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The Book of the Thousand Nights and a Night

by Burton, Richard Francis, Sir · in German

„DEN REINEN IST ALLES REIN.“ (Puris omnia pura)

— Arabisches Sprichwort.

„Niuna corrotta mente intese mai sanamente parole.“

— „Decamerone“ — Schlusswort.

„Erubuit, posuitque meum Lucretia librum Sed coram Bruto. Brute! recede, leget.“

— Martial.

„Mieulx est de ris que de larmes escripre, Pour ce que rire est le propre des hommes.“

— RABELAIS.

„Das Vergnügen, das wir aus der Lektüre der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht ziehen, lässt uns bedauern, dass wir nur einen vergleichsweise kleinen Teil dieser wahrhaft bezaubernden Fiktionen besitzen.“

— CRICHTON, „History of Arabia“.

_EINE SCHLICHTE UND WÖRTLICHE ÜBERSETZUNG DER ARABISCHEN NÄCHTE-UNTERHALTUNGEN. NUN BETITELT_

DAS BUCH DER =Tausend Nächte und eine Nacht=

_MIT EINFÜHRENDEN ANMERKUNGEN ZU DEN SITTEN UND GEBRÄUCHEN DER MOSLEMISCHEN MÄNNER SOWIE EINEM ABSCHLIESSENDEN ESSAY ÜBER DIE GESCHICHTE DER NÄCHTE_

BAND I.

VON RICHARD F. BURTON

GEDRUCKT VOM BURTON CLUB FÜR PRIVATE SUBSTRIPENTEN

Shammar-Ausgabe

Begrenzt auf eintausend nummerierte Sätze, von denen dies

Nummer 547 ist

GEDRUCKT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA

=Dem Andenken gewidmet=

MEINES

BETRAUERTEN FREUNDES

=John Frederick Steinhaeuser,=

(ZIVILARZT, ADEN)

DER

VOR EINEM VIERTELJAHRHUNDERT

MICH BEI DIESER ÜBERSETZUNG UNTERSTÜTZTE.

DAS VORWORT DES ÜBERSETZERS.

Diese Arbeit, so mühsam sie auch erscheinen mag, war für mich ein Werk der Liebe, eine unerschöpfliche Quelle des Trostes und der Zufriedenheit. Während meiner langen Jahre der amtlichen Verbannung in die üppigen und tödlichen Wüsten Westafrikas und in die öden und trostlosen Halbrodungen Südamerikas erwies sie sich als ein Zauber, ein Talisman gegen Langeweile und Verzagtheit. Es war unmöglich, die Seiten auch nur zu öffnen, ohne dass eine Vision vor meinem geistigen Auge auftauchte; ohne ein Bild aus der Pinakothek des Gehirns zu zeichnen; ohne eine Fülle von Erinnerungen und Reminiszenzen wiederzubeleben, die nicht das allgemeine Eigentum von Reisenden sind, wie weit sie auch gereist sein mögen. Aus meiner stumpfen, alltäglichen und „respektablen“ Umgebung trugen mich die Dschinn sogleich in das Land meiner Vorliebe, Arabien, eine Region, die meinem Geist so vertraut ist, dass sie mir schon beim ersten Anblick wie eine Erinnerung an ein vergangenes metempsychotisches Leben in der fernen Vergangenheit erschien. Wieder stand ich unter den durchsichtigen Himmeln, in einer Luft, herrlich wie Äther, deren jeder Atemzug den Geist der Menschen wie prickelnder Wein erhebt. Einmal mehr sah ich den Abendstern, der wie ein Solitär an der reinen Stirn des westlichen Firmaments hing; und das Nachglühen, das wie durch Zauberei die häuslichen und schroffen Züge der Szene verklärte und verwandelte in ein Märchenland, beleuchtet von einem Licht, das niemals auf anderen Böden oder Meeren scheint. Dann erschienen die wollenen Zelte, niedrig und schwarz, der wahren Beduinen, bloße Punkte in der grenzenlosen Einöde aus löwenfarbenem Lehm und gazellenbraunem Kies, und das Lagerfeuer, das wie ein Glühwürmchen die Dorfmitte markierte. Bald darauf hörte man, durch die Ferne versüßt, den wilden, unheimlichen Gesang der Burschen und Mädchen, die in der Dämmerung ihre Schafe und Ziegen trieben, oder vielmehr vor sich her peitschten; und den abgemessenen Gesang der Speerkämpfer, die ernsthaft hinter ihrer Last, den Kamelen, einhergingen; vermischt mit dem Blöken der Herden und dem Brüllen des höckerigen Viehs; während die Fledermaus mit ihrem winzigen Schrei über mir hinwegflatterte und das Geheul des Schakals durch die tiefer werdende Dunkelheit erscholl und — die musikalischste aller Musiken — die Palmen das Flüstern der Nachtbrise mit den sanftesten Tönen fallenden Wassers beantworteten.

Und dann ein Szenenwechsel. Die Scheiche und „Weißbärte“ des Stammes nehmen ernst ihre Plätze ein, sitzen mit ausgebreiteten Gewändern wie Hügel auf der Ebene, wie die Araber sagen, um das Lagerfeuer, während ich ihre Gastfreundschaft belohne und ihre Fortdauer sichere, indem ich einige Seiten ihrer Lieblingsgeschichten lese oder vortrage. Die Frauen und Kinder stehen unbeweglich wie Silhouetten außerhalb des Kreises; und alle sind atemlos vor Aufmerksamkeit; sie scheinen die Worte mit Augen und Mündern ebenso wie mit den Ohren aufzusaugen. Die fantastischsten Flüge der Phantasie, die wildesten Unwahrscheinlichkeiten, die unmöglichsten aller Unmöglichkeiten erscheinen ihnen völlig natürlich, bloße Angelegenheiten des täglichen Lebens. Sie gehen voll und ganz in jeder Phase des Gefühls auf, die der Autor berührt: sie empfinden einen persönlichen Stolz auf die ritterliche Art und den ritterlichen Mut von Tadj al-Muluk; sie sind gerührt von der aufopferungsvollen Liebe der Azizah; ihnen läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn sie von Goldhaufen hören, die als Freigebigkeit wie Lehm verschenkt werden; sie kichern vor Vergnügen jedes Mal, wenn ein Kadi oder ein Fakir — ein Richter oder ein Ehrwürdiger — von einem Pantagruelisten der Wildnis schändlich behandelt wird; und trotz ihrer normalen Feierlichkeit und Unbewegtheit brüllen alle vor Lachen, wälzen sich manchmal auf dem Boden, bis die Ernsthaftigkeit des Lesers schwer auf die Probe gestellt wird, bei den Geschichten vom geschwätzigen Barbier und von Ali und dem kurdischen Betrüger. Die einzige Ausnahme von dieser magnetisierenden Stimmung ist, wenn ein Beduine von überdurchschnittlicher Bildung, der manchmal seine Gebete verrichtet, ein erschreckendes „Astaghfaru'llah“ ausruft — ich bitte Allah um Verzeihung! — weil er nicht Carlyles „glatte Lügen“ anhört, sondern die leichte Erwähnung des Geschlechts, dessen Name unter den Adligen der Wüste niemals gehört wird.

Und nicht nur in Arabien leisteten mir die unsterblichen Nächte solch bemerkenswerte Dienste: Ich fand die Wildlinge des Somali-Landes ebenso zugänglich für ihre Disziplin; niemand war taub für den Charme, und die beiden Köchinnen meiner Karawane, auf ihrem Weg nach Harar, wurden von meinen Männern kurzerhand „Schahrasad“ und „Dinazad“ getauft.

Es sei mir auch gestattet anzumerken, dass diese Übersetzung ein natürliches Ergebnis meiner Pilgerreise nach Al-Medinah und Mekka ist. Als ich im (so genannten) Winter 1852 in Aden ankam, stieg ich bei meinem alten und lieben Freund Steinhaeuser ab, dessen Andenken dieser Band gewidmet ist; und als wir über Arabien und die Araber sprachen, kamen wir sofort zu dem Schluss, dass, während der Name dieser wundersamen Schatzkammer muslimischer Folklore fast jedem englischen Kind vertraut ist, kein allgemeiner Leser weiß, welche Kostbarkeiten sie enthält, noch wird sich die Tür jemand anderem als Arabisten öffnen. Vor unserer Trennung vereinbarten wir, zu „kollaborieren“ und eine vollständige, komplette, ungeschminkte, nicht kastrierte Kopie des großen Originals anzufertigen, wobei mein Freund den Prosateil und ich den metrischen Teil übernehmen sollte; und wir korrespondierten jahrelang über dieses Thema. Doch während ich in Brasilien war, starb Steinhaeuser plötzlich an einem Schlaganfall in Bern in der Schweiz, und nach der Art des anglo-indischen Raumes wurden seine wertvollen Manuskripte, die in Aden zurückgelassen wurden, zerstreut, und nur sehr wenig von seiner Arbeit gelangte in meine Hände.

So blieb ich allein mit meiner Arbeit, die inmitten einer Fülle von Hindernissen nur schleppend vorankam. Schließlich, im Frühjahr 1879, begann der langwierige Prozess des Abschreibens und das Buch nahm eine fertige Form an. Doch während des Winters 1881-82 sah ich in den Literaturzeitschriften eine Notiz über eine neue Fassung von Herrn John Payne, der unter Gelehrten für seine Fähigkeiten in englischer Verskunst bekannt ist, insbesondere für seine Übersetzung der „Gedichte des Meisters François Villon von Paris“. Da ich damals mit einer Expedition an die Goldküste (wegen Goldes) beschäftigt war, die sich über einige Monate hinzuziehen schien, schrieb ich an das „Athenaeum“ (13. Nov. 1881) und an Herrn Payne, der sich völlig unbewusst war, dass wir an demselben Werk arbeiteten, und bot ihm freimütig den Vorrang und den Besitz des Feldes an, bis es nicht mehr benötigt würde. Er nahm mein Angebot ebenso freimütig an, und seine Priorität führte zu einer weiteren Verzögerung bis zum Frühjahr 1885. Diese Details erklären teilweise mein spätes Erscheinen, aber es gibt noch einen weiteren Grund. Berufliche Ambitionen legten nahe, dass literarische Arbeiten, die beim Pöbel und bei den Halbgebildeten unbeliebt sind, einem Mann kaum die Karriereleiter hinaufhelfen dürften. Aber der gesunde Menschenverstand legte mir bald nahe, dass ich beruflich gesehen kein Erfolg war; und gleichzeitig, dass ich keinen Grund hatte, mich für mein Scheitern zu schämen. In unseren Tagen, in denen wir unter einem Despotismus des niederen „mittelständischen“ Philisters leben, der alles verzeihen kann, nur keine Überlegenheit, werden die Preise der Wettbewerbsdienste von gewissen „Lieblingen“ der Mediokratie monopolisiert, den Hauptfavoriten jener eifersüchtigen und mächtigen Mehrheit — der Mittelmäßigkeiten, die „keinen Unsinn über Verdienste“ kennen. Es ist für einen Außenstehenden schwer zu begreifen, wie vollkommen das Monopol der Mittelmäßigkeit ist, und zu verstehen, welch tödlichen Stolperstein sich jener Mann selbst in den Weg legt, der es wagt, für sich selbst zu denken, oder der mehr weiß oder mehr leistet als der Haufen von Gentleman-Angestellten, die sehr wenig wissen und noch weniger leisten.

Doch wie weit ich auch zurückgeblieben sein mag, es gibt immer noch reichlich Raum und Spielraum für eine englische Fassung der „Arabischen Nächte-Unterhaltungen“.

Unser Jahrhundert der Übersetzungen, populär und volkssprachlich, beginnend mit der entzückenden Verkürzung und Adaption von (Professor Antoine) Galland (n. Chr. 1704), repräsentiert in keiner Weise das östliche Original. Die besten und neuesten, die von Rev. Mr. Foster, die diffus und wortreich ist, und die von Mr. G. Moir Bussey, die eine Nachkorrektur ist, wimmeln von Gallizismen in Stil und Redewendung; und alle degradieren ein Meisterwerk von höchstem anthropologischem und ethnographischem Interesse und Bedeutung zu einem bloßen Märchenbuch, einem netten Geschenk für kleine Jungen.

Nachdem fast ein Jahrhundert vergangen war, druckte Dr. Jonathan Scott (LL.D. H.E.I.C.'s S., Persischer Sekretär des Generalgouverneurs von Bengalen; Orientalistischer Professor, etc., etc.) seine „Erzählungen, Anekdoten und Briefe, übersetzt aus dem Arabischen und Persischen“ (Cadell und Davies, London, n. Chr. 1800); und folgte 1811 mit einer Ausgabe der „Arabischen Nächte-Unterhaltungen“ aus dem Manuskript von Edward Wortley Montague (in 6 Bänden, klein 8vo, London: Longmans, etc.). Dieses Werk beschreibt er (und nur er) als „Sorgfältig überarbeitet und gelegentlich aus dem Arabischen korrigiert“. Die lesende Öffentlichkeit wies es nicht völlig zurück, verschiedene Texte basierten auf der Scott-Version und es wurde unvollkommen nachgedruckt (4 Bände, 8vo, Nimmo und Bain, London, 1883). Aber die meisten Menschen, die sich kaum darum scherten, welch kleinen Teil des Originals sie lasen, begnügten sich mit dem anglo-französischen Epitom und der Metaphrase. Schließlich, im Jahr 1838, machte Mr. Henry Torrens, B.A., Ire, Anwalt („vom Inner Temple“) und bengalischer Zivilbeamter, einen Schritt in die richtige Richtung; und begann „Das Buch der Tausend Nächte und eine Nacht“ (1 Band, 8vo, Kalkutta: W. Thacker und Co.) aus dem Arabischen des ägyptischen (!) Manuskripts zu übersetzen, herausgegeben von Mr. (später Sir) William H. Macnaghten. Der Versuch, oder vielmehr die Absicht, war höchst lobenswert; die Kopie war sorgfältig nach dem Modell geformt und bot das beste Beispiel des verbum et literatim-Stils. Aber der mutige Autor wusste wenig von Arabisch und am wenigsten von dem, was am meisten gebraucht wurde, dem Dialekt von Ägypten und Syrien. Seine Prosa ist so gewissenhaft, dass sie den Geist auf dem Altar des Buchstabens opfert; und seine Verskunst, immer wunderlich, hat zuweilen eine Art irischen Jubels, der komisch ist, wenn er pathetisch sein sollte. Schließlich druckte er nur einen Band einer Serie, die, wenn sie komplett wäre, neun oder zehn enthalten hätte.

Jener liebenswürdige und hingebungsvolle Arabist, der verstorbene Edward William Lane, erzielt keinen Erfolg mit seiner „Neuen Übersetzung der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht“ (London: Charles Knight und Co., MDCCCXXXIX.), von der es vier englische Ausgaben gibt, neben amerikanischen, zwei herausgegeben von E. S. Poole. Er wählte die abkürzende Bulaq-Ausgabe; und von deren zweihundert Erzählungen hat er etwa die Hälfte weggelassen, und zwar bei weitem die charakteristischere Hälfte: das Werk war für den „Wohnzimmertisch“ bestimmt; und folglich war der Arbeiter gezwungen, das „Anstößige“ und alles, was „an Zügellosigkeit grenzt“, zu vermeiden. Er wandelt die Arabischen Nächte in die Arabischen Kapitel um, ändert willkürlich die Einteilung und, noch schlimmer, er wandelt einige Kapitel in Anmerkungen um. Er gibt Poesie durch Prosa wieder und entschuldigt sich dafür, sie nicht ganz weggelassen zu haben: er vernachlässigt den Gleichklang und er ist zugleich zu orientalisch und nicht orientalisch genug. Er verfügte zu jener Zeit nur über einen geringen Vorrat an Arabisch — Lane der Nächte ist nicht Lane des Wörterbuchs — und seine Seiten sind durch viele kindische Fehler entstellt. Das Schlimmste von allem ist, dass die drei stattlichen Bände durch ihr anglicisiertes Latein, ihre sesquipedalen, nicht englischen Wörter und den steifen und gestelzten Stil vor einem halben Jahrhundert, als unsere Prosa vielleicht die schlechteste in Europa war, unlesbar gemacht werden, wie Sales Koran. Ihre Ladung an muslimischer Gelehrsamkeit war für den Studenten höchst wertvoll, aber für die Leser der „Nächte“ völlig unangebracht; da diese Anmerkungen separat veröffentlicht wurden (London, Chatto, 1883), sind sie ein ethnologisches Lehrbuch.

Mr. John Payne hat für die Villon Society und nur für den privaten Gebrauch die erste und einzige vollständige Übersetzung des großen Kompendiums gedruckt, „die etwa viermal so viel Material umfasst wie die von Galland und dreimal so viel wie die eines jeden anderen Übersetzers“; und ich kann nicht anders, als stolz darauf zu sein, dass er mich mit der Widmung von „Das Buch der Tausend Nächte und eine Nacht“ geehrt hat. Seine Fassung ist höchst lesbar: sein Englisch, mit einem Unterton von mabinogionischer Archaisierung, ist bewundernswert; und sein Stil verleiht den neun Bänden, deren Inhalt oft schwer genug ist, Leben und Licht. Er ist in den schwierigsten Passagen bewundernswert erfolgreich und er trifft oft auf erlesene und spezielle Begriffe und das genaue volkssprachliche Äquivalent des fremden Wortes, so glücklich und so bildhaft, dass alle zukünftigen Übersetzer zwangsläufig denselben Ausdruck verwenden müssen, unter Androhung, weit hinterherzuhinken. Aber der gelehrte und vielseitige Autor verpflichtete sich, nur fünfhundert Exemplare herauszugeben und „das Werk nicht in seiner vollständigen und unkastrierten Form zu reproduzieren“. Folglich ist seine exzellente Fassung Kaviar für die Allgemeinheit — praktisch unbeschaffbar.

Und hier beeile ich mich zu gestehen, dass reichlich Gebrauch von den drei oben genannten Versionen gemacht wurde, wobei das Ganze durch eine callida junctura zu einer homogenen Masse verschmolzen wurde. Aber angesichts so vieler Vorgänger ist ein Autor verpflichtet, eine gewisse raison d'être für einen neuen Versuch aufzuzeigen, und dies werde ich mit gebührender Zurückhaltung tun.

Kurz gesagt, das Ziel dieser Fassung ist es zu zeigen, was „Tausend Nächte und eine Nacht“ wirklich ist. Nicht jedoch, aus Gründen, die im abschließenden Essay ausführlicher dargelegt werden, durch das krampfhafte verbum reddere verbo, sondern durch das Schreiben, wie der Araber auf Englisch geschrieben hätte. In diesem Punkt stimme ich voll und ganz mit dem Heiligen Hieronymus (Pref. in Jobum) überein: „Vel verbum e verbo, vel sensum e sensu, vel ex utroque commixtum, et medie temperatum genus translationis.“ Meine Arbeit beansprucht, eine getreue Kopie des großen östlichen Sagenbuchs zu sein, indem sie nicht nur den Geist, sondern sogar die mécanique, die Art und den Inhalt intakt bewahrt. Daher behält sie, wie prosaisch und langatmig die Formel auch sein mag, das Schema der Nächte bei, weil sie ein Hauptmerkmal des Originals sind. Der Ráwí oder Rezitator, dessen Verstand die Aufgabe überlassen bleibt, Details zu liefern, kennt ihren Wert genau: die Anfänge wiederholen sorgfältig die Namen der dramatischen Personen und verankern sie so im Gedächtnis des Zuhörers. Ohne die Nächte keine Arabischen Nächte! Außerdem ist es notwendig, den gesamten Apparat beizubehalten: nichts ist unklüger als Dr. Jonathan Scotts seltsame Vorrichtung, die Nächte mit ausgefallenen Kopf- und Fußstücken zu garnieren oder Gallands Erzählung durch bloßes Voranstellen von „Nacht“ usw. aufzuspalten, und zudem mit der ccxxxiv. Nacht zu enden: doch dies wurde getan, anscheinend mit Zustimmung des großen Arabisten Sylvestre de Sacy (Paris, Ernest Bourdin). Zudem, in der Überzeugung, dass der Ruhm des Übersetzers darin besteht, seiner Muttersprache etwas hinzuzufügen, während ich die abscheuliche, hexenhafte Nacktheit von Torrens und den kargen Literalismus von Lane vermeide, habe ich die bildhaften Wendungen und neuartigen Ausdrücke des Originals in ihrer ganzen Fremdartigkeit sorgfältig ins Englische übertragen; zum Beispiel, wenn die Staubwolke, die durch ein marschierendes Heer aufgewirbelt wird, als „den Horizont einmauernd“ beschrieben wird. Daher wurde den Tropen und Figuren, die die arabische Sprache oft in einen einzigen Begriff packt, besondere Aufmerksamkeit gewidmet; und ich habe nie gezögert, ein Wort zu prägen, wenn es nötig war, wie „sie schnaubte und schnarchte“, um das Original vollständig darzustellen. Diese sind, wie viele bei Rabelais, bloße Barbareien, es sei denn, sie werden allgemein übernommen; in diesem Fall werden sie zivilisiert und zur gängigen Währung.

Trotz vielfältiger und manifester Einwände habe ich das Gleichgewicht der Sätze sowie die Prosa-Reime und Rhythmen bewahrt, die die Ostländer als bloße Musik betrachten. Diese „Saj'a“, oder der Kadenz der gurrenden Taube, hat im Arabischen ihre besonderen Aufgaben. Sie verleiht der Beschreibung einen Glanz und dem Sprichwort, Epigramm und Dialog einen Punkt; sie entspricht unserer „kunstvollen Alliteration“ (die ich stellenweise dafür substituiert habe) und definiert im Allgemeinen die Grenzen zwischen dem klassischen und dem populären Stil, die sich in den Nächten gegenseitig drängen. Wenn sie zuweilen nach der Art der gereimten Prosa gestelzt und erzwungen erscheint, wird der Gelehrte bemerken, dass trotz der immensen Fülle an Assonanzen und Konsonanten im Arabischen der Druck oft absichtlich darauf gelegt wird, wie bei den Rim cars von Dante und den Troubadouren. Diese gereimte Prosa mag „unenglisch“ und unangenehm, sogar irritierend für das britische Ohr sein; dennoch betrachte ich sie als eine sine quâ non für eine vollständige Reproduktion des Originals. Im abschließenden Essay werde ich auf das Thema zurückkommen.

Andererseits, wenn ich den Vers-Teil behandle, der eine Gesamtzahl von zehntausend Zeilen darstellen mag, habe ich mich nicht immer an die metrischen Bindungen des Arabischen gehalten, die im Extrem künstlich sind und im Englischen nur durch einen tour de force erträglich gemacht werden können. Ich beziehe mich insbesondere auf den Monorhyme, Rim continuat oder tirade monorime, dessen monotone Einfachheit von den Troubadouren für Threnodien bevorzugt wurde. Er mag für drei oder vier Reimpaare gut dienen, aber wenn er sich, wie beim Ghazal-Kanzon, auf achtzehn und in der Kaside, Elegie oder Ode auf mehr erstreckt, muss er sich entweder mit banalen Reimwörtern begnügen, wenn die Assonanzen in der Regel ausdrucksstark und nachdrücklich sein sollten; oder er muss einen Einfallsreichtum zeigen, einen Geruch nach dem Öl, der das Vergnügen des Lesers sicherlich nicht erhöht. Es kann vielleicht getan werden und es sollte getan werden; aber für mich hat die Aufgabe keinen Reiz: Ich kann in Schuhen besser fechten als in Holzschuhen. Schließlich drucke ich die Reimpaare in arabischer Form und trenne die Halbstiche durch Sternchen.

Und nun zu einem Punkt von besonderer Bedeutung in diesem Buch — seinem turpiloquium. Dieser Stolperstein ist zweierlei Art, vollkommen verschieden. Das eine ist die einfache, naive und kindliche Unanständigkeit, die von Tanger bis Japan heute in der allgemeinen Konversation von Hoch und Niedrig vorkommt. Sie verwendet, wie die heiligen Bücher der Hebräer, Ausdrücke, die „natürliche Situationen klar beschreiben“; und sie behandelt in unkonventionell freier und nackter Weise Themen und Angelegenheiten, die normalerweise durch allgemeine Zustimmung unbeschrieben gelassen werden. Wie Sir William Jones schon vor langer Zeit bemerkte: „Dass irgendetwas Natürliches anstößig obszön sein könnte, scheint den Indern oder ihren Gesetzgebern niemals in den Sinn gekommen zu sein; eine Einzigartigkeit (?), die ihre Schriften und Konversationen durchdringt, aber kein Beweis für moralische Verderbtheit.“ Ein anderer bemerkt zu Recht: _Les peuples primitifs n'y entendent pas malice: ils appellent les choses par leurs noms et ne trouvent pas condamnable ce qui est naturel._ Und sie sind neugierig wie Kinder. Zum Beispiel verheiratet der europäische Romanautor seinen Helden und seine Heldin und lässt sie die Ehe in der Privatsphäre vollziehen; sogar Tom Jones hat den Anstand, die Tür zu verriegeln. Aber der östliche Geschichtenerzähler, insbesondere dieser unbekannte „Prosashakespeare“, muss dich mit großem Getue in das Brautgemach führen und dir mit unendlicher Lust alles erzählen, was er sieht und hört. Wiederum müssen wir daran denken, dass Grobheit und Unanständigkeit, tatsächlich les turpitudes, Angelegenheiten von Zeit und Ort sind; was in England anstößig ist, ist es nicht in Ägypten; was uns heute skandalisiert, wäre tempore Elisæ ein zahmer Witz gewesen. Mit alledem werden die Nächte in dieser Hinsicht nicht gröber sein als viele Passagen bei Shakespeare, Sterne und Swift, und ihre Unsauberkeit erreicht selten die Perfektion von Alcofribas Nasier, „divin maître et atroce cochon“. Das andere Element ist absolute Obszönität, manchmal, aber nicht immer, gemildert durch Witz, Humor und Drolligkeit; hier haben wir eine Übertreibung von Petronius Arbiter, das Handwerk von Autoren, deren Abstammung, die religiösesten und zugleich die ausschweifendsten Menschen der Menschheit, jeden Gräuel vor dem Schrein der Kanopischen Götter praktizierte.

In Übereinstimmung mit meinem Ziel, die Nächte zu reproduzieren, nicht virginibus puerisque, sondern in einem so perfekten Bild, wie es meine Kräfte erlauben, habe ich sorgfältig nach dem englischen Äquivalent für jedes arabische Wort gesucht, wie niedrig es auch sein mag oder „schockierend“ für höfliche Ohren; wobei ich andererseits alle mögliche Zartheit bewahrt habe, wo die Unanständigkeit nicht beabsichtigt ist; und, wie ein Freund mir rät, festzustellen, habe ich die Vulgaritäten und Unanständigkeiten nicht übertrieben, die ohnehin kaum übertrieben werden können. Denn die Grobheit und Stumpfheit sind nur die Schatten eines Bildes, das ansonsten nur aus Licht bestünde. Der allgemeine Ton der Nächte ist außergewöhnlich hoch und rein. Die hingebungsvolle Inbrunst steigt oft bis zum Siedepunkt des Fanatismus. Das Pathos ist süß, tief und echt; zärtlich, einfach und wahr, völlig anders als vieles von unserem modernen Flitter. Ihr Leben, stark, prachtvoll und vielfältig, ist überall durchdrungen von jenem unbeeinflussten Pessimismus und jener konstitutionellen Melancholie, die unter den hellsten Himmeln am tiefsten Wurzeln schlagen und die angesichts des Himmels seufzen:—

Vita quid est hominis? Viridis floriscula mortis; Sole Oriente oriens, sole cadente cadens.

Poetische Gerechtigkeit wird vom literarischen Kází mit beispielhafter Unparteilichkeit und Strenge verwaltet; „Übeltäter anprangernd und bewundernswert vollbrachte Taten preisend.“ Die Moral ist gesund und kräftig; und zuweilen erspähen wir durch das wollüstige und libertinäre Bild hindurch Aussichten auf eine transzendentale Moral, die Moral des Sokrates bei Platon. Subtile Verderbtheit und verdeckte Zügellosigkeit sind gänzlich abwesend; wir finden in manch kurzem französischen Roman, etwa La Dame aux Camelias, und in nicht wenigen englischen Romanen unserer Tage mehr wirkliches „Laster“ als auf den tausenden Seiten des Arabers. Hier haben wir nichts von jener höchst unschicklichen modernen Schicklichkeit, die verdeckte Andeutungen dort sieht, wo nichts angedeutet wird, und „unangemessene“ Anspielungen, wenn der Anstand nicht verletzt wird; noch begegnen wir der Verfeinerung des neunzehnten Jahrhunderts; Unschuld des Wortes, nicht des Gedankens; Moral der Zunge, nicht des Herzens, und die aufrichtige Huldigung, die der Tugend unter dem Deckmantel vollkommener Heuchelei dargebracht wird. Es ist in der Tat dieser einzigartige Kontrast eines sonderbaren Elements, kindlicher Roheiten und Kinderstuben-Unanständigkeiten sowie „eitler und verliebter“ Phrasen, die sich mit den feinsten und höchsten Ansichten über Leben und Charakter drängen, wie es in den kaleidoskopischen Verschiebungen des wunderbaren Bildes mit so mancher „reichen Wahrheit im Vorwand einer Erzählung“ gezeigt wird; unterstrichen durch einen derben, trockenen Humor, der sich gut mit „wut“ vergleichen lässt; die Wechsel von Stärke und Schwäche, von Pathos und Bathos, von kühnster Poesie (der Diktion Hiobs) und schlichtester Prosa (dem Ägyptisch von heute); die Berührung von Religion und Moral mit den Orgien eines afrikanischen Apuleius und Petronius Arbiter – was dem Leser zuweilen den Atem raubt – und schließlich das Ganze, das überall von jener wunderbaren orientalischen Phantasie beherrscht wird, in der das Geistige und Übernatürliche so gewöhnlich sind wie das Materielle und Natürliche; dieser Kontrast, sage ich, ist es, der den größten Reiz der Nächte ausmacht, der ihnen die auffallendste Originalität verleiht und sie zu einem vollkommenen Exegeten des mittelalterlichen muslimischen Geistes macht.

Erklärende Anmerkungen gehörten nicht zu Herrn Paynes Plan. Zu meinem gehören sie: Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Nächte von Menschen des Westens ohne Kommentar mit Gewinn gelesen werden könnten. Meine Anmerkungen vermeiden nur ein Thema: Parallelen der europäischen Folklore und Fabliaux, die, wie interessant auch immer, den Umfang eines Buches, dessen Spezialität die Anthropologie ist, übermäßig anschwellen ließen. Die Zufälle meines Lebens, so darf man ohne ungebührliche Anmaßung sagen, mein langer Umgang mit Arabern und anderen Mohammedanern und meine Vertrautheit nicht nur mit ihrem Idiom, sondern auch mit ihrer Denkweise und jener rassischen Individualität, die sich jeder Beschreibung entzieht, haben mir gewisse Vorteile gegenüber dem Durchschnittsstudenten verschafft, wie tief er auch immer studiert haben mag. Diese Bände bieten mir zudem eine lang gesuchte Gelegenheit, Praktiken und Gebräuche zu bemerken, die die ganze Menschheit interessieren und von denen die „Gesellschaft“ nichts hören will. Grote, der Historiker, und Thackeray, der Romancier, beklagten beide, dass die Bégueulerie ihrer Landsleute sie dazu verurteilte, dort zu schweigen, wo Öffentlichkeit erforderlich war; und dass sie nicht einmal die teilweise Freiheit eines Fielding und eines Smollett beanspruchen konnten. Daher leistete ich vor zwanzig Jahren dem verstorbenen Dr. James Hunt meine beste Hilfe bei der Gründung der Anthropologischen Gesellschaft, deren Vorsitz ich als erster innehatte (S. 2-4 Anthropologia; London, Balliere, Bd. i., Nr. 1, 1873). Mein Motiv war es, Reisenden ein Organ zur Verfügung zu stellen, das ihre Beobachtungen aus der äußeren Finsternis der Manuskripte retten und ihre kuriosen Informationen über soziale und sexuelle Angelegenheiten drucken würde, die in einem populären, für den Nachttisch bestimmten Buch deplatziert und tatsächlich besser vor der Öffentlichkeit verborgen geblieben wären. Aber kaum hatten wir begonnen, als sich die „Respektabilität“, jener geweißte, voller Unreinheit steckende Grabesbeigabe, gegen uns erhob. Die „Schicklichkeit“ schrie uns mit ihrer ehernen, schrillen Stimme nieder, und die schwachbrüstigen Brüder fielen ab. Doch das Organ war sehr gefragt und ist es noch immer. Alle heute bekannten barbarischen Stämme im Inneren Afrikas, Amerikas und Australiens, deren Instinkte nicht von der Vernunft überlagert wurden, haben eine Zeremonie, die sie „Menschen machen“ nennen. Sobald der Junge Beweise der Pubertät zeigt, werden er und seine Altersgenossen vom Mediziner und dem Fetisch-Priester in die Hände genommen; und unter priesterlicher Anleitung verbringen sie Monate im „Busch“, wo sie Entbehrungen und Qualen ertragen, die sich ihrem Gedächtnis einprägen, bis sie die „Theorie und Praxis“ der sozialen und sexuellen Beziehungen gemeistert haben. Unter den Zivilisierten muss diese Frucht des Baumes der Erkenntnis zum Preis bitterster Erfahrung erkauft werden, und die Folgen der Unwissenheit sind besonders grausam. Hier also finde ich endlich eine Gelegenheit, in erklärenden Anmerkungen viele Details des Textes zu bemerken, die der Beobachtung des Lesers entgehen würden, und ich bin zuversichtlich, dass sie ein Repertorium orientalischen Wissens in seiner esoterischen Phase bilden werden. Der Student, der die Anmerkungen von Lane („Arabian Society“ etc., wie vor zitiert) zu meinen hinzufügt, wird ebenso viel vom muslimischen Osten wissen und mehr als viele Europäer, die ihr halbes Leben in orientalischen Ländern verbracht haben. Zur Erleichterung beim Nachschlagen ist jedem Band ein Index der anthropologischen Anmerkungen beigefügt.

Der Leser möge die folgenden technischen Details gütigst entschuldigen. Steinhaeuser und ich begannen und beendeten unsere Arbeit mit der ersten Bulak-Ausgabe („Bul.“), gedruckt im Hafen von Kairo im Jahr 1251 A.H. = 1835 n. Chr. Aber als ich meine Manuskripte für den Druck vorbereitete, fand ich den Text unvollständig; viele der Geschichten waren nur im Auszug wiedergegeben, und nicht wenige waren rücksichtslos verstümmelt, ohne Anfang oder Ende. Wie die meisten orientalischen Schreiber konnte sich der Herausgeber nicht „Verbesserungen“ verkneifen, die das Buch nur entwerteten; und sein einziger Anspruch auf Entschuldigung ist, dass die zweite Bulak-Ausgabe (4 Bände, 1279 A.H. = 1863 n. Chr.), obwohl sie „von Scheich Mohammed Qotch Al-Adewi überarbeitet und korrigiert“ wurde, sogar noch schlechter ist; und dasselbe lässt sich von der Kairoer Ausgabe (4 Bände, 1297 A.H. = 1881 n. Chr.) sagen. Die Kalkutta-Ausgabe („Calc.“), mit zehn Zeilen persischem Vorwort des Herausgebers, Ahmed al-Shirwani (1814 n. Chr.), wurde am Ende der ersten zweihundert Nächte abgebrochen und machte so Platz für Sir William Hay Macnaghtens Ausgabe (4 Bände, royal 4to) von 1839-42. Diese („Mac.“), da sie bei weitem am wenigsten korrupt und am vollständigsten ist, wurde als meine Grundlage angenommen, mit gelegentlichem Verweis auf die Breslauer Ausgabe („Bres.“), die von Dr. Maximilian Habicht (1825-43) aus einem scheußlichen ägyptischen Manuskript kläglich herausgegeben wurde. Der Beiruter Text „Alif-Leila we Leila“ (4 Bände, gr. 8vo, Beirut 1881-83) ist ein trauriges Exemplar der Nächte, das von einem gewissen Khalil Sarkis vollständig aus der Bulak-Ausgabe entnommen und zum Christentum bekehrt wurde; beginnend ohne Bismillah, fortgesetzt mit skrupulöser Kastration und endend in Langeweile und Enttäuschung. Ich habe dieses missionarische Erzeugnis nicht verwendet.

Was die Transliteration arabischer Wörter betrifft, so lehne ich das kunstvolle und komplizierte System, das zudem hässlich und schwerfällig ist, welches von wissenschaftlichen modernen Orientalisten bevorzugt wird, bewusst ab. Auch gilt mein Mitgefühl nicht ihrem Hauptziel, nämlich das römische Alphabet dazu zu bringen, alle anderen zu verdrängen. Diejenigen, die Sprachen lernen, und viele tun dies sowohl mit dem Auge als auch mit dem Ohr, kennen die Vorteile eines speziellen Zeichens wohl, um beispielsweise Syrisch von Arabisch, Gujarati von Marathi zu unterscheiden. Wiederum mag diese römische Handschrift in rein wissenschaftlichen und literarischen Werken ihren Nutzen haben; aber sie wäre völlig deplatziert in einem Werk, dessen Zweck der eines Romans ist, eher zu unterhalten als zu belehren. Überdies verwirren die Vorrichtungen die Einfachen und lehren die Gelehrten nichts. Entweder der Leser kennt Arabisch, dann sind griechische Buchstaben, Kursivschrift und „Großbuchstaben“, diakritische Zeichen und ähnliche typographische Kuriositäten in der Regel, mit einigen Ausnahmen, unnötig; oder er kennt kein Arabisch, dann werden ihm alle diese Hilfsmittel nicht das Geringste nützen. Tatsächlich ist es von zweitrangiger Bedeutung, welches System wir bevorzugen, vorausgesetzt, wir halten uns meist an ein und dasselbe, um einer Konsistenz willen, die dem Leser Verwirrung erspart. Ich habe insbesondere das System von Herrn Lane vermieden, das Herr Payne aus besonderen Gründen übernommen hat, gegen die es vergeblich war zu protestieren: Es repräsentiert den entarteten Dialekt Ägyptens oder vielmehr Kairos; und ein Wort wie Kemer (ez-Zeman) wäre für einen Badawi völlig unaussprechlich. Auch bin ich nicht der Praxis meines gelehrten Freundes, Reverend G. P. Badger, gefolgt, Balken und Akzente zu mischen; erstere erinnern den Menschen unangenehm an jene verhassten Daktylen und Spondees, und letztere sollten meiner bescheidenen Meinung nach auf lange Vokale angewendet werden, die im Arabischen die Länge der kurzen verdoppeln oder verdoppeln sollten. Dr. Badger verwendet das Akut-Symbol, um den Akzent oder die Betonung der Stimme zu bezeichnen; aber ein solches Appoggio ist denjenigen unbekannt, die mit reinster Artikulation sprechen; zum Beispiel, während der Europäer Mus-cat´ ausspricht und der arabische Dorfbewohner Mas´-kat, artikulieren die Kinder der Wüste, „auf deren Zungen Allah herabstieg“, Mas-kat. Ich habe daher das einfache System befolgt, das ich in meiner „Pilgerschaft“ angewandt habe, und arabische Wörter nur bei der ersten Verwendung akzentuiert, da ich es für unnötig halte, durchweg beizubehalten, was für den Leser ein Ärgernis und für den Drucker eine Qual ist. Im Wesentlichen folge ich „Johnson on Richardson“, einem Werk, das jedem Anglo-Orientalisten als alter und treuer Begleiter seiner Studien früh und spät bekannt ist; aber selbst hier habe ich verschiedene Abweichungen vorgenommen, aus Gründen, die im abschließenden Essay erläutert werden. Da Wörter die Verkörperung von Ideen sind und das Schreiben die der Wörter ist, so ist das Wort das gesprochene Wort; und wir sollten es so schreiben, wie es ausgesprochen wird. Streng genommen kommen der e-Laut und der o-Laut (nämlich der italienische o-Laut, nicht der englische, der uns eigen und jeder anderen Zunge unbekannt ist) im Arabischen nicht vor, außer wenn die Figur Imálah dazu zwingt: Daher werden sie „Yá al-Majhúl“ und „Waw al-Majhúl“, das unbekannte y (í) und u, genannt. Aber in allen Sprachen werden Vokallaute, das Fleisch, das die Knochen (Konsonanten) der Sprache bekleidet, von den Konsonanten beeinflusst, die ihnen vorausgehen und insbesondere folgen, indem sie die Artikulation härten oder weichen; und tiefere Laute begleiten bestimmte Buchstaben, wie das sád (ص) im Vergleich zum sín (س). Niemand außer einem defekten Gehör würde behaupten, wie Lane es tut, „Maulid“ (=Geburtsfest) sei „korrekter als 'Molid' ausgesprochen“. Dennoch ziehe ich Khokh (Pfirsich) und Jokh (Tuch) gegenüber Khukh und Jukh vor; Ohod (Berg) gegenüber Uhud; Obayd (ein kleiner Sklave) gegenüber Ubayd; und Hosayn (ein kleines Fort, nicht der Eigenname Al-Husayn) gegenüber Husayn. Was das kurze e in Wörtern wie „Memlúk“ für „Mamlúk“ (ein weißer Sklave), „Eshe“ für „Asha“ (Abendessen) und „Yemen“ für „Al-Yaman“ betrifft, so halte ich es für einen flachen Ägyptizismus, unerträglich für ein Ohr, das die Badawi-Aussprache bewundert. Dennoch ziehe ich „Shelebi“ (ein Dandy), vom türkischen Chelebi, „Shalabi“ vor; „Zebdani“ (das syrische Dorf) gegenüber „Zabdani“ und „Fes und Miknes“ (durch die Figur Imálah) gegenüber „Fás und Miknás“, unserem „Fez und Mequinez“.

In Bezug auf Eigennamen und nicht übersetzte arabische Wörter habe ich jedes System zugunsten des gesunden Menschenverstands abgelehnt. Wenn ein Begriff in unsere Sprache übernommen ist, weigere ich mich, dem Puristen zu folgen und den Leser durch überraschende Neuerungen zu schikanieren. Zum Beispiel werden Aleppo, Kairo und Bassorah gegenüber Halab, Kahirah und Al-Basrah bevorzugt; wenn ein Wort halb naturalisiert ist, wie Alcoran oder Koran, Bashaw oder Pasha, was die Franzosen Pacha schreiben; und Mahomet oder Mohammed (für Muhammad), wird die moderne Form gewählt, weil sie vertrauter ist. Aber ich sehe keinen Vorteil darin, nur weil sie die Fehler einer vergangenen Generation sind, Wörter wie „Roc“ (für Rukh), Khalif (ein prätentiöser Fehler für Khalífah und besser Caliph geschrieben) und „genie“ (=Jinn), eine bloße gallische Verderbnis, beizubehalten, die jedoch nicht so schrecklich ist wie „a Bedouin“ (=Badawi). Ebensowenig würde ich Herrn Lane folgen und dem Publikum solche Arabismen wie „Khuff“ (ein Reitstiefel), „Mikra'ah“ (ein Palmenstab) und eine Menge anderer aufdrängen, für die wir gute englische Entsprechungen haben. Andererseits würde ich, wenn auch sparsam, bestimmte arabische Ausrufe verwenden, wie „Bismillah“ (=im Namen Allahs!) und „Inshallah“ (=wenn Allah will!), die besondere Anwendungen haben und die durch das Genie von Fraser und Morier den englischen Ohren vertraut geworden sind.

Ich beende hier diese losen, aber notwendigen Details, um mich mit ein paar letzten Worten an den Leser zu wenden. Er wird meine Arbeit nicht gering schätzen, wenn ich ihm wiederhole, dass der Student mit Hilfe meiner Anmerkungen, die Lanes ergänzen, leicht und angenehm mehr über die Sitten und Gebräuche, Gesetze und Religion der Muslime lernen wird, als dem Durchschnitts-Orientalisten bekannt ist; und wenn meine Bemühungen ihn dazu bringen, den Text der Nächte anzugreifen, wird er mehr Arabisch beherrschen, als der gewöhnliche Araber besitzt. Dieses Buch ist in der Tat ein Vermächtnis, das ich meinen Landsleuten in ihrer Stunde der Not hinterlasse. Übermäßige Hingabe an die hinduistische und insbesondere an die Sanskrit-Literatur hat sie von jenen (sogenannten) „semitischen“ Studien abgebracht, die für uns umso notwendiger sind, da sie uns lehren, erfolgreich mit einer Rasse umzugehen, die mächtiger ist als alle Heiden – den Muslimen. Anscheinend vergisst England immer wieder, dass es derzeit das größte mohammedanische Reich der Welt ist. In den letzten Jahren hat es den Arabismus systematisch vernachlässigt und ihn sogar bei Prüfungen für den indischen Staatsdienst aktiv entmutigt, wo er unvergleichlich wertvoller ist als Griechisch und Latein. Wenn es daher plötzlich gezwungen ist, die Zügel der Regierung in muslimischen Ländern zu übernehmen, wie Afghanistan in der Vergangenheit und Ägypten in der Gegenwart, scheitert es auf eine Weise, die seine wenigen (sehr wenigen) Freunde schockiert; und seine krasse Unwissenheit über die orientalischen Völker, die ihn am meisten interessieren sollten, setzt es der Verachtung Europas sowie der östlichen Welt aus. Als die bedauerlichen Überfälle von 1883-84, die in den miserablen Angelegenheiten von Tokar, Teb und Tamasi gipfelten, auf die tapferen sudanesischen Negroiden, die Bisharin außerhalb von Sawakin, verübt wurden, die für die heilige Sache der Freiheit und Religion und für die Flucht vor türkischen Aufsehern und ägyptischen Steuereintreibern kämpften, war nach dem Tod des tapferen und beklagten Major Morice kein englischer Beamter im Lager in der Lage, Arabisch zu sprechen. Nun, Muslime dürfen nicht von rohen Jünglingen regiert werden, die in der Schule und am College sein sollten, anstatt Positionen des Vertrauens und des Einkommens zu bekleiden. Wer erfolgreich mit ihnen umgehen will, muss erstens ehrlich und wahrhaftig sein und zweitens vertraut mit ihren Sitten und Gebräuchen und ihnen gegenüber positiv eingestellt sein, wenn nicht sogar gegenüber ihrem Gesetz und ihrer Religion. Wir mögen es vielleicht schwer finden, England jene ursprünglichen Tugenden, jenen Ton und jene Stimmung wiederzugeben, die es zu dem gemacht haben, was es ist; aber wir (ich selbst und eine Schar anderer) können ihr zumindest die Mittel anbieten, ihre Unwissenheit über die östlichen Rassen, mit denen sie ständig in Kontakt steht, zu vertreiben.

Abschließend darf ich nicht vergessen zu bemerken, dass die arabischen Verzierungen dieser Bände von meinem ausgezeichneten Freund Yacoub Artin Pascha aus dem Unterrichtsministerium in Kairo unter Mitwirkung des bekannten Schriftkünstlers Scheich Mohammed Muunis aus Kairo entworfen wurden. Mein Name, Al-Hajj Abdullah (=der Pilger Abdallah), wurde von einem englischen Kalligraphen geschrieben, dem beklagten Professor Palmer, der fast in Sichtweite von Suez einen vorzeitigen Tod fand.

RICHARD F. BURTON.

WANDERERS' CLUB, 15. August 1885.

„Sie ist wie die Sonne, die durch die Wolken bricht, Und ihr Licht erhellt die Finsternis der Nacht. Wie ein Zweig, der sich im Garten sanft wiegt, Wenn der Wind ihn mit dem Hauch des Morgens küsst. Sie scheint mit der Schönheit des Vollmonds, Und ihr Antlitz ist wie ein Garten, in dem die Blumen blühen.“

Der Jinni legte sich unter den Baum, legte sein Haupt in den Schoß der jungen Frau und schlief ein. Dann blickte die Dame empor zum Baum, erblickte die beiden Könige und rief ihnen zu: „Steigt herab, ihr beiden, oder ich wecke diesen Ifrit, damit er euch tötet!“ Vor Angst zitternd stiegen die Könige herab, und sie sprach zu ihnen: „Kommt her und tut, was ich verlange, sonst wecke ich ihn auf!“ Sie legte sich auf den Boden und bedrohte sie, bis sie taten, was sie von ihnen forderte; und als sie fertig waren, zog sie aus ihrer Tasche eine Schnur, an der neunundneunzig Siegelringe hingen, und fragte: „Wisst ihr, was das ist?“ Sie antworteten: „Wir wissen es nicht.“ Da sagte sie: „Dies sind die Ringe von neunundneunzig Männern, die alle mit mir in diesem Kasten gelegen haben, während dieser Ifrit schlief. Er weiß nichts davon, denn er ist ein Dschinn, der mich entführt hat, doch ich bin eine Frau, und wenn ich etwas will, so erreiche ich es. Wie das Sprichwort sagt: ‚Keine Frau kann man jemals zähmen, denn ihre Bosheit ist grenzenlos.‘“ Als die beiden Brüder dies hörten, gerieten sie in größtes Erstaunen und sagten zueinander: „Wenn ein solcher Ifrit von seiner Frau betrogen wird und ihm dies in seinem Kasten widerfährt, so ist unsere eigene Not weit geringer. Lass uns in unsere Reiche zurückkehren und uns nicht mehr um die Frauen kümmern, solange wir leben.“

So machten sie sich auf den Weg zurück nach der Hauptstadt des Königs Shahryar, und als sie die Stadt erreichten, ließ Shahryar seinen Bruder Shah Zaman mit allen Ehren in seinen Palast einziehen. Daraufhin zog Shahryar sein Schwert, ging in sein Gemach und tötete seine Frau, ebenso wie die Sklavinnen und die schwarzen Sklaven. Von diesem Tag an legte er sich einen neuen Brauch auf: Jeden Abend nahm er eine neue Jungfrau zur Frau, verbrachte die Nacht mit ihr und ließ sie am nächsten Morgen hinrichten. Dies ging drei Jahre lang so, bis die Leute schrien und flohen und in der Stadt kaum noch eine junge Frau zu finden war, die noch Jungfrau war. Da befahl der König seinem Wazir, ihm eine Braut zu bringen, und der Wazir, der eine Tochter namens Shahrazad hatte, die in den Wissenschaften und der Literatur wohlbewandert war, war von tiefer Sorge erfüllt, denn er fürchtete um das Leben seiner Tochter.

Nun war diese Shahrazad, die Tochter des Wazirs, eine Frau von großer Klugheit, Gelehrsamkeit und Besonnenheit; sie hatte viele Bücher gelesen und kannte die Geschichte der vergangenen Könige und die Lehren der Gelehrten. Eines Tages sagte sie zu ihrem Vater: „Warum bist du so betrübt und von Sorge gezeichnet? Ich kenne einen Weg, wie ich dieses Unheil von den Menschen abwenden kann.“ „Welchen Weg meinst du?“, fragte der Vater. Sie antwortete: „Ich will den König heiraten, und entweder ich rette die Töchter der Muslime oder ich werde das Opfer für sie alle.“ „Ich beschwöre dich, mein Kind“, sagte der Wazir, „setze dein Leben nicht aufs Spiel!“ Doch sie blieb bei ihrem Entschluss und sagte: „Es muss so sein.“ Da ging der Wazir zum König und verkündete ihm, er habe seine Tochter als Braut für ihn bereit.

Der König freute sich sehr und ließ die Hochzeit vorbereiten. Shahrazad bat ihre Schwester Dunyazad, zu ihr zu kommen und sie in der Hochzeitsnacht zu besuchen, damit sie sich von ihr verabschieden könne. Als die Nacht hereinbrach, saßen die beiden Schwestern zusammen, und als die Zeit gekommen war, in der der König zu seiner Braut gehen wollte, bat Dunyazad: „O meine Schwester, erzähle uns doch eine Geschichte, um uns die Zeit bis zum Morgengrauen zu vertreiben.“ Shahrazad lächelte und sagte: „Sehr gerne, wenn der König es erlaubt.“ Der König, der in fröhlicher Stimmung war, stimmte zu, und so begann Shahrazad ihre Erzählung.

Sie erhob sich wie der Morgen, während sie durch die Nacht strahlte, und sie vergoldete den Hain mit ihrem gnädigen Anblick: Von ihrem Glanz nimmt die Sonne zu, wenn sie sich enthüllt und den hellen Mondschein beschämt. Alle Wesen beugen sich nieder zwischen ihren Händen, während sie ihre Reize zeigt mit ihrem gelösten Schleier. Und sie überflutet die Städte mit Sturzbächen von Tränen, wenn sie ihren Blick aus Blitzeslicht aufblitzen lässt.

Der Dschinni setzte sie unter dem Baum an seine Seite und sagte, als er sie ansah: „O auserwählte Liebe meines Herzens! O Dame von edelster Herkunft, die ich in deiner Hochzeitsnacht entführte, damit niemand mich daran hindern könnte, deine Jungfräulichkeit zu nehmen oder dich zu besitzen, bevor ich es tat, und die außer mir niemand geliebt oder genossen hat: O mein Schatz! Ich möchte gerne ein wenig schlafen.“ Dann legte er seinen Kopf auf den Schoß der Dame; und er streckte seine Beine aus, die bis zum Meer reichten, schlief und schnarchte und pfiff wie das Rollen des Donners. Alsbald hob sie ihr Haupt zum Wipfel des Baumes und sah die beiden Könige in der Nähe der Spitze hocken; dann hob sie sanft das Haupt des Dschinni, dessen Stütze sie überdrüssig war, von ihrem Schoß und legte es auf den Boden; dann, aufrecht unter dem Baum stehend, winkte sie den Königen: „Kommt herunter, ihr zwei, und fürchtet nichts von diesem Ifrit.“ Sie waren in schrecklicher Angst, als sie merkten, dass sie sie gesehen hatte, und antworteten ihr in gleicher Weise: „Bei Allah und bei deiner Bescheidenheit, o Dame, erlasse uns das Herunterkommen!“ Doch sie erwiderte: „Bei Allah, ihr beide, kommt unverzüglich herunter, und wenn ihr nicht kommt, werde ich meinen Ehemann, diesen Ifrit, auf euch aufwecken, und er wird euch durch die übelste aller Todesarten sterben lassen;“ und sie fuhr fort, ihnen Zeichen zu geben. So kamen sie, aus Furcht, zu ihr herunter, und sie erhob sich vor ihnen und sagte: „Stoßt mich einen kräftigen Stoß, ohne Zögern oder Aufschub, sonst werde ich diesen Ifrit aufwecken und auf euch hetzen, der euch alsbald erschlagen wird.“ Sie sagten zu ihr: „O unsere Dame, wir beschwören dich bei Allah, lass uns von diesem Werk ab, denn wir sind Flüchtlinge vor solchem und in äußerster Furcht und Schrecken vor diesem deinem Ehemann. Wie können wir es also auf die Weise tun, die du begehrst?“ „Lasst dieses Gerede: Es muss so sein;“ sagte sie, und sie schwor sie bei Dem, der die Himmel in die Höhe hob, ohne Stütze oder Säule, dass sie, wenn sie ihren Willen nicht erfüllten, sie erschlagen und in das Meer werfen lassen würde. Daraufhin sagte König Shahryar aus Furcht zu König Shah Zaman: „O mein Bruder, tu, was sie von dir verlangt;“ doch er antwortete: „Ich werde es nicht tun, bis du es vor mir tust.“ Und sie begannen darüber zu streiten, wer sie begatten dürfe. Dann sagte sie zu den beiden: „Wie kommt es, dass ich sehe, wie ihr streitet und zögert; wenn ihr nicht wie Männer vortretet und das Werk der Natur vollbringt, ihr beiden, werde ich den Ifrit auf euch aufwecken.“ Bei diesen Worten, wegen ihrer großen Furcht vor dem Dschinni, taten beide ihr, was sie verlangte; und als sie von ihr abließen, sagte sie: „Gut gemacht!“ Dann nahm sie einen Beutel aus ihrer Tasche und zog eine geknotete Schnur hervor, an der fünfhundertundsiebzig Siegelringe aufgereiht waren, und fragte: „Wisst ihr, was das ist?“ Sie antworteten ihr: „Wir wissen es nicht!“ Dann sagte sie: „Dies sind die Siegel von fünfhundertundsiebzig Männern, die mich alle auf den Hörnern dieses abscheulichen, törichten, schmutzigen Ifrits begattet haben; also gebt mir auch eure beiden Siegelringe, ihr Brüderpaar.“ Als sie ihre beiden Ringe von ihren Fingern gezogen und ihr gegeben hatten, sagte sie zu ihnen: „Wahrlich, dieser Ifrit entführte mich in meiner Hochzeitsnacht, steckte mich in ein Kästchen und das Kästchen in eine Kiste, und an die Kiste brachte er sieben starke Vorhängeschlösser aus Stahl an und deponierte mich auf dem tiefen Grund des Meeres, das tobt, schäumt und mit Wellen schlägt; und er bewachte mich, damit ich keusch und ehrlich bliebe, so sagte er! Damit niemand außer ihm mit mir verkehren könne. Doch ich habe unter so vielen meiner Art gelegen, wie es mir gefällt, und dieser elende Dschinni weiß nicht, dass das Schicksal durch nichts abgewendet oder behindert werden kann und dass das, was eine Frau will, sie erfüllt, wie sehr der Mann es auch nicht will. Ebenso sagt einer von ihnen:—

Verlass dich nicht auf Frauen; vertraue nicht auf ihre Herzen, Deren Freuden und deren Sorgen an ihrem Anteil hängen! Lügende Liebe werden sie dir schwören, von wo Tücke niemals weicht: Nimm Yusuf als Beispiel, hüte dich vor Ränken und hüte dich vor Schmerz! Iblis verdrängte Adam (seht ihr nicht?) durch ihre Künste.

Und ein anderer sagt:—

„Zügle deinen Tadel, Mensch! Er wird in eine Leidenschaft ohne Grenzen führen; mein Fehler ist nicht so schwer wie der Fehler, den du darin gefunden hast. Wenn ich eine wahre Liebende werde, dann kommt zu mir nichts, außer was vielen in der vergangenen Zeit geschah. Denn wunderbar ist er und wohl würdig unseres Lobes, der sich vor den Listen weiblichen Verstandes sicher und gesund hielt.“

Als sie diese Worte hörten, staunten sie über die Maßen, und sie ging von ihnen zum Ifrit und nahm, wie zuvor, seinen Kopf auf ihren Schoß und sagte leise zu ihnen: „Nun zieht eures Weges und begebt euch jenseits der Grenzen seiner Bosheit.“ So machten sie sich auf den Weg und sagten zueinander: „Allah! Allah!“ und „Es gibt keine Majestät und keine Macht außer bei Allah, dem Glorreichen, dem Großen; und bei Ihm suchen wir Zuflucht vor der Bosheit und List der Frauen, denn wahrlich, sie hat in ihrer Macht keinengleichen. Bedenke, o mein Bruder, die Wege dieser wunderbaren Dame mit einem Ifrit, der so viel mächtiger ist als wir. Da ihm nun ein größeres Unglück widerfahren ist, als uns widerfuhr, und was uns reichlich Trost spenden sollte, so kehren wir in unsere Länder und Hauptstädte zurück und beschließen, niemals mehr eine Frau zu heiraten, und alsbald werden wir ihnen zeigen, was unser Handeln sein wird.“ Daraufhin ritten sie zurück zu den Zelten von König Shahryar, die sie am Morgen des dritten Tages erreichten; und nachdem er die Wesire und Emire, die Kammerherren und hohen Beamten versammelt hatte, gab er seinem Vizekönig ein Ehrenkleid und ordnete die sofortige Rückkehr in die Stadt an. Dort setzte er sich auf seinen Thron und ließ den Ersten Minister rufen, den Vater der beiden Jungfrauen, die (so Allah will!) bald erwähnt werden, und sagte: „Ich befehle dir, meine Frau zu nehmen und sie zu Tode zu schlagen; denn sie hat ihr Gelübde und ihre Treue gebrochen.“ So brachte er sie zur Hinrichtungsstätte und ließ sie sterben. Dann nahm König Shahryar das Schwert in die Hand, begab sich in das Serail und erschlug alle Konkubinen und ihre Mamelucken. Er schwor sich zudem mit einem bindenden Eid, dass er bei jeder Frau, die er heiratete, in der Nacht ihre Jungfräulichkeit brechen und sie am nächsten Morgen töten würde, um seine Ehre zu sichern; „Denn“, sagte er, „es gab noch nie eine keusche Frau auf dem Antlitz der Erde, noch gibt es sie.“ Dann bat Shah Zaman um Erlaubnis, heimwärts zu ziehen; und er ging, ausgerüstet und eskortiert, und reiste, bis er sein eigenes Land erreichte. Unterdessen befahl Shahryar seinem Wesir, ihm die Braut der Nacht zu bringen, damit er zu ihr eingehen könne; so brachte er ein überaus schönes Mädchen, die Tochter eines der Emire, und der König ging am Abend zu ihr ein, und als der Morgen dämmerte, befahl er seinem Minister, ihr den Kopf abzuschlagen; und der Wesir tat wie geheißen aus Furcht vor dem Sultan. Auf diese Weise fuhr er drei Jahre lang fort; jede Nacht eine Jungfrau heiratend und sie am nächsten Morgen tötend, bis das Volk einen Aufschrei gegen ihn erhob und ihn verfluchte, indem sie Allah anflehten, ihn und seine Herrschaft völlig zu zerstören; und die Frauen machten einen Aufstand, Mütter weinten und Eltern flohen mit ihren Töchtern, bis in der Stadt keine junge Person mehr übrig war, die für den fleischlichen Verkehr geeignet war. Alsbald befahl der König seinem Ersten Wesir, demselben, der mit den Hinrichtungen beauftragt war, ihm eine Jungfrau zu bringen, wie es seine Gewohnheit war; und der Minister ging hinaus, suchte und fand keine; so kehrte er in Kummer und Angst nach Hause zurück, um sein Leben vor dem König fürchtend. Nun hatte er zwei Töchter, Shahrázád und Dunyázád genannt, von denen die ältere die Bücher, Annalen und Legenden der vorangegangenen Könige sowie die Geschichten, Beispiele und Fälle der Menschen und Dinge vergangener Zeiten studiert hatte; tatsächlich hieß es, sie habe tausend Geschichtsbücher über antike Völker und dahingeschiedene Herrscher gesammelt. Sie hatte die Werke der Dichter gelesen und kannte sie auswendig; sie hatte Philosophie und die Wissenschaften, Künste und Fertigkeiten studiert; und sie war angenehm und höflich, weise und geistreich, belesen und wohl erzogen. An jenem Tag sagte sie zu ihrem Vater: „Warum sehe ich dich so verändert und mit Kummer und Sorge beladen? Diesbezüglich sagte einer der Dichter:—

Sag dem, der Sorgen hat: Gram soll niemals währen: So wie die Freude keinen Morgen hat, so wird das Leid vergehen.“

Als der Wesir diese Worte von seiner Tochter hörte, erzählte er ihr von Anfang bis Ende alles, was zwischen ihm und dem König geschehen war. Daraufhin sagte sie: „Bei Allah, o mein Vater, wie lange soll dieses Schlachten der Frauen noch andauern? Soll ich dir sagen, was mir durch den Sinn geht, um beide Seiten vor der Vernichtung zu bewahren?“ „Sprich weiter, o meine Tochter“, sagte er, und sie sagte: „Ich wünsche, dass du mich diesem König Shahryar zur Ehe gibst; entweder werde ich leben oder ich werde ein Lösegeld für die jungfräulichen Töchter der Muslime sein und die Ursache ihrer Befreiung aus seinen Händen und deinen.“ „Bei Allah!“ rief er in überaus großem Zorn, der keiner Nahrung bedurfte, „O du von geringem Verstand, setze dein Leben nicht einer solchen Gefahr aus! Wie wagst du es, mich mit Worten anzusprechen, die so weit von Weisheit entfernt und nicht fern von Torheit sind? Wisse, dass derjenige, dem es an Erfahrung in weltlichen Dingen mangelt, leicht ins Unglück gerät; und wer das Ende nicht bedenkt, hält die Welt nicht zum Freund, und das Volk sagt:—Ich lag in meiner Ruhe: Nichts als meine Übereifrigkeit brachte mir Unruhe.“ „Du musst“, unterbrach sie ihn, „mich zu einer Ausführenden dieser guten Tat machen, und lass ihn mich töten, wenn er will: Ich werde nur als Lösegeld für andere sterben.“ „O meine Tochter“, fragte er, „und wie soll dir das nützen, wenn du dein Leben weggeworfen haben wirst?“ und sie antwortete: „O mein Vater, es muss sein, komme, was da wolle!“ Der Wesir geriet wieder in Wut und tadelte und beschimpfte sie, endend mit: „Wahrlich, ich fürchte, es könnte dir dasselbe widerfahren, was dem Stier und dem Esel mit dem Landmann widerfuhr.“ „Und was“, fragte sie, „widerfuhr ihnen, o mein Vater?“ Woraufhin der Wesir begann mit der

GESCHICHTE VOM STIER UND DEM ESEL.

Wisse, o meine Tochter, dass es einst einen Kaufmann gab, der viel Geld und viele Diener besaß und der reich an Vieh und Kamelen war; er hatte auch eine Frau und eine Familie, und er lebte auf dem Land, erfahren in der Landwirtschaft und der Viehzucht ergeben. Nun hatte Gott, der Höchste, ihm die Gabe verliehen, die Sprachen der Tiere und Vögel jeder Art zu verstehen, jedoch unter Androhung des Todes, falls er die Gabe jemandem preisgäbe. So bewahrte er es aus reiner Furcht geheim. Er hatte in seinem Kuhstall einen Stier und einen Esel, jeder angebunden an seinem eigenen Stand, dicht nebeneinander. Als der Kaufmann eines Tages in der Nähe seiner Diener saß und seine Kinder um ihn herum spielten, hörte er den Stier zum Esel sagen: „Heil und Gesundheit dir, o Vater des Erwachens! Denn du genießt Ruhe und gute Bedienung; alles unter dir ist sauber gefegt und frisch besprengt; Menschen warten auf dich und füttern dich, und dein Futter ist gesiebtes Gerstenkorn und dein Trank reines Quellwasser, während ich (unglückliches Geschöpf!) mitten in der Nacht herausgeführt werde, wenn sie mir den Pflug auf den Nacken legen und etwas, das Joch genannt wird; und ich ermüde beim Spalten der Erde von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang. Ich bin gezwungen, mehr zu tun, als ich kann, und alle Arten von Misshandlungen von Nacht zu Nacht zu ertragen; danach bringen sie mich zurück mit zerrissenen Seiten, geschundenem Nacken, schmerzenden Beinen und Augenlidern, die vor Tränen wund sind. Dann sperren sie mich in den Stall und werfen mir Bohnen und zerstoßenes Stroh hin, vermischt mit Schmutz und Spreu; und ich liege in Dung und Unrat und üblen Gerüchen durch die ganze lange Nacht. Aber du bist immer an einem Ort, der gefegt, besprengt und gesäubert ist, und du liegst immer in Ruhe, außer wenn es vorkommt (und selten genug!), dass der Herr etwas zu tun hat, wenn er dich besteigt und dich in die Stadt reitet und unverzüglich mit dir zurückkehrt. So geschieht es, dass ich mich abmühe und gequält werde, während du deine Ruhe und deinen Rast genießt; du schläfst, während ich schlaflos bin; ich hungere immer, während du dich satt isst, und ich ernte Verachtung, während du Wohlwollen erntest.“ Als der Stier zu sprechen aufhörte, wandte sich der Esel ihm zu und sagte: „O Breitstirn, o du Verlorener! Er hat nicht gelogen, der dich Stierkopf nannte, denn du, o Vater eines Stiers, hast weder Voraussicht noch List; du bist der einfachste aller Einfaltspinsel, und du weißt nichts von guten Ratgebern. Hast du nicht das Sprichwort der Weisen gehört:—

Für andere trage ich diese Härten und Mühen, und ihr ist das Vergnügen und mein ist der Kummer; Wie der Bleicher, der seine Stirn in der Sonne schwärzt, um die Kleidung zu bleichen, die andere Männer tragen.

Aber du, o Narr, bist voller Eifer und du mühst dich und plagst dich vor dem Herrn; und du reißt und verschleißt und tötest dich selbst für den Komfort eines anderen. Hast du nie das Sprichwort gehört, das besagt: Wer keinen Führer hat, geht vom Weg ab? Du ziehst hinaus beim Ruf zum Morgengebet und kehrst nicht zurück bis zum Sonnenuntergang; und durch den ganzen langen Tag erträgst du alle Arten von Härten; nämlich Schlagen und Prügeln und schlechte Sprache. Nun höre mir zu, Herr Stier! Wenn sie dich an deine stinkende Krippe binden, scharrst du mit dem Vorderfuß auf dem Boden und schlägst mit den Hinterhufen aus und stößt mit deinen Hörnern und brüllst laut, so halten sie dich für zufrieden. Und wenn sie dir dein Futter hinwerfen, stürzt du dich mit Gier darauf und beeilst dich, deinen schönen fetten Bauch zu füllen. Aber wenn du meinen Rat annimmst, wird es besser für dich sein und du wirst ein leichteres Leben führen als ich. Wenn du aufs Feld gehst und sie dir das Ding namens Joch auf den Nacken legen, leg dich hin und steh nicht wieder auf, selbst wenn sie dich züchtigen; und wenn du aufstehst, leg dich ein zweites Mal hin; und wenn sie dich nach Hause bringen und dir deine Bohnen anbieten, fall rückwärts und schnüffle nur an deinem Futter und zieh dich zurück und koste es nicht, und gib dich mit deinem zerstoßenen Stroh und Spreu zufrieden; und auf diese Weise täusche vor, du seist krank, und lass nicht davon ab für einen Tag oder zwei Tage oder sogar drei Tage, so wirst du Ruhe vor Mühsal und Plackerei haben.“ Als der Stier diese Worte hörte, wusste er, dass der Esel sein Freund war, und dankte ihm, indem er sagte: „Dein Rat ist richtig;“ und betete, dass alle Segnungen ihn vergelten mögen, und rief: „O Vater des Erwachens! Du hast meine Fehler wettgemacht.“ (Nun verstand der Kaufmann, o meine Tochter, alles, was zwischen ihnen vorging.) Am nächsten Tag nahm der Treiber den Stier und legte ihm den Pflug auf den Nacken, ließ ihn arbeiten wie gewohnt; aber der Stier begann sich seinem Pflügen zu entziehen, gemäß dem Rat des Esels, und der Pflüger verdrosch ihn, bis er das Joch zerbrach und davonlief; aber der Mann holte ihn ein und lederte ihn durch, bis er an seinem Leben verzweifelte. Nichtsdestotrotz wollte er nichts anderes tun, als stillzustehen und sich bis zum Abend hinfallen zu lassen. Dann führte ihn der Hirt nach Hause und stellte ihn in seinen Stand: aber er wich von seiner Krippe zurück und stampfte weder, noch bäumte er auf, noch stieß er, noch brüllte er, wie er es zu tun pflegte; worüber sich der Mann wunderte. Er brachte ihm die Bohnen und Hülsen, aber er schnüffelte daran und ließ sie stehen und legte sich so weit davon entfernt hin, wie er konnte, und verbrachte die ganze Nacht fastend. Der Bauer kam am nächsten Morgen; und als er die Krippe voll mit Bohnen sah, das zerstoßene Stroh unberührt und den Ochsen in jämmerlichstem Zustand auf dem Rücken liegend, mit ausgestreckten Beinen und geschwollenem Bauch, war er um ihn besorgt und sagte zu sich selbst: „Bei Allah, er ist gewiss erkrankt, und das ist der Grund, warum er gestern nicht pflügen wollte.“ Dann ging er zum Kaufmann und berichtete: „O mein Herr, der Stier kränkelt; er hat sein Futter letzte Nacht verweigert; ja mehr noch, er hat heute Morgen keinen Bissen davon gekostet.“ Nun verstand der Kaufmann und Bauer, was das alles bedeutete, weil er das Gespräch zwischen dem Stier und dem Esel belauscht hatte, also sagte er: „Nimm diesen unverschämten Esel, leg ihm das Joch auf den Nacken und binde ihn an den Pflug und lass ihn des Stiers Arbeit tun.“ Daraufhin nahm der Pflüger den Esel und ließ ihn den ganzen langen Tag die Arbeit des Stiers verrichten; und als er vor Schwäche versagte, ließ er ihn den Stock spüren, bis seine Rippen wund und seine Seiten eingefallen waren und sein Nacken vom Joch geschunden war; und als er am Abend nach Hause kam, konnte er kaum seine Glieder ziehen, weder die Vorder- noch die Hinterbeine. Aber was den Stier betraf, er hatte den Tag damit verbracht, in voller Länge zu liegen, und sein Futter mit ausgezeichnetem Appetit gegessen, und er hörte nicht auf, Segnungen über den Esel für seinen guten Rat herabzurufen, unwissend, was ihm seinetwegen zugestoßen war. Als also die Nacht hereinbrach und der Esel in den Stall zurückkehrte, stand der Stier zu seinen Ehren vor ihm auf und sagte: „Mögen gute Nachrichten dein Herz erfreuen, o Vater des Erwachens! Durch dich habe ich diesen ganzen Tag geruht und mein Futter in Frieden und Ruhe gegessen.“ Aber der Esel gab keine Antwort, vor Zorn und Herzweh und Müdigkeit und dem Schlag, den er erhalten hatte; und er bereute mit der schmerzlichsten Reue; und er sagte zu sich selbst: „Das kommt von meiner Torheit, guten Rat zu geben; wie das Sprichwort sagt: Ich war in Freude und Fröhlichkeit, nichts als meine Übereifrigkeit brachte mir diese Traurigkeit. Aber ich werde mich an meinen angeborenen Wert und die Nobilität meines Wesens erinnern; denn was sagt der Dichter?

Soll die schöne Farbe des Basilikums vergehen, auch wenn der Fuß des Käfers über das Basilikum kriecht? Und obwohl Spinne und Fliege seine Bewohner sind, soll Schande an dem königlichen Saal haften? Die Kaurischnecke, so weiß ich, wird Währung haben, aber der klare Tropfen der Perle, soll sein Wert fallen?

„Und nun muss ich nachdenken und ihm eine List stellen und ihn an seinen Platz zurückbringen, sonst sterbe ich.“ Dann ging er ermattet zu seiner Krippe, während der Stier ihm dankte und ihn segnete. Und ebenso, o meine Tochter, sagte der Wesir, wirst du vor Mangel an Verstand sterben; darum sitze still und sage nichts und setze dein Leben nicht einer solchen Belastung aus; denn bei Allah, ich biete dir den besten Rat, der aus meiner Zuneigung und meiner freundlichen Sorge um dich kommt. „O mein Vater“, antwortete sie, „ich muss zu diesem König hinaufgehen und ihn heiraten.“ Er sagte: „Tu dies nicht“, und sie sagte: „Wahrlich, ich werde es tun“; worauf er erwiderte: „Wenn du nicht schweigst und still bleibst, werde ich mit dir genau das tun, was der Kaufmann mit seiner Frau tat.“ „Und was tat er?“, fragte sie. Wisse dann, antwortete der Wesir, dass nach der Rückkehr des Esels der Kaufmann mit seiner Frau und seiner Familie auf das Flachdach kam, denn es war eine mondhelle Nacht und der Mond stand im Voll. Nun überblickte die Terrasse den Stall, und während er dort saß und seine Kinder um ihn herum spielten, hörte der Händler den Esel zum Stier sagen: „Sag mir, o Vater Breitstirn, was gedenkst du morgen zu tun?“ Der Stier antwortete: „Was anderes, als deinem Rat weiter zu folgen, o Aliboron? Wahrlich, er war so gut, wie er nur sein konnte, und er hat mir Ruhe und Erholung verschafft; noch werde ich einen Deut davon abweichen: Wenn sie mir also mein Futter bringen, werde ich es verweigern, meinen Bauch aufblähen und mich krank stellen.“ Der Esel schüttelte den Kopf und sagte: „Hüte dich davor, o Vater eines Stiers!“ Der Stier fragte: „Warum?“, und der Esel antwortete: „Wisse, dass ich dir den besten Rat geben will, denn wahrlich, ich hörte unseren Besitzer zum Hirten sagen: Wenn der Stier heute Morgen nicht von seinem Platz aufsteht, um seine Arbeit zu verrichten, und wenn er an diesem Tag sein Futter verschmäht, so übergebt ihn dem Metzger, damit er ihn schlachte und sein Fleisch den Armen gebe und aus seinem Fell einen Riemen mache. Nun fürchte ich um dich wegen dieser Sache. Nimm also meinen Rat an, ehe ein Unglück dich trifft; und wenn sie dir dein Futter bringen, iss es und stehe auf, brülle und scharre mit den Hufen, oder unser Herr wird dich gewiss erschlagen: und Friede sei mit dir!“ Daraufhin stand der Stier auf, brüllte laut, dankte dem Esel und sagte: „Morgen werde ich bereitwillig mit ihnen hinausgehen“; und er fraß sofort sein ganzes Futter auf und leckte sogar die Krippe ab. (All dies geschah und der Besitzer lauschte ihrem Gespräch.) Am nächsten Morgen gingen der Händler und seine Frau zur Krippe des Stiers und setzten sich, und der Treiber kam und führte den Stier hinaus, der, als er seinen Besitzer sah, mit dem Schwanz wedelte, einen Wind ließ und so munter herumsprang, dass der Kaufmann laut auflachte und nicht aufhören konnte zu lachen, bis er auf den Rücken fiel. Seine Frau fragte ihn: „Worüber lachst du mit einem solch lauten Gelächter?“, und er antwortete ihr: „Ich lachte über ein Geheimnis, das ich gehört und gesehen habe, das ich aber nicht sagen kann, ohne meinen Tod zu finden.“ Sie erwiderte: „Du musst es mir unbedingt enthüllen und mir den Grund deines Lachens offenbaren, selbst wenn du dabei den Tod finden solltest!“ Aber er entgegnete: „Ich kann nicht enthüllen, was Tiere und Vögel in ihrer Sprache sagen, aus Furcht, ich müsse sterben.“ Dann sagte sie: „Bei Allah, du lügst! Das ist nur ein Vorwand: Du lachst über niemanden außer mich, und nun willst du mir etwas verbergen. Aber beim Herrn der Himmel! Wenn du den Grund nicht offenbart, werde ich nicht länger mit dir zusammenleben: Ich werde dich sofort verlassen.“ Und sie setzte sich und weinte. Daraufhin sagte der Kaufmann: „Wehe dir! Was bedeutet dein Weinen? Fürchte Allah und lass diese Worte und stelle mir keine Fragen mehr.“ „Du musst mir den Grund für jenes Lachen sagen“, sagte sie, und er antwortete: „Du weißt, dass ich, als ich Allah anflehte, mir das Verständnis der Sprachen der Tiere und Vögel zu gewähren, ein Gelübde ablegte, das Geheimnis niemals jemandem zu offenbaren, bei Strafe des sofortigen Todes.“ „Gleichgültig“, rief sie, „sag mir, welches Geheimnis zwischen dem Stier und dem Esel gewechselt wurde, und stirb in dieser Stunde, wenn dir danach ist“; und sie hörte nicht auf, ihn zu drängen, bis er erschöpft und völlig verstört war. Also sagte er schließlich: „Rufe deinen Vater und deine Mutter und unsere Verwandten und einige unserer Nachbarn zusammen“, was sie tat; und er schickte nach dem Kadi und seinen Beisitzern, in der Absicht, sein Testament zu machen und ihr sein Geheimnis zu enthüllen und den Tod zu finden; denn er liebte sie mit übermäßiger Liebe, weil sie seine Cousine war, die Tochter des Bruders seines Vaters, und die Mutter seiner Kinder, und er hatte ein Leben von einhundertzwanzig Jahren mit ihr verbracht. Nachdem er dann die ganze Familie und die Leute aus seiner Nachbarschaft versammelt hatte, sagte er zu ihnen: „An mir hängt eine seltsame Geschichte, und sie ist derart, dass ich ein toter Mann bin, wenn ich das Geheimnis jemandem offenbare.“ Darum sagte jeder der Anwesenden zu der Frau: „Allah sei mit dir, lass diese sündhafte Sturheit und erkenne die Richtigkeit dieser Angelegenheit, damit nicht etwa dein Ehemann und der Vater deiner Kinder stirbt.“ Aber sie erwiderte: „Ich werde nicht davon ablassen, bis er es mir sagt, auch wenn er dabei den Tod finden sollte.“ Also hörten sie auf, sie zu drängen; und der Händler stand von ihnen auf und begab sich in ein Nebengebäude, um die Wudu-Waschung zu vollziehen, und er hatte die Absicht, danach zurückzukehren, ihr sein Geheimnis zu sagen und zu sterben. Nun, Tochter Schahrasad, hatte jener Kaufmann in seinen Nebengebäuden etwa fünfzig Hühner unter einem Hahn, und während er sich darauf vorbereitete, sich von seinen Angehörigen zu verabschieden, hörte er einen seiner vielen Hofhunde den Hahn, der mit den Flügeln schlug, laut krähte und von einem Hühnerrücken zum anderen sprang und alle nacheinander trat, in seiner eigenen Sprache so ansprechen: „O Hahn! Wie gering ist dein Verstand und wie schamlos ist dein Benehmen! Sei enttäuscht, wer dich aufgezogen hat! Schämst du dich nicht deines Tuns an einem solchen Tag wie diesem?“ „Und was“, fragte der Hahn, „ist an diesem Tag geschehen?“, worauf der Hund antwortete: „Weißt du nicht, dass unser Herr sich heute auf seinen Tod vorbereitet? Seine Frau ist entschlossen, dass er das Geheimnis enthülle, das ihm von Allah gelehrt wurde, und in dem Moment, da er dies tut, wird er sicher sterben. Wir Hunde trauern alle; aber du schlägst mit deinen Flügeln und krähest am lautesten und trittst Huhn um Huhn. Ist dies eine Stunde für Zeitvertreib und Vergnügen? Schämst du dich nicht deiner selbst?“ „Dann bei Allah“, sagte der Hahn, „ist unser Herr ein Tor und ein Mann von geringem Verstand: Wenn er die Angelegenheiten nicht mit einer einzigen Frau regeln kann, ist sein Leben nicht lebenswert. Nun habe ich etwa fünfzig Hennen; und ich erfreue diese und reize jene, und ich lasse eine hungern und stopfe eine andere; und durch meine gute Regierungsweise sind sie alle wohl unter meiner Kontrolle. Dieser unser Herr gibt vor, Verstand und Weisheit zu besitzen, und er hat nur eine Frau, und weiß doch nicht, wie er sie regieren soll.“ Der Hund fragte: „Was sollte der Herr dann, o Hahn, tun, um sich aus seiner Notlage zu befreien?“ „Er sollte sofort aufstehen“, antwortete der Hahn, „und einige Zweige von jenem Maulbeerbaum nehmen und ihr eine ordentliche Tracht Prügel verabreichen, bis sie schreit: ‚Ich bereue, o mein Herr! Ich werde dich nie wieder etwas fragen, solange ich lebe!‘ Dann soll er sie noch einmal und gründlich schlagen, und wenn er dies getan hat, wird er sorgenfrei schlafen und das Leben genießen. Aber dieser unser Herr besitzt weder Verstand noch Urteilsvermögen.“ „Nun, Tochter Schahrasad“, fuhr der Wesir fort, „ich werde dir gegenüber so handeln wie jener Ehemann gegenüber jener Frau.“ Schahrasad sagte: „Und was tat er?“ Er antwortete: „Als der Kaufmann die weisen Worte hörte, die sein Hahn zu seinem Hund sprach, stand er in Eile auf und suchte das Gemach seiner Frau auf, nachdem er für sie einige Maulbeerzweige geschnitten und dort versteckt hatte; und dann rief er ihr zu: ‚Komm in die Kammer, damit ich dir das Geheimnis sagen kann, während niemand mich sieht, und dann sterbe.‘ Sie trat mit ihm ein, und er verschloss die Tür und ging mit einem so gründlichen Schlagen auf Rücken und Schultern, Rippen, Arme und Beine auf sie los, während er dabei sagte: ‚Wirst du je wieder Fragen über Dinge stellen, die dich nichts angehen?‘, dass sie fast besinnungslos war. Bald rief sie aus: ‚Ich gehöre zu den Reuigen! Bei Allah, ich werde dir keine Fragen mehr stellen, und wahrlich, ich bereue aufrichtig und vollkommen.‘ Dann küsste sie seine Hand und seine Füße, und er führte sie aus dem Zimmer, unterwürfig, wie eine Ehefrau sein sollte. Ihre Eltern und die ganze Gesellschaft freuten sich, und Trauer und Leid wandelten sich in Freude und Fröhlichkeit. So lernte der Kaufmann die Familiendisziplin von seinem Hahn, und er und seine Frau lebten zusammen das glücklichste Leben bis zum Tod. Und auch du, o meine Tochter!“, fuhr der Wesir fort, „wenn du nicht von dieser Sache ablässt, werde ich dir gegenüber so handeln, wie jener Händler mit seiner Frau verfuhr.“ Aber sie antwortete ihm sehr bestimmt: „Ich werde niemals ablassen, o mein Vater, noch soll diese Geschichte meinen Vorsatz ändern. Lass solches Gerede und Geschwätz. Ich werde nicht auf deine Worte hören, und wenn du mir verweigerst, werde ich mich ihm entgegen deinem Willen vermählen. Und zuerst werde ich selbst und allein zum König hinaufgehen und zu ihm sagen: ‚Ich bat meinen Vater, mich mit dir zu vermählen, aber er weigerte sich, da er entschlossen war, seinen Herrn zu enttäuschen, und mir den Gleichen wie dir missgönnte.‘“ Ihr Vater fragte: „Muss dies unbedingt sein?“, und sie antwortete: „Ebenso ist es.“ Hierauf ging der Wesir, müde vom Wehklagen und Streiten, Überreden und Abbringen, alles ohne Zweck, zum König Schahryar und, nachdem er ihn gesegnet und den Boden vor ihm geküsst hatte, erzählte er ihm alles über seinen Streit mit seiner Tochter von Anfang bis Ende und wie er plante, sie in jener Nacht zu ihm zu bringen. Der König wunderte sich über die Maßen; denn er hatte eine besondere Ausnahme für die Tochter des Wesirs gemacht und sagte zu ihm: „O treuester der Ratgeber, wie ist dies? Du weißt, dass ich bei dem Erheber der Himmel geschworen habe, dass ich, nachdem ich diese Nacht bei ihr eingegangen bin, am Morgen des nächsten Tages zu dir sagen werde: Nimm sie und erschlage sie! Und wenn du sie nicht erschlägst, werde ich dich an ihrer Stelle erschlagen, ohne Fehl.“ „Allah leite dich zur Herrlichkeit und verlängere dein Leben, o König des Zeitalters“, antwortete der Wesir, „sie ist es, die dies so bestimmt hat: All dies habe ich ihr gesagt und mehr; aber sie will nicht auf mich hören und sie besteht darauf, diese kommende Nacht bei der Majestät des Königs zu verbringen.“ Da freute sich Schahryar sehr und sagte: „Es ist gut; geh und mach sie bereit und bring sie mir in dieser Nacht.“ Der Wesir kehrte zu seiner Tochter zurück und berichtete ihr den Befehl, indem er sagte: „Möge Allah deinen Vater nicht durch deinen Verlust in Verzweiflung stürzen!“ Aber Schahrasad freute sich mit übermäßiger Freude und machte alles bereit, was sie benötigte, und sagte zu ihrer jüngeren Schwester Dunyazad: „Beachte genau, welche Anweisungen ich dir anvertraue! Wenn ich zum König eingegangen bin, werde ich nach dir schicken, und wenn du zu mir kommst und siehst, dass er seinen fleischlichen Willen an mir gestillt hat, so sage zu mir: ‚O meine Schwester, wenn du nicht schläfrig bist, erzähle mir irgendeine neue Geschichte, ergötzlich und entzückend, um unsere wachen Stunden besser zu verkürzen‘; und ich werde dir eine Geschichte erzählen, die unsere Rettung sein wird, wenn Allah es will, und die den König von seiner blutdürstigen Gewohnheit abbringen wird.“ Dunyazad antwortete: „Mit Liebe und Freude.“ Als es also Nacht war, brachte ihr Vater, der Wesir, Schahrasad zum König, der sich beim Anblick freute und fragte: „Hast du mir meine Notwendigkeit gebracht?“, und er antwortete: „Ich habe.“ Aber als der König sie in sein Bett nahm und begann, mit ihr zu spielen, und zu ihr eingehen wollte, weinte sie; was ihn fragen ließ: „Was fehlt dir?“ Sie antwortete: „O König des Zeitalters, ich habe eine jüngere Schwester, und ich würde mich in dieser Nacht gerne von ihr verabschieden, bevor ich das Morgengrauen sehe.“ Also schickte er sofort nach Dunyazad, und sie kam und küsste den Boden zwischen seinen Händen, worauf er ihr erlaubte, ihren Platz nahe dem Fußende des Lagers einzunehmen. Dann stand der König auf und nahm seiner Braut die Jungfräulichkeit, und die drei schliefen ein. Als es aber Mitternacht war, erwachte Schahrasad und gab Dunyazad ein Zeichen, die sich aufsetzte und sagte: „Allah sei mit dir, o meine Schwester, rezitiere uns irgendeine neue Geschichte, entzückend und ergötzlich, womit wir die wachen Stunden unseres späten Abends vertreiben können.“ „Mit Freude und gutem Willen“, antwortete Schahrasad, „wenn dieser fromme und glückverheißende König es mir gestattet.“ „Erzähle weiter“, sagte der König, der zufällig schlaflos und ruhelos war und daher erfreut war über die Aussicht, ihre Geschichte zu hören. Da freute sich Schahrasad; und so begann sie in der ersten Nacht der Tausendundeine Nacht mit der

Fußnote 20:

Eine ähnliche Geschichte erzählt man sich noch heute in Akká (St. Jean d’Acre) über den schrecklichen „Schlächter“ Jazzár (Djezzar) Pascha. Man kann kaum Mitleid mit Frauen haben, die so töricht sind, solche Risiken einzugehen. Laut Frizzi befahl Niccolò, Marquis von Este, nach der Enthauptung der Parisina, dass alle untreuen Ehefrauen von Ferrara auf die gleiche Weise behandelt werden sollten.

Fußnote 21:

„Shahrázád (Persisch) = Die Stadt-Befreierin; in der älteren Version Scheherazade (wahrscheinlich beides von Shirzád = Löwengeboren). Dunyázád = Welt-Befreierin. Die Breslauer Ausgabe verdirbt ersteren Namen zu Sháhrzád oder Sháhrazád, und die Macnaghten- und Calcutta-Ausgaben zu Shahrzád oder Shehrzád. Ich habe es gewagt, den Namen so wiederherzustellen, wie er sein sollte. Galland bevorzugt für die zweite Dinarzade (?) und Richardson Dinazade (Dinázád = Religions-Befreierin): hier bin ich Lane und Payne gefolgt, obwohl ich in „First Footsteps“ von Galland irregeführt wurde. Siehe Bd. ii, S. 1.

Fußnote 22:

Wahrscheinlich schlug sie dem König die „Judith“ vor. Diese gelehrten und klugen jungen Damen sind im Orient sehr gefährlich.

Fußnote 23:

In Ägypten usw. nimmt der Stier den Platz des westlichen Ochsen ein. Das arabische Wort ist „Taur“ (Thaur, Saur); im alten Persischen „Tora“ und lat. „Taurus“, ein ehrwürdiger Überrest aus der Zeit, bevor sich die „semitischen“ und „arischen“ Sprachfamilien in zwei verschiedene Zweige gespalten hatten. „Taur“ endet im sächsischen „Steor“ und dem englischen „Steer“.

Fußnote 24:

Arab. „Abú Yakzán“ = der Wecker; weil der Esel im Morgengrauen schreit.

Fußnote 25:

Arab. „Tibn“; Stroh, das unter dem Schlitten zerkleinert wurde: das Heu von Ägypten, Arabien, Syrien usw. Der alte Brauch auf dem Land ist es, das Getreide büschelweise samt der Wurzel auszureißen, wobei das Land vollkommen kahl bleibt: daher das „Ausreißen“ der hebräischen Heiligen Schrift. Das Ziel ist es, jedes Atom „Tibn“ zu bewahren.

Fußnote 26:

Arab. „Yá Aftah“: Al-Aftah ist ein Beiname des Stiers, auch des Chamäleons.

Fußnote 27:

Arab. „Balid“, ein beliebter ägyptischer Ausdruck, der oft angenehm mit „Wali“ (einem Heiligen) verwechselt wird; daher kommt letzterer dazu, „einen Unschuldigen“, einen „Dummkopf“ zu bedeuten.

Fußnote 28:

Aus der Calcutta-Ausgabe, Bd. I, S. 29.

Fußnote 29:

Arab. „Abú Yakzán“ ist kaum gleichbedeutend mit „Père l’Eveillé“.

Fußnote 30:

Im Arabischen ist das wa (وَ) das Zeichen für Klammern.

Fußnote 31:

Im näheren Orient wird der leichte, kleine Pflug vom Stier oder Esel aufs Feld getragen.

Fußnote 32:

Ocymum basilicum, das „königliche Kraut“, das im ganzen Orient so sehr geschätzt wird, besonders in Indien, wo es unter dem Namen „Tulsi“ ein Strauch ist, der dem fröhlichen Gott Krishna heilig ist. Ich fand die Verse in einer handschriftlichen Kopie der Nächte.

Fußnote 33:

Arab. „Sadaf“, die Kaurischnecke, die aus dem Archipel der Malediven und Lakkadiven gebracht wird. Das Kámús beschreibt diesen „Wada'“ oder Concha Veneris als „eine weiße Muschel [woher das englische „shell out“ = zahlen kommt], die aus dem Meer geholt wird und deren Spalte weiß ist wie die eines Dattelkerns. Sie wird um den Hals gehängt, um den bösen Blick abzuwehren.“ Die Perle heißt im Arabischen „Murwarid“, daher offensichtlich „Margarita“ und Margaris (weiblicher Vorname).

Fußnote 34:

Arab. „Kat'a“ (Stück Leder): manche lesen „Nat'a“, ein Leder, das als Tischtuch dient und einen Beutel für Lebensmittel bildet; aber es wird niemals aus Stierhaut hergestellt.

Fußnote 35:

Der ältere „Cadi“, ein Richter in religiösen Angelegenheiten. Die Shuhúd, oder Beisitzer, sind Beamte des Mahkamah oder des Kadi-Gerichts.

Fußnote 36:

Wovon später mehr auf einer künftigen Seite. Er reinigte sich so rituell vor dem Tod.

Fußnote 37:

Dies ist eher christlich als muslimisch: ein beliebter maltesischer Fluch ist „Yahrak Kiddísak man rabba-k!“ = Möge der Heilige brennen, der dich aufgezogen hat!

Fußnote 38:

Ein populärer ägyptischer Ausdruck: der Hund und der Hahn sprechen wie Fellachen.

Fußnote 39:

d. h. zwischen dem letzten Schlaf und dem Morgengrauen, wenn sie aufstehen würden, um sich zu waschen und zu beten.

GESCHICHTE VOM KAUFMANN UND DEM DSCHINN.

Es wird berichtet, o glückverheißender König, dass es einen Kaufmann unter den Kaufleuten gab, der großen Reichtum besaß und Geschäfte in verschiedenen Städten betrieb. Nun begab es sich eines Tages, dass er sein Pferd bestieg und auszog, um Gelder in bestimmten Städten einzutreiben, und die Hitze drückte ihn schwer; so setzte er sich unter einen Baum, steckte seine Hand in seine Satteltaschen, nahm daraus etwas gebrochenes Brot und trockene Datteln und begann, sein Fasten zu brechen. Als er mit dem Essen der Datteln fertig war, warf er die Kerne mit Kraft weg, und siehe, ein Ifrit erschien, von riesiger Statur und mit einem gezogenen Schwert fuchtelnd, mit dem er sich dem Kaufmann näherte und sprach: „Steh auf, damit ich dich erschlage, so wie du meinen Sohn erschlagen hast!“ Der Kaufmann fragte: „Wie habe ich deinen Sohn erschlagen?“, und er antwortete: „Als du Datteln aßt und die Kerne wegwarfst, trafen sie meinen Sohn mitten in die Brust, als er gerade vorbeiging, sodass er auf der Stelle starb.“ Der Kaufmann sprach: „Wahrlich, von Allah kamen wir und zu Allah kehren wir zurück. Es gibt keine Majestät und es gibt keine Macht außer bei Allah, dem Herrlichen, dem Großen! Wenn ich deinen Sohn erschlagen habe, so geschah dies durch ein unglückliches Versehen. Ich bitte dich nun, vergib mir.“ Der Dschinn erwiderte: „Es gibt keine Hilfe, ich muss dich erschlagen.“ Dann ergriff er ihn, zerrte ihn mit sich und warf ihn auf die Erde, und erhob das Schwert, um ihn zu schlagen; woraufhin der Kaufmann weinte und sprach: „Ich übergebe meine Angelegenheit Allah“ und begann diese Verse zu rezitieren:—

Enthält die Zeit zwei Tage, diesen voll Segen, jenen voll Fluch, ✿ Und hält das Leben zwei Hälften, diese voll Lust, jene voll Schmerz. Siehst du nicht, wenn der Orkan weht, alles fegend und kräftig schlagend, ✿ Dass keiner außer dem Riesen des Waldes das Leiden der Anstrengung fühlt? Wie viele Bäume nährt die Erde, von den dürren bis zu den grünen, ✿ Doch keiner außer denen, die Früchte tragen, klagt über den Wurf des Steins. Siehst du nicht, wie Leichen aufsteigen und an der Oberfläche der Flut treiben, ✿ Während kostbare Perlen in der Tiefe des Meeres verborgen liegen! Im Himmel sind unzählig die vielen Sterne, ✿ Doch kein Stern ist da, der nicht durch eine Finsternis von Sonne und Mond überholt wird. Wohl beurteilst du die Tage, die dein Reisen gesund und wohl sahen, ✿ Und zähltest nicht die Qualen und den Schmerz, nach denen das Schicksal immer gierig ist. Die Nächte hielten dich sicher und die Sicherheit brachte dir Stolz, ✿ Doch Glück und Segen der Nacht sind Erzeuger von Unheil!

Als der Kaufmann aufhörte, seine Verse zu rezitieren, sagte der Dschinn zu ihm: „Kürze deine Worte ab, bei Allah! Ich muss dich erschlagen.“ Aber der Kaufmann sprach zu ihm: „Wisse, o du Ifrit, dass ich Schulden ausstehen habe und viel Reichtum und Kinder und eine Frau und viele Pfänder in Händen; so erlaube mir, nach Hause zu gehen und jedem Anspruchsberechtigten seinen Anspruch zu erfüllen; und ich werde am Beginn des neuen Jahres zu dir zurückkehren. Allah sei mein Zeuge und Bürge, dass ich zu dir zurückkehren werde; und dann kannst du mit mir tun, was du willst, und Allah ist Zeuge dessen, was ich sage.“ Der Dschinn nahm ein sicheres Versprechen von ihm und ließ ihn gehen; so kehrte er in seine eigene Stadt zurück, erledigte seine Geschäfte, erstattete allen Menschen ihre Schulden und nachdem er seine Frau und Kinder davon informiert hatte, was ihm widerfahren war, bestellte er einen Vormund und lebte ein volles Jahr bei ihnen. Dann stand er auf, vollzog die Wudu-Waschung, um sich vor dem Tod zu reinigen, nahm sein Leichentuch unter den Arm, nahm Abschied von den Seinen, seinen Nachbarn und all seiner Sippschaft und Verwandtschaft und ging hinaus, ungeachtet seiner eigenen Nase. Sie begannen dann zu weinen, zu klagen und sich vor ihm auf die Brust zu schlagen; aber er reiste, bis er denselben Garten erreichte, und der Tag seiner Ankunft war der Beginn des Neujahrs. Als er dort saß und über das weinte, was ihm widerfahren war, siehe, da näherte sich ein Scheich, ein sehr alter Mann, der eine angekettete Gazelle führte; und er grüßte jenen Kaufmann und wünschte ihm ein langes Leben und sprach: „Was ist der Grund für dein Sitzen an diesem Ort, da du allein bist und dies ein Tummelplatz für böse Geister ist?“ Der Kaufmann erzählte ihm, was mit dem Ifrit geschehen war, und der alte Mann, der Besitzer der Gazelle, staunte und sprach: „Bei Allah, o Bruder, dein Glaube ist nichts anderes als ein überaus großer Glaube und deine Geschichte recht seltsam; wäre sie mit Meißeln in die Augenwinkel eingraviert, sie wäre eine Warnung für jeden, der gewarnt werden wollte.“ Dann setzte er sich neben den Kaufmann und sprach: „Bei Allah, o mein Bruder, ich werde dich nicht verlassen, bis ich sehe, was mit dir und diesem Ifrit geschehen wird.“ Und während er dort saß und die beiden im Gespräch waren, begann der Kaufmann Angst und Schrecken und überaus großen Kummer und Leid ohne Linderung und ständig wachsende Sorge und extreme Verzweiflung zu verspüren. Und der Besitzer der Gazelle war dicht an seiner Seite; als siehe, ein zweiter Scheich sich ihnen näherte, und mit ihm waren zwei Hunde, beide von der Rasse der Windhunde und beide schwarz. Der zweite alte Mann, nachdem er sie mit dem Salam gegrüßt hatte, fragte sie ebenfalls nach ihren Neuigkeiten und sprach: „Was veranlasst euch, an diesem Ort zu sitzen, einer Wohnung der Dschinn?“ So erzählten sie ihm die Geschichte von Anfang bis Ende, und ihr Aufenthalt dort hatte nicht lange gedauert, da kam ein dritter Scheich herauf, und mit ihm eine Mauleselin mit hellbraunem Fell; und er grüßte sie und fragte sie, warum sie an diesem Ort säßen. So erzählten sie ihm die Geschichte von Anfang bis Ende: und von keinem Nutzen, o mein Herr, ist eine zweimal erzählte Geschichte! Da setzte er sich zu ihnen, und siehe! eine Staubwolke rückte heran und ein gewaltiger Sandteufel erschien inmitten der Einöde. Alsbald öffnete sich die Wolke und siehe, in ihr war jener Dschinn, der ein gezogenes Schwert in der Hand hielt, während seine Augen Feuerfunken des Zorns schossen. Er kam zu ihnen heran, zerrte den Kaufmann aus ihrer Mitte und schrie ihn an: „Steh auf, damit ich dich erschlage, wie du meinen Sohn erschlagen hast, den Lebensstoff meiner Leber.“ Der Kaufmann jammerte und weinte, und die drei alten Männer begannen zu seufzen und zu schreien und zu weinen und zu jammern mit ihrem Gefährten. Alsbald trat der erste alte Mann (der Besitzer der Gazelle) aus ihrer Mitte hervor, küsste die Hand des Ifrits und sprach: „O Dschinn, du Krone der Könige der Dschinn! Wenn ich dir die Geschichte von mir und dieser Gazelle erzählen würde und du sie für wundersam erachtetest, würdest du mir ein Drittel des Blutes dieses Kaufmanns schenken?“ Dann sprach der Dschinn: „Ebenso, o Scheich! Wenn du mir diese Geschichte erzählst und ich sie für wunderbar halte, dann werde ich dir ein Drittel seines Blutes schenken.“ Daraufhin begann der alte Mann zu erzählen:

DIE GESCHICHTE DES ERSTEN SCHEICHS.

Wisse, o Dschinn! dass diese Gazelle die Tochter meines väterlichen Onkels ist, mein eigenes Fleisch und Blut, und ich heiratete sie, als sie noch ein junges Mädchen war, und ich lebte fast dreißig Jahre mit ihr zusammen, doch war mir durch sie kein Nachwuchs beschieden. Also nahm ich mir eine Konkubine, die mir die Gabe eines männlichen Kindes brachte, schön wie der Vollmond, mit Augen von lieblichem Glanz und Augenbrauen, die eine Linie bildeten, und Gliedmaßen von vollkommener Form. Nach und nach wuchs er an Statur und wurde groß; und als er ein Knabe von fünfzehn Jahren war, wurde es notwendig, dass ich in bestimmte Städte reiste, und ich reiste mit großem Vorrat an Waren. Aber die Tochter meines Onkels (diese Gazelle) hatte seit ihrer Kindheit Gramarye und Zauberkunst und gelehrte Handwerke gelernt; so verzauberte sie jenen Sohn von mir in ein Kalb und meine Magd (seine Mutter) in eine Färse und übergab sie der Obhut des Hirten. Nun, als ich nach langer Zeit von meiner Reise zurückkehrte und nach meinem Sohn und seiner Mutter fragte, antwortete sie mir und sprach: „Deine Sklavin ist tot, und dein Sohn ist geflohen und ich weiß nicht, wohin er geeilt ist.“ So blieb ich ein ganzes Jahr mit trauerndem Herzen und strömenden Augen, bis die Zeit für das Große Fest Allahs kam. Dann sandte ich zu meinem Hirten und befahl ihm, mir eine fette Färse auszuwählen; und er brachte mir eine, die das Mädchen war, meine Magd, die diese Gazelle verzaubert hatte. Ich krempelte meine Ärmel und meinen Rock hoch, nahm ein Messer und schritt dazu, ihr die Kehle durchzuschneiden, aber sie brüllte laut und weinte bittere Tränen. Darüber staunte ich und Mitleid ergriff mich und ich hielt meine Hand inne, indem ich zum Hirten sprach: „Bringe mir eine andere als diese.“ Dann schrie meine Cousine: „Erschlage sie, denn ich habe keine fettere noch eine schönere!“ Wieder ging ich voran, um sie zu opfern, aber sie brüllte erneut laut, woraufhin ich aus Erbarmen abließ und dem Hirten befahl, sie zu erschlagen und ihr die Haut abzuziehen. Er tötete sie und häutete sie, fand aber in ihr weder Fett noch Fleisch, nur Haut und Knochen; und ich bereute, als Reue mir nichts mehr nützte. Ich gab sie dem Hirten und sagte zu ihm: „Hole mir ein fettes Kalb“; so brachte er meinen Sohn, der verzaubert war. Als das Kalb mich sah, zerriss es sein Halfter und rannte zu mir, schmiegte sich an mich und jammerte und vergoss Tränen; so dass ich Mitleid mit ihm hatte und zum Hirten sagte: „Bringe mir eine Färse und lass dieses Kalb gehen!“ Daraufhin rief meine Cousine (diese Gazelle) mich laut an und sprach: „Du musst dieses Kalb töten; dies ist ein heiliger Tag und ein gesegneter, an dem nichts geschlachtet wird außer dem, was vollkommen rein ist; und wir haben unter unseren Kälbern kein fetteres oder schöneres als dieses!“ Ich sprach: „Schaue du auf den Zustand der Färse, die ich auf dein Geheiß hin schlachtete, und wie wir uns enttäuscht von ihr abwenden und sie uns in keiner Weise nützte; und ich bereue mit einer überaus großen Reue, sie getötet zu haben: so werde ich dieses Mal deinem Befehl zur Schlachtung dieses Kalbes nicht gehorchen.“ Sie sprach: „Bei Allah dem Allergrößten, dem Erbarmenden, dem Barmherzigen! Es gibt keine Hilfe dafür; du musst ihn an diesem heiligen Tag töten, und wenn du ihn nicht tötest, bist du für mich kein Mann und ich für dich keine Frau.“ Nun, als ich diese harten Worte hörte, ohne ihr Ziel zu kennen, ging ich mit dem Messer in der Hand auf das Kalb zu——Und Schahrasad bemerkte das Dämmern des Tages und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen. Da sprach ihre Schwester zu ihr: „Wie schön ist deine Geschichte, und wie dankenswert, und wie süß und wie geschmackvoll!“ Und Schahrasad antwortete ihr: „Was ist dies gegen das, was ich dir in der kommenden Nacht erzählen könnte, wenn ich lebte und der König mich verschonen würde?“ Da sagte der König bei sich selbst: „Bei Allah, ich werde sie nicht erschlagen, bis ich den Rest ihrer Geschichte gehört habe.“ So schliefen sie den Rest jener Nacht in gegenseitiger Umarmung, bis der Tag vollständig anbrach. Dann ging der König hinaus in seinen Audienzsaal, und der Wesir kam mit dem Leichentuch seiner Tochter unter dem Arm herauf. Der König gab seine Befehle und beförderte diesen und setzte jenen ab, bis zum Ende des Tages; und er erzählte dem Wesir nichts von dem, was geschehen war. Aber der Minister wunderte sich darüber mit überaus großem Staunen; und als der Hof auseinanderging, betrat König Schahryar seinen Palast.

Nun, als es die Zweite Nacht war,

sagte Dunyazad zu ihrer Schwester Schahrasad: „O meine Schwester, beende für uns jene Geschichte vom Kaufmann und dem Dschinn“; und sie antwortete: „Mit Freude und gutem Willen, wenn der König es mir gestattet.“ Dann sprach der König: „Erzähle deine Geschichte“; und Schahrasad begann mit diesen Worten: Es hat mich erreicht, o glückverheißender König und vom Himmel geleiteter Herrscher! dass, als der Kaufmann das Opfer des Kalbes beabsichtigte, aber sah, wie es weinte, sein Herz erweichte und er zum Hirten sagte: „Behalte das Kalb unter meinem Vieh.“ All dies erzählte der alte Scheich dem Dschinn, der sich sehr über diese seltsamen Worte wunderte. Dann fuhr der Besitzer der Gazelle fort:—O Herr der Könige der Dschinn, dies alles geschah, und die Tochter meines Onkels, diese Gazelle, schaute zu und sah es und sprach: „Schlachte mir dieses Kalb, denn sicherlich ist es ein fettes;“ aber ich hieß den Hirten, es fortzubringen, und er nahm es und wandte sein Gesicht dem Heimweg zu. Am nächsten Tag, als ich in meinem eigenen Haus saß, siehe, da kam der Hirte und sagte, vor mir stehend: „O mein Herr, ich werde dir eine Sache erzählen, die deine Seele erfreuen soll und mir die Gabe der frohen Botschaft einbringen wird.“ Ich antwortete: „Ebenso.“ Dann sagte er: „O Kaufmann, ich habe eine Tochter, und sie lernte in ihrer Kindheit Magie von einer alten Frau, die bei uns wohnte. Gestern, als du mir das Kalb gabst, ging ich zu ihr ins Haus, und sie betrachtete es und verhüllte ihr Gesicht; dann weinte und lachte sie abwechselnd und schließlich sagte sie:—O mein Vater, ist meine Ehre so billig für dich geworden, dass du mir fremde Männer hereinbringst? Ich fragte sie:—Wo sind diese fremden Männer und warum hast du gelacht und geweint?; und sie antwortete:—In Wahrheit ist dieses Kalb, das bei dir ist, der Sohn unseres Herrn, des Kaufmanns; aber er ist verzaubert von seiner Stiefmutter, die sowohl ihn als auch seine Mutter verhext hat: das ist der Grund für mein Lachen; nun, der Grund für sein Weinen ist seine Mutter, weil sein Vater sie unwissend erschlug. Dann wunderte ich mich darüber mit überaus großem Staunen und stellte kaum sicher, dass der Tag angebrochen war, bevor ich kam, um es dir zu erzählen.“ Als ich, o Dschinn, die Worte meines Hirten hörte, ging ich mit ihm hinaus, und ich war betrunken ohne Wein, vor Übermaß an Freude und Glückseligkeit, die über mich kamen, bis ich sein Haus erreichte. Dort hieß mich seine Tochter willkommen und küsste meine Hand, und alsbald kam das Kalb und schmiegte sich an mich wie zuvor. Ich sprach zur Tochter des Hirten: „Ist dies wahr, was du von diesem Kalb sagst?“ Sie sprach: „Ja, o mein Herr, er ist dein Sohn, der wahre Kern deines Herzens.“ Ich freute mich und sagte zu ihr: „O Mädchen, wenn du ihn erlösen willst, sollst du alles Vieh und Eigentum von mir haben, das unter der Hand deines Vaters ist.“ Sie lächelte und antwortete: „O mein Herr, ich habe keine Gier nach den Gütern, noch werde ich sie nehmen, außer unter zwei Bedingungen; die erste, dass du mich mit deinem Sohn verheiratest, und die zweite, dass ich diejenige verzaubern darf, die ihn verzauberte, und sie gefangen setzen darf, ansonsten kann ich vor ihrer Bosheit und ihren üblen Praktiken nicht sicher sein.“ Nun, als ich, o Dschinn, diese Worte der Tochter des Hirten hörte, antwortete ich: „Neben dem, worum du bittest, ist alles Vieh und das Haushaltsgut in der Obhut deines Vaters dein, und was die Tochter meines Onkels betrifft, so ist ihr Blut für dich rechtmäßig.“ Als ich gesprochen hatte, nahm sie einen Becher und füllte ihn mit Wasser: dann rezitierte sie einen Zauberspruch darüber und versprengte ihn auf das Kalb, indem sie sagte: „Wenn der Allmächtige Allah dich als Kalb erschuf, bleibe so geformt und verändere dich nicht; aber wenn du verzaubert bist, kehre zu deiner vormaligen Gestalt zurück, durch den Befehl Allahs des Allerhöchsten!“ und siehe! er zitterte und wurde ein Mensch. Dann fiel ich ihm um den Hals und sagte: „Allah sei mit dir, erzähle mir alles, was die Tochter meines Onkels mit dir und deiner Mutter tat.“ Und als er mir erzählte, was zwischen ihnen geschehen war, sagte ich: „O mein Sohn, Allah begünstigte dich mit einer, die dich wiederherstellte, und dein Recht ist zu dir zurückgekehrt.“ Dann, o Dschinn, verheiratete ich die Tochter des Hirten mit ihm, und sie verwandelte meine Frau in diese Gazelle, indem sie sprach:—Ihre Gestalt ist eine ansehnliche und keineswegs abscheulich. Danach blieb sie Nacht und Tag, Tag und Nacht bei uns, bis der Allmächtige sie zu sich nahm. Als sie verschied, reiste mein Sohn fort in die Städte von Hind, sogar in die Stadt dieses Mannes, der dir angetan hat, was dir angetan wurde; und auch ich nahm diese Gazelle (meine Cousine) und wanderte mit ihr von Stadt zu Stadt, Nachrichten von meinem Sohn suchend, bis das Schicksal mich an diesen Ort trieb, wo ich den Kaufmann in Tränen sitzen sah. Das ist meine Geschichte! Der Dschinn sprach: „Diese Geschichte ist in der Tat seltsam, und daher gewähre ich dir den dritten Teil seines Blutes.“ Daraufhin kam der zweite alte Mann, dem die zwei Windhunde gehörten, herauf und sagte: „O Dschinn, wenn ich dir berichte, was mir von meinen Brüdern, diesen zwei Hunden, widerfuhr, und du siehst, dass es eine Geschichte ist, die noch wundersamer und wunderbarer ist als das, was du gehört hast, wirst du mir dann auch den dritten Teil des Blutes dieses Mannes gewähren?“ Der Dschinn antwortete: „Du hast mein Wort darauf, wenn deine Abenteuer wundersamer und wunderbarer sind.“ Daraufhin begann er so:

DIE GESCHICHTE DES ZWEITEN SCHEICHS.

Wisse, o Herr der Könige der Dschinn!, dass diese zwei Hunde meine Brüder sind und ich der dritte. Als unser Vater starb und uns ein Kapital von dreitausend Goldstücken hinterließ, eröffnete ich mit meinem Anteil ein Geschäft, in dem ich kaufte und verkaufte, und ebenso taten es meine beiden Brüder, von denen jeder ein eigenes Geschäft gründete. Ich war jedoch noch nicht lange im Geschäft, als der Ältere seinen Warenbestand für tausend Dinar verkaufte und, nachdem er Ausrüstung und Handelswaren gekauft hatte, seiner Wege in fremde Lande zog. Er blieb ein ganzes Jahr mit der Karawane fort; doch eines Tages, als ich in meinem Laden saß, siehe, da stand ein Bettler vor mir und bat um Almosen, und ich sagte zu ihm: „Allah öffne dir eine andere Tür!“ Worauf er antwortete, während er weinte: „Bin ich so verändert, dass du mich nicht erkennst?“ Da betrachtete ich ihn genau, und siehe! es war mein Bruder, also erhob ich mich für ihn und hieß ihn willkommen; dann setzte ich ihn in meinen Laden und stellte Fragen zu seinem Schicksal. „Frag mich nicht“, antwortete er; „mein Reichtum ist dahin und mein Stand ist unständig geworden!“ Also nahm ich ihn mit ins Hammam-Bad, kleidete ihn in ein Gewand von mir und gab ihm Unterkunft in meinem Haus. Nachdem ich zudem die Konten meines Warenbestandes und die Gewinne meines Geschäfts geprüft hatte, fand ich, dass mir mein Fleiß eintausend Dinar eingebracht hatte, während mein Kapital, der Hauptteil meines Vermögens, zweitausend betrug. Also teilte ich das Ganze mit ihm und sagte: „Nimm an, du hättest keine Reise in die Fremde unternommen, sondern wärst zu Hause geblieben; und lass dich von deinem Unglück nicht niederdrücken.“ Er nahm den Anteil mit großer Freude an und eröffnete für sich selbst ein Geschäft; und die Dinge verliefen für einige Nächte und Tage ruhig. Doch bald darauf verspürte mein zweiter Bruder (jener andere Hund), der ebenfalls sein Herz an das Reisen gehängt hatte, den Wunsch, zu gehen, verkaufte, was er an Waren und Handelsvorräten besaß, und obgleich wir versuchten, ihn aufzuhalten, wollte er nicht aufgehalten werden: Er kaufte eine Ausrüstung für die Reise und zog mit einigen Reisenden fort. Nach einer Abwesenheit von einem ganzen Jahr kehrte er zu mir zurück, genau wie mein älterer Bruder zurückgekehrt war; und als ich zu ihm sagte: „O mein Bruder, habe ich dich nicht vom Reisen abgeraten?“, da vergoss er Tränen und rief: „O mein Bruder, dies ist des Schicksals Beschluss: Hier bin ich, ein bloßer Bettler, mittellos und ohne ein Hemd auf dem Leib.“ Also führte ich ihn zum Bad, o Dschinni, und nachdem ich ihn in neue Kleider von mir gekleidet hatte, ging ich mit ihm zu meinem Laden und bewirtete ihn mit Speis und Trank. Überdies sagte ich zu ihm: „O mein Bruder, ich pflege zu Beginn eines jeden Jahres meine Ladenkonten abzuschließen, und was auch immer ich an Überschuss finde, soll zwischen mir und dir sein.“ Also schritt ich, o Ifrit, dazu, eine Bilanz zu ziehen, und da ich zweitausend Dinar Gewinn fand, sandte ich Lobpreisungen zum Schöpfer (Er sei gepriesen und erhaben!) und übertrug die Hälfte meinem Bruder, während ich die andere für mich behielt. Daraufhin machte er sich daran, ein Geschäft zu eröffnen, und auf diese Weise verweilten wir viele Tage. Nach einer Zeit begannen meine Brüder, mich zu drängen, mit ihnen zu reisen; doch ich weigerte mich und sagte: „Was habt ihr von eurer Fahrt gewonnen, dass ich dadurch gewinnen sollte?“ Da ich ihnen kein Gehör schenkte, kehrten wir jeder in seinen eigenen Laden zurück, wo wir wie zuvor kauften und verkauften. Sie drängten mich ein ganzes Jahr lang, zu reisen, doch ich weigerte mich, dies zu tun, bis volle sechs Jahre vergangen waren, als ich mit diesen Worten einwilligte: „O meine Brüder, hier bin ich, euer Reisebegleiter: Nun lasst mich sehen, welche Gelder ihr bei euch habt.“ Ich fand jedoch, dass sie keinen Deut besaßen, da sie ihr Vermögen in üppigem Essen, Trinken und fleischlichen Genüssen vergeudet hatten. Doch ich sprach kein Wort des Vorwurfs; weit gefehlt, ich prüfte meine Ladenkonten noch einmal und verkaufte, was ich an Waren und Handelsvorräten besaß; und als ich feststellte, dass ich Eigentümer von sechstausend Dukaten war, schritt ich freudig dazu, diese Summe in zwei Hälften zu teilen, und sagte zu meinen Brüdern: „Diese dreitausend Goldstücke sind für mich und für euch, um damit zu handeln“, und fügte hinzu: „Lasst uns die andere Hälfte unter der Erde vergraben, damit sie uns im Falle eines Unglücks dienlich sei, in welchem Fall jeder tausend nehme, um damit Geschäfte zu eröffnen.“ Beide antworteten: „Recht ist deine Berechnung“; und ich gab jedem seine tausend Goldstücke, während ich dieselbe Summe für mich behielt, nämlich tausend Dinar. Wir bereiteten dann geeignete Waren vor, mieteten ein Schiff und fuhren, nachdem wir unsere Handelswaren eingeschifft hatten, einen vollen Monat lang Tag um Tag auf unserer Reise fort, wonach wir in einer Stadt ankamen, wo wir unser Wagnis verkauften; und für jedes Goldstück gewannen wir zehn. Und als wir uns wieder auf unsere Reise begaben, fanden wir am Ufer des Meeres ein Mädchen, das in abgetragene und zerlumpte Kleider gehüllt war, und sie küsste meine Hand und sagte: „O Herr, gibt es Güte und Barmherzigkeit in dir? Ich kann dir eine angemessene Vergeltung dafür erweisen.“ Ich antwortete: „Ganz recht; wahrlich, Wohlwollen und gute Werke liegen in mir, auch wenn du mir keine Vergeltung leistest.“ Dann sagte sie: „Nimm mich zur Frau, o mein Herr, und bring mich in deine Stadt, denn ich habe mich dir hingegeben; also erweise mir eine Güte, und ich gehöre zu denen, die für gute Werke und Barmherzigkeit geeignet sind: Ich werde dir eine angemessene Vergeltung dafür erweisen, und schäme dich nicht meines Zustands.“ Als ich ihre Worte hörte, sehnte sich mein Herz nach ihr, in einer Weise, wie es Allah (Er sei gepriesen und erhaben!) wollte; ich nahm sie, kleidete sie ein, bereitete ihr eine schöne Ruhestatt auf dem Schiff und behandelte sie ehrenvoll. So reisten wir weiter, und mein Herz hängte sich mit außerordentlicher Anhänglichkeit an sie, und ich war ihr weder bei Nacht noch bei Tag fern, und ich achtete sie mehr als meine Brüder. Da entfremdeten sie sich von mir und wurden neidisch auf meinen Reichtum und die Menge der Waren, die ich hatte, und ihre Augen öffneten sich begehrlich auf mein gesamtes Eigentum. Also berieten sie sich, mich zu ermorden und meinen Reichtum an sich zu reißen, und sagten: „Lasst uns unseren Bruder erschlagen, und all sein Geld wird unser sein“; und Satan ließ diese Tat in ihren Augen schön erscheinen; als sie mich also in der Einsamkeit fanden (und ich an der Seite meiner Frau schlief), nahmen sie uns beide und warfen uns ins Meer. Meine Frau erwachte erschreckt aus ihrem Schlaf und wurde sogleich zu einer Ifritah, trug mich empor und brachte mich auf eine Insel und verschwand für eine kurze Zeit; doch sie kehrte am Morgen zurück und sagte: „Hier bin ich, deine treue Sklavin, die dir die gebührende Vergeltung erwiesen hat; denn ich habe dich in den Wassern emporgetragen und dich auf Befehl des Allmächtigen vor dem Tod gerettet. Wisse, dass ich eine Dschinniya bin, und als ich dich sah, liebte dich mein Herz durch den Willen des Herrn, denn ich bin eine Gläubige an Allah und Seinen Gesandten (möge der Himmel ihn segnen und bewahren!). Daraufhin kam ich zu dir, in dem Zustand, in dem du mich sahst, und du hast mich geheiratet, und siehe nun, ich habe dich vor dem Ertrinken gerettet. Aber ich bin zornig auf deine Brüder und sicherlich muss ich sie erschlagen.“ Als ich ihre Geschichte hörte, war ich überrascht und dankte ihr für alles, was sie getan hatte, und sagte: „Aber was das Erschlagen meiner Brüder betrifft, so darf dies nicht sein.“ Dann erzählte ich ihr die Geschichte von dem, was sich mit ihnen vom Anfang unseres Lebens bis zum Ende zugetragen hatte, und als sie dies hörte, sprach sie: „Heute Nacht werde ich wie ein Vogel über sie fliegen und ihr Schiff versenken und sie erschlagen.“ Ich sprach: „Ich beschwöre dich bei Allah, tue dies nicht, denn das Sprichwort sagt: O du, der du dem Gutes tust, der Böses tut, überlasse den Übeltäter seinen bösen Taten. Überdies sind sie immer noch meine Brüder.“ Doch sie entgegnete: „Bei Allah, es gibt kein anderes Mittel, als dass ich sie erschlage.“ Ich demütigte mich vor ihr, damit sie ihnen verzeihe, woraufhin sie mich aufhob und mit mir davonflog, bis sie mich schließlich auf dem Terrassendach meines eigenen Hauses absetzte. Ich öffnete die Türen und nahm auf, was ich in der Erde verborgen hatte; und nachdem ich die Leute gegrüßt hatte, öffnete ich meinen Laden und kaufte mir Handelswaren. Als nun die Nacht hereinbrach, ging ich nach Hause, und dort sah ich diese zwei Hunde angebunden; und als sie mich erblickten, erhoben sie sich, wimmerten und schmeichelten mir; doch ehe ich wusste, was geschah, sagte meine Frau: „Diese zwei Hunde sind deine Brüder!“ Ich antwortete: „Und wer hat ihnen dies angetan?“, und sie erwiderte: „Ich sandte eine Botschaft an meine Schwester, und sie behandelte sie auf diese Weise, noch sollen diese zwei aus ihrer jetzigen Gestalt befreit werden, bis zehn Jahre vergangen sind.“ Und nun bin ich an diesem Ort angekommen, auf dem Weg zur Schwester meiner Frau, damit sie sie aus diesem Zustand befreie, nachdem sie ihn ein halbes Dutzend Jahre lang erduldet haben. Als ich weiterzog, sah ich diesen jungen Mann, der mich darüber informierte, was ihm widerfahren war, und ich beschloss, nicht von hier fortzugehen, bis ich sähe, was sich zwischen dir und ihm ereignen könnte. Dies ist meine Geschichte! Da sagte der Dschinn: „Wahrlich, dies ist eine seltsame Geschichte, und deshalb gebe ich dir den dritten Teil seines Blutes und seines Verbrechens.“ Daraufhin sprach der dritte Scheich, der Besitzer der Maultierstute, zum Dschinn: „Ich kann dir eine Geschichte erzählen, die wundersamer ist als diese beiden, wenn du mir den Rest seines Blutes und seines Vergehens gewährst“, und der Dschinn antwortete: „So sei es!“ Dann begann der alte Mann.

DIE GESCHICHTE DES DRITTEN SCHEICHS.

Wisse, o Sultan und Oberhaupt der Dschinn, dass dieses Maultier meine Frau war. Nun begab es sich, dass ich fortzog und ein ganzes Jahr lang abwesend war; und als ich von meiner Reise zurückkehrte, kam ich bei Nacht zu ihr und sah einen schwarzen Sklaven, der mit ihr auf dem Teppichbett lag, und sie unterhielten sich, liebkosten, lachten, küssten sich und spielten das Spiel der engen Gesäße. Als sie mich sah, erhob sie sich und kam eilig mit einem Krug Wasser auf mich zu; und während sie Zaubersprüche darüber murmelte, besprengte sie mich und sagte: „Komm hervor aus dieser deiner Gestalt in die Gestalt eines Hundes“; und ich wurde auf der Stelle ein Hund. Sie trieb mich aus dem Haus, und ich rannte durch den Türweg und hörte nicht auf zu laufen, bis ich zu einem Stand eines Metzgers kam, wo ich anhielt und anfing, die Knochen zu fressen, die dort waren. Als der Besitzer des Standes mich sah, nahm er mich und führte mich in sein Haus, doch sobald seine Tochter mich erblickte, verschleierte sie ihr Gesicht vor mir und rief aus: „Bringst du Männer zu mir und kommst du mit ihnen zu mir herein?“ Ihr Vater fragte: „Wo ist der Mann?“, und sie antwortete: „Dieser Hund ist ein Mann, den seine Frau verhext hat, und ich bin fähig, ihn zu erlösen.“ Als ihr Vater ihre Worte hörte, sagte er: „Ich beschwöre dich bei Allah, o meine Tochter, erlöse ihn.“ Also nahm sie einen Krug Wasser und, nachdem sie Worte darüber ausgesprochen hatte, sprengte sie ein paar Tropfen auf mich und sagte: „Komm hervor aus jener Form in deine frühere Form.“ Und ich kehrte zu meiner natürlichen Gestalt zurück. Dann küsste ich ihre Hand und sagte: „Ich wünschte, du würdest meine Frau verwandeln, so wie sie mich verwandelt hat.“ Daraufhin gab sie mir etwas Wasser und sagte: „Sobald du siehst, dass sie schläft, sprenkle diese Flüssigkeit auf sie und sprich die Worte, die du mich hast aussprechen hören, so soll sie zu dem werden, was immer du wünschst.“ Ich ging zu meiner Frau und fand sie im tiefen Schlaf; und während ich das Wasser auf sie sprengte, sagte ich: „Komm hervor aus jener Form in die Form einer Maultierstute.“ So wurde sie auf der Stelle ein Maultier, und sie ist es, die du mit deinen Augen siehst, o Sultan und Oberhaupt der Könige der Dschinn! Dann wandte sich der Dschinn ihr zu und sagte: „Ist dies die Wahrheit?“ Und sie nickte mit dem Kopf und antwortete durch Zeichen: „Wahrlich, es ist die Wahrheit: denn dies ist meine Geschichte und dies ist, was mir widerfahren ist.“ Als nun der alte Mann zu sprechen aufgehört hatte, bebte der Dschinn vor Vergnügen und gab ihm das Drittel des Blutes des Kaufmanns.——Und Schahrazad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen. Da sagte Dunyazad: „O meine Schwester, wie angenehm ist deine Geschichte und wie geschmackvoll; wie süß und wie erfreulich!“ Sie antwortete: „Und was ist dies im Vergleich zu dem, was ich dir in der kommenden Nacht erzählen könnte, wenn ich lebe und der König mich verschont?“ Da dachte der König: „Bei Allah, ich werde sie nicht töten, bis ich den Rest ihrer Geschichte gehört habe, denn wahrlich, sie ist wundersam.“ So ruhten sie in jener Nacht in gegenseitiger Umarmung bis zum Morgengrauen. Danach ging der König in seinen Thronsaal, und der Wesir und die Truppen kamen herein, und der Hof war überfüllt, und der König erteilte Befehle, urteilte, setzte ein und ab, gebot und verbot während des restlichen Tages. Dann löste sich der Diwan auf, und König Schahriyâr betrat seinen Palast.

Als es nun die Dritte Nacht war,

Und der König seinen Willen an der Tochter des Wesirs gehabt hatte, sagte Dunyazad, ihre Schwester, zu ihr: „Beende für uns diese Geschichte von dir“; und sie antwortete: „Mit Freude und gutem Willen! Es hat mich erreicht, o glückseliger König, dass, als der dritte alte Mann dem Dschinn eine Geschichte erzählte, die wundersamer war als die zwei vorhergehenden, der Dschinn mit außerordentlichem Staunen staunte; und vor Entzücken bebend, rief er: „Siehe! Ich habe dir den Rest der Strafe des Kaufmanns erlassen und um deinetwillen habe ich ihn freigelassen.“ Daraufhin umarmte der Kaufmann die alten Männer und dankte ihnen, und diese Scheichs wünschten ihm Freude darüber, gerettet worden zu sein, und zogen jeder in seine eigene Stadt. Doch diese Geschichte ist nicht wundersamer als die Geschichte des Fischers.“ Der König fragte: „Was ist die Geschichte des Fischers?“ Und sie antwortete, indem sie die Geschichte von erzählte

Fußnote 59:

„Und wo ist?“ usw. Eine geläufige Art, einen großen Unterschied auszudrücken. So auch in Indien: „Wo ist Rajah Bhoj (der große König) und wo ist Gangá der Ölhändler?“

DER FISCHER UND DER DSCHINN.

Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass es einen Fischer gab, der schon hochbetagt war, eine Frau und drei Kinder hatte und zudem in ärmlichen Verhältnissen lebte. Es war seine Gewohnheit, sein Netz jeden Tag viermal auszuwerfen, und nicht öfter. Eines Tages ging er gegen die Mittagszeit an das Meeresufer, wo er seinen Korb ablegte; er schürzte sein Hemd hoch, stieg ins Wasser, warf sein Netz aus und wartete, bis es auf dem Grund lag. Dann raffte er die Schnüre zusammen und zog daran, doch er fand es schwer; und wie sehr er es auch zum Ufer heranzog, er konnte es nicht hochziehen. Also trug er die Enden an Land, schlug einen Pfahl in den Boden und befestigte das Netz daran. Dann zog er sich aus, tauchte im Wasser rund um das Netz und ließ nicht von seiner harten Arbeit ab, bis er es heraufgebracht hatte. Er freute sich darüber, zog seine Kleider an und ging zum Netz, wo er einen toten Esel darin fand, der die Maschen zerrissen hatte. Als er dies sah, rief er in seinem Schmerz aus: „Es gibt keine Majestät und keine Macht außer bei Allah, dem Glorreichen, dem Großen!“ Dann sprach er: „Dies ist eine seltsame Art des täglichen Brotes“; und er begann, aus dem Stegreif Verse zu rezitieren:—

O du, der du durch die Dunkelheit der Nacht in Gefahr und in Qualen mühsam dahinziehst ✿ Dein Mühen um das tägliche Brot gelingt nicht durch Kraft und Macht! Siehst du nicht den Fischer, wie er auf dem Meer umherschweift ✿ Nach seinem Brot, während die Sterne der Nacht wie in einem wirren Knäuel leuchten. Bald taucht er unter, ungeachtet der Schläge der Wellen ✿ Während seine gierigen Blicke sich anstrengen, das sich blähende Netz zu erspähen; Bis er sich am Erfolg der Nacht erfreut und einen Fisch heimbringt ✿ Dessen Schlund durch den Haken des Schicksals gefangen und entzweit wurde. Wenn dann ein Mann, der die Stunden der Nacht verbracht hat, diesen Fisch von ihm kauft ✿ Sorglos in Bezug auf Kälte, Nässe und Dunkelheit, erpicht auf Mühsal und Behaglichkeit, Lob sei dem Herrn, der diesem gibt, jenem seine Wünsche versagt ✿ Und dem einen Mühsal und den Fang der Beute bestimmt, dem anderen, den Fisch zu essen.[60]

Dann sprach er: „Auf und daran; ich bin gewiss Seiner Güte, Inschallah!“ Also fuhr er fort:—

Wenn du vom bösen Schicksal ergriffen bist, nimm an ✿ Die Leidensfähigkeit der edlen Seele: sie ist dein Bestes: Klage nicht dem Geschöpf; dies ist eine Klage ✿ Von einem höchst Erbarmungsvollen an den Erbarmungslosesten.

Der Fischer, nachdem er den toten Esel betrachtet hatte, befreite ihn aus den Maschen, wringte sein Netz aus und breitete es aus; dann tauchte er ins Meer, sagte: „Im Namen Allahs!“, warf es aus und zog daran, doch es wurde schwer und legte sich fester auf den Grund als beim ersten Mal. Nun dachte er, dass Fische darin seien, befestigte es, zog seine Kleider aus, ging ins Wasser, tauchte und zog, bis er es auf das trockene Land brachte. Da fand er darin einen großen irdenen Krug, der voll mit Sand und Schlamm war; als er dies sah, war er sehr bekümmert und begann, diese Verse zu wiederholen[61]:—

Haltet ein, o Mühsale der Welt, ✿ Und verzeiht, wenn ihr nicht einhaltet: Ich ging aus, um mein tägliches Brot zu suchen ✿ Ich finde, dass ich brotlos gehen muss: Denn weder Handwerk bringt mir etwas ein ✿ Noch teilt mir das Schicksal ein Teil zu: Wie viele Narren erreichen die Plejaden ✿ Während die Dunkelheit die Weisen und Vorsichtigen verschlingt.

Also bat er Allah um Vergebung, warf den Krug weg, wringte sein Netz aus, reinigte es und kehrte zum dritten Mal zum Meer zurück, um sein Netz auszuwerfen, und wartete, bis es gesunken war. Dann zog er daran und fand darin Scherben und zerbrochenes Glas; woraufhin er begann, diese Verse zu sprechen:—

Er ist dir das tägliche Brot, das du weder lösen noch binden kannst ✿ Weder Stift noch Schrift nützen dir etwas, um dein tägliches Brot zu finden: Denn Freude und tägliches Brot sind das, was das Schicksal zu gewähren geruht; ✿ Dieser Boden ist traurig und unfruchtbar, während jener den Landmann erfreut. Die Pfeile der Zeit und des Lebens beugen so manchen wertvollen Mann nieder ✿ Während sie Geschöpfe von unedlem Geist zu hohem Ansehen emporheben. So komm, Tod! denn wahrlich, das Leben ist keinen Strohhalm wert ✿ Wenn der Falke niedrig fällt, während die Wildente den Wind befiedert: Kein Wunder ist es, dass du siehst, wie die Großen an Seele und Geist ✿ Arm sind, und mancher nichtswürdige Kerl zu höchstem Glück bestimmt ist. Dieser Vogel soll die Welt von Osten bis zum äußersten Westen überfliegen ✿ Und jene soll all ihre Wünsche gewinnen, obwohl sie niemals das Nest verlässt.

Dann hob er seine Augen zum Himmel und sagte: „O mein Gott!“[62] wahrlich, Du weißt, dass ich mein Netz jeden Tag nicht öfter als viermal auswerfe;[63] das dritte ist getan und bisher hast Du mir nichts gewährt. Also gib mir dieses Mal, o mein Gott, mein tägliches Brot. Dann, nachdem er den Namen Allahs angerufen hatte,[64], warf er erneut sein Netz und wartete darauf, dass es sank und sich festsetzte; woraufhin er daran zog, es aber nicht einholen konnte, weil es sich am Boden verfangen hatte. Er rief in seinem Verdruss aus: „Es gibt keine Majestät und keine Macht außer bei Allah!“ und er begann zu rezitieren:—

Pfui über diese elende Welt, wenn es so ist ✿ Dass ich von Kummer und Elend überwältigt werden muss: Obwohl das Los des Menschen fröhlich sein mag, wenn der Morgen graut ✿ Trinkt er den Becher des Wehs, bevor er den Abend sieht: Doch war ich einer, von dem die Welt, wenn man fragte ✿ „Wessen Los ist das glücklichste?“, oft sagte: „Das seine!“

Daraufhin zog er sich aus, tauchte zum Netz hinab und beschäftigte sich damit, bis es an Land kam. Dann öffnete er die Maschen und fand darin einen gurkenförmigen Krug aus gelbem Kupfer,[65] der offensichtlich mit etwas gefüllt war, dessen Öffnung mit einem bleiernen Deckel fest verschlossen war, auf dem das Siegel unseres Herrn Sulayman, des Sohnes Davids (Allah segne beide!), eingeprägt war. Als der Fischer dies sah, freute er sich und sagte: „Wenn ich es auf dem Messingbasar verkaufe, ist es zehn goldene Dinare wert.“ Er schüttelte es und fand es schwer und fuhr fort: „Wüsste ich doch, was hierin ist. Aber ich muss und werde es öffnen und nach seinem Inhalt sehen und es in meine Tasche verstauen und auf dem Messingmarkt verkaufen.“ Und er nahm ein Messer heraus und arbeitete an dem Blei, bis er es von dem Krug gelöst hatte; dann legte er den Deckel auf den Boden und schüttelte die Vase, um alles, was darin sein mochte, auszuschütten. Er fand nichts darin; worüber er sich höchlichst wunderte. Aber alsbald kam aus dem Krug ein Rauch hervor, der in den Äther zum Himmel aufstieg (worüber er sich wieder höchlichst wunderte), und der über die Erdoberfläche hinzog, bis der dicke Dampf, nachdem er seine volle Höhe erreicht hatte, kondensierte und zu einem Ifrit wurde, gewaltig an Umfang, dessen Scheitel die Wolken berührte, während seine Füße auf dem Boden standen. Sein Kopf war wie eine Kuppel, seine Hände wie Heugabeln, seine Beine lang wie Schiffsmasten und sein Mund groß wie eine Höhle; seine Zähne waren wie große Steine, seine Nasenlöcher wie Krüge, seine Augen zwei Lampen und sein Blick war grimmig und finster. Als der Fischer den Ifrit sah, zitterten seine Seitenmuskeln, seine Zähne klapperten, sein Speichel trocknete aus und er wusste nicht mehr, was er tun sollte. Daraufhin sah ihn der Ifrit an und rief: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Sulayman ist der Prophet Gottes“; und fügte alsbald hinzu: „O Apostel Allahs, töte mich nicht; niemals wieder werde ich dir in Worten widersprechen oder in Taten gegen dich sündigen.“[66] Der Fischer sprach: „O Márid,[67] sagtest du Sulayman, der Apostel Allahs; und Sulayman ist seit tausendachthundert Jahren tot,[68] und wir befinden uns jetzt in den letzten Tagen der Welt! Was ist deine Geschichte, und was ist deine Rechenschaft über dich selbst, und was ist der Grund für dein Eintreten in diesen Kürbiskrug?“ Als der böse Geist die Worte des Fischers hörte, sprach er: „Es gibt keinen Gott außer Gott: sei guten Mutes, o Fischer!“ Der Fischer fragte: „Warum heißt du mich, guten Mutes zu sein?“ und er antwortete: „Weil du in dieser Stunde einen bösen Tod sterben wirst.“ Der Fischer sagte: „Du verdienst für deine frohe Botschaft den Entzug des Schutzes des Himmels, o du Ferngebliebener![69] Warum solltest du mich töten und was habe ich getan, um den Tod zu verdienen, ich, der ich dich aus dem Krug befreite und dich aus den Tiefen des Meeres rettete und dich auf das trockene Land brachte?“ Der Ifrit antwortete: „Frage mich nur, welche Art von Tod du sterben willst, und durch welche Weise des Schlachtens soll ich dich töten.“ Der Fischer entgegnete: „Was ist mein Verbrechen und warum eine solche Vergeltung?“

Der Ifrit sprach: „Höre meine Geschichte, o Fischer!“ und er antwortete: „Sprich weiter und fasse dich kurz, denn fürwahr, mein Lebenshauch steckt mir in den Nasenlöchern.“[70] Daraufhin sprach der Dschinn: „Wisse, dass ich einer der häretischen Dschinn bin und ich habe gegen Sulayman, den Sohn Davids (auf beiden sei Frieden!), gesündigt, ich zusammen mit dem berühmten Sakhr al-Dschinni;[71] woraufhin der Prophet seinen Minister, Asaf den Sohn des Barkhiyá, sandte, um mich zu ergreifen; und dieser Wazir brachte mich gegen meinen Willen und führte mich in Fesseln zu ihm (ich war trotz meiner Nase niedergeschlagen) und er ließ mich wie einen Bittsteller vor ihm stehen. Als Sulayman mich sah, nahm er Zuflucht bei Allah und hieß mich, den Wahren Glauben anzunehmen und seinen Befehlen zu gehorchen; doch ich weigerte mich, also schickte er nach diesem Kürbiskrug[72], schloss mich darin ein und verschloss ihn mit Blei, worauf er den Höchsten Namen drückte, und er gab seine Befehle an die Dschinn, die mich forttrugen und mich mitten in den Ozean warfen. Dort blieb ich hundert Jahre, während derer ich in meinem Herzen sagte: ‚Wer mich befreien wird, den werde ich für immer und ewig bereichern.‘ Aber das volle Jahrhundert verging, und als mich niemand befreite, trat ich in die zweiten fünfzig Jahre ein und sagte: ‚Wer mich befreien wird, dem werde ich die Schätze der Erde öffnen.‘ Wieder befreite mich niemand und so vergingen vierhundert Jahre. Dann sagte ich: ‚Wer mich befreien wird, dem werde ich drei Wünsche erfüllen.‘ Doch niemand befreite mich. Daraufhin wurde ich zornig mit höchstem Zorn und sagte zu mir selbst: ‚Wer mich von nun an befreien wird, den werde ich töten und ich werde ihm die Wahl lassen, welchen Tod er sterben will; und nun, da du mich befreit hast, gebe ich dir die volle Wahl der Tode.‘ Der Fischer, der die Worte des Ifrit hörte, sagte: „O Allah! Das Wunder daran ist, dass ich nicht gekommen bin, um dich ausgerechnet in diesen Tagen zu befreien!“ und fügte hinzu: „Verschone mein Leben, so Allah deines verschont; und töte mich nicht, damit Allah nicht einen setze, der dich tötet.“ Der Widerspenstige antwortete: „Es gibt kein Entrinnen; sterben musst du; also frage mich als eine Gnade, welche Art von Tod du sterben willst.“ Obwohl er nun so bestätigt war, sprach der Fischer den Ifrit erneut an und sagte: „Vergib mir diesen meinen Tod als eine großzügige Belohnung dafür, dass ich dich befreit habe“; und der Ifrit: „Sicherlich würde ich dich nicht töten, außer wegen ebenjener Befreiung.“ „O Anführer der Ifriten“, sagte der Fischer, „ich tue dir Gutes und du vergiltst mir mit Bösem! Fürwahr, das alte Sprichwort lügt nicht, wenn es besagt:—

Wir taten ihnen Gutes, sie begegneten unserem Gut mit Übel; ✿ Solches, bei meinem Leben! ist das Werk jedes bösen Menschen: Demjenigen, der unwürdigen Geschöpfen Gutes tut, ✿ Dem wird widerfahren, was Ummi-Amirs Nachbarn widerfuhr.[73]

Als der Ifrit diese Worte hörte, antwortete er: „Kein Wort mehr davon, ich muss dich töten.“ Daraufhin sagte der Fischer zu sich selbst: „Dies ist ein Dschinn; und ich bin ein Mensch, dem Allah einen leidlich schlauen Verstand gegeben hat, also werde ich nun versuchen, seine Zerstörung durch meine List und meinen Verstand zu bewirken; so wie er nur seinen Bosheiten und seiner Widerspenstigkeit folgte.“[74] Er begann damit, den Ifrit zu fragen: „Hast du tatsächlich beschlossen, mich zu töten?“ und, als er zur Antwort erhielt: „Ebenso“, rief er: „Nun im Allerhöchsten Namen, eingraviert auf dem Siegelring von Sulayman, dem Sohn Davids (Friede sei mit den heiligen beiden!), wenn ich dich über eine gewisse Angelegenheit befrage, wirst du mir eine wahre Antwort geben?“ Der Ifrit antwortete: „Ja“; aber als er die Erwähnung des Allerhöchsten Namens hörte, war sein Verstand verwirrt und er sagte zitternd: „Frage und fasse dich kurz.“ Der Fischer fragte: „Wie hast du in diese Flasche gepasst, die weder deine Hand noch auch deinen Fuß fassen würde, und wie kam es, dass sie groß genug war, um dich ganz zu enthalten?“ Der Ifrit antwortete: „Was! Glaubst du nicht, dass ich ganz darin war?“ und der Fischer entgegnete: „Nein! Ich werde es niemals glauben, bis ich dich mit meinen eigenen Augen darin sehe.“—Und Schahrasad bemerkte das Grauen des Morgens und hörte auf, ihr erlaubtes Sagen zu sagen.

Nun, als es die vierte Nacht war,

Sagte ihre Schwester zu ihr: „Bitte beende uns diese Geschichte, wenn du nicht schläfrig bist!“ also fuhr sie fort:—Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass als der Fischer zum Ifrit sagte: „Ich werde es niemals und in keiner Weise glauben, bis ich dich mit meinen eigenen Augen darin sehe“; der böse Geist auf der Stelle bebte[75] und zu einem Dampf wurde, der kondensierte und nach und nach in den Krug eintrat, bis alles wohl darin war, als siehe! der Fischer in großer Eile den bleiernen Deckel mit dem Siegel nahm und damit die Öffnung des Kruges verschloss und dem Ifrit zurief: „Frage mich als eine Gnade, welchen Tod du sterben willst! Bei Allah, ich werde dich in das Meer[76] vor uns werfen und hier werde ich mir eine Hütte bauen; und wer auch immer hierher kommt, den werde ich vor dem Fischen warnen und sagen: In diesen Gewässern wohnt ein Ifrit, der als letzte Gnade eine Wahl der Tode und eine Art des Schlachtens dem Mann gewährt, der ihn rettet!“ Als der Ifrit dies vom Fischer hörte und sich im Gefängnis sah, wollte er entkommen, doch dies wurde durch Solomons Siegel verhindert; also wusste er, dass der Fischer ihn betrogen und überlistet hatte, und er wurde demütig und unterwürfig und begann demütig zu sagen: „Ich habe nur mit dir gescherzt.“ Doch der andere antwortete: „Du lügst, o elendester der Ifriten, und Gemeinster und Schmutzigster!“ und er machte sich mit der Flasche auf zum Meeresufer; der Ifrit rief: „Nein! Nein!“ und er rief: „Ja! Ja!“ Daraufhin milderte der böse Geist seine Stimme, glättete seine Rede und erniedrigte sich, indem er sagte: „Was willst du mit mir tun, o Fischer?“ „Ich werde dich zurück in das Meer werfen“, antwortete er; „wo du für tausendachthundert Jahre gehaust und gewohnt hast; und nun werde ich dich darin lassen bis zum Tag des Jüngsten Gerichts: Habe ich nicht zu dir gesagt: Verschone mich und Allah wird dich verschonen; und töte mich nicht, damit Allah dich nicht tötet? Doch du hast mein Flehen von dir gewiesen und hattest keine andere Absicht, als ungnädig mit mir zu verfahren, und Allah hat dich nun in meine Hände geworfen und ich bin schlauer als du.“ Der Ifrit sprach: „Öffne mir, damit ich dir Gutes tun kann.“ Der Fischer sprach: „Du lügst, du Verfluchter! Mein Fall mit dir ist der des Wazirs von König Yúnán mit dem Weisen Dúbán.“[77] „Und wer war der Wazir von König Yúnán und wer war der Weise Dúbán; und was war die Geschichte von ihnen?“, sprach der Ifrit, woraufhin der Fischer begann zu erzählen

DIE GESCHICHTE VOM WAZIR UND DEM WEISEN DÚBÁN.

Wisse, o Ifrit, dass in Tagen von einst und in Zeitaltern, die lange vor uns vergingen, ein König namens Yúnán über die Stadt Fars im Lande der Rum herrschte. Er war ein mächtiger Herrscher und ein wohlhabender, der über Heere und Garden und Verbündete aller Völker der Menschen verfügte; doch sein Körper war von einer Aussatzkrankheit befallen, welche die Wundärzte und die Männer der Wissenschaft nicht zu heilen vermochten. Er trank Tränke und er schluckte Pulver und er gebrauchte Salben, doch nichts brachte ihm Linderung, und keiner aus der Schar der Ärzte vermochte ihm ein Heilmittel zu verschaffen. Schließlich kam ein mächtiger Heiler der Menschen in seine Stadt, ein Mann, der bereits hochbetagt war; man nannte ihn den Weisen Dúbán. Dieser Mann war ein Leser von Büchern in griechischer, persischer, römischer, arabischer und syrischer Sprache; und er war bewandert in der Astronomie und in der Heilkunst, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis; er war erfahren in allem, was den Körper heilt und was ihm schadet; vertraut mit der Kraft jeder Pflanze, jedem Gras und Kraut, und deren Nutzen und Verderben; und er verstand die Philosophie und hatte den gesamten Bereich der medizinischen Wissenschaft und anderer Zweige des Wissensbaumes durchdrungen. Nun verweilte dieser Arzt nur wenige Tage in der Stadt, bevor er von der Krankheit des Königs und all seinem körperlichen Leiden durch den Aussatz hörte, mit dem Allah ihn geschlagen hatte; und wie alle Ärzte und Weisen daran gescheitert waren, ihn zu heilen. Daraufhin saß er die Nacht hindurch in tiefem Nachdenken wach, und als die Morgenröte anbrach und der Morgen erschien und das Licht von neuem geboren wurde und die Sonne das Gute grüßte, dessen Schönheit die Welt schmückt, legte er sein schönstes Gewand an und ging zu König Yúnán hinein; er küsste den Boden vor ihm, dann betete er in den schönsten Worten für den Fortbestand seiner Ehre und seines Wohlstandes und gab sich zu erkennen, indem er sprach: „O König, Kunde hat mich erreicht von dem, was dir durch das widerfahren ist, was an deinem Körper ist; und wie die Schar der Ärzte sich als unfähig erwiesen hat, es zu lindern; und siehe! Ich kann dich heilen, o König; doch will ich dir keinen Trank zu trinken geben und dich mit keiner Salbe salben.“ Als König Yúnán seine Worte hörte, sprach er voller Erstaunen: „Wie willst du das tun? Bei Allah, wenn du mich gesund machst, werde ich dich bis zum Sohne deines Sohnes bereichern und dir prächtige Geschenke geben; und was immer du begehrst, soll dein sein, und du sollst mir ein Tischgenosse und ein Freund sein.“ Der König kleidete ihn daraufhin mit einem Ehrenkleid, behandelte ihn gnädig und fragte ihn: „Kannst du mich wahrhaftig ohne Arznei und Salbe von diesem Leiden heilen?“ Und er antwortete: „Ja! Ich werde dich ohne die Qualen und Mühsal der Medizin heilen.“ Der König staunte über die Maßen und sprach: „O Arzt, wann soll dies geschehen, wovon du sprichst, und in wie vielen Tagen wird es eintreffen? Eile dich, o mein Sohn!“ Er erwiderte: „Ich höre und gehorche; die Heilung soll morgen beginnen.“ So sprechend ging er aus der Gegenwart des Königs und mietete sich ein Haus in der Stadt zur besseren Aufbewahrung seiner Bücher und Schriftrollen, seiner Arzneien und seiner aromatischen Wurzeln. Dann machte er sich daran, die geeignetsten Arzneien und einfachen Mittel auszuwählen, und er fertigte einen Schläger, der innen hohl und außen mit einem Griff versehen war, wofür er einen Ball herstellte; beide wurden mit vollendeter Kunstfertigkeit bereitet. Am nächsten Tag, als beide für den Gebrauch bereit waren und es ihnen an nichts mehr fehlte, ging er zum König; und nachdem er den Boden zwischen dessen Händen geküsst hatte, forderte er ihn auf, auf den Exerzierplatz hinauszureiten, um dort das Ballspiel zu spielen. Er wurde von seinem Gefolge begleitet, Emiren und Kammerherren, Wesiren und Herren des Reiches, und ehe er Platz genommen hatte, trat der Weise Dúbán an ihn heran, reichte ihm den Schläger und sagte: „Nimm diesen Schläger und fasse ihn so, wie ich es tue; so! Und nun stoße dich zum Feld hinab, beuge dich wohl über dein Pferd und treibe den Ball mit all deiner Kraft, bis deine Handfläche feucht wird und dein Körper schwitzt: Dann wird die Arznei durch deine Handfläche eindringen und deinen Körper durchdringen. Wenn du mit dem Spiel fertig bist und du die Wirkung der Arznei spürst, kehre in deinen Palast zurück, nimm die Ghusl-Waschung im Hammam-Bad und lege dich schlafen; so wirst du gesund werden; und nun sei Friede mit dir!“ Daraufhin nahm König Yúnán den Schläger von dem Weisen und griff ihn fest; dann, sein Ross besteigend, trieb er den Ball vor sich her und galoppierte ihm nach, bis er ihn erreichte, woraufhin er mit all seiner Kraft zuschlug, während seine Handfläche den Schlägergriff fest umklammerte; und er hörte nicht auf, den Ball zu schlagen, bis seine Hand feucht wurde und seine Haut, schwitzend, die Arznei aus dem Holz aufsog. Da wusste der Weise Dúbán, dass die Arzneien in seinen Körper eingedrungen waren, und hieß ihn, ohne Aufenthalt oder Zögern in den Hammam zurückzukehren; so kehrte König Yúnán unverzüglich zurück und befahl ihnen, das Bad für ihn zu räumen. Sie taten dies, die Teppichausleger beeilten sich, und die Sklaven eilten herbei und bereiteten eine Kleiderabänderung für den König vor. Er betrat das Bad und nahm die vollständige Waschung lange und gründlich vor; dann legte er im Hammam seine Kleider an und ritt von dort zu seinem Palast, wo er sich hinlegte und schlief. So erging es König Yúnán, doch was den Weisen Dúbán betraf, so kehrte er heim und schlief wie gewohnt, und als der Morgen graute, begab er sich zum Palast und erbat Audienz. Der König befahl, ihn einzulassen; dann, nachdem er den Boden zwischen seinen Händen geküsst hatte, trug er in Anspielung auf den König diese Verse mit feierlicher Betonung vor:

Glücklich ist die Beredsamkeit, wenn du als ihr Vater genannt wirst, doch sie trauert, wenn ein anderer den Titel beansprucht. O Herr von schönster Erscheinung, dessen leuchtende Strahlen die Nebel des Zweifels hinwegfegen, die stets die hochberühmten Taten verschleiern, Lass dein Antlitz niemals aufhören, wie das Morgenrot und das Aufgehen des Morgens zu strahlen, und lass das Gesicht der Zeit niemals von der Hitze des Zorns entflammt erscheinen! Deine Gnade hat uns mit Gaben begünstigt, die auf solche Weise wirkten wie Regenwolken, die auf die von Hügeln eingerahmten Weiden niedergehen: Freigebig hast du deinen Reichtum verschwendet, um aufzusteigen, bis du von der Zeit die Höhen erlangtest, auf die deine Größe abzielte.

Als der Weise zu rezitieren aufhörte, sprang der König schnell auf die Füße und fiel ihm um den Hals; dann setzte er ihn an seine Seite und befahl, ihn in ein prachtvolles Gewand zu kleiden; denn es hatte sich zugetragen, dass der König, als er den Hammam verließ, seinen Körper betrachtete und keine Spur von Aussatz mehr sah: die Haut war so rein wie reines Silber. Er freute sich darüber mit überaus großer Freude, seine Brust weitete sich vor Entzücken und er fühlte sich rundum glücklich. Als es bald voller Tag war, betrat er seine Audienzhalle und setzte sich auf den Thron seines Königtums, woraufhin seine Kammerherren und Großen in die Gegenwart strömten und mit ihnen der Weise Dúbán. Als der König den Arzt erblickte, erhob er sich ihm zu Ehren und setzte ihn an seine Seite; dann wurden die mit den köstlichsten Speisen gedeckten Platten hereingebracht, und der Arzt aß mit dem König und wich ihm den ganzen Tag nicht von der Seite. Zudem gab er dem Arzt Dúbán bei Einbruch der Nacht zweitausend Goldstücke, neben dem üblichen Ehrenkleid und anderen reichlichen Geschenken, und sandte ihn auf seinem eigenen Ross nach Hause. Nachdem der Weise fortgezogen war, drückte König Yúnán erneut sein Erstaunen über die Kunst des Arztes aus und sagte: „Dieser Mann hat meinen Körper von außen geheilt und mich nicht mit irgendeiner Salbe gesalbt: bei Allah, dies ist wahrlich nichts anderes als vollendete Kunstfertigkeit! Ich bin verpflichtet, einen solchen Mann mit Belohnungen und Auszeichnungen zu ehren und ihn für den Rest meiner Tage zu meinem Gefährten und Freund zu machen.“ So verbrachte König Yúnán die Nacht in Freude und Fröhlichkeit, weil sein Körper gesund geworden war und ein so verderbliches Leiden abgeschüttelt hatte. Am nächsten Morgen verließ der König sein Serail und setzte sich auf seinen Thron, und die Herren des Staates standen um ihn herum, und die Emire und Wesire saßen, wie es ihre Gewohnheit war, zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Dann fragte er nach dem Weisen Dúbán, der hereinkam und den Boden vor ihm küsste, woraufhin der König aufstand, um ihn zu begrüßen, ihn an seine Seite setzte, mit ihm aß und ihm ein langes Leben wünschte. Zudem kleidete er ihn ein, gab ihm Geschenke und hörte nicht auf, sich mit ihm zu unterhalten, bis die Nacht hereinbrach. Dann ordnete der König für ihn als Gehalt fünf Ehrenkleider und tausend Dinar an. Der Arzt kehrte voller Dankbarkeit gegen den König in sein eigenes Haus zurück. Als der nächste Morgen graute, begab sich der König in seine Audienzhalle, und seine Herren und Adligen umringten ihn, ebenso seine Kammerherren und Minister, wie das Weiße das Schwarze des Auges umschließt. Nun hatte der König unter seinen Wesiren einen Wesir, der hässlich anzusehen war, ein Unheil verkündendes Schauspiel; habgierig, ungroßzügig, voller Neid und bösem Willen. Als dieser Minister sah, wie der König den Arzt nahe bei sich platzierte und ihm all diese Geschenke gab, beneidete er ihn und plante, ihm einen Schaden zuzufügen, wie es in dem Sprichwort zu diesem Thema heißt: „Neid lauert in jedem Körper“; und das Sprichwort: „Unterdrückung verbirgt sich in jedem Herzen: Macht enthüllt sie und Schwäche verbirgt sie.“ Dann trat der Minister vor den König, küsste den Boden zwischen seinen Händen und sprach: „O König des Zeitalters und aller Zeiten, du, in dessen Wohltaten ich zum Mann herangewachsen bin, ich habe einen gewichtigen Rat für dich, und wenn ich ihn zurückhielte, wäre ich ein Sohn des Ehebruchs und kein wahrhaft geborener Mann; weshalb ich, wenn du mir befiehlst, ihn zu offenbaren, dies sogleich tun werde.“ Der König sprach (und er war beunruhigt über die Worte des Ministers): „Und was ist dieser dein Rat?“ Er sprach: „O ruhmreicher Monarch, die Weisen von alters her haben gesagt: Wer das Ende nicht beachtet, hat das Glück nicht zum Freund; und wahrlich, ich habe den König in letzter Zeit auf einem ganz anderen als dem rechten Weg gesehen; denn er verschwendet Freigebigkeit an seinen Feind, an jemanden, dessen Ziel der Niedergang und Fall seines Königtums ist: Diesem Mann hat er Gunst erwiesen, ihn mit übermäßiger Ehre geehrt und ihn zu einem Vertrauten gemacht. Deshalb fürchte ich um das Leben des Königs.“ Der König, der sehr beunruhigt war und die Farbe wechselte, fragte: „Wen verdächtigst du und auf wen spielst du an?“, und der Minister antwortete: „O König, wenn du schläfst, so wache auf! Ich deute auf den Arzt Dúbán.“ Der König erwiderte: „Wehe dir! Dies ist ein wahrer Freund, der von mir vor allen Männern bevorzugt wird, weil er mich mit etwas heilte, das ich in meiner Hand hielt, und er meinen Aussatz heilte, der alle Ärzte ratlos gemacht hatte; wahrlich, er ist einer, dessengleichen in diesen Tagen nicht zu finden ist – nein, nicht in der ganzen Welt vom fernsten Osten bis zum äußersten Westen! Und von einem solchen Mann sagst du solche harten Worte. Nun, von diesem Tag an weise ich ihm einen festen Sold und Zuwendungen zu, jeden Monat tausend Goldstücke; und selbst wenn ich mein Reich mit ihm teilen würde, wäre es nur eine geringe Angelegenheit. Ich muss zwangsläufig vermuten, dass du aus bloßem Neid und Eifersucht so redest, wie sie von König Sindibad berichten.“ – Und Schahrazad bemerkte das Grauen des Tages und beendete ihre erlaubte Rede.

Dann sprach Dunyazad: „O meine Schwester, wie angenehm ist deine Geschichte, und wie geschmackvoll, wie süß und wie erfreulich!“ Sie antwortete: „Und was ist dies im Vergleich zu dem, was ich dir in der kommenden Nacht erzählen könnte, wenn der König mir mein Leben schenkt?“ Dann sagte der König bei sich: „Bei Allah, ich werde sie nicht töten, bis ich den Rest ihrer Geschichte höre, denn wahrlich, sie ist wundersam.“ So ruhten sie in jener Nacht in gegenseitiger Umarmung bis zur Morgendämmerung. Dann ging der König in seine Halle der Herrschaft, und der Wesir und die Truppen kamen herein, und die Audienzkammer war überfüllt; und der König gab Befehle, urteilte, ernannte und setzte ab, gebot und verbot während des Rests des Tages, bis der Hof sich auflöste und König Schahryar in seinen Palast zurückkehrte.

Als es die Fünfte Nacht war,

Sagte ihre Schwester: „Beende doch für uns deine Geschichte, wenn du nicht schläfrig bist“, und sie fuhr fort: – Es hat mich erreicht, o glückverheißender König und mächtiger Monarch, dass König Yúnán zu seinem Minister sagte: „O Wesir, du bist einer, den der böse Geist des Neides wegen dieses Arztes besessen hat, und du schmiedest Pläne für meine Hinrichtung seiner Person, wonach ich mich bitterlich reuen würde, ebenso wie König Sindibad den Tod seines Falken bereute.“ Der Wesir fragte: „Verzeih mir, o König des Zeitalters, wie war das?“ So begann der König die Geschichte von

KÖNIG SINDIBAD UND SEINEM FALKEN.

Es wird erzählt (doch Allah ist Allwissend!), dass es einen König unter den Königen von Fars gab, der Vergnügen und Abwechslung liebte, besonders die Beizjagd und die Jagd. Er hatte einen Falken aufgezogen, den er die ganze Nacht auf seiner Faust trug, und wann immer er auf die Jagd ging, nahm er diesen Vogel mit sich; und er ließ für ihn ein goldenes Becherchen anfertigen, das um seinen Hals hing, um ihm daraus zu trinken zu geben. Eines Tages, als der König ruhig in seinem Palast saß, siehe, da sprach der oberste Falkner des Haushalts ihn plötzlich an: „O König des Zeitalters, dies ist wahrlich ein Tag, der sich zur Vogeljagd eignet.“ Der König gab entsprechende Befehle und machte sich auf den Weg, den Falken auf der Faust; und sie zogen fröhlich vorwärts, bis sie ein Wadi erreichten, wo sie einen Kreis von Netzen für die Jagd aufstellten; als siehe, eine Gazelle in das Netz geriet und der König rief: „Wer zulässt, dass jene Gazelle über sein Haupt springt und sie verliert, jenen Mann werde ich wahrlich erschlagen.“ Sie verengten die Netze um die Gazelle, als sie sich der Position des Königs näherte; und sie, sich auf ihre Hinterbeine setzend, kreuzte ihre Vorderläufe über ihrer Brust, als wollte sie den Boden vor dem König küssen. Er neigte seine Stirn tief in Anerkennung vor dem Tier; da sprang sie hoch über sein Haupt und schlug den Weg in die Wüste ein. Daraufhin wandte sich der König seinen Truppen zu und sah sie sich zuzwinkern und auf ihn zeigen, da fragte er: „O Wesir, was sagen meine Männer?“, und der Minister antwortete: „Sie sagen, du hättest verkündet, dass derjenige, der zulässt, dass die Gazelle über sein Haupt springt, mit dem Tode bestraft werden soll.“ Der König sprach: „Nun, beim Leben meines Hauptes! Ich werde ihr folgen, bis ich sie zurückbringe.“ So ritt er galoppierend auf der Spur der Gazelle davon und ließ nicht ab, sie zu verfolgen, bis er die Ausläufer einer Bergkette erreichte, wo die Beute auf eine Höhle zuging. Dann ließ der König den Falken darauf los, der sie alsbald einholte und, herabstürzend, seine Krallen in ihre Augen schlug, sie verwirrend und blind machend; und der König zog seinen Streitkolben und versetzte einen Schlag, der das Wild umrollte. Er stieg daraufhin ab; und nachdem er der Antilope die Kehle durchgeschnitten und den Körper gehäutet hatte, hängte er ihn an den Sattelknopf. Nun war die Zeit der Siesta, und die Weide war versengt und trocken, und nirgendwo war Wasser zu finden; und der König dürstete und sein Pferd ebenso; so ging er umher und suchte, bis er einen Baum sah, der Wasser von seinen Zweigen tropfen ließ, als wäre es geschmolzene Butter. Daraufhin nahm der König, der Handschuhe aus Haut trug, um sich vor Giften zu schützen, den Becher vom Hals des Falken, füllte ihn mit dem Wasser und stellte ihn vor den Vogel, und siehe, der Falke schlug mit seinen Fängen danach und verschüttete die Flüssigkeit. Der König füllte ihn ein zweites Mal mit den herabtropfenden Tropfen, im Glauben, sein Falke sei durstig; aber der Vogel schlug wieder mit seinen Krallen nach dem Becher und stieß ihn um. Da erzürnte der König über den Falken und bot ihn, den Becher ein drittes Mal füllend, seinem Pferd an: aber der Falke stieß ihn mit einem Flügelschlag um. Der König sprach: „Allah verwirre dich, du unglücklichstes aller fliegenden Geschöpfe! Du hältst mich vom Trinken ab, und du beraubst dich auch selbst, sowie das Pferd.“ So schlug er mit seinem Schwert auf den Falken ein und hieb ihm den Flügel ab; aber der Vogel hob seinen Kopf und sprach durch Zeichen: „Sieh auf das, was am Baum hängt!“ Der König hob daraufhin seine Augen und erblickte eine Brut von Vipern, deren Gifttröpfchen er für Wasser gehalten hatte; daraufhin bereute er es, seinem Falken den Flügel abgeschlagen zu haben, und stieg aufs Pferd, ritt mit der toten Gazelle weiter, bis er das Lager erreichte, seinen Ausgangspunkt. Er warf die Beute dem Koch hin und sagte: „Nimm und brate sie“, und setzte sich auf seinen Stuhl, wobei der Falke noch immer auf seiner Faust saß, als der Vogel plötzlich keuchte und starb; woraufhin der König vor Kummer und Reue aufschrie, weil er jenen Falken getötet hatte, der sein Leben gerettet hatte. Nun, dies ist, was sich im Falle von König Sindibad ereignete; und ich bin versichert, dass ich, wenn ich täte, was du begehrst, ebenso bereuen würde wie der Mann, der seinen Papagei tötete. Der Wesir fragte: „Und wie war das?“ Und der König begann zu erzählen

DIE GESCHICHTE VOM EHEMANN UND DEM PAPAGEI.

Ein gewisser Mann, zudem ein Kaufmann, hatte ein schönes Weib geheiratet, eine Frau von vollkommener Schönheit und Anmut, Ebenmaß und Lieblichkeit, auf die er rasend eifersüchtig war und die es erfolgreich verstand, ihn von Reisen abzuhalten. Endlich zwang ihn ein Anlass, sie zu verlassen, und er ging zum Vogelmarkt, wo er für hundert Goldstücke einen weiblichen Papagei kaufte, den er als Aufseherin in seinem Haus aufstellte, in der Erwartung, dass sie ihn bei seiner Rückkehr über alles unterrichte, was während der gesamten Zeit seiner Abwesenheit geschehen sei; denn der Vogel war einsichtsvoll und schlau und vergaß niemals, was er gesehen und gehört hatte. Nun hatte sich seine schöne Frau in einen jungen Türken verliebt, der sie zu besuchen pflegte, und sie bewirtete ihn bei Tag und lag bei ihm bei Nacht. Als der Mann seine Reise vollendet und sein Ziel erreicht hatte, kam er heim; und da er den Papagei sogleich zu sich bringen ließ, befragte er ihn über das Betragen seiner Gattin, während er in fremden Landen weilte. Sie sprach: „Deine Frau hat einen Freund, der während deiner Abwesenheit jede Nacht bei ihr verbrachte.“ Daraufhin begab sich der Ehemann in heftigem Zorn zu seiner Frau und verpasste ihr eine Tracht Prügel, die streng genug war, um jeden zufriedenzustellen. Die Frau, die argwöhnte, dass eine der Sklavinnen dem Herrn geplaudert habe, rief sie zusammen und befragte sie unter Eid; da schworen alle, dass sie das Geheimnis bewahrt hätten, nicht aber der Papagei, und fügten hinzu: „Und wir haben es mit unseren eigenen Ohren gehört.“ Daraufhin befahl die Frau einem der Mädchen, eine Handmühle unter den Käfig zu stellen und damit zu mahlen, einem zweiten, Wasser durch das Käfigdach zu spritzen, und einem dritten, die ganze Nacht hindurch rechts und links umherzulaufen und mit einem Spiegel aus blankem Stahl zu blitzen. Am nächsten Morgen, als der Ehemann heimkehrte, nachdem er von einem seiner Freunde bewirtet worden war, ließ er den Papagei vor sich bringen und fragte, was während seiner Abwesenheit vorgefallen sei. „Verzeih mir, o mein Herr“, sprach der Vogel, „ich konnte weder etwas hören noch sehen wegen der übermäßigen Finsternis und des Donners und Blitzes, die die ganze Nacht anhielten.“ Da es gerade Sommerzeit war, war der Herr erstaunt und rief: „Aber wir sind jetzt mitten im Tammuz, und dies ist nicht die Zeit für Regen und Stürme.“ „Ja, bei Allah“, entgegnete der Vogel, „ich sah mit diesen Augen, was meine Zunge dir verkündet hat.“ Hierüber wurde der Mann, der den Sachverhalt nicht kannte und die List nicht witterte, außerordentlich zornig; und da er glaubte, seine Frau sei zu Unrecht beschuldigt worden, streckte er seine Hand aus, riss den Papagei aus seinem Käfig und schleuderte ihn mit solcher Wucht auf den Boden, dass er ihn auf der Stelle tötete. Einige Tage später gestand ihm eine seiner Sklavinnen die ganze Wahrheit, doch wollte er es nicht glauben, bis er den jungen Türken, den Liebhaber seiner Frau, aus ihrer Kammer kommen sah, worauf er seine Klinge entblößte und ihn mit einem Schlag auf den Nacken erschlug; das Gleiche tat er mit der Ehebrecherin; und so fuhren die beiden, beladen mit Todsünde, schnurstracks in das Ewige Feuer. Da erkannte der Kaufmann, dass der Papagei ihm die Wahrheit über alles gesagt hatte, was er gesehen, und er trauerte schwer um seinen Verlust, als das Trauern ihm nicht mehr half. Der Minister, der die Worte des Königs Yunan hörte, erwiderte: „O Monarch von hohem Stand, was für ein Leid habe ich ihm angetan, oder welches Übel habe ich von ihm gesehen, dass ich seinen Tod planen sollte? Ich würde dies nicht tun, außer um dir zu dienen, und bald wirst du sehen, dass es recht ist; und wenn du meinen Rat annimmst, wirst du gerettet, andernfalls wirst du vernichtet, genau wie ein gewisser Wesir, der sich gegenüber dem jungen Prinzen verräterisch verhielt.“ Der König fragte: „Wie war das?“, und der Minister begann wie folgt:

DIE GESCHICHTE VOM PRINZEN UND DER OGERIN.

Ein gewisser König, der einen Sohn hatte, welcher sich nur allzu sehr der Jagd und der Hetzjagd widmete, befahl einem seiner Wesire, ihn überallhin zu begleiten, wo er auch hinziehen mochte. Eines Tages brach der Jüngling zur Jagd auf, begleitet vom Minister seines Vaters; und während sie gemeinsam dahinzogen, kam ein großes Wildtier in Sicht. Der Wesir rief dem Königssohn zu: „Auf und hin zu dieser edlen Beute!“ Also folgte ihm der Prinz, bis er aus aller Augen verloren war und die Jagd ihm in der Wüste entkam; dadurch war er verwirrt und wusste nicht, wohin er sich wenden sollte, als siehe! ein Mädchen erschien, das vor ihm war und Tränen vergoss. Der Königssohn fragte: „Wer bist du?“, und sie antwortete: „Ich bin die Tochter eines Königs unter den Königen von Hind, und ich reiste mit einer Karawane durch die Wüste, als mich Schläfrigkeit überkam und ich unversehens von meinem Tier fiel; dadurch bin ich von meinem Volk abgeschnitten und schwer verstört.“ Der Prinz, der diese Worte hörte, hatte Mitleid mit ihrem Schicksal und, nachdem er sie auf den Sozius seines Pferdes gesetzt hatte, ritt er, bis sie an einer alten Ruine vorbeikamen, als das Mädchen zu ihm sprach: „O mein Herr, ich möchte einem Bedürfnis der Natur nachkommen“: Er setzte sie daher bei der Ruine ab, wo sie so lange verweilte, dass der Königssohn dachte, sie würde nur die Zeit vertrödeln; also folgte er ihr, ohne dass sie es merkte, und siehe, sie war eine Ghulah, eine böse Ogerin, die zu ihrer Brut sagte: „O meine Kinder, heute bringe ich euch einen schönen fetten Jüngling zum Abendessen“; worauf sie antworteten: „Bring ihn uns schnell, o unsere Mutter, damit wir uns an ihm satt fressen können.“ Der Prinz, der ihr Gespräch hörte, war sich seines Todes gewiss, und seine Seitenmuskeln bebten vor Angst um sein Leben, also wandte er sich ab und wollte fliehen. Die Ghulah kam heraus und, als sie ihn in großer Angst sah (denn er zitterte an allen Gliedern), rief sie: „Weshalb fürchtest du dich?“, und er antwortete: „Ich bin auf einen Feind gestoßen, den ich sehr fürchte.“ Die Ghulah fragte: „Hast du nicht gesagt: Ich bin eines Königs Sohn?“, und er antwortete: „So ist es.“ Dann sprach sie: „Warum gibst du deinem Feind nicht etwas Geld und stellst ihn so zufrieden?“ Er sprach: „Er wird sich nicht mit meinem Beutel begnügen, sondern nur mit meinem Leben, und ich fürchte ihn sterblich und bin ein unterdrückter Mann.“ Sie antwortete: „Wenn du so bedrängt bist, wie du meinst, so erbitte Hilfe gegen ihn von Allah, der dich sicherlich vor seinem Übeltun und vor dem Übel, das du fürchtest, beschützen wird.“ Dann erhob der Prinz seine Augen zum Himmel und rief: „O Du, der dem Bedürftigen antwortet, wenn er Dich anruft, und seine Not vertreibt; o mein Gott! Gewähre mir den Sieg über meinen Feind und wende ihn von mir, denn Du bist über alle Dinge allmächtig.“ Die Ghulah, die sein Gebet hörte, wandte sich von ihm ab, und der Prinz kehrte zu seinem Vater zurück und erzählte ihm die Geschichte vom Wesir; woraufhin der König den Minister vor sich rufen ließ und ihn auf der Stelle erschlug. „Auch du, o König, wenn du diesem Heiler weiterhin vertraust, wirst den schlimmsten aller Tode sterben. Er, den du so hoch geschätzt und wie einen Vertrauten behandelt hast, wird dein Verderben bewirken. Siehst du nicht, wie er die Krankheit von außerhalb deines Körpers durch etwas geheilt hat, das in deiner Hand lag? Sei nicht sicher, dass er dich nicht durch etwas vernichten wird, das in gleicher Weise gehalten wird!“ König Yunan antwortete: „Du hast die Wahrheit gesprochen, o Wesir, es mag wohl so sein, wie du andeutest, o mein wohlratender Minister; und vielleicht ist dieser Weise als Spion gekommen, der darauf aus ist, mich zu töten; denn wahrlich, wenn er mich durch etwas geheilt hat, das ich in der Hand hielt, so kann er mich durch etwas töten, das man mich riechen lässt.“ Dann fragte König Yunan: „O Minister, was muss mit ihm geschehen?“, und der Wesir antwortete: „Sende in diesem Augenblick nach ihm und rufe ihn in deine Gegenwart; und wenn er kommt, schlage ihm den Nacken ab; und so wirst du dich seiner und seiner Bosheit entledigen und ihn täuschen, ehe er dich täuschen kann.“ „Du hast abermals die Wahrheit gesprochen, o Wesir“, sagte der König und sandte jemanden, um den Weisen zu rufen, der freudigen Mutes kam, denn er wusste nicht, was der Barmherzige für ihn bestimmt hatte; wie ein gewisser Dichter zur Veranschaulichung sagt:

O du, der du das Schicksal fürchtest, geh vertrauensvoll, ✿ Vertrau auf Ihn, der die Welt erschuf, und warte: Was das Schicksal zu sein befiehlt, muss sein, mein Herr! ✿ Und sicher bist du vor dem, was nicht vom Schicksal bestimmt.

Als Duban der Arzt eintrat, richtete er diese Zeilen an den König:

Fehlt mir mein Dank an dich, und danke ich dir nicht Tag für Tag, ✿ Für den ich Prosa und Verse verfasste, für den mein Wort und Lied erklingt? Du verschwendetest deine großzügigen Gaben, ehe sie von mir erbeten wurden, ✿ Du verschwendetest deine Wohltaten, ungefragt, ohne Vorwand oder Verzug. Wie soll ich mein Lob für dich einschränken, wie soll ich aufhören zu preisen, ✿ Die Anmut deiner Gnade im Verborgenen und im offenkundigsten Erweis? Nein, ich werde deine Wohltaten preisen, denn immer ruhen deine Gunstbezeigungen ✿ Leicht auf meinem Sinn und meiner Zunge, wenn sie auch schwer auf meinem Rücken lasten.

Und er sagte weiter zum gleichen Thema:

Wende dich ab vom Kummer und sorge dich um nichts! ✿ Übertrage deine Nöte dem Schicksal und dem Los! Genieße die Gegenwart in vollen Zügen ✿ Und lass die Vergangenheit gänzlich vergessen sein; Denn was immer schlimmer zu scheinen mag, ✿ Wird dein Wohl bewirken, wie Allah weiß: Allah wird tun, was immer Er will, ✿ Und in Seinem Willen widerstehe Ihm nicht.

Und noch weiter:

Dem Allweisen Subtilen vertraue weltliche Dinge an, ✿ Ruhe aus von allem, woran der Weltmensch hängt: Lerne klug und wohl, dass nichts nach deinem Willen geschieht, ✿ Sondern ganz wie es Allah will, der König der Könige.

Und schließlich:

Froh und heiter vergiss jeden deiner Schmerzen! ✿ Nur allzu oft zermürbte Sorge die weisesten Herzen: Denken ist nur Torheit im schwachen Sklaven, ✿ Meide es und sei so auf ewig gerettet.

Der König sagte als einzige Antwort: „Weißt du, warum ich dich habe rufen lassen?“, und der Weise antwortete: „Allein Allah, der Höchste, kennt die verborgenen Dinge!“ Aber der König entgegnete: „Ich habe dich nur rufen lassen, um dir dein Leben zu nehmen und dich gänzlich zu vernichten.“ Duban der Weise wunderte sich über diese seltsame Anrede mit übermäßigem Staunen und fragte: „O König, und warum willst du mich erschlagen, und welches Übel habe ich dir getan?“, und der König antwortete: „Die Leute sagen mir, du seist ein Spion, der hierher gesandt wurde, um mich zu töten; und siehe! Ich werde dich töten, ehe ich von dir getötet werde“; dann rief er nach seinem Scharfrichter und sagte: „Schlage mir das Haupt dieses Verräters ab und erlöse uns von seinen bösen Praktiken.“ Der Weise sprach: „Verschone mich, und Allah wird dich verschonen; erschlage mich nicht, oder Allah wird dich erschlagen.“ Und er wiederholte ihm genau diese Worte, ebenso wie ich dir, o Ifrit, und doch wolltest du mich nicht gehen lassen, da du auf meinen Tod aus warst. König Yunan entgegnete nur: „Ich werde ohne dein Erschlagen nicht sicher sein; denn wie du mich durch etwas heiltest, das in der Hand gehalten wurde, so bin ich nicht sicher vor deinem Töten durch etwas, das ich riechen soll oder auf andere Weise.“ Der Arzt sagte: „Dies ist also, o König, deine Vergeltung und Belohnung; du zahlst nur Böses mit Gutem heim.“ Der König antwortete: „Es gibt kein Entrinnen; sterben musst du, und das ohne Verzug.“ Als nun der Arzt überzeugt war, dass der König ihn ohne Zögern erschlagen würde, weinte er und bedauerte das Gute, das er anderen als den Guten getan hatte. Wie einer zu diesem Thema sagte:

An Verstand und Weisheit fehlt es Maymunah, ✿ Deren Vater an Weisheit alle Verstandesbegabten übertrifft: Der Mensch darf nicht auf Schlamm oder Staub oder Lehm treten, ✿ Außer mit gesundem Menschenverstand, sonst stolpert er und gleitet aus.

Hierauf trat der Scharfrichter vor, verband dem Weisen Duban die Augen und entblößte seine Klinge, indem er zum König sagte: „Mit deiner Erlaubnis“; während der Arzt weinte und rief: „Verschone mich, und Allah wird dich verschonen, und erschlage mich nicht, oder Allah wird dich erschlagen“, und zu wiederholen begann:

Ich war gütig und entkam nicht, sie waren grausam und entkamen; ✿ Und meine Güte führte mich nur zur Halle des Verderbens; Wenn ich lebe, werde ich niemals gütig sein; wenn ich sterbe, dann seien alle verdammt, ✿ Die mir folgen, und Flüche sollen ihrer Güte zuteilwerden.

„Ist dies“, fuhr Duban fort, „die Erwiderung, die ich von dir erfahre? Du erweist mir, wie mir scheint, nur Krokodilswohltaten.“ Der König fragte: „Was ist die Geschichte vom Krokodil?“, und der Arzt sprach: „Es ist mir unmöglich, sie in diesem meinem Zustand zu erzählen; Allah sei mit dir, verschone mich, wie du hoffst, dass Allah dich verschonen wird.“ Und er weinte mit übermäßigem Weinen. Da stand einer der Günstlinge des Königs auf und sagte: „O König! Gewähre mir das Blut dieses Arztes; wir haben nie gesehen, dass er sich gegen dich versündigt oder etwas anderes getan hätte, als dich von einer Krankheit zu heilen, die jeden Arzt und Wissenschaftler vor ein Rätsel stellte.“ Der König sagte: „Ihr kennt nicht den Grund, warum ich diesen Arzt hinrichte, und dieser ist: Wenn ich ihn verschone, verurteile ich mich selbst zum sicheren Tod; denn einer, der mich von einem solchen Leiden durch etwas in der Hand geheilt hat, kann mich sicherlich durch etwas töten, das man an meine Nase hält; und ich fürchte, er könnte mich gegen Bezahlung töten, da er vielleicht ein Spion ist, dessen einziger Zweck seines Kommens hierher war, mein Verderben herbeizuführen. Es gibt also kein Entrinnen; sterben muss er, und dann erst werde ich meines eigenen Lebens sicher sein.“ Wieder rief Duban: „Verschone mich, und Allah wird dich verschonen; und erschlage mich nicht, oder Allah wird dich erschlagen.“ Aber es war umsonst. Als nun der Arzt, o Ifrit, mit Gewissheit wusste, dass der König ihn töten würde, sagte er: „O König, wenn es kein Entrinnen gibt, als dass ich sterben muss, so gewähre mir ein wenig Aufschub, damit ich in mein Haus gehen kann, um mich von meinen Verpflichtungen zu lösen und meine Leute und Nachbarn anzuweisen, wo sie mich begraben sollen, und um meine medizinischen Bücher zu verteilen. Unter diesen habe ich eines, das seltenste der seltenen, das ich dir als Geschenk überreichen möchte: Bewahre es als Schatz in deiner Schatzkammer auf.“ „Und was ist in dem Buch?“, fragte der König, und der Weise antwortete: „Dinge jenseits jeder Zählung; und das geringste der Geheimnisse ist, dass, wenn du unmittelbar nachdem du mir den Kopf abgeschnitten hast, drei Blätter öffnest und drei Zeilen der Seite zu deiner linken Hand liest, mein Kopf sprechen und jede Frage beantworten wird, die du ihm zu stellen geruhest.“ Der König wunderte sich mit übermäßigem Staunen und, vor Entzücken über die Neuheit bebend, sagte er: „O Arzt, sagst du mir wirklich, dass, wenn ich dir den Kopf abschneide, er zu mir sprechen wird?“ Er antwortete: „Ja, o König!“ Der König sprach: „Dies ist wahrlich eine seltsame Angelegenheit!“ und sandte ihn sogleich unter strenger Bewachung in sein Haus, und Duban regelte dort auf der Stelle alle seine Verpflichtungen. Am nächsten Tag begab er sich in den Audienzsaal des Königs, wo Emire und Wesire, Kämmerer und Statthalter, Große und Herren des Standes versammelt waren, was den Thronsaal so fröhlich wie einen Garten voller Blumenbeete machte. Und siehe! Der Arzt kam herauf und stand vor dem König, ein abgenutztes altes Buch und ein kleines Etui aus Metall voller Pulver bei sich tragend, wie es für die Augen verwendet wird. Dann setzte er sich und sagte: „Gib mir ein Tablett.“ Sie brachten ihm eines, und er schüttete das Pulver darauf, ebnete es und sprach schließlich wie folgt: „O König, nimm dieses Buch, aber öffne es nicht, ehe mein Kopf fällt; dann lege ihn auf dieses Tablett und lass ihn auf das Pulver drücken, woraufhin das Blut augenblicklich aufhören wird zu fließen. Das ist der Zeitpunkt, das Buch zu öffnen.“ Der König nahm daraufhin das Buch und machte dem Scharfrichter ein Zeichen, der aufstand und dem Arzt den Kopf abschlug und ihn auf die Mitte des Tabletts legte und auf das Pulver drückte. Das Blut hörte auf zu fließen, und der Weise Duban öffnete seine Augen und sagte: „Öffne nun das Buch, o König!“ Der König öffnete das Buch und fand die Blätter zusammengeklebt; also steckte er seinen Finger in den Mund und schlug, indem er ihn befeuchtete, leicht das erste Blatt um, und in gleicher Weise das zweite und das dritte, wobei sich jedes Blatt nur mit großer Mühe öffnen ließ; und als er sechs Blätter voneinander gelöst hatte, sah er darüber hinweg und fand nichts darauf geschrieben, da sagte er: „O Arzt, hier ist keine Schrift!“ Duban antwortete: „Blättere noch mehr um“; und er blätterte drei weitere in gleicher Weise um. Nun war das Buch vergiftet; und nach kurzer Zeit drang das Gift in seinen Körper ein, und er verfiel in starke Krämpfe und rief aus: „Das Gift hat sein Werk getan!“ Woraufhin der Kopf des Weisen Duban zu improvisieren begann:

Es gibt Herrscher, die mit einer faulen tyrannischen Art geherrscht haben, ✿ Doch sie wurden bald, als wären sie niemals, niemals gewesen: Gerecht, hätten sie Gerechtigkeit gewonnen: sie unterdrückten und wurden unterdrückt ✿ Vom Glück, das sie mit Fluch und Verderben und Kummer vergalt: So verblassten sie wie der Morgen, und die Zunge der Dinge wiederholt ✿ „Nimm dies für das, und lass nicht deinen Zorn an den Wegen des Glücks aus.“

Kaum hatte der Kopf aufgehört zu sprechen, da wälzte sich der König tot nieder. Nun möchte ich, dass du weißt, o Ifrit, dass wenn König Yunan den Weisen Duban verschont hätte, Allah ihn verschont hätte; aber er weigerte sich, dies zu tun, und beschloss, ihn zu töten, weshalb Allah ihn erschlug; und auch du, o Ifrit, wenn du mich verschont hättest, würde Allah dich verschonen. – Und Shahrazad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sprechen: da sprach Dunyazad: „O meine Schwester, wie angenehm ist deine Erzählung und wie geschmackvoll; wie süß und wie erfreulich!“ Sie antwortete: „Und was ist dies im Vergleich zu dem, was ich dir in der kommenden Nacht erzählen könnte, wenn ich lebe und der König mich verschont?“ Der König dachte bei sich: „Bei Allah, ich werde sie nicht töten, bis ich den Rest ihrer Geschichte höre, denn wahrlich, sie ist wundersam.“ Sie ruhten jene Nacht in gegenseitiger Umarmung bis zur Morgendämmerung: dann ging der König hinaus zu seinem Darbar; die Wesire und Truppen kamen herein, und der Audienzsaal war überfüllt; also gab der König Befehle, urteilte, ernannte und setzte ab, befahl und verbot den Rest des Tages, als der Hof sich auflöste und König Shahryar seinen Palast betrat.

Als nun die Sechste Nacht war,

Dunyazad, ihre Schwester, sprach zu ihr: „Ich bitte dich, beende für uns deine Geschichte.“ Sie antwortete: „Das werde ich, wenn der König es mir erlaubt.“ „Sprich weiter“, befahl der König. Und sie fuhr fort: – Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass der Fischer zum Ifrit sagte: „Hättest du mich verschont, so hätte ich dich verschont, doch nichts konnte dich zufriedenstellen außer meinem Tod; nun also werde ich dich sterben lassen, indem ich dich in diesem Gefäß einsperre, und ich werde dich in dieses Meer zurückschleudern.“ Da brüllte der Marid laut auf und rief: „Bei Allah, o Fischer, tu es nicht! Verschone mich und verzeihe mir mein vergangenes Tun; und so wie ich tyrannisch war, so sei du großmütig, denn es heißt unter den Sprichwörtern, die im Umlauf sind: – O du, der du dem Gutes tust, der dir Böses angetan hat, dem Übeltäter genügen seine Missetaten, und handle nicht mit mir, wie Umamah mit ‚Atikah handelte.“ Der Fischer fragte: „Und was war ihr Fall?“, und der Ifrit antwortete: „Dies ist nicht die Zeit für Geschichtenerzählen, während ich in diesem Gefängnis schmachte; aber befreie mich, und ich werde dir die Geschichte erzählen.“ Der Fischer erwiderte: „Lass diese Sprache: Es gibt keine Rettung, als dass du zurück ins Meer geworfen wirst, und es gibt keinen Weg für dich, jemals wieder herauszukommen. Vergeblich stellte ich mich unter deinen Schutz, und ich demütigte mich vor dir mit Weinen, während du nur danach trachtest, mich zu erschlagen, der ich dir kein Leid angetan habe, das ein solches Vorgehen deinerseits verdiente; nein, weit davon entfernt, dir durch eine böse Tat zu schaden, erwies ich dir nichts als Wohltat, indem ich dich aus deinem Kerker befreite. Nun weiß ich, dass du ein Übeltäter bist, da du mir angetan hast, was du tatest, und wisse, wenn ich dich zurück in dieses Meer geworfen habe, werde ich jeden, der dich herausfischt, vor dem warnen, was mir mit dir widerfahren ist, und ich werde ihm raten, dich wieder hineinzustoßen; so sollst du hier unter diesen Wassern verweilen, bis das Ende aller Zeiten deinem Dasein ein Ende setzt.“ Doch der Ifrit schrie laut: „Befreie mich; dies ist eine edle Gelegenheit für Großmut, und ich schließe einen Bund mit dir und schwöre, dir niemals Leid und Schaden zuzufügen; nein, ich werde dir zu dem verhelfen, was dich aus der Not befreien wird.“ Der Fischer akzeptierte seine Versprechen unter beiden Bedingungen, ihn nicht wie zuvor zu behelligen, sondern ihm im Gegenteil zu dienen; und nachdem er den Pakt bekräftigt und ihm einen feierlichen Eid bei Allah dem Allerhöchsten geschworen hatte, öffnete er das Gefäß. Daraufhin stieg die Rauchsäule empor, bis sie vollständig heraus war; dann verdichtete sie sich und wurde wieder zu einem Ifrit von abscheulicher Gestalt, der sogleich der Flasche einen Tritt versetzte und sie ins Meer zurückschleuderte. Der Fischer, der sah, wie das Gefäß behandelt wurde, und sich seines eigenen Todes gewiss war, nässte sich vor Angst in die Kleider und sagte zu sich selbst: „Das verheißt nichts Gutes“; doch er stärkte sein Herz und rief: „O Ifrit, Allah hat gesagt: – Haltet euren Bund; denn nach der Erfüllung eures Bundes wird man dereinst fragen. Du hast mir ein Gelübde geleistet und einen Eid geschworen, mich nicht zu hintergehen, damit Allah dich nicht hintergeht, denn wahrlich, Er ist ein eifersüchtiger Gott, der dem Sünder zwar Aufschub gewährt, ihn aber nicht entkommen lässt. Ich sage dir, wie der Weise Duban zum König Yunan sagte: ‚Verschone mich, auf dass Allah dich verschone!‘“ Der Ifrit brach in Gelächter aus und schritt davon, indem er zum Fischer sagte: „Folge mir“; und der Mann folgte ihm in sicherem Abstand (denn er war seiner Rettung nicht gewiss), bis sie die Vororte der Stadt passiert hatten. Von dort schlugen sie den Weg in unkultiviertes Gelände ein, durchquerten es und stiegen in eine weite Einöde hinab, und siehe! Inmitten dieser stand ein Bergsee. Der Ifrit watete bis zur Mitte hinein und rief erneut: „Folge mir“; und als dies geschehen war, blieb er in der Mitte stehen und hieß den Mann sein Netz auszuwerfen und seine Fische zu fangen. Der Fischer blickte ins Wasser und war höchst erstaunt, darin vielfarbige Fische zu sehen, weiße und rote, blaue und gelbe; dennoch warf er sein Netz aus, und als er es einholte, sah er, dass er vier Fische gefangen hatte, einen von jeder Farbe. Darüber freute er sich sehr, und noch mehr, als der Ifrit zu ihm sagte: „Trage diese zum Sultan und lege sie in seine Gegenwart; dann wird er dir geben, was dich zu einem wohlhabenden Mann macht; und nun nimm meine Entschuldigung an, denn bei Allah, ich weiß zu dieser Zeit keinen anderen Weg, dir zu nützen, da ich achtzehnhundert Jahre in diesem Meer gelegen habe und das Antlitz der Welt nicht gesehen habe, außer in dieser Stunde. Aber ich möchte nicht, dass du hier mehr als einmal am Tag fischt.“ Der Ifrit wünschte ihm dann Gottes Segen und sagte: „Allah gewähre, dass wir uns wiedersehen“; und er schlug mit einem Fuß auf die Erde, woraufhin sich der Boden spaltete und ihn verschlang. Der Fischer, der höchst erstaunt war über das, was ihm mit dem Ifrit widerfahren war, nahm die Fische und machte sich auf den Weg zur Stadt; und sobald er zu Hause ankam, füllte er eine irdene Schüssel mit Wasser und warf die Fische hinein, die anfingen zu zappeln und sich zu winden. Dann trug er die Schüssel auf seinem Kopf und begab sich zum Palast des Königs (genau wie der Ifrit es ihm befohlen hatte) und legte die Fische vor das Angesicht des Königs; und der König staunte mit außerordentlichem Staunen über den Anblick, denn niemals in seinem Leben hatte er Fische wie diese in ihrer Beschaffenheit oder in ihrem Aussehen gesehen. Also sagte er: „Gib diese Fische der fremden Sklavin, die nun für uns kocht“, womit er die Magd meinte, die der König von Roum ihm erst vor drei Tagen geschickt hatte, sodass er ihr Können in der Zubereitung von Speisen noch nicht auf die Probe gestellt hatte. Daraufhin trug der Wesir die Fische zur Köchin und hieß sie, sie zu braten, und sagte: „O Mädchen, der König sendet diesen Spruch an dich: – Ich habe dich nicht bewahrt, o mein Tränental, außer für meine Zeiten der Not; beweise uns also an diesem Tag dein feines Handwerk und deine schmackhafte Kochkunst; denn dieses Fischgericht ist ein Geschenk an den Sultan und offensichtlich eine Seltenheit.“ Der Wesir kehrte, nachdem er sie sorgfältig angewiesen hatte, zum König zurück, der ihm befahl, dem Fischer vierhundert Dinar zu geben: Er gab sie ihm demgemäß, und der Mann drückte sie an seine Brust und rannte nach Hause, stolpernd und fallend und wieder aufstehend, und hielt die ganze Sache für einen Traum. Dennoch kaufte er für seine Familie alles, was sie brauchten, und zuletzt ging er in großer Freude und Fröhlichkeit zu seiner Frau. Soweit zu ihm; was aber die Köchin betrifft, so nahm sie die Fische, säuberte sie und legte sie in die Bratpfanne, wobei sie sie mit Öl begoss, bis eine Seite gar war. Dann wendete sie sie, und siehe, die Küchenwand spaltete sich, und daraus kam eine junge Dame, schön von Gestalt, oval von Gesicht, vollkommen an Anmut, mit Augenlidern, die von Kohl-Linien eingerahmt waren. Ihr Kleid war ein seidenes Kopftuch, das mit blauem Saum und Quasten verziert war: ein großer Ring hing an jedem Ohr; ein Paar Armreifen schmückte ihre Handgelenke; Ringe mit Fassungen aus kostbaren Edelsteinen waren an ihren Fingern; und sie hielt in der Hand einen langen Stab aus Rattanrohr, den sie in die Bratpfanne stieß und sagte: „O Fisch! O Fisch! Bleibt ihr eurem Bund treu?“ Als die Köchin diese Erscheinung sah, fiel sie in Ohnmacht. Die junge Dame wiederholte ihre Worte ein zweites und ein drittes Mal, und schließlich hoben die Fische ihre Köpfe aus der Pfanne und sagten mit artikulierter Sprache: „Ja! Ja!“ und begannen mit einer Stimme zu rezitieren:

Kehr zurück, und ich werde es auch! Halte Treue, und ich werde es auch! Und wenn ihr uns verlassen wollt, werde ich vergelten, bis wir quitt sind!

Nachdem dies geschehen war, warf die junge Dame die Bratpfanne um und ging den Weg hinaus, den sie gekommen war, und die Küchenwand schloss sich hinter ihr. Als die Köchin aus ihrer Ohnmacht erwachte, sah sie die vier Fische schwarz wie Holzkohle verkohlt, und rief aus: „Sein Stab brach beim ersten Versuch“, und fiel erneut ohnmächtig zu Boden. Während sie sich in diesem Zustand befand, kam der Wesir wegen der Fische und sah sie bewusstlos liegen, ohne zu wissen, ob es Sonntag oder Donnerstag war, stieß sie mit dem Fuß an und sagte: „Bring die Fische für den Sultan!“ Daraufhin erholte sie sich von ihrer Ohnmacht, weinte und informierte ihn über ihren Zustand und alles, was ihr widerfahren war. Der Wesir staunte sehr und rief aus: „Dies ist nichts anderes als eine höchst seltsame Angelegenheit!“, und er sandte nach dem Fischer und sagte zu ihm: „Du, o Fischer, musst uns vier Fische holen, wie jene, die du zuvor brachtest.“ Daraufhin begab sich der Mann zum See und warf sein Netz aus; und als er es an Land zog, siehe, waren vier Fische darin, genau wie die ersten. Diese trug er sogleich zum Wesir, der mit ihnen zur Köchin hineinging und sagte: „Steh auf und brate diese in meiner Gegenwart, damit ich dieses Geschäft sehen kann.“ Das Mädchen erhob sich, säuberte die Fische und setzte sie in der Bratpfanne über das Feuer; doch sie blieben nur eine kurze Zeit dort, ehe die Wand sich spaltete und die junge Dame erschien, gekleidet wie zuvor und in der Hand den Stab haltend, den sie wieder in die Bratpfanne stieß und sagte: „O Fisch! O Fisch! Bleibt ihr eurem alten Bund treu?“ Und siehe, die Fische hoben ihre Köpfe und wiederholten: „Ja! Ja!“ und rezitierten dieses Couplet:

Kehr zurück, und ich werde es auch! Halte Treue, und ich werde es auch! Doch wenn ihr uns verlassen wollt, werde ich vergelten, bis wir quitt sind!

Und Shahrazad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Als es nun die Siebente Nacht war,

Fuhr sie fort: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass, als die Fische sprachen und die junge Dame die Bratpfanne mit ihrem Stab umwarf und den Weg ging, den sie gekommen war, und die Wand sich schloss, der Wesir ausrief: „Dies ist eine Sache, die dem König nicht verborgen bleiben darf.“ Also ging er und erzählte ihm, was geschehen war, woraufhin der König sagte: „Es gibt kein Entrinnen, ich muss dies mit eigenen Augen sehen.“ Dann sandte er nach dem Fischer und befahl ihm, vier weitere Fische wie die ersten zu bringen und drei Männer als Zeugen mitzunehmen. Der Fischer brachte sogleich die Fische: und der König, nachdem er befohlen hatte, ihm vierhundert Goldstücke zu geben, wandte sich an den Wesir und sagte: „Steh auf und brate mir die Fische hier vor mir!“ Der Minister, der antwortete: „Hören ist Gehorchen“, befahl, die Bratpfanne zu bringen, legte die gesäuberten Fische hinein und setzte sie über das Feuer; als siehe, die Wand spaltete sich und heraus stürmte ein schwarzer Sklave wie ein riesiger Fels oder ein Überbleibsel des Stammes Ad, der in der Hand einen Zweig eines grünen Baumes trug; und er rief mit lauten und schrecklichen Tönen: „O Fisch! O Fisch! Seid ihr alle eurem alten Bund treu?“, woraufhin die Fische ihre Köpfe aus der Bratpfanne hoben und sagten: „Ja! Ja! Wir sind unserem Gelübde treu“; und sie rezitierten erneut das Couplet:

Kehr zurück, und ich werde es auch! Halte Treue, und ich werde es auch! Doch wenn ihr uns verlassen wollt, werde ich vergelten, bis wir quitt sind!

Dann näherte sich der riesige Mohr der Bratpfanne, stieß sie mit dem Zweig um und ging den Weg hinaus, den er gekommen war. Als er ihrem Blick entschwunden war, untersuchte der König die Fische; und da er sie alle schwarz wie Holzkohle verkohlt fand, war er vollkommen verwirrt und sagte zum Wesir: „Wahrlich, dies ist eine Angelegenheit, über die nicht geschwiegen werden kann, und was die Fische angeht, so ist sicherlich ein wundersames Abenteuer mit ihnen verbunden.“ Also befahl er, den Fischer zu holen, und fragte ihn: „Wehe dir, Bursche! Woher kommen diese Fische?“ Und er antwortete: „Von einem See zwischen vier Anhöhen, der hinter diesem Berg liegt, welcher in Sichtweite deiner Stadt ist.“ Der König fragte: „Wie viele Tagesmärsche?“ Er sagte: „O unser Herr, der Sultan, ein Fußweg von einer halben Stunde.“ Der König staunte und befahl sogleich seinen Männern, aufzubrechen, und den Reitern, aufzusitzen, und führte den Fischer an, der als Führer voranging und den Ifrit im Stillen verfluchte. Sie zogen weiter, bis sie den Berg bestiegen hatten und in eine große Wüste hinabgestiegen waren, die sie in ihrem ganzen Leben noch nie gesehen hatten; und der Sultan und seine fröhlichen Männer staunten sehr über das Ödland inmitten von vier Bergen, den See und seine Fische von vier Farben, Rot, Weiß, Gelb und Blau. Der König stand wie angewurzelt vor Staunen und fragte seine Truppen und alle Anwesenden: „Hat jemand unter euch dieses Gewässer jemals zuvor gesehen?“, und alle antworteten: „O König der Zeit, niemals haben wir in all unseren Tagen ein Auge darauf geworfen.“ Sie befragten auch die ältesten Einwohner, denen sie begegneten, Männer, die hochbetagt waren, aber sie antworteten alle, einer wie der andere: „Einen See wie diesen haben wir an diesem Ort niemals gesehen.“ Daraufhin sagte der König: „Bei Allah, ich werde weder in meine Hauptstadt zurückkehren noch auf dem Thron meiner Vorväter sitzen, bis ich die Wahrheit über diesen See und die Fische darin erfahre.“ Er befahl dann seinen Männern, abzusteigen und rund um den Berg zu biwakieren; was sie taten; und er rief seinen Wesir zu sich, einen Minister mit viel Erfahrung, klug, von durchdringendem Verstand und wohlbewandert in den Angelegenheiten, und sagte zu ihm: „Es ist mein Sinn, eine gewisse Sache zu tun, von der ich dich unterrichten werde; mein Herz sagt mir, dass ich in dieser Nacht allein hinausziehen und das Geheimnis dieses Sees und seiner Fische ergründen soll. Nimm du Platz an meiner Zeltpforte und sage zu den Emiren und Wesiren, den Statthaltern und den Kammerherren, kurz, zu allen, die dich fragen: – Der Sultan ist unwohl, und er hat mir befohlen, jedem den Zutritt zu verweigern; und sei vorsichtig, dass niemand von meinem Vorhaben erfährt.“ Und der Wesir konnte ihm nicht widersprechen. Dann änderte der König seine Kleidung und seinen Schmuck, hängte sein Schwert über die Schulter, schlug einen Pfad ein, der einen der Berge hinaufführte, und marschierte für den Rest der Nacht bis zum Morgengrauen; noch hörte er auf zu wandern, bis die Hitze zu groß für ihn wurde. Nach seinem langen Marsch ruhte er eine Weile, nahm dann seinen Marsch wieder auf und zog durch die zweite Nacht bis zum Morgengrauen, als plötzlich ein schwarzer Punkt in weiter Ferne erschien. Darüber freute er sich und sagte zu sich selbst: „Vielleicht wird mich jemand hier mit dem Geheimnis des Sees und seiner Fische bekannt machen.“ Als er sich dem dunklen Objekt näherte, fand er einen Palast, der aus schwarzem Stein erbaut und mit Eisen beschlagen war; und während ein Flügel des Tores weit offen stand, war der andere geschlossen. Die Stimmung des Königs hob sich, als er vor dem Tor stand und leicht anklopfte; aber da er keine Antwort hörte, klopfte er ein zweites und ein drittes Mal; doch es kam kein Zeichen. Dann klopfte er so laut er konnte, aber immer noch keine Antwort, also sagte er: „Zweifellos ist er leer.“ Daraufhin fasste er Entschlossenheit und schritt mutig durch das Haupttor in die große Halle und rief dort laut: „He, ihr Bewohner des Palastes! Ich bin ein Fremder und ein Wanderer; habt ihr hier irgendetwas an Proviant?“ Er wiederholte seinen Ruf ein zweites und ein drittes Mal, aber es kam immer noch keine Antwort; also stärkte er sein Herz, fasste seinen Entschluss und schritt durch das Vestibül bis in die Mitte des Palastes und fand keinen Menschen darin. Doch er war mit seidenen Stoffen möbliert, die mit Gold bestickt waren; und die Behänge waren über den Türen herabgelassen. In der Mitte befand sich ein geräumiger Hof, von dem vier offene Salons abgingen, jeder mit seinem erhöhten Podest, Salon gegenüber Salon; ein Baldachin beschattete den Hof und in der Mitte befand sich ein sprudelnder Springbrunnen mit vier Figuren von Löwen aus rotem Gold, die aus ihren Mäulern Wasser sprühten, klar wie Perlen und durchsichtige Edelsteine. Rings um den Palast waren Vögel freigelassen, und über ihm spannte sich ein Netz aus goldenem Draht, das sie daran hinderte, fortzufliegen; kurzum, es war alles da, außer menschlichen Wesen. Der König staunte sehr darüber, fühlte sich jedoch traurig im Herzen, weil er niemanden sah, der ihm Auskunft über die Einöde und ihren See, die Fische, die Berge und den Palast selbst geben konnte. Als er nun zwischen den Türen in tiefem Nachdenken saß, siehe, da kam eine Stimme der Klage, wie aus einem von Kummer gezehrten Herzen, und er hörte die Stimme diese Verse singen:

Ich verbarg, was ich von ihm erlitt, und doch kam es ans Licht, und nächtlicher Schlaf floh meine Augen und wich schlafloser Nacht: Oh Welt! Oh Schicksal! Halte deine Hand zurück und beende deinen Schmerz und Schaden, schau und sieh mein glückloses Ich in Schmerz und Schrecken: Willst du niemals Mitleid zeigen mit einem hochgeborenen Jüngling, der sich auf dem Weg der Liebe verlor und von Reichtum und Ruhm zum niedrigsten, gemeinsten Wicht fiel. Eifersüchtig war ich auf den Hauch des Zephyr, als er über deine Gestalt hauchte, doch wenn das Schicksal herabsteigt, blendet es den menschlichen Blick, Was soll der glücklose Bogenschütze tun, der, wenn er seinem Feind gegenübertritt und seinen Bogen biegt, um den Pfeil zu schießen, seine Sehne ungespannt findet? Wenn Sorge und Kummer so schwer auf der Jugend edler Seele lasten, wie soll er seinem Los entkommen und wohin ist sein Fluchtort vor dem Schicksal?

Als nun der Sultan die traurige Stimme hörte, sprang er auf seine Füße; und indem er dem Klang folgte, fand er einen Vorhang, der vor einer Kammertür herabgelassen war. Er hob ihn und sah dahinter einen jungen Mann, der auf einer Liege etwa eine Elle über dem Boden saß; und er war schön anzusehen, ein wohlgestalteter Wicht, mit Beredsamkeit ausgestattet; seine Stirn war blütenweiß, seine Wange rosig hell, und ein Muttermal auf seiner Wangenbreite wie ein Stück Amber; genau wie der Dichter dichtet: –

Ein Jüngling mit schmaler Taille, von dessen Locken und Stirn die Welt in Schwärze und Licht getaucht ist. Durch das ganze Rund der Schöpfung ist kein schönerer Anblick, kein seltenerer Anblick ist deinem Auge je begegnet: Ein nussbraunes Muttermal thront auf einer Wange von rosigstem Rot unter einem Auge aus Gagat.

Der König freute sich und grüßte ihn, aber er blieb sitzen in seinem Kaftan aus seidenem Stoff, der mit ägyptischem Gold bestickt war, und seiner Krone, die mit Edelsteinen verschiedener Art besetzt war; aber sein Gesicht war traurig mit den Spuren des Kummers. Er erwiderte den königlichen Gruß auf höflichste Weise und fügte hinzu: „O mein Herr, deine Würde verlangt, dass ich mich für dich erhebe; und meine einzige Entschuldigung ist, um deine Verzeihung zu bitten.“ Der König sagte: „Du bist entschuldigt, o Jüngling; also betrachte mich als deinen Gast, der hierher gekommen ist mit einem speziellen Anliegen. Ich wünschte, du würdest mich mit den Geheimnissen dieses Sees und seiner Fische und dieses Palastes und deiner Einsamkeit darin und der Ursache deines Stöhnens und Klagens vertraut machen.“ Als der junge Mann diese Worte hörte, weinte er mit bitterlichem Weinen; bis seine Brust mit Tränen durchnässt war, und begann zu rezitieren: –

Sag dem, der sorglos schläft, während der Pfeil des Schicksals fliegt: Wie viele legt diese sich wandelnde Welt nieder und erhebt sie, um wieder aufzusteigen? Obwohl dein Auge im Schlaf versiegelt sein mag, schlafen die Augen des Allmächtigen nicht, und wer hat die Zeit jemals gerecht oder das Schicksal in beständiger Gestalt gefunden?

Dann stieß er einen langgezogenen Seufzer aus und rezitierte: –

Vertraue deinen Fall Ihm an, dem Herrn, der die Menschheit erschuf; verlass Sorge und Kummer und kultiviere Zufriedenheit des Geistes; Frage nicht die Vergangenheit, wie oder warum es geschah: Alle menschlichen Dinge wurden durch Schicksal und Vorsehung bestimmt!

Dann stand der König auf, trat zu ihr und sagte: „Willst du mir nicht einmal antworten, wo du doch so viel klagst?“ Sie betrachtete ihn, hielt ihn für den Sklaven, der wieder gesund geworden war und sprechen konnte, und rief: „O mein Herr, mein Leben, mein Augenstern, sprich zu mir!“ Da antwortete ihr der König mit verstellter Stimme, wie sie der Sklave gebrauchte: „Es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Allah, dem Erhabenen, dem Allmächtigen!“ Als die Zauberin diese Worte hörte, stieß sie vor Freude einen Schrei aus, der den gesamten Palast erschütterte, und sprach: „O mein Herr, ist es dir wohl möglich, wieder zu sprechen und zu atmen?“ Da sagte der König: „Du abscheuliches Weib, hast du es verdient, dass ich mit dir spreche?“ Sie fragte erstaunt: „Warum sprichst du so zu mir?“ Er rief: „Wehe dir, du Verfluchte! Weißt du nicht, wer ich bin?“ Sie antwortete: „Du bist mein Herr, der Sklave.“ Er erwiderte: „Du lügst, du unreine Hure! Ich bin der Herr des jungen Prinzen, dessen Unterleib du in Stein verwandelt hast, während sein Oberkörper Mensch blieb. Doch nun hat Allah dir durch meine Hand deine gerechte Strafe gesandt, und ich habe den Sklaven, deinen Liebhaber, getötet, dessen Leichnam ich in den Brunnen des Palastes geworfen habe.“

Als sie dies hörte und erkannte, dass der Mann vor ihr der König und nicht ihr Sklave war, wollte sie ihre Zauberei anwenden, doch der König war schneller. Er zog sein Schwert und hieb mit einem Streich auf sie ein, der sie in zwei Stücke spaltete, sodass sie tot zu Boden fiel. Nachdem er sie erschlagen hatte, ging er zu dem jungen Prinzen und sagte: „Freue dich, denn Allah hat dir die Erlösung von deiner Pein gebracht!“ Der junge Mann blickte ihn an und fragte: „Wo ist sie?“ Der König antwortete: „Sie ist tot.“ Da dankte der Prinz dem König und pries ihn und wünschte ihm alles Gute. Der König sprach: „Willst du nun hier in deiner Stadt bleiben oder mit mir in meine Stadt kommen?“ Der Prinz antwortete: „O König der Zeit, weißt du nicht, wie weit es von hier bis zu deiner Stadt ist?“ Der König sagte: „Es sind kaum zweieinhalb Tage Reise.“ Der Prinz erwiderte: „O König, wenn du glaubst, dass ich mich bewegen kann, so täuschst du dich, denn der Weg von hier bis zu deiner Stadt erfordert ein ganzes Jahr Reise für jemanden, der gesund ist. Ich bin nur deshalb so schnell hierher gelangt, weil ich durch die Zauberei der Frau an diesen Ort gebunden war, doch nun, da sie tot ist, hat die Wirkung nachgelassen.“

Der König sprach: „Mache dir keine Sorgen, ich werde dich in meinem eigenen Palast aufnehmen und dir zu Ehren ein Fest feiern, das so groß ist, wie es noch kein König zuvor gesehen hat.“ Der Prinz antwortete: „Gott belohne dich, o gütiger König, und segne dich für deine Wohltat.“ Dann stand der König auf und ging hinaus zu den Bewohnern der Stadt, die durch die Zauberei der Frau in Fische verwandelt worden waren. Er sprach zu ihnen, und sie antworteten ihm nicht, doch als er an die Stelle trat, wo der Prinz ihn angewiesen hatte, den Zauber zu brechen, sprach er die Worte, die der Prinz ihn gelehrt hatte. Da begannen die Fische sich zu regen, und unter dem Wasser der Quelle formten sich aus ihnen wieder Menschen. Die vier Farben der Fische verschwanden, und jeder der Bewohner nahm wieder seine menschliche Gestalt an. Die Stadt wurde wieder belebt, die Märkte öffneten ihre Tore, und die Menschen, die ihre Stadt nicht wiedererkannten, priesen Allah für ihre Errettung.

Der junge Prinz aber stand auf, und als er seinen Körper betrachtete, sah er, dass auch sein Unterleib wieder Fleisch und Blut geworden war, genau wie sein Oberkörper. Er dankte dem König und küsste seine Hände, woraufhin der König ihn zu seinem Vertrauten machte. Sie sandten Boten an den Vater des jungen Prinzen, der sich in der Wüste befand, und dieser kehrte mit seinem Heer zurück, um seinen Sohn in die Arme zu schließen. Der Prinz erzählte seinem Vater alles, was geschehen war, und dieser dankte dem König und verlobte seine Tochter mit ihm, doch der König lehnte dies dankend ab, da er bereits eine Gattin hatte. So lebten sie fortan in Frieden und Eintracht, und der junge Prinz regierte an der Seite seines Vaters, während der König nach vielen Tagen der Gastfreundschaft in sein eigenes Reich zurückkehrte, wo er bis an sein Lebensende in Glück und Wohlstand herrschte. Und dies ist das Ende der Geschichte vom verzauberten Prinzen.

Da weinte sie wieder und sprach: „O mein Herr! Rede mit mir, sprich zu mir!“ Der König senkte seine Stimme, verzog seine Zunge und sprach nach der Art der Mohren: „'lack! 'lack! es gibt kein Ma'estät und keine Macht außer bei Allauh, dem Gloriosen, dem Großartigen!“ Als sie nun diese Worte hörte, schrie sie vor Freude auf und fiel ohnmächtig zu Boden; und als sie wieder zu sich kam, fragte sie: „O mein Herr, kann es wahr sein, dass du die Gabe der Rede hast?“ Und der König, der seine Stimme klein und schwach machte, antwortete: „O meine Zicke! Verdienst du es, dass ich mit dir rede und zu dir spreche?“ „Warum und weshalb denn?“, entgegnete sie; und er erwiderte: „Das Weshalb ist, dass du den lieben langen Tag deinen Macker peinigst; und er ruft unablässig den Himmel um Hilfe an, bis mir der Schlaf selbst vom Abend bis zum Morgen fremd ist, und er betet und flucht, verdammt uns beide, mich und dich, und bereitet mir Unruhe und viel Verdruss: Wäre dies nicht, hätte ich längst meine Gesundheit wiedererlangt; und das ist es, was mich daran hindert, dir zu antworten.“ Sie sprach: „Mit deiner Erlaubnis werde ich ihn von dem Zauber befreien, der auf ihm liegt;“ und der König sprach: „Erlöse ihn und lass uns ein wenig Ruhe haben!“ Sie rief: „Zu hören heißt zu gehorchen;“ und sie ging vom Kenotaph zum Palast, nahm eine Metallschale, füllte sie mit Wasser und sprach darüber gewisse Worte, die den Inhalt sprudeln und kochen ließen wie einen Kessel, der über dem Feuer siedet. Damit besprengte sie ihren Ehemann und sprach: „Kraft der schrecklichen Worte, die ich gesprochen habe, wenn du durch meine Zaubersprüche so geworden bist, so fahre aus dieser Gestalt in deine eigene frühere Form zurück.“ Und siehe da! Der Jüngling bebte und zitterte; dann erhob er sich auf seine Füße und rief, sich über seine Befreiung freuend, mit lauter Stimme: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott, und in Wahrheit ist Mohammed Sein Gesandter, den Allah segne und bewahre!“ Dann sagte sie zu ihm: „Gehe hinweg und kehre nicht hierher zurück, denn wenn du es tust, werde ich dich fürwahr erschlagen;“ und sie schrie ihm diese Worte ins Gesicht. So ging er von ihren Händen hinweg; und sie kehrte zum Dom zurück, ging hinab zum Grabmal und sprach: „O mein Herr, komm heraus zu mir, damit ich dich und deine Schönheit betrachten kann!“ Der König antwortete mit schwachen, leisen Worten: „Was hast du getan? Du hast mich vom Zweig befreit, aber nicht von der Wurzel.“ Sie fragte: „O mein Liebling! O mein kleiner Mohr! Was ist die Wurzel?“ Und er antwortete: „Wehe dir, o meine Zicke! Die Bewohner dieser Stadt und der vier Inseln heben jede Nacht, wenn die Hälfte verstrichen ist, ihre Köpfe aus dem Becken, in dem du sie in Fische verwandelt hast, und rufen zum Himmel und flehen seinen Zorn auf mich und dich herab; und das ist der Grund, warum mein Körper die Gesundheit verweigert. Geh sofort und setze sie frei; dann komm zu mir und nimm meine Hand und richte mich auf, denn ein wenig Kraft ist bereits in mich zurückgekehrt.“ Als sie die Worte des Königs hörte (und sie hielt ihn immer noch für den Sklaven), rief sie freudig: „O mein Gebieter, auf meinem Kopf und auf meinen Augen sei dein Befehl, Bismillah!“ So sprang sie auf ihre Füße und lief, voll Freude und Frohlocken, hinunter zum Teich und nahm ein wenig von dessen Wasser in ihre Handfläche – Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihre erlaubte Erzählung fortzusetzen.

Als nun die Neunte Nacht war,

sprach sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass als die junge Frau, die Zauberin, etwas von dem Teichwasser in die Hand nahm und Worte darüber sprach, die nicht zu verstehen waren, die Fische ihre Köpfe hoben und auf der Stelle wie Menschen dastanden, da der Zauber von den Bewohnern der Stadt genommen war. Was zuvor ein See gewesen war, wurde wieder eine belebte Hauptstadt; die Basare waren von Volk gedrängt, das kaufte und verkaufte; jeder Bürger war mit seinem eigenen Beruf beschäftigt, und die vier Hügel wurden wieder zu Inseln, wie sie es ehedem gewesen waren. Dann kehrte die junge Frau, jene böse Zauberin, zum König zurück und sagte zu ihm (immer noch im Glauben, er sei der Neger): „O mein Geliebter! Strecke deine geehrte Hand aus, damit ich dir beim Aufstehen behilflich sein kann.“ „Näher zu mir“, sprach der König in schwachem und verstelltem Ton. Sie kam so nahe, als wolle sie ihn umarmen, da ergriff er das Schwert, das an seiner Seite verborgen lag, und schlug sie quer durch die Brust, sodass die Spitze hinter ihrem Rücken hervorglänzte. Dann schlug er ein zweites Mal zu, hieb sie in zwei Teile und warf sie in zwei Hälften zu Boden. Danach ging er hinaus und fand den Jüngling, der nun vom Zauber befreit war und auf ihn wartete, und beglückwünschte ihn zu seiner glücklichen Erlösung, während der Prinz seine Hand mit überschwänglichem Dank küsste. Der König sprach: „Willst du in dieser Stadt bleiben oder mit mir in meine Hauptstadt kommen?“ Der Jüngling sprach: „O König der Zeit, weißt du nicht, welche Reise zwischen dir und deiner Stadt liegt?“ „Zwei Tage und eine halbe“, antwortete er; worauf der andere sagte: „Wenn du schläfst, o König, so wache auf! Zwischen dir und deiner Stadt ist ein Jahresmarsch für einen rüstigen Wanderer, und du wärst nicht in zweieinhalb Tagen hierher gekommen, wenn die Stadt nicht unter einem Zauber gestanden hätte. Und ich, o König, werde mich niemals von dir trennen; nein, nicht einmal für einen Augenblick.“ Der König freute sich über seine Worte und sagte: „Dank sei Allah, der dich mir geschenkt hat! Von dieser Stunde an bist du mein Sohn und mein einziger Sohn, denn in meinem ganzen Leben war mir kein Nachwuchs beschieden.“ Darauf umarmten sie sich und freuten sich mit übergroßer Freude; und als sie den Palast erreichten, teilte der Prinz, der verzaubert gewesen war, seinen Herren und Großen mit, dass er die Heiligen Stätten als Pilger besuchen wolle, und befahl ihnen, alles Notwendige für diesen Anlass bereitzustellen. Die Vorbereitungen dauerten zehn Tage, wonach er mit dem Sultan aufbrach, dessen Herz vor Sehnsucht nach seiner Stadt brannte, von der er ein ganzes Jahr lang abwesend gewesen war. Sie reisten mit einem Gefolge von Mamelucken, die alle Arten von kostbaren Geschenken und Raritäten mit sich führten, und sie hielten nicht inne, Tag und Nacht zu reisen, ein volles Jahr lang, bis sie sich der Hauptstadt des Sultans näherten und Boten aussandten, um ihre Ankunft anzukündigen. Da kamen der Wesir und das ganze Heer heraus, um ihn mit Freude und Frohlocken zu empfangen, denn sie hatten jede Hoffnung aufgegeben, ihren König jemals wiederzusehen; und die Truppen küssten die Erde vor ihm und beglückwünschten ihn zu seiner Unversehrtheit. Er trat ein, nahm auf seinem Thron Platz, und der Minister trat vor ihn, und als er von allem erfuhr, was dem jungen Prinzen widerfahren war, beglückwünschte er ihn zu seiner knappen Rettung. Als im ganzen Land wieder Ordnung hergestellt war, gab der König vielen seiner Untertanen Almosen und sagte zum Wesir: „Bring den Fischer her, der uns die Fische brachte!“ So sandte er nach dem Mann, der die erste Ursache dafür gewesen war, dass die Stadt und ihre Bürger vom Zauber befreit wurden, und als er vor den Sultan trat, verlieh ihm dieser ein Ehrenkleid und befragte ihn nach seinem Befinden und ob er Kinder habe. Der Fischer ließ ihn wissen, dass er zwei Töchter und einen Sohn habe, woraufhin der König nach ihnen sandte, eine Tochter zur Ehe nahm, die andere dem jungen Prinzen gab und den Sohn zu seinem Schatzmeister machte. Des Weiteren belehnte er seinen Wesir mit dem Sultanat der Stadt auf den Schwarzen Inseln, die ehedem dem jungen Prinzen gehört hatten, und entsandte mit ihm das Gefolge von fünfzig bewaffneten Sklaven sowie Ehrenkleider für alle Emire und Großen. Der Wesir küsste die Hände und machte sich auf den Weg; während der Sultan und der Prinz in aller Ruhe und Lebensfreude zu Hause blieben; und der Fischer wurde der reichste Mann seines Zeitalters, und seine Töchter heirateten die Könige, bis der Tod sie ereilte. Und doch, o König! ist dies nicht wunderbarer als die Geschichte vom

Träger und den drei Damen von Bagdad.

Es war einmal ein Träger in Bagdad, der ein Hagestolz war und auch ledig bleiben wollte. Es begab sich an einem gewissen Tage, als er auf der Straße stand und müßig auf seinem Tragekorb lehnte, siehe, da stand vor ihm eine vornehme Frau in einem Mantel aus Mossul-Seide, mit Gold bestickt und mit Brokat besetzt; ihre Wanderschuhe waren ebenfalls mit Gold verziert und ihr Haar wallte in langen Flechten herab. Sie hob ihren Gesichtsschleier und zeigte zwei schwarze Augen, gesäumt von pechschwarzen Wimpern, deren Blick weich und schwärmerisch war und deren vollkommene Schönheit stets betörend wirkte. Sie sprach den Träger an und sagte mit den sanftesten Tönen und in der gewähltsten Sprache: „Nimm deinen Korb und folge mir.“ Der Träger war so geblendet, dass er kaum glauben konnte, richtig gehört zu haben, doch er wuchtete seinen Korb in großer Eile auf die Schultern, indem er bei sich dachte: „O Tag des Glücks! O Tag von Allahs Gnade!“, und ging ihr nach, bis sie vor der Tür eines Hauses stehen blieb. Dort klopfte sie, und alsbald kam ein alter Mann, ein Nazarener, heraus, dem sie ein Goldstück gab, wofür sie von ihm erhielt, was sie benötigte: abgeseihten Wein, klar wie Olivenöl; sie setzte ihn sicher in den Korb und sagte: „Heb an und folge mir.“ Der Träger sprach: „Dies ist bei Allah wahrlich ein verheißungsvoller Tag, ein Tag, günstig für die Erfüllung alles dessen, was ein Mensch sich wünscht.“ Er hob den Korb erneut auf und folgte ihr, bis sie bei einem Obsthändler anhielt und bei ihm Schami-Äpfel, Osmani-Quitten, Omani-Pfirsiche, Gurken aus dem Anbau am Nil, ägyptische Limetten, Sultani-Orangen und Zitronen kaufte; dazu aleppischen Jasmin, duftende Myrtenbeeren, damaszener Seerosen, Ligusterblüten und Kamille, blutrote Anemonen, Veilchen und Granatapfelblüten; und sie legte alles in den Korb des Trägers und sagte: „Heb ihn hoch.“ So hob er ihn und folgte ihr, bis sie an einer Metzgerei stehen blieb und sagte: „Schneide mir zehn Pfund Hammelfleisch ab.“ Sie bezahlte ihm den Preis, er wickelte es in ein Bananenblatt, woraufhin sie es in den Korb legte und sagte: „Heb an, o Träger.“ Er hob dementsprechend an und folgte ihr, während sie weiterging, bis sie bei einem Krämer anhielt, wo sie Trockenfrüchte und Pistazienkerne, Tihamah-Rosinen, geschälte Mandeln und alles Nötige für das Dessert kaufte und zum Träger sagte: „Heb an und folge mir.“ So nahm er seinen Korb und ging hinter ihr her, bis sie beim Konditor stehen blieb; sie kaufte eine irdene Platte und häufte darauf alle Arten von Süßwaren, die in seinem Laden zu finden waren: durchbrochene Torten und Krapfen, mit Moschus und „Seifenkuchen“ parfümiert, Zitronenbrote und Melonenkonfitüren, „Zaynabs Kämme“, „Damenfinger“, „Kazi-Leckerbissen“ und Leckereien jeder Art; und sie stellte die Platte in den Korb des Trägers. Daraufhin sagte dieser (da er ein fröhlicher Mann war): „Du hättest es mir sagen sollen, dann hätte ich ein Pony oder eine Kamelstute mitgebracht, um all diese Marktwaren zu tragen.“ Sie lächelte und gab ihm einen kleinen Klaps auf den Nacken, indem sie sagte: „Schreite aus und übertreib es nicht mit dem Reden, denn (so Allah will!) dein Lohn wird nicht ausbleiben.“ Dann hielt sie bei einem Parfümeur an und nahm von ihm zehnerlei Wässer: mit Moschus versetztes Rosenwasser, Orangenblüten-, Seerosen-, Weidenblüten-, Veilchenwasser und fünf andere; sie kaufte auch zwei Zuckerhüte, eine Flasche zum Versprühen von Parfüm, einen Klumpen männlichen Weihrauch, Aloeholz, Ambra und Moschus samt Kerzen aus alexandrinischem Wachs; und sie legte alles in den Korb und sagte: „Heb deinen Korb an und folge mir.“ Er tat es und folgte ihr, bis sie vor dem Gemüsehändler stand, bei dem sie eingelegte Färberdistel und Oliven in Salzlake und Öl kaufte, dazu Estragon, Frischkäse und harten syrischen Käse; sie verstaute alles im Korb und sagte zum Träger: „Nimm deinen Korb und folge mir.“ Er tat es und ging ihr nach, bis sie zu einem prächtigen Anwesen kam, vor dem ein geräumiger Hof lag, ein hohes, feines Gebäude, dem Säulen Kraft und Anmut verliehen; das Tor hatte zwei Flügel aus Ebenholz, eingelegt mit Platten aus rotem Gold. Die Dame blieb an der Tür stehen, drehte ihren Gesichtsschleier zur Seite und klopfte leise mit den Knöcheln, während der Träger hinter ihr stand und an nichts anderes als an ihre Schönheit und Lieblichkeit dachte. Alsbald schwang die Tür zurück und beide Flügel öffneten sich, woraufhin er schaute, wer sie geöffnet hatte; und siehe, es war eine Dame von hoher Gestalt, etwa fünf Fuß groß; ein Urbild an Schönheit und Lieblichkeit, Glanz, Ebenmaß und vollkommener Anmut. Ihre Stirn war blütenweiß; ihre Wangen wie die Anemone leuchtend rot; ihre Augen waren die eines jungen Wildrindes oder einer Gazelle, mit Augenbrauen wie der sichelförmige Mond, der den Schaban beendet und den Ramadan beginnt; ihr Mund war der Ring des Sulayman, ihre Lippen korallenrot und ihre Zähne wie eine Reihe aufgereihter Perlen oder Kamillenblütenblätter. Ihr Hals erinnerte an den einer Antilope, und ihre Brüste, wie zwei Granatäpfel von gleicher Größe, standen gleichsam herausfordernd; ihr Körper hob und senkte sich in Wellen unter ihrem Kleid wie die Falten eines Stücks Brokat, und ihr Nabel hätte eine Unze Benzoesalbe fassen können. Kurzum, sie war wie jene, von der der Dichter sagte:

Auf Sonne und Mond des Palastes lenke deinen Blick, genieße ihr blütenhaftes Antlitz, ihr duftendes Licht: Deine Augen werden niemals bei so schwarzem Haar eine Schönheit finden, die eine so rein weiße Stirn umschließt: Die rötlich-rosige Wange verkündet ihren Anspruch, auch wenn jene fehlt, deren Schönheit wir beschreiben: Wenn sie in ihrem Gang schwankt, lächle ich ob der üppigen Hüften und weine, wenn ich die Taille sehe, die sie tragen müssen, so schmal.

Als der Lastträger sie erblickte, wurden ihm seine Sinne geraubt und sein Verstand so bestürmt, dass sein Korb beinahe von seinem Kopf gefallen wäre, und er sagte zu sich selbst: „Niemals in meinem Leben habe ich einen Tag gesehen, der gesegneter ist als dieser Tag!“ Da sprach die pförtnerische Dame zur küchenmeisterlichen Dame: „Komm vom Tor herein und erleichtere diesen armen Mann von seiner Last.“ So ging die Proviantmeisterin hinein, gefolgt von der Pförtnerin und dem Lastträger, und sie gingen weiter, bis sie eine geräumige Halle im Erdgeschoss erreichten, die mit bewundernswertem Geschick erbaut und mit allerlei Farben und Schnitzereien verschönert war; mit oberen Balkonen, Kreuzgewölben, Galerien, Schränken und Nischen, vor denen Vorhänge hingen. In der Mitte stand ein großes, wassergefülltes Becken, das einen prächtigen Springbrunnen umgab, und am oberen Ende, auf einem erhöhten Podest, stand eine Liegestatt aus Wacholderholz, besetzt mit Edelsteinen und Perlen, mit einem Baldachin wie Moskitonetze aus roter Satinseide, die mit Perlen so groß wie Haselnüsse und größer hochgeschlungen waren. Darauf saß eine Dame von leuchtendem Antlitz, mit einer Stirn, die vor Glanz strahlte, ein Traum der Philosophie, deren Augen mit der Zauberei Babels gefüllt waren und deren Augenbrauen wie zum Bogenschießen gespannt waren; ihr Atem hauchte Ambra und Parfüm, und ihre Lippen waren Zucker zum Kosten und Karneol zum Sehen. Ihre Statur war gerade wie der Buchstabe ا und ihr Gesicht beschämte die Strahlkraft der Mittagssonne; und sie war wie eine Galaxie oder eine Kuppel mit goldenem Intarsienwerk oder eine Braut, die in feinstem Schmuck dargeboten wird, oder eine vornehme Maid aus Arabien. Wohl sang der Barde von ihr, als er sagte:

Ihr Lächeln zeigt doppelte Perlenreihen ✿ Kamillenknospen oder bereifter Sprühregen Ihre Locken schweifen wie die herabgelassene Nacht ✿ Und beschämen mit ihrem Licht den Anbruch des Tages.

Die dritte Dame erhob sich von der Liegestatt und schritt mit anmutig wiegendem Gang vorwärts, bis sie die Mitte des Salons erreichte, worauf sie zu ihren Schwestern sagte: „Warum steht ihr hier? Nehmt es diesem armen Mann vom Kopf!“ Da ging die Küchenmeisterin und stellte sich vor ihn, und die Pförtnerin hinter ihn, während die dritte ihnen half, und sie hoben die Last vom Kopf des Lastträgers; und nachdem sie ihn von allem geleert hatten, was darin war, stellten sie alles an seinen Platz. Zuletzt gaben sie ihm zwei Goldstücke und sagten: „Geh deiner Wege, o Lastträger.“ Aber er ging nicht, denn er stand da, blickte auf die Damen und bewunderte ihre ungewöhnliche Schönheit, ihre angenehmen Manieren und ihr gütiges Wesen (niemals hatte er Schöneres gesehen); und er blickte sehnsüchtig auf den guten Vorrat an Weinen, wohlriechenden Blumen, Früchten und anderen Dingen. Auch staunte er über die Maßen, besonders darüber, dass er keinen Mann an diesem Ort sah, und zögerte mit seinem Gehen; worauf die älteste Dame sprach: „Was gebricht dir, dass du nicht gehst? Vielleicht ist dein Lohn zu gering?“ Und sie wandte sich an ihre Schwester, die Küchenmeisterin, und sagte: „Gib ihm noch einen Dinar!“ Doch der Lastträger antwortete: „Bei Allah, meine Herrin, es ist nicht wegen des Lohns; mein Taglohn ist niemals mehr als zwei Dirham; aber in Wahrheit sind mein Herz und meine Seele von euch und eurem Zustand gefangen. Ich wundere mich, euch allein zu sehen, ohne einen einzigen Mann um euch herum und keine Seele, die euch Gesellschaft leistet; und ihr wisst wohl, dass das Minarett schwankt, wenn es nicht auf vier Säulen steht, und ihr entbehrt eben diese vierte; und das Vergnügen der Frauen ohne den Mann ist von kurzem Maß, wie der Dichter sagte:

Siehst du nicht, wir brauchen zur Freude vier Dinge alles in allem ✿ Die Harfe und die Laute, die Flöte und die Schalmei; Und sind sie begleitet von Düften vierfacher Art ✿ Rose, Myrte, Anemone und Veilchen; Noch erfreuen alle acht nicht, wenn du vier zurückhieltest ✿ Guten Wein und Jugend und Gold und ein hübsches Schätzchen.

Ihr seid drei und braucht eine vierte Person von gutem Verstand und Klugheit; schlagfertig und geeignet, ein sorgfältiges Geheimnis zu bewahren.“ Seine Worte gefielen ihnen und amüsierten sie sehr; und sie lachten über ihn und sagten: „Und wer soll uns das verbürgen? Wir sind Jungfrauen und fürchten, unser Geheimnis jemandem anzuvertrauen, der es nicht bewahren kann, denn wir haben in einer gewissen Chronik die Zeilen eines Ibn al-Sumam gelesen:

Bewahre fest dein Geheimnis und enthülle es niemandem ✿ Verloren ist ein Geheimnis, wenn das Geheimnis erzählt wird: Wenn es deiner Brust misslingt, dein Geheimnis zu verbergen ✿ Wie kannst du hoffen, dass eine fremde Brust es hält?

Und Abu Nowás sagte wohl das Gleiche zum selben Thema:

Wer ein Geheimnis einer anderen Hand anvertraut ✿ Der verdient auf seiner Stirn das Brennen des Eisens!“

Als der Lastträger ihre Worte hörte, erwiderte er: „Bei eurem Leben! Ich bin ein Mann von Verstand und Diskretion, der Bücher gelesen und Chroniken studiert hat; ich enthülle das Schöne und verberge das Hässliche, und ich handle, wie der Dichter rät:

Keiner außer den Guten bewahrt ein Geheimnis ✿ Und gute Männer bewahren es unenthüllt: Es ist für mich ein wohlverschlossenes Haus ✿ Mit schlüssellosen Schlössern und versiegelter Tür.“

Als die Mädchen seinen Vers und seine poetische Anwendung an sie hörten, sagten sie: „Du weißt, dass wir all unser Geld für diesen Ort ausgegeben haben. Nun sag, hast du etwas anzubieten als Gegenleistung für die Unterhaltung? Denn sicherlich werden wir dir nicht gestatten, in unserer Gesellschaft zu sitzen, unser Trinkgenosse zu sein und unsere Gesichter zu betrachten, die so schön und selten sind, ohne eine runde Summe zu zahlen. Weißt du nicht den Spruch:

Ohne Hoffnung auf Gewinn Ist Liebe keinen Groschen wert?“

Worauf die pförtnerische Dame hinzufügte: „Wenn du etwas bringst, bist du ein Jemand; wenn nichts, dann scher dich fort, du bist ein Niemand.“ Doch die Prokuratorin unterbrach sie und sagte: „Nein, o meine Schwestern, hört auf, ihn zu necken, denn bei Allah, er hat uns an diesem Tag nicht im Stich gelassen, und wäre er anders gewesen, hätte er niemals Geduld mit mir gehabt, also was auch immer seine Zeche ist, ich nehme sie auf meine Kappe.“ Der Lastträger, überglücklich, küsste den Boden vor ihr und dankte ihr, indem er sagte: „Bei Allah, dieses Geld ist die erste Frucht, die mir dieser Tag beschert hat.“ Als sie dies hörten, sagten sie: „Setz dich nieder, und sei willkommen“, und die älteste Dame fügte hinzu: „Bei Allah, wir können nicht gestatten, dass du dich uns anschließt, außer unter einer Bedingung, und die ist, dass keine Fragen gestellt werden zu Dingen, die dich nicht angehen, und Widerspenstigkeit wird mit einer ordentlichen Tracht Prügel bestraft.“ Der Lastträger antwortete: „Ich stimme dem zu, o meine Herrin, auf meinem Kopf und meinen Augen soll es sein! Schaut, ich bin stumm, ich habe keine Zunge.“ Dann erhob sich die Proviantmeisterin, zog ihren Gürtel straffer, deckte den Tisch am Springbrunnen, stellte die Blumen und Kräuter in ihre Gefäße, seihte den Wein, ordnete die Flaschen in einer Reihe und bereitete alles Nötige vor. Dann setzte sie sich mit ihren Schwestern nieder und platzierte den Lastträger, der sich immer noch wie in einem Traum vorkam, in ihre Mitte; sie nahm den Weinkrug, goss den ersten Becher ein, trank ihn aus, und ebenso einen zweiten und einen dritten. Danach füllte sie einen vierten Becher, den sie einer ihrer Schwestern reichte; und zuletzt krönte sie einen Pokal und reichte ihn dem Lastträger mit den Worten:

Trink den teuren Trank, trink frei und freudig ✿ Was heilt jeden Kummer und Schmerz.

Er nahm den Becher in die Hand, verneigte sich tief, brachte seinen besten Dank dar und improvisierte:

Leere die Schale nicht außer mit einem vertrauten Freund ✿ Einem Mann von Wert, dessen gutes altes Blut jeder kennt: Denn Wein, wie der Wind, saugt Süße aus dem Süßen ✿ Und stinkt, wenn er gar übel weht:

Und fügte hinzu:

Leere die Schale nicht außer aus einer teuren Hand wie der deinen ✿ Der Becher erinnert an deine Gaben; du an die Gaben des Weins.

Nachdem er dieses Paar gereimt hatte, küsste er ihre Hände, trank, wurde betrunken, saß schwankend von einer Seite zur anderen und fuhr fort:

Alle Getränke, worin Blut ist, hält das Gesetz für unrein ✿ Außer eines, den Blutvergieß der Rebe: Füll! füll! nimm all meinen Besitz, vererbt oder gewonnen ✿ Du Reh! ein williges Lösegeld für diese Augen.

Dann krönte die Küchenmeisterin einen Becher und gab ihn der Pförtnerin, die ihn aus ihrer Hand nahm, ihr dankte und trank. Daraufhin goss sie wieder ein, reichte ihn der ältesten Dame, die auf der Liegestatt saß, füllte noch einen und reichte ihn dem Lastträger. Er küsste den Boden vor ihnen; und nachdem er getrunken und ihnen gedankt hatte, begann er erneut zu rezitieren:

Hier! Hier! bei Allah, hier! ✿ Becher des Süßen, des Teuren! Füll mir eine überquellende Schale ✿ Die Quelle des Lebens begehre ich.

Dann stand der Lastträger vor der Herrin des Hauses auf und sagte: „O Herrin, ich bin dein Sklave, dein Mameluk, dein weißer Knecht, dein wahrer Leibeigener“; und er begann zu rezitieren:

Ein Sklave der Sklaven steht an deiner Tür ✿ Preist deine großzügigen Wohltaten und Geschenke im Überfluss: Schönheit! darf er eine Weile kommen, sich an deinen Reizen ✿ zu erfreuen? denn Liebe und ich trennen uns nimmermehr!

Sie sagte zu ihm: „Trink; und Gesundheit und Glück mögen dein Trinken begleiten.“ So nahm er den Becher, küsste ihre Hand und rezitierte diese Zeilen im Singsang:

Ich gab ihr mutigen alten Wein, der wie ihre Wangen ✿ Errötete oder wie die Flamme aus dem lodernden Ofen: Sie küsste den Rand und sagte mit vielen Lächeln ✿ Wie wagst du es, die Wangen der Leute zum Schlürfen anzubieten? „Trink!“ (sagte ich) „das sind meine Tränen, deren Farbe ✿ Herzblutseufzer sind, die im Becher gekocht haben.“

Sie antwortete ihm mit dem folgenden Reimpaar:

„Wenn du Tränen aus Blut für mich, Freund, vergossen hast ✿ Lass mich sie schlürfen, bei deinem Haupt und deinen Augen!“

Dann nahm die Dame den Becher und trank ihn auf das Wohl ihrer Schwestern aus, und sie hörten nicht auf zu trinken (während der Lastträger inmitten von ihnen war), zu tanzen, zu lachen, Verse zu rezitieren und Balladen und Ritornelle zu singen. Die ganze Zeit über trieb es der Lastträger mit ihnen, küsste, neckte, biss, betastete, griff zu, fingierte; während die eine ihm einen feinen Bissen in den Mund schob, die andere ihn schlug; und diese ohrfeigte seine Wangen, jene warf süße Blumen nach ihm; und er war im Paradies der Lust, als ob er im siebten Himmel unter den Houris säße. Sie hörten nicht auf, auf diese Weise fortzufahren, bis der Wein in ihren Köpfen spielte und ihren Verstand überwältigte; und als der Trank die Oberhand über sie gewann, stand die Pförtnerin auf und legte ihre Kleider ab, bis sie mutterseelenallein nackt war. Sie ließ jedoch ihr Haar über ihren Körper fallen wie ein Hemd, warf sich in das Becken, vergnügte sich, tauchte wie eine Ente, schwamm auf und ab, nahm Wasser in den Mund, spritzte es über den Lastträger und wusch ihre Glieder, zwischen ihren Brüsten, in ihren Schenkeln und rings um ihren Nabel. Dann kam sie aus der Zisterne, warf sich auf den Schoß des Lastträgers und sagte: „O mein Herr, o mein Geliebter, wie nennst du diesen Gegenstand?“ und zeigte auf ihren Schlitz, ihre Lösung der Kontinuität. „Ich nenne das deine Spalte“, sagte der Lastträger, und sie erwiderte: „Wah! wah! schämst du dich nicht, ein solches Wort zu benutzen?“ und sie packte ihn am Kragen und ohrfeigte ihn ordentlich. Er sagte wieder: „Deine Gebärmutter, deine Vulva“; und sie versetzte ihm einen zweiten Schlag und rief: „O pfui, o pfui, das ist ein weiteres hässliches Wort; hast du keine Scham in dir?“ Er sagte: „Deine Coynte“; und sie rief: „O du! bist du gänzlich bar jeder Bescheidenheit?“ und schlug ihn und prügelte ihn. Dann rief der Lastträger: „Deine Klitoris“, worauf die älteste Dame mit einer noch härteren Tracht Prügel über ihn herfiel und sagte: „Nein“; und er sagte: „Es ist so“, und der Lastträger fuhr fort, dieselbe Ware mit allerlei anderen Namen zu belegen, aber was auch immer er sagte, sie schlugen ihn immer mehr, bis sein Nacken schmerzte und von den Schlägen, die er erhalten hatte, anschwoll; und auf diese Weise machten sie ihn zum Zielscheibe und zum Gespött. Schließlich wandte er sich an sie und fragte: „Und wie nennt ihr Frauen diesen Gegenstand?“ Worauf das Mädchen antwortete: „Das Basilikum der Brücken.“ Der Lastträger rief: „Dank sei Allah für meine Sicherheit: hilf mir und sei mir gnädig, o Basilikum der Brücken!“ Sie reichten den Becher herum und leerten die Schale erneut, als die zweite Dame aufstand; und nachdem sie alle ihre Kleider abgestreift hatte, warf sie sich in die Zisterne und tat es der ersten gleich; dann kam sie aus dem Wasser, warf ihren nackten Körper auf den Schoß des Lastträgers, zeigte auf ihre Maschine und sagte: „O Licht meiner Augen, sag mir doch, wie der Name dieses Dings ist?“ Er antwortete wie zuvor: „Deine Spalte“; und sie erwiderte: „Hat ein solcher Ausdruck keine Scham für dich?“ und ohrfeigte ihn und schlug ihn, bis der Salon von den Schlägen widerhallte. Dann sagte sie: „O pfui! o pfui! wie kannst du das sagen, ohne zu erröten?“ Er schlug vor: „Das Basilikum der Brücken“; aber sie wollte davon nichts wissen und sagte: „Nein! nein!“ und schlug ihn auf den Nacken. Dann begann er, alle Namen aufzuzählen, die er kannte: „Deine Spalte, deine Gebärmutter, deine Coynte, deine Klitoris“; und die Mädchen sagten immerzu: „Nein! nein!“ Also sagte er: „Ich bleibe beim Basilikum der Brücken“; und alle drei lachten, bis sie auf den Rücken fielen, ihm Schläge auf den Nacken versetzten und sagten: „Nein! nein! das ist nicht ihr richtiger Name.“ Daraufhin rief er: „O meine Schwestern, wie ist ihr Name?“ und sie antworteten: „Was hältst du von dem geschälten Sesamsamen?“ Dann zog die Küchenmeisterin ihre Kleider an und sie begannen wieder zu zechen, aber der Lastträger stöhnte weiter: „Oh! und Oh!“ wegen seines Nackens und seiner Schultern, und der Becher ging für eine volle Stunde fröhlich herum. Nach dieser Zeit stand die älteste und schönste Dame auf, streifte ihre Gewänder ab, woraufhin der Lastträger seinen Nacken in die Hand nahm, ihn rieb und massierte und sagte: „Mein Nacken und meine Schultern sind auf dem Weg Allahs!“ Dann warf sie sich in das Becken, schwamm und tauchte, spielte und wusch sich; und der Lastträger betrachtete ihre nackte Gestalt, als wäre sie ein Stück vom Mond, und ihr Gesicht mit dem Glanz des Vollmonds oder wie die Morgendämmerung, wenn sie aufhellt, und er bemerkte ihre edle Statur und Form und jene herrlichen Formen, die zitterten, als sie ging; denn sie war nackt, wie der Herr sie erschuf. Dann rief er: „Weh! Weh!“ und begann sie mit diesen Reimpaaren anzusprechen:

„Wenn ich deine Gestalt mit dem Ast vergleiche, wenn er grün ist ✿ So irrt mein Gleichnis und ich täusche mich schwer; Denn der Ast ist am schönsten, wenn er am meisten bekleidet ist ✿ Und du bist am schönsten, wenn du mutterseelenallein nackt bist.“

Als die Dame seine Verse hörte, stieg sie aus dem Becken, setzte sich auf seinen Schoß und seine Knie, zeigte auf ihr Genitale und sagte: „O mein Herrchen, wie ist der Name hiervon?“ Er sagte: „Das Basilikum der Brücken“; aber sie sagte: „Bah, bah!“ Er sagte: „Der geschälte Sesam“; sie sagte: „Puh, puh!“ Dann sagte er: „Deine Gebärmutter“; und sie rief: „Pfui, Pfui! schämst du dich nicht?“ und ohrfeigte ihn auf den Nacken. Und welchen Namen er auch nannte und erklärte „Es ist so“, sie schlug ihn und rief „Nein! nein!“, bis er schließlich sagte: „O meine Schwestern, und wie ist ihr Name?“ Sie antwortete: „Sie ist betitelt als die Karawanserei von Abu Mansur“; worauf der Lastträger antwortete: „Ha! ha! O Allah sei gelobt für die sichere Rettung! O Karawanserei von Abu Mansur!“ Dann kam sie heraus und kleidete sich an, und der Becher ging eine volle Stunde herum. Schließlich stand der Lastträger auf, streifte alle seine Kleider ab, sprang in den Tank, schwamm umher und wusch sich unter seinem bärtigen Kinn und unter den Achseln, genau wie sie es getan hatten. Dann kam er heraus, warf sich in den Schoß der ersten Dame, legte seine Arme auf den Schoß der Pförtnerin, ruhte seine Beine im Schoß der Küchenmeisterin und zeigte auf seinen Zipfel und sagte: „O meine Herrinnen, wie ist der Name dieses Gegenstandes?“ Alle lachten über seine Worte, bis sie auf den Rücken fielen, und eine sagte: „Dein Pimmel!“ Aber er antwortete: „Nein!“ und gab jeder von ihnen einen Biss als Pfand. Dann sagten sie: „Dein Schwanz!“ aber er rief „Nein“, und gab jeder von ihnen eine Umarmung; – Und Shahrazad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen.

Nun, da es die Zehnte Nacht war,

sprach Dunyazad, ihre Schwester: „Vollende uns deine Geschichte.“ Und sie antwortete: „Mit Freude und lieblichen Gnaden.“ Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass die Jungfrauen nicht davon abließen, zum Lastträger zu sagen: „Dein Dorn, dein Glied, dein Zipfel“, und er hörte nicht auf zu küssen, zu beißen und zu herzen, bis sein Herz gesättigt war, und sie lachten, bis sie nicht mehr konnten. Zuletzt sagte eine: „O unser Bruder, wie also wird er genannt?“ Er sprach: „Wisst ihr es nicht?“ Sie sagten: „Nein!“ „Sein wahrhaftiger Name“, sagte er, „ist Maultier Alles-Zermalm, das den Basilikum der Brücken abgrast, den entspelzten Sesam kaut und in der Karawanserei von Abu Mansur nächtigt.“ Da lachten sie, bis sie auf den Rücken fielen, kehrten zu ihrem Gelage zurück und ließen in dieser Weise nicht nach, bis die Nacht hereinzubrechen begann. Darauf sagten sie zum Lastträger: „Im Namen Allahs, o unser Herr, auf und davon mit deinen armseligen alten Schuhen, dreh dich um und zeig uns die Breite deiner Schultern!“ Er sagte: „Bei Allah, mich von meiner Seele zu trennen, wäre leichter für mich, als von euch zu scheiden: Kommt, lasst uns die Nacht an den Tag reihen, und morgen früh wird jeder von uns seines Weges ziehen.“ „Mein Leben für euch“, sagte die Kupplerin, „erlaubt ihm, bei uns zu verweilen, damit wir über ihn lachen können: Wir mögen unser ganzes Leben zubringen und niemals seinesgleichen treffen, denn wahrlich, er ist ein rechter, lustiger Schelm und ein geistreicher.“ Also sagten sie: „Du darfst in dieser Nacht nicht bei uns bleiben, außer unter der Bedingung, dass du dich unseren Befehlen unterwirfst und dass du, was auch immer du siehst, keine Fragen darüber stellst und dich nicht nach dessen Ursache erkundigst.“ „Einverstanden“, gab er zur Antwort, und sie sagten: „Geh und lies das Geschriebene über der Tür.“ Also stand er auf, ging zum Eingang und fand dort in Goldtinte geschrieben: „WER VON DEM SPRICHT, WAS IHN NICHT ANGEHT, WIRD HÖREN, WAS IHM NICHT GEFÄLLT!“ Der Lastträger sagte: „Seid meine Zeugen, dass ich nicht von dem sprechen werde, was mich nicht angeht.“ Dann erhob sich die Speisenmeisterin und setzte ihnen Speisen vor, und sie aßen; danach wechselten sie den Trinkort gegen einen anderen, und sie entzündete die Lampen und Kerzen, verbrannte Ambra und Adlerholz und setzte frisches Obst und das Weingeschirr auf, woraufhin sie begannen, zu zechen und von ihren Geliebten zu sprechen. Und sie ließen nicht ab zu essen, zu trinken und zu schwatzen, knabberten Trockenfrüchte, lachten und trieben Scherze für die Dauer einer vollen Stunde, als siehe! ein Klopfen am Tor vernommen wurde. Das Klopfen störte die Sitzung in keiner Weise, doch eine von ihnen erhob sich, ging nachzusehen, was es sei, und kehrte alsbald zurück mit den Worten: „Wahrlich, unser Vergnügen für diese Nacht soll vollkommen sein.“ „Wie kommt das?“, fragten sie; und sie antwortete: „Am Tor sind drei persische Kalandare, deren Bärte, Häupter und Augenbrauen geschoren sind; und alle drei sind auf dem linken Auge blind – was wahrlich ein seltsamer Zufall ist. Sie sind Fremde aus dem Lande der Rum, mit dem deutlichen Zeichen der Reise an sich; sie haben gerade erst Bagdad betreten, und dies ist ihr erster Besuch in unserer Stadt; und der Grund für ihr Klopfen an unserer Tür ist schlicht, dass sie keine Herberge finden können. Wahrlich, einer von ihnen sagte zu mir: ‚Vielleicht lässt uns der Eigentümer dieses Hauses den Schlüssel seines Stalls oder irgendein altes Nebengebäude, in dem wir diese Nacht zubringen können‘; denn der Abend hatte sie überrascht, und da sie Fremde im Lande waren, kannten sie niemanden, der ihnen Obdach gewähren würde. Und, o meine Schwestern, jeder von ihnen ist eine Witzfigur nach seiner eigenen Art; und wenn wir sie hereinlassen, werden wir Stoff haben, um uns zu belustigen.“ Sie ließ nicht davon ab, sie zu überreden, bis sie zu ihr sagten: „Lass sie herein und stelle du die übliche Bedingung mit ihnen, dass sie nicht von dem sprechen, was sie nicht angeht, auf dass sie nicht hören, was ihnen nicht gefällt.“ Da freute sie sich, ging zum Tor und kehrte alsbald mit den drei Einäugigen zurück, deren Bärte und Schnurrbärte rein geschoren waren. Sie gaben den Friedensgruß und standen aus Respekt in einiger Entfernung; doch die drei Damen erhoben sich für sie, hießen sie willkommen, wünschten ihnen Freude über ihre sichere Ankunft und ließen sie Platz nehmen. Die Kalandare blickten sich im Raum um und sahen, dass es ein angenehmer Ort war, sauber gefegt und mit Blumen geschmückt; die Lampen brannten, und der Rauch der Parfüme stieg in die Luft; und neben dem Nachtisch, den Früchten und dem Wein gab es drei schöne Mädchen, die Jungfrauen sein mochten; da riefen sie wie aus einem Munde: „Bei Allah, das ist gut!“ Dann wandten sie sich an den Lastträger und sahen, dass er ein fröhlich dreinblickendes Kerlchen war, obgleich er keineswegs nüchtern und wund von seinen Schlägen war. Also dachten sie, er sei einer von ihnen, und sagten: „Ein Bettler wie wir! Ob Araber oder Fremder.“ Doch als der Lastträger diese Worte hörte, stand er auf, heftete seine Augen grimmig auf sie und sagte: „Setzt euch hierher, ohne im Reden zu übertreiben! Habt ihr nicht gelesen, was über der Tür geschrieben steht? Wahrlich, es geziemt sich nicht für Gesellen, die wie Bettler zu uns kommen, eure Zungen gegen uns zu schwingen.“ „Wir erbitten deine Verzeihung, o Fakir“, erwiderten sie, „und unsere Häupter sind in deinen Händen.“ Die Damen lachten überschwänglich über den Zank; und nachdem sie Frieden zwischen den Kalandaren und dem Lastträger geschlossen hatten, setzten sie die neuen Gäste vor die Speisen, und sie aßen. Dann saßen sie zusammen, und die Türhüterin bediente sie mit Getränken; und als der Becher fröhlich die Runde machte, sprach der Lastträger zu den Bittstellern: „Und ihr, o meine Brüder, habt ihr keine Geschichte oder seltenes Abenteuer, um uns damit zu unterhalten?“ Da nun die Wärme des Weines in ihre Köpfe gestiegen war, verlangten sie nach Musikinstrumenten; und die Türhüterin brachte ihnen ein Tamburin aus Mosul, eine Laute aus Irak und eine persische Harfe; und jeder Bettler nahm eines und stimmte es; der eine das Tamburin, die anderen die Laute und die Harfe, und sie stimmten eine fröhliche Weise an, während die Damen so kräftig sangen, dass ein großer Lärm entstand. Und während sie dabei waren, siehe, klopfte jemand an das Tor, und die Türhüterin ging nachzusehen, was es damit auf sich hatte. Nun war der Grund für dieses Klopfen, o König (sprach Shahrazad), folgender: Der Kalif Harun al-Rashid war aus dem Palast gegangen, wie es seine Gewohnheit war, hin und wieder, um sich in dieser Nacht in der Stadt zu zerstreuen und zu sehen und zu hören, welche neue Sache sich regte; er war in Kaufmannstracht und wurde von Ja'afar, seinem Wesir, und von Masrur, seinem Scharfrichter der Rache, begleitet. Als sie durch die Stadt gingen, führte sie ihr Weg zum Haus der drei Damen; dort hörten sie den lauten Lärm von Musikinstrumenten, Gesang und Fröhlichkeit; da sprach der Kalif zu Ja'afar: „Mich verlangt es, dieses Haus zu betreten, diese Lieder zu hören und zu sehen, wer sie singt.“ Ja'afar sprach: „O Fürst der Gläubigen, diese Leute sind sicher trunken vom Wein, und ich fürchte, es könnte uns ein Unheil zustoßen, wenn wir uns unter sie mischen.“ „Es gibt kein Entrinnen, ich muss dort hinein“, antwortete der Kalif, „und ich verlange von dir, irgendeinen Vorwand für unser Erscheinen unter ihnen zu ersinnen.“ Ja'afar antwortete: „Ich höre und gehorche“ und klopfte an die Tür, woraufhin die Türhüterin herauskam und öffnete. Dann trat Ja'afar vor, küsste den Boden vor ihr und sagte: „O meine Herrin, wir sind Kaufleute aus der Stadt Tiberias: Wir kamen vor zehn Tagen in Bagdad an und stiegen in der Karawanserei der Kaufleute ab, wo wir unsere gesamte Ware verkauften. Nun hat uns ein gewisser Händler heute Nacht zu einer Bewirtung eingeladen; also gingen wir in sein Haus, er setzte uns Speisen vor, und wir aßen: Dann saßen wir eine Stunde oder so bei Wein und Gelage mit ihm, als er uns erlaubte zu gehen; und wir gingen im Schatten der Nacht von ihm fort und konnten, da wir Fremde sind, den Weg zurück zu unserer Karawanserei nicht finden. Vielleicht könnt ihr uns in eurer Güte und Höflichkeit gestatten, diese Nacht bei euch zu verweilen, und der Himmel wird euch belohnen!“ Die Türhüterin blickte sie an, und da sie sie wie Kaufleute gekleidet sah, als Männer von ernstem Aussehen und solide, kehrte sie zu ihren Schwestern zurück und wiederholte ihnen Ja'afars Geschichte; und sie erbarmten sich der Fremden und sagten zu ihr: „Lass sie eintreten.“ Sie öffnete ihnen die Tür, worauf sie zu ihr sagten: „Haben wir deine Erlaubnis hereinzukommen?“ „Kommt herein“, sagte sie; und der Kalif trat ein, gefolgt von Ja'afar und Masrur; und als die Mädchen sie sahen, standen sie aus Respekt für sie auf, ließen sie Platz nehmen und kümmerten sich um ihre Bedürfnisse mit den Worten: „Willkommen, wohlgekommen und gute Stimmung den Gästen, doch unter einer Bedingung!“ „Was ist das?“, fragten sie, und eine der Damen antwortete: „Sprecht nicht von dem, was euch nicht angeht, auf dass ihr nicht hört, was euch nicht gefällt.“ „Ganz recht“, sagten sie und setzten sich zu ihrem Wein und tranken tief. Alsbald blickte der Kalif auf die drei Kalandare und wunderte sich bei ihrem Anblick, da er sah, dass jeder von ihnen auf dem linken Auge blind war; dann betrachtete er die Mädchen und erschrak und wunderte sich mit überaus großem Staunen über ihre Schönheit und Lieblichkeit. Sie fuhren fort zu zechen und sich zu unterhalten und sagten zum Kalifen: „Trink!“, doch er erwiderte: „Ich habe ein Gelübde auf die Pilgerreise abgelegt“ und hielt sich vom Wein fern. Daraufhin stand die Türhüterin auf, breitete vor ihm ein mit Gold gewirktes Tischtuch aus und stellte darauf eine Porzellanschale, in die sie Weidenblütenwasser mit einem Stück Schnee und einem Löffel Kandiszucker goss. Der Kalif dankte ihr und sagte bei sich: „Bei Allah, ich werde sie morgen für die gütige Tat entschädigen, die sie getan hat.“ Die anderen wandten sich wieder dem Gespräch und dem Gelage zu; und als der Wein die Oberhand über sie gewann, erhob sich die älteste Dame, die das Haus regierte, verneigte sich vor ihnen, nahm die Speisenmeisterin bei der Hand und sagte: „Steh auf, o meine Schwester, und lass uns tun, was unsere Pflicht ist.“ Beide antworteten: „Ganz recht!“ Dann stand die Türhüterin auf und schritt dazu fort, das Tischgeschirr und die Reste des Festmahls zu entfernen; sie erneuerte die Pastillen und räumte die Mitte des Salons. Dann ließ sie die Kalandare auf einem Diwan an der Seite der Estrade Platz nehmen und setzte den Kalifen, Ja'afar und Masrur auf die andere Seite des Salons; danach rief sie den Lastträger und sagte: „Wie gering ist deine Höflichkeit! Nun bist du kein Fremder mehr; nein, du gehörst zum Haushalt.“ Also stand er auf, zog sein Hüfttuch fest und fragte: „Was wollt ihr, dass ich tue?“ und sie antwortete: „Steh an deinem Platz.“ Dann erhob sich die Kupplerin und stellte in die Mitte des Salons einen niedrigen Stuhl, öffnete einen Schrank und rief dem Lastträger zu: „Komm, hilf mir.“ Er ging ihr zur Hand und sah zwei schwarze Hündinnen mit Ketten um ihre Hälse; und sie sagte zu ihm: „Ergreife sie“; und er nahm sie und führte sie in die Mitte des Salons. Dann erhob sich die Hausherrin, schlug ihre Ärmel über den Handgelenken zurück, ergriff eine Geißel und sagte zum Lastträger: „Bring eine der Hündinnen vor.“ Er brachte sie vor und zog sie an der Kette, während die Hündin weinte und ihren Kopf vor der Dame schüttelte, die jedoch mit Schlägen auf die Schädeldecke auf sie niederfuhr; die Hündin heulte, und die Dame hörte nicht auf, sie zu schlagen, bis ihr Unterarm versagte. Dann warf sie die Geißel von sich, drückte die Hündin an ihren Busen, wischte ihr die Tränen mit ihren Händen ab und küsste ihren Kopf. Dann sagte sie zum Lastträger: „Nimm sie weg und bring die zweite“; und als er sie brachte, tat sie mit ihr wie mit der ersten. Nun war das Herz des Kalifen bei diesem grausamen Tun berührt; seine Brust engte sich ein, und er verlor alle Geduld in seinem Verlangen zu wissen, warum die beiden Hündinnen so geschlagen wurden. Er gab Ja'afar einen Wink, in der Hoffnung, er möge fragen, doch der Wesir wandte sich ihm zu und bedeutete ihm durch Zeichen: „Sei still!“ Dann sprach die Türhüterin zur Hausherrin: „O meine Herrin, stehe auf und gehe an deinen Platz, damit ich meinerseits meine Pflicht tun kann.“ Sie antwortete: „Ganz recht“; und als sie auf dem Diwan aus Wacholderholz Platz genommen hatte, der mit Gold und Silber eingelegt war, sagte sie zur Türhüterin und Speisenmeisterin: „Nun tut ihr, was ihr zu tun habt.“ Daraufhin setzte sich die Türhüterin auf einen niedrigen Sitz an der Seite des Diwans; die Kupplerin aber trat in einen Schrank und holte daraus einen Beutel aus Atlas mit grünen Fransen und zwei Quasten aus Gold hervor. Sie stand vor der Hausherrin auf, schüttelte den Beutel und zog daraus eine Laute hervor, die sie durch das Anziehen ihrer Wirbel stimmte; und als sie in vollkommener Ordnung war, begann sie diese Vierzeiler zu singen:

Ihr seid mein Wunsch, mein Ziel, mein Sinn, ✿ Und seh' ich, Liebste, euch vor mir, Dann öffnet sich der Himmel Pfort', ✿ Doch seh' ich die Hölle, schwindet ihr. Von euch kommt Wahnsinn; dennoch auch ✿ Kommt höchstes Glück, kommt Ekstase: Und in der Liebe, die ich hege, ✿ Fürcht' ich nicht Schande, Hohn und Gier. Als Liebe thront' in meinem Herz, ✿ Zerriss ich den Schleier der Scham; Und Liebe lässt nicht ab, zu reißen ✿ Den Schleier, dass Schmach auf Gnade bricht; Das Gewand der Krankheit zog ich an, ✿ Doch in Lumpen zerrann die Heimlichkeit: Darum verkündet mein liebend Herz ✿ Eurer Macht den höchsten Stolz und Zier. Die Träne, die die Wange rinnt, ✿ Erzählt die Mär von meiner Schmach: Und alles Verborgene ward offenbar, ✿ Und mein Rätsel gelöst im Licht. Heile dann mein Leiden, denn du ✿ Bist Leiden und Heilung zugleich! Doch wem Heilung in deiner Hand liegt, ✿ Der wird nimmermehr frei von Fluch und Plage. Verbrenne mich mit jenen Augen, die Strahlen regnen, ✿ Erschlage mich mit den Schwertern der Phantasie; Wie viele hat das Schwert der Liebe ✿ Niedergeworfen, trotz ihrer hohen Stufe? Doch ich werde niemals aufhören zu sehnen, ✿ Noch werde ich zur Vergessenheit fliehen. Liebe ist meine Gesundheit, mein Glaube, meine Freude, ✿ Öffentlich und privat, falsch oder richtig. O glückliche Augen, die eure Reize schauen, ✿ Die auf euch blicken nach ihrem Gefallen! Ja, aus reinem Wunsch und Willen ✿ Soll ich des Sklaven der Liebe stets genannt sein.

Als das Mädchen diese Elegie in Vierzeilern hörte, schrie sie auf: „Wehe! Wehe!“ und zerriss ihre Kleider und fiel ohnmächtig zu Boden; und der Kalif sah die Narben des Palmstocks auf ihrem Rücken und die Striemen der Peitsche; und wunderte sich mit überaus großem Staunen. Dann erhob sich die Türhüterin, besprengte sie mit Wasser, brachte ihr ein frisches und sehr feines Kleid und legte es ihr an. Doch als die Gesellschaft dieses Tun erblickte, waren ihre Sinne getrübt, denn sie hatten keine Ahnung von dem Fall, noch kannten sie die Geschichte dazu; also sagte der Kalif zu Ja'afar: „Hast du nicht die Narben auf dem Körper des Mädchens gesehen? Ich kann nicht schweigen oder zur Ruhe kommen, bis ich die Wahrheit über ihren Zustand und die Geschichte dieses anderen Mädchens und das Geheimnis der beiden schwarzen Hündinnen erfahre.“ Doch Ja'afar antwortete: „O unser Herr, sie machten es zur Bedingung mit uns, dass wir nicht von dem sprechen, was uns nicht angeht, auf dass wir nicht hören, was uns nicht gefällt.“ Dann sagte die Türhüterin: „Bei Allah, o meine Schwester, komm zu mir und vollende diesen Dienst für mich.“ Die Kupplerin erwiderte: „Mit Freude und lieblichen Gnaden“; also nahm sie die Laute; sie lehnte sie an ihre Brust, strich mit den Fingerspitzen über die Saiten und begann zu singen:

Gebt meinen Augen ihren Schlaf zurück, den man geraubt, ✿ Und sagt mir, wohin mein Verstand geflohen ist: Ich lernte, dass, der Liebe Raum zu geben, ✿ Dem Schlaf für meine Lider zum Todfeind ward. Sie sagten: „Wir hielten dich für rechtschaffen, wer hat ✿ Deine Seele belauert?“ „Geht, fragt seine ruhmreichen Augen“, sagte ich. Ich verzeihe alles Blut, das er zu vergießen beliebte, ✿ Eingedenk, dass seine Nöte ihn zwangen, Blut zu vergießen. Auf den Spiegel meines Geistes warf er sonnengleichen Glanz, ✿ Dessen scharfe Reflexion Feuer in den Eingeweiden nährte. Lass Allah die Wasser des Lebens verschwenden nach Belieben, ✿ Es genügt mir als Lohn jene Lippe von tauigem Rot: Wenn du meine Liebe ansprichst, wirst du einen Grund finden ✿ Für Klage und Tränen oder Mitleid oder Lust. In reinem Wasser wird seine Gestalt eure Augen grüßen, ✿ Wenn die Schale fehlt, noch müsst ihr Wein trinken.

Dann zitierte sie aus derselben Ode:

Ich trank, doch nicht Wein, nur den Schluck seines Blickes; ✿ Und sein wiegender Gang wog meine Augen in Schlaf: Nicht Traubensaft ergriff mich, sondern die Hand der Vergangenheit, ✿ Nicht die Schale übermannte mich, sondern göttliche Gaben: Seine sich kringelnden Locken umnetzten meine Seele, ✿ Und sein grausamer Wille überlistete all meine Sinne.

Nach einer Pause fuhr sie fort:

Wenn wir über die Abwesenheit klagen, was sollen wir sagen? ✿ Oder wenn uns Schmerz befällt, wohin sollen wir uns wenden? Wenn ich einen Dolmetscher heuere, meine Geschichte zu erzählen, ✿ Die Klage der Liebenden wird nicht für Lohn erzählt: Wenn ich Geduld anlege, ein Leben in Liebe ✿ Nach Verlust der Liebe wird nicht einen Tag überdauern: Nichts ist mir geblieben als Reue, Seufzen ✿ Und Tränen, die die Wangen fluten für immer und ewig: O du, der du vor den Augenkindern dieser Augen geflohen bist, ✿ Du bist zu Hause im Herzen, das niemals irren wird; Wäre der Himmel, ich wüsste, hast du unseren Pakt gehalten ✿ So lange wie der Strom fließen soll, um festesten Glauben zu haben? Oder hast du den weinenden Sklaven vergessen, ✿ Den Stöhnen plagt und den Kummer auflauert? Ah, wenn die Trennung endet und wir Seite an Seite ✿ Ruhen, werde ich deine Strenge tadeln und deinen Stolz schelten!

Als nun die Türhüterin ihre zweite Ode hörte, schrie sie laut auf und sagte: „Bei Allah! Das ist recht gut!“ und legte ihre Hände an ihre Gewänder, zerriss sie, wie sie es das erste Mal tat, und fiel ohnmächtig zu Boden. Daraufhin erhob sich die Kupplerin und brachte ihr ein zweites Kleidungsstück, nachdem sie sie mit Wasser besprengt hatte. Sie erholte sich, setzte sich aufrecht hin und sagte zu ihrer Schwester, der Speisenmeisterin: „Vorwärts, und hilf mir bei meiner Pflicht, denn es bleibt nur noch dieses eine Lied.“ Also brachte die Speisenmeisterin erneut die Laute hervor und begann diese Verse zu singen:

Wie lange soll dauern, wie lange diese Strenge voll Weh, ✿ Mögen dir nicht all diese Tränen genügen, die du fließen siehst? Unsere Trennung so mit böser Absicht verlängerst du, ✿ Ist es nicht genug, das Herz des neidischen Feindes zu erfreuen? Wäre doch diese lügende Welt einmal treu dem Liebendenherz, ✿ Er hätte nicht die müde Nacht in Tränen des Wehs gewacht: Oh, erbarme dich meiner, die dein grausamer Wille überwältigte, ✿ Mein Herr, mein König, es ist Zeit, dass du mir etwas Mitleid zeigst: Wem meine Sünden offenbaren, o du, der du mich ermordetest? ✿ Traurig, wer die Qualen des gebrochenen Versprechens ertragen muss! Vermehr wilde Liebe zu dir und Wahnsinn Stunde um Stunde, ✿ Und Tage des Exils verstreichen so langsam, so schwer; O Muslime, fordert Rache für diesen Sklaven der Liebe, ✿ Dessen Schlaf die Liebe stets verzehrt, dessen Geduld die Liebe niederwirft: Erlaubt das Gesetz der Liebe dir, o mein Wunsch! zu lügen, ✿ Geborgen in den Armen eines anderen und zu mir zu schreien: „Geh!“? Doch in deiner Gegenwart, sag, welche Freuden soll ich genießen, ✿ Wenn der, den ich liebe, nur daran arbeitet, meine Liebe zu zerstören?

Als die Pförtnerin das dritte Lied hörte, schrie sie laut auf; sie legte Hand an ihre Gewänder, zerriss sie bis hinunter zum Saum und fiel ein drittes Mal ohnmächtig zu Boden, wobei sie abermals die Narben der Geißelung entblößte. Da sprachen die drei Kalandare: „Wäre doch der Himmel uns gnädig gewesen und hätten wir niemals dieses Haus betreten, sondern lieber auf den Erdhügeln und Schutthaufen außerhalb der Stadt genächtigt! Denn wahrlich, unser Besuch wurde durch Anblicke getrübt, die einem das Herz zerschneiden.“ Der Kalif wandte sich ihnen zu und fragte: „Warum das?“ und sie antworteten: „Unser Sinn ist durch diese Angelegenheit schwer bedrückt.“ Der Kalif sprach: „Gehört ihr denn nicht zum Hausstand?“ und sie sagten: „Nein; wir haben diesen Ort in der Tat bis zu dieser Stunde noch nie gesehen.“ Darüber wunderte sich der Kalif und erwiderte: „Dieser Mann, der bei euch sitzt, wüsste der nicht das Geheimnis dieser Sache?“ und indem er dies sagte, zwinkerte er dem Lastträger zu und gab ihm Zeichen. Sie befragten also den Mann, doch er antwortete: „Bei der Allmacht Allahs, in der Liebe sind alle gleich! Ich bin ein Gewächs aus Bagdad, doch in meinen Lebtagen habe ich diese Türen bis heute nicht überschritten, und mein Zusammensein mit ihnen war eine sonderbare Fügung.“ „Bei Allah“, entgegneten sie, „wir hielten dich für einen von ihnen, und nun sehen wir, dass du einer wie wir bist.“ Da sagte der Kalif: „Wir sind sieben Männer, und sie sind nur drei Frauen, ohne auch nur einen Vierten, der ihnen beisteht; lasst uns sie also über ihren Zustand befragen; und wenn sie uns nicht antworten, werden wir uns nötigenfalls mit Gewalt Antwort verschaffen.“ Alle stimmten dem zu, außer Dschafar, der sprach: „Dies ist nicht nach meinem Rat; lasst sie in Frieden; denn wir sind ihre Gäste, und wie ihr wisst, haben sie einen Pakt und eine Bedingung mit uns geschlossen, die wir akzeptierten und zu halten versprachen: Deshalb ist es besser, dass wir über diese Angelegenheit schweigen; und da nur noch wenig von der Nacht übrig ist, lasst einen jeden von uns seines Weges gehen.“ Dann zwinkerte er dem Kalifen zu und flüsterte ihm zu: „Es bleibt nur noch eine Stunde der Dunkelheit, und ich kann sie dir morgen vorführen, wenn du sie alle frei über ihre Geschichte befragen kannst.“ Doch der Kalif hob stolz sein Haupt und rief ihn zornig an: „Ich habe keine Geduld mehr für mein Verlangen, von ihnen zu hören: Lasst die Kalandare sie sogleich befragen.“ Dschafar sprach: „Dies ist nicht mein Rat.“ Da wurden die Worte hitzig und Rede antwortete auf Rede; und sie stritten darüber, wer die Frage zuerst stellen solle, doch schließlich einigten sich alle auf den Lastträger. Und als das Gezänk zunahm, konnte die Hausherrin nicht umhin, es zu bemerken, und fragte sie: „O ihr Leute! Über welche Angelegenheit sprecht ihr so laut?“ Da stand der Lastträger ehrerbietig vor ihr auf und sagte: „O meine Herrin, diese Gesellschaft wünscht sehnlichst, dass du sie mit der Geschichte der zwei Hündinnen vertraut machst und damit, was dich dazu bringt, sie so grausam zu bestrafen; und warum du dann darüber in Weinen ausbrichst und sie küsst; und zuletzt wollen sie die Geschichte deiner Schwester hören und warum sie wie ein Mann mit Palmenstöcken gepeitscht wurde. Dies sind die Fragen, die sie mir aufgetragen haben zu stellen, und Friede sei mit dir.“ Daraufhin sprach diejenige, die die Herrin des Hauses war, zu den Gästen: „Ist das wahr, was er in eurem Namen sagt?“ und alle antworteten: „Ja!“, außer Dschafar, der schwieg. Als sie diese Worte hörte, rief sie: „Bei Allah, ihr habt uns Unrecht getan, o unsere Gäste, mit schwerem Unrecht; denn als ihr zu uns kamt, schlossen wir Pakt und Bedingung mit euch, dass jeder, der von dem spräche, was ihn nichts angeht, das hören solle, was ihm nicht gefällt. Genügt es euch nicht, dass wir euch in unser Haus aufnahmen und euch mit unserer besten Speise verköstigten? Doch die Schuld liegt nicht so sehr bei euch als bei jener, die euch einließ.“ Dann streifte sie ihre Ärmel von den Handgelenken und schlug dreimal mit der Hand auf den Boden, während sie rief: „Kommt schnell herbei!“; und siehe, eine Schranktür öffnete sich, und sieben schwarze Sklaven traten mit gezogenen Schwertern in der Hand heraus, zu denen sie sagte: „Fesselt die Ellbogen dieser Schwätzer und bindet sie einen an den anderen.“ Sie taten ihr Geheiß und fragten sie: „O Verschleierte und Tugendhafte! Ist es dein hoher Befehl, dass wir ihnen die Köpfe abschlagen?“; aber sie antwortete: „Lasst sie eine Weile, bis ich sie über ihren Zustand befragt habe, bevor ihre Hälse das Schwert spüren.“ „Bei Allah, o meine Herrin!“, rief der Lastträger, „töte mich nicht für die Sünde eines anderen; alle diese Männer haben gefehlt und verdienen die Strafe für das Verbrechen, außer mir. Nun, bei Allah, unsere Nacht wäre bezaubernd gewesen, hätten wir die Demütigung durch jene einäugigen Kalandare vermieden, deren Einzug in eine bevölkerte Stadt sie in eine heulende Wildnis verwandeln würde.“ Dann wiederholte er diese Verse:

Wie schön ist Milde, die der Starke nicht erstickt! ✿ Am schönsten, wenn sie sich dem Schwächsten zeigt: Beim heiligen Band der Liebe zwischen uns zweien, ✿ Lass keinen für die Sünde des anderen büßen.

Als der Lastträger seine Verse beendete, lachte die Dame – Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen.

Als es nun die elfte Nacht war,

sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass die Dame, nachdem sie trotz ihres Zorns über den Lastträger gelacht hatte, auf die Gruppe zuging und so sprach: „Sagt mir, wer ihr seid, denn euch bleibt nur noch eine Stunde zu leben; und wärt ihr nicht Männer von Stand und vielleicht Vornehme eurer Stämme, wärt ihr nicht so frech gewesen, und ich hätte euer Ende beschleunigt.“ Da sagte der Kalif: „Wehe dir, o Dschafar, sag ihr, wer wir sind, damit wir nicht aus Versehen erschlagen werden; und rede ihr gut zu, bevor uns ein Grauen ereilt.“ „Das ist Teil deines Verdienstes“, antwortete er; woraufhin ihn der Kalif zornig anfuhr: „Es gibt eine Zeit für witzige Worte und eine Zeit für ernste Arbeit.“ Dann wandte sich die Dame an die drei Kalandare und fragte sie: „Seid ihr Brüder?“; als sie antworteten: „Nein, bei Allah, wir sind nichts als Fakire und Fremde.“ Dann sprach sie zu einem unter ihnen: „Wärst du blind an einem Auge geboren?“; und er sprach: „Nein, bei Allah, es war eine wundersame Sache und ein staunenswerter Unfall, der dazu führte, dass mir das Auge ausgerissen wurde, und meine Geschichte ist eine, die, wäre sie mit Nadelstichen in die Augenwinkel eingraviert, ein Warner für jeden wäre, der sich warnen lassen wollte.“ Sie befragte den zweiten und dritten Kalandar; doch alle antworteten wie der erste: „Bei Allah, o unsere Herrin, ein jeder von uns stammt aus einem anderen Land, und wir sind alle drei Söhne von Königen, souveränen Fürsten, die über Lehnsherren und Hauptstädte regieren.“ Daraufhin wandte sie sich ihnen zu und sagte: „Ein jeder von euch erzähle mir seine Geschichte in der richtigen Reihenfolge und erkläre den Grund für sein Kommen an unseren Ort; und wenn uns seine Geschichte gefällt, soll er sich den Kopf streicheln und seines Weges ziehen.“ Der Erste, der vortrat, war der Hammal, der Lastträger, der sagte: „O meine Herrin, ich bin ein Mann und ein Lastträger. Diese Dame, die Versorgerin, heuerte mich an, um eine Last zu tragen, und brachte mich zuerst zum Laden eines Weinhändlers; dann zur Bude eines Metzgers; von dort zum Stand eines Obsthändlers; von dort zu einem Krämer, der auch Trockenfrüchte verkaufte; von dort zu einem Zuckerbäcker und einem Parfümeur-und-Drogisten und von ihm an diesen Ort, wo mir bei euch geschah, was geschah. Dies ist meine Geschichte, und Friede sei mit uns allen!“ Darüber lachte die Dame und sagte: „Streiche dir den Kopf und zieh deines Weges!“; aber er rief: „Bei Allah, ich werde nicht fortgehen, bis ich die Geschichten meiner Gefährten gehört habe.“ Dann trat einer der Einäugigen vor und begann ihr zu erzählen

DIE GESCHICHTE DES ERSTEN KALANDARS.

Wisse, o meine Herrin, dass der Grund dafür, dass mein Bart geschoren und mein Auge ausgerissen wurde, folgender war. Mein Vater war ein König, und er hatte einen Bruder, der König über eine andere Stadt war; und es begab sich, dass ich und mein Vetter, der Sohn meines väterlichen Onkels, beide am selben Tag geboren wurden. Und Jahre und Tage vergingen; und als wir heranwuchsen, besuchte ich meinen Onkel hin und wieder und verbrachte eine gewisse Anzahl von Monaten bei ihm. Nun waren mein Vetter und ich verschworene Freunde; denn er behandelte mich stets mit überaus großer Güte; er schlachtete für mich die fettesten Schafe und kelterte die besten seiner Weine, und wir genossen langes Gespräch und Gelage. Eines Tages, als der Wein die Oberhand über uns gewonnen hatte, sagte der Sohn meines Onkels zu mir: „O mein Vetter, ich habe eine große Bitte an dich; und ich wünsche, dass du mich in dem, was ich zu tun begehre, nicht aufhältst!“ Und ich antwortete: „Mit Freude und gutem Willen.“ Dann ließ er mich die bindendsten Eide schwören und verließ mich; doch nach einer kleinen Weile kehrte er zurück und führte eine Dame, die verschleiert und reich gekleidet war mit Schmuck, der eine große Summe Geldes wert war. Alsbald wandte er sich an mich (wobei die Frau noch hinter ihm stand) und sagte: „Nimm diese Dame mit dir und geh vor mir zu solch einem Friedhof“ (er beschrieb ihn, sodass ich den Ort kannte), „und tritt mit ihr in solch ein Grabgewölbe ein und erwarte dort mein Kommen.“ Die Eide, die ich ihm schwor, ließen mich schweigen und gestatteten mir nicht, mich ihm zu widersetzen; also führte ich die Frau zum Friedhof, und sowohl ich als auch sie nahmen unsere Plätze in dem Grabgewölbe ein; und kaum hatten wir uns gesetzt, da kam der Sohn meines Onkels herein, mit einer Schale Wasser, einem Beutel Mörtel und einem Dechsel, der einer Hacke glich. Er ging schnurstracks auf das Grab in der Mitte des Gewölbes zu, brach es mit dem Dechsel auf und legte die Steine beiseite; dann begann er, die Erde des Grabes aufzugraben, bis er auf eine große Eisenplatte stieß, so groß wie eine Pfortentür; und als er sie anhob, erschien darunter eine gewölbte und gewundene Treppe. Dann wandte er sich an die Dame und sagte zu ihr: „Komm nun und triff deine endgültige Wahl!“ Sie stieg sogleich die Treppe hinab und verschwand; dann sprach er zu mir: „O Sohn meines Onkels, um deine Güte zu vollenden, wenn ich an diesen Ort hinabgestiegen sein werde, bringe die Falltür wieder an ihren Platz zurück und häufe die Erde wieder darauf, wie sie zuvor lag; und dann mische aus deiner großen Güte diesen ungelöschten Kalk, der im Beutel ist, mit diesem Wasser, das in der Schale ist, und nachdem du die Steine wieder aufgebaut hast, verputze die Außenseite, sodass niemand, der sie betrachtet, sagen wird: Dies ist eine neue Öffnung in einem alten Grab. Ein ganzes Jahr lang habe ich an diesem Ort gearbeitet, von dem niemand weiß als Allah, und dies ist der Dienst, den ich von dir brauche“; fügte sogleich hinzu: „Möge Allah deinen Freunden dich niemals entreißen noch sie durch deine Abwesenheit in Trostlosigkeit stürzen, o Sohn meines Onkels, o mein lieber Vetter!“ Und er stieg die Treppe hinab und verschwand für immer. Als er den Augen entschwunden war, ersetzte ich die Eisenplatte und tat all sein Geheiß, bis das Grab wieder so war wie zuvor; und ich arbeitete fast unbewusst, denn mein Haupt war vom Wein erhitzt. Als ich zum Palast meines Onkels zurückkehrte, wurde mir gesagt, er sei zum Sport und zur Jagd ausgezogen; so schlief ich jene Nacht, ohne ihn zu sehen; und als der Morgen graute, erinnerte ich mich an die Szenen des vergangenen Abends und was zwischen mir und meinem Vetter geschehen war; ich bereute, ihm gehorcht zu haben, als Reue von keinem Nutzen mehr war, ich dachte jedoch noch immer, es sei ein Traum gewesen. So begann ich nach dem Sohn meines Onkels zu fragen; doch niemand konnte mir Auskunft über ihn geben; und ich ging hinaus zum Friedhof und den Grabstätten und suchte nach dem Grab, unter dem er war, konnte es aber nicht finden; und ich hörte nicht auf, von Grabstätte zu Grabstätte und von Grab zu Grab umherzuwandern, alles ohne Erfolg, bis die Nacht hereinbrach. So kehrte ich in die Stadt zurück, doch konnte ich weder essen noch trinken; meine Gedanken waren von meinem Vetter in Anspruch genommen, denn ich wusste nicht, was aus ihm geworden war; und ich grämte mich mit überaus großem Kummer und verbrachte eine weitere sorgvolle Nacht, wachend bis zum Morgen. Dann ging ich ein zweites Mal zum Friedhof, über das nachdenkend, was der Sohn meines Onkels getan hatte, und bitterlich bereuend, auf ihn gehört zu haben, ging ich um alle Gräber herum, konnte aber das Grab, das ich suchte, nicht finden. Ich trauerte um das Vergangene und verblieb sieben Tage in meiner Trauer, den Ort suchend und den Pfad immer verfehlend. Dann wuchs die Qual meiner Skrupel über mich, bis ich fast wahnsinnig wurde, und ich fand keinen anderen Weg, meinen Kummer zu vertreiben, als zu reisen und zu meinem Vater zurückzukehren. So brach ich auf und reiste heimwärts; doch als ich in die Hauptstadt meines Vaters einzog, stürzte eine Menge von Aufrührern auf mich zu und fesselte mich. Ich wunderte mich darüber mit allem Staunen, da ich doch der Sohn des Sultans war und diese Männer meines Vaters Untertanen waren und unter ihnen einige meiner eigenen Sklaven. Eine große Furcht überkam mich, und ich sagte zu meiner Seele: „Wäre doch der Himmel mir gnädig und wüsste ich, was mit meinem Vater geschehen ist!“ Ich befragte jene, die mich banden, nach dem Grund ihres Tuns, doch sie gaben mir keine Antwort. Doch nach einer Weile sagte einer von ihnen zu mir (und er war ein gedungener Diener unseres Hauses): „Das Glück ist deinem Vater untreu geworden; seine Truppen verrieten ihn, und der Wesir, der ihn erschlug, herrscht nun an seiner Stelle, und wir lagen auf der Lauer, um dich auf seinen Befehl hin zu ergreifen.“ Ich war fast verzweifelt und fühlte mich bereit, in Ohnmacht zu fallen, als ich vom Tod meines Vaters hörte; da schleppten sie mich fort und stellten mich in die Gegenwart des Usurpators. Nun bestand zwischen mir und ihm ein alter Groll, dessen Ursache folgende war. Ich schoss gern mit der Steinschleuder, und es begab sich eines Tages, als ich auf der Dachterrasse des Palastes stand, dass ein Vogel auf das Dach des Hauses des Wesirs niederging, als er sich gerade dort aufhielt. Ich schoss auf den Vogel und verfehlte das Ziel; aber ich traf das Auge des Wesirs und schlug es aus, wie Schicksal und Glück es beschlossen hatten. Ebenso sagt der Dichter:

Wir schreiten auf dem Pfad, den das Schicksal wies ✿ Den Pfad, den das Schicksal schrieb, müssen wir schreiten: Und der Mensch, der in einem Land zu sterben verdammt ist ✿ Den wird der Tod nirgendwo anders ereilen.

Und auf gleiche Weise sagt ein anderer:

Lass das Glück seinen mutwilligen Weg gehen ✿ Fass Mut und gehorche all seinen Worten: Weder freue dich noch trauere über irgendetwas ✿ Denn alle Dinge vergehen und keine Dinge bleiben.

Als ich nun das Auge des Wesirs ausschlug, konnte er kein einziges Wort sagen, denn mein Vater war König der Stadt; doch er hasste mich von da an, und schrecklich war der Groll, der so zwischen uns beiden entstand. Als ich nun handgebunden und gefesselt vor ihn geführt wurde, gab er sogleich Befehle, mich zu enthaupten. Ich fragte: „Für welches Verbrechen willst du mich töten?“; woraufhin er antwortete: „Welches Verbrechen ist größer als dieses?“, während er auf die Stelle zeigte, wo sein Auge gewesen war. Ich sprach: „Dies tat ich aus Versehen, nicht mit vorsätzlicher Bösartigkeit“; und er sprach: „Wenn du es aus Versehen tatest, werde ich Gleiches mit dir mit Absicht tun.“ Dann rief er: „Bringt ihn vor!“, und sie brachten mich zu ihm, woraufhin er seinen Finger in mein linkes Auge stieß und es ausstach; woraufhin ich einäugig wurde, wie ihr mich seht. Dann befahl er, mich an Händen und Füßen zu binden, mich in eine Kiste zu legen und sagte zum Scharfrichter: „Übernimm diesen Kerl und geh mit ihm in das Ödland um die Stadt; dann ziehe deinen Krummsäbel und erschlage ihn und lass ihn liegen, damit er die Tiere und Vögel speise.“ So machte sich der Henker mit mir auf den Weg, und als er mitten in der Wüste war, holte er mich aus der Kiste (während ich mit beiden Händen gefesselt und an beiden Füßen gekettet war) und wollte mir die Augen verbinden, bevor er mir den Kopf abschlug. Doch ich weinte mit überaus großem Weinen, bis ich ihn dazu brachte, mit mir zu weinen, und als ich ihn ansah, begann ich diese Verse zu rezitieren:

Ich hielt dich für das Panzerhemd, das standhalten würde ✿ Den Pfeilen des Feindes; und du erwiesest dich als Schwert des Feindes; Ich hoffte auf deinen Beistand bei jedem meiner Schicksale ✿ Auch wenn meine Linke versagt, meiner Rechten zu helfen: Fern stehst du und hörst den Hohn des Verleumders ✿ Während die Schar der Spötter ihre Pfeile auf mich regnen lässt: Doch wenn ihr mich nicht vor meinen Feinden bewahren wollt ✿ Bleibt fern und helft weder diesen noch jenen!

Und ich zitierte auch:

Ich hielt meine Brüder für ein Panzerhemd aus stärkstem Stahl ✿ Und das waren sie – um den Pfeil des Feindes von mir abzuwehren! Ich hielt ihre Pfeile für sicher in ihrem Ziel; ✿ Und das waren sie – als sie auf mein Herz zielten!

Als der Henker meine Zeilen hörte (er war der Schwertkämpfer meines Vaters gewesen und stand in meiner Schuld), rief er: „O mein Herr, was kann ich tun, da ich nur ein Sklave unter Befehlen bin?“, fügte sogleich hinzu: „Flieh um dein Leben und kehre niemals mehr in dieses Land zurück, sonst werden sie dich erschlagen und mich mit dir, genau wie der Dichter sagte:

Nimm dein Leben und flieh, wenn Übel drohen; ✿ Lass das verfallene Haus das Schicksal seines Eigentümers erzählen: Ein neues Land für das alte wirst du suchen und finden ✿ Doch um ein neues Leben zu finden, darfst du nicht warten. Seltsam, dass Menschen auf dem Platz der Schande sitzen ✿ Wenn Allahs Welt so weit und groß ist! Und traue keinem anderen in ernsten Angelegenheiten ✿ Das Leben selbst muss für ein bedrängtes Leben handeln: Niemals würde der Löwe mit dem bemannten Nacken streifen ✿ Hätte er auf Hilfe anderer gezählt oder sich darum geschert.“

Kaum fähig, an meine Rettung zu glauben, küsste ich seine Hand und erachtete den Verlust meines Auges als eine geringfügige Angelegenheit im Vergleich dazu, dass ich dem Tode entronnen war. Ich erreichte die Hauptstadt meines Onkels; ich trat zu ihm ein und berichtete ihm, was meinem Vater und mir widerfahren war. Da weinte er bittere Tränen und sagte: „Wahrlich, du fügst meinem Kummer noch Kummer und meinem Weh noch Weh hinzu; denn dein Vetter wird seit vielen Tagen vermisst; ich weiß nicht, was ihm zugestoßen ist, und niemand kann mir Nachricht von ihm geben.“ Und er weinte, bis er ohnmächtig wurde. Ich betrübte mich und sprach ihm mein Beileid aus; er wollte einige Heilmittel auf mein Auge auftragen, doch er sah, dass es geworden war wie eine Walnuss mit leerer Schale. Da sagte er: „O mein Sohn, besser das Auge verlieren und das Leben behalten!“ Danach konnte ich über meinen Vetter, der sein einziger Sohn und von ihm innig geliebt war, nicht länger schweigen, und so erzählte ich ihm alles, was geschehen war. Er freute sich mit äußerster Freude, Nachricht von seinem Sohn zu hören, und sagte: „Komm nun und zeige mir das Grab“; doch ich antwortete: „Bei Allah, o mein Onkel, ich kenne den Ort nicht, obwohl ich viele Male sorgfältig danach suchte, konnte ich die Stätte doch nicht finden.“ Dennoch gingen mein Onkel und ich zum Friedhof und schauten nach rechts und links, bis ich schließlich das Grab erkannte, und wir beide freuten uns mit übergroßer Freude. Wir betraten das Grabmal und lockerten die Erde um das Grab; dann hoben wir die Falltür an und stiegen etwa fünfzig Stufen hinab, bis wir zum Fuß der Treppe gelangten, als wir plötzlich von einem blendenden Rauch aufgehalten wurden. Daraufhin sprach mein Onkel jenen Ausspruch, dessen Sprecher niemals zu Schanden wird: „Es gibt keine Hoheit und keine Macht außer bei Allah, dem Erhabenen, dem Großen!“ Wir schritten weiter, bis wir plötzlich in einen Saal gelangten, dessen Boden mit Mehl, Getreide, Vorräten und allerlei Notwendigem bestreut war; in seiner Mitte stand ein Baldachin, der ein Ruhebett schützte. Daraufhin trat mein Onkel an das Ruhebett heran und fand bei der Untersuchung seinen Sohn und die Dame, die mit ihm in das Grab hinabgestiegen war, in gegenseitiger Umarmung liegend; doch die beiden waren schwarz geworden wie verkohltes Holz; es war, als wären sie in eine Feuergrube geworfen worden. Als mein Onkel diesen Anblick sah, spie er seinem Sohn ins Gesicht und sagte: „Du hast deinen Lohn, o du Schwein! Dies ist dein Urteil in der vergänglichen Welt, und noch verbleibt das Urteil in der zukünftigen Welt, ein härteres und dauerhafteres.“ – Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen.

Als es nun die zwölfte Nacht war,

fuhr sie fort: Es hat mich erreicht, o glückseliger König, dass der Kalandar so mit seiner Geschichte vor der Dame, dem Kalifen und Dscha'afar fortfuhr: – Mein Onkel schlug mit seinem Pantoffel auf seinen Sohn ein, wie er dort als schwarzer Kohlehaufen lag. Ich wunderte mich über seine Herzenshärte und, in Trauer um meinen Vetter und die Dame, sagte ich: „Bei Allah, o mein Onkel, beruhige deinen Zorn: Siehst du nicht, dass all meine Gedanken mit diesem Unglück beschäftigt sind und wie betrübt ich bin über das, was deinem Sohn widerfahren ist, und wie schrecklich es ist, dass von ihm nichts übrig blieb als ein schwarzer Haufen Holzkohle? Und ist das nicht genug, dass du ihn noch mit deinem Pantoffel schlagen musst?“ Er antwortete: „O Sohn meines Bruders, dieser Jüngling war seit seiner Kindheit wahnsinnig in seine eigene Schwester verliebt; und oft und oft habe ich ihn vor ihr gewarnt und mir selbst gesagt: Sie sind doch noch Kinder. Doch als sie heranwuchsen, geschah Sünde zwischen ihnen; und obwohl ich es kaum glauben konnte, sperrte ich ihn ein, tadelte ihn und bedrohte ihn mit den strengsten Drohungen; und die Eunuchen und Diener sagten zu ihm: Hüte dich vor einer so abscheulichen Sache, die niemand vor dir je getan hat und die niemand nach dir je tun wird; und nimm dich in Acht, dass du nicht entehrt und beschimpft wirst unter den Königen der Zeit, bis ans Ende der Tage. Und ich fügte hinzu: Ein solcher Bericht wie dieser wird von Karawanen verbreitet werden, und hüte dich, ihnen Grund zum Reden zu geben, sonst werde ich dich wahrlich verfluchen und dich töten. Danach brachte ich sie getrennt unter und sperrte sie ein; doch das verfluchte Mädchen liebte ihn mit leidenschaftlicher Liebe, denn Satan hatte ihrer wie auch seiner Gewalt erlangt und ließ ihre abscheuliche Sünde in ihren Augen schön erscheinen. Als nun mein Sohn sah, dass ich sie trennte, baute er heimlich dieses unterirdische Gemach, richtete es ein und brachte Vorräte hierher, so wie du siehst; und als ich zur Jagd ausgegangen war, kam er mit seiner Schwester hierher und versteckte sich vor mir. Dann traf das gerechte Urteil Gottes die beiden und verzehrte sie mit Feuer vom Himmel; und wahrlich, das Jüngste Gericht wird ihnen härtere und dauerhaftere Qualen auferlegen!“ Dann weinte er, und ich weinte mit ihm; er sah mich an und sagte: „Du bist mein Sohn an seiner Statt.“ Und ich sann eine Weile über die Welt und ihre Zufälle nach, wie der Wesir meinen Vater erschlagen, seinen Platz eingenommen und mir das Auge ausgestochen hatte; und wie mein Vetter durch den seltsamsten Zufall zu Tode gekommen war: und ich weinte von neuem und mein Onkel weinte mit mir. Dann stiegen wir die Stufen hinauf, ließen die Eisenplatte hinab und häuften die Erde darüber; und nachdem wir das Grab wieder in seinen früheren Zustand versetzt hatten, kehrten wir in den Palast zurück. Doch kaum hatten wir uns niedergelassen, als wir das Pochen der Pauken, den Klang der Trompeten und das Klirren der Becken vernahmen; und das Rasseln der Lanzen der Krieger; und das Geschrei der Angreifer und das Klirren der Gebisse und das Wiehern der Rösser; während die Welt mit dichtem Staub und Sandwolken überdacht war, die von den Hufen der Pferde aufgewirbelt wurden. Wir waren erstaunt über Anblick und Klang, nicht wissend, was der Grund sein könnte; so fragten wir und erfuhren, dass der Wesir, der das Königreich meines Vaters an sich gerissen hatte, seine Männer herangeführt hatte; und dass er, nachdem er seine Soldateska ausgehoben und eine Schar wilder Araber in Dienst genommen hatte, mit Armeen wie der Sand des Meeres über uns hergefallen war; ihre Zahl konnte niemand nennen und gegen sie konnte niemand bestehen. Sie griffen die Stadt unversehens an; und die Bürger, unfähig, Widerstand zu leisten, übergaben den Ort: mein Onkel wurde erschlagen und ich floh in die Vororte, indem ich zu mir selbst sagte: „Wenn du in die Hände dieses Schurken fällst, wird er dich sicherlich töten.“ Auf diese Weise erneuerten sich alle meine Leiden; und ich bedachte alles, was meinem Vater und meinem Onkel widerfahren war, und ich wusste nicht, was ich tun sollte; denn wenn die Leute der Stadt oder die Truppen meines Vaters mich erkannt hätten, hätten sie ihr Bestes getan, um Gunst zu erlangen, indem sie mich vernichteten; und ich konnte an keinen anderen Weg zur Flucht denken, als mir Bart und Augenbrauen abzurasieren. So schor ich sie ab, und nachdem ich meine feinen Kleider gegen die Lumpen eines Kalandars getauscht hatte, zog ich aus der Hauptstadt meines Onkels aus und machte mich auf den Weg zu dieser Stadt; in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand behilflich sein könnte, vor den Fürsten der Gläubigen zu gelangen, und den Kalifen, der der Stellvertreter Allahs auf Erden ist. So bin ich hierhergekommen, damit ich ihm meine Geschichte erzählen und ihm meinen Fall vortragen könnte. Ich kam in dieser selben Nacht an und stand zweifelnd, wohin ich mich wenden sollte, als ich plötzlich diesen zweiten Kalandar sah; so grüßte ich ihn mit Salam und sagte: – Ich bin ein Fremder! Und er antwortete: – Ich bin auch ein Fremder! Und während wir uns unterhielten, siehe, da kam unser Gefährte, dieser dritte Kalandar, und grüßte uns mit den Worten: – Ich bin ein Fremder! Und wir antworteten: – Wir sind auch Fremde! Dann gingen wir drei zusammen weiter, bis die Dunkelheit uns einholte und das Schicksal uns zu eurem Hause trieb. Das also ist der Grund für das Scheren meines Bartes, meiner Schnurrbärte und Augenbrauen; und die Art und Weise, wie ich mein rechtes Auge verlor. Sie wunderten sich sehr über diese Erzählung und der Kalif sagte zu Dscha'afar: „Bei Allah, ich habe weder Dergleichen gesehen noch gehört, was diesem Kalandar widerfahren ist!“ Die Dame des Hauses sprach: „Reibe dir den Kopf und ziehe deines Weges“; doch er antwortete: „Ich werde nicht gehen, bis ich die Geschichte der beiden anderen höre.“ Daraufhin trat der zweite Kalandar vor; und nachdem er den Boden geküsst hatte, begann er zu erzählen:

DIE GESCHICHTE DES ZWEITEN KALANDARS.

Wisse, o meine Dame, dass ich nicht einäugig geboren wurde und meine Geschichte eine seltsame ist; wäre sie mit einem Nadelstichel in die Augenwinkel graviert, wäre sie eine Warnung für jeden, der sich warnen lassen wollte. Ich bin ein König, Sohn eines Königs, und wurde wie ein Prinz erzogen. Ich lernte das Rezitieren des Korans nach den sieben Schulen; und ich las alle Arten von Büchern und führte Disputationen über ihren Inhalt mit den Gelehrten und Männern der Wissenschaft; zudem studierte ich Sternenkunde und die schönen Sprüche der Dichter und übte mich in allen Zweigen der Gelehrsamkeit, bis ich die Menschen meiner Zeit übertraf; meine Kunst in der Kalligrafie übertraf die aller Schreiber; und mein Ruhm verbreitete sich über alle Klimate und Städte, und alle Könige lernten meinen Namen kennen. Unter anderen hörte der König von Hind von mir und sandte zu meinem Vater, um mich mit Gaben, Geschenken und Raritäten, wie sie Königen geziemen, an seinen Hof einzuladen. Also rüstete mein Vater sechs Schiffe für mich und meine Leute aus; und wir begaben uns auf das Meer und segelten für die Dauer eines vollen Monats, bis wir das Land erreichten. Dann holten wir die Pferde heraus, die mit uns auf den Schiffen waren; und nachdem wir die Kamele mit unseren Geschenken für den Fürsten beladen hatten, brachen wir ins Landesinnere auf. Aber wir waren nur ein kurzes Stück marschiert, als siehe, eine Staubwolke aufflog und wuchs, bis sie den Horizont vor dem Blick vermauerte. Nach einer Stunde oder so hob sich der Schleier und enthüllte darunter fünfzig Reiter, reißenden Löwen gleich im Anblick, in Stahl geharnischt. Wir beobachteten sie genau und siehe! es waren Wegelagerer, wild wie wilde Araber. Als sie sahen, dass wir nur vier waren und nur die zehn Kamele mit den Geschenken bei uns hatten, stürzten sie mit eingelegten Lanzen auf uns herab. Wir signalisierten ihnen mit den Fingern, gleichsam sagend: „Wir sind Boten des großen Königs von Hind, also tut uns kein Leid an!“ aber sie antworteten in gleicher Weise: „Wir sind nicht in seinem Herrschaftsgebiet, um zu gehorchen, noch unterstehen wir seiner Macht.“ Dann fielen sie über uns her und erschlugen einige meiner Sklaven und schlugen den Rest in die Flucht; und auch ich floh, nachdem ich eine Wunde erhalten hatte, eine schwere Verletzung, während die Araber mit dem Geld und den Geschenken beschäftigt waren, die wir bei uns hatten. Ich ging fort, nicht wissend, wohin ich mich wenden sollte, nachdem ich so elend geworden war, wie ich mächtig gewesen war; und ich zog weiter, bis ich auf den Kamm eines Berges kam, wo ich in einer Höhle Schutz für die Nacht suchte. Als der Tag anbrach, brach ich wieder auf und hörte nicht auf, auf diese Weise weiterzuziehen, bis ich in einer schönen und wohlhabenden Stadt ankam. Es war die Jahreszeit, in der der Winter mit seinem Reif abzog und der Frühling kam, um die Welt mit seinen Blumen zu begrüßen, und die jungen Blüten sprossen und die Bäche flossen klangvoll, und die Vögel sangen lieblich, wie der Dichter über eine gewisse Stadt sagt, wenn er sie beschreibt:

Ein Ort sicher vor jedem Gedanken an Furcht, ✿ Sicherheit und Frieden herrschen hier immerdar: Ihre Schönheiten scheinen ihre Söhne zu verschönern ✿ Und wie im Himmel erscheinen ihre glücklichen Bewohner.

Ich war froh über meine Ankunft, denn ich war müde von der Reise und gelb im Gesicht vor Schwäche und Not; doch mein Zustand war erbarmungswürdig und ich wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte. So sprach ich einen Schneider an, der in seinem kleinen Laden saß, und grüßte ihn; er erwiderte meinen Salam, hieß mich freundlich willkommen, wünschte mir alles Gute, behandelte mich sanft und fragte mich nach dem Grund meiner Fremdheit. Ich erzählte ihm meine ganze Vergangenheit von Anfang bis Ende; und er war besorgt um mich und sagte: „O Jüngling, offenbare dein Geheimnis niemandem: Der König dieser Stadt ist der größte Feind deines Vaters, und es besteht Blutgeld zwischen ihnen, und du hast Grund, um dein Leben zu fürchten.“ Dann setzte er mir Speise und Trank vor; und ich aß und trank, und er mit mir; und wir unterhielten uns frei bis zum Einbruch der Dunkelheit, als er mir einen Platz in einer Ecke seines Ladens freimachte und mir einen Teppich und eine Decke brachte. Ich verweilte drei Tage bei ihm; am Ende dieser Zeit sagte er zu mir: „Kennst du kein Handwerk, womit du deinen Lebensunterhalt gewinnen kannst, o mein Sohn?“ „Ich bin bewandert im Recht“, antwortete ich, „und ein Doktor der Lehre; ein Adept in Kunst und Wissenschaft, ein Mathematiker und ein bemerkenswerter Schreiber.“ Er erwiderte: „Dein Handwerk ist in unserer Stadt von keinem Belang, wo keine Seele Wissenschaft oder auch nur Schreiben versteht oder irgendetwas außer Geldverdienen.“ Dann sagte ich: „Bei Allah, ich weiß nichts weiter als das, was ich erwähnt habe“; und er antwortete: „Gürte deine Lenden und nimm dir ein Beil und ein Seil, und geh und hau Holz im Wald für dein tägliches Brot, bis Allah dir Linderung sendet; und erzähle niemandem, wer du bist, damit sie dich nicht erschlagen.“ Dann kaufte er mir eine Axt und ein Seil und gab mich in die Obhut einiger Holzfäller; und mit diesen Wächtern ging ich hinaus in den Wald, wo ich den ganzen Tag Brennholz schlug und am Abend mit meinem Bündel auf dem Kopf zurückkehrte. Ich verkaufte es für einen halben Dinar, wovon ich einen Teil für Proviant kaufte und den Rest beiseitelegte. Mit solcher Arbeit verbrachte ich ein ganzes Jahr, und als dieses beendet war, ging ich eines Tages, wie es meine Gewohnheit war, in die Wildnis; und während ich mich von meinen Gefährten entfernte, stieß ich auf ein dicht bewachsenes Niederland, in dem es ein Übermaß an Holz gab. Also trat ich ein und fand den knorrigen Stumpf eines großen Baumes, lockerte den Boden darum und schaufelte die Erde weg. Plötzlich schlug meine Axt auf einen kupfernen Ring; also räumte ich den Boden frei und siehe, der Ring war an einer hölzernen Falltür befestigt. Diese hob ich an und darunter erschien eine Treppe. Ich stieg die Stufen bis zum Boden hinab und kam an eine Tür, die ich öffnete und mich in einer edlen Halle wiederfand, stark von Struktur und schön erbaut, in der eine Jungfrau war wie eine Perle von großem Wert, deren Anblick aus meinem Herzen alle Trauer, alle Sorge und allen Kummer verbannte; und deren weiche Rede die Seele in Verzweiflung heilte und die Weisen und Wissenden gefangen nahm. Ihre Gestalt maß fünf Fuß in der Höhe; ihre Brüste waren fest und aufrecht; ihre Wange ein wahrer Garten der Wonne; ihre Farbe lebendig und hell; ihr Gesicht glänzte wie die Morgendämmerung durch lockige Strähnen, die wie die Nacht verdunkelten, und über dem Schnee ihres Busens funkelten Zähne von perlenweißem Glanz. Wie der Dichter über eine wie sie sagte:

Schlankwüchsige Liebliche, pechschwarz bekrönt ✿ Ein Weidenzweig auf einem sandigen Hügel:

Und wie ein anderer sagt:

Vier Dinge, die nicht zusammentreffen, außer sie vereinen sich hier ✿ Um mein Herzblut zu vergießen und meinen Geist zu rauben: Brillanteseste Stirn; pechschwarze Locken; ✿ Wangen rosenrot und Statur von Schönheit geschmückt.

Als ich sie betrachtete, warf ich mich vor Ihm nieder, der sie erschaffen hatte, wegen der Schönheit und Anmut, die Er in ihr geformt hatte, und sie sah mich an und sagte: „Bist du ein Mensch oder ein Dschinni?“ „Ich bin ein Mensch“, antwortete ich, und sie: „Wer hat dich nun an diesen Ort gebracht, an dem ich seit fünfundzwanzig Jahren verweilt habe, ohne auch nur einen Menschen darin zu sehen.“ Ich sagte (und ich fand ihre Worte in der Tat wunder-süß, und mein Herz war bis in den Kern von ihnen geschmolzen): „O meine Dame, mein gutes Schicksal führte mich hierher zur Vertreibung meines Kummers und meiner Sorge.“ Dann erzählte ich ihr von all meinem Missgeschick von Anfang bis Ende, und mein Fall erschien ihr überaus schmerzlich; so weinte sie und sagte: „Ich werde dir nun meinerseits meine Geschichte erzählen. Ich bin die Tochter des Königs Ifitamus, Herr der Inseln von Abnús, der mich mit meinem Vetter, dem Sohn meines väterlichen Onkels, vermählte; aber in meiner Hochzeitsnacht entriss mich ein Ifrit namens Jirjís bin Rajmús, das heißt ein Vetter, der Sohn der Schwester meiner Mutter, von Iblís, dem abscheulichen Teufel, und flog mit mir wie ein Vogel davon und setzte mich an diesem Ort ab, wohin er alles brachte, was ich an feinen Stoffen, Gewändern, Juwelen und Möbeln sowie an Speise und Trank und anderem benötigte. Einmal alle zehn Tage kommt er hierher und liegt eine einzige Nacht bei mir und zieht dann seines Weges, denn er nahm mich ohne die Zustimmung seiner Familie; und er hat mit mir vereinbart, dass, wenn ich ihn jemals bei Nacht oder bei Tag brauche, ich nur meine Hand über jene zwei Zeilen führen muss, die in die Nische eingraviert sind, und er wird vor mir erscheinen, bevor meine Finger aufhören, sie zu berühren. Vier Tage sind nun vergangen, seit er hier war; und da noch sechs Tage bleiben, bevor er wiederkommt, sage mir, willst du fünf Tage bei mir bleiben und den Tag vor seinem Kommen von hier fortgehen?“ Ich antwortete: „Ja, und nochmals ja! O wie herrlich, wenn all dies kein Traum wäre!“ Hierüber war sie froh, und sie sprang auf, ergriff meine Hand und führte mich durch einen gewölbten Türdurchgang zu einem Hammam-Bad, einer schönen und reich verzierten Halle. Ich legte meine Kleider ab, und sie legte ihre ab; dann badeten wir und sie wusch mich; und als dies getan war, verließen wir das Bad, und sie setzte mich an ihre Seite auf einen hohen Diwan und brachte mir mit Moschus duftenden Sorbet. Als wir uns nach dem Bad erfrischt fühlten, stellte sie mir Speisen vor, und wir aßen und fingen an zu plaudern; doch bald sagte sie zu mir: „Leg dich nieder und ruh dich aus, denn du musst sicherlich müde sein.“ So dankte ich ihr, meine Dame, legte mich nieder und schlief tief, wobei ich alles vergaß, was mir widerfahren war. Als ich erwachte, fand ich sie, wie sie meine Füße rieb und massierte; so dankte ich ihr erneut und segnete sie, und wir saßen eine Weile beim Gespräch. Sie sagte: „Bei Allah, ich war traurig im Herzen, weil ich fünfundzwanzig Jahre lang allein unter der Erde gelebt habe; und Lob sei Allah, der mir jemanden gesandt hat, mit dem ich mich unterhalten kann!“ Dann fragte sie: „O Jüngling, was sagst du zu Wein?“ und ich antwortete: „Tu, was du willst.“ Woraufhin sie zu einem Schrank ging, eine versiegelte Flasche mit echtem altem Wein herausholte und den Tisch mit Blumen und duftenden Kräutern deckte und begann, diese Zeilen zu singen:

Hätten wir von deinem Kommen gewusst, wir hätten gerne ausgebreitet ✿ Die Kerne unserer Herzen oder die Äpfel unserer Augen; Unsere Wangen als Teppich hätten wir dir entgegengeworfen ✿ Und unsere Augenlider hätten wir gestreut, damit deine Füße darauf treten.

Als sie nun ihr Versmaß beendete, dankte ich ihr, denn in der Tat hatte die Liebe zu ihr von meinem Herzen Besitz ergriffen, und mein Kummer und meine Qual waren dahin. Wir saßen beim Gespräch und beim Umtrunk bis zum Einbruch der Dunkelheit, und bei ihr verbrachte ich die Nacht – eine solche Nacht habe ich in meinem ganzen Leben nie verbracht! Am Morgen folgte Wonne auf Wonne bis zum Mittag, zu welcher Zeit ich so frei Wein getrunken hatte, dass ich meinen Verstand verloren hatte, und ich stand auf, schwankte nach rechts und links und sagte: „Komm, o mein Liebreiz, und ich werde dich aus diesem unterirdischen Gewölbe hinaufbringen und dich vom Zauber deines Dschinni erlösen.“ Sie lachte und antwortete: „Sei zufrieden und schweige still: von je zehn Tagen ist einer für den Ifrit und die anderen neun sind dein.“ Ich sagte (und in der Tat hatte der Wein die Oberhand über mich gewonnen): „In diesem Augenblick werde ich die Nische abbrechen, auf der der Talisman eingraviert ist, und den Ifrit herbeirufen, damit ich ihn erschlagen kann, denn es ist eine Gewohnheit von mir, Ifrits zu erschlagen!“ Als sie meine Worte hörte, wurde ihre Farbe bleich und sie sagte: „Bei Allah, tu es nicht!“ und sie begann zu wiederholen:

Dies ist eine Sache, worin Verderben liegt ✿ Ich rate dir, meide sie, wenn dein Verstand weise ist.

Und auch diese:

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O du, die du die Trennung suchst, zieh die Zügel deines schnellen Rosses an und strebe nicht danach, allzu sehr voranzuschreiten; Ach, bleib! Denn Treulosigkeit ist das Gesetz des Lebens, und die Süße des Treffens endet in der Trennung.

Ich hörte ihre Verse, achtete jedoch nicht auf ihre Worte, nein, ich erhob meinen Fuß und versetzte der Nische einen gewaltigen Tritt – Und Schahrasad bemerkte das Grauen des Morgens und hörte auf, ihre erlaubten Worte zu sagen.

Als es nun die dreizehnte Nacht war,

Sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückseliger König, dass der zweite Kalandar seine Erzählung für die Dame folgendermaßen fortsetzte: – Doch als ich, o meine Herrin, jener Nische einen gewaltigen Tritt versetzte, siehe, da wurde die Luft starr und dunkel, es donnerte und blitzte; die Erde bebte und erbebte, und die Welt wurde unsichtbar. Sogleich wichen die Wein-Dünste aus meinem Kopf: Ich rief ihr zu: „Was ist geschehen?“ und sie antwortete: „Der Ifrit ist über uns! Habe ich dich nicht davor gewarnt? Bei Allah, du hast mein Verderben herbeigeführt; doch flieh um dein Leben und geh den Weg hinauf, auf dem du herabgekommen bist!“ Also floh ich die Treppe hinauf; doch in meiner übergroßen Furcht vergaß ich Sandalen und Beil. Und als ich zwei Stufen gestiegen war, wandte ich mich um, um nach ihnen zu sehen, und siehe! Ich sah, wie sich die Erde spaltete, und aus ihr stieg ein Ifrit hervor, ein Ungeheuer an Abscheulichkeit, das zu dem Mädchen sprach: „Welch Unruhe und welcher Aufruhr ist dies, womit du mich störst? Welches Missgeschick ist dir widerfahren?“ „Kein Missgeschick ist mir widerfahren“, antwortete sie, „außer dass meine Brust bedrängt war und mein Herz schwer von Traurigkeit; also trank ich ein wenig Wein, um sie zu weiten und mich zu ermutigen; dann erhob ich mich, um einem Ruf der Natur zu folgen, doch der Wein war mir in den Kopf gestiegen und ich fiel gegen die Nische.“ „Du lügst, wie die Hure, die du bist!“ schrie der Ifrit; und er blickte in der Halle nach rechts und links, bis er mein Beil und meine Sandalen erblickte und zu ihr sagte: „Was sind dies anderes als das Eigentum eines Sterblichen, der in deiner Gesellschaft war?“ Sie antwortete: „Ich habe sie bis zu diesem Augenblick nie erblickt: Sie müssen von dir hierher gebracht worden sein, an deiner Kleidung haftend.“ Der Ifrit sprach: „Diese Worte sind absurd; du Hure! du Dirne!“ Dann riss er sie völlig nackt aus, streckte sie auf den Boden und band ihre Hände und Füße an vier Pfähle, wie eine Gekreuzigte; und machte sich daran, sie zu foltern und zu versuchen, sie zum Geständnis zu bringen. Ich konnte es nicht ertragen, ihren Schreien und Stöhnen zuzuhören; so stieg ich die Treppe hinauf, vor Furcht bebend; und als ich oben ankam, setzte ich die Falltür wieder ein und bedeckte sie mit Erde. Dann bereute ich, was ich getan hatte, mit überaus großer Reue; und dachte an die Dame und ihre Schönheit und Lieblichkeit und die Qualen, die sie in den Händen des verfluchten Ifrits litt, nach ihrem ruhigen Leben von fünfundzwanzig Jahren; und wie all das, was ihr widerfahren war, meinetwegen geschehen war. Ich dachte an meinen Vater und seinen königlichen Stand und wie ich ein Holzfäller geworden war; und wie, nachdem meine Zeit eine Weile heiter gewesen war, die Welt für mich wieder trübe und beunruhigt geworden war. So weinte ich bitterlich und wiederholte dieses Reimpaar: –

Zu der Zeit, da des Schicksals Tyrannei dich am meisten bedrückt, ✿ Bedenke! Eines Tages wird es dich erfreuen, eines dich betrüben!

Dann ging ich, bis ich das Haus meines Freundes, des Schneiders, erreichte, den ich in größter Besorgnis erwartete; wahrlich, er saß, wie das Sprichwort sagt, wegen meiner auf glühenden Kohlen. Und als er mich sah, sagte er: „Die ganze Nacht hindurch war mein Herz schwer, aus Furcht um dich vor wilden Tieren oder anderen Missgeschicken. Nun sei Allah gepriesen für deine Unversehrtheit!“ Ich dankte ihm für seine freundschaftliche Fürsorge und zog mich in meine Ecke zurück, saß dort und sann über das nach, was mir widerfahren war; und ich tadelte und schalt mich selbst wegen meiner einmischenden Torheit und meines Eigensinns, die Nische getreten zu haben. Ich hielt gerade Zwiesprache mit mir selbst, als siehe, mein Freund, der Schneider, zu mir kam und sagte: „O Jüngling, im Laden ist ein alter Mann, ein Perser, der dich sucht: Er hat dein Beil und deine Sandalen, die er zu den Holzfällern gebracht hatte, indem er sagte: ‚Ich wollte ausgehen, zu der Zeit, als der Muezzin zum Morgengebet rief, da stieß ich auf diese Dinge und weiß nicht, wessen sie sind; weist mich also auf ihren Besitzer hin.‘ Die Holzfäller erkannten dein Beil und wiesen ihn zu dir: Er sitzt in meinem Laden, also geh zu ihm und danke ihm und nimm dein Beil und deine Sandalen.“ Als ich diese Worte hörte, wurde ich vor Furcht gelb und fühlte mich wie von einem Schlag betäubt; und ehe ich mich wieder sammeln konnte, siehe! Da spaltete sich der Boden meines privaten Zimmers, und aus ihm stieg der Perser hervor, der der Ifrit war. Er hatte die Dame mit überaus großen Qualen gequält, dennoch wollte sie ihm nichts gestehen; also nahm er das Beil und die Sandalen und sagte zu ihr: „So gewiss ich Jirjis aus der Saat des Iblis bin, werde ich dir den Besitzer dieser Dinge zurückbringen!“ Dann ging er mit dem besagten Vorwand zu den Holzfällern und, nachdem er zu mir gewiesen worden war und eine Weile im Laden gewartet hatte, bis die Tatsache bestätigt war, packte er mich plötzlich, wie ein Habicht eine Maus packt, und flog hoch in die Luft; doch stieg er bald herab und tauchte mit mir unter die Erde (während ich in Ohnmacht lag), und schließlich setzte er mich in dem unterirdischen Palast ab, in dem ich jene wonnevolle Nacht verbracht hatte. Und dort sah ich die Dame, bis auf die Haut entblößt, ihre Glieder an vier Pfähle gebunden und Blut aus ihren Seiten quellend. Bei diesem Anblick liefen meine Augen über vor Tränen; doch der Ifrit bedeckte ihre Blöße und sagte: „O Buhlerin, ist dieser Mann nicht dein Liebhaber?“ Sie blickte mich an und antwortete: „Ich kenne ihn nicht, noch habe ich ihn jemals vor dieser Stunde gesehen!“ Der Ifrit sprach: „Was! Diese Folter und dennoch kein Geständnis?“ und sie sagte: „Ich habe diesen Mann mein Lebtag nicht gesehen, und es ist vor Allahs Augen nicht rechtmäßig, Lügen über ihn zu erzählen.“ „Wenn du ihn nicht kennst“, sagte der Ifrit zu ihr, „nimm dieses Schwert und schlage ihm den Kopf ab.“ Sie ergriff das Schwert und kam nahe zu mir; und ich gab ihr mit meinen Augenbrauen ein Zeichen, während meine Tränen meine Wangen hinunterflossen. Sie verstand mich und antwortete ebenfalls durch Zeichen: „Wie konntest du all dieses Übel über mich bringen?“ und ich erwiderte auf die gleiche Weise: „Dies ist die Zeit für Gnade und Vergebung.“ Und die stumme Zunge meines Zustands sprach laut und sagte: –

Meine Augen waren Dolmetscher für meine stumme Zunge ✿ Und erzählten ganz klar von der Liebe, die ich verborgen halten wollte: Als wir uns zuletzt trafen und Tränen in Strömen rannen, ✿ Da bezeugten meine Blicke, was die Zunge stumm gelassen: Sie gab ein Zeichen mit dem Augenblick, während ihre Lippen stumm waren, ✿ Ich gab ein Zeichen mit den Fingern und sie verstand das Gemeinte: Unsere Augenbrauen leisteten alle Pflicht zwischen uns beiden; ✿ Und da wir sprachlos waren, sprach die Liebe laut und deutlich.

Dann, o meine Herrin, warf die Dame das Schwert fort und sagte: „Wie soll ich den Nacken eines Menschen schlagen, den ich nicht kenne und der mir kein Übel getan hat? Eine solche Tat wäre in meinem Gesetz nicht rechtmäßig!“ und sie ließ ihre Hand sinken. Der Ifrit sagte: „Es ist dir schwer, deinen Liebhaber zu töten; und weil er mit dir gelegen hat, erduldest du diese Qualen und weigerst dich hartnäckig zu gestehen. Danach ist es mir klar, dass nur Gleiches Gleiches liebt und bemitleidet.“ Dann wandte er sich an mich und fragte: „O Mensch, vielleicht kennst du diese Frau auch nicht?“ worauf ich antwortete: „Und sag mir, wer mag sie sein? Wahrlich, ich habe sie bis zu diesem Augenblick nie gesehen.“ „Dann nimm das Schwert“, sagte er, „und schlage ihr den Kopf ab, und ich werde glauben, dass du sie nicht kennst, und werde dich frei gehen lassen und dich nicht hart behandeln.“ Ich antwortete: „Das will ich tun“; und nahm das Schwert, trat scharf vor und erhob meine Hand, um zuzuschlagen. Doch sie gab mir mit ihren Augenbrauen ein Zeichen: „Habe ich dir in irgendetwas der Liebe gefehlt; und ist es so, wie du es mir vergiltst?“ Ich verstand, was ihre Blicke andeuteten, und antwortete ihr mit einem Augenblick: „Ich werde meine Seele für dich opfern.“ Und die Zunge des Zustands schrieb in unsere Herzen diese Zeilen: –

Wie mancher Liebende spricht mit seinen Augenbrauen ✿ Zu seiner Geliebten, wie seine Leidenschaft fleht: Mit blitzenden Augen flößt er seine Leidenschaft ein ✿ Und sie sieht wohl, was ihr Flehen benötigt. Wie süß ist der Blick, wenn jeder auf den anderen schaut; ✿ Und mit welcher Schnelligkeit und wie sicher er eilt: Und dieser schreibt mit Augenbrauen all seine Leidenschaft; ✿ Und jene liest mit den Augäpfeln all seine Leidenschaft.

Dann füllten sich meine Augen mit Tränen bis zum Überlaufen und ich warf das Schwert aus meiner Hand und sagte: „O mächtiger Ifrit und Held, wenn eine Frau, der es an Verstand und Glauben mangelt, es für unrechtmäßig hält, mir den Kopf abzuschlagen, wie kann es für mich, einen Mann, rechtmäßig sein, ihren Nacken zu schlagen, die ich in meinem ganzen Leben nie gesehen habe. Ich kann ein solches Übel nicht tun, auch wenn du mich den Kelch des Todes und des Verderbens trinken lässt.“ Da sagte der Ifrit: „Ihr beiden zeigt das gute Verständnis zwischen euch; doch ich werde euch sehen lassen, wie solche Dinge enden.“ Er nahm das Schwert und schlug der Dame zuerst die Hände ab, mit vier Streichen, und dann ihre Füße; während ich zusah und mir des Todes sicher war und sie mich mit ihren sterbenden Augen verabschiedete. So schrie der Ifrit sie an: „Du hurest und machst mich mit deinen Augen zum Hahnrei!“ und schlug sie so, dass ihr Kopf davonflog. Dann wandte er sich an mich und sagte: „O Sterblicher, wir haben es in unserem Gesetz, dass es, wenn die Ehefrau Ehebruch begeht, für uns rechtmäßig ist, sie zu erschlagen. Was dieses Mädchen betrifft, so habe ich sie in ihrer Brautnacht geraubt, als sie ein Mädchen von zwölf Jahren war, und sie kannte niemanden außer mir. Ich pflegte alle zehn Tage zu ihr zu kommen und mit ihr die Nacht zu verbringen, unter der Gestalt eines Menschen, eines Persers; und als ich mir gewiss war, dass sie mich betrogen hatte, erschlug ich sie. Was dich aber betrifft, so bin ich nicht wohl überzeugt, dass du mir in ihr Unrecht getan hast; dennoch darf ich dich nicht ungeschoren lassen; also bitte mich um eine Gunst und ich werde sie gewähren.“ Da freute ich mich, o meine Herrin, mit übergroßer Freude und sagte: „Welche Gunst soll ich von dir erbitten?“ Er antwortete: „Erbitte diese Gunst von mir; in welche Gestalt ich dich verzaubern soll; willst du ein Hund, ein Esel oder ein Affe sein?“ Ich erwiderte (und wahrlich, ich hatte gehofft, dass mir Gnade erwiesen würde): „Bei Allah, verschone mich, damit Allah dich verschont, weil du einen Moslem und einen Mann verschont hast, der dir niemals Unrecht getan hat.“ Und ich demütigte mich vor ihm mit überaus großer Demut und blieb in seiner Gegenwart stehen, indem ich sagte: „Ich bin von den Umständen schwer bedrängt.“ Er antwortete: „Erzähle mir kein langes Gerede, es steht in meiner Macht, dich zu erschlagen; doch ich gebe dir stattdessen deine Wahl.“ Ich sagte: „O du Ifrit, es würde dir anstehen, mir zu verzeihen, so wie der Beneidete dem Beneider verzieh.“ Er sagte: „Und wie war das?“ und ich begann ihm zu erzählen

DIE GESCHICHTE VOM BENEIDER UND VOM BENEIDETEN.

Man erzählt, o Ifrit, dass es in einer gewissen Stadt zwei Männer gab, die in nebeneinanderliegenden Häusern wohnten und eine gemeinsame Trennwand hatten; und einer von ihnen beneidete den anderen und blickte mit einem bösen Auge auf ihn und tat sein Äußerstes, ihm zu schaden; und obgleich er jederzeit eifersüchtig auf seinen Nachbarn war, wuchs seine Bosheit zuletzt so sehr in ihm, dass er kaum essen oder die süßen Freuden des Schlafes genießen konnte. Doch der Beneidete tat nichts, als zu gedeihen; und je mehr der andere danach strebte, ihm zu schaden, desto mehr erlangte und gewann und gedieh er. Zuletzt kam die Bosheit seines Nachbarn und das ständige Bemühen des Mannes, ihm ein Leid zuzufügen, zu seiner Kenntnis; also sagte er: „Bei Allah! Gottes Erde ist weit genug für ihre Bewohner!“ und verließ die Nachbarschaft, begab sich in eine andere Stadt, wo er sich ein Stück Land kaufte, in dem sich ein ausgetrockneter Ziehbrunnen befand, alt und in ruinösem Zustand. Hier baute er sich ein Bethaus und, nachdem er es mit einigen Notwendigkeiten ausgestattet hatte, nahm er dort seinen Wohnsitz und widmete sich dem Gebet und der Anbetung Allahs des Allmächtigen; und Fakire und heilige Bettler strömten von überall her zu ihm; und sein Ruhm verbreitete sich durch die Stadt und jene Gegend. Bald erreichte die Nachricht von dem guten Geschick, das ihm widerfahren war, und wie die städtischen Vornehmen zu seinen Jüngern geworden waren, seinen neidischen Nachbarn; also reiste er zu dem Ort und stellte sich in der Einsiedelei des heiligen Mannes vor und wurde vom Beneideten mit Willkommen und Gruß und aller Ehre empfangen. Dann sagte der Beneider: „Ich habe ein Wort an dich zu richten; und dies ist der Grund für meine Reise hierher, und ich möchte dir eine gute Nachricht geben; also komm mit mir in deine Zelle.“ Daraufhin erhob sich der Beneidete und nahm den Beneider bei der Hand, und sie gingen in den innersten Teil der Einsiedelei; doch der Beneider sagte: „Heiße deine Fakire, sich in ihre Zellen zurückzuziehen, denn ich werde dir nicht sagen, was ich zu sagen habe, außer unter vier Augen, wo niemand uns hören kann.“ Dementsprechend sagte der Beneidete zu seinen Fakiren: „Zieht euch in eure privaten Zellen zurück“; und als alle getan hatten, wie er sie hieß, machte er sich mit seinem Besucher auf den Weg und ging ein kurzes Stück, bis die beiden den ruinierten alten Brunnen erreichten. Und als sie am Rande standen, gab der Beneider dem Beneideten einen Stoß, der ihn kopfüber hineinstürzen ließ, von niemandem gesehen; woraufhin er sich aufmachte und seiner Wege ging, im Glauben, ihn erschlagen zu haben. Nun geschah es, dass dieser Brunnen von den Dschinn heimgesucht wurde, die, als sie den Fall sahen, ihn auffingen und ihn nach und nach herabließen, bis er den Boden erreichte, wo sie ihn auf einen großen Stein setzten. Dann fragte einer von ihnen seine Gefährten: „Wisst ihr, wer dieser Mann ist?“ und sie antworteten: „Nein.“ „Dieser Mann“, fuhr der Sprecher fort, „ist der sogenannte Beneidete, der, auf der Flucht vor dem Beneider, in unsere Stadt kam, um dort zu wohnen, und hier dieses heilige Haus gründete, und er hat uns durch seine Litaneien und seine Lesungen aus dem Koran erbaut; doch der Beneider machte sich auf und reiste, bis er ihn wiederfand, und verstand es schlau, ihn zu täuschen und ihn in den Brunnen zu werfen, in dem wir uns jetzt befinden. Doch der Ruhm dieses guten Mannes ist in dieser Nacht zum Sultan unserer Stadt gelangt, der ihn am nächsten Tag wegen seiner Tochter besuchen will.“ „Was fehlt seiner Tochter?“, fragte einer, und ein anderer antwortete: „Sie ist von einem Geist besessen; denn Maymun, Sohn des Damdam, ist wahnsinnig in sie verliebt; doch wenn dieser fromme Mann das Heilmittel wüsste, wäre ihre Heilung so einfach, wie es nur sein könnte.“ Hierauf fragte einer von ihnen: „Und was ist die Medizin?“ und er antwortete: „Der schwarze Kater, der bei ihm im Bethaus ist, hat am Ende seines Schwanzes einen weißen Fleck, von der Größe eines Dirham; lass ihn sieben weiße Haare von dem Fleck zupfen, dann lass ihn sie damit ausräuchern, und der Marid wird von ihr fliehen und nicht zurückkehren; so wird sie für den Rest ihres Lebens bei Verstand sein.“ All dies fand, o Ifrit, in Hörweite des Beneideten statt, der aufmerksam zuhörte. Als die Morgenröte anbrach und der Morgen in Glanz und Schein erstand, gingen die Fakire, um den Scheich zu suchen, und fanden ihn, wie er die Wand des Brunnens hinaufkletterte; wodurch er in ihren Augen verherrlicht wurde. Dann, da er wusste, dass nichts außer dem schwarzen Kater ihm das benötigte Heilmittel liefern konnte, zupfte er die sieben Schwanzhaare von dem weißen Fleck und legte sie beiseite; und kaum war die Sonne aufgegangen, da betrat der Sultan mit den großen Herren seines Reiches die Einsiedelei und hieß den Rest seines Gefolges draußen warten. Der Beneidete hieß ihn herzlich willkommen, und als er ihn neben sich setzte, fragte er ihn: „Soll ich dir den Grund deines Kommens nennen?“ Der König antwortete: „Ja.“ Er fuhr fort: „Du bist unter dem Vorwand eines Besuchs gekommen; doch es liegt dir am Herzen, mich wegen deiner Tochter zu befragen.“ Der König antwortete: „So ist es, o heiliger Scheich“; und der Beneidete fuhr fort: „Sende hin und hole sie, und ich vertraue darauf, sie auf der Stelle zu heilen (wenn es der Wille Allahs ist!).“ Der König sandte in großer Freude nach seiner Tochter, und sie brachten sie gefesselt und gekettet. Der Beneidete ließ sie hinter einem Vorhang sitzen und, nachdem er die Haare hervorgeholt hatte, räucherte er sie damit aus; woraufhin das, was in ihrem Kopf war, aufschrie und von ihr abließ. Das Mädchen war sogleich wieder bei klarem Verstand und verhüllte ihr Gesicht und sagte: „Was ist geschehen und wer hat mich hierher gebracht?“ Der Sultan freute sich mit einer Freude, die nichts übertreffen konnte, und küsste die Augen seiner Tochter und die Hand des heiligen Mannes; dann wandte er sich an seine großen Herren und fragte: „Was sagt ihr! Welchen Lohn verdient derjenige, der meine Tochter gesund gemacht hat?“ und alle antworteten: „Er verdient sie zur Ehefrau“; und der König sagte: „Ihr sprecht die Wahrheit!“ So vermählte er sie mit ihm, und der Beneidete wurde somit Schwiegersohn des Königs. Und nach einer Weile starb der Wesir, und der König sagte: „Wen kann ich an seiner Stelle zum Minister machen?“ „Deinen Schwiegersohn“, antworteten die Höflinge. So wurde der Beneidete Wesir; und nach einer Weile starb auch der Sultan, und die Untertanen sagten: „Wen sollen wir zum König machen?“ und alle riefen: „Den Wesir.“ So wurde der Wesir sogleich zum Sultan gemacht, und er wurde der regierende König, ein wahrer Herrscher über die Menschen. Eines Tages, als er sein Pferd bestiegen hatte und in der Erhabenheit seines Königtums inmitten seiner Emire und Wesire und der Großen seines Reiches ritt, fiel sein Auge auf seinen alten Nachbarn, den Beneider, der zu Fuß auf seinem Weg stand; da wandte er sich an einen seiner Minister und sagte: „Bring diesen Mann hierher und bereite ihm kein Erschrecken.“ Der Wesir brachte ihn, und der König sagte: „Gib ihm tausend Miskals Gold aus der Schatzkammer und belade zehn Kamele mit Gütern für den Handel und sende ihn unter Geleit in seine eigene Stadt zurück.“ Dann verabschiedete er sich von seinem Feind und sandte ihn fort und unterließ es, ihn für die vielen und großen Übel zu bestrafen, die er getan hatte. Sieh, o Ifrit, die Barmherzigkeit des Beneideten gegen den Beneider, der ihn von Anfang an gehasst und einen so bitteren Groll gegen ihn gehegt hatte und ihm niemals begegnete, ohne ihm Ärger zu bereiten; und ihn von Haus und Hof vertrieben hatte, und dann nur zu dem Zweck gereist war, ihm das Leben zu nehmen, indem er ihn in den Brunnen warf. Doch er vergalts ihm nicht mit seinem schädlichen Tun, sondern verzieh ihm und war freigiebig gegen ihn. Dann weinte ich vor ihm, o meine Herrin, mit bitterem Weinen, niemals gab es ein bittereres, und ich rezitierte: –

Verzeih meine Schuld, denn es ist des Weisen Brauch, ✿ Alle Schuld zu verzeihen und auf Rache zu verzichten: Wahrlich, alle Arten von Schuld sind in mir enthalten, ✿ So würdige mich aus Güte mit Gnade: Wer um Vergebung von oben fleht, ✿ Der sollte seine Hand von Sündern hier unten lassen.

Da sprach der Ifrit: „Verlängere nicht deine Worte! Was mein Erschlagen deiner betrifft, so fürchte es nicht, und was mein Begnadigen deiner betrifft, so hoffe nicht darauf; doch vor meiner Verzauberung deiner gibt es kein Entrinnen.“ Dann riss er mich von dem Boden, der sich unter meinen Füßen schloss, und flog mit mir in das Firmament, bis ich die Erde wie eine große weiße Wolke oder eine Untertasse inmitten der Wasser sah. Alsdann setzte er mich auf einen Berg und nahm ein wenig Staub, über den er einige magische Worte murmelte, besprengte mich damit und sprach: „Gib diese Gestalt auf und nimm die Gestalt eines Affen an!“ Und im selben Augenblick wurde ich ein Affe, ein schwanzloser Pavian, der Sohn eines Jahrhunderts. Als er mich nun verlassen hatte und ich mich in dieser hässlichen und verhassten Gestalt sah, weinte ich über mich selbst, ergab mich jedoch der Tyrannei der Zeit und der Umstände, wohl wissend, dass das Glück keinem Menschen hold und beständig ist. Ich stieg den Berg hinab und fand am Fuße eine Wüstenebene, lang und breit, über die ich einen Monat lang wanderte, bis mich mein Weg an den Rand des salzigen Meeres führte. Nachdem ich dort eine Weile gestanden hatte, nahm ich ein Schiff in der Ferne wahr, das vor einem günstigen Wind auf das Ufer zusteuerte: Ich versteckte mich hinter einem Felsen am Strand und wartete, bis das Schiff nahe war, woraufhin ich an Bord sprang. Ich fand es voller Kaufleute und Passagiere, und einer von ihnen rief: „O Kapitän, dieses unheilvolle Tier wird uns Unglück bringen!“ und ein anderer sagte: „Werft diese unheilvolle Bestie von uns fort;“ der Kapitän sagte: „Lasst es uns töten!“ ein anderer sagte: „Erschlagt es mit dem Schwert;“ ein dritter: „Ertränkt es;“ und ein vierter: „Schießt es mit einem Pfeil.“ Doch ich sprang auf und ergriff den Saum des Gewandes des Rais und vergoss Tränen, die mir über das Kinn strömten. Der Kapitän erbarmte sich meiner und sagte: „O Kaufleute! Dieser Affe hat mich um Schutz gebeten und ich werde ihn schützen; von nun an steht er unter meiner Obhut: so lasst ihn niemanden verletzen oder schaden, andernfalls wird es böses Blut zwischen uns geben.“ Dann behandelte er mich freundlich, und was auch immer er sagte, verstand ich; ich erfüllte ihm jeden Wunsch und diente ihm wie ein Diener, obgleich meine Zunge meinen Wünschen nicht gehorchen wollte; so dass er anfing, mich ins Herz zu schließen. Das Schiff segelte bei günstigem Wind fünfzig Tage lang weiter; am Ende dieser Zeit warfen wir unter den Mauern einer großen Stadt Anker, in der eine Welt von Menschen war, besonders gelehrte Männer, deren Zahl außer Allah niemand nennen konnte. Kaum waren wir angekommen, wurden wir von gewissen Mamelucken-Beamten des Königs jener Stadt besucht; diese gingen an Bord, grüßten die Kaufleute und, nachdem sie ihnen zur sicheren Ankunft gratuliert hatten, sprachen sie: „Unser König heißt euch willkommen und sendet euch diese Papierrolle, worauf jeder von euch eine Zeile schreiben muss. Denn ihr sollt wissen, dass der Minister des Königs, ein berühmter Kalligraph, gestorben ist und der König einen feierlichen Eid geschworen hat, dass er niemanden an seiner Stelle zum Wesir machen wird, der nicht so gut schreiben kann wie er.“ Dann gab er uns die Schriftrolle, die zehn Ellen lang und eine Elle breit war, und jeder der Kaufleute, der zu schreiben verstand, schrieb eine Zeile darauf, bis zum letzten von ihnen; danach stand ich auf (noch immer in der Gestalt eines Affen) und entriss ihnen die Rolle aus den Händen. Sie fürchteten, ich könnte sie zerreißen oder über Bord werfen; so versuchten sie, mich aufzuhalten und mich zu verscheuchen, aber ich bedeutete ihnen, dass ich schreiben könne, worüber sich alle wunderten und sagten: „Wir haben noch nie einen Affen schreiben sehen.“ Und der Kapitän rief: „Lasst ihn schreiben; und wenn er nur kritzelt und kratzt, werden wir ihn hinauswerfen und töten; aber wenn er schön und gelehrt schreibt, werde ich ihn als meinen Sohn annehmen; denn wahrlich, ich habe noch nie einen klügeren und wohlgezogeneren Affen gesehen als ihn. Wollte der Himmel, mein wirklicher Sohn wäre sein Ebenbild an Moral und Manieren.“ Ich nahm das Rohr, streckte meine Pfote aus, tunkte es in Tinte und schrieb in der für Briefe gebräuchlichen Hand diese zwei Zweizeiler:

Die Zeit hat Gaben aufgezeichnet, die sie den Großen lieh; ✿ Doch deine, die weit höher sind, verzeichnete sie nie; Allah lasse die Menschen niemals durch deinen Verlust verwaisen, ✿ Die du der Güte Mutter bist und der Freigebigkeit Verheißer.

Und ich schrieb in Rayháni oder größeren, elegant geschwungenen Buchstaben:

Du hast ein Rohr der Weisheit für jedes Land, ✿ Dessen Führung die Welt gedeihen lässt; Der Nil von Misraim ist nichts gegen deine Gaben, ✿ Die du das Elend mit fünf Fingern lächeln lässt.

Dann schrieb ich in der Suls-Schrift:

Es gibt keinen Schreiber, der dem Tod entfliehen kann, ✿ Doch was seine Hand schrieb, wird der Mensch wiederholen: Schreibe also nichts, das dir nicht dienlich ist, wenn ✿ Du es am Tag des Gerichts siehst, so du es siehst!

Dann schrieb ich in der Naskh-Schrift:

Wenn das Schicksal unsere Liebe zum schmerzlichen Abschied verdammt, ✿ Zu einem fernen Leben, vom Verhängnis bestimmt, Lassen wir die Lippen des Tintenfasses unsere Schmerzen klagen, ✿ Und geben unserer Äußerung Zunge mit dem sprechenden Rohr.

Und ich schrieb in der Túmár-Schrift:

Königreich besteht mit keinem; wenn du leugnest ✿ Diese Wahrheit, wo sind die Könige der früheren Erde? Pflanze Bäume der Güte, solange die Herrschaft währt, ✿ Und wenn du gefallen bist, werden sie von deinem Wert künden.

Und ich schrieb in der Muhakkak-Schrift:

Wenn sich das Tintenfass deines Reichtums und Ruhms öffnet, ✿ Nimm Tinte eines großzügigen Herzens und einer gnädigen Hand; Schreibe tapfere und edle Taten, solange du schreiben kannst, ✿ Und gewinne dir Lob durch die Spitze der Feder und des Schwertes.

Dann gab ich die Schriftrolle den Beamten, und nachdem wir alle unsere Zeile geschrieben hatten, trugen sie sie vor den König. Als er das Papier sah, gefiel ihm keine Schrift außer meiner; und er sagte zu den versammelten Höflingen: „Geht, sucht den Verfasser dieser Zeilen und bekleidet ihn mit einem prächtigen Ehrenkleid; dann setzt ihn auf ein Maultier, lasst eine Musikkapelle vor ihm hergehen und bringt ihn vor meine Gegenwart.“ Bei diesen Worten lächelten sie, und der König war zornig auf sie und rief: „O Verfluchte! Ich gebe euch einen Befehl und ihr lacht über mich?“ „O König“, antworteten sie, „wenn wir lachen, ist es nicht über dich und nicht ohne Grund.“ „Und was ist es?“, fragte er; und sie antworteten: „O König, du befiehlst uns, den Mann in deine Gegenwart zu bringen, der diese Zeilen schrieb; nun ist die Wahrheit, dass der, der sie schrieb, nicht von den Söhnen Adams ist, sondern ein Affe, ein schwanzloser Pavian, der dem Kapitän des Schiffes gehört.“ Er sprach: „Ist das wahr, was ihr sagt?“ Sie sagten: „Ja! Bei den Rechten deiner Freigebigkeit!“ Der König wunderte sich über ihre Worte, schüttelte sich vor Vergnügen und sagte: „Ich bin gewillt, diesen Affen vom Kapitän zu kaufen.“ Dann sandte er Boten mit dem Maultier, dem Gewand, der Wache und den Staatstrommeln zum Schiff und sagte: „Nichtsdestotrotz kleidet ihn in das Ehrenkleid und setzt ihn auf das Maultier und lasst ihn von den Wachen umgeben und von der Musikkapelle begleiten.“ Sie kamen zum Schiff, nahmen mich vom Kapitän, kleideten mich in das Ehrenkleid, setzten mich auf das Maultier und führten mich in einer feierlichen Prozession durch die Straßen; während die Leute erstaunt und amüsiert waren. Und die Leute sagten zueinander: „He, ist unser Sultan dabei, einen Affen zu seinem Minister zu machen?“; und sie kamen alle neugierig herbeigeströmt, um mich zu begaffen, und die Stadt war in Aufruhr und stand meinetwegen Kopf. Als sie mich zum König brachten und in seine Gegenwart setzten, küsste ich dreimal den Boden vor ihm, und einmal vor dem Hohen Kämmerer und den hohen Offizieren, und er hieß mich Platz nehmen, und ich saß respektvoll auf Schienbeinen und Knien, und alle Anwesenden wunderten sich über meine feinen Manieren, der König am allermeisten. Daraufhin befahl er den Untertanen, sich zurückzuziehen; und als niemand außer der Majestät des Königs, dem diensthabenden Eunuchen und einem kleinen weißen Sklaven blieb, befahl er ihnen, mir den Speisetisch zu decken, der alle Arten von Vögeln enthielt, was immer hüpft und fliegt und im Nest tritt, wie Wachteln und Sandflughühner. Dann bedeutete er mir, mit ihm zu essen; also stand ich auf und küsste den Boden vor ihm, dann setzte ich mich und aß mit ihm. Und als der Tisch abgeräumt war, wusch ich mir die Hände in sieben Wassern, nahm das Federetui und das Rohr und schrieb, anstatt zu sprechen, diese Zweizeiler:

Wehklage um die kleinen Rebhühner auf Schüssel und Teller; ✿ Ruf nach dem Ruin der Fritten und der gut marinierten Eintöpfe: Innig, wie ich um die geliebten, verlorenen Töchter des Katá-Huhns trauere, ✿ Und das Omelett um die schönen, gebräunten Geflügel, die sich zusammenballen: O Feuer in meinem Herzen für Fisch, diese zwei Fische, die ich sah, ✿ Gebettet auf frisch gebackenen Scones und Kuchen in Stapeln, die man zerteilen muss. Nach dir, o Fadennudeln! schmerzt mein ganzer Magen! Ich halte ✿ Ohne dich jeden Geschmack und jede Freude für völlig vernichtet. Diese Eier haben ihre gelben Augen in den quälenden Schmerzen des Feuers gerollt, ✿ Ehe sie mit Haschee und heißen Krapfen serviert wurden, dieser köstlichsten Speise, Gelobt sei Allah für Sein Gebackenes und Gebratenes und ah! wie gut ✿ Ist dieses Püree, dieses in Öl getränkte Küchenkraut, kombiniert mit Essig! Als der Hunger gestillt war, fiel ich, auf die Ellbogen gestützt, zurück auf ✿ Fleischpudding, in dem die Armreifen glänzten, die meinen Verstand verwirrten. Dann weckte ich den schlafenden Appetit, um zu essen, als wäre es zum Vergnügen, ✿ Süßigkeiten von brokatverzierten Tabletts und ausgefallensten Leckereien. Sei geduldig, meine Seele! Die Zeit ist ein hochmütiger, eifersüchtiger Kerl; ✿ Heute scheint er dunkel-drohend und morgen freundlich anzusehen.

Dann stand ich auf und setzte mich in respektvollem Abstand hin, während der König las, was ich geschrieben hatte, und staunte, indem er ausrief: „O das Wunder, dass einem Affen dieser anmutige Stil und diese Kraft der Schreibkunst gegeben sein sollte! Bei Allah, es ist ein Wunder der Wunder!“

Alsbald stellten sie dem König edle Weine in Glaskaraffen hin, und er trank: dann reichte er mir den Becher; und ich küsste den Boden, trank und schrieb darauf:

Mit Feuer kochten sie mich, um meine Zunge zu lösen, ✿ Und Schmerz und Geduld gaben sie mir als Gefährten: Daher kommt es, dass Hände von Menschen mich hochtragen ✿ Und ich Honigtau von den Lippen einer Maid nippe!

Und auch diese:

Der Morgen sagt zur Nacht: „Weiche und lass mich scheinen;“ ✿ So leeren wir Züge, die allen Schmerz und Kummer dämpfen: Ich zweifle, so fein ist das Glas, so klar der Wein, ✿ Ob es der Wein im Glas oder das Glas im Wein ist.

Der König las meine Verse und sagte mit einem Seufzer: „Wären diese Gaben in einem Menschen, würde er alle Völker seiner Zeit und seines Zeitalters übertreffen!“ Dann ließ er das Schachbrett herbeiholen und sagte: „Sag, willst du mit mir spielen?“; und ich bedeutete mit dem Kopf: „Ja.“ Dann trat ich vor, ordnete die Figuren und spielte zwei Partien mit ihm, die ich beide gewann. Er war sprachlos vor Überraschung; also nahm ich das Federetui, zog ein Rohr hervor und schrieb auf das Brett diese zwei Zweizeiler:

Zwei Heere kämpfen den ganzen langen Tag, ✿ Und ihr Schlachten ist niemals beendet, Bis, wenn die Dunkelheit sie umschließt, ✿ Die beiden in einem einzigen Bett schlafen gehen.

Der König las diese Zeilen mit Staunen und Entzücken und sagte zu seinem Eunuchen: „O Mukbil, geh zu deiner Herrin, Sitt al-Husn, und sag ihr: Komm, sprich zum König, der dich hierher bittet, um dich an der Betrachtung dieses überaus wunderbaren Affen zu erfreuen!“ Also ging der Eunuch hinaus und kehrte bald mit der Dame zurück, die, als sie mich sah, ihr Gesicht verschleierte und sagte: „O mein Vater! Hast du jeden Sinn für Ehre verloren? Wie kommt es, dass es dir gefällt, nach mir zu senden und mich fremden Männern zu zeigen?“ „O Sitt al-Husn“, sagte er, „niemand ist hier außer diesem kleinen Pagen und dem Eunuchen, der dich aufgezogen hat, und mir, deinem Vater. Vor wem also verschleierst du dein Gesicht?“ Sie antwortete: „Dieser, den du für einen Affen hältst, ist ein junger Mann, ein kluger und höflicher, ein weiser und gelehrter und der Sohn eines Königs; aber er ist verzaubert, und der Ifrit Jirjaris, der aus dem Samen des Iblis stammt, hat einen Zauber auf ihn geworfen, nachdem er seine eigene Frau, die Tochter von König Ifitamus, dem Herrn der Inseln von Abnus, getötet hatte.“ Der König wunderte sich über die Worte seiner Tochter und wandte sich an mich und sagte: „Ist das wahr, was sie von dir sagt?“; und ich bedeutete mit einem Kopfnicken die Antwort: „Ja, wahrlich;“ und weinte bitterlich. Dann fragte er seine Tochter: „Woher wusstest du, dass er verzaubert ist?“; und sie antwortete: „O mein lieber Papa, es war in meiner Kindheit eine alte Frau bei mir, eine schlaue und weise und dazu noch eine Hexe, und sie lehrte mich die Theorie der Magie und ihre Praxis; und ich machte mir schriftliche Notizen und wurde darin vollkommen, und habe einhundertundsiebzig Kapitel egromantischer Formeln auswendig gelernt, mit deren geringster ich die Steine deiner Stadt hinter den Berg Kaf und das Umringende Meer transportieren oder ihren Standort zu einem Abgrund des Meeres machen könnte und ihre Leute zu Fischen, die inmitten davon schwimmen.“ „O meine Tochter“, sagte ihr Vater, „ich beschwöre dich, bei meinem Leben, entzaubere diesen jungen Mann, damit ich ihn zu meinem Wesir machen und dich mit ihm vermählen kann, denn wahrlich, er ist ein begabter Jüngling und ein tief Gelehrter.“ „Mit Freude und gutem Willen“, antwortete sie, und während sie ein eisernes Messer in der Hand hielt, worauf der Name Allahs in hebräischen Schriftzeichen eingraviert war, beschrieb sie einen weiten Kreis – Und Shahrazad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihre erlaubten Worte zu sagen.

Sie sagte: „Es ist zu mir gelangt, o glückverheißender König, dass der Kalandar seine Erzählung so fortsetzte: – O meine Herrin, die Königstochter nahm ein Messer in die Hand, worauf hebräische Schriftzeichen eingraviert waren, beschrieb einen weiten Kreis inmitten des Palastsaales und schrieb darin mit kufischen Buchstaben geheimnisvolle Namen und Talismane; dann sprach sie Worte aus und murmelte Zaubersprüche, von denen wir einige verstanden und andere nicht. Alsbald wurde die Welt vor unseren Augen dunkel, bis wir glaubten, der Himmel stürze auf unsere Häupter herab, und siehe! Der Ifrit erschien in seiner eigenen Gestalt und Erscheinung. Seine Hände waren wie vielzinkige Mistgabeln, seine Beine wie die Masten großer Schiffe und seine Augen wie Fackeln aus flammendem Feuer. Wir hatten schreckliche Angst vor ihm, doch die Königstochter rief ihm zu: ‚Kein Willkommen dir und kein Gruß, o Hund!‘ Woraufhin er sich in die Gestalt eines Löwen verwandelte und sprach: ‚O Verräterin, wie konntest du den Eid brechen, den wir schworen, dass keiner den anderen befehden sollte!‘ ‚O Verfluchter‘, antwortete sie, ‚wie könnte ein Pakt bestehen zwischen mir und deinesgleichen?‘ Dann sagte er: ‚Nimm, was du dir selbst eingebrockt hast;‘ und der Löwe öffnete seine Kiefer und stürzte auf sie zu; doch sie war zu schnell für ihn; sie riss sich ein Haar vom Kopf, schwang es in der Luft und murmelte dabei darüber; und das Haar wurde sogleich zu einer scharfen Schwertklinge, mit der sie den Löwen schlug und ihn in zwei Teile schnitt. Dann flogen die beiden Hälften in der Luft davon, der Kopf verwandelte sich in einen Skorpion und die Prinzessin wurde zu einer riesigen Schlange und stürzte sich auf den verfluchten Skorpion, und die beiden kämpften, sich windend und wieder entwindend, einen erbitterten Kampf von mindestens einer Stunde. Dann verwandelte sich der Skorpion in einen Geier und die Schlange in einen Adler, der sich auf den Geier stürzte und ihn eine Stunde lang jagte, bis er zu einem schwarzen Kater wurde, der miaute, grinsten und spuckte. Daraufhin verwandelte sich der Adler in einen scheckigen Wolf, und diese beiden kämpften lange Zeit im Palast, bis der Kater, als er sah, dass er unterlegen war, sich in einen Wurm verwandelte und in einen riesigen roten Granatapfel kroch, der neben dem sprudelnden Springbrunnen inmitten des Palastsaales lag. Daraufhin schwoll der Granatapfel in der Luft auf die Größe einer Wassermelone an; er fiel auf das Marmorpflaster des Palastes, zerbrach in Stücke, und alle Kerne fielen heraus und verstreuten sich, bis sie den gesamten Boden bedeckten. Dann schüttelte sich der Wolf und wurde zu einem schneeweißen Hahn, der begann, die Kerne aufzupicken, in der Absicht, keinen einzigen zurückzulassen; doch durch das Walten des Schicksals rollte ein Kern an den Rand des Brunnens und blieb dort verborgen. Der Hahn begann zu krähen, mit den Flügeln zu schlagen und uns mit seinem Schnabel Zeichen zu geben, als wolle er fragen: ‚Sind noch Körner übrig?‘ Aber wir verstanden nicht, was er meinte, und er schrie uns mit einem so lauten Schrei an, dass wir dachten, der Palast würde über uns zusammenbrechen. Dann lief er über den ganzen Boden, bis er das Korn sah, das an den Rand des Brunnens gerollt war, und stürzte eifrig herbei, um es aufzupicken, als es plötzlich mitten in das Wasser sprang, zu einem Fisch wurde und auf den Grund des Beckens tauchte. Daraufhin verwandelte sich der Hahn in einen großen Fisch und stürzte hinter dem anderen her, und die beiden verschwanden für eine Weile, und siehe! Wir hörten lautes Kreischen und Schmerzensschreie, die uns erzittern ließen. Danach stieg der Ifrit aus dem Wasser empor, und er war wie eine brennende Flamme; er spie Feuer und Rauch aus seinem Mund, seinen Augen und seinen Nasenlöchern. Und sogleich kam auch die Prinzessin aus dem Becken hervor, und sie war eine einzige glühende Kohle aus flammender Lohe; und diese beiden, sie und er, kämpften eine Stunde lang, bis ihre Feuer sie vollständig umschlossen und ihr dichter Rauch den Palast erfüllte. Wir rangen nach Atem, fast erstickt, und sehnten uns danach, ins Wasser zu springen, aus Furcht, wir würden verbrannt und gänzlich vernichtet werden; und der König sagte: ‚Es gibt keine Hoheit und keine Macht außer bei Allah, dem Ruhmreichen, dem Großen! Wahrlich, wir sind Allahs und zu Ihm kehren wir zurück! Wäre ich doch vom Himmel bewahrt geblieben, meine Tochter dazu zu drängen, die Entzauberung dieses Affenmenschen zu versuchen, wodurch ich ihr die schreckliche Aufgabe auferlegt habe, gegen jenen verfluchten Ifrit zu kämpfen, gegen den alle Ifrite der Welt nicht bestehen könnten. Und wäre ich doch vom Himmel bewahrt geblieben, diesen Affen jemals gesehen zu haben; Allah segne oder begünstige niemals den Tag seines Kommens! Wir dachten, eine gute Tat an ihm zu tun vor dem Angesicht Allahs und ihn von seinem Zauber zu befreien, und nun haben wir dieses Unglück und diese Mühsal über unser Herz gebracht.‘ Aber ich, o meine Herrin, war sprachlos und unfähig, ein Wort zu ihm zu sagen. Plötzlich, ehe wir uns dessen versahen, schrie der Ifrit unter den Flammen auf und kam auf uns zu, während wir auf dem Podium standen, und spie Feuer in unsere Gesichter. Das Mädchen holte ihn ein und hauchte Feuerstöße in sein Gesicht, und die Funken von ihr und von ihm regneten auf uns herab; ihre Funken taten uns kein Leid, aber einer seiner Funken traf mein Auge und zerstörte es, was mich zu einem einäugigen Affen machte; und ein anderer fiel auf das Gesicht des Königs, versengte die untere Hälfte, brannte seinen Bart und seinen Schnurrbart ab und ließ seine unteren Zähne ausfallen; während ein dritter auf die Brust des Kastraten fiel und ihn auf der Stelle tötete. So verzweifelten wir am Leben und waren des Todes gewiss, als plötzlich eine Stimme den Ausspruch wiederholte: ‚Allah ist der Allerhöchste! Allah ist der Allerhöchste! Beistand und Sieg für alle, die an die Wahrheit glauben; und Enttäuschung und Schande für alle, die nicht an die Religion Mohammeds, des Mondes des Glaubens, glauben.‘ Die Sprecherin war die Prinzessin, welche den Ifrit verbrannt hatte, und er war zu einem Haufen Asche geworden. Dann kam sie auf uns zu und sagte: ‚Reicht mir einen Becher Wasser.‘ Man brachte ihn ihr, und sie sprach darüber Worte, die wir nicht verstanden, und als sie mich damit besprengte, rief sie: ‚Kraft der Wahrheit und bei dem Allergrößten Namen Allahs befehle ich dir, in deine frühere Gestalt zurückzukehren.‘ Und siehe, ich schüttelte mich und wurde wieder ein Mensch wie zuvor, nur dass ich ein Auge gänzlich verloren hatte. Dann schrie sie: ‚Das Feuer! Das Feuer! O mein lieber Papa, ein Pfeil von dem Verfluchten hat mich tödlich verwundet, denn ich bin es nicht gewohnt, gegen die Dschinn zu kämpfen; wäre er ein Mensch gewesen, hätte ich ihn gleich zu Beginn erschlagen. Ich hatte keine Mühe, bis zu dem Zeitpunkt, als der Granatapfel platzte und die Körner sich verteilten, aber ich übersah das Korn, in dem das eigentliche Leben des Dschinni steckte. Hätte ich es aufgehoben, er wäre auf der Stelle gestorben, aber wie das Schicksal und das Glück es beschlossen, sah ich es nicht; so kam er ganz unerwartet über mich, und es entspann sich zwischen ihm und mir ein schwerer Kampf unter der Erde, hoch in der Luft und im Wasser; und so oft ich ein Tor gegen ihn öffnete, öffnete er gegen mich ein anderes und stärkeres Tor, bis er zuletzt das Tor des Feuers gegen mich öffnete, und wenige werden gerettet, über denen sich das Tor des Feuers öffnet. Aber das Schicksal wollte, dass meine List über seine List siegte; und ich verbrannte ihn zu Tode, nachdem ich ihn vergeblich ermahnt hatte, die Religion des Al-Islam anzunehmen. Was mich betrifft, so bin ich eine tote Frau; möge Allah mich bei euch ersetzen!‘ Dann rief sie den Himmel um Hilfe an und hörte nicht auf, um Erleichterung von dem Feuer zu flehen; da schoss plötzlich ein schwarzer Funke von ihren bekleideten Füßen bis zu ihren Schenkeln empor; dann flog er zu ihrem Busen und von dort zu ihrem Gesicht. Als er ihr Gesicht erreichte, weinte sie und sagte: ‚Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist!‘ Und wir blickten sie an und sahen nichts weiter als einen Haufen Asche neben dem Haufen, der der Ifrit gewesen war. Wir trauerten um sie, und ich wünschte, ich wäre an ihrer Stelle gewesen, damit ich nicht ihr liebliches Gesicht, das mir solches Wohl getan hatte, zu Asche werden sehen müsste; aber gegen den Willen Allahs gibt es kein Aufbegehren. Als der König den schrecklichen Tod seiner Tochter sah, riss er sich aus, was von seinem Bart übrig war, schlug sich ins Gesicht und zerriss seine Gewänder; und ich tat es ihm gleich, und wir beide weinten um sie. Dann kamen die Kammerherren und Großen herein und waren erstaunt, zwei Haufen Asche und den Sultan in Ohnmacht vorzufinden; sie standen um ihn herum, bis er wieder zu sich kam und ihnen erzählte, was seine Tochter durch den Ifrit erlitten hatte; worüber ihr Schmerz recht groß war, und die Frauen und Sklavinnen schrien und wehklagten, und sie setzten ihre Klagen sieben Tage lang fort. Überdies befahl der König, über der Asche seiner Tochter ein riesiges gewölbtes Grabmal zu errichten und darin Wachskerzen und Grablampen brennen zu lassen: die Asche des Ifrits aber verstreuten sie in den Winden, damit sie dem Fluch Allahs anheimfiele. Dann erkrankte der Sultan an einer Krankheit, die ihn einen Monat lang fast an den Rand des Todes brachte; und als seine Gesundheit zurückkehrte, sein Bart wieder wuchs und er durch die Barmherzigkeit Allahs zum Al-Islam bekehrt worden war, ließ er nach mir schicken und sagte: ‚O Jüngling, das Schicksal hatte für uns das glücklichste Leben beschieden, sicher vor allen Wechselfällen der Zeit, bis du zu uns kamst, als das Unglück über uns hereinbrach. Wäre ich doch vom Himmel bewahrt geblieben, dich und dein hässliches Gesicht niemals gesehen zu haben! Denn wir hatten Mitleid mit dir und haben dadurch alles verloren. Ich habe deinetwegen erstens meine Tochter verloren, die mir mehr wert war als hundert Männer; zweitens habe ich das erlitten, was mir durch das Feuer und den Verlust meiner Zähne widerfuhr, und mein Eunuch wurde ebenfalls erschlagen. Ich beschuldige dich nicht, denn es lag nicht in deiner Macht, dies zu verhindern: Das Urteil Allahs lag auf dir wie auf uns, und Dank sei dem Allmächtigen, dass meine Tochter dich gerettet hat, wenn auch sie dadurch ihr eigenes Leben verlor! Geh nun, o mein Sohn, aus dieser meiner Stadt, und lass dir genügen, was uns durch dich widerfahren ist, auch wenn es so für uns bestimmt war. Geh in Frieden; und wenn ich dich jemals wiedersehe, werde ich dich sicherlich erschlagen.‘ Und er schrie mich an. So ging ich aus seiner Gegenwart hinaus, o meine Herrin, bitterlich weinend und kaum an meine Flucht glaubend, und nicht wissend, wohin ich mich wenden sollte. Und ich erinnerte mich an alles, was mir widerfahren war, meine Begegnung mit dem Schneider, meine Liebe zu dem Mädchen im Palast unter der Erde und mein knappes Entkommen vor dem Ifrit, selbst nachdem er beschlossen hatte, mich töten zu lassen; und wie ich als Affe in die Stadt gekommen war und sie nun als Mensch wieder verließ. Dann dankte ich Allah und sagte: ‚Mein Auge und nicht mein Leben!‘ Und bevor ich den Ort verließ, ging ich ins Bad, rasierte mir den Kopf, den Bart, den Schnurrbart und die Augenbrauen; streute Asche auf mein Haupt und legte das grobe schwarze Wollgewand eines Kalandars an. Dann zog ich fort, o meine Herrin, und jeden Tag dachte ich über all die Heimsuchungen nach, die mich getroffen hatten, und ich weinte und wiederholte diese Zeilen:

Ich bin verstört, doch wahrlich, Seine Gnade bleibt bei mir, Obwohl sich Scharen von Übel um mich sammeln, woher, kann ich nicht sehen: Geduldig will ich sein, bis die Geduld selbst meiner überdrüssig wird; Geduldig für immer, bis der Herr mein Schicksal erfüllt: Geduldig werde ich ohne Klage verweilen, ein geschlagener und besiegter Mann; Geduldig wie der von der Sonne versengte Wandrer, der das sandige Meer der Wüste durchmisst: Geduldig werde ich sein, bis die Aloe selbst unwissentlich zugibt, Dass ich geduldiger bin unter bittereren Dingen als der bittersten Aloe: Nichts Bittereres als Aloe oder Geduld gibt es für die Menschheit; Doch bitterer als diese beiden war mir die Treulosigkeit der Geduld: Meine versengte, gefurchte und gezeichnete Stirn wäre der Dolmetscher meines Leids, Könnte die Seele meinen Geist durchdringen und das Verborgene dort enthüllen: Würden Hügel die Last tragen, die ich trage, sie würden unter dem Gewicht zerbröckeln; Sie würde den brüllenden Wind stillen, sie würde die Flammendrangsal der Zunge löschen, Und wer auch immer sagt, die Welt sei süß, gewiss, einen Tag wird er erleben, Mit mehr als Aloe-Bitterkeit und Aloe-Schärfe.

Dann reiste ich durch viele Gegenden und sah viele Städte, auf dem Weg nach Bagdad, auf dass ich im Hause des Friedens eine Audienz beim Befehlshaber der Gläubigen suchen und ihm alles erzählen könnte, was mir widerfahren war. Ich kam in dieser selben Nacht hier an und fand meinen Bruder in Allah, diesen ersten Kalandar, wie er dort stand wie einer, der ratlos ist; also grüßte ich ihn mit ‚Friede sei mit dir‘ und kam mit ihm ins Gespräch. Alsbald kam unser Bruder, dieser dritte Kalandar, hinzu und sagte zu uns: ‚Friede sei mit euch! Ich bin ein Fremder;‘ worauf wir antworteten: ‚Und auch wir sind Fremde, die in dieser gesegneten Nacht hierhergekommen sind.‘ So gingen wir alle drei zusammen weiter, ohne dass einer die Geschichte des anderen kannte, bis das Schicksal uns an diese Tür trieb und wir zu euch hereinkamen. Das also ist meine Geschichte und mein Grund, mir Bart und Schnurrbart zu rasieren, und dies ist es, was den Verlust meines Auges verursachte.‘ Die Hausherrin sagte: ‚Deine Erzählung ist wahrlich eine seltene; also reibe dir den Kopf und zieh deines Weges;‘ doch er antwortete: ‚Ich werde nicht weichen, bis ich die Geschichten meiner Gefährten höre.‘ Dann trat der dritte Kalandar vor und sagte: ‚O erlauchte Herrin! Meine Geschichte ist nicht wie die dieser meiner Kameraden, sondern wunderbarer und weitaus erstaunlicher. In ihrem Fall kamen das Schicksal und das Glück unerwartet über sie; aber ich habe das Schicksal auf mein eigenes Haupt herabgezogen und Leid über meine eigene Seele gebracht, und ich habe mir meinen eigenen Bart rasiert und mein eigenes Auge verloren. Hört also.‘

DIE ERZÄHLUNG DES DRITTEN KALANDARS.

Wisse, o meine Herrin, dass auch ich ein König bin und der Sohn eines Königs, und mein Name ist Ajib, Sohn des Khazib. Als mein Vater starb, folgte ich ihm nach; und ich herrschte und übte Gerechtigkeit und handelte fair gegenüber all meinen Untertanen. Ich erfreute mich an Seereisen, denn meine Hauptstadt lag an der Küste, vor der sich der Ozean weit und breit erstreckte; und in der Nähe lagen viele große Inseln mit Festungen und Garnisonen inmitten des Meeres. Meine Flotte zählte fünfzig Handelsschiffe und ebenso viele Lustyachten sowie einhundertfünfzig Schiffe, die für den heiligen Krieg gegen die Ungläubigen gerüstet waren. Es fügte sich, dass ich Lust verspürte, mich auf den besagten Inseln zu vergnügen, also schiffte ich mich mit meinem Volk auf zehn Kielen ein; und, einen Monatsproviant mitnehmend, brach ich zu einer zwanzig Tage dauernden Reise auf. Doch eines Nachts traf uns ein Gegenwind, und das Meer erhob sich gegen uns mit riesigen Wellen; die Wogen peitschten uns schwer, und eine dichte Dunkelheit legte sich um uns. Wir gaben uns verloren, und ich sagte: ‚Wer seine Tage in Gefahr bringt, selbst wenn er entkommt, verdient kein Lob.‘ Dann beteten wir zu Allah und flehten Ihn an; doch die Sturmböen hörten nicht auf, gegen uns zu blasen, noch die Wogen, uns zu treffen, bis der Morgen graute, als sich der Sturm legte, die See zu spiegelglatter Stille sank und die Sonne uns freundlich und klar beschien. Alsbald erreichten wir eine Insel, wo wir landeten, etwas zu essen kochten, uns satt aßen und für ein paar Tage ausruhten. Dann brachen wir wieder auf und segelten weitere zwanzig Tage, während sich das Meer verbreiterte und das Land schwand. Alsbald lief die Strömung gegen uns, und wir fanden uns in fremden Gewässern wieder, wo der Kapitän die Orientierung verloren hatte und in diesem Meer völlig verwirrt war; also sagten wir zum Ausguck: ‚Begib dich an die Mastspitze und halte die Augen offen.‘ Er kletterte den Mast hinauf, schaute hinaus und rief laut: ‚O Rais, ich erblicke steuerbord etwas Dunkles, sehr wie ein Fisch, der auf der Oberfläche des Meeres treibt, und backbord ist in der Mitte des Meeres ein Schatten, bald schwarz und bald hell.‘ Als der Kapitän die Worte des Ausgucks hörte, schlug er seinen Turban auf das Deck, riss sich den Bart aus und schlug sich ins Gesicht, indem er sagte: ‚Gute Nachrichten in der Tat! Wir sind alle des Todes; nicht einer von uns kann gerettet werden.‘ Und er begann zu weinen, und wir alle weinten wegen seines Weinens und auch um unser Leben; und ich sagte: ‚O Kapitän, sag uns, was der Ausguck gesehen hat.‘ ‚O mein Prinz‘, antwortete er, ‚wisse, dass wir in der Nacht des Sturms vom Kurs abgekommen sind, worauf am nächsten Tag eine zweitägige Windstille folgte, während derer wir nicht vorankamen; und wir sind nun elf Tage vom Kurs abgekommen, gerechnet von jener Nacht an, ohne einen Wind, der uns auf unseren wahren Kurs zurückbringen könnte. Morgen gegen Ende des Tages werden wir zu einem Berg aus schwarzem Stein kommen, dem Magnetberg genannt; denn dorthin treiben uns die Strömungen, ob wir wollen oder nicht. Sobald wir unter seinem Schutz liegen, werden sich die Schiffsseiten öffnen und jeder Nagel in den Planken wird herausfliegen und fest am Berg haften; denn der allmächtige Allah hat dem Magnetstein eine geheimnisvolle Eigenschaft verliehen und eine Liebe zum Eisen, weshalb alles, was aus Eisen ist, sich zu ihm hinbewegt; und auf diesem Berg ist viel Eisen, wie viel, weiß niemand außer dem Allerhöchsten, von den vielen Schiffen, die dort seit alten Tagen verloren gegangen sind. Der helle Punkt auf seinem Gipfel ist eine Kuppel aus gelbem Messing aus Andalusien, gewölbt auf zehn Säulen; und auf ihrer Krone sitzt ein Reiter, der ein Pferd aus Messing reitet und eine Lanze aus Messing in der Hand hält; und an seiner Brust hängt eine Tafel aus Blei, eingraviert mit Namen und Talismanen.‘ Und er fügte sogleich hinzu: ‚Und, o König, niemand zerstört die Leute außer dem Reiter auf diesem Ross, noch wird die Zauberei gebannt sein, bis er von seinem Pferd fällt.‘ Dann, o meine Herrin, weinte der Kapitän mit übermäßigem Weinen, und wir alle waren des Todes sicher, und ein jeder von uns verabschiedete sich von seinem Freund und betraute ihn mit seinem letzten Willen und Testament, für den Fall, dass er gerettet werden könnte. Wir schliefen in jener Nacht nicht, und am Morgen fanden wir uns dem Magnetberg viel näher, wohin das Wasser uns mit einer heftigen Strömung trieb. Als die Schiffe dicht unter seinem Schutz lagen, öffneten sie sich, die Nägel flogen heraus, und alles Eisen in ihnen suchte den Magnetberg und haftete daran wie ein Netz; sodass wir am Ende des Tages alle in den Wellen rings um den Berg kämpften. Einige von uns wurden gerettet, doch mehr ertranken, und selbst diejenigen, die entkommen waren, erkannten einander nicht, so benommen waren sie vom Schlagen der Wogen und dem Toben der Winde. Was mich betrifft, o meine Herrin, Allah (Sein Name sei erhoben!) bewahrte mein Leben, damit ich erleide, was auch immer Er mir an Härte, Unglück und Unheil zugedacht hatte; denn ich klammerte mich an eine Planke eines der Schiffe, und der Wind und das Wasser warfen sie an den Fuß des Berges. Dort fand ich einen begehbaren Pfad, der in Stufen aus dem Fels gehauen war, zum Gipfel führte, und ich rief den Namen Allahs des Allmächtigen an – Und Shahrazad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihre erlaubten Worte zu sagen.

Sie fuhr fort: Es hat mich erreicht, o glückverheißender König, dass der dritte Kalandar zu der Dame sprach (während der Rest der Gesellschaft fest gebunden dasaß und die Sklaven mit gezogenen Schwertern über ihren Häuptern standen): – Und nachdem ich den Namen Allahs des Allmächtigen angerufen und Ihn inbrünstig angefleht hatte, nahm ich den Aufstieg in Angriff, klammerte mich an die Stufen und Kerben, die in den Stein gehauen waren, und stieg Schritt für Schritt hinauf. Und der Herr stillte den Wind und half mir beim Aufstieg, sodass es mir gelang, den Gipfel zu erreichen. Dort fand ich keine Ruhestätte außer der Kuppel, in die ich eintrat, mich über meine Rettung außerordentlich freuend; ich vollzog die Wudu-Waschung und verrichtete ein Gebet mit zwei Verbeugungen als Dank an Gott für meine Bewahrung. Dann schlief ich unter der Kuppel ein und hörte im Traum eine geheimnisvolle Stimme sagen: „O Sohn des Khazib! Wenn du aus deinem Schlaf erwachst, grabe unter deinen Füßen, und du wirst einen Bogen aus Messing und drei bleierne Pfeile finden, die mit Talismanen und Zeichen beschriftet sind. Nimm den Bogen und schieße die Pfeile auf den Reiter oben auf der Kuppel und befreie die Menschheit von diesem schweren Unheil. Wenn du ihn erschossen hast, wird er ins Meer fallen, und das Pferd wird ebenfalls zu deinen Füßen herabfallen: Dann begrabe es an der Stelle des Bogens. Wenn dies vollbracht ist, wird das Meer anschwellen und steigen, bis es die Höhe des Berggipfels erreicht, und es wird auf ihm ein Boot erscheinen, das einen Mann aus Messing (einen anderen als den, den du erschossen haben wirst) befördert, der ein Paar Ruder in der Hand hält. Er wird zu dir kommen, und du sollst dich mit ihm einschiffen, aber hüte dich davor, Bismillah zu sagen oder sonst Allah den Allmächtigen zu nennen. Er wird dich zehn Tage lang rudern, bis er dich zu gewissen Inseln bringt, die Inseln der Sicherheit genannt werden, und von dort aus wirst du leicht einen Hafen erreichen und Menschen finden, die dich in dein Heimatland bringen werden; und all dies soll dir erfüllt werden, solange du nicht den Namen Allahs anrufst.“ Dann schreckte ich freudig und froh aus meinem Schlaf auf und, mich beeilend, dem Geheiß der geheimnisvollen Stimme zu folgen, fand ich den Bogen und die Pfeile, schoss auf den Reiter und stürzte ihn in das Meer, während das Pferd zu meinen Füßen fiel; also nahm ich es und begrub es. Sogleich wogte das Meer auf und stieg, bis es den Gipfel des Berges erreichte; und ich musste nicht lange warten, bis ich in der Ferne ein Boot sah, das auf mich zukam. Ich dankte Allah; und als das Boot mich erreichte, sah ich darin einen Mann aus Messing mit einer Bleiplatte auf seiner Brust, die mit Talismanen und Zeichen beschriftet war; und ich stieg ein, ohne ein Wort zu sagen. Der Bootsmann ruderte mit mir durch den ersten, den zweiten und den dritten Tag, insgesamt zehn volle Tage, bis ich die Inseln der Sicherheit erblickte; darüber freute ich mich außerordentlich und rief vor lauter Freude aus: „Allah! Allah! Im Namen Allahs! Es gibt keinen Gott außer dem Gott, und Allah ist der Allmächtige.“ Daraufhin kenterte das Boot augenblicklich und warf mich in das Meer; dann richtete es sich auf und sank tief in die Tiefe. Nun bin ich ein guter Schwimmer, also schwamm ich den ganzen Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit, als meine Unterarme und Schultern vor Erschöpfung taub waren und ich mich dem Tode nahe fühlte; daher legte ich das Glaubensbekenntnis ab und erwartete nichts als den Tod. Das Meer wogte noch immer unter der Gewalt der Winde, und bald kam eine Woge wie ein Hügel; sie trug mich hoch in die Luft und warf mich mit einem weiten Wurf an Land, auf dass Sein Wille erfüllt werde. Ich kroch den Strand hinauf, zog meine Kleidung aus, wringte sie aus, um sie zu trocknen, und breitete sie im Sonnenschein aus: Dann legte ich mich nieder und schlief die ganze Nacht. Sobald es Tag wurde, zog ich meine Kleider an und stand auf, um zu sehen, wohin ich gehen sollte. Bald kam ich zu einem Dickicht aus niedrigen Bäumen; und nachdem ich mich umgesehen hatte, fand ich, dass der Ort, auf dem ich stand, eine kleine Insel war, ein bloßer Holm, von allen Seiten vom Ozean umgeben; woraufhin ich zu mir selbst sagte: „Was mich von einem großen Unheil befreit, wirft mich in ein noch größeres!“ Aber während ich über meine Lage nachdachte und mich nach dem Tod sehnte, siehe, da sah ich in der Ferne ein Schiff, das auf die Insel zusteuerte; also kletterte ich auf einen Baum und versteckte mich in den Zweigen. Bald ging das Schiff vor Anker und setzte zehn Sklaven ab, Mohren, die eiserne Hacken und Körbe trugen und weitergingen, bis sie die Mitte der Insel erreichten. Hier gruben sie tief in den Boden, bis sie eine Metallplatte freilegten, die sie anhoben und dadurch eine Falltür öffneten. Danach kehrten sie zum Schiff zurück und brachten von dort Brot und Mehl, Honig und Früchte, geklärte Butter, Lederflaschen mit Getränken und viele Haushaltsgegenstände; auch Möbel, Tischgeschirr und Spiegel; Teppiche, Vorleger und tatsächlich alles, was zur Einrichtung einer Wohnung nötig ist; und sie gingen immer wieder hin und her und stiegen durch die Falltür hinab, bis sie alles, was auf dem Schiff war, in die Wohnung befördert hatten. Danach gingen die Sklaven wieder an Bord und brachten Kleider mit sich, so reich, wie sie nur sein konnten, und in ihrer Mitte kam ein sehr alter Mann, von dem nur noch wenig übrig war, denn die Zeit war hart und grausam mit ihm umgegangen, und alles, was von ihm blieb, war ein Knochen, eingewickelt in einen Lumpen aus blauem Stoff, durch den die Winde von West und Ost pfiffen. Wie der Dichter von ihm sagt:

Die Zeit lässt mich beben. Ach, welch ein Hindernis! Während die Zeit in Stolz und Kraft stets einhergeht: Es war eine Zeit, da ging ich und fühlte mich nie müde, nun bin ich müde, obwohl ich nie gehe!

Und der Scheich hielt an der Hand einen Jüngling, der aus dem Guss der Schönheit geformt war, voller Eleganz und vollkommener Anmut; so schön, dass seine Lieblichkeit sprichwörtlich zu werden verdiente; denn er war wie ein grüner Zweig oder das zarte Junge eines Rehes, das mit seiner Lieblichkeit jedes Herz raubte und jede Seele mit seiner Koketterie und seinen verliebten Arten unterwarf. Von ihm sprach der Dichter, als er sagte:

Schönheit brachten sie mit ihm zum Vergleich; doch Schönheit senkte ihr Haupt in Scham und Sorge: Sie sprachen: „O Schönheit, hast du seinesgleichen gesehen?“ Und Schönheit rief: „Seinesgleichen? Nirgendwo!“

Sie ließen nicht ab von ihrem Gang, o meine Dame, bis alle durch die Falltür hinabstiegen und eine Stunde oder länger nicht wieder erschienen; am Ende dieser Zeit kamen die Sklaven und der alte Mann ohne den Jüngling herauf und ersetzten die Eisenplatte und verschlossen die Türplatte sorgfältig, wie sie zuvor gewesen war, woraufhin sie zum Schiff zurückkehrten, die Segel setzten und aus meinem Blickfeld verschwanden. Als sie sich abwandten, um fortzugehen, stieg ich vom Baum herab und ging zu der Stelle, an der ich sie hatte zuschütten sehen, kratzte die Erde ab und entfernte sie; und ich bewahrte meine Seele in Geduld, bis ich sie vollständig weggeräumt hatte. Dann erschien die Falltür, die aus Holz war, in Form und Größe wie ein Mühlstein; und als ich sie anhob, enthüllte sie eine gewundene Steintreppe. Darüber staunte ich und stieg die Stufen hinab, bis ich die letzte erreichte, und fand einen schönen Saal vor, der mit verschiedenen Arten von Teppichen und Seidenstoffen ausgelegt war, worin ein Jüngling auf einem erhöhten Sofa saß und sich auf ein rundes Kissen lehnte, mit einem Fächer in der Hand und Blumensträußen und Gebinden aus wohlriechenden Kräutern und Blumen vor sich; aber er war allein und keine Menschenseele war in dem großen Gewölbe in seiner Nähe. Als er mich sah, wurde er blass; aber ich grüßte ihn höflich und sagte: „Beruhige deinen Geist und stille deine Ängste; kein Schaden soll dich ereilen; ich bin ein Mensch wie du und obendrein der Sohn eines Königs; den die Dekrete des Schicksals gesandt haben, um dir Gesellschaft zu leisten und dich in deiner Einsamkeit aufzuheitern. Aber nun sage mir, was ist deine Geschichte und was veranlasst dich, so in Einsamkeit unter der Erde zu leben?“ Als er sich vergewissert hatte, dass ich von seiner Art und kein Dschinni war, freute er sich und seine feine Farbe kehrte zurück; und während er mich zu sich ziehen ließ, sagte er: „O mein Bruder, meine Geschichte ist eine seltsame Geschichte, und sie ist diese: Mein Vater ist ein Juwelenhändler, der über großen Reichtum verfügt, der weiße und schwarze Sklaven hat, die für ihn auf Schiffen und auf Kamelen reisen und handeln und mit den entferntesten Städten verkehren; aber er war nicht mit einem Kind gesegnet, nicht einmal mit einem einzigen. Nun träumte mein Vater in einer bestimmten Nacht einen Traum, dass er mit einem Sohn begünstigt werden würde, der nur kurzlebig sein würde; so dämmerte der Morgen für meinen Vater auf, der ihm Weh und Weinen brachte. In der folgenden Nacht empfing meine Mutter, und mein Vater notierte sich das Datum ihrer Empfängnis. Als ihre Zeit erfüllt war, gebar sie mich; woraufhin sich mein Vater freute und Bankette gab und die Nachbarn zusammenrief und die Fakire und die Armen speiste, weil er mit Nachkommen gegen Ende seiner Tage gesegnet worden war. Dann versammelte er die Astrologen und Astronomen, die die Orte der Planeten kannten, und die Zauberer und Weisen der Zeit, und Männer, die in Horoskopen und Geburten bewandert waren; und sie erstellten mein Geburtsschema und sagten zu meinem Vater: Dein Sohn wird bis zum fünfzehnten Jahr leben, aber in seinem fünfzehnten gibt es einen finsteren Aspekt; wenn er ihn sicher übersteht, wird er ein hohes Alter erreichen. Und der Grund, der ihn mit dem Tod bedroht, ist dieser: Im Meer der Gefahr steht der Berg, der Magnet genannt wird; auf dessen Gipfel sitzt ein Reiter aus gelbem Messing auf einem Pferd, ebenfalls aus Messing, und trägt auf seiner Brust eine Tafel aus Blei. Fünfzig Tage nachdem dieser Reiter von seinem Ross fallen wird, wird dein Sohn sterben, und sein Mörder wird derjenige sein, der den Reiter herunterschießt, ein Prinz namens Ajib, Sohn des Königs Khazib. Mein Vater trauerte mit außerordentlicher Trauer, diese Worte zu hören; aber er erzog mich auf zärtlichste Weise und bildete mich ausgezeichnet aus, bis mein fünfzehntes Jahr vollendet war. Vor zehn Tagen kam die Nachricht zu ihm, dass der Reiter ins Meer gefallen sei und derjenige, der ihn herunterschoss, Ajib, Sohn des Königs Khazib, hieß. Mein Vater weinte daraufhin bittere Tränen bei der Notwendigkeit, sich von mir zu trennen, und wurde wie einer, der von einem Dschinni besessen ist. Da er jedoch in tödlicher Angst um mich war, baute er mir diesen Ort unter der Erde; und nachdem er ihn mit allem Notwendigen für die wenigen verbleibenden Tage ausgestattet hatte, brachte er mich auf einem Schiff hierher und ließ mich hier zurück. Zehn sind bereits vergangen, und wenn die vierzig ohne Gefahr für mich vorübergegangen sein werden, wird er kommen und mich abholen; denn er hat all dies nur aus Angst vor Prinz Ajib getan. Das also ist meine Geschichte und der Grund für meine Einsamkeit.“ Als ich seine Geschichte hörte, staunte ich und sagte in meinem Geist: „Ich bin der Prinz Ajib, der all dies getan hat; aber so wahr Allah bei mir ist, ich werde ihn sicherlich nicht töten!“ Also sagte ich zu ihm: O mein Herr, fern von dir sei dieser Schmerz und Schaden, und dann, so Allah will, wirst du weder Kummer noch Sorge noch irgendeine Beunruhigung erleiden, denn ich werde bei dir verweilen und dir als Diener dienen, und dann meine Wege ziehen; und nachdem ich dir während der vierzig Tage Gesellschaft geleistet habe, werde ich mit dir in dein Heim gehen, wo du mir ein Geleit von einigen deiner Mamelucken geben wirst, mit denen ich in meine eigene Stadt zurückreisen kann; und der Allmächtige soll dich für mich entschädigen. Er war froh, diese Worte zu hören, als ich aufstand und eine große Wachskerze anzündete und die Lampen und die drei Laternen zurechtmachte; und ich stellte Speise und Trank und Süßigkeiten auf. Wir aßen und tranken und saßen da und unterhielten uns über verschiedene Angelegenheiten, bis der größte Teil der Nacht vergangen war; dann legte er sich zur Ruhe, und ich deckte ihn zu und schlief selbst ein. Am nächsten Morgen stand ich auf und wärmte ein wenig Wasser, dann hob ich ihn sanft hoch, um ihn zu wecken, und brachte ihm das warme Wasser, womit er sein Gesicht wusch und zu mir sagte: „Der Himmel entgelte dir für mich mit jedem Segen, o Jüngling! Bei Allah, wenn ich von dieser Gefahr loskomme und vor dem gerettet werde, dessen Name Ajib bin Khazib ist, werde ich meinen Vater dazu bringen, dich zu belohnen und dich gesund und wohlhabend nach Hause zu schicken; und wenn ich sterbe, dann sei mein Segen auf dir.“ Ich antwortete: „Möge niemals der Tag dämmern, an dem dir Übel widerfährt; und möge Allah meinen letzten Tag vor deinen letzten Tag legen!“ Dann setzte ich ihm etwas zu essen vor und wir aßen; und ich bereitete Parfüms zum Ausräuchern des Saals vor, womit er zufrieden war. Außerdem machte ich ihm ein Mankalah-Tuch; und wir spielten und aßen Süßigkeiten und wir spielten wieder und erfreuten uns bis zum Einbruch der Dunkelheit, als ich aufstand und die Lampen anzündete und ihm etwas zu essen vorsetzte und mich hinsetzte, um ihm Geschichten zu erzählen, bis die Stunden der Dunkelheit weit fortgeschritten waren. Dann legte er sich zur Ruhe, und ich deckte ihn zu und ruhte ebenfalls. Und so fuhr ich fort zu tun, o meine Dame, für Tage und Nächte, und Zuneigung zu ihm schlug Wurzeln in meinem Herzen und mein Kummer wurde gelindert, und ich sagte zu mir selbst: Die Astrologen logen, als sie vorhersagten, dass er von Ajib bin Khazib erschlagen werden sollte: Bei Allah, ich werde ihn nicht erschlagen. Ich hörte nicht auf, ihm zu dienen und mich mit ihm zu unterhalten und zu zechen und ihm alle möglichen Geschichten für neununddreißig Tage zu erzählen. In der vierzigsten Nacht freute sich der Jüngling und sagte: „O mein Bruder, Alhamdolillah! – Preis sei Allah – der mich vor dem Tod bewahrt hat, und dies ist durch deinen Segen und den Segen deines Kommens zu mir; und ich bete zu Gott, dass Er dich in dein Heimatland zurückbringt. Aber nun, o mein Bruder, möchte ich, dass du mir etwas Wasser für die Ghusl-Waschung wärmst und mich gütig badest und meine Kleider wechselst.“ Ich antwortete: „Mit Liebe und Freude;“ und ich wärmte reichlich Wasser und trug es zu ihm hinein, wusch seinen Körper ganz, die Waschung der Gesundheit, mit Lupinenmehl und rieb ihn gut ab und wechselte seine Kleider und breitete ihm ein hohes Bett, auf dem er sich zur Ruhe legte, da er nach dem Baden schläfrig war. Dann sagte er: „O mein Bruder, schneide mir eine Wassermelone auf und süße sie mit ein wenig Kandiszucker.“ Also ging ich in den Vorratsraum und holte eine schöne Wassermelone hervor, die ich dort fand, stellte sie auf eine Platte und legte sie vor ihn, sagend: „O mein Meister, hast du nicht ein Messer?“ „Hier ist es“, antwortete er, „über meinem Kopf auf dem hohen Regal.“ Also stand ich in Eile auf und nahm das Messer und zog es aus seiner Scheide; aber mein Fuß rutschte beim Heruntersteigen aus und ich fiel schwer auf den Jüngling, wobei ich in meiner Hand das Messer hielt, das sich beeilte, zu erfüllen, was an dem Tag geschrieben worden war, der die Schicksale des Menschen entschied, und sich, als wäre es gepflanzt, in das Herz des Jünglings grub. Er starb auf der Stelle. Als ich sah, dass er erschlagen war und wusste, dass ich ihn gegen meinen Willen erschlagen hatte, schrie ich mit einem außerordentlich lauten und bitteren Schrei auf und schlug mein Gesicht und zerriss mein Gewand und sagte: „Wahrlich, wir sind Allahs und zu Ihm kehren wir zurück, o Moslems! O Volk, das Allah liebt! Es blieb für diesen Jüngling nur noch ein Tag von den vierzig gefährlichen Tagen, die die Astrologen und die Gelehrten für ihn vorhergesagt hatten; und der vorherbestimmte Tod dieses schönen Jünglings sollte durch meine Hand geschehen. Wollte der Himmel, ich hätte nicht versucht, die Wassermelone zu schneiden. Welches schreckliche Unglück ist dies, das ich tragen muss, ob ich will oder nicht? Welch ein Unheil! Welch ein Leiden! O mein Allah, ich flehe um Deine Vergebung und erkläre Dir meine Unschuld an seinem Tod. Aber was Gott will, das geschehe.“ – Und Shahrazad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen.

Nun, als es die sechzehnte Nacht war,

sagte sie: Es hat mich erreicht, o glückverheißender König, dass Ajib seine Geschichte gegenüber der Dame wie folgt fortsetzte: – Als ich mir sicher war, dass ich ihn erschlagen hatte, stand ich auf, stieg die Treppe hinauf, ersetzte die Falltür und bedeckte sie wie zuvor mit Erde. Dann schaute ich seewärts und sah das Schiff, das die Wasser durchschnitt und auf die Insel zusteuerte, weshalb ich mich fürchtete und sagte: „In dem Moment, in dem sie kommen und den Jüngling tot sehen, werden sie wissen, dass ich es war, der ihn erschlug, und werden mich ohne Zögern erschlagen.“ Also kletterte ich auf einen hohen Baum und verbarg mich in seinen Blättern; und kaum hatte ich dies getan, als das Schiff ankerte und die Sklaven mit dem alten Mann, dem Vater des Jünglings, an Land gingen und direkt auf den Ort zugingen, und als sie die Erde entfernten, waren sie überrascht zu sehen, dass sie weich war. Dann hoben sie die Falltür an, stiegen hinab und fanden den Jüngling, der in schönen neuen Kleidern der Länge nach dalag, mit einem Gesicht, das nach dem Bad strahlte, und dem Messer tief in seinem Herzen. Beim Anblick schrien sie auf, weinten und schlugen sich ins Gesicht und verfluchten laut den Mörder; während den Scheich eine Ohnmacht überkam, sodass die Sklaven ihn für tot hielten, unfähig, seinen Sohn zu überleben. Schließlich wickelten sie den erschlagenen Jüngling in seine Kleider, trugen ihn herauf und legten ihn auf den Boden, bedeckten ihn mit einem Leichentuch aus Seide. Während sie zum Schiff unterwegs waren, kam der alte Mann wieder zu sich; und als er seinen Sohn betrachtete, der ausgestreckt dalag, fiel er zu Boden, streute Staub über sein Haupt, schlug sich ins Gesicht und raufte sich den Bart; und sein Weinen verdoppelte sich, als er an seinen ermordeten Sohn dachte, und er fiel erneut in Ohnmacht. Nach einer Weile ging ein Sklave und holte einen Streifen Seide, worauf sie den alten Mann legten und sich an sein Haupt setzten. All dies geschah, und ich war auf dem Baum über ihnen und beobachtete alles, was geschah; und mein Herz wurde grau, bevor mein Haupt grau wurde, wegen des harten Schicksals, das meines war, und wegen der Not und Qual, die ich durchlitten hatte, und ich begann zu rezitieren:

„Wie manche Freude ist nach Allahs Willen geflohen, mit einem Flug, der dem Blick des klügsten Kopfes entgeht! Wie manche Traurigkeit mag den Tag beginnen, doch fröhlich werden, eh der Tag vergangen ist! Wie manches Wohl folgt auf den Fersen des Übels und lässt das Herz des Trauernden vor Freude beben!“

Aber der alte Mann, o meine Dame, hörte nicht auf mit seiner Ohnmacht bis kurz vor Sonnenuntergang, als er zu sich kam und, seinen toten Sohn betrachtend, sich daran erinnerte, was geschehen war und wie das, was er gefürchtet hatte, eingetreten war; und er schlug sich ins Gesicht und auf den Kopf und rezitierte diese Zweizeiler:

„Gequält ist mein Herz durch das Abschiednehmen von meinen Freunden, und zwei Bäche fließen stets aus meinen Augenlidern: Mit ihnen ging meine Hoffnung dahin, ach, wehe mir! Welcher Ausweg bleibt mir zu sagen oder zu tun? Wäre ich doch nie ihrem Anblick begegnet, welcher Ausweg, werte Herren, wenn die Pfade immer enger werden? Welcher Zauber soll meine Schmerzen stillen, wenn Sehnsüchte der Liebe, die in meinem Inneren glühen, so brennen? Wäre ich doch mit ihnen den Weg des Todes gegangen! Nie hätte uns beide dieser Abschiedsschlag getroffen: Allah: Ich bete, der Barmherzige erweise mir Erbarmen und vermische unsere Leben, auf dass sie sich nimmermehr trennen! Wie gesegnet waren wir, als wir unter einem Dach wohnten, vereint in Freuden, ohne uns um Kummer zu sorgen; Bis das Glück uns mit dem Pfeil der Trennung schoss; ach, wer soll geduldig einen solchen Trennungsschmerz ertragen? Und der Pfeil des Todes schlug inmitten des Stammes die Perle des Zeitalters nieder, die der Morgen am hellsten zeigte: Ich rief, während sein Schicksal Sprache annahm und sprach: – Wäre doch, mein Sohn, der Tod hätte sein Schicksal verzögert! Welches ist der bereiteste Weg, um mit dir zusammenzutreffen, mein Sohn! für den ich meine Seele hingeben würde? Wenn ich ihn Sonne nenne, nein! Die Sonne geht unter; wenn ich ihn Mond nenne, schwinden die Monde; ach nein! O trauriger Fehltritt deiner, o Verhängnis der Tage, deinen Platz wird keine andere Liebe je kennen: Dein Vater sieht dich geistesabwesend, aber verzweifelt, durch Witz oder Weisheit das Schicksal zu stürzen: Ein böser Blick hat heute seinen Zauber geworfen, und übel möge es ihm ergehen, wie es übel erging!“

Dann stieß er einen einzigen Schluchzer aus, und seine Seele entfloh seinem Fleisch. Die Sklaven schrien laut: „Wehe, unser Herr!“ und streuten Staub auf ihre Häupter und verdoppelten ihr Weinen und Wehklagen. Bald darauf trugen sie ihren toten Herrn neben seinem toten Sohn zum Schiff, und nachdem sie alles Hab und Gut aus der Behausung auf das Fahrzeug geschafft hatten, setzten sie Segel und verschwanden vor meinen Augen. Ich stieg vom Baum herab, hob die Falltür und ging hinunter in die unterirdische Wohnung, wo mich alles an den Jüngling erinnerte; und ich blickte auf seine armseligen Überreste und begann diese Verse zu wiederholen:—

Ich sehe ihre Spuren, und verzehre mich in Schmerz und Pein ✿ Und weine und sehne mich an verlassenen Herden: Und zu Ihm bete ich, der ihr Scheiden beschloss ✿ Er möge ihnen dereinst die Gnade einer sicheren Heimkehr gewähren.

Dann, o meine Gebieterin, stieg ich wieder durch die Falltür hinauf, und jeden Tag pflegte ich auf der Insel umherzuwandern, und jede Nacht kehrte ich in die unterirdische Halle zurück. So lebte ich einen Monat lang, bis ich schließlich, als ich zur Westseite der Insel blickte, bemerkte, dass die Flut jeden Tag abebbte und flaches Wasser zurückließ, das die Flut nicht ausglich; und am Ende des Monats zeigte das Meer in jener Richtung trockenes Land. Darüber freute ich mich, da ich meiner Sicherheit gewiss war; also stand ich auf, watete durch den Rest des Wassers und gelangte zum Festland, wo ich auf große Haufen losen Sandes stieß, in denen selbst der Huf eines Kamels bis zum Knie einsinken würde. Dennoch fasste ich Mut, und während ich durch den Sand watete, siehe, da leuchtete aus der Ferne ein Feuer mit flammendem Licht. Ich schritt darauf zu, in der Hoffnung, Hilfe zu finden, und brach in diese Verse aus:—

„Vielleicht wendet das Glück sein Zaumzeug ✿ Und die Zeit bringt Wohlergehen, auch wenn sie neidisch genannt wird; Sie fördere meine Hoffnungen, erfülle alle meine Nöte, ✿ Und vergüte vergangenes Leid mit gegenwärtigem Glück.“

Und als ich mich dem besagten Feuer näherte, siehe! es war ein Palast mit Toren aus rot glänzendem Kupfer, die, wenn die aufgehende Sonne darauf schien, aus der Ferne blitzten und glänzten und so das zeigten, was mir wie ein Feuer erschienen war. Ich freute mich über den Anblick und setzte mich gegenüber dem Tor nieder, doch ich hatte mich kaum auf meinem Platz niedergelassen, da kamen mir zehn junge Männer entgegen, die in prächtige Gewänder gekleidet waren und allesamt auf dem linken Auge blind, welches wie herausgerissen aussah. Sie wurden von einem Scheich begleitet, einem uralten Mann, und ich wunderte mich sehr über ihr Aussehen und darüber, dass sie alle auf demselben Auge blind waren. Als sie mich sahen, grüßten sie mich mit dem Salam und fragten mich nach meinem Schicksal und meiner Geschichte; woraufhin ich ihnen alles erzählte, was mir widerfahren war und welch volles Maß an Unglück mein Teil gewesen war. Über meine Geschichte staunend, nahmen sie mich mit in das Herrenhaus, wo ich rund um die Halle zehn Diwane aufgereiht sah, jeder mit blauer Bettwäsche und einer Decke aus blauem Stoff, und in der Mitte stand ein kleinerer Diwan, der wie sie mit Blau und nichts anderem ausgestattet war. Als wir eintraten, nahm jeder der Jünglinge auf seinem eigenen Diwan Platz, und der alte Mann setzte sich auf den kleineren in der Mitte und sagte zu mir: „O Jüngling, setz dich auf den Boden und frage nicht nach unserem Schicksal noch nach dem Verlust unserer Augen.“ Bald darauf stand er auf und stellte jedem jungen Mann etwas Fleisch in einer Schüssel und ein Getränk in einem großen Becher hin, wobei er mich ebenso behandelte; und danach saßen sie da und befragten mich nach meinen Abenteuern und was mir zugestoßen war: und ich erzählte ihnen meine Geschichte, bis die Nacht weit fortgeschritten war. Dann sagten die jungen Männer: „O unser Scheich, willst du uns nicht unser Übliches vorsetzen? Die Zeit ist gekommen.“ Er antwortete: „Mit Liebe und Freude“, und stand auf, betrat eine Kammer und verschwand, kehrte aber bald zurück und trug auf seinem Kopf zehn Tabletts, jedes mit einem Streifen blauen Stoffes bedeckt. Er stellte jedem Jüngling ein Tablett vor, zündete zehn Wachskerzen an, klebte eine auf jedes Tablett, zog die Abdeckungen ab, und siehe! unter ihnen war nichts als Asche und gepulverte Holzkohle und Kesselruß. Dann krempelten alle jungen Männer ihre Ärmel bis zu den Ellbogen hoch und fingen an zu weinen und zu klagen, und sie schwärzten ihre Gesichter und verschmierten ihre Kleider und schlugen sich auf die Stirn und auf die Brust, während sie unaufhörlich riefen: „Wir saßen in Ruhe, doch unser Starrsinn brachte uns Unruhe!“ Sie hörten nicht auf, dies zu tun, bis der Morgen nahte, als der alte Mann aufstand und Wasser für sie erhitzte; und sie wuschen ihre Gesichter und legten andere und saubere Kleider an. Als ich dies sah, o meine Gebieterin, verließen mich vor lauter Staunen meine Sinne, mein Verstand wurde wild und Herz und Kopf waren voll von Gedanken, bis ich vergaß, was mir zugestoßen war, und ich konnte nicht schweigen, da ich fühlte, dass ich sprechen und sie nach diesen Seltsamkeiten fragen musste; also sagte ich zu ihnen: „Wie kommt es, dass ihr dies tut, nachdem wir so offenherzig und ausgelassen waren? Dank sei Allah, ihr seid alle gesund und bei Verstand, doch solche Handlungen ziemen nur Verrückten oder denen, die von einem bösen Geist besessen sind. Ich beschwöre euch bei allem, was euch am teuersten ist, warum zögert ihr, mir eure Geschichte zu erzählen und den Grund für den Verlust eurer Augen und das Schwärzen eurer Gesichter mit Asche und Ruß?“ Daraufhin wandten sie sich an mich und sagten: „O junger Mann, höre nicht auf die Einflüsterungen deiner Jugend und stelle uns keine Fragen.“ Dann schliefen sie, und ich mit ihnen, und als sie erwachten, brachte uns der alte Mann etwas zu essen; und nachdem wir gegessen hatten und die Teller und Becher abgeräumt waren, saßen sie bis zum Einbruch der Nacht beisammen, als der alte Mann aufstand, die Wachskerzen und Lampen anzündete und uns Fleisch und Trank vorsetzte. Nachdem wir gegessen und getrunken hatten, saßen wir zusammen, unterhielten uns und feierten in Gemeinschaft bis zur Mitte der Nacht, als sie zu dem alten Mann sagten: „Bring uns unser Übliches, denn die Stunde des Schlafes ist nahe!“ Also stand er auf und brachte ihnen die Tabletts mit Ruß und Asche; und sie taten, wie sie es in der vorangegangenen Nacht getan hatten, nicht mehr und nicht weniger. Ich blieb einen Monat lang auf diese Weise bei ihnen, währenddessen sie jede Nacht ihre Gesichter mit Asche schwärzten und wuschen und ihre Kleidung wechselten, wenn der Morgen jung war; und ich wunderte mich nur noch mehr, und meine Skrupel und meine Neugier nahmen so sehr zu, dass ich sogar auf Essen und Trinken verzichten musste. Schließlich verlor ich die Beherrschung über mich selbst, denn mein Herz brannte mit einem unlöschbaren Feuer und einem nicht zu verbergenden Glühen, und ich sagte: „O junge Männer, wollt ihr nicht mein Leid lindern und mich den Grund für dieses Schwärzen eurer Gesichter wissen lassen und die Bedeutung eurer Worte: Wir saßen in Ruhe, doch unser Starrsinn brachte uns Unruhe?“ Sie sagten: „Es wäre besser, diese Dinge geheim zu halten.“ Dennoch war ich von ihrem Tun so verwirrt, dass ich mich des Essens und Trinkens enthielt, und als ich schließlich völlig die Geduld verlor, sagte ich zu ihnen: „Es gibt kein Entrinnen: Ihr müsst mich wissen lassen, was der Grund für dieses Tun ist.“ Sie antworteten: „Wir bewahrten unser Geheimnis nur zu deinem Besten: dich zufriedenzustellen wird Unheil über dich bringen, und du wirst ein Einäugiger werden, so wie wir es sind.“ Ich wiederholte: „Es gibt kein Entrinnen, und wenn ihr nicht wollt, dann lasst mich euch verlassen und zu meinem eigenen Volk zurückkehren und davon Ruhe haben, diese Dinge zu sehen, denn das Sprichwort sagt:—

Besser ihr bleibt, und ich nehme meinen Abschied: ✿ Denn was das Auge nicht sieht, wird das Herz niemals kränken.“

Daraufhin sagten sie zu mir: „Denke daran, o Jüngling, sollte dir Unheil zustoßen, werden wir dich nicht wieder aufnehmen noch dulden, dass du unter uns weilst“; und sie brachten einen Widder, schlachteten ihn und zogen ihm die Haut ab. Schließlich gaben sie mir ein Messer und sagten: „Nimm diese Haut und strecke dich darauf aus, und wir werden sie um dich herum nähen; bald wird ein gewisser Vogel kommen, Rukh genannt, der dich in seine Fänge nehmen und hoch in die Luft tragen und dich dann auf einem Berg absetzen wird. Wenn du spürst, dass er nicht mehr fliegt, schneide das Fell mit dieser Klinge auf und komm heraus; der Vogel wird erschreckt sein, davonfliegen und dich in Freiheit lassen. Danach wandere einen halben Tag lang, und der Marsch wird dich zu einem Palast führen, wunderbar anzuschauen, hoch in der Luft thronend und erbaut aus Khalanj, Adlerholz und Sandelholz, mit rotem Gold überzogen und besetzt mit allerlei Smaragden und kostbaren Edelsteinen, geeignet für Siegelringe. Tritt ein, und du wirst dein Ziel erreichen, denn wir alle haben diesen Palast betreten; und das ist der Grund für den Verlust unserer Augen und für das Schwärzen unserer Gesichter. Würden wir dir jetzt unsere Geschichten erzählen, würde es zu viel Zeit in Anspruch nehmen; denn jeder von uns verlor sein linkes Auge durch ein eigenes Abenteuer.“ Ich freute mich über ihre Worte, und sie taten mit mir, wie sie gesagt hatten; und der Vogel Rukh trug mich davon und setzte mich auf dem Berg ab. Dann kam ich aus der Haut und ging weiter, bis ich den Palast erreichte. Die Tür stand offen, als ich eintrat, und ich fand mich in einer geräumigen und prächtigen Halle wieder, überaus weit, wie eine Pferderennbahn; und um sie herum waren hundert Kammern mit Türen aus Sandel- und Adlerholz, mit rotem Gold überzogen und mit silbernen Ringen als Türklopfer versehen. Am oberen Ende der Halle sah ich vierzig Jungfrauen, prunkvoll gekleidet und geschmückt, eine jede so hell wie Monde; man konnte des Anblicks nie überdrüssig werden, und alle waren so lieblich, dass selbst der asketischste Fromme, wenn er sie sähe, ihr Sklave würde und ihrem Willen gehorchen müsste. Als sie mich sahen, kam die ganze Schar auf mich zu und sagte: „Willkommen und wohlgekommen und gute Stimmung dir, o unser Herr! Diesen ganzen Monat haben wir dich erwartet. Gepriesen sei Allah, der uns einen gesandt hat, der unserer würdig ist, so wie wir seiner würdig sind!“ Dann ließen sie mich auf einem hohen Diwan Platz nehmen und sagten zu mir: „Diesen Tag bist du unser Herr und Gebieter, und wir sind deine Dienerinnen und deine Mägde, also befehle uns, wie du willst.“ Und ich wunderte mich über ihre Lage. Bald stand eine von ihnen auf und stellte mir Fleisch hin, und ich aß, und sie aßen mit mir; während andere Wasser erwärmten und meine Hände und Füße wuschen und meine Kleidung wechselten, und wieder andere Sorbets zubereiteten und uns zu trinken gaben; und alle versammelten sich um mich, voller Freude und Glück über mein Kommen. Dann setzten sie sich und unterhielten sich mit mir bis zum Einbruch der Nacht, als fünf von ihnen aufstanden, die Tabletts deckten und sie mit Blumen und duftenden Kräutern und Früchten, frischen und getrockneten, und Konfekt im Überfluss bestückten. Schließlich holten sie ein feines Weingeschirr mit reichhaltigem altem Wein hervor; und wir setzten uns zum Trinken nieder, und einige sangen Lieder, andere spielten Laute und Psalter und Flöten und andere Instrumente, und der Becher ging fröhlich umher. Daraufhin ergriff mich ein solches Glück, dass ich die Sorgen der Welt allesamt vergaß und sagte: „Dies ist wahrlich das Leben; o traurig, dass es vergänglich ist!“ Ich genoss ihre Gesellschaft, bis die Zeit zur Ruhe kam; und unsere Köpfe waren alle warm vom Wein, als sie sagten: „O unser Herr, wähle aus unserer Mitte diejenige, die deine Bettgenossin in dieser Nacht sein soll und nicht wieder bei dir liegen wird, bis vierzig Tage vergangen sind.“ Also wählte ich ein Mädchen von schönem Antlitz und vollkommener Gestalt, mit Augen, die von Natur aus mit Kohl umrandet waren; das Haar lang und pechschwarz, mit leicht voneinander stehenden Zähnen und zusammenwachsenden Brauen: es war, als wäre sie ein biegsamer, anmutiger Zweig oder der schlanke Stängel von süßem Basilikum, um den Verstand des Menschen in Staunen und Verwirrung zu versetzen; genau wie der Dichter von einer solchen sagte:—

Sie mit einem grünen Zweig zu vergleichen, wäre eitel ✿ Ein Narr, wer ihre Schönheit im Reh findet: Wann hat das Reh jene lebendigen, lieblichen Glieder ✿ Oder honigsüßen Tau, den allein jene Lippen schenken? Jene Augen, seelendurchdringende Augen, die mit Liebe töten, ✿ Die das Opfer durch ihre abgeschossenen Pfeile binden? Mein Herz verführten sie zur zweiten Kindheit ✿ Kein Wunder: ein liebeskranker Mann ist wieder ein Kind!

Und ich wiederholte ihr die Worte des Dichters, der da sagte:—

Keine anderen Reize als deine sollen meine Augen begrüßen, ✿ Kein anderes Bild kann mein Herz überraschen: Deine Liebe, meine Gebieterin, gefangen nimmt all meine Gedanken ✿ Und in dieser Liebe werde ich sterben und werde ich auferstehen.

So lag ich jene Nacht bei ihr; keine schönere habe ich je gekannt; und als es Morgen wurde, trugen mich die Jungfrauen ins Hammam-Bad, wuschen mich und kleideten mich in das feinste Gewand. Dann servierten sie Speisen, wir aßen und tranken, und der Becher ging um bis zum Einbruch der Nacht, als ich aus ihrer Mitte eine wählte, die von schöner Form und Gestalt war, sanft in ihren Seiten und ein Modell der Anmut, eine solche, wie der Dichter sie beschrieb, als er sagte:—

Auf ihrer schönen Brust erblickte ich zwei Kästchen, ✿ Versiegelt mit Moschus-Siegeln, um Liebhaber abzuwehren; Mit pfeilartigen Blicken stehen ihre Augen Wache, ✿ Deren Geschosse jene treffen würden, die wagen, eine Hand auszustrecken.

Mit ihr verbrachte ich eine überaus gute Nacht; und um mich kurz zu fassen, o meine Gebieterin, blieb ich bei ihnen in aller Labsal und Lebensfreude, aß und trank, unterhielt mich und feierte und lag jede Nacht bei einer von ihnen. Doch zum Jahreswechsel kamen sie unter Tränen zu mir und verabschiedeten sich von mir, weinten und schrien und klammerten sich an mich; worüber ich mich wunderte und sagte: „Was mag die Ursache sein? Wahrlich, ihr brecht mir das Herz!“ Sie riefen aus: „Wäre der Himmel, wir hätten dich nie kennengelernt; denn obwohl wir mit vielen Gemeinschaft hatten, sahen wir nie einen angenehmeren als dich oder einen höflicheren.“ Und sie weinten wieder. „Aber sagt mir deutlicher“, fragte ich, „was verursacht dieses Weinen, das meine Gallenblase fast zum Bersten bringt?“ und sie antworteten: „O unser Herr und Gebieter, es ist die Trennung, die uns weinen lässt; und du, und nur du, bist die Ursache unserer Tränen. Wenn du auf uns hörst, brauchen wir nie getrennt zu werden, und wenn du nicht hörst, trennen wir uns für immer; doch unsere Herzen sagen uns, dass du nicht auf unsere Worte hören wirst, und das ist die Ursache unserer Tränen und Schreie.“ „Sagt mir, wie es um die Sache steht?“ „Wisse, o unser Herr, dass wir die Töchter von Königen sind, die sich hier getroffen und Jahre zusammen gelebt haben; und einmal im Jahr müssen wir für vierzig Tage abwesend sein, und danach kehren wir zurück und verweilen hier für den Rest der zwölf Monate, essend und trinkend und unser Vergnügen habend und Genüsse genießend: wir sind im Begriff, nach unserem Brauch abzureisen; und wir fürchten, dass du nach unserem Fortgang unsere Anweisung übertrittst und unseren Geboten zuwiderhandelst. Hier nun übergeben wir dir die Schlüssel des Palastes, der vierzig Kammern enthält, und du magst davon neununddreißig öffnen, aber hüte dich (und wir beschwören dich bei Allah und bei unserem Leben!), dass du nicht die vierzigste Tür öffnest, denn darin ist das, was uns für immer trennen wird.“ Ich sagte: „Gewiss werde ich sie nicht öffnen, wenn sie die Ursache der Trennung von euch enthält.“ Dann kam eine von ihnen auf mich zu, fiel mir um den Hals, weinte und trug diese Verse vor:—

„Wenn die Zeit uns nach langer Abwesenheit wieder vereint, ✿ Wird die Welt, die unser Los streng anrunzelt, lächeln; Und wenn deine Gestalt meine Augen schmücken darf, ✿ Werde ich der Zeit vergangenes Unrecht und vorübergehende List verzeihen.“

Und ich trug Folgendes vor:—

„Als sie sich näherte, um mit aufgelöstem Herzen Adieu zu sagen, ✿ Während Sorge und Sehnsucht an jenem Tag ihre Brust erdrückten; Nasse Perlen weinte sie, und meine rollten wie rote Karneole ✿ Und, vereint in trauriger Flut, hingen sie um ihren Hals.“

Als ich sie weinen sah, sagte ich: „Bei Allah, ich werde niemals jene vierzigste Tür öffnen, niemals und auf keine Weise!“ und ich verabschiedete mich von ihr. Daraufhin gingen alle fort und flogen davon wie Vögel; im Gehen winkten sie mit ihren Händen zum Abschied und ließen mich allein im Palast zurück. Als der Abend herannahte, öffnete ich die Tür der ersten Kammer und fand mich beim Eintreten an einem Ort wieder, der einem der Lustgärten des Paradieses glich. Es war ein Garten mit Bäumen von frischestem Grün und reifen Früchten von gelbem Glanz; und seine Vögel sangen klar und scharf, und Bäche rannten plätschernd durch das schöne Erdreich. Der Anblick und die Klänge brachten meinem Geiste Labsal; und ich ging zwischen den Bäumen umher, und ich roch den Hauch der Blumen in der Brise; und hörte die Vögel ihre Melodien singen, die den Einen, den Allmächtigen in süßesten Litaneien priesen; und ich blickte auf den Apfel, dessen Farbe teils rot und teils gelb ist; wie der Dichter sagte:—

Apfel, dessen Farbe sich in reifer Union vereint ✿ Die rote Wange meiner Schönen, das Gelb ihres glücklosen Liebhabers.

Dann blickte ich auf die Quitte und atmete ihren Duft ein, der Moschus und Ambra beschämt, ganz wie der Dichter gesagt hat:—

Die Quitte vereint jeden Geschmack; in ihr finden sich ✿ Gaben, die die Quitte zur Königin der Früchte gekrönt haben; Ihr Geschmack ist Wein, ihr Duft der Hauch von Moschus; ✿ Reines Gold ihre Farbe, ihre Form des Mondes schöner Rund.

Dann blickte ich auf die Birne, deren Geschmack den von Sorbet und Zucker übertrifft; und auf die Aprikose, deren Schönheit das Auge mit Bewunderung erfüllt, als wäre sie ein geschliffener Rubin. Dann verließ ich den Ort und verschloss die Tür, wie sie zuvor gewesen war. Als der Morgen graute, öffnete ich die zweite Tür; und als ich eintrat, fand ich mich in einer geräumigen Ebene wieder, die mit hohen Dattelpalmen bepflanzt war und von einem fließenden Bach bewässert wurde, dessen Ufer mit Rosen- und Jasminbüschen bewachsen waren, während Liguster und Heckenrose, Ochsenauge, Veilchen und Lilie, Narzisse, Dost und winterlicher Goldlack den Boden säumten; und der Hauch der Brise strich über diese wohlriechenden Gewächse, verbreitete ihre köstlichen Düfte nach rechts und links, parfümierte die Welt und erfüllte meine Seele mit Entzücken. Nachdem ich dort eine Weile mein Vergnügen gefunden hatte, ging ich von dort fort und öffnete, nachdem ich die Tür wie zuvor verschlossen hatte, die dritte Tür, worin ich eine hohe offene Halle sah, die mit bunten Marmorsteinen und kostbarem Pietra-dura-Mosaik sowie anderen Edelsteinen ausgelegt war und in der Käfige aus Sandelholz und Adlerholz hingen; voller Vögel, die süße Musik machten, wie die „Tausendstimmige“, die Ringeltaube, die Amsel, die Turteltaube und die nubische Lachtaube. Mein Herz war davon mit Freude erfüllt; mein Kummer war vertrieben und ich schlief in jenem Vogelhaus bis zur Morgendämmerung. Dann schloss ich die Tür der vierten Kammer auf und fand darin einen prachtvollen Saal mit vierzig kleineren Kammern, die darauf hinausgingen. Alle ihre Türen standen offen: Also trat ich ein und fand sie voller Perlen und Hyazinthen, Berylle und Smaragde, Korallen und Karbunkel sowie aller Arten von kostbaren Edelsteinen und Juwelen, wie sie die Zunge eines Menschen nicht beschreiben kann. Mein Verstand war beim Anblick betäubt und ich sagte zu mir selbst: „Dies sind Dinge, die, wie mich dünkt, vereint nirgendwo zu finden wären außer in den Schatzkammern eines Königs der Könige, noch könnten die Monarchen der Welt dergleichen gesammelt haben!“ Und mein Herz weitete sich und meine Sorgen hörten auf, „Denn“, sagte ich, „nun bin ich wahrlich der Monarch des Zeitalters, da mir durch Allahs Gnade dieser enorme Reichtum gehört; und ich habe vierzig Jungfrauen unter meiner Hand und es gibt niemanden, der sie beanspruchen könnte außer mir selbst.“ Dann ließ ich nicht davon ab, einen Ort nach dem anderen zu öffnen, bis neununddreißig Tage vergangen waren, und in dieser Zeit hatte ich jede Kammer betreten außer jener, deren Tür die Prinzessinnen mir nicht zu öffnen befohlen hatten. Doch meine Gedanken, o meine Herrin, kreisten immer um jene verbotene vierzigste, und Satan drängte mich, sie zu meinem eigenen Verderben zu öffnen; noch hatte ich die Geduld zu warten, obgleich bis zum Zeitpunkt der Verabredung nur noch ein einziger Tag fehlte. So stand ich vor der besagten Kammer und öffnete nach einem Augenblick des Zögerns die Tür, die mit rotem Gold beschlagen war, und trat ein. Ich wurde von einem Parfüm empfangen, dessengleichen ich zuvor nie gerochen hatte; und so scharf und fein war der Geruch, dass er meine Sinne berauschte wie von starkem Wein, und ich fiel in eine Ohnmacht, die eine volle Stunde dauerte. Als ich wieder zu mir kam, stärkte ich mein Herz und trat ein; ich fand mich in einer Kammer wieder, deren Boden mit Safran bestreut war und die im Licht von verzweigten goldenen Kandelabern und Lampen erstrahlte, die mit kostbaren Ölen gespeist wurden und den Duft von Moschus und Ambra verströmten. Ich sah dort auch zwei große Weihrauchfässer, jedes so groß wie eine Trinkschale, die von Adlerholz, Nadd-Parfüm, Ambra und Honigdüften brannten; und der Ort war erfüllt von ihrem Wohlgeruch. Alsbald, o meine Herrin, erblickte ich ein edles Ross, schwarz wie die Finsternis der Nacht, wenn sie am dunkelsten ist, das fertig gesattelt und gezäumt (und sein Sattel war aus rotem Gold) vor zwei Krippen stand, eine aus klarem Kristall, in der geschälter Sesam war, und die andere ebenfalls aus Kristall, die Rosenwasser enthielt, das mit Moschus parfümiert war. Als ich dies sah, wunderte ich mich und sagte zu mir selbst: „Zweifellos muss in diesem Tier ein wunderbares Geheimnis liegen“; und Satan verführte mich, also führte ich es aus dem Palast und bestieg es; doch es wollte sich nicht von seinem Platz rühren. Also schlug ich mit meinen Fersen gegen seine Flanken, doch es bewegte sich nicht, und dann nahm ich die Zügelpeitsche und schlug damit auf es ein. Als es den Schlag spürte, wieherte es ein Wiehern mit einem Klang wie ohrenbetäubender Donner und breitete ein Paar Flügel aus und flog mit mir in das Himmelsfirmament, weit über das menschliche Augenmaß hinaus. Nach einer vollen Stunde des Fluges stieg es herab und landete auf einer Dachterrasse, und als es mich von seinem Rücken schüttelte, peitschte es mich mit seinem Schweif ins Gesicht und stach mein linkes Auge aus, sodass es meine Wange herunterrollte. Dann flog es davon. Ich stieg von der Terrasse hinab und fand mich wieder unter den zehn einäugigen Jünglingen, die auf ihren zehn Diwanen mit blauen Bezügen saßen; und sie schrien auf, als sie mich sahen: „Kein Willkommen für dich, noch irgendein frohes Wort! Wir alle lebten ein Leben der Glückseligsten und wir aßen und tranken vom Besten; auf Brokaten und Goldstoffen ruhten wir aus, und wir schliefen mit unseren Häuptern an der Brust der Schönheit, doch wir konnten nicht einen Tag warten, um die Freuden eines Jahres zu erlangen!“ Ich sagte: „Seht, ich bin einer wie ihr geworden, und nun möchte ich, dass ihr mir ein Tablett voller Schwärze bringt, womit ich mein Gesicht schwärzen kann, und mich in eure Gemeinschaft aufnehmt.“ „Nein, bei Allah“, sagten sie, „du sollst nicht bei uns weilen, und nun schere dich fort!“ So jagten sie mich davon. Da ich sie so ablehnend fand, sah ich voraus, dass es mir schlecht ergehen würde, und ich erinnerte mich an das viele Elend, das das Schicksal auf meine Stirn geschrieben hatte; und ich zog betrübt und tränenäugig von ihnen fort und wiederholte für mich diese Worte: „Ich saß in meiner Ruhe, doch mein Starrsinn brachte mich in Unruhe.“ Dann rasierte ich mir Bart, Schnurrbart und Augenbrauen, entsagte der Welt und wanderte in Kalandar-Gewändern über Allahs Erde; und der Allmächtige verfügte Sicherheit für mich, bis ich in Bagdad eintraf, was am Abend eben dieser Nacht geschah. Hier traf ich diese zwei anderen Kalandare, die verwirrt dastanden; also grüßte ich sie mit den Worten: „Ich bin ein Fremder!“ und sie antworteten: „Und wir sind ebenfalls Fremde!“ Durch das Spiel des Glücks waren wir einander gleich, drei Kalandare und drei Einäugige, allesamt auf dem linken Auge blind. Das, o meine Herrin, ist der Grund für das Scheren meines Bartes und die Art, wie ich ein Auge verlor. Die Dame sagte zu ihm: „Reibe dein Haupt und zieh deiner Wege“; doch er antwortete: „Bei Allah, ich werde nicht gehen, bis ich die Geschichten dieser anderen höre.“ Dann wandte sich die Dame dem Kalifen, Ja'afar und Masrur zu und sagte zu ihnen: „Gebt auch ihr Rechenschaft über euch selbst, ihr Männer!“ Woraufhin Ja'afar hervortrat und ihr erzählte, was er der Pförtnerin erzählt hatte, als sie das Haus betraten; und als sie seine Geschichte hörte, dass sie Kaufleute und Männer aus Mossul seien, die der Wache entkommen waren, sagte sie: „Ich gewähre euch euer Leben, einer für den anderen, und nun fort mit euch allen.“ So gingen sie alle hinaus, und als sie auf der Straße waren, sagte der Kalif zu den Kalandaren: „O Gesellschaft, wohin geht ihr nun, da der Morgen noch nicht graut?“ Sie sagten: „Bei Allah, o unser Herr, wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen.“ „Kommt und verbringt den Rest der Nacht bei uns“, sagte der Kalif und wandte sich an Ja'afar: „Nimm sie mit dir nach Hause und bringe sie morgen in meine Gegenwart, damit wir ihre Abenteuer aufzeichnen können.“ Ja'afar tat, wie der Kalif ihm gebot, und der Befehlshaber der Gläubigen kehrte in seinen Palast zurück; doch der Schlaf wollte ihn in dieser Nacht nicht besuchen, und er lag wach, grübelte über das Missgeschick der drei Kalandar-Prinzen nach und war ungeduldig, die Geschichte der Damen und der zwei schwarzen Hündinnen zu erfahren. Kaum war der Morgen angebrochen, ging er hinaus und setzte sich auf den Thron seiner Herrschaft; und nachdem sich alle seine Großen und Staatsbeamten versammelt hatten, wandte er sich an Ja'afar und sagte: „Bring mir die drei Damen und die zwei Hündinnen und die drei Kalandare.“ Also zog Ja'afar aus und brachte sie alle vor ihn (und die Damen waren verschleiert); dann wandte sich der Minister an sie und sagte in des Kalifen Namen: „Wir vergeben euch eure Misshandlung an uns und euren Mangel an Höflichkeit, in Anbetracht der Güte, die ihr zuvor erwiesen habt, und weil ihr uns nicht kanntet: Nun jedoch möchte ich, dass ihr wisst, dass ihr in der Gegenwart des fünften der Söhne des Abbas steht, Harun al-Rashid, Bruder des Kalifen Músá al-Hádi, Sohn des Al-Mansúr; Sohn des Mohammed, des Bruders von Al-Saffáh bin Mohammed, der der erste des königlichen Hauses war. Sprecht daher vor ihm die Wahrheit und die ganze Wahrheit!“ Als die Damen Ja'afars Worte über den Befehlshaber der Gläubigen hörten, trat die Älteste vor und sagte: „O Fürst der Gläubigen, meine Geschichte ist eine, die, wenn sie mit Nadelstichen in die Augenwinkel eingraviert würde, ein Warner wäre für jeden, der gewarnt werden will, und ein Beispiel für jeden, der aus einem Beispiel Nutzen ziehen kann.“——Und Shahrazad bemerkte das Grauen des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Als es nun die siebzehnte Nacht war,

Sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass sie vor dem Befehlshaber der Gläubigen vortrat und begann zu erzählen

DIE GESCHICHTE DER ÄLTESTEN DAME.

Wahrlich, eine seltsame Geschichte ist die meine, und sie ist diese: Jene zwei schwarzen Hündinnen sind meine ältesten Schwestern von einer Mutter und einem Vater; und diese zwei anderen, jene, die an sich die Zeichen von Peitschenhieben trägt, und die dritte, unsere Prokuratorin, sind meine Schwestern von einer anderen Mutter. Als mein Vater starb, nahm jede ihren Anteil am Erbe, und nach einer Weile starb auch meine Mutter und hinterließ mir und meinen leiblichen Schwestern dreitausend Dinar; so erhielt jede Tochter ihren Teil von tausend Dinar und ich ebenso, obgleich ich die Jüngste bin. Im Laufe der Zeit heirateten meine Schwestern mit den üblichen Festlichkeiten und lebten bei ihren Ehemännern, welche mit dem Geld ihrer Frauen Waren kauften und gemeinsam auf Reisen gingen. So stießen sie mich von sich. Meine Schwäger waren fünf Jahre lang mit ihren Frauen abwesend, während welcher Zeit sie alles Geld ausgaben, das sie hatten, und, da sie bankrottgingen, meine Schwestern in fremden Landen inmitten fremder Leute zurückließen. Nach fünf Jahren kehrte meine älteste Schwester in Bettlergewand zu mir zurück, mit Kleidern in Lumpen und Fetzen und einem schmutzigen alten Mantilla; und wahrlich, sie befand sich in der abscheulichsten und kläglichsten Not. Auf den ersten Blick erkannte ich meine eigene Schwester nicht; doch alsbald erkannte ich sie und sagte: „Was ist das für ein Zustand?“ „O unsere Schwester“, antwortete sie, „Worte können das Geschehene nicht ungeschehen machen; und das Rohr des Schicksals ist über das hinweggelaufen, was Allah beschlossen hat.“ Dann schickte ich sie ins Bad und kleidete sie in ein Gewand von mir selbst, und kochte für sie eine Bouillon und brachte ihr etwas guten Wein und sagte zu ihr: „O meine Schwester, du bist die Älteste, die uns noch immer an der Stelle von Vater und Mutter steht; und was das Erbe betrifft, das mir wie euch beiden zuteilwurde, so hat Allah es gesegnet und mir mit Zuwachs gedeihen lassen; und meine Umstände sind leicht, denn ich habe viel Geld durch Spinnen und das Reinigen von Seide verdient; und ich und ihr werdet meinen Reichtum gleichermaßen teilen.“ Ich bat sie mit aller Güte, und sie blieb ein ganzes Jahr bei mir, währenddessen unsere Gedanken und Einbildungen immer voll von unserer anderen Schwester waren. Kurz darauf kam auch sie heim, in noch abscheulicherer und kläglicherer Not als jene meiner ältesten Schwester; und ich handelte an ihr noch ehrenvoller, als ich es bei der ersten getan hatte, und jede von ihnen erhielt einen Anteil an meinem Besitz. Nach einer Weile sagten sie zu mir: „O unsere Schwester, wir wünschen wieder zu heiraten, denn wahrlich, wir haben nicht die Geduld, unsere Tage ohne Ehemänner hinzuschleppen und das Leben von verhexten Witwen zu führen“; und ich antwortete: „O meine Augen! Ihr habt bisher wenig Wohlergehen in der Ehe gesehen, denn heutzutage sind gute und aufrichtige Männer zu Raritäten und Kuriositäten geworden; auch halte ich eure Vorhaben nicht für ratsam, da ihr bereits die Ehe versucht und darin versagt habt.“ Doch sie wollten meinen Rat nicht annehmen und heirateten ohne meine Zustimmung: dennoch gab ich ihnen Aussteuer und Mitgift aus meinem Geld; und sie fuhren fort mit ihren Gefährten. In einer überaus kurzen Zeit spielten ihre Ehemänner ihnen falsch mit und, indem sie nahmen, was auch immer sie in die Hände bekommen konnten, machten sie sich davon und ließen sie im Stich. Daraufhin kamen sie beschämt und in elender Lage zu mir und entschuldigten sich bei mir, sagend: „Verzeih unseren Fehler und sei nicht zornig auf uns; denn obgleich du jünger an Jahren bist, so bist du doch älter an Verstand; von nun an werden wir niemals mehr von Heirat sprechen; nimm uns daher wieder als deine Mägde auf, damit wir unseren Bissen essen können.“ Ich sprach: „Willkommen seid ihr, o meine Schwestern, es gibt nichts, was mir teurer ist als ihr.“ Und ich nahm sie auf und verdoppelte meine Güte gegen sie. Wir hörten nicht auf, nach dieser liebevollen Art ein volles Jahr zu leben, als ich beschloss, meine Waren im Ausland zu verkaufen und mich zuerst für eine Fahrt nach Bassora auszurüsten; so rüstete ich ein großes Schiff aus und belud es mit Handelswaren und wertvollen Gütern für den Handel sowie mit Proviant und allem, was für eine Reise nötig war, und sagte zu meinen Schwestern: „Wollt ihr zu Hause bleiben, während ich reise, oder würdet ihr es vorziehen, mich auf der Reise zu begleiten?“ „Wir werden mit dir reisen“, antworteten sie, „denn wir können es nicht ertragen, von dir getrennt zu sein.“ So teilte ich mein Geld in zwei Teile, einen, um mich zu begleiten, und den anderen, um ihn der Obhut einer vertrauenswürdigen Person zu überlassen, denn, wie ich zu mir selbst sagte: „Vielleicht mag dem Schiff ein Unfall zustoßen und wir bleiben doch am Leben; in diesem Fall werden wir bei unserer Rückkehr finden, was uns in guter Statt dienen kann.“ Ich nahm meine zwei Schwestern mit, und wir reisten einige Tage und Nächte; doch der Kapitän war unvorsichtig genug, seinen Kurs zu verfehlen, und das Schiff kam mit uns vom Weg ab und fuhr in ein anderes Meer als das Meer, das wir suchten. Eine Zeit lang wussten wir nichts davon; und der Wind blies zehn Tage lang günstig für uns, wonach der Ausguckmann in die Höhe stieg, um sich umzusehen, und rief: „Gute Nachricht!“ Dann kam er freudig herunter und sagte: „Ich habe gesehen, was zu sein scheint wie eine Stadt, wie eine Taube.“ Hierüber freuten wir uns, und ehe eine Stunde des Tages vergangen war, zeigten sich die Gebäude deutlich am Horizont, und wir fragten den Kapitän: „Wie ist der Name jener Stadt?“ und er antwortete: „Bei Allah, ich weiß es nicht, denn ich habe sie niemals zuvor gesehen und bin in meinem Leben niemals diese Meere befahren: aber da unsere Nöte in Sicherheit geendet haben, bleibt euch nur, dort mit euren Waren zu landen, und wenn ihr den Verkauf für profitabel findet, verkauft und macht euren Markt mit dem, was dort ist; und wenn nicht, werden wir hier zwei Tage rasten und uns verproviantieren und weiterfahren.“ So liefen wir in den Hafen ein, und der Kapitän ging in die Stadt und blieb eine Weile weg, wonach er zu uns zurückkehrte und sagte: „Steht auf; geht hinauf in die Stadt und staunt über die Werke Allahs mit Seinen Geschöpfen und betet, vor Seinem gerechten Zorn bewahrt zu bleiben!“ So landeten wir und gingen hinauf in die Stadt und sahen am Tor Männer, die Stäbe in der Hand hielten; doch als wir uns ihnen näherten, siehe, da waren sie durch den Zorn Allahs verwandelt worden und zu Steinen geworden. Dann betraten wir die Stadt und fanden alle, die darin wohnten, zu schwarzen Steinen versteinert: kein bewohntes Haus erschien dem Beobachter, noch gab es einen Feueranfacher. Wir waren voller Ehrfurcht bei diesem Anblick und durchwanderten die Marktstraßen, wo wir die Waren und Gold und Silber an ihren Plätzen liegen fanden; und wir waren froh und sagten: „Zweifellos gibt es ein Geheimnis in all dem.“ Dann verteilten wir uns in den Straßen, und jeder beschäftigte sich damit, den Reichtum und das Geld und die reichen Stoffe zu sammeln, wobei er wenig auf Freund oder Kamerad achtete. Was mich selbst betrifft, so ging ich hinauf zur Burg, die stark befestigt war; und als ich den Palast des Königs durch sein Tor aus rotem Gold betrat, fand ich alle Geräte aus Gold und Silber, und den König selbst, sitzend inmitten seiner Kammerherren und Nabobs und Emire und Wesire; alle bekleidet in Gewänder, die die Kunst des Menschen beschämten. Ich trat näher und sah ihn auf einem Thron sitzen, der mit Perlen und Edelsteinen besetzt und eingelegt war; und seine Gewänder waren aus Goldstoff, geschmückt mit Juwelen jeder Art, von denen jedes wie ein Stern blitzte. Um ihn herum standen fünfzig Mamelucken, weiße Sklaven, bekleidet in Seide verschiedener Art, die ihre gezogenen Schwerter in ihren Händen hielten; doch als ich mich ihnen näherte, siehe! alle waren schwarze Steine. Mein Verstand war verwirrt bei diesem Anblick, doch ich ging weiter und betrat die große Halle des Harims, deren Wände ich mit Wandteppichen aus goldgestreifter Seide behangen und mit seidenen Teppichen ausgelegt fand, die mit goldenen Blumen bestickt waren. Hier sah ich die Königin in voller Länge daliegen, bekleidet in Gewänder, die mit frischen jungen Perlen gesäumt waren; auf ihrem Kopf war ein Diadem, besetzt mit vielen Arten von Edelsteinen, von denen jeder für einen Ring geeignet war, und um ihren Hals hingen Halsbänder und Halsketten. All ihr Gewand und ihre Ornamente waren in natürlichem Zustand, doch sie war durch Allahs Zorn in einen schwarzen Stein verwandelt worden. Alsbald erspähte ich eine offene Tür, auf die ich geradewegs zuging und zu der ich eine Treppe von sieben Stufen fand. So stieg ich hinauf und kam an einen Ort, der mit Marmor gepflastert und mit goldgewirkten Teppichen und Wandbehängen ausgelegt und behangen war, in dessen Mitte ein Thron aus Wacholderholz stand, eingelegt mit Perlen und Edelsteinen und besetzt mit Buckeln aus Smaragden. In der hinteren Wand war eine Nische, deren Vorhänge, mit Perlen besetzt, herabgelassen waren, und ich sah ein Licht, das daraus hervorging; so trat ich näher und bemerkte, dass das Licht von einem Edelstein stammte, so groß wie ein Straußenei, der am oberen Ende der Nische auf einer kleinen chryselephantinen Liege aus Elfenbein und Gold platziert war; und dieses Juwel, strahlend wie die Sonne, warf seine Strahlen weit und breit. Die Liege war ebenfalls mit allerlei seidenen Stoffen ausgelegt, die den Betrachter mit ihrer Reichhaltigkeit und Schönheit in Erstaunen versetzten. Ich staunte sehr über all das, besonders als ich an jenem Ort Kerzen sah, die bereit zum Anzünden waren; und ich sagte in meinem Geist: „Irgendjemand muss diese Kerzen angezündet haben.“ Dann ging ich hinaus und kam zur Küche und von dort zur Speisekammer und zu den Schatzkammern des Königs; und ich fuhr fort, den Palast zu erkunden und von Ort zu Ort zu schreiten; ich vergaß mich selbst in meiner Ehrfurcht und meinem Staunen über diese Angelegenheiten und war in Gedanken versunken, bis die Nacht hereinbrach. Dann wollte ich hinausgehen, doch da ich das Tor nicht kannte, verirrte ich mich, also kehrte ich zu der Nische zurück, wohin die angezündeten Kerzen mich leiteten, und setzte mich auf die Liege; und nachdem ich mich in eine Decke gewickelt hatte, nachdem ich etwas aus dem Koran wiederholt hatte, wollte ich schlafen, konnte es aber nicht, denn Unruhe bemächtigte sich meiner. Als die Nacht ihren Zenit erreicht hatte, hörte ich eine Stimme, die den Koran mit den süßesten Akzenten sang; doch der Ton derselben war schwach; also stand ich auf, froh, die Stille gebrochen zu hören, und folgte dem Klang, bis ich eine Kammer erreichte, deren Tür einen Spalt offen stand. Dann, durch einen Ritze spähend, betrachtete ich den Ort, und siehe! es war ein Oratorium, worin eine Gebetsnische mit zwei brennenden Wachskerzen war und Lampen, die von der Decke hingen. Darin war auch ein Gebetsteppich ausgebreitet, worauf ein Jüngling saß, schön anzusehen; und vor ihm auf seinem Ständer war ein Exemplar des Korans, aus dem er las. Ich staunte, ihn allein unter den Menschen der Stadt am Leben zu sehen, und trat ein und grüßte ihn; worauf er seine Augen erhob und meinen Salam erwiderte. Ich sprach: „Nun, bei der Wahrheit dessen, was du in Allahs Heiligem Buch liest, beschwöre ich dich, meine Frage zu beantworten.“ Er sah mich mit einem Lächeln an und sagte: „O Magd Allahs, sag mir zuerst den Grund deines Kommens hierher, und ich werde meinerseits erzählen, was sowohl mir als auch den Menschen dieser Stadt widerfahren ist und was der Grund für mein Entkommen vor ihrem Schicksal war.“ So erzählte ich ihm meine Geschichte, worüber er staunte; und ich fragte ihn nach den Menschen der Stadt, worauf er antwortete: „Habe Geduld mit mir für eine Weile, o meine Schwester!“ und, ehrfürchtig das Heilige Buch schließend, legte er es in einen Beutel aus Satin. Dann setzte er mich an seine Seite; und ich betrachtete ihn, und siehe, er war wie der Mond bei seinem Vollstand, schön von Gesicht und selten von Gestalt, weichseitig und schmal, von wohlproportioniertem Wuchs, und die Wange glatt und hell und Licht verbreitend; kurzum, ein Süßer, eine Zuckerstange, genau wie der Dichter von seinesgleichen in diesen Versen sagt:—

Jene Nacht zog der Astrologe einen Plan der Planeten, ✿ Und siehe! eine anmutige Gestalt eines Jünglings erschien im Blick: Saturn hatte seine Locken mit saturnischem Pech befleckt, ✿ Und Flecken von nussbraunem Moschus auf die rosige Seitenwange geweht: Mars färbte jede Wange mit der Farbe von martialischem Rot; ✿ Sagittale Schüsse aus den Augenlidern der Schütze warf: Merkur begabte ihn mit hellem merkurialem Witz; ✿ Der Bär trug davon, was all die bösen Blicke der Menschen wachsen ließ: Erstaunt stand Astrophil, das Wundergeburt zu sehen, ✿ Als sich der Mond in seiner Fülle niederkniete, um die Erde zu küssen.

Und wahrlich, Allah der Allerhöchste hatte ihn in das Gewand vollkommener Anmut gekleidet und es mit einer Wange voller Schönheit und Lieblichkeit gesäumt und gefranst, genau wie der Dichter von einem solchen sagt:—

Bei seinen Augenlidern, die Parfüm vergießen, und seiner feinen schlanken Taille schwöre ich, ✿ Bei dem Schießen seiner Pfeile, bewehrt mit Zauberei von seltener Art; Bei der Weichheit seiner Seiten und dem verweilenden Licht der Blicke; ✿ Und der Stirn von blendendem Tagesstrahl und der Nacht in seinem Haar; Bei seinen Augenbrauen, die dem, der sie betrachtet, Ruhe verwehren, ✿ Nun gebietend, nun verbietend, stets Freude und Kummer austeilend; Bei der Rose, die seine Wange schmückt, und der Myrte ihres Mooses; ✿ Bei Hyazinthen, gebettet in seine Lippen, und der Perle, die sein Lächeln entblößt; Bei seinem anmutig beugenden Hals und der Wölbung seiner Brust; ✿ Deren polierte Oberfläche jene Granaten trägt, ein reizendes Paar; Bei seinen schweren Hüften, die beben, wenn er in seinem Stolz vorbeischreitet; ✿ Oder er ruht mit jener Taille, die schlank ist, jenseits alles Vergleichs; Bei dem Satin seiner Haut, bei jenem feinen, unbefleckten Geist; ✿ Bei der Schönheit, die alle Dinge hell und lieblich enthält; Bei jener stets offenen Hand; bei der Offenheit seiner Zunge; ✿ Bei edlem Blut und hohem Grad, wovon er Hoffnung und Erbe ist; Moschus borgt von ihm die Moschusart, die er liebt auszuströmen; ✿ Und alle Lüfte von Amber verbreiten durch ihn Parfüm in die Luft; Die Sonne, denke ich, die breite helle Sonne, würde vor meinem Geliebten verblassen; ✿ Und ohne seinen Glanz würde sie erscheinen wie ein Span seines Nagels.

Ich blickte ihn mit einem Blick der Augen an, der mir tausend Seufzer entlockte; und mein Herz wurde sogleich gefangen genommen; so fragte ich ihn: „O mein Herr und meine Liebe, sag mir das, wonach ich dich fragte“; und er antwortete: „Hören ist Gehorchen! Wisse, o Magd Allahs, dass diese Stadt die Hauptstadt meines Vaters war, der der König ist, den du auf dem Thron sitzen sahst, verwandelt durch Allahs Zorn in einen schwarzen Stein, und die Königin, die du in der Nische fandest, ist meine Mutter. Sie und alle Menschen der Stadt waren Magier, die das Feuer anbeteten anstelle des Allmächtigen Herrn und die pflegten zu schwören bei Lohe und Hitze und Schatten und Licht, und den Sphären, die Tag und Nacht kreisen. Mein Vater hatte keinen Sohn, bis er mit mir gesegnet wurde, gegen Ende seiner Tage; und er zog mich auf, bis ich heranwuchs und der Wohlstand mir in allen Dingen zuvorkam. Nun fügte es sich so, dass bei uns eine alte Frau war, hochbetagt an Jahren, eine Moslemin, die, innerlich an Allah und Seinen Gesandten glaubend, sich äußerlich nach der Religion meines Volkes richtete; und mein Vater setzte volles Vertrauen in sie, weil er wusste, dass sie vertrauenswürdig und tugendhaft war; und er behandelte sie mit immer zunehmender Güte, in dem Glauben, sie sei von seinem eigenen Glauben. Als ich also beinahe herangewachsen war, vertraute mein Vater mich ihrer Obhut an und sagte: —Nimm ihn und erziehe ihn und lehre ihn die Regeln unseres Glaubens; lass ihn die besten Unterweisungen haben und höre nicht auf mit deiner fördernden Sorge für ihn. So nahm sie mich und lehrte mich die Lehren des Al-Islam mit den göttlichen Verordnungen der Wuzu-Waschung und die fünf täglichen Gebete, und sie ließ mich den Koran auswendig lernen, wobei sie oft wiederholte: —Diene keinem außer Allah dem Allmächtigen! Als ich dieses Maß an Wissen gemeistert hatte, sagte sie zu mir: —O mein Sohn, halte diese Angelegenheit vor deinem Vater verborgen und enthülle ihm nichts, damit er dich nicht erschlage. So verbarg ich es vor ihm, und ich verblieb auf diese Weise für eine Zeit von Tagen, als die alte Frau starb, und die Menschen der Stadt verdoppelten ihre Gottlosigkeit und ihren Hochmut und den Irrtum ihrer Wege. Eines Tages, während sie wie gewohnt waren, siehe, da hörten sie einen lauten und schrecklichen Schall und einen Ausrufer, der mit einer Stimme wie brüllender Donner ausrief, sodass jedes Ohr es hören konnte, weit und nah: —O Volk dieser Stadt, lasst ab von eurer Feueranbetung und verehrt Allah, den Allbarmherzigen König! Hierbei fielen Furcht und Schrecken über die Bürger, und sie drängten sich zu meinem Vater (da er König der Stadt war) und fragten ihn: —Was ist diese furchteinflößende Stimme, die wir gehört haben, denn sie hat uns mit der Übermacht ihres Schreckens verwirrt?; und er antwortete: —Lasst euch von einer Stimme nicht schrecken, noch euren standhaften Geist erschüttern, noch euch vom Glauben abwenden, der der richtige ist. Ihre Herzen neigten sich seinen Worten zu, und sie hörten nicht auf, das Feuer anzubeten, und sie beharrten in Aufruhr für ein ganzes Jahr von der Zeit an, da sie die erste Stimme hörten; und am Jahrestag kam ein zweiter Schrei und ein dritter am Anfang des dritten Jahres, jedes Jahr einmal. Dennoch beharrten sie in ihren Übeltaten, bis eines Tages beim Anbruch der Morgendämmerung das Urteil und der Zorn des Himmels mit aller Plötzlichkeit über sie herabkamen, und durch den Besuch Allahs wurden alle in schwarze Steine verwandelt, sie und ihre Tiere und ihr Vieh; und niemand wurde gerettet außer mir, der ich zu der Zeit mit meinen Andachten beschäftigt war. Von jenem Tag bis zu diesem bin ich in dem Zustand, den du siehst, beständig im Gebet und Fasten und Lesen und Rezitieren des Korans; doch ich bin wahrlich müde geworden aufgrund meiner Einsamkeit, da ich niemanden habe, der mir Gesellschaft leistet.“ Dann sagte ich zu ihm (denn in der Tat hatte er mein Herz gewonnen und war der Herr meines Lebens und meiner Seele): „O Jüngling, willst du mit mir nach Bagdad ziehen und die Olema und gelehrte Männer im Gesetz und Doktoren der Theologie besuchen und dir Zuwachs an Weisheit und Verständnis und Theologie verschaffen? Und wisse, dass diejenige, die in deiner Gegenwart steht, deine Magd sein wird, obgleich sie das Oberhaupt ihrer Familie ist und Herrin über Männer und Eunuchen und Diener und Sklaven. Wahrlich, mein Leben war kein Leben, bevor es deinem Jüngling begegnete. Ich habe hier ein Schiff, beladen mit Waren; und in der Tat hat das Schicksal mich in diese Stadt getrieben, damit ich Kenntnis von diesen Angelegenheiten erlangen konnte, denn es war bestimmt, dass wir uns treffen sollten. Und ich hörte nicht auf, ihn zu überreden und ihm gut zuzureden und jede Kunst anzuwenden, bis er einwilligte.“——Und Shahrazad bemerkte das Grauen des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Sie fuhr fort: Es ist zu meinen Ohren gekommen, o glückseliger König, dass die Dame nicht aufhörte, den Jüngling mit sanften Worten zu überreden, mit ihr fortzugehen, bis er einwilligte und „Ja“ sagte. Sie schlief in jener Nacht zu seinen Füßen und wusste vor lauter Freude kaum, wo sie war. Sobald der nächste Morgen graute (fuhr sie fort, während sie sich an den Kalifen wandte), stand ich auf und wir betraten die Schatzkammern und nahmen von dort, was leicht an Gewicht und groß an Wert war; dann stiegen wir Seite an Seite vom Schloss in die Stadt hinab, wo wir vom Kapitän und meinen Schwestern und Sklaven erwartet wurden, die nach mir gesucht hatten. Als sie mich sahen, freuten sie sich und fragten, was mich aufgehalten habe, und ich erzählte ihnen alles, was ich gesehen hatte, und berichtete ihnen die Geschichte des jungen Prinzen und die Verwandlung, die die Bürger mit Recht heimgesucht hatte. Darüber staunten alle, doch als meine beiden Schwestern (diese beiden Hündinnen, o Befehlshaber der Gläubigen!) mich an der Seite meines jungen Liebhabers sahen, beneideten sie mich seinetwegen und waren zornig und schmiedeten Unheil gegen mich. Wir erwarteten einen günstigen Wind und gingen voller Freude an Bord, bereit, vor Glück zu fliegen wegen der Güter, die wir erlangt hatten, doch meine größte Freude war der Jüngling; und wir warteten eine Weile, bis der Wind günstig für uns blies, dann setzten wir die Segel und fuhren fort. Während wir nun beisammensaßen und redeten, fragten mich meine Schwestern: „Und was hast du mit diesem schönen jungen Mann vor?“; und ich antwortete: „Ich habe die Absicht, ihn zu meinem Ehemann zu machen!“ Dann wandte ich mich an ihn und sagte: „O mein Gebieter, ich habe dir etwas vorzuschlagen, wobei du mir nicht widersprechen darfst; und es ist dies: Wenn wir Bagdad, meine Heimatstadt, erreichen, biete ich dir mein Leben als deine Magd in heiliger Ehe an, und du sollst mein Gebieter sein und ich deine Ehefrau.“ Er antwortete: „Ich höre und ich gehorche!; du bist meine Herrin und meine Gebieterin, und was immer du tust, ich werde nicht widersprechen.“ Dann wandte ich mich an meine Schwestern und sagte: „Dies ist mein Gewinn; ich begnüge mich mit diesem Jüngling, und wer auch immer etwas von meinem Eigentum an sich genommen hat, der soll es als seinen Gewinn mit meinem guten Willen behalten.“ „Du sagst und tust wohl“, antworteten die beiden, doch sie sannen auf Unheil gegen mich. Wir hörten nicht auf, bei günstigem Wind zu segeln, bis wir das Meer der Gefahr gegen die Meere der Sicherheit eingetauscht hatten, und nach wenigen Tagen erreichten wir die Stadt Basra, deren Gebäude im hereinbrechenden Abend klar vor uns aufragten. Doch nachdem wir uns zur Ruhe begeben hatten und fest schliefen, standen meine beiden Schwestern auf, nahmen mich samt meinem Bett und warfen mich ins Meer: Dasselbe taten sie mit dem jungen Prinzen, der, da er nicht schwimmen konnte, sank und ertrank, und Allah nahm ihn in das edle Heer der Märtyrer auf. Was mich betrifft, so wünschte ich, ich wäre mit ihm ertrunken, doch Allah wollte, dass ich zu den Geretteten zählte; als ich also erwachte und mich im Meer wiederfand und das Schiff wie ein Blitz davonfahren sah, warf Er mir ein Stück Holz zu, das ich bestieg, und die Wellen warfen mich hin und her, bis sie mich an die Küste einer Insel spülten, eines hohen und unbewohnten Landes. Ich ging an Land und wanderte den Rest der Nacht auf der Insel umher, und als der Morgen graute, sah ich einen rauen Pfad, der kaum für ein Menschenkind geeignet war, und der zu einer flachen Furt führte, die die Insel mit dem Festland verband. Sobald die Sonne aufgegangen war, breitete ich meine Kleider aus, um sie in ihren Strahlen zu trocknen; ich aß von den Früchten der Insel und trank von ihrem Wasser; dann machte ich mich auf den Fußpfad und hörte nicht auf zu gehen, bis ich das Festland erreichte. Als nun zwischen mir und der Stadt nur noch eine zweistündige Reise lag, siehe, da kam eine große Schlange, so groß wie eine Dattelpalme, in aller Eile auf mich zu, glitt mal nach rechts, mal nach links, bis sie ganz nahe bei mir war, während ihre Zunge eine Spanne lang heraushing und im Vorbeigehen den Staub fegte. Sie wurde von einem Drachen verfolgt, der nicht länger als zwei Lanzen war, von schlanker Gestalt, etwa so dick wie ein Speer, und obwohl ihr Schrecken ihr Schnelligkeit verlieh und sie sich hin und her wand, holte er sie ein und packte sie am Schwanz, woraufhin ihre Tränen herabströmten und ihre Zunge vor Qual herausgestreckt wurde. Ich hatte Mitleid mit ihr, hob einen Stein auf, rief Allah um Hilfe an und warf ihn mit solcher Kraft nach dem Kopf des Drachen, dass er auf der Stelle starb; und die Schlange breitete ein Paar Flügel aus, flog in die Lüfte und verschwand vor meinen Augen. Ich saß da und staunte über dieses Abenteuer, doch ich war müde, und da mich die Schläfrigkeit überkam, schlief ich eine Weile dort, wo ich war. Als ich erwachte, fand ich ein tiefschwarzes Mädchen, das an meinen Füßen saß und sie massierte; und an ihrer Seite standen zwei schwarze Hündinnen (meine Schwestern, o Befehlshaber der Gläubigen!). Ich schämte mich vor ihr und setzte mich auf und fragte sie: „O meine Schwester, wer und was bist du?“; und sie antwortete: „Wie bald hast du mich vergessen! Ich bin diejenige, für die du eine gute Tat vollbracht und den Samen der Dankbarkeit gesät und deren Feind du erschlagen hast; denn ich bin die Schlange, die du soeben mit Allahs Beistand vor dem Drachen gerettet hast. Ich bin eine Dschinniya, und er war ein Dschinn, der mich hasste, und niemand außer dir hat mein Leben vor ihm gerettet. Sobald du mich von ihm befreit hast, flog ich auf dem Wind zu dem Schiff, von dem dich deine Schwestern geworfen hatten, und brachte alles, was darin war, in dein Haus. Dann befahl ich meinen begleitenden Mariden, das Schiff zu versenken, und ich verwandelte deine beiden Schwestern in diese schwarzen Hündinnen; denn ich weiß alles, was zwischen ihnen und dir vorgefallen ist; was aber den Jüngling betrifft, so ist er wahrlich ertrunken.“ Mit diesen Worten flog sie mit mir und den Hündinnen davon und setzte uns alsbald auf dem Dach meiner Terrasse ab, wo ich mein gesamtes Eigentum, das sich auf meinem Schiff befunden hatte, wohlverwahrt vorfand, und nichts davon fehlte. Nun (fuhr die ehemalige Schlange fort), ich schwöre bei allem, was in den Siegelring Salomos eingraviert ist (Friede sei mit ihm!), wenn du diesen Hündinnen nicht jeden Tag dreihundert Peitschenhiebe versetzt, werde ich kommen und dich für immer unter der Erde gefangen halten.“ Ich antwortete: „Hören und Gehorchen!“; und sie flog davon. Doch bevor sie ging, ermahnte sie mich erneut und sagte: „Ich schwöre noch einmal bei Dem, der die beiden Meere fließen ließ (und dies sei mein zweiter Eid): Wenn du mir widersprichst, werde ich kommen und dich wie deine Schwestern verwandeln.“ Seit jener Zeit habe ich nicht unterlassen, o Befehlshaber der Gläubigen, sie mit dieser Anzahl von Schlägen zu schlagen, bis ihr Blut mit meinen Tränen fließt, während ich Mitleid mit ihnen habe, und sie wissen wohl, dass ihre Züchtigung nicht meine Schuld ist, und sie akzeptieren meine Entschuldigungen. Und dies ist meine Geschichte und mein Bericht!

Der Kalif staunte über ihre Abenteuer und winkte dann Ja'afar zu, der zur zweiten Dame, der Türhüterin, sagte: „Und du, wie kamst du zu den Striemen und Striemen auf deinem Körper?“ So begann sie die

GESCHICHTE DER TÜR HÜTERIN.

Wisse, o Befehlshaber der Gläubigen, dass ich einen Vater hatte, der, nachdem er seine Zeit erfüllt hatte, verstarb und mir einen großen Reichtum hinterließ. Ich blieb eine kurze Zeit ledig und heiratete bald einen der Reichsten seiner Zeit. Ich lebte ein Jahr mit ihm, als auch er starb, und mein Anteil an seinem Vermögen belief sich auf achtzigtausend Golddinar gemäß dem heiligen Erbrecht. So wurde ich überaus reich, und mein Ruf verbreitete sich weit und breit, denn ich hatte mir zehn verschiedene Gewänder anfertigen lassen, von denen jedes tausend Dinar wert war. Eines Tages, als ich zu Hause saß, siehe, da kam eine alte Frau zu mir mit eingefallenen Wangen, eingesunkenen Backen, aufgeworfenen Augen, spärlichen und schorfigen Augenbrauen, kahlköpfig und glatzköpfig; die Zähne von der Zeit zerbrochen und zermalmt, der Rücken gebeugt und der Nacken wackelnd, das Gesicht fleckig, der Schleim laufend, das Haar wie eine schwarz-weiß gesprenkelte Schlange, ein wahrer Schreck im Aussehen, genau wie der Dichter über ihresgleichen sagt:—

Unheilbringende Hexe! Mögen ihre Sünden ungebüßt bleiben ✿ Und möge ihr auf dem Sterbebett keine Gnade zuteilwerden: Tausend eigensinnigste Esel würde ihre List, ✿ Trotz ihres Durchgehens, mit Spinnenfaden führen.

Und wie ein anderer sagt:—

Eine Hexe, der das Ungesetzliche am gesetzlichsten ✿ Und Hexerei als Weisheit in ihren Augen geworden ist: Ein unheilstiftendes Balg, ein Dämonenweib, ✿ Eine hurerische Frau und eine kuppelnde Alte.

Als die alte Frau eintrat, grüßte sie mich mit dem Salaam, küsste die Erde vor mir und sagte: „Ich habe zu Hause eine verwaiste Tochter, und heute Nacht ist ihre Hochzeit und ihr öffentliches Zeigen. Wir sind arme Leute und Fremde in dieser Stadt, kennen keinen Einwohner und sind gebrochenen Herzens. Verdiene dir also einen Lohn und eine Belohnung im Himmel, indem du bei ihrem Zeigen anwesend bist, und wenn die Damen dieser Stadt hören werden, dass du anwesend sein wirst, werden sie auch erscheinen; so wirst du ihren Kummer lindern, denn sie ist tief im Geiste erschüttert und hat niemanden, auf den sie schauen kann, außer Allah, den Allerhöchsten.“ Dann weinte sie und küsste meine Füße, indem sie diese Verse rezitierte:—

Deine Anwesenheit bringt uns eine Gnade ✿ Die wir vor deinem reizenden Antlitz besitzen: Und wärst du abwesend, niemand ✿ Könnte dich ersetzen oder deinen Platz einnehmen.

Da ergriff mich Mitleid und Erbarmen und ich sagte: „Hören ist Zustimmen, und wenn Allah will, werde ich noch etwas mehr für sie tun; sie soll ihrem Bräutigam nicht anders gezeigt werden als in meinen Kleidern und meinem Schmuck.“ Darüber freute sich die alte Frau, neigte ihr Haupt zu meinen Füßen und küsste sie, indem sie sagte: „Allah vergelte dir Gutes und tröste dein Herz, so wie du meines getröstet hast! Aber, o meine Herrin, bemühe dich nicht, mir diesen Dienst zu dieser Stunde zu erweisen; sei zur Abendbrotzeit bereit, dann werde ich kommen und dich abholen.“ Mit diesen Worten küsste sie meine Hand und ging ihres Weges. Ich machte mich daran, meine Perlen aufzuziehen, meine Brokate anzulegen und meine Toilette zu machen, wenig bedacht darauf, was das Schicksal für mich im Schoße trug, als plötzlich die alte Frau vor mir stand, grinste und lächelte, bis sie jeden Zahnstumpf zeigte, und sagte: „O meine Herrin, die Damen der Stadt sind eingetroffen, und als ich sie wissen ließ, dass du versprochen hast, anwesend zu sein, freuten sie sich, und sie erwarten dich nun und sehen voller Eifer deiner Ankunft und der Ehre der Begegnung mit dir entgegen.“ Also warf ich meinen Umhang über, ließ die alte Vettel vor mir und meine Mägde hinter mir gehen, und wir wanderten, bis wir zu einer Straße kamen, die gut begossen und sauber gefegt war, wo die wehende Brise kühl und süß blies. Hier wurden wir von einem Tor aufgehalten, das mit einer Kuppel aus Marmorstein überwölbt war, fest auf solidestem Fundament ruhend, und das zu einem Palast führte, dessen Mauern sich hoch und stolz von der Erde erhoben und dessen Zinne von den Wolken gekrönt wurde, und über dem Türsturz waren diese Verse geschrieben:—

Ich bin die Wohnung, wo die Fröhlichkeit immer lächeln wird; ✿ Das Heim der Freude durch meine dauernde Zeit: Und inmitten meines Hofes sprudelt und fließt ein Brunnen, ✿ Weder Tränen noch Sorgen werden diesen Brunnen beflecken: Der Rand ist mit des königlichen Nu'uman Blüte geschmückt, ✿ Myrte, Narzissenblume und Kamille.

Am Tor angekommen, vor dem ein schwarzer Vorhang hing, klopfte die alte Frau, und er wurde uns geöffnet; wir traten ein und fanden einen Vorraum vor, der mit Teppichen ausgelegt und rundum mit brennenden Lampen behängt war sowie mit Wachskerzen in Kandelabern, die mit Anhängern aus Edelsteinen und edlen Erzen geschmückt waren. Wir gingen durch diesen Gang weiter, bis wir in einen Salon traten, dessengleichen an Pracht und Schönheit auf dieser Welt nicht zu finden ist. Er war mit seidenen Stoffen behängt und ausgelegt und mit Zweigen, Wandleuchtern und Kerzen beleuchtet, die in doppelter Reihe angeordnet waren, eine Allee, die am oberen oder vornehmen Ende des Salons endete, wo eine Couch aus Wacholderholz stand, die mit Perlen und Edelsteinen besetzt war und von einem Baldachin mit Moskitonetzen aus Satin überragt wurde, die mit Margariten hochgebunden waren. Und kaum hatten wir dies bemerkt, da trat eine junge Dame unter dem Baldachin hervor, und ich erblickte, o Befehlshaber der Gläubigen, ein Gesicht und eine Gestalt, vollkommener als der Mond in seiner Fülle, mit einer Anmut, heller als die Morgenröte, schimmernd in safranfarbenem Licht, genau wie der Dichter sang, als er sagte:—

Du schreitest durch den Palast, ein Wunderanblick, ✿ Eine Braut für die Nacht eines Kisra oder Kaisar! Es spielt die Rose auf deiner rosenfarbenen Wange, ✿ O Wange wie das Blut des Drachen, hell! Schlanktaillig, schwermütig, schläfrig-äugig, ✿ Mit Reizen, die alle Liebesfreude versprechen: Und der Schmuck, der deine mit Diadem gekrönte Stirn ziert, ✿ Ist eine Nacht des Kummers an eines Morgens hellem Licht.

Das schöne junge Mädchen stieg vom Podest herab und sagte zu mir: „Willkommen und wohlgekommen und gute Stimmung meiner Schwester, der über alles Geliebten, der Erlauchten, und tausend Grüße!“ Dann rezitierte sie diese Verse:—

Wenn das Haus doch wüsste, wer kommt, es würde sich freuen, ✿ Und den Staub küssen, auf den dein Fuß gesetzt wurde; Und mit der Zunge der Umstände würden die Mauern sagen: ✿ „Willkommen und Heil der einen, die mit großzügigen Gaben begnadet ist!“

Dann setzte sie sich und sagte zu mir: „O meine Schwester, ich habe einen Bruder, der dich bei verschiedenen Hochzeitsfesten und festlichen Anlässen gesehen hat: Er ist ein Jüngling, schöner als ich, und er hat sich hoffnungslos in dich verliebt, denn das freigebige Schicksal hat in dir alle Schönheit und Vollkommenheit gesammelt; und er hat dieser alten Frau Silber gegeben, damit sie dich besuchen möge; und sie hat es auf diese Weise eingefädelt, damit wir beide zusammenkommen. Er hat gehört, dass du eine der Vornehmen deines Stammes bist, und er steht dem in nichts nach; und da er sein Los mit deinem Los verbinden möchte, hat er diese List angewandt, um mich mit dir zusammenzubringen; denn er möchte dich nach der Verordnung Allahs und seines Gesandten heiraten; und in dem, was rechtmäßig und gut ist, liegt keine Schande.“ Als ich diese Worte hörte und sah, dass ich rechtmäßig im Haus gefangen war, sagte ich: „Hören ist Zustimmen.“ Sie war darüber erfreut und klatschte in die Hände; woraufhin sich eine Tür öffnete und ein junger Mann herauskam, blühend in der Blüte seines Lebens, vorzüglich gekleidet, ein Modell von Schönheit und Lieblichkeit und Symmetrie und vollkommener Anmut, mit sanften, gewinnenden Manieren und Augenbrauen wie ein gebogener Bogen und Pfeil auf der Sehne, und Augen, die alle Herzen mit Zauberei verhexten, die in den Augen des Herrn rechtmäßig ist; genau wie ein Reimschmied, der seinesgleichen beschreibt, sagt:—

Sein Gesicht leuchtet wie das Gesicht des jungen Mondes ✿ Und das Schicksal stempelt ihn mit Perlen als Zeichen.

Und Allah segne ihn, der sagte:—

Gesegnet sei seine Schönheit; gesegnet der Erlass des Herrn, ✿ Der ein Ding so hell von Farbe gegossen und geformt hat: Alle Gaben der Schönheit vereint er in einer; ✿ Verloren in seiner Liebe ist die ganze Menschheit; Denn die Schönheit selbst schrieb auf seine Stirn: ✿ „Ich bezeuge, dass es kein Gut gibt außer Ihm!“

Und als die Kalifinnen die Geschichte der ersten Schwester vernommen hatten, wandte sich der Kalif an die zweite, welche diejenige war, die die zwei schwarzen Hündinnen bei sich hielt, und er befragte sie nach ihrem Schicksal. Sie begann ihre Erzählung wie folgt:

O Befehlshaber der Gläubigen, meine Geschichte ist noch wunderbarer als die meiner Schwester. Ich hatte einen Vater, der uns nach seinem Tode ein großes Vermögen hinterließ. Als wir drei Schwestern in unseren Häusern lebten, fasste ich den Entschluss, auf Reisen zu gehen und mit meinem Erbteil Handel zu treiben. Ich rüstete ein Schiff aus, lud es mit kostbaren Waren und machte mich mit einer Schar von Sklaven und Dienern auf den Weg über das Meer. Wir segelten einen Monat lang, bis wir eine Insel erreichten, auf der wir anlegten. Dort fanden wir eine Stadt, in der alle Bewohner in schwarze Steine verwandelt worden waren. Ich ging an Land und fand den König dieser Stadt in seinem Palast, ebenfalls versteinert, wobei sein Gesicht noch immer ein Abbild von Güte und Majestät bewahrte. Ich durchstreifte die leeren Märkte und Paläste, bis ich zu einem Ort gelangte, an dem eine Stimme aus einer Kammer erklang, in der jemand den Koran las. Ich trat ein und fand dort einen jungen Mann, der auf einem Thron saß und in das heilige Buch vertieft war. Ich begrüßte ihn, er erwiderte meinen Gruß, und ich fragte ihn nach dem Geheimnis dieser Stadt. Er erzählte mir, dass sie einst von Magiern bewohnt war, die sich gegen Allah aufgelehnt hatten, woraufhin sie alle in Stein verwandelt wurden, während er als einziger verschont blieb, da er ein gläubiger Muslim war.

Ich blieb bei ihm und wir verbrachten einige Zeit in inniger Gemeinschaft, wobei mein Herz in Liebe für ihn entbrannte. Ich bat ihn, mit mir in meine Heimat zurückzukehren, und er willigte ein. Wir beluden mein Schiff mit den Schätzen aus der Stadt und segelten davon, doch während der Reise regte sich in meinen Schwestern – die sich mir angeschlossen hatten – der Neid auf mein Glück. Eines Nachts, als der junge Mann schlief, warfen sie uns beide ins Meer. Ich konnte mich an Land retten, doch mein geliebter Gefährte versank in den Fluten. Ich fand mich an einem Ufer wieder, wo ich eine Schlange entdeckte, die von einem riesigen Vogel angegriffen wurde. Ich tötete den Vogel, um die Schlange zu retten, woraufhin sie sich als eine Dschinni verwandelte, die mir aus Dankbarkeit half und mich zu den zwei schwarzen Hündinnen brachte, die meine Schwestern waren, da sie zur Strafe für ihre Bosheit von ihr verwandelt worden waren. Sie trug mir auf, sie jeden Tag mit der Peitsche zu züchtigen, was ich auch tat, bis ich sie schließlich in mein Haus aufnahm, wo wir seither in Buße leben.

Als die zweite Schwester geendet hatte, staunte der Kalif über ihre Worte und ließ auch ihre Geschichte niederschreiben. Dann wandte er sich an die dritte Schwester, die die Verwalterin war, und verlangte von ihr, ihr Geheimnis zu offenbaren. Diese erzählte ihm von ihrem Leben und wie es dazu kam, dass sie die Verantwortung für ihre Schwestern übernommen hatte, und schloss mit dem Bericht über das Gastmahl, das sie für den Lastträger und die drei Kalandar-Prinzen bereitet hatten. Der Kalif war von all diesen Dingen tief bewegt und beschloss, das Schicksal der Frauen zum Besseren zu wenden, indem er die Übeltäter bestrafen ließ und die Schwestern in Gnade aufnahm, während er den Kalandar-Prinzen ihre verlorenen Königreiche zurückgab. So lebten sie alle in Wohlstand und Zufriedenheit unter dem Schutz des Befehlshabers der Gläubigen, bis sie der Tod ereilte, der alles irdische Glück beendet.

Sie fuhr fort: Es ist zu mir gelangt, o glückverheißender König, dass der Kalif befahl, diese Geschichte sowie die der Schwester und der Kalandare in den Archiven aufzuzeichnen und in den königlichen Schatzkammern zu verwahren. Dann fragte er die älteste Dame, die Herrin des Hauses: „Weißt du, wo sich die Ifritah aufhält, die deine Schwestern verhext hat?“ Und sie antwortete: „O Befehlshaber der Gläubigen, sie gab mir eine Locke ihres Haares und sprach: ‚Wenn du mich sehen willst, so verbrenne ein paar dieser Haare, und ich werde alsbald bei dir sein, selbst wenn ich jenseits des Kaukasus-Gebirges wäre.‘“ Der Kalif sprach: „Bring mir das Haar her.“ Sie brachte es, und er warf die ganze Locke in das Feuer. Sobald der Geruch des brennenden Haares sich ausbreitete, bebte und zitterte der Palast, und alle Anwesenden hörten ein Grollen und Rollen wie von Donner und ein Geräusch wie von Flügelschlägen, und siehe da, die Dschinnija, die eine Schlange gewesen war, stand in der Gegenwart des Kalifen. Da sie eine Muslima war, grüßte sie ihn und sprach: „Friede sei mit dir, o Statthalter Allahs.“ Er erwiderte: „Und mit dir sei auch Friede sowie die Barmherzigkeit Allahs und Sein Segen.“

Dann fuhr sie fort: „Wisse, dass dieses Mädchen den Samen der Güte für mich säte, weshalb ich es ihr nicht genug vergelten kann, da sie mich vom Tod erlöste und meinen Feind vernichtete. Ich hatte gesehen, wie ihre Schwestern mit ihr umsprangen, und fühlte mich verpflichtet, mich an ihnen für sie zu rächen. Zuerst gedachte ich, sie zu töten, doch fürchtete ich, dass ihr dies leid tun würde, also verwandelte ich sie in Hündinnen; doch wenn du ihre Erlösung wünschst, o Befehlshaber der Gläubigen, so werde ich sie erlösen, um dir und ihr zu gefallen, denn ich bin eine der Musliminnen.“ Der Kalif sprach: „Erlöse sie, und danach werden wir die Angelegenheit der geschlagenen Dame untersuchen und ihren Fall sorgfältig prüfen; und wenn die Wahrheit ihrer Geschichte bewiesen ist, werde ich Vergeltung an dem üben, der ihr Unrecht getan hat.“ Die Ifritah sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen, ich werde sie alsbald erlösen und dir den Mann enthüllen, der diese Tat an dieser Dame begangen und ihr Unrecht getan und ihr Eigentum genommen hat, und er ist derjenige, der dir von allen Menschen am nächsten steht!“ Indem sie das sagte, nahm sie einen Becher Wasser und murmelte einen Zauberspruch darüber und sprach Worte, die man nicht verstehen konnte; dann sprengte sie etwas von dem Wasser über die Gesichter der zwei Hündinnen und sprach: „Kehrt zu eurer früheren menschlichen Gestalt zurück!“ Daraufhin wurden sie in ihre natürliche Form zurückversetzt und begannen, ihren Schöpfer zu preisen.

Dann sagte die Ifritah: „O Befehlshaber der Gläubigen, wahrlich, derjenige, der diese Dame mit Ruten gegeißelt hat, ist dein Sohn Al-Amin, der Bruder von Al-Maamun; denn er hatte von ihrer Schönheit und Lieblichkeit gehört, und er spielte eine List eines Liebenden mit ihr und heiratete sie gemäß dem Gesetz und beging das Verbrechen (sofern es eines ist), sie zu geißeln. Doch wahrlich, er ist nicht dafür zu tadeln, dass er sie schlug, denn er legte ihr eine Bedingung auf und ließ sie durch einen feierlichen Eid schwören, eine gewisse Sache nicht zu tun; doch sie wurde ihrem Gelübde untreu, und er gedachte, sie zu töten, doch er fürchtete den allmächtigen Allah und begnügte sich damit, sie zu geißeln, wie du gesehen hast, und sie an ihren eigenen Ort zurückzuschicken. Das ist die Geschichte der zweiten Dame, und der Herr weiß alles.“ Als der Kalif diese Worte der Ifritah hörte und wusste, wer das Mädchen geschlagen hatte, staunte er mit gewaltigem Staunen und sprach: „Preis sei Allah, dem Allerhöchsten, dem Allmächtigen, der Seine übergroße Barmherzigkeit mir gegenüber gezeigt hat, indem Er es mir ermöglichte, diese beiden Jungfrauen von Zauberei und Qual zu erlösen, und mir gewährte, das Geheimnis der Geschichte dieser Dame zu erfahren! Und nun, bei Allah, wir werden eine Tat vollbringen, die von uns aufgezeichnet werden wird, nachdem wir nicht mehr sind.“

Dann rief er seinen Sohn Al-Amin herbei und befragte ihn nach der Geschichte der zweiten Dame, der Pförtnerin; und er erzählte sie im Angesicht der Wahrheit; woraufhin der Kalif befahl, die Kazis und ihre Zeugen sowie die drei Kalandare und die erste Dame mit ihren leiblichen Schwestern, die verhext worden waren, in die Gegenwart zu rufen; und er verheiratete die drei mit den drei Kalandaren, von denen er wusste, dass sie Prinzen und Söhne von Königen waren, und er ernannte sie zu Kammerherren an seiner Person, wies ihnen Stipendien und Zuwendungen und alles, was sie benötigten, zu und brachte sie in seinem Palast in Bagdad unter. Er gab die geschlagene Dame seinem Sohn Al-Amin zurück, erneuerte den Ehevertrag zwischen ihnen, gab ihr großen Reichtum und befahl, das Haus schöner als zuvor wieder aufzubauen. Was ihn selbst betraf, so nahm er die Vermittlerin zur Frau und lag mit ihr in jener Nacht: und am nächsten Tag wies er ihr ein Gemach in seinem Serail zu, mit Zofen für ihren Dienst und einer festen täglichen Zuwendung. Und das Volk staunte über die Großmut ihres Kalifen und seine natürliche Wohltätigkeit und fürstliche Weisheit; auch vergaß er nicht, all diese Geschichten zur Aufzeichnung in seine Annalen senden zu lassen. Als Schahrasad aufhörte zu sprechen, rief Dunjasad aus: „O meine eigene Schwester, bei Allah, wahrlich, dies ist eine wahrhaft angenehme Geschichte und eine entzückende; niemals wurde eine ähnliche gehört, doch ich bitte dich, erzähle mir nun eine weitere Geschichte, um die Zeit zu vertreiben, die von den wachen Stunden dieser unserer Nacht noch verbleibt.“ Sie antwortete: „Mit Liebe und Freude, wenn der König mir die Erlaubnis gibt.“ Und er sagte: „Erzähle deine Geschichte und erzähle sie schnell.“ So begann sie mit diesen Worten:

Inzest ist heutzutage überall ein Gräuel, außer bei den übervölkerten Armen großer und zivilisierter Städte. Dennoch waren solche Verbindungen bei alten und hochkultivierten Völkern üblich und rechtmäßig, wie bei den Ägyptern (Isis und Osiris), den Assyrern und den alten Persern. Physiologisch sind sie nur dann schädlich, wenn die Eltern konstitutionelle Defekte aufweisen: Wenn beide gesund sind, ist die Nachkommenschaft, wie bei den sogenannten „niederen Tieren“, lebensfähig und gesund.

Fußnote 199: Bewohner der nördlichen gemäßigten Zonen können sich kaum vorstellen, was ein Staubsturm in sonnenverbrannten tropischen Ländern ist. In Sindh waren wir oft gezwungen, am Mittag Kerzen zu benutzen, während über dem Staub eine Sonne stand, die ein Ei braten würde.

Fußnote 200: Arab. „'Urban“, heute immer für die wilden Völker gebraucht, die die Franzosen uns als les Bédouins zu bezeichnen gelehrt haben; „Badw“ ist eine Einöde oder Wüste; und Badawi (fem. Badawíyah, plur. Badáwi und Bidwán), ein Mann der Einöde. Europäer haben auch gelernt, die Ägypter fälschlicherweise als „Araber“ zu bezeichnen: Der Unterschied ist so groß wie zwischen einem Engländer und einem Spanier. Die eigentlichen Araber unterteilen ihre Rasse in verschiedene aufeinanderfolgende Familien. Die „Arab al-Arabá“ (oder al-Aribah oder al-Urubíyat) sind die Autochthonen, prähistorische, protohistorische und ausgestorbene Stämme; zum Beispiel einige wenige der Aditen, die in Mekka der Vernichtung ihres gottlosen Volkes entkamen, sich aber mit anderen Klassen vermischten. Die „Arab al-Muta'arribah“ (arabisierte Araber) sind die ersten Einwanderer, repräsentiert durch solch edle Stämme wie die Koraisch (Koreish), von denen einige noch überleben. Die „Arab al-Musta'aribah“ (eingefügte, eingebürgerte oder eingesetzte Araber, Männer, die behaupten, Araber zu sein) sind Araber wie die Sinaiten, die Ägypter und die Marokkaner, die durch Vermischung mit anderen Rassen abstammen. Daher unsere „Mosaraber“ und die „Marrabais“ des Rabelais (nicht „ein Wort, das aus Maurus und Araber zusammengesetzt ist“). Einige Genealogen machen jedoch die Muta'arribah zu Nachkommen von Kahtan (möglicherweise der Joktan aus Genesis x., ein vergleichsweise modernes Dokument, 700 v. Chr.?); und die Musta'aribah zu den Nachkommen von Adnan, dem Ursprung der arabischen Genealogie. Und schließlich gibt es die „Arab al-Musta'ajimah“, barbarisierte Araber, wie die gegenwärtige Bevölkerung von Mekka und Al-Medina. Neben diesen gibt es andere Stämme, deren Ursprung noch unbekannt ist; wie die Mahrah-Stämme von Hazramaut, die „Akhdám“ (=Sklaven) von Oman (Maskat); und die „Ebná“ von Al-Yaman: Ibn Ishak vermutet, dass letztere von den persischen Soldaten des Anuschirwan abstammen, die die abessinischen Invasoren aus Südarabien vertrieben. (Pilgrimage, iii., 31, usw.).

Fußnote 201: Arab. „Amír al-Muuminín“. Der Titel wurde vom Kalifen Omar angenommen, um die Unannehmlichkeit zu vermeiden, sich selbst „Khalífah“ (Nachfolger) des Khalífah des Gesandten Allahs (d. h. Abu Bakr) zu nennen; was nach wenigen Generationen unmöglich geworden wäre. Er bedeutet „Emir (Anführer oder Fürst) der Muumins“; Männer, die am (wahren muslimischen) Glauben festhalten, dem „Imán“ (Theorie, grundlegende Artikel) im Gegensatz zum „Dín“, der Verordnung oder Praxis der Religion. Er wurde einst zu einem Wesir-Titel, der von Sultan Malikschah (König der Könige) seinem Nizám al-Mulk verliehen wurde. (Richardsons Dissert. lviii).

Fußnote 202: Dies kann auch „gemäß den sieben Ausgaben des Korans“ bedeuten, die alten Überarbeitungen und so weiter (Sale, Sect. iii. und D'Herbelot „Alcoran“). Die Schulen der „Mukri“, die die richtige Aussprache lehren, bei der ein Fehler sündhaft sein könnte, sind sieben: Hamza, Ibn Katír, Ya'akúb, Ibn Amir, Kisái, Asim und Hafs, wobei letzterer der Favorit der Hanafis ist und der einzige, der heute in Al-Islam allgemein bekannt ist.

Fußnote 203: Arab. „Sadd“ = Mauer, Deich usw., der „Bund“ oder „Band“ des Anglo-Indiens. Daher der „Sadd“ auf dem Nil, die Ufer aus Gras und schwimmenden Inseln, die den Strom „einmauern“. Es gibt nur wenige Anblicke, die erschreckender sind als ein Sandsturm in der Wüste, der „Zauba'ah“, wie die Araber ihn nennen. Teufel oder Säulen aus Sand, senkrecht und schräg, tausend Fuß hoch, stürmen über die Ebene und peitschen den Sand an ihrer Basis wie ein Meer, das unter einem wütenden Wirbelsturm aufgewühlt wird; sie scheren das Gras bis auf die Wurzeln ab, reißen Bäume aus, die wie Blätter und Stöcke in der Luft herumgewirbelt werden, und fegen Zelte und Häuser hinweg, als wären sie Papierstücke. Schließlich vereinigen sich die Säulen an der Spitze und bilden, vielleicht dreitausend Fuß über der Erde, eine gigantische Wolke aus gelbem Sand, die nicht nur den Horizont, sondern sogar die Mittagssonne auslöscht. Diese Sandhosen sind der Schrecken der Reisenden. In Sindh und im Punjab haben wir den Staubsturm, der, wie ich sagte, an Dunkelheit den schwärzesten Londoner Nebel übertrifft.

Fußnote 204: Arab. „Sár“ = die Vendetta, zuvor erwähnt, in Arabien ebenso gefürchtet wie auf Korsika.

Fußnote 205: Arab. „Ghútah“, gewöhnlich ein Ort, an dem Bewässerung im Überfluss vorhanden ist. Er bezieht sich (in Büchern) besonders auf die Ebene von Damaskus, weil sie „reich an Wasser und Obstbäumen ist“. Bochart (Geog. Sacra, S. 90) leitet עוטה (utah) von עוץ Uz, dem Sohn von Arab, ab, der (wie er sagt) Damaskus gründete. Die Ghuta ist eines der vier irdischen Paradiese, die anderen sind Basra (Bassorah), Schiras und Samarkand. Ihre Besonderheit ist die Ähnlichkeit mit einer Hafenstadt; die Wüste, die fast bis an ihre Tore rollt, ist das Meer und ihre Schiffe sind die Kamele. Der erste Araber, dem wir diesen bewundernswerten Begriff für den „Gefährten Hiobs“ verdanken, ist „Tarafah“, einer der Dichter der Aufgehängten Gedichte: Er vergleicht (v.v. 3, 4) die Kamele, die seine Geliebte forttrugen, mit Schiffen, die von Aduli aus in See stachen. Aber „Schiffe der Wüste“ ist zweifellos ein Begriff von höchstem Alter.

Fußnote 206: Die Erfordernisse des „Saj'a“ oder gereimten Prosa zerstückeln diese und viele ähnliche Passagen.

Fußnote 207: Die „Ebenholz“-Inseln; Scotts „Isle of Ebene“, i., 217.

Fußnote 208: „Jarjarís“ in der Bul. Edit.

Fußnote 209: Arab. „Takbís“. Viele Orientalen können kaum schlafen ohne dieses Kneten der Muskeln, dieses „Reiben“, dessen hygienische Eigenschaften England jetzt lernt.

Fußnote 210: Das Gegenstück dazu, dass die Brust verbreitert ist; der herabhängende, „schleppende“ Gang im Vergleich zum hoch erhobenen Haupt und der aufgeblähten Brust.

Fußnote 211: Diese Strafe wird im Koran (Kapitel v.) als angemessen für diejenigen erwähnt, die gegen Allah und seinen Gesandten kämpfen; aber die Kommentatoren sind sich nicht einig, ob die Sünder zuerst hingerichtet werden sollen oder am Kreuz hängen sollen, bis sie sterben. Pharao (Kapitel xx.) droht, seine Magier an Palmen zu kreuzigen, und gilt als der erste Kreuziger.

Fußnote 212: Arab. „'Ajami“ = Ausländer, besonders ein Perser: letzterer ist in „The Nights“ meist ein Bösewicht. Ich muss hier anmerken, dass sich der verächtliche Zustand der Perser im Al-Hijáz (den ich 1852 bemerkte, Pilgrimage i. 327) völlig geändert hat. Sie sind nicht länger „die Pantoffeln von Ali und die Hunde von Omar“: Sie haben die Kraft der Einigung gelernt und jetzt, anstatt schikaniert zu werden, schikanieren sie selbst.

Fußnote 213: Die Calc. Edit. macht Schneider (Khayyátín) daraus und Torrens sieht den Druckfehler nicht.

Fußnote 214: d. h. Axt und Sandalen.

Fußnote 215: Wörtl. „Schlag seinen Nacken.“

Fußnote 216: Eine Redewendung, die häufig wiederkehren wird; sie bedeutet, die Situation legte solche Worte nahe.

Fußnote 217: Derjenige, der mit dem bösen Blick trifft, wird „A'in“ genannt und die getroffene Person „Ma'ín“ oder „Ma'ún“.

Fußnote 218: Arab. „Sákiyah“, das bekannte persische Rad mit Töpfen und Eimern, die am Reifen befestigt sind. Es gibt viele Arten davon, das kastenförmige usw. usw.; und möglicherweise wird darauf in dem „zerbrochenen Krug am Brunnen“ (Prediger xii. 6) angespielt, ein Unfall, der dem modernen „Noria“ oft widerfährt. Reisende schimpfen meist über sein „düsteres Quietschen“ und seine „traurige Monotonie“: Ich habe die Musik des Wasserrads in Pilgrimage ii. 198 verteidigt.

Fußnote 219: Arab. „Zikr“ wörtl. das Erinnern, Erwähnen (d. h. der Namen Allahs), bezieht sich hier auf die Treffen der Gläubigen zu Andachtsübungen; die „Zikkírs“, wie sie genannt werden, stehen oder sitzen meist im Kreis, während sie den Heiligen Namen ausrufen. Diese „Rogationen“ werden von Derwischen oder bettelnden Mönchen sehr geliebt, die Europa höflich in „tanzende“ und „heulende“ unterteilt; und bei einer Gelegenheit, sehr zum Ärgernis gewisser Engländerinnen, denen ich die Ezbekiyah zeigte, schloss ich mich dem Kreis der „Heuler“ an. Lane (Mod. Egypt, siehe Index) ist ausführlich über das Thema „Zikrs“ und Zikkírs. Man darf nicht annehmen, dass es ungebildete Männer sind: Die bessere Klasse bevorzugt jedoch mehr Privatsphäre.

Fußnote 220: Da sie dachten, er sei zum Gebet oder zur Buße dort gewesen.

Fußnote 221: Arab. „Ziyárat“, ein Besuch bei einer frommen Person oder an einem frommen Ort.

Fußnote 222: Dies ist ein väterlicher Gruß im Osten, wo man wählerisch ist, welcher Teil geküsst wird. Ein witziges und nicht ungewöhnlich derbes persisches Buch, das „Al-Námah“ genannt wird, weil alle Fragen mit „Al“ (dem arabischen Artikel) beginnen, enthält ein „Al-Wajib al-busídan?“ (was verdient es am meisten, geküsst zu werden?) und die Antwort lautet „Kus-i-nau-pashm“ (eine kleine Muschi mit einem jungen Busch).

Fußnote 223: Ein Gewicht von 71-72 englischen Grain in Gold; hier gleichbedeutend mit dem Dinar.

Fußnote 224: Vergleiche das Märchen von den drei Krähen in Gammer Grethel, Abend ix.

Fußnote 225: Der Vergleich ist besonders treffend; die Erde, von oben gesehen, erscheint hohl mit einem erhöhten Rand.

Fußnote 226: Hundert Jahre alt.

Fußnote 227: „Bahr“ bedeutet auf Arabisch Meer, Fluss, Gewässer; daher ist das Adjektiv notwendig.

Fußnote 228: Der Kapitän oder Meister des Schiffes (nicht der Eigentümer). In Al-Yaman bedeutet das Wort auch „Friseur“, aufgrund der Wurzel Raas, ein Kopf.

Fußnote 229: Der Text hat „im Schriftstil Ruká'í“ oder Riká'í, der Korrespondenzhandschrift.

Fußnote 230: Ein geschwungener Schriftzug, von dem angenommen wird, dass er dem Basilikumblatt (rayhán) ähnelt. Richardson nennt ihn „Rohani“.

Fußnote 231: Ich brauche kaum zu sagen, dass Orientalen ein Schilfrohr, einen Kalamos (Kalam wird nur auf das geschnittene Schilf angewandt) für unsere Federkiele und Stahlfedern verwenden.

Fußnote 232: Berühmt dafür, auf die Kiswah (Decke) des Grabes Mohammeds geschrieben zu sein; eine große und formellere Hand, die immer noch für Beurkundungen und für Wandinschriften verwendet wird. Nur zweiundsiebzig Varianten davon sind bekannt (Pilgrimage, ii., 82).

Fußnote 233: Die Kopier- und Transkriptionshand, die entweder Arabi oder Ajami ist. Kürzlich wurde eine große Entdeckung gemacht, die alle unsere alten Vorstellungen von Kufi usw. umwirft. Herr Löytved aus Beirut hat unter den Hauran-Inschriften eine in reinem Naskhi gefunden, die auf 568 n. Chr. datiert, also fünfzig Jahre vor der Hidschra; und sie wird von meinem gelehrten Freund M. Ch. Clermont-Ganneau als authentisch akzeptiert (S. 193, Pal. Explor. Fund; Juli 1884). Zu D'Herbelots und Sales Zeiten nahm man an, dass der Koran in groben Schriftzeichen geschrieben worden sei, wie jenen, die später „Kufi“ genannt wurden, kurz vor Mohammeds Geburt von Murámir ibn Murrah aus Anbar im Irak erfunden, durch Bashar den Kindianer in Mekka eingeführt und durch Ibn Muklah (Al-Wazir, gest. 328 n. H. = 940 n. Chr.) perfektioniert. Wir müssen das jetzt alles ändern. Siehe Katalog orientalischer Kalligraphen usw. von G. P. Badger, London, Whiteley, 1885.

Fußnote 234: Groß- und Unzialbuchstaben; die Hand, in der der Ka'aba-Schleier beschriftet ist (Pilgrimage iii. 299, 300).

Fußnote 235: Eine „Gerichtsschrift“, sagt Herr Payne (i. 112): Ich weiß nichts darüber. Andere Hände sind: die Ta'alík; hängend oder schräg, verwendet für feinere Manuskripte und besitzend, laut Richardson, „die gleiche Analogie zum Naskhi wie unser Kursiv zum Römischen“. Die Nasta'lík (nicht Naskh-Ta'alík), die viel in Indien verwendet wird, ist, wie der Name andeutet, eine Mischung aus Naskhi (Schrift für Transaktionen) und Ta'alík. Die Shikastah (gebrochene Hand) repräsentiert überall unsere laufende Hand und wird zu einer schwierigen Aufgabe für den Leser. Die Kirmá ist ein weiterer kursiver Charakter, meist auf die Einnahmen und Ausgaben der türkischen Schatzkammer beschränkt. Die Diváni oder das Gericht (der Justiz) ist die offizielle Hand, kühn und rund, ein Geschäftsschriftzug, wobei die Zeilen oft mit einem Schwung oder einer Kurve zum (linken) Ende hin ansteigen. Die Jáli oder polierte hat eine Variante, die Jali-Ta'alik: die Sulsi (in vielen Büchern bekannt) wird für Buchtitel, königliche Edikte, Diplome und so weiter übernommen; „entspricht in etwa demselben Zweck wie Großbuchstaben bei uns oder die verzierten Buchstaben in illuminierten Manuskripten“ (Richardson). Die Tughrái ist die der Tughra, des Prinzenchiffres oder der blühenden Signatur in zeremoniellen Schriften, und enthält einen Satz wie: Dies werde ausgeführt. Es gibt andere, z. B. Yákuti und Sirenkil, die nur dem Namen nach bekannt sind. Schließlich unterscheidet sich die Maghribi (maurische) Hand in Form und diakritischen Punkten von den weiter östlich verwendeten Schriftzeichen fast so sehr wie die deutsche laufende Hand von der englischen. Es ist merkwürdig, dass Richardson die Jali (kompliziert und gewunden) und die Unterteilungen des Sulusí-, Sulsi- oder Sulus-(Thuluth-)Charakters, das Sulus al-Khafíf usw. auslässt.

Fußnote 236: Arab. „Baghlah“; das Männchen (Baghl) wird nur für Lasten verwendet. Dies ist überall die Regel: Nichts ist widerspenstiger als ein störrischer „Macho“; und er weiß, dass er einen immer vom Rücken werfen kann, wenn ihm danach ist. Von „Baghlah“ leitet sich der Name des einheimischen Fahrzeugs ab, anglo-indisch „Buggalow“.

Fußnote 237: Im Hebräischen ist „Ben-Adam“ jeder Mensch im Gegensatz zu „Beni isch“ (Psalm iv. 3) = filii viri, nicht homines.

Fußnote 238: Diese Haltung ist für europäische Beine schrecklich anstrengend; und nur wenige weiße Männer (außer sie sind damit aufgewachsen) können eine Zeit lang auf ihren Fersen hocken. Die „Schneiderart“, mit gekreuzten Beinen, wird als frei und bequem angesehen.

Fußnote 239: Arab. „Katá“ = Pterocles Alchata, das bekannte Sandflughuhn der Wüste. Es ist sehr armes, weißes Fleisch.

Fußnote 240: Arab. „Khubz“, das ich nicht als „Kuchen“ oder „Brot“ übersetze, da dies die Idee unseres Laibs nahelegen würde. Das Grundnahrungsmittel im Osten ist ein dünner, flacher Teigkreis, der im Ofen oder auf der Grillplatte gebacken wird und dem schottischen „Scone“, der spanischen „Tortilla“ und dem australischen „Flap-jack“ entspricht.

Fußnote 241: Arab. „Harísah“, ein beliebtes Gericht aus Weizen (oder Reis), gekocht und mit zerkleinertem Fleisch, Gewürzen und Würzmitteln zu einer Paste reduziert. Die „Armreifen“ ist ein hübsches Mädchen, das mit ihm isst.

Fußnote 242: Diese Zeilen werden mit einem Unterschied in Nacht cccxxx wiederholt. Sie betreffen Reime, weit hergeholt, schwer: z. B. hier Sakáríj (Plural von Sakrúj, Platten, Schälchen); Tayáhíj (Plural von Tayhúj, das kleinere Rebhuhn); Tabáhíj (persisch Tabahjah, ein Omelett oder ein Eintopf aus Fleisch, Zwiebeln, Eiern usw.); Ma'áríj („in gestuften Haufen“ wie die Pyramiden; was Lane ii. 495 als „auf den Treppen“ wiedergibt); Makáríj (Plural von Makraj, ein kleiner Topf); Damálíj (Plural von dumlúj, ein Armband, ein Reif); Dayábíj (Brokate) und Tafáríj (Öffnungen, Genüsse). In Nacht cccxxx finden wir auch Sikábíj (Plural von Sikbáj, mariniertes Fleisch, anderswo erklärt); Faráríj (Plural von farrúj, ein Huhn, vulg. farkh) und Dakákíj (Plural von dakújah, ein kleiner Krug). In der ersten Zeile haben wir auch (obwohl kein Reim) Gharánik Gr. Τερανὸς, ein Kranich, bewahrt im Romaischen. Das Weinen und Klagen wird durch die Erinnerung verursacht, dass all diese Köstlichkeiten wie ein Badawi-Lager zerstört wurden.

Fußnote 243: Dies ist das vinum coctum, der gekochte Wein, immer noch ein Favorit in Süditalien und Griechenland.

Fußnote 244: Östliche Trinker lieben es, im Morgengrauen zu trinken: Über dieses Thema werde ich in anderen Nächten mehr zu sagen haben.

Fußnote 245: Arab. „Adab“, ein Kreuz für Übersetzer, bedeutet alles zwischen guter Erziehung und guten Manieren. Im mod. Türk. bedeutet „Edibiyyet“ (Adabiyat) = schöne Literatur und „Edebi“ oder „Edíb“ = ein Literat.

Fußnote 246: Der Kalif Al-Maamún, der ein schlechter Spieler war, pflegte zu sagen: „Ich habe die Verwaltung der Welt und bin ihr gewachsen, während ich in der Ordnung eines Raumes von zwei Spannen mal zwei Spannen eingeengt bin.“ Das „Brett“ war damals „ein quadratisches Feld aus gut bearbeitetem Leder“.

Fußnote 247: Die Rabbiner (nach Matth. xix. 12) zählen drei Arten von Eunuchen; (1) Seris chammah = von der Sonne, d. h. natürlich: (2) Seris Adam = von Menschen hergestellt; und (3) Seris Chammayim = von Gott (d. h. religiöser Enthaltsamer). Seris (kastriert) oder Abd (Sklave) ist der allgemeine hebräische Name.

Fußnote 248: Die „Dame der Schönheit“.

Fußnote 249: „Káf“ wurde als der Berg bemerkt, der die Erde wie ein Ring den Finger umgibt: Er wird populär wie unser Alp und Alpine verwendet. Der „umgebende Ozean“ (Bahr al-muhít) ist der homerische Ozeanstrom.

Fußnote 250: Der Granatapfel ist hier wahrscheinlich gewählt, weil jede Frucht einen Samen aus dem Garten Eden enthalten soll. Daher eine Fülle von Aberglauben (Pilgrimage iii., 104), möglicherweise verbunden mit dem chaldäisch-babylonischen Gott Rimmon oder Ramanu. Daher kostete Persephone oder Ishtar den „Samen des reichen Granatapfels“. Lenormant, loc. cit. S. 166, 182.

Fußnote 251: d. h. um Gottes willen – eine beliebte muslimische Phrase.

Fußnote 252: Arab. „Báb“, bedeutet auch ein Kapitel (der Magie, des Krieges usw.), entsprechend dem persischen „Dar“ wie in Sad-dar, die hundert Tore. Hier ist es jedoch im übertragenen Sinne „Ich versuchte einen neuen Modus“. Diese Szene ist im Mabinogion.

Fußnote 253: Ich verwende diesen irischen Begriff = Wehklagen für die Toten; da dem Englischen das Wort für die Præfica oder Myrialogistin fehlt. Die Praxis wird im Al-Islam nicht gefördert; und Kalif Abu Bakr sagte: „Wahrlich, eine Leiche wird mit kochendem Wasser besprengt aufgrund der Klagen der Lebenden“, d. h. bestraft, weil sie keine Maßnahmen getroffen hat, ihre nutzlosen Klagen zu verhindern. Aber die Praxis stammt aus dem Negerland, von wo sie Ägypten erreichte; und die Leute haben dort ein merkwürdiges System im „Wehklagelied“ entwickelt: Ich habe dies in „The Lake-Regions of Central Africa“ notiert. Im Zoroastrismus (Dabistan, Kap. xcvii.) bilden Tränen, die für die Toten vergossen werden, einen Fluss in der Hölle, schwarz und eiskalt.

Fußnote 254: Diese Zeilen sind kaum übersetzbar. Arab. „Sabr“ bedeutet „Geduld“ sowie „Aloe“, was sich hier für eine Fülle von Wortspielen und Doppeldeutigkeiten anbietet, die mehr oder weniger gemein sind. Die Aloe wird laut Burckhardt auf Friedhöfen als Lektion der Geduld gepflanzt: Sie wird auch, wie das getrocknete Krokodil, über Haustüren gehängt, um böse Geister am Eindringen zu hindern; „so ohne Erde und Wasser aufgehängt“, sagt Lane (M. E., Kap. xi.), „wird sie mehrere Jahre leben und sogar blühen. Daher (?) wird sie Sabr genannt, was Geduld bedeutet.“ Aber Sibr wie auch Sabr (eine Wurzel) bedeutet „Langmut“. Ich halte die Praxis für einen der vielen innerafrikanischen Aberglauben. Die wilden Galla pflanzen bis heute Aloen auf Gräbern und nehmen an, dass der Verstorbene in die Gärten von Wák, dem Schöpfer, aufgenommen wurde, wenn die Pflanze sprießt. (Pilgrimage iii. 350).

Fußnote 255: Jede Stadt im Osten hat ihren spezifischen Titel: Dieser wurde Bagdad entweder wegen seiner überlegenen Polizei oder einfach deshalb gegeben, weil es die Hauptstadt des Kalifats war. Der Tigris wurde auch der „Fluss des Friedens (oder der Sicherheit)“ genannt.

Fußnote 256: Dies ist sehr charakteristisch: Die Passagiere, die sich in Schwierigkeiten befinden, übernehmen sofort das Kommando. Siehe in meiner Pilgrimage (I. Kap. xi.), wie wir den Kapitän des „Golden Wire“ geschlagen und anderweitig misshandelt haben.

Fußnote 257: Die Fabel basiert wahrscheinlich auf den Strömungen, die, wie in Ostafrika, ein Schiff fünfzig Meilen am Tag von seinem Kurs abbringen können. Wir finden sie zuerst bei Ptolemäus (vii. 2), dessen Maniólai-Inseln von Indien extra Gangem dazu führen, dass Eisennägel aus Schiffen fliegen, die Wirkung des Lapis Herculeus (Magnetstein). Rabelais (v. c. 37) spielt darauf an und auf die vulgäre Vorstellung, dass Magnetismus durch Skordon (Knoblauch) entgegengewirkt werde. Daher auch die Adamant-(Magnetstein-)Berge von Mandeville (Kap. xxvii.) und der „Magnetfelsen“ in Herrn Puttocks klugem „Peter Wilkins“. Ich vermute, dass der Mythos auch daher entstand, dass man Fahrzeuge sah, die, wie an der ostafrikanischen Küste, ohne Eisennägel gebaut wurden. Wir werden der Legende wieder begegnen. Das Wort Jabal („Jebel“ in Ägypten) kommt in diesen Seiten oft vor. Die Araber wenden es auf jedes ansteigende Gelände oder jeden Felsenhaufen an; es ist also nicht immer = unser Berg. Es hat seinen Weg nach Europa gefunden, z. B. Gibraltar und Monte Gibello (oder Mongibel in der Dichtung) = „Mt. Ethne, dass Männer Mounte Gybelle nennen“. Andere spezielle Bedeutungen von Jabal werden vorkommen.

Fußnote 258: Wie wir vom nubischen Geographen erfahren, erkundeten die Araber in frühen Zeiten die Glückseligen Inseln, Jazírát al-Khálidát (=Ewige Inseln), oder Kanaren, auf einer von denen ein Pferd und ein Reiter aus Bronze mit seinem nach Westen gerichteten Speer gemeldet wurden. Ibn al-Wardi notiert „zwei Bilder aus hartem Stein, jedes hundert Ellen hoch, und auf der Spitze jedes eine Figur aus Kupfer, die mit ihrer Hand rückwärts zeigt, als ob sie sagen wollte: – Kehre um, denn hinter mir ist nichts!“ Aber diese Legende haftet an älteren Taten. Der 23. Tobba (der auf Bilkis folgte), Malik bin Sharhabíl (oder Sharabíl oder Sharahíl), genannt Náshir al-Ni'ám = Streuer der Segnungen, verlor eine Armee beim Versuch, den westlichen Sand zu durchqueren, und stellte eine Kupferstatue auf, auf deren Brust in antiken Zeichen eingraviert war: – Es gibt keinen Zugang hinter mir, Nichts jenseits, (Spricht) Der Sohn von Sharabíl.

Fußnote 259: d. h. ich rief „Bismillah!“ aus.

Fußnote 260: Die kleinere Waschung von Händen, Gesicht und Füßen; eine Art „Waschung der Punkte“. Mehr in Nacht ccccxl.

Fußnote 261: Arab. „Ruka'tayn“; die Anzahl dieser Verbeugungen, denen die Niederwerfungen folgen, unterscheidet die fünf täglichen Gebete.

Fußnote 262: Die „Beth Kol“ der Hebräer; von den Muslimen auch „Hátif“ genannt; für welche frage die Spiritualisten. Es ist die hinduistische „göttliche Stimme“ oder „Stimme aus dem Himmel“.

Fußnote 263: Diese Formeln werden technisch Tasmiyah, Tahlíl (zuvor erwähnt) und Takbír genannt: das „Bezeugen“ ist Tashhíd.

--- zu sprechen, rief Dunjasad aus: „O meine eigene Schwester, bei Allah, wahrlich, dies ist eine wahrhaft angenehme Geschichte und eine entzückende; niemals wurde eine ähnliche gehört, doch ich bitte dich, erzähle mir nun eine weitere Geschichte, um die Zeit zu vertreiben, die von den wachen Stunden dieser unserer Nacht noch verbleibt.“ Sie antwortete: „Mit Liebe und Freude, wenn der König mir die Erlaubnis gibt.“ Und er sagte: „Erzähle deine Geschichte und erzähle sie schnell.“ So begann sie mit diesen Worten:

Arab. „Samn“ (pers. „Raughan“, hind. „Ghi“), die „einzige Soße“ des Ostens; frische Butter, die auf das Feuer gesetzt, abgeschäumt und (falls erforderlich, ein Jahrhundert lang) in ledernen Schläuchen und Korbflaschen aufbewahrt wird. Dann wird sie zu einer harten schwarzen Masse, die als Allheilmittel für Wunden und Krankheiten gilt. Sie ist sehr „sättigend“; man sagt scherzhaft zu einem Orientalen, dem ein plötzlicher Ansturm von Gästen droht: „Geh, ertränke deinen Reis in Raughan.“ Ich habe einmal versucht, wie ein hinduistischer Pahlawan oder Athlet, mit Gur (Rohzucker), Milch und Ghi zu trainieren; das Ergebnis war, dass ich vor Ende der Woche vor Galle erblindete.

Fußnote 265:

Diese hübschen Jünglinge werden immer mit den Begriffen beschrieben, die wir auf Frauen anwenden würden.

Fußnote 266:

Die Bul. Ausg. (i. 43) liest sich anders: – Ich fand einen Garten und einen zweiten und einen dritten und so fort, bis sie dreißig und neun an der Zahl waren; und in jedem Garten sah ich, was Lob nicht auszudrücken vermag, an Bäumen und Bächen und Früchten und Schätzen. Am Ende des letzten erblickte ich eine Tür und sagte zu mir selbst: „Was mag an diesem Ort sein?; ich muss sie öffnen und hineinsehen!“ Ich tat dies dementsprechend und sah ein Ross, fertig gesattelt und gezäumt und angebunden; also löste ich es und bestieg es; und es flog mit mir wie ein Vogel, bis es mich auf einem flachen Dach absetzte; und nachdem es mich abgesetzt hatte, gab es mir einen Schlag mit seinem Schweif und stach mir mein Auge aus und floh vor mir. Daraufhin stieg ich vom Dach herab und fand zehn Jünglinge, die alle auf einem Auge blind waren, die, als sie mich sahen, ausriefen: „Kein Willkommen für dich und kein gutes Wohlwollen!“ Ich fragte sie: „Nehmt ihr mich in euer Heim und eure Gesellschaft auf?“ und sie antworteten: „Nein, bei Allah, du sollst nicht unter uns leben.“ So ging ich mit weinenden Augen und bekümmertem Herzen fort, doch Allah hatte meine Rettung auf der Bewahrten Tafel geschrieben, so erreichte ich Bagdad in Sicherheit, usw. Dies ist ein treffendes Beispiel dafür, wie das Werk in jener Ausgabe gekürzt wurde.

Fußnote 267:

Die Araber datieren die Schwangerschaft vom Ausbleiben der Menstruation, von welcher sich der Fötus ernähren soll. Kalilah wa Dimnah sagt: „Der Nabel des Kindes haftet an dem seiner Mutter und dadurch saugt es“ (i. 263).

Fußnote 268:

Dies widerspricht den Geboten des Al-Islam; Mohammed sagte ausdrücklich: „Die Astrologen sind Lügner, beim Herrn der Ka'abah!“; und sein Ausspruch ist fast allen Muslimen bekannt, ob gebildet oder ungebildet. Doch je weiter wir nach Osten (in Richtung Indien) kommen, desto mehr finden wir diese Praktiken in Ehren gehalten. Wenn wir uns nach Westen wenden, haben wir:

Iuridicis, Erebo, Fisco, fas vivere rapto; Militibus, Medicis, Tortori occidere ludo est; Mentiri Astronomis, Pictoribus atque Poetis.

Fußnote 269:

Er führt das Wuzu oder die geringere Waschung nicht durch, weil er seine Morgengebete vernachlässigt.

Fußnote 270:

Für dieses Spiel siehe Lane (M. E. Kap. xvii.). Es wird gewöhnlich auf einem karierten Tuch gespielt, nicht auf einem Brett wie unsere Dame; und die Orientalen lieben es, zwischen und sogar während der Spiele zu essen, zu trinken und zu rauchen. Torrens (S. 142) übersetzt „Ich bereitete etwas Nachtisch zu“ und verwechselt dabei „Mankalah“ mit „Nukl“ (getrocknete Früchte, quatre-mendiants).

Fußnote 271:

Zitiert nach Mohammed, dessen Ausspruch bereits wiedergegeben wurde.

Fußnote 272:

Wir würden „die Nacht des neununddreißigsten“ sagen.

Fußnote 273:

Das Bad, das erstmals nach einer Krankheit genommen wird.

Fußnote 274:

Arab. „Dikák“, das als Seife oder vielmehr zur Erweichung der Haut verwendet wird: das Mehl ist gewöhnlich aus Lupinen, „Adas“ = „Revalenta Arabica“, was in Ägypten einen Penny und in England eine halbe Krone kostet.

Fußnote 275:

Arab. „Sukkar-nabát“. Während meiner Zeit (1842-49) hatten wir in der Präsidentschaft Bombay keinen anderen Zucker.

Fußnote 276:

Dies ist eines der unzähligen arabischen Beispiele dafür, dass die Dekrete von „Anagké“, Schicksal, Vorsehung, Verhängnis, unvermeidlich sind. Die Situation ist höchst dramatisch; und tatsächlich haben Die Nächte, wie im abschließenden Essay dargelegt werden wird, bereits ein nationales Drama angeregt.

Fußnote 277:

Nachdem er kürzlich von Ajib bewegt worden war.

Fußnote 278:

Mr. Payne (i. 131) lässt diese Zeilen aus, die fehl am Platz erscheinen; doch diese Art unangemessener Zitate ist ein Charakteristikum orientalischer Erzählungen.

Fußnote 279:

Englisch „ihm“.

Fußnote 280:

Dieser Aufbruch des Stammes ist ein lieu commun arabischer Verskunst, z. B. des Dichters Labids edle Elegie über das „Verlassene Lager“. Wir werden Dutzende von Beispielen in Die Nächte finden.

Fußnote 281:

Ich habe von solchen Sanden in der Wüste östlich von Damaskus gehört, die nur auf Brettern oder Kamelgepäck überquert werden können; und das Gleiche wird von der berüchtigten Region „Al-Ahkáf“ („Unerforschtes Syrien“) berichtet.

Fußnote 282:

Daher der arabische Spruch: „Das Bellen eines Hundes und nicht der Schein eines Feuers“; der müde Reisende weiß am ersteren, dass das Lager in der Nähe ist, während letzteres aus großen Entfernungen sichtbar ist.

Fußnote 283:

Dunkelblau ist die Farbe der Trauer in Ägypten, wie sie es in der Römischen Republik war. Die Perser halten daran fest, dass dieser Farbton durch Kay Kawús (600 v. Chr.) eingeführt wurde, als er um seinen Sohn Siyáwush trauerte. Er wurde beibehalten bis zum Tod von Husayn am 10. des Muharram (des ersten Monats, der damals die Frühlings-Tagundnachtgleiche repräsentierte), als er durch Schwarz ersetzt wurde. In der Regel nehmen Muslime dieses Symbol der Trauer (genannt „Hidád“) nicht an, da sie die Praxis als etwas Götzendienerisches und den arabischen Sitten Fremdes betrachten. In Ägypten und besonders am oberen Nil färben Frauen ihre Hände mit Indigo und beizen ihre Gesichter schwarz oder noch schwärzer.

Fußnote 284:

Der ältere Roc, von dem mehr in der Erzählung von Sindbad. Unterdessen wird der Leser, der neugierig auf den persischen Símurgh (dreißig Vogel) ist, das Dabistan, i., 55, 191 und iii., 237, sowie Richardsons Diss. S. xlviii zu Rate ziehen. Für den Anka (Enka oder Unka = langhalsiger Vogel) siehe Dab. iii., 249 und für den Humá (Paradiesvogel) Richardson lxix. Uns fehlen noch Details über den Ben oder Bennu (Nachtreiher) von Ägypten, der mit dem Artikel pi den griechischen „Phönix“ hervorbrachte.

Fußnote 285:

Wahrscheinlich der Haledj von Forskal (S. xcvi. Flor. Ægypt. Arab.), „lignum tenax, durum, obscuri generis“. Die Breslauer Ausg. hat „ákúl“ = Teakholz, vulg. „Sáj“.

Fußnote 286:

Der Türklopferring ist eine Erfindung, die den Römern wohlbekannt war.

Fußnote 287:

Arab. „Sadr“; der Ehrenplatz; daher das „Sudder Adawlut“ (Oberstes Gericht) im anglo-indischen Jargon.

Fußnote 288:

Arab. „Ahlan wa sahlan wa marhabá“, die Worte, die noch heute populär an einen Gast gerichtet werden.

Fußnote 289:

Dies kann „flüssige schwarze Augen“ bedeuten; aber auch, wie ich bemerkt habe, dass die Wimpern lang und dick genug waren, um die Augenlider so aussehen zu lassen, als wäre Kohl-Puder auf die inneren Ränder aufgetragen worden.

Fußnote 290:

Eine leichte Lücke zwischen den beiden vorderen Schneidezähnen, nur den oberen, wird von den Arabern als Schönheit betrachtet; warum, ist schwer zu sagen, außer wegen der rassistischen Vorliebe für Abwechslung. „Sughr“ (Thugr) im Text bedeutet in erster Linie die Öffnung des Mundes, das Gähnen: daher die Vorderzähne.

Fußnote 291:

d. h. lässt mich die Bitterkeit des Todes schmecken, wobei das „Zerreißen der Gallenblase“ (Marárah) unser „Brechen des Herzens“ ist.

Fußnote 292:

Es ist fast unnötig zu sagen, dass verbotene Türen und Räume ein lieu commun im Märchen sind: man findet sie im hinduistischen Katha Sarit Sagara und sie wurden unserer Kindheit durch „Blaubart“ vertraut.

Fußnote 293:

Wörtl. „trage Kohl auf meine Augen auf“, ebenso wie Isebel ihr Gesicht „schminkte“, im Hebräischen: ihre Augen in Schminke legte (2. Könige ix., 30).

Fußnote 294:

Arab. „Al-Barkúk“, woraus unser älteres „Apricock“ entstand. Klassisch ist es „Burkúk“ und persisch für arabisch „Mishmish“, und es bezeichnet auch eine kleine Pflaume oder Zwetschge. In Syrien zeigt die „der Sonne zugewandte Seite“ eine leuchtend rote Röte.

Fußnote 295:

Arab. „Hazáṙ“ (im Persischen, tausend) = eine Art Spottdrossel.

Fußnote 296:

Einige Ausgaben lassen die Türen hundert an der Zahl sein, doch die Prinzessinnen waren vierzig, und diese Zufälle, die Bedeutung zu haben scheinen und keine haben außer für die arabische Symmetriemanie, sind in arabischen Geschichten üblich.

Fußnote 297:

Arab. „Májúr“: daher möglicherweise unser „Mazer“, das im Volksmund von Masarn, einem Ahorn, abgeleitet wird.

Fußnote 298:

Ein zusammengesetzter Duft aus Ambra, Moschus und Aloe.

Fußnote 299:

Die Enden der Zügel, die die Peitsche bilden.

Fußnote 300:

Das fliegende Pferd ist Pegasus, was eine griechische Travestie eines ägyptischen Mythos ist, der in Indien entwickelt wurde.

Fußnote 301:

Die Breslauer Ausg. sagt fälschlicherweise „die siebte“.

Fußnote 302:

Arab. „Sharmutah“ (Plural Sharámít) von der Wurzel Sharmat, zerschneiden, ein beliebtes ägyptisches Wort, das in der Vulgärsprache auch auf eine Hure, ein Flittchen, ein Stück angewendet wird. Es ist auch der populäre Begriff für Streifen von Dörrfleisch, das in der Sonne zum Trocknen aufgehängt wird und klassisch „Kadíd“ genannt wird.

Fußnote 303:

Arab. „Izár“, das Lendentuch des Mannes, im Gegensatz zum Ridá oder Schultertuch, ist auch das weiße Kattuntuch, das die ärmeren ägyptischen Frauen außer Haus tragen und das Kopf und Hände bedeckt. Siehe Lane (M. E., Kap. i). Die Reichen ziehen eine „Habárah“ aus schwarzer Seide vor, und die Armen, wenn sie nichts anderes haben, benutzen ein Bettlaken.

Fußnote 304:

d. h. „Meine Lieben“.

Fußnote 305:

Arab. „Lá tawákhizná“: wörtl. „züchtige (oder beschuldige) uns nicht“; der populäre Ausdruck für „entschuldige (oder begnadige) uns“.

Fußnote 306:

Arab. „Maskhút“, meist auf eine Gestaltwandlung angewendet, wie ein Mensch, der in einen Affen verzaubert wurde, und im vulgären Sprachgebrauch auf eine Statue (aus Stein usw.) angewendet. Die Liste der Metamorphosen im Al-Islam ist länger als die, die Ovid bekannt war. Wer Petra, die griechische Stadt im Hauran und die römischen Ruinen in Nordafrika gesehen hat, wird leicht die Grundlage erkennen, auf der diese Geschichten aufgebaut sind. Ich werde auf dieses Thema in Die Stadt Iram (Nacht cclxxvi) und Die Stadt aus Messing (dlxvii) zurückkommen.

Fußnote 307:

Ein hinreichend malerischer Ausdruck für einen verlassenen Ort, ein Schauspiel, das den Nomaden vertraut ist und bei den Bürgern immer ein Übermaß an Pathos hervorruft.

Fußnote 308:

Der alte „Harem“ (oder Gynäceum, persisch Zenanah, Serraglio): Harím wird auch synekdochisch für die Insassen verwendet; besonders die Ehefrau.

Fußnote 309:

Die Perle soll im Osten pro Jahr 1 % ihrer Pracht und ihres Wertes verlieren.

Fußnote 310:

Arab. „Fass“, eigentlich die Fassung eines Rings; auch ein Edelstein, der en cabochon geschliffen ist, und im Allgemeinen der Inhalt für den Inhalt.

Fußnote 311:

Arab. „Mihráb“ = die bogenförmige Nische in der Moscheewand, die nach Mekka ausgerichtet ist. Hier, mit dem Rücken zum Volk und dem Gesicht zur Ka'abah oder zum Quadratischen Haus von Mekka (daher „Kiblah“ = Gebetsrichtung genannt), stellt sich der Imám, Vorbeter oder Vormacher, wörtl. „einer, der vor anderen steht“; und seine Verbeugungen und Niederwerfungen geben der Gemeinde den Takt vor. Ich habe den Mihrab von der Nische abgeleitet, in der der ägyptische Gott beherbergt war: die Juden ignorierten sie, doch die Christen bewahrten sie für ihre Statuen und Altäre. Maundrell schlägt vor, dass die leere Nische einen unsichtbaren Gott bezeichnet. Da die Nische (Symbol der Venus) und das Minarett (Symbol des Priapos) erst aus den Tagen des zehnten Kalifen, Al-Walid (86-96 n. H. = 105-115 n. Chr.), stammen, beschuldigen die Hindus die Muslime, beides von ihren Lieblingsidolen entlehnt zu haben – dem Linga-Yoni oder Cunnus-Phallus (Pilgrimage ii. 140), und nennen den Mihrab schlicht einen Bhaga = Cunnus (Dabistan ii. 152). Die Parsen nennen Mekka zudem „Mah-gah“, locus Lunæ, und Al-Medinah, „Mahdinah“ = Mond der Religion. Siehe Dabistan i., 49, usw.

Fußnote 312:

Arab. „Kursi“, ein Hocker aus Palmwedeln usw., X-förmig (siehe Lanes Illustration, Nights i., 197), vor dem der Leser sitzt. Gute Muslime halten das Heilige Buch nicht unterhalb der Taille und öffnen es nur, wenn sie zeremoniell rein sind. Engländer im Osten sollten dies bedenken, denn die Vernachlässigung des „Adab al-Kúran“ (der Respekt, der der Heiligen Schrift gebührt) erregt großen Anstoß.

Fußnote 313:

Mr. Payne (i. 148) zitiert das deutsche Zuckerpüppchen.

Fußnote 314:

Die persischen Dichter haben tausend Einfälle zum Lob des „Schönheitsmals“ (Khál oder Shámah), für das Hafiz „Samarkand und Buchara“ bot (da sie nicht sein waren, wie seine Freunde bemerkten). Ein weiteres „Thema“ ist der Pfeilhagel, der von den Wimpern abgeschossen wird.

Fußnote 315:

Arab. „Suhá“, ein Stern im Großen Bären, der nur eingeführt wurde, um „wushát“ = Spione, Neider, Feinde auszugleichen, deren „böser Blick“ er abwehren wird.

Fußnote 316:

In arabischen Erzählungen ist Schönheit immer „weichseitig“, und eine glatte Haut wird in dem Maße geschätzt, wie sie selten ist.

Fußnote 317:

Die Myrte ist das junge Haar auf der Seite des Gesichts.

Fußnote 318:

In anderen Kopien dieser Verse schwört das vierte Couplet „bei den Skorpionen seiner Stirn“, d. h. den Locken, den Blickfängern, den Glockenseilen oder „Aggravatoren“, wie die B.P. sie nennt. Im achten Couplet spielt der Dichter auf das „Unsur“ oder Element seiner Liebe an, seine Natur, die aus den vier Klassikern besteht, und im letzten Couplet bezieht er den Fingernagel auf den Mond, nicht auf die Sonne.

Fußnote 319:

Dies ist die reguläre Formel, wenn man von Parsen spricht.

Fußnote 320:

Arab. „Faráiz“; die Befehle, die ausdrücklich im Koran gegeben wurden, der, wie der Leser sich erinnern wird, unerschaffen und ewig ist. In Indien wird „Farz“ auf dreimal wiederholte Gebote angewandt; und „Wájib“ auf jene, die zweimal gegeben wurden. Andernorts wird kaum ein Unterschied zwischen ihnen gemacht.

Fußnote 321:

Arab. „Kufr“ = die Ablehnung der Wahren Religion, d. h. Al-Islam, wobei eine solche Ablehnung „Tughyán“ oder Rebellion gegen den Herrn ist. Der „schreckliche Ton“ stammt aus der Legende des Propheten Sálih und des urgeschichtlichen Stammes der Thámúd, der wegen seiner Gottlosigkeit durch ein Erdbeben und einen Lärm vom Himmel erschlagen wurde. Letzteres war nach Ansicht einiger Kommentatoren die Stimme des Erzengels Gabriel, der rief: „Sterbt allesamt“ (Koran, Kap. vii. xviii. usw.). Wir werden mehr davon in der „Stadt der vielfarbigen Iram“ hören. Einigen zufolge ist Salih, ein mysteriöser Beduinen-Prophet, im Wady al-Shaykh der sogenannten Sinai-Halbinsel begraben.

Fußnote 322:

Doch sie bewahrten den Schein des Menschen, was zeigt, dass die Idee aus den Basaltstatuen entstand, die in den Hauran-Ruinen gefunden wurden. Mohammed muss auf seinen verschiedenen Märschen nach Syrien Überreste griechischer und römischer Siedlungen gesehen haben; und wie bemerkt wurde, hinterließ „Sesostris“ seine Spuren bei Mekka. (Pilgrimage iii. 137).

Fußnote 323:

Arab. „Shuhadá“; von Muslimen wie von anderen Religionsanhängern hoch geachtet; obwohl ihr Hauptverdienst, wenn nicht ihr einziger, in der Regel in extremer Sturheit und Hingabe an eine Idee bestand, für die sie bereit waren, sogar das Leben zu opfern. Die Kategorie der Märtyrer ist umfangreich und umfasst jene, die durch fallende Mauern getötet wurden; Opfer der Pest, der Rippenfellentzündung und der Schwangerschaft; Reisende, die ertrunken sind oder auf andere Weise verloren gingen, als sie ehrlich unterwegs waren; und keusche Liebende, die an „gebrochenen Herzen“ starben, d. h. an gestörter Verdauung. Ihre Seelen werden sofort in den Kropf grüner Vögel verstaut, wo sie bis zum Tag der Auferstehung bleiben, „von den Früchten des Paradieses essend und von den Bächen trinkend“, einem Ort jedoch, dessen Topographie völlig unsicher ist. So wurde der junge Prinz mit einer Art Anti-Fegefeuer, einem vorbereitenden Himmel, belohnt.

Fußnote 324:

Arab. „Su 'ubán“: Die Beduinen geben den Namen einer Vielzahl von Schlangen, die alle als giftig gelten; doch in Erzählungen drückt das Wort, wie „Tannín“, unseren „Drachen“ oder „Basilisken“ aus.

Fußnote 325:

Sie schämte sich, die Dame bei niederen Diensten zu sehen, indem sie ihre Füße rieb. Diese Massage, die B. de la Brocquière 1452 als „Kneten und Kneifen“ beschreibt, wurde bereits erwähnt. Der französische Begriff leitet sich anscheinend vom arabischen „Mas-h“ ab.

Fußnote 326:

Anspielung auf den Allerhöchsten Namen, den hundertsten Namen Gottes, das hebräische Shem hamphorash, das nur wenigen Begünstigten bekannt ist, die durch seine Verwendung alle Arten von Wundern vollbringen.

Fußnote 327:

d. h. das Mittelmeer und der Indische Ozean.

Fußnote 328:

d. h. durch den Koran festgelegt.

Fußnote 329:

Je hässlicher die alte Frau, desto besser soll sie als Kupplerin taugen. Siehe die Santa Verdiana bei Boccaccio v., 10. Im Arabischen ist „Ajuz“ (alte Frau) höchst beleidigend, und wenn sie zu einer Ägypterin gesagt wird, wird sie, egal welchen Alters sie ist, sich heftig umdrehen und es übel nehmen. Der höfliche Begriff ist Shaybah (Pilgrimage iii., 200).

Fußnote 330:

Die vier Lebensalter der Frau, betrachtet nach Demosthenes in ihrem dreifachen Charakter: Prostituierte zum Vergnügen, Konkubine für den Dienst und Ehefrau zur Fortpflanzung.

Fußnote 331:

Arab. „Jilá“ (das hindostanische Julwa) = das Vorführen der Braut vor dem Bräutigam zum ersten Mal, in verschiedenen Kleidern, bis zu sieben an der Zahl, die oft für den Anlass geliehen werden. Der glückliche Mann muss eine Gebühr namens „die Steuer für das Entschleiern des Gesichts“ zahlen, bevor er ihre Züge sehen kann. Unter syrischen Christen versucht er manchmal, den Schleier durch eine schnelle Bewegung des Schwertes zu lüften, was von den anwesenden Frauen pariert wird, und die Klinge bleibt im Tuch verheddert. Schließlich gelingt es ihm, die Braut sinkt zu Boden und bedeckt ihr Gesicht mit ihren Händen und den Gewändern ihrer Freunde: alsbald wird sie aufgehoben, ihr Schleier wird neu gerichtet und ihr Gesicht wird entblößt.

Fußnote 332:

Arab. „Ishá“ = die erste Nachtwache, Abenddämmerung, Abendessenzeit, Abendessen. Die Muslime haben die vier Wachen der Römer von 6 (Uhr morgens oder abends) bis 6 Uhr übernommen; und ignorieren die drei ursprünglichen Wachen der Juden: Abend, Mitternacht und Hahnenschrei (Sam. ii. 19, Richter vii. 19 und Exodus xiv. 24).

Fußnote 333:

Eine populäre arabische Hyperbel.

Fußnote 334:

Arab. „Shakáik al-Nu'umán“, wörtl. die Felsspalten von Nu'uman, die schöne Anemone, die ein tyrannischer König von Hirah, Nu'uman ibn Al-Munzir, ein Zeitgenosse Mohammeds, zu monopolisieren versuchte.

Fußnote 335:

Arab. „Andam“ = hier das Harz, das Drachenblut genannt wird; an anderen Stellen das Farbstoffholz, das als Brasilholz bekannt ist.

Fußnote 336:

Ich muss kaum erwähnen, dass im Osten, wo Glocken ungebräuchlich sind, das Klatschen in die Hände die Diener ruft. In Indien rufen Männer „Quy hye“ (Koi hái?) und im Brasilien pfeifen sie „Pst!“ nach Art von Spanien und Portugal.

Fußnote 337:

Die Schönheitsmale werden hier mit Perlen verglichen; ein Gleichnis, das keineswegs gebräuchlich oder treffend ist.

Fußnote 338:

Eine Parodie auf das Glaubensbekenntnis an Allahs Einheit.

Fußnote 339:

Arab. „Simát“ (eigtl. „Sumát“); die „Esstafel“, bestehend aus einem runden Holzhocker, der ein großes Metalltablett trägt, wobei beide „Sufrah“ (oder „Simat“) genannt werden: daher bedeutet „Sufrah házirah!“ das Abendessen steht auf dem Tisch. Nach der Mahlzeit werden sie sofort entfernt.

Fußnote 340:

Im Text „Dastúr“, das bereits erwähnte persische Wort; „Izn“ wäre das korrekte arabische Äquivalent.

Fußnote 341:

Im muslimischen Osten ist es einer jungen Frau, ob ledig oder verheiratet, nicht gestattet, allein auf den Straßen zu erscheinen; und die Polizei hat das Recht, Übertreter zu verhaften. Als Vorbeugung gegen Intrigen ist die Vorsichtsmaßnahme ausgezeichnet. Während des Krimkrieges wurden Hunderte von Offizieren, Engländern, Franzosen und Italienern, mit Konstantinopel vertraut; und nicht wenige schmeichelten sich mit ihrem Erfolg bei türkischen Frauen. Ich glaube nicht, dass ein einziger bonâ fide Fall vorkam; die „Eroberungen“ waren allesamt Griechinnen, Wallachinnen, Armenierinnen oder Jüdinnen.

Fußnote 342:

Arab. „Azím“: Übersetzer scheinen nicht zu wissen, dass dieses Wort in Die Nächte oft seinen ägyptischen und umgangssprachlichen Sinn trägt, der in etwa unserem „verdammt“ oder „mächtig“ oder „gewaltig fein“ entspricht.

Fußnote 343:

Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit unter Muslimen, und gewissenhafte Männer bringen oft große Opfer, um keinen Eid zu schwören.

Fußnote 344:

Wir würden „in die Schlinge“ sagen.

Fußnote 345:

Der Mann hatte sich in sie verliebt und war entschlossen, sie zu zeichnen, damit sie sein eigen sein könnte.

Fußnote 346:

Arab. „Dajlah“, in dem wir das hebräische Hid-dekel wiederfinden.

Fußnote 347:

Eine solche Hinrichtung stünde im Widerspruch zum muslimischen Recht: doch die Leute würden das Peccadillo, eine treulose Ehefrau zu enthaupten oder in einen Sack zu stecken, milde beurteilen. Zudem war der Jüngling königlichen Blutes und _A quoi bon être prince?_ wie ein Junge aus einer vizeköniglichen Familie in Ägypten zu seinem Lehrer sagte, der ihm vorwarf, einen armen alten Mann unnötigerweise erschossen zu haben.

Fußnote 348:

Arab. „Shirk“, Partnerschaft, das Beigesellen oder Assoziieren von Göttern mit Gott; Polytheismus: insbesondere auf den hinduistischen Triadismus, den Parsen-Dualismus und den christlichen Trinitarismus gerichtet.

Fußnote 349:

Arab. „Shatm“ = Beleidigung, im Allgemeinen in der übelsten Sprache geäußert, mit besonderem Bezug auf die Geschlechtsteile weiblicher Verwandter.

Fußnote 350:

Wenn eine Frau im Osten ausgepeitscht wird, lässt man ihr einen Teil ihrer Kleidung und gießt aus rücksichtsvoller Vorsicht etliche Eimer Wasser über sie. Wenn die Hände geschlagen werden, werden sie durch Löcher im Vorhang gesteckt, der die Leidende von der Menschheit trennt, und an einem „falakah“ oder einer Stange befestigt.

Fußnote 351:

Arab. „Khalifah“, Kalif. Das Wort wird auch für den Nachfolger eines Santons oder heiligen Mannes verwendet.

Fußnote 352:

Arab. „Sár“; hier das koranische Wort für die Durchführung der ehrwürdigen und unvergänglichen lex talionis, der ursprünglichen Grundlage aller Strafgerichtsbarkeit. Ihr Hauptfehler ist, dass die Gerechtigkeit das Vergehen wiederholt.

Fußnote 353:

Beide Söhne von Harun wurden Kalifen, wie wir in Die Nächte sehen werden.

Dann nahm Ja'afar den Sklaven bei der Hand und führte ihn zum Kalifen. Er berichtete ihm die ganze Geschichte, wie er sie von seinem Sklaven erfahren hatte, und der Kalif staunte so sehr, dass er fast den Verstand verloren hätte. Dann lachte er und befahl, die Geschichte des Sklaven, wie sie von Ja'afar erzählt worden war, als ein Beispiel für die Nachwelt aufzuschreiben. Doch Ja'afar sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen, sei nicht erstaunt über diese Geschichte, denn sie ist weit weniger wunderbar als die Geschichte des Wesirs Nur al-Din und seines Sohnes Badr al-Din Hasan.“ Der Kalif fragte: „Was ist das für eine Geschichte?“, und Ja'afar antwortete: „O mein Herr, ich werde sie dir nur erzählen, wenn du mir die Schuld dieses jungen Mannes vergibst, der die Frau getötet hat, und wenn du ihn begnadigst, damit er sein Leben in Ruhe führen kann, denn seine Geschichte ist in der Tat die merkwürdigste von allen.“ Der Kalif rief aus: „Ich begnadige ihn und verzeihe ihm seine Tat, weil er durch die Lüge dieses verfluchten Sklaven in die Irre geführt wurde. Erzähle mir nun die Geschichte, von der du sprichst!“ So begann Ja'afar seine Erzählung.

Es heißt, o König des Zeitalters und Herr der Zeit, dass es in Kairo einen Sultan gab, der ein gerechter Herrscher war und die Gelehrten liebte. Er hatte einen Wesir namens Shams al-Din, einen Mann von großer Klugheit und Besonnenheit. Dieser Wesir hatte einen Bruder, Nur al-Din, der ebenfalls ein Mann von hoher Stellung war, doch die beiden Brüder waren grundverschieden in ihrem Wesen. Shams al-Din war ein Mann der Welt und des Hofes, während Nur al-Din die Zurückgezogenheit und die Gesellschaft von Gelehrten liebte. Eines Tages rief der Sultan den Wesir Shams al-Din zu sich und sagte zu ihm: „Ich möchte, dass du eine Frau für dich findest, und auch dein Bruder Nur al-Din soll heiraten, damit ihr beide eure Familien gründen könnt.“ Der Wesir antwortete: „O mein Herr, ich gehorche deinem Befehl!“ Er ging zu seinem Bruder und sagte: „O mein Bruder, der Sultan wünscht, dass wir beide heiraten, und ich habe beschlossen, dass wir unsere Hochzeiten am selben Tag feiern sollen.“ Doch Nur al-Din entgegnete: „O mein Bruder, ich habe kein Verlangen nach der Ehe, denn ich widme mein Leben dem Studium und der Anbetung Allahs.“ Shams al-Din beharrte jedoch darauf, und nach langem Hin und Her willigte Nur al-Din schließlich ein.

Sie vereinbarten, dass sie ihre Töchter – falls Allah ihnen welche schenken sollte – miteinander verheiraten würden, um die Bindung zwischen ihren Familien zu festigen. Die Zeit verging, und Allah segnete Shams al-Din mit einer Tochter von unvergleichlicher Schönheit, während Nur al-Din einen Sohn von strahlendem Antlitz erhielt. Doch als die Kinder heranwuchsen, kam es zwischen den Brüdern zu einem Streit über die Mitgift und die Bedingungen der Ehe. Shams al-Din wollte, dass sein Neffe eine enorme Summe für seine Tochter zahlte, während Nur al-Din dies als Beleidigung empfand und sagte: „Willst du etwa, dass ich meinen Sohn wie einen gewöhnlichen Freier behandle? Er ist der Sohn deines eigenen Bruders!“ In seinem Zorn verließ Nur al-Din die Stadt, packte seine Habe und zog mit seinem Sohn Badr al-Din Hasan fort, ohne sich von seinem Bruder zu verabschieden. Er ritt tage- und nächtelang, bis er die Stadt Bassorah erreichte. Dort ließ er sich nieder und verbrachte seine Tage damit, seinen Sohn in den Wissenschaften und im Umgang mit Waffen zu unterrichten, doch er verschwieg ihm stets seine Herkunft und die Geschichte mit seinem Bruder in Kairo.

Jahre vergingen, und Nur al-Din spürte, dass sein Ende nahte. Er rief seinen Sohn Badr al-Din zu sich und sprach: „O mein Sohn, wisse, dass ich bald zu meinem Schöpfer zurückkehren werde. Ich habe dir ein Erbe hinterlassen, das in einer Truhe sicher verwahrt ist. Öffne sie erst, wenn ich nicht mehr unter den Lebenden weile.“ Er gab ihm auch einen Brief für seinen Bruder in Kairo, falls er jemals in Not geraten sollte. Kurz darauf verstarb Nur al-Din, und Badr al-Din trauerte tief um seinen Vater. Er blieb in Bassorah, bis er eines Nachts in einem Traum seinen Vater sah, der ihm befahl, die Truhe zu öffnen. Als er dies tat, fand er darin Juwelen, Gold und ein Dokument, das ihn als rechtmäßigen Erben auswies. Doch auch der Wesir in Kairo hatte seinen Bruder nicht vergessen. Er sandte Spione aus, um Nur al-Din zu finden, doch alle kehrten mit leeren Händen zurück. Shams al-Din bereute zutiefst seinen Hochmut und die harte Behandlung seines Bruders, und er betete jeden Tag zu Allah, dass er seinen Bruder oder dessen Sohn finden möge, um seinen Fehler wiedergutzumachen.

Unterdessen war Badr al-Din Hasan in Bassorah zu einem jungen Mann von außergewöhnlicher Schönheit und Bildung herangewachsen. Er war so klug und wohlgestaltet, dass die Menschen in der Stadt ihn bewunderten. Eines Tages, als er auf dem Marktplatz saß, kam ein Reisender aus Kairo vorbei, der von der Pracht des Wesirs Shams al-Din erzählte. Badr al-Din spürte ein unerklärliches Verlangen, seine Heimat zu sehen, von der sein Vater ihm so oft mit verschleierten Worten berichtet hatte. Er beschloss, seine Geschäfte zu regeln, seine Truhe zu nehmen und sich auf den Weg nach Kairo zu machen, in der Hoffnung, dort sein Glück zu finden und mehr über seine Herkunft zu erfahren. Er wusste nicht, dass sein Schicksal bereits mit dem seines Onkels verwoben war und dass die Wege, die sie beschritten, sie unweigerlich zueinander führen würden, wie es im Buche des Schicksals bereits vor Anbeginn der Zeit geschrieben stand.

Da nahm er die Hand des Sklaven, führte ihn zum Kalifen, erzählte die Geschichte von Anfang bis Ende, und der Kalif staunte mit äußerstem Erstaunen, lachte, bis er auf den Rücken fiel, und befahl, die Geschichte aufzuzeichnen und unter dem Volk bekannt zu machen. Doch Ja'afar sagte: „Wundere dich nicht, o Befehlshaber der Gläubigen, über dieses Abenteuer, denn es ist nicht wunderbarer als die Geschichte des Wesirs Núr al-Dín Ali von Ägypten und seines Bruders Shams al-Dín Mohammed.“ Der Kalif sprach: „Heraus damit; aber was kann seltsamer sein als diese Geschichte?“ Und Ja'afar antwortete: „O Befehlshaber der Gläubigen, ich werde sie dir nicht erzählen, außer unter der Bedingung, dass du meinem Sklaven verzeihst.“ Und der Kalif erwiderte: „Wenn sie in der Tat wunderbarer ist als die von den drei Äpfeln, so gewähre ich dir sein Blut, und wenn nicht, so werde ich deinen Sklaven fürwahr töten.“ So begann Ja'afar mit diesen Worten die

GESCHICHTE VON NÚR AL-DÍN ALÍ UND SEINEM SOHN BADR AL-DÍN HASAN

Wisse, o Befehlshaber der Gläubigen, dass das Land Ägypten in den Zeiten von einst von einem Sultan regiert wurde, der mit Gerechtigkeit und Großmut ausgestattet war, einem, der die frommen Armen liebte und mit den Ulema und Gelehrten verkehrte; und er hatte einen Wesir, einen weisen und erfahrenen Mann, der wohl bewandert war in den Angelegenheiten und der Kunst des Regierens. Dieser Minister, der ein sehr alter Mann war, hatte zwei Söhne, die wie zwei Monde waren; niemals sah ein Mensch seinesgleichen an Schönheit und Anmut, der Ältere genannt Shams al-Dín Mohammed und der Jüngere Núr al-Dín Ali; doch der Jüngere übertraf den Älteren an Ebenmaß und gefälliger Erscheinung, sodass die Leute seinen Ruhm in fernen Ländern hörten und die Menschen in Scharen nach Ägypten strömten, um ihn zu sehen. Im Laufe der Zeit starb ihr Vater, der Wesir, und wurde vom Sultan tief betrauert und beklagt, der nach seinen zwei Söhnen sandte und sie mit Ehrenkleidern[363] bekleidete und zu ihnen sprach: „Lasset eure Herzen nicht beunruhigt sein, denn ihr sollt an die Stelle eures Vaters treten und gemeinschaftliche Wesire von Ägypten sein.“ Darüber freuten sie sich, küssten den Boden vor ihm und hielten die zeremonielle Trauer[364] um ihren Vater während eines vollen Monats; nach dieser Zeit traten sie das Wesirat an, und die Macht ging in ihre Hände über, wie sie in den Händen ihres Vaters gewesen war, wobei jeder für eine Woche die Pflichten übernahm. Sie lebten unter demselben Dach und ihr Wort war eines; und wann immer der Sultan zu reisen wünschte, wechselten sie sich darin ab, ihn zu begleiten. Es fügte sich eines Nachts, dass der Sultan vorhatte, am nächsten Morgen eine Reise anzutreten, und der Ältere, der an der Reihe war, ihn zu begleiten, saß bei seinem Bruder und sprach zu ihm: „O mein Bruder, es ist mein Wunsch, dass wir beide heiraten, ich und du, zwei Schwestern; und unseren Frauen in ein und derselben Nacht beiwohnen.“ „Tue, o mein Bruder, wie du begehrst“, antwortete der Jüngere, „denn dein Plan ist richtig und fürwahr werde ich dir in allem zustimmen, was du sagst.“ So einigten sie sich darauf, und Shams al-Dín sagte: „Wenn Allah bestimmt, dass wir zwei Jungfrauen heiraten und ihnen in derselben Nacht beiwohnen, und sie in ihren Hochzeitsnächten empfangen und uns am selben Tage Kinder gebären, und nach Allahs Willen deine Frau dir einen Sohn gebärt und meine Frau mir eine Tochter, so lass uns sie miteinander verheiraten, denn sie werden Cousins sein.“ Núr al-Dín sprach: „O mein Bruder, Shams al-Dín, welche Morgengabe[365] wirst du von meinem Sohn für deine Tochter verlangen?“ Shams al-Dín sprach: „Ich werde dreitausend Dinar nehmen und drei Lustgärten und drei Pachthöfe; und es wäre nicht schicklich, dass der Jüngling den Vertrag für weniger als dies abschließt.“ Als Núr al-Dín eine solche Forderung hörte, sagte er: „Welch eine Art von Morgengabe ist das, die du meinem Sohn auferlegen willst? Weißt du nicht, dass wir Brüder sind und beide durch Allahs Gnade Wesire und gleich an Amt? Es ziemt sich für dich, meine Tochter meinem Sohn ohne Heiratsvertrag anzubieten; oder, falls einer nötig sein sollte, sollte er einen bloßen Nominalwert zur Schau für die Welt darstellen: denn du weißt, dass das Männliche wertvoller ist als das Weibliche, und mein Sohn ist ein Mann und unser Andenken wird durch ihn bewahrt bleiben, nicht durch deine Tochter.“ „Aber was“, sagte Shams al-Dín, „soll sie bekommen?“; und Núr al-Dín fuhr fort: „Durch sie werden wir unter den Emiren der Erde nicht in Erinnerung bleiben; doch ich sehe, du willst mit mir nach dem Sprichwort verfahren: – Wenn du einen Käufer abwimmeln willst, verlange einen hohen Preis und einen noch höheren; oder wie es ein Mann tat, von dem man sagt, dass er zu einem Freund ging und ihn in seiner Not um etwas bat und die Antwort erhielt: – Bismillah,[366] im Namen Allahs, ich werde alles tun, was du verlangst, aber komm morgen!“ Woraufhin der andere in diesem Vers antwortete:

Wenn der, um dessen Gunst man bittet, spricht: „Auf morgen“, ✿ Dann weiß der Weise, dass es eitel ist zu hoffen oder zu sorgen.

Shams al-Dín sprach: „Basta![367] Ich sehe, dass du mir den Respekt versagst, indem du deinen Sohn höher achtest als meine Tochter; und es ist klar, dass dein Verstand von der geringsten Art ist und dass es dir an Manieren fehlt. Du erinnerst mich an deine Teilhabe am Wesirat, als ich dir nur aus Mitleid erlaubte, mit mir zu teilen, und nicht, weil ich dich kränken wollte; und damit du mir als eine Art Gehilfe zur Hand gehen könntest. Aber da du so daherredest, bei Allah, ich werde meine Tochter niemals mit deinem Sohn verheiraten; nein, nicht für ihr Gewicht in Gold!“ Als Núr al-Dín die Worte seines Bruders hörte, geriet er in Zorn und sagte: „Und auch ich, ich werde niemals, niemals meinen Sohn mit deiner Tochter verheiraten; nein, nicht um den Kelch des Todes von meinen Lippen fernzuhalten.“ Shams al-Dín antwortete: „Ich würde ihn nicht als Ehemann für sie akzeptieren, und er ist nicht den Abfall ihres Nagels wert. Wäre ich nicht im Begriff zu reisen, würde ich ein Exempel an dir statuieren; doch wenn ich zurückkehre, wirst du sehen, und ich werde dir zeigen, wie ich meine Würde geltend machen und meine Ehre verteidigen kann. Aber Allah tut, was Er will.“[368] Als Núr al-Dín diese Rede von seinem Bruder hörte, war er von Wut erfüllt und verlor vor Zorn den Verstand; doch er verbarg, was er fühlte, und schwieg; und jeder der Brüder verbrachte die Nacht an einem weit entfernten Ort, wild vor Zorn gegen den anderen. Sobald der Morgen graute, machte sich der Sultan in seinem Prunk auf und setzte von Kairo[369] nach Gizeh[370] über und schlug den Weg zu den Pyramiden ein, begleitet vom Wesir Shams al-Dín, dessen Dienstzeit es war, während sein Bruder Núr al-Dín, der die Nacht in schwerem Zorn verbracht hatte, mit dem Licht aufstand und das Morgengebet verrichtete. Dann begab er sich zu seiner Schatzkammer und, als er ein kleines Paar Satteltaschen nahm, füllte er sie mit Gold; und er erinnerte sich an die Drohungen seines Bruders und die Verachtung, mit der dieser ihn behandelt hatte, und er wiederholte diese Zeilen:

Reise! Und du wirst neue Freunde finden für die alten, die du zurückgelassen; ✿ Müh' dich! Denn die Süße des menschlichen Lebens findet sich durch Müh' und Plage: Der Daheimgebliebene gewinnt keine Ehre und erlangt nichts als Mangel; ✿ So verlasse deinen Geburtsort[371] und wandere um die ganze Welt! Ich habe gesehen, und sehr oft habe ich gesehen, wie stehendes Wasser stinkt, ✿ Und nur das Fließen versüßt es und das Traben macht es gesund: Und wäre der Mond für immer voll und würde niemals wachsen noch schwinden, ✿ Der Mensch würde nicht seine wachsamen Augen anstrengen, um seine freudige Runde zu sehen: Wenn der Löwe nicht seine Höhle verlässt, würde er niemals sein Wild erlegen; ✿ Wenn der Pfeil nicht den Bogen verlässt, hätte er niemals sein Ziel erreicht: Goldstaub ist Staub, solange er ungereist in der Mine liegt, ✿ Und Adlerholz bloß Brennholz auf seinem heimischen Boden: Und Gold gewinnt seinen höchsten Wert, wenn es von seinem Ziel ungezielt ist; ✿ Und Adlerholz, das in fremde Lande gesandt wird, wächst kostbarer als Gold.

Als er seinen Vers beendete, befahl er einem seiner Pagen, ihm sein nubisches Stutenmaultier mit seinem gepolsterten Sattel zu satteln. Nun war sie apfelschimmelfarben,[372] mit Ohren wie Schreibrohre und Beinen wie Säulen und einem Rücken, hoch und stark wie eine Kuppel, die auf Säulen erbaut ist; ihr Sattel war aus Goldstoff und ihre Steigbügel aus indischem Stahl und ihre Decke aus Ispahan-Samt; sie hatte ein Zaumzeug, das den Chosraus dienen könnte, und sie war wie eine Braut, die für ihre Hochzeitsnacht geschmückt ist. Zudem befahl er, auf ihren Rücken ein Stück Seide für einen Sitz zu legen und einen Gebetsteppich, unter dem seine Satteltaschen waren. Als dies getan war, sagte er zu seinen Pagen und Sklaven: „Ich beabsichtige, zum Vergnügen außerhalb der Stadt auf der Straße nach Kalyúb-Stadt[373] hinauszureiten, und ich werde drei Nächte auswärts schlafen; so lasse keiner von euch mir folgen, denn es gibt etwas, das meine Brust bedrückt.“ Dann bestieg er in Eile das Maultier; und als er etwas Proviant für den Weg mitnahm, brach er von Kairo auf und wandte sich dem offenen und unbestellten Land zu, das es umgab.[374] Gegen Mittag erreichte er die Stadt Bilbays,[375] wo er abstieg und eine Weile blieb, um sich und sein Maultier auszuruhen und etwas von seinem Proviant zu essen. Er kaufte in Bilbays alles, was er für sich brauchte, und Futter für sein Maultier, und zog dann weiter auf dem Weg der Einöde. Gegen Einbruch der Nacht erreichte er eine Stadt namens Sa'adiyah,[376] wo er abstieg und etwas von seinem Reiseproviant herausnahm und aß; dann breitete er seinen Seidenstreifen auf dem Sand aus und legte die Satteltaschen unter seinen Kopf und schlief unter freiem Himmel; denn er war immer noch von Zorn überwältigt. Als der Morgen graute, stieg er auf und ritt weiter, bis er die Heilige Stadt,[377] Jerusalem, erreichte, und von dort aus machte er sich nach Aleppo auf, wo er in einer der Karawansereien abstieg und drei Tage blieb, um sich und das Maultier auszuruhen und die Luft zu genießen.[378] Dann, entschlossen, in die Ferne zu reisen und da Allah Sicherheit in sein Schicksal geschrieben hatte, machte er sich wieder auf, wandernd, ohne zu wissen, wohin er ging; und da er auf einige Kuriere traf, hielt er nicht eher an, bis er die Stadt Bassora erreicht hatte, wenngleich er nicht wusste, was der Ort war. Es war dunkle Nacht, als er bei der Karawanserei abstieg, also breitete er seinen Gebetsteppich aus und nahm die Satteltaschen vom Rücken des Maultiers und gab sie ihr samt ihrem Zubehör in die Obhut des Türwächters, damit er sie herumführen könne. Der Mann nahm sie und tat, wie ihm geheißen. Nun fügte es sich, dass der Wesir von Bassora, ein Mann in vorgerückten Jahren, am Gitterfenster seines Palastes gegenüber der Karawanserei saß und den Pförtner sah, wie er das Maultier auf und ab führte. Er war beeindruckt von ihrem kostbaren Zaumzeug und hielt sie für ein schönes Tier, geeignet für das Reiten von Wesiren oder sogar von Königlichen; und je mehr er hinsah, desto mehr war er verwirrt, bis er schließlich zu einem seiner Pagen sagte: „Bring mir jenen Türwächter her.“ Der Page ging und kehrte zum Wesir zurück mit dem Pförtner, der den Boden zwischen seinen Händen küsste, und der Minister fragte ihn: „Wer ist der Besitzer jenes Maultiers und was für ein Mann ist er?“; und er antwortete: „O mein Herr, der Besitzer dieses Maultiers ist ein hübscher junger Mann von angenehmen Manieren, dabei ernst und würdevoll, und zweifellos einer der Söhne der Kaufleute.“ Als der Wesir die Worte des Pförtners hörte, stand er unverzüglich auf; und als er sein Pferd bestieg, ritt er zur Karawanserei[379] und ging zu Núr al-Dín hinein, der, als er den Minister auf sich zukommen sah, sich erhob, ihm entgegentrat und ihn grüßte. Der Wesir hieß ihn in Bassora willkommen und stieg ab, umarmte ihn und ließ ihn an seiner Seite Platz nehmen und sagte: „O mein Sohn, woher kommst du und was suchst du?“ „O mein Herr“, antwortete Núr al-Dín, „ich komme aus der Stadt Kairo, deren Wesir mein Vater einst war; doch er wurde in die Gnade Allahs versetzt;“ und er informierte ihn über alles, was ihm vom Anfang bis zum Ende widerfahren war, und fügte hinzu: „Ich bin entschlossen, niemals heimzukehren, bevor ich alle Städte und Länder der Welt gesehen habe.“ Als der Wesir dies hörte, sagte er zu ihm: „O mein Sohn, höre nicht auf die Stimme der Leidenschaft, auf dass sie dich nicht in die Grube stürze; denn fürwahr, viele Regionen sind Einöden, und ich fürchte für dich die Wendungen der Zeit.“ Dann ließ er die Satteltaschen und die Seide und die Gebetsteppiche auf das Maultier laden und brachte Núr al-Dín in sein eigenes Haus, wo er ihn an einem angenehmen Ort unterbrachte und ihn ehrenvoll behandelte und ihn sehr schätzte, denn er neigte dazu, ihn mit übermäßiger Liebe zu lieben. Nach einer Weile sagte er zu ihm: „O mein Sohn, hier bin ich, ein Mann in Jahren, und habe keine männlichen Kinder, doch Allah hat mich mit einer Tochter gesegnet, die dir an Schönheit ebenbürtig ist; und ich habe all ihre vielen Freier abgewiesen, Männer von Rang und Wohlstand. Aber die Zuneigung zu dir ist in mein Herz eingezogen; sage mir nun, willst du ihr ein Ehemann sein? Wenn du dies annimmst, werde ich mit dir zum Sultan von Bassora[380] hinaufgehen und ihm sagen, dass du mein Neffe bist, der Sohn meines Bruders, und dich dazu bringen, dass du als Wesir an meiner Stelle eingesetzt wirst, damit ich das Haus hüten kann, denn bei Allah, o mein Sohn, ich bin in Jahren fortgeschritten und müde.“ Als Núr al-Dín die Worte des Wesirs hörte, neigte er sein Haupt in Bescheidenheit und sagte: „Hören ist Gehorchen!“ Darüber freute sich der Wesir und befahl seinen Dienern, ein Fest vorzubereiten und den großen Versammlungssaal zu schmücken, in dem sie gewohnt waren, die Hochzeiten von Emiren und Großen zu feiern. Dann versammelte er seine Freunde und die Notabeln des Reiches und die Kaufleute von Bassora, und als alle vor ihm standen, sagte er zu ihnen: „Ich hatte einen Bruder, der Wesir im Lande Ägypten war, und Allah der Allmächtige segnete ihn mit zwei Söhnen, während Er mir, wie ihr wohl wisst, eine Tochter gegeben hat. Mein Bruder trug mir auf, meine Tochter mit einem seiner Söhne zu verheiraten, wozu ich zustimmte; und als meine Tochter im heiratsfähigen Alter war, sandte er mir einen seiner Söhne, den nun anwesenden Jüngling, mit dem ich beabsichtige, sie zu verheiraten, den Vertrag aufzusetzen und die Nacht der Enthüllung mit gebührender Zeremonie zu feiern: denn er ist mir näher und lieber als ein Fremder, und nach der Hochzeit, wenn es ihm gefällt, soll er bei mir verweilen, oder wenn er zu reisen wünscht, werde ich ihn und seine Frau in das Haus seines Vaters geleiten.“ Hierauf antworteten alle wie einer: „Dein Plan ist richtig;“ und sie betrachteten den Bräutigam und waren mit ihm zufrieden. So sandte der Wesir nach dem Kadi und den rechtmäßigen Zeugen, und sie schrieben den Heiratsvertrag, woraufhin die Sklaven die Gäste mit Weihrauch[381] parfümierten und sie mit Sorbet aus Zucker bedienten und Rosenwasser auf sie sprengten, und alle gingen ihrer Wege. Dann befahl der Wesir seinen Dienern, Núr al-Dín in die Hammam-Bäder zu bringen, und sandte ihm einen Anzug von den besten seiner eigenen besonderen Kleidung sowie Servietten und Handtücher und Schalen und Parfümbecken und alles andere, was erforderlich war. Und nach dem Bad, als er herauskam und das Kleid anzog, war er wie der Vollmond in der vierzehnten Nacht; und er bestieg sein Maultier und hielt nicht eher an, bis er den Palast des Wesirs erreichte. Dort stieg er ab und ging zum Minister hinein und küsste seine Hände, und der Wesir hieß ihn willkommen.——Und Schahrazad bemerkte das Grauen des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Sie sprach: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückseliger König, dass der Wesir vor ihm aufstand, ihn willkommen hieß und sagte: „Steh auf und geh in dieser Nacht zu deiner Frau, und am Morgen werde ich dich zum Sultan führen und zu Allah beten, dass Er dich mit aller Art von Wohlergehen segne.“ Da verließ ihn Nur al-Din und ging zu seiner Frau, der Tochter des Wesirs. Soweit das über ihn; was jedoch seinen älteren Bruder, Shams al-Din, betrifft, so war dieser lange Zeit mit dem Sultan abwesend, und als er von seiner Reise zurückkehrte, fand er seinen Bruder nicht vor. Er fragte seine Diener und Sklaven, die antworteten: „An dem Tag, als du mit dem Sultan aufbrachst, bestieg dein Bruder sein Maultier, das prachtvoll geschmückt war wie für einen Staatsaufzug, und sagte: ‚Ich reise in die Stadt Kalyub und werde einen oder höchstens zwei Tage abwesend sein; denn meine Brust ist beengt, und keiner von euch soll mir folgen.‘“ Dann zog er fort, und von jener Zeit an haben wir keine Nachricht mehr von ihm vernommen. Shams al-Din war über das plötzliche Verschwinden seines Bruders sehr beunruhigt, betrübte sich zutiefst über den Verlust und sagte zu sich selbst: „Dies ist nur, weil ich ihn in der Nacht vor meiner Abreise mit dem Sultan getadelt und gescholten habe; vielleicht waren seine Gefühle verletzt und er ist fortgezogen, um zu reisen; aber ich muss Boten nach ihm aussenden.“ Dann ging er zum Sultan, unterrichtete ihn von dem Geschehen und schrieb Briefe und Depeschen, die er durch Eilboten an seine Statthalter in jeder Provinz sandte. Doch während der zwanzig Tage der Abwesenheit seines Bruders war Nur al-Din weit gereist und hatte Bassorah erreicht; so gelang es den Boten nach fleißiger Suche nicht, irgendeine Nachricht von ihm zu erhalten, und sie kehrten zurück. Daraufhin verzweifelte Shams al-Din daran, seinen Bruder zu finden, und sagte: „Wahrlich, ich bin in dem, was ich ihm bezüglich der Heirat unserer Kinder sagte, über alle Grenzen gegangen. Wäre ich es doch nur nicht! Dies alles kommt von meinem Mangel an Verstand und Vorsicht.“ Kurz darauf hielt er um die Hand der Tochter eines Kairoer Kaufmanns an, schloss den Ehevertrag und ging zu ihr ein. Und es traf sich, dass in ebenjener Nacht, in der Shams al-Din zu seiner Frau einging, auch Nur al-Din zu seiner Frau, der Tochter des Wesirs von Bassorah, einging; dies geschah nach dem Willen des allmächtigen Allah, damit Er über Seine Geschöpfe die Ratschlüsse des Schicksals walten ließe. Überdies geschah es, wie die beiden Brüder gesagt hatten; denn beide Frauen wurden in derselben Nacht von ihnen schwanger und beide entbanden am selben Tag; die Frau des Shams al-Din, des Wesirs von Ägypten, gebar eine Tochter, schöner als je eine in Kairo gesehen wurde; und die Frau des Nur al-Din gebar einen Sohn, schöner als je einer zu seiner Zeit gesehen wurde, wie einer der Dichter über seinesgleichen sagte:

Jenes pechschwarze Haar, jene glänzende Stirn, Mein schlanker Jüngling, dein Eigen, Kann Finsternis um die Schöpfung breiten Oder sie hell erstrahlen lassen. Das dunkle Muttermal, das leise sich zeigt Auf seiner Wange, ach, tadle es nicht; Die Tulpenblüte blüht niemals Ohne ihre dunkle Stelle.

Und wie ein anderer auch sagte:

Sein Duft war Moschus und seine Wange Rose; seine Zähne sind Perlen und seine Lippen triefen von Wein; Seine Gestalt ist ein Brand und seine Hüften ein Hügel; sein Haar ist die Nacht und sein Antlitz der Mondschein.

Sie nannten den Jungen Badr al-Din Hasan, und sein Großvater, der Wesir von Bassorah, freute sich über ihn und veranstaltete am siebten Tag nach seiner Geburt Feste und Bankette, wie sie der Geburt von Königssöhnen und Erben gebührten. Dann nahm er Nur al-Din mit sich zum Sultan, und sein Schwiegersohn, als er vor das Angesicht des Königs trat, küsste die Erde zwischen seinen Händen und trug diese Verse vor, denn er war wortgewandt, festen Geistes und von gutem Herzen, so gut er auch von Gestalt war:

Der Welt beste Freuden seien dir lange beschieden, mein Herr! Und mögen sie dauern, solange Finsternis und Morgenröte sich ablösen: O du, der du uns, wenn wir deine Gaben begrüßen, Die Welt tanzen und die Zeit in die Hände klatschen lässt.

Dann erhob sich der Sultan, um sie zu ehren, dankte Nur al-Din für seine schönen Worte und fragte den Wesir: „Wer mag dieser junge Mann sein?“ Und der Minister antwortete: „Dies ist meines Bruders Sohn“, und erzählte seine Geschichte von Anfang bis Ende. Der Sultan sprach: „Und wie kommt es, dass er dein Neffe ist und wir nie von ihm gehört haben?“ Der Minister sagte: „O unser Herr, der Sultan, ich hatte einen Bruder, der Wesir im Lande Ägypten war, und er starb und hinterließ zwei Söhne, von denen der ältere den Platz seines Vaters eingenommen hat und der jüngere, den du hier siehst, zu mir kam. Ich hatte geschworen, meine Tochter niemandem außer ihm zur Frau zu geben; als er also kam, vermählte ich ihn mit ihr. Nun ist er jung und ich bin alt; mein Gehör ist stumpf und mein Urteil leicht zu täuschen; darum möchte ich unsern Herrn, den Sultan, bitten, ihn an meine Stelle zu setzen, denn er ist meines Bruders Sohn und meiner Tochter Gatte; und er ist für das Wesirat geeignet, da er ein Mann von gutem Rat und raschem Einfallsreichtum ist.“ Der Sultan betrachtete Nur al-Din und gewann Gefallen an ihm, setzte ihn also wie vom Wesir erbeten in sein Amt ein und ernannte ihn formell, wobei er ihm ein prächtiges Ehrenkleid und ein Maulesel aus seinem privaten Gestüt schenkte sowie ihm Sold, Zuwendungen und Vorräte zuwies. Nur al-Din küsste die Hand des Sultans und ging nach Hause, er und sein Schwiegervater, hoch erfreut und sagend: „All dies folgt auf dem Fuße der Geburt des Jungen Hasan!“ Am nächsten Tag stellte er sich vor dem König ein, küsste die Erde und begann vorzutragen:

Möge dein Wohl und dein Wohlergehen von Tag zu Tag wachsen: Und dein Glück über den Neid des Missgünstigen siegen; Und mögen deine Tage niemals aufhören, so weiß wie der Tag zu sein, Und der Tag deines Feindes schwarz wie die Nacht!

Der Sultan hieß ihn auf dem Sitz des Wesirs Platz nehmen, also setzte er sich und widmete sich den Geschäften seines Amtes und prüfte die Fälle der Untertanen und ihre Klagen, wie es die Art der Minister ist; während der Sultan ihn beobachtete und sich über seinen Verstand und guten Sinn, sein Urteilsvermögen und seine Einsicht wunderte. Deshalb gewann er ihn lieb und nahm ihn in seine Vertrautheit auf. Als der Diwan aufgelöst wurde, kehrte Nur al-Din in sein Haus zurück und erzählte seinem Schwiegervater, was geschehen war, worüber sich dieser freute. Und von da an hörte Nur al-Din nicht auf, das Wesirat so zu verwalten, dass der Sultan sich weder bei Tag noch bei Nacht von ihm trennen wollte; er erhöhte seine Zuwendungen und Vorräte, bis sein Vermögen reichlich war und er Eigentümer von Schiffen wurde, die auf seinen Befehl Handelsreisen unternahmen, sowie von Mameluken und schwarzen Sklaven; er legte viele Ländereien an, errichtete Wasserräder und pflanzte Gärten. Als sein Sohn Hasan vier Jahre alt war, verschied der alte Wesir, und er bereitete seinem Schwiegervater ein prächtiges Begräbnis, bevor er in den Staub gebettet wurde. Dann beschäftigte er sich mit der Erziehung dieses Sohnes, und als der Junge kräftig wurde und das Alter von sieben Jahren erreichte, brachte er einen Fakih, einen Gelehrten des Rechts und der Religion, in sein eigenes Haus, um ihn zu unterrichten, und trug ihm auf, ihm eine gute Bildung zukommen zu lassen und ihn in Höflichkeit und guten Sitten zu unterweisen. So ließ der Lehrer den Jungen alle Arten von nützlichem Wissen lesen und behalten, nachdem er einige Jahre damit verbracht hatte, den Koran auswendig zu lernen; und er hörte nicht auf, an Schönheit, Statur und Ebenmaß zu wachsen, ganz wie der Dichter sagt:

In seinem Antlitz-Himmel leuchtet der vollste Mond; in der Anemone seiner Wangen glüht die Sonne: Er hat die Schönheit so besiegt, dass er alle Reize der Menschheit einen nach dem anderen gewonnen hat.

Der Lehrer erzog ihn im Palast seines Vaters und lehrte ihn Lesen, Schreiben und Rechnen, Theologie und schöne Literatur. Sein Großvater, der alte Wesir, hatte ihm sein gesamtes Vermögen vermacht, als er erst vier Jahre alt war. Während seiner gesamten frühen Jugend hatte er das Haus niemals verlassen, bis sein Vater, der Wesir Nur al-Din, ihn an einem gewissen Tag in seine besten Kleider kleidete, ihn auf einen Maulesel feinster Art setzte und mit ihm zum Sultan hinaufzog. Der König betrachtete Badr al-Din Hasan, wunderte sich über seine Anmut und gewann ihn lieb. Was die Stadtbewohner betrifft, so wunderten sie sich, als er zum ersten Mal mit seinem Vater an ihnen vorbeizog, über seine überragende Schönheit, setzten sich an den Wegrand und erwarteten seine Rückkehr, damit sie ihre Augen an seiner Schönheit, Lieblichkeit, Symmetrie und vollkommenen Anmut sättigen konnten; ganz wie der Dichter in diesen Versen sagte:

Wie der Weise die Sterne beobachtete, sah er das Bild eines schönen Jünglings auf seiner Schriftrolle erscheinen. Jene pechschwarzen Locken warf Canopus über ihn, und färbte seine Schläfenlocken in einem Moschuston; Mars färbte seine rötliche Wange; und aus seinen Augen fliegt der Schützenstern seinen glitzernden Pfeil; Sein Verstand kam von Hermes; und Sohas Sorge (der halb gesehene Stern, der trübe im Großen Bären spukt) hielt alle bösen Augen ab, die drohen und verstricken, Der Weise stand staunend, solch ein Geschick vereint zu sehen, und Luna küsste die Erde unter seinen Füßen.

Und sie segneten ihn laut, als er vorüberzog, und riefen den allmächtigen Allah an, ihn zu segnen. Der Sultan behandelte den Jungen mit besonderer Gunst und sagte zu seinem Vater: „O Wesir, du musst ihn täglich in meine Gegenwart bringen“; worauf er antwortete: „Ich höre und ich gehorche.“ Dann kehrte der Wesir mit seinem Sohn heim und hörte nicht auf, ihn vor Gericht zu führen, bis er das Alter von zwanzig Jahren erreichte. Zu jener Zeit erkrankte der Minister, ließ Badr al-Din Hasan zu sich rufen und sagte zu ihm: „Wisse, o mein Sohn, dass die Welt der Gegenwart nur ein Haus der Vergänglichkeit ist, während die der Zukunft ein Haus der Ewigkeit ist. Ich möchte dir, bevor ich sterbe, gewisse Aufträge hinterlassen, und du achte auf das, was ich sage, und neige dein Herz meinen Worten zu.“ Dann gab er ihm seine letzten Anweisungen, wie er am angemessensten mit seinen Nachbarn umzugehen habe und wie er seine Angelegenheiten recht verwalten solle; danach dachte er an seinen Bruder, seine Heimat und sein Vaterland und weinte über seine Trennung von jenen, die er zuerst geliebt hatte. Dann wischte er sich die Tränen ab, wandte sich an seinen Sohn und sagte zu ihm: „Bevor ich fortfahre, o mein Sohn, zu meinen letzten Anordnungen und Ermahnungen, wisse, dass ich einen Bruder habe, und du einen Onkel, Shams al-Din geheißen, den Wesir von Kairo, von dem ich mich trennte und ihn gegen seinen Willen zurückließ. Nimm nun ein Blatt Papier und schreibe darauf, was immer ich dir sage.“ Badr al-Din nahm ein schönes Blatt, machte sich daran, den Befehl seines Vaters zu befolgen, und schrieb darauf einen vollständigen Bericht dessen, was seinem Vater von Anfang bis Ende widerfahren war; die Daten seiner Ankunft in Bassorah und seines Zusammentreffens mit dem Wesir; von seiner Heirat, seinem Eingehen zur Tochter des Ministers und der Geburt seines Sohnes; kurz, sein Leben von vierzig Jahren seit dem Tag seines Streits mit seinem Bruder, und fügte die Worte hinzu: „Und dies ist nach meinem Diktat geschrieben, und möge der allmächtige Allah mit ihm sein, wenn ich gegangen bin!“ Dann faltete er das Papier, versiegelte es und sagte: „O Hasan, o mein Sohn, bewahre dieses Papier mit aller Sorgfalt auf; denn es wird dich befähigen, deinen Ursprung, deinen Rang und deine Abstammung zu beweisen, und wenn dir etwas Widriges zustößt, mache dich auf den Weg nach Kairo, frage nach deinem Onkel, zeige ihm dieses Papier und sage ihm, dass ich als Fremder fern von meinem eigenen Volk gestorben bin, voller Sehnsucht, ihn und sie zu sehen.“ So nahm Badr al-Din Hasan das Dokument, faltete es, wickelte es in ein Stück gewachstes Tuch, nähte es wie ein Amulett zwischen den inneren und äußeren Stoff seiner Schädelkappe und wand seinen leichten Turban darum. Und er begann über seinen Vater und den Abschied von ihm zu weinen, und er war doch nur ein Junge. Dann verfiel Nur al-Din in eine Ohnmacht, den Vorboten des Todes; doch als er sich bald darauf wieder erholte, sagte er: „O Hasan, o mein Sohn, ich werde dir nun fünf letzte Gebote hinterlassen. Das ERSTE GEBOT ist: Sei mit niemandem übermäßig vertraut, verkehre mit niemandem und sei zu niemandem zutraulich; so wirst du vor seinem Unheil sicher sein; denn Sicherheit liegt in der Zurückgezogenheit der Gedanken und einer gewissen Abkehr von der Gesellschaft deinesgleichen; und ich habe von einem Dichter sagen hören:

In dieser Welt gibt es niemanden, auf den du zählen kannst, dass er dir in der Not beisteht: Lebe also für dich selbst, ohne auf jemanden zu hoffen; solchen Rat gebe ich dir: genug, nimm dich in Acht!

Das ZWEITE GEBOT ist, o mein Sohn: Behandle niemanden hart, damit das Schicksal dich nicht hart behandelt; denn das Glück dieser Welt ist den einen Tag mit dir und den anderen Tag gegen dich, und alle weltlichen Güter sind nur ein geliehenes Gut, das zurückzuzahlen ist. Und ich habe einen Dichter sagen hören:

Denke nach und eile nicht, das zu gewinnen, was du willst; habe Erbarmen mit den Menschen, denn Erbarmen könntest du selbst benötigen: Keine Hand ist da außer Allahs Hand, die höher ist; kein Tyrann, der nicht den Zorn eines schlimmeren Tyrannen bereuen wird!

Das DRITTE GEBOT ist: Lerne in der Gesellschaft zu schweigen und lass deine eigenen Fehler deine Aufmerksamkeit von den Fehlern anderer Männer ablenken: denn es wird gesagt: Im Schweigen wohnt die Sicherheit, und dazu habe ich die Zeilen gehört, die uns lehren:

Zurückhaltung ist ein Juwel, Schweigen ist Sicherheit; wenn du sprichst, halte manch ein Wort zurück: Denn wenn du das Schweigen einmal bereust, wirst du das Sprechen vielfach bereuen.

Das VIERTE GEBOT, o mein Sohn, ist: Hüte dich vor dem Weintrinken, denn Wein ist das Haupt aller Widerspenstigkeit und ein feines Lösungsmittel für den menschlichen Verstand. Also meide, und ich sage es noch einmal, meide das Mischen von starkem Alkohol; denn ich habe einen Dichter sagen hören:

Vom Wein wende ich mich ab und von jedem, der Weinpokale leert; und werde einer jener, die ihn für übel halten: Wein treibt den Menschen dazu, den Weg des Heils zu verfehlen, und öffnet das Tor weit für Sünden, die töten.

Das FÜNFTE GEBOT, o mein Sohn, ist: Bewahre deinen Reichtum und er wird dich bewahren; bewahre dein Geld und es wird dich bewahren; und verschwende nicht dein Vermögen, damit du nicht etwa in Not gerätst und bei den Niedrigsten der Menschheit betteln musst. Spare deine Dirhams und halte sie für die höchste Salbe für die Wunden der Welt. Und hier habe ich wieder gehört, dass einer der Dichter sagte:

Wenn mein Reichtum schwindet, wird kein Freund würdigen, mir zu helfen: Wenn Reichtum im Überfluss vorhanden ist, bieten alle Freunde ihre Freundschaft an: Wie viele Freunde leisteten Beistand, mein Vermögen auszugeben; aber Freunde leisten dem Mangel an Reichtum keine Freundschaft.

Auf diese Weise hörte Nur al-Din nicht auf, seinen Sohn Badr al-Din Hasan zu beraten, bis seine Stunde kam, und mit einem seufzenden Schluchzen entwich sein Leben. Dann erhob sich das Klagegeschrei und Wehklagen in seinem Haus, und der Sultan und alle Großen trauerten um ihn und begruben ihn; doch sein Sohn hörte zwei Monate lang nicht auf, seinen Verlust zu beklagen, während derer er weder ein Pferd bestieg, noch den Diwan besuchte, noch sich dem Sultan vorstellte. Schließlich wurde der König zornig auf ihn, setzte einen seiner Kammerherren an seine Stelle und machte ihn zum Wesir, wobei er den Befehl gab, alle Häuser, Güter und Ländereien des Nur al-Din zu beschlagnahmen und zu versiegeln. So zog der neue Wesir mit einer mächtigen Schar von Kammerherren und Leuten des Diwans, Wächtern und einer Menge von Müßiggängern aus, um dies zu tun und Badr al-Din Hasan zu ergreifen und vor den König zu bringen, der mit ihm verfahren würde, wie er es für richtig hielt. Nun war unter der Menge der Anhänger ein Mameluke des verstorbenen Wesirs, der, als er diesen Befehl hörte, sein Pferd antrieb und in vollem Galopp zum Haus des Badr al-Din Hasan ritt; denn er konnte es nicht ertragen, den Ruin des Sohnes seines alten Herrn zu sehen. Er fand ihn am Tor sitzend mit gesenktem Haupt, trauernd, wie es seine Art war, über den Verlust seines Vaters; so stieg er ab, küsste seine Hand und sagte zu ihm: „O mein Herr und Sohn meines Herrn, eile, bevor das Verderben kommt und alles verwüstet!“ Als Hasan dies hörte, bebte er und fragte: „Was mag die Angelegenheit sein?“ Und der Mann antwortete: „Der Sultan ist erzürnt über dich und hat einen Haftbefehl gegen dich erlassen, und das Unheil folgt dicht auf meinen Fersen; so fliehe um dein Leben!“ Bei diesen Worten entflammte Hasans Herz mit dem Feuer des Leids, und seine rosenrote Wange wurde blass, und er sagte zum Mameluken: „O mein Bruder, ist Zeit für mich, hineinzugehen und mir etwas weltliche Habe zu holen, die mir während meiner Fremde von Nutzen sein kann?“ Aber der Sklave erwiderte: „O mein Herr, steh sofort auf und rette dich und verlasse dieses Haus, solange es noch Zeit ist.“ Und er zitierte diese Zeilen:

Entkomme mit deinem Leben, wenn Unterdrückung dich ereilt, und lass das Haus von der Bestimmung seines Erbauers künden! Land für Land wirst du finden, wenn du es suchst; Leben für Leben niemals, weder früh noch spät. Es ist seltsam, dass Menschen im Haus der Erniedrigung wohnen, wenn das Gefilde von Gottes Erde so weit und so groß ist!

Bei diesen Worten des Mameluken bedeckte Badr al-Din sein Haupt mit dem Saum seines Gewandes und ging zu Fuß hinaus, bis er außerhalb der Stadt stand, wo er Leute sagen hörte: „Der Sultan hat seinen neuen Wesir zum Haus des alten Wesirs, der nun nicht mehr ist, geschickt, um sein Eigentum zu versiegeln und seinen Sohn Badr al-Din Hasan zu ergreifen und ihn vor das Angesicht zu bringen, damit er ihn hinrichten kann“; und alle riefen: „Wehe um seine Schönheit und seine Lieblichkeit!“ Als er dies hörte, floh er aufs Geratewohl, wissend nicht, wohin er ging, und hörte nicht auf zu eilen, bis das Schicksal ihn zum Grab seines Vaters trieb. So betrat er den Friedhof und, seinen Weg durch die Gräber findend, erreichte er schließlich das Grab, wo er sich setzte und von seinem Haupt den Saum seines langen Gewandes gleiten ließ, das aus Brokat mit einem goldgestickten Saum gefertigt war, auf dem diese Zweizeiler eingearbeitet waren:

O du, dessen Stirn, wie der strahlende Osten, von den Sternen des Himmels und freigebigem Tau kündet: Möge deine Ehre bis zum letzten Tag dauern, und die Zeit dein Wachstum an Herrlichkeit niemals verweigern!

Während er am Grab seines Vaters saß, siehe, da kam zu ihm ein Jude, als wäre er ein Shroff, ein Geldwechsler, mit einem Paar Satteltaschen, die viel Gold enthielten, der ihn ansprach und seine Hand küsste, sagend: „Wohin des Weges, o mein Herr: Es ist spät am Tag und du bist nur leicht bekleidet und ich lese Zeichen von Kummer in deinem Gesicht?“ „Ich schlief noch vor dieser Stunde“, antwortete Hasan, „als mein Vater mir erschien und mich tadelte, weil ich sein Grab nicht besucht hatte; da erwachte ich bebend und kam unverzüglich hierher, damit der Tag nicht vergehe, ohne dass ich ihn besuchte, was mir schmerzlich gewesen wäre.“ „O mein Herr“, entgegnete der Jude, „dein Vater hatte viele Kaufleute auf See, und da einige von ihnen nun fällig sind, ist es mein Wunsch, von dir die Ladung des ersten Schiffes, das in den Hafen einläuft, für diese tausend Golddinare zu kaufen.“ „Ich stimme zu“, sprach Hasan, woraufhin der Jude einen Beutel voller Gold herausholte und tausend Zechinen zählte, die er Hasan, dem Sohn des Wesirs, gab, und sagte: „Schreibe mir einen Kaufbrief und versiegele ihn.“ So nahm Hasan eine Feder und Papier und schrieb diese Worte in doppelter Ausfertigung: „Der Schreiber, Hasan Badr al-Din, Sohn des Wesirs Nur al-Din, hat an Isaak den Juden die gesamte Ladung des ersten von seines Vaters Schiffen, das in den Hafen einläuft, für tausend Dinare verkauft, und er hat den Preis im Voraus erhalten.“ Und nachdem er eine Kopie genommen hatte, steckte der Jude sie in seine Tasche und ging davon; Hasan aber begann zu weinen, als er an die Würde und den Wohlstand dachte, die einst sein gewesen waren, und er begann vorzutragen:

Dieses Haus, meine Herrin, seit Ihr fort seid, ist nun kein Heim mehr für mich, Noch erweisen sich die Nachbarn, seit Ihr fort seid, als gütig und nachbarschaftlich: Der Freund, den ich einst ins Herz schloss, ach! ist mir nicht mehr Ein Freund; und selbst Luna zeigt ihre Verrücktheit: Ihr gingt und mit Eurem Gehen wurde die Welt zur Wüstenei, zur Einöde, Und ein düsteres Dunkel liegt auf dem Antlitz von Hügel und Aue: O möge der Rabenvogel, dessen Schrei unser unglückseliges Scheiden krächzte, Niemals eine Niststätte finden und zudem all sein Gefieder verlieren! Endlich schwindet meine Geduld; und diese Abwesenheit zehrt an meinem Fleisch; Wie manchen Schleier, durch Trennung zerrissen, sind unsere Augen verdammt zu sehen: Ach! werde ich jemals wieder unsere schönen vergangenen Nächte von einst schauen; Und wird ein einziges Haus für mich wieder ein Heim werden?

Dann weinte er über die Maßen und die Nacht kam über ihn; so lehnte er sein Haupt gegen das Grab seines Vaters und Schlaf überwältigte ihn: Ehre sei Dem, der nicht schläft! Er hörte nicht auf zu schlummern, bis der Mond aufging, als sein Kopf vom Grabmal glitt und er auf dem Rücken lag, die Glieder ausgestreckt, sein Gesicht hell im Mondlicht leuchtend. Nun wurde der Friedhof Tag und Nacht von Dschinn heimgesucht, die zu den Gläubigen gehörten, und alsbald kam eine Dschinnija hervor, die, als sie Hasan schlafend sah, über seine Schönheit und Lieblichkeit staunte und rief: „Ehre sei Gott! Dieser Jüngling kann kein anderer sein als einer der Wuldán des Paradieses.“ Dann flog sie himmelwärts, um ihn zu umkreisen, wie es ihre Gewohnheit war, und traf im Flug einen Ifrit, der sie grüßte, und sie sprach zu ihm: „Woher kommst du?“ „Aus Kairo“, antwortete er. „Willst du mit mir kommen und die Schönheit eines Jünglings schauen, der dort drüben auf dem Begräbnisplatz schläft?“, fragte sie, und er antwortete: „Ich will.“ So flogen sie, bis sie am Grabmal landeten, und sie zeigte ihm den Jüngling und sagte: „Nun, hast du jemals in deinen Lebtagen so etwas gesehen?“ Der Ifrit betrachtete ihn und rief aus: „Preis sei Ihm, der keinen Ebenbürtigen hat! Aber, o meine Schwester, soll ich dir sagen, was ich an diesem Tag gesehen habe?“ Sie fragte: „Was ist das?“, und er antwortete: „Ich habe das Gegenstück dieses Jünglings im Land Ägypten gesehen. Sie ist die Tochter des Wesirs Schams al-Din und sie ist ein Muster an Schönheit und Lieblichkeit, von schönstem Antlitz und wohlgeformter Gestalt, und ausgestattet mit Symmetrie und vollkommener Anmut. Als sie das Alter von neunzehn Jahren erreicht hatte, hörte der Sultan von Ägypten von ihr und ließ den Wesir, ihren Vater, zu sich kommen und sprach zu ihm: – Höre mich, o Wesir: Es ist zu meinem Ohr gedrungen, dass du eine Tochter hast, und ich wünsche sie dir zur Ehe zu begehren. Der Wesir antwortete: – O unser Herr, der Sultan, geruhe meine Entschuldigungen anzunehmen und Mitleid mit meinem Kummer zu haben, denn Ihr wisst, dass mein Bruder, der mein Teilhaber im Wesirat war, vor vielen Jahren aus unserer Mitte verschwand und wir nicht wissen, wo er ist. Nun war der Grund seines Fortgangs, dass wir eines Abends, als wir beisammen saßen und von künftigen Frauen und Kindern sprachen, Worte darüber wechselten und er in hohem Zorn davonlief. Ich aber schwor, dass ich meine Tochter an niemanden verheiraten würde als an den Sohn meines Bruders an dem Tag, da ihre Mutter sie gebar, was vor beinahe neunzehn Jahren geschah. Ich habe kürzlich gehört, dass mein Bruder in Basra starb, wo er die Tochter des Wesirs geheiratet hatte und dass sie ihm einen Sohn gebar; und ich werde meine Tochter nicht verheiraten, außer an ihn, zu Ehren des Andenkens an meinen Bruder. Ich habe das Datum meiner Heirat und die Empfängnis meiner Frau und die Geburt meiner Tochter aufgezeichnet; und aus ihrem Horoskop entnehme ich, dass ihr Name mit dem ihres Vetters verbunden ist; und es gibt Jungfrauen im Überfluss für unseren Herrn, den Sultan. Der König, der die Antwort und Weigerung seines Ministers hörte, geriet in übermäßigen Zorn und schrie: – Wenn einer meinesgleichen bei einem deinesgleichen um die Hand eines Mädchens anhält, so erweist er eine Ehre, und du weist mich zurück und speist mich mit kalten Ausreden ab! Nun, beim Leben meines Kopfes, ich werde sie an den Geringsten meiner Leute verheiraten, zum Trotz deiner Nase! Es gab im Palast einen Pferdeknecht, der ein Gobbo war mit einem Höcker an der Brust und einem Buckel auf dem Rücken; und der Sultan ließ ihn kommen und verheiratete ihn mit der Tochter des Wesirs, ob sie wollte oder nicht, und hat eine prunkvolle Hochzeitsfeier für ihn angeordnet und befohlen, dass er noch in dieser Nacht zu seiner Braut eingehe. Ich bin nun gerade von Kairo hierher geflogen, wo ich den Buckligen an der Tür des Hammam-Bades inmitten der weißen Sklaven des Sultans zurückließ, die brennende Fackeln um ihn herum schwangen. Was die Tochter des Ministers betrifft, so sitzt sie inmitten ihrer Ammen und Zofen, weinend und klagend; denn sie haben ihrem Vater verboten, sich ihr zu nähern. Niemals habe ich, o meine Schwester, ein abscheulicheres Wesen gesehen als diesen Buckligen, während die junge Dame diejenige ist, die diesem jungen Mann am ähnlichsten ist, wenn auch noch schöner als er.“ – Und Schahrasad bemerkte das Dämmern des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Als es nun die Zweiundzwanzigste Nacht war,

Sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass, als der Dschinn der Dschinnija erzählte, wie der König den Ehevertrag zwischen dem buckligen Bräutigam und der schönen jungen Dame, die vor Kummer gebrochenen Herzens war, hatte aufsetzen lassen; und wie sie die Schönste aller Geschöpfe und noch schöner als dieser Jüngling sei, die Dschinnija ihn anrief: „Du lügst! Dieser Jüngling ist schöner als jeder andere seiner Zeit.“ Der Ifrit widersprach ihr erneut und fügte hinzu: „Bei Allah, o meine Schwester, das Mädchen, von dem ich spreche, ist schöner als dies; doch niemand außer ihm verdient sie, denn sie gleichen einander wie Bruder und Schwester oder zumindest wie Vettern. Und, ach wehe! wie ist sie an diesen Buckligen verschwendet!“ Da sagte sie: „O mein Bruder, lass uns unter ihn treten und ihn aufheben und nach Kairo tragen, damit wir ihn mit dem Mädchen vergleichen können, von dem du sprichst, und so bestimmen, welches der beiden das schönere ist.“ „Zu hören ist zu gehorchen!“, antwortete er, „du sprichst das Wahre; noch gibt es eine richtigere Überlegung als diese deine, und ich selbst will ihn tragen.“ So hob er ihn vom Boden auf und flog mit ihm wie ein Vogel, der in der oberen Luft schwebt, während die Ifritah in gleichem Tempo dicht an seiner Seite blieb, bis er mit ihm in der Stadt Kairo landete, ihn auf eine Steinbank setzte und weckte. Er erwachte und fand, dass er nicht mehr am Grab seines Vaters in der Stadt Basra war; er blickte rechts und links und sah, dass er an einem fremden Ort war; und er wollte aufschreien, doch der Ifrit versetzte ihm einen Schlag, der ihn überzeugte, zu schweigen. Dann brachte er ihm reiche Gewänder und kleidete ihn darin, und als er ihm eine brennende Fackel gab, sagte er: „Wisse, dass ich dich hierher gebracht habe, in der Absicht, dir aus Liebe zu Allah einen Gefallen zu tun: Nimm also diese Fackel und mische dich unter die Leute am Hammam-Tor und gehe mit ihnen weiter, ohne anzuhalten, bis du das Haus des Hochzeitsfestes erreichst; dann schreite kühn voran und betritt den großen Saal; und fürchte niemanden, sondern stelle dich zur rechten Hand des buckligen Bräutigams; und so oft eine der Ammen und Zofen und Sängerinnen auf dich zukommt, stecke deine Hand in deine Tasche, die du mit Gold gefüllt finden wirst. Nimm es heraus und wirf es ihnen zu und spare nicht; denn so oft du deine Finger in den Beutel steckst, wirst du ihn voll Münzen finden. Gib freigebig mit vollen Händen und fürchte nichts, sondern setze dein Vertrauen auf Ihn, der dich erschuf, denn dies geschieht nicht durch deine eigene Kraft, sondern durch die des allmächtigen Allah, damit seine Dekrete an seinen Geschöpfen in Erfüllung gehen.“ Als Badr al-Din Hasan diese Worte vom Ifrit hörte, sagte er zu sich: „Wünschte ich, ich wüsste, was dies alles bedeutet und was der Grund für eine solche Güte ist!“ Dennoch mischte er sich unter die Leute und, seine Fackel anzündend, zog er mit dem Hochzeitszug weiter, bis er zum Bad kam, wo er den Buckligen bereits zu Pferde vorfand. Dann drängte er sich in die Menge, ein wahrlich schöner Mann in feinster Kleidung, einen Tarbusch und Turban tragend und ein langärmeliges, mit Gold besticktes Gewand; und so oft die Sängerinnen innehielten, damit die Leute ihnen freigebig gaben, steckte er seine Hand in seine Tasche, und als er sie voller Gold fand, nahm er eine Handvoll heraus und warf sie auf ihre Tamburine, bis er sie für die Musikantinnen und die Zofen mit Goldstücken gefüllt hatte. Die Sängerinnen waren erstaunt über seine Freigebigkeit und die Leute staunten über seine Schönheit und Lieblichkeit und die Pracht seiner Kleidung. Er hörte nicht auf, so zu handeln, bis er das Anwesen des Wesirs (der sein Onkel war) erreichte, wo die Kammerherren die Leute zurücktrieben und ihnen verboten, voranzugehen; aber die Sängerinnen und die Zofen sagten: „Bei Allah, wir werden nicht eintreten, es sei denn, dieser junge Mann tritt mit uns ein, denn er hat uns mit seiner Freigebigkeit das Leben verlängert, und wir werden die Braut nicht zeigen, wenn er nicht anwesend ist.“ Damit trugen sie ihn in den Hochzeitssaal und ließen ihn sich setzen, die bösen Blicke des buckligen Bräutigams missachtend. Die Ehefrauen der Emire und Wesire und Kammerherren und Höflinge standen alle in doppelter Reihe, jede hielt eine mächtige, bereits brennende Wachskerze; alle trugen dünne Gesichtsschleier, und die beiden Reihen rechts und links erstreckten sich vom Thron der Braut bis zum Kopf des Saales, der an die Kammer angrenzte, aus der sie hervortreten sollte. Als die Damen Badr al-Din Hasan sahen und seine Schönheit und Lieblichkeit bemerkten und sein Gesicht, das wie der Neumond strahlte, neigten sich ihre Herzen ihm zu, und die Sängerinnen sagten zu allen Anwesenden: „Wisset, dass diese Schönheit unsere Hände mit nichts anderem als reinem Gold bestrich; seid also nicht knauserig, ihm weiblichen Dienst zu erweisen und allem zu entsprechen, was er verlangt, egal was er bittet.“ So drängten sich alle Frauen mit ihren Fackeln um Hasan und starrten auf seine Lieblichkeit und beneideten ihn um seine Schönheit; und eine wie die andere hätte liebend gern eine Stunde oder besser ein Jahr an seiner Brust gelegen. Ihre Herzen waren so aufgewühlt, dass sie ihre Schleier von ihren Gesichtern fallen ließen und sagten: „Glücklich die, die diesem Jüngling gehört oder der er gehört!“; und sie riefen Flüche auf den krummen Bräutigam herab und auf denjenigen, der der Grund für seine Heirat mit der Schönen war; und so oft sie Badr al-Din Hasan segneten, verdammten sie den Buckligen und sagten: „Wahrlich, dieser Jüngling und kein anderer verdient unsere Braut: ach, wehe um eine solche Schöne mit diesem abscheulichen Quasimodo; Allahs Fluch falle auf sein Haupt und auf den Sultan, der die Heirat befahl!“ Dann schlugen die Sängerinnen ihre Handtrommeln und jauchzten vor Freude, das Erscheinen der Braut verkündend; und die Tochter des Wesirs kam herein, umgeben von ihren Zofen, die sie schön anzusehen gemacht hatten; denn sie hatten sie parfümiert und beräuchert und ihr Haar geschmückt; und sie hatten sie in Gewänder und Schmuck gekleidet, die den mächtigen Chosroes-Königen geziemten. Das bemerkenswerteste Teil ihres Kleides war ein loses Gewand, das über ihren anderen Kleidungsstücken getragen wurde: es war mit rotem Gold und Figuren wilder Tiere gemustert, und Vögeln, deren Augen und Schnäbel aus Edelsteinen waren, und Krallen aus roten Rubinen und grünem Beryll; und ihren Hals zierte eine Halskette von Jamanischer Arbeit, wert Tausende von Goldstücken, deren Fassungen große runde Juwelen verschiedener Art waren, deren Gleichen niemals von Kaysar oder von Tobba-König besessen wurden. Und die Braut war wie der Vollmond, wenn er am vierzehnten Abend am vollsten ist; und als sie in den Saal schritt, war sie wie eine der Houris des Himmels – gepriesen sei Er, der sie in solch einer Pracht der Schönheit erschuf! Die Damen umgaben sie wie das Weiße das Schwarze des Auges umschließt, sie drängten sich wie Sterne, während sie unter ihnen strahlte wie der Mond, wenn er die Wolken verschlingt. Nun saß Badr al-Din Hasan von Basra im vollen Blickfeld des Volkes, als die Braut mit ihrem graziösen wiegenden und schwimmenden Gang hervortrat, und ihr buckliger Bräutigam stand auf, um sie zu empfangen; sie jedoch wandte sich von dem Wicht ab und schritt voran, bis sie vor ihrem Vetter Hasan, dem Sohn ihres Onkels, stand. Worüber die Leute lachten. Doch als die Hochzeitsgäste sie so zu Badr al-Din hingezogen sahen, machten sie einen gewaltigen Lärm und die Sängerinnen schrien aus Leibeskräften; woraufhin er seine Hand in seine Tasche steckte, eine Handvoll Gold herauszog und sie in ihre Tamburine warf, und die Mädchen freuten sich und sagten: „Könnten wir unseren Wunsch gewinnen, diese Braut wäre dein!“ Darüber lächelte er und das Volk kam um ihn herum, Fackeln in der Hand wie der Augapfel um die Pupille, während der Gobbo-Bräutigam allein sitzen blieb, sehr wie ein schwanzloser Pavian; denn jedes Mal, wenn sie eine Kerze für ihn anzündeten, erlosch sie wohl oder übel, sodass er in Dunkelheit und Stille zurückblieb und auf nichts anderes blickte als auf sich selbst. Als Badr al-Din Hasan den Bräutigam einsam im Dunkeln sitzen sah und all die Hochzeitsgäste mit ihren Fackeln und Wachskerzen um sich selbst versammelt, war er verwirrt und staunte sehr; doch als er seine Kusine, die Tochter seines Onkels, ansah, freute er sich und empfand ein inneres Entzücken: er sehnte sich danach, sie zu grüßen, und blickte eindringlich auf ihr Gesicht, das vor Licht und Glanz strahlte. Dann nahmen die Zofen ihren Schleier ab und zeigten sie im ersten Brautkleid, das aus scharlachrotem Satin war; und Hasan hatte einen Blick auf sie, der seine Sehkraft blendete und seinen Verstand betäubte, als sie sich hin und her bewegte, wiegend mit graziösem Gang; und sie verdrehte allen Gästen den Kopf, Frauen wie Männern, denn sie war genau wie der übertreffende Dichter sagt: –

Eine Sonne am Wanderstab in der Sanddüne zeigte sie sich, ✿ Gekleidet in ihre karmesinrote Chemise: Von ihren Lippen Honigtau reichte sie mir zu trinken, ✿ Und mit ihren rosigen Wangen löschte sie das Feuer, das sie entfachte.

Dann wechselten sie das Kleid und zeigten sie in einem Gewand von Azurblau; und sie erschien wie der Vollmond, wenn er über dem Horizont aufgeht, mit ihrem kohlschwarzen Haar und den Wangen, zart und hell; und die Zähne zeigten sich in süßem Lächeln und die Brüste fest sich hebend und die Seiten des weichsten und die Taille des rundesten. Und in diesem zweiten Gewand war sie, wie ein gewisser Meister hoher Einfälle von ihr und ihresgleichen sagt: –

Sie kam, bekleidet in ein azurblaues Gewand, ✿ Ultramarin, wie der Himmel geschmückt und ausgestattet: Ich betrachtete den unvergleichlichen Anblick, der meinen Augen zeigte ✿ Einen Sommermond in einer Winternacht.

Dann wechselten sie diesen Anzug für einen anderen und, ihr Gesicht in der Üppigkeit ihres Haares verschleiernd, lösten sie ihre Locken, so dunkel, so lang, dass ihre Schwärze und Länge die dunkelsten Nächte übertraf, und sie schoss durch alle Herzen mit dem magischen Pfeil ihrer Augen. Sie zeigten sie im dritten Kleid und sie war, wie der Sager über sie sagte: –

Ihr Antlitz mit Haar verschleiernd kommt sie am Morgen, ✿ Und ich vergleiche ihre Unheile mit der Wolke: Sagend: „Du verschleierst den Morgen mit der Nacht!“ „Ach nein!“, ✿ Sprach sie, „ich hülle den Vollmond mit dunkler Luft!“

Dann zeigten sie sie im vierten Brautkleid und sie kam hervor, strahlend wie die aufgehende Sonne und sich wiegend mit lieblicher Anmut und geschmeidiger Leichtigkeit wie ein Gazellenkitz. Und sie spaltete alle Herzen mit den Pfeilen ihrer Wimpern, ganz wie einer sagt, der eine Reizende wie sie beschrieb: –

Die Sonne der Schönheit erscheint sie dem Blick ✿ Und, lieblich-schüchtern, spottet sie aller Lieblichkeit; Und wenn er ihrer Gunst und ihrem Lächeln gegenübertritt ✿ Am Morgen, muss die Sonne des Tages sich in Wolken kleiden.

Dann kam sie hervor im fünften Kleid, ein wahres Licht der Lieblichkeit wie ein Stab einer wehenden Weide oder eine Gazelle der durstigen Einöde. Jene Locken, die wie Skorpione entlang ihrer Wangen stachen, waren gebeugt, und ihr Hals war in Schmeichelei geneigt, und ihre Hüften bebten, während sie ging. Wie einer der Dichter sagt, der sie in Versen beschrieb: –

Sie kommt wie vollster Mond in glücklicher Nacht; ✿ Verjüngt in der Taille, mit einer Gestalt von magischer Macht: Sie hat ein Auge, dessen Blicke die Menschheit bezwingen, ✿ Und Rubin auf ihren Wangen reflektiert sein Licht: Es verhüllt ihre Hüften die Schwärze ihres Haares; ✿ Hüte dich vor Locken, die beißen mit Vipernbiss! Ihre Seiten sind seidig-weich, während das Herz ✿ Nur Fels hinter dieser Oberfläche vor der Sicht verborgen lauert: Von den gefransten Vorhängen ihrer Augen schießt sie ✿ Pfeile, die in weitester Entfernung das Ziel treffen: Wenn ich meine Arme um ihren Hals oder ihre Taille lege ✿ Stoßen ihre Brüste mich mit ihrer gehärteten Höhe zurück. Ach, wie ihre Schönheit alles übertrifft! ach wie ✿ Diese Gestalt den graziösen wehenden Ast überstrahlt!

Dann schmückten sie sie mit der sechsten Toilette, einem Kleid, das grün war. Und nun beschämte sie in ihrer schlanken Geradheit den nussbraunen Speer; ihr strahlendes Gesicht verdunkelte die hellsten Strahlen des Vollmonds und sie übertraf die sich biegenden Zweige in sanfter Bewegung und biegsamer Anmut. Ihre Lieblichkeit erhöhte die Schönheiten der vier Weltgegenden und sie brach Männerherzen durch die Bedeutung ihrer Erscheinung; denn sie war genau wie einer der Dichter in diesen Zeilen sagt: –

Ein Mädchen war es, das die Kunst der Zofen mit Schlingen und Tücke geschmückt hatte: ✿ Und gekleidet in Strahlen, als hätte die Sonne von ihr Licht geborgt: Sie kam vor uns, wundersam gekleidet in eine Chemise von Grün, ✿ Wie vom blättrigen Schleier verborgen, den der Granatapfel vor der Sicht verdeckt: Und als er sagte: „Wie nennst du die Art deines Kleides?“ ✿ Antwortete sie uns auf angenehme Weise mit doppelter Bedeutung ausgestattet; „Wir nennen dieses Gewand Crève-cœur; und zu Recht ist es so genannt, ✿ Denn manch ein Herz brachen wir damit und eroberten manch einen Geist!“

Dann zeigten sie sie im siebten Kleid, gefärbt zwischen Saflor und Safran, ganz wie einer der Dichter sagt: –

In Gewand von fahlem Safran und rotem Saflor ✿ Moschusduftend, sandalisiert, ambriert, kam sie, um entgegenzutreten: „Erhebe dich!“, rief ihre Jugend, „geh hinaus und zeige dich!“ ✿ „Sitz!“, sagten ihre Hüften, „wir können den Anprall nicht ertragen!“ Und als ich um einen Kampf flehte, sagte ihre Schönheit ✿ „Tu es, tu es!“, und ihre hübsche Scham sagte „Tu es nicht, tu es nicht!“

So stellten sie die Braut in all ihren sieben Toiletten vor Hasan al-Basri zur Schau und beachteten den Buckligen, der einsam vor sich hin schmollte, in keiner Weise; und als sie ihre Augen öffnete, sagte sie: „O Allah, mache diesen Mann zu meinem Gatten und errette mich vor dem Übel dieses buckligen Bräutigams.“ Sobald sie diesen Teil der Zeremonie beendet hatten, entließen sie die Hochzeitsgäste, die fortgingen, Frauen, Kinder und alle, und niemand blieb zurück außer Hasan und dem Buckligen, während die Zofen die Braut in ein inneres Zimmer führten, um ihr Gewand und ihren Schmuck zu wechseln und sie für den Bräutigam bereit zu machen. Daraufhin trat Quasimodo an Badr al-Din Hasan heran und sagte: „O mein Herr, du hast uns in dieser Nacht mit deiner guten Gesellschaft erfreut und uns mit deiner Güte und Höflichkeit überschüttet; aber warum stehst du nun nicht auf und gehst?“ „Bismillah“, antwortete er, „im Namen Allahs, so sei es!“; und er stand auf und ging durch die Tür hinaus, wo ihn der Ifrit traf und sagte: „Bleibe an deinem Platz, o Badr al-Din, und wenn der Bucklige zum Abtritt geht, tritt ohne Zeitverlust ein und setze dich in die Alkoven; und wenn die Braut kommt, sage zu ihr: ‚Ich bin dein Ehemann, denn der König ersann diesen Trick nur, weil er um dich den bösen Blick fürchtete, und derjenige, den du sahst, ist nur ein Syce, ein Pferdeknecht, einer unserer Stallburschen.‘ Dann schreite kühn auf sie zu und enthülle ihr Antlitz; denn Eifersucht hat uns dieser Angelegenheit wegen ergriffen.“ Während Hasan noch mit dem Ifrit sprach, siehe, da schritt der Bräutigam aus dem Saal und trat in den Abtritt und setzte sich auf den Stuhl. Kaum hatte er dies getan, da kam der Ifrit aus dem Becken, in dem das Wasser war, in Gestalt einer Maus hervor und quietschte: „Zeek!“ Der Bucklige fragte: „Was plagt dich?“; und die Maus wuchs und wuchs, bis sie eine kohlrabenschwarze Katze wurde und miaute: „Meeao! Meeao!“ Dann wuchs sie noch mehr und mehr, bis sie ein Hund wurde und bellte: „Owh! Owh!“ Als der Bräutigam dies sah, erschrak er und rief: „Hinaus mit dir, o Unglücklicher!“ Doch der Hund wuchs und schwoll an, bis er ein Eselfohlen wurde, das ihn anschnaubte und ihn anwichste: „Hauk! Hauk!“ Daraufhin bebte der Bucklige und schrie: „Kommt mir zu Hilfe, o Leute des Hauses!“ Doch siehe, das Eselfohlen wuchs und wurde so groß wie ein Büffel, versperrte ihm den Weg und sprach mit der Stimme der Söhne Adams: „Wehe dir, o du Buckliger, du Stinker, o du schmutzigster aller Knechte!“ Als er dies hörte, wurde der Bräutigam von einer Kolik befallen und setzte sich in seinen Kleidern auf die Latrine, während seine Zähne klapperten und aufeinanderschlugen. Der Ifrit fragte: „Ist die Welt so eng für dich, dass du niemanden findest, den du heiraten kannst, außer meiner Angebeteten?“ Doch da er schwieg, fuhr der Ifrit fort: „Antworte mir, oder ich werde dich im Staub wohnen lassen!“ „Bei Allah“, erwiderte der Bucklige, „o König der Büffel, das ist nicht meine Schuld, denn sie zwangen mich, sie zu heiraten; und wahrlich, ich wusste nicht, dass sie einen Liebhaber unter den Büffeln hatte; aber nun bereue ich, zuerst vor Allah und dann vor dir.“ Der Ifrit sagte zu ihm: „Ich schwöre dir, dass ich dir den Hals umdrehen werde, wenn du dich von diesem Ort entfernst oder vor Sonnenaufgang ein Wort von dir gibst. Wenn die Sonne aufgeht, ziehe deines Weges und kehre niemals mehr in dieses Haus zurück.“ Mit diesen Worten nahm der Ifrit den buckligen Bräutigam und setzte ihn mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben in den Schlitz des Abtritts und sagte zu ihm: „Ich werde dich hier lassen, aber ich werde bis Sonnenaufgang auf dich achtgeben; und wenn du dich vorher rührst, werde ich dich bei den Füßen packen und dir den Schädel an der Wand zerschmettern: also hüte dein Leben!“ Soweit zum Buckligen; was aber Badr al-Din Hasan von Bassorah betrifft, so ließ er den Buckligen und den Ifrit beim Zanken und Streiten zurück, ging in das Haus und setzte sich mitten in den Alkoven; und siehe, die Braut trat ein, begleitet von einer alten Frau, die an der Tür stand und sagte: „O Vater der Rechtschaffenheit, steh auf und nimm, was Gott dir gibt.“ Dann ging die alte Frau weg, und die Braut, Sitt al-Husn oder die Dame der Schönheit genannt, trat in den hinteren Teil des Alkoven, gebrochenen Herzens und bei sich selbst sagend: „Bei Allah, ich werde ihm niemals meinen Körper hingeben; nein, nicht einmal, wenn er mir das Leben nähme!“ Doch als sie an das Ende kam, sah sie Badr al-Din Hasan und sie sagte: „Liebling! Sitzt du immer noch hier? Bei Allah, ich wünschte, du wärst mein Bräutigam oder dass wenigstens du und der bucklige Pferdeknecht euch in mir teilen würdet.“ Er antwortete: „O schöne Dame, wie sollte der Syce Zugang zu dir haben, und wie sollte er dich mit mir teilen?“ „Dann“, sagte sie, „wer ist mein Ehemann, du oder er?“ „Sitt al-Husn“, entgegnete Hasan, „wir haben dies nicht zum bloßen Vergnügen getan, sondern nur als einen Kniff, um den bösen Blick von dir abzuwehren; denn als die Zofen und Sängerinnen und Hochzeitsgäste sahen, wie deine Schönheit mir dargeboten wurde, fürchteten sie die Verwünschung, und dein Vater mietete den Pferdeknecht für zehn Dinare und eine Schüssel Fleisch, um den bösen Blick von uns zu nehmen; und nun hat er seinen Lohn erhalten und ist seines Weges gezogen.“ Als die Dame der Schönheit diese Worte hörte, lächelte sie und freute sich und lachte ein angenehmes Lachen. Dann flüsterte sie ihm zu: „Bei dem Herrn, du hast ein Feuer gelöscht, das mich quälte, und nun, bei Allah, o mein kleiner dunkelhaariger Liebling, nimm mich zu dir und drücke mich an deine Brust!“ Dann begann sie zu singen:

Bei Allah, setz deinen Fuß auf meine Seele; ✿ Seit langen, langen Jahren sehne ich mich nur danach: Und flüstere mir Liebesgeschichten ins Ohr; ✿ Für mich ist es süßer als das süßeste Lied! Kein anderer Jüngling soll auf meinem Herzen liegen; ✿ Also tu es oft, mein Lieber, und tu es lange.

Dann streifte sie ihre äußere Kleidung ab, öffnete ihr Hemd vom Hals abwärts und entblößte ihre Genitalien und die Rundung ihrer Hüften. Als Badr al-Din den herrlichen Anblick sah, wurden seine Begierden geweckt, er stand auf, legte seine Kleider ab, wickelte die Goldbörse, die er vom Juden genommen hatte und die tausend Dinare enthielt, in seine Pluderhose und legte sie unter den Rand des Bettes. Dann nahm er seinen Turban ab und legte ihn auf die Bank auf seine anderen Kleider, wobei er nur in seiner Kappe und seinem feinen Hemd aus blauer Seide mit Goldbesatz verblieb. Daraufhin zog ihn die Dame der Schönheit zu sich, und er tat es ihr gleich. Dann nahm er sie in seine Umarmung, legte ihre Beine um seine Taille und zielte direkt mit dieser Kanone, die dort platziert ist, wo sie das Bollwerk der Jungfräulichkeit niederschlägt und verwüstet. Und er fand sie als eine Perle, die weder durchbohrt noch durchfädelt war, und als ein Füllen, das von keinem Mann außer ihm beritten worden war; er brach ihre Jungfräulichkeit und erfreute sich ihrer Jugend in seiner Männlichkeit, und bald darauf zog er das Schwert aus der Scheide; und dann kehrte er mit Leichtigkeit zum Kampf zurück; und als die Schlacht und die Belagerung beendet waren, hatte er etwa fünfzehn Stürme vollbracht, und sie empfing in jener Nacht von ihm. Dann legte er seine Hand unter ihren Kopf, sie tat dasselbe, und sie umarmten sich und fielen in den Armen des anderen in Schlaf, wie ein gewisser Dichter von solchen Liebenden in diesen Zweizeilern sagte:

Besuche deinen Liebhaber, weise ab, was Neid dir sagte; ✿ Kein neidischer Tölpel soll die beseelte Liebe anlächeln. Der barmherzige Allah schuf keinen schöneren Anblick ✿ Als ein Paar Liebender, die ein einziges Lager halten; Brust an Brust gepresst und in ihre eigenen Freuden gehüllt, ✿ Mit kissenartigen Unterarmen, in feinster Form gegossen: Und wenn Herz zu Herz mit der Zunge der Liebe spricht, ✿ Hämmern Leute, die sie trennen wollen, auf eiskalten Stahl: Wenn du einen schönen Freund findest, der an dir haftet, ✿ Lebe für diesen Freund, schließe diesen Freund ins Herz. O ihr, die ihr uns, die Liebenden, wegen der Liebe tadelt, ✿ Sagt, könnt ihr einen kranken Geist heilen?

Soweit zu Badr al-Din Hasan und Sitt al-Husn, seiner Cousine; was aber den Ifrit betrifft, so sagte er, sobald er die beiden schlafend sah, zur Ifritah: „Steh auf; schlüpfe unter den Jüngling und lass uns ihn an seinen Platz zurücktragen, bevor uns die Dämmerung einholt; denn der Tag ist nahe.“ Daraufhin trat sie vor, kroch unter ihn, während er schlief, nahm ihn auf, nur mit seinem feinen blauen Hemd bekleidet, und ließ seine übrigen Kleidungsstücke zurück; und sie hörten nicht auf zu fliegen (und der Ifrit wetteiferte mit ihr im Flug), bis die Morgendämmerung ihnen anzeigte, dass sie sie auf halbem Weg eingeholt hatte, und der Muezzin von seinem Minarett rief: „Eilet zum Heil! Eilet zum Heil!“ Dann ließ Allah seine Engelschar den Ifrit mit einem Sternschnuppenstrahl abschießen, sodass er verzehrt wurde, aber die Ifritah entkam und stieg mit Badr al-Din an dem Ort herab, an dem der Ifrit verbrannt worden war, und trug ihn nicht nach Bassorah zurück, aus Furcht, er könnte zu Schaden kommen. Nun, durch den Befehl dessen, der alle Dinge vorherbestimmt, landeten sie in Damaskus in Syrien, und die Ifritah setzte ihre Last an einem der Stadttore ab und flog davon. Als der Tag anbrach und die Tore geöffnet wurden, sahen die Leute, die herauskamen, einen stattlichen Jüngling, nur mit seinem blauen Hemd aus goldbestickter Seide und einer Kappe bekleidet, der auf dem Boden lag, versunken in Schlaf nach der harten Arbeit der Nacht, die ihm keine Ruhe gegönnt hatte. Als die Leute ihn betrachteten, sagten sie: „O ihr Glück, bei der dieser die Nacht verbrachte! Aber er hätte warten sollen, seine Kleider anzuziehen.“ Ein anderer sagte: „Ein jämmerliches Los für die Söhne großer Familien! Vielleicht kam er gerade erst aus der Taverne wegen irgendeiner Angelegenheit, und sein Wein stieg ihm zu Kopf, wodurch er das Ziel verfehlte, das er anstrebte, und irrte, bis er zum Stadttor kam; und als er es verschlossen fand, legte er sich nieder und schlief ein!“ Während die Leute über ihn spekulierten, wehte plötzlich die Morgenbrise auf Badr al-Din, hob sein Hemd bis zur Mitte und enthüllte einen Bauch und Nabel mit etwas darunter, sowie Beine und Schenkel, klar wie Kristall und glatt wie Sahne. Die Leute riefen: „Bei Allah, er ist ein hübscher Kerl!“; und bei diesem Ruf erwachte Badr al-Din und fand sich an einem Stadttor liegend, mit einer Menge, die sich um ihn versammelt hatte. Darüber wunderte er sich sehr und fragte: „Wo bin ich, o ihr guten Leute; und was veranlasst euch, euch so um mich zu versammeln, und was habe ich mit euch zu tun?“; und sie antworteten: „Wir fanden dich hier schlafend während des Rufs zum Morgengebet, und das ist alles, was wir über die Angelegenheit wissen, aber wo hast du letzte Nacht geschlafen?“ „Bei Allah, o ihr guten Leute“, erwiderte er, „ich habe letzte Nacht in Kairo geschlafen.“ Jemand sagte: „Du hast bestimmt Haschisch gegessen“; ein anderer: „Er ist ein Narr“; ein dritter: „Er ist eine Kürbiskopf“; und ein vierter fragte ihn: „Bist du von Sinnen? Du schläfst in Kairo und wachst am Morgen am Tor von Damaskus auf!“ Er rief: „Bei Allah, meine guten Leute, alle miteinander, ich lüge euch nicht an: Wahrlich, ich habe gestern Nacht im Land Ägypten geschlafen und gestern Mittag war ich in Bassorah.“ Einer sagte: „Nun! Nun!“; ein anderer: „Ho! Ho!“; ein dritter: „So! So!“; und ein vierter rief: „Dieser Jüngling ist wahnsinnig, er ist vom Dschinn besessen!“ Also klatschten sie in die Hände über ihn und sagten zueinander: „Weh, wie schade um seine Jugend: bei Allah, ein Wahnsinniger! Und Wahnsinn kennt kein Ansehen der Person.“ Dann sagten sie zu ihm: „Sammle deinen Verstand und kehre zu deiner Vernunft zurück! Wie könntest du gestern in Bassorah und letzte Nacht in Kairo gewesen sein und dennoch heute Morgen in Damaskus erwachen?“ Aber er beharrte darauf: „Ich war tatsächlich letzte Nacht ein Bräutigam in Kairo.“ „Vielleicht hast du geträumt“, entgegneten sie, „und all das im Schlaf gesehen.“ Da überlegte Hasan eine Weile und sagte zu ihnen: „Bei Allah, dies ist kein Traum; noch erscheint es wie eine Vision! Ich war sicherlich in Kairo, wo man mir die Braut präsentierte, in Anwesenheit einer dritten Person, des buckligen Knechts, der dicht dabei saß. Bei Allah, o mein Bruder, das ist kein Traum, und wenn es ein Traum wäre, wo ist der Beutel mit Gold, den ich bei mir trug, und wo sind mein Turban, mein Gewand und meine Hose?“ Dann stand er auf und betrat die Stadt, durchstreifte ihre Hauptstraßen und Nebenstraßen und Basargassen; und die Leute drängten sich um ihn und verspotteten ihn, schreiend: „Wahnsinniger! Wahnsinniger!“, bis er, außer sich vor Wut, Zuflucht in einem Kochladen suchte. Nun war dieser Koch ein wenig zu schlau, das heißt, ein Schurke und Dieb; aber Allah hatte ihn dazu gebracht, zu bereuen und sich von seinen bösen Wegen abzuwenden und einen Kochladen zu eröffnen; und alle Leute von Damaskus fürchteten seine Dreistigkeit und seine Bosheit. Als also die Menge den Jüngling seinen Laden betreten sah, zerstreute sie sich, aus Angst vor ihm, und ging ihrer Wege. Der Koch betrachtete Badr al-Din und, seine Schönheit und Lieblichkeit bemerkend, verliebte er sich sofort in ihn und sagte: „Woher kommst du, o Jüngling? Erzähle mir sofort deine Geschichte, denn du bist mir lieber geworden als meine Seele.“ So erzählte Hasan ihm alles, was ihm widerfahren war, von Anfang bis Ende (aber in der Wiederholung liegt kein Nutzen), und der Koch sagte: „O mein Herr Badr al-Din, zweifellos weißt du, dass dieser Fall wunderlich und diese Geschichte erstaunlich ist; deshalb, o mein Sohn, verberge, was dir widerfahren ist, bis Allah die Übel von dir nimmt; und bleibe unterdessen hier bei mir, denn ich habe kein Kind und ich werde dich adoptieren.“ Badr al-Din antwortete: „Es sei, wie du willst, o mein Onkel!“ Daraufhin ging der Koch zum Basar und kaufte ihm ein feines Kleidungsstück und ließ ihn es anziehen; dann ging er mit ihm zum Kadi und erklärte förmlich, dass er sein Sohn sei. So wurde Badr al-Din Hasan in der Stadt Damaskus als des Kochs Sohn bekannt, und er saß bei ihm im Laden, um das Silber entgegenzunehmen, und auf diese Weise verweilte er dort eine Zeit lang. Soweit zu ihm; was aber seine Cousine, die Dame der Schönheit, betrifft, so erwachte sie am Morgen und vermisste Badr al-Din Hasan an ihrer Seite; aber sie dachte, er sei zum Abtritt gegangen, und sie saß eine Stunde oder so und erwartete ihn; als siehe, ihr Vater Shams al-Din Mohammed, Wesir von Ägypten, eintrat. Er war untröstlich wegen dessen, was ihm durch den Sultan widerfahren war, der ihn hart behandelt und seine Tochter mit Gewalt an den niedrigsten seiner Bediensteten verheiratet hatte, und der obendrein ein buckliger Knecht war, und er sagte zu sich selbst: „Ich werde diese Tochter von mir erschlagen, wenn sie aus eigenem freien Willen ihren Körper diesem verfluchten Kerl hingegeben hat.“ Also kam er zur Tür der Privatgemächer der Braut und sagte: „He! Sitt al-Husn.“ Sie antwortete ihm: „Hier bin ich! Hier bin ich! O mein Herr“, und kam mit unsicherem Schritt heraus, nach den Schmerzen und Freuden der Nacht; und sie küsste seine Hand, wobei ihr Gesicht doppelte Helligkeit und Schönheit zeigte, weil sie in den Armen jenes Gazellenhaften, ihres Cousins, gelegen hatte. Als ihr Vater, der Wesir, sie in solchem Zustand sah, fragte er sie: „O du Verfluchte, freust du dich etwa wegen dieses Pferdeknechts?“, und Sitt al-Husn lächelte süß und antwortete: „Bei Allah, verspotte mich nicht: genug von dem, was gestern geschah, als die Leute über mich lachten und mich mit jenem Knecht gleichsetzten, der nicht würdig ist, die Schuhe oder Pantoffeln meines Mannes zu bringen; nein, der nicht einmal den Abfall der Fingernägel meines Mannes wert ist! Bei dem Herrn, niemals in meinem Leben habe ich eine Nacht so süß verbracht wie die letzte!, also spotte nicht, indem du mich an den Buckligen erinnerst.“ Als ihr Vater ihre Worte hörte, war er von Wut erfüllt, und seine Augen starrten und glotzten, sodass wenig von ihnen zu sehen war außer dem Weißen, und er rief: „Wehe dir! Was sind das für Worte? Es war der bucklige Pferdeknecht, der die Nacht mit dir verbrachte!“ „Allah sei dein Zeuge“, erwiderte die Dame der Schönheit, „beunruhige mich nicht wegen des Buckligen, Allah verdamme seinen Vater; und lass das Scherzen mit mir; denn dieser Knecht wurde nur für zehn Dinare und eine Schüssel Fleisch gemietet, und er nahm seinen Lohn und ging seines Weges. Was mich betrifft, so betrat ich das Brautgemach, wo ich meinen wahren Bräutigam sitzen fand, nachdem die Sängerinnen mich ihm präsentiert hatten; derselbe, der ihre Hände mit rotem Gold gekreuzt hatte, bis jeder Bettler, der anwesend war, reich wurde; und ich verbrachte die Nacht an der Brust meines schönen Mannes, eines sehr lebhaften Lieblings, mit seinen schwarzen Augen und den zusammengewachsenen Brauen.“ Als ihr Vater diese Worte hörte, wurde das Licht vor seinem Gesicht zur Nacht, und er schrie sie an: „O du Hure! Was ist das, das du mir da erzählst? Wo ist dein Verstand?“ „O mein Vater“, entgegnete sie, „du brichst mein Herz; genug für dich, dass du so hart zu mir warst! Wahrlich, mein Ehemann, der meine Jungfräulichkeit nahm, ist gerade erst zum Abtritt gegangen, und ich fühle, dass ich von ihm empfangen habe.“ Der Wesir stand in großem Staunen auf und betrat den Abtritt, wo er den buckligen Pferdeknecht mit dem Kopf im Loch und den Fersen in der Luft fand. Bei diesem Anblick war er verwirrt und sagte: „Das ist kein anderer als er, der Schurke Buckliger!“ Also rief er ihm zu: „He, Buckliger!“ Der Bucklige grunzte: „Taghúm! Taghúm!“, denkend, es sei der Ifrit, der zu ihm spräche; also schrie ihn der Wesir an und sagte: „Sprich aus, oder ich schlage dir mit diesem Schwert den Kopf ab.“ Dann sagte der Bucklige: „Bei Allah, o Scheich der Ifrits, seit du mich an diesen Ort gesetzt hast, habe ich meinen Kopf nicht gehoben; also Allah sei dein Zeuge, hab Erbarmen und behandle mich freundlich!“ Als der Wesir dies hörte, fragte er: „Was sagst du da? Ich bin der Vater der Braut und kein Ifrit.“ „Genug für dich, dass du mich beinahe hast sterben lassen“, antwortete Quasimodo; „nun geh deines Weges, bevor er über dich kommt, der mich so zugerichtet hat. Konntet ihr mich an niemanden außer der Angebeteten der Büffel und der Geliebten der Ifrits verheiraten? Allah verfluche sie und verfluche den, der mich mit ihr verheiratete und der die Ursache für diesen meinen Fall war.“

Sie sprach: Es ist zu mir gelangt, o glückverheißender König, dass der bucklige Bräutigam zum Vater der Braut sprach: „Allah verfluche den, der die Ursache für diesen meinen Fall war!“ Da sagte der Wesir zu ihm: „Auf und hinaus aus diesem Ort!“ „Bin ich denn wahnsinnig“, rief der Bräutigam, „dass ich mit dir gehen sollte ohne Erlaubnis des Ifrits, dessen letzte Worte zu mir lauteten: Wenn die Sonne aufgeht, erhebe dich und ziehe deines Weges. Ist nun die Sonne aufgegangen oder nicht? Denn ich wage es nicht, mich von diesem Ort zu rühren, bis es soweit ist.“ Der Wesir fragte: „Wer brachte dich hierher?“ Und er antwortete: „Ich kam gestern Nacht hierher für ein natürliches Bedürfnis und um zu tun, was niemand für mich tun kann, als siehe! Eine Maus kam aus dem Wasser, quietschte mich an, schwoll an und wurde groß, bis sie so groß wie ein Büffel war, und sprach zu mir Worte, die in meine Ohren drangen. Dann ließ er mich hier und ging fort, Allah verfluche die Braut und den, der mich mit ihr verheiratete!“ Der Wesir ging auf ihn zu und hob seinen Kopf aus dem Loch der Kloake; und er machte sich auf und lief um sein liebes Leben, kaum glaubend, dass die Sonne aufgegangen sei; und er begab sich zum Sultan, dem er alles erzählte, was ihm mit dem Ifrit widerfahren war. Der Wesir aber kehrte in das Privatgemach der Braut zurück, schmerzlich bekümmert in seinem Geiste um sie, und sagte zu ihr: „O meine Tochter, erkläre mir diese seltsame Angelegenheit!“ Sie erwiderte: „Es ist einfach dies. Der Bräutigam, dem sie mich gestern Abend vorführten, lag die ganze Nacht bei mir, nahm meine Jungfräulichkeit und ich bin schwanger von ihm. Er ist mein Ehemann, und wenn du mir nicht glaubst, so sind da sein Turban, so verdreht wie er war, auf der Bank liegend, und sein Dolch und seine Hose unter dem Bett mit etwas, ich weiß nicht was, darin eingewickelt.“ Als ihr Vater dies hörte, betrat er das Privatgemach und fand den Turban, der dort von Badr al-Din Hasan, dem Sohn seines Bruders, zurückgelassen worden war, und er nahm ihn in die Hand und wendete ihn, sagend: „Dies ist der Turban, den die Wesire tragen, außer dass er aus Mosul-Stoff ist.“ Also öffnete er ihn und, als er etwas fand, das wie ein Amulett aussah, das in den Fes eingenäht war, trennte er das Futter auf und nahm es heraus; dann hob er die Hose auf, worin sich der Beutel mit den tausend Goldstücken befand, und als er auch diesen öffnete, fand er darin ein schriftliches Papier. Dies las er, und es war die Verkaufsquittung des Juden auf den Namen Badr al-Din Hasan, Sohn des Nur al-Din Ali, des Ägypters; und die tausend Dinar waren auch da. Kaum hatte Shams al-Din dies gelesen, als er mit lautem Schrei aufschrie und zu Boden fiel, in Ohnmacht; und sobald er wieder zu sich kam und den Kern der Angelegenheit verstand, staunte er und sagte: „Es gibt keinen Gott außer Gott, dessen Allmacht über allen Dingen ist! Weißt du, o meine Tochter, wer es war, der der Ehemann deiner Jungfräulichkeit wurde?“ „Nein“, antwortete sie, und er sagte: „Wahrlich, er ist der Sohn meines Bruders, dein Vetter, und diese tausend Dinar sind deine Mitgift. Preis sei Allah! Und wollte ich wüsste, wie diese Sache zustande kam!“ Dann öffnete er das Amulett, das eingenäht war, und fand darin ein Papier in der Handschrift seines verstorbenen Bruders, Nur al-Din des Ägypters, des Vaters von Badr al-Din Hasan; und als er die Handschrift sah, küsste er sie immer und immer wieder; und er weinte und klagte über seinen toten Bruder und improvisierte diese Zeilen:

Ich sehe ihre Spuren und zerfließe vor Schmerz, und weine und sehne mich nach ihren einstigen Heimen: Und Ihn flehe ich an, der diesen Trennungsschlag austeilte, dass Er eines Tages gnädig eine sichere Rückkehr gewähre.

Als er mit dem Dichten aufhörte, las er die Schriftrolle und fand darin die Daten der Heirat seines Bruders mit der Tochter des Wesirs von Bassorah verzeichnet, und seines Eingehens zu ihr, und ihre Empfängnis, und die Geburt von Badr al-Din Hasan und die ganze Geschichte seines Bruders und sein Tun bis zu seinem Todestage. So staunte er sehr und bebte vor Freude und, als er die Daten mit seiner eigenen Heirat und seinem Eingehen zu seiner Frau und der Geburt seiner Tochter, Sitt al-Husn, verglich, fand er, dass sie vollkommen übereinstimmten. So nahm er das Dokument und begab sich damit zum Sultan, machte ihn mit dem bekannt, was geschehen war, von Anfang bis Ende; worüber der König staunte und befahl, den Fall sofort aufzuzeichnen. Der Wesir verweilte jenen Tag in Erwartung, den Sohn seines Bruders zu sehen, aber er kam nicht; und er wartete einen zweiten Tag, einen dritten Tag und so weiter bis zum siebten Tag, ohne jede Nachricht von ihm. Da sagte er: „Bei Allah, ich werde eine Tat vollbringen, wie sie vor mir noch nie jemand vollbracht hat!“ Und er nahm Schilfrohrfeder und Tinte und zeichnete auf ein Blatt Papier den Plan des ganzen Hauses, zeigend, wo sich das Privatgemach mit dem Vorhang an solchem Ort befand und die Möbel an solchem anderen und so weiter mit allem, was im Raum war. Dann faltete er die Skizze zusammen und, nachdem er alle Möbel hatte sammeln lassen, nahm er Badr al-Dins Gewänder und den Turban und Fes und das Gewand und den Beutel und trug das Ganze in sein Haus und schloss sie ein gegen das Kommen seines Neffen, Badr al-Din Hasan, des Sohnes seines verlorenen Bruders, mit einem eisernen Vorhängeschloss, auf das er sein Siegel setzte. Was die Tochter des Wesirs betrifft, so gebar sie, als ihr Zeitmaß erfüllt war, einen Sohn wie den Vollmond, das Ebenbild seines Vaters an Schönheit und Lieblichkeit und schönen Proportionen und vollkommener Anmut. Sie schnitten ihm die Nabelschnur und schminkten seine Augenlider mit Kohl, um seine Augen zu stärken, und übergaben ihn den Ammen und Erzieherinnen, ihn Ajib, den Wundervollen, nennend. Sein Tag war wie ein Monat und sein Monat war wie ein Jahr; und als sieben Jahre über ihn vergangen waren, sandte ihn sein Großvater zur Schule, dem Lehrer auftragend, ihn im Koranlesen zu unterweisen und ihn gut zu erziehen. Er blieb vier Jahre in der Schule, bis er begann, seine Mitschüler zu schikanieren und sie zu beschimpfen und zu stoßen und zu prügeln und zu sagen: „Wer unter euch ist wie ich? Ich bin der Sohn des Wesirs von Ägypten!“ Schließlich kamen die Jungen in einer Gruppe, um sich beim Aufseher über den harten Umgang zu beschweren, den sie von Ajib zu erdulden hatten, und er sagte zu ihnen: „Ich werde euch etwas sagen, was ihr mit ihm tun könnt, damit er aufhört, in die Schule zu kommen, und es ist dies: Wenn er morgen eintritt, setzt euch um ihn herum und sage einer von euch zum anderen: Bei Allah, niemand soll mit uns dieses Spiel spielen, es sei denn, er nennt uns die Namen seiner Mama und seines Papa; denn wer die Namen seiner Mutter und seines Vaters nicht kennt, ist ein Bastard, ein Sohn des Ehebruchs, und er soll nicht mit uns spielen.“ Als der Morgen graute, kamen die Jungen zur Schule, Ajib unter ihnen, und alle drängten sich um ihn und sagten: „Wir wollen ein Spiel spielen, bei dem niemand mitmachen darf, außer er kann den Namen seiner Mama und seines Papa nennen.“ Und sie alle riefen: „Bei Allah, gut!“ Dann sagte einer von ihnen: „Mein Name ist Májid und der Name meiner Mami ist Alawiyah und mein Daddi heißt Izz al-Din.“ Ein anderer sprach in gleicher Weise und ein dritter, bis Ajibs Reihe kam, und er sagte: „Mein Name ist Ajib, und der meiner Mutter ist Sitt al-Husn, und der meines Vaters Shams al-Din, der Wesir von Kairo.“ „Bei Allah“, riefen sie, „der Wesir ist nicht dein wahrer Vater.“ Ajib antwortete: „Der Wesir ist mein Vater in aller Wahrheit.“ Dann lachten alle Jungen und klatschten in die Hände über ihn, sagend: „Er weiß nicht, wer sein Papa ist: Verschwinde aus unserer Mitte, denn niemand soll mit uns spielen, außer er kennt den Namen seines Vaters.“ Daraufhin zerstreuten sie sich um ihn herum und lachten ihn aus; so wurde seine Brust beengt und er wäre beinahe an Tränen und verletzten Gefühlen erstickt. Dann sagte der Aufseher zu ihm: „Wir wissen, dass der Wesir dein Großvater ist, der Vater deiner Mutter, Sitt al-Husn, und nicht dein Vater. Was deinen Vater betrifft, so kennst du ihn weder, noch kennen wir ihn; denn der Sultan verheiratete deine Mutter mit dem buckligen Pferdeknecht; aber der Dschinni kam und schlief mit ihr und du hast keinen bekannten Vater. Lass es also, dich allzu vorteilhaft mit den Kleinen der Schule zu vergleichen, bis du weißt, dass du einen rechtmäßigen Vater hast; denn bis dahin wirst du unter ihnen für ein Kind des Ehebruchs gelten. Siehst du nicht, dass selbst der Sohn eines Krämers seinen eigenen Erzeuger kennt? Dein Großvater ist der Wesir von Ägypten; aber was deinen Vater angeht, so kennen wir ihn nicht, und wir sagen in der Tat, dass du keinen hast. So kehre zu deinem gesunden Verstand zurück!“ Als Ajib diese beleidigenden Worte vom Aufseher und den Schuljungen hörte und die Schmach verstand, die sie ihm antaten, ging er sofort hinaus und lief zu seiner Mutter, Sitt al-Husn, um sich zu beklagen; aber er weinte so bitterlich, dass seine Tränen ihm für eine Weile die Sprache verschlugen. Als sie sein Schluchzen hörte und seine Tränen sah, brannte ihr Herz wie Feuer für ihn, und sie sagte: „O mein Sohn, warum weinst du? Allah bewahre die Tränen vor deinen Augen! Sag mir, was dir zugestoßen ist?“ So erzählte er ihr alles, was er von den Jungen und vom Aufseher gehört hatte, und endete mit der Frage: „Und wer, o meine Mutter, ist mein Vater?“ Sie antwortete: „Dein Vater ist der Wesir von Ägypten;“ aber er sagte: „Lüge mich nicht an. Der Wesir ist dein Vater, nicht meiner! Wer ist dann mein Vater? Wenn du mir nicht die reine Wahrheit sagst, werde ich mich mit diesem Gehänge töten.“ Als seine Mutter ihn von seinem Vater sprechen hörte, weinte sie, indem sie sich an ihren Vetter und ihre Hochzeitsnacht mit ihm und alles, was dort geschah, erinnerte, und sie wiederholte diese Zweizeiler:

Liebe in mein Herz entzündeten sie und gingen ihrer Wege, und alles, was ich liebe, wich in fernste Lande: Und als sie mich verließen, verließ mich auch das Ertragen, und als wir uns trennten, sagte die Geduld Adieu: Sie flohen und mit dem Fliehen flohen meine Freuden, in wahrer Beständigkeit flog mein Geist davon: Sie ließen meine Augenlider vor Trennungstränen fließen, und für den Trennungsschmerz sind diese Tropfen fällig: Und wenn ich mich sehne, den Tag der Wiedervereinigung zu sehen, flehe ich unter schmerzhaftem Seufzen um Erbarmen: Dann zeichne ich in meinem tiefsten Herzen ihre Gestalten nach, und Liebe und Sehnsucht erneuern Sorge und Kummer: O ihr, deren Namen wie ein Mantel an mir haften, deren Liebe ich enger noch als ein Hemd an mich zog, Geliebte! Wie lange noch dieser harte Trotz? Wie lange noch diese Trennung und diese scheue, spröde Flucht?

Dann jammerte und schrie sie laut auf und ihr Sohn tat desgleichen; und siehe, da kam der Wesir herein, dessen Herz beim Anblick ihres Klagens brannte, und er sagte: „Was bringt euch zum Weinen?“ So machte die Herrin der Schönheit ihn mit dem bekannt, was sich zwischen ihrem Sohn und den Schuljungen zugetragen hatte; und auch er weinte, sich an seinen Bruder erinnernd und an das, was zwischen ihnen geschehen war und was seiner Tochter widerfahren war und wie er versäumt hatte, herauszufinden, welches Geheimnis in der Sache lag. Dann erhob er sich sofort und, sich in den Audienzsaal begebend, ging er schnurstracks zum König und erzählte seine Geschichte und erbat seine Erlaubnis, ostwärts in die Stadt Bassorah zu reisen und nach dem Sohn seines Bruders zu fragen. Ferner bat er den Sultan, ihm Patentschreiben auszustellen, die ihn ermächtigten, Badr al-Din, seinen Neffen und Schwiegersohn, wo immer er ihn finden möge, festzunehmen. Und er weinte vor dem König, der Mitleid mit ihm hatte und königliche Autographen an seine Statthalter in allen Klimaten und Ländern und Städten schrieb; worüber sich der Wesir freute und Segen für ihn erflehte. Dann, von seinem Souverän Abschied nehmend, kehrte er in sein Haus zurück, wo er sich und seine Tochter und sein Adoptivkind Ajib mit allem ausrüstete, was für einen langen Marsch geeignet war; und er brach auf und reiste den ersten Tag und den zweiten und den dritten und so weiter, bis er in der Stadt Damaskus ankam. Er fand sie einen schönen Ort, reich an Bäumen und Bächen, genau wie der Dichter von ihr sagte:

Als ich in der Stadt Damaskus nächtigte und tagte, schwor die Zeit, ihresgleichen werde sie nimmermehr schauen: Und sorglos schliefen wir unter dem Flügel der Nacht, bis die scheckige Morgenröte ihr Lächeln erneuerte: Und Tautropfen hingen in ihrer Schönheit am Zweig, wie Perlen, die herabfallen sollten, wenn der Zephyr blies: Und der See war die Seite, auf der Vögel lesen und notieren, und die Wolken setzten Punkte auf das, was die Brisen schrieben.

Der Wesir lagerte auf dem offenen Platz namens Al-Hasá; und nachdem er die Zelte aufgeschlagen hatte, sagte er zu seinen Dienern: „Ein Halt hier für zwei Tage!“ Also gingen sie in die Stadt, jeder seinen Geschäften nach, dieser um zu verkaufen und jener um zu kaufen; dieser um ins Hammam zu gehen und jener um die Kathedralmoschee der Banu Umayyah, der Ommajaden, zu besuchen, deren Gleiche nicht auf dieser Welt ist. Ajib ging ebenfalls, mit seinem begleitenden Eunuchen, zur Erholung und Zerstreuung in die Stadt, und der Diener folgte mit einem Stab aus Mandelholz, so schwer, dass, wenn er damit ein Kamel schlüge, das Tier niemals wieder aufstünde. Als die Leute von Damaskus Ajibs Schönheit und Glanz und vollkommene Anmut und Symmetrie sahen (denn er war ein Wunder an Lieblichkeit und gewinnender Anmut, weicher als die kühle Brise des Nordens, süßer als klares Wasser für den Menschen in der Dürre und angenehmer als die Gesundheit, um die der Kranke fleht), folgte ihm eine mächtige Menge, während andere vorausliefen und sich auf den Weg setzten, bis er herankommen würde, damit sie ihn bestaunen könnten, bis, wie das Schicksal es beschlossen hatte, der Eunuch gegenüber dem Laden von Ajibs Vater, Badr al-Din Hasan, stehen blieb. Nun war sein Bart lang und dicht gewachsen und sein Verstand während der zwölf Jahre, die über ihn vergangen waren, gereift, und der Koch und ehemalige Gauner war gestorben, und der sogenannte Hasan von Bassorah war in den Besitz seiner Waren und seines Ladens gekommen, da er vor dem Kadi und Zeugen förmlich adoptiert worden war. Als sein Sohn und der Eunuch vor ihn traten, blickte er auf Ajib und, als er sah, wie sehr schön er war, flatterte und pochte sein Herz, und Blut zog zu Blut und die natürliche Zuneigung sprach sich aus und sein Inneres sehnte sich nach ihm. Er hatte gerade ein Kompott aus Granatapfelkernen mit Zucker zubereitet, und die von Gott eingepflanzte Liebe wirkte in ihm; so rief er nach seinem Sohn Ajib und sagte: „O mein Herr, o du, der du die Meisterschaft über mein Herz und mein Innerstes erlangt hast und nach dem sich mein Inneres sehnt; sag mir, willst du mein Haus betreten und meine Seele erfreuen, indem du von meiner Speise isst?“ Dann strömten ihm Tränen aus den Augen, die er nicht aufhalten konnte, denn er dachte an das, was er gewesen war und was er geworden war. Als Ajib die Worte seines Vaters hörte, sehnte sich auch sein Herz zu ihm, und er blickte den Eunuchen an und sagte zu ihm: „Wahrlich, o mein guter Wächter, mein Herz sehnt sich nach diesem Koch; er ist wie einer, der einen Sohn weit weg von sich hat: so lass uns eintreten und sein Herz erfreuen, indem wir von seiner Gastfreundschaft kosten. Vielleicht kann Allah mich durch unser Tun wieder mit meinem Vater vereinen.“ Als der Eunuch diese Worte hörte, rief er: „Eine feine Sache dies, bei Allah! Sollen die Söhne der Wesire gesehen werden, wie sie in einer einfachen Garküche essen? Wahrlich, ich halte mit diesem Stab das Volk von dir fern, damit sie dich nicht einmal anschauen; und ich wage es nicht, dir zu gestatten, diesen Laden überhaupt zu betreten.“ Als Hasan von Bassorah seine Rede hörte, staunte er und wandte sich mit den Tränen, die über seine Wangen strömten, an den Eunuchen; und Ajib sagte: „Wahrlich, mein Herz liebt ihn!“ Aber er antwortete: „Lass dieses Gerede, du wirst nicht hineingehen.“ Daraufhin wandte sich der Vater an den Eunuchen und sagte: „O würdiger Herr, warum willst du meine Seele nicht erfreuen, indem du meinen Laden betrittst? O du, der du wie eine Kastanie bist, außen dunkel, aber weiß von Herzen innen! O du, von dessen Art ein gewisser Dichter sagte...“ Der Eunuch brach in Gelächter aus und fragte: „Was sagte er? Sprich aus bei Allah und mach schnell damit.“ So begann Hasan der Bassorite, diese Zweizeiler zu rezitieren:

Wenn er nicht Meister der Manieren oder irgendetwas außer diskret ist, könnte er im Haushalt der Könige kein Vertrauen genießen: Und dann für den Harem! Was für ein Eunuch ist er, dem die Engel aus Liebe zu seinem Dienst dienen würden.

Der Eunuch sah den Jungen an und sprach zu ihm: „Was hast du zu sagen, das dich zu solchen Worten veranlasst?“ Die Großmutter Ajibs aber war in ihrem Zorn über die Schmähung ihrer Speisen kaum noch zu halten und rief: „Was ist das für ein Koch, der es wagt, meine Speisen zu übertreffen?“ Ajib antwortete: „O meine Herrin, bei Allah, ich habe heute in der Stadt einen Koch gesehen, der Granatapfelkerne mit Mandeln und Zucker auf eine Weise zubereitete, dass einem allein beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlief. Sein Laden ist so rein, und er selbst ist ein Mann von solcher Güte, dass ich wünschte, er wäre hier.“

Als die Großmutter dies hörte, stieg ein Verdacht in ihr auf, der ihr Herz erschütterte, und sie sprach zum Eunuchen: „Steh auf und geh mit diesem Jungen zu jenem Koch, bringe ihn her und lass dir von ihm die Speise geben, von der er spricht, damit ich erkenne, ob er die Wahrheit sagt oder ob sein Gaumen ihn täuscht.“ Der Eunuch antwortete: „Ich gehorche.“ Er nahm Ajib bei der Hand, und sie eilten erneut in die Stadt, bis sie vor den Laden des Hasan von Bassora traten.

Hasan sah sie kommen, und als er sie erblickte, schlug sein Herz vor Freude, denn er hatte seit ihrem Fortgang keinen Frieden mehr gefunden. Er erhob sich, begrüßte sie mit der größten Ehrerbietung und sprach: „Ihr habt mich mit eurer Anwesenheit geehrt! Sagt mir, was ihr begehrt, damit ich es euch bereiten kann.“ Ajib antwortete: „Wir wollen nichts weiter, als dass du uns von deinem Granatapfelgericht gibst, welches wir vorhin gegessen haben, denn meine Großmutter ist begierig, es zu kosten, um zu sehen, ob es dem gleicht, das sie selbst zubereitet.“

Hasan von Bassora lächelte, ging in seinen Laden und bereitete eine neue Portion mit besonderer Sorgfalt zu, wobei er die besten Zutaten verwendete, die er besaß. Er füllte eine Schale, die er mit Rosenwasser und Moschus verfeinerte, und übergab sie dem Eunuchen. Dann sprach er: „Bei Allah, ich bitte euch, nehmt mich mit zu der gnädigen Frau, denn mein Herz hängt an diesem Jungen, und ich finde keine Ruhe, seit ich ihn das erste Mal sah.“ Ajib, der den Mann nun wohlwollender betrachtete, sagte: „Komm mit uns, doch verhalte dich sittsam und folge uns nicht wie ein Schatten.“

Sie machten sich auf den Weg, Hasan von Bassora hinter ihnen her, bis sie das Zelt der Großmutter erreichten. Als sie eintraten, nahm die Großmutter die Schale entgegen und nahm einen Löffel der Speise zu sich. Im selben Augenblick, als sie den Geschmack auf ihrer Zunge spürte, veränderte sich ihr Gesicht, und sie begann, in unkontrolliertem Schluchzen auszubrechen. Sie rief: „Bei Allah, dies ist die Hand meines Sohnes, Badr al-Din Hasan!“

Sie stürzte aus dem Zelt und sah Hasan von Bassora, der dort wartete. Als sie sein Gesicht erblickte, erkannte sie ihn trotz der Jahre der Trennung und der Narbe auf seiner Stirn, die er von dem Steinwurf seines eigenen Sohnes davongetragen hatte. Sie schrie auf: „Mein Sohn! Mein geliebter Sohn!“ und warf sich ihm in die Arme. Hasan erkannte seine Mutter, und beide sanken zu Boden, überwältigt von dem Schmerz und der Freude ihrer Wiedervereinigung.

Ajib stand sprachlos daneben, unfähig zu begreifen, was geschehen war, bis der Wazir Shams al-Din herbeieilte, von dem Lärm alarmiert. Als er die Geschichte hörte und sah, wie seine Schwester ihren Sohn in den Armen hielt, der zugleich der Mann war, dessen Tochter er vor zehn Jahren zur Frau gegeben hatte, da pries er Allah für seine wunderbaren Fügungen. Er umarmte Badr al-Din Hasan und sprach: „Gelobt sei der, der uns nach so langer Zeit wieder vereint hat!“ Und so war das Leid der Trennung beendet, und sie feierten ein Fest, das in der ganzen Stadt Damaskus seinesgleichen suchte, bis sie schließlich gemeinsam die Reise nach Ägypten antraten, um dort in Frieden und Eintracht zu leben, wie es für eine Familie bestimmt war, die durch Allahs Vorsehung wieder zusammengeführt worden war.

Sie sprach: „Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass Ajibs Großmutter, als sie seine Worte vernahm, in Zorn geriet, den Diener ansah und sprach: ‚Wehe dir! Verdirbst du meinen Sohn und nimmst ihn mit in gewöhnliche Garküchen?‘ Der Eunuch war erschrocken und leugnete, indem er sprach: ‚Wir sind nicht in den Laden gegangen; wir sind nur daran vorbeigegangen.‘ ‚Bei Allah‘, rief Ajib, ‚aber wir sind doch hineingegangen und haben gegessen, bis es uns aus den Nasenlöchern kam, und das Gericht war besser als dein Gericht!‘ Da erhob sich seine Großmutter, ging hin und erzählte es ihrem Schwager, der über den Eunuchen ergrimmte, ihn kommen ließ und fragte: ‚Warum hast du meinen Sohn in eine Garküche mitgenommen?‘ Und der Eunuch, der sich fürchtete, antwortete: ‚Wir sind nicht hineingegangen.‘ Doch Ajib sagte: ‚Wir sind doch hineingegangen und haben Granatapfelkern-Konfitüre gegessen, bis wir satt waren; und der Koch gab uns geeisten und gezuckerten Sorbet zu trinken.‘ Bei diesen Worten verdoppelte sich des Wesirs Zorn, und er befragte den Kastraten, doch da dieser immer noch leugnete, sprach der Wesir zu ihm: ‚Wenn du die Wahrheit sagst, so setz dich und iss vor uns.‘ Er trat also vor und versuchte zu essen, konnte aber nicht und warf den Bissen weg, indem er rief: ‚O mein Herr! Ich bin seit gestern übersättigt.‘ Hierdurch erlangte der Wesir Gewissheit, dass er bei dem Koch gegessen hatte, und befahl den Sklaven, ihn zu verhauen, was sie auch taten. Dann ließen sie eine Rippen-Prügelstrafe auf ihn niedergehen, die ihn brennen machte, bis er um Gnade und Hilfe bei Allah flehte und sprach: ‚O mein Herr, schlag mich nicht mehr, und ich werde dir die Wahrheit sagen.‘ Daraufhin stoppte der Wesir die Bastonade und sagte: ‚Nun sprich die Wahrheit.‘ Der Eunuch sprach: ‚Wisse dann, dass wir den Laden eines Kochs betraten, während er gerade Granatapfelkern-Konfitüre zubereitete, und er setzte uns etwas davon vor: Bei Allah! Ich habe in meinem Leben nie etwas Vergleichbares gegessen, noch jemals etwas Widerwärtigeres gekostet als dieses Zeug, das jetzt vor uns steht.‘ Badr al-Din Hasans Mutter war darüber erzürnt und sprach: ‚Du musst unbedingt zu dem Koch zurückkehren und mir eine Untertasse mit Granatapfelkern-Konfitüre von dem bringen, was in seinem Laden ist, und sie deinem Herrn zeigen, damit er sagen kann, was besser und köstlicher ist, meine oder seine.‘ Der Entmannte sprach: ‚Das werde ich.‘ Sogleich gab sie ihm eine Untertasse und einen halben Dinar, und er kehrte in den Laden zurück und sprach zu dem Koch: ‚O Scheich aller Köche, wir haben in meines Herrn Haus eine Wette über deine Kochkunst abgeschlossen, denn sie haben dort ebenfalls Granatapfelkern-Konfitüre; gib mir also für diesen halben Dinar etwas davon und pass auf; denn ich habe wegen deiner Kochkunst eine volle Mahlzeit Prügel gegessen, lass mich also nicht noch mehr davon essen.‘ Hasan von Bassora lachte und antwortete: ‚Bei Allah, niemand kann dieses Gericht so zubereiten, wie es zubereitet werden sollte, außer mir und meiner Mutter, und sie befindet sich zurzeit in einem fernen Land.‘ Dann schöpfte er eine untertassenvoll; und nachdem er sie mit Moschus und Rosenwasser vollendet hatte, legte er sie in ein Tuch, das er versiegelte, und gab es dem Eunuchen, der eilends damit zurückkehrte. Kaum hatte Badr al-Din Hasans Mutter davon gekostet und das feine Aroma und die Vortrefflichkeit der Kochkunst wahrgenommen, da wusste sie, wer es zubereitet hatte, und sie schrie auf und fiel in Ohnmacht. Der Wesir, der sehr erschrocken war, sprengte Rosenwasser auf sie, und nach einiger Zeit erholte sie sich und sprach: ‚Wenn mein Sohn noch auf dieser Welt weilt, dann hat niemand diese Granatapfelkern-Konfitüre zubereitet außer ihm; und dieser Koch ist mein eigener Sohn Badr al-Din Hasan; daran gibt es keinen Zweifel, noch kann es ein Irrtum sein, denn nur ich und er wussten, wie man sie zubereitet, und ich habe es ihn gelehrt.‘ Als der Wesir ihre Worte hörte, freute er sich mit übergroßer Freude und sprach: ‚Oh mein Verlangen nach einem Anblick des Sohnes meines Bruders! Ich frage mich, ob uns die Tage jemals mit ihm vereinen werden! Doch es ist allein dem allmächtigen Allah, auf den wir hoffen, dieses Zusammentreffen herbeizuführen.‘ Dann erhob er sich ohne Zögern oder Verzug, ging zu seinem Gefolge und sagte zu ihnen: ‚Macht euch auf, etwa fünfzig von euch mit Stöcken und Knüppeln zum Laden des Kochs und zerstört ihn; dann bindet ihm seine Arme mit seinem eigenen Turban auf dem Rücken fest, indem ihr sagt: – Du warst es, der dieses üble Granatapfel-Gericht gemacht hat! – und schleift ihn gewaltsam hierher, ohne ihm jedoch ein Leid zuzufügen.‘ Und sie antworteten: ‚Es ist gut.‘ Dann ritt der Wesir ohne einen Augenblick zu verlieren zum Palast und zeigte dem Vizekönig von Damaskus, als er ihn traf, die Befehle des Sultans. Nach aufmerksamer Lektüre küsste er den Brief, legte ihn auf sein Haupt und sprach zu seinem Besucher: ‚Wer ist dieser Übeltäter von dir?‘ Der Wesir sprach: ‚Ein Mann, der Koch ist.‘ So sandte der Vizekönig sogleich seine Gerichtsdiener zum Laden; sie fanden ihn zerstört und alles darin in Stücke gebrochen vor; denn während der Wesir zum Palast ritt, hatten seine Männer seinem Befehl Folge geleistet. Dann warteten sie auf seine Rückkehr von der Audienz, und Hasan von Bassora, der ihr Gefangener war, sagte immer wieder: ‚Ich frage mich, was sie in der Granatapfelkern-Konfitüre gefunden haben, dass es zu solch einem Ende kam!‘ Als der Wesir nach seinem Besuch beim Vizekönig, der ihm die formelle Erlaubnis erteilt hatte, seinen Schuldner mitzunehmen und mit ihm fortzugehen, zu ihnen zurückkehrte, rief er beim Betreten der Zelte nach dem Koch. Sie brachten ihn vor, mit seinem Turban gefesselt; und als Badr al-Din Hasan seinen Onkel sah, weinte er mit übergroßem Weinen und sprach: ‚O mein Herr, was ist mein Vergehen gegen dich?‘ ‚Bist du der Mann, der diese Granatapfelkern-Konfitüre zubereitet hat?‘, fragte der Wesir, und er antwortete: ‚Ja! Hast du darin etwas gefunden, das nach dem Abschlagen meines Kopfes verlangte?‘ Der Wesir sprach: ‚Das wäre das Mindeste von dem, was du verdient hättest!‘ Der Koch sprach: ‚O mein Herr, willst du mir nicht mein Verbrechen nennen und was mit der Granatapfelkern-Konfitüre ist?‘ ‚Gleich‘, erwiderte der Wesir und rief laut nach seinen Männern: ‚Bringt die Kamele her.‘ So brachen sie die Zelte ab, und auf Befehl des Wesirs nahmen die Diener Badr al-Din Hasan, setzten ihn in eine Kiste, die sie verschlossen, und luden sie auf ein Kamel. Dann brachen sie auf und hörten nicht auf zu reisen bis zum Einbruch der Nacht, als sie haltmachten, etwas Speise zu sich nahmen, Badr al-Din Hasan aus seiner Kiste holten, ihm eine Mahlzeit gaben und ihn wieder einsperrten. Sie brachen erneut auf und reisten, bis sie Kimrah erreichten, wo sie ihn aus der Kiste holten und vor den Wesir brachten, der ihn fragte: ‚Bist du derjenige, der diese Granatapfelkern-Konfitüre zubereitet hat?‘ Er antwortete: ‚Ja, o mein Herr!‘; und der Wesir sagte: ‚Legt ihn in Ketten!‘ So legten sie ihn in Ketten, brachten ihn in die Kiste zurück und reisten weiter, bis sie Kairo erreichten und in dem Viertel namens Al-Raydaniyah abstiegen. Dann gab der Wesir Befehl, Badr al-Din Hasan aus der Kiste zu holen, sandte nach einem Zimmermann und sprach zu ihm: ‚Mach mir ein Holzkreuz für diesen Kerl!‘ Badr al-Din Hasan rief: ‚Und was willst du damit tun?‘; und der Wesir antwortete: ‚Ich beabsichtige, dich daran zu kreuzigen, dich daran festzunageln und dich durch die ganze Stadt zu führen.‘ ‚Und warum willst du mich auf diese Weise behandeln?‘ ‚Wegen deiner schändlichen Kochkunst bei der Granatapfelkern-Konfitüre; wie konntest du es wagen, sie zuzubereiten und ohne Pfeffer zu verkaufen?‘ ‚Und weil es an Pfeffer fehlte, willst du mir all das antun? Ist es nicht genug, dass du meinen Laden zerstört, mein Geschirr zerschlagen und mich in eine Kiste gesperrt und mich nur einmal am Tag gefüttert hast?‘ ‚Zu wenig Pfeffer! Zu wenig Pfeffer! Das ist ein Verbrechen, das nur am Kreuz gesühnt werden kann!‘ Dann wunderte sich Badr al-Din Hasan und fing an, um sein Leben zu trauern; woraufhin der Wesir ihn fragte: ‚Worüber denkst du nach?‘; und er antwortete ihm: ‚Über madige Köpfe wie deinen; denn hättest du eine Unze Verstand, hättest du mich nicht so behandelt.‘ Der Wesir sprach: ‚Es ist unsere Pflicht, dich zu bestrafen, damit du Derartiges nicht wieder tust.‘ Badr al-Din Hasan sprach: ‚Wahrlich, mein Vergehen wäre durch das Geringste von dem, was du mir bereits angetan hast, übermäßig bestraft worden; und Allah verfluche jede Granatapfelkern-Konfitüre und verfluche die Stunde, als ich sie kochte, und wünschte, ich wäre gestorben, ehe dies geschah!‘ Doch der Wesir erwiderte: ‚Es gibt kein Entrinnen: Ich muss einen Mann kreuzigen, der Granatapfelkern-Konfitüre ohne Pfeffer verkauft.‘ Die ganze Zeit über formte der Zimmermann das Holz und Badr al-Din schaute zu; und so taten sie, bis zur Nacht, als sein Onkel ihn nahm und in die Kiste sperrte, indem er sagte: ‚Die Sache wird morgen erledigt!‘ Dann wartete er, bis er wusste, dass Badr al-Din Hasan schlief, woraufhin er aufstieg; und die Kiste vor sich nehmend, trat er in die Stadt ein und ritt zu seinem eigenen Haus, wo er abstieg und zu seiner Tochter, Sitt al-Husn, sprach: ‚Gelobt sei Allah, der dich wieder mit deinem Ehemann, dem Sohn deines Onkels, vereint hat! Auf nun, und ordne das Haus, wie es in deiner Hochzeitsnacht war.‘ So erhoben sich die Diener und zündeten die Kerzen an; und der Wesir holte seinen Plan der Brautkammer hervor und wies sie an, was zu tun sei, bis sie alles an seinen Platz gestellt hatten, sodass jeder, der es sah, keinen Zweifel daran gehabt hätte, dass es genau die Nacht der Hochzeit war. Dann befahl er ihnen, Badr al-Din Hasans Turban auf die Bank zu legen, wie er ihn mit eigener Hand abgelegt hatte, und ebenso seine Pluderhose und den Beutel, der unter der Matratze lag; und er sagte seiner Tochter, sie solle sich auskleiden und sich wie in ihrer Hochzeitsnacht in die Privatkammer legen, und fügte hinzu: ‚Wenn der Sohn deines Onkels zu dir hineinkommt, sage zu ihm: – Du hast getrödelt, während du auf dem Abtritt warst; – und rufe ihn, an deiner Seite zu liegen, und halte ihn im Gespräch bis zum Morgengrauen, wenn wir ihm die ganze Angelegenheit erklären werden.‘ Dann befahl er, Badr al-Din Hasan aus der Kiste zu nehmen, nachdem er ihm die Fesseln von den Füßen gelöst und ihm alles ausgezogen hatte, bis auf das feine Hemd aus blauer Seide, in dem er in seiner Hochzeitsnacht geschlafen hatte; sodass er fast nackt und ohne Hose war. All dies geschah, während er schlief und völlig bewusstlos war. Dann, durch das Schicksal bestimmt, wälzte sich Badr al-Din Hasan um und erwachte; und als er sich in einem beleuchteten Vorraum wiederfand, sagte er zu sich selbst: ‚Sicherlich befinde ich mich in den Wirren eines Traums.‘ So erhob er sich und ging ein wenig zu einer inneren Tür, schaute hinein und siehe! er war in genau der Kammer, in der ihm die Braut gezeigt worden war; und dort sah er die Brautnische und die Bank und seinen Turban und all seine Kleider. Als er dies sah, war er verwirrt und schritt mit einem Fuß vor und zog ihn wieder zurück, indem er sagte: ‚Schlafe oder wache ich?‘ Und er begann seine Stirn zu reiben und sagte (denn er war in der Tat völlig erstaunt): ‚Bei Allah, wahrlich, dies ist die Kammer der Braut, die mir gezeigt wurde! Wo bin ich also? Ich war doch sicher eben erst in einer Kiste!‘ Während er mit sich selbst sprach, hob Sitt al-Husn plötzlich die Ecke des Kammervorhangs und sagte: ‚O mein Herr, willst du nicht hereinkommen? Du hast wahrlich lange auf dem Abtritt getrödelt.‘ Als er ihre Worte hörte und ihr Gesicht sah, brach er in Lachen aus und sagte: ‚Wahrlich, dies ist ein wahrer Albtraum unter den Träumen!‘ Dann ging er seufzend hinein und sinnierte darüber nach, was mit ihm geschehen war, und war über seinen Fall verwirrt, und seine Angelegenheit wurde ihm noch dunkler, als er seinen Turban und seine Pluderhose sah und als er, den Beutel fühlend, den Beutel mit den tausend Goldstücken fand. So blieb er stehen und murmelte: ‚Allah ist allwissend! Sicherlich träume ich einen wilden Wachtraum!‘ Dann sagte die Dame der Schönheit zu ihm: ‚Was fehlt dir, dass du verwirrt und ratlos aussiehst?‘; und fügte hinzu: ‚Du warst ein ganz anderer Mann während des ersten Teils der Nacht!‘ Er lachte und fragte sie: ‚Wie lange bin ich schon von dir fort?‘; und sie antwortete ihm: ‚Allah bewahre dich und Sein Heiliger Name sei um dich! Du bist nur vor einer Stunde für ein Bedürfnis hinausgegangen und zurückgekehrt. Hast du deinen Verstand völlig verloren?‘ Als Badr al-Din Hasan dies hörte, lachte er und sagte: ‚Du hast die Wahrheit gesprochen; aber als ich von dir hinausging, vergaß ich mich eine Weile auf dem Abtritt und träumte, dass ich ein Koch in Damaskus sei und dort zehn Jahre lebte; und es kam ein Junge zu mir, der aus den Söhnen der Großen war, und mit ihm ein Eunuch.‘ Hier strich er sich mit der Hand über die Stirn und, als er die Narbe fühlte, rief er: ‚Bei Allah, o meine Herrin, es muss wahr gewesen sein, denn er schlug meine Stirn mit einem Stein und schnitt sie von Augenbraue zu Augenbraue auf; und hier ist das Mal: Es muss also im Wachen gewesen sein.‘ Dann fügte er hinzu: ‚Aber vielleicht habe ich es geträumt, als wir einschliefen, ich und du, in den Armen des anderen, denn mir dünkt, es sei, als wäre ich nach Damaskus gereist, ohne Tarbusch und Hose, und hätte dort als Koch gearbeitet.‘ Dann war er verwirrt und überlegte eine Weile und sagte: ‚Bei Allah, ich bildete mir auch ein, dass ich eine Granatapfelkern-Konfitüre zubereitete und zu wenig Pfeffer hineintat. Bei Allah, ich muss im Schlummer gelegen haben und all dies in einem Traum gesehen haben; aber wie lange war dieser Traum!‘ ‚Allah bei dir‘, sagte Sitt al-Husn, ‚und was sahest du noch?‘ So erzählte er ihr alles; und bald darauf sagte er: ‚Bei Allah, wäre ich nicht aufgewacht, sie hätten mich an ein Holzkreuz genagelt!‘ ‚Weswegen?‘, fragte sie; und er antwortete: ‚Weil ich zu wenig Pfeffer in die Granatapfelkern-Konfitüre tat, und mir deuchte, sie zerstörten meinen Laden und zerschlugen meine Töpfe und Pfannen, vernichteten all mein Zeug und steckten mich in eine Kiste; dann sandten sie nach dem Zimmermann, um ein Kreuz für mich zu zimmern, und hätten mich darauf gekreuzigt. Nun Alhamdolillah! Dank sei Allah, dass all dies im Schlaf geschah und nicht im Wachen.‘ Sitt al-Husn lachte und schloss ihn an ihren Busen und er sie an den seinen: dann dachte er wieder nach und sagte: ‚Bei Allah, es konnte nicht anders sein, als während ich wach war: Wahrlich, ich weiß nicht, was ich davon halten soll.‘ Dann legte er sich nieder und war die ganze Nacht über seinen Fall verwirrt, bald sagend: ‚Ich habe geträumt!‘ und dann sagend: ‚Ich war wach!‘, bis zum Morgen, als sein Onkel Shams al-Din, der Wesir, zu ihm kam und ihn grüßte. Als Badr al-Din Hasan ihn sah, sagte er: ‚Bei Allah, bist du nicht derjenige, der befahl, meine Hände auf dem Rücken zu binden und meinen Laden zu zerschlagen und mich wegen einer Sache mit Granatapfelkern-Konfitüre an ein Kreuz zu nageln, weil das Gericht nicht genügend Pfeffer hatte?‘ Woraufhin der Wesir zu ihm sprach: ‚Wisse, o mein Sohn, dass die Wahrheit sie wahrhaftig erwiesen hat und das Verborgene enthüllt wurde! Du bist der Sohn meines Bruders, und ich tat all dies mit dir, um mich zu vergewissern, dass du in der Tat derjenige warst, der in jener Nacht zu meiner Tochter einging. Ich konnte mir dessen nicht sicher sein, bis ich sah, dass du die Kammer und deinen Turban und deine Hose und dein Gold und die Papiere in deiner Handschrift und in der deines Vaters, meines Bruders, kanntest; denn ich hatte dich nie zuvor gesehen und kannte dich nicht; und was deine Mutter betrifft, so habe ich sie dazu bewogen, mit mir aus Bassora zu kommen.‘ Indem er dies sagte, warf er sich an die Brust seines Neffen und weinte vor Freude; und Badr al-Din Hasan, der diese Worte von seinem Onkel hörte, wunderte sich mit übergroßem Staunen und fiel ihm um den Hals und vergoss ebenfalls Tränen vor überströmender Wonne. Dann sprach der Wesir zu ihm: ‚O mein Sohn, der einzige Grund für all dies ist, was sich zwischen mir und deinem Vater zutrug;‘ und er erzählte ihm die Art und Weise, wie sein Vater nach Bassora wanderte und alles, was geschehen war, um sie zu trennen. Zuletzt sandte der Wesir nach Ajib; und als sein Vater ihn sah, rief er: ‚Und das ist der, der mich mit dem Stein schlug!‘ Der Wesir sprach: ‚Dies ist dein Sohn!‘ Und Badr al-Din Hasan warf sich auf seinen Jungen und begann zu rezitieren: –

Lange habe ich über des Abschieds Bann und Pein geweint, ✿ Lange haben aus meinen Augen Tränenströme geregnet: Und ich gelobte, wenn die Zeit die Wiedervereinigung bringt, ✿ Dass meine Zunge den Namen ‚Abschied‘ fortan nicht mehr nennt: Freude hat mich übermannt, bis zu dieser Not, dass ich ✿ Vor Freude nun Tränen vergießen muss: Ihr seid so an Tränen gewöhnt, o meine Augen! ✿ Ihr weint vor Vergnügen, wie ihr vor Schmerz weint.

Als er seine Verse beendet hatte, kam seine Mutter herein, warf sich auf ihn und begann zu rezitieren: –

Als wir uns trafen, klagten wir, ✿ Unsere Herzen waren wund bedrängt: Doch Klage ist nicht angenehm, ✿ Vom Mund eines Boten.

Dann weinte sie und erzählte ihm, was ihr seit seinem Abschied widerfahren war, und er erzählte ihr, was er gelitten hatte, und sie dankten Allah dem Allmächtigen für ihre Wiedervereinigung. Zwei Tage nach seiner Ankunft ging der Wesir Shams al-Din zum Sultan und, indem er den Boden zwischen seinen Händen küsste, begrüßte er ihn mit dem Gruß, der Königen gebührt. Der Sultan freute sich über seine Rückkehr, und sein Gesicht erhellte sich, und während er ihn hart an seine Seite setzte, bat er ihn, alles zu erzählen, was er auf seiner Wanderschaft gesehen hatte und was ihm bei seinem Gehen und Kommen widerfahren war. So erzählte ihm der Wesir alles, was von Anfang bis Ende geschehen war, und der Sultan sprach: ‚Dank sei Allah für deinen Sieg und die Erfüllung deines Wunsches und deine sichere Rückkehr zu deinen Kindern und deinem Volk! Und nun muss ich den Sohn deines Bruders, Hasan von Bassora, sehen, also bringe ihn morgen in den Audienzsaal.‘ Shams al-Din erwiderte: ‚Dein Sklave wird morgen in deiner Gegenwart stehen, Inschallah, wenn es Gottes Wille ist.‘ Dann grüßte er ihn und, als er in sein eigenes Haus zurückkehrte, informierte er seinen Neffen über den Wunsch des Sultans, ihn zu sehen, worauf Hasan, ehemals der Bassorit, antwortete: ‚Der Sklave ist den Befehlen seines Herrn gehorsam.‘ Und das Ergebnis war, dass er am nächsten Tag seinen Onkel, Shams al-Din, zum Diwan begleitete; und, nachdem er den Sultan gegrüßt und ihm in förmlichster Ehrerbietung und mit höfischster Unterwürfigkeit Reverenz erwiesen hatte, begann er diese Verse zu improvisieren: –

Der Erste im Rang, der sich herablässt, den Boden zu küssen, ✿ Vor Euch, wird alle Enden und Ziele erreichen: Ihr seid der Quell der Ehre; und wer auf Euch hofft, ✿ Wird mehr Ehre erlangen, als die Hoffnung zu hoffen wagte.

Der Sultan lächelte und winkte ihm, sich zu setzen. So nahm er einen Platz nahe bei seinem Onkel, Shams al-Din, ein, und der König fragte ihn nach seinem Namen. Badr al-Din Hasan sprach: ‚Der Geringste deiner Sklaven ist bekannt als Hasan der Bassorit, der Tag und Nacht beharrlich für dich betet.‘ Der Sultan war erfreut über seine Worte und, da er gesinnt war, seine Bildung zu prüfen und seine gute Erziehung zu beweisen, fragte er ihn: ‚Erinnerst du dich an Verse zum Lob des Muttermals auf der Wange?‘ Er antwortete: ‚Das tue ich‘, und begann zu rezitieren: –

Wenn ich an meine Liebe und unseren Trennungsschmerz denke, ✿ Entweichen meine Seufzer und meine Tränen brechen hervor: Es ist ein Muttermal, das mich in Farbe und Charme erinnert ✿ An das Schwarz des Auges und das Korn des Herzens.

Der König bewunderte und lobte die zwei Zweizeiler und sprach zu ihm: ‚Zitiere noch etwas anderes; Allah segne deinen Vater und möge deine Zunge niemals ermüden!‘ So begann er: –

Diesen Fleck des Wangen-Muttermals glichen sie einem Korn ✿ Von Moschus, noch übertrieben sie hier den Vergleich: Nein, staune über das Gesicht, das alle ✿ Schönheit umfasst, noch um ein einziges Korn zurückbleibt.

Der König bebte vor Vergnügen und sprach zu ihm: ‚Sag mehr: Allah segne deine Tage!‘ So begann er: –

O du, dessen Muttermal auf der Wange thront und erinnert ✿ An einen Punkt aus Moschus auf einem Stein von Rubin, Gewähre mir deine Gunst! Sei nicht von Stein im Herzen! ✿ Kern meines Herzens, dessen einzige Nahrung du bist!

Da sprach der König: „Ein trefflicher Vergleich, o Hasan! Du hast vortrefflich gesprochen und dich als in allen Künsten bewandert erwiesen! Nun erkläre mir, wie viele Bedeutungen es in der arabischen Sprache für das Wort Khál oder Muttermal gibt.“ Er antwortete: „Allah bewahre den König! Siebenundfünfzig, und einige sagen nach der Überlieferung fünfzig.“ Der Sultan sagte: „Du sprichst die Wahrheit“, und fügte alsbald hinzu: „Hast du Wissen um die Vorzüge der Schönheit?“ „Ja“, antwortete Badr al-Din Hasan, „Schönheit besteht in der Leuchtkraft des Antlitzes, der Reinheit des Teints, der Wohlgeformtheit der Nase, der Sanftmut der Augen, der Süße des Mundes, der Gewandtheit der Rede, der Schlankheit der Gestalt und der Anmut aller Attribute.“ Doch der Gipfel der Schönheit liegt im Haar, und wahrlich, al-Shiháb der Hijazi hat all diese Punkte in seinen Versen im Metrum Rajaz zusammengefasst, und sie lauten so:

Sag zur Haut: „Sei zart“, zum Antlitz: „Sei schön“; und schaue, niemand soll tadeln, wie sehr du auch starrst: Eine feine Nase wird in der Liste der Schönheit hoch geschätzt; nicht minder ein Auge, voll, hell und heiter. Ebenso taten sie wohl daran, die lieblichen Lippen zu preisen (die selbst mir den Schlaf niemals gönnen werden); Eine gewinnende Zunge, ein hoher und gerader Wuchs; eine anmutige Verbindung der seltensten Gaben: Doch den Gipfel der Schönheit erblickt man im Haar; so höre mein Lied und entschuldige es mit ein paar Worten!

Der Sultan war von seinem Gespräch gefesselt und betrachtete ihn als Freund, weshalb er fragte: „Welche Bedeutung liegt in dem Sprichwort ‚Shurayh ist schlauer als der Fuchs‘?“ Und er antwortete: „Wisse, o König (den der allmächtige Allah bewahre!), dass der Rechtsgelehrte Shurayh während der Tage der Pest zu besuchen pflegte Al-Najaf; und wann immer er aufstand, um zu beten, kam ein Fuchs, der sich ihm gegenüber aufstellte und ihn durch das Nachahmen seiner Bewegungen von seiner Andacht ablenkte. Als ihm dies zu langwierig wurde, legte er eines Tages sein Hemd ab, steckte es auf einen Stock und schüttelte die Ärmel aus; dann setzte er seinen Turban darauf und gürtete dessen Mitte mit einem Schal und steckte es an die Stelle, wo er zu beten pflegte. Alsbald trottete der Fuchs gemäß seiner Gewohnheit heran und stellte sich vor die Figur, woraufhin Shurayh hinter ihn trat und ihn fing.“ Daher sagt der Sprecher: „Shurayh ist schlauer als der Fuchs.“ Als der Sultan die Erklärung von Badr al-Din Hasan hörte, sagte er zu seinem Onkel, Shams al-Din: „Wahrlich, dieser Sohn deines Bruders ist vollkommen in höfischer Erziehung, und ich glaube nicht, dass seinesgleichen in Kairo zu finden ist.“ Da erhob sich Hasan, küsste den Boden vor ihm und setzte sich wieder, wie ein Mameluk vor seinem Herrn sitzen sollte. Als der Sultan sich so von seiner höfischen Erziehung und Haltung sowie seinem Wissen um die freien Künste und die schönen Wissenschaften überzeugt hatte, freute er sich mit überaus großer Freude, bekleidete ihn mit einem prachtvollen Ehrenkleid und beförderte ihn in ein Amt, durch das er seine Lage verbessern konnte. Daraufhin erhob sich Badr al-Din Hasan, küsste den Boden vor dem König, wünschte ihm Fortdauer des Ruhms und erbat die Erlaubnis, sich mit seinem Onkel, dem Wesir Shams al-Din, zurückzuziehen. Der Sultan gewährte ihm die Erlaubnis, er trat hinaus, und die beiden kehrten nach Hause zurück, wo ihnen Speise vorgesetzt wurde und sie aßen, was Allah ihnen gegeben hatte. Nach Beendigung seiner Mahlzeit begab sich Hasan in das Sitzgemach seiner Frau, der Dame der Schönheit, und erzählte ihr, was sich zwischen ihm und dem Sultan zugetragen hatte; woraufhin sie sagte: „Er wird nicht umhin können, dich zum Tischgenossen zu machen, dir überreichlich Geschenke zu geben und dich mit Gunstbezeugungen und Gaben zu überhäufen; so wirst du, mit Allahs Segen, wie das größere Licht die Strahlen deiner Vollkommenheit verbreiten, wo immer du auch sein magst, an Land oder auf See.“ Er sagte zu ihr: „Ich habe den Vorsatz, eine Kasidah, eine Ode, zu seinem Lobe zu verfassen, auf dass er seine Zuneigung zu mir verdopple.“ „Du hast Recht in deiner Absicht“, antwortete sie, „also sammle deinen Verstand und wäge deine Worte, und ich werde gewiss sehen, wie mein Ehemann mit seiner höchsten Gunst bedacht wird.“ Daraufhin schloss sich Hasan ein und verfasste diese Verse auf festem Grund, reich an innerer Anmut, und schrieb sie in einer Handschrift von feinstem Geschmack nieder. Sie lauten wie folgt:

Mein ist ein Gebieter, der den höchsten Stand erreichte, wandernd auf den Pfaden der Guten und Großen: Seine Gerechtigkeit macht alle Lande sicher und gewiss, und gegen trotzige Feinde verriegelt sie jedes Tor: Kühner Löwe, Held, Heiliger, selbst wenn du ihn Seraph oder Herrscher nennst, er mag mit allen messen! Der ärmste Bittsteller kehrt reich von ihm zurück, alle Worte, ihn zu preisen, wären unzulänglich. Er ist für den Tag des Friedens ein safrangelber Morgen, und finstere Nacht im Zorn des Krieges. Unter seinen Gaben neigen sich unsere Nacken, und durch seine Taten genießt er als König freigeborener Seelen seinen Stand: Allah vermehre für uns seine Lebensjahre, und wende von seinem Los alle Gefahren und Ängste ab!

Als er das Abschreiben der Zeilen beendet hatte, sandte er sie durch einen Sklaven seines Onkels an den Sultan, der sie durchlas, und seine Phantasie war erfreut; so las er sie den Anwesenden vor, und alle priesen sie mit dem höchsten Lobe. Daraufhin sandte er nach dem Verfasser in sein Sitzgemach und sprach zu ihm: „Du bist von heute an mein Tischgenosse, und ich setze dir einen monatlichen Sold von tausend Dirham fest, zusätzlich zu dem, was ich dir zuvor gewährt habe.“ So erhob sich Hasan, küsste mehrmals den Boden vor dem König und betete für die Fortdauer seiner Größe, seines Ruhms sowie für Länge seines Lebens und seiner Kraft. So stieg Badr al-Din Hasan der Bassorite in hohem Ansehen, sein Ruhm flog in viele Länder, und er verweilte in allem Komfort, Trost und Lebensgenuss bei seinem Onkel und seinen Angehörigen, bis der Tod ihn ereilte. Als der Kalif Harun al-Rashid diese Geschichte aus dem Munde seines Wesirs, Ja'afar dem Barmekiden, hörte, staunte er sehr und sagte: „Es geziemt sich, dass diese Geschichten in Buchstaben aus flüssigem Gold geschrieben werden.“ Dann ließ er den Sklaven frei und wies dem Jüngling, der seine Frau erschlagen hatte, ein solches monatliches Stipendium zu, das ausreichte, ihm das Leben zu erleichtern; er gab ihm auch eine Konkubine aus seinen eigenen Sklavinnen, und der junge Mann wurde einer seiner Tischgenossen. „Doch diese Geschichte“, fuhr Shahrazad fort, „ist keineswegs seltsamer als die Erzählung vom Schneider und dem Buckligen und dem Juden und dem Aufseher und dem Nazarener und was ihnen widerfuhr.“ Der König fragte: „Und was mag das sein?“ So begann Shahrazad mit diesen Worten:

Es war einmal ein Schneider in einer der Städte Chinas, der sehr gern scherzte und sich an den Vergnügungen der Welt erfreute. Eines Tages, als er mit seiner Frau unterwegs war, traf er auf einen Buckligen, dessen Gestalt und Mienen ihn derart belustigten, dass er ihn für den Abend zu sich nach Hause einlud, um gemeinsam zu essen. Der Bucklige nahm die Einladung an, und der Schneider ging mit seiner Frau auf den Markt, wo er Fisch und andere Köstlichkeiten kaufte. Als sie nach Hause zurückkehrten, setzten sie sich an die Tafel und begannen zu essen. Doch während der Bucklige einen Bissen Fisch verzehrte, blieb ihm eine Gräte im Hals stecken, und nach nur wenigen Augenblicken verschied er, ohne noch ein Wort hervorbringen zu können.

Der Schneider geriet in große Bestürzung und rief: „Was für ein Unglück! Dass ein Mann in meinem Haus sterben muss, ist ein böses Omen.“ Voller Angst, der Vorfall könne zu seiner Verhaftung führen, trug er den Leichnam des Buckligen in die Wohnung eines jüdischen Arztes, der dort in der Nähe wohnte. Er klopfte an die Tür, und eine Sklavin öffnete. Als der Schneider den Körper des Buckligen sah, stützte er ihn gegen die Türpfosten und sagte zu der Sklavin: „Sag deinem Herrn, dass hier ein Patient wartet, und gib ihm diesen Dinar als Bezahlung.“ Kaum hatte sich der Schneider entfernt, trat der Arzt aus seinem Zimmer. In der Dunkelheit stieß er den Buckligen versehentlich um, sodass dieser die Treppe hinunterfiel. Der Arzt rief laut um Hilfe und glaubte, er habe den Mann durch seinen Stoß getötet.

In seiner Panik rief er seine Frau herbei, und gemeinsam trugen sie den vermeintlich Toten auf das Dach ihres Hauses und ließen ihn heimlich in das Haus des königlichen Aufsehers hinab, der für die Märkte zuständig war. Der Aufseher, der gerade von einem Rundgang zurückkehrte, sah eine Gestalt im Schatten stehen und rief: „Wer bist du? Was willst du hier?“ Als er keine Antwort erhielt, schlug er mit seinem Stock auf den Körper ein, bis er erkannte, dass der Mann bereits tot war. „Wehe mir! Ich habe den Königsmann erschlagen“, rief er entsetzt. Um die Tat zu verschleiern, trug er den Buckligen auf die Straße und lehnte ihn gegen eine Wand, wo ihn wenig später ein betrunkener christlicher Kaufmann entdeckte.

Der Christ, der den Buckligen für einen Räuber hielt, der ihn überfallen wollte, versetzte ihm einen Schlag und rief um Hilfe. Ein vorbeikommender Nachtwächter wurde auf den Lärm aufmerksam, trat hinzu und sah den Buckligen am Boden liegen. Er verhaftete den Christen und führte ihn vor den Richter, während er schrie: „Dieser Christ hat den Mann ermordet!“ Der Kaufmann wurde in Ketten gelegt, und man bereitete alles für seine Hinrichtung vor. Doch als die Vollstreckung bevorstand, trat der königliche Aufseher vor und rief: „Nicht er ist es, der ihn tötete, sondern ich!“ Daraufhin meldete sich der jüdische Arzt, um zu bekennen, dass er den Buckligen in seinem Haus gefunden hatte.

Als der Schneider von diesem Wirrwarr hörte, drängte er sich durch die Menge und rief: „Keiner von ihnen hat ihn getötet, außer mir!“ Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer, bis sie den König erreichte, der das Urteil über den Schneider fällen sollte. Doch der Schneider, begabt mit Witz und Redegewandtheit, begann vor dem König zu erzählen, wie es sich wirklich zugetragen hatte, und bat um Gnade für sich und die anderen, die allesamt in die Verkettung der Umstände geraten waren. Der König war von der Seltsamkeit der Begebenheit so amüsiert, dass er befahl, die gesamte Geschichte schriftlich festzuhalten, und alle Beteiligten freisprach, während er den Schneider für seine unterhaltsame Erzählkunst belohnte.

Es gibt keinen ehrlicheren Mann als den türkischen Bauern oder den einfachen Soldaten; doch der Prozess des Verfalls beginnt, sobald er zum Korporal befördert wird, und findet seine Vollendung im Pascha. Überdies wird offizielle Unehrlichkeit von der öffentlichen Meinung geduldet, weil sie zum Zustand der Gesellschaft gehört. Ein Mann kauft sich ein Amt (wie vor zwei Jahrhunderten in England) und behält es durch Geschenke an die Amtsleiter. Folglich muss er sich auf irgendeine Weise schadlos halten, und meist tut er dies, indem er die Armen unterdrückt und Witwen und Waisen ausbeutet. Das radikale Heilmittel ist eine hohe Bezahlung; doch jene Phase der Gesellschaft weigert sich, sie aufzubringen.

Fußnote 493:

Arab. „Malik“ (König) und „Malak“ (Engel); die Wörter werden gleich geschrieben, wenn die Vokale fehlen, was das Wortspiel rechtfertigt.

Fußnote 494:

Arab. „Hurr“; das lateinische „ingenuus“, wörtl. freigeboren; metaphorisch edel im Gegensatz zu einem Sklaven, von dem man keine großen oder guten Taten erwartet. Im allgemeinen Sprachgebrauch entspricht es, wie „Fatá“, unserem „Gentleman“.

Fußnote 495:

Dies ist eine der besten Erzählungen hinsichtlich Humor und Lebendigkeit, und Douce und Madden zeigen, welche reiche Ernte an Fabliaux sie hervorbrachte, deren zentraler Vorfall die Beseitigung einer Leiche war.

DIE GESCHICHTE VOM BUCKELIGEN.

Es ist zu mir gelangt, o glückverheißender König, dass vor alters, in längst vergangenen Jahren und Zeitaltern, in einer gewissen Stadt in China[496] ein Schneider lebte, ein freigebiger Mann, der Vergnügungen und fröhliche Gelage liebte; und er pflegte sich, er und seine Frau, von Zeit zu Zeit mit öffentlichen Zerstreuungen und Belustigungen zu erheitern. Eines Tages gingen sie bei Tagesanbruch aus und kehrten am Abend zurück, als sie auf einen Buckeligen stießen, dessen Anblick selbst den Kummer zum Lachen bringen und die Schrecken der Verzweiflung vertreiben konnte. Also gingen sie auf ihn zu, um sich an seinem Anblick zu erfreuen, und luden ihn ein, mit ihnen nach Hause zu kommen, um sich zu unterhalten und die Nacht mit ihnen zu zechen. Er willigte ein und begleitete sie zu Fuß zu ihrem Heim; woraufhin der Schneider sich auf den Basar begab (die Nacht war gerade hereingebrochen) und einen gebratenen Fisch, Brot, Zitronen und trockenes Konfekt zum Nachtisch kaufte; er setzte die Speisen vor den Buckeligen, und sie aßen. Alsbald nahm die Frau des Schneiders ein großes Stück Fisch, gab es dem Buckeligen in den Mund, hielt ihm diesen mit der Hand zu und sagte: „Bei Allah, du musst es mit einem Schluck hinunterwürgen; ich werde dir keine Zeit zum Kauen lassen.“ Also verschlang er es; doch darin befand sich eine harte Gräte, die ihm in der Kehle stecken blieb, und da seine Stunde gekommen war, starb er. — Und Schahrasad bemerkte das Dämmern des Morgens und hörte auf, ihre erlaubten Worte zu sagen.

Als es nun die Fünfundzwanzigste Nacht war,

Sagte sie: Es ist zu mir gelangt, o glückverheißender König, dass der Buckelige in dem Augenblick starb, als die Frau des Schneiders ihm jenen Bissen Fisch gab, der sein Lebensende bedeutete. Als der Schneider dies sah, rief er laut: „Es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Allah! Wehe, dass dieser arme Wicht auf solch törichte Weise durch unsere Hände sterben musste!“ Und die Frau erwiderte: „Warum dieses unnütze Gerede? Hast du nicht das Wort dessen gehört, der da sprach? —

Warum also vergeude ich meine Zeit in Gram, bis ich keinen Freund finde, der meine Last des Leids trägt? Wie auf einem Feuer schlafen, das ungelöscht flammt? Auf den Flammen zu ruhen wäre wahrlich schwer genug!“

Ihr Mann fragte: „Und was soll ich mit ihm tun?“; und sie antwortete: „Steh auf, nimm ihn in deine Arme und breite ein seidenes Tuch über ihn; dann werde ich ausziehen, und du folgst mir, noch in dieser Nacht, und wenn du jemanden triffst, so sage: Dies ist mein Sohn, und seine Mutter und ich tragen ihn zum Arzt, damit er ihn untersuchen kann.“ Also stand er auf, nahm den Buckeligen in seine Arme und trug ihn durch die Straßen, voraus seine Frau, die immerzu rief: „O mein Sohn, Allah bewahre dich! Welcher Teil schmerzt dich, und wo haben dich diese Pocken[497] befallen?“ So sagten alle, die sie sahen: „Es ist ein Kind, das an den Pocken leidet.“[498] Sie gingen weiter und fragten nach dem Haus des Arztes, bis die Leute sie zu dem eines Mediziners wiesen, der ein Jude war. Sie klopften an die Tür, und es kam eine schwarze Sklavin zu ihnen herab, öffnete und fragte, als sie einen Mann mit einem Kind und eine Frau bei ihm sah: „Was ist das Anliegen?“ „Wir haben ein Kleines bei uns“, antwortete die Frau des Schneiders, „und wir wollen es dem Arzt zeigen: Nimm also diesen Vierteldinar, gib ihn deinem Herrn und lass ihn herabkommen, um meinen Sohn zu sehen, der schwer krank ist.“ Das Mädchen ging hinauf, um ihrem Herrn Bescheid zu sagen, woraufhin die Frau des Schneiders in den Hausflur trat und zu ihrem Mann sagte: „Lass den Buckeligen hier und lass uns um unser Leben fliehen.“ Also trug der Schneider den Toten bis oben an die Treppe, lehnte ihn aufrecht gegen die Wand und lief davon, er und seine Frau. Währenddessen ging das Mädchen zum Juden hinein und sagte zu ihm: „An der Tür sind ein Mann und eine Frau mit einem kranken Kind, und sie haben mir einen Vierteldinar für dich gegeben, damit du hinuntergehst, dir das Kleine ansiehst und ein Rezept verschreibst.“ Sobald der Jude den Vierteldinar sah, freute er sich, stand in seiner Gier nach Gewinn schnell auf und eilte im Dunkeln hinaus; doch kaum hatte er einen Schritt getan, als er über die Leiche stolperte und sie umwarf, woraufhin sie die Treppe hinunterrollte. Er schrie dem Mädchen zu, sich mit dem Licht zu beeilen, und sie brachte es, woraufhin er hinunterging, den Buckeligen untersuchte und feststellte, dass er mausetot war. Da rief er: „O Esra![499] O Moses! O Aaron! O Josua, Sohn Nuns! O die Zehn Gebote! Ich bin über den Kranken gestolpert, er ist die Treppe hinuntergefallen und ist tot! Wie soll ich diesen Mann, den ich getötet habe, aus meinem Haus schaffen? O bei den Hufen des Esels Esras!“ Dann nahm er den Körper auf, trug ihn ins Haus und erzählte seiner Frau, was geschehen war, und sie sagte zu ihm: „Warum bleibst du untätig? Wenn du ihn bis zum Tagesanbruch hier behältst, werden wir beide unser Leben verlieren. Lass uns zwei ihn auf die Dachterrasse tragen und ihn in das Haus unseres Nachbarn, des Muslims, werfen, denn wenn er dort eine Nacht bleibt, werden die Hunde von den angrenzenden Terrassen auf ihn herabkommen und ihn auffressen.“ Nun war sein Nachbar ein Aufseher, der Verwalter der Küche des Sultans, und er pflegte große Vorräte an Öl, Fett und Speiseresten mitzubringen; doch die Katzen und Ratten pflegten es zu fressen, oder wenn die Hunde einen fetten Hammelschwanz witterten, kamen sie von den nächsten Dächern herab und zerrissen ihn; und auf diese Weise hatten die Tiere schon viel von dem beschädigt, was er mit nach Hause brachte. Also trugen der Jude und seine Frau den Buckeligen hinauf auf das Dach; und nachdem sie ihn an Händen und Füßen durch den Lichtschacht[500] in das Haus des Aufsehers hinabgelassen hatten, lehnten sie ihn gegen die Wand und gingen ihrer Wege. Kaum hatten sie dies getan, als der Aufseher, der den Abend bei seinen Freunden verbracht hatte, um einer Rezitation des Korans zu lauschen, nach Hause kam, die Tür öffnete und mit einer brennenden Kerze hinaufging, woraufhin er einen Sohn Adams fand, der in der Ecke unter dem Lüftungsschacht stand. Als er dies sah, sagte er: „Wah! Bei Allah, sehr gut wahrlich! Wer mein Zeug stiehlt, ist niemand anderes als ein Mensch.“ Dann wandte er sich an den Buckeligen und sagte: „Du bist es also, der das Fleisch und das Fett stiehlt! Ich dachte, es wären die Katzen und Hunde, und ich töte die Katzen und Hunde des Viertels und sündige gegen sie, indem ich sie töte. Und die ganze Zeit kommst du vom Hausdach durch den Lichtschacht herunter. Aber ich werde mich mit eigener Hand an dir rächen!“ Also ergriff er einen schweren Hammer, stürzte sich auf ihn, schlug ihn mit voller Wucht auf die Brust, und er fiel nieder. Dann untersuchte er ihn, stellte fest, dass er tot war, schrie entsetzt auf, weil er glaubte, ihn getötet zu haben, und sagte: „Es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Allah, dem Ruhmreichen, dem Großen!“ Und er fürchtete um sein Leben und fügte hinzu: „Allah verfluche das Öl und das Fleisch und das Fett und die Hammelschwänze dazu! Wie hat das Schicksal diesem Mann durch meine Hand den Garaus gemacht!“ Dann betrachtete er den Körper und sah, dass es ein Buckliger war, und sagte: „War es dir nicht genug, ein Buckliger[501] zu sein, dass du auch noch ein Dieb sein musst und Fleisch und Fett stibitzen! O Du Verhüller,[502] würdige mich, mich mit Deinem Schleier der Verborgenheit zu verhüllen!“ Also nahm er ihn auf seine Schultern, ging gegen Ende der Nacht mit ihm aus seinem Haus, trug ihn zum nächsten Ende des Basars, stellte ihn dort auf seine Füße gegen die Wand eines Ladens am Anfang einer dunklen Gasse, ließ ihn dort und ging davon. Nach einer Weile kam ein Nazarener,[503] der Makler des Sultans, der, sehr trunken vom Wein, das öffentliche Bad aufsuchen wollte, da ihm seine Trunkenheit ins Ohr flüsterte: „Wahrlich, der Ruf zum Morgengebet[504] ist nah.“ Er kam schwerfällig dahergewankt, bis er sich dem Buckeligen näherte und hinhockte, um Wasser zu lassen[505] genau vor ihm; als er zufällig um sich blickte und einen Mann an der Wand stehen sah. Nun hatte jemand dem Christen zu Beginn der Nacht seinen Turban[506] vom Kopf gerissen; als er also den Buckeligen in der Nähe sah, bildete er sich ein, dieser wolle ihm ebenfalls die Kopfbedeckung stehlen. Daraufhin ballte er die Faust, schlug ihn auf den Nacken, fällte ihn zu Boden, rief laut nach dem Wächter des Basars und stürzte sich in seiner betrunkenen Wut auf den Körper, wobei er weiter auf die Leiche einschlug und sie würgte. Alsbald kam der Wachtmeister hinzu, fand einen Nazarener, der auf einem Muslim kniete und auf ihn einschlug, und fragte: „Welchen Schaden hat dieser dir zugefügt?“; und der Makler antwortete: „Der Kerl wollte mir den Turban entwenden.“ „Steh von ihm auf“, befahl der Wächter. Er stand auf, der Wachtmeister ging auf den Buckeligen zu, stellte fest, dass er tot war, und rief aus: „Bei Allah, wahrlich gut! Ein Christ, der einen Mohammedaner tötet!“ Dann ergriff er den Makler, band ihm die Hände auf den Rücken und brachte ihn zum Haus des Gouverneurs,[507] und die ganze Zeit sagte der Nazarener zu sich selbst: „O Messias! O Jungfrau! Wie konnte ich diesen Kerl töten? Und wie eilig muss er es gehabt haben, aus diesem Leben zu scheiden, wenn er an einem einzigen Schlag starb!“ Als seine Trunkenheit verflog, wich sie dem Schmerz. Also wurden der Makler und die Leiche bis zum nächsten Morgen im Haus des Gouverneurs behalten, als der Wali herauskam, den Befehl gab, den vermeintlichen Mörder zu hängen, und dem Henker[508] befahl, das Urteil zu verkünden. Sofort errichteten sie einen Galgen, unter dem sie den Nazarener stehen ließen, und der Fackelträger, der der Henker war, legte ihm den Strick um den Hals, führte ein Ende durch den Flaschenzug und war im Begriff, ihn hochzuziehen,[509] als siehe! der Aufseher, der vorbeiging, den Makler am Galgen hängen sah; er drängte sich durch die Menge und rief dem Henker zu: „Halt! Halt! Ich bin es, der den Buckeligen getötet hat!“ Der Gouverneur fragte: „Was hat dich dazu gebracht, ihn zu töten?“; und er antwortete: „Ich kam letzte Nacht nach Hause und fand diesen Mann dort, der durch den Lüftungsschacht gekommen war, um mein Eigentum zu stehlen; also schlug ich ihn mit einem Hammer auf die Brust, und er starb auf der Stelle. Dann nahm ich ihn auf, trug ihn zum Basar und stellte ihn gegen die Wand an einem solchen Ort in der Nähe einer solchen Gasse“; und fügte hinzu: „Ist es mir nicht genug, einen Muslim getötet zu haben, ohne auch noch einen Christen zu töten? Also hänge niemand anderen als mich.“ Als der Gouverneur diese Worte hörte, ließ er den Makler frei und sagte zum Fackelträger: „Hänge diesen Mann nach seinem eigenen Geständnis auf.“ Also löste er den Strick vom Hals des Nazareners, legte ihn um den des Aufsehers, ließ ihn unter dem Galgen stehen und war im Begriff, ihn aufzuknüpfen, als siehe! der jüdische Arzt drängte sich durch die Menge und schrie den Henker an: „Halt! Halt! Ich war es und niemand sonst, der den Buckeligen getötet hat! Letzte Nacht saß ich zu Hause, als ein Mann und eine Frau an die Tür klopften, die diesen Buckligen trugen, der krank war, und meiner Magd einen Vierteldinar gaben, mit der Bitte, mir das Honorar zu übergeben und mir zu sagen, ich solle herabkommen und ihn untersuchen. Während sie weg war, brachten der Mann und die Frau ihn ins Haus, setzten ihn auf die Treppe und gingen weg; und als ich bald darauf hinunterkam und ihn nicht sah, weil ich im Dunkeln war, stolperte ich über ihn, er fiel an den Fuß der Treppe und starb im selben Moment. Dann nahmen wir ihn auf, ich und meine Frau, und trugen ihn auf die oberste Terrasse; und da das Haus dieses Aufsehers neben meinem liegt, ließen wir den Körper durch den Lüftungsschacht hinab. Als er nach Hause kam und den Buckeligen in seinem Haus fand, bildete er sich ein, es sei ein Dieb, und schlug ihn mit einem Hammer, so dass er zu Boden fiel, und unser Nachbar war sich sicher, ihn erschlagen zu haben. Ist es mir nun nicht genug, einen Muslim unwissentlich getötet zu haben, ohne mich damit zu belasten, einem anderen Muslim wissentlich das Leben zu nehmen?“ Als der Gouverneur dies hörte, sagte er zum Henker: „Lass den Aufseher frei und hänge den Juden.“

Daraufhin nahm ihn der Fackelträger und legte ihm die Schlinge um den Hals, als siehe! der Schneider drängte sich durch die Menge und schrie dem Henker zu: „Halt! Halt! Ich war es und niemand sonst, der den Buckeligen getötet hat; und dies war die Art und Weise. Ich war gestern aus, um mich zu vergnügen, und als ich zum Abendessen zurückkam, stieß ich auf diesen Buckligen, der betrunken war, auf seiner Handtrommel trommelte und kräftig sang. Also sprach ich ihn an, trug ihn in mein Haus, kaufte einen Fisch, und wir setzten uns zum Essen hin. Alsbald nahm meine Frau ein Stück Fisch, machte einen Bissen daraus[510] und stopfte ihn ihm in den Mund; doch ein Teil davon ging in die falsche Röhre oder blieb ihm in der Kehle stecken, und er starb auf der Stelle. Also hoben wir ihn auf, ich und meine Frau, und trugen ihn zum Haus des Juden, wo die Sklavin herabkam und uns die Tür öffnete, und ich sagte zu ihr: „Sag deinem Herrn, dass da ein Mann, eine Frau und ein Kranker sind, die du sehen musst!“ Ich gab ihr einen Vierteldinar, sie ging hinauf, um ihrem Herrn Bescheid zu sagen; und während sie weg war, trug ich den Buckeligen an den Anfang der Treppe, lehnte ihn gegen die Wand und ging mit meiner Frau fort. Als der Jude herunterkam, stolperte er über ihn und dachte, er hätte ihn getötet.“ Dann fragte er den Juden: „Ist das die Wahrheit?“; und der Jude antwortete: „Ja.“ Daraufhin wandte sich der Schneider an den Gouverneur und sagte: „Lass den Juden gehen und hänge mich.“ Als der Gouverneur die Geschichte des Schneiders hörte, wunderte er sich über die Angelegenheit dieses Buckeligen und rief aus: „Wahrlich, dies ist ein Abenteuer, das in Büchern aufgezeichnet werden sollte!“ Dann sagte er zum Henker: „Lass den Juden gehen und hänge den Schneider auf sein eigenes Geständnis hin.“ Der Henker nahm den Schneider, legte ihm den Strick um den Hals und sagte: „Ich habe diese langsame Arbeit satt: Wir bringen diesen heraus und tauschen ihn gegen jenen anderen, und am Ende wird niemand gehängt!“ Nun war der besagte Buckelige, so wird berichtet, der Hofnarr des Sultans von China, der ihn keinen Augenblick aus den Augen lassen konnte; als der Bursche also betrunken wurde und jene Nacht oder den nächsten Tag bis Mittag nicht erschien, fragte der Sultan einige seiner Höflinge nach ihm, und sie antworteten: „O unser Herr, der Gouverneur hat ihn tot aufgefunden und befohlen, seinen Mörder zu hängen; doch als der Henker gerade dabei war, ihn hochzuziehen, kamen ein zweiter, ein dritter und ein vierter, und jeder sagte: „Ich bin es und niemand sonst, der den Buckeligen getötet hat!“, und jeder gab eine vollständige und ausführliche Darstellung davon, wie der Narr getötet worden war.“ Als der König dies hörte, rief er dem wartenden Kammerherrn zu: „Geh hinunter zum Gouverneur und bring mir alle vier.“ Also ging der Kammerherr sofort zur Richtstätte, wo er den Fackelträger gerade dabei fand, den Schneider aufzuhängen, und rief ihm zu: „Halt! Halt!“ Dann überbrachte er dem Gouverneur den Befehl des Königs, der den Schneider, den Juden, den Nazarener und den Aufseher nahm (wobei der Körper des Buckeligen auf den Schultern von Männern getragen wurde) und mit einem jeden von ihnen zum König hinaufging. Als er in dessen Gegenwart trat, küsste er den Boden und machte den Herrscher mit der ganzen Geschichte bekannt, was unnötig zu erzählen ist, denn wie man sagt: — Es hat keinen Nutzen, eine dreimal erzählte Geschichte zu wiederholen. Der Sultan wunderte sich, als er sie hörte, war zu Heiterkeit bewegt und befahl, die Geschichte in Buchstaben aus flüssigem Gold niederzuschreiben, während er zu den Anwesenden sagte: „Habt ihr je eine wundersamere Geschichte gehört als die meines Buckeligen?“ Daraufhin trat der Nazarener-Makler vor und sagte: „O König des Zeitalters, mit deiner Erlaubnis werde ich dir eine Sache erzählen, die mir selbst widerfahren ist und die noch wundersamer und erstaunlicher und erfreulicher und entzückender ist als die Geschichte vom Buckeligen.“ Der König sprach: „Erzähle uns, was du zu sagen hast!“ Also begann er mit diesen Worten:

DIE GESCHICHTE DES NAZARENER-MAKLERS.

O König des Zeitalters, ich kam mit Waren in dieses dein Land, und das Schicksal hielt mich hier bei dir fest; doch mein Geburtsort war Kairo in Ägypten, wo ich auch aufwuchs, denn ich bin einer der Kopten, und mein Vater war vor mir Makler. Als ich das Mannesalter erreichte, schied er aus diesem Leben, und ich trat sein Erbe in seinem Geschäft an. Eines Tages, als ich in meinem Laden saß, siehe, da kam ein Jüngling auf mich zu, so schön, wie er nur sein konnte, bekleidet mit prächtigen Gewändern und auf einem feinen Esel reitend. Als er mich sah, grüßte er mich, und ich stand auf, um ihm Ehre zu erweisen; dann holte er ein Tuch hervor, das eine Probe von Sesam enthielt, und fragte: „Wie viel ist dies pro Ardabb wert?“, worauf ich antwortete: „Einhundert Dirham.“ Er sprach: „Nimm Träger und Eichmeister und Abwäger und komm morgen zum Khan al-Jawáli beim Viertel des Tores des Sieges, wo du mich finden wirst.“ Dann zog er von dannen und ließ die Sesamprobe in seinem Tuch bei mir; und ich ging meine Kunden ab und stellte fest, dass jeder Ardabb einhundertzwanzig Dirham einbringen würde. Am nächsten Tag nahm ich vier Eichmeister mit und ging mit ihnen zum Khan, wo ich ihn erwartete. Sobald er mich sah, erhob er sich und öffnete sein Magazin, woraufhin wir das Getreide maßen, bis der Speicher leer war; und wir stellten fest, dass der Inhalt fünfzig Ardabb betrug, was fünftausend Silbermünzen ausmachte. Dann sagte er: „Lass zehn Dirham pro Ardabb dein Maklerlohn sein; nimm also den Preis und bewahre viertausendfünfhundert Dirham für mich auf; und wenn ich mit dem Verkauf der anderen Waren in meinen Lagerhäusern fertig bin, werde ich zu dir kommen und den Betrag in Empfang nehmen.“ „Ich will es gerne tun“, erwiderte ich, küsste seine Hand und ging fort, nachdem ich an jenem Tag einen Gewinn von tausend Dirham gemacht hatte. Er blieb einen Monat lang aus, an dessen Ende er zu mir kam und fragte: „Wo sind die Dirham?“ Ich erhob mich, grüßte ihn und antwortete: „Willst du nicht ein wenig in meinem Hause essen?“ Doch er lehnte mit der Bemerkung ab: „Halte das Geld bereit, ich werde bald zurückkehren und es entgegennehmen.“ Dann ritt er davon. Also holte ich die Dirham hervor und setzte mich, um auf ihn zu warten, doch er blieb einen weiteren Monat fort, woraufhin er zurückkam und zu mir sagte: „Wo sind die Dirham?“ Ich erhob mich, grüßte ihn und fragte: „Willst du nicht ein wenig in meinem Hause essen?“ Doch er lehnte erneut ab und fügte hinzu: „Halte mir das Geld bereit, ich werde bald zurückkehren und es entgegennehmen.“ Dann ritt er davon. Also holte ich die Dirham hervor und setzte mich, um auf seine Rückkehr zu warten; doch er blieb ein drittes Mal einen Monat fort, und ich sagte: „Wahrlich, dieser Jüngling ist die Freigebigkeit in menschlicher Gestalt.“ Am Ende des Monats kam er auf einem Stutenmuli angeritten, bekleidet mit einem noch prächtigeren Gewand; er war wie der Vollmond in der Nacht seiner Fülle, und er wirkte, als käme er frisch aus dem Bade, mit rosig leuchtenden Wangen, einer blütenweißen Stirn und einem Schönheitsfleck wie ein Ambra-Korn, der das Auge erfreute; ganz so, wie es der Dichter von einem solchen sagte:

Vollmond und Sonne in einem einzigen Hause ✿ In hellem Schein und Glück stieg er auf und strahlte, Mit glücklicher Pracht, die jedes Wesen wandelte: ✿ Heil dem, was Gebete mit seliger Gabe belohnt! Ihre Reize und Anmut haben den Gipfel der Vollkommenheit erreicht, ✿ Alle Herzen bezwungen und alle Sinne gewonnen. Lob dem Herrn für solch wunderbar seltsame Werke, ✿ Und was der Allmächtige will, das hat seine Hand vollbracht!

Als ich ihn sah, erhob ich mich für ihn, rief Segenswünsche auf ihn herab und fragte: „O mein Herr, willst du nicht dein Geld nehmen?“ „Woher die Eile?“, sagte er. „Warte, bis ich mein Geschäft beendet habe, dann werde ich kommen und es nehmen.“ Er ritt wieder davon, und ich sagte zu mir selbst: „Bei Allah, wenn er das nächste Mal kommt, muss ich ihn unbedingt zu meinem Gast machen; denn ich habe mit seinen Dirham gehandelt und dadurch große Gewinne erzielt.“ Am Ende des Jahres kam er wieder, bekleidet mit einem Gewand, das noch prächtiger war als das vorherige; und als ich ihn bei der Evangelien beschwor, bei mir abzusteigen und von meiner Gastmahlzeit zu essen, sagte er: „Ich willige ein, unter der Bedingung, dass das, was du für mich ausgibst, von meinem Geld ist, das noch in deinen Händen ist.“ Ich antwortete: „So sei es“, und ließ ihn Platz nehmen, während ich das Notwendige an Speis und Trank und anderem bereitstellte; und ich setzte ihm das Tablett vor mit der Einladung „Bismillah!“. Dann trat er an das Tablett heran, streckte seine linke Hand aus und aß mit mir; und ich wunderte mich, dass er nicht die rechte Hand benutzte. Als wir mit dem Essen fertig waren, goss ich Wasser über seine Hand und gab ihm etwas, um sie abzutrocknen. Daraufhin setzten wir uns zusammen, um uns zu unterhalten, nachdem ich ihm einige Süßigkeiten vorgesetzt hatte; und ich sagte zu ihm: „O mein Herr, ich bitte dich, erlöse mich und sage mir, warum du mit der linken Hand isst? Vielleicht fehlt deiner anderen Hand etwas?“ Als er meine Worte hörte, rezitierte er diese Verse:

Teurer Freund, frage nicht, was in meiner Brust brennt, ✿ Damit du nicht feurige Qualen siehst, die kein Auge je sah: Mein Herz will nicht Salmá beherbergen anstatt ✿ Von Laylás Liebe, doch Not kennt kein Gesetz!

Und er streckte seinen rechten Arm aus dem Ärmel, und siehe, die Hand war abgehackt, ein Handgelenk ohne Faust. Ich war darüber bestürzt, doch er sagte: „Wundere dich nicht und glaube nicht, dass ich aus Hochmut und Übermut mit der linken Hand aß, sondern aus Notwendigkeit; und das Abhacken meiner rechten Hand wurde durch ein Abenteuer der seltsamsten Art verursacht.“ Ich fragte: „Und was verursachte es?“, und er antwortete: Wisse, dass ich von den Söhnen Bagdads bin und mein Vater zu den Vornehmen jener Stadt gehörte. Als ich das Mannesalter erreichte, hörte ich Pilger und Reisende, Wanderer und Kaufleute von dem Lande Ägypten sprechen, und ihre Worte drangen tief in meinen Geist ein, bis mein Vater starb, woraufhin ich eine große Summe Geldes nahm und mich für den Handel mit Stoffen aus Bagdad und Mosul ausrüstete, sie in Ballen verpackte und mich auf meine Wanderschaft begab; und Allah verfügte mir Sicherheit, bis ich in diese eure Stadt eintrat. Dann weinte er und begann zu rezitieren:

Der Trübsichtige entgeht den Gruben, ✿ In die der Luchssäugige fällt: Ein Wort erschlägt den Weisen ✿ Und rettet den Einfältigen: Der Muslim entbehrt der Nahrung, ✿ Der Káfir schwelgt im Saal: Welche Kunst oder Tat ist die des Menschen? ✿ Gottes Wille verpflichtet alles!

Als er sein Vers beendet hatte, sagte er: So trat ich in Kairo ein, lud meine Lasten ab und lagerte meine Stoffe im Khan „Al-Masrúr“. Dann gab ich dem Diener ein paar Silbermünzen, damit er mir etwas zu essen kaufte, und legte mich ein wenig schlafen. Als ich erwachte, ging ich zu der Straße namens „Bayn al-Kasrayn“ – Zwischen den beiden Palästen – und kehrte bald darauf zurück und ruhte die Nacht im Khan. Als es Morgen war, öffnete ich einen Ballen, nahm ein Stück Stoff heraus und sagte zu mir selbst: „Ich will mich aufmachen und einige der Basare durchstreifen und die Marktlage erkunden.“ Also lud ich den Stoff auf einige meiner Sklaven und zog von dannen, bis ich die Kaysariyah oder den Austausch von Jahárkas erreichte; wo mir die Makler, die von meinem Kommen wussten, entgegenkamen. Sie nahmen die Stoffe und riefen sie zum Verkauf aus, konnten aber nicht einmal den Selbstkostenpreis dafür erzielen. Ich war darüber verärgert, doch der Scheich der Makler sagte zu mir: „O mein Herr, ich will dir sagen, wie du einen Gewinn aus deinen Waren erzielen kannst. Du solltest es wie die Kaufleute halten und deine Waren auf Kredit für einen festen Zeitraum verkaufen, durch einen Vertrag, der von einem Notar aufgesetzt und ordnungsgemäß bezeugt ist; und einen Geldwechsler anstellen, der deine Forderungen jeden Montag und Donnerstag eintreibt. So wirst du zwei Dirham und mehr für jeden einzelnen gewinnen; und du kannst dich ergötzen und zerstreuen, indem du Kairo und den Nil besichtigst.“ Ich sagte: „Das ist ein guter Rat“, und brachte die Makler zum Khan. Sie nahmen meine Stoffe und gingen mit ihnen zur Börse, wo ich sie gut verkaufte und Schuldscheine für den Wert entgegennahm. Diese Schuldscheine hinterlegte ich bei einem Geldwechsler, einem Bankier, der mir eine Quittung ausstellte, mit der ich zum Khan zurückkehrte. Hier blieb ich einen ganzen Monat, wobei ich jeden Morgen mit einer Tasse Wein frühstückte und meine Mahlzeiten aus Taubenfleisch, Hammelfleisch und Süßigkeiten bestanden, bis die Zeit kam, da meine Quittungen fällig wurden. So ging ich jeden Montag und Donnerstag zur Börse und saß im Laden des einen oder anderen Kaufmanns, während der Notar und der Geldwechsler herumgingen, um das Geld von den Händlern einzutreiben, bis nach der Zeit des Nachmittagsgebets, wenn sie mir den Betrag brachten, und ich zählte ihn, versiegelte die Beutel und kehrte mit ihnen zum Khan zurück. An einem bestimmten Tag, der ein Montag war, ging ich ins Hammam und von dort zurück zu meinem Khan, saß in meinem eigenen Zimmer und frühstückte mit einer Tasse Wein, woraufhin ich ein wenig schlief. Als ich erwachte, aß ich ein Huhn, parfümierte mich und begab mich zum Laden eines Kaufmanns namens Badr al-Din al-Bostáni, oder der Gärtner, der mich willkommen hieß; und wir saßen eine Weile beieinander und sprachen, bis der Basar öffnen würde. Plötzlich, siehe, kam eine Dame von stattlicher Gestalt daher, trug einen Kopfschmuck der prächtigsten Art, war mit den süßesten Düften parfümiert und schritt mit anmutigem, wiegendem Gang; und als sie mich sah, hob sie ihre Mantilla und gewährte mir einen flüchtigen Blick auf ihre schönen schwarzen Augen. Sie grüßte Badr al-Din, der ihren Gruß erwiderte, aufstand und mit ihr sprach; und in dem Augenblick, als ich sie sprechen hörte, ergriff die Liebe zu ihr mein Herz. Bald sagte sie zu Badr al-Din: „Hast du ein Stück Stoff bei dir, das mit reinem Goldfaden gewebt ist?“ Also brachte er ihr ein Stück von denen hervor, die er von mir gekauft hatte, und verkaufte es ihr für tausendzweihundert Dirham; worauf sie sagte: „Ich werde das Stück mit nach Hause nehmen und dir den Preis senden.“ „Das ist unmöglich, meine Dame“, erwiderte der Kaufmann, „denn hier ist der Eigentümer des Stoffes, und ich schulde ihm einen Anteil am Gewinn.“ „Wehe dir!“, rief sie. „Pflege ich nicht ganze Rollen kostbarer Stoffe von dir zu nehmen und dir einen größeren Gewinn zu geben, als du erwartest, und dir das Geld zu senden?“ „Ja“, erwiderte er, „aber ich bin heute in dringender Not wegen des Preises.“ Daraufhin nahm sie das Stück und warf es zurück auf seinen Schoß, während sie sagte: „Wehe dir! Allah verwirre eure Sippe, die niemanden nach seinem wahren Wert schätzt“, und sie wandte sich zum Gehen. Ich fühlte, wie meine Seele mit ihr ging; also stand ich auf und hielt sie auf, indem ich sagte: „Ich beschwöre dich bei dem Herrn, meine Dame, gewähre mir die Gunst, deine anmutigen Schritte zurückzuverfolgen.“ Sie kehrte mit einem Lächeln zurück und sagte: „Dir zuliebe kehre ich um“, und nahm mir gegenüber im Laden Platz. Dann sagte ich zu Badr al-Din: „Wie hoch ist der Preis, den sie dir für dieses Stück genannt hat?“, und er sagte: „Einhundertelfhundert Dirham.“ Ich erwiderte: „Das ungerade Hundert soll dein Gewinn sein: Bringe mir ein Blatt Papier und ich werde dir eine Quittung dafür schreiben.“ Dann schrieb ich ihm eine Quittung in meiner eigenen Handschrift und gab das Stück der Dame, indem ich sagte: „Nimm es mit dir, und wenn du willst, bringe mir den Preis am nächsten Basartag; oder noch besser, nimm es als mein Gastgeschenk an dich.“ „Allah vergelte dir mit Gutem“, antwortete sie, „und mache dich zu meinem Ehemann und Herrn und Meister über alles, was ich habe!“ Und Allah begünstigte ihr Gebet. Ich sah die Tore des Paradieses vor mir weit offen stehen und sagte: „O meine Dame, lass dieses Stück Stoff nun dein sein, und ein weiteres wie dieses steht für dich bereit; lass mich nur einen Blick auf dein Gesicht werfen.“ Also hob sie ihren Schleier, und ich sah ein Gesicht, dessen Anblick mir tausend Seufzer hinterließ, und mein Herz war so von ihrer Liebe gefangen, dass ich nicht länger Herr meiner Vernunft war. Dann ließ sie ihren Gesichtsschleier fallen, nahm das Stück Stoff auf und sagte: „O mein Herr, mache mich nicht trostlos durch deine Abwesenheit!“ und wandte sich ab und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich blieb an der Börse sitzen bis nach der Stunde des Nachmittagsgebets, der Welt entrückt durch die Liebe, die mich gemeistert hatte; und die Heftigkeit meiner Leidenschaft zwang mich, mich bei dem Kaufmann nach ihr zu erkundigen, der mir antwortete: „Dies ist eine Dame, und eine reiche dazu: Sie ist die Tochter eines Emirs, der kürzlich starb und ihr ein großes Vermögen hinterließ.“ Dann verabschiedete ich mich von ihm und kehrte zum Khan zurück, wo man mir das Abendessen vorsetzte; doch ich konnte vor lauter Gedanken an sie nicht essen, und als ich mich schlafen legte, kam der Schlaf nicht zu mir. So wachte ich bis zum Morgen, stand auf, legte andere Kleider an und trank eine Tasse Wein; und nachdem ich mein Fasten mit einer Kleinigkeit gebrochen hatte, ging ich zum Laden des Kaufmanns, wo ich ihn grüßte und mich zu ihm setzte. Bald kam die Dame wie üblich, gefolgt von einer Sklavin und bekleidet mit einem noch prächtigeren Gewand als zuvor; und sie grüßte mich, ohne Badr al-Din zu bemerken, und sagte mit fließender, anmutiger Sprache (nie hörte ich eine Stimme, die weicher oder süßer war): „Sende jemanden mit mir, der die tausendzweihundert Dirham entgegennimmt, den Preis für das Stück.“ „Warum diese Eile?“, fragte ich, und sie antwortete: „Mögen wir dich niemals verlieren!“ und reichte mir das Geld. Dann saß ich mit ihr und unterhielt mich, und bald gab ich ihr mit Gebärden ein Zeichen, wodurch sie verstand, dass ich mich danach sehnte, ihren Leib zu genießen, und sie erhob sich hastig mit einem Anschein von Missfallen. Mein Herz hing an ihr, und ich ging vom Basar fort und folgte ihr auf dem Fuße. Als ich ging, hielt mich plötzlich eine schwarze Sklavin an und sagte: „O mein Herr, komm und sprich mit meiner Herrin.“ Darüber war ich überrascht und antwortete: „Niemand kennt mich hier“, aber sie erwiderte: „O mein Herr, wie schnell hast du sie vergessen! Meine Herrin ist dieselbe, die heute im Laden jenes Kaufmanns war.“ Dann ging ich mit ihr zum Geldwechsler, wo ich die Dame fand, die mich an ihre Seite zog und sagte: „O mein Geliebter, dein Bild ist fest in meine Phantasie eingeprägt, und die Liebe zu dir hat mein Herz ergriffen: Seit der Stunde, da ich dich das erste Mal sah, hat mir weder Schlaf noch Speise noch Trank irgendeine Freude bereitet.“ Ich antwortete: „Das Doppelte dieses Leidens ist mein, und mein Zustand enthebt mich der Klage.“ Dann sagte sie: „O mein Geliebter, bei dir zu Hause oder bei mir?“ „Ich bin hier ein Fremder und habe keinen Ort für einen Empfang außer dem Khan, also soll es nach deiner Gunst bei dir zu Hause sein.“ „So sei es; aber dies ist die Nacht des Freitags, und nichts kann geschehen bis morgen nach dem öffentlichen Gebet; geh in die Moschee und bete; dann besteige deinen Esel und frage nach dem Viertel Habbániyah; und wenn du dort bist, halte Ausschau nach dem Herrenhaus des Al-Nakib Barakát, im Volksmund bekannt als Abu Shámah der Syndikus; denn ich wohne dort: verzögere also nicht, denn ich werde dich erwarten.“ Ich freute mich darüber noch mehr; und ich verabschiedete mich von ihr und kehrte zu meinem Khan zurück, wo ich eine schlaflose Nacht verbrachte. Kaum war ich sicher, dass der Morgen graute, stand ich auf, wechselte meine Kleidung, parfümierte mich mit Essenzen und süßen Düften und ging, fünfzig Dinar in einem Tuch bei mir, vom Khan Masrúr zum Zuwaylah-Tor, wo ich einen Esel bestieg und zu seinem Besitzer sagte: „Bring mich zur Habbaniyah.“ Also machte er sich mit mir auf den Weg und brachte mich im Nu zu einer Straße namens Darb al-Munkari, wo ich zu ihm sagte: „Geh hinein und frage nach dem Herrenhaus des Syndikus.“ Er war eine Weile abwesend und kehrte dann zurück und sagte: „Steig ab.“ „Geh du vor mir zum Haus“, sagte ich und fügte hinzu: „Komm mit dem ersten Licht zurück und bring mich nach Hause“, und er antwortete: „Im Namen Allahs“; woraufhin ich ihm einen Vierteldinar in Gold gab, und er nahm ihn und ging seines Weges. Dann klopfte ich an die Tür, und heraus kamen zwei weiße Sklavinnen, beide jung; hochbrüstige Jungfrauen, als wären sie Monde, und sagten zu mir: „Tritt ein, denn unsere Herrin erwartet dich, und sie hat die ganze Nacht vor Freude über dich nicht geschlafen.“ Ich ging durch den Vorraum in einen Saal mit sieben Türen, dessen Boden mit vielfarbigen Marmorplatten belegt war und der mit Vorhängen und Behängen aus bunten Seidenstoffen ausgestattet war: die Decke war mit Gold ausgelegt und mit Inschriften verziert, die in Lapislazuli erstrahlten; und die Wände waren mit Sultání-Gips verputzt, der das Gesicht des Betrachters spiegelte. Um den Saal herum befanden sich vergitterte Fenster, die auf einen Garten blickten, voll mit allerlei Früchten; deren Bäche gurgelten und rieselten und deren Vögel trillerten und schrillten; und im Herzen des Saales war ein sprudelnder Brunnen, an dessen Ecken Vögel standen, die aus rotem Gold gefertigt, mit Perlen und Edelsteinen verkrustet waren und kristallklares Wasser speieten. Als ich eintrat und Platz nahm, — Und Shahrazad bemerkte das Grauen des Morgens und hörte auf, ihre erlaubte Rede zu führen.

Als es nun die Sechsundzwanzigste Nacht war,

Sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass der junge Kaufmann fortfuhr: Als ich eintrat und Platz nahm, kam die Dame sogleich herein, gekrönt mit einem Diadem aus Perlen und Juwelen; ihr Gesicht war mit künstlichen Schönheitsflecken in Indigo gepunktet, ihre Augenbrauen mit Kohl geschwärzt und ihre Hände und Füße mit Henna gerötet. Als sie mich sah, lächelte sie mich an, nahm mich in ihre Arme und drückte mich an ihre Brust; dann legte sie ihren Mund auf meinen Mund und saugte an meiner Zunge (und ich tat desgleichen) und sagte: „Kann es wahr sein, o mein kleiner Dunkler, dass du zu mir gekommen bist?“, und fügte hinzu: „Willkommen und Heil dir! Bei Allah, seit dem Tage, da ich dich sah, war der Schlaf für mich nicht süß, noch war die Speise angenehm.“ Ich sprach: „So ist es auch mir ergangen: und ich bin dein Sklave, dein schwarzer Sklave.“ Dann setzten wir uns zusammen, um uns zu unterhalten, und ich ließ in meiner Schüchternheit das Haupt zur Erde sinken, doch sie säumte nicht lange, ehe sie mir ein Tablett mit den köstlichsten Speisen vorsetzte, mariniertes Fleisch, in Bienenhonig getränkte Krapfen und mit Zucker und Pistazien gefüllte Hühner, wovon wir aßen, bis wir gesättigt waren. Dann brachten sie Becken und Kanne, und ich wusch mir die Hände, und wir parfümierten uns mit Moschus-Rosenwasser und setzten uns wieder, um uns zu unterhalten. So begann sie diese Verse zu rezitieren:

Hätten wir von deinem Kommen gewusst, dein Weg wäre bestreut gewesen Mit dem Blut unseres Herzens und den Äpfeln unserer Augen: Unsere Wange wäre als Fußmatte ausgebreitet worden, um dich zu begrüßen, Damit dein Schritt sanft auf unsere Augenlider falle.

Und sie klagte immerzu über das, was ihr widerfahren war, und ich über das, was mir zugestoßen war; und die Liebe zu ihr ergriff mein Herz so fest, dass mir mein ganzer Reichtum im Vergleich mit ihr als ein Nichts erschien. Dann begannen wir zu liebkosen, zu tasten und zu küssen bis zum Einbruch der Nacht, als die Mägde uns Speisen und ein vollständiges Weinservice vorsetzten, und wir saßen beim Zechen bis zur Mitte der Nacht; als wir uns niederlegten und ich bei ihr lag, sah ich in meinem Leben niemals eine Nacht wie diese. Als der Morgen graute, stand ich auf und nahm Abschied von ihr, wobei ich das Kopftuch, in dem sich die Dinare befanden, unter das Teppichbett warf, und als ich hinausging, weinte sie und sagte: „O mein Herr, wann werde ich dieses liebliche Gesicht wiedersehen?“ „Ich werde bei Sonnenuntergang bei dir sein“, antwortete ich, und als ich hinausging, fand ich den Eselstreiber, der mich am Tag zuvor gebracht hatte, an der Tür wartend. Also bestieg ich den Esel und ritt zum Khan von Masrur, wo ich abstieg und dem Mann einen halben Dinar gab, indem ich sagte: „Kehre bei Sonnenuntergang zurück“; und er sagte: „Das werde ich.“ Dann frühstückte ich und ging aus, um den Preis meiner Waren zu suchen; danach kehrte ich zurück und rief einen Lastträger, nahm ein gebratenes Lamm und einige Süßigkeiten, tat den Proviant in seinen Korb und schickte es an die Dame, wobei ich dem Mann seinen Lohn bezahlte. Ich ging zurück an mein Geschäft bis zum Sonnenuntergang, als der Eseltreiber zu mir kam; und ich nahm fünfzig Dinare in einem Kopftuch und ritt zu ihrem Haus, wo ich den Marmorboden gefegt, die Messingwaren poliert, die Wandleuchter brennend, die Wachskerzen bereits angezündet, das Fleisch aufgetragen und den Wein geklärt vorfand. Als meine Herrin mich sah, schlang sie ihre Arme um meinen Hals und rief: „Du hast mich durch deine Abwesenheit verwüstet.“ Dann stellte sie die Tische vor mich hin und wir aßen, bis wir gesättigt waren, woraufhin die Sklavinnen die Tabletts abräumten und Wein servierten. Wir ließen nicht ab vom Trinken, bis die halbe Nacht vergangen war; und da wir vom Trank wohl gewärmt waren, gingen wir in die Schlafgemach und lagen dort bis zum Morgen. Ich stand dann auf und machte mich von ihr davon, wobei ich die fünfzig Dinare wie zuvor bei ihr ließ; und als ich den Eselstreiber an der Tür fand, ritt ich zum Khan und schlief eine Weile. Danach ging ich aus, um das Abendessen bereitzumachen, und nahm ein Paar Gänse mit Soße auf zwei Platten mit angerichtetem und gepfeffertem Reis, und besorgte in Honig eingelegte und gebratene Kolokasienwurzeln sowie Wachskerzen und Früchte und Konfitüren und Nüsse und Mandeln und wohlriechende Blumen; und ich schickte alles an sie. Sobald es Nacht wurde, band ich wieder fünfzig Dinare in ein Kopftuch und ritt, wie üblich den Esel besteigend, zu dem Herrenhaus, wo wir aßen und tranken und beieinander lagen bis zum Morgen, als ich ihr das Kopftuch und die Dinare zuwarf und zurück zum Khan ritt. Ich hörte nicht auf, nach dieser Art zu verfahren, bis ich nach einer süßen Nacht eines schönen Morgens erwachte und mich bettelarm vorfand, ohne Dinar und ohne Dirham. Da sagte ich zu mir selbst: „Dies alles ist Satans Werk“; und begann diese Reimpaare zu rezitieren:—

Armut trübt den Glanz des Menschen, was auch sein Reichtum gewesen sein mag, ✿ Selbst wie die Sonne, die kurz vor dem Untergang in gelblichem Licht erstrahlt: Abwesend fällt er aus dem Gedächtnis, von seinen Freunden vergessen; ✿ Anwesend teilt er nicht ihre Freuden, denn niemand erfreut sich an ihm: Er geht über den Markt, von allen gemieden, nur zu froh, sein Haupt zu verbergen; ✿ In einsamen Gegenden vergießt er Tränen und klagt über seine bittere Not: Bei Allah, inmitten seiner Sippe ist ein Mensch, wie gut er auch sein mag, ✿ Von Mangel und Dürftigkeit überfallen, nur ein Fremdling!

Ich machte mich vom Khan auf den Weg und ging die Straße „Zwischen den Palästen“ hinunter, bis ich zum Zuwaylah-Tor kam, wo ich die Menschenmenge drängen sah und das Tor wegen der vielen Leute blockiert war. Und durch den Ratschluss des Schicksals sah ich dort einen Soldaten, gegen den ich unbeabsichtigt drückte, sodass meine Hand an seine Brusttasche geriet und ich einen Beutel darin fühlte. Ich schaute und sah eine Schnur aus grüner Seide, die aus der Tasche hing, und erkannte sie als einen Beutel; und das Gedränge wurde mit jeder Minute größer, und gerade da stieß ein mit Brennholz beladenes Kamel den Soldaten auf der gegenüberliegenden Seite an, und er drehte sich um, um es von sich abzuwehren, damit es seine Kleidung nicht zerreiße; und Satan versuchte mich, also zog ich an der Schnur und holte einen kleinen Beutel aus blauer Seide heraus, der etwas enthielt, das wie Münzen klimperte. Aber der Soldat, der spürte, wie seine Tasche plötzlich leichter wurde, legte seine Hand daran und fand sie leer; woraufhin er sich zu mir umdrehte und seine Keule von seinem Sattelknauf schnappte und mir damit auf den Kopf schlug. Ich fiel zu Boden, während die Leute uns umringten und die Stute des Soldaten am Zügel packten und zu ihm sagten: „Schlägst du diesen Jüngling für einen bloßen Stoß mit einem solchen Schlag wie diesem!“ Aber der Soldat schrie sie an: „Dieser Kerl ist ein verfluchter Dieb!“ Woraufhin ich zu mir kam und aufstand, und die Leute mich ansahen und sagten: „Nein, er ist ein ansehnlicher Jüngling: er würde nichts stehlen“; und einige von ihnen ergriffen Partei für mich und andere waren gegen mich, und Frage und Antwort wurden laut und hitzig. Die Leute zerrten an mir und hätten mich gerne aus seinen Klauen gerettet; aber wie das Schicksal es wollte, siehe, der Gouverneur, der Polizeichef und die Wache traten in diesem Moment durch das Zuwaylah-Tor ein und als der Gouverneur die Leute sah, die um mich und den Soldaten versammelt waren, fragte er: „Was ist das Problem?“ „Bei Allah! O Emir“, antwortete der Soldat, „dies ist ein Dieb! Ich hatte in meiner Tasche einen Beutel aus blauer Seide, gefüttert mit zwanzig guten Goldstücken, und er nahm ihn, während ich im Gedränge war.“ Der Gouverneur fragte: „War jemand zu der Zeit bei dir?“; und der Soldat sagte: „Nein.“ Daraufhin schrie der Gouverneur den Polizeichef an, der mich ergriff, und auf diese Weise wurde der Vorhang des göttlichen Schutzes von mir weggezogen. Dann sagte er: „Entkleidet ihn“; und als sie mich entkleideten, fanden sie den Beutel in meiner Kleidung. Der Wali nahm ihn, öffnete ihn und zählte ihn; und als er darin zwanzig Dinare fand, wie der Soldat gesagt hatte, wurde er überaus zornig und befahl seinen Wachen, mich vor ihn zu bringen. Dann sagte er zu mir: „Nun, o Jüngling, sprich wahr: hast du diesen Beutel gestohlen?“ Bei diesen Worten ließ ich den Kopf zu Boden hängen und sagte zu mir selbst: „Wenn ich abstreite, ihn gestohlen zu haben, werde ich in schreckliche Schwierigkeiten geraten.“ Also hob ich mein Haupt und sagte: „Ja, ich habe ihn genommen.“ Als der Gouverneur diese Worte hörte, wunderte er sich und rief Zeugen herbei, die vortraten und mein Geständnis bezeugten. All dies geschah am Zuwaylah-Tor. Dann befahl der Gouverneur dem Fackelträger, meine rechte Hand abzuschlagen, und er tat es; danach hätte er mir auch den linken Fuß abgehauen; aber das Herz des Soldaten erweichte sich und er hatte Mitleid mit mir und legte beim Gouverneur ein gutes Wort für mich ein, damit ich nicht getötet würde. Daraufhin ließ mich der Wali und ging weg, und die Leute blieben um mich herum und gaben mir einen Becher Wein zu trinken. Was den Soldaten betrifft, so drückte er mir den Beutel in die Hand und sagte: „Du bist ein ansehnlicher Jüngling und es geziemt sich nicht, dass du ein Dieb bist.“ Also wiederholte ich diese Verse:—

Ich schwöre bei Allahs Namen, werter Herr! kein Dieb war ich, ✿ Noch, o du Bester der Menschen! war ich als Bandit erzogen: Doch das Wechseln und die Fügung des Glücks stürzten mich plötzlich, ✿ Und Kummer und Sorge und Not haben meinen Lauf verleitet: Ich schoss ihn nicht, wahrlich, es war Allah, der den Pfeil schoss, ✿ Der das königliche Diadem von meinem Haupt in den Staub rollte.

Der Soldat wandte sich ab, nachdem er mir den Beutel gegeben hatte; und ich ging auch meiner Wege, nachdem ich meine Hand in ein Stück Lappen gewickelt und sie in meinen Busen gesteckt hatte. Mein ganzes Aussehen hatte sich verändert, und meine Farbe war gelb geworden vor Scham und Schmerz, die mich befallen hatten. Dennoch ging ich weiter zum Haus meiner Gebieterin, wo ich mich in äußerster Gemütsbewegung auf das Teppichbett warf.

Sie sah mich in diesem Zustand und fragte mich: „Was fehlt dir und warum sehe ich dich so verändert in deinem Aussehen?“; und ich antwortete: „Mein Kopf schmerzt mich und ich bin nicht wohl.“ Woraufhin sie verärgert war und sich Sorgen um mich machte und sagte: „Verbrenne nicht mein Herz, o mein Herr, sondern setz dich auf und erhebe dein Haupt und erzähle mir, was dir heute zugestoßen ist, denn dein Gesicht erzählt mir eine Geschichte.“ „Lass dieses Gerede“, antwortete ich. Aber sie weinte und sagte: „Mir scheint, du bist meiner überdrüssig, denn ich sehe dich entgegen deiner Gewohnheit.“ Aber ich schwieg; und sie redete weiter auf mich ein, obwohl ich ihr keine Antwort gab, bis die Nacht hereinbrach. Dann setzte sie mir Essen vor, aber ich lehnte es ab, aus Furcht, sie könnte sehen, wie ich mit der linken Hand aß, und sagte zu ihr: „Ich habe im Moment keinen Appetit zu essen.“ Sie sagte: „Erzähle mir, was dir heute zugestoßen ist und warum du so traurig und gebrochen an Geist und Herz bist?“ Ich sagte: „Warte eine Weile; ich werde dir alles bei Muße erzählen.“ Dann brachte sie mir Wein und sagte: „Hinunter damit, das wird deinen Kummer vertreiben: du musst wahrlich trinken und mir von deinen Nachrichten berichten.“ Ich fragte sie: „Muss ich es dir unbedingt sagen?“; und sie antwortete: „Ja.“ Dann sagte ich: „Wenn es denn so sein muss, dann gib mir mit deiner eigenen Hand zu trinken.“ Sie füllte und trank, und füllte noch einmal und gab mir den Becher, den ich mit meiner linken Hand entgegennahm und die Tränen von meinen Augenlidern wischte und begann zu rezitieren:—

Wenn Allah will, dass einem Menschen etwas widerfährt, ✿ Der an Ohren und Augen und Verstand seinen vollen Anteil hat; Seine Ohren macht Er taub und seine Augen macht Er blind ✿ Und zieht seinen Verstand, wie wir ein Haar ziehen, Bis Er, nachdem Er Seinen Zweck vollbracht hat, ✿ Den Verstand des Menschen wiederherstellt, damit er gewarnt vorsichtiger wandle.

Als ich meine Verse beendete, weinte ich, und sie stieß einen überaus lauten Schrei aus: „Was ist der Grund für deine Tränen? Du verbrennst mein Herz! Was lässt dich den Becher mit der linken Hand nehmen?“ Ich sagte: „Wahrlich, ich habe an meiner rechten Hand eine Beule“; und sie sagte: „Nimm sie heraus und ich werde sie für dich öffnen.“ „Es ist noch nicht Zeit, sie zu öffnen“, antwortete ich, „Also beunruhige mich nicht mit deinen Worten, denn ich werde sie zu dieser Stunde nicht aus dem Verband nehmen.“ Dann trank ich den Becher aus, und sie ließ nicht ab, mich mit Trank zu bedrängen, bis die Trunkenheit mich übermannte und ich an dem Ort, an dem ich saß, einschlief; woraufhin sie meine rechte Hand betrachtete und ein Handgelenk ohne Faust sah. Also suchte sie mich genau ab und fand bei mir den Beutel mit Gold und meine abgetrennte Hand, die in den Lappen gewickelt war. Damit kam ein solcher Kummer über sie, wie er nie einen anderen überkam, und sie hörte nicht auf, um meinetwillen bis zum Morgen zu lamentieren. Als ich erwachte, fand ich, dass sie mir ein Gericht aus Brühe von vier gekochten Hühnern zubereitet hatte, das sie mir zusammen mit einem Becher Wein brachte. Ich aß und trank und legte den Beutel beiseite und wollte hinausgehen; aber sie sagte zu mir: „Wohin des Weges?“; und ich antwortete: „Wohin mein Geschäft mich ruft“; und sie sagte: „Du sollst nicht gehen: setz dich.“ Also setzte ich mich und sie fuhr fort: „Hat deine Liebe zu mir dich so überwältigt, dass du all deinen Reichtum verschwendet und deine Hand meinetwegen verloren hast? Ich nehme dich zum Zeugen gegen mich und auch Allah sei mein Zeuge, dass ich niemals von dir lassen werde, sondern unter deinen Füßen sterben will; und bald wirst du sehen, dass meine Worte wahr sind.“ Dann schickte sie nach dem Kazi und Zeugen und sagte zu ihnen: „Schreibt meinen Ehevertrag mit diesem jungen Mann und bezeugt, dass ich die Morgengabe erhalten habe.“ Als sie das Dokument aufgesetzt hatten, sagte sie: „Seid Zeugen, dass mein ganzes Geld, das in dieser Truhe ist, und alles, was ich an Sklaven und Mägden und anderem Besitz habe, diesem jungen Mann als freies Geschenk gegeben ist.“ Also nahmen sie diese Erklärung auf, die es mir ermöglichte, das Eigentumsrecht durch Heirat zu übernehmen; und zogen sich dann zurück, nachdem sie ihre Gebühren erhalten hatten. Daraufhin nahm sie mich bei der Hand und führte mich zu einem Schrank, öffnete eine große Truhe und sagte zu mir: „Sieh, was darin ist“; und ich schaute und siehe, sie war voll von Kopftüchern. Sie sagte: „Dies ist das Geld, das ich von dir erhielt, und jedes Kopftuch, das du mir gabst und das fünfzig Dinare enthielt, wickelte ich ein und warf es in diese Truhe; also nimm nun dein Eigenes, denn es kehrt zu dir zurück, und an diesem Tag bist du zu hohem Stande gekommen. Glück und Schicksal haben dich geplagt, so dass du deine rechte Hand meinetwegen verloren hast; und ich kann dich niemals entschädigen; nein, selbst wenn ich mein Leben gäbe, es wäre nur wenig und ich bliebe immer noch dein Schuldner.“ Dann fügte sie hinzu: „Übernimm dein Eigentum“; also übertrug ich den Inhalt ihrer Truhe in meine Truhe und fügte meinen Reichtum zu ihrem Reichtum, den ich ihr gegeben hatte, und mein Herz wurde erleichtert und mein Kummer hörte auf. Ich stand auf und küsste sie und dankte ihr; und sie sagte: „Du hast deine Hand aus Liebe zu mir gegeben und wie bin ich imstande, dir ein Äquivalent zu geben? Bei Allah, wenn ich mein Leben für deine Liebe opferte, es wäre wahrlich nur wenig und würde deinem Anspruch auf mich nicht gerecht werden.“ Dann überschrieb sie mir durch Urkunde alles, was sie an Kleidung und Schmuck aus Gold und Perlen sowie an Gütern und Ländereien und beweglichem Hab und Gut besaß, und legte sich jene Nacht nicht zum Schlafen nieder, da sie schwer betrübt war wegen meines Kummers, bis ich ihr alles erzählte, was mir widerfahren war. Ich verbrachte die Nacht bei ihr. Aber bevor wir einen Monat zusammengelebt hatten, wurde sie schwer krank und ihr Leiden verschlimmerte sich aufgrund ihrer Trauer über den Verlust meiner Hand, und sie überstand es nur fünfzig Tage, bevor sie zu den Leuten der Zukunft und den Erben der Unsterblichkeit gezählt wurde. Also richtete ich sie her und begrub ihren Körper in Mutter Erde und ließ eine fromme Lesung des Korans zum Wohle ihrer Seele halten und gab viel Geld als Almosen für sie; danach wandte ich mich vom Grab ab und kehrte zum Haus zurück. Dort fand ich, dass sie viel Substanz an Bargeld und Sklaven, Herrenhäusern, Ländereien und Domänen hinterlassen hatte, und unter ihren Lagerhäusern war ein Speicher mit Sesamsamen, wovon ich einen Teil an dich verkaufte; und ich hatte weder Zeit noch Neigung, mit dir abzurechnen, bis ich den Rest des Lagerbestandes verkauft hatte; noch habe ich, in der Tat, bis jetzt das Ende der Preisannahme erreicht. Also wünsche ich, dass du mir nicht widersprichst in dem, was ich dir gleich sagen werde: zweimal habe ich von deiner Speise gegessen und ich möchte dir als Geschenk das Geld für den Sesam geben, das bei dir ist. Das ist der Grund für das Abschneiden meiner rechten Hand und mein Essen mit der linken.“ „Wahrlich“, sagte ich, „du hast mir die größte Güte und Freigebigkeit erwiesen.“ Dann fragte er mich: „Warum solltest du nicht mit mir in mein Heimatland reisen, wohin ich mit Waren aus Kairo und Alexandria zurückkehren will? Sag mir, wirst du mich begleiten?“; und ich antwortete: „Das werde ich.“ Also willigte ich ein, mit ihm zu Beginn des Monats zu gehen, und ich verkaufte alles, was ich hatte, und kaufte andere Waren; dann machten wir uns auf den Weg und reisten, ich und der junge Mann, in dieses Land von euch, wo er sein Wagnis verkaufte und andere Investitionen in Landeswaren tätigte und seine Reise nach Ägypten fortsetzte. Aber es war mein Schicksal, hier zu bleiben, so dass mir diese Dinge in meiner Fremdheit widerfuhren, die letzte Nacht geschahen, und ist diese Geschichte, o König des Zeitalters, nicht wundersamer und staunenswerter als die Geschichte vom Buckligen? „Nicht so“, sagte der König, „ich kann sie nicht akzeptieren: es gibt keine Hilfe, als dass ihr gehängt werdet, jeder von euch.“——Und Shahrazad bemerkte den Anbruch des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Gesagtes zu sagen.

Nun, als es die Siebenundzwanzigste Nacht war,

Sagte sie, es hat mich erreicht, o glückverheißender König, dass als der König von China erklärte: „Es gibt keine Hilfe, als dass ihr gehängt werdet“, der Vogt der Sultansküche vortrat und sagte: „Wenn du es mir erlaubst, werde ich dir eine Geschichte erzählen von dem, was mir kurz vor dem Auffinden dieses Gobbo widerfahren ist; und wenn sie wundersamer ist als seine Geschichte, so gewähre uns unsere Leben.“ Und als der König mit „Ja“ antwortete, begann er zu erzählen

DIE GESCHICHTE DES VOGTS.

Wisse, o König, dass ich letzte Nacht auf einer Party war, wo sie eine Lesung des Korans abhielten und Gelehrte des Rechts und der Religion zusammenbrachten, die im Rezitieren und Intonieren geübt waren; und als die Leser endeten, wurde der Tisch gedeckt und unter anderem setzten sie uns ein mariniertes Ragout vor, das mit Kreuzkümmelsamen gewürzt war. Also setzten wir uns, aber einer von uns hielt sich zurück und weigerte sich, es anzurühren. Wir beschworen ihn, davon zu essen, aber er schwor, er würde es nicht tun; und als wir wieder in ihn drangen, sagte er: „Seid nicht drängend mit mir; mir genügt das, was mir bereits durch das Essen davon widerfahren ist“; und er begann zu rezitieren:—

Schultere dein Tablett und geh geradewegs zu deinem Ziel; ✿ Und, wenn dir dieser Kohl zusagt, nun, dann – benutze diesen Kohl!

Als er seine Verse beendete, sagten wir zu ihm: „Bei Allah, nenne uns den Grund, warum du dich weigerst, von dem Kreuzkümmel-Ragout zu essen.“ „Wenn es so ist“, antwortete er, „und ich notwendigerweise davon essen muss, werde ich dies nicht tun, außer ich wasche meine Hand vierzigmal mit Seife, vierzigmal mit Pottasche und vierzigmal mit Galgant; die Summe beträgt also einhundertundzwanzig Waschungen.“ Daraufhin befahl der gastfreundliche Hausherr seinen Sklaven, Wasser und alles, was er benötigte, herbeizubringen; und der junge Mann wusch seine Hand wie zuvor erwähnt. Dann setzte er sich nieder, als wäre er angewidert und zugleich erschrocken, tauchte seine Hand in das Ragout und begann zu essen, während er gleichzeitig Anzeichen von Zorn zeigte. Wir wunderten uns über ihn in höchstem Maße, denn seine Hand zitterte und der Bissen darin wackelte, und wir sahen, dass sein Daumen abgeschnitten worden war und er nur mit seinen vier Fingern aß. Wir sagten also zu ihm: „Bei Allah, was geschah mit deinem Daumen? Ist deine Hand von Gottes Schöpfung her so, oder ist dir ein Unglück widerfahren?“ „O meine Brüder“, antwortete er, „es ist nicht nur mit diesem Daumen so, sondern auch mit meinem anderen Daumen und mit beiden großen Zehen, wie ihr sehen werdet.“ Indem er dies sagte, entblößte er seine linke Hand und seine Füße, und wir sahen, dass die linke Hand ebenso beschaffen war wie die rechte, und in gleicher Weise fehlte jedem seiner Füße der große Zeh. Als wir ihn in dieser Verfassung sahen, wuchs unser Erstaunen noch weiter, und wir sagten zu ihm: „Wir haben kaum Geduld genug, um deine Geschichte zu erwarten und die Art und Weise zu hören, wie dir die Daumen abgeschnitten wurden, und den Grund für das einhundertundzwanzigmalige Waschen deiner Hände.“ Wisst also, sagte er, dass mein Vater zur Zeit der Herrschaft des Kalifen Harun al-Rashid der Vornehmste der Kaufleute und der wohlhabendste von allen in der Stadt Bagdad war; und er war sehr dem Weingenuß zugetan und dem Hören auf die Laute und andere Instrumente der Ergötzung; sodass er, als er starb, nichts hinterließ. Ich begrub ihn, ließ Koranrezitationen für ihn vollziehen und trauerte um ihn Tage und Nächte; dann öffnete ich sein Geschäft und stellte fest, dass er nur wenige Waren hinterlassen hatte, während seine Schulden groß waren. Ich einigte mich jedoch mit seinen Gläubigern auf eine Frist zur Begleichung ihrer Forderungen und machte mich daran, zu kaufen und zu verkaufen, wobei ich ihnen von Woche zu Woche etwas auf Abschlag zahlte; und ich ließ nicht davon ab, dies zu tun, bis ich seine Verbindlichkeiten vollständig getilgt hatte und begann, mein Grundkapital zu vermehren. Eines Tages, als ich in meinem Laden saß, erschien plötzlich und unerwartet vor mir eine junge Dame, schöner als jede, die ich je gesehen hatte, gekleidet in die reichsten Gewänder und mit Juwelen geschmückt, auf einem Maulesel reitend, mit einem Negersklaven, der vor ihr ging, und einem anderen hinter ihr. Sie zog am Eingang des Wechsel-Basars die Zügel an und trat ein, gefolgt von einem Eunuchen, der zu ihr sagte: „O meine Herrin, komm hinaus und geh fort, ohne es jemandem zu sagen, damit du nicht ein Feuer entzündest, das uns alle verbrennen wird.“ Zudem stellte er sich vor sie, um sie vor Blicken zu schützen, während sie die Läden der Kaufleute betrachtete. Sie fand keinen außer meinem geöffnet; so kam sie mit dem Eunuchen hinter sich näher, setzte sich in meinen Laden und grüßte mich; niemals hörte ich etwas Schöneres als ihre Rede oder Süßeres als ihre Stimme. Dann enthüllte sie ihr Gesicht, und ich sah, dass sie wie der Mond war, und ich stahl einen Blick auf sie, dessen Anblick mir tausend Seufzer entlockte, und mein Herz war von der Liebe zu ihr gefangen, und ich hörte nicht auf, immer wieder auf ihr Gesicht zu schauen, während ich diese Verse wiederholte:—

Sag der Reizenden im taubenblauen Schleier: ✿ Der Tod wäre willkommen, um dein Leid zu lindern! Erweise mir deine Gunst, auf dass ich lebe: ✿ Sieh, ich strecke meine Hand aus, um deinen Schleier zu nehmen!

Als sie meine Verse hörte, antwortete sie mir, indem sie sagte:—

Ich habe alle Geduld verloren im Trotz gegen euch; ✿ Mein Herz kennt nichts außer dem Liebesgelübde zu euch! Wenn ich etwas erblicke, das nicht den Glanz eurer Reize hat; ✿ Möge mein Abschied nicht im Anblick eurer enden! Ich schwöre, ich werde niemals eure Treue vergessen; ✿ Und gern würde diese Brust zu eurer Höhe aufsteigen: Ihr ließet mich den Liebesbecher leeren, und ich – liebend ✿ Ein zarter Liebesbecher zur Lust an euch: Nehmt diese meine Gestalt, wohin ihr auch geht, und wenn ✿ Ihr sterbt, bestattet mich an eurem Ort: Ruft mich in meinem Grabe, und hört, wie meine Knochen ✿ Ihre Antworten auf euer Rufen seufzen: Und würde ich gefragt: „Von Gott, was möchtest du sehen?“ ✿ Ich antworte: „Zuerst Seinen Willen, dann Euren Befehl!“

Als sie ihre Verse beendete, fragte sie mich: „O Jüngling, hast du schöne Stoffe bei dir?“; und ich antwortete: „O meine Herrin, dein Sklave ist arm; doch habe Geduld, bis die Kaufleute ihre Läden öffnen, und ich werde dir mit dem dienen, was du wünschst.“ Dann saßen wir da und redeten, sie und ich (und ich war im Meer ihrer Liebe ertrunken, benommen in der Wüste meiner Leidenschaft für sie), bis die Kaufleute ihre Läden öffneten; da stand ich auf und brachte ihr alles, was sie suchte, für den Betrag von fünftausend Dirham. Sie gab die Ware dem Eunuchen und, durch das Tor des Basars hinausgehend, bestieg sie den Maulesel und ritt davon, ohne mir zu sagen, woher sie kam, und ich schämte mich, von einer solchen Kleinigkeit zu sprechen. Als die Kaufleute mich wegen des Preises drängten, bürgte ich für die fünftausend Dirham und ging nach Hause, berauscht von der Liebe zu ihr. Sie setzten mir das Abendessen vor, und ich aß einen Bissen, nur an ihre Schönheit und Lieblichkeit denkend, und versuchte zu schlafen, doch der Schlaf kam nicht zu mir. Und so war mein Zustand eine ganze Woche lang, als die Kaufleute ihre Gelder von mir forderten, doch ich überredete sie, noch eine Woche Geduld zu haben, an deren Ende sie erneut erschien, auf einem Maulesel reitend und von ihrem Eunuchen und zwei Sklaven begleitet. Sie grüßte mich und sagte: „O mein Gebieter, wir haben lange gebraucht, dir den Preis für die Stoffe zu bringen; aber nun hole den Geldwechsler und nimm dein Geld.“ Also schickte ich nach dem Geldwechsler, und der Eunuch zählte das Geld vor ihm ab und übergab es mir. Dann saßen wir da und sprachen miteinander, sie und ich, bis der Markt öffnete, als sie zu mir sagte: „Besorge mir dies und jenes.“ Also besorgte ich ihr von den Kaufleuten alles, was sie wollte, und sie nahm es und ging davon, ohne ein Wort über den Preis zu verlieren. Sobald sie außer Sichtweite war, bereute ich, was ich getan hatte; denn der Wert der für sie gekauften Stoffe belief sich auf tausend Dinar, und ich sagte zu meiner Seele: „Welche Art von Liebe ist das? Sie hat mir fünftausend Dirham gebracht und Waren für tausend Dinar genommen.“ Ich fürchtete, ich würde verarmen, weil ich die Kaufleute bezahlen müsste, und ich sagte: „Sie kennen niemanden außer mir; diese reizende Dame ist nichts als eine Betrügerin und Schwindlerin, die mich mit ihrer Schönheit und Anmut getäuscht hat; denn sie sah, dass ich ein bloßer Jüngling war, und lachte mich aus, weil ich nicht nach ihrer Adresse fragte.“ Ich hörte nicht auf, von diesen Zweifeln und Ängsten geplagt zu werden, da sie mehr als einen Monat lang ausblieb, bis die Kaufleute mich wegen ihres Geldes belästigten und so hart gegen mich waren, dass ich mein Eigentum zum Verkauf anbot und am Rande des Ruins stand. Als ich jedoch eines Tages in meinem Laden saß, ertrunken in melancholischen Gedanken, ritt sie plötzlich heran, stieg am Basartor ab und kam direkt auf mich zu. Als ich sie sah, fielen alle meine Sorgen von mir ab, und ich vergaß jeden Kummer. Sie kam dicht an mich heran, grüßte mich mit ihrer süßen Stimme und angenehmen Rede und sagte alsbald: „Hole den Geldwechsler und wiege dein Geld.“ So gab sie mir den Preis für die Waren, die ich für sie besorgt hatte, und mehr, und begann frei mit mir zu plaudern, bis ich vor Freude und Entzücken fast starb. Alsbald fragte sie mich: „Hast du eine Frau?“; und ich antwortete: „Nein, wahrlich: Ich habe nie eine Frau gekannt“; und begann Tränen zu vergießen. Sie fragte: „Warum weinst du?“ Ich sagte: „Es ist nichts!“ Dann gab ich dem Eunuchen einige der Goldstücke und bat ihn, in dieser Angelegenheit als Vermittler zu dienen; doch er lachte und sagte: „Sie ist mehr in dich verliebt als du in sie: Sie hat keine Verwendung für die Stoffe, die sie bei dir gekauft hat, und tat all dies nur aus Liebe zu dir; also bitte sie um, was du willst, und sie wird dir nichts verwehren.“ Als sie sah, dass ich dem Eunuchen die Dinar gab, kehrte sie zurück und setzte sich wieder; und ich sagte zu ihr: „Sei barmherzig gegen deinen Sklaven und verzeih ihm, was er gleich sagen wird.“ Dann erzählte ich ihr, was ich auf dem Herzen hatte, und sie stimmte zu und sagte zum Eunuchen: „Du sollst ihm meine Nachricht überbringen“, und fügte zu mir hinzu: „Und tue alles, was der Eunuch dir befiehlt.“ Dann stand sie auf und ging fort, und ich bezahlte den Kaufleuten ihre Gelder, und sie alle machten Gewinn; aber für mich war Bedauern über das Abbrechen unseres Umgangs mein einziger Gewinn; und ich schlief die ganze Nacht nicht. Doch bevor viele Tage vergingen, kam ihr Eunuch zu mir, und ich behandelte ihn ehrenvoll und fragte ihn nach seiner Herrin. „Wahrlich, sie ist krank vor Liebe zu dir“, antwortete er, und ich entgegnete: „Sag mir, wer und was sie ist.“ Er sagte: „Die Dame Zubaydah, Gemahlin von Harun al-Rashid, kaufte sie als Zögling auf und hat sie zur Verwalterin des Harim befördert und ihr das Recht gegeben, ein- und auszugehen, wann immer es ihr beliebt. Sie sprach zu ihrer Herrin von dir und bat sie, sie mit dir zu verheiraten; aber sie sagte: – Ich werde dies nicht tun, bis ich den jungen Mann sehe; und wenn er deiner würdig ist, werde ich dich mit ihm verheiraten. Also erwarten wir nun den Augenblick, dich in den Palast zu schmuggeln, und wenn es dir gelingt, heimlich einzudringen, wirst du deinen Wunsch erfüllen, sie zu heiraten; aber wenn die Angelegenheit ruchbar wird, wird die Dame Zubaydah dir den Kopf abschlagen. Was sagst du dazu?“ Ich antwortete: „Ich werde mit dir gehen und das Risiko auf mich nehmen, von dem du sprichst.“ Dann sagte er: „Sobald es Nacht ist, gehe zu der von der Dame Zubaydah am Tigris erbauten Moschee, verrichte die Nachtgebete und schlafe dort.“ „Mit Liebe und Freuden“, rief ich. So begab ich mich bei Einbruch der Nacht zur Moschee, wo ich betete und die Nacht verbrachte. Mit der frühesten Dämmerung erschienen, siehe da, verschiedene Eunuchen in einem Kahn mit einer Anzahl leerer Truhen, die sie in der Moschee abstellten, dann gingen sie alle ihrer Wege bis auf einen, und als ich ihn neugierig betrachtete, sah ich, dass er unser Vermittler war. Alsbald kam die Zofe, meine Herrin, und ging geradewegs auf uns zu; ich stand auf, begrüßte sie und umarmte sie, während sie mich küsste und Tränen vergoss. Wir sprachen eine Weile; danach ließ sie mich in eine der Truhen steigen, die sie über mir abschloss. Alsbald kamen die anderen Eunuchen mit einer Menge Pakete zurück, und sie begann, sie in den Truhen zu verstauen, die sie eine nach der anderen abschloss, bis alle verschlossen waren. Als alles getan war, luden die Eunuchen die Truhen in das Boot und fuhren zum Palast der Dame Zubaydah. Damit begannen mich Gedanken zu bedrängen, und ich sagte zu mir selbst: „Wahrlich, deine Lust und Zügellosigkeit werden dein Tod sein; und die Frage ist schließlich, ob du deinen Wunsch erreichen wirst oder nicht?“ Und ich begann zu weinen, eingesperrt, wie ich in der Kiste war, und an Krämpfen leidend; und ich betete zu Allah, dass Er mich aus der gefährlichen Bedrängnis befreie, in der ich mich befand, während das Boot nicht aufhörte zu fahren, bis es das Palasttor erreichte, wo sie die Truhen herausluden, und unter ihnen auch die, in der ich war. Dann trugen sie sie hinein, durch eine Schar von Eunuchen hindurch, den Wächtern des Harim und der Damen hinter dem Vorhang, bis sie zum Posten des Obersten Eunuchen kamen, der aus seinem Schlummer auffuhr und das Mädchen anbrüllte: „Was ist in diesen Truhen?“ „Sie sind voll von Waren für die Dame Zubaydah!“ „Öffne sie, eine nach der anderen, damit ich sehen kann, was darin ist.“ „Und warum willst du sie öffnen?“ „Mach keine Worte und übertreibe nicht im Reden! Diese Truhen müssen und werden geöffnet werden.“ Indem er dies sagte, sprang er auf seine Füße, und die erste, die sie ihm zum Öffnen brachten, war die, in der ich war; und als ich seine Hände darauf spürte, schwanden mir die Sinne und ich bepiste mich vor Angst, wobei das Wasser aus der Kiste lief. Dann sagte sie zum Obersten Eunuchen: „O Verwalter! Du wirst mich töten lassen und dich selbst auch, denn du hast Waren im Wert von zehntausend Dinar beschädigt. Diese Truhe enthält farbige Kleider und vier Gallonen-Flaschen mit Zemzem-Wasser; und nun ist eine davon entkorkt worden und das Wasser läuft über die Kleider und wird ihre Farben verderben.“ Der Eunuch antwortete: „Nimm deine Kisten und scher dich zum Fluch Gottes!“ So trugen die Sklaven alle Truhen davon, einschließlich meiner; und beeilten sich mit ihnen, bis ich plötzlich die Stimme eines Menschen sagen hörte: „Weh, o Weh! Der Kalif! Der Kalif!“ Als dieser Ruf meine Ohren traf, starb ich in meiner Haut und sprach einen Spruch, der den Sprecher noch nie beschämt hat: „Es gibt keine Hoheit und keine Macht außer bei Allah, dem Glorreichen, dem Großen! Ich und nur ich habe dieses Unheil über mich gebracht.“ Alsbald hörte ich den Kalifen zu meiner Herrin sagen: „Eine Plage über dich, was ist in diesen Kisten?“; und sie antwortete: „Kleider für die Dame Zubaydah“; worauf er sagte: „Öffne sie vor mir!“ Als ich dies hörte, starb ich meinen Tod auf der Stelle und sagte zu mir selbst: „Bei Allah, heute ist der allerletzte meiner Tage in dieser Welt: Wenn ich sicher hier herauskomme, werde ich sie heiraten, und keine weiteren Worte, aber die Entdeckung starrt mir ins Gesicht, und mein Kopf ist so gut wie abgeschlagen.“ Dann wiederholte ich das Glaubensbekenntnis und sagte: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Apostel Gottes!“

Sie sagte: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückseliger König, dass der junge Kaufmann folgendermaßen fortfuhr: Als ich nun bezeugte: „Ich lege Zeugnis ab, dass es keinen Gott gibt außer Gott“, hörte ich meine Gebieterin, die Sklavin, zum Kalifen sagen: „Diese Truhen, o Befehlshaber der Gläubigen, wurden mir von der Herrin Zubaydah anvertraut, und sie wünscht nicht, dass ihr Inhalt von irgendjemandem gesehen wird.“ „Gleichviel!“, sagte der Kalif, „sie müssen geöffnet werden, ich will sehen, was darin ist“; und er rief laut nach den Eunuchen: „Bringt die Truhen hierher vor mich.“ Da war ich mir meines Todes gewiss (ohne den geringsten Zweifel) und wurde ohnmächtig. Dann brachten die Eunuchen die Truhen eine nach der anderen zu ihm, und er begann den Inhalt zu prüfen, doch er sah darin nur Rosenöl, Stoffe und feine Gewänder; und sie hörten nicht auf, die Truhen zu öffnen, und er hörte nicht auf zu schauen, was darin sei, und fand nur Kleider und dergleichen, bis keine mehr ungeöffnet war außer dem Kasten, in dem ich eingekastet war. Sie streckten ihre Hände aus, um ihn zu öffnen, doch meine Gebieterin, die Sklavin, beeilte sich und sagte zum Kalifen: „Diesen hier sollst du nur im Beisein der Herrin Zubaydah sehen, denn was darin ist, ist ihr Geheimnis.“ Als er dies hörte, gab er Befehl, die Truhen hineinzubringen; so nahmen sie jene, in der ich war, und trugen sie mit den übrigen in den Harem und stellten sie mitten in den Saal; und wahrlich, mein Speichel war vertrocknet vor lauter Furcht. Dann öffnete meine Gebieterin den Kasten und holte mich heraus, wobei sie sagte: „Fürchte dich nicht: Kein Leid soll dir nun widerfahren, noch Schrecken; sondern weite deine Brust und stärke dein Herz und setze dich nieder, bis die Herrin Zubaydah kommt, und sicherlich wirst du dein Ziel bei mir erreichen.“ Also setzte ich mich nieder, und nach einer Weile kamen zehn Sklavinnen herein, Jungfrauen wie Monde, und stellten sich in zwei Reihen auf, fünf gegenüber fünf; und nach ihnen zwanzig andere Mädchen, hochbusige Jungfräulichkeit, die die Herrin Zubaydah umringten, welche vor dem Gewicht ihrer Kleider und ihres Schmucks kaum gehen konnte. Als sie sich näherte, zerstreuten sich die Sklavinnen um sie herum, und ich trat vor und küsste den Boden zwischen ihren Händen. Sie winkte mir zu, mich zu setzen, und als ich vor ihrem Stuhl saß, begann sie mich nach meinen Vorfahren, meiner Familie und meinem Stand zu fragen, worauf ich solche Antworten gab, die ihr gefielen, und sie sagte zu meiner Gebieterin: „Unsere Erziehung deiner Person, o Mädchen, hat uns nicht enttäuscht.“ Dann sagte sie zu mir: „Wisse, dass diese Sklavin für uns ist wie unser eigenes Kind, und sie ist ein Anvertrautes, das dir durch Allah übergeben wurde.“ Ich küsste erneut den Boden vor ihr, wohlzufrieden damit, dass ich meine Gebieterin heiraten sollte, und sie hieß mich zehn Tage im Palast bleiben. So blieb ich dort zehn Tage, während derer ich meine Gebieterin nicht sah, noch irgendjemanden außer einer der Konkubinen, die mir die Morgen- und Abendmahlzeiten brachte. Danach beriet sich die Herrin Zubaydah mit dem Kalifen über die Heirat ihrer bevorzugten Sklavin, und er gab seine Erlaubnis und setzte ihr eine Morgengabe von zehntausend Goldstücken fest. So sandte die Herrin Zubaydah nach dem Kadi und den Zeugen, die unseren Ehevertrag aufsetzten, wonach die Frauen Süßigkeiten und reiche Speisen zubereiteten und sie unter allen Odahs des Harems verteilten. So taten sie weitere zehn Tage lang, an deren Ende meine Gebieterin in die Bäder ging. Unterdessen stellte man mir ein Tablett mit Speisen vor, auf dem sich verschiedene Fleischgerichte befanden, und unter diesen Speisen, die ausreichten, um den Verstand zu benebeln, war eine Schüssel mit Kreuzkümmel-Ragout, das Hühnerbrüste enthielt, gespickt und gewürzt mit Zucker, Pistazien, Moschus und Rosenwasser. Dann, bei Allah, werte Herren, zögerte ich nicht lange; sondern nahm meinen Platz vor dem Ragout ein und machte mich darüber her und aß davon, bis ich nicht mehr konnte. Danach wischte ich mir die Hände ab, vergaß aber, sie zu waschen; und saß, bis es dunkel wurde, als die Wachskerzen angezündet wurden und die Sängerinnen mit ihren Tamburinen hereinkamen und begannen, die Braut in verschiedenen Gewändern zu zeigen und sie in einem Festzug von Zimmer zu Zimmer durch den ganzen Palast zu tragen, wobei sie ihre Handflächen mit Gold füllen ließen. Dann brachten sie sie zu mir und entkleideten sie. Als ich mich allein mit ihr auf dem Lager fand, umarmte ich sie, kaum an unsere Vereinigung glaubend; doch sie roch die starken Ausdünstungen des Ragouts an meinen Händen und schrie alsbald mit einem außerordentlich lauten Schrei auf, woraufhin die Sklavinnen von allen Seiten zu ihr geeilt kamen. Ich zitterte vor Alarm, nicht wissend, was los war, und die Mädchen fragten sie: „Was fehlt dir, o unsere Schwester?“ Sie antwortete ihnen: „Nehmt diesen Verrückten von mir weg: Ich hatte gedacht, er sei ein Mann von Verstand!“ Ich sagte zu ihr: „Was lässt dich mich für verrückt halten?“ Sie sagte: „Du Verrückter! Was hat dich dazu gebracht, von dem Kreuzkümmel-Ragout zu essen und zu vergessen, deine Hand zu waschen? Bei Allah, ich werde dich für dein Fehlverhalten büßen lassen. Soll einer deinesgleichen mit einer meinesgleichen mit unreinen Händen zu Bett gehen?“ Dann nahm sie von ihrer Seite eine geflochtene Geißel und ließ sie auf meinen Rücken und die Stelle, auf der ich sitze, herabfahren, bis ihre Unterarme taub waren und ich vor lauter Schlägen ohnmächtig wurde; worauf sie zu den Sklavinnen sagte: „Nehmt ihn und bringt ihn zum Polizeichef, damit er die Hand abhauen möge, mit der er das Kreuzkümmel-Ragout gegessen hat und die er nicht gewaschen hat.“ Als ich dies hörte, sagte ich: „Es gibt keine Hoheit und keine Macht außer bei Allah! Willst du mir die Hand abhacken, weil ich ein Kreuzkümmel-Ragout gegessen und nicht gewaschen habe?“ Die Sklavinnen legten ebenfalls ein gutes Wort für mich bei ihr ein und küssten ihre Hand, sagend: „O unsere Schwester, dieser Mann ist ein Einfaltspinsel, bestrafe ihn nicht für das, was er diesmal getan hat“; doch sie antwortete: „Bei Allah, es gibt keine Hilfe, außer dass ich ihn um etwas verkürze, besonders das beleidigende Glied.“ Dann ging sie fort, und ich sah sie zehn Tage lang nicht mehr, während derer sie mir Speise und Trank durch eine Sklavin schickte, die mir sagte, sie sei vom Geruch des Kreuzkümmel-Ragouts krank geworden. Nach dieser Zeit kam sie zu mir und sagte: „O du mit dem schwarzen Gesicht! Ich werde dich lehren, wie man Kreuzkümmel-Ragout isst, ohne sich die Hände zu waschen!“ Dann rief sie nach den Sklavinnen, die mich fesselten; und sie nahm ein scharfes Rasiermesser und schnitt mir die Daumen und die großen Zehen ab; genau wie ihr seht, o werte Versammlung! Daraufhin wurde ich ohnmächtig, und sie streute etwas Pulver von heilenden Kräutern auf die Stümpfe, und als das Blut gestillt war, sagte ich: „Niemals wieder werde ich Kreuzkümmel-Ragout essen, ohne mir meine Hände vierzigmal mit Pottasche und vierzigmal mit Galgant und vierzigmal mit Seife zu waschen!“ Und sie nahm mir einen Eid ab und verpflichtete mich durch einen Bund zu diesem Zweck. Als ihr mir daher das Kreuzkümmel-Ragout brachtet, veränderte sich meine Farbe, und ich sagte zu mir selbst: „Es war genau dieses Gericht, das das Abschneiden meiner Daumen und großen Zehen verursachte“; und als ihr mich zwang, sagte ich: „Ich muss den Eid erfüllen, den ich geschworen habe.“ „Und was geschah dir danach?“, fragten die Anwesenden; und er antwortete: Als ich ihr den Eid schwor, legte sich ihr Zorn, und ich schlief jene Nacht mit ihr. Wir lebten eine Weile so, bis sie eines Tages zu mir sagte: „Wahrlich, der Palast des Kalifen ist kein angenehmer Ort für uns zum Leben, und niemand betrat ihn jemals außer dir; und du nur durch die Gnade der Herrin Zubaydah. Nun hat sie mir fünfzigtausend Dinar gegeben“, fügte sie hinzu, „nimm dieses Geld und geh hinaus und kaufe uns ein schönes Wohnhaus.“ So ging ich hinaus und kaufte ein schönes und geräumiges Herrenhaus, wohin sie all den Reichtum, den sie besaß, und die Schätze, die ich an Stoffen und kostbaren Raritäten gewonnen hatte, übersiedelte. Dies ist der Grund für das Abschneiden meiner Daumen und großen Zehen. Wir aßen, (fuhr der Aufseher fort) und kehrten in unsere Häuser zurück, als mir das mit dem Buckligen zustoß, von dem ihr wisst.

Dies also ist meine Geschichte, und Friede sei mit dir! Der König sagte: „Diese Geschichte ist keineswegs erfreulicher als die Geschichte des Buckligen; nein, sie ist sogar noch weniger, und es gibt keine Rettung vor dem Aufhängen von euch allen.“ Dann trat der jüdische Arzt vor, küsste den Boden und sagte: „O König der Zeit, ich werde dir eine Geschichte erzählen, die wunderbarer ist als die des Buckligen.“ „Erzähle weiter“, sagte der König von China; so begann er die

GESCHICHTE VOM JÜDISCHEN ARZT.

Recht wundersam war eine Angelegenheit, die mir in meiner Jugend widerfuhr. Ich lebte in Damaskus in Syrien und studierte meine Kunst, und eines Tages, als ich zu Hause saß, siehe, da kam ein Mameluck aus dem Haushalt des Sáhib zu mir und sagte: „Sprich mit meinem Herrn!“ Also folgte ich ihm zum Haus des Vizekönigs und sah beim Betreten der großen Halle an ihrem oberen Ende eine mit Gold beschlagene Zedernbank, auf der ein kränklicher Jüngling lag, der zugleich wunderschön war; schöner als ihn konnte man nicht sehen. Ich setzte mich zu seinem Kopfende und betete zum Himmel für eine Heilung; und er gab mir ein Zeichen mit seinen Augen, also sagte ich zu ihm: „O mein Herr! Begünstige mich mit deiner Hand, und Sicherheit sei mit dir!“ Dann streckte er seine linke Hand aus, und ich wunderte mich darüber und sagte: „Bei Allah, seltsam, dass dieser hübsche Jüngling, der Sohn eines großen Hauses, so sehr gute Manieren vermissen lässt. Das kann nichts anderes als Stolz und Dünkel sein!“ Dennoch fühlte ich seinen Puls und schrieb ihm ein Rezept und besuchte ihn zehn Tage lang, an deren Ende er genas und ins Hammam ging, woraufhin der Vizekönig mir ein schönes Ehrenkleid gab und mich zum Leiter des Krankenhauses ernannte, das in Damaskus ist. Ich begleitete ihn in die Bäder, die sie für seine Unterbringung ganz privat gehalten hatten; und die Diener kamen mit ihm hinein und zogen ihm innerhalb des Bades die Kleider aus, und als er entkleidet war, sah ich, dass seine rechte Hand gerade erst abgehackt worden war, und dies war die Ursache seiner Schwäche. Darüber war ich erstaunt und betrübt für ihn: dann, als ich auf seinen Körper schaute, sah ich darauf die Narben von Geißelhieben, auf die er Salben aufgetragen hatte. Ich war beunruhigt bei diesem Anblick, und meine Besorgnis erschien in meinem Gesicht. Der junge Mann sah mich an, erfasste die Angelegenheit und sagte: „O Arzt der Zeit, wundere dich nicht über meinen Fall; ich werde dir meine Geschichte erzählen, sobald wir die Bäder verlassen.“ Dann wuschen wir uns, und als wir in sein Haus zurückkehrten, aßen wir etwas von der Speise und ruhten eine Weile; wonach er mich fragte: „Was sagst du dazu, dich durch eine Inspektion des Speisesaals zu zerstreuen?“; und ich antwortete: „So sei es.“ Daraufhin befahl er den Sklaven, die erforderlichen Teppiche und Kissen hinauszutragen, ein Lamm zu braten und uns etwas Obst zu bringen. Sie taten sein Geheiß, und wir aßen zusammen, wobei er die linke Hand für den Zweck benutzte. Nach einer Weile sagte ich zu ihm: „Nun erzähle mir deine Geschichte.“ „O Arzt der Zeit“, antwortete er, „höre, was mir widerfuhr. Wisse, dass ich von den Söhnen aus Mosul bin, wo mein Großvater starb und neun Kinder hinterließ, von denen mein Vater der älteste war. Alle wuchsen auf und nahmen sich Frauen, doch keiner von ihnen wurde mit Nachkommenschaft gesegnet außer meinem Vater, dem die Vorsehung mich gewährte. So wuchs ich unter meinen Onkeln auf, die sich meiner mit überaus großer Freude erfreuten, bis ich ins Mannesalter kam. Eines Tages, der ein Freitag war, ging ich mit meinem Vater und meinen Onkeln zur Kathedralmoschee von Mosul, und wir beteten die Gemeinschaftsgebete, wonach das Volk hinausging, außer meinem Vater und meinen Onkeln, die dort saßen und von wundersamen Dingen in fremden Teilen und den wunderbaren Anblicken fremder Städte sprachen. Schließlich erwähnten sie Ägypten, und einer meiner Onkel sagte: „Reisende erzählen uns, dass es auf dem Antlitz der Erde nichts Schöneres gibt als Kairo und ihren Nil“; und diese Worte ließen mich danach sehnen, Kairo zu sehen. Mein Vater sagte: „Wer Kairo nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen. Ihr Staub ist golden und ihr Nil ein Wunder, das man festhält; und ihre Frauen sind wie Houris, schön; Puppen, schöne Bilder; ihre Häuser sind seltene Paläste; ihr Wasser ist süß und leicht und ihr Schlamm ein Handelsgut und eine Medizin, die ihresgleichen sucht, genau wie der Dichter in dieser seiner Dichtung sagte:—

Die Nilflut ist heute der Gewinn, den ihr besitzt; ✿ Ihr allein lebt in solchem Gewinn und Überfluss: Der Nil ist meine Tränenflut der Trennung, ✿ Und hier ist niemand verlassen außer mir allein.

Überdies ist ihre Luft gemäßigt und mit Wohlgeruch vermengt, der das Adlerholz an Duft übertrifft; und wie sollte es anders sein, da sie die Mutter der Welt ist? Und Allah begünstige den, der diese Zeilen schrieb:—

Wenn ich Kairo und ihre Annehmlichkeiten verlasse, ✿ Wohin kann ich wenden, um so frohe Wege zu finden? Soll ich jenen Ort verlassen, dessen dankbare Düfte ✿ Jede Seele erfreuen und nach lautestem Lob rufen? Wo jeder Palast, wie ein anderes Eden, ✿ Teppiche und Kissen reich gearbeitet zur Schau stellt; Eine Stadt, die Anblick und Geist zur Freude lockt, ✿ Wo Heiliger auf Sünder trifft und jeder seine Laune genießt; Wo Freund auf Freund trifft, durch Vorsehung vereint ✿ Im grünen Garten und im Palmenlabyrinth: Leute von Kairo, wenn durch Allahs Urteil ✿ Ich reise, so lebe ich in Gedanken immer bei euch! Flüstert Kairo nicht ins Ohr des Zephyr, ✿ Damit er sie nicht wegen ihrer Garten-Düfte entführt.

Und wenn eure Augen ihre Erde sähen, und den Schmuck davon mit Blüte, und das Verzieren derselben mit allerlei Blüten, und die Inseln des Nils und wie viel darin an weitverbreiteter und guter Aussicht ist, und wenn ihr euren Blick auf den abessinischen Teich richtetet, würde euer Blick nicht ohne Staunen von der Szene zurückkehren; denn nirgendwo würdet ihr den Gefährten dieser lieblichen Aussicht schauen; und wahrlich, die beiden Arme des Nils umarmen üppigstes Grün, wie das Weiß des Auges sein Schwarz umschließt oder wie filigranes Silber, das Chrysolithe umgibt. Und göttlich begabt war der Dichter, der darüber diese Zweizeiler sagte:—

Am abessinischen Teich, o göttlicher Tag! ✿ In der Morgendämmerung und im Sonnenschein: Das Wasser gefangen in seinen grünen Mauern, ✿ Wie Säbelblitze vor schreckenden Augen: Und im Garten saßen wir, während er leert ✿ Langsamen Zug, mit verzierten Seiten, die aufs Feinste gefärbt sind: Der Strom wird von den Händen der Wolken gekräuselt; ✿ Auch wir, kräuselnd, lehnen auf unseren Teppichen, Reinen Wein reichend, und wer uns dort verlässt ✿ Wird niemals von dem Fall aufstehen, den seine Leiden entwerfen: Lange Züge aus großen und vollen Schalen leerend, ✿ Die einzige Medizin des Durstes verabreichend — Wein.

Und was ist zu vergleichen mit dem Rasad, dem Observatorium, und seinen Reizen, wovon jeder Betrachter, wenn er sich nähert, sagt: „Wahrlich, dieser Ort ist mit allerlei Exzellenz spezialisiert!“ Und wenn du von der Nacht der Nilfülle sprichst, gib den Regenbogen und verteile ihn! Und wenn du den Garten am Abend betrachtest, mit den kühlen Schatten, die sich weit und breit neigen, ein Wunder würdest du sehen und würdest dich in Ekstase zu Ägypten neigen. Und wärst du an Kairos Flussseite, wenn die Sonne sinkt und der Strom über seine anderen Gewänder Kettenhemd und Panzer anlegt, würdest du durch seine sanften Zephyre und durch seinen alles ausreichenden Schatten zu neuem Leben erweckt werden.“ So sprach er, und die anderen begannen, Ägypten und ihren Nil zu beschreiben. Als ich ihre Berichte hörte, verweilten meine Gedanken bei dem Thema, und als nach ihrem ausgiebigen Gespräch alle aufstanden und ihrer Wege gingen, legte ich mich jene Nacht schlafen, aber der Schlaf kam nicht wegen meiner heftigen Sehnsucht nach Ägypten; und weder Speise noch Trank erfreuten mich. Nach wenigen Tagen rüsteten sich meine Onkel für eine Handelsreise nach Ägypten; und ich weinte vor meinem Vater, bis er für mich passende Waren bereithielt, und er stimmte meiner Reise mit ihnen zu, sagte jedoch: „Er soll Kairo nicht betreten, sondern lass ihn seine Waren in Damaskus verkaufen.“ Also nahm ich Abschied von meinem Vater, und wir reisten von Mosul ab und hörten nicht auf zu reisen, bis wir Aleppo erreichten, wo wir einige Tage anhielten. Dann marschierten wir weiter, bis wir Damaskus erreichten, und wir fanden sie eine Stadt, als ob sie ein Paradies wäre, reich an Bäumen und Strömen und Vögeln und Früchten aller Art. Wir stiegen in einem der Khans ab, wo meine Onkel eine Weile verweilten, verkaufend und kaufend; und sie kauften und verkauften auch in meinem Namen, wobei jeder Dirham einen Gewinn von fünf auf den Selbstkostenpreis einbrachte, was mir gewaltig gefiel. Danach ließen sie mich allein und wandten ihre Gesichter Richtung Ägypten; während ich in Damaskus blieb, wo ich von einem Juwelier für zwei Dinar im Monat ein Herrenhaus gemietet hatte, dessen Schönheiten die Zunge beschämen würden. Hier blieb ich, aß und trank und gab aus, was an Geld ich zur Hand hatte, bis eines Tages, als ich an der Tür meines Hauses saß, siehe, da kam eine junge Dame herbei, gekleidet in kostbarste Gewänder — niemals sahen meine Augen reichere. Ich zwinkerte ihr zu, und sie trat ohne Zögern ein und stand drinnen. Ich trat mit ihr ein und schloss die Tür hinter mir und ihr; worauf sie ihren Gesichtsschleier hob und ihre Mantille abwarf, als ich sie wie einen abgebildeten Mond von seltener und wunderbarer Lieblichkeit fand; und Liebe zu ihr ergriff mein Herz. Also stand ich auf und brachte ein Tablett mit den delikatesten Esswaren und Früchten und was dem Anlass entsprach, und wir aßen und spielten und danach tranken wir, bis uns der Wein den Kopf verdrehte. Dann lag ich mit ihr die süßeste der Nächte, und am Morgen bot ich ihr zehn Goldstücke an; worauf sich ihr Gesicht senkte und ihre Augenbrauen sich runzelten und sie vor Zorn bebend rief: „Pfui über dich, o mein süßer Begleiter! Glaubst du, dass ich dein Geld begehre?“ Dann nahm sie aus dem Busen ihres Hemdes fünfzehn Dinar hervor und legte sie vor mich hin und sagte: „Bei Allah! Wenn du sie nicht annimmst, werde ich niemals zu dir zurückkommen.“ Also nahm ich sie an, und sie sagte zu mir: „O mein Geliebter! Erwarte mich wieder in drei Tagen, wenn ich zwischen Sonnenuntergang und Abendessenszeit bei dir sein werde; und bereite für uns mit diesen Dinar dieselbe Unterhaltung wie gestern Abend.“ So sagend, nahm sie Abschied von mir und ging fort, und all meine Sinne gingen mit ihr. Am dritten Tag kam sie wieder, gekleidet in Stoff, der mit Golddraht gewebt war, und trug Gewänder und Schmuck, feiner als zuvor. Ich hatte den Ort für sie bereitet, ehe sie ankam, und das Mahl war fertig; so aßen und tranken wir und lagen beieinander, wie wir es getan hatten, bis zum Morgen, als sie mir weitere fünfzehn Goldstücke gab und versprach, nach drei Tagen wiederzukommen. Dementsprechend bereitete ich für sie alles vor, und zur festgesetzten Zeit erschien sie, reicher gekleidet als bei der ersten und zweiten Gelegenheit, und sagte zu mir: „O mein Herr, bin ich nicht schön?“ „Ja, bei Allah, das bist du!“, antwortete ich, und sie fuhr fort: „Willst du erlauben, dass ich eine junge Dame mitbringe, die schöner ist als ich und jünger an Jahren, damit sie mit uns spielt und du und sie lachen und fröhlich sein und ihr Herz erfreuen könnt, denn sie ist seit langer Zeit sehr traurig gewesen und hat mich gebeten, sie mitzunehmen und sie die Nacht bei mir verbringen zu lassen?“ „Ja, bei Allah!“, antwortete ich; und wir tranken, bis uns der Wein den Kopf verdrehte, und schliefen bis zum Morgen, als sie mir weitere fünfzehn Dinar gab und sagte: „Füge deinem üblichen Vorrat etwas hinzu wegen der jungen Dame, die mit mir kommen wird.“ Dann ging sie fort, und am vierten Tag bereitete ich das Haus wie gewöhnlich vor, und kurz nach Sonnenuntergang siehe, da kam sie, begleitet von einem anderen Mädchen, das sorgfältig in ihre Mantille gehüllt war. Sie traten ein und setzten sich; und als ich sie sah, wiederholte ich diese Verse:—

Wie teuer ist unser Tag und wie glücklich unser Los, wenn der Zyniker fern ist mit seiner bösartigen Zunge! Wenn Liebe und Wonne und das Schwindelgefühl die Klugheit vertreiben – die beste Gabe des Weines. Wenn der Vollmond aus dem Wolkenschleier scheint und das Zweiglein in seinem grünen Glanz sich wiegt: Wenn die rote Rose auf frischester Wange aufblüht und Narziss seine liebeskranken Augen öffnet: Wenn das Vergnügen mit denen, die ich liebe, so süß ist, wenn die Freundschaft mit denen, die ich liebe, vollkommen ist!

Ich freute mich, sie zu sehen, und zündete die Kerzen an, nachdem ich sie mit Freude und Entzücken empfangen hatte. Sie legten ihre schweren Obergewänder ab, und das neue Fräulein enthüllte ihr Gesicht; da sah ich, dass sie dem Vollmond glich – niemals erblickte ich etwas Schöneres. Dann stand ich auf und setzte ihnen Speis und Trank vor, und wir aßen und tranken; und ich gab der Neuankömmlingin immer wieder Bissen, füllte ihren Becher bis zum Rand und trank mit ihr, bis die erste junge Dame, innerlich vor Eifersucht brennend, mich fragte: „Bei Allah, ist sie nicht köstlicher als ich?“; worauf ich antwortete: „Ja, beim Herrn!“ „Es ist mein Wunsch, dass du diese Nacht mit ihr liegst; denn ich bin deine Gebieterin, aber sie ist unsere Besucherin.“ „Auf mein Haupt und meine Augen sei es.“ Dann stand sie auf und breitete die Teppiche für unser Lager, und ich nahm die junge Dame und lag mit ihr jene Nacht bis zum Morgen, als ich erwachte und mich, wie ich glaubte, vom Schweiß benetzt fand. Ich setzte mich auf und versuchte, die junge Dame zu wecken; doch als ich sie an den Schultern schüttelte, färbte sich meine Hand blutrot, und ihr Kopf rollte vom Kissen. Daraufhin flohen meine Sinne, und ich rief laut aus: „O allmächtiger Beschützer, gewähre mir Deinen Schutz!“ Als ich dann fand, dass ihr Hals durchtrennt worden war, sprang ich auf, und die Welt wurde schwarz vor meinen Augen, und ich suchte nach der Dame, meiner früheren Liebe, konnte sie aber nicht finden. Da wusste ich, dass sie es war, die das Mädchen in ihrer Eifersucht ermordet hatte, und sagte: „Es gibt keine Majestät und keine Macht außer bei Allah, dem Glorreichen, dem Großen! Was ist nun zu tun?“ Ich überlegte eine Weile, zog dann meine Kleider aus, grub ein Loch in die Mitte des Hofes, worin ich das ermordete Mädchen mit ihrem Schmuck und ihren goldenen Verzierungen bettete; und nachdem ich die Erde wieder darauf geworfen hatte, setzte ich die Platten des Marmorpflasters wieder ein. Danach vollzog ich den Ghusl, die rituelle Ganzkörperwaschung, und legte reine Kleider an; dann nahm ich, was mir an Geld geblieben war, schloss das Haus ab, fasste Mut und ging zu dessen Besitzer, dem ich die Jahresmiete bezahlte, wobei ich sagte: „Ich bin im Begriff, mich meinen Onkeln in Kairo anzuschließen.“ Bald darauf brach ich auf, reiste nach Ägypten und traf meine Onkel, die sich über mich freuten, und ich stellte fest, dass sie mit dem Verkauf ihrer Waren fertig waren. Sie fragten mich: „Was ist der Grund für dein Kommen?“; und ich antwortete: „Ich sehnte mich danach, euch zu sehen“; doch ließ ich sie nicht wissen, dass ich Geld bei mir hatte. Ich blieb ein Jahr bei ihnen, genoss die Freuden Kairos und seines Nils und vergeudete den Rest meines Geldes mit Festen und Zechen, bis die Zeit für die Abreise meiner Onkel näher rückte, woraufhin ich vor ihnen floh und mich versteckte. Sie stellten Nachforschungen an und suchten nach mir, doch als sie keine Nachricht erhielten, sagten sie: „Er wird nach Damaskus zurückgekehrt sein.“ Als sie abgereist waren, kam ich aus meinem Versteck hervor und lebte drei Jahre in Kairo, bis nichts mehr von meinem Geld übrig war. Nun pflegte ich jedes Jahr die Miete für das Haus in Damaskus an dessen Besitzer zu schicken, bis mir zuletzt nichts mehr blieb als genug, um ihm die Miete für ein Jahr zu zahlen, und meine Brust war bedrängt. Also reiste ich nach Damaskus und stieg in dem Haus ab, dessen Besitzer, der Juwelier, sich freute, mich zu sehen, und ich fand alles so verschlossen vor, wie ich es hinterlassen hatte. Ich öffnete die Schränke, nahm meine Kleider und Notdurft hervor und stieß unter dem Teppichbett, auf dem ich jene Nacht mit dem Mädchen gelegen hatte, das enthauptet worden war, auf eine goldene Halskette, besetzt mit zehn Edelsteinen von überirdischer Schönheit. Ich hob sie auf, reinigte sie vom Blut, saß da, betrachtete sie und weinte eine Weile. Dann blieb ich zwei Tage im Haus, und am dritten ging ich ins Hammam und wechselte meine Kleider. Ich hatte nun kein Geld mehr bei mir; so flüsterte mir Satan Versuchung ein, damit das Dekret des Schicksals erfüllt werde. Am nächsten Tag nahm ich die juwelenbesetzte Halskette mit auf den Basar und übergab sie einem Makler, der mich im Laden des Juweliers, meines Vermieters, Platz nehmen ließ und mich bat, Geduld zu haben, bis der Markt voll war, woraufhin er das Schmuckstück davontrug und es heimlich und ohne mein Wissen zum Verkauf ausrief. Die Halskette wurde auf einen Wert von zweitausend Dinar geschätzt, doch der Makler kehrte zu mir zurück und sagte: „Dieses Halsband ist aus Kupfer, eine bloße Fälschung nach Art der Franken, und es wurden tausend Dirham dafür geboten.“ „Ja“, antwortete ich, „ich wusste, dass es Kupfer ist, da wir es für eine bestimmte Person anfertigen ließen, damit wir sie verspotten konnten: Nun hat meine Frau es geerbt, und wir möchten es verkaufen; also geh und nimm die tausend Dirham entgegen.“ – Und Schahrasad bemerkte das Anbrechen des Tages und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sprechen.

Als es nun die neunundzwanzigste Nacht war,

Sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass der schöne Jüngling zum Makler sagte: „Nimm die tausend Dirham entgegen“; und als der Makler dies hörte, wusste er, dass die Sache verdächtig war. Also trug er das Halsband zum Vorsteher des Basars, und der Vorsteher brachte es zum Gouverneur, der auch Polizeipräfekt war, und sagte zu ihm, nicht ohne Falschheit: „Dieses Halsband wurde aus meinem Haus gestohlen, und wir haben den Dieb in Händlerkleidung gefunden.“ Ehe ich mich also versah, umringte mich die Wache, nahm mich gefangen und brachte mich vor den Gouverneur, der mich nach dem Halsband befragte. Ich erzählte ihm die Geschichte, die ich dem Makler erzählt hatte; doch er lachte und sagte: „Diese Worte sind nicht wahr.“ Dann, ehe ich wusste, wie mir geschah, riss mir die Wache die Kleider vom Leib und schlug mit Palmstöcken auf meine Rippen ein, bis ich vor Schmerz über die Stöcke gestand: „Ich war es, der es gestohlen hat“; wobei ich mir sagte: „Es ist besser für dich zu sagen, ich habe es gestohlen, als sie wissen zu lassen, dass seine Besitzerin in deinem Haus ermordet wurde, denn dann würden sie dich töten, um sie zu rächen.“ Also schrieben sie nieder, dass ich es gestohlen hätte, und sie schnitten mir die Hand ab und verbrühten den Stumpf mit Öl, woraufhin ich vor Schmerz in Ohnmacht fiel; doch sie gaben mir Wein zu trinken, und ich kam wieder zu mir, nahm meine Hand auf und wollte gerade zu meinem schönen Haus gehen, als mein Vermieter zu mir sagte: „Da dir dies widerfahren ist, mein Sohn, musst du mein Haus verlassen und dir eine andere Unterkunft suchen, da du des Diebstahls überführt bist. Du bist ein hübscher Jüngling, doch wer wird nach diesem Vorfall noch Mitleid mit dir haben?“ „O mein Herr“, sagte ich, „habe noch zwei oder drei Tage Geduld mit mir, bis ich eine andere Bleibe gefunden habe.“ Er antwortete: „So sei es“, und ging fort und ließ mich zurück. Ich kehrte in das Haus zurück, wo ich weinend saß und sagte: „Wie soll ich zu den Meinen zurückkehren mit meiner abgehackten Hand, und sie wissen nicht, dass ich unschuldig bin? Vielleicht wird Allah auch nach diesem noch eine Wendung für mich fügen.“ Und ich weinte mit überströmenden Tränen; Kummer überfiel mich, und ich blieb zwei Tage in tiefer Not; doch am dritten Tag kam mein Vermieter plötzlich zu mir herein, und mit ihm einige von der Wache und der Vorsteher des Basars, der mich fälschlicherweise des Diebstahls der Halskette bezichtigt hatte. Ich ging auf sie zu und fragte: „Was ist los?“ Doch sie fesselten mich ohne weiteres Federlesens und legten mir eine Kette um den Hals, indem sie sagten: „Das Halsband, das bei dir war, hat sich als das Eigentum des Wesirs von Damaskus erwiesen, der auch ihr Vizekönig ist“; und sie fügten hinzu: „Es wurde vor drei Jahren aus seinem Haus vermisst, zur selben Zeit wie seine jüngere Tochter.“ Als ich diese Worte hörte, sank mein Herz in mir zusammen, und ich sagte zu mir selbst: „Dein Leben ist zweifellos dahin! Bei Allah, ich muss dem Oberhaupt meine Geschichte erzählen; und wenn er will, soll er mich töten, und wenn es ihm gefällt, soll er mir verzeihen.“ Also brachten sie mich zum Haus des Wesirs und ließen mich vor ihn treten. Als er mich sah, warf er einen Blick aus dem Augenwinkel auf mich und sagte zu den Anwesenden: „Warum habt ihr ihm die Hand abgehackt? Dieser Mann ist vom Unglück verfolgt, und es liegt keine Schuld bei ihm; wahrlich, ihr habt ihm Unrecht getan, indem ihr ihm die Hand abschnittet.“ Als ich dies hörte, fasste ich Mut, und da meine Seele Gutes ahnte, sagte ich zu ihm: „Bei Allah, o mein Herr, ich bin kein Dieb; doch sie verleumdeten mich mit einer niederträchtigen Verleumdung, und sie geißelten mich mitten auf dem Markt, indem sie mich zwangen zu gestehen, bis ich vor dem Schmerz der Stöcke gegen mich selbst log und den Diebstahl gestand, obgleich ich völlig unschuldig daran bin.“ „Fürchte dich nicht“, sagte der Vizekönig, „dir soll kein Leid geschehen.“ Dann befahl er, den Vorsteher des Basars einzukerkern, und sagte zu ihm: „Zahle diesem Mann das Blutgeld für seine Hand; und wenn du zögerst, werde ich dich hängen und dein gesamtes Eigentum beschlagnahmen.“ Zudem rief er seine Wachen, die ihn packten und davonzerrten, wobei sie mich beim Oberhaupt ließen. Dann lösten sie auf seinen Befehl die Kette von meinem Hals und banden meine Arme los; er sah mich an und sagte: „O mein Sohn, sei wahrhaftig gegen mich und erzähle mir, wie diese Halskette in deinen Besitz kam.“ Und er wiederholte diese Verse: —

Wahrheit geziemt dir am besten, auch wenn die Wahrheit dich auf das drohende Feuer bringen soll.

„Bei Allah, o mein Herr“, antwortete ich, „ich werde dir nichts als die Wahrheit sagen.“ Dann berichtete ich ihm alles, was sich zwischen mir und der ersten Dame zugetragen hatte, und wie sie die zweite zu mir gebracht und sie aus Eifersucht erschlagen hatte, und ich schilderte ihm die Geschichte in vollem Umfang. Als er meine Geschichte hörte, schüttelte er den Kopf, schlug mit der rechten Hand auf die linke, legte sein Tuch über sein Gesicht, weinte eine Weile und wiederholte dann: —

Ich sehe, wie sich die Wehen der Welt mehren, und wie die Weltkinder an Groll und Gram kränkeln; Es gibt Einen, der das Zusammentreffen zweier trennen wird, und jene, die sich nicht trennen, sind selten und fern voneinander!

Dann wandte er sich an mich und sagte: „Wisse, o mein Sohn, dass die ältere junge Dame, die zuerst zu dir kam, meine Tochter war, die ich streng bewacht hielt. Als sie heranwuchs, schickte ich sie nach Kairo und verheiratete sie mit ihrem Cousin, dem Sohn meines Bruders. Nach einer Weile starb er, und sie kehrte zurück: Doch sie hatte von den Leuten in Kairo die Zügellosigkeit und Unhöflichkeit gelernt; so besuchte sie dich viermal und brachte zuletzt ihre jüngere Schwester mit. Nun waren sie leibliche Schwestern und sehr einander zugetan; und als jenes Abenteuer der Älteren widerfuhr, offenbarte sie ihr Geheimnis ihrer Schwester, die mit ihr ausgehen wollte. Also erbat sie deine Erlaubnis und brachte sie zu dir; danach kehrte sie allein zurück, und als ich sie weinen sah, befragte ich sie nach ihrer Schwester, doch sie sagte: „Ich weiß nichts von ihr.“ Dennoch erzählte sie bald darauf ihrer Mutter im Geheimen, was geschehen war und wie sie ihrer Schwester den Kopf abgeschnitten hatte, und ihre Mutter erzählte es mir. Dann hörte sie nicht auf zu weinen und zu sagen: „Bei Allah! Ich werde um sie weinen, bis ich sterbe.“ Auch ließ sie nicht vom Trauern ab, bis ihr Herz brach und sie starb; und die Dinge nahmen diesen Lauf. Sieh also, o mein Sohn, was geschehen ist; und nun wünsche ich, dass du dich mir nicht widersetzt in dem, was ich dir anbieten will, und zwar beabsichtige ich, dich mit meiner jüngsten Tochter zu verheiraten; denn sie ist eine Jungfrau und von einer anderen Mutter geboren; und ich werde kein Brautgeschenk von dir verlangen, sondern im Gegenteil dir ein Unterhaltsgeld zuweisen, und du sollst bei mir in meinem Haus anstelle meines Sohnes wohnen.“ „So sei es“, antwortete ich, „und wie könnte ich auf solch ein Glück hoffen?“ Dann sandte er sogleich nach dem Kadi und den Zeugen und ließ meinen Ehevertrag mit seiner Tochter aufsetzen, und ich vollzog die Ehe mit ihr. Überdies verschaffte er mir vom Vorsteher des Basars eine große Geldsumme, und ich erfreute mich hoher Gunst bei ihm. Während dieses Jahres erreichte mich die Nachricht, dass mein Vater gestorben sei, und der Wesir sandte einen Eilboten mit Briefen, die das königliche Siegel trugen, um mir das Geld zu holen, das mein Vater hinterlassen hatte, und nun lebe ich in allem Trost des Lebens. Das war die Art und Weise, wie mir meine rechte Hand abgeschnitten wurde. „Ich wunderte mich über seine Geschichte (fuhr der Jude fort), und ich blieb drei Tage bei ihm, wonach er mir viel Reichtum gab, und ich brach auf und reiste ostwärts, bis ich diese eure Stadt erreichte, und der Aufenthalt behagte mir überaus wohl; also ließ ich mich hier nieder, und es widerfuhr mir, was du mit dem Buckligen weißt.“ Daraufhin schüttelte der König von China den Kopf und sagte: „Diese deine Geschichte ist nicht seltsamer, wunderbarer und herrlicher als die Erzählung vom Buckligen; und so muss ich euch alle zusammen hängen lassen. Doch es bleibt noch der Schneider, der der Anstifter des ganzen Vergehens ist“; und er fügte hinzu: „O Schneider, wenn du mir etwas Wunderbareres als die Geschichte vom Buckligen erzählen kannst, werde ich euch alle eure Vergehen verzeihen.“ Daraufhin trat der Mann vor und begann die

ERZÄHLUNG VOM SCHNEIDER.

Wisse, o König der Zeit, dass das Wunderbarste das war, was mir erst gestern widerfuhr, bevor ich den Buckligen traf. Es begab sich, dass ich am frühen Tag beim Hochzeitsfest eines meiner Gefährten war, der in seinem Haus etwa zwanzig Handwerker dieser Stadt versammelt hatte, darunter Schneider, Seidenspinner, Zimmerleute und andere von gleichem Schlag. Sobald die Sonne aufgegangen war, setzten sie uns Speisen vor, damit wir essen konnten, als siehe, der Hausherr eintrat, und mit ihm ein fremder Jüngling, ein wohlgestalteter von den Leuten aus Bagdad, der Kleider trug, so schön wie nur möglich; und er war von recht stattlicher Erscheinung, abgesehen davon, dass er an einem Bein lahmte. Er kam und grüßte uns, und wir standen auf, um ihn zu empfangen; doch als er sich setzen wollte, erblickte er unter uns einen gewissen Mann, der ein Barbier war; woraufhin er sich weigerte, Platz zu nehmen und gehen wollte. Aber wir hielten ihn auf, und auch unser Gastgeber hielt ihn zurück, indem er schwor, dass er uns nicht verlassen dürfe, und fragte ihn: „Was ist der Grund für dein Kommen und dein sofortiges Wiedergehen?“; worauf er antwortete: „Bei Allah, o mein Herr, hindere mich nicht; denn der Grund für meine Umkehr ist jener Barbier von üblem Vorzeichen, jener Schwarzgesichtige, jener Nichtsnutz!“ Als der Hausherr diese Worte hörte, wunderte er sich über alle Maßen und sagte: „Wie kommt es, dass dieser junge Mann, der aus Bagdad stammt, sich so sehr über diesen Barbier ärgert und beunruhigt ist?“ Dann sahen wir den Fremden an und sagten: „Erkläre uns den Grund deines Zorns gegen den Barbier.“ „O feine Gesellschaft“, sagte der Jüngling, „mir widerfuhr ein seltsames Abenteuer mit diesem Barbier in Bagdad (das meine Heimatstadt ist); er war die Ursache für den Bruch meines Beines und meine Lahmheit, und ich habe geschworen, niemals am selben Ort wie er zu sitzen, noch in einer Stadt zu verweilen, in der er sich aufhält; und ich habe Bagdad Lebewohl gesagt und bin weit von ihm gereist und kam hierher, um in dieser eurer Stadt zu bleiben; doch kaum habe ich eine Nacht verbracht, da treffe ich ihn wieder. Aber kein Tag soll mehr vergehen, ehe ich von hier fortziehe.“ Wir sagten zu ihm: „Allah sei mit dir, erzähle uns die Geschichte“; und der Jüngling antwortete (während der Barbier, als er sprach, die Farbe von Braun nach Gelb wechselte): — Wisse, o feine Gesellschaft, dass mein Vater einer der vornehmsten Kaufleute Bagdads war, und der allmächtige Allah hatte ihn mit keinem Sohn gesegnet außer mit mir. Als ich heranwuchs und das Mannesalter erreichte, wurde mein Vater in die Barmherzigkeit Allahs (dessen Name sei gepriesen!) aufgenommen und hinterließ mir Geld und Eunuchen, Diener und Sklaven; und ich pflegte mich gut zu kleiden und gut zu speisen. Nun hatte Allah mich zu einem Hasser des weiblichen Geschlechts gemacht, und eines Tages, als ich durch eine Straße in Bagdad ging, kam mir eine Gruppe von Frauen auf dem Fußweg entgegen; also floh ich vor ihnen, bog in eine Gasse ein, die eine Sackgasse war, und setzte mich auf eine Steinbank an deren anderem Ende. Ich hatte nicht lange dort gesessen, da wurde das vergitterte Fenster eines der gegenüberliegenden Häuser aufgestoßen, und es erschien an ihm eine junge Dame, als wäre sie der Vollmond in seiner Fülle; niemals in meinem Leben sah ich ihresgleichen; und sie begann, einige Blumen auf dem Fensterbrett zu gießen. Sie blickte nach rechts und links und, als sie sah, dass ich sie beobachtete, schloss sie das Fenster und ging fort.

Daraufhin entflammte plötzlich Feuer in meinem Herzen; mein Geist war von ihr besessen und mein Frauenhass verwandelte sich in Frauenliebe. Ich saß weiterhin dort, der Welt entrückt, bis zum Sonnenuntergang, als siehe da! der Kadi der Stadt vorbeigeritten kam, mit seinen Sklaven vor sich und seinen Eunuchen hinter sich, abstieg und das Haus betrat, in dem die Jungfrau erschienen war. Daran erkannte ich, dass er ihr Vater war; so ging ich betrübt nach Hause und warf mich vor Kummer auf mein Diwanbett. Dann strömten meine Mägde herbei und setzten sich um mich, ohne zu wissen, was mir fehlte; doch ich richtete kein Wort an sie, und sie weinten und klagten um mich. Alsbald kam eine alte Frau herein, die mich ansah und mit einem Blick erkannte, was mit mir los war: Sie setzte sich zu meinem Haupt und sprach mir freundlich zu: „O mein Sohn, erzähle mir alles darüber, und ich werde das Mittel deiner Vereinigung mit ihr sein.“ So berichtete ich ihr, was geschehen war, und sie antwortete: „O mein Sohn, dies ist die Tochter des Kadi von Bagdad, der sie in engster Abgeschiedenheit hält; und das Fenster, an dem du sie sahst, ist ihre Etage, während ihr Vater den großen Salon im unteren Stockwerk bewohnt. Sie ist dort oft allein, und ich pflege das Haus zu besuchen; du wirst sie also nicht anders als durch mich gewinnen. Nun setze deinen Verstand ein und sei guten Mutes.“ Mit diesen Worten ging sie fort, und ich fasste Mut bei ihren Worten, und meine Leute freuten sich an jenem Tag, als sie sahen, wie ich am Morgen wohlauf aufstand. Nach einer Weile kehrte die alte Frau zurück, sah niedergeschlagen aus und sagte: „O mein Sohn, frage mich nicht, wie es mir bei ihr ergangen ist! Als ich ihr das erzählte, schrie sie mich an: Wenn du nicht schweigst, du Hexe des Unheils, und solches Gerede lässt, werde ich dich behandeln, wie du es verdienst, und dich durch den abscheulichsten aller Tode sterben lassen. Aber ich muss es ein zweites Mal bei ihr versuchen.“ Als ich dies hörte, fügte es meinem Leiden ein neues Leiden hinzu, und die Nachbarn besuchten mich und urteilten, dass mir kein langes Leben mehr beschieden sei; doch nach einigen Tagen kam die alte Frau zu mir, steckte ihren Mund dicht an mein Ohr und flüsterte: „O mein Sohn, ich fordere von dir die Gabe der guten Nachricht.“ Bei diesen Worten kehrte meine Seele zu mir zurück, und ich sagte: „Was immer du willst, soll dein sein.“ Daraufhin begann sie: „Gestern ging ich zu der jungen Dame, die mich, als sie sah, dass ich gebrochenen Geistes war und Tränen aus geröteten Augen vergoss, fragte: – O meine Tante, was fehlt dir, dass ich deine Brust so bedrängt sehe?; und ich antwortete ihr unter bitterem Weinen: – O meine Herrin, ich komme gerade aus dem Haus eines Jünglings, der dich liebt und der um deinetwillen zu sterben im Begriff ist!“ Sie sagte (und ihr Herz wurde erweicht): „Und wer ist dieser Jüngling, von dem du sprichst?“; und ich sagte: „Er ist mir wie ein Sohn und die Frucht meines Leibes. Er sah dich vor einigen Tagen am Fenster, wie du deine Blumen gossest, und als er dein Gesicht und deine Handgelenke erspähte, verliebte er sich auf den ersten Blick. Ich ließ ihn wissen, was mir das letzte Mal bei dir widerfahren ist, woraufhin sein Leiden zunahm, er sich auf sein Lager begab und nun nichts weiter als ein Sterbender ist, daran besteht kein Zweifel.“ Bei diesen Worten wurde sie blass und fragte: „All dies meinetwegen?“; und ich antwortete: „Ja, bei Allah! Was möchtest du, dass ich tue?“ Sie sagte: „Geh zu ihm zurück, grüße ihn von mir und sag ihm, dass ich doppelt so liebeskrank bin wie er. Und am Freitag, vor der Stunde des öffentlichen Gebets, lade ihn hierher ins Haus ein; ich werde herunterkommen und ihm die Tür öffnen. Dann werde ich ihn hinauf in meine Kammer führen und eine Weile mit ihm zusammen sein, und er soll gehen, bevor mein Vater aus der Moschee zurückkehrt.“ Als ich die Worte der alten Frau hörte, fiel alle meine Krankheit plötzlich von mir ab, meine Qualen endeten und mein Herz wurde getröstet; ich legte meine Kleider ab und gab sie ihr, und als sie sich zum Gehen wandte, sagte sie: „Sei guten Mutes!“ „Ich habe nicht mehr ein Jota Kummer“, antwortete ich. Mein Haushalt und meine Vertrauten freuten sich über meine Genesung, und ich blieb so bis zum Freitag, als siehe, die alte Frau kam herein und fragte mich, wie es mir gehe, worauf ich antwortete, dass ich gesund sei und mich wohl fühle. Dann legte ich meine Kleider an, parfümierte mich und setzte mich, um darauf zu warten, dass die Gemeinde zum Gebet ging, damit ich mich zu ihr begeben konnte. Aber die alte Frau sagte zu mir: „Du hast Zeit und mehr als das: Du tätest also gut daran, in das Hammam zu gehen und dir das Haar abscheren zu lassen (besonders nach deiner Krankheit), damit man keine Spuren der Schwäche sieht.“ „Dies wäre der beste Weg“, antwortete ich, „ich habe gerade erst in heißem Wasser gebadet; aber ich werde mir den Kopf scheren lassen.“ Dann sagte ich zu meinem Pagen: „Gehe zum Basar und bringe mir einen Barbier, einen diskreten Gefährten, der nicht zu Einmischung oder ungebührlicher Neugier neigt oder mir wahrscheinlich mit seinem übermäßigen Gerede den Kopf spalten wird.“ Der Junge ging sofort hinaus und brachte diesen elenden alten Mann mit zurück, diesen Scheich des Unheils. Als er eintrat, grüßte er mich, und ich erwiderte seinen Gruß; dann sagte er: „Wahrlich, ich sehe, du bist dünn am Leibe“; und ich sagte: „Ich war krank.“ Er fuhr fort: „Allah halte von dir fern dein Leid und deinen Kummer und deine Mühsal und deine Not.“ „Allah gewähre dein Gebet!“, sagte ich. Er fuhr fort: „Alles Glück für dich, mein Herr, denn wahrlich, die Genesung ist über dich gekommen. Wünschst du dich scheren oder zur Ader lassen zu lassen? Wahrlich, es war eine Überlieferung von Ibn Abbas (Allah nehme sie von ihm an!), dass der Apostel sagte: Wer am Freitag sein Haar schneidet, von dem wird der Herr siebzig Übel abwenden; und ferner wird von ihm auch berichtet, dass er sagte: Schröpfen an einem Freitag bewahrt vor Verlust des Augenlichts und einer Schar von Krankheiten.“ „Lass dieses Gerede“, schrie ich; „komm, schere mir sofort den Kopf, denn ich halte es nicht aus.“ So stand er auf, streckte seine Hand auf gemächlichste Weise aus, nahm ein Tuch heraus und entfaltete es, und siehe da! es enthielt ein Astrolabium mit sieben parallelen, in Silber gefassten Platten. Dann ging er zur Mitte des Hofes, hob Kopf und Instrument in Richtung der Sonnenstrahlen und schaute lange Zeit hindurch. Als dies vorüber war, kam er zurück und sagte zu mir: „Wisse, dass von diesem unserem Tag, der ein Freitag ist – und dieser Freitag ist der zehnte Tag des Monats Safar im sechshundertdreiundfünfzigsten Jahr seit der Hidschra oder Flucht des Apostels (auf dem die besten Segnungen und Friede seien!) und dem siebentausenddreihundertzwanzigsten Jahr der Ära Alexanders – acht Grad und sechs Minuten vergangen sind. Ferner ist der Aszendent dieses unseres Tages, gemäß der genauesten Wissenschaft der Berechnung, der Planet Mars; und es fügt sich, dass Merkur in Konjunktion mit ihm steht, was einen glückverheißenden Moment für das Haarschneiden anzeigt; und dies macht mir auch offenbar, dass du die Vereinigung mit einer gewissen Person begehrst und dass euer Verkehr nicht günstig sein wird. Aber danach tritt ein Zeichen ein bezüglich einer Angelegenheit, die dir widerfahren wird und von der ich nicht sprechen werde.“ „O du“, schrie ich, „bei Allah, du ermüdest mich und zerstreust meine Sinne, und deine Vorhersage ist alles andere als gut; ich habe nach dir geschickt, um meinen Kopf zu scheren und sonst nichts: also auf und schere mich und verlängere deine Rede nicht.“ „Bei Allah“, antwortete er, „wenn du nur wüsstest, was dir bevorsteht, würdest du an diesem Tag nichts tun, und ich rate dir, so zu handeln, wie ich es dir durch die Berechnung der Sternbilder sage.“ „Bei Allah“, sagte ich, „niemals habe ich einen Barbier gesehen, der sich so auf die richterliche Astrologie verstand wie du: aber ich denke und ich weiß, dass du sehr verschwenderisch mit frivolem Gerede bist. Ich habe nur nach dir geschickt, um mir den Kopf zu scheren, aber du kommst und belästigst mich mit diesem armseligen Geschwätz.“ „Was willst du noch mehr?“, antwortete er. „Allah hat dir großzügig einen Barbier geschenkt, der ein Astrologe ist, bewandert in Alchemie und weißer Magie; Syntax, Grammatik und Lexikologie; den Künsten der Logik, Rhetorik und Elokution; Mathematik, Arithmetik und Algebra; Astronomie, Astromantie und Geometrie; Theologie, den Überlieferungen des Apostels und den Kommentaren zum Koran. Ferner habe ich Bücher in Hülle und Fülle gelesen und verdaut, habe Erfahrung in Angelegenheiten gesammelt und sie begriffen. Kurz gesagt, ich habe die Theorie und die Praxis aller Künste und Wissenschaften erlernt; ich kenne alles davon auswendig und bin ein Altmeister in tota re scibili. Dein Vater liebte mich wegen meiner mangelnden Zudringlichkeit, folglich ist dir zu dienen eine religiöse Pflicht, die mir obliegt. Ich bin kein Wichtigtuer, wie du anzunehmen scheinst, und aus diesem Grund bin ich bekannt als der Stumme, auch als der Bescheidene. Deshalb gebührt es dir, Gott dem Allmächtigen zu danken und mir nicht zu widersprechen, denn ich bin ein wahrer Ratgeber für dich und wohlwollend gegenüber dir gesinnt. Wäre ich doch ein ganzes Jahr lang in deinem Dienst, damit du mir Gerechtigkeit widerfahren lassen könntest; und ich würde keinen Lohn für all das von dir verlangen.“ Als ich seinen Redefluss hörte, sagte ich zu ihm: „Zweifellos wirst du an diesem Tag noch meinen Tod bedeuten!“ – Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, das ihr erlaubte Sagen zu sagen.

Als es nun die dreißigste Nacht war,

sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass der junge Mann zum Barbier sagte: „Du wirst an diesem Tag wahrlich meinen Tod bedeuten!“ „O mein Herr“, antwortete er, „ich bin es, der ‚Stumme‘ genannt wird, wegen der Wenigkeit meiner Worte, um mich von meinen sechs Brüdern zu unterscheiden. Denn der Älteste heißt Al-Bakbuk, der Schwätzer; der zweite Al-Haddar, der Plapperer; der dritte Al-Fakik, der Quassler; der vierte, sein Name ist Al-Kuz al-aswani, der langhalsige Krug, wegen seines ewigen Geplappers; der fünfte ist Al-Nashschar, der Tratscher und Geschichtenerzähler; der sechste Schakaschik, oder der Viel-Lärmende; und der siebte ist berühmt als Al-Samit, der Stumme, und das bin ich, mein edles Selbst!“ Während er sein Gerede verdoppelte, dachte ich, meine Gallenblase würde platzen; also sagte ich zum Diener: „Gib ihm einen Vierteldinar und entlasse ihn und lass ihn im Namen Gottes, der ihn erschaffen hat, von mir gehen. Ich will mir heute den Kopf nicht scheren lassen.“ „Was sind das für Worte, o mein Herr?“, rief er. „Bei Allah! Ich werde keinen Lohn von dir annehmen, bis ich dir gedient und deine Bedürfnisse gestillt habe; und es kümmert mich nicht, wenn ich niemals Geld von dir nehme. Wenn du meine Qualität nicht kennst, so kenne ich deine; und ich schulde deinem Vater, dem ehrlichen Mann, auf dem Allah der Allmächtige sich erbarme! viele eine Güte, denn er war eine liberale Seele und eine großzügige. Bei Allah, er schickte eines Tages, wie es dieser gesegnete Tag ist, nach mir, und ich ging zu ihm herein und fand eine Gruppe seiner Vertrauten um ihn.“ Er sagte zu mir: „Lass mich zur Ader“; also zog ich mein Astrolabium heraus, und indem ich die Sonnenhöhe für ihn nahm, stellte ich fest, dass der Aszendent unglücksverheißend und die Stunde ungünstig für das Aderlassen war. Ich teilte ihm dies mit, und er handelte nach meinem Geheiß und wartete auf eine bessere Gelegenheit. So dichtete ich diese Zeilen zu seinen Ehren:

Ich ging zu meinem Gönner, um ihn zur Ader zu lassen, ✿ Doch fand, dass der Moment alles andere als gut war: So saß ich und sprach von allen Seltsamkeiten, ✿ Und mit Scherzen und Späßen warb ich um sein Wohlwollen: Sie gefielen ihm und er rief: ‚O Mann des Witzes, ✿ Du hast dich als vollkommen in fröhlicher Stimmung erwiesen!‘ Ich sagte: ‚O du Herr der Menschen, wenn du mir nicht ✿ Kunst und Weisheit leihst, bin ich trunken und närrisch: In dir versammeln sich Anmut, Wohltat, Freigebigkeit und Sanftmut; ✿ Und ich belohne die Welt mit Gelehrsamkeit, Wissenschaft und Ernst.‘

Dein Vater war entzückt und rief dem Diener zu: „Gib ihm hundertunddrei Goldstücke mit einem Ehrenkleid!“ Der Mann gehorchte seinen Befehlen, und ich wartete auf einen glückverheißenden Moment, als ich ihn zur Ader ließ; und er widersetzte sich mir nicht; nein, er dankte mir, und ich wurde auch von allen Anwesenden gedankt und gepriesen. Als das Aderlassen vorüber war, hatte ich nicht die Kraft, zu schweigen, und fragte ihn: „Bei Allah, o mein Herr, was brachte dich dazu, dem Diener zu sagen: – Gib ihm hundertunddrei Dinar?“; und er antwortete: „Ein Dinar war für die astrologische Beobachtung, ein anderer für deine angenehme Unterhaltung, der dritte für das Aderlassen, und die verbleibenden hundert und das Kleid waren für deine Verse zu meiner Belobigung.“ „Möge Allah wenig Erbarmen mit meinem Vater zeigen“, rief ich, „dass er deinesgleichen kannte.“ Er lachte und stieß hervor: „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist der Apostel Gottes! Preis sei Ihm, der sich wandelt und nicht gewandelt wird! Ich hielt dich für einen Mann des Verstandes, aber ich sehe, du plapperst und bist vor Krankheit närrisch. Allah hat im Gesegneten Buch gesagt: – Das Paradies ist bereitet für die Rechtschaffenen, die ihren Zorn zügeln und den Menschen vergeben, und so weiter; und in jedem Fall bist du entschuldigt. Dennoch kann ich den Grund für deine Eile und Unruhe nicht fassen; und du musst wissen, dass dein Vater und dein Großvater nichts taten, ohne mich zu konsultieren, und wahrlich, es ist wahr genug gesagt worden: – Lasst den Ratgeber geschätzt sein; und: – Es gibt kein Laster im Rat; und es wird auch in gewissen Sprichwörtern gesagt: Wer keinen Ratgeber älter als sich selbst hat, wird niemals selbst ein Älterer werden; und der Dichter sagt:

Was immer du an Notwendigem unternimmst, ✿ Konsultiere den Erfahrenen und widersprich ihm nicht!“

Und wahrlich, du wirst niemals einen in Angelegenheiten besser bewanderten Mann finden als mich, und ich stehe hier auf meinen Füßen, um dir zu dienen. Ich bin nicht über dich verärgert: Warum solltest du über mich verärgert sein? Aber was auch immer geschieht, ich werde geduldig mit dir sein, im Gedenken an die viele Güte, die dein Vater mir erwies.“ „Bei Allah“, rief ich, „o du mit der Zunge, so lang wie der Schwanz eines Esels, du beharrst darauf, mich mit deinem Geplapper zu belästigen, und du wirst noch weitläufiger in deinen langen Reden, während alles, was ich von dir will, ist, dass du meinen Kopf scherst und deiner Wege gehst!“ Dann seifte er meinen Kopf ein und sagte: „Ich nehme wahr, du bist verärgert über mich, aber ich werde es dir nicht übel nehmen, denn dein Verstand ist schwach und du bist nur ein Knäblein: Erst gestern pflegte ich dich auf meine Schulter zu nehmen und dich zur Schule zu tragen.“ „O mein Bruder“, sagte ich, „um Allahs willen, tue, was ich will, und geh deines Weges!“ Und ich zerriss meine Kleider. Als er sah, dass ich dies tat, nahm er das Rasiermesser und machte sich daran, es zu schärfen, und hörte nicht auf, es abzuziehen, bis meine Sinne mich fast verließen. Dann kam er auf mich zu und schor einen Teil meines Kopfes; dann hielt er inne und sagte: „O mein Herr, Eile ist Satans Gang, während Geduld von Allah dem Barmherzigen ist. Aber du, o mein Herr, ich kenne dich, du kennst meinen Rang nicht; denn wahrlich, diese Hand landet auf den Häuptern von Königen und Emiren und Wesiren, und Weisen und Doktoren, die in der Rechtswissenschaft gelehrt sind, und der Dichter sagte über einen wie mich:

Alle Handwerke sind wie Halsketten, die auf eine Schnur gereiht sind, ✿ Aber die dieses Barbiers ist die Einheitsperle des Bundes: Hoch über allen Handwerkern rangiert er, und warum? ✿ Die Häupter der Könige liegen unter seiner Hand!“

Dann sagte ich: „Lass doch das Reden über Dinge, die dich nichts angehen: Wahrlich, du hast meine Brust bedrängt und meinen Geist abgelenkt.“ Er sagte: „Mir scheint, du bist ein hastiger Mann“; und ich sagte: „Ja! Ja! Ja!“ und er: „Ich rate dir, Selbstbeherrschung zu üben, denn Eile ist das Eigentum Satans, das nur Reue und Bann und Fluch hinterlässt, und Er (auf dem Segen und Friede seien!) hat gesagt: Das beste Werk ist jenes, in dem Überlegung lauert: aber ich, bei Allah! habe meine Zweifel an deiner Angelegenheit; und so möchte ich, dass du mich wissen lässt, was es ist, das du in solcher Eile zu tun gedenkst; denn ich fürchte, es ist alles andere als gut.“ Dann fuhr er fort: „Es fehlen noch drei Stunden bis zur Gebetszeit; aber ich möchte bei dieser Angelegenheit nicht im Zweifel sein; nein, ich muss den Moment genau kennen, denn wahrlich: – Ein in Zeiten des Zweifels abgegebener Schuss bringt oft Schaden; besonders bei jemandesgleichen, einer überlegenen Person, deren Verdienste unter der Menschheit im Allgemeinen berühmt sind; und es geziemt sich nicht für mich, aufs Geratewohl zu reden, wie es die gewöhnliche Art von Astrologen tut.“ So sagend, warf er das Rasiermesser nieder und nahm das Astrolabium, ging hinaus unter die Sonne und stand dort lange Zeit; danach kehrte er zurück und sagte, an seinen Fingern zählend, zu mir: „Es verbleiben bis zur Gebetszeit noch drei volle Stunden, weder mehr noch weniger, gemäß den gelehrtesten Astronomikern und den weisesten Verfassern von Almanachen.“ „Allah über dich“, schrie ich, „halte deine Zunge bei mir, denn du zerbrichst mir die Leber in Stücke.“ Also nahm er das Rasiermesser und, nachdem er es wie zuvor geschärft und zwei weitere Haare von meinem Kopf geschoren hatte, hielt er wieder inne und sagte: „Ich bin besorgt wegen deiner Hast, und wahrlich, du tätest gut daran, mich in den Grund dafür einzuweihen; es wäre das Beste für dich, da du weißt, dass weder dein Vater noch dein Großvater jemals eine einzige Sache ohne meinen Rat taten.“ Als ich sah, dass es kein Entkommen vor ihm gab, sagte ich zu mir selbst: „Die Zeit für das Gebet rückt näher, und ich möchte zu ihr gehen, bevor die Leute aus der Moschee kommen. Wenn ich noch länger aufgehalten werde, weiß ich nicht, wie ich zu ihr gelangen soll.“ Dann sagte ich laut: „Sei schnell und unterlass dieses Gerede und diese Unverschämtheit, denn ich muss zu einer Gesellschaft im Hause einiger meiner Vertrauten.“ Als er mich von der Gesellschaft sprechen hörte, sagte er: „Dieser dein Tag ist ein gesegneter Tag für mich! Wahrlich, erst gestern lud ich eine Schar meiner Freunde ein und habe vergessen, irgendetwas für sie zu essen bereitzustellen. Genau in diesem Moment dachte ich daran: Ach, wie werde ich in ihren Augen in Schande geraten!“ „Sei nicht bekümmert wegen dieser Angelegenheit“, antwortete ich; „habe ich dir nicht gesagt, dass ich an diesem Tag zu einer Bewirtung geladen bin? Also soll alles in meinem Haus, Essbare und Trinkbare, dein sein, wenn du nur mit deiner Arbeit fertig wirst und dich beeilst, meinen Kopf zu scheren.“ Er antwortete: „Allah vergelte dir mit Gutem! Spezifiziere mir, was in deinem Haus für meine Gäste ist, damit ich mich dessen gewahr werde.“ Ich sagte: „Fünf Fleischgerichte und zehn Hühner mit geröteten Brüsten und ein gebratenes Lamm.“ „Stelle sie vor mich“, sagte er, „damit ich sie sehen kann.“ Also sagte ich meinen Leuten, sie sollten sie kaufen, leihen oder stehlen und sie in jedem Fall hereinbringen, und ließ all dies vor ihn stellen. Als er es sah, rief er: „Der Wein fehlt“, und ich antwortete: „Ich habe ein oder zwei Flaschen von gutem, altem Traubensaft im Haus“, und er sagte: „Lass ihn herausbringen!“ Also sandte ich danach, und er rief aus: „Allah segne dich für eine großzügige Gesinnung! Aber da sind noch die Essenzen und Parfüms.“ Also hieß ich sie, ihm eine Schachtel vorzustellen, die Nadd enthielt, das beste der zusammengesetzten Parfüms, zusammen mit feinem Adlerholz, Ambra und ungemischtem Moschus, das Ganze im Wert von fünfzig Dinar. Nun wurde die Zeit knapp und mein Herz mit ihr; also sagte ich zu ihm: „Nimm alles und beende das Scheren meines Kopfes beim Leben Mohammeds (den Allah segne und behüte!).“ „Bei Allah“, sagte er, „ich werde es nicht nehmen, bis ich alles sehe, was darin ist.“ Also hieß ich den Pagen, die Schachtel zu öffnen, und der Barbier legte das Astrolabium nieder, ließ den größten Teil meines Kopfes ungeschoren; und, auf dem Boden sitzend, wendete er die Düfte und den Weihrauch und das Adlerholz und die Essenzen, bis ich fast den Verstand verlor. Dann nahm er das Rasiermesser und kam auf mich zu, schor einige wenige Haare und wiederholte diese Zeilen:

Der Knabe wird, wie sein Vater, gewiss sich zeigen, ✿ Wie vom elterlichen Wurzelstock der Baum wird steigen.[620]

Dann sprach er: „Bei Allah, o mein Sohn, ich weiß nicht, ob ich dir oder deinem Vater danken soll; denn meine Unterhaltung an diesem Tag ist ganz deiner Freigebigkeit und Wohltätigkeit zu verdanken; und obwohl niemand aus meiner Gesellschaft dessen würdig ist, so habe ich doch eine Schar ehrenwerter Männer, nämlich Zantút, den Bademeister, und Salí'a, den Getreidehändler; und Sílat, den Bohnenverkäufer; und Akrashah, den Gemüsehändler; und Humayd, den Müllsammler; und Sa'íd, den Kameltreiber; und Suwayd, den Lastträger; und Abu Makárish, den Badewärter[621]; und Kasím, den Wächter; und Karím, den Pferdeknecht. Es gibt unter ihnen keinen Langweiler und keinen Raufbold im Rausch; keinen Quälgeist und keinen Geizhals, und jeder einzelne von ihnen hat irgendeinen Tanz, den er tanzt, und irgendein Gekritzel, das er vor sich hin singt; und das Beste an ihnen ist, dass sie, wie dein Diener, dein Sklave hier, nicht wissen, was viel Gerede ist oder was Zudringlichkeit bedeutet.“ Der Bademeister singt zur Handtrommel[622] ein Lied, das bezaubert; und er steht auf, tanzt und singt:

Ich gehe, o Mütterlein, um meinen Krug zu füllen.

Was den Getreidehändler betrifft, so bringt er mehr Geschick dazu als jeder andere; er tanzt und singt:

O Keener,[623] o Herzallerliebste, du bleibst nicht zurück

und er lässt niemanden vor Lachen ungeschoren. Aber der Müllsammler singt so, dass die Vögel innehalten, um ihm zuzuhören, und er tanzt und singt:

Was meine Frau weiß, ist nicht in einer Kiste verschlossen![624]

Und er hat Vorrechte, denn er ist ein gerissener Schelm und ein geistreicher;[625] und wenn ich von seiner Vortrefflichkeit spreche, so pflege ich zu sagen:—

„Mein Leben für den Müllsammler! Ich liebe ihn gar sehr, ✿ Wie ein wogender Zweig ist er süß für meinen Blick: Das Schicksal führte uns eine Nacht zusammen, als ich zu ihm sprach ✿ (Während ich schwach wurde und die Liebe an Macht gewann) ‚Deine Liebe brennt in meinem Herzen!‘ ‚Kein Wunder‘, sprach er ✿ ‚Wenn der Düngersammler zum Heizer wird.‘[626]

Und wahrlich, jeder ist vollkommen in allem, was den Verstand mit Freude und Fröhlichkeit bezaubern kann;“ fügte er sogleich hinzu: „Doch Hören ist nicht Sehen; und wahrlich, wenn du dich entschließt, dich uns anzuschließen und das Treffen mit deinen Freunden zu verschieben, wird es besser für uns und für dich sein. Die Spuren der Krankheit haften noch an dir, und vielleicht gehst du unter Leute, die große Schwätzer sind, Männer, die über Dinge reden, die sie nichts angehen; oder es könnte unter ihnen ein vorlauter Bursche sein, der dir den Kopf spalten wird, während du vor Krankheit nur noch die Hälfte deiner Größe hast.“ „Das soll ein andermal sein“, antwortete ich und lachte mit erzürntem Herzen: „Beende deine Arbeit und geh, unter Allahs des Allmächtigen Schutz, zu deinen Freunden, denn sie werden deine Ankunft erwarten.“ „O mein Herr“, erwiderte er, „ich will dich nur diesen Gesellen von unendlicher Heiterkeit vorstellen, den Söhnen wackrer Männer, unter denen es weder Unverschämtheit noch vorlautes Wesen noch Geschwätzigkeit gibt; denn niemals, seit ich in das Alter der Vernunft gekommen bin, konnte ich es ertragen, mit jemandem zu verkehren, der Fragen über Dinge stellt, die ihn nichts angehen, noch habe ich je mit jemand anderem verkehrt als mit denen, die, wie ich selbst, Männer weniger Worte sind. Wahrlich, wenn du mit ihnen verkehrtest oder sie auch nur ein einziges Mal sähest, würdest du alle deine Vertrauten verlassen.“ „Allah erfülle deine Freude mit ihnen“, sagte ich, „ich muss eines Tages unter sie kommen.“ Doch er sagte: „Wäre es doch dieser heutige Tag, denn ich hatte mir vorgenommen, dass du einer von uns würdest; doch wenn du heute unbedingt zu deinen Freunden musst, so werde ich diese guten Dinge, mit denen du mich beehrt und begünstigt hast, zu meinen Gästen bringen und sie essen und trinken lassen und nicht auf mich warten; während ich in Eile zu dir zurückkehren und dich zu deiner kleinen Gesellschaft begleiten werde; denn es gibt zwischen mir und meinen Vertrauten keine Förmlichkeiten, die mich davon abhalten könnten, sie zu verlassen. Fürchte dich nicht, ich werde bald wieder bei dir sein und mit dir gehen, wohin auch immer du gehst. Es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Allah, dem Glorreichen, dem Großen!“ Ich rief: „Geh du zu deinen Freunden und ergötze dich mit ihnen; und lass mich zu den meinen gehen und diesen Tag mit ihnen verbringen, denn sie erwarten mich.“ Doch der Barbier rief: „Ich werde dich nicht allein gehen lassen;“ und ich erwiderte: „Die Wahrheit ist, dass niemand dorthin gehen kann, wo ich hingehe, außer mir selbst.“ Er entgegnete: „Ich vermute, dass du heute eine Verabredung mit einer Frau hast, sonst hättest du mich mitgenommen; dabei bin ich der richtige Mann, den man mitnehmen sollte, einer, der dir bis zum Ende helfen könnte, das du wünschst. Aber ich fürchte, du rennst fremden Frauen hinterher und wirst dein Leben verlieren; denn in dieser unserer Stadt Bagdad kann man in dieser Hinsicht nichts tun, besonders an einem Tag wie Freitag: Unser Statthalter ist ein zorniger Mann und eine scharfe Klinge.“ „Schande über dich, du böser, schlechter, alter Mann!“ rief ich, „Scher dich weg! Was sind das für Worte, die du mir gibst?“ „O Kaltverstandiger“,[627] rief er, „du sagst mir Dinge, die nicht wahr sind, und du verheimlichst mir deine Gedanken, aber ich kenne die ganze Angelegenheit mit Gewissheit und will dir heute nur mit meinem besten Bemühen helfen.“ Ich fürchtete, meine Leute oder meine Nachbarn könnten das Gerede des Barbiers hören, also schwieg ich lange, während er meinen Kopf zu Ende rasierte; zu dieser Zeit war die Stunde des Gebets gekommen und die Chutba, oder Predigt, stand bevor. Als er fertig war, sagte ich zu ihm: „Geh zu deinen Freunden mit ihrer Speise und ihrem Trank, und ich werde deine Rückkehr erwarten. Dann werden wir zusammen fahren.“ Auf diese Weise hoffte ich, Öl auf die Wogen zu gießen und den verfluchten Narren auszutricksen, damit ich ihn vielleicht loswürde; aber er sagte: „Du täuschst mich, und du willst allein zu deiner Verabredung gehen und dich in Gefahr stürzen, aus der es kein Entkommen für dich geben wird. Nun bei Allah! Und noch einmal bei Allah! Geh nicht, bis ich zurückkomme, damit ich dich begleiten und den Ausgang deiner Angelegenheit beobachten kann.“ „So sei es“, antwortete ich, „bleib nicht lange aus.“ Dann nahm er das ganze Essen und Trinken, das ich ihm gegeben hatte, und den Rest davon und ging aus meinem Haus; doch der verfluchte Kerl gab es einem Lastträger in Verwahrung, damit er es zu seinem Heim trage, während er selbst sich in einer der Gassen versteckte. Was mich betrifft, so erhob ich mich auf der Stelle, denn die Muezzine hatten bereits den Salám des Freitags, die Begrüßung des Apostels,[628] ausgerufen; und ich kleidete mich in Eile an und ging allein hinaus, eilte zur Straße und stellte mich bei dem Haus auf, in dem ich die junge Dame gesehen hatte. Ich fand die alte Frau an der Tür auf Wache, die auf mich wartete, und ging mit ihr in das Obergeschoss, das Gemach des Mädchens. Kaum hatte ich es erreicht, da kehrte der Herr des Hauses vom Gebet zurück und schloss, nachdem er den großen Salon betreten hatte, die Tür. Ich sah vom Fenster hinunter und sah diesen Barbier (Allahs Fluch auf ihn!) gegenüber der Tür sitzen und sagte: „Wie hat dieser Teufel mich gefunden?“ In diesem Augenblick, als Allah es so bestimmt hatte, um meinen Schleier der Geheimhaltung zu zerreißen, geschah es, dass eine Magd des Hausherrn ein Vergehen beging, wofür er sie schlug. Sie schrie auf, und sein Sklave rannte hinein, um für sie einzutreten, woraufhin der Kadi ihn obendrein schlug, und auch er brüllte auf. Der verdammte Barbier bildete sich ein, dass ich es sei, der geschlagen werde; also fing auch er an zu schreien, zerriss seine Kleider, streute Staub auf sein Haupt und schrie und rief immerzu: „Hilfe! Hilfe!“ Da kamen die Leute von überall her um ihn herum, und er schrie weiter: „Mein Herr wird im Haus des Kadis ermordet!“ Dann rannte er lärmend zu meinem Haus, gefolgt von der Menge, und erzählte es meinen Leuten, Dienern und Sklaven; und ehe ich wusste, was geschah, kamen sie herbeigestürmt, zerrissen ihre Kleider, ließen ihr Haar hängen[629] und schrien: „Wehe unserem Herrn!“; und dieser Barbier führte den Aufruhr an, mit zerrissenen Kleidern und in jämmerlichstem Zustand; und auch er schrie wie ein Wahnsinniger: „Wehe unserem ermordeten Herrn!“ Und sie alle stürmten das Haus, in dem ich war. Als der Kadi die Schreie und den Aufruhr vor seiner Tür hörte, sagte er zu einem seiner Diener: „Sieh nach, was los ist“; und der Mann ging hinaus, kehrte zurück und sagte: „O mein Herr, am Tor sind mehr als zehntausend Seelen, Männer wie Frauen, und alle schreien: ‚Wehe unserem ermordeten Herrn!‘; und sie zeigen immer auf unser Haus.“ Als der Kadi dies hörte, erschien ihm die Angelegenheit ernst, und er wurde zornig; er stand auf, öffnete die Tür und sah eine große Menschenmenge; da war er erstaunt und sagte: „O Volk! Was ist denn los?“ „O Verfluchter! O Hund! O Schwein!“ antworteten meine Diener; „Du bist es, der unseren Herrn getötet hat!“ Er sagte: „O gutes Volk, und was hat euer Herr mir getan, dass ich ihn töten sollte?“——Und Schahrasad bemerkte das Grauen des Morgens und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Als es dann die einunddreißigste Nacht war,

sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückseliger König, dass der Kadi zu den Dienern sagte: „Was hat euer Herr mir getan, dass ich ihn töten sollte? Dies ist mein Haus, und es steht euch allen offen.“ Dann sagte der Barbier: „Du hast ihn geschlagen, und ich habe ihn schreien hören;“ und der Kadi sagte: „Aber was hat er getan, dass ich ihn schlagen sollte, und was brachte ihn in mein Haus; und woher kam er und wohin ging er?“ „Sei kein böser, verkehrter alter Mann!“ rief der Barbier, „denn ich kenne die ganze Geschichte; und kurzum, deine Tochter ist in ihn verliebt und er liebt sie; und als du wusstest, dass er das Haus betreten hatte, hießt du deine Diener ihn schlagen, und das taten sie: bei Allah, niemand soll zwischen uns und dir richten außer dem Kalifen; oder aber du bringst unseren Herrn heraus, damit seine Leute ihn nehmen können, bevor sie hineingehen und ihn mit Gewalt aus deinem Haus retten, und du beschämt wirst.“ Dann sagte der Kadi (und seine Zunge war gezügelt und sein Mund war durch die Verwirrung vor dem Volk verschlossen): „Wenn du die Wahrheit sagst, so komm herein und hol ihn heraus.“ Daraufhin drängte der Barbier vorwärts und betrat das Haus. Als ich das sah, suchte ich nach einer Möglichkeit zur Flucht und Entkommen, sah aber kein Versteck außer einer großen Truhe in dem oberen Gemach, in dem ich war. Also kroch ich hinein, zog den Deckel über mir zu und hielt den Atem an. Der Barbier war kaum im Zimmer, als er anfing, nach mir zu suchen, dann wandte er sich nach rechts und links und kam direkt auf den Ort zu, wo ich war, trat an die Truhe, hob sie auf seinen Kopf und machte sich so schnell er konnte davon. Da verließ mich mein Verstand, denn ich wusste, dass er mich nicht in Ruhe lassen würde; also fasste ich Mut, öffnete die Truhe und warf mich auf den Boden. Mein Bein war beim Sturz gebrochen, und da die Tür offen war, sah ich eine große Menschenmenge hineinblicken. Nun trug ich viel Gold und etwas Silber in meinem Ärmel, das ich für einen bösen Tag wie diesen und ähnliche Anlässe bereitgehalten hatte; also fing ich an, es unter das Volk zu werfen, um ihre Aufmerksamkeit von mir abzulenken, und während sie damit beschäftigt waren, darum zu raufen, machte ich mich davon, so schnell ich humpelnd konnte, durch die Seitengassen von Bagdad, mich windend und nach rechts und links abbiegend. Aber wohin ich auch ging, dieser verdammte Barbier kam hinter mir her und rief laut: „Sie hätten mir meinen Meeei-ster geraubt! Sie hätten den getötet, der ein Wohltäter für mich und meine Familie und meine Freunde war! Gepriesen sei Allah, der mich über sie siegen ließ und meinen Herrn aus ihren Händen rettete!“ Dann zu mir: „Wohin willst du jetzt gehen? Du wolltest darauf beharren, deinen eigenen bösen Plänen zu folgen, bis du dich in diese schlimme Lage brachtest; und hätte Allah mich dir nicht gewährt, wärst du niemals aus dieser Enge entkommen, in die du geraten bist, denn sie hätten dich in ein Unglück gestürzt, aus dem du niemals hättest frei werden können. Aber ich werde dich nicht für deine Unwissenheit zur Rechenschaft ziehen, da du so wenig Verstand hast und sprunghaft und zur Hast neigst!“ Ich sagte zu ihm: „Genügt dir nicht, was du mir eingebrockt hast, dass du mir nun auch noch nachrennen und solches Zeug auf den Basarstraßen reden musst?“ Und ich gab vor lauter Wut gegen ihn fast den Geist auf. Dann suchte ich Zuflucht im Laden eines Webers mitten auf dem Markt und bat den Besitzer um Schutz, der den Barbier wegjagte; und während ich im Hinterzimmer[630] saß, sagte ich mir: „Wenn ich nach Hause zurückkehre, werde ich diesen Fluch von einem Barbier niemals los, der Tag und Nacht bei mir sein wird; und ich kann den Anblick von ihm nicht einmal für einen Atemzug ertragen.“ Also ließ ich sofort nach Zeugen rufen und machte ein Testament, wobei ich den größten Teil meines Vermögens unter meine Leute aufteilte und einen Vormund über sie einsetzte, dem ich die Verantwortung für Groß und Klein übertrug, mit der Anweisung, meine Häuser und Ländereien zu verkaufen. Dann begab ich mich auf Reisen, damit ich von diesem Kuppler[631] frei wäre; und ich kam, um mich in eurer Stadt niederzulassen, wo ich einige Zeit gelebt habe. Als ihr mich einludet und ich hierher kam, war das Erste, was ich sah, dieser verfluchte Kuppler, der auf dem Ehrenplatz saß. Wie kann da mein Herz froh sein und mein Aufenthalt angenehm in Gesellschaft dieses Kerls, der mir das alles eingebrockt hat und der die Ursache für den Bruch meines Beins und für mein Exil aus Heimat und Vaterland war?“ Und der Jüngling weigerte sich, sich zu setzen, und ging weg. Als wir seine Geschichte hörten (fuhr der Schneider fort), waren wir über alle Maßen erstaunt und amüsiert und sagten zum Barbier: „Bei Allah, ist es wahr, was dieser junge Mann von dir sagt?“ „Bei Allah“, antwortete er, „ich handelte so an ihm aus meiner Höflichkeit, meinem gesunden Menschenverstand und meiner Großzügigkeit. Wäre ich nicht gewesen, er wäre umgekommen, und niemand außer mir war die Ursache seiner Rettung. Gut für ihn, dass er an seinem Bein litt und nicht an seinem Leben! Wäre ich ein Mann vieler Worte gewesen, ein Quälgeist, ein Wichtigtuer, hätte ich nicht so freundlich an ihm gehandelt; aber nun werde ich euch eine Geschichte erzählen, die mir widerfuhr, damit ihr gewiss sein könnt, dass ich ein Mann bin, der sparsam mit Worten umgeht, in dem keine Zudringlichkeit steckt, und eine ganz andere Person als diese sechs Brüder von mir; und diese ist es.“

DIE GESCHICHTE DES BARBIERS VON SICH SELBST.

Ich lebte in Bagdad während der Zeiten von Al-Mustansir bi'llah,[632] dem Sohn von Al-Mustazi bi'llah, dem damaligen Kalifen, einem Fürsten, der die Armen und Bedürftigen liebte und mit den Gelehrten und Frommen verkehrte. Eines Tages begab es sich, dass er über zehn Personen erzürnt war, Wegelagerer, die auf der Straße des Kalifen raubten, und er befahl dem Präfekten von Bagdad, sie am Jahrestag des Großen Festes[633] in seine Gegenwart zu bringen. Also zog der Präfekt aus, nahm sie gefangen und stieg mit ihnen in ein Boot. Ich erblickte sie, als sie sich einschifften, und sagte zu mir selbst: „Diese sind sicher für ein Hochzeitsfest versammelt; mich dünkt, sie verbringen ihren Tag in diesem Boot mit Essen und Trinken, und niemand soll ihr Trinkgenosse sein außer mir selbst.“ Also erhob ich mich, o edle Versammlung; und aus dem Übermaß meiner Höflichkeit und der Schwere meines Verstandes schiffte ich mich mit ihnen ein und verwickelte sie in ein Gespräch. Sie ruderten zum gegenüberliegenden Ufer, wo sie landeten, und da kamen die Wache und die Friedenswächter mit Ketten, die sie den Räubern um die Hälse legten. Sie ketteten mich zusammen mit den anderen an; und, o Leute, ist es nicht ein Beweis meiner Höflichkeit und Sparsamkeit an Worten, dass ich schwieg und nicht zu sprechen beliebte? Dann nahmen sie uns in Fesseln und brachten uns am nächsten Morgen allesamt vor Al-Mustansir bi'llah, den Befehlshaber der Gläubigen, der befahl, den zehn Räubern die Hälse abzuschlagen. Also trat der Scharfrichter vor, nachdem sie auf dem Leder des Blutes[634] saßen: dann zog er seine Klinge und schlug ein Haupt nach dem anderen ab, bis er den Hals des zehnten erschlagen hatte; und nur ich blieb übrig. Der Kalif blickte mich an und fragte den Henker: „Was fehlt dir, dass du nur neun Köpfe abgeschlagen hast?“; und er antwortete: „Allah bewahre, dass ich nur neun enthaupte, wenn du mir befiehlst, zehn zu enthaupten!“ Der Kalif sagte: „Mich dünkt, du hast nur neun Hälse erschlagen, und dieser Mann vor dir ist der zehnte.“ „Bei deiner Güte!“ antwortete der Henker, „ich habe zehn enthauptet.“ „Zähle sie!“ rief der Kalif, und als sie die Köpfe zählten, siehe, da waren es zehn. Der Kalif blickte mich an und sagte: „Was hat dich dazu gebracht, zu einer Zeit wie dieser zu schweigen, und wie kamst du dazu, dich mit diesen Männern des Blutes zu gesellen? Erzähle mir die Ursache von alledem, denn obgleich du ein sehr alter Mann bist, ist dein Verstand gewiss schwach.“ Als ich diese Worte vom Kalifen hörte, sprang ich auf meine Füße und antwortete: „Wisse, o Befehlshaber der Gläubigen, dass ich der Schweigsame Scheich bin und so genannt werde, um mich von meinen sechs Brüdern zu unterscheiden. Ich bin ein Mann von immenser Gelehrsamkeit, während es für die Schwere meines Verstandes, die Schlauheit meines Witzes und die Sparsamkeit meiner Rede kein Ende gibt; und mein Beruf ist der eines Barbiers. Ich ging gestern früh aus und sah diese Männer auf einen Kahn zusteuern; und da ich mir einbildete, sie seien auf dem Weg zu einem Hochzeitsfest, schloss ich mich ihnen an und mischte mich unter sie. Nach einer Weile kamen die Wache und die Friedenswächter, die ihnen und mir zusammen mit den anderen Ketten um die Hälse legten; doch aus Übermaß an Höflichkeit schwieg ich und sprach kein Wort; noch war dies anderes als Großzügigkeit meinerseits. Sie brachten uns in deine Gegenwart, und du gabst den Befehl, die Hälse der zehn zu erschlagen; doch habe ich mich dir nicht zu erkennen gegeben und blieb vor dem Scharfrichter schweigsam, rein aus meiner großen Großzügigkeit und Höflichkeit, die mich dazu brachten, mit ihnen in ihrem Tod zu teilen. Aber mein ganzes Leben lang habe ich so edel mit der Menschheit gehandelt, und sie vergelten es mir mit der abscheulichsten und übelsten Vergeltung!“ Als der Kalif meine Worte hörte und wusste, dass ich ein Mann von überaus großer Großzügigkeit und sehr wenigen Worten war, einer, in dem keine Zudringlichkeit steckt (wie es dieser Jüngling hätte, den ich aus tödlicher Gefahr rettete und der mir so niederträchtig vergolten hat), lachte er mit übermäßigem Lachen, bis er auf den Rücken fiel. Dann sagte er zu mir: „O Schweigsamer Mann, tun es dir deine sechs Brüder an Weisheit und Wissen und Sparsamkeit der Rede gleich?“ Ich antwortete: „Niemals waren sie wie ich! Du wirfst mir Schmach vor, o Befehlshaber der Gläubigen, und es ziemt dir nicht, meine Brüder mit mir gleichzusetzen; denn wegen des Übermaßes ihrer Rede und ihres Mangels an Höflichkeit und Schwere hat jeder von ihnen irgendeine Verstümmelung davongetragen. Einer ist ein Einäugiger, ein anderer gelähmt, ein dritter stockblind, ein vierter ohne Ohren und Nase und ein fünfter ohne Lippen, während der sechste ein Buckliger und ein Krüppel ist. Und bilde dir nicht ein, o Befehlshaber der Gläubigen, dass ich verschwenderisch mit Worten bin; aber ich muss dir notwendigerweise erklären, dass ich ein Mann von größerem Wert und weniger Worten bin als jeder von ihnen. Von jedem meiner Brüder hängt eine Geschichte ab, wie er zu seinem körperlichen Defekt kam, und diese werde ich dir erzählen.“ Also lieh der Kalif Gehör der

GESCHICHTE DES BARBIERS VON SEINEM ERSTEN BRUDER.

Wisse also, o Befehlshaber der Gläubigen, dass mein erster Bruder, Al-Bakbuk, der Schwätzer, ein Buckliger ist, der in Bagdad das Schneiderhandwerk ergriff. Er pflegte in einem Laden zu nähen, den er von einem sehr wohlhabenden Mann gemietet hatte, der über dem Laden wohnte, und im Untergeschoss befand sich zudem eine Getreidemühle. Eines Tages, als mein Bruder, der Bucklige, in seinem Laden saß und nähte, erhob er zufällig sein Haupt und erblickte eine Dame, die wie der aufgehende Vollmond an einem Balkonfenster des Hauses seines Vermieters stand und die Passanten beobachtete. Als mein Bruder sie erblickte, wurde sein Herz von Liebe zu ihr ergriffen, und er verbrachte den ganzen Tag damit, sie anzustarren, und vernachlässigte sein Schneidern bis zum Abend. Am nächsten Morgen öffnete er seinen Laden und setzte sich zum Nähen nieder; doch so oft er einen Stich machte, blickte er zum Fenster und sah sie wie zuvor; und seine Leidenschaft und Verliebtheit für sie wuchsen. Am dritten Tag, als er an seinem gewohnten Platz saß und sie betrachtete, erblickte sie ihn, und da sie erkannte, dass er von Liebe zu ihr gefangen genommen worden war, lachte sie ihm ins Gesicht, und er lächelte ihr zurück. Dann verschwand sie und sandte alsbald ihre Sklavin zu ihm mit einem Bündel, das ein Stück rote, geblümte Seide enthielt. Die Magd sprach ihn an und sagte: „Meine Herrin lässt dich grüßen und wünscht, dass du mit deinem Geschick und deinem guten Willen aus diesem Stück ein Hemd für sie anfertigst und es mit deiner besten Naht kunstvoll nähst.“ Er erwiderte: „Gehör und Gehorsam“, schnitt ihr ein Hemd zu und beendete das Nähen noch am selben Tag. Als der Morgen graute, kam das Mädchen zurück und sagte zu ihm: „Meine Herrin lässt dich grüßen und fragt, wie du die vergangene Nacht verbracht hast; denn sie hat keinen Schlaf gefunden, weil ihr Herz von dir erfüllt war.“ Dann legte sie ein Stück gelben Satins vor ihn hin und sagte: „Meine Herrin befiehlt dir, ihr daraus zwei Paar weite Hosen zuzuschneiden und sie noch heute zu nähen.“ „Gehör und Gehorsam!“, antwortete er, „grüße sie vielmals von mir und sage ihr: Dein Sklave ist deinem Befehl gehorsam; gebiete ihm also, wie du willst.“ Dann machte er sich an das Zuschneiden und arbeitete hart am Nähen der Hosen; und nach einer Stunde erschien die Dame am Gitter und grüßte ihn mit Zeichen, senkte bald die Augen, bald lächelte sie ihm ins Gesicht, und er begann sich einzureden, dass er bald einen Sieg davontragen würde. Sie ließ ihn nicht ruhen, bis er die zwei Paar Hosen fertiggestellt hatte, worauf sie sich zurückzog und die Sklavin schickte, der er sie übergab; und sie nahm sie entgegen und ging ihres Weges. Als es Nacht wurde, warf er sich auf sein Teppichbett und wälzte sich von einer Seite auf die andere bis zum Morgen, als er aufstand und sich an seinen Platz setzte. Bald kam das Mädchen zu ihm und sagte: „Mein Herr verlangt nach dir.“ Als er diese Worte hörte, fürchtete er sich über die Maßen; doch die Sklavin, die seinen Schrecken sah, sagte zu ihm: „Es ist nichts Böses gegen dich beabsichtigt: Nichts als Gutes erwartet dich. Meine Herrin möchte, dass du meinen Herrn kennenlernst.“ Also ging mein Bruder, der Schneider, mit großer Freude mit ihr; und als er vor seinen Vermieter, den Ehemann der Dame, trat, küsste er den Boden vor ihm, und der Hausherr erwiderte seinen Gruß und gab ihm ein großes Stück Leinen mit den Worten: „Schneide mir daraus Hemden zu und nähe sie gut“; und mein Bruder antwortete: „Hören heißt gehorchen.“ Daraufhin machte er sich sogleich an die Arbeit, schnitt, formte und nähte, bis er bis zur Abendzeit zwanzig Hemden fertiggestellt hatte, ohne anzuhalten, um Nahrung zu sich zu nehmen. Der Hausherr fragte ihn: „Wie hoch ist der Lohn dafür?“, und er antwortete: „Zwanzig Dirham.“ Da rief der Herr der Sklavin zu: „Bring mir zwanzig Dirham“, und mein Bruder sprach kein Wort; doch die Dame gab ihm ein Zeichen: „Nimm nichts von ihm an“; woraufhin mein Bruder sagte: „Bei Allah, ich werde nichts aus deiner Hand annehmen.“ Und er nahm sein Schneiderzeug mit und kehrte in seinen Laden zurück, obwohl er bis auf den letzten Heller mittellos war. Dann machte er sich daran, ihre Arbeit zu verrichten; in seinem Eifer und Fleiß aß er drei Tage lang nur ein Stück Brot und trank nur ein wenig Wasser. Am Ende dieser Zeit kam die Magd und sagte zu ihm: „Was hast du getan?“ Er sprach: „Sie sind fertig“, und brachte die Hemden zum Ehemann der Dame, der ihn für seine Arbeit bezahlen wollte: doch er sagte: „Ich nehme nichts an“, aus Furcht vor ihr, und kehrte in seinen Laden zurück, wo er wegen seines Hungers die Nacht schlaflos verbrachte. Nun hatte die Dame ihren Ehemann darüber informiert, wie die Lage stand (wovon mein Bruder nichts wusste); und die beiden hatten vereinbart, ihn umsonst für sich schneidern zu lassen, um ihn besser verspotten und über ihn lachen zu können. Am nächsten Morgen ging er in seinen Laden, und als er dort saß, kam die Magd zu ihm und sagte: „Sprich mit meinem Herrn.“ Er begleitete sie also zum Ehemann, der zu ihm sagte: „Ich möchte, dass du mir fünf Gewänder mit langen Ärmeln zuschneidest.“ Also schnitt er sie zu, nahm den Stoff und ging fort. Dann nähte er sie und brachte sie dem Herrn, der seine Näharbeit lobte und ihm einen Beutel mit Silber anbot. Er streckte seine Hand aus, um ihn zu nehmen, doch die Dame gab ihm hinter dem Rücken ihres Mannes ein Zeichen, dies nicht zu tun, und er erwiderte: „O mein Herr, es eilt nicht, wir haben Zeit genug dafür.“ Dann ging er aus dem Haus, erbärmlicher und demütiger als ein Esel, denn fürwahr, fünf Dinge waren in ihm vereint, nämlich: Liebe, Bettelei, Hunger, Nacktheit und harte Arbeit. Dennoch stärkte er sich mit der Hoffnung, die Gunst der Dame zu gewinnen. Als er all ihre Arbeiten beendet hatte, spielten sie ihm einen weiteren Streich und verheirateten ihn mit ihrer Sklavin; doch in der Nacht, als er dachte, er könne zu ihr eingehen, sagten sie zu ihm: „Schlafe diese Nacht in der Mühle; und morgen wird alles gut werden.“ Mein Bruder schloss daraus, dass es dafür einen guten Grund gäbe, und verbrachte die Nacht allein in der Mühle. Nun hatte der Ehemann den Müller dazu angestiftet, den Schneider die Mühle drehen zu lassen: Als die Nacht zur Hälfte vorüber war, kam der Mann zu ihm und begann zu sagen: „Dieser unser Stier ist nutzlos geworden und steht still, anstatt sich im Kreis zu drehen: Er will heute Nacht die Mühle nicht drehen, und doch haben wir einen großen Vorrat an Getreide, das gemahlen werden muss. Wie dem auch sei, ich werde ihn mit Gewalt anspannen und ihn das Mahlen vor dem Morgen beenden lassen, da die Leute ungeduldig auf ihr Mehl warten.“ Dann füllte er die Trichter mit Getreide, trat mit einem Seil in der Hand auf meinen Bruder zu, band es um seinen Hals und sagte zu ihm: „Hü! Rundherum mit der Mühle! Du, o Stier, wolltest nichts tun als fressen, pissen und scheißen!“ Dann nahm er eine Peitsche und ließ sie auf die Schultern und Waden meines Bruders niedergehen, der zu heulen und zu brüllen begann; doch niemand kam ihm zu Hilfe; und er war gezwungen, den Weizen bis kurz vor Tagesanbruch zu mahlen, als der Hausherr hereinkam und, da er sah, dass mein Bruder noch immer am Joch angebunden war und der Mann ihn auspeitschte, wieder ging. Bei Tagesanbruch kehrte der Müller nach Hause zurück und ließ ihn weiterhin angebunden und halb tot zurück; und bald darauf kam die Sklavin herein, die ihn losband und zu ihm sagte: „Ich und meine Herrin bedauern zutiefst, was geschehen ist, und wir haben deinen Kummer mit dir geteilt.“ Doch er hatte vor lauter Schlägen und Mühledrehen keine Zunge mehr, um ihr zu antworten. Dann zog er sich in seine Unterkunft zurück, und siehe, der Schreiber, der den Ehevertrag aufgesetzt hatte, kam zu ihm, grüßte ihn und sagte: „Allah schenke dir ein langes Leben! Möge deine Vermählung gesegnet sein! Dieses Gesicht kündet von angenehmen Dingen, von Liebkosungen, Küssen und Umarmungen von der Dämmerung bis zum Morgengrauen.“ „Allah gewähre dem Lügner keinen Frieden, o du tausendfacher Hahnrei!“, antwortete mein Bruder, „bei Allah, ich habe nichts getan, als die ganze Nacht bis zum Morgen anstelle des Stiers die Mühle zu drehen!“ „Erzähle mir deine Geschichte“, sagte er; und mein Bruder erzählte ihm, was ihm widerfahren war, worauf er sagte: „Dein Stern stimmt nicht mit ihrem Stern überein; aber wenn du willst, kann ich den Vertrag für dich ändern“, und fügte hinzu: „Hüte dich, dass nicht ein weiterer Betrug auf dich wartet.“ Und mein Bruder antwortete ihm: „Sieh nach, ob du nicht noch eine weitere List auf Lager hast.“ Dann verließ ihn der Schreiber, und er saß in seinem Laden und suchte nach jemandem, der ihm eine Arbeit brächte, mit der er sein tägliches Brot verdienen könnte. Bald kam die Magd zu ihm und sagte: „Sprich mit meiner Herrin.“ „Geh fort, o mein liebes Mädchen“, antwortete er, „es soll keine Geschäfte mehr zwischen mir und deiner Herrin geben.“ Die Magd kehrte zu ihrer Herrin zurück und erzählte ihr, was mein Bruder gesagt hatte, und alsbald streckte sie ihren Kopf aus dem Fenster, weinte und sagte: „Warum, o mein Geliebter, soll es keine Geschäfte mehr zwischen mir und dir geben?“ Doch er gab ihr keine Antwort. Dann weinte sie und beschwor ihn, wobei sie schwor, dass all das, was ihm in der Mühle widerfahren war, nicht von ihr gebilligt worden sei und dass sie an der ganzen Angelegenheit unschuldig sei. Als er ihre Schönheit und Lieblichkeit erblickte und die Süße ihrer Rede hörte, wich der Kummer, der von ihm Besitz ergriffen hatte, aus seinem Herzen; er nahm ihre Entschuldigung an und freute sich, sie zu sehen. Also grüßte er sie, sprach mit ihr und saß eine Weile beim Schneidern, woraufhin die Magd zu ihm kam und sagte: „Meine Herrin grüßt dich und teilt dir mit, dass ihr Ehemann beabsichtigt, diese Nacht im Haus einiger seiner vertrauten Freunde zu übernachten; wenn er also fort ist, komm zu uns und verbringe die Nacht bei meiner Herrin in freudigstem Genuss bis zum Morgen.“ Nun hatte ihr Ehemann sie gefragt: „Wie sollen wir es anstellen, ihn von dir abzubringen?“, und sie antwortete: „Überlasse es mir, ihm einen weiteren Streich zu spielen und ihn zum Gespött der ganzen Stadt zu machen.“ Doch mein Bruder wusste nichts von der Bosheit der Frauen. Sobald es dämmerte, kam die Sklavin zu ihm und brachte ihn in das Haus, und als die Dame ihn sah, sagte sie zu ihm: „Bei Allah, o mein Herr, ich habe mich über die Maßen nach dir gesehnt.“ „Bei Allah“, rief er, „küsse mich schnell, bevor du mir etwas anderes gibst.“ Kaum hatte er gesprochen, da kam der Ehemann der Dame aus dem Nebenraum und ergriff ihn mit den Worten: „Bei Allah, ich werde dich nicht eher gehen lassen, als bis ich dich dem Hauptmann der Stadtwache übergeben habe.“ Mein Bruder demütigte sich vor ihm; doch er wollte nicht auf ihn hören und brachte ihn vor den Präfekten, der ihm hundert Peitschenhiebe verabreichte, ihn auf ein Kamel setzte und ihn durch die Stadt führte, während die Wachen laut ausriefen: „Dies ist der Lohn dessen, der die Harems ehrenwerter Männer schändet!“ Zudem fiel er vom Kamel, brach sich das Bein und wurde so lahm. Dann verbannte ihn der Präfekt aus der Stadt; und er zog fort, ohne zu wissen, wohin er sich wenden sollte; aber ich hörte von ihm, und aus Furcht um ihn folgte ich ihm, brachte ihn heimlich zurück in die Stadt, stellte seine Gesundheit wieder her und nahm ihn in mein Haus auf, wo er noch immer lebt.“ Der Kalif lachte über meine Geschichte und sagte: „Du hast es gut gemacht, o Samit, o stiller Mann, o Wortkarger!“; und er hieß mich, ein Geschenk anzunehmen und zu gehen. Aber ich sagte: „Ich werde nichts von dir annehmen, es sei denn, ich erzähle dir, was all meinen anderen Brüdern widerfahren ist; und halte mich nicht für einen Mann, der viele Worte macht.“ Also lieh der Kalif Gehör der

GESCHICHTE DES BARBIERS VON SEINEM ZWEITEN BRUDER.

Wisse, o Befehlshaber der Gläubigen, dass mein zweiter Bruder Al-Haddár hieß, das heißt der Plapperer, und er war gelähmt. Nun begab es sich eines Tages, als er seinen Geschäften nachging, dass eine alte Frau ihn ansprach und sagte: „Halte ein wenig inne, mein guter Mann, damit ich dir von etwas berichte, das du, wenn es dir gefällt, für mich tun sollst, und ich werde zu Allah beten, dass Er dir Gutes daraus erwachsen lässt!“ Mein Bruder blieb stehen, und sie fuhr fort: „Ich werde dich auf eine Sache bringen, so du nur nicht verschwenderisch mit deinen Worten bist.“ „Sprich weiter“, erwiderte er; und sie: „Was sagst du zu einer schönen Unterkunft und einem prächtigen Garten mit fließendem Wasser, blühenden Blumen und reifenden Früchten, dazu altem Wein und einem hübschen jungen Gesicht, das du von Einbruch der Dunkelheit bis zur Morgendämmerung umschlingen darfst? Wenn du tust, was ich dich heiße, wirst du etwas zu deinem großen Vorteil sehen.“ „Und all dies gibt es auf der Welt?“, fragte mein Bruder; und sie antwortete: „Ja, und es soll dein sein, so du vernünftig bist und müßige Neugier und viele Worte lässt und mein Gebot befolgst.“ „Das werde ich wahrlich, o meine Herrin“, sagte er, „wie kommt es, dass du mich in dieser Angelegenheit vor allen anderen Männern vorgezogen hast und was ist es, das dich so sehr an mir erfreut?“ Sie sprach: „Habe ich dich nicht gebeten, sparsam mit Worten zu sein? Schweige und folge mir. Wisse, dass die junge Dame, zu der ich dich führen werde, es liebt, ihren eigenen Willen durchzusetzen, und es hasst, wenn man ihr zuwiderhandelt oder ihr widerspricht; wenn du also auf ihre Launen eingehst, wirst du dein Verlangen bei ihr stillen können.“ Und mein Bruder sagte: „Ich werde ihr in nichts widersprechen.“ Dann ging sie weiter und mein Bruder folgte ihr, dürstend nach dem, was sie ihm beschrieben hatte, bis sie ein feines, großes Haus betraten, das schön und vornehm eingerichtet war, voller Eunuchen und Diener, und das von oben bis unten Wohlstand ausstrahlte. Und sie wollte ihn gerade in das Obergeschoss führen, als die Leute des Hauses ihn fragten: „Was suchst du hier?“ Aber die alte Frau antwortete ihnen: „Schweigt und behelligt ihn nicht: Er ist ein Handwerker, und wir haben Verwendung für ihn.“ Dann brachte sie ihn in einen feinen, großen Pavillon mit einem Garten inmitten, wie ihn Augen schöner nie gesehen hatten; und ließ ihn auf einem prächtigen Diwan Platz nehmen. Er hatte nicht lange gesessen, da hörte er ein lautes Geräusch, und es trat eine Schar von Sklavinnen ein, die eine Dame umringten wie den Mond in der Nacht seiner Vollendung. Als er sie sah, stand er auf und verbeugte sich vor ihr, woraufhin sie ihn willkommen hieß und ihn bat, Platz zu nehmen. Er setzte sich also, und sie sagte zu ihm: „Allah erhöhe dich zu Ehren! Ist alles wohl mit dir?“ „O meine Herrin“, antwortete er, „bei mir ist alles wohl.“ Dann befahl sie, Speisen zu bringen, und sie setzten ihr köstliche Gerichte vor; sie setzte sich also zum Essen, heuchelte meinem Bruder Zuneigung und scherzte mit ihm, doch konnte sie sich währenddessen des Lachens nicht erwehren; doch sooft er sie ansah, deutete sie auf ihre Dienerinnen, als würde sie über sie lachen. Mein Bruder (der Esel!) verstand nichts; doch in der Übersteigerung seiner lächerlichen Leidenschaft bildete er sich ein, die Dame sei in ihn verliebt und werde ihm bald sein Verlangen erfüllen. Als sie mit dem Essen fertig waren, stellten sie den Wein auf, und es kamen zehn Mädchen herein, wie Monde, mit griffbereiten Lauten in den Händen, und begannen mit vollen, süßen und traurigen Stimmen zu singen, woraufhin ihn Entzücken ergriff und er den Becher aus den Händen der Dame nahm und ihn stehend austrank. Dann trank sie einen Becher Wein, und mein Bruder sagte (immer noch stehend) zu ihr: „Gesundheit“, und verbeugte sich vor ihr. Sie reichte ihm einen weiteren Becher, und er trank ihn aus, woraufhin sie ihm einen harten Schlag auf den Nacken versetzte. Daraufhin wollte mein Bruder voll Zorn aus dem Haus gehen; aber die alte Frau folgte ihm und blinzelte ihm zu, er solle umkehren. Er kam also zurück, und die Dame hieß ihn sitzen, und er setzte sich, ohne ein Wort zu sagen. Dann schlug sie ihm erneut hart auf den Nacken; und der zweite Schlag genügte ihr nicht, sie musste es auch noch allen ihren Dienerinnen befehlen, ihn zu schlagen und zu ohrfeigen, während er immer wieder zur alten Frau sagte: „Ich habe nie etwas Schöneres gesehen als dies.“ Sie ihrerseits hörte nicht auf auszurufen: „Genug, genug, ich beschwöre dich, o meine Herrin!“; aber die Frauen schlugen ihn, bis er beinahe das Bewusstsein verlor. Bald darauf stand mein Bruder auf und ging hinaus, um einem Bedürfnis der Natur zu folgen, doch die alte Frau holte ihn ein und sagte: „Gedulde dich noch ein wenig, und du wirst dein Ziel erreichen.“ „Wie lange muss ich noch warten“, antwortete mein Bruder, „dieses Schlagen hat mich ganz schwach gemacht.“ „Sobald sie vom Wein erhitzt ist“, antwortete sie, „wirst du dein Verlangen gestillt bekommen.“ Er kehrte also an seinen Platz zurück und setzte sich, woraufhin alle Dienerinnen aufstanden und die Dame ihnen befahl, ihn mit Pastillen zu parfümieren und sein Gesicht mit Rosenwasser zu besprengen. Dann sagte sie zu ihm: „Allah erhöhe dich zu Ehren! Du hast mein Haus betreten und meine Bedingungen ertragen, denn wer mir zuwiderhandelt, den weise ich ab, und wer geduldig ist, der erlangt sein Verlangen.“ „O meine Gebieterin“, sagte er, „ich bin dein Sklave und in der Höhlung deiner Hand!“ „Wisse dann“, fuhr sie fort, „dass Allah mich leidenschaftlich gerne scherzen lässt; und wer auf meine Launen eingeht, der bekommt, was immer er begehrt.“ Dann befahl sie ihren Mädchen, mit lauter Stimme zu singen, bis die ganze Gesellschaft entzückt war; danach sagte sie zu einer von ihnen: „Nimm deinen Herrn, tue, was für ihn nötig ist, und bring ihn mir alsbald zurück.“ Das Mädchen nahm also meinen Bruder (und er wusste nicht, was sie mit ihm vorhatte); aber die alte Frau holte ihn ein und sagte: „Sei geduldig; es ist nur noch wenig zu tun.“ Da hellte sich sein Gesicht auf, und er stand vor der Dame, während die alte Frau immer wieder sagte: „Sei geduldig; du wirst nun sogleich dein Ziel erreichen!“; bis er sagte: „Sag mir, was sie will, dass das Mädchen mit mir tut?“ „Nichts als Gutes“, antwortete sie, „bei meinem Leben für dich! Sie will nur deine Augenbrauen färben und deine Schnurrbartstoppeln ausrupfen.“ Er sagte: „Was das Färben meiner Augenbrauen angeht, das geht beim Waschen wieder ab, aber das Ausrupfen meines Schnurrbarts, das ist wahrlich ein etwas schmerzhafter Vorgang.“ „Sei vorsichtig, ihr nicht zu widersprechen“, rief die alte Frau; „denn sie hat ihr Herz an dich gehängt.“ So duldete mein Bruder geduldig, dass sie seine Augenbrauen färbte und seinen Schnurrbart ausrupfte; wonach das Mädchen zu ihrer Herrin zurückkehrte und ihr Bericht erstattete. Sie sprach: „Nun bleibt nur noch eines zu tun; du musst seinen Bart abrasieren und ihn zu einem glatten Gesicht verhelfen.“ Das Mädchen ging also zurück und sagte ihm, was ihre Herrin ihr befohlen hatte; und mein Bruder (der Dummkopf!) sagte zu ihr: „Wie soll ich tun, was mich vor den Leuten entehren wird?“ Aber die alte Frau sagte: „Sie will dies nur tun, damit du wie ein bartloser Jüngling bist und kein Haar auf deinem Gesicht bleibt, das ihre zarten Wangen kratzen und stechen könnte; denn sie ist wahrhaftig leidenschaftlich in dich verliebt. Sei also geduldig, und du wirst dein Ziel erreichen.“ Mein Bruder war geduldig und tat ihr Geheiß und ließ sich den Bart abrasieren, und als er zur Dame zurückgebracht wurde, siehe! er erschien mit rot gefärbten Augenbrauen, ohne Schnurrbart, ohne Bart, mit geschminkten Wangen. Zuerst erschrak sie vor ihm; dann machte sie sich über ihn lustig, und lachte, bis sie auf den Rücken fiel, und sagte: „O mein Herr, du hast mein Herz wahrlich durch dein gutes Wesen gewonnen!“ Dann beschwor sie ihn bei ihrem Leben, aufzustehen und zu tanzen, und er erhob sich und hüpfte umher, und es gab kein Kissen im Haus, das sie ihm nicht an den Kopf warf, und ebenso taten es all ihre Frauen, die ihn ebenfalls mit Orangen, Zitronen und Zitronenfrüchten bewarfen, bis er vor lauter Schlägen auf den Nacken, Kissenschlachten und Früchtewerfen bewusstlos zusammensank. „Nun hast du dein Ziel erreicht“, sagte die alte Frau, als er wieder zu sich kam; „es gibt keine Schläge mehr für dich auf Lager, und es bleibt nur noch eine kleine Sache zu tun. Es ist ihre Gewohnheit, wenn sie vom Wein erhitzt ist, niemanden an sich heranzulassen, bis sie ihr Kleid und ihre Hose ablegt und ganz nackt bleibt. Dann wird sie dir befehlen, deine Kleidung abzulegen und zu laufen; und sie wird vor dir herlaufen, als ob sie vor dir fliehe; und du folge ihr von Ort zu Ort, bis dein Glied am stärksten steht, dann wird sie sich dir hingeben“; und fügte hinzu: „Streif sofort deine Kleider ab.“ Er stand also auf, beinahe verloren in Ekstase, und legte seine Kleidung ab und zeigte sich mutterseelenallein nackt. — Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sprechen.

Als es nun die Zweiunddreißigste Nacht war,

sagte sie: Es ist mir zu Ohren gekommen, o glückverheißender König, dass, als die alte Frau zum zweiten Bruder des Barbiers sagte: „Streif deine Kleider ab“, er aufstand, beinahe verloren in Ekstase; und seine Kleidung abstreifte und sich mutterseelenallein nackt zeigte. Woraufhin die Dame sich ebenfalls auszog und zu meinem Bruder sagte: „Wenn du etwas willst, lauf mir nach, bis du mich gefasst hast.“ Dann rannte sie los, und er rannte hinter ihr her, während sie in ein Zimmer nach dem anderen stürzte und wieder aus einem Zimmer nach dem anderen herausstürmte, mein Bruder hinter ihr herrennend in einer Wut des Verlangens wie ein wahrhaft Wahnsinniger, mit schrecklich großem, stehendem Glied. Nach vielem dieser Art stürzte sie in einen dunklen Raum, und er stürzte hinter ihr her; doch plötzlich trat er auf eine nachgebende Stelle, die unter seinem Gewicht einbrach; und bevor er sich versah, wo er war, befand er sich mitten auf einem überfüllten Markt, einem Teil des Basars der Lederhändler, die die Preise für Häute und Felle riefen und kauften und verkauften. Als sie ihn in seiner misslichen Lage sahen, nackt, mit stehendem Glied, ohne Bart und Schnurrbart, mit rot gefärbten Augenbrauen und mit Schminke geröteten Wangen, schrien sie und klatschten in die Hände und fingen an, ihn mit Häuten auf seinen nackten Körper zu peitschen, bis er in Ohnmacht fiel. Dann warfen sie ihn auf den Rücken eines Esels und brachten ihn zum Polizeichef. Der Chef fragte: „Was ist das?“ Sie sagten: „Dieser Kerl fiel plötzlich in diesem Zustand aus dem Haus des Wesirs auf uns herab.“ Der Präfekt gab ihm also hundert Peitschenhiebe und verbannte ihn dann aus Bagdad. Ich jedoch ging ihm nach, brachte ihn heimlich in die Stadt zurück und gewährte ihm einen täglichen Unterhalt für seinen Lebensunterhalt: obwohl ich, wäre es nicht für mein großzügiges Wesen, einen wie ihn nicht hätte ertragen können. Dann lieh der Kalif Gehör der

GESCHICHTE DES BARBIERS VON SEINEM DRITTEN BRUDER.

Mein dritter Bruder hieß Al-Fakík, der Schwätzer, der blind war. Eines Tages trieben ihn Schicksal und Glück zu einem feinen, großen Haus, und er klopfte an die Tür, wünschend, mit dessen Besitzer zu sprechen, damit er ihn um etwas bitten könne. Der Herr des Hauses fragte: „Wer ist an der Tür?“ Aber mein Bruder sagte kein Wort, und kurz darauf hörte er ihn mit lauter Stimme wiederholen: „Wer ist da?“ Dennoch gab er keine Antwort und hörte sofort, wie der Herr zur Tür ging, sie öffnete und sagte: „Was willst du?“ Mein Bruder antwortete: „Etwas um Allahs des Allmächtigen willen.“ „Bist du blind?“, fragte der Mann, und mein Bruder antwortete: „Ja.“ Der andere sagte: „Reich mir deine Hand.“ Mein Bruder streckte also seine Hand aus, in dem Glauben, er würde ihm etwas geben; doch er nahm sie, zog ihn ins Haus und trug ihn Stufe um Stufe nach oben, bis sie die Terrasse auf dem Hausdach erreichten, während mein Bruder die ganze Zeit glaubte, er würde ihm sicher etwas zu essen oder Geld geben. Dann fragte er meinen Bruder: „Was willst du, o Blinder?“, und er antwortete: „Etwas um des Allmächtigen willen.“ „Allah öffne dir eine andere Tür!“ „O du! Warum hast du das nicht gesagt, als ich unter der Treppe war?“ „O Bettler, warum hast du mir nicht geantwortet, als ich dich zum ersten Mal rief?“ „Und was gedenkst du jetzt für mich zu tun?“ „Es ist nichts im Haus, das ich dir geben könnte.“ „Dann bring mich die Treppe hinunter.“ „Der Weg liegt vor dir.“ Mein Bruder stand also auf und bahnte sich den Weg die Treppe hinunter, bis er zwanzig Schritte vor die Tür kam, als sein Fuß ausrutschte und er nach unten rollte und sich den Kopf brach. Dann ging er hinaus, nicht wissend, wohin er sich wenden sollte, und traf kurz darauf zwei andere Blinde, seine Gefährten, die zu ihm sagten: „Was hast du heute gewonnen?“ Er erzählte ihnen, was ihm widerfahren war, und fügte hinzu: „O meine Brüder, ich möchte etwas von dem Geld in meine Hände nehmen und mich damit versorgen.“ Nun war ihm der Hausherr gefolgt und hatte zugehört, was sie sagten; aber weder mein Bruder noch seine Gefährten wussten davon. Mein Bruder ging also zu seiner Herberge und setzte sich, um seine Gefährten zu erwarten, und der Hausbesitzer folgte ihm, ohne bemerkt zu werden. Als die anderen Blinden ankamen, sagte mein Bruder zu ihnen: „Riegelt die Tür ab und durchsucht das Haus, falls uns ein Fremder gefolgt ist.“ Der Mann, der dies hörte, griff nach einem Seil, das von der Decke hing, und klammerte sich daran, während sie im Haus herumliefen und suchten, aber niemanden fanden. Sie kamen also zurück, setzten sich zu meinem Bruder und holten ihr Geld hervor, das sie zählten, und siehe! es waren zwölftausend Dirham. Jeder nahm, was er brauchte, und sie vergruben den Rest in einer Ecke des Zimmers. Dann stellten sie das Essen auf und setzten sich zum Essen. Bald darauf sagte mein Bruder, der ein fremdes Paar Kiefer neben sich kauen hörte, zu seinen Freunden: „Es ist ein Fremder unter uns“; und er streckte die Hand aus und ergriff die des Hausherrn. Daraufhin fielen alle über ihn her und schlugen ihn; und als sie müde waren, ihn zu verprügeln, schrien sie: „O ihr Muslime! Ein Dieb ist zu uns hereingekommen, der versucht, unser Geld zu nehmen!“ Eine Menge versammelte sich um sie, woraufhin sich der Eindringling an sie hängte; und er klagte mit ihnen, wie sie klagten; und indem er seine Augen wie sie schloss, damit niemand an seiner Blindheit zweifeln könne, rief er: „O Muslime, ich nehme meine Zuflucht bei Allah und dem Gouverneur, denn ich habe eine Angelegenheit, die ich ihm mitteilen muss!“ Plötzlich kam die Wache und ergriff sie alle (mein Bruder war unter ihnen) und trieb sie zum Gouverneur, der sie vor sich stellte und fragte: „Was gibt es Neues mit euch?“ Der Eindringling sagte: „Schau und finde es selbst heraus, kein Wort wird uns entlockt werden außer durch Folter, also fang damit an, mich zu schlagen, und nach mir schlage diesen Mann, unseren Anführer.“ Und er deutete auf meinen Bruder. Sie warfen den Mann also der Länge nach hin und gaben ihm vierhundert Stockhiebe auf sein Gesäß. Das Schlagen schmerzte ihn, woraufhin er ein Auge öffnete, und als sie ihre Schläge verdoppelten, öffnete er auch das andere Auge. Als der Gouverneur dies sah, sagte er zu ihm: „Was haben wir hier, o Verfluchter?“; worauf dieser antwortete: „Gib mir den Siegelring der Begnadigung! Wir vier haben uns blind gestellt und täuschen die Leute, damit wir in Häuser eindringen, die unverhüllten Gesichter der Frauen betrachten und ihre Verführung planen können. Auf diese Weise haben wir großen Gewinn erzielt, und unser Vorrat beläuft sich auf zwölftausend Dirham. Ich sagte zu meiner Gesellschaft: Gib mir meinen Anteil, dreitausend; aber sie erhoben sich und schlugen mich und nahmen mir mein Geld weg, und ich nehme meine Zuflucht bei Allah und bei dir; besser du hast meinen Anteil als sie. Wenn du also die Wahrheit meiner Worte wissen willst, schlage einen jeden der anderen mehr, als du mich geschlagen hast, und er wird sicher seine Augen öffnen.“ Der Gouverneur befahl, die Befragung mit meinem Bruder zu beginnen, und sie banden ihn an den Pfahl, und der Gouverneur sagte: „O Abschaum der Erde, missbraucht ihr die gnädigen Gaben Allahs und stellt euch, als wärt ihr blind!“ „Allah! Allah!“, rief mein Bruder, „bei Allah, es ist niemand unter uns, der sehen kann.“ Dann schlugen sie ihn, bis er in Ohnmacht fiel, und der Gouverneur rief: „Lasst ihn, bis er wieder zu sich kommt, und schlagt ihn dann wieder.“ Danach ließ er jeden der Gefährten mehr als dreihundert Stockhiebe empfangen, während der falsche Blinde ihnen immer wieder sagte: „Öffnet eure Augen, oder ihr werdet erneut geschlagen.“ Schließlich sagte der Mann zum Gouverneur: „Schicke jemanden mit mir, um dir das Geld zu bringen; denn diese Kerle werden ihre Augen nicht öffnen, damit sie sich vor den Leuten nicht in Schande bringen.“ Der Gouverneur schickte also jemanden, um das Geld zu holen, gab dem Mann seinen vorgeblichen Anteil, dreitausend Dirham; und behielt den Rest für sich und verbannte die drei Blinden aus der Stadt. Aber ich, o Befehlshaber der Gläubigen, ging hinaus, holte meinen Bruder ein und befragte ihn nach seinem Fall; woraufhin er mir von dem erzählte, was ich dir erzählt habe; also brachte ich ihn heimlich in die Stadt zurück und setzte ihm (in strengster Vertraulichkeit) einen Unterhalt für Speis und Trank fest! Der Kalif lachte über meine Geschichte und sagte: „Gib ihm ein Geschenk und lass ihn gehen“; aber ich sagte: „Bei Allah! Ich werde nichts annehmen, bis ich dem Befehlshaber der Gläubigen kundgetan habe, was mit dem Rest meiner Brüder geschah; denn wahrlich, ich bin ein Mann von wenigen Worten und sparsam im Reden.“ Dann lieh der Kalif Gehör der

GESCHICHTE DES BARBIERS VON SEINEM VIERTEN BRUDER.

Was nun meinen vierten Bruder betrifft, o Befehlshaber der Gläubigen, Al-Kuz al-aswáni, oder der Langhals-Gugglet genannt, weil er so übervoll von Worten war, jener, der auf einem Auge blind war: Er wurde Fleischer in Bagdad und verkaufte Fleisch und gemästete Widder; und vornehme und reiche Leute kauften ihr Fleisch bei ihm, sodass er großen Reichtum anhäufte und sich Vieh und Häuser zulegte. Er fuhr lange Zeit so fort, bis eines Tages, als er in seinem Laden saß, ein alter Mann mit langem Bart herankam, etwas Silber hinlegte und sprach: „Gib mir Fleisch dafür.“ Er gab ihm den Gegenwert seines Geldes an Fleisch und der Greis ging seines Weges. Mein Bruder untersuchte das Silber des Scheichs und, da er sah, dass die Dirhams weiß und glänzend waren, legte er sie an einen besonderen Ort. Der Graubart kehrte fünf Monate lang regelmäßig in den Laden zurück, und mein Bruder hörte nicht auf, die gesamte Münze, die er von ihm erhielt, in ihre eigene Schatulle zu legen. Schließlich gedachte er, das Geld herauszunehmen, um Schafe zu kaufen; da öffnete er die Schatulle und fand darin nichts als rund geschnittene Stücke weißen Papiers, die wie Münzen aussahen; da schlug er sich ins Gesicht und schrie laut, bis die Leute sich um ihn versammelten, woraufhin er ihnen seine Geschichte erzählte, was sie über alle Maßen in Staunen versetzte. Dann stand er auf, wie es seine Gewohnheit war, schlachtete einen Widder und hängte ihn in seinem Laden auf; danach schnitt er etwas von dem Fleisch ab, hängte es nach draußen und sagte zu sich selbst: „O Allah, wenn doch nur der unheilvolle alte Kerl käme!“ Und es war noch keine Stunde vergangen, da kam der Scheich mit seinem Silber in der Hand; woraufhin mein Bruder aufstand, ihn ergriff und rief: „Kommt und helft mir, o Muslime, und erfahrt meine Geschichte mit diesem Schurken!“ Als der alte Mann dies hörte, sagte er ruhig zu ihm: „Was wird für dich das Beste sein, mich loszulassen oder von mir inmitten der Leute beschimpft zu werden?“ „Womit willst du mich beschimpfen?“ „Damit, dass du Menschenfleisch als Hammelfleisch verkaufst!“ „Du lügst, du Verfluchter!“ „Nein, er ist der Verfluchte, der einen Menschen als Fleisch in seinem Laden hängen hat.“ „Wenn die Sache so ist, wie du sagst, so gebe ich dir rechtmäßige Erlaubnis, mein Geld und mein Leben zu nehmen.“ Dann schrie der alte Mann laut auf: „He, ihr Leute! Wenn ihr die Wahrheit meiner Worte prüfen wollt, so betretet den Laden dieses Mannes.“ Die Leute stürmten hinein und fanden, dass der Widder ein toter Mann geworden war, der zum Verkauf aufgehängt war. Da fielen sie über meinen Bruder her und schrien: „O Ungläubiger! O Schurke!“; und seine besten Freunde fingen an, ihn zu schlagen und zu treten, und sagten immer wieder: „Lassest du uns Fleisch von den Söhnen Adams essen?“ Überdies schlug ihn der alte Mann auf das Auge und stach es aus. Dann trugen sie den Kadaver, dem die Kehle durchgeschnitten war, vor den Chef der Stadtwache, zu dem der alte Mann sagte: „O Emir, dieser Kerl schlachtet Menschen und verkauft ihr Fleisch als Hammelfleisch, und wir haben ihn dir gebracht; so erhebe dich und vollstrecke das Urteil Allahs (dem Ehre und Herrlichkeit gebühre!)“ Mein Bruder wollte sich verteidigen, doch der Chef weigerte sich, ihn anzuhören, und verurteilte ihn zu fünfhundert Stockhieben und zum Verlust seines gesamten Vermögens. Und wäre es nicht für ebendieses Vermögen gewesen, das er für Bestechungsgelder ausgab, hätten sie ihn sicherlich getötet. Dann verbannte ihn der Chef aus Bagdad; und mein Bruder zog aufs Geratewohl fort, bis er in eine große Stadt kam, wo er es für das Beste hielt, sich als Schuster niederzulassen; so eröffnete er einen Laden und saß dort, um mit dem, was er konnte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eines Tages, als er seinen Geschäften nachging, hörte er das ferne Getrampel von Pferden und fragte nach der Ursache, worauf ihm gesagt wurde, der König gehe auf die Jagd und zum Hetzen; so blieb mein Bruder stehen, um das feine Gefolge zu betrachten. Es fügte sich, dass der Blick des Königs den meines Bruders traf; woraufhin der König den Kopf hängen ließ und sprach: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Übel dieses Tages!“; und er wandte die Zügel seines Rosses und kehrte mit seinem gesamten Gefolge heim. Dann gab er seinen Wachen Befehl, die meinen Bruder ergriffen und ihn mit einer so schmerzhaften Tracht Prügel belegten, dass er dem Tode nahe war; und mein Bruder wusste nicht, was die Ursache seiner Misshandlung sein konnte, wonach er in elendstem Zustand an seinen Platz zurückkehrte. Bald darauf ging er zu einem der Hausgenossen des Königs und erzählte, was ihm widerfahren war; und der Mann lachte, bis er auf den Rücken fiel und rief: „O mein Bruder, wisse, dass der König es nicht ertragen kann, einen Einäugigen anzusehen, besonders wenn er auf dem rechten Auge blind ist, in welchem Fall er ihn nicht gehen lässt, ohne ihn zu töten.“ Als mein Bruder dies hörte, beschloss er, aus jener Stadt zu fliehen; so zog er von dort in eine andere, in der ihn niemand kannte, und dort lebte er eine lange Zeit. Eines Tages, voller sorgenvoller Gedanken über das, was ihm widerfahren war, ging er hinaus, um sich zu zerstreuen; und während er so dahinwanderte, hörte er das ferne Getrampel von Pferden hinter sich und sagte: „Das Urteil Allahs ist über mich gekommen!“ und sah sich nach einem Versteck um, fand aber keines. Schließlich sah er eine geschlossene Tür, gegen die er kräftig stieß: sie gab nach und er trat in einen langen Gang, in dem er Zuflucht suchte, doch kaum hatte er dies getan, da fielen zwei Männer über ihn her und schrien: „Allah sei Dank, dass er dich in unsere Hände geliefert hat, o Feind Gottes! Diese drei Nächte hast du uns um unsere Ruhe und unseren Schlaf gebracht, und wahrlich, du hast uns den Todesbecher kosten lassen.“ Mein Bruder fragte: „O Leute, was fehlt euch?“; und sie antworteten: „Du gibst uns das Wechselgeld und läufst herum, um uns zu beschimpfen, und planst irgendein Komplott, um dem Hausherrn die Kehle durchzuschneiden! Ist es nicht genug, dass du ihn an den Bettelstab gebracht hast, du und deine Gefährten? Aber nun gib uns das Messer heraus, mit dem du uns jede Nacht bedrohst!“ Dann durchsuchten sie ihn und fanden in seinem Leibgurt das Messer, das er für sein Schuhleder benutzte; und er sagte: „O Leute, habt die Furcht Allahs vor Augen und misshandelt mich nicht, denn wisst, dass meine Geschichte eine gar seltsame ist!“ „Und was ist deine Geschichte?“, sagten sie; so erzählte er ihnen, was ihm widerfahren war, in der Hoffnung, sie würden ihn gehen lassen; jedoch schenkten sie seinen Worten keine Beachtung, und anstatt irgendeine Rücksicht zu zeigen, verprügelten sie ihn schwer und zerrissen seine Kleider: als sie dann an seinen Seiten die Narben von Schlägen mit Ruten fanden, sagten sie: „O Verfluchter! Diese Male sind die deutlichen Zeichen deiner Schuld!“ Sie brachten ihn vor den Statthalter, während er zu sich selbst sagte: „Ich werde nun für meine Sünden bestraft, und niemand kann mich erretten außer Allah dem Allmächtigen!“ Der Statthalter wandte sich an meinen Bruder und fragte ihn: „O Schurke, was hat dich dazu gebracht, in ihr Haus einzudringen mit der Absicht zu morden?“; und mein Bruder antwortete: „Ich beschwöre dich bei Allah, o Emir, höre meine Worte und sei nicht voreilig, mich zu verurteilen!“ Doch der Statthalter rief: „Sollen wir auf die Worte eines Räubers hören, der diese Leute an den Bettelstab gebracht hat und der die Narbe seiner Streiche auf dem Rücken trägt?“, und fügte hinzu: „Sie hätten dir dies sicherlich nicht angetan, außer wegen eines großen Verbrechens.“ So verurteilte er ihn zu hundert Hieben mit der Geißel, woraufhin sie ihn auf ein Kamel setzten und ihn durch die Stadt führten, während sie ausriefen: „Dies ist die Vergeltung, und nur allzu gering, um den zu vergelten, der in die Häuser der Leute einbricht.“ Dann stießen sie ihn aus der Stadt, und mein Bruder wanderte ziellos umher, bis ich hörte, was ihm widerfahren war; und als ich mich auf die Suche nach ihm machte, befragte ich ihn nach seinem Fall; so machte er mich mit seiner Geschichte und all seinem Unglück bekannt, und ich brachte ihn heimlich in die Stadt, wo ich ihm einen Unterhalt für Speis und Trank festsetzte. Dann lieh der Kalif Gehör der

GESCHICHTE DES BARBIERS VON SEINEM FÜNFTEN BRUDER.

Mein fünfter Bruder Al-Nashshár, der Schwätzer, derselbe, dem beide Ohren abgeschnitten wurden, o Befehlshaber der Gläubigen, war ein Bettler, der bei Nacht von den Leuten zu erbetteln pflegte und bei Tag von ihren Almosen lebte. Als nun unser Vater, der ein hochbetagter Mann war, erkrankte und starb, hinterließ er uns siebenhundert Dirhams, wovon jeder Sohn seine hundert nahm; doch als mein fünfter Bruder seinen Anteil erhielt, war er ratlos und wusste nicht, was er damit anfangen sollte. In dieser Ungewissheit kam ihm der Gedanke, es für Glaswaren aller Art auszugeben und einen ehrlichen Pfennig am Preis zu verdienen. So kaufte er für hundert Dirhams Glaswaren und setzte sich, nachdem er sie in ein großes Tablett gelegt hatte, auf eine Bank am Fuße einer Mauer, an die er sich lehnte, um sie zu verkaufen. Während er so mit dem Tablett vor sich saß, begann er zu sinnieren und sprach zu sich selbst: „Wisse, o mein gutes Ich, dass das Haupt meines Vermögens, mein in diese Glaswaren investiertes Kapital, hundert Dirhams ist. Ich werde sie sicherlich für zweihundert verkaufen, wofür ich alsbald anderes Glas kaufen und damit vierhundert einnehmen werde; und ich werde nicht aufhören, auf diese Weise zu kaufen und zu verkaufen, bis ich viertausend erlangt habe und mich alsbald als Besitzer von viel Geld wiederfinde. Mit diesen Münzen werde ich Waren und Juwelen und Öle kaufen und großen Gewinn daraus schlagen; bis ich, so Allah will, mein Kapital auf hunderttausend Dirhams bringen werde. Dann werde ich ein feines Haus kaufen mit weißen Sklaven und Eunuchen und Pferden; und ich werde essen und trinken und mich vergnügen; und ich werde keinen Sänger oder keine Sängerin in der Stadt lassen, ohne sie in meinen Palast zu rufen und sie vor mir auftreten zu lassen.“ All dies zählte er in seinem Geiste auf, während das Tablett mit den Glaswaren im Wert von hundert Dirhams auf der Bank vor ihm stand, und nachdem er es betrachtet hatte, fuhr er fort: „Und wenn, Inschallah!, mein Kapital hunderttausend Dinare geworden sein wird, werde ich Heiratsvermittlerinnen ausschicken, um für mich die Töchter von Königen und Wesiren um die Hand anzuhalten; und ich werde die älteste Tochter des Premierministers zur Frau verlangen; denn es ist mir zu Ohren gekommen, dass sie vollkommen an Schönheit und erstklassig an Lieblichkeit und selten an Fertigkeiten ist. Ich werde eine Heiratsgabe von tausend Dinaren geben; und wenn ihr Vater zustimmt, gut: aber wenn nicht, werde ich sie mit Gewalt direkt unter seiner Nase wegnehmen. Wenn sie sicher in meinem Haus untergebracht ist, werde ich zehn kleine Eunuchen kaufen und für mich ein Gewand von den Gewändern der Könige und Sultane; und ich werde mir einen Sattel aus Gold und ein Zaumzeug, dicht besetzt mit Edelsteinen von Wert, zulegen. Dann werde ich mich in den Sattel schwingen, während die Mamelucken mir vorangehen und mich umgeben, und ich werde die Runde durch die Stadt machen, während die Leute mich grüßen und segnen; woraufhin ich mich zum Wesir begeben werde (der der Vater des Mädchens ist), mit bewaffneten weißen Sklaven vor und hinter mir und zu meiner Rechten und zu meiner Linken. Wenn er mich sieht, wird der Wesir aufstehen und mich auf seinen eigenen Platz setzen und weit unter mir Platz nehmen; denn ich werde sein Schwiegersohn sein. Nun habe ich zwei Eunuchen bei mir, die Beutel tragen, von denen jeder tausend Dinare enthält; und davon übergebe ich ihm die tausend, die Heiratsgabe seiner Tochter, und mache ihm ein freies Geschenk der anderen tausend, damit er Grund hat, meine Großzügigkeit und Freigebigkeit und meine Größe des Geistes und die Kleinheit der Welt in meinen Augen zu erkennen. Und auf zehn Worte, die er an mich richtet, antworte ich ihm zwei. Dann gehe ich zurück in mein Haus, und wenn jemand vonseiten der Braut zu mir kommt, mache ich ihm ein Geldgeschenk und werfe ihm ein Ehrenkleid um; wenn er mir aber ein Geschenk bringt, gebe ich es ihm zurück und weigere mich, es anzunehmen, damit sie lernen, was für ein stolzer Geist meiner ist, der sich niemals herablässt, kleinlich zu sein. So begründe ich meinen Rang und Status. Wenn dies getan ist, bestimme ich ihre Hochzeitsnacht und schmücke mein Haus prunkvoll! herrlich! Und wenn die Zeit für die Parade der Braut gekommen ist, lege ich meine feinste Kleidung an und setze mich auf eine Matratze aus Goldbrokat, stütze meinen Ellbogen auf ein Kissen und wende mich weder nach rechts noch nach links; sondern blicke nur starr geradeaus wegen des Hochmuts meines Geistes und der Schwere meines Verstandes. Und dort vor mir steht meine Frau in ihrem Schmuck und ihren Ornamenten, lieblich wie der Vollmond; und ich, in meiner Erhabenheit und furchteinflößenden Herrlichkeit, werde sie nicht eines Blickes würdigen, bis die Anwesenden zu mir sagen: „O unser Herr und unser Meister, deine Frau, deine Magd, steht vor dir; gewähre ihr einen Blick, denn das Stehen ermüdet sie.“ Dann küssen sie den Boden vor mir viele Male; woraufhin ich meine Augen erhebe und ihr einen einzigen Blick zuwerfe und mein Gesicht wieder der Erde zuwende. Dann tragen sie sie in das Brautgemach, und ich stehe auf und wechsle meine Kleidung gegen eine bei weitem feinere Ausstattung; und wenn sie die Braut ein zweites Mal hereinbringen, würdige ich sie keines Blickes, bis sie mich viele Male angefleht haben; woraufhin ich sie aus dem Augenwinkel betrachte und dann mein Haupt beuge. Ich fahre fort, auf diese Weise zu handeln, bis das Vorführen und Zurschaustellen vollendet ist“ – Und Schahrasad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Sie sagte: Es ist zu mir gelangt, o verheißungsvoller König, dass der fünfte Bruder des Barbiers fortfuhr: – Dann beuge ich mein Haupt und fahre fort, auf diese Weise zu handeln, bis ihr Vorführen und Zurschaustellen vollendet ist. Daraufhin befehle ich einem meiner Eunuchen, mir einen Beutel mit fünfhundert Dinar zu bringen, die ich als Freigebigkeit an die anwesenden Zofen verteile, und heiße sie alle miteinander, mich in das Brautgemach zu führen. Wenn sie mich mit ihr allein lassen, schaue ich sie weder an, noch spreche ich zu ihr, sondern lege mich an ihre Seite mit dem Gesicht zur Wand, um meine Verachtung zu zeigen, damit ein jeder abermals bemerken möge, wie hochmütig und stolz ich bin. Alsbald kommt ihre Mutter zu mir; sie küsst mir Haupt und Hand und sagt zu mir: „O mein Herr, blicke auf deine Magd, die sich nach deiner Gunst sehnt; so heile ihren gebrochenen Geist!“ Ich gebe ihr keine Antwort; und wenn sie dies sieht, erhebt sie sich, küsst mir viele Male die Füße und sagt: „O mein Herr, fürwahr, meine Tochter ist ein schönes Mädchen, das noch nie einen Mann gekannt hat; und wenn du ihr diese Zurückhaltung und Abneigung zeigst, wird ihr Herz brechen; so neige dich ihr zu, sprich zu ihr und beruhige ihren Sinn und Geist.“ Dann erhebt sie sich, holt einen Becher Wein und sagt zu ihrer Tochter: „Nimm ihn und reiche ihn deinem Herrn.“ Doch während sie sich mir nähert, lasse ich sie zwischen meinen Händen stehen und setze mich, den Ellbogen auf ein rundes, mit Goldfäden verziertes Kissen gestützt, lehne mich träge zurück und schaue sie in der Majestät meines Geistes nicht an, damit sie mich für einen Sultan und einen mächtigen Mann halten möge. Dann sagt sie zu mir: „O mein Herr, bei Allah, weigere dich nicht, den Becher aus der Hand deiner Magd anzunehmen, denn fürwahr, ich bin deine Sklavin.“ Aber ich spreche nicht zu ihr, und sie drängt mich, indem sie sagt: „Es gibt kein Entrinnen, du musst ihn trinken;“ und sie führt ihn an meine Lippen. Dann schüttle ich meine Faust in ihr Gesicht und trete sie mit meinem Fuß so. Da stieß er mit dem Zeh aus und stieß das Tablett mit den Glaswaren um, das zu Boden fiel und, vom Podest herabstürzend, in tausend Stücke zerbrach. „O abscheulichste aller Kupplerinnen, dies geschieht durch den Stolz meines Geistes!“ rief mein Bruder; und dann, o Befehlshaber der Gläubigen, schlug er sich ins Gesicht, zerriss seine Kleider und hörte nicht auf zu weinen und sich selbst zu schlagen. Die Leute, die zu ihrem Freitagsgebet strömten, sahen ihn; und manche von ihnen blickten auf ihn und bemitleideten ihn, während andere ihn nicht beachteten, und auf diese Weise verlor mein Bruder sowohl Kapital als auch Gewinn. Er blieb lange Zeit weinend sitzen, und schließlich kam eine schöne Dame daher, von der der Duft von Moschus ausging, die auf einem Maultier mit goldenem Sattel zum Freitagsgebet ritt und von mehreren Eunuchen gefolgt wurde. Als sie das zerbrochene Glas und meinen Bruder weinen sah, wurde ihr gütiges Herz von Mitleid für ihn bewegt, und sie fragte, was ihm fehle, und ihr wurde gesagt, dass er ein Tablett voll Glaswaren habe, durch deren Verkauf er seinen Lebensunterhalt zu bestreiten hoffe, dass es aber zerbrochen sei, und (sagten sie), „ihm widerfuhr, was du siehst.“ Daraufhin rief sie einen ihrer Eunuchen zu sich und sagte zu ihm: „Gib diesem armen Kerl, was du bei dir hast!“ Und er gab meinem Bruder einen Beutel, in dem er fünfhundert Dinar fand; und als sie seine Hand berührten, war er vor lauter Freude fast dem Tode nahe und sprach Segenswünsche für sie aus. Dann kehrte er als wohlhabender Mann in seine Behausung zurück; und als er dasaß und nachdachte, klopfte jemand an die Tür. Er stand auf, öffnete und sah eine alte Frau, die er noch nie zuvor gesehen hatte. „O mein Sohn,“ sagte sie, „wisse, dass die Gebetszeit nahe ist und ich noch nicht meine Wudu-Waschung vollzogen habe; sei so freundlich und gestatte mir die Benutzung deiner Unterkunft zu diesem Zweck.“ Mein Bruder antwortete: „Hören heißt gehorchen;“ und ging hinein und hieß sie, ihm zu folgen. Sie trat ein, er brachte ihr einen Krug, damit sie sich wasche, und setzte sich hin, vor Freude fast fliegend wegen der Dinar, die er als Beutel an seinen Gürtel gebunden hatte. Als die alte Frau ihre Waschung beendet hatte, kam sie dorthin, wo er saß, und verrichtete ein Gebet mit zwei Verbeugungen; danach segnete sie meinen Bruder mit einem gottesfürchtigen Segen, und während er ihr dankte, griff er nach den Dinar und gab ihr zwei, wobei er bei sich dachte: „Dies sind meine freiwilligen Gaben.“ Als sie das Gold sah, rief sie: „Gepriesen sei Allah! Warum schaust du jemanden, der dich liebt, an, als wäre sie eine Bettlerin? Nimm dein Geld zurück: Ich brauche es nicht; oder, wenn du es nicht willst, gib es derjenigen zurück, die es dir gab, als deine Glaswaren zerbrachen. Überdies, wenn du mit ihr vereint werden möchtest, kann ich die Angelegenheit regeln, denn sie ist meine Herrin.“ „O meine Mutter,“ fragte mein Bruder, „auf welche Weise kann ich zu ihr gelangen?“; und sie antwortete: „O mein Sohn! Sie ist dir zugetan, aber sie ist die Frau eines wohlhabenden Mannes; so nimm all dein Geld mit dir und folge mir, damit ich dich zu deinem Begehren führe: Und wenn du in ihrer Gesellschaft bist, spare nicht mit Überredungskunst oder schönen Worten, sondern bringe sie alle bei ihr zur Geltung; so wirst du dich an ihrer Schönheit und ihrem Reichtum nach Herzenslust erfreuen können.“ Mein Bruder nahm all sein Gold, stand auf und folgte der alten Frau, kaum an sein Glück glaubend. Sie hörte nicht auf zu gehen, und mein Bruder folgte ihr, bis sie zu einem hohen Tor kamen, an das sie klopfte, woraufhin eine Roumi-Sklavin herauskam und ihnen öffnete. Dann führte die alte Frau meinen Bruder in ein großes Wohnzimmer, das mit wunderbar feinen Teppichen ausgelegt und mit Vorhängen behangen war, wo er sich mit seinem Gold vor sich und seinem Turban auf dem Knie niederließ. Er hatte kaum Platz genommen, als ein junges Mädchen zu ihm kam (nie sah ein Auge ein schöneres), gekleidet in die prächtigsten Gewänder; woraufhin mein Bruder aufstand, sie lächelte ihn an, hieß ihn willkommen und winkte ihm, Platz zu nehmen. Dann befahl sie, die Tür zu schließen, und als sie geschlossen war, wandte sie sich an meinen Bruder, nahm seine Hand und führte ihn in ein privates Gemach, das mit verschiedenen Arten von Brokat und Goldstoffen ausgestattet war. Hier setzte er sich, und sie setzte sich an seine Seite und neckte ihn eine Weile; danach stand sie auf und sagte: „Rühre dich nicht von deinem Platz, bis ich zu dir zurückkehre;“ und verschwand. Während er so dasaß, siehe, da kam ein schwarzer Sklave von großer Statur und Masse herein, ein gezogenes Schwert in der Hand, der zu ihm sagte: „Wehe dir! Wer brachte dich hierher und was willst du hier?“ Mein Bruder konnte ihm keine Antwort geben, da er vor Schrecken sprachlos war; so ergriff ihn der Schwarze, entkleidete ihn seiner Kleider und schlug ihn mit der flachen Seite seiner Schwertklinge, bis er vor lauter Schlägen ohnmächtig zu Boden fiel. Der unheilvolle Nigger glaubte, es sei mit ihm zu Ende, und mein Bruder hörte ihn rufen: „Wo ist die Salz-Dirne?“ Daraufhin trat eine Magd ein, die ein großes Tablett mit Salz in der Hand hielt, und der Sklave rieb es unaufhörlich in die Wunden meines Bruders; aber er rührte sich nicht, fürchtend, der Sklave könne herausfinden, dass er nicht tot sei, und ihn vollends töten. Dann ging das Salzmädchen weg, und der Sklave rief: „Wo ist die Wächterin des Untergrundes?“ Hierauf trat die alte Frau ein, zerrte meinen Bruder an den Füßen in einen Untergrund und warf ihn auf einen Haufen toter Körper. An diesem Ort lag er zwei volle Tage, aber Allah machte das Salz zum Mittel, sein Leben zu bewahren, indem es das Blut stillte und dessen Fluss aufhielt. Als Al-Nashshár sich schließlich imstande fühlte, sich zu bewegen, stand er auf, öffnete voller Angst und Zittern die Falltür und kroch ins Freie; und Allah beschützte ihn, sodass er in der Dunkelheit weiterging und sich bis zum Morgengrauen im Vorraum versteckte, als er die verfluchte Hexe auf der Suche nach einer neuen Beute hinausgehen sah. Er folgte in ihrem Gefolge, ohne dass sie es wusste, und machte sich auf den Weg zu seiner eigenen Unterkunft, wo er seine Wunden versorgte und sich selbst heilte, bis er wieder gesund war. Währenddessen beobachtete er die alte Frau, verfolgte sie zu allen Zeiten und Gelegenheiten und sah, wie sie einen Mann nach dem anderen ansprach und sie in das Haus brachte. Er jedoch brachte kein Wort hervor; doch sobald er wieder bei Kräften war, nahm er ein Stück Stoff, machte daraus einen Beutel, den er mit zerbrochenem Glas füllte und um seine Mitte band. Er verkleidete sich auch als Perser, damit ihn niemand erkenne, und verbarg ein Schwert unter seiner fremdartig geschnittenen Kleidung. Dann ging er hinaus und, als er alsbald auf die alte Frau traf, sagte er zu ihr, während er Arabisch mit persischem Akzent sprach: „Verehrungswürdige Dame, ich bin ein Fremder, der erst heute hier angekommen ist, wo ich niemanden kenne. Hast du eine Waage, auf der ich elfhundert Dinar wiegen kann? Ich werde dir für deine Mühen etwas davon geben.“ „Ich habe einen Sohn, einen Geldwechsler, der alle Arten von Waagen hat,“ antwortete sie, „so komm mit mir zu ihm, bevor er weggeht, und er wird dein Gold wiegen.“ Mein Bruder antwortete: „Gehe voran!“ Sie führte ihn zu dem Haus, und das junge Mädchen selbst kam heraus und öffnete es, woraufhin die alte Frau sie anlächelte und sagte: „Ich bringe dir heute fettes Fleisch.“ Dann nahm das Mädchen meinen Bruder bei der Hand und führte ihn in dasselbe Gemach wie zuvor; wo sie eine Weile mit ihm saß, dann aufstand und hinausging, wobei sie sagte: „Rühre dich nicht von deinem Platz, bis ich zu dir zurückkehre.“ Alsbald kam der verfluchte Sklave mit dem gezogenen Schwert herein und rief meinem Bruder zu: „Auf, und verdammt seist du!“ So stand er auf, und während der Sklave vor ihm herging, zog er das Schwert unter seiner Kleidung hervor und schlug ihn damit, sodass der Kopf vom Körper flog. Dann zerrte er die Leiche an den Füßen zum Untergrund und rief: „Wo ist die Salz-Dirne?“ Das Mädchen kam herauf, das Tablett mit Salz tragend, und als sie meinen Bruder mit dem Schwert in der Hand sah, wandte sie sich zur Flucht; aber er folgte ihr und schlug ihr den Kopf ab. Dann rief er: „Wo ist die Wächterin des Untergrundes?“; und die alte Frau trat ein, zu der er sagte: „Erkennst du mich wieder, o unheilvolle Hexe?“ „Nein, mein Herr,“ antwortete sie, und er sagte: „Ich bin der Besitzer der fünfhundert Goldstücke, dessen Haus du betreten hast, um die Waschung zu vollziehen und zu beten, und den du hierher gelockt und verraten hast.“ „Fürchte Allah und verschone mich,“ schrie sie; aber er beachtete sie nicht und schlug mit dem Schwert auf sie ein, bis er sie in vier Teile geschnitten hatte. Dann ging er, um nach dem jungen Mädchen zu suchen; und als sie ihn sah, entwich ihr der Verstand und sie rief kläglich: „Amán! Gnade!“ So verschonte er sie und fragte: „Was hat dich dazu gebracht, dich mit diesem Schwarzen einzulassen?“; und sie antwortete: „Ich war Sklavin eines gewissen Kaufmanns, und die alte Frau besuchte mich oft, bis ich Gefallen an ihr fand. Eines Tages sagte sie zu mir: – Wir haben ein Hochzeitsfest bei uns im Haus, das seinesgleichen sucht, und ich möchte, dass du dich an diesem Anblick erfreust. Hören heißt gehorchen, antwortete ich, und erhob mich, kleidete mich in meine feinsten Gewänder und Schmuckstücke und nahm einen Beutel mit hundert Goldstücken mit. Dann brachte sie mich hierher, und kaum hatte ich das Haus betreten, als der Schwarze mich ergriff, und ich bin durch die Treulosigkeit der verfluchten Hexe drei ganze Jahre in dieser Lage geblieben.“ Dann fragte mein Bruder sie: „Ist etwas von seinem Eigentum im Haus?“; worauf sie antwortete: „Große Reichtümer, und wenn du imstande bist, sie fortzutragen, so tue es, und Allah möge dir Segen dabei geben!“ Mein Bruder ging mit ihr, und sie öffnete ihm verschiedene Truhen, in denen sich Geldbeutel befanden, worüber er erstaunt war; dann sagte sie zu ihm: „Gehe nun und lasse mich hier und hole Männer, um das Geld fortzuschaffen.“ Er ging hinaus und miuerte zehn Männer an, doch als er zurückkehrte, fand er die Tür weit offen, das Mädchen verschwunden und nichts übrig als eine kleine Summe Münzen und die Haushaltsgegenstände. Daran erkannte er, dass das Mädchen ihn übervorteilt hatte; so öffnete er die Lagerräume und beschlagnahmte, was darin war, zusammen mit dem restlichen Geld, und ließ nichts im Haus zurück. Er verbrachte die Nacht in Freude, doch als der Morgen graute, fand er vor der Tür etwa zwanzig Soldaten, die Hand an ihn legten und sagten: „Der Gouverneur verlangt nach dir!“ Mein Bruder flehte sie inständig an, ihn in sein Haus zurückkehren zu lassen, und bot ihnen sogar eine große Summe Geld an; aber sie weigerten sich, banden ihn fest mit Stricken und führten ihn fort. Auf dem Weg trafen sie einen Freund meines Bruders, der sich an seinen Rock klammerte und ihn um seinen Schutz anflehte, ihn bittend, ihm beizustehen und ihm zu helfen, ihn aus ihren Händen zu befreien. Der Mann blieb stehen und fragte sie, was los sei, und sie antworteten: „Der Gouverneur hat uns befohlen, diesen Kerl vor ihn zu bringen, und siehe da, das tun wir.“ Der Freund meines Bruders drängte sie, ihn freizulassen, und bot ihnen fünfhundert Dinar an, wenn sie ihn gehen ließen, indem er sagte: „Wenn ihr zum Gouverneur zurückkehrt, sagt ihm, dass ihr ihn nicht finden konntet.“ Aber sie wollten nicht auf seine Worte hören und nahmen meinen Bruder mit, schleiften ihn auf dem Gesicht hinter sich her und stellten ihn vor den Gouverneur, der ihn fragte: „Woher hast du diese Sachen und Gelder?“; und er antwortete: „Ich erbitte Gnade!“ So gab ihm der Gouverneur das Tuch der Gnade; und er erzählte ihm alles, was ihm von Anfang bis Ende mit der alten Frau und der Flucht des Mädchens widerfahren war; und endete mit: „Was immer ich genommen habe, nimm davon, was du willst, solange du mir genug lässt, um mein Leben zu erhalten.“ Doch der Gouverneur nahm die gesamten Sachen und das ganze Geld für sich; und aus Furcht, die Angelegenheit könne dem Sultan zu Ohren kommen, rief er meinen Bruder zu sich und sagte: „Verlasse diese Stadt, sonst werde ich dich hängen.“ „Hören und Gehorsam,“ sprach mein Bruder und machte sich auf den Weg in eine andere Stadt. Unterwegs fielen Räuber über ihn her, entkleideten und schlugen ihn und schnitten ihm die Ohren ab; doch ich hörte Kunde von seinem Unglück und ging ihm entgegen, brachte ihm Kleider und brachte ihn heimlich in die Stadt, wo ich ihm eine Zuwendung für Speis und Trank zuwies. Und alsbald schenkte der Kalif Gehör,

Mein sechster Bruder, o Befehlshaber der Gläubigen, Shakashik, oder der Viel-Lärmende, dem beide Lippen abgeschnitten wurden, war einst reich und wurde arm; so ging er eines Tages aus, um ein wenig zu erbetteln, das sein Leben fristen möge. Als er unterwegs war, erblickte er plötzlich ein großes und stattliches Herrenhaus mit einem freistehenden Gebäude, weit und hoch am Eingang, wo verschiedene Eunuchen saßen, die geboten und verboten. Mein Bruder erkundigte sich bei einem der dort Herumlungernden, und dieser antwortete: „Der Palast gehört einem Spross des Hauses Barmaki.“ So trat er an die Torwächter heran und bat sie um ein Almosen. „Tritt ein“, sagten sie, „durch das große Tor, und du wirst von dem Wesir, unserem Herrn, erhalten, was du begehrst.“ Dementsprechend trat er ein und, nachdem er durch den äußeren Eingang gegangen war, schritt er eine Weile weiter und gelangte alsbald zu einem Herrenhaus von äußerster Schönheit und Eleganz, gepflastert mit Marmor, behängt mit Vorhängen und inmitten eines Blumengartens, dessengleichen er noch nie gesehen hatte. Mein Bruder stand eine Weile wie benommen da, nicht wissend, wohin er seine Schritte lenken sollte; dann, als er sah, dass das hintere Ende des Wohnzimmers bewohnt war, ging er darauf zu und fand dort einen Mann von stattlicher Erscheinung und wohlgeformtem Bart. Als diese Persönlichkeit meinen Bruder erblickte, stand er für ihn auf, hieß ihn willkommen und fragte ihn nach seinem Anliegen; worauf er antwortete, dass er in Not sei und Wohltätigkeit benötige. Als der Vornehme diese Worte hörte, zeigte er große Besorgnis, legte die Hand an sein feines Gewand, zerriss es und rief: „Was! Bin ich in einer Stadt, und du bist hier vom Hunger geplagt? Ich habe nicht die Geduld, eine solche Schande zu ertragen!“ Dann versprach er ihm alle Arten von guter Bewirtung und sagte: „Es gibt kein Entrinnen, du musst bei mir bleiben und von meinem Salz essen.“ „O mein Herr“, antwortete mein Bruder, „ich kann nicht länger warten; denn ich sterbe wahrlich vor Hunger.“ Da rief er: „He, Bursche! Bring Becken und Kanne!“ und, sich an meinen Bruder wendend, sagte er: „O mein Gast, tritt vor und wasche dir die Hände.“ Mein Bruder erhob sich, um dies zu tun, doch er sah weder Kanne noch Becken; dennoch wusch sein Gastgeber seine Hände weiter mit unsichtbarer Seife in nicht wahrnehmbarem Wasser und rief: „Bring den Tisch!“ Aber mein Bruder sah wieder nichts. Dann sagte der Gastgeber: „Ehre mich, indem du von dieser Speise isst, und sei nicht beschämt.“ Und er bewegte seine Hand immer wieder hin und her, als ob er äße, und sagte zu meinem Bruder: „Ich wundere mich, dich so spärlich essen zu sehen: Kasteie dich nicht, denn ich bin sicher, du bist ausgehungert.“ So begann mein Bruder zu tun, als ob er äße, während sein Gastgeber immer wieder zu ihm sagte: „Greif zu und achte besonders auf die Vorzüglichkeit dieses Brotes und seine Weiße!“ Aber mein Bruder sah immer noch nichts. Da sagte er zu sich selbst: „Dieser Mann liebt es, sich über Leute lustig zu machen“, und antwortete: „O mein Herr, in all meinen Tagen kannte ich nichts Gewinnenderes als seine Weiße oder Süßeres als seinen Geschmack.“ Der Barmekide sagte: „Dieses Brot wurde von einer Magd von mir gebacken, die ich für fünfhundert Dinar kaufte.“ Dann rief er: „He, Bursche, bring den Fleischpudding als unser erstes Gericht, und lass reichlich Fett daran sein!“ und, sich an meinen Bruder wendend, sagte er: „O mein Gast, bei Allah, hast du jemals etwas Besseres gesehen als diesen Fleischpudding? Nun, bei meinem Leben, iss und sei nicht verlegen.“ Bald rief er wieder: „He, Bursche, serviere den marinierten Eintopf mit dem gemästeten Sandflughuhn darin!“, und er sagte zu meinem Bruder: „Steh auf und iss, o mein Gast, denn wahrlich, du bist hungrig und brauchst Nahrung.“ So begann mein Bruder seine Kiefer zu bewegen und machte, als ob er kaute und schmauste, während der Gastgeber nach einem Gericht nach dem anderen rief und doch nichts hervorbrachte außer Befehlen zu essen. Bald rief er: „He, Bursche, bring uns die mit Pistazien gefüllten Hühner!“ und sagte zu meinem Bruder: „Bei deinem Leben, o mein Gast, ich habe diese Hühner mit Pistazien gemästet; iss, denn du hast noch nie ihresgleichen gegessen.“ „O mein Herr“, antwortete mein Bruder, „sie sind in der Tat erstklassig.“ Dann begann der Gastgeber mit der Hand zu gestikulieren, als ob er meinem Bruder einen Bissen gäbe; und hörte nicht auf, die verschiedenen Gerichte für den hungrigen Mann aufzuzählen und zu preisen, dessen Hunger noch heftiger wurde, sodass seine Seele nach einem Stück Brot dürstete, selbst einem Gerstenkuchen. Der Barmekide fragte: „Hast du jemals etwas Köstlicheres geschmeckt als die Würze dieser Speisen?“, und mein Bruder antwortete: „Niemals, o mein Herr!“ „Iss herzhaft und sei nicht beschämt“, sagte der Gastgeber, und der Gast: „Ich habe mich am Fleisch satt gegessen.“ Da rief der Unterhalter: „Räum ab und bring die Süßigkeiten!“, und, sich an meinen Bruder wendend, sagte er: „Iss von diesem Mandelkonfekt, denn es ist erstklassig, und von diesen Honigkrapfen; nimm diesen hier, bei meinem Leben, der Sirup läuft daraus.“ „Möge ich niemals deiner beraubt werden, o mein Herr“, antwortete der Hungrige und begann ihn nach dem Überfluss an Moschus in den Krapfen zu fragen. „Das ist meine Gewohnheit“, antwortete er: „Sie tun mir ein Dinar-Gewicht Moschus in jeden Honigkrapfen und die Hälfte dieser Menge an Ambra.“ Die ganze Zeit bewegte mein Bruder Kopf und Kiefer, bis der Herr rief: „Genug davon. Bring uns das Dessert!“ Dann sagte er zu ihm: „Iss von diesen Mandeln und Walnüssen und Rosinen; und von diesem und jenem (verschiedene Arten von Trockenfrüchten nennend), und sei nicht beschämt.“ Aber mein Bruder antwortete: „O mein Herr, ich bin wahrlich satt: Ich kann nicht mehr essen.“ „O mein Gast“, wiederholte der Gastgeber, „wenn dir der Sinn nach diesen guten Dingen steht, iss: Allah! Allah! bleib nicht hungrig“; aber mein Bruder erwiderte: „O mein Herr, wer von all diesen Gerichten gegessen hat, wie kann der hungrig sein?“ Dann überlegte er und sagte zu sich selbst: „Ich werde etwas tun, das ihn diese Späße bereuen lässt.“ Bald rief der Unterhalter: „Bring mir den Wein!“, und während er seine Hände in der Luft bewegte, als hätten sie ihn vor sie hingestellt, reichte er meinem Bruder einen Becher und sagte: „Nimm diesen Becher, und wenn er dir gefällt, lass es mich wissen.“ „O mein Herr“, antwortete er, „er ist bemerkenswert gut im Geruch, aber ich bin gewohnt, Wein zu trinken, der etwa zwanzig Jahre alt ist.“ „Klopfe dann an diese Tür“, sagte der Gastgeber, „denn du kannst nichts Besseres trinken.“ „Bei deiner Güte“, sagte mein Bruder und gestikulierte mit der Hand, als ob er tränke. „Gesundheit und Freude dir“, rief der Hausherr und tat so, als fülle er einen Becher und trinke ihn aus; dann reichte er meinem Bruder einen anderen, der ihn hinunterstürzte und tat, als sei er betrunken. Bald überrumpelte er den Gastgeber; und während er seinen Arm hob, bis das Weiße seiner Achselhöhle zum Vorschein kam, versetzte er ihm einen solchen Schlag auf den Nacken, dass der Palast davon widerhallte. Dann ließ er einen zweiten Schlag auf ihn niedergehen, und der Unterhalter rief laut: „Was ist das, o du Abschaum der Erde?“ „O mein Herr“, antwortete mein Bruder, „du hast deinem Sklaven viel Güte erwiesen und ihn in deine Wohnung aufgenommen und ihm von deiner Kost zu essen gegeben; dann hast du ihn von deinem alten Wein trinken lassen, bis er betrunken und ausgelassen wurde; aber du bist zu edel, um seine Unwissenheit nicht zu ertragen und sein Vergehen zu vergeben.“ Als der Barmekide die Worte meines Bruders hörte, lachte er laut auf und sagte: „Lange schon bin ich gewohnt, mich über Menschen lustig zu machen und den Verrückten unter meinen Vertrauten zu spielen, aber niemals bin ich auf einen einzigen gestoßen, der die Geduld und den Witz hatte, auf alle meine Launen einzugehen, außer dir: Also vergebe ich dir, und du sollst von nun an mein wahrer Zechkumpan sein und mich niemals verlassen.“ Dann befahl er den Dienern, den Tisch im Ernst zu decken, und sie setzten alle Gerichte auf, von denen er im Scherz gesprochen hatte; und er und mein Bruder aßen, bis sie gesättigt waren; danach begaben sie sich in das Trinkzimmer, wo sie Jungfrauen fanden, die wie Monde waren, die alle Arten von Liedern sangen und auf allen Arten von Instrumenten spielten. Dort blieben sie trinken, bis der Wein die Oberhand über sie gewann und der Gastgeber meinen Bruder wie einen vertrauten Freund behandelte, sodass er für ihn wie ein Bruder wurde, und verlieh ihm ein Ehrenkleid und liebte ihn mit überströmender Liebe. Am nächsten Morgen begannen beide wieder mit dem Festmahl und Zechen, und sie hörten nicht auf, dieses Leben für die Dauer von zwanzig Jahren zu führen; am Ende dieser Zeit starb der Barmekide, und der Sultan nahm all seinen Reichtum in Besitz und presste meinen Bruder um seine Ersparnisse, bis er ein mittelloser Bettler ohne einen Pfennig in der Hand war. So verließ er die Stadt und floh, seinem Gesicht folgend; doch als er auf halbem Weg zwischen zwei Städten war, fielen die wilden Araber über ihn her, banden ihn und schleppten ihn in ihr Lager, wo sein Entführer begann, ihn zu foltern, indem er sagte: „Kaufe dein Leben von mir mit deinem Geld, sonst werde ich dich erschlagen!“ Mein Bruder begann zu weinen und antwortete: „Bei Allah, ich habe nichts, weder Gold noch Silber; aber ich bin dein Gefangener; also tu mit mir, was du willst.“ Dann zog der Badawi ein Messer, breitklingig und so scharf geschliffen, dass es, wenn es in die Kehle eines Kamels gestoßen würde, sie sauber von einer Drosselader zur anderen durchtrennen würde, und schnitt meinem Bruder die Lippen ab und wurde dringlicher in seiner Forderung nach Geld. Nun hatte dieser Badawi eine schöne Frau, die in der Abwesenheit ihres Mannes meinem Bruder Avancen machte und ihm ihre Gunst anbot, doch er hielt sich von ihr fern. Eines Tages begann sie ihn wie gewöhnlich zu verführen, und er spielte mit ihr und ließ sie auf seinem Schoß sitzen, als siehe da, der Badawi hereinkam, der dies sah und rief: „Wehe dir, o verfluchter Schurke, wolltest du meine Frau für mich verführen?“ Dann nahm er ein Messer heraus und schnitt meinem Bruder das Glied ab, woraufhin er ihn auf den Rücken eines Kamels band und ihn, nachdem er ihn zu einem Berg gebracht hatte, dort zurückließ. Er wurde schließlich von einigen gefunden, die ihn erkannten und ihm Speis und Trank gaben und mich über seinen Zustand informierten; woraufhin ich zu ihm ging und ihn zurück nach Bagdad brachte, wo ich ihm eine Zuwendung gewährte, die ausreichte, um zu leben. Dies also, o Befehlshaber der Gläubigen, ist die Geschichte meiner sechs Brüder, und ich fürchtete, wegzugehen, ohne sie dir alle zu erzählen, und dich in dem Irrtum zu lassen, mich für ihresgleichen zu halten. Und nun weißt du, dass ich sechs Brüder auf meinen Händen habe, und da ich rechtschaffener bin als sie, unterstütze ich die ganze Familie. Als der Kalif meine Geschichte hörte und alles, was ich ihm über meine Brüder erzählte, lachte er und sagte: „Du sagst die Wahrheit, o Schweigsamer! Du bist wahrlich sparsam mit Worten, noch ist irgendetwas von Vordrängeln in dir; aber jetzt geh aus dieser Stadt und lass dich in einer anderen nieder.“ Und er verbannte mich durch Edikt. Ich verließ Bagdad und reiste in fremden Landen, bis ich von seinem Tod und dem Regierungsantritt eines anderen zum Kalifat hörte. Dann kehrte ich nach Bagdad zurück, wo ich alle meine Brüder tot vorfand und diesen jungen Mann traf, dem ich den freundlichsten Dienst erwies, denn ohne mich wäre er sicherlich getötet worden. In der Tat verleumdet er mich und beschuldigt mich eines Fehlers, der nicht in meiner Natur liegt; und was er über Unverschämtheit und Einmischung und Vordrängeln berichtet, ist eitel und falsch; denn wahrlich, seinetwegen verließ ich Bagdad und bereiste so manches Land, bis ich in diese Stadt kam und ihn hier in eurer Gesellschaft traf. Und war dies nicht, o würdige Versammlung, von der Großzügigkeit meiner Natur?

DAS ENDE DER GESCHICHTE DES SCHNEIDERS.

Dann sprach der Schneider zum König von China: – Als wir die Geschichte des Barbiers hörten und die Übermäßigkeit seiner Geschwätzigkeit sahen und die Art und Weise, wie er diesem jungen Mann Unrecht getan hatte, legten wir Hand an ihn und sperrten ihn ein, woraufhin wir uns in Frieden niedersetzten und aßen und tranken und die guten Dinge des Hochzeitsfestes genossen bis zur Zeit des Gebetsrufs am Nachmittag, als ich die Gesellschaft verließ und nach Hause zurückkehrte. Meine Frau empfing mich mit sauren Mienen und sagte: „Du gehst zum Vergnügen unter deine Freunde und lässt mich hier allein trauern. Wenn du mich also nicht ausführst und mir für den Rest des Tages etwas Zerstreuung gönnst, werde ich das Seil durchschneiden, und es wird der Grund für meine Trennung von dir sein.“ Also nahm ich sie mit und wir amüsierten uns bis zur Zeit des Abendessens, als wir nach Hause zurückkehrten und auf diesen Buckligen stießen, der voll von Trank war und diese Reime sang: –

Klar ist der Wein, fein ist der Becher: ✿ Gleich und Gleich gesellt sich gern: Es ist Wein und nicht Becher! ✿ Es ist ein Becher und nicht Wein!

So lud ich ihn ein, mit uns zu speisen, und ging aus, um gebratenen Fisch zu kaufen; woraufhin wir uns zum Essen setzten; und bald nahm meine Frau ein Stück Brot und einen Bissen Fisch und stopfte sie ihm in den Mund, und er erstickte; und obwohl ich ihm lange und hart auf den Rücken zwischen die Schultern schlug, starb er. Dann trug ich ihn fort und brachte es fertig, ihn in das Haus dieses Arztes, des Juden, zu werfen; und der Arzt brachte es fertig, ihn in das Haus des Aufsehers zu werfen; und der Aufseher brachte es fertig, ihn auf den Weg des nazaräischen Maklers zu werfen. Dies ist also mein Abenteuer, das mir erst gestern widerfahren ist. Ist es nicht wunderbarer als die Geschichte des Buckligen? Als der König von China die Geschichte des Schneiders hörte, schüttelte er vor Vergnügen den Kopf; und, große Überraschung zeigend, sagte er: „Das, was sich zwischen dem jungen Mann und dem geschäftigen Barbier zugetragen hat, ist in der Tat angenehmer und wunderbarer als die Geschichte meines lügnerischen Schurken von einem Buckligen.“ Dann befahl er einem seiner Kammerherren, mit dem Schneider zu gehen und den Barbier aus dem Gefängnis zu holen, indem er sagte: „Ich wünsche, die Rede dieses Schweigsamen zu hören, und sie soll der Grund für eure aller Erlösung sein: dann werden wir den Buckligen begraben, da er seit gestern tot ist, und ein Grabmal über ihm errichten.“ —— Und Shahrazad bemerkte das Morgengrauen und hörte auf, ihr erlaubtes Wort zu sagen.

Als es nun die vierunddreißigste Nacht war,

sagte sie: Es hat mich erreicht, o glückverheißender König, dass der König von China befahl: „Bringt mir den Barbier, der der Grund für eure Erlösung sein soll; dann werden wir diesen Buckligen begraben, da er seit gestern tot ist, und ein Grabmal über ihm errichten.“ So gingen der Kammerherr und der Schneider zum Gefängnis und, nachdem sie den Barbier freigelassen hatten, kehrten sie alsbald mit ihm zum König zurück. Der Sultan von China betrachtete ihn und prüfte ihn sorgfältig, und siehe da! er war ein alter Mann, über neunzig Jahre alt; finster von Gesicht, weiß von Bart und grau von Augenbrauen; mit Schlappohren und einer knolligen Nase, mit einem ausdruckslosen, albernen und eingebildeten Gesichtsausdruck. Der König lachte über diese Figur des Spaßes und sagte zu ihm: „O Schweigsamer, ich wünsche, dass du mir etwas aus deiner Geschichte erzählst.“ Der Barbier sagte: „O König des Zeitalters, erlaube mir zuerst, dich zu fragen, was es mit der Geschichte dieses Nazaräers und dieses Juden und dieses Moslems und dieses Buckligen (der Leiche) auf sich hat, den ich unter euch sehe? Und ich bitte dich, was mag der Zweck dieser Versammlung sein?“ Der König von China fragte: „Und warum fragst du?“ „Ich frage“, antwortete er, „damit die Majestät des Königs wisse, dass ich kein vordringlicher Kerl oder Geschäftiger oder unverschämter Einmischer bin; und dass ich unschuldig an ihren verleumderischen Anschuldigungen wegen allzu viel Geredes bin; denn ich bin derjenige, dessen Name der Schweigsame ist, und in der Tat ist mein Beiname besonders glücklich, wie der Dichter sagt: –

Wenn Menschen einen Spitznamen oder kleinen Namen bestimmen, ✿ Wisse, dass Natur und Name sich oft vereinen.“

Dann sagte der König: „Erkläre dem Barbier den Fall dieses Buckligen und was ihm zur Abendbrotzeit widerfahren ist; wiederhole ihm auch die Geschichten, die der Nazaräer, der Jude, der Aufseher und der Schneider erzählt haben; und von keinem Nutzen für mich ist eine zweimal erzählte Geschichte.“ Sie taten, wie er befahl, und der Barbier schüttelte den Kopf und sagte: „Bei Allah, dies ist ein Wunder der Wunder! Nun enthüllt mir die Leiche jenes Buckligen.“ Sie machten das Leichentuch los, und er setzte sich hin und, den Kopf des Buckligen auf seinen Schoß nehmend, betrachtete er sein Gesicht und lachte und prustete, bis er auf den Rücken fiel und sagte: „Es gibt ein Wunder in jedem Tod, aber der Tod dieses Buckligen ist es wert, in Buchstaben aus flüssigem Gold geschrieben und aufgezeichnet zu werden!“ Die Umstehenden waren über seine Worte erstaunt, und der König wunderte sich und sagte zu ihm: „Was fehlt dir, o Schweigsamer? Erkläre uns deine Worte!“ „O König des Zeitalters“, sagte der Barbier, „ich schwöre bei deiner Güte, dass noch Leben in diesem Gobbo Golightly steckt!“ Daraufhin zog er aus seinem Gürtel eine Barbierstasche, aus der er einen Tiegel mit Salbe nahm und damit den Hals des Buckligen und seine Arterien einrieb. Dann nahm er eine eiserne Pinzette und, indem er sie in den Hals des Buckligen einführte, zog er den Bissen Fisch mit seinem Gräten heraus; und als er zum Vorschein kam, siehe, war er in Blut getränkt. Daraufhin nieste der Bucklige ein herzhaftes Niesen und sprang auf, als wäre nichts geschehen, und während er mit der Hand über sein Gesicht fuhr, sagte er: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott, und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“ Bei diesem Anblick wunderten sich alle Anwesenden; der König von China lachte, bis er in Ohnmacht fiel, und ebenso taten die anderen. Dann sagte der Sultan: „Bei Allah, in Wahrheit ist dies das wunderbarste Ding, das ich je gesehen habe! O Moslems, o Soldaten alle, habt ihr jemals in eurem Leben einen Menschen sterben und wieder lebendig werden sehen? Wahrlich, hätte Allah ihm nicht diesen Barbier gewährt, wäre er ein toter Mann gewesen!“ Sie sagten: „Bei Allah, es ist ein Wunder der Wunder.“ Dann befahl der König von China, diese Geschichte aufzuzeichnen, also zeichneten sie sie auf und legten sie in die königlichen Urkundenkammern; danach verlieh er dem Juden, dem Nazaräer und dem Aufseher kostbare Ehrenkleider und hieß sie in aller Wertschätzung gehen. Dann gab er dem Schneider ein prächtiges Gewand und ernannte ihn zu seinem eigenen Schneider mit angemessenem Lohn und Zuwendungen; und er schloss Frieden zwischen ihm und dem Buckligen, dem er ebenfalls einen prächtigen und teuren Anzug mit einem angemessenen Gehalt schenkte. Er verfuhr ebenso großzügig mit dem Barbier, gab ihm ein Geschenk und ein Ehrenkleid; außerdem setzte er ihm einen stattlichen Sold aus und ernannte ihn zum Barbier-Chirurgen des Staates und machte ihn zu einem seiner Zechkumpane. So hörten sie nicht auf, das erfreulichste und köstlichste Leben zu führen, bis der Zerstörer aller Freuden und der Trenner aller Gemeinschaften, der Entvölkerer der Paläste und der Sammler für die Gräber zu ihnen kam. Doch, o glückverheißendster König! (fuhr Shahrazad fort), diese Geschichte ist keineswegs wunderbarer als die von den zwei Wesiren und Anís al-Jalís. Ihre Schwester Dunyazad fragte: „Und was mag das sein?“; woraufhin sie begann, die folgende Geschichte zu erzählen von

arab. „Judri“, wörtl. „kleine Steine“, nach dem harten, kiesartigen Gefühl der Pusteln (Rodwell, S. 20). Man nimmt allgemein an, dass die Krankheit aus Zentralafrika stammt, wo sie noch immer eine Plage ist, und etwa zur Zeit der Geburt Mohammeds nach Arabien gelangte. So erklärt man gewöhnlich den „Krieg des Elefanten“ (Koran, Kap. cv.), als das abessinische Heer des Christen Abrahah durch Schwalben (Abábíl, was Major Price zum Plural von Abilah = ein Bläschen macht) vernichtet wurde, die „Steine aus gebranntem Ton“, gleich Wicken, auf sie herabfallen ließen (Pilgrimage ii. 175). Siehe für Einzelheiten Sale (in loco), der das wunderbare Verteidigungswerk der Ka’abah zu akzeptieren scheint. Über die Schrecken der Pocken im zentralen intertropischen Afrika, die auch den Beduinen von Al-Hijáz bekannte Inokulation und andere Details mögen die Leser „The Lake Regions of Central Africa“ (ii. 318) zu Rate ziehen. Die Hindus „nehmen den Stier bei den Hörnern“ und machen „Sítlá“ (Pocken) kühn zu einer Göttin, einer Inkarnation von Bhawáni, der Göttin der Zerstörung und Wiedergeburt. In China glaubt man, die Pocken stammten aus dem Jahr 1200 v. Chr.; doch die Chronologie des Mittelreichs wartet noch auf den Skeptiker.

Fußnote 498:

In Europa müssten wir hinzufügen: „und alle flohen, besonders die Frauen.“ Doch der dem östlichen Geist innewohnende Fatalismus macht den großen Unterschied aus.

Fußnote 499:

Arab. „Uzayr.“ Esra war eine Art Rip van Winkle. Er ritt über die Ruinen Jerusalems, als es von den Chaldäern zerstört worden war, und er zweifelte daran, auf welche Weise Allah es wiederherstellen würde; woraufhin er starb und nach hundert Jahren wieder auferstand. Er fand seinen Korb mit Feigen und seinen Krug mit Wein so vor, wie sie waren; doch von seinem Esel waren nur noch die Knochen übrig. Diese wurden vor den Augen Esras wieder lebendig, und der Esel begann sofort zu schreien. Was für Esra eine Lehre war. (Koran, Kap. ii). Der Eid bei den Hufen des Esels dient dazu, den Juden lächerlich zu machen. Mohammed scheint eine fixe Idee gehabt zu haben, dass „die Juden sagen, Esra sei der Sohn Gottes“ (Koran ix.); dies könnte aus dem heterodoxen jüdischen Glauben entstanden sein, dass Esra, als das Gesetz völlig verloren war, den Schreibern alles aus seinem Gedächtnis neu diktierte. Sein Grab mit der riesigen grünen Kuppel wird noch heute von den Juden Bagdads besucht.

Fußnote 500:

Arab. „Bádhanj“, das pers. Bád (Wind)-gír (Fänger): ein hölzerner Dachaufbau auf dem Terrassendach, der im nahen Osten allgemein verbreitet ist.

Fußnote 501:

Der Bucklige wird in Arabien wie im südlichen Europa vom gemeinen Volk mit Furcht und Abscheu betrachtet: Der Grund ist, dass er gewöhnlich scharfsinniger ist als seine Nachbarn.

Fußnote 502:

Arab. „Yá Sattár“ = Du, der Du die unrühmlichen Geheimnisse Deiner Geschöpfe verhüllst.

Fußnote 503:

Arab. „Nasráni“, ein Anhänger des Mannes aus Nazareth und ein älterer Name als „Christ“, der (Apg. xi, 26) zuerst in Antiochia um 43 n. Chr. vergeben wurde. Der Ruf in Alexandria lautete früher „Ya Nasráni, Kalb awáni!“ = O Nazarener! O verabscheuungswürdiger Hund! (Pilgrimage, i., 160). „Christ“ kann im Arabischen nur durch „Masíhi“ = Anhänger des Messias ausgedrückt werden.

Fußnote 504:

Arab. „Tasbíh“, = Grüßen am Subh (Morgen).

Fußnote 505:

Im Osten stehen Frauen bei kleineren Gelegenheiten, während Männer auf ihre Fersen hocken, auf eine Weise, die einem ungeübten Europäer kaum möglich ist. Der Brauch ist alt. Herodot (ii., 35) sagt: „Die Frauen stehen auf, wenn sie urinieren, aber die Männer setzen sich hin.“ Wird man glauben, dass Kanonikus Rawlinson zu bescheiden war, diese Passage in seiner Übersetzung zu belassen? Der Brauch wurde durch den Islam verewigt, weil die Position verhindert, dass das Ausgestoßene die Kleidung berührt und sie zeremoniell unrein macht; möglicherweise haben sie ihn von den Parsen übernommen. Dabistan, Tor xvi., sagt: „Es ist unschicklich, in aufrechter Haltung zu urinieren; es ist daher notwendig, sich hinzuhocken und es in einiger Entfernung zu verrichten, während man im Geiste das Avesta wiederholt.“

Fußnote 506:

Dies ist immer noch eine beliebte Form des „Kinchin-Tricks“, und da die Turbane oft aus feinem Stoff sind, zahlt sich das kleine Gewerbe gut aus.

Fußnote 507:

Arab. „Wali“ = Gouverneur; der Begriff wird noch immer für den Generalgouverneur einer Provinz verwendet, im Gegensatz zum „Muháfiz“ oder Distriktgouverneur. Im östlichen Arabien ist der Wali der zivile Gouverneur, im Gegensatz zum Emir oder militärischen Kommandanten. Unter dem Kalifat fungierte der Wali auch als Polizeipräfekt (der indische Faujdár), der heute „Zábit“ genannt wird. Der ältere Name für Letzteren war „Sáhib al-Shartah“ (= Chef der Wache) oder „Mutawalli“; und es war seine Pflicht, persönlich die Runden zu drehen. Der alte „Charley“ mit seiner Laterne und seinem Knüppel bewacht noch immer die Basare in Damaskus.

Fußnote 508:

Arab. „Al-Mashá ilí“ = der Träger einer Fackel (Mash'al), der auch der Henker war. Im anglo-indischen Sprachgebrauch wird der Name für einen niederen Diener verwendet. Der „Mash'al“, den Lane (M. E., Kap. vi.) „Mesh'al“ nennt und abbildet, darf nicht mit seinem Verwandten, der „Sha'ílah“ oder Fackel (auch Lampe, Docht usw.), verwechselt werden.

Fußnote 509:

Ich muss wohl kaum erwähnen, dass der zivilisierte „Fallstrick“ im Osten unbekannt ist, wo die Männer wie an einem Rahbaum aufgehängt werden. Dies verlängert das Leiden erheblich.

Fußnote 510:

Arab. „Lukmah“ = ein Bissen. Es ist unter Orientalen mit primitiven Sitten immer noch Mode, eine Handvoll Reis usw. zu nehmen, sie zu einer Kugel zu formen und sie einem Freund honoris causâ in den Mund zu stecken. Wenn der Freund ein Europäer ist, ist sein Gesichtsausdruck meist ein Studium wert.

Fußnote 511:

Ich muss kaum anmerken, dass dies ein alter biblischer Brauch ist. Der Esel wird für städtische Arbeiten verwendet, wie das Pferd für den Kampf und das Reisen, das Maultier für Lasten und das Dromedar für die Wüste. Aber der Beduine verachtet, wie der Inder, das Reittier und singt:

Der Rücken des Rosses ist ein edler Ort; Doch das Maultier ist Schande, der Esel ein Schimpf!

Die feinen weißen Esel, oft dreizehn Hand hoch, die von den Banu Salíb und anderen Beduinenstämmen verkauft werden, bringen 100 Pfund und mehr ein. Ich ritt ein solches kleines Tier von Mekka nach Dschidda (42 Meilen) in einer Nacht, und es kam mit mir galoppierend an.

Fußnote 512:

Ein Trockenmaß von etwa fünf Scheffeln (Kairo). Die klassische Aussprache ist Irdabb und es maß 24 Sa'a (Gallonen), wobei jede vier ausgestreckte Hände füllte.

Fußnote 513:

„Al-Jawáli“ sollte Al-Jáwali (Al-Makrizi) sein, und das Bab al-Nasr (Tor des Sieges) ist dasjenige, das nach Sues führt. Ich lebte in diesem Viertel, wie meine Pilgrimage (i. 62) zeigt.

Fußnote 514:

Arab. „Al-'ajalah“, in Anlehnung an ein Sprichwort in jedem muslimischen Mund: „Geduld ist vom Beschützer (Allah): Eile ist aus der Hölle.“ Das und „Inshallah bukra!“ (So Gott will morgen!) sind die bêtes noires des Reisenden.

Fußnote 515:

Hier ist es ein höfliches Äquivalent für „Fangt an zu essen!“

Fußnote 516:

Die linke Hand wird im gesamten Osten für die Waschung verwendet und gilt als unrein. Die linke Hand anzubieten, wäre eine große Beleidigung, und kein Mann streichelt jemals seinen Bart damit oder isst damit: daher sieht man im muslimischen Osten wahrscheinlich nie einen Linkshänder. In Brasilien nehmen altmodische Leute aus demselben Grund keinen Schnupftabak mit der rechten Hand. Und von den Khataiern wird berichtet, dass sie die linke Hand bevorzugen: „Weil das Herz, welches der Sultan der Stadt des Körpers ist, seine Wohnung auf dieser Seite hat“ (Rauzat al-Safá).

Fußnote 517:

Zwei weibliche Namen; wie wir sagen könnten: Maria und Martha.

Fußnote 518:

Es lag in der Nähe der beiden Paläste des Kalifen (Al-Kasrayn); und war im 15. Jahrhundert n. Chr. berühmt. Die Mahkamah (Gerichtshof) des Kadi nimmt heute den Platz der zwei Paläste ein.

Fußnote 519:

Eine Kaysariah ist eine gehobene Art von Basar, ein „Bezestein“. Die im Text stand östlich der Hauptstraße in Kairo und wurde im Jahr 502 d. H. (= 1108-9 n. Chr.) von einem tscherkessischen Emir namens Fakhr al-Din Jahárkas erbaut, eine Verderbnis des persischen „Chehár-kas“ = vier Personen (Lane, i. 422, nach Al-Makrizi und Ibn Khallikan). Für Jahárkas hat die Mac.-Ausgabe Jirjís (Georg), einen verbreiteten christlichen Namen. Ich habe einmal in einer „Wakálah (der moderne Khan) Jirjis“ gewohnt. Pilgrimage, i. 255.

Fußnote 520:

Arab. „Zweiter Tag“, d. h. nach Samstag, dem wahren Sabbat, der von der Christenheit so wunderbar ignoriert wird.

Fußnote 521:

Leser, die wissen wollen, wie ein Reisender in einer Wakálah, einem Khan oder einer Karawanserei untergebracht wird, mögen meine Pilgrimage, i. 60, zu Rate ziehen.

Fußnote 522:

Der ursprüngliche Beruf der Familie hatte ihr einen Namen gegeben, wie bei uns.

Fußnote 523:

Das übliche „Necken“ oder Geplänkel, das selbst bescheidenen Frauen beim Einkaufen erlaubt ist, und — in jedem Scherz liegt ein Körnchen Wahrheit.

Fußnote 524:

„La adamnák“ = Der Himmel beraube uns nicht deiner, d. h. gewähre, dass ich dich oft sehe!

Fußnote 525:

Dies ist ein etwas forscher Stil der Annäherung; doch Orientalen kommen unter solchen Umständen direkt zum Punkt, da sie es hassen, die parfait amour zu spinnen.

Fußnote 526:

Die formelle Anweisung eines Sklaven, der eine solche Botschaft überbringt.

Fußnote 527:

Dies wäre unsere Donnerstagnacht, vor dem Tag der öffentlichen Gebete, die nur im Zustand zeremonieller Reinheit vollzogen werden können. Daher gehen viele Muslime am Donnerstag ins Hammam und haben bis Freitagabend keinen Verkehr mit ihren Ehefrauen.

Fußnote 528:

Lane (i. 423) gibt ausführliche Details über das Habbániyah, das Getreidehändlerviertel im südlichen Teil Kairos; und zeigt, dass die Stadt, als diese Geschichte geschrieben (oder transkribiert?) wurde, fast so ausgedehnt war wie heute.

Fußnote 529:

Nakíb ist ein Karawanenführer, ein Häuptling, ein Syndikus; und „Abú Shámah“ = Vater eines Wangenmals, während „Abú Shámmah“ = Vater eines Riechers, einer Nase, einer Schnauze. Die „Kuniyah“, Beiname, Patronymikon oder Matronymikon, ist unter Muslimen notwendig, deren Liste von Namen, die alle mehr oder weniger mit der Religion verbunden sind, so spärlich ist. Daher war der Reisende Buckingham als Abu Kidr, der Vater eines Kochtopfs, bekannt und Hajj Abdullah als Abu Shawárib, Vater der Schnurrbärte (Pilgrimage, iii., 263).

Fußnote 530:

Korrekter Bab Zawilah, nach dem Namen eines Stammes in Nordafrika. Dieses Tor stammt aus dem gleichen Zeitalter wie das östliche oder Wüstentor, Bab al-Nasr (1087 n. Chr.) und wird immer noch sehr bewundert. M. Jomard beschreibt es (Description, etc., ii. 670) und mein guter Freund Yacoub Artin Pasha hat kürzlich im Bulletin de l'Inst. Egypt., Deuxième Série, Nr. 4, 1883, die Aufmerksamkeit darauf gelenkt.

Fußnote 531:

Dieses Ornament sieht man noch heute in den älteren Salons von Damaskus: die Inschriften sind gewöhnlich religiöse Sätze, Auszüge aus dem Koran usw. in Unzialschrift. Sie ersetzen unsere Fresken und sind als Kunstwerk im Allgemeinen weit überlegen.

Fußnote 532:

Arab. „Bayáz al-Sultání“, die beste Art von Gips, der wie polierter Marmor glänzt. Der Stuck an den Mauern von Alexandria, erbaut von Alexander der zwei Hörner, war so exquisit gehärtet und wunderschön poliert, dass die Männer Masken tragen mussten, um nicht zu erblinden.

Fußnote 533:

Dieser Iklíl, eine komplizierte Angelegenheit, ist heute veraltet; seinen Platz hat der „Kurs“ eingenommen, eine goldene Platte von etwa fünf Zoll Durchmesser, die mit Juwelen usw. besetzt ist. Lane (M. E. Anhang A) bildet sie ab.

Fußnote 534:

Die Kunsthandwerkerin, die den Farbstoff aufträgt, wird „Munakkishah“ genannt.

Fußnote 535:

„Küssen mit der inneren Lippe“, wie Shakespeare es nennt; das französische langue fourrée; und das Sanskrit „Samputa“. Das Thema des Küssens ist im Osten umfangreich. Zehn verschiedene Varianten werden ordnungsgemäß im „Ananga-Ranga“ oder der indischen Kunst der Liebe (Ars Amoris Indica), übersetzt aus dem Sanskrit und kommentiert von A. F. F. und B. F. R., aufgezählt. Es ist auch mit der Unguikulation verbunden, dem Eindrücken der Nägel, wovon es sieben Arten gibt; Beißen (sieben Arten); Haarhandling sowie Klopfen oder Tätscheln mit Fingern und Handflächen (acht Arten).

Fußnote 536:

Arab. „asal-nahl“, um es von „Honig“, d. h. Sirup aus Zuckerrohr und Früchten, zu unterscheiden.

Fußnote 537:

Die Zeilen kamen in Nacht xii. vor. Der Abwechslung halber gebe ich Torrens' Version, S. 273.

Fußnote 538:

Die Art, Geld in der Ecke eines Taschentuchs zu tragen, ist immer noch üblich.

Fußnote 539:

Er schickte die Vorräte, um in dieser Angelegenheit nicht in ihrer Schuld zu stehen. Und sie nahm sie an, um daran seine Freigebigkeit zu beurteilen.

Fußnote 540:

Wer den Prozess der Weinherstellung im Libanon gesehen hat, wird leicht verstehen, warum er immer gefiltert wird.

Fußnote 541:

Arab. „Kulkasá“, eine Art Aronstab oder Yamswurzel, die wie unsere Kartoffeln gekocht gegessen wird.

Fußnote 542:

Zuerst schob er das Geld in die Bettwäsche: jetzt gibt er es offen, und sie akzeptiert es aus einem Grund.

Fußnote 543:

Arab. Al-Zalamah: wörtl. = Tyrannen, Unterdrücker, angewandt auf die Polizei und im Allgemeinen auf die Angestellten der Regierung. Es ist ein Wort, das eine Geschichte erzählt.

Fußnote 544:

Das muslimische Gesetz ist nie vollständig zufrieden, bis der Kriminelle gesteht. Es ignoriert auch völlig Indizienbeweise, und das aus bestem Grund: unter einem so scharfsinnigen Volk würde das Geständnis zu endlosen Missbräuchen führen. Ich überraschte einen gewissen Generalgouverneur von Indien sehr, indem ich ihm diese einfache Information gab.

Fußnote 545:

Das Abschlagen der rechten Hand ist die koranische Strafe (Kap. v.) für jemanden, der einen Gegenstand im Wert von vier Dinar stiehlt, etwa vierzig Franken oder Schillinge. Der linke Fuß soll bei einem zweiten Vergehen am Knöchel abgehackt werden, und so weiter; doch der Tod ist einem hartgesottenen Verbrecher vorbehalten. Die Praxis ist heute veraltet, und Diebstahl wird mit Bastonade, Geldstrafe oder Gefängnis bestraft. Die alten Parsen waren ebenso streng. Für den Diebstahl eines Dirhams nahmen sie eine Geldstrafe von zweien, schnitten die Ohrläppchen ab, gaben zehn Stockhiebe und entließen den Kriminellen, der eine Stunde Gefängnis verbüßt hatte. Ein zweiter Diebstahl verdoppelte die Strafen; und danach wurde die rechte Hand abgehackt oder der Tod verhängt, je nach dem gestohlenen Anteil.

Fußnote 546:

Koran viii. 17.

Fußnote 547:

Ein im Osten allgemeiner Brauch, dessen Ziel ursprünglich war zu zeigen, dass der Trunk nicht vergiftet war.

Fußnote 548:

Aus Teig oder Pudding.

Fußnote 549:

Geschwüre und Pickel sollen durch abgebrochene Haarwurzeln verursacht werden und werden im Hindustani Bál-tor genannt.

Fußnote 550:

Er beabsichtigte, sie anständig zu begraben, ein Respekt, den Muslime sogar den Exuvien des Körpers entgegenbringen, wie Haaren und Nagelabschnitten. Unter Parsen wurden letztere gesammelt und auf einen Berg getragen. Die Praxis wurde durch die Angst verstärkt, dass Dämonen oder Zauberer in den Besitz der Beute gelangen könnten.

Fußnote 551:

Ohne die die Ehe nicht gültig war. Das Minimum sind zehn Dirham (Drachmen), heute etwa fünf Franken bis Schillinge wert; und wenn ein Mann heiratet, ohne die Summe zu nennen, kann die Frau nach dem Vollzug ihn zwingen, dieses Minimum zu zahlen.

Fußnote 552:

Arab. „Khatmah“ = das Lesen oder Rezitieren des gesamten Korans, durch eine oder mehrere Personen, gewöhnlich im Haus, nicht über dem Grab. Wie der „Zikr“, die Litanei oder das Gebet, ist es ein frommer Akt, der auf bestimmte Gelegenheiten beschränkt ist.

Fußnote 553:

Arab. „Zírbájah“ = Fleisch, zubereitet mit Essig, Kreuzkümmel (pers. Zír) und scharfen Gewürzen. Mehr davon in der Fortsetzung der Geschichte.

Fußnote 554:

Ein nicht unübliches Sprichwort, das bedeutet: jeder tue, was ihm recht erscheint; auch = „age quod agis“; und entspricht manchmal unserem Sprichwort, wenn der Schuh passt.

Fußnote 555:

Arab. „Su'úd“, eine Alpinia mit scharfem Rhizom wie Ingwer; hier als Gegengeruch verwendet.

Fußnote 556:

Arab. „Tá'ih“ = verloren in der „Tíh“, einer Wüste, in der sich ein Mensch verirren kann, in unseren Karten als „Die Wüste der Wanderungen“, nämlich der Kinder Israel, übersetzt. „Credat Judæus.“

Fußnote 557:

d. h. 125 £ und 500 £.

Fußnote 558:

Eine große Summe wurde von einem Fachmann gewogen, anstatt sie zu zählen, der Grund ist, dass die Münze meist alt und abgenutzt ist: daher unsere Wörter „Pfund“ und „Pension“ (oder das, was abgewogen wird).

Fußnote 559:

Der Eunuch ist der bestmögliche Vermittler aufgrund seiner fast unbegrenzten Macht über den Harem.

Fußnote 560:

d. h. eine Sklavin, die im Haus aufgewachsen ist und niemals verkauft wird, außer aus einem besonderen Grund, wie gewohnheitsmäßiger Trunkenheit usw.

Fußnote 561:

Männer in den Harem zu schmuggeln ist ein Standardthema orientalischer Erzählungen. „Durch ihre weiblichen Begleiterinnen bringen die Damen des königlichen Harems im Allgemeinen Männer in Frauenkleidern in ihre Gemächer“, sagt Vatsyayana im Kama Sutra, Teil V., London: Gedruckt für die Hindoo Kamashastra Society, 1883. Nur für den privaten Gebrauch.

Fußnote 562:

Diese Tränen werden über die vergangene Trennung vergossen. So treffen sich die „Indianer“ der Neuen Welt nach langer Trennung nie, ohne die gemeinsamen Freunde zu beweinen, die sie verloren haben.

Fußnote 563:

Ein höchst wichtiger Wichtigtuer, den man mit seinem glatten Kinn und seinen dicken Lippen sehen kann, wie er aus seinem faulen Schlummer im Schatten aufspringt und seine Befehle forscher erteilt als jeder Dogberry. Diese Geschlechtslosen sind in ihrem Charakter ebenso seltsam und außergewöhnlich wie in ihrer äußeren Erscheinung. In gewisser Weise von der Menschheit losgelöst, sind sie mutig, grausam und zu jeder Schurkerei oder Barbarei fähig (wie Agha Mohammed Khan in Persien 1795-98). Der Körper ist unnatürlich lang und magig, besonders die Arme und Beine; mit hohen, flachen, dünnen Schultern; großen, hervorstehenden Gelenken und einem Gesicht, das im Vergleich dazu außerordentlich groß ist, eine wahre Maske; der Kastrat ist geschickt im Gebrauch von Waffen und sitzt ausgezeichnet zu Pferd, wobei er aus bestem Grund tief im Sattel reitet; und seine heisere, dicke Stimme, die anscheinend nicht bricht wie beim europäischen „Cáppone“, verleiht ihm den ganzen Umstand des Befehls.

Fußnote 564:

Aus dem mekkanischen Brunnen, der von Muslimen ähnlich wie das Wasser von Lourdes von Christen benutzt wird: das Wasser ist salzig, daher der Anflug von arabischem Humor (Pilgrimage III., 201-202).

Fußnote 565:

Solche Gegenstände wären vor muslimischen Augen heilig.

Fußnote 566:

Physiologisch wahr, aber bei der Beschreibung der Emotionen nicht allgemein erwähnt.

Fußnote 567:

Korrekt „Uta“, die verschiedenen Räume, wobei jede „Odaliske“ oder Konkubine ihren eigenen hat.

Fußnote 568:

Was zeigt, dass ihr monatliches Leiden vorbei war.

Fußnote 569:

Arab. „Muhammarah“ = entweder vor dem Feuer gebräunt oder künstlich gerötet.

Fußnote 570:

Die Unverschämtheit und Zügellosigkeit dieser Palastmädchen war (und ist) unbegrenzt; besonders wenn sie, wie im vorliegenden Fall, es mit einem „Weichling“ zu tun haben. Zu diesem Thema sind im gesamten Osten zahllose Geschichten im Umlauf.

Fußnote 571:

d. h. geschwärzt durch das Feuer von Dschahannam.

Fußnote 572:

Arab. „Bi'l-Salámah“ = in Sicherheit (um den bösen Blick abzuwenden). Beim Besuch von Kranken ist es üblich, etwas Höfliches zu sagen; „Der Herr heile dich! Nichts Böses möge dir widerfahren!“ usw.

Fußnote 573:

Waschen während der Krankheit wird von Arabern als gefährlich angesehen; und „ins Hammam gehen“ ist, wie ich sagte, gleichbedeutend mit Genesung.

Fußnote 574:

Arab. „Máristán“ (ausgesprochen Múristan), eine Verderbnis des pers. „Bímáristán“ = Ort der Krankheit, ein Krankenhaus, das von den alten Parsen sehr geschätzt wurde (Dabistan, i., 165, 166). Das von Damaskus war das erste muslimische Krankenhaus, gegründet von Al-Walid, Sohn von Abd al-Malik dem Umayyaden, im Jahr 88 d. H. = 706-7 n. Chr. Benjamin von Tudela (1164 n. Chr.) nennt es „Dar-al-Maraphtan“, was sein neuester Herausgeber mit „Dar-al-Mora-bittan“ (Wohnort derjenigen, die angekettet werden müssen) erklärt. Al-Makrizi (Khitat) schreibt die Erfindung der „Spitäler“ Hippokrates zu; ein anderer Historiker einem frühen Pharao „Manákiyush“; und ignoriert damit die persischen Könige, den Heiligen Ephräm den Syrer usw. Im modernen Sprachgebrauch ist „Maristan“ ein Irrenhaus, in dem die Wahnsinnigen mit all den Schrecken behandelt werden, die in Europa bis vor wenigen Jahren allgemein waren und von denen sich bis heute gelegentliche Spuren finden. Im Jahr 1399 n. Chr. unterhielt Katherine de la Court ein „Hospital im Hof genannt Robert de Paris“; aber das erste Irrenhaus in der Christenheit wurde vom Legaten Ortiz 1483 n. Chr. in Toledo erbaut und hieß daher Casa del Nuncio. Das „Maristan“ von Damaskus wurde von jedem Reisenden des letzten Jahrhunderts beschrieben: und es zeigte einen seltsamen Kontrast zwischen der Behandlung des Wahnsinnigen und des Idioten oder Omadhaun, dem man menschlicherweise erlaubte, ungeschoren umherzuwandern, wenn er nicht gar als Heiliger galt. Als ich es zuletzt sah (1870), war es so gut wie leer und größtenteils eine Ruine. Soweit meine Erfahrung reicht, sind die Vereinigten Staaten das einzige Land, in dem Geisteskranke von den Gesunden vernünftig behandelt werden.

Fußnote 575:

Daher das abgedroschene Sprichwort: „Wer vom Wasser des Nils trinkt, wird sich immer danach sehnen, wieder davon zu trinken.“ „Leicht“ bedeutet leicht verdauliches Wasser; und der große Test besteht darin, es nachts zwischen den Schläfen ohne Verdauungsstörungen trinken zu können.

Fußnote 576:

„Níl“ ist im Volksmund der Nil bei Hochwasser, obwohl es auch für den Fluss als Eigenname verwendet wird. Ägypter (moderne wie alte) haben drei Jahreszeiten: Al-Shitá (Winter), Al-Sayf (Sommer) und Al-Níl (der Nil, d. h. Hochwassersaison, unser Hochsommer); entsprechend den Wachstumsmonaten; den Speicher- (oder Kornkammer-) Monaten und den Hochwassermonaten des älteren Volkes.

Fußnote 577:

Diese Zeilen stehen in der Mac.-Ausgabe.

Fußnote 578:

Arab. „Birkat al-Habash“, ein Becken, das früher im südlichen Kairo existierte: Galland (Nacht 128) sagt „en remontant vers l'Éthiopie“.

Fußnote 579:

Die Breslauer Ausgabe (ii., 190), von der ich diese Beschreibung entlehne, spielt hier auf die bekannte Insel Al-Rauzah (Rodah) = Der Garten an.

Fußnote 580:

Nur zur Kontinuität — dies ist das ENDE des vorherigen Abschnitts, das bereits übersetzt wurde. Übersetzen Sie es NICHT erneut und wiederholen Sie es NICHT in Ihrer Ausgabe. Behalten Sie die Namen, Terminologie und das Register bei:

machte ihn zu einem seiner Zechkumpane. So hörten sie nicht auf, das erfreulichste und köstlichste Leben zu führen, bis der Zerstörer aller Freuden und der Trenner aller Gemeinschaften, der Entvölkerer der Paläste und der Sammler für die Gräber zu ihnen kam. Doch, o glückverheißendster König! (fuhr Shahrazad fort), diese Geschichte ist keineswegs wunderbarer als die von den zwei Wesiren und Anís al-Jalís. Ihre Schwester Dunyazad fragte: „Und was mag das sein?“; woraufhin sie begann, die folgende Geschichte zu erzählen von

Arab. „Laylat al-Wafá“, die Nacht der Vollendung oder des Überflusses des Nils (Flut), gewöhnlich zwischen dem 6. und 16. August, wenn die Regierung verkündet, dass das Nilometer einen Anstieg von 16 Ellen anzeigt. Natürlich ist es ein großes Fest und eine feierliche Zeremonie, denn Ägypten ist noch immer das Geschenk des Nils (Lane M. E. Kap. xxvi – ein Werk, das durch ein besseres Register sehr verbessert würde).

Fußnote 581:

d. h. die Bewunderung wird vollkommen sein.

Fußnote 582:

Arab. „Sáhil Masr“ (Misr): daher vermute ich Gallands _villes maritimes_.

Fußnote 583:

Ein beliebtes Gleichnis, angeregt durch das gebrochene Glitzern und Schimmern des Stroms unter den flachen Strahlen und der Brise des Abends.

Fußnote 584:

Arab. „Halab“, von den Muslimen abgeleitet von „Er (Abraham) molk (halaba) die weiße und falbe Kuh.“ Doch der Name der Stadt erscheint in den Keilschriften als Halbun oder Khalbun, und die Klassiker kannten sie als Βέροια, Beroea, mit verschiedenen Schreibweisen.

Fußnote 585:

Arab. „Ká'ah“, gewöhnlich ein Salon; wird hier und anderswo in „Aus tausendundeiner Nacht“ aber auch auf ein prächtiges Haus angewandt.

Fußnote 586:

Arab. „Ghamz“ = Zwinkern, mit dem Auge signalisieren, was unter Muslimen nicht als „vulgär“ gilt.

Fußnote 587:

Arab. „Kamís“ vom spätlat. „Camicia“, zuerst gefunden bei St. Hieronymus: – „Solent militantes habere lineas, quas Camicias vocant.“ Unser Hemd, chemise, chemisette usw. war den Alten in Europa unbekannt.

Fußnote 588:

Arab. „Narjís“. Die Araber entlehnten nichts, die Perser jedoch viel aus der griechischen Mythologie. Daher ist das Auge des Narziss, eine Vorstellung, die kaum durch das Aussehen der Narzissenblüte (oder Affodill) nahegelegt wird, manchmal der Blick eines Spions und manchmal der schmachtende Blick einer Geliebten. Einige Gelehrte erklären es durch die Form der Blüte, wobei der innere Kelch an die Iris erinnert und der Stängel, der sich direkt unter den Blütenblättern beugt, herabhängende Augenlider und matte Augen suggeriert. Daher wendet sich ein Dichter an die Narzisse: –

O Narjis, schau weg! Vor diesen Augen ✿ darf ich sie nicht küssen, während sie an meiner Brust liegt. Was! Soll der Liebende die Augen im Schlaf schließen, ✿ während deine alles zwischen Erde und Himmel bewachen?

Der modische Liebende im Osten muss eine rasende Eifersucht heucheln, wenn er sie nicht empfindet.

Fußnote 589:

In Ägypten gibt es weder Bettgestelle noch Schlafzimmer: die Teppiche und Matratzen, Kopfkissen und Polster (Laken sind unbekannt) werden ausgebreitet, wenn sie gebraucht werden, und tagsüber in Truhen oder Schränken aufbewahrt oder nur in einer Ecke des Raumes zusammengerollt (Pilgrimage i., 53).

Fußnote 590:

Die Frauen von Damaskus sind seit jeher berühmt für die blutige Eifersucht, die europäische Geschichtenbücher und Romane der „spanischen Dame“ zuschreiben. Die Männer waren ebenso berühmt für ihre Intoleranz und ihren Fanatismus, von denen wir erstmals in den Tagen von Bertrandon de la Brocquière lasen und die im Massaker von 1860 gipfelten. Dennoch sind sie ein bekanntermaßen furchtsames Volk und geben physisch wie moralisch die schlechtesten Soldaten ab: das bewiesen wir unter meinem verstorbenen Freund Fred. Walpole bei den Baschi-Bozuks während des alten Krimkrieges. Die Männer sahen sehr stattlich aus und verfielen nach einem Monat im Lager in den Zustand alter Weiber.

Fußnote 591:

Arab. „Rukhám“, eigentlich = Alabaster, und „Marmar“ = Marmor; doch die beiden werden oft verwechselt.

Fußnote 592:

Er war nach der Berührung einer Leiche rituell unrein.

Fußnote 593:

Die Redewendung ist vollkommen angemessen: Kairo ohne „ihren Nil“ wäre nichts.

Fußnote 594:

„Der Markt war heiß“, sagen die Hindustanis. Dies würde zwischen 7 und 8 Uhr morgens beginnen.

Fußnote 595:

Arab. Al-Faranj, im Allgemeinen Europäer. Es leitet sich von „Gens Francorum“ ab und stammt aus den Tagen der Kreuzzüge, als die Franzosen die führende Rolle spielten. Daher die Lingua Franca, der levantinische Jargon, von dem Molière ein so geistreiches Beispiel hinterlassen hat.

Fußnote 596:

Ein der europäischen Chirurgie jener Zeit vertrauter Vorgang.

Fußnote 597:

Als Zeichen der Enttäuschung, des Bedauerns, des Ärgers; eine Geste, die unter Muslimen noch immer gebräuchlich ist und in ihrer Bedeutung bis zu einem gewissen Grad unserem Stampfen, Händeringen usw. entspricht. Sie wird im Koran nicht erwähnt, wo wir jedoch „vor Zorn auf die Fingerspitzen beißen“ gegen einen Mann finden (Kap. iii).

Fußnote 598:

Dies ist kein unverdientes Skandal. Die Kairoer, besonders die weibliche Hälfte (aus Gründen, die an anderer Stelle genannt werden), galten schon immer als überaus liederlich. Selbst der bescheidene Lane erzählt eine „schockierende“ Geschichte von einer Frau, die ihren Liebhaber unter der Nase ihres Ehemannes genießt und diesen in eine Irrenanstalt sperren lässt (Kap. xiii.). Mit der Zivilisation, die das gute alte Heilmittel, das Schwert, ablehnt, werden sie schlimmer: und das Gericht des Kadi ist überfüllt mit Heiratswilligen, die sich scheiden lassen wollen. Unter englischer Herrschaft hat das Übel seinen Höhepunkt erreicht, weil es ungestraft bleibt: in den Alleen des neuen Isma'iliyah-Viertels, das von Europäern bewohnt wird, drohen Frauen, selbst junge Frauen, ihre Reize zu entblößen, wenn sie kein „Bakhshísh“ erhalten. Dasselbe war in Sind der Fall, als Ehemännern versichert wurde, dass sie gehängt würden, wenn sie ihre ehebrecherischen Frauen niedermachten: sofort nach der Eroberung brachen die Frauen alle Dämme; und in den Jahren 1843-50 kam es vor, dass, wenn ein junger Offizier nach einem Mädchen zum Basar schickte, ein halbes Dutzend zu seiner Unterkunft trottete. Tatsächlich drohten die professionellen Prostituierten mehr als einmal, eine Petition an Sir Charles Napier zu richten, weil die „anständigen Frauen“, die „Damen“, ihnen das Brot aus dem Mund nahmen. Dasselbe war in Kabul (Caboul) in Afghanistan während des alten Krieges von 1840 der Fall; und hier hatten die Frauen mehr Entschuldigungen, da die Ehemänner bekannte Sodomiten waren, wie es im Lied heißt: –

Den Wert des Schlitzes kennt der Afghane; Den Wert des Lochs der Kabul-Mann.

Fußnote 599:

Damit er es nicht mit drei leiblichen Schwestern zu tun bekäme. Zudem gilt unter Muslimen das Verhalten eines Mädchens als durch das ihrer Mutter vorherbestimmt; und wenn eine Schwester vom rechten Weg abkommt, wird erwartet, dass die andere ihr folgt. Praktisch gilt die Regel überall: „Wie die Mutter, so die Tochter.“

Fußnote 600:

Als Zeichen der Ablehnung; im Gegensatz zum Nicken mit dem Kopf, das Zustimmung signalisiert. Dies sind zwei Punkte der menschlichen Gestensprache, die scheinbar instinktiv und universell sind und von verschiedenen nordamerikanischen Stämmen sowie von den Taubstummen-Anstalten in Europa so hoch entwickelt wurden.

Fußnote 601:

Dieser „Futur“ ist das eigentliche „Frühstück“ des Ostens, das „Chhoti házri“ (petit déjeûner) Indiens, ein Stück Brot, eine Tasse Kaffee oder Tee und eine Pfeife nach dem Aufstehen. Im Text ist es jedoch eine zeremonielle Angelegenheit.

Fußnote 602:

Arab. „Nahs“, ein Wort mit vielen Bedeutungen; ein unheilvoller Aspekt der Sterne (wie im Hebräischen und Aramäischen) oder, adjektivisch, unheilvoll, von böser Vorbedeutung. Vulgär wird es als das Gegenteil von nett gebraucht und entspricht in gewisser Weise unserem „ekelhaft“.

Fußnote 603:

„Fenstergärtnerei“, neu in England, ist eine alte Praxis im Osten.

Fußnote 604:

Ihr Kupplerinstinkt enthüllte ihr den Fall auf der Stelle.

Fußnote 605:

Die übliche „Kuppler-Masche“, um mehr Geld zu bekommen.

Fußnote 606:

Der Verfasser meint, dass der Bericht der alten Frau völlig gelogen war, um die scheinbaren Schwierigkeiten zu vergrößern und „pour se faire valoir“.

Fußnote 607:

Arab. „Yá Khálati“ = Schwester der Mutter; eine vertraute Anrede für Alte, wie Onkel oder Oheim für einen Mann. Die Araber glauben auch, dass ein Junge seinem Onkel (Bruder der Mutter) folgt, so wie ein Mädchen ihrer Mutter ähnelt: daher die Anrede „Ya tayyib al-Khál!“ = O du Neffe eines guten Onkels. Ich habe bemerkt, dass dies physisch oft zutrifft.

Fußnote 608:

„Ay w' Alláhi“, im Volksmund zu Aywa verkürzt, ein Wort in jedem muslimischen Mund, das von Christen gemieden wird, weil es gegen hebräische und christliche Gebote verstößt. Die besser gebildeten Türken meiden heute diesen ewigen Bezug auf Allah, der in „Aus tausendundeiner Nacht“ vorkommt und der im gesamten Islam noch immer Sitte der einfachen Leute ist.

Fußnote 609:

Der „Muzayyin“ oder Barbier im Osten bringt seine Schale und sein Bündel unter dem Arm mit: er begnügt sich nicht damit, nur zu rasieren, er muss die Stirn abschaben, die Augenbrauen stutzen, die Klinge leicht über die Nase führen und die obere und untere Linie der Schnurrbartlinien korrigieren, den Mittelscheitel öffnen und so weiter. Er ist kein bisschen weniger ein Klatschmaul und Skandaltratscher als der alte römische Tonsor oder Figaro, sein Standesgenosse in Südeuropa. Die ganze Szene mit dem Barbier ist bewundernswert, ein ausgezeichnetes Beispiel für arabischen Humor und nicht übertrieben karikiert. Wir alle sind ihm schon begegnet.

Fußnote 610:

Abdullah ibn Abbas war ein Cousin und Gefährte des Apostels; auch ein bekannter Kommentator des Korans und Bewahrer der Überlieferungen Mohammeds.

Fußnote 611:

Ich habe auf das hohe Alter dieses Vorfahren unseres Sextanten hingewiesen, von dem ein Fragment im Palast von Sanherib gefunden wurde. Mehr über das „Astrolabium“ (wie Chaucer es nennt) findet sich in meinem Werk „Camoens: his Life and his Lusiads“, S. 381.

Fußnote 612:

Arab. „Simiyá“, reimt sich auf Kímiyá (die eigentliche Alchemie). Es ist ein untergeordneter Zweig der Ilm al-Ruháni, den ich als „Spiritualismus“ übersetzen würde und der in zwei große Zweige unterteilt ist: „Ilwí oder Rahmáni“ (das Hohe oder mit der Gottheit Verwandte) und Siflí oder Shaytáni (das Niedere, Satanische). Zu letzterem gehört Al-Sahr, die Magie oder die eigentliche schwarze Kunst, Zauberei, Nekromantie, während Al-Simiyá weiße Magie, Elektrobiologie ist, eine Art natürliche und täuschende Magie, bei der Drogen und Parfüms eine wichtige Rolle spielen. Einer ihrer wichtigsten Zweige ist der Darb al-Mandal oder Zauberspiegel, über den an späterer Stelle mehr zu lesen sein wird. Siehe Boccaccios Zehnter Tag, 5. Novelle.

Fußnote 613:

Kap. iii. 128. Siehe Sale (in loco) für die edle Anwendung dieses Textes durch den Imam Hasan, den Sohn des Kalifen Ali.

Fußnote 614:

Diese Sprichwörter erinnern uns sofort an unseren alten Freund Sancho Pansa und sind im Munde des Arabers wie des Spaniers gleichermaßen naturgetreu.

Fußnote 615:

Unsere Ammen tragen die Kinder immer auf dem Arm: Araber setzen die Kinder rittlings auf die Hüfte und, wenn sie älter sind, auf die Schulter.

Fußnote 616:

Die orientalische Kleidung erlaubt diese biblische Zurschaustellung von Kummer und Verdruss, die bei unserer europäischen Kleidung lächerlich wirken würde: wir müssen uns damit begnügen, unsere Hüte zu misshandeln.

Fußnote 617:

Koran xlviii., 8. Es ist zu beobachten, dass gemäß den Ahádis (Sprüchen des Propheten) und der Sunna (Sprüche und Taten Mohammeds) das gesamte Haar wachsen gelassen oder der ganze Kopf kahl rasiert werden sollte. Daher sind die „Shúshah“ oder der Haarschopf, der als Griff dienen soll, um den Träger ins Paradies zu ziehen; und die Zulf, oder Seitenlocken, die den Locken der polnischen Juden ähneln, beides eitle „Bida'at“ oder Neuerungen, werden technisch „Makrúh“ genannt, eine Praxis, die nicht lobenswert ist, weder „Halál“ (vollkommen rechtmäßig) noch „Harám“ (gesetzlich verboten). Wenn Jungen zum ersten Mal rasiert werden, gewöhnlich im zweiten oder dritten Jahr, wird eine Locke am Scheitel und eine weitere über der Stirn gelassen: aber das ist unter Erwachsenen nicht die Mode. Abu Hanifah hat, wenn ich richtig informiert bin, eine Abhandlung über die Shúshah oder die lange Locke geschrieben, die aus der Násiyah (Haarwirbel) wächst, was auch eine Vorsichtsmaßnahme ist, damit der Mund des geköpften Muslims nicht durch eine unreine Hand geschändet wird; und so würde sie der Ritterlocke ähneln, mit der der Indianerkrieger (und sogar der „Cowboy“ besserer Zeiten) die Entfernung seines eigenen Skalps erleichterte. Möglicherweise hatten die Türken die Praxis von den Chinesen gelernt und in Bagdad eingeführt (Pilgrimage i., 240). Die Beduinen flechten ihre Locken zu Kurún (Hörnern) oder Jadáil (Locken), die nur geöffnet werden, um mit der Milch der Kamelstute gewaschen zu werden. Die wilden Sherifs tragen Haffah, lange elfenhafte Locken, die an beiden Seiten des Halses herabhängen und etwa einen Finger breit um die Stirn und hinter dem Nacken abrasiert sind (Pilgrimage iii., 35-36). Ich habe an anderer Stelle auf die Accroche-cœurs, die „Idioten-Franse“ usw. hingewiesen.

Fußnote 618:

Speisen werden heutzutage selten gefärbt; aber persische Köche sind große Experten darin, Reis für das „Puláo“ (das wir nach seiner türkischen Verballhornung „Pilaw“ nennen) zu färben: es erscheint manchmal in Regenbogenfarben, rot, gelb und blau; und in Indien wird es mit Blattgold und Blattsilber bedeckt. Europa bewahrt die Praxis beim Färben von Oster-Eiern, dem Überbleibsel des Welten-Eis, das zur Osterzeit ausgebrütet wurde; und sie werden rot gefärbt in Anspielung auf das Blut der Erlösung.

Fußnote 619:

Wie ich bereits bemerkte, ist dies eine Mischung.

Fußnote 620:

Wir sagen: –

Selten sieht man im Sohn den Vater wieder: Er steigt manchmal im dritten Grad hernieder.

Fußnote 621:

Arab. „Ballán“, d. h. der Diener; „Ballánah“ ist eine Zofe.

Fußnote 622:

Arab. „Darabukkah“, eine Trommel aus Holz oder Ton (Lane, M. E., xviii.), die in Ägypten von allen verwendet wird.

Fußnote 623:

Arab. „Naihah“, eher gebräuchlich „Naddábah“, lat. præfica oder carina, eine bezahlte Klageweib, die irische „Keener“ bei der Conclamatio oder beim Coronach, wo der Hullabaloo, Hulululu oder Ululoo den Kummer der Hinterbliebenen zum Ausdruck brachte.

Fußnote 624:

Diese Spottverse, die unseren Straßenliedern gleichen, sind heute vergessen und andere haben ihren Platz eingenommen. Vor einigen Jahren hörte man oft „Dus ya lallí“ (tritt auf, o meine Freude) und „Názil il'al-Ganínah“ (hinab in den Garten), und diese werden ihrerseits veraltet. Lane (M. E. Kap. xviii.) gibt ersteres wieder, z. B.:

Tritt auf, o meine Freude! Tritt auf, o meine Freude! Die Liebe meiner Liebe bringt herben Verdruss,

Ein Refrain zu Strophen wie:

Alexandrinische Jungfrauen, selten! ✿ Zierlich wandelt ihr über den Boden: Eure Lippen sind süß, sind zuckersüß, ✿ Und bestickte Kaschmirschals tragt ihr!

Es mag angemerkt werden, dass „Summen“ bei Muslimen keine beliebte Praxis ist; wenn einer in der Gesellschaft damit beginnt, sagt ein anderer: „Geh ins Kahwah“ (das Kaffeehaus, der eigentliche Musiksaal) „und sing dort!“ Ich habe an anderer Stelle ihre Abneigung gegen Al-sifr oder das Pfeifen bemerkt.

Fußnote 625:

Arab. Khalí'a = abgenutzt, gerissen, ein Geächteter; wird wie das spanische „Perdido“ verwendet.

Fußnote 626:

„Zabbál“ ist der Müllsammler, wörtlich ein Dungzieher, besonders für den Gebrauch des Hammams, der mit dem Kot von Tieren beheizt wird. „Wakkád“ (Heizer) ist der Diener, der das Feuer schürt. Die Verse sind bloßer Unsinn, um dem Humor des Barbiers zu entsprechen.

Fußnote 627:

Arab. „Yá bárid“ = O Narr.

Fußnote 628:

Diese Form des Segens wird eine halbe Stunde vor Mittag vom Minarett gesungen, wenn die Gläubigen ihre Plätze in der Moschee einnehmen. Mittags erfolgt der übliche Azán oder Gebetsruf, und jeder Mann verrichtet eine Zweifache Verbeugung zu Ehren der Moschee und ihrer Versammlung. Der Prophet wird dann gesegnet und ein zweiter Salám wird von der erhöhten Kanzel oder Plattform („dikkah“) von den Geistlichen gerufen, die den Mittagsruf wiederholen. Dann rezitiert ein Imam die erste Khutbah oder Predigt „des Lobpreises“; und die Gemeinde betet in Stille. Darauf folgt die zweite Ermahnung „des Wa'az“, die Worte der Weisheit verbreitet. Der Imam stellt sich nun vor den Mihráb (Gebetsnische) und rezitiert die Ikámah, die der allgemeine Azan ist, mit einem einzigen Unterschied: nach „Eilt zur Errettung“ fügt sie hinzu „Gekommen ist die Zeit des Flehens“; daher der Name, der das (Gebet) „stehen“ (d. h. beginnen) lässt. Daraufhin rezitieren die Gläubigen das Farz, das im Koran vorgeschriebene Mittagsgebet vom Freitag; und die besonders Frommen fügen eine Vielzahl von freiwilligen Gebeten hinzu. Diejenigen, die das Thema studieren möchten, können Lane (M. E. Kap. iii. und dessen Zusammenfassung in seinen „Arabian Nights“, I, S. 430, oder Anmerkung 69 zu Kap. v.) konsultieren.

Fußnote 629:

d. h. die Frauen ließen ihr Haar offen; eine Unschicklichkeit, die nur bei einer großen Katastrophe gestattet war.

Fußnote 630:

Diese kleinen Läden bestehen aus einem „but“ und einem „ben“ (Pilgrimage i. 99).

Fußnote 631:

Arab. „Kawwád“, ein populärer Schimpfwort; daher das spanische und portugiesische „Alcoviteiro“. Das italienische „Galeotto“ stammt von Galahalt, nicht Galahad.

Fußnote 632:

d. h. „einer, der Beistand bei Allah sucht“. Er war der Sohn von Al-Záhir bi'lláh (einer, der durch das Dekret Allahs hervorragt). Lane sagt (i. 430), „Urenkel von Harun al-Rashid“, wobei er sich auf den ersten Mustansir, den Sohn von Al-Mutawakkil (regierte A.H. 247-248 = 861-2), bezieht. Dies ist jedoch der 56. Abbaside und regierte A.H. 623-640 (= 1226-1242).

Fußnote 633:

Arab. „Yaum al-Id“, das Kurban-Bairam der Türken, das Pilgerfest. Die Geschichte ist historisch. Im „Akd“, einer Sammlung, die von Ibn Abd Rabbuh (vulg. Rabbi-hi) aus Córdoba zusammengestellt wurde, der A.H. 328 = 940 starb, lesen wir: – Ein Schmarotzer fand zehn Kriminelle und folgte ihnen, in der Annahme, sie gingen zu einem Festmahl; doch siehe, sie gingen in den Tod. Und als sie erschlagen wurden und er übrig blieb, wurde er vor den Kalifen (Al-Maamun) gebracht und Ibrahim, der Sohn von Al-Mahdi, erzählte eine Geschichte, um Begnadigung für den Mann zu erwirken, woraufhin der Kalif ihn begnadigte. Lane ii, 506.

Fußnote 634:

Arab. „Nata' al-Dam“; das erste Wort wurde in der Geschichte vom Stier und Esel bemerkt. Das Leder des Blutes war dem Sufrah nicht unähnlich und konnte durch eine Schnur, die durch Ringe an den Rändern lief, zu einem Beutel zusammengefaltet werden. Muslimische Scharfrichter waren sehr erfahren und verfehlten selten, mit einem einzigen Schlag der dünnen schmalen Klinge, die messerscharf und hart wie Diamant war, den Kopf abzuschlagen, was in starkem Kontrast zu dem großen groben Hackbeil des europäischen Henkers stand.

Fußnote 635:

Das Erdgeschoss, das in allen heißen Ländern zu Recht als ungesund während des Schlafes angesehen wird, wird gewöhnlich für Läden vermietet. Dies ist auch in ganz Südeuropa der Fall und erstreckt sich bis zu den Kanarischen Inseln und Brasilien.

Fußnote 636:

Dieses ernsthafte Betrachten der Straßenszenen ist eines der Vergnügen der Harems.

Fußnote 637:

Wir würden sagen: „lächelte ihn an“: das Lachen war nicht als Beleidigung gemeint.

Fußnote 638:

Arab. „Fals ahmar“. Fals ist eine Fischschuppe, auch die kleinere Münze, und der Plural „Fulús“ ist der vulgäre Begriff für Geld (= ital. quattrini), ohne die Münze näher zu bezeichnen. Er darf nicht mit dem „Fazzah“, alias „Nuss“, alias „Páráh“ (türk.) verwechselt werden; letztere besteht nicht aus „rotem Kupfer“, sondern aus einer minderwertigen Legierung, die wie der griechische „Asper“ etwas Silber enthält; und stellt, wenn zum Nennwert, den vierzigsten Teil eines Piaster dar, wobei letzterer = 2d. 2/5 entspricht.

Fußnote 639:

Arab. „Farajiyah“, ein langärmeliges Gewand; Lanes „Farageeyeh“, M. E., Kap. i.

Fußnote 640:

Der Schneider im Osten, wie in Südeuropa, muss den Stoff im Beisein seines Besitzers zuschneiden, um „Stoffdiebstahl“ zu verhindern.

Fußnote 641:

Erwartet ein Geschenk.

Fußnote 642:

In Anspielung auf das Sprichwort „Kuss ist der Schlüssel zum Kätzchen“.

Fußnote 643:

Die „Panel-Masche“ (ein Trick, bei dem ein Komplize durch eine Wandverkleidung eindringt) ist im ganzen Osten fatal verbreitet, wo ein Mann, der im Haus eines anderen gefunden wird, hilflos ist.

Fußnote 644:

Dies war der Beginn von grobem Unfug, der oft in einer Bastonade endet.

Fußnote 645:

Haarfärbemittel sind im Osten alle pflanzlichen Ursprungs, Henna, Indigoblätter, Galläpfel usw.: unsere mineralischen Farbstoffe sind ihnen glücklicherweise unbekannt. Herklots wird eine Vielzahl von Rezepten liefern. Die ägyptische Mischung, die ich in „Pilgrimage“ (ii., 274) zitierte, ist Eisensulfat und Ammoniumeisen ein Teil und Galläpfel zwei Teile, aufgegossen in acht Teilen destilliertem Wasser. Sie ist harmlos, aber als Färbemittel sehr schwach.

Fußnote 646:

Arab. Amrad, etymologisch „bartlos und hübsch“, aber oft in einem schlechten Sinne gebraucht, um einen Verweichlichten, einen Knabenliebhaber zu bezeichnen.

Fußnote 647:

Die Hindus bevorzugen es, „die Himmelsrichtungen als ihr einziges Gewand zu haben“. Vêtu de climat, sagt Madame de Stael. In Paris werden nackte Statuen in „himmelblaues Gewand“ gehüllt. Rabelais (iv., 29) kleidet König Fastnacht in Grau und Gold von komischem Schnitt, nichts vorne, nichts hinten, mit Ärmeln von derselben Art.

Fußnote 648:

Diese Szene wurde vor einigen Jahren in Paris zum Vergnügen verborgener Zuschauer inszeniert, wobei ein junger Amerikaner das Opfer war. Sie wurde beendet, als einer der Zuschauer durch einen Taschenmesserstich in den „Spalt“ sein Auge verlor.

Fußnote 649:

Bedeutet, dass der Streich von der Frau oder Tochter des Wesirs gespielt wurde. Ich könnte verschiedene Namen in Kairo nennen, deren reizende Besitzerinnen Schlimmeres getan haben als diesen unziemlichen Schabernack.

Fußnote 650:

Arab. „Shayyun li'lláhi“, eine Bettlerformel = per amor di Dio.

Fußnote 651:

Beachtend, wie scharfhörig die Blinden werden.

Fußnote 652:

Die Blinden in Ägypten sind berüchtigt für Unverschämtheit und Gewalt, Fanatismus und Habgier. Nicht wenige Ausländer haben unter ihnen gelitten (Pilgrimage i. 148). In früheren Zeiten wurden viele im Säuglingsalter von ihren Müttern geblendet, und andere blendeten sich selbst, um der Wehrpflicht oder ehrlicher, harter Arbeit zu entgehen. Sie konnten immer Nahrung erhalten, besonders als Muezzine; und sie wurden bevorzugt, weil sie das Minarett nicht dazu nutzen konnten, die Haushalte ihrer Nachbarn auszuspionieren. Die ägyptische Rasse ist chronisch augenschwach, eine Folge des feucht-heißen Klimas des Tals, wo die Ophthalmie bereits in den vor-pharaonischen Tagen herrschte. Der große Sesostris starb steinerblind und sein Nachfolger verlor für zehn Jahre sein Augenlicht (Pilgrimage ii., 176). Dass die Fellachen heute angeboren augenschwach sind, lässt sich sehen, wenn man sie mit Negern vergleicht, die aus Zentralafrika importiert wurden. Die Ophthalmie wütet, besonders während der feuchten Jahreszeit, im unteren Niltal; und das beste Heilmittel dafür ist ein zweiwöchiger Ausflug in die Wüste, wo sich das Auge trotz der Blendung, des Sandes und des Windes schnell wieder erholt.

Fußnote 653:

d. h. mit Tritten, Schlägen und Hieben, wie es Sitte ist. (Pilgrimage i., 174.)

Fußnote 654:

Arab. Káid (wovon „Alcayde“), ein Wort, das im Nordwesten Afrikas noch viel verwendet wird.

Fußnote 655:

Arab. „Sullam“ = wörtlich eine Leiter; ein Gerüst aus Stöcken, das als Ersatz für unsere Dreiecke oder Pranger verwendet wird.

Fußnote 656:

machte ihn zu einem seiner Zechkumpane. So hörten sie nicht auf, das erfreulichste und köstlichste Leben zu führen, bis der Zerstörer aller Freuden und der Trenner aller Gemeinschaften, der Entvölkerer der Paläste und der Sammler für die Gräber zu ihnen kam. Doch, o glückverheißendster König! (fuhr Shahrazad fort), diese Geschichte ist keineswegs wunderbarer als die von den zwei Wesiren und Anís al-Jalís. Ihre Schwester Dunyazad fragte: „Und was mag das sein?“; woraufhin sie begann, die folgende Geschichte zu erzählen von

Dies ist eine der Leistungen der Al-Simiyá=weiße Magie; das Faszinieren der Augen. In Europa hat sie in letzter Zeit den Namen „Elektro-Biologie“ erhalten.

Fußnote 657:

Wiederum mittels der „Simiyá“ oder der Kraft der Faszination, die der alte Schurke besaß.

Fußnote 658:

Eine Formel zur Abwendung von „Al-Ayn“, dem bösen Blick. Es bringt stets Unglück, einem Einäugigen zu begegnen, besonders gleich morgens als Erstes und wenn man sich auf einen Botengang begibt. Die Vorstellung ist, dass der Faszinierte unter irgendeiner Einwirkung des physischen Auges leiden wird. Auch Monokelträger gelten als Schelme: daher der Sanskrit-Spruch „Wenige Einäugige sind ehrliche Männer“.

Fußnote 659:

Al-Nashshár von Nashr=sägen: So wird der Fiedler im Italienischen „Dorf-Säge“ (Sega del villaggio) genannt. Er ist der Alnaschar des verenglichten Galland und Richardson. Die Erzählung ist sehr alt. Sie erscheint als der Brahmane und der Reistopf im Panchatantra; und Professor Benfey glaubt (wie bei ihm üblich), dass diese, wie viele andere, aus einer buddhistischen Quelle stammt. Ich würde sie jedoch eindeutig von Äsops Marktweib ableiten, das seine Eier umstieß; daher das lat. Sprichwort „Ante victoriam canere triumphum“ = das Fell verkaufen, bevor man den Bären gefangen hat. In „Kalila und Dimna“ und seinen zahlreichen Ablegern ist es der „Asket mit seinem Krug voll Öl und Honig“; bei Rabelais (i, 33) verschüttet Echephrons Schuhmacher seine Milch, und so La Perette bei La Fontaine. Siehe M. Max Müllers „Chips“, Bd. iii., Anhang. Der neugierige Leser vergleiche meine Version mit jener, die am Ende von Richardsons Arabischer Grammatik (Ausg. von 1811) erscheint: er hatte ein besseres, oder vielmehr ein vollständigeres MS. (S. 199) als jedes bisher gedruckte.

Fußnote 660:

Arab. „Atr“=jedes Parfüm, besonders Rosenöl; woher unser Wort „Attar“, durch die türkische Verfälschung.

Fußnote 661:

Die Texte geben „Dirhams“ (100.000=5.000 Dinar) für „Dinar“, ein Schreibfehler, wie die Fortsetzung zeigt.

Fußnote 662:

„Junge Sklaven“, sagt Richardson, verlieren „Farbe“.

Fußnote 663:

Nichts ist geeigneter, Kränkung zu verursachen, als eine solche Verweigerung. Richardson (S. 204), der jedoch an seiner eigenen Version (S. 208) zweifelt, übersetzt hier: „und ich werde meiner Seele (Ehefrau) keine Freiheit geben, außer in ihren Gemächern.“ Das Arabische, oder vielmehr Kairinische, ist „wa lá akhalli rúhi“ = ich werde mich nicht gehen lassen, d. h. mein alltägliches Selbst sein usw.

Fußnote 664:

„Während sie in Erstaunen und Schrecken ist.“ (Richardson).

Fußnote 665:

„Gewänderkammer“, Richardson, dessen Text „Nám“ für „Manám“ hat.

Fußnote 666:

„Bis ich ihre Not vollende“, Richardson, dessen Text korrupt ist.

Fußnote 667:

„An ihrer Seite schlafen“, R., wobei das Wort „Náma“ beide Sinne trägt.

Fußnote 668:

„Wird meine Hand nehmen“, R., da „takabbal“ ebenfalls zweideutig ist.

Fußnote 669:

Arab. „Mu'arras“ einer, der „'Ars“, Hochzeiten usw., herbeiführt. So das dt. „Kupplerinn“, eine Coupleress. Es ist eines der vielen Synonyme für einen Zuhälter und ein Wort im allgemeinen Gebrauch (Pilgrimage i., 276). Der beleidigendste Begriff, wie Dayyús, unterstellt, dass der Mann für seine eigene Frau kuppelt.

Fußnote 670:

Von Händen und Gesicht usw. Siehe Nacht cccclxiv.

Fußnote 671:

Arab. „Sadakah“ (Aufrichtigkeit), freiwillige oder überobligatorische Almosen, im Gegensatz zu „Zakát“ (Reinigung), gesetzliche Almosen, die unerlässlich sind. „Das Gebet trägt uns auf halbem Weg zu Allah; das Fasten bringt uns an die Tür Seines Palastes und Almosen (Sadakah) lässt uns eintreten.“ Für „Zakát“ ist kein besonderer Satz festgelegt; aber er sollte nicht weniger als ein Vierzigstel des Vermögens oder zweieinhalb Prozent betragen. So ist der Al-Islam, soweit ich weiß, der einzige Glaube, der eine Armensteuer (Zakát) zur Pflicht macht und der eine Vermögenssteuer erfunden hat, im Gegensatz zu der ungerechten und unfairen Einkommenssteuer, auf die England so stolz ist.

Fußnote 672:

Ein griechisches Mädchen.

Fußnote 673:

Das hieß, es sich sehr leicht machen; und die Vorstellung ist, dass das Gold im Beutel ihn so kühn machte. Lanes Erklärung (in loco) ist völlig falsch. Der Stolz, der durch den plötzlichen Besitz von Geld erzeugt wird, ist ein _lieu commun_ bei orientalischen Geschichtenerzählern; selbst in den Tierfabeln wird die Maus, die ein paar Goldstücke gestohlen hat, selbstbewusst und mutig.

Fußnote 674:

Arab. „Al-Málihah“ bedeutet auch die Schöne (fem.), von „Milh“=Salz, Glanz usw. Die Mac.-Ausg. hat „Mumallihah“=ein Salzgefäß.

Fußnote 675:

d. h. um zu sehen, ob er den Schmerz fühlte.

Fußnote 676:

Arab. „Sardábeh“ (Persisch)=ein unterirdischer Raum, der in der heißen Jahreszeit zur Kühlung benutzt wird. Er ist in Kairo unbekannt, aber jedes Haus in Bagdad, ja in ganz Mesopotamien, besitzt einen. Er beruht auf dem Prinzip des unterirdischen Kellers, ohne den Wein nicht haltbar ist: Lane (i., 406) nennt es ein „Gewölbe“.

Fußnote 677:

Im Orig. „O altes Weib!“, was beleidigend ist.

Fußnote 678:

So sagen die Italiener „eine Wachtel zum Häuten“.

Fußnote 679:

„Amán“ ist das Wort, das auf dem Schlachtfeld für „Gnade“ verwendet wird; und es gibt Joe-Miller-Witze über unsere Soldaten in Indien, die es für „a man“ oder (schottisch) „a mon“ hielten.

Fußnote 680:

Illustriert das persische Sprichwort „Allah selbst kann einem Narren nicht helfen“.

Fußnote 681:

Jeder Gegenstand, der einer Person abgenommen und einem Verbrecher gegeben wird, ist ein Versprechen auf Begnadigung, natürlich unter der stillschweigenden Bedingung eines vollständigen Geständnisses und des „Kronzeugen“-Werdens.

Fußnote 682:

Ein naiver Vorschlag, die Beute zu teilen.

Fußnote 683:

In der populären Literatur „Schacabac“. Und aus dieser Geschichte stammt unser Sprichwort „ein Barmeciden-Fest“, d. h. eine Illusion.

Fußnote 684:

Der Kastrat an der Tür ist (wie ich sagte) immer noch die Mode von Kairo, und er spielt den „Schweizer“ mit allem, was dazugehört.

Fußnote 685:

Wie im Orient üblich, war das Herrenhaus ein hohles Quadrat, das das umschloss, was man in Spanien Patio nennt: der äußere Eingang war weit vom inneren entfernt, was die Ausdehnung des Geländes zeigte.

Fußnote 686:

„Nahnu málihín“=wir sind durch Salz verbunden, sagten und sagen die Araber. Aber der Reisende darf in diesen Tagen nicht auf das einst heilige Band vertrauen; es gibt Stämme, die mit der einen Hand Brot geben und mit der anderen stechen. Der orientalische Gebrauch von Salz ist ein seltsamer Kontrast zu dem der Westler, die daraus eine neidische und unwirtliche Unterscheidung machten, z. B. über dem Salzfass und unter dem Salz zu sitzen. Bei den Alten bedeutete „er nahm Brot und Salz“ jedoch, dass er schwor, da die Speise gegessen wurde, wenn ein Eid geleistet wurde. Daher der „Brautkuchen“ aus Salz, Wasser und Mehl.

Fußnote 687:

Arab. „Harísah“, der zuvor erklärte Fleischbrei.

Fußnote 688:

Arab. „Sikbáj“, zuvor erklärt; es gilt als vornehmes Gericht, erfunden von Chosrau Parwis. „Gemästete Ente“, sagt die Bresl. Ausg. ii. 308, mit mehr Grund.

Fußnote 689:

Ich wurde im südlichen Abessinien dafür gerügt, dass ich ohne dieses Schmatzen aß: „Du speist wie ein Bettler, der schweigend in seiner Ecke mümmelt“; und fand bald heraus, dass es ein Zeichen von guter Erziehung war, so geräuschvoll wie möglich zu essen.

Fußnote 690:

Gerste ist in Arabien, wie bei uns der Hafer, Futter für Pferde: sie macht sie fett und kühlt sie gleichzeitig. Wäre dies unserer Kavallerie bekannt gewesen, als wir 1883-4 erstmals Ägypten besetzten, wären unsere Verluste an Pferden weit geringer gewesen; aber die amtliche Unwissenheit beharrte darauf, die Tiere mit erhitztem Hafer und die Reiter mit Rindfleisch zu füttern, das schwer verdaulich ist, anstatt mit Hammelfleisch, das gesund ist.

Fußnote 691:

d. h. „Ich beschwöre dich bei Gott.“

Fußnote 692:

d. h. „Dies ist genau das Richtige für dich.“

Fußnote 693:

d. h. aufs Geratewohl.

Fußnote 694:

Dies ist die Art, das Kamel zu schlachten, dessen Kehle wegen der Dicke der Muskeln niemals durchschnitten wird. „Égorger un chameau“ ist ein Fehler, der in französischen Büchern oft gemacht wird.

Fußnote 695:

d. h. ich werde die Grenzen überschreiten.

Fußnote 696:

Die Araber haben ein Sprichwort, das dem Diktum der Salernitaner Schule entspricht:—

Noscitur a labiis quantum sit virginis antrum: Noscitur a naso quanta sit hasta viro; (An der Jungfrau Mund erkennt man ihres Schoßes Rund; Und nach der Nase Länge weiß man des Mannes Stänge.)

Wozu ich hinzufügen möchte:—

Und die Augenbrauen verraten, wie unten die Haare sich nahen.

Die Beobachtungen sind rein empirisch, aber, soweit meine Erfahrung reicht, korrekt.

Fußnote 697:

Arab. „Kahkahah“, eine sehr niedrige Handlungsweise.

Fußnote 698:

Oder „für jeden Tod gibt es eine Ursache“; aber die älteren Araber hatten ein Sprichwort, das „Deus non fecit mortem“ entspricht.

Fußnote 699:

Der königliche Barbier ist gewöhnlich ein Mann von Rang, aus dem besten aller Gründe: er hält das Leben seines Souveräns zwischen seinen Fingern. Einer dieser edlen Figaros in Indien heiratete eine englische Dame, die, wie man sagt, unangenehm überrascht war, als sie herausfand, was die offiziellen Pflichten ihres Mannes waren.

Mustapha = der Auserwählte, ebenda. Mutawalli = Polizeipräfekt, 259 Muzayyin = Figaro des Ostens, 304 Nabút = Viertelstab, 234 Nadd, ein zusammengesetztes Parfüm, 310 Naddábah = Klageweib, 311 Nadím = Trinkgefährte, 46 Nafas = Atem, 107 Nafs = Seele, Leben, ebenda. Nahás asfar = Messing, 40 Nahás (ahmar) = Kupfer, ebenda. Nahnu málihín = wir sind durch das Salz verbunden, 344 Nahs = garstig, 301 Naihah = Totenklägerin, angeheuerte Klagende, 311 Nacktheit umschrieben, 327 Nakíb = Karawanenführer, Oberhaupt, Syndikus, 269 Name Allahs in einer unanständigen, im Wesentlichen ägyptischen Erzählung eingefügt, 12 Narjis = Narzisse, 294 Naskh = Schreibschrift, 128 Nasráni = Anhänger dessen von Nazareth, 258 Nat'a = Leder, das als Tischtuch verwendet wird, 20 Nata' al-dam = das Leder des Blutes, 318 Nabel in Bezug auf Schönheit und Gesundheit, 84 Die Nähe des Sitzplatzes als Zeichen der Ehre, 250 Neger, von ausschweifenden Frauen bevorzugt, 6 Neumond, der den Ramazán einleitet, wird sorgfältig beobachtet, 84 Nilwasser, süß und leicht, 290 Neunzehn, das Alter einer älteren alten Jungfer in Ägypten, 212 Laute Fröhlichkeit ist für die muslimische „Anständigkeit“ skandalös, 95 Nichts umsonst, ein sexueller point d'honneur, 87 Eid, eine ernste Angelegenheit unter Muslimen, 179 Oman = Ost-Arabien, 83 Orientalische Orgie unterscheidet sich von der europäischen, 93 Kuppel-Trick, um mehr Geld zu erhalten, 302 Panel-Trick, fatal verbreitet, 323 Szene des Pariser Jockey-Clubs vorweggenommen, 327 Parodie auf das Glaubensbekenntnis der Einheit Allahs, 177 Papageiengeschichte, weltweite Folklore, 52 Passagiere in Schwierigkeiten übernehmen das Kommando, 140 Perle, soll jährlich ein Prozent ihres Glanzes verlieren, 165 Peschdadiden, ein Geschlecht persischer Könige, 75 Ebene (Boden), Synonyme für, 46 Plural Maskulinum aus Bescheidenheit verwendet, wenn ein Mädchen ihren Liebhaber anspricht, 98 Poesie der Araber erfordert Kenntnis der Wüste, um verstanden zu werden, 230 Granatapfelfrucht, soll Samen aus dem Garten Eden enthalten, 134 Premierminister bringt Fisch zum Küchenmädchen, 63 Abort, eine Platte mit Schlitz vorne und rundem Loch hinten, 221 Sprichwörter, naturgetreu, 307 Qanoon-e-Islam bezüglich Horoskopen usw. zitiert, 213 Raydaniyah, ein Lagerplatz bei Kairo, 245 Rayháni = eine geschwungene Schriftart, 128 Rais = Kapitän eines Schiffes, 127 Rajaz = das siebte Bahr der arabischen Metrik, 251 Rajul ikhtiyár = Mann mittleren Alters, 55 Die Ablehnung eines Geschenks ist die größte Beleidigung, 336 Zerreißen der Gewänder als Zeichen von Kummer oder Verdruss, 308 Respekt vor Körperteilen, Exkrementen usw., 276 Das Reiten auf dem Esel, eine alte biblische Praxis, 262 Rims = Karren, 131 Rozistan = Tagesstation, 29 Ruká'í = Korrespondenzschrift, 128 Rukhám = Alabaster, 295 Ruka'tayn = Gebet mit zwei Verbeugungen, 142 Sa'ad = Glücksverheißung, Wohlstand; Ableitungen, 9 Sabr = Geduld und Aloe, Quelle für Wortspiele, 138 Sadaf = Kaurischnecke, 19 Sadakah = freiwilliges Almosen, im Gegensatz zu Zakát, 339 Sadd = Mauer, Deich, 114 Sáhib = Gefährte, als Wesir-Titel verwendet, 237 Sáhib al-Shartah = Chef der Wache (Polizeipräfekt), 259 Sáhib Nafas = Meister des Atems, ein kleiner Heiliger, der durch Ausatmen heilt, 107 Sáhil Masr = die Flussseite (bei Kairo), 291 Saj'a = gereimte Prosa, 116 Sakhr al-Jinni wird angespielt, 41 Sákiyah = das persische Wasserrad, 123 Sálih, Prophet, der zu den Thámúd gesandt wurde, 169 Salmá und Layla = unsere „Maria und Martha“, 265 Sama'an wa ta atan, verschieden zu übersetzen, 96 Samn = geklärte Butter, 144 Sár = Blutrache, 101, 114 Saráwil = Pluder- oder weite Beinkleider, 222 Sardábeh = unterirdischer Raum, 340 Sarráf = anglo-indischer „Shroff“ (Geldwechsler), 210 Sassaniden, 75 Sawáb = Lohn im Himmel, 96 Sayd wa Kanas = Jagd und Hetzjagd, 9 Verbrühen eines Stumpfes mit Öl, übliche chirurgische Praxis, 297 Skorpione der Stirn = accroche-cœurs (Schläfenlocken), 168 Versiegeln einer bedeckten Schüssel, eine notwendige Vorsichtsmaßnahme gegen Gift, 244 Meere, die zwei = das Mittelmeer und der Indische Ozean, 173 Grabmal, fälschlicherweise „ein kleiner Wali“ genannt, 105 Sieben Schulen oder Ausgaben des Koran, 113 Shább = Jugendlicher zwischen Pubertät und vierzig, 55 Shabistan = Nachtstation, 29 Shakáik al-Nu'umán = Anemone, 175 Shahrázád = Stadtbefreierin, 14 Shahryár = Stadtfreund, 2 Shah Zamán = König des Zeitalters, ebenda. Shaykh = ein alter Mann, Ältester, Oberhaupt, 26 Shaykh, Shaybah = Graubart, Greis, 55 Sha'ílah = Fackel (auch Lampe, Docht usw.), 259 Schütteln und Nicken des Kopfes, universelle Elemente der Gestensprache, 300 Shám (Syrien) = Land zur Linken, im Gegensatz zu Al-Yaman = Land zur Rechten, 83 „Schande“ wird angespielt beim Fluchen über die Eltern einer beleidigten Person, 227 Massieren der Füße, 117 Sharmutah = Lumpen, Fetzen; Dirnen; Fleischfetzen = Kadíd, 163 Shámah = Khál, Muttermal auf der Wange, 167 Shart = eine einzelne Talbiyah oder der Ruf Labbayka, 226 Shatm = obszöne Beleidigung, 182 Shayyun li'lláhi = per amor di Dio (um Gottes Willen), 329 Tränenvergießen ist für einen Mann keine Schande, 68 Sham hamphorash = der hundertste Name Gottes, in den Siegelring Salomos eingraviert, 173 Shiháb = Sternschnuppen, 224 Shirk (Partnerschaft) = Syntheismus, Dualismus, Trinitarismus, 181 Läden bestehend aus einem „vorne“ und „hinten“, 316 Schauer vor der magnetischen Trance, 44 Shuhadá, Märtyrer, weitläufige Kategorie, 171 Shuhúd = Beisitzer des Kadi-Gerichts, 21 Shurayh, schlauer als der Fuchs, 252 Shúshah = Haarschopf, 308 Simát = Esstisch, 178 Simiyá = weiße Magie, 305, 332 Auf Schienbeinen und Knien sitzen, eine anstrengende Haltung, 130 Sklaven, von ausschweifenden Frauen begehrt, 191 Mondscheibe = Ziffer des Mondes, 91 Männer in den Harem schmuggeln, 282 Den Turban entreißen, ein lohnendes Gewerbe, 259 Weichseitig, Attribut der Schönheit, 168 Salomos Tod legt das Datum einer Erzählung fest, 41 „Sohn“ wird für „Enkel“ verwendet, liebevoller, 243 Sohn eines Jahrhunderts = hundert Jahre alt, 126 Söhne Adams = Menschen, 130 Söhne von Sásán = Sassaniden, 2 Sprecher stellt sich selbst an erste Stelle, 33 Speichel vor Angst vertrocknet, 285 Stab beim ersten Versuch zerbrochen = Scheitern beim ersten Anlauf, 64 Straßenmelodien ändern sich mit der Mode, 311 Schlagen der rechten Hand auf die linke, Zeichen von Verdruss, 298 Schlagen mit dem Schuh, dem Pfeifenrohr usw., hochgradig beleidigend, 110 Subh-i-kázib = falsche Morgendämmerung, 78 Subh-i-sádik = wahre Morgendämmerung, ebenda. Saugen an der Zunge = „Küssen mit der inneren Lippe“, 270 Sufrah = Esstisch, 178 Zuckerstange = Zuckerpüppchen, 167 Suhá, Stern im Großen Bären, ebenda. Sulayman und Sakhr al-Jinni, 42 Sullam = Leiter; Pranger, 331 Sulus = Urkundenschrift, 128 Große Summen werden gewogen, 281 Sonne begrüßt Mohammed, 45 Aberglauben nicht auf die unteren Schichten beschränkt, 40 Surriyat = Konkubine, 27 Su 'ubán = Drache, Basilisk = Tannín, 172 Su'úd als Gegen-Geruch verwendet, 279 Suwán = Syenit, 238

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