LIEBE UND FREUNDSCHAFT UND ANDERE JUGENDARBEITEN
Eine Sammlung jugendlicher Schriften
Von Jane Austen
INHALT
LIEBE UND FREUNDSCHAFT 1. BRIEF von ISABEL an LAURA 2. BRIEF LAURA an ISABEL 3. BRIEF LAURA an MARIANNE 4. BRIEF Laura an MARIANNE 5. BRIEF LAURA an MARIANNE 6. BRIEF LAURA an MARIANNE 7. BRIEF LAURA an MARIANNE 8. BRIEF LAURA an MARIANNE, in Fortsetzung 9. BRIEF Von derselben an dieselbe 10. BRIEF LAURA in Fortsetzung 11. BRIEF LAURA in Fortsetzung 12. BRIEF LAURA in Fortsetzung 13. BRIEF LAURA in Fortsetzung 14. BRIEF LAURA in Fortsetzung 15. BRIEF LAURA in Fortsetzung.
EIN UNVOLLENDETER ROMAN IN BRIEFEN LESLEY CASTLE 1. BRIEF von Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL 2. BRIEF von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY als Antwort. 3. BRIEF von Miss MARGARET LESLEY an Miss C. LUTTERELL 4. BRIEF von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY 5. BRIEF Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL 6. BRIEF LADY LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL 7. BRIEF von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY 8. BRIEF Miss LUTTERELL an Mrs MARLOWE 9. BRIEF Mrs MARLOWE an Miss LUTTERELL 10. BRIEF von Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL
DIE GESCHICHTE VON ENGLAND
EINE SAMMLUNG VON BRIEFEN An Miss COOPER 1. BRIEF Von einer MUTTER an ihre FREUNDIN. 2. BRIEF Von einer JUNGEN DAME, die in der Liebe enttäuscht wurde, an ihre Freundin 3. BRIEF Von einer JUNGEN DAME in bedrängten Umständen an ihre Freundin 4. BRIEF Von einer JUNGEN DAME, die etwas unverschämt ist, an ihre Freundin 5. BRIEF Von einer JUNGEN DAME, die sehr verliebt ist, an ihre Freundin
DIE WEIBLICHE PHILOSOPHIN
DER ERSTE AKT EINER KOMÖDIE
EIN BRIEF einer JUNGEN DAME, deren Gefühle zu stark sind EINE REISE DURCH WALES – in einem BRIEF einer JUNGEN DAME –
EINE ERZÄHLUNG.
LIEBE UND FREUNDSCHAFT
MADAME LA COMTESSE DE FEUILLIDE WIDMET DIESEN ROMAN IHRE VERPFLICHTETE ERGEBENE DIENERIN DIE AUTORIN.
„In der Freundschaft getäuscht und in der Liebe verraten.“
1. BRIEF Von ISABEL an LAURA
Wie oft hast du auf mein wiederholtes Flehen, du mögest meiner Tochter einen regelmäßigen Bericht über die Unglücksfälle und Abenteuer deines Lebens geben, geantwortet: „Nein, meine Freundin, niemals werde ich deinem Wunsch entsprechen, solange ich nicht mehr in Gefahr bin, erneut solch schreckliche Dinge zu erleben.“
Sicherlich ist diese Zeit nun gekommen. Du wirst an diesem Tag 55. Wenn man jemals von einer Frau sagen kann, sie sei vor der entschlossenen Beharrlichkeit unangenehmer Liebhaber und den grausamen Verfolgungen eigensinniger Väter sicher, dann muss es sicherlich in einem solchen Alter sein.
Isabel
2. BRIEF LAURA an ISABEL
Obwohl ich dir nicht darin zustimmen kann, dass ich nie wieder so unverdienten Unglücksfällen ausgesetzt sein werde wie denen, die ich bereits erlebt habe, so möchte ich doch, um den Vorwurf der Starrsinnigkeit oder Lieblosigkeit zu vermeiden, die Neugier deiner Tochter befriedigen; und möge die Standhaftigkeit, mit der ich die vielen Leiden meines vergangenen Lebens ertragen habe, ihr eine nützliche Lektion zur Unterstützung derer sein, die ihr in ihrem eigenen zustoßen mögen.
Laura
3. BRIEF LAURA an MARIANNE
Als Tochter meiner innigsten Freundin halte ich dich für berechtigt, jenes Wissen über meine unglückliche Geschichte zu erlangen, das deine Mutter so oft von mir erbeten hat.
Mein Vater stammte aus Irland und war ein Bewohner von Wales; meine Mutter war die uneheliche Tochter eines schottischen Pairs und einer italienischen Opernsängerin – ich wurde in Spanien geboren und erhielt meine Erziehung in einem Kloster in Frankreich.
Als ich mein achtzehntes Jahr erreicht hatte, wurde ich von meinen Eltern unter das väterliche Dach in Wales zurückgerufen. Unser Landsitz lag in einem der romantischsten Teile des Vale of Uske. Obwohl mein Charme jetzt durch die Unglücksfälle, die ich erlitten habe, beträchtlich gemildert und etwas beeinträchtigt ist, war ich einst schön. Aber so reizend ich auch war, die Anmut meiner Person war noch das Geringste meiner Vorzüge. Jede Fertigkeit, die für mein Geschlecht üblich ist, beherrschte ich. Im Kloster hatte mein Fortschritt stets meine Unterweisung übertroffen, meine Errungenschaften waren für mein Alter wunderbar gewesen, und ich hatte meine Lehrer in kurzer Zeit überholt.
In meinem Geist war jede Tugend vereint, die ihn schmücken konnte; er war der Treffpunkt jeder guten Eigenschaft und jedes edlen Gefühls.
Eine Empfindsamkeit, die allzu lebhaft auf jedes Leid meiner Freunde, meiner Bekannten und besonders auf jedes Leid meiner eigenen Person reagierte, war mein einziger Fehler, falls man es überhaupt einen Fehler nennen kann. Ach! wie verändert bin ich jetzt! Obwohl mich meine eigenen Unglücksfälle nicht weniger beeindrucken als je zuvor, so fühle ich jetzt niemals mit denen eines anderen mit. Auch meine Errungenschaften beginnen zu verblassen – ich kann weder so gut singen noch so anmutig tanzen wie einst – und ich habe das _Minuet Dela Cour_ vollständig vergessen.
Leb wohl. Laura.
4. BRIEF LAURA an MARIANNE
Unsere Nachbarschaft war klein, denn sie bestand nur aus deiner Mutter. Sie hat dir wahrscheinlich schon erzählt, dass sie, von ihren Eltern in dürftigen Verhältnissen zurückgelassen, sich aus wirtschaftlichen Gründen nach Wales zurückgezogen hatte. Dort begann unsere Freundschaft. Isabel war damals einundzwanzig Jahre alt. Obwohl sie sowohl in ihrer Person als auch in ihrem Benehmen ansprechend war (unter uns gesagt), besaß sie nie den hundertsten Teil meiner Schönheit oder meiner Errungenschaften. Isabel hatte die Welt gesehen. Sie hatte zwei Jahre an einem der ersten Internate in London verbracht; hatte eine vierzehntägige Reise in Bath gemacht und war eine Nacht in Southampton zu Gast.
„Hüte dich, meine Laura (pflegte sie oft zu sagen), hüte dich vor den geistlosen Eitelkeiten und müßigen Ausschweifungen der Metropole Englands; hüte dich vor dem bedeutungslosen Luxus von Bath und dem stinkenden Fisch von Southampton.“
„Ach! (rief ich aus) wie soll ich jene Übel vermeiden, denen ich niemals ausgesetzt sein werde? Welche Wahrscheinlichkeit besteht, dass ich jemals die Ausschweifungen von London, den Luxus von Bath oder den stinkenden Fisch von Southampton kosten werde? Ich, die dazu verdammt ist, meine Tage der Jugend und Schönheit in einem bescheidenen Häuschen im Vale of Uske zu vergeuden.“
Ach! wenig dachte ich damals, dass ich bestimmt sei, so bald jenes bescheidene Häuschen für die trügerischen Vergnügungen der Welt zu verlassen.
Leb wohl. Laura.
5. BRIEF LAURA an MARIANNE
Eines Abends im Dezember, als mein Vater, meine Mutter und ich in geselligem Gespräch um unser Kaminfeuer versammelt waren, erstaunte uns plötzlich ein heftiges Klopfen an der Außentür unseres ländlichen Häuschens sehr.
Mein Vater fuhr auf: „Welcher Lärm ist das?“, sagte er. „Es klingt wie ein lautes Pochen an der Tür“, entgegnete meine Mutter. „Das tut es wahrlich“, rief ich. „Ich bin eurer Meinung“, sagte mein Vater, „es scheint gewiss von einer ungewöhnlichen Gewalt auszugehen, die gegen unsere friedfertige Tür ausgeübt wird.“ „Ja“, rief ich, „ich kann nicht anders, als zu denken, dass es jemand sein muss, der um Einlass bittet.“
„Das ist ein anderer Punkt“, entgegnete er. „Wir dürfen nicht vorgeben zu bestimmen, aus welchem Motiv die Person klopfen mag – obwohl ich teilweise überzeugt bin, dass jemand an die Tür pocht.“
Hier unterbrach ein zweites gewaltiges Klopfen meinen Vater in seiner Rede und beunruhigte meine Mutter und mich ein wenig.
„Sollten wir nicht besser nachsehen, wer es ist?“, sagte sie, „die Bediensteten sind aus.“ „Ich glaube, das sollten wir“, antwortete ich. „Gewiss“, fügte mein Vater hinzu, „auf jeden Fall.“ „Sollen wir jetzt gehen?“, sagte meine Mutter. „Je eher, desto besser“, antwortete er. „Oh! lass keine Zeit verlieren“, rief ich.
Ein drittes, noch heftigeres Pochen als zuvor drang an unsere Ohren. „Ich bin sicher, dass jemand an die Tür klopft“, sagte meine Mutter. „Ich glaube, das muss der Fall sein“, antwortete mein Vater. „Ich bilde mir ein, die Bediensteten sind zurückgekehrt“, sagte ich, „ich glaube, ich höre, wie Mary zur Tür geht.“ „Das freut mich“, rief mein Vater, „denn ich sehne mich danach zu erfahren, wer es ist.“
Ich hatte mit meiner Vermutung recht; denn Mary, die augenblicklich das Zimmer betrat, teilte uns mit, dass ein junger Herr und sein Diener an der Tür seien, die den Weg verloren hätten, sehr durchgefroren seien und darum bäten, sich an unserem Feuer wärmen zu dürfen.
„Wollt ihr sie nicht hereinlassen?“, sagte ich. „Du hast doch nichts dagegen, meine Liebe?“, sagte mein Vater. „Nicht die Welt“, antwortete meine Mutter.
Mary verließ, ohne auf weitere Befehle zu warten, sofort das Zimmer und kehrte schnell zurück, indem sie den schönsten und liebenswürdigsten Jüngling einführte, den ich je erblickt hatte. Den Diener behielt sie für sich.
Meine natürliche Empfindsamkeit war bereits stark durch das Leiden des unglücklichen Fremden berührt worden, und kaum erblickte ich ihn zum ersten Mal, da fühlte ich, dass von ihm das Glück oder Elend meines zukünftigen Lebens abhängen musste.
Leb wohl. Laura.
6. BRIEF LAURA an MARIANNE
Der edle Jüngling teilte uns mit, sein Name sei Lindsay – aus bestimmten Gründen werde ich ihn jedoch unter dem Namen Talbot verbergen. Er erzählte uns, dass er der Sohn eines englischen Baronets sei, dass seine Mutter seit vielen Jahren nicht mehr unter den Lebenden weile und dass er eine Schwester von mittlerer Größe habe. „Mein Vater“, fuhr er fort, „ist ein gemeiner und habgieriger Wicht – nur solchen besonderen Freunden wie dieser lieben Gesellschaft würde ich seine Fehler so anvertrauen. Eure Tugenden, mein liebenswürdiger Polydore (er wandte sich an meinen Vater), eure, liebe Claudia, und eure, meine bezaubernde Laura, rufen mich dazu auf, mein Vertrauen in euch zu legen.“ Wir verneigten uns. „Mein Vater, vom falschen Glanz des Glücks und dem täuschenden Pomp des Titels verführt, bestand darauf, dass ich Lady Dorothea meine Hand reiche. Nein, niemals, rief ich aus. Lady Dorothea ist lieblich und einnehmend; ich ziehe keine Frau ihr vor; aber wisst, mein Herr, dass ich es verschmähe, sie im Gehorsam gegen eure Wünsche zu heiraten. Nein! Niemals soll es heißen, dass ich meinem Vater verpflichtet war.“
Wir alle bewunderten die edle Männlichkeit seiner Antwort. Er fuhr fort.
„Sir Edward war überrascht; er hatte vielleicht wenig damit gerechnet, auf einen so geistvollen Widerstand gegen seinen Willen zu stoßen. ‚Wo, Edward, um Himmels willen‘, sagte er, ‚hast du dieses bedeutungslose Geschwätz aufgeschnappt? Du hast, wie ich vermute, Romane studiert.‘ Ich verschmähte zu antworten: es wäre unter meiner Würde gewesen. Ich bestieg mein Pferd und machte mich, gefolgt von meinem treuen William, auf den Weg zu meiner Tante.“
„Das Haus meines Vaters liegt in Bedfordshire, das meiner Tante in Middlesex, und obwohl ich mir einbilde, in der Geographie einigermaßen bewandert zu sein, weiß ich nicht, wie es geschah, aber ich fand mich beim Betreten dieses schönen Tals wieder, das, wie ich feststelle, in Südwales liegt, als ich eigentlich meine Tante hätte erreichen sollen.“
„Nachdem ich einige Zeit am Ufer des Uske umhergewandert war, ohne zu wissen, welchen Weg ich einschlagen sollte, begann ich mein grausames Schicksal auf die bitterste und pathetischste Weise zu beklagen. Es war nun vollkommen dunkel, nicht ein einziger Stern war da, um meine Schritte zu lenken, und ich weiß nicht, was mir zugestoßen wäre, hätte ich nicht schließlich durch das feierliche Dunkel, das mich umgab, ein fernes Licht erspäht, das ich, als ich mich ihm näherte, als den heiteren Schein eures Feuers entdeckte. Angetrieben von der Verbindung der Unglücksfälle, unter denen ich litt, nämlich Angst, Kälte und Hunger, zögerte ich nicht, um Einlass zu bitten, den ich schließlich erlangt habe; und nun, meine bezaubernde Laura (fuhr er fort, indem er meine Hand nahm), wann darf ich hoffen, jene Belohnung für all die schmerzhaften Leiden zu erhalten, die ich während meiner Zuneigung zu dir durchlitten habe, nach denen ich stets gestrebt habe? Oh! wann wirst du mich mit dir selbst belohnen?“
„In diesem Augenblick, lieber und liebenswürdiger Edward“, antwortete ich. Wir wurden sogleich von meinem Vater vereint, der zwar nie die Priesterweihe empfangen hatte, aber für die Kirche ausgebildet worden war.
Leb wohl. Laura.
7. BRIEF LAURA an MARIANNE
Wir blieben nur wenige Tage nach unserer Hochzeit im Vale of Uske. Nachdem ich Abschied von meinem Vater, meiner Mutter und meiner Isabel genommen hatte, begleitete ich Edward zur Tante nach Middlesex. Philippa empfing uns beide mit jedem Ausdruck liebevoller Zuneigung. Meine Ankunft war ihr in der Tat eine sehr angenehme Überraschung, da sie nicht nur vollkommen unwissend über meine Heirat mit ihrem Neffen war, sondern auch nicht den geringsten Schimmer davon hatte, dass eine solche Person auf der Welt existierte.
Augusta, die Schwester Edwards, war bei ihr zu Besuch, als wir eintrafen. Ich fand sie genau so vor, wie ihr Bruder sie beschrieben hatte – von mittlerer Größe. Sie empfing mich mit ebenso viel Überraschung, wenn auch nicht mit ebenso viel Herzlichkeit wie Philippa. Es lag eine unangenehme Kälte und eine abweisende Zurückhaltung in ihrem Empfang, was gleichermaßen beunruhigend und unerwartet war. Nichts von jener interessanten Empfindsamkeit oder liebenswürdigen Sympathie in ihrem Benehmen und ihrer Ansprache an mich, als wir uns zum ersten Mal trafen, was unsere Vorstellung voneinander hätte auszeichnen sollen. Ihre Sprache war weder warm noch liebevoll, ihre Ausdrücke der Hochachtung waren weder lebhaft noch herzlich; ihre Arme waren nicht geöffnet, um mich an ihr Herz zu schließen, obwohl meine eigenen ausgestreckt waren, um sie an das meine zu drücken.
Ein kurzes Gespräch zwischen Augusta und ihrem Bruder, das ich zufällig mitanhörte, steigerte meine Abneigung gegen sie und überzeugte mich, dass ihr Herz ebenso wenig für die sanften Bande der Liebe geschaffen war wie für den liebenswerten Umgang der Freundschaft.
„Aber glaubst du, dass mein Vater sich jemals mit dieser unklugen Verbindung versöhnen wird?“, sagte Augusta.
„Augusta“, entgegnete der edle Jüngling, „ich dachte, du hättest eine bessere Meinung von mir, als dir einzubilden, ich würde mich so niederträchtig erniedrigen, die Zustimmung meines Vaters zu irgendeiner meiner Angelegenheiten als von Bedeutung oder Belang für mich zu betrachten. Sage mir, Augusta, mit Aufrichtigkeit: hast du mich jemals seit meinem fünfzehnten Lebensjahr seine Neigungen konsultieren oder seinen Rat in der kleinsten Kleinigkeit befolgen sehen?“
„Edward“, erwiderte sie, „du bist sicherlich zu bescheiden in deinem eigenen Lob. Seit deinem fünfzehnten Lebensjahr nur! Mein lieber Bruder, seit deinem fünften Lebensjahr spreche ich dich vollkommen davon frei, jemals bereitwillig zur Zufriedenheit deines Vaters beigetragen zu haben. Aber dennoch bin ich nicht ohne Besorgnis, dass du bald gezwungen sein wirst, dich in deinen eigenen Augen zu erniedrigen, indem du für deine Frau Unterstützung in der Großzügigkeit von Sir Edward suchst.“
„Niemals, niemals, Augusta, werde ich mich so herablassen“, sagte Edward. „Unterstützung! Welche Unterstützung wird Laura benötigen, die sie von ihm erhalten kann?“
„Nur jene sehr unbedeutenden von Speis und Trank“, antwortete sie.
„Speis und Trank!“, entgegnete mein Ehemann auf eine höchst edel verächtliche Weise, „und bildest du dir also ein, es gäbe keine andere Unterstützung für einen erhabenen Geist (wie den meiner Laura), als die gemeine und unfeine Beschäftigung des Essens und Trinkens?“
„Keine, die mir bekannt wäre, die so wirksam ist“, erwiderte Augusta.
„Und hast du dann niemals die angenehmen Qualen der Liebe gefühlt, Augusta?“, entgegnete mein Edward. „Erscheint es deinem gemeinen und verdorbenen Gaumen unmöglich, von Liebe zu leben? Kannst du dir nicht den Luxus vorstellen, in jeder Not, die die Armut auferlegen kann, mit dem Objekt deiner zärtlichsten Zuneigung zu leben?“
„Du bist zu lächerlich“, sagte Augusta, „um mit dir zu streiten; vielleicht wirst du jedoch mit der Zeit überzeugt sein, dass...“
Hier wurde ich daran gehindert, den Rest ihrer Rede zu hören, durch das Erscheinen einer sehr schönen jungen Frau, die in das Zimmer geführt wurde, an dessen Tür ich gelauscht hatte. Als ich sie bei dem Namen „Lady Dorothea“ angekündigt hörte, verließ ich sofort meinen Posten und folgte ihr in den Salon, denn ich erinnerte mich wohl, dass sie jene Dame war, die dem grausamen und unerbittlichen Baronet als Ehefrau für meinen Edward vorgeschlagen worden war.
Obwohl Lady Dorotheas Besuch nominell Philippa und Augusta galt, habe ich doch allen Grund zu der Annahme, dass (da sie von der Heirat und Ankunft Edwards wusste) mich zu sehen ein Hauptmotiv dafür war.
Ich nahm bald wahr, dass sie, obwohl lieblich und elegant in ihrer Person und obwohl ungezwungen und höflich in ihrer Ansprache, zu jener niederen Ordnung von Wesen gehörte, was feines Empfinden, zarte Gefühle und verfeinerte Empfindsamkeit betraf, von der Augusta eine war.
Sie blieb nur eine halbe Stunde und vertraute mir im Laufe ihres Besuchs weder ihre geheimen Gedanken an, noch bat sie mich, ihr die meinen anzuvertrauen. Du wirst dir daher leicht vorstellen können, meine liebe Marianne, dass ich keine glühende Zuneigung oder sehr aufrichtige Verbundenheit für Lady Dorothea empfinden konnte.
Leb wohl. Laura.
8. BRIEF LAURA an MARIANNE, in Fortsetzung
Lady Dorothea hatte uns noch nicht lange verlassen, da wurde ein weiterer Besucher, ein ebenso unerwarteter wie ihre Ladyschaft, angekündigt. Es war Sir Edward, der, von Augusta über die Heirat ihres Bruders informiert, zweifellos kam, um ihm Vorwürfe zu machen, dass er es gewagt hatte, sich ohne sein Wissen mit mir zu verbinden. Aber Edward, der seinen Plan voraussah, näherte sich ihm mit heldenhafter Standhaftigkeit, sobald er das Zimmer betrat, und wandte sich an ihn auf folgende Weise.
„Sir Edward, ich kenne das Motiv deiner Reise hierher – du kommst mit der niederen Absicht, mir Vorwürfe zu machen, weil ich ohne deine Zustimmung eine unauflösliche Verbindung mit meiner Laura eingegangen bin. Aber Sir, ich rühme mich dieser Tat – es ist mein größter Stolz, dass ich das Missfallen meines Vaters auf mich gezogen habe!“
So sprechend, nahm er meine Hand und während Sir Edward, Philippa und Augusta zweifellos mit Bewunderung über seine unerschrockene Tapferkeit nachdachten, führte er mich aus dem Salon zur Kutsche seines Vaters, die noch an der Tür stand und in der wir sogleich der Verfolgung von Sir Edward entzogen wurden.
Die Postillone hatten zuerst Anweisungen erhalten, nur die Londoner Straße zu nehmen; sobald wir jedoch ausreichend nachgedacht hatten, befahlen wir ihnen, nach M—— zu fahren, dem Sitz von Edwards besonderem Freund, der nur wenige Meilen entfernt lag.
In M—— trafen wir nach wenigen Stunden ein; und als wir unsere Namen schickten, wurden wir sofort zu Sophia zugelassen, der Frau von Edwards Freund. Nachdem ich im Laufe von drei Wochen eines echten Freundes beraubt war (denn so nenne ich deine Mutter), stelle dir meine Entzückung vor, als ich eine erblickte, die des Namens in der Tat würdig war. Sophia war eher von mittlerer Größe; höchst elegant geformt. Eine sanfte Schwermut breitete sich über ihre reizenden Gesichtszüge aus, steigerte aber deren Schönheit –. Es war das Kennzeichen ihres Geistes –. Sie war ganz Empfindsamkeit und Gefühl. Wir flogen uns in die Arme und nachdem wir uns gegenseitig ewige Freundschaft geschworen hatten, offenbarten wir einander sogleich die innersten Geheimnisse unserer Herzen –. Wir wurden in der entzückenden Beschäftigung durch das Eintreten von Augustus (Edwards Freund) unterbrochen, der gerade von einem einsamen Spaziergang zurückkehrte.
Niemals sah ich eine solch bewegende Szene wie das Zusammentreffen von Edward und Augustus.
„Mein Leben! meine Seele!“, rief der erstere, „mein bezaubernder Engel!“, antwortete der letztere, während sie einander in die Arme flogen. Es war zu pathetisch für die Gefühle von Sophia und mir – Wir fielen abwechselnd auf ein Sofa in Ohnmacht.
Leb wohl Laura.
9. BRIEF Von derselben an dieselbe
Gegen Ende des Tages erhielten wir den folgenden Brief von Philippa.
„Sir Edward ist durch eure abrupte Abreise sehr erzürnt; er hat Augusta mit nach Bedfordshire zurückgenommen. So sehr ich mir wünsche, wieder eure bezaubernde Gesellschaft zu genießen, kann ich mich nicht entschließen, euch derjenigen solch lieber und verdienter Freunde zu entreißen – Wenn euer Besuch bei ihnen beendet ist, vertraue ich darauf, dass ihr in die Arme eurer“
„Philippa“ zurückkehrt.
Wir gaben eine angemessene Antwort auf dieses liebevolle Schreiben und versicherten ihr, nachdem wir ihr für ihre freundliche Einladung gedankt hatten, dass wir diese sicherlich in Anspruch nehmen würden, sobald wir keinen anderen Ort hätten, an den wir gehen könnten. Obwohl für ein vernünftiges Wesen gewiss nichts befriedigender hätte sein können als eine solch dankbare Erwiderung auf ihre Einladung, so weiß ich nicht, wie es kam, aber sie war sicherlich launisch genug, über unser Verhalten verstimmt zu sein, und heiratete wenige Wochen später, entweder um unser Verhalten zu rächen oder um ihre eigene Einsamkeit zu lindern, einen jungen und ungebildeten Glücksritter. Dieser unbedachte Schritt (obwohl wir uns bewusst waren, dass er uns wahrscheinlich um jenes Vermögen bringen würde, von dem Philippa uns stets hatte erwarten lassen) konnte unseren erhabenen Gemütern nicht einen einzigen Seufzer entlocken; doch aus Furcht, es könne sich als Quelle endlosen Elends für die getäuschte Braut erweisen, war unsere zitternde Empfindsamkeit sehr getroffen, als wir zuerst von dem Ereignis erfuhren. Die liebevollen Bitten von Augustus und Sophia, dass wir ihr Haus für immer als unser Heim betrachten sollten, bewegten uns leicht dazu, den Entschluss zu fassen, sie niemals wieder zu verlassen. In der Gesellschaft meines Edward und dieses liebenswürdigen Paares verbrachte ich die glücklichsten Augenblicke meines Lebens; unsere Zeit wurde höchst erfreulich mit gegenseitigen Beteuerungen der Freundschaft und mit Gelübden unveränderlicher Liebe verbracht, in denen wir sicher davor waren, durch zudringliche und unangenehme Besucher gestört zu werden, da Augustus und Sophia bei ihrem ersten Einzug in die Nachbarschaft gebührend Sorge getragen hatten, die umliegenden Familien wissen zu lassen, dass ihr Glück gänzlich in ihnen selbst läge und sie daher keine andere Gesellschaft wünschten. Aber ach! meine teure Marianne, ein solches Glück, wie ich es damals genoss, war zu vollkommen, um von Dauer zu sein. Ein überaus schwerer und unerwarteter Schlag zerstörte mit einem Mal jedes Gefühl der Freude. Da du, wie ich annehme, aus dem, was ich dir bereits über Augustus und Sophia erzählt habe, überzeugt sein musst, dass es nie ein glücklicheres Paar gab, brauche ich dich wohl nicht darüber zu informieren, dass ihre Verbindung den Neigungen ihrer grausamen und habgierigen Eltern entgegengestanden hatte; die vergeblich mit hartnäckiger Ausdauer versucht hatten, sie zu einer Ehe mit jenen zu zwingen, die sie stets verabscheut hatten; doch mit einer heldenhaften Standhaftigkeit, die es wert ist, erzählt und bewundert zu werden, hatten sie beide beharrlich geweigert, sich solch despotischer Macht zu beugen.
Nachdem sie sich durch eine heimliche Heirat so edel von den Fesseln elterlicher Autorität befreit hatten, waren sie entschlossen, die gute Meinung, die sie sich dadurch in der Welt erworben hatten, niemals durch die Annahme von Versöhnungsvorschlägen, die ihnen von ihren Vätern gemacht werden könnten, zu verwirken – dieser weiteren Prüfung ihrer edlen Unabhängigkeit waren sie jedoch nie ausgesetzt.
Sie waren erst wenige Monate verheiratet, als unser Besuch bei ihnen begann, während welcher Zeit sie reichlich durch eine beträchtliche Geldsumme unterstützt worden waren, die Augustus wenige Tage vor seiner Verbindung mit Sophia seinem unwürdigen Vater elegant aus dem Schreibschrank entwendet hatte.
Durch unsere Ankunft waren ihre Ausgaben beträchtlich gestiegen, obwohl ihre Mittel, diese zu bestreiten, damals nahezu erschöpft waren. Aber sie, erhabene Geschöpfe! verschmähten es, auch nur einen Augenblick über ihre finanziellen Nöte nachzudenken, und wären bei dem Gedanken, ihre Schulden zu bezahlen, errötet. – Ach! was war ihr Lohn für solch uneigennütziges Verhalten! Der schöne Augustus wurde verhaftet und wir waren alle dem Untergang geweiht. Ein solch treuloser Verrat durch die gnadenlosen Täter dieser Tat wird dein sanftes Wesen, teuerste Marianne, ebenso erschüttern, wie er damals die zarte Empfindsamkeit von Edward, Sophia, deiner Laura und Augustus selbst berührte. Um eine solch beispiellose Barbarei zu vervollständigen, wurden wir informiert, dass in Kürze eine Pfändung im Haus stattfinden würde. Ach! was konnten wir tun, außer dem, was wir taten! Wir seufzten und fielen auf dem Sofa in Ohnmacht.
Leb wohl Laura.
10. BRIEF LAURA in Fortsetzung
Als wir uns einigermaßen von den überwältigenden Ergüssen unserer Trauer erholt hatten, wünschte Edward, dass wir überlegten, welcher der klügste Schritt in unserer unglücklichen Lage sei, während er sich zu seinem inhaftierten Freund begab, um über dessen Unglück zu klagen. Wir versprachen, dies zu tun, und er brach zu seiner Reise in die Stadt auf. Während seiner Abwesenheit kamen wir seinem Wunsch treu nach und einigten uns nach reiflicher Überlegung schließlich darauf, dass das Beste, was wir tun könnten, sei, das Haus zu verlassen; von dem wir jeden Augenblick erwarteten, dass die Justizbeamten es in Besitz nehmen würden. Wir warteten daher mit der größten Ungeduld auf die Rückkehr Edwards, um ihm das Ergebnis unserer Beratungen mitzuteilen. Doch kein Edward erschien. Vergebens zählten wir die langwierigen Augenblicke seiner Abwesenheit – vergebens weinten wir – vergebens seufzten wir sogar – kein Edward kehrte zurück –. Dies war ein zu grausamer, zu unerwarteter Schlag für unsere zarte Empfindsamkeit – wir konnten ihn nicht ertragen – wir konnten nur in Ohnmacht fallen. Schließlich sammelte ich all die Entschlossenheit, deren ich mächtig war, stand auf, und nachdem ich einige notwendige Kleidungsstücke für Sophia und mich zusammengepackt hatte, zerrte ich sie zu einer Kutsche, die ich bestellt hatte, und wir brachen augenblicklich nach London auf. Da der Wohnsitz des Augustus nur zwölf Meilen von der Stadt entfernt war, dauerte es nicht lange, bis wir dort ankamen, und kaum hatten wir Holborn erreicht, ließ ich eines der vorderen Fenster herunter und fragte jede anständig aussehende Person, an der wir vorbeifuhren: „Ob sie meinen Edward gesehen hätten?“
Da wir jedoch zu schnell fuhren, als dass sie meine wiederholten Fragen hätten beantworten können, erhielt ich nur wenig, oder besser gesagt, gar keine Informationen über ihn. „Wohin soll ich fahren?“, sagte der Postillon. „Nach Newgate, sanfter Jüngling (antwortete ich), um Augustus zu sehen.“ „Oh! nein, nein (rief Sophia), ich kann nicht nach Newgate gehen; ich werde den Anblick meines Augustus in einer so grausamen Gefangenschaft nicht ertragen können – meine Gefühle sind bereits durch die Schilderung seines Elends hinreichend erschüttert, aber es mit eigenen Augen zu sehen, wird meine Empfindsamkeit überwältigen.“ Da ich ihr in der Richtigkeit ihrer Gefühle vollkommen zustimmte, wurde der Postillon sofort angewiesen, aufs Land zurückzukehren. Du magst vielleicht etwas überrascht gewesen sein, meine teuerste Marianne, dass ich mich in der Not, die ich damals litt, ohne jede Unterstützung und ohne Wohnsitz, kein einziges Mal an meinen Vater und meine Mutter oder mein elterliches Häuschen im Tal von Uske erinnert habe. Um dieses scheinbare Vergessen zu erklären, muss ich dich über einen unbedeutenden Umstand bezüglich ihrer informieren, den ich bisher noch nie erwähnt habe. Der Tod meiner Eltern wenige Wochen nach meiner Abreise ist der Umstand, auf den ich anspiele. Durch ihren Tod wurde ich die rechtmäßige Erbin ihres Hauses und Vermögens. Aber ach! das Haus war nie ihr Eigentum gewesen und ihr Vermögen war nur eine Leibrente auf ihr eigenes Leben. So ist die Verdorbenheit der Welt! Zu deiner Mutter wäre ich mit Vergnügen zurückgekehrt, wäre glücklich gewesen, ihr meine bezaubernde Sophia vorstellen zu können, und hätte den Rest meines Lebens fröhlich in ihrer lieben Gesellschaft im Tal von Uske verbracht, wäre nicht ein Hindernis für die Ausführung eines so angenehmen Plans dazwischengekommen; welches die Heirat und der Umzug deiner Mutter in einen entfernten Teil Irlands war.
Leb wohl. Laura.
11. BRIEF LAURA in Fortsetzung
„Ich habe eine Verwandte in Schottland (sagte Sophia zu mir, als wir London verließen), von der ich sicher bin, dass sie nicht zögern würde, mich aufzunehmen.“ „Soll ich dem Jungen befehlen, dorthin zu fahren?“, sagte ich – doch besann mich augenblicklich und rief aus: „Ach, ich fürchte, das wird eine zu lange Reise für die Pferde.“ Da ich jedoch nicht nur nach meinem eigenen unzureichenden Wissen über die Kraft und Leistungsfähigkeit von Pferden handeln wollte, konsultierte ich den Postillon, der in dieser Angelegenheit ganz meiner Meinung war. Wir beschlossen daher, in der nächsten Stadt die Pferde zu wechseln und die restliche Strecke per Post zu reisen –. Als wir im letzten Gasthof ankamen, in dem wir halten wollten und der nur wenige Meilen vom Haus der Verwandten Sophias entfernt war, schrieben wir ihr, da wir unsere Gesellschaft ihr nicht unerwartet und ungebeten aufdrängen wollten, ein sehr elegantes und gut formuliertes Schreiben, das eine Schilderung unserer mittellosen und melancholischen Lage enthielt sowie unsere Absicht, einige Monate bei ihr in Schottland zu verbringen. Sobald wir diesen Brief abgeschickt hatten, bereiteten wir uns unverzüglich darauf vor, ihm persönlich zu folgen, und waren gerade dabei, zu diesem Zweck in die Kutsche zu steigen, als unsere Aufmerksamkeit durch die Einfahrt einer Kutsche mit Krone und vier Pferden in den Gasthofhof erregt wurde. Ein Gentleman in fortgeschrittenem Alter stieg aus ihr aus. Bei seinem ersten Erscheinen war meine Empfindsamkeit wunderbar berührt, und ehe ich ihn ein zweites Mal betrachtet hatte, flüsterte ein instinktives Mitgefühl meinem Herzen zu, dass er mein Großvater sei. Überzeugt, dass ich mich in meiner Vermutung nicht irren konnte, sprang ich augenblicklich aus der Kutsche, in die ich gerade eingestiegen war, folgte dem ehrwürdigen Fremden in das Zimmer, in das er gewiesen worden war, warf mich vor ihm auf die Knie und beschwor ihn, mich als seine Enkelin anzuerkennen. Er fuhr zusammen, und nachdem er meine Züge aufmerksam geprüft hatte, hob er mich vom Boden auf, schlang seine großväterlichen Arme um meinen Hals und rief aus: „Dich anerkennen! Ja, liebes Abbild meiner Laurina und Laurinas Tochter, süßes Ebenbild meiner Claudia und Claudias Mutter, ich erkenne dich an als die Tochter der einen und die Enkelin der anderen.“ Während er mich so zärtlich umarmte, betrat Sophia, erstaunt über mein hastiges Aufbrechen, das Zimmer, um mich zu suchen. Kaum hatte sie den Blick des ehrwürdigen Peers aufgefangen, als er mit jedem Zeichen des Erstaunens ausrief: „Noch eine Enkelin! Ja, ja, ich sehe, du bist die Tochter von Laurinas ältester Tochter; deine Ähnlichkeit mit der schönen Matilda verkündet es hinlänglich.“ „Oh! erwiderte Sophia, als ich Euch zum ersten Mal erblickte, flüsterte mir der Instinkt der Natur zu, dass wir in gewissem Grade verwandt seien – aber ob Großvater oder Großmutter, konnte ich nicht zu bestimmen wagen.“ Er schloss sie in seine Arme, und während sie sich zärtlich umarmten, öffnete sich die Tür des Zimmers und ein überaus schöner junger Mann erschien. Beim Anblick desselben fuhr Lord St. Clair zusammen, wich einige Schritte zurück und sagte mit erhobenen Händen: „Noch ein Enkelkind! Welches unerwartete Glück ist dies! innerhalb von 3 Minuten so viele meiner Nachkommen zu entdecken! Dies ist, da bin ich sicher, Philander, der Sohn von Laurinas dritter Tochter, der liebenswürdigen Bertha; es fehlt nun nur noch die Anwesenheit von Gustavus, um die Vereinigung von Laurinas Enkelkindern zu vervollständigen.“
„Und hier ist er; (sagte ein anmutiger Jüngling, der in diesem Augenblick den Raum betrat) hier ist der Gustavus, den Ihr zu sehen wünscht. Ich bin der Sohn von Agatha, Laurinas vierter und jüngster Tochter.“ „Ich sehe, das bist du in der Tat; erwiderte Lord St. Clair – Aber sag mir (fuhr er fort und blickte ängstlich zur Tür), sag mir, habe ich noch andere Enkelkinder im Haus?“ „Keine, mein Lord.“ „Dann werde ich ohne weiteres Zögern für euch alle sorgen – Hier sind 4 Banknoten zu je 50£ – Nehmt sie und erinnert euch, dass ich die Pflicht eines Großvaters erfüllt habe.“ Er verließ augenblicklich den Raum und unmittelbar danach das Haus.
Leb wohl. Laura.
12. BRIEF LAURA in Fortsetzung
Du kannst dir vorstellen, wie sehr wir über das plötzliche Verschwinden von Lord St. Clair überrascht waren. „Unedler Großvater!“, rief Sophia. „Unwürdiger Großvater!“, sagte ich und fiel augenblicklich in den Armen des anderen in Ohnmacht. Wie lange wir in dieser Lage verharrten, weiß ich nicht; doch als wir zu uns kamen, fanden wir uns allein vor, ohne Gustavus, Philander oder die Banknoten. Während wir unser unglückliches Schicksal beklagten, öffnete sich die Tür des Zimmers und „Macdonald“ wurde angekündigt. Er war Sophias Cousin. Die Eile, mit der er uns so kurz nach Erhalt unseres Schreibens zu Hilfe kam, sprach so sehr zu seinen Gunsten, dass ich nicht zögerte, ihn auf den ersten Blick als einen zärtlichen und teilnahmsvollen Freund zu bezeichnen. Ach! er verdiente den Namen kaum – denn obwohl er uns sagte, dass er sehr betroffen über unser Unglück sei, schien es doch nach seiner eigenen Schilderung, dass die Lektüre desselben ihm weder einen einzigen Seufzer entlockt noch ihn dazu bewogen hatte, einen einzigen Fluch auf unsere rachsüchtigen Sterne zu schicken. Er sagte Sophia, dass seine Tochter davon abhänge, dass sie mit ihm nach Macdonald-Hall zurückkehre, und dass er sich als Freund seiner Cousine freuen würde, auch mich dort zu sehen. Nach Macdonald-Hall begaben wir uns also und wurden von Janetta, der Tochter Macdonalds und Herrin des Hauses, mit großer Freundlichkeit empfangen. Janetta war damals erst fünfzehn; von Natur aus wohlwollend, mit einem empfänglichen Herzen und einer teilnahmsvollen Veranlagung begabt, hätte sie, wären diese liebenswürdigen Eigenschaften ordnungsgemäß gefördert worden, ein Schmuck der menschlichen Natur sein können; aber leider besaß ihr Vater keine Seele, die erhaben genug gewesen wäre, eine solch vielversprechende Veranlagung zu bewundern, und hatte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln versucht, zu verhindern, dass sie mit ihren Jahren wuchs. Er hatte ihre natürliche edle Empfindsamkeit in ihrem Herzen tatsächlich so weit ausgelöscht, dass er sie dazu bewogen hatte, ein Angebot eines jungen Mannes seiner Empfehlung anzunehmen. Sie sollten in wenigen Monaten heiraten, und Graham war im Haus, als wir ankamen. Wir durchschauten bald seinen Charakter. Er war genau der Mann, von dem man hätte erwarten können, dass er die Wahl Macdonalds sei. Sie sagten, er sei vernünftig, wohlunterrichtet und angenehm; wir maßen uns nicht an, über solche Kleinigkeiten zu urteilen, aber da wir überzeugt waren, dass er keine Seele habe, dass er nie die Leiden des jungen Werthers gelesen habe und dass sein Haar nicht die geringste Ähnlichkeit mit kastanienbraun habe, waren wir uns sicher, dass Janetta keine Zuneigung für ihn empfinden könne, oder zumindest, dass sie keine empfinden dürfe. Allein der Umstand, dass er die Wahl ihres Vaters war, sprach so sehr gegen ihn, dass selbst wenn er sie in jeder anderen Hinsicht verdient hätte, dies in Janettas Augen ein hinreichender Grund hätte sein sollen, ihn abzuweisen. Wir beschlossen, ihr diese Erwägungen im rechten Licht darzustellen, und zweifelten nicht daran, bei jemandem, der von Natur aus so gut veranlagt war, den gewünschten Erfolg zu erzielen; deren Irrtümer in dieser Angelegenheit nur aus einem Mangel an angemessenem Vertrauen in ihre eigene Meinung und einer entsprechenden Verachtung für die ihres Vaters entsprungen waren. Wir fanden sie in der Tat all das, was unsere wärmsten Wünsche gehofft hatten; wir hatten keine Schwierigkeit, sie davon zu überzeugen, dass es unmöglich sei, dass sie Graham liebe, oder dass es ihre Pflicht sei, ihrem Vater nicht zu gehorchen; das Einzige, bei dem sie eher zu zögern schien, war unsere Behauptung, dass sie an jemand anderem hängen müsse. Eine Zeit lang beharrte sie darauf zu erklären, dass sie keinen anderen jungen Mann kenne, für den sie die geringste Zuneigung hege; doch nachdem wir ihr die Unmöglichkeit einer solchen Sache erklärt hatten, sagte sie, sie glaube, dass sie Captain M’Kenrie lieber möge als jeden anderen, den sie kenne. Dieses Geständnis stellte uns zufrieden, und nachdem wir die guten Eigenschaften von M’Kenrie aufgezählt und ihr versichert hatten, dass sie heftig in ihn verliebt sei, wollten wir wissen, ob er ihr seine Zuneigung jemals in irgendeiner Weise erklärt habe.
„Weit davon entfernt, sie jemals erklärt zu haben, habe ich keinen Grund zu der Annahme, dass er jemals eine für mich empfunden hat“, sagte Janetta. „Dass er dich zweifellos anbetet (erwiderte Sophia), daran kann kein Zweifel bestehen. Die Zuneigung muss wechselseitig sein. Hat er dich nie voller Bewunderung angestarrt – zärtlich deine Hand gedrückt – eine unwillkürliche Träne vergossen – und den Raum abrupt verlassen?“ „Niemals (antwortete sie), soweit ich mich erinnere – er hat den Raum zwar immer verlassen, wenn sein Besuch beendet war, aber er ist nie besonders abrupt oder ohne eine Verbeugung zu machen gegangen.“ „Wahrlich, meine Liebe (sagte ich), du musst dich irren – denn es ist absolut unmöglich, dass er dich jemals anders als mit Verwirrung, Verzweiflung und Hast verlassen hätte. Überlege nur einen Augenblick, Janetta, und du musst überzeugt sein, wie absurd es ist anzunehmen, dass er jemals eine Verbeugung hätte machen oder sich wie irgendeine andere Person hätte benehmen können.“ Nachdem wir diesen Punkt zu unserer Zufriedenheit geklärt hatten, nahmen wir als Nächstes in Betracht, auf welche Weise wir M’Kenrie von der günstigen Meinung, die Janetta von ihm hatte, unterrichten sollten.... Wir einigten uns schließlich darauf, ihn durch einen anonymen Brief, den Sophia auf folgende Weise aufsetzte, darüber in Kenntnis zu setzen.
„Oh! glücklicher Liebhaber der schönen Janetta, oh! liebenswürdiger Besitzer ihres Herzens, deren Hand für einen anderen bestimmt ist, warum zögerst du so mit einem Geständnis deiner Zuneigung gegenüber dem liebenswürdigen Objekt derselben? Oh! bedenke, dass einige wenige Wochen jeder schmeichelhaften Hoffnung, die du nun hegen magst, ein Ende setzen werden, indem sie das unglückliche Opfer der Grausamkeit ihres Vaters mit dem abscheulichen und verhassten Graham vereinen.“
„Ach! warum duldest du so grausam das geplante Elend ihrer und deiner selbst, indem du den Plan, der zweifellos schon lange deine Fantasie beherrscht hat, nicht mitteilst? Eine geheime Vereinigung wird augenblicklich das Glück beider sichern.“
Der liebenswürdige M’Kenrie, dessen Bescheidenheit, wie er uns später versicherte, der einzige Grund gewesen war, warum er die Heftigkeit seiner Zuneigung zu Janetta so lange verborgen gehalten hatte, flog beim Erhalt dieses Billetts auf den Flügeln der Liebe nach Macdonald-Hall und plädierte so kraftvoll für seine Zuneigung zu ihr, die sie inspirierte, dass Sophia und ich nach einigen weiteren privaten Zusammenkünften die Genugtuung erlebten, sie nach Gretna-Green abreisen zu sehen, was sie für die Feier ihrer Vermählung jedem anderen Ort vorzogen, obwohl es eine beträchtliche Entfernung von Macdonald-Hall war.
Leb wohl. Laura.
13. BRIEF LAURA in Fortsetzung
Sie waren bereits fast ein paar Stunden fort, bevor Macdonald oder Graham irgendeinen Verdacht bezüglich der Angelegenheit gehegt hatten. Und sie hätten vielleicht selbst dann keinen Verdacht geschöpft, wenn nicht der folgende kleine Vorfall eingetreten wäre. Als Sophia eines Tages zufällig eine private Schublade in Macdonalds Bibliothek mit einem ihrer eigenen Schlüssel öffnete, entdeckte sie, dass dies der Ort war, an dem er seine wichtigen Papiere aufbewahrte, und unter ihnen einige Banknoten von beträchtlichem Wert. Diese Entdeckung teilte sie mir mit; und nachdem wir übereingekommen waren, dass es eine angemessene Behandlung eines so niederträchtigen Schurken wie Macdonald sei, ihn um Geld zu bringen, das vielleicht unehrlich erworben worden war, wurde beschlossen, dass wir bei nächster Gelegenheit, wenn eine von uns dort vorbeikommen sollte, eine oder mehrere der Banknoten aus der Schublade nehmen würden. Diesen wohlmeinenden Plan hatten wir oft erfolgreich in die Tat umgesetzt; aber ach! am Tag von Janettas Flucht, als Sophia gerade majestätisch die fünfte Banknote aus der Schublade in ihre eigene Geldbörse steckte, wurde sie plötzlich höchst unverschämt bei ihrer Beschäftigung durch den Eintritt von Macdonald selbst unterbrochen, der auf höchst abrupte und hastige Weise hereinkam. Sophia (die, obwohl sie von Natur aus von gewinnender Sanftheit war, bei Bedarf die Würde ihres Geschlechts hervorrufen konnte) setzte augenblicklich einen höchst abweisenden Blick auf, warf dem unerschrockenen Übeltäter einen zornigen Blick zu und forderte in einem hochmütigen Tonfall: „Warum ihr Rückzug so frech gestört worden sei?“ Der unerschütterliche Macdonald versuchte, ohne auch nur zu versuchen, sich von dem Verbrechen, dessen er beschuldigt wurde, zu rechtfertigen, niederträchtig, Sophia vorzuwerfen, ihn auf unedle Weise um sein Geld betrogen zu haben... Die Würde von Sophia war verletzt; „Schurke (rief sie und legte hastig die Banknote in die Schublade zurück), wie wagst du es, mich einer Tat zu beschuldigen, von der schon die bloße Vorstellung mich erröten lässt?“ Der niederträchtige Wicht war immer noch nicht überzeugt und fuhr fort, die zu Recht beleidigte Sophia mit solch schimpflichen Worten zu schmähen, dass er schließlich die sanfte Güte ihres Wesens so sehr provozierte, dass er sie dazu brachte, sich an ihm zu rächen, indem sie ihn über Janettas Flucht informierte und über den aktiven Teil, den wir beide an der Angelegenheit genommen hatten. Zu diesem Zeitpunkt ihres Streits betrat ich die Bibliothek und war, wie du dir vorstellen kannst, ebenso beleidigt wie Sophia über die haltlosen Anschuldigungen des bösartigen und verabscheuungswürdigen Macdonald. „Niederträchtiger Bösewicht! (rief ich) wie kannst du so unerschrocken versuchen, den makellosen Ruf einer solch strahlenden Exzellenz zu besudeln? Warum verdächtigst du nicht genauso bald meine Unschuld?“ „Seien Sie zufrieden, Madam (erwiderte er), ich verdächtige sie, und muss daher verlangen, dass Sie beide dieses Haus in weniger als einer halben Stunde verlassen.“
„Wir werden willentlich gehen; (antwortete Sophia) unsere Herzen haben dich längst verabscheut, und nichts als unsere Freundschaft für deine Tochter hätte uns dazu bewegen können, so lange unter deinem Dach zu bleiben.“
„Eure Freundschaft für meine Tochter ist in der Tat höchst kraftvoll ausgeübt worden, indem ihr sie in die Arme eines prinzipienlosen Glücksritters geworfen habt.“, erwiderte er.
„Ja, (rief ich) inmitten jedes Unglücks wird es uns einen Trost gewähren, darüber nachzudenken, dass wir durch diesen einen Akt der Freundschaft für Janetta jede Verpflichtung, die wir von ihrem Vater erhalten haben, reichlich abgegolten haben.“
„Es muss in der Tat eine sehr dankbare Reflexion für eure erhabenen Gemüter sein.“, sagte er.
Kaum hatten wir unsere Garderobe und unsere Wertsachen gepackt, verließen wir Macdonald Hall, und nachdem wir etwa anderthalb Meilen gegangen waren, setzten wir uns an den Rand eines klaren, durchsichtigen Baches, um unsere erschöpften Glieder zu erfrischen. Der Ort war zur Meditation geeignet. Ein Hain aus ausgewachsenen Ulmen schützte uns vor dem Osten – ein Beet aus ausgewachsenen Brennnesseln vor dem Westen. Vor uns plätscherte der murmelnde Bach und hinter uns verlief die Chaussee. Wir waren in einer Stimmung zur Kontemplation und in einer Verfassung, einen so schönen Fleck zu genießen. Ein gegenseitiges Schweigen, das einige Zeit zwischen uns geherrscht hatte, wurde schließlich durch meinen Ausruf unterbrochen: „Was für eine liebliche Szene! Ach, warum sind Edward und Augustus nicht hier, um ihre Schönheiten mit uns zu genießen?“
„Ach! meine geliebte Laura (rief Sophia), um Himmels willen, unterlasse es, mir die unglückliche Lage meines inhaftierten Mannes in Erinnerung zu rufen. Ach, was würde ich nicht geben, um das Schicksal meines Augustus zu erfahren! Zu wissen, ob er noch in Newgate ist oder ob er bereits gehängt wurde. Aber niemals werde ich fähig sein, meine zarte Empfindsamkeit so weit zu überwinden, mich nach ihm zu erkundigen. Oh! ich beschwöre dich, lass mich nie wieder seinen geliebten Namen von dir hören. Es berührt mich zu tief. Ich kann es nicht ertragen, ihn erwähnt zu hören, es verwundet meine Gefühle.“
„Entschuldige mich, meine Sophia, dass ich dich so ungewollt beleidigt habe“, antwortete ich – und änderte das Gespräch, indem ich sie bat, die edle Erhabenheit der Ulmen zu bewundern, die uns vor dem östlichen Zephir schützten. „Ach! meine Laura (erwiderte sie), vermeide ein so melancholisches Thema, ich flehe dich an. Verwunde meine Empfindsamkeit nicht wieder durch Beobachtungen über diese Ulmen. Sie erinnern mich an Augustus. Er war wie sie, groß, majestätisch – er besaß jene edle Erhabenheit, die du an ihnen bewunderst.“
Ich schwieg, aus Furcht, sie erneut ungewollt zu betrüben, indem ich ein anderes Gesprächsthema wählte, das sie wieder an Augustus erinnern könnte.
„Warum sprichst du nicht, meine Laura? (sagte sie nach einer kurzen Pause). Ich kann dieses Schweigen nicht ertragen, du darfst mich nicht meinen eigenen Reflexionen überlassen; sie kehren immer zu Augustus zurück.“
„Was für ein schöner Himmel! (sagte ich). Wie bezaubernd wird das Azur durch jene zarten weißen Streifen variiert!“
„Oh! meine Laura (antwortete sie, hastig ihre Augen von einem flüchtigen Blick zum Himmel abwendend), bedrücke mich nicht so, indem du meine Aufmerksamkeit auf ein Objekt lenkst, das mich so grausam an die blaue Satinweste meines Augustus erinnert, die mit Weiß gestreift war! Aus Mitleid mit deiner unglücklichen Freundin vermeide ein so bedrückendes Thema.“ Was konnte ich tun? Die Gefühle von Sophia waren zu jener Zeit so exquisit und die Zärtlichkeit, die sie für Augustus empfand, so stechend, dass ich nicht die Kraft hatte, ein anderes Thema anzuschlagen, da ich mit Recht fürchtete, es könnte auf unvorhergesehene Weise ihre ganze Empfindsamkeit wieder erwecken, indem es ihre Gedanken auf ihren Ehemann lenkte. Doch zu schweigen wäre grausam gewesen; sie hatte mich angefleht zu reden.
Aus diesem Dilemma wurde ich höchst glücklicherweise durch einen wahrhaft aproposen Unfall erlöst; es war das glückliche Umkippen des Phaetons eines Gentlemans auf der Straße, die murmelnd hinter uns verlief. Es war ein höchst glücklicher Unfall, da er die Aufmerksamkeit von Sophia von den melancholischen Reflexionen ablenkte, denen sie sich zuvor hingegeben hatte. Wir verließen augenblicklich unsere Sitze und eilten zur Rettung derjenigen, die noch wenige Augenblicke zuvor in einer so erhöhten Lage wie in einem modisch hohen Phaeton gewesen waren, die nun aber niedrig und ausgestreckt im Staub lagen. „Welch ein umfassendes Thema für Reflexionen über die unsicheren Genüsse dieser Welt würde dieser Phaeton und das Leben von Kardinal Wolsey doch für einen denkenden Geist bieten!“, sagte ich zu Sophia, während wir zum Schauplatz des Geschehens eilten.
Sie hatte keine Zeit mir zu antworten, denn jeder Gedanke war nun von dem schrecklichen Schauspiel vor uns gefesselt. Zwei Gentlemen, höchst elegant gekleidet, aber in ihrem Blut wälzend, war das, was unsere Augen zuerst traf – wir näherten uns – es waren Edward und Augustus. Ja, liebste Marianne, es waren unsere Ehemänner. Sophia schrie auf und fiel in Ohnmacht auf den Boden – ich schrie und wurde augenblicklich wahnsinnig. Wir blieben einige Minuten so gegenseitig unserer Sinne beraubt, und beim Wiedererlangen derselben wurden wir ihrer erneut beraubt. Eine Stunde und eine Viertelstunde verharrten wir in dieser unglücklichen Lage – Sophia fiel jeden Augenblick in Ohnmacht und ich wurde ebenso oft wahnsinnig. Endlich stellte ein Stöhnen des glücklosen Edward (der als Einziger noch einen Rest von Leben bewahrte) uns unsere Sinne wieder her. Hätten wir tatsächlich zuvor geahnt, dass einer von ihnen lebte, wären wir sparsamer mit unserer Trauer gewesen – aber da wir beim ersten Anblick angenommen hatten, dass sie nicht mehr unter den Lebenden weilten, wussten wir, dass nichts zu tun blieb, als das, was wir gerade taten. Kaum hörten wir daher das Stöhnen meines Edwards, als wir unsere Wehklagen für den Augenblick aufschoben, zu dem lieben Jüngling eilten, auf jeder Seite von ihm niederknieten und ihn anflehten, nicht zu sterben. „Laura (sagte er, seine nun matten Augen auf mich richtend), ich fürchte, ich bin umgekippt.“
Ich war überglücklich, ihn noch bei Sinnen zu finden.
„Oh! sag mir Edward (sagte ich), sag mir, ich beschwöre dich, bevor du stirbst, was dir widerfahren ist seit jenem unglücklichen Tag, an dem Augustus verhaftet und wir getrennt wurden –“
„Ich will es“ (sagte er) und stieß augenblicklich einen tiefen Seufzer aus und verschied. Sophia sank sofort wieder in eine Ohnmacht. Meine Trauer war hörbarer. Meine Stimme bebte, meine Augen nahmen einen leeren Blick an, mein Gesicht wurde bleich wie der Tod und meine Sinne waren beträchtlich getrübt.
„Sprich mir nicht von Phaetons (sagte ich, in einer wahnsinnigen, unzusammenhängenden Weise rasend) – Gib mir eine Violine. Ich werde ihm aufspielen und ihn in seinen melancholischen Stunden beruhigen – Hütet euch, ihr sanften Nymphen, vor Cupidos Donnerkeilen, meidet die durchdringenden Pfeile des Jupiter – Seht diesen Tannenhain – Ich sehe eine Hammelkeule – Sie sagten mir, Edward sei nicht tot; aber sie haben mich getäuscht – sie hielten ihn für eine Salatgurke –“ So fuhr ich wild fort, über Edwards Tod zu klagen. Zwei Stunden lang tobte ich so wahnsinnig und hätte nicht aufgehört, da ich nicht im Geringsten ermüdet war, hätte Sophia, die sich gerade von ihrer Ohnmacht erholt hatte, mich nicht angefleht, zu bedenken, dass die Nacht nun hereinbrach und der Tau zu fallen begann. „Und wohin sollen wir gehen (sagte ich), um uns vor beidem zu schützen?“ „Zu diesem weißen Häuschen“, (antwortete sie und zeigte auf ein ordentliches Gebäude, das sich inmitten des Ulmenhains erhob und das ich zuvor nicht bemerkt hatte). Ich stimmte zu und wir gingen augenblicklich darauf zu – wir klopften an die Tür – sie wurde von einer alten Frau geöffnet; als wir sie baten, uns eine Nachtruhe zu gewähren, teilte sie uns mit, dass ihr Haus nur klein sei, dass sie nur zwei Schlafzimmer habe, dass wir aber dennoch in einem davon willkommen seien. Wir waren zufrieden und folgten der guten Frau in das Haus, wo uns der Anblick eines behaglichen Feuers sehr erfreute. Sie war eine Witwe und hatte nur eine Tochter, die gerade siebzehn war – eines der besten Alter; aber ach! sie war sehr schlicht und ihr Name war Bridget... Nichts konnte daher von ihr erwartet werden – man konnte ihr weder erhabene Ideen noch zarte Gefühle oder verfeinerte Empfindsamkeiten zuschreiben. Sie war nichts weiter als eine bloß gutmütige, höfliche und gefällige junge Frau; als solche konnten wir sie kaum missbilligen – sie war lediglich ein Objekt der Verachtung.
Adieu Laura.
BRIEF der 14. LAURA in Fortsetzung
Wappne dich, meine liebenswürdige junge Freundin, mit all der Philosophie, derer du mächtig bist; rufe all die Standhaftigkeit auf, die du besitzt, denn ach! bei der Lektüre der folgenden Seiten wird deine Empfindsamkeit aufs Schwerste geprüft werden. Ach, was waren die Unglücksfälle, die ich zuvor erlebt und die ich dir bereits berichtet habe, gegenüber dem einen, von dem ich dir nun berichten werde. Der Tod meines Vaters, meiner Mutter und meines Mannes, obwohl fast mehr als meine sanfte Natur ertragen konnte, waren Kleinigkeiten im Vergleich zu dem Unglück, das ich nun zu schildern beginne. Am Morgen nach unserer Ankunft im Häuschen klagte Sophia über einen heftigen Schmerz in ihren zarten Gliedern, begleitet von einem unangenehmen Kopfweh. Sie führte es auf eine Erkältung zurück, die sie sich durch ihre ständigen Ohnmachtsanfälle unter freiem Himmel geholt hatte, als am Abend zuvor der Tau fiel. Dies, fürchtete ich, war nur allzu wahrscheinlich der Fall; denn wie hätte es sonst erklärt werden können, dass ich von demselben Unwohlsein verschont geblieben war, außer durch die Annahme, dass die körperlichen Anstrengungen, die ich in meinen wiederholten Wahnsinnsanfällen durchgemacht hatte, mein Blut so wirksam in Umlauf gebracht und erwärmt hatten, dass ich gegen die kühlende Feuchtigkeit der Nacht gefeit war, während Sophia, die völlig untätig auf dem Boden lag, ihrer ganzen Härte ausgesetzt gewesen sein musste. Ich war höchst ernsthaft alarmiert durch ihre Krankheit, die, so unbedeutend sie dir erscheinen mag, eine gewisse instinktive Empfindsamkeit mir zuflüsterte, am Ende für sie tödlich sein würde.
Ach! meine Ängste waren nur allzu vollkommen gerechtfertigt; sie wurde allmählich schlechter – und ich wurde täglich besorgter um sie. Schließlich war sie gezwungen, sich ausschließlich auf das Bett zu beschränken, das uns unsere würdige Wirtin zugewiesen hatte. Ihr Leiden entwickelte sich zu einer galoppierenden Schwindsucht und raffte sie in wenigen Tagen dahin. Inmitten all meiner Wehklagen um sie (und gewaltsam, wie du dir denken kannst, waren sie) fand ich doch einigen Trost in dem Gedanken, ihr in ihrer Krankheit jede Aufmerksamkeit entgegengebracht zu haben, die geboten werden konnte. Ich hatte jeden Tag über ihr geweint – hatte ihr süßes Gesicht mit meinen Tränen gebadet und ihre feinen Hände beständig in den meinen gehalten. „Meine geliebte Laura (sagte sie zu mir wenige Stunden vor ihrem Tod), nimm eine Warnung von meinem unglücklichen Ende und vermeide das unkluge Verhalten, das dazu geführt hat... Hüte dich vor Ohnmachtsanfällen... Auch wenn sie zu der Zeit erfrischend und angenehm sein mögen, so glaube mir, sie werden am Ende, wenn sie zu oft und zu unangemessenen Zeiten wiederholt werden, zerstörerisch für deine Konstitution sein... Mein Schicksal wird dich dies lehren.. Ich sterbe als Märtyrerin meiner Trauer um den Verlust von Augustus.. Eine fatale Ohnmacht hat mich mein Leben gekostet.. Hüte dich vor Ohnmachten, liebe Laura.... Ein Wahnsinnsanfall ist nicht ein Viertel so schädlich; er ist eine Übung für den Körper und wenn er nicht zu heftig ist, ist er, so wage ich zu sagen, in seinen Folgen gesundheitsfördernd – Werde wahnsinnig, so oft du willst; aber werde nicht ohnmächtig –“
Dies waren die letzten Worte, die sie jemals an mich richtete. Es war ihr sterblicher Rat an ihre betrübte Laura, die sich stets am treuesten daran gehalten hat.
Nachdem ich meine beklagenswerte Freundin zu ihrem frühen Grab begleitet hatte, verließ ich sofort (obwohl es spät in der Nacht war) das verhasste Dorf, in dem sie starb und nahe dem mein Ehemann und Augustus ihr Leben ausgehaucht hatten. Ich war noch nicht viele Meter davon entfernt, als ich von einer Postkutsche eingeholt wurde, in der ich augenblicklich einen Platz nahm, entschlossen, damit nach Edinburgh weiterzufahren, wo ich hoffte, einen gütigen, mitleidigen Freund zu finden, der mich in meinen Leiden aufnehmen und trösten würde.
Es war so dunkel, als ich in die Kutsche einstieg, dass ich die Anzahl meiner Mitreisenden nicht unterscheiden konnte; ich konnte nur wahrnehmen, dass sie zahlreich waren. Ungeachtet dessen, was sie betraf, gab ich mich jedoch meinen eigenen traurigen Reflexionen hin. Ein allgemeines Schweigen herrschte – ein Schweigen, das durch nichts unterbrochen wurde als durch das laute und wiederholte Schnarchen eines der Mitreisenden.
„Was für ein ungebildeter Schurke muss dieser Mann sein! (dachte ich bei mir selbst). Welchen totalen Mangel an feiner Kultiviertheit muss er haben, der unsere Sinne durch ein solches brutales Geräusch schockieren kann! Er muss, da bin ich mir sicher, zu jeder bösen Tat fähig sein! Es gibt kein Verbrechen, das für einen solchen Charakter zu schwarz wäre!“ So argumentierte ich in mir selbst, und zweifellos waren dies auch die Reflexionen meiner Mitreisenden.
Schließlich ermöglichte mir der zurückkehrende Tag, den prinzipienlosen Schurken zu erblicken, der meine Gefühle so heftig gestört hatte. Es war Sir Edward, der Vater meines verstorbenen Ehemannes. An seiner Seite saß Augusta, und auf demselben Sitz mit mir waren deine Mutter und Lady Dorothea. Stell dir meine Überraschung vor, mich so inmitten meiner alten Bekannten wiederzufinden. So groß mein Erstaunen war, es wurde noch gesteigert, als ich aus dem Fenster blickte und den Ehemann von Philippa mit Philippa an seiner Seite auf dem Kutschbock erblickte, und als ich nach hinten blickte, Philander und Gustavus im Korb sah. „Oh! Himmel, (rief ich aus) ist es möglich, dass ich so unerwartet von meinen nächsten Verwandten und Verbindungen umgeben bin?“ Diese Worte weckten den Rest der Gesellschaft, und jedes Auge richtete sich auf die Ecke, in der ich saß. „Oh! meine Isabel (fuhr ich fort und warf mich über Lady Dorothea in ihre Arme), empfange noch einmal an deinem Busen die unglückliche Laura. Ach! als wir uns das letzte Mal im Vale of Usk trennten, war ich glücklich, mit dem besten aller Edwards vereint zu sein; ich hatte damals einen Vater und eine Mutter und hatte noch nie Unglück gekannt – Aber nun, beraubt jedes Freundes außer dir –“
„Was! (unterbrach mich Augusta) ist mein Bruder also tot? Sag uns, ich flehe dich an, was ist aus ihm geworden?“ „Ja, kalte und gefühllose Nymphe, (antwortete ich) dieser glücklose Jüngling, dein Bruder, ist nicht mehr, und du kannst nun damit prahlen, die Erbin von Sir Edwards Vermögen zu sein.“
Obwohl ich sie seit dem Tag, an dem ich ihr Gespräch mit meinem Edward belauscht hatte, immer verachtet hatte, kam ich aus Höflichkeit ihrem und Sir Edwards Drängen nach, dass ich sie über die ganze melancholische Angelegenheit unterrichten solle. Sie waren sehr schockiert – selbst das verhärtete Herz von Sir Edward und das gefühllose von Augusta wurden durch die unglückliche Geschichte von Trauer berührt. Auf Bitten deiner Mutter erzählte ich ihnen von jedem anderen Unglück, das mir seit unserer Trennung widerfahren war. Von der Inhaftierung von Augustus und der Abwesenheit von Edwards – von unserer Ankunft in Schottland – von unserem unerwarteten Zusammentreffen mit unserem Großvater und unseren Cousins – von unserem Besuch in Macdonald Hall – von dem besonderen Dienst, den wir dort gegenüber Janetta geleistet hatten – von der Undankbarkeit ihres Vaters dafür.. von seinem unmenschlichen Verhalten, seinen unerklärlichen Verdächtigungen und seiner barbarischen Behandlung unsererseits, indem er uns zwang, das Haus zu verlassen.. von unseren Wehklagen über den Verlust von Edward und Augustus und schließlich vom melancholischen Tod meiner geliebten Gefährtin.
Mitleid und Überraschung waren während meiner gesamten Erzählung deutlich im Gesicht deiner Mutter abgebildet, aber ich muss leider sagen, dass zum ewigen Vorwurf ihrer Empfindsamkeit Letzteres unendlich überwog. Ja, so fehlerfrei mein Verhalten während des gesamten Verlaufs meiner jüngsten Unglücksfälle und Abenteuer auch gewesen sein mochte, sie gab vor, Fehler an meinem Benehmen in vielen der Situationen zu finden, in die ich geraten war. Da ich mir selbst bewusst war, dass ich mich immer in einer Weise verhalten hatte, die Ehre auf meine Gefühle und meine Kultiviertheit warf, schenkte ich dem, was sie sagte, wenig Beachtung und bat sie, meine Neugier zu befriedigen, indem sie mich informierte, wie sie dorthin kam, anstatt meinen makellosen Ruf mit ungerechtfertigten Vorwürfen zu verwunden. Sobald sie meinen Wünschen in diesem Punkt entsprochen und mir eine genaue Einzelheit über alles gegeben hatte, was ihr seit unserer Trennung widerfahren war (die Einzelheiten, mit denen dich deine Mutter vertraut machen wird, falls du es nicht schon bist), wandte ich mich an Augusta mit derselben Bitte um Informationen bezüglich ihrer selbst, Sir Edwards und Lady Dorotheas.
Sie erzählte mir, dass ihr, da sie einen beträchtlichen Sinn für die Schönheiten der Natur habe, die Neugier, die entzückenden Szenen zu erblicken, die sie in jenem Teil der Welt darbot, durch Gilpins „Tour to the Highlands“ so sehr geweckt worden sei, dass sie ihren Vater dazu bewogen habe, eine Reise nach Schottland zu unternehmen, und Lady Dorothea überzeugt habe, sie zu begleiten. Dass sie vor wenigen Tagen in Edinburgh angekommen seien und von dort aus tägliche Ausflüge in die umliegende Landschaft in der Postkutsche gemacht hätten, in der sie sich gerade befänden, von einem dieser Ausflüge kehrten sie gerade zurück. Meine nächsten Fragen betrafen Philippa und ihren Ehemann, von letzterem erfuhr ich, dass er, nachdem sie ihr ganzes Vermögen ausgegeben hatten, seinen Lebensunterhalt mit dem Talent bestritt, in dem er schon immer am meisten geglänzt hatte, nämlich dem Fahren, und dass er, nachdem er alles verkauft hatte, was ihnen gehörte, außer ihrer Kutsche, diese in eine Postkutsche verwandelt hatte und um von allen früheren Bekannten entfernt zu sein, damit nach Edinburgh gefahren sei, von wo aus er jeden zweiten Tag nach Stirling fuhr. Dass Philippa, die ihre Zuneigung für ihren undankbaren Ehemann immer noch bewahrte, ihm nach Schottland gefolgt war und ihn meist bei seinen kleinen Ausflügen nach Stirling begleitete. „Es war nur, um ein wenig Geld in ihre Taschen zu werfen“, (fuhr Augusta fort), „dass mein Vater seit unserer Ankunft in Schottland immer in ihrer Kutsche gereist ist, um die Schönheiten des Landes zu betrachten – denn es wäre für uns sicherlich viel angenehmer gewesen, die Highlands in einer Postkutsche zu besuchen, als bloß jeden zweiten Tag in einer überfüllten und unbequemen Postkutsche von Edinburgh nach Stirling und von Stirling nach Edinburgh zu reisen.“ Ich stimmte ihr in ihren Ansichten über die Angelegenheit vollkommen zu und tadelte insgeheim Sir Edward dafür, dass er das Vergnügen seiner Tochter für eine lächerliche alte Frau opferte, deren Torheit, einen so jungen Mann zu heiraten, bestraft werden sollte. Sein Verhalten entsprach jedoch völlig seinem allgemeinen Charakter; denn was konnte man von einem Mann erwarten, der nicht das geringste Atom an Empfindsamkeit besaß, der die Bedeutung von Sympathie kaum kannte und der tatsächlich schnarchte.
Adieu Laura.
BRIEF der 15. LAURA in Fortsetzung.
Als wir in der Stadt ankamen, in der wir frühstücken sollten, war ich entschlossen, mit Philander und Gustavus zu sprechen, und zu diesem Zweck ging ich, sobald ich den Wagen verlassen hatte, zum Korb und erkundigte mich zärtlich nach ihrem Befinden, wobei ich meine Ängste hinsichtlich der Unbequemlichkeit ihrer Situation äußerte. Zuerst schienen sie von meinem Erscheinen eher verwirrt zu sein, da sie ohne Zweifel fürchteten, ich könnte sie zur Rechenschaft ziehen für das Geld, das unser Großvater mir hinterlassen hatte und um das sie mich ungerechterweise gebracht hatten, aber als sie feststellten, dass ich nichts von der Angelegenheit erwähnte, forderten sie mich auf, in den Korb zu steigen, da wir uns dort leichter unterhalten könnten. Dementsprechend stieg ich ein und während der Rest der Gesellschaft grünen Tee und gebutterten Toast verschlang, labten wir uns auf eine verfeinertere und sentimentalere Weise an einem vertraulichen Gespräch. Ich informierte sie über alles, was mir im Laufe meines Lebens widerfahren war, und auf meine Bitte hin berichteten sie mir von jedem Zwischenfall ihres eigenen Lebens.
Wir sind, wie Ihr bereits wisst, die Söhne der beiden jüngsten Töchter, die Lord St Clair mit Laurina, einem italienischen Opernmädchen, hatte. Keine unserer Mütter konnte genau feststellen, wer unser Vater war, obwohl allgemein geglaubt wird, dass Philander der Sohn eines gewissen Philip Jones, eines Maurers, ist und dass mein Vater ein gewisser Gregory Staves, ein Korsettmacher aus Edinburgh, war. Dies ist jedoch von geringer Bedeutung, denn da unsere Mütter sicher nie mit einem von ihnen verheiratet waren, wirft es kein Unheil auf unser Blut, das von höchst altertümlicher und unbefleckter Art ist. Bertha (die Mutter von Philander) und Agatha (meine eigene Mutter) lebten immer zusammen. Sie waren beide nicht sehr reich; ihr vereinigtes Vermögen hatte ursprünglich neuntausend Pfund betragen, aber da sie stets vom Kapital gelebt hatten, war es, als wir fünfzehn waren, auf neunhundert geschrumpft. Diese neunhundert Pfund bewahrten sie immer in einer Schublade in einem der Tische auf, die in unserem gemeinsamen Wohnzimmer standen, damit sie immer griffbereit waren. Ob es an diesem Umstand lag, dass es so leicht zu nehmen war, oder an dem Wunsch nach Unabhängigkeit oder an einem Übermaß an Empfindsamkeit (für das wir schon immer bekannt waren), kann ich jetzt nicht bestimmen, aber sicher ist, dass wir, als wir unser 15. Jahr erreicht hatten, die neunhundert Pfund nahmen und davonliefen. Nachdem wir diesen Gewinn erzielt hatten, waren wir entschlossen, sparsam damit umzugehen und ihn weder töricht noch verschwenderisch auszugeben. Zu diesem Zweck teilten wir es in neun Portionen ein, von denen wir die erste für Lebensmittel, die zweite für Getränke, die dritte für den Haushalt, die vierte für Kutschen, die fünfte für Pferde, die sechste für Diener, die siebte für Vergnügungen, die achte für Kleidung und die neunte für silberne Schnallen bestimmten. Nachdem wir so unsere Ausgaben für zwei Monate geplant hatten (denn wir erwarteten, dass die neunhundert Pfund so lange reichen würden), eilten wir nach London und hatten das Glück, sie in 7 Wochen und einem Tag auszugeben, was 6 Tage früher war, als wir beabsichtigt hatten. Sobald wir uns so glücklich von der Last so viel Geldes befreit hatten, begannen wir an eine Rückkehr zu unseren Müttern zu denken, aber als wir zufällig hörten, dass sie beide verhungert waren, gaben wir diesen Plan auf und beschlossen, uns einer wandernden Schauspielertruppe anzuschließen, da wir schon immer einen Hang zur Bühne hatten. Dementsprechend boten wir unsere Dienste einer an und wurden angenommen; unsere Gesellschaft war zwar etwas klein, da sie nur aus dem Direktor, seiner Frau und uns bestand, aber es gab weniger zu bezahlen, und der einzige Nachteil war der Mangel an Stücken, die wir mangels Leuten zur Besetzung der Rollen aufführen konnten. Wir kümmerten uns jedoch nicht um Kleinigkeiten. Eine unserer meistbewunderten Aufführungen war Macbeth, in dem wir wahrhaft großartig waren. Der Direktor spielte immer selbst Banquo, seine Frau meine Lady Macbeth. Ich gab die drei Hexen und Philander spielte den Rest. Um die Wahrheit zu sagen, war diese Tragödie nicht nur das beste, sondern das einzige Stück, das wir jemals aufführten; und nachdem wir es in ganz England und Wales gespielt hatten, kamen wir nach Schottland, um es im restlichen Großbritannien zu zeigen. Wir waren zufällig in eben der Stadt einquartiert, in der Ihr Euren Großvater getroffen habt. Wir waren im Gasthofhof, als seine Kutsche einfuhr, und als wir am Wappen erkannten, wem sie gehörte, und wussten, dass Lord St Clair unser Großvater war, kamen wir überein, zu versuchen, etwas von ihm zu bekommen, indem wir die Verwandtschaft enthüllten. Ihr wisst, wie gut das gelang. Nachdem wir die zweihundert Pfund erhalten hatten, verließen wir augenblicklich die Stadt, ließen unseren Direktor und seine Frau Macbeth alleine spielen und nahmen die Straße nach Sterling, wo wir unser kleines Vermögen mit großem Eclat ausgaben. Wir kehren nun nach Edinburgh zurück, um eine Anstellung im Schauspielgewerbe zu finden; und das, meine liebe Cousine, ist unsere Geschichte.
Ich dankte dem liebenswürdigen Jüngling für seine unterhaltsame Erzählung und nachdem ich meine Wünsche für ihr Wohlergehen und Glück ausgesprochen hatte, verließ ich sie in ihrer kleinen Behausung und kehrte zu meinen anderen Freunden zurück, die mich ungeduldig erwarteten.
Meine Abenteuer neigen sich nun dem Ende zu, meine liebste Marianne; zumindest für den Augenblick.
Als wir in Edinburgh ankamen, sagte Sir Edward mir, dass er als Witwe seines Sohnes wünsche, ich solle von seinen Händen jährlich vierhundert Pfund annehmen. Ich versprach gnädig, dass ich das tun würde, konnte aber nicht umhin zu bemerken, dass der unsympathische Baronet es eher anbot, weil ich die Witwe von Edward war, als weil ich die kultivierte und liebenswürdige Laura sei.
Ich bezog meinen Wohnsitz in einem romantischen Dorf in den schottischen Highlands, wo ich seitdem verblieben bin und wo ich, ungestört von nichtssagenden Besuchen, in einer melancholischen Einsamkeit meinen unaufhörlichen Klagen über den Tod meines Vaters, meiner Mutter, meines Mannes und meines Freundes nachhängen kann.
Augusta ist seit einigen Jahren mit Graham vereint, dem Mann, der von allen anderen am besten zu ihr passte; sie lernte ihn während ihres Aufenthalts in Schottland kennen.
Sir Edward heiratete zur gleichen Zeit Lady Dorothea, in der Hoffnung, einen Erben für seinen Titel und sein Anwesen zu gewinnen. Seine Wünsche wurden erfüllt.
Philander und Gustavus zogen, nachdem sie ihren Ruf durch ihre Aufführungen im Theaterbereich in Edinburgh gesteigert hatten, nach Covent Garden, wo sie immer noch unter den angenommenen Namen Luvis und Quick auftreten.
Philippa hat längst die Schuld der Natur bezahlt. Ihr Mann fährt jedoch weiterhin die Postkutsche von Edinburgh nach Sterling.
Lebt wohl, meine liebste Marianne. Laura.
Finis
13. Juni 1790.
LESLEY CASTLE EIN UNVOLLENDETER ROMAN IN BRIEFEN
An HENRY THOMAS AUSTEN Esq.
Mein Herr,
Ich mache nun von der Freiheit Gebrauch, die Ihr mir häufig eingeräumt habt, Euch einen meiner Romane zu widmen. Dass er unvollendet ist, betrübt mich; doch fürchte ich, dass er von mir aus immer so bleiben wird; dass er, soweit er ausgeführt ist, so unbedeutend und Eurer so unwürdig ist, ist eine weitere Sorge Eurer verpflichteten demütigen
Dienerin Die Autorin
Messrs Demand and Co. — bitte zahlen Sie Jane Austen, Jungfer, die Summe von einhundert Guineen zu Lasten Eurer demütigen Dienerin.
H. T. Austen
£105. 0. 0.
LESLEY CASTLE
DER ERSTE BRIEF ist von Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL
Lesley Castle, 3. Januar 1792.
Mein Bruder hat uns gerade verlassen. „Matilda (sagte er zum Abschied), du und Margaret, ich bin mir sicher, werdet für meine kleine Liebe all die Fürsorge aufbringen, die sie von einer nachsichtigen, liebevollen und liebenswürdigen Mutter hätte erfahren können.“ Tränen rollten ihm über die Wangen, als er diese Worte sprach – die Erinnerung an jene, die so mutwillig den mütterlichen Charakter entehrt und so offen die ehelichen Pflichten verletzt hatte, hinderte ihn daran, noch etwas hinzuzufügen; er umarmte sein süßes Kind und nachdem er Matilda und mich gegrüßt hatte, brach er hastig von uns auf, setzte sich in seine Chaise und schlug den Weg nach Aberdeen ein. Niemals gab es einen besseren jungen Mann! Ach! Wie wenig verdiente er das Unglück, das er im Ehestand erfahren hat. So ein guter Ehemann für so eine schlechte Ehefrau! Denn Ihr wisst, meine liebe Charlotte, dass die wertlose Louisa ihn, ihr Kind und ihren Ruf vor ein paar Wochen in Begleitung von Danvers und Schande verlassen hat. Niemals gab es ein süßeres Gesicht, eine feinere Gestalt oder ein weniger liebenswürdiges Herz, als Louisa besaß! Ihr Kind besitzt bereits die persönlichen Reize ihrer unglücklichen Mutter! Möge sie von ihrem Vater all seine geistigen erben! Lesley ist derzeit erst fünfundzwanzig und hat sich bereits der Melancholie und Verzweiflung hingegeben; was für ein Unterschied zwischen ihm und seinem Vater! Sir George ist 57 und bleibt immer noch der Beau, der flatterhafte Jüngling, der fröhliche Bursche und lebhafte Knabe, der sein Sohn vor etwa fünf Jahren wirklich war und der er seit meiner Erinnerung zu sein vorgab. Während unser Vater in den Straßen von London umherflattert, fröhlich, verschwenderisch und gedankenlos im Alter von 57 Jahren, leben Matilda und ich vor der Menschheit verborgen in unserem alten und verfallenden Schloss, das zwei Meilen von Perth entfernt auf einem kühnen, vorspringenden Felsen liegt und einen weiten Blick auf die Stadt und ihre herrliche Umgebung bietet. Aber obwohl wir von fast der ganzen Welt zurückgezogen leben (denn wir besuchen niemanden außer den M’Leods, den M’Kenzies, den M’Phersons, den M’Cartneys, den M’Donalds, den M’kinnons, den M’lellans, den M’kays, den Macbeths und den Macduffs), sind wir weder stumpfsinnig noch unglücklich; im Gegenteil, es gab nie zwei lebhaftere, angenehmere oder witzigere Mädchen als uns; keine Stunde am Tag wird uns lang. Wir lesen, wir arbeiten, wir gehen spazieren, und wenn wir von diesen Beschäftigungen ermüdet sind, erfrischen wir unseren Geist entweder durch ein lebhaftes Lied, einen anmutigen Tanz oder durch ein geistreiches Bonmot und eine witzige Erwiderung. Wir sind hübsch, meine liebe Charlotte, sehr hübsch, und die größte unserer Vollkommenheiten ist, dass wir uns dessen selbst gar nicht bewusst sind. Aber warum verweile ich so bei mir selbst! Lasst mich lieber das Lob unserer lieben kleinen Nichte, der unschuldigen Louisa, wiederholen, die gerade süß lächelnd in einem sanften Nickerchen auf dem Sofa ruht. Das liebe Geschöpf ist gerade zwei Jahre alt geworden; so hübsch, als wäre sie 2 und 20, so vernünftig, als wäre sie 2 und 30, und so umsichtig, als wäre sie 2 und 40. Um Euch davon zu überzeugen, muss ich Euch mitteilen, dass sie einen sehr feinen Teint und sehr hübsche Züge hat, dass sie bereits die ersten beiden Buchstaben des Alphabets kennt und dass sie niemals ihre Kleider zerreißt. Wenn ich Euch jetzt nicht von ihrer Schönheit, Vernunft und Umsicht überzeugt habe, habe ich nichts weiter zur Unterstützung meiner Behauptung vorzubringen, und Ihr werdet daher keine andere Möglichkeit haben, die Angelegenheit zu entscheiden, als nach Lesley-Castle zu kommen und durch eine persönliche Bekanntschaft mit Louisa selbst zu urteilen. Ach, meine liebe Freundin, wie glücklich wäre ich, Euch innerhalb dieser ehrwürdigen Mauern zu sehen! Es ist nun vier Jahre her, seit mich mein Schulabgang von Euch getrennt hat; dass zwei solch zarte Herzen, die durch die Bande der Sympathie und Freundschaft so eng miteinander verbunden sind, so weit voneinander entfernt sein sollten, ist überaus bewegend. Ich lebe in Perthshire, Ihr in Sussex. Wir könnten uns in London treffen, wenn mein Vater geneigt wäre, mich dorthin mitzunehmen, und wenn Eure Mutter zur gleichen Zeit dort wäre. Wir könnten uns in Bath, in Tunbridge oder tatsächlich überall sonst treffen, wenn wir nur am selben Ort zusammen sein könnten. Wir haben nur zu hoffen, dass eine solche Zeit kommen mag. Mein Vater kehrt erst im Herbst zu uns zurück; mein Bruder wird Schottland in wenigen Tagen verlassen; er ist ungeduldig zu reisen. Verblendeter Jüngling! Er schmeichelt sich vergeblich damit, dass Luftveränderung die Wunden eines gebrochenen Herzens heilen wird! Ihr werdet Euch mir sicher anschließen, meine liebe Charlotte, in Gebeten für die Wiederherstellung des Friedens des unglücklichen Lesley, der für den Eurer aufrichtigen Freundin immer wesentlich sein muss.
M. Lesley.
DER ZWEITE BRIEF Von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY als Antwort.
Glenford, 12. Februar
Ich habe tausend Entschuldigungen vorzubringen, weil ich es so lange aufgeschoben habe, Euch, meine liebe Peggy, für Euren angenehmen Brief zu danken, was ich, glaubt mir, nicht verzögert hätte, wären nicht jeden Augenblick meiner Zeit während der letzten fünf Wochen so vollauf mit den notwendigen Vorbereitungen für die Hochzeit meiner Schwester beschäftigt gewesen, dass mir keine Zeit blieb, sie entweder Euch oder mir selbst zu widmen. Und nun, was mich mehr als alles andere provoziert, ist, dass die Partie abgebrochen wurde und all meine Mühe umsonst war. Stellt Euch vor, wie groß die Enttäuschung für mich sein muss, wenn Ihr bedenkt, dass ich nach tagelanger Arbeit, um das Hochzeitsessen zur vereinbarten Zeit fertig zu haben, nach dem Braten von Rindfleisch, dem Schmoren von Hammelfleisch und dem Kochen von Suppe, genug für das frisch verheiratete Paar für die Flitterwochen, die Demütigung ertragen musste, festzustellen, dass ich das Fleisch und mich selbst vergeblich gebraten, geschmort und gekocht hatte. Wahrlich, meine liebe Freundin, ich erinnere mich nicht, jemals einen solchen Ärger erlitten zu haben, wie ich ihn am letzten Montag erlebte, als meine Schwester mit einem Gesicht so weiß wie eine geschlagene Sahne in die Vorratskammer zu mir gelaufen kam und mir sagte, dass Hervey von seinem Pferd gestürzt sei, sich den Schädel gebrochen habe und von seinem Chirurgen in höchster Lebensgefahr gesehen werde. „Guter Gott! (sagte ich) das sagt Ihr nicht? Warum, um Himmels willen, soll denn mit all den Lebensmitteln werden! Wir werden es niemals essen können, solange es gut ist. Wie dem auch sei, wir rufen den Chirurgen zur Hilfe. Ich werde den Sirloin selbst bewältigen können, meine Mutter wird die Suppe essen, und Ihr und der Doktor müsst den Rest beenden.“ Hier wurde ich unterbrochen, als ich meine arme Schwester scheinbar leblos auf eine der Truhen fallen sah, auf denen wir unsere Tischwäsche aufbewahren. Ich rief sofort meine Mutter und die Dienstmädchen, und schließlich brachten wir sie wieder zu sich; sobald sie wieder bei Sinnen war, äußerte sie die Entschlossenheit, sofort zu Henry zu gehen, und war so wild auf diesen Plan versessen, dass wir die größte Schwierigkeit der Welt hatten, sie davon abzuhalten, ihn auszuführen; schließlich jedoch, mehr durch Gewalt als durch Bitten, bewogen wir sie, in ihr Zimmer zu gehen; wir legten sie aufs Bett, und sie lag einige Stunden lang in den schrecklichsten Krämpfen. Meine Mutter und ich blieben bei ihr im Zimmer, und wenn die Intervalle erträglicher Fassung bei Eloisa es uns erlaubten, vereinten wir uns in herzlichen Klagen über die schreckliche Verschwendung unserer Vorräte, die dieses Ereignis verursachen musste, und planten, wie wir sie loswerden könnten. Wir kamen überein, dass das Beste, was wir tun könnten, sei, sie sofort zu essen, und dementsprechend bestellten wir den kalten Schinken und die Hühner und begannen augenblicklich mit unserem Vertilgungsvorhaben mit großer Emsigkeit. Wir hätten Eloisa gern überredet, einen Hühnerflügel zu nehmen, aber sie ließ sich nicht überreden. Sie war jedoch viel ruhiger als zuvor; die Krämpfe, unter denen sie zuvor gelitten hatte, waren einer fast vollkommenen Gefühllosigkeit gewichen. Wir versuchten sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln aufzurütteln, aber ohne Erfolg. Ich sprach zu ihr von Henry. „Liebe Eloisa (sagte ich), es gibt keinen Grund, warum Ihr wegen einer solchen Kleinigkeit so viel weinen solltet. (denn ich wollte es kleinreden, um sie zu trösten) Ich bitte Euch, kümmert Euch nicht darum – Ihr seht, dass es mich nicht im Geringsten ärgert; obwohl ich vielleicht nach alledem am meisten darunter leiden werde; denn ich werde nicht nur gezwungen sein, all die Lebensmittel aufzuessen, die ich bereits zubereitet habe, sondern ich muss, falls Henry sich erholen sollte (was jedoch nicht sehr wahrscheinlich ist), für Euch noch einmal so viel kochen; oder sollte er sterben (wie ich annehme, dass er es tun wird), muss ich immer noch ein Abendessen für Euch zubereiten, wann immer Ihr jemand anderen heiratet. Ihr seht also, dass, auch wenn es Euch für den Augenblick bekümmern mag, an Henrys Leiden zu denken, ich doch wette, dass er bald sterben wird, und dann wird sein Schmerz vorüber sein und Ihr werdet erleichtert sein, während mein Ärger viel länger dauern wird, denn so hart ich auch arbeiten mag, ich bin sicher, dass die Speisekammer in weniger als vierzehn Tagen nicht geleert werden kann.“ So tat ich alles in meiner Macht Stehende, um sie zu trösten, aber ohne Wirkung, und schließlich, da ich sah, dass sie mir nicht zuzuhören schien, sagte ich nichts mehr, sondern ließ sie mit meiner Mutter zurück, nahm die Reste des Schinkens und des Huhns mit hinunter und schickte William, um zu fragen, wie es Henry gehe. Es wurde nicht erwartet, dass er noch viele Stunden lebe; er starb am selben Tag. Wir taten alles, um Eloisa das traurige Ereignis auf die zarteste Weise beizubringen; doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen waren ihre Leiden, als sie davon hörte, zu heftig für ihren Verstand, und sie lag viele Stunden lang in einem hohen Delirium. Sie ist immer noch extrem krank, und ihre Ärzte befürchten sehr, dass sie in einen Schwächezustand verfällt. Wir bereiten uns daher auf Bristol vor, wo wir im Laufe der nächsten Woche sein wollen. Und nun, meine liebe Margaret, lass mich ein wenig über Eure Angelegenheiten sprechen; und zuerst muss ich Euch mitteilen, dass zuversichtlich berichtet wird, dass Euer Vater heiraten will; ich bin sehr ungern bereit, einen so unerfreulichen Bericht zu glauben, und kann ihn gleichzeitig nicht gänzlich in Zweifel ziehen. Ich habe an meine Freundin Susan Fitzgerald geschrieben, um Informationen darüber zu erhalten, die sie mir, da sie derzeit in der Stadt ist, sehr gut geben können wird. Ich weiß nicht, wer die Dame ist. Ich halte Euren Bruder für sehr vernünftig in seinem Entschluss zu reisen, da dies vielleicht dazu beitragen wird, aus seiner Erinnerung jene unangenehmen Ereignisse auszulöschen, die ihn in letzter Zeit so sehr betrübt haben – Ich bin glücklich festzustellen, dass Ihr und Matilda, obwohl Ihr von der ganzen Welt abgeschieden seid, weder stumpfsinnig noch unglücklich seid – dass Ihr niemals wissen möget, was es ist, eines von beiden zu sein, ist der Wunsch Eurer aufrichtig ergebenen
C.L.
P.S. Ich habe in diesem Augenblick eine Antwort von meiner Freundin Susan erhalten, die ich Euch beilege und über die Ihr Eure eigenen Reflexionen anstellen könnt.
Der beiliegende BRIEF
Meine liebe CHARLOTTE,
Ihr hättet Euch wegen des Berichts über die Heirat von Sir George Lesley an niemanden wenden können, der besser in der Lage wäre, Euch Auskunft zu geben, als ich. Sir George ist gewiss verheiratet; ich war selbst bei der Zeremonie anwesend, was Euch nicht überraschen wird, wenn ich mich zeichne als Eure
Liebevolle Susan Lesley
DER DRITTE BRIEF Von Miss MARGARET LESLEY an Miss C. LUTTERELL
Lesley Castle, 16. Februar
Ich habe mir meine eigenen Gedanken zu dem Brief gemacht, den Ihr mir beigelegt habt, meine liebe Charlotte, und ich werde Euch nun mitteilen, welche diese Gedanken waren. Ich überlegte, dass, wenn Sir George aus dieser zweiten Ehe eine zweite Familie haben sollte, unser Vermögen beträchtlich geschmälert würde – dass, wenn seine Frau von verschwenderischem Naturell wäre, sie ihn dazu ermutigen würde, in jener heiteren und zügellosen Lebensweise fortzufahren, zu der es nur wenig Ermutigung bedarf und die sich, wie ich fürchte, bereits als nur zu nachteilig für seine Gesundheit und sein Vermögen erwiesen hat – dass sie nun Herrin jener Juwelen würde, die einst unsere Mutter schmückten und die Sir George uns stets versprochen hatte – dass ich, falls sie nicht nach Perthshire kämen, meine Neugier nicht befriedigen könnte, meine Stiefmutter zu erblicken, und dass, falls sie es doch täten, Matilda nicht länger am Kopfende des Tisches ihres Vaters sitzen würde. Dies, meine liebe Charlotte, waren die schwermütigen Reflexionen, die sich in meine Einbildung drängten, nachdem ich Susans Brief an Euch gelesen hatte, und die Matilda augenblicklich auch in den Sinn kamen, als sie ihn ebenfalls gelesen hatte. Dieselben Vorstellungen, dieselben Ängste besetzten sofort ihren Geist, und ich weiß nicht, welche Reflexion sie am meisten betrübte, ob die wahrscheinliche Schmälerung unseres Vermögens oder ihre eigene Bedeutung. Wir beide möchten sehr gerne wissen, ob Lady Lesley hübsch ist und wie Eure Meinung von ihr ist; da Ihr sie mit der Bezeichnung Eurer Freundin beehrt, schmeicheln wir uns mit der Hoffnung, dass sie liebenswürdig sein muss. Mein Bruder ist bereits in Paris. Er beabsichtigt, es in wenigen Tagen zu verlassen und seine Reise nach Italien anzutreten. Er schreibt in einer höchst fröhlichen Weise, sagt, dass die Luft von Frankreich sowohl seine Gesundheit als auch seine Stimmung sehr wiederhergestellt habe; dass er nun gänzlich aufgehört habe, an Louisa mit irgendeinem Grad von Mitleid oder Zuneigung zu denken, dass er sich ihr sogar für ihre Flucht verpflichtet fühle, da er es für sehr amüsant halte, wieder ledig zu sein. Hieraus könnt Ihr ersehen, dass er jene fröhliche Heiterkeit und jenen spritzigen Witz, für die er einst so bemerkenswert war, gänzlich wiedererlangt hat. Als er Louisa kennenlernte, was vor etwas mehr als drei Jahren war, war er einer der lebhaftesten, angenehmsten jungen Männer des Zeitalters. Ich glaube, Ihr habt noch nie die Einzelheiten seines ersten Kennenlernens mit ihr gehört. Es begann bei unserem Cousin Colonel Drummond; in dessen Haus in Cumberland er die Weihnachten verbrachte, in denen er das Alter von zweiundzwanzig Jahren erreichte. Louisa Burton war die Tochter eines entfernten Verwandten von Mrs. Drummond, der einige Monate zuvor in äußerster Armut starb und sein einziges Kind, damals etwa achtzehn Jahre alt, dem Schutz eines jeden Verwandten überließ, der sie beschützen wollte. Mrs. Drummond war die Einzige, die sich dazu bereit fand – Louisa wurde daher aus einer elenden Hütte in Yorkshire in ein elegantes Herrenhaus in Cumberland verlegt und aus jeder finanziellen Not, die Armut zufügen konnte, in jeden eleganten Genuss, den Geld kaufen konnte. Louisa war von Natur aus übelgelaunt und verschlagen; aber sie war von einem Vater, der nur allzu gut wusste, dass eine Heirat ihre einzige Chance wäre, nicht zu verhungern, dazu angehalten worden, ihr wahres Wesen unter dem Anschein einschmeichelnder Süße zu verbergen, und der sich damit schmeichelte, dass sie mit einem solch außergewöhnlichen Maß an persönlicher Schönheit, verbunden mit einer Sanftheit der Manieren und einem einnehmenden Auftreten, eine gute Chance haben könnte, irgendeinem jungen Mann zu gefallen, der es sich leisten könnte, ein Mädchen ohne einen Schilling zu heiraten. Louisa ging voll und ganz auf die Pläne ihres Vaters ein und war entschlossen, sie mit all ihrer Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu fördern. Durch Ausdauer und Anstrengung hatte sie es schließlich geschafft, ihr natürliches Wesen so gründlich unter der Maske der Unschuld und Weichheit zu verbergen, dass sie jeden täuschte, der nicht durch eine lange und beständige Vertrautheit mit ihr ihren wahren Charakter entdeckt hatte. So war Louisa, als der glücklose Lesley sie zuerst im Drummond-Haus erblickte. Sein Herz, das (um Euren Lieblingsvergleich zu verwenden) so zart, so süß und so weich wie ein geschlagener Syllabub war, konnte ihren Reizen nicht widerstehen. In nur wenigen Tagen verliebte er sich, kurz darauf fiel er tatsächlich, und bevor er sie einen Monat lang kannte, hatte er sie geheiratet. Mein Vater war anfangs hochgradig missvergnügt über eine so hastige und unkluge Verbindung; aber als er feststellte, dass sie sich nichts daraus machten, versöhnte er sich bald vollkommen mit der Heirat. Das Anwesen bei Aberdeen, das mein Bruder durch die Freigebigkeit seines Großonkels unabhängig von Sir George besitzt, war vollkommen ausreichend, um ihn und meine Schwester in Eleganz und Behaglichkeit zu versorgen. Während der ersten zwölf Monate konnte niemand glücklicher sein als Lesley, und niemand liebenswürdiger dem Anschein nach als Louisa, und so glaubhaft agierte sie und so vorsichtig benahm sie sich, dass, obwohl Matilda und ich oft mehrere Wochen zusammen mit ihnen verbrachten, wir beide keinen Verdacht bezüglich ihres wahren Wesens hatten. Nach der Geburt von Louisa jedoch, von der man hätte meinen können, dass sie ihre Zuneigung zu Lesley gestärkt hätte, wurde die Maske, die sie so lange aufrechterhalten hatte, nach und nach abgelegt, und da sie sich wahrscheinlich damals in der Zuneigung ihres Mannes (die nach der Geburt seines Kindes tatsächlich noch gewachsen zu sein schien) sicher wähnte, schien sie sich keine Mühe zu geben, zu verhindern, dass diese Zuneigung jemals nachließ. Unsere Besuche in Dunbeath waren daher nun weniger häufig und bei weitem weniger angenehm als sie es früher gewesen waren. Unsere Abwesenheit wurde jedoch von Louisa, die in der Gesellschaft des jungen Danvers, den sie in Aberdeen kennenlernte (er war an einer der dortigen Universitäten), unendlich glücklicher war als in der von Matilda und Eurer Freundin, obwohl es sicherlich niemals angenehmere Mädchen gab als uns, niemals erwähnt oder beklagt. Ihr kennt das traurige Ende all des ehelichen Glücks von Lesley; ich werde es nicht wiederholen. Adieu meine liebe Charlotte; obwohl ich noch nichts von der Angelegenheit erwähnt habe, hoffe ich, Ihr tut mir die Gerechtigkeit zu glauben, dass ich viel an das Leid Eurer Schwester denke und es nachempfinde. Ich zweifle nicht daran, dass die gesunde Luft der Bristol Downs es gänzlich beseitigen wird, indem sie die Erinnerung an Henry aus ihrem Geist tilgt. Ich bin meine liebe Charlotte, Eure für immer
M. L.
VIERTER BRIEF Von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY
Bristol, 27. Februar
Meine liebe Peggy
Ich habe Euren Brief gerade erst erhalten, der, da er nach Sussex adressiert war, während ich in Bristol war, an mich hierher weitergeleitet werden musste und aus irgendeiner unerklärlichen Verzögerung erst in diesem Augenblick mich erreicht hat. Ich sage Euch vielen Dank für den Bericht, den er über Lesleys Bekanntschaft, Liebe und Heirat mit Louisa enthält, der mich nicht weniger unterhalten hat, weil er mir schon oft zuvor wiederholt wurde.
Ich habe die Genugtuung, Euch mitzuteilen, dass wir allen Grund zu der Annahme haben, dass unsere Vorratskammer inzwischen fast geleert ist, da wir den Dienern den ausdrücklichen Befehl gaben, so tüchtig zu essen, wie sie nur konnten, und ein Paar Scheuerfrauen hinzuzuziehen, um ihnen zu helfen. Wir brachten eine kalte Taubenpastete, einen kalten Truthahn, eine kalte Zunge und ein halbes Dutzend Gelees mit, die wir glücklicherweise mit der Hilfe unserer Wirtin, ihres Mannes und ihrer drei Kinder in weniger als zwei Tagen nach unserer Ankunft loswurden. Die arme Eloisa ist immer noch so sehr unwohl, sowohl an Gesundheit als auch an Stimmung, dass ich sehr fürchte, die Luft der Bristol Downs, so gesund sie auch ist, war nicht fähig, den armen Henry aus ihrem Gedächtnis zu vertreiben.
Ihr fragt mich, ob Eure neue Stiefmutter hübsch und liebenswürdig sei – ich werde Euch nun eine genaue Beschreibung ihrer körperlichen und geistigen Reize geben. Sie ist klein und äußerst wohlgestaltet; von Natur aus blass, aber sie schminkt sich ein gutes Stück; hat schöne Augen und schöne Zähne, wie sie dafür sorgen wird, dass Ihr es wisst, sobald sie Euch sieht, und ist insgesamt sehr hübsch. Sie ist bemerkenswert gutmütig, wenn sie ihren Willen bekommt, und sehr lebhaft, wenn sie nicht übel gelaunt ist. Sie ist von Natur aus verschwenderisch und nicht sehr affektiert; sie liest niemals etwas anderes als die Briefe, die sie von mir erhält, und schreibt niemals etwas anderes als ihre Antworten darauf. Sie spielt, singt und tanzt, hat aber für keines davon Geschmack und übertrifft sich in keinem, obwohl sie sagt, sie sei leidenschaftlich für alles davon eingenommen. Vielleicht schmeichelt Ihr mir so weit, überrascht zu sein, dass eine, von der ich mit so wenig Zuneigung spreche, meine besondere Freundin sein sollte; aber um Euch die Wahrheit zu sagen, entsprang unsere Freundschaft eher der Laune ihrerseits als der Achtung meinerseits. Wir verbrachten zwei oder drei Tage zusammen bei einer Dame in Berkshire, mit der wir beide zufällig verbunden waren. Während unseres Besuchs, da das Wetter bemerkenswert schlecht und unsere Gesellschaft besonders dumm war, war sie so gut, eine heftige Vorliebe für mich zu fassen, die sich sehr bald in eine regelrechte Freundschaft festigte und in einer beständigen Korrespondenz endete. Sie ist wahrscheinlich inzwischen genauso müde von mir wie ich von ihr; aber da sie zu höflich und ich zu gesittet bin, um dies zu sagen, sind unsere Briefe immer noch so häufig und herzlich wie eh und je, und unsere Verbundenheit so fest und aufrichtig wie zu Beginn. Da sie einen großen Geschmack für die Vergnügungen von London und von Brighthelmstone hat, wird sie, das wage ich zu sagen, einige Schwierigkeit haben, sich selbst auch nur dazu zu überwinden, die Neugier zu befriedigen, die sie gewiss empfindet, Euch zu sehen, auf Kosten des Verlassens jener bevorzugten Orte der Zügellosigkeit für die schwermütige, wenn auch ehrwürdige Düsterkeit des Schlosses, das Ihr bewohnt. Vielleicht aber, wenn sie ihre Gesundheit durch zu viel Amüsement beeinträchtigt findet, mag sie genügend Tapferkeit aufbringen, eine Reise nach Schottland zu unternehmen, in der Hoffnung, dass sie sich zumindest als wohltuend für ihre Gesundheit erweist, wenn nicht gar förderlich für ihr Glück. Eure Ängste, das muss ich leider sagen, bezüglich der Verschwendung Eures Vaters, Eurer eigenen Vermögen, der Juwelen Eurer Mutter und der Stellung Eurer Schwester, sollten, so vermute ich, nur allzu begründet sein. Meine Freundin selbst hat viertausend Pfund und wird wahrscheinlich jedes Jahr fast ebenso viel für Kleidung und öffentliche Orte ausgeben, wenn sie es bekommen kann – sie wird sicherlich nicht versuchen, Sir George von der Lebensweise abzubringen, an die er so lange gewöhnt war, und es gibt daher einigen Grund zu der Befürchtung, dass Ihr sehr gut dran seid, wenn Ihr überhaupt irgendein Vermögen bekommt. Die Juwelen, so sollte ich mir vorstellen, werden zweifellos ebenfalls ihr gehören, und es gibt nur zu viel Grund zu der Annahme, dass sie am Tisch ihres Mannes den Vorzug vor seiner Tochter haben wird. Aber da ein solch schwermütiges Thema Euch notwendigerweise extrem betrüben muss, werde ich nicht länger darauf verweilen.
Eloisas Unwohlsein hat uns zu einer so unmodischen Jahreszeit nach Bristol gebracht, dass wir seit unserer Ankunft tatsächlich nur eine vornehme Familie gesehen haben. Mr. und Mrs. Marlowe sind sehr angenehme Leute; die schlechte Gesundheit ihres kleinen Jungen veranlasste ihre Ankunft hier; Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir, da sie die einzige Familie sind, mit der wir uns unterhalten können, natürlich auf einem Fuß der Vertrautheit mit ihnen stehen; wir sehen sie tatsächlich fast jeden Tag und haben gestern mit ihnen zu Abend gegessen. Wir verbrachten einen sehr angenehmen Tag und hatten ein sehr gutes Abendessen, obwohl das Kalbfleisch freilich schrecklich zu wenig gar war und das Curry keine Würze hatte. Ich konnte nicht umhin, die ganze Essenszeit über zu wünschen, ich wäre beim Zubereiten dabei gewesen. Ein Bruder von Mrs. Marlowe, Mr. Cleveland, ist gegenwärtig bei ihnen; er ist ein gut aussehender junger Mann und scheint eine ganze Menge für sich zu haben. Ich sage Eloisa, dass sie ihre Kappe nach ihm ausrichten sollte, aber sie scheint den Vorschlag gar nicht zu schätzen. Ich würde das Mädchen gerne verheiratet sehen und Cleveland hat ein sehr gutes Vermögen. Vielleicht wundert Ihr Euch, dass ich mich bei meinen Heiratsplänen nicht ebenso wie meine Schwester berücksichtige; aber um Euch die Wahrheit zu sagen, ich wünsche niemals, eine wichtigere Rolle bei einer Hochzeit zu spielen als das Überwachen und Leiten des Essens, und daher, solange ich irgendeine meiner Bekanntschaften dazu bringen kann, für mich zu heiraten, werde ich niemals daran denken, es selbst zu tun, da ich sehr stark vermute, dass ich nicht so viel Zeit zum Zubereiten meines eigenen Hochzeitsessens hätte wie zum Zubereiten des Essens meiner Freunde.
Eure aufrichtig C. L.
FÜNFTER BRIEF Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL
Lesley-Castle, 18. März
Am selben Tag, an dem ich Euren letzten freundlichen Brief erhielt, empfing Matilda einen von Sir George, der aus Edinburgh datiert war und uns informierte, dass er sich das Vergnügen bereiten werde, uns Lady Lesley am folgenden Abend vorzustellen. Dies hat uns, wie Ihr Euch denken könnt, beträchtlich überrascht, zumal Euer Bericht über ihre Ladyschaft uns Grund zu der Annahme gegeben hatte, es bestehe wenig Chance, dass sie Schottland zu einer Zeit besuche, in der London so fröhlich sein müsse. Da es jedoch unsere Aufgabe war, über ein solches Zeichen der Herablassung wie einen Besuch von Sir George und Lady Lesley erfreut zu sein, bereiteten wir uns darauf vor, ihnen eine Antwort zu schreiben, die das Glück ausdrückte, das wir in Erwartung eines solchen Segens empfanden, als wir uns glücklicherweise erinnerten, dass es, da sie das Schloss am nächsten Abend erreichen würden, für meinen Vater unmöglich wäre, sie vor seinem Aufbruch aus Edinburgh zu erhalten, weshalb wir uns damit begnügten, sie in dem Glauben zu lassen, wir seien so glücklich, wie wir sein sollten. Um neun Uhr am Abend des folgenden Tages kamen sie, begleitet von einem der Brüder von Lady Lesley. Ihre Ladyschaft entspricht vollkommen der Beschreibung, die Ihr mir von ihr geschickt habt, außer dass ich sie nicht für so hübsch halte, wie Ihr sie zu halten scheint. Sie hat kein schlechtes Gesicht, aber es liegt etwas derart Unmajestätisches in ihrer kleinen, zierlichen Figur, dass sie im Vergleich zu der eleganten Größe von Matilda und mir ein unbedeutender Zwerg ist. Da ihre Neugier, uns zu sehen (die groß gewesen sein muss, um sie mehr als vierhundert Meilen herbeizubringen), nun vollkommen befriedigt ist, beginnt sie bereits, ihre Rückkehr in die Stadt zu erwähnen, und hat uns gebeten, sie zu begleiten. Wir können ihre Bitte nicht ausschlagen, da sie durch die Befehle unseres Vaters unterstützt und durch die Bitten von Mr. Fitzgerald, der sicherlich einer der angenehmsten jungen Männer ist, die ich je erblickte, untermauert wird. Es ist noch nicht bestimmt, wann wir gehen werden, aber wann immer wir es tun, werden wir sicherlich unsere kleine Louisa mitnehmen. Adieu meine liebe Charlotte; Matilda vereint sich in den besten Wünschen an Euch und Eloisa mit Eurer für immer
M. L.
SECHSTER BRIEF LADY LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL
Lesley-Castle, 20. März
Wir sind vor etwa vierzehn Tagen hier angekommen, meine süße Freundin, und ich bereue es bereits von Herzen, dass ich jemals unser bezauberndes Haus im Portman-square für ein solch trostloses, altes, wettergegerbtes Schloss wie dieses verlassen habe. Ihr könnt Euch keine Vorstellung machen, wie scheußlich dessen kerkerartige Gestalt ist. Es ist tatsächlich so auf einen Felsen geklammert, dass es dem Anschein nach völlig unzugänglich ist, sodass ich erwartete, an einem Seil hochgezogen zu werden; und ich bereute aufrichtig, meine Neugier befriedigt zu haben, meine Töchter auf Kosten der Verpflichtung, ihr Gefängnis auf eine so gefährliche und lächerliche Weise betreten zu müssen, zu erblicken. Aber sobald ich mich einmal sicher im Inneren dieses ungeheuren Gebäudes angekommen fand, tröstete ich mich mit der Hoffnung, meine Stimmung durch den Anblick zweier schöner Mädchen wiederzubeleben, wie man mir die Miss Lesleys in Edinburgh geschildert hatte. Aber hier wiederum stieß ich auf nichts als Enttäuschung und Überraschung. Matilda und Margaret Lesley sind zwei große, lange, aus der Art geschlagene, überwachsene Mädchen, genau von der richtigen Größe, um ein Schloss zu bewohnen, das im Vergleich fast genauso groß ist wie sie selbst. Ich wünschte, meine liebe Charlotte, Ihr könntet diese schottischen Riesen nur sehen; ich bin sicher, sie würden Euch um den Verstand bringen. Sie werden als Kontrast zu mir selbst sehr gut dienen, also habe ich sie eingeladen, mich nach London zu begleiten, wo ich hoffe, im Laufe von vierzehn Tagen zu sein. Neben diesen zwei schönen Fräulein fand ich hier einen kleinen, launischen Balg, von dem ich glaube, dass er mit ihnen verwandt ist; sie sagten mir, wer sie sei, und erzählten mir eine lange, verworrene Geschichte von ihrem Vater und einer Miss Irgendwer, die ich gänzlich vergessen habe. Ich hasse Klatsch und verabscheue Kinder. Ich bin seit meiner Ankunft hier mit lästigen Besuchen von einem Haufen schottischer Elender mit schrecklich schwierigen Namen geplagt worden; sie waren so höflich, machten mir so viele Einladungen und sprachen davon, so bald wiederzukommen, dass ich nicht umhin konnte, sie vor den Kopf zu stoßen. Ich vermute, ich werde sie nicht mehr sehen, und doch sind wir als Familienrunde so dumm, dass ich nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll. Diese Mädchen haben keine Musik außer schottischen Weisen, keine Zeichnungen außer schottischen Bergen und keine Bücher außer schottischen Gedichten – und ich hasse alles Schottische. Im Allgemeinen kann ich den halben Tag vor meinem Toilettentisch mit viel Vergnügen verbringen, aber warum sollte ich mich hier anziehen, da es keine Kreatur im Haus gibt, die ich zu erfreuen wünsche? Ich hatte gerade ein Gespräch mit meinem Bruder, in dem er mich sehr beleidigt hat, und da ich nichts Unterhaltsameres habe, um es Euch zu schicken, werde ich Euch die Einzelheiten davon geben. Ihr müsst wissen, dass ich seit vier oder fünf Tagen stark vermute, dass William eine Vorliebe für meine älteste Tochter hegt. Ich gebe zwar zu, dass, wenn ich geneigt gewesen wäre, mich in irgendeine Frau zu verlieben, ich Matilda Lesley nicht als das Objekt meiner Leidenschaft gewählt hätte; denn es gibt nichts, was ich so sehr hasse wie eine große Frau: aber wie dem auch sei, es gibt keine Rechenschaft für den Geschmack mancher Männer, und da William selbst fast sechs Fuß groß ist, ist es nicht verwunderlich, dass er eine Vorliebe für diese Größe hat. Da ich nun eine sehr große Zuneigung für meinen Bruder hege und äußerst betrübt wäre, ihn unglücklich zu sehen, was er meiner Meinung nach sein will, wenn er Matilda nicht heiraten kann, da ich zudem weiß, dass seine Umstände ihm nicht erlauben, irgendeine ohne Vermögen zu heiraten, und dass Matildas vollständig von ihrem Vater abhängt, der weder seine eigene Neigung noch meine Erlaubnis haben wird, ihr gegenwärtig irgendetwas zu geben, dachte ich, es wäre eine gutmütige Handlung gegenüber meinem Bruder, ihn das wissen zu lassen, damit er selbst wählen könne, ob er seine Leidenschaft bezwingen oder lieben und verzweifeln wolle. Dementsprechend, als ich mich heute Morgen allein mit ihm in einem der entsetzlichen alten Räume dieses Schlosses fand, eröffnete ich ihm die Sache auf folgende Weise.
„Nun, mein lieber William, was hältst du von diesen Mädchen? Was mich betrifft, so finde ich sie nicht so schlicht, wie ich erwartet hatte: aber vielleicht magst du mich für befangen gegenüber den Töchtern meines Mannes halten und vielleicht hast du recht – sie sind Sir George in der Tat so sehr ähnlich, dass es natürlich ist, zu denken –“
„Meine liebe Susan (rief er in einem Ton des größten Erstaunens), du glaubst doch nicht im Ernst, dass sie die geringste Ähnlichkeit mit ihrem Vater haben! Er ist so sehr schlicht! – aber ich bitte dich um Verzeihung – ich hatte ganz vergessen, zu wem ich spreche –“
„Oh! Bitte, kümmere dich nicht um mich; (erwiderte ich) jeder weiß, dass Sir George schrecklich hässlich ist, und ich versichere dir, ich habe ihn immer für ein Schreckbild gehalten.“
„Du überraschst mich ungemein (antwortete William) durch das, was du sowohl in Bezug auf Sir George als auch seine Töchter sagst. Du kannst deinen Ehemann nicht für so mangelhaft an persönlichen Reizen halten, wie du von ihm sprichst, noch kannst du sicherlich irgendeine Ähnlichkeit zwischen ihm und den Miss Lesleys sehen, die meiner Meinung nach vollkommen anders als er und vollkommen hübsch sind.“
„Wenn das deine Meinung in Bezug auf die Mädchen ist, so ist es sicherlich kein Beweis für die Schönheit ihres Vaters, denn wenn sie vollkommen anders als er und gleichzeitig sehr hübsch sind, ist es natürlich anzunehmen, dass er sehr schlicht ist.“
„Keineswegs, (sagte er), denn was bei einer Frau hübsch sein mag, kann bei einem Mann sehr missfällig sein.“
„Aber du selbst (erwiderte ich), hast ihn doch erst vor wenigen Minuten als sehr schlicht zugegeben.“
„Männer sind keine Richter über Schönheit beim eigenen Geschlecht.“ (sagte er).
„Weder Männer noch Frauen können Sir George für erträglich halten.“
„Nun, nun, (sagte er) wir wollen nicht über seine Schönheit streiten, aber deine Meinung über seine Töchter ist sicherlich sehr eigenartig, denn wenn ich dich recht verstanden habe, sagtest du, du fändest sie nicht so schlicht, wie du es erwartet hättest!“
„Warum, findest du sie etwa schlichter?“ (sagte ich).
„Ich kann kaum glauben, dass du ernsthaft bist (erwiderte er), wenn du auf eine solch außergewöhnliche Weise von ihrer Erscheinung sprichst. Glaubst du nicht, dass die Miss Lesleys zwei sehr hübsche junge Frauen sind?“
„Gott! Nein! (rief ich) Ich finde sie schrecklich schlicht!“
„Schlicht! (antwortete er) Meine liebe Susan, das kannst du unmöglich ernst meinen! Warum, an welchem einzelnen Merkmal im Gesicht einer von beiden kannst du denn etwas auszusetzen haben?“
„Oh! Überlass das nur mir; (erwiderte ich). Komm, ich werde mit der Ältesten beginnen – mit Matilda. Soll ich, William?“ (Ich sah so schlau aus, wie ich nur konnte, als ich das sagte, um ihn in Verlegenheit zu bringen).
„Sie sind sich so ähnlich (sagte er), dass ich annehmen müsste, die Fehler der einen wären auch die Fehler der anderen.“
„Nun, dann erstens: Sie sind beide so entsetzlich groß!“
„Sie sind allerdings größer als du.“ (sagte er mit einem frechen Lächeln.)
„Ach was, (sagte ich), davon verstehe ich nichts.“
„Nun, aber (fuhr er fort), obgleich sie vielleicht über der gewöhnlichen Größe liegen, ist ihre Gestalt vollkommen elegant; und was ihre Gesichter betrifft, so sind ihre Augen wunderschön.“
„Ich kann solch gewaltige, umwerfende Gestalten niemals auch nur im Geringsten elegant finden, und was ihre Augen betrifft, so sind sie so hoch oben, dass ich meinen Hals niemals genug verrenken könnte, um sie anzusehen.“
„Nun, (erwiderte er), ich weiß nicht, ob du nicht vielleicht recht damit hast, es gar nicht erst zu versuchen, denn womöglich würden sie dich mit ihrem Glanz blenden.“
„Oh! Ganz gewiss. (sagte ich mit der größten Selbstgefälligkeit, denn ich versichere dir, meine liebste Charlotte, ich war nicht im Geringsten beleidigt, obwohl man nach dem, was folgte, vermuten könnte, dass William sich bewusst war, mir einen gerechten Grund dazu gegeben zu haben, denn er kam auf mich zu, nahm meine Hand und sagte:) „Du darfst nicht so ernst schauen, Susan; du wirst mich fürchten lassen, ich hätte dich beleidigt!“
„Beleidigt! Lieber Bruder, wie kommt ein solcher Gedanke in deinen Kopf! (erwiderte ich) Nein, wirklich! Ich versichere dir, dass ich nicht im Geringsten überrascht bin, dass du ein so leidenschaftlicher Anwalt für die Schönheit dieser Mädchen bist.“ —
„Nun, aber (unterbrach William) bedenke, dass wir unseren Streit über sie noch nicht beendet haben. Welchen Fehler findest du an ihrem Teint?“
„Sie sind so entsetzlich blass.“
„Sie haben immer ein wenig Farbe, und nach jeder körperlichen Betätigung ist sie beträchtlich gesteigert.“
„Ja, aber falls es in diesem Teil der Welt jemals regnen sollte, werden sie niemals in der Lage sein, mehr als ihren gewöhnlichen Vorrat aufzubringen – außer natürlich, sie vergnügen sich damit, diese entsetzlichen alten Galerien und Vorzimmer auf und ab zu rennen.“
„Nun, (antwortete mein Bruder in einem Ton des Ärgers und warf mir einen unverschämten Blick zu), wenn sie auch nur wenig Farbe haben, so ist sie wenigstens ganz und gar ihre eigene.“
Das war zu viel, meine liebe Charlotte, denn ich bin sicher, dass er die Unverschämtheit besaß, mit diesem Blick die Echtheit meiner eigenen zu bezweifeln. Aber du wirst, da bin ich mir sicher, meinen Charakter verteidigen, wann immer du ihn so grausam verleumdet hörst, denn du kannst bezeugen, wie oft ich gegen das Tragen von Rouge protestiert habe und wie sehr ich dir immer gesagt habe, dass ich es ablehne. Und ich versichere dir, dass meine Meinung immer noch dieselbe ist. — Nun, da ich es nicht ertragen konnte, von meinem Bruder so verdächtigt zu werden, verließ ich sofort das Zimmer und bin seither in meinem eigenen Ankleidezimmer und schreibe dir. Was für einen langen Brief ich daraus gemacht habe! Aber du darfst nicht erwarten, solche von mir zu erhalten, wenn ich in der Stadt bin; denn nur in Lesley Castle hat man Zeit, selbst einer Charlotte Lutterell zu schreiben. — Ich war so verärgert über Williams Blick, dass ich nicht genug Geduld aufbringen konnte, um zu bleiben und ihm jenen Rat bezüglich seiner Zuneigung zu Matilda zu geben, der mich aus reiner Liebe zu ihm dazu bewogen hatte, das Gespräch zu beginnen; und ich bin nun durch diesen Vorfall so gründlich von seiner heftigen Leidenschaft für sie überzeugt, dass ich sicher bin, er würde sich in diesem Punkt niemals mit Vernunft überzeugen lassen, und ich werde mir daher keine Mühe mehr um ihn oder seine Favoritin machen. Lebe wohl, mein liebes Mädchen —
Deine dich liebende Susan L.
SIEBENTER BRIEF Von Miss C. LUTTERELL an Miss M. LESLEY
Bristol, den 27. März
Ich habe innerhalb dieser Woche Briefe von dir und deiner Schwiegermutter erhalten, die mich sehr amüsiert haben, da ich ihnen entnehme, dass ihr beide regelrecht eifersüchtig auf die Schönheit der jeweils anderen seid. Es ist sehr seltsam, dass zwei hübsche Frauen, obwohl sie tatsächlich Mutter und Tochter sind, nicht im selben Haus sein können, ohne sich wegen ihrer Gesichter zu streiten. Sei überzeugt, dass ihr beide vollkommen hübsch seid, und verliere kein weiteres Wort über die Angelegenheit. Ich nehme an, dieser Brief muss an den Portman Square adressiert werden, wo du dich (so groß deine Zuneigung zu Lesley Castle auch sein mag) wahrscheinlich nicht unglücklich darüber finden wirst, wieder zu sein. Trotz allem, was die Leute über grüne Felder und das Land sagen mögen, war ich immer der Meinung, dass London und seine Vergnügungen eine Zeit lang sehr angenehm sein müssen, und ich wäre sehr glücklich, wenn das Einkommen meiner Mutter es ihr erlauben würde, uns während des Winters in seine öffentlichen Plätze einzuschleusen. Ich habe mich immer besonders danach gesehnt, nach Vaux-hall zu gehen, um zu sehen, ob das kalte Rindfleisch dort wirklich so dünn geschnitten wird, wie man sich erzählt, denn ich habe den leisen Verdacht, dass nur wenige Leute die Kunst beherrschen, eine Scheibe kaltes Rindfleisch so gut zu schneiden wie ich: Nun, es wäre auch schwer, wenn ich von der Sache nichts verstünde, denn es war ein Teil meiner Ausbildung, in den ich mir bei weitem die meiste Mühe gegeben habe. Mama fand mich immer als ihre beste Schülerin, obwohl Eloisa diejenige von Papa war, als er noch lebte. Sicherlich gab es auf der Welt niemals zwei unterschiedlicher veranlagte Naturen. Wir beide liebten das Lesen. Sie bevorzugte Historien, und ich Kochrezepte. Sie liebte es, Bilder zu zeichnen, und ich, junge Hühner zu zeichnen. Niemand konnte ein besseres Lied singen als sie, und niemand einen besseren Kuchen backen als ich. — Und so ist es immer geblieben, seit wir keine Kinder mehr sind. Der einzige Unterschied ist, dass alle Streitigkeiten über die überlegene Exzellenz unserer Beschäftigungen, die damals so häufig waren, nun der Vergangenheit angehören. Wir haben seit vielen Jahren eine Vereinbarung getroffen, stets die Arbeiten der anderen zu bewundern; ich versäume es nie, ihrer Musik zuzuhören, und sie ist ebenso beständig darin, meine Kuchen zu essen. Zumindest war dies der Fall, bis Henry Hervey in Sussex erschien. Vor der Ankunft seiner Tante in unserer Nachbarschaft, wo sie sich, wie du weißt, vor etwa einem Jahr niederließ, waren seine Besuche bei ihr zu festgesetzten Zeiten und von gleicher und festgelegter Dauer; doch nach ihrem Umzug in das Herrenhaus, das nur einen Fußweg von unserem Haus entfernt ist, wurden sie sowohl häufiger als auch länger. Dies konnte, wie du dir vorstellen kannst, Mrs. Diana nicht gefallen, die eine erklärte Feindin von allem ist, was nicht von Anstand und Förmlichkeit geleitet wird oder auch nur die geringste Ähnlichkeit mit Leichtigkeit und gutem Benehmen aufweist. Ja, so groß war ihre Abneigung gegen das Verhalten ihres Neffen, dass ich sie oft genug vor seinem Gesicht Andeutungen darüber machen hörte, die, wäre Henry zu jenen Zeiten nicht in ein Gespräch mit Eloisa vertieft gewesen, seine Aufmerksamkeit hätten erregen und ihn sehr in Verlegenheit bringen müssen. Die Veränderung im Verhalten meiner Schwester, auf die ich bereits angespielt habe, trat nun ein. Die Vereinbarung, die wir getroffen hatten, die Erzeugnisse der anderen zu bewundern, schien sie nicht länger zu beachten, und obwohl ich konsequent jeden Country-Dance applaudierte, den sie spielte, konnte nicht einmal eine Taubenpastete aus meiner Küche ein einziges Wort der Anerkennung von ihr erhalten. Das war sicherlich genug, um jeden in Rage zu bringen; ich jedoch war kühl wie ein Frischkäse, und nachdem ich meinen Plan gefasst und ein Rachemanöver ausgeheckt hatte, war ich entschlossen, sie gewähren zu lassen und ihr nicht einmal einen einzigen Vorwurf zu machen. Mein Plan war es, sie so zu behandeln, wie sie mich behandelte, und selbst wenn sie mein eigenes Bild zeichnete oder „Malbrook“ spielte (was das einzige Musikstück ist, das ich jemals wirklich mochte), nicht einmal ein „Danke, Eloisa“ zu sagen; obwohl ich viele Jahre lang ständig gejubelt hatte, wann immer sie spielte: Bravo, Bravissimo, Da capo, Allegretto con espressione und Poco presto, zusammen mit vielen anderen solcher ausländischen Wörter, die, wie Eloisa mir sagte, alle meinen Bewunderung ausdrückten; und so sind sie es wohl auch, wie ich sehe, da sie auf jeder Seite eines jeden Musikbuches stehen, da sie, wie ich mir einbilde, die Gefühle des Komponisten sind.
Ich führte meinen Plan mit großer Pünktlichkeit aus. Von Erfolg kann ich nicht sprechen, denn ach! mein Schweigen, während sie spielte, schien sie nicht im Geringsten zu missfallen; im Gegenteil, sie sagte eines Tages tatsächlich zu mir: „Nun, Charlotte, ich bin sehr froh festzustellen, dass du endlich diese lächerliche Angewohnheit aufgegeben hast, meine Darbietungen auf dem Cembalo so lange zu beklatschen, bis du mir Kopfschmerzen bereitetest und selbst heiser wurdest. Ich bin dir sehr verbunden, dass du deine Bewunderung für dich behältst.“ Ich werde die sehr geistreiche Antwort, die ich auf diese Rede gab, niemals vergessen. „Eloisa (sagte ich), ich bitte dich, in Zukunft ganz unbesorgt hinsichtlich all solcher Befürchtungen zu sein, denn sei versichert, dass ich meine Bewunderung immer für mich und meine eigenen Beschäftigungen behalten und niemals auf deine ausdehnen werde.“ Das war das einzig sehr Strenge, das ich jemals in meinem Leben gesagt habe; nicht, dass ich mich nicht oft als äußerst satirisch empfunden hätte, aber es war das einzige Mal, dass ich meine Gefühle öffentlich machte.
Ich nehme an, es gab niemals zwei junge Menschen, die eine größere Zuneigung füreinander hegten als Henry und Eloisa; nein, die Liebe deines Bruders zu Miss Burton kann nicht so stark gewesen sein, auch wenn sie vielleicht heftiger war. Du kannst dir also vorstellen, wie sehr meine Schwester darüber erzürnt gewesen sein muss, dass er ihr einen solchen Streich gespielt hat. Das arme Mädchen! Sie beklagt seinen Tod immer noch mit unverminderter Beständigkeit, obwohl er seit mehr als sechs Wochen tot ist; aber manche Menschen nehmen sich solche Dinge mehr zu Herzen als andere. Der schlechte Gesundheitszustand, in den sein Verlust sie gestürzt hat, macht sie so schwach und so unfähig, die geringste Anstrengung zu ertragen, dass sie den ganzen Morgen in Tränen aufgelöst war, nur weil sie sich von Mrs. Marlowe verabschiedet hatte, die zusammen mit ihrem Ehemann, Bruder und Kind heute Morgen Bristol verlassen wird. Es tut mir leid, dass sie gehen, weil sie die einzige Familie sind, mit der wir hier irgendeine Bekanntschaft haben, aber ich bin nicht auf den Gedanken gekommen zu weinen; sicherlich waren Eloisa und Mrs. Marlowe immer mehr zusammen als mit mir und haben daher eine Art Zuneigung füreinander entwickelt, die Tränen bei ihnen nicht so unentschuldbar macht, wie sie es bei mir wären. Die Marlowes reisen in die Stadt; Cliveland begleitet sie; da weder Eloisa noch ich ihn ergattern konnten, hoffe ich, dass du oder Matilda mehr Glück habt. Ich weiß nicht, wann wir Bristol verlassen werden, Eloisas Stimmung ist so niedergeschlagen, dass sie sich sehr dagegen sträubt, sich zu bewegen, und sie ist durch ihren Aufenthalt hier sicherlich keineswegs gebessert worden. Ein oder zwei Wochen werden unsere Maßnahmen hoffentlich bestimmen – in der Zwischenzeit glaube mir
etc. – und etc. – Charlotte Lutterell.
ACHTER BRIEF Miss LUTTERELL an Mrs. MARLOWE
Bristol, 4. April
Ich fühle mich dir, meine liebe Emma, sehr verpflichtet für ein solches Zeichen deiner Zuneigung, wie ich mir schmeichle, dass es in dem Vorschlag enthalten war, den du mir gemacht hast, dass wir korrespondieren sollten; ich versichere dir, dass es eine große Erleichterung für mich sein wird, dir zu schreiben, und solange meine Gesundheit und meine Stimmung es mir erlauben, wirst du in mir eine sehr beständige Korrespondentin finden; ich will nicht sagen, eine unterhaltsame, denn du kennst meine Situation gut genug, um zu wissen, dass Heiterkeit bei mir unpassend wäre, und ich kenne mein eigenes Herz zu gut, um nicht zu wissen, dass sie unnatürlich wäre. Du darfst keine Neuigkeiten erwarten, denn wir sehen niemanden, mit dem wir auch nur im Geringsten bekannt sind oder an dessen Treiben wir irgendein Interesse hätten. Du darfst keinen Klatsch erwarten, denn nach derselben Regel ist es uns gleichermaßen verwehrt, ihn zu hören oder zu erfinden. — Du darfst von mir nichts als die schwermütigen Ergüsse eines gebrochenen Herzens erwarten, das ständig zu dem Glück zurückkehrt, das es einst genoss, und das sein gegenwärtiges Elend nur schwer erträgt. Die Möglichkeit, dir von meinem verlorenen Henry schreiben und sprechen zu können, wird für mich ein Luxus sein, und deine Güte wird sich, wie ich weiß, nicht weigern zu lesen, was zu schreiben mein Herz so sehr erleichtern wird. Ich dachte einst, dass es niemals ein Ziel meiner Wünsche sein würde, eine sogenannte Freundin (ich meine eine meines Geschlechts, mit der ich weniger zurückhaltend sprechen könnte als mit jeder anderen Person) unabhängig von meiner Schwester zu haben, aber wie sehr habe ich mich geirrt! Charlotte ist zu sehr von zwei vertrauten Korrespondentinnen dieser Art in Anspruch genommen, als dass sie für mich den Platz einer solchen einnehmen könnte, und ich hoffe, du wirst mich nicht für mädchenhaft romantisch halten, wenn ich sage, dass ich mir schon seit geraumer Zeit eine gütige und mitfühlende Freundin gewünscht habe, die sich meine Sorgen anhören könnte, ohne zu versuchen, mich zu trösten, als unsere Bekanntschaft mit dir, die Vertrautheit, die ihr folgte, und die besondere liebevolle Aufmerksamkeit, die du mir fast von Anfang an entgegengebracht hast, mich dazu brachten, die schmeichelhafte Vorstellung zu hegen, dass diese Aufmerksamkeiten bei einer näheren Bekanntschaft in eine Freundschaft übergehen könnten, die, wenn du wärst, was meine Wünsche sich von dir ausmalten, das größte Glück wäre, das ich jemals genießen könnte. Zu finden, dass solche Hoffnungen Wirklichkeit werden, ist wahrlich eine Genugtuung, eine Genugtuung, die nun fast die einzige ist, die ich jemals erfahren kann. — Ich fühle mich so matt, dass ich sicher bin, wärst du bei mir, würdest du mich zwingen, das Schreiben aufzugeben, und ich kann dir keinen größeren Beweis meiner Zuneigung für dich geben, als so zu handeln, wie ich weiß, dass du es dir wünschen würdest, ob abwesend oder anwesend. Ich bin deiner, meine liebe Emma, aufrichtige Freundin
E. L.
NEUNTER BRIEF Mrs. MARLOWE an Miss LUTTERELL
Grosvenor Street, 10. April
Muss ich sagen, meine liebe Eloisa, wie willkommen dein Brief für mich war? Ich kann dir keinen größeren Beweis für das Vergnügen, das ich durch ihn empfing, oder für den Wunsch geben, den ich verspüre, dass unsere Korrespondenz regelmäßig und häufig sein möge, als dir ein so gutes Beispiel zu geben, wie ich es jetzt tue, indem ich ihn vor Ende der Woche beantworte. — Aber bilde dir nicht ein, dass ich irgendein Verdienst für meine Pünktlichkeit beanspruche; im Gegenteil, ich versichere dir, dass es für mich eine weit größere Genugtuung ist, dir zu schreiben, als den Abend bei einem Konzert oder einem Ball zu verbringen. Mr. Marlowe ist so sehr darauf bedacht, dass ich jeden Abend an einigen der öffentlichen Plätze erscheine, dass ich ihn nicht ablehnen möchte, aber gleichzeitig wünsche ich mir so sehr, zu Hause zu bleiben, dass, abgesehen von dem Vergnügen, das ich dabei erlebe, irgendeinen Teil meiner Zeit meiner lieben Eloisa zu widmen, die Freiheit, die ich durch das Schreiben eines Briefes beanspruche, einen Abend zu Hause mit meinem kleinen Jungen zu verbringen, du kennst mich gut genug, um zu wissen, für sich allein schon ein ausreichender Anreiz (falls einer nötig wäre) sein wird, mit Vergnügen eine Korrespondenz mit dir zu führen. Was das Thema deiner Briefe an mich betrifft, ob ernst oder fröhlich, wenn sie dich betreffen, müssen sie für mich gleichermaßen interessant sein; nicht, dass ich denke, die schwermütige Nachsicht gegenüber deinen eigenen Sorgen, indem du sie wiederholst und bei ihnen verweilst, würde sie nur fördern und vergrößern, und dass es klüger wäre, wenn du ein so trauriges Thema meiden würdest; doch da ich weiß, welch linderndes und schwermütiges Vergnügen es dir bereiten muss, kann ich mich nicht dazu durchringen, dir eine so große Nachsicht zu verweigern, und werde nur darauf bestehen, dass du nicht von mir erwartest, dass ich dich in meinen eigenen Briefen dazu ermutige; im Gegenteil, ich beabsichtige, sie mit so lebhaftem Witz und belebendem Humor zu füllen, dass sie sogar ein Lächeln auf das süße, aber traurige Gesicht meiner Eloisa hervorrufen sollen.
Zuerst musst du erfahren, dass ich die drei Freundinnen deiner Schwester, Lady Lesley und ihre Töchter, seit ich hier bin, zweimal in der Öffentlichkeit getroffen habe. Ich weiß, du wirst ungeduldig sein, meine Meinung über die Schönheit der drei Damen zu hören, von denen du so viel gehört hast. Nun, da du zu krank und zu unglücklich bist, um eitel zu sein, denke ich, dass ich es wagen darf, dich zu informieren, dass mir keines ihrer Gesichter so gut gefällt wie dein eigenes. Dennoch sind sie alle hübsch — Lady Lesley habe ich tatsächlich schon einmal gesehen; ihre Töchter, so glaube ich, würden allgemein als mit einem feineren Gesicht ausgestattet bezeichnet werden als ihre Ladyschaft, und doch wird sie, durch die Reize eines blühenden Teints, ein wenig Affektiertheit und eine große Menge Geplänkel (wobei sie den jungen Damen in jedem Punkt überlegen ist), gewiss so viele Bewunderer gewinnen wie die regelmäßigeren Gesichtszüge von Matilda und Margaret. Ich bin sicher, du wirst mir zustimmen, dass keine von ihnen die richtige Größe für wahre Schönheit haben kann, wenn du weißt, dass zwei von ihnen größer und die andere kleiner ist als wir. Trotz dieses Fehlers (oder gerade wegen ihm) liegt etwas sehr Nobles und Majestätisches in der Gestalt der Miss Lesleys und etwas angenehm Lebhaftes in der Erscheinung ihrer hübschen kleinen Schwiegermutter. Doch obgleich die eine majestätisch und die andere lebhaft sein mag, besitzen die Gesichter keiner von beiden jene bezaubernde Süße meiner Eloisa, die ihre gegenwärtige Mattigkeit bei weitem nicht verringert. Was würden mein Ehemann und mein Bruder wohl über uns sagen, wenn sie all die netten Dinge wüssten, die ich dir in diesem Brief geschrieben habe? Es ist sehr hart, dass einer hübschen Frau niemals von jemandem ihres eigenen Geschlechts gesagt werden darf, sie sei es, ohne dass diese Person verdächtigt wird, entweder ihre entschlossene Feindin oder ihre ausgemachte Schmeichlerin zu sein. Wie viel liebenswürdiger sind Männer in dieser Hinsicht! Ein Mann kann einem anderen vierzig höfliche Dinge sagen, ohne dass wir vermuten, er werde jemals dafür bezahlt, und solange er seine Pflicht gegenüber unserem Geschlecht erfüllt, ist es uns egal, wie höflich er gegenüber seinem eigenen ist.
Mrs. Lutterell wird so gut sein, meine Komplimente anzunehmen, Charlotte, meine Liebe, und Eloisa die besten Wünsche für die Wiederherstellung ihrer Gesundheit und ihrer Stimmung, die ihr von ihrer treuen Freundin angeboten werden können.
E. Marlowe.
Ich befürchte, dieser Brief wird nur ein schwaches Beispiel für meine Fähigkeiten in Sachen Witz sein; und deine Meinung über sie wird nicht wesentlich steigen, wenn ich dir versichere, dass ich so unterhaltsam war, wie ich nur konnte.
ZEHNTER BRIEF Von Miss MARGARET LESLEY an Miss CHARLOTTE LUTTERELL
Portman Square, 13. April
MEINE LIEBE CHARLOTTE
Wir verließen Lesley-Castle am 28. des vergangenen Monats und kamen nach einer sieben Tage währenden Reise sicher in London an; ich hatte das Vergnügen, Ihren Brief hier auf meine Ankunft warten zu sehen, wofür Sie meinen dankbaren Dank haben. Ach! meine liebe Freundin, ich bedauere jeden Tag mehr die heiteren und friedlichen Freuden des Schlosses, das wir verlassen haben, im Tausch gegen die ungewissen und unbeständigen Vergnügungen dieser gepriesenen Stadt. Nicht dass ich vorgeben möchte, diese ungewissen und unbeständigen Vergnügungen seien mir im Geringsten unangenehm; im Gegenteil, ich genieße sie außerordentlich und würde sie noch mehr genießen, wäre ich mir nicht sicher, dass jeder öffentliche Auftritt von mir nur die Ketten jener unglücklichen Wesen fester schmiedet, deren Leidenschaft zu bemitleiden unmöglich nicht ist, obgleich es außerhalb meiner Macht liegt, sie zu erwidern. Kurz gesagt, meine liebe Charlotte, es ist mein Feingefühl für das Leiden so vieler liebenswürdiger junger Männer, mein Missfallen an der extremen Bewunderung, die mir entgegengebracht wird, und meine Abneigung, so berühmt zu sein, sowohl in der Öffentlichkeit, im Privaten, in Zeitungen als auch in Druckereien, das sind die Gründe, warum ich die so vielfältigen und reizvollen Vergnügungen Londons nicht voll auskosten kann. Wie oft habe ich mir gewünscht, ich besäße so wenig körperliche Schönheit wie Sie; dass meine Gestalt so ungelenk wäre; mein Gesicht so reizlos; und mein Erscheinungsbild so wenig ansprechend wie Ihres! Aber ach! welch geringe Aussicht gibt es auf ein so wünschenswertes Ereignis; ich habe die Pocken gehabt und muss mich daher meinem unglücklichen Schicksal fügen.
Ich bin nun im Begriff, Ihnen, meine liebe Charlotte, ein Geheimnis anzuvertrauen, das lange die Ruhe meiner Tage gestört hat und das von einer Art ist, die die unantastbarste Verschwiegenheit von Ihnen erfordert. Vor einer Woche am Montag begleiteten Matilda und ich Lady Lesley zu einer Abendgesellschaft bei der ehrenwerten Mrs Kickabout; wir wurden von Mr Fitzgerald eskortiert, der im Großen und Ganzen ein sehr liebenswürdiger junger Mann ist, obgleich vielleicht ein wenig eigenwillig in seinem Geschmack – er ist in Matilda verliebt –. Wir hatten kaum der Dame des Hauses unsere Komplimente gemacht und einem Dutzend verschiedener Leute einen Knicks gegeben, als meine Aufmerksamkeit durch das Erscheinen eines jungen Mannes gefesselt wurde, des lieblichsten seines Geschlechts, der in jenem Moment mit einem anderen Herrn und einer Dame den Raum betrat. Vom ersten Augenblick an, als ich ihn erblickte, war ich mir sicher, dass von ihm das zukünftige Glück meines Lebens abhing. Stellen Sie sich mein Erstaunen vor, als er mir unter dem Namen Cleveland vorgestellt wurde – ich erkannte ihn augenblicklich als den Bruder von Mrs Marlowe und den Bekannten meiner Charlotte in Bristol. Mr und Mrs M. waren der Herr und die Dame, die ihn begleiteten. (Sie halten Mrs Marlowe nicht für hübsch?) Das elegante Auftreten von Mr Cleveland, seine polierten Manieren und sein entzückender Verbeugung bestätigten auf Anhieb meine Zuneigung. Er sprach nicht; aber ich kann mir alles vorstellen, was er gesagt hätte, hätte er seinen Mund geöffnet. Ich kann mir den gebildeten Verstand, die edlen Gefühle und die elegante Sprache ausmalen, die im Gespräch mit Mr Cleveland so augenfällig geglänzt hätten. Das Herannahen von Sir James Gower (einer meiner zu zahlreichen Bewunderer) verhinderte die Entdeckung solcher Fähigkeiten, indem er ein Gespräch beendete, das wir niemals begonnen hatten, und indem er meine Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkte. Aber oh! wie gering sind die Errungenschaften von Sir James gegenüber denen seines so sehr beneideten Rivalen! Sir James ist einer der häufigsten unserer Besucher und gehört fast immer zu unseren Gesellschaften. Wir haben seither oft Mr und Mrs Marlowe getroffen, aber keinen Cleveland – er ist immer irgendwo anders beschäftigt. Mrs Marlowe ermüdet mich zu Tode, jedes Mal wenn ich sie sehe, mit ihren langweiligen Unterhaltungen über Sie und Eloisa. Sie ist so dumm! Ich lebe in der Hoffnung, ihren unwiderstehlichen Bruder heute Abend zu sehen, da wir zu Lady Flambeau gehen, die, wie ich weiß, mit den Marlowes vertraut ist. Unsere Gesellschaft wird aus Lady Lesley, Matilda, Fitzgerald, Sir James Gower und mir bestehen. Wir sehen wenig von Sir George, der fast immer am Spieltisch sitzt. Ach! mein armes Vermögen, wo bist du zu dieser Zeit? Wir sehen mehr von Lady L., die immer (stark geschminkt) zur Essenszeit erscheint. Ach! welch entzückende Juwelen wird sie heute Abend bei Lady Flambeau tragen! Doch ich wundere mich, wie sie selbst Freude daran finden kann, sie zu tragen; wahrlich, sie muss sich der lächerlichen Unangemessenheit bewusst sein, ihre kleine, winzige Gestalt mit solch überflüssigen Ornamenten zu beladen; ist es möglich, dass sie nicht weiß, wie sehr eine elegante Schlichtheit der am meisten studierten Kleidung überlegen ist? Würde sie sie doch Matilda und mir schenken, wie sehr wären wir ihr verpflichtet! Wie kleidsam wären Diamanten an unseren feinen, majestätischen Gestalten! Und wie überraschend ist es, dass ihr ein solcher Gedanke niemals gekommen sein sollte. Ich bin sicher, wenn ich einmal auf diese Weise nachgedacht habe, habe ich es fünfzigmal getan. Wann immer ich Lady Lesley darin gekleidet sehe, kommen mir sofort solche Betrachtungen in den Sinn. Die Juwelen meiner eigenen Mutter auch noch! Aber ich will kein Wort mehr über ein so melancholisches Thema verlieren – lassen Sie mich Sie mit etwas Erfreulicherem unterhalten – Matilda hatte heute Morgen einen Brief von Lesley, durch den wir das Vergnügen haben zu erfahren, dass er in Neapel ist, zum Katholizismus konvertiert ist, einen päpstlichen Dispens zur Annullierung seiner ersten Ehe erhalten hat und seither tatsächlich eine neapolitanische Dame von hohem Rang und Vermögen geheiratet hat. Er teilt uns zudem mit, dass seiner ersten Frau, der wertlosen Louisa, so ziemlich dieselbe Angelegenheit widerfahren ist, die ebenfalls in Neapel ist, zum Katholizismus konvertiert ist und bald einen neapolitanischen Adligen von großem und ausgezeichnetem Verdienst heiraten wird. Er sagt, dass sie derzeit sehr gute Freunde seien, alle vergangenen Fehler völlig verziehen hätten und in Zukunft sehr gute Nachbarn sein wollten. Er lädt Matilda und mich ein, ihm einen Besuch in Italien abzustatten und ihm seine kleine Louisa mitzubringen, die sowohl ihre Mutter, ihre Stiefmutter als auch er selbst gleichermaßen zu sehen wünschen. Was unsere Annahme seiner Einladung betrifft, so ist sie derzeit sehr ungewiss; Lady Lesley rät uns, ohne Zeitverlust zu gehen; Fitzgerald bietet an, uns dorthin zu eskortieren, aber Matilda hat einige Zweifel an der Angemessenheit eines solchen Vorhabens – sie gibt zu, dass es sehr angenehm wäre. Ich bin sicher, sie mag den Kerl. Mein Vater wünscht, dass wir uns nicht beeilen, da er und Lady Lesley uns vielleicht, wenn wir ein paar Monate warten, das Vergnügen bereiten werden, uns zu begleiten. Lady Lesley sagt nein, dass nichts sie jemals dazu verleiten werde, auf die Vergnügungen von Brighthelmstone zugunsten einer Reise nach Italien zu verzichten, nur um unseren Bruder zu sehen. „Nein (sagt das unangenehme Weib), ich bin einmal in meinem Leben dumm genug gewesen, weiß der Himmel wie viele hundert Meilen zu reisen, um zwei aus der Familie zu sehen, und ich stellte fest, dass es sich nicht lohnte, also hole mich der Teufel, wenn ich jemals wieder so töricht bin.“ So spricht ihre Ladyschaft, aber Sir George beharrt weiterhin darauf, dass sie uns vielleicht in einem Monat oder zweien begleiten könnten.
Adieu meine liebe Charlotte Ihre treue Margaret Lesley.
DIE GESCHICHTE VON ENGLAND
VON DER REGIERUNGSZEIT HENRY DES 4. BIS ZUM TODE VON CHARLES DES 1.
VON EINEM PARTEIISCHEN, VOREINGENOMMENEN UND UNWISSENDEN GESCHICHTSSCHREIBER.
An Miss Austen, die älteste Tochter des Hochwürden George Austen, wird dieses Werk mit allem gebührenden Respekt gewidmet von
DEM AUTOR.
N.B. In dieser Geschichte wird es nur sehr wenige Daten geben.
DIE GESCHICHTE VON ENGLAND
HENRY der 4.
Henry der 4. bestieg den Thron von England sehr zu seiner eigenen Zufriedenheit im Jahr 1399, nachdem er seinen Vetter und Vorgänger Richard den 2. dazu bewegt hatte, ihm diesen zu überlassen und sich für den Rest seines Lebens auf Pomfret Castle zurückzuziehen, wo er zufällig ermordet wurde. Es ist anzunehmen, dass Henry verheiratet war, da er sicherlich vier Söhne hatte, aber es steht nicht in meiner Macht, den Leser darüber zu informieren, wer seine Frau war. Wie dem auch sei, er lebte nicht ewig, doch als er erkrankte, kam sein Sohn, der Prince of Wales, und nahm ihm die Krone weg; woraufhin der König eine lange Rede hielt, für die ich den Leser auf Shakespears Stücke verweisen muss, und der Prinz hielt eine noch längere. Nachdem die Dinge so zwischen ihnen geregelt waren, starb der König und wurde von seinem Sohn Henry beerbt, der zuvor Sir William Gascoigne verprügelt hatte.
HENRY der 5.
Dieser Prinz wurde, nachdem er den Thron bestiegen hatte, völlig geläutert und liebenswürdig, ließ all seine verschwenderischen Gefährten im Stich und verprügelte Sir William nie wieder. Während seiner Regierungszeit wurde Lord Cobham bei lebendigem Leibe verbrannt, aber ich vergesse, wofür. Seine Majestät lenkte seine Gedanken dann auf Frankreich, wohin er zog und die berühmte Schlacht von Agincourt schlug. Er heiratete daraufhin die Tochter des Königs, Catherine, eine sehr angenehme Frau nach Shakespears Darstellung. Trotz alledem starb er jedoch und wurde von seinem Sohn Henry beerbt.
HENRY der 6.
Viel Gutes kann ich über den Verstand dieses Monarchen nicht sagen. Und ich würde es auch nicht, wenn ich könnte, denn er war ein Lancastrianer. Ich nehme an, Sie wissen alles über die Kriege zwischen ihm und dem Duke of York, der auf der richtigen Seite stand; falls nicht, sollten Sie eine andere Geschichte lesen, denn ich werde mich hierin nicht sehr ausführlich auslassen, da ich damit nur meinem Groll Luft machen und meinen Hass auf all jene Leute zeigen will, deren Parteien oder Prinzipien nicht mit meinen übereinstimmen, und nicht, um Informationen zu geben. Dieser König heiratete Margaret von Anjou, eine Frau, deren Nöte und Unglücke so groß waren, dass sie mich, der ich sie hasse, fast dazu brachten, sie zu bemitleiden. Es war in dieser Regierungszeit, dass Johanna von Orleans lebte und solchen Aufruhr unter den Engländern stiftete. Sie hätten sie nicht verbrennen sollen – aber sie taten es. Es gab mehrere Schlachten zwischen den Yorkisten und Lancastrianern, in denen die ersteren (wie es sich gehört) gewöhnlich siegten. Schließlich wurden sie vollständig besiegt; der König wurde ermordet – die Königin wurde heimgeschickt – und Edward der 4. bestieg den Thron.
EDWARD der 4.
Dieser Monarch war nur für seine Schönheit und seinen Mut berühmt, wofür das Bild, das wir hier von ihm gegeben haben, und sein unerschrockenes Verhalten, eine Frau zu heiraten, während er einer anderen versprochen war, ausreichende Beweise sind. Seine Frau war Elizabeth Woodville, eine Witwe, die, arme Frau!, später von jenem Ungeheuer an Bosheit und Habsucht, Henry dem 7., in einem Kloster eingesperrt wurde. Eine von Edwards Mätressen war Jane Shore, über die ein Theaterstück geschrieben wurde, doch es ist eine Tragödie und daher nicht lesenswert. Nachdem er all diese noblen Taten vollbracht hatte, starb seine Majestät und wurde von seinem Sohn beerbt.
EDWARD der 5.
Dieser unglückliche Prinz lebte nur eine so kurze Zeit, dass niemand dazu kam, sein Porträt zu zeichnen. Er wurde durch das Komplott seines Onkels ermordet, dessen Name Richard der 3. war.
RICHARD der 3.
Der Charakter dieses Prinzen wurde im Allgemeinen von Historikern sehr streng behandelt, aber da er ein York war, neige ich eher dazu, ihn für einen sehr achtbaren Mann zu halten. Es wurde zwar zuversichtlich behauptet, dass er seine beiden Neffen und seine Frau tötete, aber es wurde auch erklärt, dass er seine beiden Neffen nicht tötete, was ich für wahr zu halten neige; und wenn dies der Fall ist, kann auch behauptet werden, dass er seine Frau nicht tötete, denn wenn Perkin Warbeck wirklich der Duke of York war, warum könnte Lambert Simnel dann nicht die Witwe Richards sein. Ob unschuldig oder schuldig, er regierte nicht lange in Frieden, denn Henry Tudor, Earl of Richmond, ein so großer Schurke, wie er nur leben konnte, machte viel Aufhebens darum, die Krone zu bekommen, und nachdem er den König in der Schlacht von Bosworth getötet hatte, folgte er ihm nach.
HENRY der 7.
Dieser Monarch heiratete bald nach seinem Regierungsantritt die Prinzessin Elizabeth von York, womit er klar bewies, dass er sein eigenes Recht für minderwertiger hielt als das ihre, obgleich er das Gegenteil vorgab. Aus dieser Ehe hatte er zwei Söhne und zwei Töchter, von denen die ältere mit dem König von Schottland verheiratet war und das Glück hatte, Großmutter einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Welt zu sein. Doch von ihr werde ich in Zukunft Gelegenheit haben, ausführlicher zu berichten. Die jüngste, Mary, heiratete zuerst den König von Frankreich und zweitens den Duke of Suffolk, mit dem sie eine Tochter hatte, die spätere Mutter von Lady Jane Grey, die zwar ihrer lieblichen Cousine, der Königin der Schotten, unterlegen war, aber dennoch eine liebenswürdige junge Frau und berühmt dafür war, Griechisch zu lesen, während andere Leute auf der Jagd waren. Es war in der Regierungszeit von Henry dem 7., dass Perkin Warbeck und Lambert Simnel, wie bereits erwähnt, in Erscheinung traten, von denen ersterer in den Pranger gestellt wurde, in der Beaulieu Abbey Zuflucht suchte und mit dem Earl of Warwick enthauptet wurde, und letzterer in die Küche des Königs aufgenommen wurde. Seine Majestät starb und wurde von seinem Sohn Henry beerbt, dessen einziges Verdienst es war, nicht ganz so schlimm zu sein wie seine Tochter Elizabeth.
HENRY der 8.
Es wäre eine Beleidigung für meine Leser, wenn ich annehmen würde, dass sie mit den Einzelheiten der Regierungszeit dieses Königs nicht ebenso vertraut sind wie ich selbst. Es wird ihnen daher die Mühe ersparen, erneut zu lesen, was sie bereits gelesen haben, und mir die Mühe, das zu schreiben, was ich nicht vollkommen im Gedächtnis habe, wenn ich nur eine kurze Skizze der wichtigsten Ereignisse gebe, die seine Regierungszeit kennzeichneten. Zu diesen zählen Cardinal Wolseys Worte an den Vater Abt der Leicester Abbey, „er sei gekommen, um seine Gebeine unter sie zu legen“, die Reformation der Religion und das Reiten des Königs durch die Straßen von London mit Anna Bullen. Es ist jedoch nur gerecht und meine Pflicht zu erklären, dass diese liebenswürdige Frau völlig unschuldig an den Verbrechen war, derer sie beschuldigt wurde, und wofür ihre Schönheit, ihre Eleganz und ihre Lebhaftigkeit ausreichende Beweise waren, ganz zu schweigen von ihren feierlichen Unschuldsbeteuerungen, der Schwäche der Anklagen gegen sie und dem Charakter des Königs; alles das fügt einige Bestätigung hinzu, wenn auch vielleicht nur schwache, wenn man sie mit denen vergleicht, die zuvor zu ihren Gunsten vorgebracht wurden. Obgleich ich nicht behaupte, viele Daten zu geben, halte ich es doch für angemessen, einige anzugeben, und werde natürlich jene wählen, die für den Leser am notwendigsten zu wissen sind, und so halte ich es für richtig, ihn darüber zu informieren, dass ihr Brief an den König auf den 6. Mai datiert war. Die Verbrechen und Grausamkeiten dieses Prinzen waren zu zahlreich, um erwähnt zu werden, (wie diese Geschichte, so hoffe ich, vollständig gezeigt hat;) und nichts kann zu seiner Verteidigung gesagt werden, außer dass die Abschaffung der religiösen Häuser und deren Überlassung an die ruinösen Verwüstungen der Zeit von unendlichem Nutzen für die Landschaft Englands im Allgemeinen war, was wahrscheinlich ein Hauptmotiv für sein Handeln war, denn warum sollte sich sonst ein Mann, der selbst keiner Religion angehörte, so viel Mühe machen, eine abzuschaffen, die seit Jahrhunderten im Königreich etabliert war. Die 5. Frau Seiner Majestät war die Nichte des Duke of Norfolk, von der, obwohl sie von den Verbrechen, für die sie enthauptet wurde, allgemein freigesprochen wurde, viele Leute annahmen, sie habe vor ihrer Ehe ein ausschweifendes Leben geführt – daran habe ich jedoch viele Zweifel, da sie eine Verwandte jenes edlen Duke of Norfolk war, der so leidenschaftlich für die Sache der Königin von Schottland eintrat und der ihr schließlich zum Opfer fiel. Die letzte Frau des Königs brachte es fertig, ihn zu überleben, erreichte dies jedoch nur mit Mühe. Er wurde von seinem einzigen Sohn Edward beerbt.
EDWARD der 6.
Da dieser Prinz zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters erst neun Jahre alt war, wurde er von vielen Leuten als zu jung angesehen, um zu regieren, und da der verstorbene König zufällig derselben Meinung war, wurde der Bruder seiner Mutter, der Duke of Somerset, während seiner Minderjährigkeit zum Protektor des Reiches gewählt. Dieser Mann war im Ganzen von sehr liebenswürdigem Charakter und ist ein gewisser Favorit von mir, obgleich ich keineswegs vorgeben möchte, dass er den ersten Männern wie Robert Earl of Essex, Delamere oder Gilpin ebenbürtig war. Er wurde enthauptet, worauf er mit Grund hätte stolz sein können, hätte er gewusst, dass dies der Tod von Mary, Königin der Schotten, war; aber da es unmöglich war, dass er sich dessen bewusst war, was niemals geschehen war, scheint es nicht, dass er von der Art und Weise besonders entzückt war. Nach seinem Ableben hatte der Duke of Northumberland die Sorge für den König und das Königreich und erfüllte seine Treuhand für beide so gut, dass der König starb und das Königreich seiner Schwiegertochter, der Lady Jane Grey, überlassen wurde, die bereits als Griechisch lesend erwähnt wurde. Ob sie diese Sprache wirklich verstand oder ob ein solches Studium nur aus einer übermäßigen Eitelkeit herrührte, für die sie, wie ich glaube, immer ziemlich bemerkenswert war, ist ungewiss. Was auch immer der Grund gewesen sein mag, sie bewahrte während ihres ganzen Lebens denselben Anschein von Wissen und die Verachtung für das, was allgemein als Vergnügen geschätzt wurde, denn sie erklärte sich missvergnügt darüber, zur Königin ernannt worden zu sein, und während sie zum Schafott geführt wurde, schrieb sie beim Anblick des Leichnams ihres Mannes, der zufällig des Weges kam, einen Satz auf Lateinisch und einen anderen auf Griechisch.
MARY
Diese Frau hatte das Glück, auf den Thron von England erhoben zu werden, trotz der überlegenen Ansprüche, des Verdienstes und der Schönheit ihrer Cousinen Mary, Königin der Schotten, und Jane Grey. Noch kann ich das Königreich für die Unglücke bemitleiden, die sie während ihrer Regierungszeit erlitten, da sie diese voll und ganz verdienten, weil sie ihr gestattet hatten, ihrem Bruder nachzufolgen – was ein zweifaches Stück Torheit war, da sie hätten vorhersehen können, dass sie, da sie kinderlos starb, von jener Schande für die Menschheit, jener Plage der Gesellschaft, Elizabeth, beerbt werden würde. Viele waren die Menschen, die während ihrer Regierungszeit als Märtyrer für die protestantische Religion fielen; ich vermute nicht weniger als ein Dutzend. Sie heiratete Philip, den König von Spanien, der während der Regierungszeit ihrer Schwester durch den Bau von Armadas berühmt war. Sie starb ohne Nachkommen, und dann kam der schreckliche Moment, in dem die Zerstörerin allen Trostes, die trügerische Verräterin des ihr entgegengebrachten Vertrauens und die Mörderin ihrer Cousine den Thron bestieg.——
Es war das eigentümliche Unglück dieser Frau, schlechte Minister zu haben – denn so bösartig sie selbst auch war, so hätte sie doch kein solch umfassendes Unheil anrichten können, hätten diese abscheulichen und verworfenen Männer nicht ihre Verbrechen gebilligt und sie darin bestärkt. Ich weiß, dass von vielen Leuten behauptet und geglaubt wurde, Lord Burleigh, Sir Francis Walsingham und die übrigen, die die höchsten Staatsämter bekleideten, seien verdienstvolle, erfahrene und fähige Minister gewesen. Aber oh! Wie blind müssen solche Schreiber und solche Leser gegenüber wahrem Verdienst sein, gegenüber einem Verdienst, das verachtet, vernachlässigt und verleumdet wurde, wenn sie an solchen Meinungen festhalten können, während sie bedenken, dass diese Männer, diese gerühmten Männer, solche Schandflecken für ihr Land und ihr Geschlecht waren, dass sie ihrer Königin erlaubten und ihr dabei halfen, neunzehn Jahre lang eine Frau gefangen zu halten, die, wenn schon die Forderungen von Verwandtschaft und Verdienst nichts fruchteten, doch als Königin und als jemand, der sich herabließ, ihr Vertrauen zu schenken, allen Grund hatte, Beistand und Schutz zu erwarten; und schließlich Elizabeth darin zu unterstützen, diese liebenswürdige Frau einem vorzeitigen, unverdienten und skandalösen Tod zuzuführen. Kann irgendjemand, wenn er auch nur einen Augenblick über diesen Schandfleck, diesen ewigen Schandfleck auf ihrem Verständnis und ihrem Charakter nachdenkt, Lord Burleigh oder Sir Francis Walsingham irgendein Lob zollen? Oh! Was muss diese bezaubernde Prinzessin, deren einziger Freund damals der Herzog von Norfolk war und deren einzige Freunde heute Mr. Whitaker, Mrs. Lefroy, Mrs. Knight und meine Wenigkeit sind, die von ihrem Sohn verlassen, von ihrer Cousine gefangen gehalten, von allen beschimpft, geschmäht und verleumdet wurde, was muss ihr edler Geist gelitten haben, als sie erfuhr, dass Elizabeth den Befehl zu ihrem Tode gegeben hatte! Dennoch ertrug sie es mit einer unerschütterlichen Standhaftigkeit, fest in ihrem Geist; beständig in ihrer Religion; und sie bereitete sich darauf vor, dem grausamen Schicksal, zu dem sie verdammt war, mit einer Großmut zu begegnen, die nur aus dem Bewusstsein ihrer Unschuld entspringen konnte. Und doch, können Sie, lieber Leser, es für möglich halten, dass einige verhärtete und fanatische Protestanten sie sogar wegen jener Standhaftigkeit im katholischen Glauben beschimpft haben, die ihr so viel Ehre einbrachte? Aber dies ist ein schlagender Beweis für die engen Seelen und voreingenommenen Urteile derer, die sie beschuldigen. Sie wurde am Mittwoch, dem 8. Februar 1586, in der großen Halle von Fotheringhay Castle (einem heiligen Ort!) hingerichtet – zur ewigen Schande von Elizabeth, ihren Ministern und Englands im Allgemeinen. Es mag nicht unnötig sein, bevor ich meinen Bericht über diese vom Schicksal verfolgte Königin ganz abschließe, anzumerken, dass sie während ihrer Regierungszeit in Schottland verschiedener Verbrechen beschuldigt wurde, von denen ich meinem Leser nun aufs Ernsthafteste versichern kann, dass sie völlig unschuldig war; sie war niemals schuldig an etwas anderem als an Unbesonnenheiten, zu denen sie durch die Offenheit ihres Herzens, ihre Jugend und ihre Erziehung verleitet wurde. Nachdem ich, wie ich hoffe, durch diese Versicherung jeden Verdacht und jeden Zweifel ausgeräumt habe, der im Geiste des Lesers aus dem hätte entstehen können, was andere Historiker über sie geschrieben haben, werde ich dazu übergehen, die übrigen Ereignisse zu erwähnen, die Elizabeths Regierungszeit kennzeichneten. Es war um diese Zeit, dass Sir Francis Drake, der erste englische Seefahrer, der die Welt umsegelte, lebte, um der Schmuck seines Landes und seines Berufsstandes zu sein. Doch so groß er auch war und so zu Recht als Seemann gefeiert, kann ich nicht umhin vorherzusehen, dass er in diesem oder dem nächsten Jahrhundert von jemandem eingeholt werden wird, der, obwohl jetzt noch jung, bereits verspricht, alle brennenden und zuversichtlichen Erwartungen seiner Verwandten und Freunde zu erfüllen, unter denen ich die liebenswürdige Lady, der dieses Werk gewidmet ist, und meine nicht weniger liebenswürdige Person zählen darf.
Obwohl von einem anderen Berufsstand und in einer anderen Sphäre des Lebens glänzend, doch ebenso bemerkenswert im Charakter eines Earls, wie Drake es als Seemann war, war Robert Devereux, Lord Essex. Dieser unglückliche junge Mann war im Charakter nicht unähnlich jenem ebenso unglücklichen Frederic Delamere. Der Vergleich lässt sich noch weiter führen, und Elizabeth, die Qual von Essex, kann mit der Emmeline von Delamere verglichen werden. Es wäre endlos, die Unglücksfälle dieses edlen und tapferen Earls aufzuzählen. Es genügt zu sagen, dass er am 25. Februar enthauptet wurde, nachdem er Lord Lieutenant von Irland gewesen war, nachdem er seine Hand auf sein Schwert gelegt und viele andere Dienste für sein Land geleistet hatte. Elizabeth überlebte seinen Verlust nicht lange und starb so elend, dass ich sie bemitleiden würde, wäre es nicht eine Kränkung des Andenkens an Mary.
JAMES der 1.
Obwohl dieser König einige Fehler hatte, unter denen das Zulassen des Todes seiner Mutter als der schwerwiegendste gilt, kann ich ihn im Großen und Ganzen doch nicht anders, als ihn zu mögen. Er heiratete Anne von Dänemark und hatte mehrere Kinder; glücklicherweise für ihn starb sein ältester Sohn, Prinz Henry, vor seinem Vater, sonst hätte er vielleicht die Übel erlebt, die seinem unglücklichen Bruder widerfuhren.
Da ich selbst der römisch-katholischen Religion zugetan bin, ist es mit unendlichem Bedauern, dass ich mich gezwungen sehe, das Verhalten irgendeines ihrer Mitglieder zu tadeln: doch da die Wahrheit in meinen Augen bei einem Historiker sehr entschuldbar ist, bin ich genötigt zu sagen, dass sich die römischen Katholiken in England während dieser Regierungszeit nicht wie Gentlemen gegenüber den Protestanten verhalten haben. Ihr Verhalten gegenüber der königlichen Familie und beiden Häusern des Parlaments könnte von diesen zu Recht als sehr unhöflich betrachtet werden, und selbst Sir Henry Percy, obwohl er sicherlich der am besten erzogene Mann der Partei war, besaß nichts von jener allgemeinen Höflichkeit, die so universell gefällt, da seine Aufmerksamkeit sich ausschließlich auf Lord Mounteagle beschränkte.
Sir Walter Raleigh florierte in dieser und der vorangegangenen Regierungszeit und wird von vielen Leuten in großer Verehrung und Hochachtung gehalten – aber da er ein Feind des edlen Essex war, habe ich nichts zu seinem Lobe zu sagen und muss alle diejenigen, die mit den Einzelheiten seines Lebens bekannt werden möchten, auf Mr. Sheridans Stück „The Critic“ verweisen, wo sie viele interessante Anekdoten sowohl über ihn als auch über seinen Freund Sir Christopher Hatton finden werden. – Seine Majestät war von jener liebenswürdigen Veranlagung, die zur Freundschaft neigt, und besaß in solchen Dingen eine schärfere Durchdringung beim Entdecken von Verdienst als viele andere Menschen. Ich hörte einmal ein ausgezeichnetes Scharade über einen Teppich, an den mich das Thema, bei dem ich gerade bin, erinnert, und da ich glaube, dass es meinen Lesern einige Unterhaltung bereiten könnte, sie herauszufinden, werde ich mir hier die Freiheit nehmen, sie ihnen zu präsentieren.
SCHARADE
Mein Erstes ist das, was mein Zweites für König James den 1. war, und Sie treten auf mein Ganzes.
Die wichtigsten Günstlinge seiner Majestät waren Car, der später zum Earl of Somerset erhoben wurde und dessen Name vielleicht einen Anteil an der oben genannten Scharade haben mag, und George Villiers, später Herzog von Buckingham. Nach dem Tode seiner Majestät folgte ihm sein Sohn Charles nach.
CHARLES der 1.
Dieser liebenswürdige Monarch scheint dazu geboren zu sein, Unglücksfälle zu erleiden, die denen seiner reizenden Großmutter gleichkamen; Unglücksfälle, die er nicht verdient haben konnte, da er ihr Nachkomme war. Sicherlich gab es noch nie zuvor so viele abscheuliche Charaktere auf einmal in England wie in dieser Periode seiner Geschichte; niemals waren liebenswürdige Männer so selten. Ihre Anzahl im ganzen Königreich belief sich nur auf fünf, abgesehen von den Einwohnern von Oxford, die ihrem König immer loyal und seinen Interessen treu ergeben waren. Die Namen dieser edlen Fünf, die niemals die Pflicht des Untertans vergaßen oder von ihrer Anhänglichkeit an seine Majestät abwichen, waren wie folgt: Der König selbst, stets standhaft in seiner eigenen Unterstützung – Erzbischof Laud, Earl of Strafford, Viscount Faulkland und Herzog von Ormond, die in dieser Sache kaum weniger energisch oder eifrig waren. Da die Schurken jener Zeit eine zu lange Liste abgeben würden, um geschrieben oder gelesen zu werden, werde ich mich daher darauf beschränken, die Anführer der Bande zu nennen. Cromwell, Fairfax, Hampden und Pym können als die ursprünglichen Verursacher all der Unruhen, Nöte und Bürgerkriege angesehen werden, in die England viele Jahre lang verwickelt war. In dieser Regierungszeit bin ich, ebenso wie in der von Elizabeth, gezwungen, ungeachtet meiner Verbundenheit mit den Schotten, sie als ebenso schuldig zu betrachten wie die Gesamtheit der Engländer, da sie es wagten, anders zu denken als ihr Souverän, die Anbetung zu vergessen, die zu leisten ihre Pflicht als Stuarts war, gegen die unglückliche Mary zu rebellieren, sie abzusetzen und einzukerkern; dem nicht weniger unglücklichen Charles entgegenzutreten, ihn zu täuschen und zu verkaufen. Die Ereignisse der Regierungszeit dieses Monarchen sind zu zahlreich für meine Feder, und tatsächlich ist mir die Wiedergabe jeglicher Ereignisse (außer denen, die ich selbst mache) uninteressant; mein Hauptgrund, die Geschichte Englands zu unternehmen, war es, die Unschuld der Königin von Schottland zu beweisen, was ich mir schmeichle, effektiv getan zu haben, und Elizabeth zu beschimpfen, obwohl ich ein wenig fürchte, bei diesem letzteren Teil meines Vorhabens zu kurz gekommen zu sein. – Da es daher nicht meine Absicht ist, einen besonderen Bericht über die Nöte zu geben, in die dieser König durch das Fehlverhalten und die Grausamkeit seines Parlaments verwickelt wurde, werde ich mich damit begnügen, ihn von dem Vorwurf der willkürlichen und tyrannischen Regierung zu rechtfertigen, mit dem er oft belastet wurde. Dies, so fühle ich, ist nicht schwer zu bewerkstelligen, denn mit einem Argument bin ich sicher, jede vernünftige und wohlgesinnte Person zufrieden zu stellen, deren Meinungen durch eine gute Erziehung richtig geleitet wurden – und dieses Argument ist, dass er ein STUART war.
FINIS
Samstag, 26. Nov: 1791.
EINE SAMMLUNG VON BRIEFEN
An Miss COOPER
COUSINE
Im Bewusstsein des reizenden Charakters, der in jedem Land und jedem Klima der Christenheit über Sie gerühmt wird, empfehle ich mit Vorsicht und Sorgfalt Ihrer wohlwollenden Kritik diese kluge Sammlung kurioser Kommentare, die sorgfältig von Ihrer komischen Cousine ausgewählt, gesammelt und klassifiziert wurden.
Die Autorin
EINE SAMMLUNG VON BRIEFEN
BRIEF der ERSTE Von einer MUTTER an ihre FREUNDIN.
Meine Kinder beginnen nun, meine ganze Aufmerksamkeit auf eine andere Art und Weise zu fordern, als sie es gewohnt waren, da sie nun das Alter erreicht haben, in dem es für sie notwendig ist, in gewissem Maße mit der Welt vertraut zu werden. Meine Augusta ist 17 und ihre Schwester kaum ein Jahr jünger. Ich schmeichle mir, dass ihre Erziehung eine solche war, dass sie ihr Erscheinen in der Welt nicht in Schande bringen wird, und dass sie ihrer Erziehung keine Schande bereiten werden, dazu habe ich jeden Grund zu glauben. Tatsächlich sind sie süße Mädchen – vernünftig und doch unprätentiös – gebildet und doch ungezwungen – lebhaft und doch sanft –. Da ihr Fortschritt in allem, was sie gelernt haben, immer der gleiche war, bin ich gewillt, den Altersunterschied zu vergessen und sie gemeinsam in die Öffentlichkeit einzuführen. Genau dieser Abend ist als ihr erster Eintritt ins Leben festgesetzt, da wir bei Mrs. Cope und ihrer Tochter Tee trinken werden. Ich bin froh, dass wir niemanden sonst treffen werden, um meiner Mädchen willen, denn es wäre unangenehm für sie, gleich am ersten Tag in einen zu großen Kreis einzutreten. Aber wir werden allmählich vorgehen. – Morgen wird die Familie von Mr. Stanly bei uns Tee trinken, und vielleicht werden die Miss Phillips sie treffen. Am Dienstag werden wir Vormittagsbesuche machen – am Mittwoch werden wir in Westbrook zu Abend essen. Am Donnerstag haben wir Gäste zu Hause. Am Freitag werden wir bei einem Privatkonzert bei Sir John Wynna sein – und am Samstag erwarten wir, dass Miss Dawson am Vormittag vorbeikommt – was die Einführung meiner Töchter ins Leben vervollständigen wird. Wie sie so viel Zerstreuung ertragen werden, kann ich mir nicht vorstellen; um ihren Geist habe ich keine Angst, ich fürchte nur um ihre Gesundheit.
Diese gewaltige Angelegenheit ist nun glücklich vorüber, und meine Mädchen sind in der Gesellschaft. Als der Moment unseres Aufbruchs näher rückte, können Sie sich nicht vorstellen, wie die süßen Geschöpfe vor Furcht und Erwartung zitterten. Bevor die Kutsche vor die Tür fuhr, rief ich sie in mein Ankleidezimmer, und sobald sie saßen, sprach ich sie wie folgt an: „Meine lieben Mädchen, der Moment ist nun gekommen, an dem ich die Früchte all meiner Ängste und Mühen für euch während eurer Erziehung ernten werde. Ihr werdet heute Abend in eine Welt eintreten, in der ihr auf viele wunderbare Dinge treffen werdet; doch lasst mich euch davor warnen, euch niederträchtig von den Torheiten und Lastern anderer beeinflussen zu lassen, denn glaubt mir, meine geliebten Kinder, wenn ihr das tut – werde ich sehr darüber betrübt sein.“ Sie versicherten mir beide, dass sie meinen Rat stets mit Dankbarkeit in Erinnerung behalten und ihn mit Aufmerksamkeit befolgen würden; dass sie darauf vorbereitet seien, eine Welt voller Dinge zu finden, die sie in Erstaunen versetzen und schockieren würden: aber dass sie darauf vertrauten, dass ihr Verhalten mir niemals Anlass geben würde, die wachsame Fürsorge zu bereuen, mit der ich über ihre Kindheit gewacht und ihre Gemüter geformt habe. – „Mit solchen Erwartungen und solchen Absichten (rief ich) kann ich nichts von euch zu befürchten haben – und kann euch fröhlich zu Mrs. Cope führen, ohne die Furcht, dass ihr durch ihr Beispiel verführt oder durch ihre Torheiten befleckt werdet. Kommt also, meine Kinder (fügte ich hinzu), die Kutsche fährt gerade vor die Tür, und ich werde das Glück, das ihr so ungeduldig zu genießen wünscht, keinen Augenblick verzögern.“ Als wir in Warleigh ankamen, konnte Augusta kaum atmen, während Margaret voller Leben und Entzücken war. „Der lang ersehnte Moment ist nun gekommen (sagte sie), und wir werden bald in der Welt sein.“ – In wenigen Augenblicken waren wir im Salon von Mrs. Cope, wo sie mit ihrer Tochter bereit saß, uns zu empfangen. Ich beobachtete mit Entzücken den Eindruck, den meine Kinder auf sie machten –. Sie waren in der Tat zwei süße, elegant aussehende Mädchen, und obwohl sie durch die Besonderheit ihrer Situation etwas verlegen waren, gab es doch eine Leichtigkeit in ihren Manieren und ihrer Ansprache, die nicht verfehlen konnte, zu gefallen –. Stellen Sie sich, meine liebe Madam, vor, wie erfreut ich gewesen sein muss, als ich sah, wie aufmerksam sie jedes Objekt betrachteten, das sie sahen, wie angewidert sie von manchen Dingen, wie entzückt von anderen, wie erstaunt über alles waren! Im Ganzen jedoch kehrten sie entzückt von der Welt, ihren Bewohnern und Sitten zurück.
Ihre immer – A. F.
BRIEF der ZWEITE Von einer JUNGEN DAME, die in der Liebe enttäuscht wurde, an ihre Freundin
Warum sollte dieser letzte Rückschlag so schwer auf meinem Gemüt lasten? Warum sollte ich ihn stärker fühlen, warum sollte er mich tiefer verwunden als jene, die ich zuvor erlebt habe? Kann es sein, dass ich für Willoughby eine größere Zuneigung hege als für seine liebenswürdigen Vorgänger? Oder ist es so, dass unsere Gefühle akuter werden, weil sie so oft verwundet wurden? Ich muss annehmen, meine liebe Belle, dass dies der Fall ist, da ich mir nicht bewusst bin, Willoughby aufrichtiger zugetan zu sein, als ich es bei Neville, Fitzowen oder einem der Crawfords war, für die alle ich einst die dauerhafteste Zuneigung empfand, die jemals das Herz einer Frau gewärmt hat. Sagen Sie mir dann, liebe Belle, warum ich immer noch seufze, wenn ich an den treulosen Edward denke, oder warum ich weine, wenn ich seine Braut erblicke, denn das ist nur allzu gewiss der Fall –. Meine Freunde sind alle alarmiert um mich; sie fürchten um meine schwindende Gesundheit; sie beklagen meinen Mangel an Lebensfreude; sie fürchten die Auswirkungen von beidem. In der Hoffnung, meine Melancholie zu lindern, indem sie meine Gedanken auf andere Objekte lenken, haben sie mehrere ihrer Freunde eingeladen, Weihnachten mit uns zu verbringen. Lady Bridget Darkwood und ihre Schwägerin Miss Jane werden am Freitag erwartet; und die Familie von Colonel Seaton wird nächste Woche bei uns sein. Dies ist alles sehr freundlich gemeint von meinem Onkel und meinen Cousins; aber was kann die Anwesenheit eines Dutzends gleichgültiger Leute anderes für mich tun, als mich zu ermüden und zu bedrücken –. Ich werde meinen Brief erst beenden, wenn einige unserer Besucher eingetroffen sind.
Freitagabend. Lady Bridget kam heute Morgen, und mit ihr ihre süße Schwester Miss Jane –. Obwohl ich diese bezaubernde Frau seit über fünfzehn Jahren kenne, habe ich noch nie zuvor bemerkt, wie reizend sie ist. Sie ist jetzt etwa 35 Jahre alt und blüht trotz Krankheit, Sorge und Zeit mehr auf, als ich jemals ein Mädchen von 17 Jahren gesehen habe. Ich war von ihr entzückt, in dem Augenblick, als sie das Haus betrat, und sie schien ebenso erfreut über mich zu sein und hielt sich den Rest des Tages an mich. Es liegt etwas so Süßes, so Mildes in ihrem Gesicht, dass sie mehr als sterblich zu sein scheint. Ihre Unterhaltung ist ebenso bezaubernd wie ihr Aussehen; ich konnte nicht umhin, ihr zu sagen, wie sehr sie meine Bewunderung fesselte –. „Oh! Miss Jane (sagte ich) – und hielt inne, unfähig, mich in diesem Moment so auszudrücken, wie ich es wünschte – Oh! Miss Jane – (wiederholte ich) – ich konnte keine Worte finden, die meinen Gefühlen entsprachen – Sie schien auf meine Rede zu warten –. Ich war verwirrt – bedrückt – meine Gedanken waren wirr – und ich konnte nur hinzufügen: – „Wie geht es Ihnen?“ Sie sah und fühlte meine Verlegenheit und befreite mich mit bewundernswerter Geistesgegenwart davon, indem sie sagte: „Meine liebe Sophia, seien Sie nicht beunruhigt darüber, sich bloßgestellt zu haben – ich werde das Gespräch wenden, ohne so zu tun, als hätte ich es bemerkt.“ Oh! Wie ich sie für ihre Güte liebte! „Reiten Sie noch so viel wie früher?“, sagte sie –. „Mir wird vom Arzt geraten zu reiten. Wir haben herrliche Ausritte um uns herum, ich habe ein bezauberndes Pferd, bin ungewöhnlich vernarrt in das Vergnügen“, antwortete ich, ganz von meiner Verwirrung erholt, „und kurz gesagt, ich reite sehr viel.“ „Sie haben recht, meine Liebe“, sagte sie. Dann wiederholte sie die folgende Zeile, die ein Stegreifvers war und gleichermaßen geeignet, sowohl das Reiten als auch die Offenheit zu empfehlen –
„Reite, wo du kannst, sei offen, wo du es vermagst“, fügte sie hinzu: „Ich ritt einst, aber es ist viele Jahre her –“. Sie sprach dies mit so leiser und zitternder Stimme, dass ich schwieg –. Beeindruckt von ihrer Art zu sprechen, konnte ich keine Antwort geben. „Ich bin nicht mehr geritten“, fuhr sie fort und heftete ihre Augen auf mein Gesicht, „seit ich verheiratet war.“ Ich war noch nie so überrascht –. „Verheiratet, Ma’am!“, wiederholte ich. „Sie mögen wohl diesen Blick des Erstaunens tragen“, sagte sie, „da das, was ich gesagt habe, Ihnen unwahrscheinlich erscheinen muss – Doch nichts ist wahrer, als dass ich einst verheiratet war.“
„Warum werden Sie dann Miss Jane genannt?“
„Ich heiratete, meine Sophia, ohne die Zustimmung oder das Wissen meines Vaters, des verstorbenen Admirals Annesley. Es war daher notwendig, das Geheimnis vor ihm und vor jedem anderen zu bewahren, bis sich eine glückliche Gelegenheit bieten würde, es zu enthüllen –. Eine solche Gelegenheit, ach! bot sich nur zu bald mit dem Tod meines lieben Capt. Dashwood – Verzeihen Sie diese Tränen“, fuhr Miss Jane fort und wischte sich die Augen, „ich schulde sie dem Andenken meines Mannes. Er fiel, meine Sophia, während er für sein Land in Amerika kämpfte, nach einer höchst glücklichen siebenjährigen Ehe –. Meine Kinder, zwei süße Jungen und ein Mädchen, die ständig bei meinem Vater und mir gelebt hatten und bei ihm und jedem anderen als die Kinder eines Bruders durchgingen (obwohl ich immer ein Einzelkind gewesen war), waren bis dahin der Trost meines Lebens gewesen. Aber kaum hatte ich meinen Henry verloren, als diese süßen Geschöpfe krank wurden und starben –. Stellen Sie sich, liebe Sophia, vor, was meine Gefühle gewesen sein müssen, als ich als Tante meine Kinder zu ihrem frühen Grab begleitete –. Mein Vater überlebte sie nicht um viele Wochen – Er starb, der arme gute alte Mann, glücklicherweise bis zur letzten Stunde unwissend über meine Ehe.“
„Aber haben Sie es nicht zugegeben und seinen Namen nach dem Tod Ihres Mannes angenommen?“
„Nein; ich konnte mich nicht dazu durchringen; umso mehr, als ich mit meinen Kindern jeden Anreiz dafür verlor. Lady Bridget und Sie sind die einzigen Personen, die wissen, dass ich jemals Ehefrau oder Mutter war. Da ich mich nicht dazu überwinden konnte, den Namen Dashwood anzunehmen (einen Namen, den ich nach Henrys Tod nie ohne Rührung hören konnte) und da ich mir bewusst war, kein Recht auf den Namen Annesley zu haben, ließ ich alle Gedanken an beide fallen und habe es mir zur Regel gemacht, seit dem Tod meines Vaters nur meinen Vornamen zu tragen.“ Sie hielt inne –. „Oh! meine liebe Miss Jane“, sagte ich, „wie unendlich bin ich Ihnen für eine so unterhaltsame Geschichte verpflichtet! Sie können nicht glauben, wie sehr sie mich zerstreut hat! Aber sind Sie schon ganz fertig?“
„Ich habe nur hinzuzufügen, meine liebe Sophia, dass Henrys älterer Bruder etwa zur gleichen Zeit starb, wodurch Lady Bridget wie ich Witwe wurde; und da wir uns – in der Vorstellung – immer geliebt hatten, aufgrund des hohen Ansehens, in dem wir stets gestanden hatten, obwohl wir uns nie begegnet waren, beschlossen wir, zusammenzuleben. Wir schrieben einander zum selben Thema mit derselben Post, so genau stimmten unsere Gefühle und Handlungen überein! Wir griffen beide begierig die Vorschläge auf, die wir gaben und empfingen, eine Familie zu werden, und leben seit dieser Zeit in größter Zuneigung zusammen.“
„Und das ist alles?“, sagte ich, „ich hoffe, Sie sind noch nicht fertig.“
„In der Tat, das bin ich; und haben Sie jemals eine pathetischere Geschichte gehört?“
„Habe ich nicht – und gerade deshalb gefällt sie mir so sehr, denn wenn man unglücklich ist, gibt es für das eigene Empfinden nichts Herrlicheres, als von gleichem Elend zu hören.“
„Ach! Aber meine Sophia, warum sind Sie unglücklich?“
„Haben Sie, gnädige Frau, nicht von Willoughbys Heirat gehört?“
„Aber meine Liebe, warum beklagst du seine Treulosigkeit, wo du doch die vieler junger Männer zuvor so gut ertragen hast?“
„Ach! gnädige Frau, daran war ich damals gewöhnt, aber als Willoughby seine Versprechen brach, war ich seit einem halben Jahr nicht mehr enttäuscht worden.“
„Armes Mädchen!“, sagte Miss Jane.
BRIEF der DRITTE Von einer JUNGEN DAME in bedrängten Umständen an ihre Freundin
Vor einigen Tagen war ich auf einem privaten Ball, den Mr Ashburnham gab. Da meine Mutter niemals ausgeht, vertraute sie mich der Obhut von Lady Greville an, die mir die Ehre erwies, mich auf ihrem Weg abzuholen und mir zu erlauben, vorne zu sitzen – ein Gefallen, der mir ziemlich gleichgültig ist, zumal ich weiß, dass er als eine große Verpflichtung betrachtet wird, die man mir auferlegt. „So, Miss Maria“, sagte ihre Ladyship, als sie sah, wie ich auf die Tür der Kutsche zuging, „Sie sehen heute Abend ja sehr schick aus – meine armen Mädchen werden neben Ihnen ganz zu kurz kommen – ich hoffe nur, Ihre Mutter hat sich nicht in Unkosten gestürzt, um Sie herauszuputzen. Haben Sie ein neues Kleid an?“
„Ja, gnädige Frau“, antwortete ich mit so viel Gleichgültigkeit, wie ich aufbringen konnte.
„Ja, und ein feines dazu, wie ich meine –“, sie fühlte daran, als ich mich mit ihrer Erlaubnis neben sie setzte, „ich wette, es ist alles sehr schick – aber ich muss gestehen, denn wissen Sie, ich sage immer meine Meinung, dass ich es für eine völlig unnötige Ausgabe halte – warum konnten Sie nicht Ihr altes gestreiftes tragen? Es ist nicht meine Art, an Leuten herumnörgeln zu wollen, weil sie arm sind, denn ich denke immer, dass sie eher verachtet und bemitleidet als dafür getadelt werden sollten, besonders wenn sie nichts dafür können; aber gleichzeitig muss ich sagen, dass meiner Meinung nach Ihr altes gestreiftes Kleid für seine Trägerin fein genug gewesen wäre – denn um die Wahrheit zu sagen (ich sage immer meine Meinung), ich fürchte sehr, dass die Hälfte der Leute im Raum nicht wissen wird, ob Sie ein Kleid anhaben oder nicht – aber ich nehme an, Sie beabsichtigen, heute Abend Ihr Glück zu machen. Nun, je eher, desto besser; und ich wünsche Ihnen Erfolg.“
„In der Tat, gnädige Frau, ich habe keine solche Absicht –“
„Wer hat je gehört, dass eine junge Dame zugibt, dass sie eine Glücksjägerin ist?“ Miss Greville lachte, aber ich bin sicher, Ellen fühlte mit mir.
„War Ihre Mutter schon zu Bett gegangen, bevor Sie sie verließen?“, sagte ihre Ladyship.
„Liebe gnädige Frau“, sagte Ellen, „es ist erst neun Uhr.“
„Wahr, Ellen, aber Kerzen kosten Geld, und Mrs Williams ist zu weise, um verschwenderisch zu sein.“
„Sie setzte sich gerade zum Abendessen, gnädige Frau.“
„Und was gab es zum Abendessen?“ „Ich habe nicht darauf geachtet.“ „Brot und Käse, nehme ich an.“ „Ich würde mir nie ein besseres Abendessen wünschen“, sagte Ellen. „Du hast nie einen Grund dazu“, entgegnete ihre Mutter, „da dir immer ein besseres bereitgestellt wird.“ Miss Greville lachte exzessiv, wie sie es ständig bei der Schlagfertigkeit ihrer Mutter tut.
Dies ist die demütigende Situation, in der ich erscheinen muss, während ich in der Kutsche ihrer Ladyship fahre – ich wage es nicht, unverschämt zu sein, da meine Mutter mich immer ermahnt, demütig und geduldig zu sein, wenn ich im Leben vorankommen will. Sie besteht darauf, dass ich jede Einladung von Lady Greville annehme, sonst können Sie sicher sein, dass ich niemals ihr Haus oder ihre Kutsche betreten würde, mit der unangenehmen Gewissheit, die ich immer habe, wegen meiner Armut beschimpft zu werden, solange ich darin bin. Als wir in Ashburnham ankamen, war es fast zehn Uhr, was anderthalb Stunden später war, als wir dort sein sollten; aber Lady Greville ist zu modisch (oder hält sich dafür), um pünktlich zu sein. Das Tanzen hatte jedoch noch nicht begonnen, da man auf Miss Greville wartete. Ich war noch nicht lange im Raum, als ich von Mr Bernard zum Tanz aufgefordert wurde, aber gerade als wir aufstehen wollten, fiel ihm ein, dass sein Diener seine weißen Handschuhe hatte, und er rannte sofort hinaus, um sie zu holen. In der Zwischenzeit begann das Tanzen, und Lady Greville ging, als sie in einen anderen Raum wollte, genau vor mir vorbei – sie sah mich und blieb sofort stehen, und sagte zu mir, obwohl mehrere Leute in unserer Nähe waren:
„Holla, Miss Maria! Was, können Sie keinen Partner bekommen? Armes junges Fräulein! Ich fürchte, Ihr neues Kleid wurde umsonst angezogen. Aber verzagen Sie nicht; vielleicht bekommen Sie noch einen Hüpfer, bevor der Abend vorbei ist.“ Mit diesen Worten ging sie weiter, ohne meine wiederholte Versicherung zu hören, dass ich bereits vergeben sei, und ließ mich sehr provoziert zurück, so vor allen anderen bloßgestellt zu werden. Mr Bernard kehrte jedoch bald zurück, und indem er in dem Moment, als er den Raum betrat, zu mir kam und mich zu den Tanzenden führte, wurde mein Ruf, wie ich hoffe, vor den Augen all der alten Damen, die ihre Rede gehört hatten, von der Unterstellung, die Lady Greville gegen ihn erhoben hatte, reingewaschen. Ich vergaß bald alle meine Ärgernisse in dem Vergnügen zu tanzen und den angenehmsten Partner im Raum zu haben. Da er zudem Erbe eines sehr großen Anwesens ist, konnte ich sehen, dass Lady Greville nicht sehr erfreut aussah, als sie herausfand, wer seine Wahl gewesen war – sie war entschlossen, mich zu kränken, und so kam sie, als wir zwischen den Tänzen saßen, mit mehr als ihrer üblichen beleidigenden Wichtigkeit, begleitet von Miss Mason, zu mir und sagte laut genug, um von der Hälfte der Leute im Raum gehört zu werden: „Sagen Sie, Miss Maria, in welcher Branche war eigentlich Ihr Großvater? Denn Miss Mason und ich können uns nicht einigen, ob er Krämer oder Buchbinder war.“ Ich sah, dass sie mich kränken wollte, und war entschlossen, wenn möglich zu verhindern, dass sie sah, dass ihr Plan Erfolg hatte. „Weder noch, gnädige Frau; er war Weinhändler.“ „Ja, ich wusste, er war in so einem niederen Gewerbe – er ging bankrott, nicht wahr?“ „Ich glaube nicht, gnädige Frau.“ „Ist er nicht durchgebrannt?“ „Ich habe nie gehört, dass er das tat.“ „Zumindest starb er zahlungsunfähig?“ „Das wurde mir nie zuvor gesagt.“ „Wie, war Ihr Vater nicht so arm wie eine Kirchenmaus?“ „Ich glaube nicht.“ „War er nicht einmal im King’s Bench?“ „Ich habe ihn dort nie gesehen.“ Sie warf mir einen solchen Blick zu und wandte sich in großer Wut ab; während ich halb entzückt von meiner eigenen Unverschämtheit war und halb Angst hatte, als zu vorlaut zu gelten. Da Lady Greville extrem wütend auf mich war, beachtete sie mich den ganzen Abend nicht weiter, und tatsächlich, selbst wenn ich in ihrer Gunst gestanden hätte, wäre ich gleichermaßen vernachlässigt worden, da sie in einer Gruppe von feinen Leuten gelandet war und sie nie mit mir spricht, wenn sie mit jemand anderem sprechen kann. Miss Greville war beim Abendessen in der Gruppe ihrer Mutter, aber Ellen zog es vor, bei den Bernards und mir zu bleiben. Wir hatten einen sehr angenehmen Tanz, und da Lady G— den ganzen Weg nach Hause schlief, hatte ich eine sehr bequeme Fahrt.
Am nächsten Tag, während wir beim Abendessen waren, hielt Lady Grevilles Kutsche vor der Tür, denn das ist die Tageszeit, zu der sie es gewöhnlich einrichtet. Sie schickte eine Nachricht durch den Diener, um zu sagen, dass „sie nicht aussteigen würde, aber dass Miss Maria zum Kutschenfenster kommen müsse, da sie mit ihr sprechen wolle, und dass sie sich beeilen und sofort kommen müsse –“ „Was für eine unverschämte Nachricht, Mama!“, sagte ich – „Geh, Maria –“, antwortete sie – Dementsprechend ging ich und war gezwungen, dort nach dem Belieben ihrer Ladyship zu stehen, obwohl der Wind extrem stark und sehr kalt war.
„Warum, ich finde, Miss Maria, Sie sind nicht ganz so schick wie gestern Abend – aber ich bin nicht gekommen, um Ihr Kleid zu prüfen, sondern um Ihnen zu sagen, dass Sie übermorgen bei uns speisen können – nicht morgen, denken Sie daran, kommen Sie nicht morgen, denn wir erwarten Lord und Lady Clermont und die Familie von Sir Thomas Stanley – es wird nicht nötig sein, dass Sie sehr fein angezogen sind, denn ich werde die Kutsche nicht schicken – wenn es regnet, können Sie einen Regenschirm nehmen –“ Ich konnte mir kaum das Lachen verkneifen, als ich hörte, wie sie mir die Erlaubnis gab, mich trocken zu halten – „Und bitte denken Sie daran, pünktlich zu sein, denn ich werde nicht warten – ich hasse es, wenn meine Speisen zu durchgebraten sind – aber Sie brauchen nicht vor der Zeit zu kommen – wie geht es Ihrer Mutter? Sie speist doch gerade, nicht wahr?“ „Ja, gnädige Frau, wir waren mitten beim Abendessen, als Ihre Ladyship kam.“ „Ich fürchte, Ihnen ist sehr kalt, Maria“, sagte Ellen. „Ja, es ist ein entsetzlicher Ostwind“, sagte ihre Mutter, „ich versichere Ihnen, ich kann es kaum ertragen, das Fenster herunterzulassen – aber Sie sind es gewohnt, vom Wind herumgeblasen zu werden, Miss Maria, und das ist es, was Ihren Teint so grob und rau gemacht hat. Ihr jungen Damen, die selten in einer Kutsche fahren können, macht es nichts aus, bei welchem Wetter ihr stapft oder wie der Wind eure Beine zeigt. Ich würde nicht wollen, dass meine Mädchen an einem solchen Tag wie heute draußen stehen, wie Sie es tun. Aber manche Leute haben kein Gefühl für Kälte noch für Zartgefühl – Nun, denken Sie daran, dass wir Sie am Donnerstag um 5 Uhr erwarten – Sie müssen Ihrer Zofe sagen, dass sie Sie nachts abholt – es wird kein Mond sein – und Sie werden einen entsetzlichen Heimweg haben – Meine Empfehlungen an Ihre Mutter – ich fürchte, Ihr Abendessen wird kalt werden – Fahren Sie weiter –“ Und weg fuhr sie und ließ mich in großer Wut auf sie zurück, wie sie es immer tut.
Maria Williams.
BRIEF der VIERTE Von einer JUNGEN DAME, etwas unverschämt, an ihre Freundin
Wir speisten gestern bei Mr Evelyn, wo uns seine Cousine, ein sehr angenehm aussehendes Mädchen, vorgestellt wurde. Ich war von ihrer Erscheinung äußerst angetan, denn zu den Reizen eines einnehmenden Gesichts hatten ihre Art und ihre Stimme etwas besonders Interessantes. So sehr, dass sie in mir eine große Neugier weckten, die Geschichte ihres Lebens zu erfahren, wer ihre Eltern waren, woher sie kam und was ihr widerfahren war, denn es war damals nur bekannt, dass sie eine Verwandte von Mr Evelyn sei und dass ihr Name Grenville laute. Am Abend bot sich mir eine günstige Gelegenheit, zumindest zu versuchen, das zu erfahren, was ich wissen wollte, denn jeder spielte Karten außer Mrs Evelyn, meiner Mutter, Dr. Drayton, Miss Grenville und mir selbst, und da die beiden Erstgenannten in ein flüsterndes Gespräch vertieft waren und der Doktor einschlief, waren wir notgedrungen gezwungen, uns miteinander zu unterhalten. Das war es, was ich wollte, und da ich entschlossen war, aus Mangel an Fragen nicht in Unwissenheit zu bleiben, begann ich das Gespräch auf folgende Weise.
„Sind Sie schon lange in Essex, gnädige Frau?“
„Ich bin am Dienstag angekommen.“
„Sie kommen aus Derbyshire?“
„Nein, gnädige Frau!“, erschien sie überrascht über meine Frage, „aus Suffolk.“ Sie werden dies für einen guten Vorstoß von mir halten, meine liebe Mary, aber Sie wissen, dass es mir nicht an Dreistigkeit mangelt, wenn ich ein Ziel vor Augen habe. „Sind Sie zufrieden mit der Grafschaft, Miss Grenville? Finden Sie sie ebenbürtig mit der, die Sie verlassen haben?“
„Viel überlegener, gnädige Frau, in Bezug auf die Schönheit.“ Sie seufzte. Ich brannte darauf zu erfahren, warum.
„Aber der Anblick irgendeiner Landschaft, wie schön sie auch sein mag“, sagte ich, „kann nur ein schwacher Trost für den Verlust der liebsten Freunde sein.“ Sie schüttelte den Kopf, als ob sie die Wahrheit dessen, was ich sagte, fühlte. Meine Neugier war so sehr geweckt, dass ich entschlossen war, sie auf jeden Fall zu befriedigen.
„Sie bedauern also, Suffolk verlassen zu haben, Miss Grenville?“ „In der Tat, das tue ich.“ „Sie sind dort geboren, nehme ich an?“ „Ja, gnädige Frau, ich wurde dort geboren und habe dort viele glückliche Jahre verbracht –“
„Das ist ein großer Trost“, sagte ich, „ich hoffe, gnädige Frau, dass Sie dort niemals unglückliche Jahre verbracht haben.“
„Vollkommenes Glück ist nicht das Eigentum der Sterblichen, und niemand hat ein Recht, ununterbrochenes Glück zu erwarten. – Einige Unglücksfälle habe ich sicherlich erlebt.“
„Welche Unglücksfälle, liebe gnädige Frau?“, erwiderte ich, brennend vor Ungeduld, alles zu wissen. „Keine, gnädige Frau, hoffe ich, die die Folge eines vorsätzlichen Fehlers meinerseits waren.“ „Das nehme ich an, gnädige Frau, und habe keinen Zweifel daran, dass jedes Leiden, das Sie erfahren haben mögen, nur aus der Grausamkeit von Verwandten oder den Fehlern von Freunden entstanden sein kann.“ Sie seufzte – „Sie scheinen unglücklich, meine liebe Miss Grenville – steht es in meiner Macht, Ihr Unglück zu lindern?“ „In Ihrer Macht, gnädige Frau“, erwiderte sie, extrem überrascht; „es steht in niemandes Macht, mich glücklich zu machen.“ Sie sprach diese Worte in einem so traurigen und feierlichen Tonfall aus, dass ich für einige Zeit keinen Mut hatte zu antworten. Ich war tatsächlich verstummt. Ich fasste mich jedoch nach wenigen Augenblicken und sah sie mit aller Zuneigung an, die ich aufbringen konnte: „Meine liebe Miss Grenville“, sagte ich, „Sie erscheinen äußerst jung – und könnten wahrscheinlich den Rat von jemandem gebrauchen, dessen Rücksichtnahme auf Sie, verbunden mit höherem Alter, vielleicht höherem Urteilsvermögen, sie dazu berechtigen könnte, ihn zu erteilen. Ich bin diese Person, und ich fordere Sie nun auf, das Angebot anzunehmen, das ich Ihnen mache: mein Vertrauen und meine Freundschaft, im Austausch wofür ich nur um Ihre bitte –“
„Sie sind überaus verbindlich, gnädige Frau“, sagte sie, „und ich fühle mich durch Ihre Aufmerksamkeit sehr geschmeichelt – aber ich befinde mich in keinerlei Schwierigkeiten, keinem Zweifel, keiner Unsicherheit der Lage, in der irgendein Rat nötig wäre. Wann immer ich jedoch“, fuhr sie fort, sich zu einem gefälligen Lächeln aufhellend, „sollte ich wissen, an wen ich mich wenden muss.“
Ich verneigte mich, fühlte mich aber durch eine solche Abfuhr ziemlich gekränkt; dennoch hatte ich mein Ziel nicht aufgegeben. Ich stellte fest, dass durch den Anschein von Gefühl und Freundschaft nichts zu gewinnen war, und beschloss daher, meine Angriffe mit Fragen und Vermutungen zu erneuern. „Beabsichtigen Sie, lange in diesem Teil Englands zu bleiben, Miss Grenville?“
„Ja, gnädige Frau, einige Zeit, glaube ich.“
„Aber wie werden Mr und Mrs Grenville Ihre Abwesenheit ertragen?“
„Sie sind beide nicht mehr am Leben, gnädige Frau.“ Das war eine Antwort, die ich nicht erwartet hatte – ich war völlig verstummt und habe mich noch nie in meinem Leben so unbeholfen gefühlt –.
BRIEF der FÜNFTE Von einer JUNGEN DAME, die sehr verliebt ist, an ihre Freundin
Mein Onkel wird jeden Tag geiziger, meine Tante eigenartiger und ich verliebter. Was sollen wir alle bei diesem Tempo bis Ende des Jahres sein! Ich hatte heute Morgen das Glück, den folgenden Brief von meinem lieben Musgrove zu erhalten.
Sackville St: 7. Januar
Es ist heute einen Monat her, seit ich meine reizende Henrietta zum ersten Mal erblickte, und der heilige Jahrestag muss und soll in einer Weise begangen werden, die dem Tag angemessen ist – indem ich ihr schreibe. Niemals werde ich den Moment vergessen, als ihre Reize zum ersten Mal auf mein Blickfeld trafen – keine Zeit, wie du wohl weißt, kann ihn aus meinem Gedächtnis löschen. Es war bei Lady Scudamore. Glückliche Lady Scudamore, die nur eine Meile von der göttlichen Henrietta entfernt lebt! Als das reizende Geschöpf den Raum betrat, oh! was waren meine Empfindungen? Der Anblick von dir war wie der Anblick eines wunderbar feinen Dings. Ich schreckte auf – ich starrte sie voller Bewunderung an – sie erschien jeden Moment reizender, und der unglückliche Musgrove wurde ein Gefangener deiner Reize, noch bevor ich Zeit hatte, mich umzusehen. Ja, gnädige Frau, ich hatte das Glück, dich zu verehren, ein Glück, für das ich nicht dankbar genug sein kann. „Was“, sagte er zu sich selbst, „darf Musgrove für Henrietta sterben? Beneidenswerter Sterblicher! Und darf er sich nach ihr sehnen, die das Objekt allgemeiner Bewunderung ist, die von einem Colonel verehrt und von einem Baronet als Trinkspruch gefeiert wird! Anbetungswürdige Henrietta, wie schön du bist! Ich erkläre, du bist absolut göttlich! Du bist mehr als sterblich. Du bist ein Engel. Du bist Venus selbst. Kurz gesagt, gnädige Frau, du bist das hübscheste Mädchen, das ich je in meinem Leben gesehen habe – und ihre Schönheit wird in den Augen ihres Musgrove dadurch gesteigert, dass sie ihm erlaubt, sie zu lieben und mir Hoffnung zu machen. Und ach! Engelhafte Miss Henrietta, der Himmel ist mein Zeuge, wie inbrünstig ich auf den Tod deines schurkischen Onkels und seiner verkommenen Frau hoffe, da meine Schöne nicht einwilligen will, mein zu sein, bis ihr Ableben sie in einen Wohlstand versetzt hat, der über das hinausgeht, was mein Vermögen beschaffen kann –. Obwohl es ein verbesserungsfähiges Anwesen ist –. Grausame Henrietta, auf einem solchen Entschluss zu beharren! Ich bin derzeit bei meiner Schwester, wo ich bleiben möchte, bis mein eigenes Haus, das, obwohl ein ausgezeichnetes, derzeit etwas reparaturbedürftig ist, bereit ist, mich aufzunehmen. Liebenswerte Prinzessin meines Herzens, lebe wohl – von diesem Herzen, das zittert, während es sich unterzeichnet als Dein treuester Bewunderer und ergebener demütiger Diener.
T. Musgrove.
Da ist ein Muster für einen Liebesbrief, Matilda! Hast du jemals ein solches Meisterwerk der Schreibkunst gelesen? Solch ein Sinn, solch ein Gefühl, solche Reinheit der Gedanken, solch ein Fluss der Sprache und solch unverstellte Liebe in einem Blatt? Nein, niemals, das kann ich dir garantieren, da man einem Musgrove nicht bei jedem Mädchen begegnet. Oh! wie sehne ich mich danach, bei ihm zu sein! Ich beabsichtige, ihm morgen Folgendes als Antwort auf seinen Brief zu senden.
Mein liebster Musgrove –. Worte können nicht ausdrücken, wie glücklich dein Brief mich gemacht hat; ich dachte, ich müsste vor Freude weinen, denn ich liebe dich mehr als irgendjemanden auf der Welt. Ich halte dich für den liebenswürdigsten und gutaussehendsten Mann in England, und das bist du sicherlich auch. Ich habe in meinem Leben noch nie so einen süßen Brief gelesen. Schreib mir bitte noch einen ganz genauso, und sag mir in jeder zweiten Zeile, dass du in mich verliebt bist. Ich sterbe förmlich vor Verlangen, dich zu sehen. Wie sollen wir es anstellen, uns zu sehen? Denn wir sind so sehr verliebt, dass wir nicht voneinander leben können. Oh! mein lieber Musgrove, du kannst dir nicht vorstellen, wie ungeduldig ich auf den Tod meines Onkels und meiner Tante warte – wenn sie nicht bald sterben, glaube ich, werde ich verrückt, denn ich verliebe mich jeden Tag meines Lebens mehr in dich.
Wie glücklich deine Schwester ist, das Vergnügen deiner Gesellschaft in ihrem Haus zu genießen, und wie glücklich jeder in London sein muss, weil du dort bist. Ich hoffe, du bist so freundlich, mir bald wieder zu schreiben, denn ich habe noch nie so süße Briefe wie deine gelesen. Ich bin, mein liebster Musgrove, deine wahrhaftig und treu verbundene für immer und ewig
Henrietta Halton.
Ich hoffe, ihm wird meine Antwort gefallen; sie ist so gut, wie ich sie schreiben kann, auch wenn sie nichts gegen seine ist; tatsächlich hatte ich immer gehört, was für ein Ass er im Liebesbriefeschreiben ist. Ich habe ihn, wie du weißt, zum ersten Mal bei Lady Scudamore gesehen – und als ich ihre Ladyship später sah, fragte sie mich, wie mir ihr Cousin Musgrove gefalle.
„Wie, bei meinem Wort“, sagte ich, „ich finde, er ist ein sehr gutaussehender junger Mann.“
„Ich freue mich, dass du das denkst“, antwortete sie, „denn er ist wahnsinnig in dich verliebt.“
„Ach was! Lady Scudamore“, sagte ich, „wie kannst du nur so lächerlich reden?“
„Nein, es ist nur allzu wahr“, antwortete sie, „ich versichere es dir, denn er war in dich verliebt vom ersten Moment an, als er dich erblickte.“
„Ich wünschte, es wäre wahr“, sagte ich, „denn das ist die einzige Art von Liebe, für die ich einen Pfennig geben würde – es hat Sinn, auf den ersten Blick verliebt zu sein.“
„Nun, ich gratuliere dir zu deiner Eroberung“, erwiderte Lady Scudamore, „und ich glaube, sie war eine sehr vollständige; ich bin sicher, sie ist keine verächtliche, denn mein Cousin ist ein bezaubernder junger Bursche, hat viel von der Welt gesehen und schreibt die besten Liebesbriefe, die ich je gelesen habe.“
Das machte mich sehr glücklich, und ich war überaus erfreut über meine Eroberung. Dennoch dachte ich, es sei angemessen, ein wenig vornehm zu tun – also sagte ich zu ihr:
„Das ist alles sehr schön, Lady Scudamore, aber du weißt, dass wir jungen Damen, die Erbinnen sind, uns nicht an Männer wegwerfen dürfen, die gar kein Vermögen haben.“
„Meine liebe Miss Halton“, sagte sie, „ich bin davon genauso überzeugt, wie du es sein kannst, und ich versichere dir, dass ich die Letzte wäre, die dich dazu ermutigen würde, jemanden zu heiraten, der nicht einige Ansprüche darauf erheben kann, ein Vermögen bei dir zu erwarten. Mr. Musgrove ist so weit davon entfernt, arm zu sein, dass er ein Anwesen von mehreren hundert Pfund im Jahr besitzt, welches einer großen Verbesserung bedarf, sowie ein ausgezeichnetes Haus, obwohl es gegenwärtig nicht ganz instand gesetzt ist.“
„Wenn das der Fall ist“, erwiderte ich, „habe ich nichts weiter gegen ihn einzuwenden, und wenn er, wie du sagst, ein gebildeter junger Mann ist und einen guten Liebesbrief schreiben kann, bin ich sicher, dass ich keinen Grund habe, ihn dafür zu tadeln, dass er mich bewundert, auch wenn ich ihn vielleicht trotz alledem nicht heiraten werde, Lady Scudamore.“
„Du bist sicherlich in keiner Weise verpflichtet, ihn zu heiraten“, antwortete ihre Ladyschaft, „außer durch das, was die Liebe selbst dir diktieren wird, denn wenn ich mich nicht sehr irre, hegst du in diesem Augenblick, ohne es selbst zu wissen, eine äußerst zärtliche Zuneigung für ihn.“
„Ach, Lady Scudamore“, erwiderte ich errötend, „wie kannst du nur so etwas denken?“
„Weil jeder Blick, jedes Wort es verrät“, antwortete sie. „Komm, meine liebe Henrietta, betrachte mich als eine Freundin und sei aufrichtig zu mir – ziehst du Mr. Musgrove nicht jedem anderen Mann deines Bekanntenkreises vor?“
„Bitte stelle mir solche Fragen nicht, Lady Scudamore“, sagte ich und wandte meinen Kopf ab, „denn es ziemt sich für mich nicht, sie zu beantworten.“
„Nun, meine Liebe“, erwiderte sie, „jetzt bestätigst du meine Vermutungen. Aber warum, Henrietta, solltest du dich schämen, eine wohlplatzierte Liebe einzugestehen, oder warum weigerst du dich, mir zu vertrauen?“
„Ich schäme mich nicht, sie einzugestehen“, sagte ich und fasste Mut. „Ich weigere mich nicht, dir zu vertrauen, oder zu erröten, wenn ich sage, dass ich deinen Cousin Mr. Musgrove liebe, dass ich ihm aufrichtig zugetan bin, denn es ist keine Schande, einen gut aussehenden Mann zu lieben. Wäre er in der Tat schlicht, hätte ich Grund gehabt, mich einer Leidenschaft zu schämen, die niederträchtig gewesen sein muss, da das Objekt unwürdig gewesen wäre. Aber mit einer solchen Gestalt und einem solchen Gesicht und solch schönem Haar, wie dein Cousin es hat, warum sollte ich erröten, zuzugeben, dass ein solch überlegenes Verdienst einen Eindruck auf mich gemacht hat.“
„Mein süßes Mädchen“ (sagte Lady Scudamore und umarmte mich mit großer Zuneigung), „welch zarte Art zu denken hast du in diesen Dingen, und welch schnelles Urteilsvermögen für dein Alter! Oh! Wie ehre ich dich für solche edlen Gefühle!“
„Tust du das, gnädige Frau?“, sagte ich. „Du bist überaus verbindlich. Aber sag, Lady Scudamore, hat dein Cousin dir selbst von seiner Zuneigung für mich erzählt? Ich werde ihn umso mehr mögen, wenn er es tat, denn was ist ein Liebhaber ohne einen Vertrauten?“
„Oh! meine Liebe“, erwiderte sie, „ihr seid füreinander geboren. Jedes Wort, das du sagst, überzeugt mich tiefer davon, dass eure Gemüter von der unsichtbaren Kraft der Sympathie bewegt werden, denn eure Meinungen und Empfindungen stimmen so genau überein. Sogar die Farbe eurer Haare ist nicht sehr verschieden. Ja, mein liebes Mädchen, der arme, verzweifelte Musgrove offenbarte mir die Geschichte seiner Liebe –. Auch war ich nicht überrascht darüber – ich weiß nicht, wie es war, aber ich hatte eine Art Vorahnung, dass er sich in dich verlieben würde.“
„Nun, aber wie hat er es dir eröffnet?“
„Es geschah erst nach dem Abendessen. Wir saßen zusammen um das Feuer und sprachen über gleichgültige Dinge, obwohl, um die Wahrheit zu sagen, das Gespräch hauptsächlich von meiner Seite geführt wurde, da er nachdenklich und schweigsam war, als er mich plötzlich mitten in einem Satz unterbrach, indem er in einem höchst theatralischen Ton ausrief:
Ja, ich bin verliebt, ich fühle es nun, Und Henrietta Halton hat mich zugrunde gerichtet.
„Oh! Was für eine süße Art“, erwiderte ich, „seine Leidenschaft zu erklären! Solch ein Paar bezaubernder Zeilen über mich zu machen! Wie schade, dass sie sich nicht reimen!“
„Ich bin sehr froh, dass es dir gefällt“, antwortete sie. „Sicherlich lag eine Menge Geschmack darin. ‚Und bist du in sie verliebt, Cousin?‘, sagte ich. ‚Es tut mir sehr leid, denn so untadelig du in jeder Hinsicht bist, mit einem hübschen Anwesen, das großer Verbesserungen fähig ist, und einem ausgezeichneten Haus, wenn auch etwas reparaturbedürftig, doch wer kann hoffen, mit Erfolg nach der anbetungswürdigen Henrietta zu streben, die ein Angebot von einem Colonel erhalten hat und von einem Baronet getoastet wurde?‘“ – „Das habe ich!“ – rief ich. Lady Scudamore fuhr fort: „Ah, lieber Cousin“, erwiderte er, „ich bin so sehr von der geringen Chance überzeugt, die ich haben kann, sie zu gewinnen, die von Tausenden angebetet wird, dass ich deiner Versicherungen nicht bedarf, um noch gründlicher davon überzeugt zu sein. Doch sicherlich wirst weder du noch die schöne Henrietta selbst mir die exquisite Befriedigung verweigern, für sie zu sterben, ein Opfer ihrer Reize zu werden. Und wenn ich tot bin“ – fuhr sie fort –
„Oh, Lady Scudamore“, sagte ich und wischte mir die Augen, „dass ein solch süßes Geschöpf vom Sterben sprechen sollte!“
„Es ist in der Tat ein bewegender Umstand“, erwiderte Lady Scudamore. „‚Wenn ich tot bin‘, sagte er, ‚lass mich zu ihren Füßen tragen und hinlegen, und vielleicht wird sie es nicht verschmähen, eine mitleidige Träne auf meine armen Überreste fallen zu lassen.‘“
„Liebe Lady Scudamore“, unterbrach ich, „sage nichts mehr über dieses bewegende Thema. Ich kann es nicht ertragen.“
„Oh! wie bewundere ich die süße Empfindsamkeit deiner Seele, und da ich sie nicht für alles in der Welt zu tief verwunden möchte, werde ich schweigen.“
„Bitte fahre fort“, sagte ich. Sie tat es.
„Und dann fügte er hinzu: ‚Ah! Cousin, stell dir vor, wie meine Entzückung sein wird, wenn ich die lieben, kostbaren Tropfen auf mein Gesicht rieseln fühle! Wer würde nicht sterben wollen, um solch ein Entzücken zu kosten! Und wenn ich begraben bin, möge die göttliche Henrietta irgendeinen glücklicheren Jüngling mit ihrer Zuneigung segnen. Möge er ihr ebenso zärtlich zugetan sein wie der glücklose Musgrove, und während er zu Staub zerfällt, mögen sie ein Beispiel für Glück im ehelichen Stand leben!‘“
Hast du jemals etwas so Pathetisches gehört? Was für ein bezaubernder Wunsch, zu meinen Füßen gelegt zu werden, wenn er tot wäre! Oh! welch erhabenen Geist muss er haben, um zu solch einem Wunsch fähig zu sein! Lady Scudamore fuhr fort.
„‚Ah! mein lieber Cousin‘, erwiderte ich ihm, ‚solch edles Verhalten wie dieses muss das Herz jeder Frau schmelzen, wie hart es von Natur aus auch sein mag; und könnte die göttliche Henrietta nur deine großzügigen Wünsche für ihr Glück hören, so sanft wie ihr Gemüt ist, habe ich keinen Zweifel, dass sie deine Zuneigung bemitleiden und versuchen würde, sie zu erwidern.‘ ‚Oh! Cousin‘, antwortete er, ‚versuche nicht, meine Hoffnungen durch solch schmeichelhafte Versicherungen zu heben. Nein, ich kann nicht hoffen, dieser Engel von einer Frau zu gefallen, und das Einzige, was mir bleibt, ist zu sterben.‘ ‚Wahre Liebe ist immer verzagt‘, erwiderte ich, ‚aber ich, mein lieber Tom, werde dir sogar noch größere Hoffnungen geben, das Herz dieser Schönen zu erobern, als ich dir bisher gegeben habe, indem ich dir versichere, dass ich sie den ganzen Tag über mit der strengsten Aufmerksamkeit beobachtet habe und deutlich entdecken konnte, dass sie in ihrem Busen, wenn auch ohne es selbst zu wissen, eine äußerst zärtliche Zuneigung für dich hegt.‘“
„Liebe Lady Scudamore“, rief ich, „das ist mehr, als ich jemals wusste!“
„Habe ich nicht gesagt, dass es dir selbst unbekannt war? Ich habe nicht“, fuhr ich ihm gegenüber fort, „dich ermutigt, indem ich dies zuerst sagte, damit die Überraschung das Vergnügen noch größer mache.“ „Nein, Cousin“, erwiderte er mit matter Stimme, „nichts wird mich überzeugen, dass ich das Herz von Henrietta Halton berührt haben könnte, und wenn du dich selbst täuschst, versuche nicht, mich zu täuschen.“ „Kurz gesagt, meine Liebe, es war das Werk einiger Stunden für mich, den armen, verzweifelten Jüngling davon zu überzeugen, dass du wirklich eine Vorliebe für ihn hattest; aber als er schließlich die Kraft meiner Argumente nicht mehr leugnen oder das, was ich ihm sagte, in Zweifel ziehen konnte, waren seine Entzückung, seine Begeisterung, seine Ekstasen jenseits meiner Beschreibungskraft.“
„Oh! das liebe Geschöpf“, rief ich, „wie leidenschaftlich er mich liebt! Aber liebe Lady Scudamore, hast du ihm gesagt, dass ich völlig von meinem Onkel und meiner Tante abhängig bin?“
„Ja, ich habe ihm alles gesagt.“
„Und was sagte er?“
„Er äußerte sich mit Heftigkeit gegen Onkel und Tanten; er beschuldigte die Gesetze Englands, ihnen zu erlauben, ihre Anwesen zu besitzen, wenn sie von ihren Neffen oder Nichten benötigt werden, und wünschte, er wäre im Unterhaus, damit er die Gesetzgebung reformieren und alle ihre Missbräuche berichtigen könnte.“
„Oh! der süße Mann! Was für einen Geist er hat!“, sagte ich.
„Er könne sich nicht schmeicheln, fügte er hinzu, dass die anbetungswürdige Henrietta herabsteigen würde, um seinetwillen auf jenen Luxus und jene Pracht zu verzichten, an die sie gewöhnt sei, und als Austausch nur die Annehmlichkeiten und Eleganzen zu akzeptieren, die sein begrenztes Einkommen ihr bieten könnte, selbst unter der Annahme, dass sein Haus bereit wäre, sie aufzunehmen. Ich sagte ihm, dass nicht erwartet werden könne, dass sie dies täte; es wäre ihr gegenüber eine Ungerechtigkeit, sie für fähig zu halten, die Macht, die sie jetzt besitzt und so edel nutzt, anderen Mitgeschöpfen aus dem ärmeren Teil zu helfen, bloß zur Befriedigung von dir und sich selbst aufzugeben.“
„Sicherlich“, sagte ich, „ich bin hin und wieder sehr wohltätig. Und was sagte Mr. Musgrove dazu?“
„Er antwortete, dass er unter einer melancholischen Notwendigkeit stünde, die Wahrheit dessen einzuräumen, was ich sagte, und dass er sich daher, falls er das glückliche Geschöpf sein sollte, das dazu bestimmt ist, der Ehemann der schönen Henrietta zu sein, dazu bringen müsse, wie ungeduldig auch immer, auf den glücklichen Tag zu warten, an dem sie von der Macht wertloser Verwandter befreit und in der Lage sein würde, sich ihm hinzugeben.“
Was für ein edles Geschöpf er ist! Oh! Matilda, was für ein glückliches Geschöpf ich bin, die seine Frau werden soll! Meine Tante ruft mich, damit ich komme und die Pasteten mache, also adieu meine liebe Freundin, und glaube mir die deine etc. –
H. Halton.
Finis.
FRAGMENTE
An Miss FANNY CATHERINE AUSTEN
MEINE LIEBE NICHTE
Da ich durch die große Entfernung zwischen Rowling und Steventon daran gehindert bin, deine Erziehung selbst zu beaufsichtigen, deren Sorge aus diesem Grunde wahrscheinlich an deinen Vater und deine Mutter fallen wird, halte ich es für meine besondere Pflicht, zu verhindern, dass du so weit wie möglich den Mangel an meinen persönlichen Anweisungen spürst, indem ich meine Meinungen und Ermahnungen zum Verhalten junger Frauen, die du auf den folgenden Seiten ausgedrückt finden wirst, schriftlich an dich richte. –
Ich bin meine liebe Nichte Deine liebevolle Tante Die Verfasserin.
DIE WEIBLICHE PHILOSOPHIN
EIN BRIEF
MEINE LIEBE LOUISA
Dein Freund Mr. Millar besuchte uns gestern auf seinem Weg nach Bath, wohin er wegen seiner Gesundheit reist; zwei seiner Töchter waren bei ihm, aber die älteste und die drei Jungen sind bei ihrer Mutter in Sussex. Obwohl du mir oft gesagt hast, dass Miss Millar bemerkenswert hübsch sei, hast du nie etwas von der Schönheit ihrer Schwestern erwähnt; doch sind sie sicherlich überaus hübsch. Ich werde dir ihre Beschreibung geben. – Julia ist achtzehn; mit einem Gesicht, in dem Bescheidenheit, Verstand und Würde glücklich vereint sind, hat sie eine Form, die dir sogleich Anmut, Eleganz und Symmetrie darbietet. Charlotte, die gerade sechzehn ist, ist kleiner als ihre Schwester, und obwohl ihre Figur nicht mit der leichten Würde von Julias prunken kann, so besitzt sie doch eine angenehme Fülle, die auf eine andere Weise ebenso schätzenswert ist. Sie ist hellhäutig und ihr Gesicht drückt zuweilen eine Sanftheit aus, die am bezauberndsten ist, und zu anderen Zeiten eine Lebhaftigkeit, die am auffallendsten ist. Sie scheint unendlichen Witz und einen unerschütterlichen Humor zu haben; ihre Unterhaltung während der halben Stunde, die sie bei uns saßen, war voll von humorvollen Einfällen, Bonmots und schlagfertigen Antworten; während die vernünftige, die liebenswerte Julia Gesinnungen von Moral äußerte, die eines Herzens wie dem ihren würdig waren. Mr. Millar schien dem Charakter zu entsprechen, den ich immer von ihm erhalten hatte. Mein Vater begegnete ihm mit jenem Blick der Liebe, jenem gesellschaftlichen Händeschütteln und herzlichen Kuss, die seine Freude darüber markierten, einen alten und geschätzten Freund wiederzusehen, von dem er durch verschiedene Umstände fast zwanzig Jahre lang getrennt war. Mr. Millar bemerkte (und das sehr zu Recht), dass jedem in diesem Zeitintervall viele Ereignisse widerfahren seien, was der schönen Julia Anlass gab, höchst vernünftige Reflexionen über die vielen Veränderungen in ihrer Situation anzustellen, die ein so langer Zeitraum verursacht hatte, über die Vorteile einiger und die Nachteile anderer. Von diesem Thema machte sie einen kurzen Exkurs zur Instabilität menschlicher Vergnügungen und der Ungewissheit ihrer Dauer, was sie zu der Beobachtung führte, dass alle irdischen Freuden unvollkommen sein müssen. Sie war dabei, diese Lehre mit Beispielen aus dem Leben großer Männer zu illustrieren, als die Kutsche an die Tür kam und die liebenswerte Moralistin mit ihrem Vater und ihrer Schwester aufbrechen musste; aber nicht ohne ein Versprechen, fünf oder sechs Monate bei ihrer Rückkehr bei uns zu verbringen. Wir erwähnten natürlich dich, und ich versichere dir, dass allseits deinen Verdiensten volle Gerechtigkeit widerfuhr. „Louisa Clarke (sagte ich) ist im Allgemeinen ein sehr angenehmes Mädchen, doch manchmal ist ihr guter Humor durch Griesgrämigkeit, Neid und Bosheit getrübt. Es mangelt ihr weder an Verständnis, noch ist sie ohne einige Ansprüche auf Schönheit, aber diese sind so sehr geringfügig, dass der Wert, den sie auf ihre persönlichen Reize legt, und die Anbetung, die sie erwartet, dass ihnen dargebracht wird, zugleich ein auffallendes Beispiel für ihre Eitelkeit, ihren Stolz und ihre Torheit sind.“ So sagte ich, und meiner Meinung verlieh jeder durch die Übereinstimmung seiner eigenen Gewicht.
Deine liebevolle Arabella Smythe.
DER ERSTE AKT EINER KOMÖDIE
Charaktere
Popgun Maria Charles Pistolletta Postillon Wirtin Chor der Pflugjungen Köchin und und Strephon Chloe
SZENE – EIN GASTHAUS
Es treten auf: Wirtin, Charles, Maria und Köchin.
Wirtin zu Maria Wenn die Herrschaften im Löwen Betten wollen, zeige ihnen Nummer 9.
Maria Ja, Herrin. – Maria geht ab.
Wirtin zu Köchin Wenn ihre Ehren im Mond nach der Speisekarte fragen, gib sie ihnen.
Köchin Ich werde, ich werde. – Köchin geht ab.
Wirtin zu Charles Wenn ihre Ladyschaften in der Sonne ihre Glocke läuten – antworte ihr.
Charles Ja, gnädige Frau. – Gehen einzeln ab.
SZENE WECHSELT ZUM MOND, und enthüllt Popgun und Pistoletta.
Pistoletta Bitte Papa, wie weit ist es nach London?
Popgun Mein Mädchen, mein Liebling, mein liebstes aller meiner Kinder, die du das Ebenbild deiner armen Mutter bist, die vor zwei Monaten starb, mit der ich in die Stadt gehe, um sie an Strephon zu verheiraten, und der ich mein ganzes Anwesen zu vermachen gedenke, es sind noch sieben Meilen.
SZENE WECHSELT ZUR SONNE –
Es treten auf: Chloe und ein Chor von Pflugjungen.
Chloe Wo bin ich? In Hounslow. – Wo gehe ich hin? Nach London. – Was tun? Heiraten. – Wen? Strephon. – Wer ist er? Ein Jüngling. Dann werde ich ein Lied singen.
LIED
Ich gehe zur Stadt Und wenn ich wiederkomme, Werde ich mit Strephon verheiratet sein.* Und das wird für mich ein Spaß sein.
[* Beachte die zwei e]
Chor
Ein Spaß sein, ein Spaß sein, ein Spaß sein, Und das wird für mich ein Spaß sein.
Es tritt auf: Köchin –
Köchin Hier ist die Speisekarte.
Chloe liest 2 Enten, ein Rinderbein, ein stinkendes Rebhuhn und eine Torte. – Ich werde das Rinderbein und das Rebhuhn nehmen.
Köchin geht ab.
Und jetzt werde ich ein weiteres Lied singen.
LIED
Ich werde mein Abendessen einnehmen, Danach werde ich nicht dünner sein, Ich wünschte, ich hätte hier Strephon, Denn er würde das Rebhuhn tranchieren, falls es ein zähes ist.
Chor
Zähes sein, zähes sein, zähes sein, Denn er würde das Rebhuhn tranchieren, falls es Ein zähes ist.
Chloe und Chor gehen ab. –
SZENE WECHSELT ZUM INNEREN DES LÖWEN.
Es treten auf: Strephon und Postillon.
Streph: Du hast mich von Staines an diesen Ort gefahren, von wo aus ich in die Stadt gehe, um Chloe zu heiraten. Wie viel bin ich dir schuldig?
Post: Achtzehn Pence.
Streph: Ach, mein Freund, ich habe nur eine schlechte Guinee, mit der ich mich in der Stadt zu erhalten gedenke. Aber ich werde dir einen unadressierten Brief verpfänden, den ich von Chloe erhalten habe.
Post: Sir, ich nehme Euer Angebot an.
ENDE DES ERSTEN AKTS.
EIN BRIEF von einer JUNGEN DAME, deren Gefühle für ihr Urteilsvermögen zu stark waren und sie zur Begehung von Fehlern führten, die ihr Herz missbilligte.
Viele waren die Sorgen und Wechselfälle meines vergangenen Lebens, meine geliebte Ellinor, und der einzige Trost, den ich für ihre Bitterkeit empfinde, ist, dass ich bei einer genauen Prüfung meines Verhaltens überzeugt bin, dass ich sie streng verdient habe. Ich habe meinen Vater zu einem sehr frühen Zeitpunkt meines Lebens ermordet, ich habe seitdem meine Mutter ermordet, und ich bin jetzt dabei, meine Schwester zu ermorden. Ich habe meine Religion so oft gewechselt, dass ich gegenwärtig nicht eine Idee von einer übrig habe. Ich habe in jedem öffentlichen Prozess in den letzten zwölf Jahren als falsche Zeugin ausgesagt; und ich habe mein eigenes Testament gefälscht. Kurz gesagt, es gibt kaum ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe – Aber ich werde mich jetzt bessern. Colonel Martin von der Horse Guards hat mir seine Aufwartung gemacht, und wir werden in wenigen Tagen heiraten. Da unsere Werbung etwas Einzigartiges an sich hat, werde ich dir einen Bericht davon geben. Colonel Martin ist der zweite Sohn des verstorbenen Sir John Martin, der immens reich starb, aber seinen drei jüngeren Kindern nur jeweils einhunderttausend Pfund vermachte und den Großteil seines Vermögens, etwa acht Millionen, dem jetzigen Sir Thomas hinterließ. Von diesem kleinen Zubrot lebte der Colonel fast vier Monate lang einigermaßen zufrieden, als er sich in den Kopf setzte, den gesamten Besitz seines ältesten Bruders zu erlangen. Ein neues Testament wurde gefälscht und der Colonel legte es vor Gericht vor – aber niemand wollte beschwören, dass es das richtige Testament sei, außer ihm selbst, und er hatte so viel geschworen, dass niemand ihm glaubte. In jenem Moment geschah es, dass ich an der Tür des Gerichts vorbeiging und vom Richter hineingewinkt wurde, der dem Colonel sagte, dass ich eine Dame sei, bereit, für die Sache der Gerechtigkeit alles zu bezeugen, und ihm riet, sich an mich zu wenden. Kurz gesagt, die Angelegenheit war schnell erledigt. Der Colonel und ich schworen, dass es das richtige Testament sei, und Sir Thomas war gezwungen, all seinen unrechtmäßig erworbenen Reichtum aufzugeben. Der Colonel kam aus Dankbarkeit am nächsten Tag zu mir mit einem Antrag auf meine Hand –. Ich gehe jetzt, meine Schwester zu ermorden.
Für immer die Deine, Anna Parker.
EINE REISE DURCH WALES – in einem BRIEF von einer JUNGEN DAME –
MEINE LIEBE CLARA
Ich bin so lange auf der Reise gewesen, dass ich erst jetzt in der Lage bin, dir für deinen Brief zu danken –. Wir verließen unser liebes Zuhause am letzten Montag des Monats; und setzten unsere Reise durch Wales fort, das ein an England angrenzendes Fürstentum ist und dem Prinzen von Wales den Titel verleiht. Wir reisten vorzugsweise zu Pferd. Meine Mutter ritt auf unserem kleinen Pony und Fanny und ich gingen an ihrer Seite oder liefen eher, denn meine Mutter liebt es so sehr, schnell zu reiten, dass sie den ganzen Weg galoppierte. Du kannst dir sicher sein, dass wir in einem feinen Schweiß waren, als wir an unserem Rastplatz ankamen. Fanny hat eine große Anzahl von Zeichnungen des Landes gemacht, die sehr schön sind, wenn auch vielleicht keine so exakten Ähnlichkeiten, wie man sie sich wünschen könnte, da sie im Laufen gemacht wurden. Es würde dich in Erstaunen versetzen, all die Schuhe zu sehen, die wir auf unserer Reise verschlissen haben. Wir waren entschlossen, einen guten Vorrat mitzunehmen und nahmen daher jede ein eigenes Paar mit, zusätzlich zu denen, in denen wir losgingen. Wir waren jedoch gezwungen, sie beide in Carmarthen neu besohlen und mit Absätzen versehen zu lassen, und als sie schließlich ganz hinüber waren, war Mama so freundlich, uns ein Paar blaue Satin-Pantoffeln zu leihen, von denen wir jede einen nahm und entzückt von Hereford nach Hause hüpfte –
Ich bin deine für immer liebevolle Elizabeth Johnson.
EINE GESCHICHTE.
Ein Gentleman, dessen Familiennamen ich verschweigen werde, kaufte vor etwa zwei Jahren ein kleines Häuschen in Pembrokeshire. Diese gewagte Aktion wurde ihm von seinem älteren Bruder nahegelegt, der versprach, zwei Zimmer und eine Kammer für ihn einzurichten, vorausgesetzt, er würde ein kleines Haus nahe den Rändern eines ausgedehnten Waldes und etwa drei Meilen vom Meer entfernt nehmen. Wilhelminus nahm das Angebot freudig an und suchte einige Zeit nach einem solchen Rückzugsort, als er eines Morgens angenehm von seiner Ungewissheit erlöst wurde, indem er diese Anzeige in einer Zeitung las.
ZU VERMIETEN
Ein schmuckes Häuschen an den Rändern eines ausgedehnten Waldes und etwa drei Meilen vom Meer entfernt. Es ist bezugsfertig eingerichtet, bis auf zwei Zimmer und eine Kammer.
Der entzückte Wilhelminus eilte sofort zu seinem Bruder und zeigte ihm die Anzeige. Robertus gratulierte ihm und schickte ihn in seiner Kutsche los, um das Häuschen in Besitz zu nehmen. Nachdem sie drei Tage und sechs Nächte ohne Unterbrechung gereist waren, erreichten sie den Wald, und indem sie einem Pfad folgten, der an dessen Seite einen steilen Hügel hinabführte, über den zehn Bächlein mäandrierten, gelangten sie in einer halben Stunde zu dem Häuschen. Wilhelminus stieg aus, und nachdem er einige Zeit geklopft hatte, ohne eine Antwort zu erhalten oder jemanden im Inneren sich bewegen zu hören, öffnete er die Tür, die nur mit einem hölzernen Riegel verschlossen war, und betrat einen kleinen Raum, den er sofort als eines der beiden unmöblierten Zimmer erkannte. Von dort aus begab er sich in eine ebenso kahle Kammer. Eine Treppe, die davon abging, führte ihn in ein Zimmer darüber, das nicht minder kahl war, und diese Räumlichkeiten bildeten, wie er feststellte, das gesamte Haus. Er war keineswegs unzufrieden mit dieser Entdeckung, da er den Trost der Überlegung hatte, dass er selbst nichts für Möbel ausgeben müsse. Er kehrte unverzüglich zu seinem Bruder zurück, der ihn am nächsten Tag in jedes Geschäft der Stadt mitnahm und alles kaufte, was zur Einrichtung der zwei Zimmer und der Kammer erforderlich war. In wenigen Tagen war alles fertig, und Wilhelminus kehrte zurück, um sein Häuschen in Besitz zu nehmen. Robertus begleitete ihn, zusammen mit seiner Gemahlin, der liebenswürdigen Cecilia, und ihren beiden reizenden Schwestern Arabella und Marina, denen Wilhelminus zärtlich zugetan war, sowie einer großen Anzahl von Bediensteten. Ein gewöhnlicher Geist wäre wahrscheinlich in Verlegenheit geraten, bei dem Versuch, eine so große Gesellschaft unterzubringen, doch Wilhelminus gab mit bewundernswerter Geistesgegenwart den Befehl zur sofortigen Errichtung zweier prächtiger Zelte auf einem offenen Fleckchen im Wald, das an das Haus angrenzte. Ihre Konstruktion war ebenso einfach wie elegant – ein Paar alter Decken, jede von vier Stöcken gestützt, lieferte einen schlagenden Beweis für jenen Sinn für Architektur und jene glückliche Leichtigkeit bei der Überwindung von Schwierigkeiten, die zu Wilhelminus’ bemerkenswertesten Tugenden zählten.