Die Familie Dashwood war schon lange in Sussex ansässig. Ihr Anwesen war groß, und ihr Wohnsitz war Norland Park, im Zentrum ihres Grundbesitzes gelegen, wo sie über viele Generationen hinweg in so achtbarer Weise gelebt hatten, dass sie sich das allgemeine Wohlwollen ihrer umliegenden Bekanntschaft erworben hatten. Der letzte Besitzer dieses Anwesens war ein lediger Mann gewesen, der ein sehr hohes Alter erreichte und der viele Jahre seines Lebens eine ständige Begleiterin und Haushälterin in seiner Schwester hatte. Doch ihr Tod, der sich zehn Jahre vor seinem eigenen ereignete, brachte eine große Veränderung in sein Heim; denn um ihren Verlust auszugleichen, lud er die Familie seines Neffen Mr. Henry Dashwood, den rechtmäßigen Erben des Norland-Anwesens und die Person, der er es zu vermachen gedachte, in sein Haus ein und nahm sie dort auf. In der Gesellschaft seines Neffen und seiner Nichte und deren Kinder verbrachte der alte Gentleman seine Tage behaglich. Seine Zuneigung zu ihnen allen wuchs. Die ständige Aufmerksamkeit von Mr. und Mrs. Henry Dashwood für seine Wünsche, die nicht bloß aus Eigennutz, sondern aus Güte des Herzens entsprang, gewährte ihm jedes Maß an solidem Trost, das sein Alter empfangen konnte; und die Fröhlichkeit der Kinder verlieh seinem Dasein einen Reiz.
Aus einer früheren Ehe hatte Mr. Henry Dashwood einen Sohn: aus seiner jetzigen Ehe drei Töchter. Der Sohn, ein besonnener, achtbarer junger Mann, war durch das Vermögen seiner Mutter, das beträchtlich gewesen war und von dem ihm die Hälfte mit Erreichen der Volljährigkeit zufiel, reichlich versorgt. Durch seine eigene Heirat, die kurz darauf stattfand, vergrößerte er zudem seinen Reichtum. Für ihn war daher die Nachfolge des Norland-Anwesens nicht von so entscheidender Bedeutung wie für seine Schwestern; denn ihr Vermögen, unabhängig von dem, was ihnen aus der Erbschaft ihres Vaters an diesem Besitz erwachsen konnte, musste gering sein. Ihre Mutter besaß nichts, und ihr Vater hatte nur siebentausend Pfund zu seiner freien Verfügung; denn die verbleibende Hälfte des Vermögens seiner ersten Frau war ebenfalls deren Kind gesichert, und er hatte lediglich ein lebenslanges Nutzungsrecht daran.
Der alte Gentleman starb: Sein Testament wurde verlesen und rief, wie fast jedes andere Testament, ebenso viel Enttäuschung wie Freude hervor. Er war weder so ungerecht noch so undankbar, seinem Neffen das Anwesen zu entziehen – aber er hinterließ es ihm unter Bedingungen, die den halben Wert des Vermächtnisses zerstörten. Mr. Dashwood hatte es mehr des Wohls seiner Frau und seiner Töchter wegen gewünscht als für sich selbst oder seinen Sohn; doch für seinen Sohn und dessen Sohn, ein vierjähriges Kind, war es in einer Weise gesichert, dass er selbst keine Befugnis hatte, für diejenigen zu sorgen, die ihm am teuersten waren und die am meisten eine Versorgung durch eine Belastung des Anwesens oder durch den Verkauf seiner wertvollen Wälder benötigten. Das Ganze war zugunsten dieses Kindes gebunden, das bei gelegentlichen Besuchen mit seinem Vater und seiner Mutter in Norland die Zuneigung seines Onkels durch solche Reize gewonnen hatte, die bei zwei- oder dreijährigen Kindern keineswegs ungewöhnlich sind – eine unvollkommene Artikulation, ein ernster Wunsch, seinen eigenen Willen durchzusetzen, viele verschlagene Tricks und eine große Menge Lärm – und zwar in einem Maße, dass es den Wert all der Aufmerksamkeit aufwog, die er jahrelang von seiner Nichte und deren Töchtern erhalten hatte. Er wollte jedoch nicht unfreundlich sein, und als Zeichen seiner Zuneigung für die drei Mädchen hinterließ er ihnen je tausend Pfund.
Mr. Dashwoods Enttäuschung war anfangs schwerwiegend; doch sein Gemüt war fröhlich und zuversichtlich; und er konnte vernünftigerweise hoffen, noch viele Jahre zu leben und durch sparsame Lebensweise eine beträchtliche Summe aus dem Ertrag eines Anwesens anzusammeln, das bereits groß war und fast unmittelbarer Verbesserung fähig. Doch das Vermögen, das so spät gekommen war, blieb ihm nur ein einziges Jahr lang. Er überlebte seinen Onkel nicht länger; und zehntausend Pfund, die späten Vermächtnisse eingeschlossen, waren alles, was für seine Witwe und seine Töchter übrig blieb.
Sein Sohn wurde herbeigerufen, sobald seine Gefahr bekannt war, und ihm empfahl Mr. Dashwood mit aller Kraft und Dringlichkeit, die Krankheit gebot, das Wohl seiner Schwiegermutter und seiner Schwestern.
Mr. John Dashwood besaß nicht die starken Gefühle des Rests der Familie; doch er war von einer solchen Empfehlung zu einer solchen Zeit berührt, und er versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um es ihnen angenehm zu machen. Sein Vater wurde durch eine solche Zusicherung beruhigt, und Mr. John Dashwood hatte dann Muße, darüber nachzudenken, wie viel in seiner Macht stehen könnte, vernünftigerweise für sie zu tun.
Er war kein übel gesinnter junger Mann, es sei denn, man hält es für übel gesinnt, ein wenig gefühllos und ein wenig egoistisch zu sein: doch er war im Allgemeinen wohl angesehen; denn er verhielt sich bei der Erfüllung seiner gewöhnlichen Pflichten korrekt. Hätte er eine liebenswürdigere Frau geheiratet, hätte er noch achtbarer gemacht werden können, als er war – er hätte sogar selbst liebenswürdig gemacht werden können; denn er war sehr jung, als er heiratete, und sehr zugetan seiner Frau. Doch Mrs. John Dashwood war eine starke Karikatur seiner selbst – engherziger und egoistischer.
Als er seinem Vater das Versprechen gab, sann er bei sich selbst darüber nach, das Vermögen seiner Schwestern durch ein Geschenk von je tausend Pfund zu vergrößern. Er hielt sich damals wirklich dazu imstande. Die Aussicht auf viertausend Pfund im Jahr, zusätzlich zu seinem jetzigen Einkommen, neben der verbleibenden Hälfte des Vermögens seiner eigenen Mutter, erwärmte sein Herz und ließ ihn sich zur Großzügigkeit fähig fühlen. „Ja, er würde ihnen dreitausend Pfund geben: das wäre freigebig und anständig! Es würde ausreichen, sie vollkommen sorgenfrei zu machen. Dreitausend Pfund! Er konnte eine so beträchtliche Summe mit wenig Unbequemlichkeit entbehren.“ Er dachte den ganzen Tag lang daran, und viele Tage hintereinander, und er bereute es nicht.
Kaum war das Begräbnis seines Vaters vorüber, da traf Mrs. John Dashwood, ohne ihrer Schwiegermutter eine Nachricht über ihre Absicht zu senden, mit ihrem Kind und ihrem Gefolge ein. Niemand konnte ihr Recht bestreiten zu kommen; das Haus gehörte ihrem Mann vom Augenblick des Todes seines Vaters an; doch die Taktlosigkeit ihres Verhaltens war umso größer, und für eine Frau in der Lage von Mrs. Dashwood, mit nur gewöhnlichen Gefühlen, musste dies höchst unangenehm gewesen sein – doch in ihrem Gemüt war ein Ehrgefühl so ausgeprägt, eine Großzügigkeit so romantisch, dass jede Kränkung dieser Art, von wem auch immer gegeben oder empfangen, für sie eine Quelle unerschütterlichen Abscheus war. Mrs. John Dashwood war nie ein Liebling bei irgendeinem Familienmitglied ihres Mannes gewesen; doch sie hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Gelegenheit gehabt, ihnen zu zeigen, mit wie wenig Rücksicht auf das Wohlbefinden anderer Leute sie handeln konnte, wenn der Anlass es erforderte.
So schmerzlich empfand Mrs. Dashwood dieses ungnädige Benehmen, und so ernsthaft verachtete sie ihre Schwiegertochter dafür, dass sie bei der Ankunft der Letzteren das Haus für immer verlassen hätte, wenn nicht das Flehen ihrer ältesten Tochter sie zuerst dazu bewegt hätte, über die Angemessenheit ihres Gehens nachzudenken, und ihre eigene zärtliche Liebe zu all ihren drei Kindern sie danach bestimmt hätte zu bleiben und um ihrer willen einen Bruch mit ihrem Bruder zu vermeiden.
Elinor, diese älteste Tochter, deren Rat so wirksam war, besaß eine Stärke des Verstandes und eine Kühle des Urteils, die sie, obwohl erst neunzehn, dazu befähigten, die Ratgeberin ihrer Mutter zu sein, und die sie in die Lage versetzten, häufig zum Vorteil aller jenen Eifer des Geistes bei Mrs. Dashwood zu entkräften, der im Allgemeinen zu Unbesonnenheit geführt hätte. Sie hatte ein ausgezeichnetes Herz; ihr Wesen war liebevoll, und ihre Gefühle waren stark; doch sie wusste, sie zu beherrschen: Es war eine Kenntnis, die ihre Mutter erst noch lernen musste; und die eine ihrer Schwestern sich fest vorgenommen hatte, niemals gelehrt zu bekommen.
Mariannes Fähigkeiten waren in vielerlei Hinsicht Elinor durchaus ebenbürtig. Sie war verständig und klug; doch in allem eifrig: ihre Sorgen, ihre Freuden konnten kein Maß kennen. Sie war großmütig, liebenswürdig, interessant: sie war alles, nur nicht vorsichtig. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und ihrer Mutter war auffallend groß.
Elinor sah mit Sorge den Überfluss der Empfindsamkeit ihrer Schwester; doch von Mrs. Dashwood wurde sie geschätzt und gehegt. Sie ermutigten sich nun gegenseitig in der Heftigkeit ihres Leids. Die Qual des Schmerzes, die sie anfangs überwältigte, wurde freiwillig erneuert, wurde gesucht, wurde immer und immer wieder erschaffen. Sie gaben sich ganz ihrem Kummer hin, suchten eine Steigerung des Elends in jeder Überlegung, die dazu dienen konnte, und waren entschlossen, zukünftig niemals Trost zuzulassen. Auch Elinor war tief betrübt; doch sie konnte noch kämpfen, sie konnte sich anstrengen. Sie konnte sich mit ihrem Bruder beraten, ihre Schwägerin bei deren Ankunft empfangen und sie mit gebührender Aufmerksamkeit behandeln; und sie konnte danach streben, ihre Mutter zu ähnlicher Anstrengung aufzurütteln und sie zu ähnlicher Nachsicht zu ermutigen.
Margaret, die andere Schwester, war ein gutmütiges, wohlgesinntes Mädchen; doch da sie bereits ein gutes Stück von Mariannes Romantik in sich aufgenommen hatte, ohne viel von deren Verstand zu besitzen, versprach sie mit dreizehn Jahren nicht, ihren Schwestern in einem fortgeschritteneren Lebensabschnitt gleichzukommen.
KAPITEL II.
Mrs. John Dashwood installierte sich nun als Herrin von Norland; und ihre Mutter und Schwägerinnen wurden in den Zustand von Besucherinnen degradiert. Als solche wurden sie jedoch von ihr mit stiller Höflichkeit behandelt; und von ihrem Ehemann mit so viel Freundlichkeit, wie er für irgendjemanden jenseits seiner selbst, seiner Frau und deren Kind empfinden konnte. Er drängte sie wirklich mit einigem Ernst, Norland als ihr Zuhause zu betrachten; und da Mrs. Dashwood kein Plan so geeignet erschien, wie dort zu bleiben, bis sie sich mit einem Haus in der Nachbarschaft einrichten konnte, wurde seine Einladung angenommen.
Ein Verbleiben an einem Ort, wo alles sie an frühere Freuden erinnerte, war genau das, was ihrem Gemüt entsprach. In Zeiten der Heiterkeit konnte kein Temperament fröhlicher sein als ihres oder in höherem Maße jene zuversichtliche Erwartung von Glück besitzen, die das Glück selbst ist. Doch im Kummer musste sie ebenso sehr von ihrer Fantasie mitgerissen werden und ebenso weit jenseits von Trost sein, wie sie im Vergnügen jenseits von jedem Wermutstropfen war.
Mrs. John Dashwood billigte keineswegs, was ihr Mann für seine Schwestern zu tun gedachte. Dreitausend Pfund vom Vermögen ihres lieben kleinen Jungen zu nehmen, hieße, ihn in schrecklichstem Maße zu verarmen. Sie bat ihn, das Thema noch einmal zu überdenken. Wie konnte er es vor sich selbst verantworten, sein Kind, und noch dazu sein einziges Kind, um eine so große Summe zu berauben? Und welchen möglichen Anspruch konnten die Miss Dashwoods, die mit ihm nur durch die halbe Blutsverwandtschaft verbunden waren, was sie als gar keine Verwandtschaft betrachtete, auf seine Großzügigkeit in so großem Umfang haben? Es war sehr wohl bekannt, dass man nie annahm, dass Zuneigung zwischen den Kindern eines Mannes aus verschiedenen Ehen existierte; und warum sollte er sich selbst und ihren armen kleinen Harry ruinieren, indem er all sein Geld an seine Halbschwestern verschenkte?
„Es war die letzte Bitte meines Vaters an mich“, erwiderte ihr Mann, „dass ich seine Witwe und Töchter unterstützen solle.“
„Er wusste gar nicht, wovon er sprach, das wage ich zu behaupten; zehn zu eins, dass er in dem Moment geistig verwirrt war. Wäre er bei klarem Verstand gewesen, hätte er an so etwas nicht denken können, wie dich anzuflehen, die Hälfte deines Vermögens von deinem eigenen Kind wegzugeben.“
„Er hat keine bestimmte Summe festgesetzt, meine liebe Fanny; er hat mich nur in allgemeinen Begriffen gebeten, sie zu unterstützen und ihre Situation behaglicher zu machen, als es ihm möglich war. Vielleicht wäre es ebenso gut gewesen, wenn er es ganz mir selbst überlassen hätte. Er konnte kaum annehmen, dass ich sie vernachlässigen würde. Aber da er das Versprechen verlangte, konnte ich nicht weniger tun, als es zu geben; zumindest dachte ich das zu jener Zeit. Das Versprechen wurde daher gegeben und muss erfüllt werden. Etwas muss für sie getan werden, wann immer sie Norland verlassen und sich in einem neuen Zuhause niederlassen.“
„Nun denn, lass etwas für sie getan werden; aber dieses Etwas braucht nicht dreitausend Pfund zu sein. Bedenke“, fügte sie hinzu, „dass, wenn das Geld einmal fort ist, es niemals zurückkehren kann. Deine Schwestern werden heiraten, und es wird für immer weg sein. Wenn es in der Tat unserem armen kleinen Jungen zurückerstattet werden könnte –“
„Nun, das ist sicher“, sagte ihr Mann sehr ernst, „das würde einen großen Unterschied machen. Die Zeit mag kommen, da Harry es bedauern wird, dass eine so große Summe weggegeben wurde. Sollte er zum Beispiel eine zahlreiche Familie haben, wäre es ein sehr bequemer Zusatz.“
„Das wäre es sicher.“
„Vielleicht wäre es dann für alle Parteien besser, wenn die Summe um die Hälfte verringert würde. – Fünfhundert Pfund wären eine ungeheure Erhöhung ihres Vermögens!“
„Oh! Über alles Maß groß! Welcher Bruder auf Erden würde auch nur halb so viel für seine Schwestern tun, selbst wenn es wirklich seine Schwestern wären! Und so wie es ist – nur halbe Blutsverwandtschaft! – Aber du hast so einen großzügigen Geist!“
„Ich möchte nichts Gemeines tun“, erwiderte er. „Man möchte bei solchen Gelegenheiten lieber zu viel als zu wenig tun. Niemand kann zumindest denken, dass ich nicht genug für sie getan habe: selbst sie können kaum mehr erwarten.“
„Man weiß nie, was sie erwarten mögen“, sagte die Dame, „aber wir haben nicht über ihre Erwartungen nachzudenken: die Frage ist, was du dir leisten kannst zu tun.“
„Gewiss – und ich glaube, ich kann es mir leisten, ihnen je fünfhundert Pfund zu geben. So wie es ist, ohne jeden Zusatz von mir, werden sie jede nach dem Tod ihrer Mutter etwa dreitausend Pfund haben – ein sehr behagliches Vermögen für jede junge Frau.“
„Sicher ist es das; und tatsächlich fällt mir ein, dass sie gar keinen Zusatz brauchen. Sie werden zehntausend Pfund unter sich aufgeteilt haben. Wenn sie heiraten, werden sie sicher gut versorgt sein, und wenn sie es nicht tun, können sie alle sehr behaglich zusammen von den Zinsen der zehntausend Pfund leben.“
„Das ist sehr wahr, und deshalb weiß ich nicht, ob es im Ganzen nicht ratsamer wäre, etwas für ihre Mutter zu tun, solange sie lebt, anstatt für sie – etwas in der Art einer Leibrente, meine ich. – Meine Schwestern würden die guten Auswirkungen davon ebenso spüren wie sie selbst. Einhundert Pfund im Jahr würden sie alle vollkommen behaglich leben lassen.“
Seine Frau zögerte jedoch ein wenig, ihre Zustimmung zu diesem Plan zu geben.
„Sicher“, sagte sie, „es ist besser, als sich auf einmal von fünfzehnhundert Pfund zu trennen. Aber dann, wenn Mrs. Dashwood fünfzehn Jahre leben sollte, werden wir völlig übervorteilt.“
„Fünfzehn Jahre! Meine liebe Fanny; ihr Leben kann nicht die Hälfte dieses Preises wert sein.“
„Gewiss nicht; aber wenn du beobachtest, leben Leute immer ewig, wenn eine Leibrente an sie zu zahlen ist; und sie ist sehr kräftig und gesund und kaum vierzig. Eine Leibrente ist eine sehr ernste Angelegenheit; sie kommt immer wieder jedes Jahr, und man wird sie nicht los. Du bist dir nicht bewusst, was du tust. Ich habe viel von dem Ärger mit Leibrenten mitbekommen; denn meine Mutter war durch das Testament meines Vaters mit der Zahlung von drei an alte, ausgediente Dienstboten belastet, und es ist erstaunlich, wie unangenehm sie das fand. Zweimal jedes Jahr mussten diese Renten gezahlt werden; und dann war da der Ärger, sie ihnen zukommen zu lassen; und dann hieß es, einer von ihnen sei gestorben, und hinterher stellte sich heraus, dass dem gar nicht so war. Meine Mutter hatte es gründlich satt. Ihr Einkommen war nicht ihr eigenes, sagte sie, bei solchen ständigen Forderungen daran; und es war umso unfreundlicher von meinem Vater, weil das Geld ansonsten ganz zur Verfügung meiner Mutter gestanden hätte, ohne jede Einschränkung. Es hat mir einen solchen Abscheu vor Leibrenten eingeflößt, dass ich sicher bin, ich würde mich für alles in der Welt nicht zur Zahlung einer solchen verpflichten.“
„Es ist sicherlich eine unangenehme Sache“, erwiderte Mr. Dashwood, „solche jährlichen Abflüsse von seinem Einkommen zu haben. Das eigene Vermögen, wie deine Mutter zu Recht sagt, gehört einem nicht selbst. An die regelmäßige Zahlung einer solchen Summe an jedem Rententag gebunden zu sein, ist keineswegs wünschenswert: Es nimmt einem die Unabhängigkeit.“
„Zweifellos; und nach allem hast du keinen Dank dafür. Sie halten sich für sicher, du tust nicht mehr als das, was erwartet wird, und es erweckt gar keine Dankbarkeit. Wenn ich du wäre, sollte alles, was ich täte, ganz in meinem eigenen Ermessen liegen. Ich würde mich nicht binden, ihnen jährlich irgendetwas zu gewähren. Es mag in manchen Jahren sehr ungelegen kommen, einhundert oder auch nur fünfzig Pfund von unseren eigenen Ausgaben zu erübrigen.“
„Ich glaube, du hast recht, meine Liebe; es wird besser sein, dass es keine Leibrente in diesem Fall gibt; was auch immer ich ihnen gelegentlich geben mag, wird eine weitaus größere Hilfe sein als eine jährliche Zuwendung, weil sie nur ihren Lebensstil erweitern würden, wenn sie sich eines größeren Einkommens sicher fühlten, und am Ende des Jahres keinen Pfennig reicher wären. Es wird sicherlich der beste Weg sein. Ein Geschenk von fünfzig Pfund, hin und wieder, wird sie davor bewahren, jemals in Geldnot zu geraten, und wird, so denke ich, mein Versprechen an meinen Vater reichlich erfüllen.“
„Sicher wird es das. Tatsächlich, um die Wahrheit zu sagen, bin ich bei mir selbst davon überzeugt, dass dein Vater gar keine Vorstellung davon hatte, dass du ihnen überhaupt Geld geben würdest. Die Unterstützung, an die er dachte, wage ich zu sagen, war nur eine solche, wie sie vernünftigerweise von dir erwartet werden könnte; zum Beispiel, wie sich nach einem behaglichen kleinen Haus für sie umzusehen, ihnen beim Umzug ihrer Sachen zu helfen und ihnen Geschenke von Fisch und Wild und so weiter zu schicken, wann immer sie Saison haben. Ich wette mein Leben darauf, dass er nichts weiter meinte; tatsächlich wäre es sehr seltsam und unvernünftig, wenn er es täte. Bedenke doch nur, mein lieber Mr. Dashwood, wie überaus behaglich deine Schwiegermutter und ihre Töchter von den Zinsen der siebentausend Pfund leben können, neben den tausend Pfund, die jedem der Mädchen gehören, was ihnen jährlich fünfzig Pfund pro Kopf einbringt, und natürlich werden sie ihre Mutter davon für ihre Verpflegung bezahlen. Insgesamt werden sie fünfhundert Pfund im Jahr unter sich haben, und was auf Erden können vier Frauen mehr als das brauchen? – Sie werden so billig leben! Ihre Haushaltsführung wird gar nichts kosten. Sie werden keine Kutsche haben, keine Pferde und kaum Bedienstete; sie werden keinen Umgang pflegen und keinerlei Ausgaben irgendeiner Art haben! Stell dir nur vor, wie behaglich sie es haben werden! Fünfhundert Pfund im Jahr! Ich bin sicher, ich kann mir nicht vorstellen, wie sie die Hälfte davon ausgeben werden; und was dein Geben von mehr angeht, so ist es völlig absurd, daran zu denken. Sie werden viel eher in der Lage sein, dir etwas zu geben.“
„Bei meinem Wort“, sagte Mr. Dashwood, „ich glaube, du hast vollkommen recht. Mein Vater konnte mit seiner Bitte an mich sicherlich nichts anderes meinen als das, was du sagst. Ich verstehe es jetzt klar, und ich werde meine Verpflichtung strikt durch solche Akte der Unterstützung und Freundlichkeit ihnen gegenüber erfüllen, wie du sie beschrieben hast. Wenn meine Mutter in ein anderes Haus zieht, sollen meine Dienste bereitwillig gegeben werden, um ihr soweit ich kann entgegenzukommen. Das eine oder andere kleine Geschenk an Möbel mag dann auch willkommen sein.“
„Gewiss“, erwiderte Mrs. John Dashwood. „Aber allerdings muss eine Sache bedacht werden. Als dein Vater und deine Mutter nach Norland zogen, wurde zwar das Mobiliar von Stanhill verkauft, aber das gesamte Porzellan, Silber und die Wäsche wurde gerettet und ist jetzt deiner Mutter vermacht. Ihr Haus wird daher fast vollständig eingerichtet sein, sobald sie es bezieht.“
„Das ist zweifellos eine wesentliche Überlegung. Ein wertvolles Vermächtnis in der Tat! Und doch wäre einiges von dem Silber ein sehr angenehmer Zuwachs für unseren eigenen Bestand hier gewesen.“
„Ja; und das Frühstücksservice ist doppelt so schön wie das, welches zu diesem Haus gehört. Meiner Meinung nach viel zu schön für jeden Ort, an dem sie es sich jemals leisten können zu wohnen. Aber wie dem auch sei, so ist es nun einmal. Dein Vater hat nur an sie gedacht. Und das muss ich sagen: Du schuldest ihm keine besondere Dankbarkeit und auch keine Rücksicht auf seine Wünsche; denn wir wissen nur zu gut, dass er, hätte er gekonnt, ihnen fast alles auf der Welt hinterlassen hätte.“
Dieses Argument war unwiderstehlich. Es verlieh seinen Absichten die Entschlossenheit, die ihm zuvor noch gefehlt hatte; und er beschloss schließlich, dass es absolut unnötig, wenn nicht sogar höchst unschicklich wäre, für die Witwe und die Kinder seines Vaters mehr zu tun, als jene Art nachbarschaftlicher Gefälligkeiten, auf die seine eigene Frau ihn hinwies.
KAPITEL III.
Mrs. Dashwood blieb noch mehrere Monate in Norland; nicht aus einer Abneigung dagegen, aufzubrechen, sobald der Anblick jedes wohlbekannten Ortes aufhörte, jene heftige Erregung hervorzurufen, die er eine Zeit lang bewirkt hatte; denn als ihr Lebensmut zurückkehrte und ihr Geist fähig wurde, sich einer anderen Anstrengung zu widmen, als seinen Schmerz durch schwermütige Erinnerungen zu nähren, war sie ungeduldig, fortzugehen, und unermüdlich in ihren Nachforschungen nach einer geeigneten Bleibe in der Nachbarschaft von Norland; denn sich weit von diesem geliebten Ort zu entfernen, war unmöglich. Aber sie konnte von keinem Wohnsitz hören, der gleichzeitig ihren Vorstellungen von Komfort und Behaglichkeit entsprach und der Vorsicht ihrer ältesten Tochter genügte, deren besonnenes Urteil mehrere Häuser als zu groß für ihr Einkommen verwarf, welche ihre Mutter gebilligt hätte.
Mrs. Dashwood war von ihrem Ehemann über das feierliche Versprechen informiert worden, das sein Sohn ihnen zugunsten gegeben hatte, was ihren letzten irdischen Gedanken Trost spendete. Sie zweifelte an der Aufrichtigkeit dieser Zusicherung nicht mehr, als er selbst daran gezweifelt hatte, und sie dachte um ihrer Töchter willen mit Zufriedenheit daran, obwohl sie für sich selbst überzeugt war, dass eine viel kleinere Versorgung als 7000 £ sie in Wohlstand erhalten würde. Auch um ihres Bruders willen, um seines eigenen Herzens willen, freute sie sich; und sie machte sich Vorwürfe, seinem Charakter gegenüber zuvor ungerecht gewesen zu sein, indem sie ihn für unfähig zur Großzügigkeit hielt. Sein aufmerksames Verhalten ihr und ihren Schwestern gegenüber überzeugte sie davon, dass ihr Wohlergehen ihm am Herzen lag, und lange Zeit verließ sie sich fest auf die Freigiebigkeit seiner Absichten.
Die Verachtung, die sie schon sehr früh während ihrer Bekanntschaft für ihre Schwiegertochter empfunden hatte, wurde durch die weitere Kenntnis ihres Charakters, die ein halbjähriger Aufenthalt in ihrer Familie bot, noch sehr verstärkt; und vielleicht hätten die beiden Damen, ungeachtet aller Rücksichten auf Höflichkeit oder mütterliche Zuneigung seitens der ersteren, es für unmöglich gehalten, so lange zusammenzuleben, wäre nicht ein besonderer Umstand eingetreten, der nach Ansicht von Mrs. Dashwood das Verbleiben ihrer Töchter in Norland noch erstrebenswerter machte.
Dieser Umstand war eine wachsende Zuneigung zwischen ihrem ältesten Mädchen und dem Bruder von Mrs. John Dashwood, einem kultivierten und angenehmen jungen Mann, der kurz nach der Niederlassung seiner Schwester in Norland in ihren Bekanntenkreis eingeführt wurde und der seitdem den größten Teil seiner Zeit dort verbracht hatte.
Manche Mütter hätten die Vertrautheit aus Eigennutz gefördert, denn Edward Ferrars war der älteste Sohn eines Mannes, der sehr reich gestorben war; und manche hätten sie aus Gründen der Vorsicht unterdrückt, denn bis auf eine geringfügige Summe hing sein gesamtes Vermögen vom Testament seiner Mutter ab. Aber Mrs. Dashwood wurde von keiner der beiden Erwägungen beeinflusst. Es genügte ihr, dass er liebenswürdig erschien, dass er ihre Tochter liebte und dass Elinor die Zuneigung erwiderte. Es widersprach jeder ihrer Überzeugungen, dass ein Unterschied im Vermögen ein Paar trennen sollte, das sich durch Ähnlichkeit des Wesens zueinander hingezogen fühlte; und dass Elinors Wert nicht von jedem erkannt werden sollte, der sie kannte, war für ihr Verständnis unmöglich.
Edward Ferrars empfahl sich nicht durch besondere Anmut der Gestalt oder des Auftretens für ihre gute Meinung. Er war nicht gutaussehend, und seine Manieren erforderten Vertrautheit, um sie gefällig zu machen. Er war zu schüchtern, um sich selbst gerecht zu werden; doch wenn seine natürliche Befangenheit überwunden war, gab sein Verhalten jedes Anzeichen eines offenen, liebevollen Herzens. Sein Verstand war gut, und seine Erziehung hatte ihn solide verbessert. Aber er war weder durch seine Fähigkeiten noch durch seine Veranlagung dazu geeignet, die Wünsche seiner Mutter und Schwester zu erfüllen, die sich danach sehnten, ihn ausgezeichnet zu sehen – als – sie wussten kaum als was. Sie wollten, dass er auf die eine oder andere Weise eine glänzende Figur in der Welt machte. Seine Mutter wollte ihn für politische Angelegenheiten interessieren, ihn ins Parlament bringen oder ihn mit einigen der großen Männer des Tages in Verbindung sehen. Mrs. John Dashwood wünschte dies ebenfalls; aber in der Zwischenzeit, bis eine dieser überlegenen Segnungen erreicht werden konnte, hätte es ihren Ehrgeiz beruhigt, ihn einen Barouche lenken zu sehen. Doch Edward hatte keinen Sinn für große Männer oder Barouches. All seine Wünsche konzentrierten sich auf häusliche Gemütlichkeit und die Ruhe des Privatlebens. Glücklicherweise hatte er einen jüngeren Bruder, der vielversprechender war.
Edward war bereits mehrere Wochen im Haus, bevor er viel von Mrs. Dashwoods Aufmerksamkeit auf sich zog; denn sie befand sich zu jener Zeit in einer solchen Betrübnis, die sie gleichgültig gegenüber ihrer Umgebung machte. Sie sah nur, dass er ruhig und unaufdringlich war, und sie mochte ihn dafür. Er störte das Elend ihres Gemüts nicht durch unzeitgemäße Unterhaltungen. Sie wurde erst dazu bewegt, ihn weiter zu beobachten und zu schätzen, durch eine Bemerkung, die Elinor eines Tages über den Unterschied zwischen ihm und seiner Schwester machte. Es war ein Kontrast, der ihn ihrer Mutter am nachdrücklichsten empfahl.
„Es genügt“, sagte sie, „zu sagen, dass er nicht wie Fanny ist, das genügt. Es impliziert alles Liebenswürdige. Ich liebe ihn bereits.“
„Ich glaube, du wirst ihn mögen“, sagte Elinor, „wenn du ihn besser kennst.“
„Mögen!“ erwiderte ihre Mutter mit einem Lächeln. „Ich empfände keine Anerkennung, die geringer ist als Liebe.“
„Du magst ihn achten.“
„Ich habe bisher noch nie erfahren, was es heißt, Achtung und Liebe voneinander zu trennen.“
Mrs. Dashwood bemühte sich nun, ihn näher kennenzulernen. Ihre Manieren waren gewinnend und verbannten bald seine Zurückhaltung. Sie begriff schnell all seine Vorzüge; die Gewissheit seiner Zuneigung zu Elinor unterstützte vielleicht ihre Durchsichtigkeit; aber sie fühlte sich wirklich von seinem Wert überzeugt: Und selbst jene Ruhe seines Auftretens, die all ihren festen Vorstellungen davon, wie das Wesen eines jungen Mannes sein sollte, widersprach, war nicht länger uninteressant, als sie wusste, dass sein Herz warm und sein Gemüt liebevoll war.
Sobald sie irgendein Anzeichen von Liebe in seinem Verhalten gegenüber Elinor bemerkte, betrachtete sie ihre ernsthafte Bindung als gewiss und sah ihrer baldigen Heirat entgegen.
„In wenigen Monaten, meine liebe Marianne“, sagte sie, „wird Elinor aller Wahrscheinlichkeit nach für ihr Leben versorgt sein. Wir werden sie vermissen; aber sie wird glücklich sein.“
„Oh! Mama, wie sollen wir ohne sie auskommen?“
„Meine Liebe, es wird kaum eine Trennung sein. Wir werden nur wenige Meilen voneinander entfernt leben und uns jeden Tag unseres Lebens sehen. Du wirst einen Bruder gewinnen, einen echten, liebevollen Bruder. Ich habe die allerhöchste Meinung von Edwards Herz. Aber du siehst ernst aus, Marianne; missbilligst du die Wahl deiner Schwester?“
„Vielleicht“, sagte Marianne, „betrachte ich sie mit einigem Erstaunen. Edward ist sehr liebenswürdig, und ich liebe ihn zärtlich. Aber dennoch – er ist nicht die Art von jungem Mann – es fehlt etwas – seine Gestalt ist nicht beeindruckend; sie hat nichts von jener Anmut, die ich von dem Mann erwarten würde, der meine Schwester ernsthaft an sich binden könnte. Seinen Augen fehlt all jener Geist, jenes Feuer, das auf einen Schlag Tugend und Intelligenz verkündet. Und abgesehen davon, Mama, fürchte ich, er hat keinen wirklichen Geschmack. Musik scheint ihn kaum anzuziehen, und obwohl er Elinors Zeichnungen sehr bewundert, ist es nicht die Bewunderung einer Person, die ihren Wert zu verstehen vermag. Es ist trotz seiner häufigen Aufmerksamkeit für sie, während sie zeichnet, offensichtlich, dass er in der Tat nichts von der Sache versteht. Er bewundert als Liebhaber, nicht als Kenner. Um mich zufriedenzustellen, müssen diese Eigenschaften vereint sein. Ich könnte nicht mit einem Mann glücklich sein, dessen Geschmack nicht in jedem Punkt mit meinem eigenen übereinstimmte. Er muss sich in alle meine Gefühle einfühlen; dieselben Bücher, dieselbe Musik müssen uns beide bezaubern. Oh, Mama, wie geistlos, wie zahm war Edwards Art, als er uns gestern Abend vorlas! Ich fühlte aufs Äußerste mit meiner Schwester mit. Doch sie ertrug es mit so viel Fassung, sie schien es kaum zu bemerken. Ich konnte kaum auf meinem Platz bleiben. Diese wunderschönen Zeilen zu hören, die mich häufig fast wahnsinnig gemacht haben, mit solch undurchdringlicher Gelassenheit, solch schrecklicher Gleichgültigkeit vorgetragen!“
„Er hätte einfacher und eleganter Prosa sicherlich mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das dachte ich damals auch; aber du wolltest ihm unbedingt Cowper geben.“
„Nein, Mama, wenn er sich nicht von Cowper begeistern lässt! – aber wir müssen den Unterschied im Geschmack gelten lassen. Elinor hat nicht meine Gefühle, und daher mag sie darüber hinwegsehen und mit ihm glücklich sein. Aber es hätte mir das Herz gebrochen, hätte ich ihn geliebt, ihn mit so wenig Empfindsamkeit lesen zu hören. Mama, je mehr ich von der Welt erfahre, desto mehr bin ich überzeugt, dass ich niemals einen Mann sehen werde, den ich wirklich lieben kann. Ich verlange so viel! Er muss all Edwards Tugenden besitzen, und seine Gestalt und seine Manieren müssen seine Güte mit jedem möglichen Reiz schmücken.“
„Denk daran, meine Liebe, dass du noch keine siebzehn bist. Es ist noch zu früh im Leben, um an einem solchen Glück zu verzweifeln. Warum solltest du weniger vom Schicksal begünstigt sein als deine Mutter? Nur in einem Umstand, meine Marianne, möge dein Schicksal anders sein als ihres!“
KAPITEL IV.
„Wie schade ist es, Elinor“, sagte Marianne, „dass Edward keinen Sinn für das Zeichnen hat.“
„Keinen Sinn für das Zeichnen!“, erwiderte Elinor, „warum solltest du das denken? Er zeichnet zwar selbst nicht, aber er hat große Freude daran, die Werke anderer Leute zu sehen, und ich versichere dir, dass es ihm keineswegs an natürlichem Geschmack mangelt, obwohl er keine Gelegenheit hatte, ihn zu verbessern. Hätte er jemals die Gelegenheit gehabt zu lernen, denke ich, hätte er sehr gut gezeichnet. Er misstraut seinem eigenen Urteil in solchen Dingen so sehr, dass er immer zögert, seine Meinung über ein Bild abzugeben; aber er hat eine angeborene Angemessenheit und Schlichtheit des Geschmacks, die ihn im Allgemeinen vollkommen richtig leitet.“
Marianne hatte Angst, zu beleidigen, und sagte nichts mehr zu dem Thema; aber die Art von Anerkennung, die Elinor bei ihm durch die Zeichnungen anderer Leute als geweckt beschrieb, war weit entfernt von jener entzückten Begeisterung, die ihrer Meinung nach allein als Geschmack bezeichnet werden konnte. Doch obwohl sie in sich über den Irrtum lächelte, ehrte sie ihre Schwester für jene blinde Voreingenommenheit gegenüber Edward, die ihn hervorbrachte.
„Ich hoffe, Marianne“, fuhr Elinor fort, „du hältst ihn nicht für einen Mangel an allgemeinem Geschmack. Tatsächlich glaube ich sagen zu können, dass du das nicht kannst, denn dein Verhalten ihm gegenüber ist vollkommen herzlich, und wäre das deine Meinung, bin ich sicher, könntest du niemals höflich zu ihm sein.“
Marianne wusste kaum, was sie sagen sollte. Sie wollte die Gefühle ihrer Schwester um keinen Preis verletzen, und doch war es unmöglich, etwas zu sagen, an das sie nicht glaubte. Schließlich antwortete sie:
„Sei nicht beleidigt, Elinor, wenn mein Lob für ihn nicht in allem deinem Empfinden für seine Vorzüge gleichkommt. Ich hatte nicht so viele Gelegenheiten, die feineren Neigungen seines Geistes, seine Vorlieben und seinen Geschmack abzuschätzen, wie du; aber ich habe die allerhöchste Meinung von seiner Güte und seinem Verstand. Ich halte ihn für alles, was achtenswert und liebenswürdig ist.“
„Ich bin sicher“, erwiderte Elinor mit einem Lächeln, „dass seine engsten Freunde mit einem solchen Lob nicht unzufrieden sein könnten. Ich sehe nicht, wie du dich wärmer hättest ausdrücken können.“
Marianne war erfreut, ihre Schwester so leicht zufriedenzustellen.
„An seinem Verstand und seiner Güte“, fuhr Elinor fort, „kann, glaube ich, niemand zweifeln, der ihn oft genug gesehen hat, um ihn in ein ungezwungenes Gespräch zu verwickeln. Die Exzellenz seines Verstandes und seiner Prinzipien kann nur durch jene Schüchternheit verborgen bleiben, die ihn allzu oft schweigen lässt. Du kennst ihn gut genug, um seinem soliden Wert gerecht zu werden. Aber von seinen feineren Neigungen, wie du sie nennst, bist du aufgrund besonderer Umstände unwissender geblieben als ich. Er und ich sind zuweilen viel zusammengekommen, während du ganz und gar von meiner Mutter aus den liebevollsten Gründen in Anspruch genommen wurdest. Ich habe viel von ihm gesehen, habe seine Ansichten studiert und seine Meinung zu Themen der Literatur und des Geschmacks gehört; und im Großen und Ganzen wage ich zu behaupten, dass sein Geist wohlgebildet ist, sein Genuss an Büchern außerordentlich groß, seine Einbildungskraft lebhaft, seine Beobachtungsgabe gerecht und korrekt und sein Geschmack fein und rein. Seine Fähigkeiten verbessern sich in jeder Hinsicht durch Bekanntschaft ebenso sehr wie seine Manieren und seine Person. Auf den ersten Blick ist sein Auftreten sicherlich nicht beeindruckend; und seine Person kann kaum als gutaussehend bezeichnet werden, bis der Ausdruck seiner Augen, die ungewöhnlich gut sind, und die allgemeine Sanftheit seines Gesichts wahrgenommen werden. Im Augenblick kenne ich ihn so gut, dass ich ihn für wirklich gutaussehend halte; oder zumindest fast. Was sagst du, Marianne?“
„Ich werde ihn sehr bald für gutaussehend halten, Elinor, wenn ich es nicht schon tue. Wenn du mir sagst, ich solle ihn wie einen Bruder lieben, werde ich keine Unvollkommenheit mehr in seinem Gesicht sehen, als ich es jetzt in seinem Herzen tue.“
Elinor schreckte bei dieser Erklärung auf und bereute die Wärme, zu der sie sich beim Sprechen über ihn hatte hinreißen lassen. Sie spürte, dass Edward in ihrer Meinung einen sehr hohen Stellenwert hatte. Sie glaubte, die Zuneigung beruhe auf Gegenseitigkeit; aber sie benötigte eine größere Gewissheit darüber, um Mariannes Überzeugung von ihrer Bindung für sich selbst angenehm zu machen. Sie wusste, dass das, was Marianne und ihre Mutter im einen Moment vermuteten, sie im nächsten glaubten – dass für sie Wünschen gleichbedeutend mit Hoffen und Hoffen gleichbedeutend mit Erwarten war. Sie versuchte, den tatsächlichen Stand der Dinge ihrer Schwester zu erklären.
„Ich versuche nicht zu leugnen“, sagte sie, „dass ich sehr viel von ihm halte – dass ich ihn sehr achte, dass ich ihn mag.“
Marianne brach hier mit Entrüstung hervor:
„Ihn achten! Ihn mögen! Kaltblütige Elinor! Oh! Schlimmer als kaltblütig! Schäme dich, anders zu sein. Benutze diese Worte noch einmal, und ich verlasse den Raum in diesem Augenblick.“
Elinor konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Entschuldige“, sagte sie; „und sei versichert, dass ich dich nicht kränken wollte, indem ich so ruhig über meine eigenen Gefühle sprach. Glaube, dass sie stärker sind, als ich erklärt habe; glaube kurz gesagt, dass sie so sind, wie es sein Verdienst und der Verdacht – die Hoffnung auf seine Zuneigung zu mir – ohne Unbesonnenheit oder Torheit rechtfertigen mag. Aber weiter als das darfst du nicht glauben. Ich bin keineswegs von seiner Zuneigung zu mir überzeugt. Es gibt Momente, in denen ihr Ausmaß zweifelhaft erscheint; und bis seine Gefühle vollständig bekannt sind, kannst du dich nicht wundern, dass ich jede Ermutigung meiner eigenen Zuneigung vermeiden möchte, indem ich sie für mehr halte oder nenne, als sie ist. In meinem Herzen empfinde ich wenig – kaum einen Zweifel an seiner Vorliebe. Aber es gibt neben seiner Neigung noch andere Punkte zu bedenken. Er ist weit davon entfernt, unabhängig zu sein. Was seine Mutter wirklich für eine Person ist, können wir nicht wissen; aber nach Fannys gelegentlicher Erwähnung ihres Verhaltens und ihrer Meinungen waren wir nie geneigt, sie für liebenswürdig zu halten; und ich irre mich sehr, wenn Edward sich nicht selbst bewusst ist, dass ihm viele Schwierigkeiten im Wege stünden, wenn er eine Frau heiraten wollte, die weder ein großes Vermögen noch einen hohen Rang besäße.“
Marianne war erstaunt festzustellen, wie sehr die Vorstellungskraft ihrer Mutter und ihre eigene der Wahrheit vorausgeeilt war.
„Und du bist wirklich nicht mit ihm verlobt!“ sagte sie. „Doch es wird sicherlich bald dazu kommen. Aber zwei Vorteile werden sich aus dieser Verzögerung ergeben. Ich werde dich nicht so bald verlieren, und Edward wird mehr Gelegenheit haben, jenen natürlichen Geschmack für deine Lieblingsbeschäftigung zu verbessern, der für dein zukünftiges Glück so unerlässlich notwendig sein muss. Oh! Wenn er durch dein Genie so weit angeregt würde, selbst zeichnen zu lernen, wie herrlich wäre das!“
Elinor hatte ihrer Schwester ihre wahre Meinung gesagt. Sie konnte ihre Zuneigung zu Edward nicht als in einem so glücklichen Zustand betrachten, wie Marianne es geglaubt hatte. Er zeigte zuweilen eine Niedergeschlagenheit, die, wenn sie auch nicht Gleichgültigkeit bedeutete, von etwas sprach, das fast ebenso wenig vielversprechend war. Ein Zweifel an ihrer Zuneigung, falls er sie empfände, brauchte ihm nicht mehr als Unruhe zu bereiten. Es wäre unwahrscheinlich, dass dies jene Niedergeschlagenheit des Geistes hervorriefe, die ihn häufig begleitete. Ein vernünftigerer Grund könnte in der abhängigen Lage gefunden werden, die ihm die Auslebung seiner Zuneigung verbot. Sie wusste, dass seine Mutter sich ihm gegenüber weder so verhielt, dass sie sein Zuhause derzeit angenehm machte, noch ihm irgendeine Versicherung gab, dass er sich ein eigenes Zuhause gründen könnte, ohne streng ihre Ansichten für seine gesellschaftliche Erhöhung zu beachten. Mit diesem Wissen war es Elinor unmöglich, sich bei diesem Thema wohl zu fühlen. Sie war weit davon entfernt, sich auf das Ergebnis seiner Vorliebe für sie zu verlassen, das ihre Mutter und Schwester immer noch als gewiss betrachteten. Nein, je länger sie zusammen waren, desto zweifelhafter schien die Natur seiner Zuneigung; und manchmal, für ein paar schmerzhafte Minuten, glaubte sie, sie sei nicht mehr als Freundschaft.
Aber wie auch immer ihre Grenzen wirklich sein mochten, es genügte, wenn sie von seiner Schwester wahrgenommen wurden, sie unruhig zu machen und gleichzeitig (was noch häufiger vorkam) unhöflich. Sie ergriff die erste Gelegenheit, ihre Schwiegermutter bei dieser Gelegenheit zu kränken, und sprach so ausdrucksvoll von den großen Erwartungen ihres Bruders, von Mrs. Ferrars’ Entschluss, dass beide ihre Söhne gut heiraten sollten, und von der Gefahr für jede junge Frau, die versuchen würde, ihn einzufangen; dass Mrs. Dashwood weder vorgeben konnte, unwissend zu sein, noch versuchen konnte, ruhig zu bleiben. Sie gab ihr eine Antwort, die ihre Verachtung kennzeichnete, und verließ augenblicklich den Raum, entschlossen, dass, was auch immer die Unannehmlichkeiten oder Kosten eines solch plötzlichen Umzugs sein mochten, ihre geliebte Elinor nicht eine weitere Woche solchen Unterstellungen ausgesetzt sein sollte.
In diesem Zustand ihres Gemüts wurde ihr ein Brief von der Post zugestellt, der einen besonders gut getimten Vorschlag enthielt. Es war das Angebot eines kleinen Hauses zu sehr günstigen Bedingungen, das einer Verwandten von ihr gehörte, einem Gentleman von Bedeutung und Vermögen in Devonshire. Der Brief stammte von diesem Gentleman selbst und war im wahren Geist freundlicher Entgegenkommenheit geschrieben. Er hatte verstanden, dass sie eine Bleibe benötigte; und obwohl das Haus, das er ihr nun anbot, lediglich ein Cottage war, versicherte er ihr, dass alles daran getan werden sollte, was sie für notwendig erachten würde, falls ihr die Lage gefiel. Er drängte sie inständig, nachdem er die Einzelheiten des Hauses und des Gartens mitgeteilt hatte, mit ihren Töchtern nach Barton Park zu kommen, dem Ort seines eigenen Wohnsitzes, von wo aus sie selbst beurteilen könnte, ob Barton Cottage, denn die Häuser lagen in derselben Gemeinde, durch irgendeine Änderung für sie angenehm gemacht werden könnte. Er schien wirklich darauf bedacht zu sein, ihnen entgegenzukommen, und sein ganzer Brief war in einem so freundlichen Stil geschrieben, dass er seiner Cousine nicht anders als Freude bereiten konnte; besonders in einem Moment, in dem sie unter dem kalten und gefühllosen Verhalten ihrer näheren Verwandten litt. Sie brauchte keine Zeit zum Überlegen oder Nachforschen. Ihr Entschluss stand fest, während sie las. Die Lage von Barton, in einer Grafschaft, die so weit von Sussex entfernt war wie Devonshire, was noch wenige Stunden zuvor ein ausreichender Einwand gewesen wäre, um jeden möglichen Vorteil des Ortes aufzuwiegen, war nun seine erste Empfehlung. Die Nachbarschaft von Norland zu verlassen, war kein Übel mehr; es war ein Ziel des Verlangens; es war ein Segen, verglichen mit dem Elend, weiterhin Gast ihrer Schwiegertochter zu sein; und für immer von diesem geliebten Ort wegzuziehen, wäre weniger schmerzhaft, als ihn zu bewohnen oder zu besuchen, während eine solche Frau seine Herrin war. Sie schrieb Sir John Middleton augenblicklich ihre Anerkennung seiner Güte und ihre Annahme seines Vorschlags; und beeilte sich dann, ihren Töchtern beide Briefe zu zeigen, damit sie sich ihrer Zustimmung gewiss sein konnte, bevor ihre Antwort abgeschickt wurde.
Elinor hatte stets gedacht, es wäre klüger für sie, sich in einiger Entfernung von Norland niederzulassen, als unmittelbar inmitten ihrer gegenwärtigen Bekanntschaft. In diesem Punkt war es daher nicht an ihr, sich der Absicht ihrer Mutter zu widersetzen, nach Devonshire zu ziehen. Auch das Haus war, wie von Sir John beschrieben, von so einfachem Zuschnitt und die Miete so ungewöhnlich mäßig, dass sie kein Recht zu Einwänden in beiden Punkten hatte; und obgleich es kein Plan war, der ihrer Vorstellungskraft irgendeinen Reiz abgewann, obgleich es ein Fortzug aus der Nähe von Norland war, der über ihre Wünsche hinausging, unternahm sie keinen Versuch, ihre Mutter davon abzubringen, einen zustimmenden Brief zu senden.
KAPITEL V.
Kaum war ihre Antwort abgeschickt, als Mrs. Dashwood sich das Vergnügen gönnte, ihrem Schwiegersohn und dessen Frau zu verkünden, dass sie nun ein Haus habe und ihnen nicht länger zur Last fallen werde, als bis alles für ihren Einzug bereit sei. Sie hörten sie mit Überraschung an. Mrs. John Dashwood sagte nichts; doch ihr Gatte äußerte höflich die Hoffnung, dass sie sich nicht allzu weit von Norland niederlassen werde. Sie hatte große Genugtuung dabei, zu erwidern, dass sie nach Devonshire gehe. – Edward wandte sich bei diesen Worten hastig ihr zu und wiederholte mit einer Stimme der Überraschung und Besorgnis, die für sie keiner Erklärung bedurfte: „Devonshire! Gehen Sie tatsächlich dorthin? So weit von hier! Und in welchen Teil davon?“ Sie erläuterte die Lage. Es lag vier Meilen nördlich von Exeter.
„Es ist nur ein Häuschen“, fuhr sie fort, „aber ich hoffe, viele meiner Freunde darin begrüßen zu können. Ein oder zwei Zimmer lassen sich leicht anbauen; und wenn es meinen Freunden nicht schwerfällt, so weit zu reisen, um mich zu besuchen, so wird es mir sicher nicht schwerfallen, sie unterzubringen.“
Sie schloss mit einer sehr freundlichen Einladung an Mr. und Mrs. John Dashwood, sie in Barton zu besuchen; und an Edward richtete sie eine mit noch größerer Herzlichkeit. Obgleich ihr kürzliches Gespräch mit ihrer Schwiegertochter sie dazu gebracht hatte, den Entschluss zu fassen, nicht länger als unvermeidlich in Norland zu bleiben, hatte es in jenem Punkt, auf den es hauptsächlich abzielte, nicht die geringste Wirkung auf sie gehabt. Edward und Elinor zu trennen, war so fern von ihrem Ziel wie eh und je; und sie wollte Mrs. John Dashwood durch diese gezielte Einladung an deren Bruder zeigen, wie völlig sie deren Missbilligung der Verbindung missachtete.
Mr. John Dashwood versicherte seiner Mutter wieder und wieder, wie unendlich leid es ihm tue, dass sie ein Haus in einer solchen Entfernung von Norland genommen habe, die es ihm unmöglich mache, ihr beim Umzug ihrer Möbel behilflich zu sein. Er fühlte sich bei dieser Gelegenheit tatsächlich gewissensmäßig bekümmert; denn genau die Anstrengung, auf die er die Erfüllung seines Versprechens an seinen Vater beschränkt hatte, wurde durch diese Regelung undurchführbar. – Die Möbel wurden alle auf dem Wasserweg verschickt. Sie bestanden hauptsächlich aus Haushaltswäsche, Silberzeug, Porzellan und Büchern, nebst einem stattlichen Pianoforte von Marianne. Mrs. John Dashwood sah die Packstücke mit einem Seufzer abfahren: Sie konnte nicht umhin, es als hart zu empfinden, dass Mrs. Dashwood, deren Einkommen im Vergleich zu ihrem eigenen so geringfügig sein würde, irgendeinen stattlichen Einrichtungsgegenstand besitzen sollte.
Mrs. Dashwood mietete das Haus für ein Jahr; es war möbliert, und sie konnte es sofort beziehen. Bei der Vereinbarung ergaben sich von keiner Seite Schwierigkeiten; und sie wartete lediglich auf die Veräußerung ihrer Habe in Norland und die Bestimmung ihres künftigen Hausstands, bevor sie in den Westen aufbrach; und da sie bei der Ausführung alles dessen, was sie interessierte, außerordentlich schnell war, war dies bald erledigt. – Die Pferde, die ihr ihr Mann hinterlassen hatte, waren kurz nach seinem Tod verkauft worden, und da sich nun eine Gelegenheit bot, ihre Kutsche abzustoßen, stimmte sie auf den dringenden Rat ihrer ältesten Tochter hin zu, auch diese zu verkaufen. Zum Wohl ihrer Kinder hätte sie sie behalten, hätte sie nur auf ihre eigenen Wünsche gehört; doch Elinors Besonnenheit siegte. Ihre Klugheit begrenzte auch die Zahl ihrer Dienstboten auf drei; zwei Mägde und ein Mann, die ihnen alsbald aus dem Personal, das ihren Hausstand in Norland gebildet hatte, zur Verfügung standen.
Der Mann und eine der Mägde wurden sogleich nach Devonshire vorausgeschickt, um das Haus auf die Ankunft ihrer Herrin vorzubereiten; denn da Lady Middleton Mrs. Dashwood gänzlich unbekannt war, zog sie es vor, direkt in das Häuschen zu ziehen, statt als Gast im Barton Park zu weilen; und sie verließ sich so zweifellos auf Sir Johns Beschreibung des Hauses, dass sie keinerlei Neugier verspürte, es selbst zu besichtigen, bevor sie es als ihr eigenes betrat. Ihr Eifer, Norland zu verlassen, wurde nicht gemindert durch die offensichtliche Genugtuung ihrer Schwiegertochter angesichts ihres bevorstehenden Auszugs; eine Genugtuung, die sie nur mühsam unter einer kalten Aufforderung, den Abschied hinauszuzögern, zu verbergen suchte. Jetzt war die Zeit gekommen, da das Versprechen ihres Schwiegersohns an seinen Vater mit besonderer Angemessenheit hätte erfüllt werden können. Da er es bei seinem ersten Einzug in das Anwesen versäumt hatte, konnte ihr Auszug aus seinem Haus als der geeignetste Zeitpunkt für seine Einlösung betrachtet werden. Doch Mrs. Dashwood begann alsbald, jede Hoffnung dieser Art aufzugeben und aus der allgemeinen Richtung seiner Reden die Überzeugung zu gewinnen, dass seine Unterstützung nicht weiter reichte als für ihren Unterhalt während der sechs Monate in Norland. Er sprach so häufig von den steigenden Ausgaben der Haushaltsführung und von den ständigen Forderungen an seinen Geldbeutel, denen ein Mann von einigem Gewicht in der Welt unkalkulierbar ausgesetzt sei, dass er selbst eher des Geldes zu bedürfen schien, als dass er irgendeine Absicht gehabt hätte, Geld wegzuverschenken.
Wenige Wochen nach dem Tag, der Sir John Middletons ersten Brief nach Norland brachte, war in ihrem künftigen Heim alles so weit geregelt, dass Mrs. Dashwood und ihre Töchter ihre Reise antreten konnten.
Viele Tränen flossen bei ihrem letzten Abschied von einem Ort, der ihnen so sehr ans Herz gewachsen war. „Liebes, liebes Norland!“, sagte Marianne, als sie am letzten Abend ihres Aufenthalts allein vor dem Haus umherwanderte; „wann werde ich aufhören, dich zu vermissen! – wann lernen, mich anderswo zu Hause zu fühlen! – O glückliches Haus, könntest du wissen, was ich leide, wenn ich dich jetzt von dieser Stelle aus betrachte, von wo aus ich dich vielleicht nie wieder erblicken werde! – Und ihr, ihr wohlbekannten Bäume! – doch ihr werdet dieselben bleiben. – Kein Blatt wird welken, weil wir fortziehen, noch ein Zweig unbeweglich werden, obgleich wir euch nicht länger beobachten können! – Nein; ihr werdet dieselben bleiben; unbewusst der Freude oder des Kummers, den ihr verursacht, und unempfänglich für jede Veränderung in jenen, die unter eurem Schatten wandeln! – Doch wer wird bleiben, um euch zu genießen?“
KAPITEL VI.
Der erste Teil ihrer Reise wurde in einer zu schwermütigen Stimmung zurückgelegt, als dass sie anders als mühsam und unangenehm hätte sein können. Doch als sie sich dem Ende näherten, überwand ihr Interesse am Anblick der Gegend, die sie bewohnen sollten, ihre Niedergeschlagenheit, und der Anblick des Barton Valley bei ihrer Einfahrt stimmte sie heiter. Es war ein angenehmer, fruchtbarer Fleck, gut bewaldet und reich an Weideland. Nachdem sie sich mehr als eine Meile hindurchgewunden hatten, erreichten sie ihr eigenes Haus. Ein kleiner grüner Vorhof war ihr gesamter Besitz vor dem Haus; ein schmuckes Pfortentor gewährte ihnen Einlass.
Als Haus war Barton Cottage, obgleich klein, behaglich und kompakt; doch als Häuschen war es mangelhaft, denn das Gebäude war regelmäßig, das Dach war mit Ziegeln gedeckt, die Fensterläden waren nicht grün gestrichen, noch waren die Wände mit Geißblatt bedeckt. Ein schmaler Gang führte direkt durch das Haus in den dahinterliegenden Garten. Auf jeder Seite des Eingangs befand sich ein Wohnraum von etwa sechzehn Fuß im Quadrat; und hinter diesen lagen die Wirtschaftsräume und die Treppe. Vier Schlafzimmer und zwei Dachkammern bildeten den Rest des Hauses. Es war erst vor wenigen Jahren erbaut worden und in gutem Zustand. Im Vergleich zu Norland war es wahrlich armselig und klein! – doch die Tränen, die die Erinnerung hervorrief, als sie das Haus betraten, waren bald getrocknet. Sie wurden durch die Freude der Dienstboten über ihre Ankunft aufgemuntert, und jede von ihnen beschloss, dem Wohl der anderen zuliebe glücklich zu erscheinen. Es war Anfang September; die Jahreszeit war schön, und da sie den Ort zuerst unter dem Vorzug guten Wetters sahen, gewannen sie einen Eindruck zu seinen Gunsten, der wesentlich dazu beitrug, ihn ihrer dauerhaften Anerkennung zu empfehlen.
Die Lage des Hauses war gut. Hohe Hügel erhoben sich unmittelbar dahinter und in nicht allzu großer Entfernung auf beiden Seiten; einige davon waren offene Downs, die anderen kultiviert und bewaldet. Das Dorf Barton lag hauptsächlich auf einem dieser Hügel und bot einen angenehmen Anblick von den Fenstern des Häuschens aus. Der Ausblick nach vorne war weitläufiger; er beherrschte das gesamte Tal und reichte bis weit in das dahinterliegende Land. Die Hügel, die das Häuschen umgaben, begrenzten das Tal in dieser Richtung; unter einem anderen Namen und in einem anderen Verlauf verzweigte es sich zwischen zwei der steilsten von ihnen wieder.
Mit der Größe und Einrichtung des Hauses war Mrs. Dashwood im Großen und Ganzen wohl zufrieden; denn obgleich ihr früherer Lebensstil viele Ergänzungen an letzterer unentbehrlich machte, war es ihr eine Freude, hinzuzufügen und zu verbessern; und sie hatte zu dieser Zeit genug Bargeld zur Hand, um alles zu beschaffen, was an größerer Eleganz für die Räume fehlte. „Was das Haus selbst angeht“, sagte sie, „so ist es gewiss zu klein für unsere Familie, aber wir werden es uns vorerst einigermaßen gemütlich machen, da es für Verbesserungen im Jahr bereits zu spät ist. Vielleicht im Frühjahr, wenn ich reichlich Geld habe, wovon ich ausgehe, können wir über einen Anbau nachdenken. Diese Wohnzimmer sind beide zu klein für solche Gesellschaften unserer Freunde, wie ich sie hier oft versammelt zu sehen hoffe; und ich trage mich mit dem Gedanken, den Flur mit einem von ihnen, vielleicht unter Einbeziehung eines Teils des anderen, zu vereinen und den Rest jenes anderen für einen Eingang zu belassen; dies wird, mit einem neuen Salon, der leicht angebaut werden kann, sowie einem Schlafzimmer und einer Dachkammer darüber, ein sehr behagliches kleines Häuschen ergeben. Ich wünschte, die Treppe wäre stattlich. Aber man darf nicht alles erwarten; wenngleich ich annehme, dass es keine schwierige Angelegenheit wäre, sie zu verbreitern. Ich werde sehen, wie viel ich im Frühjahr erübrigen kann, und wir werden unsere Verbesserungen dementsprechend planen.“
In der Zwischenzeit, bis all diese Veränderungen aus den Ersparnissen eines Einkommens von fünfhundert Pfund im Jahr durch eine Frau, die in ihrem Leben noch nie gespart hatte, vorgenommen werden konnten, waren sie weise genug, sich mit dem Haus so zufrieden zu geben, wie es war; und jede von ihnen war damit beschäftigt, ihre persönlichen Angelegenheiten zu ordnen und zu versuchen, sich durch das Aufstellen von Büchern und anderen Habseligkeiten ein Heim zu schaffen. Mariannes Pianoforte wurde ausgepackt und ordnungsgemäß aufgestellt; und Elinors Zeichnungen wurden an den Wänden ihres Wohnzimmers angebracht.
In solchen Beschäftigungen wurden sie am nächsten Tag kurz nach dem Frühstück durch das Erscheinen ihres Vermieters unterbrochen, der kam, um sie in Barton willkommen zu heißen und ihnen jede Unterstützung aus seinem eigenen Haus und Garten anzubieten, an der es dem ihren derzeit mangeln mochte. Sir John Middleton war ein gut aussehender Mann von etwa vierzig Jahren. Er hatte früher einmal in Stanhill zu Besuch geweilt, doch es war zu lange her, als dass seine jungen Cousinen sich an ihn hätten erinnern können. Sein Gesichtsausdruck war durch und durch gutmütig; und seine Manieren waren so freundlich wie der Stil seines Briefes. Ihre Ankunft schien ihm wirkliche Genugtuung zu bereiten, und ihr Wohlbefinden ein Gegenstand wirklicher Fürsorge für ihn zu sein. Er sprach viel von seinem innigen Wunsch, dass sie mit seiner Familie auf die geselligste Art leben sollten, und drängte sie so herzlich, jeden Tag im Barton Park zu speisen, bis sie sich zu Hause besser eingerichtet hätten, dass, obgleich seine Bitten bis zu einem Grad der Beharrlichkeit gingen, der über die Höflichkeit hinausging, sie keinen Anstoß erregen konnten. Seine Freundlichkeit beschränkte sich nicht auf Worte; denn innerhalb einer Stunde, nachdem er sie verlassen hatte, traf ein großer, mit Gartenfrüchten und Obst gefüllter Korb aus dem Park ein, dem noch vor Ende des Tages ein Geschenk von Wild folgte. Er bestand überdies darauf, all ihre Post von und zur Post zu befördern, und wollte sich die Genugtuung nicht nehmen lassen, ihnen täglich seine Zeitung zu schicken.
Lady Middleton hatte durch ihn eine sehr höfliche Nachricht übermitteln lassen, in der sie ihre Absicht bekundete, Mrs. Dashwood aufzuwarten, sobald sie versichert sein könne, dass ihr Besuch keine Ungelegenheit sei; und da diese Nachricht mit einer ebenso höflichen Einladung erwidert wurde, wurde ihre Ladyschaft ihnen am nächsten Tag vorgestellt.
Sie waren natürlich sehr darauf bedacht, eine Person zu sehen, von der so viel von ihrem Wohlbefinden in Barton abhängen würde; und die Eleganz ihres Erscheinungsbildes kam ihren Wünschen entgegen. Lady Middleton war nicht mehr als sechs- oder siebenundzwanzig Jahre alt; ihr Gesicht war hübsch, ihre Gestalt groß und auffallend, und ihr Auftreten graziös. Ihre Manieren besaßen all die Eleganz, die denen ihres Mannes fehlte. Doch sie wären durch ein wenig von seiner Offenheit und Wärme noch verbessert worden; und ihr Besuch dauerte lang genug, um ihrer ersten Bewunderung etwas Abbruch zu tun, indem er zeigte, dass sie, obgleich vollkommen gut erzogen, reserviert und kühl war und nichts für sich zu sagen hatte, das über die alltäglichste Erkundigung oder Bemerkung hinausging.
An Konversation mangelte es jedoch nicht, denn Sir John war sehr geschwätzig, und Lady Middleton hatte die kluge Vorsicht walten lassen, ihr ältestes Kind mitzubringen, einen feinen kleinen Jungen von etwa sechs Jahren, wodurch den Damen für den Notfall ein Thema blieb, auf das sie immer zurückgreifen konnten; denn sie mussten seinen Namen und sein Alter erfragen, seine Schönheit bewundern und ihm Fragen stellen, die seine Mutter für ihn beantwortete, während er an ihr hing und den Kopf senkte, sehr zum Erstaunen ihrer Ladyschaft, die sich darüber wunderte, dass er vor Fremden so schüchtern war, wo er doch zu Hause genug Lärm machen konnte. Bei jedem förmlichen Besuch sollte ein Kind der Gesellschaft angehören, um für Gesprächsstoff vorzusorgen. Im vorliegenden Fall nahm es zehn Minuten in Anspruch, zu bestimmen, ob der Junge seinem Vater oder seiner Mutter ähnlicher sei und in welcher Einzelheit er wem ähnele, denn natürlich war jeder anderer Meinung, und jeder war erstaunt über die Ansicht der anderen.
Den Dashwoods sollte bald eine Gelegenheit geboten werden, über die übrigen Kinder zu debattieren, da Sir John das Haus nicht verlassen wollte, ohne ihnen das Versprechen abgenommen zu haben, am nächsten Tag im Park zu speisen.
KAPITEL VII.
Barton Park lag etwa eine halbe Meile vom Häuschen entfernt. Die Damen waren auf ihrem Weg durch das Tal daran vorbeigekommen, doch es war ihnen von zu Hause aus durch den Vorsprung eines Hügels verborgen. Das Haus war groß und stattlich; und die Middletons lebten in einem Stil von gleicher Gastfreundschaft und Eleganz. Ersteres diente Sir Johns Vergnügen, letztere dem seiner Gattin. Sie waren kaum je ohne Freunde, die bei ihnen im Haus weilten, und sie hatten mehr Gesellschaft jeglicher Art als jede andere Familie in der Nachbarschaft. Es war für das Glück beider notwendig; denn wie unähnlich sie auch in Temperament und äußerem Verhalten waren, glichen sie einander stark in jenem gänzlichen Mangel an Talent und Geschmack, der ihre Beschäftigungen, sofern sie nicht mit dem, was die Gesellschaft hervorbrachte, verbunden waren, in einen sehr engen Kreis beschränkte. Sir John war ein Jäger, Lady Middleton eine Mutter. Er jagte und schoss, und sie hätschelte ihre Kinder; und dies waren ihre einzigen Ressourcen. Lady Middleton hatte den Vorteil, ihre Kinder das ganze Jahr über verwöhnen zu können, während Sir Johns unabhängige Beschäftigungen nur die Hälfte der Zeit in Anspruch nahmen. Ständige Verpflichtungen im Haus und auswärts jedoch ließen alle Unzulänglichkeiten von Natur und Erziehung vergessen; unterstützten die gute Laune von Sir John und gaben der guten Erziehung seiner Frau Gelegenheit zur Betätigung.
Lady Middleton bildete sich viel auf die Eleganz ihrer Tafel und all ihrer häuslichen Arrangements ein; und aus dieser Art von Eitelkeit zog sie das größte Vergnügen bei all ihren Gesellschaften. Doch Sir Johns Genugtuung in der Gesellschaft war viel realer; er erfreute sich daran, mehr junge Leute um sich zu versammeln, als sein Haus fassen konnte, und je lärmender sie waren, desto mehr war er erfreut. Er war ein Segen für den gesamten jugendlichen Teil der Nachbarschaft, denn im Sommer bildete er ständig Gesellschaften, um kalten Schinken und Huhn im Freien zu essen, und im Winter waren seine privaten Bälle zahlreich genug für jede junge Dame, die nicht unter dem unersättlichen Appetit von fünfzehn Jahren litt.
Die Ankunft einer neuen Familie auf dem Lande war ihm immer ein Grund zur Freude, und in jeder Hinsicht war er entzückt von den Bewohnern, die er nun für sein Häuschen in Barton gewonnen hatte. Die Miss Dashwoods waren jung, hübsch und ungekünstelt. Das genügte, um seine gute Meinung zu sichern; denn ungekünstelt zu sein, war alles, was ein hübsches Mädchen brauchte, um ihren Geist ebenso bezaubernd zu machen wie ihre Person. Die Freundlichkeit seines Wesens machte es ihm zum Glück, jenen behilflich zu sein, deren Lage man im Vergleich zur Vergangenheit als unglücklich betrachten mochte. Indem er seinen Cousinen Freundlichkeit erwies, hatte er daher die wirkliche Genugtuung eines guten Herzens; und indem er eine Familie von nur weiblichen Wesen in seinem Häuschen unterbrachte, hatte er all die Genugtuung eines Jägers; denn ein Jäger, obgleich er nur jene seines Geschlechts schätzt, die ebenfalls Jäger sind, ist nicht oft begierig darauf, deren Geschmack durch die Zulassung zu einem Wohnsitz innerhalb seines eigenen Gutes zu fördern.
Mrs. Dashwood und ihre Töchter wurden an der Tür des Hauses von Sir John empfangen, der sie mit ungekünstelter Aufrichtigkeit im Barton Park willkommen hieß; und während er sie in den Salon begleitete, wiederholte er vor den jungen Damen die Besorgnis, die ihm dasselbe Thema schon am Tag zuvor entlockt hatte, dass er nämlich keine schicken jungen Männer habe finden können, die sie treffen könnten. Sie würden, sagte er, dort außer ihm nur einen Herrn sehen; einen besonderen Freund, der im Park weilte, der aber weder sehr jung noch sehr heiter sei. Er hoffe, sie würden alle die Kleinheit der Gesellschaft entschuldigen, und könne ihnen versichern, dass es nie wieder vorkommen solle. Er sei an jenem Morgen bei mehreren Familien gewesen, in der Hoffnung, eine Ergänzung ihrer Anzahl zu erwirken, doch es war Vollmond und jeder war ausgebucht. Glücklicherweise war Lady Middletons Mutter innerhalb der letzten Stunde in Barton eingetroffen, und da sie eine sehr fröhliche, angenehme Frau war, hoffe er, die jungen Damen würden es nicht so langweilig finden, wie sie sich vielleicht vorstellen mochten. Die jungen Damen waren, ebenso wie ihre Mutter, vollkommen zufrieden damit, zwei vollkommen Fremde in der Gesellschaft zu haben, und wünschten sich keine weiteren.
Mrs. Jennings, Lady Middletons Mutter, war eine gutmütige, fröhliche, beleibte, ältere Dame, die viel redete, sehr glücklich schien und eher vulgär war. Sie war voller Witze und Gelächter und hatte, bevor das Abendessen beendet war, viele geistreiche Dinge über das Thema Liebhaber und Ehemänner gesagt; sie äußerte die Hoffnung, sie hätten ihre Herzen nicht in Sussex zurückgelassen, und tat so, als sehe sie sie erröten, ob sie es nun taten oder nicht. Marianne war darüber um ihrer Schwester willen verärgert und wandte ihre Augen auf Elinor, um zu sehen, wie sie diese Angriffe ertrug, mit einer Ernsthaftigkeit, die Elinor weit mehr Schmerz bereitete, als aus solch alltäglicher Neckerei wie der von Mrs. Jennings entstehen konnte.
Colonel Brandon, der Freund von Sir John, schien weder durch Ähnlichkeit im Wesen dazu geschaffen, sein Freund zu sein, noch Lady Middleton dazu, seine Frau zu sein, oder Mrs. Jennings dazu, die Mutter von Lady Middleton zu sein. Er war schweigsam und ernst. Sein Äußeres war jedoch nicht unangenehm, ungeachtet dessen, dass er nach der Meinung von Marianne und Margaret ein ausgemachter alter Junggeselle war, denn er war auf der falschen Seite der fünfunddreißig; doch obgleich sein Gesicht nicht hübsch war, war sein Ausdruck verständig, und sein Auftreten war besonders gentlemanlike.
Es gab nichts an irgendeiner Person in der Gesellschaft, was sie als Gefährten für die Dashwoods hätte empfehlen können; doch die kalte Insipidität von Lady Middleton war so besonders abstoßend, dass im Vergleich dazu die Ernsthaftigkeit von Colonel Brandon und selbst die ausgelassene Heiterkeit von Sir John und seiner Schwiegermutter interessant war. Lady Middleton schien erst durch das Erscheinen ihrer vier lärmenden Kinder nach dem Essen zum Genuss erweckt zu werden, die an ihr zerrten, ihre Kleider zerrissen und jedem Gespräch ein Ende bereiteten, außer jenem, das sich auf sie selbst bezog.
Am Abend, da man entdeckte, dass Marianne musikalisch war, wurde sie gebeten zu spielen. Das Instrument wurde aufgeschlossen, jedermann bereitete sich darauf vor, bezaubert zu werden, und Marianne, die sehr gut sang, trug auf ihre Bitte hin die wichtigsten der Lieder vor, die Lady Middleton bei ihrer Heirat in die Familie gebracht hatte und die seither vielleicht in derselben Lage auf dem Pianoforte geruht hatten; denn ihre Ladyschaft hatte jenes Ereignis damit gefeiert, die Musik aufzugeben, obgleich sie nach den Worten ihrer Mutter einmal außerordentlich gut gespielt hatte und nach ihren eigenen sehr daran hing.
Mariannes Darbietung erntete großen Beifall. Sir John war am Ende eines jeden Liedes laut in seiner Bewunderung und ebenso laut in seiner Unterhaltung mit den anderen, solange ein jedes Lied dauerte. Lady Middleton rief ihn häufig zur Ordnung, wunderte sich, wie die Aufmerksamkeit eines Menschen auch nur einen Augenblick von der Musik abgelenkt werden konnte, und bat Marianne, ein bestimmtes Lied zu singen, das Marianne gerade beendet hatte. Colonel Brandon allein, von der ganzen Gesellschaft, hörte ihr zu, ohne in Entzücken zu geraten. Er zollte ihr nur das Kompliment der Aufmerksamkeit; und sie empfand ihm gegenüber aus diesem Anlass einen Respekt, den die anderen durch ihren schamlosen Mangel an Geschmack billigerweise verwirkt hatten. Sein Vergnügen an der Musik, auch wenn es nicht jene ekstatische Begeisterung erreichte, die allein mit ihrem eigenen hätte harmonieren können, war achtenswert, wenn man es mit der schrecklichen Unempfindlichkeit der anderen verglich; und sie war vernünftig genug zuzugestehen, dass ein Mann von fünfunddreißig Jahren wohl alle Schärfe des Gefühls und jede exquisite Kraft des Genusses überlebt haben mochte. Sie war vollkommen dazu bereit, dem Colonel jede Nachsicht für sein fortgeschrittenes Lebensalter entgegenzubringen, die die Menschlichkeit erforderte.
ACHTES KAPITEL.
Mrs. Jennings war eine Witwe mit einem stattlichen Leibgedinge. Sie hatte nur zwei Töchter, die sie beide noch verheiratet sah, weshalb sie nun nichts weiter zu tun hatte, als den Rest der Welt zu verheiraten. Bei der Förderung dieses Ziels war sie, soweit ihre Fähigkeiten reichten, eifrig tätig und ließ keine Gelegenheit aus, Hochzeiten unter allen jungen Leuten ihres Bekanntenkreises zu planen. Sie war bemerkenswert schnell im Entdecken von Zuneigungen und hatte den Vorteil genossen, das Erröten und die Eitelkeit manch junger Dame durch Andeutungen über ihre Macht über einen solchen jungen Mann zu wecken; und diese Art von Scharfsinn ermöglichte es ihr kurz nach ihrer Ankunft in Barton, mit Bestimmtheit zu erklären, dass Colonel Brandon sehr in Marianne Dashwood verliebt sei. Sie vermutete es eher schon am allerersten Abend, an dem sie zusammen waren, da er so aufmerksam zuhörte, während sie ihnen vorsang; und als der Besuch durch ein Essen der Middletons im Cottage erwidert wurde, bestätigte sich die Tatsache dadurch, dass er ihr erneut zuhörte. Es musste so sein. Sie war vollkommen davon überzeugt. Es wäre eine ausgezeichnete Partie, denn er war reich und sie war hübsch. Mrs. Jennings war bestrebt gewesen, Colonel Brandon gut verheiratet zu sehen, seit ihre Verbindung mit Sir John ihn ihr erstmals bekannt gemacht hatte; und sie war stets darauf bedacht, für jedes hübsche Mädchen einen guten Ehemann zu finden.
Der unmittelbare Vorteil für sie selbst war keineswegs unbedeutend, denn er versorgte sie mit endlosen Späßen über sie beide. Im Park lachte sie über den Colonel und im Cottage über Marianne. Auf den Ersteren war ihr Spott wahrscheinlich, soweit er nur ihn betraf, vollkommen gleichgültig; doch für Letztere war er anfangs unbegreiflich; und als dessen Ziel verstanden wurde, wusste sie kaum, ob sie mehr über seine Absurdität lachen oder seine Unverschämtheit tadeln sollte, denn sie betrachtete ihn als eine gefühllose Anspielung auf das fortgeschrittene Alter des Colonels und auf seinen trostlosen Zustand als alter Junggeselle.
Mrs. Dashwood, die einen Mann, der fünf Jahre jünger war als sie selbst, nicht für so überaus antik halten konnte, wie er der jugendlichen Phantasie ihrer Tochter erschien, wagte es, Mrs. Jennings von der Wahrscheinlichkeit freizusprechen, den Spott über sein Alter beabsichtigt zu haben.
„Aber Mama, zumindest kannst du die Absurdität der Anschuldigung nicht leugnen, auch wenn du sie nicht für absichtlich bösartig hältst. Colonel Brandon ist sicherlich jünger als Mrs. Jennings, aber er ist alt genug, um mein Vater zu sein; und wenn er jemals lebhaft genug gewesen wäre, sich zu verlieben, muss er jede Empfindung dieser Art längst überlebt haben. Es ist zu lächerlich! Wann ist ein Mann vor solchem Witz sicher, wenn Alter und Gebrechlichkeit ihn nicht schützen?“
„Gebrechlichkeit!“, sagte Elinor, „nennst du Colonel Brandon gebrechlich? Ich kann mir leicht vorstellen, dass sein Alter dir viel größer erscheinen mag als meiner Mutter; doch du kannst dich kaum darüber täuschen, dass er den Gebrauch seiner Gliedmaßen hat!“
„Hast du ihn nicht über den Rheumatismus klagen hören? Und ist das nicht die gewöhnlichste Gebrechlichkeit des abnehmenden Lebensalters?“
„Mein liebes Kind“, sagte ihre Mutter lachend, „in diesem Fall müsstest du in ständiger Angst vor meinem Verfall leben; und es muss dir wie ein Wunder erscheinen, dass mein Leben bis zum fortgeschrittenen Alter von vierzig Jahren verlängert wurde.“
„Mama, du tust mir Unrecht. Ich weiß sehr wohl, dass Colonel Brandon nicht alt genug ist, um seine Freunde jetzt schon fürchten zu lassen, ihn im Laufe der Natur zu verlieren. Er mag noch zwanzig Jahre leben. Aber fünfunddreißig hat nichts mit der Ehe zu tun.“
„Vielleicht“, sagte Elinor, „hätten fünfunddreißig und siebzehn besser nichts mit der Ehe zu tun. Aber sollte es zufällig eine Frau geben, die mit siebenundzwanzig ledig ist, so würde ich Colonel Brandons Alter von fünfunddreißig nicht als Einwand dagegen betrachten, sie zu heiraten.“
„Eine Frau von siebenundzwanzig“, sagte Marianne nach kurzem Innehalten, „kann niemals hoffen, wieder Zuneigung zu empfinden oder zu wecken, und wenn ihr Heim unbehaglich oder ihr Vermögen klein ist, kann ich mir vorstellen, dass sie sich dazu durchringen könnte, sich den Diensten einer Krankenpflegerin zu unterziehen, um der Versorgung und Sicherheit einer Ehefrau willen. Ihn eine solche Frau heiraten zu lassen, wäre daher nichts Unpassendes. Es wäre ein Zweckbündnis, und die Welt wäre zufrieden. In meinen Augen wäre es gar keine Ehe, aber das wäre einerlei. Mir würde es nur wie ein geschäftlicher Austausch erscheinen, bei dem jeder auf Kosten des anderen profitieren möchte.“
„Es wäre unmöglich, weiß ich“, erwiderte Elinor, „dich davon zu überzeugen, dass eine Frau von siebenunddreißig Jahren für einen Mann von fünfunddreißig etwas empfinden könnte, das der Liebe nahe genug käme, um ihn für sie zu einem begehrenswerten Gefährten zu machen. Aber ich muss Einspruch erheben, dass du Colonel Brandon und seine Frau zur ständigen Gefangenschaft in einem Krankenzimmer verurteilst, nur weil er zufällig gestern (einem sehr kalten, feuchten Tag) über ein leichtes rheumatisches Gefühl in einer seiner Schultern klagte.“
„Aber er sprach von Flanellwesten“, sagte Marianne; „und bei mir ist eine Flanellweste ausnahmslos mit Schmerzen, Krämpfen, Rheumatismus und jeder Art von Gebrechen verbunden, die die Alten und Schwachen befallen können.“
„Wäre er nur in einem heftigen Fieber gewesen, hättest du ihn nicht halb so sehr verachtet. Gesteh, Marianne, hat nicht das gerötete Wangenpaar, das hohle Auge und der schnelle Puls eines Fiebers etwas Interessantes für dich?“
Bald darauf, als Elinor den Raum verließ, sagte Marianne: „Mama, ich habe eine Sorge bezüglich einer Krankheit, die ich dir nicht verhehlen kann. Ich bin sicher, Edward Ferrars ist nicht wohl. Wir sind nun schon fast vierzehn Tage hier, und doch kommt er nicht. Nichts als ein tatsächliches Unwohlsein könnte diese außergewöhnliche Verzögerung verursachen. Was sonst kann ihn in Norland aufhalten?“
„Hattest du eine Vorstellung davon, dass er so bald kommt?“, sagte Mrs. Dashwood. „Ich hatte keine. Im Gegenteil, wenn ich überhaupt eine Besorgnis zu diesem Thema verspürt habe, dann die, dass er manchmal einen Mangel an Freude und Bereitschaft zeigte, meine Einladung anzunehmen, wenn ich von seinem Kommen nach Barton sprach. Erwartet Elinor ihn bereits?“
„Ich habe es ihr nie erwähnt, aber natürlich muss sie es tun.“
„Ich glaube eher, du irrst dich, denn als ich gestern mit ihr darüber sprach, einen neuen Rost für das Gästezimmer zu besorgen, bemerkte sie, dass es damit keine unmittelbare Eile gäbe, da es unwahrscheinlich sei, dass der Raum für einige Zeit benötigt werde.“
„Wie seltsam das ist! Was kann das bedeuten! Aber ihr ganzes Verhalten zueinander ist unerklärlich gewesen! Wie kalt, wie gefasst waren ihre letzten Abschiede! Wie matt war ihre Unterhaltung am letzten Abend, an dem sie zusammen waren! In Edwards Abschied gab es keinen Unterschied zwischen Elinor und mir: Es waren die guten Wünsche eines liebevollen Bruders für uns beide. Zweimal habe ich sie im Laufe des letzten Morgens absichtlich allein gelassen, und jedes Mal ist er mir in unerklärlicher Weise aus dem Raum gefolgt. Und Elinor weinte beim Abschied von Norland und Edward nicht, wie ich es tat. Selbst jetzt ist ihre Selbstbeherrschung unveränderlich. Wann ist sie niedergeschlagen oder melancholisch? Wann versucht sie, die Gesellschaft zu meiden, oder erscheint unruhig und unzufrieden in ihr?“
NEUNTES KAPITEL.
Die Dashwoods hatten sich nun in Barton mit leidlichem Komfort niedergelassen. Das Haus und der Garten, mit all den Objekten, die sie umgaben, waren nun vertraut geworden, und die alltäglichen Beschäftigungen, die Norland die Hälfte seines Reizes verliehen hatten, wurden wieder mit weitaus größerem Genuss aufgenommen, als es Norland seit dem Verlust ihres Vaters zu bieten vermocht hatte. Sir John Middleton, der sie in den ersten zwei Wochen jeden Tag besuchte und der nicht daran gewöhnt war, zu Hause viel Beschäftigung zu sehen, konnte sein Erstaunen nicht verbergen, als er sie stets beschäftigt vorfand.
Ihre Besucher, außer denen aus Barton Park, waren nicht zahlreich; denn trotz Sir Johns dringenden Bitten, dass sie sich mehr in der Nachbarschaft bewegen sollten, und wiederholten Versicherungen, dass seine Kutsche stets zu ihrem Dienste stünde, überwand die Unabhängigkeit von Mrs. Dashwoods Geist den Wunsch nach Gesellschaft für ihre Kinder; und sie blieb fest dabei, Besuche bei irgendeiner Familie jenseits der Entfernung eines Spaziergangs abzulehnen. Es gab nur wenige, die so eingestuft werden konnten; und nicht alle von ihnen waren erreichbar. Etwa eineinhalb Meilen vom Cottage entfernt, entlang des schmalen, gewundenen Tals von Allenham, das aus dem von Barton hervorging, wie früher beschrieben, hatten die Mädchen bei einem ihrer ersten Spaziergänge ein altes, achtunggebietend aussehendes Herrenhaus entdeckt, das, indem es sie ein wenig an Norland erinnerte, ihre Phantasie anregte und den Wunsch weckte, besser damit vertraut zu werden. Doch sie erfuhren bei Nachfragen, dass seine Besitzerin, eine ältere Dame von sehr gutem Ruf, leider zu gebrechlich sei, um sich unter die Leute zu mischen, und niemals das Haus verließ.
Das ganze Land um sie herum war reich an schönen Spazierwegen. Die hohen Hügel, die sie von fast jedem Fenster des Cottage aus einluden, den exquisiten Genuss der Luft auf ihren Gipfeln zu suchen, waren eine glückliche Alternative, wenn der Schmutz der Täler darunter ihre überlegenen Schönheiten verschloss; und in Richtung eines dieser Hügel lenkten Marianne und Margaret an einem denkwürdigen Morgen ihre Schritte, angezogen von dem teilweisen Sonnenschein eines schauerartigen Himmels und unfähig, die Gefangenschaft länger zu ertragen, die der anhaltende Regen der zwei vorangegangenen Tage verursacht hatte. Das Wetter war nicht verlockend genug, um die anderen beiden von ihrem Bleistift und ihrem Buch wegzulocken, trotz Mariannes Erklärung, dass der Tag dauerhaft schön bleiben und jede drohende Wolke von ihren Hügeln abgezogen werden würde; und die beiden Mädchen machten sich gemeinsam auf den Weg.
Sie stiegen fröhlich die Hügel hinauf und freuten sich bei jedem Blick auf den blauen Himmel über ihren eigenen Scharfblick; und als sie die belebenden Winde eines starken Südwestwindes im Gesicht spürten, bedauerten sie die Ängste, die ihre Mutter und Elinor davon abgehalten hatten, solche herrlichen Empfindungen zu teilen.
„Gibt es ein Glück auf der Welt“, sagte Marianne, „das diesem überlegen ist? Margaret, wir werden hier mindestens zwei Stunden spazieren gehen.“
Margaret stimmte zu, und sie setzten ihren Weg gegen den Wind fort, dem sie etwa zwanzig Minuten länger lachend Widerstand leisteten, als sich plötzlich die Wolken über ihren Köpfen vereinigten und ein treibender Regen ihnen direkt ins Gesicht schlug. Geärgert und überrascht waren sie gezwungen, wenn auch widerwillig, umzukehren, denn kein Schutz war näher als ihr eigenes Haus. Ein Trost blieb ihnen jedoch, dem die Notwendigkeit des Augenblicks mehr als gewöhnliche Angemessenheit verlieh — es war das Rennen mit aller möglichen Geschwindigkeit den steilen Abhang des Hügels hinunter, der direkt zu ihrem Gartentor führte.
Sie machten sich auf. Marianne hatte anfangs den Vorteil, doch ein falscher Schritt brachte sie plötzlich zu Boden; und Margaret, unfähig, sich anzuhalten, um ihr zu helfen, wurde unfreiwillig mitgerissen und erreichte den Boden sicher.
Ein Herr mit einem Gewehr und zwei Vorstehhunden, die um ihn herum spielten, ging den Hügel hinauf und war nur wenige Meter von Marianne entfernt, als ihr Unfall geschah. Er legte sein Gewehr ab und eilte ihr zu Hilfe. Sie hatte sich vom Boden erhoben, doch ihr Fuß war beim Sturz verdreht worden, und sie war kaum in der Lage zu stehen. Der Herr bot seine Dienste an; und als er bemerkte, dass ihre Bescheidenheit ablehnte, was ihre Lage notwendig machte, nahm er sie ohne weiteres Zögern in seine Arme und trug sie den Hügel hinunter. Dann ging er durch den Garten, dessen Tor von Margaret offen gelassen worden war, trug sie direkt ins Haus, wohin Margaret gerade angekommen war, und ließ nicht von ihr ab, bis er sie auf einen Stuhl im Salon gesetzt hatte.
Elinor und ihre Mutter erhoben sich erstaunt bei ihrem Eintreten, und während die Augen beider mit einem deutlichen Staunen und einer geheimen Bewunderung, die gleichermaßen aus seinem Erscheinungsbild entsprang, auf ihn fixiert waren, entschuldigte er sich für sein Eindringen, indem er dessen Ursache in einer Weise schilderte, die so offen und graziös war, dass seine Gestalt, die ungewöhnlich gut aussah, durch seine Stimme und seinen Ausdruck zusätzliche Reize erhielt. Wäre er auch alt, hässlich und vulgär gewesen, die Dankbarkeit und Güte von Mrs. Dashwood wären durch jede Tat der Aufmerksamkeit für ihr Kind gesichert gewesen; doch der Einfluss von Jugend, Schönheit und Eleganz verlieh der Handlung ein Interesse, das ihre Gefühle direkt ansprach.
Sie dankte ihm immer wieder; und mit einer Anmut der Ansprache, die sie stets begleitete, lud sie ihn ein, Platz zu nehmen. Dies lehnte er jedoch ab, da er schmutzig und nass war. Mrs. Dashwood bat dann zu erfahren, wem sie verpflichtet sei. Sein Name, antwortete er, sei Willoughby, und sein jetziges Zuhause sei in Allenham, von wo aus er hoffe, dass sie ihm die Ehre gestatte, morgen vorzusprechen, um sich nach Miss Dashwood zu erkundigen. Die Ehre wurde bereitwillig gewährt, und er ging dann, um sich inmitten eines schweren Regens noch interessanter zu machen.
Seine männliche Schönheit und mehr als gewöhnliche Anmut waren sofort das Thema allgemeiner Bewunderung, und das Lachen, das seine Galanterie gegen Marianne hervorrief, erhielt durch seine äußeren Reize besondere Lebendigkeit. Marianne selbst hatte weniger von seiner Gestalt gesehen als die anderen, denn die Verwirrung, die ihr Gesicht purpurrot überzog, als er sie hochhob, hatte ihr die Kraft geraubt, ihn nach ihrem Eintritt in das Haus zu betrachten. Aber sie hatte genug von ihm gesehen, um in die allgemeine Bewunderung einzustimmen, und zwar mit einer Energie, die ihr Lob stets schmückte. Seine Gestalt und sein Auftreten waren dem ebenbürtig, was ihre Phantasie jemals für den Helden einer Lieblingsgeschichte gezeichnet hatte; und dass er sie mit so wenig vorheriger Förmlichkeit ins Haus trug, lag eine Schnelligkeit des Denkens, die die Handlung besonders für sie empfahl. Jeder Umstand, der ihn betraf, war interessant. Sein Name war gut, sein Wohnsitz war in ihrem Lieblingsdorf, und sie fand bald heraus, dass unter allen männlichen Kleidungsstücken ein Schießrock das kleidsamste war. Ihre Phantasie war beschäftigt, ihre Reflexionen waren angenehm, und der Schmerz eines verstauchten Knöchels wurde außer Acht gelassen.
Sir John besuchte sie, sobald die nächste Phase mit schönem Wetter an jenem Morgen es ihm erlaubte, das Haus zu verlassen; und als ihm Mariannes Unfall erzählt wurde, wurde er eifrig gefragt, ob er irgendeinen Gentleman namens Willoughby in Allenham kenne.
„Willoughby!“, rief Sir John; „was, ist er auf dem Land? Das sind jedenfalls gute Nachrichten; ich werde morgen hinüberreiten und ihn für Donnerstag zum Essen einladen.“
„Sie kennen ihn also“, sagte Mrs. Dashwood.
„Kennen! Sicher kenne ich ihn. Warum, er ist jedes Jahr hier unten.“
„Und was für ein junger Mann ist er?“
„Ein so guter Kerl, wie er nur sein kann, versichere ich Ihnen. Ein sehr anständiger Schütze, und es gibt keinen kühneren Reiter in England.“
„Und ist das alles, was Sie für ihn sagen können?“, rief Marianne empört. „Aber wie sind seine Manieren bei näherer Bekanntschaft? Was sind seine Bestrebungen, seine Talente und sein Genie?“
Sir John war etwas ratlos.
„Auf meine Seele“, sagte er, „ich weiß nicht viel über ihn, was das alles betrifft. Aber er ist ein angenehmer, gutmütiger Kerl und hat die netteste kleine schwarze Vorstehhündin, die ich je gesehen habe. War sie heute mit ihm draußen?“
Doch Marianne konnte ihn bezüglich der Farbe von Mr. Willoughbys Vorstehhund ebensowenig zufriedenstellen, wie er ihr die Schattierungen seines Geistes beschreiben konnte.
„Aber wer ist er?“, sagte Elinor. „Woher kommt er? Hat er ein Haus in Allenham?“
In diesem Punkt konnte Sir John gewissere Auskünfte geben; und er erzählte ihnen, dass Mr. Willoughby keinen eigenen Besitz auf dem Land habe; dass er dort nur residiere, während er die alte Dame in Allenham Court besuche, mit der er verwandt sei und deren Besitztümer er erben solle; und fügte hinzu: „Ja, ja, er ist sehr wohl wert, gefangen zu werden, das kann ich Ihnen sagen, Miss Dashwood; er hat zudem ein hübsches kleines Anwesen in Somersetshire; und wäre ich an Ihrer Stelle, würde ich ihn trotz all dieser Stürze die Hügel hinunter nicht meiner jüngeren Schwester überlassen. Miss Marianne darf nicht erwarten, alle Männer für sich allein zu haben. Brandon wird eifersüchtig sein, wenn sie nicht aufpasst.“
„Ich glaube nicht“, sagte Mrs. Dashwood mit einem gutmütigen Lächeln, „dass Mr. Willoughby durch die Versuche einer meiner Töchter, ihn, wie Sie es nennen, zu fangen, behelligt werden wird. Es ist keine Beschäftigung, zu der sie erzogen wurden. Männer sind bei uns sehr sicher, seien sie auch noch so reich. Ich freue mich jedoch, aus dem, was Sie sagen, zu erfahren, dass er ein achtbarer junger Mann ist und einer, dessen Bekanntschaft nicht unerwünscht sein wird.“
„Er ist ein so guter Kerl, glaube ich, wie er nur sein kann“, wiederholte Sir John. „Ich erinnere mich an letztes Weihnachten bei einem kleinen Tanz im Park, da tanzte er von acht Uhr bis vier, ohne ein einziges Mal sitzen zu bleiben.“
„Tat er das wirklich?“, rief Marianne mit funkelnden Augen, „und mit Eleganz, mit Schwung?“
„Ja; und er war um acht wieder auf den Beinen, um zur Jagd zu reiten.“
„Das ist es, was ich mag; das ist es, wie ein junger Mann sein sollte. Was auch immer seine Bestrebungen sein mögen, sein Eifer sollte keine Mäßigung kennen und ihm kein Gefühl von Müdigkeit lassen.“
„Aye, aye, ich sehe, wie es kommen wird“, sagte Sir John, „ich sehe, wie es kommen wird. Sie werden jetzt Ihre Kappe nach ihm werfen und nie an den armen Brandon denken.“
„Das ist ein Ausdruck, Sir John“, sagte Marianne warm, „den ich besonders missbillige. Ich verabscheue jede abgedroschene Phrase, mit der Witz beabsichtigt ist; und ‚die Kappe nach einem Mann werfen‘ oder ‚eine Eroberung machen‘ sind die abscheulichsten von allen. Ihre Tendenz ist plump und ungebildet; und wenn ihre Auslegung jemals für klug gehalten werden konnte, so hat die Zeit all ihren Einfallsreichtum längst zerstört.“
Sir John verstand diesen Tadel nicht sehr gut; doch er lachte so herzlich, als täte er es, und erwiderte dann:
„Nun, Sie werden genug Eroberungen machen, das wage ich zu sagen, auf die eine oder andere Weise. Der arme Brandon! Er ist schon ganz hingerissen, und er ist sehr wohl wert, dass man die Kappe nach ihm wirft, das kann ich Ihnen sagen, trotz all dieses Herumstolperns und Verstauchens von Knöcheln.“
ZEHNTES KAPITEL.
Mariannes Retter, wie Margaret mit mehr Eleganz als Präzision Willoughby titulierte, kam am frühen nächsten Morgen zum Cottage, um seine persönlichen Erkundigungen einzuziehen. Er wurde von Mrs. Dashwood mit mehr als Höflichkeit empfangen; mit einer Güte, zu der Sir Johns Schilderung von ihm und ihre eigene Dankbarkeit sie anregten; und alles, was während des Besuchs geschah, trug dazu bei, ihn vom Verstand, der Eleganz, der gegenseitigen Zuneigung und dem häuslichen Komfort der Familie zu überzeugen, der der Zufall ihn nun zugeführt hatte. Von ihren persönlichen Reizen überzeugt zu sein, hatte er keines zweiten Besuchs bedurft.
Miss Dashwood besaß einen zarten Teint, ebenmäßige Züge und eine bemerkenswert hübsche Gestalt. Marianne war noch schöner. Ihre Erscheinung war, wenn auch nicht so korrekt wie die ihrer Schwester, durch den Vorteil der Körpergröße auffallender; und ihr Gesicht war so lieblich, dass, wenn sie in der üblichen Redensart des Lobes als schönes Mädchen bezeichnet wurde, die Wahrheit weniger gewaltsam missachtet wurde, als dies gewöhnlich der Fall ist. Ihre Haut war sehr gebräunt, doch aufgrund ihrer Transparenz war ihr Teint ungewöhnlich strahlend; ihre Gesichtszüge waren allesamt schön; ihr Lächeln war süß und gewinnend; und in ihren Augen, die sehr dunkel waren, lag ein Leben, ein Geist, ein Eifer, den man kaum ohne Entzücken betrachten konnte. Ihr Ausdruck wurde Willoughby gegenüber zunächst durch die Verlegenheit zurückgehalten, die die Erinnerung an seinen Beistand hervorrief. Doch als dies verflog, als sie ihre Fassung wiederfand, als sie sah, dass er den vollkommenen guten Umgangsformen eines Gentlemans Offenheit und Lebhaftigkeit vereinte, und vor allem, als sie ihn erklären hörte, dass er eine leidenschaftliche Vorliebe für Musik und Tanz hege, warf sie ihm einen Blick der Anerkennung zu, der ihm für den Rest seines Besuchs den größten Teil ihrer Unterhaltung sicherte.
Es genügte nur, irgendein beliebtes Vergnügen zu erwähnen, um sie zum Sprechen zu bewegen. Sie konnte nicht schweigen, wenn solche Themen zur Sprache kamen, und sie kannte weder Schüchternheit noch Zurückhaltung in ihrer Erörterung. Sie entdeckten schnell, dass ihre Freude am Tanzen und an der Musik gegenseitig war und dass sie aus einer allgemeinen Übereinstimmung im Urteil über alles entsprang, was mit beidem zusammenhing. Hierdurch zu einer weiteren Prüfung seiner Ansichten ermutigt, begann sie, ihn über Bücher zu befragen; ihre Lieblingsautoren wurden hervorgeholt und mit einer solchen schwärmerischen Begeisterung besprochen, dass jeder junge Mann von fünfundzwanzig Jahren wahrhaft gefühllos hätte sein müssen, um nicht sofort ein Bekehrter zur Vorzüglichkeit solcher Werke zu werden, wie sehr sie auch zuvor missachtet worden sein mochten. Ihr Geschmack war auffallend gleich. Dieselben Bücher, dieselben Textstellen wurden von beiden vergöttert – oder falls ein Unterschied auftauchte, irgendein Einwand erhoben wurde, hielt er nicht länger an, als bis die Kraft ihrer Argumente und das Leuchten ihrer Augen zur Geltung kommen konnten. Er stimmte all ihren Entscheidungen zu, fing all ihre Begeisterung ein; und lange bevor sein Besuch endete, unterhielten sie sich mit der Vertrautheit einer langjährigen Bekanntschaft.
„Nun, Marianne“, sagte Elinor, sobald er sie verlassen hatte, „für einen Vormittag hast du meiner Meinung nach ziemlich viel erreicht. Du hast bereits Mr. Willoughbys Meinung in fast jeder wichtigen Angelegenheit in Erfahrung gebracht. Du weißt, was er von Cowper und Scott hält; du bist dir sicher, dass er ihre Schönheiten so schätzt, wie es sich gehört, und du hast jede Versicherung erhalten, dass er Pope nicht mehr als angemessen bewundert. Aber wie soll eure Bekanntschaft bei einer solch außerordentlichen Eile, jedes Gesprächsthema abzuhandeln, lange aufrechterhalten werden? Ihr werdet bald jedes Lieblingsthema erschöpft haben. Ein weiteres Treffen wird genügen, um seine Ansichten über malerische Schönheit und zweite Ehen darzulegen, und dann wirst du nichts mehr zu fragen haben.“
„Elinor“, rief Marianne, „ist das fair? Ist das gerecht? Sind meine Vorstellungen so dürftig? Aber ich sehe, was du meinst. Ich war zu ungezwungen, zu glücklich, zu offenherzig. Ich habe gegen jede alltägliche Vorstellung von Anstand verstoßen; ich war offen und aufrichtig, wo ich zurückhaltend, geistlos, stumpfsinnig und täuschend hätte sein sollen – hätte ich nur vom Wetter und den Straßen gesprochen und nur alle zehn Minuten einmal das Wort ergriffen, wäre mir dieser Vorwurf erspart geblieben.“
„Meine Liebe“, sagte ihre Mutter, „du darfst Elinor nicht böse sein – sie hat nur gescherzt. Ich selbst würde sie tadeln, wenn sie fähig wäre, die Freude deiner Unterhaltung mit unserem neuen Freund trüben zu wollen.“ Marianne war augenblicklich besänftigt.
Willoughby seinerseits erbrachte jeden Beweis für sein Vergnügen an ihrer Bekanntschaft, den ein deutlicher Wunsch, sie zu vertiefen, bieten konnte. Er kam jeden Tag zu ihnen. Nach Marianne zu fragen, war anfangs seine Entschuldigung; doch die Ermutigung durch seinen Empfang, dem jeder Tag größere Freundlichkeit verlieh, machte eine solche Entschuldigung unnötig, noch bevor sie durch Mariannes vollständige Genesung unmöglich geworden war. Sie war einige Tage ans Haus gefesselt; doch noch nie war eine Gefangenschaft weniger lästig gewesen. Willoughby war ein junger Mann von guten Fähigkeiten, reger Einbildungskraft, lebhaftem Geist und offenem, liebevollem Wesen. Er war genau dazu geschaffen, Mariannes Herz zu gewinnen, denn dazu gesellte sich nicht nur eine fesselnde Person, sondern auch ein natürlicher Eifer des Geistes, der nun durch das Beispiel ihres eigenen geweckt und gesteigert wurde und der ihn ihr mehr als alles andere empfahl.
Seine Gesellschaft wurde allmählich zu ihrem köstlichsten Vergnügen. Sie lasen, sie unterhielten sich, sie sangen zusammen; seine musikalischen Talente waren beträchtlich; und er las mit all der Empfindsamkeit und dem Geist, die Edward unglücklicherweise gefehlt hatten.
In Mrs. Dashwoods Einschätzung war er ebenso fehlerfrei wie in der von Marianne; und Elinor fand nichts an ihm auszusetzen, außer einer Neigung, in der er ihrer Schwester sehr ähnelte und die ihr besonders gefiel: bei jeder Gelegenheit allzu sehr das zu sagen, was er dachte, ohne Rücksicht auf Personen oder Umstände. Indem er sich vorschnell seine Meinung über andere bildete und kundtat, indem er die allgemeine Höflichkeit dem Genuss ungeteilter Aufmerksamkeit opferte, wo sein Herz beteiligt war, und indem er die Formen weltlicher Schicklichkeit allzu leicht missachtete, legte er einen Mangel an Vorsicht an den Tag, den Elinor trotz allem, was er und Marianne zu seiner Verteidigung vorbringen konnten, nicht gutheißen konnte.
Marianne begann nun zu erkennen, dass die Verzweiflung, die sie mit sechzehneinhalb Jahren ergriffen hatte, jemals einen Mann zu sehen, der ihre Vorstellungen von Vollkommenheit befriedigen könnte, voreilig und ungerechtfertigt gewesen war. Willoughby war alles, was ihre Fantasie in jener unglücklichen Stunde und in jeder helleren Zeit als fähig dargestellt hatte, sie an sich zu binden; und sein Verhalten bekundete, dass seine Wünsche in dieser Hinsicht ebenso ernst wie seine Fähigkeiten ausgeprägt waren.
Auch ihre Mutter, in deren Geist durch seine Aussicht auf Reichtum kein einziger spekulativer Gedanke an ihre Heirat geweckt worden war, wurde vor Ende der Woche dazu geführt, darauf zu hoffen und zu warten; und sich insgeheim dazu zu beglückwünschen, zwei solche Schwiegersöhne wie Edward und Willoughby gewonnen zu haben.
Colonel Brandons Vorliebe für Marianne, die von ihren Freunden so früh entdeckt worden war, wurde für Elinor erst in dem Moment wahrnehmbar, als sie von ihnen nicht mehr beachtet wurde. Ihre Aufmerksamkeit und ihr Witz waren auf seinen glücklicheren Rivalen gelenkt; und das Gespött, das der andere auf sich gezogen hatte, bevor irgendeine Zuneigung entstand, wurde eingestellt, als seine Gefühle wirklich begannen, den Spott herauszufordern, der so zu Recht mit Empfindsamkeit verbunden ist. Elinor war gezwungen, wenn auch widerwillig, zu glauben, dass die Gefühle, die Mrs. Jennings ihm zur eigenen Befriedigung unterstellt hatte, nun tatsächlich von ihrer Schwester geweckt worden waren; und dass, wie sehr auch eine allgemeine Ähnlichkeit des Wesens zwischen den Parteien die Zuneigung von Mr. Willoughby fördern mochte, ein ebenso auffallender Gegensatz im Charakter kein Hindernis für die Zuneigung von Colonel Brandon war. Sie sah es mit Sorge; denn was konnte ein schweigsamer Mann von fünfunddreißig Jahren hoffen, wenn er einem sehr lebhaften von fünfundzwanzig gegenüberstand? Und da sie ihm nicht einmal Erfolg wünschen konnte, wünschte sie ihm von Herzen Gleichgültigkeit. Sie mochte ihn – trotz seiner Ernsthaftigkeit und Zurückhaltung sah sie in ihm ein interessantes Objekt. Seine Manieren waren zwar ernst, aber mild; und seine Zurückhaltung schien eher das Ergebnis einer gewissen Bedrücktheit des Geistes als einer natürlichen Düsterkeit des Gemüts zu sein. Sir John hatte Andeutungen über frühere Verletzungen und Enttäuschungen fallen gelassen, die ihren Glauben daran rechtfertigten, dass er ein vom Schicksal verfolgter Mann sei, und sie betrachtete ihn mit Respekt und Mitleid.
Vielleicht bemitleidete und schätzte sie ihn umso mehr, weil er von Willoughby und Marianne geringgeschätzt wurde, die, gegen ihn voreingenommen, weil er weder lebhaft noch jung war, entschlossen schienen, seine Vorzüge unterzubewerten.
„Brandon ist genau die Art von Mann“, sagte Willoughby eines Tages, als sie gemeinsam über ihn sprachen, „von dem jeder gut spricht und sich niemand kümmert; den alle mit Freude sehen und mit dem niemand zu sprechen gedenkt.“
„Genau das denke ich auch von ihm“, rief Marianne.
„Brüste dich jedoch nicht damit“, sagte Elinor, „denn es ist von euch beiden ungerecht. Er wird von der gesamten Familie im Park hoch geschätzt, und ich sehe ihn selbst nie, ohne mir Mühe zu geben, mich mit ihm zu unterhalten.“
„Dass er von dir bevormundet wird“, erwiderte Willoughby, „ist sicherlich zu seinen Gunsten; aber was die Achtung der anderen betrifft, so ist sie ein Vorwurf an sich. Wer würde sich der Demütigung aussetzen, von einer solchen Frau wie Lady Middleton und Mrs. Jennings gebilligt zu werden, wenn er die Gleichgültigkeit jedes anderen haben könnte?“
„Aber vielleicht macht der Missbrauch durch Leute wie dich und Marianne den Respekt von Lady Middleton und ihrer Mutter wett. Wenn ihr Lob Tadel ist, mag dein Tadel Lob sein, denn sie sind nicht weniger urteilsunfähig, als du voreingenommen und ungerecht bist.“
„Zur Verteidigung deines Schützlings kannst du sogar frech werden.“
„Mein Schützling, wie du ihn nennst, ist ein vernünftiger Mann; und Vernunft wird immer Reize für mich haben. Ja, Marianne, sogar bei einem Mann zwischen dreißig und vierzig. Er hat viel von der Welt gesehen; war im Ausland, hat gelesen und besitzt einen denkenden Geist. Ich habe ihn als fähig erlebt, mir viele Informationen zu verschiedenen Themen zu geben; und er hat meine Fragen stets mit der Bereitschaft guter Erziehung und Güte beantwortet.“
„Das heißt“, rief Marianne verächtlich, „er hat dir erzählt, dass in Ostindien das Klima heiß und die Moskitos lästig sind.“
„Er hätte es mir erzählt, daran zweifle ich nicht, hätte ich solche Fragen gestellt, aber es waren zufällig Punkte, über die ich bereits informiert war.“
„Vielleicht“, sagte Willoughby, „haben sich seine Beobachtungen auf die Existenz von Nabobs, Goldmohren und Sänften erstreckt.“
„Ich wage zu sagen, dass seine Beobachtungen viel weiter gereicht haben als deine Offenheit. Aber warum solltest du ihn nicht mögen?“
„Ich missachte ihn nicht. Ich betrachte ihn im Gegenteil als einen sehr respektablen Mann, der das gute Wort eines jeden hat und von niemandem bemerkt wird; der mehr Geld hat, als er ausgeben kann, mehr Zeit, als er zu nutzen weiß, und jedes Jahr zwei neue Mäntel.“
„Dazu kommt noch“, rief Marianne, „dass er weder Genie noch Geschmack noch Geist besitzt. Dass sein Verstand nicht brillant ist, seine Gefühle keine Glut haben und seine Stimme keinen Ausdruck.“
„Du entscheidest dich für seine Unvollkommenheiten so sehr in der Masse“, erwiderte Elinor, „und so sehr auf der Grundlage deiner eigenen Einbildungskraft, dass das Lob, das ich ihm aussprechen kann, vergleichsweise kalt und fade ist. Ich kann ihn nur als einen vernünftigen, wohlerzogenen, wohlunterrichteten Mann von sanftem Auftreten bezeichnen, der, wie ich glaube, ein liebenswürdiges Herz besitzt.“
„Miss Dashwood“, rief Willoughby, „Sie behandeln mich jetzt unfreundlich. Sie versuchen, mich mit Vernunft zu entwaffnen und mich gegen meinen Willen zu überzeugen. Aber das wird nicht gelingen. Sie werden mich ebenso starrköpfig finden, wie Sie gerissen sein können. Ich habe drei unwiderlegbare Gründe, Colonel Brandon nicht zu mögen; er drohte mir mit Regen, als ich schönes Wetter wollte; er hat an der Aufhängung meines Kalesche etwas auszusetzen gehabt, und ich kann ihn nicht dazu überreden, meine braune Stute zu kaufen. Wenn es Ihnen jedoch irgendeine Genugtuung verschafft, zu hören, dass ich seinen Charakter in anderer Hinsicht für untadelig halte, bin ich bereit, es zuzugeben. Und als Gegenleistung für ein Eingeständnis, das mir einigen Schmerz bereiten muss, können Sie mir das Privileg nicht verweigern, ihn so sehr wie eh und je nicht zu mögen.“
KAPITEL XI.
Wenig hatten Mrs. Dashwood oder ihre Töchter geahnt, als sie zuerst nach Devonshire kamen, dass so viele Verpflichtungen entstehen würden, die ihre Zeit in Anspruch nehmen würden, wie sie sich kurz darauf darboten, oder dass sie so häufige Einladungen und so ständige Besucher haben würden, dass ihnen wenig Muße für ernsthafte Beschäftigung blieb. Doch so war es. Als Marianne genesen war, wurden die Pläne für Vergnügungen zu Hause und auswärts, die Sir John zuvor geschmiedet hatte, in die Tat umgesetzt. Die privaten Bälle im Park begannen dann; und Ausflüge auf dem Wasser wurden so oft geplant und durchgeführt, wie ein regnerischer Oktober es zuließ. Bei jedem Treffen dieser Art war Willoughby eingeschlossen; und die Leichtigkeit und Vertrautheit, die diese Gesellschaften natürlicherweise begleiteten, waren genau dazu angetan, seiner Bekanntschaft mit den Dashwoods zunehmende Intimität zu verleihen, ihm Gelegenheit zu geben, die Vorzüge von Marianne zu bezeugen, seine lebhafte Bewunderung für sie zu unterstreichen und in ihrem Verhalten ihm gegenüber die deutlichste Versicherung ihrer Zuneigung zu erhalten.
Elinor konnte sich über ihre Verbundenheit nicht wundern. Sie wünschte nur, sie würde weniger offen gezeigt; und einmal oder zweimal wagte sie es, Marianne die Angemessenheit von etwas Selbstbeherrschung nahezulegen. Doch Marianne verabscheute alles Verbergen, wo keine wirkliche Schande mit Unverschleiertheit einhergehen konnte; und die Zurückhaltung von Gefühlen anzustreben, die an sich nicht tadelnswert waren, erschien ihr nicht nur als unnötige Anstrengung, sondern als eine beschämende Unterwerfung der Vernunft unter alltägliche und irrige Vorstellungen. Willoughby dachte dasselbe; und ihr Verhalten war zu jeder Zeit ein Abbild ihrer Ansichten.
Wenn er anwesend war, hatte sie für niemanden sonst Augen. Alles, was er tat, war richtig. Alles, was er sagte, war klug. Wenn ihre Abende im Park mit Kartenspielen endeten, schummelte er für sich und den Rest der Gesellschaft, um ihr ein gutes Blatt zu verschaffen. Wenn Tanzen das Vergnügen des Abends bildete, waren sie die halbe Zeit lang Tanzpartner; und wenn sie gezwungen waren, sich für ein paar Tänze zu trennen, achteten sie darauf, beieinander zu stehen und sprachen kaum ein Wort mit jemand anderem. Ein solches Verhalten führte natürlich dazu, dass sie aufs Höchste ausgelacht wurden; doch Spott konnte sie nicht beschämen und schien sie kaum zu provozieren.
Mrs. Dashwood ging auf all ihre Gefühle mit einer Wärme ein, die ihr keine Neigung ließ, diese übermäßige Zurschaustellung zu unterbinden. Für sie war es nur die natürliche Folge einer starken Zuneigung in einem jungen und leidenschaftlichen Geist.
Dies war für Marianne die Zeit des Glücks. Ihr Herz war Willoughby gewidmet, und die innige Anhänglichkeit an Norland, die sie aus Sussex mitgebracht hatte, war durch die Reize, die seine Gesellschaft ihrem gegenwärtigen Zuhause verlieh, eher dazu angetan, gemildert zu werden, als sie es zuvor für möglich gehalten hatte.
Elinors Glück war nicht so groß. Ihr Herz war nicht so unbeschwert, noch war ihre Befriedigung an ihren Vergnügungen so rein. Sie boten ihr keine Begleitung, die wettmachen konnte, was sie zurückgelassen hatte, noch konnte sie sie lehren, mit weniger Bedauern als je zuvor an Norland zu denken. Weder Lady Middleton noch Mrs. Jennings konnten ihr das Gespräch ersetzen, das sie vermisste; obwohl letztere eine ewige Rednerin war und sie von Anfang an mit einer Güte betrachtet hatte, die ihr einen großen Anteil an ihrer Unterhaltung sicherte. Sie hatte ihre eigene Lebensgeschichte Elinor bereits drei- oder viermal wiederholt; und wäre Elinors Gedächtnis ihren Mitteln zur Verbesserung ebenbürtig gewesen, hätte sie schon sehr früh in ihrer Bekanntschaft alle Einzelheiten von Mr. Jennings' letzter Krankheit kennen können und was er zu seiner Frau wenige Minuten vor seinem Tod sagte. Lady Middleton war nur darin angenehmer als ihre Mutter, dass sie schweigsamer war. Elinor bedurfte wenig Beobachtung, um wahrzunehmen, dass ihre Zurückhaltung eine bloße Gelassenheit der Art war, mit der der Verstand nichts zu tun hatte. Ihrem Ehemann und ihrer Mutter gegenüber war sie dieselbe wie ihnen gegenüber; und Intimität war daher weder zu erwarten noch zu wünschen. Sie hatte an einem Tag nichts zu sagen, was sie nicht schon am Tag zuvor gesagt hätte. Ihre geistlose Art war unveränderlich, denn selbst ihre Stimmung war immer dieselbe; und obwohl sie sich den von ihrem Mann arrangierten Gesellschaften nicht widersetzte, vorausgesetzt, alles wurde mit Stil durchgeführt und ihre beiden ältesten Kinder begleiteten sie, schien sie nie mehr Freude daran zu empfinden, als sie beim Sitzen zu Hause hätte erfahren können; – und so wenig trug ihre Anwesenheit durch irgendeinen Beitrag zur Unterhaltung zur Freude der anderen bei, dass sie manchmal nur durch ihre Sorge um ihre lästigen Jungen daran erinnert wurden, dass sie unter ihnen war.
Nur in Colonel Brandon fand Elinor unter all ihren neuen Bekannten eine Person, die in gewissem Maße den Respekt der Fähigkeiten beanspruchen, das Interesse der Freundschaft wecken oder als Begleiter Freude bereiten konnte. Willoughby kam nicht in Frage. Ihre Bewunderung und Hochachtung, sogar ihre schwesterliche Hochachtung, galt ganz ihm; aber er war ein Liebender; seine Aufmerksamkeit galt ausschließlich Marianne, und ein weit weniger angenehmer Mann hätte allgemein gefälliger sein können. Colonel Brandon hatte, unglücklicherweise für sich selbst, keine solche Ermutigung, nur an Marianne zu denken, und in der Unterhaltung mit Elinor fand er den größten Trost für die Gleichgültigkeit ihrer Schwester.
Elinors Mitleid für ihn wuchs, als sie Grund zu der Vermutung hatte, dass ihm das Elend einer enttäuschten Liebe bereits bekannt war. Diese Vermutung wurde durch einige Worte geweckt, die eines Abends im Park zufällig von ihm fielen, als sie im gegenseitigen Einvernehmen zusammensaßen, während die anderen tanzten. Seine Augen waren auf Marianne gerichtet, und nach einigen Minuten des Schweigens sagte er mit einem schwachen Lächeln: „Ihre Schwester, wie ich verstehe, billigt keine zweiten Bindungen.“
„Nein“, antwortete Elinor, „ihre Ansichten sind ganz und gar romantisch.“
„Oder besser gesagt, wie ich glaube, hält sie diese für unmöglich.“
„Ich glaube, das tut sie. Aber wie sie es bewerkstelligt, ohne über den Charakter ihres eigenen Vaters nachzudenken, der selbst zwei Ehefrauen hatte, weiß ich nicht. Einige Jahre werden jedoch ihre Ansichten auf die vernünftige Grundlage von gesundem Menschenverstand und Beobachtung stellen; und dann mögen sie leichter zu definieren und zu rechtfertigen sein, als sie es jetzt sind, durch irgendjemanden außer sie selbst.“
„Dies wird wahrscheinlich der Fall sein“, antwortete er; „und doch liegt in den Vorurteilen eines jungen Geistes etwas so Liebenswürdiges, dass man es bedauert, sie den allgemeineren Ansichten weichen zu sehen.“
„Da kann ich Ihnen nicht zustimmen“, sagte Elinor. „Es gibt Unannehmlichkeiten, die mit solchen Gefühlen wie den von Marianne verbunden sind, die alle Reize der Begeisterung und der Weltfremdheit nicht wettmachen können. Ihre Systeme haben alle die unglückliche Tendenz, die Schicklichkeit für nichts zu achten; und eine bessere Bekanntschaft mit der Welt ist das, worauf ich als ihren größtmöglichen Vorteil hoffe.“
Nach einer kurzen Pause setzte er das Gespräch fort, indem er sagte:
„Macht Ihre Schwester keinen Unterschied in ihren Einwänden gegen eine zweite Bindung? Oder ist sie bei jedem gleichermaßen verwerflich? Sollen diejenigen, die in ihrer ersten Wahl enttäuscht wurden, sei es durch die Unbeständigkeit ihres Objekts oder die Widerspenstigkeit der Umstände, für den Rest ihres Lebens gleichermaßen gleichgültig sein?“
„Ich bin bei meinem Wort, ich bin nicht mit den Feinheiten ihrer Prinzipien vertraut. Ich weiß nur, dass ich sie noch nie einräumen hörte, dass irgendein Fall einer zweiten Bindung verzeihlich sei.“
„Dies“, sagte er, „kann nicht Bestand haben; aber eine Veränderung, eine völlige Veränderung der Gefühle – Nein, nein, wünschen Sie das nicht; denn wenn die romantischen Verfeinerungen eines jungen Geistes weichen müssen, wie häufig werden sie dann von solchen Ansichten abgelöst, die nur allzu gewöhnlich und allzu gefährlich sind! Ich spreche aus Erfahrung. Ich kannte einmal eine Dame, die in Temperament und Geist Ihrer Schwester sehr ähnelte, die dachte und urteilte wie sie, die aber durch eine erzwungene Veränderung – durch eine Reihe unglücklicher Umstände –“ Hier hielt er plötzlich inne; schien zu denken, dass er zu viel gesagt habe, und gab durch seine Miene Anlass zu Vermutungen, die Elinor sonst vielleicht nicht in den Sinn gekommen wären. Die Dame wäre wahrscheinlich ohne Verdacht geblieben, hätte er Miss Dashwood nicht davon überzeugt, dass das, was sie betraf, nicht über seine Lippen hätte kommen dürfen. So bedurfte es nur einer geringen Anstrengung der Fantasie, seine Rührung mit der zärtlichen Erinnerung an vergangene Zuneigung zu verbinden. Elinor versuchte nicht mehr. Aber Marianne, an ihrer Stelle, hätte nicht so wenig getan. Die ganze Geschichte wäre unter ihrer aktiven Einbildungskraft schnell geformt worden; und alles in der traurigsten Ordnung der katastrophalen Liebe festgelegt worden.
KAPITEL XII.
Als Elinor und Marianne am nächsten Morgen zusammen spazieren gingen, teilte letztere ihrer Schwester eine Neuigkeit mit, die sie trotz allem, was sie bereits über Mariannes Unbesonnenheit und Mangel an Nachdenklichkeit wusste, durch das maßlose Zeugnis von beidem überraschte. Marianne erzählte ihr mit größter Freude, dass Willoughby ihr ein Pferd geschenkt habe, eines, das er selbst auf seinem Gut in Somersetshire gezüchtet hatte und das sich genau für eine Reiterin eignete. Ohne zu bedenken, dass es nicht im Plan ihrer Mutter lag, ein Pferd zu halten, dass sie, falls sie ihren Entschluss zugunsten dieses Geschenks ändern würde, ein weiteres für den Diener kaufen und einen Diener halten müsste, um es zu reiten, und schließlich einen Stall bauen müsste, um sie unterzubringen, hatte sie das Geschenk ohne Zögern angenommen und ihrer Schwester voller Entzücken davon berichtet.
„Er hat vor, seinen Stallburschen sofort nach Somersetshire zu schicken, um es zu holen“, fügte sie hinzu, „und wenn es ankommt, werden wir jeden Tag reiten. Du sollst es dir mit mir teilen. Stell dir nur vor, meine liebe Elinor, welch ein Vergnügen ein Galopp auf einer dieser Hügelketten wäre.“
Nur höchst widerstrebend erwachte sie aus einem solchen Traum von Glückseligkeit, um all die unglücklichen Wahrheiten zu begreifen, die mit dieser Angelegenheit verbunden waren; und eine Zeit lang weigerte sie sich, sich ihnen zu fügen. Was einen zusätzlichen Diener betraf, so wären die Kosten eine Kleinigkeit; Mama, da war sie sicher, würde niemals etwas dagegen einwenden; und irgendein Pferd würde für ihn ausreichen; er könnte immer eines im Park bekommen; was einen Stall anging, so würde der einfachste Schuppen genügen. Elinor wagte es dann, die Angemessenheit einer solchen Schenkung von einem Mann anzuzweifeln, den sie so wenig, oder zumindest erst so kurz kannte. Das war zu viel.
„Du irrst dich, Elinor“, sagte sie hitzig, „wenn du annimmst, ich wüsste nur sehr wenig von Willoughby. Ich kenne ihn zwar nicht lange, aber ich bin mit ihm weitaus besser vertraut als mit irgendeinem anderen Geschöpf auf der Welt, mit Ausnahme von dir und Mama. Es sind nicht Zeit oder Gelegenheit, die über Vertrautheit entscheiden – es ist allein das Wesen. Sieben Jahre würden nicht ausreichen, um manche Menschen miteinander bekannt zu machen, und sieben Tage sind für andere mehr als genug. Ich würde es für eine größere Unangemessenheit halten, ein Pferd von meinem Bruder anzunehmen als von Willoughby. Von John weiß ich nur sehr wenig, obwohl wir jahrelang zusammengelebt haben; aber mein Urteil über Willoughby ist längst gefällt.“
Elinor hielt es für das Klügste, diesen Punkt nicht weiter zu berühren. Sie kannte das Temperament ihrer Schwester. Widerstand bei einem so heiklen Thema würde sie nur noch fester an ihre eigene Meinung binden. Doch durch einen Appell an ihre Zuneigung zu ihrer Mutter, indem sie die Unannehmlichkeiten darstellte, die diese nachsichtige Mutter auf sich nehmen müsste, wenn sie (wie es wahrscheinlich der Fall wäre) dieser Vergrößerung des Haushalts zustimmte, wurde Marianne bald besänftigt; und sie versprach, ihre Mutter nicht durch Erwähnung des Angebots zu einer solchen unbedachten Güte zu verleiten und Willoughby, wenn sie ihn das nächste Mal sähe, zu sagen, dass es abgelehnt werden müsse.
Sie hielt Wort; und als Willoughby am selben Tag im Cottage vorsprach, hörte Elinor sie ihm mit leiser Stimme ihre Enttäuschung darüber ausdrücken, dass sie gezwungen war, auf die Annahme seines Geschenks zu verzichten. Die Gründe für diese Änderung wurden gleichzeitig dargelegt, und sie waren derart, dass ein weiteres Drängen seinerseits unmöglich wurde. Seine Betroffenheit war jedoch sehr deutlich; und nachdem er sie eindringlich zum Ausdruck gebracht hatte, fügte er mit derselben leisen Stimme hinzu: „Aber, Marianne, das Pferd gehört dennoch dir, auch wenn du es jetzt nicht benutzen kannst. Ich werde es nur so lange behalten, bis du es beanspruchen kannst. Wenn du Barton verlässt, um deinen eigenen Hausstand in einem beständigeren Heim zu gründen, wird Queen Mab dich empfangen.“
Dies wurde von Miss Dashwood alles mit angehört; und in dem ganzen Satz, in der Art, wie er ihn aussprach, und darin, dass er ihre Schwester nur bei ihrem Vornamen nannte, erkannte sie augenblicklich eine derart entschiedene Vertrautheit, eine so direkte Bedeutung, dass sie eine vollkommene Übereinstimmung zwischen ihnen markierte. Von diesem Augenblick an zweifelte sie nicht mehr daran, dass sie einander versprochen waren; und der Glaube daran erzeugte kein anderes Erstaunen, als dass sie, oder irgendjemand ihrer Freunde, von so offenen Gemütern dazu gebracht wurden, es durch Zufall zu entdecken.
Margaret berichtete ihr am nächsten Tag etwas, das diese Angelegenheit in ein noch helleres Licht rückte. Willoughby hatte den vorangegangenen Abend bei ihnen verbracht, und Margaret, die eine Zeit lang allein mit ihm und Marianne im Salon gelassen worden war, hatte Gelegenheit zu Beobachtungen gehabt, die sie mit einem höchst bedeutungsvollen Gesichtsausdruck ihrer ältesten Schwester mitteilte, als sie das nächste Mal unter sich waren.
„Oh, Elinor!“, rief sie, „ich habe ein solches Geheimnis über Marianne zu erzählen. Ich bin sicher, sie wird sehr bald Mr. Willoughby heiraten.“
„Das hast du“, entgegnete Elinor, „fast jeden Tag gesagt, seit sie sich zum ersten Mal auf High-church Down begegnet sind; und sie kannten sich kaum eine Woche, glaube ich, bevor du dir sicher warst, dass Marianne sein Bildnis um den Hals trug; aber es stellte sich heraus, dass es nur die Miniatur unseres Großonkels war.“
„Aber dies ist wirklich eine ganz andere Sache. Ich bin sicher, sie werden sehr bald heiraten, denn er hat eine Locke von ihrem Haar bekommen.“
„Gib Acht, Margaret. Es könnte nur das Haar irgendeines Großonkels von ihm sein.“
„Aber es ist wirklich Mariannes. Ich bin fast sicher, dass es so ist, denn ich sah, wie er sie abschnitt. Gestern Abend nach dem Tee, als du und Mama das Zimmer verließen, flüsterten sie und redeten so schnell sie konnten miteinander, und er schien sie um etwas zu bitten, und dann nahm er ihre Schere und schnitt eine lange Locke ihres Haares ab, denn sie war ihr ganz über den Rücken zerzaust; und er küsste sie, faltete sie in ein Stück weißes Papier und steckte sie in sein Taschenbuch.“
Bei solchen Einzelheiten, die auf eine solche Autorität hin dargelegt wurden, konnte Elinor ihren Glauben nicht zurückhalten; noch war sie dazu geneigt, denn der Umstand stand in vollkommenem Einklang mit dem, was sie selbst gehört und gesehen hatte.
Margarets Scharfsinn zeigte sich nicht immer auf eine Weise, die für ihre Schwester so zufriedenstellend war. Als Mrs. Jennings sie eines Abends im Park bedrängte, den Namen des jungen Mannes zu nennen, der Elinors besonderer Liebling sei, was ihr schon lange ein Gegenstand großer Neugier war, antwortete Margaret, indem sie ihre Schwester ansah und sagte: „Ich darf es nicht verraten, nicht wahr, Elinor?“
Dies brachte natürlich alle zum Lachen; und Elinor versuchte ebenfalls zu lachen. Aber die Anstrengung war schmerzhaft. Sie war überzeugt, dass Margaret jemanden ins Auge gefasst hatte, dessen Namen zu hören sie unmöglich mit Gelassenheit ertragen konnte, wenn er zum ständigen Witzthema bei Mrs. Jennings würde.
Marianne fühlte aufrichtig mit ihr; aber sie schadete der Sache mehr, als dass sie ihr nutzte, indem sie hochrot anlief und in ärgerlichem Ton zu Margaret sagte:
„Denk daran, dass du kein Recht hast, deine Vermutungen zu wiederholen, was auch immer sie sein mögen.“
„Ich hatte nie irgendwelche Vermutungen darüber“, erwiderte Margaret; „du warst es, die es mir selbst erzählt hat.“
Dies steigerte die Heiterkeit der Gesellschaft, und Margaret wurde eifrig gedrängt, noch etwas mehr zu sagen.
„Oh! Bitte, Miss Margaret, lassen Sie uns alles darüber wissen“, sagte Mrs. Jennings. „Wie heißt der Herr?“
„Ich darf es nicht sagen, gnädige Frau. Aber ich weiß sehr wohl, wie er heißt; und ich weiß auch, wo er ist.“
„Ja, ja, wir können erraten, wo er ist; in seinem eigenen Haus in Norland, natürlich. Er ist der Kaplan der Gemeinde, das wage ich zu behaupten.“
„Nein, das ist er nicht. Er hat überhaupt keinen Beruf.“
„Margaret“, sagte Marianne mit großer Heftigkeit, „du weißt, dass das alles eine Erfindung von dir selbst ist und dass es eine solche Person gar nicht gibt.“
„Nun, dann ist er vor kurzem gestorben, Marianne, denn ich bin sicher, dass es einmal einen solchen Mann gab, und sein Name beginnt mit einem F.“
Elinor war Lady Middleton überaus dankbar, als sie in diesem Moment bemerkte, „dass es sehr stark regnete“, obwohl sie glaubte, dass die Unterbrechung weniger ihrer Aufmerksamkeit für sie entsprang als der großen Abneigung ihrer Ladyschaft gegen all jene unfeinen Themen der Spöttelei, an denen ihr Mann und ihre Mutter Gefallen fanden. Die von ihr aufgebrachte Idee wurde jedoch sofort von Colonel Brandon aufgegriffen, der bei jeder Gelegenheit auf die Gefühle anderer Rücksicht nahm; und es wurde von beiden viel über das Thema Regen gesprochen. Willoughby öffnete den Flügel und bat Marianne, sich daran zu setzen; und so fiel das Thema inmitten der verschiedenen Versuche der Leute, es zu verlassen, unter den Tisch. Doch Elinor erholte sich nicht so leicht von dem Schreck, in den es sie versetzt hatte.
Für diesen Tag wurde eine Gesellschaft zusammengestellt, um am folgenden Tag einen sehr schönen Ort etwa zwölf Meilen von Barton entfernt zu besichtigen, der einem Schwager von Colonel Brandon gehörte, ohne dessen Fürsprache er nicht besichtigt werden konnte, da der Eigentümer, der sich damals im Ausland befand, diesbezüglich strenge Anweisungen hinterlassen hatte. Die Anlagen wurden als überaus schön bezeichnet, und Sir John, der besonders von ihnen schwärmte, durfte als ein einigermaßen guter Kenner gelten, denn er hatte in den letzten zehn Jahren mindestens zweimal jeden Sommer Gesellschaften organisiert, um sie zu besuchen. Sie enthielten ein herrliches Gewässer; eine Bootsfahrt darauf sollte einen großen Teil des morgendlichen Vergnügens ausmachen; kalte Verpflegung sollte mitgenommen, nur offene Kutschen benutzt und alles im üblichen Stil einer vollständigen Vergnügungsreise durchgeführt werden.
Einigen wenigen aus der Gesellschaft erschien es als ein recht kühnes Unterfangen, wenn man die Jahreszeit bedachte und dass es in den letzten vierzehn Tagen jeden Tag geregnet hatte – und Mrs. Dashwood, die bereits erkältet war, wurde von Elinor überredet, zu Hause zu bleiben.
KAPITEL XIII.
Ihr geplanter Ausflug nach Whitwell verlief ganz anders, als Elinor erwartet hatte. Sie war darauf gefasst, durchnässt, ermüdet und verängstigt zu werden; aber das Ereignis war noch unglücklicher, denn sie fuhren überhaupt nicht.
Gegen zehn Uhr war die ganze Gesellschaft im Park versammelt, wo gefrühstückt werden sollte. Der Morgen war eher günstig, obwohl es die ganze Nacht geregnet hatte, da sich die Wolken nun am Himmel auflösten und die Sonne häufig zum Vorschein kam. Sie waren alle in bester Stimmung und guter Laune, begierig darauf, glücklich zu sein, und entschlossen, sich den größten Unannehmlichkeiten und Härten zu unterwerfen, als es anders zu haben.
Während sie beim Frühstück saßen, wurden die Briefe gebracht. Unter den anderen war einer für Colonel Brandon; er nahm ihn, betrachtete die Anschrift, wurde blass und verließ augenblicklich das Zimmer.
„Was ist mit Brandon los?“, sagte Sir John.
Niemand konnte es sagen.
„Ich hoffe, er hat keine schlechten Nachrichten erhalten“, sagte Lady Middleton. „Es muss etwas Außergewöhnliches sein, das Colonel Brandon dazu veranlassen könnte, meinen Frühstückstisch so plötzlich zu verlassen.“
Nach etwa fünf Minuten kehrte er zurück.
„Keine schlechten Nachrichten, hoffe ich, Colonel“, sagte Mrs. Jennings, sobald er den Raum betrat.
„Ganz und gar nicht, gnädige Frau, ich danke Ihnen.“
„War es aus Avignon? Ich hoffe, es heißt nicht, dass es Ihrer Schwester schlechter geht.“
„Nein, gnädige Frau. Es kam aus der Stadt und ist lediglich ein geschäftlicher Brief.“
„Aber wie kommt es, dass die Handschrift Sie so sehr aus der Fassung gebracht hat, wenn es nur ein geschäftlicher Brief war? Kommen Sie, kommen Sie, das zieht nicht, Colonel; also lassen Sie uns die Wahrheit hören.“
„Meine liebe Dame“, sagte Lady Middleton, „bedenken Sie, was Sie sagen.“
„Vielleicht soll es Ihnen sagen, dass Ihre Cousine Fanny verheiratet ist?“, sagte Mrs. Jennings, ohne sich um die Zurechtweisung ihrer Tochter zu kümmern.
„Nein, in der Tat, das ist es nicht.“
„Nun, dann weiß ich, von wem es ist, Colonel. Und ich hoffe, es geht ihr gut.“
„Wen meinen Sie, gnädige Frau?“, sagte er und errötete ein wenig.
„Oh! Sie wissen, wen ich meine.“
„Es tut mir besonders leid, gnädige Frau“, sagte er, sich an Lady Middleton wendend, „dass ich diesen Brief heute erhalten muss, denn es handelt sich um eine Angelegenheit, die meine sofortige Anwesenheit in der Stadt erfordert.“
„In der Stadt!“, rief Mrs. Jennings. „Was können Sie um diese Jahreszeit in der Stadt zu tun haben?“
„Mein eigener Verlust ist groß“, fuhr er fort, „dass ich gezwungen bin, eine so angenehme Gesellschaft zu verlassen; aber ich bin umso mehr besorgt, da ich fürchte, meine Anwesenheit sei notwendig, um Ihnen Einlass in Whitwell zu verschaffen.“
Was für ein Schlag war das für sie alle!
„Aber wenn Sie der Haushälterin eine Notiz schreiben, Mr. Brandon“, sagte Marianne eifrig, „wird das nicht ausreichen?“
Er schüttelte den Kopf.
„Wir müssen fahren“, sagte Sir John. „Es soll nicht verschoben werden, wenn wir schon so nah dran sind. Sie können erst morgen in die Stadt fahren, Brandon, das ist alles.“
„Ich wünschte, es ließe sich so leicht regeln. Aber es steht nicht in meiner Macht, meine Reise um einen Tag zu verschieben!“
„Wenn Sie uns nur wissen ließen, was Ihr Geschäft ist“, sagte Mrs. Jennings, „könnten wir sehen, ob es aufgeschoben werden kann oder nicht.“
„Sie wären keine sechs Stunden später dran“, sagte Willoughby, „wenn Sie Ihre Reise bis zu unserer Rückkehr aufschieben würden.“
„Ich kann es mir nicht leisten, auch nur eine Stunde zu verlieren.“
Elinor hörte dann, wie Willoughby mit leiser Stimme zu Marianne sagte: „Es gibt Leute, die eine Vergnügungsreise nicht ertragen können. Brandon ist einer von ihnen. Er hatte Angst, sich zu erkälten, wage ich zu behaupten, und hat sich diesen Trick ausgedacht, um da herauszukommen. Ich würde fünfzig Guineen wetten, dass der Brief von ihm selbst geschrieben wurde.“
„Ich habe keinen Zweifel daran“, antwortete Marianne.
„Man kann Sie nicht davon überzeugen, Ihre Meinung zu ändern, Brandon, das weiß ich von alters her“, sagte Sir John, „wenn Sie sich erst einmal zu etwas entschlossen haben. Aber wie dem auch sei, ich hoffe, Sie werden es sich noch einmal überlegen. Bedenken Sie, hier sind die beiden Miss Careys von Newton herübergekommen, die drei Miss Dashwoods sind vom Cottage heraufgewandert, und Mr. Willoughby ist zwei Stunden früher als gewöhnlich aufgestanden, nur um nach Whitwell zu fahren.“
Colonel Brandon wiederholte erneut sein Bedauern, die Ursache für die Enttäuschung der Gesellschaft zu sein; erklärte aber gleichzeitig, dass es unvermeidlich sei.
„Nun, wann kommen Sie dann wieder zurück?“
„Ich hoffe, wir sehen Sie in Barton“, fügte ihre Ladyschaft hinzu, „sobald Sie die Stadt bequem verlassen können; und wir müssen die Gesellschaft nach Whitwell verschieben, bis Sie zurückkehren.“
„Sie sind sehr gütig. Aber es ist so ungewiss, wann ich die Macht haben werde zurückzukehren, dass ich es nicht wage, mich darauf festzulegen.“
„Oh! Er muss und wird zurückkommen“, rief Sir John. „Wenn er bis Ende der Woche nicht hier ist, werde ich ihm nachfahren.“
„Ja, tun Sie das, Sir John“, rief Mrs. Jennings, „und dann finden Sie vielleicht heraus, was sein Geschäft ist.“
„Ich will nicht in die Angelegenheiten anderer Leute schnüffeln. Ich nehme an, es ist etwas, dessen er sich schämt.“
Die Pferde von Colonel Brandon wurden gemeldet.
„Sie reisen doch nicht zu Pferd in die Stadt, oder?“, fügte Sir John hinzu.
„Nein. Nur bis Honiton. Von dort aus reise ich mit der Postkutsche.“
„Nun, da Sie entschlossen sind zu fahren, wünsche ich Ihnen eine gute Reise. Aber Sie sollten es sich besser anders überlegen.“
„Ich versichere Ihnen, es steht nicht in meiner Macht.“
Er verabschiedete sich dann von der ganzen Gesellschaft.
„Gibt es keine Chance, Sie und Ihre Schwestern diesen Winter in der Stadt zu sehen, Miss Dashwood?“
„Ich fürchte, gar keine.“
„Dann muss ich Ihnen für eine längere Zeit Lebewohl sagen, als mir lieb ist.“
Marianne gegenüber verbeugte er sich nur und sagte nichts.
„Kommen Sie, Colonel“, sagte Mrs. Jennings, „bevor Sie gehen, lassen Sie uns wissen, worum es geht.“
Er wünschte ihr einen guten Morgen und verließ, begleitet von Sir John, den Raum.
Die Beschwerden und Wehklagen, die die Höflichkeit bis dahin zurückgehalten hatte, brachen nun überall hervor; und sie waren sich wieder und wieder einig, wie ärgerlich es sei, so enttäuscht zu werden.
„Ich kann jedoch erraten, was sein Geschäft ist“, sagte Mrs. Jennings triumphierend.
„Können Sie das, gnädige Frau?“, sagten fast alle.
„Ja; es geht um Miss Williams, da bin ich sicher.“
„Und wer ist Miss Williams?“, fragte Marianne.
„Was! Wissen Sie nicht, wer Miss Williams ist? Ich bin sicher, Sie müssen schon einmal von ihr gehört haben. Sie ist eine Verwandte des Colonels, meine Liebe; eine sehr nahe Verwandte. Wir wollen nicht sagen, wie nah, aus Angst, die jungen Damen zu schockieren.“ Dann, ihre Stimme ein wenig senkend, sagte sie zu Elinor: „Sie ist seine uneheliche Tochter.“
„Tatsächlich!“
„Oh, ja; und sie sieht ihm so ähnlich, wie sie nur kann. Ich wette, der Colonel wird ihr sein ganzes Vermögen vermachen.“
Als Sir John zurückkehrte, stimmte er aufs Herzlichste in das allgemeine Bedauern über ein so unglückliches Ereignis ein; schloss jedoch mit der Bemerkung, dass sie, da sie nun einmal alle beisammen seien, etwas tun müssten, um glücklich zu sein; und nach einiger Beratung wurde vereinbart, dass, obwohl Glück nur in Whitwell genossen werden könne, sie ein erträgliches Maß an Seelenruhe durch eine Fahrt über Land erlangen könnten. Die Kutschen wurden dann bestellt; Willoughbys war die erste, und Marianne sah nie glücklicher aus als in dem Moment, als sie einstieg. Er fuhr sehr schnell durch den Park, und sie waren bald außer Sichtweite; und man sah nichts mehr von ihnen bis zu ihrer Rückkehr, die erst nach der Rückkehr aller anderen geschah. Beide schienen von ihrer Fahrt entzückt zu sein; sagten aber nur in allgemeinen Ausdrücken, dass sie auf den Wegen geblieben seien, während die anderen auf die Hügel fuhren.
Es wurde festgelegt, dass es am Abend einen Tanz geben sollte und dass alle den ganzen Tag über überaus fröhlich sein sollten. Einige weitere Careys kamen zum Abendessen, und sie hatten das Vergnügen, mit fast zwanzig Personen zu Tisch zu sitzen, was Sir John mit großer Zufriedenheit feststellte. Willoughby nahm seinen gewohnten Platz zwischen den beiden älteren Miss Dashwoods ein. Mrs. Jennings saß zu Elinors Rechten; und sie saßen noch nicht lange, als sie sich hinter ihr und Willoughby vorbeugte und zu Marianne laut genug sagte, damit es beide hören konnten: „Ich habe euch trotz all eurer Tricks ertappt. Ich weiß, wo ihr den Vormittag verbracht habt.“
Marianne errötete und erwiderte sehr hastig: „Wo denn, bitte?“
„Wusstest du nicht“, sagte Willoughby, „dass wir mit meinem Kurrendewagen unterwegs waren?“
„Ja, ja, Mr. Unverschämt, das weiß ich sehr wohl, und ich war entschlossen herauszufinden, wo ihr gewesen seid. Ich hoffe, Ihr Haus gefällt Ihnen, Miss Marianne. Es ist ein sehr großes, das weiß ich; und wenn ich komme, um Sie zu besuchen, hoffe ich, Sie werden es neu eingerichtet haben, denn es hatte es sehr nötig, als ich vor sechs Jahren dort war.“
Marianne wandte sich in großer Verwirrung ab. Mrs. Jennings lachte herzlich; und Elinor erkannte, dass sie in ihrem Entschluss, zu erfahren, wo sie gewesen waren, tatsächlich ihre eigene Zofe bei Mr. Willoughbys Stallburschen hatte nachfragen lassen; und dass sie auf diese Weise erfahren hatte, dass sie nach Allenham gefahren waren und dort eine beträchtliche Zeit damit verbracht hatten, durch den Garten zu spazieren und das ganze Haus zu besichtigen.
Elinor konnte dies kaum glauben, da es sehr unwahrscheinlich schien, dass Willoughby vorschlagen würde, oder Marianne einwilligen würde, das Haus zu betreten, während Mrs. Smith darin war, mit der Marianne nicht die geringste Bekanntschaft hatte.
Sobald sie das Esszimmer verlassen hatten, fragte Elinor sie danach; und groß war ihre Überraschung, als sie feststellte, dass jeder von Mrs. Jennings geschilderte Umstand vollkommen wahr war. Marianne war ganz ärgerlich auf sie, weil sie daran zweifelte.
„Warum solltest du dir einbilden, Elinor, dass wir nicht dorthin gefahren sind oder dass wir das Haus nicht gesehen haben? Ist es nicht das, was du dir selbst oft gewünscht hast?“
„Ja, Marianne, aber ich würde nicht hingehen, während Mrs. Smith dort ist, und ohne andere Begleitung als Mr. Willoughby.“
„Mr. Willoughby ist jedoch die einzige Person, die ein Recht darauf haben kann, dieses Haus zu zeigen; und da er in einer offenen Kutsche fuhr, war es unmöglich, einen anderen Begleiter zu haben. Ich habe noch nie einen angenehmeren Vormittag in meinem Leben verbracht.“
„Ich fürchte“, erwiderte Elinor, „dass die Annehmlichkeit einer Beschäftigung nicht immer ihre Angemessenheit beweist.“
„Im Gegenteil, nichts kann ein stärkerer Beweis dafür sein, Elinor; denn wenn es irgendeine wirkliche Unangemessenheit in meinem Tun gegeben hätte, wäre ich mir dessen in dem Moment bewusst gewesen, denn wir wissen immer, wann wir falsch handeln, und mit einer solchen Überzeugung hätte ich kein Vergnügen empfinden können.“
„Aber meine liebe Marianne, da es dich bereits einigen sehr unverschämten Bemerkungen ausgesetzt hat, beginnst du jetzt nicht, an der Diskretion deines eigenen Verhaltens zu zweifeln?“
„Wenn die unverschämten Bemerkungen von Mrs. Jennings der Beweis für eine Unangemessenheit im Benehmen sein sollen, dann sündigen wir alle in jedem Augenblick unseres Lebens. Ich schätze ihren Tadel nicht mehr, als ich ihre Anerkennung schätzen würde. Ich bin mir nicht bewusst, etwas Falsches getan zu haben, als ich über das Gelände von Mrs. Smith spazierte oder ihr Haus besichtigte. Es wird eines Tages Mr. Willoughby gehören, und –“
„Wenn es eines Tages dein eigenes wäre, Marianne, wärst du dennoch nicht gerechtfertigt in dem, was du getan hast.“
Sie errötete bei diesem Hinweis; doch war er ihr sichtlich angenehm; und nach zehn Minuten des ernsthaften Nachdenkens wandte sie sich wieder an ihre Schwester und sagte mit großer Heiterkeit: „Vielleicht, Elinor, war es von mir etwas unüberlegt, nach Allenham zu gehen; aber Mr. Willoughby wollte mir den Ort unbedingt zeigen; und es ist ein bezauberndes Haus, das versichere ich dir. – Es gibt oben ein bemerkenswert hübsches Wohnzimmer; von einer angenehm gemütlichen Größe für den täglichen Gebrauch, und mit modernen Möbeln wäre es herrlich. Es ist ein Eckzimmer und hat Fenster an zwei Seiten. Auf der einen Seite blickt man über das Bowling-Green hinter dem Haus auf einen wunderschönen Waldhang, und auf der anderen Seite hat man einen Blick auf die Kirche und das Dorf, und dahinter auf jene feinen, kühnen Hügel, die wir so oft bewundert haben. Ich habe es nicht im besten Licht gesehen, denn nichts könnte trostloser sein als die Möbel, – aber wenn es neu eingerichtet würde – ein paar hundert Pfund, sagt Willoughby, würden es zu einem der angenehmsten Sommerzimmer in England machen.“
Hätte Elinor ihr ohne Unterbrechung durch die anderen zuhören können, hätte sie ihr jedes Zimmer im Haus mit derselben Begeisterung beschrieben.
KAPITEL XIV.
Das plötzliche Ende des Besuchs von Colonel Brandon im Park, gepaart mit seiner Standhaftigkeit, dessen Grund zu verbergen, beschäftigte den Geist und erregte das Staunen von Mrs. Jennings für zwei oder drei Tage; sie war eine große Staunerin, wie jeder es sein muss, der ein sehr lebhaftes Interesse an allen Kommen und Gehen all seiner Bekannten hegt. Sie wunderte sich ohne Unterlass, was wohl der Grund dafür sein könnte; war sich sicher, dass es schlechte Nachrichten geben müsse, und ging jede Art von Unglück durch, das ihm widerfahren sein konnte, mit der festen Entschlossenheit, dass er keines davon auslassen durfte.
„Etwas sehr Melancholisches muss der Grund sein, da bin ich sicher“, sagte sie. „Ich konnte es in seinem Gesicht sehen. Armer Mann! Ich fürchte, seine Umstände könnten schlecht sein. Das Anwesen in Delaford wurde nie auf mehr als zweitausend im Jahr geschätzt, und sein Bruder hinterließ alles in einem schrecklich verwickelten Zustand. Ich glaube wirklich, er muss wegen Geldangelegenheiten gerufen worden sein, denn was könnte es sonst sein? Ich frage mich, ob es so ist. Ich würde alles geben, um die Wahrheit zu erfahren. Vielleicht geht es um Miss Williams, und übrigens, ich wette, das ist es, denn er sah so ertappt aus, als ich sie erwähnte. Vielleicht ist sie in der Stadt krank; nichts auf der Welt ist wahrscheinlicher, denn ich habe das Gefühl, sie ist immer etwas kränklich. Ich würde jede Wette darauf eingehen, dass es um Miss Williams geht. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er jetzt in finanziellen Nöten ist, denn er ist ein sehr besonnener Mann und hat das Anwesen bis jetzt sicherlich entschuldet. Ich frage mich, was es sein kann! Vielleicht geht es seiner Schwester in Avignon schlechter, und sie hat ihn zu sich gerufen. Sein so überhastetes Aufbrechen sieht sehr danach aus. Nun, ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er all seine Sorgen loswird, und eine gute Ehefrau obendrein.“
So wunderte und so sprach Mrs. Jennings. Ihre Meinung änderte sich mit jeder neuen Vermutung, und alle schienen gleichermaßen wahrscheinlich, während sie aufkamen. Elinor, obwohl sie sich wirklich für das Wohlergehen von Colonel Brandon interessierte, konnte nicht all ihr Staunen auf sein plötzliches Verschwinden richten, wie Mrs. Jennings es von ihr erwartete; denn abgesehen davon, dass der Umstand ihrer Meinung nach kein solch anhaltendes Erstaunen oder eine solche Vielfalt an Spekulationen rechtfertigte, war ihr eigenes Staunen anderweitig belegt. Es wurde von dem außergewöhnlichen Schweigen ihrer Schwester und Willoughby zu diesem Thema in Beschlag genommen, von dem sie wissen mussten, dass es für sie alle von besonderem Interesse war. Da dieses Schweigen anhielt, erschien es ihr jeden Tag seltsamer und unvereinbarer mit dem Wesen beider. Warum sie ihrer Mutter und ihr selbst nicht offen eingestehen sollten, was ihr ständiges Verhalten zueinander als geschehen erklärte, konnte Elinor sich nicht vorstellen.
Sie konnte sich leicht vorstellen, dass eine Heirat ihnen nicht unmittelbar möglich sein mochte; denn obwohl Willoughby unabhängig war, gab es keinen Grund zu der Annahme, er sei reich. Sein Anwesen war von Sir John auf etwa sechshundert bis siebenhundert Pfund im Jahr geschätzt worden; aber er lebte auf einem Fuß, für den dieses Einkommen kaum ausreichen konnte, und er hatte sich selbst oft über seine Armut beklagt. Doch diese seltsame Art der Geheimhaltung, die sie bezüglich ihrer Verlobung wahrten, welche in Wahrheit gar nichts verbarg, konnte sie sich nicht erklären; und es stand so gänzlich im Widerspruch zu ihren allgemeinen Ansichten und ihrem Handeln, dass ihr manchmal der Zweifel kam, ob sie wirklich verlobt seien, und dieser Zweifel war genug, um sie davon abzuhalten, Marianne auszufragen.
Nichts konnte ausdrucksvoller für ihre Zuneigung zu ihnen allen sein als Willoughbys Verhalten. Marianne gegenüber besaß es all die ausgezeichnete Zärtlichkeit, die das Herz eines Liebenden geben kann, und dem Rest der Familie gegenüber war es die liebevolle Aufmerksamkeit eines Sohnes und Bruders. Das Cottage schien von ihm als sein Zuhause betrachtet und geliebt zu werden; er verbrachte dort viel mehr Stunden als in Allenham; und wenn keine allgemeine Verabredung sie im Park versammelte, war die Bewegung, die ihn am Morgen ins Freie rief, fast sicher dort zu enden, wo der Rest des Tages von ihm an Mariannes Seite und von seinem Lieblingsvorstehhund zu ihren Füßen verbracht wurde.
An einem Abend insbesondere, etwa eine Woche nachdem Colonel Brandon das Land verlassen hatte, schien sein Herz offener als gewöhnlich für jedes Gefühl der Verbundenheit mit den Objekten um ihn herum; und als Mrs. Dashwood zufällig ihren Plan erwähnte, das Cottage im Frühjahr zu verbessern, widersprach er leidenschaftlich jeder Veränderung eines Ortes, den die Zuneigung für ihn als perfekt festgeschrieben hatte.
„Was!“, rief er aus – „Dieses liebe Cottage verbessern! Nein. Dem werde ich niemals zustimmen. Kein Stein darf seinen Mauern hinzugefügt werden, kein Zoll seiner Größe, wenn meine Gefühle berücksichtigt werden.“
„Seien Sie nicht beunruhigt“, sagte Miss Dashwood, „nichts dergleichen wird geschehen; denn meine Mutter wird niemals genug Geld haben, um es zu versuchen.“
„Ich bin von Herzen froh darüber“, rief er. „Möge sie immer arm bleiben, wenn sie ihren Reichtum nicht besser einzusetzen weiß.“
„Danke, Willoughby. Aber Sie können versichert sein, dass ich nicht ein einziges Gefühl Ihrer örtlichen Verbundenheit, oder die von irgendjemandem, den ich liebte, für alle Verbesserungen der Welt opfern würde. Verlassen Sie sich darauf, dass ich jeden ungenutzten Betrag, der übrig bleiben mag, wenn ich im Frühjahr meine Abrechnungen mache, lieber nutzlos beiseitelegen würde, als ihn auf eine Weise zu verwenden, die für Sie so schmerzlich ist. Aber hängen Sie wirklich so sehr an diesem Ort, dass Sie keinen Fehler an ihm sehen?“
„Das tue ich“, sagte er. „Für mich ist er makellos. Ja, mehr noch, ich betrachte ihn als die einzige Form von Gebäude, in der Glück erreichbar ist, und wäre ich reich genug, würde ich Combe augenblicklich abreißen und nach dem genauen Plan dieses Cottages wieder aufbauen.“
„Mit dunklen, engen Treppen und einer Küche, die raucht, nehme ich an“, sagte Elinor.
„Ja“, rief er im selben eifrigen Ton, „mit allem und jedem, was dazugehört; – in keiner einzigen Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit daran sollte die geringste Abweichung wahrnehmbar sein. Dann, und nur dann, unter einem solchen Dach, könnte ich vielleicht in Combe genauso glücklich sein, wie ich es in Barton war.“
„Ich schmeichle mir“, erwiderte Elinor, „dass Sie sogar unter dem Nachteil besserer Zimmer und einer breiteren Treppe in Zukunft Ihr eigenes Haus als genauso makellos empfinden werden, wie Sie es jetzt mit diesem tun.“
„Es gibt sicherlich Umstände“, sagte Willoughby, „die es mir sehr ans Herz legen könnten; aber dieser Ort wird immer einen Anspruch auf meine Zuneigung haben, den kein anderer jemals teilen kann.“
Mrs. Dashwood blickte mit Vergnügen auf Marianne, deren schöne Augen so ausdrucksvoll auf Willoughby gerichtet waren, dass sie deutlich zeigten, wie gut sie ihn verstand.
„Wie oft wünschte ich“, fügte er hinzu, „als ich vor einem Jahr in Allenham war, dass Barton Cottage bewohnt wäre! Ich kam nie in Sichtweite davon, ohne seine Lage zu bewundern und darüber zu trauern, dass niemand darin leben sollte. Wie wenig dachte ich damals, dass die allererste Nachricht, die ich von Mrs. Smith hören würde, wenn ich das nächste Mal in die Gegend käme, sein würde, dass Barton Cottage vermietet sei: Und ich empfand eine unmittelbare Befriedigung und ein Interesse an diesem Ereignis, das nur eine Art Vorahnung des Glücks erklären kann, das ich daraus erfahren würde. Muss es nicht so gewesen sein, Marianne?“, sagte er zu ihr mit gedämpfter Stimme. Dann, seinen früheren Ton fortsetzend, sagte er: „Und doch würden Sie dieses Haus verderben, Mrs. Dashwood? Sie würden es seiner Einfachheit durch eingebildete Verbesserungen berauben! Und diese liebe Stube, in der unsere Bekanntschaft zuerst begann und in der seitdem so viele glückliche Stunden von uns zusammen verbracht wurden, würden Sie zum Zustand eines gewöhnlichen Eingangs degradieren, und jeder wäre begierig darauf, durch den Raum zu gehen, der bisher in sich selbst mehr wirkliche Bequemlichkeit und Komfort enthielt, als jedes andere Zimmer von den schönsten Ausmaßen der Welt jemals bieten könnte.“
Mrs. Dashwood versicherte ihm erneut, dass keine Veränderung dieser Art versucht werden solle.
„Sie sind eine gute Frau“, erwiderte er herzlich. „Ihr Versprechen beruhigt mich. Erweitern Sie es ein wenig, und es wird mich glücklich machen. Sagen Sie mir, dass nicht nur Ihr Haus dasselbe bleiben wird, sondern dass ich Sie und die Ihrigen immer genauso unverändert finden werde wie Ihre Wohnung; und dass Sie mich immer mit der Güte bedenken werden, die alles, was zu Ihnen gehört, mir so lieb gemacht hat.“
Das Versprechen wurde bereitwillig gegeben, und Willoughbys Verhalten während des gesamten Abends bekundete zugleich seine Zuneigung und sein Glück.
„Sehen wir Sie morgen zum Abendessen?“, sagte Mrs. Dashwood, als er sie verließ. „Ich bitte Sie nicht, am Morgen zu kommen, denn wir müssen zum Park gehen, um Lady Middleton einen Besuch abzustatten.“
Er versprach, bis vier Uhr bei ihnen zu sein.
KAPITEL XV.
Mrs. Dashwoods Besuch bei Lady Middleton fand am nächsten Tag statt, und zwei ihrer Töchter begleiteten sie; doch Marianne entschuldigte sich unter einem nichtigen Vorwand von Beschäftigung davon, Teil der Gesellschaft zu sein; und ihre Mutter, die annahm, Willoughby habe am Abend zuvor das Versprechen gegeben, sie zu besuchen, während sie abwesend waren, war vollkommen zufrieden damit, dass sie zu Hause blieb.
Bei ihrer Rückkehr vom Park fanden sie Willoughbys Kutsche und seinen Diener wartend am Cottage vor, und Mrs. Dashwood war überzeugt, dass ihre Vermutung richtig gewesen war. Soweit war alles so, wie sie es vorausgesehen hatte; doch beim Betreten des Hauses erblickte sie etwas, das sie durch keine Voraussicht zu erwarten gelernt hatte. Sie waren kaum im Flur, als Marianne hastig aus der Stube kam, anscheinend in heftigem Kummer, das Taschentuch an den Augen; und ohne sie zu beachten, lief sie die Treppe hinauf. Überrascht und beunruhigt gingen sie direkt in den Raum, den sie gerade verlassen hatte, wo sie nur Willoughby fanden, der mit dem Rücken zu ihnen an den Kaminsims gelehnt stand. Er drehte sich um, als sie eintraten, und sein Gesichtsausdruck zeigte, dass er in hohem Maße an der Bewegung teilhatte, die Marianne überwältigte.
„Ist etwas mit ihr?“, rief Mrs. Dashwood, als sie eintrat – „ist sie krank?“
„Ich hoffe nicht“, antwortete er und versuchte, fröhlich auszusehen; und mit einem erzwungenen Lächeln fügte er bald hinzu: „Ich bin es, der eher erwarten könnte, krank zu sein – denn ich leide jetzt unter einer sehr schweren Enttäuschung!“
„Enttäuschung?“
„Ja, denn ich bin außerstande, meine Verabredung mit Ihnen einzuhalten. Mrs. Smith hat heute Morgen das Vorrecht des Reichtums gegenüber einem armen, abhängigen Cousin ausgeübt, indem sie mich geschäftlich nach London schickt. Ich habe gerade meine Depeschen erhalten und von Allenham Abschied genommen; und zur Aufheiterung bin ich nun gekommen, um von Ihnen Abschied zu nehmen.“
„Nach London! – und reisen Sie heute Morgen ab?“
„Fast in diesem Augenblick.“
„Das ist sehr bedauerlich. Aber Mrs. Smith muss man gefällig sein; – und ihre Geschäfte werden Sie hoffentlich nicht lange von uns abhalten.“
Er wurde rot, als er antwortete: „Sie sind sehr freundlich, aber ich habe keine Absicht, unmittelbar nach Devonshire zurückzukehren. Meine Besuche bei Mrs. Smith werden nie innerhalb eines Jahres wiederholt.“
„Und ist Mrs. Smith Ihre einzige Freundin? Ist Allenham das einzige Haus in der Nachbarschaft, in dem Sie willkommen sind? Schämen Sie sich, Willoughby, können Sie hier auf eine Einladung warten?“
Seine Röte nahm zu; und mit auf den Boden geheftetem Blick antwortete er nur: „Sie sind zu gut.“
Mrs. Dashwood sah Elinor mit Überraschung an. Elinor empfand dasselbe Erstaunen. Für einige Augenblicke war jeder still. Mrs. Dashwood sprach zuerst.
„Ich habe nur hinzuzufügen, mein lieber Willoughby, dass Sie im Barton Cottage immer willkommen sein werden; denn ich werde Sie nicht drängen, sofort hierher zurückzukehren, weil nur Sie beurteilen können, wieweit das Mrs. Smith gefallen könnte; und in diesem Punkt werde ich genauso wenig geneigt sein, Ihr Urteil in Frage zu stellen, wie an Ihrer Zuneigung zu zweifeln.“
„Meine Verpflichtungen derzeit“, antwortete Willoughby verwirrt, „sind von einer solchen Art – dass – ich wage nicht, mir zu schmeicheln –“
Er hielt inne. Mrs. Dashwood war zu erstaunt, um zu sprechen, und eine weitere Pause folgte. Diese wurde durch Willoughby unterbrochen, der mit einem schwachen Lächeln sagte: „Es ist eine Torheit, auf diese Weise zu verweilen. Ich werde mich nicht länger quälen, indem ich unter Freunden bleibe, deren Gesellschaft ich jetzt unmöglich genießen kann.“
Er verabschiedete sich dann hastig von ihnen allen und verließ das Zimmer. Sie sahen ihn in seine Kutsche steigen, und nach einer Minute war sie außer Sicht.
Mrs. Dashwood fühlte zu viel, um zu sprechen, und verließ augenblicklich die Stube, um in der Einsamkeit der Sorge und dem Alarm nachzugeben, den dieser plötzliche Abschied verursachte.
Elinors Unbehagen war mindestens so groß wie das ihrer Mutter. Sie dachte mit Sorge und Misstrauen an das, was gerade geschehen war. Willoughbys Verhalten beim Abschied, seine Verlegenheit und die gespielte Fröhlichkeit und vor allem seine Abneigung, die Einladung ihrer Mutter anzunehmen – eine Zurückhaltung, die so unähnlich einem Liebenden, so unähnlich ihm selbst war – beunruhigte sie sehr. Einen Moment lang fürchtete sie, dass von seiner Seite nie ein ernsthafter Plan gefasst worden war; und im nächsten, dass ein unglücklicher Streit zwischen ihm und ihrer Schwester stattgefunden hatte; – die Not, in der Marianne den Raum verlassen hatte, war eine, die ein ernster Streit am vernünftigsten erklären konnte, obwohl, wenn sie bedachte, was Mariannes Liebe zu ihm war, ein Streit fast unmöglich schien.
Doch was auch immer die Einzelheiten ihrer Trennung sein mochten, der Kummer ihrer Schwester war unzweifelhaft; und sie dachte mit dem zärtlichsten Mitleid an jenen heftigen Schmerz, dem Marianne aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur als Erleichterung nachgab, sondern ihn als eine Pflicht nährte und förderte.
Nach etwa einer halben Stunde kehrte ihre Mutter zurück, und obwohl ihre Augen gerötet waren, war ihr Gesichtsausdruck nicht unfroh.
„Unser lieber Willoughby ist jetzt einige Meilen von Barton entfernt, Elinor“, sagte sie, als sie sich zur Arbeit setzte, „und mit welch schwerem Herzen reist er wohl?“
„Es ist alles sehr seltsam. So plötzlich fort zu sein! Es scheint nur das Werk eines Augenblicks zu sein. Und letzte Nacht war er bei uns, so glücklich, so fröhlich, so liebevoll? Und nun, nach nur zehn Minuten Ankündigung – Noch dazu fort, ohne die Absicht, zurückzukehren! – Etwas mehr als das, was er uns gestand, muss geschehen sein. Er sprach nicht, er verhielt sich nicht wie er selbst. Sie müssen den Unterschied genauso gesehen haben wie ich. Was kann es sein? Können sie sich gestritten haben? Warum sonst sollte er eine solche Abneigung gezeigt haben, Ihre Einladung hierher anzunehmen?“
„Es fehlte ihm nicht am Willen, Elinor; das konnte ich deutlich sehen. Er hatte nicht die Macht, sie anzunehmen. Ich habe es mir alles überlegt, das versichere ich Ihnen, und ich kann mir alles, was mir anfangs genauso wie Ihnen seltsam erschien, vollkommen erklären.“
„Können Sie das wirklich!“
„Ja. Ich habe es mir auf die zufriedenstellendste Weise erklärt; – aber Sie, Elinor, die Sie so gerne zweifeln, wo Sie können – es wird Sie nicht befriedigen, das weiß ich; aber Sie sollen mich nicht aus meinem Vertrauen darauf herausreden. Ich bin überzeugt, dass Mrs. Smith seine Zuneigung zu Marianne vermutet, sie missbilligt (vielleicht weil sie andere Pläne für ihn hat) und deshalb begierig darauf ist, ihn wegzubekommen; – und dass das Geschäft, das sie ihn erledigen schickt, als Ausrede erfunden ist, um ihn fortzuschicken. Das ist es, was meiner Meinung nach geschehen ist. Er ist sich zudem bewusst, dass sie die Verbindung missbilligt, daher wagt er es im Augenblick nicht, ihr seine Verlobung mit Marianne zu gestehen, und er fühlt sich aufgrund seiner abhängigen Lage verpflichtet, ihren Plänen nachzugeben und sich für eine Weile von Devonshire fernzuhalten. Sie werden mir sagen, das weiß ich, dass dies so geschehen sein mag oder nicht; aber ich werde keinem Einwand zuhören, es sei denn, Sie können mir irgendeine andere Methode zeigen, die Angelegenheit zu verstehen, die so zufriedenstellend ist wie diese. Und nun, Elinor, was haben Sie dazu zu sagen?“
„Nichts, denn Sie haben meine Antwort vorweggenommen.“
„Dann hätten Sie mir gesagt, dass es so geschehen sein mag oder nicht. Oh, Elinor, wie unbegreiflich sind Ihre Gefühle! Sie nehmen lieber das Böse auf Kredit als das Gute. Sie suchen lieber nach Elend für Marianne und Schuld für den armen Willoughby, als nach einer Entschuldigung für Letzteren. Sie sind entschlossen, ihn für tadelnswert zu halten, weil er sich mit weniger Zuneigung von uns verabschiedet hat, als sein übliches Verhalten gezeigt hat. Und ist keine Nachsicht für Unbedachtheit oder für durch kürzliche Enttäuschung gedrückte Stimmung geboten? Sind keine Wahrscheinlichkeiten zu akzeptieren, nur weil sie keine Gewissheiten sind? Gebührt dem Mann, den wir alle so sehr zu lieben Grund haben und keinerlei Grund auf der Welt, schlecht von ihm zu denken, nichts? Der Möglichkeit von Motiven, die in sich selbst unwiderlegbar sind, wenn auch zwangsläufig für eine Weile geheim? Und was, alles in allem, vermuten Sie bei ihm?“
„Ich kann es selbst kaum sagen. Aber das Misstrauen gegenüber etwas Unangenehmem ist die unvermeidliche Folge einer solchen Veränderung, wie wir sie gerade bei ihm erlebt haben. Es liegt jedoch große Wahrheit in dem, was Sie jetzt über die Nachsicht angeführt haben, die man ihm entgegenbringen sollte, und es ist mein Wunsch, in meiner Beurteilung von jedem unvoreingenommen zu sein. Willoughby mag zweifellos sehr ausreichende Gründe für sein Verhalten haben, und ich will hoffen, dass er sie hat. Aber es wäre mehr wie Willoughby gewesen, sie sofort anzuerkennen. Geheimhaltung mag ratsam sein; aber dennoch kann ich nicht anders, als mich darüber zu wundern, dass sie von ihm praktiziert wird.“
„Tadeln Sie ihn jedoch nicht dafür, von seinem Charakter abzuweichen, wo die Abweichung notwendig ist. Aber geben Sie wirklich die Richtigkeit dessen zu, was ich zu seiner Verteidigung gesagt habe? – Ich bin glücklich – und er ist freigesprochen.“
„Nicht vollständig. Es mag angemessen sein, ihre Verlobung (wenn sie verlobt sind) vor Mrs. Smith zu verbergen – und wenn das der Fall ist, muss es für Willoughby äußerst zweckmäßig sein, derzeit nur wenig in Devonshire zu sein. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, sie vor uns zu verbergen.“
„Sie vor uns zu verbergen! mein liebes Kind, klagen Sie Willoughby und Marianne der Geheimniskrämerei an? Das ist in der Tat seltsam, wenn Ihre Augen ihnen jeden Tag Vorwürfe wegen Unvorsichtigkeit gemacht haben.“
„Ich brauche keinen Beweis für ihre Zuneigung“, sagte Elinor; „aber für ihre Verlobung schon.“
„Ich bin von beidem vollkommen überzeugt.“
„Dennoch ist Ihnen von keinem der beiden auch nur eine Silbe zu diesem Thema gesagt worden.“
„Ich habe keine Silben gewollt, wo Taten so deutlich gesprochen haben. Hat sein Verhalten gegenüber Marianne und uns allen, zumindest in den letzten vierzehn Tagen, nicht erklärt, dass er sie liebte und als seine zukünftige Frau betrachtete, und dass er für uns die Verbundenheit eines nächsten Verwandten empfand? Haben wir uns nicht vollkommen verstanden? Ist mein Einverständnis nicht täglich durch seine Blicke, sein Gebaren, seinen aufmerksamen und liebevollen Respekt erbeten worden? Meine Elinor, ist es möglich, an ihrer Verlobung zu zweifeln? Wie konnte dir ein solcher Gedanke kommen? Wie ist anzunehmen, dass Willoughby, überzeugt wie er von der Liebe deiner Schwester sein muss, sie verlassen sollte, und sie vielleicht monatelang verlassen sollte, ohne ihr von seiner Zuneigung zu erzählen;—dass sie sich ohne einen gegenseitigen Austausch von Vertraulichkeiten trennen sollten?“
„Ich gestehe“, erwiderte Elinor, „dass jeder Umstand bis auf einen für ihre Verlobung spricht; aber dieser eine ist das völlige Schweigen beider zu diesem Thema, und für mich wiegt er fast schwerer als alles andere.“
„Wie seltsam das ist! Du musst in der Tat schlecht von Willoughby denken, wenn du nach allem, was offen zwischen ihnen vorgefallen ist, an der Art der Bedingungen zweifeln kannst, unter denen sie zusammen sind. Hat er all die Zeit eine Rolle gespielt in seinem Verhalten gegenüber deiner Schwester? Hältst du ihn wirklich für gleichgültig ihr gegenüber?“
„Nein, das kann ich nicht denken. Er muss sie lieben und er tut es, da bin ich sicher.“
„Aber mit einer seltsamen Art von Zärtlichkeit, wenn er sie mit solcher Gleichgültigkeit, solcher Sorglosigkeit gegenüber der Zukunft verlassen kann, wie du sie ihm zuschreibst.“
„Du musst bedenken, meine liebe Mutter, dass ich diese Angelegenheit nie als sicher betrachtet habe. Ich hatte meine Zweifel, das gebe ich zu; aber sie sind schwächer als sie es waren, und sie könnten bald völlig ausgeräumt sein. Wenn wir erfahren, dass sie korrespondieren, wird jede meiner Befürchtungen beseitigt sein.“
„Ein gewaltiges Zugeständnis in der Tat! Wenn du sie am Altar sehen würdest, würdest du annehmen, dass sie heiraten wollen. Unliebenswürdiges Mädchen! Aber ich brauche keinen solchen Beweis. Nichts hat meiner Meinung nach je stattgefunden, das Zweifel rechtfertigen würde; kein Geheimnis wurde versucht; alles war gleichmäßig offen und vorbehaltlos. Du kannst nicht an den Wünschen deiner Schwester zweifeln. Es muss also Willoughby sein, den du verdächtigst. Aber warum? Ist er kein Mann von Ehre und Gefühl? Gab es irgendeine Unbeständigkeit auf seiner Seite, um Beunruhigung zu erregen? Kann er falsch sein?“
„Ich hoffe nicht, ich glaube es nicht“, rief Elinor. „Ich liebe Willoughby, ich liebe ihn aufrichtig; und der Verdacht gegen seine Integrität kann nicht schmerzhafter für dich sein als für mich. Er war unfreiwillig, und ich werde ihn nicht fördern. Ich war erschrocken, ich gestehe es, über die Veränderung seines Benehmens heute Morgen;—er sprach nicht wie er selbst, und erwiderte deine Freundlichkeit nicht mit Herzlichkeit. Aber all das mag durch eine solche Lage seiner Angelegenheiten erklärt werden, wie du sie angenommen hast. Er hatte sich gerade von meiner Schwester getrennt, hatte sie in größter Betrübnis von sich gehen sehen; und wenn er sich aus Furcht, Mrs. Smith zu verärgern, verpflichtet fühlte, der Versuchung zu widerstehen, bald hierher zurückzukehren, und sich dennoch bewusst war, dass er durch das Ablehnen deiner Einladung, durch das Sagen, dass er für einige Zeit weggehen würde, einen ungroßmütigen, verdächtigen Teil gegenüber unserer Familie zu spielen schien, könnte er wohl verlegen und verstört sein. In einem solchen Fall wäre ein klares und offenes Eingeständnis seiner Schwierigkeiten meiner Meinung nach ehrenhafter gewesen, ebenso wie es besser mit seinem allgemeinen Charakter übereingestimmt hätte;—aber ich werde keine Einwände gegen jemandes Verhalten auf einer so ungebildeten Grundlage erheben, wie eine Meinungsverschiedenheit gegenüber mir selbst, oder eine Abweichung von dem, was ich für richtig und folgerichtig halten mag.“
„Du sprichst sehr angemessen. Willoughby verdient sicherlich nicht, verdächtigt zu werden. Obwohl wir ihn nicht lange kennen, ist er kein Fremder in diesem Teil der Welt; und wer hat je zu seinem Nachteil gesprochen? Wäre er in einer Lage gewesen, unabhängig zu handeln und sofort zu heiraten, hätte es merkwürdig sein können, dass er uns verlassen sollte, ohne mir alles auf einmal einzugestehen: aber das ist nicht der Fall. Es ist eine Verlobung, die in mancher Hinsicht nicht glücklich begonnen hat, denn ihre Heirat muss in sehr ungewisser Ferne liegen; und sogar Geheimhaltung, soweit sie gewahrt werden kann, mag jetzt sehr ratsam sein.“
Sie wurden durch das Eintreten von Margaret unterbrochen; und Elinor war dann frei, über die Darstellungen ihrer Mutter nachzudenken, die Wahrscheinlichkeit vieler anzuerkennen und auf die Richtigkeit aller zu hoffen.
Sie sahen nichts von Marianne bis zur Essenszeit, als sie den Raum betrat und ihren Platz am Tisch einnahm, ohne ein Wort zu sagen. Ihre Augen waren rot und geschwollen; und es schien, als ob ihre Tränen selbst dann nur mit Mühe zurückgehalten wurden. Sie wich den Blicken von ihnen allen aus, konnte weder essen noch sprechen, und nach einiger Zeit, als ihre Mutter schweigend ihre Hand mit zärtlichem Mitgefühl drückte, war ihr geringes Maß an Fassung ganz überwunden, sie brach in Tränen aus und verließ den Raum.
Diese heftige Niedergeschlagenheit hielt den ganzen Abend an. Sie war ohne jede Kraft, weil sie ohne jeden Wunsch war, sich selbst zu beherrschen. Die leiseste Erwähnung von irgendetwas, das sich auf Willoughby bezog, überwältigte sie im Augenblick; und obwohl ihre Familie aufs Äußerste auf ihr Wohlbefinden bedacht war, war es für sie unmöglich, wenn sie überhaupt sprachen, sich von jedem Thema fernzuhalten, das ihre Gefühle mit ihm verbanden.
KAPITEL XVI.
Marianne hätte sich für sehr unentschuldbar gehalten, wenn sie in der ersten Nacht nach der Trennung von Willoughby überhaupt hätte schlafen können. Sie hätte sich geschämt, ihrer Familie am nächsten Morgen in die Augen zu sehen, hätte sie nicht ihr Bett mit mehr Bedürfnis nach Ruhe verlassen, als als sie sich hineinlegte. Aber die Gefühle, die eine solche Gelassenheit zu einer Schande machten, ließen sie nicht in Gefahr, eine solche zu begehen. Sie war die ganze Nacht wach, und sie weinte den größten Teil davon. Sie stand mit Kopfschmerzen auf, war unfähig zu reden, und unwillig, irgendeine Nahrung zu sich zu nehmen; und fügte ihrer Mutter und ihren Schwestern jeden Augenblick Schmerz zu, während sie jeden Versuch eines Trostes von beiden verbat. Ihre Empfindsamkeit war mächtig genug!
Als das Frühstück vorbei war, ging sie alleine hinaus und wanderte durch das Dorf Allenham, wobei sie den Erinnerungen an vergangenes Vergnügen nachhing und über den gegenwärtigen Umschwung den größten Teil des Morgens weinte.
Der Abend verging in gleicher Hingabe an ihre Gefühle. Sie spielte jedes Lieblingslied, das sie gewohnt war, für Willoughby zu spielen, jede Weise, in der ihre Stimmen am öftesten vereint gewesen waren, und saß am Instrument und starrte auf jede Zeile der Musik, die er für sie aufgeschrieben hatte, bis ihr Herz so schwer war, dass keine weitere Traurigkeit gewonnen werden konnte; und diese Nahrung der Trauer wurde jeden Tag angewandt. Sie verbrachte ganze Stunden am Klavier, abwechselnd singend und weinend; ihre Stimme oft völlig durch ihre Tränen unterbrochen. Auch in Büchern, ebenso wie in der Musik, suchte sie das Elend, das ein Kontrast zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sicher geben würde. Sie las nichts als das, was sie gewohnt gewesen waren, zusammen zu lesen.
Solche Heftigkeit der Betrübnis konnte in der Tat nicht für immer ertragen werden; sie sank innerhalb weniger Tage in eine ruhigere Melancholie; aber diese Beschäftigungen, zu denen sie täglich zurückkehrte, ihre einsamen Spaziergänge und stillen Meditationen, erzeugten immer noch gelegentliche Ergüsse des Kummers, so lebhaft wie eh und je.
Kein Brief von Willoughby kam; und keiner schien von Marianne erwartet zu werden. Ihre Mutter war überrascht, und Elinor wurde wieder unruhig. Aber Mrs. Dashwood konnte Erklärungen finden, wann immer sie sie brauchte, was zumindest sie selbst zufriedenstellte.
„Erinnere dich, Elinor“, sagte sie, „wie sehr oft Sir John unsere Briefe selbst von der Post holt und sie dorthin bringt. Wir haben bereits vereinbart, dass Geheimhaltung notwendig sein könnte, und wir müssen zugeben, dass sie nicht aufrechterhalten werden könnte, wenn ihre Korrespondenz durch Sir Johns Hände gehen würde.“
Elinor konnte die Wahrheit dessen nicht leugnen, und sie versuchte, darin ein Motiv zu finden, das für ihr Schweigen ausreichte. Aber es gab eine Methode, die so direkt, so einfach und ihrer Meinung nach so geeignet war, den wahren Stand der Angelegenheit zu kennen und jedes Geheimnis sofort zu entfernen, dass sie nicht umhin konnte, sie ihrer Mutter vorzuschlagen.
„Warum fragst du Marianne nicht sofort“, sagte sie, „ob sie mit Willoughby verlobt ist oder nicht? Von dir, ihrer Mutter, und einer so freundlichen, so nachsichtigen Mutter, könnte die Frage keinen Anstoß erregen. Es wäre das natürliche Ergebnis deiner Zuneigung zu ihr. Sie pflegte völlig vorbehaltlos zu sein, und dir gegenüber ganz besonders.“
„Ich würde eine solche Frage um alles in der Welt nicht stellen. Angenommen, es wäre möglich, dass sie nicht verlobt sind, welche Not würde eine solche Untersuchung nicht verursachen! Auf jeden Fall wäre es sehr ungroßmütig. Ich würde ihr Vertrauen nie wieder verdienen, nachdem ich ihr ein Geständnis dessen erzwungen hätte, was im Augenblick vor niemandem anerkannt werden soll. Ich kenne Mariannes Herz: Ich weiß, dass sie mich innig liebt, und dass ich nicht die Letzte sein werde, der die Angelegenheit bekannt gemacht wird, wenn die Umstände die Enthüllung davon geeignet machen. Ich würde nicht versuchen, das Vertrauen von jemandem zu erzwingen; von einem Kind noch viel weniger; weil ein Pflichtgefühl das Dementi verhindern würde, das ihre Wünsche lenken könnten.“
Elinor hielt diese Großmut für übertrieben, wenn man das jugendliche Alter ihrer Schwester betrachtete, und drängte die Angelegenheit weiter, aber vergeblich; gesunder Menschenverstand, gewöhnliche Sorgfalt, gewöhnliche Vorsicht, waren alles in Mrs. Dashwoods romantischer Empfindsamkeit versunken.
Es dauerte mehrere Tage, bis Willoughbys Name von irgendjemandem aus ihrer Familie vor Marianne erwähnt wurde; Sir John und Mrs. Jennings waren in der Tat nicht so zimperlich; ihre Witzeleien fügten mancher schmerzhaften Stunde noch Schmerz hinzu;—aber eines Abends rief Mrs. Dashwood, als sie zufällig einen Band von Shakespeare in die Hand nahm, aus:
„Wir haben Hamlet nie beendet, Marianne; unser lieber Willoughby ging weg, bevor wir es durchlesen konnten. Wir werden es beiseitelegen, damit, wenn er wiederkommt...Aber es mag Monate dauern, vielleicht, bevor das geschieht.“
„Monate!“ rief Marianne mit starker Überraschung. „Nein—und auch nicht viele Wochen.“
Mrs. Dashwood bedauerte, was sie gesagt hatte; aber es bereitete Elinor Freude, da es eine Antwort von Marianne hervorrief, die so ausdrucksstark für das Vertrauen in Willoughby und die Kenntnis seiner Absichten war.
Eines Morgens, etwa eine Woche nach seinem Verlassen der Gegend, wurde Marianne überredet, sich ihren Schwestern auf ihrem gewohnten Spaziergang anzuschließen, statt alleine umherzuwandern. Bisher hatte sie sorgfältig jeden Begleiter auf ihren Streifzügen vermieden. Wenn ihre Schwestern auf den Hügeln spazieren gehen wollten, stahl sie sich direkt in Richtung der Gassen; wenn sie vom Tal sprachen, war sie ebenso schnell beim Erklimmen der Hügel und konnte nie gefunden werden, wenn die anderen aufbrachen. Aber schließlich wurde sie durch die Bemühungen von Elinor gesichert, die eine solche ständige Abgeschiedenheit sehr missbilligte. Sie gingen die Straße durch das Tal entlang, und hauptsächlich schweigend, denn Mariannes Geist konnte nicht kontrolliert werden, und Elinor, zufrieden damit, einen Punkt gewonnen zu haben, wollte dann nicht mehr versuchen. Jenseits des Eingangs des Tals, wo die Landschaft, wenn auch immer noch reich, weniger wild und offener war, lag ein langes Stück der Straße, auf der sie bei ihrer ersten Ankunft in Barton gereist waren, vor ihnen; und als sie diesen Punkt erreichten, blieben sie stehen, um sich umzusehen und eine Aussicht zu prüfen, die die Ferne ihrer Ansicht vom Cottage bildete, von einem Ort aus, den sie bei keinem ihrer Spaziergänge zuvor jemals erreicht hatten.
Unter den Objekten in der Szene entdeckten sie bald ein lebhaftes; es war ein Mann zu Pferd, der auf sie zuritt. In wenigen Minuten konnten sie ihn als einen Gentleman unterscheiden; und einen Augenblick später rief Marianne entzückt aus:
„Es ist er; es ist wirklich;—ich weiß, dass er es ist!“—und war im Begriff, ihm entgegenzueilen, als Elinor ausrief:
„In der Tat, Marianne, ich glaube, du täuschst dich. Es ist nicht Willoughby. Die Person ist nicht groß genug für ihn und hat nicht seine Erscheinung.“
„Das hat er, das hat er“, rief Marianne, „ich bin sicher, das hat er. Seine Erscheinung, sein Mantel, sein Pferd. Ich wusste, wie bald er kommen würde.“
Sie ging eifrig weiter, während sie sprach; und Elinor, um Marianne vor Auffälligkeit zu schützen, da sie sich fast sicher war, dass es nicht Willoughby war, beschleunigte ihren Schritt und hielt mit ihr Schritt. Sie waren bald innerhalb von dreißig Yards von dem Gentleman. Marianne sah wieder hin; ihr Herz sank in ihr zusammen; und abrupt sich umdrehend, eilte sie zurück, als die Stimmen beider ihrer Schwestern erhoben wurden, um sie aufzuhalten; eine dritte, fast so bekannt wie Willoughbys, schloss sich ihnen an, sie zu bitten, anzuhalten, und sie drehte sich überrascht um, um Edward Ferrars zu sehen und willkommen zu heißen.
Er war die einzige Person auf der Welt, der man in diesem Moment verzeihen konnte, nicht Willoughby zu sein; der Einzige, der ein Lächeln von ihr hätte gewinnen können; aber sie zerstreute ihre Tränen, um ihn anzulächeln, und vergaß im Glück ihrer Schwester für eine Zeit ihre eigene Enttäuschung.
Er stieg ab, gab seinem Diener sein Pferd und ging mit ihnen nach Barton zurück, wohin er absichtlich gekommen war, um sie zu besuchen.
Er wurde von ihnen allen mit großer Herzlichkeit willkommen geheißen, aber besonders von Marianne, die mehr Wärme der Zuneigung bei ihrem Empfang von ihm zeigte als sogar Elinor selbst. Für Marianne war das Treffen zwischen Edward und ihrer Schwester in der Tat nur eine Fortsetzung jener unerklärlichen Kälte, die sie oft in Norland in ihrem gegenseitigen Verhalten beobachtet hatte. Auf Edwards Seite, insbesondere, gab es einen Mangel an allem, was ein Liebhaber bei einer solchen Gelegenheit schauen und sagen sollte. Er war verwirrt, schien kaum ein Gefühl für Freude daran zu haben, sie zu sehen, sah weder entzückt noch fröhlich aus, sagte wenig außer dem, was ihm durch Fragen entlockt wurde, und zeichnete Elinor durch kein Zeichen von Zuneigung aus. Marianne sah und hörte mit zunehmender Überraschung zu. Sie begann fast, eine Abneigung gegen Edward zu empfinden; und es endete, wie jedes Gefühl bei ihr enden musste, damit, ihre Gedanken zu Willoughby zurückzuführen, dessen Manieren einen Gegensatz bildeten, der ausreichend auffallend zu denen seines zukünftigen Bruders war.
Nach einer kurzen Stille, die auf die erste Überraschung und die Fragen des Treffens folgte, fragte Marianne Edward, ob er direkt aus London komme. Nein, er war seit vierzehn Tagen in Devonshire.
„Vierzehn Tage!“ wiederholte sie, überrascht, dass er so lange in derselben Grafschaft mit Elinor war, ohne sie vorher zu sehen.
Er sah ziemlich bestürzt aus, als er hinzufügte, dass er bei einigen Freunden in der Nähe von Plymouth gewohnt habe.
„Waren Sie in letzter Zeit in Sussex?“ sagte Elinor.
„Ich war vor etwa einem Monat in Norland.“
„Und wie sieht das liebe, liebe Norland aus?“ rief Marianne.
„Das liebe, liebe Norland“, sagte Elinor, „sieht wahrscheinlich viel so aus, wie es immer zu dieser Jahreszeit aussieht. Die Wälder und Wege dicht mit totem Laub bedeckt.“
„Oh“, rief Marianne, „mit welch mitreißendem Gefühl habe ich sie früher fallen sehen! Wie habe ich mich daran erfreut, als ich spazieren ging, sie in Schauern vom Wind um mich herum getrieben zu sehen! Welche Gefühle haben sie, die Jahreszeit, die Luft insgesamt inspiriert! Jetzt gibt es niemanden, der sie beachtet. Sie werden nur als ein Ärgernis gesehen, hastig weggefegt und so weit wie möglich aus dem Blickfeld vertrieben.“
„Es ist nicht jeder“, sagte Elinor, „der Ihre Leidenschaft für totes Laub hat.“
„Nein; meine Gefühle werden nicht oft geteilt, nicht oft verstanden. Aber manchmal werden sie es.“—Als sie dies sagte, versank sie für einige Augenblicke in eine Träumerei;—aber sich wieder aufraffend, „Nun, Edward“, sagte sie, seine Aufmerksamkeit auf die Aussicht lenkend, „hier ist das Barton-Tal. Schau hinauf dazu, und sei ruhig, wenn du kannst. Schau dir diese Hügel an! Hast du jemals ihre Gleichen gesehen? Zur Linken ist Barton Park, inmitten dieser Wälder und Plantagen. Du kannst das Ende des Hauses sehen. Und dort, unter diesem fernsten Hügel, der sich mit solcher Pracht erhebt, ist unser Cottage.“
„Es ist ein schönes Land“, erwiderte er; „aber diese Täler müssen im Winter schmutzig sein.“
„Wie kannst du an Schmutz denken, mit solchen Objekten vor dir?“
„Weil“, erwiderte er lächelnd, „unter den übrigen Objekten vor mir, ich eine sehr schmutzige Gasse sehe.“
„Wie seltsam!“ sagte Marianne zu sich selbst, während sie weiterging.
„Haben Sie eine angenehme Nachbarschaft hier? Sind die Middletons angenehme Leute?“
„Nein, nicht im Geringsten“, antwortete Marianne; „wir könnten nicht unglücklicher liegen.“
„Marianne“, rief ihre Schwester, „wie kannst du das sagen? Wie kannst du so ungerecht sein? Es ist eine sehr respektable Familie, Mr. Ferrars; und sie haben sich uns gegenüber auf die freundlichste Weise verhalten. Hast du vergessen, Marianne, wie viele angenehme Tage wir ihnen verdankt haben?“
„Nein“, sagte Marianne mit leiser Stimme, „und auch nicht, wie viele schmerzhafte Momente.“
Elinor achtete nicht darauf; und ihre Aufmerksamkeit auf ihren Besucher lenkend, bemühte sie sich, etwas wie ein Gespräch mit ihm zu führen, indem sie von ihrem gegenwärtigen Wohnsitz, seinen Annehmlichkeiten usw. sprach, was ihm gelegentliche Fragen und Bemerkungen entlockte. Seine Kälte und Zurückhaltung kränkten sie schwer; sie war verärgert und halb wütend; aber entschlossen, ihr Verhalten ihm gegenüber eher durch die Vergangenheit als durch die Gegenwart zu regeln, vermied sie jeden Anschein von Groll oder Missfallen und behandelte ihn so, wie sie dachte, dass er aufgrund der familiären Verbindung behandelt werden sollte.
KAPITEL XVII.
Mrs. Dashwood war nur einen Augenblick überrascht, ihn zu sehen; denn seine Ankunft in Barton war ihrer Meinung nach von allen Dingen das Natürlichste. Ihre Freude und ihr Ausdruck der Zuneigung überlebten ihr Staunen bei weitem. Er erhielt das herzlichste Willkommen von ihr; und Schüchternheit, Kälte, Zurückhaltung konnten gegen einen solchen Empfang nicht bestehen. Sie hatten begonnen, ihn vor dem Betreten des Hauses zu verlassen, und sie wurden durch die fesselnden Manieren von Mrs. Dashwood völlig überwunden. Tatsächlich könnte ein Mann nicht sehr gut in eine ihrer Töchter verliebt sein, ohne die Leidenschaft auf sie auszudehnen; und Elinor hatte die Befriedigung, ihn bald wieder mehr wie er selbst werden zu sehen. Seine Zuneigungen schienen gegenüber ihnen allen wieder aufzuleben, und sein Interesse an ihrem Wohlergehen wurde wieder spürbar. Er war jedoch nicht bei guter Stimmung; er lobte ihr Haus, bewunderte seine Aussicht, war aufmerksam und freundlich; aber dennoch war er nicht bei guter Stimmung. Die ganze Familie nahm es wahr, und Mrs. Dashwood, die es einem Mangel an Freigebigkeit bei seiner Mutter zuschrieb, setzte sich empört gegen alle egoistischen Eltern an den Tisch.
„Was sind Mrs. Ferrars’ Ansichten für dich im Augenblick, Edward?“, sagte sie, als das Essen vorbei war und sie sich um das Feuer versammelt hatten; „sollst du immer noch ein großer Redner gegen deinen Willen werden?“
„Nein. Ich hoffe, meine Mutter ist jetzt überzeugt, dass ich nicht mehr Talente als Neigung für ein öffentliches Leben habe!“
„Aber wie soll dein Ruhm begründet werden? denn berühmt musst du sein, um deine ganze Familie zufriedenzustellen; und ohne Neigung zu Ausgaben, ohne Zuneigung für Fremde, ohne Beruf und ohne Selbstvertrauen, magst du das für eine schwierige Angelegenheit halten.“
„Ich werde es nicht versuchen. Ich habe keinen Wunsch, ausgezeichnet zu werden; und habe jeden Grund zu hoffen, dass ich es niemals werde. Gott sei Dank! Ich kann nicht zu Genie und Beredsamkeit gezwungen werden.“
„Du hast keinen Ehrgeiz, das weiß ich wohl. Deine Wünsche sind alle mäßig.“
„So mäßig wie die des Rests der Welt, glaube ich. Ich wünsche mir ebenso sehr wie jeder andere, vollkommen glücklich zu sein; aber wie bei jedem anderen muss es auf meine eigene Art sein. Größe wird mich nicht dazu machen.“
„Seltsam, dass sie das sollte!“, rief Marianne. „Was haben Reichtum oder Pracht mit Glück zu tun?“
„Pracht hat nur wenig damit zu tun“, sagte Elinor, „aber Reichtum hat viel damit zu tun.“
„Elinor, schäm dich!“, sagte Marianne, „Geld kann nur dort Glück geben, wo nichts anderes da ist, um es zu geben. Über ein Auskommen hinaus kann es keine wirkliche Befriedigung gewähren, was das bloße Selbst betrifft.“
„Vielleicht“, sagte Elinor lächelnd, „kommen wir zum gleichen Punkt. Dein Auskommen und mein Reichtum sind sich sehr ähnlich, ich wage zu sagen; und ohne sie, wie die Welt jetzt läuft, werden wir beide zustimmen, dass jede Art von äußerem Komfort fehlen muss. Deine Ideen sind nur edler als meine. Komm, was ist dein Auskommen?“
„Etwa achtzehnhundert oder zweitausend im Jahr; nicht mehr als das.“
Elinor lachte. „Zweitausend im Jahr! eins ist mein Reichtum! Ich habe geahnt, wie es enden würde.“
„Und doch sind zweitausend im Jahr ein sehr mäßiges Einkommen“, sagte Marianne. „Eine Familie kann nicht gut mit einem kleineren unterhalten werden. Ich bin sicher, ich bin nicht extravagant in meinen Forderungen. Eine angemessene Einrichtung an Dienern, eine Kutsche, vielleicht zwei, und Jäger, können nicht mit weniger unterstützt werden.“
Elinor lächelte wieder, um ihre Schwester so genau ihre zukünftigen Ausgaben in Combe Magna beschreiben zu hören.
„Jäger!“, wiederholte Edward—“aber warum musst du Jäger haben? Nicht jeder jagt.“
Marianne errötete, als sie antwortete: „Aber die meisten Leute tun es.“
„Ich wünschte“, sagte Margaret, während ihr ein neuer Gedanke kam, „dass uns jemand ein großes Vermögen für jede von uns schenken würde!“
„Oh, wenn sie das doch täten!“, rief Marianne, deren Augen vor Lebhaftigkeit funkelten und deren Wangen vor der Freude an solch eingebildetem Glück glühten.
„Ich nehme an, in diesem Wunsch sind wir uns alle einig“, sagte Elinor, „ungeachtet der Unzulänglichkeit des Reichtums.“
„Ach Gott!“, rief Margaret, „wie glücklich ich wäre! Ich frage mich, was ich damit anfangen würde!“
Marianne sah aus, als hätte sie an diesem Punkt keinen Zweifel.
„Ich wäre selbst in Verlegenheit, ein so großes Vermögen auszugeben“, sagte Mrs. Dashwood, „wenn meine Kinder alle ohne meine Hilfe reich wären.“
„Du musst mit den Verbesserungen an diesem Haus beginnen“, bemerkte Elinor, „und deine Schwierigkeiten werden bald verschwinden.“
„Welche großartigen Bestellungen würden von dieser Familie nach London gehen“, sagte Edward, „in einem solchen Fall! Was für ein glücklicher Tag für Buchhändler, Musikalienhändler und Kunsthandlungen! Sie, Miss Dashwood, würden einen allgemeinen Auftrag erteilen, jeden neuen Druck von Wert an Sie zu senden — und was Marianne betrifft, ich kenne ihre Größe der Seele, es gäbe in London nicht genug Musik, um sie zufriedenzustellen. Und Bücher! — Thomson, Cowper, Scott — sie würde sie alle immer wieder kaufen: Ich glaube, sie würde jedes Exemplar aufkaufen, um zu verhindern, dass sie in unwürdige Hände geraten; und sie müsste jedes Buch besitzen, das ihr lehrt, wie man einen alten, verdrehten Baum bewundert. Nicht wahr, Marianne? Verzeihen Sie mir, wenn ich sehr vorlaut bin. Aber ich wollte Ihnen zeigen, dass ich unsere alten Streitigkeiten nicht vergessen habe.“
„Ich liebe es, an die Vergangenheit erinnert zu werden, Edward — ob sie nun melancholisch oder fröhlich ist, ich liebe es, mich ihrer zu entsinnen — und Sie werden mich niemals beleidigen, wenn Sie von früheren Zeiten sprechen. Sie haben sehr recht mit der Annahme, wie mein Geld ausgegeben würde — zumindest ein Teil davon — mein loses Geld würde sicherlich dazu verwendet werden, meine Sammlung an Musik und Büchern zu verbessern.“
„Und der Großteil Ihres Vermögens würde in Renten für die Autoren oder deren Erben angelegt werden.“
„Nein, Edward, ich hätte etwas anderes damit zu tun.“
„Vielleicht würden Sie es dann als Belohnung der Person verleihen, die die fähigste Verteidigung Ihrer Lieblingsmaxime schrieb, dass niemand mehr als einmal im Leben verliebt sein kann — Ihre Meinung zu diesem Punkt ist unverändert, nehme ich an?“
„Zweifellos. In meinem Alter sind Meinungen ziemlich festgefahren. Es ist nicht wahrscheinlich, dass ich jetzt noch etwas sehen oder hören werde, um sie zu ändern.“
„Marianne ist so standhaft wie eh und je, sehen Sie“, sagte Elinor, „sie hat sich überhaupt nicht verändert.“
„Sie ist nur ein wenig ernster geworden, als sie es war.“
„Nun, Edward“, sagte Marianne, „Sie brauchen mir keine Vorwürfe zu machen. Sie selbst sind auch nicht sehr fröhlich.“
„Warum sollten Sie das denken?“, entgegnete er mit einem Seufzer. „Aber Fröhlichkeit war noch nie ein Teil meines Wesens.“
„Und ich glaube auch nicht, dass sie ein Teil von Mariannes Wesen ist“, sagte Elinor; „ich würde sie kaum ein lebhaftes Mädchen nennen — sie ist sehr ernst, sehr eifrig in allem, was sie tut — redet manchmal sehr viel und immer mit Begeisterung —, aber sie ist selten wirklich fröhlich.“
„Ich glaube, Sie haben recht“, antwortete er, „und doch habe ich sie immer als ein lebhaftes Mädchen eingeschätzt.“
„Ich habe mich häufig bei solchen Irrtümern ertappt“, sagte Elinor, „bei einem gänzlichen Missverstehen des Charakters in dem einen oder anderen Punkt: Menschen für viel fröhlicher oder ernster, oder geistreicher oder dümmer zu halten, als sie wirklich sind, und ich kann kaum sagen, warum oder worin die Täuschung ihren Ursprung hatte. Manchmal lässt man sich von dem leiten, was sie über sich selbst sagen, und sehr häufig von dem, was andere Leute über sie sagen, ohne sich Zeit zum Nachdenken und Urteilen zu geben.“
„Aber ich dachte, es sei richtig, Elinor“, sagte Marianne, „sich voll und ganz nach der Meinung anderer Leute zu richten. Ich dachte, unsere Urteilsfähigkeit sei uns nur gegeben worden, um denen der Nachbarn untergeordnet zu sein. Das ist immer Ihre Doktrin gewesen, da bin ich sicher.“
„Nein, Marianne, niemals. Meine Doktrin hat niemals auf die Unterwerfung des Verstandes abgezielt. Alles, was ich jemals zu beeinflussen versucht habe, war das Verhalten. Sie dürfen meine Bedeutung nicht vermischen. Ich bin schuldig, ich gestehe es, oft gewünscht zu haben, dass Sie unseren Bekannten im Allgemeinen mit größerer Aufmerksamkeit begegnen; aber wann habe ich Ihnen geraten, ihre Ansichten zu übernehmen oder sich in ernsten Angelegenheiten ihrem Urteil zu beugen?“
„Sie sind nicht in der Lage gewesen, Ihre Schwester für Ihren Plan der allgemeinen Höflichkeit zu gewinnen“, sagte Edward zu Elinor. „Gewinnen Sie keinen Boden?“
„Ganz im Gegenteil“, erwiderte Elinor und sah Marianne ausdrucksvoll an.
„Mein Urteil“, entgegnete er, „steht ganz auf Ihrer Seite der Frage; aber ich fürchte, meine Praxis ist viel mehr auf der Ihrer Schwester. Ich möchte niemals beleidigen, aber ich bin so töricht schüchtern, dass ich oft nachlässig erscheine, wenn ich nur durch meine natürliche Ungeschicklichkeit zurückgehalten werde. Ich habe oft gedacht, dass ich von der Natur dazu bestimmt gewesen sein muss, einfache Gesellschaft zu mögen; ich fühle mich unter Fremden von Stand so wenig wohl!“
„Marianne hat keine Schüchternheit, um eine Unaufmerksamkeit ihrerseits zu entschuldigen“, sagte Elinor.
„Sie kennt ihren eigenen Wert zu gut für falsche Scham“, antwortete Edward. „Schüchternheit ist nur die Auswirkung eines Gefühls der Unterlegenheit, auf die eine oder andere Weise. Wenn ich mich davon überzeugen könnte, dass meine Manieren vollkommen ungezwungen und anmutig wären, wäre ich nicht schüchtern.“
„Aber Sie wären immer noch verschlossen“, sagte Marianne, „und das ist schlimmer.“
Edward fuhr zusammen. — „Verschlossen! Bin ich verschlossen, Marianne?“
„Ja, sehr.“
„Ich verstehe Sie nicht“, antwortete er errötend. „Verschlossen! — wie, auf welche Art? Was soll ich Ihnen sagen? Was können Sie vermuten?“
Elinor sah überrascht auf seine Erregung; aber sie versuchte, das Thema wegzulächeln, und sagte zu ihm: „Kennen Sie meine Schwester nicht gut genug, um zu verstehen, was sie meint? Wissen Sie nicht, dass sie jeden für verschlossen hält, der nicht so schnell redet und das, was sie bewundert, nicht so schwärmerisch bewundert wie sie selbst?“
Edward gab keine Antwort. Seine Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit kehrten in vollem Umfang zurück — und er saß eine Zeit lang still und stumpf da.
KAPITEL XVIII.
Elinor sah mit großer Unruhe die gedrückte Stimmung ihres Freundes. Sein Besuch bot ihr nur eine sehr teilweise Befriedigung, während sein eigenes Vergnügen daran so unvollkommen schien. Es war offensichtlich, dass er unglücklich war; sie wünschte, es wäre ebenso offensichtlich, dass er sie immer noch mit derselben Zuneigung auszeichnete, von deren Erweckung sie einst keinen Zweifel gehabt hatte; aber bisher schien die Beständigkeit seiner Vorliebe sehr ungewiss; und die Verschlossenheit seines Benehmens ihr gegenüber widersprach in einem Moment dem, was ein lebhafterer Blick im vorangegangenen angedeutet hatte.
Er schloss sich ihr und Marianne am nächsten Morgen im Frühstückszimmer an, bevor die anderen unten waren; und Marianne, die immer eifrig darauf bedacht war, ihr Glück so weit wie möglich zu fördern, ließ sie bald allein. Doch noch bevor sie auf halbem Weg die Treppe hinauf war, hörte sie die Salontür aufgehen, und als sie sich umdrehte, war sie erstaunt, Edward selbst herauskommen zu sehen.
„Ich gehe ins Dorf, um nach meinen Pferden zu sehen“, sagte er, „da Sie noch nicht zum Frühstück bereit sind; ich werde gleich wieder zurück sein.“
Edward kehrte mit neuer Bewunderung für das umliegende Land zu ihnen zurück; auf seinem Spaziergang zum Dorf hatte er viele Teile des Tals vorteilhaft gesehen; und das Dorf selbst, das in einer viel höheren Lage als das Cottage lag, bot einen allgemeinen Blick auf das Ganze, der ihm außerordentlich gefallen hatte. Dies war ein Thema, das Mariannes Aufmerksamkeit sicherte, und sie begann, ihre eigene Bewunderung für diese Szenen zu beschreiben und ihn genauer nach den Objekten zu fragen, die ihn besonders beeindruckt hatten, als Edward sie mit den Worten unterbrach: „Sie dürfen nicht zu weit fragen, Marianne — denken Sie daran, ich habe kein Wissen vom Malerischen, und ich werde Sie durch meine Unwissenheit und meinen Mangel an Geschmack beleidigen, wenn wir ins Detail gehen. Ich werde Hügel steil nennen, die kühn sein sollten; Oberflächen seltsam und ungehobelt, die unregelmäßig und zerklüftet sein sollten; und ferne Objekte außer Sicht, die nur undeutlich durch das weiche Medium einer dunstigen Atmosphäre sein sollten. Sie müssen sich mit einer solchen Bewunderung begnügen, wie ich sie ehrlich geben kann. Ich nenne es ein sehr schönes Land — die Hügel sind steil, die Wälder scheinen voller schöner Bäume zu sein, und das Tal sieht gemütlich und behaglich aus — mit reichen Wiesen und mehreren gepflegten Bauernhäusern, die hier und da verstreut sind. Es entspricht genau meiner Vorstellung von einem schönen Land, weil es Schönheit mit Nützlichkeit verbindet — und ich wette, es ist auch ein malerisches, weil Sie es bewundern; ich kann leicht glauben, dass es voller Felsen und Vorgebirge, grauem Moos und Gestrüpp ist, aber das geht alles an mir vorbei. Ich verstehe nichts vom Malerischen.“
„Ich fürchte, das ist nur zu wahr“, sagte Marianne; „aber warum sollten Sie damit prahlen?“
„Ich vermute“, sagte Elinor, „dass Edward hier, um eine Art der Affektiertheit zu vermeiden, in eine andere verfällt. Weil er glaubt, dass viele Leute mehr Bewunderung für die Schönheiten der Natur heucheln, als sie wirklich empfinden, und von solchen Anmaßungen abgestoßen ist, heuchelt er selbst eine größere Gleichgültigkeit und weniger Unterscheidungsvermögen bei deren Betrachtung, als er besitzt. Er ist wählerisch und will seine eigene Affektiertheit haben.“
„Es ist sehr wahr“, sagte Marianne, „dass die Bewunderung von Landschaftsszenen zu einem bloßen Jargon geworden ist. Jeder gibt vor, zu fühlen, und versucht zu beschreiben mit dem Geschmack und der Eleganz dessen, der zuerst definierte, was malerische Schönheit sei. Ich verabscheue Jargon jeglicher Art, und manchmal habe ich meine Gefühle für mich behalten, weil ich keine Sprache finden konnte, sie zu beschreiben, außer einer, die bis zur Sinnlosigkeit abgenutzt und abgedroschen war.“
„Ich bin überzeugt“, sagte Edward, „dass Sie wirklich all das Entzücken an einem schönen Ausblick empfinden, das Sie zu empfinden vorgeben. Aber im Gegenzug muss Ihre Schwester mir erlauben, nicht mehr zu empfinden, als ich vorgebe. Ich mag einen schönen Ausblick, aber nicht nach malerischen Prinzipien. Ich mag keine krummen, verdrehten, vom Blitz getroffenen Bäume. Ich bewundere sie viel mehr, wenn sie hoch, gerade und blühend sind. Ich mag keine verfallenen, zerlumpten Hütten. Ich bin nicht erpicht auf Brennnesseln oder Disteln oder Heidekrautblüten. Ich habe mehr Freude an einem gemütlichen Bauernhaus als an einem Wachturm — und eine Truppe ordentlicher, glücklicher Dorfbewohner gefällt mir besser als die feinste Räuberbande der Welt.“
Marianne sah Edward mit Erstaunen an, mit Mitleid ihre Schwester. Elinor lachte nur.
Das Thema wurde nicht weiter verfolgt; und Marianne blieb nachdenklich still, bis ein neues Objekt plötzlich ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Sie saß neben Edward, und als er seinen Tee von Mrs. Dashwood entgegennahm, bewegte sich seine Hand so direkt vor ihr, dass ein Ring mit einer Haarlocke in der Mitte an einem seiner Finger sehr auffällig war.
„Ich habe Sie noch nie einen Ring tragen sehen, Edward“, rief sie. „Ist das Fannys Haar? Ich erinnere mich, dass sie versprach, Ihnen welches zu geben. Aber ich hätte gedacht, ihr Haar wäre dunkler gewesen.“
Marianne sprach unbedacht aus, was sie wirklich fühlte — doch als sie sah, wie sehr sie Edward geschmerzt hatte, konnte ihre eigene Verärgerung über ihre Gedankenlosigkeit von seiner nicht übertroffen werden. Er errötete sehr tief und warf einen flüchtigen Blick auf Elinor, dann antwortete er: „Ja; es ist das Haar meiner Schwester. Die Fassung wirft bekanntlich immer einen anderen Schatten darauf.“
Elinor hatte seinen Blick erwidert und sah ebenfalls ertappt aus. Dass das Haar ihr eigenes war, fühlte sie augenblicklich genauso überzeugt wie Marianne; der einzige Unterschied in ihren Schlussfolgerungen war, dass das, was Marianne als freies Geschenk ihrer Schwester betrachtete, Elinor als etwas wusste, das durch irgendeinen Diebstahl oder eine List ohne ihr Wissen beschafft worden sein musste. Sie war jedoch nicht in der Stimmung, es als eine Kränkung zu betrachten, und tat so, als bemerke sie nichts von dem, was geschah, indem sie sofort von etwas anderem sprach, während sie sich innerlich vornahm, fortan jede Gelegenheit zu nutzen, das Haar zu betrachten und sich zweifelsfrei davon zu überzeugen, dass es genau der Farbton ihres eigenen war.
Edwards Verlegenheit hielt einige Zeit an, und sie endete in einer noch gefestigteren Geistesabwesenheit. Er war den ganzen Morgen besonders ernst. Marianne verurteilte sich selbst streng für das, was sie gesagt hatte; aber ihre eigene Vergebung hätte schneller sein können, wenn sie gewusst hätte, wie wenig Kränkung es ihrer Schwester bereitet hatte.
Vor der Mitte des Tages wurden sie von Sir John und Mrs. Jennings besucht, die von der Ankunft eines Herrn im Cottage gehört hatten und kamen, um den Gast in Augenschein zu nehmen. Mit der Unterstützung seiner Schwiegermutter brauchte Sir John nicht lange, um zu entdecken, dass der Name Ferrars mit einem F begann, und dies bereitete eine zukünftige Mine des Spotts gegen die hingebungsvolle Elinor vor, die nur die Neuheit ihrer Bekanntschaft mit Edward davon abgehalten hatte, sofort gezündet zu werden. Aber so wie es war, lernte sie nur aus einigen sehr vielsagenden Blicken, wie weit ihre auf Margarets Anweisungen begründete Durchdringungskraft reichte.
Sir John kam nie zu den Dashwoods, ohne sie entweder für den nächsten Tag zum Abendessen in den Park einzuladen oder für denselben Abend zum Tee. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit wünschte er, zur besseren Unterhaltung ihres Besuchers, zu dessen Vergnügen beizutragen er sich verpflichtet fühlte, sie für beides zu verpflichten.
„Sie müssen heute Abend bei uns Tee trinken“, sagte er, „denn wir werden ganz allein sein — und morgen müssen Sie unbedingt bei uns speisen, denn wir werden eine große Gesellschaft sein.“
Mrs. Jennings betonte die Notwendigkeit. „Und wer weiß, vielleicht bringt ihr einen Tanz zustande“, sagte sie. „Und das wird Sie in Versuchung führen, Miss Marianne.“
„Ein Tanz!“, rief Marianne. „Unmöglich! Wer soll tanzen?“
„Wer! Nun, ihr selbst und die Careys und Whitakers natürlich. — Was! Ihr dachtet, niemand könnte tanzen, weil eine gewisse Person, die ungenannt bleiben soll, weg ist!“
„Ich wünschte aus ganzer Seele“, rief Sir John, „dass Willoughby wieder unter uns wäre.“
Dies und Mariannes Erröten erweckten neue Verdächtigungen bei Edward. „Und wer ist Willoughby?“, sagte er mit leiser Stimme zu Miss Dashwood, neben der er saß.
Sie gab ihm eine kurze Antwort. Mariannes Gesichtsausdruck war mitteilsamer. Edward sah genug, um nicht nur die Bedeutung der anderen zu begreifen, sondern auch solche Äußerungen Mariannes, die ihn zuvor verwirrt hatten; und als ihre Besucher sie verließen, ging er sofort um sie herum und sagte flüsternd: „Ich habe geraten. Soll ich Ihnen meine Vermutung mitteilen?“
„Was meinen Sie?“
„Soll ich es Ihnen sagen?“
„Gewiss.“
„Nun denn; ich rate, dass Mr. Willoughby jagt.“
Marianne war überrascht und verwirrt, doch sie konnte nicht umhin, über die stille Spitzfindigkeit seines Benehmens zu lächeln, und sagte nach einem Moment des Schweigens:
„Oh, Edward! Wie können Sie nur? — Aber die Zeit wird kommen, hoffe ich... ich bin sicher, er wird Ihnen gefallen.“
„Ich zweifle nicht daran“, antwortete er, ziemlich erstaunt über ihren Ernst und ihre Wärme; denn hätte er nicht geglaubt, es sei ein Scherz zum Wohle ihrer allgemeinen Bekanntschaft, der nur auf einem Etwas oder einem Nichts zwischen Mr. Willoughby und ihr beruhe, hätte er es nicht gewagt, ihn zu erwähnen.“
KAPITEL XIX.
Edward blieb eine Woche im Cottage; er wurde von Mrs. Dashwood dringend gebeten, länger zu bleiben; aber als wäre er nur auf Selbstkasteiung aus, schien er entschlossen zu sein, zu gehen, wenn sein Genuss unter seinen Freunden auf dem Höhepunkt war. Seine Stimmung war während der letzten zwei oder drei Tage, obwohl immer noch sehr wechselhaft, stark verbessert — er wurde dem Haus und der Umgebung mehr und mehr zugetan — sprach nie vom Weggehen ohne einen Seufzer — erklärte seine Zeit für völlig frei — zweifelte sogar, an welchen Ort er gehen sollte, wenn er sie verließe — aber dennoch musste er gehen. Nie war eine Woche so schnell vergangen — er konnte kaum glauben, dass sie vorbei war. Er sagte es wiederholt; andere Dinge sagte er auch, die die Wendung seiner Gefühle kennzeichneten und seinen Handlungen Lügen straften. Er hatte kein Vergnügen in Norland; er verabscheute es, in der Stadt zu sein; aber entweder nach Norland oder London musste er gehen. Er schätzte ihre Freundlichkeit über alles, und sein größtes Glück war es, bei ihnen zu sein. Dennoch musste er sie nach einer Woche verlassen, ungeachtet ihrer Wünsche und seiner eigenen, und ohne jede Einschränkung seiner Zeit.
Elinor legte alles, was an dieser Art zu handeln erstaunlich war, dem Konto seiner Mutter zur Last; und es war ein Glück für sie, dass er eine Mutter hatte, deren Charakter ihr so unvollkommen bekannt war, dass er die allgemeine Entschuldigung für alles Seltsame seitens ihres Sohnes bildete. Enttäuscht jedoch, und verärgert wie sie war, und manchmal missgestimmt über sein ungewisses Verhalten ihr gegenüber, war sie im Ganzen sehr geneigt, seine Handlungen mit all den aufrichtigen Nachsichten und großzügigen Rechtfertigungen zu betrachten, die ihr von ihrer Mutter für Willoughbys Dienste eher schmerzlicher abverlangt worden waren. Sein Mangel an Stimmung, an Offenheit und an Beständigkeit wurden meist seinem Mangel an Unabhängigkeit und seiner besseren Kenntnis von Mrs. Ferrars’ Gesinnung und Plänen zugeschrieben. Die Kürze seines Besuchs, die Standhaftigkeit seines Vorsatzes, sie zu verlassen, entsprangen derselben gefesselten Neigung, derselben unvermeidlichen Notwendigkeit, mit seiner Mutter zu taktieren. Das alte, wohlbekannte Leid von Pflicht gegen Willen, Eltern gegen Kind, war die Ursache von allem. Sie wäre froh gewesen zu wissen, wann diese Schwierigkeiten aufhören, dieser Widerstand nachgeben würde, — wann Mrs. Ferrars reformiert werden und ihr Sohn frei sein würde, glücklich zu sein. Doch von solchen vergeblichen Wünschen musste sie sich abwenden, um Trost in der Erneuerung ihres Vertrauens in Edwards Zuneigung zu finden, in der Erinnerung an jedes Zeichen der Zuneigung in Blick oder Wort, das während seines Aufenthalts in Barton von ihm kam, und vor allem an jenem schmeichelhaften Beweis dafür, den er ständig um seinen Finger trug.
„Ich glaube, Edward“, sagte Mrs. Dashwood, als sie am letzten Morgen beim Frühstück waren, „Sie wären ein glücklicherer Mann, wenn Sie einen Beruf hätten, um Ihre Zeit zu beschäftigen und Ihren Plänen und Handlungen ein Interesse zu geben. Ein gewisser Nachteil für Ihre Freunde könnte allerdings daraus entstehen — Sie könnten ihnen nicht mehr so viel von Ihrer Zeit widmen. Aber (mit einem Lächeln) Sie wären in einer Hinsicht zumindest wesentlich begünstigt — Sie wüssten, wohin Sie gehen sollen, wenn Sie sie verlassen.“
„Ich versichere Ihnen“, antwortete er, „dass ich schon lange über diesen Punkt so denke, wie Sie jetzt denken. Es ist, und war, und wird wahrscheinlich immer ein schweres Unglück für mich sein, dass ich kein notwendiges Geschäft hatte, um mich zu beschäftigen, keinen Beruf, um mir Beschäftigung zu geben oder mir etwas wie Unabhängigkeit zu bieten. Aber leider haben meine eigene Empfindlichkeit und die Empfindlichkeit meiner Freunde mich zu dem gemacht, was ich bin, ein untätiges, hilfloses Wesen. Wir konnten uns nie auf unsere Wahl eines Berufs einigen. Ich habe immer die Kirche bevorzugt, wie ich es immer noch tue. Aber das war meiner Familie nicht elegant genug. Sie empfahlen die Armee. Das war mir viel zu elegant. Das Gesetz galt als vornehm genug; viele junge Männer, die Kammern im Temple hatten, machten einen sehr guten Eindruck in den ersten Kreisen und fuhren in der Stadt in sehr kenntnisreichen Gigs herum. Aber ich hatte keine Neigung zum Gesetz, selbst in diesem weniger schwierigen Studium desselben, das meine Familie billigte. Was die Marine betrifft, so hatte sie die Mode auf ihrer Seite, aber ich war zu alt, als das Thema zum ersten Mal zur Sprache kam, um ihr beizutreten — und schließlich, da es keine Notwendigkeit gab, überhaupt einen Beruf zu haben, da ich ohne einen roten Rock auf dem Rücken genauso flott und kostspielig sein konnte wie mit einem, wurde die Untätigkeit im Ganzen als am vorteilhaftesten und ehrenhaftesten erklärt, und ein junger Mann von achtzehn ist im Allgemeinen nicht so eifrig darauf aus, beschäftigt zu sein, dass er den Bitten seiner Freunde, nichts zu tun, widerstehen könnte. Ich wurde daher in Oxford eingeschrieben und bin seitdem ordnungsgemäß untätig.“
„Die Folge davon wird wohl sein“, sagte Mrs. Dashwood, „da die Muße Ihr eigenes Glück nicht gefördert hat, dass Ihre Söhne zu ebenso vielen Bestrebungen, Beschäftigungen, Berufen und Gewerben erzogen werden wie Columellas.“
„Sie werden“, sagte er in ernstem Ton, „dazu erzogen werden, mir so unähnlich wie möglich zu sein. Im Gefühl, im Handeln, im Zustand, in allem.“
„Komm, komm; das ist alles nur ein Ausbruch augenblicklichen Mangels an Lebensmut, Edward. Du bist in einer schwermütigen Stimmung und bildest dir ein, dass jeder, der nicht so ist wie du, glücklich sein müsse. Aber bedenke, dass der Schmerz über den Abschied von Freunden von jedem Menschen zuweilen empfunden wird, ungeachtet seiner Erziehung oder seines Standes. Erkenne dein eigenes Glück. Dir fehlt nichts als Geduld – oder gib ihr einen reizvolleren Namen, nenne sie Hoffnung. Deine Mutter wird dir mit der Zeit jene Unabhängigkeit sichern, nach der du dich so sehr sehnst; es ist ihre Pflicht, und es wird, es muss ihr bald zu einem Glück werden, zu verhindern, dass deine ganze Jugend in Unzufriedenheit vergeht. Wie viel können nicht ein paar Monate bewirken?“
„Ich glaube“, erwiderte Edward, „dass ich wohl behaupten darf, dass viele Monate für mich nichts Gutes hervorbringen werden.“
Diese niedergeschlagene Geisteshaltung, obwohl sie Mrs. Dashwood nicht mitgeteilt werden konnte, bereitete ihnen allen beim Abschied, der kurz darauf stattfand, zusätzlichen Schmerz und hinterließ besonders bei Elinor einen unangenehmen Eindruck, zu dessen Überwindung es einiger Mühe und Zeit bedurfte. Da sie jedoch entschlossen war, ihn zu überwinden und zu verhindern, dass sie den Anschein erweckte, mehr zu leiden als ihre ganze Familie unter seinem Weggang, wählte sie nicht die Methode, die Marianne bei einer ähnlichen Gelegenheit so einsichtsvoll anwandte, um ihren Kummer durch das Suchen von Stille, Einsamkeit und Müßiggang zu vergrößern und zu festigen. Ihre Mittel waren so verschieden wie ihre Ziele und gleichermaßen geeignet, das Bestreben einer jeden zu fördern.
Elinor setzte sich an ihren Zeichentisch, sobald er das Haus verlassen hatte, beschäftigte sich den ganzen Tag emsig, suchte und vermied weder die Erwähnung seines Namens, schien sich fast so sehr wie eh und je für die allgemeinen Angelegenheiten der Familie zu interessieren, und wenn sie durch dieses Verhalten ihren eigenen Kummer auch nicht linderte, so blieb er doch zumindest vor unnötiger Steigerung bewahrt, und ihrer Mutter und ihren Schwestern blieb viel Sorge um ihretwillen erspart.
Ein solches Verhalten, das so genau das Gegenteil ihres eigenen war, erschien Marianne keineswegs verdienstvoller, als ihr eigenes ihr selbst fehlerhaft erschienen war. Die Sache mit der Selbstbeherrschung erledigte sie sehr leicht; bei starken Gefühlen war sie unmöglich, bei ruhigen hätte sie keinen Wert. Dass die Gefühle ihrer Schwester ruhig waren, wagte sie nicht zu leugnen, auch wenn sie errötete, es zuzugeben; und von der Stärke ihrer eigenen legte sie einen sehr bemerkenswerten Beweis ab, indem sie diese Schwester trotz dieser demütigenden Überzeugung weiterhin liebte und achtete.
Ohne sich vor ihrer Familie zu verschließen, das Haus in entschlossener Einsamkeit zu verlassen, um ihnen aus dem Weg zu gehen, oder die ganze Nacht wach zu liegen, um dem Nachdenken nachzugeben, fand Elinor jeden Tag Muße genug, um an Edward zu denken und an Edwards Verhalten, in jeder erdenklichen Weise, die der unterschiedliche Zustand ihrer Stimmung zu verschiedenen Zeiten hervorbringen konnte – mit Zärtlichkeit, Mitleid, Billigung, Tadel und Zweifel. Es gab Momente in Hülle und Fülle, in denen, wenn nicht durch die Abwesenheit ihrer Mutter und Schwestern, so doch durch die Art ihrer Beschäftigungen, ein Gespräch unter ihnen untersagt war und jede Wirkung der Einsamkeit hervorgerufen wurde. Ihr Geist war zwangsläufig frei; ihre Gedanken konnten nicht anderswo angekettet werden; und die Vergangenheit und die Zukunft, bei einem so interessanten Thema, mussten vor ihr stehen, ihre Aufmerksamkeit erzwingen und ihr Gedächtnis, ihre Reflexion und ihre Fantasie in Beschlag nehmen.
Aus einer Träumerei dieser Art, während sie an ihrem Zeichentisch saß, wurde sie eines Morgens, kurz nachdem Edward sie verlassen hatte, durch die Ankunft von Besuch aufgeschreckt. Sie war zufällig ganz allein. Das Schließen des kleinen Gatters am Eingang des grünen Hofes vor dem Haus zog ihre Blicke zum Fenster, und sie sah eine große Gesellschaft auf die Tür zugehen. Unter ihnen waren Sir John und Lady Middleton sowie Mrs. Jennings, aber da waren noch zwei andere, ein Herr und eine Dame, die ihr völlig unbekannt waren. Sie saß in der Nähe des Fensters, und sobald Sir John sie bemerkte, überließ er den Rest der Gesellschaft dem Zeremoniell des Anklopfens an der Tür, schritt über den Rasen und zwang sie, das Fenster zu öffnen, um mit ihm zu sprechen, obwohl der Abstand zwischen der Tür und dem Fenster so kurz war, dass es kaum möglich war, an dem einen zu sprechen, ohne an dem anderen gehört zu werden.
„Nun“, sagte er, „wir haben euch ein paar Fremde mitgebracht. Wie gefallen sie dir?“
„Pst! Sie werden dich hören.“
„Mach dir nichts daraus, wenn sie es tun. Es sind nur die Palmers. Charlotte ist sehr hübsch, das kann ich dir sagen. Du kannst sie sehen, wenn du in diese Richtung schaust.“
Da Elinor sicher war, sie in ein paar Minuten zu sehen, ohne sich diese Freiheit zu nehmen, bat sie, entschuldigt zu werden.
„Wo ist Marianne? Ist sie weggelaufen, weil wir gekommen sind? Ich sehe, ihr Instrument ist offen.“
„Sie macht einen Spaziergang, glaube ich.“
Sie wurden nun von Mrs. Jennings begleitet, die nicht genug Geduld hatte, zu warten, bis die Tür geöffnet wurde, bevor sie ihre Geschichte erzählte. Sie kam zum Fenster gerufen: „Wie geht es dir, meine Liebe? Wie geht es Mrs. Dashwood? Und wo sind deine Schwestern? Was! Ganz allein! Ihr werdet froh sein über ein wenig Gesellschaft, die bei euch sitzt. Ich habe meinen anderen Sohn und meine Tochter mitgebracht, um euch zu besuchen. Denkt nur, dass sie so plötzlich kommen! Ich meinte, gestern Abend einen Wagen gehört zu haben, während wir unseren Tee tranken, aber es kam mir nicht in den Sinn, dass sie es sein könnten. Ich dachte an nichts anderes, als ob es vielleicht Colonel Brandon sein könnte, der wieder zurückgekommen ist; also sagte ich zu Sir John, ich glaube wirklich, ich höre eine Kutsche; vielleicht ist es Colonel Brandon, der wieder zurückgekommen ist –“
Elinor war gezwungen, sich mitten in ihrer Geschichte von ihr abzuwenden, um den Rest der Gesellschaft in Empfang zu nehmen; Lady Middleton stellte die beiden Fremden vor; Mrs. Dashwood und Margaret kamen zur gleichen Zeit die Treppe herunter, und sie setzten sich alle, um einander zu betrachten, während Mrs. Jennings ihre Geschichte fortsetzte, als sie durch den Flur in das Wohnzimmer ging, begleitet von Sir John.
Mrs. Palmer war einige Jahre jünger als Lady Middleton und ihr in jeder Hinsicht völlig unähnlich. Sie war klein und rundlich, hatte ein sehr hübsches Gesicht und den schönsten Ausdruck von guter Laune, der nur möglich war. Ihre Manieren waren keineswegs so elegant wie die ihrer Schwester, aber sie waren weitaus gewinnender. Sie kam mit einem Lächeln herein, lächelte während der ganzen Zeit ihres Besuchs, außer wenn sie lachte, und lächelte, als sie wieder ging. Ihr Ehemann war ein ernst aussehender junger Mann von fünf- oder sechsundzwanzig Jahren, mit einem Anflug von mehr Mode und Verstand als seine Frau, aber mit weniger Bereitschaft, zu gefallen oder Gefallen zu finden. Er betrat den Raum mit einem Blick der Selbstwichtigkeit, verneigte sich leicht vor den Damen, ohne ein Wort zu sagen, und nachdem er sie und ihre Räumlichkeiten kurz gemustert hatte, nahm er eine Zeitung vom Tisch und las sie so lange, wie er blieb.
Mrs. Palmer hingegen, die von Natur aus mit einem Hang zur durchweg höflichen und fröhlichen Art ausgestattet war, war kaum niedergelassen, als ihre Bewunderung für das Wohnzimmer und alles darin hervorbrach.
„Nun! Was für ein entzückendes Zimmer das ist! Ich habe noch nie etwas so Reizvolles gesehen! Denkt nur, Mama, wie es sich verbessert hat, seit ich das letzte Mal hier war! Ich hielt es immer für einen so süßen Ort, gnädige Frau! (wandte sich an Mrs. Dashwood), aber ihr habt es so bezaubernd gemacht! Schaut nur, Schwester, wie herrlich alles ist! Wie gerne hätte ich ein solches Haus für mich selbst! Würdest du das nicht auch, Mr. Palmer?“
Mr. Palmer gab ihr keine Antwort und hob nicht einmal die Augen von der Zeitung.
„Mr. Palmer hört mich nicht“, sagte sie lachend; „das tut er manchmal nie. Es ist so lächerlich!“
Das war ein ganz neuer Gedanke für Mrs. Dashwood; sie war es nie gewohnt gewesen, Witz in der Unaufmerksamkeit eines anderen zu finden, und konnte nicht umhin, sie beide überrascht anzusehen.
Mrs. Jennings unterdessen redete so laut sie konnte und fuhr mit ihrem Bericht über ihre Überraschung am Abend zuvor beim Anblick ihrer Freunde fort, ohne aufzuhören, bis alles erzählt war. Mrs. Palmer lachte herzlich bei der Erinnerung an ihr Erstaunen, und alle waren sich zwei- oder dreimal einig, dass es eine durchaus angenehme Überraschung gewesen war.
„Ihr könnt glauben, wie froh wir alle waren, sie zu sehen“, fügte Mrs. Jennings hinzu, beugte sich zu Elinor vor und sprach mit leiser Stimme, als ob sie nicht wollte, dass es jemand anderes hörte, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Zimmers saßen; „aber wie dem auch sei, ich kann nicht umhin zu wünschen, sie wären nicht ganz so schnell gereist und hätten nicht so eine lange Reise daraus gemacht, denn sie kamen wegen einiger Geschäfte den ganzen weiten Weg über London, denn ihr wisst (nickte bedeutungsvoll und deutete auf ihre Tochter), das war in ihrem Zustand nicht richtig. Ich wollte, dass sie zu Hause bleibt und sich diesen Morgen ausruht, aber sie wollte mit uns kommen; sie sehnte sich so sehr danach, euch alle zu sehen!“
Mrs. Palmer lachte und sagte, es würde ihr nicht schaden.
„Sie erwartet ihre Entbindung im Februar“, fuhr Mrs. Jennings fort.
Lady Middleton konnte ein solches Gespräch nicht länger ertragen und bemühte sich daher, Mr. Palmer zu fragen, ob es Neuigkeiten in der Zeitung gäbe.
„Nein, überhaupt keine“, antwortete er und las weiter.
„Hier kommt Marianne“, rief Sir John. „Nun, Palmer, du wirst ein ungeheuer hübsches Mädchen sehen.“
Er ging sofort in den Flur, öffnete die Vordertür und geleitete sie selbst herein. Mrs. Jennings fragte sie, sobald sie erschien, ob sie nicht in Allenham gewesen sei; und Mrs. Palmer lachte so herzlich über die Frage, dass sie zeigte, dass sie sie verstand. Mr. Palmer blickte auf, als sie den Raum betrat, starrte sie einige Minuten an und kehrte dann zu seiner Zeitung zurück. Mrs. Palmers Blick fiel nun auf die Zeichnungen, die im Zimmer hingen. Sie stand auf, um sie zu untersuchen.
„Oh! Gott, wie schön das sind! Nun! Wie entzückend! Schaut nur, Mama, wie süß! Ich erkläre, sie sind ganz bezaubernd; ich könnte sie ewig ansehen.“ Und dann, als sie sich wieder hinsetzte, vergaß sie sehr bald, dass es solche Dinge im Raum gab.
Als Lady Middleton aufstand, um zu gehen, stand Mr. Palmer ebenfalls auf, legte die Zeitung beiseite, streckte sich und blickte sie alle ringsum an.
„Mein Schatz, hast du geschlafen?“, sagte seine Frau lachend.
Er gab ihr keine Antwort und bemerkte nur, nachdem er den Raum erneut gemustert hatte, dass er sehr niedrig sei und die Decke schief. Er verneigte sich dann und ging mit den anderen.
Sir John hatte alle sehr gedrängt, den nächsten Tag im Park zu verbringen. Mrs. Dashwood, die nicht öfter bei ihnen speisen wollte, als sie im Cottage speisten, lehnte für ihre Person absolut ab; ihre Töchter konnten tun, was sie wollten. Aber sie hatten keine Neugier darauf, zu sehen, wie Mr. und Mrs. Palmer ihr Abendessen aßen, und keine Erwartung von Vergnügen durch sie in irgendeiner anderen Weise. Sie versuchten daher ebenfalls, sich zu entschuldigen; das Wetter sei unsicher und werde wohl nicht gut werden. Aber Sir John wollte sich nicht zufriedengeben – die Kutsche solle für sie geschickt werden, und sie müssten kommen. Auch Lady Middleton drängte sie, wenn sie auch nicht ihre Mutter drängte. Mrs. Jennings und Mrs. Palmer schlossen sich ihren Bitten an, alle schienen gleichermaßen bemüht, eine Familienfeier zu vermeiden; und die jungen Damen sahen sich gezwungen, nachzugeben.
„Warum sollten sie uns bitten?“, sagte Marianne, sobald sie weg waren. „Die Miete für dieses Cottage soll niedrig sein; aber wir haben es zu sehr harten Bedingungen, wenn wir im Park speisen müssen, wann immer jemand entweder bei ihnen oder bei uns zu Gast ist.“
„Sie meinen es jetzt nicht weniger höflich und freundlich mit uns“, sagte Elinor, „durch diese häufigen Einladungen als durch jene, die wir vor ein paar Wochen von ihnen erhielten. Die Veränderung liegt nicht bei ihnen, falls ihre Gesellschaften ermüdend und langweilig geworden sind. Wir müssen die Veränderung anderswo suchen.“
KAPITEL XX.
Als die Miss Dashwoods am nächsten Tag zur einen Tür das Wohnzimmer des Parks betraten, kam Mrs. Palmer zur anderen hereingelaufen, so gut gelaunt und fröhlich wie zuvor. Sie nahm sie alle höchst liebevoll bei der Hand und drückte ihre große Freude aus, sie wiederzusehen.
„Ich bin so froh, euch zu sehen!“, sagte sie und setzte sich zwischen Elinor und Marianne, „denn es ist so ein schlechter Tag, da hatte ich Angst, ihr würdet vielleicht nicht kommen, was eine schreckliche Sache wäre, da wir morgen schon wieder wegfahren. Wir müssen fahren, denn die Westons kommen nächste Woche zu uns, wisst ihr. Es war eine ganz plötzliche Sache, dass wir überhaupt gekommen sind, und ich wusste nichts davon, bis die Kutsche vor die Tür kam, und dann fragte mich Mr. Palmer, ob ich mit ihm nach Barton kommen wolle. Er ist so drollig! Er sagt mir nie etwas! Es tut mir so leid, dass wir nicht länger bleiben können; wie auch immer, wir werden uns hoffentlich sehr bald in der Stadt wiedersehen.“
Sie sahen sich gezwungen, einer solchen Erwartung ein Ende zu setzen.
„Nicht in die Stadt fahren!“, rief Mrs. Palmer lachend, „ich werde ganz enttäuscht sein, wenn ihr das nicht tut. Ich könnte das netteste Haus der Welt für euch bekommen, direkt neben unserem, am Hanover-Square. Ihr müsst wirklich kommen. Ich bin sicher, ich werde sehr glücklich sein, euch jederzeit zu begleiten, bis ich entbunden habe, falls Mrs. Dashwood nicht gerne in die Öffentlichkeit gehen sollte.“
Sie dankten ihr; sahen sich aber gezwungen, all ihren Bitten zu widerstehen.
„Oh, mein Schatz“, rief Mrs. Palmer ihrem Mann zu, der gerade den Raum betrat – „du musst mir helfen, die Miss Dashwoods zu überreden, diesen Winter in die Stadt zu fahren.“
Ihr Schatz gab keine Antwort; und nachdem er sich leicht vor den Damen verneigt hatte, begann er, sich über das Wetter zu beklagen.
„Wie scheußlich das alles ist!“, sagte er. „Solches Wetter macht alles und jeden widerwärtig. Langeweile entsteht drinnen ebenso sehr wie draußen durch Regen. Es lässt einen die ganze Bekanntschaft verabscheuen. Was zum Teufel meint Sir John damit, kein Billardzimmer in seinem Haus zu haben? Wie wenige Leute wissen, was Komfort ist! Sir John ist so dumm wie das Wetter.“
Der Rest der Gesellschaft trudelte bald ein.
„Ich fürchte, Miss Marianne“, sagte Sir John, „du konntest heute nicht deinen gewohnten Spaziergang nach Allenham machen.“
Marianne sah sehr ernst aus und sagte nichts.
„Oh, sei nicht so verschmitzt vor uns“, sagte Mrs. Palmer; „denn wir wissen alles darüber, das versichere ich dir; und ich bewundere deinen Geschmack sehr, denn ich finde, er ist überaus gutaussehend. Wir wohnen nicht weit von ihm entfernt auf dem Land, wisst ihr. Nicht mehr als zehn Meilen, würde ich wetten.“
„Viel näher an dreißig“, sagte ihr Mann.
„Ach, nun! Da ist nicht viel Unterschied. Ich war noch nie bei ihm zu Hause; aber man sagt, es sei ein süßer, hübscher Ort.“
„Der scheußlichste Fleck, den ich je in meinem Leben gesehen habe“, sagte Mr. Palmer.
Marianne blieb vollkommen schweigsam, obwohl ihre Miene ihr Interesse an dem Gesagten verriet.
„Ist er sehr hässlich?“, fuhr Mrs. Palmer fort – „dann muss es wohl ein anderer Ort sein, der so hübsch ist, nehme ich an.“
Als sie im Esszimmer saßen, bemerkte Sir John mit Bedauern, dass sie insgesamt nur zu acht waren.
„Meine Liebe“, sagte er zu seiner Frau, „es ist sehr ärgerlich, dass wir so wenige sind. Warum hast du die Gilberts nicht gebeten, heute zu uns zu kommen?“
„Habe ich dir nicht gesagt, Sir John, als du vorher mit mir darüber gesprochen hast, dass das nicht gehen kann? Sie haben das letzte Mal bei uns gespeist.“
„Sie und ich, Sir John“, sagte Mrs. Jennings, „sollten uns nicht mit solchen Umständen aufhalten.“
„Dann wärt ihr sehr ungezogen“, rief Mr. Palmer.
„Mein Schatz, du widersprichst jedem“, sagte seine Frau mit ihrem üblichen Lachen. „Weißt du, dass du ganz unhöflich bist?“
„Ich wusste nicht, dass ich jemandem widersprochen habe, indem ich deine Mutter als ungezogen bezeichnet habe.“
„Ja, du darfst mich beschimpfen, wie du willst“, sagte die gutmütige alte Dame, „du hast mir Charlotte vom Hals geschafft und kannst sie nicht wieder zurückgeben. Also habe ich da das Heft in der Hand.“
Charlotte lachte herzlich bei dem Gedanken, dass ihr Mann sie nicht loswerden konnte, und sagte triumphierend, es sei ihr egal, wie mürrisch er zu ihr sei, da sie zusammenleben müssten. Es war für niemanden möglich, grundgütiger zu sein oder entschlossener, glücklich zu sein, als Mrs. Palmer. Die studierte Gleichgültigkeit, Unverschämtheit und Unzufriedenheit ihres Mannes bereitete ihr keinen Schmerz; und wenn er sie ausschimpfte oder beleidigte, war sie höchst amüsiert.
„Mr. Palmer ist so drollig!“, sagte sie flüsternd zu Elinor. „Er ist immer schlecht gelaunt.“
Elinor war nach einer kurzen Beobachtung nicht geneigt, ihm zuzugestehen, so aufrichtig und ungekünstelt bösartig oder ungezogen zu sein, wie er zu erscheinen wünschte. Sein Gemüt mochte vielleicht ein wenig verdorben sein durch die Erkenntnis, wie viele andere seines Geschlechts, dass er durch eine unerklärliche Neigung zugunsten der Schönheit der Ehemann einer sehr albernen Frau war – aber sie wusste, dass diese Art von Fehlgriff zu häufig war, als dass ein vernünftiger Mann dauerhaft davon verletzt werden könnte. Es war eher ein Wunsch nach Distinktion, glaubte sie, der seine verächtliche Behandlung aller Menschen und seine allgemeine Schmähung von allem, was vor ihm war, hervorrief. Es war der Wunsch, anderen überlegen zu erscheinen. Das Motiv war zu verbreitet, um darüber zu staunen; aber die Mittel, wie sehr sie auch Erfolg haben mochten, indem sie seine Überlegenheit an Ungezogenheit festigten, waren kaum dazu angetan, jemanden an ihn zu binden, außer seine Frau.
„Oh, meine liebe Miss Dashwood“, sagte Mrs. Palmer kurz darauf, „ich habe einen solchen Gefallen, den ich dich und deine Schwester bitten möchte. Wollt ihr nicht dieses Weihnachtsfest einige Zeit in Cleveland verbringen? Nun, bitte tut es – und kommt, solange die Westons bei uns sind. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich sein werde! Es wird ganz entzückend! – Mein Schatz“, wandte sie sich an ihren Mann, „sehnst du dich nicht danach, dass die Miss Dashwoods nach Cleveland kommen?“
„Gewiss“, erwiderte er mit einem höhnischen Lächeln – „ich kam nach Devonshire mit keiner anderen Absicht.“
„Da hast du es“, sagte seine Frau, „du siehst, Mr. Palmer erwartet euch; also könnt ihr nicht ablehnen zu kommen.“
Beide lehnten ihre Einladung eifrig und entschlossen ab.
„Aber ihr müsst wirklich und sollt kommen. Ich bin sicher, es wird euch über alles gefallen. Die Westons werden bei uns sein, und es wird ganz entzückend. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein süßer Ort Cleveland ist; und wir sind jetzt so ausgelassen, denn Mr. Palmer läuft immer im Land herum und wirbt gegen die Wahl; und so viele Leute kamen bei uns zu Mittag essen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, es ist ganz bezaubernd! Aber, armer Kerl! Es ist sehr anstrengend für ihn! Denn er ist gezwungen, dass ihn jeder mag.“
Elinor konnte kaum ihre Fassung bewahren, als sie der Härte einer solchen Verpflichtung zustimmte.
„Wie bezaubernd es sein wird“, sagte Charlotte, „wenn er im Parlament ist! – nicht wahr? Wie ich lachen werde! Es wird so lächerlich sein, all seine Briefe an ihn mit einem M.P. adressiert zu sehen. – Aber weißt du, er sagt, er wird für mich nie frankieren? Er erklärt, er wird es nicht tun. Nicht wahr, Mr. Palmer?“
Mr. Palmer nahm keine Notiz von ihr.
„Er kann das Schreiben nicht ausstehen, weißt du“, fuhr sie fort – „er sagt, es sei ganz schrecklich.“
„Nein“, sagte er, „ich habe nie etwas so Irrationales gesagt. Schiebe mir nicht all deine Sprachverfehlungen in die Schuhe.“
„Da hast du es; du siehst, wie drollig er ist. So ist es immer mit ihm! Manchmal spricht er einen halben Tag lang nicht mit mir, und dann kommt er mit etwas so Drolligem heraus – alles über irgendetwas auf der Welt.“
Sie überraschte Elinor sehr, als sie ins Wohnzimmer zurückkehrten, indem sie sie fragte, ob sie Mr. Palmer nicht überaus möge.
„Gewiss“, sagte Elinor; „er scheint sehr angenehm zu sein.“
„Nun – ich bin so froh, dass du das tust. Ich dachte, du würdest es, er ist so nett; und Mr. Palmer ist überaus erfreut über dich und deine Schwestern, das kann ich dir sagen, und du kannst dir nicht vorstellen, wie enttäuscht er sein wird, wenn ihr nicht nach Cleveland kommt. – Ich kann mir nicht vorstellen, warum ihr etwas dagegen haben solltet.“
Elinor sah sich erneut gezwungen, die Einladung auszuschlagen; durch einen Themenwechsel unterband sie deren weiteres Drängen. Sie hielt es für wahrscheinlich, dass Mrs. Palmer, da sie in derselben Grafschaft lebten, einen genaueren Bericht über Willoughbys allgemeinen Charakter geben konnte, als aus der oberflächlichen Bekanntschaft der Middletons zu schließen war; und sie war begierig darauf, von irgendjemandem eine Bestätigung seiner Vorzüge zu erhalten, die Marianne jede Furcht nehmen könnte. Sie begann damit, sich zu erkundigen, ob sie Mr. Willoughby in Cleveland häufig sähen und ob sie eng mit ihm befreundet seien.
„O ja, natürlich; ich kenne ihn außerordentlich gut“, antwortete Mrs. Palmer; „nicht, dass ich jemals mit ihm gesprochen hätte, wahrlich nicht; aber ich habe ihn ständig in der Stadt gesehen. Wie es der Zufall wollte, war ich nie in Barton, wenn er in Allenham weilte. Mama hat ihn hier schon einmal gesehen – aber da war ich bei meinem Onkel in Weymouth. Doch ich bin sicher, wir hätten ihn in Somersetshire sehr oft getroffen, wenn es sich nicht so unglücklich gefügt hätte, dass wir niemals gleichzeitig auf dem Land waren. Er ist nur sehr selten in Combe, glaube ich; aber selbst wenn er öfter dort wäre, glaube ich nicht, dass Mr. Palmer ihn besuchen würde, denn er gehört zur Opposition, wissen Sie, und außerdem ist es ein solcher Umweg. Ich weiß sehr wohl, warum Sie nach ihm fragen; Ihre Schwester soll ihn heiraten. Ich bin ungeheuer froh darüber, denn dann habe ich sie als Nachbarin, wissen Sie.“
„Beim besten Willen“, erwiderte Elinor, „Sie wissen viel mehr über die Angelegenheit als ich, falls Sie Grund zu der Annahme haben, dass es eine solche Verbindung geben wird.“
„Tun Sie nicht so, als wollten Sie es leugnen, denn Sie wissen, dass jeder davon spricht. Ich versichere Ihnen, ich habe davon gehört, als ich durch die Stadt kam.“
„Meine liebe Mrs. Palmer!“
„Bei meiner Ehre, das habe ich. – Ich traf Colonel Brandon am Montagmorgen in der Bond Street, kurz bevor wir die Stadt verließen, und er erzählte es mir direkt.“
„Sie überraschen mich sehr. Colonel Brandon hat Ihnen das erzählt! Da müssen Sie sich sicher irren. Eine solche Nachricht einer Person zu überbringen, die nicht daran interessiert sein könnte, selbst wenn sie wahr wäre, ist nichts, was ich von Colonel Brandon erwarten würde.“
„Aber ich versichere Ihnen, es war trotzdem so, und ich werde Ihnen erzählen, wie es dazu kam. Als wir ihn trafen, kehrte er um und ging mit uns; und so begannen wir, über meinen Bruder und meine Schwester und dies und das zu sprechen, und ich sagte zu ihm: ‚Sagen Sie, Colonel, ich habe gehört, eine neue Familie ist ins Barton Cottage gezogen, und Mama schreibt mir, sie seien sehr hübsch, und eine von ihnen werde Mr. Willoughby von Combe Magna heiraten. Ist das wahr, wenn ich fragen darf? Denn das müssen Sie natürlich wissen, da Sie erst kürzlich in Devonshire waren.‘“
„Und was sagte der Colonel?“
„Oh – er sagte nicht viel; aber er sah aus, als wüsste er, dass es wahr sei, also habe ich es von diesem Moment an als sicher verbucht. Es wird ganz wunderbar sein, ich schwöre es! Wann soll es stattfinden?“
„Mr. Brandon war hoffentlich wohlauf?“
„O ja, ganz wohlauf; und er war so voll des Lobes über Sie, er tat nichts anderes, als Schönes über Sie zu sagen.“
„Ich fühle mich durch seine Anerkennung geschmeichelt. Er scheint ein vortrefflicher Mann zu sein; und ich finde ihn außerordentlich angenehm.“
„Das finde ich auch. Er ist ein solch bezaubernder Mann, dass es wirklich schade ist, dass er so ernst und langweilig sein muss. Mama sagt, er sei auch in Ihre Schwester verliebt gewesen. Ich versichere Ihnen, es war ein großes Kompliment, wenn er es war, denn er verliebt sich fast nie in irgendjemanden.“
„Ist Mr. Willoughby in Ihrem Teil von Somersetshire sehr bekannt?“, fragte Elinor.
„O ja, außerordentlich gut; das heißt, ich glaube nicht, dass viele Leute mit ihm bekannt sind, weil Combe Magna so weit weg ist; aber sie alle halten ihn für außerordentlich angenehm, das versichere ich Ihnen. Niemand ist beliebter als Mr. Willoughby, wo immer er auch hingeht, und das können Sie Ihrer Schwester ausrichten. Sie ist ein ungeheuer glückliches Mädchen, ihn zu bekommen, bei meiner Ehre; nicht, dass er nicht viel mehr Glück hätte, sie zu bekommen, denn sie ist so sehr hübsch und angenehm, dass ihr nichts gut genug sein kann. Wie dem auch sei, ich finde sie kaum hübscher als Sie, das versichere ich Ihnen; denn ich halte Sie beide für überaus hübsch, und das tut Mr. Palmer auch, da bin ich sicher, auch wenn wir ihn gestern Abend nicht dazu bringen konnten, es zuzugeben.“
Mrs. Palmers Informationen über Willoughby waren nicht von großer Bedeutung; aber jeder Beweis zu seinen Gunsten, wie gering er auch sein mochte, war Elinor angenehm.
„Ich bin so froh, dass wir uns endlich kennengelernt haben“, fuhr Charlotte fort. „Und nun hoffe ich, dass wir immer gute Freundinnen sein werden. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich mich danach gesehnt habe, Sie zu sehen! Es ist so herrlich, dass Sie im Cottage wohnen! Nichts kann damit verglichen werden, gewiss nicht! Und ich bin so froh, dass Ihre Schwester gut heiraten wird! Ich hoffe, Sie werden oft in Combe Magna sein. Es ist nach allem, was man hört, ein reizender Ort.“
„Sie kennen Colonel Brandon schon lange, nicht wahr?“
„Ja, eine lange Zeit; seit meine Schwester geheiratet hat. Er war ein besonderer Freund von Sir John. Ich glaube“, fügte sie mit leiser Stimme hinzu, „er wäre sehr froh gewesen, mich zu haben, wenn er gekonnt hätte. Sir John und Lady Middleton wünschten es sich sehr. Aber Mama hielt die Verbindung nicht für gut genug für mich, andernfalls hätte Sir John es gegenüber dem Colonel erwähnt, und wir wären sofort verheiratet worden.“
„Wusste Colonel Brandon nichts von Sir Johns Vorschlag an Ihre Mutter, bevor er gemacht wurde? Hat er Ihnen gegenüber seine Zuneigung nie gestanden?“
„Oh, nein; aber wenn Mama keine Einwände gehabt hätte, hätte es ihm, wie ich glaube, sehr gefallen. Er hatte mich damals nicht öfter als zweimal gesehen, denn es war, bevor ich die Schule verließ. Wie dem auch sei, ich bin viel glücklicher, so wie ich bin. Mr. Palmer ist die Art von Mann, die ich mag.“
KAPITEL XXI.
Die Palmers kehrten am nächsten Tag nach Cleveland zurück, und die beiden Familien in Barton waren wieder auf sich allein gestellt. Doch das dauerte nicht lange; Elinor hatte die letzten Besucher kaum aus dem Kopf bekommen, hatte sich kaum über Charlottes grundloses Glück, über das einfältige Verhalten des an sich begabten Mr. Palmer und über die seltsame Unvereinbarkeit gewundert, die oft zwischen Ehemann und Ehefrau herrschte, als Sir Johns und Mrs. Jennings’ aktiver Eifer für die Gesellschaft ihr bereits neue Bekanntschaften zur Beobachtung verschaffte.
Bei einem morgendlichen Ausflug nach Exeter waren sie zwei jungen Damen begegnet, von denen Mrs. Jennings die Genugtuung hatte, zu entdecken, dass sie ihre Verwandten seien, und das reichte Sir John aus, sie umgehend in den Park einzuladen, sobald ihre derzeitigen Verpflichtungen in Exeter beendet wären. Ihre Verpflichtungen in Exeter wichen augenblicklich einer solchen Einladung, und Lady Middleton geriet bei der Rückkehr Sir Johns in nicht geringe Unruhe, als sie hörte, dass sie sehr bald einen Besuch von zwei Mädchen empfangen sollte, die sie in ihrem Leben noch nie gesehen hatte und von deren Eleganz – oder auch nur von deren erträglicher Wohlanständigkeit – sie keinen Beweis haben konnte; denn die Beteuerungen ihres Mannes und ihrer Mutter in dieser Hinsicht zählten rein gar nichts. Dass sie zudem ihre Verwandten waren, machte es umso schlimmer; und Mrs. Jennings’ Versuche der Tröstung waren daher unglückselig begründet, als sie ihrer Tochter riet, sich nicht daran zu stören, dass sie so modisch seien; denn sie seien alle Cousins und Cousinen und müssten sich miteinander arrangieren. Da es jedoch nun unmöglich war, ihr Kommen zu verhindern, ergab sich Lady Middleton mit der ganzen Philosophie einer wohlgearteten Frau in ihr Schicksal und begnügte sich damit, ihrem Mann das Thema fünf- oder sechsmal täglich sanft vorzuhalten.
Die jungen Damen trafen ein: Ihr Äußeres war keineswegs unvornehm oder unmodisch. Ihre Kleidung war sehr schick, ihr Benehmen sehr höflich, sie waren entzückt von dem Haus und in hellem Aufruhr über die Einrichtung, und sie waren so über alle Maßen vernarrt in Kinder, dass Lady Middleton ihnen bereits nach einer Stunde im Park wohlwollend gesinnt war. Sie erklärte sie für überaus angenehme Mädchen, was für ihre Ladyschaft enthusiastische Bewunderung bedeutete. Sir Johns Vertrauen in sein eigenes Urteilsvermögen wuchs mit diesem lebhaften Lob, und er machte sich direkt auf den Weg zum Cottage, um den Miss Dashwoods von der Ankunft der Miss Steeles zu berichten und ihnen zu versichern, dass es die süßesten Mädchen der Welt seien. Von einem solchen Lob jedoch war nicht viel zu lernen; Elinor wusste nur zu gut, dass die süßesten Mädchen der Welt in jedem Teil Englands anzutreffen waren, in jeder denkbaren Variation von Gestalt, Gesicht, Gemüt und Verstand. Sir John wollte, dass die ganze Familie sofort zum Park spaziere, um seine Gäste zu begutachten. Wohlwollender, menschenfreundlicher Mann! Es schmerzte ihn, selbst einen Cousin dritten Grades für sich zu behalten.
„Kommen Sie doch jetzt“, sagte er – „bitte kommen Sie – Sie müssen kommen – ich schwöre, Sie werden kommen – Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr sie Ihnen gefallen werden. Lucy ist ungeheuer hübsch und so gut gelaunt und angenehm! Die Kinder hängen schon alle an ihr, als wäre sie eine alte Bekannte. Und beide sehnen sich danach, Sie zu sehen, denn sie haben in Exeter gehört, dass Sie die schönsten Geschöpfe der Welt seien; und ich habe ihnen gesagt, dass das alles wahr ist, und noch viel mehr. Sie werden von ihnen begeistert sein, da bin ich sicher. Sie haben den ganzen Wagen voll mit Spielzeug für die Kinder mitgebracht. Wie können Sie so störrisch sein und nicht kommen? Warum, sie sind Ihre Cousinen, wissen Sie, gewissermaßen. Sie sind meine Cousinen, und sie sind die meiner Frau, also müssen Sie verwandt sein.“
Doch Sir John konnte sich nicht durchsetzen. Er konnte ihnen nur das Versprechen abringen, innerhalb eines Tages oder zweier den Park zu besuchen, und ließ sie dann in Erstaunen über ihre Gleichgültigkeit zurück, um nach Hause zu gehen und von neuem von den Reizen der Miss Steeles zu prahlen, so wie er bereits bei ihnen von den Miss Steeles geschwärmt hatte.
Als ihr versprochener Besuch im Park und die damit verbundene Vorstellung bei diesen jungen Damen stattfand, fanden sie am Aussehen der Älteren, die fast dreißig war, mit einem sehr schlichten und nicht gerade klugen Gesicht, nichts zu bewundern; aber in der anderen, die nicht mehr als zwei- oder dreiundzwanzig war, erkannten sie beträchtliche Schönheit; ihre Züge waren hübsch, sie hatte ein scharfes, flinkes Auge und eine Gewandtheit im Auftreten, die, wenn sie auch nicht wirkliche Eleganz oder Anmut verlieh, ihrer Person doch Unterscheidungskraft gab. Ihr Benehmen war besonders höflich, und Elinor gestand ihnen bald ein gewisses Maß an Verstand zu, als sie sah, mit welcher steten und umsichtigen Aufmerksamkeit sie sich bei Lady Middleton beliebt machten. Bei ihren Kindern waren sie in ununterbrochenem Entzücken, priesen deren Schönheit, buhlten um ihre Aufmerksamkeit und gaben ihren Launen nach; und die Zeit, die sie von den dringenden Forderungen erübrigen konnten, welche diese Höflichkeit an sie stellte, verbrachten sie damit, alles zu bewundern, was ihre Ladyschaft gerade tat, falls sie denn überhaupt etwas tat, oder damit, Schnittmuster für ein elegantes neues Kleid zu nehmen, in dem ihr Erscheinen am Vortag sie in unaufhörliches Entzücken versetzt hatte. Glücklicherweise für diejenigen, die ihre Gunst durch solche Schwächen erschleichen, ist eine liebende Mutter, obgleich sie in ihrem Streben nach Lob für ihre Kinder die gierigste aller Sterblichen ist, auch die leichtgläubigste; ihre Ansprüche sind maßlos; aber sie schluckt alles; und die exzessive Zuneigung und Duldsamkeit der Miss Steeles gegenüber ihrem Nachwuchs wurde daher von Lady Middleton ohne das geringste Erstaunen oder Misstrauen betrachtet. Sie sah mit mütterlichem Wohlwollen auf alle unverschämten Übergriffe und mutwilligen Streiche, denen sich ihre Cousinen unterzogen. Sie sah, wie die Schärpen ihrer Kinder gelöst, ihre Haare an den Ohren gezerrt, ihre Arbeitstaschen durchsucht und ihre Messer und Scheren gestohlen wurden, und hegte keinen Zweifel daran, dass dies ein gegenseitiges Vergnügen sei. Es löste kein anderes Erstaunen aus, als dass Elinor und Marianne so gelassen danebensaßen, ohne einen Anteil an dem Geschehen zu beanspruchen.
„John ist heute so aufgekratzt!“, sagte sie, als er Miss Steeles Taschentuch nahm und es aus dem Fenster warf – „Er ist voller Affenstreiche.“
Und kurz darauf, als der zweite Sohn eines der Finger derselben Dame heftig kneifte, bemerkte sie liebevoll: „Wie verspielt William doch ist!“
„Und hier ist meine süße kleine Annamaria“, fügte sie hinzu und liebkoste zärtlich ein kleines Mädchen von drei Jahren, das in den letzten zwei Minuten keinen Mucks gemacht hatte; „Und sie ist immer so sanft und ruhig – es gab nie ein so stilles kleines Ding!“
Doch leider produzierte bei diesen Umarmungen eine Nadel in der Kopfbedeckung ihrer Ladyschaft, die den Hals des Kindes leicht ritzte, aus diesem Muster an Sanftmut ein derart heftiges Gekreische, dass es kaum von irgendeinem Wesen, das von Berufs wegen laut war, übertroffen werden konnte. Die Bestürzung der Mutter war maßlos; doch sie konnte die Unruhe der Miss Steeles nicht übertreffen, und alles wurde von allen drei Damen in einem so kritischen Notfall getan, was Zuneigung nur vorschlagen konnte, um die Qualen der kleinen Leidenden zu lindern. Sie wurde auf den Schoß ihrer Mutter gesetzt, mit Küssen bedeckt, ihre Wunde wurde von einer der Miss Steeles, die vor ihr auf die Knie gegangen war, mit Lavendelwasser betupft, und ihr Mund wurde von der anderen mit Zuckerwerk gestopft. Mit einer solchen Belohnung für ihre Tränen war das Kind zu klug, um aufzuhören zu weinen. Sie schrie und schluchzte weiterhin kräftig, trat nach ihren beiden Brüdern, weil sie es wagten, sie zu berühren, und all ihr vereintes Beschwichtigen war wirkungslos, bis Lady Middleton glücklicherweise daran dachte, dass bei einem ähnlichen Notfall in der letzten Woche etwas Aprikosenmarmelade erfolgreich auf eine geprellte Schläfe aufgetragen worden war; dasselbe Heilmittel wurde für diesen unglückseligen Kratzer eifrig vorgeschlagen, und ein kurzes Verstummen des Gekreisches bei der jungen Dame, als sie es hörte, gab ihnen Grund zur Hoffnung, dass es nicht zurückgewiesen werden würde. Sie wurde daher in den Armen ihrer Mutter aus dem Raum getragen, auf der Suche nach dieser Medizin, und da die beiden Jungen sich dazu entschlossen, ihr zu folgen, obwohl sie von ihrer Mutter eindringlich gebeten wurden, zurückzubleiben, blieben die vier jungen Damen in einer Stille zurück, die das Zimmer seit vielen Stunden nicht mehr gekannt hatte.
„Arme kleine Geschöpfe!“, sagte Miss Steele, sobald sie fort waren. „Es hätte ein sehr trauriger Unfall sein können.“
„Doch ich wüsste kaum wie“, rief Marianne, „es sei denn, die Umstände wären völlig anders gewesen. Aber das ist die übliche Art, Unruhe zu schüren, wo es in Wirklichkeit nichts gibt, worüber man beunruhigt sein müsste.“
„Was für eine süße Frau Lady Middleton ist!“, sagte Lucy Steele.
Marianne schwieg; es war ihr unmöglich zu sagen, was sie nicht empfand, wie belanglos der Anlass auch war; und so fiel Elinor stets die ganze Last zu, Lügen zu erzählen, wenn es die Höflichkeit verlangte. Sie tat ihr Bestes, wenn sie dazu aufgefordert wurde, indem sie mit mehr Wärme von Lady Middleton sprach, als sie empfand, wenngleich mit weitaus weniger als Miss Lucy.
„Und Sir John erst“, rief die ältere Schwester, „was für ein bezaubernder Mann er ist!“
Auch hier blieb Miss Dashwoods Anerkennung, da sie nur einfach und gerecht war, ohne jeden Nachdruck. Sie bemerkte lediglich, dass er vollkommen gut gelaunt und freundschaftlich sei.
„Und was für eine bezaubernde kleine Familie sie haben! Ich habe in meinem Leben noch nie so feine Kinder gesehen. – Ich schwöre, ich bin jetzt schon ganz vernarrt in sie, und tatsächlich bin ich immer schon rasend in Kinder verliebt gewesen.“
„Das hätte ich mir denken können“, sagte Elinor mit einem Lächeln, „nach dem, was ich heute Morgen miterlebt habe.“
„Ich habe eine Vermutung“, sagte Lucy, „Sie halten die kleinen Middletons für etwas zu sehr verwöhnt; vielleicht sind sie ein wenig über das Ziel hinausgeschossen; aber es ist so natürlich bei Lady Middleton; und was mich betrifft, ich liebe es, Kinder voller Leben und Tatendrang zu sehen; ich kann sie nicht ertragen, wenn sie zahm und ruhig sind.“
„Ich gestehe“, erwiderte Elinor, „dass ich, solange ich im Barton Park bin, nicht mit Abscheu an zahme und ruhige Kinder denke.“
Eine kurze Pause folgte auf diesen Ausspruch, die zuerst von Miss Steele gebrochen wurde, die sehr gesprächig gestimmt schien und nun eher abrupt sagte: „Und wie gefällt Ihnen Devonshire, Miss Dashwood? Ich nehme an, es tat Ihnen sehr leid, Sussex zu verlassen.“
Etwas überrascht über die Vertraulichkeit dieser Frage, oder zumindest über die Art und Weise, wie sie ausgesprochen wurde, antwortete Elinor, dass dies der Fall sei.
„Norland ist ein erstaunlich schöner Ort, nicht wahr?“, fügte Miss Steele hinzu.
„Wir haben Sir John sagen hören, er bewundere ihn über die Maßen“, sagte Lucy, die eine Entschuldigung für die Freimütigkeit ihrer Schwester für notwendig zu halten schien.
„Ich glaube, jeder muss ihn bewundern“, erwiderte Elinor, „der den Ort je gesehen hat; wenngleich nicht anzunehmen ist, dass irgendjemand seine Schönheiten so einschätzen kann wie wir.“
„Und hatten Sie dort viele schicke Verehrer? Ich nehme an, Sie haben nicht so viele in diesem Teil der Welt; ich persönlich finde, sie sind immer eine riesige Bereicherung.“
„Aber warum sollten Sie glauben“, sagte Lucy, die sich für ihre Schwester zu schämen schien, „dass es in Devonshire nicht so viele vornehme junge Männer gibt wie in Sussex?“
„Ach, meine Liebe, ich möchte sicher nicht behaupten, dass dem nicht so ist. Ich bin sicher, es gibt eine Menge schicker Verehrer in Exeter; aber wissen Sie, woher sollte ich wissen, welche schicken Verehrer es in der Gegend von Norland geben könnte; und ich hatte nur Angst, den Miss Dashwoods könnte es in Barton langweilig werden, wenn sie nicht so viele hätten, wie sie es gewohnt waren. Aber vielleicht machen sich die jungen Damen ja nichts aus den Verehrern und sind genauso gern ohne sie wie mit ihnen. Meinerseits finde ich sie überaus angenehm, vorausgesetzt, sie kleiden sich schick und benehmen sich höflich. Aber ich kann es nicht ertragen, sie schmutzig und ungepflegt zu sehen. Nun, da ist Mr. Rose in Exeter, ein erstaunlich schicker junger Mann, ein richtiger Beau, Schreiber bei Mr. Simpson, wissen Sie, und doch, wenn man ihn morgens nur trifft, ist er nicht ansehnlich. Ich nehme an, Ihr Bruder war ein richtiger Beau, Miss Dashwood, bevor er heiratete, da er so reich war?“
„Beim besten Willen“, antwortete Elinor, „das kann ich Ihnen nicht sagen, denn ich begreife die Bedeutung des Wortes nicht vollkommen. Aber das kann ich sagen: Wenn er vor seiner Heirat ein Beau war, ist er es immer noch, denn es gibt nicht die geringste Veränderung an ihm.“
„O je! Man denkt nie an verheiratete Männer als Beaus – die haben etwas anderes zu tun.“
„Gott! Anne“, rief ihre Schwester, „du kannst von nichts anderem sprechen als von Beaus; – du wirst Miss Dashwood noch glauben lassen, du dächtest an nichts anderes.“ Und um das Gespräch zu lenken, begann sie, das Haus und die Einrichtung zu bewundern.
Diese Probe der Miss Steeles war genug. Die vulgäre Freimütigkeit und Torheit der Älteren ließ sie ohne Empfehlung, und da Elinor von der Schönheit oder dem gewieften Blick der Jüngsten nicht über deren Mangel an echter Eleganz und Unbekümmertheit geblendet war, verließ sie das Haus ohne den Wunsch, sie besser kennenzulernen.
Nicht so die Miss Steeles. Sie kamen aus Exeter, wohlversorgt mit Bewunderung für den Gebrauch von Sir John Middleton, seiner Familie und all seinen Verwandten, und kein knauseriger Anteil wurde nun seinen schönen Cousinen zuteil, die sie für die schönsten, elegantesten, gebildetesten und angenehmsten Mädchen erklärten, die sie je erblickt hatten, und mit denen sie besonders begierig darauf waren, besser bekannt zu werden. Und besser bekannt zu werden, erkannte Elinor bald, war ihr unvermeidliches Schicksal, denn da Sir John ganz auf der Seite der Miss Steeles stand, wäre ihre Partei zu stark für einen Widerstand gewesen, und jene Art von Intimität musste erduldet werden, die darin besteht, fast jeden Tag ein oder zwei Stunden gemeinsam in demselben Raum zu sitzen. Sir John konnte nicht mehr tun; aber er wusste nicht, dass mehr verlangt wurde: zusammen zu sein war seiner Meinung nach gleichbedeutend mit Vertrautheit, und solange seine ständigen Pläne für ihr Zusammenkommen wirksam waren, hatte er nicht den geringsten Zweifel daran, dass sie etablierte Freunde waren.
Um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, tat er alles in seiner Macht Stehende, um ihre Offenheit zu fördern, indem er die Miss Steeles mit allem bekannt machte, was er über die Situation seiner Cousinen in den heikelsten Details wusste oder vermutete; und Elinor hatte sie nicht mehr als zweimal gesehen, bevor die älteste von ihnen ihr zu der Tatsache gratulierte, dass ihre Schwester so viel Glück gehabt habe, seit sie nach Barton gekommen war, einen sehr schicken Beau zu erobern.
„Es wird gewiss eine schöne Sache sein, wenn sie so jung verheiratet wird, wahrlich“, sagte sie, „und ich höre, er ist ein rechter Beau und außerordentlich gut aussehend. Und ich hoffe, Sie haben selbst bald ebenso viel Glück – doch vielleicht haben Sie ja bereits einen Freund im Stillen.“
Elinor konnte nicht annehmen, dass Sir John seine Vermutungen über ihre Zuneigung zu Edward diskreter vorbringen würde, als er es in Bezug auf Marianne getan hatte; in der Tat war es von den beiden sein Lieblingsscherz, da er etwas neuer und spekulativer war; und seit Edwards Besuch hatten sie nie zusammen gespeist, ohne dass er auf ihre besten Zuneigungen mit so viel Bedeutung und so vielen Zunicken und Augenzwinkern angestoßen hätte, dass dies die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Auch der Buchstabe F war ausnahmslos vorgebracht worden und hatte sich als ergiebig für solch zahllose Scherze erwiesen, dass sein Ruf als der witzigste Buchstabe des Alphabets bei Elinor längst feststand.
Die Miss Steeles hatten nun, wie sie erwartet hatte, den vollen Nutzen dieser Scherze, und bei der älteren von ihnen weckten sie die Neugier, den Namen des besagten Herrn zu erfahren, was, wenn auch oft aufdringlich geäußert, vollkommen zu ihrer allgemeinen Wissbegierde bezüglich der Angelegenheiten ihrer Familie passte. Doch Sir John trieb nicht lange sein Spiel mit der Neugier, die er so gern weckte, denn er hatte mindestens ebenso viel Vergnügen daran, den Namen zu nennen, wie Miss Steele daran hatte, ihn zu hören.
„Sein Name ist Ferrars“, sagte er in einem sehr vernehmlichen Flüstern; „aber bitte verraten Sie es nicht, denn es ist ein großes Geheimnis.“
„Ferrars!“ wiederholte Miss Steele; „Mr. Ferrars ist der glückliche Mann, nicht wahr? Was! Der Bruder Ihrer Schwägerin, Miss Dashwood? Ein sehr angenehmer junger Mann, gewiss; ich kenne ihn sehr gut.“
„Wie kannst du so etwas sagen, Anne?“, rief Lucy, die im Allgemeinen alle Behauptungen ihrer Schwester zu korrigieren pflegte. „Obwohl wir ihn ein- oder zweimal bei meinem Onkel gesehen haben, ist es doch etwas zu viel, vorzugeben, ihn sehr gut zu kennen.“
Elinor hörte dies alles mit Aufmerksamkeit und Überraschung. „Und wer war dieser Onkel? Wo lebte er? Wie kamen sie dazu, sich bekannt zu machen?“ Sie wünschte sehr, das Thema fortzusetzen, obwohl sie sich nicht selbst daran beteiligen wollte; doch es wurde nichts Weiteres darüber gesagt, und zum ersten Mal in ihrem Leben hielt sie Mrs. Jennings entweder für mangelhaft in ihrer Neugier nach unbedeutenden Informationen oder in ihrer Bereitschaft, diese mitzuteilen. Die Art und Weise, wie Miss Steele von Edward gesprochen hatte, steigerte ihre Neugier; denn es kam ihr eher gehässig vor und legte den Verdacht nahe, dass jene Dame etwas zu seinem Nachteil wusste oder zu wissen glaubte. Doch ihre Neugier war erfolglos, denn Mr. Ferrars’ Name wurde von Miss Steele nicht weiter beachtet, wenn darauf angespielt wurde, oder gar von Sir John offen erwähnt.
KAPITEL XXII.
Marianne, die niemals viel Toleranz für irgendetwas wie Unverschämtheit, Vulgarität, mangelnde Begabung oder gar einen von ihrem eigenen abweichenden Geschmack aufbrachte, war zu dieser Zeit, aufgrund ihres Gemütszustandes, besonders wenig geneigt, von den Miss Steeles angetan zu sein oder deren Annäherungsversuche zu ermutigen; und der unveränderlichen Kälte ihres Verhaltens ihnen gegenüber, die jeden Versuch einer Vertraulichkeit von ihrer Seite im Keime erstickte, schrieb Elinor hauptsächlich jene Bevorzugung ihrer selbst zu, die bald im Auftreten beider deutlich wurde, vor allem bei Lucy, die keine Gelegenheit ausließ, sie in ein Gespräch zu verwickeln oder ihre Bekanntschaft durch eine lockere und freimütige Mitteilung ihrer Ansichten zu vertiefen.
Lucy war von Natur aus klug; ihre Bemerkungen waren oft treffend und amüsant; und als Gesellschafterin für eine halbe Stunde fand Elinor sie häufig angenehm; doch ihre Fähigkeiten hatten keine Unterstützung durch Bildung erfahren: sie war unwissend und ungebildet; und ihr Mangel an jeglicher geistiger Weiterentwicklung, ihr Mangel an Wissen in den alltäglichsten Dingen, konnte vor Miss Dashwood trotz ihres ständigen Bemühens, vorteilhaft zu erscheinen, nicht verborgen bleiben. Elinor sah und bedauerte den Mangel an Fähigkeiten, die durch Bildung so achtbar hätten werden können; doch sie betrachtete mit weniger Milde den vollkommenen Mangel an Feingefühl, an Rechtschaffenheit und geistiger Integrität, den ihre Aufmerksamkeiten, ihr Eifer und ihre Schmeicheleien im Park verrieten; und sie konnte keine dauerhafte Befriedigung in der Gesellschaft einer Person finden, die Unaufrichtigkeit mit Unwissenheit verband; deren Mangel an Bildung verhinderte, dass sie sich in Gesprächen auf Augenhöhe begegneten, und deren Verhalten gegenüber anderen jeden Anschein von Aufmerksamkeit und Ehrerbietung ihr gegenüber vollkommen wertlos machte.
„Sie werden meine Frage für seltsam halten, das wage ich zu behaupten“, sagte Lucy eines Tages zu ihr, als sie gemeinsam vom Park zum Cottage spazierten, „aber sagen Sie, sind Sie persönlich mit der Mutter Ihrer Schwägerin, Mrs. Ferrars, bekannt?“
Elinor hielt die Frage tatsächlich für sehr seltsam, und ihr Gesichtsausdruck drückte dies aus, als sie antwortete, dass sie Mrs. Ferrars noch nie gesehen habe.
„Tatsächlich!“, erwiderte Lucy; „Das wundert mich, denn ich dachte, Sie müssten sie in Norland manchmal gesehen haben. Dann können Sie mir vielleicht nicht sagen, was für eine Art Frau sie ist?“
„Nein“, erwiderte Elinor, vorsichtig darauf bedacht, ihre wahre Meinung über Edwards Mutter nicht preiszugeben und nicht sehr begierig darauf, eine scheinbar unverschämte Neugier zu befriedigen; „ich weiß nichts von ihr.“
„Ich bin sicher, Sie halten mich für sehr sonderbar, dass ich sie auf solche Weise ausfrage“, sagte Lucy und musterte Elinor aufmerksam, während sie sprach; „aber vielleicht gibt es Gründe – ich wünschte, ich dürfte es wagen; aber wie dem auch sei, ich hoffe, Sie werden mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen zu glauben, dass ich nicht unverschämt sein will.“
Elinor gab ihr eine höfliche Antwort, und sie gingen einige Minuten schweigend weiter. Das Schweigen wurde von Lucy gebrochen, die das Thema erneut aufgriff, indem sie zögernd sagte:
„Ich ertrage es nicht, dass Sie mich für unverschämt neugierig halten. Ich bin sicher, ich würde lieber alles in der Welt tun, als von einer Person so gehalten zu werden, deren gute Meinung so erstrebenswert ist wie Ihre. Und ich bin sicher, ich hätte nicht die geringste Angst, Ihnen zu vertrauen; ich wäre sogar sehr froh über Ihren Rat, wie ich mich in einer so unbehaglichen Lage, wie ich sie habe, verhalten soll; aber wie dem auch sei, es besteht kein Grund, Sie zu behelligen. Es tut mir leid, dass Sie Mrs. Ferrars zufällig nicht kennen.“
„Es tut mir leid, dass ich sie nicht kenne“, sagte Elinor zu ihrem großen Erstaunen, „wenn es für SIE von Nutzen sein könnte, meine Meinung über sie zu erfahren. Aber ich habe wirklich nie verstanden, dass Sie überhaupt mit dieser Familie in Verbindung stehen, und daher bin ich, das gestehe ich, ein wenig überrascht über eine so ernsthafte Erkundigung nach ihrem Charakter.“
„Das glaube ich Ihnen, und ich bin sicher, ich wundere mich gar nicht darüber. Aber wenn ich es wagte, Ihnen alles zu erzählen, wären Sie nicht so sehr überrascht. Mrs. Ferrars bedeutet mir im Augenblick sicherlich nichts – aber die Zeit mag kommen – wie bald sie kommen wird, muss von ihr selbst abhängen –, in der wir sehr eng miteinander verbunden sein könnten.“
Sie blickte zu Boden, als sie dies sagte, anmutig verschämt, mit nur einem Seitenblick auf ihre Begleiterin, um die Wirkung auf sie zu beobachten.
„Gütiger Himmel!“, rief Elinor, „was meinen Sie damit? Sind Sie mit Mr. Robert Ferrars bekannt? Können Sie das sein?“ Und sie fühlte sich nicht sehr erfreut bei dem Gedanken an eine solche Schwägerin.
„Nein“, erwiderte Lucy, „nicht mit Mr. Robert Ferrars – ich habe ihn mein Leben lang noch nie gesehen; aber“, und sie heftete ihre Augen auf Elinor, „mit seinem ältesten Bruder.“
Was fühlte Elinor in diesem Augenblick? Erstaunen, das ebenso schmerzhaft wie stark gewesen wäre, hätte es nicht ein unmittelbarer Unglaube an diese Behauptung begleitet. Sie wandte sich in stummem Entsetzen Lucy zu, unfähig, den Grund oder das Ziel einer solchen Erklärung zu erraten; und obwohl sich ihre Gesichtsfarbe veränderte, blieb sie standhaft in ihrem Unglauben und fühlte sich nicht in Gefahr, einen hysterischen Anfall oder eine Ohnmacht zu erleiden.
„Sie mögen wohl überrascht sein“, fuhr Lucy fort; „denn natürlich konnten Sie vorher keine Ahnung davon haben; denn ich wette, er hat Ihnen oder jemandem aus Ihrer Familie gegenüber nicht den geringsten Hinweis darauf gegeben; weil es immer als ein großes Geheimnis gedacht war, und ich bin sicher, es wurde von mir bis zu dieser Stunde treu bewahrt. Keine Seele von all meinen Verwandten weiß davon außer Anne, und ich hätte es Ihnen niemals erwähnt, wenn ich nicht das größte Vertrauen der Welt in Ihre Verschwiegenheit gefühlt hätte; und ich dachte wirklich, mein Verhalten, so viele Fragen über Mrs. Ferrars zu stellen, müsse so seltsam erscheinen, dass es erklärt werden sollte. Und ich glaube nicht, dass Mr. Ferrars verärgert sein kann, wenn er weiß, dass ich Ihnen vertraut habe, denn ich weiß, dass er die höchste Meinung von der ganzen Welt über Ihre Familie hat und Sie und die anderen Miss Dashwoods ganz als seine eigenen Schwestern betrachtet.“ – Sie hielt inne.
Elinor blieb für einige Momente stumm. Ihr Erstaunen über das Gehörte war anfangs zu groß für Worte; doch schließlich zwang sie sich zu sprechen, und zwar vorsichtig, und sagte mit einer Ruhe, die ihre Überraschung und ihre Sorge einigermaßen verbarg: „Darf ich fragen, ob Ihre Verlobung schon lange besteht?“
„Wir sind seit vier Jahren verlobt.“
„Vier Jahre!“
„Ja.“
Elinor, obwohl zutiefst erschüttert, fühlte sich immer noch unfähig, es zu glauben.
„Ich wusste nicht“, sagte sie, „dass Sie sich bis vor kurzem überhaupt kannten.“
„Unsere Bekanntschaft reicht jedoch viele Jahre zurück. Er war, wie Sie wissen, eine beträchtliche Zeit lang in der Obhut meines Onkels.“
„Ihres Onkels!“
„Ja; Mr. Pratt. Haben Sie ihn nie von Mr. Pratt sprechen hören?“
„Ich glaube schon“, antwortete Elinor mit einer Anstrengung, die mit ihrer wachsenden Erregung zunahm.
„Er war vier Jahre bei meinem Onkel, der in Longstaple, bei Plymouth, lebt. Dort begann unsere Bekanntschaft, denn meine Schwester und ich hielten uns oft bei meinem Onkel auf, und dort wurde unsere Verlobung geschlossen, wenn auch erst ein Jahr, nachdem er ihn als Schüler verlassen hatte; aber er war danach fast immer bei uns. Ich war sehr abgeneigt, mich darauf einzulassen, wie Sie sich vorstellen können, ohne das Wissen und die Zustimmung seiner Mutter; aber ich war zu jung und liebte ihn zu sehr, um so klug zu sein, wie ich es hätte sein sollen. Obwohl Sie ihn nicht so gut kennen wie ich, Miss Dashwood, müssen Sie genug von ihm gesehen haben, um zu erkennen, dass er sehr wohl in der Lage ist, eine Frau aufrichtig an sich zu binden.“
„Gewiss“, antwortete Elinor, ohne zu wissen, was sie sagte; doch nach einem Moment des Nachdenkens fügte sie mit wiedererlangter Gewissheit von Edwards Ehre und Liebe und der Falschheit ihrer Begleiterin hinzu: „Verlobt mit Mr. Edward Ferrars! – Ich gestehe, dass ich von dem, was Sie mir sagen, so völlig überrascht bin, dass wirklich – ich bitte Sie um Entschuldigung; aber es muss sicherlich ein Irrtum bezüglich der Person oder des Namens vorliegen. Wir können nicht denselben Mr. Ferrars meinen.“
„Wir können keinen anderen meinen“, rief Lucy lächelnd. „Mr. Edward Ferrars, der älteste Sohn von Mrs. Ferrars aus der Park Street und Bruder Ihrer Schwägerin, Mrs. John Dashwood, ist die Person, die ich meine; Sie müssen zugeben, dass ich mich kaum bezüglich des Namens des Mannes täuschen kann, von dem mein ganzes Glück abhängt.“
„Es ist seltsam“, erwiderte Elinor in größter Verwirrung, „dass ich ihn nie auch nur Ihren Namen erwähnen gehört habe.“
„Nein; wenn man unsere Situation bedenkt, war es nicht seltsam. Unsere erste Sorge war es, die Angelegenheit geheim zu halten. Sie wussten nichts von mir oder meiner Familie, und daher konnte es keinen Anlass geben, meinen Namen jemals vor Ihnen zu erwähnen; und da er immer besonders fürchtete, seine Schwester könnte etwas ahnen, war das Grund genug für ihn, ihn nicht zu erwähnen.“
Sie schwieg. – Elinors Gewissheit schwand; doch ihre Selbstbeherrschung schwand nicht mit ihr.
„Vier Jahre sind Sie verlobt“, sagte sie mit fester Stimme.
„Ja; und der Himmel weiß, wie lange wir noch warten müssen. Der arme Edward! Es nimmt ihm völlig den Mut.“ Dann nahm sie eine kleine Miniatur aus ihrer Tasche und fügte hinzu: „Um die Möglichkeit eines Irrtums auszuschließen, seien Sie so gut und sehen Sie sich dieses Gesicht an. Es wird ihm gewiss nicht gerecht, aber dennoch glaube ich nicht, dass Sie sich bezüglich der Person täuschen können, für die es gezeichnet wurde. – Ich habe es seit über drei Jahren.“
Sie legte es ihr in die Hände, während sie sprach; und als Elinor das Gemälde sah, welche anderen Zweifel ihre Angst vor einer allzu voreiligen Entscheidung oder ihr Wunsch, Falschheit aufzudecken, auch in ihrem Geist verweilen lassen mochten, konnte sie keine darüber haben, dass es Edwards Gesicht war. Sie gab es fast augenblicklich zurück und erkannte die Ähnlichkeit an.
„Ich war nie in der Lage“, fuhr Lucy fort, „ihm im Gegenzug mein Bildnis zu geben, was mich sehr ärgert, denn er war immer so begierig darauf, es zu bekommen! Aber ich bin entschlossen, bei der ersten Gelegenheit dafür Modell zu sitzen.“
„Sie haben vollkommen recht“, antwortete Elinor ruhig. Sie gingen dann schweigend einige Schritte weiter. Lucy sprach zuerst.
„Ich bin sicher“, sagte sie, „ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass Sie dieses Geheimnis treu bewahren werden, denn Sie müssen wissen, von welcher Bedeutung es für uns ist, dass es nicht zu seiner Mutter dringt; denn sie würde es gewiss niemals billigen. Ich werde kein Vermögen haben, und ich bilde mir ein, sie ist eine außerordentlich stolze Frau.“
„Ich habe sicherlich nicht um Ihr Vertrauen gebeten“, sagte Elinor; „aber Sie tun mir nicht mehr als recht, wenn Sie annehmen, dass man sich auf mich verlassen kann. Ihr Geheimnis ist bei mir sicher; aber verzeihen Sie mir, wenn ich ein gewisses Erstaunen über eine so unnötige Mitteilung ausdrücke. Sie müssen zumindest gefühlt haben, dass mein Wissen darum nicht zu seiner Sicherheit beitragen konnte.“
Als sie dies sagte, blickte sie Lucy eindringlich an, in der Hoffnung, etwas in ihrem Gesichtsausdruck zu entdecken; vielleicht die Falschheit des größten Teils dessen, was sie gesagt hatte; doch Lucys Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.
„Ich hatte Angst, Sie könnten denken, ich nehme mir eine große Freiheit heraus“, sagte sie, „indem ich Ihnen das alles erzähle. Ich kenne Sie natürlich noch nicht lange, zumindest persönlich nicht, aber ich kenne Sie und Ihre ganze Familie schon lange aus Beschreibungen; und sobald ich Sie sah, fühlte ich mich fast, als wären Sie eine alte Bekannte. Außerdem dachte ich im vorliegenden Fall wirklich, dass Ihnen eine Erklärung gebührte, nachdem ich so spezielle Fragen über Edwards Mutter gestellt hatte; und ich bin so unglücklich, dass ich keine Kreatur habe, deren Rat ich einholen kann. Anne ist die einzige Person, die davon weiß, und sie hat überhaupt kein Urteilsvermögen; tatsächlich schadet sie mir viel mehr, als sie mir nützt, denn ich bin in ständiger Angst, dass sie mich verrät. Sie weiß nicht, wie man den Mund hält, wie Sie feststellen müssen, und ich bin sicher, ich war neulich in größter Angst, als Edwards Name von Sir John erwähnt wurde, dass sie alles ausplaudern könnte. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel ich im Ganzen im Geiste durchmache. Ich wundere mich nur, dass ich noch am Leben bin nach dem, was ich um Edwards willen in den letzten vier Jahren erlitten habe. Alles in solcher Schwebe und Ungewissheit; und ihn so selten zu sehen – wir können uns kaum öfter als zweimal im Jahr treffen. Ich wundere mich wirklich, dass mein Herz nicht ganz gebrochen ist.“
Hier holte sie ihr Taschentuch hervor; doch Elinor fühlte nicht viel Mitleid.
„Manchmal“, fuhr Lucy fort, nachdem sie ihre Augen getrocknet hatte, „denke ich darüber nach, ob es nicht besser wäre für uns beide, die Sache ganz zu beenden.“ Als sie dies sagte, blickte sie direkt ihre Begleiterin an. „Aber dann habe ich zu anderen Zeiten nicht genug Entschlossenheit dazu. Ich ertrage den Gedanken nicht, ihn so unglücklich zu machen, wie ich weiß, dass die bloße Erwähnung einer solchen Sache ihn machen würde. Und auch meinetwegen – so teuer er mir ist – glaube ich nicht, dass ich dazu imstande wäre. Was würden Sie mir in einem solchen Fall raten, Miss Dashwood? Was würden Sie selbst tun?“
„Verzeihen Sie“, antwortete Elinor, aufgeschreckt durch die Frage; „aber ich kann Ihnen unter solchen Umständen keinen Rat geben. Ihr eigenes Urteilsvermögen muss Sie leiten.“
„Gewiss“, fuhr Lucy nach einigen Minuten des Schweigens auf beiden Seiten fort, „seine Mutter muss ihn früher oder später versorgen; aber der arme Edward ist so niedergeschlagen deswegen! Fanden Sie ihn nicht schrecklich niedergeschlagen, als er in Barton war? Er war so elend, als er uns in Longstaple verließ, um zu Ihnen zu fahren, dass ich fürchtete, Sie könnten ihn für regelrecht krank halten.“
„Kam er also von Ihrem Onkel, als er uns besuchte?“
„Oh ja; er hatte eine vierzehntägige Zeit bei uns verbracht. Dachten Sie, er käme direkt aus der Stadt?“
„Nein“, erwiderte Elinor, voll schmerzlicher Empfindung für jeden neuen Umstand, der für Lucys Wahrhaftigkeit sprach; „ich erinnere mich, dass er uns sagte, er habe eine vierzehntägige Zeit bei einigen Freunden in der Nähe von Plymouth verbracht.“ Sie erinnerte sich auch an ihre eigene Überraschung zu jener Zeit, dass er nichts Weiteres über diese Freunde erwähnte, an sein vollkommenes Schweigen bezüglich auch nur ihrer Namen.
„Fanden Sie ihn nicht traurig niedergeschlagen?“, wiederholte Lucy.
„Das taten wir in der Tat, besonders als er zuerst ankam.“
„Ich flehte ihn an, sich zusammenzureißen, aus Angst, Sie könnten ahnen, was los ist; aber es machte ihn so schwermütig, nicht länger als vierzehn Tage bei uns bleiben zu können und mich so mitgenommen zu sehen. Der arme Kerl! Ich fürchte, es geht ihm jetzt genauso; denn er schreibt in elender Stimmung. Ich habe kurz vor meiner Abreise aus Exeter von ihm gehört“, wobei sie einen Brief aus ihrer Tasche nahm und Elinor beiläufig die Adresse zeigte. „Sie kennen seine Handschrift, das wage ich zu behaupten – eine bezaubernde ist es; aber das ist nicht so gut geschrieben wie gewöhnlich. Er war müde, das wage ich zu behaupten, denn er hatte das Blatt gerade so voll wie möglich an mich beschrieben.“
Elinor sah, dass es seine Handschrift war, und sie konnte nicht länger zweifeln. Dieses Bildnis, so hatte sie sich einzureden erlaubt, könnte zufällig in ihren Besitz gelangt sein; es könnte nicht Edwards Geschenk gewesen sein; aber ein Schriftverkehr zwischen ihnen konnte nur unter einer festen Verlobung bestehen, konnte durch nichts anderes autorisiert werden; für einige Momente war sie fast überwältigt – ihr Herz sank ihr in die Brust, und sie konnte kaum stehen; doch Anstrengung war unerlässlich; und sie kämpfte so entschlossen gegen die Unterdrückung ihrer Gefühle an, dass ihr Erfolg schnell und für den Moment vollständig war.
„Einander zu schreiben“, sagte Lucy, während sie den Brief in ihre Tasche zurücksteckte, „ist der einzige Trost, den wir bei solch langen Trennungen haben. Ja, ich habe einen anderen Trost in seinem Bildnis, aber der arme Edward hat nicht einmal das. Wenn er nur mein Bildnis hätte, sagt er, wäre er beruhigt. Ich gab ihm eine Locke meines Haares, die in einen Ring gefasst war, als er das letzte Mal in Longstaple war, und das war ihm ein Trost, sagte er, aber nicht gleichwertig mit einem Bildnis. Vielleicht haben Sie den Ring bemerkt, als Sie ihn sahen?“
„Das habe ich“, sagte Elinor mit einer Beherrschung der Stimme, unter der sich eine Erregung und ein Kummer verbargen, wie sie sie noch nie zuvor gefühlt hatte. Sie war gekränkt, schockiert, konsterniert.
Glücklicherweise für sie hatten sie nun das Cottage erreicht, und das Gespräch konnte nicht weiter fortgesetzt werden. Nachdem sie einige Minuten bei ihnen gesessen hatten, kehrten die Miss Steeles zum Park zurück, und Elinor war nun frei, nachzudenken und elend zu sein.
ENDE DES ERSTEN BANDES
Wie gering Elinors allgemeines Vertrauen in Lucys Wahrheitsliebe auch sein mochte, so war es ihr bei ernsthaftem Nachdenken unmöglich, daran im vorliegenden Fall zu zweifeln, da keinerlei Versuchung die Torheit rechtfertigen konnte, eine Lüge von einer solchen Beschaffenheit zu erfinden. Was Lucy als wahr dargestellt hatte, konnte Elinor daher nicht länger bezweifeln, ja, sie durfte es nicht; zumal es von allen Seiten durch solche Wahrscheinlichkeiten und Beweise gestützt wurde und ihr nur ihre eigenen Wünsche widersprachen. Die Gelegenheit zum Kennenlernen im Hause von Mr. Pratt war ein Grundstein für das Übrige, der zugleich unbestreitbar und beunruhigend war; und Edwards Besuch in der Nähe von Plymouth, sein melancholischer Gemütszustand, seine Unzufriedenheit mit seinen eigenen Aussichten, sein unsicheres Verhalten ihr gegenüber, die intime Kenntnis der Miss Steeles bezüglich Norland und ihrer familiären Verbindungen, die sie oft überrascht hatte, das Bild, der Brief, der Ring – all dies zusammen bildete eine Beweislast, die jede Furcht, ihn ungerecht zu verurteilen, überwand und als eine Tatsache festigte, die keine Parteilichkeit beiseiteschieben konnte: seine üble Behandlung ihrer Person. Ihre Empörung über ein solches Verhalten, ihre Entrüstung darüber, die Betrogene gewesen zu sein, ließen sie für kurze Zeit nur an sich selbst denken; doch andere Gedanken, andere Erwägungen kamen bald auf. Hatte Edward sie absichtlich getäuscht? Hatte er eine Zuneigung zu ihr geheuchelt, die er nicht empfand? War sein Verlöbnis mit Lucy eine Herzensangelegenheit? Nein; was auch immer es einst gewesen sein mochte, sie konnte nicht glauben, dass es das gegenwärtig war. Seine Zuneigung gehörte ganz ihr. Darin konnte sie nicht getäuscht worden sein. Ihre Mutter, ihre Schwestern, Fanny, sie alle waren sich seiner Zuneigung zu ihr in Norland bewusst gewesen; es war keine Täuschung ihrer eigenen Eitelkeit. Er liebte sie gewiss. Was für ein Herzensbeschwichtiger war diese Überzeugung! Wie sehr konnte sie sie nicht zur Vergebung verleiten! Er war tadelnswert, höchst tadelnswert, dass er in Norland geblieben war, nachdem er zum ersten Mal gespürt hatte, dass ihr Einfluss auf ihn stärker war, als er hätte sein dürfen. In diesem Punkt konnte er nicht verteidigt werden; doch wenn er sie verletzt hatte, wie viel mehr hatte er sich selbst verletzt; wenn ihr Schicksal beklagenswert war, so war seines hoffnungslos. Seine Unbesonnenheit hatte sie für eine Weile unglücklich gemacht; doch es schien ihn selbst jeder Chance beraubt zu haben, jemals anders zu sein. Sie mochte mit der Zeit ihre Ruhe wiederfinden; doch er, worauf hatte er zu hoffen? Konnte er mit Lucy Steele jemals einigermaßen glücklich werden; konnte er, wäre seine Zuneigung zu ihr selbst außen vor, mit seiner Rechtschaffenheit, seinem Feingefühl und seinem gebildeten Geist mit einer Ehefrau wie ihr zufrieden sein – ungebildet, gerissen und eigennützig?
Die jugendliche Verblendung eines Neunzehnjährigen würde ihn natürlich für alles außer ihrer Schönheit und ihrem guten Wesen blind machen; doch die vier darauffolgenden Jahre – Jahre, die bei vernünftiger Nutzung dem Verstand eine solche Verbesserung verleihen –, müssen ihm die Augen für ihre bildungsmäßigen Mängel geöffnet haben, während derselbe Zeitraum, den sie in minderwertiger Gesellschaft und mit eher leichtfertigen Beschäftigungen verbracht hatte, sie vielleicht jener Einfachheit beraubt hatte, die ihrer Schönheit einst einen interessanten Charakter hätte verleihen können.
Wenn in der Annahme, er würde versuchen, sie selbst zu heiraten, seine Schwierigkeiten mit seiner Mutter groß erschienen waren, wie viel größer waren sie nun wahrscheinlich, da der Gegenstand seines Verlöbnisses zweifellos minderwertiger in den Verbindungen und wahrscheinlich minderwertiger im Vermögen war als sie selbst. Diese Schwierigkeiten freilich mochten bei einem Herzen, das Lucy so entfremdet war, seine Geduld nicht allzu hart auf die Probe stellen; doch melancholisch war der Zustand der Person, für die die Aussicht auf familiären Widerstand und Lieblosigkeit als Erleichterung empfunden werden konnte!
Als diese Überlegungen in schmerzlicher Abfolge über sie kamen, weinte sie mehr um ihn als um sich selbst. Gestützt durch die Überzeugung, nichts getan zu haben, um ihr gegenwärtiges Unglück zu verdienen, und getröstet durch den Glauben, dass Edward nichts getan habe, um ihre Hochachtung zu verwirken, glaubte sie, selbst jetzt, unter dem ersten Schmerz des schweren Schlages, sich genug beherrschen zu können, um ihre Mutter und Schwestern vor jedem Verdacht der Wahrheit zu bewahren. Und so gut war sie in der Lage, ihren eigenen Erwartungen zu entsprechen, dass, als sie sich nur zwei Stunden, nachdem sie erstmals das Auslöschen all ihrer liebsten Hoffnungen erlitten hatte, zum Essen zu ihnen gesellte, niemand aus dem Erscheinen der Schwestern hätte schließen können, dass Elinor im Geheimen über Hindernisse trauerte, die sie für immer von dem Gegenstand ihrer Liebe trennen mussten, und dass Marianne innerlich bei den Vollkommenheiten eines Mannes verweilte, dessen ganzes Herz sie fest in ihrem Besitz glaubte und den sie in jeder Kutsche erwartete, die an ihrem Haus vorbeifuhr.
Die Notwendigkeit, vor ihrer Mutter und Marianne zu verbergen, was ihr im Vertrauen anvertraut worden war, war für Elinor, obwohl sie sie zu unaufhörlicher Anstrengung zwang, keine Verschlimmerung ihres Leids. Im Gegenteil, es war eine Erleichterung für sie, von der Mitteilung dessen verschont zu bleiben, was ihnen solchen Kummer bereiten würde, und ebenso davon bewahrt zu bleiben, jene Verurteilung Edwards zu hören, die wahrscheinlich aus dem Übermaß ihrer parteiischen Zuneigung ihr selbst gegenüber fließen würde und die zu ertragen sie sich nicht imstande fühlte.
Von ihrem Rat oder ihrer Unterhaltung wusste sie, dass sie keine Hilfe erhalten konnte; ihre Zärtlichkeit und ihr Kummer mussten ihr Leid nur mehren, während ihre Selbstbeherrschung weder durch ihr Beispiel noch durch ihr Lob Ermutigung erfahren würde. Allein war sie stärker, und ihr eigener gesunder Menschenverstand stützte sie so gut, dass ihre Standhaftigkeit so unerschütterlich, ihr Anschein von Heiterkeit so unveränderlich war, wie es bei derart schmerzlichen und frischen Regungen möglich sein konnte.
So sehr sie auch unter ihrem ersten Gespräch mit Lucy zu diesem Thema gelitten hatte, verspürte sie bald den dringenden Wunsch, es zu erneuern; und dies aus mehr als einem Grund. Sie wollte viele Einzelheiten ihres Verlöbnisses noch einmal wiederholt hören, sie wollte deutlicher verstehen, was Lucy wirklich für Edward empfand, ob ihre Beteuerungen zärtlicher Zuneigung für ihn aufrichtig waren, und sie wollte insbesondere Lucy durch ihre Bereitschaft, das Thema noch einmal aufzugreifen, und ihre Ruhe dabei davon überzeugen, dass sie daran nur als Freundin interessiert sei, was sie sehr fürchtete, ihre unwillkürliche Erregung in ihrem morgendlichen Gespräch musste zumindest zweifelhaft gelassen haben. Dass Lucy geneigt war, eifersüchtig auf sie zu sein, erschien sehr wahrscheinlich: Es war offensichtlich, dass Edward immer in den höchsten Tönen von ihr gesprochen hatte, nicht nur aufgrund von Lucys Behauptung, sondern weil sie es gewagt hatte, ihr bei so kurzer persönlicher Bekanntschaft ein Geheimnis anzuvertrauen, das so offenkundig und eindeutig wichtig war. Und selbst Sir Johns scherzhafte Andeutungen mussten einiges Gewicht gehabt haben. Aber wahrlich, während Elinor sich ihrerseits so sicher blieb, wirklich von Edward geliebt zu werden, bedurfte es keiner weiteren Erwägung der Wahrscheinlichkeiten, um es natürlich erscheinen zu lassen, dass Lucy eifersüchtig sein musste; und dass sie es war, dafür war ihre bloße Vertraulichkeit ein Beweis. Welcher andere Grund für die Offenlegung der Angelegenheit könnte es geben, als dass Elinor dadurch über Lucys überlegene Ansprüche an Edward informiert und gelehrt werden sollte, ihn in Zukunft zu meiden? Sie hatte wenig Schwierigkeiten, diese Absichten ihrer Rivalin zu verstehen, und während sie fest entschlossen war, ihr gegenüber so zu handeln, wie es jedes Prinzip von Ehre und Aufrichtigkeit gebot, ihre eigene Zuneigung zu Edward zu bekämpfen und ihn so wenig wie möglich zu sehen, konnte sie sich nicht den Trost versagen, zu versuchen, Lucy davon zu überzeugen, dass ihr Herz unverwundet sei. Und da sie nun nichts Schmerzlicheres mehr zu diesem Thema hören konnte, als ihr bereits gesagt worden war, misstraute sie ihrer eigenen Fähigkeit nicht, eine Wiederholung der Einzelheiten mit Fassung zu ertragen.
Doch es war nicht unmittelbar eine Gelegenheit dazu zu finden, obwohl Lucy ebenso wie sie geneigt war, jede sich bietende zu nutzen; denn das Wetter war nicht oft gut genug, um ihnen einen gemeinsamen Spaziergang zu erlauben, bei dem sie sich am leichtesten von den anderen hätten trennen können; und obwohl sie sich mindestens jeden zweiten Abend entweder im Park oder im Cottage trafen, zumeist im ersteren, konnte man nicht annehmen, dass sie sich des Gesprächs wegen trafen. Ein solcher Gedanke wäre weder Sir John noch Lady Middleton in den Sinn gekommen; und daher blieb nur sehr wenig Muße für ein allgemeines Geplauder und gar keine für ein besonderes Gespräch. Sie trafen sich, um zusammen zu essen, zu trinken und zu lachen, Karten zu spielen, oder das Spiel „Konsequenzen“, oder irgendein anderes Spiel, das laut genug war.
Ein oder zwei Treffen dieser Art hatten bereits stattgefunden, ohne Elinor eine Chance zu bieten, Lucy unter vier Augen zu sprechen, als Sir John eines Morgens im Cottage vorbeikam, um im Namen der Wohltätigkeit zu bitten, dass sie alle an jenem Tag mit Lady Middleton zu Mittag äßen, da er verpflichtet sei, den Club in Exeter zu besuchen, und sie ansonsten völlig allein wäre, abgesehen von ihrer Mutter und den beiden Miss Steeles. Elinor, die bei einer solchen Gesellschaft eine bessere Gelegenheit für das Punkt, den sie im Auge hatte, voraussah, da sie sich unter der ruhigen und wohlerzogenen Leitung von Lady Middleton freier bewegen konnten, als wenn ihr Ehemann sie alle für einen geräuschvollen Zweck vereinte, nahm die Einladung sofort an; Margaret war mit der Erlaubnis ihrer Mutter ebenso bereit, und Marianne, obwohl sie sich immer sträubte, an einer ihrer Partys teilzunehmen, wurde von ihrer Mutter überzeugt, die es nicht ertragen konnte, sie von jeder Chance auf Vergnügen auszuschließen, ebenfalls mitzukommen.
Die jungen Damen gingen, und Lady Middleton wurde glücklicherweise vor der schrecklichen Einsamkeit bewahrt, die ihr gedroht hatte. Die Geistlosigkeit des Treffens war genau so, wie Elinor es erwartet hatte; es brachte nicht eine Neuheit an Gedanken oder Ausdrucksweise hervor, und nichts hätte weniger interessant sein können als ihr gesamtes Gespräch sowohl im Esszimmer als auch im Salon: In letzteren begleiteten sie die Kinder, und solange diese dort blieben, war sie zu sehr von der Unmöglichkeit überzeugt, Lucys Aufmerksamkeit zu gewinnen, um es zu versuchen. Sie verließen ihn erst mit dem Abräumen des Teegeschirrs. Der Kartentisch wurde dann aufgestellt, und Elinor begann sich über sich selbst zu wundern, dass sie jemals die Hoffnung gehegt hatte, im Park Zeit für ein Gespräch zu finden. Sie alle erhoben sich zur Vorbereitung auf ein Rundspiel.
„Ich bin froh“, sagte Lady Middleton zu Lucy, „dass du das Körbchen der armen kleinen Annamaria heute Abend nicht fertigstellen wirst; denn ich bin sicher, es muss deinen Augen schaden, bei Kerzenlicht Filigranarbeit zu machen. Und wir werden dem lieben kleinen Schatz morgen für die Enttäuschung entschädigen, und dann hoffe ich, wird es sie nicht mehr sehr kümmern.“
Dieser Hinweis genügte, Lucy besann sich augenblicklich und antwortete: „Wahrlich, da irren Sie sich sehr, Lady Middleton; ich warte nur darauf zu wissen, ob Sie Ihre Partie ohne mich bilden können, sonst wäre ich schon bei meiner Filigranarbeit gewesen. Ich würde dem kleinen Engel um alles in der Welt nicht die Freude verderben wollen: Und wenn Sie mich jetzt am Kartentisch brauchen, bin ich entschlossen, das Körbchen nach dem Abendessen fertigzustellen.“
„Sie sind sehr gütig, ich hoffe, es wird Ihren Augen nicht schaden – wollen Sie nach der Glocke für ein paar Arbeitskerzen klingeln? Mein armes kleines Mädchen wäre traurig enttäuscht, das weiß ich, wenn das Körbchen morgen nicht fertig wäre, denn obwohl ich ihr sagte, es würde es sicherlich nicht sein, bin ich sicher, sie verlässt sich darauf, dass es erledigt wird.“
Lucy zog direkt ihren Arbeitstisch zu sich heran und setzte sich mit einer Emsigkeit und Fröhlichkeit wieder hin, die zu schließen schien, dass sie kein größeres Vergnügen empfinden könne, als ein Filigrankörbchen für ein verwöhntes Kind zu machen.
Lady Middleton schlug den anderen eine Partie Casino vor. Niemand erhob Einwände außer Marianne, die mit ihrer üblichen Unaufmerksamkeit gegenüber den Formen der allgemeinen Höflichkeit ausrief: „Ihre Ladyschaft werden die Güte haben, mich zu entschuldigen – Sie wissen, ich verabscheue Karten. Ich werde mich an das Pianoforte begeben; ich habe es nicht angerührt, seit es gestimmt wurde.“ Und ohne weiteres Zeremoniell wandte sie sich ab und ging auf das Instrument zu.
Lady Middleton sah aus, als danke sie dem Himmel, dass sie niemals eine solch unhöfliche Bemerkung gemacht habe.
„Marianne kann nie lange von diesem Instrument lassen, wissen Sie, gnädige Frau“, sagte Elinor, bemüht, das Ärgernis zu glätten; „und ich wundere mich nicht sehr darüber; denn es ist das Pianoforte mit dem allerbesten Klang, das ich je gehört habe.“
Die verbleibenden fünf mussten nun ihre Karten ziehen.
„Vielleicht“, fuhr Elinor fort, „wenn ich zufällig ausscheiden sollte, kann ich Miss Lucy Steele bei der Arbeit nützlich sein, indem ich ihre Papiere für sie rolle; und es ist noch so viel am Körbchen zu tun, dass es für sie unmöglich sein muss, denke ich, wenn sie allein daran arbeitet, es heute Abend fertigzustellen. Ich würde die Arbeit außerordentlich mögen, wenn sie mir einen Anteil daran gestatten würde.“
„Wahrlich, ich werde Ihnen für Ihre Hilfe sehr verbunden sein“, rief Lucy, „denn ich finde, es ist mehr daran zu tun, als ich dachte; und es wäre eine schreckliche Sache, die liebe Annamaria am Ende zu enttäuschen.“
„Oh! Das wäre in der Tat schrecklich“, sagte Miss Steele. „Liebes kleines Ding, wie ich sie liebe!“
„Sie sind sehr freundlich“, sagte Lady Middleton zu Elinor; „und da Sie die Arbeit wirklich mögen, sind Sie vielleicht genauso zufrieden, erst bei der nächsten Runde einzusteigen, oder wollen Sie es jetzt versuchen?“
Elinor profitierte freudig von diesem ersten Vorschlag und erreichte so mit ein wenig von jener Gewandtheit, die Marianne niemals zu praktizieren sich herablassen konnte, ihr eigenes Ziel und erfreute gleichzeitig Lady Middleton. Lucy machte ihr mit bereitwilliger Aufmerksamkeit Platz, und die beiden schönen Rivalinnen saßen nun Seite an Seite am selben Tisch und arbeiteten mit größter Eintracht daran, dieselbe Arbeit voranzubringen. Das Pianoforte, an dem Marianne, ganz in ihre eigene Musik und ihre eigenen Gedanken vertieft, mittlerweile vergessen hatte, dass außer ihr noch jemand im Raum war, war glücklicherweise so nah bei ihnen, dass Miss Dashwood nun urteilte, sie könne sicher unter dem Schutz seines Lärms das interessante Thema einleiten, ohne Gefahr zu laufen, am Kartentisch gehört zu werden.
KAPITEL XXIV.
In festem, wenn auch vorsichtigem Ton begann Elinor so:
„Ich wäre des Vertrauens, mit dem Sie mich beehrt haben, unwürdig, wenn ich keinen Wunsch nach dessen Fortdauer oder keine weitere Neugier bezüglich seines Gegenstands verspürte. Ich werde mich daher nicht dafür entschuldigen, es wieder zur Sprache zu bringen.“
„Danke“, rief Lucy warmherzig, „dass Sie das Eis gebrochen haben; Sie haben mein Herz damit erleichtert; denn ich fürchtete irgendwie, ich hätte Sie mit dem, was ich Ihnen an jenem Montag sagte, beleidigt.“
„Beleidigt! Wie konnten Sie das annehmen? Glauben Sie mir“, und Elinor sagte es mit der wahrhaftigsten Aufrichtigkeit, „nichts könnte ferner von meiner Absicht sein, als Ihnen eine solche Vorstellung zu vermitteln. Könnten Sie ein Motiv für das Vertrauen haben, das nicht ehrenhaft und schmeichelhaft für mich wäre?“
„Und doch versichere ich Ihnen“, antwortete Lucy, ihre kleinen scharfen Augen voller Bedeutung, „schien mir in Ihrem Gebaren eine Kälte und ein Missfallen zu liegen, die mich ganz unbehaglich machten. Ich war sicher, Sie seien zornig auf mich; und habe seither mit mir selbst gehadert, dass ich mir die Freiheit genommen habe, Sie mit meinen Angelegenheiten zu behelligen. Aber ich bin sehr froh, festzustellen, dass es nur meine eigene Einbildung war und dass Sie mir wirklich keine Vorwürfe machen. Wenn Sie wüssten, was für ein Trost es für mich war, mein Herz zu erleichtern, indem ich mit Ihnen über das sprach, woran ich jeden Augenblick meines Lebens denke, würde Ihr Mitleid Sie sicher über alles andere hinwegsehen lassen.“
„Wahrlich, ich kann leicht glauben, dass es eine sehr große Erleichterung für Sie war, mir Ihre Lage anzuvertrauen, und seien Sie versichert, dass Sie niemals Grund haben werden, es zu bereuen. Ihr Fall ist ein sehr unglücklicher; Sie scheinen mir von Schwierigkeiten umgeben zu sein, und Sie werden all Ihre gegenseitige Zuneigung brauchen, um sie zu ertragen. Mr. Ferrars, so glaube ich, ist vollständig von seiner Mutter abhängig.“
„Er hat nur zweitausend Pfund sein Eigen; es wäre Wahnsinn, damit zu heiraten, obwohl ich persönlich auf jede Aussicht auf mehr ohne einen Seufzer verzichten könnte. Ich war immer an ein sehr geringes Einkommen gewöhnt und könnte für ihn jede Armut bekämpfen; doch ich liebe ihn zu sehr, als dass ich das eigennützige Mittel sein wollte, ihn vielleicht um all das zu bringen, was seine Mutter ihm geben könnte, wenn er zu ihrem Wohlgefallen heiratete. Wir müssen warten, es mag viele Jahre dauern. Bei fast jedem anderen Mann auf der Welt wäre es eine beunruhigende Aussicht; doch Edwards Zuneigung und Beständigkeit, so weiß ich, kann mir nichts rauben.“
„Diese Überzeugung muss Ihnen alles sein; und er wird zweifellos durch dasselbe Vertrauen in Ihre gestützt. Wenn die Stärke Ihrer wechselseitigen Bindung versagt hätte, wie es bei vielen Menschen und unter vielen Umständen während eines vierjährigen Verlöbnisses natürlich der Fall wäre, wäre Ihre Lage in der Tat beklagenswert gewesen.“
Lucy blickte hier auf; doch Elinor war vorsichtig, ihr Gesicht vor jedem Ausdruck zu bewahren, der ihren Worten eine verdächtige Tendenz hätte geben können.
„Edwards Liebe zu mir“, sagte Lucy, „ist durch unsere lange, sehr lange Abwesenheit, seit wir uns erstmals verlobt haben, ziemlich auf die Probe gestellt worden, und sie hat die Prüfung so gut bestanden, dass ich unverzeihlich wäre, nun daran zu zweifeln. Ich kann getrost sagen, dass er mir von Anfang an nicht einen Moment der Beunruhigung in dieser Hinsicht bereitet hat.“
Elinor wusste kaum, ob sie bei dieser Behauptung lächeln oder seufzen sollte.
Lucy fuhr fort: „Ich bin von Natur aus auch eher von eifersüchtigem Gemüt, und aufgrund unserer unterschiedlichen Lebensumstände, weil er so viel mehr in der Welt ist als ich, und unserer ständigen Trennung war ich genug für Argwohn geneigt, um in einem Augenblick die Wahrheit herausgefunden zu haben, wenn es auch nur die geringste Veränderung in seinem Verhalten mir gegenüber bei unserem Wiedersehen gegeben hätte, oder irgendeine Niedergeschlagenheit, für die ich keine Erklärung hätte finden können, oder wenn er mehr von einer Dame als von einer anderen gesprochen hätte, oder in irgendeiner Hinsicht in Longstaple weniger glücklich schien als früher. Ich will damit nicht sagen, dass ich im Allgemeinen besonders aufmerksam oder scharfsichtig bin, aber in einem solchen Fall bin ich sicher, dass ich nicht getäuscht werden könnte.“
„All das“, dachte Elinor, „ist sehr hübsch; aber es kann keinen von uns täuschen.“
„Aber was“, sagte sie nach kurzem Schweigen, „sind Ihre Ansichten? Oder haben Sie keine außer dem Warten auf Mrs. Ferrars’ Tod, was ein melancholisches und schockierendes Äußerstes ist? – Ist ihr Sohn entschlossen, sich dem zu unterwerfen und all der Langwierigkeit der vielen Jahre des Schwebezustands, in die es Sie verstricken mag, eher als für eine Weile das Risiko ihres Missfallens durch das Eingeständnis der Wahrheit einzugehen?“
„Wenn wir sicher sein könnten, dass es nur für eine Weile wäre! Aber Mrs. Ferrars ist eine sehr eigensinnige, stolze Frau, und in ihrem ersten Zornanfall, wenn sie es hörte, würde sie sehr wahrscheinlich alles an Robert sichern, und die Vorstellung davon, um Edwards willen, verjagt all meine Neigung zu überstürzten Schritten.“
„Und auch um Ihres eigenen Willens, oder Sie treiben Ihre Uneigennützigkeit über die Vernunft hinaus.“
Lucy blickte Elinor wieder an und schwieg.
„Kennen Sie Mr. Robert Ferrars?“, fragte Elinor.
„Überhaupt nicht – ich habe ihn nie gesehen; doch ich bilde mir ein, er ist seinem Bruder sehr unähnlich – albern und ein großer Geck.“
„Ein großer Geck!“, wiederholte Miss Steele, deren Ohr diese Worte durch eine plötzliche Pause in Mariannes Musik aufgefangen hatte. „Oh, sie sprechen von ihren Lieblingsbeaux, das wage ich zu sagen.“
„Nein, Schwester“, rief Lucy, „da irren Sie sich, unsere Lieblingsbeaux sind keine großen Gecken.“
„Ich kann dafür bürgen, dass der von Miss Dashwood keiner ist“, sagte Mrs. Jennings und lachte herzlich; „denn er ist einer der bescheidensten, bestgezogensten jungen Männer, die ich je sah; aber was Lucy betrifft, sie ist ein so verschmitztes kleines Geschöpf, es ist nicht herauszufinden, wen sie mag.“
„Oh“, rief Miss Steele und blickte bedeutungsvoll zu ihnen herüber, „ich wage zu sagen, dass Lucys Beau ganz so bescheiden und gut erzogen ist wie der von Miss Dashwood.“
Elinor errötete trotz ihrer selbst. Lucy biss sich auf die Lippe und blickte ihre Schwester zornig an. Ein gegenseitiges Schweigen trat für einige Zeit ein. Lucy beendete es zuerst, indem sie in einem leiseren Ton sagte, obwohl Marianne ihnen gerade den mächtigen Schutz eines sehr prachtvollen Konzerts gewährte –
„Ich werde Ihnen ehrlich von einem Plan berichten, der mir kürzlich in den Sinn gekommen ist, um die Angelegenheit voranzubringen; tatsächlich bin ich Ihnen gegenüber verpflichtet, Sie in dieses Geheimnis einzuweihen, denn Sie sind eine betroffene Partei. Ich wage zu behaupten, dass Sie genug von Edward gesehen haben, um zu wissen, dass er die Kirche jedem anderen Beruf vorziehen würde; nun ist mein Plan, dass er so bald wie möglich die Weihen empfängt, und dann könnte Ihr Bruder durch Ihren Einfluss – von dem ich sicher bin, dass Sie ihn aus Freundschaft zu ihm, und, wie ich hoffe, auch aus einer gewissen Hochachtung mir gegenüber, freundlicherweise einsetzen würden – dazu bewogen werden, ihm die Pfarrei von Norland zu übertragen; ich habe gehört, sie sei sehr einträglich, und es ist nicht anzunehmen, dass der jetzige Amtsinhaber noch lange leben wird. Das würde für uns ausreichen, um zu heiraten, und für alles Weitere könnten wir auf die Zeit und den Zufall vertrauen.“
„Ich wäre immer glücklich“, antwortete Elinor, „jedes Zeichen meiner Wertschätzung und Freundschaft für Mr. Ferrars zu zeigen; aber bemerken Sie nicht, dass mein Einfluss bei einer solchen Gelegenheit vollkommen unnötig wäre? Er ist der Bruder von Mrs. John Dashwood – das muss für ihren Ehemann Empfehlung genug sein.“
„Aber Mrs. John Dashwood würde es nicht sehr begrüßen, wenn Edward die geistliche Laufbahn einschlüge.“
„Dann fürchte ich, dass mein Einfluss nur sehr wenig bewirken würde.“
Sie blieben wieder viele Minuten lang still. Schließlich rief Lucy mit einem tiefen Seufzer aus:
„Ich glaube, es wäre das Klügste, die Angelegenheit sofort zu beenden, indem wir das Verlöbnis auflösen. Wir scheinen von allen Seiten so mit Schwierigkeiten umgeben zu sein, dass wir, auch wenn es uns eine Zeit lang unglücklich machen würde, am Ende vielleicht glücklicher wären. Aber Sie wollen mir Ihren Rat nicht geben, Miss Dashwood?“
„Nein“, antwortete Elinor mit einem Lächeln, das sehr aufgewühlte Gefühle verbarg, „in einer solchen Angelegenheit werde ich das sicherlich nicht tun. Sie wissen sehr genau, dass meine Meinung bei Ihnen kein Gewicht hätte, es sei denn, sie spräche für Ihre eigenen Wünsche.“
„Sie tun mir wirklich Unrecht“, entgegnete Lucy mit großer Feierlichkeit; „ich kenne niemanden, dessen Urteilsvermögen ich so hoch einschätze wie das Ihre; und ich glaube wirklich, wenn Sie zu mir sagen würden: ‚Ich rate Ihnen dringend, Ihr Verlöbnis mit Edward Ferrars zu lösen, es wird für das Glück von Ihnen beiden besser sein‘, dann würde ich mich sofort dazu entschließen.“
Elinor errötete ob der Unaufrichtigkeit der zukünftigen Ehefrau Edwards und antwortete: „Dieses Kompliment würde mich wirksam davon abhalten, irgendeine Meinung zu diesem Thema zu äußern, selbst wenn ich mir eine gebildet hätte. Es hebt meinen Einfluss viel zu sehr hervor; die Macht, zwei Menschen zu trennen, die so zärtlich einander zugetan sind, ist für eine unbeteiligte Person zu groß.“
„Eben weil Sie eine unbeteiligte Person sind“, sagte Lucy mit einer gewissen Gehässigkeit und betonte diese Worte besonders, „könnte Ihr Urteil bei mir zu Recht ein solches Gewicht haben. Wenn man annehmen könnte, dass Sie in irgendeiner Weise durch Ihre eigenen Gefühle voreingenommen wären, dann wäre Ihre Meinung nichts wert.“
Elinor hielt es für das Klügste, darauf keine Antwort zu geben, damit sie sich nicht gegenseitig zu einer unangebrachten Vertraulichkeit und Offenheit hinreißen ließen; und sie war sogar teilweise entschlossen, das Thema nie wieder zu erwähnen. Eine weitere Pause von vielen Minuten Dauer folgte auf diese Äußerung, und Lucy war dennoch die Erste, die sie beendete.
„Werden Sie diesen Winter in der Stadt sein, Miss Dashwood?“, sagte sie mit all ihrer gewohnten Selbstgefälligkeit.
„Sicherlich nicht.“
„Das tut mir leid“, erwiderte die andere, während ihre Augen bei dieser Auskunft aufleuchteten, „es hätte mir solche Freude bereitet, Sie dort zu treffen! Aber ich wage zu behaupten, dass Sie trotzdem fahren werden. Sicherlich werden Ihr Bruder und Ihre Schwägerin Sie bitten, zu ihnen zu kommen.“
„Es wird nicht in meiner Macht stehen, ihre Einladung anzunehmen, falls sie es tun.“
„Wie unglücklich das ist! Ich hatte fest darauf gebaut, Sie dort zu treffen. Anne und ich werden Ende Januar zu einigen Verwandten fahren, die uns schon seit Jahren bei sich zu Besuch haben wollen! Aber ich fahre nur, um Edward zu sehen. Er wird im Februar dort sein, andernfalls hätte London für mich keinen Reiz; ich habe nicht die Stimmung dafür.“
Elinor wurde bald durch den Abschluss der ersten Runde zum Kartentisch gerufen, und das vertrauliche Gespräch der beiden Damen war somit beendet, womit sich beide ohne jeden Widerstand abfanden, denn auf keiner Seite war etwas gesagt worden, das sie einander weniger missfallen ließe als zuvor; und Elinor setzte sich mit der melancholischen Überzeugung an den Kartentisch, dass Edward nicht nur keine Zuneigung für die Person empfand, die seine Frau werden sollte, sondern dass er nicht einmal die Chance hatte, in der Ehe einigermaßen glücklich zu werden, was eine aufrichtige Zuneigung ihrerseits hätte bieten können, denn nur Eigennutz konnte eine Frau dazu bewegen, einen Mann an einem Verlöbnis festzuhalten, von dem sie nur zu genau wusste, dass er dessen überdrüssig war.
Von dieser Zeit an wurde das Thema von Elinor nie wieder aufgegriffen, und wenn Lucy, die selten eine Gelegenheit ausließ, es einzubringen, damit begann und besonders darauf bedacht war, ihre Vertraute über ihr Glück zu informieren, wann immer sie einen Brief von Edward erhielt, wurde es von Erstere mit Gelassenheit und Zurückhaltung behandelt und so schnell wie möglich mit Höflichkeit abgetan; denn sie empfand solche Gespräche als ein Nachgeben, das Lucy nicht verdiente und das für sie selbst gefährlich war.
Der Besuch der Misses Steele in Barton Park wurde weit über das hinaus ausgedehnt, was die erste Einladung vermuten ließ. Ihre Gunst wuchs; sie waren unentbehrlich; Sir John wollte nichts davon hören, dass sie gingen; und trotz ihrer zahlreichen und lange geplanten Verpflichtungen in Exeter, trotz der absoluten Notwendigkeit, dorthin zurückzukehren, um sie unverzüglich zu erfüllen, was am Ende jeder Woche mit vollem Nachdruck geltend gemacht wurde, ließen sie sich dazu überreden, fast zwei Monate im Park zu bleiben und bei der gebührenden Feier jenes Festes zu helfen, das mehr als ein gewöhnliches Maß an privaten Bällen und großen Abendessen erfordert, um seine Bedeutung zu verkünden.
KAPITEL XXV.
Obwohl Mrs. Jennings den Gewohnheiten nach einen großen Teil des Jahres in den Häusern ihrer Kinder und Freunde verbrachte, war sie nicht ohne einen festen Wohnsitz ihrer eigenen. Seit dem Tod ihres Mannes, der in einem weniger vornehmen Teil der Stadt erfolgreich Handel getrieben hatte, bewohnte sie jeden Winter ein Haus in einer der Straßen in der Nähe des Portman Square. Auf dieses Zuhause begann sie mit der Annäherung des Januars ihre Gedanken zu richten, und dorthin bat sie eines Tages die älteren Misses Dashwood, ganz abrupt und für diese völlig unerwartet, sie zu begleiten. Elinor gab, ohne auf die wechselnde Gesichtsfarbe ihrer Schwester und den belebten Blick, der keineswegs Gleichgültigkeit gegenüber diesem Plan verriet, zu achten, sofort eine dankbare, aber entschiedene Ablehnung für beide ab, wobei sie glaubte, im Namen ihrer beider Neigungen zu sprechen. Der angegebene Grund war ihr fester Entschluss, ihre Mutter zu dieser Jahreszeit nicht zu verlassen. Mrs. Jennings nahm die Absage mit einigem Erstaunen auf und wiederholte ihre Einladung sofort.
„Oh, Gott! Ich bin sicher, Ihre Mutter kann gut auf Sie verzichten, und ich flehe Sie an, mir mit Ihrer Begleitung zu schmeicheln, denn ich habe mich ganz und gar darauf versteift. Denken Sie nicht, dass Sie mir irgendwelche Unannehmlichkeiten bereiten werden, denn ich werde mich meinetwegen überhaupt nicht aus der Fassung bringen lassen. Es bedeutet nur, Betty mit der Postkutsche vorauszuschicken, und ich hoffe, das kann ich mir leisten. Wir drei werden sehr gut in meiner Kutsche reisen können; und wenn wir in der Stadt sind, und Sie nicht dorthin gehen möchten, wohin ich gehe, nun gut, Sie können jederzeit mit einer meiner Töchter gehen. Ich bin sicher, Ihre Mutter wird keine Einwände haben; denn ich hatte so viel Glück dabei, meine eigenen Kinder unter die Haube zu bringen, dass sie mich für eine sehr geeignete Person halten wird, um die Verantwortung für Sie zu übernehmen; und wenn ich nicht wenigstens eine von Ihnen gut verheiratet habe, bevor ich mit Ihnen fertig bin, soll es nicht meine Schuld sein. Ich werde bei allen jungen Männern ein gutes Wort für Sie einlegen, darauf können Sie sich verlassen.“
„Ich habe eine Vermutung“, sagte Sir John, „dass Miss Marianne keine Einwände gegen einen solchen Plan hätte, wenn ihre ältere Schwester sich darauf einließe. Es ist wirklich sehr hart, dass sie kein bisschen Vergnügen haben sollte, nur weil Miss Dashwood es nicht wünscht. Also würde ich euch beiden raten, in die Stadt aufzubrechen, wenn ihr Barton leid seid, ohne ein Wort darüber zu Miss Dashwood zu verlieren.“
„Nein“, rief Mrs. Jennings, „ich bin sicher, ich werde ungeheuer froh über die Begleitung von Miss Marianne sein, ob Miss Dashwood nun mitkommt oder nicht; je mehr, desto besser, sage ich, und ich dachte, es wäre angenehmer für sie, zusammen zu sein; denn wenn sie meiner überdrüssig würden, könnten sie miteinander sprechen und hinter meinem Rücken über meine sonderbaren Wege lachen. Aber die eine oder die andere, wenn nicht beide, muss ich haben. Gott behüte mich! Wie soll ich denn allein hier hocken, ich, die ich es bis zu diesem Winter immer gewohnt war, Charlotte bei mir zu haben? Kommen Sie, Miss Marianne, lassen Sie uns den Handel besiegeln, und wenn Miss Dashwood ihre Meinung später ändern sollte, nun, umso besser.“
„Ich danke Ihnen, gnädige Frau, ich danke Ihnen aufrichtig“, sagte Marianne mit Wärme: „Ihre Einladung hat sich meine Dankbarkeit für immer gesichert, und es würde mir ein solches Glück bereiten, ja, beinahe das größte Glück, dessen ich fähig bin, sie annehmen zu können. Aber meine Mutter, meine liebste, gütigste Mutter – ich empfinde die Gerechtigkeit dessen, was Elinor geltend gemacht hat, und wenn sie durch unsere Abwesenheit weniger glücklich, weniger wohl wäre – oh nein, nichts sollte mich verlocken, sie zu verlassen. Es sollte, es darf kein Kampf sein.“
Mrs. Jennings wiederholte ihre Versicherung, dass Mrs. Dashwood sehr wohl auf sie verzichten könne; und Elinor, die nun ihre Schwester verstand und sah, zu welcher Gleichgültigkeit gegenüber fast allem anderen sie durch ihre Sehnsucht, wieder mit Willoughby zusammen zu sein, getrieben wurde, leistete keinen weiteren direkten Widerstand gegen den Plan und überließ es lediglich der Entscheidung ihrer Mutter, von der sie jedoch kaum erwartete, dass sie sie in ihrem Bestreben unterstützen würde, einen Besuch zu verhindern, den sie für Marianne nicht billigen konnte und den sie aus eigenen Gründen besonders vermeiden wollte. Was auch immer Marianne sich wünschte, ihre Mutter wäre begierig darauf, es zu fördern – sie konnte nicht erwarten, Letztere zu einer vorsichtigen Haltung in einer Angelegenheit zu bewegen, bei der sie ihr niemals Misstrauen hatte einflößen können; und sie wagte es nicht, den Beweggrund ihrer eigenen Abneigung gegen eine Reise nach London zu erklären. Dass Marianne, so anspruchsvoll sie war, mit den Manieren von Mrs. Jennings bestens vertraut und ausnahmslos von ihnen angewidert, jede Unannehmlichkeit dieser Art übersehen und alles, was ihre empfindlichen Gefühle am meisten verletzen musste, bei der Verfolgung eines einzigen Ziels missachten sollte, war ein solcher Beweis, so stark, so voll von der Bedeutung dieses Objekts für sie, dass Elinor, trotz allem, was geschehen war, nicht darauf vorbereitet war, dies mitzuerleben.
Als Mrs. Dashwood von der Einladung erfuhr, überzeugt, dass ein solcher Ausflug beiden Töchtern viel Vergnügen bereiten würde, und durch all ihre liebevolle Aufmerksamkeit für sich selbst erkennend, wie sehr das Herz von Marianne daran hing, wollte sie nichts davon hören, dass sie das Angebot ihretwegen ablehnten; sie bestand darauf, dass beide es sofort annahmen; und dann begann sie, mit ihrer gewohnten Fröhlichkeit eine Vielzahl von Vorteilen vorherzusehen, die ihnen allen aus dieser Trennung erwachsen würden.
„Ich bin begeistert von dem Plan“, rief sie, „es ist genau das, was ich mir wünschen könnte. Margaret und mir wird es genauso zugutekommen wie euch. Wenn ihr und die Middletons fort seid, werden wir so ruhig und glücklich zusammen mit unseren Büchern und unserer Musik leben! Ihr werdet Margaret so fortgeschritten finden, wenn ihr wieder zurückkommt! Ich habe auch einen kleinen Plan für die Veränderung eurer Schlafzimmer, der nun ohne Unannehmlichkeiten für irgendjemanden ausgeführt werden kann. Es ist sehr richtig, dass ihr in die Stadt geht; ich möchte, dass jede junge Frau eures Standes mit den Manieren und Vergnügungen von London vertraut ist. Ihr werdet unter der Obhut einer mütterlichen, guten Art von Frau sein, an deren Güte euch gegenüber ich nicht zweifeln kann. Und aller Wahrscheinlichkeit nach werdet ihr euren Bruder sehen, und was auch immer seine Fehler oder die Fehler seiner Frau sein mögen, wenn ich bedenke, wessen Sohn er ist, kann ich es nicht ertragen, dass ihr einander so völlig entfremdet seid.“
„Obwohl Sie mit Ihrer gewohnten Sorge um unser Glück“, sagte Elinor, „jedes Hindernis für den gegenwärtigen Plan, das Ihnen in den Sinn kam, aus dem Weg geräumt haben, gibt es immer noch einen Einwand, der meiner Meinung nach nicht so leicht beseitigt werden kann.“
Mariannes Miene fiel.
„Und was“, sagte Mrs. Dashwood, „will meine liebe, kluge Elinor nun vorschlagen? Welches gewaltige Hindernis will sie nun vorbringen? Lassen Sie mich kein Wort über die Kosten hören.“
„Mein Einwand ist folgender: Obwohl ich sehr viel von Mrs. Jennings’ Herz halte, ist sie keine Frau, deren Gesellschaft uns Freude bereiten kann oder deren Schutz uns Ansehen verleihen wird.“
„Das ist sehr wahr“, antwortete ihre Mutter, „aber von ihrer Gesellschaft, getrennt von der anderer Leute, werdet ihr kaum etwas haben, und ihr werdet fast immer in der Öffentlichkeit mit Lady Middleton erscheinen.“
„Wenn Elinor durch ihre Abneigung gegen Mrs. Jennings abgeschreckt wird“, sagte Marianne, „so muss das zumindest nicht verhindern, dass ICH ihre Einladung annehme. Ich habe keine solchen Skrupel, und ich bin sicher, ich könnte jede Unannehmlichkeit dieser Art mit sehr wenig Anstrengung ertragen.“
Elinor konnte nicht umhin, über diese Zurschaustellung von Gleichgültigkeit gegenüber den Manieren einer Person zu lächeln, bei der sie oft Mühe gehabt hatte, Marianne zu einem einigermaßen höflichen Verhalten zu bewegen; und sie nahm sich innerlich vor, dass sie, falls ihre Schwester darauf beharre zu fahren, ebenfalls fahren würde, da sie es nicht für angemessen hielt, dass Marianne der alleinigen Führung ihres eigenen Urteilsvermögens überlassen bliebe, oder dass Mrs. Jennings der Gnade von Marianne für all den Komfort ihrer häuslichen Stunden ausgeliefert würde. Mit diesem Entschluss versöhnte sie sich umso leichter, als sie sich daran erinnerte, dass Edward Ferrars laut Lucys Bericht nicht vor Februar in der Stadt sein würde; und dass ihr Besuch, ohne jede unangemessene Verkürzung, vorher beendet sein könnte.
„Ich möchte, dass ihr beide fahrt“, sagte Mrs. Dashwood; „diese Einwände sind unsinnig. Ihr werdet viel Vergnügen daran haben, in London zu sein, und besonders daran, zusammen zu sein; und wenn Elinor sich jemals dazu herablassen würde, Genuss vorwegzunehmen, würde sie ihn dort aus einer Vielzahl von Quellen vorhersehen; sie würde vielleicht erwarten, einiges davon durch die Vertiefung ihrer Bekanntschaft mit der Familie ihrer Schwägerin zu gewinnen.“
Elinor hatte oft auf eine Gelegenheit gehofft, die Abhängigkeit ihrer Mutter von der Bindung zwischen Edward und ihr zu schwächen, damit der Schock weniger schwer wäre, wenn die ganze Wahrheit offenbart würde, und nun, bei diesem Angriff, obwohl sie kaum auf Erfolg hoffte, zwang sie sich, ihren Plan zu beginnen, indem sie so ruhig wie möglich sagte: „Ich mag Edward Ferrars sehr und werde mich immer freuen, ihn zu sehen; aber was den Rest der Familie betrifft, so ist es mir völlig gleichgültig, ob ich jemals von ihnen gekannt werde oder nicht.“
Mrs. Dashwood lächelte und sagte nichts. Marianne hob erstaunt die Augen, und Elinor mutmaßte, dass sie ebenso gut hätte schweigen können.
Nach sehr wenig weiterem Gespräch wurde schließlich beschlossen, dass die Einladung vollständig angenommen werden sollte. Mrs. Jennings nahm die Nachricht mit großer Freude und vielen Versicherungen von Freundlichkeit und Fürsorge auf; noch war es für sie lediglich eine Sache des Vergnügens. Sir John war entzückt; denn für einen Mann, dessen vorherrschende Angst die Furcht vor dem Alleinsein war, war der Zuwachs von zwei Personen zur Anzahl der Bewohner in London etwas. Selbst Lady Middleton machte sich die Mühe, erfreut zu sein, was sie ein wenig aus ihrer gewohnten Art herausbrachte; und was die Misses Steele betraf, insbesondere Lucy, so waren sie in ihrem Leben noch nie so glücklich gewesen, wie diese Nachricht sie machte.
Elinor fügte sich der Regelung, die ihren Wünschen zuwiderlief, mit weniger Widerstand, als sie erwartet hatte. Was sie selbst betraf, so war es nun gleichgültig, ob sie in die Stadt fuhr oder nicht, und als sie ihre Mutter so rundum zufrieden mit dem Plan sah und ihre Schwester davon im Blick, in der Stimme und im Gebaren belebt, in all ihre gewohnte Lebhaftigkeit zurückversetzt und zu mehr als ihrer gewohnten Fröhlichkeit erhoben, konnte sie mit der Ursache nicht unzufrieden sein und wollte sich kaum erlauben, die Folge zu bezweifeln.
Mariannes Freude war fast ein Grad jenseits von Glück, so groß war die Erregung ihres Gemüts und ihre Ungeduld, fortzukommen. Ihre Unwilligkeit, ihre Mutter zu verlassen, war ihr einziges Mittel, zur Ruhe zurückzukehren; und im Moment des Abschieds war ihr Kummer in dieser Hinsicht maßlos. Das Leid ihrer Mutter war kaum geringer, und Elinor war die einzige der drei, die die Trennung als etwas anderes als ewig zu betrachten schien.
Ihre Abreise fand in der ersten Januarwoche statt. Die Middletons sollten in etwa einer Woche folgen. Die Misses Steele blieben auf ihrem Posten im Park und sollten ihn erst mit dem Rest der Familie verlassen.
KAPITEL XXVI.
Elinor konnte sich nicht in der Kutsche mit Mrs. Jennings befinden und eine Reise nach London unter ihrem Schutz und als ihr Gast beginnen, ohne sich über ihre eigene Situation zu wundern, so kurz war ihre Bekanntschaft mit dieser Dame gewesen, so völlig unpassend waren sie in Alter und Veranlagung, und so viele Einwände hatte sie noch wenige Tage zuvor gegen eine solche Maßnahme erhoben! Aber diese Einwände waren alle, mit jener glücklichen Glut der Jugend, die Marianne und ihre Mutter gleichermaßen teilten, überwunden oder übersehen worden; und Elinor konnte, trotz jedes gelegentlichen Zweifels an Willoughbys Beständigkeit, nicht die Verzückung der entzückenden Erwartung miterleben, die die ganze Seele von Marianne erfüllte und aus ihren Augen strahlte, ohne zu fühlen, wie leer ihre eigene Aussicht war, wie freudlos ihr eigener Geisteszustand im Vergleich dazu, und wie gerne sie sich in die Sorge von Mariannes Lage begeben würde, um das gleiche belebende Ziel vor Augen zu haben, die gleiche Möglichkeit der Hoffnung. Eine kurze, eine sehr kurze Zeit musste jedoch nun entscheiden, was Willoughbys Absichten waren; aller Wahrscheinlichkeit nach war er bereits in der Stadt. Mariannes Eifer, fortzukommen, erklärte ihre Abhängigkeit davon, ihn dort zu finden; und Elinor war entschlossen, nicht nur jeden neuen Aufschluss über seinen Charakter zu gewinnen, den ihr ihre eigene Beobachtung oder die Informationen anderer geben konnten, sondern auch sein Verhalten gegenüber ihrer Schwester mit solch eifrigem Augenmerk zu verfolgen, um festzustellen, was er war und was er meinte, bevor viele Treffen stattgefunden hatten. Sollte das Ergebnis ihrer Beobachtungen ungünstig sein, war sie entschlossen, auf jeden Fall ihrer Schwester die Augen zu öffnen; sollte es anders sein, wären ihre Bemühungen von anderer Natur – sie müsste dann lernen, jeden selbstsüchtigen Vergleich zu vermeiden und jedes Bedauern zu verbannen, das ihre Zufriedenheit am Glück von Marianne mindern könnte.
Sie waren drei Tage auf ihrer Reise, und Mariannes Verhalten, während sie reisten, war eine glückliche Probe dessen, was in Zukunft an Gefälligkeit und Kameradschaftlichkeit gegenüber Mrs. Jennings zu erwarten war. Sie saß fast den ganzen Weg über schweigend da, in ihre eigenen Meditationen gehüllt, und sprach kaum jemals freiwillig, außer wenn irgendein Objekt von malerischer Schönheit in ihrem Blickfeld ihr einen Ausruf des Entzückens entlockte, der ausschließlich an ihre Schwester gerichtet war. Um dieses Verhalten wieder gutzumachen, nahm Elinor daher sofort den Posten der Höflichkeit ein, den sie sich selbst zugewiesen hatte, verhielt sich mit der größten Aufmerksamkeit gegenüber Mrs. Jennings, sprach mit ihr, lachte mit ihr und hörte ihr zu, wann immer sie konnte; und Mrs. Jennings ihrerseits behandelte beide mit aller erdenklichen Güte, war bei jeder Gelegenheit um ihre Leichtigkeit und ihren Genuss besorgt und nur verstört darüber, dass sie sie nicht ihre eigenen Abendessen im Gasthaus wählen lassen konnte, noch ein Geständnis ihrer Bevorzugung von Lachs gegenüber Kabeljau oder gekochten Hühnern gegenüber Kalbskoteletts erzwingen konnte. Sie erreichten die Stadt am dritten Tag gegen drei Uhr, froh, nach einer solchen Reise von der Enge einer Kutsche befreit zu sein, und bereit, den ganzen Luxus eines guten Feuers zu genießen.
Das Haus war stattlich und ebenso stattlich eingerichtet, und die jungen Damen wurden unverzüglich in Besitz eines sehr behaglichen Zimmers gesetzt. Es war ehemals Charlottes gewesen, und über dem Kaminsims hing noch eine von ihr gefertigte Landschaft aus farbigen Seidenfäden, als Beweis dafür, dass sie sieben Jahre lang mit einigem Erfolg auf einer großen Schule in der Stadt verbracht hatte.
Da das Abendessen nicht vor Ablauf von zwei Stunden nach ihrer Ankunft fertig sein sollte, beschloss Elinor, die Zeit mit dem Schreiben an ihre Mutter zu verbringen, und setzte sich zu diesem Zweck nieder. Nach wenigen Augenblicken tat Marianne dasselbe. „Ich schreibe nach Hause, Marianne“, sagte Elinor; „wäre es nicht besser, du würdest deinen Brief um ein oder zwei Tage aufschieben?“
„Ich schreibe nicht an meine Mutter“, erwiderte Marianne hastig, als wolle sie weiteren Nachfragen ausweichen. Elinor sagte nichts mehr; es durchfuhr sie augenblicklich, dass sie dann wohl an Willoughby schreiben müsse; und der Schluss, der ebenso unmittelbar folgte, war, dass sie, so geheimnisvoll sie die Angelegenheit auch behandeln mochten, verlobt sein mussten. Diese Überzeugung, wenn auch nicht vollkommen befriedigend, bereitete ihr Freude, und sie setzte ihren Brief mit größerer Emsigkeit fort. Mariannes Brief war in wenigen Minuten beendet; der Länge nach konnte es kaum mehr als ein Zettel sein; er wurde dann gefaltet, versiegelt und mit eifriger Hast adressiert. Elinor glaubte, ein großes W auf der Anschrift erkennen zu können; und kaum war er fertig, als Marianne die Glocke läutete und den Diener, der antwortete, bat, diesen Brief für sie zur Zwei-Penny-Post zu bringen. Damit war die Sache sofort entschieden.
Ihre Stimmung blieb weiterhin sehr gehoben; doch lag in ihr ein Flattern, das dem Vergnügen ihrer Schwester wenig zuträglich war, und diese Erregung nahm zu, als der Abend hereinbrach. Sie konnte kaum etwas vom Abendessen zu sich nehmen, und als sie später in den Salon zurückkehrten, schien sie ängstlich auf das Geräusch jeder Kutsche zu lauschen.
Es war eine große Erleichterung für Elinor, dass Mrs. Jennings, da sie viel in ihrem eigenen Zimmer zu tun hatte, wenig von dem mitbekam, was vor sich ging. Das Teeservice wurde hereingebracht, und schon war Marianne mehr als einmal durch das Klopfen an einer Nachbartür enttäuscht worden, als plötzlich ein lautes Klopfen zu hören war, das bei keinem anderen Haus zu vermuten war. Elinor fühlte sich sicher, dass es Willoughbys Ankunft ankündigte, und Marianne sprang auf und bewegte sich auf die Tür zu. Alles war still; das ließ sich nicht lange ertragen; sie öffnete die Tür, ging ein paar Schritte die Treppe hinunter und kehrte nach einer halben Minute des Lauschens in das Zimmer zurück, in all der Erregung, die die Gewissheit, ihn gehört zu haben, ganz natürlich hervorrufen musste; in der Ekstase ihrer Gefühle in diesem Augenblick konnte sie nicht anders, als auszurufen: „Oh, Elinor, es ist Willoughby, tatsächlich ist er es!“ und schien fast bereit, sich in seine Arme zu stürzen, als Colonel Brandon erschien.
Es war ein zu großer Schock, um mit Gelassenheit ertragen zu werden, und sie verließ sofort das Zimmer. Elinor war ebenfalls enttäuscht; doch zugleich sicherte ihr die Hochachtung für Colonel Brandon ihm gegenüber ein freundliches Willkommen; und sie war besonders gekränkt, dass ein Mann, der ihrer Schwester so zugetan war, bemerken musste, dass sie beim Anblick seiner Person nichts als Kummer und Enttäuschung empfand. Sie sah sofort, dass es ihm nicht entgangen war, dass er Marianne sogar beobachtete, als sie das Zimmer verließ, mit solchem Erstaunen und solcher Sorge, dass er kaum noch wusste, was die Höflichkeit ihr gegenüber verlangte.
„Ist Ihre Schwester krank?“, sagte er.
Elinor antwortete etwas betreten, dass sie es sei, und sprach dann von Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und Übermüdung; von allem, worauf sie das Verhalten ihrer Schwester anständig zurückführen konnte.
Er hörte ihr mit größter Aufmerksamkeit zu, schien sich aber zu besinnen, sagte nichts weiter zu dem Thema und begann unverzüglich, seine Freude über ihr Wiedersehen in London zu bekunden, wobei er die üblichen Fragen über ihre Reise und die Freunde stellte, die sie zurückgelassen hatten.
Auf diese ruhige Art, mit sehr wenig Interesse von beiden Seiten, unterhielten sie sich weiter, beide bedrückt und mit Gedanken, die ganz woanders waren. Elinor wollte sehr gerne fragen, ob Willoughby gerade in der Stadt sei, doch fürchtete sie, ihm durch eine Erkundigung nach seinem Nebenbuhler Schmerz zuzufügen; und schließlich fragte sie, nur um etwas zu sagen, ob er seit ihrem letzten Treffen die ganze Zeit in London gewesen sei. „Ja“, erwiderte er etwas verlegen, „fast die ganze Zeit; ich war ein oder zwei Mal für ein paar Tage in Delaford, aber es stand mir nie in der Macht, nach Barton zurückzukehren.“
Dies, und die Art, wie es gesagt wurde, rief ihr sofort wieder alle Umstände seines Abschieds von jenem Ort ins Gedächtnis, mit der Unruhe und den Verdächtigungen, die sie bei Mrs. Jennings hervorgerufen hatten, und sie fürchtete, ihre Frage habe weit mehr Neugier in Bezug auf das Thema angedeutet, als sie je empfunden hatte.
Mrs. Jennings kam bald herein. „Oh! Colonel“, sagte sie mit ihrer gewohnt lauten Fröhlichkeit, „ich bin wahnsinnig froh, Sie zu sehen – verzeihen Sie, dass ich nicht früher kommen konnte – ich bitte um Entschuldigung, aber ich musste mich ein wenig umsehen und meine Angelegenheiten regeln; denn es ist lange her, seit ich zu Hause war, und Sie wissen, man hat immer eine Welt voll kleiner, seltsamer Dinge zu erledigen, nachdem man eine Zeit lang fort war; und dann musste ich noch mit Cartwright abrechnen. Herrgott, ich war seit dem Abendessen so beschäftigt wie eine Biene! Aber sagen Sie, Colonel, wie konnten Sie nur erraten, dass ich heute in der Stadt sein würde?“
„Ich hatte das Vergnügen, es bei Mr. Palmer zu hören, wo ich zu Mittag gegessen habe.“
„Oh, das haben Sie; nun, und wie geht es ihnen allen in ihrem Haus? Wie geht es Charlotte? Ich wette, sie ist mittlerweile schon recht stattlich.“
„Mrs. Palmer schien ganz wohlauf zu sein, und ich bin beauftragt, Ihnen auszurichten, dass Sie sie morgen sicherlich sehen werden.“
„Ja, ganz gewiss, das dachte ich mir. Nun, Colonel, Sie sehen, ich habe zwei junge Damen mitgebracht – das heißt, Sie sehen jetzt nur eine von ihnen, aber da ist noch eine andere irgendwo. Ihre Freundin, Miss Marianne, auch – was Sie sicher freuen wird zu hören. Ich weiß nicht, was Sie und Mr. Willoughby untereinander wegen ihr anstellen werden. Ja, es ist eine schöne Sache, jung und hübsch zu sein. Nun! Ich war auch einmal jung, aber ich war nie sehr hübsch – zu meinem Unglück. Immerhin bekam ich einen sehr guten Ehemann, und ich wüsste nicht, was die größte Schönheit mehr erreichen könnte. Ach! Der arme Mann! Er ist nun schon seit acht Jahren und mehr tot. Aber Colonel, wo waren Sie eigentlich, seit wir uns trennten? Und wie laufen Ihre Geschäfte? Kommen Sie, kommen Sie, lassen Sie uns keine Geheimnisse unter Freunden haben.“
Er antwortete mit seiner gewohnten Milde auf all ihre Fragen, ohne sie jedoch in einer einzigen zufriedenzustellen. Elinor begann nun, den Tee einzuschenken, und Marianne sah sich gezwungen, wieder zu erscheinen.
Nach ihrem Eintreten wurde Colonel Brandon nachdenklicher und schweigsamer als zuvor, und Mrs. Jennings konnte ihn nicht dazu bewegen, lange zu bleiben. Kein anderer Besucher erschien an jenem Abend, und die Damen waren sich einig, früh zu Bett zu gehen.
Marianne erhob sich am nächsten Morgen mit wiedererlangter Stimmung und glücklichem Blick. Die Enttäuschung des Vorabends schien vergessen angesichts der Erwartung dessen, was an diesem Tag geschehen würde. Sie hatten ihr Frühstück noch nicht lange beendet, als Mrs. Palmers Barouche vor der Tür hielt, und nach wenigen Minuten kam sie lachend ins Zimmer: so erfreut, sie alle zu sehen, dass man kaum sagen konnte, ob sie mehr Freude daran hatte, ihre Mutter oder die Miss Dashwoods wiederzutreffen. So überrascht über ihre Ankunft in der Stadt, obwohl sie es die ganze Zeit erwartet hatte; so verärgert darüber, dass sie der Einladung ihrer Mutter gefolgt waren, nachdem sie ihre eigene abgelehnt hatten, obwohl sie ihnen im selben Atemzug nie verziehen hätte, wenn sie nicht gekommen wären!
„Mr. Palmer wird so glücklich sein, Sie zu sehen“, sagte sie; „Was glauben Sie, was er sagte, als er von Ihrem Kommen mit Mama hörte? Ich habe vergessen, was es war, aber es war etwas so Komisches!“
Nach ein oder zwei Stunden, die mit dem vergingen, was ihre Mutter ein behagliches Geplauder nannte, oder mit anderen Worten, mit jeder denkbaren Art von Erkundigung über alle Bekannten von Mrs. Jennings’ Seite und mit grundlosem Lachen auf Mrs. Palmers Seite, wurde von letzterer vorgeschlagen, dass sie sie alle zu einigen Geschäften begleiten sollten, in denen sie an jenem Morgen zu tun hatte. Mrs. Jennings und Elinor stimmten bereitwillig zu, da sie selbst ebenfalls Einkäufe zu tätigen hatten; und Marianne, obwohl sie es anfangs ablehnte, wurde dazu überredet, ebenfalls mitzukommen.
Wo auch immer sie hingingen, war sie offensichtlich ständig auf der Hut. Besonders in der Bond Street, wo ein Großteil ihrer Besorgungen lag, waren ihre Augen ständig auf der Suche; und in welchem Geschäft die Gesellschaft auch beschäftigt war, ihr Geist war ebenso sehr von allem, was sich gerade vor ihnen abspielte, abgelenkt, von allem, was die anderen interessierte und beschäftigte. Überall rastlos und unzufrieden, konnte ihre Schwester niemals ihre Meinung zu irgendeinem Kaufgegenstand einholen, mochte er sie beide gleichermaßen betreffen: Sie fand an nichts Freude; war nur ungeduldig, wieder zu Hause zu sein, und konnte ihre Verärgerung über die Langsamkeit von Mrs. Palmer nur schwer beherrschen, deren Auge an allem Hübschen, Teuren oder Neuen hängen blieb; die wild darauf war, alles zu kaufen, sich für nichts entscheiden konnte und ihre Zeit in Entzücken und Unentschlossenheit vertrödelte.
Es war spät am Vormittag, als sie nach Hause zurückkehrten; und kaum hatten sie das Haus betreten, flog Marianne eifrig die Treppe hinauf, und als Elinor ihr folgte, fand sie sie mit einem bekümmerten Gesichtsausdruck vom Tisch abwenden, was besagte, dass kein Willoughby dort gewesen war.
„Ist seit unserem Weggang kein Brief für mich hinterlassen worden?“, fragte sie den Diener, der gerade mit den Paketen hereinkam. Sie erhielt eine verneinende Antwort. „Sind Sie sich ganz sicher?“, entgegnete sie. „Sind Sie sicher, dass kein Diener, kein Bote irgendeinen Brief oder Zettel hinterlassen hat?“
Der Mann antwortete, dass dies nicht der Fall gewesen sei.
„Wie überaus seltsam!“, sagte sie mit leiser und enttäuschter Stimme, während sie sich zum Fenster abwandte.
„Wie seltsam, in der Tat!“, wiederholte Elinor in sich hinein und betrachtete ihre Schwester mit Unbehagen. „Wenn sie nicht gewusst hätte, dass er in der Stadt ist, hätte sie ihm nicht geschrieben, wie sie es tat; sie hätte nach Combe Magna geschrieben; und wenn er in der Stadt ist, wie seltsam, dass er weder kommt noch schreibt! Oh! Meine liebe Mutter, du musst dich irren, wenn du erlaubst, dass eine Verlobung zwischen einer Tochter, die so jung ist, und einem Mann, der so wenig bekannt ist, auf eine so zweifelhafte, so geheimnisvolle Weise geführt wird! Ich sehne mich danach, mich zu erkundigen; und wie wird mein Eingreifen aufgenommen werden.“
Sie beschloss nach einigem Überlegen, dass sie, sollten die Umstände noch viele Tage so unerfreulich bleiben wie jetzt, ihrer Mutter mit allem Nachdruck die Notwendigkeit einer ernsthaften Nachforschung in dieser Angelegenheit darlegen würde.
Mrs. Palmer und zwei ältere Damen aus Mrs. Jennings’ engem Bekanntenkreis, die sie am Morgen getroffen und eingeladen hatte, speisten mit ihnen. Erstere verließ sie kurz nach dem Tee, um ihre abendlichen Verpflichtungen zu erfüllen; und Elinor sah sich gezwungen, beim Zusammenstellen eines Whist-Tisches für die anderen zu helfen. Marianne war bei diesen Gelegenheiten von keinem Nutzen, da sie das Spiel nie lernen wollte; doch obwohl ihre Zeit daher zu ihrer freien Verfügung stand, war der Abend für sie keineswegs erfreulicher als für Elinor, denn er verging in all der Angst der Erwartung und dem Schmerz der Enttäuschung. Sie versuchte manchmal für ein paar Minuten zu lesen; doch das Buch wurde bald beiseitegelegt, und sie kehrte zu der interessanteren Beschäftigung zurück, im Zimmer auf und ab zu gehen und jedes Mal einen Augenblick am Fenster innezuhalten, in der Hoffnung, das lang ersehnte Klopfen zu vernehmen.
KAPITEL XXVII.
„Wenn dieses offene Wetter noch viel länger anhält“, sagte Mrs. Jennings, als sie sich am nächsten Morgen beim Frühstück trafen, „wird Sir John es nicht mögen, Barton nächste Woche zu verlassen; es ist eine traurige Sache für Sportler, einen Tag voller Vergnügen zu verlieren. Die armen Seelen! Ich habe immer Mitleid mit ihnen, wenn es passiert; sie scheinen es sich so sehr zu Herzen zu nehmen.“
„Das stimmt“, rief Marianne mit fröhlicher Stimme und trat, während sie sprach, ans Fenster, um den Tag zu begutachten. „Daran hatte ich gar nicht gedacht. Dieses Wetter wird viele Sportler auf dem Land halten.“
Es war eine glückliche Erinnerung, ihre ganze gute Laune war dadurch wiederhergestellt. „Es ist in der Tat bezauberndes Wetter für sie“, fuhr sie fort, während sie mit glücklichem Gesichtsausdruck am Frühstückstisch Platz nahm. „Wie sehr müssen sie es genießen! Aber“ (mit einer kleinen Rückkehr der Angst) „es ist nicht zu erwarten, dass es lange anhält. Um diese Jahreszeit, und nach einer solchen Folge von Regen, werden wir sicherlich nur noch sehr wenig davon haben. Der Frost wird bald einsetzen, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach mit Strenge. Vielleicht schon in ein oder zwei Tagen; diese extreme Milde kann kaum länger anhalten – nein, vielleicht friert es sogar heute Nacht!“
„Auf jeden Fall“, sagte Elinor, die verhindern wollte, dass Mrs. Jennings die Gedanken ihrer Schwester so klar sah wie sie selbst, „ich bin sicher, wir werden Sir John und Lady Middleton bis Ende nächster Woche in der Stadt haben.“
„Ja, meine Liebe, das wette ich. Mary bekommt immer ihren Willen.“
„Und jetzt“, mutmaßte Elinor still, „wird sie mit der heutigen Post nach Combe schreiben.“
Doch wenn sie es tat, dann wurde der Brief mit einer Verschwiegenheit geschrieben und versandt, die jede Wachsamkeit, dies zu bestätigen, unterlief. Was auch immer die Wahrheit sein mochte, und so weit Elinor davon entfernt war, sich deswegen vollkommen zufrieden zu fühlen, solange sie Marianne guter Dinge sah, konnte sie sich selbst nicht sehr unwohl fühlen. Und Marianne war guter Dinge; glücklich über die Milde des Wetters und noch glücklicher in ihrer Erwartung von Frost.
Der Vormittag wurde hauptsächlich damit verbracht, bei den Häusern von Mrs. Jennings’ Bekannten Visitenkarten zu hinterlassen, um sie über ihre Anwesenheit in der Stadt zu informieren; und Marianne war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Windrichtung zu beobachten, die Veränderungen des Himmels zu prüfen und sich eine Änderung der Luft einzubilden.
„Findest du es nicht kälter als heute Morgen, Elinor? Es scheint mir ein sehr deutlicher Unterschied zu sein. Ich kann meine Hände kaum einmal in meinem Muff warm halten. Gestern war das nicht so, glaube ich. Die Wolken scheinen sich auch aufzulösen, die Sonne wird gleich herauskommen, und wir werden einen klaren Nachmittag haben.“
Elinor war abwechselnd amüsiert und betrübt; doch Marianne blieb beharrlich und sah jeden Abend im Leuchten des Feuers und jeden Morgen im Aussehen der Atmosphäre die sicheren Anzeichen für herannahenden Frost.
Die Miss Dashwoods hatten keinen größeren Grund, mit Mrs. Jennings’ Lebensart und ihrem Bekanntenkreis unzufrieden zu sein, als mit ihrem Verhalten ihnen gegenüber, das ausnahmslos freundlich war. Alles in ihrer Haushaltsführung wurde nach dem freigiebigsten Plan gehandhabt, und abgesehen von einigen alten Freunden aus der Stadt, die sie, zu Lady Middletons Bedauern, nie aufgegeben hatte, besuchte sie niemanden, dessen Einführung die Gefühle ihrer jungen Begleiterinnen auch nur im Geringsten hätte stören können. Erfreut darüber, sich in dieser Hinsicht wohler situiert zu finden, als sie erwartet hatte, war Elinor nur zu bereit, sich mit dem Mangel an wirklichem Vergnügen bei ihren Abendgesellschaften abzufinden, die, ob zu Hause oder auswärts, nur für Kartenspiele gedacht waren und sie kaum unterhalten konnten.
Colonel Brandon, der eine allgemeine Einladung für das Haus hatte, war fast jeden Tag bei ihnen; er kam, um Marianne anzusehen und mit Elinor zu sprechen, die oft mehr Befriedigung aus der Unterhaltung mit ihm zog als aus jedem anderen täglichen Vorkommnis, die aber gleichzeitig mit großer Sorge seine anhaltende Zuneigung zu ihrer Schwester sah. Sie fürchtete, es sei eine sich festigende Zuneigung. Es betrübte sie zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit er Marianne oft beobachtete, und seine Stimmung war sicherlich schlechter als damals in Barton.
Etwa eine Woche nach ihrer Ankunft stand fest, dass auch Willoughby eingetroffen war. Seine Visitenkarte lag auf dem Tisch, als sie von ihrer morgendlichen Ausfahrt zurückkamen.
„Gott im Himmel!“, rief Marianne, „er war hier, während wir fort waren.“ Elinor, erfreut darüber, die Gewissheit seines Aufenthalts in London zu haben, wagte nun zu sagen: „Verlass dich darauf, er wird morgen wieder anrufen.“ Doch Marianne schien sie kaum zu hören, und als Mrs. Jennings eintrat, entwich sie mit der kostbaren Karte.
Dieses Ereignis, während es Elinors Stimmung hob, gab der ihrer Schwester alle, und noch mehr als all ihre frühere Erregung zurück. Von diesem Augenblick an war ihr Geist niemals ruhig; die Erwartung, ihn jede Stunde des Tages zu sehen, machte sie für alles unfähig. Sie bestand darauf, am nächsten Morgen zurückgelassen zu werden, als die anderen ausgingen.
Elinors Gedanken waren voll von dem, was sich während ihrer Abwesenheit in der Berkeley Street abspielen mochte; doch ein flüchtiger Blick auf ihre Schwester, als sie zurückkehrten, genügte ihr, um zu wissen, dass Willoughby dort keinen zweiten Besuch abgestattet hatte. Ein Zettel wurde gerade hereingebracht und auf den Tisch gelegt.
„Für mich!“, rief Marianne und trat hastig vor.
„Nein, gnädiges Fräulein, für meine Herrin.“
Doch Marianne, nicht überzeugt, nahm ihn sofort an sich.
„Er ist tatsächlich für Mrs. Jennings; wie ärgerlich!“
„Du erwartest also einen Brief?“, sagte Elinor, unfähig, länger zu schweigen.
„Ja, ein wenig – nicht viel.“
Nach einer kurzen Pause: „Du hast kein Vertrauen zu mir, Marianne.“
„Nein, Elinor, dieser Vorwurf von dir – du, die du zu niemandem Vertrauen hast!“
„Ich!“, erwiderte Elinor etwas verwirrt; „tatsächlich, Marianne, ich habe nichts zu erzählen.“
„Ich auch nicht“, antwortete Marianne energisch, „unsere Situationen sind also gleich. Keine von uns hat etwas zu erzählen; du, weil du dich nicht mitteilst, und ich, weil ich nichts verberge.“
Elinor, bekümmert über diesen Vorwurf der Verschlossenheit ihrerseits, den sie nicht frei abwehren konnte, wusste unter solchen Umständen nicht, wie sie auf mehr Offenheit bei Marianne drängen sollte.
Mrs. Jennings erschien bald, und nachdem ihr der Zettel gegeben worden war, las sie ihn laut vor. Er war von Lady Middleton, kündigte ihre Ankunft in der Conduit Street am Vorabend an und bat um die Gesellschaft ihrer Mutter und Cousinen am folgenden Abend. Geschäfte von Sir Johns Seite und eine heftige Erkältung ihrerseits hielten sie davon ab, in der Berkeley Street vorbeizuschauen. Die Einladung wurde angenommen; doch als die Zeit des Termins näher rückte, so notwendig es im Sinne der gewöhnlichen Höflichkeit gegenüber Mrs. Jennings auch war, dass sie beide sie bei einem solchen Besuch begleiteten, hatte Elinor einige Schwierigkeit, ihre Schwester zum Mitkommen zu bewegen, denn immer noch hatte sie nichts von Willoughby gesehen; und war daher nicht mehr abgeneigt, sich auswärts zu amüsieren, als unwillig, das Risiko einzugehen, dass er in ihrer Abwesenheit wieder anrief.
Elinor stellte fest, als der Abend vorüber war, dass sich die Gemütsverfassung durch einen Wohnortwechsel nicht wesentlich ändert, denn obwohl kaum in der Stadt eingelebt, hatte es Sir John verstanden, etwa zwanzig junge Leute um sich zu versammeln und sie mit einem Ball zu unterhalten. Dies war jedoch eine Angelegenheit, die Lady Middleton nicht billigte. Auf dem Land war ein unvorbereiteter Tanz durchaus zulässig; doch in London, wo der Ruf von Eleganz wichtiger und weniger leicht zu erlangen war, bedeutete es zu viel Risiko für das Vergnügen einiger Mädchen, bekannt zu machen, dass Lady Middleton einen kleinen Tanz für acht oder neun Paare mit zwei Geigen und einer bloßen kalten Platte gegeben hatte.
Mr. und Mrs. Palmer waren Teil der Gesellschaft; von ersterem, den sie seit ihrer Ankunft in der Stadt nicht mehr gesehen hatten, da er sorgsam vermied, den Anschein zu erwecken, seiner Schwiegermutter Aufmerksamkeit zu schenken, und ihr deshalb nie nahe kam, erhielten sie bei ihrem Eintreten kein Zeichen der Anerkennung. Er sah sie flüchtig an, ohne zu wissen, wer sie waren, und nickte Mrs. Jennings lediglich von der anderen Seite des Raumes zu. Marianne warf beim Eintreten einen Blick durch den Saal: es genügte – er war nicht da – und sie setzte sich, gleichermaßen abgeneigt, Vergnügen zu empfangen oder mitzuteilen. Nachdem sie etwa eine Stunde lang versammelt waren, schlenderte Mr. Palmer auf die Miss Dashwoods zu, um seine Überraschung über ihr Wiedersehen in der Stadt auszudrücken, obwohl Colonel Brandon als Erster über ihre Ankunft in seinem Haus informiert worden war und er selbst etwas sehr Komisches gesagt hatte, als er hörte, dass sie kommen würden.
„Ich dachte, ihr wärt beide in Devonshire“, sagte er.
„Dachtest du das?“, erwiderte Elinor.
„Wann geht ihr wieder zurück?“
„Ich weiß es nicht.“ Und damit endete ihre Unterhaltung.
„Bond Street, Januar.
Meine liebe Marianne,
ich habe gerade Ihren Brief erhalten – er ist mir von Ihrem Diener übergeben worden – und ich bin von seinem Inhalt zutiefst erschüttert. Ich kann nicht anders, als Ihnen sofort zu schreiben, obwohl ich weiß, dass meine Worte Sie nur noch mehr verletzen werden. Ich muss Sie bitten, mir meine vergangenen Handlungen zu verzeihen, wenn Sie sie als ungebührlich empfunden haben, und ich muss Sie gleichermaßen bitten, mich von dem Versprechen zu entbinden, das Sie für mich so verbindlich gehalten haben. Dass ich Sie sehr geschätzt habe, wird Ihnen nicht unbekannt sein, doch ich muss nun gestehen, dass meine Gefühle niemals über das Maß einer bloßen Freundschaft hinausgingen. Wenn ich Sie durch mein Verhalten in die Irre geführt habe, so war das niemals meine Absicht. Ich bitte Sie, mich als jemanden zu betrachten, der stets Ihr Wohl im Sinne hatte, auch wenn ich nun gezwungen bin, die Verbindung zwischen uns zu beenden. Ich bin mir bewusst, dass ich Ihnen damit großes Leid zufüge, doch es ist besser, dies jetzt zu tun, als eine Bindung aufrechtzuerhalten, die auf einer Fehleinschätzung meinerseits beruhte. Ich wünsche Ihnen alles Glück der Welt.
Ihr ergebener, John Willoughby.“
Elinor las diesen Brief mehrmals, wobei ihr ganzer Körper vor Empörung bebte. Sie war unfähig, die Grausamkeit und die Kälte dieses Schreibens zu begreifen. Als sie aufblickte, sah sie Marianne an, die noch immer in ihrem Taschentuch vergraben lag, und wusste nicht, wie sie ihr das Ausmaß dieser Enttäuschung verdeutlichen sollte. Sie legte den Brief beiseite und versuchte, die richtigen Worte zu finden, doch jede Silbe schien ihr in der Kehle zu ersticken. Sie wusste nur eines: Willoughby hatte ihre Schwester auf die schändlichste Weise hintergangen. Marianne war nicht länger in der Lage, ihren Schmerz zu unterdrücken, und ihr Weinen wurde zu einem Schluchzen, das Elinor bis ins Mark erschütterte. In diesem Moment erkannte sie, dass jede Hoffnung, die Marianne noch gehegt hatte, unwiderruflich zerstört war, und dass der Mann, den sie einst für den Inbegriff der Aufrichtigkeit gehalten hatte, sich als ein Mensch ohne jedes Gefühl für Ehre oder Anstand erwiesen hatte. Elinor nahm Marianne in ihre Arme, wohl wissend, dass dieser Trost das Einzige war, was sie ihr in dieser Stunde bieten konnte.
MEINE LIEBE DAME,
„Ich hatte soeben die Ehre, Ihr Schreiben zu erhalten, wofür ich Ihnen meine aufrichtigste Anerkennung aussprechen möchte. Es erfüllt mich mit großer Besorgnis zu erfahren, dass mein Verhalten gestern Abend auf Ihr Missfallen stieß; und obgleich ich völlig ratlos bin, worin ich das Unglück haben konnte, Sie zu kränken, bitte ich inständig um Vergebung für etwas, das, wie ich Ihnen versichern kann, vollkommen unbeabsichtigt war. Ich werde niemals ohne das dankbarste Vergnügen an meine frühere Bekanntschaft mit Ihrer Familie in Devonshire zurückdenken und schmeichle mir mit der Hoffnung, dass diese nicht durch ein Missverständnis oder eine Fehldeutung meines Handelns getrübt wird. Meine Hochachtung für Ihre gesamte Familie ist sehr aufrichtig; sollte ich jedoch so unglücklich gewesen sein, den Glauben an mehr geweckt zu haben, als ich empfand oder auszudrücken gedachte, so werde ich mir selbst vorwerfen, in meinen Beteuerungen dieser Hochachtung nicht vorsichtiger gewesen zu sein. Dass ich jemals mehr gemeint haben könnte, werden Sie für unmöglich halten, wenn Sie verstehen, dass meine Zuneigung seit Langem anderweitig gebunden ist, und ich glaube, es werden nicht viele Wochen vergehen, bis diese Verlobung erfüllt ist. Es ist mit großem Bedauern, dass ich Ihren Befehlen folge und die Briefe zurücksende, mit denen Sie mich beehrt haben, sowie die Locke Ihres Haares, die Sie mir so freundlich überließen.
Ich bin, meine liebe Dame, Ihr gehorsamster dienergebenster Diener, JOHN WILLOUGHBY.“
Mit welcher Empörung ein solcher Brief von Miss Dashwood gelesen werden musste, lässt sich erahnen. Obwohl sie, bevor sie ihn zu lesen begann, wusste, dass er ein Geständnis seiner Unbeständigkeit enthalten und ihre Trennung für immer besiegeln musste, war sie sich nicht bewusst, dass man eine solche Sprache ertragen konnte, um dies zu verkünden; noch hätte sie Willoughby für fähig gehalten, sich so weit vom Anschein jeglichen ehrenhaften und feinfühligen Empfindens zu entfernen – so weit von der allgemeinen Schicklichkeit eines Gentleman, dass er einen Brief von so unverschämter Grausamkeit versandte: ein Brief, der statt mit seinem Wunsch nach einer Lösung auch nur ein Wort des Bedauerns zu äußern, keinen Treuebruch einräumte, jede besondere Zuneigung abstritt – ein Brief, dessen jede Zeile eine Beleidigung war und der seinen Verfasser als einen Menschen tief verwurzelter Niedertracht auswies.
Sie verweilte einige Zeit mit empörtem Erstaunen über dem Schreiben; dann las sie es wieder und wieder; doch jedes Lesen diente nur dazu, ihren Abscheu vor dem Mann zu vergrößern, und so bitter waren ihre Gefühle gegen ihn, dass sie es nicht wagte zu sprechen, aus Furcht, Marianne noch tiefer zu verwunden, indem sie ihre Trennung nicht als Verlust irgendeines möglichen Glücks betrachtete, sondern als Rettung vor dem schlimmsten und unheilbarsten aller Übel, einer Verbindung fürs Leben mit einem prinzipienlosen Mann, als eine wahrhafte Erlösung, ein höchst bedeutsames Geschenk.
In ihrem ernsten Nachdenken über den Inhalt des Briefes, über die Verdorbenheit des Geistes, der ihn diktieren konnte, und vermutlich über den ganz anderen Geist eines sehr anderen Menschen, der mit dieser Angelegenheit keine andere Verbindung hatte, als jene, die ihr Herz ihm bei allem, was geschah, zumaß, vergaß Elinor das unmittelbare Leid ihrer Schwester, vergaß, dass sie noch drei ungelesene Briefe auf dem Schoß hatte, und vergaß so vollkommen, wie lange sie schon im Zimmer war, dass sie, als sie das Vorfahren einer Kutsche vor der Tür hörte und zum Fenster ging, um zu sehen, wer so unangemessen früh kommen konnte, voller Verwunderung den Wagen von Mrs. Jennings erblickte, von dem sie wusste, dass er nicht vor eins bestellt worden war. Entschlossen, Marianne nicht zu verlassen, wenn auch ohne Hoffnung, ihr gegenwärtig Linderung verschaffen zu können, eilte sie davon, um sich bei Mrs. Jennings wegen der Unpässlichkeit ihrer Schwester zu entschuldigen. Mrs. Jennings, mit einer vollkommen gutmütigen Anteilnahme für deren Ursache, nahm die Entschuldigung bereitwillig an, und Elinor kehrte, nachdem sie sie sicher verabschiedet hatte, zu Marianne zurück, die sie beim Versuch vorfand, vom Bett aufzustehen, und die sie gerade noch rechtzeitig erreichte, um sie vor einem Sturz auf den Boden zu bewahren, ohnmächtig und schwindelig von einem langen Mangel an angemessener Ruhe und Nahrung; denn es waren viele Tage vergangen, seit sie Appetit gehabt hatte, und viele Nächte, seit sie wirklich geschlafen hatte; und nun, da ihr Geist nicht mehr durch das Fieber des Ungewissen gestützt wurde, äußerten sich die Folgen all dessen in einem pochenden Kopf, einem geschwächten Magen und einer allgemeinen nervösen Schwäche. Ein Glas Wein, das Elinor ihr sofort beschaffte, brachte ihr Erleichterung, und sie war schließlich fähig, ein Gefühl für ihre Güte auszudrücken, indem sie sagte:
„Arme Elinor! Wie unglücklich ich dich mache!“
„Ich wünschte nur“, antwortete ihre Schwester, „es gäbe etwas, das ich tun könnte, um dich zu trösten.“
Dies war, wie alles andere auch, zu viel für Marianne, die in der Qual ihres Herzens nur ausrufen konnte: „Oh! Elinor, ich bin wahrlich elend“, bevor ihre Stimme gänzlich in Schluchzen erstickte.
Elinor konnte diesem Strom ungezügelter Trauer nicht länger schweigend zusehen.
„Nimm dich zusammen, liebe Marianne“, rief sie, „wenn du nicht dich selbst und alle, die dich lieben, zugrunde richten willst. Denke an unsere Mutter; denke an ihr Elend, während du leidest: Ihr zuliebe musst du dich zusammennehmen.“
„Ich kann nicht, ich kann nicht“, rief Marianne; „verlass mich, verlass mich, wenn ich dich bedrücke; verlass mich, hasse mich, vergiss mich! Aber quäle mich nicht so. Oh! Wie leicht ist es für jene, die keinen eigenen Kummer haben, von Beherrschung zu sprechen! Glückliche, glückliche Elinor, du hast keine Vorstellung davon, was ich leide.“
„Nennst du mich glücklich, Marianne? Ach! Wenn du wüsstest! – Und kannst du glauben, dass ich es bin, während ich dich so unglücklich sehe!“
„Verzeih mir, verzeih mir“, rief sie und schlang ihre Arme um den Hals ihrer Schwester; „ich weiß, du fühlst mit mir; ich weiß, was für ein Herz du hast; aber dennoch bist du – du musst glücklich sein; Edward liebt dich – was, oh was kann ein solches Glück zunichtemachen?“
„Viele, viele Umstände“, sagte Elinor feierlich.
„Nein, nein, nein“, rief Marianne wild, „er liebt dich, und nur dich. Du kannst keinen Kummer haben.“
„Ich kann kein Vergnügen empfinden, während ich dich in diesem Zustand sehe.“
„Und du wirst mich nie anders sehen. Mein Elend ist eines, das nichts auslöschen kann.“
„Du darfst nicht so reden, Marianne. Hast du keinen Trost? Keine Freunde? Ist dein Verlust ein solcher, der keinen Raum für Linderung lässt? So sehr du jetzt auch leidest, denke daran, was du gelitten hättest, wenn die Entdeckung seines Charakters zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt wäre – wenn deine Verlobung sich über Monate und Monate hingezogen hätte, wie es hätte sein können, bevor er sich entschloss, ihr ein Ende zu setzen. Jeder zusätzliche Tag des unglückseligen Vertrauens, deinerseits, hätte den Schlag nur schrecklicher gemacht.“
„Verlobung!“ rief Marianne, „es gab keine Verlobung.“
„Keine Verlobung!“
„Nein, er ist nicht so unwürdig, wie du ihn hältst. Er hat mir gegenüber kein Wort gebrochen.“
„Aber er sagte dir, dass er dich liebt.“
„Ja – nein – niemals ausdrücklich. Es wurde jeden Tag angedeutet, aber niemals feierlich erklärt. Manchmal dachte ich, es sei geschehen, aber es war nie so.“
„Dennoch hast du ihm geschrieben?“
„Ja: konnte das falsch sein nach allem, was geschehen war? Aber ich kann nicht reden.“
Elinor sagte nichts mehr und wandte sich wieder den drei Briefen zu, die nun eine weit stärkere Neugier weckten als zuvor, und las sogleich den Inhalt aller durch. Der erste, den ihre Schwester ihm bei ihrer Ankunft in der Stadt geschickt hatte, lautete wie folgt:
Berkeley Street, Januar.
„Wie überrascht wirst du sein, Willoughby, wenn du dies erhältst; und ich denke, du wirst etwas mehr als Überraschung empfinden, wenn du weißt, dass ich in der Stadt bin. Eine Gelegenheit, hierher zu kommen, wenn auch mit Mrs. Jennings, war eine Versuchung, der wir nicht widerstehen konnten. Ich wünschte, du würdest dies rechtzeitig erhalten, um heute Abend hierherzukommen, aber ich will mich nicht darauf verlassen. Auf jeden Fall erwarte ich dich morgen. Für den Augenblick, leb wohl.
M. D.“
Ihre zweite Notiz, die am Morgen nach dem Tanz bei den Middletons geschrieben worden war, lautete:
„Ich kann meine Enttäuschung nicht ausdrücken, dich vorgestern verpasst zu haben, noch mein Erstaunen, keine Antwort auf eine Notiz erhalten zu haben, die ich dir vor über einer Woche geschickt habe. Ich habe jede Stunde des Tages erwartet, von dir zu hören, und noch mehr, dich zu sehen. Bitte komm so bald wie möglich wieder und erkläre den Grund, warum ich dies vergeblich erwartet habe. Du hättest ein anderes Mal früher kommen sollen, da wir gewöhnlich um eins ausgehen. Wir waren gestern Abend bei Lady Middleton, wo ein Tanz stattfand. Mir wurde gesagt, dass du gebeten wurdest, an der Gesellschaft teilzunehmen. Aber konnte das sein? Du musst dich sehr verändert haben, seit wir uns trennten, wenn das der Fall wäre und du nicht dort gewesen wärst. Aber ich will dies nicht für möglich halten und hoffe sehr bald, deine persönliche Versicherung zu erhalten, dass es anders ist.
M. D.“
Der Inhalt ihrer letzten Notiz an ihn war dieser:
„Was soll ich mir vorstellen, Willoughby, angesichts deines Verhaltens gestern Abend? Wieder verlange ich eine Erklärung dafür. Ich war darauf vorbereitet, dich mit der Freude zu treffen, die unsere Trennung natürlich hervorrief, mit der Vertraulichkeit, die unsere Nähe in Barton mir zu rechtfertigen schien. Ich wurde wahrlich zurückgewiesen! Ich habe eine elende Nacht damit verbracht, ein Benehmen zu entschuldigen, das kaum weniger als beleidigend genannt werden kann; aber obwohl ich noch keine vernünftige Entschuldigung für dein Verhalten finden konnte, bin ich vollkommen bereit, deine Rechtfertigung dafür zu hören. Du bist vielleicht falsch informiert oder absichtlich getäuscht worden in einer Sache, die mich betrifft und die mich in deiner Meinung herabgesetzt haben mag. Sag mir, was es ist, erkläre die Gründe, aus denen du handelst, und ich werde zufrieden sein, wenn ich dich zufriedenstellen kann. Es würde mich wahrlich kränken, schlecht von dir denken zu müssen; aber wenn ich es muss, wenn ich erfahren soll, dass du nicht der bist, für den wir dich bisher hielten, dass deine Achtung für uns alle unaufrichtig war, dass dein Verhalten mir gegenüber nur dazu bestimmt war, zu täuschen, lass es mich so bald wie möglich wissen. Meine Gefühle befinden sich gegenwärtig in einem Zustand schrecklicher Unentschlossenheit; ich wünsche, dich freizusprechen, aber Gewissheit, wie auch immer sie ausfällt, wird Erleichterung sein gegenüber dem, was ich jetzt leide. Wenn deine Gefühle nicht mehr die sind, die sie waren, wirst du meine Notizen zurückgeben und die Locke meines Haares, die sich in deinem Besitz befindet.
M. D.“
Dass solche Briefe, so voller Zuneigung und Vertrauen, so hätten beantwortet werden können, hätte Elinor, Willoughbys wegen, nur ungern geglaubt. Doch ihre Verurteilung seiner Person machte sie nicht blind für die Unschicklichkeit, dass sie überhaupt geschrieben worden waren; und sie trauerte still über den Leichtsinn, der solch unerbetene Beweise der Zärtlichkeit riskiert hatte, die durch nichts Vorangegangenes gerechtfertigt und durch das Ereignis aufs Schwerste verurteilt waren, als Marianne, bemerkend, dass sie die Briefe beendet hatte, ihr gegenüber bemerkte, dass sie nichts enthielten, was nicht jeder in derselben Lage geschrieben hätte.
„Ich fühlte mich“, fügte sie hinzu, „ihm gegenüber so feierlich verpflichtet, als ob der strengste rechtliche Vertrag uns aneinander gebunden hätte.“
„Ich kann es glauben“, sagte Elinor; „aber leider empfand er nicht dasselbe.“
„Er empfand dasselbe, Elinor – wochen- und wochenlang empfand er es. Ich weiß, er tat es. Was auch immer ihn jetzt verändert haben mag (und nichts als die schwärzeste List, die gegen mich angewandt wurde, kann es getan haben), ich war ihm einst so teuer, wie meine eigene Seele es sich wünschen konnte. Diese Locke, die er nun so bereitwillig aufgeben kann, wurde mir mit der inständigsten Bitte abgebettelt. Hättest du seinen Blick gesehen, sein Wesen, hättest du seine Stimme in jenem Moment gehört! Hast du den letzten Abend vergessen, als wir zusammen in Barton waren? Auch den Morgen, an dem wir uns trennten! Als er mir sagte, dass es viele Wochen dauern könnte, bis wir uns wiedersähen – sein Kummer – kann ich je seinen Kummer vergessen?“
Für einen Moment oder zwei konnte sie nicht mehr sagen; doch als diese Ergriffenheit verflogen war, fügte sie mit festerer Stimme hinzu:
„Elinor, ich bin grausam behandelt worden; aber nicht von Willoughby.“
„Teuerste Marianne, wer, wenn nicht er selbst? Von wem kann er angestiftet worden sein?“
„Von der ganzen Welt, eher als von seinem eigenen Herzen. Ich könnte eher glauben, dass jedes Geschöpf meiner Bekanntschaft sich verschworen hat, um mich in seiner Meinung zu ruinieren, als zu glauben, dass sein Wesen zu solcher Grausamkeit fähig sei. Diese Frau, von der er schreibt – wer immer sie sei – oder irgendjemand, kurzum, außer dir selbst, liebe Schwester, Mama und Edward, mag so barbarisch gewesen sein, mich zu verleumden. Außer euch dreien gibt es ein Geschöpf auf der Welt, das ich nicht eher des Bösen verdächtigen würde als Willoughby, dessen Herz ich so gut kenne?“
Elinor wollte nicht widersprechen und antwortete nur: „Wer auch immer dein so abscheulicher Feind gewesen sein mag, lass sie um ihren bösartigen Triumph betrogen werden, meine liebe Schwester, indem sie sehen, wie edel das Bewusstsein deiner eigenen Unschuld und guten Absichten deinen Geist stützt. Es ist ein vernünftiger und lobenswerter Stolz, der solcher Bosheit widersteht.“
„Nein, nein“, rief Marianne, „Elend wie das meine kennt keinen Stolz. Es kümmert mich nicht, wer weiß, dass ich unglücklich bin. Der Triumph, mich so zu sehen, mag der ganzen Welt offenstehen. Elinor, Elinor, die wenig leiden, mögen stolz und unabhängig sein, wie sie wollen – mögen Beleidigungen widerstehen oder Kränkungen erwidern – aber ich kann es nicht. Ich muss fühlen – ich muss elend sein – und sie sind willkommen, das Bewusstsein davon zu genießen, wer dazu in der Lage ist.“
„Aber um Mamas und meinetwillen –“
„Ich würde mehr tun als für mein eigenes. Aber glücklich erscheinen, wenn ich so elend bin – oh! Wer kann das verlangen?“
Wieder schwiegen beide. Elinor war damit beschäftigt, nachdenklich vom Kamin zum Fenster zu gehen, vom Fenster zum Kamin, ohne zu wissen, dass sie von dem einen Wärme empfing oder durch das andere Objekte unterschied; und Marianne, am Fußende des Bettes sitzend, den Kopf gegen einen der Pfosten gelehnt, nahm wieder Willoughbys Brief zur Hand und rief, nachdem sie bei jedem Satz geschaudert hatte, aus:
„Es ist zu viel! Oh, Willoughby, Willoughby, konnte dies von dir sein! Grausam, grausam – nichts kann dich freisprechen. Elinor, nichts kann es. Was er auch gegen mich gehört haben mag – hätte er nicht seinen Glauben zurückhalten sollen? Hätte er es mir nicht sagen sollen, mir die Möglichkeit geben sollen, mich zu reinigen? ‚Die Locke‘ (wiederholte sie aus dem Brief), ‚die du mir so freundlich überließest‘ – Das ist unverzeihlich. Willoughby, wo war dein Herz, als du diese Worte schriebst? Oh, barbarisch unverschämt! – Elinor, kann er gerechtfertigt werden?“
„Nein, Marianne, auf keine erdenkliche Weise.“
„Und doch diese Frau – wer weiß, was ihre List gewesen sein mag? – wie lange es geplant und wie tief sie es eingefädelt haben mag! – Wer ist sie? – Wer kann sie sein? – Von wem habe ich ihn je als jung und anziehend unter seinen weiblichen Bekannten sprechen hören? – Oh! Von niemandem, von niemandem – er sprach zu mir nur von mir selbst.“
Eine weitere Pause folgte; Marianne war sehr aufgewühlt, und sie endete so:
„Elinor, ich muss nach Hause. Ich muss gehen und Mama trösten. Können wir nicht morgen fort?“
„Morgen, Marianne!“
„Ja, warum sollte ich hier bleiben? Ich kam nur um Willoughbys willen – und jetzt, wer kümmert sich um mich? Wer achtet auf mich?“
„Es wäre unmöglich, morgen zu gehen. Wir schulden Mrs. Jennings viel mehr als Höflichkeit; und Höflichkeit der gewöhnlichsten Art muss eine so überstürzte Abreise verhindern.“
„Nun denn, ein oder zwei Tage noch, vielleicht; aber ich kann nicht lange hier bleiben, ich kann nicht bleiben, um die Fragen und Bemerkungen all dieser Leute zu ertragen. Die Middletons und Palmers – wie soll ich ihr Mitleid ertragen? Das Mitleid einer solchen Frau wie Lady Middleton! Oh, was würde er dazu sagen!“
Elinor riet ihr, sich wieder hinzulegen, und für einen Moment tat sie es; doch keine Haltung konnte ihr Linderung verschaffen; und in ruhelosem Schmerz von Geist und Körper wechselte sie die Lage, bis sie immer hysterischer wurde, sodass ihre Schwester sie nur mit Mühe überhaupt im Bett halten konnte und für einige Zeit fürchtete, gezwungen zu sein, nach Hilfe zu rufen. Einige Lavendeltropfen jedoch, die sie schließlich zu nehmen überredete, wirkten; und von da an bis zur Rückkehr von Mrs. Jennings blieb sie ruhig und regungslos auf dem Bett.
KAPITEL XXX.
Mrs. Jennings kam bei ihrer Rückkehr sofort in ihr Zimmer und öffnete, ohne auf die Beantwortung ihrer Einlassbitte zu warten, die Tür und trat mit einem Ausdruck wirklicher Sorge ein.
„Wie geht es dir, meine Liebe?“ sagte sie mit einer Stimme voll großen Mitleids zu Marianne, die ihr Gesicht abwandte, ohne eine Antwort zu versuchen.
„Wie ist es um sie bestellt, Miss Dashwood? Die Arme! Sie sieht sehr schlecht aus. Kein Wunder. Ja, es ist nur allzu wahr. Er wird sehr bald heiraten – ein Taugenichts! Ich habe keine Geduld mit ihm. Mrs. Taylor erzählte es mir vor einer halben Stunde, und sie hatte es von einer besonderen Freundin von Miss Grey persönlich, sonst hätte ich es sicher nicht geglaubt; und ich war schon bei dem bloßen Gedanken fast bereit, in Ohnmacht zu fallen. Nun, sagte ich, alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass er, wenn dies wahr ist, eine junge Dame meiner Bekanntschaft abscheulich behandelt hat, und ich wünsche von ganzem Herzen, dass seine Frau ihm das Herz aus dem Leib plagen möge. Und das werde ich immer sagen, meine Liebe, darauf kannst du dich verlassen. Ich habe kein Verständnis dafür, dass Männer sich so benehmen; und sollte ich ihm jemals wieder begegnen, werde ich ihm so die Meinung sagen, wie es ihm schon lange nicht mehr passiert ist. Aber es gibt einen Trost, meine liebe Miss Marianne; er ist nicht der einzige junge Mann auf der Welt, der begehrenswert wäre; und mit deinem hübschen Gesicht wirst du nie einen Mangel an Bewunderern haben. Nun, die Arme! Ich werde sie nicht länger stören, denn es ist besser für sie, wenn sie sich erst einmal richtig ausweint und es hinter sich hat. Die Parrys und Sandersons kommen glücklicherweise heute Abend, weißt du, und das wird sie aufheitern.“
Sie ging dann wieder, auf Zehenspitzen aus dem Zimmer schleichend, als ob sie annahm, die Betrübnis ihrer jungen Freundin könnte durch Lärm noch vergrößert werden.
Marianne beschloss zur Überraschung ihrer Schwester, mit ihnen zu speisen. Elinor riet ihr sogar davon ab. Aber „nein, sie wollte hinuntergehen; sie könne es sehr wohl ertragen, und der Trubel um sie herum wäre weniger störend.“ Elinor, erfreut darüber, dass sie für einen Moment von einem solchen Motiv geleitet wurde, obwohl sie es für kaum möglich hielt, dass sie das Abendessen durchstehen würde, sagte nichts mehr; und da sie ihre Kleidung so gut wie möglich zurechtmachte, während Marianne noch auf dem Bett lag, war sie bereit, ihr in den Speisesaal zu helfen, sobald sie dazu gerufen wurden.
Dort angekommen, aß sie, obwohl sie höchst elend aussah, mehr und war ruhiger, als ihre Schwester erwartet hatte. Hätte sie versucht zu sprechen, oder wäre sie sich der Hälfte von Mrs. Jennings’ wohlmeinenden, aber schlecht gewählten Aufmerksamkeiten bewusst gewesen, hätte diese Ruhe nicht bewahrt werden können; doch keine Silbe entwich ihren Lippen; und die Abwesenheit ihrer Gedanken bewahrte sie in der Unkenntnis über alles, was vor ihr geschah.
Elinor, die Mrs. Jennings’ Güte anerkannte, obwohl deren Ausbrüche oft bedrückend und manchmal fast lächerlich waren, machte ihr jene Danksagungen und erwiderte jene Höflichkeiten, die ihre Schwester für sich selbst nicht erbringen konnte. Ihre gute Freundin sah, dass Marianne unglücklich war, und fühlte, dass ihr alles gebührte, was sie nur ein wenig weniger unglücklich machen könnte. Sie behandelte sie daher mit all der nachsichtigen Zärtlichkeit eines Elternteils gegenüber einem Lieblingskind am letzten Tag seiner Ferien. Marianne sollte den besten Platz am Kamin haben, sollte durch jede Delikatesse im Haus zum Essen verführt und durch die Erzählung aller Neuigkeiten des Tages unterhalten werden. Hätte Elinor in der traurigen Miene ihrer Schwester nicht ein Hemmnis für alle Heiterkeit gesehen, hätte sie sich an Mrs. Jennings’ Bemühungen erfreuen können, eine Liebesenttäuschung durch eine Vielfalt an Süßigkeiten und Oliven sowie ein gutes Kaminfeuer zu heilen. Sobald jedoch das Bewusstsein all dessen durch ständige Wiederholung Marianne aufgezwungen wurde, konnte sie nicht länger bleiben. Mit einem hastigen Ausruf des Elends und einem Zeichen an ihre Schwester, ihr nicht zu folgen, stand sie sogleich auf und eilte aus dem Zimmer.
„Arme Seele!“, rief Mrs. Jennings, sobald sie fort war, „wie es mich betrübt, sie so zu sehen! Und ich schwöre, sie ist sogar gegangen, ohne ihren Wein auszutrinken! Und die getrockneten Kirschen auch! Herrgott! Nichts scheint ihr gut zu tun. Ich bin sicher, wüsste ich irgendetwas, das sie mag, ich würde es in der ganzen Stadt zusammenkaufen. Nun, für mich ist es das Seltsamste von der Welt, dass ein Mann ein so hübsches Mädchen so schlecht behandeln kann! Aber wenn auf der einen Seite viel Geld ist und auf der anderen so gut wie keines, Gott segne Euch! Da scheren sie sich nicht um solche Dinge!“
„Die Dame also – Miss Grey, glaube ich, nannten Sie sie – ist sehr reich?“
„Fünfzigtausend Pfund, meine Liebe. Haben Sie sie jemals gesehen? Ein modisches, elegantes Mädchen, sagen sie, aber nicht hübsch. Ich erinnere mich sehr gut an ihre Tante, Biddy Henshawe; sie hat einen sehr wohlhabenden Mann geheiratet. Aber die ganze Familie ist reich. Fünfzigtausend Pfund! Und allem Anschein nach kommt es gerade rechtzeitig, denn man sagt, er sei völlig abgebrannt. Kein Wunder! Wenn man so mit seiner Kutsche und seinen Jagdpferden herumprotzt! Nun, es nützt nichts, darüber zu reden; aber wenn ein junger Mann, wer auch immer er sein mag, daherkommt und einem hübschen Mädchen den Hof macht und die Ehe verspricht, dann hat er kein Recht, von seinem Wort abzulassen, nur weil er arm wird und ein reicheres Mädchen bereitsteht, ihn zu nehmen. Warum verkauft er in einem solchen Fall nicht seine Pferde, vermietet sein Haus, entlässt seine Diener und vollzieht auf einen Schlag eine gründliche Reform? Ich wette, Miss Marianne wäre bereit gewesen zu warten, bis sich die Dinge zum Besseren wenden. Aber das geht heutzutage nicht mehr; die jungen Männer von heute können auf nichts verzichten, was ihnen Vergnügen bereitet.“
„Wissen Sie, was für eine Art Mädchen Miss Grey ist? Sagt man, sie sei liebenswürdig?“
„Ich habe nie etwas Schlechtes über sie gehört; eigentlich habe ich kaum jemals gehört, dass sie erwähnt wurde; außer dass Mrs. Taylor heute Morgen sagte, dass Miss Walker ihr eines Tages andeutete, sie glaube, Mr. und Mrs. Ellison wären nicht traurig, wenn Miss Grey heiraten würde, denn sie und Mrs. Ellison könnten sich nie einigen.“
„Und wer sind die Ellisons?“
„Ihre Vormünder, meine Liebe. Aber jetzt ist sie volljährig und darf selbst wählen; und eine hübsche Wahl hat sie getroffen! – Was ist nun“, nach einer kurzen Pause, „Ihre arme Schwester ist wohl auf ihr eigenes Zimmer gegangen, um für sich zu trauern. Gibt es nichts, womit man sie trösten könnte? Die Arme, es scheint mir geradezu grausam, sie allein zu lassen. Nun, nachher werden wir ein paar Freunde hier haben, und das wird sie ein wenig aufheitern. Was sollen wir spielen? Sie hasst Whist, das weiß ich; aber gibt es kein Rundspiel, das sie mag?“
„Liebe gnädige Frau, diese Güte ist völlig unnötig. Marianne wird ihr Zimmer heute Abend wohl nicht mehr verlassen, da bin ich sicher. Ich werde sie überreden, wenn ich kann, früh zu Bett zu gehen, denn ich bin überzeugt, sie braucht Ruhe.“
„Ja, ich glaube, das wird das Beste für sie sein. Lassen Sie sie ihr eigenes Abendessen wählen und zu Bett gehen. Herrgott! Kein Wunder, dass sie in der letzten Woche oder zwei so schlecht ausgesehen und so niedergeschlagen gewirkt hat, denn diese Angelegenheit schwebt ihr wohl schon so lange über dem Kopf. Und der Brief, der heute kam, hat ihr den Rest gegeben! Arme Seele! Ich bin sicher, wenn ich auch nur eine Ahnung davon gehabt hätte, hätte ich für alles Geld der Welt keine Scherze darüber gemacht. Aber wissen Sie, wie hätte ich so etwas ahnen können? Ich war mir sicher, es sei nichts als ein gewöhnlicher Liebesbrief, und Sie wissen, junge Leute lassen sich gern damit aufziehen. Herrgott! Wie besorgt Sir John und meine Töchter sein werden, wenn sie das hören! Wenn ich bei Verstand gewesen wäre, hätte ich auf dem Heimweg in der Conduit Street vorbeischauen und es ihnen sagen können. Aber ich werde sie morgen sehen.“
„Es wäre sicher unnötig, wenn Sie Mrs. Palmer und Sir John davor warnen, Mr. Willoughby jemals zu erwähnen oder vor meiner Schwester auch nur die leiseste Anspielung auf das Geschehene zu machen. Ihr eigenes gutes Herz muss ihnen zeigen, wie grausam es wäre, so zu tun, als wüssten sie davon, wenn sie zugegen ist; und je weniger mir gegenüber zu diesem Thema gesagt wird, desto mehr werden meine Gefühle geschont, was Sie, meine liebe gnädige Frau, leicht glauben werden.“
„Oh! Herrgott! Ja, das tue ich in der Tat. Es muss schrecklich für Sie sein, darüber reden zu hören; und was Ihre Schwester betrifft, ich würde ihr gegenüber für alles in der Welt kein Wort darüber verlieren. Sie haben gesehen, dass ich es während des ganzen Essens nicht getan habe. Sir John ebenso wenig, noch meine Töchter, denn sie sind alle sehr nachdenklich und rücksichtsvoll; besonders, wenn ich ihnen einen Wink gebe, was ich sicherlich tun werde. Was mich betrifft, so denke ich, je weniger über solche Dinge geredet wird, desto besser; je schneller ist es vergessen. Und welchen Nutzen bringt das Reden schon, wie Sie wissen?“
„In dieser Angelegenheit kann es nur schaden; vielleicht mehr als in vielen ähnlichen Fällen, denn sie war mit Umständen verbunden, die es – im Interesse aller Beteiligten – ungeeignet machen, zum Gegenstand öffentlicher Unterhaltung zu werden. Ich muss Mr. Willoughby Gerechtigkeit widerfahren lassen – er hat kein festes Eheversprechen gegenüber meiner Schwester gebrochen.“
„Ach, meine Liebe! Tun Sie nicht so, als würden Sie ihn verteidigen. Kein festes Versprechen, in der Tat! Nachdem er sie durch das ganze Allenham House geführt und genau die Zimmer bestimmt hat, in denen sie künftig leben sollten!“
Elinor konnte der Schwester zuliebe nicht weiter darauf eingehen, und sie hoffte, dies sei auch für Willoughby nicht erforderlich; denn obwohl Marianne viel verlieren mochte, konnte er durch das Bekanntwerden der Wahrheit nur wenig gewinnen. Nach kurzem Schweigen auf beiden Seiten brach Mrs. Jennings mit all ihrer natürlichen Heiterkeit erneut los.
„Nun, meine Liebe, das Sprichwort über den bösen Wind ist wahr, denn für Colonel Brandon wird es nur zum Besten sein. Er wird sie am Ende bekommen; ja, das wird er. Merken Sie sich meine Worte, wenn sie nicht bis Mittsommer verheiratet sind. Herrgott! Wie er sich über diese Neuigkeit freuen wird! Ich hoffe, er kommt heute Abend. Es wird allemal eine bessere Partie für Ihre Schwester sein. Zweitausend Pfund im Jahr ohne Schulden oder Belastungen – abgesehen von dem kleinen unehelichen Kind, freilich; ja, das hatte ich vergessen; aber das kann man mit geringen Kosten in die Lehre geben, und was macht das schon aus? Delaford ist ein schöner Ort, das kann ich Ihnen sagen; genau das, was ich einen schönen, altmodischen Ort nenne, voller Komfort und Annehmlichkeiten; ganz umschlossen von hohen Gartenmauern, die mit den besten Obstbäumen der Gegend bedeckt sind; und ein solcher Maulbeerbaum in einer Ecke! Herrgott! Wie Charlotte und ich uns vollgestopft haben, als wir das einzige Mal dort waren! Dann gibt es ein Taubenhaus, einige entzückende Fischteiche und einen sehr hübschen Kanal; kurzum, alles, was man sich nur wünschen kann; und außerdem liegt es ganz in der Nähe der Kirche und nur eine Viertelmeile von der Hauptstraße entfernt, also wird es nie langweilig, denn wenn man nur da oben in der alten Eibenlaube hinter dem Haus sitzt, kann man alle Kutschen sehen, die vorbeifahren. Oh! Es ist ein schöner Ort! Ein Metzger gleich nebenan im Dorf und das Pfarrhaus nur einen Steinwurf entfernt. Meiner Meinung nach tausendmal schöner als Barton Park, wo sie gezwungen sind, drei Meilen für ihr Fleisch zu fahren und keinen Nachbarn näher als Ihre Mutter haben. Nun, ich werde den Colonel aufmuntern, sobald ich kann. Eine Hammelkeule, wissen Sie, verdrängt die andere. Wenn wir Willoughby nur aus ihrem Kopf bekommen können!“
„Ja, wenn wir das schaffen, gnädige Frau“, sagte Elinor, „dann wird es uns mit oder ohne Colonel Brandon sehr gut gehen.“ Und dann stand sie auf, um zu Marianne zu gehen, die sie, wie erwartet, in ihrem Zimmer vorfand, wo sie in stummem Elend über den wenigen Überresten eines Feuers lehnte, das bis zu Elinors Eintreten ihr einziges Licht gewesen war.
„Du solltest mich besser allein lassen“, war die einzige Notiz, die ihre Schwester von ihr erhielt.
„Ich werde dich allein lassen“, sagte Elinor, „wenn du dich ins Bett legst.“ Doch dies lehnte sie aufgrund der momentanen Widerspenstigkeit ihres unerträglichen Leidens zunächst ab. Die eindringliche, wenn auch sanfte Überredung ihrer Schwester machte sie jedoch bald nachgiebig, und Elinor sah, wie sie ihren schmerzenden Kopf auf das Kissen legte, und sie hoffte, dass sie auf dem Weg war, ein wenig Ruhe zu finden, bevor sie sie verließ.
Im Wohnzimmer, wohin sie sich dann begab, wurde sie bald von Mrs. Jennings mit einem Weinglas voll von irgendetwas in der Hand aufgesucht.
„Meine Liebe“, sagte sie beim Eintreten, „ich habe mich gerade erinnert, dass ich den feinsten alten Constantia-Wein im Haus habe, den man je gekostet hat, also habe ich ein Glas davon für Ihre Schwester mitgebracht. Mein armer Mann! Wie gern er ihn mochte! Wenn er einen Anfall seiner alten Kolik-Gicht hatte, sagte er immer, er täte ihm besser als alles andere auf der Welt. Bringen Sie ihn doch Ihrer Schwester.“
„Liebe gnädige Frau“, antwortete Elinor und lächelte über die Verschiedenheit der Beschwerden, für die er empfohlen wurde, „wie gut Sie sind! Aber ich habe Marianne gerade im Bett gelassen, und sie ist hoffentlich fast eingeschlafen; und da ich glaube, dass ihr nichts so sehr helfen wird wie Ruhe, werde ich den Wein, wenn Sie mir erlauben, selbst trinken.“
Mrs. Jennings, obwohl sie bedauerte, nicht fünf Minuten früher gekommen zu sein, gab sich mit diesem Kompromiss zufrieden; und Elinor, während sie den Großteil hinunterspülte, überlegte, dass, obwohl seine Wirkung auf Kolik-Gicht für sie derzeit von geringer Bedeutung war, seine heilende Kraft bei einem enttäuschten Herzen bei ihr ebenso vernünftigerweise ausprobiert werden konnte wie bei ihrer Schwester.
Colonel Brandon kam herein, während die Gesellschaft Tee trank, und aufgrund der Art und Weise, wie er den Raum nach Marianne absuchte, vermutete Elinor sofort, dass er weder erwartete noch wünschte, sie dort zu sehen, und kurz gesagt, dass er bereits von dem wusste, was ihre Abwesenheit verursachte. Mrs. Jennings kam nicht derselbe Gedanke; denn kurz nach seinem Eintritt ging sie quer durch den Raum zum Teetisch, an dem Elinor saß, und flüsterte: „Der Colonel sieht so ernst aus, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. Er weiß nichts davon; sagen Sie es ihm, meine Liebe.“
Er rückte kurz darauf einen Stuhl nah an den ihren heran und fragte mit einem Blick, der ihr die Gewissheit gab, dass er gut informiert war, nach ihrer Schwester.
„Marianne ist nicht wohl“, sagte sie. „Sie ist den ganzen Tag unpässlich, und wir haben sie überredet, ins Bett zu gehen.“
„Vielleicht ist dann“, antwortete er zögernd, „das, was ich heute Morgen hörte – es mag mehr Wahres daran sein, als ich anfangs für möglich hielt.“
„Was haben Sie gehört?“
„Dass ein Herr, von dem ich Grund zu der Annahme hatte – kurz, dass ein Mann, von dem ich wusste, dass er verlobt ist – aber wie soll ich es Ihnen sagen? Wenn Sie es bereits wissen, wie Sie es sicherlich tun müssen, kann ich Ihnen das ersparen.“
„Sie meinen“, antwortete Elinor mit erzwungener Gelassenheit, „Mr. Willoughbys Heirat mit Miss Grey. Ja, wir wissen alles. Dies scheint ein Tag der allgemeinen Aufklärung gewesen zu sein, denn erst heute Morgen hat er sich uns offenbart. Mr. Willoughby ist unergründlich! Wo haben Sie es gehört?“
„In einem Schreibwarengeschäft in Pall Mall, wo ich zu tun hatte. Zwei Damen warteten auf ihre Kutsche, und eine von ihnen berichtete der anderen von der beabsichtigten Heirat, mit einer Stimme, die so wenig versuchte, es zu verbergen, dass es mir unmöglich war, nicht alles zu hören. Der Name Willoughby, John Willoughby, der häufig wiederholt wurde, erregte zuerst meine Aufmerksamkeit; und was folgte, war die feste Behauptung, dass in Bezug auf seine Heirat mit Miss Grey nun alles endgültig geregelt sei – es sei kein Geheimnis mehr – sie werde bereits in wenigen Wochen stattfinden, mit vielen Einzelheiten über die Vorbereitungen und andere Dinge. Eine Sache erinnere ich mich besonders, weil sie dazu diente, den Mann noch genauer zu identifizieren: Sobald die Zeremonie vorüber sei, wollten sie nach Combe Magna reisen, seinem Landsitz in Somersetshire. Mein Erstaunen! – aber es wäre unmöglich zu beschreiben, was ich empfand. Die mitteilungsfreudige Dame war, wie ich auf Nachfrage erfuhr – denn ich blieb im Laden, bis sie fort waren –, eine Mrs. Ellison, und das ist, wie ich seitdem erfahren habe, der Name von Miss Greys Vormund.“
„Das ist er. Aber haben Sie auch gehört, dass Miss Grey fünfzigtausend Pfund besitzt? Darin, wenn überhaupt irgendwo, finden wir vielleicht eine Erklärung.“
„Es mag sein; aber Willoughby ist fähig – zumindest denke ich“ – er hielt einen Moment inne; dann fügte er mit einer Stimme hinzu, die sich selbst zu misstrauen schien: „Und Ihre Schwester – wie hat sie –“
„Ihr Leiden ist sehr schwer. Ich kann nur hoffen, dass es verhältnismäßig kurz sein wird. Es war, es ist ein höchst grausames Unglück. Bis gestern, glaube ich, hat sie nie an seiner Zuneigung gezweifelt; und selbst jetzt, vielleicht – aber ich bin fast überzeugt, dass er ihr nie wirklich zugetan war. Er ist sehr hinterlistig gewesen! Und in manchen Punkten scheint eine Härte des Herzens in ihm zu stecken.“
„Ach!“, sagte Colonel Brandon, „das ist in der Tat so! Aber Ihre Schwester sieht das nicht – ich glaube, das sagten Sie – sie sieht es nicht ganz so wie Sie?“
„Sie kennen ihr Wesen und mögen glauben, wie eifrig sie ihn noch immer rechtfertigen würde, wenn sie könnte.“
Er gab keine Antwort; und kurz darauf, durch das Wegräumen der Teegeschirre und das Arrangieren der Kartenspiele, wurde das Thema zwangsläufig fallen gelassen. Mrs. Jennings, die sie während ihres Gesprächs mit Vergnügen beobachtet hatte und erwartete, die Wirkung von Miss Dashwoods Mitteilung in einer solchen plötzlichen Heiterkeit auf Colonel Brandons Seite zu sehen, wie sie einem Mann in der Blüte der Jugend, der Hoffnung und des Glücks angemessen gewesen wäre, sah ihn mit Erstaunen den ganzen Abend über ernster und nachdenklicher als gewöhnlich.
KAPITEL XXXI.
Aus einer Nacht mit mehr Schlaf, als sie erwartet hatte, erwachte Marianne am nächsten Morgen in demselben Bewusstsein des Elends, in dem sie ihre Augen geschlossen hatte.
Elinor ermutigte sie so gut wie möglich, über ihre Gefühle zu sprechen; und bevor das Frühstück fertig war, hatten sie das Thema immer wieder durchgesprochen; und zwar mit der gleichen stetigen Überzeugung und dem liebevollen Rat auf Elinors Seite, den gleichen stürmischen Gefühlen und wechselnden Meinungen auf Mariannes Seite wie zuvor. Manchmal konnte sie glauben, Willoughby sei so unglücklich und unschuldig wie sie selbst, und in anderen Momenten verlor sie jeden Trost in der Unmöglichkeit, ihn freizusprechen. In einem Moment war sie völlig gleichgültig gegenüber der Beobachtung der ganzen Welt, im nächsten wollte sie sich für immer von ihr zurückziehen, und im dritten konnte sie ihr mit Energie widerstehen. In einer Sache jedoch war sie beständig: Wenn es darauf ankam, vermied sie, wo es möglich war, die Anwesenheit von Mrs. Jennings und bewahrte ein entschlossenes Schweigen, wenn sie sie ertragen musste. Ihr Herz war verhärtet gegen die Vorstellung, dass Mrs. Jennings Anteilnahme an ihrem Kummer empfinden könnte.
„Nein, nein, nein, das kann nicht sein“, rief sie; „sie kann nicht mitfühlen. Ihre Güte ist kein Mitgefühl; ihre Freundlichkeit ist keine Zärtlichkeit. Alles, was sie will, ist Klatsch, und sie mag mich jetzt nur, weil ich ihn ihr liefere.“
Elinor hatte dies nicht gebraucht, um sich der Ungerechtigkeit bewusst zu werden, zu der ihre Schwester in ihrem Urteil über andere oft durch die reizbare Verfeinerung ihres eigenen Geistes und die zu große Bedeutung, die sie auf die Feinheiten einer starken Empfindsamkeit und die Anmut eines polierten Auftretens legte, geführt wurde. Wie die Hälfte der übrigen Welt – wenn es mehr als die Hälfte gibt, die klug und gut sind –, war Marianne, trotz ausgezeichneter Fähigkeiten und eines ausgezeichneten Wesens, weder vernünftig noch aufrichtig. Sie erwartete von anderen Menschen dieselben Meinungen und Gefühle wie die ihren und beurteilte ihre Motive nach der unmittelbaren Wirkung ihrer Handlungen auf sie selbst. So ereignete sich ein Umstand, während die Schwestern nach dem Frühstück in ihrem eigenen Zimmer zusammen waren, der das Herz von Mrs. Jennings in ihrer Schätzung noch tiefer sinken ließ; denn durch ihre eigene Schwäche erwies es sich zufällig als Quelle neuen Schmerzes für sie selbst, obwohl Mrs. Jennings darin von einem Impuls des größten Wohlwollens geleitet wurde.
Mit einem Brief in der ausgestreckten Hand und einem fröhlich lächelnden Gesicht, in der Überzeugung, Trost zu bringen, betrat sie ihr Zimmer und sagte:
„Nun, meine Liebe, ich bringe dir etwas, von dem ich sicher bin, dass es dir gut tun wird.“
Marianne hörte genug. In einem Moment stellte sich ihre Fantasie einen Brief von Willoughby vor, voller Zärtlichkeit und Reue, der alles Geschehene erklärte, zufriedenstellend, überzeugend; und augenblicklich gefolgt von Willoughby selbst, der eifrig in den Raum stürmte, um ihr zu Füßen, durch die Beredsamkeit seiner Augen, die Versicherungen seines Briefes zu bekräftigen. Das Werk eines Augenblicks wurde durch den nächsten zerstört. Die Handschrift ihrer Mutter, bis dahin niemals unwillkommen, lag vor ihr; und in der Schärfe der Enttäuschung, die auf eine solche Ekstase mehr als Hoffnung folgte, fühlte sie, als hätte sie bis zu diesem Augenblick noch nie gelitten.
Die Grausamkeit von Mrs. Jennings hätte keine Sprache, die ihr in Momenten ihrer glücklichsten Beredsamkeit zur Verfügung stand, ausdrücken können; und nun konnte sie ihr nur durch die Tränen Vorwürfe machen, die mit leidenschaftlicher Heftigkeit aus ihren Augen strömten – ein Vorwurf jedoch, der an seinem Ziel so völlig verloren ging, dass sie sich nach vielen Mitleidsbekundungen zurückzog und sie weiterhin auf den Trostbrief verwies. Aber der Brief, als sie ruhig genug war, ihn zu lesen, brachte wenig Trost. Willoughby füllte jede Seite. Ihre Mutter, noch immer von ihrer Verlobung überzeugt und so warm wie eh und je auf seine Beständigkeit vertrauend, war nur durch Elinors Mitteilung dazu bewegt worden, Marianne zu mehr Offenheit gegenüber ihnen beiden zu drängen; und dies mit einer solchen Zärtlichkeit ihr gegenüber, einer solchen Zuneigung für Willoughby und einer solchen Überzeugung von ihrem zukünftigen Glück miteinander, dass sie vor Qual während des ganzen Lesens weinte.
All ihre Ungeduld, wieder zu Hause zu sein, kehrte nun zurück; ihre Mutter war ihr lieber als je zuvor; lieber gerade durch das Übermaß ihres irrigen Vertrauens in Willoughby, und sie drängte wild darauf, fortzugehen. Elinor, selbst unfähig zu entscheiden, ob es für Marianne besser wäre, in London oder in Barton zu sein, bot keinen eigenen Rat an, außer dem zur Geduld, bis die Wünsche ihrer Mutter bekannt wären; und schließlich erhielt sie das Einverständnis ihrer Schwester, auf diese Kenntnis zu warten.
Mrs. Jennings verließ sie früher als gewöhnlich; denn sie konnte nicht eher ruhen, bis die Middletons und Palmers genauso trauern konnten wie sie selbst; und da sie sich weigerte, Elinors angebotene Begleitung anzunehmen, ging sie für den Rest des Vormittags allein aus. Elinor setzte sich mit sehr schwerem Herzen, sich des Schmerzes bewusst, den sie mitteilen würde, und erkennend, wie schlecht es ihr durch Mariannes Brief gelungen war, irgendeine Grundlage dafür zu schaffen, hin, um ihrer Mutter einen Bericht über das Geschehene zu schreiben und um ihre Anweisungen für die Zukunft zu bitten; während Marianne, die beim Weggang von Mrs. Jennings ins Wohnzimmer gekommen war, starr an dem Tisch blieb, an dem Elinor schrieb, die Bewegung ihrer Feder beobachtend, um sie wegen der Härte einer solchen Aufgabe trauernd und noch inniger um deren Wirkung auf ihre Mutter leidend.
Auf diese Weise waren sie etwa eine Viertelstunde fortgefahren, als Marianne, deren Nerven damals kein plötzliches Geräusch ertragen konnten, durch ein Klopfen an der Tür aufgeschreckt wurde.
„Wer kann das sein?“, rief Elinor. „So früh schon! Ich dachte, wir wären sicher.“
Marianne ging zum Fenster.
„Es ist Colonel Brandon!“, sagte sie mit Verärgerung. „Wir sind nie vor ihm sicher.“
„Er wird nicht hereinkommen, da Mrs. Jennings nicht zu Hause ist.“
„Ich werde mich darauf nicht verlassen“, antwortete sie und zog sich in ihr eigenes Zimmer zurück. „Ein Mann, der nichts mit seiner eigenen Zeit anzufangen weiß, hat kein Gewissen bei seinem Eindringen in die anderer.“
Das Ereignis gab ihrer Vermutung recht, obwohl sie auf Ungerechtigkeit und Irrtum beruhte; denn Colonel Brandon kam herein; und Elinor, die davon überzeugt war, dass die Sorge um Marianne ihn dorthin brachte, und die diese Sorge in seinem verstörten und melancholischen Blick sowie in seiner besorgten, wenn auch kurzen Erkundigung nach ihr sah, konnte ihrer Schwester nicht verzeihen, ihn so gering zu schätzen.
„Ich habe Mrs. Jennings in der Bond Street getroffen“, sagte er nach der ersten Begrüßung, „und sie hat mich ermutigt, weiterzugehen; und ich wurde umso leichter ermutigt, weil ich es für wahrscheinlich hielt, Sie allein anzutreffen, was ich sehr wünschte. Mein Ziel – mein Wunsch – mein einziger Wunsch, dies zu erreichen – ich hoffe, ich glaube, das ist es –, ist es, ein Mittel zu sein, Trost zu spenden; nein, ich darf nicht von Trost sprechen – nicht von gegenwärtigem Trost –, sondern von Überzeugung, bleibender Überzeugung für den Geist Ihrer Schwester. Meine Hochachtung vor ihr, vor Ihnen selbst, vor Ihrer Mutter – erlauben Sie mir, sie zu beweisen, indem ich einige Umstände berichte, die nichts als eine sehr aufrichtige Hochachtung – nichts als den ernsthaften Wunsch, nützlich zu sein – ich glaube, ich bin gerechtfertigt – obwohl, wenn so viele Stunden damit verbracht wurden, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich im Recht bin, gibt es da nicht allen Grund zu befürchten, dass ich im Unrecht sein könnte?“ Er hielt inne.
„Ich verstehe Sie“, sagte Elinor. „Sie haben mir etwas über Mr. Willoughby zu erzählen, das seinen Charakter weiter enthüllen wird. Dass Sie es mir sagen, wird der größte Akt der Freundschaft sein, der Marianne erwiesen werden kann. Meine Dankbarkeit ist Ihnen für jede Information, die darauf abzielt, sofort sicher, und die ihre muss mit der Zeit gewonnen werden. Ich bitte Sie, ich flehe Sie an, lassen Sie es mich hören.“
„Das werde ich; und um mich kurz zu fassen: Als ich Barton letzten Oktober verließ – aber das wird Ihnen keine Vorstellung geben –, muss ich weiter zurückgreifen. Sie werden mich als einen sehr unbeholfenen Erzähler empfinden, Miss Dashwood; ich weiß kaum, wo ich anfangen soll. Ein kurzer Bericht über mich selbst wird, glaube ich, notwendig sein, und es soll ein kurzer sein.“ Bei diesem Thema, seufzte er schwer, „kann ich wenig Versuchung verspüren, weit auszuholen.“
Er hielt einen Moment inne, um sich zu sammeln, und fuhr dann mit einem weiteren Seufzer fort.
„Sie haben wahrscheinlich ein Gespräch ganz vergessen – (es ist nicht anzunehmen, dass es einen Eindruck auf Sie gemacht haben könnte) –, ein Gespräch zwischen uns eines Abends im Barton Park – es war der Abend eines Tanzes –, in dem ich auf eine Dame anspielte, die ich einst kannte und die in gewisser Weise Ihrer Schwester Marianne glich.“
„Tatsächlich“, antwortete Elinor, „ich habe es nicht vergessen.“ Er sah erfreut über diese Erinnerung aus und fügte hinzu:
„Wenn ich mich nicht durch die Ungewissheit, die Parteilichkeit zärtlicher Erinnerung täusche, so besteht eine sehr starke Ähnlichkeit zwischen ihnen, sowohl im Geiste als auch in der Gestalt. Dieselbe Herzenswärme, dieselbe Eifrigkeit des Geistes und der Stimmung. Diese Dame war eine meiner nächsten Verwandten, eine Waise von Kindesbeinen an und unter der Vormundschaft meines Vaters. Unser Alter war fast gleich, und von unseren frühesten Jahren an waren wir Spielgefährten und Freunde. Ich kann mich nicht an die Zeit erinnern, in der ich Eliza nicht liebte; und meine Zuneigung zu ihr war, als wir heranwuchsen, so groß, dass Sie mich vielleicht, wenn Sie nach meiner jetzigen trostlosen und freudlosen Ernsthaftigkeit urteilen, für unfähig halten würden, sie je empfunden zu haben. Ihre Zuneigung zu mir war, glaube ich, so glühend wie die Bindung Ihrer Schwester an Mr. Willoughby, und sie war, wenn auch aus einem anderen Grund, nicht weniger unglücklich. Mit siebzehn war sie für mich für immer verloren. Sie wurde verheiratet – gegen ihre Neigung an meinen Bruder verheiratet. Ihr Vermögen war groß, und unser Familienbesitz war stark belastet. Und das, fürchte ich, ist alles, was sich über das Verhalten eines Mannes sagen lässt, der zugleich ihr Onkel und Vormund war. Mein Bruder verdiente sie nicht; er liebte sie nicht einmal. Ich hatte gehofft, dass ihre Zuneigung zu mir sie bei jeder Schwierigkeit unterstützen würde, und eine Zeit lang tat sie es auch; aber schließlich überwältigte das Elend ihrer Situation, denn sie erfuhr große Lieblosigkeit, all ihre Entschlossenheit, und obwohl sie mir versprochen hatte, dass nichts – aber wie blind erzähle ich! Ich habe Ihnen nie gesagt, wie es dazu kam. Wir waren nur wenige Stunden davon entfernt, gemeinsam nach Schottland durchzubrennen. Der Verrat oder die Torheit des Dienstmädchens meiner Cousine verriet uns. Ich wurde in das weit entfernte Haus eines Verwandten verbannt, und ihr wurde keine Freiheit, keine Gesellschaft, kein Vergnügen gestattet, bis mein Vater sein Ziel erreicht hatte. Ich hatte mich zu sehr auf ihre Standhaftigkeit verlassen, und der Schlag war ein schwerer – aber wäre ihre Ehe glücklich gewesen, so jung, wie ich damals war, hätten mich ein paar Monate damit versöhnen müssen, oder zumindest müsste ich jetzt nicht darüber klagen. Dies war jedoch nicht der Fall. Mein Bruder hatte keine Achtung vor ihr; seine Vergnügungen waren nicht das, was sie hätten sein sollen, und von Anfang an behandelte er sie lieblos. Die Folge davon bei einem so jungen, so lebhaften, so unerfahrenen Geist wie dem von Mrs. Brandon war nur allzu natürlich. Sie ergab sich anfangs in das ganze Elend ihrer Situation; und glücklich wäre es gewesen, wenn sie nicht lange genug gelebt hätte, um jene Bedauern zu überwinden, die die Erinnerung an mich verursachte. Aber können wir uns wundern, dass sie bei einem solchen Ehemann, der zur Unbeständigkeit reizte, und ohne einen Freund, der sie beriet oder zurückhielt (denn mein Vater lebte nur wenige Monate nach ihrer Heirat, und ich war mit meinem Regiment in Ostindien), fallen musste? Wäre ich in England geblieben, vielleicht – aber ich wollte das Glück beider fördern, indem ich mich jahrelang von ihr entfernte, und zu diesem Zweck hatte ich meinen Austausch erwirkt.“ Der Schock, den ihre Heirat mir versetzt hatte, fuhr er mit großer Erregung in der Stimme fort, „war von geringem Gewicht – war nichts im Vergleich zu dem, was ich empfand, als ich etwa zwei Jahre später von ihrer Scheidung hörte. Das war es, was diesen Schatten warf – selbst jetzt die Erinnerung an das, was ich erlitt –“
Er konnte nicht mehr sagen und ging hastig einige Minuten im Zimmer auf und ab. Elinor, die von seinem Bericht und noch mehr von seiner Not berührt war, konnte nicht sprechen. Er sah ihre Anteilnahme, kam auf sie zu, nahm ihre Hand, drückte sie und küsste sie mit dankbarem Respekt. Ein paar weitere Minuten stiller Anstrengung ermöglichten es ihm, gefasst fortzufahren.
„Es dauerte fast drei Jahre nach dieser unglücklichen Zeit, bis ich nach England zurückkehrte. Meine erste Sorge bei meiner Ankunft war natürlich, nach ihr zu suchen; aber die Suche war ebenso ergebnislos wie melancholisch. Ich konnte sie nicht über ihren ersten Verführer hinaus verfolgen, und es gab allen Grund zu der Befürchtung, dass sie ihn nur verlassen hatte, um tiefer in ein Leben der Sünde zu sinken. Ihr gesetzlicher Unterhalt entsprach nicht ihrem Vermögen und reichte nicht für einen angemessenen Lebensunterhalt aus, und ich erfuhr von meinem Bruder, dass das Recht, ihn zu empfangen, einige Monate zuvor auf eine andere Person übertragen worden war. Er stellte sich vor, und ruhig konnte er es sich vorstellen, dass ihre Verschwendung und die daraus resultierende Not sie gezwungen hatten, ihn für eine sofortige Erleichterung zu veräußern. Schließlich aber, und nachdem ich sechs Monate in England gewesen war, fand ich sie. Die Rücksicht auf einen früheren Diener von mir, der inzwischen ins Unglück geraten war, veranlasste mich, ihn in einem Schuldgefängnis zu besuchen, wo er wegen Schulden inhaftiert war; und dort, im selben Haus, unter ähnlicher Haft, befand sich meine unglückliche Schwester. So verändert – so verblasst – abgemagert durch akutes Leid jeder Art! Kaum konnte ich glauben, dass die melancholische und kränkliche Gestalt vor mir die Überreste des schönen, blühenden, gesunden Mädchens waren, das ich einst abgöttisch geliebt hatte. Was ich ertrug, als ich sie so sah – aber ich habe kein Recht, Ihre Gefühle zu verletzen, indem ich versuche, es zu beschreiben – ich habe Sie bereits zu sehr geschmerzt. Dass sie allem Anschein nach im letzten Stadium einer Schwindsucht war, war – ja, in einer solchen Situation war es mein größter Trost. Das Leben konnte nichts mehr für sie tun, außer Zeit für eine bessere Vorbereitung auf den Tod zu geben; und die wurde ihr gewährt. Ich sah sie in einer komfortablen Unterkunft und unter der Obhut geeigneter Begleiter; ich besuchte sie jeden Tag während des restlichen Teils ihres kurzen Lebens: Ich war in ihren letzten Momenten bei ihr.“
Wieder hielt er inne, um sich zu fangen; und Elinor sprach ihre Gefühle in einem Ausruf zärtlicher Anteilnahme am Schicksal seines unglücklichen Freundes aus.
„Ihre Schwester“, sagte er, „kann hoffentlich nicht beleidigt sein durch die Ähnlichkeit, die ich mir zwischen ihr und meiner armen entehrten Verwandten eingebildet habe. Ihre Schicksale, ihr Glück kann nicht dasselbe sein; und wäre das natürliche, süße Wesen der einen durch einen festeren Geist oder eine glücklichere Ehe geschützt worden, sie hätte alles sein können, was Sie bei der anderen noch erleben werden. Aber worauf führt das alles hinaus? Ich scheine Sie umsonst bedrückt zu haben. Ach! Miss Dashwood – ein Thema wie dieses – vierzehn Jahre lang nicht berührt – es ist gefährlich, es überhaupt anzufassen! Ich werde gefasster sein – präziser. Sie überließ mir die Sorge für ihr einziges Kind, ein kleines Mädchen, den Spross ihrer ersten schuldhaften Verbindung, das damals etwa drei Jahre alt war. Sie liebte das Kind und hatte es immer bei sich behalten. Es war ein wertvolles, ein kostbares Vertrauen für mich; und ich hätte es gerne im strengsten Sinne erfüllt, indem ich selbst über ihre Erziehung gewacht hätte, wenn die Art unserer Situationen es erlaubt hätte; aber ich hatte keine Familie, kein Zuhause; und meine kleine Eliza wurde daher in eine Schule gegeben. Ich sah sie dort, wann immer ich konnte, und nach dem Tod meines Bruders (der sich vor etwa fünf Jahren ereignete und mir den Besitz des Familienvermögens überließ), besuchte sie mich in Delaford. Ich nannte sie eine entfernte Verwandte; aber ich bin mir wohl bewusst, dass ich im Allgemeinen einer viel näheren Verbindung mit ihr verdächtigt wurde. Es ist jetzt drei Jahre her (sie hatte gerade ihr vierzehntes Jahr vollendet), dass ich sie aus der Schule nahm, um sie in die Obhut einer sehr respektablen Frau in Dorsetshire zu geben, die für vier oder fünf andere Mädchen im gleichen Alter sorgte; und zwei Jahre lang hatte ich allen Grund, mit ihrer Situation zufrieden zu sein. Aber letzten Februar, vor fast einem Jahr, verschwand sie plötzlich. Ich hatte ihr (unvorsichtigerweise, wie sich herausstellte), auf ihren dringenden Wunsch hin, erlaubt, mit einer ihrer jungen Freundinnen nach Bath zu gehen, die ihren Vater dort wegen seiner Gesundheit begleitete. Ich wusste, dass er ein sehr guter Mann war, und ich hielt viel von seiner Tochter – mehr als sie verdiente, denn mit einer höchst hartnäckigen und schlecht beurteilten Geheimhaltung wollte sie nichts sagen, wollte keinen Hinweis geben, obwohl sie sicherlich alles wusste. Er, ihr Vater, ein wohlmeinender, aber nicht scharfsichtiger Mann, konnte mir, so glaube ich, wirklich keine Auskunft geben; denn er war meist an das Haus gefesselt, während die Mädchen durch die Stadt streiften und Bekanntschaften schlossen, wie sie wollten; und er versuchte mich, so gründlich, wie er selbst überzeugt war, davon zu überzeugen, dass seine Tochter an der Sache völlig unbeteiligt sei. Kurz gesagt, ich konnte nichts erfahren, außer dass sie weg war; alles andere blieb acht lange Monate lang der Vermutung überlassen. Was ich dachte, was ich fürchtete, kann man sich vorstellen; und was ich litt, auch.“
„Guter Himmel!“, rief Elinor, „könnte es sein – könnte Willoughby!“ –
„Die erste Nachricht von ihr, die mich erreichte“, fuhr er fort, „kam in einem Brief von ihr selbst, letzten Oktober. Er wurde mir von Delaford nachgeschickt, und ich erhielt ihn genau an dem Morgen unserer geplanten Gesellschaft in Whitwell; und das war der Grund, warum ich Barton so plötzlich verließ, was, wie ich sicher bin, damals für jeden seltsam erschienen sein muss und was meiner Meinung nach einige beleidigt hat. Mr. Willoughby ahnte wohl kaum, als seine Blicke mich wegen Unhöflichkeit bei der Auflösung der Gesellschaft tadelten, dass ich zur Rettung derjenigen gerufen wurde, die er arm und elend gemacht hatte; aber hätte er es gewusst, was hätte es genützt? Wäre er weniger fröhlich oder weniger glücklich im Lächeln Ihrer Schwester gewesen? Nein, er hatte bereits das getan, was kein Mann, der für einen anderen empfinden kann, tun würde. Er hatte das Mädchen, dessen Jugend und Unschuld er verführt hatte, in einer Situation äußerster Not zurückgelassen, ohne anständiges Zuhause, ohne Hilfe, ohne Freunde, ohne seine Adresse zu kennen! Er hatte sie verlassen und versprochen, zurückzukehren; er kehrte weder zurück, noch schrieb er, noch half er ihr.“
„Das übersteigt alles!“, rief Elinor aus.
„Sein Charakter liegt nun vor Ihnen; verschwenderisch, zügellos und noch schlimmer als beides. Da ich all dies nun viele Wochen lang wusste, raten Sie, was ich empfunden haben muss, als ich Ihre Schwester so vernarrt wie eh und je in ihn sah und die Versicherung erhielt, dass sie ihn heiraten würde: Raten Sie, was ich um aller willen empfunden haben muss. Als ich letzte Woche zu Ihnen kam und Sie allein antraf, kam ich mit dem Entschluss, die Wahrheit zu erfahren; wenn auch unentschlossen, was zu tun sei, sobald sie bekannt war. Mein Verhalten muss Ihnen damals seltsam erschienen sein; aber jetzt werden Sie es verstehen. Sie alle so getäuscht werden zu lassen; Ihre Schwester zu sehen – aber was konnte ich tun? Ich hatte keine Hoffnung, erfolgreich einzugreifen; und manchmal dachte ich, der Einfluss Ihrer Schwester könnte ihn vielleicht noch bekehren. Aber jetzt, nach solch ehrlosem Verhalten, wer kann sagen, was seine Absichten mit ihr waren? Was auch immer sie gewesen sein mögen, sie mag sich nun, und wird es zweifellos künftig, mit Dankbarkeit ihrer eigenen Lage zuwenden, wenn sie sie mit der meiner armen Eliza vergleicht, wenn sie an die elende und hoffnungslose Lage dieses armen Mädchens denkt und sie sich mit einer Zuneigung zu ihm vorstellt, die so stark ist, immer noch so stark wie ihre eigene, und mit einem Geist, der von Selbstvorwürfen gepeinigt wird, die sie durch ihr Leben begleiten müssen. Sicherlich muss dieser Vergleich für sie von Nutzen sein. Sie wird fühlen, dass ihr eigenes Leiden nichts ist. Es entspringt keinem Fehlverhalten und kann keine Schande bringen. Im Gegenteil, jeder Freund muss durch sie noch mehr zu ihrem Freund werden. Anteilnahme an ihrem Unglück und Respekt für ihre Standhaftigkeit darin müssen jede Bindung stärken. Nutzen Sie jedoch Ihr eigenes Ermessen bei der Mitteilung dessen, was ich Ihnen erzählt habe. Sie müssen am besten wissen, welche Wirkung es haben wird; aber hätte ich nicht ernsthaft und von Herzen geglaubt, dass es von Nutzen sein könnte, ihre Reue mindern könnte, hätte ich es nicht über mich gebracht, Sie mit diesem Bericht über meine Familienleiden zu behelligen, mit einer Erzählung, die den Anschein haben mag, als sollte ich mich selbst auf Kosten anderer erhöhen.“
Elinors Dank folgte dieser Rede mit dankbarer Ernsthaftigkeit; begleitet auch von der Versicherung, dass sie sich von der Mitteilung des Geschehenen einen wesentlichen Vorteil für Marianne verspreche.
„Ich war mehr geschmerzt“, sagte sie, „durch ihre Bemühungen, ihn freizusprechen, als durch alles andere; denn es reizt ihren Geist mehr, als es die vollkommenste Überzeugung seiner Unwürdigkeit tun kann. Nun, obwohl sie anfangs sehr leiden wird, bin ich sicher, dass sie bald ruhiger werden wird. Haben Sie“, fuhr sie nach kurzem Schweigen fort, „Mr. Willoughby je gesehen, seit Sie ihn in Barton verlassen haben?“
„Ja“, antwortete er ernst, „einmal habe ich das. Ein Treffen war unvermeidlich.“
Elinor, erschrocken über seine Art, sah ihn besorgt an und sagte:
„Was? Haben Sie ihn getroffen, um –“
„Ich konnte ihn auf keine andere Weise treffen. Eliza hatte mir, wenn auch sehr widerstrebend, den Namen ihres Liebhabers gestanden; und als er nach London zurückkehrte, was innerhalb von vierzehn Tagen nach mir geschah, trafen wir uns nach Verabredung, er, um sein Verhalten zu verteidigen, ich, um es zu bestrafen. Wir kehrten unverletzt zurück, und das Treffen wurde daher nie bekannt.“
Elinor seufzte über die eingebildete Notwendigkeit dessen; aber gegenüber einem Mann und Soldaten wagte sie es nicht, es zu tadeln.
„So“, sagte Colonel Brandon nach einer Pause, „war die unglückliche Ähnlichkeit zwischen dem Schicksal von Mutter und Tochter! Und so unvollkommen habe ich mein Vertrauen erfüllt!“
„Ist sie noch in der Stadt?“
„Nein; sobald sie sich von ihrem Wochenbett erholt hatte, denn ich fand sie kurz vor ihrer Niederkunft, brachte ich sie und ihr Kind aufs Land, und dort bleibt sie.“
Da er sich kurz darauf erinnerte, dass er wahrscheinlich Elinor von ihrer Schwester trennte, beendete er seinen Besuch, erhielt von ihr erneut dieselben dankbaren Anerkennungen und verließ sie voller Mitgefühl und Hochachtung für ihn.
KAPITEL XXXII.
Als die Einzelheiten dieses Gesprächs von Miss Dashwood ihrer Schwester wiederholt wurden, was sehr bald geschah, war die Wirkung auf sie nicht ganz so, wie die erstere gehofft hatte zu sehen. Nicht, dass Marianne die Wahrheit irgendeines Teils davon zu misstrauen schien, denn sie hörte sich alles mit der stetigsten und unterwürfigsten Aufmerksamkeit an, machte weder Einwände noch Bemerkungen, versuchte keine Rechtfertigung von Willoughby und schien durch ihre Tränen zu zeigen, dass sie es als unmöglich empfand. Aber obwohl dieses Verhalten Elinor versicherte, dass die Überzeugung dieser Schuld in ihren Geist eingedrungen war, obwohl sie mit Zufriedenheit die Wirkung davon sah, dass sie Colonel Brandon nicht mehr mied, wenn er kam, dass sie mit ihm sprach, sogar freiwillig mit einer Art mitleidiger Hochachtung sprach, und obwohl sie ihre Stimmung weniger heftig gereizt sah als zuvor, sah sie sie nicht weniger elend. Ihr Geist beruhigte sich zwar, aber er beruhigte sich in einer düsteren Niedergeschlagenheit. Sie fühlte den Verlust von Willoughbys Charakter noch schwerer, als sie den Verlust seines Herzens gefühlt hatte; seine Verführung und Verlassung von Miss Williams, das Elend jenes armen Mädchens und der Zweifel, was seine Absichten einst bezüglich ihrer selbst gewesen sein mochten, zehrten insgesamt so sehr an ihrer Stimmung, dass sie sich nicht dazu durchringen konnte, selbst mit Elinor über das zu sprechen, was sie fühlte; und indem sie in Stille über ihre Sorgen brütete, bereitete sie ihrer Schwester mehr Schmerz, als durch das offenste und häufigste Geständnis derselben hätte mitgeteilt werden können.
Die Gefühle oder die Sprache von Mrs. Dashwood beim Empfang und der Beantwortung von Elinors Brief wiederzugeben, hieße nur, eine Wiederholung dessen zu geben, was ihre Töchter bereits gefühlt und gesagt hatten; von einer Enttäuschung, die kaum weniger schmerzhaft war als Mariannes, und einer Empörung, die sogar noch größer war als Elinors. Lange Briefe von ihr, die schnell aufeinanderfolgten, trafen ein, um alles zu erzählen, was sie litt und dachte; um ihre ängstliche Sorge um Marianne auszudrücken und sie anzuflehen, dieses Unglück mit Standhaftigkeit zu ertragen. Schlimm muss die Art von Mariannes Leiden in der Tat sein, wenn ihre Mutter von Standhaftigkeit sprechen konnte! Demütigend und erniedrigend muss der Ursprung jener Reuegefühle sein, denen sie sie nicht hingeben wollte!
Gegen das Interesse ihres eigenen individuellen Komforts hatte Mrs. Dashwood beschlossen, dass es für Marianne zu dieser Zeit besser wäre, überall zu sein, als in Barton, wo ihr alles in Sichtweite die Vergangenheit auf die stärkste und bedrückendste Weise zurückbringen würde, indem sie ihr Willoughby ständig so vor Augen führte, wie sie ihn dort immer gesehen hatte. Sie empfahl ihren Töchtern daher, ihren Besuch bei Mrs. Jennings keinesfalls zu verkürzen; dessen Dauer, obwohl nie genau festgelegt, war von allen auf mindestens fünf oder sechs Wochen geschätzt worden. Eine Vielzahl von Beschäftigungen, Objekten und Gesellschaften, die in Barton nicht zu beschaffen waren, wären dort unvermeidlich, und könnten, wie sie hoffte, Marianne vielleicht zeitweise dazu bringen, ein Interesse über sich selbst hinaus zu entwickeln und sogar zu etwas Zerstreuung, so sehr die Ideen beider jetzt auch von ihr zurückgewiesen werden mochten.
Vor jeder Gefahr, Willoughby wiederzusehen, hielt ihre Mutter sie in der Stadt für mindestens ebenso sicher wie auf dem Land, da sein Bekanntenkreis nun von allen aufgegeben werden müsste, die sich als ihre Freunde bezeichneten. Planung konnte sie niemals einander in den Weg bringen: Nachlässigkeit konnte sie niemals einer Überraschung aussetzen; und der Zufall hatte in der Menge Londons weniger zu seinen Gunsten als selbst in der Abgeschiedenheit von Barton, wo er ihn bei jenem Besuch in Allenham anlässlich seiner Heirat vor sie bringen könnte, was Mrs. Dashwood, da sie es anfangs als wahrscheinliches Ereignis voraussah, dazu gebracht hatte, es als ein sicheres zu erwarten.
Sie hatte noch einen weiteren Grund, warum sie wünschte, dass ihre Kinder dort blieben, wo sie waren; ein Brief ihres Schwiegersohns hatte ihr mitgeteilt, dass er und seine Frau vor Mitte Februar in der Stadt sein würden, und sie hielt es für richtig, dass sie ihren Bruder manchmal sehen sollten.
Marianne hatte versprochen, sich von der Meinung ihrer Mutter leiten zu lassen, und sie fügte sich daher ohne Widerspruch, obwohl es sich als völlig anders erwies, als sie wünschte und erwartete, obwohl sie es als völlig falsch empfand, auf falschen Gründen beruhend, und dass es ihr durch die Forderung, länger in London zu bleiben, die einzig mögliche Linderung ihres Elends raubte, die persönliche Anteilnahme ihrer Mutter, und sie zu einer solchen Gesellschaft und solchen Szenen verdammte, die sie daran hindern mussten, je einen Moment Ruhe zu finden.
Es war ihr jedoch ein großer Trost, dass das, was ihr selbst Unheil brachte, ihrer Schwester zum Guten gereichen würde; und Elinor wiederum, da sie ahnte, dass es nicht in ihrer Macht stehen würde, Edward gänzlich aus dem Weg zu gehen, tröstete sich mit dem Gedanken, dass ihr längerer Aufenthalt zwar ihrem eigenen Glück entgegenstünde, es jedoch für Marianne besser sei als eine sofortige Rückkehr nach Devonshire.
Ihre Sorgfalt, ihre Schwester davor zu bewahren, jemals Willoughbys Namen erwähnen zu hören, war nicht umsonst. Marianne erntete, ohne es selbst zu wissen, alle Vorteile daraus; denn weder Mrs. Jennings noch Sir John, ja nicht einmal Mrs. Palmer selbst, sprachen jemals vor ihr von ihm. Elinor wünschte, dieselbe Rücksichtnahme hätte sich auch auf sie selbst erstrecken können, doch das war unmöglich, und sie war gezwungen, Tag für Tag der Entrüstung aller anderen zuzuhören.
Sir John konnte es nicht für möglich halten. „Ein Mann, von dem er immer allen Grund hatte, gut zu denken! So ein gutmütiger Kerl! Er glaubte nicht, dass es in England einen kühneren Reiter gab! Es war eine unerklärliche Angelegenheit. Er wünschte ihn von ganzem Herzen zum Teufel. Er würde kein Wort mehr mit ihm sprechen, wo er ihn auch treffen mochte, um alles in der Welt nicht! Nein, selbst wenn es am Rande von Barton Covert wäre und sie zwei Stunden lang zusammen warten müssten. So ein Schurke von einem Kerl! So ein falscher Hund! Erst beim letzten Treffen hatte er ihm einen von Follys Welpen angeboten! Und das war nun das Ende davon!“
Mrs. Palmer war auf ihre Art ebenso zornig. „Sie war entschlossen, seinen Umgang sofort aufzugeben, und sie war sehr dankbar, dass sie überhaupt nie mit ihm bekannt gewesen war. Sie wünschte von ganzem Herzen, Combe Magna wäre nicht so nah bei Cleveland; aber das bedeutete nichts, denn es war viel zu weit weg für einen Besuch; sie hasste ihn so sehr, dass sie beschloss, seinen Namen nie wieder zu erwähnen, und sie würde jedem, den sie sah, erzählen, was für ein Taugenichts er sei.“
Der Rest von Mrs. Palmers Anteilnahme äußerte sich darin, dass sie alle Einzelheiten, deren sie habhaft werden konnte, über die bevorstehende Hochzeit in Erfahrung brachte und sie Elinor mitteilte. Sie konnte bald sagen, bei welchem Wagenbauer die neue Kutsche gebaut wurde, von welchem Maler Mr. Willoughbys Porträt gezeichnet wurde und in welchem Warenhaus Miss Greys Kleider zu sehen waren.
Die gelassene und höfliche Gleichgültigkeit von Lady Middleton bei dieser Gelegenheit war für Elinors Gemüt, das oft durch die lärmende Freundlichkeit der anderen bedrückt war, eine willkommene Erleichterung. Es war ihr ein großer Trost, sich sicher zu sein, dass sie zumindest bei einer Person in ihrem Freundeskreis kein Interesse weckte: ein großer Trost zu wissen, dass es jemanden gab, der ihr begegnen würde, ohne Neugier auf Einzelheiten oder Sorge um die Gesundheit ihrer Schwester zu empfinden.
Jede Eigenschaft wird zuweilen durch die Umstände des Augenblicks über ihren wirklichen Wert hinaus gehoben; und sie wurde manchmal durch aufdringliches Beileid so zermürbt, dass sie gute Manieren für unentbehrlicher für das Wohlbefinden hielt als ein gutes Herz.
Lady Middleton drückte ihr Empfinden über die Angelegenheit etwa einmal täglich aus, oder zweimal, falls das Thema sehr oft zur Sprache kam, indem sie sagte: „Es ist wirklich sehr schockierend!“ Und durch dieses ständige, wenn auch sanfte Ventil war sie in der Lage, die Miss Dashwoods nicht nur von Anfang an ohne die geringste Regung zu sehen, sondern sie schon bald anzuschauen, ohne sich eines Wortes der Sache zu entsinnen; und nachdem sie so die Würde ihres eigenen Geschlechts gewahrt und ihr entschiedenes Missbilligen dessen ausgesprochen hatte, was am anderen falsch war, glaubte sie sich frei, sich den Interessen ihrer eigenen Zusammenkünfte zu widmen, und beschloss daher (wenn auch etwas gegen Sir Johns Meinung), da Mrs. Willoughby nun zugleich eine Frau von Eleganz und Vermögen sein würde, ihr ihre Karte zu hinterlassen, sobald sie verheiratet sei.
Colonel Brandons feinfühlige, unaufdringliche Fragen waren Miss Dashwood niemals unwillkommen. Er hatte sich das Privileg einer vertraulichen Erörterung der Enttäuschung ihrer Schwester durch den freundschaftlichen Eifer, mit dem er versucht hatte, sie zu mildern, reichlich verdient, und sie unterhielten sich stets mit Vertrauen. Seine größte Belohnung für die schmerzhafte Anstrengung, vergangene Sorgen und gegenwärtige Demütigungen offenzulegen, erhielt er durch den mitleidigen Blick, mit dem Marianne ihn manchmal bedachte, und die Sanftheit ihrer Stimme, wann immer sie (obwohl es nicht oft geschah) gezwungen war oder sich dazu zwingen konnte, mit ihm zu sprechen. Diese versicherten ihn, dass seine Mühe eine Zunahme an Wohlwollen ihm gegenüber bewirkt hatte, und diese gaben Elinor Hoffnung auf eine weitere Steigerung in der Zukunft; doch Mrs. Jennings, die nichts von alledem wusste, die nur wusste, dass der Colonel so ernst wie eh und je blieb und dass sie ihn weder dazu bewegen konnte, den Antrag selbst zu machen, noch ihn beauftragen konnte, ihn für ihn zu stellen, begann nach zwei Tagen zu glauben, dass sie nicht bis Mittsommer, sondern erst bis Michaelis heiraten würden, und nach einer Woche, dass es gar keine Verbindung geben würde. Das gute Einvernehmen zwischen dem Colonel und Miss Dashwood schien eher darauf hinzudeuten, dass die Ehren des Maulbeerbaums, des Kanals und der Eibenlaube ihr alle übertragen würden; und Mrs. Jennings hatte seit einiger Zeit aufgehört, überhaupt an Mrs. Ferrars zu denken.
Anfang Februar, keine vierzehn Tage nach Erhalt von Willoughbys Brief, hatte Elinor die schmerzliche Pflicht, ihrer Schwester mitzuteilen, dass er verheiratet sei. Sie hatte dafür gesorgt, dass ihr die Nachricht zugetragen wurde, sobald bekannt war, dass die Zeremonie vorüber war, da sie wünschte, dass Marianne nicht durch die öffentlichen Zeitungen als Erste davon erfuhr, die sie, wie sie sah, jeden Morgen eifrig durchsuchte.
Sie nahm die Nachricht mit entschlossener Fassung auf; machte keine Bemerkung dazu und vergoss anfangs keine Tränen; doch nach kurzer Zeit brachen sie hervor, und für den Rest des Tages befand sie sich in einem Zustand, der kaum weniger beklagenswert war als zu dem Zeitpunkt, als sie zum ersten Mal erfuhr, dass sie mit diesem Ereignis rechnen musste.
Die Willoughbys verließen die Stadt, sobald sie verheiratet waren; und Elinor hoffte nun, da keine Gefahr bestand, dass sie einen von beiden sehen würde, ihre Schwester, die seit dem ersten Schlag das Haus noch nicht verlassen hatte, dazu zu bewegen, allmählich wieder auszugehen, wie sie es zuvor getan hatte.
Um diese Zeit stellten sich die beiden Miss Steeles, die kürzlich im Haus ihres Cousins in Bartlett’s Buildings, Holborn, angekommen waren, wieder bei ihren vornehmeren Verwandten in der Conduit und Berkeley Street vor; und wurden von ihnen allen mit großer Herzlichkeit empfangen.
Nur Elinor war es leid, sie zu sehen. Ihre Anwesenheit bereitete ihr stets Schmerz, und sie wusste kaum, wie sie auf die überwältigende Freude von Lucy, sie noch in der Stadt zu finden, eine sehr liebenswürdige Erwiderung geben sollte.
„Ich wäre ganz enttäuscht gewesen, wenn ich Sie hier nicht mehr angetroffen hätte“, sagte sie wiederholt mit starker Betonung auf dem Wort. „Aber ich dachte immer, ich würde es. Ich war fast sicher, Sie würden London noch eine Weile nicht verlassen; obwohl Sie mir, wissen Sie, in Barton sagten, Sie würden nicht länger als einen Monat bleiben. Aber ich dachte damals schon, dass Sie höchstwahrscheinlich Ihre Meinung ändern würden, wenn es darauf ankäme. Es wäre so ein großer Jammer gewesen, wegzugehen, bevor Ihr Bruder und Ihre Schwester kamen. Und nun werden Sie sicher keine Eile haben zu gehen. Ich bin erstaunlich froh, dass Sie nicht bei Ihrem Wort geblieben sind.“
Elinor verstand sie vollkommen und musste all ihre Selbstbeherrschung aufbieten, um es so aussehen zu lassen, als täte sie es nicht.
„Nun, meine Liebe“, sagte Mrs. Jennings, „und wie seid ihr gereist?“
„Nicht in der Postkutsche, das versichere ich Ihnen“, antwortete Miss Steele mit schnellem Hochmut; „wir sind die ganze Strecke mit der Postkutsche gefahren und hatten einen sehr schneidigen Beau als Begleiter. Dr. Davies kam in die Stadt, und so dachten wir, wir schließen uns ihm in einer Postchaise an; und er benahm sich sehr vornehm und zahlte zehn oder zwölf Schilling mehr als wir.“
„Oh, oh!“, rief Mrs. Jennings; „sehr hübsch, in der Tat! Und der Doktor ist ein lediger Mann, das wette ich.“
„Da haben wir es“, sagte Miss Steele gekünstelt schmunzelnd, „jeder lacht mich so über den Doktor aus, und ich kann nicht verstehen, warum. Meine Cousinen sagen, sie seien sicher, ich hätte ihn erobert; aber was mich betrifft, erkläre ich, dass ich von einer Stunde zur anderen nicht an ihn denke. ‚Gott! Da kommt Ihr Beau, Nancy‘, sagte meine Cousine neulich, als sie ihn die Straße zum Haus überqueren sah. Mein Beau, in der Tat! sagte ich – ich kann nicht verstehen, wen Sie meinen. Der Doktor ist kein Beau von mir.“
„Ja, ja, das ist sehr hübsch geredet – aber das zieht nicht – der Doktor ist der Mann, das sehe ich.“
„Nein, wahrlich nicht!“, antwortete ihre Cousine mit geheucheltem Ernst, „und ich bitte Sie, dem zu widersprechen, falls Sie jemals davon reden hören.“
Mrs. Jennings gab ihr direkt die erfreuliche Versicherung, dass sie das sicherlich nicht tun würde, und Miss Steele war vollkommen glücklich.
„Ich nehme an, Sie werden bei Ihrem Bruder und Ihrer Schwester wohnen, Miss Dashwood, wenn sie in die Stadt kommen“, sagte Lucy, nachdem die feindseligen Anspielungen eine Weile aufgehört hatten, und griff das Thema wieder auf.
„Nein, ich glaube nicht, dass wir das werden.“
„Oh doch, ich wette, das werden Sie.“
Elinor wollte ihr nicht durch weiteren Widerstand den Gefallen tun.
„Was für eine bezaubernde Sache es ist, dass Mrs. Dashwood Sie beide für so lange Zeit zusammen entbehren kann!“
„Lange Zeit, wahrlich!“, warf Mrs. Jennings ein. „Warum, ihr Besuch hat doch gerade erst begonnen!“
Lucy war zum Schweigen gebracht.
„Es tut mir leid, dass wir Ihre Schwester nicht sehen können, Miss Dashwood“, sagte Miss Steele. „Es tut mir leid, dass sie nicht wohlauf ist –“ denn Marianne hatte bei ihrer Ankunft den Raum verlassen.
„Sie sind sehr gütig. Meine Schwester wird es ebenso leid tun, das Vergnügen zu verpassen, Sie zu sehen; aber sie ist in letzter Zeit sehr von nervösen Kopfschmerzen geplagt, die sie für Gesellschaft oder Unterhaltung unfähig machen.“
„Oh, du meine Güte, das ist ein großer Jammer! Aber solch alte Freunde wie Lucy und ich! – Ich denke, sie könnte uns sehen; und ich bin sicher, wir würden kein Wort sagen.“
Elinor lehnte den Vorschlag mit großer Höflichkeit ab. Ihre Schwester lag vielleicht auf dem Bett oder war im Morgenrock und deshalb nicht in der Lage, zu ihnen zu kommen.
„Oh, wenn es nur das ist“, rief Miss Steele, „können wir genauso gut zu ihr gehen und sie besuchen.“
Elinor begann diese Unverschämtheit für ihr Temperament als zu viel zu empfinden; doch ihr blieb die Mühe erspart, sie in Schach zu halten, durch Lucys scharfe Zurechtweisung, die nun, wie bei vielen Gelegenheiten, zwar den Manieren der einen Schwester keine große Sanftheit verlieh, aber von Vorteil war, die der anderen zu zügeln.
KAPITEL XXXIII.
Nach einigem Widerstand gab Marianne den Bitten ihrer Schwester nach und willigte ein, eines Morgens für eine halbe Stunde mit ihr und Mrs. Jennings auszugehen. Sie machte jedoch ausdrücklich zur Bedingung, keine Besuche abzustatten, und wollte nichts weiter tun, als sie zu Gray’s in der Sackville Street zu begleiten, wo Elinor Verhandlungen über den Umtausch einiger altmodischer Juwelen ihrer Mutter führte.
Als sie vor der Tür hielten, erinnerte sich Mrs. Jennings, dass es am anderen Ende der Straße eine Dame gab, bei der sie vorsprechen sollte; und da sie bei Gray’s nichts zu erledigen hatte, wurde beschlossen, dass sie, während ihre jungen Freundinnen ihre Angelegenheiten erledigten, ihren Besuch abstatten und für sie zurückkehren würde.
Beim Besteigen der Treppe fanden die Miss Dashwoods so viele Leute vor ihnen im Raum, dass niemand frei war, um ihre Wünsche entgegenzunehmen; und sie waren gezwungen zu warten. Alles, was sie tun konnten, war, sich an jenem Ende des Ladentisches niederzulassen, das die schnellste Bedienung zu versprechen schien; nur ein Herr stand dort, und es ist wahrscheinlich, dass Elinor nicht ohne Hoffnung war, seine Höflichkeit zu einer schnelleren Abwicklung anzuregen. Doch die Korrektheit seines Blickes und die Feinheit seines Geschmacks erwiesen sich als größer als seine Höflichkeit. Er gab Aufträge für ein Zahnstocher-Etui für sich selbst, und bis dessen Größe, Form und Verzierungen bestimmt waren, was alles nach einer viertelstündigen Prüfung und Debatte über jedes Zahnstocher-Etui im Laden schließlich durch seine eigene erfinderische Phantasie geregelt wurde, hatte er keine Muße, den beiden Damen eine andere Aufmerksamkeit zu schenken, als die in drei oder vier sehr starren Blicken bestand; eine Art von Wahrnehmung, die dazu diente, Elinor die Erinnerung an eine Person und ein Gesicht von starker, natürlicher, echter Bedeutungslosigkeit einzuprägen, obwohl sie im ersten Stil der Mode geschmückt war.
Marianne blieb vor den lästigen Gefühlen der Verachtung und des Grolls bei dieser unverschämten Prüfung ihrer Gesichtszüge und vor der Geckerei seiner Art, über all die verschiedenen Schrecken der verschiedenen Zahnstocher-Etuis zu entscheiden, die seiner Inspektion vorgelegt wurden, bewahrt, indem sie sich dessen alles nicht bewusst blieb; denn sie war ebenso gut in der Lage, ihre Gedanken in sich selbst zu sammeln und von dem, was um sie herum vorging, im Laden von Mr. Gray ebenso unkundig zu sein wie in ihrem eigenen Schlafzimmer.
Endlich war die Angelegenheit entschieden. Das Elfenbein, das Gold und die Perlen erhielten alle ihre Bestimmung, und der Herr, nachdem er den letzten Tag genannt hatte, an dem seine Existenz ohne den Besitz des Zahnstocher-Etuis fortgesetzt werden konnte, zog sich mit gemächlicher Sorgfalt die Handschuhe an und, indem er den Miss Dashwoods einen weiteren Blick zuwarf, doch einen solchen, der eher Bewunderung zu fordern als auszudrücken schien, schritt er mit einer glücklichen Miene von echter Einbildung und gekünstelter Gleichgültigkeit davon.
Elinor verlor keine Zeit, ihr Geschäft vorzubringen, und war im Begriff, es abzuschließen, als sich ein anderer Herr an ihrer Seite vorstellte. Sie wandte ihre Augen seinem Gesicht zu und stellte mit einiger Überraschung fest, dass es ihr Bruder war.
Ihre Zuneigung und ihr Vergnügen bei diesem Wiedersehen war gerade genug, um in Mr. Grays Laden einen sehr vorzeigbaren Eindruck zu machen. John Dashwood war wirklich weit davon entfernt, seine Schwestern wiederzusehen; es bereitete ihm vielmehr Zufriedenheit; und seine Erkundigungen nach ihrer Mutter waren respektvoll und aufmerksam.
Elinor erfuhr, dass er und Fanny seit zwei Tagen in der Stadt waren.
„Ich wollte dich gestern sehr gerne besuchen“, sagte er, „aber es war unmöglich, denn wir mussten Harry zu den wilden Tieren in der Exeter Exchange bringen; und den Rest des Tages verbrachten wir bei Mrs. Ferrars. Harry war überaus erfreut. Heute Morgen hatte ich fest vor, euch zu besuchen, wenn ich möglicherweise eine freie halbe Stunde finden könnte, aber man hat immer so viel zu tun, wenn man zum ersten Mal in die Stadt kommt. Ich bin hierher gekommen, um für Fanny ein Siegel zu bestellen. Aber morgen, denke ich, werde ich sicherlich in der Berkeley Street vorbeischauen können, um mich eurer Freundin Mrs. Jennings vorstellen zu lassen. Ich habe gehört, sie ist eine Frau von sehr gutem Vermögen. Und die Middletons auch, ihr müsst mich ihnen vorstellen. Als Verwandte meiner Schwiegermutter werde ich glücklich sein, ihnen jeden Respekt zu erweisen. Sie sind, wie ich höre, ausgezeichnete Nachbarn für euch auf dem Land.“
„Ausgezeichnet in der Tat. Ihre Aufmerksamkeit für unser Wohlbefinden, ihre Freundlichkeit in jeder Hinsicht ist mehr, als ich ausdrücken kann.“
„Das höre ich außerordentlich gerne, bei meinem Wort; außerordentlich gerne in der Tat. Aber so sollte es auch sein; sie sind Leute von großem Vermögen, sie sind mit euch verwandt, und jede Höflichkeit und Gefälligkeit, die dazu dienen kann, eure Lage angenehm zu machen, könnte vernünftigerweise erwartet werden. Und so seid ihr in eurem kleinen Häuschen am bequemsten untergebracht und es fehlt euch an nichts! Edward brachte uns einen höchst bezaubernden Bericht über den Ort: das Vollkommenste seiner Art, sagte er, das es je gegeben habe, und ihr alle schient es über alles zu genießen. Es war eine große Genugtuung für uns, das zu hören, das versichere ich euch.“
Elinor schämte sich ein wenig für ihren Bruder; und war nicht unglücklich darüber, dass ihr die Notwendigkeit erspart blieb, ihm zu antworten, durch das Eintreffen von Mrs. Jennings’ Diener, der kam, um ihr mitzuteilen, dass seine Herrin vor der Tür auf sie warte.
Mr. Dashwood begleitete sie nach unten, wurde an der Tür ihrer Kutsche Mrs. Jennings vorgestellt, und nachdem er die Hoffnung wiederholt hatte, sie am nächsten Tag besuchen zu können, verabschiedete er sich.
Sein Besuch wurde pflichtgemäß abgestattet. Er kam mit einer vorgeblichen Entschuldigung ihrer Schwägerin, dass sie nicht auch komme; „aber sie war so sehr mit ihrer Mutter beschäftigt, dass sie wirklich keine Muße hatte, irgendwohin zu gehen.“ Mrs. Jennings versicherte ihm jedoch direkt, dass sie keine Umstände machen dürfe, denn sie seien alle Cousins, oder so etwas Ähnliches, und sie werde Mrs. John Dashwood sicherlich sehr bald aufwarten und ihre Schwestern mitbringen, um sie zu sehen. Sein Benehmen ihnen gegenüber war, wenn auch ruhig, vollkommen freundlich; gegenüber Mrs. Jennings höchst aufmerksam höflich; und als Colonel Brandon kurz nach ihm hereinkam, musterte er ihn mit einer Neugier, die zu sagen schien, dass er ihn nur als reich kennen müsse, um ihm gegenüber ebenso höflich zu sein.
Nachdem er eine halbe Stunde bei ihnen geblieben war, bat er Elinor, mit ihm zur Conduit Street zu gehen und ihn Sir John und Lady Middleton vorzustellen. Das Wetter war bemerkenswert schön, und sie willigte bereitwillig ein. Sobald sie aus dem Haus waren, begannen seine Nachforschungen.
„Wer ist Colonel Brandon? Ist er ein Mann von Vermögen?“
„Ja; er hat sehr guten Besitz in Dorsetshire.“
„Das freut mich. Er scheint ein höchst anständiger Mann zu sein; und ich denke, Elinor, ich kann dir zu der Aussicht auf eine sehr respektable Lebensstellung gratulieren.“
„Mir, Bruder! Was meinst du?“
„Er mag dich. Ich habe ihn genau beobachtet und bin davon überzeugt. Wie hoch ist sein Vermögen?“
„Ich glaube, etwa zweitausend Pfund im Jahr.“
„Zweitausend Pfund im Jahr;“ und dann steigerte er sich zu einem Grad enthusiastischer Großzügigkeit und fügte hinzu: „Elinor, ich wünschte von ganzem Herzen, es wäre das Doppelte, um deinetwillen.“
„Das glaube ich dir wahrlich“, antwortete Elinor; „aber ich bin mir sehr sicher, dass Colonel Brandon nicht den geringsten Wunsch hat, mich zu heiraten.“
„Du irrst dich, Elinor; du irrst dich sehr. Ein wenig Mühe deinerseits sichert ihn dir. Vielleicht ist er im Augenblick noch unentschlossen; die Geringfügigkeit deines Vermögens mag ihn zurückhalten; seine Freunde könnten ihm alle davon abraten. Aber einige jener kleinen Aufmerksamkeiten und Ermutigungen, die Damen so leicht geben können, werden ihn trotz seiner selbst binden. Und es gibt keinen Grund, warum du es nicht bei ihm versuchen solltest. Es ist nicht anzunehmen, dass irgendeine frühere Zuneigung deinerseits – kurz gesagt, du weißt, was eine solche Zuneigung betrifft, es ist völlig ausgeschlossen, die Einwände sind unüberwindbar – du hast zu viel Verstand, um das nicht alles zu sehen. Colonel Brandon muss der Mann sein; und es soll von meiner Seite an keiner Höflichkeit fehlen, um ihn mit dir und deiner Familie wohlgesinnt zu stimmen. Es ist eine Verbindung, die allgemeine Zufriedenheit hervorrufen muss. Kurz gesagt, es ist eine Art von Sache, die“ – er senkte seine Stimme zu einem bedeutungsvollen Flüstern – „für alle Parteien überaus willkommen sein wird.“ Er besann sich jedoch und fügte hinzu: „Das heißt, ich meine – deine Freunde sind alle wahrhaft begierig, dich gut versorgt zu sehen; besonders Fanny, denn sie hat dein Interesse sehr auf dem Herzen, das versichere ich dir. Und ihre Mutter auch, Mrs. Ferrars, eine sehr gutmütige Frau, ich bin sicher, es würde ihr große Freude bereiten; sie sagte es neulich erst.“
Elinor wollte keine Antwort geben.
„Es wäre nun etwas Bemerkenswertes“, fuhr er fort, „etwas Lustiges, wenn Fanny einen Bruder und ich eine Schwester zur gleichen Zeit unter die Haube brächten. Und doch ist es nicht sehr unwahrscheinlich.“
„Ist Mr. Edward Ferrars“, sagte Elinor mit Entschlossenheit, „im Begriff zu heiraten?“
„Es ist noch nicht tatsächlich beschlossen, aber es ist so etwas im Gange. Er hat eine höchst ausgezeichnete Mutter. Mrs. Ferrars wird mit der größten Freigiebigkeit hervortreten und ihm tausend Pfund im Jahr aussetzen, wenn die Verbindung zustande kommt. Die Dame ist die Hon. Miss Morton, einzige Tochter des verstorbenen Lord Morton, mit dreißigtausend Pfund. Eine sehr wünschenswerte Verbindung für beide Seiten, und ich habe keinen Zweifel, dass sie mit der Zeit zustande kommt. Tausend Pfund im Jahr sind viel für eine Mutter, um sie wegzugeben, um sie für immer zu übertragen; aber Mrs. Ferrars hat einen edlen Geist. Um dir ein weiteres Beispiel ihrer Freigiebigkeit zu geben: – Neulich, als wir in die Stadt kamen, im Bewusstsein, dass Geld bei uns gerade nicht sehr im Überfluss vorhanden sein konnte, steckte sie Fanny Banknoten im Wert von zweihundert Pfund zu. Und das ist überaus willkommen, denn wir müssen in großem Aufwand leben, während wir hier sind.“
Er hielt inne, um ihre Zustimmung und ihr Mitgefühl zu erbitten; und sie zwang sich zu sagen:
„Ihre Ausgaben sowohl in der Stadt als auch auf dem Land müssen zweifellos beträchtlich sein; doch Ihr Einkommen ist ein großes.“
„Nicht so groß, wage ich zu behaupten, wie viele Leute vermuten. Ich möchte mich jedoch nicht beklagen; es ist zweifellos ein auskömmliches, und ich hoffe, es wird mit der Zeit noch besser. Die Einzäunung von Norland Common, die derzeit durchgeführt wird, ist ein überaus ernsthafter Kostenfaktor. Und dann habe ich innerhalb dieses halben Jahres einen kleinen Zukauf getätigt; East Kingham Farm, Sie müssen sich an den Ort erinnern, an dem der alte Gibson zu wohnen pflegte. Das Land war für mich in jeder Hinsicht so überaus erstrebenswert, da es unmittelbar an meinen eigenen Besitz angrenzt, dass ich es als meine Pflicht empfand, es zu erwerben. Ich hätte es vor meinem Gewissen nicht verantworten können, es in fremde Hände fallen zu lassen. Ein Mann muss für seinen Komfort bezahlen; und es hat mich eine Unmenge Geld gekostet.“
„Mehr, als Sie denken, dass es wirklich und an sich wert ist.“
„Nun, das hoffe ich nicht. Ich hätte es am nächsten Tag für mehr verkaufen können, als ich gegeben habe: aber in Bezug auf das Kaufgeld hätte ich in der Tat sehr unglücklich sein können; denn die Aktien standen zu jener Zeit so niedrig, dass ich, hätte ich nicht zufällig die notwendige Summe bei meinem Bankier gehabt, unter sehr großem Verlust hätte verkaufen müssen.“
Elinor konnte nur lächeln.
„Wir hatten auch andere große und unvermeidliche Ausgaben bei unserer ersten Ankunft in Norland. Unser verehrter Vater hat, wie Sie wohl wissen, alle Effekten von Stanhill, die noch in Norland verblieben waren (und sie waren sehr wertvoll), Ihrer Mutter vermacht. Fern sei es von mir, mich darüber zu beklagen; er hatte ein unbestreitbares Recht, über sein eigenes Eigentum nach Belieben zu verfügen, aber infolgedessen waren wir gezwungen, große Anschaffungen an Leinen, Porzellan usw. zu tätigen, um das zu ersetzen, was fortgenommen wurde. Sie können sich vorstellen, wie weit wir nach all diesen Ausgaben davon entfernt sein müssen, reich zu sein, und wie willkommen die Güte von Mrs. Ferrars ist.“
„Gewiss“, sagte Elinor; „und unterstützt durch ihre Freigiebigkeit hoffe ich, dass Sie noch erleben werden, in auskömmlichen Verhältnissen zu leben.“
„Ein weiteres Jahr oder zwei können viel dazu beitragen“, antwortete er ernst; „aber es bleibt dennoch eine ganze Menge zu tun. Es ist noch kein Stein für Fannys Gewächshaus gelegt, und von dem Blumengarten ist nichts weiter als der Plan abgesteckt.“
„Wo soll das Gewächshaus stehen?“
„Auf der Anhöhe hinter dem Haus. Die alten Walnussbäume sind alle gefällt worden, um Platz dafür zu schaffen. Es wird von vielen Teilen des Parks aus ein sehr schönes Objekt abgeben, und der Blumengarten wird sich direkt davor hinabziehen und überaus hübsch sein. Wir haben all die alten Dornensträucher entfernt, die in Flecken über den Abhang wuchsen.“
Elinor behielt ihre Besorgnis und ihren Tadel für sich; und sie war sehr dankbar, dass Marianne nicht anwesend war, um an der Provokation teilzuhaben.
Nachdem er nun genug gesagt hatte, um seine Armut deutlich zu machen und die Notwendigkeit abzuwenden, jeder seiner Schwestern bei seinem nächsten Besuch bei Gray ein Paar Ohrringe zu kaufen, wandten sich seine Gedanken einer heiteren Richtung zu, und er begann Elinor dazu zu beglückwünschen, eine solche Freundin wie Mrs. Jennings zu haben.
„Sie scheint in der Tat eine überaus wertvolle Frau zu sein. Ihr Haus, ihr Lebensstil, alles zeugt von einem außerordentlich guten Einkommen; und es ist eine Bekanntschaft, die Ihnen bisher nicht nur von großem Nutzen war, sondern sich am Ende als materiell vorteilhaft erweisen könnte. Dass sie Sie in die Stadt eingeladen hat, ist sicherlich eine große Sache zu Ihren Gunsten; und tatsächlich spricht es alles in allem für eine so große Wertschätzung Ihnen gegenüber, dass Sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vergessen werden, wenn sie stirbt. Sie muss eine Menge zu vererben haben.“
„Überhaupt nichts, sollte ich eher annehmen; denn sie hat nur ihr Wittum, das an ihre Kinder übergeht.“
„Aber es ist nicht anzunehmen, dass sie ihr gesamtes Einkommen verlebt. Nur wenige Menschen mit gewöhnlicher Vorsicht tun das, und was immer sie spart, darüber wird sie verfügen können.“
„Und glauben Sie nicht, es sei wahrscheinlicher, dass sie es ihren Töchtern hinterlässt als uns?“
„Ihre Töchter sind beide überaus gut verheiratet, und daher kann ich die Notwendigkeit nicht erkennen, dass sie ihrer weiter gedenkt. Wohingegen sie Ihnen meiner Meinung nach dadurch, dass sie Ihnen so viel Aufmerksamkeit schenkt und Sie auf diese freundliche Art behandelt, eine Art Anspruch auf ihre zukünftige Berücksichtigung eingeräumt hat, den eine gewissenhafte Frau nicht ignorieren würde. Nichts kann freundlicher sein als ihr Verhalten; und sie kann dies kaum tun, ohne sich der Erwartungen bewusst zu sein, die es weckt.“
„Aber sie weckt bei denjenigen, die es am meisten betrifft, keinerlei Erwartungen. Wahrlich, Bruder, Ihre Sorge um unser Wohlergehen und unseren Wohlstand führt Sie zu weit.“
„Nun, sicher“, sagte er und schien sich zu besinnen, „die Menschen haben wenig, sehr wenig in ihrer Macht. Aber meine liebe Elinor, was ist mit Marianne? – sie sieht sehr unwohl aus, hat ihre Farbe verloren und ist ganz dünn geworden. Ist sie krank?“
„Sie ist nicht wohl, sie leidet seit mehreren Wochen an einem nervösen Leiden.“
„Das tut mir leid. In ihrem Alter zerstört jede Krankheit für immer die Blüte! Ihre war eine sehr kurze! Sie war letzten September so hübsch wie jedes Mädchen, das ich je gesehen habe; und so wahrscheinlich, den Mann anzuziehen. Es lag etwas in ihrer Art von Schönheit, das ihnen besonders gefiel. Ich erinnere mich, dass Fanny zu sagen pflegte, Sie würden früher und besser heiraten als Sie; nicht, dass sie Sie nicht überaus gern hätte, aber so ist es ihr eben in den Sinn gekommen. Sie wird sich jedoch täuschen. Ich bezweifle, ob Marianne jetzt einen Mann heiraten wird, der im Äußersten mehr als fünf- oder sechshundert Pfund im Jahr wert ist, und ich bin sehr getäuscht, wenn Sie es nicht besser treffen. Dorsetshire! Ich weiß sehr wenig über Dorsetshire; aber meine liebe Elinor, ich werde mich außerordentlich freuen, mehr darüber zu erfahren; und ich glaube, ich kann dafür bürgen, dass Sie Fanny und mich zu Ihren frühesten und am meisten erfreuten Besuchern zählen werden.“
Elinor versuchte sehr ernsthaft, ihn davon zu überzeugen, dass es keine Aussicht gäbe, dass sie Colonel Brandon heirate; aber es war eine Erwartung von zu viel Vergnügen für ihn selbst, als dass er sie hätte aufgeben wollen, und er war wirklich entschlossen, eine Vertrautheit mit diesem Gentleman zu suchen und die Heirat durch jede mögliche Aufmerksamkeit zu fördern. Er hatte gerade genug Gewissensbisse, weil er selbst nichts für seine Schwestern getan hatte, um außerordentlich darauf bedacht zu sein, dass alle anderen sehr viel tun sollten; und ein Angebot von Colonel Brandon oder ein Vermächtnis von Mrs. Jennings waren die einfachsten Mittel, um sein eigenes Versäumnis wiedergutzumachen.
Sie hatten das Glück, Lady Middleton zu Hause anzutreffen, und Sir John kam hinzu, bevor ihr Besuch endete. Auf allen Seiten wurden zahlreiche Höflichkeiten ausgetauscht. Sir John war bereit, jeden zu mögen, und obwohl Mr. Dashwood nicht viel über Pferde zu wissen schien, stufte er ihn bald als einen sehr gutmütigen Kerl ein: während Lady Middleton genug von Mode in seinem Erscheinungsbild sah, um seine Bekanntschaft für lohnenswert zu halten; und Mr. Dashwood ging entzückt von beiden von dannen.
„Ich werde Fanny einen reizenden Bericht erstatten können“, sagte er, als er mit seiner Schwester zurückging. „Lady Middleton ist wirklich eine überaus elegante Frau! Eine solche Frau, von der ich sicher bin, dass Fanny sie gerne kennenlernen wird. Und Mrs. Jennings auch, eine überaus wohlerzogene Frau, wenn auch nicht so elegant wie ihre Tochter. Ihre Schwester braucht nicht einmal Skrupel zu haben, sie zu besuchen, was, um die Wahrheit zu sagen, ein wenig der Fall war, und zwar ganz natürlich; denn wir wussten nur, dass Mrs. Jennings die Witwe eines Mannes war, der sein ganzes Geld auf eine niedrigere Art verdient hatte; und Fanny und Mrs. Ferrars waren beide stark voreingenommen, dass weder sie noch ihre Töchter die Art von Frauen seien, mit denen Fanny sich gerne abgeben würde. Aber jetzt kann ich ihr einen höchst befriedigenden Bericht über beide erstatten.“
KAPITEL XXXIV.
Mrs. John Dashwood hatte so viel Vertrauen in das Urteil ihres Mannes, dass sie gleich am nächsten Tag sowohl Mrs. Jennings als auch deren Tochter ihre Aufwartung machte; und ihr Vertrauen wurde dadurch belohnt, dass sie sogar erstere, selbst die Frau, bei der ihre Schwestern logierten, keineswegs ihrer Beachtung unwürdig fand; und was Lady Middleton betraf, so hielt sie sie für eine der bezauberndsten Frauen der Welt!
Lady Middleton war gleichermaßen von Mrs. Dashwood angetan. Es gab eine Art herzlosen Egoismus auf beiden Seiten, der sie gegenseitig anzog; und sie sympathisierten miteinander in einer faden Korrektheit des Benehmens und einem allgemeinen Mangel an Verständnis.
Dasselbe Gebaren jedoch, das Mrs. John Dashwood für die gute Meinung von Lady Middleton empfahl, passte nicht in den Geschmack von Mrs. Jennings, und ihr erschien sie nicht mehr als eine etwas stolz aussehende Frau von unherzlicher Art, die den Schwestern ihres Mannes ohne jede Zuneigung und fast ohne ein Wort für sie zu haben begegnete; denn von der Viertelstunde, die sie in der Berkeley Street verbrachte, saß sie mindestens siebeneinhalb Minuten schweigend da.
Elinor wollte nur zu gerne wissen, obwohl sie nicht danach zu fragen wählte, ob Edward damals in der Stadt war; aber nichts hätte Fanny dazu bringen können, freiwillig seinen Namen vor ihr zu erwähnen, bis sie ihr mitteilen konnte, dass seine Heirat mit Miss Morton beschlossene Sache sei, oder bis die Erwartungen ihres Mannes bezüglich Colonel Brandon erfüllt wären; denn sie glaubte, sie seien immer noch so sehr aneinander gebunden, dass sie bei jeder Gelegenheit in Wort und Tat so sorgfältig wie möglich getrennt werden müssten. Die Nachricht jedoch, die sie nicht preisgeben wollte, floss bald aus einer anderen Quelle. Lucy kam sehr bald, um Elinors Mitgefühl zu beanspruchen, da sie Edward nicht sehen konnte, obwohl er mit Mr. und Mrs. Dashwood in die Stadt gekommen war. Er wagte es nicht, aus Angst vor Entdeckung in die Bartlett’s Buildings zu kommen, und obwohl ihre gegenseitige Ungeduld, sich zu treffen, nicht in Worte zu fassen war, konnten sie gegenwärtig nichts tun, als zu schreiben.
Edward versicherte ihnen innerhalb kürzester Zeit selbst, dass er in der Stadt sei, indem er zweimal in der Berkeley Street vorsprach. Zweimal wurde seine Karte auf dem Tisch gefunden, als sie von ihren morgendlichen Verpflichtungen zurückkehrten. Elinor war erfreut, dass er vorbeigekommen war; und noch mehr erfreut, dass sie ihn verpasst hatte.
Die Dashwoods waren so außerordentlich entzückt von den Middletons, dass sie, obwohl sie nicht sehr dazu neigten, irgendetwas zu geben, beschlossen, ihnen ein Abendessen zu geben; und kurz nachdem ihre Bekanntschaft begonnen hatte, luden sie sie zum Essen in die Harley Street ein, wo sie für drei Monate ein sehr gutes Haus gemietet hatten. Ihre Schwestern und Mrs. Jennings wurden ebenfalls eingeladen, und John Dashwood achtete darauf, Colonel Brandon zu sichern, der, da er immer froh war, dort zu sein, wo die Miss Dashwoods waren, seine eifrigen Höflichkeiten mit etwas Überraschung, aber noch mehr Vergnügen entgegennahm. Sie sollten Mrs. Ferrars treffen; aber Elinor konnte nicht in Erfahrung bringen, ob ihre Söhne Teil der Gesellschaft sein würden. Die Erwartung, sie zu sehen, reichte jedoch aus, um ihr Interesse an der Einladung zu wecken; denn obwohl sie Edward’s Mutter nun ohne jene starke Besorgnis treffen konnte, die einst eine solche Einführung zu begleiten versprach, obwohl sie sie nun mit vollkommener Gleichgültigkeit bezüglich ihrer Meinung über sie selbst sehen konnte, war ihr Wunsch, in der Gesellschaft von Mrs. Ferrars zu sein, ihre Neugier zu wissen, wie sie sei, so lebhaft wie eh und je.
Das Interesse, mit dem sie der Gesellschaft entgegenblickte, wurde kurz darauf, eher kraftvoll als angenehm, dadurch gesteigert, dass sie erfuhr, dass auch die Miss Steeles dabei sein würden.
So gut hatten sie sich bei Lady Middleton empfohlen, so angenehm hatten ihre Bemühungen sie ihr gemacht, dass sie, obwohl Lucy sicherlich nicht so elegant und ihre Schwester nicht einmal vornehm war, genauso bereit war wie Sir John, sie zu bitten, ein oder zwei Wochen in der Conduit Street zu verbringen; und es traf sich besonders günstig für die Miss Steeles, dass ihr Besuch wenige Tage vor dem Stattfinden der Gesellschaft beginnen sollte, sobald die Einladung der Dashwoods bekannt wurde.
Ihre Ansprüche auf die Beachtung von Mrs. John Dashwood als Nichten des Gentleman, der viele Jahre lang die Betreuung ihres Bruders innehatte, hätten ihnen vielleicht nicht viel dazu verholfen, einen Platz an ihrem Tisch zu bekommen; aber als Gäste von Lady Middleton mussten sie willkommen sein; und Lucy, die schon lange den Wunsch hatte, der Familie persönlich bekannt zu werden, einen näheren Blick auf ihren Charakter und ihre eigenen Schwierigkeiten zu werfen und Gelegenheit zu haben, sich um deren Gunst zu bemühen, war selten glücklicher in ihrem Leben als in dem Moment, als sie die Karte von Mrs. John Dashwood erhielt.
Auf Elinor wirkte dies ganz anders. Sie begann sofort zu schlussfolgern, dass Edward, der bei seiner Mutter lebte, wie seine Mutter zu einer Gesellschaft eingeladen werden müsse, die von seiner Schwester gegeben wurde; und ihn zum ersten Mal nach allem, was geschehen war, in Lucys Gesellschaft zu sehen! – sie wusste kaum, wie sie das ertragen sollte!
Diese Befürchtungen waren vielleicht nicht vollständig auf Vernunft und sicherlich überhaupt nicht auf Wahrheit begründet. Sie wurden jedoch nicht durch ihre eigene Erinnerung gelindert, sondern durch den guten Willen von Lucy, die glaubte, eine schwere Enttäuschung zuzufügen, als sie ihr mitteilte, dass Edward am Dienstag sicherlich nicht in der Harley Street sein würde, und sogar hoffte, den Schmerz noch zu vergrößern, indem sie sie davon überzeugte, dass er durch die äußerste Zuneigung zu ihr selbst ferngehalten werde, die er nicht verbergen könne, wenn sie zusammen seien.
Der wichtige Dienstag kam, der die beiden jungen Damen mit dieser beeindruckenden Schwiegermutter bekannt machen sollte.
„Bemitleiden Sie mich, liebe Miss Dashwood!“, sagte Lucy, als sie gemeinsam die Treppe hinaufgingen – denn die Middletons kamen so unmittelbar nach Mrs. Jennings, dass sie alle dem Diener zur gleichen Zeit folgten: – „es ist niemand hier außer Ihnen, der mit mir fühlen kann. Ich erkläre Ihnen, ich kann kaum stehen. Mein Gott! In einem Augenblick werde ich die Person sehen, von der mein ganzes Glück abhängt – die meine Mutter werden soll!“
Elinor hätte ihr sofortige Erleichterung verschaffen können, indem sie die Möglichkeit in den Raum stellte, dass es eher die Mutter von Miss Morton als ihre eigene sei, die sie gleich erblicken würden; aber anstatt dies zu tun, versicherte sie ihr, und zwar mit großer Aufrichtigkeit, dass sie sie tatsächlich bemitleide – zum völligen Erstaunen von Lucy, die, obwohl sie sich selbst wirklich unwohl fühlte, doch zumindest gehofft hatte, ein Objekt unbändigen Neids für Elinor zu sein.
Mrs. Ferrars war eine kleine, dünne Frau, von einer Figur, die bis zur Förmlichkeit aufrecht war, und von einem Wesen, das bis zur Bitterkeit ernst war. Ihr Teint war fahl; und ihre Gesichtszüge waren klein, ohne Schönheit und von Natur aus ohne Ausdruck; aber ein glückliches Zusammenziehen der Brauen hatte ihr Gesicht vor der Schande der Bedeutungslosigkeit bewahrt, indem es ihm die starken Züge von Stolz und Übelwollen verlieh. Sie war keine Frau vieler Worte; denn im Gegensatz zu Menschen im Allgemeinen bemass sie diese nach der Anzahl ihrer Ideen; und von den wenigen Silben, die ihr tatsächlich entfuhren, fiel keine einzige auf Miss Dashwood, die sie mit der entschlossenen Absicht beäugte, sie unter allen Umständen nicht zu mögen.
Elinor konnte durch dieses Verhalten nun nicht mehr unglücklich gemacht werden. Vor ein paar Monaten hätte es sie überaus verletzt; aber es stand nun nicht mehr in der Macht von Mrs. Ferrars, sie damit zu bedrücken; und der Unterschied in ihrem Benehmen gegenüber den Miss Steeles, ein Unterschied, der absichtlich gemacht zu sein schien, um sie noch mehr zu demütigen, amüsierte sie nur. Sie konnte nicht anders, als zu lächeln, als sie die Liebenswürdigkeit sowohl der Mutter als auch der Tochter gegenüber genau jener Person sah – denn Lucy wurde besonders ausgezeichnet –, die sie, hätten sie so viel gewusst wie sie, am allermeisten hätten demütigen wollen; während sie selbst, die vergleichsweise keine Macht hatte, sie zu verletzen, von beiden demonstrativ ignoriert wurde. Aber während sie über eine so fehlgeleitete Liebenswürdigkeit lächelte, konnte sie nicht über die engstirnige Torheit nachdenken, aus der sie entsprang, noch die studierten Aufmerksamkeiten beobachten, mit denen die Miss Steeles deren Fortbestand erschmeichelten, ohne sie alle vier zutiefst zu verachten.
Lucy war voller Jubel darüber, so ehrenvoll ausgezeichnet zu werden; und Miss Steele wollte nur über Dr. Davies gehänselt werden, um vollkommen glücklich zu sein.
Das Abendessen war großartig, die Dienerschaft war zahlreich, und alles zeugte von der Neigung der Herrin zur Pracht und der Fähigkeit des Herrn, diese zu unterstützen. Trotz der Verbesserungen und Ergänzungen, die am Norland-Anwesen vorgenommen wurden, und trotz der Tatsache, dass sein Besitzer einmal um einige tausend Pfund davon entfernt gewesen war, mit Verlust verkaufen zu müssen, gab nichts irgendein Anzeichen für jene Mittellosigkeit, die er daraus hatte ableiten wollen; – keine Armut irgendeiner Art, außer der der Konversation, trat zutage – aber dort war der Mangel beträchtlich. John Dashwood hatte nicht viel für sich zu sagen, was hörenswert gewesen wäre, und seine Frau noch weniger. Aber darin lag keine besondere Schande; denn dies war bei dem Großteil ihrer Besucher sehr der Fall, die fast alle unter der einen oder anderen dieser Disqualifikationen litten, um angenehm zu sein – Mangel an Verstand, ob natürlich oder kultiviert – Mangel an Eleganz – Mangel an Schwung – oder Mangel an Gemüt.
Als sich die Damen nach dem Abendessen in den Salon zurückzogen, wurde diese Armut besonders deutlich, denn die Herren hatten das Gespräch mit etwas Abwechslung bereichert – der Abwechslung von Politik, Landeinhegung und dem Zureiten von Pferden –, aber dann war alles vorbei; und nur ein einziges Thema beschäftigte die Damen, bis der Kaffee kam, nämlich die vergleichbaren Körpergrößen von Harry Dashwood und Lady Middletons zweitem Sohn William, die fast im selben Alter waren.
Wären beide Kinder dort gewesen, hätte die Angelegenheit zu leicht durch sofortiges Messen geklärt werden können; aber da nur Harry anwesend war, blieb es auf beiden Seiten bei mutmaßlichen Behauptungen; und jeder hatte das Recht, in seiner Meinung gleichermaßen bestimmt zu sein und sie so oft zu wiederholen, wie es ihm beliebte.
Die Parteien standen wie folgt:
Die beiden Mütter, obwohl jede tatsächlich überzeugt war, dass ihr eigener Sohn der Größere sei, entschieden höflich zugunsten des anderen.
Die beiden Großmütter, mit nicht weniger Parteilichkeit, aber mehr Aufrichtigkeit, waren gleichermaßen ernsthaft in der Unterstützung ihres eigenen Nachkommen.
Lucy, die kaum weniger darauf bedacht war, dem einen Elternteil zu gefallen als dem anderen, meinte, beide Jungen seien für ihr Alter bemerkenswert groß, und konnte nicht begreifen, dass es den kleinsten Unterschied auf der Welt zwischen ihnen geben könnte; und Miss Steele, mit noch größerem Geschick, gab das Urteil, so schnell sie konnte, zugunsten beider ab.
Elinor, die ihre Meinung einmal zugunsten Williams geäußert hatte, womit sie Mrs. Ferrars und Fanny noch mehr beleidigte, sah nicht die Notwendigkeit, sie durch weitere Behauptungen zu bekräftigen; und Marianne, als sie nach ihrer Meinung gefragt wurde, beleidigte sie alle, indem sie erklärte, sie habe keine Meinung dazu, da sie nie darüber nachgedacht habe.
Vor ihrem Umzug von Norland hatte Elinor ein sehr hübsches Paar Bildschirme für ihre Schwägerin gemalt, die nun gerade gerahmt und nach Hause gebracht worden waren und ihren jetzigen Salon schmückten; und diese Bildschirme, die die Aufmerksamkeit von John Dashwood erregten, als er den anderen Herren in den Raum folgte, wurden von ihm dienstfertig an Colonel Brandon zu dessen Bewunderung weitergereicht.
„Diese sind von meiner ältesten Schwester gemacht“, sagte er; „und Sie als Mann von Geschmack werden, so wage ich zu sagen, Ihre Freude daran haben. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal Gelegenheit hatten, eine ihrer Arbeiten zu sehen, aber sie gilt im Allgemeinen als eine, die außerordentlich gut zeichnet.“
Der Colonel, obwohl er jeden Anspruch auf Kennerschaft von sich wies, bewunderte die Bildschirme herzlich, wie er alles bewundert hätte, was von Miss Dashwood gemalt worden war; und da die Neugier der anderen natürlich geweckt war, wurden sie zur allgemeinen Begutachtung herumgereicht. Mrs. Ferrars, die sich nicht bewusst war, dass es Elinors Werk war, bat besonders darum, einen Blick darauf zu werfen; und nachdem sie das erfreuliche Zeugnis von Lady Middletons Anerkennung erhalten hatten, überreichte Fanny sie ihrer Mutter, wobei sie sie rücksichtsvoll gleichzeitig darüber informierte, dass sie von Miss Dashwood angefertigt worden waren.
„Hm“ – sagte Mrs. Ferrars – „sehr hübsch“ – und gab sie, ohne sie weiter zu beachten, an ihre Tochter zurück.
Vielleicht dachte Fanny für einen Moment, dass ihre Mutter sich ziemlich unhöflich genug verhalten habe – denn sie errötete ein wenig und sagte sofort:
„Sie sind sehr hübsch, Ma'am – nicht wahr?“ Aber dann kam wohl wieder die Angst vor zu viel Höflichkeit, davor, sich selbst zu sehr ermutigend gezeigt zu haben, über sie, denn sie fügte sogleich hinzu:
„Glauben Sie nicht, Ma'am, dass sie etwas im Stil von Miss Mortons Malerei sind? – Sie malt wirklich entzückend! – Wie wunderschön ihre letzte Landschaft gemacht ist!“
„Wunderschön in der Tat! Aber sie macht alles gut.“
Marianne konnte das nicht ertragen. Sie war bereits sehr unwillig über Mrs. Ferrars, und solch ein ungelegenes Lob für eine andere auf Elinors Kosten, auch wenn sie keinerlei Ahnung hatte, was damit eigentlich bezweckt wurde, reizte sie augenblicklich zu der hitzigen Entgegnung:
„Das ist eine Bewunderung von sehr eigentümlicher Art! – Was geht uns Miss Morton an? – Wer kennt sie, wer interessiert sich für sie? – Es ist Elinor, an die wir denken und von der wir sprechen.“
Und während sie das sagte, nahm sie die Wandschirme aus den Händen ihrer Schwägerin, um sie selbst so zu bewundern, wie sie bewundert werden sollten.
Mrs. Ferrars sah überaus aufgebracht aus, richtete sich steifer als je zuvor auf und stieß als Erwiderung diese bittere Philippika hervor: „Miss Morton ist die Tochter von Lord Morton.“
Fanny sah ebenfalls sehr zornig aus, und ihrem Mann war vor der Dreistigkeit seiner Schwester ganz angst und bange. Elinor war durch Mariannes Wärme weit mehr verletzt, als sie es durch das war, was sie ausgelöst hatte; doch der Blick von Colonel Brandon, der auf Marianne ruhte, verriet, dass er an ihr nur das Liebenswürdige wahrnahm, das herzliche Wesen, das es nicht ertragen konnte, eine Schwester auch nur im Geringsten herabgewürdigt zu sehen.
Mariannes Gefühle blieben hier nicht stehen. Die kalte Unverschämtheit von Mrs. Ferrars’ allgemeinem Verhalten gegenüber ihrer Schwester schien ihr für Elinor solche Schwierigkeiten und Nöte vorauszusagen, dass ihr eigenes verwundetes Herz ihr gebot, mit Entsetzen daran zu denken; und von einem starken Impuls liebevoller Empfindsamkeit getrieben, bewegte sie sich nach einem Augenblick zum Stuhl ihrer Schwester, legte ihr einen Arm um den Hals, drückte ihre Wange fest an die ihre und sagte mit leiser, aber eindringlicher Stimme:
„Liebe, liebe Elinor, achte nicht auf sie. Lass dich von ihnen nicht unglücklich machen.“
Sie konnte nicht mehr sagen; ihre Nerven waren völlig überreizt, und ihr Gesicht an Elinors Schulter verbergend, brach sie in Tränen aus. Die Aufmerksamkeit aller wurde geweckt, und fast jeder war besorgt. Colonel Brandon erhob sich und ging auf sie zu, ohne zu wissen, was er tat. Mrs. Jennings reichte ihr mit einem sehr verständnisvollen „Ach! die Arme“ sofort ihre Riechsalze, und Sir John war über den Urheber dieser nervösen Erschütterung so maßlos aufgebracht, dass er augenblicklich seinen Platz neben Lucy Steele einnahm und ihr flüsternd einen kurzen Bericht über die ganze schockierende Angelegenheit gab.
Nach wenigen Minuten hatte Marianne sich jedoch so weit erholt, dass sie der Aufregung ein Ende setzen und sich wieder zu den anderen setzen konnte, obwohl ihre Stimmung den ganzen Abend über den Eindruck des Geschehenen beibehielt.
„Die arme Marianne!“, sagte ihr Bruder mit leiser Stimme zu Colonel Brandon, sobald er seine Aufmerksamkeit gewinnen konnte: „Sie hat nicht eine so gute Gesundheit wie ihre Schwester – sie ist sehr nervös – sie hat nicht Elinors Konstitution; und man muss zugeben, dass es für eine junge Frau, die eine Schönheit war, etwas sehr Betrübliches ist, ihre persönlichen Reize zu verlieren. Sie würden es vielleicht nicht denken, aber Marianne war vor ein paar Monaten bemerkenswert hübsch; ganz so hübsch wie Elinor. Jetzt sehen Sie, es ist alles dahin.“
KAPITEL XXXV.
Elinors Neugier, Mrs. Ferrars zu sehen, war gestillt. Sie hatte in ihr alles gefunden, was dazu beitragen konnte, eine weitere Verbindung zwischen den Familien unerwünscht erscheinen zu lassen. Sie hatte genug von ihrem Hochmut, ihrer Niedertracht und ihrem festen Vorurteil gegen sie selbst gesehen, um all die Schwierigkeiten zu begreifen, die das Verlöbnis und die Heirat von Edward und ihr hätten erschweren und verzögern müssen, wäre er ansonsten frei gewesen; und sie hatte fast genug gesehen, um um ihrer selbst willen dankbar zu sein, dass ein größeres Hindernis sie davor bewahrte, unter irgendeiner anderen von Mrs. Ferrars geschaffenen Schwierigkeit zu leiden, sie vor jeder Abhängigkeit von deren Launen oder jeglicher Sorge um deren gute Meinung bewahrte. Oder zumindest, falls sie sich nicht dazu durchringen konnte, sich darüber zu freuen, dass Edward an Lucy gekettet war, so beschloss sie doch, dass sie sich hätte freuen müssen, wäre Lucy liebenswürdiger gewesen.
Sie wunderte sich, dass Lucys Stimmung durch die Höflichkeit von Mrs. Ferrars so sehr gehoben werden konnte – dass ihr Interesse und ihre Eitelkeit sie so sehr blenden konnten, dass die Aufmerksamkeit, die ihr nur deshalb entgegengebracht zu werden schien, weil sie nicht Elinor war, ihr als ein Kompliment an sie selbst erschien – oder dass sie sich ermutigen ließ durch eine Bevorzugung, die ihr nur zuteilwurde, weil ihre wahre Lage unbekannt war. Doch dass es so war, wurde nicht nur damals durch Lucys Augen verkündet, sondern am nächsten Morgen noch offener ausgesprochen, denn auf ihren besonderen Wunsch ließ Lady Middleton sie in der Berkeley Street absetzen, in der Hoffnung, Elinor allein anzutreffen, um ihr zu erzählen, wie glücklich sie sei.
Die Gelegenheit erwies sich als günstig, denn eine Nachricht von Mrs. Palmer rief Mrs. Jennings kurz nach ihrer Ankunft fort.
„Meine liebe Freundin“, rief Lucy, sobald sie unter sich waren, „ich komme, um mit dir über mein Glück zu sprechen. Könnte etwas so schmeichelhaft sein wie die Art, wie Mrs. Ferrars mich gestern behandelte? So überaus leutselig, wie sie war! Du weißt, wie ich den Gedanken fürchtete, sie zu sehen; aber in dem Augenblick, als ich vorgestellt wurde, lag eine solche Leutseligkeit in ihrem Verhalten, dass es wirklich zu sagen schien, sie hätte Gefallen an mir gefunden. War das nicht so? Du hast alles gesehen; und warst du nicht ganz beeindruckt davon?“
„Sie war sicherlich sehr höflich zu dir.“
„Höflich! – Hast du nichts als nur Höflichkeit gesehen? – Ich sah weitaus mehr. Eine solche Güte, wie sie niemandem außer mir zuteilwurde! – Kein Hochmut, keine Überheblichkeit, und deine Schwester genau so – lauter Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit!“
Elinor wollte von etwas anderem sprechen, doch Lucy drängte sie weiterhin, zuzugeben, dass sie Grund zu ihrem Glück habe; und Elinor sah sich gezwungen, darauf einzugehen.
„Zweifellos, hätten sie von deiner Verlobung gewusst“, sagte sie, „könnte nichts schmeichelhafter sein als ihre Behandlung dir gegenüber; – aber da dies nicht der Fall war –“
„Ich habe mir gedacht, dass du das sagen würdest“, entgegnete Lucy schnell, „aber es gab keinen Grund auf der Welt, warum Mrs. Ferrars so tun sollte, als ob sie mich mag, wenn sie es nicht täte, und dass sie mich mag, ist alles. Du wirst mich nicht von meiner Zufriedenheit abbringen. Ich bin sicher, es wird alles gut ausgehen, und es wird überhaupt keine Schwierigkeiten geben, im Vergleich zu dem, was ich früher dachte. Mrs. Ferrars ist eine bezaubernde Frau, und das ist deine Schwester auch. Sie sind beide wirklich reizende Frauen! – Ich wundere mich, dass ich dich nie sagen hörte, wie angenehm Mrs. Dashwood sei!“
Darauf hatte Elinor keine Antwort, und sie versuchte auch keine.
„Bist du krank, Miss Dashwood? – du wirkst niedergeschlagen – du sprichst nicht; – sicher, du bist nicht wohl.“
„Ich war noch nie bei besserer Gesundheit.“
„Das freut mich von ganzem Herzen; aber wirklich, so hast du nicht ausgesehen. Es täte mir leid, dich krank zu wissen; du, die mir der größte Trost auf der Welt gewesen ist! – Der Himmel weiß, was ich ohne deine Freundschaft getan hätte.“
Elinor versuchte, eine höfliche Antwort zu geben, obwohl sie an ihrem Erfolg zweifelte. Doch es schien Lucy zufrieden zu stellen, denn sie erwiderte sogleich:
„In der Tat bin ich vollkommen überzeugt von deiner Zuneigung zu mir, und nach Edwards Liebe ist sie der größte Trost, den ich habe. Der arme Edward! Aber jetzt gibt es eine gute Sache: Wir werden uns treffen können, und zwar ziemlich oft, denn Lady Middleton ist entzückt von Mrs. Dashwood, also werden wir, wie ich annehme, eine ganze Menge in der Harley Street sein, und Edward verbringt die Hälfte seiner Zeit bei seiner Schwester – außerdem werden Lady Middleton und Mrs. Ferrars sich nun besuchen; – und Mrs. Ferrars und deine Schwester waren beide so gut, mehr als einmal zu sagen, sie würden sich immer freuen, mich zu sehen. Sie sind solche bezaubernden Frauen! – Ich bin sicher, wenn du deiner Schwester jemals sagst, was ich von ihr halte, kannst du nicht zu viel loben.“
Doch Elinor wollte ihr keinerlei Hoffnung machen, dass sie es ihrer Schwester sagen würde. Lucy fuhr fort:
„Ich bin sicher, ich hätte es in einem Augenblick gesehen, wenn Mrs. Ferrars ein Missfallen an mir gefunden hätte. Wenn sie mir zum Beispiel nur einen formellen Knicks gemacht hätte, ohne ein Wort zu sagen, und mich danach nie mehr beachtet und nie auf eine angenehme Art angesehen hätte – du weißt, was ich meine – wenn ich auf diese abweisende Art behandelt worden wäre, hätte ich alles in Verzweiflung aufgegeben. Ich hätte das nicht ertragen können. Denn wo sie jemanden nicht mag, weiß ich, ist es höchst heftig.“
Elinor wurde daran gehindert, auf diesen höflichen Triumph zu antworten, als die Tür aufgerissen wurde, der Diener Mr. Ferrars ankündigte und Edward sofort hereinkam.
Es war ein sehr unbehaglicher Augenblick; und der Gesichtsausdruck eines jeden zeigte, dass dies der Fall war. Sie sahen alle überaus töricht aus, und Edward schien ebenso sehr geneigt zu sein, wieder aus dem Zimmer zu gehen, wie weiter hineinzutreten. Genau der Umstand, den sie in seiner unangenehmsten Form am meisten zu vermeiden gewünscht hätten, war über sie hereingebrochen. – Sie waren nicht nur alle drei zusammen, sondern sie waren zusammen, ohne die Entlastung durch irgendeine andere Person. Die Damen erholten sich zuerst. Es war nicht Lucys Aufgabe, sich in den Vordergrund zu drängen, und der Anschein von Geheimhaltung musste weiterhin gewahrt bleiben. Sie konnte daher nur ihre Zärtlichkeit zeigen und, nachdem sie ihn flüchtig angesprochen hatte, sagte sie nichts weiter.
Doch Elinor hatte mehr zu tun; und so sehr war sie darauf bedacht, um seinetwillen und um ihres eigenen Willens, es gut zu machen, dass sie sich nach einem Augenblick des Sammelns zwang, ihn mit einem Blick und einer Art zu begrüßen, die beinahe ungezwungen und beinahe offen waren; und ein weiterer Kampf, eine weitere Anstrengung verbesserten sie noch. Sie wollte sich nicht durch die Anwesenheit von Lucy noch durch das Bewusstsein einiger Ungerechtigkeit ihr gegenüber davon abhalten lassen, zu sagen, dass sie froh sei, ihn zu sehen, und dass sie es sehr bedauert habe, nicht zu Hause gewesen zu sein, als er zuvor in der Berkeley Street vorgesprochen hatte. Sie wollte sich nicht davon abschrecken lassen, ihm jene Aufmerksamkeiten entgegenzubringen, die ihm als Freund und beinahe Verwandtem zustanden, durch die beobachtenden Augen von Lucy, obwohl sie bald wahrnahm, dass diese sie scharf im Auge behielt.
Ihr Verhalten gab Edward etwas Sicherheit zurück, und er hatte genug Mut, sich zu setzen; doch seine Verlegenheit übertraf die der Damen immer noch in einem Maße, das der Fall vernünftig erscheinen ließ, auch wenn es für sein Geschlecht selten sein mochte; denn sein Herz besaß nicht die Gleichgültigkeit von Lucy, noch konnte sein Gewissen ganz die Ruhe von Elinor haben.
Lucy schien mit einer spröden und gesetzten Miene entschlossen, keinen Beitrag zum Wohlbefinden der anderen zu leisten, und wollte kein Wort sagen; und fast alles, was gesagt wurde, ging von Elinor aus, die sich genötigt sah, all die Informationen über die Gesundheit ihrer Mutter, ihre Ankunft in der Stadt usw. freiwillig zu geben, wonach Edward hätte fragen sollen, es aber nie tat.
Ihre Bemühungen endeten hier nicht; denn sie fühlte sich kurz darauf so heldenhaft gestimmt, dass sie beschloss, unter dem Vorwand, Marianne zu holen, die anderen allein zu lassen; und sie tat es tatsächlich, und zwar auf die eleganteste Weise, denn sie trödelte mit der hochherzigsten Standhaftigkeit mehrere Minuten auf dem Treppenabsatz, bevor sie zu ihrer Schwester ging. Als das jedoch einmal vollbracht war, war es Zeit für das Ende von Edwards Entzücken; denn Mariannes Freude trieb sie sofort in das Wohnzimmer. Ihr Vergnügen, ihn zu sehen, war, wie jedes andere ihrer Gefühle, stark in sich selbst und stark ausgesprochen. Sie empfing ihn mit einer Hand, die sich nehmen ließ, und einer Stimme, die die Zuneigung einer Schwester ausdrückte.
„Lieber Edward!“, rief sie, „das ist ein Moment großen Glücks! – Das würde fast alles wiedergutmachen!“
Edward versuchte, ihre Güte so zu erwidern, wie sie es verdiente, aber vor solchen Zeugen wagte er nicht, die Hälfte von dem zu sagen, was er wirklich empfand. Wieder setzten sie sich alle, und für ein oder zwei Augenblicke waren alle still; während Marianne mit der beredtesten Zärtlichkeit bald Edward, bald Elinor betrachtete und nur bedauerte, dass ihre Freude aneinander durch Lucys unwillkommene Anwesenheit gedämpft wurde. Edward war der Erste, der sprach, und zwar, um Mariannes verändertes Aussehen zu bemerken und seine Befürchtung auszudrücken, dass ihr London nicht zusage.
„Oh, denke nicht an mich!“, erwiderte sie mit schwungvollem Ernst, obwohl sich ihre Augen beim Sprechen mit Tränen füllten, „denke nicht an meine Gesundheit. Elinor ist wohl, wie du siehst. Das muss uns beide genügen.“
Diese Bemerkung war nicht dazu angetan, Edward oder Elinor zu beruhigen, noch das Wohlwollen von Lucy zu gewinnen, die mit keinem sehr gütigen Ausdruck zu Marianne aufsah.
„Gefällt dir London?“, sagte Edward, willens, irgendetwas zu sagen, was ein anderes Thema einleiten könnte.
„Überhaupt nicht. Ich erwartete viel Vergnügen davon, aber ich habe keines gefunden. Der Anblick von dir, Edward, ist der einzige Trost, den es gewährt hat; und dem Himmel sei Dank! du bist, was du immer warst!“
Sie hielt inne – niemand sprach.
„Ich glaube, Elinor“, fügte sie kurz darauf hinzu, „wir müssen Edward beauftragen, sich bei unserer Rückkehr nach Barton um uns zu kümmern. In einer Woche oder zwei, vermute ich, werden wir aufbrechen; und ich vertraue darauf, dass Edward nicht sehr abgeneigt sein wird, den Auftrag anzunehmen.“
Der arme Edward murmelte etwas, aber was es war, wusste niemand, nicht einmal er selbst. Doch Marianne, die seine Erregung sah und sie leicht auf jede ihr genehme Ursache zurückführen konnte, war vollkommen zufrieden und sprach bald von etwas anderem.
„Wir haben gestern einen solchen Tag, Edward, in der Harley Street verbracht! So langweilig, so elend langweilig! – Aber ich habe dir vieles in dieser Hinsicht zu sagen, was jetzt nicht gesagt werden kann.“
Und mit dieser bewundernswerten Diskretion schob sie die Bestätigung ihrer Erkenntnis, dass ihre gemeinsamen Verwandten unangenehmer denn je seien, und dass sie insbesondere von seiner Mutter angewidert sei, auf, bis sie mehr unter sich wären.
„Aber warum warst du nicht dort, Edward? – Warum bist du nicht gekommen?“
„Ich war anderweitig verpflichtet.“
„Verpflichtet! Aber was war das schon, wenn solche Freunde zu treffen waren?“
„Vielleicht, Miss Marianne“, rief Lucy, begierig darauf, sich an ihr zu rächen, „glauben Sie, dass junge Männer sich nie an Verpflichtungen halten, wenn sie keine Lust dazu haben, kleine ebenso wenig wie große.“
Elinor war sehr aufgebracht, aber Marianne schien den Stachel überhaupt nicht zu spüren; denn sie entgegnete ruhig:
„Keineswegs, in der Tat; denn ernsthaft gesprochen bin ich ganz sicher, dass nur das Gewissen Edward von der Harley Street fernhielt. Und ich glaube wirklich, er hat das feinste Gewissen auf der Welt; das gewissenhafteste darin, jede Verpflichtung zu erfüllen, wie geringfügig sie auch sein mag, und wie sehr sie auch gegen sein Interesse oder sein Vergnügen stehen mag. Er ist von allen, die ich je gesehen habe, am wenigsten fähig, anderen Schmerz zuzufügen, Erwartungen zu verletzen, und am wenigsten fähig, selbstsüchtig zu sein. Edward, es ist so, und ich werde es sagen. Was! Sollst du nie hören, wie du gelobt wirst! – Dann darfst du kein Freund von mir sein; denn wer meine Liebe und Achtung annehmen will, muss sich meinem offenen Lob unterwerfen.“
Die Art ihres Lobes war jedoch im vorliegenden Fall besonders schlecht auf die Gefühle von zwei Dritteln ihrer Zuhörer abgestimmt und für Edward so wenig erheiternd, dass er sehr bald aufstand, um zu gehen.
„So bald schon gehen!“, sagte Marianne; „mein lieber Edward, das darf nicht sein.“
Und ihn ein wenig beiseite ziehend, flüsterte sie ihre Überzeugung, dass Lucy nicht mehr lange bleiben könne. Doch selbst diese Ermutigung schlug fehl, denn er wollte gehen; und Lucy, die länger geblieben wäre, hätte sein Besuch zwei Stunden gedauert, ging kurz darauf ebenfalls.
„Was kann sie nur so oft hierher bringen?“, sagte Marianne, als sie sie verließen. „Konnte sie nicht sehen, dass wir wollten, dass sie geht! – wie quälend für Edward!“
„Warum das? – Wir waren alle seine Freunde, und Lucy ist ihm von allen am längsten bekannt. Es ist nur natürlich, dass er sie ebenso gern sehen möchte wie uns.“
Marianne sah sie starr an und sagte: „Du weißt, Elinor, dass dies eine Art zu reden ist, die ich nicht ertragen kann. Wenn du nur hoffst, dass deiner Behauptung widersprochen wird, wie ich annehmen muss, solltest du bedenken, dass ich die letzte Person auf der Welt bin, die das tut. Ich kann mich nicht dazu herablassen, mir Versicherungen erschleichen zu lassen, die nicht wirklich erwünscht sind.“
Sie verließ dann das Zimmer; und Elinor wagte nicht, ihr zu folgen, um mehr zu sagen, denn gebunden, wie sie durch ihr Versprechen der Verschwiegenheit gegenüber Lucy war, konnte sie keine Auskunft geben, die Marianne überzeugt hätte; und so schmerzhaft die Folgen ihres fortwährenden Irrtums auch sein mochten, sie war gezwungen, sich dem zu fügen. Alles, worauf sie hoffen konnte, war, dass Edward sie oder sich selbst nicht oft dem Leid aussetzen würde, Mariannes irrtümliche Wärme zu hören, noch der Wiederholung irgendeines anderen Teils des Schmerzes, der ihre jüngste Begegnung begleitet hatte – und das zu erwarten, hatte sie allen Grund.
KAPITEL XXXVI.
Wenige Tage nach dieser Begegnung verkündeten die Zeitungen der Welt, dass die Gattin von Thomas Palmer, Esq., glücklich von einem Sohn und Erben entbunden worden sei; ein sehr interessanter und erfreulicher Absatz, zumindest für all jene engen Verbindungen, die es schon vorher wussten.
Dieses Ereignis, das für das Glück von Mrs. Jennings von hoher Bedeutung war, bewirkte eine vorübergehende Änderung in ihrer Zeiteinteilung und beeinflusste in gleichem Maße die Verpflichtungen ihrer jungen Freundinnen; denn da sie so viel wie möglich bei Charlotte sein wollte, ging sie jeden Morgen, sobald sie angekleidet war, dorthin und kehrte erst spät am Abend zurück; und die Miss Dashwoods verbrachten auf besonderen Wunsch der Middletons den ganzen Tag in der Conduit Street. Zu ihrem eigenen Wohlbefinden wären sie viel lieber, zumindest den ganzen Vormittag, im Haus von Mrs. Jennings geblieben; doch es war keine Sache, die man gegen die Wünsche aller anderen hätte durchsetzen können. Ihre Stunden wurden daher Lady Middleton und den beiden Miss Steeles überlassen, von denen ihre Gesellschaft in der Tat ebenso wenig geschätzt wurde, wie sie vorgab gesucht zu sein.
Sie hatten zu viel Verstand, um für erstere wünschenswerte Gefährtinnen zu sein; und von letzteren wurden sie mit eifersüchtigem Blick betrachtet, als Eindringlinge in ihr Revier, die an der Zuneigung teilhatten, welche sie für sich allein beanspruchen wollten. Obwohl nichts höflicher sein konnte als das Verhalten von Lady Middleton gegenüber Elinor und Marianne, mochte sie sie in Wirklichkeit gar nicht. Weil sie weder ihr selbst noch ihren Kindern schmeichelten, konnte sie sie nicht für gutmütig halten; und weil sie gern lasen, hielt sie sie für satirisch: vielleicht ohne genau zu wissen, was es bedeutet, satirisch zu sein; doch das spielte keine Rolle. Es war ein Vorwurf im allgemeinen Gebrauch und leichtfertig vorgebracht.
Ihre Anwesenheit war eine Einschränkung sowohl für sie als auch für Lucy. Sie bremste den Müßiggang der einen und das Tun der anderen. Lady Middleton schämte sich, vor ihnen nichts zu tun, und die Schmeichelei, von der Lucy stolz war, dass sie ihr zu anderen Zeiten einfiel und sie sie anwandte, fürchtete sie, würde von ihnen verachtet werden, wenn sie sie nun darbot. Miss Steele war durch ihre Anwesenheit am wenigsten beunruhigt von den dreien; und es lag in ihrer Macht, sie vollständig damit auszusöhnen. Hätte eine von ihnen ihr nur einen vollständigen und detaillierten Bericht über die ganze Angelegenheit zwischen Marianne und Mr. Willoughby gegeben, hätte sie sich für das Opfer des besten Platzes am Kamin nach dem Abendessen, das deren Ankunft verursachte, reichlich belohnt gefühlt. Doch diese Versöhnung wurde ihr nicht gewährt; denn obwohl sie Elinor gegenüber oft Ausdrücke des Mitleids für ihre Schwester fallen ließ und mehr als einmal vor Marianne eine Bemerkung über die Unbeständigkeit von Liebhabern fallen ließ, wurde kein Effekt erzielt, außer einem Blick der Gleichgültigkeit von der ersteren oder des Abscheus bei der letzteren. Eine noch leichtere Anstrengung hätte sie zu ihrer Freundin machen können. Hätten sie sie nur wegen des Doktors ausgelacht! Aber so wenig waren sie, ebenso wenig wie die anderen, geneigt, ihr einen Gefallen zu tun, dass sie, wenn Sir John auswärts speiste, einen ganzen Tag verbringen konnte, ohne irgendeine andere Neckerei zu diesem Thema zu hören, als die, welche sie so freundlich war, sich selbst zuteilwerden zu lassen.
All diese Eifersüchteleien und Unzufriedenheiten wurden jedoch von Mrs. Jennings so völlig übersehen, dass sie es für eine entzückende Sache hielt, wenn die Mädchen zusammen waren; und sie gratulierte ihren jungen Freundinnen jeden Abend dazu, dass sie der Gesellschaft einer dummen alten Frau so lange entgangen waren. Sie gesellte sich manchmal bei Sir John zu ihnen, manchmal in ihrem eigenen Haus; aber wo auch immer es war, sie erschien stets bei bester Laune, voller Freude und Wichtigkeit, führte Charlottes Wohlergehen auf ihre eigene Sorgfalt zurück und war bereit, einen so genauen, so detaillierten Bericht über ihre Lage zu geben, wie ihn nur Miss Steele mit genügend Neugier wissen wollte. Eine Sache beunruhigte sie jedoch; und darüber beschwerte sie sich täglich. Mr. Palmer vertrat die unter seinem Geschlecht verbreitete, aber wenig väterliche Ansicht, dass alle Säuglinge gleich seien; und obwohl sie zu verschiedenen Zeiten die auffallendste Ähnlichkeit zwischen diesem Baby und jedem seiner Verwandten beiderseits deutlich wahrnehmen konnte, war sein Vater davon nicht zu überzeugen; man konnte ihn nicht dazu bringen zu glauben, dass es nicht genau wie jedes andere Baby im gleichen Alter sei; noch konnte man ihn dazu bewegen, die einfache Behauptung anzuerkennen, es sei das schönste Kind der Welt.
Ich komme nun zur Schilderung eines Unglücks, das um diese Zeit Mrs. John Dashwood widerfuhr. Es begab sich, dass, während ihre beiden Schwestern mit Mrs. Jennings sie zum ersten Mal in der Harley Street besuchten, eine andere Bekannte hereingeschneit kam – ein Umstand, der an sich nicht unbedingt geeignet schien, ihr Übel zu bereiten. Aber während die Einbildungskraft anderer Menschen sie dazu hinreißt, sich falsche Urteile über unser Verhalten zu bilden und diese nach oberflächlichen Anzeichen zu beurteilen, muss das eigene Glück in gewissem Maße immer dem Zufall ausgeliefert sein. Im vorliegenden Fall ließ diese zuletzt eingetroffene Dame ihre Fantasie so weit über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit hinausgehen, dass sie, allein beim Hören des Namens der Miss Dashwoods und in dem Verständnis, sie seien Mr. Dashwoods Schwestern, sofort schlussfolgerte, sie würden in der Harley Street wohnen; und diese Fehlinterpretation brachte ein oder zwei Tage später Einladungskarten für sie sowie für ihren Bruder und dessen Frau zu einer kleinen musikalischen Gesellschaft in ihrem Haus hervor. Die Folge davon war, dass Mrs. John Dashwood sich nicht nur der überaus großen Unannehmlichkeit unterziehen musste, ihre Kutsche für die Miss Dashwoods zu schicken, sondern, was noch schlimmer war, sie musste die ganze Unangenehmheit ertragen, den Anschein zu erwecken, sie mit Aufmerksamkeit zu behandeln: und wer konnte sagen, dass sie nicht erwarteten, ein zweites Mal mit ihr auszugehen? Die Macht, sie zu enttäuschen, lag zwar immer bei ihr. Aber das war nicht genug; denn wenn Menschen auf einer Verhaltensweise beharren, von der sie wissen, dass sie falsch ist, fühlen sie sich durch die Erwartung von etwas Besserem von ihrer Seite gekränkt.
Marianne war mittlerweile allmählich so sehr daran gewöhnt, jeden Tag auszugehen, dass es für sie gleichgültig geworden war, ob sie ging oder nicht: und sie bereitete sich still und mechanisch auf jede abendliche Verpflichtung vor, wenn auch ohne von irgendeiner die geringste Unterhaltung zu erwarten, und sehr oft, ohne bis zum letzten Augenblick zu wissen, wohin sie sie führen würde.
Gegenüber ihrer Kleidung und ihrem Äußeren war sie so vollkommen gleichgültig geworden, dass sie ihr während ihrer ganzen Toilette nicht halb so viel Beachtung schenkte, wie sie Miss Steele in den ersten fünf Minuten ihrer Zusammenkunft widmete, wenn sie fertig war. Nichts entging ihrer minutiösen Beobachtung und allgemeinen Neugier; sie sah alles und fragte nach allem; war nie zufrieden, bevor sie den Preis jedes Teils von Mariannes Garderobe kannte; hätte die Anzahl ihrer Kleider insgesamt mit besserem Urteilsvermögen erraten können als Marianne selbst, und hegte nicht ohne Hoffnung, vor ihrer Trennung herauszufinden, wie viel ihr Waschaufwand pro Woche betrug und wie viel sie jedes Jahr für sich selbst auszugeben hatte. Die Unverschämtheit dieser Art von Nachforschungen wurde zudem meist mit einem Kompliment abgeschlossen, das zwar als ihre Art von Liebenswürdigkeit gedacht war, von Marianne jedoch als die größte Unverschämtheit von allen betrachtet wurde; denn nachdem sie eine Untersuchung über Wert und Machart ihres Kleides, die Farbe ihrer Schuhe und die Anordnung ihres Haares über sich ergehen lassen hatte, war sie fast sicher, hören zu müssen, dass sie „bei ihrem Wort, unglaublich schick aussah, und sie wagte zu sagen, sie würde eine ganze Reihe von Eroberungen machen.“
Mit einer solchen Ermutigung wurde sie bei dieser Gelegenheit zu der Kutsche ihres Bruders entlassen; die sie fünf Minuten, nachdem sie vor der Tür gehalten hatte, bereit waren zu besteigen, eine Pünktlichkeit, die ihrer Schwägerin, die ihnen zum Haus ihrer Bekannten vorausgeeilt war, nicht sehr angenehm war und die dort auf eine gewisse Verzögerung ihrerseits gehofft hatte, die entweder ihr selbst oder ihrem Kutscher hätte Unannehmlichkeiten bereiten können.
Die Ereignisse dieses Abends waren nicht sehr bemerkenswert. Die Gesellschaft umfasste, wie andere musikalische Gesellschaften auch, eine ganze Reihe von Leuten, die wirklichen Geschmack für die Darbietungen hatten, und noch viel mehr, die überhaupt keinen hatten; und die Ausführenden selbst waren, wie üblich, nach ihrer eigenen Einschätzung und der ihrer unmittelbaren Freunde, die ersten privaten Darsteller in England.
Da Elinor weder musikalisch war, noch vorgab, es zu sein, machte sie kein Hehl daraus, ihre Augen vom Flügel abzuwenden, wann immer es ihr passte, und, selbst durch die Anwesenheit einer Harfe und eines Violoncellos nicht gehemmt, fixierte sie diese nach Belieben auf jeden anderen Gegenstand im Raum. In einem dieser abschweifenden Blicke bemerkte sie unter einer Gruppe junger Männer genau denjenigen, der ihnen bei Gray’s einen Vortrag über Zahnstocher-Etuis gehalten hatte. Sie nahm kurz darauf wahr, wie er sie ansah und vertraulich zu ihrem Bruder sprach; und hatte gerade beschlossen, von letzterem seinen Namen herauszufinden, als sie beide auf sie zukamen und Mr. Dashwood ihn ihr als Mr. Robert Ferrars vorstellte.
Er sprach sie mit lockerer Höflichkeit an und verdrehte seinen Kopf zu einer Verbeugung, die ihr so deutlich wie Worte hätte sagen können, dass er genau der Geck war, als den sie ihn von Lucy beschrieben gehört hatte. Glücklich wäre sie gewesen, wenn ihre Wertschätzung für Edward weniger von seinem eigenen Verdienst als von dem Verdienst seiner nächsten Verwandten abgehangen hätte! Denn dann hätte die Verbeugung seines Bruders dem, was die Übellaunigkeit seiner Mutter und Schwester begonnen hätte, den letzten Schliff gegeben. Doch während sie sich über den Unterschied der beiden jungen Männer wunderte, stellte sie nicht fest, dass die Leere und Einbildung des einen sie von der Bescheidenheit und dem Wert des anderen abbringen würde. Warum sie verschieden waren, erklärte ihr Robert selbst im Laufe einer viertelstündigen Unterhaltung; denn als er von seinem Bruder sprach und die extreme Ungeschicklichkeit beklagte, von der er wirklich glaubte, sie halte ihn davon ab, sich in der richtigen Gesellschaft zu bewegen, schrieb er dies offen und großzügig viel weniger einem natürlichen Mangel zu als dem Unglück einer privaten Erziehung; während er selbst, obwohl wahrscheinlich ohne besondere, wesentliche Überlegenheit von Natur aus, allein durch den Vorteil einer öffentlichen Schule so gut in die Welt passte wie jeder andere Mann.
„Bei meiner Seele“, fügte er hinzu, „ich glaube, es ist nichts anderes; und so sage ich es meiner Mutter oft, wenn sie sich darüber grämt. ‚Meine liebe Madam‘, sage ich immer zu ihr, ‚Sie müssen sich beruhigen. Das Übel ist nun nicht mehr wiedergutzumachen, und es ist ganz und gar Ihr eigenes Werk gewesen. Warum ließen Sie sich von meinem Onkel, Sir Robert, gegen Ihr eigenes Urteil überreden, Edward in der kritischsten Zeit seines Lebens in Privatunterricht zu geben? Wenn Sie ihn nur ebenso wie mich nach Westminster geschickt hätten, statt ihn zu Mr. Pratt zu schicken, wäre das alles verhindert worden.‘ So betrachte ich die Angelegenheit immer, und meine Mutter ist vollkommen von ihrem Irrtum überzeugt.“
Elinor wollte seiner Meinung nicht widersprechen, denn was auch immer ihre allgemeine Einschätzung des Vorteils einer öffentlichen Schule sein mochte, sie konnte nicht ohne Zufriedenheit an Edwards Aufenthalt in Mr. Pratts Familie denken.
„Sie wohnen in Devonshire, glaube ich“, war seine nächste Bemerkung, „in einem Cottage in der Nähe von Dawlish.“
Elinor korrigierte ihn bezüglich der Lage; und es schien ihm ziemlich überraschend, dass irgendjemand in Devonshire leben konnte, ohne in der Nähe von Dawlish zu wohnen. Er zollte ihrer Art von Haus jedoch seine herzliche Anerkennung.
„Was mich betrifft“, sagte er, „ich bin übermäßig vernarrt in ein Cottage; es gibt immer so viel Komfort, so viel Eleganz um sie herum. Und ich versichere Ihnen, wenn ich etwas Geld übrig hätte, würde ich ein wenig Land kaufen und selbst eines bauen, in kurzer Entfernung von London, wo ich jederzeit selbst hinfahren, ein paar Freunde um mich versammeln und glücklich sein könnte. Ich rate jedem, der bauen will, ein Cottage zu bauen. Mein Freund Lord Courtland kam neulich eigens zu mir, um meinen Rat einzuholen, und legte mir drei verschiedene Pläne von Bonomi vor. Ich sollte über den besten entscheiden. ‚Mein lieber Courtland‘, sagte ich, während ich sie sofort alle ins Feuer warf, ‚übernimm keinen von ihnen, aber baue auf jeden Fall ein Cottage.‘ Und das, so denke ich, wird das Ende davon sein.
Einige Leute stellen sich vor, dass es in einem Cottage keine Unterkunft, keinen Platz geben kann; aber das ist alles ein Irrtum. Ich war letzten Monat bei meinem Freund Elliott in der Nähe von Dartford. Lady Elliott wollte einen Tanz geben. ‚Aber wie kann das gemacht werden?‘ sagte sie; ‚mein lieber Ferrars, sagen Sie mir doch, wie man das bewerkstelligen kann. Es gibt keinen Raum in diesem Cottage, der zehn Paare fasst, und wo kann das Abendessen sein?‘ Ich sah sofort, dass es keine Schwierigkeiten geben konnte, also sagte ich: ‚Meine liebe Lady Elliott, seien Sie unbesorgt. Das Esszimmer wird achtzehn Paare mit Leichtigkeit aufnehmen; Kartentische können im Wohnzimmer aufgestellt werden; die Bibliothek kann für Tee und andere Erfrischungen geöffnet sein; und lassen Sie das Abendessen im Salon servieren.‘ Lady Elliott war von dem Gedanken begeistert. Wir vermaßen das Esszimmer und stellten fest, dass es genau achtzehn Paare fassen würde, und die Angelegenheit wurde genau nach meinem Plan arrangiert. Sodass Sie, in der Tat, sehen, wenn die Leute nur wissen, wie man es angeht, kann jeder Komfort in einem Cottage genauso genossen werden wie in einem geräumigeren Wohnsitz.“
Elinor stimmte allem zu, denn sie fand nicht, dass er das Kompliment eines vernünftigen Widerspruchs verdiente.
Da John Dashwood ebenso wenig Freude an Musik hatte wie seine älteste Schwester, war sein Geist ebenso frei, sich auf alles andere zu fixieren; und während des Abends kam ihm ein Gedanke, den er seiner Frau zur Billigung mitteilte, als sie nach Hause kamen. Die Überlegung von Mrs. Dennisons Irrtum, seine Schwestern für ihre Gäste zu halten, hatte die Angemessenheit nahegelegt, sie wirklich dazu einzuladen, während Mrs. Jennings’ Verpflichtungen sie von zu Hause fernhielten. Die Kosten wären gleich null, die Unannehmlichkeit nicht größer; und es war insgesamt eine Aufmerksamkeit, die sein gewissenhaftes Gewissen als notwendig erachtete für seine vollständige Befreiung von seinem Versprechen an seinen Vater. Fanny war von dem Vorschlag überrascht.
„Ich sehe nicht, wie das geschehen kann“, sagte sie, „ohne Lady Middleton zu kränken, denn sie verbringen jeden Tag bei ihr; andernfalls wäre ich außerordentlich froh, es zu tun. Sie wissen, ich bin immer bereit, ihnen jede Aufmerksamkeit zu erweisen, die in meiner Macht steht, wie mein Ausführen heute Abend zeigt. Aber sie sind Lady Middletons Gäste. Wie kann ich sie bitten, von ihr wegzugehen?“
Ihr Ehemann sah jedoch mit großer Demut die Stärke ihres Einwands nicht ein. „Sie hatten bereits eine Woche auf diese Weise in der Conduit Street verbracht, und Lady Middleton konnte nicht darüber verärgert sein, dass sie ihren so nahen Verwandten die gleiche Anzahl von Tagen widmeten.“
Fanny hielt einen Moment inne und sagte dann mit frischem Elan:
„Mein Lieber, ich würde sie von ganzem Herzen einladen, wenn es in meiner Macht stünde. Aber ich hatte gerade bei mir beschlossen, die Miss Steeles zu bitten, ein paar Tage bei uns zu verbringen. Sie sind sehr wohlerzogene, nette Art von Mädchen; und ich denke, die Aufmerksamkeit gebührt ihnen, da ihr Onkel so sehr gut zu Edward war. Wir können Ihre Schwestern in einem anderen Jahr einladen, wissen Sie; aber die Miss Steeles sind vielleicht nicht mehr in der Stadt. Ich bin sicher, Sie werden sie mögen; tatsächlich mögen Sie sie ja bereits sehr, und meine Mutter auch; und sie sind solche Lieblinge bei Harry!“
Mr. Dashwood war überzeugt. Er sah die Notwendigkeit, die Miss Steeles sofort einzuladen, und sein Gewissen wurde durch den Entschluss beruhigt, seine Schwestern ein anderes Jahr einzuladen; während er gleichzeitig jedoch insgeheim vermutete, dass ein anderes Jahr die Einladung überflüssig machen würde, indem es Elinor als Colonel Brandons Frau und Marianne als deren Besuch in die Stadt bringen würde.
Fanny, die sich über ihre Entkommung freute und stolz auf den schnellen Witz war, der sie bewirkt hatte, schrieb am nächsten Morgen an Lucy, um sie und ihre Schwester für einige Tage in die Harley Street einzuladen, sobald Lady Middleton auf sie verzichten konnte. Das war genug, um Lucy wirklich und vernünftigerweise glücklich zu machen. Mrs. Dashwood schien tatsächlich selbst für sie zu arbeiten; all ihre Hoffnungen zu hegen und all ihre Absichten zu fördern! Eine solche Gelegenheit, bei Edward und seiner Familie zu sein, war vor allem anderen das Wesentlichste für ihr Interesse, und eine solche Einladung das Erfreulichste für ihre Gefühle! Es war ein Vorteil, der nicht dankbar genug anerkannt und nicht schnell genug genutzt werden konnte; und der Besuch bei Lady Middleton, der zuvor keine genauen Grenzen gehabt hatte, stellte sich sofort als schon immer darauf ausgelegt heraus, nach zwei Tagen zu enden.
Als Elinor die Notiz gezeigt wurde, was innerhalb von zehn Minuten nach ihrer Ankunft geschah, gab sie ihr zum ersten Mal einen Anteil an Lucys Erwartungen; denn ein solches Zeichen von ungewöhnlicher Freundlichkeit, das bei so kurzer Bekanntschaft gewährt wurde, schien zu erklären, dass der gute Wille ihr gegenüber aus etwas anderem als bloßer Bosheit ihr selbst gegenüber entstand; und könnte durch Zeit und Geschick dazu gebracht werden, alles zu tun, was Lucy wünschte. Ihre Schmeichelei hatte bereits den Stolz von Lady Middleton bezwungen und einen Eintritt in das verschlossene Herz von Mrs. John Dashwood gefunden; und das waren Wirkungen, die die Wahrscheinlichkeit von größeren eröffneten.
Die Miss Steeles zogen in die Harley Street um, und alles, was von ihrem Einfluss dort zu Elinor drang, verstärkte ihre Erwartung des Ereignisses. Sir John, der sie mehr als einmal besuchte, brachte solche Berichte von der Gunst, in der sie standen, mit nach Hause, wie sie allgemein auffallend sein mussten. Mrs. Dashwood war noch nie so sehr von jungen Frauen in ihrem Leben angetan gewesen wie von ihnen; hatte jeder von ihnen ein Nadelbuch geschenkt, das von einem Emigranten gefertigt war; nannte Lucy bei ihrem Vornamen; und wusste nicht, ob sie sich jemals von ihnen würde trennen können.
ENDE DES ZWEITEN BANDES
KAPITEL XXXVII.
Mrs. Palmer ging es nach zwei Wochen so gut, dass ihre Mutter es nicht mehr für notwendig hielt, ihre ganze Zeit ihr zu widmen; und da sie sich damit begnügte, sie ein- oder zweimal am Tag zu besuchen, kehrte sie ab diesem Zeitpunkt in ihr eigenes Heim und ihre eigenen Gewohnheiten zurück, in denen sie die Miss Dashwoods sehr bereit fand, ihren früheren Anteil wieder aufzunehmen.
Etwa am dritten oder vierten Morgen, nachdem sie sich so in der Berkeley Street wieder eingelebt hatten, kam Mrs. Jennings von ihrem gewöhnlichen Besuch bei Mrs. Palmer zurück und betrat das Wohnzimmer, wo Elinor alleine saß, mit einer Mine solcher eiligen Wichtigkeit, die diese darauf vorbereitete, etwas Wunderbares zu hören; und ihr nur Zeit lassend, diese Vorstellung zu bilden, begann sie direkt, sie zu rechtfertigen, indem sie sagte:
„Gott! meine liebe Miss Dashwood! haben Sie die Neuigkeiten gehört?“
„Nein, Ma’am. Was ist es?“
„Etwas so Seltsames! Aber Sie sollen alles hören. Als ich zu Mr. Palmers kam, fand ich Charlotte ganz in Aufregung wegen des Kindes. Sie war sicher, es sei sehr krank – es schrie und quengelte und war voller Pickelchen. Also schaute ich es mir sofort an, und ‚Gott! meine Liebe‘, sagte ich, ‚es ist nichts auf der Welt als der Rote Friesel‘; und die Kinderfrau sagte genau dasselbe. Aber Charlotte wollte sich nicht zufriedengeben, also wurde nach Mr. Donavan geschickt; und glücklicherweise war er gerade aus der Harley Street gekommen, also kam er direkt herüber, und sobald er das Kind sah, sagte er genau wie wir, dass es nichts auf der Welt als der Rote Friesel sei, und dann war Charlotte beruhigt. Und so, gerade als er wieder gehen wollte, kam mir in den Sinn, ich weiß wahrlich nicht, wie ich darauf kam, aber es kam mir in den Sinn, ihn zu fragen, ob es irgendwelche Neuigkeiten gäbe. Daraufhin grinste und lächelte er, sah ernst aus und schien etwas zu wissen oder dergleichen, und schließlich sagte er flüsternd: ‚Aus Furcht, dass irgendein unangenehmer Bericht über das Unwohlsein ihrer Schwester die jungen Damen in Ihrer Obhut erreichen könnte, halte ich es für ratsam zu sagen, dass ich glaube, es gibt keinen großen Grund zur Beunruhigung; ich hoffe, Mrs. Dashwood wird es sehr bald wieder gut gehen.‘“
„Was! Ist Fanny krank?“
„Das ist genau das, was ich sagte, meine Liebe. ‚Gott!‘, sage ich, ‚ist Mrs. Dashwood krank?‘ Also kam dann alles heraus; und das A und O der Angelegenheit, nach allem, was ich in Erfahrung bringen konnte, scheint dies zu sein. Mr. Edward Ferrars, der sehr junge Mann, wegen dem ich dich immer aufzog (aber wie es sich herausstellt, bin ich ungeheuer froh, dass nie etwas daran war), Mr. Edward Ferrars, scheint seit über einem Jahr mit meiner Cousine Lucy verlobt zu sein! – Da hast du es, meine Liebe! Und kein Mensch wusste ein Sterbenswörtchen von der Sache, außer Nancy! Hättest du eine solche Sache für möglich gehalten? Es ist kein großes Wunder, dass sie einander mögen; aber dass die Dinge so weit zwischen ihnen gediehen sind und niemand es ahnte! Das ist merkwürdig! Ich habe sie nie zusammen gesehen, sonst hätte ich es sicher sofort herausgefunden. Nun, und so wurde dies als großes Geheimnis bewahrt, aus Furcht vor Mrs. Ferrars, und weder sie noch dein Bruder oder deine Schwester ahnten ein Wort von der Sache: bis Nancy, die, wie du weißt, ein gutmütiges Geschöpf ist, aber kein Genie, heute Morgen alles herausplatzte. ‚Gott!‘, denkt sie bei sich, ‚sie sind alle so vernarrt in Lucy, sie werden sicher keine Schwierigkeiten deswegen machen;‘ und so ging sie zu deiner Schwester, die ganz allein bei ihrer Teppicharbeit saß und nicht ahnte, was kommen würde – denn sie hatte gerade fünf Minuten zuvor zu deinem Bruder gesagt, dass sie beabsichtige, eine Verbindung zwischen Edward und der Tochter irgendeines Lords oder so zu stiften, ich habe vergessen, wessen. Du kannst dir also vorstellen, was für ein Schlag das für all ihre Eitelkeit und ihren Stolz war. Sie fiel sofort in heftige Hysterien, mit solchen Schreien, die die Ohren deines Bruders erreichten, als er unten in seinem Ankleidezimmer saß und darüber nachdachte, einen Brief an seinen Verwalter auf dem Land zu schreiben. Also stürmte er sofort hinauf, und eine schreckliche Szene spielte sich ab, denn Lucy war zu jener Zeit bereits bei ihnen und ahnte nicht im Geringsten, was vor sich ging. Armes Ding! Ich bemitleide sie. Und ich muss sagen, ich finde, sie wurde sehr hart behandelt; denn deine Schwester schimpfte wie eine Furie und trieb sie bald in einen Ohnmachtsanfall. Nancy, sie fiel auf die Knie und weinte bitterlich; und dein Bruder, er ging im Zimmer auf und ab und sagte, er wisse nicht, was er tun solle. Mrs. Dashwood erklärte, sie sollten keine Minute länger im Haus bleiben, und dein Bruder war gezwungen, sich ebenfalls auf die Knie zu werfen, um sie zu überreden, sie bleiben zu lassen, bis sie ihre Kleider gepackt hatten. Dann fiel sie wieder in Hysterien, und er war so erschrocken, dass er nach Mr. Donavan schicken wollte, und Mr. Donavan fand das Haus in all diesem Aufruhr vor. Die Kutsche stand vor der Tür, bereit, meine armen Cousinen wegzubringen, und sie stiegen gerade ein, als er ankam; die arme Lucy in einem solchen Zustand, sagt er, sie konnte kaum gehen; und Nancy, ihr ging es fast genauso schlecht. Ich versichere dir, ich habe keine Geduld mit deiner Schwester; und ich hoffe von ganzem Herzen, dass es trotz ihr eine Heirat geben wird. Gott! Was für eine Aufregung wird der arme Mr. Edward haben, wenn er davon hört! Dass seine Liebe so schmählich behandelt wird! Denn sie sagen, er sei ungeheuer vernarrt in sie, wie es sich gehört. Ich würde mich nicht wundern, wenn er in die größte Wut geraten würde! – und Mr. Donavan denkt genau dasselbe. Er und ich hatten eine lange Unterhaltung darüber; und das Beste von allem ist, dass er zurück nach Harley Street gegangen ist, damit er abrufbereit ist, wenn Mrs. Ferrars davon erfährt, denn nach ihr wurde geschickt, sobald meine Cousinen das Haus verlassen hatten, da deine Schwester sicher war, dass sie auch hysterisch werden würde; und das mag sie meinetwegen auch. Ich habe kein Mitleid mit einer von beiden. Ich habe keinen Begriff davon, dass Leute ein solches Aufheben um Geld und Größe machen. Es gibt keinen Grund auf Erden, warum Mr. Edward und Lucy nicht heiraten sollten; denn ich bin sicher, Mrs. Ferrars kann es sich sehr wohl leisten, ihren Sohn gut zu versorgen, und obwohl Lucy selbst so gut wie nichts hat, versteht sie es besser als jeder andere, das Beste aus allem zu machen; ich wette, wenn Mrs. Ferrars ihm nur fünfhundert Pfund im Jahr zugestehen würde, würde sie damit ebenso gut dastehen wie jeder andere mit achthundert. Gott! Wie gemütlich könnten sie in einem Häuschen wie dem euren leben – oder ein wenig größer – mit zwei Dienstmädchen und zwei Männern; und ich glaube, ich könnte ihnen zu einem Hausmädchen verhelfen, denn meine Betty hat eine Schwester ohne Anstellung, die genau für sie passen würde.“
Hier verstummte Mrs. Jennings, und da Elinor Zeit genug gehabt hatte, ihre Gedanken zu sammeln, war sie in der Lage, eine solche Antwort zu geben und solche Beobachtungen zu machen, wie sie das Thema natürlicherweise hervorrufen mochte. Glücklich darüber, dass man sie nicht verdächtigte, ein außergewöhnliches Interesse daran zu haben; dass Mrs. Jennings (wie sie in letzter Zeit oft gehofft hatte, es möge der Fall sein) aufgehört hatte, sie für in Edward verliebt zu halten; und vor allem glücklich über die Abwesenheit Mariannes, fühlte sie sich sehr wohl in der Lage, ohne Verlegenheit über die Angelegenheit zu sprechen und, wie sie glaubte, mit Unparteilichkeit ihr Urteil über das Verhalten aller Beteiligten abzugeben.
Sie konnte kaum bestimmen, was ihre eigene Erwartung über den Ausgang wirklich war; obwohl sie ernsthaft versuchte, die Vorstellung zu vertreiben, es könne letztendlich anders enden als mit der Heirat von Edward und Lucy. Was Mrs. Ferrars sagen und tun würde, obwohl es über die Art keinen Zweifel geben konnte, war sie begierig zu hören; und noch begieriger zu wissen, wie Edward sich verhalten würde. Für ihn empfand sie viel Mitleid; für Lucy sehr wenig – und es kostete sie einige Mühe, dieses wenige aufzubringen –; für den Rest der Gesellschaft keineswegs.
Da Mrs. Jennings über kein anderes Thema sprechen konnte, sah Elinor bald die Notwendigkeit, Marianne auf die Erörterung vorzubereiten. Es durfte keine Zeit verloren werden, sie zu täuschen, sie mit der wirklichen Wahrheit vertraut zu machen und zu versuchen, sie dazu zu bringen, andere darüber sprechen zu hören, ohne zu verraten, dass sie irgendein Unbehagen wegen ihrer Schwester oder irgendeinen Groll gegen Edward empfand.
Elinors Aufgabe war eine schmerzhafte. – Sie war im Begriff, das zu entfernen, was sie wirklich für den Haupttrost ihrer Schwester hielt – Details über Edward zu geben, von denen sie fürchtete, sie würden ihn in ihrer guten Meinung für immer ruinieren – und Marianne durch eine Ähnlichkeit in ihrer Situation, die ihrer Fantasie stark erscheinen würde, all ihre eigene Enttäuschung wieder fühlen zu lassen. Aber so unwillkommen eine solche Aufgabe auch sein musste, sie war notwendig, und Elinor eilte daher, sie zu erfüllen.
Sie war sehr weit davon entfernt, auf ihre eigenen Gefühle einzugehen oder sich als sehr leidend darzustellen, es sei denn, wie die Selbstbeherrschung, die sie seit ihrer ersten Kenntnis von Edwards Verlobung praktiziert hatte, einen Hinweis darauf geben mochte, was für Marianne praktikabel war. Ihre Erzählung war klar und einfach; und obwohl sie nicht ohne Emotion vorgetragen werden konnte, war sie nicht von heftiger Erregung oder ungestümem Kummer begleitet. Das gehörte eher der Zuhörerin, denn Marianne hörte mit Entsetzen zu und weinte maßlos. Elinor musste die Trösterin anderer in ihren eigenen Nöten sein, nicht weniger als in deren; und all der Trost, der durch die Zusicherung ihrer eigenen Gemütsruhe und eine sehr ernste Verteidigung Edwards gegen jeden Vorwurf außer dem der Unbesonnenheit gegeben werden konnte, wurde bereitwillig angeboten.
Aber Marianne wollte für einige Zeit weder dem einen noch dem anderen Glauben schenken. Edward schien ein zweiter Willoughby; und da Elinor zugab, ihn aufrichtig geliebt zu haben, konnte sie weniger fühlen als sie selbst! Was Lucy Steele betraf, so hielt sie sie für derart absolut liebenswürdig, so absolut unfähig, einen vernünftigen Mann an sich zu binden, dass sie anfangs nicht überzeugt werden konnte, zu glauben und später zu verzeihen, dass Edward jemals eine Zuneigung für sie gehegt hatte. Sie wollte nicht einmal zugeben, dass es natürlich gewesen sei; und Elinor überließ es ihr, davon überzeugt zu werden, durch das, was sie allein überzeugen konnte: eine bessere Menschenkenntnis.
Ihre erste Mitteilung war nicht weiter gegangen, als die Tatsache der Verlobung und die Zeitdauer ihres Bestehens darzulegen. – Mariannes Gefühle waren dann eingebrochen und hatten jeglicher Regelmäßigkeit der Einzelheiten ein Ende gesetzt; und einige Zeit lang konnte man nur ihren Kummer lindern, ihre Ängste mildern und ihren Groll bekämpfen. Die erste Frage ihrerseits, die zu weiteren Einzelheiten führte, war:
„Wie lange ist dir das bekannt, Elinor? Hat er dir geschrieben?“
„Ich weiß es seit vier Monaten. Als Lucy letzten November zum ersten Mal nach Barton Park kam, erzählte sie mir im Vertrauen von ihrer Verlobung.“
Bei diesen Worten drückten Mariannes Augen das Erstaunen aus, das ihre Lippen nicht aussprechen konnten. Nach einer Pause des Staunens rief sie aus:
„Vier Monate! – Weißt du das schon seit vier Monaten?“
Elinor bestätigte es.
„Was! Während du mich in all meinem Elend betreut hast, lag dies auf deinem Herzen? Und ich habe dir vorgeworfen, glücklich zu sein!“
„Es war nicht angemessen, dass du damals wusstest, wie sehr ich das Gegenteil war!“
„Vier Monate!“, rief Marianne erneut. „So ruhig! So fröhlich! Wie hast du das ausgehalten?“
„Indem ich fühlte, dass ich meine Pflicht tat. – Mein Versprechen an Lucy zwang mich zum Schweigen. Ich war es ihr also schuldig, keinen Hinweis auf die Wahrheit zu geben; und ich war es meiner Familie und meinen Freunden schuldig, in ihnen keine Sorge um mich zu wecken, die ich nicht befriedigen konnte.“
Marianne schien sehr beeindruckt.
„Ich habe mir sehr oft gewünscht, dich und meine Mutter zu täuschen“, fügte Elinor hinzu; „und ein oder zweimal habe ich es versucht – aber ohne mein Vertrauen zu verraten, hätte ich euch nie überzeugen können.“
„Vier Monate! Und doch hast du ihn geliebt!“
„Ja. Aber ich liebte nicht nur ihn; und während mir der Trost anderer am Herzen lag, war ich froh, ihnen zu ersparen, wie sehr ich fühlte. Jetzt kann ich mit wenig Aufregung daran denken und darüber sprechen. Ich möchte nicht, dass du meinetwegen leidest; denn ich versichere dir, ich leide selbst nicht mehr wesentlich. Ich habe viele Dinge, die mich stützen. Ich bin mir nicht bewusst, die Enttäuschung durch irgendeine eigene Unbesonnenheit provoziert zu haben, ich habe sie so gut wie möglich ertragen, ohne sie weiter zu verbreiten. Ich spreche Edward von wesentlichem Fehlverhalten frei. Ich wünsche ihm viel Glück; und ich bin mir seiner ständigen Pflichterfüllung so sicher, dass er, auch wenn er jetzt noch Bedauern hegen mag, am Ende dazu werden muss. Lucy mangelt es nicht an Verstand, und das ist das Fundament, auf dem alles Gute aufgebaut werden kann. Und schließlich, Marianne, nach allem, was an der Idee einer einzigen und beständigen Bindung bezaubernd ist, und nach allem, was man über das Glück sagen kann, das ganz von einer bestimmten Person abhängt, so ist es nicht gemeint – es ist nicht angemessen – es ist nicht möglich, dass es so sein sollte. Edward wird Lucy heiraten; er wird eine Frau heiraten, die an Gestalt und Verstand der Hälfte ihres Geschlechts überlegen ist; und Zeit und Gewohnheit werden ihn lehren zu vergessen, dass er jemals eine andere für ihr überlegen hielt.“
„Wenn das deine Denkweise ist“, sagte Marianne, „wenn der Verlust dessen, was am meisten geschätzt wird, so leicht durch etwas anderes wettgemacht werden kann, sind deine Entschlossenheit, deine Selbstbeherrschung vielleicht ein wenig weniger verwunderlich. – Sie sind für mich verständlicher geworden.“
„Ich verstehe dich. Du glaubst nicht, dass ich jemals viel gefühlt habe. Vier Monate lang, Marianne, habe ich all dies auf meinem Herzen getragen, ohne die Freiheit zu haben, mit irgendeinem Geschöpf darüber zu sprechen; wissend, dass es dich und meine Mutter höchst unglücklich machen würde, wann immer es euch erklärt würde, doch unfähig, euch auch nur im Geringsten darauf vorzubereiten. Es wurde mir erzählt – es wurde mir gewissermaßen von der Person selbst aufgezwungen, deren frühere Verlobung alle meine Aussichten ruinierte; und mir erzählt, wie ich glaubte, mit Triumph. Den Verdacht dieser Person musste ich also bekämpfen, indem ich versuchte, gleichgültig zu erscheinen, wo ich am tiefsten interessiert war; und es war nicht nur einmal; ich musste mir ihre Hoffnungen und ihre Exultation immer und immer wieder anhören. Ich wusste, dass ich für immer von Edward getrennt war, ohne einen Umstand zu hören, der mich die Verbindung weniger wünschen ließe. Nichts hat ihn unwürdig erwiesen; noch hat irgendetwas ihn mir gegenüber gleichgültig erklärt. Ich musste gegen die Unfreundlichkeit seiner Schwester und die Unverschämtheit seiner Mutter ankämpfen; und habe die Strafe einer Bindung erlitten, ohne ihre Vorteile zu genießen. Und all dies geschah zu einer Zeit, in der es, wie du nur zu gut weißt, nicht mein einziges Unglück war. Wenn du mich für fähig hältst, jemals etwas zu fühlen, dann kannst du sicher annehmen, dass ich jetzt gelitten habe. Die Gemütsruhe, mit der ich mich im Augenblick dazu gebracht habe, die Angelegenheit zu betrachten, der Trost, den ich bereit war zuzulassen, waren das Ergebnis ständiger und schmerzhafter Anstrengung; sie entsprangen nicht von selbst; sie traten nicht auf, um meine Stimmung zuerst zu entlasten. Nein, Marianne. Wenn ich damals nicht zum Schweigen verpflichtet gewesen wäre, hätte mich vielleicht nichts ganz davon abgehalten – nicht einmal das, was ich meinen liebsten Freunden schuldig war – offen zu zeigen, dass ich sehr unglücklich war.“
Marianne war völlig bezwungen.
„Oh! Elinor“, rief sie, „du hast mich dazu gebracht, mich für immer zu hassen. – Wie barbarisch bin ich zu dir gewesen! – du, die du mein einziger Trost warst, die du mich in all meinem Elend ertragen hast, die du nur für mich zu leiden schienst! – Ist das meine Dankbarkeit? – Ist das die einzige Erwiderung, die ich dir geben kann? – Weil dein Verdienst mich selbst anklagt, habe ich versucht, es abzutun.“
Die zärtlichsten Liebkosungen folgten diesem Geständnis. In einer solchen Gemütsverfassung, wie sie jetzt war, hatte Elinor keine Schwierigkeit, von ihr jedes Versprechen zu erhalten, das sie verlangte; und auf ihre Bitte hin verpflichtete sich Marianne, nie mit dem geringsten Anschein von Bitterkeit mit jemandem über die Angelegenheit zu sprechen; Lucy ohne Verrat der kleinsten Zunahme von Abneigung gegen sie zu begegnen; und sogar Edward selbst, sollte der Zufall sie zusammenbringen, ohne jede Minderung ihrer üblichen Herzlichkeit zu sehen. Dies waren große Zugeständnisse; aber wo Marianne fühlte, dass sie Unrecht getan hatte, konnte keine Wiedergutmachung zu viel für sie sein.
Sie erfüllte ihr Versprechen, diskret zu sein, bewundernswert. – Sie hörte sich alles an, was Mrs. Jennings zu dem Thema zu sagen hatte, mit unveränderter Gesichtsfarbe, widersprach ihr in nichts und wurde dreimal dabei gehört, wie sie sagte: „Ja, gnädige Frau.“ – Sie hörte sich ihr Lob über Lucy an, ohne sich von einem Stuhl zum anderen zu bewegen, und wenn Mrs. Jennings von Edwards Zuneigung sprach, kostete es sie nur einen Krampf im Hals. Solche Fortschritte in Richtung Heldentum bei ihrer Schwester ließen Elinor sich selbst jeder Sache gewachsen fühlen.
Der nächste Morgen brachte eine weitere Prüfung durch einen Besuch ihres Bruders, der mit sehr ernster Miene kam, um die schreckliche Angelegenheit zu besprechen und ihnen Neuigkeiten von seiner Frau zu bringen.
„Sie haben wohl gehört“, sagte er mit großer Feierlichkeit, sobald er saß, „von der sehr schockierenden Entdeckung, die gestern unter unserem Dach stattfand.“
Sie alle blickten ihre Zustimmung; es schien ein zu ernster Moment für Worte.
„Ihre Schwester“, fuhr er fort, „hat schrecklich gelitten. Mrs. Ferrars auch – kurz gesagt, es war eine Szene von so kompliziertem Leid –, aber ich will hoffen, dass der Sturm überstanden werden kann, ohne dass wir alle ganz überwältigt werden. Die arme Fanny! Sie war gestern den ganzen Tag hysterisch. Aber ich will Sie nicht zu sehr beunruhigen. Donavan sagt, es sei nichts Wesentliches zu befürchten; ihre Konstitution ist gut und ihre Entschlossenheit jeder Sache gewachsen. Sie hat es alles mit der Standhaftigkeit eines Engels ertragen! Sie sagt, sie werde nie wieder gut von jemandem denken; und man kann sich nicht darüber wundern, nachdem man so getäuscht wurde! – auf solche Undankbarkeit zu treffen, wo so viel Freundlichkeit gezeigt, so viel Vertrauen entgegengebracht wurde! Es entsprach ganz der Güte ihres Herzens, dass sie diese jungen Damen in ihr Haus eingeladen hatte; lediglich weil sie dachte, sie verdienten etwas Aufmerksamkeit, seien harmlose, wohlerzogene Mädchen und würden angenehme Begleiterinnen sein; denn ansonsten wünschten wir beide sehr, Sie und Marianne eingeladen zu haben, bei uns zu sein, während Ihre liebe Freundin dort ihre Tochter betreute. Und nun so belohnt zu werden! ‚Ich wünschte von ganzem Herzen‘, sagt die arme Fanny auf ihre liebevolle Art, ‚dass wir Ihre Schwestern anstelle ihrer gefragt hätten.‘“
Hier hielt er inne, um sich bedanken zu lassen; was geschehen war, fuhr er fort.
„Was die arme Mrs. Ferrars litt, als Fanny es ihr zuerst beibrachte, ist nicht zu beschreiben. Während sie mit wahrster Zuneigung eine höchst erstrebenswerte Verbindung für ihn geplant hatte, war da anzunehmen, dass er die ganze Zeit heimlich mit einer anderen Person verlobt sein konnte! – ein solcher Verdacht hätte ihr nie in den Sinn kommen können! Wenn sie eine Voreingenommenheit anderswo vermutete, konnte sie nicht in dieser Richtung liegen. ‚Da, sicherlich‘, sagte sie, ‚hätte ich mich in Sicherheit wähnen können.‘ Sie war ganz in Agonie. Wir berieten uns jedoch, was zu tun sei, und schließlich beschloss sie, nach Edward zu schicken. Er kam. Aber ich bedauere, zu berichten, was folgte. Alles, was Mrs. Ferrars sagen konnte, um ihn dazu zu bringen, die Verlobung zu beenden, unterstützt auch, wie Sie sich wohl denken können, durch meine Argumente und Fannys Bitten, war von keinem Erfolg. Pflicht, Zuneigung, alles wurde missachtet. Ich hätte Edward nie für so starrköpfig, so gefühllos gehalten. Seine Mutter erklärte ihm ihre großzügigen Pläne für den Fall, dass er Miss Morton heiratete; sagte ihm, sie würde ihm das Anwesen in Norfolk überschreiben, das, frei von Grundsteuer, gute tausend Pfund im Jahr einbringt; bot sogar, als die Dinge verzweifelt wurden, an, es auf zwölftausend zu erhöhen; und im Gegensatz dazu stellte sie ihm, falls er bei dieser niederen Verbindung bliebe, die sichere Armut dar, die die Ehe begleiten müsse. Seine eigenen zweitausend Pfund, protestierte sie, sollten alles sein, was er bekäme; sie würde ihn nie wiedersehen; und so weit davon entfernt, ihm die kleinste Unterstützung zu gewähren, würde sie, falls er irgendeinen Beruf ergriffe, um sich besser zu versorgen, alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihn daran zu hindern, darin voranzukommen.“
Hier schlug Marianne in einem Anfall von Entrüstung die Hände zusammen und rief: „Gütiger Gott! Kann das möglich sein!“
„Zu Recht mögen Sie sich wundern, Marianne“, erwiderte ihr Bruder, „über die Hartnäckigkeit, die solchen Argumenten widerstehen konnte. Ihr Ausruf ist sehr natürlich.“
Marianne wollte erwidern, aber sie erinnerte sich an ihre Versprechen und unterließ es.
„All dies jedoch“, fuhr er fort, „wurde vergeblich vorgebracht. Edward sagte sehr wenig; aber was er sagte, war in der entschlossensten Art und Weise. Nichts sollte ihn dazu bewegen, seine Verlobung aufzugeben. Er würde dazu stehen, koste es, was es wolle.“
„Dann“, rief Mrs. Jennings mit unverblümter Aufrichtigkeit, unfähig, länger zu schweigen, „hat er wie ein ehrlicher Mann gehandelt! Ich bitte um Verzeihung, Mr. Dashwood, aber hätte er anders gehandelt, hätte ich ihn für einen Schurken gehalten. Ich habe ebenso wie Sie ein gewisses Interesse an der Sache, denn Lucy Steele ist meine Cousine, und ich glaube, es gibt kein besseres Mädchen auf der Welt, noch eines, das einen guten Ehemann mehr verdient.“
John Dashwood war sehr erstaunt; aber sein Wesen war ruhig, nicht anfällig für Provokationen, und er wollte niemals jemanden beleidigen, besonders niemanden von gutem Vermögen. Er antwortete daher ohne Groll,
„Ich möchte keinesfalls respektlos von einer Ihrer Verwandten sprechen, gnädige Frau. Miss Lucy Steele ist, das wage ich zu sagen, eine sehr verdiente junge Frau, aber im vorliegenden Fall wissen Sie, muss die Verbindung unmöglich sein. Und eine geheime Verlobung mit einem jungen Mann eingegangen zu sein, der unter der Obhut ihres Onkels steht, dem Sohn einer Frau von solch besonders großem Vermögen wie Mrs. Ferrars, ist vielleicht alles in allem ein wenig außergewöhnlich. Kurz gesagt, ich beabsichtige nicht, das Verhalten irgendeiner Person, die Sie schätzen, Mrs. Jennings, in ein schlechtes Licht zu rücken. Wir wünschen ihr alle überaus viel Glück; und Mrs. Ferrars’ Handlungsweise war durchweg so, wie jede gewissenhafte, gute Mutter unter gleichen Umständen sie wählen würde. Sie war würdevoll und großzügig. Edward hat sein eigenes Los gezogen, und ich fürchte, es wird ein schlechtes sein.“
Marianne seufzte ihre gleichartige Besorgnis hinaus; und Elinor quälte sich in ihrem Herzen um die Gefühle Edwards, während er den Drohungen seiner Mutter trotzte, für eine Frau, die ihn nicht belohnen konnte.
„Nun, mein Herr“, sagte Mrs. Jennings, „und wie ist es ausgegangen?“
„Ich bedauere sagen zu müssen, gnädige Frau, in einem höchst unglücklichen Bruch: Edward ist für immer aus der Gunst seiner Mutter entlassen. Er verließ ihr Haus gestern, aber wohin er gegangen ist oder ob er sich noch in der Stadt aufhält, weiß ich nicht; denn wir können natürlich keinerlei Nachforschungen anstellen.“
„Der arme junge Mann! Und was soll aus ihm werden?“
„Was in der Tat, gnädige Frau! Es ist eine betrübliche Überlegung. Geboren mit der Aussicht auf solchen Wohlstand! Ich kann mir keine beklagenswertere Lage vorstellen. Die Zinsen von zweitausend Pfund – wie kann ein Mann davon leben? Und wenn man dazu die Erinnerung hinzufügt, dass er, wäre es nicht seine eigene Torheit gewesen, innerhalb von drei Monaten in den Genuss von zweitausendfünfhundert Pfund im Jahr hätte kommen können (denn Miss Morton besitzt dreißigtausend Pfund), so kann ich mir keinen elenderen Zustand ausmalen. Wir alle müssen Mitleid mit ihm haben; und umso mehr, als es völlig außerhalb unserer Macht steht, ihm zu helfen.“
„Der arme junge Mann!“, rief Mrs. Jennings, „ich bin sicher, er wäre bei mir im Hause herzlich willkommen für Kost und Logis; und das würde ich ihm sagen, wenn ich ihn sehen könnte. Es schickt sich nicht, dass er jetzt auf eigene Kosten in Lodgings und Wirtshäusern lebt.“
Elinors Herz dankte ihr für solche Güte gegenüber Edward, obwohl sie nicht umhin konnte, bei der Form derselben zu lächeln.
„Wenn er nur ebenso gut für sich gesorgt hätte“, sagte John Dashwood, „wie all seine Freunde bereit waren, für ihn zu sorgen, könnte er jetzt in seiner angemessenen Stellung sein und hätte keinen Mangel gelitten. Aber so wie es ist, muss es außerhalb der Macht eines jeden liegen, ihm zu helfen. Und es ist noch eine weitere Sache gegen ihn im Gange, die schlimmer sein muss als alles andere – seine Mutter hat mit einer sehr natürlichen Art von Entschlossenheit beschlossen, jenes Anwesen unverzüglich auf Robert zu übertragen, das bei angemessenen Bedingungen Edwards hätte sein können. Ich habe sie heute Morgen mit ihrem Anwalt verlassen, als sie die Angelegenheit besprachen.“
„Nun!“, sagte Mrs. Jennings, „das ist ihre Rache. Jeder hat seine eigene Art. Aber ich glaube nicht, dass meine wäre, den einen Sohn unabhängig zu machen, nur weil ein anderer mich geärgert hat.“
Marianne stand auf und ging im Zimmer auf und ab.
„Kann es für den Geist eines Mannes etwas Kränkenderes geben“, fuhr John fort, „als seinen jüngeren Bruder im Besitz eines Anwesens zu sehen, das sein eigenes hätte sein können? Der arme Edward! Ich fühle aufrichtig mit ihm.“
Ein paar weitere Minuten, die mit derselben Art von Ergüssen verbracht wurden, beendeten seinen Besuch; und mit wiederholten Versicherungen an seine Schwestern, dass er wirklich glaube, es bestehe keine wesentliche Gefahr bei Fannys Unwohlsein und dass sie sich deshalb nicht allzu sehr beunruhigen müssten, ging er; er hinterließ die drei Damen in ihrer Meinung über den gegenwärtigen Anlass einig, zumindest soweit es das Verhalten von Mrs. Ferrars, der Dashwoods und Edwards betraf.
Mariannes Empörung brach los, sobald er das Zimmer verlassen hatte; und da ihre Heftigkeit Zurückhaltung bei Elinor unmöglich und bei Mrs. Jennings unnötig machte, stimmten sie alle in eine sehr schwungvolle Kritik über die Gesellschaft ein.
KAPITEL XXXVIII.
Mrs. Jennings war sehr warm in ihrem Lob für Edwards Verhalten, doch nur Elinor und Marianne verstanden dessen wahren Wert. Nur sie wussten, wie wenig ihn dazu verleitet hatte, ungehorsam zu sein, und wie gering der Trost war, der ihm jenseits des Bewusstseins, das Richtige zu tun, beim Verlust von Freunden und Vermögen bleiben konnte. Elinor war stolz auf seine Rechtschaffenheit; und Marianne vergab ihm alle seine Verfehlungen aus Mitgefühl für seine Strafe. Doch obwohl das Vertrauen zwischen ihnen durch diese öffentliche Entdeckung wieder in seinen rechten Zustand versetzt worden war, war es kein Thema, bei dem eine von beiden gerne verweilte, wenn sie allein waren. Elinor vermied es aus Prinzip, da es dazu neigte, durch die allzu warmen, allzu positiven Versicherungen Mariannes jenen Glauben an Edwards fortwährende Zuneigung zu ihr, den sie eher auslöschen wollte, noch fester in ihren Gedanken zu verankern; und Mariannes Mut versagte ihr bald, wenn sie versuchte, über ein Thema zu sprechen, das sie durch den Vergleich, den es notwendigerweise zwischen Elinors und ihrem eigenen Verhalten herstellte, stets unzufriedener mit sich selbst zurückließ.
Sie spürte die ganze Wucht dieses Vergleichs; doch nicht, wie ihre Schwester gehofft hatte, um sie nun zu Anstrengungen zu drängen; sie empfand ihn mit dem ganzen Schmerz beständiger Selbstvorwürfe, bereute bitterlich, dass sie sich nie zuvor zusammengerissen hatte; doch es brachte ihr nur die Qual der Reue ohne die Hoffnung auf Besserung. Ihr Geist war so sehr geschwächt, dass sie nach wie vor glaubte, gegenwärtige Anstrengung sei unmöglich, und deshalb entmutigte es sie nur noch mehr.
Von den Angelegenheiten in der Harley Street oder den Bartlett’s Buildings erfuhren sie ein oder zwei Tage danach nichts Neues. Doch obwohl ihnen schon so viel von der Sache bekannt war, dass Mrs. Jennings genug damit zu tun gehabt hätte, dieses Wissen weiter zu verbreiten, ohne nach mehr zu suchen, hatte sie von Anfang an beschlossen, ihren Cousinen so bald wie möglich einen Besuch des Trostes und der Nachfrage abzustatten; und nichts als die Behinderung durch mehr Besucher als gewöhnlich hatte sie daran gehindert, sie innerhalb dieser Zeit aufzusuchen.
Der dritte Tag nach ihrer Kenntnis der Einzelheiten war ein so schöner, so herrlicher Sonntag, dass er viele in die Kensington Gardens lockte, obwohl es erst die zweite Märzwoche war. Mrs. Jennings und Elinor waren unter ihnen; doch Marianne, die wusste, dass die Willoughbys wieder in der Stadt waren, und eine ständige Angst vor einer Begegnung mit ihnen hatte, zog es vor, zu Hause zu bleiben, anstatt sich an einen so öffentlichen Ort zu wagen.
Eine enge Bekannte von Mrs. Jennings schloss sich ihnen kurz nach ihrer Ankunft in den Gärten an, und Elinor war nicht undankbar, dass sie, indem sie bei ihnen blieb und das gesamte Gespräch von Mrs. Jennings in Anspruch nahm, selbst zur ruhigen Reflexion überlassen blieb. Sie sah nichts von den Willoughbys, nichts von Edward, und eine Zeit lang niemanden, der für sie, ob ernst oder heiter, von Interesse sein konnte. Doch schließlich sah sie sich mit einiger Überraschung von Miss Steele angesprochen, die, obwohl sie etwas scheu wirkte, große Zufriedenheit darüber äußerte, sie zu treffen, und auf Ermutigung durch die besondere Freundlichkeit von Mrs. Jennings ihre eigene Gesellschaft für eine kurze Zeit verließ, um sich der ihren anzuschließen. Mrs. Jennings flüsterte Elinor sofort zu:
„Bring alles aus ihr heraus, meine Liebe. Sie wird dir alles sagen, wenn du nur fragst. Du siehst, ich kann Mrs. Clarke nicht verlassen.“
Es war jedoch ein Glück für Mrs. Jennings’ Neugier und auch für Elinors, dass sie alles ohne Aufforderung erzählte; denn anderenfalls wäre nichts in Erfahrung gebracht worden.
„Ich bin so froh, Sie zu treffen“, sagte Miss Steele, während sie sie vertraulich am Arm nahm, „denn ich wollte Sie um alles in der Welt sehen.“ Und dann, die Stimme senkend: „Ich nehme an, Mrs. Jennings hat alles darüber gehört. Ist sie böse?“
„Keineswegs, glaube ich, auf Sie.“
„Das ist gut. Und Lady Middleton, ist sie böse?“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass das möglich wäre.“
„Ich bin ungeheuer froh darüber. Du meine Güte! Ich habe solch eine Zeit hinter mir! Ich habe Lucy noch nie in meinem Leben in solch einer Wut gesehen. Sie schwor anfangs, sie würde mir nie wieder eine neue Haube garnieren oder sonst etwas für mich tun, solange sie lebe; aber jetzt hat sie sich ganz beruhigt, und wir sind wieder die besten Freunde. Schauen Sie, sie hat mir gestern Abend diese Schleife an meinen Hut gemacht und die Feder hineingesteckt. So, nun werden Sie auch über mich lachen. Aber warum sollte ich keine rosa Bänder tragen? Es ist mir gleichgültig, ob es die Lieblingsfarbe des Doktors ist. Ich bin sicher, ich hätte meinerseits nie gewusst, dass er sie lieber mag als jede andere Farbe, wenn er es nicht zufällig gesagt hätte. Meine Cousinen haben mich so geplagt! Ich erkläre, manchmal weiß ich nicht, wie ich vor ihnen dreinschauen soll.“
Sie war zu einem Thema abgeschweift, zu dem Elinor nichts zu sagen hatte, und hielt es daher bald für ratsam, wieder zum ersten zurückzufinden.
„Nun, aber Miss Dashwood“, sagte sie triumphierend, „die Leute mögen sagen, was sie wollen darüber, dass Mr. Ferrars erklärte, er wolle Lucy nicht, denn es ist nichts dergleichen, das kann ich Ihnen sagen; und es ist eine wahre Schande, dass solche bösartigen Gerüchte verbreitet werden. Was auch immer Lucy selbst darüber gedacht haben mag, wissen Sie, es war nicht die Sache anderer Leute, es als sicher hinzustellen.“
„Ich habe noch nie zuvor von dergleichen gehört, das versichere ich Ihnen“, sagte Elinor.
„Oh, wirklich nicht? Aber es wurde gesagt, das weiß ich ganz genau, und zwar von mehr als einer Person; denn Miss Godby sagte zu Miss Sparks, dass niemand bei klarem Verstand erwarten könne, dass Mr. Ferrars eine Frau wie Miss Morton mit dreißigtausend Pfund Vermögen für Lucy Steele aufgäbe, die gar nichts hat; und ich habe es von Miss Sparks selbst. Und außerdem sagte mein Cousin Richard selbst, dass er fürchte, Mr. Ferrars würde einen Rückzieher machen, wenn es darauf ankäme; und als Edward drei Tage lang nicht zu uns kam, wusste ich selbst nicht, was ich denken sollte; und ich glaube im Herzen, Lucy hatte schon alles verloren gegeben; denn wir kamen am Mittwoch von Ihrem Bruder weg, und wir sahen ihn den ganzen Donnerstag, Freitag und Samstag nicht und wussten nicht, was aus ihm geworden war. Einmal dachte Lucy daran, ihm zu schreiben, aber dann sträubte sich ihre Stimmung dagegen. Doch heute Morgen kam er, gerade als wir aus der Kirche zurückkamen; und dann kam alles heraus, wie er am Mittwoch in die Harley Street gerufen worden war und wie von seiner Mutter und allen anderen auf ihn eingeredet worden war und wie er vor ihnen allen erklärt hatte, dass er niemanden liebe als Lucy und niemanden als Lucy wolle. Und wie er so zermürbt war von dem, was geschah, dass er, sobald er das Haus seiner Mutter verlassen hatte, auf sein Pferd gestiegen war und aufs Land geritten war, irgendwohin; und wie er den ganzen Donnerstag und Freitag in einem Wirtshaus geblieben war, nur um darüber hinwegzukommen. Und nachdem er alles immer und immer wieder durchdacht hatte, sagte er, es käme ihm so vor, als wäre es, da er nun kein Vermögen und gar nichts habe, sehr unfreundlich, sie an die Verlobung zu binden, denn es müsse ihr Verlust sein, da er nur zweitausend Pfund habe und keine Hoffnung auf irgendetwas anderes; und wenn er ins geistliche Amt ginge, wie er es vorhatte, könnte er nur eine Kuratstelle bekommen, und wie sollten sie davon leben? Er konnte es nicht ertragen, daran zu denken, dass sie es nicht besser treffen würde, und so bat er sie, wenn sie nur den geringsten Sinn danach habe, die Sache sofort zu beenden und ihn sein eigenes Glück suchen zu lassen. Ich habe ihn all dies so deutlich sagen hören, wie es nur irgend möglich war. Und es war einzig und allein um ihrer willen und in ihrem Interesse, dass er ein Wort davon sagte, einen Rückzieher zu machen, nicht um seinetwillen. Ich schwöre, er hat nicht ein einziges Wort darüber verloren, dass er ihrer überdrüssig sei oder Miss Morton heiraten wolle oder dergleichen. Aber natürlich wollte Lucy sich solchen Reden nicht fügen; also sagte sie ihm direkt (mit einer Menge über Süßes und Liebe, wissen Sie, und all das – Oh, la! man kann solche Dinge nicht wiederholen, wissen Sie) – sie sagte ihm direkt, sie habe nicht den geringsten Sinn in der Welt, einen Rückzieher zu machen, denn sie könne mit ihm von einem Nichts leben, und wie wenig er auch haben möge, sie wäre sehr froh, alles davon zu haben, wissen Sie, oder etwas in der Art. Da war er dann ungeheuer glücklich und sprach eine Zeit lang darüber, was sie tun sollten, und sie kamen überein, dass er sofort das geistliche Amt ergreifen sollte, und sie müssten warten, bis sie heiraten könnten, bis er eine Pfründe bekäme. Und genau da konnte ich nichts mehr hören, denn meine Cousine rief von unten, um mir zu sagen, Mrs. Richardson sei mit ihrer Kutsche gekommen und würde eine von uns zu den Kensington Gardens mitnehmen; also war ich gezwungen, ins Zimmer zu gehen und sie zu unterbrechen, um Lucy zu fragen, ob sie mitkommen wolle, aber sie wollte Edward nicht verlassen; also lief ich nur schnell nach oben, zog ein Paar seidene Strümpfe an und fuhr mit den Richardsons davon.“
„Ich verstehe nicht, was Sie damit meinen, sie zu unterbrechen“, sagte Elinor; „Sie waren doch alle zusammen in demselben Zimmer, nicht wahr?“
„Nein, wirklich nicht. La! Miss Dashwood, glauben Sie, die Leute machen einander den Hof, wenn jemand anderes dabei ist? Oh, schämen Sie sich! Da müssen Sie es doch besser wissen. (Kichert affektiert.) Nein, nein; sie waren zusammen im Salon eingeschlossen, und alles, was ich hörte, war nur durch das Lauschen an der Tür.“
„Wie!“, rief Elinor; „Sie haben mir wiederholt, was Sie selbst nur durch das Lauschen an der Tür erfahren haben? Ich bedaure, dass ich das nicht vorher wusste; denn ich hätte Sie sicherlich nicht die Einzelheiten eines Gesprächs wiedergeben lassen, von denen Sie selbst nichts hätten wissen dürfen. Wie konnten Sie sich Ihrer Schwester gegenüber so unredlich verhalten?“
„Oh, la! Da ist nichts dabei. Ich stand nur an der Tür und hörte, was ich konnte. Und ich bin sicher, Lucy hätte bei mir genau dasselbe getan; denn vor ein oder zwei Jahren, als Martha Sharpe und ich so viele Geheimnisse miteinander hatten, machte sie nie ein Aufheben darum, sich in einem Schrank oder hinter einer Kaminblende zu verstecken, nur um zu hören, was wir sagten.“
Elinor versuchte von etwas anderem zu sprechen; aber Miss Steele konnte nicht länger als ein paar Minuten von dem abgehalten werden, was ihr am meisten am Herzen lag.
„Edward spricht davon, bald nach Oxford zu gehen“, sagte sie; „aber jetzt wohnt er in Nr. —, Pall Mall. Was für eine bösartige Frau seine Mutter ist, nicht wahr? Und Ihr Bruder und Ihre Schwester waren auch nicht sehr freundlich! Wie auch immer, ich werde Ihnen gegenüber nichts gegen sie sagen; und sicherlich haben sie uns in ihrer eigenen Kutsche nach Hause geschickt, was mehr war, als ich erwartet hatte. Und ich für meinen Teil war ganz in Angst, Ihre Schwester könnte uns nach den Nähzeugtaschen fragen, die sie uns ein oder zwei Tage zuvor gegeben hatte; aber es wurde nichts darüber gesagt, und ich habe aufgepasst, meine aus den Augen zu halten. Edward hat einige Geschäfte in Oxford, sagt er; also muss er eine Zeit lang dorthin; und danach, sobald er einen Bischof finden kann, wird er ordiniert werden. Ich frage mich, welche Kuratstelle er bekommen wird! Du meine Güte! (kichert, während sie sprach) Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass ich weiß, was meine Cousinen sagen werden, wenn sie davon hören. Sie werden mir sagen, ich solle an den Doktor schreiben, um Edward die Kuratstelle seiner neuen Pfründe zu verschaffen. Ich weiß, das werden sie; aber ich bin sicher, ich würde so etwas um alles in der Welt nicht tun. ‚La!‘, werde ich direkt sagen, ‚ich wundere mich, wie Sie an so etwas denken können? Ich an den Doktor schreiben, in der Tat!‘“
„Nun“, sagte Elinor, „es ist ein Trost, gegen das Schlimmste gewappnet zu sein. Sie haben Ihre Antwort bereit.“
Miss Steele wollte zu demselben Thema antworten, doch das Näherkommen ihrer eigenen Gesellschaft machte eine andere dringlicher.
„Oh, la! Da kommen die Richardsons. Ich hätte Ihnen noch so viel mehr zu sagen gehabt, aber ich darf nicht länger von ihnen wegbleiben. Ich versichere Ihnen, es sind sehr vornehme Leute. Er verdient ungeheuer viel Geld, und sie halten ihre eigene Kutsche. Ich habe selbst keine Zeit mehr, mit Mrs. Jennings darüber zu sprechen, aber bitte sagen Sie ihr, ich bin ganz glücklich zu hören, dass sie nicht böse auf uns ist, und dasselbe gilt für Lady Middleton; und falls sich etwas ergeben sollte, das Sie und Ihre Schwester fortbringt und Mrs. Jennings Gesellschaft brauchen sollte, bin ich sicher, wir würden sehr froh sein, zu kommen und so lange bei ihr zu bleiben, wie sie es wünscht. Ich nehme an, Lady Middleton wird uns dieses Mal nicht mehr fragen. Auf Wiedersehen; es tut mir leid, dass Miss Marianne nicht hier war. Grüßen Sie sie freundlich von mir. La! Sie haben ja Ihr gepunktetes Musselin-Kleid an! Ich wundere mich, dass Sie keine Angst hatten, es könnte zerrissen werden.“
Das war ihre Abschiedssorge; denn danach hatte sie nur noch Zeit, Mrs. Jennings ihre Abschiedskomplimente zu machen, bevor ihre Begleitung von Mrs. Richardson beansprucht wurde; und Elinor blieb im Besitz eines Wissens, das ihre Reflexionskraft noch einige Zeit nähren mochte, obwohl sie nur sehr wenig mehr erfahren hatte, als in ihrem eigenen Geist bereits vorhergesehen und durchdacht worden war. Edwards Heirat mit Lucy war so fest beschlossen, und der Zeitpunkt ihres Stattfindens blieb so absolut ungewiss, wie sie es geschlussfolgert hatte; alles hing, ganz nach ihrer Erwartung, davon ab, dass er jene Pfründe erlangte, für die es derzeit nicht den geringsten Anschein gab.
Sobald sie zur Kutsche zurückkehrten, war Mrs. Jennings begierig auf Informationen; doch da Elinor so wenig wie möglich von Nachrichten verbreiten wollte, die in erster Linie auf so unredliche Weise erlangt worden waren, beschränkte sie sich auf die kurze Wiederholung solcher einfachen Einzelheiten, von denen sie versichert war, dass Lucy sie im Interesse ihres eigenen Ansehens gerne bekannt sehen würde. Das Fortbestehen ihrer Verlobung und die Mittel, die zu deren Förderung unternommen werden konnten, waren ihre einzige Mitteilung; und dies rief bei Mrs. Jennings die folgende natürliche Bemerkung hervor.
„Auf seine Pfründe warten! – ja, wir wissen alle, wie das enden wird: Sie werden ein Jahr lang warten, und da sie sehen, dass nichts Gutes dabei herauskommt, werden sie sich mit einer Kuratstelle von fünfzig Pfund im Jahr begnügen, zusammen mit den Zinsen seiner zweitausend Pfund und dem kleinen bisschen, das Mr. Steele und Mr. Pratt ihr geben können. Dann werden sie jedes Jahr ein Kind bekommen! Und Gott stehe ihnen bei! Wie arm sie sein werden! Ich muss sehen, was ich ihnen zur Einrichtung ihres Hauses geben kann. Zwei Dienstmädchen und zwei Männer, in der Tat! wie ich neulich sprach. Nein, nein, sie müssen sich ein tüchtiges Mädchen für alle Arbeiten nehmen. Bettys Schwester wäre jetzt nichts mehr für sie.“
Der nächste Morgen brachte Elinor einen Brief mit der Zwei-Penny-Post von Lucy persönlich. Er lautete wie folgt:
„Bartlett’s Building, März.
„Ich hoffe, meine liebe Miss Dashwood wird die Freiheit entschuldigen, die ich mir nehme, ihr zu schreiben; aber ich weiß, Ihre Freundschaft für mich wird es Ihnen zur Freude gereichen lassen, einen so guten Bericht von mir und meinem lieben Edward zu hören, nach all den Sorgen, die wir in letzter Zeit durchgestanden haben, deshalb werde ich keine weiteren Entschuldigungen vorbringen, sondern fortfahren zu sagen, dass wir Gott sei Dank! obwohl wir schrecklich gelitten haben, beide jetzt völlig wohlauf sind und so glücklich, wie wir in der Liebe zueinander immer sein müssen. Wir haben große Prüfungen und große Verfolgungen erlebt, erkennen jedoch gleichzeitig dankbar viele Freunde an, Sie nicht zuletzt unter ihnen, deren große Güte ich immer dankbar in Erinnerung behalten werde, ebenso wie Edward, dem ich davon erzählt habe. Ich bin sicher, es wird Sie freuen zu hören, ebenso wie die liebe Mrs. Jennings, dass ich gestern Nachmittag zwei glückliche Stunden mit ihm verbracht habe; er wollte nichts von unserer Trennung hören, obwohl ich ihn, wie ich glaubte, dass meine Pflicht es erforderte, ernsthaft aus Klugheit dazu drängte und mich auf der Stelle für immer von ihm getrennt hätte, wenn er eingewilligt hätte; aber er sagte, das dürfe niemals sein, er kümmere sich nicht um den Zorn seiner Mutter, solange er meine Zuneigung haben könne; unsere Aussichten sind gewiss nicht sehr glänzend, aber wir müssen warten und auf das Beste hoffen; er wird in Kürze geweiht werden; und sollte es jemals in Ihrer Macht stehen, ihn jemandem zu empfehlen, der eine Pfarrei zu vergeben hat, bin ich sehr sicher, dass Sie uns nicht vergessen werden, und die liebe Mrs. Jennings, so vertraue ich, wird ein gutes Wort für uns bei Sir John oder Mr. Palmer oder jedem Freund einlegen, der imstande sein mag, uns zu unterstützen. — Die arme Anne war sehr zu tadeln für das, was sie tat, aber sie tat es in bester Absicht, also sage ich nichts dazu; ich hoffe, Mrs. Jennings wird es nicht für zu viel Mühe halten, uns zu besuchen, sollte sie eines Morgens in diese Gegend kommen, es wäre eine große Freundlichkeit, und meine Cousinen wären stolz, sie kennenzulernen. — Mein Papier erinnert mich daran, zum Schluss zu kommen; und indem ich bitte, ihr und Sir John und Lady Middleton und den lieben Kindern, wenn Sie sie zufällig sehen, in größter Dankbarkeit und Hochachtung empfohlen zu werden, und mit herzlichen Grüßen an Miss Marianne,
bin ich, usw.“
Sobald Elinor ihn zu Ende gelesen hatte, führte sie aus, was sie für die wahre Absicht der Schreiberin hielt, indem sie ihn Mrs. Jennings in die Hände gab, die ihn laut mit vielen Kommentaren der Zufriedenheit und des Lobes vorlas.
„Sehr gut in der Tat! — wie niedlich sie schreibt! — ja, das war ganz angemessen, ihn gehen zu lassen, wenn er wollte. Das war ganz wie Lucy. Die arme Seele! Ich wünschte, ich könnte ihm von ganzem Herzen eine Pfarrei verschaffen. Sie nennt mich die liebe Mrs. Jennings, sehen Sie. Sie ist ein Mädchen mit so gutem Herzen, wie es nur je eines gab. Sehr gut, bei meinem Wort. Dieser Satz ist sehr hübsch gewendet. Ja, ja, ich werde sie besuchen, ganz gewiss. Wie aufmerksam sie ist, an jeden zu denken! — Danke, meine Liebe, dass Sie es mir gezeigt haben. Es ist ein so hübscher Brief, wie ich je einen gesehen habe, und er macht Lucys Kopf und Herz alle Ehre.“
KAPITEL XXXIX.
Die Miss Dashwoods waren nun etwas mehr als zwei Monate in der Stadt, und Mariannes Ungeduld, fortzukommen, wuchs mit jedem Tag. Sie sehnte sich nach der Luft, der Freiheit, der Stille auf dem Land; und bildete sich ein, dass, wenn irgendein Ort ihr Erleichterung verschaffen könne, es Barton sein müsse. Elinor war kaum weniger besorgt als sie selbst um ihre Abreise und nur insofern weniger darauf erpicht, dass sie sofort vollzogen würde, als sie sich der Schwierigkeiten einer so langen Reise bewusst war, was Marianne nicht einsehen wollte. Sie begann jedoch ernsthaft, ihre Gedanken auf deren Verwirklichung zu richten, und hatte ihre Wünsche bereits ihrer freundlichen Gastgeberin gegenüber erwähnt, die sich ihnen mit aller Beredsamkeit ihres Wohlwollens widersetzte, als ein Plan vorgeschlagen wurde, der, obwohl er sie noch ein paar Wochen länger von zu Hause abhielt, Elinor insgesamt weitaus empfehlenswerter erschien als jeder andere. Die Palmers wollten gegen Ende März zu den Osterferien nach Cleveland umziehen; und Mrs. Jennings erhielt zusammen mit ihren beiden Freundinnen eine sehr herzliche Einladung von Charlotte, sie zu begleiten. Dies hätte für die Zartheit von Miss Dashwood an sich nicht ausgereicht; — aber es wurde von Mr. Palmer selbst mit so viel echter Höflichkeit bekräftigt, dass es, zusammen mit der sehr großen Besserung seines Benehmens ihnen gegenüber, seit bekannt war, dass ihre Schwester unglücklich war, sie dazu veranlasste, sie mit Vergnügen anzunehmen.
Als sie Marianne jedoch mitteilte, was sie getan hatte, war deren erste Antwort nicht sehr vielversprechend.
„Cleveland!“ — rief sie mit großer Aufregung. „Nein, ich kann nicht nach Cleveland gehen.“
„Du vergisst“, sagte Elinor sanft, „dass die Lage nicht — dass es nicht in der Nachbarschaft von — ist.“
„Aber es ist in Somersetshire. — Ich kann nicht nach Somersetshire gehen. — Dorthin, wo ich darauf hoffte, zu gehen... Nein, Elinor, du kannst nicht erwarten, dass ich dorthin gehe.“
Elinor wollte nicht über die Angemessenheit streiten, solche Gefühle zu überwinden; — sie versuchte nur, ihnen entgegenzuwirken, indem sie auf andere einwirkte; — stellte es daher als eine Maßnahme dar, die den Zeitpunkt ihrer Rückkehr zu jener geliebten Mutter, die sie so sehr zu sehen wünschte, auf eine empfehlenswertere, bequemere Weise festlegen würde, als es jeder andere Plan tun könnte, und vielleicht ohne jede weitere Verzögerung. Von Cleveland aus, das nur wenige Meilen von Bristol entfernt lag, war die Entfernung nach Barton nicht mehr als einen Tag, wenn auch einen langen Tagesritt; und der Diener ihrer Mutter könnte leicht dorthin kommen, um sie zu begleiten; und da es keinen Anlass geben konnte, dass sie länger als eine Woche in Cleveland blieben, könnten sie nun in etwas mehr als drei Wochen zu Hause sein. Da Mariannes Zuneigung zu ihrer Mutter aufrichtig war, musste sie mit wenig Mühe über die eingebildeten Übel triumphieren, die sie vorgebracht hatte.
Mrs. Jennings war ihrer Gäste so wenig überdrüssig, dass sie sie sehr inständig bat, von Cleveland aus wieder mit ihr zurückzukehren. Elinor war für die Aufmerksamkeit dankbar, aber es konnte ihren Plan nicht ändern; und da die Zustimmung ihrer Mutter bereitwillig eingeholt war, war alles, was ihre Rückkehr betraf, so weit wie möglich geregelt; — und Marianne fand einige Erleichterung darin, eine Aufstellung der Stunden zu machen, die sie noch von Barton trennten.
„Ach! Colonel, ich weiß nicht, was Sie und ich ohne die Miss Dashwoods anfangen sollen“; — so sprach ihn Mrs. Jennings an, als er sie das erste Mal besuchte, nachdem ihre Abreise beschlossene Sache war — „denn sie sind fest entschlossen, von den Palmers aus nach Hause zu fahren; — und wie verlassen wir sein werden, wenn ich zurückkomme! — Herr! wir werden dasitzen und uns anstarren, so stumpfsinnig wie zwei Katzen.“
Vielleicht hoffte Mrs. Jennings durch diese lebhafte Schilderung ihrer zukünftigen Langeweile, ihn zu dem Angebot zu provozieren, das ihm selbst eine Flucht davor ermöglichen könnte; und wenn das der Fall war, hatte sie kurz darauf guten Grund zu glauben, ihr Ziel erreicht zu haben; denn als Elinor zum Fenster ging, um eiliger die Maße eines Kupferstichs zu nehmen, den sie für ihre Freundin kopieren wollte, folgte er ihr mit einem Blick von besonderer Bedeutung und unterhielt sich dort mehrere Minuten lang mit ihr. Die Wirkung seiner Worte auf die Dame konnte auch ihrer Beobachtung nicht entgehen, denn obwohl sie zu ehrenhaft war, zuzuhören, und sogar ihren Platz absichtlich gewechselt hatte, um nicht zu hören, zu einem direkt neben dem Klavier, auf dem Marianne spielte, konnte sie nicht umhin zu sehen, dass Elinor die Farbe wechselte, was mit Aufregung einherging, und zu vertieft in das war, was er sagte, um ihrer Beschäftigung nachzugehen. Noch weiter zur Bestätigung ihrer Hoffnungen drangen ihr in der Pause, als Marianne von einem Stück zum nächsten überging, einige Worte des Colonels unvermeidlich an das Ohr, in denen er sich für den schlechten Zustand seines Hauses zu entschuldigen schien. Dies ließ keinen Zweifel mehr. Sie wunderte sich zwar, dass er es für nötig hielt, dies zu tun; hielt es aber für die richtige Etikette. Was Elinor zur Antwort gab, konnte sie nicht unterscheiden, urteilte aber aus der Bewegung ihrer Lippen, dass sie dies nicht für einen wesentlichen Einwand hielt; und Mrs. Jennings lobte sie in ihrem Herzen dafür, so ehrlich zu sein. Sie redeten dann noch einige Minuten weiter, ohne dass sie eine Silbe aufschnappte, als ein weiterer glücklicher Halt in Mariannes Spiel ihr diese Worte mit der ruhigen Stimme des Colonels zutrug:
„Ich fürchte, es kann nicht sehr bald stattfinden.“
Erstaunt und schockiert über eine so wenig liebende Äußerung, war sie fast bereit, „Herr! was sollte es hindern?“ auszurufen — aber ihren Wunsch unterdrückend, beschränkte sie sich auf diesen stummen Ausruf.
„Das ist sehr seltsam! — sicher muss er nicht warten, bis er älter ist.“
Diese Verzögerung von Seiten des Colonels schien jedoch seine schöne Begleiterin in keiner Weise zu beleidigen oder zu kränken, denn als sie die Unterhaltung kurz darauf abbrachen und sich in verschiedene Richtungen bewegten, hörte Mrs. Jennings sehr deutlich Elinor sagen, und zwar mit einer Stimme, die zeigte, dass sie fühlte, was sie sagte:
„Ich werde mich Ihnen immer sehr verpflichtet fühlen.“
Mrs. Jennings war entzückt über ihre Dankbarkeit und wunderte sich nur, dass der Colonel nach einem solchen Satz in der Lage sein sollte, sich so, wie er es sogleich tat, mit vollkommenem Sang-froid von ihnen zu verabschieden und wegzugehen, ohne ihr eine Antwort zu geben! Sie hätte nicht gedacht, dass ihr alter Freund ein so gleichgültiger Freier sein könnte.
Was wirklich zwischen ihnen vorgefallen war, lautete sinngemäß wie folgt.
„Ich habe“, sagte er mit großem Mitgefühl, „von dem Unrecht gehört, das Ihr Freund Mr. Ferrars von seiner Familie erlitten hat; denn wenn ich die Sache richtig verstehe, ist er von ihr vollständig verstoßen worden, weil er an seiner Verlobung mit einer sehr verdienstvollen jungen Frau festgehalten hat. Bin ich richtig informiert worden? Ist es so?“
Elinor bestätigte ihm, dass es so sei.
„Die Grausamkeit, die unkluge Grausamkeit“, erwiderte er mit großem Gefühl, „zwei junge Menschen, die einander lange verbunden sind, zu trennen oder trennen zu wollen, ist schrecklich. Mrs. Ferrars weiß nicht, was sie tun mag — wozu sie ihren Sohn treiben mag. Ich habe Mr. Ferrars zwei- oder dreimal in der Harley Street gesehen und bin sehr von ihm angetan. Er ist kein junger Mann, mit dem man in kurzer Zeit eng vertraut werden kann, aber ich habe genug von ihm gesehen, um ihm um seiner selbst willen alles Gute zu wünschen, und als Ihr Freund wünsche ich es noch mehr. Ich verstehe, dass er beabsichtigt, sich weihen zu lassen. Wären Sie so gut, ihm zu sagen, dass die Pfarrei von Delaford, die jetzt gerade vakant ist, wie ich durch die heutige Post erfahren habe, die seinige ist, wenn er sie seiner Annahme wert hält; aber dass es vielleicht, so unglücklich, wie seine Umstände jetzt sind, unsinnig sein mag, Zweifel zu hegen; ich wünschte nur, sie wäre wertvoller. Es ist eine Pfarrei, aber eine kleine; der verstorbene Amtsinhaber hat, glaube ich, nicht mehr als 200 £ pro Jahr eingenommen, und obwohl sie sicherlich verbesserungsfähig ist, fürchte ich, nicht in einem solchen Ausmaß, dass sie ihm ein sehr bequemes Einkommen bieten könnte. So wie sie ist, jedoch, wird mein Vergnügen, sie ihm anzubieten, sehr groß sein. Bitte versichern Sie ihn dessen.“
Elinors Erstaunen über diesen Auftrag hätte kaum größer sein können, wenn der Colonel ihr wirklich einen Heiratsantrag gemacht hätte. Die Pfründe, die sie noch zwei Tage zuvor für Edward als hoffnungslos betrachtet hatte, war bereits vorgesehen, um ihn in die Lage zu versetzen, zu heiraten; und sie, von allen Menschen auf der Welt, war dazu bestimmt, sie zu überbringen! Ihre Erregung war eine solche, wie Mrs. Jennings sie einer ganz anderen Ursache zugeschrieben hatte; aber welche untergeordneten Gefühle, die weniger rein, weniger erfreulich waren, auch immer einen Anteil an dieser Erregung haben mochten, ihre Hochachtung vor der allgemeinen Wohltätigkeit und ihre Dankbarkeit für die besondere Freundschaft, die Colonel Brandon gemeinsam zu dieser Tat veranlassten, wurden stark empfunden und warm ausgedrückt. Sie dankte ihm von ganzem Herzen dafür, sprach von Edwards Grundsätzen und seinem Wesen mit jenem Lob, das sie wusste, dass sie es verdienten; und versprach, den Auftrag mit Vergnügen zu übernehmen, falls es wirklich sein Wunsch sei, ein so angenehmes Amt an eine andere Person zu übertragen. Aber gleichzeitig konnte sie nicht umhin zu denken, dass niemand es so gut ausführen könne wie er selbst. Es war kurz gesagt ein Amt, von dem sie, da sie Edward nicht den Schmerz bereiten wollte, eine Verpflichtung von ihr anzunehmen, sehr froh gewesen wäre, selbst verschont zu bleiben; aber Colonel Brandon, der aus gleicher Rücksichtnahme es ebenfalls ablehnte, schien so sehr zu wünschen, dass es durch sie vermittelt werde, dass sie sich unter keinen Umständen weiter widersetzen wollte. Edward, so glaubte sie, sei noch in der Stadt, und glücklicherweise hatte sie seine Adresse von Miss Steele erfahren. Sie konnte es also übernehmen, ihn im Laufe des Tages davon in Kenntnis zu setzen. Nachdem dies geregelt war, begann Colonel Brandon von seinem eigenen Vorteil zu sprechen, einen so achtenswerten und angenehmen Nachbarn zu gewinnen, und dann erwähnte er mit Bedauern, dass das Haus klein und in mäßigem Zustand sei; ein Übel, das Elinor, wie Mrs. Jennings vermutet hatte, sehr leicht nahm, zumindest was seine Größe betraf.
„Die Kleinheit des Hauses“, sagte sie, „kann ich mir für sie nicht als Unannehmlichkeit vorstellen, denn sie wird im Verhältnis zu ihrer Familie und ihrem Einkommen stehen.“
Wodurch der Colonel überrascht war festzustellen, dass sie die Heirat von Mr. Ferrars als die sichere Folge der Übertragung betrachtete; denn er hielt es nicht für möglich, dass die Pfarrei Delaford ein solches Einkommen bieten könne, wie es jemand in seiner Lebensart wagen würde, als Basis zu akzeptieren, und er sagte dies auch.
„Diese kleine Pfarrei kann nicht mehr tun, als Mr. Ferrars als Junggeselle ein angenehmes Leben zu ermöglichen; sie kann ihn nicht in die Lage versetzen zu heiraten. Ich bedauere sagen zu müssen, dass meine Schirmherrschaft damit endet; und mein Einfluss ist kaum umfangreicher. Sollte es mir jedoch durch einen unvorhergesehenen Zufall in meiner Macht stehen, ihm weiter zu dienen, müsste ich sehr anders von ihm denken als jetzt, wenn ich nicht ebenso bereit wäre, ihm dann nützlich zu sein, wie ich es mir aufrichtig wünschte, jetzt sein zu können. Was ich jetzt tue, scheint in der Tat gar nichts zu sein, da es ihn seinem Haupt- und einzigen Ziel des Glücks kaum näher bringen kann. Seine Heirat muss immer noch ein fernes Gut bleiben; zumindest fürchte ich, dass sie nicht sehr bald stattfinden kann.“
Das war der Satz, der, als er missverstanden wurde, die zarten Gefühle von Mrs. Jennings so zu Recht beleidigte; aber nach dieser Schilderung dessen, was wirklich zwischen Colonel Brandon und Elinor vorging, während sie am Fenster standen, mag die Dankbarkeit, die letztere bei ihrem Abschied ausdrückte, im Allgemeinen vielleicht nicht weniger vernünftig begründet noch weniger angemessen formuliert erscheinen, als wenn sie aus einem Heiratsantrag entstanden wäre.
KAPITEL XL.
„Nun, Miss Dashwood“, sagte Mrs. Jennings scharfsinnig lächelnd, sobald der Gentleman gegangen war, „ich frage Sie nicht, was der Colonel zu Ihnen gesagt hat; denn obwohl ich, bei meiner Ehre, versuchte, nicht zuzuhören, konnte ich nicht umhin, genug aufzuschnappen, um sein Anliegen zu verstehen. Und ich versichere Ihnen, ich war in meinem Leben nie erfreuter, und ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Glück dazu.“
„Danke, gnädige Frau“, sagte Elinor. „Es ist für mich eine Angelegenheit von großer Freude; und ich empfinde die Güte von Colonel Brandon sehr deutlich. Es gibt nicht viele Männer, die so handeln würden wie er. Wenige Menschen, die ein so mitleidiges Herz haben! Ich war in meinem Leben noch nie mehr erstaunt.“
„Herr! meine Liebe, Sie sind sehr bescheiden. Ich bin darüber überhaupt nicht erstaunt, denn ich habe in letzter Zeit oft gedacht, dass es nichts Wahrscheinlicheres gäbe, das geschehen könnte.“
„Sie urteilten nach Ihrer Kenntnis der allgemeinen Wohltätigkeit des Colonels; aber Sie konnten zumindest nicht vorhersehen, dass sich die Gelegenheit so sehr bald bieten würde.“
„Gelegenheit!“ wiederholte Mrs. Jennings — „Oh! was das betrifft, wenn ein Mann sich einmal zu so etwas entschlossen hat, wird er auf die eine oder andere Weise bald eine Gelegenheit finden. Nun, meine Liebe, ich wünsche Ihnen immer und immer wieder Glück dazu; und wenn es jemals ein glückliches Paar auf der Welt gab, glaube ich, dass ich bald wissen werde, wo ich nach ihnen suchen muss.“
„Sie wollen wohl nach Delaford nach ihnen schauen, nehme ich an“, sagte Elinor mit einem schwachen Lächeln.
„Ja, meine Liebe, das tue ich, wahrlich. Und was das Haus betrifft, dass es ein schlechtes sei, ich weiß nicht, was der Colonel damit will, denn es ist so gut, wie ich je eines gesehen habe.“
„Er sprach davon, dass es reparaturbedürftig sei.“
„Nun, und wessen Fehler ist das? Warum lässt er es nicht reparieren? — wer sollte das tun, wenn nicht er selbst?“
Sie wurden durch den Diener unterbrochen, der hereinkam, um die Ankunft der Kutsche vor der Tür anzukündigen; und Mrs. Jennings, die sich sofort anschickte zu gehen, sagte:
„Nun, meine Liebe, ich muss gehen, bevor ich die Hälfte meines Gesprächs beendet habe. Aber wir können das alles am Abend nachholen; denn wir werden ganz allein sein. Ich bitte Sie nicht, mit mir zu gehen, denn ich wage zu sagen, Ihr Geist ist zu voll von der Angelegenheit, als dass Sie sich um Gesellschaft scheren würden; und außerdem müssen Sie danach brennen, Ihrer Schwester alles darüber zu erzählen.“
Marianne hatte den Raum verlassen, bevor das Gespräch begann.
„Gewiss, gnädige Frau, ich werde es Marianne erzählen; aber ich werde es im Augenblick niemand anderem erwähnen.“
„Oh! sehr wohl“, sagte Mrs. Jennings eher enttäuscht. „Dann wollen Sie also nicht, dass ich es Lucy erzähle, denn ich denke daran, heute noch bis Holborn zu fahren.“
„Nein, gnädige Frau, auch nicht Lucy, wenn es Ihnen recht ist. Ein Tag Verzögerung wird nicht sehr wesentlich sein; und bis ich an Mr. Ferrars geschrieben habe, denke ich, sollte es niemand anderem gegenüber erwähnt werden. Ich werde das sofort tun. Es ist wichtig, dass keine Zeit mit ihm verloren geht, denn er wird natürlich vieles in Bezug auf seine Weihe zu erledigen haben.“
Diese Rede verblüffte Mrs. Jennings anfangs außerordentlich. Warum Mr. Ferrars in einer solchen Eile deswegen angeschrieben werden sollte, konnte sie nicht sofort begreifen. Ein paar Augenblicke des Nachdenkens führten jedoch zu einer sehr glücklichen Idee, und sie rief aus:
„Oh, ho! — ich verstehe Sie. Mr. Ferrars soll der Mann sein. Nun, umso besser für ihn. Ja, gewiss, er muss in Bereitschaft geweiht werden; und ich freue mich sehr festzustellen, dass die Dinge zwischen Ihnen so weit gediehen sind. Aber, meine Liebe, ist das nicht ein wenig unüblich? Sollte der Colonel nicht selbst schreiben? — sicher, er ist die richtige Person.“
Elinor verstand den Anfang von Mrs. Jennings Rede nicht ganz, noch hielt sie es für der Mühe wert, nachzuforschen; und antwortete daher nur auf deren Schlussfolgerung.
„Colonel Brandon ist ein so feinfühliger Mann, dass er es lieber sähe, wenn jemand anderes seine Absichten Mr. Ferrars gegenüber ankündigt als er selbst.“
„Und so sind Sie gezwungen, es zu tun. Nun, das ist eine seltsame Art von Feinfühligkeit! Wie dem auch sei, ich will Sie nicht stören (als sie sah, wie sie sich zum Schreiben anschickte). Sie wissen am besten um Ihre Angelegenheiten. Also auf Wiedersehen, meine Liebe. Ich habe seit Charlottes Niederkunft nichts mehr gehört, was mich so sehr erfreut hätte.“
Und weg war sie; doch sie kehrte nach einem Augenblick zurück:
„Ich habe gerade an Bettys Schwester gedacht, meine Liebe. Ich würde mich sehr freuen, ihr eine so gute Herrin zu verschaffen. Aber ob sie als Zofe taugen würde, kann ich wirklich nicht sagen. Sie ist ein exzellentes Hausmädchen und näht sehr gut. Wie dem auch sei, Sie werden in aller Ruhe darüber nachdenken.“
„Gewiss, gnädige Frau“, antwortete Elinor, die kaum hörte, was sie sagte, und mehr darauf aus war, allein zu sein, als Herrin über das Thema zu werden.
Wie sie beginnen sollte — wie sie sich in ihrer Notiz an Edward ausdrücken sollte, war nun all ihre Sorge. Die besonderen Umstände zwischen ihnen machten das zu einer Schwierigkeit, was für jede andere Person das Einfachste auf der Welt gewesen wäre; aber sie fürchtete gleichermaßen, zu viel oder zu wenig zu sagen, und saß grübelnd über ihrem Papier, mit dem Stift in der Hand, bis sie durch das Eintreten von Edward selbst unterbrochen wurde.
Er war Mrs. Jennings an der Tür auf ihrem Weg zur Kutsche begegnet, als er kam, um seine Abschiedskarte zu hinterlassen; und sie, nachdem sie sich dafür entschuldigt hatte, nicht selbst zurückzukehren, hatte ihn zum Eintreten gezwungen, indem sie sagte, dass Miss Dashwood oben sei und mit ihm über eine sehr besondere Angelegenheit sprechen wolle.
Elinor hatte sich inmitten ihrer Ratlosigkeit gerade noch beglückwünscht, dass es, so schwierig es auch sein mochte, sich schriftlich angemessen auszudrücken, zumindest der mündlichen Übermittlung der Nachricht vorzuziehen sei, als ihr Besucher eintrat und sie zu dieser allergrößten Anstrengung zwang. Ihr Erstaunen und ihre Verwirrung waren angesichts seines so plötzlichen Erscheinens überaus groß. Sie hatte ihn seit Bekanntwerden seiner Verlobung nicht mehr gesehen und wusste daher nicht, ob ihm bewusst war, dass sie davon Kenntnis hatte; dies, gepaart mit dem Bewusstsein dessen, worüber sie nachgedacht hatte und was sie ihm zu sagen hatte, ließ sie sich einige Minuten lang besonders unwohl fühlen. Auch er war sehr bedrückt; und sie saßen zusammen in einem überaus vielversprechenden Zustand der Verlegenheit da. Ob er sie beim Betreten des Zimmers um Verzeihung für sein Eindringen gebeten hatte, konnte er sich nicht entsinnen; doch entschlossen, auf der sicheren Seite zu sein, brachte er seine förmliche Entschuldigung vor, sobald er nach dem Platznehmen etwas sagen konnte.
„Mrs. Jennings sagte mir“, begann er, „dass Sie mit mir sprechen wollten, zumindest habe ich sie so verstanden – sonst wäre ich sicher nicht auf eine solche Weise bei Ihnen eingedrungen; obwohl ich es zugleich außerordentlich bedauert hätte, London zu verlassen, ohne Sie und Ihre Schwester zu sehen; zumal es höchstwahrscheinlich einige Zeit dauern wird – es ist nicht anzunehmen, dass ich so bald das Vergnügen haben werde, Sie wiederzutreffen. Ich reise morgen nach Oxford.“
„Sie wären jedoch nicht abgereist“, sagte Elinor, die sich wieder fasste und entschlossen war, das, was sie so sehr fürchtete, so bald wie möglich hinter sich zu bringen, „ohne unsere guten Wünsche zu empfangen, selbst wenn wir nicht in der Lage gewesen wären, sie Ihnen persönlich zu übermitteln. Mrs. Jennings hatte mit ihrer Aussage vollkommen recht. Ich habe Ihnen etwas von Bedeutung mitzuteilen, was ich gerade schriftlich tun wollte. Ich bin mit einer höchst erfreulichen Aufgabe betraut“ (wobei sie beim Sprechen etwas schneller atmete). „Colonel Brandon, der erst vor zehn Minuten hier war, hat mich gebeten auszurichten, dass er es, da er weiß, dass Sie das geistliche Amt anstreben, als ein großes Vergnügen betrachtet, Ihnen die nun vakante Pfarrstelle von Delaford anzubieten, und er wünscht nur, sie wäre wertvoller. Gestatten Sie mir, Ihnen dazu zu gratulieren, dass Sie einen so achtungswerten und urteilsfähigen Freund haben, und mich seinem Wunsch anzuschließen, dass die Pfarrei – sie ist etwa zweihundert Pfund im Jahr wert – weit beträchtlicher wäre und Ihnen besser dazu verhelfen könnte, sich – als eine mehr als nur vorübergehende Annehmlichkeit für Sie – kurzum, Ihre gesamten Aussichten auf Glück zu festigen.“
Was Edward empfand, kann, da er es nicht selbst aussprechen konnte, von niemand anderem erwartet werden. Er blickte voller Erstaunen, das eine solch unerwartete, eine solch undenkbare Nachricht unweigerlich hervorrufen musste; doch er sagte nur diese zwei Worte:
„Colonel Brandon!“
„Ja“, fuhr Elinor fort und gewann mehr Entschlossenheit, da das Schlimmste bereits überstanden war, „Colonel Brandon meint dies als Zeichen seiner Anteilnahme an dem, was kürzlich geschehen ist – an der grausamen Lage, in die das unverantwortliche Verhalten Ihrer Familie Sie gebracht hat – eine Anteilnahme, die, wie ich sicher bin, Marianne, ich selbst und alle Ihre Freunde teilen müssen; und ebenso als Beweis seiner hohen Achtung für Ihren allgemeinen Charakter und seiner besonderen Billigung Ihres Verhaltens bei dieser Gelegenheit.“
„Colonel Brandon gibt mir eine Pfarrei! – Ist das möglich?“
„Die Lieblosigkeit Ihrer eigenen Verwandten hat Sie erstaunt, irgendwo Freundschaft zu finden.“
„Nein“, erwiderte er mit plötzlicher Erkenntnis, „nicht, sie bei Ihnen zu finden; denn ich kann nicht unwissend darüber sein, dass ich das alles Ihnen, Ihrer Güte verdanke. – Ich fühle es – ich würde es ausdrücken, wenn ich könnte – aber, wie Sie wohl wissen, bin ich kein Redner.“
„Da irren Sie sich sehr. Ich versichere Ihnen, dass Sie dies gänzlich, zumindest fast gänzlich, Ihrem eigenen Verdienst und dem Scharfsinn Colonel Brandons verdanken. Ich hatte keine Hand im Spiel. Ich wusste nicht einmal, bis ich von seinem Vorhaben erfuhr, dass die Pfarrei vakant war; noch war mir in den Sinn gekommen, dass er eine solche Pfarrei zu vergeben haben könnte. Als ein Freund von mir, von meiner Familie, mag er vielleicht – tatsächlich weiß ich, dass er es hat – ein noch größeres Vergnügen daran haben, sie zu verleihen; aber bei meinem Wort, Sie schulden meiner Fürsprache nichts.“
Die Wahrheit zwang sie, einen kleinen Anteil an der Angelegenheit einzuräumen, doch war sie zugleich so wenig gewillt, als Edwards Wohltäterin zu erscheinen, dass sie dies mit Zögern tat; was wahrscheinlich dazu beitrug, den Verdacht in seinem Geist zu festigen, der ihm kürzlich gekommen war. Eine kurze Zeit saß er tief in Gedanken versunken da, nachdem Elinor aufgehört hatte zu sprechen; – schließlich, und als wäre es eher eine Anstrengung, sagte er:
„Colonel Brandon scheint ein Mann von großem Wert und Ansehen zu sein. Ich habe ihn immer nur so von ihm sprechen hören, und Ihr Bruder, so weiß ich, schätzt ihn sehr. Er ist zweifellos ein vernünftiger Mann und in seinem Auftreten vollkommen der Gentleman.“
„Wahrlich“, erwiderte Elinor, „ich glaube, dass Sie ihn bei näherer Bekanntschaft als all das finden werden, als das Sie ihn haben beschreiben hören, und da Sie so sehr nahe Nachbarn sein werden (denn ich verstehe, dass das Pfarrhaus fast unmittelbar am Herrenhaus liegt), ist es besonders wichtig, dass er all dies ist.“
Edward gab keine Antwort; doch als sie den Kopf abwandte, warf er ihr einen Blick zu, der so ernst, so eindringlich, so freudlos war, als wollte er sagen, dass er sich in Zukunft wünschen könnte, die Entfernung zwischen dem Pfarrhaus und dem Herrenhaus wäre weit größer.
„Colonel Brandon logiert, glaube ich, in der St. James Street“, sagte er kurz darauf und erhob sich von seinem Stuhl.
Elinor nannte ihm die Hausnummer.
„Ich muss mich also beeilen, um ihm jenen Dank auszusprechen, den Sie mir nicht erlauben, Ihnen darzubringen; um ihm zu versichern, dass er mich zu einem sehr – einem überaus glücklichen Mann gemacht hat.“
Elinor machte keine Anstalten, ihn aufzuhalten; und sie trennten sich, mit einer sehr eindringlichen Versicherung ihrerseits ihrer unaufhörlichen guten Wünsche für sein Glück in jeder Veränderung der Lebenslage, die ihn treffen möge; seinerseits eher mit dem Versuch, dasselbe Wohlwollen zu erwidern, als mit der Fähigkeit, es auszudrücken.
„Wenn ich ihn wiedersehe“, sagte Elinor zu sich selbst, als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, „werde ich ihn als Ehemann von Lucy sehen.“
Und mit dieser erfreulichen Vorahnung setzte sie sich nieder, um die Vergangenheit zu überdenken, die Worte ins Gedächtnis zu rufen und sich zu bemühen, alle Gefühle Edwards zu begreifen; und natürlich, um über ihre eigenen mit Unzufriedenheit nachzusinnen.
Als Mrs. Jennings nach Hause kam, obwohl sie von Leuten zurückkehrte, die sie noch nie zuvor gesehen hatte und über die sie daher eine Menge zu sagen haben musste, war ihr Geist so sehr von dem wichtigen Geheimnis, das sie besaß, eingenommen als von allem anderen, dass sie darauf zurückkam, sobald Elinor erschien.
„Nun, meine Liebe“, rief sie, „ich habe dir den jungen Mann hinaufgeschickt. Habe ich nicht recht gehandelt? – Und ich vermute, du hattest keine großen Schwierigkeiten – Du fandest ihn nicht sehr abgeneigt, deinen Vorschlag anzunehmen?“
„Nein, gnädige Frau; das war nicht sehr wahrscheinlich.“
„Nun, und wie bald wird er bereit sein? – Denn es scheint alles davon abzuhängen.“
„Wirklich“, sagte Elinor, „ich weiß so wenig über diese Art von Formalitäten, dass ich kaum vermuten kann, wie viel Zeit oder Vorbereitung nötig ist; aber ich nehme an, zwei oder drei Monate werden seine Ordination vollenden.“
„Zwei oder drei Monate!“ rief Mrs. Jennings; „Gott! meine Liebe, wie gelassen du davon sprichst; und kann der Colonel zwei oder drei Monate warten! Gott steh mir bei! – Ich bin sicher, das würde mich ganz ungeduldig machen! – Und obwohl man sehr froh sein sollte, dem armen Mr. Ferrars einen Gefallen zu erweisen, denke ich doch, es lohnt sich nicht, zwei oder drei Monate auf ihn zu warten. Sicher könnte jemand anderes gefunden werden, der genauso gut wäre; jemand, der schon ordiniert ist.“
„Meine liebe gnädige Frau“, sagte Elinor, „woran können Sie denken? Warum, Colonel Brandons einziges Ziel ist es, Mr. Ferrars nützlich zu sein.“
„Gott segne Sie, meine Liebe! Sie wollen mich doch sicher nicht überzeugen, dass der Colonel Sie nur aus dem Grund heiratet, um Mr. Ferrars zehn Guineen zu geben!“
Die Täuschung konnte nach diesem nicht anhalten; und eine Aufklärung fand sofort statt, durch welche beide für den Augenblick beträchtliche Unterhaltung gewannen, ohne nennenswerten Verlust an Glück für eine der beiden, denn Mrs. Jennings tauschte nur eine Form des Entzückens gegen eine andere ein, und zwar ohne ihre Erwartung der ersten aufzugeben.
„Ja, ja, das Pfarrhaus ist nur ein kleines“, sagte sie, nachdem der erste Ausbruch von Überraschung und Zufriedenheit vorüber war, „und mag sehr wohl reparaturbedürftig sein; aber einen Mann sich entschuldigen zu hören, wie ich dachte, für ein Haus, das meines Wissens fünf Wohnräume im Erdgeschoss hat, und ich glaube, die Haushälterin sagte mir, es könnten fünfzehn Betten hergerichtet werden! und das aus Ihrem Mund, die daran gewöhnt waren, im Barton Cottage zu leben! Das erscheint ganz lächerlich. Aber, meine Liebe, wir müssen den Colonel dazu bringen, etwas am Pfarrhaus zu tun und es für sie behaglich zu machen, bevor Lucy einzieht.“
„Aber Colonel Brandon scheint nicht den Gedanken zu haben, dass die Pfarrei ausreicht, damit sie heiraten können.“
„Der Colonel ist ein Einfaltspinsel, meine Liebe; weil er selbst zweitausend Pfund im Jahr hat, denkt er, dass niemand sonst mit weniger heiraten kann. Verlass dich auf mein Wort, dass ich, wenn ich am Leben bin, vor Michaelis einen Besuch im Pfarrhaus von Delaford abstatten werde; und ich bin sicher, ich werde nicht hingehen, wenn Lucy nicht dort ist.“
Elinor war ganz ihrer Meinung, was die Wahrscheinlichkeit betraf, dass sie auf nichts weiter warten würden.
KAPITEL XLI.
Edward, der seinen Dank zu Colonel Brandon getragen hatte, fuhr mit seinem Glück zu Lucy fort; und solch war dessen Übermaß, als er Bartlett’s Buildings erreichte, dass sie Mrs. Jennings, die sie am nächsten Tag erneut mit ihren Glückwünschen besuchte, versichern konnte, sie habe ihn noch nie in ihrem Leben in einer solchen Stimmung gesehen.
Ihr eigenes Glück und ihre eigene Stimmung waren zumindest sehr sicher; und sie schloss sich Mrs. Jennings aufs Herzlichste in ihrer Erwartung an, dass sie alle vor Michaelis gemütlich zusammen im Pfarrhaus von Delaford sein würden. So weit war sie zugleich von jeder Zurückhaltung entfernt, Elinor jenen Kredit zu geben, den Edward ihr geben wollte, dass sie von ihrer Freundschaft zu ihnen beiden mit der dankbarsten Wärme sprach, bereit war, all ihren Dank ihr gegenüber einzugestehen, und offen erklärte, dass keine Anstrengung für ihr Wohl seitens Miss Dashwoods, weder gegenwärtig noch zukünftig, sie je überraschen würde, denn sie hielt sie für fähig, alles auf der Welt für diejenigen zu tun, die sie wirklich schätzte. Was Colonel Brandon betraf, so war sie nicht nur bereit, ihn wie einen Heiligen zu verehren, sondern war zudem aufrichtig besorgt, dass er in allen weltlichen Angelegenheiten auch wie einer behandelt werden sollte; besorgt, dass seine Zehnten bis zum Äußersten erhöht würden; und sie nahm sich insgeheim vor, bei Delaford so weit wie möglich von seinen Dienern, seiner Kutsche, seinen Kühen und seinem Geflügel Gebrauch zu machen.
Es war nun über eine Woche vergangen, seit John Dashwood in Berkeley Street vorgesprochen hatte, und da man von ihrer Seite seitdem keine Notiz mehr von der Unpässlichkeit seiner Frau genommen hatte, abgesehen von einer mündlichen Erkundigung, begann Elinor es als notwendig zu empfinden, ihr einen Besuch abzustatten. – Dies war jedoch eine Verpflichtung, die nicht nur ihrer eigenen Neigung entgegenstand, sondern die auch nicht die Unterstützung einer Ermutigung durch ihre Gefährtinnen hatte. Marianne, die sich nicht damit begnügte, sich absolut zu weigern, selbst zu gehen, drängte sehr darauf, ihre Schwester gänzlich davon abzuhalten; und Mrs. Jennings, obwohl ihre Kutsche Elinor jederzeit zur Verfügung stand, mochte Mrs. John Dashwood so sehr nicht, dass nicht einmal ihre Neugier, zu sehen, wie sie nach der jüngsten Entdeckung aussah, noch ihr starker Wunsch, sie durch das Ergreifen für Edward zu kränken, ihre Abneigung überwinden konnte, wieder in ihrer Gesellschaft zu sein. Die Folge war, dass Elinor allein aufbrach, um einen Besuch abzustatten, für den niemand wirklich weniger Neigung haben konnte, und um das Risiko eines tête-à-tête mit einer Frau einzugehen, die keine der anderen so viel Grund hatte zu missfallen.
Mrs. Dashwood wurde als nicht empfangend gemeldet; aber bevor die Kutsche vom Haus abfahren konnte, kam ihr Ehemann zufällig heraus. Er drückte seine große Freude aus, Elinor zu treffen, sagte ihr, er sei gerade im Begriff gewesen, in Berkeley Street zu besuchen, und, indem er ihr versicherte, Fanny würde sich sehr freuen, sie zu sehen, lud er sie ein, hereinzukommen.
Sie gingen die Treppe hinauf in den Salon. – Niemand war dort.
„Fanny ist in ihrem eigenen Zimmer, vermute ich“, sagte er: „Ich werde gleich zu ihr gehen, denn ich bin sicher, sie wird nicht den geringsten Einwand auf der Welt haben, Sie zu sehen. Ganz im Gegenteil, in der Tat. Jetzt besonders kann es nicht – aber wie auch immer, Sie und Marianne waren immer große Favoritinnen. Warum wollte Marianne nicht kommen?“
Elinor machte die Entschuldigung, die sie konnte.
„Ich bin nicht traurig, Sie allein zu sehen“, erwiderte er, „denn ich habe eine Menge mit Ihnen zu besprechen. Diese Pfarrei von Colonel Brandon – kann es wahr sein? – hat er sie wirklich Edward gegeben? – Ich habe es gestern zufällig gehört und kam eigens zu Ihnen, um mich weiter danach zu erkundigen.“
„Es ist vollkommen wahr. – Colonel Brandon hat die Pfarrei von Delaford an Edward gegeben.“
„Wirklich! – Nun, das ist sehr erstaunlich! – keine Verwandtschaft! – keine Verbindung zwischen ihnen! – und jetzt, wo Pfarreien einen solchen Preis erzielen! – wie war der Wert dieser?“
„Etwa zweihundert Pfund im Jahr.“
„Sehr wohl – und für die nächste Anwartschaft auf eine Pfarrei von diesem Wert – vorausgesetzt, der letzte Inhaber war alt und kränklich und wahrscheinlich bald vakant – hätte er, das wage ich zu sagen, vierzehnhundert Pfund bekommen können. Und wie kam es, dass er diese Angelegenheit nicht vor dem Tod dieser Person geregelt hat? Jetzt, in der Tat, wäre es zu spät, sie zu verkaufen, aber ein Mann von Colonel Brandons Verstand! Ich wundere mich, dass er in einem Punkt von solch allgemeiner, solch natürlicher Bedeutung so unvorsichtig sein sollte! Nun, ich bin überzeugt, dass es eine gewaltige Menge an Inkonsequenz in fast jedem menschlichen Charakter gibt. Ich vermute jedoch – bei näherer Betrachtung –, dass der Fall wahrscheinlich so sein mag: Edward soll die Pfarrei nur innehaben, bis die Person, an die der Colonel die Anwartschaft wirklich verkauft hat, alt genug ist, sie zu übernehmen. Ja, ja, das ist die Tatsache, verlassen Sie sich darauf.“
Elinor widersprach dem jedoch sehr entschieden; und indem sie erzählte, dass sie selbst damit beauftragt gewesen sei, das Angebot von Colonel Brandon an Edward zu übermitteln, und daher die Bedingungen kennen müsse, unter denen es gegeben wurde, zwang sie ihn, sich ihrer Autorität zu fügen.
„Es ist wahrhaft erstaunlich!“ – rief er, nachdem er gehört hatte, was sie sagte – „was könnte das Motiv des Colonels sein?“
„Ein sehr einfaches – Mr. Ferrars nützlich zu sein.“
„Nun, nun; was auch immer Colonel Brandon sein mag, Edward ist ein sehr glücklicher Mann. – Sie werden die Angelegenheit jedoch nicht vor Fanny erwähnen, denn obwohl ich sie ihr behutsam beigebracht habe und sie es überaus gut trägt – wird sie es nicht mögen, wenn viel darüber geredet wird.“
Elinor hatte hier einige Schwierigkeit, davon abzusehen, zu bemerken, dass sie dachte, Fanny hätte den Vermögenszuwachs für ihren Bruder mit Gelassenheit ertragen können, durch den weder sie noch ihr Kind möglicherweise verarmt werden könnten.
„Mrs. Ferrars“, fügte er hinzu und senkte seine Stimme auf den Ton, der einem so wichtigen Thema angemessen war, „weiß gegenwärtig nichts davon, und ich glaube, es wird am besten sein, es so lange wie möglich vollständig vor ihr zu verbergen. Wenn die Heirat stattfindet, fürchte ich, muss sie von allem erfahren.“
„Aber warum sollte eine solche Vorsicht angewandt werden? Obwohl nicht anzunehmen ist, dass Mrs. Ferrars die kleinste Befriedigung darin finden kann, zu wissen, dass ihr Sohn genug Geld zum Leben hat, denn das muss völlig außer Frage stehen; doch warum sollte sie nach ihrem jüngsten Verhalten überhaupt etwas empfinden? Sie hat mit ihrem Sohn abgeschlossen, – sie hat ihn für immer verstoßen und alle diejenigen, über die sie irgendeinen Einfluss hatte, veranlasst, ihn ebenfalls auszustoßen. Sicherlich, nachdem sie das getan hat, kann man sich nicht vorstellen, dass sie für irgendeinen Eindruck von Trauer oder Freude seinetwegen empfänglich wäre: sie kann an nichts interessiert sein, was ihm widerfährt. Sie wäre nicht so schwach, den Trost eines Kindes wegzuwerfen und doch die Sorge eines Elternteils beizubehalten!“
„Ach! Elinor“, sagte John, „Ihre Argumentation ist sehr gut, aber sie gründet auf Unwissenheit über die menschliche Natur. Wenn Edwards unglückliche Heirat stattfindet, verlassen Sie sich darauf, wird seine Mutter ebenso viel empfinden, als hätte sie ihn nie verstoßen; und daher muss jeder Umstand, der dieses schreckliche Ereignis beschleunigen könnte, so weit wie möglich vor ihr verborgen werden. Mrs. Ferrars kann niemals vergessen, dass Edward ihr Sohn ist.“
„Sie überraschen mich; ich sollte meinen, das muss ihr inzwischen fast aus dem Gedächtnis entschwunden sein.“
„Sie tun ihr überaus Unrecht. Mrs. Ferrars ist eine der liebevollsten Mütter der Welt.“
Elinor schwieg.
„Wir denken jetzt“, sagte Mr. Dashwood nach einer kurzen Pause, „dass Robert Miss Morton heiratet.“
Elinor, die über die gravierende und entscheidende Bedeutung des Tons ihres Bruders lächelte, erwiderte ruhig:
„Die Dame, nehme ich an, hat keine Wahl in der Angelegenheit.“
„Wahl! – wie meinen Sie das?“
„Ich meine nur, dass ich annehme, nach Ihrer Art zu sprechen, muss es für Miss Morton gleich sein, ob sie Edward oder Robert heiratet.“
„Sicherlich kann es keinen Unterschied geben; denn Robert wird nun in jeder Hinsicht als der älteste Sohn betrachtet werden; – und was alles andere betrifft, sind sie beide sehr angenehme junge Männer: Ich weiß nicht, dass einer dem anderen überlegen ist.“
Elinor sagte nichts weiter, und John schwieg ebenfalls für eine kurze Zeit. – Seine Überlegungen endeten so:
„Einer Sache, meine liebe Schwester“, ergriff er freundlich ihre Hand und sprach in einem ehrfurchtsvollen Flüstern, „kann ich Sie versichern; – und ich werde es tun, weil ich weiß, dass es Sie erfreuen muss. Ich habe guten Grund zu glauben – tatsächlich habe ich es aus bester Quelle, sonst würde ich es nicht wiederholen, denn andernfalls wäre es sehr falsch, irgendetwas darüber zu sagen, – aber ich habe es aus der allerbesten Quelle – nicht, dass ich jemals genau gehört hätte, wie Mrs. Ferrars es selbst sagte – aber ihre Tochter tat es, und ich habe es von ihr – dass kurzum, welche Einwände es auch gegen eine gewisse – eine gewisse Verbindung geben mochte, Sie verstehen mich – es wäre ihr weit lieber gewesen; – es hätte ihr nicht halb so viel Ärger bereitet, wie dies es tut. Ich war überaus erfreut zu hören, dass Mrs. Ferrars es in diesem Licht betrachtete; ein sehr erfreulicher Umstand, wissen Sie, für uns alle. ‚Es wäre unvergleichlich‘, sagte sie, ‚das kleinere der beiden Übel gewesen, und sie wäre froh, sich jetzt mit nichts Schlimmerem abzufinden.‘ Aber wie dem auch sei, das alles steht völlig außer Frage – nicht daran zu denken oder es zu erwähnen – was irgendeine Bindung angeht, wissen Sie, das könnte niemals sein: das alles ist vorbei. Aber ich dachte, ich würde Ihnen das nur kurz sagen, weil ich wusste, wie sehr es Sie erfreuen muss. Nicht, dass Sie irgendeinen Grund zur Reue hätten, meine liebe Elinor. Es besteht kein Zweifel, dass es Ihnen überaus gut gehen wird – ganz genauso gut, oder besser vielleicht, alles in Betracht gezogen. War Colonel Brandon in letzter Zeit bei Ihnen?“
Elinor hatte genug gehört, wenn nicht, um ihre Eitelkeit zu befriedigen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern, so doch, um ihre Nerven zu erschüttern und ihren Geist zu erfüllen; – und sie war daher froh, durch das Eintreten von Mr. Robert Ferrars von der Notwendigkeit verschont zu bleiben, selbst viel zur Antwort zu geben, und von der Gefahr, etwas weiter von ihrem Bruder zu hören. Nach einigem Geplänkel verließ John Dashwood, sich erinnernd, dass Fanny noch nicht darüber informiert war, dass ihre Schwester dort sei, das Zimmer, um sie zu suchen; und Elinor blieb zurück, um ihre Bekanntschaft mit Robert zu vertiefen, der durch die fröhliche Unbekümmertheit, die glückliche Selbstgefälligkeit seiner Art, während er eine so ungerechte Aufteilung der Liebe und Freigebigkeit seiner Mutter zum Nachteil seines verbannten Bruders genoss, verdient nur durch seine eigene verschwenderische Lebensweise und die Integrität jenes Bruders, ihre höchst ungünstige Meinung von seinem Verstand und Herzen nur noch bestätigte.
Kaum waren sie zwei Minuten allein, als er anfing, von Edward zu sprechen; denn auch er hatte von der Pfründe gehört und war in dieser Angelegenheit sehr neugierig. Elinor wiederholte die Einzelheiten, so wie sie sie John mitgeteilt hatte, und ihre Wirkung auf Robert war, wenn auch sehr verschieden, nicht weniger bemerkenswert als bei jenem. Er lachte maßlos. Die Vorstellung, dass Edward ein Geistlicher sei und in einem kleinen Pfarrhaus lebe, amüsierte ihn über alle Maßen; und als dazu noch die phantasievolle Ausmalung kam, wie Edward in einem weißen Chorhemd bete und das Aufgebot der Ehe zwischen John Smith und Mary Brown verkünde, konnte er sich nichts Lächerlicheres vorstellen.
Elinor, die schweigend und mit unbeweglicher Miene das Ende dieser Torheit abwartete, konnte ihre Augen nicht davon abhalten, ihn mit einem Blick zu fixieren, der all die Verachtung ausdrückte, die er erregte. Es war jedoch ein wohlplatzierter Blick, denn er erleichterte ihr eigenes Befinden und verriet ihm nichts. Er wurde von seinem Witz zur Vernunft zurückgerufen, nicht durch einen Tadel von ihrer Seite, sondern durch sein eigenes Empfinden.
„Wir können es als Scherz betrachten“, sagte er schließlich, als er sich von dem aufgesetzten Lachen erholte, das die echte Heiterkeit des Augenblicks beträchtlich in die Länge gezogen hatte; „aber bei meiner Seele, es ist eine höchst ernste Angelegenheit. Der arme Edward! Er ist für immer ruiniert. Es tut mir außerordentlich leid; denn ich weiß, dass er ein sehr gutherziges Geschöpf ist; vielleicht so wohlmeinend wie kaum ein anderer auf der Welt. Sie dürfen ihn, Miss Dashwood, nicht nach Ihrer flüchtigen Bekanntschaft beurteilen. Der arme Edward! Seine Manieren sind wahrlich nicht die glücklichsten von Natur aus. Aber wir sind, wissen Sie, nicht alle mit denselben Fähigkeiten geboren, demselben Auftreten. Armer Kerl! Ihn in einem Kreis von Fremden zu sehen! Sicherlich war es bemitleidenswert genug; aber bei meiner Seele, ich glaube, er hat ein so gutes Herz wie jeder im Königreich; und ich erkläre und beteuere Ihnen, ich war noch nie in meinem Leben so schockiert, wie als es alles herauskam. Ich konnte es nicht glauben. Meine Mutter war die Erste, die mir davon erzählte; und da ich mich berufen fühlte, mit Entschlossenheit zu handeln, sagte ich ihr sofort: ‚Meine liebe Mutter, ich weiß nicht, was Sie in dieser Angelegenheit zu tun gedenken, aber was mich betrifft, so muss ich sagen: Wenn Edward diese junge Frau heiratet, werde ich ihn nie wiedersehen.‘ Das war es, was ich sogleich sagte. Ich war in der Tat außerordentlich schockiert! Der arme Edward! Er hat sich vollkommen erledigt – sich für immer von aller anständigen Gesellschaft ausgeschlossen! Aber, wie ich sogleich zu meiner Mutter sagte, bin ich nicht im Geringsten darüber überrascht; nach seiner Art der Erziehung war das immer zu erwarten. Meine arme Mutter war halb von Sinnen.“
„Haben Sie die Dame jemals gesehen?“
„Ja; einmal, als sie in diesem Hause weilte, schaute ich zufällig für zehn Minuten vorbei; und ich habe genug von ihr gesehen. Das bloßeste, unbeholfenste Landmädchen, ohne Stil, ohne Eleganz und beinahe ohne Schönheit. Ich erinnere mich vollkommen an sie. Genau die Art von Mädchen, von der ich annehmen würde, dass sie den armen Edward bezaubern könnte. Ich bot sofort an, sobald meine Mutter mir die Angelegenheit schilderte, selbst mit ihm zu reden und ihn von der Verbindung abzubringen; aber ich fand, es war zu spät, um noch etwas zu tun, denn unglücklicherweise war ich anfangs nicht in der Nähe und wusste nichts davon, bis der Bruch bereits stattgefunden hatte; da stand es mir, wie Sie wissen, nicht zu, mich einzumischen. Aber wäre ich ein paar Stunden früher informiert worden, denke ich, ist es höchst wahrscheinlich, dass man etwas hätte finden können. Ich hätte es Edward sicherlich in einem sehr deutlichen Licht dargestellt. ‚Mein lieber Freund‘, hätte ich gesagt, ‚bedenken Sie, was Sie tun. Sie gehen eine höchst beschämende Verbindung ein, eine, die Ihre Familie einmütig missbilligt.‘ Kurz gesagt, ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass Mittel und Wege gefunden worden wären. Aber jetzt ist es alles zu spät. Er muss verhungern, wissen Sie, das ist sicher; absolut verhungern.“
Er hatte diesen Punkt gerade mit großer Gelassenheit geklärt, als das Erscheinen von Mrs. John Dashwood das Thema beendete. Doch obwohl sie außerhalb ihrer eigenen Familie nie darüber sprach, konnte Elinor den Einfluss auf ihren Geist an dem Ausdruck einer gewissen Verwirrung in ihrem Gesicht erkennen, mit dem sie eintrat, sowie an einem Versuch von Herzlichkeit in ihrem Verhalten ihr gegenüber. Sie ging sogar so weit, sich darüber besorgt zu zeigen, dass Elinor und ihre Schwester die Stadt so bald verlassen würden, da sie gehofft hatte, sie öfter zu sehen – eine Anstrengung, in der ihr Ehemann, der sie in den Raum begleitete und hingerissen an ihren Worten hing, alles als höchst liebevoll und graziös zu empfinden schien.
KAPITEL XLII.
Ein weiterer kurzer Besuch in der Harley Street, bei dem Elinor die Glückwünsche ihres Bruders dazu entgegennahm, dass sie ohne Kosten so weit in Richtung Barton gereist waren und dass Colonel Brandon ihnen in ein oder zwei Tagen nach Cleveland folgen würde, beendete den Verkehr zwischen dem Bruder und den Schwestern in der Stadt; und eine schwache Einladung von Fanny, nach Norland zu kommen, wann immer es auf ihrem Weg liegen sollte, was von allen Dingen am unwahrscheinlichsten war, zusammen mit einer wärmeren, wenn auch weniger öffentlichen Versicherung Johns gegenüber Elinor, wie bereitwillig er sie in Delaford besuchen würde, war alles, was irgendein Wiedersehen auf dem Lande ankündigte.
Es amüsierte sie zu beobachten, dass all ihre Freunde entschlossen zu sein schienen, sie nach Delaford zu schicken – ein Ort, den sie von allen anderen jetzt am wenigsten zu besuchen oder zu bewohnen wünschte; denn nicht nur wurde er von ihrem Bruder und Mrs. Jennings als ihr zukünftiges Heim betrachtet, sondern selbst Lucy sprach ihr beim Abschied eine dringende Einladung aus, sie dort zu besuchen.
Sehr früh im April, und einigermaßen früh am Tag, brachen die beiden Parteien aus dem Hanover Square und der Berkeley Street von ihren jeweiligen Wohnsitzen auf, um sich nach Verabredung unterwegs zu treffen. Der Bequemlichkeit von Charlotte und ihrem Kind zuliebe sollten sie mehr als zwei Tage für ihre Reise benötigen, und Mr. Palmer, der eiliger mit Colonel Brandon reiste, sollte kurz nach ihrer Ankunft in Cleveland zu ihnen stoßen.
Marianne, so wenige Stunden des Wohlbefindens sie auch in London gehabt hatte und so begierig sie auch seit Langem darauf war, es zu verlassen, konnte, als es so weit war, nicht ohne großen Schmerz Abschied von dem Haus nehmen, in dem sie zum letzten Mal jene Hoffnungen und jenes Vertrauen in Willoughby genossen hatte, die nun für immer erloschen waren. Noch konnte sie den Ort, an dem Willoughby verblieb, beschäftigt mit neuen Verpflichtungen und neuen Plänen, an denen sie keinen Anteil haben konnte, verlassen, ohne viele Tränen zu vergießen.
Elinors Zufriedenheit im Moment der Abreise war positiver. Sie hatte kein solches Objekt, an dem ihre verweilenden Gedanken haften konnten; sie ließ kein Geschöpf zurück, von dem getrennt zu sein ihr auch nur einen Moment des Bedauerns bereiten würde; sie war froh, selbst von der Verfolgung durch Lucys Freundschaft befreit zu sein; sie war dankbar, ihre Schwester von dort fortzubringen, ohne dass Willoughby sie seit seiner Hochzeit gesehen hatte, und sie blickte hoffnungsvoll auf das, was ein paar Monate der Ruhe in Barton zur Wiederherstellung von Mariannes Seelenfrieden und zur Festigung ihres eigenen beitragen könnten.
Ihre Reise wurde sicher durchgeführt. Der zweite Tag brachte sie in die geschätzte, oder verbotene, Grafschaft Somerset, denn als solche wurde sie abwechselnd in Mariannes Phantasie betrachtet; und am Vormittag des dritten Tages fuhren sie in Cleveland vor.
Cleveland war ein geräumiges, modern erbautes Haus, das auf einer abfallenden Rasenfläche lag. Es besaß keinen Park, aber die Anlagen waren einigermaßen weitläufig; und wie jeder andere Ort von gleicher Bedeutung hatte es sein offenes Gebüsch und einen engeren Waldweg; ein Weg aus glattem Kies wand sich um eine Pflanzung und führte zum Eingang; der Rasen war mit Bäumen übersät, das Haus selbst stand unter der Obhut von Tannen, Ebereschen und Akazien, und ein dichter Schirm aus diesen, durchsetzt mit hohen Pyramidenpappeln, schirmte die Wirtschaftsgebäude ab.
Marianne betrat das Haus mit einem Herzen, das vor Emotionen schwoll, im Bewusstsein, nur achtzig Meilen von Barton und nicht dreißig von Combe Magna entfernt zu sein; und bevor sie fünf Minuten innerhalb seiner Mauern verweilt hatte, während die anderen eifrig Charlotte dabei halfen, der Haushälterin ihr Kind zu zeigen, verließ sie es wieder und schlich durch das sich windende Gebüsch, das gerade erst anfing, in seiner Schönheit zu erblühen, um eine ferne Anhöhe zu gewinnen; wo ihr Auge von einem griechischen Tempel aus über eine weite Landschaft nach Südosten schweifen konnte, um voll Zärtlichkeit auf dem fernsten Hügelkamm am Horizont zu ruhen und sich einzubilden, dass von deren Gipfeln aus Combe Magna zu sehen sein müsse.
In solchen Momenten kostbaren, unschätzbaren Elends freute sie sich unter Tränen der Qual, in Cleveland zu sein; und als sie auf einem anderen Weg zum Haus zurückkehrte, das glückliche Privileg ländlicher Freiheit spürend, von Ort zu Ort in freier und luxuriöser Einsamkeit zu wandern, nahm sie sich vor, während ihres Aufenthalts bei den Palmers fast jede Stunde jedes Tages dem Genuss solcher einsamen Streifzüge zu widmen.
Sie kehrte gerade rechtzeitig zurück, um sich den anderen anzuschließen, als diese das Haus für einen Ausflug durch das unmittelbare Gelände verließen; und der Rest des Vormittags wurde leicht vertrödelt, indem man um den Küchengarten schlenderte, die Blüte an seinen Mauern untersuchte und den Klagen des Gärtners über den Getreidebrand lauschte, durch das Gewächshaus trödelte, wo der Verlust ihrer Lieblingspflanzen, die unvorsichtig ausgesetzt und vom anhaltenden Frost geknickt worden waren, das Gelächter von Charlotte hervorrief – und den Geflügelhof besuchte, wo sie in den enttäuschten Hoffnungen der Milchmagd, weil Hennen ihre Nester verließen oder von einem Fuchs gestohlen wurden, oder im raschen Rückgang einer vielversprechenden jungen Brut, neue Quellen der Heiterkeit fand.
Der Vormittag war schön und trocken, und Marianne hatte in ihrem Plan für Beschäftigungen im Freien nicht mit einem Wetterumschwung während ihres Aufenthalts in Cleveland gerechnet. Mit großer Überraschung sah sie sich daher durch anhaltenden Regen daran gehindert, nach dem Essen noch einmal auszugehen. Sie hatte auf einen Dämmerungsspaziergang zum griechischen Tempel und vielleicht über das ganze Gelände gehofft, und ein Abend, der nur kalt oder feucht war, hätte sie nicht davon abgehalten; aber bei einem schweren und stetigen Regen konnte selbst sie kein trockenes oder angenehmes Wetter zum Spazierengehen erkennen.
Ihre Gesellschaft war klein, und die Stunden vergingen ruhig. Mrs. Palmer hatte ihr Kind, und Mrs. Jennings ihre Teppicharbeit; sie sprachen von den Freunden, die sie zurückgelassen hatten, planten Lady Middletons Verpflichtungen und fragten sich, ob Mr. Palmer und Colonel Brandon an diesem Abend weiter als Reading kommen würden. Elinor, obwohl sie nur wenig damit zu tun hatte, beteiligte sich an ihrem Gespräch; und Marianne, die das Geschick besaß, in jedem Haus den Weg zur Bibliothek zu finden, wie sehr sie auch von der Familie im Allgemeinen gemieden werden mochte, verschaffte sich bald ein Buch.
Von Mrs. Palmers Seite fehlte es an nichts, was beständige und freundliche gute Laune tun konnte, um sie sich willkommen fühlen zu lassen. Die Offenheit und Herzlichkeit ihrer Art machten den Mangel an Aufmerksamkeit und Eleganz mehr als wett, der sie oft in den Formen der Höflichkeit fehlen ließ; ihre Güte, empfohlen durch ein so hübsches Gesicht, war einnehmend; ihre Torheit war, obwohl offensichtlich, nicht abstoßend, weil sie nicht eingebildet war; und Elinor hätte alles verziehen außer ihrem Lachen.
Die beiden Herren kamen am nächsten Tag zu einem sehr späten Abendessen an, was eine angenehme Vergrößerung der Gesellschaft und eine sehr willkommene Abwechslung für ihr Gespräch bot, das ein langer Vormittag des gleichen anhaltenden Regens auf ein sehr niedriges Niveau reduziert hatte.
Elinor hatte so wenig von Mr. Palmer gesehen und in diesem Wenigen so viel Abwechslung in seinem Auftreten ihr und ihrer Schwester gegenüber bemerkt, dass sie nicht wusste, was sie bei ihm in seiner eigenen Familie erwarten sollte. Sie fand ihn jedoch in seinem Verhalten gegenüber allen Besuchern vollkommen als Gentleman und nur gelegentlich unhöflich gegenüber seiner Frau und deren Mutter; sie fand ihn sehr wohl fähig, ein angenehmer Gesellschafter zu sein, und nur dadurch daran gehindert, es immer zu sein, dass er zu sehr dazu neigte, sich für den Menschen im Allgemeinen so weit überlegen zu halten, wie er sich Mrs. Jennings und Charlotte gegenüber fühlen musste. Was den Rest seines Charakters und seiner Gewohnheiten betraf, so waren sie, soweit Elinor es beurteilen konnte, durch keine Züge gekennzeichnet, die für sein Geschlecht und sein Lebensalter ungewöhnlich waren. Er war wählerisch beim Essen, unbeständig in seinen Zeiten; liebte sein Kind, obwohl er vorgab, es zu vernachlässigen; und vertrödelte die Vormittage mit Billard, die eigentlich der Arbeit hätten gewidmet sein sollen. Alles in allem mochte sie ihn jedoch viel lieber, als sie erwartet hatte, und in ihrem Herzen war sie nicht traurig, dass sie ihn nicht mehr mögen konnte; nicht traurig, durch die Beobachtung seines Epikureismus, seiner Selbstsucht und seiner Einbildung dazu getrieben zu werden, mit Zufriedenheit an Edwards großzügiges Wesen, seinen einfachen Geschmack und seine zurückhaltenden Gefühle zu denken.
Von Edward, oder zumindest von einigen seiner Angelegenheiten, erhielt sie nun Nachrichten von Colonel Brandon, der kürzlich in Dorsetshire gewesen war; und der sie sogleich als die uneigennützige Freundin von Mr. Ferrars und als seine eigene gütige Vertraute behandelte, viel mit ihr über das Pfarrhaus in Delaford sprach, dessen Mängel beschrieb und ihr mitteilte, was er selbst zu tun gedachte, um sie zu beheben. Sein Verhalten ihr gegenüber in diesem wie in jedem anderen Punkt, seine offene Freude, sie nach einer Abwesenheit von nur zehn Tagen wiederzusehen, seine Bereitschaft, sich mit ihr zu unterhalten, und seine Achtung vor ihrer Meinung könnten Mrs. Jennings’ Überzeugung von seiner Zuneigung sehr wohl rechtfertigen und hätten vielleicht ausgereicht, sie selbst dazu zu bringen, es zu vermuten, wäre Elinor nicht immer, wie von Anfang an, davon überzeugt gewesen, dass Marianne seine wahre Favoritin sei. Aber so wie die Dinge lagen, war ihr ein solcher Gedanke kaum je in den Sinn gekommen, außer durch Mrs. Jennings’ Andeutung; und sie konnte nicht umhin, sich für die scharfsinnigere Beobachterin von beiden zu halten; sie beobachtete seine Augen, während Mrs. Jennings nur an sein Verhalten dachte; und während seine Blicke ängstlicher Besorgnis über Mariannes Schmerzen in Kopf und Hals, dem Beginn einer schweren Erkältung, weil sie nicht in Worte gefasst wurden, der letztgenannten Dame völlig entgingen, konnte sie in ihnen die raschen Empfindungen und die unnötige Alarmierung eines Liebenden entdecken.
Zwei herrliche Dämmerungsspaziergänge an den dritten und vierten Abenden ihres Aufenthalts, nicht nur auf dem trockenen Kies des Gebüsches, sondern über das ganze Gelände, besonders in den entlegensten Teilen, wo es etwas wilder zuging als anderswo, wo die Bäume am ältesten und das Gras am längsten und nassesten war, hatten – unterstützt durch die noch größere Unvorsichtigkeit, in nassen Schuhen und Strümpfen zu sitzen – bei Marianne eine Erkältung verursacht, die so heftig war, dass sie, obwohl sie ein oder zwei Tage lang als belanglos abgetan oder geleugnet wurde, sich durch zunehmende Beschwerden der Sorge aller und der Aufmerksamkeit ihrer selbst aufdrängen musste. Rezepte flossen von allen Seiten ein und wurden, wie üblich, alle abgelehnt. Obwohl schwerfällig und fiebrig, mit Schmerzen in den Gliedern, Husten und Halsschmerzen, sollte eine gute Nachtruhe sie vollständig heilen; und es war nur mit Mühe, dass Elinor sie dazu brachte, als sie zu Bett ging, ein oder zwei der einfachsten Heilmittel zu versuchen.
KAPITEL XLIII.
Marianne stand am nächsten Morgen zur gewohnten Zeit auf; auf jede Nachfrage antwortete sie, dass es ihr besser gehe, und versuchte dies zu beweisen, indem sie sich ihren üblichen Beschäftigungen widmete. Doch ein Tag, den sie damit verbrachte, zitternd am Kamin zu sitzen mit einem Buch in der Hand, das sie nicht lesen konnte, oder matt und lustlos auf einem Sofa zu liegen, sprach nicht sehr für ihre Besserung; und als sie schließlich früh zu Bett ging, mehr und mehr unpässlich, war Colonel Brandon nur über die Fassung ihrer Schwester erstaunt, die, obwohl sie sie den ganzen Tag gegen Mariannes Willen pflegte und ihr abends die richtigen Medikamente aufzwang, wie Marianne auf die Gewissheit und Wirksamkeit des Schlafes vertraute und keine wirkliche Besorgnis empfand.
Eine sehr unruhige und fiebrige Nacht enttäuschte jedoch die Erwartung beider; und als Marianne, nachdem sie darauf beharrt hatte aufzustehen, gestand, dass sie nicht aufrecht sitzen könne, und freiwillig in ihr Bett zurückkehrte, war Elinor sehr bereit, den Rat von Mrs. Jennings anzunehmen, nach dem Apotheker der Palmers zu schicken.
Er kam, untersuchte seine Patientin, und obwohl er Miss Dashwood ermutigte, zu erwarten, dass einige wenige Tage ihre Schwester wieder zur Gesundheit führen würden, löste er, indem er die Neigung ihrer Krankheit zu Fäulnisprozessen aussprach und das Wort „Ansteckung“ über seine Lippen kommen ließ, bei Mrs. Palmer sofortigen Alarm wegen ihres Babys aus. Mrs. Jennings, die von Anfang an dazu geneigt hatte, Mariannes Leiden für ernster zu halten als Elinor, blickte nun sehr ernst auf Mr. Harris’ Bericht, und indem sie Charlottes Ängste und Vorsicht bestätigte, drängte sie auf die Notwendigkeit ihrer sofortigen Abreise mit ihrem Säugling; und Mr. Palmer, obwohl er ihre Befürchtungen als müßig abtat, fand die Angst und das Drängen seiner Frau zu groß, als dass man ihnen hätte widerstehen können. Ihr Aufbruch wurde daher festgesetzt; und innerhalb einer Stunde nach Mr. Harris’ Ankunft brach sie mit ihrem kleinen Jungen und dessen Kindermädchen zum Haus eines nahen Verwandten von Mr. Palmer auf, der ein paar Meilen auf der anderen Seite von Bath lebte; wohin ihr Ehemann versprach, auf ihr eindringliches Bitten hin in ein oder zwei Tagen zu folgen; und wohin sie ihre Mutter fast ebenso dringend bat, sie zu begleiten. Mrs. Jennings jedoch, mit einer Herzensgüte, die Elinor sie wahrhaft lieben ließ, erklärte ihre Entschlossenheit, Cleveland nicht zu verlassen, solange Marianne krank blieb, und durch ihre eigene aufmerksame Pflege zu versuchen, ihr die Mutter zu ersetzen, von der sie sie weggebracht hatte; und Elinor fand sie bei jeder Gelegenheit als eine höchst willige und aktive Helferin, die bestrebt war, an all ihren Strapazen teilzuhaben, und oft durch ihre bessere Erfahrung in der Pflege von wesentlichem Nutzen.
Die arme Marianne, matt und niedergeschlagen von der Art ihres Leidens und sich allgemein krank fühlend, konnte nicht länger hoffen, dass der morgige Tag sie genesen fände; und die Vorstellung dessen, was der morgige Tag ohne diese unglückselige Krankheit gebracht hätte, machte jedes Leiden schwerer; denn an jenem Tag sollten sie ihre Heimreise begonnen haben und – den ganzen Weg von einem Dienstboten von Mrs. Jennings begleitet – ihre Mutter am darauffolgenden Vormittag mit einer Überraschung besucht haben. Das Wenige, was sie sagte, war ein einziges Wehklagen über diese unvermeidliche Verzögerung; obwohl Elinor versuchte, ihre Stimmung zu heben und sie glauben zu machen, wie sie damals selbst wirklich glaubte, dass es nur eine sehr kurze sein würde.
Der nächste Tag brachte wenig oder keine Veränderung im Zustand der Patientin; sie war sicherlich nicht besser, und außer dass es keine Besserung gab, schien sie nicht schlechter zu sein. Ihre Gesellschaft war nun weiter reduziert; denn Mr. Palmer, obwohl er sehr ungern ging, ebenso sehr aus wahrer Menschlichkeit und Gutmütigkeit wie aus einer Abneigung dagegen, so auszusehen, als sei er von seiner Frau weggejagt worden, wurde schließlich von Colonel Brandon überzeugt, sein Versprechen zu erfüllen, ihr zu folgen; und während er sich auf den Weg machte, begann Colonel Brandon selbst mit einer viel größeren Anstrengung, ebenfalls vom Gehen zu sprechen. Hier jedoch intervenierte die Güte von Mrs. Jennings höchst dankenswert; denn den Colonel fortzuschicken, während seine Liebe wegen ihrer Schwester in so großer Unruhe war, würde sie beide, so dachte sie, jedes Trostes berauben; und deshalb sagte sie ihm auf einmal, dass sein Verbleib in Cleveland für sie selbst notwendig sei, dass sie ihn brauchen würde, um abends Piquet zu spielen, während Miss Dashwood oben bei ihrer Schwester sei, usw., sie drängte ihn so nachdrücklich zum Bleiben, dass er, der durch ein Nachgeben den ersten Wunsch seines eigenen Herzens erfüllte, nicht lange auch nur so tun konnte, als würde er zögern; besonders da Mrs. Jennings’ Bitte wärmstens von Mr. Palmer unterstützt wurde, der eine Erleichterung für sich selbst darin zu empfinden schien, eine Person zurückzulassen, die so wohl in der Lage war, Miss Dashwood in jeder Notlage zu unterstützen oder zu beraten.
Marianne wurde natürlich in Unkenntnis über all diese Vorkehrungen gelassen. Sie wusste nicht, dass sie die Ursache dafür gewesen war, dass die Besitzer von Cleveland etwa sieben Tage nach dem Zeitpunkt ihrer Ankunft fortgeschickt wurden. Es überraschte sie nicht, dass sie nichts von Mrs. Palmer sah; und da es sie ebenso wenig kümmerte, erwähnte sie ihren Namen nie.
Zwei Tage vergingen seit der Abreise von Mr. Palmer, und ihr Zustand blieb mit geringer Veränderung derselbe. Mr. Harris, der sie jeden Tag besuchte, sprach noch immer kühn von einer baldigen Genesung, und Miss Dashwood war ebenso zuversichtlich; doch die Erwartung der anderen war bei weitem nicht so heiter. Mrs. Jennings hatte schon sehr früh nach dem Anfall beschlossen, dass Marianne ihn nicht überleben würde, und Colonel Brandon, der hauptsächlich dazu diente, sich die Vorahnungen von Mrs. Jennings anzuhören, war nicht in einer Gemütsverfassung, ihrem Einfluss zu widerstehen. Er versuchte, sich seine Ängste auszureden, die durch das abweichende Urteil des Apothekers absurd erschienen; doch die vielen Stunden eines jeden Tages, in denen er völlig allein gelassen wurde, waren nur allzu förderlich für das Aufkommen jedes melancholischen Gedankens, und er konnte die Überzeugung nicht aus seinem Geist verbannen, dass er Marianne nicht wiedersehen würde.
Am Morgen des dritten Tages jedoch waren die düsteren Vorahnungen beider fast verflogen; denn als Mr. Harris eintraf, erklärte er seine Patientin für wesentlich gebessert. Ihr Puls war viel kräftiger, und jedes Symptom war günstiger als beim vorangegangenen Besuch. Elinor, in jeder erfreulichen Hoffnung bestärkt, war ganz Heiterkeit; sie freute sich, dass sie in ihren Briefen an ihre Mutter ihrem eigenen Urteil gefolgt war statt dem ihrer Freundin, indem sie die Unpässlichkeit, die sie in Cleveland aufhielt, als sehr geringfügig darstellte; und sie legte fast den Zeitpunkt fest, an dem Marianne in der Lage sein würde zu reisen.
Doch der Tag endete nicht so verheißungsvoll, wie er begonnen hatte. Gegen Abend wurde Marianne wieder krank, sie wurde schwerfälliger, unruhiger und unbehaglicher als zuvor. Ihre Schwester jedoch, noch immer zuversichtlich, wollte die Veränderung auf nichts weiter als die Erschöpfung zurückführen, da sie aufgesessen hatte, um ihr Bett machen zu lassen; und nachdem sie sorgfältig die verordneten Stärkungsmittel verabreicht hatte, sah sie sie mit Zufriedenheit schließlich in einen Schlummer sinken, von dem sie sich die wohltuendste Wirkung versprach. Ihr Schlaf, obwohl nicht so ruhig, wie Elinor ihn sich wünschte, dauerte eine beträchtliche Zeit; und in dem Wunsch, das Ergebnis selbst zu beobachten, beschloss sie, während der gesamten Zeit bei ihr zu sitzen. Mrs. Jennings, die nichts von einer Veränderung bei der Patientin wusste, ging ungewöhnlich früh zu Bett; ihr Dienstmädchen, das eine der Hauptpflegerinnen war, vergnügte sich im Zimmer der Haushälterin, und Elinor blieb allein bei Marianne.
Die Ruhe der Letzteren wurde immer gestörter; und ihre Schwester, die mit unermüdlicher Aufmerksamkeit ihren ständigen Wechsel der Körperhaltung beobachtete und die häufigen, aber unartikulierten Klagegeräusche hörte, die über ihre Lippen kamen, wünschte fast, sie aus einem so schmerzhaften Schlummer zu wecken, als Marianne, plötzlich durch ein zufälliges Geräusch im Haus geweckt, hastig auffuhr und mit fiebriger Wildheit ausrief:
„Kommt Mama?“
„Noch nicht“, rief die andere, ihr Entsetzen verbergend und Marianne helfend, sich wieder hinzulegen, „aber sie wird, so hoffe ich, bald hier sein. Es ist ein weiter Weg, weißt du, von hier bis Barton.“
„Aber sie darf nicht den Umweg über London machen“, rief Marianne in derselben hastigen Art. „Ich werde sie nie sehen, wenn sie über London fährt.“
Elinor bemerkte mit Bestürzung, dass sie nicht ganz sie selbst war, und während sie versuchte, sie zu beruhigen, fühlte sie eifrig ihren Puls. Er war schwächer und schneller als je zuvor! Und da Marianne weiterhin wirr von Mama sprach, wuchs ihre Beunruhigung so schnell, dass sie beschloss, sofort nach Mr. Harris zu schicken und einen Boten nach Barton zu ihrer Mutter zu entsenden. Sich mit Colonel Brandon über die besten Mittel zur Durchführung des Letzteren zu beraten, war ein Gedanke, der unmittelbar auf den Entschluss folgte, dies in die Tat umzusetzen; und sobald sie das Dienstmädchen gerufen hatte, um ihren Platz bei ihrer Schwester einzunehmen, eilte sie hinunter in den Salon, wo sie wusste, dass er gewöhnlich zu einer viel späteren Stunde als der jetzigen anzutreffen war.
Es war keine Zeit für Zögern. Ihre Ängste und ihre Schwierigkeiten legte sie ihm sofort dar. Ihre Ängste zu beseitigen, dazu hatte er weder Mut noch Zuversicht: Er hörte sie mit stummer Niedergeschlagenheit an; doch ihre Schwierigkeiten wurden sofort ausgeräumt, denn mit einer Bereitwilligkeit, die von der Dringlichkeit des Anlasses zu zeugen schien und dass er den Dienst bereits im Geiste geplant hatte, bot er sich als der Bote an, der Mrs. Dashwood abholen sollte. Elinor leistete keinen Widerstand, der nicht leicht zu überwinden war. Sie dankte ihm mit kurzer, wenn auch inbrünstiger Dankbarkeit, und während er ging, um seinen Diener mit einer Nachricht an Mr. Harris und einem Befehl für Postpferde sofort fortzuschicken, schrieb sie ein paar Zeilen an ihre Mutter.
Der Trost, den ein solcher Freund in diesem Moment bedeutete wie Colonel Brandon – oder ein solcher Begleiter für ihre Mutter –, wie dankbar wurde er empfunden! – ein Begleiter, dessen Urteil leiten, dessen Anwesenheit entlasten und dessen Freundschaft sie trösten würde! – soweit der Schock einer solchen Vorladung für sie gemildert werden konnte, würden seine Gegenwart, sein Auftreten, sein Beistand ihn mildern.
Er unterdessen, was er auch fühlen mochte, handelte mit der ganzen Festigkeit eines gefassten Geistes, traf jede notwendige Vorkehrung mit größter Eile und berechnete genau die Zeit, in der sie mit seiner Rückkehr rechnen konnte. Kein Augenblick ging durch irgendeine Art von Verzögerung verloren. Die Pferde trafen sogar noch vor der erwarteten Zeit ein, und Colonel Brandon, der nur ihre Hand mit einem feierlichen Blick drückte und ein paar Worte sagte, die zu leise waren, um ihr Ohr zu erreichen, eilte in die Kutsche. Es war damals etwa zwölf Uhr, und sie kehrte in das Zimmer ihrer Schwester zurück, um auf die Ankunft des Apothekers zu warten und den Rest der Nacht bei ihr zu wachen. Es war eine Nacht von fast gleichem Leiden für beide. Stunde um Stunde verging in schlaflos qualvollem Schmerz und Delirium auf Mariannes Seite und in der grausamsten Angst auf Elinors, bevor Mr. Harris erschien. Ihre einmal geweckten Befürchtungen bezahlten durch ihre Übersteigerung für all ihre frühere Sicherheit; und das Dienstmädchen, das bei ihr saß – denn sie wollte nicht erlauben, dass Mrs. Jennings gerufen wurde –, quälte sie nur noch mehr durch Andeutungen dessen, was ihre Herrin immer gedacht hatte.
Mariannes Gedanken waren in Abständen noch immer zusammenhangslos auf ihre Mutter fixiert, und wann immer sie ihren Namen erwähnte, versetzte es der armen Elinor einen Stich ins Herz, die sich vorwarf, so viele Tage der Krankheit mit Gleichgültigkeit behandelt zu haben, und die, verzweifelt nach sofortiger Linderung suchend, sich einbildete, dass jede Linderung bald vergebens sein könnte, dass alles zu lange aufgeschoben worden war, und sich ihre leidende Mutter ausmalte, die zu spät ankam, um dieses geliebte Kind zu sehen oder sie bei Verstand zu sehen.
Sie war gerade dabei, erneut nach Mr. Harris zu schicken oder, falls er nicht kommen konnte, nach anderem Rat, als dieser – jedoch erst nach fünf Uhr – eintraf. Seine Meinung jedoch machte sein Zögern einigermaßen wett, denn obwohl er eine sehr unerwartete und unangenehme Veränderung bei seiner Patientin zugab, wollte er die Gefahr nicht als wesentlich gelten lassen und sprach mit einer Zuversicht von der Linderung, die eine neue Behandlungsmethode bewirken müsse, die sich, wenn auch in geringerem Maße, auf Elinor übertrug. Er versprach, im Laufe von drei oder vier Stunden wieder zu kommen, und hinterließ sowohl die Patientin als auch ihre besorgte Begleiterin ruhiger, als er sie vorgefunden hatte.
Mit großer Besorgnis und mit vielen Vorwürfen, nicht zu ihrem Beistand gerufen worden zu sein, hörte Mrs. Jennings am Morgen von dem, was geschehen war. Ihre früheren Befürchtungen, die nun mit größerem Grund zurückgekehrt waren, ließen ihr keinen Zweifel am Ausgang; und obwohl sie versuchte, Elinor Trost zuzusprechen, ließ ihre Überzeugung von der Gefahr ihrer Schwester ihr nicht zu, den Trost der Hoffnung anzubieten. Ihr Herz war wahrhaft betrübt. Der schnelle Verfall, der frühe Tod eines Mädchens, so jung und so lieblich wie Marianne, hätte eine weniger interessierte Person mit Besorgnis erfüllt. An das Mitgefühl von Mrs. Jennings hatte sie andere Ansprüche. Sie war drei Monate lang ihre Begleiterin gewesen, stand noch immer unter ihrer Obhut, und es war bekannt, dass sie sehr verletzt worden war und lange unglücklich gewesen war. Auch das Leid ihrer Schwester, besonders einer Favoritin, lag vor ihr; und was ihre Mutter betraf, so war, als Mrs. Jennings bedachte, dass Marianne ihr wahrscheinlich das sein könnte, was Charlotte für sie selbst war, ihr Mitgefühl für ihr Leiden sehr aufrichtig.
Mr. Harris war pünktlich bei seinem zweiten Besuch; doch er kam, um in seinen Hoffnungen auf das, was der letzte bewirken würde, enttäuscht zu werden. Seine Medikamente hatten versagt; das Fieber war unvermindert; und Marianne blieb nur ruhiger – nicht mehr sie selbst – in einer schweren Benommenheit. Elinor, die im selben Augenblick all seine Befürchtungen und noch mehr aufnahm, schlug vor, weiteren Rat einzuholen. Aber er hielt es für unnötig: Er hatte noch etwas anderes zu versuchen, eine weitere neue Anwendung, von deren Erfolg er ebenso überzeugt war wie von der letzten, und sein Besuch endete mit ermutigenden Versicherungen, die das Ohr erreichten, aber nicht in das Herz von Miss Dashwood dringen konnten. Sie war ruhig, außer wenn sie an ihre Mutter dachte; aber sie war fast hoffnungslos; und in diesem Zustand verharrte sie bis zum Mittag, wobei sie sich kaum vom Bett ihrer Schwester entfernte, ihre Gedanken von einem Bild des Kummers, einem leidenden Freund zum anderen schweifend, und ihre Stimmung durch das Gespräch mit Mrs. Jennings aufs Äußerste bedrückt, die nicht davor zurückschreckte, die Schwere und Gefahr dieses Anfalls den vielen Wochen der vorangegangenen Unpässlichkeit zuzuschreiben, die Mariannes Enttäuschung herbeigeführt hatte. Elinor spürte die ganze Vernünftigkeit dieses Gedankens, und er bereitete ihren Überlegungen neues Elend.
Gegen Mittag jedoch begann sie – wenn auch mit Vorsicht – eine Furcht vor Enttäuschung, die sie einige Zeit lang sogar gegenüber ihrer Freundin schweigen ließ – zu ahnen, zu hoffen, dass sie eine leichte Besserung des Pulses ihrer Schwester wahrnehmen konnte; sie wartete, beobachtete und untersuchte ihn immer wieder; und schließlich, mit einer Aufregung, die schwieriger unter äußerer Ruhe zu verbergen war als all ihr vorangegangener Kummer, wagte sie es, ihre Hoffnungen mitzuteilen. Mrs. Jennings, obwohl sie bei der Untersuchung gezwungen war, eine vorübergehende Belebung zuzugeben, versuchte ihre junge Freundin davon abzuhalten, sich dem Gedanken an deren Fortdauer hinzugeben; und Elinor, die jede Mahnung zum Misstrauen durchging, sagte sich ebenfalls, sie solle nicht hoffen. Aber es war zu spät. Die Hoffnung war bereits eingezogen; und all ihr ängstliches Flattern spürend, beugte sie sich über ihre Schwester, um zu beobachten – sie wusste kaum, worauf. Eine halbe Stunde verging, und das günstige Symptom beglückte sie noch immer. Andere traten sogar hinzu, um es zu bestätigen. Ihr Atem, ihre Haut, ihre Lippen, alles schmeichelte Elinor mit Anzeichen der Besserung; und Marianne fixierte ihre Augen auf sie mit einem vernünftigen, wenn auch matten Blick. Angst und Hoffnung bedrückten sie nun gleichermaßen und ließen ihr keinen Augenblick der Ruhe bis zur Ankunft von Mr. Harris um vier Uhr; als seine Versicherungen, seine Glückwünsche zu einer Genesung ihrer Schwester, die sogar seine Erwartungen übertraf, ihr Zuversicht, Trost und Freudentränen schenkten.
Marianne war in jeder Hinsicht wesentlich besser, und er erklärte sie für völlig außer Lebensgefahr. Mrs. Jennings, vielleicht zufrieden mit der teilweisen Rechtfertigung ihrer Vorahnungen, die man in ihrem späten Alarm gefunden hatte, erlaubte sich, auf sein Urteil zu vertrauen, und gab mit unverstellter Freude und bald mit unmissverständlicher Heiterkeit die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung zu.
Elinor konnte nicht heiter sein. Ihre Freude war von anderer Art und führte zu allem eher als zu Fröhlichkeit. Marianne, die dem Leben, der Gesundheit, den Freunden und ihrer liebenden Mutter zurückgegeben wurde, war ein Gedanke, der ihr Herz mit Empfindungen von erlesenem Trost erfüllte und es in inbrünstiger Dankbarkeit erweiterte; doch er führte zu keinen äußeren Freudenausbrüchen, keinen Worten, keinem Lächeln. Alles in Elinors Brust war Zufriedenheit, still und stark.
Sie blieb den ganzen Nachmittag mit wenig Unterbrechung an der Seite ihrer Schwester, beruhigte jede Angst, befriedigte jede Nachfrage ihrer geschwächten Geister, lieferte jeden Beistand und beobachtete fast jeden Blick und jeden Atemzug. Die Möglichkeit eines Rückfalls würde ihr natürlich in manchen Momenten in den Sinn kommen, um sie daran zu erinnern, was Angst war – doch als sie bei ihrer häufigen und genauen Untersuchung sah, dass jedes Symptom der Genesung anhielt, und sah, wie Marianne um sechs Uhr in einen ruhigen, stetigen und allem Anschein nach behaglichen Schlaf sank, brachte sie jeden Zweifel zum Schweigen.
Die Zeit rückte nun heran, da Colonel Brandon zurückerwartet werden konnte. Um zehn Uhr, vertraute sie, oder zumindest nicht viel später, würde ihre Mutter von der schrecklichen Ungewissheit erlöst sein, in der sie nun unterwegs zu ihnen sein musste. Der Colonel auch! – vielleicht kaum weniger ein Objekt des Mitleids! – Oh! – wie langsam war der Fortschritt der Zeit, die sie noch immer in Unwissenheit ließ!
Um sieben Uhr, als sie Marianne noch immer süß schlafend zurückließ, schloss sie sich Mrs. Jennings im Salon zum Tee an. Vom Frühstück war sie durch ihre Ängste abgehalten worden, und vom Abendessen durch deren plötzlichen Umschwung, viel zu essen; – und die gegenwärtige Erfrischung war daher, mit solch zufriedenen Gefühlen, die sie dazu mitbrachte, besonders willkommen. Mrs. Jennings hätte sie nach dessen Abschluss überredet, vor der Ankunft ihrer Mutter etwas zu ruhen und ihr zu erlauben, ihren Platz bei Marianne einzunehmen; doch Elinor hatte in diesem Moment kein Gefühl von Müdigkeit, keine Fähigkeit zum Schlaf, und sie war nicht davon abzuhalten, einen unnötigen Augenblick von ihrer Schwester fernzubleiben. Mrs. Jennings begleitete sie daher nach oben in das Krankenzimmer, um sich zu vergewissern, dass alles weiterhin in Ordnung war, überließ sie dort wieder ihrer Obhut und ihren Gedanken und zog sich in ihr eigenes Zimmer zurück, um Briefe zu schreiben und zu schlafen.
Die Nacht war kalt und stürmisch. Der Wind heulte um das Haus, und der Regen peitschte gegen die Fenster; doch Elinor, ganz Glück im Inneren, beachtete es nicht. Marianne schlief durch jeden Windstoß; und die Reisenden – sie hatten eine reiche Belohnung für jede gegenwärtige Unannehmlichkeit auf Lager.
Die Uhr schlug acht. Wäre es zehn gewesen, wäre Elinor überzeugt gewesen, dass sie in diesem Moment eine Kutsche zum Haus fahren hörte; und so stark war die Überzeugung, dass sie es tat, trotz der beinahe Unmöglichkeit, dass sie bereits angekommen sein könnten, dass sie sich in das angrenzende Ankleidezimmer begab und einen Fensterladen öffnete, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. Sie sah sofort, dass ihre Ohren sie nicht getäuscht hatten. Die flackernden Lampen einer Kutsche waren sofort in Sicht. Bei ihrem unsicheren Licht glaubte sie erkennen zu können, dass sie von vier Pferden gezogen wurde; und dies, während es ihr das Ausmaß der Angst ihrer armen Mutter verriet, gab eine gewisse Erklärung für eine solche unerwartete Schnelligkeit.
Nie in ihrem Leben war es Elinor so schwer gefallen, ruhig zu sein wie in diesem Moment. Das Wissen darum, was ihre Mutter fühlen musste, als die Kutsche an der Tür anhielt – von ihrem Zweifel – ihrer Furcht – vielleicht ihrer Verzweiflung! – und von dem, was sie ihr zu sagen hatte! – mit diesem Wissen war es unmöglich, ruhig zu sein. Alles, was zu tun blieb, war schnell zu sein; und deshalb, nur so lange wartend, bis sie Mrs. Jennings’ Dienstmädchen bei ihrer Schwester lassen konnte, eilte sie die Treppe hinunter.
Das geschäftige Treiben im Vestibül, als sie durch ein inneres Foyer ging, versicherte ihr, dass sie bereits im Haus waren. Sie stürmte in den Salon, – sie trat ein, – und sah nur Willoughby.
KAPITEL XLIV.
Elinor, die beim Anblick von ihm mit einem Blick des Entsetzens zurückwich, gehorchte dem ersten Impuls ihres Herzens, sich sofort umzudrehen, um das Zimmer zu verlassen, und ihre Hand lag bereits auf dem Schloss, als dessen Bewegung durch sein hastiges Vortreten unterbrochen wurde, während er mit einer Stimme, mehr befehlend als bittend, sagte:
„Miss Dashwood, für eine halbe Stunde – für zehn Minuten – flehe ich Sie an zu bleiben.“
„Nein, mein Herr“, erwiderte sie mit Festigkeit, „ich werde nicht bleiben. Ihr Anliegen kann nicht mich betreffen. Die Diener haben, nehme ich an, vergessen, Ihnen mitzuteilen, dass Mr. Palmer nicht im Haus ist.“
„Hätten sie mir gesagt“, rief er mit Heftigkeit, „dass Mr. Palmer und all seine Verwandten beim Teufel seien, hätte mich das nicht von der Tür abgebracht. Mein Anliegen ist an Sie, und nur an Sie.“
„An mich!“ – mit äußerstem Erstaunen – „nun, mein Herr – seien Sie kurz – und wenn Sie können – weniger heftig.“
„Setzen Sie sich, und ich werde beides sein.“
Sie zögerte; sie wusste nicht, was sie tun sollte. Die Möglichkeit, dass Colonel Brandon eintraf und sie dort fand, kam ihr in den Sinn. Aber sie hatte versprochen, ihn anzuhören, und ihre Neugier war nicht weniger als ihre Ehre im Spiel. Nach einem Augenblick des Nachdenkens daher, schließend, dass Klugheit Eile erforderte und dass ihr Einverständnis dies am besten fördern würde, ging sie schweigend auf den Tisch zu und setzte sich. Er nahm den gegenüberliegenden Stuhl, und eine halbe Minute lang wurde von keinem der beiden ein Wort gesagt.
„Bitte seien Sie kurz, mein Herr“, sagte Elinor ungeduldig; „ich habe keine Zeit zu verlieren.“
Er saß in einer Haltung tiefen Nachdenkens und schien sie nicht zu hören.
„Ihre Schwester“, sagte er einen Augenblick später abrupt, „ist außer Lebensgefahr. Ich habe es vom Diener gehört. Gott sei Dank! – Aber ist es wahr? ist es wirklich wahr?“
Elinor wollte nicht sprechen. Er wiederholte die Frage mit noch größerem Eifer.
„Um Gottes willen sagen Sie mir, ist sie außer Lebensgefahr oder ist sie es nicht?“
„Wir hoffen, sie ist es.“
Er stand auf und ging durch das Zimmer.
„Hätte ich vor einer halben Stunde so viel gewusst; – aber da ich nun hier bin“, sprach er mit erzwungener Lebhaftigkeit, als er zu seinem Sitz zurückkehrte, – „was macht das für einen Unterschied? Lassen Sie uns für einmal, Miss Dashwood – es wird das letzte Mal sein, vielleicht – zusammen heiter sein. Ich bin in einer großartigen Stimmung für Fröhlichkeit. Sagen Sie mir ehrlich“, ein tieferes Glühen breitete sich auf seinen Wangen aus, „halten Sie mich eher für einen Schurken oder einen Narren?“
Elinor sah ihn mit größerem Erstaunen als je zuvor an. Sie begann zu denken, dass er betrunken sein müsse; – die Seltsamkeit eines solchen Besuches und solcher Manieren schien nicht anders verständlich; und mit diesem Eindruck stand sie sofort auf und sagte:
„Mr. Willoughby, ich rate Ihnen, jetzt nach Combe zurückzukehren. Ich habe nicht die Muße, länger bei Ihnen zu bleiben. Was auch immer Ihr Anliegen an mich sein mag, es wird morgen besser in Erinnerung gerufen und erklärt werden können.“
„Ich verstehe Sie“, erwiderte er mit einem ausdrucksvollen Lächeln und einer vollkommen ruhigen Stimme; „ja, ich bin sehr betrunken. Ein Pint Porter zu meinem kalten Rindfleisch in Marlborough reichte aus, um mich umzuhauen.“
„In Marlborough!“ – rief Elinor, immer ratloser, was er bezwecken wollte.
„Ja, ich habe London heute Morgen um acht Uhr verlassen, und die einzigen zehn Minuten, die ich seit dieser Zeit außerhalb meiner Chaise verbracht habe, verschafften mir einen Imbiss in Marlborough.“
Die Beständigkeit seines Auftretens und die Intelligenz seines Blickes, als er sprach, überzeugten Elinor, dass, welche andere unverzeihliche Torheit ihn auch nach Cleveland bringen mochte, er nicht durch Trunkenheit dorthin gebracht wurde, worauf sie nach einem Augenblick des Nachdenkens sagte:
„Mr. Willoughby, Sie sollten fühlen, und ich tue es sicherlich, dass nach dem, was geschehen ist, Ihr Kommen hierher auf diese Weise und Ihr Aufdrängen auf meine Aufmerksamkeit eine ganz besondere Entschuldigung erfordert. Was ist es, das Sie damit meinen?“
„Ich meine“, sagte er mit ernster Energie, „wenn ich kann, Sie dazu zu bringen, mich einen Grad weniger zu hassen, als Sie es jetzt tun. Ich meine, eine Art Erklärung, eine Art Entschuldigung für die Vergangenheit anzubieten; mein ganzes Herz vor Ihnen zu öffnen und, indem ich Sie überzeuge, dass ich, obwohl ich immer ein Dummkopf war, nicht immer ein Schurke war, so etwas wie Vergebung von Ma – von Ihrer Schwester zu erlangen.“
„Ist das der wahre Grund Ihres Kommens?“
„Bei meiner Seele, das ist er“, war seine Antwort mit einer Wärme, die den früheren Willoughby wieder in ihre Erinnerung rief und sie trotz sich selbst glauben ließ, er sei aufrichtig.
„Wenn das alles ist, können Sie bereits zufrieden sein; denn Marianne tut es, sie hat Ihnen schon lange vergeben.“
„Hat sie?“ rief er im selben eifrigen Ton. „Dann hat sie mir vergeben, bevor sie es hätte tun sollen. Aber sie soll mir noch einmal vergeben, und aus vernünftigeren Gründen. Nun, wollen Sie mir zuhören?“
Elinor neigte den Kopf zur Zustimmung.
„Ich weiß nicht“, sagte er nach einer Pause, die auf ihrer Seite von Erwartung und auf seiner von Nachdenklichkeit geprägt war, „wie Sie sich mein Verhalten gegenüber Ihrer Schwester erklärt haben oder welches teuflische Motiv Sie mir unterstellt haben mögen. Vielleicht werden Sie kaum besser von mir denken – doch es ist den Versuch wert, und Sie sollen alles erfahren. Als ich mit Ihrer Familie vertraut wurde, hatte ich keine andere Absicht, kein anderes Ziel bei dieser Bekanntschaft, als mir die Zeit, die ich in Devonshire verbringen musste, angenehm zu vertreiben – angenehmer, als ich es je zuvor getan hatte. Die liebenswerte Erscheinung Ihrer Schwester und ihre gewinnende Art konnten nicht anders, als mir zu gefallen; und ihr Verhalten mir gegenüber war fast von Anfang an von einer Art – es ist erstaunlich, wenn ich darüber nachdenke, was es war und wer sie war, dass mein Herz so unempfänglich sein konnte! Doch anfangs, das muss ich gestehen, wurde dadurch nur meine Eitelkeit geschmeichelt. Sorglos in Bezug auf ihr Glück, nur an mein eigenes Vergnügen denkend, Gefühlen nachgebend, zu denen ich schon immer viel zu sehr geneigt hatte, bemühte ich mich mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln, ihr zu gefallen, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken, ihre Zuneigung zu erwidern.“
Miss Dashwood unterbrach ihn an dieser Stelle, indem sie ihre Augen mit der ärgsten Verachtung auf ihn richtete und sagte:
„Es lohnt sich kaum, Mr. Willoughby, dass Sie es erzählen oder ich es länger anhöre. Auf einen solchen Anfang kann nichts folgen. Lassen Sie mich nicht durch weitere Ausführungen zu diesem Thema quälen.“
„Ich bestehe darauf, dass Sie sich das Ganze anhören“, erwiderte er. „Mein Vermögen war nie groß, und ich hatte immer teure Lebensgewohnheiten, verkehrte stets mit Menschen, die über ein besseres Einkommen verfügten als ich. Jedes Jahr seit meiner Volljährigkeit, ja, ich glaube sogar schon davor, hatte meine Schulden vergrößert; und obwohl der Tod meiner alten Cousine, Mrs. Smith, mich befreien sollte, war dieses Ereignis ungewiss und womöglich noch in weiter Ferne, weshalb ich schon seit geraumer Zeit die Absicht hatte, meine Verhältnisse durch die Heirat mit einer vermögenden Frau wieder in Ordnung zu bringen. Mich also an Ihre Schwester zu binden, war etwas, das nicht in Frage kommen durfte; und mit einer Niedertracht, einer Selbstsucht, einer Grausamkeit, die kein entrüsteter, kein verächtlicher Blick, auch nicht der Ihre, Miss Dashwood, je genug verurteilen kann – handelte ich auf diese Weise und versuchte, ihr Wohlwollen zu gewinnen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, es zu erwidern. Doch eines lässt sich für mich anführen: selbst in jenem entsetzlichen Zustand egoistischer Eitelkeit wusste ich nicht, wie groß der Schaden war, den ich plante, denn ich wusste damals noch nicht, was es heißt, zu lieben. Aber habe ich es je gewusst? Das darf man mit Recht bezweifeln; denn hätte ich wirklich geliebt, hätte ich meine Gefühle der Eitelkeit, der Habsucht opfern können? Oder, was noch mehr wiegt, hätte ich die ihren opfern können? Aber ich habe es getan. Um eine relative Armut zu vermeiden, der ihre Zuneigung und ihre Gesellschaft all ihren Schrecken genommen hätte, habe ich, indem ich mich in Wohlstand brachte, alles verloren, was ihn zu einem Segen hätte machen können.“
„Sie glaubten also“, sagte Elinor, ein wenig besänftigt, „dass Sie sich zu einer Zeit ihr gegenüber verpflichtet fühlten?“
„Solchen Reizen widerstanden zu haben, solcher Zärtlichkeit getrotzt zu haben! Gibt es einen Mann auf Erden, der das hätte tun können? Ja, ich fand mich allmählich und unmerklich aufrichtig in sie verliebt; und die glücklichsten Stunden meines Lebens verbrachte ich mit ihr, als ich fühlte, dass meine Absichten streng ehrenhaft und meine Gefühle untadelig waren. Doch selbst damals, als ich fest entschlossen war, um ihre Hand anzuhalten, erlaubte ich mir auf höchst unangemessene Weise, den Moment dafür von Tag zu Tag hinauszuzögern, aus einer Abneigung heraus, eine Verpflichtung einzugehen, solange meine Verhältnisse so stark zerrüttet waren. Ich werde hier nicht argumentieren – noch werde ich innehalten, damit Sie über die Absurdität, und das, was noch schlimmer als Absurdität ist, dozieren können, meine Treue nicht zu versprechen, wo meine Ehre bereits gebunden war. Das Ergebnis hat gezeigt, dass ich ein durchtriebener Narr war, der mit großer Umsicht für eine Gelegenheit sorgte, sich auf ewig verächtlich und unglücklich zu machen. Schließlich jedoch war mein Entschluss gefasst, und ich hatte mich entschlossen, sobald ich sie allein antreffen konnte, die Aufmerksamkeit zu rechtfertigen, die ich ihr so beständig erwiesen hatte, und ihr offen eine Zuneigung zu versichern, die zu zeigen ich mir bereits solche Mühe gegeben hatte. Doch in der Zwischenzeit – in der Zeit der wenigen Stunden, die vergehen sollten, bevor ich Gelegenheit haben würde, mit ihr unter vier Augen zu sprechen – ereignete sich ein Umstand – ein unglückseliger Umstand, der all meinen Entschluss und damit all meinen Trost zunichtemachte. Es kam zu einer Entdeckung“, – hier zögerte er und blickte zu Boden. „Mrs. Smith war irgendwie in Kenntnis gesetzt worden, ich vermute durch eine entfernte Verwandte, der daran gelegen war, mich um ihre Gunst zu bringen, von einer Affäre, einer Verbindung – aber ich brauche mich nicht weiter zu erklären“, fügte er hinzu und sah sie mit gerötetem Gesicht und forschendem Blick an – „Ihre besondere Vertrautheit – Sie haben wahrscheinlich die ganze Geschichte schon vor langer Zeit gehört.“
„Das habe ich“, erwiderte Elinor, ebenfalls errötend und ihr Herz von Neuem gegen jedes Mitleid für ihn verhärtend, „ich habe alles gehört. Und wie Sie irgendeinen Teil Ihrer Schuld in dieser schrecklichen Angelegenheit entschuldigen wollen, übersteigt, das gestehe ich, mein Verständnis.“
„Denken Sie daran“, rief Willoughby, „von wem Sie den Bericht erhalten haben. Konnte er unparteiisch sein? Ich gebe zu, dass ihre Lage und ihr Charakter von mir hätten geachtet werden müssen. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber ich kann Sie zugleich nicht in dem Glauben lassen, dass ich nichts anzuführen hätte – dass sie, nur weil sie verletzt wurde, unantastbar war, und dass ich, nur weil ich ein Wüstling war, ein Heiliger sein musste. Wenn die Heftigkeit ihrer Leidenschaften, die Schwäche ihres Verstandes – ich beabsichtige jedoch nicht, mich zu verteidigen. Ihre Zuneigung zu mir verdiente eine bessere Behandlung, und ich erinnere mich oft mit großer Selbstvorhaltung an die Zärtlichkeit, die für eine sehr kurze Zeit die Kraft hatte, eine Erwiderung hervorzurufen. Ich wünschte – ich wünschte von Herzen, es wäre nie geschehen. Aber ich habe mehr als nur sie verletzt; ich habe jemanden verletzt, dessen Zuneigung zu mir (darf ich es sagen?) kaum weniger warm war als ihre; und dessen Verstand – Oh! wie unendlich überlegen!“
„Ihre Gleichgültigkeit jedoch gegenüber diesem unglücklichen Mädchen – ich muss es sagen, so unangenehm mir die Erörterung eines solchen Themas auch sein mag – Ihre Gleichgültigkeit ist keine Entschuldigung für Ihre grausame Vernachlässigung ihr gegenüber. Glauben Sie nicht, Sie seien durch irgendeine Schwäche, irgendeinen natürlichen Mangel an Verstand ihrerseits entschuldigt für die mutwillige Grausamkeit, die bei Ihnen so offensichtlich ist. Sie müssen gewusst haben, dass sie, während Sie sich in Devonshire amüsierten und neuen Plänen nachjagten, immer fröhlich, immer glücklich, in äußerste Dürftigkeit geraten war.“
„Aber bei meiner Seele, ich wusste es nicht“, erwiderte er hitzig; „ich habe nicht daran gedacht, ihr meine Adresse zu hinterlassen; und der gesunde Menschenverstand hätte ihr sagen können, wie sie diese herausfinden konnte.“
„Nun, mein Herr, und was sagte Mrs. Smith?“
„Sie warf mir das Vergehen auf der Stelle vor, und meine Verwirrung lässt sich erraten. Die Reinheit ihres Lebens, die Förmlichkeit ihrer Ansichten, ihre Unwissenheit über die Welt – alles sprach gegen mich. Die Sache an sich konnte ich nicht leugnen, und jedes Bemühen, sie abzumildern, war vergebens. Ich glaube, sie war ohnehin dazu geneigt, an der Moral meines Verhaltens im Allgemeinen zu zweifeln, und war zudem unzufrieden mit der sehr geringen Aufmerksamkeit, dem sehr kleinen Teil meiner Zeit, den ich ihr bei diesem Besuch gewidmet hatte. Kurz gesagt, es endete in einem völligen Bruch. Mit einer Maßnahme hätte ich mich retten können. Auf dem Höhepunkt ihrer Moral, gute Frau! bot sie an, das Vergangene zu verzeihen, wenn ich Eliza heiraten würde. Das konnte nicht sein – und ich wurde förmlich aus ihrer Gunst und ihrem Haus entlassen. Die Nacht nach dieser Angelegenheit – ich sollte am nächsten Morgen abreisen – verbrachte ich damit, über mein zukünftiges Verhalten zu beraten. Der Kampf war groß – aber er endete zu früh. Meine Zuneigung zu Marianne, meine feste Überzeugung von ihrer Anhänglichkeit an mich – all das reichte nicht aus, um die Furcht vor der Armut zu überwiegen oder jene falschen Vorstellungen von der Notwendigkeit des Reichtums zu überwinden, zu denen ich von Natur aus neigte und die durch die teure Gesellschaft noch verstärkt worden waren. Ich hatte Grund zu der Annahme, dass ich mir meine jetzige Frau sichern konnte, wenn ich mich entschied, um sie anzuhalten, und ich überredete mich zu der Annahme, dass mir aus reiner Klugheit nichts anderes übrig blieb, als dies zu tun. Eine schwere Szene erwartete mich jedoch, bevor ich Devonshire verlassen konnte; – ich war verpflichtet, an jenem Tag bei Ihnen zu speisen; eine Entschuldigung für das Brechen dieser Verabredung war daher notwendig. Aber ob ich diese Entschuldigung schreiben oder persönlich überbringen sollte, war ein Punkt langer Debatten. Marianne zu sehen, so fühlte ich, würde schrecklich sein, und ich zweifelte sogar daran, ob ich sie wiedersehen und an meinem Entschluss festhalten könnte. In diesem Punkt jedoch habe ich meine eigene Standhaftigkeit unterschätzt, wie sich herausstellte; denn ich ging, ich sah sie, und sah sie unglücklich, und ließ sie unglücklich zurück – und ließ sie in der Hoffnung zurück, sie nie wiederzusehen.“
„Warum sind Sie vorbeigekommen, Mr. Willoughby?“, sagte Elinor vorwurfsvoll; „ein Zettel hätte denselben Zweck erfüllt. Warum war es notwendig, vorbeizukommen?“
„Es war für meinen eigenen Stolz notwendig. Ich konnte es nicht ertragen, die Gegend auf eine Weise zu verlassen, die Sie oder den Rest der Nachbarschaft dazu hätte bringen können, irgendeinen Teil dessen zu vermuten, was wirklich zwischen Mrs. Smith und mir vorgefallen war – und ich beschloss daher, auf meinem Weg nach Honiton im Cottage vorbeizuschauen. Der Anblick Ihrer lieben Schwester war jedoch wirklich schrecklich; und um die Sache noch zu verschlimmern, fand ich sie allein vor. Sie waren alle fort, ich weiß nicht wohin. Ich hatte sie erst am Abend zuvor verlassen, so vollkommen, so fest bei mir selbst entschlossen, das Richtige zu tun! Ein paar Stunden hätten sie für immer an mich binden sollen; und ich erinnere mich, wie glücklich, wie fröhlich meine Stimmung war, als ich vom Cottage nach Allenham ging, zufrieden mit mir selbst, entzückt von jedermann! Doch bei diesem, unserem letzten Treffen der Freundschaft, näherte ich mich ihr mit einem Gefühl der Schuld, das mir fast die Fähigkeit zur Verstellung nahm. Ihr Kummer, ihre Enttäuschung, ihr tiefes Bedauern, als ich ihr sagte, dass ich Devonshire so unmittelbar verlassen müsse – ich werde es nie vergessen – verbunden zudem mit solchem Vertrauen, solcher Zuversicht in mich! – Oh, Gott! – was für ein hartherziger Schurke ich war!“
Sie schwiegen beide einen Moment lang. Elinor sprach zuerst.
„Haben Sie ihr gesagt, dass Sie bald zurückkehren würden?“
„Ich weiß nicht, was ich ihr gesagt habe“, antwortete er ungeduldig; „zweifellos weniger, als dem Vergangenen geschuldet war, und aller Wahrscheinlichkeit nach viel mehr, als durch die Zukunft gerechtfertigt war. Ich kann nicht daran denken. – Es geht nicht. – Dann kam Ihre liebe Mutter, um mich mit all ihrer Güte und ihrem Vertrauen weiter zu quälen. Gott sei Dank! Es hat mich gequält. Ich war elend. Miss Dashwood, Sie haben keine Vorstellung von dem Trost, den es mir gibt, auf mein eigenes Elend zurückzublicken. Ich hege einen solchen Groll gegen mich selbst für die dumme, schurkische Torheit meines eigenen Herzens, dass all meine vergangenen Leiden darunter für mich jetzt nur noch Triumph und Jubel sind. Nun, ich ging, verließ alles, was ich liebte, und ging zu denen, denen ich bestenfalls nur gleichgültig war. Meine Reise in die Stadt – mit meinen eigenen Pferden reisend und daher so langwierig – keine Kreatur, mit der ich hätte sprechen können – meine eigenen Reflexionen so heiter – wenn ich nach vorn blickte, alles so einladend! – wenn ich auf Barton zurückblickte, das Bild so beruhigend! – oh, es war eine gesegnete Reise!“
Er hielt inne.
„Nun, mein Herr“, sagte Elinor, die zwar Mitleid mit ihm hatte, aber ungeduldig auf seinen Aufbruch wartete, „und das ist alles?“
„Alles! – nein: – haben Sie vergessen, was in der Stadt geschah? Jener infame Brief? Hat sie ihn Ihnen gezeigt?“
„Ja, ich habe jede Notiz gesehen, die hin und her ging.“
„Als die erste von ihr mich erreichte (was sie sofort tat, denn ich war die ganze Zeit in der Stadt), war das, was ich fühlte – um es mit den üblichen Worten zu sagen, nicht auszudrücken; in einem einfacheren – vielleicht zu einfach, um irgendeine Regung hervorzurufen – meine Gefühle waren sehr, sehr schmerzhaft. – Jede Zeile, jedes Wort war – in der abgenutzten Metapher, die ihre liebe Verfasserin, wäre sie hier, verbieten würde – ein Dolch in meinem Herzen. Zu wissen, dass Marianne in der Stadt war, war – in derselben Sprache – ein Donnerschlag. – Donnerschläge und Dolche! – welch einen Verweis hätte sie mir gegeben! – ihr Geschmack, ihre Meinungen – ich glaube, sie sind mir besser bekannt als meine eigenen, und ich bin sicher, sie sind mir teurer.“
Elinors Herz, das im Laufe dieses außergewöhnlichen Gesprächs viele Wandlungen durchgemacht hatte, war nun wieder besänftigt; – doch sie hielt es für ihre Pflicht, solche Ideen bei ihrem Begleiter wie die letzten zu unterbinden.
„Das ist nicht recht, Mr. Willoughby. – Denken Sie daran, dass Sie verheiratet sind. Erzählen Sie nur das, was Sie nach Ihrem Gewissen für notwendig halten, dass ich es höre.“
„Mariannes Zettel, indem er mir versicherte, dass ich ihr immer noch so teuer sei wie in früheren Tagen – dass sie trotz der vielen, vielen Wochen, die wir getrennt waren, in ihren eigenen Gefühlen so beständig sei und so voller Vertrauen in die Beständigkeit der meinen wie eh und je – erweckte all meine Reue. Ich sage erweckte, weil Zeit und London, Geschäftigkeit und Zerstreuung sie einigermaßen beruhigt hatten, und ich war dabei, ein feiner, abgehärteter Schurke zu werden, bildete mir ein, ihr gegenüber gleichgültig zu sein, und wollte mir einbilden, dass auch sie mir gegenüber gleichgültig geworden sein müsse; sprach mit mir selbst über unsere vergangene Verbindung als eine bloße, müßige, unbedeutende Angelegenheit, zuckte mit den Schultern, um zu beweisen, dass es so sei, und zum Schweigen brachte jeden Vorwurf, überwand jeden Skrupel, indem ich heimlich hier und da sagte: ‚Ich werde von Herzen froh sein zu hören, dass sie gut verheiratet ist.‘ Aber dieser Zettel ließ mich mich selbst besser kennen. Ich fühlte, dass sie mir unendlich viel teurer war als jede andere Frau auf der Welt, und dass ich sie infam behandelte. Aber alles war damals bereits zwischen Miss Grey und mir geregelt. Ein Rückzug war unmöglich. Alles, was ich zu tun hatte, war, euch beide zu meiden. Ich sandte keine Antwort an Marianne, in der Absicht, mich dadurch vor ihrer weiteren Beachtung zu bewahren; und einige Zeit war ich sogar entschlossen, in der Berkeley Street nicht anzuklopfen; – doch schließlich, da ich es für klüger hielt, den Anschein einer kühlen, gewöhnlichen Bekanntschaft zu erwecken als alles andere, beobachtete ich euch eines Morgens, wie ihr alle sicher das Haus verließet, und hinterließ meinen Namen.“
„Beobachteten uns, wie wir das Haus verließen!“
„Genau so. Sie wären überrascht zu hören, wie oft ich Sie beobachtet habe, wie oft ich kurz davor war, mit Ihnen zusammenzutreffen. Ich habe so manchen Laden betreten, um Ihrem Blick zu entgehen, wenn die Kutsche vorbeifuhr. Da ich in der Bond Street wohnte, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht einen Blick auf die eine oder andere von Ihnen erhaschte; und nichts als die beständigste Wachsamkeit meinerseits, ein fast ausnahmslos vorherrschender Wunsch, Ihnen aus dem Weg zu gehen, hätte uns so lange trennen können. Ich mied die Middletons so weit wie möglich, ebenso wie jeden anderen, der eine gemeinsame Bekanntschaft hätte sein können. Da ich jedoch nicht wusste, dass sie in der Stadt waren, stolperte ich, glaube ich, am ersten Tag seiner Ankunft über Sir John, und den Tag, nachdem ich bei Mrs. Jennings vorgesprochen hatte. Er lud mich abends zu einer Gesellschaft, einem Tanz in sein Haus ein. Hätte er mir nicht als Anreiz gesagt, dass Sie und Ihre Schwester dort sein würden, hätte ich es für zu gewiss gehalten, um mich in seine Nähe zu wagen. Der nächste Morgen brachte eine weitere kurze Notiz von Marianne – immer noch liebevoll, offen, arglos, vertrauensvoll – alles, was mein Verhalten am abscheulichsten machen konnte. Ich konnte nicht darauf antworten. Ich versuchte es – aber konnte keinen Satz formulieren. Aber ich dachte an sie, glaube ich, jeden Augenblick des Tages. Wenn Sie Mitleid mit mir haben können, Miss Dashwood, bemitleiden Sie meine damalige Lage. Mit Kopf und Herz voller Ihrer Schwester war ich gezwungen, einer anderen Frau den glücklichen Liebhaber vorzuspielen! Diese drei oder vier Wochen waren schlimmer als alles andere. Nun, schließlich, wie ich Ihnen nicht zu sagen brauche, wurden Sie mir aufgezwungen; und was für eine süße Figur machte ich da! was für ein Abend der Qual war es! Marianne, auf der einen Seite schön wie ein Engel, die mich in einem solchen Ton Willoughby nannte! Oh, Gott! die mir ihre Hand entgegenstreckte, mich mit diesen bezaubernden Augen, die mit solcher sprechenden Sorge auf mein Gesicht gerichtet waren, um eine Erklärung bat! und Sophia, auf der anderen Seite eifersüchtig wie der Teufel, die alles das war – Nun, es bedeutet nichts; es ist jetzt vorbei. Ein solcher Abend! Ich lief so schnell ich konnte von Ihnen allen weg; aber nicht, bevor ich Mariannes süßes Gesicht so weiß wie den Tod gesehen hatte. Das war der letzte, letzte Blick, den ich jemals auf sie hatte; die letzte Art, wie sie mir erschien. Es war ein schrecklicher Anblick! doch wenn ich heute an sie dachte, als ob sie wirklich stürbe, war es eine Art Trost für mich, mir vorzustellen, dass ich genau wusste, wie sie denen erscheinen würde, die sie zuletzt auf dieser Welt sahen. Sie war vor mir, ständig vor mir, während ich reiste, im gleichen Blick und Ton.“
Eine kurze Pause gegenseitiger Nachdenklichkeit folgte. Willoughby, der sich zuerst aufraffte, unterbrach sie wie folgt:
„Nun, lassen Sie mich mich beeilen und gehen. Ihre Schwester ist sicherlich besser dran, sicherlich außer Gefahr?“
„Wir sind dessen versichert.“
„Ihre arme Mutter auch! – die Marianne so vergöttert.“
„Aber der Brief, Mr. Willoughby, Ihr eigener Brief; haben Sie dazu etwas zu sagen?“
„Ja, ja, das insbesondere. Ihre Schwester schrieb mir wieder, Sie wissen schon, gleich am nächsten Morgen. Sie haben gesehen, was sie sagte. Ich frühstückte bei den Ellisons – und ihr Brief wurde mir dort zusammen mit einigen anderen von meiner Unterkunft gebracht. Er fiel Sophias Auge zufällig auf, bevor er das meine erreichte – und seine Größe, die Eleganz des Papiers, die Handschrift überhaupt, erregten sofort ihren Verdacht. Irgendein vages Gerücht war ihr schon vorher über meine Zuneigung zu einer jungen Dame in Devonshire zu Ohren gekommen, und was sich am vorangegangenen Abend vor ihren Augen abgespielt hatte, hatte gekennzeichnet, wer die junge Dame war, und sie eifersüchtiger denn je gemacht. Den Anschein von Verspieltheit heuchelnd, der bei einer Frau, die man liebt, entzückend ist, öffnete sie den Brief direkt und las seinen Inhalt. Sie war für ihre Unverschämtheit gut bezahlt. Sie las, was sie unglücklich machte. Ihre Unglückseligkeit hätte ich ertragen können, aber ihre Leidenschaft – ihre Bosheit – Jedenfalls musste sie besänftigt werden. Und kurz gesagt – was halten Sie vom Schreibstil meiner Frau? – zart – liebevoll – wahrhaft weiblich – nicht wahr?“
„Ihre Frau! – Der Brief war in Ihrer eigenen Handschrift.“
„Ja, aber ich hatte nur das Verdienst, sklavisch solche Sätze zu kopieren, bei denen ich mich schämte, meinen Namen darunter zu setzen. Das Original war ganz ihr eigen – ihre eigenen glücklichen Gedanken und sanfte Diktion. Aber was konnte ich tun! – wir waren verlobt, alles war in Vorbereitung, der Tag fast festgelegt – Aber ich rede wie ein Narr. Vorbereitung! Tag! In ehrlichen Worten, ihr Geld war für mich notwendig, und in einer Lage wie der meinen musste alles getan werden, um einen Bruch zu verhindern. Und was bedeutete es schließlich für meinen Charakter in der Meinung von Marianne und ihren Freunden, in welcher Sprache meine Antwort verfasst war? Es konnte nur auf ein Ende hinauslaufen. Meine Aufgabe war es, mich als Schurke zu erklären, und ob ich das mit einer Verbeugung oder einer Drohgebärde tat, war von geringer Bedeutung. ‚Ich bin in ihrer Meinung für immer ruiniert‘, sagte ich mir: ‚Ich bin für immer aus ihrer Gesellschaft ausgeschlossen, sie halten mich bereits für einen prinzipienlosen Kerl, dieser Brief wird sie nur glauben lassen, dass ich ein verkommener bin.‘ Solche Überlegungen machte ich, als ich in einer Art verzweifelter Sorglosigkeit die Worte meiner Frau kopierte und mich von den letzten Überresten Mariannes trennte. Ihre drei Notizen – unglücklicherweise waren sie alle in meinem Taschenbuch, sonst hätte ich ihre Existenz geleugnet und sie für immer gehortet – ich war gezwungen, sie einzupacken, und konnte sie nicht einmal küssen. Und die Locke – auch die hatte ich immer in demselben Taschenbuch bei mir getragen, das nun von der Dame mit der einschmeichelndsten Virulenz durchsucht wurde – die liebe Locke – alles, jedes Andenken wurde mir entrissen.“
„Sie sind sehr im Unrecht, Mr. Willoughby, sehr tadelnswert“, sagte Elinor, während ihre Stimme ihr trotz ihres eigenen Willens ihr mitleidiges Empfinden verriet; „Sie sollten nicht auf diese Weise sprechen, weder von Mrs. Willoughby noch von meiner Schwester. Sie hatten Ihre eigene Wahl getroffen. Sie wurde Ihnen nicht aufgezwungen. Ihre Frau hat ein Anrecht auf Ihre Höflichkeit, zumindest auf Ihren Respekt. Sie muss Ihnen zugetan sein, sonst hätte sie Sie nicht geheiratet. Sie lieblos zu behandeln, abfällig von ihr zu sprechen, ist keine Sühne gegenüber Marianne – und ich kann auch nicht annehmen, dass es eine Erleichterung für Ihr eigenes Gewissen ist.“
„Sprechen Sie nicht mit mir von meiner Frau“, sagte er mit einem schweren Seufzer; „sie verdient Ihr Mitleid nicht. Sie wusste, dass ich keine Achtung für sie empfand, als wir heirateten. Nun, wir waren verheiratet und kamen nach Combe Magna, um glücklich zu sein, und kehrten später in die Stadt zurück, um vergnügt zu sein. Und nun, bemitleiden Sie mich, Miss Dashwood? Oder habe ich das alles umsonst gesagt? Bin ich – sei es auch nur um einen Grad – in Ihren Augen weniger schuldig als zuvor? Meine Absichten waren nicht immer schlecht. Habe ich irgendeinen Teil meiner Schuld weg erklärt?“
„Ja, Sie haben sicherlich etwas beseitigt – ein wenig. Sie haben sich im Großen und Ganzen als weniger fehlerhaft erwiesen, als ich Sie für gehalten hatte. Sie haben bewiesen, dass Ihr Herz weniger verdorben ist, viel weniger verdorben. Aber ich weiß kaum – das Elend, das Sie zugefügt haben – ich weiß kaum, was es hätte schlimmer machen können.“
„Werden Sie Ihrer Schwester, wenn sie wieder genesen ist, wiederholen, was ich Ihnen erzählt habe? Lassen Sie mich auch in ihrer Meinung ein wenig erleichtert werden, ebenso wie in Ihrer. Sie sagen mir, dass sie mir bereits vergeben hat. Lassen Sie mich hoffen können, dass eine bessere Kenntnis meines Herzens und meiner gegenwärtigen Gefühle ihr eine spontanere, natürlichere, sanftere, weniger würdevolle Vergebung abringen wird. Erzählen Sie ihr von meinem Elend und meiner Reue – sagen Sie ihr, dass mein Herz ihr gegenüber niemals unbeständig war, und wenn Sie wollen, dass sie mir in diesem Augenblick teurer ist als je zuvor.“
„Ich werde ihr alles sagen, was für das, was man vergleichsweise Ihre Rechtfertigung nennen kann, notwendig ist. Aber Sie haben mir nicht den besonderen Grund für Ihr jetziges Kommen erklärt, noch wie Sie von ihrer Krankheit erfahren haben.“
„Letzte Nacht, in der Lobby von Drury Lane, lief ich Sir John Middleton in die Arme, und als er sah, wer ich war, sprach er zum ersten Mal seit zwei Monaten mit mir. Dass er mich seit meiner Heirat geschnitten hatte, hatte ich ohne Überraschung oder Groll gesehen. Nun jedoch konnte seine gutmütige, ehrliche, einfältige Seele, voll von Entrüstung gegen mich und Sorge um Ihre Schwester, der Versuchung nicht widerstehen, mir das zu sagen, von dem er wusste, dass es mich – wenn er auch wahrscheinlich nicht glaubte, dass es das würde – schrecklich ärgern müsste. So unverblümt, wie er es aussprechen konnte, teilte er mir daher mit, dass Marianne Dashwood in Cleveland an einem fauligen Fieber sterbe – ein an jenem Morgen eingegangener Brief von Mrs. Jennings erklärte ihre Gefahr für höchst unmittelbar – die Palmers sind alle in Panik abgereist usw. Ich war zu sehr erschüttert, um mich selbst vor dem unaufmerksamen Sir John als gefühllos ausgeben zu können. Sein Herz wurde weich, als er meines leiden sah; und so viel von seinem Groll war verflogen, dass er mir beim Abschied fast die Hand schüttelte, während er mich an ein altes Versprechen bezüglich eines Vorstehhund-Welpen erinnerte. Was ich fühlte, als ich hörte, dass Ihre Schwester im Sterben lag, und zwar im Sterben lag, während sie mich für den größten Schurken auf Erden hielt, mich in ihren letzten Augenblicken verachtete und hasste – denn woher sollte ich wissen, welch schreckliche Pläne man mir nicht unterstellt haben mochte? Einer Person war ich sicher, dass sie mich als zu allem fähig darstellen würde – was ich fühlte, war schrecklich! Mein Entschluss war bald gefasst, und um acht Uhr heute Morgen saß ich in meiner Kutsche. Nun wissen Sie alles.“
Elinor antwortete nicht. Ihre Gedanken waren stillschweigend auf den irreparablen Schaden gerichtet, den eine zu frühe Unabhängigkeit und die daraus resultierenden Gewohnheiten von Müßiggang, Ausschweifung und Luxus im Geist, im Charakter, im Glück eines Mannes angerichtet hatten, der zu jedem Vorteil von Person und Talenten ein von Natur aus offenes und ehrliches Wesen und ein fühlendes, liebevolles Gemüt vereinte. Die Welt hatte ihn extravagant und eitel gemacht – Extravaganz und Eitelkeit hatten ihn kaltherzig und egoistisch gemacht. Eitelkeit, während sie auf Kosten einer anderen ihren eigenen schuldigen Triumph suchte, hatte ihn in eine echte Bindung verwickelt, die Extravaganz oder zumindest deren Ausgeburt, die Notwendigkeit, zu opfern verlangt hatte. Jeder fehlerhafte Hang hatte ihn, während er ihn zum Bösen führte, auch zur Strafe geführt. Die Bindung, von der er sich gegen die Ehre, gegen das Gefühl, gegen jedes bessere Interesse äußerlich losgerissen hatte, beherrschte nun, da sie nicht länger zulässig war, jeden Gedanken; und die Verbindung, derentwegen er ihre Schwester mit wenig Skrupel dem Elend überlassen hatte, drohte eine Quelle des Unglücks für ihn selbst von weitaus unheilbarerer Natur zu sein. Aus einer solchen Träumerei wurde sie nach einigen Minuten von Willoughby zurückgeholt, der sich, aus einer mindestens ebenso schmerzhaften Träumerei erwachend, aufsprang, um sich auf den Aufbruch vorzubereiten, und sagte:
„Es hat keinen Sinn, hier zu bleiben; ich muss los.“
„Kehren Sie in die Stadt zurück?“
„Nein – nach Combe Magna. Ich habe dort Geschäfte; von dort aus in ein oder zwei Tagen in die Stadt. Leb wohl.“
Er streckte seine Hand aus. Sie konnte es nicht ablehnen, ihm ihre zu geben; – er drückte sie mit Zuneigung.
„Und Sie denken wirklich etwas besser von mir als zuvor?“, sagte er, sie fallen lassend und sich gegen den Kaminsims lehnend, als ob er vergäße, dass er gehen müsse.
Elinor versicherte ihm, dass sie es tue; – dass sie vergebe, bemitleide, ihm alles Gute wünsche – sogar an seinem Glück interessiert sei – und gab ihm noch einigen sanften Rat bezüglich des Verhaltens, das am ehesten dazu beitragen würde, es zu fördern. Seine Antwort war nicht sehr ermutigend.
„Was das betrifft“, sagte er, „muss ich mich so gut ich kann durch die Welt schlagen. Häusliches Glück kommt nicht in Frage. Wenn es mir jedoch erlaubt ist zu denken, dass Sie und die Ihren ein Interesse an meinem Schicksal und meinen Taten nehmen, mag es das Mittel sein – es mag mich auf der Hut sein lassen – zumindest mag es etwas sein, wofür es sich zu leben lohnt. Marianne ist mir natürlich für immer verloren. Wäre ich auch nur durch irgendeinen glücklichen Zufall wieder frei –“
Elinor unterbrach ihn mit einem Verweis.
„Nun“, erwiderte er, „noch einmal leb wohl. Ich werde nun fortgehen und in der Angst vor einem Ereignis leben.“
„Was meinen Sie damit?“
„Die Heirat Ihrer Schwester.“
„Sie sind sehr im Unrecht. Sie kann Ihnen niemals verlorener sein, als sie es jetzt ist.“
„Aber sie wird von jemand anderem gewonnen werden. Und wenn dieser jemand genau derjenige sein sollte, den ich von allen anderen am wenigsten ertragen könnte – aber ich werde nicht bleiben, um mich selbst um all Ihr mitleidiges Wohlwollen zu bringen, indem ich zeige, dass ich dort, wo ich am meisten verletzt habe, am wenigsten vergeben kann. Leb wohl, – Gott segne Sie!“
Und mit diesen Worten rannte er fast aus dem Zimmer.
KAPITEL XLV.
Elinor blieb einige Zeit, nachdem er sie verlassen hatte, selbst einige Zeit nachdem der Klang seiner Kutsche verklungen war, zu sehr von einer Menge Ideen bedrückt, die in sich weit voneinander abwichen, deren allgemeines Ergebnis jedoch Traurigkeit war, um auch nur an ihre Schwester zu denken.
Willoughby, er, den sie noch vor einer halben Stunde als den wertlosesten aller Menschen verabscheut hatte, Willoughby erregte trotz all seiner Fehler ein Maß an Mitleid für die durch sie verursachten Leiden, das sie an ihn als nun für immer von ihrer Familie getrennt denken ließ, mit einer Zärtlichkeit, einem Bedauern, das eher – wie sie bald bei sich selbst anerkannte – seinen Wünschen als seinen Verdiensten entsprach. Sie spürte, dass sein Einfluss auf ihren Geist durch Umstände verstärkt wurde, die vernünftigerweise nicht ins Gewicht fallen sollten; durch diese Person von ungewöhnlicher Anziehungskraft, diese offene, liebevolle und lebhafte Art, deren Besitz kein Verdienst war; und durch jene immer noch glühende Liebe zu Marianne, deren Nachgeben nicht einmal unschuldig war. Aber sie fühlte, dass es so war, lange, lange bevor sie seinen Einfluss weniger spüren konnte.
Als sie schließlich zur bewusstlosen Marianne zurückkehrte, fand sie sie gerade erwachend vor, erfrischt durch einen so langen und süßen Schlaf bis zum Ausmaß ihrer Hoffnungen. Elinors Herz war voll. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft, Willoughbys Besuch, Mariannes Sicherheit und die erwartete Ankunft ihrer Mutter versetzten sie insgesamt in eine Aufregung des Geistes, die jedes Anzeichen von Ermüdung fernhielt und sie nur fürchten ließ, sich vor ihrer Schwester zu verraten. Kurz war jedoch die Zeit, in der diese Angst sie beeinträchtigen konnte, denn eine halbe Stunde nach Willoughbys Verlassen des Hauses wurde sie durch das Geräusch einer anderen Kutsche wieder nach unten gerufen. Begierig darauf, ihre Mutter vor jedem unnötigen Moment schrecklicher Ungewissheit zu bewahren, rannte sie sofort in die Halle und erreichte die äußere Tür gerade noch rechtzeitig, um sie zu empfangen und zu stützen, als sie eintrat.
Mrs. Dashwood, deren Schrecken, als sie sich dem Haus näherten, fast die Überzeugung hervorgerufen hatte, dass Marianne nicht mehr unter den Lebenden weilte, hatte keine Stimme, um nach ihr zu fragen, keine Stimme einmal für Elinor; aber diese, weder auf Begrüßung noch auf Nachfrage wartend, gab sofort die freudige Erleichterung; und ihre Mutter, die sie mit all ihrer gewohnten Wärme aufnahm, war in einem Augenblick genauso von ihrem Glück überwältigt, wie sie zuvor von ihren Ängsten gewesen war. Sie wurde zwischen ihrer Tochter und ihrem Freund in den Salon gestützt; und dort, Freudentränen vergießend, obwohl sie immer noch außerstande zu sprechen war, umarmte sie Elinor wieder und wieder, sich zwischendurch von ihr abwendend, um Colonel Brandons Hand zu drücken, mit einem Blick, der zugleich ihre Dankbarkeit und ihre Überzeugung aussprach, dass er die Glückseligkeit des Augenblicks mit ihr teile. Er teilte sie jedoch in einem Schweigen, das noch größer war als ihr eigenes.
Sobald Mrs. Dashwood sich wieder gefasst hatte, war es ihr erster Wunsch, Marianne zu sehen; und in zwei Minuten war sie bei ihrem geliebten Kind, das ihr durch Abwesenheit, Unglück und Gefahr teurer geworden war als je zuvor. Elinors Entzücken, als sie sah, was jede bei dem Treffen empfand, wurde nur durch die Befürchtung gehemmt, es könne Marianne um weiteren Schlaf bringen: aber Mrs. Dashwood konnte ruhig, konnte sogar umsichtig sein, wenn das Leben eines Kindes auf dem Spiel stand, und Marianne, zufrieden damit zu wissen, dass ihre Mutter in ihrer Nähe war, und sich bewusst, zu schwach für eine Unterhaltung zu sein, fügte sich bereitwillig dem Schweigen und der Ruhe, die ihr jede Pflegerin um sie herum verordnete. Mrs. Dashwood wollte die ganze Nacht bei ihr wachen; und Elinor ging in Erfüllung der inständigen Bitte ihrer Mutter zu Bett. Aber die Ruhe, die eine völlig schlaflose Nacht und viele Stunden der aufreibendsten Angst notwendig erscheinen ließen, wurde durch die Reizung des Geistes ferngehalten. Willoughby, „der arme Willoughby“, wie sie ihn sich nun zu nennen erlaubte, war ständig in ihren Gedanken; sie hätte um alles in der Welt nicht darauf verzichtet, seine Rechtfertigung zu hören, und tadelte sich nun, während sie sich kurz darauf freisprach, ihn zuvor so hart beurteilt zu haben. Aber ihr Versprechen, es ihrer Schwester zu erzählen, war ausnahmslos schmerzhaft. Sie fürchtete die Ausführung, fürchtete, welche Wirkung dies auf Marianne haben könnte; zweifelte daran, ob sie nach einer solchen Erklärung jemals mit einem anderen glücklich werden könnte; und wünschte sich für einen Moment Willoughby als Witwer. Dann, an Colonel Brandon denkend, tadelte sie sich selbst, fühlte, dass ihrer Schwester der Lohn weitaus mehr seinem Leiden und seiner Beständigkeit als denen seines Rivalen gebührte, und wünschte sich alles andere als den Tod von Mrs. Willoughby.
Der Schock von Colonel Brandons Botschaft in Barton war für Mrs. Dashwood durch ihre eigene vorherige Beunruhigung stark gemildert worden; denn so groß war ihre Unruhe um Marianne, dass sie bereits beschlossen hatte, an eben diesem Tag nach Cleveland aufzubrechen, ohne auf weitere Nachrichten zu warten, und hatte ihre Reise vor seiner Ankunft schon so weit geregelt, dass die Careys jeden Augenblick erwartet wurden, um Margaret abzuholen, da ihre Mutter sie nicht dorthin mitnehmen wollte, wo eine Ansteckungsgefahr bestehen könnte.
Marianne besserte sich von Tag zu Tag, und die strahlende Fröhlichkeit von Mrs. Dashwoods Aussehen und Stimmung bewies, dass sie, wie sie wiederholt erklärte, eine der glücklichsten Frauen der Welt war. Elinor konnte die Erklärung nicht hören, noch ihre Beweise sehen, ohne sich manchmal zu fragen, ob ihre Mutter sich jemals an Edward erinnerte. Aber Mrs. Dashwood, die auf den gemäßigten Bericht über ihre eigene Enttäuschung vertraute, den Elinor ihr geschickt hatte, ließ sich von der Überschwänglichkeit ihrer Freude dazu verleiten, nur an das zu denken, was sie vermehren würde. Marianne war ihr aus einer Gefahr zurückgegeben worden, in die, wie sie nun zu fühlen begann, ihr eigenes fehlgeleitetes Urteilsvermögen bei der Förderung der unglücklichen Bindung an Willoughby dazu beigetragen hatte, sie zu bringen; – und in ihrer Genesung hatte sie noch eine weitere Quelle der Freude, an die Elinor nicht gedacht hatte. Sie wurde ihr so mitgeteilt, sobald sich eine Gelegenheit für ein privates Gespräch zwischen ihnen ergab.
„Endlich sind wir allein. Meine Elinor, du kennst noch nicht all mein Glück. Colonel Brandon liebt Marianne. Er hat es mir selbst gesagt.“
Ihre Tochter, die abwechselnd sowohl erfreut als auch geschmerzt, überrascht und nicht überrascht war, war nur stille Aufmerksamkeit.
„Du bist nie wie ich, liebe Elinor, sonst würde ich mich jetzt über deine Gelassenheit wundern. Hätte ich mich hingesetzt, um mir irgendein mögliches Gut für meine Familie zu wünschen, hätte ich Colonel Brandons Heirat mit einer von euch als das erstrebenswerteste Ziel gewählt. Und ich glaube, Marianne wird mit ihm am glücklichsten von beiden sein.“
Elinor war halb geneigt, nach ihrem Grund für diese Annahme zu fragen, weil sie überzeugt war, dass kein Grund, der auf einer unvoreingenommenen Betrachtung ihres Alters, ihrer Charaktere oder ihrer Gefühle beruhte, angeführt werden könnte; – aber ihre Mutter musste sich bei jedem interessanten Thema immer von ihrer Vorstellungskraft hinreißen lassen, und deshalb überging sie es, anstatt nachzuforschen, mit einem Lächeln.
„Er hat mir gestern auf der Reise sein ganzes Herz geöffnet. Es kam ganz unbewusst heraus, ganz unbeabsichtigt. Ich, das kannst du dir wohl denken, konnte von nichts anderem als meinem Kind sprechen; – er konnte seine Bestürzung nicht verbergen; ich sah, dass sie meiner eigenen gleichkam, und er dachte vielleicht, dass bloße Freundschaft, wie es heute in der Welt zugeht, ein so warmes Mitgefühl nicht rechtfertigen würde – oder besser gesagt, er dachte überhaupt nicht nach, nehme ich an – gab unwiderstehlichen Gefühlen nach und machte mich mit seiner ernsthaften, zärtlichen, beständigen Zuneigung für Marianne bekannt. Er liebt sie, meine Elinor, seit dem ersten Augenblick, als er sie sah.“
Hier jedoch erkannte Elinor – nicht die Sprache, nicht die Beteuerungen von Colonel Brandon, sondern die natürlichen Ausschmückungen der aktiven Fantasie ihrer Mutter, die alles, was ihr gefiel, herrlich gestaltete.
„Seine Achtung für sie, die alles, was Willoughby jemals empfand oder vortäuschte, unendlich übertrifft, so viel wärmer, so aufrichtiger oder beständiger – wie auch immer wir es nennen sollen – hat durch alles Wissen um die unglückliche Voreingenommenheit der lieben Marianne für diesen wertlosen jungen Mann Bestand gehabt! – und ohne Eigennutz – ohne eine Hoffnung zu nähren! – könnte er sie glücklich mit einem anderen gesehen haben – solch ein edler Geist! – solch Offenheit, solch Aufrichtigkeit! – niemand kann sich in ihm täuschen.“
„Colonel Brandons Charakter“, sagte Elinor, „als ein ausgezeichneter Mann ist wohl etabliert.“
„Ich weiß, dass er es ist“, erwiderte ihre Mutter ernst, „oder nach einer solchen Warnung wäre ich die Letzte, die eine solche Zuneigung fördern oder sich gar darüber freuen würde. Aber sein Kommen für mich, wie er es tat, mit solch aktiver, solch bereiter Freundschaft, genügt, um ihn als einen der würdigsten Männer zu erweisen.“
„Sein Charakter jedoch“, antwortete Elinor, „beruht nicht auf einem Akt der Güte, zu dem ihn seine Zuneigung zu Marianne, wäre Menschlichkeit nicht der Fall, ohnehin bewogen hätte. Mrs. Jennings, den Middletons ist er seit langem vertraut; sie lieben und respektieren ihn gleichermaßen; und sogar mein eigenes Wissen um ihn, obwohl erst kürzlich erworben, ist sehr beträchtlich; und ich schätze und achte ihn so sehr, dass ich, wenn Marianne mit ihm glücklich sein kann, genauso bereit sein werde wie du, unsere Verbindung für den größten Segen der Welt zu halten. Welche Antwort hast du ihm gegeben? – Hast du ihm erlaubt zu hoffen?“
„Oh! Mein Liebling, ich konnte damals weder ihm noch mir von Hoffnung sprechen. Marianne könnte in diesem Augenblick sterben. Aber er bat nicht um Hoffnung oder Ermutigung. Das Seine war ein unfreiwilliges Vertrauen, ein unaufhaltsamer Erguss gegenüber einem tröstenden Freund, keine Bewerbung bei einem Elternteil. Doch nach einer Weile sagte ich, denn anfangs war ich völlig überwältigt, dass, wenn sie lebte, wie ich hoffte, dass sie es könnte, mein größtes Glück darin liegen würde, ihre Heirat zu fördern; und seit unserer Ankunft, seit unserer herrlichen Sicherheit, habe ich es ihm umfassender wiederholt, habe ihm jede Ermutigung gegeben, die in meiner Macht stand. Zeit, eine sehr kurze Zeit, sage ich ihm, wird alles tun; Mariannes Herz darf nicht für immer an einen solchen Mann wie Willoughby verschwendet werden. Seine eigenen Verdienste müssen es bald sichern.“
„Wenn man nach der Stimmung des Colonels urteilt, hast du ihn jedoch noch nicht ebenso zuversichtlich gestimmt.“
„Nein. Er hält Mariannes Zuneigung für zu tief verwurzelt für jede Änderung darin vor einer langen Zeit, und selbst wenn ihr Herz wieder frei wäre, ist er zu bescheiden in Bezug auf sich selbst, um zu glauben, dass er sie mit einem solchen Unterschied an Alter und Wesen jemals an sich binden könnte. Da jedoch irrt er sich völlig. Sein Alter ist nur so viel über ihrem, um ein Vorteil zu sein, um seinen Charakter und seine Prinzipien gefestigt zu machen; und sein Wesen, davon bin ich fest überzeugt, ist genau dasjenige, um deine Schwester glücklich zu machen. Und seine Person, seine Manieren auch, sprechen alle zu seinen Gunsten. Meine Parteilichkeit macht mich nicht blind; er ist sicherlich nicht so gut aussehend wie Willoughby; aber gleichzeitig liegt etwas viel Angenehmeres in seinem Gesichtsausdruck. Es gab immer etwas, wenn du dich erinnerst, in Willoughbys Augen zu Zeiten, das ich nicht mochte.“
Elinor konnte sich nicht daran erinnern; aber ihre Mutter fuhr, ohne auf ihre Zustimmung zu warten, fort:
„Und seine Manieren, die Manieren des Colonels sind mir nicht nur angenehmer, als es Willoughbys jemals waren, sondern sie sind von einer Art, von der ich genau weiß, dass sie Marianne solider binden. Ihre Sanftheit, ihre echte Aufmerksamkeit gegenüber anderen Menschen und ihre männliche, unstudierte Einfachheit entspricht viel mehr ihrem wahren Wesen als die Lebhaftigkeit, oft künstlich und oft schlecht getimt, des anderen. Ich bin mir selbst sehr sicher, dass, wenn Willoughby sich als wirklich liebenswürdig herausgestellt hätte, wie er sich als das Gegenteil erwiesen hat, Marianne doch niemals so glücklich mit ihm gewesen wäre, wie sie es mit Colonel Brandon sein wird.“
Sie hielt inne. – Ihre Tochter konnte ihr nicht ganz zustimmen, aber ihr Widerspruch wurde nicht gehört und erregte daher keinen Anstoß.
„In Delaford wird sie in einer bequemen Entfernung von mir sein“, fügte Mrs. Dashwood hinzu, „selbst wenn ich in Barton bleibe; und aller Wahrscheinlichkeit nach – denn ich höre, es ist ein großes Dorf – muss es tatsächlich sicher irgendein kleines Haus oder ein Häuschen in der Nähe geben, das uns genauso gut passen würde wie unsere gegenwärtige Situation.“
Arme Elinor! – hier war ein neuer Plan, sie nach Delaford zu bekommen! – aber ihr Geist war stur.
„Sein Vermögen auch! – denn in meinem Alter weißt du, sorgt sich jeder darum; – und obwohl ich weder weiß noch wissen möchte, was es wirklich ist, bin ich sicher, dass es ein gutes sein muss.“
Hier wurden sie durch das Eintreten einer dritten Person unterbrochen, und Elinor zog sich zurück, um alles im Privaten zu überdenken, ihrem Freund Erfolg zu wünschen und doch, während sie ihn wünschte, einen Stich für Willoughby zu fühlen.
KAPITEL XLVI.
Mariannes Krankheit, obwohl sie schwächend in ihrer Art war, war nicht lang genug gewesen, um ihre Genesung langsam zu machen; und mit Jugend, natürlicher Stärke und der Anwesenheit ihrer Mutter zur Hilfe verlief sie so reibungslos, dass sie es ihr ermöglichte, innerhalb von vier Tagen nach der Ankunft der letzteren in Mrs. Palmers Ankleidezimmer umzuziehen. Als sie dort war, wurde Colonel Brandon auf ihre ausdrückliche Bitte hin, denn sie war ungeduldig, ihm ihren Dank für das Holen ihrer Mutter auszuschütten, eingeladen, sie zu besuchen.
Seine Bewegung beim Betreten des Zimmers, beim Sehen ihrer veränderten Züge und beim Empfangen der blassen Hand, die sie ihm sofort entgegenstreckte, war eine solche, wie sie nach Elinors Vermutung aus etwas mehr als seiner Zuneigung zu Marianne oder dem Bewusstsein, dass sie anderen bekannt sei, entstehen musste; und sie entdeckte bald in seinem melancholischen Auge und der wechselnden Gesichtsfarbe, als er ihre Schwester betrachtete, das wahrscheinliche Wiederaufleben vieler vergangener Szenen des Elends in seinem Geist, zurückgebracht durch jene Ähnlichkeit zwischen Marianne und Eliza, die bereits anerkannt und nun gestärkt wurde durch das hohle Auge, die kränkliche Haut, die Haltung der zurückgelehnten Schwäche und die warme Anerkennung der besonderen Verpflichtung.
Mrs. Dashwood, die nicht weniger wachsam war als ihre Tochter, jedoch mit einem sehr anders gearteten Gemüt und daher mit einer ganz anderen Wirkung beobachtete, sah in dem Verhalten des Colonels nichts, was nicht aus den einfachsten und offenkundigsten Empfindungen entsprungen wäre; während sie sich in Bezug auf die Handlungen und Worte Mariannes davon überzeugte, dass bereits etwas mehr als bloße Dankbarkeit dämmerte.
Nach weiteren ein oder zwei Tagen, da Marianne alle zwölf Stunden sichtbar kräftiger wurde, begann Mrs. Dashwood, gleichermaßen von ihren eigenen wie von den Wünschen ihrer Tochter gedrängt, von einem Umzug nach Barton zu sprechen. Von ihren Maßnahmen hingen die ihrer beiden Freunde ab; Mrs. Jennings konnte Cleveland während des Aufenthalts der Dashwoods nicht verlassen; und Colonel Brandon war durch ihre gemeinsame Bitte bald dazu gebracht, seinen eigenen Aufenthalt dort als ebenso feststehend, wenn auch nicht als ebenso unentbehrlich zu betrachten. Auf seine und Mrs. Jennings’ gemeinsame Bitte hin ließ sich Mrs. Dashwood dazu bewegen, die Nutzung seiner Kutsche für ihre Rückreise anzunehmen, um ihrer kranken Tochter eine bessere Unterbringung zu ermöglichen; und der Colonel verpflichtete sich auf die gemeinsame Einladung von Mrs. Dashwood und Mrs. Jennings hin, deren tatkräftige Gutmütigkeit sie ebenso freundlich und gastfrei für andere wie für sich selbst sein ließ, mit Vergnügen, dies durch einen Besuch im Cottage im Laufe einiger Wochen zu erwidern.
Der Tag der Trennung und Abreise kam; und Marianne, nachdem sie so aufmerksam und lang anhaltend Abschied von Mrs. Jennings genommen hatte, auf eine so aufrichtig dankbare Weise, so voller Respekt und guter Wünsche, wie es ihrem eigenen Herzen aus einer heimlichen Erkenntnis vergangener Unaufmerksamkeit gebührte, und nachdem sie Colonel Brandon mit der Herzlichkeit einer Freundin Lebewohl gesagt hatte, wurde von ihm behutsam in die Kutsche gehoben, von der er zu wünschen schien, dass sie mindestens die Hälfte für sich beanspruche. Mrs. Dashwood und Elinor folgten dann, und die anderen blieben unter sich zurück, um von den Reisenden zu sprechen und ihre eigene Niedergeschlagenheit zu spüren, bis Mrs. Jennings in ihre Chaise gerufen wurde, um im Klatsch ihrer Zofe Trost für den Verlust ihrer beiden jungen Begleiterinnen zu finden; und Colonel Brandon schlug unmittelbar darauf seinen einsamen Weg nach Delaford ein.
Die Dashwoods waren zwei Tage unterwegs, und Marianne überstand die Reise an beiden Tagen ohne wesentliche Erschöpfung. Alles, was die eifrigste Zuneigung und die sorgsamste Pflege tun konnten, um es ihr behaglich zu machen, war die Aufgabe jeder wachsamen Begleiterin, und jede fand ihre Belohnung in ihrem körperlichen Wohlbefinden und ihrer geistigen Ruhe. Für Elinor war die Beobachtung der Letzteren besonders erfreulich. Sie, die sie Woche um Woche so beständig leiden gesehen hatte, unterdrückt von einer Herzensangst, von der sie weder den Mut zu sprechen noch die Stärke hatte, sie zu verbergen, sah nun mit einer Freude, die keine andere so teilen konnte, eine sichtbare Geistesruhe, die, da sie das Ergebnis ernsthafter Reflexion zu sein schien, sie schließlich zu Zufriedenheit und Heiterkeit führen musste.
Als sie sich jedoch Barton näherten und in Gegenden gelangten, von denen jedes Feld und jeder Baum eine besondere, eine schmerzliche Erinnerung wachrief, wurde sie still und nachdenklich und saß, ihr Gesicht ihrer Aufmerksamkeit entziehend, ernsthaft aus dem Fenster blickend. Doch hier konnte Elinor weder staunen noch tadeln; und als sie, während sie Marianne aus der Kutsche half, sah, dass sie geweint hatte, sah sie darin nur eine Regung, die in sich selbst zu natürlich war, um etwas anderes als Mitleid zu erregen, und die in ihrer Bescheidenheit Lob verdiente. In ihrem gesamten anschließenden Gebaren verfolgte sie die Richtung eines Geistes, der zu vernünftiger Anstrengung erwacht war; denn kaum hatten sie ihr gemeinsames Wohnzimmer betreten, als Marianne ihre Augen mit einem Blick entschlossener Festigkeit umherschweifen ließ, als wäre sie fest entschlossen, sich auf einmal an den Anblick jedes Gegenstandes zu gewöhnen, mit dem die Erinnerung an Willoughby verbunden sein konnte. Sie sagte wenig, aber jeder Satz zielte auf Heiterkeit ab, und obwohl ihr manchmal ein Seufzer entfuhr, verging er nie ohne die Wiedergutmachung eines Lächelns. Nach dem Abendessen wollte sie ihr Klavier versuchen. Sie ging darauf zu; doch die Musik, auf der ihr Blick zuerst ruhte, war eine Oper, die ihr von Willoughby beschafft worden war, einige ihrer Lieblingsduette enthielt und auf ihrem äußeren Blatt ihren eigenen Namen in seiner Handschrift trug. Das ging nicht. Sie schüttelte den Kopf, legte die Noten beiseite und beklagte sich, nachdem sie eine Minute lang über die Tasten gelaufen war, über Schwäche in ihren Fingern und schloss das Instrument wieder; wobei sie jedoch fest erklärte, dass sie in Zukunft viel üben werde.
Der nächste Morgen brachte keine Minderung dieser glücklichen Anzeichen. Im Gegenteil, mit einem durch Ruhe gestärkten Geist und Körper sprach und wirkte sie mit wahrhaftigerem Schwung, erwartete die Freude über Margarets Rückkehr und sprach von der lieben Familienrunde, die dann wiederhergestellt sein würde, von ihren gemeinsamen Beschäftigungen und ihrer heiteren Gesellschaft als dem einzigen Glück, das einen Wunsch wert sei.
„Wenn das Wetter beständig ist und ich meine Kräfte zurückgewonnen habe“, sagte sie, „werden wir jeden Tag lange Spaziergänge zusammen machen. Wir werden zu der Farm am Rande des Abhangs gehen und sehen, wie es den Kindern geht; wir werden zu Sir Johns neuen Anpflanzungen bei Barton Cross und zum Abbeyland wandern; und wir werden oft zu den alten Ruinen des Priorats gehen und versuchen, seine Fundamente so weit zurückzuverfolgen, wie sie einst reichten, wie man uns erzählt. Ich weiß, wir werden glücklich sein. Ich weiß, der Sommer wird glücklich vergehen. Ich habe vor, nie später als um sechs Uhr aufzustehen, und von da an bis zum Abendessen werde ich jeden Augenblick zwischen Musik und Lesen aufteilen. Ich habe meinen Plan gefasst und bin entschlossen, mit einem ernsthaften Studium zu beginnen. Unsere eigene Bibliothek ist mir zu gut bekannt, als dass ich dort etwas anderes als bloße Unterhaltung suchen könnte. Aber im Park gibt es viele Werke, die es wert sind, gelesen zu werden; und es gibt andere von modernerer Produktion, von denen ich weiß, dass ich sie mir von Colonel Brandon ausleihen kann. Indem ich nur sechs Stunden am Tag lese, werde ich im Laufe eines Jahres eine Menge an Belehrung gewinnen, von der ich jetzt fühle, dass es mir daran fehlt.“
Elinor achtete sie für einen Plan, der so edel entsprungen war wie dieser; obwohl sie lächelte, als sie sah, wie dieselbe eifrige Phantasie, die sie an den Rand träger Untätigkeit und selbstsüchtigen Kummers geführt hatte, nun daran arbeitete, Exzesse in einen Plan solch vernünftiger Beschäftigung und tugendhafter Selbstbeherrschung einzuführen. Ihr Lächeln wandelte sich jedoch in einen Seufzer, als sie sich daran erinnerte, dass das Versprechen an Willoughby noch nicht erfüllt war, und sie fürchtete, sie habe etwas mitzuteilen, was Mariannes Geist erneut aus dem Gleichgewicht bringen und diese schöne Aussicht auf geschäftige Ruhe zumindest für eine Zeit ruinieren könnte. Da sie die böse Stunde hinauszögern wollte, beschloss sie zu warten, bis die Gesundheit ihrer Schwester sicherer wäre, bevor sie sie festlegte. Doch der Entschluss war nur gefasst, um gebrochen zu werden.
Marianne war zwei oder drei Tage zu Hause, ehe das Wetter schön genug war, als dass eine Genesende wie sie sich hinauswagen konnte. Doch schließlich erschien ein milder, angenehmer Morgen; einer, der die Wünsche der Tochter und das Vertrauen der Mutter wecken konnte; und Marianne, auf Elinors Arm gestützt, hatte die Erlaubnis, so lange zu gehen, wie sie konnte, ohne zu ermüden, auf dem Feldweg vor dem Haus.
Die Schwestern brachen in einem Tempo auf, so langsam, wie es die Schwäche von Marianne bei einer Übung erforderte, die seit ihrer Krankheit noch nicht erprobt worden war; und sie waren nur so weit über das Haus hinausgegangen, dass sie einen vollen Blick auf den Hügel, den bedeutenden Hügel dahinter, hatten, als Marianne, mit den Augen darauf gerichtet, ruhig stehen blieb und sagte:
„Dort, genau dort“, – mit einer Hand darauf deutend, – „auf jenem vorspringenden Hügel, dort bin ich gestürzt; und dort habe ich Willoughby zum ersten Mal gesehen.“
Ihre Stimme sank bei dem Wort, aber sich bald wieder sammelnd, fügte sie hinzu:
„Ich bin dankbar, festzustellen, dass ich die Stelle mit so wenig Schmerz betrachten kann! Werden wir jemals über dieses Thema sprechen, Elinor?“ – zögernd wurde es gesagt. – „Oder wird es falsch sein? Ich kann jetzt darüber sprechen, hoffe ich, wie ich es tun sollte.“
Elinor lud sie zärtlich ein, offen zu sein.
„Was das Bedauern betrifft“, sagte Marianne, „so habe ich damit abgeschlossen, soweit er betroffen ist. Ich will nicht mit dir darüber sprechen, was meine Gefühle für ihn gewesen sind, sondern was sie jetzt sind. Wenn ich im Augenblick in einem Punkt beruhigt sein könnte, wenn mir erlaubt wäre zu denken, dass er nicht immer eine Rolle gespielt hat, nicht immer mich getäuscht hat; aber vor allem, wenn ich die Gewissheit hätte, dass er niemals so sehr böse war, wie meine Befürchtungen ihn mir manchmal ausgemalt haben, seit der Geschichte mit diesem unglücklichen Mädchen –“
Sie hielt inne. Elinor bewahrte ihre Worte freudig auf, als sie antwortete:
„Wenn du dieser Gewissheit sein könntest, denkst du, du wärst beruhigt.“
„Ja. Mein Seelenfrieden ist doppelt darin verstrickt; denn es ist nicht nur schrecklich, eine Person, die das für mich gewesen ist, was er war, solcher Absichten zu verdächtigen, sondern was muss es mich in meinen eigenen Augen erscheinen lassen? Was könnte mich in einer Situation wie der meinen, außer einer höchst schändlich unbedachten Zuneigung, dazu bringen –“
„Wie würdest du dann“, fragte ihre Schwester, „sein Verhalten erklären?“
„Ich würde ihn mir – oh, wie froh wäre ich, ihn mir nur als launisch vorzustellen, sehr, sehr launisch.“
Elinor sagte nichts weiter. Sie überlegte bei sich selbst, ob es angebracht sei, ihre Geschichte sofort zu beginnen oder sie bis zu einer stärkeren Gesundheit Mariannes aufzuschieben; – und sie schlichen einige Minuten schweigend weiter.
„Ich wünsche ihm nicht zu viel Gutes“, sagte Marianne schließlich mit einem Seufzer, „wenn ich wünsche, dass seine geheimen Reflexionen nicht unangenehmer sein mögen als meine eigenen. Er wird in ihnen genug leiden.“
„Vergleichst du dein Verhalten mit seinem?“
„Nein. Ich vergleiche es mit dem, was es hätte sein sollen; ich vergleiche es mit deinem.“
„Unsere Situationen hatten wenig Ähnlichkeit.“
„Sie hatten mehr als unser Verhalten. Lass nicht, meine liebste Elinor, deine Güte das verteidigen, was, wie ich weiß, dein Urteilsvermögen missbilligen muss. Meine Krankheit hat mich zum Nachdenken gebracht. Sie hat mir Muße und Ruhe für ernsthafte Rückbesinnung gegeben. Lange bevor ich kräftig genug war, um zu sprechen, war ich vollkommen fähig, nachzudenken. Ich betrachtete die Vergangenheit: Ich sah in meinem eigenen Verhalten, seit Beginn unserer Bekanntschaft mit ihm im letzten Herbst, nichts als eine Reihe von Unvorsichtigkeit gegenüber mir selbst und Mangel an Güte gegenüber anderen. Ich sah, dass meine eigenen Gefühle mein Leiden vorbereitet hatten und dass mein Mangel an Standhaftigkeit unter ihnen mich fast ins Grab geführt hätte. Meine Krankheit, das wusste ich wohl, war gänzlich von mir selbst herbeigeführt worden, durch eine solche Vernachlässigung meiner eigenen Gesundheit, die ich schon zur damaligen Zeit als falsch empfunden hatte. Wäre ich gestorben, wäre es Selbstzerstörung gewesen. Ich kannte meine Gefahr nicht, bis die Gefahr beseitigt war; aber mit solchen Gefühlen, wie sie mir diese Reflexionen gaben, staune ich über meine Genesung – staune, dass der bloße Eifer meines Verlangens zu leben, Zeit für Sühne vor meinem Gott und vor euch allen zu haben, mich nicht auf der Stelle umgebracht hat. Wäre ich gestorben, in welch besonderes Elend hätte ich euch zurückgelassen, meine Pflegerin, meine Freundin, meine Schwester! Du, die du all die reizbare Selbstsucht meiner letzten Tage gesehen hattest; die du all das Murren meines Herzens gekannt hattest! Wie hätte ich in deiner Erinnerung gelebt! Meine Mutter auch! Wie hättest du sie trösten können! Ich kann meinen eigenen Abscheu vor mir selbst nicht ausdrücken. Wann immer ich auf die Vergangenheit zurückblickte, sah ich eine vernachlässigte Pflicht oder ein nachgegebenes Fehlverhalten. Jeder schien durch mich verletzt. Die Güte, die unaufhörliche Güte von Mrs. Jennings, hatte ich mit undankbarer Verachtung vergolten. Gegenüber den Middletons, den Palmers, den Steeles, gegenüber jedem gewöhnlichen Bekannten sogar, war ich unverschämt und ungerecht gewesen; mit einem Herzen, das gegen ihre Verdienste verhärtet war, und einem Gemüt, das durch ihre Aufmerksamkeit sogar gereizt war. John, Fanny, ja, sogar ihnen, so wenig sie es verdienen, hatte ich weniger gegeben, als ihnen gebührte. Aber du, du vor allen, vor meiner Mutter, warst von mir unrecht behandelt worden. Ich, und nur ich, kannte dein Herz und seine Sorgen; doch wozu brachte es mich? – nicht zu irgendeinem Mitgefühl, das dir oder mir hätte nützen können. – Dein Beispiel war vor mir; aber wozu diente es? War ich rücksichtsvoller gegenüber dir und deinem Wohlbefinden? Ahmt ich deine Nachsicht nach oder linderte ich deine Einschränkungen, indem ich irgendeinen Teil in jenen Diensten allgemeiner Gefälligkeit oder besonderer Dankbarkeit übernahm, die du bisher allein hattest erfüllen müssen? Nein; nicht weniger, als ich wusste, dass du unglücklich warst, als ich geglaubt hatte, du wärst sorgenfrei, wandte ich mich von jeder Anstrengung der Pflicht oder Freundschaft ab; erlaubte kaum, dass Kummer existierte, außer bei mir, bedauerte nur jenes Herz, das mich verlassen und unrecht behandelt hatte, und ließ dich, für die ich eine grenzenlose Zuneigung vorgab, deinetwegen elend sein.“
Hier endete der reißende Strom ihres sich selbst tadelnden Geistes; und Elinor, ungeduldig zu trösten, wenn auch zu ehrlich, um zu schmeicheln, gab ihr augenblicklich jenes Lob und jene Unterstützung, die ihre Offenheit und ihre Reue so wohl verdienten. Marianne drückte ihre Hand und antwortete:
„Du bist sehr gut. – Die Zukunft muss mein Beweis sein. Ich habe meinen Plan festgelegt, und wenn ich fähig bin, daran festzuhalten – sollen meine Gefühle beherrscht und mein Gemüt gebessert werden. Sie sollen andere nicht mehr beunruhigen, noch mich selbst quälen. Ich werde nun allein für meine Familie leben. Du, meine Mutter und Margaret müsst fortan die ganze Welt für mich sein; ihr werdet meine Zuneigung gänzlich unter euch teilen. Von euch, von meinem Zuhause aus, werde ich nie wieder den geringsten Ansporn haben, mich zu bewegen; und wenn ich mich unter andere Gesellschaft mische, wird es nur sein, um zu zeigen, dass mein Geist gedemütigt, mein Herz gebessert ist und dass ich die Höflichkeiten, die kleineren Pflichten des Lebens mit Sanftmut und Nachsicht ausüben kann. Was Willoughby betrifft – zu sagen, dass ich ihn bald oder jemals vergessen werde, wäre müßig. Seine Erinnerung kann durch keine Änderung der Umstände oder Meinungen überwunden werden. Aber sie soll reguliert, sie soll durch Religion, durch Vernunft, durch ständige Beschäftigung in Schach gehalten werden.“
Sie hielt inne – und fügte mit leiser Stimme hinzu: „Wenn ich nur sein Herz kennen könnte, würde alles einfach werden.“
Elinor, die nun schon seit einiger Zeit über die Angemessenheit oder Unangemessenheit nachgedacht hatte, ihre Erzählung schnell zu wagen, ohne sich einer Entscheidung näher zu fühlen als anfangs, hörte dies; und da sie wahrnahm, dass, da das Nachdenken nichts bewirkte, der Entschluss alles tun musste, fand sie sich bald dabei wieder, auf die Tatsache zuzusteuern.
Sie bewerkstelligte die Schilderung, wie sie hoffte, mit Geschick; bereitete ihre ängstliche Zuhörerin mit Vorsicht vor; erzählte einfach und ehrlich die Hauptpunkte, auf die Willoughby seine Entschuldigung stützte; wurde seiner Reue gerecht und milderte nur seine Beteuerungen gegenwärtiger Zuneigung ab. Marianne sagte kein Wort. – Sie zitterte, ihre Augen waren auf den Boden gerichtet, und ihre Lippen wurden weißer, als es selbst die Krankheit hinterlassen hatte. Tausend Fragen sprangen aus ihrem Herzen hervor, aber sie wagte nicht, eine einzige zu drängen. Sie fing jede Silbe mit keuchendem Eifer auf; ihre Hand drückte, ohne dass sie es selbst wusste, fest die ihrer Schwester, und Tränen bedeckten ihre Wangen.
Elinor, die fürchtete, sie könnte müde werden, führte sie nach Hause; und bis sie die Tür des Cottage erreichten, leicht vermutend, was ihre Neugier sein musste, obwohl keine Frage laut werden durfte, sprach sie von nichts anderem als Willoughby und ihrem gemeinsamen Gespräch; und war sorgfältig genau in jedem Detail von Rede und Blick, wo Genauigkeit sicher gewährt werden konnte. Sobald sie das Haus betraten, zog sich Marianne mit einem Kuss der Dankbarkeit und diesen zwei Worten, die durch ihre Tränen gerade noch verständlich waren, „Sag es Mama“, von ihrer Schwester zurück und ging langsam die Treppe hinauf. Elinor wollte nicht versuchen, eine Einsamkeit zu stören, die so vernünftig war wie die, die sie jetzt suchte; und mit einem Geist, der ängstlich ihr Ergebnis vorbedachte, und einem Entschluss, das Thema wieder aufzugreifen, sollte Marianne es nicht tun, wandte sie sich in den Salon, um ihre Abschiedsanweisung zu erfüllen.
KAPITEL XLVII.
Mrs. Dashwood hörte nicht unbewegt die Verteidigung ihres einstigen Lieblings. Sie freute sich, dass er von einem Teil seiner zugeschriebenen Schuld befreit war; – sie tat ihr leid; – sie wünschte ihm Glück. Aber die Gefühle der Vergangenheit konnten nicht zurückgerufen werden. – Nichts konnte ihn mit einem ungebrochenen Glauben – einem unbescholtenen Charakter – zu Marianne zurückbringen. Nichts konnte das Wissen darüber auslöschen, was letztere durch ihn gelitten hatte, noch die Schuld seines Verhaltens gegenüber Eliza entfernen. Nichts konnte ihn daher in ihrer früheren Achtung ersetzen, noch die Interessen von Colonel Brandon beeinträchtigen.
Hätte Mrs. Dashwood, wie ihre Tochter, Willoughbys Geschichte von ihm selbst gehört – hätte sie seine Not miterlebt und wäre sie unter dem Einfluss seines Gesichtsausdrucks und seiner Art gewesen, so wäre es wahrscheinlich, dass ihr Mitgefühl größer gewesen wäre. Aber es lag weder in Elinors Macht noch in ihrem Wunsch, in einer anderen durch ihre weitererzählte Erklärung solche Gefühle zu wecken, wie sie anfangs in ihr selbst hervorgerufen worden waren. Reflexion hatte ihrem Urteil Ruhe gegeben und ihre eigene Meinung über Willoughbys Verdienste ernüchtert; – sie wünschte daher, nur die einfache Wahrheit zu erklären und solche Fakten offenzulegen, die wirklich seinem Charakter gebührten, ohne jede Ausschmückung von Zärtlichkeit, um die Phantasie in die Irre zu führen.
Am Abend, als sie alle drei zusammen waren, begann Marianne freiwillig wieder von ihm zu sprechen; – aber dass dies nicht ohne Anstrengung geschah, zeigte deutlich die rastlose, unruhige Nachdenklichkeit, in der sie schon seit einiger Zeit zuvor gesessen hatte – ihre aufsteigende Farbe, während sie sprach – und ihre unstete Stimme.
„Ich möchte euch beide versichern“, sagte sie, „dass ich alles so sehe – wie ihr es von mir wünschen könnt.“
Mrs. Dashwood hätte sie augenblicklich mit besänftigender Zärtlichkeit unterbrochen, hätte Elinor, die wirklich die unvoreingenommene Meinung ihrer Schwester hören wollte, sie nicht durch ein eifriges Zeichen zum Schweigen gebracht. Marianne fuhr langsam fort:
„Es ist eine große Erleichterung für mich – was Elinor mir heute Morgen erzählte – ich habe jetzt genau das gehört, was ich hören wollte.“ – Für einige Momente verlor sich ihre Stimme; aber sich wieder fassend, fügte sie hinzu, und mit größerer Ruhe als zuvor – „Ich bin jetzt vollkommen zufrieden, ich wünsche keine Änderung. Ich hätte niemals mit ihm glücklich werden können, nachdem ich, wie ich früher oder später hätte wissen müssen, all dies erfahren habe. – Ich hätte kein Vertrauen, keine Achtung haben können. Nichts hätte es für meine Gefühle auslöschen können.“
„Ich weiß es – ich weiß es“, rief ihre Mutter. „Glücklich mit einem Mann liederlicher Praktiken! – Mit einem, der den Frieden der Liebsten unserer Freunde und der Besten aller Männer so verletzt hat! – Nein – meine Marianne hat kein Herz, um mit einem solchen Mann glücklich zu werden! – Ihr Gewissen, ihr empfindsames Gewissen, hätte all das gefühlt, was das Gewissen ihres Mannes hätte fühlen sollen.“
Marianne seufzte und wiederholte: „Ich wünsche keine Änderung.“
„Du betrachtest die Angelegenheit“, sagte Elinor, „genau so, wie ein guter Geist und ein gesundes Verständnis sie betrachten muss; und ich wage zu sagen, du nimmst, wie ich selbst, nicht nur in diesem, sondern in vielen anderen Umständen Grund genug wahr, überzeugt zu sein, dass deine Ehe dich in viele sichere Sorgen und Enttäuschungen verwickelt hätte, in denen du durch eine Zuneigung seinerseits, die weit weniger sicher ist, nur dürftig unterstützt worden wärst. Hättest du geheiratet, wärst du immer arm gewesen. Seine Kostspieligkeit wird sogar von ihm selbst eingeräumt, und sein ganzes Verhalten erklärt, dass Selbstverleugnung ein Wort ist, das er kaum versteht. Seine Ansprüche und deine Unerfahrenheit zusammen, bei einem kleinen, sehr kleinen Einkommen, hätten Nöte herbeigeführt, die für dich nicht weniger schmerzlich gewesen wären, weil sie zuvor gänzlich unbekannt und unbedacht waren. Dein Sinn für Ehre und Ehrlichkeit hätte dich, das weiß ich, wenn du dir deiner Situation bewusst geworden wärst, dazu geführt, all die Sparsamkeit zu versuchen, die dir möglich erschien: und vielleicht, solange deine Genügsamkeit nur an deinem eigenen Komfort sparte, hättest du sie vielleicht praktizieren dürfen, aber darüber hinaus – und wie wenig konnte das Äußerste deiner alleinigen Verwaltung tun, um den Ruin aufzuhalten, der schon vor deiner Ehe begonnen hatte? Darüber hinaus, hättest du dich bemüht, wie vernünftig auch immer, seine Vergnügungen zu beschränken, ist es nicht zu befürchten, dass du, anstatt Gefühle, die so selbstsüchtig sind, dazu zu bewegen, dem zuzustimmen, deinen eigenen Einfluss auf sein Herz gemindert und ihn die Verbindung bereuen lassen hättest, die ihn in solche Schwierigkeiten verwickelt hatte?“
Mariannes Lippen bebten, und sie wiederholte das Wort „Selbstsüchtig?“ in einem Ton, der andeutete: „Glaubst du wirklich, er ist selbstsüchtig?“
„Sein gesamtes Verhalten“, erwiderte Elinor, „vom Anfang bis zum Ende der Angelegenheit, hat auf Selbstsucht beruht. Es war Selbstsucht, die ihn zuerst mit deinen Zuneigungen spielen ließ; die ihn später, als seine eigenen in Anspruch genommen waren, das Geständnis darüber verzögern ließ, und die ihn schließlich von Barton fortführte. Sein eigenes Vergnügen oder seine eigene Bequemlichkeit war in jedem Punkt sein leitendes Prinzip.“
„Es ist sehr wahr. Mein Glück war niemals sein Ziel.“
„Gegenwärtig“, fuhr Elinor fort, „bereut er, was er getan hat. Und warum bereut er es? Weil er feststellt, dass es sich für ihn selbst nicht ausgezahlt hat. Es hat ihn nicht glücklich gemacht. Seine Verhältnisse sind nun unbelastet – er leidet unter keinem Übel dieser Art; und er denkt nur daran, dass er eine Frau mit einem weniger liebenswürdigen Wesen geheiratet hat als du. Doch folgt daraus, dass er glücklich gewesen wäre, wenn er dich geheiratet hätte? Die Unannehmlichkeiten wären andere gewesen. Er hätte dann unter den finanziellen Nöten gelitten, die er, da sie nun beseitigt sind, für nichts mehr achtet. Er hätte eine Frau gehabt, an deren Wesen er nichts auszusetzen hätte, doch er wäre immer bedürftig gewesen – immer arm; und wahrscheinlich hätte er bald gelernt, die unzähligen Annehmlichkeiten eines freien Vermögens und eines guten Einkommens als weit wichtiger einzustufen, selbst für das häusliche Glück, als das bloße Wesen einer Ehefrau.“
„Ich habe keinen Zweifel daran“, sagte Marianne; „und ich habe nichts zu bereuen – nichts außer meiner eigenen Torheit.“
„Sage lieber die Unbesonnenheit deiner Mutter, mein Kind“, sagte Mrs. Dashwood; „sie muss zur Rechenschaft gezogen werden.“
Marianne wollte sie nicht fortfahren lassen; – und Elinor, zufrieden damit, dass jede ihren eigenen Fehler erkannte, wollte jede Rückschau auf die Vergangenheit vermeiden, die den Mut ihrer Schwester schwächen könnte; deshalb fuhr sie unmittelbar mit dem ersten Thema fort:
„Eine Beobachtung lässt sich, wie ich denke, rechtmäßig aus der ganzen Geschichte ziehen – dass all Willoughbys Schwierigkeiten aus dem ersten Verstoß gegen die Tugend in seinem Verhalten gegenüber Eliza Williams entstanden sind. Dieses Verbrechen ist der Ursprung jedes kleineren Fehlers und all seines gegenwärtigen Unmuts gewesen.“
Marianne stimmte dieser Bemerkung sehr gefühlvoll zu; und ihre Mutter wurde dadurch zu einer Aufzählung der Kränkungen und Verdienste von Colonel Brandon geführt, so warm, wie Freundschaft und Absicht sie gemeinsam diktieren konnten. Ihre Tochter sah jedoch nicht so aus, als ob sie viel davon vernahm.
Elinor sah, wie sie es erwartet hatte, an den zwei oder drei folgenden Tagen, dass Marianne nicht weiterhin so an Kraft gewann, wie sie es getan hatte; doch während ihre Entschlossenheit ungebrochen war und sie weiterhin versuchte, heiter und gelassen zu erscheinen, konnte ihre Schwester getrost auf die Wirkung der Zeit auf ihre Gesundheit vertrauen.
Margaret kehrte zurück, und die Familie war wieder vereint, wieder ruhig im Cottage niedergelassen; und wenn sie ihre üblichen Studien auch nicht ganz so eifrig verfolgten wie bei ihrer ersten Ankunft in Barton, so planten sie doch zumindest eine tatkräftige Wiederaufnahme in der Zukunft.
Elinor wurde ungeduldig auf Nachrichten von Edward. Sie hatte seit ihrem Verlassen Londons nichts von ihm gehört, nichts Neues über seine Pläne, nichts Bestimmtes einmal über seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort. Einige Briefe waren in Folge von Mariannes Krankheit zwischen ihr und ihrem Bruder gewechselt worden, und im ersten von Johns Briefen hatte dieser Satz gestanden: „Wir wissen nichts von unserem unglücklichen Edward und können keine Nachforschungen zu einem solch verbotenen Thema anstellen, nehmen aber an, dass er noch in Oxford ist“; was die einzige Information über Edward war, die ihr durch den Briefwechsel zuteilwurde, denn sein Name wurde in keinem der darauffolgenden Briefe auch nur erwähnt. Sie war jedoch nicht dazu verdammt, lange in Unkenntnis über seine Maßnahmen zu bleiben.
Ihr Bedienter war eines Morgens in geschäftlichen Angelegenheiten nach Exeter geschickt worden; und als er bei Tisch wartete und die Nachfragen seiner Herrin bezüglich des Ergebnisses seines Botenganges beantwortet hatte, war dies seine freiwillige Mitteilung:
„Ich nehme an, Sie wissen, gnädige Frau, dass Mr. Ferrars verheiratet ist.“
Marianne fuhr heftig zusammen, heftete ihre Augen auf Elinor, sah, wie diese blass wurde, und sank hysterisch in ihrem Stuhl zurück. Mrs. Dashwood, deren Augen, als sie die Nachfrage des Dieners beantwortete, intuitiv dieselbe Richtung genommen hatten, war erschüttert, an Elinors Gesichtsausdruck zu erkennen, wie sehr sie tatsächlich litt, und einen Augenblick später, gleichermaßen beunruhigt durch Mariannes Zustand, wusste sie nicht, welchem Kind sie ihre Hauptaufmerksamkeit widmen sollte.
Der Diener, der nur sah, dass Miss Marianne krank geworden war, hatte genug Verstand, eine der Mägde zu rufen, die sie mit Mrs. Dashwoods Unterstützung in das andere Zimmer stützte. Zu der Zeit war Marianne etwas besser, und ihre Mutter, die sie der Obhut von Margaret und der Magd überließ, kehrte zu Elinor zurück, die, obwohl immer noch sehr verstört, den Gebrauch ihres Verstandes und ihrer Stimme soweit wiedererlangt hatte, dass sie gerade damit begann, Thomas nach der Quelle seiner Informationen zu befragen. Mrs. Dashwood nahm ihr diese Mühe sofort ab; und Elinor hatte den Vorteil der Information, ohne die Anstrengung, sie suchen zu müssen.
„Wer hat dir gesagt, dass Mr. Ferrars verheiratet ist, Thomas?“
„Ich habe Mr. Ferrars selbst gesehen, gnädige Frau, heute Morgen in Exeter, und seine Dame auch, die ehemalige Miss Steele. Sie hielten in einer Kutsche vor der Tür des New London Inn, als ich mit einer Nachricht von Sally aus dem Park an ihren Bruder, der einer der Postillone ist, dorthin ging. Ich sah zufällig auf, als ich an der Kutsche vorbeiging, und so sah ich sofort, dass es die jüngste Miss Steele war; also nahm ich meinen Hut ab, und sie erkannte mich und rief mich zu sich und erkundigte sich nach Ihnen, gnädige Frau, und den jungen Damen, besonders nach Miss Marianne, und bat mich, ich solle ihr und Mr. Ferrars ihre Grüße ausrichten, ihre besten Grüße und Empfehlungen, und wie leid es ihnen täte, dass sie keine Zeit hätten, weiterzufahren und Sie zu besuchen, aber sie seien in großer Eile, weiterzukommen, denn sie seien für eine Weile auf dem Weg weiter hinunter, aber wie dem auch sei, wenn sie zurückkämen, würden sie sicher vorbeikommen und Sie besuchen.“
„Aber hat sie dir gesagt, dass sie verheiratet ist, Thomas?“
„Ja, gnädige Frau. Sie lächelte und sagte, wie sie ihren Namen geändert habe, seit sie in diesen Gegenden war. Sie war schon immer eine sehr leutselige und freimütige junge Dame und hat sich sehr höflich benommen. Also habe ich mir die Freiheit genommen, ihr Glück zu wünschen.“
„War Mr. Ferrars mit ihr in der Kutsche?“
„Ja, gnädige Frau, ich habe ihn nur hinten darin lehnen sehen, aber er schaute nicht auf; – er war nie ein Herr, der viel redete.“
Elinors Herz konnte sich leicht erklären, warum er sich nicht in den Vordergrund drängte; und Mrs. Dashwood fand wahrscheinlich dieselbe Erklärung.
„War sonst niemand in der Kutsche?“
„Nein, gnädige Frau, nur die beiden.“
„Weißt du, woher sie kamen?“
„Sie kommen direkt aus der Stadt, wie Miss Lucy – Mrs. Ferrars mir sagte.“
„Und fahren sie weiter westwärts?“
„Ja, gnädige Frau – aber nicht, um lange zu bleiben. Sie werden bald wieder zurück sein, und dann werden sie sicher hier vorbeischauen.“
Mrs. Dashwood sah nun zu ihrer Tochter; aber Elinor wusste es besser, als sie zu erwarten. Sie erkannte die ganze Lucy in der Nachricht wieder und war sehr zuversichtlich, dass Edward niemals in ihre Nähe kommen würde. Sie bemerkte mit leiser Stimme gegenüber ihrer Mutter, dass sie wahrscheinlich zu Mr. Pratt in die Nähe von Plymouth unterwegs seien.
Thomas’ Wissen schien erschöpft. Elinor sah aus, als wollte sie mehr hören.
„Hast du sie verabschiedet, bevor du gegangen bist?“
„Nein, gnädige Frau – die Pferde kamen gerade heraus, aber ich konnte nicht länger bleiben; ich hatte Angst, zu spät zu kommen.“
„Sah Mrs. Ferrars gut aus?“
„Ja, gnädige Frau, sie sagte, wie sie sehr wohl sei; und meiner Meinung nach war sie schon immer eine sehr hübsche junge Dame – und sie schien überaus zufrieden.“
Mrs. Dashwood konnte sich keine weitere Frage ausdenken, und Thomas und das Tischtuch, nun beide überflüssig, wurden kurz darauf entlassen. Marianne hatte bereits mitteilen lassen, dass sie nichts mehr essen würde. Mrs. Dashwoods und Elinors Appetit war gleichermaßen vergangen, und Margaret konnte sich sehr glücklich schätzen, dass sie bei so viel Unbehagen, wie beide ihre Schwestern in letzter Zeit erlebt hatten, und so viel Grund, wie sie oft gehabt hatten, ihre Mahlzeiten zu vernachlässigen, noch nie gezwungen gewesen war, ohne ihr Abendessen auszukommen.
Als das Dessert und der Wein aufgetragen waren und Mrs. Dashwood und Elinor mit sich allein gelassen wurden, blieben sie lange in einer Ähnlichkeit von Nachdenklichkeit und Schweigen zusammen. Mrs. Dashwood fürchtete, irgendeine Bemerkung zu wagen, und wagte es nicht, Trost anzubieten. Sie stellte nun fest, dass sie geirrt hatte, als sie sich auf Elinors Darstellung ihrer selbst verlassen hatte; und schloss zu Recht, dass alles zu der Zeit ausdrücklich gemildert worden war, um sie vor einem Anwachsen ihres Unglücks zu bewahren, da sie damals so sehr um Marianne gelitten hatte. Sie stellte fest, dass sie durch die vorsichtige, rücksichtsvolle Aufmerksamkeit ihrer Tochter dazu verleitet worden war, die Bindung, die sie einst so gut verstanden hatte, in Wirklichkeit für viel geringer zu halten, als sie zu glauben gewohnt war oder als sie sich nun erwies. Sie fürchtete, dass sie unter dieser Überzeugung ungerecht, unaufmerksam, ja, fast unfreundlich zu ihrer Elinor gewesen war; – dass Mariannes Leid, weil es anerkannter, weil es ihr unmittelbarer vor Augen war, ihre Zärtlichkeit zu sehr in Anspruch genommen und sie dazu verleitet hatte, zu vergessen, dass sie in Elinor eine Tochter haben könnte, die fast genauso sehr litt, sicherlich mit weniger Selbstverschulden und größerer Standhaftigkeit.
KAPITEL XLVIII.
Elinor erkannte nun den Unterschied zwischen der Erwartung eines unangenehmen Ereignisses, wie gewiss der Verstand es auch betrachten mag, und der Gewissheit selbst. Sie fand nun, dass sie sich trotz ihrer selbst immer eine Hoffnung bewahrt hatte, solange Edward ledig blieb, dass etwas eintreten würde, um seine Heirat mit Lucy zu verhindern; dass irgendein Entschluss seinerseits, irgendeine Vermittlung von Freunden oder irgendeine geeignetere Gelegenheit für eine Etablierung für die Dame aufkommen würde, um das Glück aller zu unterstützen. Doch er war nun verheiratet; und sie verurteilte ihr Herz für die lauernde Schmeichelei, welche den Schmerz der Nachricht so sehr steigerte.
Dass er bald heiraten würde, bevor (wie sie sich vorstellte) er in das geistliche Amt kommen konnte und folglich bevor er im Besitz der Pfründe sein konnte, überraschte sie anfangs ein wenig. Doch sie sah bald, wie wahrscheinlich es war, dass Lucy, in ihrer selbstvorsorgenden Sorgfalt, in ihrer Eile, ihn zu sichern, alles außer dem Risiko einer Verzögerung übersehen würde. Sie waren verheiratet, in der Stadt verheiratet, und eilten nun zu ihrem Onkel hinunter. Was hatte Edward gefühlt, als er vier Meilen von Barton entfernt war, als er den Diener ihrer Mutter sah, als er Lucys Nachricht hörte!
Sie würden bald, so nahm sie an, in Delaford ansässig sein. – Delaford – jener Ort, an dem so vieles zusammenkam, ihr ein Interesse daran zu verleihen; den sie kennenlernen wollte und doch vermeiden wollte. Sie sah sie in einem Augenblick in ihrem Pfarrhaus; sah in Lucy die aktive, erfinderische Verwalterin, die zugleich den Wunsch nach einem schmucken Äußeren mit der äußersten Genügsamkeit verband und sich schämte, auch nur im Verdacht zu stehen, die Hälfte ihrer sparsamen Praktiken anzuwenden; – die in jedem Gedanken ihren eigenen Vorteil verfolgte, die Gunst von Colonel Brandon, von Mrs. Jennings und von jedem wohlhabenden Freund umwarb. In Edward – sie wusste nicht, was sie sah, noch was sie sehen wollte; – glücklich oder unglücklich – nichts gefiel ihr; sie wandte ihren Kopf von jeder Vorstellung von ihm ab.
Elinor schmeichelte sich damit, dass irgendeiner ihrer Bekannten in London ihnen schreiben würde, um das Ereignis anzukündigen und weitere Einzelheiten zu geben – doch Tag um Tag verstrich und brachte keinen Brief, keine Nachricht. Obwohl sie nicht sicher war, ob jemand die Schuld trug, tadelte sie jeden abwesenden Freund. Sie waren alle gedankenlos oder träge.
„Wann schreiben Sie an Colonel Brandon, gnädige Frau?“, war eine Frage, die aus der Ungeduld ihres Geistes entsprang, etwas im Gange zu haben.
„Ich habe ihm letzte Woche geschrieben, meine Liebe, und erwarte eher, ihn zu sehen, als wieder von ihm zu hören. Ich habe ihn inständig gebeten, zu uns zu kommen, und wäre nicht überrascht, ihn heute oder morgen oder irgendeinen Tag hereinspazieren zu sehen.“
Das war etwas gewonnen, etwas, worauf man sich freuen konnte. Colonel Brandon musste einige Informationen zu geben haben.
Kaum hatte sie dies beschlossen, als die Gestalt eines Mannes zu Pferd ihre Augen auf das Fenster lenkte. Er hielt an ihrem Tor. Es war ein Herr, es war Colonel Brandon selbst. Nun konnte sie mehr hören; und sie zitterte in Erwartung dessen. Doch es war nicht Colonel Brandon; weder seine Haltung noch seine Größe. Wäre es möglich, müsste sie sagen, es müsse Edward sein. Sie schaute wieder. Er war gerade abgestiegen: sie konnte sich nicht täuschen – es war Edward. Sie entfernte sich und setzte sich. „Er kommt absichtlich von Mr. Pratts, um uns zu sehen. Ich werde ruhig sein; ich werde meine Herrin über mich selbst sein.“
In einem Augenblick bemerkte sie, dass die anderen sich des Irrtums ebenfalls bewusst waren. Sie sah, wie ihre Mutter und Marianne die Farbe wechselten; sah, wie sie sie ansahen und ein paar Sätze miteinander flüsterten. Sie hätte die Welt darum gegeben, sprechen zu können – und sie wissen zu lassen, dass sie hoffte, keine Kälte, keine Geringschätzung würde in ihrem Verhalten ihm gegenüber zum Ausdruck kommen; – doch sie hatte keine Sprache und war gezwungen, alles ihrem eigenen Ermessen zu überlassen.
Keine Silbe fiel laut. Sie warteten alle schweigend auf das Erscheinen ihres Besuchers. Seine Schritte waren auf dem Kiesweg zu hören; in einem Augenblick war er im Flur, und im nächsten stand er vor ihnen.
Sein Gesichtsausdruck, als er den Raum betrat, war selbst für Elinor nicht allzu glücklich. Sein Teint war vor Erregung weiß, und er sah aus, als fürchte er seinen Empfang und sei sich bewusst, dass er keinen freundlichen verdiene. Mrs. Dashwood jedoch, indem sie sich, wie sie glaubte, den Wünschen der Tochter fügte, von der sie sich in jener Wärme ihres Herzens in allem leiten lassen wollte, begegnete ihm mit einem Blick erzwungener Zufriedenheit, gab ihm die Hand und wünschte ihm Glück.
Er wurde rot und stammelte eine unverständliche Antwort. Elinors Lippen hatten sich mit denen ihrer Mutter bewegt, und als der Moment des Handelns vorüber war, wünschte sie, sie hätte ihm auch die Hand geschüttelt. Doch es war dann zu spät, und mit einem Gesichtsausdruck, der offen sein sollte, setzte sie sich wieder hin und sprach über das Wetter.
Marianne hatte sich so weit wie möglich aus dem Blickfeld zurückgezogen, um ihre Not zu verbergen; und Margaret, die einen Teil, aber nicht die ganze Angelegenheit verstand, hielt es für ihre Pflicht, würdevoll zu sein, und nahm daher einen Platz so weit wie möglich von ihm entfernt ein und bewahrte striktes Schweigen.
Als Elinor aufgehört hatte, sich über die Trockenheit der Jahreszeit zu freuen, trat eine sehr ehrfurchtgebietende Pause ein. Sie wurde von Mrs. Dashwood beendet, die sich verpflichtet fühlte, zu hoffen, dass er Mrs. Ferrars sehr wohl gelassen habe. Auf hastige Weise antwortete er bejahend.
Noch eine Pause.
Elinor, die sich entschloss, sich anzustrengen, obwohl sie den Klang ihrer eigenen Stimme fürchtete, sagte nun:
„Ist Mrs. Ferrars in Longstaple?“
„In Longstaple!“, antwortete er mit einem Ausdruck der Überraschung. „Nein, meine Mutter ist in der Stadt.“
„Ich meinte“, sagte Elinor und nahm etwas Handarbeit vom Tisch, „mich nach Mrs. Edward Ferrars zu erkundigen.“
Sie wagte nicht aufzuschauen; – doch ihre Mutter und Marianne richteten beide ihre Augen auf ihn. Er wurde rot, schien verwirrt, blickte zweifelnd und sagte nach einigem Zögern:
„Vielleicht meinen Sie – meinen Bruder – Sie meinen Mrs. – Mrs. Robert Ferrars.“
„Mrs. Robert Ferrars!“, wurde von Marianne und ihrer Mutter in einem Ton größter Verwunderung wiederholt; und obwohl Elinor nicht sprechen konnte, waren selbst ihre Augen mit demselben ungeduldigen Staunen auf ihn gerichtet. Er erhob sich von seinem Sitz und ging zum Fenster, scheinbar weil er nicht wusste, was er tun sollte; nahm eine Schere, die dort lag, und während er sowohl sie als auch ihre Scheide ruinierte, indem er letztere im Sprechen in Stücke schnitt, sagte er mit hastiger Stimme:
„Vielleicht wissen Sie es nicht: Sie haben vielleicht nicht gehört, dass mein Bruder kürzlich die – die jüngste – Miss Lucy Steele geheiratet hat.“
Seine Worte wurden mit unsagbarem Erstaunen von allen wiederholt, außer von Elinor, die mit ihrem Kopf über ihrer Arbeit saß, in einem Zustand solcher Erregung, dass sie kaum wusste, wo sie war.
„Ja“, sagte er, „sie haben letzte Woche geheiratet und sind jetzt in Dawlish.“
Elinor konnte es nicht länger ertragen. Sie rannte fast aus dem Raum, und sobald die Tür geschlossen war, brach sie in Freudentränen aus, von denen sie zuerst dachte, sie würden niemals aufhören. Edward, der bis dahin überallhin geschaut hatte, nur nicht auf sie, sah sie eilen, und vielleicht sah er – oder hörte er sogar – ihre Bewegung; denn unmittelbar danach verfiel er in ein Sinnen, in das keine Bemerkungen, keine Nachfragen, keine liebevolle Ansprache von Mrs. Dashwood eindringen konnten, und schließlich verließ er, ohne ein Wort zu sagen, den Raum und ging hinaus in Richtung des Dorfes – die anderen im größten Erstaunen und in der größten Ratlosigkeit über eine Veränderung in seiner Lage zurücklassend, die so wunderbar und so plötzlich war; – eine Ratlosigkeit, die sie auf keine andere Weise mindern konnten als durch ihre eigenen Vermutungen.
KAPITEL XLIX.
So unerklärlich dem ganzen Hause die Umstände seiner Befreiung auch erscheinen mochten, es war gewiss, dass Edward frei war; und zu welchem Zweck diese Freiheit eingesetzt werden würde, war von allen leicht vorherbestimmt; – denn nachdem er die Segnungen einer unvorsichtigen Verlobung erfahren hatte, die ohne die Zustimmung seiner Mutter eingegangen worden war, wie er es bereits seit mehr als vier Jahren getan hatte, konnte von ihm bei deren Scheitern nichts Geringeres erwartet werden, als der sofortige Abschluss einer anderen.
Sein Gang nach Barton war tatsächlich ein einfacher. Es war nur, um Elinor zu bitten, ihn zu heiraten; – und in Anbetracht dessen, dass er in einer solchen Frage nicht völlig unerfahren war, mochte es seltsam sein, dass er sich im vorliegenden Fall so unbehaglich fühlte, wie er es wirklich tat, so sehr des Zuspruchs und der frischen Luft bedürftig.
Wie bald er sich jedoch selbst zu dem richtigen Entschluss spaziert hatte, wie bald sich eine Gelegenheit bot, ihn auszuüben, auf welche Weise er sich ausdrückte und wie er aufgenommen wurde, braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden. Dies muss nur gesagt werden: – dass, als sie sich alle um vier Uhr zu Tisch setzten, etwa drei Stunden nach seiner Ankunft, er seine Dame gesichert, die Zustimmung ihrer Mutter eingeholt hatte und nicht nur im schwärmerischen Bekenntnis des Liebhabers, sondern in der Wirklichkeit der Vernunft und Wahrheit einer der glücklichsten Männer war. Seine Lage war in der Tat mehr als gewöhnlich freudvoll. Er hatte mehr als den gewöhnlichen Triumph der erwiderten Liebe, um sein Herz zu schwellen und seinen Geist zu erheben. Er war ohne jeden Vorwurf an sich selbst aus einer Verstrickung befreit, die lange sein Unglück gebildet hatte, von einer Frau, die er längst aufgehört hatte zu lieben; – und sogleich zu jener Sicherheit mit einer anderen erhoben, an die er fast mit Verzweiflung gedacht haben musste, sobald er gelernt hatte, sie mit Verlangen zu betrachten. Er war nicht aus Zweifel oder Ungewissheit, sondern aus Elend zum Glück geführt worden; – und die Veränderung wurde offen in einer solch echten, fließenden, dankbaren Heiterkeit ausgesprochen, wie seine Freunde sie zuvor nie an ihm erlebt hatten.
Sein Herz war nun offen für Elinor, alle seine Schwächen, alle seine Fehler gestanden, und seine erste jungenhafte Zuneigung zu Lucy mit all der philosophischen Würde von vierundzwanzig Jahren behandelt.
„Es war eine törichte, müßige Neigung meinerseits“, sagte er, „die Folge von Unkenntnis der Welt und Mangel an Beschäftigung. Hätte meine Mutter mir einen aktiven Beruf gegeben, als ich mit achtzehn Jahren aus der Obhut von Mr. Pratt entfernt wurde, so denke ich, nein, ich bin sicher, es wäre niemals geschehen; denn obwohl ich Longstaple mit dem verließ, was ich damals für eine unüberwindliche Vorliebe für seine Nichte hielt, hätte ich damals irgendeine Beschäftigung gehabt, irgendein Ziel, das meine Zeit beansprucht und mich für ein paar Monate von ihr ferngehalten hätte, wäre ich sehr bald über die eingebildete Zuneigung hinausgewachsen, besonders durch das Mischen mit der Welt, wie ich es in einem solchen Fall hätte tun müssen. Doch anstatt etwas zu tun zu haben, anstatt irgendeinen Beruf für mich gewählt zu bekommen oder mir erlaubt zu haben, selbst einen zu wählen, kehrte ich nach Hause zurück, um vollkommen müßig zu sein; und das erste Jahr danach hatte ich nicht einmal die nominelle Beschäftigung, die mir die Zugehörigkeit zur Universität gegeben hätte; denn ich wurde erst mit neunzehn Jahren in Oxford eingeschrieben. Ich hatte daher absolut nichts zu tun, außer mir einzubilden, verliebt zu sein; und da meine Mutter mein Zuhause in keiner Hinsicht gemütlich machte, da ich keinen Freund, keinen Gefährten in meinem Bruder hatte und neue Bekanntschaften ablehnte, war es nicht unnatürlich für mich, sehr oft in Longstaple zu sein, wo ich mich immer wie zu Hause fühlte und immer sicher war, willkommen zu sein; und dementsprechend verbrachte ich den größten Teil meiner Zeit dort von achtzehn bis neunzehn: Lucy erschien als alles, was liebenswürdig und entgegenkommend war. Sie war auch hübsch – zumindest dachte ich das damals; und ich hatte so wenig von anderen Frauen gesehen, dass ich keine Vergleiche anstellen konnte und keine Fehler sah. Wenn man also alles in Betracht zieht, hoffe ich, so töricht unsere Verlobung auch war, so töricht sie sich seitdem in jeder Weise erwiesen hat, so war sie damals doch kein unnatürliches oder unentschuldbares Stück Torheit.“
Die Veränderung, welche wenige Stunden im Gemüt und im Glück der Dashwoods bewirkt hatten, war derart – so groß –, dass sie ihnen allen die Genugtuung einer schlaflosen Nacht versprach. Mrs. Dashwood, zu glücklich, um behaglich zu sein, wusste nicht, wie sie Edward genug lieben oder Elinor genug preisen sollte; wie sie für seine Befreiung dankbar genug sein konnte, ohne seine Empfindsamkeit zu verletzen, oder wie sie ihnen zugleich Muße für ein ungezwungenes Gespräch miteinander gewähren und doch, wie sie es wünschte, den Anblick und die Gesellschaft beider genießen sollte.
Marianne konnte ihr Glück nur in Tränen ausdrücken. Vergleiche drängten sich auf – Bedauern regte sich; und ihre Freude, obwohl so aufrichtig wie ihre Liebe zu ihrer Schwester, war von einer Art, die ihr weder Heiterkeit noch Worte verlieh.
Doch Elinor – wie sind ihre Gefühle zu beschreiben? Von dem Augenblick an, als sie erfuhr, dass Lucy mit einem anderen verheiratet war, dass Edward frei war, bis zu dem Augenblick, da er die Hoffnungen rechtfertigte, die so unmittelbar darauf gefolgt waren, war sie abwechselnd alles, nur nicht ruhig. Doch als der zweite Moment verstrichen war, als sie jeden Zweifel, jede Sorge ausgeräumt sah, ihre Lage mit der verglich, wie sie noch vor kurzem gewesen war – ihn ehrenvoll aus seiner früheren Bindung gelöst sah –, sah, wie er sofort die Befreiung nutzte, um um sie zu werben und eine Zuneigung zu erklären, die so zart und so beständig war, wie sie sie stets vermutet hatte –, da war sie überwältigt, sie war von ihrem eigenen Glück hingerissen; und so sehr der menschliche Geist von Natur aus dazu neigt, sich leicht an jede Veränderung zum Besseren zu gewöhnen, bedurfte es doch mehrerer Stunden, um ihrem Gemüt Fassung oder ihrem Herzen ein gewisses Maß an Ruhe zu verleihen.
Edward war nun im Cottage für mindestens eine Woche festgesetzt; denn welche anderen Ansprüche auch immer an ihn gestellt werden mochten, es war unmöglich, dass weniger als eine Woche dem Genuss von Elinors Gesellschaft geopfert wurde, oder dass diese Zeit ausreichte, um die Hälfte dessen zu sagen, was über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu sagen war; denn obwohl ein paar Stunden, die in der harten Arbeit unaufhörlichen Redens verbracht werden, mehr Themen erledigen können, als zwei vernunftbegabte Geschöpfe wirklich gemeinsam haben können, so ist es bei Liebenden doch anders. Zwischen ihnen ist kein Thema abgeschlossen, keine Mitteilung ist überhaupt gemacht, bis sie mindestens zwanzigmal wiederholt wurde.
Lucys Heirat, das unablässige und berechtigte Staunen unter ihnen allen, bildete natürlich eine der ersten Erörterungen der Liebenden; und Elinors genaue Kenntnis der beiden Parteien ließ es ihr in jeder Hinsicht als einen der außergewöhnlichsten und unerklärlichsten Umstände erscheinen, von denen sie je gehört hatte. Wie sie zusammengebracht werden konnten und durch welche Anziehungskraft Robert dazu bewegt werden konnte, ein Mädchen zu heiraten, von deren Schönheit sie ihn selbst hatte sprechen hören, ohne jede Bewunderung – ein Mädchen zudem, das bereits mit seinem Bruder verlobt war und um dessentwillen jener Bruder von seiner Familie verstoßen worden war –, das zu begreifen, überstieg ihren Verstand. Für ihr eigenes Herz war es eine entzückende Angelegenheit, für ihre Einbildungskraft war es sogar eine lächerliche, doch für ihre Vernunft, ihr Urteilsvermögen, war es vollkommen rätselhaft.
Edward konnte nur eine Erklärung versuchen, indem er annahm, dass vielleicht bei einer ersten zufälligen Begegnung die Eitelkeit des einen durch die Schmeicheleien der anderen so bearbeitet worden war, dass dies nach und nach zu allem Übrigen führte. Elinor erinnerte sich daran, was Robert ihr in Harley Street über seine Meinung darüber gesagt hatte, was sein eigenes Vermitteln in den Angelegenheiten seines Bruders hätte bewirken können, wenn man ihn rechtzeitig darum gebeten hätte. Sie wiederholte es Edward.
„Das war genau wie Robert“, war seine unmittelbare Bemerkung. „Und das“, fügte er sogleich hinzu, „könnte ihm vielleicht im Kopf herumgegangen sein, als die Bekanntschaft zwischen ihnen begann. Und Lucy dachte vielleicht anfangs nur daran, sich seine guten Dienste zu meinen Gunsten zu sichern. Andere Absichten mögen später entstanden sein.“
Wie lange es jedoch zwischen ihnen im Gange war, wusste er ebenso wenig wie sie zu ergründen; denn in Oxford, wo er seit seinem Weggang aus London freiwillig geblieben war, hatte er keine Möglichkeit gehabt, von ihr zu hören, außer durch sie selbst, und ihre Briefe waren bis zuletzt weder seltener noch weniger liebevoll als gewöhnlich. Nicht der geringste Verdacht war daher jemals aufgetaucht, um ihn auf das Kommende vorzubereiten; und als es schließlich in einem Brief von Lucy selbst über ihn hereinbrach, war er eine Zeit lang, wie er glaubte, halb betäubt zwischen dem Staunen, dem Entsetzen und der Freude über eine solche Erlösung. Er legte den Brief in Elinors Hände.
„TEURER HERR, Da ich mir sehr sicher bin, dass ich Ihre Zuneigung längst verloren habe, habe ich mich für frei gehalten, meine eigene einem anderen zu schenken, und ich habe keinen Zweifel daran, mit ihm so glücklich zu werden, wie ich einst zu glauben pflegte, es mit Ihnen sein zu können; doch ich verschmähe es, eine Hand anzunehmen, während das Herz einem anderen gehörte. Ich wünsche Ihnen aufrichtig Glück bei Ihrer Wahl, und es soll nicht mein Fehler sein, wenn wir nicht immer gute Freunde bleiben, wie es unsere nahe Verwandtschaft nun angemessen macht. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich Ihnen keinen Groll hege, und ich bin sicher, Sie werden zu großmütig sein, uns böse Dienste zu erweisen. Ihr Bruder hat meine Zuneigung vollkommen gewonnen, und da wir nicht ohne einander leben konnten, sind wir soeben vom Altar zurückgekehrt und sind nun auf dem Weg nach Dawlish für einige Wochen, welchen Ort Ihr lieber Bruder mit großer Neugier zu sehen wünscht, doch ich dachte, ich würde Sie zuerst mit diesen wenigen Zeilen behelligen, und werde stets bleiben,
„Ihre aufrichtige Wohlwollende, Freundin und Schwester, LUCY FERRARS.
„Ich habe alle Ihre Briefe verbrannt und werde Ihr Bild bei der ersten Gelegenheit zurückgeben. Bitte zerstören Sie meine Kritzeleien – doch den Ring mit meinem Haar dürfen Sie sehr gerne behalten.“
Elinor las ihn und gab ihn ohne jeden Kommentar zurück.
„Ich werde Sie nicht nach Ihrer Meinung über ihn als literarische Komposition fragen“, sagte Edward. „Für alles in der Welt hätte ich nicht gewollt, dass ein Brief von ihr in früheren Tagen von Ihnen gesehen wird. – Bei einer Schwester ist es schlimm genug, doch bei einer Ehefrau! – wie habe ich über die Seiten ihres Schreibens gerötet! – und ich glaube, ich darf sagen, dass dies seit dem ersten halben Jahr unserer törichten – Angelegenheit – der einzige Brief ist, den ich je von ihr erhalten habe, dessen Inhalt mir für den Mangel des Stils entschädigte.“
„Wie es auch dazu gekommen sein mag“, sagte Elinor nach einer Pause, „sie sind sicherlich verheiratet. Und Ihre Mutter hat sich eine höchst angemessene Strafe zugezogen. Die Unabhängigkeit, die sie Robert aus Groll gegen Sie gewährte, hat ihn in die Lage versetzt, seine eigene Wahl zu treffen; und sie hat tatsächlich einen Sohn mit tausend Pfund im Jahr bestochen, genau das zu tun, weshalb sie den anderen enterbt hat, weil er es zu tun gedachte. Sie wird, so nehme ich an, durch Roberts Heirat mit Lucy kaum weniger gekränkt sein, als sie es durch Ihre Heirat mit ihr gewesen wäre.“
„Sie wird dadurch noch mehr gekränkt sein, denn Robert war immer ihr Liebling. – Sie wird dadurch mehr gekränkt sein, und aus demselben Grund wird sie ihm viel eher verzeihen.“
In welchem Zustand die Angelegenheit derzeit zwischen ihnen stand, wusste Edward nicht, denn eine Verbindung mit irgendeinem Mitglied seiner Familie hatte er noch nicht versucht. Er hatte Oxford innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach Eintreffen von Lucys Brief verlassen, und mit nur einem Ziel vor Augen, dem nächsten Weg nach Barton, hatte er keine Muße gehabt, einen Plan für sein Verhalten zu entwerfen, mit dem dieser Weg nicht in der engsten Verbindung stand. Er konnte nichts tun, bis er seines Schicksals bei Miss Dashwood gewiss war; und an seiner Schnelligkeit, dieses Schicksal zu suchen, ist zu vermuten, dass er, trotz der Eifersucht, mit der er einst an Colonel Brandon gedacht hatte, trotz der Bescheidenheit, mit der er seine eigenen Verdienste einschätzte, und der Höflichkeit, mit der er von seinen Zweifeln sprach, im Großen und Ganzen keinen allzu grausamen Empfang erwartete. Es war jedoch seine Sache zu sagen, dass er dies tat, und er sagte es sehr hübsch. Was er ein Jahr später zu diesem Thema sagen mochte, muss der Vorstellungskraft von Ehemännern und Ehefrauen überlassen bleiben.
Dass Lucy sicherlich beabsichtigt hatte zu täuschen, ihn mit einem flourish der Bosheit in ihrer Nachricht durch Thomas zu verlassen, war für Elinor vollkommen klar; und Edward selbst, nun gründlich über ihren Charakter aufgeklärt, hatte kein Bedenken, sie der größten Niedertracht mutwilliger Bösartigkeit für fähig zu halten. Obwohl ihm die Augen schon lange geöffnet waren, noch bevor seine Bekanntschaft mit Elinor begann, für ihre Unwissenheit und einen Mangel an Freisinnigkeit in manchen ihrer Ansichten – sie waren von ihm gleichermaßen ihrem Mangel an Bildung zugeschrieben worden; und bis ihn ihr letzter Brief erreichte, hatte er sie immer für ein wohlgesinntes, gutherziges Mädchen gehalten, das ihm vollkommen zugetan war. Nichts als eine solche Überzeugung hätte ihn davon abhalten können, eine Verlobung zu beenden, die, lange bevor die Entdeckung ihn dem Zorn seiner Mutter aussetzte, eine ständige Quelle der Unruhe und des Bedauerns für ihn gewesen war.
„Ich hielt es für meine Pflicht“, sagte er, „unabhängig von meinen Gefühlen, ihr die Wahl zu lassen, die Verlobung fortzusetzen oder nicht, als ich von meiner Mutter verstoßen wurde und allem Anschein nach ohne einen Freund auf der Welt dastand, der mir beistehen konnte. In einer solchen Lage, wo es nichts zu geben schien, das die Habgier oder die Eitelkeit irgendeines lebenden Geschöpfs hätte reizen können, wie konnte ich annehmen, als sie so eindringlich, so warmherzig darauf bestand, mein Schicksal zu teilen, was auch immer es sein mochte, dass etwas anderes als die uneigennützigste Zuneigung ihr Beweggrund war? Und selbst jetzt kann ich nicht begreifen, aus welchem Motiv sie handelte oder welcher vermeintliche Vorteil es für sie sein konnte, an einen Mann gefesselt zu sein, für den sie nicht die geringste Achtung empfand und der nur zweitausend Pfund auf der Welt hatte. Sie konnte nicht vorhersehen, dass Colonel Brandon mir eine Pfründe geben würde.“
„Nein; aber sie könnte angenommen haben, dass etwas zu Ihren Gunsten eintreten würde; dass Ihre eigene Familie mit der Zeit nachgeben könnte. Und jedenfalls verlor sie nichts durch die Fortsetzung der Verlobung, denn sie hat bewiesen, dass es weder ihre Neigung noch ihre Handlungen fesselte. Die Verbindung war sicherlich eine respektable und verschaffte ihr wahrscheinlich Ansehen bei ihren Freunden; und wenn nichts Vorteilhafteres eintrat, wäre es für sie besser, Sie zu heiraten, als unverheiratet zu bleiben.“
Edward war natürlich sofort überzeugt, dass nichts natürlicher hätte sein können als Lucys Verhalten, noch selbstverständlicher als das Motiv dazu.
Elinor tadelte ihn, so scharf, wie Damen immer die Unbedachtsamkeit tadeln, die ihnen selbst schmeichelt, weil er so viel Zeit bei ihnen in Norland verbracht hatte, wo er doch seine eigene Unbeständigkeit hätte spüren müssen.
„Ihr Verhalten war sicherlich sehr falsch“, sagte sie; „denn – um von meiner eigenen Überzeugung ganz zu schweigen – unsere Verwandten ließen sich alle dadurch dazu hinreißen, sich etwas vorzustellen und zu erwarten, was, so wie Sie damals gestellt waren, niemals sein konnte.“
Er konnte nur ein Unwissen um sein eigenes Herz und ein falsches Vertrauen in die Kraft seiner Verlobung geltend machen.
„Ich war töricht genug zu glauben, dass, weil mein Wort einem anderen gegeben war, keine Gefahr darin liegen konnte, bei Ihnen zu sein; und dass das Bewusstsein meiner Verlobung mein Herz so sicher und heilig bewahren sollte wie meine Ehre. Ich fühlte, dass ich Sie bewunderte, doch ich sagte mir, es sei nur Freundschaft; und bis ich anfing, Vergleiche zwischen Ihnen und Lucy anzustellen, wusste ich nicht, wie weit ich gekommen war. Danach, so nehme ich an, war es falsch, so lange in Sussex zu bleiben, und die Argumente, mit denen ich mich mit der Zweckmäßigkeit davon versöhnte, waren nicht besser als diese: – Die Gefahr ist meine eigene; ich füge niemandem außer mir selbst ein Leid zu.“
Elinor lächelte und schüttelte den Kopf.
Edward hörte mit Freude, dass Colonel Brandon im Cottage erwartet wurde, da er wirklich nicht nur den Wunsch hatte, ihn besser kennenzulernen, sondern auch die Gelegenheit haben wollte, ihn davon zu überzeugen, dass er ihm nicht länger übel nahm, dass er ihm die Pfründe von Delaford gegeben hatte – „Was er derzeit“, sagte er, „nachdem ich meinen Dank bei dieser Gelegenheit so ungnädig dargebracht habe, wohl denken muss, dass ich ihm nie verziehen habe, sie angeboten zu haben.“
Nun wunderte er sich selbst darüber, dass er noch nie an dem Ort gewesen war. Aber er hatte so wenig Interesse an der Sache genommen, dass er sein ganzes Wissen über das Haus, den Garten und das Pfarrland, die Ausdehnung der Gemeinde, den Zustand des Landes und die Höhe des Zehnten Elinor selbst verdankte, die so viel von Colonel Brandon darüber gehört und es mit so viel Aufmerksamkeit aufgenommen hatte, dass sie das Thema vollkommen beherrschte.
Eine Frage blieb nach alledem zwischen ihnen unentschieden, eine Schwierigkeit galt es noch zu überwinden. Sie waren durch gegenseitige Zuneigung zusammengeführt worden, mit dem wärmsten Beifall ihrer wahren Freunde; ihre genaue Kenntnis voneinander schien ihr Glück sicher zu machen – und ihnen fehlte nur noch etwas, wovon sie leben konnten. Edward hatte zweitausend Pfund und Elinor eintausend, was, zusammen mit der Pfründe von Delaford, alles war, was sie ihr Eigen nennen konnten; denn es war unmöglich, dass Mrs. Dashwood irgendetwas vorschießen konnte; und sie waren beide nicht ganz so sehr verliebt, dass sie glaubten, dreihundertfünfzig Pfund im Jahr würden ihnen die Annehmlichkeiten des Lebens bieten.
Edward war nicht ganz ohne Hoffnung auf eine günstige Veränderung seiner Mutter ihm gegenüber; und darauf baute er für den Rest ihres Einkommens. Doch Elinor hatte keine solche Stütze; denn da Edward immer noch nicht in der Lage wäre, Miss Morton zu heiraten, und seine Wahl ihrer selbst in Mrs. Ferrars’ schmeichelhafter Sprache nur als ein geringeres Übel bezeichnet worden war, als wenn er Lucy Steele gewählt hätte, fürchtete sie, dass Roberts Verfehlung keinen anderen Zweck erfüllen würde, als Fanny zu bereichern.
Etwa vier Tage nach Edwards Ankunft erschien Colonel Brandon, um Mrs. Dashwoods Zufriedenheit zu vervollständigen und ihr die Würde zu verleihen, zum ersten Mal seit ihrem Wohnen in Barton mehr Gesellschaft bei sich zu haben, als ihr Haus fassen konnte. Edward durfte das Privileg des ersten Gastes behalten, und Colonel Brandon ging daher jeden Abend zu seinem alten Quartier im Park zurück; von wo er gewöhnlich am Morgen früh genug zurückkehrte, um das erste Tête-à-tête der Liebenden vor dem Frühstück zu unterbrechen.
Ein dreiwöchiger Aufenthalt in Delaford, wo er, zumindest in seinen Abendstunden, wenig zu tun hatte, als das Missverhältnis zwischen sechsunddreißig und siebzehn zu berechnen, brachte ihn in einer Gemütsverfassung nach Barton, die alle Aufbesserung von Mariannes Aussehen, alle Freundlichkeit ihres Willkommens und alle Ermutigung durch die Worte ihrer Mutter benötigte, um fröhlich zu werden. Unter solchen Freunden jedoch, und bei solchem Zuspruch, lebte er wieder auf. Kein Gerücht von Lucys Heirat hatte ihn bisher erreicht: – er wusste nichts von dem, was geschehen war; und die ersten Stunden seines Besuchs vergingen folglich damit, zuzuhören und zu staunen. Alles wurde ihm von Mrs. Dashwood erklärt, und er fand neuen Grund, sich über das zu freuen, was er für Mr. Ferrars getan hatte, da es schließlich Elinors Interessen förderte.
Es wäre unnötig zu sagen, dass die Herren in der guten Meinung voneinander stiegen, während sie in ihrer Bekanntschaft fortschritten, denn es konnte nicht anders sein. Ihre Ähnlichkeit in guten Grundsätzen und gesundem Menschenverstand, in Gesinnung und Denkweise hätte wahrscheinlich ausgereicht, sie in Freundschaft zu verbinden, ohne jede andere Anziehungskraft; doch dass sie in zwei Schwestern verliebt waren, und zwei Schwestern, die einander zugetan waren, machte jene gegenseitige Wertschätzung unvermeidlich und unmittelbar, die andernfalls vielleicht die Wirkung von Zeit und Urteilsvermögen abgewartet hätte.
Die Briefe aus der Stadt, die wenige Tage zuvor jeden Nerv in Elinors Körper vor Entzücken hätten erzittern lassen, trafen nun ein, um mit weniger Rührung als Heiterkeit gelesen zu werden. Mrs. Jennings schrieb, um die wunderbare Geschichte zu erzählen, ihrer ehrlichen Empörung über das treulose Mädchen Luft zu machen und ihr Mitleid gegenüber dem armen Mr. Edward auszuschütten, der, wie sie sicher war, ganz und gar von dem wertlosen Frauenzimmer vernarrt gewesen war und nun, allen Berichten zufolge, in Oxford fast untröstlich sei. „Ich glaube wirklich“, fuhr sie fort, „nichts ist je so heimlich betrieben worden; denn es war erst zwei Tage vorher, als Lucy bei mir anrief und ein paar Stunden mit mir saß. Nicht eine Seele ahnte etwas von der Sache, nicht einmal Nancy, die, arme Seele! am Tag darauf weinend zu mir kam, in großer Angst vor Mrs. Ferrars, und auch nicht wusste, wie sie nach Plymouth kommen sollte; denn Lucy hat anscheinend ihr ganzes Geld geliehen, bevor sie davonlief, um zu heiraten, absichtlich, wie wir vermuten, um damit zu glänzen, und die arme Nancy hatte keine sieben Schilling auf der Welt; daher war ich sehr froh, ihr fünf Guineen zu geben, damit sie nach Exeter fahren konnte, wo sie vorhat, drei oder vier Wochen bei Mrs. Burgess zu bleiben, in der Hoffnung, wie ich ihr sage, dem Doktor wieder zu begegnen. Und ich muss sagen, dass Lucys Grobheit, sie nicht mit ihnen in der Kutsche mitzunehmen, schlimmer ist als alles andere. Armer Mr. Edward! Ich kann ihn nicht aus dem Kopf bekommen, aber Sie müssen ihn nach Barton holen, und Miss Marianne muss versuchen, ihn zu trösten.“
Mr. Dashwoods Ausführungen waren feierlicher. Mrs. Ferrars sei die unglücklichste aller Frauen – die arme Fanny habe Qualen der Empfindsamkeit erlitten – und er betrachtete das Bestehen einer jeden unter einem solchen Schlag mit dankbarem Staunen. Roberts Verfehlung sei unverzeihlich, doch Lucys sei unendlich schlimmer gewesen. Keiner von beiden dürfe jemals wieder vor Mrs. Ferrars erwähnt werden; und selbst wenn sie in Zukunft dazu bewogen werden könnte, ihrem Sohn zu verzeihen, dürfe seine Frau niemals als ihre Tochter anerkannt oder in ihrer Gegenwart zugelassen werden. Die Heimlichkeit, mit der alles zwischen ihnen betrieben worden sei, wurde vernünftigerweise als ein Umstand behandelt, der das Verbrechen enorm verschlimmere, denn hätte irgendein Verdacht darauf bei den anderen bestanden, wären geeignete Maßnahmen ergriffen worden, um die Heirat zu verhindern; und er forderte Elinor auf, sich ihm darin anzuschließen, zu bedauern, dass Lucys Verlobung mit Edward eher erfüllt worden sei, anstatt dass sie auf diese Weise das Mittel dazu sei, das Elend weiter in der Familie zu verbreiten. Er fuhr so fort:
„Mrs. Ferrars hat Edwards Namen noch nie erwähnt, was uns nicht überrascht; doch zu unserem großen Erstaunen ist von ihm zu diesem Anlass keine Zeile eingegangen. Vielleicht wird er jedoch durch seine Furcht, Anstoß zu erregen, zum Schweigen gebracht, und ich werde ihm daher einen Hinweis geben, durch ein Schreiben nach Oxford, dass seine Schwester und ich beide denken, ein Brief mit angemessener Unterwerfung von ihm, vielleicht an Fanny adressiert und von ihr ihrer Mutter gezeigt, könnte nicht übel aufgenommen werden; denn wir alle kennen die Zartheit von Mrs. Ferrars’ Herzen und dass sie sich nichts mehr wünscht, als mit ihren Kindern auf gutem Fuße zu stehen.“
Dieser Absatz war von einiger Bedeutung für die Aussichten und das Verhalten von Edward. Er entschloss sich, eine Versöhnung zu versuchen, wenn auch nicht genau auf die von ihrem Bruder und ihrer Schwester aufgezeigte Weise.
„Ein Brief mit angemessener Unterwerfung!“ wiederholte er; „wollen sie, dass ich meine Mutter um Verzeihung bitte für Roberts Undankbarkeit ihr gegenüber und den Treuebruch an mir? Ich kann keine Unterwerfung leisten. Ich bin durch das, was geschehen ist, weder demütig noch bußfertig geworden. Ich bin sehr glücklich geworden; doch das würde nicht interessieren. Ich wüsste nicht, welche Unterwerfung für mich angemessen wäre.“
„Sie können sicherlich darum bitten, vergeben zu werden“, sagte Elinor, „weil Sie Anstoß erregt haben; – und ich sollte meinen, Sie könnten es nun wagen, ein gewisses Bedauern darüber zu äußern, jemals die Verlobung eingegangen zu sein, die Ihnen den Zorn Ihrer Mutter zuzog.“
Er stimmte zu, dass er das könne.
„Und wenn sie Ihnen vergeben hat, mag vielleicht ein wenig Demut angebracht sein, während Sie eine zweite Verlobung eingestehen, die in ihren Augen fast ebenso unbesonnen ist wie die erste.“
Er hatte nichts dagegen einzuwenden, widersetzte sich aber dennoch der Vorstellung eines Briefes mit angemessener Unterwerfung; und um es ihm daher zu erleichtern, da er eine viel größere Bereitschaft erklärte, kleinmütige Zugeständnisse mündlich als schriftlich zu machen, wurde beschlossen, dass er, anstatt an Fanny zu schreiben, nach London gehen und sie persönlich um ihre guten Dienste zu seinen Gunsten bitten sollte. „Und wenn sie sich wirklich dafür einsetzen“, sagte Marianne in ihrer neuen Art der Aufrichtigkeit, „eine Versöhnung herbeizuführen, dann werde ich denken, dass selbst John und Fanny nicht gänzlich ohne Verdienst sind.“
Nach einem Besuch von Colonel Brandons Seite von nur drei oder vier Tagen verließen die beiden Herren Barton gemeinsam. Sie wollten sofort nach Delaford gehen, damit Edward eine persönliche Kenntnis von seinem zukünftigen Zuhause erlangen und seinem Gönner und Freund dabei helfen konnte, zu entscheiden, welche Verbesserungen daran nötig seien; und von dort aus, nachdem er ein paar Nächte dort geblieben war, sollte er seine Reise in die Stadt fortsetzen.
Nach einem angemessenen Widerstand seitens Mrs. Ferrars, gerade so heftig und beständig, dass sie vor jenem Vorwurf bewahrt blieb, den sie stets zu fürchten schien – dem Vorwurf, zu liebenswürdig zu sein –, wurde Edward in ihre Gegenwart gelassen und für wieder zu ihrem Sohn erklärt.
Ihre Familie war in letzter Zeit sehr wechselhaft gewesen. Viele Jahre ihres Lebens hatte sie zwei Söhne gehabt; doch das Verbrechen und die Vernichtung Edwards vor einigen Wochen hatten sie eines beraubt; die ähnliche Vernichtung Roberts hatte sie für vierzehn Tage ohne einen einzigen gelassen; und nun, durch die Wiederbelebung Edwards, hatte sie wieder einen.
Obwohl es ihm gestattet war, wieder zu leben, fühlte er sich dennoch keineswegs sicher in seinem Fortbestand, bis er seine gegenwärtige Verlobung enthüllt hatte; denn die Bekanntgabe dieses Umstands, so fürchtete er, könnte seinem Befinden eine plötzliche Wende geben und ihn so schnell hinwegraffen wie zuvor. Mit besorgter Vorsicht wurde es daher offenbart, und man hörte ihm mit unerwarteter Ruhe zu. Mrs. Ferrars versuchte anfangs vernünftigerweise, ihn mit jedem ihr zu Gebote stehenden Argument von einer Heirat mit Miss Dashwood abzubringen; sie sagte ihm, dass er in Miss Morton eine Frau von höherem Rang und größerem Vermögen haben würde; und sie unterstrich diese Behauptung mit der Bemerkung, dass Miss Morton die Tochter eines Adligen mit dreißigtausend Pfund sei, während Miss Dashwood nur die Tochter eines Privatmanns mit nicht mehr als dreitausend sei; doch als sie erkannte, dass er, obgleich er die Wahrheit ihrer Darstellung vollkommen zugab, keineswegs geneigt war, sich davon leiten zu lassen, hielt sie es aus der Erfahrung der Vergangenheit für das Klügste, nachzugeben – und daher erließ sie, nach einem solch ungehaltenen Zögern, wie sie es ihrer eigenen Würde schuldete und wie es dazu diente, jeden Verdacht auf Wohlwollen zu vermeiden, ihren Dekret der Zustimmung zur Heirat von Edward und Elinor.
Was sie zur Aufbesserung ihres Einkommens beizusteuern gewillt war, galt es als Nächstes zu erwägen; und hier zeigte sich deutlich, dass Edward, obwohl er nun ihr einziger Sohn war, keineswegs ihr ältester war; denn während Robert zwangsläufig mit tausend Pfund im Jahr ausgestattet wurde, wurde nicht der geringste Einwand dagegen erhoben, dass Edward um des Pfarrgehalts von höchstens zweihundertfünfzig Pfund willen den geistlichen Stand ergriff; auch wurde weder für die Gegenwart noch für die Zukunft etwas versprochen, das über die zehntausend Pfund hinausging, die Fanny mitgegeben worden waren.
Es war jedoch so viel, wie von Edward und Elinor erhofft, und mehr, als sie erwartet hatten; und Mrs. Ferrars selbst schien durch ihre ausweichenden Entschuldigungen die Einzige zu sein, die darüber überrascht war, nicht mehr gegeben zu haben.
Mit einem für ihre Bedürfnisse vollkommen ausreichenden Einkommen, das ihnen somit gesichert war, hatten sie, nachdem Edward die Pfarrstelle angetreten hatte, auf nichts weiter zu warten als auf die Fertigstellung des Hauses, an dem Colonel Brandon, mit einem eifrigen Wunsch, es für Elinor angenehm zu gestalten, beträchtliche Verbesserungen vornahm; und nachdem sie einige Zeit auf deren Vollendung gewartet und wie üblich tausend Enttäuschungen und Verzögerungen durch die unerklärliche Trödelei der Arbeiter erlebt hatten, brach Elinor wie üblich mit ihrem ersten festen Entschluss, nicht zu heiraten, bevor alles fertig sei, und die Zeremonie fand Anfang Herbst in der Kirche von Barton statt.
Den ersten Monat nach ihrer Hochzeit verbrachten sie mit ihrem Freund im Herrenhaus; von dort aus konnten sie den Fortschritt des Pfarrhauses beaufsichtigen und alles nach ihrem Belieben vor Ort leiten; sie konnten Tapeten aussuchen, Sträucher anlegen und eine Zufahrt planen. Mrs. Jennings’ Prophezeiungen erfüllten sich, wenn auch etwas durcheinandergewürfelt, größtenteils; denn sie konnte Edward und seine Frau zu Michaelis in ihrem Pfarrhaus besuchen, und sie fand in Elinor und ihrem Mann, wie sie aufrichtig glaubte, eines der glücklichsten Paare der Welt. Sie hatten in der Tat nichts weiter zu wünschen, als die Heirat von Colonel Brandon und Marianne und etwas bessere Weiden für ihre Kühe.
Sie wurden bei ihrem ersten Einzug von fast allen ihren Verwandten und Freunden besucht. Mrs. Ferrars kam, um das Glück zu begutachten, dessen Bewilligung ihr beinahe peinlich war; und sogar die Dashwoods nahmen die Kosten einer Reise von Sussex auf sich, um ihnen die Ehre zu erweisen.
„Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, meine liebe Schwester“, sagte John, als sie eines Morgens vor den Toren von Delaford House gemeinsam spazieren gingen, „das wäre zu viel gesagt, denn sicherlich bist du ohnehin eine der glücklichsten jungen Frauen der Welt. Aber ich gestehe, es würde mir große Freude bereiten, Colonel Brandon Bruder zu nennen. Sein Besitz hier, sein Anwesen, sein Haus, alles ist in einem so respektablen und vortrefflichen Zustand! Und seine Wälder – ich habe nirgendwo in Dorsetshire solches Holz gesehen, wie es jetzt in Delaford Hanger steht! Und obwohl Marianne vielleicht nicht gerade die Person zu sein scheint, die ihn anzieht, halte ich es doch für ratsam, wenn ihr sie jetzt häufig bei euch aufnehmt, denn da Colonel Brandon sich viel zu Hause aufzuhalten scheint, kann niemand wissen, was geschehen mag; denn wenn Menschen viel zusammen sind und wenig von anderen sehen – und es wird immer in deiner Macht stehen, sie vorteilhaft erscheinen zu lassen, und so weiter. Kurz gesagt, du könntest ihr ebenso gut eine Chance geben: du verstehst mich.“
Doch obwohl Mrs. Ferrars sie besuchte und sie stets mit dem Schein eines anständigen Gefühls behandelte, wurden sie niemals durch ihre tatsächliche Gunst und Bevorzugung beleidigt. Diese gebührte der Torheit von Robert und der List seiner Frau; und sie wurde von ihnen verdient, bevor viele Monate vergangen waren. Die selbstsüchtige Klugheit der Letzteren, die Robert anfangs in die Klemme gebracht hatte, war das Hauptinstrument seiner Befreiung daraus; denn ihre respektvolle Demut, ihre aufmerksame Zuwendung und ihre endlosen Schmeicheleien versöhnten Mrs. Ferrars, sobald sich die kleinste Gelegenheit dazu bot, mit seiner Wahl und stellten ihn vollständig wieder in ihrer Gunst her.
Das gesamte Verhalten von Lucy in dieser Angelegenheit und der Erfolg, der es krönte, kann daher als ein höchst ermutigendes Beispiel dafür gelten, was ein ernsthaftes, unaufhörliches Augenmerk auf das eigene Interesse, so sehr sein Fortschritt auch anscheinend behindert werden mag, bei der Sicherung aller Vorteile des Glücks bewirken kann, ohne anderes Opfer als das von Zeit und Gewissen. Als Robert zum ersten Mal ihre Bekanntschaft suchte und sie heimlich in Bartlett’s Buildings besuchte, geschah dies nur mit der Absicht, die ihm sein Bruder unterstellte. Er wollte sie lediglich davon überzeugen, die Verlobung aufzugeben; und da es nichts zu überwinden gab außer der Zuneigung beider, erwartete er natürlich, dass ein oder zwei Gespräche die Sache erledigen würden. In diesem Punkt jedoch, und nur in diesem, irrte er; denn obwohl Lucy ihm bald Hoffnung machte, dass seine Beredsamkeit sie mit der Zeit überzeugen würde, war immer ein weiterer Besuch, ein weiteres Gespräch nötig, um diese Überzeugung herbeizuführen. Beim Abschied blieben stets einige Zweifel in ihrem Geist zurück, die nur durch eine weitere halbe Stunde Unterhaltung mit ihm selbst ausgeräumt werden konnten. Seine Anwesenheit war dadurch gesichert, und der Rest ergab sich von selbst. Anstatt von Edward zu sprechen, kamen sie allmählich dazu, nur noch von Robert zu reden – ein Thema, zu dem er immer mehr zu sagen hatte als zu jedem anderen, und bei dem sie bald ein Interesse verriet, das dem seinen ebenbürtig war; kurzum, es wurde für beide schnell offensichtlich, dass er seinen Bruder vollständig verdrängt hatte. Er war stolz auf seine Eroberung, stolz darauf, Edward ausgetrickst zu haben, und sehr stolz darauf, heimlich ohne die Zustimmung seiner Mutter geheiratet zu haben. Was unmittelbar folgte, ist bekannt. Sie verbrachten einige Monate in großem Glück in Dawlish; denn sie hatte viele Verwandte und alte Bekannte abzuservieren – und er entwarf mehrere Pläne für prächtige Cottages; – und von dort in die Stadt zurückkehrend, erlangte er die Vergebung von Mrs. Ferrars durch das einfache Mittel, darum zu bitten, welches auf Lucys Anregung hin angewandt wurde. Die Vergebung umfasste anfangs natürlich, wie vernünftig, nur Robert; und Lucy, die seiner Mutter keine Pflicht geschuldet hatte und daher keine hatte verletzen können, blieb noch einige Wochen länger begnadungslos. Doch Ausdauer im demütigen Verhalten und in den Nachrichten, in der Selbstverurteilung für Roberts Vergehen und in der Dankbarkeit für die Unfreundlichkeit, mit der sie behandelt wurde, brachten ihr mit der Zeit die hochmütige Beachtung ein, die sie durch ihre Gnade überwältigte und bald darauf in schnellen Schritten zum höchsten Stand der Zuneigung und des Einflusses führte. Lucy wurde für Mrs. Ferrars so notwendig wie Robert oder Fanny; und während Edward niemals herzlich dafür verziehen wurde, dass er einst beabsichtigt hatte, sie zu heiraten, und Elinor, obwohl ihr an Vermögen und Geburt überlegen, als Eindringling bezeichnet wurde, galt sie in allem als ein Lieblingskind und wurde immer offen als ein solches anerkannt. Sie ließen sich in der Stadt nieder, erhielten sehr großzügige Unterstützung von Mrs. Ferrars, standen auf bestem Fuße mit den Dashwoods; und wenn man von den Eifersüchteleien und dem bösen Willen absieht, die ständig zwischen Fanny und Lucy bestanden, an denen ihre Ehemänner natürlich teilnahmen, sowie den häufigen häuslichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Robert und Lucy selbst, konnte nichts die Harmonie übertreffen, in der sie alle zusammenlebten.
Was Edward getan hatte, um das Recht des ältesten Sohnes zu verwirken, hätte viele Menschen vor ein Rätsel gestellt; und was Robert getan hatte, um es zu erben, hätte sie noch mehr verwirrt. Es war jedoch eine Regelung, die in ihren Auswirkungen gerechtfertigt war, wenn nicht in ihrer Ursache; denn in Roberts Lebensstil oder seiner Redeweise erschien niemals etwas, das den Verdacht erregte, er bereue die Höhe seines Einkommens, sei es, dass es seinem Bruder zu wenig ließ oder ihm selbst zu viel brachte; – und wenn man Edward nach der bereitwilligen Erfüllung seiner Pflichten in jeder Hinsicht, nach einer zunehmenden Anhänglichkeit an seine Frau und sein Heim und nach der regelmäßigen Heiterkeit seines Gemüts beurteilte, konnte man annehmen, dass er mit seinem Los nicht weniger zufrieden und nicht weniger frei von jedem Wunsch nach einem Tausch war.
Elinors Heirat trennte sie so wenig von ihrer Familie, wie es sich einrichten ließ, ohne das Cottage in Barton völlig nutzlos zu machen, denn ihre Mutter und ihre Schwestern verbrachten weit mehr als die Hälfte ihrer Zeit bei ihr. Mrs. Dashwood handelte bei der Häufigkeit ihrer Besuche in Delaford ebenso sehr aus taktischen Motiven wie aus Vergnügen; denn ihr Wunsch, Marianne und Colonel Brandon zusammenzubringen, war kaum weniger ernst, wenn auch etwas großzügiger als der, den John geäußert hatte. Es war nun ihr erklärtes Ziel. So kostbar ihr die Gesellschaft ihrer Tochter war, so wünschte sie nichts sehnlicher, als ihren ständigen Genuss ihrem geschätzten Freund zu überlassen; und Marianne im Herrenhaus sesshaft zu sehen, war gleichermaßen der Wunsch von Edward und Elinor. Sie alle empfanden seinen Kummer und ihre eigenen Verpflichtungen, und Marianne sollte nach allgemeinem Konsens die Belohnung für alles sein.
Mit einem solchen Bündnis gegen sie – mit einem so tiefen Wissen um seine Güte – mit der Gewissheit seiner innigen Zuneigung zu ihr, die ihr endlich, wenn auch lange nachdem sie für jeden anderen sichtbar war, aufging – was konnte sie tun?
Marianne Dashwood war für ein außergewöhnliches Schicksal geboren. Sie war dazu geboren, die Falschheit ihrer eigenen Ansichten zu entdecken und durch ihr Handeln ihre liebsten Maximen zu entkräften. Sie war dazu geboren, eine Zuneigung zu überwinden, die sich erst so spät im Leben, nämlich mit siebzehn, gebildet hatte, und ohne ein Gefühl, das über starke Hochachtung und lebhafte Freundschaft hinausging, freiwillig einem anderen ihre Hand zu reichen! – und diesem anderen, einem Mann, der nicht weniger als sie selbst unter den Folgen einer früheren Bindung gelitten hatte, den sie zwei Jahre zuvor noch für zu alt zum Heiraten gehalten hatte – und der noch immer den konstitutionellen Schutz einer Flanellweste suchte!
Doch so war es. Anstatt einem unwiderstehlichen Leidenschaftstod zum Opfer zu fallen, wie sie sich einst voller Hingabe geschmeichelt hatte zu erwarten – anstatt gar für immer bei ihrer Mutter zu bleiben und ihre einzigen Freuden in der Zurückgezogenheit und im Studium zu finden, wie sie es später in ihrem ruhigeren und nüchterneren Urteilsvermögen beschlossen hatte –, fand sie sich mit neunzehn Jahren wieder, wie sie sich neuen Bindungen unterwarf, neue Pflichten antrat, in einem neuen Zuhause lebte, als Ehefrau, als Herrin eines Haushalts und als Wohltäterin eines Dorfes.
Colonel Brandon war nun so glücklich, wie all jene, die ihn am meisten liebten, glaubten, dass er es verdiene; – in Marianne fand er Trost für jeden vergangenen Kummer; – ihre Zuneigung und ihre Gesellschaft gaben seinem Geist wieder Lebendigkeit und seinen Lebensgeistern Heiterkeit; und dass Marianne ihr eigenes Glück darin fand, das seine zu formen, war ebenso die feste Überzeugung und Freude eines jeden beobachtenden Freundes. Marianne konnte niemals nur halbherzig lieben; und ihr ganzes Herz war mit der Zeit ihrem Ehemann ebenso ergeben, wie es einst Willoughby gehört hatte.
Willoughby konnte von ihrer Heirat nicht ohne einen Stich hören; und seine Bestrafung war kurz darauf vollständig durch die freiwillige Vergebung von Mrs. Smith, die, indem sie seine Heirat mit einer Frau von Charakter als Quelle ihrer Milde bezeichnete, ihm Grund zu der Annahme gab, dass er, hätte er sich Marianne gegenüber ehrenhaft verhalten, auf Anhieb glücklich und reich hätte sein können. Dass seine Reue über sein Fehlverhalten, das ihm so seine eigene Strafe einbrachte, aufrichtig war, daran muss nicht gezweifelt werden; – ebenso wenig, dass er noch lange mit Neid an Colonel Brandon und mit Bedauern an Marianne dachte. Dass er jedoch für immer untröstlich war, dass er die Gesellschaft mied, in eine gewohnheitsmäßige Düsterkeit verfiel oder an einem gebrochenen Herzen starb, darf nicht angenommen werden – denn nichts davon tat er. Er lebte, um sich zu betätigen, und genoss das Leben häufig. Seine Frau war nicht immer schlecht gelaunt, sein Zuhause nicht immer unbehaglich; und bei seiner Zucht von Pferden und Hunden sowie bei der Jagd jeder Art fand er ein nicht unbeträchtliches Maß an häuslicher Glückseligkeit.
Für Marianne jedoch behielt er, trotz seiner Unhöflichkeit, ihren Verlust zu überleben, stets jene entschiedene Hochachtung bei, die ihn an allem Anteil nehmen ließ, was ihr zustieß, und sie zu seinem geheimen Maßstab für Vollkommenheit bei Frauen machte; und so manche aufstrebende Schönheit wurde von ihm in späteren Tagen als nicht vergleichbar mit Mrs. Brandon geringgeschätzt.
Mrs. Dashwood war klug genug, im Cottage zu bleiben, ohne einen Umzug nach Delaford zu versuchen; und glücklicherweise für Sir John und Mrs. Jennings war Margaret, als Marianne ihnen genommen wurde, in ein Alter gekommen, das für das Tanzen höchst geeignet war und nicht ganz ungeeignet dafür, jemanden zu haben, der sie für einen Verehrer hielt.
Zwischen Barton und Delaford herrschte jene ständige Verbindung, die eine starke familiäre Zuneigung ganz natürlich diktieren würde; und unter den Verdiensten und dem Glück von Elinor und Marianne soll es nicht als das am wenigsten Bedeutende gelten, dass sie, obwohl Schwestern und beinahe in Sichtweite voneinander lebend, ohne Zwietracht zwischen sich oder das Entstehen von Kühle zwischen ihren Ehemännern leben konnten.
ENDE