diese edle Tat zu danken; von ihren Gefühlen überwältigt, sank sie auf die Knie und schluchzte wie ein Kind.
Ich erhielt die Nachricht, das Haus meiner Freundin zu einer bestimmten Stunde zu verlassen und an einen bestimmten Ort zu gehen, wo eine Freundin auf mich warten würde. Aus Gründen der Vorsicht wurden keine Namen genannt. Ich hatte keine Möglichkeit zu vermuten, wen ich treffen würde oder wohin ich ging. Es gefiel mir nicht, so blindlings vorzugehen, aber ich hatte keine Wahl. Es ging nicht an, dass ich blieb, wo ich war. Ich verkleidete mich, fasste Mut, um dem Schlimmsten zu begegnen, und ging zum vereinbarten Ort. Meine Freundin Betty war dort; sie war die letzte Person, die ich zu sehen erwartet hatte. Wir eilten schweigend dahin. Der Schmerz in meinem Bein war so heftig, dass es schien, als würde ich gleich umfallen; aber die Angst gab mir Kraft. Wir erreichten das Haus und traten unbemerkt ein. Ihre ersten Worte waren: „Schätzchen, jetzt bist du sicher. Diese Teufel kommen nicht, um dieses Haus zu durchsuchen. Wenn ich dich an den sicheren Platz der Herrin gebracht habe, bringe ich ein schönes warmes Abendessen. Ich nehme an, du brauchst es nach all der Angst.“ Bettys Beruf führte dazu, dass sie das Essen für die wichtigste Sache im Leben hielt. Sie erkannte nicht, dass mein Herz zu voll war, als dass ich mich viel um das Abendessen hätte kümmern können.
Die Herrin kam, um uns zu empfangen, und führte mich die Treppe hinauf in ein kleines Zimmer über ihrem eigenen Schlafzimmer. „Hier bist du sicher, Linda“, sagte sie; „ich benutze diesen Raum, um Dinge aufzubewahren, die nicht gebraucht werden. Die Mädchen sind es nicht gewohnt, dorthin geschickt zu werden, und sie werden keinen Verdacht schöpfen, sofern sie nicht irgendein Geräusch hören. Ich halte es immer verschlossen, und Betty soll sich um den Schlüssel kümmern. Aber du musst sehr vorsichtig sein, mir zuliebe wie auch dir selbst zuliebe; und du darfst niemals mein Geheimnis verraten, denn es würde mich und meine Familie ins Verderben stürzen. Ich werde die Mädchen am Morgen beschäftigt halten, damit Betty eine Gelegenheit hat, dir dein Frühstück zu bringen; aber für sie ist es nicht ratsam, vor Einbruch der Nacht noch einmal zu dir zu kommen. Ich werde dich manchmal besuchen. Bewahre deinen Mut. Ich hoffe, dieser Zustand wird nicht lange anhalten.“ Betty kam mit dem „schönen warmen Abendessen“, und die Herrin eilte die Treppe hinunter, um die Dinge in Ordnung zu halten, bis sie zurückkehrte. Wie mein Herz vor Dankbarkeit überfloss! Die Worte blieben mir im Halse stecken; doch ich hätte die Füße meiner Wohltäterin küssen können. Möge Gott sie für diese Tat christlicher Menschlichkeit für immer segnen!
Ich schlief in jener Nacht mit dem Gefühl ein, dass ich vorerst die glücklichste Sklavin in der Stadt war. Der Morgen kam und erfüllte meine kleine Zelle mit Licht. Ich dankte dem himmlischen Vater für diesen sicheren Zufluchtsort. Gegenüber meinem Fenster befand sich ein Stapel Federbetten. Oben darauf konnte ich mich vollkommen verborgen hinlegen und die Straße überblicken, durch die Dr. Flint zu seinem Büro ging. So besorgt ich auch war, ein Schimmer der Zufriedenheit durchlief mich, wenn ich ihn sah. Bis hierher hatte ich ihn überlistet, und ich triumphierte darüber. Wer kann es Sklaven verübeln, wenn sie schlau sind? Sie sind ständig dazu gezwungen, darauf zurückzugreifen. Es ist die einzige Waffe der Schwachen und Unterdrückten gegen die Stärke ihrer Tyrannen.
Ich hoffte täglich zu hören, dass mein Herr meine Kinder verkauft hätte; denn ich wusste, wer auf der Lauer lag, um sie zu kaufen. Aber Dr. Flint war Rache wichtiger als Geld. Mein Bruder William und die gute Tante, die zwanzig Jahre in seiner Familie gedient hatte, sowie mein kleiner Benny und Ellen, die etwas über zwei Jahre alt war, wurden ins Gefängnis geworfen, als Mittel, um meine Verwandten zu zwingen, Informationen über mich preiszugeben. Er schwor, meine Großmutter dürfe keinen von ihnen jemals wiedersehen, bis ich zurückgebracht sei. Sie hielten diese Tatsachen mehrere Tage vor mir geheim. Als ich hörte, dass meine Kleinen in einem abscheulichen Gefängnis waren, war mein erster Impuls, zu ihnen zu gehen. Ich ertrug Gefahren, um sie zu befreien, und sollte ich nun die Ursache ihres Todes sein? Der Gedanke war qualvoll. Meine Wohltäterin versuchte mich zu beruhigen, indem sie mir sagte, meine Tante würde sich gut um die Kinder kümmern, solange sie im Gefängnis blieben. Aber es vermehrte meinen Schmerz, zu denken, dass die gute alte Tante, die immer so freundlich zu den verwaisten Kindern ihrer Schwester gewesen war, in ein Gefängnis gesperrt wurde, nur wegen des Verbrechens, sie zu lieben. Ich vermute, meine Freunde fürchteten eine unbesonnene Handlung meinerseits, da sie wussten, dass mein Leben an meine Kinder gebunden war. Ich erhielt einen Zettel von meinem Bruder William. Er war kaum leserlich und lautete so: „Wo immer du auch bist, liebe Schwester, ich flehe dich an, nicht hierher zu kommen. Uns allen geht es viel besser als dir. Wenn du kommst, wirst du uns alle ins Verderben stürzen. Sie würden dich zwingen zu sagen, wo du gewesen bist, oder sie würden dich töten. Befolge den Rat deiner Freunde; wenn nicht meinetwegen und wegen deiner Kinder, dann wenigstens um derentwillen, die du ins Verderben stürzen würdest.“
Armer William! Auch er muss dafür leiden, mein Bruder zu sein. Ich befolgte seinen Rat und verhielt mich ruhig. Meine Tante wurde nach einem Monat aus dem Gefängnis entlassen, weil Mrs. Flint nicht länger auf sie verzichten konnte. Sie war es leid, ihre eigene Haushälterin zu sein. Es war nur allzu anstrengend, ihr Abendessen zu bestellen und es auch noch selbst zu essen. Meine Kinder blieben im Gefängnis, wo Bruder William alles in seiner Macht Stehende für ihr Wohlbefinden tat. Betty besuchte sie manchmal und brachte mir Neuigkeiten. Es war ihr nicht gestattet, das Gefängnis zu betreten; aber William hob sie vor das vergitterte Fenster, während sie mit ihnen plauderte. Wenn sie mir ihr Geplapper wiedergab und mir erzählte, wie sehr sie ihre Mama sehen wollten, flossen meine Tränen. Die alte Betty rief dann aus: „Ach was, Kind! Weswegen weinst du denn? Diese Kleinen bringen dich noch um. Sei nicht so weichherzig! Wenn du das tust, wirst du es in dieser Welt nie zu etwas bringen.“
Gute alte Seele! Sie war kinderlos durchs Leben gegangen. Sie hatte niemals Kleine gehabt, die ihre Arme um ihren Hals schlangen; sie hatte niemals ihre sanften Augen in die ihren blicken sehen; keine süßen kleinen Stimmen hatten sie Mutter gerufen; sie hatte niemals ihre eigenen Säuglinge an ihr Herz gedrückt, mit dem Gefühl, dass es selbst in Fesseln etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt. Wie konnte sie meine Gefühle nachempfinden? Bettys Mann liebte Kinder sehr und fragte sich, warum Gott sie ihm verwehrt hatte. Er drückte sein großes Leid aus, als er zu Betty mit der Nachricht kam, dass Ellen aus dem Gefängnis geholt und zu Dr. Flint gebracht worden war. Sie hatte kurz bevor sie sie ins Gefängnis brachten die Masern gehabt, und die Krankheit hatte ihre Augen in Mitleidenschaft gezogen. Der Doktor hatte sie mit nach Hause genommen, um sich um sie zu kümmern. Meine Kinder hatten immer Angst vor dem Doktor und seiner Frau gehabt. Sie waren niemals in ihrem Haus gewesen. Die arme kleine Ellen weinte den ganzen Tag, um wieder ins Gefängnis zurückgebracht zu werden. Die Instinkte der Kindheit sind wahr. Sie wusste, dass sie im Gefängnis geliebt wurde. Ihr Schreien und Schluchzen nervte Mrs. Flint. Vor Einbruch der Nacht rief sie einen der Sklaven und sagte: „Hier, Bill, bring diese Göre zurück ins Gefängnis. Ich halte ihr Lärmen nicht aus. Wenn sie still wäre, würde ich die kleine Göre vielleicht behalten. Sie wäre später einmal ein praktisches Dienstmädchen für meine Tochter. Aber wenn sie hier bliebe, mit ihrem weißen Gesicht, würde ich sie wohl entweder umbringen oder verderben. Ich hoffe, der Doktor verkauft sie so weit weg, wie Wind und Wasser sie tragen können. Was ihre Mutter angeht, so wird ihre Gnaden noch herausfinden, was sie davon hat, davonzulaufen. Sie hat nicht so viel Gefühl für ihre Kinder wie eine Kuh für ihr Kalb. Hätte sie es, wäre sie schon längst zurückgekommen, um sie aus dem Gefängnis zu holen und all diese Kosten und Mühen zu ersparen. Das nichtsnutzige Luder! Wenn sie gefasst wird, soll sie ein halbes Jahr lang in Ketten im Gefängnis bleiben und dann auf eine Zuckerplantage verkauft werden. Ich werde sie schon noch brechen sehen. Was stehst du da, Bill? Warum gehst du nicht mit der Göre? Und pass auf, dass keiner der Nigger auf der Straße mit ihr spricht!“
Als mir diese Bemerkungen zugetragen wurden, lächelte ich über Mrs. Flints Aussage, sie würde mein Kind entweder umbringen oder verderben. Ich dachte bei mir, dass es kaum eine Gefahr für Letzteres gäbe. Ich habe es immer als eine von Gottes besonderen Vorsehungen betrachtet, dass Ellen so lange schrie, bis sie zurück ins Gefängnis gebracht wurde.
Noch in derselben Nacht wurde Dr. Flint zu einem Patienten gerufen und kehrte erst gegen Morgen zurück. Als er an meiner Großmutter Haus vorbeiging, sah er Licht im Haus und dachte bei sich: „Vielleicht hat das etwas mit Linda zu tun.“ Er klopfte, und die Tür wurde geöffnet. „Was lässt Sie so früh aufstehen?“, sagte er. „Ich sah Ihr Licht und dachte, ich würde nur kurz anhalten und Ihnen sagen, dass ich herausgefunden habe, wo Linda ist. Ich weiß, wo ich sie finden kann, und ich werde sie vor zwölf Uhr haben.“ Als er sich abgewandt hatte, sahen sich meine Großmutter und mein Onkel besorgt an. Sie wussten nicht, ob es nur einer der Tricks des Doktors war, um sie zu erschrecken. In ihrer Ungewissheit hielten sie es für das Beste, meiner Freundin Betty eine Nachricht zukommen zu lassen. Da Betty ihre Herrin nicht beunruhigen wollte, beschloss sie, mich selbst unterzubringen. Sie kam zu mir und sagte mir, ich solle aufstehen und mich schnell anziehen. Wir eilten die Treppe hinunter und über den Hof in die Küche. Sie schloss die Tür ab und hob eine Diele im Boden an. Ein Büffelfell und ein Stück Teppich wurden für mich ausgebreitet, damit ich darauf liegen konnte, und eine Steppdecke wurde über mich geworfen. „Bleib da“, sagte sie, „bis ich sehe, ob die was von dir wissen. Die sagen, die kriegen dich vor zwölf Uhr in die Finger. Wenn die auch wüssten, wo du bist, jetzt wissen sie’s nicht mehr. Diesmal werden sie enttäuscht sein. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe. Wenn die anfangen, in meinen Sachen zu wühlen, kriegen die von dieser Niggerin ein ordentliches Donnerwetter zu hören.“ In meinem flachen Lager hatte ich gerade genug Platz, um meine Hände an mein Gesicht zu führen, damit ich keinen Staub in die Augen bekam; denn Betty lief zwanzigmal in der Stunde über mich hinweg, wenn sie vom Anrichtetisch zum Kamin ging. Wenn sie allein war, konnte ich hören, wie sie Flüche über Dr. Flint und seine ganze Sippschaft aussprach, wobei sie ab und zu mit einem glucksenden Lachen sagte: „Diese Niggerin ist diesmal zu schlau für die.“ Wenn die Hausmädchen in der Nähe waren, hatte sie verschlagene Arten, sie auszufragen, damit ich hören konnte, was sie sagten. Sie erzählte Geschichten nach, die sie gehört hatte, darüber, dass ich an diesem, jenem oder einem anderen Ort sei. Worauf sie antworteten, dass ich nicht dumm genug sei, um in der Nähe zu bleiben; dass ich bis jetzt schon längst in Philadelphia oder New York sei. Als alle im Bett und eingeschlafen waren, hob Betty die Diele an und sagte: „Komm raus, Kind; komm raus. Die wissen gar nichts von dir. Das war nur das Lügen der Weißen, um den Niggern Angst einzujagen.“
Einige Tage nach diesem Abenteuer hatte ich einen noch viel schlimmeren Schrecken. Während ich ganz still in meinem Versteck oben saß, schwebten heitere Visionen durch meinen Geist. Ich dachte, Dr. Flint würde bald entmutigt werden und bereit sein, meine Kinder zu verkaufen, wenn er alle Hoffnung verlor, sie als Mittel zu meiner Entdeckung zu benutzen. Ich wusste, wer bereit war, sie zu kaufen. Plötzlich hörte ich eine Stimme, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Klang war mir nur zu vertraut, er war zu schrecklich gewesen, als dass ich nicht sofort meinen alten Herrn erkannt hätte. Er war im Haus, und ich schloss sofort, dass er gekommen war, um mich zu ergreifen. Ich sah mich voller Terror um. Es gab keinen Ausweg. Die Stimme entfernte sich. Ich vermutete, der Polizist sei bei ihm und sie würden das Haus durchsuchen. In meiner Alarmbereitschaft vergaß ich nicht das Unglück, das ich meiner großzügigen Wohltäterin bereitete. Es schien, als sei ich dazu geboren, allen, die mir freundlich gesonnen waren, Kummer zu bringen, und das war der bitterste Tropfen im bitteren Becher meines Lebens. Nach einer Weile hörte ich Schritte herannahen; der Schlüssel wurde in meiner Tür umgedreht. Ich stemmte mich gegen die Wand, um nicht zu fallen. Ich wagte aufzublicken, und da stand meine gütige Wohltäterin allein. Ich war zu sehr überwältigt, um zu sprechen, und sank auf den Boden.
„Ich dachte, du würdest die Stimme deines Herrn hören“, sagte sie; „und da ich wusste, dass du verängstigt sein würdest, kam ich, um dir zu sagen, dass es keinen Grund zur Furcht gibt. Du kannst dir sogar erlauben, auf Kosten des alten Herrn zu lachen. Er ist sich so sicher, dass du in New York bist, dass er gekommen ist, um fünfhundert Dollar zu leihen, um die Verfolgung aufzunehmen. Meine Schwester hatte etwas Geld gegen Zinsen zu verleihen. Er hat es bekommen und plant, heute Nacht nach New York aufzubrechen. Also siehst du, dass du vorerst sicher bist. Der Doktor wird lediglich seinen Geldbeutel erleichtern, während er nach dem Vogel jagt, den er längst zurückgelassen hat.“
XIX. Die Kinder verkauft.
Der Doktor kehrte aus New York zurück, natürlich ohne sein Ziel erreicht zu haben. Er hatte beträchtlich Geld ausgegeben und war ziemlich entmutigt. Mein Bruder und die Kinder waren nun zwei Monate im Gefängnis, und auch das verursachte einige Kosten. Meine Freunde dachten, es sei eine günstige Zeit, auf seine entmutigten Gefühle einzuwirken. Mr. Sands schickte einen Spekulanten, um ihm neunhundert Dollar für meinen Bruder William und achthundert für die beiden Kinder zu bieten. Das waren hohe Preise, wie Sklaven damals verkauft wurden; aber das Angebot wurde zurückgewiesen. Wäre es nur eine Frage des Geldes gewesen, hätte der Doktor jeden Jungen in Bennys Alter für zweihundert Dollar verkauft; aber er konnte es nicht ertragen, die Macht zur Rache aufzugeben. Doch er war wegen Geldes stark unter Druck, und er wälzte die Angelegenheit in seinem Kopf hin und her. Er wusste, wenn er Ellen behalten könnte, bis sie fünfzehn wäre, könnte er sie für einen hohen Preis verkaufen; aber ich nehme an, er überlegte, dass sie sterben oder gestohlen werden könnte. Jedenfalls kam er zu dem Schluss, dass es besser sei, das Angebot des Sklavenhändlers anzunehmen. Als er ihn auf der Straße traf, erkundigte er sich, wann er die Stadt verlassen würde. „Heute um zehn Uhr“, antwortete er. „Ah, reisen Sie so bald?“, sagte der Doktor; „Ich habe über Ihren Vorschlag nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, Ihnen die drei Neger zu überlassen, wenn Sie neunzehnhundert Dollar sagen.“ Nach einigem Feilschen stimmte der Händler seinen Bedingungen zu. Er wollte, dass der Kaufvertrag sofort aufgesetzt und unterzeichnet wurde, da er während der kurzen Zeit, die er in der Stadt blieb, eine Menge zu erledigen hatte. Der Doktor ging zum Gefängnis und sagte William, er würde ihn wieder in seinen Dienst nehmen, wenn er verspräche, sich zu benehmen; aber er antwortete, er wolle lieber verkauft werden. „Und du sollst verkauft werden, du undankbarer Schurke!“, rief der Doktor. In weniger als einer Stunde war das Geld bezahlt, die Papiere waren unterzeichnet, versiegelt und übergeben, und mein Bruder und meine Kinder waren in den Händen des Händlers.
Es war ein hastiges Geschäft; und nachdem es vorbei war, kehrte die charakteristische Vorsicht des Doktors zurück. Er ging zurück zu dem Spekulanten und sagte: „Sir, ich bin gekommen, um Sie zu einer Verpflichtung von tausend Dollar zu bewegen, keinen dieser Neger in diesem Staat zu verkaufen.“ „Sie kommen zu spät“, erwiderte der Händler; „unser Handel ist abgeschlossen.“ Er hatte sie tatsächlich bereits an Mr. Sands verkauft, aber das erwähnte er nicht. Der Doktor verlangte von ihm, „diesem Schurken Bill“ Eisen anzulegen und durch die Hinterstraßen zu ziehen, wenn er seine Bande aus der Stadt führte. Der Händler wurde unter vier Augen angewiesen, seinen Wünschen nachzugeben. Meine gute alte Tante ging zum Gefängnis, um sich von den Kindern zu verabschieden, in der Annahme, sie seien Eigentum des Spekulanten und sie würde sie niemals wiedersehen. Als sie Benny auf ihrem Schoß hielt, sagte er: „Tante Nancy, ich möchte dir etwas zeigen.“ Er führte sie zur Tür und zeigte ihr eine lange Reihe von Strichen, wobei er sagte: „Onkel Will hat mir das Zählen beigebracht. Ich habe für jeden Tag, den ich hier war, einen Strich gemacht, und es sind sechzig Tage. Es ist eine lange Zeit; und der Spekulant will mich und Ellen mitnehmen. Er ist ein schlechter Mann. Es ist falsch von ihm, die Kinder der Großmutter mitzunehmen. Ich möchte zu meiner Mutter.“
Meiner Großmutter wurde gesagt, dass die Kinder ihr zurückgegeben würden, aber man bat sie, sich so zu verhalten, als würden sie tatsächlich fortgeschickt werden. Dementsprechend packte sie ein Bündel Kleider und ging zum Gefängnis. Als sie ankam, fand sie William mit Handschellen unter der Bande und die Kinder im Karren des Händlers. Die Szene schien zu sehr der Wirklichkeit zu entsprechen. Sie hatte Angst, es könnte eine Täuschung oder ein Irrtum vorliegen. Sie fiel in Ohnmacht und wurde nach Hause getragen.
Als der Wagen vor dem Hotel hielt, kamen mehrere Gentlemen heraus und boten an, William zu kaufen, aber der Händler lehnte ihre Angebote ab, ohne zu erwähnen, dass er bereits verkauft war. Und nun kam die schwere Stunde für diese Herde von Menschenwesen, die wie Vieh fortgetrieben wurden, um verkauft zu werden, wohin sie nicht wussten. Ehemänner wurden von Ehefrauen, Eltern von Kindern gerissen, um sich nie wieder auf dieser Seite des Grabes zu sehen. Es gab ein Ringen der Hände und Schreie der Verzweiflung.
Dr. Flint hatte die höchste Genugtuung, den Wagen die Stadt verlassen zu sehen, und Mrs. Flint hatte die Befriedigung, anzunehmen, dass meine Kinder „so weit weg gingen, wie Wind und Wasser sie tragen konnten“. Vereinbarungsgemäß folgte mein Onkel dem Wagen einige Meilen, bis sie zu einem alten Bauernhaus kamen. Dort nahm der Händler William die Eisen ab, und während er das tat, sagte er: „Du bist ein verdammt pfiffiger Kerl. Ich würde dich selbst gerne besitzen. Die Gentlemen, die dich kaufen wollten, sagten, du seist ein aufgeweckter, ehrlicher Bursche, und ich müsse dir ein gutes Zuhause besorgen. Ich wette, dein alter Herr wird morgen fluchen und sich einen alten Narren schimpfen, weil er die Kinder verkauft hat. Ich glaube, er wird ihre Mama nie wieder zurückkriegen. Ich vermute, sie hat sich Richtung Norden aus dem Staub gemacht. Leb wohl, alter Junge. Denk dran, ich habe dir einen guten Dienst erwiesen. Du musst mir danken, indem du alle hübschen Mädels überredest, nächsten Herbst mit mir zu kommen. Das wird meine letzte Reise sein. Dieser Handel mit Niggern ist ein schlechtes Geschäft für einen Kerl, der ein Herz hat. Weitergehen, ihr Leute!“ Und die Bande zog weiter, nur Gott weiß wohin.
So sehr ich die Klasse der Sklavenhändler verachte und verabscheue, die ich für die niederträchtigsten Kreaturen auf Erden halte, muss ich diesem Mann die Gerechtigkeit widerfahren lassen, zu sagen, dass er ein gewisses Gefühl zu haben schien. Er hatte im Gefängnis Gefallen an William gefunden und wollte ihn kaufen. Als er die Geschichte meiner Kinder hörte, war er bereit, ihnen dabei zu helfen, aus der Gewalt von Dr. Flint zu gelangen, sogar ohne die übliche Gebühr zu verlangen.
Mein Onkel besorgte einen Wagen und brachte William und die Kinder zurück in die Stadt. Groß war die Freude im Haus meiner Großmutter! Die Vorhänge wurden zugezogen und die Kerzen angezündet. Die glückliche Großmutter kuschelte die Kleinen an ihren Busen. Sie umarmten sie, küssten sie, klatschten in die Hände und jubelten. Sie kniete nieder und goss eines ihrer von Herzen kommenden Dankgebete an Gott aus. Der Vater war eine Weile anwesend; und obwohl eine solche „elterliche Beziehung“, wie sie zwischen ihm und meinen Kindern bestand, wenig Halt in den Herzen oder Gewissen der Sklavenhalter findet, muss es sein, dass er einige Momente reiner Freude erlebte, als er das Glück bezeugte, das er vermittelt hatte.
Ich hatte keinen Anteil an den Feierlichkeiten dieses Abends. Die Ereignisse des Tages waren nicht zu meinem Wissen gelangt. Und nun werde ich Ihnen etwas erzählen, das mir widerfahren ist; obwohl Sie vielleicht denken werden, es illustriere den Aberglauben der Sklaven. Ich saß an meinem gewohnten Platz auf dem Boden in der Nähe des Fensters, wo ich vieles, was auf der Straße gesagt wurde, hören konnte, ohne gesehen zu werden. Die Familie hatte sich für die Nacht zurückgezogen, und alles war still. Ich saß dort und dachte an meine Kinder, als ich einen leisen Musikklang hörte. Eine Gruppe von Musikanten stand unter dem Fenster und spielte „Home, sweet home“. Ich hörte zu, bis die Klänge nicht mehr wie Musik klangen, sondern wie das Wimmern von Kindern. Es schien, als würde mein Herz zerspringen. Ich erhob mich aus meiner Sitzhaltung und kniete nieder. Ein Mondstrahl lag auf dem Boden vor mir, und inmitten dessen erschienen die Gestalten meiner beiden Kinder. Sie verschwanden; aber ich hatte sie deutlich gesehen. Manche werden es einen Traum nennen, andere eine Vision. Ich weiß nicht, wie ich es mir erklären soll, aber es hinterließ einen starken Eindruck in meinem Geist, und ich fühlte mich sicher, dass meinen Kleinen etwas zugestoßen war.
Ich hatte Betty seit dem Morgen nicht mehr gesehen. Nun hörte ich, wie sie leise den Schlüssel umdrehte. Sobald sie eintrat, klammerte ich mich an sie und flehte sie an, mich wissen zu lassen, ob meine Kinder tot oder ob sie verkauft worden waren; denn ich hatte ihre Geister in meinem Zimmer gesehen und war mir sicher, dass ihnen etwas zugestoßen war. „Lor, Kind“, sagte sie und legte ihre Arme um mich, „du hast die Hysterie. Ich schlafe heute Nacht bei dir, denn du wirst Lärm machen und die Herrin ruinieren. Irgendetwas hat dich gewaltig aufgewühlt. Wenn du mit dem Weinen fertig bist, werde ich mit dir reden. Den Kindern geht es gut, und sie sind sehr glücklich. Ich habe sie selbst gesehen. Stellt dich das zufrieden? So, Kind, sei still! Jemand wird dich hören.“ Ich versuchte, ihr zu gehorchen. Sie legte sich nieder und war bald tief eingeschlafen; doch wollte kein Schlaf an meine Augenlider kommen.
Im Morgengrauen war Betty auf und fort in die Küche. Die Stunden vergingen, und die Vision der Nacht kehrte ständig in meine Gedanken zurück. Nach einer Weile hörte ich die Stimmen zweier Frauen im Flur. In einer von ihnen erkannte ich das Hausmädchen. Die andere sagte zu ihr: „Wusstest du, dass Linda Brents Kinder gestern an den Spekulanten verkauft wurden? Man sagt, der alte Herr Flint sei sehr froh gewesen, sie aus der Stadt getrieben zu sehen; aber es heißt, sie seien wieder zurück. Ich vermute, das ist alles das Werk ihres Vaters. Man sagt, er habe auch William gekauft. Lor! Wie das den alten Herrn Flint treffen wird! Ich gehe zu Tante Marthy, um nach dem Rechten zu sehen.“
Ich biss mir auf die Lippen, bis Blut kam, um nicht aufzuschreien. Waren meine Kinder bei ihrer Großmutter, oder hatte der Spekulant sie fortgebracht? Das Bangen war schrecklich. Wollte Betty denn nie kommen und mir die Wahrheit darüber sagen? Endlich kam sie, und ich wiederholte begierig, was ich mit angehört hatte. Ihr Gesicht war ein einziges breites, strahlendes Lächeln. „Lor, du törichtes Ding!“, sagte sie. „Ich werde dir alles darüber erzählen. Die Mädchen essen ihr Frühstück, und die Herrin sagte mir, ich solle sie es dir sagen lassen; aber, armes Geschöpf! Es ist nicht recht, dich warten zu lassen, und ich werde es dir sagen. Bruder, Kinder, alle sind vom Vater gekauft! Ich habe mehr als genug gelacht, als ich an den alten Herrn Flint dachte. Lor, wie er fluchen wird! Er wurde diesmal erwischt, wie dem auch sei; aber ich muss hier weg, sonst kommen diese Mädchen und erwischen mich.“
Betty ging lachend davon; und ich sagte zu mir selbst: „Kann es wahr sein, dass meine Kinder frei sind? Ich habe nicht umsonst für sie gelitten. Gott sei Dank!“
Große Überraschung wurde bekundet, als bekannt wurde, dass meine Kinder zur Großmutter zurückgekehrt waren. Die Nachricht verbreitete sich in der Stadt, und viele freundliche Worte wurden den Kleinen zuteil.
Dr. Flint ging zu meiner Großmutter, um zu ermitteln, wer der Eigentümer meiner Kinder sei, und sie informierte ihn. „Das habe ich mir gedacht“, sagte er. „Es freut mich, das zu hören. Ich habe in letzter Zeit Nachrichten von Linda erhalten, und ich werde sie bald haben. Du brauchst niemals zu erwarten, sie frei zu sehen. Sie soll meine Sklavin sein, solange ich lebe, und wenn ich tot bin, soll sie die Sklavin meiner Kinder sein. Wenn ich jemals herausfinde, dass du oder Phillip etwas mit ihrem Weglaufen zu tun hattet, werde ich ihn töten. Und wenn ich William auf der Straße treffe und er es wagt, mich anzusehen, werde ich ihn bis auf einen Zoll seines Lebens auspeitschen. Halte diese Gören aus meinen Augen!“
Als er sich zum Gehen wandte, sagte meine Großmutter etwas, um ihn an sein eigenes Tun zu erinnern. Er sah zu ihr zurück, als wäre er froh gewesen, sie zu Boden zu schlagen.
Ich hatte meine Zeit der Freude und des Dankes. Es war das erste Mal seit meiner Kindheit, dass ich wirkliches Glück empfunden hatte. Ich hörte von den Drohungen des alten Doktors, aber sie hatten nicht mehr die gleiche Macht, mich zu beunruhigen. Die dunkelste Wolke, die über meinem Leben hing, hatte sich verzogen. Was auch immer die Sklaverei mir antun mochte, sie konnte meine Kinder nicht fesseln. Wenn ich ein Opfer fiel, waren meine Kleinen gerettet. Es war gut für mich, dass mein einfaches Herz alles glaubte, was für ihr Wohlergehen versprochen worden war. Es ist immer besser zu vertrauen als zu zweifeln.
XX. Neue Gefahren.
Der Doktor, mehr denn je aufgebracht, versuchte erneut, sich an meinen Verwandten zu rächen. Er verhaftete Onkel Phillip unter dem Vorwurf, meine Flucht unterstützt zu haben. Er wurde vor ein Gericht gebracht und schwor wahrheitsgemäß, dass er nichts von meiner Absicht zu fliehen wusste und dass er mich nicht gesehen hatte, seit ich die Plantage meines Herrn verlassen hatte. Der Doktor verlangte dann, dass er eine Kaution von fünfhundert Dollar hinterlege, dass er nichts mit mir zu tun haben würde. Mehrere Herren boten an, für ihn zu bürgen; aber Mr. Sands sagte ihm, er solle besser ins Gefängnis zurückkehren, und er würde dafür sorgen, dass er ohne Kaution herauskäme.
Die Nachricht von seiner Verhaftung wurde meiner Großmutter überbracht, die sie an Betty weitergab. In der Güte ihres Herzens versteckte sie mich wieder unter dem Boden; und während sie ihren kulinarischen Pflichten nachgehend hin und her ging, sprach sie scheinbar zu sich selbst, aber mit der Absicht, dass ich hörte, was vorging. Ich hoffte, dass die Inhaftierung meines Onkels nur wenige Tage dauern würde; dennoch war ich besorgt. Ich hielt es für wahrscheinlich, dass Dr. Flint sein Äußerstes tun würde, um ihn zu verspotten und zu beleidigen, und ich hatte Angst, dass mein Onkel die Beherrschung verlieren und auf eine Weise erwidern könnte, die als strafbares Vergehen ausgelegt würde; und ich war mir wohl bewusst, dass sein Wort vor Gericht nicht gegen das eines weißen Mannes zählen würde. Die Suche nach mir wurde wieder aufgenommen. Etwas hatte den Verdacht erregt, dass ich in der Nähe sei. Sie durchsuchten das Haus, in dem ich war. Ich hörte ihre Schritte und ihre Stimmen. Nachts, als alle schliefen, kam Betty, um mich aus meinem Gefängnis zu befreien. Der Schreck, den ich durchgemacht hatte, die gezwungene Haltung und die Feuchtigkeit des Bodens machten mich für mehrere Tage krank. Mein Onkel wurde kurz darauf aus dem Gefängnis entlassen; aber die Bewegungen all meiner Verwandten und all unserer Freunde wurden sehr genau beobachtet.
Wir alle sahen, dass ich nicht mehr lange dort bleiben konnte. Ich war bereits länger geblieben als beabsichtigt, und ich wusste, dass meine Anwesenheit eine Quelle ständiger Sorge für meine gütige Wohltäterin sein musste. Während dieser Zeit hatten meine Freunde viele Pläne für meine Flucht geschmiedet, aber die äußerste Wachsamkeit meiner Verfolger machte es unmöglich, sie in die Tat umzusetzen.
Eines Morgens erschrak ich sehr, als ich hörte, wie jemand versuchte, in mein Zimmer zu gelangen. Mehrere Schlüssel wurden ausprobiert, aber keiner passte. Ich vermutete sofort, es sei eine der Hausmädchen; und ich kam zu dem Schluss, dass sie entweder ein Geräusch im Zimmer gehört oder den Eintritt von Betty bemerkt haben musste. Als meine Freundin zur gewohnten Zeit kam, erzählte ich ihr, was passiert war. „Ich weiß, wer es war“, sagte sie. „Verlass dich drauf, das war Jenny. Diese Niggerin hat immer den Teufel in sich.“ Ich äußerte die Vermutung, dass sie etwas gesehen oder gehört haben könnte, das ihre Neugier geweckt habe.
„Pah! Pah! Kind!“, rief Betty, „sie hat nichts gesehen und nichts gehört. Sie vermutet nur etwas. Das ist alles. Sie will herausfinden, wer mein Kleid zugeschnitten und genäht hat. Aber das wird sie niemals erfahren. Das ist sicher. Ich werde die Herrin dazu bringen, sie sich vorzuknöpfen.“
Ich dachte einen Moment nach und sagte: „Betty, ich muss heute Nacht hier weg.“
„Tu, was du für richtig hältst, armes Kind“, erwiderte sie. „Ich habe große Angst, dass diese Niggerin dich eines Tages überrascht.“
Sie berichtete den Vorfall ihrer Herrin und erhielt den Befehl, Jenny in der Küche zu beschäftigen, bis sie meinen Onkel Phillip sehen könne. Er sagte ihr, er werde noch am selben Abend einen Freund für mich schicken. Sie sagte ihm, sie hoffe, ich würde in den Norden gehen, denn es sei sehr gefährlich für mich, irgendwo in der Nähe zu bleiben. Ach, es war für jemanden in meiner Lage keine leichte Sache, in den Norden zu gehen. Um die Küste ganz für mich frei zu machen, fuhr sie aufs Land, um den Tag bei ihrem Bruder zu verbringen, und nahm Jenny mit. Sie hatte Angst, herzukommen und sich von mir zu verabschieden, aber sie hinterließ eine freundliche Nachricht bei Betty. Ich hörte ihre Kutsche vom Haus wegrollen, und ich sah sie nie wieder, die so großzügig die arme, zitternde Flüchtige unterstützt hatte! Obwohl sie eine Sklavenhalterin war, segnet mein Herz sie bis zum heutigen Tag!
Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wohin ich ging. Betty brachte mir einen Anzug mit Matrosenkleidung – Jacke, Hose und Südwester. Sie gab mir ein kleines Bündel und sagte, ich könnte es dort brauchen, wo ich hinginge. Mit fröhlicher Stimme rief sie aus: „Ich bin so froh, dass du in freie Landesteile gehst! Vergiss die alte Betty nicht. Vielleicht komme ich nach und nach auch noch dazu.“
Ich versuchte ihr zu sagen, wie dankbar ich für all ihre Güte war, aber sie unterbrach mich. „Ich will keinen Dank, Liebes. Ich bin froh, dass ich dir helfen konnte, und ich hoffe, der liebe Gott wird dir den Weg ebnen. Ich gehe mit dir bis zum unteren Tor. Steck deine Hände in die Taschen und geh schwankend, wie die Matrosen.“
Ich führte es zu ihrer Zufriedenheit aus. Am Tor fand ich Peter, einen jungen farbigen Mann, der auf mich wartete. Ich kannte ihn seit Jahren. Er war ein Lehrling meines Vaters gewesen und hatte immer einen guten Leumund gehabt. Ich hatte keine Angst, ihm zu vertrauen. Betty verabschiedete sich hastig von mir, und wir gingen los. „Fasse Mut, Linda“, sagte mein Freund Peter. „Ich habe einen Dolch, und kein Mensch soll dich mir wegnehmen, es sei denn, er geht über meine Leiche.“
Es war lange her, dass ich einen Spaziergang im Freien gemacht hatte, und die frische Luft belebte mich. Es war auch angenehm, eine menschliche Stimme zu hören, die mit mir über ein Flüstern hinaus sprach. Ich kam an mehreren Leuten vorbei, die ich kannte, aber sie erkannten mich in meiner Verkleidung nicht. Ich betete innerlich, dass um Peters willen, genau wie um meinetwillen, nichts geschehen möge, was seinen Dolch zum Vorschein bringen würde. Wir gingen weiter, bis wir zum Kai kamen. Der Ehemann meiner Tante Nancy war ein Seefahrer, und man hatte es für notwendig gehalten, ihn in unser Geheimnis einzuweihen. Er brachte mich in sein Boot, ruderte zu einem nicht weit entfernten Schiff und hievte mich an Bord. Wir drei waren die einzigen Insassen des Schiffes. Ich wagte nun zu fragen, was sie mit mir vorhätten. Sie sagten, ich solle bis kurz vor Sonnenaufgang an Bord bleiben, und dann würden sie mich im Snaky Swamp verstecken, bis mein Onkel Phillip einen Unterschlupf für mich vorbereitet hätte. Wenn das Schiff in den Norden bestimmt gewesen wäre, hätte es mir nichts genutzt, denn es wäre sicherlich durchsucht worden. Gegen vier Uhr saßen wir wieder im Boot und ruderten drei Meilen zum Sumpf. Meine Angst vor Schlangen war durch den giftigen Biss, den ich erhalten hatte, noch gewachsen, und ich scheute mich, diesen Versteckplatz zu betreten. Aber ich war in keiner Lage, zu wählen, und ich nahm dankbar das Beste an, was meine armen, verfolgten Freunde für mich tun konnten.
Peter landete zuerst und schnitt mit einem großen Messer einen Pfad durch Bambus und Dornengestrüpp aller Art. Er kam zurück, nahm mich in seine Arme und trug mich zu einem Sitz, der zwischen den Bambusrohren errichtet war. Bevor wir ihn erreichten, waren wir von Hunderten von Mücken bedeckt. Innerhalb einer Stunde hatten sie mein Fleisch so vergiftet, dass ich ein jämmerlicher Anblick war. Als das Licht zunahm, sah ich eine Schlange nach der anderen um uns herum kriechen. Ich war mein Leben lang an den Anblick von Schlangen gewöhnt gewesen, aber diese waren größer als alle, die ich je gesehen hatte. Noch heute schaudert es mich, wenn ich an jenen Morgen denke. Als der Abend nahte, nahm die Zahl der Schlangen so sehr zu, dass wir ständig gezwungen waren, mit Stöcken auf sie einzuschlagen, um sie davon abzuhalten, über uns zu kriechen. Der Bambus war so hoch und so dicht, dass es unmöglich war, über eine sehr kurze Entfernung hinauszusehen. Kurz bevor es dunkel wurde, suchten wir uns einen Sitzplatz näher am Eingang des Sumpfes, da wir fürchteten, den Rückweg zum Boot zu verlieren. Es dauerte nicht lange, bis wir das Plätschern von Rudern und das leise Pfeifen hörten, das als Signal vereinbart worden war. Wir beeilten uns, das Boot zu betreten, und wurden zurück zum Schiff gerudert. Ich verbrachte eine elende Nacht; denn die Hitze des Sumpfes, die Mücken und die ständige Angst vor Schlangen hatten ein brennendes Fieber hervorgerufen. Ich war gerade eingeschlafen, als sie kamen und mir sagten, es sei Zeit, in diesen schrecklichen Sumpf zurückzukehren. Ich konnte kaum den Mut aufbringen, aufzustehen. Aber selbst diese großen, giftigen Schlangen waren meiner Einbildungskraft weniger schrecklich als die weißen Männer in dieser Gemeinschaft, die sich zivilisiert nannte. Diesmal nahm Peter eine Menge Tabak zum Verbrennen mit, um die Mücken fernzuhalten. Bei ihnen erzielte es die gewünschte Wirkung, aber mir verursachte es Übelkeit und heftige Kopfschmerzen. Bei Einbruch der Dunkelheit kehrten wir zum Schiff zurück. Ich war während des Tages so krank gewesen, dass Peter erklärte, ich solle in dieser Nacht nach Hause gehen, selbst wenn der Teufel selbst auf Patrouille wäre. Sie sagten mir, ein Versteck sei bei meiner Großmutter für mich vorbereitet worden. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es möglich sein sollte, mich in ihrem Haus zu verstecken, dessen jeder Winkel der Familie Flint bekannt war. Sie sagten mir, ich solle abwarten und sehen. Wir wurden an Land gerudert und gingen mutig durch die Straßen zur Wohnung meiner Großmutter. Ich trug meine Matrosenkleidung und hatte mein Gesicht mit Holzkohle geschwärzt. Ich kam an mehreren Leuten vorbei, die ich kannte. Der Vater meiner Kinder kam so nahe, dass ich seinen Arm streifte; aber er hatte keine Ahnung, wer es war.
„Du musst diesen Spaziergang auskosten“, sagte mein Freund Peter, „denn du wirst vielleicht nicht so bald einen weiteren haben.“
Ich fand, seine Stimme klang traurig. Es war freundlich von ihm, mir zu verheimlichen, was für ein trostloses Loch mein Zuhause für eine lange, lange Zeit sein würde.
XXI. Das Schlupfloch.
Vor Jahren war ein kleiner Schuppen an das Haus meiner Großmutter angebaut worden. Einige Bretter waren oben quer über die Deckenbalken gelegt worden, und zwischen diesen Brettern und dem Dach befand sich ein sehr kleiner Dachboden, der nie von etwas anderem als Ratten und Mäusen bewohnt wurde. Es war ein Pultdach, das nur mit Schindeln gedeckt war, wie es im Süden für solche Gebäude üblich ist. Der Dachboden war nur neun Fuß lang und sieben Fuß breit. Der höchste Teil war drei Fuß hoch und neigte sich steil zu dem losen Bretterboden hinunter. Es gab keinen Zugang für Licht oder Luft. Mein Onkel Phillip, der Zimmermann war, hatte sehr geschickt eine verborgene Falltür gemacht, die mit dem Abstellraum in Verbindung stand. Er hatte dies getan, während ich im Sumpf wartete. Der Abstellraum führte auf eine Veranda. Zu diesem Loch wurde ich gebracht, sobald ich das Haus betrat. Die Luft war stickig; die Dunkelheit absolut. Ein Bett war auf dem Boden ausgebreitet worden. Ich konnte auf einer Seite ganz bequem schlafen; aber die Neigung war so plötzlich, dass ich mich nicht auf die andere drehen konnte, ohne gegen das Dach zu stoßen. Die Ratten und Mäuse rannten über mein Bett; aber ich war müde, und ich schlief den Schlaf, den die Elenden schlafen, wenn ein Sturm über sie hinweggezogen ist. Der Morgen kam. Ich wusste es nur durch die Geräusche, die ich hörte; denn in meiner kleinen Höhle waren Tag und Nacht gleich. Ich litt unter dem Mangel an Luft noch mehr als unter dem an Licht. Aber ich war nicht trostlos. Ich hörte die Stimmen meiner Kinder. In dem Klang lag Freude und Traurigkeit. Er ließ meine Tränen fließen. Wie sehnte ich mich danach, mit ihnen zu sprechen! Ich war begierig darauf, ihre Gesichter zu sehen; aber es gab kein Loch, keinen Riss, durch den ich hätte spähen können. Diese anhaltende Dunkelheit war bedrückend. Es schien schrecklich, Tag für Tag in einer verkrampften Haltung zu sitzen oder zu liegen, ohne einen einzigen Lichtstrahl. Doch hätte ich dies vorgezogen gegenüber meinem Los als Sklavin, auch wenn weiße Leute es für ein leichtes hielten; und verglichen mit dem Schicksal anderer war es das auch. Ich wurde nie grausam überarbeitet; ich wurde nie von Kopf bis Fuß mit der Peitsche zerfleischt; ich wurde nie so geschlagen und geprellt, dass ich mich nicht von einer Seite auf die andere drehen konnte; mir wurden nie die Fersensehnen durchgeschnitten, um mich am Weglaufen zu hindern; ich wurde nie an einen Baumstamm gekettet und gezwungen, ihn hinter mir herzuziehen, während ich von morgens bis abends auf den Feldern schuftete; ich wurde nie mit glühendem Eisen gebrannt oder von Bluthunden zerfleischt. Im Gegenteil, ich war immer freundlich behandelt und zärtlich umsorgt worden, bis ich in die Hände von Dr. Flint geriet. Ich hatte mir nie Freiheit gewünscht bis zu diesem Zeitpunkt. Aber obwohl mein Leben in der Sklaverei vergleichsweise frei von Härten war, Gott erbarme sich der Frau, die gezwungen ist, ein solches Leben zu führen!
Mein Essen wurde mir durch die Falltür gereicht, die mein Onkel angefertigt hatte; und meine Großmutter, mein Onkel Phillip und Tante Nancy nutzten jede Gelegenheit, die sie finden konnten, um dort hinaufzusteigen und an der Öffnung mit mir zu plaudern. Aber natürlich war das bei Tageslicht nicht sicher. All das musste in der Dunkelheit geschehen. Es war mir unmöglich, mich in aufrechter Haltung zu bewegen, aber ich kroch zur Bewegung in meiner Höhle umher. Eines Tages stieß ich mit dem Kopf gegen etwas und stellte fest, dass es ein Vorbohrer war. Mein Onkel hatte ihn dort stecken lassen, als er die Falltür gemacht hatte. Ich war so erfreut, wie Robinson Crusoe es gewesen sein könnte, als er einen solchen Schatz fand. Es brachte einen glücklichen Gedanken in meinen Kopf. Ich sagte zu mir selbst: „Jetzt werde ich etwas Licht haben. Jetzt werde ich meine Kinder sehen.“ Ich wagte es nicht, meine Arbeit während des Tages zu beginnen, aus Angst, Aufmerksamkeit zu erregen. Aber ich tastete herum; und nachdem ich die Seite zur Straße hin gefunden hatte, von wo aus ich meine Kinder häufig sehen konnte, steckte ich den Vorbohrer hinein und wartete auf den Abend. Ich bohrte drei Reihen von Löchern, eine über der anderen; dann bohrte ich die Zwischenräume aus. Auf diese Weise gelang es mir, ein Loch von etwa einem Zoll Länge und einem Zoll Breite zu machen. Ich saß bis spät in die Nacht daran, um den kleinen Hauch von Luft zu genießen, der hereinströmte. Am Morgen hielt ich Ausschau nach meinen Kindern. Die erste Person, die ich auf der Straße sah, war Dr. Flint. Ich hatte ein schauderndes, abergläubisches Gefühl, dass dies ein böses Omen sei. Mehrere bekannte Gesichter zogen vorüber. Endlich hörte ich das fröhliche Lachen von Kindern, und bald blickten zwei süße kleine Gesichter zu mir herauf, als wüssten sie, dass ich dort sei, und als seien sie sich der Freude bewusst, die sie bereiteten. Wie sehnte ich mich danach, ihnen zu sagen, dass ich dort war!
Aber ich musste mich beherrschen, denn die Gefahr war zu groß. Ich war froh, dass sie mich nicht bemerkten. Mein Herz schlug so heftig, dass ich fürchtete, man könnte es draußen hören. Sie spielten eine Weile in der Nähe des Hauses, und dann gingen sie weiter. Ich blieb noch lange am Guckloch, in der Hoffnung, sie noch einmal zu sehen, aber sie kamen nicht zurück.
Ein paar Tage später erfuhr ich, dass Dr. Flint seine Bemühungen, mich zu finden, nicht aufgegeben hatte. Er hatte einen Brief an einen seiner Freunde in New York geschrieben und ihn gebeten, Nachforschungen anzustellen. Er schien fest davon überzeugt zu sein, dass ich mich dort aufhielt. Ich wusste, dass dieser Brief meine Sicherheit gefährden könnte, aber ich vertraute darauf, dass Gott mich beschützen würde.
Die Tage zogen sich in die Länge. Die Hitze des Sommers war unerträglich. Mein Versteck war wie ein Backofen. Ich war durstig und erschöpft, aber ich ertrug es alles mit Geduld, denn ich wusste, dass es die einzige Möglichkeit war, meine Freiheit zu bewahren. Ich dachte oft an meine Kinder und daran, wie sehr ich mir wünschte, bei ihnen zu sein. Ich betete für sie und für meine Großmutter, die so viel für mich getan hatte.
Eines Abends brachte Tante Nancy mir Neuigkeiten. Sie sagte, dass Dr. Flint wieder einmal wütend auf mich sei, weil er keine Informationen über meinen Aufenthaltsort erhalten habe. Er hatte gedroht, jeden zu bestrafen, von dem er vermutete, dass er mir helfe. Ich zitterte vor Angst für meine Angehörigen, aber ich wusste, dass sie vorsichtig waren.
Ich lebte in ständiger Furcht, entdeckt zu werden. Jedes Geräusch draußen ließ mich zusammenzucken. Aber ich fand Trost in meinen Gedanken und in meinem Glauben. Ich wusste, dass ich nicht allein war. Die Zeit verging, und ich begann, mich an die Enge und die Dunkelheit zu gewöhnen. Es war ein Leben in Gefangenschaft, aber es war mein Leben, und ich war entschlossen, es zu verteidigen.
Der Herbst kam mit seinen kühleren Abenden. Ich war dankbar für die Erleichterung, die er brachte. Ich verbrachte viel Zeit damit, aus meinem Guckloch zu schauen und das Leben draußen zu beobachten. Ich sah Menschen, die frei waren, ihre Wege zu gehen, und ich sehnte mich danach, eine von ihnen zu sein. Aber ich wusste, dass mein Weg anders war. Ich musste warten.
Der Winter war hart, aber ich überlebte ihn. Ich war schwach und krank, aber mein Geist war stark. Ich wusste, dass ich irgendwann frei sein würde. Ich musste nur durchhalten. Ich hatte Hoffnung, und das war das Wichtigste.
In der nächsten Zeit passierten einige Dinge, die mir zeigten, dass Dr. Flint immer noch nach mir suchte. Er war ein unermüdlicher Verfolger, aber ich war ihm immer einen Schritt voraus. Ich hatte Verbündete, die mich beschützten, und das gab mir Kraft.
Ich erinnerte mich oft an die Worte meiner Großmutter: "Hab Vertrauen, mein Kind. Gott wird dich nicht verlassen." Diese Worte gaben mir den Mut, den ich brauchte, um weiterzumachen. Ich wusste, dass mein Leiden einen Sinn hatte, auch wenn ich ihn damals noch nicht verstehen konnte. Ich war eine Sklavin, aber mein Herz war frei. Und das war etwas, das Dr. Flint mir niemals nehmen konnte.
Der Doktor verschwendete seinen Alkohol vergeblich. Mr. Sands wurde gewählt; ein Ereignis, das mir einige besorgte Gedanken bereitete. Er hatte meine Kinder nicht freigelassen, und sollte er sterben, wären sie seinen Erben ausgeliefert. Zwei kleine Stimmen, die mein Ohr häufig erreichten, schienen mich anzuflehen, ihren Vater nicht gehen zu lassen, ohne mich darum zu bemühen, ihre Freiheit zu sichern. Jahre waren vergangen, seit ich mit ihm gesprochen hatte. Ich hatte ihn nicht einmal mehr gesehen seit der Nacht, in der ich unerkannt in meiner Matrosenverkleidung an ihm vorbeigegangen war. Ich nahm an, er würde vor seiner Abreise noch vorbeikommen, um meiner Großmutter etwas bezüglich der Kinder zu sagen, und ich fasste den Entschluss, wie ich vorgehen würde.
Am Tag vor seiner Abreise nach Washington traf ich gegen Abend Vorkehrungen, um aus meinem Versteck in die darunterliegende Vorratskammer zu gelangen. Ich fand mich so steif und ungelenk, dass es mir nur mit größter Mühe gelang, mich von einem Ruheplatz zum anderen zu hieven. Als ich die Vorratskammer erreichte, gaben meine Knöchel unter mir nach, und ich sank erschöpft zu Boden. Es schien, als könnte ich meine Glieder nie wieder benutzen. Doch das Ziel, das ich vor Augen hatte, weckte alle Kraft in mir, die mir geblieben war. Ich kroch auf Händen und Knien zum Fenster und wartete, hinter einem Fass verborgen, auf sein Kommen. Die Uhr schlug neun, und ich wusste, dass das Dampfschiff zwischen zehn und elf ablegen würde. Meine Hoffnungen schwanden. Doch plötzlich hörte ich seine Stimme, die zu jemandem sagte: „Warte einen Augenblick auf mich. Ich möchte Tante Martha sehen.“ Als er herauskam und am Fenster vorbeiging, sagte ich: „Bleiben Sie einen Augenblick stehen und lassen Sie mich für meine Kinder sprechen.“ Er schreckte auf, zögerte, ging dann aber weiter und trat aus dem Tor. Ich schloss den Fensterladen, den ich teilweise geöffnet hatte, und sank hinter dem Fass zusammen. Ich hatte viel gelitten; doch selten hatte ich einen schmerzlicheren Stich verspürt als in diesem Moment. Waren ihm meine Kinder also so unbedeutend geworden? Und hatte er so wenig Gefühl für ihre elende Mutter, dass er nicht einmal einen Augenblick zuhörte, während sie für sie flehte? Schmerzliche Erinnerungen beschäftigten mich so sehr, dass ich vergaß, den Laden zu verriegeln, bis ich hörte, wie ihn jemand öffnete. Ich blickte auf. Er war zurückgekommen. „Wer hat mich gerufen?“, fragte er mit leiser Stimme. „Ich war es“, antwortete ich. „Oh, Linda“, sagte er, „ich kannte deine Stimme; aber ich fürchtete mich zu antworten, damit mein Freund mich nicht hört. Warum kommst du hierher? Ist es möglich, dass du dich in diesem Haus in Gefahr bringst? Sie sind wahnsinnig, dass sie das zulassen. Ich erwarte, bald zu hören, dass ihr alle ruiniert seid.“ Ich wollte ihn nicht hineinziehen, indem ich ihn meinen Aufenthaltsort wissen ließ; also sagte ich lediglich: „Ich dachte, Sie würden kommen, um sich von Großmutter zu verabschieden, und so kam ich hierher, um ein paar Worte wegen der Freilassung meiner Kinder mit Ihnen zu wechseln. In den sechs Monaten, in denen Sie in Washington sind, können sich viele Dinge ändern, und es erscheint nicht richtig, sie dem Risiko solcher Veränderungen auszusetzen. Ich will nichts für mich selbst; alles, worum ich bitte, ist, dass Sie meine Kinder freilassen oder einen Freund dazu bevollmächtigen, bevor Sie gehen.“
Er versprach, es zu tun, und äußerte zudem die Bereitschaft, jegliche Vorkehrungen zu treffen, durch die ich freigekauft werden könnte.
Ich hörte Schritte nahen und schloss den Laden hastig. Ich wollte in mein Versteck zurückkriechen, ohne dass die Familie erfuhr, was ich getan hatte; denn ich wusste, sie würden es für sehr unklug halten. Doch er trat zurück ins Haus, um meiner Großmutter mitzuteilen, dass er am Fenster der Vorratskammer mit mir gesprochen habe, und sie anzuflehen, mich nicht über Nacht im Haus zu lassen. Er sagte, es grenze an Wahnsinn, dass ich dort sei; dass wir sicherlich alle ruiniert würden. Glücklicherweise hatte er es zu eilig, um auf eine Antwort zu warten, sonst hätte die gute alte Frau ihm sicherlich alles erzählt.
Ich versuchte, in mein Versteck zurückzukehren, fand es jedoch mühsamer, hinaufzugehen, als es gewesen war, herunterzukommen. Jetzt, da meine Mission erfüllt war, war die geringe Kraft, die mich dabei gestützt hatte, dahin, und ich sank hilflos zu Boden. Meine Großmutter, alarmiert über das Risiko, das ich eingegangen war, kam im Dunkeln in die Vorratskammer und schloss die Tür hinter sich ab. „Linda“, flüsterte sie, „wo bist du?“
„Ich bin hier am Fenster“, antwortete ich. „Ich konnte ihn nicht gehen lassen, ohne die Kinder freizubekommen. Wer weiß, was passieren mag?“
„Komm, komm, Kind“, sagte sie, „es geht nicht, dass du noch eine Minute hier bleibst. Du hast unrecht gehandelt; aber ich kann dir keine Vorwürfe machen, arme Seele!“ Ich sagte ihr, dass ich ohne Hilfe nicht zurückkehren könne und sie meinen Onkel rufen müsse. Onkel Phillip kam, und das Mitleid hielt ihn davon ab, mich auszuschimpfen. Er trug mich zurück in mein Verlies, legte mich zärtlich auf das Bett, gab mir etwas Medizin und fragte mich, ob er noch etwas für mich tun könne. Dann ging er, und ich blieb mit meinen eigenen Gedanken zurück – so sternenlos wie die mitternächtliche Dunkelheit um mich herum.
Meine Freunde fürchteten, ich würde für den Rest meines Lebens verkrüppelt bleiben; und ich war meiner langen Gefangenschaft so überdrüssig, dass ich, wäre es nicht für die Hoffnung gewesen, meinen Kindern zu dienen, dankbar gewesen wäre zu sterben; aber um ihrer willen war ich bereit, weiter auszuharren.
XXV. Ein Wettstreit der List.
Dr. Flint hatte mich nicht aufgegeben. Hin und wieder sagte er zu meiner Großmutter, dass ich noch zurückkehren und mich freiwillig ergeben würde; und dass ich, wenn ich es täte, von meinen Verwandten oder irgendjemandem, der mich kaufen wolle, erworben werden könnte. Ich kannte seine listige Natur nur zu gut, um nicht zu erkennen, dass dies eine Falle war, die er mir gestellt hatte; und so verstanden es auch alle meine Freunde. Ich beschloss, meine List gegen seine List einzusetzen. Um ihn glauben zu machen, ich sei in New York, beschloss ich, ihm einen Brief zu schreiben, der von dort datiert war. Ich schickte nach meinem Freund Peter und fragte ihn, ob er eine vertrauenswürdige Person zur See kenne, die einen solchen Brief nach New York bringen und dort in das Postamt geben würde. Er sagte, er kenne einen, dem er sein eigenes Leben bis ans Ende der Welt anvertrauen würde. Ich erinnerte ihn daran, dass es ein riskantes Unterfangen für ihn sei. Er sagte, er wisse es, aber er sei bereit, alles zu tun, um mir zu helfen. Ich äußerte den Wunsch nach einer New Yorker Zeitung, um die Namen einiger Straßen zu erfahren. Er griff in seine Tasche und sagte: „Hier ist ein halbes Exemplar, das um eine Mütze gewickelt war, die ich gestern von einem Hausierer gekauft habe.“ Ich sagte ihm, der Brief würde am nächsten Abend fertig sein. Er verabschiedete sich von mir mit den Worten: „Lass den Kopf nicht hängen, Linda; bald werden hellere Tage kommen.“
Mein Onkel Phillip hielt Wache am Tor, bis unser kurzes Gespräch beendet war. Am nächsten Morgen setzte ich mich früh nahe die kleine Öffnung, um die Zeitung zu untersuchen. Es war ein Stück des New York Herald; und ausnahmsweise wurde dem Blatt, das die farbige Bevölkerung systematisch beschimpft, ein Dienst erwiesen. Nachdem ich die Informationen erhalten hatte, die ich bezüglich Straßen und Nummern benötigte, schrieb ich zwei Briefe, einen an meine Großmutter, den anderen an Dr. Flint. Ich erinnerte ihn daran, wie er, ein grauhaariger Mann, ein hilfloses Kind behandelt hatte, das in seine Gewalt gegeben worden war, und welche Jahre des Elends er über sie gebracht hatte. Meiner Großmutter gegenüber drückte ich den Wunsch aus, meine Kinder zu mir in den Norden geschickt zu bekommen, wo ich sie lehren könnte, sich selbst zu achten, und ihnen ein tugendhaftes Beispiel geben könnte; was einer Sklavenmutter im Süden nicht gestattet war. Ich bat sie, ihre Antwort an eine bestimmte Straße in Boston zu richten, da ich nicht in New York lebe, auch wenn ich manchmal dorthin gehe. Ich datierte diese Briefe vor, um die Zeit zu berücksichtigen, die es in Anspruch nehmen würde, sie zu befördern, und sandte dem Boten eine Notiz mit dem Datum. Als mein Freund für die Briefe kam, sagte ich: „Gott segne und belohne dich, Peter, für diese uneigennützige Güte. Bitte sei vorsichtig. Wenn du entdeckt wirst, werden sowohl du als auch ich schrecklich leiden müssen. Ich habe keinen Verwandten, der es wagen würde, es für mich zu tun.“ Er erwiderte: „Du kannst mir vertrauen, Linda. Ich vergesse nicht, dass dein Vater mein bester Freund war, und ich werde seinen Kindern ein Freund sein, so lange Gott mich leben lässt.“
Es war notwendig, meiner Großmutter zu sagen, was ich getan hatte, damit sie auf den Brief gefasst und darauf vorbereitet sein konnte, zu hören, was Dr. Flint über meinen Aufenthalt im Norden sagen könnte. Sie war sehr bekümmert. Sie war sich sicher, dass daraus Unheil entstehen würde. Ich weihte auch Tante Nancy in meinen Plan ein, damit sie uns berichten konnte, was im Hause von Dr. Flint gesagt wurde. Ich flüsterte es ihr durch einen Spalt zu, und sie flüsterte zurück: „Ich hoffe, es gelingt. Es soll mir nichts ausmachen, mein Leben lang eine Sklavin zu sein, wenn ich nur dich und die Kinder frei sehen kann.“
Ich hatte angewiesen, dass meine Briefe am 20. des Monats in das New Yorker Postamt gegeben werden sollten. Am Abend des 24. kam meine Tante, um zu sagen, dass Dr. Flint und seine Frau mit leiser Stimme über einen Brief gesprochen hätten, den er erhalten habe, und dass er versprochen habe, ihn mitzubringen, wenn er zum Tee käme. Also schloss ich daraus, dass ich meinen Brief am nächsten Morgen vorgelesen hören würde. Ich sagte meiner Großmutter, Dr. Flint würde sicher kommen, und bat sie, ihn in die Nähe einer bestimmten Tür setzen zu lassen und diese offen zu lassen, damit ich hören könnte, was er sagte. Am nächsten Morgen bezog ich meinen Posten in Hörweite dieser Tür und verharrte unbeweglich wie eine Statue. Es dauerte nicht lange, da hörte ich das Tor zuschlagen und die wohlbekannten Schritte das Haus betreten. Er setzte sich auf den Stuhl, der für ihn bereitgestellt war, und sagte: „Nun, Martha, ich habe dir einen Brief von Linda mitgebracht. Sie hat mir ebenfalls einen Brief geschickt. Ich weiß genau, wo ich sie finden kann; aber ich ziehe es vor, nicht für sie nach Boston zu fahren. Ich hätte es lieber, wenn sie aus eigenem Antrieb und auf anständige Weise zurückkehrte. Ihr Onkel Phillip ist die beste Person, um sie zu holen. Bei ihm würde sie sich völlig frei fühlen, zu handeln. Ich bin bereit, seine Kosten für Hin- und Rückreise zu bezahlen. Sie soll an ihre Freunde verkauft werden. Ihre Kinder sind frei; zumindest nehme ich an, dass sie es sind; und wenn du ihre Freiheit erwirkst, wirst du eine glückliche Familie haben. Ich nehme an, Martha, du hast keine Einwände, wenn ich dir den Brief vorlese, den Linda an dich geschrieben hat.“
Er brach das Siegel, und ich hörte ihn ihn vorlesen. Der alte Schurke! Er hatte den Brief, den ich an Großmutter geschrieben hatte, unterschlagen und einen eigenen Ersatz vorbereitet, dessen Inhalt wie folgt lautete:
„Liebe Großmutter: Ich wollte schon lange an dich schreiben; aber die schändliche Art und Weise, wie ich dich und meine Kinder verlassen habe, machte mich beschämt, es zu tun. Wenn du wüsstest, wie sehr ich gelitten habe, seit ich weggelaufen bin, würdest du mich bemitleiden und mir verzeihen. Ich habe die Freiheit zu einem hohen Preis erkauft. Wenn irgendeine Vereinbarung getroffen werden könnte, damit ich in den Süden zurückkehren kann, ohne eine Sklavin zu sein, würde ich gerne kommen. Wenn nicht, bitte ich dich, meine Kinder in den Norden zu schicken. Ich kann nicht länger ohne sie leben. Lass es mich rechtzeitig wissen, und ich werde sie in New York oder Philadelphia treffen, welcher Ort auch immer für meinen Onkel am bequemsten ist. Schreib so bald wie möglich an deine unglückliche Tochter,
Linda.“
„Es ist sehr so, wie ich es erwartet hatte“, sagte der alte Heuchler und stand auf, um zu gehen. „Du siehst, das törichte Mädchen hat ihre Überstürzung bereut und möchte zurückkehren. Wir müssen ihr helfen, es zu tun, Martha. Sprich mit Phillip darüber. Wenn er sie abholt, wird sie ihm vertrauen und zurückkommen. Ich hätte gerne bis morgen eine Antwort. Guten Morgen, Martha.“
Als er auf die Veranda hinaustrat, stolperte er über mein kleines Mädchen. „Ah, Ellen, bist du das?“, sagte er in seiner gnädigsten Art. „Ich habe dich nicht gesehen. Wie geht es dir?“
„Ziemlich gut, mein Herr“, antwortete sie. „Ich habe gehört, wie Sie zu Großmutter sagten, dass meine Mutter nach Hause kommt. Ich möchte sie sehen.“
„Ja, Ellen, ich werde sie sehr bald nach Hause bringen“, entgegnete er; „und du sollst sie so viel sehen, wie du willst, du kleine krausköpfige Niggerin.“
Das war für mich, die alles mitgehört hatte, so gut wie eine Komödie; aber meine Großmutter war verängstigt und bekümmert, weil der Doktor wollte, dass mein Onkel mich abholte.
Am nächsten Abend kam Dr. Flint vorbei, um die Angelegenheit zu besprechen. Mein Onkel sagte ihm, dass er nach dem, was er über Massachusetts gehört habe, annehme, dass er gelyncht würde, wenn er nach einer entlaufenen Sklavin dorthin ginge. „Alles Unsinn und Geschwätz, Phillip!“, antwortete der Doktor. „Glaubst du, ich will, dass du in Boston einen Aufruhr anzettelst? Die Sache kann ganz ruhig erledigt werden. Linda schreibt, dass sie zurückkommen will. Du bist ihr Verwandter, und sie würde dir vertrauen. Der Fall läge anders, wenn ich ginge. Sie könnte Einwände dagegen haben, mit mir zu kommen; und die verdammten Abolitionisten würden mir, wenn sie wüssten, dass ich ihr Herr bin, nicht glauben, wenn ich ihnen erzählte, sie hätte darum gebettelt, zurückzugehen. Sie würden einen Aufruhr anzetteln; und ich würde es nicht gerne sehen, wenn Linda wie eine gewöhnliche Negerin durch die Straßen geschleift würde. Sie ist mir gegenüber für all meine Güte sehr undankbar gewesen; aber ich vergebe ihr und möchte ihr gegenüber die Rolle eines Freundes spielen. Ich habe keinen Wunsch, sie als meine Sklavin zu halten. Ihre Freunde können sie kaufen, sobald sie hier eintrifft.“
Da seine Argumente meinen Onkel nicht überzeugten, „ließ der Doktor die Katze aus dem Sack“, indem er sagte, er habe an den Bürgermeister von Boston geschrieben, um festzustellen, ob es eine Person meiner Beschreibung in der Straße und unter der Nummer gebe, von der aus mein Brief datiert war. Dieses Datum hatte er in dem Brief weggelassen, den er für meine Großmutter zurechtgemacht hatte. Hätte ich von New York aus datiert, hätte der alte Mann wahrscheinlich eine weitere Reise in diese Stadt unternommen. Aber selbst in jener finsteren Region, wo Wissen dem Sklaven so sorgfältig vorenthalten wird, hatte ich genug über Massachusetts gehört, um zu dem Schluss zu kommen, dass Sklavenhalter es nicht für einen angenehmen Ort hielten, um dorthin auf die Suche nach einer Entlaufenen zu gehen. Das war, bevor das Gesetz für entlaufene Sklaven verabschiedet wurde; bevor Massachusetts zugestimmt hatte, ein „Negerjäger“ für den Süden zu werden.
Meine Großmutter, die durch die ständige Gefahr, in der ihre Familie schwebte, schreckhaft geworden war, kam mit sehr bekümmertem Gesicht zu mir und sagte: „Was wirst du tun, wenn der Bürgermeister von Boston ihm Nachricht schickt, dass du nicht dort gewesen bist? Dann wird er vermuten, dass der Brief ein Trick war; und vielleicht findet er etwas darüber heraus, und wir geraten alle in Schwierigkeiten. O Linda, ich wünschte, du hättest die Briefe nie abgeschickt.“
„Sorge dich nicht, Großmutter“, sagte ich. „Der Bürgermeister von Boston wird sich nicht die Mühe machen, für Dr. Flint Neger zu jagen. Die Briefe werden am Ende Gutes bewirken. Ich werde irgendwann aus diesem dunklen Loch herauskommen.“
„Ich hoffe es, Kind“, antwortete die gute, geduldige alte Freundin. „Du bist schon lange hier; fast fünf Jahre; aber wann immer du gehst, wird es deiner alten Großmutter das Herz brechen. Ich müsste jeden Tag erwarten zu hören, dass du in Ketten zurückgebracht und ins Gefängnis geworfen wirst. Gott helfe dir, armes Kind! Seien wir dankbar, dass wir irgendwann dorthin gehen werden, ‚wo die Gottlosen aufhören zu wüten und die Müden zur Ruhe kommen‘.“ Mein Herz antwortete: Amen.
Die Tatsache, dass Dr. Flint an den Bürgermeister von Boston geschrieben hatte, überzeugte mich, dass er meinen Brief für echt hielt und natürlich keinen Verdacht hegte, dass ich mich irgendwo in der Nähe aufhielt. Es war ein großes Ziel, diese Täuschung aufrechtzuerhalten, denn sie ließ mich und meine Freunde weniger besorgt sein, und es wäre sehr nützlich, wann immer sich eine Gelegenheit zur Flucht böte. Ich beschloss daher, von Zeit zu Zeit weiterhin Briefe aus dem Norden zu schreiben.
Zwei oder drei Wochen vergingen, und da keine Nachricht vom Bürgermeister von Boston kam, begann Großmutter, auf mein Flehen hin, meine Zelle manchmal verlassen und meine Glieder bewegen zu dürfen, um zu verhindern, dass ich verkrüppelte, zu hören. Es wurde mir gestattet, frühmorgens in die kleine Vorratskammer zu schlüpfen und eine Weile dort zu bleiben. Der Raum war vollgestellt mit Fässern, bis auf einen kleinen freien Platz unter meiner Falltür. Dieser lag gegenüber der Tür, deren oberer Teil aus Glas bestand und absichtlich unvorhangt gelassen wurde, damit Neugierige hineinsehen konnten. Die Luft an diesem Ort war abgestanden; aber sie war so viel besser als die Atmosphäre meiner Zelle, dass ich es fürchtete, zurückzukehren. Ich kam herunter, sobald es hell war, und blieb bis acht Uhr, wenn die Leute anfingen, unterwegs zu sein, und die Gefahr bestand, dass jemand auf die Veranda kommen könnte. Ich hatte verschiedene Anwendungen versucht, um Wärme und Gefühl in meine Glieder zu bringen, jedoch ohne Erfolg. Sie waren so taub und steif, dass es eine schmerzhafte Anstrengung war, sich zu bewegen; und wären meine Feinde während der ersten Morgen, an denen ich versuchte, sie auf dem kleinen, unbenutzten Raum der Vorratskammer ein wenig zu trainieren, über mich hergefallen, wäre es mir unmöglich gewesen zu entkommen.
XXVI. Ein wichtiger Zeitabschnitt im Leben meines Bruders.
Ich vermisste die Gesellschaft und die freundliche Aufmerksamkeit meines Bruders William, der mit seinem Herrn, Mr. Sands, nach Washington gegangen war. Wir erhielten mehrere Briefe von ihm, die ohne jede Anspielung auf mich geschrieben waren, aber so ausgedrückt, dass ich wusste, er vergaß mich nicht. Ich verstellte meine Handschrift und schrieb ihm auf die gleiche Weise. Es war eine lange Sitzung; und als sie schloss, schrieb William, um uns mitzuteilen, dass Mr. Sands in den Norden reisen werde, um einige Zeit fortzubleiben, und dass er ihn begleiten werde. Ich wusste, dass sein Herr versprochen hatte, ihm seine Freiheit zu geben, aber es war keine Zeit festgesetzt worden. Würde William sich auf das Glück eines Sklaven verlassen? Ich erinnerte mich, wie wir in unseren jungen Tagen oft darüber sprachen, unsere Freiheit zu erlangen, und ich hielt es für sehr zweifelhaft, ob er zu uns zurückkehren würde.
Großmutter erhielt einen Brief von Mr. Sands, in dem stand, dass William sich als ein treuester Diener erwiesen habe, und er würde auch sagen, als ein geschätzter Freund; dass keine Mutter jemals einen besseren Jungen erzogen habe. Er sagte, er habe die Nordstaaten und Kanada bereist; und obwohl die Abolitionisten versucht hätten, ihn wegzulocken, sei es ihnen nie gelungen. Er schloss mit der Bemerkung, dass sie in Kürze wieder zu Hause sein würden.
Wir erwarteten Briefe von William, in denen er die Neuheiten seiner Reise beschrieb, aber es kamen keine. Mit der Zeit hieß es, Mr. Sands würde spät im Herbst zurückkehren, begleitet von einer Braut. Immer noch keine Briefe von William. Ich fühlte mich fast sicher, dass ich ihn niemals wieder auf südlichem Boden sehen würde; aber hatte er kein Wort des Trostes an seine Freunde daheim zu senden? an die arme Gefangene in ihrem Verlies? Meine Gedanken wanderten durch die dunkle Vergangenheit und über die ungewisse Zukunft. Allein in meiner Zelle, wo kein Auge außer Gottes mich sehen konnte, weinte ich bittere Tränen. Wie inständig betete ich zu ihm, mich meinen Kindern zurückzugeben und es mir zu ermöglichen, eine nützliche Frau und eine gute Mutter zu sein!
Endlich kam der Tag, an dem die Reisenden zurückkehren sollten. Großmutter hatte liebevolle Vorbereitungen getroffen, um ihren abwesenden Jungen wieder am alten Herdfeuer willkommen zu heißen. Als der Mittagstisch gedeckt wurde, nahm Williams Teller seinen alten Platz ein. Die Postkutsche fuhr leer vorbei. Meine Großmutter wartete mit dem Mittagessen. Sie dachte, er sei vielleicht von seinem Herrn aufgehalten worden. In meinem Gefängnis lauschte ich angstvoll und erwartete jeden Augenblick, die Stimme und den Schritt meines lieben Bruders zu hören. Im Laufe des Nachmittags wurde ein Junge von Mr. Sands geschickt, um der Großmutter auszurichten, dass William nicht mit ihm zurückgekehrt sei; dass die Abolitionisten ihn weggelockt hätten. Er bat sie jedoch, sich deswegen keine Sorgen zu machen, denn er sei zuversichtlich, dass sie William in wenigen Tagen wiedersehen würde. Sobald er Zeit zum Nachdenken hätte, würde er zurückkommen, denn er könne nicht erwarten, im Norden jemals so gut versorgt zu sein, wie er es bei ihm gewesen sei.
Hätten Sie die Tränen gesehen und die Schluchzer gehört, Sie hätten geglaubt, der Bote habe die Nachricht vom Tod statt von der Freiheit gebracht. Die arme alte Großmutter fühlte, dass sie ihren geliebten Jungen niemals wiedersehen würde. Und ich war egoistisch. Ich dachte mehr an das, was ich verloren hatte, als an das, was mein Bruder gewonnen hatte. Eine neue Sorge begann mich zu quälen. Mr. Sands hatte eine Menge Geld ausgegeben und würde sich durch den erlittenen Verlust natürlich gereizt fühlen. Ich fürchtete sehr, dies könnte die Aussichten meiner Kinder beeinträchtigen, die nun zu wertvollem Eigentum wurden. Ich sehnte mich danach, ihre Emanzipation sicherzustellen. Umso mehr, da ihr Herr und Vater nun verheiratet war. Ich war zu vertraut mit der Sklaverei, um nicht zu wissen, dass Versprechen, die Sklaven gegeben werden – auch wenn sie in guter Absicht und zum Zeitpunkt der Äußerung aufrichtig gemeint waren –, von vielen Zufällen abhängen, um erfüllt zu werden.
So sehr ich mir wünschte, dass William frei wäre, so traurig und besorgt machte mich der Schritt, den er getan hatte. Der folgende Sabbat war ruhig und klar; so schön, dass er wie ein Sabbat in der ewigen Welt wirkte. Meine Großmutter brachte die Kinder auf die Veranda, damit ich ihre Stimmen hören konnte. Sie dachte, es würde mich in meiner Niedergeschlagenheit trösten; und das tat es auch. Sie plauderten fröhlich, wie nur Kinder es können. Benny sagte: „Großmutter, glaubst du, Onkel Will ist für immer weg? Wird er nie wieder zurückkommen? Vielleicht findet er Mutter. Wenn er das tut, wird sie sich nicht freuen, ihn zu sehen! Warum gehst du und Onkel Phillip und wir alle nicht dorthin, wo Mutter ist? Das würde mir gefallen; dir nicht auch, Ellen?“
„Ja, das würde mir gefallen“, antwortete Ellen; „aber wie könnten wir sie finden? Kennst du den Ort, Großmutter? Ich kann mich nicht erinnern, wie Mutter aussah – du etwa, Benny?“
Benny wollte mich gerade beschreiben, als sie von einer alten Sklavin, einer nahen Nachbarin namens Aggie, unterbrochen wurden. Diese arme Kreatur hatte den Verkauf ihrer Kinder miterlebt und gesehen, wie sie an unbekannte Orte verschleppt wurden, ohne Hoffnung, jemals wieder von ihnen zu hören. Sie sah, dass meine Großmutter geweint hatte, und sagte mit teilnehmendem Ton: „Was ist los, Tante Marthy?“
„O Aggie“, antwortete sie, „es scheint, als würde mir keines meiner Kinder oder Enkelkinder bleiben, das mir einen Trank reicht, wenn ich sterbe, und meinen alten Körper in die Erde bettet. Mein Junge ist nicht mit Mr. Sands zurückgekommen. Er ist im Norden geblieben.“
Die arme alte Aggie klatschte vor Freude in die Hände. „Ist es das, weswegen du weinst?“, rief sie aus. „Knie nieder und preise den Herrn! Ich weiß nicht, wo meine armen Kinder sind, und ich erwarte auch nicht, es jemals zu erfahren. Du weißt nicht, wo die arme Linda hingegangen ist; aber du weißt, wo ihr Bruder ist. Er ist in freien Gebieten; und das ist der richtige Ort. Murre nicht über die Taten des Herrn, sondern knie nieder und danke ihm für seine Güte.“
Mein Egoismus wurde durch das, was die arme Aggie sagte, zurechtgewiesen. Sie freute sich über die Flucht eines Mannes, der lediglich ihr Leidensgenosse war, während seine eigene Schwester nur daran dachte, was sein Glück ihre Kinder kosten könnte. Ich kniete nieder und bat Gott, mir zu vergeben; und ich dankte ihm von ganzem Herzen, dass ein Mitglied meiner Familie der Fessel der Sklaverei entkommen war.
Es dauerte nicht lange, bis wir einen Brief von William erhielten. Er schrieb, dass Mr. Sands ihn immer freundlich behandelt habe und dass er versucht habe, seine Pflicht ihm gegenüber treu zu erfüllen. Aber schon als Junge hatte er sich danach gesehnt, frei zu sein; und er hatte bereits genug durchgemacht, um überzeugt zu sein, dass er die sich bietende Gelegenheit nicht ungenutzt lassen sollte. Er schloss mit den Worten: „Sorge dich nicht um mich, liebe Großmutter. Ich werde immer an dich denken; und es wird mich anspornen, hart zu arbeiten und zu versuchen, das Richtige zu tun. Wenn ich genug Geld verdient habe, um dir ein Zuhause zu bieten, wirst du vielleicht in den Norden kommen, und wir können alle glücklich zusammenleben.“
Mr. Sands erzählte meinem Onkel Phillip die Einzelheiten über Williams Weggang. Er sagte: „Ich vertraute ihm, als wäre er mein eigener Bruder, und behandelte ihn ebenso freundlich. Die Abolitionisten redeten an verschiedenen Orten auf ihn ein; aber ich hatte keine Ahnung, dass sie ihn verführen könnten. Wie dem auch sei, ich mache William keine Vorwürfe. Er ist jung und unbesonnen, und diese Schurken aus dem Norden haben ihn weggelockt. Ich muss gestehen, der Schlingel war dabei sehr dreist. Ich traf ihn, als er mit seinem Koffer auf der Schulter die Stufen des Astor House herunterkam, und fragte ihn, wohin er gehe. Er sagte, er wolle seinen alten Koffer umtauschen. Ich sagte ihm, er sei ziemlich schäbig, und fragte, ob er kein Geld brauche. Er sagte Nein, dankte mir und ging weg. Er kehrte nicht so bald zurück, wie ich erwartet hatte; aber ich wartete geduldig. Schließlich ging ich nachsehen, ob unsere Koffer für unsere Reise gepackt waren. Ich fand sie verschlossen vor, und ein versiegelter Zettel auf dem Tisch teilte mir mit, wo ich die Schlüssel finden könne. Der Kerl versuchte sogar, religiös zu sein. Er schrieb, er hoffe, Gott werde mich immer segnen und für meine Güte belohnen; dass er nicht unwillig gewesen sei, mir zu dienen; aber er wolle ein freier Mann sein; und wenn ich dächte, er habe Unrecht getan, hoffe er, ich würde ihm vergeben. Ich hatte beabsichtigt, ihm in fünf Jahren die Freiheit zu schenken. Er hätte mir vertrauen können. Er hat sich als undankbar erwiesen; aber ich werde nicht hinter ihm hergehen oder nach ihm schicken. Ich bin zuversichtlich, dass er bald zu mir zurückkehren wird.“
Ich hörte später eine Schilderung der Angelegenheit von William selbst. Er war nicht von Abolitionisten weggedrängt worden. Er brauchte keine Informationen, die sie ihm über die Sklaverei hätten geben können, um seinen Wunsch nach Freiheit zu befeuern. Er sah auf seine Hände und erinnerte sich daran, dass sie einst in Eisen gelegt waren. Welche Sicherheit hatte er, dass sie es nicht wieder sein würden? Mr. Sands war freundlich zu ihm; aber er konnte das Versprechen, ihm die Freiheit zu schenken, auf unbestimmte Zeit hinauszögern. Er könnte in finanzielle Schwierigkeiten geraten, und sein Eigentum könnte von Gläubigern beschlagnahmt werden; oder er könnte sterben, ohne Vorkehrungen zugunsten Williams zu treffen. Er hatte zu oft erlebt, dass Sklaven mit freundlichen Herren solche Schicksalsschläge erlitten, und er beschloss weise, die sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um sein eigener Herr zu werden. Er war gewissenhaft genug, kein Geld von seinem Herrn unter falschen Vorwänden anzunehmen; also verkaufte er seine besten Kleider, um seine Überfahrt nach Boston zu bezahlen. Die Sklavenhalter bezeichneten ihn als einen niederträchtigen, undankbaren Wicht, weil er die Nachsicht seines Herrn so vergolte. Was hätten sie unter ähnlichen Umständen getan?
Als die Familie von Dr. Flint hörte, dass William Mr. Sands verlassen hatte, kicherte sie sehr über die Nachricht. Mrs. Flint zeigte ihre üblichen christlichen Gefühle, indem sie sagte: „Das freut mich. Ich hoffe, er bekommt ihn niemals wieder. Ich sehe es gerne, wenn Leute mit gleicher Münze heimgezahlt werden. Ich nehme an, Lindas Kinder werden dafür bezahlen müssen. Ich würde sie gerne wieder in den Händen der Spekulanten sehen, denn ich bin es leid, diese kleinen Nigger durch die Straßen marschieren zu sehen.“
XXVII. Ein neues Ziel für die Kinder.
Mrs. Flint kündigte ihre Absicht an, Mrs. Sands mitzuteilen, wer der Vater meiner Kinder sei. Sie schlug außerdem vor, ihr zu erzählen, was für ein gerissener Teufel ich sei; dass ich in ihrer Familie eine Menge Ärger gestiftet habe; dass sie nicht daran zweifle, dass ich Mr. Sands in den Norden gefolgt sei, als er dort war, und ihn verkleidet dazu überredet habe, wegzulaufen. Sie hatte allen Grund, eine solche Idee zu hegen; denn ich hatte von Zeit zu Zeit aus dem Norden geschrieben und meine Briefe von verschiedenen Orten aus datiert. Viele von ihnen fielen Dr. Flint in die Hände, wie ich es erwartet hatte; und er musste zu dem Schluss gekommen sein, dass ich viel herumreiste. Er hielt ein wachsames Auge auf meine Kinder, da er dachte, sie würden schließlich zu meiner Entdeckung führen.
Eine neue und unerwartete Prüfung stand mir bevor. Eines Tages, als Mr. Sands und seine Frau auf der Straße spazieren gingen, trafen sie Benny. Die Dame fand Gefallen an ihm und rief: „Was für ein hübscher kleiner Neger! Wem gehört er?“
Benny hörte die Antwort nicht; aber er kam sehr empört über die fremde Dame nach Hause, weil sie ihn einen Neger genannt hatte. Einige Tage später besuchte Mr. Sands meine Großmutter und sagte ihr, er wolle, dass sie die Kinder zu seinem Haus bringe. Er sagte, er habe seine Frau über seine Beziehung zu ihnen informiert und ihr gesagt, sie seien mutterlos; und sie wolle sie sehen.
Als er gegangen war, kam meine Großmutter und fragte, was ich tun würde. Die Frage schien wie ein Hohn. Was konnte ich tun? Sie waren Mr. Sands’ Sklaven, und ihre Mutter war eine Sklavin, von der er behauptet hatte, sie sei tot. Vielleicht dachte er, ich wäre es auch. Ich war zu schmerzerfüllt und verwirrt, um eine Entscheidung zu treffen; und die Kinder wurden ohne mein Wissen weggebracht. Mrs. Sands hatte eine Schwester aus Illinois bei sich zu Besuch. Diese Dame, die selbst keine Kinder hatte, war so angetan von Ellen, dass sie anbot, sie zu adoptieren und wie eine Tochter aufzuziehen. Mrs. Sands wollte Benjamin zu sich nehmen. Als die Großmutter mir dies berichtete, wurde ich über alle Maßen geprüft. War das alles, was ich durch das gewonnen hatte, was ich ertragen hatte, damit meine Kinder frei sein konnten? Zwar schien die Aussicht gut, aber ich wusste nur zu gut, wie wenig Sklavenhalter solche „elterlichen Beziehungen“ schätzten. Wenn finanzielle Probleme auftauchten oder wenn die neue Ehefrau mehr Geld benötigte, als man entbehren konnte, könnten meine Kinder als bequemes Mittel zur Geldbeschaffung angesehen werden. Ich hatte kein Vertrauen zu dir, o Sklaverei! Niemals würde ich Frieden finden, bis meine Kinder mit allen gebührenden rechtlichen Formalitäten emanzipiert wären.
Ich war zu stolz, Mr. Sands zu bitten, etwas zu meinem eigenen Vorteil zu tun; aber ich konnte mich dazu überwinden, eine Bittstellerin für meine Kinder zu werden. Ich beschloss, ihn an das Versprechen zu erinnern, das er mir gegeben hatte, und mich auf seine Ehre zu berufen, es zu erfüllen. Ich überredete meine Großmutter, zu ihm zu gehen und ihm zu sagen, dass ich nicht tot sei und dass ich ihn inständig anflehe, das Versprechen zu halten, das er mir gegeben hatte; dass ich von den jüngsten Vorschlägen bezüglich meiner Kinder gehört habe und mich nicht wohl dabei fühle, sie anzunehmen; dass er versprochen habe, sie zu emanzipieren, und es an der Zeit sei, sein Versprechen einzulösen. Ich wusste, dass es ein gewisses Risiko barg, so zu verraten, dass ich in der Nähe war; aber was tut eine Mutter nicht alles für ihre Kinder? Er nahm die Nachricht mit Überraschung auf und sagte: „Die Kinder sind frei. Ich habe niemals beabsichtigt, sie als Sklaven zu beanspruchen. Linda kann über ihr Schicksal entscheiden. Meiner Meinung nach sollten sie besser in den Norden geschickt werden. Ich glaube nicht, dass sie hier ganz sicher sind. Dr. Flint prahlt damit, dass sie immer noch in seiner Gewalt seien. Er sagt, sie seien das Eigentum seiner Tochter gewesen, und da sie beim Verkauf der Kinder noch nicht volljährig war, sei der Vertrag rechtlich nicht bindend.“
Also waren meine armen Kinder, nachdem ich so viel für sie ertragen hatte, zwischen zwei Feuer geraten; zwischen meinen alten Herrn und ihren neuen Herrn! Und ich war machtlos. Es gab keinen schützenden Arm des Gesetzes, den ich hätte anrufen können. Mr. Sands schlug vor, dass Ellen vorerst zu einigen seiner Verwandten gehen solle, die nach Brooklyn, Long Island, gezogen waren. Es wurde versprochen, dass man sich gut um sie kümmern und sie zur Schule schicken würde. Ich stimmte zu, da dies die beste Lösung war, die ich für sie treffen konnte. Meine Großmutter handelte natürlich alles aus; und Mrs. Sands wusste nichts von einer anderen Person, die an der Transaktion beteiligt war. Sie schlug vor, sie sollten Ellen mit nach Washington nehmen und sie dort behalten, bis sie eine gute Gelegenheit hätten, sie mit Freunden nach Brooklyn zu schicken. Sie hatte eine kleine Tochter. Ich hatte einen Blick darauf erhascht, als die Amme mit ihr auf dem Arm vorbeiging. Es war kein angenehmer Gedanke für mich, dass das Kind der Leibeigenen ihre freigeborene Schwester betreuen sollte; aber es gab keine Alternative. Ellen wurde für die Reise fertig gemacht. O, wie es mein Herz zerriss, sie so jung und allein unter Fremde zu schicken! Ohne die Liebe einer Mutter, die sie vor den Stürmen des Lebens beschützt; fast ohne Erinnerung an eine Mutter! Ich zweifelte daran, ob sie und Benny für mich die natürliche Zuneigung empfinden würden, die Kinder für ein Elternteil fühlen. Ich dachte bei mir, dass ich meine Tochter vielleicht niemals wiedersehen würde, und ich hatte den großen Wunsch, dass sie mich ansehen sollte, bevor sie ging, damit sie mein Bild in ihrer Erinnerung behalten konnte. Es erschien mir grausam, sie in mein Verlies bringen zu lassen. Es war Leid genug für ihr junges Herz zu wissen, dass ihre Mutter ein Opfer der Sklaverei war, ohne das elende Versteck zu sehen, in das es sie getrieben hatte. Ich bat um Erlaubnis, die letzte Nacht mit meinem kleinen Mädchen in einem der offenen Zimmer verbringen zu dürfen. Sie hielten mich für verrückt, dass ich daran dachte, einem so jungen Kind mein gefährliches Geheimnis anzuvertrauen. Ich sagte ihnen, ich hätte ihren Charakter beobachtet und sei sicher, dass sie mich nicht verraten würde; dass ich entschlossen sei, eine Unterredung zu haben, und wenn sie es nicht erleichtern würden, würde ich meinen eigenen Weg finden. Sie widersprachen der Unbesonnenheit eines solchen Vorgehens; aber als sie merkten, dass sie meinen Entschluss nicht ändern konnten, gaben sie nach. Ich schlüpfte durch die Falltür in den Lagerraum, und mein Onkel hielt Wache am Tor, während ich auf die Veranda ging und die Treppe hinaufstieg zu dem Zimmer, das ich früher bewohnt hatte. Es war mehr als fünf Jahre her, seit ich es gesehen hatte; und wie die Erinnerungen auf mich einströmten! Dort hatte ich Zuflucht gesucht, als meine Herrin mich aus ihrem Haus vertrieben hatte; dort war mein alter Tyrann gekommen, um mich zu verspotten, zu beleidigen und zu verfluchen; dort wurden meine Kinder zum ersten Mal in meine Arme gelegt; dort hatte ich über sie gewacht, jeden Tag mit einer tieferen und traurigeren Liebe; dort hatte ich vor Gott in Herzensangst gekniet, damit er mir das Unrecht vergebe, das ich begangen hatte. Wie lebendig kam alles zurück! Und nach diesem langen, düsteren Zwischenraum stand ich dort, ein solches Wrack!
Inmitten dieser Meditationen hörte ich Schritte auf der Treppe. Die Tür öffnete sich, und mein Onkel Phillip kam herein und führte Ellen an der Hand. Ich legte meine Arme um sie und sagte: „Ellen, mein liebes Kind, ich bin deine Mutter.“ Sie wich ein wenig zurück und sah mich an; dann legte sie mit süßem Vertrauen ihre Wange an meine, und ich schloss sie an das Herz, das so lange verödet war. Sie sprach als Erste. Sie hob den Kopf und fragte: „Du bist wirklich meine Mutter?“ Ich sagte ihr, dass ich es wirklich sei; dass ich sie während all der langen Zeit, in der sie mich nicht gesehen hatte, am zärtlichsten geliebt habe; und dass ich sie jetzt, da sie fortging, sehen und mit ihr sprechen wollte, damit sie sich an mich erinnern könne. Mit einem Schluchzen in der Stimme sagte sie: „Ich bin froh, dass du gekommen bist, um mich zu sehen; aber warum bist du nie vorher gekommen? Benny und ich wollten dich so sehr sehen! Er erinnert sich an dich, und manchmal erzählt er mir von dir. Warum bist du nicht nach Hause gekommen, als Dr. Flint dich holen wollte?“
Ich antwortete: „Ich konnte vorher nicht kommen, Liebes. Aber jetzt, wo ich bei dir bin, sag mir, ob du gerne fortgehst.“ „Ich weiß es nicht“, sagte sie weinend. „Großmutter sagt, ich solle nicht weinen; dass ich an einen guten Ort komme, wo ich lesen und schreiben lernen kann, und dass ich ihr bald einen Brief schreiben kann. Aber ich werde Benny nicht haben, oder Großmutter, oder Onkel Phillip, oder irgendjemanden, der mich liebt. Kannst du nicht mitkommen? O, komm doch mit, liebe Mutter!“
Ich sagte ihr, dass ich jetzt nicht mitkommen könne; aber irgendwann würde ich zu ihr kommen, und dann würden sie und Benny und ich zusammenleben und glückliche Zeiten haben. Sie wollte loslaufen und Benny holen, damit er mich jetzt sehe. Ich sagte ihr, er würde in Bälde mit Onkel Phillip in den Norden gehen, und dann würde ich ihn besuchen kommen, bevor er fortging. Ich fragte sie, ob sie möchte, dass ich die ganze Nacht bleibe und bei ihr schlafe. „O ja“, antwortete sie. Dann wandte sie sich an ihren Onkel und sagte bittend: „Darf ich bleiben? Bitte, Onkel! Sie ist meine eigene Mutter.“ Er legte seine Hand auf ihren Kopf und sagte feierlich: „Ellen, dies ist das Geheimnis, von dem du Großmutter versprochen hast, es niemals zu verraten. Wenn du jemals vor irgendjemandem davon sprichst, werden sie dich niemals wieder deine Großmutter sehen lassen, und deine Mutter kann niemals nach Brooklyn kommen.“ „Onkel“, antwortete sie, „ich werde es niemals verraten.“ Er sagte ihr, sie dürfe bei mir bleiben; und als er gegangen war, nahm ich sie in meine Arme und sagte ihr, dass ich eine Sklavin sei und dass das der Grund sei, warum sie niemals sagen dürfe, dass sie mich gesehen habe. Ich ermahnte sie, ein braves Kind zu sein, zu versuchen, den Leuten dort, wo sie hinging, zu gefallen, und dass Gott ihr Freunde erwecken würde. Ich sagte ihr, sie solle ihre Gebete sprechen und immer daran denken, für ihre arme Mutter zu beten, und dass Gott uns erlauben werde, uns wiederzusehen. Sie weinte, und ich hielt ihre Tränen nicht auf. Vielleicht hätte sie nie wieder eine Gelegenheit, ihre Tränen an den Busen einer Mutter zu vergießen. Die ganze Nacht schmiegte sie sich an meine Arme, und ich verspürte keine Neigung zu schlummern. Die Augenblicke waren zu kostbar, um auch nur einen von ihnen zu verlieren. Einmal, als ich dachte, sie schliefe, küsste ich sanft ihre Stirn, und sie sagte: „Ich schlafe nicht, liebe Mutter.“
Vor Tagesanbruch kamen sie, um mich zurück in mein Verlies zu bringen. Ich zog den Fenstervorhang beiseite, um einen letzten Blick auf mein Kind zu werfen. Das Mondlicht schien auf ihr Gesicht, und ich beugte mich über sie, wie ich es Jahre zuvor getan hatte, in jener elenden Nacht, als ich weglief. Ich hielt sie fest an mein pochendes Herz gedrückt; und Tränen, zu traurig für solch junge Augen, flossen über ihre Wangen, als sie mir ihren letzten Kuss gab und mir ins Ohr flüsterte: „Mutter, ich werde es niemals verraten.“ Und das tat sie auch nie.
Als ich in mein Versteck zurückkehrte, warf ich mich auf das Bett und weinte dort allein in der Dunkelheit. Es war, als würde mein Herz zerspringen. Als die Zeit für Ellens Abreise näher rückte, konnte ich hören, wie Nachbarn und Freunde zu ihr sagten: „Leb wohl, Ellen. Ich hoffe, deine arme Mutter wird dich ausfindig machen. Wirst du nicht froh sein, sie zu sehen!“ Sie antwortete: „Ja, gnädige Frau“, und sie ahnten kaum etwas von dem gewichtigen Geheimnis, das auf ihrem jungen Herzen lastete. Sie war ein liebevolles Kind, aber von Natur aus sehr verschlossen, außer bei denen, die sie liebte, und ich fühlte mich sicher, dass mein Geheimnis bei ihr gut aufgehoben war. Ich hörte, wie das Tor hinter ihr ins Schloss fiel, mit Gefühlen, die nur eine Sklavenmutter erleben kann. Während des Tages waren meine Gedanken sehr betrübt. Manchmal fürchtete ich, ich sei sehr selbstsüchtig gewesen, nicht jeden Anspruch auf sie aufzugeben und sie nach Illinois ziehen zu lassen, um von Mrs. Sands’ Schwester adoptiert zu werden. Es war meine Erfahrung mit der Sklaverei, die mich davon abhielt. Ich fürchtete, dass Umstände eintreten könnten, die dazu führen würden, dass sie zurückgeschickt würde. Ich war zuversichtlich, dass ich selbst nach New York gehen würde; und dann wäre ich in der Lage, über sie zu wachen und sie bis zu einem gewissen Grad zu beschützen.
Dr. Flints Familie wusste nichts von der geplanten Vereinbarung, bis Ellen fort war, und die Nachricht missfiel ihnen sehr. Mrs. Flint suchte die Schwester von Mrs. Sands auf, um sich nach der Angelegenheit zu erkundigen. Sie äußerte ihre Meinung sehr frei darüber, welchen Respekt Mr. Sands seiner Frau und seinem eigenen Charakter gegenüber zeigte, indem er diese „jungen Nigger“ anerkannte. Und was das Fortschicken von Ellen betraf, so erklärte sie, dies sei ebenso sehr ein Diebstahl, wie wenn er käme und ein Möbelstück aus ihrem Salon mitnähme. Sie sagte, ihre Tochter sei noch nicht volljährig, um den Kaufvertrag zu unterzeichnen, und die Kinder seien ihr Eigentum; und wenn sie volljährig sei oder heirate, könne sie sie nehmen, wo immer sie ihrer habhaft werden könne.
Miss Emily Flint, das kleine Mädchen, dem ich vermacht worden war, befand sich nun in ihrem sechzehnten Lebensjahr. Ihre Mutter hielt es für völlig in Ordnung und ehrenhaft, wenn sie oder ihr zukünftiger Ehemann meine Kinder stahlen; aber sie verstand nicht, wie irgendjemand in der achtbaren Gesellschaft das Haupt erhoben halten konnte, nachdem er seine eigenen Kinder gekauft hatte, so wie Mr. Sands es getan hatte. Dr. Flint sagte sehr wenig. Vielleicht dachte er, dass Benny weniger wahrscheinlich fortgeschickt würde, wenn er sich ruhig verhielt. Einer meiner Briefe, der ihm in die Hände fiel, war aus Kanada datiert; und er sprach jetzt nur noch selten von mir. Dieser Zustand ermöglichte es mir, häufiger in den Vorratsraum hinunterzuschlüpfen, wo ich aufrecht stehen und meine Gliedmaßen freier bewegen konnte.
Tage, Wochen und Monate vergingen, und es kam keine Nachricht von Ellen. Ich sandte einen Brief nach Brooklyn, geschrieben im Namen meiner Großmutter, um mich zu erkundigen, ob sie dort angekommen sei. Als Antwort kam zurück, dass sie es nicht sei. Ich schrieb ihr nach Washington; aber es wurde keine Notiz davon genommen. Dort gab es eine Person, die etwas Mitgefühl für die Angst der Freunde des Kindes zu Hause hätte haben sollen; aber die Bande solcher Beziehungen, wie er sie mit mir geknüpft hatte, sind leicht zu zerreißen und als wertloser Abfall wegzuwerfen. Doch wie beschützend und überzeugend sprach er einst zu dem armen, hilflosen Sklavenmädchen! Und wie sehr habe ich ihm vertraut! Aber nun verdüsterten Verdächtigungen meinen Geist. War mein Kind tot, oder hatten sie mich getäuscht und sie verkauft?
Wenn die geheimen Memoiren vieler Kongressabgeordneter veröffentlicht würden, kämen kuriose Details ans Licht. Ich sah einst einen Brief eines Kongressabgeordneten an eine Sklavin, die die Mutter von sechs seiner Kinder war. Er schrieb, um sie zu bitten, ihre Kinder vor seiner Rückkehr aus dem großen Haus wegzuschicken, da er erwartete, von Freunden begleitet zu werden. Die Frau konnte nicht lesen und war gezwungen, eine andere Person zu beauftragen, ihr den Brief vorzulesen. Die Existenz der farbigen Kinder beunruhigte diesen Herrn nicht, es war nur die Angst, dass Freunde in ihren Gesichtszügen eine Ähnlichkeit mit ihm erkennen könnten.
Nach sechs Monaten kam ein Brief aus Brooklyn an meine Großmutter. Er war von einer jungen Dame aus der Familie geschrieben und kündigte an, dass Ellen gerade angekommen sei. Er enthielt folgende Botschaft von ihr: „Ich versuche wirklich, genau das zu tun, was du mir gesagt hast, und ich bete jeden Abend und Morgen für dich.“ Ich verstand, dass diese Worte für mich bestimmt waren; und sie waren ein Balsam für mein Herz. Die Verfasserin schloss ihren Brief mit den Worten: „Ellen ist ein nettes kleines Mädchen, und wir werden sie gerne bei uns haben. Mein Cousin, Mr. Sands, hat sie mir geschenkt, damit sie meine kleine Zofe sei. Ich werde sie zur Schule schicken, und ich hoffe, eines Tages wird sie dir selbst schreiben.“ Dieser Brief verwirrte und beunruhigte mich. Hatte das Kindesvater sie nur dort untergebracht, bis sie alt genug war, für sich selbst zu sorgen? Oder hatte er sie seiner Cousine als ein Stück Eigentum überlassen? Wenn der letzte Gedanke richtig war, könnte seine Cousine jederzeit in den Süden zurückkehren und Ellen als Sklavin halten. Ich versuchte, den schmerzlichen Gedanken von mir zu weisen, dass uns ein solch abscheuliches Unrecht hätte angetan werden können. Ich sagte mir: „Sicherlich muss es eine Gerechtigkeit unter den Menschen geben“; dann erinnerte ich mich mit einem Seufzer daran, wie die Sklaverei alle natürlichen Gefühle des menschlichen Herzens verdarb. Es versetzte mir einen Stich, meinen unbekümmerten Jungen anzusehen. Er glaubte, frei zu sein; und ihn unter das Joch der Sklaverei gebracht zu sehen, wäre mehr, als ich ertragen könnte. Wie sehr sehnte ich mich danach, ihn sicher außerhalb der Reichweite ihrer Macht zu wissen!
XXVIII. Tante Nancy.
Ich habe meine Großtante erwähnt, die eine Sklavin in Dr. Flints Familie war und die mir während der schändlichen Verfolgungen, die ich durch ihn erlitt, ein Zufluchtsort gewesen war. Diese Tante war mit zwanzig Jahren verheiratet worden; das heißt, soweit Sklaven heiraten können. Sie hatte die Zustimmung ihres Herrn und ihrer Herrin, und ein Geistlicher vollzog die Zeremonie. Aber es war eine bloße Form ohne jeglichen rechtlichen Wert. Ihr Herr oder ihre Herrin konnten sie an jedem beliebigen Tag annullieren. Sie hatte immer auf dem Boden im Flur geschlafen, nahe der Tür zu Mrs. Flints Schlafzimmer, damit sie auf Abruf bereit war. Als sie heiratete, wurde ihr gesagt, sie könne ein kleines Zimmer in einem Nebengebäude benutzen. Ihre Mutter und ihr Mann richteten es ein. Er war ein Seemann und durfte dort schlafen, wenn er zu Hause war. Aber am Abend der Hochzeit wurde die Braut an ihren alten Posten auf dem Flurboden befohlen.
Mrs. Flint hatte zu jener Zeit keine Kinder; aber sie erwartete Mutter zu werden, und wenn sie nachts nach einem Schluck Wasser verlangte, was konnte sie ohne ihre Sklavin tun, um es zu bringen? So war meine Tante gezwungen, an ihrer Tür zu liegen, bis sie eines Mitternachts gezwungen wurde, das Bett zu verlassen, um ein Kind zu früh zur Welt zu bringen. Nach vierzehn Tagen wurde von ihr verlangt, ihren Platz auf dem Flurboden wieder einzunehmen, weil Mrs. Flints Baby ihre Aufmerksamkeit brauchte. Sie behielt ihren Platz dort durch Sommer und Winter, bis sie sechs Kinder zu früh zur Welt gebracht hatte; und die ganze Zeit über war sie als Nachtschwester für Mrs. Flints Kinder angestellt. Schließlich hatte die Arbeit den ganzen Tag über und der Entzug von Ruhe in der Nacht ihre Konstitution vollständig ruiniert, und Dr. Flint erklärte, es sei unmöglich, dass sie jemals die Mutter eines lebenden Kindes werden könne. Die Angst, eine so wertvolle Dienerin durch den Tod zu verlieren, veranlasste sie nun dazu, ihr zu erlauben, in ihrem kleinen Zimmer im Nebengebäude zu schlafen, außer wenn Krankheit in der Familie herrschte. Sie hatte danach zwei schwächliche Babys, von denen eines nach wenigen Tagen starb und das andere nach vier Wochen. Ich erinnere mich gut an ihren geduldigen Kummer, als sie das letzte tote Baby in ihren Armen hielt. „Ich wünschte, es hätte leben können“, sagte sie; „es ist nicht der Wille Gottes, dass eines meiner Kinder leben soll. Aber ich werde versuchen, würdig zu sein, ihren kleinen Seelen im Himmel zu begegnen.“
Tante Nancy war Haushälterin und Zofe in Dr. Flints Familie. Tatsächlich war sie das Faktotum des Haushalts. Nichts lief ohne sie gut. Sie war die Zwillingsschwester meiner Mutter, und soweit es in ihrer Macht stand, ersetzte sie uns Waisen die Mutter. Ich schlief die ganze Zeit bei ihr, als ich im Haus meines alten Herrn lebte, und das Band zwischen uns war sehr stark. Als meine Freunde versuchten, mich vom Weglaufen abzubringen, ermutigte sie mich immer. Wenn sie dachten, ich sollte besser zurückkehren und meinen Herrn um Verzeihung bitten, weil es keine Möglichkeit zur Flucht gäbe, ließ sie mir ausrichten, ich solle niemals nachgeben. Sie sagte, wenn ich beharrte, könnte ich vielleicht die Freiheit meiner Kinder gewinnen; und selbst wenn ich dabei zugrunde ginge, wäre das besser, als sie unter denselben Verfolgungen ächzen zu lassen, die mein eigenes Leben verpestet hatten. Nachdem ich in meiner dunklen Zelle eingeschlossen war, schlich sie sich, wann immer sie konnte, fort, um mir Neuigkeiten zu bringen und etwas Aufmunterndes zu sagen. Wie oft kniete ich nieder, um ihren Worten des Trostes zu lauschen, die durch einen Riss geflüstert wurden! „Ich bin alt und habe nicht mehr lange zu leben“, pflegte sie zu sagen; „und ich könnte glücklich sterben, wenn ich nur dich und die Kinder frei sehen könnte. Du musst zu Gott beten, Linda, so wie ich für dich bete, dass er dich aus dieser Dunkelheit führt.“ Ich bat sie, sich meinetwegen keine Sorgen zu machen; dass alles Leiden früher oder später ein Ende habe, und dass ich sie, ob ich nun in Ketten oder in Freiheit lebte, immer als die gute Freundin in Erinnerung behalten würde, die der Trost meines Lebens gewesen war. Ein Wort von ihr stärkte mich immer; und nicht nur mich. Die ganze Familie verließ sich auf ihr Urteil und ließ sich von ihrem Rat leiten. Ich war sechs Jahre in meiner Zelle, als meine Großmutter an das Krankenbett dieser, ihrer letzten verbliebenen Tochter, gerufen wurde. Sie war sehr krank, und man sagte, sie würde sterben. Die Großmutter hatte das Haus von Dr. Flint seit mehreren Jahren nicht mehr betreten. Sie hatten sie grausam behandelt, aber daran dachte sie jetzt nicht mehr. Sie war dankbar für die Erlaubnis, am Sterbebett ihres Kindes wachen zu dürfen. Sie waren einander immer zugetan gewesen; und nun saßen sie da und blickten sich in die Augen, begierig darauf, über das Geheimnis zu sprechen, das so sehr auf den Herzen beider gelastet hatte. Meine Tante war vom Schlag getroffen worden. Sie lebte nur noch zwei Tage, und am letzten Tag war sie sprachlos. Bevor sie die Fähigkeit zu sprechen verlor, sagte sie ihrer Mutter, sie solle nicht trauern, wenn sie nicht zu ihr sprechen könne; sie werde versuchen, ihre Hand hochzuhalten, damit sie wisse, dass alles wohl mit ihr sei. Selbst der hartherzige Doktor war ein wenig erweicht, als er sah, wie die sterbende Frau versuchte, die gealterte Mutter anzulächeln, die an ihrer Seite kniete. Seine Augen feuchteten sich für einen Moment, als er sagte, sie sei immer eine treue Dienerin gewesen und sie würden niemals in der Lage sein, ihren Platz zu ersetzen. Mrs. Flint legte sich ins Bett, völlig überwältigt von dem Schock. Während meine Großmutter allein bei der Toten saß, kam der Doktor herein und führte seinen jüngsten Sohn, der immer ein großer Liebling von Tante Nancy gewesen war und sehr an ihr hing. „Martha“, sagte er, „Tante Nancy liebte dieses Kind, und wenn er dorthin kommt, wo du bist, hoffe ich, dass du um ihrer willen freundlich zu ihm sein wirst.“ Sie antwortete: „Eure Frau war mein Pflegekind, Dr. Flint, die Pflegeschwester meiner armen Nancy, und Ihr kennt mich schlecht, wenn Ihr glaubt, ich könne etwas anderes als Wohlwollen für ihre Kinder empfinden.“
„Ich wünschte, die Vergangenheit könnte vergessen werden und wir müssten niemals daran denken“, sagte er; „und dass Linda käme, um den Platz ihrer Tante einzunehmen. Sie wäre uns mehr wert als all das Geld, das für sie gezahlt werden könnte. Ich wünsche es auch Euretwegen, Martha. Jetzt, wo Nancy Euch genommen wurde, wäre sie ein großer Trost für Euer Alter.“ Er wusste, dass er eine empfindliche Saite berührte. Fast erstickend vor Kummer, antwortete meine Großmutter: „Ich war es nicht, die Linda vertrieben hat. Meine Enkelkinder sind fort; und von meinen neun Kindern ist nur noch eines übrig. Gott steh mir bei!“
Für mich war der Tod dieser lieben Verwandten ein unsagbarer Kummer. Ich wusste, dass sie langsam ermordet worden war; und ich fühlte, dass meine Nöte dazu beigetragen hatten, das Werk zu vollenden. Nachdem ich von ihrer Krankheit gehört hatte, lauschte ich ständig, um zu erfahren, welche Neuigkeiten aus dem großen Haus gebracht wurden; und der Gedanke, dass ich nicht zu ihr gehen konnte, machte mich vollkommen unglücklich. Endlich, als Onkel Phillip in das Haus kam, hörte ich jemanden fragen: „Wie geht es ihr?“, und er antwortete: „Sie ist tot.“ Meine kleine Zelle schien sich zu drehen, und ich wusste nichts mehr, bis ich meine Augen öffnete und Onkel Phillip über mir gebeugt fand. Ich brauchte keine Fragen zu stellen. Er flüsterte: „Linda, sie starb glücklich.“ Ich konnte nicht weinen. Mein starrer Blick beunruhigte ihn. „Schau nicht so“, sagte er. „Füge dem Kummer meiner armen Mutter nicht noch mehr hinzu. Denke daran, wie viel sie zu ertragen hat, und dass wir alles tun sollten, um sie zu trösten.“ Ach ja, diese gesegnete alte Großmutter, die dreiundsiebzig Jahre lang die peitschenden Stürme des Lebens einer Sklavenmutter ertragen hatte. Sie brauchte wahrlich Trost!
Mrs. Flint hatte ihre arme Pflegeschwester kinderlos gemacht, scheinbar ohne jegliche Gewissensbisse; und mit grausamer Selbstsucht hatte sie durch jahrelange unaufhörliche, unbezahlte Mühsal und unterbrochene Ruhe ihre Gesundheit ruiniert. Aber nun wurde sie sehr sentimental. Ich nehme an, sie dachte, es wäre eine schöne Veranschaulichung der Verbundenheit zwischen Sklavenhalter und Sklave, wenn der Leichnam ihrer alten, abgenutzten Dienerin ihr zu Füßen begraben würde. Sie sandte nach dem Geistlichen und fragte, ob er Einwände gegen die Beisetzung von Tante Nancy in der Familiengrabstätte des Doktors habe. Niemals war es einer farbigen Person gestattet worden, auf dem Friedhof der Weißen beigesetzt zu werden, und der Geistliche wusste, dass alle Verstorbenen unserer Familie zusammen auf dem alten Friedhof der Sklaven ruhten. Er antwortete daher: „Ich habe keine Einwände, Eurem Wunsch nachzukommen; aber vielleicht hat Tante Nancys Mutter eine Wahl, wo ihre sterblichen Überreste beigesetzt werden sollen.“
Es war Mrs. Flint niemals in den Sinn gekommen, dass Sklaven irgendwelche Gefühle haben könnten. Als meine Großmutter konsultiert wurde, sagte sie sofort, sie wolle, dass Nancy bei all den anderen Mitgliedern ihrer Familie liege, und dort, wo ihr eigener alter Körper begraben werden würde. Mrs. Flint kam ihrem Wunsch gnädig nach, obwohl sie sagte, es sei schmerzlich für sie, Nancy von sich entfernt begraben zu wissen. Sie hätte mit rührendem Pathos hinzufügen können: „Ich war so lange daran gewöhnt, bei ihr zu schlafen, während sie neben mir auf dem Flurboden lag.“
Mein Onkel Phillip bat um die Erlaubnis, seine Schwester auf eigene Kosten zu beerdigen; und Sklavenhalter sind immer bereit, Sklaven und ihren Verwandten solche Gefälligkeiten zu gewähren. Die Vorbereitungen waren sehr einfach, aber vollkommen anständig. Sie wurde am Sabbat beerdigt, und Mrs. Flints Geistlicher las den Trauergottesdienst. Es war eine große Menge farbiger Menschen anwesend, unfreie und freie, und einige wenige weiße Personen, die unserer Familie immer freundlich gesinnt gewesen waren. Dr. Flints Kutsche war im Trauerzug; und als der Leichnam in seiner bescheidenen Ruhestätte beigesetzt wurde, vergoss die Herrin eine Träne und kehrte zu ihrer Kutsche zurück, wahrscheinlich in dem Glauben, sie habe ihre Pflicht edel erfüllt.
Es wurde von den Sklaven als ein mächtig großartiges Begräbnis besprochen. Reisende aus dem Norden, die durch den Ort zogen, hätten diesen Tribut an die bescheidenen Toten als ein schönes Merkmal der „patriarchalen Institution“ beschreiben können; ein rührender Beweis der Verbundenheit zwischen Sklavenhaltern und ihren Dienern; und die mitleidige Mrs. Flint hätte diesen Eindruck mit einem Taschentuch an ihren Augen bestätigt. Wir hätten ihnen eine andere Geschichte erzählen können. Wir hätten ihnen ein Kapitel voller Unrecht und Leiden geben können, das ihre Herzen berührt hätte, wenn sie Herzen gehabt hätten, um für die farbigen Menschen zu fühlen. Wir hätten ihnen erzählen können, wie die arme, alte Sklavenmutter Jahr für Jahr geschuftet hatte, um achthundert Dollar zu verdienen, um das Recht ihres Sohnes Phillip auf seinen eigenen Verdienst zu kaufen; und wie derselbe Phillip die Kosten der Beerdigung bezahlte, die sie als ein solches Verdienst des Herrn betrachteten. Wir hätten ihnen auch von einem armen, verkümmerten jungen Geschöpf erzählen können, das jahrelang in einem lebendigen Grab eingeschlossen war, um den Qualen zu entgehen, die ihr zugefügt worden wären, wenn sie es gewagt hätte, herauszukommen und dem Gesicht ihrer verstorbenen Freundin ins Auge zu sehen.
An all dies und noch viel mehr dachte ich, während ich an meinem Guckloch saß und darauf wartete, dass die Familie vom Grab zurückkehrte; manchmal weinend, manchmal einschlafend, seltsame Träume von den Toten und den Lebenden träumend.
Es war traurig, den Kummer meiner hinterbliebenen Großmutter mitanzusehen. Sie war immer stark im Ertragen gewesen, und nun, wie immer, stützte sie ihr religiöser Glaube. Aber ihr dunkles Leben war noch dunkler geworden, und Alter und Kummer hinterließen tiefe Spuren auf ihrem welken Gesicht. Sie hatte vier Stellen, an die sie klopfen konnte, damit ich zur Falltür kam, und jede Stelle hatte eine andere Bedeutung. Sie kam nun öfter als zuvor und sprach mit mir über ihre verstorbene Tochter, während Tränen langsam ihre gefurchten Wangen hinunterliefen. Ich sagte alles, was ich konnte, um sie zu trösten; aber es war ein trauriger Gedanke, dass ich, anstatt ihr helfen zu können, eine ständige Quelle der Sorge und des Kummers war. Der arme, alte Rücken war für seine Last geschaffen. Er beugte sich darunter, aber er brach nicht.
XXIX. Vorbereitungen zur Flucht.
Ich erwarte kaum, dass der Leser mir glauben wird, wenn ich behaupte, dass ich fast sieben Jahre lang in diesem kleinen, düsteren Loch gelebt habe, fast ohne Licht und Luft und ohne Platz, meine Gliedmaßen zu bewegen. Aber es ist eine Tatsache; und für mich eine traurige, selbst heute noch; denn mein Körper leidet noch immer unter den Folgen dieser langen Gefangenschaft, ganz zu schweigen von meiner Seele. Familienmitglieder von mir, die jetzt in New York und Boston leben, können die Wahrheit dessen bezeugen, was ich sage.
Unzählig waren die Nächte, in denen ich lange an dem kleinen Guckloch saß, kaum groß genug, um mir einen Blick auf einen funkelnden Stern zu gewähren. Dort hörte ich die Patrouillen und Sklavenjäger, die sich über das Einfangen von Entlaufenen berieten, wohl wissend, wie erfreut sie wären, mich zu erwischen.
Saison um Saison, Jahr um Jahr, spähte ich auf die Gesichter meiner Kinder und hörte ihre süßen Stimmen, während mein Herz sich die ganze Zeit danach sehnte, zu sagen: „Deine Mutter ist hier.“ Manchmal erschien es mir, als seien Zeitalter vergangen, seit ich in dieses düstere, monotone Dasein eingetreten war. Zeitweise war ich benommen und teilnahmslos; zu anderen Zeiten wurde ich sehr ungeduldig, wissen zu wollen, wann diese dunklen Jahre enden würden und ich wieder die Erlaubnis erhalten würde, den Sonnenschein zu spüren und die reine Luft zu atmen.
Nachdem Ellen uns verlassen hatte, verstärkte sich dieses Gefühl. Mr. Sands hatte zugestimmt, dass Benny in den Norden reisen dürfe, wann immer sein Onkel Phillip ihn begleiten könne; und ich war bestrebt, ebenfalls dort zu sein, um über meine Kinder zu wachen und sie zu beschützen, so weit es mir möglich war. Zudem drohte ich aus meinem Versteck vertrieben zu werden, sollte ich noch viel länger bleiben; denn das notdürftige Dach war in einem schlechten Zustand, und Onkel Phillip fürchtete, die Schindeln zu entfernen, aus Angst, jemand könnte einen Blick auf mich erhaschen. Wenn es nachts stürmte, breiteten sie Matten und Teppichreste aus, die am Morgen so aussahen, als seien sie zum Trocknen hingelegt worden; aber das Dach bei Tageslicht zu decken, hätte Aufmerksamkeit erregen können. Infolgedessen waren meine Kleider und mein Bettzeug oft durchnässt; ein Vorgang, durch den die Schmerzen und das Ziehen in meinen verkrampften und steifen Gliedern erheblich zunahmen. Ich wälzte verschiedene Fluchtpläne in meinem Kopf, die ich manchmal meiner Großmutter mitteilte, wenn sie kam, um an der Falltür mit mir zu flüstern. Die gutherzige alte Frau hatte tiefes Mitgefühl für Flüchtlinge. Sie hatte nur allzu viel von den Grausamkeiten erfahren, die jenen angetan wurden, die man gefangen nahm. Ihr Gedächtnis flog immer sofort zurück zu den Leiden ihres aufgeweckten und stattlichen Sohnes Benjamin, dem Jüngsten und Liebsten ihrer Schar. Wann immer ich das Thema also anschnitt, stöhnte sie: „Oh, denk nicht daran, Kind. Du wirst mir das Herz brechen.“ Ich hatte nun keine gute alte Tante Nancy mehr, die mich ermutigte; aber mein Bruder William und meine Kinder winkten mir unablässig aus dem Norden zu.
Und nun muss ich in meiner Geschichte einige Monate zurückgehen. Ich habe erwähnt, dass der erste Januar die Zeit war, Sklaven zu verkaufen oder sie an neue Herren zu verpachten. Würde man die Zeit nach Herzschlägen zählen, könnten die armen Sklaven während dieses für die Freien so freudigen Festes Jahre des Leidens berechnen. An dem Neujahrstag vor dem Tod meiner Tante sollte eine meiner Freundinnen namens Fanny versteigert werden, um die Schulden ihres Herrn zu begleichen. Meine Gedanken waren den ganzen Tag bei ihr, und am Abend fragte ich voller Angst, was ihr Schicksal gewesen sei. Mir wurde gesagt, sie sei an einen Herrn verkauft worden und ihre vier kleinen Mädchen an einen anderen, weit entfernten Herrn; dass sie ihrem Käufer entkommen sei und nicht gefunden werden könne. Ihre Mutter war die alte Aggie, von der ich gesprochen habe. Sie lebte in einem kleinen Mietshaus, das meiner Großmutter gehörte und auf demselben Grundstück wie ihr eigenes Haus stand. Ihre Behausung wurde durchsucht und bewacht, was die Patrouillen so nah an mich heranbrachte, dass ich gezwungen war, mich in meinem Versteck sehr ruhig zu verhalten. Die Jäger wurden irgendwie getäuscht; und nicht lange danach erblickte Benny zufällig Fanny in der Hütte ihrer Mutter. Er erzählte es seiner Großmutter, die ihn ermahnte, niemals davon zu sprechen, und ihm die schrecklichen Folgen erklärte; und er hat das Vertrauen nie missbraucht. Aggie ahnte nicht im Geringsten, dass meine Großmutter wusste, wo ihre Tochter verborgen war, und dass sich die gebeugte Gestalt ihrer alten Nachbarin unter einer ähnlichen Last aus Angst und Sorge krümmte; doch diese gefährlichen Geheimnisse vertieften das Mitgefühl zwischen den beiden alten, verfolgten Müttern.
Meine Freundin Fanny und ich blieben viele Wochen verborgen, in Rufweite zueinander; aber sie war sich dessen nicht bewusst. Ich sehnte mich danach, dass sie mein Versteck teilte, das sich als ein sichereres Zufluchtsort erwies als ihr eigener; aber ich hatte meiner Großmutter bereits so viel Kummer bereitet, dass es falsch erschien, sie zu bitten, größere Risiken einzugehen. Meine Rastlosigkeit nahm zu. Ich hatte zu lange in körperlichem Schmerz und seelischer Qual gelebt. Ich war ständig in Sorge, dass die Sklaverei durch irgendeinen Zufall oder durch irgendein Komplott Erfolg haben könnte, mir meine Kinder zu entreißen. Dieser Gedanke trieb mich fast in den Wahnsinn, und ich beschloss, unter allen Umständen auf den Nordstern zuzusteuern. In dieser Krise eröffnete die Vorsehung mir einen unerwarteten Weg zur Flucht. Mein Freund Peter kam eines Abends und bat, mit mir zu sprechen. „Dein Tag ist gekommen, Linda“, sagte er. „Ich habe eine Gelegenheit für dich gefunden, in die freien Staaten zu gelangen. Du hast vierzehn Tage Zeit, dich zu entscheiden.“ Die Nachricht schien zu gut, um wahr zu sein; doch Peter erklärte mir seine Vorkehrungen und sagte, alles, was nötig sei, sei, dass ich meine Zustimmung gäbe. Ich wollte ihm gerade mit einem freudigen Ja antworten, als mir Benny in den Sinn kam. Ich sagte ihm, die Versuchung sei außerordentlich groß, aber ich hätte schreckliche Angst vor Dr. Flints behaupteter Macht über mein Kind und könne nicht gehen und ihn zurücklassen. Peter redete eindringlich auf mich ein. Er sagte, eine solche gute Gelegenheit würde sich vielleicht nie wieder ergeben; Benny sei frei und könne zu mir geschickt werden; und um des Wohlergehens meiner Kinder willen dürfe ich keinen Moment zögern. Ich sagte ihm, ich würde mich mit Onkel Phillip beraten. Mein Onkel freute sich über den Plan und hieß mich um jeden Preis gehen. Er versprach, falls sein Leben verschont bliebe, würde er meinen Sohn zu mir bringen oder schicken, sobald ich einen sicheren Ort erreicht hätte. Ich beschloss zu gehen, dachte aber, man sollte meiner Großmutter nichts sagen, bis der Zeitpunkt der Abreise sehr nahe war. Doch mein Onkel meinte, sie würde es schmerzlicher empfinden, wenn ich sie so plötzlich verließe. „Ich werde mit ihr reden“, sagte er, „und sie davon überzeugen, wie notwendig es ist, nicht nur für dich, sondern auch für sie. Du kannst nicht blind für die Tatsache sein, dass sie unter ihren Lasten zusammenbricht.“ Ich war nicht blind dafür. Ich wusste, dass mein Versteck eine allgegenwärtige Quelle der Sorge war und dass sie mit zunehmendem Alter nervöser und ängstlicher vor einer Entdeckung wurde. Mein Onkel sprach mit ihr und schaffte es schließlich, sie davon zu überzeugen, dass es absolut notwendig sei, dass ich die so unerwartet gebotene Gelegenheit ergriff.
Die Aussicht, eine freie Frau zu sein, erwies sich für meinen schwachen Körper als fast zu viel. Die Aufregung spornte mich an und verwirrte mich zugleich. Ich traf geschäftige Vorbereitungen für meine Reise und dafür, dass mein Sohn mir folgen konnte. Ich beschloss, vor meiner Abreise ein Gespräch mit ihm zu führen, damit ich ihm Ermahnungen und Ratschläge geben und ihm sagen konnte, wie sehnsüchtig ich im Norden auf ihn warten würde. Großmutter schlich sich so oft wie möglich zu mir, um mir Ratschläge zu flüstern. Sie bestand darauf, dass ich an Dr. Flint schreiben sollte, sobald ich in den freien Staaten ankäme, und ihn bitten sollte, mich an sie zu verkaufen. Sie sagte, sie würde ihr Haus und alles, was sie auf der Welt besaß, opfern, nur um mich mit meinen Kindern sicher an irgendeinem Ort der Welt zu wissen. Wenn sie nur noch erleben könnte, dass sie in Frieden sterben durfte. Ich versprach der lieben, alten, treuen Freundin, dass ich ihr schreiben würde, sobald ich angekommen wäre, und den Brief auf einem sicheren Weg zu ihr gelangen lassen würde; aber in meinem Inneren nahm ich mir vor, dass kein weiterer Cent ihres hart verdienten Geldes ausgegeben werden sollte, um habgierige Sklavenhalter für das zu bezahlen, was sie ihr Eigentum nannten. Und selbst wenn ich nicht abgeneigt gewesen wäre, das zu kaufen, was zu besitzen ich ohnehin ein Recht hatte, hätte mich die allgemeine Menschlichkeit davon abgehalten, das großzügige Angebot anzunehmen, um den Preis, meine gealterte Verwandte aus ihrem Haus und Heim zu vertreiben, während sie zitternd am Rande des Grabes stand.
Ich sollte auf einem Schiff entkommen; doch ich sehe davon ab, weitere Einzelheiten zu nennen. Ich war bereit, doch das Schiff wurde unerwartet einige Tage aufgehalten. In der Zwischenzeit erreichte die Stadt die Nachricht von einem abscheulichen Mord an einem entlaufenen Sklaven namens James. Charity, die Mutter dieses unglücklichen jungen Mannes, war eine alte Bekannte von uns gewesen. Ich habe die schockierenden Einzelheiten seines Todes in meiner Beschreibung einiger der benachbarten Sklavenhalter bereits geschildert. Meine Großmutter, die bei entlaufenen Sklaven immer nervös und empfindlich reagierte, war schrecklich verängstigt. Sie war sich sicher, dass mich ein ähnliches Schicksal erwartete, wenn ich nicht von meinem Vorhaben abließ. Sie schluchzte, stöhnte und flehte mich an, nicht zu gehen. Ihre übermäßige Angst war ein Stück weit ansteckend, und mein Herz war gegen ihre extreme Qual nicht gefeit. Ich war bitter enttäuscht, aber ich versprach, mein Projekt aufzugeben.
Als mein Freund Peter davon erfuhr, war er sowohl enttäuscht als auch verärgert. Er sagte, wenn man von unserer bisherigen Erfahrung ausginge, würde es lange dauern, bis ich wieder eine solche Gelegenheit hätte, die ich nun einfach wegwerfe. Ich sagte ihm, sie müsse nicht weggeworfen werden; ich hätte eine Freundin, die ganz in der Nähe verborgen sei und froh wäre, den Platz einzunehmen, der für mich vorgesehen war. Ich erzählte ihm von der armen Fanny, und der gutherzige, edle Kerl, der niemals jemandem in Not den Rücken kehrte, ob weiß oder schwarz, erklärte seine Bereitschaft, ihr zu helfen. Aggie war sehr überrascht, als sie erfuhr, dass wir ihr Geheimnis kannten. Sie war erfreut, von einer solchen Chance für Fanny zu hören, und es wurden Vorkehrungen getroffen, damit sie am nächsten Abend an Bord des Schiffes gehen konnte. Beide nahmen an, dass ich mich schon lange im Norden befand, daher wurde mein Name bei der Transaktion nicht erwähnt. Fanny wurde zur vereinbarten Zeit an Bord gebracht und in einer sehr kleinen Kabine untergebracht. Diese Unterkunft war zu einem Preis erkauft worden, der für eine Reise nach England gereicht hätte. Doch wenn man vorschlägt, in das schöne alte England zu reisen, hält man inne, um zu kalkulieren, ob man sich die Kosten für das Vergnügen leisten kann; während das zitternde Opfer beim Aushandeln einer Flucht aus der Sklaverei bereit ist zu sagen: „Nimm alles, was ich habe, nur verrate mich nicht!“
Am nächsten Morgen spähte ich durch mein Guckloch und sah, dass es dunkel und bewölkt war. Am Abend erhielt ich die Nachricht, dass der Wind ungünstig stand und das Schiff nicht ausgelaufen war. Ich war außerordentlich besorgt um Fanny und auch um Peter, der auf mein Betreiben hin ein enormes Risiko einging. Am nächsten Tag blieben Wind und Wetter unverändert. Die arme Fanny war vor Angst halb gestorben, als sie sie an Bord brachten, und ich konnte mir leicht vorstellen, wie sie jetzt leiden musste. Großmutter kam oft zu meinem Versteck, um zu sagen, wie dankbar sie sei, dass ich nicht gegangen war. Am dritten Morgen klopfte sie, damit ich in die Vorratskammer hinunterkam. Die arme alte Leidende brach unter ihrer Last der Sorgen zusammen. Sie war jetzt leicht aus der Fassung zu bringen. Ich fand sie in einem nervösen, aufgeregten Zustand vor, aber mir war nicht bewusst, dass sie vergessen hatte, die Tür hinter sich abzuschließen, wie sie es sonst immer tat. Sie war außerordentlich beunruhigt wegen der Verzögerung des Schiffes. Sie hatte Angst, dass alles entdeckt würde, und dann würden Fanny, Peter und ich zu Tode gefoltert werden, Phillip wäre völlig ruiniert und ihr Haus würde abgerissen werden. Armer Peter! Wenn er einen so schrecklichen Tod sterben müsste wie der arme Sklave James vor Kurzem, und das alles nur wegen seiner Freundlichkeit, mir helfen zu wollen, wie schrecklich wäre das für uns alle! Ach, der Gedanke war mir vertraut und hatte meinem Herzen schon manchen scharfen Stich versetzt. Ich versuchte, meine eigene Angst zu unterdrücken und beruhigend auf sie einzureden. Sie brachte eine Anspielung auf Tante Nancy ein, die liebe Tochter, die sie kürzlich begraben hatte, und dann verlor sie jede Kontrolle über sich. Während sie dort stand, zitternd und schluchzend, rief eine Stimme von der Veranda: „Whar is you, aunt Marthy?“ Großmutter erschrak und öffnete in ihrer Aufregung die Tür, ohne an mich zu denken. Jenny, das schelmische Hausmädchen, das versucht hatte, in mein Zimmer einzudringen, als ich im Haus meiner weißen Wohltäterin verborgen war, trat ein. „I’s bin huntin ebery whar for you, aunt Marthy“, sagte sie. „My missis wants you to send her some crackers.“ Ich hatte mich hinter ein Fass geduckt, das mich vollständig verdeckte, aber ich bildete mir ein, Jenny schaue direkt auf die Stelle, und mein Herz schlug heftig. Meine Großmutter begriff sofort, was sie getan hatte, und ging schnell mit Jenny hinaus, um die Cracker zu zählen, wobei sie die Tür hinter sich abschloss. Nach wenigen Minuten kehrte sie zu mir zurück, das vollkommene Bild der Verzweiflung. „Armes Kind!“, rief sie, „meine Unachtsamkeit hat dich ruiniert. Das Boot ist noch nicht weg. Mach dich sofort bereit und geh mit Fanny. Ich habe jetzt kein Wort mehr dagegen zu sagen; denn man weiß nicht, was heute noch alles geschehen kann.“
Onkel Phillip wurde gerufen, und er stimmte seiner Mutter darin zu, dass Jenny Dr. Flint in weniger als vierundzwanzig Stunden informieren würde. Er riet dazu, mich nach Möglichkeit an Bord des Bootes zu bringen; falls nicht, wäre es besser, ich bliebe ganz still in meinem Versteck, wo sie mich nicht finden könnten, ohne das Haus abzureißen. Er sagte, es ginge nicht, dass er in der Angelegenheit tätig würde, da dies sofort Verdacht erregen würde; aber er versprach, mit Peter Kontakt aufzunehmen. Ich zögerte, mich wieder an ihn zu wenden, da ich ihn bereits zu sehr hineingezogen hatte; doch es schien keine Alternative zu geben. So verärgert Peter über meine Unentschlossenheit auch gewesen war, er blieb seinem großzügigen Wesen treu und sagte sofort, er würde sein Bestes tun, um mir zu helfen, in der Hoffnung, ich würde mich diesmal als eine stärkere Frau erweisen.
Er begab sich sofort zum Kai und stellte fest, dass der Wind gedreht hatte und das Schiff langsam flussabwärts kreuzte. Unter dem Vorwand einer dringenden Notwendigkeit bot er zwei Bootsmännern je einen Dollar, um das Schiff einzuholen. Er hatte einen helleren Teint als die Bootsmänner, die er anheuerte, und als der Kapitän sah, dass sie so schnell herankamen, dachte er, Beamte würden sein Schiff verfolgen, auf der Suche nach der entlaufenen Sklavin, die er an Bord hatte. Sie hissten die Segel, aber das Boot holte auf, und der unermüdliche Peter sprang an Bord.
Der Kapitän erkannte ihn sofort. Peter bat ihn, unter Deck zu gehen, um über einen schlechten Wechsel zu sprechen, den er ihm gegeben hatte. Als er sein Anliegen vortrug, antwortete der Kapitän: „Warum, die Frau ist schon hier; und ich habe sie an einen Ort gebracht, an dem du oder der Teufel einen schweren Job hätten, sie zu finden.“
„Aber ich möchte noch eine weitere Frau mitbringen“, sagte Peter. „Sie ist ebenfalls in großer Not, und du sollst alles bezahlen, was vernünftig ist, wenn du anhältst und sie mitnimmst.“
„Wie ist ihr Name?“, fragte der Kapitän. „Linda“, antwortete er.
„Das ist der Name der Frau, die schon hier ist“, entgegnete der Kapitän. „Bei Gott! Ich glaube, du willst mich verraten.“
„Oh!“, rief Peter, „Gott weiß, ich würde dir kein Haar krümmen. Ich bin dir zu dankbar. Aber es ist wirklich noch eine andere Frau in großer Gefahr. Habe doch die Menschlichkeit, anzuhalten und sie mitzunehmen!“
Nach einer Weile einigten sie sich. Fanny, die nicht ahnte, dass ich mich irgendwo in dieser Gegend aufhielt, hatte meinen Namen angenommen, obwohl sie sich Johnson nannte. „Linda ist ein häufiger Name“, sagte Peter, „und die Frau, die ich mitbringen möchte, ist Linda Brent.“
Der Kapitän stimmte zu, bis zum Abend an einem bestimmten Ort zu warten, da er für seine Verspätung fürstlich bezahlt wurde.
Natürlich war der Tag für uns alle voller Sorge. Aber wir schlossen daraus, dass Jenny, falls sie mich gesehen hätte, klug genug wäre, ihre Herrin nicht davon wissen zu lassen; und dass sie wahrscheinlich bis zum Abend keine Gelegenheit bekommen würde, die Familie von Dr. Flint zu sehen, denn ich wusste sehr genau, welche Regeln in diesem Haushalt herrschten. Ich glaubte später, dass sie mich nicht gesehen hatte; denn es ergab sich nichts daraus, und sie war eine jener niederträchtigen Charaktere, die sofort bereit gewesen wären, ein leidendes Mitgeschöpf für dreißig Silberlinge zu verraten.
Ich traf alle meine Vorbereitungen, um bei Einbruch der Dunkelheit an Bord zu gehen. Die verbleibende Zeit wollte ich mit meinem Sohn verbringen. Ich hatte sieben Jahre lang nicht mit ihm gesprochen, obwohl ich unter demselben Dach gelebt und ihn jeden Tag gesehen hatte, wenn ich fit genug war, am Guckloch zu sitzen. Ich wagte es nicht, mich über die Vorratskammer hinaus zu wagen; also brachten sie ihn dorthin und schlossen uns zusammen ein, an einem Ort, der von der Verandatür verborgen war. Es war ein aufwühlendes Gespräch für uns beide. Nachdem wir eine Weile zusammen gesprochen und geweint hatten, sagte er: „Mutter, ich bin froh, dass du weggehst. Ich wünschte, ich könnte mit dir gehen. Ich wusste, dass du hier bist; und ich hatte solche Angst, dass sie kommen und dich fangen würden!“ Ich war sehr überrascht und fragte ihn, wie er das herausgefunden hatte.
Er antwortete: „Ich stand eines Tages unter dem Dachvorsprung, bevor Ellen wegging, und ich hörte jemanden oben über dem Holzschuppen husten. Ich weiß nicht, was mich denken ließ, dass du es seist, aber ich dachte es. Ich habe Ellen die Nacht, bevor sie wegging, vermisst; und Großmutter brachte sie in der Nacht zurück ins Zimmer; und ich dachte vielleicht, sie sei bei dir gewesen, bevor sie ging, denn ich hörte Großmutter zu ihr flüstern: ‚Geh jetzt schlafen; und vergiss nicht, es niemals jemandem zu sagen.‘“
Ich fragte ihn, ob er jemals seine Vermutungen gegenüber seiner Schwester erwähnt habe. Er sagte, das habe er nie getan; aber nachdem er das Husten gehört hatte, versuchte er immer, wenn er sie mit anderen Kindern auf dieser Seite des Hauses spielen sah, sie auf die andere Seite zu locken, aus Angst, sie könnten mich auch husten hören. Er sagte, er habe Dr. Flint scharf im Auge behalten, und wenn er sah, dass dieser mit einem Polizisten oder einer Patrouille sprach, sagte er es immer der Großmutter. Ich erinnerte mich nun daran, dass ich ihn unruhig hatte werden sehen, wenn Leute auf dieser Seite des Hauses waren, und ich hatte mich zu der Zeit gewundert, ein Motiv für seine Handlungen zu finden. Solch ein umsichtiges Verhalten mag bei einem zwölfjährigen Jungen ungewöhnlich erscheinen, aber Sklaven, die von Geheimnissen, Täuschungen und Gefahren umgeben sind, lernen früh, misstrauisch und wachsam zu sein, und sind vorzeitig vorsichtig und gerissen. Er hatte nie eine Frage an die Großmutter oder Onkel Phillip gestellt, und ich hatte ihn oft in den Chor anderer Kinder einstimmen hören, wenn sie davon sprachen, dass ich im Norden sei.
Ich sagte ihm, dass ich nun wirklich in die freien Staaten ginge, und wenn er ein guter, ehrlicher Junge und ein liebes Kind für seine liebe alte Großmutter wäre, würde der Herr ihn segnen und zu mir bringen, und wir und Ellen würden zusammenleben. Er fing an, mir zu erzählen, dass Großmutter den ganzen Tag nichts gegessen hatte. Während er sprach, wurde die Tür aufgeschlossen und sie kam mit einem kleinen Beutel Geld herein, den ich nehmen sollte. Ich flehte sie an, wenigstens einen Teil davon zu behalten, um zu bezahlen, dass Benny in den Norden geschickt würde; aber sie bestand darauf, während ihre Tränen schnell fielen, dass ich das Ganze nehmen sollte. „Du könntest unter Fremden krank werden“, sagte sie, „und sie würden dich ins Armenhaus schicken, um zu sterben.“ Ach, diese gute Großmutter!
Zum letzten Mal stieg ich hinauf in meinen Winkel. Sein trostloses Aussehen fröstelte mich nicht mehr, denn das Licht der Hoffnung war in meiner Seele aufgegangen. Doch selbst mit der gesegneten Aussicht auf Freiheit vor mir, fühlte ich mich sehr traurig, für immer dieses alte Heim zu verlassen, wo ich so lange von der lieben alten Großmutter beschützt worden war; wo ich meinen ersten jungen Traum von Liebe geträumt hatte; und wo, nachdem dieser verblasst war, meine Kinder gekommen waren, um sich so eng um mein trostloses Herz zu schlingen. Als die Stunde meiner Abreise näher rückte, stieg ich wieder in die Vorratskammer hinab. Meine Großmutter und Benny waren dort. Sie nahm mich bei der Hand und sagte: „Linda, lass uns beten.“ Wir knieten zusammen nieder, mein Kind an mein Herz gepresst, und mein anderer Arm um die treue, liebevolle alte Freundin, die ich für immer verlassen sollte. Bei keiner anderen Gelegenheit ist es mir je vergönnt gewesen, einem so inbrünstigen Flehen um Erbarmen und Schutz zuzuhören. Es durchdrang mein Herz und erfüllte mich mit Vertrauen zu Gott.
Peter wartete auf der Straße auf mich. Ich war bald an seiner Seite, körperlich schwach, aber mit festem Vorsatz. Ich blickte nicht zurück auf den alten Ort, obwohl ich fühlte, dass ich ihn niemals wiedersehen würde.
XXX. Auf dem Weg nach Norden.
Ich konnte nie sagen, wie wir den Kai erreichten. Mein Gehirn war ganz wirr, und meine Glieder schwankten unter mir. An einem verabredeten Ort trafen wir meinen Onkel Phillip, der vor uns auf einer anderen Route aufgebrochen war, damit er den Kai zuerst erreichen und uns rechtzeitig warnen konnte, falls Gefahr drohte. Ein Ruderboot lag bereit. Als ich gerade einsteigen wollte, spürte ich, wie mich jemand sanft zog, und als ich mich umdrehte, sah ich Benny, der blass und besorgt aussah. Er flüsterte mir ins Ohr: „Ich habe durch das Fenster des Doktors geguckt, und er ist zu Hause. Leb wohl, Mutter. Weine nicht; ich komme nach.“ Er eilte davon. Ich drückte die Hand meines guten Onkels, dem ich so viel schuldete, und die von Peter, dem mutigen, großherzigen Freund, der sich freiwillig gemeldet hatte, solch schreckliche Risiken einzugehen, um meine Sicherheit zu gewährleisten. Bis heute erinnere ich mich, wie sein helles Gesicht vor Freude strahlte, als er mir sagte, er habe einen sicheren Weg für meine Flucht entdeckt. Doch dieser intelligente, unternehmungslustige, edelmütige Mann war ein bewegliches Gut! Den Gesetzen eines Landes, das sich zivilisiert nennt, ausgeliefert, um mit Pferden und Schweinen verkauft zu werden! Wir trennten uns in Schweigen. Unsere Herzen waren viel zu voll für Worte!
Schnell glitt das Boot über das Wasser. Nach einer Weile sagte einer der Matrosen: „Seien Sie nicht niedergeschlagen, gnädige Frau. Wir bringen Sie sicher zu Ihrem Ehemann in ——.“ Zuerst konnte ich mir nicht vorstellen, was er meinte; aber ich hatte die Geistesgegenwart, zu denken, dass es sich wahrscheinlich auf etwas bezog, das der Kapitän ihm gesagt hatte; also dankte ich ihm und sagte, ich hoffe, wir bekämen angenehmes Wetter.
Als ich das Schiff betrat, kam der Kapitän auf mich zu. Er war ein älterer Mann mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Er wies mir eine kleine Kiste von einer Kajüte zu, in der meine Freundin Fanny saß. Sie fuhr zusammen, als hätte sie ein Gespenst gesehen. Sie starrte mich voller Erstaunen an und rief aus: „Linda, kannst du das sein? Oder ist es dein Geist?“ Als wir einander in die Arme geschlossen hatten, ließen sich meine überreizten Gefühle nicht länger zurückhalten. Mein Schluchzen erreichte die Ohren des Kapitäns, der kam und uns sehr freundlich daran erinnerte, dass es zu seiner eigenen Sicherheit wie auch zu unserer eigenen klug wäre, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Er sagte, wenn ein Segel in Sicht sei, wünsche er, dass wir unter Deck blieben; aber zu anderen Zeiten habe er nichts dagegen, wenn wir an Deck seien. Er versicherte uns, dass er gut Ausschau halten werde, und wenn wir uns klug verhielten, glaubte er, wir seien in keiner Gefahr. Er hatte uns als Frauen ausgegeben, die zu ihren Ehemännern nach —— reisten. Wir dankten ihm und versprachen, alle Anweisungen, die er uns gab, genau zu befolgen.
Fanny und ich sprachen nun leise und ruhig für uns in unserer kleinen Kajüte. Sie erzählte mir von den Leiden, die sie bei ihrer Flucht durchgemacht hatte, und von ihren Ängsten, während sie im Haus ihrer Mutter verborgen war. Vor allem verweilte sie bei der Qual der Trennung von all ihren Kindern an jenem schrecklichen Auktionstag. Sie konnte mir kaum glauben, als ich ihr von dem Ort erzählte, an dem ich fast sieben Jahre verbracht hatte. „Wir haben die gleichen Sorgen“, sagte ich. „Nein“, antwortete sie, „du wirst deine Kinder bald sehen, und es gibt keine Hoffnung, dass ich jemals auch nur ein Lebenszeichen von meinen erhalten werde.“
Das Schiff war bald unterwegs, aber wir kamen nur langsam voran. Der Wind war gegen uns. Das hätte mich nicht gekümmert, wenn wir außer Sichtweite der Stadt gewesen wären; aber bis Meilen von Wasser zwischen uns und unseren Feinden lagen, waren wir von ständigen Befürchtungen erfüllt, dass die Polizisten an Bord kommen würden. Auch konnte ich mich beim Kapitän und seinen Männern nicht ganz wohl fühlen. Ich war eine völlige Fremde für diese Art von Leuten, und ich hatte gehört, dass Seeleute rau und manchmal grausam seien. Wir waren so vollständig in ihrer Gewalt, dass unsere Lage schrecklich wäre, wenn sie schlechte Männer wären. Könnte der Kapitän, jetzt da er für unsere Überfahrt bezahlt war, nicht in Versuchung geraten, mehr Geld zu verdienen, indem er uns an diejenigen auslieferte, die uns als Eigentum beanspruchten? Ich war von Natur aus eine vertrauensselige Person, aber die Sklaverei hatte mich gegenüber jedem misstrauisch gemacht. Fanny teilte mein Misstrauen gegenüber dem Kapitän oder seinen Männern nicht. Sie sagte, sie habe anfangs Angst gehabt, aber sie sei drei Tage an Bord gewesen, während das Schiff im Dock lag, und niemand habe sie verraten oder anders als freundlich behandelt.
Der Kapitän kam bald, um uns zu raten, für frische Luft an Deck zu gehen. Sein freundliches und respektvolles Auftreten, kombiniert mit Fannys Aussage, beruhigte mich, und wir gingen mit ihm. Er gab uns einen bequemen Sitzplatz und verwickelte uns gelegentlich in ein Gespräch. Er erzählte uns, er sei gebürtiger Südstaatler, habe den größten Teil seines Lebens in den Sklavenstaaten verbracht und kürzlich einen Bruder verloren, der mit Sklaven handelte. „Aber“, sagte er, „es ist ein erbärmliches und entwürdigendes Geschäft, und ich habe mich immer geschämt, meinen Bruder in Verbindung damit anzuerkennen.“ Als wir am Snaky Swamp vorbeikamen, zeigte er darauf und sagte: „Dort ist ein Sklavengebiet, das sich allen Gesetzen widersetzt.“ Ich dachte an die schrecklichen Tage, die ich dort verbracht hatte, und obwohl es nicht Dismal Swamp genannt wurde, fühlte ich mich sehr niedergeschlagen, als ich darauf blickte.
Ich werde diese Nacht niemals vergessen. Die milde Frühlingsluft war so erfrischend! Und wie soll ich meine Empfindungen beschreiben, als wir tatsächlich auf der Chesapeake Bay segelten? O, der wunderschöne Sonnenschein! Die belebende Brise! Und ich konnte sie ohne Furcht oder Einschränkung genießen. Ich hatte nie erkannt, was für großartige Dinge Luft und Sonnenlicht sind, bis mir diese entzogen worden waren.
Zehn Tage nachdem wir das Land verlassen hatten, näherten wir uns Philadelphia. Der Kapitän sagte, wir würden dort in der Nacht ankommen, aber er dachte, wir sollten besser bis zum Morgen warten und am helllichten Tag an Land gehen, da dies der beste Weg sei, Verdacht zu vermeiden.
Ich antwortete: „Sie wissen es am besten. Aber werden Sie an Bord bleiben und uns beschützen?“
Er sah, dass ich misstrauisch war, und sagte, es tue ihm leid, jetzt, da er uns ans Ende unserer Reise gebracht habe, feststellen zu müssen, dass ich so wenig Vertrauen in ihn hätte. Ach, wenn er jemals ein Sklave gewesen wäre, hätte er gewusst, wie schwierig es war, einem weißen Mann zu vertrauen. Er versicherte uns, dass wir die Nacht ohne Furcht verschlafen könnten; dass er dafür sorgen werde, dass wir nicht ungeschützt blieben. Es sei zur Ehre dieses Kapitäns gesagt, Südstaatler wie er war, dass er uns, wären Fanny und ich weiße Damen gewesen und unsere Überfahrt rechtmäßig gebucht, nicht respektvoller hätte behandeln können. Mein intelligenter Freund Peter hatte den Charakter des Mannes, dessen Ehre er uns anvertraut hatte, richtig eingeschätzt. Am nächsten Morgen war ich an Deck, sobald die Morgendämmerung einsetzte. Ich rief Fanny, um zum ersten Mal in unserem Leben die Sonne über freiem Boden aufgehen zu sehen; denn so glaubte ich es damals. Wir beobachteten den sich rötenden Himmel und sahen, wie der große Himmelskörper langsam aus dem Wasser aufstieg, wie es schien. Bald begannen die Wellen zu funkeln, und alles fing den wunderschönen Glanz ein. Vor uns lag die Stadt der Fremden. Wir sahen einander an, und die Augen von uns beiden waren feucht vor Tränen. Wir waren der Sklaverei entkommen, und wir hielten uns für sicher vor den Jägern. Aber wir waren allein auf der Welt, und wir hatten liebe Bande hinter uns gelassen; Bande, die grausam vom Dämon Sklaverei zerrissen wurden.
XXXI. Vorfälle in Philadelphia.
Ich hatte gehört, dass der arme Sklave viele Freunde im Norden habe. Ich vertraute darauf, dass wir einige von ihnen finden würden. In der Zwischenzeit wollten wir davon ausgehen, dass alle Freunde seien, bis sie das Gegenteil bewiesen. Ich suchte den freundlichen Kapitän auf, dankte ihm für seine Aufmerksamkeit und sagte ihm, ich würde niemals aufhören, für den Dienst dankbar zu sein, den er uns erwiesen hatte. Ich gab ihm eine Nachricht für die Freunde, die ich zu Hause zurückgelassen hatte, und er versprach, sie zu überbringen. Wir wurden in ein Ruderboot gesetzt und etwa fünfzehn Minuten später an einem Holzsteg in Philadelphia an Land gebracht. Als ich dastand und mich umsah, tippte mir der freundliche Kapitän auf die Schulter und sagte: „Da ist ein respektabel aussehender farbiger Mann hinter Ihnen. Ich werde mit ihm über die New Yorker Züge sprechen und ihm sagen, dass Sie direkt weiterreisen möchten.“ Ich dankte ihm und bat ihn, mich zu einigen Läden zu führen, wo ich Handschuhe und Schleier kaufen könnte. Er tat dies und sagte, er werde mit dem farbigen Mann sprechen, bis ich zurückkehrte. Ich machte so schnell ich konnte. Ständige Bewegung an Bord des Schiffes und häufiges Einreiben mit Salzwasser hatten den Gebrauch meiner Glieder fast wiederhergestellt. Der Lärm der großen Stadt verwirrte mich, aber ich fand die Läden und kaufte einige Doppelschleier und Handschuhe für Fanny und mich. Der Ladenbesitzer sagte mir, sie kosteten so und so viele Levies. Ich hatte das Wort vorher noch nie gehört, aber ich sagte es ihm nicht. Ich dachte, wenn er wüsste, dass ich eine Fremde sei, könnte er mich fragen, woher ich käme. Ich gab ihm eine Goldmünze, und als er das Wechselgeld zurückgab, zählte ich es und fand heraus, wie viel ein Levy war. Ich machte mich auf den Weg zurück zum Kai, wo der Kapitän mich dem farbigen Mann als Rev. Jeremiah Durham, Pfarrer der Bethel-Kirche, vorstellte. Er nahm mich bei der Hand, als wäre ich eine alte Freundin. Er sagte uns, wir seien zu spät für die Morgenzüge nach New York und müssten bis zum Abend oder zum nächsten Morgen warten. Er lud mich ein, mit ihm nach Hause zu gehen, und versicherte mir, dass seine Frau mir einen herzlichen Empfang bereiten würde; und für meine Freundin würde er bei einem seiner Nachbarn ein Zuhause finden. Ich dankte ihm für so viel Güte gegenüber Fremden und sagte ihm, wenn ich aufgehalten werden müsse, würde ich gerne einige Leute aufsuchen, die früher aus unserem Teil des Landes gekommen waren. Mr. Durham bestand darauf, dass ich bei ihm zu Mittag essen sollte, und dann würde er mir helfen, meine Freunde zu finden. Die Matrosen kamen, um sich zu verabschieden. Ich schüttelte ihre rauen Hände mit Tränen in den Augen. Sie waren alle freundlich zu uns gewesen, und sie hatten uns einen größeren Dienst erwiesen, als sie sich jemals vorstellen konnten.
Ich hatte noch nie eine so große Stadt gesehen oder war mit so vielen Menschen auf den Straßen in Berührung gekommen. Es schien, als ob diejenigen, die vorbeigingen, uns mit einem Ausdruck von Neugier betrachteten. Mein Gesicht war vom Sitzen an Deck in Wind und Sonne so mit Blasen übersät und gehäutet, dass ich dachte, sie könnten nicht leicht entscheiden, welcher Nation ich angehörte.
Mrs. Durham begegnete mir mit einem freundlichen Willkommen, ohne Fragen zu stellen. Ich war müde, und ihre freundliche Art war eine süße Erfrischung. Gott segne sie! Ich war sicher, dass sie schon andere müde Herzen getröstet hatte, bevor ich ihr Mitgefühl erhielt. Sie war umgeben von ihrem Ehemann und ihren Kindern, in einem Zuhause, das durch schützende Gesetze geheiligt war. Ich dachte an meine eigenen Kinder und seufzte.
Nach dem Mittagessen ging Mr. Durham mit mir auf die Suche nach den Freunden, von denen ich gesprochen hatte. Sie stammten aus meiner Heimatstadt, und ich erwartete viel Freude beim Anblick vertrauter Gesichter. Sie waren nicht zu Hause, und wir gingen unseren Weg durch herrlich saubere Straßen zurück. Unterwegs bemerkte Mr. Durham, dass ich ihm von einer Tochter erzählt hatte, die ich zu treffen hoffte; dass er überrascht sei, denn ich sähe so jung aus, dass er mich für eine alleinstehende Frau gehalten habe. Er näherte sich einem Thema, bei dem ich extrem empfindlich war. Er würde als Nächstes nach meinem Ehemann fragen, dachte ich, und wenn ich ihm wahrheitsgemäß antwortete, was würde er dann von mir denken? Ich sagte ihm, ich habe zwei Kinder, eines in New York, das andere im Süden. Er stellte weitere Fragen, und ich erzählte ihm offen einige der wichtigsten Ereignisse meines Lebens. Es war schmerzhaft für mich, das zu tun; aber ich wollte ihn nicht täuschen. Wenn er mein Freund sein wollte, dachte ich, sollte er wissen, wieweit ich dessen würdig war. „Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihre Gefühle strapaziert habe“, sagte er. „Ich habe Sie nicht aus müßiger Neugier befragt. Ich wollte Ihre Lage verstehen, um zu wissen, ob ich Ihnen oder Ihrem kleinen Mädchen behilflich sein könnte. Ihre direkten Antworten machen Ihnen Ehre; aber antworten Sie nicht jedem so offen. Es könnte einigen herzlosen Leuten einen Vorwand geben, Sie mit Verachtung zu behandeln.“
Das Wort Verachtung brannte in mir wie glühende Kohlen. Ich antwortete: „Gott allein weiß, wie ich gelitten habe; und Er, so hoffe ich, wird mir vergeben. Wenn es mir gestattet ist, meine Kinder bei mir zu haben, habe ich die Absicht, eine gute Mutter zu sein und so zu leben, dass die Leute mich nicht mit Verachtung behandeln können.“
„Ich respektiere Ihre Einstellung“, sagte er. „Setzen Sie Ihr Vertrauen auf Gott und lassen Sie sich von guten Prinzipien leiten, dann wird es Ihnen nicht an Freunden fehlen.“
Als wir zu Hause ankamen, ging ich in mein Zimmer, froh, die Welt für eine Weile aussperren zu können. Die Worte, die er gesprochen hatte, hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck bei mir. Sie brachten große Schatten aus der traurigen Vergangenheit hervor. Inmitten meiner Meditationen wurde ich durch ein Klopfen an der Tür aufgeschreckt. Mrs. Durham trat ein, ihr Gesicht strahlte vor Güte, um zu sagen, dass unten ein Anti-Sklaverei-Freund sei, der mich gerne sehen würde. Ich überwand meine Angst vor der Begegnung mit Fremden und ging mit ihr. Viele Fragen wurden über meine Erfahrungen und meine Flucht aus der Sklaverei gestellt; aber ich bemerkte, wie vorsichtig sie alle waren, nichts zu sagen, was meine Gefühle verletzen könnte. Wie erfreulich dies war, können nur diejenigen vollständig verstehen, die daran gewöhnt waren, behandelt zu werden, als gehörten sie nicht zum Kreis der menschlichen Wesen. Der Anti-Sklaverei-Freund war gekommen, um sich nach meinen Plänen zu erkundigen und Unterstützung anzubieten, falls nötig. Fanny war vorerst bequem bei einem Freund von Mr. Durham untergebracht. Die Anti-Sklaverei-Gesellschaft erklärte sich bereit, ihre Kosten nach New York zu übernehmen. Dasselbe wurde mir angeboten, aber ich lehnte es ab; ich sagte ihnen, dass meine Großmutter mir genug gegeben habe, um meine Kosten bis zum Ende meiner Reise zu bezahlen. Wir wurden gedrängt, ein paar Tage in Philadelphia zu bleiben, bis eine geeignete Begleitung für uns gefunden werden konnte. Ich nahm das Angebot dankbar an, denn ich hatte Angst vor der Begegnung mit Sklavenhaltern und auch etwas Angst vor Eisenbahnen. Ich hatte in meinem Leben noch nie einen Eisenbahnwagen betreten, und es schien mir ein ziemlich wichtiges Ereignis zu sein.
In jener Nacht suchte ich mein Kopfkissen mit Gefühlen auf, die ich noch nie zuvor mit dorthin gebracht hatte. Ich glaubte wahrhaftig, eine freie Frau zu sein. Ich war lange wach, und kaum war ich eingeschlafen, wurde ich von Feuerglocken geweckt. Ich sprang auf und eilte, mich anzuziehen. Wo ich herkam, beeilte sich jeder, sich bei solchen Gelegenheiten anzuziehen. Die weißen Leute dachten, ein großes Feuer könnte als gute Gelegenheit für einen Aufstand genutzt werden und es sei das Beste, bereit zu sein; und die farbigen Leute wurden herausgerufen, um beim Löschen der Flammen zu helfen. Es gab nur eine Spritze in unserer Stadt, und farbige Frauen und Kinder wurden oft dazu angehalten, sie zum Flussufer zu ziehen und sie zu füllen. Mrs. Durhams Tochter schlief im selben Zimmer mit mir, und da ich sah, dass sie durch all den Lärm hindurchschlief, hielt ich es für meine Pflicht, sie zu wecken. „Was ist los?“, sagte sie und rieb sich die Augen.
„Sie schreien Feuer auf den Straßen, und die Glocken läuten“, antwortete ich.
„Was macht das schon?“, sagte sie schläfrig. „Wir sind daran gewöhnt. Wir stehen niemals auf, es sei denn, das Feuer ist ganz nah. Was würde es nützen?“
Ich war sehr überrascht, dass es nicht notwendig war, dass wir gingen und halfen, die Spritze zu füllen. Ich war ein unwissendes Kind, das gerade erst anfing zu lernen, wie die Dinge in großen Städten liefen.
Im Morgengrauen hörte ich Frauen frischen Fisch, Beeren, Radieschen und verschiedene andere Dinge ausrufen. All das war neu für mich. Ich zog mich in aller Frühe an und saß am Fenster, um diese unbekannte Flut des Lebens zu beobachten. Philadelphia schien mir ein wunderbar großer Ort zu sein. Beim Frühstückstisch wurde über meine Vorstellung, hinauszugehen, um die Spritze zu ziehen, gelacht, und ich stimmte in die Heiterkeit ein.
Ich ging, um Fanny zu sehen, und fand sie bei ihren neuen Freunden so zufrieden, dass sie es nicht eilig hatte zu gehen. Ich war auch sehr glücklich bei meiner freundlichen Gastgeberin. Sie hatte Bildungschancen gehabt und war mir bei weitem überlegen. Jeden Tag, fast jede Stunde, vergrößerte ich meinen kleinen Wissensschatz. Sie nahm mich mit, um die Stadt so weit zu sehen, wie sie es für klug hielt. Eines Tages nahm sie mich mit in das Zimmer eines Künstlers und zeigte mir die Porträts einiger ihrer Kinder. Ich hatte noch nie Gemälde von farbigen Menschen gesehen, und sie schienen mir wunderschön.
Am Ende von fünf Tagen bot einer von Mrs. Durhams Freunden an, uns am nächsten Morgen nach New York zu begleiten. Als ich die Hand meiner guten Gastgeberin zum Abschied hielt, sehnte ich mich danach zu wissen, ob ihr Mann ihr wiederholt hatte, was ich ihm erzählt hatte. Ich nahm an, er hatte es getan, aber sie machte niemals eine Anspielung darauf. Ich vermute, es war das feinfühlige Schweigen weiblichen Mitgefühls.
Als Mr. Durham uns unsere Fahrkarten überreichte, sagte er: „Ich fürchte, Sie werden eine unangenehme Fahrt haben; aber ich konnte keine Fahrkarten für die Wagen der ersten Klasse bekommen.“
Da ich annahm, ich hätte ihm nicht genug Geld gegeben, bot ich mehr an. „O nein“, sagte er, „die waren für kein Geld zu haben. Sie erlauben farbigen Leuten nicht, in den Wagen der ersten Klasse zu fahren.“
Das war der erste Dämpfer für meine Begeisterung über die Freien Staaten. Farbige Leute durften im Süden in einer schmutzigen Kiste hinter weißen Leuten mitfahren, aber dort mussten sie nicht für das Privileg bezahlen. Es machte mich traurig zu sehen, wie der Norden die Gebräuche der Sklaverei nachahmte.
Wir wurden in einen großen, rauen Wagen verstaut, mit Fenstern auf jeder Seite, die zu hoch waren, als dass wir hätten hinaussehen können, ohne aufzustehen. Er war vollgestopft mit Menschen, scheinbar aus allen Nationen. Es gab reichlich Betten und Wiegen, die schreiende und strampelnde Babys enthielten. Jeder zweite Mann hatte eine Zigarre oder Pfeife im Mund, und Krüge mit Whiskey wurden frei herumgereicht. Die Dämpfe des Whiskeys und der dichte Tabakrauch waren Übelkeit erregend für meine Sinne, und mein Geist war gleichermaßen angewidert von den groben Witzen und schlüpfrigen Liedern um mich herum. Es war eine sehr unangenehme Fahrt. Seit jener Zeit hat es in diesen Angelegenheiten einige Verbesserungen gegeben.
Als wir in New York ankamen, war ich halb verrückt vor der Menge an Kutschern, die riefen: „Kutsche, meine Dame?“ Wir handelten mit einem aus, uns für zwölf Schillinge zur Sullivan Street zu bringen. Ein stämmiger Ire trat vor und sagte: „Ich nehm’ Sie für sechs Schillinge.“ Die Reduzierung um den halben Preis war ein wichtiger Punkt für uns, und wir fragten, ob er uns sofort mitnehmen könne. „Bei Gott, das tu ich, die Damen“, antwortete er. Ich bemerkte, dass die Kutscher einander anlächelten, und ich erkundigte mich, ob sein Fuhrwerk anständig sei. „Ja, es ist anständig, meine Dame. Beim Teufel, ich würde es nicht wagen, Damen in eine Droschke zu bringen, die nicht anständig wäre.“ Wir gaben ihm unsere Gepäckscheine. Er ging, um das Gepäck zu holen, und erschien bald wieder mit den Worten: „Hier entlang, wenn Sie belieben, die Damen.“ Wir folgten und fanden unsere Koffer auf einem Handkarren, und wir wurden aufgefordert, auf ihnen Platz zu nehmen. Wir sagten ihm, das sei nicht das, was wir vereinbart hätten, und er müsse die Koffer herunternehmen. Er schwor, dass sie nicht angerührt würden, bis wir ihm die sechs Schillinge gezahlt hätten. In unserer Lage war es nicht klug, Aufmerksamkeit zu erregen, und ich war gerade dabei, ihm zu zahlen, was er verlangte, als ein Mann in der Nähe mir mit dem Kopf bedeutete, es nicht zu tun. Nach großem Hin und Her wurden wir den Iren los und ließen unsere Koffer auf einer Droschke befestigen. Uns war eine Pension in der Sullivan Street empfohlen worden, und dorthin fuhren wir. Dort trennten Fanny und ich uns. Die Anti-Sklaverei-Gesellschaft stellte ihr ein Heim zur Verfügung, und ich hörte später, dass sie in wohlhabenden Verhältnissen lebte. Ich schickte nach einem alten Freund aus meiner Heimatgegend, der seit einiger Zeit in New York geschäftlich tätig war. Er kam sofort. Ich sagte ihm, dass ich zu meiner Tochter wollte, und bat ihn, mir bei der Vermittlung eines Treffens zu helfen.
Ich ermahnte ihn, die Familie nicht wissen zu lassen, dass ich gerade aus dem Süden gekommen war, da sie annahmen, ich sei bereits sieben Jahre im Norden. Er sagte mir, es gäbe eine farbige Frau in Brooklyn, die aus derselben Stadt stammte wie ich, und ich solle besser zu ihr gehen und meine Tochter dort treffen. Ich nahm den Vorschlag dankbar an, und er willigte ein, mich nach Brooklyn zu begleiten. Wir überquerten die Fulton-Fähre, gingen die Myrtle Avenue hinauf und hielten an dem Haus, das er angegeben hatte. Ich wollte gerade eintreten, als zwei Mädchen vorbeikamen. Mein Freund lenkte meine Aufmerksamkeit auf sie. Ich drehte mich um und erkannte in der Älteren Sarah, die Tochter einer Frau, die bei meiner Großmutter gelebt hatte, aber den Süden vor Jahren verlassen hatte. Überrascht und erfreut über dieses unerwartete Treffen schlang ich meine Arme um sie und erkundigte mich nach ihrer Mutter.
„Sie beachten das andere Mädchen gar nicht“, sagte mein Freund. Ich drehte mich um, und da stand meine Ellen! Ich drückte sie an mein Herz, dann hielt ich sie von mir weg, um sie zu betrachten. Sie hatte sich in den zwei Jahren, seit ich mich von ihr getrennt hatte, sehr verändert. Zeichen der Vernachlässigung konnten von Augen erkannt werden, die weniger aufmerksam waren als die einer Mutter. Mein Freund lud uns alle ein, in das Haus zu gehen; doch Ellen sagte, sie sei auf eine Besorgung geschickt worden, die sie so schnell wie möglich erledigen wolle, um dann nach Hause zu gehen und Mrs. Hobbs zu bitten, sie zu mir gehen zu lassen. Es wurde vereinbart, dass ich am nächsten Tag nach ihr schicken würde. Ihre Begleiterin, Sarah, eilte davon, um ihrer Mutter von meiner Ankunft zu berichten. Als ich das Haus betrat, fand ich die Hausherrin nicht vor und wartete auf ihre Rückkehr. Bevor ich sie sah, hörte ich sie sagen: „Wo ist Linda Brent? Ich kannte ihren Vater und ihre Mutter.“ Bald kam Sarah mit ihrer Mutter. So waren wir eine ganze Gesellschaft, alle aus der Nachbarschaft meiner Großmutter. Diese Freunde versammelten sich um mich und befragten mich eifrig. Sie lachten, sie weinten und sie jubelten. Sie dankten Gott, dass ich meinen Verfolgern entkommen war und sicher auf Long Island war. Es war ein Tag voller Aufregung. Wie anders als die stillen Tage, die ich in meinem trostlosen Versteck verbracht hatte!
Der nächste Morgen war ein Sonntag. Meine ersten Gedanken nach dem Erwachen galten dem Brief, den ich an Mrs. Hobbs schicken wollte, die Dame, bei der Ellen lebte. Dass ich erst kürzlich in diese Gegend gekommen war, war offensichtlich; andernfalls hätte ich mich früher nach meiner Tochter erkundigt. Ich konnte sie nicht wissen lassen, dass ich gerade aus dem Süden eingetroffen war, denn das hätte den Verdacht aufkommen lassen, dass ich dort versteckt gehalten worden war, und hätte mehreren Menschen Ärger, wenn nicht gar Ruin, bringen können.
Ich mag einen geradlinigen Weg und scheue mich immer davor, zu Ausflüchten zu greifen. Soweit meine Wege krumm waren, schreibe ich sie alle der Sklaverei zu. Es war jenes System von Gewalt und Unrecht, das mir nun keine andere Wahl ließ, als eine Unwahrheit zu begehen. Ich begann meinen Brief mit der Angabe, dass ich kürzlich aus Kanada angekommen sei und den sehnlichen Wunsch hätte, meine Tochter zu sehen. Sie kam und brachte eine Nachricht von Mrs. Hobbs mit, in der sie mich in ihr Haus einlud und mir versicherte, dass ich keinerlei Ängste zu haben brauchte. Das Gespräch, das ich mit meinem Kind führte, ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Als ich fragte, ob sie gut behandelt werde, antwortete sie ja; doch in dem Tonfall lag keine Herzlichkeit, und es schien mir, als sagte sie es nur aus dem Wunsch heraus, mich nicht um ihretwillen zu beunruhigen. Bevor sie mich verließ, fragte sie sehr eindringlich: „Mutter, wann nimmst du mich zu dir, damit ich bei dir leben kann?“ Es machte mich traurig zu denken, dass ich ihr kein Zuhause bieten konnte, bis ich Arbeit fand und die Mittel dazu verdiente; und das konnte lange dauern. Als sie bei Mrs. Hobbs untergebracht wurde, war die Vereinbarung, dass sie zur Schule gehen sollte. Sie war nun zwei Jahre dort, war neun Jahre alt und konnte kaum ihre Buchstaben. Es gab keine Entschuldigung dafür, denn in Brooklyn gab es gute öffentliche Schulen, in die sie ohne Kosten hätte geschickt werden können.
Sie blieb bis zum Einbruch der Dunkelheit bei mir, und ich brachte sie nach Hause. Ich wurde von der Familie freundlich empfangen, und alle waren sich einig, dass Ellen ein nützliches, braves Mädchen sei. Mrs. Hobbs sah mir kühl ins Gesicht und sagte: „Ich nehme an, Sie wissen, dass mein Cousin, Mr. Sands, sie meiner ältesten Tochter gegeben hat. Sie wird ein nettes Stubenmädchen für sie abgeben, wenn sie erwachsen ist.“ Ich antwortete kein Wort. Wie konnte sie, die aus eigener Erfahrung die Stärke mütterlicher Liebe kannte und die sich vollkommen des Verhältnisses bewusst war, das Mr. Sands zu meinen Kindern hatte – wie konnte sie mir ins Gesicht sehen, während sie mir einen solchen Dolch ins Herz stieß?
Ich war nicht länger überrascht, dass sie sie in einem solchen Zustand der Unwissenheit gehalten hatten. Mr. Hobbs war früher wohlhabend gewesen, hatte aber Konkurs gemacht und daraufhin eine untergeordnete Stelle im Zollhaus erhalten. Vielleicht erwarteten sie, eines Tages in den Süden zurückzukehren; und Ellens Wissen war für den Status einer Sklavin völlig ausreichend. Ich war ungeduldig, an die Arbeit zu gehen und Geld zu verdienen, damit ich die ungewisse Lage meiner Kinder ändern konnte. Mr. Sands hatte sein Versprechen, sie freizulassen, nicht gehalten. Ich war auch bezüglich Ellen getäuscht worden. Welche Sicherheit hatte ich in Bezug auf Benjamin? Ich spürte, dass ich keine hatte.
Ich kehrte in einer unruhigen Gemütsverfassung zum Haus meines Freundes zurück. Um meine Kinder zu schützen, war es notwendig, dass ich mich selbst besaß. Ich nannte mich frei und fühlte mich manchmal auch so; doch ich wusste, dass ich unsicher war. Ich setzte mich in jener Nacht hin und schrieb einen höflichen Brief an Dr. Flint, in dem ich ihn bat, die niedrigsten Bedingungen zu nennen, zu denen er mich verkaufen würde; und da ich rechtlich seiner Tochter gehörte, schrieb ich auch ihr mit einer ähnlichen Bitte.
Seit meiner Ankunft im Norden hatte ich meinen lieben Bruder William nicht vergessen. Ich hatte mich eifrig nach ihm erkundigt, und nachdem ich in Boston von ihm gehört hatte, begab ich mich dorthin. Als ich dort ankam, stellte ich fest, dass er nach New Bedford gegangen war. Ich schrieb an diesen Ort und erfuhr, dass er auf eine Walfangreise gegangen war und erst in einigen Monaten zurückkehren würde. Ich kehrte nach New York zurück, um Arbeit in der Nähe von Ellen zu finden. Ich erhielt eine Antwort von Dr. Flint, die mir keinerlei Ermutigung bot. Er riet mir, zurückzukehren und mich meinen rechtmäßigen Eigentümern zu unterwerfen, dann würde jede Bitte, die ich vorbringen könnte, gewährt werden. Ich lieh diesen Brief einem Freund, der ihn verlor; andernfalls würde ich meinen Lesern eine Kopie vorlegen.
XXXIII. Ein gefundenes Zuhause.
Meine größte Sorge war nun, eine Anstellung zu finden. Meine Gesundheit hatte sich stark verbessert, obwohl meine Beine mir weiterhin mit Schwellungen zu schaffen machten, wenn ich viel ging. Die größte Schwierigkeit auf meinem Weg war, dass diejenigen, die Fremde einstellten, ein Empfehlungsschreiben verlangten; und in meiner besonderen Lage konnte ich natürlich keine Bescheinigungen von den Familien erhalten, denen ich so treu gedient hatte.
Eines Tages erzählte mir eine Bekannte von einer Dame, die ein Kindermädchen für ihr Baby suchte, und ich bewarb mich sofort für die Stelle. Die Dame sagte mir, sie ziehe jemanden vor, der selbst Mutter gewesen sei und an die Pflege von Säuglingen gewöhnt sei. Ich sagte ihr, dass ich zwei eigene Babys gepflegt hätte. Sie stellte mir viele Fragen, verlangte aber, zu meiner großen Erleichterung, kein Empfehlungsschreiben meiner früheren Arbeitgeber. Sie sagte mir, sie sei Engländerin, und das war ein erfreulicher Umstand für mich, da ich gehört hatte, dass sie weniger Vorurteile gegen die Hautfarbe hätten als die Amerikaner. Wir vereinbarten, uns eine Woche lang zu erproben. Die Probezeit verlief für beide Seiten zufriedenstellend, und ich wurde für einen Monat eingestellt.
Der himmlische Vater war höchst barmherzig zu mir, als er mich an diesen Ort führte. Mrs. Bruce war eine freundliche und sanfte Dame und erwies sich als eine wahre und mitfühlende Freundin. Bevor der vereinbarte Monat verging, führte das häufige Treppensteigen dazu, dass meine Beine so schmerzhaft anschwollen, dass ich unfähig wurde, meine Pflichten zu erfüllen. Viele Damen hätten mich gedankenlos entlassen; doch Mrs. Bruce traf Vorkehrungen, um mir Schritte zu ersparen, und engagierte einen Arzt, der sich um mich kümmerte. Ich hatte ihr noch nicht gesagt, dass ich eine flüchtige Sklavin war. Sie bemerkte, dass ich oft traurig war, und erkundigte sich freundlich nach dem Grund. Ich sprach davon, von meinen Kindern und Verwandten, die mir teuer waren, getrennt zu sein; doch ich erwähnte nicht das ständige Gefühl der Unsicherheit, das meine Seele bedrückte. Ich sehnte mich danach, mich jemandem anzuvertrauen; doch ich war von weißen Menschen so getäuscht worden, dass ich jedes Vertrauen in sie verloren hatte. Wenn sie freundliche Worte zu mir sprachen, dachte ich, es geschehe aus eigennützigen Motiven. Ich war mit den misstrauischen Gefühlen, die ich aus der Sklaverei mitgebracht hatte, in diese Familie gekommen; doch bevor sechs Monate vergangen waren, fand ich, dass das sanfte Wesen von Mrs. Bruce und das Lächeln ihres reizenden Babys mein erstarrtes Herz zum Schmelzen brachten. Mein enger Geist begann sich unter dem Einfluss ihrer intelligenten Konversation und der Möglichkeiten zum Lesen, die mir bereitwillig gewährt wurden, wann immer ich frei von meinen Pflichten war, zu weiten. Ich wurde allmählich energischer und fröhlicher.
Das alte Gefühl der Unsicherheit, besonders in Bezug auf meine Kinder, warf oft seinen dunklen Schatten über meinen Sonnenschein. Mrs. Bruce bot mir ein Zuhause für Ellen an; doch so angenehm es gewesen wäre, wagte ich es nicht anzunehmen, aus Angst, die Familie Hobbs zu kränken. Ihre Kenntnis meiner unsicheren Lage brachte mich in ihre Gewalt; und ich fühlte, dass es wichtig war, es mir mit ihnen nicht zu verderben, bis ich durch Fleiß und Sparsamkeit ein Zuhause für meine Kinder schaffen konnte. Ich war weit davon entfernt, mit Ellens Lage zufrieden zu sein. Sie wurde nicht gut versorgt. Sie kam manchmal nach New York, um mich zu besuchen; aber meistens brachte sie eine Bitte von Mrs. Hobbs mit, ich solle ihr ein Paar Schuhe oder ein Kleidungsstück kaufen. Dies wurde mit dem Versprechen begleitet, zu bezahlen, wenn das Gehalt von Mr. Hobbs vom Zollhaus fällig würde; doch irgendwie kam der Zahltag nie. So wurden viele Dollar meines Verdienstes ausgegeben, um mein Kind ordentlich gekleidet zu halten. Das war jedoch eine geringe Sorge im Vergleich zu der Angst, dass ihre finanziellen Schwierigkeiten sie dazu verleiten könnten, meine kostbare junge Tochter zu verkaufen. Ich wusste, dass sie in ständigem Austausch mit Leuten aus dem Süden standen und häufige Gelegenheiten dazu hatten. Ich habe erwähnt, dass Ellen, als Dr. Flint sie im Alter von zwei Jahren ins Gefängnis steckte, an einer Entzündung der Augen litt, die durch Masern verursacht worden war. Diese Krankheit machte ihr immer noch zu schaffen; und die freundliche Mrs. Bruce schlug vor, sie solle für eine Weile nach New York kommen, um unter die Obhut von Dr. Elliott zu gelangen, einem bekannten Augenarzt. Es kam mir nicht in den Sinn, dass es etwas Ungebührliches an der Bitte einer Mutter geben könnte; doch Mrs. Hobbs war sehr zornig und weigerte sich, sie gehen zu lassen. In meiner Lage war es nicht klug, darauf zu bestehen. Ich machte keine Klagen, aber ich sehnte mich danach, vollkommen frei zu sein, um als Mutter für meine Kinder handeln zu können. Als ich das nächste Mal nach Brooklyn hinüberging, sagte mir Mrs. Hobbs, als ob sie ihre Wut entschuldigen wolle, sie habe ihren eigenen Arzt beauftragt, sich um Ellens Augen zu kümmern, und sie habe meine Bitte abgelehnt, weil sie es für unsicher hielt, sie in New York zu wissen. Ich nahm die Erklärung schweigend entgegen; doch sie hatte mir gesagt, dass mein Kind ihrer Tochter gehöre, und ich vermutete, dass ihr wirkliches Motiv die Angst war, ich könnte ihr Eigentum ihr entziehen. Vielleicht tat ich ihr Unrecht; doch mein Wissen über die Leute aus dem Süden machte es mir schwer, anders zu empfinden.
Süßes und Bitteres waren im Becher meines Lebens gemischt, und ich war dankbar, dass er aufgehört hatte, vollkommen bitter zu sein. Ich liebte Mrs. Bruces Baby. Wenn es mich anlachte und gluckste und seine kleinen zarten Ärmchen vertrauensvoll um meinen Hals schlang, erinnerte es mich an die Zeit, als Benny und Ellen Babys waren, und mein verwundetes Herz wurde gelindert. Eines hellen Morgens, als ich am Fenster stand und das Baby auf dem Arm wiegte, wurde meine Aufmerksamkeit auf einen jungen Mann in Matrosenkleidung gelenkt, der jedes Haus genau beobachtete, an dem er vorbeiging. Ich sah ihn ernst an. Konnte es mein Bruder William sein? Es musste er sein – und doch, wie verändert! Ich legte das Baby sicher ab, flog die Treppe hinunter, öffnete die Vordertür, winkte dem Matrosen, und in weniger als einer Minute lag ich in den Armen meines Bruders. Wie viel hatten wir einander zu erzählen! Wie wir lachten und wie wir weinten über die Abenteuer des anderen! Ich nahm ihn mit nach Brooklyn und sah ihn wieder mit Ellen zusammen, dem lieben Kind, das er so sorgsam geliebt und gepflegt hatte, während ich in meinem elenden Versteck eingesperrt war. Er blieb eine Woche in New York. Seine alten Gefühle der Zuneigung für mich und Ellen waren so lebendig wie eh und je. Es gibt keine Bande, die so stark sind wie jene, die durch gemeinsames Leiden geknüpft werden.
XXXIV. Der alte Feind wieder.
Meine junge Herrin, Miss Emily Flint, gab auf meinen Brief, in dem ich um ihre Zustimmung zu meinem Verkauf bat, keine Antwort. Aber nach einer Weile erhielt ich eine Erwiderung, die angeblich von ihrem jüngeren Bruder geschrieben worden war. Um den Inhalt dieses Briefes richtig genießen zu können, muss der Leser bedenken, dass die Familie Flint annahm, ich sei bereits seit vielen Jahren im Norden. Sie hatten keine Ahnung, dass ich von den drei Reisen des Doktors nach New York auf der Suche nach mir wusste; dass ich seine Stimme gehört hatte, als er kam, um für diesen Zweck fünfhundert Dollar zu leihen; und dass ich gesehen hatte, wie er auf seinem Weg zum Dampfschiff vorbeiging. Ebenso wenig wussten sie, dass mir alle Einzelheiten über den Tod und das Begräbnis von Tante Nancy zu dem Zeitpunkt übermittelt wurden, als sie geschahen. Ich habe den Brief aufbewahrt, von dem ich hier eine Kopie beifüge:
„Dein Brief an meine Schwester wurde vor wenigen Tagen erhalten. Ich entnehme ihm, dass du den Wunsch hast, an deinen Geburtsort zurückzukehren, zu deinen Freunden und Verwandten. Wir waren alle erfreut über den Inhalt deines Briefes; und lass mich dir versichern, dass, falls irgendein Mitglied der Familie Groll gegen dich gehegt hat, sie diesen nicht mehr empfinden. Wir alle fühlen mit dir in deiner unglücklichen Lage und sind bereit, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um dich zufrieden und glücklich zu machen. Es ist schwierig für dich, als freie Person nach Hause zurückzukehren. Wenn du von deiner Großmutter gekauft würdest, ist es zweifelhaft, ob dir erlaubt würde zu bleiben, obwohl es rechtmäßig für dich wäre. Wenn es einer Dienerin gestattet würde, sich selbst freizukaufen, nachdem sie sich so lange von ihren Eigentümern entfernt hat, und als Freie zurückzukehren, hätte das einen schädlichen Effekt. Aus deinem Brief schließe ich, dass deine Lage hart und unbehaglich sein muss. Komm nach Hause. Es steht in deiner Macht, wieder in unsere Zuneigung aufgenommen zu werden. Wir würden dich mit offenen Armen und Freudentränen empfangen. Du brauchst keine unfreundliche Behandlung zu befürchten, da wir uns weder Mühe noch Kosten gemacht haben, dich zurückzuholen. Hätten wir das getan, würden wir vielleicht anders empfinden. Du weißt, dass meine Schwester immer an dir hing und dass du nie wie eine Sklavin behandelt wurdest. Du wurdest nie zu harter Arbeit herangezogen oder der Feldarbeit ausgesetzt. Im Gegenteil, du wurdest ins Haus aufgenommen und wie eine von uns behandelt, und fast als frei; und wir zumindest empfanden es so, dass du zu gut warst, um dich durch das Weglaufen zu entehren. Der Glaube, dass du dazu bewegt werden könntest, freiwillig nach Hause zu kommen, hat mich veranlasst, für meine Schwester zu schreiben. Die Familie wird sich freuen, dich zu sehen; und deine arme alte Großmutter äußerte den großen Wunsch, dass du kommen sollst, als sie deinen Brief vorgelesen hörte. In ihrem hohen Alter braucht sie den Trost, ihre Kinder um sich zu haben. Zweifellos hast du vom Tod deiner Tante gehört. Sie war eine treue Dienerin und ein treues Mitglied der Episkopalkirche. In ihrem christlichen Leben lehrte sie uns, wie man lebt – und, o, zu hoch ist der Preis der Erkenntnis, sie lehrte uns, wie man stirbt! Hättest du uns an ihrem Sterbebett sehen können, zusammen mit ihrer Mutter, wie wir alle unsere Tränen in einem gemeinsamen Strom vermischten, hättest du geglaubt, dass das gleiche herzliche Band zwischen einem Herrn und seiner Dienerin besteht wie zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Aber dieses Thema ist zu schmerzhaft, um darauf zu verweilen. Ich muss meinen Brief zum Abschluss bringen. Wenn du damit zufrieden bist, fern von deiner alten Großmutter, deinem Kind und den Freunden, die dich lieben, zu bleiben, dann bleib, wo du bist. Wir werden uns niemals die Mühe machen, dich festzunehmen. Aber solltest du vorziehen, nach Hause zu kommen, werden wir alles tun, was wir können, um dich glücklich zu machen. Wenn du nicht in der Familie bleiben möchtest, weiß ich, dass Vater auf unser Zureden hin dazu bewegt werden kann, dich von jeder Person kaufen zu lassen, die du in unserer Gemeinschaft wählen magst. Bitte antworte darauf so bald wie möglich und lass uns deine Entscheidung wissen. Schwester schickt dir viele Grüße. In der Zwischenzeit glaube mir, dein aufrichtiger Freund und Wohlwollender.“
Dieser Brief war von Emilys Bruder unterzeichnet, der zu dieser Zeit noch ein bloßer Junge war. Ich wusste am Schreibstil, dass er nicht von einer Person seines Alters verfasst worden war, und obwohl die Handschrift verstellt war, hatte sie mich in früheren Jahren zu unglücklich gemacht, als dass ich nicht sofort die Hand von Dr. Flint erkannt hätte. O, die Heuchelei der Sklavenhalter! Glaubte der alte Fuchs, ich sei dumm genug, in eine solche Falle zu gehen? Wahrlich, er verließ sich zu sehr auf die „Dummheit der afrikanischen Rasse“. Ich dankte der Familie Flint nicht für ihre herzliche Einladung – eine Nachlässigkeit, für die man mich zweifellos der niederträchtigen Undankbarkeit beschuldigte.
Nicht lange danach erhielt ich einen Brief von einem meiner Freunde aus dem Süden, der mich darüber informierte, dass Dr. Flint im Begriff sei, den Norden zu besuchen. Der Brief war verspätet eingetroffen, und ich nahm an, dass er vielleicht schon unterwegs war. Mrs. Bruce wusste nicht, dass ich eine Flüchtige war. Ich sagte ihr, dass wichtige Angelegenheiten mich nach Boston riefen, wo sich mein Bruder zu jener Zeit aufhielt, und bat um die Erlaubnis, für zwei Wochen eine Freundin mitzubringen, die meine Stelle als Kindermädchen einnehmen sollte. Ich trat meine Reise unverzüglich an; und sobald ich ankam, schrieb ich an meine Großmutter, dass Benny, falls er käme, nach Boston geschickt werden müsse. Ich wusste, dass sie nur auf eine gute Gelegenheit wartete, ihn in den Norden zu schicken, und glücklicherweise besaß sie die rechtliche Befugnis dazu, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen. Sie war eine freie Frau; und als meine Kinder freigekauft wurden, hatte Mr. Sands es vorgezogen, den Kaufvertrag auf ihren Namen ausstellen zu lassen. Es wurde vermutet, dass er das Geld vorgestreckt hatte, aber wissen konnte man es nicht. Im Süden mag ein Gentleman eine Schar farbiger Kinder haben, ohne dass dies eine Schande wäre; doch wenn bekannt wird, dass er sie kauft, um sie freizulassen, gilt dies als ein Beispiel, das für ihre „eigentümliche Institution“ gefährlich ist, und er macht sich unbeliebt.
Es bot sich eine gute Gelegenheit, Benny auf einem Schiff direkt nach New York zu schicken. Er wurde an Bord gebracht, zusammen mit einem Brief an einen Freund, den man bat, ihn nach Boston weiterzureisen zu lassen. Eines Morgens wurde laut an meine Tür geklopft, und Benjamin stürmte herein, ganz außer Atem. „O Mutter!“, rief er aus, „hier bin ich! Ich bin den ganzen Weg gerannt; und ich bin ganz allein gekommen. Wie geht es dir?“
O Leser, kannst du dir meine Freude vorstellen? Nein, das kannst du nicht, es sei denn, du wärst eine Sklavenmutter gewesen. Benjamin plapperte so schnell los, wie seine Zunge nur konnte. „Mutter, warum holst du Ellen nicht hierher? Ich bin nach Brooklyn gefahren, um sie zu sehen, und sie war sehr traurig, als ich mich von ihr verabschiedete. Sie sagte: ‚O Ben, ich wünschte, ich könnte auch mitkommen.‘ Ich dachte, sie wüsste furchtbar viel; aber sie weiß gar nicht so viel wie ich, denn ich kann lesen und sie nicht. Und Mutter, ich habe auf der Reise alle meine Kleider verloren. Was kann ich tun, um neue zu bekommen? Ich nehme an, freie Jungen können hier im Norden genauso gut zurechtkommen wie weiße Jungen.“
Ich brachte es nicht übers Herz, dem zuversichtlichen, glücklichen kleinen Kerl zu sagen, wie sehr er sich irrte. Ich nahm ihn mit zu einem Schneider und besorgte ihm eine Garnitur Wechselkleidung. Der Rest des Tages verging mit gegenseitigem Fragen und Antworten, wobei der Wunsch, die gute alte Großmutter wäre bei uns, ständig wiederholt wurde, und Benny gab mir die häufige Anweisung, ihr sofort zu schreiben und ihr unbedingt alles über seine Überfahrt und seine Reise nach Boston zu berichten.
Dr. Flint stattete New York einen Besuch ab und setzte alles daran, mich aufzusuchen und mich einzuladen, mit ihm zurückzukehren; doch da er nicht in Erfahrung bringen konnte, wo ich mich aufhielt, wurden seine gastfreundlichen Absichten vereitelt, und die liebevolle Familie, die mit „offenen Armen“ auf mich wartete, war zur Enttäuschung verdammt.
Sobald ich wusste, dass er sicher wieder zu Hause war, übergab ich Benjamin in die Obhut meines Bruders William und kehrte zu Mrs. Bruce zurück. Dort blieb ich den Winter und den Frühling über, bemüht, meine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, und fand ein gewisses Maß an Glück in den Reizen des Babys Mary, der rücksichtsvollen Güte ihrer vortrefflichen Mutter und gelegentlichen Treffen mit meiner geliebten Tochter.
Doch als der Sommer kam, suchte mich das alte Gefühl der Unsicherheit wieder heim. Es war notwendig, dass ich die kleine Mary täglich für Bewegung und frische Luft hinausbrachte, und die Stadt wimmelte von Südstaatlern, von denen mich einige erkennen könnten. Heißes Wetter bringt Schlangen und Sklavenhalter hervor, und ich mag die eine Art der giftigen Kreaturen ebenso wenig wie die andere. Was für ein Trost es ist, das frei aussprechen zu dürfen!
XXXV. Vorurteile gegen die Hautfarbe.
Es war eine Erleichterung für mich, die Vorbereitungen für das Verlassen der Stadt zu sehen. Wir fuhren mit dem Dampfschiff Knickerbocker nach Albany. Als der Gong zum Tee schlug, sagte Mrs. Bruce: „Linda, es ist spät, und du und das Baby solltet besser mit mir an den Tisch kommen.“ Ich antwortete: „Ich weiß, es ist Zeit, dass das Baby ihr Abendessen bekommt, aber ich möchte lieber nicht mitkommen, wenn es Ihnen recht ist. Ich habe Angst, beleidigt zu werden.“ „O nein, nicht wenn du bei mir bist“, sagte sie. Ich sah mehrere weiße Kindermädchen, die ihre Herrschaften begleiteten, und wagte es, dasselbe zu tun. Wir saßen am äußersten Ende des Tisches. Kaum hatte ich Platz genommen, da sagte eine raue Stimme: „Aufstehen! Du weißt, dass du hier nicht sitzen darfst.“ Ich blickte auf und sah zu meinem Erstaunen und meiner Empörung, dass der Sprecher ein farbiger Mann war. Wenn sein Amt von ihm verlangte, die Hausordnung des Schiffes durchzusetzen, hätte er es zumindest höflich tun können. Ich erwiderte: „Ich werde nicht aufstehen, es sei denn, der Kapitän kommt und holt mich hier weg.“ Mir wurde keine Tasse Tee angeboten, doch Mrs. Bruce reichte mir ihre und verlangte eine weitere. Ich schaute nach, ob die anderen Kindermädchen ähnlich behandelt wurden. Sie wurden alle ordnungsgemäß bedient.
Am nächsten Morgen, als wir in Troy zum Frühstück hielten, drängte alles zum Tisch. Mrs. Bruce sagte: „Nimm meinen Arm, Linda, und wir gehen zusammen hinein.“ Der Wirt hörte sie und sagte: „Madam, würden Sie erlauben, dass Ihr Kindermädchen und das Baby mit meiner Familie frühstücken?“ Ich wusste, dass dies meinem Teint zuzuschreiben war; aber er sprach höflich, und deshalb machte es mir nichts aus.
In Saratoga fanden wir das United States Hotel überfüllt vor, und Mr. Bruce mietete eines der zum Hotel gehörenden Cottages. Ich hatte mit Freude daran gedacht, in die Ruhe des Landes zu gehen, wo ich nur wenige Menschen treffen würde, doch hier fand ich mich inmitten eines Schwarms von Südstaatlern wieder. Ich sah mich mit Angst und Zittern um, in der Befürchtung, jemanden zu sehen, der mich wiedererkennen würde. Ich war froh, als ich feststellte, dass wir nur für kurze Zeit bleiben würden.
Wir kehrten bald nach New York zurück, um Vorkehrungen für den restlichen Sommer in Rockaway zu treffen. Während die Wäscherin die Kleidung in Ordnung brachte, nutzte ich die Gelegenheit, nach Brooklyn zu fahren, um Ellen zu sehen. Ich traf sie auf dem Weg zu einem Lebensmittelladen, und die ersten Worte, die sie sagte, waren: „O Mutter, geh nicht zu Mrs. Hobbs. Ihr Bruder, Mr. Thorne, ist aus dem Süden gekommen, und vielleicht verrät er, wo du bist.“ Ich nahm die Warnung an. Ich sagte ihr, dass ich am nächsten Tag mit Mrs. Bruce verreisen würde und versuchen würde, sie zu sehen, wenn ich zurückkäme.
Da ich in der Knechtschaft der angelsächsischen Rasse stand, wurde ich auf unserem Weg nach Rockaway nicht in einen „Jim-Crow-Wagen“ gesteckt, noch wurde ich eingeladen, auf einem Lastwagen auf der Oberseite von Koffern durch die Straßen zu fahren; doch überall stieß ich auf dieselben Manifestationen jenes grausamen Vorurteils, das die Gefühle der farbigen Menschen so sehr entmutigt und ihre Energie unterdrückt. Wir erreichten Rockaway vor Einbruch der Dunkelheit und stiegen im Pavilion ab – einem großen Hotel in wunderschöner Lage am Meer, einem beliebten Treffpunkt der vornehmen Welt. Drei- oder vierzig Kindermädchen waren dort, aus einer Vielzahl von Nationen. Einige der Damen hatten farbige Zofen und Kutscher, doch ich war das einzige Kindermädchen mit einem Schuss afrikanischen Blutes. Als die Teeglocke läutete, nahm ich die kleine Mary und folgte den anderen Kindermädchen. Das Abendessen wurde in einem langen Saal serviert. Ein junger Mann, der das Sagen hatte, ging zwei- oder dreimal um den Tisch herum und wies mich schließlich auf einen Platz am unteren Ende. Da es nur einen Stuhl gab, setzte ich mich und nahm das Kind auf meinen Schoß. Daraufhin kam der junge Mann zu mir und sagte im sanftesten Tonfall: „Würden Sie bitte das kleine Mädchen auf den Stuhl setzen und sich dahinter stellen und es füttern? Nachdem sie fertig sind, werden Sie in die Küche geführt, wo Sie ein gutes Abendessen bekommen werden.“
Das war der Höhepunkt! Es fiel mir schwer, meine Selbstbeherrschung zu bewahren, als ich mich umsah und Frauen sah, die Kindermädchen waren wie ich und nur einen Farbton heller in der Haut, die mich mit einem herausfordernden Blick musterten, als wäre meine Anwesenheit eine Verunreinigung. Ich sagte jedoch nichts. Ich nahm das Kind ruhig auf den Arm, ging auf unser Zimmer und weigerte mich, noch einmal an den Tisch zu gehen. Mr. Bruce ordnete an, dass das Essen für die kleine Mary und mich aufs Zimmer gebracht wurde. Das funktionierte ein paar Tage lang; doch die Kellner der Einrichtung waren weiß, und sie begannen bald sich zu beschweren, indem sie sagten, sie seien nicht dafür eingestellt worden, Neger zu bedienen. Der Wirt bat Mr. Bruce, mich zu meinen Mahlzeiten nach unten zu schicken, weil seine Bediensteten sich weigerten, sie hinaufzubringen, und die farbigen Bediensteten anderer Gäste unzufrieden waren, weil nicht alle gleich behandelt wurden.
Meine Antwort war, dass die farbigen Bediensteten unzufrieden mit sich selbst sein sollten, weil sie nicht genug Selbstachtung besäßen, um sich einer solchen Behandlung zu unterwerfen; dass es keinen Unterschied im Preis für die Verpflegung von farbigen und weißen Bediensteten gäbe und es keine Rechtfertigung für eine unterschiedliche Behandlung gebe. Ich blieb danach noch einen Monat, und als sie merkten, dass ich entschlossen war, für meine Rechte einzutreten, beschlossen sie, mich gut zu behandeln. Möge jeder farbige Mann und jede farbige Frau dies tun, und schließlich werden wir aufhören, von unseren Unterdrückern mit Füßen getreten zu werden.
XXXVI. Die haarscharfe Flucht.
Nachdem wir nach New York zurückgekehrt waren, nutzte ich die erste Gelegenheit, um Ellen zu besuchen. Ich bat darum, sie nach unten rufen zu lassen; denn ich nahm an, dass Mrs. Hobbs’ Bruder aus dem Süden noch dort sein könnte, und ich war bestrebt, ihm nach Möglichkeit nicht zu begegnen. Doch Mrs. Hobbs kam in die Küche und bestand darauf, dass ich nach oben ging. „Mein Bruder möchte dich sehen“, sagte sie, „und es tut ihm leid, dass du ihn zu meiden scheinst. Er weiß, dass du in New York lebst. Er hat mir gesagt, ich solle dir ausrichten, dass er der guten alten Tante Martha für zu viele kleine freundliche Gesten Dank schuldet, als dass er so niederträchtig sein könnte, ihre Enkelin zu verraten.“
Dieser Mr. Thorne war schon lange vor seinem Weggang aus dem Süden arm und leichtsinnig geworden, und solche Leute leihen sich viel lieber einen Dollar von einer der treuen alten Sklavinnen oder bekommen ein gutes Abendessen, als zu jemandem zu gehen, den sie als ihresgleichen betrachten. Es waren solche freundlichen Gesten, für die er behauptete, meiner Großmutter gegenüber dankbar zu sein. Ich wünschte, er wäre ferngeblieben, aber da er nun einmal hier war und wusste, wo ich mich aufhielt, kam ich zu dem Schluss, dass nichts gewonnen wäre, wenn ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen; im Gegenteil, es könnte dazu führen, seinen Groll zu erwecken. Ich folgte seiner Schwester nach oben. Er begegnete mir auf sehr freundliche Weise, gratulierte mir zu meiner Flucht aus der Sklaverei und hoffte, dass ich eine gute Stelle hätte, an der ich mich glücklich fühlte.
Ich besuchte Ellen weiterhin so oft ich konnte. Sie, das gute, nachdenkliche Kind, vergaß nie meine gefahrvolle Lage, sondern hielt immer wachsam Ausschau nach meiner Sicherheit. Sie beschwerte sich nie über ihre eigenen Unannehmlichkeiten und Sorgen; doch das beobachtende Auge einer Mutter bemerkte leicht, dass sie nicht glücklich war. Bei einem meiner Besuche fand ich sie ungewöhnlich ernst. Als ich sie fragte, was los sei, sagte sie, es sei nichts los. Doch ich bestand darauf zu erfahren, was sie so schwermütig aussehen ließ. Schließlich fand ich heraus, dass sie sich über die Ausschweifungen sorgte, die in dem Haus ständig vor sich gingen. Sie wurde sehr oft für Rum und Brandy zum Laden geschickt, und sie schämte sich, so oft danach fragen zu müssen; und Mr. Hobbs und Mr. Thorne tranken sehr viel, und ihre Hände zitterten so sehr, dass sie sie rufen mussten, um den Schnaps für sie einzuschenken. „Aber trotz alledem“, sagte sie, „ist Mr. Hobbs gut zu mir, und ich kann nicht anders, als ihn zu mögen. Ich habe Mitleid mit ihm.“ Ich versuchte sie zu trösten, indem ich ihr sagte, dass ich hundert Dollar beiseitegelegt hätte und dass ich hoffe, ihr und Benjamin bald ein Zuhause geben und sie zur Schule schicken zu können. Sie war immer darauf bedacht, meine Sorgen nicht mehr zu vermehren, als sie konnte, und ich entdeckte erst Jahre später, dass Mr. Thornes Trunksucht nicht die einzige Belästigung war, unter der sie durch ihn zu leiden hatte. Obwohl er vorgab, zu viel Dankbarkeit gegenüber meiner Großmutter zu empfinden, um irgendeinem ihrer Nachkommen etwas zuleide zu tun, hatte er abscheuliche Worte in die Ohren ihrer unschuldigen Urenkelin gegossen.
Ich fuhr gewöhnlich sonntagnachmittags nach Brooklyn. An einem Sonntag fand ich Ellen ängstlich in der Nähe des Hauses auf mich wartend vor. „O Mutter“, sagte sie, „ich habe schon so lange auf dich gewartet. Ich fürchte, Mr. Thorne hat Dr. Flint geschrieben, wo du bist. Beeil dich und komm rein. Mrs. Hobbs wird dir alles darüber erzählen!“
Die Geschichte war schnell erzählt. Während die Kinder am Tag zuvor in der Weinlaube spielten, war Mr. Thorne mit einem Brief in der Hand herausgekommen, den er zerriss und verstreute. Ellen fegte gerade den Hof und da sie voller Verdacht gegen ihn war, hob sie die Stücke auf und brachte sie den Kindern mit den Worten: „Ich frage mich, wem Mr. Thorne geschrieben hat.“
„Ich weiß es sicher nicht und es ist mir egal“, antwortete das älteste der Kinder; „und ich verstehe nicht, was dich das angeht.“
„Aber es geht mich etwas an“, erwiderte Ellen; „denn ich fürchte, er hat wegen meiner Mutter in den Süden geschrieben.“
Sie lachten über sie und nannten sie ein albernes Ding, setzten aber gutmütig die Fragmente des Briefes zusammen, um sie ihr vorzulesen. Kaum waren sie angeordnet, rief das kleine Mädchen aus: „Ich muss sagen, Ellen, ich glaube, du hast recht.“
Der Inhalt von Mr. Thornes Brief lautete, soweit ich mich erinnern kann, wie folgt: „Ich habe Ihre Sklavin Linda gesehen und mit ihr gesprochen. Sie kann sehr leicht gefangen genommen werden, wenn Sie klug vorgehen. Es gibt hier genug von uns, die ihre Identität als Ihr Eigentum beeiden können. Ich bin ein Patriot, ein Liebhaber meines Landes, und ich tue dies als einen Akt der Gerechtigkeit gegenüber den Gesetzen.“ Er schloss damit, dem Doktor die Straße und die Hausnummer mitzuteilen, in der ich wohnte. Die Kinder brachten die Stücke zu Mrs. Hobbs, die sofort in das Zimmer ihres Bruders ging, um eine Erklärung zu verlangen. Er war nicht auffindbar. Die Bediensteten sagten, sie hätten ihn mit einem Brief in der Hand ausgehen sehen und sie vermuteten, er sei zum Postamt gegangen. Die naheliegende Schlussfolgerung war, dass er eine Kopie jener Fragmente an Dr. Flint geschickt hatte. Als er zurückkehrte, beschuldigte ihn seine Schwester dessen, und er leugnete die Anschuldigung nicht. Er ging sofort auf sein Zimmer, und am nächsten Morgen war er verschwunden. Er war nach New York hinübergegangen, bevor jemand aus der Familie wach war.
Es war offensichtlich, dass ich keine Zeit zu verlieren hatte; und ich eilte mit schwerem Herzen zurück in die Stadt. Wieder sollte ich aus einem behaglichen Zuhause gerissen werden, und all meine Pläne für das Wohlergehen meiner Kinder sollten durch diesen Dämon Sklaverei vereitelt werden! Ich bedauerte nun, dass ich Mrs. Bruce nie meine Geschichte erzählt hatte. Ich hatte sie nicht nur deshalb verschwiegen, weil ich eine Flüchtige war; das hätte sie zwar beunruhigt, aber es hätte auch Mitgefühl in ihrem gütigen Herzen geweckt. Ich schätzte ihre gute Meinung über mich, und ich fürchtete, sie zu verlieren, wenn ich ihr alle Einzelheiten meiner traurigen Geschichte erzählte. Doch nun fühlte ich, dass es notwendig war, dass sie wusste, in welcher Lage ich mich befand. Ich hatte sie einmal abrupt verlassen, ohne den Grund zu erklären, und es wäre nicht angemessen gewesen, dies noch einmal zu tun. Ich ging nach Hause, entschlossen, es ihr am Morgen zu sagen. Doch die Traurigkeit in meinem Gesicht erregte ihre Aufmerksamkeit, und als Antwort auf ihre gütigen Nachfragen schüttete ich ihr noch vor dem Schlafengehen mein ganzes Herz aus. Sie hörte mit echtem weiblichem Mitgefühl zu und sagte mir, dass sie alles tun würde, um mich zu schützen. Wie mein Herz sie segnete!
Früh am nächsten Morgen wurden Richter Vanderpool und Rechtsanwalt Hopper zu Rate gezogen. Sie sagten, ich solle die Stadt sofort verlassen, da das Risiko zu groß wäre, falls es zu einem Prozess käme. Mrs. Bruce brachte mich in einer Kutsche zum Haus einer ihrer Freundinnen, wo sie mir versicherte, dass ich sicher sei, bis mein Bruder eintreffen könne, was in ein paar Tagen der Fall sein würde. In der Zwischenzeit waren meine Gedanken sehr mit Ellen beschäftigt. Sie gehörte mir durch die Geburt, und sie gehörte mir auch durch das Gesetz des Südens, da meine Großmutter den Kaufvertrag besaß, der sie dazu machte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie sicher war, wenn ich sie nicht bei mir hatte. Mrs. Hobbs, die sich wegen des Verrats ihres Bruders schlecht fühlte, gab meinem Flehen nach, unter der Bedingung, dass sie in zehn Tagen zurückkehren würde. Ich vermied es, ein Versprechen abzugeben. Sie kam zu mir, gekleidet in sehr dünne Kleidungsstücke, aus denen sie längst herausgewachsen war, und mit einer Schultasche am Arm, die ein paar wenige Dinge enthielt. Es war Ende Oktober, und ich wusste, dass das Kind leiden musste; und da ich es nicht wagte, auf die Straße zu gehen, um etwas zu kaufen, zog ich meinen eigenen Flanellunterrock aus und machte daraus einen für sie. Die gütige Mrs. Bruce kam, um sich zu verabschieden, und als sie sah, dass ich meine eigene Kleidung für mein Kind ausgezogen hatte, traten ihr Tränen in die Augen. Sie sagte: „Warte auf mich, Linda“, und ging hinaus. Bald kehrte sie mit einem schönen warmen Schal und einer Haube für Ellen zurück. Wahrlich, von Seelen wie der ihren ist das Himmelreich.
Mein Bruder erreichte New York am Mittwoch. Rechtsanwalt Hopper riet uns, den Weg nach Boston über Stonington zu nehmen, da in dieser Richtung weniger Südstaatler reisten. Mrs. Bruce wies ihre Bediensteten an, allen Fragenden zu sagen, dass ich früher dort gelebt, die Stadt aber verlassen hätte. Wir erreichten das Dampfschiff Rhode Island sicher. Dieses Schiff beschäftigte farbiges Personal, aber ich wusste, dass farbige Passagiere in der Kabine nicht zugelassen waren. Ich wünschte mir sehr die Abgeschiedenheit der Kabine, nicht nur wegen der Aussetzung an die Nachtluft, sondern auch, um Beobachtungen zu vermeiden. Rechtsanwalt Hopper wartete an Bord auf uns. Er sprach mit der Stewardess und bat sie als besonderen Gefallen, uns gut zu behandeln. Er sagte zu mir: „Gehen Sie später selbst zum Kapitän und sprechen Sie mit ihm. Nehmen Sie Ihr kleines Mädchen mit, und ich bin sicher, dass er sie nicht an Deck schlafen lässt.“ Mit diesen freundlichen Worten und einem Händedruck ging er von Bord.
Das Boot war bald unterwegs und trug mich schnell fort von dem gastfreundlichen Heim, in dem ich auf Sicherheit und Ruhe gehofft hatte. Mein Bruder hatte mich zurückgelassen, um die Fahrkarten zu kaufen, da er meinte, ich könnte dabei mehr Erfolg haben als er. Als die Stewardess zu mir kam, zahlte ich den verlangten Preis, und sie gab mir drei Fahrkarten mit abgeschnittenen Ecken. Auf die unbedarfteste Weise sagte ich: „Sie haben sich geirrt; ich habe Sie um Kabinenplätze gebeten. Ich kann unmöglich einwilligen, mit meiner kleinen Tochter an Deck zu schlafen.“ Sie versicherte mir, es liege kein Irrtum vor. Sie sagte, auf einigen Routen dürften farbige Menschen in der Kabine schlafen, aber nicht auf dieser Strecke, die häufig von Wohlhabenden genutzt werde. Ich bat sie, mich zum Büro des Kapitäns zu bringen, und sie sagte, das würde sie nach dem Tee tun. Als die Zeit gekommen war, nahm ich Ellen an der Hand und ging zum Kapitän, wobei ich ihn höflich bat, unsere Plätze zu tauschen, da wir uns an Deck sehr unwohl fühlen würden. Er sagte, dies widerspreche ihrem Brauch, aber er werde dafür sorgen, dass wir Kojen unter Deck bekämen; er wolle auch versuchen, bequeme Plätze für uns in den Waggons zu bekommen; dies sei zwar nicht sicher, aber er werde mit dem Schaffner darüber sprechen, wenn das Boot ankäme. Ich dankte ihm und kehrte in die Damenkapitänskajüte zurück. Er kam später zu mir und teilte mir mit, dass der Schaffner des Zuges an Bord sei, dass er mit ihm gesprochen habe und dieser versprochen habe, sich um uns zu kümmern. Ich war sehr überrascht, so viel Güte zu erfahren. Ich weiß nicht, ob das freundliche Gesicht meiner kleinen Tochter sein Herz gewonnen hatte oder ob die Stewardess aus der Art und Weise, wie Rechtsanwalt Hopper mit mir sprach, geschlossen hatte, dass ich eine Flüchtige sei, und ihn in meinem Namen darum gebeten hatte.
Als das Boot in Stonington ankam, hielt der Schaffner sein Versprechen und wies uns Plätze im ersten Waggon zu, der der Lokomotive am nächsten war. Er bat uns, uns neben die Tür zu setzen, aber als er durch den Wagen ging, wagten wir es, uns weiter zum anderen Ende des Waggons zu begeben. Es begegnete uns keine Unhöflichkeit, und wir erreichten Boston sicher.
Der Tag nach meiner Ankunft war einer der glücklichsten meines Lebens. Ich fühlte mich, als wäre ich außerhalb der Reichweite der Bluthunde; und zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich meine beiden Kinder bei mir. Sie genossen ihre Wiedervereinigung sehr, lachten und plauderten fröhlich. Ich beobachtete sie mit schwellender Brust. Jede ihrer Bewegungen erfreute mich.
Ich konnte mich in New York nicht sicher fühlen und nahm das Angebot einer Freundin an, die Kosten zu teilen und gemeinsam einen Haushalt zu führen. Ich erklärte Mrs. Hobbs, dass Ellen etwas Schulbildung brauche und zu diesem Zweck bei mir bleiben müsse. Sie schämte sich, in ihrem Alter weder lesen noch buchstabieren zu können, also schickte ich sie nicht mit Benny zur Schule, sondern unterrichtete sie selbst, bis sie bereit war, eine Zwischenschule zu besuchen. Der Winter verging angenehm, während ich mit meiner Nadel beschäftigt war und meine Kinder mit ihren Büchern.
XXXVII. Ein Besuch in England
Im Frühling erreichten mich traurige Nachrichten. Mrs. Bruce war gestorben. Niemals wieder in dieser Welt sollte ich ihr sanftes Gesicht sehen oder ihre mitfühlende Stimme hören. Ich hatte eine ausgezeichnete Freundin verloren, und die kleine Mary hatte eine zärtliche Mutter verloren. Mr. Bruce wollte, dass das Kind einige Verwandte ihrer Mutter in England besuchte, und er wünschte, dass ich die Aufsicht über sie übernahm. Die kleine Mutterlose war an mich gewöhnt und hing an mir, und ich dachte, sie wäre in meiner Obhut glücklicher als bei einer Fremden. Ich konnte auf diese Weise auch mehr verdienen, als ich es mit meiner Nadel gekonnt hätte. Also gab ich Benny in die Lehre und ließ Ellen bei meiner Freundin im Haus, damit sie zur Schule gehen konnte.
Wir segelten von New York ab und kamen nach einer angenehmen Reise von zwölf Tagen in Liverpool an. Wir reisten direkt nach London weiter und nahmen ein Quartier im Adelaide Hotel. Das Abendessen schien mir weniger luxuriös als die, die ich in amerikanischen Hotels gesehen hatte; aber meine Lage war unbeschreiblich viel angenehmer. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich an einem Ort, an dem ich gemäß meinem Benehmen behandelt wurde, ohne Rücksicht auf meine Hautfarbe. Ich fühlte mich, als sei ein großer Mühlstein von meiner Brust genommen worden. In einem behaglichen Zimmer untergebracht, mit meinem lieben kleinen Schützling, legte ich zum ersten Mal mein Haupt auf das Kopfkissen mit dem beglückenden Bewusstsein reiner, unverfälschter Freiheit.
Da ich mich ständig um das Kind kümmerte, hatte ich wenig Gelegenheit, die Wunder dieser großen Stadt zu sehen; aber ich beobachtete den Strom des Lebens, der durch die Straßen floss, und fand, dass er einen seltsamen Kontrast zur Stagnation in unseren Städten im Süden bildete. Mr. Bruce nahm seine kleine Tochter mit, um einige Tage bei Freunden im Oxford Crescent zu verbringen, und natürlich war es notwendig, dass ich sie begleitete. Ich hatte viel von der systematischen Methode der englischen Erziehung gehört, und ich wünschte sehr, dass meine liebe Mary inmitten so vieler Wohlanständigkeit den richtigen Weg fände. Ich beobachtete ihre kleinen Spielkameraden und deren Kindermädchen genau, bereit, jede Lektion in der Wissenschaft der guten Erziehung aufzunehmen. Die Kinder waren rosiger als amerikanische Kinder, aber ich sah nicht, dass sie sich in anderer Hinsicht wesentlich unterschieden. Sie waren wie alle Kinder – manchmal gelehrig und manchmal eigensinnig.
Wir fuhren dann nach Steventon in Berkshire. Es war eine kleine Stadt, von der es hieß, sie sei die ärmste im ganzen Bezirk. Ich sah Männer auf den Feldern für sechs oder sieben Schillinge in der Woche arbeiten und Frauen für sechs oder sieben Pence am Tag, wovon sie sich selbst verpflegen mussten. Natürlich lebten sie auf die primitivste Weise; es konnte nicht anders sein, wo der Lohn einer Frau für einen ganzen Tag nicht ausreichte, um ein Pfund Fleisch zu kaufen. Sie zahlten sehr niedrige Mieten, und ihre Kleidung war aus den billigsten Stoffen gefertigt, obwohl diese viel besser waren, als man sie für das gleiche Geld in den Vereinigten Staaten hätte bekommen können. Ich hatte viel über die Unterdrückung der Armen in Europa gehört. Die Menschen, die ich um mich sah, gehörten viele von ihnen zu den Ärmsten der Armen. Aber als ich sie in ihren kleinen strohgedeckten Häusern besuchte, spürte ich, dass die Lage selbst der Ärmsten und Unwissendsten unter ihnen bei weitem besser war als die Lage der begünstigsten Sklaven in Amerika. Sie arbeiteten hart; aber sie wurden nicht dazu gezwungen, bei Sternenlicht zur Arbeit auszurücken und von einem Aufseher bei Hitze und Kälte angetrieben und ausgepeitscht zu werden, bis die Sterne wieder leuchteten. Ihre Häuser waren sehr bescheiden; aber sie waren durch das Gesetz geschützt. Keine frechen Patrouillen konnten mitten in der Nacht kommen und sie nach Belieben auspeitschen. Der Vater fühlte sich sicher, wenn er seine Haustür hinter sich schloss und seine Familie um sich hatte. Kein Herr oder Aufseher konnte kommen und ihm seine Frau oder seine Tochter nehmen. Sie mussten sich zwar trennen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen; aber die Eltern wussten, wohin ihre Kinder gingen, und konnten mit ihnen durch Briefe in Verbindung bleiben. Die Beziehungen von Ehemann und Ehefrau, Eltern und Kind waren für den reichsten Adligen im Lande zu heilig, um sie ungestraft zu verletzen. Es wurde viel getan, um diese armen Menschen aufzuklären. Schulen wurden unter ihnen eingerichtet, und wohltätige Vereine waren aktiv bemüht, ihre Lage zu verbessern. Es gab kein Gesetz, das ihnen verbot, lesen und schreiben zu lernen; und wenn sie sich gegenseitig beim Buchstabieren der Bibel halfen, drohten ihnen nicht neununddreißig Peitschenhiebe, wie es bei mir und dem armen, frommen alten Onkel Fred der Fall gewesen war. Ich wiederhole, dass der unwissendste und mittelloseste dieser Bauern tausendmal besser dran war als der meistverwöhnte amerikanische Sklave.
Ich bestreite nicht, dass die Armen in Europa unterdrückt werden. Ich bin nicht geneigt, ihre Lage so rosig zu malen, wie die ehrenwerte Miss Murray die Lage der Sklaven in den Vereinigten Staaten schildert. Ein kleiner Teil meiner Erfahrung würde es ihr ermöglichen, ihre eigenen Seiten mit gesalbten Augen zu lesen. Würde sie ihren Titel ablegen und statt bei den Vornehmen zu verkehren, als arme Gouvernante auf irgendeiner Plantage in Louisiana oder Alabama sesshaft werden, würde sie Dinge sehen und hören, die sie eine ganz andere Geschichte erzählen ließen.
Mein Besuch in England ist ein unvergessliches Ereignis in meinem Leben, da ich dort starke religiöse Eindrücke empfing. Die verächtliche Art und Weise, wie das Abendmahl den farbigen Menschen an meinem Geburtsort gereicht wurde; die Kirchenmitgliedschaft von Dr. Flint und anderen seinesgleichen; und das Kaufen und Verkaufen von Sklaven durch bekennende Diener des Evangeliums hatten in mir ein Vorurteil gegen die Episkopalkirche geweckt. Der gesamte Gottesdienst schien mir eine Verhöhnung und ein Schwindel. Aber mein Zuhause in Steventon war in der Familie eines Geistlichen, der ein wahrer Jünger Jesu war. Die Schönheit seines täglichen Lebens inspirierte mich mit Glauben an die Aufrichtigkeit christlicher Bekenntnisse. Gnade zog in mein Herz ein, und ich kniete am Abendmahlstisch nieder, wie ich hoffe, in wahrer Demut der Seele.
Ich blieb zehn Monate im Ausland, was viel länger war, als ich erwartet hatte. Während dieser ganzen Zeit sah ich nicht das geringste Anzeichen von Vorurteilen gegen die Hautfarbe. Tatsächlich vergaß ich es völlig, bis die Zeit für unsere Rückkehr nach Amerika kam.
XXXVIII. Erneute Einladungen in den Süden.
Wir hatten eine mühsame Winterüberfahrt, und aus der Ferne schienen Gespenster an den Küsten der Vereinigten Staaten aufzusteigen. Es ist ein trauriges Gefühl, Angst vor dem eigenen Vaterland zu haben. Wir kamen sicher in New York an, und ich eilte nach Boston, um nach meinen Kindern zu sehen. Ich fand Ellen wohlauf und bei Fortschritten in ihrer Schule; aber Benny war nicht da, um mich willkommen zu heißen. Er war an einem guten Platz untergebracht worden, um ein Handwerk zu erlernen, und mehrere Monate lang lief alles gut. Er wurde von seinem Meister gemocht und war ein Liebling bei seinen Mitlernenden; aber eines Tages entdeckten sie zufällig eine Tatsache, die sie vorher nie geahnt hatten – dass er farbig war! Das verwandelte ihn sofort in ein anderes Wesen. Einige der Lehrlinge waren Amerikaner, andere in Amerika geborene Iren; und es kränkte ihre Würde, einen „Nigger“ unter sich zu haben, nachdem man ihnen gesagt hatte, er sei ein „Nigger“. Sie begannen, ihn mit stummem Hohn zu behandeln, und als sie merkten, dass er dies erwiderte, griffen sie zu Beleidigungen und Misshandlungen. Er war ein zu stolzer Junge, um das zu ertragen, und er ging fort. Da er bestrebt war, für sich selbst zu sorgen, und niemanden hatte, der ihn beraten konnte, heuerte er für eine Walfangreise an. Als ich diese Nachricht erhielt, vergoss ich viele Tränen und machte mir bittere Vorwürfe, ihn so lange verlassen zu haben. Aber ich hatte es in bester Absicht getan, und nun konnte ich nur noch zum himmlischen Vater beten, ihn zu leiten und zu beschützen.
Nicht lange nach meiner Rückkehr erhielt ich den folgenden Brief von Miss Emily Flint, jetzt Mrs. Dodge:
„Darin wirst du die Handschrift deiner Freundin und Herrin erkennen. Nachdem ich gehört habe, dass du mit einer Familie nach Europa gereist bist, habe ich auf Nachricht von deiner Rückkehr gewartet, um dir zu schreiben. Ich hätte den Brief, den du mir vor langer Zeit geschrieben hast, beantworten sollen, aber da ich damals nicht unabhängig von meinem Vater handeln konnte, wusste ich, dass nichts getan werden konnte, was dich zufrieden gestellt hätte. Es gab hier Personen, die bereit waren, dich zu kaufen und das Risiko einzugehen, dich zu bekommen. Dem wollte ich nicht zustimmen. Ich war dir immer zugetan und möchte nicht sehen, wie du die Sklavin eines anderen wirst oder unfreundlich behandelt wirst. Ich bin jetzt verheiratet und kann dich beschützen. Mein Mann erwartet, diesen Frühling nach Virginia zu ziehen, wo wir uns niederlassen wollen. Ich bin sehr darauf bedacht, dass du kommst und bei mir lebst. Wenn du nicht kommen willst, kannst du dich selbst freikaufen; aber ich würde es vorziehen, wenn du bei mir leben würdest. Wenn du kommst, kannst du, wenn du möchtest, einen Monat bei deiner Großmutter und deinen Freunden verbringen und dann zu mir nach Norfolk, Virginia, kommen. Überlege dir das und schreibe so bald wie möglich, und lass mich den Entschluss wissen. In der Hoffnung, dass es deinen Kindern gut geht, verbleibe ich deine Freundin und Herrin.“
Natürlich schrieb ich nicht, um mich für diese herzliche Einladung zu bedanken. Ich fühlte mich beleidigt, für so dumm gehalten zu werden, auf solche Beteuerungen hereinzufallen.
„‚Komm in mein Wohnzimmer‘, sagte die Spinne zur Fliege; ‚Es ist das hübscheste kleine Wohnzimmer, das du je erblickt hast.‘“
Es war klar, dass Dr. Flints Familie über meine Bewegungen unterrichtet war, da sie von meiner Reise nach Europa wussten. Ich erwartete weiteren Ärger durch sie; aber da ich ihnen bis jetzt ausgewichen war, hoffte ich, auch in Zukunft damit erfolgreich zu sein. Das Geld, das ich verdient hatte, wollte ich für die Erziehung meiner Kinder aufwenden und ein Zuhause für sie sichern. Es schien nicht nur hart, sondern auch ungerecht, für mich selbst zu bezahlen. Ich konnte mich unmöglich als ein Stück Eigentum betrachten. Außerdem hatte ich viele Jahre ohne Lohn gearbeitet und war während dieser Zeit gezwungen gewesen, mich bei vielen Annehmlichkeiten in Bezug auf Nahrung und Kleidung auf meine Großmutter zu verlassen. Meine Kinder gehörten sicherlich mir; aber obwohl Dr. Flint keine Kosten für ihren Unterhalt hatte, hatte er eine große Summe Geld für sie erhalten. Ich wusste, dass das Gesetz entscheiden würde, dass ich sein Eigentum sei, und der Tochter wahrscheinlich immer noch einen Anspruch auf meine Kinder geben würde; aber ich betrachtete solche Gesetze als die Vorschriften von Räubern, die keine Rechte hatten, die ich zu respektieren verpflichtet war.
Das Sklavenfluchtgesetz war damals noch nicht verabschiedet. Die Richter von Massachusetts hatten sich damals noch nicht unter Ketten gebeugt, um ihre sogenannten Gerichtshöfe zu betreten. Ich wusste, dass mein alter Herr recht scheu gegenüber Massachusetts war. Ich verließ mich auf ihre Liebe zur Freiheit und fühlte mich auf ihrem Boden sicher. Ich bin mir jetzt bewusst, dass ich das alte Commonwealth über seinen Verdienst hinaus geehrt habe.
XXXIX. Das Geständnis.
Zwei Jahre lang kamen meine Tochter und ich in Boston gut über die Runden. Am Ende dieser Zeit bot mein Bruder William an, Ellen auf ein Internat zu schicken. Es kostete mich große Anstrengung, mich damit einverstanden zu erklären, mich von ihr zu trennen, denn ich hatte nur wenige enge Bindungen, und ihre Anwesenheit war es, die meine zwei kleinen Zimmer wohnlich machte. Aber mein Urteilsvermögen siegte über meine egoistischen Gefühle. Ich traf Vorbereitungen für ihre Abreise. Während der zwei Jahre, die wir zusammengelebt hatten, hatte ich mir oft vorgenommen, ihr etwas über ihren Vater zu erzählen; aber ich war nie in der Lage gewesen, genug Mut aufzubringen. Ich hatte eine schrumpfende Angst davor, die Liebe meines Kindes zu verringern. Ich wusste, dass sie Neugier auf das Thema haben musste, aber sie hatte nie eine Frage gestellt. Sie war immer sehr vorsichtig, nichts zu sagen, was mich an meine Sorgen erinnern könnte. Jetzt, wo sie von mir fortging, dachte ich, falls ich sterben sollte, bevor sie zurückkehrte, könnte sie meine Geschichte von jemandem hören, der die mildernden Umstände nicht verstand; und dass, falls sie völlig unwissend in dieser Sache wäre, ihr empfindsames Wesen einen harten Schlag erleiden könnte.
Als wir uns zur Nacht zurückzogen, sagte sie: „Mutter, es ist sehr schwer, dich allein zu lassen. Ich bereue es fast, dass ich gehe, obwohl ich mich verbessern möchte. Aber du wirst mir oft schreiben, nicht wahr, Mutter?“
Ich schlang meine Arme nicht um sie. Ich antwortete ihr nicht. Aber auf eine ruhige, feierliche Weise, denn es kostete mich große Anstrengung, sagte ich: „Hör mir zu, Ellen; ich habe dir etwas zu sagen!“ Ich berichtete von meinen frühen Leiden in der Sklaverei und erzählte ihr, wie sehr sie mich beinahe zerbrochen hätten. Ich begann ihr zu erzählen, wie sie mich in eine große Sünde getrieben hatten, als sie mich in ihre Arme schloss und ausrief: „O, bitte nicht, Mutter! Bitte erzähl mir nicht mehr.“
Ich sagte: „Aber, mein Kind, ich möchte, dass du von deinem Vater erfährst.“
„Ich weiß alles darüber, Mutter“, antwortete sie; „Ich bin meinem Vater nichts, und er ist mir nichts. Meine ganze Liebe gehört dir. Ich war fünf Monate lang mit ihm in Washington, und er hat sich nie um mich gekümmert. Er hat nie mit mir so gesprochen wie mit seiner kleinen Fanny. Ich wusste die ganze Zeit, dass er mein Vater ist, denn Fannys Kindermädchen hat es mir gesagt; aber sie sagte, ich dürfe es niemandem sagen, und das habe ich auch nie getan. Ich wünschte oft, er würde mich in seine Arme nehmen und küssen, wie er es bei Fanny tat; oder dass er mich manchmal anlächeln würde, wie er es bei ihr tat. Ich dachte, wenn er mein eigener Vater wäre, müsste er mich lieben. Ich war damals ein kleines Mädchen und wusste es nicht besser. Aber jetzt denke ich nie mehr an meinen Vater. Meine ganze Liebe gehört dir.“ Sie drückte mich fester, als sie sprach, und ich dankte Gott, dass das Wissen, das ich so sehr gefürchtet hatte zu vermitteln, die Zuneigung meines Kindes nicht geschmälert hatte. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, dass sie diesen Teil meiner Geschichte kannte. Hätte ich das gewusst, hätte ich schon viel früher mit ihr gesprochen; denn meine aufgestauten Gefühle hatten sich oft danach gesehnt, sich jemandem mitzuteilen, dem ich vertrauen konnte. Aber ich liebte das liebe Mädchen umso mehr für die Feinfühligkeit, die sie gegenüber ihrer unglücklichen Mutter an den Tag gelegt hatte.
Am nächsten Morgen begannen sie und ihr Onkel ihre Reise in das Dorf in New York, wo sie zur Schule gehen sollte. Es schien, als wäre der ganze Sonnenschein verschwunden. Mein kleines Zimmer war schrecklich einsam. Ich war dankbar, als eine Nachricht von einer Dame kam, die mich gewöhnlich beschäftigte, und mich bat, für einige Wochen in ihrer Familie zu nähen. Bei meiner Rückkehr fand ich einen Brief von Bruder William. Er dachte daran, in Rochester einen Lese-Raum gegen die Sklaverei zu eröffnen und damit den Verkauf einiger Bücher und Schreibwaren zu verbinden; und er wollte, dass ich mich ihm anschließe. Wir versuchten es, aber es war nicht erfolgreich. Wir fanden dort herzliche Freunde der Anti-Sklaverei-Bewegung, aber die Stimmung war nicht allgemein genug, um eine solche Einrichtung zu unterstützen. Ich verbrachte fast ein Jahr in der Familie von Isaac und Amy Post, praktischen Gläubigen an die christliche Lehre der menschlichen Brüderlichkeit. Sie messen den Wert eines Menschen an seinem Charakter, nicht an seiner Hautfarbe. Die Erinnerung an diese geliebten und geehrten Freunde wird mich bis zu meiner letzten Stunde begleiten.
XL. Das Sklavenfluchtgesetz.
Mein Bruder, der von seinem Projekt enttäuscht war, beschloss, nach Kalifornien zu gehen; und es wurde vereinbart, dass Benjamin mit ihm gehen sollte. Ellen mochte ihre Schule und war dort sehr beliebt. Sie kannten ihre Geschichte nicht, und sie erzählte sie nicht, weil sie kein Verlangen hatte, Kapital aus ihrem Mitgefühl zu schlagen. Aber als zufällig entdeckt wurde, dass ihre Mutter eine flüchtige Sklavin war, wurde jede Methode angewandt, um ihre Vorteile zu erhöhen und ihre Kosten zu verringern.
Ich war wieder allein. Es war notwendig für mich, Geld zu verdienen, und ich zog es vor, dass dies unter denen geschah, die mich kannten. Bei meiner Rückkehr aus Rochester besuchte ich das Haus von Mr. Bruce, um Mary zu sehen, das liebe kleine Baby, das mein Herz aufgetaut hatte, als es in ein freudloses Misstrauen gegen alle meine Mitmenschen zu gefrieren drohte. Sie war inzwischen ein großes Mädchen geworden, aber ich liebte sie immer noch. Mr. Bruce hatte wieder geheiratet, und es wurde vorgeschlagen, dass ich Kindermädchen für einen neuen Säugling werden sollte. Ich hatte nur ein Zögern, und das war mein Gefühl der Unsicherheit in New York, das durch die Verabschiedung des Sklavenfluchtgesetzes nun stark zugenommen hatte. Ich beschloss jedoch, das Experiment zu wagen. Ich hatte wieder Glück mit meiner Arbeitgeberin. Die neue Mrs. Bruce war eine Amerikanerin, die unter aristokratischen Einflüssen aufgewachsen war und noch immer inmitten dieser lebte; aber wenn sie irgendwelche Vorurteile gegen die Hautfarbe hatte, wurde mir das nie bewusst; und was das System der Sklaverei betraf, so hegte sie eine herzlichste Abneigung dagegen. Keine Sophisterei der Südstaatler konnte sie für dessen Ungeheuerlichkeit blind machen. Sie war eine Person von ausgezeichneten Prinzipien und einem edlen Herzen. Für mich ist sie von jener Stunde an bis heute eine wahre und mitfühlende Freundin gewesen. Segen sei mit ihr und den Ihren!
Etwa zu der Zeit, als ich wieder in den Dienst der Familie Bruce trat, ereignete sich ein für die farbige Bevölkerung folgenschweres Ereignis. Der Sklave Hamlin, der erste Flüchtling, der unter das neue Gesetz fiel, wurde von den Bluthunden des Nordens an die Bluthunde des Südens ausgeliefert. Es war der Beginn einer Schreckensherrschaft für die farbigen Einwohner. Die große Stadt eilte weiter in ihrem Wirbel aus Aufregung und nahm keine Notiz von den „kurzen und einfachen Annalen der Armen“. Doch während die feine Gesellschaft in der Metropolitan Hall der mitreißenden Stimme von Jenny Lind lauschte, stiegen in der Zion’s Church die aufwühlenden Stimmen der armen, gejagten Farbigen in einem Flehen voller Qual zum Herrn empor. Viele Familien, die seit zwanzig Jahren in der Stadt gelebt hatten, flohen nun. Manche arme Wäscherin, die sich durch harte Arbeit ein gemütliches Heim geschaffen hatte, war gezwungen, ihr Mobiliar zu opfern, sich hastig von Freunden zu verabschieden und ihr Glück unter Fremden in Kanada zu suchen. Manche Ehefrau entdeckte ein Geheimnis, das sie zuvor nie gekannt hatte – dass ihr Mann ein Flüchtling war und sie verlassen musste, um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten. Noch schlimmer: Manche Ehemänner entdeckten, dass ihre Frauen vor Jahren aus der Sklaverei geflohen waren, und da „das Kind den Status der Mutter teilt“, liefen die Kinder ihrer Liebe Gefahr, ergriffen und in die Sklaverei verschleppt zu werden. Überall, in diesen bescheidenen Heimen, herrschten Bestürzung und Angst. Doch was kümmerten die Gesetzgeber der „herrschenden Rasse“ das Blut, das sie aus zertrampelten Herzen herauspressten?
Als mein Bruder William seinen letzten Abend vor seiner Abreise nach Kalifornien bei mir verbrachte, sprachen wir fast die ganze Zeit über das Leid, das die Verabschiedung dieses ungerechten Gesetzes über unser unterdrücktes Volk gebracht hatte; und nie zuvor hatte ich erlebt, dass er eine solche Verbitterung und eine solch strenge Feindseligkeit gegenüber unseren Unterdrückern zeigte. Er selbst war vor den Auswirkungen dieses Gesetzes sicher, da er nicht aus einem Sklavenhalterstaat geflohen war, sondern von seinem Herrn in die freien Staaten gebracht wurde. Ich jedoch war ihm unterworfen; und das galt für Hunderte intelligenter und fleißiger Menschen um uns herum. Ich wagte mich nur selten auf die Straße; und wenn es notwendig war, eine Besorgung für Mrs. Bruce oder ein anderes Familienmitglied zu erledigen, ging ich so weit wie möglich durch Hintergassen und Nebenwege. Welche Schande für eine Stadt, die sich frei nennt, dass Einwohner, die keine Schuld auf sich geladen haben und gewissenhaft ihre Pflichten erfüllen wollen, dazu verdammt sind, in solch unaufhörlicher Angst zu leben und nirgendwo Schutz finden können! Dieser Zustand führte natürlich zur Bildung vieler spontaner Wachkomitees. Jeder Farbige und jeder Freund ihrer verfolgten Rasse hielt die Augen offen. Jeden Abend untersuchte ich sorgfältig die Zeitungen, um zu sehen, welche Südstaatler in den Hotels abgestiegen waren. Ich tat dies um meinetwillen, in der Sorge, meine junge Herrin und ihr Mann könnten auf der Liste stehen; ich wollte auch anderen Informationen geben, falls nötig; denn wenn schon viele „hin und her liefen“, so war ich entschlossen, dass „das Wissen vermehrt werden sollte“.
Dies bringt mich zu einer meiner Erinnerungen aus dem Süden, die ich hier kurz schildern will. Ich kannte einen Sklaven namens Luke, der einem wohlhabenden Mann in unserer Nachbarschaft gehörte. Sein Herr starb und hinterließ seinem Sohn und seiner Tochter sein großes Vermögen. Bei der Aufteilung der Sklaven fiel Luke dem Sohn zu. Dieser junge Mann wurde ein Opfer der Laster, die aus der „patriarchalen Institution“ erwuchsen, und als er in den Norden ging, um seine Ausbildung zu vollenden, nahm er seine Laster mit. Er wurde nach Hause gebracht, unfähig, seine Gliedmaßen zu gebrauchen, eine Folge übermäßiger Zügellosigkeit. Luke wurde dazu bestimmt, seinen bettlägerigen Herrn zu pflegen, dessen despotische Gewohnheiten durch die Verbitterung über seine eigene Hilflosigkeit noch zunahmen. Er hielt eine Ochsenpeitsche neben sich und befahl seinem Pfleger bei den trivialsten Anlässen, den Rücken freizumachen und neben der Couch zu knien, während er ihn auspeitschte, bis seine Kräfte erschöpft waren. An manchen Tagen durfte er nichts anderes als sein Hemd tragen, um jederzeit für eine Tracht Prügel bereit zu sein. Selten verging ein Tag, ohne dass er mehr oder weniger Schläge erhielt. Wenn der geringste Widerstand geleistet wurde, wurde der Stadtpolizist gerufen, um die Strafe zu vollstrecken, und Luke lernte aus Erfahrung, wie viel mehr der starke Arm des Polizisten zu fürchten war als der vergleichsweise schwache seines Herrn. Der Arm seines Tyrannen wurde schwächer und schließlich gelähmt; und dann wurden die Dienste des Polizisten ständig in Anspruch genommen. Die Tatsache, dass er völlig von Lukes Pflege abhängig war und wie ein Säugling versorgt werden musste, schien seine Reizbarkeit und Grausamkeit nur zu steigern, statt Dankbarkeit oder Mitleid gegenüber seinem armen Sklaven zu erwecken. Während er dort auf seinem Bett lag, ein bloßes, verfallenes Wrack eines Mannes, kamen ihm die seltsamsten Launen des Despotismus in den Sinn; und wenn Luke zögerte, seinen Befehlen zu gehorchen, wurde sofort der Polizist gerufen. Einige dieser Launen waren von einer Art, die zu schmutzig ist, um sie zu wiederholen. Als ich aus dem Haus der Knechtschaft floh, ließ ich den armen Luke noch immer an das Bett dieses grausamen und abscheulichen Elenden gekettet zurück.
Eines Tages, als ich gebeten worden war, eine Besorgung für Mrs. Bruce zu machen, eilte ich wie üblich durch die Hintergassen, als ich einen jungen Mann auf mich zukommen sah, dessen Gesicht mir bekannt vorkam. Als er näher kam, erkannte ich Luke. Ich freute mich immer, jemanden zu sehen oder von jemandem zu hören, der aus der schwarzen Grube entkommen war; aber in Anbetracht der extremen Härten dieses armen Kerls war ich besonders froh, ihn auf nördlichem Boden zu sehen, auch wenn ich ihn nicht mehr als freien Boden bezeichnete. Ich erinnerte mich nur zu gut an das trostlose Gefühl, allein unter Fremden zu sein, und ging auf ihn zu und begrüßte ihn herzlich. Zuerst erkannte er mich nicht; doch als ich meinen Namen nannte, erinnerte er sich an alles. Ich erzählte ihm vom Fugitive Slave Law und fragte ihn, ob er nicht wisse, dass New York eine Stadt der Menschenräuber sei.
Er antwortete: „Das Risiko ist für mich nicht so schlimm wie für dich. Denn ich bin vor dem Spekulanten weggelaufen, und du bist vor dem Massa weggelaufen. Diese Spekulanten geben ihr Geld nicht aus, um hierher zu kommen für einen Ausreißer, wenn sie nicht ganz sicher sind, dass sie ihre Hände direkt auf ihn legen können. Und ich sage dir, ich habe gut darauf geachtet. Ich hatte dort unten zu schwere Zeiten, um mich von denen schnappen zu lassen.“
Er erzählte mir dann von dem Rat, den er erhalten hatte, und den Plänen, die er geschmiedet hatte. Ich fragte, ob er genug Geld hätte, um nach Kanada zu gelangen. „Verlass dich drauf, das habe ich“, antwortete er. „Ich habe dafür gesorgt. Ich habe mein Leben lang für diese verdammten Weißen gearbeitet und keinen Lohn bekommen außer Tritte und Schläge. Also dachte ich, dieser Neger hätte ein Recht auf genug Geld, um ihn in die freien Staaten zu bringen. Massa Henry hat gelebt, bis jeder sich wünschte, er wäre tot; und als er dann starb, wusste ich, der Teufel würde ihn holen und würde nicht wollen, dass er sein Geld mitbringt. Also nahm ich einige seiner Scheine und steckte sie in die Tasche seiner alten Hose. Und als er begraben wurde, fragte dieser Neger nach dieser alten Hose, und sie gaben sie mir.“ Mit einem leisen, glucksenden Lachen fügte er hinzu: „Du siehst, ich habe es nicht gestohlen; sie haben es mir gegeben. Ich sag dir, ich hatte mächtig zu tun, um den Spekulanten davon abzuhalten, es zu finden; aber er hat es nicht bekommen.“
Dies ist ein treffendes Beispiel dafür, wie der moralische Sinn durch die Sklaverei geformt wird. Wenn einem Mann Jahr für Jahr sein Lohn gestohlen wird und die Gesetze diesen Diebstahl billigen und erzwingen, wie kann man von ihm erwarten, dass er mehr Achtung vor der Ehrlichkeit hat als der Mann, der ihn beraubt? Ich bin einigermaßen aufgeklärt worden, aber ich gestehe, dass ich dem armen, unwissenden, so misshandelten Luke zustimme, dass er ein Recht auf dieses Geld hatte, als Teil seines unbezahlten Lohns. Er ging unverzüglich nach Kanada, und seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.
Den ganzen Winter über lebte ich in einem Zustand der Angst. Wenn ich mit den Kindern ausging, um frische Luft zu schnappen, beobachtete ich genau die Gesichter aller, denen ich begegnete. Ich fürchtete das Kommen des Sommers, wenn Schlangen und Sklavenhalter zum Vorschein kommen. Ich war in der Tat eine Sklavin in New York, den Sklavengesetzen ebenso unterworfen, wie ich es in einem Sklavenstaat gewesen war. Seltsamer Widerspruch in einem Staat, der sich frei nennt!
Der Frühling kehrte zurück, und ich erhielt aus dem Süden die Warnung, dass Dr. Flint von meiner Rückkehr an meinen alten Platz wusste und Vorbereitungen traf, mich fangen zu lassen. Ich erfuhr später, dass mein Kleid und das der Kinder von Mrs. Bruce ihm von einigen der nördlichen Handlanger beschrieben worden waren, die Sklavenhalter für ihre niederträchtigen Zwecke einsetzen, um sich dann über deren Habsucht und gemeine Unterwürfigkeit lustig zu machen.
Ich informierte Mrs. Bruce sofort über meine Gefahr, und sie ergriff umgehend Maßnahmen zu meiner Sicherheit. Mein Platz als Kindermädchen konnte nicht sofort neu besetzt werden, und diese großherzige, mitfühlende Dame schlug vor, dass ich ihr Baby mitnehmen sollte. Es war ein Trost für mich, das Kind bei mir zu haben; denn das Herz sträubt sich, von jedem Objekt, das es liebt, fortgerissen zu werden. Aber wie wenige Mütter hätten zugestimmt, dass eines ihrer eigenen Babys zu einem Flüchtling wird, um einer armen, gejagten Amme zu helfen, auf die die Gesetzgeber des Landes die Bluthunde losgelassen hatten! Als ich von dem Opfer sprach, das sie brachte, indem sie sich von ihrem lieben Baby trennte, antwortete sie: „Es ist besser für dich, das Baby bei dir zu haben, Linda; denn wenn sie auf deine Spur kommen, werden sie gezwungen sein, das Kind zu mir zu bringen; und dann, wenn es eine Möglichkeit gibt, dich zu retten, wirst du gerettet werden.“
Diese Dame hatte einen sehr wohlhabenden Verwandten, einen in vieler Hinsicht gütigen Herrn, aber aristokratisch und sklavenfreundlich. Er hielt ihr vor, eine flüchtige Sklavin zu beherbergen; er sagte ihr, sie verstoße gegen die Gesetze ihres Landes; und fragte sie, ob sie sich der Strafe bewusst sei. Sie antwortete: „Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst. Es ist Gefängnis und tausend Dollar Geldstrafe. Schande über mein Land, dass es so ist! Ich bin bereit, die Strafe auf mich zu nehmen. Ich gehe lieber ins Staatsgefängnis, als dass irgendein armes Opfer aus meinem Haus gerissen wird, um in die Sklaverei zurückgeschleppt zu werden.“
Das edle Herz! Das mutige Herz! Mir kommen die Tränen, während ich über sie schreibe. Möge der Gott der Hilflosen sie für ihr Mitgefühl mit meinem verfolgten Volk belohnen!
Ich wurde nach Neuengland geschickt, wo ich von der Frau eines Senators Unterschlupf fand, der ich immer in dankbarer Erinnerung bleiben werde. Dieser ehrenwerte Herr hätte nicht für das Fugitive Slave Law gestimmt, wie der Senator in „Onkel Toms Hütte“; im Gegenteil, er war strikt dagegen; aber er stand zu sehr unter dessen Einfluss, als dass er es gewagt hätte, mich viele Stunden in seinem Haus zu behalten. Also wurde ich aufs Land geschickt, wo ich einen Monat lang mit dem Baby blieb. Als man annahm, Dr. Flints Häscher hätten meine Spur verloren und die Verfolgung vorerst aufgegeben, kehrte ich nach New York zurück.
XLI. Endlich frei.
Mrs. Bruce und jedes Mitglied ihrer Familie waren überaus gütig zu mir. Ich war dankbar für die Segnungen meines Schicksals, doch konnte ich nicht immer ein frohes Gesicht zeigen. Ich tat niemandem ein Leid an; im Gegenteil, ich tat alles Gute, was ich auf meine kleine Art tun konnte; doch konnte ich nie ausgehen, um Gottes freie Luft zu atmen, ohne Beklemmung in meinem Herzen. Das erschien mir hart; und ich konnte nicht glauben, dass dies ein richtiger Zustand in einem zivilisierten Land sei.
Von Zeit zu Zeit erhielt ich Nachrichten von meiner guten alten Großmutter. Sie konnte nicht schreiben; aber sie beauftragte andere, für sie zu schreiben. Das Folgende ist ein Auszug aus einem ihrer letzten Briefe:
„Liebe Tochter: Ich kann nicht hoffen, dich auf Erden wiederzusehen; aber ich bete zu Gott, uns dort oben zu vereinen, wo Schmerz diesen meinen schwachen Körper nicht mehr quälen wird; wo Kummer und das Abschiednehmen von meinen Kindern nicht mehr sein werden. Gott hat diese Dinge versprochen, wenn wir bis ans Ende treu bleiben. Mein Alter und meine schwache Gesundheit hindern mich jetzt daran, in die Kirche zu gehen; aber Gott ist hier bei mir zu Hause. Danke deinem Bruder für seine Güte. Richte ihm meine Liebe aus und sage ihm, er solle in den Tagen seiner Jugend an den Schöpfer denken und danach streben, mich im Reich des Vaters zu treffen. Liebe an Ellen und Benjamin. Vernachlässige ihn nicht. Sag ihm in meinem Namen, er solle ein guter Junge sein. Strebe, mein Kind, sie zu Gottes Kindern zu erziehen. Möge er dich beschützen und für dich sorgen, das ist das Gebet deiner liebenden alten Mutter.“
Diese Briefe erheiterten und betrübten mich zugleich. Ich war immer froh, Nachrichten von der gütigen, treuen alten Freundin meiner unglücklichen Jugend zu erhalten; aber ihre Liebesbotschaften ließen mein Herz danach sehnen, sie vor ihrem Tod noch einmal zu sehen, und ich trauerte über die Tatsache, dass es unmöglich war. Einige Monate nachdem ich von meiner Flucht nach Neuengland zurückgekehrt war, erhielt ich einen Brief von ihr, in dem sie schrieb: „Dr. Flint ist tot. Er hat eine betrübte Familie hinterlassen. Armer alter Mann! Ich hoffe, er hat seinen Frieden mit Gott gemacht.“
Ich erinnerte mich daran, wie er meine Großmutter um den mühsam verdienten Lohn betrogen hatte, den sie ihm geliehen hatte; wie er versucht hatte, sie um die Freiheit zu prellen, die ihr ihre Herrin versprochen hatte, und wie er ihre Kinder verfolgt hatte; und ich dachte bei mir, dass sie eine bessere Christin sei als ich, wenn sie ihm vollständig vergeben konnte. Ich kann nicht mit Wahrheit sagen, dass die Nachricht vom Tod meines alten Herrn meine Gefühle ihm gegenüber gemildert hat. Es gibt Unrecht, das selbst das Grab nicht begräbt. Der Mann war mir verhasst, solange er lebte, und sein Andenken ist mir jetzt verhasst.
Sein Abschied aus dieser Welt minderte meine Gefahr nicht. Er hatte meiner Großmutter gedroht, dass seine Erben mich nach seinem Tod in der Sklaverei halten würden; dass ich niemals frei sein würde, solange eines seiner Kinder überlebte. Was Mrs. Flint betraf, so hatte ich sie in tieferen Betrübnissen gesehen, als ich es für den Verlust ihres Mannes hielt, denn sie hatte mehrere Kinder begraben; doch sah ich niemals Anzeichen einer Erweichung in ihrem Herzen. Der Doktor war in bedrängten Umständen gestorben und hatte seinen Erben wenig zu hinterlassen, außer solchem Eigentum, das er nicht an sich raffen konnte. Ich war mir wohl bewusst, was ich von der Familie Flint zu erwarten hatte; und meine Befürchtungen wurden durch einen Brief aus dem Süden bestätigt, der mich warnte, auf der Hut zu sein, weil Mrs. Flint offen erklärte, ihre Tochter könne es sich nicht leisten, eine so wertvolle Sklavin wie mich zu verlieren.
Ich hielt die Zeitungen wegen der Ankünfte genau im Auge; aber an einem Samstagabend, da ich sehr beschäftigt war, vergaß ich, den Evening Express wie üblich zu untersuchen. Ich ging früh am Morgen hinunter ins Wohnzimmer, um ihn zu holen, und fand den Jungen, der gerade ein Feuer damit anzünden wollte. Ich nahm ihn ihm weg und untersuchte die Liste der Ankünfte. Leser, wenn du nie ein Sklave warst, kannst du dir das akute Gefühl des Leids in meinem Herzen nicht vorstellen, als ich die Namen von Mr. und Mrs. Dodge in einem Hotel in der Courtland Street las. Es war ein drittklassiges Hotel, und dieser Umstand überzeugte mich von der Wahrheit dessen, was ich gehört hatte, dass sie knapp bei Kasse waren und meinen Wert brauchten, so wie sie mich bewerteten; und das war in Dollar und Cents. Ich eilte mit der Zeitung zu Mrs. Bruce. Ihr Herz und ihre Hand waren immer offen für jeden in Not, und sie hatte immer warmes Mitgefühl für mein Leid. Es war unmöglich zu sagen, wie nahe der Feind war. Er könnte das Haus passiert haben und wieder vorbeigegangen sein, während wir schliefen. Er könnte in diesem Moment darauf gewartet haben, sich auf mich zu stürzen, wenn ich mich vor die Tür wagte. Ich hatte den Mann meiner jungen Herrin nie gesehen und konnte ihn daher nicht von irgendeinem anderen Fremden unterscheiden. Eine Kutsche wurde hastig bestellt, und dicht verschleiert folgte ich Mrs. Bruce, wobei ich das Baby erneut mit ins Exil nahm. Nach verschiedenen Wendungen und Kreuzungen und Rückwegen hielt die Kutsche vor dem Haus einer Freundin von Mrs. Bruce, wo ich freundlich empfangen wurde. Mrs. Bruce kehrte sofort zurück, um die Bediensteten anzuweisen, was sie sagen sollten, wenn jemand nach mir fragte.
Es war mein Glück, dass die Abendzeitung nicht verbrannt war, bevor ich die Gelegenheit hatte, die Liste der Ankünfte zu prüfen. Es dauerte nicht lange nach Mrs. Bruces Rückkehr in ihr Haus, bis mehrere Leute kamen, um nach mir zu fragen. Einer fragte nach mir, ein anderer nach meiner Tochter Ellen, und ein dritter sagte, er habe einen Brief von meiner Großmutter, den er persönlich übergeben solle.
Ihnen wurde gesagt: „Sie hat hier gewohnt, aber sie ist weggezogen.“
„Wie lange ist das her?“
„Das weiß ich nicht, mein Herr.“
„Wissen Sie, wohin sie gegangen ist?“
„Das weiß ich nicht, mein Herr.“ Und die Tür wurde geschlossen.
Dieser Mr. Dodge, der mich als sein Eigentum beanspruchte, war ursprünglich ein Yankee-Hausierer im Süden; dann wurde er Kaufmann und schließlich Sklavenhalter. Er schaffte es, in die sogenannte erste Gesellschaft eingeführt zu werden, und heiratete Miss Emily Flint. Es kam zu einem Streit zwischen ihm und ihrem Bruder, und der Bruder verprügelte ihn mit der Ochsenpeitsche. Dies führte zu einer Familienfehde, und er plante, nach Virginia umzuziehen. Dr. Flint hinterließ ihm kein Vermögen, und seine eigenen Mittel waren begrenzt geworden, während Frau und Kinder von ihm abhingen. Unter diesen Umständen war es sehr natürlich, dass er den Versuch unternahm, mich in seine Tasche zu stecken.
Ich hatte einen farbigen Freund, einen Mann aus meiner Heimat, dem ich das vollste Vertrauen entgegenbrachte. Ich schickte nach ihm und erzählte ihm, dass Mr. und Mrs. Dodge in New York angekommen seien. Ich schlug vor, er solle sie besuchen, um sich nach seinen Freunden im Süden zu erkundigen, mit denen Dr. Flints Familie wohlvertraut war. Er meinte, es sei nichts Ungehöriges dabei, dies zu tun, und stimmte zu. Er ging zum Hotel und klopfte an die Tür von Mr. Dodges Zimmer, die von dem Gentleman selbst geöffnet wurde, der mürrisch fragte: „Was bringt dich hierher? Wie kommst du darauf, dass ich in der Stadt bin?“
„Ihre Ankunft wurde in den Abendzeitungen veröffentlicht, mein Herr; und ich bin gekommen, um Mrs. Dodge nach meinen Freunden zu Hause zu fragen. Ich habe nicht angenommen, dass es Anstoß erregen würde.“
„Wo ist das Negermädchen, das meiner Frau gehört?“
„Welches Mädchen, mein Herr?“
„Du weißt wohl genug. Ich meine Linda, die vor einigen Jahren von Dr. Flints Plantage weggelaufen ist. Ich wage zu sagen, du hast sie gesehen und weißt, wo sie ist.“
„Ja, mein Herr, ich habe sie gesehen und weiß, wo sie ist. Sie ist außerhalb Ihrer Reichweite, mein Herr.“
„Sag mir, wo sie ist, oder bring sie zu mir, und ich werde ihr die Chance geben, ihre Freiheit zu kaufen.“
„Ich glaube nicht, dass das von Nutzen wäre, mein Herr. Ich habe sie sagen hören, sie würde bis ans Ende der Welt gehen, anstatt irgendeinem Mann oder irgendeiner Frau für ihre Freiheit zu zahlen, weil sie glaubt, ein Recht darauf zu haben. Außerdem könnte sie es nicht, selbst wenn sie wollte, denn sie hat ihr Erspartes ausgegeben, um ihre Kinder zu erziehen.“
Das machte Mr. Dodge sehr wütend, und es fielen einige harte Worte zwischen ihnen. Mein Freund hatte Angst, dorthin zu kommen, wo ich war; aber im Laufe des Tages erhielt ich eine Nachricht von ihm. Ich nahm an, dass sie im Winter nicht aus Vergnügen aus dem Süden gekommen waren; und nun war die Art ihres Geschäfts sehr klar.
Mrs. Bruce kam zu mir und beschwor mich, die Stadt am nächsten Morgen zu verlassen. Sie sagte, ihr Haus werde beobachtet, und es sei möglich, dass man eine Spur von mir finde. Ich weigerte mich, ihren Rat anzunehmen. Sie flehte mit einer ernsten Zärtlichkeit, die mich hätte bewegen sollen; doch ich war in einer bitteren, entmutigten Stimmung. Ich war es leid, von einem Ort zum anderen zu fliehen. Ich war mein halbes Leben lang gejagt worden, und es schien, als ob die Jagd niemals enden würde. Da saß ich in dieser großen Stadt, schuldlos an jedem Verbrechen, und wagte es doch nicht, Gott in einer der Kirchen anzubeten. Ich hörte die Glocken zum Nachmittagsgottesdienst läuten und sagte mit verächtlichem Sarkasmus: „Werden die Prediger wohl den Text wählen: ‚Verkündet den Gefangenen Freiheit und den Gebundenen die Öffnung der Gefängnisse‘? Oder werden sie über den Text predigen: ‚Was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihr ihnen‘?“ Unterdrückte Polen und Ungarn konnten in dieser Stadt einen sicheren Zufluchtsort finden; John Mitchell stand es frei, im Rathaus seinen Wunsch nach „einer Plantage, die gut mit Sklaven bestückt ist“, zu verkünden; doch da saß ich, eine unterdrückte Amerikanerin, und wagte es nicht, mein Gesicht zu zeigen. Gott vergebe mir die schwarzen und bitteren Gedanken, denen ich an jenem Sabbat nachhing! Die Schrift sagt: „Unterdrückung macht auch einen Weisen zum Narren“; und ich war nicht weise.
Man hatte mir gesagt, Mr. Dodge behaupte, seine Frau habe ihre Rechte an meinen Kindern nie abgetreten, und wenn er mich nicht bekommen könne, würde er sie sich holen. Dies war es, mehr als alles andere, was einen solchen Sturm in meiner Seele entfachte. Benjamin war bei seinem Onkel William in Kalifornien, aber meine unschuldige junge Tochter war gekommen, um ihre Ferien bei mir zu verbringen. Ich dachte daran, was ich in ihrem Alter in der Sklaverei gelitten hatte, und mein Herz war wie das einer Tigerin, wenn ein Jäger versucht, ihr die Jungen zu rauben.
Liebe Mrs. Bruce! Ich meine, den Ausdruck ihres Gesichts zu sehen, als sie sich, entmutigt von meiner hartnäckigen Stimmung, abwandte. Da sie fand, dass ihre Vorhaltungen nichts fruchteten, schickte sie Ellen, um mich zu beschwören. Als es zehn Uhr abends wurde und Ellen nicht zurückgekehrt war, wurde diese wache und unermüdliche Freundin unruhig. Sie kam in einer Kutsche zu uns und brachte einen wohlgefüllten Koffer für meine Reise mit – im Vertrauen darauf, dass ich nun zur Vernunft kommen würde. Ich gab ihr nach, wie ich es schon früher hätte tun sollen.
Am nächsten Tag brachen das Baby und ich inmitten eines heftigen Schneesturms auf, erneut mit dem Ziel Neuengland. Ich erhielt Briefe aus der Stadt der Ungerechtigkeit, die unter einem angenommenen Namen an mich adressiert waren. Nach wenigen Tagen kam einer von Mrs. Bruce, in dem sie mir mitteilte, dass mein neuer Herr immer noch nach mir suche und dass sie beabsichtige, dieser Verfolgung ein Ende zu setzen, indem sie meine Freiheit kaufe. Ich war dankbar für die Güte, die zu diesem Angebot geführt hatte, aber der Gedanke war mir nicht so angenehm, wie man hätte erwarten können. Je aufgeklärter mein Geist wurde, desto schwieriger fiel es mir, mich selbst als einen Gegenstand von Eigentum zu betrachten; und Geld an jene zu zahlen, die mich so schwer unterdrückt hatten, schien mir den Ruhm meines Triumphs über mein Leid zu schmälern. Ich schrieb an Mrs. Bruce, dankte ihr, sagte ihr aber, dass ein Verkauf von einem Besitzer zum anderen zu sehr nach Sklaverei klinge; dass eine solch große Verpflichtung nicht leicht getilgt werden könne; und dass ich es vorzöge, zu meinem Bruder nach Kalifornien zu gehen.
Ohne mein Wissen beauftragte Mrs. Bruce einen Gentleman in New York, Verhandlungen mit Mr. Dodge aufzunehmen. Er schlug vor, dreihundert Dollar sofort zu zahlen, wenn Mr. Dodge mich verkaufe und sich verpflichte, für immer jeden Anspruch auf mich oder meine Kinder aufzugeben. Derjenige, der sich mein Herr nannte, sagte, er verachte ein so geringes Angebot für eine so wertvolle Dienerin. Der Gentleman antwortete: „Sie können tun, was Sie wollen, mein Herr. Wenn Sie dieses Angebot ablehnen, werden Sie niemals etwas bekommen; denn die Frau hat Freunde, die sie und ihre Kinder aus dem Land bringen werden.“
Mr. Dodge kam zu dem Schluss, dass „ein halbes Brot besser ist als gar keines“, und er stimmte den vorgeschlagenen Bedingungen zu. Mit der nächsten Post erhielt ich diesen kurzen Brief von Mrs. Bruce: „Ich bin hocherfreut, dir mitteilen zu können, dass das Geld für deine Freiheit an Mr. Dodge gezahlt wurde. Komm morgen nach Hause. Ich sehne mich danach, dich und mein süßes Baby zu sehen.“
Mein Verstand taumelte, als ich diese Zeilen las. Ein Gentleman in meiner Nähe sagte: „Es ist wahr; ich habe den Kaufbrief gesehen.“ „Der Kaufbrief!“ Diese Worte trafen mich wie ein Schlag. Ich war also doch verkauft! Ein menschliches Wesen, verkauft in der freien Stadt New York! Der Kaufbrief ist aktenkundig, und künftige Generationen werden daraus lernen, dass Frauen im späten neunzehnten Jahrhundert der christlichen Religion in New York Handelswaren waren. Er mag sich künftig als ein nützliches Dokument für Antiquare erweisen, die den Fortschritt der Zivilisation in den Vereinigten Staaten messen wollen. Ich kenne den Wert jenes Stückchens Papier wohl; doch so sehr ich die Freiheit liebe, betrachte ich es nicht gerne. Ich bin der großzügigen Freundin, die es erwarb, zutiefst dankbar, aber ich verachte den Schurken, der Bezahlung für das verlangte, was niemals rechtmäßig ihm oder den Seinen gehörte.
Ich hatte mich dagegen gewehrt, meine Freiheit kaufen zu lassen, doch ich muss gestehen, dass ich mich, als es vollbracht war, fühlte, als sei eine schwere Last von meinen müden Schultern genommen worden. Als ich in den Wagen nach Hause fuhr, hatte ich keine Angst mehr, mein Gesicht zu enthüllen und die Menschen anzusehen, wenn sie vorbeigingen. Ich wäre froh gewesen, Daniel Dodge selbst zu treffen; dass er mich gesehen und erkannt hätte, damit er über die widrigen Umstände hätte trauern können, die ihn zwangen, mich für dreihundert Dollar zu verkaufen.
Als ich zu Hause ankam, schlang meine Wohltäterin ihre Arme um mich, und unsere Tränen vermischten sich. Sobald sie sprechen konnte, sagte sie: „Oh Linda, ich bin so froh, dass alles vorbei ist! Du hast mir geschrieben, als ob du glaubtest, du würdest von einem Besitzer zum anderen weitergereicht. Aber ich habe dich nicht für deine Dienste gekauft. Ich hätte genau dasselbe getan, wenn du morgen nach Kalifornien hättest segeln wollen. Ich wollte wenigstens die Genugtuung haben, zu wissen, dass du mich als freie Frau verlassen hast.“
Mein Herz war übervoll. Ich erinnerte mich, wie mein armer Vater versucht hatte, mich zu kaufen, als ich ein kleines Kind war, und wie er enttäuscht worden war. Ich hoffte, dass sein Geist sich jetzt über mich freute. Ich erinnerte mich, wie meine gute alte Großmutter ihre Ersparnisse zurückgelegt hatte, um mich in späteren Jahren freizukaufen, und wie oft ihre Pläne durchkreuzt worden waren. Wie würde dieses treue, liebevolle alte Herz vor Freude springen, wenn sie mich und meine Kinder jetzt sehen könnte, da wir frei waren! Meine Verwandten waren mit all ihren Bemühungen gescheitert, doch Gott hatte mir unter Fremden eine Freundin erstehen lassen, die mir das kostbare, lang ersehnte Geschenk verliehen hatte. Freundin! Es ist ein gewöhnliches Wort, das oft leichtfertig gebraucht wird. Wie andere gute und schöne Dinge kann es durch unachtsamen Umgang befleckt werden; aber wenn ich von Mrs. Bruce als meiner Freundin spreche, ist das Wort heilig.
Meine Großmutter lebte noch, um sich an meiner Freiheit zu erfreuen; doch nicht lange danach kam ein Brief mit einem schwarzen Siegel. Sie war dorthin gegangen, „wo die Gottlosen aufhören zu beunruhigen und die Müden zur Ruhe kommen“.
Die Zeit verging, und ein Blatt erreichte mich aus dem Süden, das einen Nachruf auf meinen Onkel Phillip enthielt. Es war der einzige Fall, von dem ich je hörte, dass einer farbigen Person eine solche Ehre zuteilwurde. Er wurde von einem seiner Freunde geschrieben und enthielt diese Worte: „Jetzt, da der Tod ihn dahingerafft hat, nennen sie ihn einen guten Mann und einen nützlichen Bürger; doch was sind Lobreden für den schwarzen Mann, wenn die Welt seinem Blick entschwunden ist? Es bedarf nicht des Lobes der Menschen, um Ruhe in Gottes Reich zu finden.“ Also nannten sie einen farbigen Mann einen Bürger! Seltsame Worte, die in jener Gegend ausgesprochen wurden!
Leser, meine Geschichte endet mit der Freiheit; nicht auf die übliche Weise, mit einer Heirat. Ich und meine Kinder sind nun frei! Wir sind von der Macht der Sklavenhalter ebenso frei wie die weißen Menschen des Nordens; und obwohl das nach meinen Vorstellungen nicht viel besagen will, ist es eine gewaltige Verbesserung meiner Lage. Der Traum meines Lebens ist noch nicht verwirklicht. Ich sitze nicht mit meinen Kindern in einem eigenen Heim. Ich sehne mich immer noch nach einem eigenen Herd, wie bescheiden er auch sein mag. Ich wünsche ihn mir um meiner Kinder willen weit mehr als um meinetwillen. Aber Gott fügt die Umstände so, dass ich bei meiner Freundin Mrs. Bruce bleibe. Liebe, Pflicht und Dankbarkeit binden mich ebenfalls an ihre Seite. Es ist ein Vorrecht, ihr zu dienen, die mein unterdrücktes Volk bemitleidet und die mir und meinen Kindern das unschätzbare Geschenk der Freiheit verliehen hat.
Es war für mich in vielerlei Hinsicht schmerzhaft, mich an die trostlosen Jahre zu erinnern, die ich in Knechtschaft verbrachte. Ich würde sie gerne vergessen, wenn ich könnte. Doch der Rückblick ist nicht ganz ohne Trost; denn mit jenen düsteren Erinnerungen kommen zärtliche Gedanken an meine gute alte Großmutter, wie helles, flaumiges Gewölk, das über einem dunklen und aufgewühlten Meer schwebt.
ANHANG.
Die folgende Erklärung stammt von Amy Post, einem Mitglied der Gesellschaft der Freunde im Staat New York, die bei Freunden der Armen und Unterdrückten wohlbekannt und hoch geachtet ist. Wie bereits auf den vorangegangenen Seiten erwähnt, verbrachte die Verfasserin dieses Bandes einige Zeit unter ihrem gastlichen Dach.
L.M.C.
„Die Verfasserin dieses Buches ist meine hochgeschätzte Freundin. Wenn ihre Leser sie so kennten, wie ich sie kenne, könnten sie nicht umhin, ein tiefes Interesse an ihrer Geschichte zu haben. Sie war fast das ganze Jahr 1849 hindurch ein geliebter Gast unserer Familie. Sie wurde uns von ihrem liebevollen und gewissenhaften Bruder vorgestellt, der uns zuvor einige der schier unglaublichen Ereignisse im Leben seiner Schwester berichtet hatte. Ich interessierte mich sofort sehr für Linda; denn ihr Erscheinungsbild war gewinnend, und ihr Betragen zeugte von bemerkenswerter Feinheit des Empfindens und Reinheit des Denkens.
Als wir uns näher kennenlernten, berichtete sie mir von Zeit zu Zeit einige der Vorfälle ihrer bitteren Erfahrungen als Sklavin. Obwohl sie von einem natürlichen Verlangen nach menschlichem Mitgefühl angetrieben wurde, durchlitt sie eine Taufe des Leidens, selbst wenn sie mir in vertraulichen Privatgesprächen ihre Prüfungen schilderte. Die Last dieser Erinnerungen lag schwer auf ihrem Geist – der von Natur aus tugendhaft und kultiviert ist. Ich drängte sie wiederholt, der Veröffentlichung ihrer Erzählung zuzustimmen; denn ich fühlte, dass es die Menschen zu einem ernsthafteren Wirken für die Befreiung von Millionen aufrufen würde, die noch immer in jenem seelentötenden Zustand verharren, der für sie so unerträglich war. Doch ihr empfindsamer Geist scheute die Öffentlichkeit. Sie sagte: ‚Du weißt, eine Frau kann ihre grausamen Leiden dem Ohr einer lieben Freundin viel leichter flüstern, als sie für die Welt lesbar aufzuzeichnen.‘ Selbst im Gespräch mit mir weinte sie so sehr und schien solch seelische Qualen zu erleiden, dass ich fühlte, ihre Geschichte sei zu heilig, um sie mit forschenden Fragen aus ihr herauszulocken, und ich ließ ihr die Freiheit, so viel oder so wenig zu erzählen, wie sie wollte. Dennoch drängte ich sie zur Pflicht, ihre Erfahrungen zu veröffentlichen, um des Guten willen, das sie bewirken könnte; und schließlich nahm sie die Aufgabe auf sich.
Da sie einen so großen Teil ihres Lebens Sklavin war, ist sie ungelehrt; sie ist gezwungen, ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen, und sie hat unermüdlich daran gearbeitet, Bildung für ihre Kinder zu erwerben; mehrmals war sie gezwungen, ihre Arbeit aufzugeben, um vor den Menschenjägern und Frauenjägern unseres Landes zu fliehen; aber sie drang durch alle diese Hindernisse und überwand sie. Nachdem die Arbeit des Tages beendet war, zeichnete sie heimlich und müde, bei der Mitternachtslampe, eine wahrheitsgetreue Aufzeichnung ihres ereignisreichen Lebens auf.
Dieser Empire State ist ein dürftiger Zufluchtsort für die Unterdrückten; doch hier wurde die Freiheit von Linda und ihren Kindern durch Sorge, Aufruhr und Verzweiflung hindurch schließlich durch das Wirken einer großzügigen Freundin gesichert. Sie war dankbar für das Geschenk; doch der Gedanke, gekauft worden zu sein, war für einen Geist, der sich niemals als Sklavenware anerkennen konnte, stets quälend. Sie schrieb uns kurz nach dem Ereignis: ‚Ich danke dir für deine freundlichen Worte bezüglich meiner Freiheit; aber die Freiheit, die ich hatte, bevor das Geld bezahlt wurde, war mir teurer. Gott gab mir diese Freiheit; aber der Mensch legte das Ebenbild Gottes mit der armseligen Summe von dreihundert Dollar auf die Waagschale. Ich diente für meine Freiheit so treu, wie Jakob für Rahel diente. Am Ende hatte er großen Besitz; doch ich wurde um meinen Sieg beraubt; ich war gezwungen, meine Krone niederzulegen, um mich von einem Tyrannen zu befreien.‘
Ihre Geschichte, wie sie von ihr selbst geschrieben wurde, wird den Leser zweifellos interessieren. Sie ist ein trauriges Beispiel für den Zustand dieses Landes, das sich seiner Zivilisation rühmt, während es Gesetze und Bräuche gutheißt, die die Erfahrungen der Gegenwart seltsamer erscheinen lassen als jede Fiktion der Vergangenheit.
Amy Post. Rochester, N.Y., 30. Okt. 1859.“
Das folgende Zeugnis stammt von einem Mann, der heute ein hochgeachteter farbiger Bürger von Boston ist.
L.M.C.
„Diese Erzählung enthält einige Vorfälle, die so außergewöhnlich sind, dass zweifellos viele Personen, unter deren Augen sie fallen mag, bereit sein werden zu glauben, sie sei für einen besonderen Zweck stark gefärbt. Doch wie auch immer sie von den Ungläubigen betrachtet werden mag, ich weiß, dass sie voller lebendiger Wahrheiten steckt. Ich bin mit der Verfasserin seit meiner Kindheit gut bekannt. Die in ihrer Geschichte geschilderten Umstände sind mir vollkommen vertraut. Ich wusste von ihrer Behandlung durch ihren Herrn; von der Einkerkerung ihrer Kinder; von deren Verkauf und Erlösung; von ihrem siebenjährigen Versteck; und von ihrer darauffolgenden Flucht in den Norden. Ich bin jetzt ein Bewohner von Boston und ein lebendiger Zeuge der Wahrheit dieser interessanten Erzählung.
George W. Lowther.“