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Romeo and Juliet

by William Shakespeare · in German

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DIE TRAGÖDIE VON ROMEO UND JULIA

von William Shakespeare

Inhalt

DER PROLOG.

ERSTER AKT Erste Szene. Ein öffentlicher Platz. Zweite Szene. Eine Straße. Dritte Szene. Zimmer im Hause Capulet. Vierte Szene. Eine Straße. Fünfte Szene. Eine Halle im Hause Capulet.

ZWEITER AKT CHOR. Erste Szene. Ein offener Platz an Capulets Garten. Zweite Szene. Capulets Garten. Dritte Szene. Bruder Lorenzos Zelle. Vierte Szene. Eine Straße. Fünfte Szene. Capulets Garten. Sechste Szene. Bruder Lorenzos Zelle.

DRITTER AKT Erste Szene. Ein öffentlicher Platz. Zweite Szene. Ein Zimmer im Hause Capulet. Dritte Szene. Bruder Lorenzos Zelle. Vierte Szene. Ein Zimmer im Hause Capulet. Fünfte Szene. Eine offene Galerie zu Julias Kammer, mit Blick auf den Garten.

VIERTER AKT Erste Szene. Bruder Lorenzos Zelle. Zweite Szene. Halle im Hause Capulet. Dritte Szene. Julias Kammer. Vierte Szene. Halle im Hause Capulet. Fünfte Szene. Julias Kammer; Julia auf dem Bett.

FÜNFTER AKT Erste Szene. Mantua. Eine Straße. Zweite Szene. Bruder Lorenzos Zelle. Dritte Szene. Ein Friedhof; darin ein Grabmal der Capulets.

Personenverzeichnis

ESCALUS, Fürst von Verona. MERCUTIO, Verwandter des Fürsten und Freund Romeo. PARIS, ein junger Edelmann, Verwandter des Fürsten. Page des Paris.

MONTAGUE, Haupt einer veronesischen Familie in Fehde mit den Capulets. LADY MONTAGUE, Montagues Gattin. ROMEO, Sohn Montagues. BENVOLIO, Neffe Montagues und Freund Romeo. ABRAM, Diener Montagues. BALTHASAR, Diener Romeo.

CAPULET, Haupt einer veronesischen Familie in Fehde mit den Montagues. LADY CAPULET, Capulets Gattin. JULIA, Capulets Tochter. TYBALT, Neffe der Lady Capulet. CAPULETS VETTER, ein alter Mann. JULIAS AMME. PETER, Diener der Amme. SAMPSON, Diener Capulets. GREGORY, Diener Capulets. Diener.

BRUDER LORENZO, ein Franziskaner. BRUDER JOHANN, vom selben Orden. Ein Apotheker. CHOR. Drei Musikanten. Ein Offizier. Bürger von Verona; mehrere Männer und Frauen, Verwandte beider Häuser; Maskierte, Wachen, Nachtwächter und Begleiter.

SCHAUPLATZ. Den größeren Teil des Stückes hindurch in Verona; einmal, im fünften Akt, in Mantua.

DER PROLOG

Der Chor tritt auf.

CHOR. Zwei Häuser, beide gleich an Würde, stehen In schön Verona, wo die Szene spielt, Durch alten Groll zu neuem Zwist zu gehen, Wo Bürgerblut bürgerliche Hände schmutzt. Aus den verhängnisvollen Lenden dieser Feind' Entstammt ein Paar sich liebender, vom Stern Verdammter, das durch eig'nes Tun sich end't; Durch ihr unglücklich mitleidswert Scheitern Wird ihrer Eltern Streit mit ihrem Tod begraben. Der schrecklich Lauf der todgeweihten Liebe, Der fortgesetzte Zorn der Eltern beiden, Den nichts als ihrer Kinder Tod zu heben, Ist nun der zwei Stunden Spiel auf unsrer Bühne; Wenn ihr's mit patienten Ohren hört, Was hier uns fehlt, wird unsre Müh' zu bessern suchen.

[Ab.]

ERSTER AKT

ERSTE SZENE. Ein öffentlicher Platz.

Sampson und Gregory treten auf, bewaffnet mit Schwertern und Schilden.

SAMPSON. Gregory, beim Wort, wir werden keine Kohlen tragen.

GREGORY. Nein, sonst wären wir Kohlenhauer.

SAMPSON. Ich meine, wenn wir im Zorn sind, ziehen wir.

GREGORY. Ja, solange du lebst, zieh deinen Hals aus dem Halsband.

SAMPSON. Ich schlage schnell, wenn ich gereizt werde.

GREGORY. Aber du wirst nicht schnell gereizt zum Schlagen.

SAMPSON. Ein Hund vom Hause Montague reizt mich.

GREGORY. Gereizt werden heißt sich rühren; und tapfer sein heißt standhalten: also, wenn du gereizt wirst, läufst du davon.

SAMPSON. Ein Hund von jenem Hause wird mich reizen, standzuhalten. Ich will jedem Mann und jeder Magd der Montagues die Wand streitig machen.

GREGORY. Das zeigt dich als schwachen Knecht, denn die Schwächsten kommen an die Wand.

SAMPSON. Wahr, und darum werden die Frauen, als die schwächeren Gefäße, stets an die Wand gedrängt: darum will ich Montagues Männer von der Wand drängen und seine Mägde an die Wand drücken.

GREGORY. Der Streit ist zwischen unseren Herren und uns ihren Männern.

SAMPSON. Das ist eins, ich will mich als Tyrann zeigen: wenn ich mit den Männern gekämpft habe, will ich höflich mit den Mägden sein, ich will ihnen die Köpfe abschlagen.

GREGORY. Den Mägden die Köpfe?

SAMPSON. Ja, den Mägden die Köpfe oder ihre Jungfernschaft; nimm es in welchem Sinn du willst.

GREGORY. Sie müssen es in dem Sinn nehmen, die es fühlen.

SAMPSON. Mich sollen sie fühlen, solange ich stehen kann: und man weiß, dass ich ein hübsches Stück Fleisch bin.

GREGORY. Gut, dass du kein Fisch bist; wenn du es wärst, wärst du armer John. Zieh dein Werkzeug; da kommen welche vom Hause Montague.

Abram und Balthasar treten auf.

SAMPSON. Mein blankes Schwert ist gezückt: Streit, ich werde dir den Rücken decken.

GREGORY. Wie? Drehst du den Rücken und läufst?

SAMPSON. Fürchte mich nicht.

GREGORY. Nein, wahrlich; ich fürchte dich!

SAMPSON. Lasst uns auf unserer Seite dem Gesetz gemäß handeln; lasst sie beginnen.

GREGORY. Ich will die Stirn runzeln, wenn ich vorübergehe, und lasst sie es nehmen, wie es ihnen beliebt.

SAMPSON. Nein, wie sie wagen. Ich will ihnen auf den Daumen beißen, was ihnen Schande bringt, wenn sie es einstecken.

ABRAM. Beißt Ihr uns auf den Daumen, Herr?

SAMPSON. Ich beiße mir auf den Daumen, Herr.

ABRAM. Beißt Ihr uns auf den Daumen, Herr?

SAMPSON. Ist das Gesetz auf unserer Seite, wenn ich ja sage?

GREGORY. Nein.

SAMPSON. Nein, Herr, ich beiße Euch nicht auf den Daumen, Herr; aber ich beiße mir auf den Daumen, Herr.

GREGORY. Wollt Ihr Streit, Herr?

ABRAM. Streit, Herr? Nein, Herr.

SAMPSON. Aber wenn Ihr Streit wollt, Herr, so bin ich für Euch. Ich diene einem ebenso guten Mann wie Ihr.

ABRAM. Keinem Besseren.

SAMPSON. Gut, Herr.

Benvolio tritt auf.

GREGORY. Sagt: Besseren; da kommt einer von den Verwandten meines Herrn.

SAMPSON. Ja, einem Besseren, Herr.

ABRAM. Ihr lügt.

SAMPSON. Zieht, wenn Ihr Männer seid. Gregory, denk an deinen Waschschlag.

[Sie kämpfen.]

BENVOLIO. Auseinander, Narren! Steckt eure Schwerter ein, ihr wisst nicht, was ihr tut.

[Schlägt ihnen die Schwerter nieder.]

Tybalt tritt auf.

TYBALT. Wie, bist du gezückt unter diesen herzlosen Knechten? Wende dich, Benvolio, sieh deinen Tod.

BENVOLIO. Ich halte nur den Frieden, steck dein Schwert ein, Oder führe es, um diese Männer mit mir zu trennen.

TYBALT. Was, gezückt, und redest vom Frieden? Ich hasse das Wort, Wie ich die Hölle hasse, alle Montagues und dich: Auf dich, Feigling.

[Sie kämpfen.]

Drei oder vier Bürger treten mit Knüppeln auf.

ERSTER BÜRGER. Knüppel, Piken und Hellebarden! Schlagt! Schlagt sie nieder! Nieder mit den Capulets! Nieder mit den Montagues!

Capulet im Schlafrock und Lady Capulet treten auf.

CAPULET. Was ist das für ein Lärm? Gebt mir mein langes Schwert, he!

LADY CAPULET. Eine Krücke, eine Krücke! Warum ruft Ihr nach einem Schwert?

CAPULET. Mein Schwert, sag' ich! Der alte Montague ist gekommen Und schwingt seine Klinge zu meinem Trotz.

Montague und Lady Montague treten auf.

MONTAGUE. Du Schurke Capulet! Halte mich nicht, lass mich gehen.

LADY MONTAGUE. Du wirst keinen Fuß regen, einen Feind zu suchen.

Fürst Escalus tritt auf, mit Gefolge.

FÜRST. Aufrührerische Untertanen, Feinde des Friedens, Entweihet dieses nachbarschaftsbefleckten Stahls,— Wollt ihr nicht hören? He! Ihr Männer, ihr Bestien, Die ihr das Feuer eures verderblichen Zorns Mit purpurnen Brunnen löscht, die aus euren Adern springen, Bei Folterstrafe, werft aus jenen blutigen Händen Eure übelgelaunten Waffen auf den Boden Und hört das Urteil eures bewegten Fürsten. Drei bürgerliche Schlägereien, aus einem leeren Wort geboren, Durch dich, alter Capulet, und Montague, Haben dreimal die Ruhe unserer Straßen gestört Und Veronas alte Bürger Von ihrem ehrbar geziemenden Schmuck ablegen lassen, Um alte Hellebarden zu führen, in Händen ebenso alt, Mit Frieden verrostet, euren verrosteten Hass zu trennen. Wenn ihr je wieder unsere Straßen stört, Sollen eure Leben die Buße für den Frieden zahlen. Für diesmal entfernen sich alle übrigen: Du, Capulet, sollst mit mir gehen, Und Montague, kommt heute Nachmittag, Um unseren weiteren Willen in dieser Sache zu erfahren, Nach altem Freistadt, unserem gemeinsamen Gerichtsort. Einmal mehr, bei Todesstrafe, fort, alle.

[Ab: Fürst und Gefolge; Capulet, Lady Capulet, Tybalt, Bürger und Diener.]

MONTAGUE. Wer hat diesen alten Streit neu aufgestoßen? Sprich, Neffe, warst du dabei, als er begann?

BENVOLIO. Hier waren die Diener eures Gegners Und die euren, in nahem Kampf, bevor ich hinzukam. Ich zog, um sie zu trennen, im Augenblick kam Der feurige Tybalt, mit gezücktem Schwert, Das, als er mir Trotz ins Ohr hauchte, Er um sein Haupt schwang und die Winde zerschnitt, Die, unverletzt dabei, ihn höhnisch anfauchten. Während wir Stöße und Schläge tauschten, Kamen mehr und mehr und kämpften hier und dort, Bis der Fürst kam, der beide Teile schied.

LADY MONTAGUE. O wo ist Romeo, saht ihr ihn heute? Sehr froh bin ich, dass er nicht bei diesem Streit war.

BENVOLIO. Gnäd'ge Frau, eine Stunde, bevor die angebetete Sonne Aus dem goldenen Fenster des Ostens hervorsah, Trieb ein unruhiger Sinn mich, draußen zu wandeln, Wo unter dem Hain von Platanen, Der westwärts von dieser Stadtseite wurzelt, So früh wandelnd ich euren Sohn erblickte. Auf ihn ging ich zu, doch er ward meiner gewahr Und stahl sich in das Versteck des Waldes. Ich, seine Neigung an der meinen messend, Die damals am meisten suchte, wo am wenigsten zu finden war, Da ich für mich allein schon einer zu viel war, Verfolgte meine Laune, die seinige nicht verfolgend, Und mied gern, wer gern vor mir floh.

MONTAGUE. Manchen Morgen hat man ihn dort gesehen, Mit Tränen, die den frischen Morgentau vermehrten, Mehr Wolken zu den Wolken mit seinen tiefen Seufzern fügend; Doch sobald die alles erheiternde Sonne Im fernsten Osten anfinge, die Schattenvorhänge Von Auroras Bett zu ziehen, Stiehlt sich mein schwermüt'ger Sohn vom Licht nach Haus, Und einsam in seiner Kammer schließt er sich ein, Schließt seine Fenster, sperrt das schöne Tageslicht aus Und macht sich eine künstliche Nacht. Schwarz und unheilvoll muss diese Laune sich erweisen, Wenn guter Rat nicht die Ursach' heben kann.

BENVOLIO. Mein edler Ohm, wisst Ihr die Ursach'?

MONTAGUE. Ich weiß sie weder noch kann ich's von ihm erfahren.

BENVOLIO. Habt Ihr ihn auf irgendeine Weise gedrängt?

MONTAGUE. Sowohl durch mich selbst als auch durch viele andere Freunde; Doch er, der eig'nen Neigungen Ratgeber, Ist sich selbst — ich will nicht sagen, wie treu — Doch sich selbst so heimlich und so verschlossen, So weit vom Erforschen und Entdecken, Wie die Knospe, die ein neidischer Wurm sticht, Eh sie ihre süßen Blätter in die Luft entfalten Oder ihre Schönheit der Sonne weihn kann. Könnten wir nur erfahren, woher sein Kummer wächst, Wir würden so willig Heilung geben als wissen.

Romeo tritt auf.

BENVOLIO. Seht, da kommt er. Wenn's Euch gefällt, tretet beiseite; Ich will sein Leid erfahren oder stark verneint werden.

MONTAGUE. Ich wollte, du wärst so glücklich durch dein Bleiben, Wahre Beichte zu hören. Komm, Gnäd'ge, lass uns gehn,

[Ab: Montague und Lady Montague.]

BENVOLIO. Guten Morgen, Vetter.

ROMEO. Ist der Tag so jung?

BENVOLIO. Erst neun geschlagen.

ROMEO. Ach mir, traur'ge Stunden scheinen lang. War das mein Vater, der so eilig fortging?

BENVOLIO. Er war's. Was verlängert Romeos Stunden?

ROMEO. Das nicht Haben, was, hätt' ich's, sie kurz macht.

BENVOLIO. Verliebt?

ROMEO. Hinaus.

BENVOLIO. Aus der Liebe?

ROMEO. Aus ihrer Gunst, wo ich in Liebe bin.

BENVOLIO. Ach, dass die Liebe, so sanft im Anblick, So tyrannisch und rau in der Probe sein sollte.

ROMEO. Ach, dass die Liebe, deren Blick stets verhüllt, Ohne Augen doch Wege zu ihrem Willen finden sollte! Wo speisen wir? O weh! Was war das für ein Streit? Doch sag mir nichts, denn ich hab alles gehört. Hier ist viel zu tun mit Hass, doch mehr mit Liebe: Nun denn, o zänkische Liebe! O liebender Hass! O irgendetwas, aus Nichts zuerst erschaffen! O schwere Leichtigkeit! ernste Eitelkeit! Missgestaltetes Chaos wohlgefäll'ger Formen! Feder von Blei, heller Rauch, kaltes Feuer, kranke Gesundheit! Immerwachender Schlaf, der nicht ist, was er ist! Diese Lieb' empfind' ich, die keine Liebe drin empfindet. Lachst du nicht?

BENVOLIO. Nein, Vetter, ich weine eher.

ROMEO. Gutes Herz, worüber?

BENVOLIO. Über die Bedrückung deines guten Herzens.

ROMEO. Das eben ist Liebesar Übertretung. Mein eignes Leid liegt schwer in meiner Brust, Das du weitertragen willst, um es gedrückt zu sehn Mit mehr von deinem. Diese Liebe, die du gezeigt, Fügt mehr Leid zu meinem allzu vielen. Liebe ist Rauch, gemacht aus Seufzern Dunst; Geklärt, ein Feuer, das in Liebenden Augen funkelt; Geplagt, ein Meer, von Liebenden Tränen genährt: Was sonst? Ein klügster Wahnsinn, Eine würgende Galle und ein erhaltend Süßes. Leb wohl, mein Vetter.

[Will gehen.]

BENVOLIO. Halt! Ich gehe mit: Und wenn du mich so lässt, tust du mir Unrecht.

ROMEO. Tusch! Ich hab mich selbst verloren; ich bin nicht hier. Das ist nicht Romeo, er ist anderswo.

BENVOLIO. Sag mir in Ernst, wer die ist, die du liebst?

ROMEO. Was, soll ich stöhnen und dir's sagen?

BENVOLIO. Stöhnen! Warum nein; doch sag mir traurig, wer.

ROMEO. Heiß einen kranken Mann in Trauer sein Testament machen, Ein Wort, schlecht angebracht bei einem, der so krank ist. In Trauer, Vetter, lieb' ich ein Weib.

BENVOLIO. Ich zielt' so nah, als ich vermutet', dass du liebst.

ROMEO. Ein guter Schütz, und schön ist sie, die ich liebe.

BENVOLIO. Ein rechtschönes Ziel, schöner Vetter, wird am schnellsten getroffen.

ROMEO. Nun, bei diesem Schuss fehlt Ihr: sie wird nicht getroffen Von Cupidos Pfeil, sie hat Dianens Witz; Und in starkem Beweis der Keuschheit gut gewappnet, Lebt von Liebes schwachem kindlichem Bogen unentzückt. Sie wird nicht halten der Liebe Worte Belagrung, Nicht bestehn den Angriff angreifender Augen, Nicht ihren Schoß öffnen heiligsedelndem Golde: O sie ist reich an Schönheit, nur arm darin, Dass, wenn sie stirbt, mit Schönheit ihr Vorrat stirbt.

BENVOLIO. Dann hat sie geschworen, dass sie stets keusch leben will?

ROMEO. Sie hat's, und in diesem Sparen macht sie große Verschwendung; Denn Schönheit, von ihrer Strenge ausgehungert, Schneidet Schönheit ab von aller Nachkommenschaft. Sie ist zu schön, zu weise; weise zu schön, Um Seligkeit zu verdienen, indem sie mich verzweifeln lässt. Sie hat verschworen zu lieben, und in diesem Schwur Leb' ich tot, der ich leb', um's jetzt zu erzählen.

BENVOLIO. Lass dich von mir lenken, vergiss, an sie zu denken.

ROMEO. O lehr mich, wie ich vergessen soll zu denken.

BENVOLIO. Indem du deinen Augen Freiheit gibst; Betrachte andere Schönheiten.

ROMEO. Das ist der Weg, Die ihrige, erlesen, erst recht in Frage zu ziehn. Diese glücklichen Masken, die schöner Damen Stirnen küssen, Weil sie schwarz sind, erinnern uns, dass sie das Schöne verbergen; Wer blind geschlagen ist, kann nicht vergessen Den köstlichen Schatz verlorenen Augenlichts. Zeig mir eine Herrin, die überaus schön ist, Was dient ihre Schönheit anderes als als Notiz, Wo ich lesen kann, wer jene überaus Schöne übertraf? Leb wohl, du kannst mich nicht lehren zu vergessen.

BENVOLIO. Ich will jene Lehre zahlen, oder sonst in Schuld sterben.

[Ab.]

ZWEITE SZENE. Eine Straße.

Capulet, Paris und Diener treten auf.

CAPULET. Doch Montague ist ebenso gebunden wie ich, In gleicher Strafe; und es ist nicht schwer, denk' ich, Für Männer, so alt wie wir, den Frieden zu halten.

PARIS. Von ehrenvollem Rang seid ihr beide, Und Jammer ist's, dass ihr so lang in Zwist gelebt. Doch nun, mein Herr, was sagt Ihr zu meiner Werbung?

CAPULET. Nur dass ich wiederhole, was ich zuvor gesagt. Mein Kind ist noch ein Fremdling in der Welt, Sie hat den Wechsel von vierzehn Jahren nicht gesehn; Lasst zwei Sommer mehr in ihrer Pracht verwelken, Eh wir sie reif zur Braut erachten dürfen.

PARIS. Jünger als sie sind glückliche Mütter schon geworden.

CAPULET. Und zu früh verdorben sind jene, so früh gemacht. Die Erde hat all meine Hoffnungen verschlungen, nur sie nicht, Sie ist die hoffnungsvolle Dame meiner Erde: Doch wirbt um sie, güt'ger Paris, gewinnt ihr Herz, Mein Wille zu ihrer Einwilligung ist nur ein Teil; Und sie stimmt zu, liegt in ihrem Wahlbereich Mein Einverständnis und die billigende Stimme. Heut Nacht halt' ich ein altgewohntes Fest, Wozu ich viele Gäste eingeladen, Solche, die ich liebe, und Ihr mit unter ihnen, Einer mehr, höchst willkommen, macht die Zahl mir größer. In meinem armen Haus seht heut Nacht zu schauen Erdwandelnde Sterne, die den dunklen Himmel hell erleuchten: Solch Wohlgefühl, wie es rüstige junge Männer spüren, Wenn der gut gekleidete April auf der Ferse Des hinkenden Winters tritt, solche Lust Wird unter frischen Mädchenknospen Ihr heut Nacht In meinem Haus ererben. Hört alle, seht alle, Und liebt die, deren Verdienst am größten ist: Die, bei mehrerem Anblick vieler, die mein', da ich einer bin, Mag an Zahl sein, wenn auch in Rechnung keiner. Kommt, geht mit mir. Geht, Bursche, eilt umher Durch schönes Verona; findet jene Personen auf, Deren Namen dort geschrieben sind, [gibt ein Papier] und sagt ihnen, Mein Haus und Willkommen wartet auf ihr Belieben.

[Ab: Capulet und Paris.]

DIENER. Findet die auf, deren Namen hier geschrieben sind! Es ist geschrieben, dass der Schuster sich mit seinem Yard abgeben soll und der Schneider mit seinem Leisten, der Fischer mit seinem Pinsel und der Maler mit seinen Netzen; aber ich bin gesandt, die Personen zu finden, deren Namen hier geschrieben sind, und kann nie finden, was für Namen die schreibende Person hier geschrieben hat. Ich muss zu den Gelehrten. Zur guten Stunde!

Benvolio und Romeo treten auf.

BENVOLIO. Tusch, Mann, ein Feuer brennt des andern Brennen aus, Ein Schmerz wird durch anderns Qual gelindert; Dreh dich schwindlig und werde durch Rückwärtsdrehn geholfen; Ein verzweifelt Leid heilt mit anderm Siechtum: Nimm dir eine neue Ansteckung für dein Auge, Und das giftige Übel des alten wird sterben.

ROMEO. Dein Wegerichblatt ist vortrefflich dafür.

BENVOLIO. Wofür, ich bitte dich?

ROMEO. Für dein gebrochenes Schienbein.

BENVOLIO. Wie, Romeo, bist du von Sinnen?

ROMEO. Nicht von Sinnen, doch gebunden mehr als ein Wahnsinniger: Eingesperrt im Kerker, gehalten ohne mein Essen, Gepeitscht und gequält und — Gott zum Gruß, guter Gesell.

DIENER. Gott geb' Euch guten Gruß. Ich bitte, Herr, könnt Ihr lesen?

ROMEO. Ja, mein eignes Geschick in meinem Elend.

DIENER. Vielleicht habt Ihr's ohne Buch gelernt. Doch ich bitte, könnt Ihr irgendwas lesen, das Ihr seht?

ROMEO. Ja, wenn ich die Buchstaben kenne und die Sprache.

DIENER. Ihr sagt ehrlich, bleibt fröhlich!

ROMEO. Wart, Gesell; ich kann lesen.

[Er liest den Brief.]

_Signore Martino und sein Weib und Töchter; Graf Anselmo und seine schönen Schwestern; Die Witwe des Utruvio; Signore Placentio und seine lieblichen Nichten; Mercutio und sein Bruder Valentine; Mein Ohm Capulet, sein Weib und Töchter; Meine schöne Nichte Rosaline und Livia; Signore Valentio und sein Vetter Tybalt; Lucio und die lebhafte Helena. _

Eine schöne Versammlung. [Gibt das Papier zurück] Wohin sollen sie kommen?

DIENER. Hinauf.

ROMEO. Wohin zum Nachtmahl?

DIENER. In unser Haus.

ROMEO. Wessen Haus?

DIENER. Meines Herrn.

ROMEO. In der Tat, das hätt' ich Euch vorher fragen sollen.

DIENER. Nun will ich's Euch sagen, ohne zu fragen. Mein Herr ist der große reiche Capulet, und wenn Ihr nicht vom Hause der Montagues seid, so kommt und trinkt einen Becher Wein. Bleibt fröhlich.

[Ab.]

BENVOLIO. Bei diesem selben alten Fest Capulets Speist die schöne Rosaline, die du so liebst; Mit all den bewunderten Schönheiten von Verona. Geh dorthin und mit unverfälschtem Auge, Vergleich ihr Antlitz mit etlichen, die ich dir zeigen will, Und ich will dich deinen Schwan eine Krähe nennen lassen.

ROMEO. Wenn die fromme Andacht meines Auges Solche Falschheit hegt, dann wandelt Tränen in Feuer; Und jene, die oft ertrinkend nimmer sterben konnten, Durchsichtige Ketzer, verbrannt für Lügner. Eine schöner als meine Lieb'? Die allsehende Sonne Sah nie ihrgleichen seit Anbeginn der Welt.

BENVOLIO. Tusch, du sahst sie schön, da niemand sonst dabei war, Sie selbst mit sich selbst in jedem Auge abgewogen: Doch in jenen kristallenen Schalen soll gewogen werden Die Lieb' eurer Dame gegen eine andere Maid, Die ich euch bei diesem Fest leuchten zeigen will, Und sie wird kaum gut scheinen, die jetzt am besten scheint.

ROMEO. Ich gehe mit, nicht um solchen Anblick zu sehen, Sondern um mich am Glanz des Meinen zu erfreun.

[Ab.]

DRITTE SZENE. Zimmer im Hause Capulet.

Lady Capulet und die Amme treten auf.

LADY CAPULET. Amme, wo ist meine Tochter? Ruf sie her zu mir.

AMME. Nun, bei meiner Jungfernschaft, mit zwölf Jahren, Hieß ich sie kommen. Was, Lämmchen! Was, Marienkäferchen! Gott bewahr! Wo ist dies Mädchen? Was, Julia!

Julia tritt auf.

JULIA. Nun denn, wer ruft?

AMME. Eure Mutter.

JULIA. Gnäd'ge Frau, ich bin hier. Was ist Euer Wille?

LADY CAPULET. Das ist die Sache. Amme, gib uns einen Augenblick, Wir müssen heimlich reden. Amme, komm wieder zurück, Ich hab mich besonnen, du sollst unseren Rat hören. Du weißt, meine Tochter ist in zartem Alter.

AMME. Fürwahr, ich kann ihr Alter auf die Stunde sagen.

LADY CAPULET. Sie ist noch nicht vierzehn.

AMME. Ich wett' vierzehn von meinen Zähnen, Und doch, zu meinem Schaden sei's gesagt, ich habe nur vier, Sie ist nicht vierzehn. Wie lange ist es nun Bis Lammas?

LADY CAPULET. Vierzehn Tage und etliche Tage.

AME. Gerade oder ungerade, von allen Tagen im Jahr, Wird sie an Lammas-Abend bei Nacht vierzehn Jahre alt. Susan und sie – Gott schenke allen christlichen Seelen die Ruh! – Waren gleichaltrig. Nun, Susan ist bei Gott; Sie war zu gut für mich. Doch wie ich sagte, An Lammas-Abend bei Nacht wird sie vierzehn; Das wird sie, wahrlich; ich erinnre mich wohl. Es ist seit dem Erdbeben nun elf Jahre; Und sie ward entwöhnt – ich werd es nie vergessen –, Von allen Tagen des Jahres, gerade an jenem Tag: Denn ich hatte damals Wermut auf meine Brust gelegt, In der Sonne saß ich an der Taubenhauswand; Mein Herr und Ihr wart damals in Mantua: Nein, ich behalte noch alles. Doch wie ich sagte, Als es den Wermut an der Warze schmeckte Von meiner Brust und ihn bitter fand, das kleine Närrchen, Zu sehn, wie verdrießlich es ward und mit der Brust zankte! Da schwankte, sprach das Taubenhaus: es war nicht nötig, mein’ ich, Mich zum Gehen zu mahnen. Und seit der Zeit sind es elf Jahre; Denn sie konnte damals schon allein stehn; ja, beim Kreuz, Sie hätte laufen und watscheln können überall; Denn schon den Tag zuvor brach sie sich die Stirn, Und da hub mein Mann – Gott sei bei seiner Seele! – Er war ein lustiger Mann – das Kind auf: „Ei,“ sprach er, „fällst du auf dein Gesicht? Du wirst rückwärts fallen, wenn du mehr Verstand hast; Nicht wahr, Jule?“ und, bei meiner Heiligen, Das hübsche Würmchen hörte auf zu weinen und sprach „Ja“. Zu sehn, wie nun ein Spaß sich fügen kann. Ich wette, und lebte ich tausend Jahre, Ich würde es nie vergessen. „Nicht wahr, Jule?“ sprach er; Und, hübsches Närrchen, es stockte und sprach „Ja“.

LADY CAPULET. Genug davon; ich bitte dich, schweig still.

AME. Ja, gnädige Frau, doch ich muss nun einmal lachen, Wenn ich denke, dass es aufhörte zu weinen und „Ja“ sprach; Und doch, ich wette, es hatte auf der Stirn Eine Beule so groß wie eines jungen Hahns Stein; Ein gefährlicher Stoß, und es schrie bitterlich. „Ei,“ sprach mein Mann, „fällst du auf dein Gesicht? Du wirst rückwärts fallen, wenn du ins Alter kommst; Nicht wahr, Jule?“ es stockte und sprach „Ja“.

JULIA. Und stocke du auch, ich bitte dich, Amme, sag ich.

AME. Still, ich habe getan. Gott zeichne dich mit seiner Gnade, Du warst das hübscheste Kind, das ich je nährte: Und könnt ich es erleben, dich einst vermählt zu sehn, so hätt ich meinen Wunsch.

LADY CAPULET. Fürwahr, die Heirat ist eben das Thema, Wovon ich sprechen kam. Sag mir, Tochter Julia, Wie steht dein Sinn zur Heirat?

JULIA. Es ist eine Ehre, von der ich nicht träume.

AME. Eine Ehre! Wär ich nicht deine einzige Amme, Ich würde sagen, du hättest Weisheit aus deiner Brust gesogen.

LADY CAPULET. Nun, denk an Heirat jetzt: Jünger als du, Hier in Verona, sind Frauen von Ansehen Schon Mütter. Nach meiner Rechnung War ich deine Mutter ungefähr in solchem Alter, Da du jetzt noch Maid bist. So denn, in Kürze; Der tapfre Paris wirbt um dich aus Liebe.

AME. Ein Mann, junge Lady! Lady, solch ein Mann, Wie die ganze Welt – er ist ein Mann von Wachs.

LADY CAPULET. Veronas Sommer hat keine solche Blume.

AME. Nein, er ist eine Blume, fürwahr eine rechte Blume.

LADY CAPULET. Was sagst du, kannst du den Herrn lieben? Heut Nacht sollt ihr ihn bei unserm Fest erblicken; Lies in dem Buche von des jungen Paris Antlitz, Und finde Wonne dort mit Schönheits Feder eingeschrieben. Prüfe jedes verheiratete Kennzeichen, Und sieh, wie eines dem andern Ergötzen leiht; Und was in diesem schönen Buche dunkel liegt, Find beschrieben in dem Rand von seinen Augen. Dies teuere Buch der Liebe, dies ungebundne Lieb, Zur Zierde fehlt ihm nur ein Einband; Der Fisch lebt in dem Meer; und es ist viel Stolz, Dass ohne Schönheit innen die äußre deckt. Das Buch in mancher Augen teilt die Herrlichkeit, Das in goldnen Spangen schließt die goldne Geschichte; So sollt ihr all das, was er besitzt, teilen, Indem ihr ihn besitzt, euch selbst nicht mindernd.

AME. Nicht minder, nein, größer. Frauen wachsen durch Männer.

LADY CAPULET. Sprich kurz, kann dir Paris' Liebe gefallen?

JULIA. Ich will zu schauen mich bereit finden, wenn das Schauen Zuneigung weckt: Doch nicht tiefer will ich mein Auge entsenden, Als Euer Einverständnis Kraft verleiht, es fliegen zu lassen.

[Eintritt ein Diener.]

DIENER. Gnädige Frau, die Gäste sind gekommen, das Nachtmahl ist aufgetragen, Ihr werdet gerufen, die junge Lady wird verlangt, die Amme ist in der Speisekammer verflucht, und alles ist in höchster Verwirrung. Ich muss forthin bedienen, ich bitte Euch, folgt gleich.

LADY CAPULET. Wir folgen dir.

[ Diener ab. ]

Julia, der Graf wartet.

AME. Geh, Mädchen, wünsch dir glückliche Nächte zu glücklichen Tagen.

[ Alle ab. ]

SZENE IV. Eine Straße.

[Eintreten Romeo, Mercutio, Benvolio, mit fünf oder sechs Maskierten; Fackelträger und andere.]

ROMEO. Was, soll diese Rede uns zur Entschuldigung dienen? Oder sollen wir ohne Entschuldigung weiter?

BENVOLIO. Die Zeit ist vorbei für solche Weitläufigkeit: Wir wollen keinen Cupido, mit einer Binde verhüllt, Der einen tartarischen, bemalten Bogen von Latten trägt, Die Damen scheuchend wie ein Vogelscheuch; Auch keinen auswendig gelernten Prolog, leise gesprochen Nach dem Vorsager, für unsern Eintritt: Doch lasst sie uns messen, womit sie wollen, Wir messen ihnen einen Tanz, und sind fort.

ROMEO. Gib mir eine Fackel, ich bin nicht für dies Trippeln; Da ich nur schwer bin, will ich das Licht tragen.

MERCUTIO. Nein, sanfter Romeo, wir müssen dich zum Tanzen bringen.

ROMEO. Nicht ich, glaubt mir, ihr habt Tanzschuhe, Mit geschmeidigen Sohlen, ich hab eine Seele von Blei, Die mich so an die Erde heftet, dass ich nicht kann.

MERCUTIO. Du bist ein Liebender, borge Cupidos Schwingen, Und schwing dich mit ihnen über gemeinen Zaun.

ROMEO. Ich bin zu sehr durchbohrt von seinem Pfeil, Um mit seinen leichten Federn zu schwingen, und so gebunden, Kann ich nicht eine Höhe übers stumpfe Not. Unter Liebens schwerer Last sink ich darnieder.

MERCUTIO. Und, darin zu sinken, solltest du die Liebe belasten; Zu große Bedrückung für ein zartes Ding.

ROMEO. Ist Liebe ein zartes Ding? Sie ist zu rau, Zu roh, zu ungestüm; und sie sticht wie Dorn.

MERCUTIO. Wenn Liebe rau mit dir ist, sei rau mit der Liebe; Stich die Liebe, weil sie sticht, und du schlägst sie nieder. Gib mir eine Hülse, darein mein Antlitz zu tun: [Setzt eine Maske auf.] Eine Maske für eine Maske. Was kümmert mich, Was neugierges Auge Missgestalt vermerkt? Hier sind die Käferbrauen, die für mich erröten sollen.

BENVOLIO. Komm, klopf und tritt ein; und kaum drinnen, So greife jeder Mann zu seinen Beinen.

ROMEO. Eine Fackel für mich: lasst Lüstlinge, leicht von Herzen, Die sinnlosen Binsen kitzeln mit ihren Fersen; Denn ich bin sprichwörtlich mit eines Großvaters Redensart, Ich will ein Kerzenhalter sein und zuschauen, Das Spiel war nie so schön, und ich bin fertig.

MERCUTIO. Tzt, Braun ist die Maus, des Büttels eigen Wort: Bist du Braun, so ziehn wir dich aus dem Kot, Oder, mit Verlaub zu sagen, der Liebe, worin du steckst Bis über die Ohren. Komm, wir brennen Tageslicht, he.

ROMEO. Nein, das ist es nicht.

MERCUTIO. Ich meine, Herr, im Verzug Verschwenden wir unsre Lichter umsonst, zünden Licht an bei Tag. Nehmt unsre gute Meinung, denn unsre Einsicht sitzt Fünfmal dort, wo unsre fünf Witze einmal sitzen.

ROMEO. Und wir meinen es gut, auf diesen Maskenball zu gehen; Doch es ist kein Witz, zu gehn.

MERCUTIO. Nun, darf man fragen warum?

ROMEO. Ich träumte einen Traum heut Nacht.

MERCUTIO. Und ich auch.

ROMEO. Nun, was war der eure?

MERCUTIO. Dass Träumer oft lügen.

ROMEO. Im Bett im Schlaf, während sie Wahres träumen.

MERCUTIO. O, dann, ich seh, Königin Mab ist bei euch gewesen. Sie ist der Feen Wehmutter, und sie kommt In Gestalt, nicht größer als ein Achatstein Auf dem Zeigefinger eines Aldermanns, Gezogen mit einem Gespann von kleinen Atomien Über der Menschen Nasen, wenn sie schlafen: Ihre Wagenspeichen von langen Spinnenbeinen; Der Deckel, von Flügeln der Grillen; Ihre Stränge, vom kleinsten Spinngeweb; Die Halsbänder, von Mondscheins wässrigen Strahlen; Ihre Peitsche von Heimchens Bein; die Geißel, von Faden; Ihr Wagenknecht, ein klein grauröckiger Schnatz, Nicht halb so groß wie ein rundes Würmchen, Gestachelt vom faulen Finger einer Magd: Ihr Wagen ist eine leere Haselnuss, Gemacht vom Schreiners Eichhörnchen oder alten Wurm, Seit alters der Feen Wagenmacher. Und in diesem Staat galoppiert sie Nacht für Nacht Durch Liebende Hirne, und dann träumen sie von Liebe; Über Höflinge Kniee, die von Knicksen gerade träumen; Über Advokaten Finger, die gerade von Gebühren träumen; Über Damen Lippen, die gerade von Küssen träumen, Die oft die zürnende Mab mit Blasen plagt, Weil ihr Atem von Süßwerk befleckt ist: Bald galoppiert sie über eines Höflings Nase, Und dann träumt er, einen Prozess auszuwittern; Und bald kommt sie mit eines Zehntelsferchels Schwanz, Kitzelnd eines Pfaffen Nase, wenn er schläft, Dann träumt er von einer andern Pfründe: Bald fährt sie über eines Soldaten Nacken, Und dann träumt er, ausländische Kehlen zu schneiden, Von Breschen, Hinterhalten, spanischen Klingen, Von Trinksprüchen fünf Klafter tief; und dann gleich Trommelt in sein Ohr, wobei er auffährt und erwacht; Und, also erschreckt, murmelt ein Gebet oder zwei, Und schläft wieder. Dies ist eben jene Mab, Die in der Nacht die Mähnen der Pferde flocht; Und Elfenlocken bäckt in schmutzigen, liederlichen Haaren, Die, einmal aufgelöst, viel Unglück kündet: Dies ist die Here, wenn Mägde auf dem Rücken liegen, Die sie drückt und sie zuerst lehrt zu tragen, Sie zu Frauen von gutem Gange machend: Dies ist sie –

ROMEO. Still, still, Mercutio, still, Du redest von nichts.

MERCUTIO. Wahr, ich rede von Träumen, Die Kinder eines müßigen Hirns sind, Gezeugt von nichts als eitler Phantasie, Die so dünn von Stoff ist wie die Luft, Und unbeständiger als der Wind, der eben jetzt Den gefrornen Busen des Nordens freit, Und, erzürnt, von dannen bläst, Seine Seite dem tauträufelnden Süden zuwendend.

BENVOLIO. Dieser Wind, von dem du redest, bläst uns von uns selbst: Das Nachtmahl ist vollbracht, und wir kommen zu spät.

ROMEO. Ich fürchte, zu früh: denn mein Sinn ahnt Ein Geschick, das noch in den Sternen hängt, Wird bitterlich beginnen seinen schrecklichen Tag Mit dieser Nacht Lustbarkeit; und die Frist Eines verachteten Lebens, in meiner Brust verschlossen, Durch ein schändliches Einbüßen vorzeitigen Todes enden. Doch der, der meines Laufs Steuer lenkt, Richte mein Flehn. Voran, rüstige Herren!

BENVOLIO. Schlag, Trommel.

[ Alle ab. ]

SZENE V. Eine Halle in Capulets Haus.

[Musikanten warten. Eintreten Diener.]

ERSTER DIENER. Wo ist Potpan, dass er nicht hilft abzuräumen? Er schiebt einen Teller! Er kratzt einen Teller!

ZWEITER DIENER. Wenn gute Manieren in eines oder zweier Männer Händen liegt, und die noch ungewaschen, so ist es eine schlimme Sache.

ERSTER DIENER. Fort mit den Faltstühlen, rück den Anrichtetisch weg, sieh zum Silber. Guter, bewahr mir ein Stück Marzipan; und da du mich liebst, lass den Pförtner Susan Grindstone und Nell hereinlassen. Antonius und Potpan!

ZWEITER DIENER. Ja, Bursch, bereit.

ERSTER DIENER. Man sieht nach dir und ruft nach dir, fragt nach dir und sucht nach dir, im großen Saal.

ZWEITER DIENER. Wir können nicht hier und dort zugleich sein. Frisch, Burschen. Seid eine Weile rüstig, und wer am längsten lebt, nehme alles.

[Ab.]

[Eintreten Capulet &c. mit den Gästen und Edelfrauen zu den Maskierten.]

CAPULET. Willkommen, ihr Herren, Damen, die eure Zehen Nicht mit Hühneraugen geplagt, einen Tanz mit euch versuchen. Ah, meine Meisterinnen, welche von euch allen Wird nun den Tanz ausschlagen? Die da ziert, Die, schwör ich, hat Hühneraugen. Treff ich euch nun? Willkommen, ihr Herren! Ich habe den Tag gesehn, Da ich eine Maske trug und konnte erzählen Eine flüsternde Geschichte in einer schönen Dame Ohr, Solch eine, die gefiele; es ist hin, es ist hin, es ist hin, Ihr seid willkommen, ihr Herren! Kommt, Musikanten, spielt. Eine Halle, eine Halle, macht Raum! Und tretet es, Mädchen.

[ Musik spielt, und sie tanzen. ]

Mehr Licht, ihr Schurken; und kehrt die Tische um, Und löschet das Feuer, der Raum ist zu heiß geworden. Ah, Burschchen, dies unerwartete Fest kommt gelegen. Nein, setz dich, nein, setz dich, guter Vetter Capulet, Denn du und ich sind unsrer Tanztage entwachsen; Wie lang ist's nun, seit du und ich zuletzt Bei einem Maskenball waren?

CAPULETS VETTER. Bei unsrer Frauen, dreißig Jahre.

CAPULET. Was, Mann, es ist nicht so viel, es ist nicht so viel: Es ist seit der Hochzeit des Lucentio, Komm Pfingsten so schnell es will, Etwa fünfundzwanzig Jahre; und da waren wir maskiert.

CAPULETS VETTER. Es ist mehr, es ist mehr, sein Sohn ist älter, Herr; Sein Sohn ist dreißig.

CAPULET. Willst du mir das weismachen? Sein Sohn war erst vor zwei Jahren unmündig.

ROMEO. Welche Dame ist das, die dort die Hand Des Ritters da bereichert?

DIENER. Ich weiß es nicht, Herr.

ROMEO. O, sie lehrt die Fackeln hell zu brennen! Es scheint, sie hängt an der Wange der Nacht Wie ein reiches Juwel in eines Mohren Ohr; Zu reich fürs Tragen, für die Erde zu teuer! So zeigt sich eine schneeweiße Taube, die mit Krähen zieht, Wie dort die Dame über ihre Gespielen hervorragt. Ist der Tanz vollbracht, will ich auf ihren Standort achten, Und, die ihre berührend, meine rohe Hand segnen. Hat mein Herz je geliebt bis jetzt? Abschwör es, Auge! Denn ich sah nie wahre Schönheit bis diese Nacht.

TYBALT. Dies, nach seiner Stimme, sollte ein Montague sein. Hol mir meinen Rapier, Bursche. Was, wagt der Sklave Herzukommen, mit einem fratzenhaften Antlitz bedeckt, Zu höhnen und zu spotten unsrer Feierlichkeit? Nun, beim Stamm und der Ehre meines Geschlechts, Ihn tot zu schlagen, halt ich nicht für Sünde.

CAPULET. Nun, was nun, Vetter! Warum tobst du so?

TYBALT. Onkel, dies ist ein Montague, unser Feind; Ein Bösewicht, der hierher gekommen trotzig, Um unsre Feierlichkeit diese Nacht zu höhnen.

CAPULET. Junger Romeo, ist's?

TYBALT. Er ist's, jener Bösewicht Romeo.

CAPULET. Beruhige dich, sanfter Vetter, lass ihn gehn, Er benimmt sich wie ein stattlicher Herr; Und, die Wahrheit zu sagen, Verona rühmt sich sein, Als eines tugendhaften und wohlgeführten Jünglings. Ich wollte nicht um alles Gut der Stadt Hier in meinem Haus ihm Schande antun. Darum sei geduldig, achte nicht sein, Es ist mein Wille; und wenn du dies achtest, Zeig eine heitre Gegenwart und leg die Stirnrunzeln ab, Ein übelanständiges Aussehn für ein Fest.

TYBALT. Es ziemt sich, wenn solch ein Bösewicht ein Gast ist: Ich will ihn nicht dulden.

CAPULET. Er soll geduldet werden. Was, guter Mann, Bursch! Ich sag, er soll, geh, geh; Bin ich der Herr hier, oder du? Geh, geh. Du willst ihn nicht dulden! Gott bessre meine Seele, Du willst unter meinen Gästen Meuterei anzetteln! Du willst alles über den Haufen werfen, du willst der Mann sein!

TYBALT. Nun, Onkel, es ist eine Schande.

CAPULET. Geh, geh! Du bist ein frecher Bursche. Ist's so, wahrlich? Dieser Streich kann dir noch schaden, ich weiß, was. Du musst mir widerstreben! Fürwahr, es ist Zeit. Wohl gesagt, meine Herzen! – Du bist ein Fant, geh: Sei still, oder – Mehr Licht, mehr Licht! – Für Scham! Ich will dich still machen. Was, frisch, meine Herzen.

TYBALT. Geduld gezwungen, die mit eigenwilligem Zorn zusammentrifft, Lässt mein Fleisch beben bei ihrem verschiedenen Gruß. Ich will mich zurückziehn: doch dies Eindringen soll, Nun süß erscheinend, sich in bittere Galle wandeln.

[Ab.]

ROMEO. [ Zu Julia. ] Wenn ich mit meiner unwürdigsten Hand Dies Heiligtum entweihe, die zarte Sünde ist dies, Meine Lippen, zwei errötende Pilger, stehen bereit, Den rauen Griff mit einem zarten Kuss zu glätten.

JULIA. Guter Pilger, du tust deiner Hand zu viel Unrecht, Die ihre höfliche Andacht so erweist; Denn Heilige haben Hände, die Pilgerhände berühren, Und Hand in Hand ist heiliger Palmenkuss.

ROMEO. Haben nicht Heilige Lippen, und heilige Pilmer auch?

JULIA. Ja, Pilger, Lippen, die sie im Gebet müssen brauchen.

ROMEO. O, dann, teure Heilige, lass Lippen tun, was Hände tun: Sie flehn, gewähr, sonst wird der Glaube zur Verzweiflung.

JULIA. Heilige rühren sich nicht, obgleich sie um Gebets willen gewähren.

ROMEO. So rühre nicht, während ich die Wirkung meines Flehens nehme. So wird von meinen Lippen, durch die deinen, meine Sünde gereinigt. [ Küsst sie. ]

JULIA. So haben meine Lippen die Sünde, die sie genommen.

ROMEO. Sünde von meinen Lippen? O reizend zugespitzter Frevel! Gib mir meine Sünde wieder.

JULIA. Du küsst nach dem Buche.

AME. Gnädige Frau, Eure Mutter verlangt ein Wort mit Euch.

ROMEO. Wer ist ihre Mutter?

AME. Fürwahr, Junggesell, Ihre Mutter ist die Frau vom Haus, Und eine gute Frau, und eine weise und tugendhafte. Ich nährte ihre Tochter, mit der Ihr spracht. Ich sag Euch, wer ihrer habhaft werden kann, Wird die Schätze haben.

ROMEO. Ist sie eine Capulet? O teure Rechnung! Mein Leben ist meines Feindes Schuld.

BENVOLIO. Fort, geh weg; das Spiel ist auf dem Höhepunkt.

ROMEO. Ja, so fürcht ich; desto größer ist meine Unruh.

CAPULET. Nein, ihr Herren, rüstet euch nicht zur Abfahrt, Wir haben ein klein törichtes Nachtessen vor. Ist es schon so? Nun dann, ich dank euch allen; Ich dank euch, ehrliche Herren; gute Nacht. Mehr Fackeln hier! Kommt denn, lasst uns zu Bett. Ah, Burschchen, bei meiner Treu, es wird spät, Ich will zu meiner Ruh.

[ Alle ab außer Julia und Amme. ]

JULIA. Komm her, Amme. Wer ist jener Herr?

AME. Der Sohn und Erbe des alten Tiberio.

JULIA. Wer ist der, der eben zur Tür hinausgeht?

AME. Fürwahr, ich denke, das ist der junge Petruchio.

JULIA. Wer ist der, der hier folgt und nicht tanzen wollte?

AME. Ich weiß nicht.

JULIA. Geh, frag seinen Namen. Ist er verheiratet, So ist mein Grab mir wohl zur Hochzeitsstatt.

AME. Sein Name ist Romeo, und ein Montague, Der einzige Sohn eures großen Feindes.

JULIA. Meine einzige Liebe entspross meiner einzigen Hass! Zu früh gesehn, und unbekannt, und zu spät erkannt! Ungeheure Geburt der Liebe ist es mir, Dass ich einen verhassten Feind lieben muss.

AME. Was ist das? Was ist das?

JULIA. Ein Reim, den ich eben jetzt gelernt, Von einem, mit dem ich tanzte.

[ Einer ruft drinnen, „Julia“. ]

AME. Gleich, gleich! Kommt, lasst uns gehn, die Fremden sind alle fort.

[Ab.]

ZWEITER AKT

[Eintritt der Chorus.]

CHOR. Nun liegt altes Verlangen auf seinem Sterbebett, Und junge Zuneigung sperrt den Mund auf, sein Erbe zu sein; Jenes Schöne, um dessentwillen Liebe seufzte und stürbe, Mit der zarten Julia vereint, ist nun nicht mehr schön. Nun wird Romeo geliebt und liebt wieder, Beide gleich behext durch den Zauber der Blicke; Doch muss er bei seinem Feind, wie er wähnt, klagen, Und sie stiehlt Liebens süßen Köder von furchtbaren Haken: Als Feind gehalten, kann er nicht Zugang haben, Solche Schwüre zu atmen, wie Liebende zu schwören pflegen; Und sie, so sehr verliebt, hat minder Mittel, Ihr neues Lieb zu treffen irgendwo. Doch Leidenschaft leiht ihnen Macht, Zeit Mittel, sich zu treffen, Die äußersten Extreme mit äußerster Süße mäßend.

[Ab.]

SZENE I. Ein offner Platz an Capulets Garten.

[Eintritt Romeo.]

ROMEO. Kann ich vorwärts gehn, wenn mein Herz hier ist? Kehr um, du stumpfe Erde, und finde deinen Mittelpunkt.

[ Er klettert über die Mauer und springt in den Garten. ]

[Eintreten Benvolio und Mercutio.]

BENVOLIO. Romeo! Mein Vetter Romeo! Romeo!

MERCUTIO. Er ist klug, Und, bei meinem Leben, hat sich heimlich nach Bett gestohlen.

BENVOLIO. Er lief diesen Weg und sprang dieses Obstgarten-Mauer: Ruf, guter Mercutio.

MERCUTIO. Nein, ich will auch beschwören. Romeo! Laune! Wahnsinniger! Leidenschaft! Liebender! Erscheine du im Gleichnis eines Seufzers, Sprich nur einen Reim, und ich bin zufrieden; Ruf nur „Ach mich!" Sprich nur Lieb und Taub; Sprich zu meiner Gevatterin Venus ein holdes Wort, Einen Kosennamen für ihren blinden Sohn und Erben, Den jungen Abraham Cupido, der so schmuck schoss, Als König Cophetua die Bettlermaid liebte. Er hört nicht, er regt sich nicht, er bewegt sich nicht; Der Affe ist tot, und ich muss ihn beschwören. Ich beschwöre dich bei Rosalines hellen Augen, Bei ihrer hohen Stirn und ihrer scharlachnen Lippe, Bei ihrem feinen Fuß, geradem Bein und zitternder Hüfte, Und den Fluren, die dort benachbart liegen, Dass du in deiner Gleichnis uns erscheinest.

BENVOLIO. Und wenn er dich hört, wirst du ihn erzürnen.

MERCUTIO. Das kann ihn nicht erzürnen. Es würde ihn erzürnen, Einen Geist in seiner Herrin Bannkreis zu erwecken, Von seltsamer Natur, ihn dort stehn zu lassen, Bis sie ihn gelegt und hinab beschworen; Das wäre etwas Bosheit. Meine Anrufung Ist schön und ehrbar, und in seiner Herrin Namen, Beschwör ich nur, ihn heraufzurufen.

BENVOLIO. Komm, er hat sich unter diesen Bäumen versteckt, Um mit der launischen Nacht verkehrt zu sein. Blind ist seine Liebe, und die Nacht ziemt ihm am besten.

MERCUTIO. Ist Liebe blind, kann Liebe das Ziel nicht treffen. Nun wird er unter einem Mispelbaum sitzen, Und wünschen, seine Herrin wär solch eine Frucht Wie Mägde Mispeln nennen, wenn sie allein lachen. O Romeo, dass sie es wäre, o dass sie es wäre Eine offne Arschbirne und du eine Poperin-Birn! Romeo, gute Nacht. Ich will zu meinem Rollbett. Dies Feldbeet ist mir zu kalt zum Schlafen. Komm, sollen wir gehn?

BENVOLIO. Geh denn; denn es ist vergebens, Ihn hier zu suchen, der nicht gefunden sein will.

[Ab.]

SZENE II. Capulets Garten.

[Eintritt Romeo.]

ROMEO. Der scherzt über Narben, die nie eine Wunde gefühlt.

Julia erscheint oben an einem Fenster.

Doch still, was für ein Licht bricht durch jenes Fenster dort? Es ist der Ost, und Julia ist die Sonne! Auf, du schöne Sonne, und töte den neidischen Mond, Der schon krank und bleich vor Gram ist, Dass du, ihre Magd, viel schöner bist als sie. Sei nicht ihre Magd, da sie neidisch ist; Ihr vestalisch Grün ist nichts als krank und bleich, Und nur Narren tragen es; wirf es ab. Sie ist meine Herrin, o sie ist meine Liebe! O, dass sie wüsste, dass sie es ist! Sie spricht, und sagt doch nichts. Was soll das? Ihr Auge redet, ich will ihm Antwort geben. Ich bin zu kühn, sie spricht nicht zu mir. Zwei der schönsten Sterne am ganzen Himmel, Die etwas zu schicken haben, bitten ihre Augen, In ihren Sphären zu funkeln, bis sie zurückkehren. Was wär, wenn ihre Augen dort wären, sie in ihrem Haupt? Die Helligkeit ihrer Wange würde jene Sterne beschämen, Wie Tageslicht eine Lampe; ihre Augen im Himmel Würden so hell durch die Lüfte strömen, Dass die Vögel sängen und meinten, es wäre nicht Nacht. Sieh, wie sie ihre Wange auf die Hand stützt. O dass ich ein Handschuh an dieser Hand wär, Dass ich jene Wange berühren könnte.

JULIA. Ach weh.

ROMEO. Sie spricht. O sprich noch einmal, du heller Engel, denn du bist Für diese Nacht, schwebend über meinem Haupt, Wie ein geflügelter Bote des Himmels Für die weiß emporgewandten, staunenden Augen Der Sterblichen, die zurückweichen, ihn anzustaunen, Wenn er die träg sich bauschenden Wolken überschreitet Und auf dem Schoß der Lüfte segelt.

JULIA. O Romeo, Romeo, warum bist du Romeo? Verleugne deinen Vater und weigre dich des Namens. Oder, willst du nicht, so schwör dich als mein Liebster, Und ich will keine Capulet mehr sein.

ROMEO. [Beiseite.] Soll ich weiter hören, oder soll ich jetzt sprechen?

JULIA. Nur dein Name ist mein Feind; Du bist du selbst, auch wenn du kein Montague bist. Was ist Montague? Es ist weder Hand noch Fuß, Noch Arm, noch Antlitz, noch ein andrer Teil, Der zu dem Mann gehört. O, sei ein andrer Name. Was ist ein Name? Was wir Rose nennen, Würd jeden andern Duft so süchlich riechen; So Romeo, würd er nicht Romeo geheißen, Behielte jene teure Vollkommenheit, Die ihm gehört, trotz seines Titels. Romeo, leg den Namen ab, Und für den Namen, der kein Teil von dir ist, Nimm ganz mich selbst.

ROMEO. Ich nehme dich beim Wort. Nenn mich nur Liebe, und ich will neu getauft sein; Nie wieder will ich Romeo sein.

JULIA. Was bist du für ein Mann, der so, vom Nachtschleier verhüllt, Mein Geheimnis hier belauscht?

ROMEO. Durch einen Namen, Ich weiß nicht, wie ich dir sagen soll, wer ich bin: Mein Name, teure Heilige, ist mir verhasst, Weil er dein Feind ist. Hätt ich ihn aufgeschrieben, ich risse das Wort heraus.

JULIA. Mein Ohr hat noch nicht hundert Worte Von deiner Zunge gehört, doch kenn ich den Klang. Bist du nicht Romeo, und ein Montague?

ROMEO. Keins von beiden, holde Maid, wenn eins dich missfällt.

JULIA. Wie kamst du her, sag mir, und warum? Die Gartenmauern sind hoch und schwer zu steigen, Und dieser Ort ist Tod, bedenkt man, wer du bist, Wenn einer meiner Verwandten dich hier findet.

ROMEO. Mit Liebes leichten Schwingen schwang ich mich über diese Mauern, Denn steinerne Schranken halten die Liebe nicht zurück, Und was Liebe vermag, das wagt der Liebende zu tun: Drum sind deine Verwandten mir kein Hindernis.

JULIA. Sehen sie dich, ermorden sie dich.

ROMEO. Ach, in deinem Auge liegt mehr Gefahr Als in zwanzig ihrer Schwerter. Blicke du nur hold, Und ich bin gefeit gegen ihre Feindschaft.

JULIA. Nicht um die Welt wollt ich, dass sie dich hier sähen.

ROMEO. Ich habe den Nachtmantel, mich vor ihren Augen zu bergen, Und wenn du mich nur liebst, lass sie mich hier finden. Mein Leben wär durch ihren Hass beisser beendet Als durch den Tod, der, deiner Liebe bar, nur währt.

JULIA. Durch wessen Führung fandest du diesen Ort?

ROMEO. Durch die Liebe, die mich zuerst hieß zu forschen; Sie lieh mir Rat, und ich lieh ihr die Augen. Ich bin kein Steuermann; doch wärst du so fern Wie jene weite Küste, die vom fernsten Meer bespült wird, Ich würd um solche Ware wagen.

JULIA. Du weißt, die Larve der Nacht deckt mein Gesicht, Sonst würde eine Mädchenscham mir die Wange röten Für das, was du mich heute Nacht hast sprechen hören. Gern hielte ich mich an die Form, gern, gern verleugnen, Was ich gesprochen; doch fahr hin, höfischer Schein! Liebst du mich? Ich weiß, du wirst ja sagen, Und ich will dir glauben. Doch wenn du schwörst, Magst du vielleicht falsch sein. Bei Liebesschwüren, So sagt man, lacht Jupiter. O sanfter Romeo, Wenn du mich liebst, sprich es treulich aus. Oder, dünkst du mich zu schnell gewonnen, Will ich runzeln und spröd sein und dir nein sagen, Auf dass du weiter werben sollst. Doch sonst, nicht um die Welt. In Wahrheit, holder Montague, ich bin zu hold, Und darum magst du mein Betragen leicht achten: Doch glaub mir, edler Herr, ich will mich treuer zeigen Als jene, die mehr Kunst im Sprödetun verstehn. Ich hätte spröder sein müssen, ich muss es gestehn, Doch da du, eh ichs mir versah, mein wahres Liebesflehn erhörtest: drum vergib mir, Und rechne dies Nachgeben nicht der leichten Liebe zu, Die die dunkle Nacht so offenbart.

ROMEO. Herrin, bei jenem selgen Mond, ich schwörs, Der all die Obstbaumwipfel mit Silber säumt,—

JULIA. O schwör nicht bei dem Mond, dem unbeständgen Mond, Der allmonatlich wandelt in seinem Kreise, Dass nicht auch deine Liebe wandelbar sich zeige.

ROMEO. Wobei soll ich denn schwören?

JULIA. Schwör überhaupt nicht. Oder, willst du schwören, schwör bei dir selbst, Dem Götzen meiner Anbetung, So will ich dir glauben.

ROMEO. Wenn meiner Seele teure Liebe,—

JULIA. Nun, schwöre nicht. Obwohl ich mich dein freue, Hab ich doch keine Freude an diesem Bund heut Nacht; Er ist zu hastig, zu unbedacht, zu plötzlich, Zu gleich dem Blitz, der aufhört zu sein, Eh man noch „Es blitzt“ sagen kann. Süßer, gute Nacht. Dies Knösplein der Liebe, vom reifenden Hauch des Sommers, Mag, wenn wir uns wiedersehn, zu schöner Blume werden. Gute Nacht, gute Nacht. So süße Ruh und Rast Komme deinem Herzen zu, wie meinem Busen.

ROMEO. O willst du mich so unbefriedigt lassen?

JULIA. Welche Befriedigung kannst du heut Nacht haben?

ROMEO. Den Tausch deiner Liebestreu mit meinem Schwur.

JULIA. Ich gab dir den meinen, eh du ihn noch batst; Und dennoch wollt ich, ich könnt ihn nochmals geben.

ROMEO. Wolltest du ihn zurückziehn? Zu welchem Zweck, Liebste?

JULIA. Nur um aufrichtig zu sein und ihn nochmals zu geben. Doch ich wünsche nur, was ich schon habe; Meine Güte ist so grenzenlos wie das Meer, Meine Liebe so tief; je mehr ich dir gebe, Desto mehr hab ich, denn beide sind unendlich. Ich höre Lärm drinnen. Teurer Geliebter, leb wohl. [Amme ruft drinnen.] Gleich, gute Amme!—Süßer Montague, sei treu. Warte nur ein Weilchen, ich komme wieder.

[Ab.]

ROMEO. O selge, selge Nacht. Ich fürchte fast, Da in der Nacht dies alles nur ein Traum ist, Zu schmeichelnd süß, um wirklich zu sein.

Julia tritt oben wieder auf.

JULIA. Drei Worte, teurer Romeo, und wahrlich gute Nacht. Ist deine Liebesneigung ehrbar, Dein Vorsatz Ehe, lass mich morgen wissen, Durch einen, den ich schicken will zu dir, Wo und zu welcher Stunde du die Weihe vollziehn willst, Und all mein Glück leg ich zu deinen Füßen Und folg dir, mein Gebieter, durch die Welt.

AMME. [Drinnen.] Gnädge.

JULIA. Ich komme, gleich.— Doch meinst du es nicht gut, So beschwör ich dich,—

AMME. [Drinnen.] Gnädge.

JULIA. Gleich, gleich komm ich— Hör auf zu hadern und lass mich meinem Gram. Morgen will ich senden.

ROMEO. So gedeihe meine Seele,—

JULIA. Tausendmal gute Nacht.

[Ab.]

ROMEO. Tausendmal ärger, dein Licht entbehren. Liebe geht zur Liebe wie Schulbuben aus den Büchern, Doch Liebe von der Liebe scheidet schweren Blicks zur Schule.

[Langsam zurückgehend.]

Julia tritt oben wieder auf.

JULIA. He! Romeo, he! O hätt ich eines Falkners Stimme, Den Tasselgentle wieder herzulocken! Die Sklaverei ist heiser und darf nicht laut sprechen, Sonst würd ich der Echo Höhle aufreißen Und ihre luftge Zunge noch heisrer machen als die meinige Mit Wiederholung meines Romeo Namens.

ROMEO. Es ist meine Seele, die nach meinem Namen ruft. Wie silbersüß erklingen Liebender Zungen bei Nacht, Wie sanfteste Musik für lauschende Ohren.

JULIA. Romeo.

ROMEO. Mein Teurer?

JULIA. Um welche Stunde morgen Soll ich zu dir senden?

ROMEO. Zur Stunde neun.

JULIA. Ich will nicht fehlen. Bis dahin sind es zwanzig Jahre. Ich hab vergessen, warum ich dich zurückrief.

ROMEO. Lass mich hier stehn, bis du es wieder weißt.

JULIA. Ich werde vergessen, dich hier stehn zu lassen, Da ich deiner Gesellschaft so gern gedenke.

ROMEO. Und ich will immer bleiben, dass du immerfort vergisst, Vergessend jede andre Heimat als diese.

JULIA. Es ist fast Morgen; ich möchte, du gingest, Doch nicht weiter als ein mutwillger Vogel, Der ein wenig von ihrer Hand hüpft, Wie ein armer Gefangner in seinen gedrehten Fesseln, Und ihn mit einem Seidenfaden wieder zu sich zieht, So liebesneidisch um seine Freiheit.

ROMEO. Ich wollte, ich wär dein Vöglein.

JULIA. Süßer, das wollt ich auch: Doch ich würd dich töten mit allzu viel Liebkosen. Gute Nacht, gute Nacht. Scheiden ist so süßer Schmerz, Dass ich gute Nacht sagen will, bis es morgen ist.

[Ab.]

ROMEO. Schlaf ruh auf deinen Augen, Friede in deiner Brust. Wär ich doch Schlaf und Friede, so süße Ruh zu finden. Nun will ich zu meiner geistlichen Herrn Zelle, Sein Heil zu erflehn und mein teures Los zu künden.

[Ab.]

SZENE III. Bruders Lorenzos Zelle.

Bruder Lorenzo tritt auf mit einem Korb.

BRUDER LORENZO. Der grauaugige Morgen lächelt ob der finstren Nacht, Die östlichen Wolken mit Streifen Lichts schäckend; Und die gefleckte Dunkelheit taumelt wie ein Trunkenbold Von Tages Pfad, gebahnt von Titans feurgen Rädern. Eh noch die Sonne ihr brennend Auge vorschiebt, Den Tag zu heitern und der Nacht klammen Tau zu trocknen, Füll ich dies Weidenkörbchen unseresgleichen Mit giftgen Kräutern und kostbarsaftgen Blumen. Die Erde, der Natur Mutter, ist ihr Grab; Was ihr Grab ist, das ist ihr Schoß; Und aus ihrem Schoß, verschiedner Art Kinder, Die wir an ihrer natürlichen Brust säugen, finden wir. Viele, für viele Tugenden vortrefflich, Keins ohne irgendeine, und doch all verschieden. O, gewaltig ist die mächtge Kraft, die liegt In Pflanzen, Kräutern, Steinen, ihren echten Eigenschaften. Denn nichts so gemein, das auf der Erde lebt, Das nicht der Erde irgendein Gut gäbe; Und nichts so gut, das, von jenem edlen Zweck entfremdet, Sich nicht empört aus wahrer Geburt, auf Missbrauch stoßend. Die Tugend selbst wird zur Untugend, falsch angewandt, Und Untugend manchmal durch die Tat geziert.

Romeo tritt auf.

In der jungen Rinde dieser schwachen Blume Wohnt Gift, und Heilkraft wohnt: Denn diese, gerochen, erquickt zugleich jedwedes Teil; Gekostet, tötet alle Sinne mitsamt dem Herzen. Zwei solcher feindlichen Könige lagern sich beständig Im Menschen wie im Kraut,— die Gnade und der rohe Wille; Und wo der schlimmre vorherrscht, Da frisst der Krebs, der Tod, gar bald die Pflanze.

ROMEO. Guten Morgen, Vater.

BRUDER LORENZO. Benedicite! Was für junge Zunge grüßt mich so süß? Junger Sohn, es kündet einen kranken Kopf, So früh schon deinem Lager guten Morgen bieten. Die Sorge hält im alten Mann die Wacht, Und wo die Sorge wohnt, da schläft es nimmer; Doch wo die unverletzte Jugend, mit ungestopftem Hirn, Die Glieder streckt, da herrscht der goldne Schlaf. Drum dein frühes Aufsein sagt mir sicher: Du bist aufgerüttelt von irgendeinem Übel; Wo nicht, so treff ichs recht, Unser Romeo war diese Nacht nicht im Bett.

ROMEO. Das letzte stimmt; die süßere Rast war die meinige.

BRUDER LORENZO. Gott verzeih die Sünde. Warst du bei Rosaline?

ROMEO. Bei Rosaline, mein geistlicher Vater? Nein. Ich hab den Namen vergessen und der Name Not.

BRUDER LORENZO. Das ist mein guter Sohn. Doch wo warst du denn?

ROMEO. Ich will dirs sagen, eh du mich nochmal fragst. Ich hab bei meinem Feind geschmaust, Wo mir auf einmal einer Wunden schlug, Der von mir verwundet. Beider Heilmittel Liegt in deiner Hilf und heilgen Arzenei. Ich hege keinen Hass, gesegneter Mann; denn siehe, Mein Flehen kommt auch meinem Feind zugut.

BRUDER LORENZO. Sprich klar, mein Sohn, und schlicht in deiner Rede; Rätselhafte Beichte findet nur rätselhafte Lossprechung.

ROMEO. So wisse denn: mein Herzensliebe steht Auf der schönen Tochter des reichen Capulet. Wie meine auf der ihren, so steht ihre auf der meinen; Und alles eins, nur was du eintun musst Durch heilge Ehe. Wann, und wo, und wie Wir uns begegnet, uns gefeit und Schwur getauscht, Will ich dir unterwegs erzählen; doch dies bitt ich: Dass du uns heute einwilligst einzusegnen.

BRUDER LORENZO. Heilger Sankt Franziskus! Was für ein Wandel ist hier! Ist Rosaline, die du so heiß geliebt, So schnell verlassen? Junger Leute Liebe liegt dann Nicht wahrhaft in den Herzen, nur in ihren Augen. Jesu Maria, was ein Schwall von Salz Hat dir die fahlen Wangen nicht gewaschen um Rosaline! Wie viel Salzwasser unnütz abgegossen, Die Liebe zu würzen, die davon doch nichts schmeckt. Die Sonne hat noch nicht dein Seufzen weggewischt vom Himmel, Dein altes Stöhnen klingt mir noch im alten Ohr. Sieh hier, auf deiner Wange sitzt der Fleck Von einer alten Träne, noch nicht abgewaschen. Warst du je du selbst, und diese Leiden dein, So galten du und diese Leiden ganz der Rosaline, Und bist du nun gewandelt? Sprich den Spruch denn: Die Frauen mögen fallen, wenn kein Starksein ist in Männern.

ROMEO. Du schaltst mich oft, dass ich die Rosaline liebte.

BRUDER LORENZO. Fürs Lieben nicht, fürs Tändeln, mein Lehrling.

ROMEO. Und hießest mich die Liebe begraben.

BRUDER LORENZO. Nicht in ein Grab, Dass einen hinein, den andern heraus man lege.

ROMEO. Ich bitte dich, schilt mich nicht, sie, die ich jetzt liebe, Gibt Gunst um Gunst und Lieb um Lieb zurück. Die andre tat es nicht.

BRUDER LORENZO. O, sie wusste wohl, Dein Lieben las nur aus dem Buch, das buchstabieren nicht. Doch komm, junger Wankelmütiger, komm mit mir, In einer Hinsicht will ich dir zur Hand sein; Denn dieser Bund mag sich so glücklich fügen, Dass eurer Häuser Groll zu reiner Liebe wird.

ROMEO. O lass uns fort; ich steh auf plötzlicher Hast.

BRUDER LORENZO. Weislich und langsam; die stolpern, die zu schnell laufen.

[Ab.]

SZENE IV. Eine Straße.

Benvolio und Mercutio treten auf.

MERCUTIO. Wo zum Teufel mag dieser Romeo stecken? Kam er heut Nacht nicht heim?

BENVOLIO. Nicht zu seinem Vater; ich sprach mit seinem Mann.

MERCUTIO. Nun, dieselbe bleiche, hartherzge Dirne, die Rosaline, peinigt ihn so, Dass er gewiss verrückt wird.

BENVOLIO. Tybalt, der Verwandte des alten Capulet, hat einen Brief geschickt in seines Vaters Haus.

MERCUTIO. Eine Forderung, bei meinem Leben.

BENVOLIO. Romeo wird darauf antworten.

MERCUTIO. Wer schreiben kann, kann einen Brief beantworten.

BENVOLIO. Nein, er wird dem Meister des Briefes antworten, wie er es wagt, da er doch gefordert wird.

MERCUTIO. Ach armer Romeo, er ist schon tot, erstochen von eines weißen Mädchens schwarzem Aug, durchs Ohr gerannt mit einem Liebeslied, der innerste Stift seines Herzens gespalten vom blinden Bübchen Pfeil. Und der ist ein Mann, dass er dem Tybalt trotzen soll?

BENVOLIO. Nun, was ist Tybalt?

MERCUTIO. Mehr als Prinz der Katzen. O, er ist der unverzagte Hauptmann der Höflichkeiten. Er kämpft, wie du vom Blatt singst, hält Takt, Abstand und Verhältnis. Er setzt sein Achtelzeit-Rast, eins, zwei, und das dritte sticht dir in die Brust: der rechte Schlächter eines Seidenknopfs, ein Duellant, ein Duellant; ein Herr vom ersten Haus, der ersten und zweiten Ursache. Ach, der unsterbliche Passado, der Punto reverso, der Hay!

BENVOLIO. Der was?

MERCUTIO. Die Pest über solch läppisch stotternd, geziert Gespenstertum; diese neuen Stimmer der Betonung. Bei Jesu, ein gar gutes Schwert, ein gar langer Mann, ein gar gutes Hurenlager. Warum, ist das nicht kläglich, Großväterchen, dass wir also geplagt werden mit diesen fremden Fliegen, diesen Modenkrämern, diesen „Verzeiht mir“, die so sehr auf der neuen Form bestehn, dass sie nicht bequem auf der alten Bank sitzen können? O ihre Gebeine, ihre Gebeine!

Romeo tritt auf.

BENVOLIO. Da kommt Romeo, da kommt Romeo!

MERCUTIO. Ohne sein Bäckchen, wie ein getrockneter Hering. O Fleisch, Fleisch, wie bist du verfischt! Jetzt ist er für die Reimlein, in denen Petrarca strömte. Laura, gegen seine Herrin, war nur eine Küchenmagd,— freilich, die hatte einen bessern Liebhaber, der sie beriem: Dido eine Trine; Kleopatra eine Zigeunerin; Helena und Hero Trullen und Huren; Thisbe ein graues Äuglein oder so, doch nicht zur Sache. Signior Romeo, bonjour! Da habt ihr den französischen Gruß zu eurer französischen Pluderhose. Ihr gabt uns gestern Abend recht ansehnlich das Falschgeld.

ROMEO. Guten Morgen euch beiden. Was für Falschgeld gab ich euch?

MERCUTIO. Den Abgang, Herr, den Abgang; könnt ihr nicht begreifen?

ROMEO. Verzeiht, guter Mercutio, mein Geschäft war wichtig, und bei solcher Lage, wie die meinige, darf ein Mann die Höflichkeit wohl überspannen.

MERCUTIO. Das heißt so viel als: solch ein Fall, wie der eurige, zwingt einen Mann, sich in den Knien zu biegen.

ROMEO. Das heißt: sich knicksen.

MERCUTIO. Da hast du aufs trefflichste getroffen.

ROMEO. Eine gar höfische Auslegung.

MERCUTIO. Nun, ich bin der reine Rosenknopf der Höflichkeit.

ROMEO. Rosenknopf für Blume.

MERCUTIO. Recht.

ROMEO. Nun, dann ist mein Schuh gar fein geblümt.

MERCUTIO. Trefflicher Witz, folg mir nun diesen Scherz, bis du deinen Schuh abgelaufen hast, dass, wenn die einzelne Sohle davon abgetragen, der Scherz nach dem Tragen noch bleiben mag, einzig und allein.

ROMEO. O einzelsohliger Scherz, einzig und allein für die Einzigkeit!

MERCUTIO. Tritt zwischen uns, guter Benvolio; mir schwindet der Witz.

ROMEO. Peitschen und Sporen, Peitschen und Sporen; oder ich will das Spiel ausrufen.

MERCUTIO. Nun, wenn dein Witz die Wildgansjagd läuft, ist es aus. Denn du hast mehr von der Wildgans in einem deiner Witze, als ich, ich bin gewiss, in meinen ganzen fünf. War ich da bei dir für die Gans?

ROMEO. Du warst nie mit mir für irgendwas, wenn du nicht für die Gans da warst.

MERCUTIO. Ich will dich beißen ins Ohr für diesen Scherz.

ROMEO. Nein, gute Gans, beiße nicht.

MERCUTIO. Dein Witz ist ein sehr bitterer Süßapfel, er ist eine überaus scharfe Soße.

ROMEO. Und wird er dann nicht trefflich zu einer süßen Gans aufgetischt?

MERCUTIO. O da ist ein Witz von Rehleder, der streckt sich von einer Zollbreit Enge zu einer Ellen Breite.

ROMEO. Ich strecke ihn wegen des Wortes Breite, das, der Gans zugefügt, dich als eine weithin breite fette Gans erweist.

MERCUTIO. Nun, ist das nicht besser, als vor Liebe zu stöhnen? Jetzt bist du umgänglich, jetzt bist du Romeo; jetzt bist du, was du bist, durch Kunst wie durch Natur. Denn diese sabbernde Liebe ist wie ein großer Naturschwätzer, der tollt auf und ab, um seinen Stöckel in einem Loch zu verstecken.

BENVOLIO. Halt ein, halt ein.

MERCUTIO. Du heißest mich gegen den Strich in meinem Märlein einhalten.

BENVOLIO. Sonst hättest du dein Märlein endlos lang gemacht.

MERCUTIO. O, du irrst; ich hätts kurz gemacht, denn ich war schon zur ganzen Tiefe meines Märleins gekommen und gedachte wahrlich, nicht weiter bei der Sache zu verweilen.

Amme und Peter treten auf.

ROMEO. Da ist schönes Gerät! Ein Segel, ein Segel!

MERCUTIO. Zwei, zwei; ein Hemd und ein Frauenhemd.

AMME. Peter!

PETER. Gleich.

AMME. Mein Fächer, Peter.

MERCUTIO. Guter Peter, dass er ihr Antlitz deckt; denn ihr Fächer ist das schönere Antlitz.

AMME. Gott geb euch guten Morgen, ihr Herren.

MERCUTIO. Gott geb euch guten Abend, schöne Frauenzimmerchen.

AMME. Ist es guter Abend?

MERCUTIO. Nicht weniger, sag ich euch; denn die unzüchtge Hand der Sonnenuhr steht jetzt auf der Spitze des Mittags.

AMME. Pfui über euch! Was seid ihr für ein Mann?

ROMEO. Einer, der Gott sich selbst gemacht hat, zu schanden.

AMME. Bei meiner Treu, das ist gut gesagt; sich selbst zu schanden, sagt er? Ihr Herren, kann einer von euch mir sagen, wo ich den jungen Romeo finden kann?

ROMEO. Ich kann es euch sagen; doch der junge Romeo wird älter sein, wenn ihr ihn gefunden, als er war, als ihr ihn suchtet. Ich bin der Jüngste jenes Namens, in Ermanglung eines Schlimmern.

AMME. Ihr sagt gut.

MERCUTIO. Ja, ist das Schlimmste gut? Gar gut genommen, beim Glauben; weislich, weislich.

AMME. Seid ihr der, Herr, so möcht ich euch in Vertrauen sprechen.

BENVOLIO. Sie wird ihn zu einem Nachtmahl vornehmen.

MERCUTIO. Eine Kupplerin, eine Kupplerin, eine Kupplerin! So ho!

ROMEO. Was hast du gefunden?

MERCUTIO. Kein Hase, Herr; es sei denn ein Hase, Herr, in einer Fastenpastete, der etwas Altbackenes und Schimmeliges ist, bevor er verzehrt wird. [Singt.] Ein alter Hase, schimmelig, Und ein alter Hase, schimmelig, Ist ganz gute Speis in der Fastenzeit; Doch ein Hase, der schimmelig, Ist zu viel für die Rechnung, Wenn er schimmelt, bevor er verzehrt. Romeo, willst du zu deinem Vater kommen? Wir speisen dort.

ROMEO. Ich werde euch folgen.

MERCUTIO. Lebt wohl, ehrwürdige Dame; lebt wohl, Dame, Dame, Dame.

[Ab: Mercutio und Benvolio.]

AMME. Ich bitte euch, Herr, wer war dieser freche Kauz, der so voll von seinem Seemannsgarn war?

ROMEO. Ein Edelmann, Amme, der sich selbst gern reden hört und in einer Minute mehr vorbringen wird, als er in einem Monat verantworten könnte.

AMME. Und wenn er irgendwas gegen mich sagt, werde ich ihn mir vorknöpfen, und wäre er noch so rüstig, als er ist, und zwanzig solcher Kerle. Und kann ich es nicht selbst, werde ich welche finden, die es können. Schäbiger Schurke! Ich bin keine seiner Huren; ich bin keine seiner Spießgesellen. — Und du musst auch noch dabeistehen und jeden Schurken mich nach seinem Belieben schurigeln lassen!

PETER. Ich sah keinen Menschen euch nach seinem Belieben schurigeln; hätte ich es gesehen, meine Waffe wäre rasch gezogen gewesen. Ich versichere euch, ich ziehe so schnell wie ein anderer, wenn ich in einem guten Streit Anlass sehe und das Gesetz auf meiner Seite.

AMME. Bei Gott, ich bin so erzürnt, dass mir jeder Glied bebt. Schäbiger Schurke. Ich bitte euch, Herr, ein Wort: und wie ich euch sagte, meine junge Herrin hieß mich euch ausfindig machen; was sie mich sagen hieß, werde ich für mich behalten. Doch zuvor lasst mich euch sagen, wenn ihr sie in ein Narrenparadies führen wolltet, wie man sagt, es wäre ein sehr plumpes Betragen, wie man sagt; denn die Edelfrau ist jung. Und darum, wenn ihr sie hintergehen wolltet, wahrlich, es wäre ein schlimmes Stück, das man einer Edelfrau antrüge, und sehr übles Verfahren.

ROMEO. Amme, empfiehl mich deiner Gebieterin. Ich gelobe dir, —

AMME. Gutes Herz, bei meiner Treu, ich werde ihr so viel sagen. Herr, Herr, sie wird eine fröhliche Frau sein.

ROMEO. Was willst du ihr sagen, Amme? Du hörst mir nicht zu.

AMME. Ich werde ihr sagen, Herr, dass ihr gelobet, was, wie ich es verstehe, ein edelmannsmäßiges Anerbieten ist.

ROMEO. Heiß sie sich Einen Weg ersinnen, heute Nachmittag zur Beichte zu kommen, Und dort, in Bruder Lorenzos Zelle, Soll sie Beichte hören und sich vermählen. Hier hast du für deine Mühe.

AMME. Nein, wahrlich, Herr; keinen Heller.

ROMEO. Geh, ich sage, du sollst.

AMME. Heute Nachmittag, Herr? Wohl, sie wird dort sein.

ROMEO. Und höre, gute Amme, hinter der Klostermauer. In einer Stunde wird mein Mann bei dir sein Und bringe dir Seile, gleich einer aufgetakelten Treppe, Welche bis zur höchsten Spitze meiner Wonne Mir Geleit sein soll in der geheimen Nacht. Leb wohl, sei treu, und ich will deine Mühe lohnen; Leb wohl; empfiehl mich deiner Gebieterin.

AMME. Nun, Gott im Himmel segne dich. Hört, Herr.

ROMEO. Was sagst du, meine liebe Amme?

AMME. Ist euer Mann verschwiegen? Hörtet ihr nie sagen, Zwei können ein Geheimnis hüten, schickt man einen fort?

ROMEO. Ich verbürge dir, mein Mann ist treu wie Stahl.

AMME. Nun, Herr, meine Gebieterin ist die süßeste Dame. Herr, Herr! Als sie ein kleines plapperndes Ding war, — o, es ist ein Edelmann in der Stadt, ein gewisser Paris, der möchte gern sein Messer anlegen; doch sie, gute Seele, sähe lieber eine Kröte, eine rechte Kröte, als ihn. Ich reize sie manchmal und sage ihr, Paris sei der stattlichere Mann, doch ich versichere euch, wenn ich das sage, wird sie so bleich wie jeder Lappen in der ganzen Welt. Fangen nicht Rosmarin und Romeo beide mit einem Buchstaben an?

ROMEO. Ja, Amme; was soll das? Beide mit einem R.

AMME. Ah, Spötter! Das ist der Name des Hundes. R steht für — nein, ich weiß, es fängt mit einem anderen Buchstaben an, und sie hat die niedlichsten Witzeleien darüber, über dich und Rosmarin, dass es euch guttäte, sie zu hören.

ROMEO. Empfehle mich deiner Gebieterin.

AMME. Ja, tausendmal. Peter!

[Ab: Romeo.]

PETER. Sogleich.

AMME. Vorwärts und hurtig.

[Ab.]

SZENE V. Capulets Garten.

Juliet tritt auf.

JULIET. Die Uhr schlug neun, als ich die Amme sandte, In einer halben Stunde versprach sie zurückzukehren. Vielleicht kann sie ihn nicht treffen. Das ist nicht so. O, sie ist lahm. Liebes Herolde sollten Gedanken sein, Die zehnmal schneller gleiten als der Sonne Strahlen, Die Schatten über niedre Hügel rückwärts treiben: Darum ziehen flügelschnelle Tauben die Liebe, Und darum hat der windesschnelle Amor Schwingen. Nun steht die Sonne auf der höchsten Höhe Von dieser Tagesreise, und von neun bis zwölf Sind drei lange Stunden, doch sie kam nicht. Hätte sie Wallung und warmes jugendlich Blut, Sie wäre so schnell in Bewegung wie ein Ball; Meine Worte würden sie zu meinem süßen Liebsten treiben, Und seines zu mir. Doch Alte tun oft, als wären sie tot; Schwerfällig, langsam, bleiern und bleich wie Blei.

Amme und Peter treten auf.

O Gott, sie kommt. O süße Amme, was für Neuigkeit? Hast du ihn getroffen? Schick deinen Mann fort.

AMME. Peter, bleib am Tor.

[Ab: Peter.]

JULIET. Nun, gute süße Amme, — o Herr, warum siehst du so ernst? Sind die Neuigkeiten auch traurig, erzähle sie froh; Sind sie gut, so entstellst du die Musik süßer Kunde, Da du sie mir mit so saurer Miene vorspielst.

AMME. Ich bin müde, lass mich ein Weilchen; Pfui, wie mir die Gebeine schmerzen! Welch ein Lauf war das!

JULIET. Ich wollte, du hättest meine Gebeine, und ich deine Neuigkeit: Nun komm, ich bitte dich, sprich; gute, gute Amme, sprich.

AMME. Jesus, welche Eile? Kannst du nicht ein Weilchen warten? Siehst du nicht, dass ich außer Atem bin?

JULIET. Wie bist du außer Atem, da du Atem hast, Um zu mir zu sagen, dass du außer Atem bist? Die Entschuldigung, die du machst für diesen Verzug, Ist länger als die Geschichte, die du entschuldigst. Ist deine Neuigkeit gut oder schlecht? Antworte darauf; Sprich eines, und ich will auf das übrige warten. Lass mich zufrieden, ist sie gut oder schlecht?

AMME. Nun, ihr habt eine einfältige Wahl getroffen; ihr versteht euch nicht auf die Wahl eines Mannes. Romeo? Nein, nicht er. Mag sein Antlitz auch besser sein als das aller Männer, so übertrifft sein Bein doch das aller Männer, und was Hand und Fuß und den Leib anlangt, obgleich man nicht davon reden soll, so sind sie doch unvergleichlich. Er ist nicht die Blüte der Höflichkeit, doch ich verbürge mich, er ist so sanft wie ein Lamm. Mach, dass du fortkommst, Dirne, diene Gott. Was, habt ihr daheim gegessen?

JULIET. Nein, nein. Doch das alles wusste ich zuvor. Was sagt er von unserer Heirat? Was sagt er dazu?

AMME. Herr, wie mein Kopf schmerzt! Welch einen Kopf hab ich! Er hämmert, als wollte er in zwanzig Stücke fallen. Mein Rücken auf der andern Seite, — o mein Rücken, mein Rücken! Verflucht sei dein Herz, dass du mich aussendest, Mir den Tod zu holen mit Herumrennen auf und ab.

JULIET. Bei meiner Treu, es tut mir leid, dass du nicht wohl bist. Süße, süße, süße Amme, sag mir, was sagt mein Liebster?

AMME. Euer Liebster spricht wie ein ehrlicher Edelmann, Und ein höflicher, und ein gütiger, und ein hübscher, Und ich stehe für einen tugendhaften, — Wo ist eure Mutter?

JULIET. Wo ist meine Mutter? Ei, sie ist drinnen. Wo sollte sie sonst sein? Wie seltsam du antwortest. ,Euer Liebster sagt wie ein ehrlicher Edelmann, ,Wo ist eure Mutter?'

AMME. O Gottes teure Frau, Seid ihr so hitzig? Wahrlich, nur zu, denk ich. Ist das die Salbe für meine schmerzenden Gebeine? Fortan besorgt eure Botschaften selbst.

JULIET. Was für ein Aufhebens. Komm, was sagt Romeo?

AMME. Habt ihr Erlaubnis, heute zur Beichte zu gehen?

JULIET. Ja.

AMME. Dann eilt hin zu Bruder Lorenzos Zelle; Dort wartet ein Gatte, euch zur Frau zu machen. Nun steigt das übermütige Blut euch in die Wangen, Sie werden bei jeder Neuigkeit sofort rot. Eilt zur Kirche. Ich muss einen andern Weg, Eine Leiter zu holen, mit der euer Liebster Bald in ein Vogelnest steigen muss, wenn es dunkel ist. Ich bin die Magd und schufte mir eurem Vergnügen; Doch ihr werdet die Last bald tragen in der Nacht. Geht. Ich gehe zum Essen; eilt zur Zelle.

JULIET. Hin zu hohem Glück! Ehrliche Amme, leb wohl.

[Ab.]

SZENE VI. Bruder Lorenzos Zelle.

Bruder Lorenzo und Romeo treten auf.

BRUDER LORENZO. So lächle der Himmel über diese heilige Tat, Dass künftige Stunden uns nicht mit Kummer strafen.

ROMEO. Amen, amen, doch komme, was für Kummer kommen mag, Er kann die Fülle der Freude nicht aufwiegen, Die mir eine kurze Minute in ihrem Anblick gibt. Tue du nur unsere Hände mit heiligen Worten zusammen, Dann tue liebverzehrender Tod, was er darf, Es genügt, dass ich sie die Meine nennen darf.

BRUDER LORENZO. Diese heftigen Freuden haben heftige Enden Und sterben in ihrem Triumph; wie Feuer und Pulver, Die, wenn sie sich küssen, verzehren. Der süßeste Honig Wird widrig in seiner eigenen Köstlichkeit Und verdirbt im Genuss den Appetit. Darum liebe mäßig; lange Liebe tut so; Zu schnell ankommen ist ebenso spät wie zu langsam.

Juliet tritt auf.

Da kommt die Dame. O, ein so leichter Fuß Wird nie den ewigen Kiesel abnutzen. Ein Liebhaber könnte über die Spinnweben schreiten, Die müßig in der launischen Sommerluft schweben, Und dennoch nicht fallen; so leicht ist die Eitelkeit.

JULIET. Guten Abend, mein geistlicher Beichtvater.

BRUDER LORENZO. Romeo wird dir danken, Tochter, für uns beide.

JULIET. Ebenso ihm, sonst ist sein Dank zu groß.

ROMEO. Ach, Juliet, wenn das Maß deiner Freude Aufgehäuft ist wie das meine, und deine Kunst größer, Sie zu verkünden, dann versüße mit deinem Atem Diese benachbarte Luft, und lass der reichen Musik Zunge Das erträumte Glück entfalten, das wir beide Empfangen in jedem durch dies teure Begegnen.

JULIET. Gedanke, reicher an Stoff als an Worten, Prahlt mit seinem Inhalt, nicht mit seinem Schmuck. Sie sind nur Bettler, die ihren Wert zählen können; Doch meine wahre Liebe ist zu solchem Übermaß gewachsen, Dass ich die Hälfte meines Reichtums nicht summieren kann.

BRUDER LORENZO. Kommt, kommt mit mir, und wir wollen kurzen Wegs gehen, Denn, mit eurer Erlaubnis, ihr sollt nicht allein bleiben, Bis die heilige Kirche zwei in einem verbindet.

[Ab.]

DRITTER AKT

SZENE I. Ein öffentlicher Platz.

Mercutio, Benvolio, Page und Diener treten auf.

BENVOLIO. Ich bitte dich, guter Mercutio, lass uns zurückweichen: Der Tag ist heiß, die Capulets sind aus, Und wenn wir ihnen begegnen, werden wir einem Streit nicht entgehen, Denn an diesen heißen Tagen kocht das tolle Blut.

MERCUTIO. Du gleichst einem dieser Gesellen, die, wenn sie die Schwellen eines Wirtshauses betreten, ihren Degen auf den Tisch knallen und sagen ,Gott schicke mir, dass ich dich nicht brauche!‘, und beim Wirken des zweiten Bechers zieht er ihn gegen den Schankknecht, wenn man wahrlich keinen braucht.

BENVOLIO. Gleiche ich einem solchen Gesellen?

MERCUTIO. Komm, komm, du bist ein ebenso hitziger Bursche in deiner Laune wie irgendeiner in Italien; und ebenso schnell bereit, mürrisch zu sein, und ebenso schnell mürrisch, um gereizt zu werden.

BENVOLIO. Und wozu auch?

MERCUTIO. Ei, gäbe es zwei solche, wir hätten bald keinen mehr, denn einer würde den andern erschlagen. Du? Ei, du streitest dich mit einem Mann, der ein Haar mehr oder ein Haar weniger im Bart hat als du. Du streitest dich mit einem Mann ums Nüsseknacken, ohne andern Grund, als weil du hasel- nussbraune Augen hast. Welches Auge, das nicht solch ein Auge ist, würde solchen Streit ausspähen? Dein Kopf ist so voll von Streitereien wie ein Ei voll von Dotter, und dennoch ist dein Kopf so taumelig geschlagen wie ein Ei vom Streiten. Du hast dich mit einem Mann gezankt, weil er auf der Straße hustete, weil er deinen Hund geweckt hatte, der in der Sonne schlief. Hast du dich nicht mit einem Schneider gezankt, weil er seinen neuen Wams vor Ostern trug? Mit einem andern, weil er seine neuen Schuhe mit einem alten Band schnürte? Und dennoch willst du mich vom Streiten abbringen!

BENVOLIO. Und wäre ich so streitlustig wie du, jeder Mensch könnte das Erbrecht meines Lebens für eine Stunde und eine Viertelstunde kaufen.

MERCUTIO. Das Erbrecht! O Einfalt!

Tybalt und andere treten auf.

BENVOLIO. Beim Haupt, da kommen die Capulets.

MERCUTIO. Bei meiner Ferse, es kümmert mich nicht.

TYBALT. Folgt mir dicht, denn ich will sie anreden. Edelleute, guten Tag: ein Wort mit einem von euch.

MERCUTIO. Und nur ein Wort mit einem von uns? Paart es mit etwas; macht es ein Wort und einen Schlag.

TYBALT. Ihr werdet mich bereit genug dazu finden, Herr, wenn ihr mir Anlass gebt.

MERCUTIO. Konntet ihr nicht Anlass nehmen, ohne zu geben?

TYBALT. Mercutio, du ziehst mit Romeo umher.

MERCUTIO. Umherziehen? Was, machst du uns zu Spielleuten? Und machst du uns zu Spielleuten, so rechne darauf, nichts als Misstöne zu hören. Hier ist mein Fiedelbogen, hier ist, was euch tanzen machen wird. Zum Henker, Umherziehen!

BENVOLIO. Wir reden hier am öffentlichen Ort der Menschen. Entweder zieht euch an einen stillen Ort zurück Und handelt kühl von euren Beschwerden, Oder geht; hier richten aller Augen sich auf uns.

MERCUTIO. Der Menschen Augen sind zum Schauen gemacht, lasst sie starren. Ich weiche keinem Menschen zu Gefallen.

Romeo tritt auf.

TYBALT. Nun, Friede sei mit euch, Herr, da kommt mein Mann.

MERCUTIO. Doch ich will mich hängen lassen, Herr, wenn er eure Livree trägt. Freilich, geht nur vor ins Feld, er wird euer Gefolgsmann sein; Euer Ehren in jenem Sinn darf ihn Mann nennen.

TYBALT. Romeo, die Liebe, die ich zu dir hege, Kann keinen besseren Ausdruck finden als diesen: Du bist ein Schurke.

ROMEO. Tybalt, der Grund, den ich habe, dich zu lieben, Entschuldigt viel die zugehörige Wut, Die solch einen Gruß erzeugt. Ein Schurke bin ich nicht; Darum leb wohl; ich sehe, du kennst mich nicht.

TYBALT. Bursche, das soll die Kränkungen nicht entschuldigen, Die du mir angetan, darum wende dich und zieh.

ROMEO. Ich beteuere, ich kränkte dich nie, Doch liebe dich besser, als du es ersinnen kannst, Bis du den Grund meiner Liebe wissen wirst. Und so, guter Capulet, — welchen Namen ich halte So teuer wie den meinen, — sei zufrieden.

MERCUTIO. O schändliche, ehrlose, feige Unterwerfung! [Zieht.] Alla stoccata führt den Streich. Tybalt, du Rattenfänger, willst du einen Gang?

TYBALT. Was willst du von mir?

MERCUTIO. Guter König der Katzen, nichts als eines eurer neun Leben; das meine ich kühnlich zu mir zu nehmen, und, wie ihr mich forthin behandelt, die übrigen acht trockenzuprügeln. Wollt ihr euren Degen bei den Ohren aus der Scheide ziehen? Macht euch hurtig, damit meiner nicht um eure Ohren sei, ehe er aus ist.

TYBALT. [Zieht.] Ich bin für euch da.

ROMEO. Sanfter Mercutio, steck deinen Rapier ein.

MERCUTIO. Kommt, Herr, euer Passado.

[Sie fechten.]

ROMEO. Zieh, Benvolio; schlag ihre Waffen nieder. Edelleute, pfui, lasst ab von diesem Frevel, Tybalt, Mercutio, der Fürst hat strengstens Verboten dies Treffen in Veronas Straßen. Halt, Tybalt! Guter Mercutio!

[Ab: Tybalt mit seinen Genossen.]

MERCUTIO. Ich bin verwundet. Eine Pest über eure beiden Häuser. Ich bin erledigt. Ist er fort, und hat nichts?

BENVOLIO. Was, bist du verwundet?

MERCUTIO. Ja, ja, ein Kratzer, ein Kratzer. Wahrlich, es ist genug. Wo ist mein Page? Geh, Schurke, hol einen Wundarzt.

[Ab: Page.]

ROMEO. Mut, Mann; die Wunde kann nicht groß sein.

MERCUTIO. Nein, sie ist nicht so tief wie ein Brunnen, noch so breit wie eine Kirchentür, doch es ist genug, sie wird reichen. Fragt mich morgen, und ihr werdet mich einen toten Mann finden. Ich bin gepfeffert, ich wette, für diese Welt. Eine Pest über eure beiden Häuser. Zum Henker, ein Hund, eine Ratte, eine Maus, eine Katze, einen Menschen zu Tode zu kratzen. Ein Prahler, ein Schurke, ein Bösewicht, der nach der Rechenkunst focht! — Warum zum Teufel kamst du zwischen uns? Ich wurde unter deinem Arm verwundet.

ROMEO. Ich dachte, es sei alles zum Besten.

MERCUTIO. Hilf mir in ein Haus, Benvolio, Oder ich werde ohnmächtig. Eine Pest über eure beiden Häuser. Sie haben mich zu Wurmfutter gemacht. Ich hab es, und gründlich dazu. Eure Häuser!

[Ab: Mercutio und Benvolio.]

ROMEO. Dieser Edelmann, des Fürsten naher Verwandter, Mein sehr guter Freund, hat seine tödliche Wunde Um meinetwillen empfangen; mein Ruf befleckt Durch Tybalts Lästerung, — Tybalt, der noch vor einer Stunde Mein Vetter war. O süße Juliet, Deine Schönheit hat mich entmannt Und in meinem Gemüt des Mutes Stahl erweicht.

Benvolio tritt wieder auf.

BENVOLIO. O Romeo, Romeo, der tapfere Mercutio ist tot, Der galante Geist hat die Wolken erst erledigt, Die allzu unzeitig hier die Erde verachteten.

ROMEO. Dieses Tages schwarzes Geschick hängt von Tagen ab; Dieser beginnt nur das Weh, das andere enden müssen.

Tybalt tritt wieder auf.

BENVOLIO. Da kommt der rasende Tybalt zurück.

ROMEO. Wieder im Triumph, und Mercutio erschlagen? Hinweg zur Milde, sanfte Gnade, Und feueraugiger Zorn sei jetzt mein Führer! Nun, Tybalt, nimm den ,Schurken‘ wieder zurück, Den du mir soeben gabst, denn Mercutios Seele Ist nur ein kleines Stück über unsern Häuptern, Die deine wartet, ihm Gesellschaft zu leisten. Du oder ich, oder wir beide, müssen mit ihm gehen.

TYBALT. Du elender Knabe, der du dich hier mit ihm herumtriebst, Wirst mit ihm von hier gehen.

ROMEO. Das soll hier entscheiden.

[Sie fechten; Tybalt fällt.]

BENVOLIO. Romeo, fort, geh! Die Bürger sind auf, und Tybalt erschlagen. Steh nicht bestürzt. Der Fürst wird dich zum Tode verurteilen, Wenn du ergriffen wirst. Fort, geh, hinweg!

ROMEO. O, ich bin Fortunas Narr!

BENVOLIO. Warum bleibst du?

[Ab: Romeo.]

Bürger treten auf.

ERSTER BÜRGER. Welchen Weg rannte er, der Mercutio erschlug? Tybalt, dieser Mörder, welchen Weg rannte er?

BENVOLIO. Da liegt der Tybalt.

ERSTER BÜRGER. Auf, Herr, geh mit mir. Ich befehle dir beim Namen des Fürsten, gehorche.

Der Fürst tritt auf, mit Gefolge; Montague, Capulet, ihre Frauen und andere.

FÜRST. Wo sind die schändlichen Anfänger dieses Handgemenges?

BENVOLIO. O edler Fürst, ich kann das ganze Unglückhafte Gefecht dieses verhängnisvollen Streits enthüllen. Da liegt der Mann, vom jungen Romeo erschlagen, Der deinen Verwandten, den tapferen Mercutio, tötete.

LADY CAPULET. Tybalt, mein Vetter! O meines Bruders Kind! O Fürst! O Gemahl! O, vergossen ist das Blut Meines lieben Vetters! Fürst, so wahr du ehrlich bist, Für Blut von unserm Stamm vergossenes Blut von Montague. O Vetter, Vetter.

FÜRST. Benvolio, wer begann diesen blutigen Streit?

BENVOLIO. Tybalt, hier erschlagen, den Romeos Hand erschlug; Romeo, der ihn freundlich anredete, hieß ihn bedenken, Wie nichtig der Streit war, und beschwor ihn auch Bei eurem hohen Zürnen. Dies alles vorgebracht Mit sanftem Atem, ruhigem Blick, demütig gebeugten Knien, Konnte mit der unbändigen Galle Tybalts, taub gegen Frieden, keinen Waffenstillstand schließen, Der vielmehr mit durchbohrendem Stahl auf Mercutios tapfere Brust zielt, Der, ganz so hitzig, tödliche Spitze gegen Spitze kehrt Und mit kriegerischem Hohn mit der einen Hand Den kalten Tod beiseite schlägt und mit der andern Ihn zurück zu Tybalt sendet, dessen Gewandtheit Ihn zurückschleudert. Romeo, schreit er laut, ,Haltet ein, Freunde! Freunde, lasst ab!‘, und schneller als seine Zunge Schlägt sein behender Arm ihre todbringenden Klingen nieder, Und zwischen sie stürzt er; unter dessen Arm Trifft ein neidischer Stoß von Tybalt das Leben Des wackern Mercutio, und darauf floh Tybalt. Doch bald darauf kommt er zu Romeo zurück, Der eben erst Rache gefasst, Und sie gehen aufeinander los wie der Blitz; denn ehe ich Die Hand ziehen konnte, sie zu trennen, war der wackere Tybalt erschlagen; Und als er fiel, wandte sich Romeo und floh. Das ist die Wahrheit, oder lass Benvolio sterben.

LADY CAPULET. Er ist ein Verwandter der Montague. Liebe macht ihn falsch, er spricht nicht wahr. Etwa zwanzig von ihnen fochten in diesem dunklen Streit, Und alle diese zwanzig konnten nur ein Leben töten. Ich fordere Gerechtigkeit, die du, Fürst, gewähren musst; Romeo erschlug Tybalt, Romeo darf nicht leben.

FÜRST. Romeo erschlug ihn, er erschlug Mercutio. Wer zahlt nun den Preis seines teuren Blutes?

MONTAGUE. Nicht Romeo, Fürst, er war Mercutios Freund; Seine Schuld beschließt nur, was das Gesetz beenden sollte, Das Leben Tybalts.

FÜRST. Und für jenes Vergehen Verbannen wir ihn auf der Stelle von hier. Ich habe ein Interesse am Fortgang eures Hasses, Mein Blut liegt für eure rohen Händel und blutet. Doch will ich euch mit so starker Buße strafen, Dass ihr alle den Verlust des meinen bereuen sollt. Ich will taub sein gegen Bitten und Entschuldigungen; Weder Tränen noch Gebete sollen Missetaten abkaufen. Darum versucht keines. Lasst Romeo eilends fort, Sonst ist, wenn er gefunden wird, jene Stunde seine letzte. Tragt diesen Leib hinweg und vollzieht unsern Willen. Gnade mordet nur, indem sie Mörder begnadigt.

[Ab.]

SZENE II. Ein Zimmer in Capulets Haus.

Juliet tritt auf.

Nur für den Zusammenhang — dies ist das ENDE des vorigen Abschnitts, der bereits übersetzt wurde. Übersetze ihn NICHT erneut und wiederhole ihn NICHT in deiner Ausgabe. Gleiche seine Namen, Begriffe und seinen Tonfall an: --- sagen; doch der junge Romeo wird älter sein, wenn ihr ihn gefunden, als er war, als ihr ihn suchtet. Ich bin der Jüngste jenes Namens, in Ermanglung eines Schlimmern. AMME. Ihr sagt gut. MERCUTIO. Ja, ist das Schlimmste gut? Gar gut genommen, beim Glauben; weislich, weislich. AMME. Seid ihr der, Herr, so möcht ich euch in Vertrauen sprechen. BENVOLIO. Sie wird ihn zu einem Nachtmahl vornehmen. MERCUTIO. Eine Kupplerin, eine Kupplerin, eine Kupplerin! So ho! ROMEO. Was hast du gefunden?

JULIET. Galoppiert geschwind, ihr feuerfüßigen Rosse, Zur Wohnung Phöbus. Ein solcher Kutscher Wie Phaeton würd euch nach Westen peitschen Und gleich die Wolkennacht heranziehn. Breit deinen dichten Vorhang aus, o Nacht, Die Liebe übt, damit der Augen Flüchtling Sich schließe, und Romeo In meine Arme springe, unberedet und ungesehn. Liebende sehn genug, ihr Liebeswerk Zu tun durch eigne Schönheit; oder, wenn die Liebe blind ist, So stimmt es gut zur Nacht. Komm, höfliche Nacht, Du schwarzgekleidete Matrone fromm, Und lehre mich verlieren, was ich gewann, Errungen um ein Paar makelloser Maidenheit. Verhüll mit deinem schwarzen Mantel Mein ungezäumtes Blut, das in den Wangen schlägt, Bis neue Liebe kühn wird und sich denket, Daß wahre Liebe schlichte Scham bewirkt. Komm, Nacht, komm, Romeo, komm, du Tag in Nacht; Denn du wirst liegen auf den Schwingen der Nacht Weißer als frischer Schnee auf Rabenrücken. Komm, sanfte Nacht, komm, liebevolle schwarzbrau'nde Nacht, Gib mir den Romeo, und wenn ich sterben werde, Nimm ihn und schneid ihn in die kleinen Sterne, Und er wird machen, daß des Himmels Antlitz So hold erscheint, daß alle Welt verliebt In die Nacht wird, und nicht dem grellen Sonnengott huldigt. O, ich erkauft' das Haus der Liebe zwar, Doch nicht besessen; und obwohl verkauft, Noch nicht genossen. So ermüdend ist der Tag Als wie die Nacht vor irgendeinem Feste Dem ungeduld'gen Kind, das neue Kleider hat Und sie doch nicht tragen darf. O, da kommt meine Amme, Und sie bringt Neuigkeit, und jede Zung', die spricht, Spricht sie des Namens Romeo, spricht sie des Himmels Beredsamkeit.

[Die Amme tritt ein, mit Stricken.]

Nun, Amme, was gibt's? Was hast du da? Die Stricke, die Romeo dich holen hieß?

AMME. Ja, ja, die Stricke.

[Wirft sie hin.]

JULIET. Ach, welche Neuigkeit? Warum ringst du die Hände?

AMME. Ach, weh, o weh, er ist tot, er ist tot, er ist tot! Wir sind verloren, Frau, wir sind verloren. O weh, der Tag, er ist fort, er ist erschlagen, er ist tot.

JULIET. Kann der Himmel so neidisch sein?

AMME. Romeo kann es, Obwohl der Himmel nicht. O Romeo, Romeo. Wer hätte das je gedacht? Romeo!

JULIET. Was bist du für ein Teufel, der mich so martert? Solch eine Qual sollt' in der Hölle brüllen. Hat Romeo sich selbst erschlagen? Sag nur Ja, Und dieser bloße Laut schon wird mir giftiger Als der todspeiende Blick des Basilisken. Ich bin nicht ich, wenn es ein solches Ich gibt; Oder die Augen schließen sich, die dir das Ja entringen. Ist er erschlagen, sprich Ja; ist's nicht, sprich Nein. Kurze Laute entscheiden mein Heil oder Weh.

AMME. Ich sah die Wunde, sah sie mit den Augen, Gott schütz das Zeichen!—hier auf seiner Männerbrust. Ein jammervoller Leichnam, ein blut'ger, jammervoller Leichnam; Bleich, bleich wie Asche, ganz beschmiert mit Blut, Alles in geronnenem Blut. Ich schwand beim Anblick hin.

JULIET. O, brich, mein Herz. Du armer Bankerottier, brich auf einmal. Ins Kerker, Augen; schaut die Freiheit nie. Gemeine Erde, gib der Erde dich zurück; end hier die Regung, Und du und Romeo drückt eine schwere Bahre.

AMME. O Tybalt, Tybalt, der beste Freund, den ich hatt'. O höflicher Tybalt, redlicher Gentleman! Daß ich je leben mußt', um dich zu sehn erschlagen.

JULIET. Was für ein Sturm ist dies, der so entgegen weht? Ist Romeo erschlagen, und ist Tybalt tot? Mein liebster Vetter, und mein teurerer Herr? Dann möge schreckliche Trompete das Weltgericht verkünden, Denn wer lebt noch, wenn diese beiden sind dahin?

AMME. Tybalt ist tot, und Romeo verbannt, Der Romeo, der ihn erschlug, er ist verbannt.

JULIET. O Gott! Goß Romeo's Hand des Tybalts Blut?

AMME. Sie tat es, sie tat es; ach, der Tag, sie tat es.

JULIET. O Schlangenherz, mit blühender Gestalt versteckt! Hat je ein Drache solch eine schöne Höhle? Schöner Tyrann, teuflisch-englischer, Taubenfiedriger Rabe, wolfisch-reißendes Lamm! Verachtete Substanz göttlichsten Scheins! Genau das Gegenteil von dem, was du gerecht erscheinst, Ein verdammter Heiliger, ein ehrenwerter Bösewicht! O Natur, was hattest du in der Hölle zu schaffen, Als du den Geist eines Teufels einst bettestest In sterbliches Paradies solch süßen Fleisches? Gab je ein Buch so ruchlosen Inhalt In solch schönem Einband? O, daß Trug sollt' wohnen In solch einem prächt'gen Palast.

AMME. Kein Vertrauen, Kein Glaube, kein Ehr'n in Männern. Alles meineidig, Alles geschworen, alles nichts, alles Heuchler. Ach, wo ist mein Mann? Gebt mir etwas Aquavit. Dies Leid, dies Weh, dies Kümmernis macht mich alt. Schande komme über Romeo.

JULIET. Verschwielt sei deine Zunge Für solch einen Wunsch! Er ward nicht zur Schand' geboren. Auf seiner Stirn ist Scham sich zu sitzen schämend; Denn sie ist ein Thron, den die Ehre mag krönen Als einzig Monarch der ganzen Erde. O, was für ein Vieh war ich, daß ich ihn schalt!

AMME. Wollt ihr gut sprechen von dem, der euern Vetter schlug?

JULIET. Soll ich schlecht sprechen von ihm, der mein Gatte ist? Ach, armer mein Herr, welche Zunge soll deinen Namen glätten, Da ich, dein dreistündiges Weib, ihn schon zerfleischt? Doch warum, Schurke, schlugst du meinen Vetter? Der Schurken-Vetter hätte meinen Gatten gern erschlagen. Zurück, törichte Tränen, zurück zum heimischen Quell, Eure zinspflichtigen Tropfen gehören dem Weh, Die ihr, euch irrend, der Freude opfert. Mein Gatte lebt, den Tybalt gern erschlug, Und Tybalt ist tot, der gern erschlug meinen Gatten. Dies alles ist ja Trost; warum wein ich denn? Ein Wort gab es, das ärger war als Tybalts Tod, Das mich ermordet. Vergessen möcht' ich's gern, Doch ach, es drückt auf mein Gedächtnis Wie verdammte Schuld den Sündern in den Sinn. Tybalt ist tot, und Romeo verbannt. Dies „verbannt," dies eine Wort „verbannt," Hat zehntausend Tybalts mir erschlagen. Tybalts Tod Wär' Gram genug, wenn er dort enden würde. Oder, wenn sau're Weh an Gesellschaft sich erfreut Und gern sich einreiht in der andern Kümmernisse, Warum folgte nicht, als sie sprach, Tybalt ist tot, Dein Vater oder deine Mutter, ja, nicht beide, Welche heut'ge Trauer hätt' erregen mögen? Doch mit einem Nachtrab Tybalts Tod, „Romeo ist verbannt"—zu sprechen dies Wort Ist Vater, Mutter, Tybalt, Romeo, Julia, Alles erschlagen, alles tot. Romeo ist verbannt, Da ist kein End', kein Maß, kein Ziel, kein Rand, In jenem Wortes Tod, kein Wort vermag dies Weh zu klingen. Wo ist mein Vater, wo mein Mutter, Amme?

AMME. Sie weinen und klagen über Tybalts Leichnam. Wollt ihr zu ihnen? Ich will euch hinbringen.

JULIET. Waschet seine Wunden mit Tränen. Meine werden versprudelt, Wenn die ihr'n trocknen, für Romeo's Verbannung. Heb jene Stricke auf. Arme Seile, ihr seid betrogen, Ihr und ich; denn Romeo ist verbannt. Er schuf euch als die Heerstraße zu meinem Bett, Doch ich, ein Mädchen, sterbe jungfernabgeschieden. Komm, Seile, komm, Amme, ich will zu meinem Hochzeitsbett, Und Tod, nicht Romeo, nehme meine Jungfernschaft.

AMME. Eilt in eure Kammer. Ich finde Romeo, Euch zu trösten. Ich weiß wohl, wo er ist. Hört, euer Romeo wird sein hier heut' nacht. Ich geh' zu ihm, er ist versteckt in Lorenzens Zelle.

JULIET. O, findet ihn, gebt diesen Ring meinem treuen Ritter, Und heißt ihn kommen, den letzten Abschied zu nehmen.

[Gehen ab.]

DRITTE SZENE. Bruder Lorenzens Zelle.

Bruder Lorenzo tritt ein.

BRUDER LORENZO. Romeo, komm hervor; komm hervor, du furchtsamer Mann. Das Leid ist in deine Teile verliebt, Und du bist der Verdammnis angetraut.

Romeo tritt ein.

ROMEO. Vater, was gibt's? Was ist des Prinzen Urteil? Welch Kummer macht sich mir bekannt, Den ich noch nicht kenne?

BRUDER LORENZO. Zu vertraut Ist mein lieber Sohn mit solch sau'rer Gesellschaft. Ich bringe dir Kunde von dem Spruch des Prinzen.

ROMEO. Was minder als der Jüngste Tag ist des Prinzen Urteil?

BRUDER LORENZO. Ein milderes Urteil floß von seinen Lippen, Nicht Leibes Tod, doch des Leibes Verbannung.

ROMEO. Ha, Verbannung? Sei barmherzig, sprich Tod; Denn Exil hat mehr Schreckens in seinem Blick, Weit mehr als Tod. Sprich nicht von Verbannung.

BRUDER LORENZO. Hinweg von Verona bist du verbannt. Sei geduldig, denn die Welt ist breit und weit.

ROMEO. Es gibt keine Welt außerhalb Verona's Mauern, Nur Fegefeuer, Folter, Hölle selbst. Hinweg verbannt ist aus der Welt verbannt, Und der Welt Exil ist Tod. Dann ist verbannt Der Tod nur schlecht benannt. Nennst du den Tod verbannt, So haust du mir den Kopf ab mit goldener Axt Und lächelst über den Hieb, der mich ermordet.

BRUDER LORENZO. O tödliche Sünd', O rohe Undankbarkeit! Dein Vergehen nennt unser Gesetz den Tod, doch der güt'ge Prinz, Der deine Partei nimmt, hat das Gesetz beiseit' gefegt Und jenes schwarze Wort „Tod" in „Verbannung" umgewandelt. Das ist teure Barmherzigkeit, und du siehst es nicht.

ROMEO. Es ist Folter, nicht Barmherzigkeit. Der Himmel ist hier, Wo Julia lebt, und jede Katze, jeder Hund Und jedes Mäuschen, jedes unwürd'ge Ding, Lebt hier im Himmel und mag schauen sie an, Doch Romeo nicht. Mehr Ansehn, Mehr ehrenvoller Stand, mehr Werben lebt In Aasfliegen als im Romeo. Sie mögen schnappen Nach dem weißen Wunder von Julias teurer Hand Und unsterblichen Segen stehlen von ihren Lippen, Die, selbst in reiner, vestalischer Züchtigkeit Doch immer röten, als küßten sie Sünde. Doch Romeo darf's nicht, er ist verbannt. Das dürfen Fliegen, wenn ich von hier muss fliehn. Sie sind freie Männer, doch ich bin verbannt. Und sagst du noch, Exil sei nicht der Tod? Hattest du kein Gift gemischt, kein scharf gewetztes Messer, Kein plötzlich Mittel, so gemein es sei, Um mich zu töten, als die Verbannung? Verbannt? O Bruder, in der Höll' braucht das Wort man. Heulend folgt's ihm. Wie hast du das Herz, Da du ein Geistlicher, ein Beichtiger, Ein Sündenlöser und erklärter Freund mir bist, Mich mit dem Wort „verbannt" zu zerfleischen?

BRUDER LORENZO. Du törichter Narr, hör mich ein Wörtlein sprechen,

ROMEO. O, du wirst wieder von Verbannung sprechen.

BRUDER LORENZO. Ich gebe dir Waffen gegen jenes Wort, Der Trübsal süße Milch, die Philosophie, Dich zu trösten, obwohl du bist verbannt.

ROMEO. Noch „verbannt"? Häng die Philosophie auf. Wenn nicht die Philosophie kann eine Julia schaffen, Eine Stadt versetzen, eines Prinzen Spruch umstoßen, Sie hilft nicht, sie frommt nicht, redet nicht mehr.

BRUDER LORENZO. O, dann seh' ich, daß Wahnsinn'ge keine Ohren haben.

ROMEO. Wie sollt' ich, wenn die Weisen keine Augen haben?

BRUDER LORENZO. Laß mich mit dir erörtern deinen Stand.

ROMEO. Du kannst nicht sprechen von dem, was du nicht fühlst. Wärst du so jung wie ich, Julia dein Lieb, Nur eine Stunde erst vermählt, Tybalt erschlagen, Vergafft wie ich und gleich wie ich verbannt, Dann möchtest du sprechen, dann möchtest du raufen dein Haar Und niederfallen auf die Erd' wie ich jetzt, Das Maß nehmend eines ungemachten Grabes.

[Klopfen innerhalb.]

BRUDER LORENZO. Auf; einer klopft. Guter Romeo, verbirg dich.

ROMEO. Nicht ich, wenn nicht der Atem herzkranker Seufzer Mich nebelhaft umhüllt vor der Augen Suchen.

[Klopfen.]

BRUDER LORENZO. Hör, wie sie klopfen!—Wer ist da?—Romeo, auf, Man wird dich fangen.—Wart' ein Weilchen.—Steh auf.

[Klopfen.]

Lauf in mein Studierzimmer.—Gleich, gleich.—Gottes Wille! Was für eine Einfalt ist dies.—Ich komme, ich komme.

[Klopfen.]

Wer klopft so hart? Woher kommt ihr, was ist euer Wille?

AMME. [Innerhalb.] Laßt mich hinein, so sollt ihr meine Botschaft wissen. Ich komme von Lady Julia.

BRUDER LORENZO. Willkommen denn.

Die Amme tritt ein.

AMME. O heiliger Bruder, o, sagt mir, heiliger Bruder, Wo ist meiner Herrin Lord, wo ist Romeo?

BRUDER LORENZO. Da auf der Erd', mit eignen Tränen trunken.

AMME. O, er ist ganz in meiner Herrin Lage. Genau in ihrer Lage! O jammervolles Mitgefühl! Mitleidiger Zustand. Genau so liegt auch sie, Schluchzend und weinend, weinend und schluchzend. Steht auf, steht auf; steht, seid ihr ein Mann. Um Julias willen, um ihretwillen, steht auf und steht. Warum solltet ihr fallen in so tiefes O?

ROMEO. Amme.

AMME. Ach, Herr, ach, Herr, der Tod ist aller Ende.

ROMEO. Sprachst du von Julia? Wie ist es mit ihr? Hält sie mich nicht für einen alten Mörder, Da ich befleckt nun die Kindheit unsrer Freud' Mit Blut, das nicht weit weg war von dem ihren? Wo ist sie? Und wie geht es ihr? Und was sagt Mein heimlich Lieb zu unserer aufgebotenen?

AMME. O, sie sagt nichts, Herr, nur weint und weint; Und jetzt fällt sie aufs Bett, und dann fährt sie auf, Und Tybalt ruft sie, und dann um Romeo weint sie, Und dann fällt sie wiederum.

ROMEO. Als ob der Name, Abgeschossen aus der tödlichen Mündung einer Büchse, Sie ermordete, wie jenes Namens verfluchte Hand Ermordete ihren Vetter. O, sagt mir, Bruder, sagt mir, In welch verruchtem Teil der Anatomie Hat mein Name Sitz? Sagt mir's, daß ich plündern Den hassenswerten Wohnsitz.

[Zieht sein Schwert.]

BRUDER LORENZO. Halt deine verzweifelte Hand. Bist du ein Mann? Dein Leib ruft aus, du bist es. Dein Tränen sind weibisch, deine wilden Taten bezeichnen Die unvernünft'ge Wut des Tiers. Unziemlich Weib in scheinbarem Mann, Und ungeziemend Tier in scheinbarem beidem! Du hast mich entsetzt. Bei meinem heil'gen Orden, Ich glaubte dein Gemüt sei besser temperiert. Hast du Tybalt erschlagen? Willst du dich selbst erschlagen? Und deine Lady töten, die in deinem Leben lebt, Indem du verdammten Haß tust an dir selbst? Warum schmählst du auf deine Geburt, den Himmel und die Erde? Da Geburt und Himmel und Erd' in dir zugleich Sich treffen; die du alle drei auf einmal wollest verlieren. Pfui, pfui, du schändest deine Gestalt, dein Lieb, dein Wissen, Die, gleich einem Wucherer, in allen reichlich sind, Und keines brauchst zu jenem rechten Brauch in Wahrheit, Der zieren sollte deine Gestalt, dein Lieb, dein Wissen. Dein edle Gestalt ist nur ein Wachsgebild', Das abirrt von dem Mute eines Mannes; Dein teu'rer Liebesschwur ist hohler Meineid, Der tötet, was du schwurst zu hegen; Dein Wissen, der Zierrat beider, Leib und Lieb, Mißgestaltet in der Führung von den beiden, Wie Pulver in des kunstlosen Soldaten Flasche, Wird angezündet durch dein eignes Nichtverstehn, Und du wirst selbst zerstückt mit deiner eignen Wehr. Was, rüttle dich, Mann. Dein Julia ist am Leben, Um deren teuren willen du erst kürzlich tot warst. Da bist du glücklich. Tybalt wollt' dich töten, Doch du schlugst Tybalt; da bist du glücklich. Das Gesetz, das den Tod drohte, wird dein Freund Und wandelt ihn in Exil; da bist du glücklich. Ein ganzes Bündel Segen falle auf dein Haupt; Das Glück umwirbt dich in seinem besten Schmuck; Doch wie ein mißgestaltetes und störrisches Mädchen, Da schließest du dein Glück und deine Lieb in dir. Nimm dich in acht, nimm dich in acht, denn solche sterben elend. Geh, mach dich zu deiner Lieb, wie's ward beschlossen, Steig in ihr Kämmerlein, und tröste sie. Doch sieh, daß du nicht bleibst, bis die Wache ausgesetzt, Denn dann kannst nicht nach Mantua gelangen; Wo du sollst leben, bis wir eine Zeit erlangen, Die Hochzeit zu verkünden, Freunde zu versöhnen, Vom Prinzen Gnade zu erflehn, und rufen dich zurück Mit zwanzig hundert tausendmal mehr Freud', Als du hinausgingst in die Klage. Geh voraus, Amme. Empfehl mich deiner Lady, Und heiß sie eilen, daß das ganze Haus zu Bette geht, Wozu sie schweres Leid geschickt macht. Romeo kommt.

AMME. O Herr, ich hätt' die ganze Nacht hier bleiben können, Um guten Rat zu hören. O, was für ein Wissen! Mein Herr, ich sag meiner Lady, daß ihr kommt.

ROMEO. Tu so, und heiß mein Süße sich zum Schelten rüsten.

AMME. Hier, Herr, ein Ring hieß sie euch geben, Herr. Eilt euch, macht geschwind, denn es wird sehr spät.

[Geht ab.]

ROMEO. Wie wohl wird mein Trost durch dies neu belebt.

BRUDER LORENZO. Geh hin, gute Nacht, und hier steht all euer Stand: Entweder geh fort, bevor die Wache ausgesetzt, Oder beim Anbruch des Tags von hier in Verkleidung. Verweile in Mantua. Ich finde deinen Mann, Und er soll dir von Zeit zu Zeit Jedes gute Glück hier melden, das geschieht. Gib mir deine Hand; es ist spät; leb wohl; gute Nacht.

ROMEO. Wär' nicht ein Freud', vergangne Freud', die nach mir ruft, Es wär' ein Gram, so kurz von dir zu scheiden. Leb wohl.

[Gehen ab.]

VIERTE SZENE. Ein Zimmer im Hause Capulet.

Capulet, Lady Capulet und Paris treten ein.

CAPULET. Die Dinge haben sich, Herr, so unglücklich gefügt, Daß wir nicht Zeit gehabt, unsre Tochter anzusprechen. Schaut, sie liebte ihren Vetter Tybalt teuer, Und ich auch. Wohl, wir sind geboren, um zu sterben. Es ist sehr spät; sie wird heut' nacht nicht herunterkommen. Ich versprech' euch, wär' eure Gesellschaft nicht, Ich wär' schon vor einer Stunde zu Bett gewesen.

PARIS. Die Zeiten des Wehs gewähren keinen Ton zum Freien. Madam, gute Nacht. Empfehlt mich eurer Tochter.

LADY CAPULET. Ich will, und will ihren Sinn erfahren früh morgen; Heut' nacht ist sie eingesperrt in ihre Schwermut.

CAPULET. Herr Paris, ich will ein künes Anerbieten Von meines Kindes Liebe machen. Ich denke, sie wird sich fügen In allen Stücken nach mir; ja mehr, ich zweifle nicht. Gattin, geht ihr zu ihr, eh ihr geht zu Bett, Bringt ihr hier kund von meinem Sohn Paris Lieb', Und heißt sie, merkt auf mich, am Mittwoch nächstens; Doch still, was ist heut' für ein Tag?

PARIS. Montag, mein Herr.

CAPULET. Montag! Ha, ha! Wohl, Mittwoch ist zu früh, Ein Donnerstag soll's sein; ein Donnerstag, sagt ihr ihr, Sie werde vermählt mit diesem edlen Grafen. Wollt ihr bereit sein? Gefällt euch diese Eile? Wir machen kein groß Aufheben,—ein Freund oder zwei, Denn, hört, da Tybalt ward so spät erschlagen, Man könnte denken, wir achteten ihn wenig, Als unsern Vetter, wenn wir sehr schmausen. Drum wollen wir etwa ein halb Dutzend Freunde, Und damit gut. Doch was sagt ihr zum Donnerstag?

PARIS. Mein Herr, ich wollte, Donnerstag wär' morgen.

CAPULET. Wohl, geht eurer Wege. Ein Donnerstag sei's denn. Geht zu Julia, eh ihr geht zu Bett, Bereitet sie, Gattin, auf den Hochzeitstag. Leb wohl, mein Herr.—Licht in meine Kammer, he! Bei mir, es ist so sehr, sehr spät, daß wir Mag's bald früh nennen. Gute Nacht.

[Gehen ab.]

FÜNFTE SZENE. Eine offene Galerie zu Julias Kammer, mit Blick auf den Garten.

Romeo und Julia treten auf.

JULIET. Willst du schon fort? Es ist noch nicht nah am Tag. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, Die durchstieß den furchtsamen Hohlraum deines Ohrs; Nachts singt sie dort auf jenem Granatbaum. Glaube mir, Lieb, es war die Nachtigall.

ROMEO. Es war die Lerche, der Herold des Morgens, Keine Nachtigall. Sieh, Lieb, was für neidische Streifen Bändern die Scheidewolken dort im Osten. Der Nacht Kerzen sind ausgebrannt, und heitrer Tag Steht auf den Zehen auf den nebeligen Bergesspitzen. Ich muss gehen und leben, oder bleiben und sterben.

JULIET. Jenes Licht ist nicht Tageslicht, ich weiß es, ich. Es ist ein Meteor, den die Sonne aushaucht, Dir diese Nacht ein Fackelträger zu sein Und dich auf deinem Weg nach Mantua zu leuchten. Drum bleib noch, du brauchst noch nicht zu gehn.

ROMEO. Laß mich gefangen, laß mich zum Tod geführt, Ich bin's zufrieden, wenn du es so willst. Ich sag, jenes Grau ist nicht des Morgens Auge, Es ist nur der bleiche Widerschein von Kynthias Stirn. Auch nicht die Lerche ist's, deren Schläge trillern Den wölbigen Himmel so hoch über unseren Häuptern. Mich dünkt mehr Lust zu bleiben als Willen fortzugehn. Komm, Tod, und sei willkommen. Julia will's ja so. Wie ist's, mein Herz? Laß uns reden. Es ist nicht Tag.

JULIET. Es ist, es ist! Fort, hinweg, geh! Es ist die Lerche, die so mißtönig singt, Mißhauende schrille Dissonanzen und unliebliche Spitzen. Man sagt, die Lerche macht süße Weisen; Diese hier tut das nicht, denn sie trennt uns. Man sagt, die Lerche und der verhaßte Kröte tauschen Augen. O, ich wollte, sie hätten die Stimmen auch getauscht, Da Stimme auf den Arm uns schreckt, Dich jagend von dannen mit Weckruf an den Tag. O, nun geh fort, es wird licht und immer lichter.

ROMEO. Mehr Licht und Licht, mehr düster unsre Not.

Die Amme tritt ein.

AMME. Madam.

JULIET. Amme?

AMME. Eure Frau Mutter kommt in eure Kammer. Der Tag ist angebrochen, seid auf der Hut, schaut um euch.

[Geht ab.]

JULIET. Nun, Fenster, laß den Tag herein, und das Leben hinaus.

ROMEO. Leb wohl, leb wohl, ein Kuß, und ich steig' hinab.

[Steigt hinab.]

JULIET. Bist du schon so gegangen? Lieb, Herr, ach Gatte, Freund, Ich muss hören von dir alle Tag in der Stunde, Denn in der Minute sind viele Tage. O, bei dieser Rechnung werd' ich viel an Jahren sein, Eh ich erneut erschau' meinen Romeo.

ROMEO. Leb wohl! Ich lass keine Gelegenheit aus, Die mag dir Grüße bringen, Lieb, von mir.

JULIET. O, denkst du, wir uns je wiedersehn?

ROMEO. Ich zweifle nicht, und all dies Weh wird dienen Zu süßen Reden in der Zukunft unsrer Zeit.

JULIET. O Gott! Ich hab' eine unheilahnende Seele! Mich dünkt, ich seh' dich, da du bist so niedrig, Als einer, der tot liegt auf dem Grund eines Grabs. Es sei, mein Augensinn trügt, oder du siehst bleich.

ROMEO. Und traue mir, Lieb, in meinen Augen tust du's auch. Trockner Kummer trinkt uns Blut. Adieu, adieu.

[Geht unten ab.]

JULIET. O Fortuna, Fortuna! Alle Welt nennt dich wankelmütig, Bist du wankelmütig, was hast du mit ihm zu schaffen, Der so berühmt ist für seine Treu'? Sei wankelmütig, Fortuna; Denn dann, so hoff' ich, hältst du ihn nicht lang, Sondern sendest ihn zurück.

LADY CAPULET. [Innerhalb.] He, Tochter, seid ihr auf?

JULIET. Wer ist es, der da ruft? Ist es meine gnädige Mutter? Ist sie nicht spät noch wach, oder früh schon auf? Was für ein ungewohnter Anlass führt sie her?

Lady Capulet tritt auf.

LADY CAPULET. Nun, was ist, Juliet?

JULIET. Gnädige Frau, mir ist nicht wohl.

LADY CAPULET. Immer noch weinen um eures Vetters Tod? Was, willst du ihn mit Tränen aus dem Grabe waschen? Und könntest du's, du könntest ihn nicht lebend machen. Drum hör' damit auf. Einiger Schmerz zeigt viel von Liebe, Doch allzu viel zeigt immerhin ein Wenig Mangel an Verstand.

JULIET. Doch lasst mich weinen um so schmerzlichen Verlust.

LADY CAPULET. So werdet ihr den Verlust noch fühlen, doch nicht den Freund, Um den ihr weint.

JULIET. Den Verlust so fühlend, Kann ich nicht umhin, den Freund auf ewig zu beweinen.

LADY CAPULET. Nun, Mädchen, du weinst nicht so sehr um seinen Tod Als dass der Schurke lebt, der ihn erschlug.

JULIET. Welcher Schurke, gnädige Frau?

LADY CAPULET. Jener Schurke, der Romeo.

JULIET. Ein Schurke und er seien viele Meilen voneinander. Gott vergeb' ihm. Ich tu's, von ganzem Herzen. Und doch kein Mann wie er betrübt mir das Herz.

LADY CAPULET. Das kommt, weil der verräterische Mörder lebt.

JULIET. Ja, gnädige Frau, ausser der Reichweite meiner Hände. Wollt', niemand ausser mir könnte meines Vetters Tod rächen.

LADY CAPULET. Wir werden Rache dafür nehmen, fürchte dich nicht. Dann wein' nicht mehr. Ich werde zu einem in Mantua senden, Wo jener verbannte Landstreicher lebt, Der soll ihm einen so ungewohnten Trank verabreichen, Dass er bald Tybalt Gesellschaft leistet: Und dann, so hoff' ich, wirst du zufrieden sein.

JULIET. Fürwahr, ich werde niemals zufrieden sein Mit Romeo, bis ich ihn leibhaftig sehe—tot— So sehr ist mein armes Herz um einen Verwandten bekümmert. Gnädige Frau, könntet ihr nur einen Mann ausfindig machen, Der eine Giftmischung trüge, ich würde sie bereiten, Dass Romeo, sobald er sie empfängt, Bald in Frieden schlafe. O, wie es mein Herz verabscheut, Ihn nur zu nennen, und nicht zu ihm gelangen kann, Um die Liebe, die ich meinem Vetter trug, An seinem Leib, der ihn erschlug, zu vergelten.

LADY CAPULET. Finde du nur das Mittel, und ich finde einen solchen Mann. Doch nun will ich dir frohe Kunde melden, Mädchen.

JULIET. Und Freude kommt gelegen in so karger Zeit. Was ist es, ich bitte Euer Gnaden flehentlich?

LADY CAPULET. Wohl, wohl, du hast einen fürsorglichen Vater, Kind; Einer, um dich von deiner Schwermut zu befreien, Hat einen plötzlichen Tag der Freude angesetzt, Den du nicht erwartest, noch ich erhofft' hab'.

JULIET. Gnädige Frau, zur guten Stunde, welcher Tag ist das?

LADY CAPULET. Fürwahr, mein Kind, am frühen Donnerstagmorgen Wird der stattliche, junge, edle Herr, Der Graf Paris, in der Peterskirche Dich dort glücklich zur Braut machen.

JULIET. Nun, bei Sankt Peters Kirche und Petrus selbst, Er soll mich dort nicht zur fröhlichen Braut machen. Ich wundere mich über diese Hast, dass ich freien muss, Ehe der, der mein Gatte sein soll, kommt, um zu werben. Ich bitte Euch, sagt meinem Herrn und Vater, gnädige Frau, Ich will noch nicht heiraten; und wenn ich's tue, schwör' ich, Soll es Romeo sein, von dem Ihr wisst, dass ich ihn hasse, Lieber als Paris. Das sind wahrlich Neuigkeiten.

LADY CAPULET. Da kommt dein Vater, sag es ihm selbst Und sieh, wie er es von dir aufnimmt.

Capulet und die Amme treten auf.

CAPULET. Wenn die Sonne untergeht, träufelt die Luft den Tau; Doch für den Untergang meines Bruders Sohn Regnet's gradenwegs. Nun, was? Eine Wasserrinne, Mädchen? Was, immer noch in Tränen? Immerfort in Schauern? In einem kleinen Körper Ahmst du ein Schiff nach, ein Meer, einen Wind. Denn immer noch deine Augen, die ich das Meer nennen darf, Ebben und fliessen mit Tränen; das Schiff, dein Körper ist's, Das in dieser Salzflut segelt, die Winde, dein Seufzen sind's, Die mit deinen Tränen toben und sie mit ihnen, Ohne plötzliche Stille werden umstürzen Deinen sturmgepeitschten Körper. Nun, was, Weib? Habt ihr ihr unseren Beschluss mitgeteilt?

LADY CAPULET. Ja, Herr; doch sie will nichts, sie dankt Euch. Ich wollte, die Närrin wäre mit ihrem Grabe vermählt.

CAPULET. Sachte. Lasst mich mit Euch, lasst mich mit Euch, Weib. Wie, sie will nicht? Sagt sie uns nicht Dank? Ist sie nicht stolz? Hält sie sich nicht für gesegnet, Unwürdig wie sie ist, dass wir es vollbracht, Einen so würdigen Herrn zu ihrem Bräutigam zu erwählen?

JULIET. Nicht stolz bin ich, dass Ihr es habt, doch dankbar, dass Ihr es habt. Stolz kann ich niemals sein auf das, was ich hasse; Doch dankbar selbst für den Hass, der Liebe meint.

CAPULET. Nun, nun, was? Gehackte Logik? Was soll das? Stolz, und ich danke Euch, und ich danke Euch nicht; Und doch nicht stolz. Fräulein Liebling Ihr, Dankt mir nicht Dank, noch seid stolz mir nicht stolz, Doch schickt Eure feinen Glieder für den nächsten Donnerstag Mit Paris zur Peterskirche zu gehen, Oder ich schleif' Euch auf einer Schleife dorthin. Hinaus, Ihr grünkranken Aases! Hinaus, Ihr Pack! Ihr Talggesicht!

LADY CAPULET. Pfui, pfui! Was, seid Ihr von Sinnen?

JULIET. Guter Vater, ich fleh' Euch auf Knien an, Hört mich mit Geduld an, nur ein Wort zu sprechen.

CAPULET. Häng' dich, junges Pack, ungehorsames Geschöpf! Ich sag' dir was,—geh am Donnerstag zur Kirche, Oder sieh mich nimmermehr ins Antlitz. Sprich nicht, antworte nicht, gib mir keine Antwort. Mich juckt's in den Fingern. Weib, wir hielten uns kaum gesegnet, Dass Gott uns nur dieses einzige Kind geliehen; Doch nun seh' ich, dieses eine ist eines zu viel, Und dass wir einen Fluch haben, sie zu besitzen. Fort mit ihr, Taugenichts.

AMME. Gott im Himmel segne sie. Ihr seid schuld, mein Herr, sie so zu schelten.

CAPULET. Und warum, meine Frau Weisheit? Haltet den Mund, Gute Klugheit; schwatzt mit Euren Gevatterinnen, geht.

AMME. Ich sag' keinen Verrat.

CAPULET. O Gott, Ihr Guten!

AMME. Darf einer nicht sprechen?

CAPULET. Ruhe, Ihr murmelnd' Narren! Sprecht Eure Wichtigkeit über einer Gevatterin Schale aus, Denn hier bedürfen wir ihrer nicht.

LADY CAPULET. Ihr seid zu hitzig.

CAPULET. Gottes Brot, es macht mich rasend! Tag, Nacht, Stunde, Ritt, Zeit, Werk, Spiel, Allein, in Gesellschaft, stets war meine Sorge, Sie zu vermählen, und da ich nun versehen Einen Herrn von edler Herkunft, Mit schönen Gütern, jugendlich, und edel verbündet, Gespickt, wie man sagt, mit ehrenwerten Eigenschaften, Gebildet, wie eines Sinnes Wunsch es einem Manne wünschen würde, Und dann solch' elendes, winselndes Nichts zu haben, Ein quengelndes Püppchen, in der Zartheit ihres Glückes, Die antwortet, 'Ich will nicht freien, ich kann nicht lieben, Ich bin zu jung, ich bitte Euch, vergebt mir.' Doch wenn ihr nicht freien wollt, will ich Euch vergeben. Weidet, wo Ihr wollt, Ihr werdet nicht bei mir hausen. Nehmt Euch in Acht, bedenkt's, ich pflege nicht zu scherzen. Der Donnerstag ist nah; legt Hand aufs Herz, bedenkt. Und seid Ihr mein, geb' ich Euch meinem Freund; Und seid Ihr es nicht, hängt, bettelt, verreckt, sterbt auf den Strassen, Denn bei meiner Seele, ich werde Euch nie anerkennen, Noch was mein ist, soll Euch je Gutes tun. Verlasst Euch drauf, bedenkt Euch, ich werde nicht meineidig.

[Ab.]

JULIET. Sitzt kein Mitleid in den Wolken, Das in den Grund meines Grams hinabsieht? O süsse Mutter, verstosst mich nicht, Verzögert diese Heirat um einen Monat, eine Woche, Oder, wenn Ihr es nicht tut, macht das Brautbett In jenem dunklen Denkmal, wo Tybalt liegt.

LADY CAPULET. Redet nicht mit mir, denn ich will kein Wort sprechen. Tu, wie du willst, denn ich bin mit dir fertig.

[Ab.]

JULIET. O Gott! O Amme, wie soll das abgewendet werden? Mein Gatte ist auf Erden, mein Treuepfand im Himmel. Wie soll dies Pfand zur Erde wiederkehren, Wenn nicht der Gatte es mir vom Himmel sendet, Indem er die Erde verlässt? Tröstet mich, berät mich. Ach, ach, dass der Himmel solcherlei Ränke Auf so weichem Wesen wie mir sollte spielen. Was sagst du? Hast du kein Wort der Freude? Etwas Trost, Amme.

AMME. Fürwahr, da ist es. Romeo ist verbannt; und die ganze Welt auf nichts Dass er sich nimmer wagt, zurückzukehren, Euch herauszufordern. Oder wenn er es täte, müsste es heimlich geschehen. Dann, da die Sache so steht, wie sie jetzt steht, Denk' ich, es ist das Beste, Ihr heiratet den Grafen. O, er ist ein liebenswerter Herr. Romeo ist ein Küchenlappen gegen ihn. Ein Adler, gnädige Frau, Hat nicht so grünes, so munteres, so schönes Auge Wie Paris es hat. Mein Herz will's mir nicht, Ich denke, Ihr seid glücklich in dieser zweiten Verbindung, Denn sie übertrifft Eure erste: oder wenn nicht, Eure erste ist tot, oder es wäre ebensogut, er wär' es, Als hier zu leben, und Ihr keinen Nutzen von ihm.

JULIET. Sprichst du aus deinem Herzen?

AMME. Und aus meiner Seele dazu, Oder sonst verflucht seien sie beide.

JULIET. Amen.

AMME. Was?

JULIET. Wohl, du hast mich wunderbar getröstet. Geh hinein und sag meiner Gebieterin, ich sei gegangen, Da ich meinen Vater verletzt, zu Lorenz' Zelle, Um zu beichten und Absolution zu empfangen.

AMME. Fürwahr, ich will; und das ist weise getan.

[Ab.]

JULIET. Alte Verdammnis! O abscheulichster Unhold! Ist es mehr Sünde, mich so meineidig zu wünschen, Oder meinen Herrn zu tadeln mit eben der Zunge, Mit der sie ihn über alles Lob erhoben So viele tausendmal? Geh, Ratgeberin. Du und mein Herzbusen, sollt fürderhin geschieden sein. Ich will zum Mönch, sein Mittel zu erfahren. Wenn alles sonst versagt, hab' ich die Macht zu sterben.

[Ab.]

AKT IV

SZENE I. Mönch Lorenz' Zelle.

Mönch Lorenz und Paris treten auf.

MÖNCH LORENZ. Am Donnerstag, Herr? Die Zeit ist sehr kurz.

PARIS. Mein Vater Capulet will es so; Und ich bin keineswegs träge, seine Eile zu hemmen.

MÖNCH LORENZ. Ihr sagt, Ihr kennt nicht der Dame Sinn. Ungleich ist der Lauf; er gefällt mir nicht.

PARIS. Unmässig weint sie um Tybalts Tod, Und darum sprach ich wenig von der Liebe; Denn Venus lächelt nicht in einem Haus der Tränen. Nun, Herr, ihr Vater hält es für gefährlich, Dass sie ihrem Schmerz so viel Gewalt gibt; Und in seiner Weisheit beschleunigt er unsere Heirat, Um der Überschwemmung ihrer Tränen Einhalt zu tun, Die, allzusehr von ihr allein bedacht, Durch Gesellschaft von ihr abgewendet werden mag. Nun wisst Ihr den Grund dieser Eile.

MÖNCH LORENZ. [Beiseite.] Ich wollte, ich wüsste nicht, warum sie verzögert werden sollte.— Seht, Herr, da kommt die Dame zu meiner Zelle.

Juliet tritt auf.

PARIS. Glücklich getroffen, meine Dame und mein Weib!

JULIET. Das mag sein, Herr, wenn ich ein Weib sein mag.

PARIS. Das mag sein, muss sein, Liebste, am nächsten Donnerstag.

JULIET. Was sein muss, soll sein.

MÖNCH LORENZ. Das ist ein gewisser Text.

PARIS. Kommt Ihr, diesem Vater zu beichten?

JULIET. Um das zu beantworten, müsst' ich Euch beichten.

PARIS. Leugnet ihm nicht, dass Ihr mich liebt.

JULIET. Ich will Euch beichten, dass ich ihn liebe.

PARIS. So werdet Ihr, ich bin sicher, dass Ihr mich liebt.

JULIET. Wenn ich es täte, wär' es von grösserem Wert, Hinter Eurem Rücken gesprochen als vor Eurem Gesicht.

PARIS. Arme Seele, dein Antlitz ist übel zugerichtet von Tränen.

JULIET. Die Tränen haben kleinen Sieg davongetragen damit; Denn es war schlimm genug vor ihrer Bosheit.

PARIS. Du tust ihm mehr Unrecht als Tränen mit dieser Rede.

JULIET. Das ist keine Verleumdung, Herr, was Wahrheit ist, Und was ich sprach, sprach ich vor meinem Antlitz.

PARIS. Dein Antlitz ist mein, und du hast es verleumdet.

JULIET. Mag sein, denn es ist nicht mein eigen. Seid Ihr jetzt bei Musse, heiliger Vater, Oder soll ich zu Euch zur Abendmesse kommen?

MÖNCH LORENZ. Meine Musse frommt mir, sinnende Tochter, jetzt.— Mein Herr, wir müssen die Zeit allein erbitten.

PARIS. Gott bewahre, dass ich die Andacht störe!— Juliet, am Donnerstag früh will ich Euch wecken, Bis dahin, lebt wohl; und bewahrt diesen heiligen Kuss.

[Ab.]

JULIET. O schliess die Tür, und wenn du es getan, Komm weinen mit mir, hoffnungslos, unheilbar, hilflos!

MÖNCH LORENZ. O Juliet, ich kenne bereits deinen Gram; Er spannt mich über den Zirkel meiner Sinne. Ich höre, du musst, und nichts kann es aufschieben, Am nächsten Donnerstag mit diesem Grafen vermählt werden.

JULIET. Sag mir nicht, Mönch, dass du davon hörst, Wenn du mir nicht sagst, wie ich es verhindern kann. Wenn du in deiner Weisheit keine Hilfe geben kannst, So nenn' meinen Entschluss nur weise, Und mit diesem Messer will ich ihm alsbald nachhelfen. Gott hat mein Herz und Romeo's verbunden, du unsere Hände; Und eh' diese Hand, durch dich Romeo's besiegelt, Das Siegel eines andern Bundes wird, Oder mein treues Herz mit treulosem Abfall Sich einem andern zuwendet, soll dies sie beide erschlagen. Drum aus deiner lang erfahrenen Zeit Gib mir irgendeinen gegenwärtigen Rat, oder sieh, Zwischen meinen Äussersten und mir dies blutige Messer Soll die Herrschaft spielen, das entscheidend, Was die Vollmacht deiner Jahre und Kunst Zu keinem Ausgang wahrer Ehre bringen konnte. Sei nicht so lang im Reden. Ich sehne mich zu sterben, Wenn das, was du sprichst, nicht von Heilmittel spricht.

MÖNCH LORENZ. Halt ein, Tochter. Ich erspähe eine Art von Hoffnung, Die so verzweifelter Ausführung bedarf Wie jene verzweifelt ist, die wir verhindern wollten. Wenn du, lieber als den Grafen Paris zu heiraten, Die Stärke des Willens hast, dich selbst zu erschlagen, Dann ist es wahrscheinlich, dass du unternimmst Etwas dem Tode Ähnliches, um diese Schmach zu verscheuchen, Die du mit dem Tod selbst kämpfend entfliehst. Und wenn du dich getraust, will ich dir Heilmittel geben.

JULIET. O, heiss mich eher springen als Paris heiraten, Von den Zinnen jenes Turms dort, Oder wandeln auf Diebespfaden, oder heiss mich lauern, Wo Schlangen sind. Kette mich mit brüllenden Bären; Oder birg mich nächtlich in einem Beinhaus, Ganz überdeckt mit toter Männer rasselnden Gebeinen, Mit dampfenden Schienbeinen und gelben kieferlosen Schädeln. Oder heiss mich gehen in ein frisch gemachter Grab Und birg mich mit einem Toten in seinem Leichentuch; Dinge, die, wenn man sie erzählen hört, mich schaudern machten, Und ich will es tun ohne Furcht oder Zweifel, Um meinem süssen Liebsten eine unbefleckte Gattin zu sein.

MÖNCH LORENZ. Halt' dann ein. Geh heim, sei fröhlich, gib dein Einverständnis, Paris zu heiraten. Mittwoch ist morgen; Morgen nacht sieh zu, dass du allein liegst, Lass deine Amme nicht mit dir in deiner Kammer liegen. Nimm du dies Fläschchen, wenn du dann im Bett bist, Und trinke diesen destillierten Saft aus, Wenn alsbald durch alle deine Adern rinnen wird Ein kühler und schläfriger Saft; denn kein Puls Wird seinen natürlichen Gang halten, sondern aufhören. Keine Wärme, kein Atem wird zeugen, dass du lebst, Die Rosen auf deinen Lippen und Wangen werden verblassen Zu bleichen Aschen; deiner Augen Fenster fallen, Wie der Tod, wenn er den Lebenstag schliesst. Jeder Teil, der geschmeidigen Lenkung beraubt, Wird steif und starr und kalt erscheinen wie der Tod. Und in dieser erborgten Ähnlichkeit geschrumpften Todes Wirst du zweiundvierzig Stunden verweilen, Und dann erwachen wie aus einem süssen Schlaf. Wenn dann der Bräutigam am Morgen kommt, Dich aus deinem Bett zu wecken, bist du tot. Dann, wie die Sitte unseres Landes ist, In deinen besten Gewändern, unbedeckt, auf der Bahre, Wirst du getragen werden zu jenem alten Gewölbe, Wo das ganze Geschlecht der Capulets liegt. In der Zwischenzeit, bis du erwachst, Soll Romeo durch meine Briefe unser Vorhaben erfahren, Und hierher soll er kommen, und er und ich Werden dein Erwachen bewachen, und in eben jener Nacht Soll Romeo dich hinfort nach Mantua tragen. Und dies wird dich von dieser gegenwärtigen Schmach befreien, Wenn keine unbeständige Laune noch weibische Furcht Deinen Mut im Vollbringen mindert.

JULIET. Gibt mir, gebt mir! O sagt mir nichts von Furcht!

MÖNCH LORENZ. Halt; geht, seid stark und glücklich In diesem Entschluss. Ich will einen Mönch mit Eile Nach Mantua senden, mit meinen Briefen an deinen Herrn.

JULIET. Liebe gebe mir Stärke, und Stärke soll Hilfe leihen. Lebt wohl, teurer Vater.

[Ab.]

SZENE II. Halle in Capulets Haus.

Capulet, Lady Capulet, Amme und Diener treten auf.

CAPULET. So viele Gäste ladet, als hier geschrieben stehen.

[Erster Diener ab.]

Bursche, miete mir zwanzig kluge Köche.

ZWEITER DIENER. Ihr sollt keinen schlechten haben, Herr; denn ich will's versuchen, ob sie ihre Finger lecken können.

CAPULET. Wie kannst du sie so versuchen?

ZWEITER DIENER. Fürwahr, Herr, es ist ein schlechter Koch, der nicht seine eigenen Finger lecken kann; drum wer nicht seine Finger lecken kann, geht nicht mit mir.

CAPULET. Geh, fort mit dir.

[Zweiter Diener ab.]

Wir werden für diesmal gar schlecht versehen sein. Was, ist meine Tochter zum Mönch Lorenz gegangen?

AMME. Ja, fürwahr.

CAPULET. Wohl, er kann vielleicht etwas Gutes an ihr tun. Ein eigensinnig' eigenwillig' Ding ist's.

Juliet tritt auf.

AMME. Seht, da kommt sie von der Beichte mit frohem Blick.

CAPULET. Nun, mein Trotzkopf. Wo seid Ihr umhergeschwärmt?

JULIET. Wo ich gelernt, zu bereuen die Sünde Des ungehorsamen Widerstands Gegen Euch und Eure Gebote; und bin angewiesen Vom heiligen Lorenz, mich hier niederzuwerfen, Euch um Verzeihung zu bitten. Verzeiht, ich fleh' Euch. Fürderhin bin ich stets von Euch gelenkt.

CAPULET. Schickt nach dem Grafen, geht, sagt ihm dies. Ich will diesen Knoten morgen früh geknüpft haben.

JULIET. Ich traf den jugendlichen Herrn bei Lorenz' Zelle Und gab ihm, was geziemende Liebe vermag, Nicht überschreitend die Schranken der Sittsamkeit.

CAPULET. Nun, ich bin froh darum. Das ist gut. Steh auf. So soll's sein. Lasst mich den Grafen sehen. Ja, fürwahr. Geht, ich sag', und holt ihn her. Nun, vor Gott, diesem ehrwürdigen heiligen Mönch Ist unsere ganze Stadt gar sehr verbunden.

JULIET. Amme, wollt Ihr mit mir gehn in mein Gemach, Um mir zu helfen, solche nötigen Schmucks zu ordnen, Wie Ihr meint, dass er für mich morgen passend sei?

LADY CAPULET. Nein, nicht bis Donnerstag. Es ist Zeit genug.

CAPULET. Geht, Amme, geht mit ihr. Wir gehen morgen zur Kirche.

[Juliet und Amme ab.]

LADY CAPULET. Wir werden knapp sein an unserer Vorrat, Es ist nun nahe an die Nacht.

CAPULET. Pah, ich will mich rühren, Und alles soll wohl sein, ich bürg' dir, Weib. Geh du zu Juliet, hilf sie schmücken. Ich werde heute nacht nicht zu Bett, lasst mich allein. Ich will die Hausfrau spielen für dies eine Mal.—Was, ho!— Sie sind alle fort: wohl, ich will selbst gehen Zu Graf Paris, ihn vorzubereiten Auf morgen. Mein Herz ist wundersam leicht, Seit dies eigensinnige Mädchen so bekehrt ist.

[Ab.]

SZENE III. Juliets Kammer.

Juliet und Amme treten auf.

JULIET. Ja, jene Kleider sind die besten. Doch, gütige Amme, Ich bitte dich, lass mich allein diese Nacht; Denn ich bedarf vieler Gebete, Um den Himmel zu bewegen, über mein Geschick zu lächeln, Das, du weisst es wohl, verkehrt und voller Sünde ist.

Lady Capulet tritt auf.

LADY CAPULET. Was, seid Ihr beschäftigt, he? Braucht Ihr meine Hilfe?

JULIET. Nein, gnädige Frau; wir haben solches Nötige ausgelesen Als für unseren Stand morgen zuträglich ist. Wenn's Euch gefällt, so lasst mich nun allein, Und lasst die Amme diese Nacht bei Euch wachen, Denn ich bin sicher, Ihr habt alle Hände voll Bei diesem so plötzlichen Geschäft.

LADY CAPULET. Gute Nacht. Geh zu Bett und ruh dich aus, denn du bedarfst es.

[Lady Capulet und Amme ab.]

JULIET. Lebt wohl. Gott weiss, wann wir uns wiedersehen. Mich durchschauert ein schwaches, kaltes Grausen durch die Adern, Das beinahe die Glut des Lebens gefriert. Ich will sie zurückrufen, mich zu trösten. Amme!—Was sollte sie hier tun? Meine düstere Szene muss ich allein spielen. Komm, Fläschchen. Was, wenn die Mischung gar nicht wirkt? Soll ich dann morgen früh vermählt werden? Nein, nein! Das soll's verhindern. Lieg du da.

[Ihren Dolch niederlegend.]

Was, wenn es ein Gift ist, das der Pater Mir tückisch verabreichte, um mich zu töten, Damit er in dieser Ehe nicht entehrt werde, Weil er mich zuvor mit Romeo vermählte? Ich fürchte, es ist so. Und doch dünkt mich, sollte es nicht, Denn er ist allzeit als ein heiliger Mann erprobt. Wie aber, wenn ich in das Grab gelegt bin, Ich erwache, bevor die Zeit gekommen ist, Da Romeo mich erlöst? Das ist ein furchtbarer Punkt! Werde ich dann nicht in dem Gewölbe ersticken, In dessen faulen Schlund kein gesundes Lüftchen weht, Und dort stranguliert sterben, ehe mein Romeo kommt? Oder, wenn ich lebe, ist es nicht sehr wahrscheinlich, Dass der grausige Begriff von Tod und Nacht, Zusammen mit dem Schrecken des Ortes, Wie in einem Gewölbe, einem uralten Behältnis, Wo seit vielen hundert Jahren die Gebeine All meiner begrabenen Ahnen zusammengehäuft sind, Wo der blutige Tybalt, noch frisch in der Erde, In seinem Leichentuch fault; wo, wie man sagt, Zu manchen Stunden in der Nacht Geister einkehren— Ach, ach, ist es nicht wahrscheinlich, dass ich, So früh erwachend, zwischen abscheulichen Gerüchen Und Schreien, wie Alraunen, die aus der Erde gerissen werden, Dass lebende Sterbliche, die sie hören, wahnsinnig werden. O, wenn ich erwache, werde ich nicht von Sinnen sein, Umgeben von all diesen scheußlichen Ängsten, Und wahnsinnig mit den Gliedern meiner Vorfahren spielen? Und den zerfetzten Tybalt aus seinem Leichentuch zerren? Und in diesem Wüten mit eines großen Verwandten Knochen, Wie mit einer Keule, mir die verzweifelten Gehirne einschlagen? O schau, mich dünkt, ich sehe meines Vetters Geist, Der Romeo sucht, der seinen Leib aufspießte Auf einer Degenklinge Spitze. Bleib, Tybalt, bleib! Romeo, Romeo, Romeo, hier ist Trank! Ich trinke auf dich.

[Sie wirft sich auf das Bett.]

SZENE IV. Saal im Hause Capulets.

Es treten auf Lady Capulet und Amme.

LADY CAPULET. Halt, nimm diese Schlüssel und hol mehr Gewürze, Amme.

AMME. Sie verlangen nach Datteln und Quitten in der Backstube.

Es tritt auf Capulet.

CAPULET. Kommt, rührt euch, rührt euch, rührt euch! Der zweite Hahn hat gekräht, Die Sperrstundenglocke hat geläutet, es ist drei Uhr. Seht nach den Backwaren, gute Angelica; Spart nicht an Kosten.

AMME. Geht, ihr Hausvater, geht, Geht zu Bett; beim Glauben, ihr werdet morgen krank sein Vom Wachen diese Nacht.

CAPULET. Nein, nicht ein Deut. Was! Ich habe schon früher Die ganze Nacht gewacht aus geringerem Anlass und war nie krank.

LADY CAPULET. Ja, ihr seid in eurer Zeit ein Mäusejäger gewesen; Aber ich werde euch jetzt vor solchem Wachen bewahren.

[Lady Capulet und Amme ab.]

CAPULET. Eine Eifersucht, eine Eifersucht!

Es treten auf Diener mit Spießen, Holzscheiten und Körben.

Nun, Bursche, was ist da?

ERSTER DIENER. Dinge für den Koch, Herr; aber ich weiß nicht was.

CAPULET. Macht schnell, macht schnell.

[Erster Diener ab.]

—Du da, hol trockenere Holzscheite. Ruf Peter, er wird dir zeigen, wo sie sind.

ZWEITER DIENER. Ich habe einen Kopf, Herr, der wird Holz finden Und deswegen nie Peter bemühen.

[Ab.]

CAPULET. Beim Mess und wohl gesagt; ein lustiger Hurensohn, ha. Du sollst Sturkopf heißen.—Beim Glauben, es ist Tag. Der Graf wird gleich mit Musik hier sein, Denn so sagte er, er würde es. Ich höre ihn nahe.

[Musik spielt.]

Amme! Frau! Was, he! Was, Amme, sag ich!

Amme tritt wieder auf.

Geh, wecke Julia, geh und mach sie zurecht. Ich will gehen und mit Paris plaudern. Eilt, macht schnell, Macht schnell; der Bräutigam ist schon gekommen. Macht schnell, sag ich.

[Ab.]

SZENE V. Julias Gemach; Julia auf dem Bett.

Es tritt auf Amme.

AMME. Herrin! Was, Herrin! Julia! Fest, ich wette, sie. Warum, Lämmchen, warum, Dame, pfui, du Schlafmütze! Warum, Liebste, sag ich! Madame! Herzelein! Warum, Braut! Was, kein Wort? Du nimmst dir jetzt deine Pfennigswerte. Schlaf eine Woche; denn die nächste Nacht, ich wette, Hat Graf Paris seine Ruhe darauf gesetzt, Dass du wenig ruhen wirst. Gott verzeih mir! Ja und Amen. Wie tief sie schläft! Ich muss sie wohl wecken. Madame, Madame, Madame! Ja, lass den Grafen dich in deinem Bett nehmen, Er wird dich beim Glauben wachschrecken. Will es nicht sein? Was, angezogen, und in deinen Kleidern, und wieder unten? Ich muss dich wohl wecken. Dame! Dame! Dame! Wehe, wehe! Hilfe, Hilfe! Meine Herrin ist tot! O, verfluchter Tag, dass ich jemals geboren wurde. Etwas Aqua Vitae, he! Mein Herr! Meine Herrin!

Es tritt auf Lady Capulet.

LADY CAPULET. Welcher Lärm ist hier?

AMME. O beklagenswerter Tag!

LADY CAPULET. Was ist die Angelegenheit?

AMME. Schaut, schaut! O schwerer Tag!

LADY CAPULET. O ich, o ich! Mein Kind, mein einziges Leben. Belebe dich, schau auf, oder ich werde mit dir sterben. Hilfe, Hilfe! Ruft Hilfe.

Es tritt auf Capulet.

CAPULET. Aus Scham, bringt Julia hervor, ihr Herr ist gekommen.

AMME. Sie ist tot, verschieden, sie ist tot; wehe dem Tag!

LADY CAPULET. Wehe dem Tag, sie ist tot, sie ist tot, sie ist tot!

CAPULET. Ha! Lasst mich sie sehen. Aus, wehe! Sie ist kalt, Ihr Blut ist gesunken und ihre Glieder sind steif. Das Leben und diese Lippen sind längst geschieden. Der Tod liegt auf ihr wie ein unzeitiger Frost Auf der süßesten Blume des ganzen Feldes.

AMME. O beklagenswerter Tag!

LADY CAPULET. O leidvolle Zeit!

CAPULET. Der Tod, der sie von hier nahm, um mich zum Wehklagen zu bringen, Bindet mir die Zunge und lässt mich nicht sprechen.

Es treten auf Pater Lawrence und Paris mit Musikanten.

PATER LAWRENCE. Kommt, ist die Braut bereit, in die Kirche zu gehen?

CAPULET. Bereit zu gehen, aber niemals zurückzukehren. O Sohn, die Nacht vor deinem Hochzeitstag Hat der Tod bei deiner Braut gelegen. Da liegt sie, Blume, wie sie war, entjungfert von ihm. Der Tod ist mein Schwiegersohn, der Tod ist mein Erbe; Meine Tochter hat er geheiratet. Ich will sterben Und ihm alles hinterlassen; Leben, Lebensunterhalt, alles ist des Todes.

PARIS. Habe ich lange gedacht, das Gesicht dieses Morgens zu sehen, Und gewährt es mir einen Anblick wie diesen?

LADY CAPULET. Verfluchter, unglücklicher, elender, hasserfüllter Tag. Jämmerlichste Stunde, die die Zeit je sah In ausdauernder Mühsal ihrer Pilgerschaft. Nur ein, arm ein, ein armes und liebes Kind, Nur ein Ding, sich zu freuen und zu laben, Und der grausame Tod hat es vor meinen Augen weggefangen.

AMME. O Weh! O leidvoller, leidvoller, leidvoller Tag. Beklagenswertester Tag, leidvollster Tag, Den ich jemals, jemals erblickt habe! O Tag, o Tag, o Tag, o hasserfüllter Tag. Niemals wurde ein so schwarzer Tag gesehen wie dieser. O leidvoller Tag, o leidvoller Tag.

PARIS. Betrogen, geschieden, gekränkt, geschmäht, erschlagen. Abscheulichster Tod, durch dich betrogen, Durch dich, grausam, grausam, ganz überwältigt. O Liebe! O Leben! Nicht Leben, sondern Liebe im Tode!

CAPULET. Verachtet, bedrängt, gehasst, gemartert, getötet. Unbehagliche Zeit, warum kamst du jetzt, Um unsere Feierlichkeit zu ermorden, zu ermorden? O Kind! O Kind! Meine Seele, und nicht mein Kind, Tot bist du. Wehe, mein Kind ist tot, Und mit meinem Kind sind meine Freuden begraben.

PATER LAWRENCE. Friede, he, aus Scham. Die Heilung der Verwirrung lebt nicht In diesen Verwirrungen. Der Himmel und ihr selbst Hattet Anteil an dieser schönen Maid, nun hat der Himmel alles, Und umso besser ist es für die Maid. Euren Anteil an ihr konntet ihr nicht vor dem Tod bewahren, Aber der Himmel bewahrt seinen Anteil im ewigen Leben. Das Meiste, wonach ihr strebtet, war ihre Beförderung, Denn es war euer Himmel, dass sie befördert würde, Und weint ihr nun, da ihr seht, dass sie befördert ist Über den Wolken, so hoch wie der Himmel selbst? O, in dieser Liebe liebt ihr euer Kind so schlecht, Dass ihr wahnsinnig werdet, da ihr seht, dass es ihr wohl ist. Sie ist nicht wohl verheiratet, die lange verheiratet lebt, Sondern sie ist am besten verheiratet, die jung verheiratet stirbt. Trocknet eure Tränen und steckt euren Rosmarin Auf diese schöne Leiche, und, wie der Brauch ist, Und in ihrem besten Schmuck tragt sie zur Kirche; Denn obwohl die törichte Natur uns alle zum Wehklagen zwingt, Ist doch der Natur Träne des Verstandes Lustbarkeit.

CAPULET. Alles, was wir als festlich anordneten, Kehrt sich von seinem Amt zum schwarzen Begräbnis: Unsere Instrumente zu schwermütigen Glocken, Unsere Hochzeitsmahlzeit zu einem traurigen Leichenschmaus; Unsere feierlichen Hymnen wandeln sich zu düsteren Grabliedern; Unsere Brautblumen dienen für eine begrabene Leiche, Und alles wandelt sich zum Gegenteil.

PATER LAWRENCE. Herr, geht ihr hinein, und, Madame, geht mit ihm, Und geht, Sir Paris, jeder bereite sich vor, Dieser schönen Leiche zu ihrem Grab zu folgen. Der Himmel neigt sich über euch wegen irgendeines Übels; Erregt ihn nicht weiter, indem ihr seinem hohen Willen widersetzt.

[Capulet, Lady Capulet, Paris und Pater ab.]

ERSTER MUSIKANT. Beim Glauben, wir können unsere Pfeifen einpacken und gehen.

AMME. Ehrliche gute Gesellen, ach, packt ein, packt ein, Denn ihr wisst wohl, dies ist ein jämmerlicher Fall.

ERSTER MUSIKANT. Ja, bei meiner Treue, der Fall kann gebessert werden.

[Amme ab.]

Es tritt auf Peter.

PETER. Musikanten, o, Musikanten, "Herzensruhe", "Herzensruhe", o, und ihr wollt, dass ich lebe, spielt "Herzensruhe".

ERSTER MUSIKANT. Warum "Herzensruhe"?

PETER. O Musikanten, weil mein Herz selbst spielt "Mein Herz ist voll". O spielt mir irgendein lustiges Grablied, um mich zu trösten.

ERSTER MUSIKANT. Kein Grablied wir, es ist keine Zeit zu spielen jetzt.

PETER. Ihr wollt dann nicht?

ERSTER MUSIKANT. Nein.

PETER. Ich werde es euch dann tüchtig geben.

ERSTER MUSIKANT. Was werdet ihr uns geben?

PETER. Kein Geld, bei meinem Glauben, sondern den Hieb! Ich werde euch den Spielmann geben.

ERSTER MUSIKANT. Dann werde ich euch das dienende Geschöpf geben.

PETER. Dann werde ich des dienenden Geschöpfes Dolch auf eure Platte legen. Ich werde keine Grille tragen. Ich werde euch re-en, ich werde euch fa-en. Notiert ihr mich?

ERSTER MUSIKANT. Und wenn ihr uns re-t und fa-t, notiert ihr uns.

ZWEITER MUSIKANT. Bittet, steckt euren Dolch ein, und löscht euren Witz aus.

PETER. Dann ab an euch mit meinem Witz. Ich werde euch trockenschlagen mit einem eisernen Witz, und stecke meinen eisernen Dolch ein. Antwortet mir wie Männer. "Wenn greifender Kummer das Herz verwundet, Und klägliche Grablieder den Geist bedrücken, Dann Musik mit ihrem silbernen Klang"— Warum "silberner Klang"? Warum "Musik mit ihrem silbernen Klang"? Was sagt ihr, Simon Catling?

ERSTER MUSIKANT. Beim Mess, Herr, weil Silber einen süßen Klang hat.

PETER. Plappert. Was sagt ihr, Hugh Rebeck?

ZWEITER MUSIKANT. Ich sage "silberner Klang", weil Musikanten für Silber klingen.

PETER. Plappert auch! Was sagt ihr, James Soundpost?

DRITTER MUSIKANT. Beim Glauben, ich weiß nicht, was ich sagen soll.

PETER. O, ich bitte euch um Gnade, ihr seid der Sänger. Ich werde für euch sagen. Es ist "Musik mit ihrem silbernen Klang", weil Musikanten kein Gold haben für das Klingen. "Dann Musik mit ihrem silbernen Klang Mit schneller Hilfe leistet Linderung."

[Ab.]

ERSTER MUSIKANT. Was für ein pestilenzialer Schurke ist dieser hier!

ZWEITER MUSIKANT. Häng ihn, Jack. Kommt, wir gehen hier hinein, warten auf die Trauernden und bleiben zum Abendessen.

[Ab.]

AKT V

SZENE I. Mantua. Eine Straße.

Es tritt auf Romeo.

ROMEO. Wenn ich dem schmeichelnden Auge des Schlafs trauen darf, Wahrsagen meine Träume von freudigen Nachrichten in Kürze. Meines Busens Herr sitzt leicht auf seinem Thron; Und all diesen Tag hebt mich ein ungewohnter Geist Über den Boden mit fröhlichen Gedanken. Ich träumte, meine Herrin kam und fand mich tot,— Seltsamer Traum, der einem toten Mann zu denken erlaubt!— Und hauchte solches Leben mit Küssen in meine Lippen, Dass ich wiederbelebte und ein Kaiser war. Ach mir, wie süß ist die Liebe selbst besessen, Wenn schon der Liebe Schatten so reich an Freude sind.

Es tritt auf Balthasar.

Nachrichten aus Verona! Wie nun, Balthasar? Bringst du mir keine Briefe vom Pater? Wie geht es meiner Herrin? Ist mein Vater wohl? Wie ergeht es meiner Julia? Das frage ich wieder; Denn nichts kann übel sein, wenn sie wohl ist.

BALTHASAR. Dann ist sie wohl, und nichts kann übel sein. Ihr Körper schläft in Capulets Denkmal, Und ihr unsterblicher Teil lebt bei Engeln. Ich sah sie tief in ihres Geschlechts Gewölbe gelegt, Und nahm sogleich Post, es euch zu sagen. O verzeiht mir, dass ich diese üblen Nachrichten bringe, Da ihr es mir als mein Amt hinterließet, Herr.

ROMEO. Ist es eben so? Dann trotze ich euch, Sterne! Du kennst meine Herberge. Besorg mir Tinte und Papier, Und miete Postpferde. Ich werde heute Nacht von hier.

BALTHASAR. Ich beschwöre euch, Herr, habt Geduld. Eure Blicke sind bleich und wild und bedeuten Ein Missgeschick.

ROMEO. Pah, du bist getäuscht. Lass mich, und tu das Ding, das ich dir zu tun hieß. Hast du keine Briefe an mich vom Pater?

BALTHASAR. Nein, mein guter Herr.

ROMEO. Macht nichts. Mach dich fort, Und miete diese Pferde. Ich werde gleich bei dir sein.

[Balthasar ab.]

Nun, Julia, ich will heute Nacht bei dir liegen. Lass sehen nach Mitteln. O Unheil, du bist schnell, In die Gedanken verzweifelter Männer einzudringen. Ich erinnere mich eines Apothekers,— Und hier in der Nähe wohnt er,—den ich neulich bemerkte In zerlumpten Gewändern, mit überwältigenden Brauen, Beim Sammeln von Kräutern, mager waren seine Blicke, Scharfe Not hatte ihn bis auf die Knochen abgenutzt; Und in seinem bedürftigen Laden hing eine Schildkröte, Ein ausgestopfter Alligator und andere Häute Von missgestalteten Fischen; und um seine Regale Eine bettelhafte Aufzählung von leeren Schachteln, Grüne Tontöpfe, Blasen und muffige Samen, Reste von Bindfaden und alte Rosenkuchen Waren dünn verstreut, um einen Schein zu bilden. Diese Armut bemerkend, sagte ich zu mir selbst, Und wenn ein Mann nun ein Gift brauchte, Dessen Verkauf in Mantua sofortiger Tod ist, Hier lebt ein elender Wicht, der es ihm verkaufen würde. O, dieser selbe Gedanke eilte nur meinem Bedürfnis voraus, Und dieser selbe bedürftige Mann muss es mir verkaufen. Wie ich mich erinnere, sollte dies das Haus sein. Da Feiertag ist, ist der Laden des Bettlers geschlossen. Was, he! Apotheker!

Es tritt auf Apotheker.

APOTHEKER. Wer ruft so laut?

ROMEO. Komm her, Mann. Ich sehe, dass du arm bist. Halt, da sind vierzig Dukaten. Lass mich haben Ein Tröpfchen Gift, solch schnell wirkendes Zeug, Das sich durch alle Adern verbreiten wird, Dass der des Lebens müde Nehmende tot niederfallen möge, Und dass der Rumpf des Atems entladen werde So gewaltsam, wie hastig abgefeuertes Pulver Aus des tödlichen Kanonen Schlund eilt.

APOTHEKER. Solche sterblichen Drogen habe ich, aber Mantuas Gesetz Ist der Tod für jeden, der sie feilbietet.

ROMEO. Bist du so entblößt und voll von Elend, Und fürchtest zu sterben? Hunger ist in deinen Wangen, Not und Unterdrückung hungern in deinen Augen, Verachtung und Bettelei hängt an deinem Rücken. Die Welt ist nicht dein Freund, noch der Welt Gesetz; Die Welt bietet kein Gesetz, um dich reich zu machen; Dann sei nicht arm, sondern brich es und nimm dies.

APOTHEKER. Meine Armut, aber nicht mein Wille stimmt zu.

ROMEO. Ich bezahle deine Armut, und nicht deinen Willen.

APOTHEKER. Tu dies in irgendein flüssiges Ding, das du willst, Und trink es aus; und wenn du die Kraft Von zwanzig Männern hättest, würde es dich sogleich abfertigen.

ROMEO. Da ist dein Gold, schlimmeres Gift für Menschenseelen, Das mehr Mord in dieser abscheulichen Welt begeht, Als diese armen Verbindungen, die du nicht verkaufen darfst. Ich verkaufe dir Gift, du hast mir keines verkauft. Leb wohl, kauf Nahrung und bring dich selbst zu Fleisch. Komm, Herzstärkung und nicht Gift, geh mit mir Zu Julias Grab, denn dort muss ich dich gebrauchen.

[Ab.]

SZENE II. Pater Lawrences Zelle.

Es tritt auf Pater John.

PATER JOHN. Heiliger Franziskanerpater! Bruder, he!

Es tritt auf Pater Lawrence.

PATER LAWRENCE. Dies sollte die Stimme von Pater John sein. Willkommen aus Mantua. Was sagt Romeo? Oder, wenn sein Sinn geschrieben ist, gib mir seinen Brief.

PATER JOHN. Als ich einen barfüßigen Bruder aufsuchte, Einen unseres Ordens, um mich zu begleiten, Hier in dieser Stadt beim Besuch der Kranken, Und ihn fand, die Sucher der Stadt, Argwöhnend, dass wir beide in einem Haus waren, Wo die ansteckende Pestilenz regierte, Versiegelten die Türen und ließen uns nicht heraus, Sodass meine Eile nach Mantua dort aufgehalten wurde.

PATER LAWRENCE. Wer trug dann meinen Brief an Romeo?

PATER JOHN. Ich konnte ihn nicht senden,—hier ist er wieder,— Noch einen Boten bekommen, ihn dir zu bringen, So furchtsam waren sie vor der Ansteckung.

PATER LAWRENCE. Unglückliches Schicksal! Bei meiner Bruderschaft, Der Brief war nicht fein, sondern voll von Last, Von teurem Gewicht, und die Vernachlässigung dessen Kann viel Gefahr tun. Pater John, geh hin, Besorg mir ein eisernes Brecheisen und bring es sogleich In meine Zelle.

PATER JOHN. Bruder, ich will gehen und es dir bringen.

[Ab.]

PATER LAWRENCE. Nun muss ich allein zum Denkmal. Innerhalb dieser drei Stunden wird die schöne Julia erwachen. Sie wird mir sehr grollen, dass Romeo Keine Kenntnis von diesen Zufällen hatte; Aber ich will wieder nach Mantua schreiben Und sie bei meiner Zelle halten, bis Romeo kommt. Arme lebende Leiche, verschlossen in eines toten Mannes Grab.

[Ab.]

SZENE III. Ein Kirchhof; darin ein Denkmal, das den Capulets gehört.

Es treten auf Paris und sein Page mit Blumen und einer Fackel.

PARIS. Gib mir deine Fackel, Junge. Geh hin und steh abseits. Doch lösch sie aus, denn ich will nicht gesehen werden. Unter jener Eibe leg dich ganz hin, Halt dein Ohr nahe an den hohlen Boden; So wird kein Fuß auf den Kirchhof treten, Da er locker ist, nicht fest, durch das Aufgraben von Gräbern, Aber du wirst es hören. Pfeif dann nach mir, Als Signal, dass du etwas herannahen hörst. Gib mir jene Blumen. Tu, wie ich dir befehle, geh.

PAGE. [Beiseit.] Ich bin fast ängstlich, allein zu stehen Hier auf dem Kirchhof; doch ich will es wagen.

[Zieht sich zurück.]

PARIS. Süße Blume, mit Blumen bestreue ich dein Brautbett. O Weh, dein Baldachin ist Staub und Steine, Die ich nächtlich mit süßem Wasser betauen werde, Oder wenn das fehlt, mit Tränen, die durch Stöhnen destilliert sind. Die Leichenfeier, die ich für dich halten werde, Soll nächtlich sein, dein Grab zu bestreuen und zu weinen.

[Der Page pfeift.]

Der Junge gibt Warnung, dass etwas herannaht. Welcher verfluchte Fuß wandert diese Nacht diesen Weg, Um meine Leichenfeier und der wahren Liebe Ritus zu kreuzen? Was, mit einer Fackel! Verhülle mich, Nacht, eine Weile.

[Zieht sich zurück.]

Es treten auf Romeo und Balthasar mit einer Fackel, Spitzhacke, etc.

ROMEO. Gib mir jene Spitzhacke und das Wringeisen. Halt, nimm diesen Brief; früh am Morgen Sieh zu, dass du ihn meinem Herrn und Vater zustellst. Gib mir das Licht; bei deinem Leben gebiete ich dir, Was auch immer du hörst oder siehst, steh ganz abseits Und unterbrich mich nicht in meinem Lauf. Warum ich in dieses Bett des Todes hinabsteige, Ist teilweise, um das Gesicht meiner Herrin zu erblicken, Aber hauptsächlich, um von ihrem toten Finger Einen kostbaren Ring zu nehmen, einen Ring, den ich gebrauchen muss In teurer Beschäftigung. Deshalb hinweg, geh. Aber wenn du eifersüchtig zurückkehrst, um zu spähen, Was ich weiter zu tun beabsichtige, Beim Himmel, ich werde dich Glied für Glied zerreißen Und diesen hungrigen Kirchhof mit deinen Gliedmaßen bestreuen. Die Zeit und meine Absichten sind wild-grausam; Heftiger und weit unerbittlicher Als leere Tiger oder das brüllende Meer.

BALTHASAR. Ich will gehen, Herr, und euch nicht stören.

ROMEO. So wirst du mir Freundschaft erweisen. Nimm das. Lebe und sei wohlhabend, und leb wohl, guter Geselle.

BALTHASAR. Trotz alledem will ich mich hier in der Nähe verstecken. Seine Blicke fürchte ich und seine Absichten bezweifle ich.

[Zieht sich zurück.]

ROMEO. Du abscheulicher Schlund, du Schoß des Todes, Vollgestopft mit dem teuersten Bissen der Erde, So zwinge ich deine fauligen Kiefer, sich zu öffnen,

[Er bricht die Tür des Denkmals auf.]

Und zum Trotz will ich dich mit mehr Nahrung vollstopfen.

PARIS. Dies ist jener verbannte hochmütige Montague, Der meines Liebchens Vetter ermordete,—mit welchem Kummer, Es wird vermutet, die schöne Kreatur starb,— Und ist hierher gekommen, um irgendeine schändliche Schande An den toten Körpern zu tun. Ich will ihn ergreifen.

[Tritt vor.]

Stoppe deine entweihte Mühsal, niederträchtiger Montague. Kann Rache weiter verfolgt werden als bis zum Tod? Verdammter Schurke, ich ergreife dich. Gehorche und geh mit mir, denn du musst sterben.

ROMEO. Das muss ich in der Tat; und deshalb kam ich hierher. Guter sanfter Jüngling, versuche nicht einen verzweifelten Mann. Flieh von hier und lass mich. Denk an diese Vergangenen; Lass sie dich erschrecken. Ich beschwöre dich, Jüngling, Lade nicht eine weitere Sünde auf mein Haupt, Indem du mich zur Wut drängst. O geh hinweg. Beim Himmel, ich liebe dich besser als mich selbst; Denn ich komme hierher, gegen mich selbst bewaffnet. Bleib nicht, geh hinweg, lebe, und sage fortan, Eines Wahnsinnigen Gnade hieß dich davonlaufen.

PARIS. Ich trotze deiner Beschwörung, Und ergreife dich hier als einen Verbrecher.

ROMEO. Willst du mich herausfordern? Dann ab an dich, Junge!

[Sie kämpfen.]

PAGE. O Herr, sie kämpfen! Ich will gehen und die Wache rufen.

[Ab.]

PARIS. O, ich bin erschlagen! [Fällt.] Wenn du barmherzig bist, Öffne das Grab, leg mich zu Julia.

[Stirbt.]

ROMEO. Beim Glauben, ich will. Lass mich dieses Gesicht betrachten. Mercutios Verwandter, edler Graf Paris! Was sagte mein Mann, als meine durchstürmte Seele Ihm nicht aufmerksam war, als wir ritten? Ich denke, Er sagte mir, Paris sollte Julia geheiratet haben. Sagte er das nicht? Oder träumte ich es so? Oder bin ich wahnsinnig, ihn von Julia reden hörend, Zu denken, es sei so gewesen? O, gib mir deine Hand, Einer, der mit mir in das Buch des sauren Unglücks geschrieben ist. Ich will dich in einem triumphierenden Grab begraben. Ein Grab? O nein, eine Laterne, geschlachteter Jüngling, Denn hier liegt Julia, und ihre Schönheit macht Dieses Gewölbe zu einer festlichen Anwesenheit voller Licht. Tod, lieg du da, von einem toten Mann begraben.

[Er legt Paris in das Denkmal.]

Wie oft, wenn Menschen dem Tode nahe sind, Waren sie heiter! Was ihre Wächter einen Blitz vor dem Tode nennen. O, wie darf ich Dies einen Blitz nennen? O meine Liebe, meine Frau, Der Tod, der den Honig deines Atems gesogen hat, Hat noch keine Macht über deine Schönheit gehabt. Du bist nicht besiegt. Das Banner der Schönheit ist noch Purpurn in deinen Lippen und in deinen Wangen, Und die bleiche Fahne des Todes ist dort nicht aufgepflanzt. Tybalt, liegst du da in deinem blutigen Leichentuch? O, welchen größeren Gefallen kann ich dir tun, Als mit jener Hand, die deine Jugend entzweischnitt, Die dessen zu spalten, der dein Feind war? Verzeih mir, Vetter. Ach, teure Julia, Warum bist du noch so schön? Soll ich glauben, Dass der substanzlose Tod liebeshungrig ist; Und dass das hagerte, verabscheute Ungeheuer dich Hier im Dunkeln hält, um seine Buhle zu sein? Aus Furcht davor will ich bei dir bleiben, Und niemals aus diesem Palast der trüben Nacht Wieder fortgehen. Hier, hier will ich verweilen Mit Würmern, die deine Kammerzofen sind. O, hier Will ich meine ewige Ruhestätte aufschlagen; Und das Joch der unheilvollen Sterne Von diesem weltmüden Fleische schütteln. Augen, seht zum letzten Mal. Arme, tut euren letzten Griff! Und, Lippen, o ihr Tore des Atems, besiegelt mit einem rechtmäßigen Kuss Ein zeitloses Geschäft mit dem alles verschlingenden Tod. Komm, bitterer Gefährte, komm, unschmackhafter Führer. Du verzweifelter Pilot, fahr nun sogleich Auf die schäumenden Felsen mit deinem seekranken, müden Kahn. Dies gilt meiner Liebe! [Er trinkt.] O wahrhaftiger Apotheker! Deine Arzneien sind schnell. So sterbe ich mit einem Kuss.

[Er stirbt.]

Es treten auf, am anderen Ende des Kirchhofs, Bruder Lorenzo, mit einer Laterne, einem Brecheisen und einem Spaten.

BRUDER LORENZO. Sankt Franziskus stehe mir bei. Wie oft sind heute Nacht Meine alten Füße über Gräber gestolpert? Wer ist da? Wer ist es, der so spät bei den Toten weilt?

BALTHASAR. Hier ist einer, ein Freund, und einer, der Euch gut kennt.

BRUDER LORENZO. Segen sei mit Euch. Sagt mir, mein guter Freund, Welche Fackel ist dort, die eitel ihr Licht Würmern und augenlosen Schädeln leiht? Soweit ich es erkenne, Brennt sie im Denkmal der Capulets.

BALTHASAR. Das tut sie, heiliger Herr, und dort ist mein Herr, Einer, den Ihr liebt.

BRUDER LORENZO. Wer ist es?

BALTHASAR. Romeo.

BRUDER LORENZO. Wie lange ist er schon dort?

BALTHASAR. Voll eine halbe Stunde.

BRUDER LORENZO. Geht mit mir zum Gewölbe.

BALTHASAR. Ich wage es nicht, Herr; Mein Herr weiß nicht, dass ich von hier fort bin, Und drohte mir voller Furcht mit dem Tod, Wenn ich bliebe, um seine Absichten zu sehen.

BRUDER LORENZO. Bleib dann, ich werde allein gehen. Angst befällt mich. O, sehr fürchte ich ein böses, unglückseliges Ding.

BALTHASAR. Als ich unter dieser Eibe hier schlief, Träumte mir, mein Herr und ein anderer kämpften, Und dass mein Herr ihn erschlug.

BRUDER LORENZO. Romeo! [Er tritt vor.] Weh, weh, welches Blut ist dies, das den Steinernen Eingang dieses Grabes befleckt? Was bedeuten diese herrenlosen und blutigen Schwerter, Die hier verfärbt an diesem Ort des Friedens liegen?

[Er betritt das Denkmal.]

Romeo! O, bleich! Wer noch? Was, Paris auch? Und in Blut getränkt? Ach, welch unfreundliche Stunde Ist schuldig an diesem beklagenswerten Zufall? Die Dame rührt sich.

[Julia erwacht und rührt sich.]

JULIA. O tröstlicher Bruder, wo ist mein Gebieter? Ich erinnere mich wohl, wo ich sein sollte, Und dort bin ich. Wo ist mein Romeo?

[Geräusch im Hintergrund.]

BRUDER LORENZO. Ich höre ein Geräusch. Dame, kommt aus jenem Nest Des Todes, der Ansteckung und des unnatürlichen Schlafs. Eine größere Macht, als wir widersprechen können, Hat unsere Absichten durchkreuzt. Kommt, kommt fort. Dein Gatte liegt dort in deinem Schoß tot; Und Paris auch. Komm, ich werde dich unterbringen In einer Schwesternschaft heiliger Nonnen. Bleib nicht, um zu fragen, denn die Wache kommt. Komm, geh, gute Julia. Ich wage nicht länger zu bleiben.

JULIA. Geh, mach dich fort, denn ich werde nicht von hier weichen.

[Bruder Lorenzo geht ab.]

Was ist hier? Ein Becher, fest in der Hand meines wahren Geliebten? Gift, so sehe ich, war sein zeitiges Ende. O Geizhals. Alles ausgetrunken und keinen freundlichen Tropfen gelassen, Um mir nachzuhelfen? Ich will deine Lippen küssen. Vielleicht haftet noch etwas Gift an ihnen, Um mich mit einem stärkenden Trank sterben zu lassen.

[Sie küsst ihn.]

Deine Lippen sind warm!

ERSTE WACHE. [Hinter der Bühne.] Führt an, Junge. Welcher Weg?

JULIA. Ja, Lärm? Dann will ich mich beeilen. O glücklicher Dolch.

[Sie ergreift Romeos Dolch.]

Dies ist deine Scheide. [Sie ersticht sich.] Ruh dort aus und lass mich sterben.

[Sie fällt auf Romeos Leichnam und stirbt.]

Es tritt auf die Wache mit dem Pagen des Paris.

PAGE. Dies ist der Ort. Dort, wo die Fackel brennt.

ERSTE WACHE. Der Boden ist blutig. Sucht den Kirchhof ab. Geht, einige von euch, wen auch immer ihr findet, nehmt fest.

[Einige der Wache gehen ab.]

Ein jämmerlicher Anblick! Hier liegt der erschlagene Graf, Und Julia blutend, warm und gerade erst tot, Die hier zwei Tage lang begraben lag. Geht, sagt es dem Fürsten; lauft zu den Capulets. Weckt die Montagues auf, einige andere sollen suchen.

[Andere der Wache gehen ab.]

Wir sehen den Boden, auf dem diese Leiden liegen, Doch den wahren Grund all dieser jämmerlichen Leiden Können wir ohne die Umstände nicht erkennen.

Es kehren einige der Wache mit Balthasar zurück.

ZWEITE WACHE. Hier ist Romeos Diener. Wir fanden ihn auf dem Kirchhof.

ERSTE WACHE. Haltet ihn sicher, bis der Fürst hierher kommt.

Es kehren andere der Wache mit Bruder Lorenzo zurück.

DRITTE WACHE. Hier ist ein Bruder, der zittert, seufzt und weint. Wir nahmen ihm diese Hacke und diesen Spaten ab, Als er von dieser Seite des Kirchhofs kam.

ERSTE WACHE. Ein großer Verdacht. Haltet auch den Bruder fest.

Es treten auf der Fürst und Gefolge.

FÜRST. Welcher Unfall ist so früh auf den Beinen, Dass er unsere Person aus unserer Morgenruhe ruft?

Es treten auf Capulet, Lady Capulet und andere.

CAPULET. Was mag es sein, dass sie so draußen schreien?

LADY CAPULET. O, die Leute auf der Straße rufen Romeo, Einige Julia, und einige Paris, und alle rennen Mit lautem Geschrei auf unser Denkmal zu.

FÜRST. Welche Furcht ist dies, die in unseren Ohren erschrickt?

ERSTE WACHE. Souverän, hier liegt der Graf Paris erschlagen, Und Romeo tot, und Julia, zuvor tot, Warm und frisch getötet.

FÜRST. Sucht, forscht und erfahrt, wie dieser abscheuliche Mord geschah.

ERSTE WACHE. Hier ist ein Bruder und der Diener des erschlagenen Romeo, Mit Werkzeugen bei sich, geeignet, diese Gräber der Toten zu öffnen.

CAPULET. O Himmel! O Frau, sieh, wie unsere Tochter blutet! Dieser Dolch hat sich geirrt, denn seht, seine Scheide Ist leer auf dem Rücken von Montague, Und er ist falsch in den Busen meiner Tochter gefahren.

LADY CAPULET. O weh! Dieser Anblick des Todes ist wie eine Glocke, Die mein Alter vor eine Gruft warnt.

Es tritt auf Montague und andere.

FÜRST. Komm, Montague, denn du bist früh auf, Um deinen Sohn und Erben noch früher zu sehen, wie er daliegt.

MONTAGUE. Ach, mein Fürst, meine Frau ist heute Nacht gestorben. Gram über die Verbannung meines Sohnes hat ihren Atem gestoppt. Welches weitere Leid verschwört sich gegen mein Alter?

FÜRST. Schau, und du wirst es sehen.

MONTAGUE. O du Ungezogener! Welche Manier ist das, Sich vor dem Vater in ein Grab zu drängen?

FÜRST. Versiegelt für eine Weile den Mund der Empörung, Bis wir diese Zweideutigkeiten klären können, Und ihren Ursprung, ihr Haupt, ihren wahren Hergang kennen, Und dann will ich der Gebieter eurer Leiden sein, Und euch bis in den Tod führen. Unterdessen seid geduldig, Und lasst das Missgeschick der Geduld untertan sein. Bringt die verdächtigen Parteien hervor.

BRUDER LORENZO. Ich bin der Größte, fähig, am wenigsten zu tun, Doch am meisten verdächtig, da Zeit und Ort Mich dieses grässlichen Mordes beschuldigen. Und hier stehe ich, um mich zugleich anzuklagen und zu rechtfertigen, Mich selbst verurteilt und mich selbst entschuldigt.

FÜRST. Dann sag sogleich, was du hierüber weißt.

BRUDER LORENZO. Ich will mich kurz fassen, denn meine kurze Lebensfrist Ist nicht so lang wie eine langatmige Erzählung. Romeo, dort tot, war der Gatte jener Julia, Und sie, dort tot, jenes Romeos treue Ehefrau. Ich traute sie; und ihr Tag der heimlichen Vermählung War Tybalts Jüngster Tag, dessen vorzeitiger Tod Den frischgebackenen Bräutigam aus dieser Stadt verbannte; Um wen, und nicht um Tybalt, Julia sich verzehrte. Ihr, um diese Belagerung des Kummers von ihr zu nehmen, Verlobtet und hättet sie gewaltsam an Graf Paris verheiratet. Dann kommt sie zu mir, Und mit wilden Blicken hieß sie mich, ein Mittel zu ersinnen, Um sie von dieser zweiten Ehe zu befreien, Oder in meiner Zelle würde sie sich selbst töten. Dann gab ich ihr, so unterwiesen durch meine Kunst, Einen Schlaftrunk, der so seine Wirkung tat, Wie ich es beabsichtigte, denn er wirkte an ihr Die Gestalt des Todes. Unterdessen schrieb ich an Romeo, Dass er in dieser grässlichen Nacht hierher kommen solle, Um zu helfen, sie aus ihrem geliehenen Grab zu nehmen, Da dies die Zeit war, in der die Kraft des Trankes nachlassen sollte. Doch derjenige, der meinen Brief trug, Bruder Johannes, Wurde durch einen Zufall aufgehalten; und gestern Abend Brachte er mir meinen Brief zurück. Dann ganz allein Zur festgesetzten Stunde ihres Erwachens Kam ich, um sie aus dem Gewölbe ihrer Sippe zu holen, In der Absicht, sie heimlich in meiner Zelle zu bewahren, Bis ich bequem nach Romeo hätte senden können. Doch als ich kam, einige Minuten vor der Zeit Ihres Erwachens, lag hier vorzeitig Der edle Paris und der wahre Romeo tot. Sie erwacht; und ich bat sie, herauszukommen Und dieses Werk des Himmels mit Geduld zu ertragen. Doch dann schreckte mich ein Lärm vom Grab; Und sie, zu verzweifelt, wollte nicht mit mir gehen, Sondern, wie es scheint, tat sich selbst Gewalt an. All dies weiß ich; und in die Vermählung Ist ihre Amme eingeweiht. Und wenn irgendetwas hierbei Durch meine Schuld misslang, lasst mein altes Leben Einige Stunden vor seiner Zeit geopfert werden Der Strenge des strengsten Gesetzes.

FÜRST. Wir haben dich immer als einen heiligen Mann gekannt. Wo ist Romeos Diener? Was kann er dazu sagen?

BALTHASAR. Ich brachte meinem Herrn die Nachricht von Julias Tod, Und dann in Eile kam er von Mantua An diesen selben Ort, an dieses selbe Denkmal. Diesen Brief hieß er mich früh seinem Vater geben, Und drohte mir mit dem Tod, als er in das Gewölbe ging, Wenn ich nicht ginge und ihn dort allein ließe.

FÜRST. Gib mir den Brief, ich will ihn einsehen. Wo ist der Page des Grafen, der die Wache rief? Junge, was machte dein Herr an diesem Ort?

PAGE. Er kam mit Blumen, um das Grab seiner Herrin zu bestreuen, Und hieß mich, beiseite zu stehen, und das tat ich. Bald darauf kommt einer mit Licht, um das Grab zu öffnen, Und alsbald zog mein Herr gegen ihn, Und dann lief ich weg, um die Wache zu rufen.

FÜRST. Dieser Brief bestätigt die Worte des Bruders, Ihren Lauf der Liebe, die Nachricht ihres Todes. Und hier schreibt er, dass er ein Gift kaufte Von einem armen Apotheker, und damit Zu diesem Gewölbe kam, um zu sterben und bei Julia zu liegen. Wo sind diese Feinde? Capulet, Montague, Seht, welche Geißel auf euren Hass gelegt ist, Dass der Himmel Mittel findet, eure Freuden mit Liebe zu töten! Und ich, weil ich auch bei euren Zwietrachten ein Auge zudrückte, Habe ein Paar Verwandte verloren. Alle sind bestraft.

CAPULET. O Bruder Montague, gib mir deine Hand. Dies ist das Heiratsgut meiner Tochter, denn mehr Kann ich nicht fordern.

MONTAGUE. Aber ich kann dir mehr geben, Denn ich will ihre Statue in reinem Gold errichten, Dass, solange Verona unter diesem Namen bekannt ist, Keine Figur zu solchem Preis aufgestellt werden soll Wie die der treuen und gläubigen Julia.

CAPULET. Genauso reich soll Romeos neben seiner Herrin liegen, Arme Opfer unserer Feindschaft.

FÜRST. Ein düsterer Friede bringt dieser Morgen mit sich; Die Sonne wird vor Gram ihr Haupt nicht zeigen. Geht hin, um mehr von diesen traurigen Dingen zu sprechen. Einige sollen begnadigt und einige bestraft werden, Denn niemals war eine Geschichte von mehr Weh Als diese von Julia und ihrem Romeo.

[Sie gehen ab.]

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