The Home Book of Verse, Band 2
von Burton Egbert Stevenson
Der Inhalt von Band I des zweibändigen Werks befindet sich in unserem Band 1. Dies beinhaltet die Inhalte der Bände 1 bis 4 unserer E-Text-Ausgaben.
TEIL II
GEDICHTE DER LIEBE
EROS
Des Weltlaufs Sinn ist kurz, - Lang und mannigfaltig der Bericht, - Zu lieben und geliebt zu werden; Menschen und Götter haben es nicht verlernt; Und wie oft sie es auch gewendet haben, Es ist nicht zu verbessern.
Ralph Waldo Emerson [1803-1882]
„NUN, WAS IST LIEBE“
Nun, was ist Liebe, ich bitte dich, sag es? Sie ist jene Quelle und jener Brunnen, Wo Lust und Reue wohnen; Sie ist vielleicht das Läuteglöckchen, Das alle in den Himmel oder in die Hölle ruft; Und das ist Liebe, wie ich sagen höre.
Doch was ist Liebe, ich bitte dich, sag es? Sie ist ein Werk am Feiertag, Sie ist Dezember gepaart mit Mai, Wenn üppige Blutwallungen in frischem Schmuck Zehn Monate später vom Schauspiel hören; Und das ist Liebe, wie ich sagen höre.
Doch was ist Liebe, guter Hirte, sprich? Sie ist ein Sonnenschein, vermischt mit Regen, Sie ist ein Zahnweh oder ähnlicher Schmerz, Sie ist ein Spiel, bei dem keiner gewinnt; Das Mädchen sagt nein, doch möchte sie nur zu gern; Und das ist Liebe, wie ich sagen höre.
Doch, Hirte, was ist Liebe, ich bitte dich? Sie ist ein Ja, sie ist ein Nein, Eine hübsche Art von spielerischem Streit, Sie ist ein Ding, das bald vergeht. Dann, Nymphen, nutzt die Gelegenheit, solange ihr könnt; Und das ist Liebe, wie ich sagen höre.
Doch was ist Liebe, guter Hirte, zeig es? Ein Ding, das kriecht, es kann nicht gehen, Ein Preis, der hin und her wandert, Ein Ding für einen, ein Ding für mehrere, Und wer es erprobt, der wird es so finden; Und Hirte, das ist Liebe, das glaube ich.
Walter Raleigh [1552?-1618]
WERBELIED Aus „Christ’s Victory“
Die Liebe ist die Blüte, an der alles blüht, Was lebt oder wächst: Die Liebe lässt die Himmel sich bewegen, Und die Sonne brennt in Liebe: Die Liebe spannt die Starken und die Schwachen zusammen, Und lässt den Efeu die Eiche erklimmen, Unter deren Schatten wilde Löwen, Von Liebe erweicht, zahm und sanft werden: Keine Arznei kann die Liebe besänftigen, Sie verbrennt Fische in den Meeren: Nicht alle Kunst kann ihre Wunden schließen, Nicht alles Meer kann ihr Feuer löschen. Die Liebe ließ den blutigen Speer Einst ein belaubtes Gewand tragen, Während in seinen Blättern verborgen lagen Süße Vögel, die aus Liebe singen und spielen, Und von der ganzen freudigen Flamme der Liebe Bin ich die Knospe und die Blüte. Beuge nur dein Knie vor mir, Dein Werben soll dein Gewinnen sein!
Sieh, sieh die Blumen, die unten Nun so frisch wie der Morgen blühen; Und von all der jungfräulichen Rose, Die so hell wie Aurora erscheint; Wie sie alle blattlos sterben, Ihre Jungfräulichkeit verlierend! Gleich einem Sommerschatten, Gerade erst geboren, und nun verwelken sie. Alles vergeht; Es liegt Gefahr im Zögern: Komm, komm, pflücke dann die Rose, Pflücke sie, oder du verlierst sie! All den Sand am Ufer des Tagus Wirft er in meinen Schoß als sein Erz: All das wogende Korn der Täler Wird jährlich zu meinem Hause getragen: Jede Traube eines jeden Weinstocks Wird freudig zerdrückt, um mir Wein zu machen: Während zehntausend Könige, so stolz, Sich verneigten, um meine Schleppe zu tragen, Und eine Welt von Damen mich sendet, In meinen Gemächern mir aufzuwarten: Alle Sterne im Himmel, die scheinen, Und zehntausend mehr, sind mein: Beuge nur dein Knie vor mir, Dein Werben soll dein Gewinnen sein!
Giles Fletcher [1549?-1611]
ROSALINDS MADRIGAL Aus „Rosalind“
Die Liebe in meinem Busen wie eine Biene Saugt ihre Süße: Nun spielt sie mit ihren Flügeln mit mir, Nun mit ihren Füßen. In meinen Augen macht sie ihr Nest, Ihr Bett inmitten meiner zarten Brust; Meine Küsse sind ihr tägliches Fest, Und doch raubt sie mir meine Ruhe: Ach! Frechdachs, willst du?
Und wenn ich schlafe, dann hockt sie Mit hübschem Flug, Und macht mein Knie zu ihrem Kissen Die ganze lange Nacht. Schlage ich meine Laute, stimmt sie die Saite; Sie spielt Musik, wenn ich so singe; Sie leiht mir jedes liebliche Ding, Doch grausam sticht sie mein Herz: Pst, Frechdachs, sei still!
Sonst werde ich dich jeden Tag mit Rosen Hinwegpeitschen, Und dich binden, wenn du spielen willst, Für dein Vergehen. Ich werde meine Augen schließen, um dich darin zu behalten; Ich werde dich fasten lassen für deine Sünde; Ich werde deine Macht keinen Pfifferling wert achten. - Ach! was werde ich dadurch gewinnen, Wenn sie mir widerspricht?
Was, wenn ich den frechen Jungen Mit vielen Ruten schlage? Er wird es mir mit Verdruss vergelten, Weil er ein Gott ist. Dann sitze du sicher auf meinem Knie; Dann lass meine Laube mein Busen sein; Lauere in meinen Augen, ich mag dich; O Amor, wenn du dich meiner erbarmst, Schone nicht, sondern spiel dich aus!
Thomas Lodge [1558?-1625]
LIED Aus „Hymen’s Triumph“
Die Liebe ist eine Krankheit voller Weh, Die alle Heilmittel verweigert; Eine Pflanze, die durch das meisten Schneiden wächst, Am unfruchtbarsten bei bestem Gebrauch. Warum so? Je mehr wir sie genießen, desto mehr stirbt sie; Wenn nicht genossen, schreit sie seufzend - Heigh ho!
Die Liebe ist eine Qual des Geistes, Ein immerwährender Sturm; Und Jupiter hat sie von einer Art gemacht, Nicht wohl, weder satt noch fastend. Warum so? Je mehr wir sie genießen, desto mehr stirbt sie; Wenn nicht genossen, schreit sie seufzend - Heigh ho!
Samuel Daniel [1562-1619]
DIE EIDBRÜCHE DER LIEBE Aus „Verlorene Liebesmüh“
An einem Tag, ach der Tag! Liebe, deren Monat immer Mai ist, Erspähte eine Blüte, überaus schön, Die in der frechen Luft spielte: Durch die samtenen Blätter fand der Wind, Völlig ungesehen, seinen Weg; Dass der Liebende, todkrank, Sich wünschte, des Himmels Hauch zu sein. Luft, sprach er, deine Wangen mögen wehen; Luft, wünschte ich, dürfte so triumphieren! Doch, ach, meine Hand ist geschworen, Dich niemals von deinem Dorn zu pflücken: Gelübde, ach, für die Jugend ungeziemend; Jugend, so geneigt, eine Süße zu pflücken. Nenne es nicht Sünde in mir, Dass ich mein Wort für dich gebrochen habe: Du, für die selbst Jupiter schwören würde, Juno sei nur eine Äthiopierin, Und sich selbst verleugnen würde als Jupiter, Um für deine Liebe sterblich zu werden.
William Shakespeare [1564-1616]
VENUS' AUSREISSER Aus „The Hue and Cry After Cupid“
Schönheiten, habt ihr dieses Spielzeug gesehen, Genannt Liebe, einen kleinen Jungen, Fast nackt, mutwillig, blind; Grausam jetzt, und dann wieder so gütig? Wenn er unter euch ist, sagt es? Er ist Venus' Ausreißer.
Diejenige, die nur jetzt entdecken will, Wo der geflügelte Schelm sich aufhält, Soll heute Nacht einen Kuss erhalten, Wie oder wo sie es selbst sich wünschte: Doch wer ihn zu seiner Mutter bringt, Soll jenen Kuss haben, und einen weiteren.
Er hat Kennzeichen an sich in Menge: Ihr werdet ihn unter zwanzig erkennen. Sein ganzer Körper ist ein Feuer, Und sein Atem eine einzige Flamme, Die, wie ein Blitz hineingeschossen, Das Herz verwundet, aber nicht die Haut.
Bei seinem Anblick hat sich die Sonne gewendet, Neptun in den Wassern gebrannt; Die Hölle hat eine größere Hitze gefühlt; Jupiter selbst verließ seinen Sitz: Vom Mittelpunkt bis zum Himmel Sind seine Trophäen hoch errichtet.
Flügel hat er, die ihr, obgleich ihr sie stutzt, Ihn von Lippe zu Lippe springen lassen werden, Über Leber, Lungen und Herz, Aber an keinem Teil verweilen; Doch wenn sein Pfeil zufällig verfehlt, Wird er sich selbst in Küssen verschießen.
Er trägt einen goldenen Bogen, Und einen Köcher, tief hängend, Voll von Pfeilen, die Dianas Schaft Übertreffen; wo, falls er hat Irgendeine Spitze, die schärfer ist als andere, Mit jener zuerst schlägt er seine Mutter.
Immer sind die Schönsten sein Brennstoff. Wenn seine Tage grausam sein sollen, Sind der Liebenden Herzen seine ganze Nahrung, Und seine Bäder ihr wärmstes Blut: Nichts als Wunden würzt seine Hände, Und er hasst nichts so sehr wie die Vernunft.
Traut ihm nicht; seine Worte, obgleich süß, Treffen selten mit seinem Herzen zusammen. All sein Tun ist Betrug; Jedes Geschenk ist ein Köder; Kein Kuss, der nicht Gift trägt; Und der meiste Verrat in seinen Tränen.
Müßige Minuten sind seine Herrschaft; Dann macht der Streuner seinen Gewinn, Indem er Mädchen mit Spielsachen beschenkt, Und möchte, dass ihr sie für Freuden haltet: Es ist der Ehrgeiz des Elfen, Alles so kindisch zu haben wie er selbst.
Wenn ihr ihn an diesen zu erkennen beliebt, Schönheiten, seid nicht spröde, sondern zeigt ihn. Obgleich ihr den Willen hattet, ihn zu verstecken, Nun, so hoffen wir, werdet ihr ihn nicht dulden; Da ihr von seinem falscheren Spiel hört, Und dass er Venus' Ausreißer ist.
Ben Jonson [1573?-1637]
WAS IST LIEBE? Aus „The Captain“
Sag mir, Liebste, was ist Liebe? Es ist ein Blitz von oben; Es ist ein Pfeil, es ist ein Feuer, Es ist ein Junge, den sie Begehren nennen. Es ist ein Grab, Das sperrt sich auf, zu haben Jene armen Narren, die es zu erproben verlangen.
Sag mir mehr, sind Frauen treu? Ja, manche sind es, und manche wie du. Manche sind willig, manche sind fremd, Seit ihr Männer zuerst gelehrt habt, zu wechseln. Und bis Treue In beiden ist, Werden alle lieben, um von neuem zu lieben.
Sag mir noch mehr, können sie trauern? Ja, und schwer erkranken, aber leben, Und weise sein, und zögern, Wenn ihr Männer so weise seid wie sie. Dann sehe ich, Glaube wird sein Niemals, bis sie beide glauben.
John Fletcher [1579-1625]
SYMBOLE DER LIEBE Aus „Valentinian“
Nun wird der üppige Frühling gesehen; Goldenes Gelb, auffälliges Blau, Laden zierlich zum Anblick ein: Überall auf jedem Grün Rosen, die erröten, wenn sie blühen, Und Männer verlocken, zu pflücken, Lilien, weißer als der Schnee, Geißblätter, voll von süßem Honig: Alles Symbole der Liebe, und alle rufen: „Damen, wenn ihr nicht gepflückt werdet, sterben wir.“
Doch der üppige Frühling ist geblieben; Errötendes Rot und reinstes Weiß Laden zierlich zur Liebe ein Jede Frau, jedes Mädchen: Kirschen, die sich küssen, während sie wachsen, Und Männer zum Kosten einladen, Äpfel, unten sogar reif, Die sich sanft zur Taille winden: Alles Symbole der Liebe, und alle rufen: „Damen, wenn ihr nicht gepflückt werdet, sterben wir.“
John Fletcher [1579-1625]
DIE MACHT DER LIEBE Aus „Valentinian“
Hört, ihr Damen, die ihr verachtet, Was die mächtige Liebe getan hat; Fürchtet Beispiele und seid weise: Die schöne Kallisto war eine Nonne; Leda, auf dem Strom segelnd, Um die Hoffnungen der Menschen zu täuschen, Die Liebe nur für einen Traum haltend, Schwärmte für einen silbernen Schwan; Danaë, in einem ehernen Turm, Wo keine Liebe war, liebte einen Schauer.
Hört, ihr Damen, die ihr spröde seid, Was die mächtige Liebe tun kann; Fürchtet die Heftigkeit des Jungen: Den keuschen Mond lässt er werben; Vesta, heilige Feuer entzündend, Von Spionen umkreist, Niemals von losen Begierden träumend, Schwärmend am Altar stirbt sie; Ilion, in einer kurzen Stunde, höher Kann er bauen, und noch einmal anzünden.
John Fletcher [1579-1625]
RAT AN EINEN LIEBENDEN
Das Meer hat viele tausend Sandkörner, Die Sonne hat ebenso viele Staubkörner; Der Himmel ist voll von Sternen, und die Liebe So voll von Weh wie irgendeiner: Glaube mir, der ich den Elfen kenne, Und stelle keine Prüfung bei dir selbst an!
Es ist in Wahrheit ein hübsches Spielzeug, Für Kinder, damit zu spielen: Aber O, der Honig unserer Jugend Ist oft die Galle unseres Alters: Selbstversuch wird dich mit der Zeit wissen lassen, Er war ein Prophet, der dir das sagte:
Ein Prophet, der, wie Kassandra, Die Wahrheit sagt ohne Glauben; Denn die dickköpfige Jugend wird ihr Rennen laufen, Obgleich ihr Ziel Kummer ist: - Der Märtyrer der Liebe, wenn seine Hitze vorbei ist, Erweist sich zuletzt als der Beichtvater der Sorge.
Unbekannt
DAS HOROSKOP DER LIEBE
Liebe, der jüngere Bruder der tapferen Tugend, Einst hat sie mein Herz zur Mutter gemacht, Sie berät sich mit den besorgten Sphären, Um die Jahre ihres jungen Sohnes zu berechnen; Sie fragt, ob traurige oder rettende Mächte Den Stunden ihres Kindes ein Omen gaben; Sie fragt jeden Stern, der damals dabei stand, Ob die arme Liebe leben oder sterben soll.
Ach, mein Herz! ist das der Weg? Sind das die Strahlen, die deinen Tag beherrschen? Du kennst ein Gesicht, in dessen jedem Blick Die Schönheit das Glücksbuch der Liebe aufschlägt, Auf dessen schöne Umdrehungen warten Die unterwürfigen Bewegungen des Schicksals der Liebe. Ach, mein Herz! ihre Augen und sie Haben dich neue Astrologie gelehrt. Wie auch immer die Geburtsstunden der Liebe festgesetzt waren, Welche sternenhafte Synode auch zusammentraf, Es liegt in der Gnade ihres Auges, Ob die arme Liebe leben oder sterben soll.
Wenn jene scharfen Strahlen, die aufsetzen Spitzen des Todes, die Liebe auffordern zu gehen; - Obgleich die Himmel im Rat saßen, Um ein unkontrolliertes Schicksal zu krönen; Obgleich ihre besten Aspekte sich wanden auf Das freundlichste Sternbild, Amouröse Blicke auf ihre Geburt warfen, Und der verbündeten Erde zuflüsterten, Ihre Pfade mit all dem Guten zu ebnen, Das das Bett der Jugend und des Blutes wärmt: - Liebe hat keine Entschuldigung gegen ihr Auge; Schönheit runzelt die Stirn, und Liebe muss sterben.
Doch wenn ihr milderer Einfluss sich bewegt, Und die Hoffnungen der demütigen Liebe vergoldet; - Obgleich des Himmels ungünstiges Auge Schwarz auf der Geburt der Liebe lag; Obgleich jeder Diamant in Jupiters Krone Seine Stirn zu einem Stirnrunzeln fixierte; - Ihr Auge kann einen starken Appell geben, Schönheit lächelt, und Liebe soll leben.
O, wenn Liebe leben soll, O wo, Als in ihrem Auge, oder in ihrem Ohr, In ihrer Brust, oder in ihrem Atem, Soll ich die arme Liebe vor dem Tod verstecken? Denn in dem Leben, das irgendetwas anderes geben kann, Wird die Liebe sterben, obgleich sie lebe.
Oder, wenn die Liebe sterben soll, O wo, Als in ihrem Auge, oder in ihrem Ohr, In ihrem Atem, oder in ihrer Brust, Soll ich ihr Begräbnisnest bauen? Während die Liebe so begraben liegen wird, Wird die Liebe leben, obgleich sie sterbe!
Richard Crashaw [1613?-1649]
„ACH, WIE SÜSS IST ES ZU LIEBEN!“ Aus „Tyrannic Love“
Ach, wie süß ist es zu lieben! Ach, wie fröhlich ist das junge Begehren! Und welche erfreulichen Schmerzen beweisen wir, Wenn wir uns zuerst dem Feuer der Liebe nähern! Schmerzen der Liebe sind weitaus süßer Als alle anderen Freuden sind.
Seufzer, die von Liebenden ausgeblasen werden, Heben nur sanft das Herz: Selbst die Tränen, die sie allein vergießen, Heilen, wie rinnender Balsam, ihren Schmerz: Liebende, wenn sie ihren Atem verlieren, Bluten hinweg in leichtem Tod.
Nutze Liebe und Zeit mit Ehrfurcht, Behandle sie wie einen scheidenden Freund; Und verweigere nicht die goldenen Geschenke, Die sie in der Jugend aufrichtig senden: Denn jedes Jahr ist ihr Preis höher, Und sie weniger einfach als zuvor.
Liebe, wie Frühlingsfluten voll und hoch, Schwillt in jeder jugendlichen Ader; Doch jede Flut liefert weniger, Bis sie wieder ganz in sich schrumpfen: Wenn ein Fluss im Alter erscheint, Ist es nur Regen, und läuft nicht klar.
John Dryden [1631-1700]
LIED
Die Liebe hat noch etwas vom Meer, Aus dem ihre Mutter aufstieg; Keine Zeit kann ihre Sklaven von Zweifel befreien, Noch ihren Gedanken Ruhe geben.
Sie sind an klarsten Tagen windstill, Und bei rauhem Wetter hin- und hergeworfen; Sie welken unter kalten Verzögerungen, Oder gehen in Stürmen verloren.
Eine Zeit lang scheinen sie den Hafen zu berühren, Dann direkt in die hohe See Ein zorniger Wind, in grausamem Spiel, Treibt das Schiff wieder.
Zuerst fürchten sie Verachtung und Stolz, Denen, wenn sie ihnen zu entkommen gelingt, Rivalen und Falschheit bald erscheinen, In einer schrecklicheren Gestalt.
Durch solche Grade kommen sie zur Freude, Und werden so lange widerstanden, So langsam erhalten sie die Summe, Es tut ihnen kaum gut.
Es ist grausam, einen Schmerz zu verlängern; Und eine Freude aufzuschieben, Glaube mir, sanfte Celemene, Beleidigt den geflügelten Jungen.
Hunderttausend Eide, deine Ängste, Vielleicht würden sie nicht entfernen; Und wenn ich tausend Jahre starrte, Könnte ich nicht tiefer lieben.
Charles Sedley [1639?-1710]
DER WEINSTOCK Aus „Sunday Up the River“
Der Wein der Liebe ist Musik, Und das Fest der Liebe ist Lied: Und wenn die Liebe sich zum Bankett setzt, Sitzt die Liebe lange:
Sitzt lange und steht betrunken auf, Aber nicht vom Fest und dem Wein; Sie schwankt mit ihrem eigenen Herzen, Diesem großen, reichen Weinstock.
James Thomson [1834-1882]
LIED
Gerne würde ich jene Note ändern, Auf die die treue Liebe mich bezaubert hat, Lange, lange auswendig zu singen, Einbildend, dass dies mir geschadet hat: Doch wenn dieser Gedanke kommt, - Liebe ist die vollkommene Summe Aller Freude. Ich habe keine andere Wahl, Weder für Stift noch Stimme, Zu singen oder zu schreiben.
O Liebe, sie tun dir großes Unrecht, Die sagen, deine Süße sei bitter, Wenn deine reiche Frucht eine solche ist, Dass nichts süßer sein kann. Schönes Haus der Freude und Seligkeit, Wo die wahrste Lust ist, Ich verehre dich: Ich kenne dich, was du bist, Ich diene dir mit meinem Herzen, Und falle vor dir nieder.
Unbekannt
AMOR GESTOCHEN
Amor lag einst auf einem Bett Von Rosen, sein müdes Haupt; Glückloser Bengel, nicht zu sehen In den Blättern eine schlafende Biene. Die Biene erwachte - mit wildem Zorn Erwachte die Biene und stach das Kind. Laut und kläglich sind seine Schreie; Zu Venus rennt er schnell, er fliegt; „Oh Mutter! ich bin durch und durch verwundet - Ich sterbe vor Schmerz - wahrhaftig tue ich das! Gestochen von einem kleinen zornigen Ding, Einer Schlange auf winzigem Flügel - Eine Biene war es - denn einmal, ich weiß, Hörte ich einen Bauern sie so nennen.“ So sprach er, und sie unterdessen Hörte ihn mit einem tröstenden Lächeln; Dann sagte sie: „Mein Kind, wenn so sehr Du den Stich der kleinen wilden Biene fühlst, Wie muss das Herz, ach, Amor! sein, Das glücklose Herz, das von dir gestochen wird!“
Thomas Moore [1779-1852]
AMOR ERTRUNKEN
Neulich, als ich wand Rosen, für eine Krone zum Speisen, Was, von allen Dingen, inmitten des Haufens, Sollte ich entdecken, fest schlafend, Als den kleinen verzweifelten Elfen, Den winzigen Verräter, Liebe, selbst! An den Flügeln hob ich ihn auf Wie eine Biene, und in einen Becher Meines Weins tauchte ich ihn und versenkte ihn, Dann was denkst du, tat ich? - Ich trank ihn. Bei Gott, ich dachte, er sei tot. Nicht er! Da lebt er mit zehnfacher Fröhlichkeit; Und nun in diesem Moment mit seinen Flügeln Fühle ich ihn meine Herzsaiten kitzeln.
Leigh Hunt [1784-1859]
LIED Aus „The Heir of Vironi“
Oh! sag nicht, Frauenliebe sei gekauft Mit eitlem und leerem Schatz. Oh! sag nicht, Frauenherz sei gefangen Von jeder müßigen Lust. Wenn zuerst ihr sanfter Busen kennt Die Flamme der Liebe, wandert sie niemals; Tief in ihrem Herzen glüht die Leidenschaft, Sie liebt, und liebt für immer.
Oh! sag nicht, Frau sei falsch wie schön, Dass sie, wie die Biene, umherschweift, Immer Blumen suchend, süßer und seltener, Wie launische Fantasie sich ändert. Ach nein! die Liebe, die zuerst wärmen kann, Wird ihren Busen niemals verlassen; Keine zweite Leidenschaft kann jemals bezaubern, Sie liebt, und liebt für immer.
Isaac Pocock [1782-1835]
„IN DEN TAGEN VON EINST“ Aus „Crotchet Castle“
In den Tagen von einst Fühlten Liebende wahre Leidenschaft, Jahre des Kummers achtend Durch ein Lächeln belohnt: Nun die Reize des Goldes, Zauber von Stolz und Mode, Heißen sie Lebewohl sagen Dem bestgeliebten Mädchen.
Durch die Wälder wild, Über die Berge einsam, Waren sie niemals müde, Ehre zu verfolgen: Wenn das Fräulein lächelte Nur einmal in sieben Jahren, Alle ihre Wanderungen trübselig Fanden reichliche Belohnung.
Nun wiegt ein Launen-Tag Jahre des Lächelns nieder, Jugendliche Herzen sind Wanderer, Liebe wird gekauft und verkauft. Des Glücks Geschenke mögen aufhören, Liebe ist weniger bezaubernd: Weiser waren die Liebenden In den Tagen von einst.
Thomas Love Peacock [1785-1866]
LIED
Wie köstlich ist das Gewinnen Eines Kusses bei der Liebe Anfang, Wenn zwei gegenseitige Herzen seufzen Nach dem Knoten, den es kein Entwirren gibt!
Doch erinnere dich, inmitten deines Werbens, Liebe hat Seligkeit, aber Liebe hat Reue; Andere Lächeln mögen dich launisch machen, Tränen für andere Reize mögen rieseln.
Liebe sie kommt, und Liebe sie verweilt, Gerade wie Schicksal oder Laune trägt; Bleibt am längsten, wenn am schmerzlichsten gescholten; Lacht und fliegt, wenn gedrängt und geboten.
Binde das Meer zum Schlummern still, Binde seinen Duft an die Lilie, Binde die Espe, niemals zu beben, Dann binde die Liebe, für immer zu dauern!
Liebe ist ein Feuer, das Erneuerung braucht Von frischer Schönheit für seinen Brennstoff: Liebes Flügel mausert, wenn eingesperrt und gefangen, Nur frei, fliegt sie entzückt empor.
Kannst du die Biene vom Schweifen abhalten, Oder den Hals der Ringeltaube vom Wechseln? Nein! noch gefesselte Liebe vom Sterben In dem Knoten, den es kein Entwirren gibt.
Thomas Campbell [1777-1844]
STROPEN
Könnte Liebe für immer Laufen wie ein Fluss, Und der Zeit Bemühen Wäre vergeblich versucht - Keine andere Freude Könnte sich mit dieser messen, Und wie einen Schatz Würden wir die Kette umarmen. Doch da unser Seufzen Nicht im Sterben endet, Und, gebildet zum Fliegen, Liebe ihre Flügel befedert; Dann aus diesem Grund Lass uns eine Jahreszeit lang lieben; Doch lass jene Jahreszeit Nur Frühling sein.
Wenn Liebende getrennt Sich gebrochenen Herzens fühlen, Und, alle Hoffnungen vereitelt, Erwarten zu sterben; Ein paar Jahre älter, Ach! wie viel kälter Mögen sie sie betrachten, Für die sie seufzen! Wenn zusammen verbunden, Bei jedem Wetter, Pflücken sie der Liebe Feder Aus ihrem Flügel heraus - Sie wird für immer bleiben, Doch traurig zittern Ohne ihr Gefieder, Wenn der Frühling vorbei ist.
Wie Anführer von Fraktionen, Ist ihr Leben Aktion - Ein förmlicher Pakt, Der ihre Herrschaft zügelt, Verdunkelt ihren Ruhm, Despot nicht mehr, sie Solches Territorium Verlässt mit Verachtung. Noch, noch voranschreitend, Mit Bannern glänzend, Ihre Macht verstärkend, Muss sie weiterziehen - Ruhe sättigt sie nur, Rückzug zerstört sie, Liebe verträgt keinen Degradierten Thron.
Warte nicht, verliebter Tor! Bis die Jahre gehn hervor, Und dann erhole dich, Wie aus einem Traum. Während jeder nur beklagt, Was am andern missbehagen, Mit Zorn und mit Verlagen, Alles hässlich scheint – Während erst die Lust verblasst, Doch noch nicht ganz von uns lässt, Warte nicht, bis neckend hast Jede Leidenschaft entweiht: Wenn einmal geschwunden, Ist der Liebe Herrschaft überwunden – Dann scheidet in Freundschaft, – Und sagt gute Nacht.
So wird die Zuneigung Zurück zur Erinnerung Die liebe Verbindung Mit Freude bringen: Ihr habt nicht gewartet, Bis, überdrüssig oder verhasst, Eure Leidenschaften, gesättigt, Begannen zu ekeln. Eure letzten Umarmungen Hinterlassen keine kalten Spuren – Die gleichen zärtlichen Gesichter Wie in der Vergangenheit; Und Augen, die Spiegel Eurer süßen Fehler, Reflektieren nur Entzücken – Nicht das Geringste, obwohl es das Letzte ist.
Wahr, Trennungen Verlangen mehr als Geduld; Welche Verzweiflungen Sind aus solchen erwachsen! Aber dennoch verharrend, Was ist es anderes als Ketten Für Herzen, die, einmal schwindend, Gegen ihr Gefängnis schlagen? Die Zeit kann Liebe nur sättigen, Und Gebrauch Liebe zerstören: Der geflügelte Knabe, Liebe, Ist nur für Knaben – Ihr werdet es als Folter finden, Obwohl schärfer, kürzer, Sich zu entwöhnen und nicht Eure Freuden zu verschleißen.
SIE SPRECHEN VON LIST
Sie sprechen von List im Lächeln des Weibes, Und von Verderben in ihrem Blick; Ich weiß, sie bringen zuweilen einen Schmerz, Der gar schwer zu ertragen ist;
Doch bedenkt dies, der halbgenommene Kuss, Die erste zärtliche, fallende Träne, Ist, der Himmel weiß es, reichliche Entschädigung, Und ein Hauch von Himmel hier.
Wenn zwei treue Herzen sich in Zuneigung begegnen, Heulen des Lebens Stürme umsonst; Die Tränen der Liebe selbst sind süß, Wenn sie mit Tränen wieder bezahlt werden.
Soll glücklose Vorsicht ihr Haupt schütteln? Soll kalte Behutsamkeit fürchten? Oh, ertränkt nicht, ertränkt nicht das Feuer, Das einen Himmel hier entzündet!
DIE LIEBE WIRD DEN WEG FINDEN
Über die Berge Und über die Wellen, Unter die Quellen Und unter die Gräber, Unter Fluten, die am tiefsten sind, Die dem Neptun gehorchen, Über Felsen, die am steilsten sind, Die Liebe wird den Weg finden.
Wo kein Platz ist, Dass der Glühwurm liegen mag, Wo kein Raum ist, Dass eine Fliege Platz fände, Wo die Mücke nicht zu wagen wagt, Sich selbst zu binden, Wenn die Liebe kommt, wird sie eintreten, Und den Weg finden.
Ihr mögt ihn schätzen Als ein Kind wegen seiner Macht, Oder ihr mögt ihn halten Für einen Feigling wegen seiner Flucht: Aber wenn jene, die die Liebe ehrt, Vor dem Tage verborgen ist, Stellt tausend Wächter auf sie, Die Liebe wird den Weg finden.
Manche denken, ihn zu verlieren, Indem sie ihn einsperren, Und manche vermuten, Armes Ding, dass er blind sei; Aber wenn ihr ihn noch so fest einmauert, Tut das Beste, das ihr könnt, Die blinde Liebe, wenn ihr sie so nennt, Wird den Weg finden.
Ihr mögt den Adler abrichten, Sich auf eure Faust zu senken, Oder ihr mögt den Phönix Des Ostens überlisten; Den Tiger, ihr mögt ihn bewegen, Von seiner Beute abzulassen; Aber ihr werdet niemals einen Liebenden aufhalten – Er wird den Weg finden.
DIE UNZULÄNGLICHKEITEN EINER FRAU
Sie hat so leise gelacht, als ob sie seufzte, Sie hat sechs gezählt, und darüber, Von einem wohlgefüllten Beutel und einem wohlgeprüften Herzen – Oh, jeder ein würdiger Liebhaber! Sie "geben ihr Zeit"; denn ihre Seele muss schlüpfen, Wo die Welt die Rille gezogen hat; Sie wird niemanden belügen mit ihrer schönen roten Lippe: Doch Liebe sucht wahreres Lieben.
Sie lässt ihren Fächer zittern in stummer Süße, Als wären ihre Gedanken nicht zu erinnern; Mit einem Blick für den einen, und einem Blick für manche, Von ihren Augenlidern auf- und absteigend; Spricht gewöhnliche Worte mit einer errötenden Miene, Hört kühne Worte, ohne zu tadeln; Doch ihr Schweigen sagt – was sie niemals beschwören wird – Und Liebe sucht besseres Lieben.
Geh, Dame! Lehne dich zur Nachtgitarre, Und wirf ein Lächeln dem Bringer zu; Dann lächle ebenso süß, wenn er fern ist, Bei der Stimme eines Sängers im Hause. Sonne dich zärtlich unter zärtlichen Augen; Blicke leicht, wenn sie sich abwenden; Und füge neue Schwüre zu alten Meineiden – Doch wage es nicht, es Lieben zu nennen!
Es sei denn, du kannst denken, wenn das Lied zu Ende ist, Kein anderes ist so weich im Rhythmus; Es sei denn, du kannst fühlen, wenn du von Einem verlassen wirst, Dass alle anderen Männer mit ihm gehen; Es sei denn, du kannst wissen, wenn du nicht durch seinen Hauch gelobt wirst, Dass deine Schönheit selbst den Beweis verlangt; Es sei denn, du kannst schwören "Für das Leben, für den Tod!" – Oh, fürchte dich, es Lieben zu nennen!
Es sei denn, du kannst den ganzen Tag in einer Menge nachsinnen Über das abwesende Gesicht, das dich fesselte; Es sei denn, du kannst lieben, wie die Engel es mögen, Mit der Weite des Himmels dazwischen; Es sei denn, du kannst träumen, dass sein Glaube fest ist, Durch Wohl und Wehe; Es sei denn, du kannst sterben, wenn der Traum vorbei ist – Oh, nenne es niemals Lieben!
DIE LIEBE HAT EINE SPRACHE
Die Liebe hat eine Sprache für alle Jahre – Zärtliche Hieroglyphen, dunkel und alt – Worin das Herz liest, in Tränen geschrieben, Die Geschichte, die noch niemals erzählt wurde.
Die Liebe hat auch ihr Maß, um nachzuspüren Jene Grenzen, die noch niemals gegeben wurden, – Um das zu messen, was dem Raum spottet, So tief wie der Tod ist, und so hoch wie der Himmel.
Die Liebe hat ihre Schatzkammern, um zu bezahlen Wahren Glauben, oder guten Dienst, der getan wurde, – Teure, unbezahlbare Nichtigkeiten, die schwerer wiegen Als alle Reichtümer, auf die die Sonne scheint.
LIED
Oh, lass den festen Boden, Nicht unter meinen Füßen nachgeben, Bevor mein Leben gefunden hat, Was manche so süß gefunden haben; Dann lass kommen, was kommen mag, Was macht es, wenn ich wahnsinnig werde, Ich werde meinen Tag gehabt haben.
Lass die süßen Himmel bestehen, Nicht sich schließen und über mir verdunkeln, Bevor ich ganz, ganz sicher bin, Dass da eine ist, die mich liebt! Dann lass kommen, was kommen mag, Über ein Leben, das so traurig war, Ich werde meinen Tag gehabt haben.
AMATURUS
Irgendwo unter der Sonne, Diese zitternden Herzenssaiten beweisen es, Irgendwo muss es eine geben, Gemacht für diese Seele, sie zu bewegen; Jemand, die ihre Süße verbirgt Vor Nachbarn, die sie geringachtet, Noch Vollkommenheit erlangen kann, Noch ihrem Herzen seine Rechte geben; Jemand, die ich umwerben könnte, Ohne große Änderung des Verhaltens, Immer noch die Festung der Vernunft haltend, Obwohl das Banner der Phantasie schwenkend; Eine Dame, nicht so königlich, Als dass sie meine Hand verschmähte, Doch geboren, gelassen zu lächeln, Wie jene, die das Land beherrschen; Edel, aber nicht zu stolz; Mit weichem Haar, einfach gefaltet, Und hellem Gesicht mit mondsichelförmiger Stirn, Und einem von den Musen geformten Hals; Und Augenlidern, die leicht herabfallen Auf kleine glitzernde Meere, Tief ruhig, wenn Stürme toben, Obwohl von jeder Brise bewegt; Schnelle Stimme, wie der Flug einer Taube, Die durch Münsterbögen schwebt, Mit plötzlichen Wendungen, wenn die Liebe Dem Schwärmen zu nahe kommt; Scharfe Lippen, die sanfte Sprüche formen Wie Kristalle des Schnees, Mit hübschen Halb-Eingeständnissen Von Dingen, die man nicht wissen darf; Schöne Hand, deren Berührungen erschauern, Wie ein goldener Stab des Wunders, Den Hermes nach Belieben schwingt, Geist und Fleisch zu trennen; Leichter Fuß, den Steigbügel zu drücken In Furchtlosigkeit und Frohsinn, Oder zu tanzen, bis Finken zwitschern, Und Sterne ins Meer sinken.
Vorwärts, Liebe, und finde dieses Mädchen, Wo immer sie verborgen sein mag: Sprich, Liebe, hab keine Angst, Sondern bitte, wie dir geboten ist; Und sag, dass derjenige, der dich lehrte, Sein sehnendes Verlangen und seinen Schmerz, Dich allzu teuer, allzu teuer erkaufte, Um dich vergeblich von sich zu lassen.
DIE OBERFLÄCHE UND DIE TIEFEN
Die Liebe nahm mein Leben und ließ es erbeben Durch alle seine Saiten, Spielte um meinen Verstand und füllte ihn Mit dem Klang von Flügeln; Aber zu meinem Herzen kam sie niemals, Es mit ihrer goldenen Flamme zu berühren.
Deshalb ist es, dass ich singend Mich freue, Noch achte ich nicht auf die langsamen Jahre, die bringen Eine rauere Stimme; Weil die Lieder, die sie gesungen hat, Den unberührten Sänger jung lassen.
Aber wen in vollerer Weise Der Meister beherrscht, Für den, schnellflügelig mit Leidenschaft, Fliehen die kurzen Tage. Zuzeiten kommen die erzwungenen Akzente, Und lassen ihn für immer danach stumm.
EIN BALLADEN VON TRAUMLAND
Ich verbarg mein Herz in einem Nest aus Rosen, Abseits vom Weg der Sonne, verborgen getrennt; In einem weicheren Bett als das des weichen weißen Schnees ist, Unter den Rosen verbarg ich mein Herz. Warum wollte es nicht schlafen? Warum sollte es auffahren, Wenn niemals ein Blatt des Rosenbaums sich rührte? Was brachte den Schlaf dazu, seine Flügel zu schlagen und zu scheiden? Nur der Gesang eines geheimen Vogels.
Liege still, sagte ich, denn des Windes Flügel schließt sich, Und milde Blätter dämpfen den scharfen Pfeil der Sonne; Liege still, denn der Wind döst auf den warmen Meeren, Und der Wind ist unruhiger noch als du es bist. Schmerzt ein Gedanke in dir noch wie die Wunde eines Dorns? Nagt noch der Fangzahn der aufgeschobenen Hoffnung an dir? Was heißt die Lippen deines Schlafs sich teilen? Nur der Gesang eines geheimen Vogels.
Der Name des grünen Landes, den ein Zauber umschließt, Er war niemals geschrieben in der Karte des Reisenden, Und süß an seinen Bäumen, wie die Frucht, die dort wächst, Er wurde niemals verkauft auf dem Markt des Kaufmanns. Die Schwalben der Träume durch seine dunklen Felder schießen, Und die Melodien in seinen Baumwipfeln sind die des Schlafs; Keines Hundes Laut weckt den Hirsch des Wildwaldes, Nur der Gesang eines geheimen Vogels.
ENVOI In der Welt der Träume habe ich meinen Teil gewählt, Für eine Weile zu schlafen und kein Wort zu hören Von der Wahrheit der wahren Liebe oder der Kunst der leichten Liebe, Nur den Gesang eines geheimen Vogels.
ENDYMION
Der aufgehende Mond hat die Sterne verborgen; Ihre ebenen Strahlen, wie goldene Stangen, Liegen auf der grünen Landschaft, Mit braunen Schatten dazwischen.
Und silbern weiß glänzt der Fluss, Als ob Diana in ihren Träumen Ihren silbernen Bogen fallen gelassen hätte Auf die niedrigen Wiesen.
In einer solchen ruhigen Nacht wie dieser, Weckte sie Endymion mit einem Kuss, Als er, schlafend im Hain, Nicht von ihrer Liebe träumte.
Wie Dians Kuss, unerbeten, ungesucht, Gibt die Liebe sich selbst, aber wird nicht erkauft; Noch Stimme, noch Laut verrät Ihr tiefes, leidenschaftliches Starren.
Sie kommt, – die Schöne, die Freie, Die Krone der gesamten Menschheit, – In Stille und allein, Um den Auserwählten zu suchen.
Sie hebt die Zweige, deren tiefe Schatten Das Vergessen des Lebens sind, der Schlaf der Seele, Und küsst die geschlossenen Augen Dessen, der schlummernd liegt.
Oh müde Herzen! Oh schlummernde Augen! Oh niedergeschlagene Seelen, deren Schicksale Voller Furcht und Schmerz sind, Ihr werdet wieder geliebt werden!
Niemand ist so vom Schicksal verflucht, Niemand so völlig verlassen, Dass nicht irgendein Herz, wenn auch unbekannt, Auf das seine antwortet.
Antwortet, – als ob mit unsichtbaren Flügeln, Ein Engel seine zitternden Saiten berührte; Und flüstert, in seinem Gesang, "Wo bist du so lange geblieben?"
SCHICKSAL
Zwei sollen geboren werden, die ganze weite Welt voneinander entfernt, Und in verschiedenen Zungen sprechen und keinen Gedanken haben Jeder an das Sein des anderen, und keine Achtung. Und diese, über unbekannte Meere, zu unbekannten Ländern, Sollen kreuzen, dem Wrack entkommend, dem Tode trotzend; Und alle unbewusst jede Tat formen, Und jeden wandernden Schritt zu diesem einen Ende biegen – Dass sie, eines Tages, aus der Dunkelheit sich treffen, Und den Sinn des Lebens in den Augen des anderen lesen.
Und zwei sollen einen schmalen Weg des Lebens gehen, So nahe nebeneinander, dass, sollte sich einer Auch nur ein kleines Stück nach links oder rechts wenden, Sie unweigerlich anerkannt stehen müssten, von Angesicht zu Angesicht. Und doch, mit sehnsüchtigen Augen, die sich niemals treffen, Und tastenden Händen, die sich niemals umschließen, und Lippen, Die vergeblich nach Ohren rufen, die niemals hören, Suchen sie einander all ihre müden Tage, Und sterben unbefriedigt – und das ist Schicksal!
GIB ALLES DER LIEBE
Gib alles der Liebe; Gehorche deinem Herzen; Freunde, Verwandte, Tage, Besitz, guter Ruf, Pläne, Kredit und die Muse, – Nichts verweigere.
Es ist ein tapferer Meister; Lass ihm Spielraum: Folge ihm gänzlich, Hoffnung über Hoffnung: Hoch und immer höher Taucht es in den Mittag, Mit unverbrauchtem Flügel,
Unerzählter Absicht; Aber es ist ein Gott, Kennt seinen eigenen Pfad Und die Ausgänge des Himmels.
Es war niemals für die Niedrigen; Es erfordert festen Mut. Seelen über jedem Zweifel, Unbeugsame Tapferkeit, Es wird belohnen, – Sie werden zurückkehren Mehr als sie waren, Und immer aufsteigend.
Verlasse alles für die Liebe; Doch, hör mich, doch, Ein Wort mehr, das dein Herz brauchte, Ein Puls mehr festen Bemühens, – Halte dich heute, Morgen, für immer, Frei wie ein Araber Von deinem Geliebten.
Klammere dich mit dem Leben an das Mädchen; Aber wenn die Überraschung, Der erste vage Schatten der Vermutung, Durch ihren jungen Busen huscht, Von einer Freude abseits von dir, Frei sei sie, phantasiefrei; Noch halte du den Saum ihres Gewandes fest, Noch die blasseste Rose, die sie warf Aus ihrem sommerlichen Diadem.
Obwohl du sie geliebt hast wie dich selbst, Als ein Selbst aus reinerem Ton, Obwohl ihr Abschied den Tag verdunkelt, Anmut von allem Lebendigen stiehlend; Wisse von Herzen, Wenn Halbgötter gehen, Kommen die Götter an.
OH, LIEBE IST KEINE SOMMERSTIMMUNG
Oh, Liebe ist keine Sommerstimmung, Noch ein fliegendes Phantom des Gehirns, Noch ein jugendliches Fieber des Blutes, Noch Traum, noch Schicksal, noch Umstand. Liebe ist nicht aus blindem Zufall geboren, Noch in einfacher Unwissenheit gezüchtet.
Liebe ist die Blume des Mädchenseins; Liebe ist die Frucht sterblichen Schmerzes; Und sie hat Winter in ihrem Blut. Wahre Liebe ist standhaft wie der Himmel, Und einmal gelandet, fliegt sie niemals fort; Und Liebe ist stark, und Liebe ist weise.
WANN WIRD DIE LIEBE KOMMEN?
Manche finden die Liebe spät, manche finden sie bald, Manche mit der Rose im Mai, Manche mit der Nachtigall im Juni, Und manche, wenn der Himmel grau ist; Liebe kommt zu manchen mit lächelnden Augen, Und kommt mit Tränen zu manchen; Für manche singt die Liebe, für manche seufzt die Liebe, Für manche sind die Lippen der Liebe stumm.
Wie wirst du zu mir kommen, schöne Liebe? Wirst du spät oder bald kommen? Mit traurigem oder lächelndem Himmel über uns, Beim Lichte der Sonne oder des Mondes? Wirst du traurig sein, wirst du süß sein, Singen, seufzen, Liebe, oder stumm sein? Wird es Sommer sein, wenn wir uns treffen, Oder Herbst, ehe du kommst?
ERWACHE, MEIN HERZ
Erwache, mein Herz, geliebt zu werden, erwache, erwache!
Die Dunkelheit versilbert sich, der Morgen bricht an, Er springt in den Himmel: unaufgegangene Glanzlichter löschen Den überholten Mond. Erwache, o Herz, erwache!
Sie auch, die liebt, erwacht und hofft auf dich: Ihre Augen haben bereits die Schatten verscheucht, die fliehen, Bereits beobachten sie den Pfad, den deine Füße nehmen werden: Erwache, o Herz, geliebt zu werden, erwache, erwache!
Und wenn du von ihr zögerst, – wenn dies sein könnte, – Sie kommt selbst, o Herz, geliebt zu werden, zu dir; Für dich würde sie schamlos sich selbst verlassen: Erwache, geliebt zu werden, mein Herz, erwache, erwache!
Erwache! Das Land ist mit Licht übersät, und siehe, Unüberdachter Schlaf flieht von Feld und Baum; Und blühende Zweige des April beben im Lachen: Erwache, o Herz, geliebt zu werden, erwache, erwache!
Siehe, alle Dinge erwachen und zögern und schauen nach dir: Sie schaut und sagt: "O Sonne, nun bring ihn zu mir. Komm, mehr Angebeteter, o Angebeteter, um seines Kommens willen, Und erwache, mein Herz, geliebt zu werden, erwache, erwache!"
DAS GEHEIMNIS
Nachtigallen trillern darüber Die ganze Nacht unter Blüte und Stern; Der wilde Schwan stirbt ohne sie, Und der Adler schreit aus der Ferne; Die Sonne, sie steigt nur auf, um sie zu finden, Suchend über der grünen Erde; Aber mehr achtet ein Menschenherz darauf – Oh mehr, mehr, mehr!
Über den grauen Meilen des Ozeans Sehnt sich das Unendliche allein; Die Wälder mit wandernder Regung Tönen das Ding, das sie nicht kennen; Die Schöpfung entstand nur, um sie zu sehen, Eine Million Lampen im Blauen; Aber ein Liebender, er soll sie sein, Wenn ein süßes Mädchen treu ist.
DIE ROSE DER STERNE
Als Liebe, unser großer Unsterblicher, Sterblichkeit anzog, Und vom Portal Edens herab Dies süße Leben brachte, um zu sein, Über den erhabenen Erzengel Lachte er mit verschleierten Augen, Denn er trug in seinem Busen Den Samen des Paradieses.
Er verbarg ihn in seinem Busen, Und dort fand er solche Wärme, Dass er in Knospe und Blüte brach Und die Rose auf den Boden fiel; Wie das grüne Licht auf der Prärie, Wie das rote Licht auf dem Meer, Durch duftende Gürtel des Sommers Kam dies süße Leben, um zu sein.
Und der ernste Erzengel, der es sah, Breitete seine mächtigen Flügel zur Flucht, Aber das Glühen hing um ihn, während er floh, Wie die Rose einer arktischen Nacht; Und traurig himmelwärts ziehend Bei Venus und bei Mars, Hörte er die freudigen Planeten Erde, die Rose der Sterne, grüßen.
LIED DES EROS
Wenn Liebe im schwachen Herzen bebt, Und die Augen von Tränen benetzt sind, Oh, sag mir, was gleicht dir, Junges Bedauern? Veilchen mit Tautropfen niederhängend, Lilien, zu voll von Gold, Rosen, im Juni-Regen sich beugend, Die für die Kälte weinen, Sind dir gleich, junges Bedauern.
Blüht, Veilchen, Lilien und Rosen! Aber was, junges Verlangen, Gleicht dir, wenn Liebe enthüllt Dein Herz aus Feuer? Der wilde Schwan, der nicht zurückkehrt, Der Adler allein mit der Sonne, Die langflügeligen Sturmmöwen, brennend Seewärts, wenn der Tag vollbracht ist, Sind dir gleich, junges Verlangen.
DIE LIEBE IST STARK
Ein unsichtbares Ding ist der Wind, Aber seine Stärke ist weitaus mächtiger Als ein phalanxartiges Heer in der Schlachtlinie, Als die Glieder eines Samson sind.
Und ein unsichtbares Ding ist die Liebe, Und ein Name, der entschwindet; Aber ihre Stärke ist über der wilden Stärke des Windes, Denn sie besiegt Schande und Tod.
DIE LIEBE WAR EINST WIE EINE APRIL-MORGENRÖTE
Liebe war einst wie eine April-Morgenröte: Gesang pochte im Herzen auswendig, Und jede Färbung von Rose oder Rehbraun Wurde von einer freudigen Note begrüßt. Wie begierig war mein Gedanke, zu sehen In jenes morgendliche Geheimnis!
Liebe ist jetzt wie ein August-Mittag, Kein Fleck ist frei von ihrem Glanz; Die Sonne lässt Stille wie einen Segen erscheinen, Und keine Stimme ist so stumm wie meine. Doch mit welchen Worten würde ich dich willkommen heißen – Könntest du zurückkehren, liebes Geheimnis!
DER GARTEN DES SCHATTENS
Die Liebe achtet nicht mehr auf das Seufzen des Windes Gegen die vollkommenen Blumen: deines Gartens Umzäunung Ist zur Wildnis geworden, wo niemand finden wird Ein verirrtes, letztes Blütenblatt einer Rose vom letzten Jahr.
Oh helles, helles Haar! Oh Mund wie eine reife Frucht! Kann die Hungersnot so nahe der Ernte sein? Die Liebe, die sangvoll war, mit einer zerbrochenen Laute Im Gras der Friedhöfe geht sie murmelnd umher.
Lass den Wind gegen die vollkommenen Blumen wehen, Und deinen ganzen Garten sich verändern und im Frühling glühen: Die Liebe ist blind geworden ohne weiteres Zählen der Stunden Noch Anteil an Aussaat noch an Ernte.
DER RUF
Die Liebe kommt lachend die Täler herauf, Hand in Hand mit dem ausgelassenen Frühling; Alle Blumenleute nicken, Alle Federleute auf dem Flügel.
"Höher! Höher!" rufen die Drosseln; "Wilder! Freier!" atmen die Bäume; Und die violetten Berge winken Aufwärts zu ihren Geheimnissen.
Immer weiter Meilen zu wandern, Gipfel zu Gipfel und Hang zu Hang; Lippen zu singen und Füße zu folgen, Augen zu träumen und Herz zu hoffen!
Zögern? Nein, aber wer kann zögern? Die ganze Welt ist auf dem Flügel; Die Liebe kommt lachend die Täler herauf, Hand in Hand mit dem ausgelassenen Frühling.
DIE LANDSTRASSE
Den ganzen Tag lang auf der Landstraße Reiten die schnellen Kuriere des Königs; Ihr mögt den Tritt ihrer beschleunigten Pferde hören Über das Land. Sie reiten für das Leben und sie reiten für den Tod Und sie reiten den nieder, der zaudert. Mit Zurschaustellung von Farbe und Röte des Stolzes Wirbeln sie den Staub auf der Landstraße auf.
Lasst sie auf der weiten Landstraße reiten. Die Liebe geht auf kleinen Pfaden abseits.
Den ganzen Tag lang auf der Landstraße Ist ein Trampeln der Füße einer Armee; Ihr mögt sie sehen, wie sie in einer geordneten Reihe gehen Mit der Erzählung ihrer Waffen vollständig: Sie marschieren für den Krieg und sie marschieren für den Frieden, Für die Lust am Gold und des Ruhms Zunahme, Für Siege, trauriger als eine Niederlage, Wirbeln sie den Staub auf der Landstraße auf.
Allen Armeen der Erde zum Trotz, Die Liebe wohnt auf kleinen Pfaden abseits.
Den ganzen Tag lang auf der Landstraße Eilt eine begierige Schar, Mit anstrengenden Augen für einen wertlosen Preis, Der aus dem Griff gleitet wie Sand. Und Männer lassen Blut, wo ihre Füße standen, Und beugen sich vor Messing und Holz – Götzen, geformt von ihrer eigenen Hand – Blind im Staub der Landstraße.
Macht und Gold und Ruhm verweigert, Die Liebe lacht froh auf den Pfaden abseits.
LIED
Nimm sie, Liebe! Es wird bald vorbei sein, Mit dem Dichterwerden des Klees, Mit dem Rufen des Kiebitzes, Nimm sie, nimm sie, Liebender.
Nimm sie, Knabe! Die Blüte fällt, Und der Abschiedskuckuck ruft, Während Sonne und Schauer eins sind, Nimm deine Liebe hinaus in die Sonne.
Nimm sie, Mädchen! Und fürchte kein Danach, Nimm deine Fülle von all diesem Lachen, Lache oder nicht, die Tränen werden fallen, Nimm das Lachen zuerst von allem.
„GIB NIEMALS DAS GANZE HERZ HIN“
Gib niemals das ganze Herz hin, denn die Liebe Wird leidenschaftlichen Frauen kaum bedenkenswert Erscheinen, wenn sie sicher scheint, und sie ahnen nie, Dass sie von Kuss zu Kuss verblasst; Denn alles, was lieblich ist, Ist nur ein kurzes, traumhaftes, gütiges Entzücken. O gib das Herz niemals ganz und gar hin, Denn sie, bei allem, was sanfte Lippen sagen mögen, Haben ihre Herzen dem Spiel hingegeben, Und wer kann es gut genug spielen, Wenn er taub und stumm und blind vor Liebe ist? Wer dies schrieb, kennt all die Kosten, Denn er gab sein ganzes Herz hin und verlor.
LIED
Ich kam an die Tür des Hauses der Liebe Und klopfte, während die sternenklare Nacht verging; Und meine wahre Liebe rief: „Wer klopft?“, und ich sagte: „Ich bin es.“
Und die Liebe blickte von einem Gitter oben herab, Wo die Rosen trocken waren wie die Lippen der Toten: „Es ist im Hause der Liebe kein Platz Für euch beide“, sagte er.
Ich pflückte ein Blatt von der Veranda und schlich Hinweg durch eine Wüste aus Hohn und Spott An einen einsamen Ort, wo ich betete und weinte Und mir eine Dornenkrone wand.
Ich kam noch einmal zum Hause der Liebe Und klopfte, ach, sanft und sehnsuchtsvoll, Und meine wahre Liebe rief: „Wer klopft?“, und ich sagte: „Keiner jetzt außer dir.“
Und die großen Türen öffneten sich weit, Und eine Stimme erscholl aus einem Glanz von Licht: „Macht Platz, macht Platz für ein treues Herz Im Hause der Liebe, heute Nacht.“
„KIND, KIND“
Kind, Kind, liebe, solange du kannst Die Stimme und die Augen und die Seele eines Mannes, Fürchte dich nie, auch wenn es dir das Herz bricht – Aus der Wunde wird neue Freude entspringen; Liebe nur stolz und froh und gut, Auch wenn Liebe Himmel oder Liebe Hölle sei.
Kind, Kind, liebe, solange du magst, Denn das Leben ist kurz wie ein glücklicher Tag; Fürchte niemals das, was du fühlst – Nur durch die Liebe wird das Leben wirklich; Liebe, denn die Todsünden sind sieben, Nur durch die Liebe wirst du den Himmel betreten.
WEISHEIT
Das junge Mädchen fragt: „Wäre es besser, Für immer als warmer Faulenzer zu liegen, Oder aufzustehen und Schicksal und Zufall zu trotzen, Der Rohheit des Morgens, Dem Spott und der Verachtung Des strengen Lehrers meiner Unwissenheit?“ „Ich weiß es nicht“, sagte die Weisheit.
Das junge Mädchen fragt: „Freund, werde ich ruhiger sterben, Wenn ich für immer mit dem Kopf unter dem Laken lag, Warm in einem Traum, oder wenn ich aufstehe, um das Schlimmste An Gefahr auf den Landstraßen auf mich zu nehmen, An Irren auf den Nebenwegen, An Hunger nach der Wahrheit, an Dürre und Durst?“ „Wir wissen es nicht“, sagte er, „Und mögen es nicht wissen, bis wir tot sind.“
EPILOG Aus „Embleme der Liebe“
Was sollen wir dieser Tage für die Liebe tun? Wie sollen wir eine Altarflamme entfachen, Um die hornhäutigen Augen der Menschen zu treffen Mit dem Ruhme unseres Himmels, Und den Ungläubigen zu beweisen Unseren Dienst an unserem lieben Gott, der Liebe? Welche Fackeln sollen wir heben über Die Menge, die durch den Schlamm drängt, Um die dunklen Häupter mit fremdem Feuer zu staunen? Ich dachte, ich wäre sehr zu tadeln, Wenn ich niemals eine duftende Flamme hielte Über den Geräuschen der Welt, Und offen inmitten der hastigen Blicke der Menschen Anbetete vor den heiligen Ängsten, Die wie flackernde Vorhänge gezogen sind Über der Gegenwart unseres Herrn, der Liebe. Nein, wollte ich doch, ich könnte den Blick Der ganzen Erde füllen mit einem großen Lob, Gemacht in einem Wunder für die Augen der Menschen, Einem Turm aus glitzerndem Mauerwerk, Darin ein solcher Geist blühend, Dass die Menschen sähen, was mein Herz singen kann: Alles, was die Liebe mir angetan hat, Eingebaut in Stein, ein sichtbares Frohlocken; Marmor, getragen in gleißende Höhe, Wie bewegt von innerem Entzücken; Nicht wie mit der Mühsal der Meißel gehauen, Sondern scheinbar schwebend in einer mächtigen Weise. Denn von all denen, die man kannte, Dass sie bei unserem gütigen Gastgeber, der Sonne, logierten, Beneide ich einen um nur eine Sache: In Cordova der Mauren Wohnte ein leidenschaftlicher König, Der große Scharen von Marmorhauern einsetzte, Um seines Herzens Dank zu gestalten In einem hohen Palast, geformt so, Dass die staunende Welt wissen mochte Die Freude, die er an seinem maurischen Mädchen hatte. Seine Liebe, die heller und größer war Als die Sternenplätze, in festen Stein Sandte er sie, als wäre der Stein Glas, Gebrannt und in Schönheit geblasen. Feierlich und ernsthaft erfunden, In seiner Masse stand das Bauwerk, Ebenso wie die Liebe, die tapfer darauf vertraut, In ihrem eigenen überragenden Gut Besser zu sein als die Verschwendung Der Kniffe der Zeit; großartig angelegt, Ernst stand das Bauwerk. Aber über alledem ging ein Vergnügen Von geschnitztem, zartem Ornament, Sich windend wie Entzückung, Erwähnend in verschlungenen Skulpturen Die Heiterkeit, die die Liebe im Sinn hat; Und wie erfreute Sinne waren Die Fenster, und die Säulen dort Ließen den folgenden Blick schmerzen Wie das Herz, das sie erschuf. Wohl kann ich diesen leuchtenden Gesang sehen, Dort blühend, das aufstrebende Gedränge Von Vorhallen, Säulen und fensterreichen Wänden, Spitzen wie stechende Panflötenrufe, Hinauf zum Schneewolkenflug des Daches; Alles glänzend im spanischen Licht, Weiß wie das Wasser arktischer Gezeiten, Außer einem bernsteinfarbenen Schimmer auf sonnigen Seiten. Du hättest gesagt, der strahlende Glanz Jenes Palastes hätte sein können Die Fantasie eines jungen Gottes, bevor er kam, Seine ernsthaften Welten und Sonnen zu rahmen; Eine solche unsterbliche Leidenschaft Zitterte zwischen dem schmalen, behauenen Stein. Und in den Nächten schien es ein Gefäß, Geschnitten in die Substanz eines Sterns, Worin ein Wein, der einmal ausgegossen wird Für das Fest des Himmels, aufbewahrt war. Doch innerhalb dieser verzierten Schale, Das Wunder der Liebe sichtbar gemacht, Platziere der König eine private, sanfte Stimmung, Von angenehmer Stille. Denn mitten darin war ein Hof, Wo immer moschusartige Stille Auf Wasser und Bäume lauschte; Und Kräuter jeder duftenden Art, – Lavendel, Heiligenkraut, Rosmarin, Basilikum, Rainfarn, Tausendgüldenkraut, – War das Gras jenes Obstgartens, verborgen Mitten in den Überraschungen der Liebe. Die Luft mit kühlem Gerücht erschütternd, Spielten kleine Brunnen in ein Becken Mit einem Klang so sanft wie das Zischen der Gerste, Wenn ihr Bart gerade sprießt; Wovon ein junger Bach, der auf Moos trat, Hübsch kräuselnd den Hof durchquerte. Und in der klaren Untätigkeit des Beckens, Sich wie Träume durch Glück bewegend, Waren Schwärme kleiner heller Fische; Ein und aus in Unkrautdickichten bogen Barsch und Karpfen, und schlenderten dahin Mit kauenden Kiefern und starrenden Augen; Oder auf einem Lotusblatt kroch Eine gefleckte Schmerle, um sich zu sonnen und auszustrecken, Die warme Sonne schmeckend, bevor sie eintauchte In das Wasser; doch schnell wie die Angst Schlüpfte ihr glänzender brauner Kopf zurück, Um auf dem Kies ihres Verstecks zu kauern, Wo die abgekühlten Sonnenstrahlen, gebrochen in Trümmern, Zersplittertes Gold über ihren Rücken gossen. So innerhalb dieser grün verschleierten Luft, Innerhalb dieser weißwandigen Stille, wo Unschuldiges Wasser laut dachte, – Kindisches Geplapper, das das weise Sonnenlicht Zum Lachen bringen muss Auf dem überbeugten Blattwerk, – Ließen der König und sein Liebesmädchen oft Die köstlichen Stunden verstreichen. Die ganze äußere Welt konnte sehen, Erstaunlich graviert und gesägt, Der Liebe ausgelassenes Treiben, Festgehalten in Marmor für aller Augen; Aber nur diese beiden konnten verweilen In dem kühlen Frieden, der inwendig Mit brennendem Verlangen und Leidenschaft wohnte; Nur sie kannten die stille Bedeutung, buchstabiert Durch die flammende Schrift der Liebe, die ist Gottes Wort, in Ekstasen geschrieben. Und wo ist nun dieser Palast hin, All der magische, geschickte Stein, All die träumenden Türme, gewirkt Von der Liebe, als ob der widerstandslose Marmor Nicht mehr als Gedanke wäre? Wie konnte ein solches Wunder vergehen? Ach, es war nur umsonst gebaut Gegen die dummen Hörner Roms, Die in den gewöhnlichen Lehm hinunterdrückten Die Lieblichkeit, die in Spanien schien. Aber wir haben es wieder aufgebaut! Ein höherer Palast, bei weitem schöner, Ist unser, und einer, der keinen Krieg fürchtet. Sicher sind wir in wunderbaren Mauern; Staunender Sinn wie errichtete Feuer, Hohes Staunen der Begierden, Entzücken und Gewissheit der Liebe, Sich schließend umher, überdachend Unsere unerreichte und vollkommene Stunde Innerhalb der Pracht der Macht der Liebe.
AUF DER HAMPSTEAD HEATH
Gegen die grüne Flamme des Weißdornbaums Brennt seine scharlachrote Tunika; Und lebendiger als die umhüllende Heiterkeit des grünen Saftes Kribbelt das Frühlingsfeuer berauschend durch ihn, Während er zitternd sich wendet Und die alte erstaunliche Geschichte stammelt Von Jugend und Aprilwetter; Während sie, mit halb gehauchten Scherzen, die schluchzend versagen, Dort sitzt, lippengepresst, bebend, mit eifrigen Augen und bleich, Unter ihrer purpurnen Feder.
ES WAR EINMAL
Es war einmal, es war einmal, Bevor die Morgendämmerung begann, Gab es eine Nymphe aus Dians Gefolge, Die von Pan geliebt wurde; Es war einmal ein Bauernjunge, Der ein Mädchen zu Hause liebte; Es war einmal ein sächsischer König, Der eine Königin von Rom liebte.
Die Welt hat nur ein Lied zu singen, Und es ist immer neu, Das erste und das letzte aller Lieder, Denn es ist immer wahr – Ein kleines Lied, ein zärtliches Lied, Das einzige Lied, das sie hat; „Es gab einen Jüngling aus Askalon, Der ein Mädchen aus Gat liebte.“
Tausendtausend Jahre sind vergangen, Und Äonen werden noch vergehen, Doch wird die Welt für immer singen Von ihm, der ein Mädchen liebte – Ein altes Lied, ein goldenes Lied, Und singt es unerschrocken: „Es gab einen Jüngling, es war einmal, Der ein Mädchen innig liebte.“
LOB IHRER
ERSTES LIED Aus „Astrophel und Stella“
Zweifelst du, wem meine Muse diese Noten zugedacht hat, Die nun meine Brust, überladen, der Musik leiht? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur in dir beginnt mein Lied und endet es.
Wer hat die Augen, die Staat mit Vergnügen vermählen? Wer hält den Schlüssel zu der Natur größtem Schatz? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur für dich vergaß der Himmel jedes Maß.
Wer hat die Lippen, wo Witz in Fairness regiert? Wer die Frauenwelt zugleich schmückt und befleckt? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur durch dich behauptet Cupido seine Krone.
Wer hat die Füße, deren Schritt alle Süße pflanzt? Wer sonst, für den der Ruhm würdiger Trompeten bedarf? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur dir gewährt Venus ihr Zepter.
Wer hat die Brust, deren Milch Leidenschaften nährt? Wessen Anmut ist so, dass sie, wenn sie scheltet, pflegt? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur durch dich blüht der Baum des Lebens.
Wer hat die Hand, die ohne Schlag unterwirft? Wer erneuert längst tote Schönheit mit Zuwachs? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur bei dir bereut jeder Neid hoffnungslos.
Wer hat das Haar, das am lockersten am schnellsten bindet? Wer macht einen Mann dann froh, wenn er stirbt? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur von dir lügt der Schmeichler nie.
Wer hat die Stimme, die die Seele von den Sinnen trennt? Wessen Kraft außer deiner donnert die Blitze der Schönheit? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur mit dir sind Wunder keine Wunder.
Zweifelst du, wem meine Muse diese Noten zugedacht hat, Die nun meine Brust, überladen, der Musik leiht? Dir! dir! alles Loblied gebührt; Nur in dir beginnt mein Lied und endet es.
SILVIA Aus „Die beiden Veroneser“
Wer ist Silvia? Was ist sie? Dass all unsere Hirten sie preisen? Heilig, schön und weise ist sie; Der Himmel verlieh ihr solche Anmut, Dass sie bewundert werden möge.
Ist sie so gütig wie sie schön ist? Denn Schönheit lebt mit Güte: Die Liebe begibt sich zu ihren Augen, Um ihr von ihrer Blindheit zu helfen; Und, geholfen, wohnt sie dort.
Dann lasst uns Silvia besingen, Dass Silvia vorzüglich ist; Sie übertrifft jedes sterbliche Ding, Das auf der stumpfen Erde wohnt: Ihr lasst uns Kränze bringen.
CUPIDO UND CAMPASPE Aus „Alexander und Campaspe“
Cupido und meine Campaspe spielten Um Küsse Karten; Cupido zahlte: Er setzt seinen Köcher, Bogen und Pfeile, Die Tauben seiner Mutter und ein Gespann von Spatzen; Verliert sie auch; dann wirft er hin Das Korallenrot seiner Lippe, die Rose, Die auf seiner Wange wächst (doch niemand weiß wie); Mit diesen, den Kristall seiner Stirn, Und dann das Grübchen an seinem Kinn; All dies gewann meine Campaspe: Und zuletzt setzte er ihr beide seine Augen – Sie gewann, und Cupido erhob sich blind.
O Liebe! Hat sie dies dir angetan? Was soll, ach, aus mir werden?
APOLLOS LIED Aus „Midas“
Meiner Daphnes Haar ist verdrehtes Gold, Helle Sterne halten ihre Augen ein Stück, Meiner Daphnes Stirn thront die Grazien, Meiner Daphnes Schönheit befleckt alle Gesichter, Auf Daphnes Wange wachsen Rose und Kirsche, Auf Daphnes Lippe eine süßere Beere, Daphnes schneeweiße Hand schmilzt nur durch Berührung, Und dann wird keine himmlischere Wärme gefühlt, Meiner Daphnes Stimme stimmt alle Sphären, Meiner Daphnes Musik bezaubert alle Ohren. Töricht bin ich, so ihr Lob zu singen; Diese Herrlichkeiten sind nun zu Lorbeeren geworden.
„SCHÖN IST MEINE LIEBE, DENN APRIL IST IN IHREM GESICHT“ Aus „Perimedes“
Schön ist meine Liebe, denn April ist in ihrem Gesicht, Ihre lieblichen Brüste beansprucht der September für sich, Und der herrschaftliche Juli nimmt Platz in ihren Augen, Doch der kalte Dezember wohnt in ihrem Herzen; Gesegnet seien die Monate, die meine Gedanken entflammen, Verflucht sei der Monat, der mein Verlangen hindert.
Wie Phöbus’ Feuer funkeln beide ihre Augen, Wie mit Bernstein parfümierte Luft ist ihr Atem, Wie schwellende Wellen erheben sich ihre lieblichen Brüste, Wie Erde ist ihr Herz, kalt, datiert mich zum Tode: Weh mir, armer Mann, der auf der Erde lebt, Wenn unfreundliche Erde Tod und Verzweiflung gibt!
In Pracht sitzt Barmherzigkeit in ihrem Gesicht, Liebe drückt ihre Trophäen zwischen ihre Brüste, Ihre Augen strahlen Gunst, Höflichkeit und Anmut, Doch berühre ihr Herz, ach, das ist aus Feuerstein geformt! Deshalb trägt meine Ernte im Gras Korn; Der Fels wird sich abnutzen, gewaschen mit dem Regen eines Winters.
SAMELA Aus „Menaphon“
Wie Diana in ihrem Sommergewand, Gegürtet mit einem purpurnen Kleid von hellster Farbe, Geht die schöne Samela; Weißer als die Herden, die verstreut weiden, Wenn sie, gewaschen von Arethusas Brunnen, ruhen, Ist die schöne Samela.
Wie die schöne Aurora in ihrem Morgengrau, Geschmückt mit dem rötlichen Glitzern ihrer Liebe, Ist die schöne Samela; Wie die liebliche Thetis an einem ruhigen Tag, Wenn ihre Helligkeit Neptuns Fantasie bewegt, Glänzt die schöne Samela.
Ihre Locken Gold, ihre Augen wie glasige Ströme, Ihre Zähne sind Perlen, die Brüste sind Elfenbein Der schönen Samela; Ihre Wangen wie Rose und Lilie geben Glanz; Ihre Brauen helle Bögen aus Ebenholz: So ist die schöne Samela.
Sie übertrifft die schöne Venus in ihrer prächtigsten Farbe, Und Juno im Schau der Majestät, Denn sie ist Samela; Pallas, an Witz, – alle drei, wenn du wohl schaust, Für Schönheit, Witz und unvergleichliche Würde Weichen sie Samela.
DAMELUS’ LIED SEINER DIAPHENIA
Diaphenia wie die Osterglocke, Weiß wie die Sonne, schön wie die Lilie, Heigh ho, wie ich dich liebe! Ich liebe dich, wie meine Lämmer Von ihren Müttern geliebt werden; – Wie gesegnet wäre ich, wenn du mich prüfen würdest.
Diaphenia wie die sich ausbreitenden Rosen, Die in deiner Süße alle Süße einschließen, Schöne Süße, wie ich dich liebe! Ich liebe dich, wie jede Blume Die lebensspendende Kraft der Sonne liebt; Denn tot, könnte dein Atem mich zum Leben bewegen.
Diaphenia wie alle gesegneten Dinge, Wenn all deine Lobe ausgedrückt sind, Liebe Freude, wie ich dich liebe! Wie die Vögel den Frühling lieben, Oder die Bienen ihren sorgsamen König: Dann zur Erwiderung, süße Jungfrau, liebe mich!
MADRIGAL
Meine Liebe in ihrem Gewand zeigt ihren Witz, Es steht ihr so wohl; Denn für jede Jahreszeit hat sie passende Kleidung, Für Winter, Frühling und Sommer.
Keine Schönheit vermisst sie, Wenn all ihre Kleider an sind: Aber Schönheit selbst ist sie, Wenn all ihre Kleider weg sind.
Unbekannt
ÜBER CHLORIS, DIE IM SCHNEE GEHT
Ich sah die schöne Chloris einsam gehen, Während gefiederter Regen sanft herabfiel, Als wäre Jupiter von seinem Turm herabgestiegen, Um ihr in einem silbernen Schauer zu hofieren. Der mutwillige Schnee flog auf ihre Brust Wie kleine Vögel zu ihrem Nest, Aber dort von Weißheit überwunden, Vor Kummer schmolz er zu einer Träne; Von dort auf den Saum ihres Gewandes fallend, Um sie zu schmücken, gefror er zu einem Edelstein.
„ES GIBT EINE DAME, SÜSS UND GÜTIG“
Es gibt eine Dame, süß und gütig, Kein Gesicht hat meinen Geist je so erfreut; Ich sah sie nur vorbeigehen, Und doch liebe ich sie bis ich sterbe.
Ihr Gebaren, ihre Bewegung und ihr Lächeln, Ihr Witz, ihre Stimme betören mein Herz, Betören mein Herz, ich weiß nicht warum, Und doch liebe ich sie bis ich sterbe.
Cupido ist geflügelt und schweift umher, Ihr Land so verändert meine Liebe: Aber ob sie die Erde oder den Himmel verändert, Ich werde sie lieben, bis ich sterbe.
KIRSCHEN-REIF
Es gibt einen Garten in ihrem Gesicht, Wo Rosen und weiße Lilien blühen; Ein himmlisches Paradies ist dieser Ort, Worin alle angenehmen Früchte fließen: Dort wachsen Kirschen, die niemand kaufen darf, Bis „Kirschen-reif“ sie selbst schreien.
Diese Kirschen schließen fein ein Eine doppelte Reihe orientalischer Perlen, Welche, wenn ihr liebliches Lachen zeigt, Sie aussehen wie Rosenknospen, gefüllt mit Schnee; Doch weder ein Peer noch ein Prinz kann sie kaufen, Bis „Kirschen-reif“ sie selbst schreien.
Ihre Augen wie Engel bewachen sie immer; Ihre Brauen stehen wie gebogene Bögen, Drohend mit stechendem Stirnrunzeln zu töten Alle, die mit Auge oder Hand versuchen, Jenen heiligen Kirschen nahe zu kommen, Bis „Kirschen-reif“ sie selbst schreien.
AMARILLIS
Ich kümmere mich nicht um diese Damen, Die umworben und angefleht werden müssen: Gib mir die gütige Amarillis, Das mutwillige Landmädchen. Die Natur verachtet Kunst, Ihre Schönheit ist ihr eigen. Wenn wir sie umwerben und küssen, Ruft sie: „Bei Gott, lass los!“ Aber wenn wir dahin kommen, wo Trost ist, Wird sie niemals Nein sagen.
Wenn ich Amarillis liebe, Gibt sie mir Obst und Blumen: Aber wenn wir diese Damen lieben, Müssen wir goldene Schauer geben. Gib ihnen Gold, die Liebe verkaufen, Gib mir das nussbraune Mädchen, Das, wenn wir umwerben und küssen, Ruft sie: „Bei Gott, lass los!“ Aber wenn wir dahin kommen, wo Trost ist, Wird sie niemals Nein sagen.
Diese Damen müssen Kissen haben, Und Betten, von Fremden gemacht; Gib mir eine Laube aus Weiden, Aus Moos und unbezahlten Blättern, Und die frische Amarillis, Mit Milch und Honig genährt; Die, wenn wir umwerben und küssen, Ruft sie: „Bei Gott, lass los!“ Aber wenn wir dahin kommen, wo Trost ist, Wird sie niemals Nein sagen!
ELISABETH VON BÖHMEN
Ihr geringeren Schönheiten der Nacht, Die armselig unsere Augen befriedigen, Mehr durch eure Anzahl als durch euer Licht, Ihr gewöhnliches Volk des Himmels; Was seid ihr, wenn der Mond aufgehen wird?
Ihr neugierigen Sänger des Waldes, Die ihr die Lieder von Mutter Natur zwitschert, Denkend, eure Leidenschaften seien verstanden Durch eure schwachen Akzente; was ist euer Lob, Wenn Philomela ihre Stimme erheben wird?
Ihr Veilchen, die ihr zuerst erscheint, An euren reinen purpurnen Mänteln erkannt Wie die stolzen Jungfrauen des Jahres, Als ob der Frühling ganz euer eigen wäre; Was seid ihr, wenn die Rose geblüht hat?
So, wenn meine Herrin gesehen wird In Form und Schönheit ihres Geistes, Durch Tugend zuerst, dann Wahl, eine Königin, Sag mir, ob sie nicht entworfen wäre Als die Sonnenfinsternis und der Ruhm ihrer Art.
IHR TRIUMPH Aus „Eine Feier der Charis“
Sieh den Streitwagen hier zur Hand der Liebe, Worin meine Dame reitet! Jeder, der zieht, ist ein Schwan oder eine Taube, Und wohl führt die Liebe den Wagen. Wie sie geht, leisten alle Herzen Pflicht Ihrer Schönheit; Und verliebt wünschen sie, wenn sie könnten, Nur einen solchen Anblick genießen, Dass sie immer an ihrer Seite laufen würden, Durch Schwerter, durch Meere, wohin sie auch reiten wollte.
Sieh nur auf ihre Augen, sie erleuchten Alles, was die Welt der Liebe umfasst! Sieh nur auf ihr Haar, es ist hell Wie der Stern der Liebe, wenn er aufgeht! Beachte nur, ihre Stirn ist glatter Als Worte, die sie schmeicheln! Und von ihren gewölbten Brauen solche Anmut Vergießt sich durch das Gesicht, Als ob allein dort zum Leben triumphiert All der Gewinn, all das Gute, des Streits der Elemente.
Hast du nur eine helle Lilie wachsen sehen, Bevor rohe Hände sie berührt haben? Hast du nur den Fall des Schnees beachtet, Bevor der Schmutz ihn beschmutzt hat? Hast du jemals die Wolle des Bibers gefühlt, Oder das Daunen des Schwans? Oder hast du die Knospe des Dornenstrauchs gerochen? Oder die Narde im Feuer? Oder hast du die Tasche der Biene gekostet? O, so weiß, o, so weich, o, so süß ist sie!
In grünem Unterrock, Ihr Haar um die Augen, Phyllis saß unter einer Eiche Und molk ihre schöne Herde: Inmitten jener süß abgeseihten Feuchtigkeit, seltenes Entzücken, Schien ihre Hand Milch in Milch, so weiß war sie.
EIN WILLKOMMEN
Willkommen, willkommen, singe ich, Weitaus willkommener als der Frühling; Wer von Euch niemals scheidet, Der wird einen Frühling für immer genießen.
Wer der Stimme nahe ist, Die aus Eurem elfenbeinernen Wall bricht, Muss nicht in die Ferne wandern, um Die entzückende Nachtigall zu hören.
Wer stets auf Eure Augen blickt, Obwohl der Winter begonnen hat, Unsere Adern zu betäuben, Dem soll die Sonne des Sommers nicht fehlen.
Wer stets Eure Wangen sehen mag, Wo alle Seltenheit beständig ruht, Ist ein Narr, wenn er jemals sucht Andere Lilien, andere Rosen.
Demjenigen, dem Eure weiche Lippe nachgibt, Und der Euren Atem beim Küssen wahrnimmt, Dem werden alle Düfte der Felder Niemals, niemals fehlen.
Wer von neuem fragen wollte, Was das schöne Eden von alters her war, Der studiere recht Euch, Und schaue einen Abriss davon.
Willkommen, willkommen, dann singe ich, Weitaus willkommener als der Frühling; Wer von Euch niemals scheidet, Der wird einen Frühling für immer genießen.
DER VOLLKOMMENE LIEBHABER
Um ihren Gang, wenn sie geht; Ob sie sitzt, ich begehre sie Um ihrer Haltung willen; und bewundere sie Um ihren Witz, wenn sie spricht; Gang und Haltung und Witz billigen sie; Um deretwillen ich sie alle und jede liebe.
Ob sie mürrisch ist, ich lobe sie Als eine Bescheidene. Ob sie fröhlich ist, Als eine Liebenswerte ziehe ich sie vor. Kurz, alles verleiht ihr So viel Anmut und billigt sie so sehr, Dass ich sie um alles willen liebe.
RUBINE UND PERLEN
Einige fragten mich, wo die Rubine wüchsen, Und nichts sagte ich, Sondern deutete mit meinem Finger auf Die Lippen von Julia.
Einige fragten, wie Perlen wüchsen, und wo; Dann sprach ich zu meinem Mädchen, Ihre Lippen zu teilen, und zeigte ihnen dort Die Viertelchen von Perle.
ÜBER JULIAS KLEIDUNG
Wenn Julia in Seide geht, Dann, dann, dünkt mich, wie süß fließt Die Verflüssigung ihrer Kleider! Dann, wenn ich meine Augen werfe und sehe Diese tapfere Vibration, in jede Richtung frei, - O wie mich das Glitzernde einnimmt!
AN CYNTHIA ÜBER DAS VERBERGEN IHRER SCHÖNHEIT
Verbirg nicht jene strahlenden Augen, Das Sternenlicht der heitersten Himmel; Auf dass sie, ihres himmlischen Lichts entbehrend, Sich in die endlose Nacht des Chaos verwandeln!
Verbirg nicht jene schönen Locken, Die seidenen Schlingen deines gekräuselten Haares; Auf dass, da er weder Gold noch Erz findet, Der neugierige Seidenwurm nicht mehr arbeite.
Verbirg nicht jene Brüste dein, Schneeweißer als der Apennin; Auf dass, wenn es gleiche Kälte und Frost gäbe, Die Lilie für immer verloren sei.
Verbirg nicht jenen wohlriechenden Duft, Deinen Atem, der allen Blumen verliehen hat Parfüms; auf dass, wenn er unterdrückt wird, Keine Gewürze im ganzen Osten wachsen.
Verbirg nicht deine himmlische Stimme, Die die Herzen der Götter erfreut; Auf dass die Musik, solch Ding nicht hörend, Die Nachtigall vergesse zu singen.
Verbirg nicht, noch verfinstere, Deine perlweißen Zähne mit Korallenlippen; Auf dass die Meere aufhören, hervorzubringen Edelsteine, die von dir allen ihren Wert haben.
Verbirg keine Schönheit, keine Anmut, Die entweder in deinem Geist oder Gesicht ist; Auf dass die Tugend, vom Laster überwunden, Die Menschen glauben lasse, es gäbe kein Paradies.
LIED
Frag mich nicht länger, wo Jove aufbewahrt, Wenn der Juni vorüber ist, die verblassende Rose; Denn in der Tiefe deines Schönheits-Orients Schlafen diese Blumen, wie in ihren Ursachen.
Frag mich nicht länger, wohin irren Die goldenen Atome des Tages; Denn in reiner Liebe bereitete der Himmel Jene Puder, um dein Haar zu bereichern.
Frag mich nicht länger, wohin eilt Die Nachtigall, wenn der Mai vorüber ist; Denn in deiner süßen, modulierenden Kehle Überwintert sie und hält ihre Note warm.
Frag mich nicht länger, wohin jene Sterne leuchten, Die mitten in der Nacht abwärts fallen; Denn in deinen Augen sitzen sie, und dort Werden sie fest wie in ihrer Sphäre.
Frag mich nicht länger, ob Ost oder West Der Phönix sein würziges Nest baut; Denn zu dir fliegt sie zuletzt, Und stirbt in deinem wohlriechenden Busen.
EIN GOTTESFÜRCHTIGER LIEBHABER
Ich habe eine Herrin, selten an Vollkommenheit In jedem Auge, doch in meinen Gedanken am schönsten. Wie Kerzen auf dem Altar leuchten ihre Augen; Ihr Atem ist das Parfüm des Opfers; Und wo immer meine Einbildung beginnen möchte, Lässt ihre Vollkommenheit stets die Religion ein. Wir sitzen und reden und küssen die Stunden weg, So keusch, wie der Morgentau die Blumen küsst: Ich berühre sie, wie meine Rosenkränze, mit andächtiger Sorgfalt, Und komme zu meiner Werbung wie zu meinem Gebet.
ÜBER EIN MIEDER
Das, was ihre schlanke Taille einengte, Soll nun meine freudigen Schläfen binden; Kein Monarch, der nicht seine Krone gäbe, Dass seine Arme tun könnten, was dieses getan hat.
Es war die äußerste Sphäre meines Himmels, Der Wall, der jenes liebliche Wild hielt: Meine Freude, mein Kummer, meine Hoffnung, meine Liebe, Bewegten sich alle innerhalb dieses Kreises.
Ein enger Kompass! Und doch wohnte dort Alles, was gut ist, und alles, was schön ist! Gib mir nur, was dieses Band umschloss, Nimm alles übrige, das die Sonne umkreist!
CASTARA
Wie das Veilchen, das allein In irgendeinem glücklichen Schatten gedeiht, Lebt meine Castara unbekannt, Keinem loserem Auge verraten: Denn sie ist sich selbst untreu, Die sich am öffentlichen Anblick erfreut.
Solche ist ihre Schönheit, wie keine Künste Mit geliehener Anmut bereichert haben. Ihre hohe Geburt verleiht keinen Hochmut, Denn sie errötet an ihrem Platz. Die Torheit rühmt sich eines glorreichen Geblüts; Sie ist am edelsten, da sie gut ist.
Vorsichtig, wusste sie noch nie, Was eine liederliche Werbung bedeutete; Noch spricht sie laut, um ihren Witz zu rühmen, In ihrem Schweigen, beredt. Sie nimmt eine Bestandsaufnahme ihrer selbst vor, Doch macht sie zwischen Männern keinen Unterschied.
Sie gehorcht mit schnellem Willen Den weisen Befehlen ihrer ernsten Eltern; Und so unschuldig, dass sie das Übel Weder tut, noch versteht. Der Frauen Füße gehen stets irre, Wenn sie den Weg zum Übel kennen.
Sie segelt an jenem Felsen vorbei, dem Hof, Wo die Tugend oft ihren Mast spaltet; Und hält die Zurückgezogenheit für den Hafen, Wo ihr Ruhm den Anker werfen kann. Tugend kann nicht sicher sitzen, Wo das Laster für den Witz thronend ist.
Sie hält jenes Tages Vergnügen für das beste, Wo die Sünde nicht dem Genuss dient; Ohne Maske, oder Ball, oder Fest, Verbringt sie süß eine Winternacht. Über jene Dunkelheit, von wo weggestoßen Gebet und Schlaf, regiert oft die Lust.
Sie lässt ihren Thron die Vernunft erklimmen, Während wilde Leidenschaften gefangen liegen; Und, bei jedem Artikel der Zeit, Fliegen ihre reinen Gedanken zum Himmel; All ihre Gelübde sind religiös, Und sie gelobt mir ihre Liebe.
AN ARAMANTHA Dass sie ihr Haar lösen möge
Aramantha, süß und schön, Ach, flechte nicht länger jenes glänzende Haar! Als meine neugierige Hand oder mein Auge, Die um dich schweben, lass es fliegen.
Lass es fliegen, so ungebunden Wie sein stiller Räuber, der Wind, Der seinen Liebling, den Osten, verlassen hat, Um in jenem würzigen Nest zu schäkern.
Jede Locke muss eingestanden werden; Doch am besten ordentlich verheddert; Wie ein Knäuel aus goldenem Faden, Vortrefflich verworren.
Wickle also nicht jenes Licht In Bänder, und überwolke es in Nacht, Wie die Sonne in ihrem frühen Strahl; Sondern schüttle dein Haupt und streue den Tag.
CHLOE GÖTTLICH
Chloe ist eine Nymphe in blühenden Hainen, Eine Nereide in den Strömen; Heilig bewegt sie sich im Tempel, Eine Frau in meinen Träumen.
Die Liebe stiehlt Artillerie aus ihren Augen, Die Grazien spitzen ihre Reize; Orpheus wird in ihrer Stimme rivalisiert, Und Venus in ihren Armen.
Niemals zuvor haben sich so glücklich Himmel und Erde vereint; Und doch ist es Fleisch und Blut allein, Das sie so göttlich macht.
MEINE PEGGY
Meine Peggy ist ein junges Ding, Gerade in ihre Teenagerjahre eingetreten, Schön wie der Tag, und süß wie der Mai, Schön wie der Tag, und immer heiter: Meine Peggy ist ein junges Ding, Und ich bin nicht sehr alt, Doch wohl mag ich es, sie zu treffen beim Erwachen an der Hürde.
Meine Peggy spricht so süß Wann immer wir uns allein treffen, Ich wünsche nicht mehr, um meine Sorge zu legen, Ich wünsche nicht mehr von all dem Seltenen: Meine Peggy spricht so süß, Gegen alle anderen bin ich kalt; Doch sie lässt all meine Geister glühen Beim Erwachen an der Hürde.
Meine Peggy lächelt so freundlich Wann immer ich Liebe flüstere, Dass ich auf die ganze Stadt herabsehe, Dass ich auf eine Krone herabsehe: Meine Peggy lächelt so freundlich, Es macht mich fröhlich und kühn, Und nichts bereitet mir solch Entzücken Wie das Erwachen an der Hürde.
Meine Peggy singt so sanft, Wenn ich auf meiner Pfeife spiele; Von allen anderen wird es gestanden, Von allen anderen, dass sie am besten singt: Meine Peggy singt so sanft, Und in ihren Liedern wird erzählt, Mit Unschuld die Wahl des Sinns, Beim Erwachen an der Hürde.
LIED Aus „Acis und Galatea“
O röter als die Kirsche! O süßer als die Beere! O Nymphe, heller Als mondhelle Nacht, Wie Zicklein munter und fröhlich! Reif wie der schmelzende Glanz; Doch schwer zu zähmen Wie wütende Flamme, Und grimmig wie Stürme, die tosen!
„SAG MIR, MEIN HERZ, OB DIES LIEBE SEI“
Wenn Delia auf der Ebene erscheint, Von tausend zärtlichen Ängsten eingeschüchtert, Möchte ich mich nähern, doch wage nicht mich zu bewegen: Sag mir, mein Herz, ob dies Liebe sei?
Wann immer sie spricht, mein entzücktes Ohr Kann keine andere Stimme als ihre hören, Keinen anderen Witz als ihren billigen: Sag mir, mein Herz, ob dies Liebe sei?
Wenn sie einen anderen Jüngling lobt, Obwohl ich einst sein treuester Freund war, Erweise ich mich als sein sofortiger Feind: Sag mir, mein Herz, ob dies Liebe sei?
Wenn sie abwesend ist, habe ich kein Entzücken mehr An all dem, was zuvor gefiel - Der klarsten Quelle, oder dem schattigsten Hain: Sag mir, mein Herz, ob dies Liebe sei?
Wenn sie von Macht, von Schönheit eitel, Ihre Netze für jeden Burschen ausbreitete, Strebte ich zu hassen, doch strebte vergeblich: Sag mir, mein Herz, ob dies Liebe sei?
DIE SCHÖNE DIEBIN
Bevor der Bengel gut gehen konnte, Stahl sie die Weiße des Schnees; Und mehr, um diese Weiße zu schmücken, Stahl sie das Erröten des Morgens; Stahl all die Süße, die der Äther vergießt Auf Primelknospen und Veilchenbeete.
Um ihre listigen Tücken noch zu enthüllen, Stahl sie das seidene Lächeln der Grazien; Sie stahl Auroras balsamischen Atem; Und stahl orientalische Perle für Zähne; Die Kirsche, in Morgentau getaucht, Gab Feuchtigkeit ihren Lippen, und Farbe.
Dies waren ihre kindlichen Beuten, ein Vorrat; Und sie stahl mit der Zeit immer mehr! Mit zwölf stahl sie von Zyperns Königin Ihr Wesen und ihr liebegebietendes Gehabe; Stahl Junos Würde; und stahl Von Pallas den Verstand, um die Seele zu bezaubern.
Apollos Witz war ihre nächste Beute; Ihr nächster, der Strahl, der den Tag erleuchtet; Sie sang; - erstaunt hörten die Sirenen, Und erschienen, um ihre Stimme zu behaupten. Sie spielte; - die Musen von ihrem Hügel, Wunderten sich, wer so ihre Kunst gestohlen hatte.
Der große Jove billigte ihre Verbrechen und Kunst; Und, neulich, stahl sie mein Herz! Wenn Liebende, Cupido, deine Sorge sind, Übe deine Rache an dieser Schönen: Bringe ihre gestohlenen Reize vor Gericht, Und lass mein Arm ihr Gefängnis sein!
AMORET
Wenn wohlklingende Barden richtig entscheiden, Wenn es in der Liebe Dekreten festgeschrieben ist, Dass Schönheit nicht geprüft werden sollte, Außer durch ihre ureigene Kraft zu gefallen, Dann sagt mir, Jünglinge und Liebende, sagt - Welche Schöne kann Amoret übertreffen?
Betrachte jenes helle, unbefleckte Lächeln, Und die Weisheit, die in ihrem Gehabe spricht: Doch - sie ist die ganze Zeit so kunstlos, So wenig darauf bedacht, gesehen zu werden - Wir wissen nichts als augenblickliche Fröhlichkeit, Und denken nicht daran, wem wir das Geschenk verdanken.
Doch weder Musik, noch die Kräfte Von Jugend und Fröhlichkeit und ausgelassenem Jubel, Fügen den Stunden halb so viel Sonnenschein hinzu, Oder machen den Ausblick des Lebens halb so klar, Wie die Erinnerung ihn dem Auge bringt Aus Szenen, wo Amoret dabei war.
Dies ist sicher der glücklichste Teil der Schönheit; Dies gibt die unbegrenzteste Herrschaft; Dies wird das unterworfene Herz bezaubern, Wenn Rose und Lilie verblassen; Und sie wird immer sein, trotz der Zeit, Süße Amoret, in ihrer ganzen Blüte.
LIED
Die Form allein mögen andere preisen, Die Züge der Schönen: Ich suche Geist in ihren Augen, Und Sinn in ihrem Gehabe.
Eine damastene Wange, ein elfenbeinerner Arm, Werden niemals meine Wünsche gewinnen: Gib mir eine beseelte Form, Die von einem Geist im Inneren spricht.
Ein Gesicht, wo ehrfurchtgebietende Ehre leuchtet, Wo Sinn und Süße sich bewegen, Und engelsgleiche Unschuld verfeinert Die Zärtlichkeit der Liebe.
Dies sind die Seele des Rahmens der Schönheit; Ohne deren lebenswichtige Hilfe Alle ihre Züge unvollendet scheinen, Und all ihre Rosen tot.
Doch ach! wo sich beider Reize vereinen, Wie vollkommen ist der Anblick, Mit jedem Bild des Entzückens, Mit Grazien, immer neu:
Von der Kraft, den größten Kummer zu bezaubern, Die wildeste Wut zu kontrollieren, Mildheit über die Stirn verbreitend, Und Entzücken durch die Seele.
Ihre Kraft nur schwach auszudrücken, Daran muss alle Sprache verzweifeln; Doch geh, betrachte Arpasias Gesicht, Und lies es vollkommen dort.
KATE VON ABERDEEN
Der verliebte Strahl des silbernen Mondes Stiehlt sich sanft durch die Nacht, Um mit dem gewundenen Strom zu schäkern, Und das reflektierte Licht zu küssen. Zu Betten des Staates gehe balsamischer Schlaf (Dort warst du selten), Während die Hirten die Maienwache halten Mit Kate von Aberdeen.
Auf dem Grün warten die Jungfrauen, In rosigen Kränzen heiter, Bis der Morgen ihr goldenes Tor aufriegelt, Und den versprochenen Mai gibt. Ich dünke mich, die Mädchen erklären zu hören, Der versprochene Mai, wenn er gesehen wird, Nicht halb so duftend, halb so schön, Wie Kate von Aberdeen.
Schlagt die kühnsten Noten der Trommel, Wir werden den nickenden Hain aufwecken; Die nistenden Vögel sollen ihre Kehlen erheben, Und die Maid der Liebe begrüßen; Und siehe - die Morgenlerche irrt sich, Sie verlässt das büschelige Grün: Törichter Vogel! es ist nicht der Morgen, der anbricht, - Es ist Kate von Aberdeen.
Nun leicht über die ebene Wiese, Wo nächtliche Feen irren, Wie sie werden wir den fröhlichen Tanz führen, Oder das Rohr zur Liebe stimmen: Denn siehe, der rosige Mai naht, Sie beansprucht eine jungfräuliche Königin; Und horch, die glücklichen Hirten rufen, Es ist Kate von Aberdeen.
LIED
Wer hat die Meereshöhle beraubt, Um deine Lippen mit Korallenfarbe zu tönen? Wer zog aus Indiens ferner Welle Für dich jene perlenden Schätze? Wer stahl vom dortigen orientalischen Himmel Den Morgen deines Auges?
Tausend Reize, deine Form zu schmücken, Sind aus Meer, und Erde, und Luft gerissen; Rosen blühen auf deiner Wange, Auf deinem Atem ihr Duft getragen. Bewahre deinen Busen vor dem Tag, Auf dass dein Schnee nicht wegschmelze.
Doch ein Reiz bleibt zurück, Den die stumme Erde niemals vermitteln kann; Noch im Ozean wirst du finden, Noch in der kreisenden Luft, ein Herz. Schönste! möchtest du vollkommen sein, Nimm, oh, nimm jenes Herz von mir.
CHLOE
Es war der bezaubernde Monat Mai, Als alle Blumen frisch und heiter waren; Eines Morgens, beim Anbruch des Tages, Die jugendliche, bezaubernde Chloe. Aus friedlichem Schlummer erhob sie sich, Gürtete ihren Mantel und ihre Strümpfe, Und über die blühende Wiese geht sie, Die jugendliche, bezaubernde Chloe. Lieblich war sie bei der Morgendämmerung, Jugendliche Chloe, bezaubernde Chloe, Tippelnd über den perlenden Rasen, Die jugendliche, bezaubernde Chloe.
Die gefiederten Leute konntest du sehen, Überall auf jedem Baum sitzend, In Noten der süßesten Melodie Begrüßen sie die bezaubernde Chloe; Bis, den östlichen Himmel heiter bemalend, Die glorreiche Sonne aufzugehen begann, Übertroffen von den strahlenden Augen Der jugendlichen, bezaubernden Chloe. Lieblich war sie bei der Morgendämmerung, Jugendliche Chloe, bezaubernde Chloe, Tippelnd über den perlenden Rasen, Die jugendliche, bezaubernde Chloe.
„O MALLY IST SANFT, MALLY IST SÜSS“
Als ich die Straße hinaufging, Begegnete ich zufällig einer barfüßigen Maid; Doch O, der Weg war sehr hart Für die zarten Füße jener schönen Maid. O Mally ist sanft, Mally ist süß, Mally ist bescheiden und diskret, Mally ist selten, Mally ist schön, Mally ist in jeder Hinsicht vollkommen.
Es wäre schicklicher, dass jene feinen Füße Wohl geschnürt wären in seidene Schuhe, Und es wäre passender, dass sie säße Innerhalb jenes vergoldeten Streitwagens dort oben.
Ihr gelbes Haar, jenseits jedes Vergleichs, Kommt rieselnd herab auf ihren schwanenweißen Hals, Und ihre zwei Augen, wie Sterne am Himmel, Würden ein sinkendes Schiff vor dem Wrack bewahren. O Mally ist sanft, Mally ist süß, Mally ist bescheiden und diskret, Mally ist selten, Mally ist schön, Mally ist in jeder Hinsicht vollkommen.
DIE WAHL DES LIEBHABERS
Du, Damon, begehrst zu besitzen Die Nymphe, die in ihrer Kleidung funkelt; Möchtest rauschende Seiden und Reifröcke stürmen, Und eine Armvoll Brokat umklammern.
Solche erhöhen den Preis deines Entzückens, Die sowohl ihr Rot als auch ihr Weiß kaufen, Und, wie ein Pirat, dein Herz überraschen Mit Farben der verfälschten Kunst.
Mich, Damon, mich bezaubert das Mädchen, Deren Wangen die Hand der Natur malt; Ein bescheidenes Erröten schmückt ihr Gesicht, Ihr Wesen eine unaufgesetzte Anmut.
Keine Kunst kennt sie, oder sucht sie zu kennen; Keinen Reiz wird sie reichem Stolz verdanken; Keine Edelsteine, kein Gold braucht sie zu tragen; Sie leuchtet von innen heraus schön.
RONDEAU REDOUBLE
Mein Tag und meine Nacht sind in der Hand meiner Herrin; Ich habe keinen anderen Sonnenaufgang als ihren Anblick; Für mich verherrlicht ihre Gunst das Land; Ihr Zorn verdunkelt alles heitere Licht. Ihr Gesicht ist schöner als der Weißdorn, Wenn im Mai die Hecken voll in Blüte stehen; Während sie gütig ist, kenne ich keine Angst; Mein Tag und meine Nacht sind in der Hand meiner Herrin.
Der ganze Himmel ist in ihren glorreichen Augen umspannt; Ihr Lächeln ist weicher als die Sommernacht, Fröhlicher als das Tagesgrauen am Feenstrand; Ich habe keinen anderen Sonnenaufgang als ihren Anblick. Ihre silberne Rede ist wie der singende Flug Von Bächen, die über den juwelenbesetzten Sand plätschern; Ihr Kuss ein Traum von zartem Entzücken; Für mich verherrlicht ihre Gunst das Land.
Was, wenn der Winter den milden Sommer jagt! Die goldene Sonne in ihrem Haar brennt immer hell. Wenn sie traurig ist, ist sogleich alle Freude verbannt; Ihr Zorn verdunkelt alles heitere Licht. Komme Wohl oder Wehe, ich bin meiner Herrin Ritter Und widerstehe in ihrem Dienst jedem Übel; Die Liebe ist mein Herr zum Trotz der ganzen Welt Und hält in der Höhlung seiner Hand Meinen Tag und meine Nacht.
„MEIN SCHATZ, SIE IST NOCH NUR EIN MÄDCHEN“
Mein Schatz, sie ist noch nur ein Mädchen, Ein leichtfüßiges liebliches Mädchen noch; Es würde kaum taugen Zu sitzen und zu werben Unten am Strom, der noch so glasig ist.
Doch es kommt noch eine prächtige Zeit, Wenn wir noch umherstreifen mögen; Und mit Frohsinn andeuten Von Freuden, die sein werden, Wenn noch die bescheidene Dämmerung fällt.
Sie ist noch weder stolz noch vorlaut, Sie ist noch weder pummelig noch stattlich; Sondern bloß ein springendes, Hübsch blinzelndes, Flüchtig-heiteres Mädchen noch.
Doch O, ihr kunstloses Lächeln ist süßer Als Honig oder Marmelade; Und recht oder unrecht, Bevor es lange ist, Werde ich sie noch zu einem Gespräch bringen.
Ich bin eifersüchtig auf das, was sie segnet, Die Brise selbst, die sie küsst, Die blumigen Beete, Auf denen sie schreitet, Obwohl wehe dem einen, der sie vermisst.
Dann O, mein Mädchen noch zu treffen, Oben in jenem Tal, das noch so grasig ist; Denn alles, was ich sehe, Ist nichts für mich, Außer ihr, die noch nur ein Mädchen ist.
JESSIE, DIE BLUME VON DUNBLANE
Die Sonne ist untergegangen über dem erhabenen Ben Lomond Und ließ die roten Wolken über der Szene walten, Während ich einsam schweife, in der stillen Sommerdämmerung, Um über die süße Jessie nachzudenken, die Blume von Dunblane.
Wie süß ist die Heckenrose, mit ihrer sanft sich faltenden Blüte, Und süß ist die Birke, mit ihrem Mantel aus Grün; Doch süßer und schöner, und diesem Busen teuer, Ist die liebliche junge Jessie, die Blume von Dunblane.
Sie ist so bescheiden wie jede, und fröhlich, wie sie schön ist; Denn schuldloser Einfalt zeichnet sie als die ihrige aus; Und fern sei der Schurke, des Gefühls entledigt, Der in ihrer Blüte die süße Blume von Dunblane verderben würde.
Sing weiter, du süße Singdrossel, deine Hymne an den Abend! Du bist den Echos des Calderwood-Tals teuer; So teuer diesem Busen, so kunstlos und gewinnend, Ist die bezaubernde junge Jessie, die Blume von Dunblane.
Wie verloren waren meine Tage, bis ich meine Jessie traf! Die Sportarten der Stadt schienen töricht und eitel; Ich sah nie eine Nymphe, die ich mein liebes Mädchen nennen würde, Bis bezaubert von der süßen Jessie, die Blume von Dunblane.
Obwohl mein der Stand von erhabenster Größe wäre, Inmitten ihrer Fülle würde ich vor Schmerz schmachten, Und als nichts die Höhe ihres Glanzes rechnen, Wenn die süße Jessie fehlt, die Blume von Dunblane.
MARGARET UND DORA
Margaret ist wunderschön - griechische Künste Haben nie eine Form vollkommener gezeichnet, Doch warum, in meinem Herzen der Herzen, Halte ich Doras für süßer?
Doras Augen von himmlischem Blau Übertreffen jede Reichweite der Malerei, Die Noten der Turteltauben sind Missklang zur Musik ihrer Rede.
Künstler! Nehmt Margarets Lächeln an, Und zeigt es auf der Leinwand; Doch für vollkommene Anbetung überlasst Dora ihrem Dichter.
DAGONETS CANZONET
Eine Königin lebte im Süden; Und Musik war ihr Mund, Und Sonnenschein war ihr Haar, Bei Tage, und die ganze Nacht Erinnerten sich die schläfrigen Gluten dort Immer noch an das Licht; Meine Seele, war sie nicht schön!
Doch ihre Augen – sie machten Einen eisernen Mann bange; Wie himmelblaue Tümpel waren sie, Die den Himmel beobachteten, der sich Dort verwandelt wusste, Hellblau, oder tieferes Blau; Meine Seele, war sie nicht schön!
Das Heben ihrer Hände Erzeugte Lachen in den Landen, Wo die Sonne ist, im Süden: Doch meine Seele lernte dort Kummer In den Geheimnissen ihres Mundes, Ihrer Augen, ihrer Hände, ihres Haares: O Seele, war sie nicht schön!
STROPEN FÜR MUSIK
Es gibt keine von Schönheits Töchtern Mit einer Magie wie dir; Und wie Musik auf den Wassern Ist deine süße Stimme mir: Wenn, als ob ihr Klang bewirkte Des verzauberten Ozeans Innehalten, Die Wellen still und glänzend liegen, Und die gelullten Winde träumend scheinen.
Und der Mitternachtsmond webt Ihre helle Kette über der Tiefe, Deren Brust sich sanft hebt, Wie eines schlafenden Kindes: So verneigt sich der Geist vor dir, Um dir zuzuhören und dich anzubeten; Mit einer vollen, doch sanften Regung, Wie die Dünung des Sommerozeans.
„BLUMEN MÖCHTE ICH BRINGEN“
Blumen möchte ich bringen, wenn Blumen dich schöner machen könnten, Und Musik, wenn dir die Muse teuer wäre; (Denn diese zu lieben, würde dich den Überbringer lieben lassen) Doch süßeste Lieder vergessen ihre Melodie, Und lieblichste Blumen würden die Trägerin nur verbergen: – Eine Rose bemerkte ich, und hätte sie pflücken können; doch sie Errötete, während sie sich beugte, und flehte mich an, sie zu verschonen, Und ihre Schönheit nicht durch solch eine Rivalität zu verderben. Ach! Und mit welchen Gaben soll ich um dich werben, Welche Opfer bringen, welche Schätze vor dich legen; Wenn die Erde mit all ihrem Blumenzug dich umwirbt, Und alle alten Dichter und alten Lieder dich verehren; Und Liebe für dich nichts ist; vor leidenschaftlicher Stimmung Durch des Glücks selbstgefällige Fülle bewahrt!
„ES IST NICHT SCHÖNHEIT, DIE ICH FORDERE“
Es ist nicht Schönheit, die ich fordere, Eine kristallene Stirn, des Mondes Verzweiflung, Noch des Schnees Tochter, eine weiße Hand, Noch der Meerjungfrau gelben Stolz des Haares:
Erzählt mir nicht von euren sternenklaren Augen, Euren Lippen, die von Rosen gespeist scheinen, Euren Brüsten, wo Amor taumelnd liegt Und nicht schläft vor Küssen seines Bettes: –
Ein blühendes Paar zinnoberroter Wangen Wie Hebes in ihren rötlichsten Stunden, Ein Hauch, der sanftere Musik spricht Als Sommerwinde, die um Blumen werben, –
Dies sind nur Tand: nein, was sind Lippen? Korallen unter dem Ozeanstrom, Dessen Rand, wenn euer Abenteurer nippt, Sehr oft er an ihnen zugrunde geht.
Und was sind Wangen anderes als oft Standarten, Die heißer Jugend zu Blutgefilden winken? Tat Helens Brust, wenn auch noch so weich, Griechenland oder Ilium irgendeinen Gefallen?
Augen können mit unheilvollem Eifer brennen; Gift kann hauchen, das einst parfümiert; Es gibt manch weiße Hand, die eine Urne hält Mit der Liebenden Herzen, zu Staub verzehrt.
Für kristallene Stirnen – da ist nichts darin; Sie sind nur leere Zellen für den Stolz; Wer das Haar der Sirene gewinnen will, Wird meist in der Flut erwürgt.
Gebt mir, statt des Schönheitsbüstenbilds, Ein zärtliches Herz, einen loyalen Geist, Den ich mit Versuchung betrauen könnte, Doch niemals mit Irrtum verbunden fände, –
Einen, in dessen sanften Busen ich Mein geheimes Herz der Leiden ausschütten könnte, Wie die von Sorge beschwerte Honigfliege, Die ihr Murmeln in der Rose verbirgt, –
Mein irdischer Tröster! dessen Liebe So unauflöslich sein könnte, Dass, wenn mein Geist oben siegte, Ihre nicht bleiben könnte, aus Mitgefühl.
LIED
Sie ist nicht schön nach äußerer Ansicht, Wie viele Jungfrauen sind, Ihre Lieblichkeit kannte ich nie, Bis sie mich anlächelte; Oh! da sah ich, ihr Auge war hell, Ein Quell der Liebe, ein Quell des Lichts.
Doch nun sind ihre Blicke scheu und kalt, Auf meine antworten sie nimmer, Und doch höre ich nicht auf zu schauen Auf das Liebeslicht in ihrem Auge: Ihre Stirnrunzeln selbst sind weit schöner Als das Lächeln anderer Jungfrauen.
LIED
Ein Veilchen in ihrem lieblichen Haar, Eine Rose auf ihrem schönen Busen! Doch O, ihre Augen Enthüllen ein lieblicheres Veilchen, Und ihre reifen Lippen die süßeste Rose, Die unter dem Himmel ist.
Eine Laute unter ihrer graziösen Hand Haucht Musik hervor auf ihren Befehl; Doch ihre Zunge Bringt noch reichere Musik zur Welt, Als alle Minstrel-Kraft auf Erden Dem Lied geben kann.
Und so bewegt sie sich in zartem Licht, Der reinste Strahl, wo alles hell ist, Gelassen, und süß; Und verbreitet einen graziösen Einfluss ringsum, Der selbst den Boden heiligt Unter ihren Füßen!
EILEEN AROON
Wenn wie die frühe Rose, Eileen Aroon! Schönheit in der Kindheit blüht, Eileen Aroon! Wenn, wie ein Diadem, Knospen erröten um den Stängel, Welches ist das schönste Juwel? – Eileen Aroon!
Ist es das lachende Auge, Eileen Aroon! Ist es der scheue Seufzer, Eileen Aroon! Ist es der zärtliche Ton, Sanft wie das Stöhnen der Saitenharfe? O, es ist allein die Wahrheit, – Eileen Aroon!
Wenn wie der aufgehende Tag, Eileen Aroon! Liebe ihren frühen Strahl sendet, Eileen Aroon! Was macht ihr Morgenglühen, Unveränderlich durch Freude oder Leid? Nur die Beständigen wissen es: – Eileen Aroon!
Ich kenne ein schönes Tal, Eileen Aroon! Ich kannte dort eine Hütte, Eileen Aroon! Weit im Schatten jenes Tals Kannte ich eine sanfte Maid, Blume einer Haselichtung, – Eileen Aroon!
Wer im Lied so süß? Eileen Aroon! Wer im Tanz so flink? Eileen Aroon! Teuer waren mir ihre Reize, Teurer ihr freies Lachen, Am teuersten ihre Beständigkeit, – Eileen Aroon!
Wäre sie nicht länger treu, Eileen Aroon! Was sollte ihr Liebhaber tun? Eileen Aroon! Fliehen mit seiner zerbrochenen Kette Weit über das tönende Meer, Niemals wieder zu lieben, – Eileen Aroon!
Jugend muss mit der Zeit vergehen, Eileen Aroon! Schönheit muss verblassen, Eileen Aroon! Burgen werden im Krieg geplündert, Häuptlinge sind weit verstreut, Wahrheit ist ein Fixstern, – Eileen Aroon!
ANNIE LAURIE
Maxweltons Hänge sind schön, Wo früh der Tau fällt, Und dort ist es, dass Annie Laurie Mir ihr wahres Versprechen gab – Mir ihr wahres Versprechen gab, Das niemals vergessen wird; Und für die schöne Annie Laurie Würde ich mich niederlegen und sterben.
Ihre Stirn ist wie die Schneewehe; Ihre Kehle ist wie der Schwan; Ihr Gesicht ist das schönste, Auf das je die Sonne schien – Auf das je die Sonne schien – Und dunkelblau ist ihr Auge; Und für die schöne Annie Laurie Würde ich mich niederlegen und sterben.
Wie Tau auf dem Gänseblümchen liegend Ist der Tritt ihrer Feenfüße; Und wie die Winde im Sommer seufzend, Ist ihre Stimme leise und süß – Ihre Stimme leise und süß – Und sie ist die ganze Welt für mich; Und für die schöne Annie Laurie Würde ich mich niederlegen und sterben.
AN HELEN
Helen, deine Schönheit ist mir Wie jene nikaeischen Barken von einst, Die sanft, über ein parfümiertes Meer, Den müden, vom Weg gezeichneten Wanderer trugen Zu seinem eigenen heimatlichen Ufer.
Auf verzweifelten Meeren lange zu schweifen gewohnt, Dein Hyazinthenhaar, dein klassisches Gesicht, Deine Najaden-Art, haben mich heimgebracht Zu dem Glanz, der Griechenland war, Und der Pracht, die Rom war.
Sieh! In jener brillanten Fensternische Wie statuenhaft ich dich stehen sehe, Die Achatlampe in deiner Hand! Ach, Psyche, aus den Regionen, die Heiliges Land sind!
„EINE STIMME BEIM ZEDERNBAUM“ Aus „Maud“
I Eine Stimme beim Zedernbaum, Auf der Wiese unter dem Herrenhaus! Sie singt eine Weise, die mir bekannt ist, Eine leidenschaftliche Ballade, galant und heiter, Ein martialisches Lied wie der Ruf einer Trompete! Singend allein im Morgen des Lebens, Im glücklichen Morgen des Lebens und des Mais, Singend von Männern, die in Schlachtordnung, Bereit im Herzen und bereit in der Hand, Marschieren mit Banner und Horn und Pfeife In den Tod, für ihr Vaterland.
II Maud mit ihrem exquisiten Gesicht, Und wilder Stimme, die zum sonnigen Himmel schallt, Und Füßen wie sonnige Edelsteine auf einem englischen Grün, Maud im Licht ihrer Jugend und ihrer Anmut, Singend vom Tod, und von der Ehre, die nicht sterben kann, Dass ich wohl weinen könnte für eine Zeit, so schäbig und gemein, Und mich selbst so träge und niedrig.
III Stille, schöne Stimme! Sei still, denn du beunruhigst nur den Geist Mit einer Freude, in der ich mich nicht freuen kann, Einem Ruhm, den ich nicht finden werde. Still! Ich werde dich nicht mehr hören, Denn deine Süße lässt mir kaum eine Wahl, Als mich zur Wiese zu begeben und vor Ihre Füße auf dem Wiesengras zu fallen, und anzubeten, Nicht sie, die weder höflich noch gütig ist, Nicht sie, nicht sie, sondern eine Stimme.
LIED
Nein, aber du, der du sie nicht liebst, Ist sie nicht reines Gold, meine Gebieterin? Hält die Erde irgendetwas – sprich die Wahrheit – über ihr? Irgendetwas wie diese Locke, sieh, und diese Locke, Und diese letzte schönste Locke von allen, So schön, sieh, bevor ich sie fallen lasse?
Weil ihr euer Leben mit Loben verbringt; Zum Loben durchsucht ihr die weite Welt: Warum also nicht bezeugen, ruhig blickend, Ob die Erde irgendetwas hält – sprich die Wahrheit – über ihr? Über dieser Locke, und dieser, ich berühre sie, Aber kann nicht loben, ich liebe so sehr!
DER DIENER
Meine Herrin geht ihre morgendliche Runde, Meiner Herrin Seite ihr flinker Windhund, Meiner Herrin Haar rühren die zärtlichen Winde, Und alle Vögel machen Lieder für sie.
Ihre Drosseln singen in Rathburns Lauben, Und Rathburns Seite ist fröhlich mit Blumen; Doch niemals wie die ihre, in Blume oder Vogel, Wurde Schönheit gesehen oder Musik gehört.
Die Ferne der Sterne ist ihr eigen; Der geringste aller ihrer Anbeter, Der Staub unter ihrer zierlichen Ferse, Sie weiß nicht, dass ich sehe oder fühle.
Oh, stolz und ruhig! – sie kann nicht wissen, Wo immer sie geht, mit ihr gehe ich; Oh, kalt und schön! – sie kann nicht ahnen, Dass ich knie, um die Liebkosung ihres Hundes zu teilen!
Fröhliche Ritter jagen und falken neben ihr, Ich raube ihren Ohren ihr süßes Geplauder; Ihre Freier kommen von Ost und West, Ich stehle ihre Lächeln von jedem Gast.
Von ihr ungehört, in liebevollen Worten, Begrüße ich sie mit dem Gesang der Vögel; Ich erreiche sie mit ihren grün bewaffneten Lauben, Ich küsse sie mit den Lippen der Blumen.
Der Hund und ich sind auf ihrer Spur, Der Wind und ich lüften ihren Schleier; Als ob sie der ruhige, kalte Mond wäre, Und ich die Flut, folge ich ihr.
So ungeahndet wie sie teile ich Die Freiheit der Sonne und der Luft, Und verberge in einer gewöhnlichen Huldigung Meine Anbetung vor ihrem Hohn und Stolz.
Weltweit getrennt, und doch so nah, Atme ich ihre verzauberte Atmosphäre, Worin mein Dienst ihr bringt Die Ehrfurcht, die heiligen Dingen gebührt.
Ihr jungfräulicher Stolz, ihr hochmütiger Name, Soll meine stumme Hingabe nicht beschämen; Die Liebe, die keine Erwiderung verlangt, Hebt den Sklaven auf ritterliche Ebenen.
Keine Lanze habe ich, im Tjost oder Kampf, Um vor meiner Herrin Augen zu zersplittern; Doch, zu ihren Füßen, wie gesegnet wäre ich, Für irgendein Bedürfnis von ihr zu sterben!
SCHÖNE MARY DONNELLY
Oh, schöne Mary Donnelly, dich liebe ich am meisten! Wenn fünfzig Mädchen um dich wären, würde ich den Rest kaum sehen. Sei es wie es mag die Tageszeit, der Ort wo es auch sei, Süße Blicke von Mary Donnelly, sie blühen mir immer noch.
Ihre Augen wie Bergwasser, das über einen Felsen fließt, Wie klar sie sind, wie dunkel sie sind! Sie versetzen mir manchen Stoß. Rote Ebereschen, warm im Sonnenschein und benetzt von einem Schauer, Könnten niemals die bezaubernde Lippe ausdrücken, die mich in ihrer Macht hat.
Ihre Nase ist gerade und schön, ihre Augenbrauen hochgezogen, Ihr Kinn ist sehr ordentlich und keck, und glatt wie eine Porzellantasse, Ihr Haar ist der Stolz Irlands, so schwer und so fein; Es rollt ihren Nacken hinunter, und ist in eine Windung zusammengefasst.
Der Tanz am letzten Pfingstmontagabend übertraf alles zuvor; Kein hübsches Mädchen weit und breit fehlte auf dem Boden; Doch Mary behielt den Gürtel der Liebe, und O war sie fröhlich! Sie tanzte eine Jigg, sie sang ein Lied, das mein Herz stahl.
Als sie zum Tanzen aufstand, waren ihre Schritte so vollkommen, Die Musik brachte sich fast um, ihren Füßen zuzuhören; Der Geiger jammerte über seine Blindheit, er hörte sie so sehr gepriesen, Doch segnete sein Glück, dass er nicht taub war, als sie erst ihre Stimme erhob.
Und immerdar pfeife oder trällere ich, was du sangst, Dein Lächeln ist immer in meinem Herzen, dein Name neben meiner Zunge; Doch du hast so viele Liebhaber, wie du an beiden Händen zählen könntest, Und für mich selbst steht nicht ein Daumen oder kleiner Finger bereit.
Oh, du bist die Blume der Frauen auf dem Land oder in der Stadt; Je höher ich dich erhebe, desto tiefer werde ich niedergeworfen. Wenn irgendein großer Lord des Weges käme, und deine helle Schönheit sähe, Und du seine Herrin würdest, ich würde zugeben, es wäre nur recht.
O könnten wir zusammen in einem hohen Palastsaal leben, Wo freudige Musik aufsteigt, und wo scharlachrote Vorhänge fallen! O könnten wir zusammen in einer Hütte leben, arm und klein, Mit Rasenstücken als einzigem Dach, und Schlamm als einziger Wand!
O schöne Mary Donnelly, deine Schönheit ist mein Leid: Sie ist viel zu schön, um mein zu sein, aber ich werde sie niemals weniger wünschen. Der stolzeste Platz würde zu deinem Gesicht passen, und ich bin arm und niedrig; Doch Segen sei mit dir, Liebste, wo immer du auch hingehst!
LIEBE IM TAL
Unter jener Buchen, einzeln auf dem Rasen, Hingelagert mit den Armen hinter ihrem goldenen Kopf, Knie und Locken gefaltet, um untätig zu gleiten und zu kräuseln, Liegt meine junge Liebe im Schatten schlafend. Hätte ich das Herz, einen Arm unter sie zu schieben, Ihre sich teilenden Lippen zu drücken, während ich ihre Taille langsam fasse, Erwachend in Erstaunen, könnte sie nicht anders als mich umarmen: Würde sie mich dann halten und niemals wieder loslassen?
Scheu wie das Eichhörnchen und eigenwillig wie die Schwalbe, Schnell wie die Schwalbe entlang des Flusses Licht, Die Oberfläche umkreisend, um ihren gespiegelten Flügelschlag zu treffen, Flüchtiger scheint sie in ihrem Verweilen als in ihrem Flug. Scheu wie das Eichhörnchen, das unter den Kiefernwipfeln springt, Eigenwillig wie die Schwalbe über uns bei Sonnenuntergang, Sie, die ich liebe, ist schwer zu fangen und zu bezwingen, Schwer, aber O die Herrlichkeit des Gewinnens, wäre sie gewonnen!
Wenn ihre Mutter sie vor dem lachenden Spiegel pflegt, Ihre Schnürsenkel bindend, ihr Haar aufschlingend, Denkt sie oft, wäre dieses wilde Ding verheiratet, Mehr Liebe sollte ich haben, und viel weniger Sorge. Wenn ihre Mutter sie vor dem beleuchteten Spiegel pflegt, Ihre Schnürsenkel lösend, ihre Locken herabkämmend, Denkt sie oft, wäre dieses wilde Ding verheiratet, Ich würde nur eine für viele Jungen und Mädchen vermissen.
Herzlos ist sie wie der Schatten auf den Wiesen, An einem blauen und windigen Mittag zu den Hügeln fliegend. Nein, sie ist durstig und trinkt ihr Staunen in sich auf: Die Erde ist ihr so jung wie die Sichel des neuen Mondes. Teilt sie eine Unfreundlichkeit aus, so ist es nur ihr schnelles Maß, Ebenso wie in einem Tanz; und ihr Lächeln kann nicht weniger heilen: Wie die schwingende Maiwolke, die die Blumen mit Hagelkörnern belegt Von einem sonnigen Rand, sie war gemacht, um zu verletzen und zu segnen.
Lieblich sind die Kurven der weißen Eule, die fegt, Wellig in der Dämmerung, beleuchtet von einem großen Stern. Einsam auf dem Tannenast, ihr Rasselton unverändert, Über dem Dunkel brütend, spinnt der braune Ziegenmelker. Dunkler wird das Tal, mehr und mehr vergessend: So wäre es mit mir, wenn Vergessen gewollt werden könnte. Sag der grasigen Mulde, die den sprudelnden Quell hält, Sag ihr, sie solle die Quelle vergessen, die sie gefüllt hält.
Den Hügel hinabsteigend mit ihren schönen Gefährtinnen, Arm in Arm, alles gegen den strahlenden Westen, Kühn singt sie, zum fröhlichen Lied marschiert sie; Tapfer in ihrer Gestalt, und süßer unbesessen. Süßer, denn sie ist, was mein Herz zuerst erwachend Flüsterte, dass die Welt sei; Morgenlicht ist sie. Liebe, die so begehrt, möchte sie gerne unveränderlich halten; Möchte gerne das Netz werfen, und möchte sie gerne frei haben.
Glückliche, glückliche Zeit, wenn der weiße Stern schwebt Tief über dunklen Feldern, frisch mit blühendem Tau, Nahe dem Antlitz der Morgendämmerung, die sich durch die Dunkelheit zieht, Sie mit Farbe durchfädelnd, wie Eibendornbeeren die Eibe. Dichter drängen sich die Schatten, während der ernste Osten sich vertieft, Glühend, und mit Purpur schwillt eine lange Wolke. Jungfräulich ist der Morgen noch; und seltsam ist sie, und geheimnisvoll; Seltsam ihre Augen; ihre Wangen sind kalt wie kalte Muscheln.
Sonnenstrahlen, auf unsere südlichen Hügel lehnend und beleuchtend Wilde Wolkenberge, die die Hügel mit sich ziehen, Oft endet der Tag eures wechselnden brillanten Lachens Kalt wie ein stumpfes Gesicht, das über einem Lied finster dreinschaut. Ja, aber zeigt der Südwesten einen gewellten Busen, Zu Silber geblasen, während die Wolken geschüttelt werden und aufsteigen, Die Mitte des Himmels erklimmend, während sie strömen, da kommt ein Sonnenuntergang, Reich, tief wie Liebe in Schönheit ohne Ende.
Wenn sie in der Morgendämmerung seufzt, und wie ein Kind zum Fenster Ernste Augen wendet, nach Licht dürstend, von Träumen befreit, Wunderschön sieht sie aus, wie eine weiße Wasserlilie, Die aus der Knospe bricht in den Häfen der Ströme. Wenn sie aus dem Bett aufsteht, vom Hals bis zum Knöchel bekleidet In ihrem langen Nachthemd, süß wie Maienzweige, Wunderschön sieht sie aus, wie eine hohe Gartenlilie, Rein von der Nacht, und herrlich für den Tag.
Mutter der Taue, dunkelbewimperte Dämmerung, Tiefwimperige Dämmerung, über dem Rand des Tals, Auf deiner Brust rundend singt die tauentzückte Feldlerche, Klar, als hätten die Tautropfen ihre Stimme in ihm. Verborgen, wo das Rosenrot den strahlenlosen Planeten trinkt, Brunnenvoll gießt er die sprühenden Brunnenschauer. Lass mich ihr Lachen hören, ich hätte sie immer Kühl wie Tau in der Dämmerung, die Lerche über den Blumen.
Alle Mädchen sind draußen mit ihren Körben für die Schlüsselblume; Gassen hinauf, durch Wälder, ziehen sie in freudigen Gruppen. Meine Süße führt an: sie weiß nicht warum, aber jetzt trödelt sie, Betrachtet die gebogenen Anemonen, und lässt ihre Hände hängen. Ein solcher Blick wird verraten, dass die Veilchen hervorlugen, Die Rose kommt: und unbewusst ein Schrei Entspringt in ihrem Busen für Düfte und für Farbe, Versteck und die Nachtigall; sie weiß nicht warum.
Mit kopftuchbedecktem Haupt und Kinn schießt sie zwischen ihre Tulpen, Fließend wie eine Weide grau in pfeilartigem Regen: Manche beugen die geschlagene Wange zum Kies, und ihr Engel Wird sie sein; sie hebt sie auf, und eilt wieder weiter. Schwarz trotzt die treibende Regenwolke dem eisernen Tor: Sie ist draußen, um einen Nachbarn aufzuheitern, dem es an Heiterkeit fehlt. So, als Himmel und Gras sich rollend stumm vor Donner trafen, Sah ich einst eine weiße Taube, einziges Licht der Erde.
Zierliche kleine Gelehrte sind die Blumen ihres Gartens, Dazu trainiert, in Reihen zu stehen, und fragend, ob sie gefallen. Ich könnte sie wohl lieben, wenn ich nicht die wilden mehr liebte: O meine wilden! Sie erzählen mir mehr als diese. Du, meine Wilde, du erzählst von honigsüßer Feldrose, Veilchen, errötender Heckenrose im Leben; und ebenso wie sie, Sind sie am Wegesrand Unterpfand deiner Güte, Du bist die des Lebens, auf den Ufern, die den Weg säumen.
Beim Ausspähen ihres Zimmers krönen die weißen die rote Rose, Jasmin windet sich mit Sternen zwei und drei um die Veranda. Geteilt ist das Fenster; sie schläft; der sternenklare Jasmin Atmet einen fallenden Hauch, der Gedanken an mich trägt. Süßer unbesessen, habe ich von ihr mein Süßestes gesagt? Nicht während sie schläft: während sie schläft atmet der Jasmin, Sie zur Liebe lockend: sie schläft; der sternenklare Jasmin Trägt mich zu ihrem Kissen unter weißen Rosenkränzen.
Gelb mit Hornklee sind die Graslichtungen; Gelb mit Fingerkraut des tau-grauen Blattes; Gelb mit Fetthenne; die Mooshügel sind gelb; Blau-halsig wiegt sich der Weizen, gelbend zur Garbe. Grün-gelb bricht aus dem Gehölz der lachende Grünspecht; Scharf wie eine Sichel ist die Kante von Schatten und Schein: Die Erde in ihrem Herzen lacht, den Himmel betrachtend, An die Ernte denkend: Ich schaue und denke an meine.
Dies mag ich wissen: ihr Ankleiden und Ausziehen Zeigt eine solche Veränderung des Lichts, wie wenn der Himmel im Spiel Von Wolken zu Mondschein wechselt; oder über den Donner hinaus Ein Sonnenstrahl schlüpft; oder in den Hafen fegend Weiße Segel sich falten; oder am Ozeanrand Weiße Segel sich an die grün springenden Wellen lehnen. Visionen von ihr schauern vor mir, aber vor dem Augenlicht Bewacht würde sie sein wie die Sonne, wäre sie gesehen.
Vordertür und Rückseite des moosbedeckten alten Bauernhauses Stehen offen am Morgen, und in einer luftigen Verbindung Funkelt frisch der Garten zum streifig beschatteten Obstgarten, Grün über ein Rinnsal, wo auf dem Sand die Elritzen blinzeln. Geschäftig im Gras wimmelt die frühe Sommersonne, Und die sanften Flötentöne der Amsel Rufen meine Liebste hervor mit runder und schelmischer Herausforderung: Der seltsamste, reichste Sang aller singenden Kehlen!
Kühl war der Waldrand; kühl wie ihre weiße Molkerei, Die die Rahmschale süß hält; und dort die Jungen aus der Schule, Die unten Cricket spielten, stürmten braun und rot vor Sonnenschein; O die dunkle Lichtdurchlässigkeit der tiefäugigen Kühle! Vom Hof aus spähend, holte sie selbst einen Krug Voll Milch und neigte für jeden der Reihe nach den Schnabel. Dann sagte ein kleiner Kerl, den Mund offen und auf Zehenspitzen: „Ich will dich küssen“: sie lachte und neigte ihre Wange.
Tauben aus dem Tannenwald, die unser rotes Dach hoch ummauern, Gurrten durch den langen Mittag, gurrten durch das Gurren. Locker hängen die Blätter, und unten auf der schläfrigen Straße Pfeift manchmal ein Buchfink; locker hängt das Blaue. Kühe schlagen mit dem Schwanz, knietief im Fluss, Atemlos, der Sonne und Mücken und Fliegen hingegeben. Nirgendwo ist sie zu sehen; und wenn ich sie nirgendwo sehe, Mag Blitz kommen, gerader Regen und ein Tigerhimmel.
O die goldene Garbe, die raschelnde Schatzfülle! O die nussbraunen Locken, die ineinander verschlungen nicken! O die Schatzlocken, eine über der anderen Nickend! O der Gürtel, locker um die Taille! Erschlagen sind die Mohnblumen, die ihr willkürliches Scharlach Schnell inmitten der Weizenähren schossen: um die Taille gewunden, Gesammelt, seht diese Bräute der Erde, ein Erröten der Reife! O die nussbraune Locken, die ineinander verschlungen nicken.
Groß und rauchig rot fällt die kalte Sonnenscheibe, Beschnitten von nackten Hügeln, auf violett schattierten Schnee: Östlich hell und still erleuchtet sich ein Laubenaufgang des Mondes, Woraus in aller Ruhe der glühende Mond tritt. Die ganze Nacht auf schwarzem Druck von Zweigen starrt unsere Buche In diese Weiße: die ganze Nacht könnte ich es. Hier mag Leben auf Tod oder Tod auf Leben gemalt sein. Lass mich ihre Seele umfassen, um zu wissen, dass sie nicht sterben kann!
Tratschende zählen ihre Fehler; sie durchkämmen eine schmale Kammer, Wo kein Fenster ist, lesen weder den Himmel noch sie. „Als sie noch eine Kleine war“, zittert eine alte Frau, Zupft an meinem Herzen und führt mich beim Ohr. Fehler hatte sie einst, als sie laufen lernte und stürzte: Fehler der Gestalt, die manche sehen, Schönheit nicht vollkommen. Doch, gute Tratschende, Schönheit, die Erde und Luft Heiligt, mag Fehler von Kopf bis Fuß haben.
Hierher kommt sie; sie kommt zu mir; sie verweilt, Vertieft ihre braunen Augenbrauen, während in neuer Überraschung Hoch die Wimpern steigen im Staunen über einen Fremden; Doch bin ich das Licht und Leben ihrer Augen. Etwas, das Freunde ihr sagten, füllt ihr Herz bis zum Überlaufen, Fängt sie in ihrem Erröten, und verwundet sie, und zähmt sie. – Sicher ihres Hafens, o wie eine landende Taube, Arme hoch, sank sie: unsere Seelen waren in unseren Namen.
Bald wird sie liegen wie ein weißer Frostmorgen. Gelber Hafer und brauner Weizen, Gerste bleich wie Roggen, Längst haben eure Garben dem Drescher nachgegeben, Haben den gelockerten Gürtel gefühlt, die fliegenden Locken gesehen. Bald wird sie liegen wie ein blutroter Sonnenuntergang. Schnell mit dem Morgen, grünflügeliger Frühling! Sing aus dem Südwesten, bring ihr die Ausreißer zurück, Nachtigall und Schwalbe, Gesang und eintauchender Flügel.
Weiche neue Buchenblätter, die sich zum strahlenden April Ast um Ast zu einem Schlüsselblumenberg ausbreiten, ihr, Klar im Mondlicht, hebt Lilien zu den Himmelsfeldern, Jüngstes Grün, das in Silber hindurchstrahlt: Schöner als die Lilie, als die wilde weiße Kirsche: Schön wie in einem Bild erscheint meine seraphische Liebe, Getragen zu mir von Träumen, wenn die Morgenröte an meinen Augenlidern ist: Schön wie im Fleisch schwimmt sie zu mir auf Tränen.
Könnte ich einen Ort finden, um mit dem Himmel allein zu sein, Ich würde mein Herz ausschütten: Himmel ist mein Bedürfnis. Jeder Waldbaum rötet sich wie der Hartriegel, Leuchtet wie das Mehlbeere, wiegt sich wie das Schilf. Rötend wie der Hartriegel, purpurn im Oktober; Strömend wie das Schilfrohr, vom Südwesten geweht; Leuchtend wie in Böen die plötzlich erhellte Mehlbeere: Alles scheint zu wissen, was allein für den Himmel ist.
MARIAN
Sie kann so klug sein wie wir, Und klüger, wenn sie es wünscht; Sie kann mit schlauem Witz stricken Und die einfachen Gerichte anrichten. Sie kann Stab oder Feder führen Und eine Wunde schlagen, die bleibt; Sie kann die Sprache der Männer sprechen Und mit prickelnden Fingern berühren.
Messt euch mit ihr, ihr jenseits des Meeres, Naturen zärtlich und feurig; Ihr, die ihr das Nest der Schildkröte würzt Mit dem Horst des Adlers. Sanft und liebend ist ihre Seele, Schnell und hoch fliegend; Mischend mit ihrer taubenhaften Gabe Leidenschaftliches Anbeten.
So eine Sie, die sich mit mir misst? Im Fliegen oder Jagen, Subtile Tücken liegen in ihrem Lächeln, Die die Welt zum Werben bringen. Sie ist standhaft wie ein Stern, Und doch das tollste Mädchen: Sie kann einen tapferen Krieg führen Und den Frieden von Eden schenken.
LOB MEINER DAME
Meine Dame scheint aus Elfenbein, Stupsnase, und Wangen, die da sind Ein wenig trauernd ausgehöhlt. Beata mea Domina!
Ihre Stirn, stark überschattet Von Haarbögen, hat eine Welle, wie Gott sie gut für mich zu machen wusste. Beata mea Domina!
Nicht sehr lang ist das Haar meiner Dame, Auch nicht von gelber Farbe schön, Aber dick und wundervoll gekräuselt: Beata mea Domina!
Schwer, um das bleiche Gesicht traurig zu machen, Und dunkel, aber tot, als ob es Von Gott wundervoll geschmiedet worden wäre. Beata mea Domina!
Aus einem seltsamen Metall, Faden für Faden, Um vom Kopf meiner Dame abzustehen, Sich nicht viel bewegend, um mich zu verstricken. Beata mea Domina!
Unter ihren Brauen fallen die Lider langsam, Die Wimpern werfen einen klaren Schatten, Wo ich meine Lippen wissen möchte. Beata mea Domina!
Ihre großen Augen, weit auseinanderstehend, Ziehen eine Erinnerung aus ihrem Herzen, Und starren sehr trauernd hinaus; Beata mea Domina!
So schön und gütig sind sie, Aber meistens in die Ferne schauend, Auf etwas wartend, nicht auf mich. Beata mea Domina!
Ich frage mich, ob die langen Wimpern Jene sind, die ihren hellen Augen Unrecht tun, Denn immer scheinen halbe Tränen zu sein. Beata mea Domina!
Lauernd unter dem Unterlid, Dunkel den Ort, wo sie verborgen liegen: Wenn sie aufsteigen und für mich fließen sollten! Beata mea Domina!
Ihre vollen Lippen sind zum Küssen gemacht, Aufgerollt und nachdenklich ist jede; Das macht mich schwach, dazustehen und zu sehen. Beata mea Domina!
Ihre Lippen sind jetzt nicht zufrieden, Weil die Stunden so langsam vergehen Zu einer süßen Zeit: (betet für mich), Beata mea Domina!
Nein, schweig! denn wer kann es sagen? Aber das weiß ich zumindest wohl, Ihre Lippen sind sehnsüchtig gespalten, Beata mea Domina!
So leidenschaftlich und schnell in der Bewegung, Um nach jeder fliegenden Liebe zu zupfen, Dass ich schwach werde, dazustehen und zu sehen. Beata mea Domina!
Ja! dort unter ihnen ist ihr Kinn, So fein und rund, es wäre eine Sünde, Sich nicht schwächer zu fühlen, wenn ich es sehe. Beata mea Domina!
Gottes Handeln; denn mit so viel Sorgfalt Und mühsamen, schwachen Linien darin geformt, Vollendet er ihr Gesicht für mich. Beata mea Domina!
Was soll ich von ihrem langen Hals sagen? Welche Dinge über das Wiegen ihres Körpers, Wie eines Ritters Wimpel oder ein schlanker Baum. Beata mea Domina!
Sanft im Wind wehend gesetzt; Oder ihre langen Hände, die ich vielleicht An einem süßen Tag über mir finden werde? Beata mea Domina!
Gott erbarme sich meiner, wenn ich versäumte Zu erzählen, wie entlang ihres Handgelenks Die Adern kriechen, matt sterbend. Beata mea Domina!
In ihrer zarten und dünnen Handfläche. Nun gib mir Verzeihung, Liebste, worin Meine Stimme schwach ist und dich verärgert. Beata mea Domina!
Alle Männer, die sie jemals sehen, Ich beschwöre euch direkt in diesem Reim, Was, und wo immer ihr sein mögt, Beata mea Domina!
Vor ihr zu knien; was mich betrifft, Ich ersticke und werde ganz schwach, zu sehen, Wie meine Dame anmutig sich bewegt. Beata mea Domina!
MADONNA MIA
Unter grünen Apfelzweigen, Die kein Sturm je aufwühlen wird, Hat meine Dame ihr Haus Zwischen zwei Lauben; In jeder der beiden Rote Rosen voll Regen; Sie hat als Mägde Alle Arten von Blumen.
Sie hat keine schöne Zofe, Um ihr gelocktes Goldhaar Durch goldene Ringe zu ziehen, die Des ganzen Haares Gewicht tragen; Sie hat keine Mägde, die dastehen, Goldgekleidet zu beiden Seiten; In all jenem großen grünen Land Ist keine so groß.
Sie hat nichts mehr zu tragen Als eine weiße Kapuze aus Feh Über Augen und Haar gezogen, Mit seltsamem Gold gearbeitet, Gemacht für das Haupt einer großen Königin, Einer schönen großen Königin, die seitdem tot ist; Und ein schmales rotes Kleid Gegen die Kälte.
Unter ihren tiefen Augenlidern Scheint die Liebe schlafend zu liegen, Liebe, schnell zum Erwachen, zum Weinen, Zum Lachen, zum Starren; Ihre Brüste sind wie weiße Vögel, Und all ihre gnädigen Worte Wie Wiesengras für Herden In den Junitagen.
Für sie sind alle Tautropfen, die fallen, Und Regen musikalisch; Ihre Blumen werden von allem genährt, Ihre Freuden von diesen; In den dicht gefiederten Tannen Ist ihr Geschenk der Freude ihres, Im leisesten Hauch, der sich regt Über den Bäumen.
Sie wächst mit grünsten Blättern, Reift mit rotesten Garben, Vergisst, erinnert sich, trauert, Und ist nicht traurig; Die stillen Länder und Himmel Hinterlassen Licht auf ihren Augen; Niemand kennt sie, schwach oder weise, Oder müde oder froh.
Niemand weiß, niemand versteht, Welche Blumen ihren Händen gleichen; Obwohl du alle Länder durchsuchen solltest, In denen die Zeit wächst, Welche Schnees ihren Füßen gleichen, Obwohl seine Augen vor Hitze brennen Durch das Starren auf meine Süße, – Doch weiß es kein Mensch.
Nur dieses eine wird gesagt; Dass Weiß und Gold und Rot, Gottes drei Hauptworte, des Menschen Brot Und Öl und Wein, Ihr als Mitgift gegeben wurden, Und Königreich aller Stunden, Und Gnade schöner Blumen Und verschiedener Reben.
Dies ist das Lob meiner Dame: Gott schuf sie nach vielen Tagen Auf unbekannte Weise, In Sonnenuntergangsländern; Dies ist die Geburt meiner Dame; Gott gab ihr Macht und Fröhlichkeit, Und legte seine ganze süße Erde Zwischen ihre Hände.
Unter tiefen Apfelzweigen Hat meine Dame ihr Haus; Sie trägt auf ihrer Stirn Die Blume davon; Alles Sagen, außer was Gott sagt, Ist für sie wie eitler Hauch; Sie ist stärker als der Tod, Da sie stark wie die Liebe ist.
„TREFFEN WIR KEINE ENGEL, PANSIE?“
Kam, an einem Sabbat-Morgen, meine Süße, In Weiß, um ihren Liebhaber zu finden; Das Gras wuchs stolz unter ihren Füßen, Die grünen Ulmenblätter über ihr: – Treffen wir keine Engel, Pansie?
Sie sagte: „Wir treffen jetzt keine Engel“; Und sanftes Licht strömte auf sie; Und mit weißer Hand berührte sie einen Zweig; Sie tat ihm diese große Ehre: – Was! Treffen wir keine Engel, Pansie?
O süßer brauner Hut, braunes Haar, braune Augen, Niedergeschlagene braune Augen, so zärtlich! Was sagte ich dann? – galante Antworten Scheinen Schmeichelei und kränken sie: – Aber – treffen wir keine Engel, Pansie?
AN DAPHNE
Wie Apfelblüten, weiß und rot; Wie Töne der Morgenröte, die zu schnell entfliehen; Wie Pfirsichblüte, so sanft verbreitet; Wie Maiendorn und Rose des Juni – Oh, süß! oh, schön! unvergleichlich, Sind Daphnes Wangen, Sind Daphnes errötende Wangen, ich schwöre.
Diese hübsche Rose, die kommt und geht Wie April-Sonnenschein am Himmel, Ich kann sie befehlen, wann ich will – Sieh, wie sie aufsteigt, wenn ich rufe: Oh, süß! oh, schön! unvergleichlich, Sind Daphnes Wangen, Sind Daphnes errötende Wangen, ich schwöre.
Ah! wenn sie um Lippen und Augen liegt, Und vergeht, um wieder zu entspringen, Kein Liebhaber könnte sicher mehr verlangen, Als immer zu rufen, und immer zu singen: Oh, süß! oh, schön! unvergleichlich, Sind Daphnes Wangen, Sind Daphnes errötende Wangen, ich schwöre.
„MÄDCHEN MIT DEM ROTEN MUND“
Mädchen mit dem roten Mund, Liebe mich! Liebe mich! Mädchen mit dem roten Mund, Liebe mich! Es ist an seiner Kurve, ich weiß, Dass die Liebe ihren Bogen formt, Und ihn biegt – ah, sogar so! Oh, Mädchen mit dem roten Mund, liebe mich!
Mädchen mit dem blauen Auge, Liebe mich! Liebe mich! Mädchen mit dem Tauge, Liebe mich! Welten hängen wie Lampen oben; Und die Welt des Gedankens lebt in deinem Glänzenden und zärtlichen Auge – Oh, Mädchen mit dem blauen Auge, liebe mich!
Mädchen mit dem Schwanenhals, Liebe mich! Liebe mich! Mädchen mit dem Schwanenhals, Liebe mich! Wie ein griechischer Marmor wächst Zu des Rosses Rücken aus Schnee, Sitzt dein weißer Hals so auf deiner Schulter, – Oh, Mädchen mit dem Schwanenhals, liebe mich!
Mädchen mit der leisen Stimme, Liebe mich! Liebe mich! Mädchen mit der süßen Stimme, Liebe mich! Wie das Echo einer Glocke, – Wie das Sprudeln eines Brunnens, – Süßer! Liebe wohnt darin, – Oh, Mädchen mit der leisen Stimme, liebe mich!
DIE TOCHTER VON MENDOZA
O leih mir, süße Nachtigall, Deine Musik am Brunnen, Und leih mir deine Kadenzen, O Fluss des Berges! Dass ich meine fröhliche Brünette besingen kann, Ein Diamantenfunken in Koralle gefasst, Edelstein für eine Prinzenkrone – Die Tochter von Mendoza.
Wie brillant ist der Morgenstern, Der Abendstern wie zärtlich, – Das Licht beider ist in ihren Augen, Ihre Weichheit und ihr Glanz. Aber für die Wimper, die ihr Licht beschattet, Wären sie zu blendend für den Anblick, Und wenn sie sie schließt, ist alles Nacht – Die Tochter von Mendoza.
O ewig strahlende und schöne Eine, Verwirrende und bezwingende, Die Laute ist in deinen silbernen Tönen, Der Regenbogen in deinem Lächeln; Und dein ist auch, über Hügel und Tal, Das Springen der jungen Gazelle, Der Flug des Pfeils und die Dünung des Ozeans – Süße Tochter von Mendoza!
Was ist, wenn wir uns vielleicht nicht mehr treffen, – Was ist, wenn wir uns zu bald trennen? Deine Gestalt wird wie smaragdenes Licht Ewig vor meiner Vision schweben. Denn wer kann sehen und dann vergessen Die Herrlichkeiten meiner fröhlichen Brünette – Du bist ein zu heller Stern, um unterzugehen, Süße Tochter von Mendoza!
„WENN SIE AUS WEISS UND ROT GEMACHT IST“
Wenn sie aus Weiß und Rot gemacht ist, Wie alle transzendente Schönheit zeigt; Wenn der Himmel blau über ihrem Haupt ist, Und die Erde golden ist, wenn sie geht: Nein, dann zügle deine geschicktesten Worte; Sag nicht, dass diese Schönheit eitel ist.
Wenn sie mit Liebe und Hohn erfüllt ist, Wie alle göttlichsten Naturen sind; Wenn zwischen ihren Lippen solche Worte geboren werden, Wie nur Himmel oder Hölle verleihen können: Heiße die Liebe still zu sein, und niemals zu sprechen, Damit sie nicht ihre eigene Zurückweisung sucht.
DAS LIED DES LIEBHABERS
Leih mir dein Band, Liebe! Ich möchte nicht länger sehen: Decke meine Augenlider eine Weile zu, Und mache mich blind wie dich.
Dann könnte ich an ihrem sonnigen Gesicht vorbeigehen, Und nicht wissen, dass es schön war; Dann könnte ich ihre Stimme hören, ohne zu ahnen, Dass ihre sternenklaren Augen dort waren.
Ah! So verbannt von Sternen und Sonne – Warum muss das mein Schicksal sein? Wenn sie nur träumen könnte, ich sei gut Und weise, und meine Gefährtin sein!
Leih ihr dein Band, Liebe! Lass sie nicht länger sehen: Wenn es überhaupt Hoffnung für mich gibt, Muss sie blind sein wie du.
„ALS ICH SIE ZUERST SAH“
Als ich sie zuerst sah, beim Schlag Sprach das Herz der Natur in mir; Die ganze Landschaft lächelte süßer, Erleuchtet von ihren Augen, getreten von ihren Füßen; Sie machte die Sterne des Himmels heller, Indem sie nachts unter ihnen schlief; Und machte die Blumen des Mai schöner, Indem sie reizender war als sie.
O, weich, weich, wo der Sonnenschein sich ausbreitete, Dunkel im Gras legte ich meinen Kopf nieder; Und ließ die Lichter der Erde gehen, Um ihr Bild in meinem Herzen zu finden; Dann kam und ging durch mein Wesen Töne eines himmlischen Instruments, Als ob, wo seine blinden Bewegungen rollen, Die Welt erwachen und eine Seele sein sollte.
MEINE APRIL-DAME
Wenn morgens die Treppe hinunter Die Sonnenstrahlen um sie schweben, Süße Bäche des Lachens Rippeln in ihrer Kehle; Die Fröhlichkeit ihrer Begrüßung Ist Gold ohne Beimischung; Und im Morgensonnenschein Denke ich, ihr Name ist Freude.
Wenn am Abend in der Dämmerung Das stille Bücherzimmer liegt, Lesen wir die traurigen alten Balladen, Während aus ihren verborgenen Augen Die Tränen fallen, fallen, Die ihrem Herzen Erleichterung geben; Und am Abend in der Dämmerung Denke ich, ihr Name ist Kummer.
Meine kleine April-Dame, Aus Sonnenschein und Schauern Webt sie die alte Frühlingsmagie, Und bricht mein Herz in Blumen! Aber wenn ihre Stimmungen vorbei sind, Schmiegt sie sich wie eine Taube; Dann, durch den Schmerz und das Entzücken, Weiß ich, ihr Name ist Liebe.
DAS MILCHMÄDCHEN Ein neues Lied auf eine alte Weise
Über das Gras sehe ich sie vorbeigehen; Sie kommt mit stolperndem Schritt, – Ein Mädchen, das ich kenne, – und März-Winde wehen Ihr Haar über ihr Gesicht; – Mit einem Hey, Dolly! Ho, Dolly! Dolly soll mein sein, Bevor der Strauch mit Mai weiß ist, Oder die Eglantine blüht.
Die März-Winde wehen. Ich sehe ihr zu: Ihr Auge ist braun und klar; Ihre Wange ist braun und weich wie Flaum, (Für jene, die sie aus der Nähe sehen!) – Mit einem Hey, Dolly! Ho, Dolly! Dolly soll mein sein, Bevor der Strauch mit Mai weiß ist, Oder die Eglantine blüht.
Was hat sie nicht, was jene haben, – Die Damen, die in Seide gehen! Wenn sie ihr blaues Halstuch löst, Ist ihr Hals weiß wie Milch. Mit einem Hey, Dolly! Ho, Dolly! Dolly soll mein sein, Bevor der Strauch mit Mai weiß ist, Oder die Eglantine blüht.
Lasst jene, die wollen, stolz und kühl sein! Für mich, von Juni bis Juni, Sind Dollys Worte süß wie Quark – Ihr Lachen ist wie eine Weise; – Mit einem Hey, Dolly! Ho, Dolly! Dolly soll mein sein, Bevor der Strauch mit Mai weiß ist, Oder die Eglantine blüht.
Brich, brich, um zu hören, o Krokusspeer! O hohe Lent-Lilien flammen! Es wird eine Braut zu Ostern geben, Und Dolly ist ihr Name. Mit einem Hey, Dolly! Ho, Dolly! Dolly soll mein sein, Bevor der Strauch mit Mai weiß ist, Oder die Eglantine blüht.
LIED
Dieser Pfirsich ist rosa mit solch einem Rosa, Wie es dem Pfirsich göttlich ansteht; Die schlaue Farbe, selten verbreitet, Verblasst fein zum Gelb; Aber wo man das wahrste Rosa erspäht, Ist an der weichen Wange meiner Liebe, denke ich.
Das Schneeglöckchen, Kind des windigen März, Rühmt sich ihrer Weiße; Ihre goldenen Nachbarn, Krokusse, Preisen neidlos ihre Helligkeit! Aber ich weiß wohl, wo, außer Sicht, Meine Liebste ein wärmeres Weiß behält.
IM FEBRUAR
Meiner Dame Geburtstag krönt das wachsende Jahr; Eine Blume des Frühlings, bevor der Frühling da ist; Um von ihr zu singen und diesen schönen Tag zu bewahren, Verlassen selbst die Lieben ihren Winterschlaf; Wo immer sie geht, breiten sie ihre kreisenden Flügel aus, Und überschütten ihr Haupt mit himmlischen Rosen. Auch ich möchte ihren Wert besingen und wagen, Einen Hymnus zu erheben auf das, was jenseits unsterblichen Lobes ist. Geh, kleiner Vers, und lege in passendem Gewand Der Poesie, meine Huldigung zu ihren Füßen.
„LIEBE, ICH WUNDERE MICH, WAS DU BIST“
Liebe, ich wundere mich, was du bist! Himmel in einer Perle aus Tau, Lilien, die von einem Stern im Herzen geküsst werden – Alles bist du.
Frühling scheint auf deiner Stirn Und die Sommerblüten sind deine Brust. Gnaden herbstlicher Reben Ruhen um dich.
Vögel um eine klare Rose, Die Gesang und Licht der Flügel machen, Während der warme Wind sonnig weht, – So singst du.
Liebste, wenn der kleine Staub, Von dem ich weiß, dass er nur ich bin, Dazu verholfen hat, dein Vertrauen zu gewinnen, Lass mich sterben.
BALLADE VON DER SCHÖNHEIT MEINER DAME
Knappe Adam hatte zwei Frauen, sagen sie, Zwei Frauen hatte er zu seinem Vergnügen; Er küsste und umarmte sie den ganzen Tag, Und umarmte und küsste sie die ganze Nacht. Nun war Eva wie Meerschaum weiß, Und Lilith, Rosen in Wein getaucht, Aber obwohl sie ein schöner Anblick waren, Keine Dame ist so schön wie meine.
Der Venus zahlen manche Leute Tribut, Und Königin der Schönheit wird sie geheißen, Und die heilige Maria beherrscht die Welt, In zierliches Leinen gekleidet. Mein Staunen laden diese beiden ein, Ihre Schönheit ist göttlich; Und doch sage ich, ihnen zum Trotz, Keine Dame ist so schön wie meine.
Dame Helena verursachte einen schweren Streit, Um ihrer Liebe willen kämpften tapfere Männer, Ihre Augen machten Weise wahnsinnig Und brachten ihre Herzen in elende Not. Für sie werde ich keine Reime dichten, Für sie werde ich keine Kränze winden; Obwohl sie aus Blumen und Licht gemacht ist, Keine Dame ist so schön wie meine.
L'ENVOI Prinz Eros, Herr lieblicher Macht, Der auf dem Olymp ruht, Sage ich nicht die Wahrheit richtig? Keine Dame ist so schön wie meine.
Ich sehe sie heute Abend in der festlichen Wärme, Ihre Ruhe ist lauter Anmut, ihre Bewegung lauter Entzücken. Begabt mit allen Künsten des Weibes, die gefallen, In ihrem weichen Gewand scheint sie ein Wesen der Sorglosigkeit, Das von Kummer nicht erreicht oder von Unheil verwelkt werden darf.
Morgen wird sie von Etage zu Etage mühen, Um den stummen Armen zuzulächeln, Um die Tränen der Witwen zu stillen und um Beichtvater für die irrenden Herzen der Männer zu sein . . . ach je! Sie weiß nicht, dass ich ein Bettler an ihrer Tür bin.
Robert Underwood Johnson [1853-
VILLANELLE DER SCHÄTZE SEINER DAME
Ich nahm ihre zierlichen Augen, ebenso Wie die seidigen Ranken ihres Haares: Und so machte ich eine Villanelle!
Ich nahm ihre Stimme, eine silberne Glocke, So klar wie Gesang, so weich wie ein Gebet; Ich nahm auch ihre zierlichen Augen.
Es mag sein, sagte ich, wer kann es sagen, Diese Dinge werden meine geringere Verzweiflung sein? Und so machte ich eine Villanelle!
Ich nahm ihre jungfräuliche Weiße Und von ihren Wangen zwei seltene Rosen: Ich nahm auch ihre zierlichen Augen.
Ich sagte: „Es mag möglich sein, Ihr Bild aus meinem Herzen zu reißen!“ Und so machte ich eine Villanelle!
Ich stahl ihr Lachen, höchst musikalisch: Ich arbeitete es mit kunstvoller Sorgfalt ein; Ich nahm auch ihre zierlichen Augen; Und so machte ich eine Villanelle.
Ernest Dowson [1867-1900]
LIED
Liebe, an diesem gelösten Haar Weiß ich nun wohl, Wohin die verlorene Lilith ging Vor so langer Zeit.
Liebe, an jenen sternenklaren Augen Verstehe ich, Wie die Meeresjungfrauen Sterbliche Vom Lande locken.
Liebe, an jenem quellenden Lachen Fordert die Freude ihr Eigen, Meeresgeboren und windwankend, Kind der Sonne.
Bliss Carman [1861-1929]
LIED
O, wie einer Königin ist ihr glücklicher Schritt, Und wie einer Königin ihr goldenes Haupt! Doch O, am Ende, wenn alles gesagt ist, Ihr Frauenherz für mich!
Wir wanderten, wo der Fluss glänzte Unter Eichen, die sinnend waren, und Kiefern, die träumten, Ein wildes Ding des Waldes schien sie, So stolz, und rein, und frei!
Der ganze Himmel nahte, um sie singen zu hören, Als sich von ihren Lippen ihre Seele aufschwang; Die Eichen vergaßen ihr Sinnen, Die Kiefern ihre Träumerei.
Und O, ihr glücklicher, königlicher Schritt, Und O, ihr königliches goldenes Haupt! Doch O, ihr Herz, wenn alles gesagt ist, Ihr Frauenherz für mich!
William Watson [1858-1935]
IRGENDEIN LIEBENDER, IRGENDEIN MÄDEL
Warum sind ihre Augen so hell, so hell, Warum beherrschen ihre Lippen Die Küsse einer Sommernacht, Wenn ich ihre Seele lieben möchte?
Gott setzte ihre tapferen Augen weit auseinander Und bemalte sie mit Feuer; Sie rühren die Asche meines Herzens Zu glühenden Kohlen des Verlangens.
Ihre Lippen sind so zärtlich geformt In einer so göttlichen Gestalt, Dass ich Diener meines Gedankens bin Und in keiner Weise entkommen kann.
Ihr Körper ist eine Blume, ihr Haar Spielt um ihren Hals; Ich finde ihre Farben überall, Sie sind der Stolz des Tages.
Ihre kleinen Hände sind weich, und wenn Ich ihre Finger sich bewegen sehe, Weiß ich in aller Wahrheit, dass Männer Für weniger als Liebe gestorben sind.
Ach, liebes, lebendiges, reizendes Ding! meine Augen Haben sie gesucht wie ein Gebet; Es ist mein besseres Selbst, das schreit: „Wäre sie doch nicht so schön!“
Wünschte ich, ich könnte die Ekstase verwirken Und einen ruhigeren Ort finden, Wo ich begierdelos sehen könnte Ihr allzu begehrtes Gesicht:
Nicht ihre Augen so hell, so hell finden, Noch ihre Lippen hören, wie sie entrollen Traum um Traum die lebenslange Nacht hindurch, Wenn ich ihre Seele lieben möchte.
Richard Middleton [1882-1911]
AUFSTEIGENDE LIEDER
Liebe wurde auf tausend Arten besungen - So sei es; Die Lieder, die zu deinem Lobe aufsteigen Durch alle meine Tage Sind drei.
Deinen wolkenweißen Körper singe ich zuerst; Deine Liebe war das Blau des Himmels, Und ich, ein Vogel, flog frohlockend In Ringen um Ringen Von dir.
Deine Nähe ist das zweite Lied; Als Gott begann zu sein, Und dich fest band, recht oder unrecht, Mit seinem eigenen Band, An mich.
Aber oh, das Lied, ewig, hoch, Das diese zwei übertrifft! - Du lebst ewig, du, die stirbst, Ich bin nicht ich, Sondern du.
Witter Bynner [1881-
LIED
„Oh! Liebe“, sagten sie, „ist König der Könige, Und Triumph ist seine Krone. Die Erde verblasst in Flammen vor seinen Flügeln, Und Sonne und Mond verneigen sich.“ - Aber das, wusste ich, würde niemals gehen; Und der Himmel ist allzu hoch. Also, wann immer ich eine Königin treffe, sagte ich, Werde ich ihr nicht in die Augen sehen.
„Oh! Liebe“, sagten sie, und „Liebe“, sagten sie, „Das Geschenk der Liebe ist dies; Eine Dornenkrone um dein Haupt, Und Essig für deinen Kuss!“ - Aber Tragödie ist nicht für mich; Und ich bin zufrieden, fröhlich zu sein. Also, wann immer ich eine tragische Dame erspähte, Ging ich einen anderen Weg.
Und so fürchtete ich niemals zu sehen, Wie du die Straße entlang wanderst, Oder über die Felder zu mir kommst Auf gewöhnlichen Füßen. Denn wovon sie mir niemals erzählt hatten, Und was ich niemals wusste; Das war, dass die ganze Zeit, meine Liebe, Liebe einfach du sein würdest.
Rupert Brooke [1887-1915]
LIED
Wie liebe ich dich? Ich weiß es nicht. Nur deinetwegen Gehe ich freudig.
Nur deinetwegen Ist Arbeit süß, Und all dein Lied Singt in meinen Füßen.
Nur der Gedanke an dich Zittert und liegt Genau dort, wo die Welt beginnt - Unter meinen Augen.
Irene Rutherford McLeod [1891-
AN . . . IN DER KIRCHE
Wenn ich von fern hierher gezogen wurde, So war es nicht, um zu beten oder unseres Freundes Rede zu hören, Sondern, indem ich noch einmal auf dein holdes Antlitz blickte, Dort die Ideale Lieblichkeit anzubeten. Auf jenem reinen Schrein, der allzu lange missachtete Die Gaben, die ich einst so häufig brachte, Lege ich dieses Votivopfer, um festzuhalten, Wie süß mir deine stille Schönheit erschien. Bezauberndes Mädchen, mein Glaube ist kein Ding, Um durch vergebliches Beten und faden Psalmgesang In überfülltem Kirchenschiff und öffentlicher Bank sich Luft zu machen. Mein Credo ist einfach: dass die Welt schön ist, Und Schönheit das Beste, was es dort anzubeten gibt, Und ich bekenne es, indem ich dich anbete.
Alan Seeger [1888-1916]
NACH ZWEI JAHREN
Sie ist ganz so zierlich Und zart und weiß Wie ein Maimorgen. Sie geht ohne Kapuze In der Dämmerung. Es ist gut, Sie singen zu hören.
Es ist Gottes Wille, Dass ich sie immer noch lieben soll, Wie Er Maria liebt. Und bei Nacht und Tag Werde ich hinausgehen, um zu beten, Dass sie mich liebe.
Sie ist so lieblich wie Gold, Und weit kälter. Bete du mit mir, Denn wenn ich Gnade gewinne, Ihr Gesicht zweimal zu küssen, Hat Gott wohl an mir getan.
Richard Aldington [1892-
LOBPREISUNG
Liebe, sie preisen deine Schönheit, Das Gras und der Himmel: Der Himmel in einem Schweigen des Staunens, Das Gras in einem Seufzer.
Auch ich möchte singen für dein Lob, Liebste, hätte ich Sprache wie das flüsternde Gras, Oder der stille Himmel.
Diese haben eine Kunst für das Preisen So hoher Schönheit. Süße, du wirst gepriesen in einem Schweigen, Besungen in einem Seufzer.
Seumas O'Sullivan [1879-
KLAGEN UND BETEUERUNGEN
„VERGISS NOCH NICHT“ Der Liebende bittet seine Geliebte, Seinen standhaften Glauben Und seine wahre Absicht nicht zu vergessen
Vergiss noch nicht die erprobte Absicht Einer solchen Wahrheit, wie ich sie meinte: Meine große Mühsal, so freudig aufgewandt, Vergiss noch nicht!
Vergiss noch nicht, als zuerst begann Das müde Leben, das du kennst, seit wann Das Werben, der Dienst, niemand sagen kann; Vergiss noch nicht!
Vergiss noch nicht die großen Prüfungen, Das grausame Unrecht, die höhnischen Wege, Die schmerzliche Geduld in Verzögerungen, Vergiss noch nicht!
Vergiss nicht! O, vergiss dies nicht! - Wie lange es her ist, und ist, Der Sinn, der niemals Böses meinte - Vergiss noch nicht!
Vergiss dann nicht dein eigenes Bewährtes, Welches dich so lange so geliebt hat, Dessen standhafter Glaube sich niemals bewegte: Vergiss dies nicht!
Thomas Wyatt [1503?-1542]
FAWNIA Aus „Pandosto“
Ach! wäre sie mitleidig, wie sie schön ist, Oder nur so mild, wie sie es zu sein scheint, Dann wären meine Hoffnungen größer als meine Verzweiflung, Dann wäre die ganze Welt Himmel, nichts als Weh.
Ach! wäre ihr Herz so nachgiebig wie ihre Hand, Die schon bei der mildesten Berührung zu schmelzen scheint, Dann wüsste ich, wo ich mich niederlassen könnte in einem Land Unter weiten Himmeln, doch so etwas gibt es nicht. So wie sie sich zeigt, scheint sie die knospende Rose, Doch weit süßer als eine irdische Blume; Souverän der Schönheit, wie das Reis wächst sie; Umfangen ist sie von Dornen und vergifteter Blume. Doch wäre sie willens, gepflückt und getragen zu werden, Würde sie gesammelt werden, obgleich sie auf Dornen wüchse.
Ach! wenn sie singt, soll alle andere Musik verstummen, Denn keine darf mit ihrer Note verglichen werden; Nie hauchte solch Frohlocken aus Philomelas Schnabel, Noch aus der schwellenden Kehle des Morgensängers. Ach! wenn sie sich aus ihrem wonnigen Bett erhebt, Tröstet sie die ganze Welt, wie es die Sonne tut, Und bei ihrem Anblick ist der Nacht fauler Dunst geflohen; Wenn sie untergegangen ist, ist der frohe Tag zu Ende. O glorreiche Sonne, stell dir mich als den Westen vor, Scheine in meinen Armen, und gehe in meiner Brust unter!
Robert Greene [1560?-1592]
DER LEIDENSCHAFTLICHE SCHÄFER AN SEINE LIEBE
Komm, lebe mit mir und sei meine Liebe, Und wir wollen alle Freuden erproben, Die Hügel und Täler, Auen und Felder, Oder Wälder oder steile Berge gewähren.
Und wir werden auf den Felsen sitzen, Und sehen, wie die Schäfer ihre Herden weiden An seichten Flüssen, zu deren Fällen Melodische Vögel Madrigale singen.
Und ich werde dir Rosenbetten machen Und tausend duftende Sträußchen; Eine Blumenhaube und einen Rock, Ganz bestickt mit Myrtenblättern.
Ein Kleid aus der feinsten Wolle, Die wir von unseren hübschen Lämmern ziehen; Schön gefütterte Pantoffeln für die Kälte, Mit Schnallen aus reinestem Gold.
Einen Gürtel aus Stroh und Efeuknospen Mit Korallenschließen und Bernsteinnieten: Und wenn dich diese Freuden bewegen können, Komm, lebe mit mir und sei meine Liebe.
Die Schäfersbuben sollen tanzen und singen Zu deinem Vergnügen an jedem Maimorgen: Wenn diese Wonnen deinen Sinn bewegen können, Dann lebe mit mir und sei meine Liebe.
Christopher Marlowe [1564-1593]
DIE ANTWORT DER NYMPHE AN DEN LEIDENSCHAFTLICHEN SCHÄFER
Wenn die ganze Welt und die Liebe jung wären, Und Wahrheit auf jeder Schäferzunge, Könnten diese hübschen Freuden mich bewegen, Mit dir zu leben und deine Liebe zu sein.
Aber die Zeit treibt Herden vom Feld in den Pferch; Wenn Flüsse toben und Felsen kalt werden; Und Philomel stumm wird; Der Rest klagt über kommende Sorgen.
Die Blumen verwelken, und mutwillige Felder Ergeben sich der eigensinnigen Winterrechnung: Eine Honigzunge, ein Herz aus Galle, Ist der Frühling der Phantasie, doch der Fall des Kummers.
Deine Kleider, deine Schuhe, deine Rosenbetten, Deine Haube, dein Rock und deine Sträußchen, Brechen bald, verwelken bald - bald vergessen, In Torheit reif, in Vernunft verfault.
Dein Gürtel aus Stroh und Efeuknospen, Deine Korallenschließen und Bernsteinnieten - All dies kann mich in keiner Weise bewegen, Zu dir zu kommen und deine Liebe zu sein.
Aber könnte die Jugend dauern, und Liebe immer fortbestehen, Hätten Freuden kein Datum, noch das Alter keine Not, Dann könnten diese Wonnen meinen Sinn bewegen, Mit dir zu leben und deine Liebe zu sein.
Walter Raleigh [1552?-1618]
„KRÄNKE NICHT, SÜSSE KAISERIN MEINES HERZENS“
Kränke nicht, süße Kaiserin meines Herzens, Den Verdienst wahrer Leidenschaft, Indem du denkst, er fühle keinen Schmerz, Der um kein Mitleid bittet.
Schweigen in der Liebe verrät mehr Weh Als Worte, seien sie auch noch so geistreich: Ein Bettler, der stumm ist, weißt du, Kann doppeltes Mitleid fordern.
Dann kränke nicht, du Liebste meines Herzens, Meine wahre, wenn auch geheime Leidenschaft; Am meisten schmerzt, wer seinen Schmerz verbirgt, Und um kein Mitleid bittet.
Walter Raleigh [1552?-1618]
AN SEINE SPRÖDE LIEBE
Ich bitte dich, lass ab, liebe mich nicht mehr, Ruf das Herz heim, das du mir gabst! Ich verehre nur vergeblich jenen Heiligen, Der mich retten kann, aber nicht will. Diese armen Halbküsse töten mich ganz - Wurde je ein Mann so bedient: Inmitten eines Ozeans von Entzücken Vor Vergnügen zu verhungern!
Zeig mir nicht mehr jene schneeweißen Brüste, Mit azurblauen Äderchen durchzogen, Wo, während mein Auge an Fülle schmaust, Doch mein Durst nicht gestillt wird; O Tantalus, erzähle nie von deinen Schmerzen! Durch mich bist du übertroffen: Es ist nichts, in der Hölle geplagt zu werden, Aber so im Himmel gepeinigt zu sein.
Umschließe mich nicht mehr in jenen teuren Armen, Noch nenne mich deines Lebens Trost, O, dies sind nur allzu mächtige Zauber, Und fesseln mich nur noch mehr! Aber sieh, wie geduldig ich geworden bin In all diesem Wirbel um dich: Komm, zierliches Ding, lass mein Herz in Ruhe, Ich kann nicht ohne dich leben!
Michael Drayton [1563-1631]
IHR HEILIGES LAUBEN
Wo sie ihr heiliges Lauben schmückt, Fließen die Flüsse klar, Die Haine und Wiesen schwellen von Blumen, Die Winde wehen alle sanft. Ihre sonnengleiche Schönheit strahlt so hell, Ihr Frühling kann niemals verwelken: Wer kann da dem Leben verargen, das danach strebt, In ihrem Schatten zu hausen?
Ihre Gnade suchte ich, um ihre Liebe warb ich; Ihre Liebe gedachte ich zu erlangen; Keine Zeit, keine Mühsal, kein Gelübde, kein Glaube, Kann ihre gewünschte Gnade gewinnen. Doch die Wahrheit kann sagen, mein Herz ist ihr Und sie will ich verehren; Und wenn ich von jener Liebe scheide, Soll der Himmel mich nicht mehr sehen!
Ihre Rosen sollen mit meinen Gebeten sprießen; Und wenn ich ihre Bäume preise, Sollen ihre Zweige blühen, reife Frucht Soll ihre angenehmen Wege bestreuen. Die Worte herzlichen Eifers haben Macht, Hohe Wunder zu bewirken; O, warum sollte dann ihr fürstliches Ohr Meine Worte oder meinen Eifer vernachlässigen?
Wenn sie meinen Glauben missdeutet, oder meinen Wert, Weh meinem glücklosen Schicksal! Denn obgleich die Zeit meine Wahrheit offenbaren kann, Wird jene Zeit zu spät kommen. Und wer kann sich des Wertes rühmen, Der ihm keine Gnade gewähren kann? Zufriedenheit ist nicht in allem, Noch Freude an jedem Ort.
Doch da ich aus ihrem Lauben der Freude Nun ausgeschlossen sein muss, Und sie meine Sorgen nicht lindern will, Die niemand helfen kann außer sie; Soll mein Trost in ihrer Liebe wohnen, Ihre Liebe in meiner Brust logieren, Und obgleich nicht in ihrem Lauben, werde ich doch In ihrem Tempel ruhen.
Thomas Campion [ ? -1619]
AN LESBIA Nach Catullus
Meine süßeste Lesbia, lass uns leben und lieben, Und obgleich die klügere Art unsere Taten tadelt, Lass uns sie nicht abwägen. Die großen Lampen des Himmels tauchen In ihren Westen, und beleben sich sogleich wieder: Doch sobald unser kleines Licht erst einmal untergegangen ist, Dann müssen wir eine ewig währende Nacht schlafen.
Wenn alle ihr Leben in Liebe führten wie ich, Dann gäbe es keine blutigen Schwerter und Rüstungen; Keine Trommel noch Trompete sollte den friedlichen Schlaf stören, Es sei denn, Alarm käme aus dem Lager der Liebe: Aber Toren leben und verschwenden ihr kleines Licht, Und suchen mit Schmerz ihre ewig währende Nacht.
Wenn der rechtzeitige Tod mein Leben und Glück beendet, Lass meine Bahre nicht von trauernden Freunden gequält werden; Sondern lass alle Liebenden, reich an Triumph, kommen Und mit süßem Zeitvertreib mein glückliches Grab schmücken: Und, Lesbia, schließe du mein kleines Licht, Und kröne mit Liebe meine ewig währende Nacht.
Thomas Campion [ ? -1619]
„LIEBE MICH ODER NICHT“
Liebe mich oder nicht, lieben muss ich sie oder sterben; Verlass sie oder nicht, folgen muss ich ihr. O dass ihre Gnade meine gewünschten Tröstungen gäbe! Wie reich an ihr, wie glücklich sollte ich leben!
All mein Begehren, all mein Entzücken sollte sein, Sie zu genießen, sie mit mir zu vereinen; Neid sollte aufhören, sie allein würde ich lieben: Wer nach dem Aussehen liebt, ist selten einem treu.
Könnte ich verzaubern, und wäre es rechtmäßig, Würde ich sie sanft bezaubern, dass niemand es hörte; Aber erzwungene Liebe bringt selten festes Genügen: So würde ich lieben, dass keiner es bereuen müsste.
Thomas Campion [ ? -1619]
„ES GIBT KEINE, O KEINE AUSSER DIR“
Es gibt keine, O keine außer dir, Die mir den Anblick entfremdet, Die meine Augen zu schauen begehren, Und gefesselte Ohren mit Entzücken hören.
Andere Schönheiten bewegen andere: In dir finde ich alle Gnaden; Solches ist die Wirkung der Liebe, Die Glücklichen zu machen, die gütig sind.
Frauen vertrauen auf hinfällige Schönheit, Scheine nur du mir schön: Erweise dich stets wahrhaft gütig und gerecht, Denn das kann nicht geheuchelt sein.
Süße, gewähre mir dann deinen Anblick, Dass ich, alle deine Blicke musternd, Endlose Bände schreiben mag, Und die Welt mit beneideten Büchern füllen:
Welche, wenn spätere Zeitalter sie betrachten, Alle staunen und verzweifeln werden - Eine Frau, einen so treuen Mann zu finden, Oder ein Mann, eine halb so schöne Frau!
Thomas Campion [ ? -1619]
ÜBER CORINNAS GESANG
Wenn Corinna zu ihrer Laute singt, Belebt ihre Stimme die bleiernen Saiten, Und erscheint in den höchsten Tönen, So klar wie jedes herausgeforderte Echo: Doch wenn sie vom Trauern spricht, Brechen die Saiten gar bei ihren Seufzern.
Und wie ihre Laute lebt oder stirbt, Gelenkt von ihrer Leidenschaft, so muss ich es! Denn wenn sie von Vergnügen singt, Genießen meine Gedanken einen plötzlichen Frühling: Doch spricht sie von Kummer, Brechen gar in meinem Herzen die Saiten.
Thomas Campion [ ? -1619]
„WÄRE MEIN HERZ WIE MANCHER MANN SEINES IST“
Wäre mein Herz wie mancher Mann seines ist, deine Fehler würden mich nicht bewegen; Doch deine Mängel finde ich neugierig, und spreche, weil ich dich liebe: Geduld ist ein göttliches Ding, und weit, gestehe ich, über mir.
Feinde sind uns manchmal freundlicher, indem sie unsere schwärzeren Taten einwenden, Als der unterwürfige Busenfreund, der mit falschem Respekt heuchelt: Freundschaft ist der Spiegel der Wahrheit, der unsere verborgenen Flecken entdeckt.
Wenn ich den Gebrauch meiner Augen genieße, und das innere Licht der Vernunft, Werde ich dein Beobachter sein und Zensor, aber zur rechten Zeit: Verborgenes Unheil zu verbergen in Staat und Liebe ist Verrat.
Thomas Campion [ ? -1619]
„GÜTIG SIND IHRE ANTWORTEN“
Gütig sind ihre Antworten, Doch ihre Erfüllung hält keinen Tag; Bricht den Takt, wie Tänzer, Wenn sie von ihrer eigenen Musik abirren. All ihre freien Gunstbezeugungen Und glatten Worte beflügeln meine Hoffnungen vergeblich. O, hat je eine Stimme, so süß, nur geheuchelt? Kann wahre Liebe solchen Aufschub gewähren, Freude in Schmerz verwandelnd?
Verloren ist unsere Freiheit, Wenn wir uns Frauen so unterwerfen: Warum brauchen wir sie, Wenn sie, in ihrem Besten, unser Weh bewirken? Es gibt keine Weisheit, Die vom Schicksal vorbestimmte Enden ändern kann. O, warum ist das Gute des Menschen mit Bösem vermischt? Niemals wurden Tage zwei genannt, Ohne dass eine Nacht dazwischen lag.
Thomas Campion [ ? -1619]
AN CELIA Aus „The Forest“
Trinke mir nur mit deinen Augen zu, Und ich werde mit meinen geloben; Oder hinterlasse einen Kuss nur im Becher Und ich werde nicht nach Wein suchen. Der Durst, der aus der Seele aufsteigt, Verlangt einen göttlichen Trank; Doch dürfte ich von Jupiters Nektar nippen, Ich würde nicht gegen deinen tauschen.
Ich sandte dir neulich einen Rosenkranz, Nicht so sehr, um dich zu ehren, Als um ihm eine Hoffnung zu geben, dass er dort Nicht verwelken könnte; Doch du hauchtest nur darauf, Und sandtest ihn zu mir zurück; Seitdem wächst er, und duftet, ich schwöre, Nicht von sich selbst, sondern von dir!
Ben Jonson [1573?-1637]
LIED Aus „The Forest“
O, treibe keinen Mutwillen mit diesen Augen, Dass ich nicht krank werde vom Sehen; Noch senke sie, sondern lass sie sich erheben, Dass Scham nicht ihr Wesen zerstöre.
O, sei nicht zornig mit jenen Feuern, Denn dann werden ihre Drohungen mich töten; Noch blicke zu gütig auf mein Begehren, Denn dann werden meine Hoffnungen mich verschütten.
O, tauche sie nicht in deine Tränen, Denn so wird Kummer mich erschlagen; Noch breite sie aus, wie zerstreut vor Ängsten; Meine eigenen verraten mich genug.
Ben Jonson [1573?-1637]
LIED
Geh und fang einen fallenden Stern, Mach eine Alraunwurzel schwanger, Sag mir, wo alle vergangenen Jahre sind, Oder wer den Fuß des Teufels gespalten hat; Lehre mich, den Gesang der Meerjungfrau zu hören, Oder den Stich des Neides abzuwehren, Und finde, Welcher Wind Dient, einen ehrlichen Geist zu fördern.
Wenn du für seltsame Anblicke geboren bist, Geh und sieh unsichtbare Dinge, Reite zehntausend Tage und Nächte, Bis das Alter dir weiße Haare auf das Haupt schneit; Du, wenn du zurückkehrst, wirst mir erzählen, Alle seltsamen Wunder, die dir widerfuhren, Und schwören, Nirgendwo Lebt eine Frau, die treu und schön ist.
Wenn du eine findest, lass es mich wissen; Eine solche Pilgerreise wäre süß. Doch tu es nicht; ich würde nicht gehen, Obwohl wir uns vielleicht nebenan treffen könnten. Obwohl sie treu wäre, als du sie trafst, Und bis du deinen Brief schreibst, Dennoch wird sie, Falsch sein, ehe ich komme, zu zwei oder drei.
John Donne [1573-1631]
DIE BOTSCHAFT
Sende meine lange verirrten Augen zu mir zurück, Die, O! allzu lange auf dir geruht haben: Doch wenn sie von dir solch Unheil gelernt haben, Süß zu lächeln, Und dann zu betrügen, Behalte die Betrüger, behalte sie immer noch.
Sende mein harmloses Herz wieder heim, Das kein unwürdiger Gedanke beflecken konnte: Doch wenn es von deinem gelernt hat, Sowohl sein Wort Als auch seinen Eid zu verwirken, Behalte es, denn dann ist es nicht mehr meins.
Sende dennoch mein Herz und meine Augen zu mir zurück, Denn ich will all deine Falschheiten kennen; Damit ich eines Tages lachen kann, wenn du Dich grämst und trauerst – Eines Menschen Hohn, Der sich als ebenso falsch erweist, wie du es jetzt bist.
John Donne [1573-1631]
LIED
Damen, obwohl die Liebe ihren größten Sieg Euren erobernden Augen verdankt, Und sich jene hellen Waffen von euch leiht, Mit denen er die Welt unterjocht, Seid ihr selbst doch nicht erhaben Über das Reich noch über das Leid der Liebe.
Quält also die Liebenden nicht mit Verachtung, Auf dass die Liebe nicht an euch ihre Pein rächt: Ihr seid nicht frei, nur weil ihr schön seid: Der Knabe verschonte seine Mutter nicht. Schönheit ist nur ein beleidigender Pfeil: Sie ist kein Panzer für das Herz.
George Etherege [1635?-1691]
AN EINE DAME, DIE IHN FRAGTE, WIE LANGE ER SIE LIEBEN WÜRDE
Es steht nicht, Celia, in unserer Macht, Zu sagen, wie lange unsere Liebe währen wird; Es mag sein, dass wir innerhalb dieser Stunde Jene Freuden verlieren, die wir jetzt kosten: Die Seligen, die unsterblich sind, Sind einzig frei von Wandel in der Liebe.
Da wir nun sterbliche Liebende sind, Frage nicht, wie lange unsere Liebe währen wird; Doch solange sie es tut, lass uns dafür sorgen, Dass jede Minute mit Vergnügen verbracht wird: Wäre es nicht Wahnsinn, sich zu weigern Zu leben, weil wir sicher wissen, dass wir sterben?
George Etherege [1635?-1691]
AN AENONE
Welch Gewissen, sag, ist in dir, Da ich ein Herz nur hatte, Mir dieses Herz zu nehmen, Und dein eigenes zu behalten?
Aus Scham oder Mitleid neige dich nun dazu, Eine liebende Rolle zu spielen; Entweder mir gütig deines zu senden, Oder mir mein Herz zurückzugeben.
Begehre nicht beide; doch wenn du Dich entschließt, dich von keinem zu trennen, Nun, um zu zeigen, dass du gerecht bist, Nimm mich und meins zusammen!
Robert Herrick [1591-1674]
AN ANTHEA, DIE IHN ZU ALLEM BEFEHLEN DARF
Heiß mich leben, und ich werde leben, Dein Bekenner zu sein; Oder heiß mich lieben, und ich werde geben Ein liebend Herz dir hin.
Ein Herz so weich, ein Herz so gütig, Ein Herz so gesund und frei, Wie du es in der ganzen Welt kannst finden, Dies Herz will ich dir geben.
Heiß dies Herz bleiben, und es wird bleiben, Um deinen Befehl zu ehren; Oder heiß es ganz verschmachten, Und es soll es für dich tun.
Heiß mich weinen, und ich werde weinen, Solange ich Augen zu sehen habe; Und wenn ich keine habe, werde ich doch bewahren Ein Herz, um für dich zu weinen.
Heiß mich verzweifeln, und ich werde verzweifeln, Unter jenem Zypressenbaum; Oder heiß mich sterben, und ich werde wagen Selbst den Tod, um für dich zu sterben.
Du bist mein Leben, meine Liebe, mein Herz, Die Augen selbst von mir; Und hast Befehl über jedes Teil, Zu leben und zu sterben für dich.
Robert Herrick [1591-1674]
DAS ARMBAND: AN JULIA
Warum ich um dein Handgelenk, Julia, diese seidene Schnur binde; Aus welchem anderen Grund ist es, Als dir zu zeigen, wie, zum Teil, Du meine hübsche Gefangene bist? Doch dein Sklave ist mein Herz: Es ist nur Seide, die dich bindet, Zerreiß den Faden und du bist frei; Doch bei mir ist es anders; Ich bin gebunden und fest gebunden, so Dass ich nicht von dir gehen kann; Wenn ich könnte, würde ich es nicht.
Robert Herrick [1591-1674]
AN DEN WESTWIND
Süßer Westwind, dessen Glück es ist, Zum Nebenbuhler der Luft gemacht, Perennas Lippe einen Kuss zu geben, Und ihr üppiges Haar zu fächeln:
Bring mir nur einen, ich verspreche dir, Anstatt gewöhnlicher Schauer, Deine Flügel sollen von mir gesalbt, Und ganz mit Blumen besetzt sein.
Robert Herrick [1591-1674]
AN MEINE UNBESTÄNDIGE GELIEBTE
Wenn du, arme Exkommunizierte Von allen Freuden der Liebe, sehen wirst Den vollen Lohn und das herrliche Schicksal, Das mein starker Glaube mir erkaufen wird, Dann verfluche deine eigene Unbeständigkeit.
Eine schönere Hand als deine wird heilen Jenes Herz, das deine falschen Eide verwundeten; Und meiner Seele wird eine reinere Seele Als die deine von der Hand der Liebe gebunden, Und beide mit gleichem Ruhm gekrönt werden.
Dann wirst du weinen, flehen, klagen Zur Liebe, wie ich einst zu dir: Wenn all deine Tränen so eitel sein werden, Wie meine es damals waren: denn du wirst Verdammt sein für deinen falschen Abfall.
Thomas Carew [1598?-1639?]
ÜBERREDUNGEN ZUM GENUSS
Wenn die schnellen Geister in deinem Auge Nun schmachten und bald sterben müssen; Wenn jede Süße und jede Anmut Von jenem verlassenen Antlitz fliehen muss: Dann, Celia, lass uns unsere Freuden ernten, Eh die Zeit solch stattliche Frucht zerstört.
Oder, wenn jenes goldene Vlies muss wachsen, Auf ewig frei von gealtertem Schnee; Wenn jene hellen Sonnen keinen Schatten kennen, Noch deine frischen Schönheiten jemals schwinden: Dann fürchte dich nicht, Celia, zu gewähren, Was, stets gepflückt, doch stets muss wachsen.
So bringt die Zeit ihre Sichel entweder Umsonst, oder aber umsonst ihre Flügel.
Thomas Carew [1598?-1639?]
MITTELMÄSSIGKEIT IN DER LIEBE ABGELEHNT
Gib mir mehr Liebe, oder mehr Verachtung: Die heiße oder die gefrorene Zone Bringt gleiche Linderung meinem Schmerz; Die gemäßigte bietet mir keine: Jedes Extrem, von Liebe oder Hass, Ist süßer als ein ruhiger Zustand.
Gib mir einen Sturm; wenn es Liebe ist, Wie Danae in jenem goldenen Regen, Werde ich in Vergnügen schwimmen; wenn es sich als Verachtung erweist, wird dieser Strom verschlingen Meine Geier-Hoffnungen; und er ist im Besitz Des Himmels, der nur aus der Hölle erlöst ist.
Dann kröne meine Freuden, oder heile meinen Schmerz: Gib mir mehr Liebe, oder mehr Verachtung.
Thomas Carew [1598?-1639?]
DIE BOTSCHAFT
Ihr kleinen Vögel, die ihr sitzt und singt Inmitten der schattigen Täler, Und seht, wie Phillis lieblich wandelt In ihren Gartenalleen; Fliegt, hübsche Vögel, um ihre Laube; Singt, hübsche Vögel, sie möge nicht schmollen; Ach weh! mir dünkt, ich sehe sie die Stirn runzeln! Ihr hübschen Toren, trillert.
Geht, sagt ihr durch eure zwitschernden Schnäbel, Wie ihr von mir geheißen seid, Ihr allein ist meine Liebe bekannt, Die vor der Welt verborgen ist. Geht, hübsche Vögel, und sagt es ihr so, Seht zu, dass eure Töne nicht zu tief sich spannen, Denn noch immer dünkt mich, ich sehe sie die Stirn runzeln; Ihr hübschen Toren, trillert.
Geht, stimmt die Harmonie eurer Stimmen an Und singt, ich sei ihr Liebhaber; Spannt sie laut und süß, dass jede Note Mit süßer Zufriedenheit sie bewegen möge: Und sie, die die süßeste Stimme hat, Sagt ihr, ich werde meine Wahl nicht ändern: - Doch noch immer dünkt mich, ich sehe sie die Stirn runzeln! Ihr hübschen Toren, trillert.
O fliegt! macht schnell! seht, seht, sie fällt In einen hübschen Schlummer! Singt rings um ihr rosiges Bett, Dass sie staune, wenn sie erwacht: Sagt ihr, es ist ihr treuer Liebhaber, Der Liebe an dich sendet, an dich! Und wenn ihr ihre freundliche Antwort hört, Kehrt mit erfreulichen Trillern zurück.
Thomas Heywood [ ? -1650?]
"WIE KANN DAS HERZ SIE VERGESSEN"
Um ihre schönen Hände habe ich um Gnade gefleht Mit Gebeten, oft wiederholt! Doch noch immer wird meine Liebe vereitelt: Herz, lass sie gehen, denn sie wird sich nicht bekehren - Sag, soll sie gehen? O nein, nein, nein, nein, nein! Sie ist überaus schön, auch wenn sie ein marmorernes Herz hat.
Wie oft haben meine Seufzer meine Qual erklärt, Worin ich täglich schmachte! Doch noch immer provoziert sie es: Herz, lass sie gehen, denn ich kann es nicht ertragen - Sag, soll sie gehen? O nein, nein, nein, nein, nein! Sie gab die Wunde, und sie allein muss sie heilen.
Doch soll ich ihr noch immer eine wahre Zuneigung schulden, Die Gebete, Seufzer, Tränen ihr zeigen, Und soll sie mich noch immer verachten? Herz, lass sie gehen, wenn sie keine Gnade gewinnen können - Sag, soll sie gehen? O nein, nein, nein, nein, nein! Sie machte mich zu ihrem, und ihr eigen wird sie mich behalten.
Doch wenn die Liebe, die in mir gebrannt hat und noch brennt, Keine Liebe mir letztendlich zurückgibt, Werde ich sie aus meinen Gedanken verbannen: Herz, lass sie gehen, o Herz, ich bitte dich, lass sie! Sag, soll sie gehen? O nein, nein, nein, nein, nein! Im Herzen fest verankert, wie kann das Herz sie vergessen?
Francis Davison [fl. 1602]
AN DIE ROSEN IM BUSEN DER CASTARA
Ihr errötenden Jungfrauen seid glücklich Im keuschen Nonnenkloster ihrer Brüste - Denn er würde eine so keusche Schöne entweihen, Wer auch immer sie Amors Nester nennen sollte.
So verpflanzt, wie hell wachst ihr! Welch reichen Duft gebt ihr von euch! In manch engem Garten sind Schlüsselblumen so Süßer als auf offenem Felde.
In jenen weißen Kreuzgängen lebt sicher Vor den rohen Stößen von mutwilligem Atem! - Jede Stunde unschuldiger und reiner, Bis ihr hinwelkt in den Tod.
Dann soll das, was euch Lebenden Raum gab, Euer herrliches Grabmal sein. Es mangelt nicht an Marmor für ein Grab, Dessen Brust Marmor für mich gewesen ist.
William Habington [1605-1654]
AN FLAVIA
Es ist nicht deine Schönheit, die mein wachsames Herz fesseln kann; Die Sonne, in all ihrem Stolz und Zorn, Hat diese Kunst nicht; Und doch scheint sie so hell wie du, Wenn Helligkeit unsere Seelen unterwerfen könnte.
Es sind nicht die hübschen Dinge, die du sagst, Noch jene, die du schreibst, Die des Thyrsis Herz zu deiner Beute machen können: Denn jene Freude, Die Anmut eines wohlunterrichteten Geistes, Finden wir in manchem unseres eigenen Geschlechts.
Nein, Flavia, es ist deine Liebe, die ich fürchte; Die sichersten Pfeile der Liebe, Jene, die ihn so selten im Stich lassen, sind Mit Herzen gespitzt: Schon ihre Schatten lassen uns nachgeben; Verstelle dich gut, und gewinne das Feld!
Edmund Waller [1606-1687]
"LIEBE MICH NICHT FÜR LIEBLICHE ANMUT"
Liebe mich nicht für liebliche Anmut, Für mein gefälliges Auge oder Gesicht; Noch für irgendein äußeres Teil, Nein, noch für ein beständiges Herz: Denn diese können versagen oder sich zum Schlechten wenden, So werden du und ich uns trennen. Bewahre deshalb eines wahren Weibes Blick, Und liebe mich immer noch, doch wisse nicht warum; So hast du immer noch denselben Grund, Mich ewig zu vergöttern.
Unbekannt
"WENN, TEUERSTE, ICH NUR AN DICH DENKE"
Wenn, Teuerste, ich nur an dich denke, Dünkt mich alles, was lieblich ist, Sei gegenwärtig, und meine Seele erfreut: Denn Schönheiten, die aus Wert entstehen, Sind, wie die Gnade von Gottheiten, Stets gegenwärtig bei uns, obschon ungesehen.
So während ich sitze und den Tag Mit all seinem geliehenen Licht wegseufze, Bis die schwarzen Flügel der Nacht mich einholen, Denkend an dich, dann, wie plötzliches Licht Schläfrige Männer, wecken mich deine Schönheiten Durch ihre hellen Strahlen auf.
So stirbt die Abwesenheit, und stirbt, beweisend, Dass keine Abwesenheit mit Lieben bestehen kann, Die an fairer Vollkommenheit teilhaben: Da sie in der dunkelsten Nacht Durch ihre schnelle Bewegung einen Weg finden mögen, Sich durch Widerschein zu sehen.
Das wogende Meer kann mit jeder Flut Manch hohen Vorsprung baden, der weit Vom Hauptstrom oben im Fluss gestanden hat: O denke dann nicht, dass Liebe nicht tun kann Dasselbe! denn auch das ist ein Ozean, Der nicht jeden Tag fließt, sondern immer!
John Suckling [1609-1642] oder Owen Felltham [1602?-1668]
EIN ZWEIFEL AN DER MÄRTYRERSCHAFT
O für den Geist eines ehrlichen Liebenden, Einen freundlichen körperlosen Boten, Gesandt aus den Schatten unter uns! Ich sehne mich seltsam danach zu wissen, Ob die edlen Kränze jene tragen, Die den Hohn ihrer Gebieterin ertrugen, Oder jene, die gütig behandelt wurden.
Denn was auch immer sie uns hier erzählen, Um jene Leiden wertvoll zu machen, Es wird dort, fürchte ich, gefunden werden, Dass es zum Gekröntwerden Nicht ausreicht, allein geliebt zu haben, Es sei denn, wir waren auch weise Und haben unsere Lieben genossen.
In welcher Haltung können wir ihn uns denken, Der, hier ungeliebt, wieder Scheidet, und dorthin gegangen ist, Wo jeder bei der Seinen sitzt? Oder wie kann das Elysium sein, Wo ich meine Gebieterin immer sehen muss, Umschlungen in den Armen eines anderen?
Denn dort sind die Richter alle gerecht, Und Sophonisba muss Desjenigen sein, den sie teuer hielt, Nicht desjenigen, der sie hier liebte. Die süße Philoclea, seit sie starb, Liegt an der Seite ihres Pirocles, Nicht bei Amphialus.
Manch Lorbeer, vielleicht, oder Myrtenzweig Krönt zur Unterscheidung die Stirn Jener gütigen Seelen, die hier Die edlen Märtyrer waren: Und wenn das der einzige Unterschied ist (Wie kann man das sagen?), ihr gütigeren Götter, Gebt mir die Frau hier!
John Suckling [1609-1642]
AN CHLOE Die für sein Wohl sich wünschte, jünger zu sein
Chloe, warum wünschst du, dass deine Jahre Rückwärts liefen, bis sie die meinen treffen, Dass vollkommene Ähnlichkeit, die Dinge An Dinge liebenswert macht, uns verbinden könnte? Unsere Alter stimmen in der Zeit so überein, Dass Zwillinge sich mehr unterscheiden als wir.
Es gibt zwei Geburten; die eine, wenn Licht Zuerst den neu erwachten Sinn trifft; Die andere, wenn zwei Seelen sich vereinen, Und wir unser Leben von da an zählen müssen: Als du mich liebtest und ich dich liebte, Da wurden wir beide neu geboren.
Liebe gab uns dann neue Seelen Und pflanzte in jene Seelen neue Kräfte; Seitdem leben wir ein anderes Leben, Der Atem, den wir atmen, ist sein, nicht unser: Liebe macht jene jung, die das Alter kühlt, Und wen er jung findet, den hält er jung.
Liebe, wie jener Engel, der rufen wird Unsere Körper aus dem stillen Grab, Erhebt uns alle zu einem Alter; Niemand hat zu viel, niemand zu wenig; Ja, damit der Unterschied keiner sei, Macht er aus zwei nicht Ähnliche, sondern Eines.
Und nun, da du und ich solche sind, Sag mir, was ist dein, und was ist mein? Unsere Augen, unsere Ohren, unser Geschmack, Geruch, Tastsinn, Verbinden sich, wie unsere Seelen, zu einem; So kann ich hierdurch ebenso gut Zu alt für dich sein, wie du für mich.
William Cartwright [1611-1643]
"ICH WERDE DICH NIEMALS MEHR LIEBEN"
Meine teure und einzige Liebe, ich bete, Dass diese kleine Welt dein selbst Von keiner anderen Herrschaft regiert werde, Als von reinster Monarchie; Denn wenn Verwirrung einen Teil hat, Den tugendhafte Seelen verabscheuen, Und eine Synode in deinem Herzen abhält, Werde ich dich niemals mehr lieben.
Wie Alexander werde ich herrschen, Und ich werde allein herrschen; Meine Gedanken haben immerdar verschmäht Einen Rivalen auf meinem Thron. Er fürchtet entweder sein Schicksal zu sehr, Oder sein Verdienst ist gering, Der es nicht wagt, es auf die Probe zu stellen, Um alles zu gewinnen oder zu verlieren.
Doch ich muss immerdar walten und regieren, Und stets das Gesetz geben, Und jeden Untertan nach meinem Willen haben, Und alle in Ehrfurcht stehen. Doch wenn ich finde, dass du gegen meine Batterien Ausschlägst, oder mich sehr erzürnst, Dass du mir eine Falle stellst, Werde ich dich niemals mehr lieben!
Oder im Reich deines Herzens, Wo ich einzig sein sollte, Wenn andere vorgeben, einen Teil zu haben, Und wagen, mit mir zu wetteifern, Oder wenn du Ausschüsse gründest, Und auf solch einer Rechnung verfährst, Werde ich über deine Vernachlässigung lachen und singen, Und niemals mehr lieben.
Doch wenn du treu sein willst, dann, Und beständig in deinem Wort, Werde ich dich herrlich machen durch meine Feder Und berühmt durch mein Schwert; Ich werde dir auf solch edle Weise dienen, Wie nie zuvor gehört wurde; Ich werde dich krönen und schmücken mit Lorbeer, Und dich ewiglich lieben.
James Graham [1612-1650]
AN ALTHEA, AUS DEM GEFÄNGNIS
Wenn die Liebe mit ungehemmten Flügeln Innerhalb meiner Tore schwebt, Und meine göttliche Althea bringt, Um an den Gittern zu flüstern; Wenn ich verstrickt in ihrem Haar liege Und gefesselt an ihr Auge, Die Vögel, die in der Luft mutwillig sind, Kennen keine solche Freiheit.
Wenn strömende Becher schnell die Runde machen Ohne lindernde Themse, Unsere sorglosen Häupter mit Rosen gebunden, Unsere Herzen mit treuen Flammen; Wenn wir durstiges Leid in Wein ertränken, Wenn Trinksprüche und Züge frei gehen - Fische, die in der Tiefe zechern, Kennen keine solche Freiheit.
Wenn ich, wie eingesperrte Hänflinge, Mit schrillerer Kehle singen werde Die Süße, Gnade, Majestät, Und die Herrlichkeiten meines Königs; Wenn ich laut verkünden werde, wie gut Er ist, wie groß er sein sollte, Erweiterte Winde, die die Flut kräuseln, Kennen keine solche Freiheit.
Steinmauern machen kein Gefängnis, Noch Eisenstangen einen Käfig; Unschuldige und ruhige Geister nehmen Das als eine Einsiedelei; Wenn ich Freiheit habe in meiner Liebe Und in meiner Seele frei bin, Genießen Engel allein, die oben schweben, Solche Freiheit.
Richard Lovelace [1618-1658]
WARUM ICH SIE LIEBE
Es ist nicht ihre Geburt, ihre Freunde, noch gar ihr Schatz, Noch begehre ich sie für sinnliches Vergnügen, Noch aus jener alten Moral Liebe ich sie, weil sie mich liebt.
Sicher, wer seine Dame liebt, weil sie schön ist, Erfreut sein Auge, liebt also sich selbst, nicht sie. Etwas gibt es, das mich zur Liebe bewegt, und ich Weiß, dass ich liebe, aber weiß nicht wie, noch warum.
Alexander Brome [1620-1666]
AN SEINE ZÖGERLICHE GELIEBTE
Hätten wir nur genug Welt und Zeit, Wäre diese Zögerlichkeit, Dame, kein Verbrechen. Wir würden uns niedersetzen und überlegen, welchen Weg Wir gehen, um unseren langen Tag der Liebe zu verbringen. Du am Ufer des indischen Ganges Solltest Rubine finden: ich bei der Flut Des Humber würde klagen. Ich würde Dich zehn Jahre vor der Sintflut lieben, Und du solltest, wenn es dir beliebt, ablehnen Bis zur Bekehrung der Juden. Meine vegetabile Liebe sollte wachsen Größer als Reiche, und langsamer; Hundert Jahre sollten darauf gehen, Deine Augen zu preisen und auf deine Stirn zu starren; Zweihundert, jeden Busen zu verehren, Aber dreißigtausend für den Rest; Mindestens ein Zeitalter für jedes Teil, Und das letzte Zeitalter sollte dein Herz zeigen. Denn, Dame, du verdienst diesen Stand, Noch würde ich für einen niedrigeren Preis lieben. Doch an meinem Rücken höre ich immer Den geflügelten Streitwagen der Zeit eilig nähern; Und dort drüben liegen alle vor uns Wüsten von riesiger Ewigkeit. Deine Schönheit wird nicht mehr gefunden werden, Noch wird in deinem marmornen Gewölbe erklingen Mein widerhallendes Lied: dann werden Würmer prüfen Jene lang bewahrte Jungfräulichkeit, Und deine zierliche Ehre zu Staub werden, Und all meine Lust zu Asche: Das Grab ist ein feiner und privater Ort, Doch niemand, denke ich, umarmt dort. Nun deshalb, während die jugendliche Farbe Auf deiner Haut sitzt wie Morgentau, Und während deine willige Seele ausdünstet Aus jeder Pore mit unmittelbarem Feuer, Lass uns nun uns vergnügen, solange wir können, Und nun, wie verliebte Raubvögel, Eher auf einmal unsere Zeit verschlingen, Als in seiner langsam kauenden Macht zu schmachten. Lass uns all unsere Kraft und all Unsere Süße zu einem Ball zusammenrollen, Und unsere Freuden mit rauem Streit durch Die eisernen Tore des Lebens reißen: So, obwohl wir unsere Sonne nicht dazu bringen können, Stillzustehen, werden wir sie doch dazu bringen, zu rennen.
Andrew Marvell [1621-1678]
EINE ENTHLOBUNG VON DER SCHÖNHEIT
Obwohl du schön warst, als ich dich liebte, Bist du es nicht länger; All diese Herrlichkeiten schulden den Stolz, den sie tragen, Der Meinung. Schönheiten, wie Sterne, leuchten in geliehenem Glanz; Und es war meine Liebe, die dir deine gab.
Die Flammen, die in deinem Auge wohnten, Erlöschen nun mit meinen; Deine hellsten Anmuten schwinden und sterben Zugleich mit meinem Verlangen. Die Feuer der Liebe erwidern so gegenseitigen Einfluss; Deine hören auf zu scheinen, wenn meine aufhören zu brennen.
Dann, stolze Celinda, hoffe nicht länger, Dich anflehen oder umwerben zu lassen, Da du durch deine Verachtung wiederherstellst Deinen Reichtum, den meine Liebe verlieh: Und deine verachtete Verschmähung wird zu spät finden, Dass niemand schön ist, außer wer gütig ist.
Thomas Stanley [1625-1678]
"LIEBE IN DEINER JUGEND, SCHÖNES MÄDCHEN"
Liebe in deiner Jugend, schönes Mädchen, sei weise, Die alte Zeit wird dich kälter machen, Und obwohl jeder Morgen neu ersteht, Werden wir doch jeden Tag älter.
Du bist wie der Himmel schön und jung, Deine Augen leuchten wie Zwillingssterne; Doch ehe ein anderer Tag entsprungen ist, Werden all diese abnehmend sein;
Dann kommt der Winter mit all seinen Ängsten, Und wird all deine Süßigkeiten borgen; Zu spät wirst du dann deine Tränen vergießen, Und ich werde zu spät trauern.
Unbekannt
AN CELIA
Wann, Celia, muss mein alter Tag untergehen, Und mein junger Morgen aufgehen In Strahlen der Freude, so hell, wie sie noch Niemals das Auge eines Liebenden segneten? Mein Stand ist weiter fortgeschritten als damals, Als ich dich zuerst versuchte: Ich flehte damals darum, ein Diener zu sein, Doch nun, frei gemacht zu werden.
Ich habe meine Zeit treu und wahr gedient, Erwartend, platziert zu werden In glücklicher Freiheit, als mein Recht, In all den Freuden, die du hast: Schlechte Haushaltsführung in der Liebe ist solch Ein Skandal für die Macht der Liebe, Wir sollten nicht so viel vergeuden, Wie eine arme, kurzlebige Stunde.
Doch denke nicht, Süße, ich sei überdrüssig geworden, Dass ich solche Eile vorgebe; Da niemand dafür bekannt war, sich zu überessen, Bevor er einen Vorgeschmack hatte: Meine kindliche Liebe konnte demütig warten, Als sie, jung, kaum wusste, wie Sie bitten sollte; aber zum Mannesalter herangewachsen, Ist sie nun ungeduldig.
Charles Cotton [1630-1687]
AN CELIA
Nicht, Celia, dass ich gerechter bin Oder besser als die anderen! Denn ich würde jede Stunde wechseln, wie sie, Wäre mein Herz nicht zur Ruhe gekommen.
Doch ich bin an dich selbst gebunden Durch jeden Gedanken, den ich habe; Dein Gesicht will ich nur sehen, Dein Herz begehre ich nur.
Alles, was am Weibe verehrt wird, Finde ich in deinem lieben Selbst - Denn das ganze Geschlecht kann nur bieten Das Hübsche und das Gütige.
Warum sollte ich dann nach weiterem Vorrat suchen, Und immer wieder neu lieben? Wenn der Wechsel selbst nicht mehr geben kann, Ist es leicht, treu zu sein!
Charles Sedley [1639-1701]
Meine teure Gebieterin hat ein Herz, So weich wie jene gütigen Blicke, die sie mir schenkte; Als sie mich mit der rastlosen Kunst der Liebe Und ihren Augen in den Bann schlug. Doch ihre Beständigkeit ist so schwach, Sie ist so wild und zum Umherschweifen geneigt, Dass mein eifersüchtiges Herz brechen würde, Sollten wir einen Tag getrennt leben.
Schmelzende Freuden bewegen sich um sie, Tötende Ergötzungen, verwundende Wonnen; Sie kann ihre Augen in Liebe kleiden, Und ihre Lippen mit Küssen wappnen. Engel lauschen, wenn sie spricht; Sie ist mein Entzücken, der ganzen Menschheit Wunder; Doch mein eifersüchtiges Herz würde brechen, Sollten wir einen Tag getrennt leben.
Mein vergangenes Leben gehört mir nicht mehr; Die flüchtigen Stunden sind dahin, Wie vergängliche Träume, die aufgegeben wurden, Deren Bilder die Erinnerung Allein bewahrt.
Die Zeit, die da kommen wird, ist nicht; Wie kann sie also mein sein? Der gegenwärtige Augenblick ist mein ganzes Los; Und dieser, sowie er erlangt ist, Phillis, gehört nur dir.
So sprich nicht von Unbeständigkeit, Von falschen Herzen und gebrochenen Gelübden; Wenn ich durch ein Wunder Diese langlebige Minute dir treu sein kann, Ist das alles, was der Himmel gewährt.
Ich kann nicht wechseln, wie es andere tun, Obgleich du mich zu Unrecht verschmähst; Denn jener arme Bursche, der nach dir seufzt, Ist für dich allein geboren. Nein, Phillis, nein; dein Herz zu bewegen, Werde ich einen sichereren Weg versuchen; Und um meine verschmähte Liebe zu rächen, Werde ich weiterleben, werde ich weiterleben und sterben.
Wenn Amyntas, von Kummer getötet, daliegt, Und du dir die Seufzer ins Gedächtnis rufst, Die jetzt unbemitleidet aufsteigen, Die Tränen, die vergeblich fallen – Dann wird jene willkommene Stunde, die diesen Schmerz beendet, Deinen Schmerz beginnen; Denn solch ein treues, zartes Herz Kann niemals vergeblich brechen, kann niemals vergeblich brechen.
Zu spät, ach! muss ich gestehen, Du brauchst keine Künste, um mich zu bewegen; Solche Reize besitzt du von Natur, Es wäre Wahnsinn, dich nicht zu lieben.
So verschone ein Herz, das du überrumpeln magst, Und verleihe meiner Zunge den Ruhm, Sich zu rühmen, auch wenn meine untreuen Augen Eine zärtliche Geschichte verraten.
Komm, Celia, lass uns endlich übereinkommen, Zu lieben und in Ruhe zu leben; Lass uns den Knoten so fest knüpfen, Dass die Zeit ihn niemals löst. Die teuersten Freuden der Liebe kosten sie niemals, Die frei von Streitigkeiten leben; Es ist wahrlich ein göttlicher Teil der Liebe, Einander zu vergeben.
Als ich am wenigsten besorgt schien, fand ich Kein Vergnügen, noch hatte ich Rast; Und als ich einen zornigen Blick heuchelte, Ach! liebte ich dich am meisten. Sag mir nur dasselbe, und du wirst finden, Wie gesegnet unser Schicksal sein wird; Gewiss, dankbar zu sein, gütig zu sein, Kann niemals zu spät sein.
Ich blickte nur und liebte eine Weile, Es war nur für eine halbe Stunde; Dann hatte ich keinen Willen mehr, Widerstand zu leisten, Und nun habe ich keine Kraft mehr dazu.
Zu seufzen und zu wünschen ist all meine Linderung; Seufzer, die Wärme spenden, Genug, um das kälteste Eis zu schmelzen, Doch dein Herz nicht erwärmen können.
O würde dein Mitleid meinem Herzen Einen Winkel deiner Brust gewähren, Es würde von deinem die gewinnende Kunst lernen Und schnell den Rest stehlen.
Sag ihr nur, dass ich liebe: Überlass den Rest ihr und dem Schicksal: Ein gütiger Planet von oben Mag vielleicht ihr Mitleid bewegen: Liebende müssen auf ihre Sterne warten. – Sag ihr nur, dass ich liebe!
Warum, o warum sollte ich verzweifeln! Barmherzigkeit ist in ihrem Auge abgebildet: Wenn sie sich einmal herablässt zu hören, Willkommen Hoffnung und Lebewohl Furcht! Sie ist zu gut, um mich sterben zu lassen. – Warum, o warum sollte ich verzweifeln!
Falsch, obgleich sie mir und der Liebe ist, Werde ich niemals nach Rache streben; Denn ich schätze die Reizende noch immer, Obgleich ich ihren Wandel beklage.
In Stunden der Wonne sind wir oft zusammengetroffen: Sie konnten nicht ewig dauern; Und obgleich ich die Gegenwart bedauere, Bin ich dankbar für die Vergangenheit.
Silvia, lass uns aus der Menge zurückziehen, Denn was ist für dich und mich (Die wir nur einander begehren) All das, was wir hier sehen?
Getrennt werden wir leben, wenn auch nicht allein; Denn wer kann jene allein nennen, Die in der Einöde mit einem leben, Wenn sie in diesem einen alles haben?
Die Welt ist ein gewaltiger Irrgarten, Wo Herzen verwirrt umherschweifen; Wo wenige den rechten, gegenseitigen Weg finden, Während Tausende ihn verfehlen.
Warum, reizende Verführerin, sag mir warum, So sehr gütig und doch so scheu? Warum gibt jene kalte, abweisende Miene Mir Dämpfe von Kummer und Verzweiflung? Oder warum unterwirft jenes Lächeln meine Seele Und entfacht meine Flammen aufs Neue?
Vergeblich strebst du mit all deiner Kunst, Abwechselnd mein Herz zu befeuern und zu gefrieren; Wenn ich ein so schönes Gesicht erblicke, Einen so süßen Blick, eine so sanfte Miene, Ist meine entzückte Seele ganz verzaubert, Ich kann dich nicht weniger oder mehr lieben.
Mehr Liebe oder mehr Verachtung begehre ich; Süße, sei nicht länger gleichgültig: O sende mich schnell in mein Grab, Oder gewähre mir mehr Zufriedenheit! Oder liebe oder hasse mich mehr oder weniger, Denn die Liebe verabscheut alle Lauheit.
Gib mir einen Sturm, wenn er mich An den Ort treiben wird, wo ich sein möchte; Oder wenn du mich noch am Leben haben willst, Gestehe, dass du gütig zu mir sein wirst. Gib Hoffnungen auf Wonne oder grabe mein Grab: Mehr Liebe oder mehr Verachtung begehre ich.
Wäre ich tot, und an meiner Stelle Ein frischerer Jüngling dazu bestimmt, Dich mit neuen Feuern zu wärmen; und jene Arme Zu zieren, die ich zurückließ:
Wäre er so treu wie die Sonne, Die mit der Sphäre vermählt ist; Sein Blut so keusch und gemäßigt fließend, Wie Aprils mildeste Träne;
Oder wäre er reich; und mit seinem Haufen Und weitläufigen Anteil an der Erde, Könnte er göttliche Zuneigung billig machen, Und seine goldene Geburt umwerben;
Für all diese Künste würde ich nicht glauben (Nein! obgleich er dein sein sollte!), Der mächtige Liebhaber könnte ein so reiches Herz Geben wie das meine!
Glück und Schönheit könntest du finden, Und größere Männer als ich; Doch meine wahre, entschlossene Gesinnung Werden sie niemals erreichen.
Denn ich liebte nicht für eine Stunde, Oder begehrte für einen Tag, Sondern hatte mit meiner Seele von oben Dieses endlose heilige Feuer.
Auf dem Richmond Hill lebt ein Mädchen, Heller als der Morgen des Maitages, Dessen Reize alle anderen Mägde übertreffen, – Eine Rose ohne Dornen.
Dieses Mädchen, so schmuck, mit so süßem Lächeln, Hat mein ganz gutes Wohlwollen gewonnen; Ich würde Kronen entsagen, um sie mein zu nennen, Süßes Mädchen vom Richmond Hill.
Ihr fröhlichen Zephyre, die die Luft fächeln, Und ausgelassen durch den Hain ziehen, O flüstert meiner reizenden Schönen, Ich sterbe für sie, die ich liebe.
Wie glücklich wird der Hirte sein, Der diese Nymphe die seine nennt! O möge ihre Wahl auf mich fallen! Meine ist auf sie allein festgesetzt.
Lass meine Stimme erklingen hinaus und über die Erde, Durch all den Kummer und Streit, Mit einer goldenen Freude in einer silbernen Heiterkeit: Dankt Gott für das Leben!
Lass meine Stimme anschwellen durch den großen Abgrund Zum azurblauen Dom dort oben, Mit einem Akkord des Glaubens in der Harfe der Wonne: Dankt Gott für die Liebe!
Lass meine Stimme hervorschmettern unter und über, Durch die ganze Welt: O meine Liebe und mein Leben, o mein Leben und meine Liebe, Dankt Gott für dich!
Gib einem Mann ein Pferd, das er reiten kann, Gib einem Mann ein Boot, das er segeln kann; Und sein Rang und Reichtum, seine Stärke und Gesundheit, Werden auf See noch auf Land versagen.
Gib einem Mann eine Pfeife, die er rauchen kann, Gib einem Mann ein Buch, das er lesen kann: Und sein Heim ist hell mit einer stillen Wonne, Obgleich das Zimmer in der Tat ärmlich ist.
Gib einem Mann ein Mädchen, das er lieben kann, Wie ich, o meine Liebe, dich liebe; Und sein Herz ist groß mit dem Puls des Schicksals, Daheim, zu Lande, auf See.
Meine Schafe vernachlässigte ich, ich zerbrach meinen Hirtenstab, Und alle die fröhlichen Plätze meiner Jugend verließ ich; Nicht mehr webte ich frische Kränze für Amynta; Denn Ehrgeiz, sagte ich, würde mich bald von der Liebe heilen.
Oh, was hatte meine Jugend mit Ehrgeiz zu tun? Warum verließ ich Amynta? Warum brach ich mein Gelübde? Oh, gib mir meine Schafe, und stelle meinen Hirtenstab wieder her, Und ich werde nicht mehr von der Liebe und Amynta umherschweifen.
Durch ferne Regionen irre ich vergeblich, Und heiße den weiten Ozean mich vor der Liebe sichern! O Narr! zu wähnen, dass irgendetwas eine Liebe So wohlbegründet, eine Leidenschaft so wahr, bezwingen könnte!
Ach! es ist zu spät, über dein Schicksal zu klagen; Armer Hirte, Amynta kann niemals dein sein: Deine Tränen sind alle fruchtlos, deine Wünsche sind eitel, Die vernachlässigten Augenblicke kehren nicht wieder.
O Nancy, willst du mit mir gehen, Und nicht seufzen, die prahlende Stadt zu verlassen: Können stille Täler Reize für dich haben, Die bescheidene Hütte, das braune Kleid? Nicht länger in seidigem Glanz gekleidet, Nicht länger geschmückt mit seltenen Juwelen, Sag, kannst du jede höfische Szene verlassen, Wo du die Schönste der Schönen warst?
O Nancy! wenn du weit weg bist, Wirst du nicht einen Wunsch zurückwerfen? Sag, kannst du dem versengenden Strahl ins Gesicht sehen, Und nicht vor dem winterlichen Wind zurückweichen? O! kann jene sanfte und feine Miene Extreme der Härte ertragen lernen, Und nicht traurig jede höfische Szene bedauern, Wo du die Schönste der Schönen warst?
O Nancy! kannst du so wahr lieben, Um durch scharfe Gefahren mit mir zu gehen, Oder wenn dein Liebhaber Unglück beklagen wird, Mit ihm die Qual des Leids zu teilen? Sag, sollte Krankheit oder Schmerz eintreten, Wirst du die Sorge der Pflegerin übernehmen; Und nicht sehnsüchtig jene fröhlichen Szenen zurückrufen, Wo du die Schönste der Schönen warst?
Und wenn schließlich deine Liebe sterben wird, Wirst du seinen scheidenden Atem empfangen? Wirst du jeden ringenden Seufzer unterdrücken, Und mit Lächeln das Bett des Todes erheitern? Und wirst du über seinem atemlosen Leichnam Blumen streuen und die zarte Träne vergießen? Und dann jene so fröhlichen Szenen nicht bedauern, Wo du die Schönste der Schönen warst?
Wenn tapfere Taten meiner Dame gefallen, Sattel ich recht bald mein Ross; Und stark ist sein Arm und fest sein Sitz, Der von mir den Lohn trägt. Ich werde deine Farben in meiner Kappe tragen, Dein Bild in meinem Herzen; Und wer sich nicht vor deinem Auge beugt, Soll es zu seinem Schaden bereuen! Dann sag mir, wie ich dich freien soll, Liebe; O sag mir, wie ich dich freien soll! Denn dein teures Wohl werde ich keine Sorge tragen, Obgleich nie ein anderer mir glaubt.
Wenn fröhliche Kleidung dein Auge erfreut, Werde ich mich in Tracht schmücken; Ich werde die ganze Nacht deine Kammertür hüten, Und dir den ganzen Tag den Knappen machen. Wenn süßeste Klänge dein Ohr gewinnen können, Werde ich mich bemühen, diese Klänge zu fangen; Deine Stimme werde ich stehlen, um dich selbst zu freien, Jene Stimme, der keine gleichkommt. Dann sag mir, wie ich dich freien soll, Liebe; O sag mir, wie ich dich freien soll! Denn dein teures Wohl werde ich keine Sorge tragen, Obgleich nie ein anderer mir glaubt.
Doch wenn innige Liebe dein Herz gewinnen kann, Ich habe niemals ein Gelübde gebrochen; Kein Mädchen legt mir ihr Leid zur Last, Ich habe niemals eine andere als dich geliebt. Für dich allein reite ich das Ringelstechen, Für dich trage ich das Blau; Für dich allein bemühe ich mich zu singen, O sag mir, wie ich freien soll! Dann sag mir, wie ich dich freien soll, Liebe; O sag mir, wie ich dich freien soll! Denn dein teures Wohl werde ich keine Sorge tragen, Obgleich nie ein anderer mir glaubt.
Ach, dass mein Herz eine Laute ist, Worauf du gelernt hast zu spielen! Viele Jahre war es stumm, Bis eines Sommertages Du es nahmst, und berührtest, und es erzittern ließest, Und es erzittert und pocht, und bebt noch immer!
Ich kannte dich, Liebste, so lange! Doch mein Herz sagte mir nicht, warum Es eines Morgens in Gesang ausbrechen Und mit einem Schrei zu neuem Leben erwachen sollte, Wie ein Kind, das das Licht der Sonne sieht, Und für das diese große Welt gerade erst begonnen hat.
Deine Laute ist eingehegt, eingehüllt, Dicht gehalten mit dem Zauberschlüssel der Liebe, Dass keine Hand außer deiner gewinnen Und sie zum Minnesang erwecken kann; Doch lass sie nicht zu lange stumm, noch allein, Damit die Saiten nicht brechen, und die Musik zu Ende sei.
Hätte ich ein Herz für Falschheit geformt, Ich könnte dich niemals kränken; Denn obgleich deine Zunge kein Versprechen forderte, Würden deine Reize mich treu machen: Dann, Dame, fürchte hier keine Täuschung, Noch fürchte, Unrecht zu erleiden, Denn Freunde wirst du in allen Gealterten finden, Und Liebende in den Jungen.
Doch wenn sie finden, dass du Einem anderen mit deinem Herzen gesegnet hast, Werden sie aufstrebende Leidenschaft ruhen heißen, Und die Rolle eines Bruders spielen: Dann, Dame, fürchte hier keine Täuschung, Noch fürchte, Unrecht zu erleiden; Denn Freunde wirst du in allen Gealterten finden, Und Brüder in den Jungen.
Mein Damon war der Erste, der die sanfte Flamme Erweckte, die niemals sterben kann; Mein Damon ist der Letzte, der den sanftesten Seufzer Des treuen Busens aufnimmt: Das Leben dazwischen ist nichts wert, O wirf es aus deinem Gedanken fort! Denke an den Tag, der ihm das Gebären gab, Und diesen seinen süßen wiederkehrenden Tag.
Begraben sei alles, was getan wurde, Oder sag, dass nichts Unrechtes getan wurde; Denn wer kann den gefährlichen Pfad meiden In einer solch verwirrenden Welt wie dieser? Doch Liebe kann jeden Fehler vergeben, Oder mit einem zarten Blick tadeln; Und nun lass nichts in der Erinnerung leben, Außer dass wir uns treffen, und dass wir lieben.
O wäre meine Liebe jener blasse Flieder, Mit violetten Blüten zum Frühling, Und ich ein Vogel, um darin Schutz zu suchen, Wenn ermüdet auf meinem kleinen Flügel; Wie würde ich trauern, wenn er zerrissen wäre Vom wilden Herbst und rauen Winter! Doch ich würde singen auf ausgelassenem Flügel, Wenn der jugendliche Mai seine Blüte erneuerte.
O wenn meine Liebe jene rote Rose wäre, Die an der Burgmauer wächst, Und ich selbst ein Tautropfen, Um in ihre schöne Brust zu fallen; O dort, über Ausdruck gesegnet, Würde ich die ganze Nacht an Schönheit schmausen; Versiegelt auf ihren seidig-weichen Falten zu ruhen, Bis verscheucht von Phöbus' Licht.
Schönes kleines Ding! besonnenes kleines Ding! Reizendes kleines Ding! wärst du mein, Ich würde dich in meinem Busen tragen, Damit ich mein Juwel nicht verlöre. Sehnsüchtig schaue ich, und schmachte In jenem schönen Gesicht von dir; Und mein Herz pocht vor Angst, Dass mein kleines Ding nicht mein sei.
Witz und Anmut, und Liebe und Schönheit, Scheinen in einem Sternbild; Dich zu verehren ist meine Pflicht, Göttin dieser Seele von mir! Schönes kleines Ding, besonnenes kleines Ding, Reizendes kleines Ding, wärst du mein, Ich würde dich in meinem Busen tragen, Damit ich mein Juwel nicht verlöre.
Ach, was nützt das sceptertragende Geschlecht! Ach, was die göttliche Form! Was jede Tugend, jede Anmut! Rose Aylmer, all das war dein.
Rose Aylmer, die diese wachsamen Augen Beweinen, aber niemals sehen mögen, Eine Nacht der Erinnerungen und Seufzer Weihe ich dir.
Nimm zurück die jungfräuliche Seite, Weiß und noch unbeschrieben; Eine Hand, ruhiger und weiser, Muss das Blatt füllen. Gedanken kamen so rein wie das Licht – Rein wie selbst du verlangst: Doch oh! jedes Wort, das ich schreibe, Verwandelt die Liebe in Feuer.
Doch lass mich das Buch behalten: Oft wird mein Herz erneuern, Wenn ich auf seine Blätter blicke, Liebe Gedanken an dich. Wie du, ist es schön und hell; Wie du, auch zu hell und schön, Als dass wilde Leidenschaft darauf Einen unrechten Wunsch schreiben dürfte.
Vielleicht, wenn ich von jenen Augen Weit, weit weg umherstreife, Sollten ruhigere Gedanken aufsteigen An dich und die Heimat; Fantasie mag manche Zeile nachzeichnen, Würdig, jenen Augen zu begegnen, Gedanken, die nicht brennen, sondern scheinen. Rein, ruhig und süß.
Und wie Seeleute über den weiten Ozean Ihre Aufzeichnungen führen, Gelenkt von einem verborgenen Stern Durch die kalte Tiefe; So mögen die Worte, die ich schreibe, Erzählen, durch welche Stürme ich irre, Du immer das unsichtbare Licht, Das meinen Weg lenkt.
Glaube mir, wenn all jene liebenswerten jungen Reize, Die ich heute so liebevoll betrachte, Sich bis morgen verändern und in meinen Armen entfliehen würden, Wie Feengaben, die dahinschwinden, Würdest du immer noch verehrt, wie du in diesem Moment bist, Lass deine Lieblichkeit schwinden, wie sie will, Und um das liebe Ruin würde sich jeder Wunsch meines Herzens Immer noch grün ranken.
Es ist nicht, während Schönheit und Jugend dein eigen sind, Und deine Wangen nicht von einer Träne entweiht, Dass der Eifer und der Glaube einer Seele bekannt sein mögen, Der die Zeit dich nur teurer machen wird! Nein, das Herz, das wahrhaft geliebt hat, vergisst niemals, Sondern liebt ebenso wahr bis zum Ende, Wie die Sonnenblume sich ihrem Gott zuwendet, wenn er untergeht, Denselben Blick, den sie sich zuwandte, als er aufging!
Wenn du eine Nonne wirst, Liebste, Werde ich ein Bettelmönch sein; In jede Zelle, in die du läufst, Liebste, Bitte schau hinter dich nach mir. Die Rosen werden auch alle blass; Die Tauben nehmen auch alle den Schleier; Die Blinden werden die Schau sehen; Was! du wirst eine Nonne, meine Liebe? Ich werde es nicht glauben, nein!
Wenn du eine Nonne wirst, Liebste, Wird der Bischof die Liebe sein: Die Amoretten ein jeder, Liebste, Werden singen: "Wir vertrauen auf dich!" Der Weihrauch wird seufzend ziehen, Die Kerzen werden sterbend fallen, Das Wasser wird sich in Wein verwandeln: Was! du gehst Gelübde ablegen, meine Liebe? Du magst es tun – doch sie werden mein sein.
Nur von dir und mir singt der Nachtwind, Nur von uns sprechen die Seeleute auf See, Die Erde ist erfüllt von staunendem Flüstern Nur von dir und mir.
Nur von dir und mir singen die Brandungen, Nur von uns das Rühren in Busch und Baum; Der Regen und Sonnenschein sagen der begierigen Pflanze Nur von dir und mir.
Nur von dir und mir, bis alles verblasst; Nur von uns können die Gedanken der ganzen Welt sein – Denn wir sind die Liebe, und Gott selbst ist gemacht Nur von dir und mir.
Ein Wort ist allzu oft entweiht, Als dass ich es entweihen könnte, Ein Gefühl allzu falsch verschmäht, Als dass du es verschmähen könntest. Eine Hoffnung ist allzu sehr Verzweiflung, Als dass die Vorsicht sie ersticken könnte, Und Mitleid von dir ist teurer Als das von einem anderen.
Ich kann nicht geben, was Männer Liebe nennen; Doch willst du nicht annehmen Die Anbetung, die das Herz in die Höhe hebt Und die der Himmel nicht zurückweist: Das Verlangen der Motte nach dem Stern, Der Nacht nach dem Morgen, Die Hingabe an etwas fern Von der Sphäre unseres Kummers?
Mein matter Geist saß im Licht Deiner Blicke, meine Liebe; Er lechzte nach dir wie die Hirschkuh am Mittag Nach den Bächen, meine Liebe. Dein Berber, dessen Hufe den Flug des Sturms überholen, Trug dich weit von mir; Mein Herz, denn meine schwachen Füße waren bald ermüdet, Begleitete dich.
Ah! flüchtiger bei weitem als flüchtigster Sturm oder Ross, Oder der Tod, den sie tragen, Das Herz, das zarter Gedanke kleidet wie eine Taube Mit den Flügeln der Sorge; In der Schlacht, in der Dunkelheit, in der Not, Wird meiniges an dir haften, Und keinen Lächeln fordern für all den Trost, Liebe, Den es dir bringen mag.
Mein Schmuck sind Waffen, Mein Zeitvertreib ist der Krieg, Mein Bett ist kalt auf dem Hügel, Meine Lampe jener Stern.
Meine Reisen sind lang, Mein Schlummer kurz und unterbrochen; Von Hügel zu Hügel wandere ich noch immer, Dein Zeichen küssend.
Ich reite von Land zu Land, Ich segle von Meer zu Meer; Eines Tages mag ich gütigeres Schicksal finden, Eines Nachts dich küssen.
Liebe ist auf der Landstraße, Liebe ist auf dem Seitenweg – Liebe ist auf der Wiese, und Liebe ist auf dem Marktplatz! Und jeden Seitenweg hinunter, Wo ich meinen Weg genommen habe, Bin ich der Liebe lächelnd begegnet – denn Liebe ist in meinem Herzen!
Du und ich haben den geheimen Weg gefunden, Niemand kann unsere Liebe sperren oder uns nein sagen: Die ganze Welt mag starren und niemals wissen, Dass du und ich so ineinander verschlungen sind.
Du und ich, trotz all seiner gepriesenen Weite, Wissen, der riesige Raum ist nur ein Mythos; Über Meilen und Meilen reinen Betrugs hinweg Haben du und ich gefunden, dass unsere Lippen sich treffen können.
Du und ich haben über die Meilen hinweg gelacht In der sanften Freude von Herz zu Herz. Wenn es einen Abgrund zu überbrücken oder eine Grenze gibt, Haben du und ich sie noch nie gefunden.
Du und ich sind den Rückweg gegangen Zum glücklichen Herzen von gestern, Zu der Liebe, die wir in vergangenen Zeitaltern fühlten. Du und ich haben gefunden, dass sie immer noch andauert.
Du und ich haben gefunden, dass die Freude geboren wurde In der engelhaften Kindheit der Erde, Versteckt im Herzen von Mann und Maid. Du und ich haben vor der Zeit keine Angst.
Du und ich können ihre sagenumwobenen Schwingen verspotten, Denn ein Kuss ist ein unsterbliches Ding. Und das Beben, in dem jene alten Lippen sich trafen, Ist noch immer eine lebendige Musik in uns.
Süß in ihrem grünen Tal schlummert die Blume der Schönheit, Eingelullt von den schwachen Brisen, die durch ihr Haar seufzen; Schläft sie, und hört nicht die melancholischen Weisen, Die meiner traurigen Laute in der einsamen Luft zugehaucht werden?
Herab von den hohen Klippen strömt das Bächlein, Um sich um die Weidenbänke zu winden, die ihn von oben locken: Oh, dass ich, in Tränen aus meinem steinigen Gefängnis strömend, Auch hinübergleiten könnte in die Laube meiner Liebe!
Ach, wo das Geißblatt sie mit schläfrigen Armen umwunden hat, Öffnet sie ihre Augenlider beim Traum meines Liedes, Lauschend wie die Taube, während die Quellen um sie her widerhallen, Dem Ruf ihres verlorenen Gefährten im fernen Wald?
Komm dann, mein Vogel! Denn den Frieden, den du stets trägst, Sei weiterhin des Himmels Bote des Trostes für mich; Komm! Dieser liebende Busen, mein Treuester, mein Schönster, Blutet von seiner tödlichen Wunde – doch noch tiefer für dich.
Ich bin eifersüchtig: Ich bin treu: Krank vor Herz vor Liebe zu dir, O mein Anteil an der Welt! Ich bin kalt, o, kalt wie Stein Gegenüber allen Menschen, außer dir allein.
Siebenmal langsamer schleicht der Tag, Wenn dein Gesicht weit entfernt ist, O mein Anteil an der Welt! Siebenmal dunkler fällt die Nacht, Wenn du meinen Blick nicht erfreust.
Grenzenlos wären meine Freude und mein Stolz, Würdest du mich zur Braut wählen, O mein Anteil an der Welt! Denn dein Gesicht ist meine Wonne, Morgens und abends, mittags und nachts.
Zum Tanz und zum Totenwachefest Gehe ich doch nur deinetwegen, O mein Anteil an der Welt! Nur um dein Gesicht eine Weile zu sehen, Deinen Augen zu begegnen und dein Lächeln zu gewinnen.
Und das fröhliche Wort auf meiner Lippe Lässt mein Geheimnis niemals entgleiten An meinen Anteil an der Welt! Leicht trippeln meine Füße über das Grün – Doch mein Herz schreit in der Qual!
Meine arme Mutter seufzt aufs Neue, Wenn meine Blicke dir folgen, O mein Anteil an der Welt! Und meines Vaters Stirn wird schwarz, Wenn du lächelst und dich abwendest.
Ich würde Reichtum und Bequemlichkeit aufgeben, Ich würde über die Meere gehen, Für meinen Anteil an der Welt! Ich würde Herd und Heim verlassen, Wenn er nur flüsterte: „Komm!“
Obdachlos unter Sonne und Tau, Ich würde mein Brot mit dir erbetteln, O mein Anteil an der Welt! Obdachlos in Schnee und Sturm, Deine Herzensliebe würde mich wärmen.
Ich würde beten und ich würde flehen, Um bei dir im Grab zu sein, O mein Anteil an der Welt! Ich würde durch Feuer und Flut gehen, Ich würde alles aufgeben außer Gott Für meinen Anteil an der Welt!
Ein See und ein Feenboot, Um im klaren Mondlicht zu segeln – Und fröhlich würden wir dahinschweben Vor den Drachen, die hier über uns wachen!
Dein Gewand sollte schneeweiße Seide sein, Und Schnüre aus orientalischen Perlen, Wie in Milch getauchte Spinnweben, Sollten sich mit deinen Rabenlocken winden.
Rote Rubine sollten deine Hände schmücken, Und Diamanten sollten dein Mitgift sein – Doch die Feen haben ihre Zauberstäbe zerbrochen, Und das Wünschen hat seine Macht verloren!
Obwohl ich dir, wenn andere Mädchen daneben stehen, Vielleicht keine Antwort gönne, Wende dich dann nicht ab und seufze – Lächle und beachte mich nicht!
Wenn unsere Liebe in der Tat so ist, Dass sie bei jeder Berührung beben muss, Warum sollten andere genauso viel erfahren? – Lächle und beachte mich nicht!
Selbst wenn ich dich, mit mädchenhaftem Stolz, Bitten sollte, meine Seite zu verlassen, Nimm diese Lektion als deinen Leitfaden – Lächle und beachte mich nicht!
Doch wenn Sterne und Dämmerung sich treffen, Und der Tau süß herabfällt, Und du meine kommenden Schritte hörst – Dann – dann – magst du mich beachten!
Wir sehen sie nicht – wir können nicht hören Die Musik ihrer Schwingen – Doch wir wissen, dass sie in der Nähe weilen, Die Engel des Frühlings!
Sie gleiten über diesen lieblichen Boden, Wenn das erste Veilchen wächst; Ihre anmutigen Hände haben gerade gelöst Das Band jener Rose.
Ich pflücke sie für deine teure Brust, Frei von Fleck und Schatten: Was von eines Engels Hand gesegnet ist, Ist passend, meine Liebe, für dich!
Du hast mich nie gebeten zu hoffen, das ist wahr; Ich bat dich nicht zu schwören: Doch ich blickte in diese blauen Augen, Und las ein Versprechen darin.
Das Gelübde sollte binden, mit mädchenhaften Seufzern, Die mädchenhafte Lippen gesprochen haben: Doch das, was aus mädchenhaften Augen blickt, Sollte als Allerletztes gebrochen werden.
Ich verbringe meine Tage an den stillen Orten, Die durch deine Füße geheiligt wurden. Die Luft ist kühl in den frischen Waldräumen, Die Wiesen sehr süß.
Der Sonnenuntergang füllt den weiten Himmel mit seiner Pracht, Die frohen Vögel begrüßen die Nacht; Ich bleibe stehen und lausche auf eine Stimme, stark und zart, Ich warte auf das Licht jener lieben Augen.
Du bist das Herz jedes Glanzes der Herrlichkeit, Deine Anwesenheit erfüllt die Luft, Um dich versammelt sich die Geschichte des ganzen schönen Jahres; Ich lese dich überall.
„Ja“, antwortete ich dir letzte Nacht; „Nein“, diesen Morgen, mein Herr, sage ich: Farben, die im Kerzenlicht gesehen werden, Sehen bei Tag nicht gleich aus.
Als die Bratschen ihr Bestes spielten, Lampen oben und Gelächter unten, Klang mir die Liebe wie ein Scherz, Passend für Ja oder passend für Nein.
Nenne mich falsch oder nenne mich frei, Gelobe, welches Licht auch scheinen mag – Kein Mann soll in deinem Gesicht sehen Irgendeinen Kummer über den Wandel in meinem.
Doch die Sünde liegt bei uns beiden; Zeit zum Tanzen ist nicht zum Werben; Werben im Leichtsinn macht wankelmütige Treue, Verachtung meinerseits fällt auf dich zurück.
Lerne, den Glauben einer Dame zu gewinnen, Edel, wie die Sache hoch ist, Tapfer, wie für Leben und Tod, Mit einer loyalen Ernsthaftigkeit.
Führe sie von den festlichen Tischen fort, Weise sie auf den Sternenhimmel, Beschütze sie, durch deine wahrhaftigen Worte, Rein von den Schmeicheleien der Brautwerbung.
Durch deine Wahrheit wird sie wahrhaftig sein, Ewig treu, wie Ehefrauen von ehedem; Und ihr Ja, das einmal zu dir gesagt wurde, Wird JA sein für immerdar.
Es ist die Tochter des Müllers, Und sie ist mir so teuer, so teuer geworden, Dass ich das Juwel sein möchte, Das in ihrem Ohr zittert; Denn versteckt in Locken Tag und Nacht, Würde ich ihren Nacken berühren, so warm und weiß.
Und ich möchte der Gürtel sein Um ihre zierliche, zierliche Taille, Und ihr Herz würde gegen mich schlagen, In Kummer und in Ruhe; Und ich sollte wissen, ob es richtig schlägt, Ich würde es so eng und fest umschließen.
Und ich möchte die Halskette sein, Und den ganzen Tag lang fallen und steigen Auf ihrem balsamischen Busen Mit ihrem Lachen oder ihren Seufzern; Und ich würde so leicht, so leicht liegen, Ich würde nachts kaum abgelegt werden.
Luftige, feenhafte Lilian, Flatternde, feenhafte Lilian, Wenn ich sie frage, ob sie mich liebt, Verschränkt sie ihre winzige Hand über mir, Lachend, so sehr sie kann; Sie wird mir nicht sagen, ob sie mich liebt, Grausame kleine Lilian.
Wenn meine Leidenschaft sucht Vergnügen in Liebesseufzern, Sie, durch mich hindurchschauend, Um mich gänzlich zu zerstören, Lächelt, spricht niemals: So unschuldig-schelmisch, so listig-schlicht, Von unter ihrem gerafften Wimple Blickend mit schwarz-perligen Augen, Bis das blitzende Lachen Grübchen gräbt In die Baby-Rosen auf ihren Wangen; Dann fliegt sie davon.
Ich bitte dich, weine, Mai-Lilian! Heiterkeit ohne Finsternis Ermüdet mich, Mai-Lilian: Durch mein ganzes Herz bebt es, Wenn von purpurn durchzogenen Lippen Silberhelles Lachen bebt: Ich bitte dich, weine, Mai-Lilian!
Betend, so sehr ich kann, Wenn Gebete dich nicht verstummen lassen, Luftige Lilian, Wie ein Rosenblatt werde ich dich zerdrücken, Feenhafte Lilian.
Der Glanz fällt auf Burgmauern Und schneebedeckte Gipfel, alt in Geschichten: Das lange Licht zittert über die Seen, Und der wilde Wasserfall springt in Herrlichkeit. Blas, Horn, blas, lass die wilden Echos fliegen, Blas, Horn; antworte, Echos, sterbend, sterbend, sterbend.
O horch, o hör! Wie dünn und klar, Und dünner, klarer, weiter gehend! O süß und fern von Klippe und Narbe Die Hörner des Elfenlandes schwach blasend! Blas, lass uns die purpurnen Täler antworten hören: Blas, Horn; antworte, Echos, sterbend, sterbend, sterbend.
O Liebe, sie sterben an jenem reichen Himmel, Sie verblassen auf Hügel oder Feld oder Fluss: Unsere Echos rollen von Seele zu Seele, Und wachsen für immer und für immer. Blas, Horn, blas, lass die wilden Echos fliegen, Und antworte, Echos, antworte, sterbend, sterbend, sterbend.
„Wenn du sehr alt sein wirst, abends bei Kerzenschein, Sitzend am Feuer, plaudernd und spinnend, Wirst du sagen, singend meine Verse, dich wundernd, Ronsard hat mich gefeiert zu der Zeit, als ich schön war.“
An einem Winternacht, gemütlich eingesperrt Neben dem Reisigbündel in der Halle, Ich glaube, ich sehe dich sitzen und spinnen, Umgeben von all deinen Mägden. Alte Geschichten werden erzählt, alte Lieder gesungen, Alte Tage kommen zurück in die Erinnerung; Du sagst: „Als ich schön und jung war, Hat ein Dichter von mir gesungen!“
Es gibt kein Mädchen in deiner Halle, Wie müde und schläfrig auch immer, Das nicht erwacht, wenn du meinen Namen nennst, Und begierig ist, die Geschichte zu wissen. Und während die klägliche Geschichte erzählt wird, Von kalter Dame und wahrem Liebhaber, Trägt jede, nachsinnend, sie mit zu Bett, Und seufzt und beneidet dich!
„Unsere Dame ist nun alt und schwach“, Werden sie sagen: „sie war einst frisch und schön, Und doch verschmähte sie das Gelübde ihres Liebhabers, Und ließ ihn herzenlos verzweifeln. Der Liebhaber liegt in stiller Erde, Keine freundliche Gefährtin erheitert die Dame; Sie sitzt an einem einsamen Herd, Mit siebzig Jahren!“
Ach! Trübsinnige Gedanken und Träume sind das, Doch warum mich der Verzweiflung hingeben, Während noch des Dichters Busen glüht, Während noch die Dame unvergleichlich schön ist! Meine süße Dame! Während noch Zeit ist, Vergelte meine Leidenschaft und meine Treue, Und sammle in ihrer errötenden Blüte Die Rosen deiner Jugend!
Wenn du alt und grau und voller Schlaf bist, Und nickend am Feuer, nimm dieses Buch herunter, Und lies langsam und träume von dem sanften Blick, Den deine Augen einst hatten, und von ihren tiefen Schatten;
Wie viele deine Augenblicke froher Anmut liebten, Und deine Schönheit liebten mit Liebe, falsch oder wahr; Doch ein Mann liebte die pilgernde Seele in dir, Und liebte die Sorgen deines sich wandelnden Gesichts.
Und dich beugend neben den glühenden Gittern, Murmle, ein wenig traurig, wie die Liebe floh Und über die Berge droben schritt Und ihr Gesicht inmitten einer Schar von Sternen verbarg.
Du wirst mich noch lieben – und ich kann warten Auf deiner Liebe verzögertes Wachsen: Der Juni zog jenen Blumenstrauß auf, den du trägst, Aus Samen der April-Aussaat.
Ich pflanze jetzt eine Herzensvoll: ein wenig Samen Ist sicher zu keimen, Und zu ergeben – was du gewiss nicht pflücken wirst, Nicht Liebe, aber vielleicht Zuneigung.
Du wirst zumindest auf die Überreste der Liebe schauen, Ein einziges Veilchen eines Grabes: Dein Blick? – das bezahlt tausend Schmerzen. Was ist Tod? Du wirst mich noch lieben!
Zimmer um Zimmer, Jage ich durch das Haus, Das wir gemeinsam bewohnen. Herz, fürchte nichts, denn, Herz, du wirst sie finden – Beim nächsten Mal, sie selbst! – nicht den Ärger hinter ihr, Der im Vorhang, im Parfüm der Couch zurückblieb! Als sie daran streifte, blühte der Gesimskranz neu auf: Jener Spiegel glänzte beim Winken ihrer Feder.
Doch der Tag vergeht, Und Tür folgt auf Tür; Ich versuche das neue Glück – Durchstreife das weite Haus vom Flügel bis zur Mitte. Immer dieselbe Chance! Sie geht hinaus, wenn ich eintrete. Verbringe meinen ganzen Tag mit der Suche, – wen kümmert's? Aber es ist Dämmerung, siehst du, – mit solchen Suiten zu erkunden, Solchen Schränken zu durchsuchen, solchen Alkowen zu bedrängen!
Entkomme mir? Niemals – Geliebte! Solange ich ich bin, und du du bist, Solange die Welt uns beide enthält, Mich den Liebenden und dich die Widerstrebende, Während die eine entweicht, muss der andere verfolgen. Mein Leben ist am Ende ein Fehler, fürchte ich: Es scheint in der Tat zu sehr wie ein Schicksal! Obwohl ich mein Bestes tue, werde ich kaum Erfolg haben. Aber was, wenn ich mein Ziel hier verfehle? Es ist nur, um die Nerven gespannt zu halten, Sich die Augen zu trocknen und über einen Sturz zu lachen, Und, vereitelt, aufzustehen und wieder zu beginnen, – So nimmt die Jagd das Leben eines Menschen in Anspruch, das ist alles. Während du, blicke nur einmal von deinem äußersten Rand Auf mich so tief im Staub und Dunkeln, Sobald die alte Hoffnung zu Boden fällt, Als eine neue, direkt auf das gleiche Ziel, Forme ich mich – Ewig Entfernt!
Komm am Abend, oder komm am Morgen; Komm, wenn du erwartet wirst, oder komm ohne Warnung: Küsse und Willkommen wirst du hier vor dir finden, Und je öfter du hierher kommst, desto mehr werde ich dich verehren! Leicht ist mein Herz seit dem Tag, als wir uns versprachen; Rot ist meine Wange, von der sie mir sagten, sie sei welk; Das Grün der Bäume sieht viel grüner aus als je zuvor, Und die Hänflinge singen: „Wahre Liebende trennen sich nicht!“
Ich werde dir süße Blumen pflücken, um sie zu tragen, wenn du willst – Oder, nachdem du sie geküsst hast, werden sie auf meinem Busen liegen; Ich werde vom Berg seine Brise holen, um dich zu inspirieren; Ich werde aus meiner Fantasie eine Geschichte holen, die dich nicht ermüdet. Oh! Dein Schritt ist wie der Regen für den sommergeplagten Bauern, Oder Säbel und Schild für einen Ritter ohne Rüstung; Ich werde dir süße Lieder singen, bis die Sterne über mir aufgehen, Dann, wandernd, werde ich mir wünschen, dass du mich im Stillen liebst.
Wir werden durch die Bäume auf die Klippe und das Horst blicken; Wir werden um den Rath auf der Spur der Fee treten; Wir werden auf die Sterne schauen, und wir werden dem Fluss lauschen, Bis du deine Liebste fragst, welches Geschenk du ihr geben kannst: Oh! Sie wird dir zuflüstern: „Liebe, so unveränderlich strahlend, Und Vertrauen, wenn im Geheimen, am harmonischsten strömend; Bis das Sternenlicht des Himmels über uns zittern wird, Während unsere Seelen in eins fließen, den Fluss der Ewigkeit hinunter.“
Also komm am Abend, oder komm am Morgen; Komm, wenn du erwartet wirst, oder komm ohne Warnung: Küsse und Willkommen wirst du hier vor dir finden, Und je öfter du hierher kommst, desto mehr werde ich dich verehren! Leicht ist mein Herz seit dem Tag, als wir uns versprachen; Rot ist meine Wange, von der sie mir sagten, sie sei welk; Das Grün der Bäume sieht viel grüner aus als je zuvor, Und die Hänflinge singen: „Wahre Liebende trennen sich nicht!“
Sie lächelt und lächelt, und will nicht seufzen, Während wir an hoffnungsloser Leidenschaft sterben; Doch sie könnte lieben, verkünden jene Augen, Wären Männer nur edler, als sie sind.
Eifrig war einst ihr gnädiger Blick Auf die Söhne der Menschen gerichtet; Doch leicht wurde das ernste Gesicht – Sie schaute, und lächelte, und durchschaute sie.
Unsere kleinlichen Seelen, unsere stolzierenden Verstande, Unsere mühsamen, winzigen Leidenschaftsanfälle – Ach, möge sie sie weiterhin verachten, bis wir Sie so bitter verachten wie sie!
Doch zeige ihr einmal, ihr himmlischen Mächte, Einen von einem würdigeren Geschlecht als unserem! Einen, um dessentwillen sie einst beweisen könnte, Wie tief jene lieben kann, die verachtet.
Seine Augen seien wie die sternenklaren Lichter; Seine Stimme wie Klänge von Sommernächten; In seinem ganzen lieblichen Mienenspiel lasse durchdringen Die Magie des Universums!
Und sie wird ihm ihre Hand reichen, Und in seine Augen starrend stehen bleiben, Und ihren Freund erkennen, und vor Freude weinen, Und rufen: „Lange, lange habe ich nach dir gesucht!“
Dann wird sie weinen – mit Lächeln, bis dahin Kalt verspottet sie die Söhne der Menschen. Bis dahin bewahren ihre lieblichen Augen Ihre reine, unerschütterliche, tiefe Verachtung.
Ich schaute und sah deine Augen im Schatten deines Haares, Wie ein Reisender den Strom im Schatten des Waldes sieht; – Und ich sagte: „Mein schwaches Herz seufzt, ach weh! dort zu verweilen, Tief zu trinken und zu träumen in jener süßen Einsamkeit.“
Ich schaute und sah dein Herz im Schatten deiner Augen, Wie ein Suchender das Gold im Schatten des Stromes sieht; Und ich sagte: „Ach weh! Welche Kunst sollte den unsterblichen Preis gewinnen, Dessen Mangel das Leben kalt und den Himmel zu einem hohlen Traum machen muss?“
Ich schaute und sah deine Liebe im Schatten deines Herzens, Wie ein Taucher die Perle im Schatten des Meeres sieht; Und ich murmelte, nicht über meinen Atem, sondern ganz für mich – „Ach! Du kannst lieben, wahres Mädchen, und ist deine Liebe für mich?“
Seit wir uns gestern Abend trennten, Liebe ich dich, Geliebte, glaube mir, Zwölffach teurer, zwölf Stunden länger, – Einen Traum tiefer, eine Nacht stärker, Eine Sonne sicherer, – so viel mehr Als ich dich, Geliebte, zuvor liebte.
Wenn Liebe wäre, was die Rose ist, Und ich wäre wie das Blatt, Unsere Leben würden zusammenwachsen Bei traurigem oder singendem Wetter, Verwehten Feldern oder blumenreichen Gärten, Grünem Vergnügen oder grauem Kummer; Wenn Liebe wäre, was die Rose ist, Und ich wäre wie das Blatt.
Wenn ich wäre, was die Worte sind, Und Liebe wäre wie die Melodie, Mit doppeltem Klang und einzelnem Vergnügen würden unsere Lippen sich vermengen, Mit Küssen, froh wie Vögel, Die süßen Regen am Mittag bekommen; Wenn ich wäre, was die Worte sind, Und Liebe wäre wie die Melodie.
Wenn du Leben wärst, meine Liebste, Und ich deine Liebe der Tod wäre, Wir würden zusammen leuchten und schneien, Bevor der März das Wetter süß machte Mit Osterglocken und Staren Und Stunden fruchtbaren Atems; Wenn du Leben wärst, meine Liebste, Und ich deine Liebe der Tod wäre.
Wenn du der Sorge untertan wärst, Und ich der Pagen der Freude wäre, Wir würden spielen für Leben und Jahreszeiten Mit liebenden Blicken und Verrätereien Und Tränen der Nacht und des Morgens Und dem Lachen von Maid und Junge; Wenn du der Sorge untertan wärst, Und ich der Pagen der Freude wäre.
Wenn du die Dame des Aprils wärst, Und ich der Herr im Mai wäre, Wir würden mit Blättern um Stunden würfeln Und um Tage mit Blumen ziehen, Bis der Tag wie die Nacht schattig wäre Und die Nacht hell wie der Tag; Wenn du die Dame des Aprils wärst, Und ich der Herr im Mai wäre.
Wenn du die Königin des Vergnügens wärst, Und ich der König des Schmerzes wäre, Wir würden die Liebe gemeinsam jagen, Ihre fliegende Feder herausrupfen, Und ihre Füße ein Maß lehren, Und ihren Mund einen Zügel finden; Wenn du die Königin des Vergnügens wärst, Und ich der König des Schmerzes wäre.
Ich fand in Träumen einen Ort aus Wind und Blumen, Voll von süßen Bäumen und der Farbe von frohem Gras, Inmitten dessen war Eine Dame, gekleidet wie der Sommer mit süßen Stunden, Ihre Schönheit, glühend wie ein feuriger Mond, Ließ mein Blut brennen und ohnmächtig werden Wie eine Flamme, auf die es regnete. Kummer hatte das Blau ihrer bebenden Augenlider gefüllt, Und ihres Mundes traurige rote schwere Rose durch und durch Schien traurig mit frohen Dingen, die vergangen waren.
Sie hielt eine kleine Zither an den Saiten, Herzförmig geformt, bespannt mit subtil gefärbtem Haar Eines toten Lautenspielers, Der in toten Jahren köstliche Dinge getan hatte. Die sieben Saiten waren dementsprechend benannt; Die erste Saite Wohltätigkeit, Die zweite Zärtlichkeit, Die anderen waren Vergnügen, Kummer, Schlaf und Sünde, Und liebende Güte, die der Mitleid Verwandte ist Und am mitleidlosesten ist.
Drei Männer waren bei ihr, ein jeder bekleidet Mit Gold, und an den Füßen beschuht mit Gold; Und mit gepflückten Ähren in der Hand. Des ersten Mannes Haar war um das Haupt gewunden: Sein Antlitz war rot, und sein Mund gekrümmt und traurig; Sein ganzes goldenes Gewand hatte Blasse Flecken von Staub und Rost. Eine zerrissene Kapuze war ihm über die Augen gezogen; Das Zeichen an ihm auf diese Weise War gemacht als ein Symbol der Wollust.
Der nächste war Scham, mit hohlem, schwerem Gesicht, Gefärbt wie grünes Holz, wenn die Flamme es entzündet. Er hat solch schwache Füße, Dass sie an keinem Orte wohl bestehen können. Sein Antlitz war voll grauer alter Leiden. Und all seines Blutes Zunahme War eben Zunahme von Schmerz. Der Letzte war Furcht, die dem Tode verwandt ist; Er ist Schams Freund, und immer wenn Scham spricht, Antwortet Furcht ihm wieder.
Meine Seele sprach in mir: Dies ist wundersam, Da das Antlitz der Luft nicht so zart ist, Noch die Gnade der Sonne so groß, Wenn Sünde und sie verwandt oder liebeshungrig sind. Und da ich sah, wie Mägde ihr auf Knien dienten, Hieß ich eine von diesen, um Kunde zu bitten Nach dem Grunde dafür. Dann sprach Furcht: Ich bin Mitleid, das tot war. Und Scham sprach: Ich bin Trost gespendeter Kummer. Und Wollust sprach: Ich bin Liebe.
Da begannen ihre Hände ein Lautenspiel, Und ihr süßer Mund ein Lied in fremder Zunge; Und während sie sang, War kein Laut, als nur lange Tränen, die langen Tränen Auf den Gesichtern der Männer folgten, wächsern weiß Vor überaus trauriger Wonne. Doch jene drei folgenden Männer Wurden wie Männer, die unter den Toten auferstanden; Große frohe Münder offen, und schöne Wangen gerötet Vom Blut eines Kindes, das wiedergekehrt.
Dann sprach ich: Nun sehe ich wahrlich, Meine Gebieterin ist vollkommen und verklärt Alle Sünde und Kummer und Tod, Macht sie schön, wie ihre eigenen Augenlider sind, Oder Lippen, worin meines ganzen Seelenlebens Aufenthalt ist; Oder wie ihre süßen weißen Seiten Und ihr zum Küssen geformter Busen. Nun darum, wenn ihr Mitleid mich fördert, Werden zweifellos um ihretwillen alle meine Tage So rechtschaffen sein wie sie.
Geh, Ballade, und nimm Rosen in beide Arme, Sogar bis die oberste Rose dich an der Kehle berührt, Wo der kleinste Dornenstich schmerzt; Und gegürtet in deinen goldenen Gesangsmantel, Komm du vor meine Gebieterin und sprich dies: Borgia, deines Goldhaars Farbe brennt in mir, Dein Mund lässt mein Blut in fiebrigen Reimen schlagen; Darum so viele, wie diese Rosen sind, Küss mich so viele Male. Dann mag es sein, da sie sieht, wie süß sie ist, Dass sie sich nicht anders beugen wird, Als ein blühender Weinrebenzweig es tut, Und dich mit leisem Lachen auf deine Augen küsst, Ballade, und auf deinen Mund.
EIN ABSCHIED
Lasset uns von dannen gehen, meine Lieder; sie wird nicht hören. Lasset uns von dannen gehen gemeinsam ohne Furcht; Seid nun stille, denn die Zeit des Singens ist vorüber, Und vorüber alle alten Dinge und alle teuren Dinge. Sie liebt euch nicht noch mich, wie wir alle sie lieben. Ja, obwohl wir wie Engel in ihrem Ohr sängen, Sie würde nicht hören.
Lasset uns aufstehen und scheiden; sie wird nicht wissen. Lasset uns meerwärts gehen, wie die großen Winde gehen, Voll von verwehtem Sand und Schaum; welche Hilfe ist da? Es gibt keine Hilfe, denn all diese Dinge sind so, Und die ganze Welt ist bitter wie eine Träne, Und wie diese Dinge sind, obwohl ihr zu zeigen strebtet, Sie würde nicht wissen.
Lasset uns heimgehen und von dannen; sie wird nicht weinen. Wir gaben der Liebe viele Träume und Tage zu bewahren, Blumen ohne Duft und Früchte, die nicht wachsen wollten, Indem wir sagten: „Wenn du willst, stoß deine Sichel hinein und ernte.“ Alles ist nun geerntet; kein Gras ist übrig zu mähen; Und wir, die wir säten, obwohl wir alle in Schlaf fielen, Sie würde nicht weinen.
Lasset uns von dannen gehen und ruhen; sie wird nicht lieben. Sie soll uns nicht hören, wenn wir hiervon singen, Noch die Wege der Liebe sehen, wie wund sie sind und steil. Kommt von dannen, lasset sein, liegt stille; es ist genug. Liebe ist ein unfruchtbares Meer, bitter und tief; Und obwohl sie den ganzen Himmel in Blüte droben sähe, Sie würde nicht lieben.
Lasset uns aufgeben, hinabgehen; sie wird sich nicht sorgen. Obwohl alle Sterne alles von der Luft zu Gold machten, Und das Meer in Bewegung vor sich bewegen sah Eine Mondblume, die alle Schaumblumen schön machte; Obwohl all jene Wellen über uns hinweggingen und trieben Tief hinab die erstickenden Lippen und ertrinkendes Haar, Sie würde sich nicht sorgen.
Lasset uns von dannen gehen, von dannen gehen; sie wird nicht sehen. Singt noch einmal alle zusammen; sicherlich wird sie, Sie auch, sich erinnernd an Tage und Worte, die waren, Sich ein wenig zu uns wenden, seufzend; aber wir, Wir sind von dannen, wir sind gegangen, als wären wir nie dort gewesen. Nein, und obwohl alle Menschen, die sähen, Mitleid mit mir hätten, Sie würde nicht sehen.
EIN LYRISCHES GEDICHT
Es gibt keine Lerche, die die Lüfte liebt, mein Lieb, Es gibt kein Schiff, das das Meer liebt, Es gibt keine Biene, die die Heideglocken liebt, Die so liebt, wie ich dich liebe, mein Lieb, Die so liebt, wie ich dich liebe.
Der Ginster leuchtet hell auf der Heide, Der frohe Besenginster auf dem Ackerland: Der Wind am Moorrand ist fröhlich im Herzen: Es ist alles aus Liebe zu dir, mein Lieb, Es ist alles aus Liebe zu dir.
MAUREEN
O, du pflanzt den Schmerz in mein Herz mit deinen sehnsüchtigen Augen, Mädchen meiner Wahl, Maureen! Wirst du mich wahnsinnig machen nach den Küssen, die dein schüchterner, süßer Mund verweigert, Maureen?
Wie ein wandelnder Geist bin ich, und keine Worte zum Werben, Weiße Rose des Westens, Maureen: Denn bleich bist du, und die Furcht an dir ist auch über mir, Maureen!
Sicher ist es eine Klage, die auf uns lastet, mein Herz, an diesem Tag, Braut meiner Träume, Maureen: Der Stich der Biene, die uns stach, muss ihren Honig heilen, sagen sie, Maureen!
Ich werde das Licht in deine Augen locken und die Rose in dein Gesicht, Meine Liebe, meine eigene Maureen! Wenn ich die Wärme deines Busens fühle und dein Nest meine Armes Umarmung ist, Maureen!
O wo war der König der Welt an jenem Tag – außer mir? Meine eine wahre Liebe, Maureen! Und du die Königin mit mir dort, und dein Thron in meinem Herzen, mein Herz, Maureen!
EINE LIEBESSYMPHONIE
Entlang der Gartenwege eben jetzt Hörte ich die Blumen sprechen; Die weiße Rose erzählte mir von deiner Stirn, Die rote Rose von deiner Wange; Die Lilie von deinem geneigten Haupt, Die Winde von deinem Haar; Jede sah am lieblichsten aus und sagte, Du seiest schöner.
Ich ging alsbald in den Wald, Und hörte die wilden Vögel singen, Wie süß du seiest, trillerten sie fort, Pfiffen, tirillierten, dasselbe Ding. Drossel, Amsel, Hänfling, ohne Pause Wiederholten sie die Bürde, Und begannen immer wieder, weil Du süßer seiest.
Und dann ging ich hinab zum Meer, Und hörte es auch murmeln, Teil eines alten Geheimnisses, Alles gemacht aus mir und dir: Wie vor vielen tausend Jahren Ich liebte, und du süß warst – Länger konnte ich nicht bleiben, und so Floh ich zurück zu deinen Füßen.
LIEBE AUF DEM BERGE
Meine Liebe kommt herab vom Berge Durch den Nebel der Morgenröte; Ich blicke, und der Stern des Morgens Ist vom Himmel verschwunden.
Meine Liebe kommt herab vom Berge, Bei Tagesanbruch, tausüß; Tratst du vom Stern auf den Berg, O kleine weiße Füße?
O woher kamen deine sich windenden Locken Und deine leuchtenden Augen, Wenn nicht aus dem Gold des Morgens Und dem Blau des Himmels?
Der neblige Berg brennt Im roten Feuer der Sonne, Und das Herz in meiner Brust brennt Und ist verloren in Verlangen.
Ich folge dir ins Tal, Doch kein Wort kann ich sagen; Nach Osten oder Westen werde ich folgen Bis zur Dämmerung meines Tages.
KATE TEMPLES LIED
Nur eine Berührung, und nichts weiter; Ach! aber niemals zuvor so berührt! Berührung der Lippe, war es? Berührung der Hand? Beides ist leicht zu verstehen. Die Erde mag von Feuer oder Frost geschlagen sein – Niemals ist die Berührung wahrer Liebe verloren.
Nur ein Wort, war es? Kaum ein Wort! Musikalisches Flüstern, leise gehört, Silbierte Nichts – nur ein Hauch – Es wird das Leben überdauern und wird über den Tod lachen. Liebe kann mit so wenig so viel tun – Nur ein Wort, Süße! Nur eine Berührung!
MEINE KÖNIGIN
Wann und wie werde ich ihr am frühesten begegnen? Was sind die Worte, die sie zuerst sagen wird? Mit welchem Namen soll ich lernen, sie zu grüßen? Ich weiß es jetzt nicht; es wird eines Tages kommen! Mit demselben Sonnenlicht, das auf sie scheint, Herabscheinend auf den Glanz ihrer Locken, Steht sie irgendwo – sie, die ich ehren werde, Sie, auf die ich warte, meine Königin, meine Königin!
Ob ihr Haar golden oder rabenschwarz sei, Ob ihre Augen haselnussbraun oder blau seien, Ich weiß es jetzt nicht; aber es wird eingraviert sein Eines Tages als mein lieblichster Farbton. So manches Mädchen habe ich eine Minute lang geliebt, So manches Gesicht verehrt, das ich gesehen habe: Immer und ewig war etwas darin, Etwas, das nicht ihres sein konnte, meine Königin!
Ich werde nicht von ihr träumen, groß und stattlich, Sie, die ich liebe, mag feenhaft leicht sein; Ich werde nicht sagen, sie müsse sich bedächtig bewegen, – Was immer sie tut, es wird dann recht sein. Sie mag demütig oder stolz sein, meine Dame, Oder jene süße Ruhe, die gerade dazwischen liegt; Und wann immer sie kommt, wird sie mich bereit finden, Ihr zu huldigen, meine Königin, meine Königin!
Aber sie muss höflich sein, sie muss heilig sein, Rein in ihrem Geist, dieses Mädchen, das ich liebe; Ob ihre Geburt adlig oder niedrig sei, Das kümmert mich nicht mehr als die Geister droben. Aber ich werde mein Herz in die Obhut meiner Dame geben, Und immer wird ihre Stärke sich auf meine lehnen; Und die Sterne mögen fallen, und die Heiligen mögen weinen, Eh ich aufhöre, sie zu lieben, meine Königin, meine Königin!
„SCHATZ, SAG MIR JA“
Noch eine kleine Minute, Maud, Noch ein kleines Flüstern mehr; Ich habe ein Wort zu sagen, Maud, Das ich niemals zuvor gehaucht habe. Was kann es anderes sein als Liebe, Maud; Und rate ich richtig, Dass es angenehm deinem Ohr ist, Maud? O Schatz! sag mir ja!
Die Bürde meines Herzens, Maud, Es gibt wenig Not, zu sagen; Es gibt wenig Not, zu sagen, Maud, Ich habe dich lange und wohl geliebt. Es gibt Sprache in einem Seufzer, Maud, Um eines Bedeutung auszudrücken, Und dein – war es für mich, Maud? O Schatz! sag mir ja!
Meine Augen haben meine Liebe erzählt, Maud, Und auf meiner brennenden Wange Hast du den zärtlichen Gedanken gelesen, Maud, Den meine Lippen zu sprechen verweigerten. Ich gab dir mein ganzes Herz, Maud, Es ist unnötig zu beichten; Und hast du mir deines gegeben, Maud? O Schatz! sag mir ja!
Es ist traurig, eine Liebe verhungern zu lassen, Maud, Die so anbetungswürdig und wahr ist; Ich kenne eine kleine Hütte, Maud, Ganz groß genug für zwei; Und du wirst meine Frau sein, Maud? So mögest du immer segnen Durch dein ganzes sonniges Leben, Maud, Den Tag, an dem du ja antwortetest!
„LIEBE ICH DICH?“
Liebe ich dich? Frage die Biene, Ob sie die blumige Aue liebt, Wo das Geißblatt weht Und der duftende Klee wächst. Wie sie antwortet, Ja oder Nein, Schatz! nimm meine Antwort so.
Liebe ich dich? Frage den Vogel, Wenn ihr Morgengesang gehört wird, Ob sie den so schönen Himmel liebt, Wolkig und flüssige Luft. Wie sie antwortet, Ja oder Nein, Schatz! nimm meine Antwort so.
Liebe ich dich? Frage die Blume, Ob sie den Frühlingsschauer liebt, Oder die Küsse der Sonne, Oder den Tau, wenn der Tag getan ist. Wie sie antwortet, Ja oder Nein, Schatz! nimm meine Antwort so.
„O WELT, SEI EDLER“
O Welt, sei edler, um ihretwillen! Wüsste sie nur, was du bist, Welche Unrechte ertragen werden, welche Taten getan In dir, unter deiner täglichen Sonne, Weißt du nicht, dass ihr zartes Herz Vor Schmerz und wahrer Scham brechen würde? O Welt, sei edler, um ihretwillen!
„IM DUNKELN, IM TAU“
Im Dunkeln, im Tau, Lächle ich dir zurück; Aber du kannst das Lächeln nicht sehen, Und du denkst die ganze Zeit, Wie ich mein Gesicht von dir abwende, Im Dunkeln, im Tau.
Im Dunkeln, im Tau, Geht alle meine Liebe zu dir hinaus, Flattert wie ein Vogel in Schmerz, Stirbt und kommt wieder zum Leben; Während du flüsterst: „Süßeste, horch; Jemand seufzt im Dunkeln, Im Dunkeln, im Tau!“
Im Dunkeln, im Tau, Schreit mein ganzes Herz nach dir, Während ich es dir zu Füßen werfe, Süß zwar, aber nicht zu süß; Mich fragend, wirst du es schlagen hören, Schlagen für dich, und bluten für dich, Im Dunkeln, im Tau!
NANNY
Oh, für eine Stunde, wenn der Tag anbricht, Hinunter am Ufer, wo die Flut steigt, Schön wie weiße Wolke, du, mein Lieb, nahe mir, Keiner außer den Wellen und dir selbst, mich zu hören! Oh, an meinen Busen, wie würden diese Arme dich drücken! Wild würde mein Herz in seiner Freude dich segnen! Oh, wie die Seele, die du gewonnen hast, dich umwerben würde, Mädchen mit dem Schneehals, näher zu mir!
Oh, für eine Stunde, wenn der Tag voranschreitet, Draußen, wo die Brise auf dem Besenginster tanzt, Die Lerche beobachtend, mit dem Sonnenstrahl über uns, Die Noten ihres himmelsgelehrtem Chores schwingend! Oh, dort zu sein, und mein Lieb vor mir, Sanft wie ein Mondstrahl über mir lächelnd! Du würdest nur lieben, und ich würde dich umwerben, Mädchen mit dem dunklen Auge, näher zu mir!
Oh, für eine Stunde, wo die Sonne uns zuerst fand, Draußen am Abend mit seinen roten Tüchern um uns, Den Tau von des Windes weichen Flügelchen bürstend, Perlig und süß, mit deinen langen dunklen Locken! Oh, dort zu sein auf dem Rasen neben dir, Meine Geschichte erzählend, obwohl ich weiß, du würdest mich schelten! Süß wäre deine Stimme, obwohl sie mich verderben sollte, – Mädchen mit den dunklen Locken, näher zu mir!
Oh, für eine Stunde bei Nacht oder bei Tag, mein Lieb, Genau wie der Himmel und du sagen möchtet, mein Lieb! Fern vom Anstarren der kaltäugigen Vielen, Gebunden im Atem meiner taubenseeligen Nanny! Oh, für die reinen Ketten, die mich gebunden haben, Warm von deinen roten Lippen, mich umkreisend! Oh, in meiner Seele, wie das Licht über mir, Königin der reinen Herzen, liebe ich dich!
EINE KLEINIGKEIT
Ich weiß nicht warum, aber selbst mir Scheinen meine Lieder süß, wenn sie dir vorgelesen werden.
Vielleicht liegt das Vergnügen darin – Ich lese meine Gedanken in deinen Augen,
Und wage es so zu wähnen, dass meine Kunst So tief sinken mag wie dein Herz.
Vielleicht liebe ich es, meine Worte Um dich singen zu lassen wie so viele Vögel,
Oder, vielleicht, sie sind nur süß, Wie sie als Opfergaben zu deinen Füßen erscheinen.
Oder vielleicht, Lily, wenn ich spreche, Denke ich, womöglich berühren sie deine Wange,
Oder mit einer noch kostbareren Wonne, Sterben sie auf deinen roten Lippen in einem Kuss.
Jeder Grund hier – ich kann es nicht sagen – Oder alles mag vielleicht den Zauber lösen.
Aber wenn sie zusieht, wenn ich da bin, Mag Lily tiefer sehen als ich.
ROMANZE
Ich werde dir Broschen und Spielzeug zu deiner Freude machen Aus Vogelgesang am Morgen und Sternenschein bei Nacht. Ich werde einen Palast bauen, passend für dich und mich, Aus grünen Tagen in Wäldern und blauen Tagen auf See.
Ich werde meine Küche machen, und du sollst dein Zimmer behalten, Wo weiß der Fluss fließt und hell der Besenginster blüht, Und du sollst deine Wäsche waschen und deinen Körper weiß halten Im Regenfall am Morgen und Taufall bei Nacht.
Und dies soll für Musik sein, wenn niemand sonst in der Nähe ist, Das feine Lied zum Singen, das seltene Lied zum Hören! Dass nur ich mich erinnere, dass nur du bewunderst, Von der breiten Straße, die sich erstreckt, und dem Straßenfeuer.
„EHE DIE RITTERLICHEN JAHRE VERGANGEN WAREN“
Eh die ritterlichen Jahre vergangen waren Mit der alten Welt ins Grab, War ich ein König in Babylon Und du warst eine christliche Sklavin.
Ich sah, ich nahm, ich stieß dich beiseite, Ich beugte und brach deinen Stolz. Du liebtest mich wohl, oder ich hörte sie lügen, Doch dein Sehnen wurde verweigert. Sicherlich wusste ich, dass du nach und nach Deine Götter verfluchtest und starbst.
Und eine Myriade von Sonnen ist untergegangen und geschienen Seitdem auf das Grab, Verordnet vom König in Babylon Für die, die seine Sklavin gewesen war.
Der Stolz, den ich zertrat, ist nun mein Schmerz, Denn er zertritt mich wieder. Der alte Groll dauert wie der Tod, Denn du liebst, doch du hältst dich zurück. Ich breche mein Herz an deinem harten Unglauben, Und ich breche mein Herz vergeblich.
Doch nicht für eine Stunde wünsche ich ungeschehen Die Tat jenseits des Grabes, Als ich ein König in Babylon war Und du eine jungfräuliche Sklavin.
RUS IN URBE
Dichter singen die ganze Welt hindurch Vom Mai in Melodie, Freuden für den Juni; Stäuben ihre Füße im sorglosen Klee Und füllen ihre Herzen mit des Amsels Weise. Die „braune helle Nachtigall“ trifft mit Mitleid Das empfindliche Herz eines Grafen oder Narren; Doch wo ist das Lied für unsere blättrige Stadt, Und wo die Reime für unsere liebliche Stadt?
„O für die Themse und ihre plätschernden Weiten, Wo die Mandel blüht und Brisen spielen! Mach mit mir einen Spaziergang unter Burnham Beeches, Gib mir ein Abendessen bei Hampton Court! Dichter, seid still, obwohl ich eure Herzen härte; Wir haben Blumen bei Tag und haben Düfte bei Nacht, Die Linden sind in Blatt im Garten des Cockneys, Und Flieder blühen im Regent’s Park.“
„Komm für einen Windstoß“, sagt ein leichtsinniger Kerl, Verbrannt rot und braun von leidenschaftlicher Sonne; „Komm zu den Downs, wo der Ginster gelb ist; Die Saison der Küsse hat gerade begonnen! Komm zu den Feldern, wo Glockenblumen zittern, Hör des Kuckucks Lied oder die Klage der Taube; Komm für eine Ruderpartie auf dem stillen Fluss; Komm zu den Wiesen und lerne zu lieben!“
Ja, ich werde kommen, wenn dieser Reichtum vorbei ist An weicher Farbe und perfektem Ton – Der Flieder ist besser als Felder von Klee; Ich werde kommen, wenn der blühende Mai geflogen ist. Wenn Staub und Schmutz einer zertretenen Stadt Den gelben Goldregen heruntergezogen haben, Werde ich meinen Urlaub nehmen – desto schlimmer –, Und London den Rücken kehren.
Margaret! habe ich so unrecht, es zu lieben, Diese neblige Stadt, durch die dein Gesicht scheint? Eine Krone aus Blüte wird darüber geschwenkt; Aber Herz und Leben des Wirbels – das bist du! Margaret! Perle! ich habe dich gesucht und gefunden; Und, obwohl die Pfade des Windes frei sind, Werde ich den Wegen der Welt um dich folgen Und mein Nest auf dem nächsten Baum bauen!
MEIN WEG
Es gibt einen Weg zum Himmel, einen Weg zur Hölle, Einen Weg für den Kranken und einen für den Gesunden; Es gibt einen Weg für die Falschen und einen Weg für die Wahren, Doch der Weg für mich ist der Weg zu dir.
Es gibt einen Weg durch Prärie und Wald und Tal, Einen Weg zu jedem Ort in menschlicher Kenntnis; Es gibt einen Weg über Erde und einen Weg über Meer, Doch der Weg zu dir ist der Weg für mich.
Es gibt einen Weg für Tier, Vogel und Vieh, Einen Weg für den Größten, einen Weg für den Kleinsten; Es gibt einen Weg, der alt ist, und einen Weg, der neu ist, Doch der Weg für mich ist der Weg zu dir.
Es gibt einen Weg für das Herz und einen Weg für die Seele, Es gibt einen Weg für einen Teil und einen Weg für das Ganze; Es gibt einen Weg für die Liebe – den nur wenige je sehen –, Es ist der Weg zu dir und der Weg für mich.
EINE WEISSE ROSE
Die rote Rose flüstert von Leidenschaft, Und die weiße Rose atmet von Liebe; Oh, die rote Rose ist ein Falke, Und die weiße Rose ist eine Taube.
Doch ich sende dir eine cremeweiße Rosenknospe Mit einem Rot auf ihren Blattspitzen; Denn die Liebe, die am reinsten und süßesten ist, Hat einen Kuss des Verlangens auf den Lippen.
„EINES TAGES DER TAGE“
Eines Tages, eines Tages der Tage, die Straße durchstreifend Mit müßigem, achtlosem Schritt, Nicht Ausschau haltend nach solch Anmut, Werde ich dein Gesicht erblicken! Eines Tages, eines Tages der Tage, so mögen wir uns begegnen.
Vielleicht mag die Sonne von Maihimmeln scheinen, Oder die eisige Kälte des Winters Berührt weiß die Täler und Hügel. Was macht es schon? Ich werde beben In jeder Ader, mit dem Sommer an jenem Tag.
Noch einmal wird des Lebens vollkommene Jugend zurückkehren, Und für einen Augenblick dort Werde ich frisch und schön stehen, Und das Gewand der Sorge ablegen; Noch einmal wird meiner vollkommenen Jugend an nichts fehlen.
Ich schließe nun die Augen, denke daran, wie es sein wird – Wie von Angesicht zu Angesicht jede Seele Sich aus ihrer langen Beherrschung lösen wird, Vergessen den düsteren Jammer Von des trüben Schicksals dunklem, trennendem Meer;
Und Blick zu Blick, und Hand in Hand zur Begrüßung, Die Vergangenheit mit all ihren Ängsten, Ihren Stille und Tränen, Ihren einsamen, sehnsüchtigen Jahren, Wird im Augenblick jener Begegnung verschwinden.
„Als ich heute so weit ich nur gehen konnte Von hier entfernt war, Da gab es eine Stunde, Ganz still, Als ich, den Kopf gegen eine Blume lehnend, Dich sprechen hörte. Sag nicht, ich hätte nicht, denn ich hörte dich sagen – Du sprachst von jener Blume am Fensterbrett – Erinnerst du dich, was es war, das du sagtest?“
„Sag mir erst, was du zu hören glaubtest.“
„Nachdem ich die Blume gefunden und eine Biene verscheucht hatte, Lehnte ich mein Haupt, Und mich am Stängel festhaltend, Lauschte ich und glaubte, das Wort aufgefangen zu haben – Was war es? Hast du mich bei meinem Namen gerufen? Oder hast du gesagt – Jemand sagte ‚Komm‘ – ich hörte es, als ich mich neigte.“
„Ich mag das gedacht haben, aber nicht laut.“
„Nun, also kam ich.“
An den rosigen Klippen von Devon, auf dem Kamm eines grünen Hügels, Würde ich mir ein Haus bauen, wie eine Schwalbe ihr Nest baut; Ich würde es mit Rosen behängen, und der Wind sollte mir zuhauchen Die Süße der Rosen und die Salzigkeit des Meeres.
Wo die toskanischen Oliven im heißen blauen Tag erbleichen, Würde ich mich vor der Hitze in einer kleinen grauen Hütte verbergen, Während der Gesang der Landleute an meinem grünen Gitter emporsteigen sollte Von den goldenen Gerstenreihen, zwischen denen die Mohnblumen lodern.
Eng ist die Gasse, Liebste, und schmutzig sind die Wände, An denen du mein Kommen erwartest, wenn die Dämmerung fällt. Den ganzen Tag vergolde ich mit Träumen den Schmutz, bis ich bei deinem Schritt auffahre – Ach Liebe, mein Land in deinen Armen – mein Heim an deinem Herzen!
Solch besondere Süße lag in der Luft An jenem Tag, da Gott dich hierher sandte, Ich wusste, der Lavendel blühte, Und es war mitten im Jahr.
Die großen Winde wehten ihren gewohnten Weg, Die Schiffe segelten hinaus aufs Meer; Doch ehe jener Tag verging, wusste ich, Dass mein Eigenes zu mir gekommen war.
Wie nach einem Gesang noch ein Stückchen Melodie Im Gras oder Gezweig verweilt, So verweilt etwas vom Ende des Junis Nun in jedem Wetter.
Das junge Jahr lässt die Knospen regen, Das alte Jahr entblättert die Bäume; Doch immer in meinem Lavendel Höre ich die lärmenden Bienen.
Wenn diese, unsere Rose, verblüht ist, Und diese, unsere Tage, zu Ende sind, In Landstrichen, tief beschattet Vor Sturm und vor Sonne: Ach, wenn wir wieder zusammenkommen, Werden wir die Vergangenheit vergeben, Und sicher vor weltlichem Wetter Endlich unsere Seelen besitzen?
Oder werden wir an unserem Ort der Schatten Noch immer eine Hand ausstrecken Zu grünen, erinnerten Wiesen, Jenes alten, angenehmen Landes? Und dort vergeblich versammelt, Werden wir die Sonne beklagen? Die Rose der Liebe, ungepflückt? Den Lorbeer, den wir nicht gewonnen haben?
Ach, Kind! Des Weltalls dunkle Säume Mögen zum Nimmermehr führen, Die stattlichen Leichenbarken Segeln zu einem unbekannten Ufer, Und die Liebe, die wir morgen geloben, Und der Stolz, dem wir heute dienen: Was, wenn sie beide sich entleihen Traurige Farbtöne des Gestern?
Unser Stolz! Ach, sollten wir ihn vermissen, Oder wird er am Ende dienen? Unser Zorn, wenn wir ihn küssen, Ist wie ein vergangener Kummer. Während Rosen den Garten schmücken, Während die Sonne noch hoch steht, Leg den leidigen Stolz ab: um Verzeihung, Ehe die Liebe vergeht.
In hundert Jahren, liebes Herz, Wird es uns gar nicht mehr kümmern. Es wird dann nicht das Geringste bedeuten, Der Honig oder die Galle. Die Sommertage, die wir gekannt haben, Werden alle vergessen sein und verflogen; Der Garten wird überwuchert sein, Wo nun die Rosen fallen.
In hundert Jahren, liebes Herz, Wird uns der Schmerz nicht mehr bekümmern; Die pochende, blutrote Flut des Lebens Wird keine Spur hinterlassen haben. Das Lied, das wir gemeinsam singen, Liebster, Der Traum, den wir gemeinsam hier träumen, Wird nicht mehr bedeuten als eine Träne Mitten in einem Sommerregen.
In hundert Jahren, liebes Herz, Wird der Kummer vorüber sein; Das Meer der Sorge wird umsonst branden An ein sorgloses Ufer. Diese Gläser, die wir heute umdrehen Hier an der Weggabelung – Wir werden dann ebenso weinlos sein wie sie, Und uns nicht weiter darum sorgen.
In hundert Jahren, liebes Herz, Werden wir weder wissen noch uns sorgen, Was aus all der Bitterkeit des Lebens wurde, Oder was der Verzweiflung der Liebe folgte. Dann füll die Gläser wieder auf, Und küss mich durch den Rosenblattregen; Wir bauen noch ein Schloss in Spanien, Und träumen noch einen Traum dort.
Gibt es Friedhöfe im Herzen, Aus denen keine Rosen sprießen, Ein Ort der Wracks und alten grauen Gräber, Aus denen keine Vögel auffliegen, Wo begrabene Hoffnungen und Träume verweilen Wie Geister zwischen den Gräbern, Nun, begrabene Hoffnungen sind trostlose Dinge, Und einsame Geister sind Schurken!
Wenn trübe Wintertage kommen, Wenn Sommerrosen fallen Und vergessen in welken Verwehungen liegen Entlang der Gartenmauer; Wenn alle Kränze, die ein Liebender windet, Zu Dornen auf der Stirn werden – Dann fort mit dem albernen Narren, Der sich jetzt nicht freut!
Denn wenn wir die Vergangenheit nicht halten können, Warum sorgen wir uns um das, was kommt? Der Stich des Augenblicks ist alles, was schmerzt, Und dann ist die Stelle taub. Wenn das Leben eine Lüge ist und die Liebe ein Betrug, Wie ich Männer sagen hörte, Dann ein Hoch auf den liebgewonnenen Trug – Gott segne dich, Liebste, heute!
Ich bringe dir all meine alten Tage, Meiner Kindheit Morgenglanz; Ich liebe dich auf den Wiesenpfaden, Wo frühe Blüten wehen: Und auf tiefen Wegen längst vergangener Zeit, Noch leuchtend von Tautropfen – Wandere ich noch immer, bis du und ich Über der Welt einander begegnen.
Ich bringe dir all meine einsamen Tage, Mein Herz, das so hungerte; Ich liebe dich durch den sehnsüchtigen Dunst Von Herbsten, die niedrig brennen; Und auf blassen Meeren, unter fahlem Himmel, Von müden Gezeiten bedrängt, Reise ich noch immer, bis du und ich Über der Welt einander begegnen.
Ich bringe dir all meine glücklichen Tage – Armvoll Blumen – oh, Ich liebe dich, wie das Sonnenlicht verweilt Auf Bergen, angehäuft mit Schnee: Und wo die liebsten Traumknospen liegen, Von Tränen und Tautropfen benetzt, Werfe ich sie heute; denn du und ich Sind über der Welt einander begegnet!
Über die Hügel von Arkadien Hinein ins Land des Liedes – Ach, Liebste, wenn du mit mir gehst, Wird der Weg nicht lang sein!
Er wird nicht durch Einsamkeiten führen Von windgepeitschten Wäldern oder dem Meer; Liebste, nein! Die müdesten Stimmungen der Stadt Können Arkadien kaum verschleiern.
Es liegt in keinem unbekannten Land, Erleuchtet von einem fernen Stern. Nein! Arkadien ist da, wo du stehst, Und das Lied ist da, wo du bist!
So geh nur Hand in Hand mit mir – Kein Weg kann uns in die Irre führen; Dies sind die Hügel von Arkadien – Hier ist das Land des Liedes!
Ich wünsche, weil die Süße deines Vorübergehens Die ganze Erde zu einem Garten macht, wo du schreitest, Dass ich die geringste deiner Rosen sein dürfte, Um deinen Pfad mit leidenschaftlich roten Blättern zu pflastern!
Ich wünsche, weil die Weichheit deines Atems Den weißen Jasmin an deinem Fensterrahmen regt, Dass ich der Duft einer Blume sein dürfte, Um die Nachtbrise mit deinem liebsten Namen zu regen!
Ich wünsche, weil der Glanz deines Träumens Das ganze Feld des Himmels mit pochenden Sternen bestreut, Dass ich die Tore deines Schlummers stürmen dürfte, Und mit dir über die goldenen Riegel der Nacht aufsteigen!
Ich wünsche, der Tag zu sein, an dem du stirbst, Geliebte, Obwohl mein törichtes Herz bei seinem Ende brechen muss! Aber am meisten wünsche ich, mein liebster Schatz, Der gesegnete Morgen zu sein, wenn du erwachst!
Süß habe ich die Blüten des Morgens gekannt, Zärtlich gefärbt bis zu ihren Herzen aus Tau: Doch nun haben meine Blumen einen volleren Duft gefunden, Wegen dir.
Lange habe ich in meines Herzens Schrein verehrt Hohe Visionen vom Edlen und Wahren – Nun sind all meine Ziele und all meine Gebete reiner, Wegen dir.
Weise habe ich den Nutzen der Lebensmühe gesehen; Für all seine Rätsel einen Antwortschlüssel gefunden. Doch nun hat mein Leben eine edlere Bedeutung gelernt, Wegen dir.
In den vergangenen Tagen grämte ich mich über Schmerz und Warten, Nach Fröhlichkeit greifend, wie Kinder es tun; Nun ist es süß zu warten und eine Freude zu leiden, Wegen dir.
In den langen Jahren der Stille, die uns trennen, Getrübt von meinen Tränen und verdunkelt vor meinem Blick, Werde ich meine Erinnerungen und meinen Wahnsinn festhalten, Wegen dir.
Ob unsere Lippen sich berühren oder Hände hungern werden, Ob unsere Liebe genährt wird oder Freuden spärlich sind, Das Leben wird süßer und lebenswerter sein, Wegen dir.
Ich gebe dir Schätze Stunde um Stunde, Um die Könige der alten Zeit vergeblich baten, Und in ihrer nutzlosen Macht danach schmachteten, Oder an des Verlangens eifrigem Schmerz starben.
Ich gebe dir Liebe, wie Gott Licht gibt, Abseits von Verdienst oder Gebet, Sich freuend an seiner eigenen Wonne, Und freier als die verschwenderische Luft.
Ich gebe dir Gebete, wie Juwelen aufgereiht Auf goldenen Fäden von Hoffnung und Furcht; Und zärtlichere Gedanken, als je hingen In einer traurigen Engels Mitleidsträne.
Wie die Erde frei zum Meer strömt Ihre tausend Bäche von unermesslichem Reichtum, So fließt mein stilles Leben zu dir, Froh, dass sein Sand selbst Gold ist.
Was kümmert mich deine Sorglosigkeit? Ich gebe aus Tiefen, die überfließen, Ungeachtet dessen, dass deren Kraft zu segnen Dein Geist nicht ausloten oder kennen kann.
Fern verweilend in einer fernen Morgenröte, Leuchtet mein Triumph, süßer als spät; Wenn, von diesen sterblichen Nebeln entzogen, Dein Herz mich erkennen wird – ich kann warten.
Ich, die an deinen Füßen zittert, Bin eine Rose; Nichts Taufrischeres oder Süßeres Knospt oder blüht; Der mich pflückte, der mich warf, Hauchte in Feuer seine ganze Seele durch mich.
Wie die kalte Luft durchdrungen ist Vom Duft! Sieh, dieses Satinblatt ist gequetscht – Gequetscht und gebogen, Heb mich, heb die verwundete Blüte, Lindre sie an deinem rosigeren Busen!
Runzle nicht die Stirn mit abgewandten Augen! Freude ist eine Blume, Die als Gott geboren wird und stirbt In einer Stunde. Nimm mich, denn der Sommer schließt, Und dein Leben ist nur das einer Rose.
Oh, was wissen sie von Häfen, Die nicht auf dem Meer geworfen werden! Sie erzählen von schöneren Zufluchtsorten, Doch keine so schönen gibt es
Wie Plymouth-Stadt, die ausstreckt Ihre stillen Arme nach mir; Ihre Brust breit willkommen ausbreitend Von Mewstone bis Penlee.
Ach, mit diesem Heim-Gedanken, Liebste, Kommen Gedanken an dich herbeigeeilt. Oh, was wissen sie von Häfen, Die nicht auf dem Meer geworfen werden!
Ich kenne ein Geheimnis, ein solches, das Die Weißdornblüten, spinnwebgesponnen, Die taufeuchten Gänseblümchen im Gras Lachend begrüßen, wenn ich vorbeigehe, Um die Sonne des Hochlands zu treffen.
Es ist, dass ich lieber wäre Der kleine Page, auf gebeugtem Knie, Der sich bückt, um ihr Kleid aufzuheben Unter dem Rubinregen der Verandalampe, Als ein Reich als Lehen zu halten.
Es ist, dass ich in ihrem spöttischen Auge, Zu verborgen für höfisches Hohngelächter, Eines Tages einen Blick sah, der sagte, Dass ich, und nur ich, vergießen dürfe Liebeslicht über ihren Himmel.
Ich kenne ein Geheimnis, ein solches, das Die Weißdornblüten, spinnwebgesponnen, Die taufeuchten Gänseblümchen im Gras Lachend begrüßen, wenn ich vorbeigehe, Um die Sonne des Hochlands zu treffen.
O, unbeschreiblich wie süß, Die Liebe raubt mir die Stimme; Ich kann dir nicht sagen, wenn wir uns treffen, Was ich am meisten zu sagen sehne.
Doch hättest du Gehör in deinem Herzen, Um zu wissen, was in meinem schlägt, Dann solltest du wandeln, wo immer du bist, In göttlichen Melodien.
So heben trällernde Vögel höhere Töne Als unseren Ohren eigen; Die Musik füllt ihre pochenden Kehlen, Doch die Stille stiehlt das Lied.
Über die Ebenen, wo persische Heerscharen Ihr Leben für den Ruhm dahingaben, Flattern die Alpenveilchen wie Geister, Die von ihrer Geschichte zeugen. Oh, schön! Oh, weiß! Oh, rein wie Schnee! Auf zahllosen Gräbern wie süß sie wachsen!
Oder purpurn, wie die grausamen Wunden, Aus denen das Lebensblut, strömend, Hervorbrach, wo nun auf grasigen Hügeln Die niedrigen, weichen Winde wehen: Oh, schön! Oh, rot! Wie Blut der Erschlagenen; Nicht einmal die Zeit kann diesen Fleck reinigen.
Doch wenn meine Liebste diese Blüten hält, Alle Lieblichkeit ihr Mitgift, All Weh und Freud, die die Vergangenheit umschließt, In ihr die feinste, vollste Blume. Oh, schön! Oh, rein! Oh, weiß und rot! Wenn sie nur lebt, was sind die Toten!
Dann, Herrin, bist du endlich meines Seufzens überdrüssig? Leb wohl! Solange ich werbe, wirst du immer verneinen? Leb wohl! Ach, nun! Soll ich geloben, dir ewig zu dienen, Und schwören, keine Lieblosigkeit kann unsere Verwandtschaft trennen? Nein, nein, mein liebes Mädchen! Hier ist ein Ende des Strebens. Leb wohl!
Doch lass keine süße Reue dich um mein Elend grämen. Leb wohl! Der Mann, der geliebt hat, weiß ebenso gut, dich zu verlassen. Leb wohl! Der Ginster ist entzündet, es gibt Blüte auf der Heide, Und die Liebe ist meine Freude, und ebenso schönes Wetter; Ich reite noch immer aus, auch wenn wir nicht zusammen reiten. Leb wohl!
Mein Pferd ist mein Gefährte; lass den Wind mein Meister sein. Leb wohl! Obwohl die Sorge verfolgen mag, mein Hund folgt schneller. Leb wohl! Der rote Hirsch bebt in ungebrochenen Dickichten. Er hört den Hufdonner; er riecht das Todeszeichen. Soll ich zu Hause trübsinnig sein, unter Gelübden, die nie ausgesprochen wurden? Leb wohl!
Die braune Erde ist mein Buch, und ich reite aus, es zu lesen. Leb wohl! Der Strom läuft schnell, doch mein Wille wird ihn überholen. Leb wohl! Ich liebe dich, liebes Mädchen, doch ich hasse die Hexe Sorge. Wie die Sonne dem Regen folgt, und die Nacht ihr Morgen hat, So werde ich die Freude kosten, auch wenn ich stehle, bettle oder borge! Leb wohl!
Seid ihr verliebt in die Aprilzeit? Beim Glauben, ich bin es! Denn nun ist es Sonne, und nun ist es Schauer, Und nun ist es Frost und nun ist es Blume, Und nun ist es Laura mit lachenden Augen, Und nun ist es Laura scheu!
Ihr zweifelhaften Tage, oh, gleitet langsamer! Lächelt und runzelt weiter die Stirn, oh Himmel! Einige Unvorhergesehenes an Schönheit spüre ich In jeder Veränderung von Lauras Gesicht; – Seid ihr verliebt in die Aprilzeit? Beim Glauben, ich bin es!
Herz meines Herzens, die Welt ist jung: Liebe liegt verborgen in jeder Rose! Jedes Lied, das die Feldlerche sang, Einst dachten wir, müsse zu einem Ende kommen: Nun kennen wir den Geist des Liedes, Das Lied, das verschmolzen ist im Gesang des Ganzen, Hand in Hand, während wir einherwandern, Was sollten wir an den Jahren zweifeln, die dahinrollen?
Herz meines Herzens, wir können nicht sterben! Liebe triumphiert in Blume und Baum, Jedes Leben, das den Himmel belacht, Sagt uns, nichts kann aufhören zu sein; Eins, wir sind eins mit einem Lied heute, Eins mit dem Klee, der die Flur duftet, Eins mit dem Unbekannten, weit weg, Eins mit den Sternen, wenn die Erde alt wird.
Herz meines Herzens, wir sind eins mit dem Wind, Eins mit den Wolken, die über die Wiese gewirbelt werden, Eins in vielen, oh gebrochen und blind, Eins, wie die Wellen eins sind mit dem Meer! Ja! wenn das Leben verstreut scheint, Verdunkelt, endet wie ein Märchen, das erzählt wird, Eins, wir sind eins, oh Herz meines Herzens, Eins, immer eins, während die Welt alt wird.
Nicht wohl liebt, wessen Liebe kühn ist! Ich möchte nicht, dass du zu nahe kommst: Das Gold der Sonne würde nicht als reines Gold erscheinen, Wenn die Sonne nicht am Himmel stünde: Sie von dort zu nehmen und sie in der Nähe anzuketten, Würde ihren Ruhm verschwinden lassen.
Sie bewahrt ihren Stand, – bewahre du deinen, Und strahle auf mich aus der Ferne! So werde ich mich in göttlichem Licht aalen, Das vom eigenen Leitstern der Liebe fällt; So wird deine Erhabenheit hoch sein, Und so wird meine Leidenschaft nicht sterben;
Doch mein ganzes Leben wird seine Hände ausstrecken Voller hohem Verlangen nach deinem Antlitz, Und wie einer sein, der sprachlos steht In Verzückung vor einer vollkommenen Anmut! Meine Liebe, meine Hoffnung, mein Alles wird sein, Zum Himmel zu schauen und zu dir zu schauen!
Deine Augen werden die himmlischen Lichter sein, Deine Stimme die sanfte Sommerbrise, – Zu der Zeit, da sie in mondhellen Nächten Die murmelnden Wipfel der blättrigen Bäume wiegt; Und ich werde deine wunderschöne Gestalt berühren In Junis roten Rosen, reich und warm.
Doch du selbst sollst nicht herabsteigen Aus jener reinen Region weit oben; Sondern bewahre deinen Thron und trage deine Krone, Königin meines Herzens und Königin der Liebe! Eine Monarchin in deinem Reich vollkommen, Und ich ein Monarch – zu deinen Füßen!
Ich beneide jede Blume, die blüht Neben dem Pfad, wo sie geht, Und jeden Vogel, der ihr singt, Und jede Brise, die ihr bringt Den Duft der Rose.
Ich beneide jedes Dichters Reim, Der ihr Herz am Abend bewegt, Und jeden Baum, der für sie trägt Seine hellste Blüte, und für sie hervorbringt Die Frucht seiner Blütezeit.
Ich beneide jede südliche Nacht, Die ihren Pfad mit weißen Mondstrahlen pflastert, Und alle Blätter für sie versilbert, Und in ihrem Schatten für sie webt Einen Traum von teurem Entzücken.
Ich beneide niemanden, dessen Liebe von ihr Ein Geschenk erfordert, eine Aufgabe, die ermüdet: Ich sehne mich nur danach, für sie zu leben, Ich bitte nur darum, ihr zu geben Alles, was ihr Herz begehrt.
Wenn der Sonnenuntergang in goldenes Glühen fließt Und der Atem der Nacht neu ist, Liebe, finde in der Ferne den eifrigen Stern des Abends – Das ist mein Gedanke an dich.
Oh tränenfeuchtes Auge, das den Himmel scannt Durch dein einsames Gitter: Wähle irgendeinen, von Sonne zu Sonne – Das ist mein Gedanke an dich.
Und wenn du beim Anbruch des Morgens erwachst, Um Rose und Tau zu wetteifern, Der Stern, der bleibt bis zu den springenden Strahlen – Das ist mein Gedanke an dich.
Ja, obwohl sie tagsüber fern zu sein scheinen Jenseits von Wolke oder Blau, Von Morgen bis Nacht ungelöscht ihr Licht – Wie es meine Gedanken an dich sind.
Mein Herz soll dein Garten sein. Komm, mein Eigenes, In deinen Garten; dein seien glückliche Stunden Unter meinen schönsten Gedanken, meinen höchsten Blumen, Von der Wurzel bis zum krönenden Blütenblatt, allein dein. Dein ist der Ort, von wo die Samen gesät werden Hinauf bis zum eingeschlossenen Himmel, mit all seinen Schauern. Aber ach, die Vögel, die Vögel! Wer soll Lauben bauen, Um diese dein zu halten? Oh Freund, die Vögel sind fortgeflogen.
Denn während diese kommen und gehen und unsere Kiefer verlassen, Um der süßen Jahreszeit zu folgen, oder, Neuankömmlinge, Nur ein Lied von unseren Erlenbäumen singen, Hat mein Herz Gedanken, die, obwohl deine Augen meine halten, In die stille Welt und andere Sommer flattern, Mit Flügeln, die hinter die silbernen Meere tauchen.
Heim, heim vom Horizont fern und klar, Hierher schweben die weichen Flügel; Schwärme der Erinnerungen an den Tag nähern sich Den Taubenschlag-Toren des Schlafs.
Oh welche sind es, die durch süßestes Licht kommen Von all diesen heimkehrenden Vögeln? Welche mit dem geradesten und schnellsten Flug? Deine Worte an mich, deine Worte!
Das Lied ist so alt, Die Liebe ist so neu – Lass mich still sein Und vor dir knien.
Lass mich still sein Und kein Wort hauchen, Außer was mein warmes Blut Ungehört singt.
Lass mein warmes Blut Leise von dir singen – Das Lied ist so schön, Die Liebe ist so neu!
Die ganze letzte Nacht hatte ich Ruhe In einem duftenden Traum und warm: Sie war mein Sabbat geworden, Und um meinen Hals, ihr Arm.
Ich wusste um die Wärme in meinem Träumen; Der Duft, so nehme ich an, War ihr Haar, das mich umfing, Oder sie trug eine Rose daran.
Ihr Haar, denke ich; denn am ehesten Wie Waldmeister war es, wenn der Lenz, Der säumend durch feuchte Waldwege streift, Ihn schlendern tritt.
Kein Licht, noch irgendein Sprechen; Nur duftend und warm. Genug, um meine Herberge zu kennen, Der weiße Sabbat ihres Arms.
DAS LETZTE WORT
Wenn ich dieses Zelt zusammengelegt Und das beschmutzte Ding beiseite getan habe, Werde ich unter anderen Sternen fortgehen, Unter einem unbekannten Himmel.
Und doch, welches Haus ich auch finde Unter dem Gras oder dem Schnee, Es wird niemals leer sein von Liebe Oder das Gesicht missen, das ich kenne.
O Lippen – wilde Rosen, benetzt vom Regen! Verwehtes Haar von getriebenem Braun! O leidenschaftliche Augen! O keuchendes Herz – Wenn ich in jener kälteren Stadt
Liege, der einzige Bewohner, Meine Hände über meiner Brust, Wie warm durch alle Ewigkeit Der Sommer meiner Rast!
Jeder schwachen Wurzel unter dem Boden, Die ihre Blüte emportreibt, Werde ich einen heftigeren Saft verleihen – Ich, der ich eure Liebe gekannt habe!
Und die wachsenden Dinge werden sich zu mir neigen, Um zu erfahren, was die Liebe gewonnen hat, Bis ich dem Staube zuflüstern werde Das Geheimnis der Sonne.
Ja, obgleich mein Geist niemals erwacht, Um die Stimme zu hören, die ich kannte, Selbst ein endloser Schlaf wäre Bewegt von den Träumen von Dir!
HERZ MEINES HERZENS
Herz meines Herzens, mein Leben, mein Licht! Wenn du verloren gingst, was sollte ich tun? Ich wage nicht, dich aus den Augen zu lassen, Auf dass der Tod sich nicht in dich verliebe.
Solch zahllose Schrecken lauern! Die Götter wissen wohl, wie teuer du bist! Was, wenn sie mich trostlos ließen Und dich pflückten und zu ihrem Stern machten!
Dann halte mich fest, die Götter sind stark, Und vollkommene Freude ist eine so seltene Blume, Dass kein Mensch hoffen darf, sie lange zu behalten – Und ich könnte dich jede Stunde verlieren.
Dann küss mich fest, mein Stern, meine Blume! So wird mir die Zukunft dies gewähren: Dass es nicht eine einzige Stunde gab, In der wir hätten küssen können und es nicht taten!
MEIN JUNGE
Oh, mein Junge, mein Junge, Ich liebe dein ganzes Plaid, Ich liebe deine ganze Mütze Mit der silbernen Schnalle daran, Ich liebe deinen Collie Harry, Ich liebe den Wanderstab, den du trägst; Aber oh! es übersteigt meine Kraft zu sagen, Wie sehr, wie sehr ich dich selber liebe!
Oh, mein Liebling, mein Liebling, Ich könnte schauen und niemals ermüden Auf deine Augen, so blau und lachend, Die ein Herz aus Stein erweichen würden, Während dein Mund, so stolz und gelockt, Mein Herz zum Wirbeln bringt; Aber oh! dich selber, dich ganz selber, Liebe ich zehntausendmal so sehr!
Oh! mein Schatz, mein Schatz, Lass uns ziehen, wohin der Star zieht, Lass uns auf der Heide lümmeln All dieses schöne, schöne Wetter; Du sollst mich in dein Plaid hüllen, Meine Liebe, meine Liebe, mein Junge; Und ganz nah, ganz nah an dein Ohr Werde ich dir sagen, wie ich dich liebe, Teurer.
DER SCHATTIGE TÜMPEL
Ein lachendes Bündel Dorfmädchen Zieht fröhlich hüpfend zum Bach, Denn Wassernymphen wollen sie sein Und suchen einen stillen, abgelegenen Winkel. Hier geht Laura, mein eigenes Entzücken, Und Colins Liebe, die tollkühne Jane, Und ein Dutzend Göttinnen Tippeln über Gänseblümchen auf dem Plan: Schon jetzt lösen sie ihr Haar Und lugen aus dem verworrenen Gold hervor, Oder beschleunigen den fliegenden Fuß, um den Bach Zu erreichen, der nur sommerkühl ist; Die lieblichen Locken strömen hinter Den Schäferinnen im Fluge her, Und Lauras ist der Reichtum, den ich liebe, Und Lauras ist das Gold, das ich besinge.
In einer Reihe am Ufer keuchen sie, Und schnüren alle die bäuerlichen Schuhe auf; Ihre Finger zerren an den Strumpfbandknoten, Um die Strümpfe von verschiedener Farbe zu lösen. Das blitzende Knie erscheint endlich, Die unteren Rundungen der Jugend und Anmut, Worauf die Mädchen aufmerksam Das verworrene Dickicht des Ortes mustern. Doch wer soll das sehen, außer der Drossel Auf dem wilden Holzapfelbaum? In seinem ästigen Schlupfwinkel sitzt er – Ein wahrer Voyeur ist er! Nun sprudelt Musik in seiner Kehle, Und nun pfeift er die Szene ins Lied – Die Jungfrauen, die aus ihren Gewändern schlüpfen, Die betrogenen Strümpfe, hager und lang, Der schnell herabgleitende Unterrock, Die Brüste, die heben, weil sie liefen, Die rundlichen Arme, die glänzenden Glieder, Die hübschen Halsbänder aus Sonnenbräune. Hat jemals ein verliebter Gott in Griechenland, Auf der Suche nach einem jungen Mund zum Küssen, An irgendeinem Fluss zufällig eine Sylvanische Szene entdeckt, so hell wie diese? Doch obgleich jedes Mädchen rein und schön ist, Für eine allein bringe ich mein Herz dar, Und Lauras ist die Gestalt, die ich liebe, Und Lauras ist der Schnee, den ich besinge.
Und nun am grünen Rande des Bachs, Ein milchweißes Gefolge, siehe, sie stehen, Halb scheu, halb erschrocken, die Schönheit Einer ausbalancierenden Hand zurückstreckend! Wie musikalisch ihre kleinen Schreie, Wenn Wellen ihre zurückweichenden Füße küssen! Und dann umschließt der Bach alle, Bis Gold und Weiß und Wasser sich vereinen! In den weichen kühlen Armen des Bächleins Spielen Entzücken und Liebe und Anmut, Bis ein Schwarm winziger Wellen Alle Betten der schwimmenden Brunnenkresse überflutet; Und auf seinem glänzenden Gesicht sieht man Große gelbe Lilien, die abwärts treiben Jenseits des läutenden Apfelbaums, Jenseits des leeren hausgewebten Gewandes. Hat jemals Orpheus mit seiner Laute, Als er einst Melodien schuf, Einen Strom in Attika gefunden, So reif voll von Rosa und Gold?
Endlich klettern sie das schräge Ufer hinauf Und schütteln auf den durstigen Boden Einen Schatz an Diamanttropfen, Nicht durch irgendeine schmutzige Mühsal gewonnen. Wieder schließen die Strumpfbänder die Strümpfe, Wieder ist das samtene Knie verborgen, Wieder erzählt das atemlose Geplapper, Was Colin sagte, was Colin tat. In Anmut liegen sie auf dem Gras Und breiten ihre Locken in der Sonne aus, Und wetteifern, musikalisch wie sie, Mit des Amselweibchens Alt-Trillern und -Laufen. Ist jemals die Liebe, auf der Jagd, Müßig summend durch das Heu gekommen, Und fand zu ihrer plötzlichen Freude Schöneres Wild am Ende des Tages? Obgleich jedes Mädchen eine Lilienrose ist, Und würdig, einen gekrönten König zu beherrschen, Doch Lauras ist das Gesicht, das ich liebe, Und Lauras sind die Lippen, die ich besinge.
GUTE NACHT
Gute Nacht. Gute Nacht. Ach, gut die Nacht, Die dich in ihr silbernes Licht hüllt. Gute Nacht. Keine Nacht ist gut für mich, Die nicht einen Gedanken an dich birgt. Gute Nacht.
Gute Nacht. Sei jede Nacht so süß Wie jene, die unsere Liebe vollendete, Bis zu jener letzten Nacht, da der Tod sein wird Ein kurzes "Gute Nacht" für dich und mich. Gute Nacht.
DER MYSTIKER
Bei sieben Weinbergen auf einem Hügel Wandelten wir. Der heimische Wein Wuchs in Trauben neben uns beiden, Für deine Lippen und für meine,
Als du sagtest: „Horch!“ – „War das eine Glocke Oder eine sprudelnde Quelle, die wir hörten?“ Doch ich war weise und schloss meine Augen Und lauschte einem Vogel;
Denn wie Sommerblätter sich biegen und zittern, Wenn Sänger hindurchziehen, So bewegt sich in mir beständig Der beschwingte Hauch von dir.
Du kostetest von einem einzigen Weinstock Und nahmst davon deine Fülle – Doch ich neigte mich jeder Art zu, Allen sieben auf einem Hügel.
ICH BIN DER WIND
Ich bin der Wind, der schwankt, Du bist das sichere Land; Ich bin der Schatten, der vorüberzieht Über den Sand.
Ich bin das Blatt, das zittert, Du der unerschütterte Baum; Du bist die Sterne, die standhaft sind, Ich bin die See.
Du bist das Licht, das ewige, Wie eine Fackel werde ich sterben... Du bist der Wogenschlag tiefer Musik, Ich – nur ein Schrei!
ICH LIEBE MEIN LEBEN, ABER NICHT ZU SEHR
Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr, Um es dir wie eine Blume zu geben, Damit es dich erfreuen möge, für eine Stunde Tief in seinem Duft zu weilen. Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr.
Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr, Um es Note für Note fortzusingen, Damit das Lied deiner Seele die Schönheit Des trostlosen Tages künden möge. Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr.
Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr, Um es wie einen Umhang auf das deine zu werfen, Gegen die Stürme, die tönen und schwellen Zwischen deinem einsamen Herzen und meinem. Ich liebe mein Leben, aber nicht zu sehr.
DAS IST MEINE LIEBE FÜR DICH
Ich habe den Wein gebracht Und das zusammengelegte feine Gewand, Pilgerstab und Schuh – Das ist meine Liebe für dich.
Ich werde dein Bett glätten, Deine Bettdecke beiseite legen, Den ganzen Tag hindurch singen. Das ist meine Liebe für dich.
Vielleicht in der Nacht, Wenn die Dunkelheit das Licht zurückschlägt, Werde ich auch kämpfen... Das ist meine Liebe für dich.
In deinem Traum, noch einmal, Wird ein Stern zu meiner Tür führen? Sei Sternen und Träumen treu – Das ist meine Liebe für dich...
DER LIPPEN MEINER DAME
LIPPEN UND AUGEN Aus "Blurt, Master Constable"
Die Liebe für solch eine Kirschlippe Wäre froh, ihre Pfeile zu verpfänden; Venus hier, um einen Schluck zu nehmen, Würde ihre Tauben und ihr Gespann aus Spatzen verkaufen. Aber das sollen sie nicht; Hey nonny, nonny no! Keiner als ich darf diese Lippe besitzen; Hey nonny, nonny no!
Sähe Jove dieses mutwillige Auge, Ganymed müsste nicht länger warten; Phoebe lag hier eine Nacht, Würde ihr Gesicht ändern und viel jünger aussehen. Aber das sollen sie nicht; Hey nonny, nonny no! Keiner als ich darf diese Lippe besitzen; Hey nonny, nonny no!
DER KUSS Aus "Cynthia's Revels"
O dass Freude so bald vergehen sollte! Oder eine so süße Wonne Wie ein Kuss Nicht für immer dauern könnte! So gezuckert, so schmelzend, so weich, so köstlich, Der Tau, der auf Rosen liegt, Wenn der Morgen sich selbst offenbart, Ist nicht so kostbar. O, eher als dass ich ihn ersticken würde, Wäre ich, einen anderen solchen zu kosten, Sollte es mein Wunsch sein, Dass ich mit Küssen sterben könnte.
NIMM, O NIMM DIESE LIPPEN WEG
Nimm, o nimm diese Lippen weg, Die so süß falsch geschworen wurden, Und jene Augen, das Anbrechen des Tages, Lichter, die den Morgen irreführen; Doch bring meine Küsse zurück, Siegel der Liebe, doch vergeblich besiegelt.
Verbirg, o verbirg jene Hügel aus Schnee, Die deine gefrorene Brust trägt, Auf deren Gipfeln die Nelken, die wachsen, Jene sind, die der April trägt! Doch befreie zuerst mein armes Herz, Das von dir in jene eisigen Ketten gelegt wurde.
EIN GESTOHLENER KUSS
Nun hat sanfter Schlaf jene Augen geschlossen, Die, wachend, meine kühnsten Gedanken in Ehrfurcht hielten; Und freier Zugang liegt zu jener süßen Lippe, Von der ich so lange den rosigen Atem zu ziehen begehrte. Mich dünkt, es wäre kein Unrecht, wenn ich stähle Von jenen zwei schmelzenden Rubinen einen armen Kuss; Niemand sieht den Diebstahl, der den Dieb enthüllen würde, Noch raube ich ihr etwas, das sie vermissen kann; Nein, sollte ich zwanzig Küsse nehmen, Es gäbe kaum ein Zeichen, dass ich dies getan hätte; Warum sollte ich dann diesen Raub verzögern? O, sie könnte erwachen und darüber zornig werden! Wohlan, wenn sie das tut, werde ich jenen einen zurückgeben, Und zwanzig hunderttausend mehr als Leihgabe.
LIED
Meine Liebe band mich mit einem Kuss, Dass ich nicht länger bleiben sollte; Als ich eine so süße Wonne fühlte, Hatte ich weniger Kraft, fortzugehen: Ach! dass Frauen nicht wissen, Küsse machen Männer ungern zum Gehen.
Ja, sie weiß es nur zu gut, Denn ich hörte, als Venus’ Taube In ihr Ohr leise erzählte, Dass Küsse die Siegel der Liebe seien: O wundere dich dann nicht, obgleich es so ist, Küsse machen Männer ungern zum Gehen.
Warum fachte sie so Meine Begierden an, erhitzte mein Blut, Um augenblicklich dieselben zu löschen Und denjenigen verhungern zu lassen, dem sie Nahrung gegeben hatte? Ach, ach, der gesunde Menschenverstand kann zeigen, Küsse machen Männer ungern zum Gehen.
Hätte sie mich zuerst gebeten zu gehen, Hätte ich niemals mein Herz gegrämt; Aufgeschobene Hoffnung wäre das Schlimmste gewesen; Doch ah, zu küssen und dann zu scheiden! Wie tief es traf, sprecht, Götter! ihr wisst, Küsse machen Männer ungern zum Gehen.
AN ELECTRA
Ich wage nicht, um einen Kuss zu bitten, Ich wage nicht, um ein Lächeln zu betteln, Auf dass ich, das eine oder das andere habend, Währenddessen stolz werden könnte. Nein, nein, der äußerste Anteil Meines Verlangens soll sein, Nur die Luft zu küssen, Die dich kürzlich geküsst hat.
KOMM, CHLOE, UND GIB MIR SÜSSE KÜSSE
Komm, Chloe, und gib mir süße Küsse, Denn süßere hat sicherlich nie ein Mädchen gegeben; Doch warum fragst du mich inmitten meiner Wonnen, Wie viele ich haben möchte? Ich lasse mich im Vergnügen nicht einschränken, Also, ich bitte dich, mein Charme, sei gütig, Denn während ich dich über alle Maßen liebe, Werde ich mich niemals auf Zahlen beschränken lassen.
Zähle die Bienen, die auf Hybla spielen, Zähle die Blumen, die seine Felder emaillieren, Zähle die Herden, die auf Tempe umherstreifen, Oder das Getreide, das das reiche Sizilien einbringt, Geh, zähle die Sterne am Himmel, Zähle, wie viele Sandkörner am Ufer, Wenn du so viele Küsse gegeben hast, Werde ich immer noch nach mehr verlangen.
An ein Herz voller Liebe lass mich dich halten, An ein Herz, das, liebe Chloe, dein ist; In meine Arme werde ich dich für immer schließen, Und mich um deine Glieder winden wie ein Weinstock. Welche Freude kann größer sein als diese? Mein Leben soll auf deinen Lippen verbracht werden! Doch der Wicht, der seine Küsse zählen kann, Wird mit wenigen jemals zufrieden sein.
EIN RÄTSEL
Ich bin genau zwei und zwei, ich bin warm, ich bin kalt, Und die Mutter von Zahlen, die nicht gezählt werden können, Ich bin rechtmäßig, unrechtmäßig – eine Pflicht, ein Fehler – Ich werde oft teuer verkauft, zu nichts gut, wenn gekauft; Eine außerordentliche Wohltat und eine Selbstverständlichkeit, Und mit Vergnügen gewährt, wenn mit Gewalt genommen.
AN EINEN KUSS
Weiches Kind der Liebe, du balsamische Wonne, Informiere mich, o köstlicher Kuss, Warum du so plötzlich fort bist, Verloren in dem Augenblick, da du gewonnen bist?
Doch geh! Denn warum sollte ich seufzen? Auf Delias Lippen, mit entzücktem Auge, Auf Delias errötenden Lippen sehe ich Tausend, alle so süß wie du.
LIED
Oft habe ich sagen hören, Dass ihre Lippen rubinrot seien. Wenig achte ich darauf, was sie sagen, Ich habe ebenso rote gesehen. Ehe sie andere Männer anlächelte, Waren es damals echte Rubine.
Als sie mich einmal im Spiel küsste, Waren Rubine weniger hell als sie, Und weniger hell als jene, die leuchteten Im Palast der Sonne. Werden sie wieder so hell sein? Nicht, wenn sie von anderen Männern geküsst werden.
DER ERSTE KUSS DER LIEBE
Weg mit euren Fiktionen von fadenscheiniger Romanze, Jenen Geweben aus Falschheit, die die Torheit gewebt hat! Gebt mir den milden Strahl des seelenatmenden Blickes, Oder die Wonne, die im ersten Kuss der Liebe wohnt.
Ihr Reimschmiede, deren Busen von Fantasie glühen, Deren pastorale Leidenschaften für den Hain gemacht sind; Aus welcher gesegneten Inspiration würden eure Sonette fließen, Könntet ihr jemals den ersten Kuss der Liebe gekostet haben!
Sollte Apollo jemals seine Hilfe verweigern, Oder die Neun geneigt sein, aus eurem Dienst zu wandern, Beschwört sie nicht mehr, sagt der Muse Lebewohl, Und versucht die Wirkung des ersten Kusses der Liebe.
Ich hasse euch, ihr kalten Kompositionen der Kunst! Obgleich Prüde mich verdammen und Fanatiker tadeln mögen, Ich umwerbe die Ergüsse, die aus dem Herzen entspringen, Das vor Entzücken bebt beim ersten Kuss der Liebe.
Eure Hirten, eure Herden, jene fantastischen Themen, Mögen vielleicht amüsieren, doch sie können niemals bewegen: Arkadien zeigt nur eine Region der Träume; Was sind Visionen wie diese gegen den ersten Kuss der Liebe?
Oh! hört auf zu bekräftigen, dass der Mensch, seit seiner Geburt, Von Adam bis jetzt, mit Elend gerungen hat; Ein Teil des Paradieses ist noch auf Erden, Und Eden belebt sich im ersten Kuss der Liebe.
Wenn das Alter das Blut abkühlt, wenn unsere Freuden vorbei sind – Denn die Jahre enteilen mit den Flügeln der Taube – Wird die teuerste Erinnerung immer die letzte sein, Unser süßestes Denkmal der erste Kuss der Liebe.
JENNY KÜSSTE MICH
Jenny küsste mich, als wir uns trafen, Sprang von dem Stuhl, auf dem sie saß; Zeit, du Dieb, der du liebst, Süßigkeiten In deine Liste zu bekommen, füge das hinzu! Sag, ich sei müde, sag, ich sei traurig, Sag, dass Gesundheit und Reichtum mich verfehlten, Sag, ich werde alt, aber füge hinzu, Jenny küsste mich.
ICH FÜRCHTE DEINE KÜSSE, SANFTES MÄDCHEN
Ich fürchte deine Küsse, sanftes Mädchen; Du brauchst meine nicht zu fürchten; Mein Geist ist zu tief beladen, Um jemals den deinen zu beschweren.
Ich fürchte deine Miene, deine Töne, deine Bewegung; Du brauchst meine nicht zu fürchten; Unschuldig ist die Hingabe des Herzens, Mit der ich die deine verehre.
PHILOSOPHIE DER LIEBE
Die Brunnen vermischen sich mit dem Fluss, Und die Flüsse mit dem Ozean, Die Winde des Himmels vermischen sich ewig Mit einer süßen Regung; Nichts in der Welt ist einzeln; Alle Dinge durch ein göttliches Gesetz Vermischen sich im Sein des anderen; – Warum nicht ich mit deinem?
Sieh die Berge den hohen Himmel küssen, Und die Wellen einander umschlingen; Keiner Schwesterblume würde verziehen, Wenn sie ihren Bruder verschmähte; Und das Sonnenlicht umschlingt die Erde, Und die Mondstrahlen küssen die See; Was sind all diese Küsse wert, Wenn du mich nicht küsst?
LIED Aus "In a Gondola"
Des Motten Kuss, zuerst! Küss mich, als ob du so tätest, als ob Du dir nicht sicher wärst, an diesem Abend, Wie mein Gesicht, deine Blume, seine Blütenblätter Zusammengezogen hatte; also, hier und da Streifst du es, bis ich gewahr werde, Wer mich will, und weit offen breche ich hervor.
Des Bienen Kuss, nun! Küss mich, als ob du fröhlich einträtest In mein Herz an irgendeinem Mittag, Eine Knospe, die es nicht zu leugnen wagt, Der Anspruch, also wird alles hingegeben, Und passiv neige ich seinen zerbrochenen Kelch Über dein Haupt zum Schlaf.
SUMMUM BONUM
All der Atem und die Blüte des Jahres im Sack einer Biene: All das Wunder und der Reichtum der Mine im Herzen eines Juwels: Im Kern einer Perle all der Schatten und der Glanz der See: Atem und Blüte, Schatten und Glanz – Wunder, Reichtum und – wie weit über ihnen – Wahrheit, die heller ist als Juwel, Vertrauen, das reiner ist als Perle – Hellste Wahrheit, reinstes Vertrauen im Universum – alles war für mich Im Kuss eines Mädchens.
DER ERSTE KUSS
Wenn nur in Träumen der Mensch vollkommen gesegnet sein kann, Ist der Himmel ein Traum? Ist sie, die ich umschlang, ein Traum? Oder stand sie hier, selbst jetzt, wo Tautropfen glänzen Und Meilen von Ginster golden im Westen leuchten? Ich scheine sie immer noch zu umschlingen – immer noch an meiner Brust Schlägt ihr Busen, – ich sehe die blauen Augen strahlen: – Ich glaube, sie küsste diese Lippen, denn jetzt scheinen sie Kaum mein: so geheiligt von den Lippen, die sie drückten! Jenes Dickichts Atem – kann das Eglantine sein? Jene Vögel – können das des Morgens Chorsänger sein? Kann das Erde sein? Können das Ufer von Ginster sein? Wie brennende Büsche, von Gott entzündet, leuchten sie! Ich scheine sie zu kennen, obgleich dieser mein Körper Bei der Berührung ihrer in Geist überging!
AN MEINE LIEBE
Küss mich sanft und sprich leise zu mir; Bosheit hat immer ein wachsames Ohr; Was, wenn Bosheit in der Nähe lauerte? Küss mich, Teurer! Küss mich sanft und sprich leise zu mir.
Küss mich sanft und sprich leise zu mir; Neid hat auch ein wachsames Ohr; Was, wenn Neid zufällig hören sollte? Küss mich, Teurer! Küss mich sanft und sprich leise zu mir,
Küss mich sanft und sprich leise zu mir; Vertrau mir, Liebling, die Zeit ist nah, Wenn Liebende lieben dürfen, ohne jemals zu fürchten; Küss mich, Teurer! Küss mich sanft und sprich leise zu mir.
AN LESBIA
Gib mir Küsse! Bleib nicht, Um in jener vorsichtigen Weise zu zählen. All die Münzen, die deine Lippen prägen können, Werden niemals die Münzstätte erschöpfen. Küss mich also, Jeden Augenblick – und wieder!
Gib mir Küsse! Halt nicht an, Indem du Nektar tropfenweise misst. Obgleich sie sich auf Millionen belaufen, Sie werden niemals den Quell leeren. Küss mich also, Jeden Augenblick – und wieder!
Gib mir Küsse! Alles ist Verschwendung, Außer dem Luxus, den wir kosten; Und was das Küssen betrifft – Küsse leben Nur, wenn wir nehmen oder geben. Küss mich also, Jeden Augenblick – und wieder!
Gib mir Küsse! Obgleich ihr Wert Die Edelsteine der Erde weit übertrifft, Niemals kosteten Perlen, so reich und rein, So wenig, da bin ich mir sicher. Küss mich also, Jeden Augenblick – und wieder!
Gib mir Küsse! Nein, es ist wahr, Ich bin ebenso reich wie du; Und für jeden Kuss, den ich schulde, Kann ich dich bezahlen, weißt du, Küss mich also, Jeden Augenblick – und wieder!
John Godfrey Saxe [1816–1887]
ALS VORWAND
Küss mich, auch wenn du nur so tust; Küss mich, obwohl ich fast weiß, Dass du küssest, um mich zu täuschen: Lass die Flut einen Augenblick lang Rückwärts strömen, bevor sie steigt und bricht, Nur um des armen Mitleids willen!
Gib mir von deinen Blumen ein Blatt, Gib mir von deinem Lächeln ein Lächeln, Lass rückwärts rollen diese Flut des Kummers Nur einen Augenblick, während ich doch Fühlen sollte und fast wissen müsste, Dass du mit meinem Weh nur spielst.
Flüstere mir süß und leise zu; Erzähl mir, wie du sitzt und webst Träume von mir, obwohl ich weiß, Es ist nur als Vorwand! Nur einen Augenblick, obwohl es klar ist, Dass du mit meinem Schmerz nur scherzt.
Alice Cary [1820–1871]
KÜSSEN IST KEINE SÜNDE
Manche sagen, Küssen sei eine Sünde; Doch ich meine, es ist gar keine, Denn Küssen ist in dieser Welt zuhause, Seit es jemals zwei gab.
O, wäre es nicht gesetzlich, Anwälte würden es nicht erlauben; Wäre es nicht heilig, Pfarrer würden es nicht tun.
Wäre es nicht sittsam, Mädchen würden es nicht annehmen; Wäre es nicht reichlich vorhanden, Arme Leute bekämen es nicht.
Unbekannt
AN ANNE
Wie viele Küsse erbitte ich? Nun stellst du mich vor meine Aufgabe. Zuerst, süße Anne, willst du mir sagen, Wie viele Wellen sind im Meer? Wie viele Sterne sind am Himmel? Wie viele Liebhaber bringst du zum Seufzen? Wie viele Sandkörner sind am Ufer? Ich werde nur einen Kuss mehr verlangen.
William Stirling-Maxwell [1818–1878]
LIED
Es gibt so manche Liebe im Land, meine Liebe, Doch niemals eine Liebe wie diese; So töte mich tot mit deiner Liebe, meine Liebe, Und bedecke mich mit Küssen.
So töte mich tot und bedecke mich tief, Wo niemals eine Seele es entdeckt; Tief in deinem Herzen zu schlafen, zu schlafen, Im lieblichsten Grab der Liebenden.
Joaquin Miller [1839–1913]
PHILLIS UND CORYDON
Phillis nahm eine rote Rose aus dem Gewirr ihres Haares, – Zeit, das Goldene Zeitalter; der Ort, Arkadien, irgendwo, –
Phillis lachte, das naseweise Ding: „Herr Schäfer, wollt Ihr diese, Oder“ – Schüchterner Gott der springenden Lämmer und Haferflöten! – „einen Kuss?“
Bedenke dich, sanfter Corydon! Eine Rose hält die ganze Nacht lang, Ein Kuss aber gleitet nur von deinen Lippen wie der Abendgesang einer Drossel.
Ein Kuss, der vergeht, wo niemand es weiß! Eine Rose, eine purpurne Rose! Corydon traf seine Wahl und nahm – Nun, was glaubst du, welche?
Arthur Colton [1868–]
AN IHREM FENSTER
„HORCH, HORCH, DIE LERCHE“ Aus „Cymbeline“
Horch, horch! die Lerche am Himmelstor singt, Und Phöbus beginnt aufzusteigen, Seine Rosse zu tränken an jenen Quellen, Die auf den kelchförmigen Blumen liegen; Und blinzelnde Marienblumen beginnen Ihre goldenen Augen zu öffnen: Mit allem, was hübsch ist, Meine süße Herrin, steh auf: Steh auf, steh auf.
William Shakespeare [1564–1616]
„SCHLAF, ZORNIGE SCHÖNHEIT“
Schlaf, zornige Schönheit, schlaf und fürchte mich nicht! Denn wer wagt es, einen schlafenden Löwen zu reizen? Es soll mir genügen, hier zu sitzen und zu sehen, Wie jene Lippen geschlossen sind, die niemals freundlich sprachen: Welcher Anblick kann den Sinn eines Liebenden mehr erfreuen, Als Schönheit, die harmlos scheint, wenn nicht gar gütig?
Meine Worte haben sie bezaubert, denn sicher schläft sie, Obgleich sehr schuldig am Unrecht, das meiner Liebe getan;
Und in ihrem Schlummer, sieh! weint sie mit geschlossenen Augen: Träume bewegen oft mehr als wache Leidenschaften. Plädiere, Schlaf, für meine Sache und mach sie sanft wie dich: Dass sie in Frieden erwachen und Mitleid mit mir haben mag.
Thomas Campion [? –1619]
MORGENLIED
Steh auf, Herrin Gebieterin, steh auf! Die Nacht war mühsam; Kein Schlaf ist in meine Augen gefallen, Noch ließen mich Schlummer sündigen. Ist sie dann nicht eine Heilige, sag, Deren Gedanken die Sünde fernhalten?
Steh auf, gnädige Frau! steh auf und schenk mir Licht, Das die Finsternis noch immer bedecken wird, Und Unwissenheit, dunkler als die Nacht, Bis du deinem Liebhaber zulächelst. Alle dürsten nach dem Tag, bis deine Schönheit aufgeht; Denn der graue Morgen bricht aus deinen Augen.
Nathaniel Field [1587–1633]
DAS NACHTSTÜCK: AN JULIA
Ihre Augen möge dir das Glühwürmchen leihen, Die Sternschnuppen mögen dich begleiten; Und auch die Elfen, Deren kleine Augen glühen Wie Funken von Feuer, mögen dir beistehen.
Kein Irrlicht möge dich fehlleiten, Noch Schlange oder Blindschleiche dich beißen; Sondern auf, auf deinem Weg, Ohne zu verweilen, Da kein Geist ist, der dich erschrecken könnte.
Lass dich von der Dunkelheit nicht beschweren: Was schadet es, wenn der Mond schlummert? Die Sterne der Nacht Werden dir ihr Licht leihen Wie unzählige klare Kerzen.
Dann, Julia, lass mich dich umwerben, So, so zu mir zu kommen; Und wenn ich begegne Deinen silbernen Füßen, Werde ich meine Seele in dich gießen.
Robert Herrick [1591–1674]
MORGEN
Die Lerche verlässt nun ihr wässriges Nest, Und kletternd schüttelt sie ihre taufrischen Flügel, Sie hält dein Fenster für den Osten, Und um dein Licht zu erflehen, singt sie; Erwache, erwache, der Morgen wird niemals aufgehen, Bis sie ihre Schönheit an deinen Augen schmücken kann.
Der Kaufmann verneigt sich vor dem Stern des Seemanns, Der Pflüger nimmt vom Sonnenstand seine Zeit; Doch immer noch wundert sich der Liebhaber, was sie sind, Die den Tag suchen, bevor seine Herrin erwacht; Erwache, erwache, brich durch deine Schleier aus Batist! Dann zieh deine Vorhänge auf und beginne die Morgendämmerung.
William D'Avenant [1606–1668]
MORGENLIED Aus „Der Raub der Lucretia“
Packt euch, Wolken, und willkommen, Tag, Mit der Nacht verbannen wir den Kummer. Süße Lüfte, weht sanft; steigt, Lerche, empor, Um meiner Liebe einen guten Morgen zu wünschen! Flügel vom Wind, um ihren Sinn zu erfreuen, Töne von der Lerche will ich mir leihen: Vogel, putz dein Gefieder, Nachtigall, singe, Um meiner Liebe einen guten Morgen zu wünschen; Um meiner Liebe einen guten Morgen zu wünschen, Töne von ihnen beiden will ich mir leihen.
Erwache aus deinem Nest, Rotkehlchen, Singt, Vögel, in jeder Furche; Und von jedem Hügel, lass schrille Musik Meiner schönen Liebe einen guten Morgen wünschen! Amsel und Drossel in jedem Busch, Star, Hänfling und Haussperling, Ihr hübschen Elfen, singt unter euch Meiner schönen Liebe einen guten Morgen; Um meiner Liebe einen guten Morgen zu wünschen, Singt, Vögel, in jeder Furche!
Thomas Heywood [? –1650?]
DIE ROSE
Süße, heitere, himmelsgleiche Blume, Eile, ihre Laube zu schmücken; Aus deinem lang bewölkten Bett, Schieße dein damastnes Haupt hervor.
Neu erwachte Röte der Flora, Der Kummer der blassen Aurora (Die nicht mehr streiten wird), Eile, eile, ihren Boden zu bestreuen!
Zinnoberner Ball, der gereicht wird Von Lippe zu Lippe im Himmel; Der Liebe Bettdecke, Eile, eile, ihr Bett zu bereiten.
Lieber Spross der zufriedenen Venus Und des fröhlichen, molligen Silenus, Eile, eile, das Haar zu schmücken Der einzigen, süß Schönen!
Sieh! rosig ist ihre Laube, Ihr Boden ist ganz diese Blume, Ihr Bett ein rosiges Nest, Gedrückt von einem Rosenbett.
Doch früh, wie sie sich kleidet, Warum fliehst du ihre hellen Locken? Ach! ich habe gefunden, ich fürchte, – Weil ihre Wangen in der Nähe sind.
Richard Lovelace [1618–1658]
LIED
Sieh, sieh, sie erwacht! Sabina erwacht! Und nun beginnt die Sonne aufzugehen; Weniger herrlich ist der Morgen, der aus Ihren hellen Strahlen bricht, als ihre schönen Augen.
Mit vereintem Licht schenken sie den Tag; Doch erfüllen sie vor der Nacht verschiedene Schicksale; Wie viele werden durch ihre Wärme leben! Wie viele wird ihre Kälte töten!
William Congreve [1670–1729]
MARY MORISON
O Mary, sei an deinem Fenster, Es ist die gewünschte, die verabredete Stunde! Jene Lächeln und Blicke lass mich sehen, Die den Schatz des Geizhalses arm machen: Wie fröhlich würde ich die Mühsal ertragen, Ein müder Sklave von Sonne zu Sonne, Könnte ich die reiche Belohnung sichern, Die liebliche Mary Morison!
Gestern Abend, als zu den zitternden Saiten Der Tanz durch den beleuchteten Saal ging, Zu dir nahm meine Fantasie ihren Flug, Ich saß, doch hörte oder sah weder noch: Obgleich diese hübsch war und jene prachtvoll, Und jene der Liebling der ganzen Stadt, Ich seufzte und sagte unter ihnen allen: „Ihr seid nicht Mary Morison.“
O Mary, kannst du seinen Frieden zerstören, Der um deinetwillen gerne sterben würde? Oder kannst du das Herz dessen brechen, Dessen einzige Schuld es ist, dich zu lieben? Wenn du Liebe für Liebe nicht geben willst, Lass mir wenigstens Mitleid gezeigt werden; Ein unfreundlicher Gedanke kann nicht sein Der Gedanke an Mary Morison.
Robert Burns [1759–1796]
ERWACHE, HERRIN!
Auf! verlass deine Laube! die Stunde rückt spät vor, Lange haben die Saatkrähen um den Turm gekrächzt; Über Blume und Baum summt laut die Biene, Und das wilde Kitz spielt vergnügt. Die Sonne ist hell, der Himmel ist klar: Erwache, Herrin, erwache! und eile hierher.
Auf! schönes Mädchen, und binde dein Haar, Und rege dich in der luftigen Brise! Der einlullende Bach, der deinen Traum besänftigte, Tanzt im sonnigen Strahl. Verschwende nicht diese Stunden, so frisch und heiter; Verlass dein weiches Lager und eile davon!
Auf! Die Zeit wird die Morgenklingel wissen lassen, Dass ihr Dienstgeläut wohl geläutet hat; Die alte Frau hält allein das Haus, Die Schnitter sind auf die Felder gegangen. Verliere nicht diese Stunden, so kühl und heiter: Sieh! während du schläfst, eilen sie davon!
Joanna Baillie [1762–1851]
DIE DORNRÖSCHEN-SCHÖNHEIT
Schlaf weiter und träume eine Weile vom Himmel – Obwohl deine lachenden Augen so fest geschlossen sind, Tragen deine rosigen Lippen immer noch ein Lächeln Und bewegen sich und atmen köstliche Seufzer!
Ach, nun färben sanfte Rötungen ihre Wangen Und breiten sich über ihren Hals aus Schnee: Ach, nun murmelt sie, nun spricht sie Was ich am meisten wünsche – und zu wissen fürchte!
Sie schreckt auf, sie bebt und sie weint! Ihre schönen Hände auf ihrer Brust gefaltet: – Und nun, wie sehr sie wie eine Heilige schläft! Ein Seraph in den Gefilden der Ruhe!
Schlaf sicher weiter! Jenseits von Kontrolle Gehören deine Gedanken dem Himmel und dir: Und möge das Geheimnis deiner Seele In seinem Heiligtum verbleiben!
Samuel Rogers [1763–1855]
„DER JUNGE MAIMOND“
Der junge Maimond strahlt, meine Liebe, Des Glühwürmchens Lampe leuchtet, meine Liebe; Wie süß ist es, zu schweifen Durch Mornas Hain, Wenn die schläfrige Welt träumt, meine Liebe! Dann erwache! – der Himmel sieht hell aus, meine Teure, Es ist niemals zu spät für das Entzücken, meine Teure; Und die beste aller Arten, Unsere Tage zu verlängern, Ist, ein paar Stunden von der Nacht zu stehlen, meine Teure!
Nun schläft die ganze Welt, meine Liebe, Außer dem Weisen, der seine Sternenwache hält, meine Liebe, Und ich, dessen Stern Weitaus herrlicher ist, Das Auge, das aus jenem Fenster späht, meine Liebe. Dann erwache! – bis zum Aufgang der Sonne, meine Teure, Werden wir des Weisen Glas meiden, meine Teure, Oder beim Beobachten des Flugs Der Lichtkörper Könnte er dich zufällig für einen halten, meine Teure!
Thomas Moore [1779–1852]
„RUDERE HIER SANFT“
Rudere hier sanft, Mein Gondoliere, So leise wecke die Flut, Dass kein Ohr Auf Erden hören mag, Außer ihr, zu der wir gleiten. Hätte der Himmel nur Zungen zum Sprechen, ebenso Wie sternenklare Augen zum Sehen, O denk, welche Geschichten er zu erzählen hätte Von wandernden Jünglingen wie mir!
Nun ruhe dich hier aus, Mein Gondoliere; Still, still, denn ich steige hinauf, Um jenen leichten Balkon zu erklimmen, Während du unten Wache hältst. Ach! würden wir für den Himmel droben Nur halb solche Mühen auf uns nehmen wie wir Tag und Nacht für die Liebe einer Frau, Welche Engel wir sein würden!
Thomas Moore [1779–1852]
MORGEN-SERENADE
Erwache! die Morgendämmerung ist auf den Hügeln! Siehe, an ihrem kühlen Hals eine Rose, Blauäugig und wunderschön geht sie, Ihre Schritte in Narzissen hinterlassend. – Erwache! erhebe dich! und lass mich sehen Deine Augen, deren Tiefen zusammenfassen Alle Morgendämmerungen, die waren oder sein werden, O Liebe, all den Himmel in deinen Augen! – Erwache! erhebe dich! komm hinunter zu mir!
Siehe! die Morgendämmerung ist wach: siehe! Wie alle Vögel um sie herum schweben, Wilde Rinnsale von Musik, Note auf Note, Die die Luft mit sanftem Gold vergießen. – Erhebe dich! erwache! und wenn du näher kommst, Lass mich dich nur hören und mich freuen! Du, die du gefangen hältst, süß und klar, Alles Lied, o Liebe, in deiner Stimme! Erhebe dich! erwache! und lass mich hören!
Sieh, wo sie kommt, mit Gliedern aus Tag, Die Morgendämmerung! mit wildrosigen Händen und Füßen, In deren Adern die Sonnenstrahlen schlagen, Und das Lachen von Wind und Strahl sich begegnet. Erhebe dich! komm hinunter! und, Herz an Herz, Liebe, lass mich in dir all dies umfassen – Den Sonnenstrahl, von dem du ein Teil bist, Und all das Entzücken der Brise! – Erhebe dich! komm hinunter! Geliebte, die du bist!
Madison Cawein [1865–1914]
SERENADE
Sanft, o Mitternachtsstunden! Bewegt euch sanft über die Lauben, Wo ein Mädchen so schön in glücklichem Schlaf liegt! Denn ihr habt Macht, sagen die Menschen, Unsere Herzen im Schlaf zu lenken, Und kalte Fantasien in eine mondlichte Schlinge zu sperren. Um elfenbeinernen Hals und Arm Schlingt einen besonderen Zauber; Hängt über ihr, bereit, doch atmet weder Seufzer noch Gebet: Stumm mögt ihr lächeln, Doch haltet währenddessen den Atem an, Und lasst den Wind euer wolkenartiges Haar zurückstreichen!
Beugt herab eure glitzernden Urnen, Ehe die Morgendämmerung zurückkehrt, Und bestreut mit Tau den Rasen, den ihre Füße betreten werden; Regnet Balsam auf die Luft, Befehlt allen Wäldern, ruhig zu sein, Ambrosische Träume mit heilsamen Schlummern vermählt; Damit die Jungfrau Mit Lächeln eure Sorge vergelten mag, Wenn sie ihr goldenes Haupt von ihrem Lager hebt; Erwachend mit den frühesten Vögeln, Ehe noch die nebligen Herden Ihr dunkles Bett im grauen Gras warm zurücklassen.
Aubrey Thomas De Vere [1814–1902]
ZEILEN AN EINE INDISCHE WEISE
Ich erhebe mich aus Träumen von dir Im ersten süßen Schlaf der Nacht, Wenn die Winde leise atmen, Und die Sterne hell leuchten. Ich erhebe mich aus Träumen von dir, Und ein Geist in meinen Füßen Hat mich geführt – wer weiß wie? Zu deinem Kammerfenster, Süße!
Die wandernden Lüfte, sie schwinden Auf dem dunklen, dem stillen Strom; Die Düfte der Champak versagen Wie süße Gedanken in einem Traum; Die Klage der Nachtigall, Sie stirbt auf ihrem Herzen, Wie ich auf deinem sterben muss, O Geliebte, die du bist!
O heb mich vom Gras auf! Ich sterbe, ich schwinde, ich versage! Lass deine Liebe in Küssen regnen Auf meine Lippen und blassen Augenlider. Meine Wange ist kalt und weiß, ach! Mein Herz schlägt laut und schnell; Oh! drücke es wieder fest an deines, Wo es schließlich brechen muss.
Percy Bysshe Shelley [1792–1822]
GUTE NACHT
Gute Nacht? ach! nein; die Stunde ist übel, Die trennt, was sie vereinen sollte; Lass uns weiterhin zusammenbleiben, Dann wird es eine gute Nacht sein.
Wie kann ich die einsame Nacht gut nennen, Obgleich deine süßen Wünsche ihren Flug beflügeln? Lass es nicht gesagt, gedacht, verstanden sein, Dann wird es eine gute Nacht sein.
Für Herzen, die sich einander näher bewegen Vom Abend bis zum Morgenlicht, Ist die Nacht gut; denn, meine Liebe, Sie sagen niemals gute Nacht.
Percy Bysshe Shelley [1792–1822]
SERENADE Aus „Sylvia“
Erwache, meine geliebte Dame, Wach auf und steh auf! Die Sonne späht durch die Laube In deine Augen!
Sieh, wie die frühe Lerche Aus dem Korn springt! Horch, horch, wie das Blumen-Vöglein Ihr winziges Horn bläst!
Das frohe Kreischen der Schwalbe ist zu hören Durch die ganze Luft; Die Turteltaube gurrt So laut sie nur wagt!
Apollos geflügelter Trompeter Kann sich nicht zurückhalten, Sondern schmettert seinen lauten Trompetenruf Einmal und wieder!
Dann erwache, meine geliebte Dame – Vogel meiner Laube! Der süßeste und schläfrigste Vogel zu dieser Stunde!
George Darley [1795–1846]
SERENADE
Ach, Süße, du weißt wenig, wie Ich wache und leidenschaftliche Wachen halte; Und doch, während ich dich nun anspreche, Dünkt mich, du lächelst in deinem Schlaf. Es ist süß genug, um mich weinen zu machen, Dieser zärtliche Gedanke an Liebe und dich, Dass, während die Welt so tief verstummt ist, Deine Seele vielleicht für mich wach ist!
Schlaf weiter, schlaf weiter, süße Braut des Schlafs! Mit goldenen Visionen als deine Mitgift, Während ich diese Mitternachtswache halte, Und dich segne in deiner stillen Laube; Für mich ist es süßer als die Macht Des Schlafs und der entfalteten Märchenträume, Dass ich allein, zu dieser stillen Stunde, In geduldiger Liebe die Welt überwache.
Thomas Hood [1799–1845]
SERENADE
Schau hinaus auf die Sterne, meine Liebe, Und beschäme sie mit deinen Augen, An denen, mehr als an den Lichtern droben, Mehr Schicksale hängen. Der Nacht Schönheit ist die Harmonie Verschmelzender Schatten und Licht: Dann, Herrin, auf – schau hinaus, und sei Eine Schwester der Nacht!
Schlaf nicht! – dein Bild erwacht für immer In meiner wachenden Brust; Schlaf nicht! – aus ihrem sanften Schlaf sollte fliegen, Wer allen Herzen die Ruhe raubt. Nein, Herrin, brich aus deinem Schlummer auf, Und mach diese Dunkelheit heiter, Mit Blicken, deren Helligkeit wohl machen könnte Aus dunkleren Nächten einen Tag.
Edward Coote Pinkney [1802–1828]
SERENADE
Verbirg, glücklicher Damast, vor den Sternen, Was Schlaf hinter deinem Schleier birgt, Doch öffne dich für die Feenwagen, Auf denen die Träume der Mitternacht segeln; Und lass die Zephyre steigen und fallen Um sie in der verhangenen Düsternis, Und dann kehre zurück, um mir alles zu erzählen Die seidenen Geheimnisse des Zimmers.
Ach! Liebste! mögen die Elfen, die lenken Deine Fantasien, von smaragdgrünen Flecken kommen, Wo sie den ganzen Tag gedöst und geträumt haben In Herzen von blauen Vergissmeinnicht. Und einer wird vielleicht so flüstern: Erwache! und erhelle die Dunkelheit, Süße! Während du mit uns schwelgst, Wacht er in der einsamen Straße.
Henry Timrod [1829–1867]
SERENADE Aus „Der spanische Student“
Sterne der Sommernacht! Fern in jenen azurblauen Tiefen, Verbirgt, verbergt euer goldenes Licht! Sie schläft! Meine Herrin schläft! Schläft!
Mond der Sommernacht! Tief hinab jene westlichen Steilhänge, Sink, sink in silbernes Licht! Sie schläft! Meine Herrin schläft! Schläft!
Wind der Sommernacht! Wo dort das Geißblatt kriecht, Falte, falte deine leichten Schwingen! Sie schläft! Meine Herrin schläft! Schläft!
Träume der Sommernacht! Sag ihr, ihr Liebhaber hält Wache! während in leichtem Schlummer Sie schläft! Meine Herrin schläft! Schläft!
Henry Wadsworth Longfellow [1807–1882]
„KOMM IN DEN GARTEN, MAUD“ Aus „Maud“
Komm in den Garten, Maud, Denn die schwarze Fledermaus, die Nacht, ist entflohen, Komm in den Garten, Maud, Ich bin hier allein am Tor; Und die Gewürze des Geißblatts werden in die Ferne getragen, Und der Moschus der Rose ist verweht.
Denn eine Morgenbrise regt sich, Und der Planet der Liebe steht hoch, Beginnt zu verblassen in dem Licht, das sie liebt, Auf einem Beet aus narzissenfarbenem Himmel, Zu verblassen im Licht der Sonne, die sie liebt, Zu verblassen in seinem Licht und zu sterben.
Die ganze Nacht haben die Rosen gehört Die Flöte, Geige, das Fagott; Die ganze Nacht hat der Fensterjasmin sich geregt Zu den Tänzern, die im Takt tanzten; Bis eine Stille mit dem erwachenden Vogel fiel, Und eine Ruhe mit dem untergehenden Mond.
Ich sagte zur Lilie: „Es gibt nur eine, Mit der sie das Herz hat, fröhlich zu sein. Wann werden die Tänzer sie allein lassen? Sie ist des Tanzens und Spielens müde.“ Nun sind die einen zum untergehenden Mond gegangen, Und die anderen zum aufgehenden Tag; Tief auf dem Sand und laut auf dem Stein Hallt das letzte Rad davon.
Ich sagte zur Rose: „Die kurze Nacht vergeht In Geplapper und Gelage und Wein. O junger Lord-Liebhaber, was sind das für Seufzer, Für eine, die niemals dein sein wird? Doch mein, doch mein“, so schwor ich der Rose, „Für immer und ewig, mein.“
Und die Seele der Rose ging in mein Blut über, Als die Musik im Saal zusammenschlug: Und lange stand ich am Gartensee, Denn ich hörte dein Bächlein fallen Vom See zur Wiese und weiter zum Wald, Unserem Wald, der uns über alles teuer ist;
Von der Wiese, deren Wege du so süß verlassen hast, Dass, wann immer ein Märzwind seufzt, Er den Juwelenabdruck deiner Füße setzt In Veilchen so blau wie deine Augen, Zu den waldigen Mulden, in denen wir uns treffen, Und den Tälern des Paradieses.
Die schlanke Akazie würde nicht schütteln Eine lange Milchblüte am Baum; Die weiße Seeblume fiel in den See, Als der Gauchheil auf der Weide döste; Doch die Rose war die ganze Nacht wach deinetwegen, Dein Versprechen an mich wissend; Die Lilien und Rosen waren alle wach, Sie seufzten nach der Morgendämmerung und dir.
Königin Rose des rosenknospigen Gartens der Mädchen, Komm herbei, die Tänze sind zu Ende, In Glanz von Satin und Schimmer von Perlen, Königin Lilie und Rose in einem; Erstrahle, kleines Haupt, sonnig überflutet mit Locken, Zu den Blumen und sei ihre Sonne.
Es ist eine herrliche Träne gefallen Von der Passionsblume am Tor. Sie kommt, meine Taube, meine Teure; Sie kommt, mein Leben, mein Schicksal; Die rote Rose ruft: „Sie ist nah, sie ist nah“; Und die weiße Rose weint: „Sie ist spät“; Der Rittersporn lauscht: „Ich höre, ich höre“; Und die Lilie flüstert: „Ich warte.“
Sie kommt, mein Eigentum, meine Süße; Wäre es auch noch so ein luftiger Tritt, Mein Herz würde sie hören und schlagen, Wäre es Erde in einem irdischen Bett; Mein Staub würde sie hören und schlagen, Hätte ich ein Jahrhundert lang tot gelegen; Würde aufspringen und beben unter ihren Füßen, Und erblühen in Purpur und Rot.
Alfred Tennyson [1809–1892]
AN IHREM FENSTER
Ach, Spielmann, wie seltsam ist Das Lied, das du singst! Lass Psyche, die durchstreift Den Garten des Frühlings, Sich an die Veränderungen erinnern, Die der Dezember bringen wird.
Pochendes Herz! wir kommen wieder, Wo meine Liebste ruht: Dies ist Mabels Fenster, Dies sind Mabels Rosen.
Ist sie im Nest? Kniet sie In der Dämmerung Stille, Lilienweiß von Hals bis Saum, Sie, meine jungfräuliche Lilie?
Bald werden die bleichen, sehnsüchtigen Sterne, Verblassend, sie verlassen; Lichtelfen, auf strahlenden Balken, Flüstern dann und wecken sie.
Lass diesen freundlichen Kiesel flehen An ihrem blumigen Gitter; Wenn sie mich hört, wird sie achten? Mabel, ich warte.
Mabel wird bald geschmückt sein, Gegürtet im Brautgewand; Glücklicher Gürtel! Oh, horch auf jenen Von Leidenschaft geschüttelten Sang!
Sing dein Lied, du trunkene Drossel, Pfeif dein Bestes, dein Klarstes; – Still, ihr Fenster bewegt sich, oh still – Teuerste Mabel! – teuerste....
Frederick Locker-Lampson [1821–1895]
BEDUINENLIED
Aus der Wüste komm ich zu dir Auf einem Hengst, mit Feuer beschlagen; Und die Winde bleiben zurück In der Schnelligkeit meines Verlangens. Unter deinem Fenster stehe ich, Und die Mitternacht hört meinen Schrei: Ich liebe dich, ich liebe nur dich, Mit einer Liebe, die nicht sterben soll, Bis die Sonne erkaltet, Und die Sterne alt sind, Und die Blätter des Buches des Gerichts Sich entfalten!
Schau aus deinem Fenster und sieh Meine Leidenschaft und meinen Schmerz; Ich liege auf dem Sand dort unten, Und ich schmachte in deiner Verachtung. Lass die Nachtwinde deine Stirn berühren Mit der Hitze meines brennenden Seufzers, Und schmelze dich, das Gelübde zu hören Einer Liebe, die nicht sterben soll, Bis die Sonne erkaltet, Und die Sterne alt sind, Und die Blätter des Buches des Gerichts Sich entfalten!
Meine Schritte werden nächtlich getrieben Vom Fieber in meiner Brust, Um aus deinem Gitter gehaucht zu hören Das Wort, das mir Ruhe geben soll. Öffne die Tür deines Herzens, Und öffne deine Kammertür, Und meine Küsse sollen deine Lippen lehren Die Liebe, die nie mehr schwinden soll, Bis die Sonne erkaltet, Und die Sterne alt sind, Und die Blätter des Buches des Gerichts Sich entfalten!
Bayard Taylor [1825–1878]
NACHT UND LIEBE Aus „Ernest Maltravers“
Wenn Sterne am stillen Himmel stehen, Dann sehne ich mich am meisten nach dir; Beuge dann auf mich deine zärtlichen Augen, Wie Sterne auf das Meer schauen!
Denn Gedanken, wie Wellen, die bei Nacht gleiten, Sind am stillsten, wenn sie scheinen; Meine irdische Liebe liegt in Licht gehüllt Unter dem Himmel der deinen.
Es gibt eine Stunde, da Engel halten Vertraute Wache über den Menschen, Wenn gröbere Seelen in Schlaf gehüllt sind – Süßer Geist, triff mich dann.
Es gibt eine Stunde, da heilige Träume Durch den Schlummer am schönsten gleiten; Und in jener mystischen Stunde scheint es, Du solltest an meiner Seite sein.
Meine Gedanken an dich sind zu heilig Für den gewöhnlichen Strahl des Tages: Ich kann dich nur als meinen Stern kennen, Meinen Engel und meinen Traum!
Edward George Earle Bulwer-Lytton [1803–1873]
NOKTURNE
Zu ihrem Kammerfenster Führt ein zartes Drahtgitter, Und an dieser Romeo-Leiter Klettert eine kühne weiße Rose.
Ich lümmle in den Steineichenschatten, Ich sehe die Dame sich lehnen, Wie sie ihren seidenen Gürtel löst, Zwischen den Falten des Vorhangs.
Sie lächelt ihrem Weißrosen-Liebhaber zu, Sie streckt ihre Hand aus Und hilft ihm ins Fenster – Ich sehe es, wo ich stehe!
An ihre scharlachrote Lippe hält sie ihn, Und küsst ihn manches Mal – Ach, weh! er war es, der sie gewann, Weil er es wagte zu klettern!
Thomas Bailey Aldrich [1837–1907]
PALABRAS CARINOSAS Spanische Weise
Gute Nacht! Ich muss gute Nacht sagen Zu einer solchen Schar unvergleichlicher Dinge! Gute Nacht der schlanken Hand, Ganz königlich durch das Gewicht ihrer Ringe; Gute Nacht den innigen, aufgeschlagenen Augen, Gute Nacht den kastanienbraunen Haarflechten, Gute Nacht dem vollkommenen Mund, Und all der Süße, die dort geborgen ist – Die schneeweiße Hand hält mich auf, dann Werde ich wieder gute Nacht sagen müssen!
Doch es wird eine Zeit kommen, meine Liebe, Wenn, lese ich unsere Sterne richtig, Ich nicht mehr an diesem Vorbau verweile Mit meinem Abschied. Bis dahin, gute Nacht! Du wünschtest, die Zeit wäre jetzt? Und ich auch. Du errötest nicht, es dir zu wünschen? Du wärst vor Scham gestorben, Hättest du das vor einem Jahr zugegeben – Was, beide diese schneeweißen Hände! ah, dann Werde ich wieder gute Nacht sagen müssen!
Thomas Bailey Aldrich [1837–1907]
SERENADE
Der Westwind weht günstig Über das dunkle Ägäische Meer, Und an der geheimen Marmortreppe Wartet meine tyrische Galeere auf dich. Komm herab! Das purpurne Segel ist gesetzt, Der Wächter schläft in der Stadt; O verlass dein lilienblühendes Bett, O meine Gebieterin, komm herab, komm herab!
Sie wird nicht kommen, ich kenne sie wohl, Um Liebesschwüre kümmert sie sich nicht, Und wenig Gutes kann ein Mann berichten Von einer so Grausamen und so Schönen. Wahre Liebe ist nur ein Spielzeug für Frauen, Sie kennen nie den Liebesschmerz, Und ich, der ich liebe, wie ein Knabe liebt, Muss vergeblich lieben, muss vergeblich lieben.
O edler Steuermann, sag mir die Wahrheit, Ist das der Schimmer von goldenem Haar? Oder ist es nur der verworrene Tau, Der die Passionsblumen dort bindet? Guter Seemann, komm und sag mir nun, Ist das die Lilienhand meiner Gebieterin? Oder ist es nur der glänzende Bug, Oder ist es nur der silberne Sand?
Nein! Nein! Es ist nicht der verworrene Tau, Es ist nicht der silbern gekräuselte Sand, Es ist meine eigene teure Gebieterin Mit goldenem Haar und Lilienhand! O edler Steuermann, steuere nach Troja! Guter Seemann, führe das mühsame Ruder! Dies ist die Königin des Lebens und der Freude, Die wir vom griechischen Ufer tragen müssen!
Der schwindende Himmel wird blass und blau; Es fehlt noch eine Stunde bis zum Tag; An Bord! An Bord! meine tapfere Mannschaft, O meine Gebieterin, fort! fort! O edler Steuermann, steuere nach Troja! Guter Seemann, führe das mühsame Ruder! O geliebt, wie nur ein Knabe liebt! O geliebt für immer, für immerdar!
Oscar Wilde [1856–1900]
DIE KLEINE ROTE LERCHE
O Schwan der Schlankheit, Taube der Zärtlichkeit, Juwel der Freuden, erwache! Die kleine rote Lerche, Wie ein aufsteigender Funke Des Gesangs, fliegt zu ihrem Sonnenaufgang; Doch bis du erwacht bist, Ist die Erde ein Gefängnis, Voll meiner einsamen Seufzer: Dann erwache und enthülle, Deinem treuen Liebhaber, Den Morgen deiner unvergleichlichen Augen. Die Morgendämmerung ist finster für mich, Horch! Oh, horch auf mich,
Puls meines Herzens, ich flehe dich an! Und aus deinem Versteck Mit Erröten gleitend, Blende mich mit deinem Tag. Ah, dann noch einmal zu dir Fliegend werde ich dir ausgießen Leidenschaft so süß und heiter, Die Lerchen sollen lauschen, Und Tautropfen glitzern, Lachend auf jedem Zweig.
Alfred Perceval Graves [1846–1931]
SERENADE
Bei Tag stehen meine schüchternen Leidenschaften Wie bettelnde Kinder an deinem Tor, Jedes mit einer stummen, flehenden Hand, Um ein Almosen vom Schicksal zu erbitten; Doch wenn die Nacht kommt, befreit vom Zweifel, Erscheinen sie wie fröhliche Spielleute, Die Sterne läuten ihren hoffnungsvollen Ruf, Geliebte, kannst du hören?
Sie wagen nicht, dir bei Tag zu singen Ihr sehnsüchtiges Lied, oder die Welt Mit ihrem abenteuerlichen Gesang zu gewinnen Um deinetwillen, du Bezaubernde. Doch wenn der Nachtwind erwacht und erschüttert Die Schatten, die die Nacht enthüllt, Ihre Musik erfüllt die traumhaften Hügel, Und hüllt die freundlichen Sterne ein.
Geliebte, kannst du hören? Sie singen Worte, die keine sterblichen Lippen tönen können; Die Liebe ist durch die Welt geflogen, Meine Leidenschaften sind entfesselt. Und jetzt, und jetzt, meine Lippen, meine Augen, Sind stumm vor Hoffnung und Furcht, Es ist meine brennende Seele, die schreit: Geliebte, kannst du hören?
Richard Middleton [1882–1911]
DIE KOMÖDIE DER LIEBE
EINES LIEBHABERS WIEGENLIED
Sing Wiegenlied, wie Frauen tun, Womit sie ihre Kinder zur Ruhe bringen; Und Wiegenlied kann ich auch singen, So weiblich, wie es nur die Besten können. Mit Wiegenlied stillen sie das Kind; Und wenn ich mich nicht sehr täusche, Habe ich gar viele mutwillige Kinder, Die mit Wiegenlied gestillt werden müssen.
Zuerst Wiegenlied meine jugendlichen Jahre, Es ist nun Zeit, schlafen zu gehen: Denn krummes Alter und graue Haare Haben den Hafen in meinem Haupt gewonnen. Mit Wiegenlied, dann, sei stille, Jugend; Mit Wiegenlied begnüge deinen Willen; Da der Mut schwindet und zurückbleibt, Geh schlafen und betrüge so deinen Geist!
Dann Wiegenlied meine gaffenden Augen, Die gewohnt waren, flink umherzuschweifen; Denn jeder Spiegel mag nun genügen, Um die Furchen in deinem Gesicht zu zeigen. Mit Wiegenlied dann blinzle eine Weile; Mit Wiegenlied betrüge deine Blicke; Lass kein schönes Gesicht, noch helle Schönheit, Dich wieder locken mit eitler Lust.
Und Wiegenlied mein mutwilliger Wille; Lass Vernunfts Regel nun deinen Gedanken beherrschen; Da ich allzu spät durch Erfahrung finde, Wie teuer ich deine Launen erkauft habe; Mit Wiegenlied nimm nun deine Ruhe; Mit Wiegenlied beschwichtige deine Zweifel; Denn vertraue darauf, wenn du still bist, Soll mein Körper deinem Willen gehorchen.
So Wiegenlied meiner Jugend, meinen Augen, Mein Wille, mein Gut und alles, was war: Ich kann keine weiteren Verzögerungen ersinnen; Aber willkommen Schmerz, lass die Lust vergehen. Mit Wiegenlied nimm nun deinen Abschied; Mit Wiegenlied betrüge deine Träume; Und wenn du aufstehst mit wachem Auge, Erinnere dich dann an dieses Wiegenlied.
George Gascoigne [1525?–1577]
PHILLIDA UND CORIDON
Im fröhlichen Monat Mai, An einem Morgen bei Tagesanbruch, Spazierte ich hinaus am Waldrand, Als der Mai in seiner Pracht war: Dort erspähte ich ganz allein Phillida und Coridon. Viel Aufhebens gab es, Gott weiß! Er wollte lieben und sie wollte nicht. Sie sagte: Kein Mann war je treu; Er sagte: Keiner war falsch zu dir. Er sagte: Er liebte sie lange schon; Sie sagte: Liebe soll kein Unrecht leiden. Coridon wollte sie dann küssen; Sie sagte: Mägde dürfen keine Männer küssen, Bis sie es für immer und ewig tun; Dann ließ sie den Hirten alle Himmel Zum Zeugen der Wahrheit anrufen, Dass nie ein treurer Jüngling liebte. So mit manchem hübschen Schwur, Ja und Nein, und Glauben und Treue, Wie einfältige Hirten sie gebrauchen, Wenn sie die Liebe nicht missbrauchen wollen, Die Liebe, die lange getäuscht worden war, Wurde mit süßen Küssen besiegelt; Und Phillida, mit bunten Girlanden, Wurde zur Maikönigin gemacht.
Nicholas Breton [1545?–1626?]
„GRÄMENDES ALTER UND JUGEND“ Aus „Der leidenschaftliche Pilger“
Grämendes Alter und Jugend Können nicht zusammenleben: Jugend ist voll von Anmut, Alter ist voll von Sorge; Jugend wie Sommermorgen, Alter wie Winterwetter; Jugend wie Sommer stolz, Alter wie Winter kahl. Jugend ist voll von Scherz, Des Alters Atem ist kurz; Jugend ist flink, Alter ist lahm; Jugend ist heiß und kühn, Alter ist schwach und kalt; Jugend ist wild, und Alter ist zahm. Alter, ich verabscheue dich; Jugend, ich verehre dich; O, meine Liebe, meine Liebe ist jung! Alter, ich biete dir Trotz: O, süßer Hirte, eile dich! Denn mich dünkt, du verweilst zu lang.
William Shakespeare [1564–1616]
„ES WAR EIN LIEBHABER UND SEIN MÄDEL“ Aus „Wie es euch gefällt“
Es war ein Liebhaber und sein Mädel, Mit einem Hey, und einem Ho, und einem Hey Nonino, Die über das grüne Kornfeld gingen, In der Frühlingszeit, der einzig hübschen Ringzeit, Wenn Vögel singen, hey ding a ding, ding; Süße Liebhaber lieben den Frühling.
Zwischen den Äckern des Roggens, Mit einem Hey, und einem Ho, und einem Hey Nonino, Würden diese hübschen Landleute liegen, In der Frühlingszeit, der einzig hübschen Ringzeit, Wenn Vögel singen, hey ding a ding, ding; Süße Liebhaber lieben den Frühling.
Dieses Lied begannen sie in jener Stunde, Mit einem Hey, und einem Ho, und einem Hey Nonino, Wie das Leben nur eine Blume war In der Frühlingszeit, der einzig hübschen Ringzeit, Wenn Vögel singen, hey ding a ding, ding; Süße Liebhaber lieben den Frühling.
Und darum nutze die gegenwärtige Zeit Mit einem Hey, und einem Ho, und einem Hey Nonino, Denn die Liebe ist gekrönt mit der Blüte In der Frühlingszeit, der einzig hübschen Ringzeit, Wenn Vögel singen, hey ding a ding, ding; Süße Liebhaber lieben den Frühling.
William Shakespeare [1564–1616]
„ICH LIEBTE EIN MÄDEL“
Ich liebte ein Mädel, ein schönes, So schön, wie man je eines sah; Sie war in der Tat ein rares, Eine andere Königin von Saba: Doch, Narr, der ich damals war, Dachte ich, sie liebte mich auch: Doch nun, ach weh! hat sie mich verlassen, Falero, lero, loo!
Ihr Haar glänzte wie Gold, Jedes Auge war wie ein Stern, Sie übertraf ihre Schwester, Die alle anderen weit übertraf; Sie wollte mich Honig nennen, Sie wollte – O sie wollte mich auch küssen! Doch nun, ach weh! hat sie mich verlassen, Falero, lero, loo!
Manches fröhliche Treffen Hatten meine Liebe und ich; Sie war meine einzige Süße, Sie machte mein Herz ganz froh; Die Tränen standen in ihren Augen Wie der Morgentau: Doch nun, ach weh! hat sie mich verlassen, Falero, lero, loo!
Ihre Wangen waren wie die Kirsche, Ihre Haut war weiß wie Schnee; Wenn sie heiter und fröhlich war, Sah sie engelgleich aus; Ihre Taille außerordentlich schmal, Die Fünfer passten ihrem Schuh: Doch nun, ach weh! hat sie mich verlassen, Falero, lero, loo!
Im Sommer oder Winter Hatte sie ihres Herzens Verlangen; Ich verschmähte es immer, ihr zu knapsen An Zucker, Sekt oder Feuer; Die Welt drehte sich rundherum, Keine Sorgen kannten wir je: Doch nun, ach weh! hat sie mich verlassen, Falero, lero, loo!
Mädchenschwüren und Gelübden Schenkt von nun an keinen Glauben; Ihr mögt sie euch anhören, Aber glaubt ihnen niemals; Sie sind so falsch wie schön, Unbeständig, hinfällig, unwahr: Denn meine, ach weh! hat mich verlassen, Falero, lero, loo!
George Wither [1588–1667]
AN CHLORIS
Ah, Chloris! dass ich nun sitzen könnte So unbekümmert wie damals, als Deine kindliche Schönheit noch Kein Vergnügen, noch keinen Schmerz erzeugte! Als ich die Morgendämmerung zu bewundern pflegte, Und den kommenden Tag pries, Dachte ich wenig daran, dass das wachsende Feuer Mir meine Ruhe rauben müsse.
Deine Reize lagen in harmloser Kindheit Wie Metalle in der Mine; Das Alter nahm keinem Gesicht mehr weg, Als die Jugend in deinem verbarg. Doch als deine Reize unmerklich Zu ihrer Vollkommenheit drängten, Flog die verliebte Liebe ebenso unbemerkt heran, Und ruhte in meinem Busen.
Meine Leidenschaft wuchs mit deiner Schönheit, Und Amor, an meinem Herzen, Immer da seine Mutter dich begünstigte, Warf einen neuen flammenden Pfeil: Jeder rühmte sich seines mutwilligen Teils; Um einen Liebhaber zu machen, er Wandte das Äußerste seiner Kunst an – Um eine Schönheit zu machen, sie.
Charles Sedley [1639?–1701]
LIED
Der Kaufmann, um seinen Schatz zu sichern, Überbringt ihn unter einem geliehenen Namen: Euphelia dient dazu, mein Maß zu schmücken; Doch Chloe ist meine wahre Flamme.
Mein weichster Vers, meine geliebte Leier, Lagen auf Euphelias Toilettentisch; Als Chloe ihren Wunsch bemerkte, Dass ich singen, dass ich spielen sollte.
Ich stimme meine Leier, ich erhebe meine Stimme; Doch mit meinen Versen mische ich meine Seufzer: Und während ich Euphelias Lob singe, Fixiere ich meine Seele auf Chloes Augen.
Die schöne Chloe errötete: Euphelia runzelte die Stirn: Ich sang und starrte: ich spielte und zitterte: Und Venus bemerkte den Lieben ringsum, Wie schlecht wir alle uns verstellten.
Matthew Prior [1664–1721]
DIE FROMME SELINDA
Die fromme Selinda geht zum Gebet, Wenn ich nur um ihre Gunst bitte; Und doch vergießt die alberne Närrin Tränen, Wenn sie glaubt, ich würde sie verlassen; Wäre ich doch frei von diesem Zwang, Oder hätte ich doch Hoffnung, sie zu gewinnen: Wäre sie doch imstande, aus mir einen Heiligen zu machen, Oder ich aus ihr eine Sünderin.
William Congreve [1670–1729]
SCHÖNE HEBE
Die schöne Hebe verließ ich, mit dem vorsichtigen Plan, Ihren Reizen zu entfliehen und sie in Wein zu ertränken, Ich versuchte es; fand aber, als ich gehen wollte, Den Wein im Kopf, und noch immer die Liebe im Herzen.
Ich wandte mich an meine Vernunft, erbat ihre Hilfe; Die über meinen Fall nachdachte und jeden Umstand wog, Dann feierlich aussprach, als Antwort auf mein Gebet, Dass „Hebe die Schönste von allen Schönen sei!“
„Das ist eine Wahrheit“, antwortete ich, „das brauche ich nicht gelehrt zu werden; Ich kam wegen deines Rats, um einen Fehler zu finden.“ „Wenn das alles ist“, sagte die Vernunft, „kehre zurück, wie du gekommen bist; Einen Fehler an Hebe zu finden, würde meinen Namen verwirken.“
Welche Hoffnung also, ach! auf Linderung meines Schmerzes, Während sie, wie ein Blitz, durch jede pochende Ader schießt? Meine Sinne, überrascht, griffen in ihrem Sinne zu den Waffen; Und die Vernunft bestätigt mich als Sklaven ihrer Reize.
John West [1693–1766]
DAS IDEAL EINES EHEMANNS EINES MÄDCHENS Aus „Die Einfälle“
Vornehm in Erscheinung, Benehmen und Ausstattung, Adlig von Erbe, Großzügig und frei: Tapfer, nicht romantisch; Gelehrt, nicht pedantisch; Fröhlich, nicht rasend; Das muss er sein.
Ehre bewahrend, Gemeinheit verschmähend, Stets unterhaltend, Einnehmend und neu. Ordentlich, nicht pingelig; Weise, nicht zynisch; Niemals tyrannisch, Aber immer treu.
Henry Carey [?–1743]
„PHILLADA SPOTTET MEINER“
O welch eine Plage ist die Liebe! Wie soll ich sie ertragen? Sie wird sich als unbeständig erweisen, Das fürchte ich sehr. Sie quält meinen Geist so sehr, Dass meine Kraft schwindet, Und schwankt mit dem Wind, Wie ein Schiff segelt. Gefalle ihr, so gut ich kann, Sie liebt es immer zu widersprechen; Ach und wehe! Phillada spottet meiner.
Auf dem Jahrmarkt gestern Ging sie an mir vorbei; Sie sah in eine andere Richtung Und wollte mich nicht sehen: Ich warb um sie zum Abendessen, Aber konnte sie nicht bekommen; Will hatte sie zum Wein – Er konnte sie überreden. Mit Daniel tanzte sie, Auf mich sah sie schief: O dreifach unglücklicher Zufall! Phillada spottet meiner.
Schönes Mädchen, sei nicht so spröde, Verachte mich nicht! Ich bin meiner Mutter Freude: Süße, unterhalte mich! Sie wird mir geben, wenn sie stirbt, Alles, was angemessen ist: Ihr Geflügel und ihre Bienen, Und ihre brütende Gans, Ein Paar Matratzenbetten, Und einen Sack voll Fetzen; Und doch, trotz all dieser Güter, Phillada spottet meiner!
Sie hat ein Tuch von mir, Gewebt mit blauem Coventry, Das sie als Zeichen aufbewahrt Meiner Treue: Doch bei meinem Glauben, wenn sie zuckt, Wird sie es nicht tragen; Zu Tib, meinem anderen Mädel, Gedenke ich es zu bringen. Und doch kränkt es mein Herz, So bald von ihr zu scheiden: Der Tod treffe mich mit seinem Pfeil! Phillada spottet meiner.
Du sollst geronnene Sahne essen, Das ganze Jahr über dauernd, Und den kristallenen Strom trinken, Angenehm im Geschmack; Molke und Molke, solange du willst, Und Brombeeren, Kuchenrand und Gebäckkruste, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Dein Gewand soll dünn sein, Gemacht aus der Haut eines Rüsselkäfers – Doch alles ist keinen Pfennig wert! Phillada spottet meiner.
Im letzten Monat Mai Machte ich ihr Blumensträuße; Ich hörte sie oft sagen, Dass sie Rosen liebe. Schlüsselblumen und Levkojen Und die weiße Lilie Brachte ich, um die Lauben zu schmücken Für meine süße Philly. Doch sie verschmähte alles, Und warf sie wieder zurück; Darum ist es flach und klar Phillada spottet meiner.
Schönes Mädchen, nimm dich in Acht, Und nimm mich rechtzeitig; Ich kann solche bekommen, die ebenso schön sind, Wenn du mich verlässt: Denn Doll, das Milchmädchen, Lachte mich neulich aus, Und die mutwillige Winifred Begünstigt mich sehr. Die eine wirft Milch auf meine Kleidung, Die andere spielt mit meiner Nase; Welche Mangelzeichen sind das? Phillada spottet meiner.
Ich kann weder arbeiten noch schlafen, Überhaupt nicht zur rechten Zeit: Die Liebe verwundet mein Herz so tief Ohne jeden Grund. Ich beginne hinzuschwinden Im Schatten meiner Liebe, Wie ein fettes Tier es mag, Eingepfercht auf einer Wiese, Ich werde tot sein, fürchte ich, Innerhalb dieser tausend Jahre: Und alles, weil meine Teure, Phillada spottet meiner.
Unbekannt
„WENN MOLLY LÄCHELT“
Wenn Molly unter ihrer Kuh lächelt, Fühle ich mein Herz – ich kann nicht sagen, wie; Wenn Molly am Sonntag angezogen ist, An Sonntagen finde ich keine Ruhe.
Was kann ich tun? An Arbeitstagen Lasse ich meine Arbeit, um sie anzustarren. Was soll ich sagen? Bei Predigten, ich Vergesse den Text, wenn Molly dabei ist.
Guter Herr Vikar, lehrt mich, wie Ich auf eure Predigt und meinen Pflug achte: Und wenn ihr dafür einen Zauber sprecht, Soll eine gute fette Gans euch danken.
Unbekannt
STREITIGKEITEN
Es war eines Lords Tochter, die Schönste von dreien, Die ihren Herrn so mochte, wie man nur mögen kann; Bis sie einen Engländer ansah, den Schönsten, den das Auge sehen konnte, Ihre Laune fing an sich zu drehen.
Lange war der Kampf zweifelhaft, den Liebe mit Liebe ausfocht, Den Herrn lieblos zu lassen, oder den tapferen Ritter zu töten: Beides in die Tat umzusetzen, ach! es war ein Gräuel Für das einfältige Fräulein.
Doch einer musste abgewiesen werden: noch größer war der Schmerz, Dass nichts getan werden konnte, um beide zum Gewinn zu wenden; Denn von den beiden war der treue Ritter mit Verachtung verwundet: Ach! sie konnte nicht helfen.
So war Kunst, die mit Waffen stritt, Siegerin des Tages, Die durch eine Gabe der Gelehrsamkeit das Mädchen davontrug; Dann Wiegenlied, der gelehrte Mann hat die schöne Dame bekommen, Denn nun ist mein Lied beendet.
Unbekannt
„ICH FRAGTE MEINE SCHÖNE, AN EINEM GLÜCKLICHEN TAG“ Nach Lessing
Ich fragte meine Schöne, an einem glücklichen Tag, Wie ich sie nennen solle in meinem Gedicht; Bei welchem süßen Namen aus Rom oder Griechenland; Lalage, Neaera, Chloris, Sappho, Lesbia, oder Doris, Arethusa oder Lucrece.
„Ah!“ antwortete meine sanfte Schöne, „Geliebter, was sind Namen als Luft? Wähle du, was immer zur Zeile passt; Nenne mich Sappho, nenne mich Chloris, Nenne mich Lalage oder Doris, Nur – nenne mich nur dein.“
Samuel Taylor Coleridge [1772–1834]
Wir gelobten unsere Herzen, mein Lieb und ich, – Ich, die Maid in meinen Armen umschlingend: Ich konnte den Grund nicht sagen, warum, Doch o! ich bebte wie eine Espe.
Sie hieß mich, ihres Vaters Liebe zu gewinnen; Ich ging, und schüttelte mich wie jedes Schilf! Ich mühte mich, den Mann zu geben – vergebens! Wir hatten in der Tat unsere Herzen getauscht.
„COMIN’ THROUGH THE RYE“
Kommst durch das Roggenfeld, armes Ding, Kommst durch das Roggenfeld, Hast dein Röckchen ganz zerzaust, Kommst durch das Roggenfeld.
O, Jenny ist ganz nass, armes Ding, Jenny ist selten trocken; Hast dein Röckchen ganz zerzaust, Kommst durch das Roggenfeld.
Wenn ein Körper einen Körper trifft, Kommend durch das Roggenfeld, Wenn ein Körper einen Körper küsst, Muss ein Körper weinen?
Wenn ein Körper einen Körper trifft, Kommend durch das Tal, Wenn ein Körper einen Körper küsst, Muss es die Welt wissen?
„GREEN GROW THE RASHES, O!“
Da ist nichts als Sorge an jeder Hand, In jeder Stunde, die verstreicht, o! Was bedeutet das Leben des Mannes, Wäre es nicht um der Mädchen willen, o!
Grün wachsen die Binsen, o! Grün wachsen die Binsen, o! Die süßesten Stunden, die ich je verbringe, Verbringe ich unter den Mädchen, o!
Die weltliche Brut mag Reichtum jagen, Und Reichtum mag ihnen stets entfliehen, o! Und ob sie ihn zuletzt auch fest erhaschen, Ihre Herzen können ihn nimmer genießen, o!
Gib mir eine traute Stunde am Abend; Meine Arme um meine Liebste, o! Und weltliche Sorgen und weltliche Männer, Mögen alle drunter und drüber gehen, o!
Denn du, so sanft, du spottest darüber; Du bist nichts als ein sinnloser Esel, o! Der weiseste Mann, den die Welt je sah, Er liebte die Mädchen inniglich, o!
Die alte Natur schwört, die reizenden Schätze Klassiert sie als ihr edelstes Werk, o! Ihre Lehrlingshand erprobte sie am Manne, Und dann erschuf sie die Mädchen, o!
TROTZ
Fang sie und halte sie, wenn du kannst – Sieh, sie trotzt dir mit ihrem Fächer, Schließt ihn, öffnet ihn und hält ihn dann gespreizt In drohender Haltung über deinem Haupt. Ach! warum bist du nicht früher aufgebrochen, Bevor sie die Veranda erreichte und die Tür schloss? Einfaltspinsel! wirst du niemals lernen, Dass Mädchen und Zeit nicht zurückkehren; Von jedem hättest du das Meiste machen sollen; Einmal fort, sind sie für immer verloren. Vergebens klopfen deine Knöchel gegen deine Stirn, Vergebens wirst du dich erinnern, wie Wie ein schlanker Bach das spielerische Mädchen Funkelte und in den Schatten rannte.
ÜBER CLEMENTINA
In Clementinas kunstlosem Wesen Fragt mich Lucilla, was ich sehe, Und sind die Rosen von sechzehn Genug für mich?
Lucilla fragt, ob das alles sei, Ob ich nicht schon Süßeres gepflückt: Ach ja, Lucilla! und ihren Fall Beklage ich noch immer.
Ich erblicke nun eine andere Szene, Wo das Vergnügen mit des Himmels eigenem Licht strahlt, Reiner, beständiger, gelassener, Und nicht minder hell.
Der Glaube, an dessen Brust die Lieben ruhen, Dessen Blumenkette keine Gewalt trennen kann, Und die Bescheidenheit, die, wenn sie geht, Für immer fort ist.
„THE TIME I’VE LOST IN WOOING“
Die Zeit, die ich mit Werben verlor, Mit Wachen und Verfolgen Des Lichts, das in den Augen Der Frauen liegt, War meines Herzens Untergang. Obwohl die Weisheit mich oft suchte, Verschmähte ich die Lehre, die sie brachte, – Meine einzigen Bücher Waren der Frauen Blicke, Und Torheit ist alles, was sie mich lehrten.
Ihr Lächeln, als die Schönheit es gewährte, Hing ich mit verzaubertem Blick, Wie jener Geist, Dem Mägde bei Nacht Oft begegnen im Tal, das verhext ist. Wie jener auch, gewann mich die Schönheit; Doch als der Bann auf mir lag, Wenn ihr Strahl auch nur einmal Abgewandt wurde, O! Winde konnten mich nicht überholen.
Und gehen diese Torheiten nun? Und wird mein stolzes Herz Zu kalt oder zu weise, Dass strahlende Augen es Wieder zum Glühen bringen? Nein – eitel, ach! das Bemühen, Sich von so süßen Banden zu lösen; – Der armen Weisheit Chance Gegen einen Blick Ist nun so schwach wie eh und je.
DEAR FANNY
„Sie hat Schönheit, doch du musst dein Herz kühl halten; Sie hat Witz, doch du darfst dich nicht so fangen lassen“: So rät die Vernunft, doch die Vernunft ist ein Narr, Und es ist nicht das erste Mal, dass ich das dachte, Liebe Fanny, Es ist nicht das erste Mal, dass ich das dachte.
„Sie ist lieblich; also liebe sie, und lass das Glück nicht entfliehen; Es ist der Zauber der entschwindenden Jahreszeit der Jugend“; So hat die Liebe mir geraten, und wer wird leugnen, Dass die Liebe besser vernünftelt als die Vernunft, Liebe Fanny, Die Liebe vernünftelt viel besser als die Vernunft.
A CERTAIN YOUNG LADY
Es gibt eine gewisse junge Dame, Die gerade in ihrer Blüte steht, Und voller Schabernack, glaube ich; So neckisch! so gefällig! Launisch! köstlich! Und du weißt sehr wohl, wen ich meine.
Mit einem Auge dunkel wie die Nacht, Doch heller als der Mittag, War je ein schwarzes Auge so scharf? Es kann mit einem Blick erschüttern, Mit einem Strahl entzücken, Und du weißt sehr wohl, wen ich meine.
Mit einem stolzen Schritt – wie man ihn Bei einer Herzogin erwarten würde – Und einer Stirn, die eine Königin auszeichnen könnte, Mit einer mächtig stolzen Art, Die sagt: „Berühre mich, wer es wagt“, Und du weißt sehr wohl, wen ich meine.
Mit einem Wurf des Kopfes, Der einen ganz und gar niederstreckt, Doch einem Lächeln, das einen wieder belebt; Dieser Wurf, so entsetzlich! Dieses Lächeln, so bezaubernd! Und du weißt sehr wohl, wen ich meine.
Verflucht sei sie! der Teufel hole sie! – Eine grausame Herzensbrecherin – Doch halt! sieh dieses Lächeln, so gelassen. Gott liebe sie! Gott segne sie! Möge nichts sie bedrücken! Du weißt sehr wohl, wen ich meine.
Der Himmel helfe dem Anbeter, Der sie langweilt, Dem Liebhaber, der ihren Unmut erregt; Doch allzu gesegnet für einen Sünder Ist der, der sie gewinnen wird, Und du weißt sehr wohl, wen ich meine.
„WHERE BE YOU GOING, YOU DEVON MAID“
Wo gehst du hin, du Devon-Maid? Und was hast du da im Korb? Du straffes kleines Feenwesen, gerade frisch aus der Meierei, Gibst du mir etwas Sahne, wenn ich darum bitte?
Ich liebe deine Hügel und ich liebe deine Täler, Und ich liebe deine blökenden Herden; Doch ach, auf dem Heidekraut zusammen zu liegen, Mit unseren beiden Herzen, die pochen!
Ich werde deinen Korb sicher in einen Winkel stellen; Deinen Schal werde ich an eine Weide hängen; Und wir werden seufzen im Auge des Gänseblümchens, Und auf einem grasgrünen Kissen küssen.
LOVE IN A COTTAGE
Sie mögen von Liebe in einer Hütte reden, Und von Lauben aus spaliergeranktem Wein – Von der Natur, bezaubernd einfach, Und Milchmädchen, halb göttlich; Sie mögen von dem Vergnügen reden, zu schlafen Im Schatten eines ausladenden Baumes, Und einem Spaziergang auf den Feldern am Morgen, An der Seite eines freien Schrittes!
Doch gib mir ein verstohlenes Flirten Beim Licht eines Kronleuchters – Mit Musik, die in den Pausen spielt, Und niemandem in unmittelbarer Nähe; Oder einen Sitz auf einem seidenen Sofa, Mit einem Glas purem altem Wein, Und Mama zu blind, um zu entdecken Die kleine weiße Hand in meiner.
Deine Liebe in einer Hütte ist hungrig, Dein Wein ist ein Nest für Fliegen – Dein Milchmädchen schockiert die Grazien, Und die Einfachheit redet von Pasteten! Du legst dich in deinen schattigen Schlummer Und erwachst mit einem Käfer im Ohr, Und dein Fräulein, das am Morgen wandelt, Ist beschuht wie eine Bergsteigerin.
Die wahre Liebe ist zu Hause auf einem Teppich, Und liebt gewaltig ihre Bequemlichkeit; – Und die wahre Liebe hat ein Auge für ein Abendessen, Und verhungert unter schattigen Bäumen. Ihr Flügel ist der Fächer einer Dame, Ihr Fuß ist ein unsichtbares Ding, Und ihr Pfeil ist mit einem Juwel bestückt, Und von einer silbernen Sehne geschossen.
SONG OF THE MILKMAID Aus „Queen Mary“
Schande über dich, Robin, Schande über dich jetzt! Möchtest mich küssen? Mit meinen Händen Beim Melken der Kuh? Gänseblümchen wachsen wieder, Dotterblumen blühen wieder, Und du kamst und küsstest mich beim Melken der Kuh.
Robin kam hinter mich, Küsste mich gut, ich gelobe es; Könnte ich ihn schlagen? Mit meinen Händen Beim Melken der Kuh? Schwalben fliegen wieder, Kuckucke rufen wieder, Und du kamst und küsstest mich beim Melken der Kuh.
Komm, Robin, Robin, Komm und küsse mich jetzt; Kann ich es verhindern? Mit meinen Händen Beim Melken der Kuh? Ringeltauben gurren wieder, Alles wirbt wieder, Komm hinter mich und küsse mich beim Melken der Kuh!
„WOULDN’T YOU LIKE TO KNOW“
Ich kenne ein Mädchen mit Zähnen aus Perlen, Und Schultern weiß wie Schnee; Sie lebt, – ach nun, Ich darf es nicht sagen, – Möchtest du es nicht wissen?
Ihr sonniges Haar ist wunderbar blond, Und wellig in seinem Fluss; Wer machte es kürzer Um eine kleine Locke, – Möchtest du es nicht wissen?
Ihre Augen sind blau (himmlischer Farbton!) Und blendend in ihrem Glanz; Auf wen sie strahlen Mit schmelzendem Schimmer, – Möchtest du es nicht wissen?
Ihre Lippen sind rot und fein verbunden, Wie Rosen, bevor sie blühen; Welcher Liebhaber nippt An diesen taufrischen Lippen, – Möchtest du es nicht wissen?
Ihre Finger sind wie Lilien fair, Wenn Lilien am schönsten wachsen; Wessen Hand sie drücken Mit zärtlicher Liebkosung, – Möchtest du es nicht wissen?
Ihr Fuß ist klein, und hat einen Auftritt Wie Schneeflocken auf dem Schnee; Und wo er hingeht Unter die Rose, – Möchtest du es nicht wissen?
Sie hat einen Namen, den süßesten Namen, Den die Sprache verleihen kann. Es würde den Zauber brechen, Wenn ich es verriete, – Möchtest du es nicht wissen?
„SING HEIGH-HO!“
Da sitzt ein Vogel auf jedem Baum; Sing heigh-ho! Da sitzt ein Vogel auf jedem Baum, Und wirbt um seine Liebe, wie ich um dich; Sing heigh-ho, und heigh-ho! Junge Mägde müssen heiraten.
Da wächst eine Blume auf jedem Zweig; Sing heigh-ho! Da wächst eine Blume auf jedem Zweig, Ihre Blütenblätter küssen sich – ich zeige dir wie: Sing heigh-ho, und heigh-ho! Junge Mägde müssen heiraten.
Vom Meer zum Strom wandern die Lachse; Sing heigh-ho! Vom Meer zum Strom wandern die Lachse; Jeder findet ein Weibchen und führt sie heim; Sing heigh-ho, und heigh-ho! Junge Mägde müssen heiraten.
Die Sonne ist ein Bräutigam, die Erde eine Braut; Sing heigh-ho! Sie werben von Morgen bis zum Abendrot: Die Erde soll vergehen, doch die Liebe bleiben. Sing heigh-ho, und heigh-ho! Junge Mägde müssen heiraten.
THE GOLDEN FISH
Die Liebe ist ein kleiner goldener Fisch, Wunderlich scheu … ach, wunderlich scheu … Du magst ihn fangen, wenn du willst; Er könnte ein feines Gericht abgeben … Doch ich … Ach, ich habe andere Fische zu braten!
Denn wenn ich versuche, diesen Preis zu fangen, Ernsthaft und geduldig, Trotzt der Schelm all meiner Geschicklichkeit, Lauernd sicher in Aimees Augen … Also, du siehst, Ich bin gefangen und die Liebe geht frei!
THE COURTIN’
Gott macht solche Nächte, ganz weiß und still So weit du schauen oder lauschen kannst, Mondschein und Schnee auf Feld und Hügel, Alles Stille und alles Glitzern.
Zekle schlich sich ganz unbemerkt heran Und spähte durch das Fenster, Und da saß Huldy ganz allein, Mit niemandem in der Nähe, um sie zu stören.
Ein Kamin füllte die eine Seite des Zimmers, Mit einem halben Klafter Holz darin – Es gab keine Öfen (bis der Komfort starb), Um dich zu einem Pudding zu backen.
Die Walnussstämme schossen Funken aus Auf die Hübscheste, segne sie! Und kleine Flammen tanzten ringsum Auf dem Porzellan auf dem Anrichte.
Gegen den Schornstein hingen die Krummhälse, Und dazwischen verrostet Das alte Königinnen-Gewehr, das Großvater Young Vom Concord kaputt mitgebracht hatte.
Das Zimmer selbst, weil sie darin war, Schien warm von Boden bis zur Decke, Und sie sah noch einmal so rosig aus Wie die Äpfel, die sie schälte.
Es war eine Art Himmelreich, auf So ein gesegnetes Geschöpf zu blicken, Eine Hundsrose, die zu einem Bach errötet, Ist nicht bescheidener noch süßer.
Er war sechs Fuß Mann, A I, Echtes Rückgrat und menschliche Natur; Keiner konnte schneller eine Tonne werfen, Noch eine Furche gerader ziehen.
Er hatte mit gut zwanzig Mädchen geflirtet, Er hatte sie begleitet, getanzt, gefahren, Erst diese, und dann jene, phasenweise – Alles ist, er konnte sie nicht lieben.
Doch bei ihr liefen seine Adern Alle kraus wie gerollter Ahorn, Die Seite, die sie streifte, fühlte sich voller Sonne Wie ein Südhang im April.
Sie dachte, keine Stimme hätte solch einen Schwung Wie die seine im Chor; Mein! als er das Alte Hundert schallen ließ, Wusste sie, der Herr war näher.
Und sie errötete scharlachrot, mitten im Gebet, Wenn ihre neue Versammlungshaube Sich irgendwie durch ihre Krone ein Paar Blaue Augen darauf gesetzt fühlte.
Diese Nacht, ich sage dir, sie sah aus! Sie schien eine neue Seele bekommen zu haben, Denn sie fühlte sich todsicher, er würde kommen, Bis hinunter zu ihrer Schuhsohle.
Sie hörte einen Fuß und kannte ihn auch, Ein Scharren auf dem Abstreifer, – Nach allen Seiten zugleich flogen ihre Gefühle Wie Funken in verbranntem Papier.
Er lungerte ein bisschen auf der Matte herum, Etwas zweifelnd hinsichtlich der Folge, Sein Herz klopfte immerzu pitty-pat, Doch ihres ging Mitleid Zekle.
Und doch gab sie ihrem Stuhl einen Ruck, Als wünschte sie ihn weiter weg, Und an ihren Äpfeln arbeitete sie weiter, Schälte weg wie ein Mörder.
„Du willst meinen Pa sehen, nehme ich an?“ „Nun … nein … ich kam mit der Absicht“ „Meine Ma zu sehen? Sie besprengt Wäsche Fürs Bügeln von morgen.“
Zu sagen, warum Mädchen so oder so handeln, Oder nicht, wäre anmaßend; Vielleicht Ja zu meinen und Nein zu sagen Kommt den Frauen natürlich vor.
Er stand erst eine Weile auf einem Fuß, Dann stand er eine Weile auf dem anderen, Und auf welchem er sich am schlechtesten fühlte, Hätte er dir auch nicht sagen können.
Sagt er: „Ich sollte besser wiederkommen“; Sagt sie: „Denke wohl, Mister“; Das letzte Wort stach ihn wie eine Nadel, Und … Nun, er stand auf und küsste sie.
Als Ma später bei ihnen hereinschlüpfte, Saß Huldy blass wie Asche, Ganz irgendwie lächelnd um die Lippen Und tränenreich um die Wimpern.
Denn sie war eben die stille Art, Deren Naturen sich nie ändern, Wie Bäche, die einen Sommergeist bewahren Schneeversteckt im Januar.
Das Blut eng um ihr Herz fühlte sich geklebt Zu fest für alles Ausdrücken, Bis Mutter sah, wie die Dinge standen Und ihnen beiden ihren Segen gab.
Dann kam ihr Rot zurück wie die Flut Hinunter zur Bucht von Fundy, Und alles, was ich weiß, ist, sie wurden aufgeboten In der Versammlung am nächsten Sonntag.
L'EAU DORMANTE
Zusammengekauert und auf ihren Füßen sitzend, In der tiefen Nische des Fensters, Ist Lydia; und gegenüber, Ein Junge, mit Augen von schalkhaftem Azur, Beobachtet sie, versunken in ihr Buch. Vergebens versucht er, einen Blick zu erhaschen, Und vom Gitter dort drüben Weht er allerlei Küsse durch die Luft, Die das Ziel verfehlen und ungesehen fallen, Unbeachtet. Lydia ist dreizehn.
Mein Junge, wenn du, ohne Missbrauch, Den Rat eines Klügeren annimmst, Und seine Weisheit zu mehr Nutzen bringst, Als es dein Berater je getan hat; Wenn du lässt, wie es niemand tun wird, Dass ein anderer Herzbruch für zwei dient, Wirst du dich in vier Jahren hüten, Wie du dort an jenem Zaun lungerst Und diese Küsse durch jenen Schirm bläst – Denn Lydia wird siebzehn sein.
A PRIMROSE DAME
Sie trägt eine Primel an ihrer Brust, Ich wünschte fast, ich wäre ein Tory. Ich mag die Radikalen am meisten; Sie trägt eine Primel an ihrer Brust; Ist es nun Zufall, dass sie so gekleidet ist, Oder muss ich eine Geschichte erzählen? Sie trägt eine Primel an ihrer Brust, Ich wünschte fast, ich wäre ein Tory.
IF
Oh, wenn die Welt mein wäre, Lieb, Ich gäbe die Welt für dich! Ach! es gibt kein Zeichen, Lieb, Von dieser Eventualität.
Wäre ich ein König, – was nicht Zu erwägen ist jetzt, – Ein Diadem hätte geglänzt Auf jener lieblichen Stirn.
Hätte Ruhm mich mit Lorbeeren gekrönt, – Hat er nicht, bis zum heutigen Tag, – Weder Zeit noch Wandel hätten mich gefunden, Dir und der Liebe gegenüber undankbar.
Wenn der Tod seinen Fehdehandschuh würfe, Lieb, Obwohl das Leben mir teuer ist, Ich stürbe, selbst an hohem Alter, Lieb, Um ein Lächeln von dir zu gewinnen.
Doch da wir arm sind, trennen wir uns, Teure, Und die Liebe, süße Liebe, muss sterben; Du wirst dir nicht das Herz brechen, Teure, Nicht mehr, denke ich, als ich!
DON’T
Deine Augen waren zum Lachen gemacht: Sorge kleidet sie nicht; Willst du künftig fröhlich sein, Vermeide das Los des Liebenden.
Die Rose und die Lilie vermengt Besitzen deine Wangen so schön; Sorge war nie dazu bestimmt, Ihre Furchen dort zu hinterlassen.
Dein Herz wurde nicht erschaffen, Sich selbst zu verzehren, Indem es unangemessen gepaart wird Mit gewöhnlichem menschlichem Lehm.
Doch Herzen wurden zum Lieben gemacht – Verflucht sei die Philosophie! Vergiss, was ich bewiesen habe, Süße Phyllis, und liebe mich!
AN IRISH LOVE-SONG
In den Jahren um die zwanzig (Wenn Küsse im Überfluss vorhanden sind) Fiel die Liebe eines irischen Mädchens in mein Schicksal – So gewinnend und ansehnlich, So frech und lebhaft, Der Priester war ein Prophet, der sie Kate taufte.
Weiches Grau der Morgendämmerung, Helles Blau des Morgens, Das Süße ihres Auges dort hatte nichts Vergleichbares; Eine Nase wie eine Fee, Eine Wange wie eine Kirsche, Und ein Lächeln – nun, ihr Lächeln war wie – nichts als Kate.
Sie zu sehen war Leidenschaft, Sie zu lieben, die Mode; Welch Wunder, mein Herz wollte nicht warten! Und, wagend sie zu lieben, Entdeckte ich bald Eine Katherine, die sich in der frechen Kate verbarg.
Keine widerspenstige Katy Sondern Katherine, wahrlich – Zärtlich, ernst, geduldig und sogar gesetzt; Mit einem Glühen in ihrer Fröhlichkeit, Das die Traurigkeit verbannt – Doch halt! Sollte ich den Sonnenschein Kate zuschreiben?
Liebe kann es nicht überleben, Reichtum kann es nicht aufwiegen – Die freche Kapitulation, die sie am Tor machte. O Zeit, sei nur menschlich, Schone das Mädchen in der Frau! Du gabst mir meine Katherine – lass mir meine Kate!
GROWING OLD
Süße Sechzehn ist schüchtern und kalt, Nennt mich „Sie“, und hält mich für alt; Hört auf eine verlegene Art All die Komplimente, die ich mache;
Findet meine Huldigung recht langweilig, Will mir nicht zulächeln, und mehr Nach ihrem Geschmack findet sie den Lärm Und das Geplapper unreifer Jungen.
Nicht die Linien um mein Auge, Die sich vertiefen, während die Jahre vergehen; Nicht weiße Haare, die meinen Kopf bestreuen, Noch mein weniger elastischer Tritt;
Sorgen, die ich finde, noch Freuden, die ich vermisse, Lassen mich meine Jahre so fühlen: – Süße Sechzehn ist schüchtern und kalt, Nennt mich „Sie“, und hält mich für alt.
TIME’S REVENGE
Als ich zehn war und sie fünfzehn – Ach, wie schön hielt ich sie. Sie behandelte mit verächtlichem Wesen Die Huldigung, die ich ihr brachte, Und sagte auf gönnerhafte Weise Über meine schüchternen Annäherungsversuche: „Es ist wirklich ziemlich absurd, weißt du; Er ist viel zu jung für mich.“
Ich bin jetzt zwanzig, sie fünfundzwanzig – Nun, nun! wie alt sie wird. Ich bilde mir ein, dass mein Werben gedeihen könnte, Wenn es wieder versucht würde; doch aufgrund Der großen Diskrepanz im Alter, Nehmen ihre deutlichen Aufmerksamkeiten nicht Meine jungen Zuneigungen in Anspruch, denn, weißt du, Sie ist wirklich viel zu alt für mich.
IN EXPLANATION
Ihre Lippen waren so nah, Dass – was hätte ich sonst tun können? Du wirst wütend sein, fürchte ich. Doch ihre Lippen waren so nah – Nun, ich kann es nicht verdeutlichen, Oder dir erklären. Doch – ihre Lippen waren so nah, Dass – was hätte ich sonst tun können?
OMNIA VINCIT
Lange stand ich fern von den Listen der Liebe, Mein Herz war gestählt und ich war schönheitsfest; Doch ich, unversehrt in vielen vergangenen Gefahren, Siehe! hier bin ich schließlich besiegt.
Meine Praxis war, im Lehnstuhl zurückgelehnt, Überlegen-weise über die Frauenwelt zu sprechen, Das abgenutzte Credo der Liebe wegzuwinken, Um sich dem Rauch anzuschließen, der sich darüber kräuselte.
Liebe, sagte ich in meiner Weisheit, Liebe ist tot, Trotz all ihrer fabelhaften Triumphe – und stattdessen Finden wir eine ruhige, liebevolle Achtung, Ausgeteilt vom Intellekt an den Intellekt.
Doch als die Liebe, Rache nehmend, mich schwer traf, Rief mich meine Sirene von keinem klassischen Ufer; Es war keine Girton-Trompete, die niederlegte Die Mauern dieses platonischen Jericho.
Denn als mein Seelenfrieden endlich gestohlen war, Dachte ich kein bisschen an Intellekt oder Seele, Nein! ich war in klägliche Not versetzt Durch braune Augen, weit vor Wahrheit und Zärtlichkeit.
A PASTORAL
Entlang des Weges neben der Wiese, Wo Kuhblumen-Gold im Gras ist, Hielt ich mit dem leichten Tempo des Milchmädchens mit, Einem großen und federnden Landmädchen: Doch obwohl sie einen fröhlichen Plan hatte, Um sich vor meinen sanften Erwiderungen zu schützen, Spielte die Liebe Fang-mich-wenn-du-kannst In Marys Augen.
Ein oder zwei Meilen von der Varley-Brücke entfernt Pflückte ich ein Ampferblatt als Fächer, Verscheuchte die beständigen Mücken, Und kühlte den gebräunten Streifen ihrer Stirn. Doch obwohl das Mädchen meine Hand Ihrer hübschen Fingerspitzen nicht berauben wollte, Spielte die Liebe „Küss-mich-wenn-du-dich-traust“ Auf Marys Lippen.
Da die Zeit kurz und das Blut kühn war, Rückte ich näher an ihre Seite, Und beobachtete, wie ihre Sommersprossen sich wandelten Von Gold zu Rosa unter einer errötenden Flut. Doch obwohl sie ihr Gesicht abwandte, Wie viel gestand ihr pochendes Herz doch! Die Liebe spielte „Finde-mich-wenn-du-darfst“ In Marys Brust.
EINE ROSE
Es war eine Jacqueminot-Rose, Die sie mir zum Abschied gab; Die süßeste Blume, die blüht, Es war eine Jacqueminot-Rose. Im engen Liebesgarten, Mit dem schnellen Aufsteigen der Röte, Es war eine Jacqueminot-Rose, Die sie mir zum Abschied gab.
Ob sie sie küsste, wer weiß es – Da ich es nicht enthüllen werde, Und die Liebe ist so vertraut, Ob sie sie küsste, wer weiß es? Oder wenn nicht die rote Rose, Vielleicht dann den Liebhaber! Ob sie sie küsste, wer weiß es, Da ich es nicht enthüllen werde.
Doch zumindest mit der Rose Kam ein Kuss, den ich nun trage! Mehr werde ich nicht preisgeben, Doch zumindest mit der Rose Kam – wessen Kuss, das weiß niemand – Da ich nur verkünde: „Doch zumindest mit der Rose Kam ein Kuss, den ich nun trage.“
UMWORBEN UND VERHEIRATET UND ALLES
Die Braut kam aus dem Stall, Und ach, wie sie sich die Wangen trocknete: „Herren, ich werde heute Abend verheiratet, Und habe weder Decken noch Laken; Habe weder Decken noch Laken, Und kaum eine Bettdecke dazu; Die Braut, die sich alles leihen muss, Die hat wahrlich viel zu tun!“ Umgeworben und verheiratet und alles, Verheiratet und umgeworben und alles! Und war sie nicht sehr gut dran, Die umgeworben und verheiratet und alles war?
Da sprach der Vater der Braut, Als er vom Pflügen hereinkam: „Oh, halte den Mund, meine Tochter, Und du sollst genug Habe bekommen; Das Rind steht am Strick, Und unser prächtiges scheckiges Pferd, Wird dir dein Korn nach Hause bringen – Was willst du denn noch, du Göre?“
Da sprach die Mutter der Braut: „Welcher Teufel braucht all diesen Stolz? Ich hatte keinen Pfennig in meiner Tasche, In der Nacht, als ich eine Braut war; Mein Kleid war aus Loden, Und überhaupt kein Hemd am Leib; Und du hast Bänder und Schnürstiefel, Mehr als ein oder zwei.“
Da sprach der Bruder der Braut, Als er mit den Kühen hereinkam: „Der arme Willie hätte dich nie genommen, Hätte er dich so gut gekannt wie ich; Denn du bist sowohl stolz als auch frech Und nicht für die Frau eines armen Mannes bestimmt; Wenn ich keine Bessere bekommen kann, Nehme ich mein Leben lang keine.“
Da sprach die Schwester der Braut, Als sie aus dem Stall hereinkam: „Oh, wenn ich doch nur verheiratet wäre, Das ist alles, was ich begehre; Aber wir armen Leute müssen ledig bleiben, Und das Beste tun, was wir können; Ich wüsste nicht, was mir fehlen sollte, Wenn ich nur einen Mann bekommen könnte!“
ÜBER DAS MOOR ZWISCHEN DEM HEIDEKRAUT
Als ich durch die Felsen von Kyle kam, Zwischen dem hübsch blühenden Heidekraut, Da traf ich ein hübsches Mädchen, Die alle ihre Mutterschafe zusammenhielt.
Über das Moor zwischen dem Heidekraut, Über das Moor zwischen dem Heidekraut; Da traf ich ein hübsches Mädchen, Die alle ihre Mutterschafe zusammenhielt.
Ich sage: Mein Schatz, wo ist dein Zuhause – Im Moor oder im Tal, sag mir, welches von beiden? Sie sagt: Ich hüte die wolligen Herden, Die zwischen dem blühenden Heidekraut weiden.
Wir legten uns auf eine Bank nieder, So warm und sonnig war das Wetter: Sie ließ ihre Herden frei umherstreifen Zwischen dem hübsch blühenden Heidekraut.
Während wir so lagen, sang sie ein Lied, Bis das Echo eine Meile und weiter hallte; Und immer war die Hauptzeile des Liedes: Über das Moor zwischen dem Heidekraut.
Sie bezauberte mein Herz, und seitdem Konnte ich an keine andere denken: Bei Meer und Himmel! Sie soll mein sein, Das hübsche Mädchen im Heidekraut.
DIE EHE UND IHRE SORGE
Sagte Rab zu Kate: Mein pralles Schätzchen, Ich habe mehr als ein halbes Jahr um dich geworben, Und hätte dich, wenn du mich heiraten wolltest, nie fragen können, Vor Schüchternheit und der Sorge darum. Nun zum Punkt: Ich meine es aufrichtig: Willst du meine Lebensgefährtin sein, Süße? Schlag ein, und sag, es sei abgemacht, Und denk nie an die Sorge darum.
Nein, nein, sagte Kate, ich werde nicht heiraten, Vor solch einer Schlinge werde ich mich immer hüten; Wie viele werden gedankenlos in die Irre geführt Durch die Ehe und die Sorge darum! Ein lediges Leben ist ein Leben voll Freude, An eine Ehefrau denke bei mir nie, Von Mühsal und Kummer werde ich frei bleiben, Und all dem Leid und der Sorge darum.
Nun, nun, sagte Robin zur Antwort, Du sollst mich nie wieder abweisen, Du magst als zahnlose Jungfer sterben, Meinetwegen, ich mache mir keine Sorge darum. Leb wohl für immer! – ich ziehe von dannen; – So nahm er ohne Seufzer Abschied; Oh! Halt, sagte Kate, ich bin dein, ich will es versuchen, Das Eheleben und die Sorge darum.
Rab drehte sich um, kam zu Kate zurück, Und gab ihrem Mund einen herzhaften Schmatzer, Dann spann er ein liebes Plaudern aus Über die Ehe und die Sorge darum. Obwohl sie nicht aussprach, was sie dachte, Und höchst zimperlich und sanft dreinsah, Doch war sie froh, sich mit Rab zu verbinden, In der Ehe, mit der Sorge darum.
DAS FRAUENVOLK
Oh, bitterlich mag ich den Tag bereuen, An dem ich zuerst das Frauenvolk begehrte; Denn seitdem kann ich nie mehr Einen ruhigen Gedanken oder Seelenfrieden haben! Sie haben mein Herz geplagt und mein Auge erfreut, Und mich nach Belieben gequält und geschmeichelt, Doch immer, trotz all ihrer Hexerei, Die schlauen Dinger! liebe ich sie noch. Oh, das Frauenvolk! Oh, das Frauenvolk, Aber sie sind mein Untergang gewesen; Oh, wehe dem Frauenvolk, Denn sie lassen einen nicht in Ruhe!
Ich habe nachgedacht und nachgedacht, aber wage es nicht zu sagen, Ich habe sie mit all meinem Geschick studiert, Ich habe sie besser geliebt als mich selbst, Ich habe versucht, sie wieder nicht zu mögen. Wer am meisten strebt, wird am meisten bereuen, Zu begreifen, was kein Mann kann; Wenn er getan hat, was ein Mann tun kann, Wird er am Ende dort aufhören, wo er begann. Dass sie sanfte Formen haben und passend, Kann ein Mann mit einem halben Blick sehen; Und anmutige Haltungen und süße Gesichter, Und wehende Locken über der Stirn! Und Lächeln so sanft wie die junge Rosenknospe, Und Augen so schlau, hell und selten, Die die Lerche aus der Wolke locken würden – Aber, Junge, versuche nicht, mehr zu wissen!
DIE LIEBE IST WIE EIN SCHWINDEL
Ich lebte neulich in stiller Ruhe, Und wollte nie heiraten, o! Aber als ich Peggys Gesicht sah, Fühlte ich eine traurige Verwirrung, o! Obwohl so wild wie jedes Athol-Reh, Hat sie mich fein eingefangen, o! Ihre Kirschenwangen und Augen so klar, Quälen mich spät und früh, o! Oh, Liebe, Liebe, Liebe! Die Liebe ist wie ein Schwindel; Sie lässt einen armen Kerl nicht Seinen Geschäften nachgehen!
Meine Heldentaten dieser einen Woche zu erzählen, Würde ein verrückt anmutendes Tagebuch abgeben, o! Ich fuhr meinen Karren über einen Deich, Meine Pferde in einen Sumpf, o! Ich trage meine Strümpfe weiß und blau, Meine Liebe ist so heftig und feurig, o! Ich bearbeite das Land, das ich pflügen sollte, Und pflüge die Furchen vollständig um, o!
Eines Morgens, beim Anbruch des Tages, Stand ich auf, um den Stall zu decken, o! Ich warf meinen Mantel ab und legte los, So schnell ich konnte, o! Ich arbeitete an jenem Morgen durch und durch, Als hätte ich Feuer gelöscht, o! Als ich fertig war und mich umsah, Bei meinem Glauben, es war der Viehstall, o!
Ihren schlauen Blick werde ich nie vergessen, Das liebe, schöne Blinzeln davon, Hat mich mitten ins Herz getroffen, Und plagt mich mit dem Prickeln davon. Ich versuchte zu singen, ich versuchte zu beten, Ich versuchte es mit Trinken zu ertränken, o! Ich versuchte es mit Sport zu vertreiben, Aber kann vor lauter Denken daran niemals schlafen, o!
Kein Mann kann sagen, welche Schmerzen ich erleide, Oder wie schwer mein Streich ist, o! Ich schwöre, ich bin schmerzlicher betrunken von Liebe, Als ich jemals von Whisky war, o! Denn die Liebe hat mich vor und hinten durchsucht, Ich kann kaum noch ein Bein heben, o! Ich wurde erst schwindlig, dann wurde ich verrückt, Und bald werde ich für Peggy sterben, o!
BETRIMM DICH VOR LEUTEN
Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten, Und sei nicht so grob zu mir, Mich so vor Leuten zu küssen.
Es würde mir nicht viel Schmerz bereiten, Wenn wir von niemandem gesehen oder gehört würden, Einen Kuss zu nehmen oder dir einen zu gewähren; Aber um Himmels willen! Nicht vor Leuten. Betrimm dich vor Leuten. Betrimm dich vor Leuten; Was auch immer du tust, wenn außer Sicht, Sei immer vorsichtig vor Leuten.
Bedenk, Junge, wie die Leute tratschen werden, Und was für eine große Sache sie machen werden Aus nichts weiter als einem einfachen Schmatzer, Der vor Leuten gegeben oder genommen wird. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Und gib der Zunge von Alten oder Jungen Keinen Anlass, über Leute herzufallen.
Es ist nicht aus Hass gegen einen Kuss, Dass ich dir das so offen sage; Aber, ach! Ich nehme es übel, So vor Leuten geärgert zu werden. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Wenn wir allein sind, darfst du einen nehmen, Aber beim Teufel keinen vor Leuten.
Ich bin sicher, ich war so frei mit dir, Wie jedes bescheidene Mädchen sein sollte; Aber dennoch geht es nicht an, zu sehen, Wie solche Freiheit vor Leuten genutzt wird. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Ich werde mich dem nie wieder unterwerfen – Also merk dir das – vor Leuten.
Du sagst mir, dass mein Gesicht schön ist; Es mag so sein – das kümmert mich nicht – Aber lass es nie wieder so sehr erröten, Wie du es vor Leuten getan hast. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Und erhitze nicht meine Wangen mit deinen verrückten Possen, Sondern sei immer gesittet vor Leuten.
Du sagst mir, dass meine Lippen süß sind; Solche Geschichten, fürchte ich, sind alle Täuschung; Auf jeden Fall ist es kaum schicklich, Ihre Süße vor Leuten zu kosten. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Wenn das der Fall ist, gibt es Zeit und Ort, Aber sicherlich nicht vor Leuten.
Aber, wenn du wirklich darauf bestehst, Dass ich es dulden sollte, geküsst zu werden, Geh, hol dir eine Erlaubnis vom Priester, Und mach mich vor Leuten zu der Deinen. Betrimm dich vor Leuten, Betrimm dich vor Leuten; Und wenn wir eins sind, Fleisch und Bein, Darfst du zehn nehmen – vor Leuten.
RORY O'MORE; ODER, GUTE VORZEICHEN
Der junge Rory O'More umwarb die blonde Kathleen, Er war kühn wie ein Falke – sie so sanft wie die Morgendämmerung; Er wünschte in seinem Herzen, der hübschen Kathleen zu gefallen, Und er dachte, der beste Weg, das zu tun, sei zu necken. „Nun, Rory, sei ruhig“, würde die süße Kathleen rufen (Tadel auf ihren Lippen, aber ein Lächeln in ihren Augen), „Bei deinen Tricks weiß ich, bei Gott, nicht, was ich tue, Wahrlich, du hast mich so lange geneckt, bis ich meinen Umhang auf links angezogen habe.“ „Oh! Juwel“, sagt Rory, „genau das ist die Art, Wie du mein Herz seit vielen Tagen behandelt hast; Und ich bin erfreut, und warum nicht, sicher doch? Denn es ist alles für das Glück“, sagt der kühne Rory O'More.
„In der Tat dann“, sagt Kathleen, „denk nicht an so etwas, Denn ich habe dem schmeichelnden Mike halb ein Versprechen gegeben; Den Boden, auf dem ich gehe, liebt er, das wette ich.“ „Wahrlich“, sagt Rory, „ich würde lieber dich lieben als den Boden.“ „Nun, Rory, ich werde weinen, wenn du mich nicht gehen lässt; Sicher träume ich jede Nacht, dass ich dich so sehr hasse!“ „Oh“, sagt Rory, „das Gleiche zu hören, entzückt mich, Denn Träume beruhen immer auf Gegensätzen, meine Liebe; Also, Juwel, träum das Gleiche, bis du stirbst, Und der helle Morgen wird der schmutzigen Nacht die schwarze Lüge strafen! Und ich bin erfreut, und warum nicht, sicher doch? Da es alles für das Glück ist“, sagt der kühne Rory O'More.
„Arrah, Kathleen, mein Liebling, du hast mich genug geneckt, Sicher habe ich für dein Wohl Dinny Grimes und Jim Duff verprügelt; Und ich habe mich, beim Trinken auf dein Wohl, ganz zum Biest gemacht, Also denke ich, danach kann ich mit dem Priester sprechen.“ Dann stahl Rory, der Schelm, seinen Arm um ihren Hals, So sanft und so weiß, ohne Sommersprossen oder Flecken, Und er schaute in ihre Augen, die vor Licht strahlten, Und er küsste ihre süßen Lippen; – glaubst du nicht, dass er recht hatte? „Nun, Rory, hör auf, Sir: Du wirst mich nicht mehr umarmen; Das ist das achte Mal heute, dass du mich schon geküsst hast.“ „Dann kommt hier noch einer“, sagt er, „um sicherzugehen, Denn es liegt Glück in ungeraden Zahlen“, sagt Rory O'More.
BITTEN UND HABEN
„Oh, es ist Zeit, dass ich mit deiner Mutter spreche, Süße Mary“, sage ich; „Oh, sprich nicht mit meiner Mutter“, sagt Mary Und beginnt zu weinen: „Denn meine Mutter sagt, Männer sind Betrüger, Und ich weiß, sie wird niemals zustimmen; Sie sagt, Mädchen, die in Eile heiraten, Bereuen in der Muße.“
„Dann, angenommen, ich würde mit deinem Vater sprechen, Süße Mary“, sage ich; „Oh, sprich nicht mit meinem Vater“, sagt Mary Und beginnt zu weinen: „Denn mein Vater liebt mich so sehr, Er wird niemals zustimmen, dass ich gehe – Wenn du mit meinem Vater sprichst“, sagt Mary, „Wird er sicherlich ‚Nein‘ sagen.“
„Dann wie soll ich dich bekommen, mein Juwel? Süße Mary“, sage ich; „Wenn dein Vater und deine Mutter so grausam sind, Werde ich sicherlich sterben!“ „Oh, sag niemals, dass du stirbst, mein Lieber“, sagt Mary; „Einen Weg, dich jetzt zu retten, sehe ich; Da meine Eltern beide so widerspenstig sind – Solltest du besser mich fragen!“
KITTY VON COLERAINE
Als die schöne Kitty eines Morgens unterwegs war, Mit einem Milchkrug vom Markt von Coleraine, Als sie mich sah, stolperte sie, der Krug stürzte nieder, Und die ganze süße Buttermilch bewässerte die Ebene.
„Oh! Was soll ich jetzt tun – es war das Ansehen von dir! Sicher, sicher, solch einen Krug werde ich nie wieder finden! Er war der Stolz meiner Molkerei! Oh! Barney MacCleary, Du bist als Plage für die Mädchen von Coleraine gesandt.“
Ich setzte mich neben sie und tadelte sie sanft, Dass solch ein Unglück ihr solchen Schmerz bereiten sollte; Einen Kuss gab ich ihr dann, und bevor ich sie verließ, Schwor sie, für solch ein Vergnügen würde sie ihn wieder zerbrechen.
Es war Heumachzeit – ich kann den Grund nicht sagen – Unglücke kommen nie allein, das ist klar; Denn sehr bald nach Kittys Unglück War beim Teufel kein Krug mehr heil in Coleraine.
DAS PLAIDIE
An einem stürmischen Sonntag, Als ich die Gasse herabkam, Waren dort zwanzig hübsche Mädchen – Und die süßeste, behaupte ich, War Caddie, Die ich unter mein Plaidie nahm, Um sie vor dem Regen zu schützen.
Sie sagte, die Gänseblümchen erröteten Für den Kuss, den ich genommen hatte; Ich hätte nicht gedacht, dass das Mädchen Sich so über einen Kuss beklagen würde; „Nun, Junge! Ich werde nicht unter deinem Plaidie bleiben, Wenn ich im Regen nach Hause gehe!“
Aber, an einem späteren Sonntag, Als keine Wolke mehr da war, Dieses selbe reizende Mädchen (Wir trafen uns zufällig in der Gasse) Sagte: „Junge, Warum trägst du dein Plaidie nicht? Wer weiß, ob es vielleicht regnen mag?“
KITTY NEIL
„Ah, süße Kitty Neil, steh auf von diesem Spinnrad, Dein kleiner ordentlicher Fuß wird vom Spinnen müde sein; Komm, hüpf mit mir hinunter zum Sykomorenbaum, Das halbe Dorf ist dort, und der Tanz beginnt. Die Sonne ist untergegangen, aber der volle Erntemond Scheint süß und kühl auf das tauweiße Tal, Während die ganze Luft erfüllt ist von den sanften, liebevollen Dingen, Die jeder kleine Vogel in der grün beschatteten Gasse singt.“
Mit einem Erröten und einem Lächeln stand Kitty derweil auf, Ihr Auge im Spiegel, während sie ihr Haar band, kurz blickend; Es ist schwer abzulehnen, wenn ein junger Liebhaber bittet, Also konnte sie nicht anders, als zum Tanzen zu gehen. Und nun sind auf dem Grün die frohen Gruppen zu sehen, Jeder fröhliche Junge mit dem Mädchen seiner Wahl; Und Pat führt, ohne zu fehlen, die süße Kitty Neil aus, – Irgendwie, als er fragte, dachte sie nie daran, abzulehnen.
Nun setzt Felix Magee seine Pfeifen an sein Knie, Und mit solch freiem Schwung bringt er jedes Paar in Bewegung; Mit einem Jubel und einem Sprung trommeln die Jungen auf dem Boden, Die Mädchen bewegen sich umher wie Schwäne auf dem Ozean: Wangen so hell wie die Rose – Füße leicht wie die der Hindin, Nun schüchtern zurückweichend, nun kühn vorwärtsschreitend – Such die ganze Welt ab, vom Himmel bis zum Boden, Kein solcher Anblick kann gefunden werden wie ein irisches Mädchen beim Tanzen!
Süße Kate! Wer könnte deine hellen Augen von tiefem Blau betrachten, Die feucht durch ihre dunklen Wimpern so sanft strahlen, Deinen schön geformten Arm, die hebende Brust, die abgerundete Form, Ohne zu fühlen, wie sein Herz warm wird und seine Pulse wild pochen? Der junge Pat fühlt, wie sein Herz, während er starrt, entweicht, Unterworfen von dem Schmerz solcher schmerzlichen, doch süßen Liebe; Der Anblick verlässt sein Auge, während er mit einem Seufzer ruft: „Tanz leicht, denn mein Herz liegt unter deinen Füßen, Liebste!“
DER TEUFEL IST IN DIESER HAUBE VON MIR
Der Teufel ist in dieser Haube von mir; Meine Bänder werden niemals richtig; Hier, Mally, ich muss hübsch sein, Denn Jamie wird heute Abend kommen; Er traf mich neulich im Weg, – Ich war unterwegs, um Wasser am Brunnen zu holen, – Und er bat, dass ich ihn im Mai heirate; – Beim Himmel, wenn er mich lässt, werde ich es tun!
Als er meine beiden Hände in seine nahm, Guter Gott, wie sie dazwischen zitterten; Und ich wagte nicht, in sein Gesicht zu schauen, Weil er meine Augen hätte sehen können; Meine Wange wurde so rot wie eine Rose; – Es gibt keinen Sterblichen, der sagen kann, Wie glücklich ich mich fühlte; denn, du weißt, Man konnte ihn nicht selbst fragen.
Aber die Geschichte war am Ende meiner Zunge, – Sie herauszulassen, wäre nicht richtig gewesen, – Denn ich dachte, vorlaut zu erscheinen wäre falsch, Also sagte ich ihm, ich würde es ihm heute Abend sagen; Aber Mally, du weißt sehr wohl, – Obwohl es keine Sache ist, die man zugeben sollte, – Wenn ich die Wahl der Welt für mich allein hätte, Würde ich entweder Jamie haben oder niemanden.
Nun, Mally, ich habe dir meine Meinung gesagt; Was würdest du tun, wenn du es wärst? „Ich würde ihn nehmen, gerade solange er geneigt ist, Und ein anständiges Geschäft wäre er; Denn Jamie ist ein so tüchtiger Junge, Wie er je in die Sonne trat; – Geh, spring bei deiner Chance zu, und heirate, Und mach das Beste aus der Arbeit, wenn sie getan ist!“
Eh, Gott, aber es ist Zeit zu gehen, – Ich möchte nicht, dass Jamie wartet; Ich kann vor Scham nicht zu früh sein, Und ich würde für die Welt nicht zu spät sein; Ich bin ganz zittrig bis in die Ferse, – Denkst du, dass meine Haube geht? – „Geh weg, Mädel, – du siehst sehr gut aus; Er braucht die Haube nicht, du Närrin!“
DAS ALTE KARIERTE SCHAL
Nicht weit vom alten Kinvara, im fröhlichen Monat Mai, Als Vögel fröhlich sangen, kam mir auf meinem Weg entgegen, Als ob aus dem Himmel oben ein Engel zufällig herabgefallen wäre, Ein kleines irisches Mädchen in einem alten karierten Schal.
Sie stolzierte freudig dahin, einen Korb am Arm; Und oh! Ihr Gesicht; und oh! Ihre Anmut, die die Seele eines Heiligen bezaubern würde: Ihr braunes Haar kräuselte sich über ihrer Stirn, aber der größte Reiz von allen Waren ihre bescheidenen blauen Augen, die unter ihrem alten karierten Schal strahlten.
Ich grüßte sie höflich – „Gott schütze dich, Miss“, sage ich; „Gott schütze dich freundlich, Sir“, sagte sie und ging schüchtern an mir vorbei; Weg ging mein Herz mit ihr, ein Gefangener in ihrem Bann, Gefangen in der Ecke ihres alten karierten Schals.
Verzaubert von ihrer seltenen Schönheit, starrte ich in reiner Freude, Bis sie hinter einer Biegung der Straße aus meinem Blickfeld verschwand; Aber seitdem seufze ich, wenn ich mich an diese Szene erinnere: „Die Gnade Gottes sei mit dir und deinem alten karierten Schal.“
Ich habe von Straßenräubern gehört, die mit Pistolen und Messern, Zitternde Reisende zwingen, ihnen ihr Geld oder ihr Leben zu geben, Aber denk an mich, der ich mein Herz und meinen Kopf und alles aushändigte An ein einfaches kleines Mädchen in einem alten karierten Schal.
Oh! Anmutig sind die Mantillen, die die Signorinas tragen, Und geschmackvoll sind die Hauben der schönen Pariser Damen, Aber niemals hat ein Umhang, eine Kapuze oder ein Gewand, in Palast, Laube oder Saal, Solch bezaubernde Schönheit gekleidet wie jener alte karierte Schal.
Oh! manche Männer sehnen sich nach Reichtum, und manche leben für den Ruhm, Und manche hoffen, auf den Seiten der Geschichte einen glorreichen Namen zu gewinnen: Meine Ziele sind nicht ehrgeizig, und meine Wünsche sind nur klein – Man könnte sie alle zusammen in einen alten karierten Schal wickeln.
Ich werde sie ganz Galway durchsuchen und ich werde sie ganz Clare durchsuchen, Ich werde überall nach Kunde oder Nachricht von meiner Reisenden forschen, Denn Seelenfrieden werde ich niemals finden, bis ich mein Eigen nenne, Dieses kleine irische Cailin in ihrem alten karierten Schal.
Francis A. Fahy [1854-
KLEINE MARY CASSIDY
Oh, es ist die kleine Mary Cassidy, die der Grund für all mein Elend ist, Und der Grund, warum ich jetzt nicht mehr der Bursche bin, der ich einmal war; Oh, sie übertrifft alle Schönheiten, von denen wir in der Geschichte lesen, Und wahrlich, das halbe Umland ist ebenso verrückt nach ihr wie ich. Reise Irland auf und ab, Hügel, Dorf, Tal und Stadt – Schöner als das Cailin Donn wirst du vergeblich suchen; Oh, ich lebte lieber in Armut mit der kleinen Mary Cassidy, Als ohne sie Kaiser von Deutschland oder Spanien zu sein.
Es war beim Tanz bei Darmody’s, dass ich sie das erste Mal erblickte, Und sie den „Droighnean Donn“ singen hörte, bis mir Tränen in die Augen traten, Und seit jener gesegneten Stunde träume ich Tag und Nacht von ihr; Beim Himmel, kein Auge tue ich zu, vom Zubettgehen bis zum Aufstehen. Wangen wie die Rose im Juni, Gesang wie die Lerche im Einklang, Bei der Arbeit, beim Ruhen, bei Nacht oder Mittag, sie verlässt nie meine Gedanken; Oh, bis die kleine Mary Cassidy singend an meinem Kaminfeuer sitzt, Werde ich gewiss wenig Ruhe oder Glück finden.
Was ist Reichtum, was ist Ruhm, was ist alles, worum die Leute streiten, Gegen ein freundliches Wort von ihren Lippen oder einen verliebten Blick aus ihrem Auge? Oh, obwohl Sorgen meine Brust bedrängen, würden sie gewiss bald Reißaus nehmen, Wenn ich dächte, dass ihr lockiger Kopf dort bald ruhen würde. Nimm alles, was ich heute besitze, Verwandte, Sippe und Sorge hinweg, Schiffe sie alle über das Meer oder in die gefrorene Zone: Lass mich als mittellosen Waisen zurück – aber lass mir Mary Cassidy, Ich würde mich niemals einsam fühlen, wenn wir beide allein wären.
Francis A. Fahy [1854-
DER WEG
„Nun, wo gehst du hin“, sag ich, „mit dem Schal Und dem Baumwollschirm und dem Korb und allem? Würdest du nicht auf McMullens Gefährt warten, Mit diesem eleganten Spann, der einer Königin geziemt? Oh, du mit dem windweichen grauen Auge, das einen Reiz hat, Du mit der Lippe, die ein unruhiges Lächeln hat, Wahrlich, der Weg ist nass, jeder vom Regen verschlammte Kilometer davon –“ „Ach, die Heiligen werden meine Unterröcke sauber halten!“
„Aber“, sag ich, „möchtest du Clancy’s Stier begegnen, Oder den Zigeunern, die oben bei Slieve-na-coul Kaninchen wildern? Und die Furt bei Kilmaddy ist groß vom Schmelzwasser, Und die wispernden Kleinen Leute, die grüne Kleider tragen, Sie würden vom Moor rennen, um dich zu fangen, Ihr König ist begierig darauf, deinesgleichen zu ehelichen, Es würde lange dauern, falls sie es täten, bis du deine Klinke anhobst –“ „Welche Fee soll die anrühren, die singt, während sie geht!“
„Ach, wo gehst du hin“, sag ich, „mit dem Schal, Und den grauen Augen, die darunter träumen, und allem? Der Weg am Berg ist ein langer, verlass dich drauf, Du wirst fertig sein, alannah, bevor du das Ende erreichst; Du wirst vom Wind auf jedem rückenbrechenden Stück davon geschlagen, Nass von den Pfützen und lahm vom Kies darauf – Da du einsam deinen zarten Fuß darauf setzt –“ „Wahrlich, wann ist ein Weg einsam, der mit einem Freund beschritten wird?“
Der mit einem Freund beschritten wird? Wen hatte Bridgy im Sinn? Dennoch war ich es, der mit ihr bis ans Ende ging!
Patrick R. Chalmers [18
TWICKENHAM FERRY
„Ahoi! Und O-ho! Und wer will mit der Fähre?“ (Die Brombeere treibt und die Sonne geht unter) „Und ich rudere Euch so schnell und ich rudere Euch so stetig, Und es ist nur ein Penny nach Twickenham Town.“ Der Fährmann ist schlank und der Fährmann ist jung, Mit nur einem sanften Schwung in der Wendung seiner Zunge; Und er ist frisch wie ein Apfel und braun wie eine Beere, Und es ist nur ein Penny nach Twickenham Town.
„Ahoi! Und O-ho! Und ich will mit der Fähre“, (Die Brombeere treibt und die Sonne geht unter) „Und es ist spät, wie es ist, und ich habe keinen Penny – Oh! Wie kann ich nach Twickenham Town gelangen?“ Sie hatte eine Rose in ihrer Haube, und oh! Sie sah so süß aus, Wie die kleine rosa Blume, die im Weizen wächst, Mit ihren Wangen wie eine Rose und ihren Lippen wie eine Kirsche – Es ist gewiss, dass du willkommen bist in Twickenham Town.
„Ahoi! Und O-ho!“ – Du kommst zu spät für die Fähre, (Die Brombeere treibt und die Sonne ist untergegangen) Und er rudert nicht schnell und er rudert nicht stetig; Es scheint eine ziemliche Reise nach Twickenham Town zu sein. „Ahoi! Und O-ho!“ – Du magst rufen, wie du willst; Der junge Mond geht über Petersham Hill auf; Und mit der Liebe wie einer Rose im Heck des Kahns, Gibt es Gefahr bei der Überfahrt nach Twickenham Town.
Theophile Marzials [1850-
DER HUMOR DER LIEBE
LIED
Ich bitte dich, gib mir mein Herz zurück, Da ich deines nicht haben kann: Denn wenn du dich von deinem nicht trennen willst, Warum solltest du dann meines haben?
Doch nun, da ich darüber nachdenke, lass es liegen, Es zu finden wäre vergeblich, Denn du hast einen Dieb in jedem Auge, Der es wieder stehlen würde.
Warum sollten zwei Herzen in einer Brust liegen, Und doch nicht beieinander wohnen? O Liebe, wo ist deine Sympathie, Wenn du so unsere Brüste trennst?
Doch die Liebe ist ein solches Mysterium, Ich kann nicht dahinterkommen: Denn wenn ich glaube, ich sei am besten entschlossen, Dann bin ich am meisten im Zweifel.
Dann fahr wohl, Sorge, und fahr wohl, Weh! Ich will nicht länger schmachten; Denn ich werde glauben, ich habe ihr Herz, So sehr sie meines hat.
John Suckling [1609-1642]
EINE BALLADE ÜBER EINE HOCHZEIT
Ich sage dir, Dick, wo ich gewesen bin, Wo ich die seltensten Dinge gesehen habe; Oh, Dinge ohnegleichen! Solche Anblicke können nicht wieder gefunden werden, An keinem Ort auf englischem Boden, Sei es beim Kirchweihfest oder Jahrmarkt.
Am Charing Cross, hart am Weg, Wo wir (du weißt schon) unser Heu verkaufen, Da ist ein Haus mit Treppen; Und dort sah ich Leute herunterkommen, Wie sie nicht in unserer Stadt sind, Mindestens vierzig, paarweise.
Unter den anderen, einer pestilenzisch fein (Sein Bart jedoch nicht größer als deiner) Schritt vor den anderen her; Unser Wirt sieht gegen ihn aus wie nichts; Den König (Gott segne ihn!) würde es ruinieren, Sollte er immer so gekleidet gehen.
Beim Course-a-park, ohne jeden Zweifel, Hätte er als Erster herausgepickt werden müssen, Von allen Mägden in der Stadt: Obwohl der kräftige Roger dort gewesen wäre, Oder der kleine George auf dem Grün, Oder Vincent von der Krone.
Aber weißt du was? Der Jüngling war dabei, All sein Werben zu beenden; Der Pfarrer wartete auf ihn: Doch mit Verlaub (bei all seiner Eile), Wünschte er nicht so sehr, alles hinter sich zu haben, (Vielleicht) wie es die Maid tat.
Die Maid (und daran hängt eine Geschichte), Denn eine solche Maid konnte kein Pfingstbier, Je hervorbringen: Keine Traube, die köstlich reif ist, könnte, So rund, so prall, so weich sein wie sie, Noch halb so voll von Saft.
Ihr Finger war so klein, der Ring, Den sie brachten, wollte nicht darauf bleiben; Er war um ein Gutes zu weit: Und um die Wahrheit zu sagen (denn es muss heraus), Sah er aus wie das große Halsband (genau) Um den Hals unseres jungen Fohlens.
Ihre Füße unter ihrem Unterrock, Stahlen sich wie kleine Mäuse hinein und heraus, Als ob sie das Licht fürchteten: Aber oh, sie tanzt auf eine solche Weise! Keine Sonne an einem Ostertag, Ist ein halb so schöner Anblick.
Ihre Wangen hatten ein so seltenes Weiß, Kein Gänseblümchen hält den Vergleich stand; Wer sie sieht, ist verloren; Denn Streifen von Rot waren darin vermischt, Solche, wie sie an einer Katharinenbirne sind, Die Seite, die der Sonne am nächsten ist.
Ihre Lippen waren rot; und eine war dünn, Verglichen mit der, die ihrem Kinn am nächsten war, (Eine Biene hatte sie gerade gestochen); Aber, Dick, ihre Augen bewachen ihr Gesicht so, Ich wagte nicht mehr, darauf zu starren, Als auf die Sonne im Juli.
Ihr Mund so klein, wenn sie spricht, Du würdest schwören, ihre Zähne brächen ihre Worte, Damit sie Durchgang fänden; Aber sie handhabte die Sache immer so, Dass sie so gut herauskamen wie unsere oder besser, Und sind kein bisschen abgenutzt.
Leid über mich! Wie ich weiterrede! Da ist das, woran gedacht werden sollte, Glaube ich, neben der Braut: Das Geschäft in der Küche ist groß, Denn es ist recht, dass Männer essen sollten; Noch wurde es dort verweigert.
Gerade im rechten Moment klopfte der Koch dreimal, Und alle Kellner gehorchten auf einen Schlag, Seinem Ruf; Jeder Diener, mit einer Schüssel in der Hand, Marschierte kühn auf, wie unsere Bürgerwehr, Präsentierte und weg.
Als alles Fleisch auf dem Tisch war, Welcher Mann mit Messer oder Zähnen war fähig, Zu warten, um gebeten zu werden? Und dies war der wahre Grund, Bevor der Pfarrer das Tischgebet sprechen konnte, War die Gesellschaft gesetzt.
Nun fliegen die Hüte ab, und die Jünglinge zechen; Trinksprüche gehen erst herum, und dann das Haus, Die der Braut kommen dicht und dicht; Und wenn eines anderen Gesundheit genannt wurde, Vielleicht machte er sie heimlich zu ihrer, (Und wer konnte das verhindern, Dick?)
Plötzlich stehen sie auf und tanzen; Dann sitzen sie wieder, seufzen und blicken; Dann tanzen sie wieder und küssen. So ging die Zeit auf verschiedene Weise vorbei, Bis jede Frau sich ihren Platz wünschte, Und jeder Mann den seinen.
Zu dieser Zeit waren alle beiseite gestohlen, Um zu beraten und die Braut zu entkleiden; Aber das darf er nicht wissen: Doch man dachte, er errate ihre Absicht, Und habe nicht vor, zurückzubleiben, Mehr als eine Stunde oder so.
John Suckling [1609-1642]
AN CHLOE EIFERSÜCHTIG
Liebe Chloe, wie verweint ist dieses hübsche Gesicht! Deine Wange ganz in Flammen und dein Haar ganz ungelockt: Bitte gib diese Laune auf; und (wie der alte Falstaff sagt), Lass uns doch ein wenig wie Leute dieser Welt reden.
Wie kannst du vermuten, du hättest die Erlaubnis zu zerstören, Die Schönheiten, die Venus dir nur zu deiner Obhut lieh? Diese Blicke waren dazu bestimmt, Liebe und Freude einzuflößen: Gewöhnlichere Augen mögen Leuten zum Weinen dienen.
Über eine Kleinigkeit oder zwei, die ich schrieb, verärgert zu sein, Da tust du deinem Urteilsvermögen und meiner Leidenschaft Unrecht: Du nimmst das für Tatsache, was kaum als Witz befunden werden wird: Beim Leben! Muss man die Wahrheit eines Liedes beschwören?
Was ich sage, meine schöne Chloe, und was ich schreibe, zeigt, Den Unterschied, der zwischen Natur und Kunst besteht: Ich werbe um andere in Versen, aber ich liebe dich in Prosa: Und sie haben meine Launen, aber du hast mein Herz.
Der Gott von uns Verseschmieden (du weißt schon, Kind), die Sonne, Wie sie nach ihren Reisen ihre Ruhe antritt; Wenn es ihr am Morgen beliebt, über die Erde zu laufen; Am Abend ruht sie an der Brust ihrer Thetis.
So wenn ich vom Wandern den ganzen Tag ermüdet bin, Komme ich am Abend zu dir, meinem Entzücken, heim: Gleichgültig, welche Schönheiten ich auf meinem Weg sah: Sie waren nur meine Besuche, aber du bist mein Zuhause.
Dann beende, liebe Chloe, diesen pastoralen Krieg; Und lass uns, wie Horaz und Lydia, uns vertragen: Denn du bist ein Mädchen, das so viel heller ist als sie, Wie er ein Dichter war, der erhabener ist als ich.
Matthew Prior [1664-1721]
JACK UND JOAN
Jack und Joan, sie denken nichts Böses, Sondern leben liebend und sind immer fröhlich; Tun ihre Arbeit unter der Woche und beten, Andächtig am heiligen Tag: Hüpfen und springen auf dem Grün, Und helfen, die Sommerkönigin zu wählen; Geben bei einem Dorffest, Ihren Silberpenny mit den Besten aus.
Wohl können sie nasses Bier beurteilen, Und ausführlich eine Wintergeschichte erzählen; Auf den Apfelboden klettern, Und die Krabben drehen, bis sie weich sind. Tib ist die ganze Freude des Vaters, Und der kleine Tom der Junge der Mutter. All ihr Vergnügen ist Zufriedenheit; Und Sorge, ihre jährliche Pacht zu zahlen.
Joan kann ihre Kühe beim Namen nennen, Und ihre Fenster mit grünen Zweigen schmücken; Sie kann Kränze und Sträußchen machen, Und mit Pflaumen einen Brautkuchen verzieren. Jack weiß, was Gewinn oder Verlust bringt; Und kann seinen langen Flegel kräftig schwingen: Macht die Hecke, die andere zerbrechen; Und denkt immer, was er spricht.
Nun, ihr höfischen Damen und Ritter, Die ihr nur seltsame Freuden studiert; Obwohl ihr das hausgesponnene Grau verschmäht, Und in eurer reichen Pracht schwelgt: Obwohl eure Zungen tief heucheln, Und ihr eure Köpfe vor Gefahr bewahren könnt; Doch trotz all eurer Pracht und eures Gefolges, Lebt der einfältige Bauer sicherer.
Thomas Campion [ ? -1619]
PHILLIS UND CORYDON
Phillis hütete Schafe entlang der westlichen Ebenen, Und Corydon weidete seine Herden hart daneben: Dieser Schäfer war die Blume aller Bauern, Die die Hügel des fruchtbaren Thessalien durchstreiften; Und Phillis, die ihre Herden weit übertraf, An silbernem Farbton, galt als ein hübsches Mädchen.
Ein hübsches Mädchen, eigenwillig in ihrer ländlichen Tracht, War die liebliche Phillis – Corydon schwor es so; Ihre Locken, ihre Blicke setzten den Bauern in Brand, Er ließ seine Lämmer und begann zu werben; Er sah, er seufzte, er warb mit einem Kuss, Nicht besser konnte der einfältige Kerl als das.
Er wusste wenig, eine Geschichte der Liebe zu malen, Schäfer können schwärmen, aber sie können nicht sagen: Phillis begann zu lächeln und dachte schlau zu erproben, Welch seltsamen Kummer der arme Corydon ertrug; Sie fragte ihn, wie es seinen Herden oder ihm gehe, Doch nachdenklich verrieten so seine Seufzer seine Sorge.
Der Schäfer errötete, als Phillis so fragte, Und schwor bei Pan, es sei nicht wegen seiner Herden: „Es ist die Liebe, schöne Phillis, die all dieses Weh brütet, Meine Gedanken sind in deinen lieblichen Locken gefangen; Dein Auge hat durchbohrt, dein Gesicht hat in Brand gesetzt; Schöne Phillis entzündet Corydons Verlangen.“
„Können Schäfer lieben?“, sagte Phillis zum Bauern. „Solche Heiligen wie Phillis“, erwiderte Corydon. „Männer können, wenn sie begehren, viele Launen vortäuschen“, Sagte Phillis. Dies leugnete Corydon nicht, Dass Begehren Lügen habe; „Aber die Liebe“, sagte er, „sagt die Wahrheit: Dein Schäfer liebt, also, Phillis, was folgt daraus?“
Phillis war gewonnen, sie errötete und ließ den Kopf hängen; Der Bauer trat hinzu und munterte sie mit einem Kuss auf: Mit Glaube, mit Treue besiegelten sie die Sache; So pflegten sie es, wenn Männer nicht Unrechtes dachten: So begann und endete die Liebe in einem; Phillis wurde geliebt, und sie mochte Corydon.
Robert Greene [1560?-1592]
SALLY IN UNSERER GASSE
Von all den Mädchen, die so flott sind, Gibt es keines wie die hübsche Sally; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse. Es gibt keine Dame im Lande, Die halb so süß ist wie Sally; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Ihr Vater macht Kohlnetze, Und schreit sie durch die Straßen; Ihre Mutter verkauft lange Spitzen, An solche, denen es beliebt, sie zu kaufen; Aber gewiss, solche Leute könnten niemals, Ein so süßes Mädchen wie Sally zeugen! Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Wenn sie dabei ist, lasse ich meine Arbeit, Ich liebe sie so aufrichtig; Mein Meister kommt wie ein Türke, Und verprügelt mich aufs Schwerste: Aber lass ihn sich müde schlagen, Ich ertrage alles für Sally; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Von allen Tagen, die in der Woche sind, Liebe ich innig nur einen Tag – Und das ist der Tag, der zwischen, Einem Samstag und Montag liegt; Denn dann bin ich ganz in meinem Besten gekleidet, Um mit Sally auszugehen; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Mein Meister nimmt mich mit zur Kirche, Und oft werde ich getadelt, Weil ich ihn im Stich lasse, Sobald der Text genannt wird; Ich verlasse die Kirche während der Predigtzeit, Und schleiche mich weg zu Sally; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Wenn Weihnachten wieder herankommt, Oh, dann werde ich Geld haben; Ich werde es horten und alles in eine Kiste tun, Ich werde es meinem Schatz geben: Ich wünschte, es wären zehntausend Pfund, Ich würde alles Sally geben; Sie ist der Liebling meines Herzens, Und sie wohnt in unserer Gasse.
Mein Meister und die Nachbarn alle, Machen sich über mich und Sally lustig, Und, wäre sie nicht, wäre ich besser, Ein Sklave und würde auf einer Galeere rudern; Aber wenn meine sieben langen Jahre um sind, Oh, dann werde ich Sally heiraten; Oh, dann werden wir uns trauen, und dann werden wir uns betten – Aber nicht in unserer Gasse!
Henry Carey [? -1743]
DIE LANDHOCHZEIT
Gut getroffen, hübsche Nymphe, sagt ein fröhlicher junger Bauer, Zu einer lieblichen jungen Schäferin, die die Ebene überquert; Warum so viel Eile? – nun, der Monat war Mai – Darf ich es wagen, dich zu fragen, schönes Mädchen, welchen Weg? Dann erwiderte die Nymphe direkt auf diese Frage, Mit einem Erröten auf ihrer Wange und einem Lächeln in ihrem Auge, Ich komme aus dem Dorf, und heimwärts gehe ich, Und nun, sanfter Schäfer, bitte, warum willst du es wissen?
Ich hoffe, hübsches Mädchen, du wirst es nicht übel nehmen, Wenn ich dir meinen Grund sage, warum ich dich dies frage; Ich würde dich sicher nach Hause sehen – (nun, der Bauer war verliebt!) – Wenn du solch einen Begleiter billigen würdest. Dein Angebot, lieber Schäfer, ist höflich, das gebe ich zu; Aber ich sehe keine große Gefahr darin, allein zu gehen; Noch kann ich es verhindern, da der Weg frei ist, Für den einen wie für den anderen, für dich wie für mich.
Keine Gefahr darin, allein zu gehen, es ist wahr, Aber doch ist ein Begleiter auch angenehmer; Und wenn du mögen könntest – (nun, der Bauer fasste Herz) – Solch einen Liebhaber wie mich, warum würden wir uns nie trennen. Oh, das ist ein langes Wort, sagte die Schäferin dann, Ich habe oft sagen hören, man könne euch Männer nicht beachten. Ihr werdet sagen und absagen, und ihr werdet schmeicheln, das ist wahr! Dann ein junges Mädchen zu verlassen, ist das Erste, was ihr tut.
Oh, urteile nicht so hart, antwortete der Schäfer, Um zu beweisen, was ich sage, werde ich dich zu meiner Braut machen. Morgen wird der Pfarrer – (gut gesagt, kleiner Bauer!) – Unsere Hände verbinden und einen aus uns beiden machen. Was die Nymphe darauf antwortete, wird nicht gesagt, Am nächsten Morgen, das ist sicher, wurden sie getraut. Sing hey-diddle, – ho-diddle, – hey-diddle-down, – Wann werden wir nun eine solche Hochzeit in der Stadt sehen?
Unbekannt
„O MERRY MAY THE MAID BE“
O fröhlich mag die Maid sein, Die sich mit dem Müller vermählt, Denn bei schlechtem Tag und gutem Tag, Bringt er ihr immer etwas ein – Hat immer einen Penny im Beutel, Fürs Abendessen oder für die Nachtmahlzeit; Und wenn es ihr gefällt, einen guten fetten Käse, Und Klumpen von gelber Butter.
Als Jamie das erste Mal um mich warb, Fragte ich, was sein Beruf sei; „Schöne Maid“, sagt er, „o komm und sieh, Du bist willkommen in meinem Heim.“ Obwohl ich schüchtern war, konnte ich doch, Die Wahrheit dessen ersehen, was er mir sagte, Und dass sein Haus warm und gemütlich sei, Und Platz darin, mich zu beherbergen.
Hinter der Tür ein Sack voll Mehl, Und in der Kiste war eine Fülle, Von guten harten Kuchen, die seine Mutter bäckt, Und Bannocks waren nicht knapp. Ein gutes fettes Schwein, eine glatte Kuh, Stand im Stall, Während die faule Mieze mit der mehligen Maus, Am Feuer spielte.
„Gute Zeichen sind das“, sagt meine Mutter, Und heißt mich, den Müller zu nehmen; Denn bei gutem Tag und schlechtem Tag, Bringt er ihr immer etwas ein; Denn an Mehl und Malz fehlt es ihr nicht, Noch an irgendetwas, das köstlich ist; Und dann und wann ein gackerndes Huhn, Um ihre Eier in Fülle zu legen.
Im Winter, wenn der Wind und der Regen, Über das Haus und den Stall wehen, Sitzt er neben einem sauberen Herdstein, Vor einem prasselnden Feuer. Mit nussbraunem Bier erzählt er seine Geschichte, Die ihn ganz berauscht macht – Wer wäre ein König – eine geringfügige Sache, Wenn ein Müller so glücklich lebt?
John Clerk [1684-1755]
DIE LASS O' GOWRIE
Es war an einem Sommernachmittag, Ein wenig bevor die Sonne unterging, Ein Mädchen mit einem prächtigen neuen Kleid, Kam über die Hügel nach Gowrie. Die Rosenknospe, gewaschen im Sommerregen, Blühte frisch in der sonnigen Laube; Aber Kitty war die schönste Blume, Die je in Gowrie gesehen wurde.
Um ihre Cousine zu sehen, kam sie dorthin; Und oh! Die Szenerie war überaus schön, Denn was in Schottland kann sich vergleichen, Mit der Carse o' Gowrie? Die Sonne ging über dem Tay unter, Die blauen Hügel schmolzen ins Grau, Das Lied der Singdrossel und der Amsel, Wurde süß in Gowrie gehört.
O lange hatte ich um das Mädchen geworben, Und Treue und Beständigkeit geschworen, Doch wollte es mit der, die ich liebte, nicht gelingen, Bis sie das schöne Gowrie sah. Ich wies auf meines Vaters Haus – Jene schmucke Stätte jenseits des Wäldchens, So still, dass kein Sturm dort wehen konnte: – Wollte sie nicht in Gowrie bleiben?
Ihr Vater war zugleich froh und bekümmert; Ihre Mutter wollte nichts sagen; Die Kinder dachten, sie würden spielen können, Wenn Kitty nach Gowrie zöge. Sie lächelte zuweilen, zuweilen weinte sie;
Das Erröten und die Träne waren auf ihrer Wange; Sie sagte nichts und ließ das Haupt hängen; – Doch nun ist sie Lady Gowrie.
DER BESTÄNDIGE FREIER UND DAS TUGENDHAFTE MÄDCHEN
Sobald der Tag zu schwinden beginnt, Eile ich schnurstracks zur wohlbekannten Tür, Und dort klopfend, bin ich gezwungen zu warten, Während Molly ihre Arbeit sorgsam verbirgt, Ihr Schultertuch und ihr Haar zurechtrückt, Und die flinke Becky davonhuscht.
Eintretend sehe ich in Mollys Augen Eine plötzliche lächelnde Freude aufsteigen, Die ebenso schnell von jungfräulicher Scham gebremst wird: Sie macht einen Knicks, stiehlt einen Blick, Empfängt einen Kuss, einen Schritt vorwärts. – Wenn ich eine solche liebe, bin ich dann zu tadeln?
Ich sitze und rede von zwanzig Dingen, Von Südsee-Aktien oder dem Tod von Königen, Während Molly nur „Ja“ oder „Nein“ sagt; So vorsichtig verbirgt sie ihre Gedanken, Wie andere ihre privaten Fehler: – Ist dies ihre Klugheit oder ihre Torheit?
Beim Abschied küsse ich ihre Lippe und Wange, Ich hänge an ihrem schneeweißen Hals, Und rufe: „Leb wohl, meine liebste Molly!“ Doch noch immer hänge ich und noch immer küsse ich, Ihr gelehrten Weisen, sagt, ist dies Bei mir die Wirkung der Liebe oder der Torheit?
Nein – beides bewegt sich durch nüchterne Vernunft, – Sie zeigt Klugheit, und ich wahre Liebe – Kein Vorwurf der Torheit kann erhoben werden. Dann (bis die verkündeten Hochzeitsriten Unsere Hände vereinen) lasst uns genannt werden Der beständige Freier, das tugendhafte Mädchen.
„WENN DIE KÜHE HEIMKOMMEN“
Kommt, ihr fröhlichen Hirten alle, Die ihr durch das Tal pfeift, Ich will euch ein Geheimnis verraten, Das die Höflinge nicht kennen: Was ist die größte Wonne, Die die Zunge eines Mannes nennen kann? Es ist, um ein hübsches Mädchen zu werben, Wenn die Kühe heimkommen. Wenn die Kühe heimkommen, Wenn die Kühe heimkommen, Zwischen dem Dämmern und dem Dunkel, Wenn die Kühe heimkommen.
Es ist nicht unter der Krone, Noch unter dem Baldachin des Staates, Es ist nicht auf einem Sofa aus Samt, Noch in der Laube der Großen – Es ist unter der sich ausbreitenden Birke, Im namenlosen Tal, Mit einem hübschen, hübschen Mädchen, Wenn die Kühe heimkommen.
Dort baut die Amsel ihr Nest Für das Weibchen, das sie so gerne sieht, Und auf dem obersten Zweig, O, ein glücklicher Vogel ist er! Dann gießt er sein schmelzendes Lied aus, Und die Liebe ist das einzige Thema, Und er wird um sein hübsches Mädchen werben, Wenn die Kühe heimkommen.
Wenn die Knabenblume eine Perle trägt, Und das Gänseblümchen sich zur Erbse wendet, Und die hübsche, geschlossene Maßliebchenblüte Ihr Auge gefaltet hat, Dann fällt die Lerche vom blauen Himmel Herab und schämt sich nicht, Um sein hübsches Mädchen zu werben, Wenn die Kühe heimkommen.
Seht dort jenen schlauen Hirten, Der auf dem Hügel verweilt – Seine Schafe sind im Pferch, Und seine Lämmer liegen still; Doch er kann nicht zu Bett gehen, Denn sein Herz steht in Flammen, Um sein hübsches Mädchen zu treffen, Wenn die Kühe heimkommen.
Wenn das kleine, winzige Herz Hoch in der Brust schlägt, Und der kleine, winzige Stern Rot im Osten aufgeht, O, es gibt eine Freude, so teuer, Dass das Herz sie kaum fassen kann, Mit einem hübschen, hübschen Mädchen, Wenn die Kühe heimkommen.
Da nun die ganze Natur sich vereint In dieser Liebe ohne Beimischung, O, wer wollte sich als Verräter erweisen An der Natur teuerster Freude? Oder wer wollte eine Krone wählen, Mit ihren Gefahren und ihrem Ruhm, Und sein hübsches Mädchen verpassen, Wenn die Kühe heimkommen? Wenn die Kühe heimkommen, Wenn die Kühe heimkommen, Zwischen dem Dämmern und dem Dunkel, Wenn die Kühe heimkommen!
DER NIEDRIGE WAGEN
Als ich zum ersten Mal die süße Peggy sah, War es an einem Markttag, Einen niedrigen Wagen lenkte sie und saß Auf einer Heubürde; Doch als dieses Heu noch blühendes Gras war Und geschmückt mit Frühlingsblumen, Gab es keine Blume, die sich vergleichen ließ Mit dem blühenden Mädchen, von dem ich singe. Als sie im niedrigen Wagen saß, Fragte der Mann an der Mautschranke Niemals nach dem Zoll, Sondern rieb sich nur den alten Kopf Und schaute dem niedrigen Wagen nach.
In der wilden Erschütterung der Schlacht, Fordert der stolze und mächtige Mars, Mit feindlichen Sensen, seinen Zehnten An Tod – in kriegerischen Wagen: Während Peggy, die friedliche Göttin, Pfeile in ihren hellen Augen hat, Die Männer in der Marktstadt niederschlagen, Während sie links und rechts fliegen; – Während sie in ihrem niedrigen Wagen sitzt, Weit gefährlicher als die Schlacht, – Denn die Kunst des Arztes Kann das Herz nicht heilen, Das von jenem niedrigen Wagen getroffen wurde.
Süße Peggy hat um ihren Wagen, mein Herr, Reihen von Enten und Gänsen, Doch die Scharen von Herzen, die sie schlachtet, Übertreffen diese bei weitem; Während sie inmitten ihres Geflügels sitzt, Gerade wie eine Turteltaube, Wohl den Käfig wert, so wette ich, Des blühenden Gottes der Liebe! Während sie in ihrem niedrigen Wagen sitzt, Kommen die Liebhaber von nah und fern, Und beneiden das Huhn, Das Peggy gerade pflückt, Während sie in ihrem niedrigen Wagen sitzt.
O, ich besäße lieber diesen Wagen, mein Herr, Mit Peggy an meiner Seite, Als eine Kutsche mit vier Pferden und Gold in Fülle, Und eine Dame als meine Braut; Denn die Dame säße mir gegenüber, Auf einem Kissen, mit Geschmack gemacht, Während Peggy neben mir säße, Mit meinem Arm um ihre Taille, – Während wir im niedrigen Wagen führen, Um von Pater Mahar getraut zu werden, O, mein Herz würde hoch schlagen Bei ihrem Blick und ihrem Seufzer, – Auch wenn es in einem niedrigen Wagen schlüge!
DAS HÜBSCHE MÄDCHEN VOM LOCH DAN
Die Schatten des Abends hatten das Tal durchquert, Das über dem kindlichen Avonmore droht, Als wir, nahe dem Loch Dan, zwei müde Männer, Vor einer Hüttentür anhielten.
„Gott schütze alle hier!“, ruft mein Kamerad, Und rasselt am angehobenen Klinkenstift; „Gott schütze euch freundlich!“, antwortet rasch Eine klare, süße Stimme und bittet uns herein.
Wir treten ein; vom Spinnrad fährt sie auf, Ein rosiges Mädchen mit pechschwarzen Augen, Ihr flatternder Knicks erobert unsere Herzen, Ihre errötende Anmut und ihr erfreutes Erstaunen.
Die arme Mary, sie war ganz allein, Denn den ganzen Weg nach Glenmalure War ihre Mutter an jenem Morgen gegangen Und hatte ihr das Haus in Obhut gelassen.
Doch weder häusliche Sorgen, noch auch Die Scham, die erschreckte Jungfrauen empfinden, Konnten das großzügige Mädchen vergessen lassen Ihren gewohnten gastfreundlichen Eifer.
Sie brachte uns in einer Buchenschale Süße Milch, die nach Bergthymian schmeckte, Haferkuchen und eine solche gelbe Rolle Butter – sie vergoldet alle meine Reime!
Und während wir die dankbare Nahrung aßen (Mit müden Gliedern auf der Bank ruhend), Rücksichtsvoll und diskret stand sie Abseits und lauschte dem Wind.
Gute Wünsche erfüllten unsere beiden Seelen, Von Brust zu Brust eilte spontan Der gemeinsame Gedanke – wir standen auf und priesen Die bescheidene Rose über dem Loch Dan.
„Die Milch, die wir trinken, ist nicht reiner, Süße Mary – segne diese knospenden Reize! – Als dein eigenes großzügiges Herz, da bin ich sicher, Noch weißer als die Brust, die sie wärmt!“
Sie drehte sich um und starrte, ungewohnt zu hören Eine solche Sprache in jenem heimeligen Tal; Doch, Mary, du hast nichts zu fürchten, Auch wenn du von zwei fremden Männern angelächelt wirst.
Nicht für eine Krone wollte ich beunruhigen Deinen jungfräulichen Stolz durch Wort oder Zeichen, Noch muss ein schmerzhaftes Erröten entwaffnen Meinen Freund von Gedanken, so rein wie meine.
Ihr einfaches Herz konnte nicht anders, als zu fühlen, Dass die Worte, die wir sprachen, frei von Tücke waren; Sie bückte sich, sie errötete, sie fixierte ihr Rad, – Es ist alles vergeblich – sie kann nicht anders, als zu lächeln!
Ganz wie die süße Morgendämmerung des April erscheint Ihr bescheidenes Gesicht – ich sehe es noch immer – Und obwohl ich hundert Jahre lebte, Dünkt mich, könnte ich niemals vergessen
Das Vergnügen, das, ihrem Herzen zum Trotz, Alle ihre niedergeschlagenen Augen mit Licht füllt; Die Lippen widerwillig voneinander, Die weißen Zähne, die in den Anblick kämpfen,
Die Grübchen, die über ihre Wange wirbeln, – Die rosige Wange, die nicht still sein will: – O, wer könnte tadeln, was Schmeichler sprechen, Wenn Lächeln wie dieses ihre Kunst belohnte?
Für ein weiteres solches Lächeln, schwöre ich, Obwohl der Mitternachtsregen laut schlägt, Ich nähme jetzt den Berghang auf mich, Und ginge wieder nach Luggelaw!
MUCKLE-MOUTH MEG
Der Laird runzelte die Stirn über den Lord: „So, auf frischer Tat ertappe ich dich? Vom Tode verurteilt durch unser Gesetz der Grenze! Wir haben einen Galgen draußen und einen Burschen, um dich abzufertigen: Wer übertritt – der hängt: alles ist der Ordnung gemäß.“
Er begegnete dem Stirnrunzeln mit einem Lächeln, der junge englische Galan: Dann die Dame des Lairds: „Nein, Ehemann, ich flehe dich an! Er ist hübsch: sei gnädig! Gnade für den Burschen – Wenn er unsere Muckle-mouth Meg heiratet!“
„Kein meilenweit-mäuliges Ungeheuer von euch heirate ich: Gewährt lieber den Galgen!“, lachte er. „Übel ergehe es Sippe und Verwandten von euch – warum zögert ihr?“ „Um dein wildes Temperament zu zähmen!“, sagte sie.
„Schiebt ihn schnell in das Loch, schließt ihn fest ein für eine Woche: Kälte, Dunkelheit und Hunger bewirken Wunder: Wer löwengleich brüllt, wird nun mausartig quieken, Und auf ‚es regnet‘ folgt bald ‚es donnert‘.“
Eine Woche verweilte er in der Kälte und Dunkelheit – Nicht Hunger: denn pünktlich am Morgen Schlüpfte ein Mädchen herein, und eine Stimme wie eine Lerche Zwitscherte: „Muckle-mouth Meg verschmähst du immer noch?
Geh hängen, aber hier ist Haferbrei, um dich erst zu stärken!“ „Hätte Megs Muckle-mouth in sich Solche Musik wie deine, meine sollte ihr gleichkommen oder bersten: Keine Froschkiefer! Also sag den Leuten, meine Holde!“
Bald kam die Woche zum Ende, und, vom Lochtor weit geöffnet, Marschierte er heraus, und dort wartete das Mädchen: „Jener Galgen, oder Muckle-mouth Meg als Braut! Überlege! Der Himmel ist blau und der Rasen ist grasig:
Das Leben ist süß; soll ich sagen, du heiratest Muckle-mouth Meg?“ „Nicht ich“, sagte das tapfere Herz: „zu unheimlich Ist der Mund, der ein Truthahnei verschlucken kann: Soll ich ihn meines zerkauen lassen? Niemals, Liebste!“
„Nicht Muckle-mouth Meg? Wow, der eigensinnige Mann! Vielleicht möchte er lieber mich heiraten!“ „Ja, das würde er – nur mit deinem Krug als Mitgift!“ „Ich bin Muckle-mouth Meg“, zwitscherte sie.
„Dann so – so – so – so –“ während er sie hastig küsste – „Werde ich dich weiten, bis du dich verwandelst Von Margaret Minnikin-mou’, mit Gottes Gnaden, Zu Muckle-mouth Meg im vollen Ernst!“
MUCKLE-MOU'D MEG
„Oh, was hast du uns nun heimgebracht, mein tapferer Lord, Festgeschnallt flach über seinem breiten Sattelbogen? Einen kühnen Grenzräuber, um an unserem Tisch zu schmausen, Und unsere Speisekammer zu plündern, glaube ich. Er ist stämmig und tapfer an Glied und Körper; Wenn du sein Meister im Kriege warst, War das Feld ein weiches genuges Lager für ihn, Du hättest ihn nicht so weit bringen müssen. Dann satteln und wieder aufsitzen, Harnisch und wieder schlagen, Und wenn du wieder jagen gehst, triff höheres Wild.“
„Halt, schweig still, meine Dame, denn er stammt aus gutem Geschlecht, Und prahlt mit einer langen Abstammung; Diese Nacht muss er an unserem guten Mahl drinnen teilhaben, Beim grauen Morgengrauen muss er sterben. Er ist der galante Wat Scott, Erbe von Harden Ha’, Der darauf aus war, unsere Ländereien rein zu fegen; Doch nun ist er gemütlich in der Pranke des alten Elibank, Und soll von unserem Kerker-Turm schwingen. Obwohl satteln und wieder aufsitzen, Harnisch und wieder schlagen, Werde ich, wenn ich wieder jage, niemals höheres Wild treffen.“
„Ist das der junge Wat Scott? Und willst du seinen Hals recken, Wenn unsere Tochter auf einen Mann versessen ist? Geh, bring den Burschen dazu, unsere muckle-mou’d Meg zu heiraten, Oder wir werden die Dirne niemals von unserer Hand bekommen!“ „Od! Hör unsere Hausfrau, sie möchte dein Leben retten; Wat Scott, willst du heiraten oder hängen?“ Doch Megs muckle mou setzte Wat das Herz in Schrecken. Wat schwor, zum Galgenstrick würde er gehen. Weder satteln noch wieder aufsitzen, Harnisch noch wieder schlagen, Wat soll niemals wieder jagen, niemals seine Heimat sehen.
Da drückte sich muckle-mou’d Meg dicht an seine Seite, Und blinzelte ganz schlau und freundlich, Doch immer, als Wat zu seiner tapfer dargebotenen Braut starrte, Zitterte er wie ein Blatt im Wind. „Eine Braut oder ein Galgen, ein Seil oder eine Frau!“ Der Morgen dämmerte sonnig und klar – Wat schritt mutig vorwärts, um sich von seinem Leben zu trennen, Bis er sah, wie Meggy eine Träne vergoß; Dann satteln und wieder aufsitzen, Harnisch und wieder schlagen, Gerne würde Wat wieder jagen, gerne zu Hause sein.
Megs Träne berührte seinen Busen, der Galgen drohte hoch, Und langsam schritt Wat seinem Schicksal entgegen; Er warf einen Blick umher mit einer Träne im Auge, Meg leuchtete wie ein Stern durch das Düstere. Sie stürzte in seine Arme, sie wurden auf der Stelle getraut, Und liebten einander sehr und lange; Kein kühner Grenz-Laird hatte eine Frau wie Wat Scott; Es war besser zu heiraten als zu hängen. Also satteln und wieder aufsitzen, Harnisch und wieder schlagen, Elibank wieder jagen, Wat ist gemütlich zu Hause.
GLENLOGIE
Sechzig Adlige ritten zum Hof des Königs, Doch der schöne Glenlogie ist die Blume von ihnen allen, Mit seinem milchweißen Ross und seinem schönen schwarzen Auge, „Glenlogie, liebe Mutter, Glenlogie für mich!“
„O halte deinen Mund, Tochter, du wirst Besseres bekommen als ihn“; „O sag nicht so, Mutter, denn das kann nicht sein; Obwohl Doumlie reicher ist und bedeutender als er, Doch wenn ich ihn nehmen muss, werde ich sicherlich sterben.
Wo bekomme ich einen schönen Jungen, um Strümpfe und Schuhe zu gewinnen, Der zu Glenlogie gehen und bald wiederkommen wird?“ „O hier bin ich, ein schöner Junge, um Strümpfe und Schuhe zu gewinnen, Der zu Glenlogie gehen und bald wiederkommen wird.“
Als er zu Glenlogie ging, hieß es „Waschen und essen gehen“; Es hieß „Wascht euch, mein hübscher Junge, wascht euch und geht essen.“ „O es war niemals meines Vaters Sitte, und es soll niemals die meine sein, Die Besorgung einer Dame warten zu lassen, bis ich speise.
Doch da ist, Glenlogie, ein Brief für dich.“ Die erste Zeile, die er las, ein leises Lächeln gab er; Die nächste Zeile, die er las, die Träne blendete sein Auge: Doch die letzte Zeile, die er las, ließ er den Tisch fliegen.
„Lasst den Rappen satteln, lasst den Braunen satteln; Lasst das schnellste Ross satteln, das je aus einer Stadt ritt“; Doch lange bevor das Pferd auf das Grün gebracht wurde, O der schöne Glenlogie war zwei Meilen allein.
Als er zu Glenfeldys Tür kam, war dort wenig Fröhlichkeit; Die Mutter der schönen Jean raufte sich die Haare; „Ihr seid willkommen, Glenlogie, ihr seid willkommen“, sagte sie, „Ihr seid willkommen, Glenlogie, eure Jeanie zu sehen.“
Blass und bleich war sie, als Glenlogie hineinging, Doch rot und rosig wurde sie, sobald er sich setzte; Sie wandte ihren Kopf ab, doch das Lächeln war in ihrem Auge, „O hab keine Angst, Mutter, ich werde vielleicht nicht sterben.“
LOCHINVAR Aus „Marmion“
O, der junge Lochinvar ist aus dem Westen gekommen, Durch die ganze weite Grenze war sein Ross das beste; Und außer seinem guten Breitschwert hatte er keine Waffe, Er ritt ganz unbewaffnet, und er ritt ganz allein. So treu in der Liebe und so furchtlos im Kriege, Es gab niemals einen Ritter wie den jungen Lochinvar.
Er hielt nicht für das Gebüsch, und er stoppte nicht für den Stein, Er schwamm durch den Fluss Eske, wo keine Furt war; Doch, ehe er am Netherby-Tor abstieg, Hatte die Braut zugestimmt, der Galan kam spät; Denn ein Nachzügler in der Liebe und ein Feigling im Kriege, Sollte die schöne Ellen des tapferen Lochinvar heiraten.
So mutig trat er in die Netherby Hall, Unter Bräutigamsleuten, und Verwandten, und Brüdern, und allen. Dann sprach der Vater der Braut, seine Hand am Schwert, (Denn der arme feige Bräutigam sagte kein Wort), „O kommt ihr in Frieden hierher, oder kommt ihr im Kriege, Oder um bei unserer Hochzeit zu tanzen, junger Lord Lochinvar?“
„Ich habe lange um eure Tochter geworben, meine Werbung habt ihr verweigert; – Liebe schwillt wie der Solway, doch ebbt wie seine Flut, – Und nun bin ich gekommen, mit dieser meiner verlorenen Liebe, Um nur einen Tanz zu führen, einen Becher Wein zu trinken. Es gibt Mädchen in Schottland, weit lieblicher, Die wären gerne Braut des jungen Lochinvar.“
Die Braut küsste den Becher; der Ritter nahm ihn auf, Er trank den Wein aus und warf den Becher hin. Sie schaute nieder, um zu erröten, und sie schaute auf, um zu seufzen, Mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Träne im Auge. Er nahm ihre weiche Hand, ehe ihre Mutter Einhalt gebieten konnte – „Nun schreiten wir einen Tanz!“, sagte der junge Lochinvar.
So stattlich seine Gestalt, und so lieblich ihr Gesicht, Dass niemals ein Saal eine solche Galliarde zierte; Während ihre Mutter sich grämte und ihr Vater vor Wut schäumte, Und der Bräutigam mit seiner Haube und Feder baumelnd dastand; Und die Brautjungfern flüsterten: „Es wäre bei weitem besser, Unsere schöne Cousine mit dem jungen Lochinvar zu verkuppeln.“
Eine Berührung ihrer Hand, und ein Wort in ihrem Ohr, Als sie die Saaltür erreichten und der Streitross nahe stand; So leicht schwang er die schöne Dame auf die Kruppe, So leicht sprang er vor ihr in den Sattel! „Sie ist gewonnen! Wir sind fort! Über Bank, Busch und Fels; Sie werden schnelle Rosse haben, die folgen“, sagte der junge Lochinvar.
Es gab ein Aufsitzen unter den Graemes des Netherby-Clans; Forsters, Fenwicks und Musgraves, sie ritten und sie rannten: Es gab ein Rennen und Jagen auf Cannobie Lee, Doch die verlorene Braut von Netherby sahen sie niemals. So kühn in der Liebe und so furchtlos im Kriege, Habt ihr jemals von einem Galan wie dem jungen Lochinvar gehört?
JOCK OF HAZELDEAN
„Warum weinst du an der Flut, Edle? Warum weinst du an der Flut? Ich werde dich meinem jüngsten Sohn vermählen, Und du sollst seine Braut sein: Und du sollst seine Braut sein, Edle, So ansehnlich anzuschauen“ – Doch immer ließ sie die Tränen herabfallen Um Jock of Hazeldean.
„Nun lass diesen eigensinnigen Kummer sein, Und trockne diese Wange, so blass; Der junge Frank ist Häuptling von Errington Und Lord von Langley-dale; Sein Schritt ist der erste im friedlichen Saal, Sein Schwert im Kampf scharf“ – Doch immer ließ sie die Tränen herabfallen Um Jock of Hazeldean.
„Eine Kette aus Gold soll dir nicht fehlen, Noch ein Band, um dein Haar zu binden, Noch ein mutiger Hund, noch ein abgerichteter Falke, Noch ein Zeltpferd, frisch und schön; Und du, die Vorderste von ihnen allen, Sollst unsere Waldkönigin reiten“ – Doch immer ließ sie die Tränen herabfallen Um Jock of Hazeldean.
Die Kirche war am Morgen geschmückt, Die Lichter schimmerten schön; Der Priester und der Bräutigam erwarten die Braut, Und Dame und Ritter sind dort: Sie suchten sie sowohl im Gemach als auch im Saal; Die Edle war nicht zu sehen! Sie ist über die Grenze und davon Mit Jock of Hazeldean.
OFFENHEIT Oktober – Ein Wald
„Ich weiß, was du sagen willst“, sagte sie, Und sie stand auf, und sah ungewöhnlich groß aus: „Du willst vom hektischen Herbst sprechen, Und sagen, es tut dir leid, dass der Sommer tot ist, Und kein anderer Sommer war wie dieser, weißt du, Und kann ich mir vorstellen, was ihn dazu machte. Nun, nicht wahr, ehrlich?“ „Ja“, sagte ich.
„Ich weiß, was du sagen willst“, sagte sie: „Du willst fragen, ob ich vergesse Jenen Tag im Juni, als die Wälder nass waren, Und du mich trugst“ – hier senkte sie ihr Haupt – „Über den Bach; du willst sagen, Erinnere ich mich an jenen schrecklichen Tag. Nun, nicht wahr, ehrlich?“ „Ja“, sagte ich.
„Ich weiß, was du sagen willst“, sagte sie: „Du willst sagen, dass du seit dieser Zeit Dazu neigst, in Reimen zu sprechen, Und“ – ihr klarer Blick fiel, und ihre Wange wurde rot – „Und habe ich bemerkt, dass dein Ton eigenartig war. Warum, jeder hat es hier gesehen! Nun, nicht wahr, ehrlich?“ „Ja“, sagte ich.
„Ich weiß, was du sagen willst“, sagte ich: „Du willst sagen, dass du sehr verärgert warst; Und mir fehlt Takt – du wirst sagen, entbehre ihn – Und ich bin ungeschickt und unbeholfen; und nennst mich Ted; Und ich ertrage den Missbrauch wie ein liebes altes Lamm; Und du nimmst mich sowieso, genau so wie ich bin. Nun, nicht wahr, ehrlich?“ „Ja-a“, sagte sie.
„ERINNERST DU DICH“
Erinnerst du dich, als du hörtest, Wie meine Lippen das erste zögernde Wort der Liebe hauchten? Tust du das, Süße – nicht wahr? Als ich, nachdem ich den ganzen Tag gewandert war, Arm in Arm verbunden, es wagte zu sagen: „Du wirst mich lieben – nicht wahr?“
Und als du errötest und nicht sprechen konntest, Küsste ich zärtlich deine glühende Wange, Hat dich das beleidigt? Oh, sicherlich nicht – dein Auge drückte Keinen Zorn aus – sondern sagte, vielleicht im Scherz: „Du wirst mich lieben – nicht wahr?“
Ich bin sicher, meine Augen antworteten: „Ich werde.“ Und du glaubst dieses Versprechen immer noch, das tust du, Süße – nicht wahr? Ja, ja! Wenn das Alter unsere Augen für Fragen oder Antworten untauglich gemacht hat, wirst du mich lieben – nicht wahr?
WEIL
Süße Nea! – um deiner lieblichen willen webe ich diese schweifenden Verse, weil ich eine Stunde wach gelegen habe und keinen Schlaf finden kann; weil das sanfte Licht deiner Schönheit um mein Kopfkissen strahlt und, ich weiß nicht warum, heute Nacht einen Zauber über mein Träumen wirft!
Weil wir einige freudige Tage verbracht und einige fröhliche Tänze getanzt haben; weil wir Beaumonts alte Stücke lieben und Froissarts alte Romanzen! Weil bei jedem Wort, das ich von dir höre, ein angenehmes Gefühl verweilt; weil ich glaube, dein Herz hat Saiten, die unter deinen Fingern erzittern.
Weil du diese langen, weichen Locken hast, von denen ich schwor, sie sollten meine Göttin schmücken; weil du nicht bist wie andere Mädchen, voller Aufgeblasenheit, Erröten und Mieder! Weil deine Augen tief und blau sind, deine Finger lang und rosig; weil ein kleines Kind und du das Heim so gemütlich machen würden!
Weil deine kleine, winzige Nase so keck und drollig aufgestülpt ist; weil ich weiß, dass du deine Verehrer eher nach ihrer Fröhlichkeit als nach ihrem Geld wählst; weil ich glaube, du würdest lieber einen Walzer drehen, mit mir als deinem Führer, als mit einem Grafen kleinen Unsinn zu reden und eine Krone an deiner Seite zu haben!
Weil du nichts dagegen hast, zu gehen, und nicht dazu neigst, in Ohnmacht zu fallen; weil du nicht gelernt hast, von Blumen und Poonah-Malerei zu sprechen; weil ich glaube, du würdest kaum ablehnen, einem einen Knopf anzunähen; weil ich weiß, dass du es manchmal vorziehst, einfaches Hammelfleisch zu speisen!
Weil ich glaube, ich bin gerade so schwach, an einem jener schönen Morgen dich zu fragen, ob du mich meine Geschichte – und meine Sorgen – erzählen lässt; weil der Rest eine einfache Sache ist, eine Angelegenheit, die schnell vorbei ist: Eine Kirche – ein Priester – ein Seufzer – ein Ring – und eine vierspännige Kutsche nach Dover.
LIEBE UND ALTER Aus „Gryll Grange“
Ich spielte mit dir inmitten blühender Schlüsselblumen, als ich sechs und du vier Jahre alt warst; als Girlanden flechten, Blumenbälle werfen Vergnügen waren, die bald nicht mehr erfreuen sollten. Durch Haine und Wiesen, über Gras und Heide, mit kleinen Spielgefährten, hin und her, wanderten wir Hand in Hand zusammen; doch das ist sechzig Jahre her.
Du wurdest ein liebliches, rosenwangiges Mädchen, und noch immer war unsere frühe Liebe stark; noch immer waren unsere Tage ohne Last, sie glitten freudvoll dahin; und ich liebte dich sehr innig – wie innig, dafür fehlen Worten die Kraft; ich dachte, dein Herz sei ebenso berührt; doch das ist fünfzig Jahre her.
Dann kamen andere Liebhaber um dich, deine Schönheit wuchs von Jahr zu Jahr, und viele glänzende Kreise fanden dich als den Mittelpunkt ihrer funkelnden Sphäre. Ich sah dich dann, erste Gelübde brechend, deine Hand Rang und Reichtum schenken; O, damals dachte ich, mein Herz bricht, – doch das ist vierzig Jahre her.
Und ich lebte weiter, um eine andere zu ehelichen: Sie gab mir keinen Grund zur Klage; und als ich hörte, du seist Mutter geworden, wünschte ich mir die Kinder nicht als meine eigenen. Meine eigene junge Schar, in schöner Folge, bildete eine angenehme Weihnachtsreihe: Meine Freude an ihnen war unbeschreiblich; – doch das ist dreißig Jahre her.
Du wurdest eine rundliche und ansehnliche Matrone, du lebtest in der hellsten Pracht der Mode; mein irdisches Los war weitaus schlichter; doch auch ich hatte meine Festtage. Keine fröhlicheren Augen haben jemals geglänzt im winterlichen Glühen des Herdes, als als mein jüngstes Kind getauft wurde: – doch das ist zwanzig Jahre her.
Die Zeit verging. Mein ältestes Mädchen heiratete, und ich bin nun ein grauer Großvater; einen Liebling von vier Jahren habe ich getragen, um auf den von Wildblumen übersäten Wiesen zu spielen. Auf unseren alten Feldern kindlicher Freude, wo heute, wie damals, die Schlüsselblumen blühen, füllt sie das reiche Maß ihres Korbes, – und das ist nicht zehn Jahre her.
Doch obwohl die leidenschaftliche Blindheit der ersten Liebe in kälterem Licht vergangen ist, habe ich noch immer in Güte an dich gedacht, und werde es tun, bis zu unserem letzten Gute-Nacht. Die ewig rollenden, stillen Stunden werden eine Zeit bringen, die wir nicht kennen werden, wenn unsere jungen Tage des Blumenpflückens hundert Jahre her sein werden.
AN HELEN
Wenn ich, wandernd in eines Zauberers Wagen durch jenen blauen Äther, fähig wäre, aus einem kleinen Stern einen Leuchter für Helens Tisch zu formen; – „Was dann?“, fragt sie mich lachend – Nun, dann, mit all des Himmels Glanz leuchtend, würde er ihren Pfad nicht zur Hälfte vergolden mit dem Licht, das ihre Liebe über meinen wirft!
AM KIRCHTORE Aus „Pendennis“
Obwohl ich nicht hineingehe, so schweife ich doch oftmals um den Ort herum; und nahe dem heiligen Tore warte ich mit sehnsüchtigen Augen, erwartungsvoll ihrer.
Die Glocke des Münsters schallt über das Getümmel der Stadt, und den Lärm und das Summen; sie haben die Münsterglocke verstummen lassen: Die Orgel beginnt zu schwellen; sie kommt, sie kommt!
Meine Dame kommt endlich, zaghaft und schnell schreitend und hierher eilend, mit bescheidenen, niedergeschlagenen Augen; sie kommt – sie ist hier – sie ist vorbei! Möge der Himmel sie begleiten!
Knie ungestört, holde Heilige! Gieße dein Lob oder deine Klage aus, sanftmütig und pflichtgemäß; ich werde dort nicht eintreten, um dein reines Gebet mit ungebührlichen Gedanken zu beschmutzen.
Doch gestatte mir, um den verbotenen Ort herumzuschreiten, eine Minute verweilend, wie ausgestoßene Geister, die warten und durch das Himmelstor die Engel darin sehen.
MABEL, IN NEW HAMPSHIRE
Die Schönste der Schönen, Rivalin der Rose, das ist Mabel der Hügel, wie jeder weiß.
Fragt ihr mich, an welchem Strom dieses süße Blümlein wächst? Das ist eine unwissende Frage, mein Herr, wie jeder weiß.
Fragt ihr, wie alt sie ist, nach der Zeit gemessen? Gerade das Alter der Schönheit, wie jeder weiß.
Ist sie so groß wie Rosalind, auf den Zehenspitzen stehend? Sie hat genau die perfekte Höhe, wie jeder weiß.
Was ist die Farbe ihrer Augen, wenn sie sich öffnen oder schließen? Genau die Farbe, die sie sein sollten, wie jeder weiß.
Ist sie lieblicher beim Tanzen oder in der Ruhe ruhend? Beides sind strahlende Bilder, wie jeder weiß.
Segeln ihre Schiffe bei jedem Wind, der weht? Sie ist weitaus reicher als das, wie jeder weiß.
Hat sie Scharen von Liebhabern, Haufen von blutenden Verehrern? Diese Frage ist völlig überflüssig, wie jeder weiß.
Ich könnte euch etwas erzählen, wenn ich nur wollte! – Doch was nützt es, zu erzählen, was jeder weiß?
TOUJOURS AMOUR
Ich bitte dich, sag mir, Grübchenkinn, in welchem Alter beginnt die Liebe? Deine blauen Augen haben kaum drei Sommer gesehen, meine Feenkönigin, doch ein Wunder an Süße, sanfte Annäherungen, schlaue Rückzüge, zeigen den kleinen Bogenschützen dort, verborgen in deinem hübschen Haar; wann hast du gelernt, ein Herz zu gewinnen? Ich bitte dich, sag mir, Grübchenkinn!
„Oh!“, antworten die rosigen Lippen, „ich kann es dir nicht sagen, selbst wenn ich es versuche. Es ist so lange her, ich kann mich nicht erinnern: Frag ein jüngeres Mädchen als mich!“
Sag, o sag mir, Graugesicht, halten dein Herz und dein Kopf Schritt? Wann erlischt die ergraute Liebe, wann löscht der Frost das Feuer? Kann ihre Glut unter all dem kalten Dezember-Schnee brennen? Sorgst du dich noch, weiche Hände zu drücken, hübsche Köpfe zu streicheln und zu segnen? Wann gibt die Liebe die Jagd auf? Sag, o sag mir, Graugesicht!
„Ach!“, antworten die weisen alten Lippen, „Jugend mag vergehen und Kraft mag sterben; doch von der Liebe kann ich nichts vorhersagen: Frag einen älteren Weisen als mich!“
DIE TÜRSTUFE
Die Gemeindeversammlung endlich vorbei, warteten wir Jungen um das Gemeindehaus herum, um die Mädchen vorbeihuschen zu sehen, wie Schneevögel, die sich paaren wollen.
Nicht tapferer ist jener, der die Mauer überspringt, von flachen Musketenfeuern gebissen, als ich, der ich vor sie alle trat, die nur darauf warteten, mich abblitzen zu sehen.
Doch nein! Sie errötete und nahm meinen Arm: Wir ließen den alten Leuten die Hauptstraße, und machten uns auf den Weg zur Ahornfarm, entlang eines Liebhaberpfades.
Ich kann mich nicht erinnern, was wir sagten, – es war nichts, das ein Lied oder eine Geschichte wert war; doch jener raue Pfad, auf dem wir eilten, schien ganz verwandelt und in einem Glanz.
Der Schnee knirschte unter unseren Füßen, der Mond war voll, die Felder leuchteten; unter Haube und Tuch süß geborgen, strahlte ihr Gesicht vor Jugend und Gesundheit.
Die kleine Hand außerhalb ihres Muffes (O Bildhauer! könntest du sie nur formen) berührte so leicht meinen Jackenärmel, um sie warm zu halten, musste ich sie festhalten.
Sie dort allein bei mir zu haben, – es war Liebe und Furcht und Triumph vermischt; endlich erreichten wir den abgetretenen Stein, wo jene köstliche Reise endete.
Die alten Leute waren auch fast zu Hause: Ihre grübchenreiche Hand tastete nach den Riegeln, wir hörten die Stimmen näher kommen, doch auf der Türschwelle verweilten wir noch.
Sie schüttelte ihre Locken aus der Haube, und mit einem „Danke, Ned!“ heuchelte sie; doch ich wusste, sie verstand, mit welch kühnem Wunsch ich bebte.
Eine Wolke zog freundlich darüber hinweg, der Mond spähte schlau hindurch, doch verbarg sein Gesicht, als ob er sagte – „Komm, jetzt oder nie! Tu es! Tu es!“
Meine Lippen hatten bis dahin nur den Kuss von Mutter und Schwester gekannt, – doch irgendwie, voll auf ihrem eigenen süßen, rosigen, geliebten Mund, – küsste ich sie!
Vielleicht war es eine jugendliche Liebe: doch immerhin, o teilnahmslose Frau! müder Liebhaber! Um noch einmal dieses frische, wilde Beben zu fühlen, würde ich geben – doch wer kann die Jugend noch einmal leben?
DIE WEISSE FAHNE
Ich sandte meiner Liebsten zwei Rosen, – eine so weiß wie getriebener Schnee, und eine, eine errötende königliche rote, eine flammende Jacqueminot.
Ich wollte mein Schicksal berühren und testen; jener Nacht sollte ich es erahnen, in dem Moment, da ich meine Liebste sähe, ob ihr wahres Herz mein wäre.
Denn wenn sie mich lieb hält, sagte ich, wird sie meine errötende Rose tragen; wenn nicht, wird sie meine kalte Lamarque tragen, so weiß wie der Schnee des Winters.
Mein Herz sank, als ich sie traf: sicherlich war ich zu kühn gewesen, denn auf ihrer Brust lag meine blasse Rose in jungfräulicher, kalter Weiße.
Doch mit leisen Worten begrüßte sie mich, mit göttlich zärtlichem Lächeln; auf ihrer Wange dämmerte die rote Rose, – die weiße Rose bedeutete Kapitulation.
EIN LIED DER VIER JAHRESZEITEN
Wenn der Frühling lachend kommt durch Tal und Hügel, beim Gehen durch Windröschen und Narzissen, – singt Sterne des Morgens, singt Morgenhimmel, singt Blau des Ehrenpreises – und die Augen meiner Liebe.
Wenn der Sommer kommt, vollblättrig und stark, und fröhliche Vögel plaudern den langen Obstgarten entlang, – singt den verborgenen, süßen Honig, den keine Biene schlürft; singt rote, rote Rosen – und die Lippen meiner Liebe.
Wenn der Herbst die Blätter wieder verstreut, und aufgetürmte Garben den breiträdrigen Wagen begraben, – singt Flöten der Ernte, wo Menschen sich freuen; singt Reigen der Schnitter – und die Stimme meiner Liebe.
Doch wenn der Winter kommt mit Hagel und Sturm, und das rote Feuer brüllt und der Herd warm ist, – singt zuerst das traurige Gehen von Freunden, die sich trennen; dann singt das frohe Treffen – und das Herz meiner Liebe.
DER LIEBESKNOTEN
Ihre Haube unter dem Kinn bindend, band sie ihre rabenschwarzen Locken ein; doch nicht allein in die seidene Schlinge fing sie ihr liebliches, fließendes Haar, denn beim Binden ihrer Haube unter dem Kinn, band sie das Herz eines jungen Mannes mit ein.
Sie schlenderten zusammen den Hügel hinauf, wo der Wind fröhlich und kühl wehte; und er blies die Locken, ein ausgelassenes Wettrennen, über das glückliche, pfirsichfarbene Gesicht. Bis sie, schimpfend und lachend, sie einband, unter ihrem wunderschönen, grübchenreichen Kinn.
Und er blies eine Farbe, so hell wie die Blüte der schwankenden Feder der rötesten Fuchsia, über die Wangen des hübschesten Mädchens, das jemals eine ausgelassene Locke gefangen hielt, oder, beim Binden ihrer Haube unter dem Kinn, das Herz eines jungen Mannes mit einband.
Steiler und steiler wurde der Hügel, verrückter, fröhlicher, kühler noch blies der Westwind herab und trieb die wildesten Scherze mit dem kleinen Mädchen, als sie, ihre Haube unter dem Kinn bindend, das Herz eines jungen Mannes mit einband.
O Westwind, glaubst du, es war fair, solche Scherze mit ihrem fließenden Haar zu treiben? Ganz froh, ganz ausgelassen, dein Bestes zu tun, um sie gegen die Brust des jungen Mannes zu blasen, wo er sie ebenso froh hineinfaltete und ihren Mund und ihr grübchenreiches Kinn küsste?
Ach! Ellery Vane, du dachtest wenig, vor einer Stunde, als du diese Landlassin batest, mit dir zu gehen, nachdem die Sonne den Tau getrocknet hatte, in welch schrecklicher Gefahr du sein würdest, als sie ihre Haube unter dem Kinn band!
REITEND HINAUS
Oh, habt ihr ihn hinausreiten sehen, und hinausreiten, während die ganze Stadt herauskam, um zu sehen, herauskam, um zu sehen, und alle Glocken vor Freude verrückt läuteten?
Oh, habt ihr diese Glocken läuten hören, die Glocken läuten, die Menschen jubeln, und habt ihr diesen Jubel nach Jubel gehört, der über allen Glocken klar erklang?
Und habt ihr die wehenden Fahnen gesehen, die flatternden Fahnen, die zerlumpten Fahnen, rot, weiß und blau, durch und durch durchschossen; getauft mit dem tödlichen Tau der Schlacht?
Und habt ihr den fröhlichen Schlag der Trommeln gehört, den fröhlichen Schlag der Trommeln, die süßen Hornsignale, das Klirren der Becken, das Krachen der Kanonen, das den Himmel mit Klang und Blitz zerriss?
Und habt ihr mich dort warten sehen, einfach dort warten und zuschauen. Ein kleines Mädchen, inmitten der Masse, die drängte, um den Helden vorbeiziehen zu sehen?
Und habt ihr ihn herablächeln sehen, und herablächeln, während er hinausritt mit langsamstem Schritt, mit stattlicher Anmut, er die Vision eines Gesichts erblickte, –
Mein Gesicht, rot und weiß erhoben, rot und weiß geworden vor reiner Freude, um den Augen zu begegnen, den lächelnden Augen, die in ihrer schnellen Überraschung aufblitzten?
Oh, habt ihr gesehen, wie schnell es kam, wie schnell es kam wie eine plötzliche Flamme, dieses Lächeln für mich, nur für mich, das kleine Mädchen, das errötete, als es zusah?
Und an den Fenstern überall entlang, oh, überall entlang, eine liebliche Schar von Gesichtern, schön, jenseits jedes Vergleichs, strahlte ihn an, während er dort ritt!
Jedes Gesicht war wie ein strahlendes Juwel, ein funkelndes Juwel, und doch für sie kam kein schnelles Lächeln wie eine plötzliche Flamme, kein pfeilartiger Blick zielte sicher.
Er wandte sich ab von all ihrer Anmut, von all dieser Anmut des perfekten Gesichts, er wandte sich mir zu, nur mir, dem kleinen Mädchen, das errötete, als es zusah!
VERGESSEN
Die Nacht, als ich meinen Burschen zuletzt sah, waren seine Augen hell und feucht. Er nahm meine beiden Hände in seine eigenen, „Es ist gut“, sagt er, „dass wir uns getroffen haben. Asthore machree! meinesgleichen heiße ich dich nun zu vergessen.“
Ach, sicherlich ist das eine geringfügige Sache, es ist mehr, das ich für ihn tun würde! Ich denke an die Nacht, in der ich gut versprach, weit weg in Ballindim. – Und ab und zu versuche ich, Jim zu vergessen.
Es sollte nicht so lange dauern, und er ist nicht sehr groß: Es ist seltsam, wie ich seine Stimme höre, ein Junge, der außer Rufweite ist, – und manchmal sehe ich ihn so deutlich stehen wie eine sechs Fuß hohe Mauer.
Och, niemals fürchte dich, mein Juwel! Ich würde dich jetzt in dieser Minute vergessen, wenn ich nur eine Vorstellung hätte von der Art, wie ich damit beginnen sollte; aber zuallererst ist es nicht bekannt, welch ein Haufen Ärger darin steckt.
Ich selbst begann die Nacht, als du gingst, und bin noch nicht fertig damit; ich bin fast bereit, es aufzugeben, denn was nützt das Sorgen? – Und das Gedächtnis ist bei mir völlig verdorben vom Daran-Denken, zu vergessen.
„ÜBER DIE FELDER ZU ANNE“
Wie oft in der Sommerzeit, seine ernsteren Geschäfte beiseite gelegt, ist der junge Will, der nachdenklich Äugige, wie zur Pfeife des Pan, fröhlich mit Liebhaber-Stolz über die Felder zu Anne geschritten.
Es muss eine fröhliche Meile gewesen sein, dieser Sommerspaziergang an Hecke und Zauntritt, mit süßem Vorwissen die ganze Zeit, wie sicher der Pfad verlief zu den lieben Freuden von Kuss und Lächeln, über die Felder zu Anne.
Die dummen Schafe, die heute grasen, ich weiß, sie ließen ihn seines Weges ziehen, schauten nicht ein einziges Mal auf, als wollten sie sagen: „Es ist ein anständiger Mann.“ Denn viele Burschen gingen immerzu werbend über die Felder zu Anne.
Die Eichen, sie haben einen weiseren Blick; vielleicht flüsterten sie dem Bach zu: „Die Welt wird von ihm noch erschüttert werden, es liegt im Plan der Natur; auch wenn er jetzt eilt wie jede Saatkrähe über die Felder zu Anne.“
Und ich bin sicher, dass er in einer Stunde, weich kokettierend zwischen Sonne und Schauer, sich bückte und eine Gänseblümchenblume brach mit einem Herzen von winziger Spanne, und sie als Gabe eines Liebhabers trug über die Felder zu Anne.
Während sie aus ihrem Hütten-Gartenbeet einen Jasmin-Strauß pflückte, um stattdessen sein braunes Wams zu beduften; nun, seit diese Liebe begann, welcher glücklichere Liebhaber als er, der eilte über die Felder zu Anne?
Der gewundene Pfad, auf dem ich schreite, die grünen Hecken, die Anmut des Sommers, sind noch immer vor mir von Angesicht zu Angesicht; ich glaube, ich kann fast umkehren und mich dem singenden Wettlauf anschließen über die Felder zu Anne.
PAMELA IN DER STADT
Die schöne Pamela kam in die Stadt, in die Stadt London, im frühen Sommer; und auf und ab und rundherum diskutierten die Verehrer den hellen Neuling, mit „Gadzooks, mein Herr“, und „Ma'am, meine Pflicht“, und „Odds mein Leben, aber das ist eine Schönheit!“
Nach Ranelagh ging Mistress Pam, die süße Mistress Pam, so schön und fröhlich, mit Wangen aus Sahne und Rosen vermischt, mit der Stimme einer Lerche und einer Lippe aus Kirsche. Da schworen alle Verehrer, es sei ihre Pflicht, diese ländliche Schönheit zu gewinnen und zu tragen.
Und zuerst versuchte Frank Lovelace seinen Witz, mit kühnen Flüstern und Augen, noch kühner; je wärmer seine unverschämte Flamme wurde, desto kälter wurde die charmante Schöne und kälter. Es war „eisiger Busen“ – „grausame Schönheit“ – „zu lieben, süße Mistress, ist eine Pflicht.“
Dann versuchte Jack Carew seine Künste, mit honigsüßen Seufzern und geheucheltem Weinen. Gott bewahre! Seine Billets banden die Locken, die die hübsche Pam beim Schlafen trug. Am nächsten Tag hatten diese Locken eine reichere Schönheit, so gut erfüllte Jacks Inbrunst seine Pflicht.
Dann kam Cousin Will herauf, um zu sehen, wie Pamela die Mode beherrschte; er beobachtete die Galane, die sich drängten, und geriet in eine rustikale Leidenschaft, – hinterließ „Squire, sein Zeichen“ auf verschiedenen Gesichtern und stach Carew unter seine Spitzen.
Ach! Eines Nachts in Ranelagh begann die hübsche Schlaumeierin zu erröten; und alle mutigen Blutsverwandten schauten umher, um zu sehen, was das verräterische Erröten verursachte. Ein grauhaariger Dichtergeselle trat vor, um mit Pam eine Saltarello zu tanzen.
Da beschlossen Jack und Frank und Will, mit der Hand am Schwert und schneidenden Blicken, dass sie jenen Graubart herausführen würden zu lebhafteren Weisen und anderen Tänzen. Doch wer Pams Augen leuchten sah vor Liebe und Freude, würde sie nicht schmachten sehen!
Und – oons! Ihr Zorn kühlte ab, als sie sahen, – jener Dichter starrte so grimmig wie jeder andere! Er war ein mächtig ordentlicher Mann, mit Klinge an der Hüfte und vielen Zoll; die Verehrer schworen alle, es sei ihre Pflicht, auf eine neuere, weichere Schönheit anzustoßen.
Süße Pam zügelte sich, errötete und lächelte – das wilde Ding liebte und konnte es nur zeigen! Vielleicht seht ihr eines Tages in der Stadt Pamela und ihren grauhaarigen Dichter. Fürwahr, er lehrte die Schurkin ihre Pflicht, und gewann ihren Glauben, ihre Liebe, ihre Schönheit.
JA?
Ist es wahr, mein Mädchen, dass du es ernst meinst – das Wort, das gestern Nacht gesprochen wurde? Scheint dir jene Stunde jetzt so süß, da dazwischen dieses Tages nüchternes Licht gekommen ist? Bist du aus einem Moment des Entzückens erwacht, um dich zu erinnern, zu bereuen und zu büßen, und vielleicht den zu hassen, der deine unüberlegte Zustimmung gefangen hat?
Wer war er, gestern Abend – dieser Kerl, dessen Kühnheit ihm einen Charme verlieh? Hast du versprochen, Pulchinello zu heiraten? Fürs Leben Figaros Arm zu nehmen? Willst du den Hofnarren der Zeitungen, den Clown im Ring der Journalisten, der sein karges Brot mit seinen Kapriolen verdient, als deines Herzens König?
Als wir uns ganz zufällig im Theater trafen und ich dich unter dem Mond nach Hause brachte, hatte ich keinen Gedanken, Liebe, dass das Unheil so bald seine Spielchen mit meiner Zunge treiben würde; dass ich Schicksal und Vermögen vergessen würde, einen Unterschied zwischen Sèvres und Steingut zu machen – dass ich den ruhigen Nerv haben würde, dich, Süße, für mich selbst zu bedrängen.
Es ist entsetzlich, beim Jupiter, die dreiste Unverschämtheit dieser Bitte! Aber du – du wurdest plötzlich gnädig und verbargst dein süßes Gesicht an meiner Brust. Warum du es getan hast, kann ich nicht mutmaßen; ich habe dich überrascht, armes Kind, wage ich zu sagen, oder vielleicht – beeinträchtigt das Mondlicht deinen Kopf oft auf diese Weise?
Du bist freigegeben! Ersetze mich durch einen Werber, Der deiner Lebensleuchte würdiger ist; Lösche mich aus von der Tafel der Erinnerung, Wenn du dein Ja von letzter Nacht nicht ernst meintest. Aber – es sei denn, du bist begierig darauf, in mir Ein Wrack aus Pfeife und Becher zu sehen, In meinem Geburts- und Grabort, Böhmen – Liebe, gib mich nicht auf!
Henry Cuyler Bunner [1855-1896]
DIE BLÜTE DES LEBENS
Gerade als ich dachte, ich würde alt, Bereit, mich in meinen Lehnstuhl zu setzen, Die Welt mit kalt gewordenem Herzen zu betrachten, Und über eine Torheit zu lächeln, die ich nicht teilen wollte,
Kam Rose vorbei, mit einem Lächeln für mich, Und ich denke, dass vierzig Jahre Nicht das Alter sind, das sie zu sein scheinen, Wenn zwei hübsche braune Augen in der Nähe sind.
Segne mich! Es ist gerade die Blüte des Lebens, Eine Tatsache, von der ich hoffe, dass sie sie versteht; Und vierzig Jahre sind ein perfekter Reim Auf dunkelbraune Augen und eine hübsche Hand.
Diese grauen Haare kommen von ungefähr, siehst du – Jungen sind manchmal grau, wurde mir gesagt: Rose kam vorbei, mit einem Lächeln für mich, Gerade als ich dachte, ich würde alt.
Walter Learned [1847-1915]
GEDANKEN ZU DEN GEBOTEN
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, – So predigt der Pfarrer: Das ist die eine Hälfte des Dekalogs, – So lehrt es das Gebetbuch. Die Hälfte meiner Pflicht kann ich erfüllen Mit nur wenig Mühe, Denn mit ganzem Herzen und ganzer Seele Liebe ich meine Nächste.
Verdammte wenig Ehre, das, Für meine Selbstverleugnung, Sie jedoch nicht zu lieben, könnte sein Eine Art von Prüfung. Nun, das rosige Licht, das späht Durch das Glas über ihr, Verweilt um ihre Lippen, – siehst du, Sogar die Sonnenstrahlen lieben sie.
Um also mein Verdienst zu mehren, Werde ich über den Buchstaben hinausgehen: – Meinen Nächsten lieben wie mich selbst? Ja, und zehnmal besser. Denn sie ist süßer als der Hauch Des Frühlings, der durchzieht Die duftenden, knospenden Wälder, Über die Wiesengräser.
Und ich habe das Wort gepredigt, das ich kenne, Denn es war meine Pflicht, Das störrische Herz zu bekehren Der kleinen Schönen. Wieder einmal hat Erfolg gekrönt Missionarische Arbeit, Denn ihre süßen Augen gestehen, dass sie Auch ihren Nächsten liebt.
George Augustus Baker [1849-1906]
DIE IRONIE DER LIEBE
„SEUFZT NICHT MEHR, LADIES“ Aus „Viel Lärm um Nichts“
Seufzt nicht mehr, Ladies, seufzt nicht mehr, Männer waren stets Betrüger; Ein Fuß im Meer, und einer am Ufer; Niemals bei einer Sache beständig. So seufzt nicht so, Sondern lasst sie ziehen, Und seid heiter und fröhlich, Wandelt all eure Klagelaute In Hey nonny, nonny.
Singt keine Lieder mehr, singt keine mehr Von Missmut, so dumpf und schwer; Der Betrug der Männer war schon immer so, Seit der Sommer zuerst belaubt war. So seufzt nicht so, Sondern lasst sie ziehen, Und seid heiter und fröhlich, Wandelt all eure Klagelaute In Hey nonny, nonny.
William Shakespeare [1564-1616]
EINE ENTSAGUNG
Wenn Frauen schön sein könnten und doch nicht liebend, Oder ihre Liebe fest wäre, nicht ständig wankelmütig, Würde ich mich nicht wundern, dass sie Männer binden Durch langen Dienst, um ihren guten Willen zu erkaufen; Doch wenn ich sehe, wie gebrechlich jene Geschöpfe sind, Staune ich, dass Männer sich selbst so weit vergessen.
Die Wahl zu bemerken, die sie treffen, und wie sie sich wandeln, Wie oft sie von Phöbus zu Pan fliehen; Stets unbeständig, wie wilde Falken schweifen sie umher, Diese sanften Vögel, die von Mann zu Mann fliegen; Wer würde sie nicht verachten und von der Faust abschütteln, Und sie, schöne Narren, fliegen lassen, wohin sie wollen?
Doch zum Zeitvertreib schmeicheln und liebkosen wir beide, Um die Zeit zu vertreiben, wenn nichts anderes gefällt, Und locken sie mit subtilem Eid an unseren Köder, Bis wir, ihrer Ränke müde, uns selbst erleichtern; Und dann sagen wir, wenn wir ihr Gefallen prüfen: Mit Narren zu spielen, oh was für ein Narr war ich!
Edward Vere [1550-1604]
EIN LIED
Ihr glücklichen Landleute, deren Herzen frei sind Von der imperialen Kette der Liebe, Nehmt euch in Acht und lasst euch von mir lehren, Den bezaubernden Schmerz zu vermeiden; Tödlich erweisen sich Wölfe für zitternde Herden, Heftige Winde für Blüten, Für sorglose Seefahrer, versteckte Felsen, Für die menschliche Ruhe, die Liebe.
Flieht das schöne Geschlecht, wenn ihr Glück schätzt; Die Schlange ist unter der Blume: Wer jemals auf schöne Augen starrte, Der kostete jemals noch Ruhe? Wie treulos ist die Freude der Liebenden! Wie beständig ist ihr Kummer, Die Gütigen mit Falschheit zu zerstören, Die Grausamen mit Verzweiflung.
George Etherege [1635?-1691]
AN SEINE VERLASSENE GELIEBTE
Ich gestehe, du bist glatt und schön, Und ich hätte dich beinahe lieben können, Hätte ich nicht gefunden, dass das geringste Gebet, Das Lippen sprechen konnten, die Macht hatte, dich zu rühren: Doch ich kann dich jetzt in Ruhe lassen Als jemanden, der es wert ist, von niemandem geliebt zu werden.
Ich gestehe, du bist süß; doch finde ich Dich so verschwenderisch mit deinen Süßigkeiten, Deine Gefälligkeiten sind nur wie der Wind, Der alles küsst, was ihm begegnet: Und da du mit mehr als einem kannst, Bist du es wert, von niemandem geküsst zu werden.
Die Morgenrose, die unangetastet steht, Bewaffnet mit ihren Dornen, wie süß ihr Duft! Doch gepflückt und durch rauere Hände gequält, Wohnen ihre Süßigkeiten nicht länger bei ihr: Sondern Duft und Schönheit sind beide dahin, Und die Blätter fallen von ihr, eines nach dem anderen.
Ein solches Schicksal wird dir bald widerfahren, Wenn du eine Weile gehandhabt wurdest, Mit welken Blumen beiseite geworfen zu werden; Und ich werde seufzen, während manche lächeln werden, Zu sehen, dass deine Liebe zu jedermann Dich dazu gebracht hat, von niemandem geliebt zu werden.
Robert Ayton [1570-1638]
AN EINE UNBESTÄNDIGE
Ich liebte dich einst; ich werde nicht mehr lieben, – Dein sei der Kummer, wie dein der Tadel ist; Du bist nicht mehr, was du zuvor warst, Welchen Grund hätte ich, derselbe zu sein? Wer wieder lieben kann, ohne geliebt zu werden, Hat mehr an Liebe als an Verstand: Gott sende mir Liebe, um meine Schulden zu bezahlen, Während Verschwender ihre Liebe vertun!
Nichts hätte meine Liebe stürzen können, Wenn du weiterhin mein geblieben wärst; Ja, wenn du dein Eigener geblieben wärst, Wäre ich vielleicht noch dein gewesen. Doch du hast deine Freiheit zurückgerufen, Damit du sie anderswo unterjochen konntest: Und wie konnte ich dann anders als verachten, Ein Gefangener eines Gefangenen zu bleiben?
Als neue Begierden dich besiegt hatten, Und das Objekt deines Willens verändert hatten, Wäre es Lethargie in mir gewesen, Nicht Beständigkeit, dich weiterhin zu lieben. Ja, es wäre eine Sünde gewesen, hinzugehen Und Zuneigung so zu prostituieren, Da wir gelehrt werden, keine Gebete zu sagen Zu solchen, die zu anderen beten müssen.
Doch rühme dich deiner Wahl, – Prahle mit deiner Wahl seines guten Glücks; Ich werde weder trauern noch mich freuen, Ihn gewinnen zu sehen, was ich verloren habe: Der Gipfel meiner Verachtung wird sein, Über ihn zu lachen, über dich zu erröten; Dich weiterhin zu lieben, doch nicht mehr hinzugehen, Um an der Tür eines Bettlers zu betteln.
Robert Ayton [1570-1638]
RAT AN EIN MÄDCHEN
Liebe niemals, wenn du nicht All die Fehler der Männer ertragen kannst! Männer werden manchmal eifersüchtig sein, Obwohl sie nur wenig Grund sehen, Und den Kopf hängen lassen, als unzufrieden, Und sagen, was sie gleich bereuen werden.
Männer, die nur einen Heiligen anbeten, Zeigen Liebe zu weiteren; Schönheit darf bei niemandem verschmäht werden, Obwohl nur einer wahrhaft gedient wird: Denn was ist Werbung anderes als Maskerade? Wahre Herzen können verstellte Augen haben.
Männer, wenn ihre Angelegenheiten es erfordern, Müssen sich eine Weile zurückziehen; Manchmal jagen, und manchmal falken, Und nicht immer sitzen und reden: – Wenn du diese und ähnliche Dinge ertragen kannst, Dann mag und liebe und fürchte dich niemals!
Thomas Campion [? -1619]
LIED Dass Frauen nur die Schatten der Männer sind Aus „Der Wald“
Folge einem Schatten, er flieht dich immer; Scheine ihn zu fliehen, er wird dich verfolgen: So umwirb eine Geliebte, sie verleugnet dich; Lass sie in Ruhe, sie wird dich umwerben. Sag, sind Frauen nicht wahrhaftig dann, Nur als die Schatten von uns Männern bezeichnet?
Am Morgen und Abend sind die Schatten am längsten; Am Mittag sind sie kurz oder gar keine: So sind Männer am schwächsten, wenn sie am stärksten sind, Aber gestehe uns perfekt, sie sind nicht bekannt. Sag, sind Frauen nicht wahrhaftig dann, Bezeichnet nur als die Schatten von uns Männern?
Ben Johnson [1573?-1637]
WAHRE SCHÖNHEIT
Möge ich eine Frau finden, schön, Und ihren Geist so klar wie Luft! Wenn ihre Schönheit allein geht, Ist es mir, als wäre sie keine.
Möge ich eine Frau finden, reich, Und nicht von zu hohem Stand! Wenn dieser Stolz Verachtung verursachte, Sag mir, Liebhaber, wo ist dein Gewinn?
Möge ich eine Frau finden, weise, Und ihre Falschheit nicht verbergen! Hat sie Witz, wie sie Willen hat, Ist sie doppelt bewaffnet gegen das Übel.
Möge ich eine Frau finden, gütig, Und nicht schwankend wie der Wind! Wie sollte ich diese Liebe mein nennen, Wenn sie seine ist, und seine, und deine?
Möge ich eine Frau finden, wahrhaftig! Das ist der schönsten Farbe der Schönheit: Da ist Schönheit, Liebe und Witz. Glücklich, wer es erreichen kann!
Francis Beaumont [1584-1616]
DER GLEICHGÜLTIGE
Niemals mehr werde ich schwören, Eine Frau nur aus Spaß zu lieben: Denn da sie nicht wahrhaftig sein können, So um jedem Mann sein Recht zu geben, Wenn der Anfall des Werbens vorbei ist, Kann ihre Zuneigung nicht von Dauer sein.
Daher, wenn ich zufällig treffe Auf eine Geliebte, schön und süß, Soll sie meinen Dienst erhalten, Sie liebend für Liebe wieder: So viel Freiheit verlange ich, Nicht ein beständiger Sklave zu sein.
Doch wenn wir uns gegenseitig erprobt haben, Wenn sie einen anderen mehr mag, Lass sie schnell für mich wechseln; Dann zu wechseln bin ich ebenso frei. Er oder sie, die zu lange liebt, Verkaufen ihre Freiheit für ein Lied.
Francis Beaumont [1584-1616]
DES LIEBHABERS ENTSCHLUSS
Soll ich, in Verzweiflung vergeudend, Sterben, weil eine Frau schön ist? Oder meine Wangen blass machen vor Sorge, Weil die einer anderen rosig sind? Sei sie schöner als der Tag, Oder die blumigen Wiesen im Mai, Wenn sie nicht gut von mir denkt, Was kümmert es mich, wie schön sie ist?
Soll mein albernes Herz gepeinigt sein, Weil ich eine Frau gütig sehe? Oder eine wohlgewachsene Natur, Verbunden mit einem schönen Merkmal? Sei sie sanftmütiger, gütiger als Turteltaube oder Pelikan, Wenn sie nicht so zu mir ist, Was kümmert es mich, wie gütig sie ist?
Sollen die Tugenden einer Frau mich Dazu bewegen, für ihre Liebe zu sterben? Oder ihre wohlverdienten Bekanntheiten Mich meine eigenen ganz vergessen machen? Sei sie mit jener Güte gesegnet, Die den Namen des Besten verdienen mag, Wenn sie nicht so zu mir ist, Was kümmert es mich, wie gut sie ist?
Weil ihr Vermögen zu hoch scheint, Soll ich den Narren spielen und sterben? Sie, die einen edlen Geist trägt, Wenn sie keine äußeren Hilfen findet, Denkt, was er mit ihnen tun würde, Der ohne sie wagt, sie zu umwerben; Und wenn ich diesen Geist nicht sehe, Was kümmert es mich, wie groß sie ist?
Groß, oder gut, oder gütig, oder schön, Ich werde nicht mehr verzweifeln; Wenn sie mich liebt, glaube dies: Ich werde sterben, ehe sie trauern soll; Wenn sie mich verschmäht, wenn ich werbe, Kann ich verachten und sie gehen lassen; Denn wenn sie nicht für mich ist, Was kümmert es mich, für wen sie ist?
George Wither [1588-1667]
SEIN WEITERER ENTSCHLUSS
Soll ich (wie ein Einsiedler) wohnen Auf einem Felsen oder in einer Zelle; Den kleinsten Teil nach Hause rufend, Der von meinem Herzen fehlt, Um ihn dort zu gewähren, wo ich Jeden Tag einem Rivalen begegnen kann? Wenn sie mich unterbewertet, Was kümmert es mich, wie schön sie ist!
Wären ihre Locken Engelgold; Wenn ein Fremder mutig sein darf, Ungetadelt und ohne Angst, Sie in einen Zopf zu verwandeln; Und, mit wenig mehr Umstand, Sie auch zu Armbändern zu verarbeiten! Wenn die Mine so frei geworden ist, Was kümmert es mich, wie reich sie ist!
Wären ihre Hände ein so reicher Preis Wie ihr Haar oder ihre kostbaren Augen; Wenn sie sie ausstreckt, um Küsse um der guten Manieren willen zu nehmen! Und jeden Liebhaber schlüpfen lässt Von ihrer Hand zu ihrer Lippe! Wenn sie mir nicht keusch erscheint, Was kümmert es mich, wie keusch sie ist!
Nein! Sie muss perfekter Schnee sein In der Wirkung ebenso wie im Schein! Wärmend nur, wie Schneebälle es tun; Nicht wie Feuer, indem sie auch brennt! Aber wenn sie durch Wechsel bekommen hat Für ihr Herz ein zweites Los; Dann, wenn andere mit mir teilen, Leb wohl ihr! Was immer sie sei!
Unbekannt
LIED Aus „Britannias Pastorale“
Soll ich dir sagen, wen ich liebe? Höre dann eine Weile auf mich; Und wenn eine solche Frau sich bewegt, Wie ich nun versifizieren werde, Sei versichert, es ist sie oder keine, Die ich liebe, und nur sie allein.
Die Natur tat ihr so viel Recht, Dass sie die Hilfe der Kunst verschmäht; In so vielen Tugenden gekleidet, Wie jemals ein Herz umarmten: So viel Gutes so wahrhaft geprüft, Manche wurden für weniger vergöttlicht.
Witz hat sie, ohne Verlangen, Bekannt zu machen, wie viel sie hat; Und ihr Zorn flammt nicht höher, Als er Zorn angemessen versüßen mag. Voll Mitleid, wie es nur sein kann, Wenn auch vielleicht nicht zu mir.
Vernunft meistert jeden Sinn, Und ihre Tugenden zieren ihre Geburt; Lieblich wie alle Exzellenz, Bescheiden in der meisten ihrer Fröhlichkeit, Genug Wahrscheinlichkeit, um zu beweisen, Dass nur Wert Liebe entzünden könnte.
So ist sie: und wenn du kennst Eine solche, wie ich besungen habe; Sei sie braun, oder schön, oder so, Dass sie nur etwas jung ist; Sei versichert, es ist sie, oder keine, Die ich liebe, und nur sie allein.
William Browne [1591-1643?]
AN DIANEME
Süße, sei nicht stolz auf jene zwei Augen, Die sternengleich in ihren Himmeln funkeln; Noch sei stolz darauf, dass du sehen kannst Alle Herzen deine Gefangenen, deine jedoch frei; Sei nicht stolz auf jenes reiche Haar, Das mit der liebeskranken Luft scherzt; Wenn jener Rubin, den du trägst, Gesunken von der Spitze deines weichen Ohres, Dauern wird, ein kostbarer Stein zu sein, Wenn deine ganze Welt der Schönheit dahin ist.
Robert Herrick [1591-1674]
UNDANKBARE SCHÖNHEIT BEDROHT
Wisse, Celia, da du so stolz bist, Ich war es, der dir deinen Ruhm gab. Du hättest in der vergessenen Menge Gewöhnlicher Schönheiten unbekannt gelebt, Hätte mein Vers nicht deinen Namen erhoben, Und damit die Flügel des Ruhms beflügelt.
Diese tötende Macht ist keine von dir; Ich gab sie deiner Stimme und deinen Augen; Deine Süßigkeiten, deine Anmut, alles ist mein; Du bist mein Stern, strahlst in meinen Himmeln; Dann schieße nicht aus deiner geliehenen Sphäre Blitze auf denjenigen, der dich dort befestigte.
Versuche mich nicht mehr mit solchen Schrecken, Damit ich nicht, was ich schuf, vernichte; Lass Narren deine mystische Form anbeten, Ich kenne dich in deinem sterblichen Zustand. Weise Dichter, die Wahrheit in Geschichten hüllten, Kannten sie selbst durch alle ihre Schleier.
Thomas Carew [1598?-1639?]
VERACHTUNG ERWIDERT
Wer eine rosige Wange liebt, Oder eine Korallenlippe bewundert, Oder aus sternengleichen Augen sucht Brennstoff, um seine Feuer zu unterhalten: Wie die alte Zeit diese verfallen lässt, So müssen seine Flammen vergehen.
Doch ein glatter und standhafter Geist, Sanfte Gedanken und ruhige Begierden, Herzen mit gleicher Liebe verbunden, Entzünden niemals endende Feuer: – Wo diese nicht sind, verachte ich Schöne Wangen, oder Lippen, oder Augen.
Keine Tränen, Celia, sollen jetzt gewinnen Mein entschlossenes Herz, zurückzukehren; Ich habe deine Seele im Inneren durchsucht, Und finde nichts als Stolz und Hohn; Ich habe deine Künste gelernt, und kann nun Ebenso verachten wie du.
Möge irgendeine Macht, in meiner Rache, vermitteln, Dass Liebe ihr zuteil wird, die ich wegwarf.
Thomas Carew [1598?-1639?]
„LIEBE, WER WILL, DENN ICH WILL KEINE LIEBEN“
Liebe, wer will, denn ich will keine lieben, Es gibt Narren genug außer mir: Doch wenn jede Frau nicht einen hat, Komm zu mir, wo ich mich verstecke, Und wenn sie den Ort erreichen kann, Für einmal werde ich wieder ihr Narr sein.
Es ist ein leichter Ort zu finden, Und Frauen sollten ihn sicherlich kennen; Doch dorthin dient nicht jeder Wind, Noch können viele Männer ihn zeigen: Es ist das Lagerhaus, wo liegt All der Frauen Wahrheit und Beständigkeit.
Wenn die Reise so lang ist, Wird keine Frau sich wagen; Doch die Fehler ihres schwachen Gefäßes fürchtend, Wird die Reise nicht antreten: Dann mag sie seufzen und allein liegen, In Liebe mit allen, doch von niemandem geliebt.
William Browne [1591-1643]
VALERIUS ÜBER FRAUEN
Sie, die mich verleugnet, die möchte ich; Wer mich begehrt, die verachte ich: Venus hat die Macht, mein Herz zu beherrschen, Aber nicht, meine Augen zu erfreuen.
Versuchungen, die angeboten werden, verachte ich immer; Verleugnet, klammere ich mich immer noch an sie; Ich werde weder meinen Appetit sättigen, Noch versuchen, meinen Willen hungern zu lassen.
Diana, doppelt bekleidet, beleidigt; So Venus, ganz nackt: Die letzte erzeugt einen Überdruss, und Die andere kein Vergnügen.
Das schlaue Mädchen wird mir am besten gefallen, Das Nein für Ja sagen kann; Und jeden mutwilligen willigen Kuss Mit einem Nein würzen kann.
Thomas Heywood [?-1650?]
TADEL DER LIEBE UND DER TOREN DER LIEBENDEN
Wenn Liebe Leben ist, sehne ich mich zu sterben, Leben sollen diejenigen, die es für mich auflisten; Und wer am meisten dadurch gewinnt, Ein Narr soll er zumindest sein. Doch wer die schmerzhaftesten Anfälle fühlt, Entkommt mit nicht weniger als dem Verlust des Verstandes. Unglückliches Leben gewinnen sie, Die Liebe unterhalten.
Am Tag leben sie von vorgetäuschten Blicken, Von lügenden Träumen in der Nacht; Jedes Stirnrunzeln gibt eine tödliche Wunde, Jedes Lächeln ein falsches Vergnügen. Wenn es vorkommt, dass ihre Dame angenehm erscheint, Ist es für die Liebe anderer, die sie erwägen: Wenn sie frei von Freude erscheint, Verachtung macht sie spröde.
Solcherart ist der Friede, den Liebende finden, Solcherart ist das Leben, das sie führen, Hierhin und dorthin geweht mit jedem Wind, Wie Blumen auf der Wiese; Nun Krieg, nun Friede, nun Krieg wieder, Begierde, Verzweiflung, Vergnügen, Verachtung: Obwohl tot inmitten des Lebens, Im Frieden, und doch im Streit.
Francis Davison [fl. 1602]
DER BESTÄNDIGE LIEBHABER
Hinaus damit, ich habe geliebt Drei ganze Tage zusammen! Und werde wahrscheinlich drei weitere lieben, Wenn es schönes Wetter gibt.
Die Zeit soll ihre Flügel mausern, Ehe sie entdecken wird In der ganzen weiten Welt wieder Einen solchen beständigen Liebhaber.
Doch der Hohn daran ist, kein Lob Gebührt mir überhaupt: Liebe hätte bei mir nicht verweilt, Wäre es eine andere gewesen als sie.
Wäre es eine andere gewesen als sie, Und dieses Gesicht, Hätte es zumindest bis jetzt Ein Dutzend an ihrer Stelle gegeben.
John Suckling [1609-1642]
LIED Aus „Aglaura“
Warum so blass und schwach, verliebter Tor? Bitte, warum so blass? Wird, wenn gut aussehen sie nicht bewegen kann, Schlecht aussehen Erfolg haben? Bitte, warum so blass?
Warum so stumpf und stumm, junger Sünder? Bitte, warum so stumm? Wird, wenn gut sprechen sie nicht gewinnen kann, Nichts sagen es tun? Bitte, warum so stumm?
Gib auf, gib auf, aus Scham, dies wird nicht bewegen: Dies kann sie nicht packen. Wenn sie aus sich selbst heraus nicht lieben will, Nichts kann sie dazu bringen: Der Teufel hole sie!
John Suckling [1609-1642]
WÜNSCHE AN SEINE VERMEINTLICHE GELIEBTE
Wer auch immer sie sei, Diese nicht unmögliche Sie, Die mein Herz und mich befehlen wird:
Wo auch immer sie liege, Eingeschlossen vor sterblichem Auge In schattigen Blättern des Schicksals:
Bis jene reife Geburt Des studierten Schicksals hervortritt, Und lehrt, dass ihre schönen Schritte unsere Erde betreten:
Bis jene göttliche Idee einen Schrein annimmt Von kristallinem Fleisch, durch das sie scheinen kann;
Begegnet ihr, meine Wünsche, Sprecht sie an für meine Seligkeiten, Und werdet ihr genannt meine abwesenden Küsse.
Ich wünsche ihr Schönheit, Die nicht all ihre Pflicht schuldet Dem auffälligen Putz oder glitzerndem Schuhband:
Etwas mehr als Taft oder Gewebe kann, Oder wuchernde Feder, oder reicher Fächer.
Mehr als die Beute Des Ladens, oder der Arbeit der Seidenraupe, Oder ein gekauftes Erröten, oder ein gesetztes Lächeln.
Ein Gesicht, das am besten ist, Durch seine eigene Schönheit gekleidet, Und allein den Rest empfehlen kann.
Ein Gesicht, zusammengestellt Aus keinem anderen Laden Als dem, was die weiße Hand der Natur öffnet.
Eine Wange, wo Jugend Und Blut, mit einer Feder der Wahrheit, Schreiben, was der Leser süß bereut.
Eine Wange, wo wächst Mehr als eine Morgenrose, Die keinem Kästchen ihr Dasein verdankt.
Lippen, wo den ganzen Tag Der Kuss eines Liebhabers spielen mag, Doch nichts davon wegträgt.
Blicke, die unterdrücken Ihre reichsten Putze, aber kleiden Und ihre einfachste Nacktheit bekleiden.
Augen, die verdrängen Den benachbarten Diamanten, und überstrahlen Diesen Sonnenschein durch ihre eigene süße Anmut.
Locken, die tragen Juwelen nur um zu erklären, Wie viel sie selbst kostbarer sind:
Deren natürlicher Strahl Den mutwilligen Tag zähmen kann Von Edelsteinen, die in ihren hellen Schatten spielen.
Jeder Rubin dort, Oder Perle, die zu erscheinen wagt, Sei ihr eigenes Erröten, sei ihre eigene Träne.
Ein gut gezähmtes Herz, Für dessen edleren Schmerz Liebe lange einen Pfeil wählen mag.
Augen, die gewähren Volle Köcher auf den Bogen der Liebe, Doch weniger Pfeile zahlen, als sie schulden.
Lächeln, die erwärmen können Das Blut, doch einen Zauber lehren, Dass Keuschheit keinen Schaden nimmt.
Erröten, die sind Die Politur keiner Sünde, Noch Flammen von etwas, das zu heiß im Inneren ist.
Freuden, die bekennen Tugend als ihre Herrin, Und keinen anderen Kopf zum Kleiden haben.
Ängste, albern und leicht Wie die spröde Braut, wenn die Nacht, Zuerst dem verlangenden Liebhaber Recht gibt.
Tage, die borgen müssen Keinen Teil ihres guten Morgens Von einer vorvergangenen Nacht des Kummers.
Tage, die, trotz Der Dunkelheit, durch das Licht Eines klaren Geistes, Tag sind die ganze Nacht.
Nächte, süß wie diese, Verkürzt durch das Spiel der Liebenden, Doch lang durch die Abwesenheit des Tages.
Das Leben, das es wagt, Seinem Ende eine Herausforderung zu senden, Und wenn es kommt, zu sagen: „Willkommen, Freund!“
Sydneische Schauer Süßer Rede, deren Kräfte Das Haupt des alten Winters mit Blumen krönen können.
Weiche seidene Stunden, Offene Sonnen, schattige Lauben; Vor allem nichts darin, das sich trübt.
Welch Entzücken auch immer Die Stirn des Tages erhellen kann, Oder den Flügeln der Nacht Daunen verleiht.
In ihrem ganzen Wesen Habe die Natur den Namen; Kunst und Schmuck, die Schande!
Ihre Schmeichelei, Bild und Poesie: Ihr Rat sei ihre eigene Tugend.
Ich wünsche ihr einen Vorrat An Wert, der sie arm machen mag An Wünschen; und ich wünsche – nicht mehr.
Nun, wenn die Zeit weiß, Dass Sie, deren strahlende Brauen Sich ein Gebinde aus meinen Gelübden flechten;
Sie, deren gerechte Lorbeeren Meine künftigen Hoffnungen erheben können, Eine Trophäe für ihr gegenwärtiges Lob;
Sie, die es wagt, das zu sein, Was diese Zeilen zu sehen wünschen; Ich suche nicht weiter, sie ist Es.
Es ist Sie, und hier, Siehe! Ich entblöße und kläre Den wolkenverhangenen Charakter meiner Wünsche.
Möge Sie es genießen, Deren Verdienst es wagt, es anzunehmen, Doch die Bescheidenheit es noch immer zu verweigern wagt!
Ein solcher Wert wie dieser Wird meine flüchtigen Wünsche binden, Und sie zu Küssen bestimmen.
Lasst ihre volle Herrlichkeit, Meine Phantasien, vor euch fliegen; Seid meine Dichtungen – aber ihre Geschichte!
Richard Crashaw [1613?-1649]
LIED Aus "Abdelazer"
Die Liebe saß im phantastischen Triumph, Während blutende Herzen um ihn flossen, Für die er frische Schmerzen schuf Und seltsame tyrannische Macht zeigte: Aus deinen hellen Augen nahm er sein Feuer, Das er im Spiel umherwarf; Doch aus meinen nahm er Begierden, Genug, um die verliebte Welt zu zerstören.
Von mir nahm er seine Seufzer und Tränen, Von dir seinen Stolz und seine Grausamkeit; Von mir seine Qualen und Ängste, Und jeden tödlichen Pfeil von dir. So haben du und ich den Gott bewaffnet Und ihn als eine Gottheit aufgestellt; Doch mein armes Herz allein ist verletzt, Während deines der Sieger ist, und frei!
Aphra Behn [1640-1689]
LES AMOURS
Sie, die ich verfolge, flieht mich immer; Die, die mir folgt, fliehe ich; Sie, die ich stets umwerbe, verleugnet mich; Die, die mich umwirbt, verleugne ich; So sind wir in ein Netz fein verwoben, Und doch meutern wir in der Liebe.
Sie, die mich retten kann, darf es nicht tun; Sie, die es nicht kann, möchte es gerne tun; Ihre Liebe ist gebunden, doch ich werbe immer darum; Ihre ist durch Liebe in Weh gebunden: Doch wie kann ich mich über die Liebe beklagen, Da ich Liebe für Liebe wiederbekomme?
Dies ist dein Werk, gebieterisches Kind, Dein ist dieses Labyrinth der Liebe, Das so unsere Begierden getäuscht hat, Und nicht sieht, wie deine Pfeile irren. Dann, bitte, um diesen Aufruhr zu schlichten, Lass sie mich lieben, oder mich sie.
Doch wenn unwiderruflich sind Jene scharfen Pfeile, die uns so verwunden, Lass mich bei dir so weit Erfolg haben, Dass du noch einmal deinen Bogen nimmst; Verwunde ihr hartes Herz, und bei meiner Treue, Ich werde mich begnügen, sie beide zu nehmen.
Charles Cotton [1630-1687]
RIVALE
Von all den Qualen, all den Sorgen, Mit denen unser Leben verflucht ist; Von all den Plagen, die ein Liebender erträgt, Sind Rivalen sicherlich die schlimmsten! Durch Partner in jeder anderen Art Werden Leiden leichter; In der Liebe allein hassen wir es, Gefährten unseres Leids zu finden.
Sylvia, für all die Schmerzen, die du siehst, Die in meiner Brust arbeiten, Ich bitte nicht, dass du mich begünstigst, Wenn du nur die anderen gering achtest! Wie groß auch immer deine Strenge ist, Mit ihr allein will ich fertigwerden; Ich kann meine eigene Verzweiflung ertragen, Aber nicht die Hoffnung eines anderen.
William Walsh [1663-1708]
"ICH SCHWUR KÜRZLICH, ABER ES WAR IN EILE"
Ich schwur kürzlich, aber es war in Eile, Dass ich nicht länger werben würde Um die Freuden, die, wenn sie vorbei sind, So stumpf erscheinen, wie sie kurz sind.
Ich schwöre oft, meine Geliebte zu hassen, Aber finde bald meine Schwäche: Ich leiste meine Eide, wenn sie streng ist, Aber breche sie, wenn sie freundlich ist.
John Oldmixon [1673-1742]
DER PROBIERSTEIN
Ein Narr und ein Schurke bewerben sich aus verschiedenen Gründen Um Julias Hand; Der Schurke klagt, um sein Vermögen zu verbessern, Der Narr, um sein Auge zu erfreuen.
Fragen Sie, wie Julia sich verhalten wird, Verlassen Sie sich darauf als Regel, Wenn sie eine Närrin ist, wird sie den Schurken heiraten – Wenn sie eine Schurkin ist, den Narren.
Samuel Bishop [1731-1795]
AIR Aus "The Duenna"
Ich konnte nie irgendeinen Glanz sehen In Augen, die nicht auf mich blickten; Ich sah nie Nektar auf einer Lippe, Außer wo meine eigene zu nippen hoffte. Hat das Mädchen, das mein Herz sucht, Wangen aus Rosen, unberührt von Kunst? Ich werde die Farbe als wahr anerkennen, Wenn nachgiebiges Erröten ihren Farbton unterstützt.
Ist ihre Hand so weich und rein? Ich muss sie drücken, um sicher zu sein; Noch kann ich mir dann sicher sein, Bis sie, dankbar, wieder drückt. Muss ich, mit aufmerksamem Auge, Ihr sich hebendes Busen-Seufzen beobachten? Ich werde es tun, wenn ich sehe, Dass dieser sich hebende Busen für mich seufzt.
Richard Brinsley Sheridan [1751-1816]
"ICH NAHM HEUTE EINE HANSOM"
Ich nahm heute eine Hansom, Für eine Runde, die ich zu kennen pflegte – Die ich um einer Frau willen zu nehmen pflegte In einem Fieber des Hin und Her.
Da waren die Wahrzeichen allesamt – Was zeigten sie an? Straße und Platz und Fluss waren da – Wo war das alte Weh?
Kein Hauch von einer herausfordernden Hoffnung Noch eine Hoffnung, die krank und niedrig lag, Sondern ein Verlangen, tot wie seine Verwandten, die vergingen Vor tausend Jahren!
William Ernest Henley [1849-1903]
DA CAPO
Kurz und süß, und wir sind am Ende damit – Unsere arme kleine Liebe liegt kalt. Soll dann nie ein Sonett davon geschrieben werden? Noch die Freuden und Schmerzen davon erzählt? Wie schön war ihr Gesicht am Morgen, Wie eng ihre Liebkosungen am Mittag, Wie ihr Abend ohne Warnung kühl wurde, Unangenehm bald!
Ich kann nicht sagen, wie genau wir begannen – In einem Erröten, oder einem Lächeln, oder einem Seufzer; Das Schicksal brauchte nur einen Augenblick, um es zu planen; Es braucht nur einen Moment, um zu sterben. Doch – erinnere dich an jenes erste Gespräch, Als die Blumen, die du zu deinen Füßen fallen gelassen hattest, Ich zurückgab. Das vertraute Zitat War – "Süßes dem Süßen."
Oh, ihr zarter Duft hat meine Sinne Eine ganze Saison lang verfolgt. Wenn es einen weichen Reiz gab, den du wolltest, Die Veilchen liehen ihn dir. Ich flüsterte dir zu, das Leben sei nur einsam: Ein Stichwort, das du gnädig aufnahmst; Und deine Augen lernten einen Blick nur für mich – Einen sehr netten Blick.
Und manchmal berührte deine Hand meine Hand, Mit einer süß eigentümlichen Berührung; Du sagtest viele Dinge in einem Seufzer, und Ließest einen Blick erstaunlich viel ausdrücken. Wir lächelten nur des Lächelns wegen, Und lachten ohne Grund, nur aus Spaß; Irrationale Freuden; aber verführerisch – Und all das ist vorbei!
Wir waren müßig und spielten für einen Moment Ein Spiel, das nun keiner mehr drängen will: Ich kümmerte mich nicht darum, herauszufinden, was "Nein" bedeutete; Noch deine Lippen, mit "Ja" nachgiebig zu werden. Die Liebe ist zu Ende und tot; wenn ein schwacher Und unbestimmter Geist verweilt, Ist er mit diesem Kuss auf deinen Fingern beigelegt – Ein Scherz, mehr nicht.
Es ist eine alltägliche, abgestandene Situation, Nun der Vorhang von oben herabfällt Auf das Ende unserer kleinen Flirterei – Eine Travestie-Romanze; denn die Liebe, Wenn sie verkleidet an dein Gitter kletterte, Fiel tot vor Schmerz der ersten Küsse: Aber eines ist uns jetzt geblieben; das ist – Beginne es noch einmal.
Henry Cuyler Bunner [1855-1896]
LIED GEGEN FRAUEN
Warum sollte ich von Frauen singen Und der Weichheit der Nacht, Wenn die Morgendämmerung laut ist vom Kampf Und die Zähne des Tages beißen, Und es ein Schwert gibt, an das ich meine Hand legen kann, Und einen Männerkampf?
Warum sollte ich von Frauen singen? . . . Es gibt Leben in der Sonne, Und rotes Abenteuer, das ruft, Wo die Straßen verlaufen, Und fröhliche Gebräue in der Taverne, Wenn der Tag zu Ende ist.
Ich habe von hundert Frauen gesungen In hundert Ländern: Aber all ihre Liebe ist nichts Als treibender Sand. Ich habe ihre Tränen und Küsse satt Und ihre blassen Hände.
Ich habe von hundert Frauen gesungen Und ihren gekauften Lippen; Aber draußen am sauberen Horizont Kann ich die Peitschen hören Der weißen Wellen, die die Schanzkleider peitschen Großer, starker Schiffe:
Und die Pfade, die nach Westen verlaufen, Sind mit Feuer durchschossen, Und die Winde stürmen vom Vorgebirge Mit altem Zorn; Und mein ganzer Körper juckt Vor einem alten Verlangen.
Also werde ich nicht mehr mit Frauen handeln Und der Weichheit der Nacht, Sondern ich werde dem roten Abenteuer folgen Und dem Flug des Windes; Und ich werde vom Meer und vom Kampf singen Und von der Macht der Männer.
Willard Huntington Wright [1888-1939]
LIED DES THYRSIS
Die Turteltaube auf jenem verdorrten Ast, Die kürzlich ihren ermordeten Gefährten betrauerte, Hat nun einen anderen Kameraden gefunden – Solche Veränderungen erwarten alle! Wieder ist ihr hängendes Gefieder geputzt, Wieder ist sie bereit, gesegnet zu sein Und nimmt ihren Liebhaber in ihr Nest.
Wenn die Natur es so beschlossen hat Mit allem oben und allem unten, Lass uns wie sie unser Weh vergessen, Und nicht vor Kummer sterben. Sollte ich heute Nacht deine Arme verlassen Und zufällig sterben, bevor es hell ist, Ich würde dir raten – und du könntest – Morgen wieder lieben.
Philip Freneau [1752-1832]
DIE PRÜFUNG
Ich hielt ihre Hand, das Pfand der Glückseligkeit, Ihre Hand, die zitterte und zurückwich; Sie neigte ihr Haupt vor meinem Kuss . . . Mein Herz war sicher, dass ihres wahr war. Nun habe ich ihr gesagt, dass ich gehen muss, Sie schüttelt meine Hand, sie sagt Lebewohl, Noch scheut sie den Kuss. Ach, mein Herz! Ihres war nie das Herz für dich.
Walter Savage Landor [1775-1864]
"DER FEHLER IST NICHT MEINER"
Der Fehler ist nicht meiner, wenn ich dich zu sehr liebe, Ich liebte dich zu wenig zu lange, Solche immer deine Anmut, deine Zärtlichkeit solche, Und die Musik, die das Herz der Zunge gab.
Eine Zeit kommt nun, da die Liebe gehen muss, Obwohl er mich noch nie verlassen hat. Erkenne unsere Freundschaft an, verleugne unsere Leidenschaft, Unsere Torheiten (ach kannst du?) vergiss.
Walter Savage Landor [1775-1864]
DIE SCHLANGE
Meine Liebe und ich, neulich, Lagen in einer Myrtenlaube, Als in unserer Nähe, aus einem rosigen Beet, Eine kleine Schlange ihren Kopf hervorstreckte.
"Sieh", sagte das Mädchen mit lachenden Augen – "Dort drüben liegt das tödliche Sinnbild! Wer könnte solch verborgenes Leid erwarten Unter dem samtigen Zauber der Rose?"
Nie kam ein moralischer Gedanke Zu einer unglücklicheren Stunde als dieser; Denn oh! Ich führte sie gerade dazu, Von Liebe zu sprechen und an Glückseligkeit zu denken.
Ich stand auf, um die Schlange zu töten, aber sie Bat voller Mitleid, es möge nicht sein. "Nein", sagte das Mädchen – und mancher Funke Sprühte aus ihrem Augenlid, als sie es sagte – "Unter der Rose, oder im Dunkeln, Könnte man vielleicht Grund haben, es zu fürchten; Aber wenn ihre bösen Augen erscheinen, Und wenn wir wissen, weshalb sie so zwinkern, Muss man sehr einfach gestrickt sein, Liebling, Um sich stechen zu lassen – findest du nicht?"
Thomas Moore [1779-1852]
"ALS ICH DICH LIEBTE"
Als ich dich liebte, muss ich wohl zugeben, Hatte ich viele eine exquisite Minute; Aber die Verachtung, die ich jetzt für dich empfinde, Hat noch mehr Luxus darin!
So, ob wir nun zusammen sind oder nicht, Scheint irgendeine Zauberei auf dich zu warten; Dich zu lieben ist angenehm genug, Und oh! es ist köstlich, dich zu hassen!
Thomas Moore [1779-1852]
EIN TEMPEL DER FREUNDSCHAFT
"Ein Tempel der Freundschaft", sagte Laura, verzaubert, "Ich werde ihn in diesem Garten bauen – der Gedanke ist göttlich!" Ihr Tempel war gebaut, und sie wollte nun nur noch Ein Bild der Freundschaft, um es auf dem Schrein zu platzieren. Sie flog zu einem Bildhauer, der vor sie hinsetzte Eine Freundschaft, die schönste, die seine Kunst erfinden konnte; Aber so kalt und so stumpf, dass die jugendliche Anbeterin Deutlich sah, dass dies nicht das Idol war, das sie meinte.
"O niemals", rief sie, "könnte ich daran denken, Ein Bild zu verewigen, dessen Anblick so freudlos und trüb ist: – Aber jener kleine Gott, der auf Rosen ruht, Den werden wir, wenn es beliebt, mein Herr, zu einer Freundschaft machen." So war der Handel abgeschlossen. Mit dem kleinen Gott beladen Flog sie freudig zu ihrem Schrein im Hain: "Leb wohl", sagte der Bildhauer, "du bist nicht das erste Mädchen, Das nur für die Freundschaft kam und die Liebe mitnahm!"
Thomas Moore [1779-1852]
DER HANDSCHUH UND DIE LÖWEN
König Franz war ein herzhafter König und liebte einen königlichen Sport, Und eines Tages, als seine Löwen kämpften, saß er und schaute auf den Hof. Die Adligen füllten die Bänke, und die Damen in ihrem Stolz, Und unter ihnen saß der Graf de Lorge, mit der, für die er seufzte: Und wahrlich, es war eine galante Sache, diese krönende Schau zu sehen, Tapferkeit und Liebe, und ein König oben, und die königlichen Bestien unten.
Die Löwen bäumten sich auf und brüllten mit schrecklichen lachenden Kiefern; Sie bissen, sie starrten, gaben Schläge wie Balken, ein Wind ging mit ihren Pfoten; Mit wälzender Macht und gedämpftem Gebrüll wälzten sie sich übereinander, Bis die ganze Grube mit Sand und Mähne in einem donnernden Dunst lag; Der blutige Schaum über den Stangen kam durch die Luft gewirbelt; Da sagte Franz: "Bei Gott, meine Herren, wir sind hier besser dran als dort."
De Lorges Geliebte überhörte den König, eine wunderschöne lebhafte Dame, Mit lächelnden Lippen und scharfen hellen Augen, die immer gleich schienen; Sie dachte: "Der Graf, mein Liebhaber, ist tapfer wie tapfer nur sein kann; Er würde sicherlich wunderbare Dinge tun, um mir seine Liebe zu zeigen; König, Damen, Liebhaber, alle schauen zu; der Anlass ist göttlich; Ich werde meinen Handschuh fallen lassen, um seine Liebe zu beweisen; große Ehre wird meine sein."
Sie ließ ihren Handschuh fallen, um seine Liebe zu beweisen, dann sah sie ihn an und lächelte; Er verneigte sich und sprang in einem Moment unter die wilden Löwen; Der Sprung war schnell, die Rückkehr war schnell, er hat seinen Platz wiedergewonnen, Dann warf er den Handschuh, aber nicht mit Liebe, direkt in das Gesicht der Dame. "Beim Himmel", sagte Franz, "richtig gemacht!" und er erhob sich von seinem Platz; "Keine Liebe", sagte er, "sondern Eitelkeit, stellt der Liebe eine solche Aufgabe."
Leigh Hunt [1784-1859]
AN DIE FRAU
Frau! Die Erfahrung hätte es mir sagen können, Dass alle dich lieben müssen, die dich erblicken; Sicherlich hätte die Erfahrung mich lehren können, Dass deine festesten Versprechen nichts sind; Aber, in all deinen Reizen vor mir platziert, Vergesse ich alles, außer dich anzubeten. Oh, Gedächtnis! Du köstlichster Segen, Wenn mit Hoffnung verbunden, wenn noch besitzend; Aber wie sehr verflucht von jedem Liebenden, Wenn die Hoffnung geflohen ist, und die Leidenschaft vorüber! Frau, diese schöne und zärtliche Betrügerin, Wie bereit sind Jünglinge, ihr zu glauben! Wie bebt der Puls, wenn wir zuerst erblicken Das Auge, das in glänzendem Blau rollt, Oder schwarz funkelt, oder sanft einen Strahl Unter haselnussbraunen Brauen hervorwirft! Wie schnell glauben wir jedem Eid, Und hören sie das willige Versprechen geben! Vertrauensvoll hoffen wir, es wird ewig dauern, Wenn, siehe! sie sich an einem Tag ändert. Diese Aufzeichnung wird für immer stehen: "Frau, deine Gelübde sind in Sand gezeichnet."
George Gordon Byron [1788-1824]
DER LIEBE TROLL
Du nimmst eine Stadt, die du nicht halten kannst; Und, gezwungen, sich ihrerseits zur Flucht zu wenden, Über Ruinen, die du gemacht hast, soll springen Dein tödlichster Feind! Ihre Liebe ist dein – und sei es so – Aber kannst du sie halten? Nein, nein, nein!
Auf ihre Stirn starrten wir mit Ehrfurcht, Und liebten, und wünschten vergeblich, zu lieben, Doch wenn der Schnee zu tauen beginnt, Meiden wir mit Verachtung die schlammige Ebene. Frauen mögen mit Anmut nachgeben: aber sie Erschien wie eine jungfräuliche Gottheit.
Hell war ihre Seele wie Dianas Kamm, Der auf Vestas Schrein seinen Glanz weißte: Kalt sah sie aus wie die wellenlose Brust Einer steinernen Diana mit dreizehn Jahren. Männer liebten: aber Hoffnung hielten sie für Eine süße Unmöglichkeit!
Aubrey Thomas De Vere [1814-1902]
LADY CLARA VERE DE VERE
Lady Clara Vere de Vere, Von mir wirst du keinen Ruhm gewinnen: Du dachtest, ein ländliches Herz zu brechen Zum Zeitvertreib, ehe du in die Stadt gingst. Mich lächeltest du an, doch ungetäuscht Sah ich die Schlinge, und ich zog mich zurück: Die Tochter von hundert Grafen, Du bist keine, die begehrenswert ist.
Lady Clara Vere de Vere, Ich weiß, du bist stolz, deinen Namen zu tragen, Dein Stolz ist doch kein Ebenbürtiger für meinen, Zu stolz, um sich darum zu scheren, woher ich kam. Noch würde ich um deinetwillen brechen Ein Herz, das wahrere Reize liebt. Ein einfaches Mädchen in ihrer Blüte Ist hundert Wappen wert.
Lady Clara Vere de Vere, Einen sanfteren Schüler musst du finden, Denn wärst du Königin von allem, was ist, Ich könnte mich nicht zu solch einem Geist herablassen. Du wolltest beweisen, wie ich lieben könnte, Und mein Hohn ist meine Antwort. Der Löwe an deinen alten Steintoren Ist nicht kälter gegen dich als ich.
Lady Clara Vere de Vere, Du setzt seltsame Erinnerungen in meinen Kopf. Nicht dreimal haben deine verzweigten Linden geblüht, Seit ich den jungen Laurence tot sah. O, deine süßen Augen, deine tiefen Antworten! Eine große Zauberin magst du sein; Aber da war etwas an seiner Kehle, Das du kaum hättest sehen wollen.
Lady Clara Vere de Vere, Als er so den Blick seiner Mutter traf, Hatte sie die Leidenschaften ihrer Art, Sie sprach einige wahre Wahrheiten über dich. In der Tat hörte ich ein bitteres Wort, Das kaum geeignet ist, von dir gehört zu werden; Ihre Manieren hatten nicht jene Ruhe, Die die Kaste der Vere de Vere stempelt.
Lady Clara Vere de Vere, Da steht ein Gespenst in deinem Saal; Die Schuld des Blutes liegt an deiner Tür; Du verwandeltest ein gesundes Herz in Galle. Du hieltest deinen Kurs ohne Reue, Um ihn glauben zu lassen, er sei seines bescheidenen Wertes würdig, Und zuletzt starrtest du mit leerem Blick, Und erschlugst ihn mit deiner noblen Geburt.
Glaube mir, Clara Vere de Vere, Von jenen blauen Himmeln über uns gewölbt, Lächeln der Gärtner Adam und seine Frau Über die Ansprüche langer Abstammung. Wie auch immer es sei, es scheint mir, Es ist nur edel, gut zu sein. Gütige Herzen sind mehr als Kronen, Und einfacher Glaube mehr als normannisches Blut.
Ich kenne dich, Clara Vere de Vere; Du schmachtest zwischen deinen Hallen und Türmen: Das matte Licht deiner stolzen Augen Ist der rollenden Stunden müde. Bei strahlender Gesundheit, mit grenzenlosem Reichtum, Aber krank an einer vagen Krankheit, Du weißt so schlecht mit der Zeit umzugehen, Dass du solche Streiche spielen musst.
Clara, Clara Vere de Vere, Wenn die Zeit schwer auf deinen Händen liegt, Gibt es keine Bettler an deinem Tor, Noch irgendwelche Armen auf deinem Land? O, lehre den Waisenjungen lesen, Oder lehre das Waisenmädchen nähen, Bete zum Himmel für ein menschliches Herz, Und lass den törichten Bauern ziehen.
Alfred Tennyson [1809-1892]
SCHATTEN
Sie schienen, denen, die sie begegnen sahen, Die beiläufigen Freunde eines jeden Tages, Ihr Lächeln war ungestört und süß, Seine Höflichkeit war frei und heiter.
Doch wenn einer den Namen des anderen In einem unbewachten Moment hörte, Das Herz, das du so ruhig und zahm glaubtest, Würde kämpfen wie ein gefangener Vogel:
Und Briefe von bloßer formeller Phrase Waren von wiederholten Tränen zerfressen, – Und dies war nicht das Werk von Tagen, Sondern ging seit Jahren und Jahren so weiter!
Ach, dass die Liebe nicht zu stark war Für mädchenhafte Scham und männlichen Stolz! Ach, dass sie so lange verzögerten Das Ziel der gegenseitigen Glückseligkeit daneben!
Doch was kein Zufall damals enthüllen konnte, Und keiner als Erster zugeben wollte, Lass Schicksal und Mut nun verbergen, Wenn Wahrheit allein Reue bringen könnte.
Richard Monckton Milnes [1809-1885]
SORGEN DES WERTHER
Werther hatte eine Liebe für Charlotte, Wie Worte es nie ausdrücken konnten; Wüsstest du gerne, wie er sie zuerst traf? Sie schnitt Brot und Butter.
Charlotte war eine verheiratete Dame, Und ein moralischer Mann war Werther, Und für all den Reichtum Indiens Würde er nichts tun, um ihr zu schaden.
Also seufzte er und schmachtete und äugelte, Und seine Leidenschaft kochte und sprudelte, Bis er sich das alberne Gehirn wegblies, Und nicht mehr davon beunruhigt wurde.
Charlotte, nachdem sie seinen Körper gesehen hatte, Vor ihr auf einer Bahre getragen, Wie eine wohlgesittete Person, Fuhr fort, Brot und Butter zu schneiden.
William Makepeace Thackeray [1811-1863]
DAS ZEITALTER DER WEISHEIT
Ho, hübscher Page, mit dem Grübchen am Kinn, Der nie die Schere des Barbiers gekannt hat, Dein ganzer Wunsch ist, eine Frau zu gewinnen, So fangen die Jungen an, – Warte, bis du in das Vierzigste Jahr kommst.
Lockige goldene Haare bedecken törichte Gehirne, Kosen und Gurren ist all dein Jubel; Seufzen und Singen von Mitternachtsweisen, Unter Bonnybells Fensterrahmen, – Warte, bis du in das Vierzigste Jahr kommst.
Lass vierzigmal Michaelis vergehen, Ergrauendes Haar macht das Gehirn klar – Dann weißt du, dass ein Junge ein Esel ist, Dann weißt du den Wert eines Mädchens, Sobald du in das Vierzigste Jahr gekommen bist.
Trinkt auf mein Wohl; ich fordere euch auf, Ihr guten Kerle mit ergrautem Bart, Ist nicht die Schönste der Schönen Gewöhnlich geworden und verdrossen, noch eh Ein Monat auch nur vergangen war?
Die rotesten Lippen, die jemals geküsst, Die hellsten Augen, die jemals gestrahlt, Mögen beten und flüstern, wir hören nicht zu, Oder blicken weg und werden nie vermisst, Eh noch ein Monat vergangen ist.
Gillian ist tot, Gott gebe ihrem Sarge Ruh, Wie liebte ich sie vor zwanzig Jahren! Marian ist verheiratet, doch ich sitze hier, Allein und vergnügt im vierzigsten Jahr, Und tauche meine Nase in den Gascon-Wein.
ANDREA DEL SARTO Genannt „Der makellose Maler“
Doch lass uns nicht mehr streiten, Nein, meine Lucrezia; hab ein Einsehen mit mir dies eine Mal: Setz dich nieder, und alles soll geschehen, wie du es wünschst. Du wendest dein Gesicht ab, doch bringt es auch dein Herz mit? Ich werde dann für den Freund deines Freundes arbeiten, hab keine Furcht, Sein eigenes Thema auf seine eigene Weise behandeln, Sein eigenes Zeitmaß festsetzen, auch seinen eigenen Preis akzeptieren, Und das Geld in diese kleine Hand schließen, Wenn sie das nächste Mal meine nimmt. Wird sie? Zärtlich? Oh, ich werde ihn zufriedenstellen – doch erst morgen, Liebe! Ich bin oft viel müder, als du denkst, Diesen Abend mehr als sonst, und es scheint, Als ob – vergib mir jetzt – wenn du mich sitzen ließe Hier am Fenster, mit deiner Hand in meiner, Und eine halbe Stunde hinaus auf Fiesole blickte, Beide eines Sinnes, wie Eheleute es pflegen, Ruhig, ganz ruhig den Abend hindurch, Könnte ich morgen aufstehen für meine Arbeit, Fröhlich und frisch wie eh und je. Lass es uns versuchen. Morgen, wie froh du darüber sein wirst! Deine weiche Hand ist eine Frau für sich, Und meine die nackte Männerbrust, in die sie sich schmiegt. Zähle auch nicht die verlorene Zeit; du musst herhalten Für jedes der fünf Bilder, die wir benötigen; Das spart ein Modell. So! Bleib so sitzen, Meine sich windende Schönheit, Rundung um Rundung! – Wie konntest du jemals diese perfekten Ohren durchstechen, Nur um die Perle dort anzubringen! Oh, so süß – Mein Gesicht, mein Mond, jedermanns Mond, Den jedermann betrachtet und den seinigen nennt, Und, so vermute ich, von dem auch seinerseits betrachtet wird, Während sie schaut – niemandes: sehr teuer, nicht minder. Du lächelst? Nun, da ist mein Bild fertig gemacht, Da ist das, was wir Maler unsere Harmonie nennen! Ein allgemeines Grau übersilbert alles – Alles in ein Dämmerlicht, du und ich gleichermaßen – Du, am Punkt deines ersten Stolzes auf mich (Der ist dahin, du weißt schon), – doch ich, an jedem Punkt; Meine Jugend, meine Hoffnung, meine Kunst, alles abgestimmt Auf jenes nüchterne, angenehme Fiesole. Da ist das Glockenläuten von der Kapellenspitze; Jene Länge von Klostermauer dort drüben Hält die Bäume sicherer, mehr in sich zusammengedrängt; Der letzte Mönch verlässt den Garten; die Tage schwinden, Und der Herbst wächst, Herbst in allem. Eh? Das Ganze scheint eine Form anzunehmen, Als sähe ich gleichermaßen meine Arbeit und mich selbst Und alles, wozu ich geboren wurde, zu sein und zu tun, Ein Dämmerstück. Liebe, wir sind in Gottes Hand. Wie seltsam sieht nun das Leben aus, das er uns führen lässt; So frei scheinen wir, so fest sind wir gefesselt! Ich fühle, er legte die Fessel; lass sie liegen! Dieses Gemach zum Beispiel – dreh deinen Kopf – Alles, was hinter uns liegt! Du verstehst es nicht Und scherst dich nicht darum, meine Kunst zu verstehen, Aber du kannst zumindest hören, wenn die Leute sprechen: Und jener Karton, der zweite von der Tür – Es ist das Ding, Liebe! So sollte ein solches Ding sein – Betrachte die Madonna! – Ich bin so kühn, das zu sagen. Ich kann mit meinem Stift tun, was ich weiß, Was ich sehe, was ich im Grund meines Herzens Mir wünsche, wenn ich jemals so tief wünsche – Tu es auch leicht – wenn ich sage, vollkommen, Prahle ich vielleicht nicht: Du selbst bist die Richterin, Die letzte Woche dem Gerede des Legaten zuhörte, Und genau das Gleiche pflegten sie in Frankreich zu sagen. Jedenfalls ist es leicht, alles davon! Keine Skizzen zuerst, keine Studien, das ist lange vorbei; Ich tue, wovon viele ihr Leben lang träumen, – Träumen? Danach streben, es zu tun, und sich abmühen, es zu tun, Und beim Tun scheitern. Ich könnte zwanzig solcher zählen An den Fingern deiner Hände, und diese Stadt nicht verlassen, Die streben – du weißt nicht, wie die anderen streben, Um ein kleines Ding zu malen, wie das, das du verschmiertest, Gleichgültig vorbeigehend, mit deinen Gewändern im Wind, – Tun doch viel weniger, so viel weniger, sagt jemand, (Ich kenne seinen Namen, das macht nichts) – so viel weniger! Nun, weniger ist mehr, Lucrezia: Ich bin gerichtet. Es brennt ein wahreres Licht Gottes in ihnen, In ihrem geplagten, pochenden, verstopften und gehemmten Gehirn, Herz, oder was auch immer sonst, als dazu dient, Diese schlichte, gerade Hand eines Handwerkers wie meine anzutreiben. Ihre Werke fallen zu Boden, doch sie selbst, ich weiß es, Erreichen viele Male einen Himmel, der mir verschlossen ist, Treten ein und nehmen dort sicher ihren Platz ein, Obwohl sie zurückkehren und es der Welt nicht sagen können. Meine Werke sind dem Himmel näher, doch ich sitze hier. Das plötzliche Blut dieser Männer! Bei einem Wort – Lobe sie, es kocht, oder tadle sie, es kocht ebenso. Ich, der ich von mir selbst und für mich selbst male, Weiß, was ich tue, bin unbewegt von des Menschen Tadel Oder ihrem Lob obendrein. Jemand bemerkt, Morellos Umriss dort sei falsch gezeichnet, Sein Farbton verfehlt; was ist damit? Oder aber, Richtig gezeichnet und wohlgeordnet; was ist damit? Sprechen sie, wie es ihnen beliebt, was kümmert das den Berg? Ah, aber eines Menschen Reichweite sollte seinen Griff übersteigen, Oder wozu ist ein Himmel da? Alles ist silbergrau; Gelassen und vollkommen mit meiner Kunst; das Schlimmste daran! Ich weiß sowohl, was ich will, als auch, was ich gewinnen könnte; Und doch, wie nutzlos ist es, zu wissen, zu seufzen: „Wäre ich zwei gewesen, ein anderer und ich selbst, Unser Kopf hätte die Welt überragt!“ Kein Zweifel. Dort ist nun ein Werk jenes berühmten Jünglings, Des Urbinaten, der vor fünf Jahren starb. (Es ist kopiert, George Vasari schickte es mir.) Nun, ich kann mir vorstellen, wie er das alles machte, Seine Seele ausgießend, mit Königen und Päpsten als Zuschauern, Greifend, damit der Himmel ihn so erfülle, Über und durch seine Kunst – denn sie gibt nach; Dieser Arm ist falsch angesetzt – und dort wieder – Ein Fehler, den es in den Linien der Zeichnung zu verzeihen gilt, Ihrem Körper, sozusagen: ihre Seele ist richtig, Er meint es richtig, – das kann ein Kind verstehen. Dennoch, was für ein Arm! Und ich könnte ihn ändern: Aber all das Spiel, die Einsicht und die Spannweite – Außer mir, außer mir! Und warum außer mir? Hättest du sie mir befohlen, hättest du mir eine Seele gegeben, Wir hätten zu Rafael aufsteigen können, ich und du! Nein, Liebe, du hast alles gegeben, worum ich bat, denke ich – Mehr als ich verdiene, ja, um ein Vielfaches. Aber hättest du – oh, mit derselben perfekten Stirn, Und perfekten Augen, und mehr als perfektem Mund, Und der leisen Stimme, die meine Seele hört, wie ein Vogel Die Pfeife des Vogelfängers, und folgt in die Schlinge – Hättest du, mit genau diesen, aber einen Verstand mitgebracht! Manche Frauen tun das. Hätte der Mund dort gedrängt: „Gott und der Ruhm! Kümmere dich niemals um Gewinn. Das Gegenwärtige durch das Zukünftige, was ist das? Lebe für den Ruhm, Seite an Seite mit Agnolo! Rafael wartet: hinauf zu Gott, ihr alle drei!“ Ich hätte es vielleicht für dich getan. So scheint es: Vielleicht nicht. Alles ist, wie Gott es bestimmt. Außerdem kommen Anreize aus der Seele selbst; Der Rest hilft nicht. Warum brauche ich dich? Welche Frau hatte Rafael, oder hat Agnolo? In dieser Welt, wer etwas tun kann, will nicht; Und wer es tun würde, kann nicht, wie ich wahrnehme: Dennoch ist der Wille etwas – etwas auch die Kraft – Und so kämpfen wir Halbmenschen. Am Ende, Schließe ich, entschädigt oder bestraft Gott. Es ist sicherer für mich, falls das Urteil streng ausfällt, Dass ich hier etwas unterschätzt bin, Arm seit langer Zeit, verachtet, um die Wahrheit zu sagen. Ich wagte nicht, weißt du, den ganzen Tag das Haus zu verlassen, Aus Angst, den Pariser Lords zu begegnen. Das Beste ist, wenn sie vorbeigehen und wegschauen; Aber sie sprechen manchmal; ich muss das alles ertragen. Wohl mögen sie sprechen! Jener Franz, jenes erste Mal, Und jenes lange Festjahr in Fontainebleau! Ich konnte damals sicherlich manchmal den Boden verlassen, Den Ruhm anlegen, Rafaels tägliche Kleidung, In jenes menschlichen großen Monarchen goldenem Blick, – Ein Finger in seinem Bart oder gedrehter Locke Über seines Mundes gutem Merkmal, das das Lächeln formte, Ein Arm um meine Schulter, um meinen Hals, Das Klimpern seiner Goldkette in meinem Ohr, Ich stolz malend, mit seinem Atem auf mir, All sein Hof um ihn herum, sehend mit seinen Augen, Solch offenen französischen Augen, und solch einem Feuer der Seelen, Verschwenderisch, meine Hand arbeitete fort bei diesen Herzen, – Und, das Beste von allem, dieses, dieses, dieses Gesicht hier drüben, Dieses im Hintergrund, meine Arbeit erwartend; Um das Ergebnis mit einer letzten Belohnung zu krönen! Eine gute Zeit, war es nicht, meine königlichen Tage? Und warst du nicht unruhig geworden . . . aber ich weiß – Es ist getan und vergangen; es war richtig, mein Instinkt sagte es; Zu lebendig wurde das Leben, golden und nicht grau, Und ich bin die schwachsichtige Fledermaus, die keine Sonne verlocken sollte Aus der Scheune, deren vier Wände seine Welt bilden. Wie hätte es auf irgendeine andere Weise enden können? Du riefest mich, und ich kam heim zu deinem Herzen. Der Triumph war, – es zu erreichen und dort zu bleiben; da ich Es vor dem Triumph erreichte, was ist verloren? Lass meine Hände dein Gesicht in deinem goldenen Haar einrahmen, Du schöne Lucrezia, die mein ist! „Rafael tat dies, Andrea malte jenes; Des Römers ist das bessere, wenn du betest, Aber dennoch war des anderen Jungfrau seine Frau“ – Die Leute werden mich entschuldigen. Ich bin froh, beide Bilder In deiner Gegenwart zu beurteilen; klarer wächst Mein besseres Los, nehme ich mir vor zu denken. Denn weißt du, Lucrezia, so wahr Gott lebt, Sagte eines Tages Agnolo, er selbst, Zu Rafael . . . Ich weiß es all diese Jahre . . . (Als der junge Mann seine Gedanken flammend Auf eine Palastwand schrieb, damit Rom sie sehe, Allzu erhobenen Herzens deswegen) „Freund, da ist ein gewisser bedauernswerter kleiner Wicht, Der in unserer Florenz auf und ab geht, niemand kümmert sich wie, Der, wäre er dazu bestimmt, zu planen und auszuführen Wie du, angespornt von deinen Päpsten und Königen, Den Schweiß in jene Stirn von dir treiben würde!“ Zu Rafaels! Und tatsächlich ist der Arm falsch. Ich wage kaum . . . doch, nur damit du es siehst, Gib die Kreide her – schnell, so sollte die Linie gehen! Ja, aber die Seele! Er ist Rafael! Wisch es aus! Dennoch, alles, worum ich mich sorge, wenn er die Wahrheit sprach, (Wer er? Nun, wer anders als Michel Agnolo? Vergisst du schon solche Worte?) Wenn es wirklich eine solche Chance gab, so verloren, – Ist, ob du – nicht dankbar – aber mehr erfreut bist. Nun, lass mich das glauben. Und du lächelst tatsächlich! Diese Stunde war eine Stunde! Noch ein Lächeln? Wenn du jede Nacht so bei mir sitzen würdest, Ich würde besser arbeiten, verstehst du? Ich meine, dass ich mehr verdienen würde, dir mehr geben würde. Sieh, es ist jetzt feste Dämmerung; da ist ein Stern; Morello ist fort, die Wachlichter zeigen die Mauer, Die Käuzchen rufen den Namen, bei dem wir sie nennen. Komm vom Fenster weg, Liebste, – komm endlich herein, In das melancholische kleine Haus, Das wir bauten, um so fröhlich darin zu sein. Gott ist gerecht. König Franz mag mir vergeben: oft nachts, Wenn ich vom Malen aufblicke, die Augen erschöpft, Werden die Wände erleuchtet, Ziegel für Ziegel Unterscheidbar, anstatt des Mörtels, grimmig helles Gold, Jenes Gold von ihm, mit dem ich sie zementierte! Lass uns nur einander lieben. Musst du gehen? Wieder dieser Vetter hier? Er wartet draußen? Muss dich sehen – dich, und nicht mit mir? Diese Anleihen? Mehr Spielschulden zu bezahlen? Du hast deshalb gelächelt? Nun, lass Lächeln mich bezahlen! Hast du mehr auszugeben? Während Hand und Auge und etwas von einem Herzen Mir geblieben sind, ist Arbeit meine Ware, und was ist sie wert? Ich werde meine Laune bezahlen. Lass mich nur sitzen, Den grauen Rest des Abends aussitzen, Untätig, nennst du es, und vollkommen darüber nachsinnen, Wie ich malen könnte, wäre ich nur zurück in Frankreich, Ein Bild, nur eines noch – das Gesicht der Jungfrau, Diesmal nicht deines! Ich will dich an meiner Seite, Um sie zu hören – das ist Michel Agnolo – Alles beurteilen, was ich tue, und dir von seinem Wert erzählen. Willst du? Morgen, stelle deinen Freund zufrieden. Ich nehme die Themen für seinen Korridor, Beende das Porträt flugs – da, da, Und werfe ihm noch ein oder zwei andere Dinge hinzu, Wenn er Einwände erhebt; das Ganze sollte genug sein, Um für diese Laune desselben Vetters zu bezahlen. Außerdem, Was besser ist und was das Einzige ist, worum ich mich sorge, Besorge dir die dreizehn Scudi für den Kragen! Liebste, erfreut das dich? Ah, aber was tut er, Der Vetter! Was tut er, um dich mehr zu erfreuen?
Ich bin heute Abend friedlich geworden wie das hohe Alter. Ich bereue wenig, ich würde noch weniger ändern. Da dort mein vergangenes Leben liegt, warum es ändern? Das eigentliche Unrecht an Franz! – es ist wahr, Ich nahm seine Münze, wurde versucht und gab nach, Und baute dieses Haus und sündigte, und damit ist alles gesagt. Mein Vater und meine Mutter starben vor Mangel. Nun, hatte ich Reichtümer für mich? Du siehst, Wie man reich wird! Jeder trage sein Los. Sie wurden arm geboren, lebten arm, und arm starben sie: Und ich habe in meiner Zeit ein wenig gearbeitet Und wurde nicht üppig bezahlt. Mancher gute Sohn Male meine zweihundert Bilder – lass ihn es versuchen! Kein Zweifel, es gibt etwas, das ein Gleichgewicht herstellt. Ja, Du hast mich heute Abend ganz genug geliebt. Das muss mir hier genügen. Was möchte man mehr? Im Himmel vielleicht neue Chancen, noch eine Chance – Vier große Wände im Neuen Jerusalem, Gemessen auf jeder Seite mit des Engels Rute, Für Leonard, Rafael, Agnolo und mich, Sie zu bedecken – die drei ersten ohne Frau, Während ich meine habe! So – noch immer siegen sie, Weil es noch immer Lucrezia gibt – wie ich es wähle.
Wieder das Pfeifen des Vetters! Geh, meine Liebe.
MEINE LETZTE HERZOGIN Ferrara
Das ist meine letzte Herzogin an der Wand gemalt, Sieht aus, als wäre sie am Leben. Ich nenne Dieses Stück ein Wunder, nun: Fra Pandolfs Hände Arbeiteten geschäftig einen Tag lang, und dort steht sie. Beliebt es Euch, zu sitzen und sie zu betrachten? Ich sagte „Fra Pandolf“ mit Absicht, denn niemals las Ein Fremder wie Ihr jenes abgebildete Antlitz, Die Tiefe und Leidenschaft seines ernsten Blickes, Ohne dass sie sich an mich wandten (da niemand den Vorhang Beiseite schiebt, den ich für Euch gezogen habe, außer mir) Und schienen, als würden sie mich fragen, wenn sie dürften, Wie ein solcher Blick dorthin kam; also, Ihr seid nicht der Erste, Der sich umdreht und so fragt. Mein Herr, es war nicht Die Gegenwart ihres Gatten allein, die jenen Fleck Der Freude in die Wange der Herzogin rief: vielleicht Fiel Fra Pandolf ein zu sagen: „Ihr Mantel liegt Zu sehr über dem Handgelenk meiner gnädigen Frau“, oder „Die Farbe Darf niemals hoffen, das schwache Halb-Rot wiederzugeben, das entlang ihres Halses stirbt“: solch Zeug War Höflichkeit, dachte sie, und Grund genug, Um jenen Fleck der Freude hervorzurufen. Sie hatte Ein Herz – wie soll ich sagen? – das zu schnell erfreut war, Zu leicht beeindruckt: sie mochte, was immer Sie ansah, und ihre Blicke schweiften überall hin. Mein Herr, das war alles eins! Mein Günstlingszeichen an ihrer Brust, Das Sinken des Tageslichts im Westen, Der Zweig mit Kirschen, den irgendein zudringlicher Narr Im Obstgarten für sie brach, das weiße Maultier, Das sie um die Terrasse ritt – alles und jedes Entlockte ihr gleichermaßen das anerkennende Wort, Oder zumindest ein Erröten. Sie dankte den Männern – gut! aber dankte Auf eine Weise – ich weiß nicht wie –, als stufte sie Mein Geschenk eines neunhundert Jahre alten Namens Mit dem Geschenk eines Jeden ein. Wer würde sich herablassen, Diese Art von Trivialität zu tadeln? Selbst wenn Ihr Geschick In der Rede hättet – (was ich nicht habe) –, um Euren Willen Einer solchen Person gegenüber ganz klar zu machen, und zu sagen: „Genau dies Oder jenes an Euch widert mich an; hier fehlt es Euch, Oder dort übersteigt Ihr das Maß“ – und wenn sie sich So belehren ließe, noch ihren Verstand nicht offen Dem Euren entgegenstellte und sich entschuldigte, – Selbst dann wäre das ein Herablassen; und ich wähle Niemals mich herabzulassen. Oh mein Herr, sie lächelte zweifellos, Wann immer ich an ihr vorüberging; aber wer ging vorüber Ohne ein ziemlich gleiches Lächeln? Dies wuchs; ich gab Befehle; Dann hörten alle Lächeln gleichzeitig auf. Dort steht sie, Als wäre sie am Leben. Beliebt es Euch aufzustehen? Wir werden die Gesellschaft Unten treffen, dann. Ich wiederhole, Die bekannte Freigebigkeit des Grafen, Eures Herrn, Ist ein reichlicher Bürge dafür, dass kein gerechter Anspruch Meinerseits auf Mitgift zurückgewiesen wird; Obwohl seine schöne Tochter selbst, wie ich zu Beginn Versicherte, mein Ziel ist. Nein, wir werden zusammen Hinuntergehen, mein Herr. Beachtet jedoch Neptun, Wie er ein Seepferd bändigt, für eine Seltenheit gehalten, Die Claus von Innsbruck in Bronze für mich goss!
ADAM, LILITH UND EVE
Eines Tages donnerte und blitzte es. Zwei Frauen, ziemlich erschrocken, Sanken auf ihre Knie, verwandelt, wie erstarrt, Zu den Füßen des Mannes, der dazwischen saß; Und „Gnade!“ rief jede – „wenn ich die Wahrheit sage Über eine Begebenheit in meiner Jugend!“
Sagte Diese: „Denkst du an den Morgen, Als ich deine Liebe mit Verachtung begegnete? Als das Schlimmste des Gifts meine Lippen verließ, Dachte ich: ‚Wenn er trotz dieser Lüge Mit einem Kuss die Maske von meiner Seele reißt – krieche ich Seine Sklavin, – Seele, Körper und alles!‘“
Sagte Jene: „Wir standen da, um getraut zu werden; Der Priester, oder irgendwer, säumte; ‚Falls die Paradiespforte verschlossen bleibt?‘ lächeltest du. Ich dachte, als ich nickte, ebenfalls lächelnd, ‚Sollte einer, der fort ist, ankommen – nicht zu spät Noch zu früh sollte er die Höllenpforte aufschließen!‘“
Es hörte auf zu blitzen und zu donnern. Beide sprangen verwundert auf, Sahen sich um und sahen, dass der Himmel klar war, Dann lachten sie: „Gib zu, du hast uns geglaubt, Liebster!“ „Ich habe das Spiel durchschaut!“ antwortete der Mann. Sie setzten sich wieder neben ihn.
DIE VERLORENE GELIEBTE
Alles ist also vorbei: klingt die Wahrheit bitter, Wie man anfangs glaubt? Horch, das ist das Gute-Nacht-Gezwitscher der Sperlinge Um deinen Dachtrauf!
Und die Blattknospen an der Rebe sind wollig, Das habe ich heute bemerkt; Ein Tag noch, und sie brechen voll auf – Du weißt, das Rot wird grau.
Morgen treffen wir uns also wieder, Liebste? Darf ich deine Hand in meine nehmen? Bloße Freunde sind wir, – nun, Freunde im allergeringsten Behalten viel, worauf ich verzichte:
Für jeden Blick des Auges, so hell und schwarz, Obwohl ich ihn mit Herzensanstrengung bewahre, – Deine Stimme, wenn du dir die Schneeglöckchen zurückwünschst, Obwohl sie für immer in meiner Seele bleibt! –
Doch ich werde nur sagen, was bloße Freunde sagen, Oder nur einen Gedanken stärker; Ich werde deine Hand nur so lange halten, wie es allen erlaubt ist, Oder nur ein ganz klein wenig länger!
FREUND UND GELIEBTER
Wenn Psychés Freund zu ihrem Geliebten wird, Wie süß vermischen sich diese Bedingungen! Doch, oh, welch Qual zu entdecken, Dass ihr Geliebter zu ihrem Freund geworden ist!
VERLORENE LIEBE
Wer seine Liebe gewinnt, soll sie verlieren, Wer sie verliert, soll gewinnen, Denn noch immer wirbt der Geist um sie, Eine Seele ohne einen Fleck; Und die Erinnerung jagt ihr noch immer nach Mit Sehnsüchten, nicht vergebens!
Er verliert sie, der sie gewinnt, Der Tag für Tag beobachtet Den Staub der Zeit, der sie befleckt, Die Sorgen, die sie grau werden lassen, Das Fleisch, das sie noch immer fesselt, Dessen Anmut vergangen ist!
Oh, glücklicher er, der nicht gewinnt Die Liebe, die manche zu gewinnen scheinen: Die Freude, die Sitte nicht befleckt, Soll bei ihm bleiben, Die Lieblichkeit, die nicht schwindet, Die Liebe, die niemals schwinden kann.
In Träumen wird sie nicht älter Unter den Ländern des Traums, Obwohl die Welt kälter werde, Obwohl alle Lieder gesungen seien, In Träumen erblickt er sie, Noch immer schön und gütig und jung.
VOBISCUM EST IOPE
Wenn du heim musst zu den Schatten der Unterwelt, Und dort angekommen, ein neuer bewunderter Gast, Die schönen Geister dich umringen, Die weiße Iope, die frohe Helena und die übrigen, Um die Geschichten deiner vollendeten Liebe zu hören Von jener geschmeidigen Zunge, deren Musik die Hölle bewegen kann;
Dann wirst du von den Freuden des Gelages sprechen, Von Maskeraden und Gelagen, die die süße Jugend machte, Von Turnieren und großen Herausforderungen der Ritter, Und all diesen Triumphen deines Schönheitswillens wegen: Wenn du von diesen Ehren erzählt hast, die dir erwiesen wurden, Dann sag, oh sag, wie du mich ermordet hast!
„Vier Winde wehen durch die Luft, Ihr saht, wie arme Mädchen starben, Sagt mir, was ich nun tun wohl muss, Dass mein Geliebter treu mir sei.“ Der Wind, der aus dem Süden kam, Sprach: „Keinen Kuss auf seinen Mund,“ Der Wind, der aus dem Westen kam: „Verwunde das Herz in seiner Brust,“ Der Wind, der aus dem Osten kam: „Lass ihn hungrig vom Feste gehn,“ Und der Wind, der aus dem Norden kam: „Stoß ihn hinaus in den Sturmwind ein; Wenn du grausamer bist als er, Dann wird die Liebe dir gnädig sein.“
AN MANON Über ihre Wahl seiner Person
Hätte ich dich gewählt, so wärst du gewesen Eine Jungfrau, stolz, ungezähmt, makellos, Keusch wie der Morgenstern, eine Heilige, eine Königin, Gezeichnet von keinem Krieg, keinem Gewaltakt des Hasses. Deine Seele hätte dem Ebenmaß Deines schönen Körpers entsprochen, tapfer und tugendhaft Und gütig und gerecht; und wärst du von geringem Stand, Zumindest eine ehrbare Frau für mein Haus. Ich hätte gewollt, dass du von geehrtem Blute stammst Und aus ehrbarer Erziehung. Du solltest Söhne für meinen Stolz und Töchter für mein Herz gebären, Und die Menschen sollten dich für glücklich, weise und gut halten. Sieh, nichts davon bist du, sondern nur schön, Und doch muss ich dich lieben, Teure, so wie du bist.
GEKRÖNT
Du kamst zu mir und brachtest helle Rosen, Rot wie der Wein deines Herzens; Du wandest sie zu einem Kranz, Um mich vom Markte fernzuhalten. Rote Rosen, um mich als deinen Geliebten zu krönen, Und ich schritt einher, mit einem Heiligenschein und abseits.
Versklavt und umschlungen, trug ich ihn, Stolzes Zeichen meiner Gabe an dich. Die Blütenblätter welkten, bleichten und schrumpften, Und fielen ab; und die Dornen kamen zum Vorschein. Bittere Dornen, die mich als deinen Geliebten ausweisen, Ein Diadem, gewoben aus Reue.
HEBE
Ich sah das Funkeln weißer Füße, Ich sah den Blitz herabsteigender Gewänder; Vor ihr eilte ein flüchtiger Einfluss, Der mein Herz beugte wie sich biegende Gerste.
Wie auf kahlen Feldern die suchenden Bienen Zu Blüten führen, die wir nicht finden, So führte sie mich, in süßen Stufen, Die einfachen Honigzellen der Freude entbindend.
Das waren die Grazien, die wie grimmige Schicksale schienen; Mit näherer Liebe neigte sich der Himmel über mich; Die goldenen Tore des lang gesuchten Geheimnisses Schwangen auf musikalischen Angeln vor mir auf.
Ich sah die volle Schale in ihrem Griff, Vom Göttlichen bebend; wie ein Liebender Sprang ich hinzu, um das dargebotene Leben zu ergreifen; – Der Becher fiel; das Glück war vorbei.
Die Erde hat den Wein getrunken; Was nützt es, die Scherben des Kelches zu flicken? Kann der Sommer den eisigen Becher füllen, Dessen verräterisches Kristall nur dem Winter gehört?
O verschwenderische Eile! Wartet auf die Götter; Ihr Nektar krönt die Lippen der Geduld; Eile verstreut auf undankbare Schollen Die unsterbliche Gabe als vergebliches Trankopfer.
Die scheue Hebe flieht vor denen, die werben, Und meidet die Hände, die sie ergreifen wollen; Verfolge dein Leben, und sie wird bitten, Dir den Becher der Ehre zu reichen.
„JUSTINE, DU LIEBST MICH NICHT!“ „Helas! vous ne m'aimez pas.“ - Piron
Ich weiß, Justine, du redest mir freundlich zu, So oft wir uns begegnen; Und es ist ein Luxus, ich schwöre es, Eine so süße Stimme zu hören; Und doch gefällt es mir nicht ganz, Die höfliche Art, die du hast; Für mich bist du etwas zu höflich – Justine, du liebst mich nicht!
Ich weiß, Justine, du schiltst niemals Über irgendetwas, das ich tun mag: Ob ich leidenschaftlich bin oder kalt, Das ist dir alles einerlei. „Ein bezauberndes Temperament“, sagen die Männer, „Um das Los eines Ehemanns zu glätten“: Ich wünschte, es wäre hier und da zerzaust – Justine, du liebst mich nicht!
Ich weiß, Justine, du trägst ein Lächeln, So strahlend wie die Sonne; Aber wer vermutet die ganze Zeit, Dass es nur für einen scheint? Obwohl azurblaue Himmel schön anzusehen sind, Ein flüchtiger bewölkter Fleck In deinem würde mir mehr versprechen – Justine, du liebst mich nicht!
Ich weiß, Justine, du machst meinen Namen Zu deinem lobredenden Thema, Und sagst – falls jemand Anlass zur Tadel findet – Dass du mich schätzt. Solche Worte, bei aller freundlichen Reichweite, Erfreuen mich kein bisschen; Genau wie du den Papst gelobt hättest – Justine, du liebst mich nicht!
Ich weiß, Justine – denn ich habe gehört, Was freundliche Stimmen erzählen – Du errötest nicht, das Wort zu sagen: „Du gefällst mir überaus wohl“; Und so höre ich den verhängnisvollen Klang, Der mein einsames Los besiegelt: Es gibt jetzt nichts mehr zu hoffen oder zu fürchten – Justine, du liebst mich nicht!
SCHNEESTÖCKCHEN
Wenn ich, voll warmer und eifriger Liebe, Dich in meine innige Umarmung schließe, Schiebst du mich sanft zurück und sagst: „Vorsicht, mein Lieber, du verdirbst meine Spitze.“
Du küsst mich genau so, wie du küssen würdest Eine Freundin, die du zufällig siehst; Du nennst mich „Liebster“. – Alle Formen der Liebe Sind dein, nicht ihre Wirklichkeit.
Oh, Annie! Schreie, und stürme, und tobe! Tu irgendetwas mit Leidenschaft darin! Hasse mich eine Stunde lang, und kehre dann um, Und liebe mich wahrhaftig, nur eine Minute lang.
WENN DER SULTAN NACH ISPAHAN GEHT
Wenn der Sultan Shah-Zaman In die Stadt Ispahan geht, Noch bevor er so weit gelangt, Wo der Ort ist, an dem die Palmen in Gruppen stehen, Am letzten der dreißig Palasttore, Bestellt die Blume des Harems, Rose-in-Bloom, Ein Festmahl in seinem Lieblingszimmer – Glitzernde Quadrate aus farbigem Eis, Gesüßt mit Sirup, gefärbt mit Gewürz, Cremes und Liköre und gezuckerte Datteln, Syrische Äpfel, osmanische Quitten, Limetten und Zitronen und Aprikosen, Und Weine, die östlichen Fürsten bekannt sind; Und nubische Sklaven, mit rauchenden Töpfen Von gewürztem Fleisch und kostbarstem Fisch Und allem, was sich der neugierige Gaumen wünschen könnte, Gehen ein und aus durch die Zedernholztüren; Über Mosaikböden verstreut sind Anemonen, Myrthen und Veilchen, Und ein musikalischer Springbrunnen wirft seine Strahlen In hundert Farben in die Luft. Die dunkle Sultana löst ihr Haar, Und färbt mit der Hennapflanze die Spitzen Ihrer spitzen Nägel, und beißt sich auf die Lippen, Bis sie wieder blühen; aber ach, diese Rose Knospt und blüht nicht für den Sultan, Nicht für den Sultan Shah-Zaman, Wenn er in die Stadt Ispahan geht.
Dann bei einem Winken ihrer sonnigen Hand Die Tänzerinnen von Samarkand Gleiten herein wie Gestalten aus dem Märchenland, Einen plötzlichen Nebel in die Luft schaffend Aus wolligen Schleiern und fließendem Haar Und erhobenen weißen Armen. Orientblut Fließt in ihren Adern, scheint in ihren Augen. Und dort, in diesem östlichen Paradies, Erfüllt vom Duft von Sandelholz, Und Khoten-Moschus, und Aloe und Myrrhe, Sitzt Rose-in-Bloom auf einem seidenen Diwan, Schlürft die Weine von Astrachan; Und ihr arabischer Geliebter sitzt bei ihr. Das ist, wenn der Sultan Shah-Zaman In die Stadt Ispahan geht.
Nun, wenn ich ein zusätzliches Licht sehe, Das in der Nacht flackert und flimmert Vom Fenster meines Nachbarn gegenüber, Dann weiß ich genauso gut, wie ich zu beten weiß, Ich weiß genauso gut, wie eine Zunge sagen kann, Dass der unschuldige Sultan Shah-Zaman In die Stadt Ispahan gegangen ist.
DER SCHATTENTANZ
Sie sieht ihr Ebenbild im Glas, – Wie schön ist es, darauf zu schauen! Sie verweilt, während die Augenblicke verrinnen, Mit glücklichen Gedanken, die kommen und gehen,
Wie Winde über das Wiesengras, Wenn der junge Juni gerade erst begonnen hat: Sie sieht ihr Ebenbild im Glas, – Wie schön ist es, darauf zu schauen!
Welchen Reichtum an Gold häuft der Himmel an! Wie froh sind alle Dinge unter der Sonne! Wie wahr ist die Liebe, die ihre Liebe gewonnen hat! Sie sorgt sich nicht, dass diese Stunde vergehen wird, – Sie sieht ihr Ebenbild im Glas.
„ÜBER DAS FELD, ALS WIR VORBEIKAMEN“
Über das Feld, als wir vorbeikamen Vor einem Jahr, mein Liebster und ich, Die Espe über Stufe und Stein Sprach mit sich selbst allein. „Oh, wer sind diese, die küssen und vorbeiziehen? Ein Landliebhaber und sein Mädchen; Zwei Liebende, die hoffen zu heiraten; Und die Zeit wird sie beide zu Bett bringen, Aber sie wird mit der Erde darüber liegen, Und er neben einer anderen Liebe.“
Und tatsächlich unter dem Baum Geht eine andere Liebe mit mir, Und über uns hebt sich die Espe Mit ihren nach Regen klingenden silbernen Blättern; Und ich deute nichts in ihrem Rauschen, Aber jetzt sprechen sie vielleicht zu ihr, Und klar für sie zu verstehen, Sprechen sie von einer nahen Zeit, Wenn ich schlafen werde, mit Klee bekleidet, Und sie neben einem anderen Burschen.
„ALS ICH EINUNDZWANZIG WAR“
Als ich einundzwanzig war, Hörte ich einen Weisen sagen: „Gib Kronen und Pfund und Guineen, Aber schenk nicht dein Herz her; Gib Perlen weg und Rubine, Aber halte deine Phantasie frei.“ Aber ich war einundzwanzig, Kein Nutzen, mit mir zu reden.
Als ich einundzwanzig war, Hörte ich ihn wieder sagen: „Das Herz aus der Brust Wurde niemals umsonst gegeben; Es wird mit Seufzern reichlich bezahlt Und für endlose Reue verkauft.“ Und ich bin zweiundzwanzig, Und oh, es ist wahr, es ist wahr.
„GRÄMT EUCH NICHT, LADIES“
Oh, grämt euch nicht, Ladies, wenn ihr nachts Erwacht und fühlt, wie eure Schönheit schwindet; Es war ein Gewebe aus hinfälligem Entzücken, Unbeständig wie ein April-Schneefall.
In anderen Augen, in anderen Ländern, In tiefen, schönen Quellen verweilt neue Schönheit; Aber wie verbrauchtes Wasser in euren Händen Rinnt sie aus euren widerstrebenden Fingern.
Ihr werdet die singende Lerche nicht halten, Die früheren Himmeln ihre Pflicht schuldet. Weint nicht, um im Dunkeln zu hören Den Klang eurer scheidenden Schönheit.
Das feine und gequälte Ohr der Nacht Ist darauf abgestimmt, den kleinsten Kummer zu hören: Oh, wartet bis zum Morgenlicht! Es mag morgen nicht mehr so verloren scheinen.
Aber honigblass und rosenrot! Kurze Lichter, die ein wenig leuchten! Schöne Blicke, die auf uns fallen – Sie lassen uns mit dem alten Sehnen zurück.
Glaubt nicht, dass die wache, trübe Verzweiflung Als Erste zu euch kam, ihr Süßherzigen! Denn oh, das Gold in Helenas Haar! Und wie sie weinte, als das verging!
Vielleicht zählt jener, der das meiste nahm, Der schnellste Entleiher, wildeste Verschwender, Was wir nicht würden, die Kosten – Und wird uns wahrer und zärtlicher.
Glücklich sind wir, wenn wir in seinen Augen Keinen Schatten des Vergessens sehen. Nein – wenn unser Stern in diesen Himmeln versinkt, Werden wir seinen Untergang nicht gänzlich sehen.
Dann lasst uns lachen wie die Bäche, Dass eine solche unsterbliche Jugend unser ist, Wenn die Erinnerung für sie unsere Blicke bewahrt, So frisch wie die Frühlingsblumen.
Also grämt euch nicht, Ladies, wenn ihr nachts Erwacht, um den kalten Dezember zu fühlen! Erinnert euch lieber an das frühe Licht, Und erinnert euch in den Armen eures Liebsten.
VORORT
Dumpf und hart knarrt der tiefe Wind Zwischen den raschelnden Pampas-Federn. Trübsinnig verzehrt das Jahr Seine zweiundfünfzig faden Wochen.
Das meiste des grau-grünen Wiesenlandes Wurde in sparsamen Parzellen verkauft; Die schäbigen Häuser stehen, Gepresst von der Hand eines stämmigen Bauunternehmers, Eng beieinander auf ihren Grundstücken.
Durch bebaute Ufer sucht sich der mürrische Fluss Den Weg, wo seine Häuser kauern und zittern. Über die Brücke kreischt der tyrannische Zug Und taucht auf der Ebene auf.
In all den besseren Gärten, an denen man vorbeigeht, (Produkt vieler sorgfältiger Samstage), Schmücken große rote Geranien und hohes Pampasgras Die Grundstücke und markieren die gekiesten Wege.
Manchmal im Hintergrund kann man sehen Ein privates Sommerhaus in Weiß oder Grün. Hier an warmen Abenden bringt die Tochter Ihren schwankenden Büroangestellten, Um von kleinen aufregenden Dingen zu sprechen Und seine Finger im Dunkeln zu berühren.
Er, in der unbequemen Lücke Zwischen ihrem trillernden Lachen, Verspricht, in stockender Rede, Hoffnungslose, unermessliche Zukünfte.
Sie zittert wie die Pampas-Federn. Ihre gespannten Lippen feilschen. Er übernimmt Das ernste Streben. . . .
Jetzt, während der Zug vorbeipfeift, Nimmt er sie endlich in seine Arme.
Es ist vollbracht. Sie errötet an seiner Seite Über den Rasen – eine Braut, eine Braut.
. . . . . . . .
Der stämmige Bauunternehmer wird entwerfen, Die faulen Arbeiter werden vorbereiten, Eine weitere Villa an der Strecke; Im kleinen Gartenviereck Wird dort Pampasgras rascheln.
DIE VERLOBTE „Du musst zwischen mir und deiner Zigarre wählen“ – Versprechensbruch-Fall, ca. 1885.
Öffne die alte Zigarrenkiste, gib mir eine kräftige Cuba, Denn die Dinge laufen kreuz und quer, und Maggie und ich sind zerstritten.
Wir stritten uns über Havannas – wir kämpften über eine gute Zigarre – Und ich weiß, sie ist anspruchsvoll, und sie sagt, ich sei ein Rohling.
Öffne die alte Zigarrenkiste – lass mich eine Weile nachdenken, Im weichen blauen Schleier des Dampfes, über Maggies Gesicht sinnend.
Maggie ist hübsch anzusehen – Maggie ist ein liebes Mädchen. Aber die hübschesten Wangen müssen runzeln, die treuesten Lieben müssen vergehen.
Es gibt Frieden in einer Laranaga, es gibt Ruhe in einem Henry Clay, Aber die beste Zigarre ist in einer Stunde zu Ende und weggeworfen –
Weggeworfen für eine andere, ebenso perfekt und reif und braun – Aber ich könnte Maggie niemals wegwerfen, aus Angst vor dem Gerede der Stadt!
Maggie, meine Frau mit fünfzig – grau und mürrisch und alt – Ohne eine andere Maggie, die man für Liebe oder Gold kaufen könnte.
Und das Licht der Tage, die waren, die Dunkelheit der Tage, die sind, Und die Fackel der Liebe, stinkend und abgestanden, wie der Stummel einer toten Zigarre –
Den Stummel einer toten Zigarre musst du in deiner Tasche behalten – Ohne eine neue zum Anzünden, obwohl sie bis zum Ende verkohlt und schwarz ist.
Öffne die alte Zigarrenkiste – lass mich ein Weilchen nachdenken; Hier ist ein mildes Manilla – dort ist ein eheliches Lächeln.
Was ist der bessere Anteil – Knechtschaft, erkauft mit einem Ring, Oder ein Harem dunkler Schönheiten, fünfzig an einer Schnur gebunden?
Ratgeber, listig und schweigsam – Tröster, treu und erprobt, Und keine der fünfünfzig, um über eine rivalisierende Braut zu spotten.
Gedanken am frühen Morgen, Trost in Zeiten des Leids, Frieden im Schweigen der Dämmerung, Balsam, bevor sich meine Augen schließen.
Das werden mir die fünfzig geben, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, Mit nur der Leidenschaft einer Witwe – ihre Pflicht zu tun und zu brennen.
Das werden mir die fünfzig geben. Wenn sie aufgebraucht und tot sind, Sollen fünfmal andere fünfzig stattdessen meine Dienerinnen sein.
Die Furchen des fernen Java, die Inseln der spanischen Meere, Wenn sie hören, dass mein Harem leer ist, werden sie mir meine Bräute wieder senden.
Ich werde nicht auf ihre Kleidung achten, noch auf Nahrung für ihre Münder, Solange die Möwen nisten, solange die Schauer fallen.
Ich werde sie mit bester Vanille parfümieren, mit Tee werde ich ihre Häute temperieren, Und der Mohr und der Mormon sollen mich beneiden, die von der Geschichte meiner Bräute lesen.
Denn Maggie hat einen Brief geschrieben, um mir die Wahl zu lassen zwischen Der kleinen wimmernden Liebe und dem großen Gott Nick o' Teen.
Und ich war kaum ein knappes Jahr Diener der Liebe, Aber ich war sieben Jahre lang Priester von Partagas;
Und das Dunkel meiner Junggesellentage ist mit dem heiteren Licht gesprenkelt Von Stümpfen, die ich für Freundschaft, und Vergnügen, und Arbeit, und Kampf verbrannte.
Und ich wende meine Augen der Zukunft zu, die Maggie und ich beweisen müssen, Aber das einzige Licht in den Sümpfen ist das Irrlicht der Liebe.
Wird es mich sicher durch meine Reise bringen oder mich im Morast zurücklassen? Da ein Zug Tabak es trüben kann, soll ich dem flackernden Feuer folgen?
Öffne die alte Zigarrenkiste – lass mich aufs Neue nachdenken – Alte Freunde, und wer ist Maggie, dass ich euch verlassen sollte?
Eine Million überschüssige Maggies sind bereit, das Joch zu tragen; Und eine Frau ist nur eine Frau, aber eine gute Zigarre ist ein Rauch.
Zünde mir eine weitere Cuba an – ich halte an meinen zuerst geschworenen Gelübden fest, Wenn Maggie keinen Rivalen dulden will, werde ich keine Maggie als Gattin haben!
LIEBESSCHMERZ
„DIE NACHT HAT TAUSEND AUGEN“
Die Nacht hat tausend Augen, Und der Tag nur eines; Doch das Licht der hellen Welt stirbt Mit der sterbenden Sonne.
Der Verstand hat tausend Augen, Und das Herz nur eines; Doch das Licht eines ganzen Lebens stirbt, Wenn die Liebe vollbracht ist.
„ICH SAH MEINE DAME WEINEN“
Ich sah meine Dame weinen, Und das Leid, stolz darauf, so befördert zu werden In jenen schönen Augen, wo alle Vollkommenheiten wohnen. Ihr Gesicht war voller Weh, Aber ein solches Weh (glaubt mir), das mehr Herzen gewinnt, Als Freude es mit ihren verführerischen Teilen tun kann.
Das Leid wurde dort schön gemacht, Und die Leidenschaft, weise; Tränen, ein entzückendes Ding; Stille, über alles Sprechen erhaben, eine seltene Weisheit: Sie ließ ihre Seufzer singen, Und alle Dinge sich mit einer so süßen Traurigkeit bewegen, Dass mein Herz gleichzeitig grämte und liebte.
O schöner als alles andere, Was die Welt zeigen kann, hört rechtzeitig auf zu trauern! Genug, genug: euer freudvoller Blick übertrifft alles: Tränen töten das Herz, glaubt es. O strebt nicht danach, vortrefflich im Weh zu sein, Das nur den Untergang eurer Schönheit hervorbringt.
DER LIEBE JUNGER TRAUM
Oh! Die Tage sind vorbei, als Schönheit hell Meines Herzens Kette webte; Als mein Traum vom Leben, von Morgen bis zur Nacht, Liebe war, immer Liebe. Neue Hoffnung mag blühen, Und Tage mögen kommen, Von milderem, ruhigerem Strahl, Aber es gibt nichts halb so Süßes im Leben Wie der Liebe jungen Traum; Nein, es gibt nichts halb so Süßes im Leben Wie der Liebe jungen Traum.
Obwohl der Barde zu reinerem Ruhm aufsteigen mag, Wenn die wilde Jugend vorbei ist; Obwohl er die Weisen, die zuvor die Stirn runzelten, Dazu bringt, am Ende zu lächeln; Er wird niemals begegnen Einer Freude, die so süß ist, In all seinem Zenit des Ruhms, Wie als er zuerst ins Ohr einer Frau sang Seine seelengefühlte Flamme, Und sie bei jedem Schluss errötete, zu hören Den einen geliebten Namen.
Nein – jene geheiligte Form wird niemals vergessen, Die die erste Liebe zeichnete; Sie spukt noch immer verweilend an der grünsten Stelle Auf der Wüste der Erinnerung. Es war Duft, der entfloh, Sobald er vergossen war; Es war der geflügelte Traum des Morgens; Es war ein Licht, das niemals wieder scheinen kann Auf des Lebens trübem Strom; Oh! Es war ein Licht, das niemals wieder scheinen kann Auf des Lebens trübem Strom.
„NICHT UNSER SIND DIE GELÜBDE“
Nicht unser sind die Gelübde derer, die Ihre Treue bei sonnigem Wetter versprechen, Während die Blätter grün und die Himmel hell sind, Um gemeinsam auf Blumen zu wandeln.
Aber wir haben geliebt wie jene, die den Dornigen Pfad des Kummers beschreiten, Mit Wolken darüber und Grund, zu fürchten, Noch tieferes Dunkel am Morgen.
Dieser dornige Pfad, jene stürmischen Himmel, Haben unsere Geister einander nähergebracht; Und uns, durch die Bande des Kummers, Einander teurer gemacht.
Liebe, geboren in Stunden der Freude und Fröhlichkeit, Mag mit Fröhlichkeit und Freude vergehen; Das, dem dunklere Stunden das Leben gaben, Hegen wir immer mehr und mehr.
Sie blickt über die Wolken der Zeit hinaus, Und durch das schattenhafte Portal des Todes; Durch die Not erhaben gemacht, Durch Glauben und Hoffnung unsterblich.
DAS GRAB DER LIEBE
Ich grub, unter dem Zypressenschatten, Was wohl wie das Grab eines Elfen scheinen mochte; Und jedes Pfand legte ich in die Erde, Das einst deine falsche Zuneigung gab.
Ich drückte sie unter den Rasen; Ich legte einen moosigen Stein darüber; Und wand den verwelkenden Kranz der Rose Um das Grabmal der Liebe.
Hinfällig wie deine Liebe, waren die Blumen tot, Bevor noch die Abendsonne untergegangen war: Aber Jahre werden die Zypresse wachsen sehen, Unveränderlich wie mein Bedauern.
„WIR WERDEN NICHT MEHR UMSCHWEIFEN“
Also, wir werden nicht mehr umschweifen So spät in die Nacht hinein, Obwohl das Herz noch genauso liebt, Und der Mond noch genauso hell ist.
Denn das Schwert überlebt seine Scheide, Und die Seele reibt die Brust auf, Und das Herz muss innehalten, um zu atmen, Und die Liebe selbst muss ruhen.
Obwohl die Nacht zum Lieben gemacht war, Und der Tag zu früh zurückkehrt, Werden wir doch nicht mehr umschweifen Im Licht des Mondes.
LIED
Singt das alte Lied, während es sich inmitten der Klänge zerstreut, Diese Last, die ihr zu lange in euren Herzen bewahrt habt; Singt es, mit leise gehauchter Stimme, aber nennt sie niemals: Sie wird euch nicht hören, in ihren Türmen pflegend Hohe Gedanken, zu hoch, um sich mit sterblichem Gesang zu paaren – Beugt euch über sie, sanfter Himmel, aber beansprucht sie nicht!
In Dämmerungshöhlen und geheimer Einsamkeit, Beschattet sie die Blüte ihrer unirdischen Tage; Und die sanften Winde allein haben die Macht, um sie zu werben: Weit entfernt fangen wir das dunkle Leuchten ihrer Locken ein; Und wilde Vögel suchen die Waldwege heim, auf denen sie wandelt, Verständliche Musik ihr zuträllernd.
Jener Geist, beauftragt, ihr zu folgen und sie zu verteidigen, – Auch er erleidet zweifellos diesen Liebesschmerz; Und sie ist vielleicht traurig, sein Seufzen hörend: Und doch ist jenes Gesicht nicht so traurig wie zärtlich; Wie das einer süßen Sängerin, wenn ihre süßeste Weise Aus dem gehobenen Herzen allmählich stirbt!
The thought! No more! I crave, dear, that thou shouldst allow Thy heart to yield its secret, more Or less, of love - I crave the vow As I, to thee, outpour!
I would I could adopt your will, See with your eyes, and set my heart Beating by yours, and drink my fill At your soul's springs, - your part my part In life, for good and ill.
No. I yearn upward, touch you close, Then stand away. I kissed your cheek, Caught your soul's warmth, - I pluck the rose And love it more than tongue can speak - Then the good minute goes.
Already how am I so far Out of that minute? Must I go Still like the thistle-ball, no bar, Onward, whenever light winds blow, Fixed by no friendly star?
Just when I seemed about to learn! Where is the thread now? Off again! The old trick! Only I discern - Infinite passion, and the pain Of finite hearts that yearn.
Robert Browning [1812-1889]
EINE ART DER LIEBE
Den ganzen Juni band ich die Rose in Garben. Nun streife ich, Rose um Rose, die Blätter ab Und streue sie dort, wo Pauline vorbeigehen mag. Sie wird nicht zur Seite blicken? Ach! Lass sie liegen. Angenommen, sie welken? Es bestand die Möglichkeit, dass sie ins Auge fielen.
Wie viele Monate mühte ich mich ab, Diese störrischen Finger auf die Laute abzustimmen! Heute wage ich alles, was ich kann. Sie will meine Musik nicht hören? So sei es! Zerbrich die Saite; falte des Liedes Flügel: Angenommen, Pauline hätte mich zum Singen aufgefordert!
Mein ganzes Leben lang lernte ich zu lieben. In dieser Stunde beweise ich meine höchste Kunst Und spreche meine Leidenschaft aus – Himmel oder Hölle? Sie will mir den Himmel nicht schenken? Wohlauf! Verlieren, wer mag – ich kann immer noch sagen: Jene, die den Himmel gewinnen, gesegnet sind sie!
Robert Browning [1812-1889]
„NIEMALS DIE ZEIT UND DER ORT“
Niemals die Zeit und der Ort Und die Geliebte alle zusammen! Dieser Pfad – wie weich, ihn zu beschreiten! Dieser Mai – welch zauberhaftes Wetter! Wo ist das Antlitz der Geliebten? In einem Traum begegnet mir jenes Antlitz der Geliebten, Doch das Haus ist eng, der Ort ist trostlos, Wo, draußen, Regen und Wind sich vereinen Mit einem verstohlenen Ohr, wenn ich zu sprechen versuche, Mit einem feindseligen Auge an meiner errötenden Wange, Mit einer Bosheit, die jedes Wort, jedes Zeichen bemerkt! O Feind, schlau und schlangenartig, Entwinde dich von dem wachen Mann! Halte ich die Vergangenheit So fest und sicher, Doch zweifle, ob ich die Zukunft halten kann? Dieser Pfad, so weich zu beschreiten, soll führen Durch die Magie des Mais wahrhaftig zu ihr! Oder wenn das Haus notgedrungen eng sein muss, Draußen sind die Stürme und Fremden: Wir – Oh, nah, sicher, warm schlafen ich und sie, – Ich und sie!
Robert Browning [1812-1889]
LIED Aus „The Saint’s Tragedy“
O! dass wir beide maien gingen Den Strom des sanften Frühlingswindes hinab; Wie Kinder, die mit Veilchen spielen Im Schatten der flüsternden Bäume.
O! dass wir beide träumend säßen Auf dem Rasen einer schafbeweideten Anhöhe, Den weißen Nebel beobachtend, der dampft Über Fluss und Wiese und Stadt.
O! dass wir beide schlafend lägen In unserem Nest im Kirchhofsrasen, Mit unseren Gliedern zur Ruh’ auf der stillen Brust der Erde, Und unsere Seelen daheim bei Gott!
Charles Kingsley [1819-1875]
DENN ER HATTE GROSSEN BESITZ
Ach! wundere dich nicht, wenn ich einst sterbe Und dem Tode auf dem Weg folge, den meine Launen gingen Jahr um verblassendes Jahr, der letzte wahnsinnige Himmel Mich unbußfertig findet; Denn obwohl mein Herz zweifelnd durch die Nacht ging, Mit manchem rückwärtsgewandten Blick auf das Antlitz des Himmels, Doch fand ich viele Schätze des Entzückens Innerhalb dieses lieblichen Ortes.
Ich soll nicht trauern, weil die Mädchen schön waren Und gütiger als die Welt, noch soll ich weinen, Weil sie mit weinenden Lippen und sich schmiegendem Haar Meinen Schlaf stahlen. Denn fehlte mir dies, so hätte ich vielleicht nicht gewusst, Wie hoch das Herz steigen konnte, oder wachend gesehen, Dass die Berge ihre silbernen Brüste aus Stein entblößen Aus ihren keuschen Gewändern aus Grün.
Obwohl es alles eine Sünde war, innerhalb der Fröhlichkeit Und des Schmerzes des Lebens fand ich ein Lied über Unseren Liedern, in ihr, die auf die Erde verstreute Ihre frohe Freigebigkeit der Liebe; Und obwohl sie einen Traum hegte, der nicht der unsere war, An einem fernen Ort, der nicht für unsere Füße bestimmt war, Wo über die fröhlicheren, wahnsinnigeren Blumen wehte Ein Wind, bitterer und süßer.
Ach! wer soll Mut machen, wenn die Musik aufhört, Vor Freude an der Stille? Während sie droben träumten, Zeigte sie mir Liebe auf den Gipfeln der Berge Und in den Tälern, Liebe. Und während die Weisen den Himmel fanden mit ihren Karten Und der Lehre der Seelen, schuf sie eine Erde für mich, Süßer als alles, und aus unseren schlagenden Herzen Rief sie das pulsierende Meer.
So wundere dich nicht, wenn in den Tagen, da der Tod Meinen Leib zu meinem macht, ich nicht schreie Nach verlorenen Stunden und Schätzen, sondern mit meinem Atem Meine Sterblichkeit preise. Denn siehe! dieser Ort ist schön, und alles verlierend, Was ich unter ihrem Kuss gewonnen und erträumt habe, Würde ich nicht sehen wollen, dass das Licht des Morgens fällt Auf irgendeine Welt außer dieser.
Richard Middleton [1882-1911]
WINDHALME
Sie küsste mich auf die Stirn, Sie sprach nicht ein einziges Wort, Die Stille floss zwischen uns, Und ich weder sprach noch rührte mich.
So hoffnungslos war es um meinetwillen, So voller Erbarmen, so süß, Mein ganzes Herz erhob sich und segnete sie, – Dann starb es vor ihren Füßen.
Edward Dowden [1843-1913]
JESSIE
Wenn Jessie kommt mit ihrer weichen Brust, Und die goldenen Schlüssel reicht, Dann ist es, als ob Gott liebkoste Zwillingsbabys auf Seinen Knien – Zwillingsbabys, die, aneinander gedrückt, Gerade die Arme des Vaters fühlen, mit denen sie beide gesegnet sind.
Doch wenn ich daran denke, ob wir uns trennen müssen, Und all dieser persönliche Traum entflohen ist – O dann mein Herz! O dann mein nutzloses Herz! Wollte Gott, dass du tot wärest – Ein Klumpen, unempfindlich für Freuden und Übel – Ein Stein, fern in irgendeiner trostlosen Schlucht der Hügel!
Thomas Edward Brown [1830-1897]
DAS SCHACHBRETT
Meine kleine Liebe, erinnerst du dich, Bevor wir so traurig weise geworden sind, Jener Abende im trostlosen Dezember, Warm abgeschirmt vor dem schneereichen Wetter, Als du und ich zusammen Schach spielten, Schachmatt gesetzt durch die Augen des anderen?
Ach! immer noch sehe ich deine weiche weiße Hand, Warm über Königin und Springer schwebend; Tapfere Bauern stehen in tapferer Schlacht; Die doppelten Türme bewachen die Flügel; Der Läufer, auf ferne Dinge bedacht, Bewegt sich gleitend durch den Kampf.
Unsere Finger berühren sich; unsere Blicke begegnen sich, Und zögern; dein goldenes Haar fällt Gegen meine Wange; dein süßer Busen Hebt sich. Über das Feld reitet deine Königin Langsam, ihre Soldaten alle dazwischen, Und setzt mich unvermutet schachmatt.
Ach weh! die kleine Schlacht ist zu Ende: Zerstreut ist all ihre Ritterschaft. Gar manchen Zug haben wir seitdem Mitten auf den verwirrenden Schachbrettern des Lebens gemacht, Und manch Spiel mit dem Glück gespielt; – Was ist es, das wir gewonnen haben? Dies, dies zumindest – wenn dies allein:
Dass niemals, niemals, nimmermehr, Wie in jenen alten stillen Nächten von einst (Bevor wir so traurig weise geworden sind), Können du und ich den Himmel aussperren, Die Welt und das winterliche Wetter aussperren, Und, Augen Wärme mit Augen austauschend, Schach spielen, wie wir damals zusammen spielten!
Edward Robert Bulwer Lytton [1831-1891]
AUX ITALIENS
In Paris war es, dort in der Oper; – Und sie sah jene Nacht aus wie eine Königin in einem Buch, Mit dem Kranz aus Perlen in ihrem rabenschwarzen Haar, Und der Brosche an ihrer Brust, so hell.
Von all den Opern, die Verdi schrieb, Ist die beste, nach meinem Geschmack, der Trovatore; Und Mario kann mit einer Tenorstimme besänftigen Die Seelen im Fegefeuer.
Der Mond auf dem Turm schlief sanft wie Schnee: Und wer war nicht auf die seltsamste Weise ergriffen, Als wir ihn singen hörten, während das Gas niedrig brannte, „Non ti scordar di me“?
Der Kaiser dort, in seiner Staatsloge, Sah ernst aus, als hätte er eben erst gesehen Die rote Fahne vom Stadttor wehen, Wo seine Adler aus Bronze gewesen waren.
Auch die Kaiserin hatte eine Träne im Auge. Man hätte sagen können, dass ihr Sinn zurückgekehrt sei, Für einen Moment, unter den alten blauen Himmel, Zum alten frohen Leben in Spanien.
Nun! dort in unserer Loge in der ersten Reihe saßen wir, Zusammen, meine Brautverlobte und ich; Mein Blick war auf meinen Opernhut geheftet, Und ihrer auf die Bühne gleich daneben.
Und beide waren wir still, und beide waren wir traurig. Wie eine Königin lehnte sie sich auf ihren vollen weißen Arm, Mit jener königlichen, trägen Art, die sie hatte; So zuversichtlich in ihrem Charme!
Ich habe keinen Zweifel, dass sie damals dachte An ihren früheren Gemahl, gute Seele, die er war! Der als der reichste und rundeste aller Männer starb, Der Marquis von Carabas.
Ich hoffe, dass er, um in das Himmelreich zu gelangen, Nicht durch ein Nadelöhr gehen musste. Ich wünsche ihm alles Gute, für das Leibgedinge, das meiner Dame von Carabas gegeben wurde.
Unterdessen dachte ich an meine erste Liebe, Wie ich seit Jahren an nichts mehr gedacht hatte, Bis sich über meine Augen zu bewegen begann Etwas, das sich wie Tränen anfühlte.
Ich dachte an das Kleid, das sie das letzte Mal trug, Als wir unter den Zypressen zusammenstanden, In jenem verlorenen Land, in jenem sanften Klima, Bei purpurnem Abendwetter;
An jenes Musselinkleid (denn der Abend war heiß), Und ihren warmen weißen Hals an seiner goldenen Kette, Und ihr volles, weiches Haar, nur zu einem Knoten gebunden, Und wieder lose herabfallend;
Und die Jasminblüte an ihrer schönen jungen Brust, (O der schwache, süße Duft jener Jasminblüte!) Und der eine Vogel, der allein für sein Nest sang, Und der eine Stern über dem Turm.
Ich dachte an unsere kleinen Zänkereien und Streitigkeiten, Und den Brief, der mir meinen Ring zurückbrachte. Und es schien damals alles, in der Ödnis des Lebens, Eine sehr geringe Sache!
Denn ich dachte an ihr Grab unter dem Hügel, Über dem der Wächter-Zypressenbaum steht; Und ich dachte ... „wäre sie nur noch am Leben, Wie könnte ich ihr vergeben, und sie lieben!“
Und ich schwöre, als ich in jener Stunde so an sie dachte, Und daran, wie doch alles Alte das Beste war, Dass ich den Duft jener Jasminblüte roch, Die sie einst an ihrer Brust zu tragen pflegte.
Er roch so schwach, und er roch so süß, Es ließ mich schaudern, und es machte mich kalt! Wie der Duft, der aus dem zerfallenden Leichentuch stiehlt, Wo eine Mumie halb entrollt ist.
Und ich wandte mich um und schaute. Sie saß dort In einer dunklen Loge, über der Bühne; und gekleidet In jenem Musselinkleid mit jenem vollen weichen Haar, Und jenem Jasmin an ihrer Brust!
Ich war hier; und sie war dort; Und das glitzernde Hufeisen wölbte sich dazwischen: – Von meiner Brautverlobten, mit ihrem rabenschwarzen Haar, Und ihrer prächtigen spöttischen Miene,
Zu meiner frühen Liebe, mit ihren niedergeschlagenen Augen, Und über ihrem Schlüsselblumengesicht der Schatten (Kurz gesagt, von der Zukunft zurück in die Vergangenheit). Es war nur ein Schritt zu machen.
Zu meiner frühen Liebe von meiner zukünftigen Braut Einen Moment lang schaute ich. Dann stahl ich mich zur Tür, Ich durchquerte den Gang; und unten an ihrer Seite Saß ich, einen Moment später.
Mein Denken an sie, oder der Klang der Musik, Oder etwas, das niemals ausgedrückt werden wird, Hatte sie aus dem Grab zurückgebracht, Mit dem Jasmin an ihrer Brust.
Sie ist nicht tot, und sie ist nicht vermählt! Aber sie liebt mich jetzt, und sie liebte mich damals! Und beim allerersten Wort, das ihre süßen Lippen sagten, Wurde mein Herz wieder jugendlich.
Die Marquise dort, von Carabas, Sie ist wohlhabend, und jung, und immer noch hübsch, Und abgesehen von ihr . . . nun, das lassen wir beiseite, Sie mag heiraten, wen sie will.
Aber ich werde meine eigene erste Liebe heiraten, Mit ihrem Schlüsselblumengesicht: denn alte Dinge sind am besten, Und die Blume an ihrem Busen, ich schätze sie höher als Die Brosche an der Brust meiner Dame.
Die Welt ist erfüllt von Torheit und Sünde, Und die Liebe muss sich festhalten, wo sie kann, sage ich: Denn Schönheit ist leicht genug zu gewinnen; Aber man wird nicht jeden Tag geliebt.
Und ich denke, im Leben der meisten Frauen und Männer, Gibt es einen Moment, in dem alles glatt und eben verliefe, Wenn nur die Toten wüssten, wann Sie zurückkehren und vergeben werden können.
Aber o der Duft jener Jasminblüte! Und o diese Musik! und o die Art, Wie jene Stimme aus dem Turm des Verlieses erklang, Non ti scordar di me, Non ti scordar di me!
Edward Robert Bulwer Lytton [1831-1891]
LIED
Ich sah die weiße Verzückung des Tages Im Feuer des Sonnenuntergangs sterben, Doch all ihre strahlende Schönheit Lebt wie ein unsterblicher Name.
Unsere Lampen der Freude sind verzehrt, Hin ist das geheiligte Licht der Liebe; Doch du und ich erinnern uns Durch jede sternenhelle Nacht.
Charles Hanson Towne [1877-
DER EINSAME WEG
Ich glaube, du wartest, Liebe, hinter dem Tor – Eifrig, mit windbewegten Wellen in deinem Haar; Ich habe dich nicht gefunden, und die Stunde ist spät, Und rau die Last, die ich trage.
Weit habe ich gesucht und meinen Reichtum an Jahren fortgeworfen Wie ein junger Reisender, fröhlich in sorglosen Gasthöfen – Sieh, wie der Weinfleck bleicht unter den Tränen, Die meine Bürde gewinnt!
Und wirst du mich erkennen, Liebe, mit gebeugtem Rücken, Oder wirst du mich verachten in einer so trüben Gestalt? Ich habe einen Reichtum an Sorgen in meinem Bündel, Einen einsamen Preis –
Deinen Traum – und Schlacke der Sünde. . . . O, trüb sind die Felder – Ich mag dich nicht finden in einem so dunklen Land – Doch ich erwarte, was Hoffnung die Wendung bringt, Und bettle mit leerer Hand.
Kenneth Rand [1891-
ABENDGESANG
Schönheit ruft und gibt keine Warnung, Schatten steigen auf und wandern auf den Tag. In der Dämmerung, am stillen Abend, Werden wir aufstehen und lächeln und fortgehen. Über den flammenden Blättern Gefriert der Himmel. Es ist die Jahreszeit, die trauert, Nicht du, nicht ich. All unsere Frühlinge, all unsere Sommer, Haben wir die Sehnsucht warm gehalten. Nun überlassen wir den Nachkommen, Die Träume zu erreichen, die wir nicht gewannen. Oh, wir sind erwacht, Süße, und hatten unsere Geburt, Und das ist das Ende der Erde; Und wir haben uns gemüht und gelächelt und das Licht bewahrt, Und das ist das Ende der Nacht.
Ridgely Torrence [1875-
DAS LIED DER NYMPHE AN HYLAS Aus „The Life and Death of Jason“
Ich kenne einen kleinen Gartenhag, Dicht besetzt mit Lilie und roter Rose, Wo ich wandern würde, wenn ich könnte, Vom tauigen Morgen bis zum tauigen Abend, Und einen mit mir wandern hätte.
Und obschon darin keine Vögel singen, Und obschon kein säulengeschmücktes Haus dort ist, Und obschon die Apfelzweige kahl sind An Frucht und Blüte, wollte Gott, Dass ihre Füße auf das grüne Gras traten, Und ich sie erblickte wie zuvor!
Ein Murmeln kommt vom Ufer, Und in dem Hag sind zwei schöne Ströme, Gezogen von den purpurnen Hügeln aus der Ferne, Gezogen hinab zum rastlosen Meer; Dunkle Hügel, deren Heidekraut keine Biene nährt, Dunkles Ufer, das kein Schiff jemals gesehen hat, Gepeinigt von den grünen Wogen, Deren Murmeln unaufhörlich kommt Zu dem Ort, nach dem ich schreie.
Nach dem ich schreie Tag und Nacht, Für den ich alles Entzücken entgleiten lasse, Wodurch ich sowohl taub als blind werde, Sorglos zu gewinnen, ungeübt zu finden, Und schnell zu verlieren, was alle Menschen suchen.
Doch wankend, wie ich bin, und schwach, Habe ich noch einen kleinen Atem übrig Um innerhalb der Kiefer des Todes zu suchen Einen Eingang zu jenem glücklichen Ort; Um das unvergessene Antlitz zu suchen, Einmal gesehen, einmal geküsst, einmal mir entrissen Nahe dem Murmeln des Meeres.
William Morris [1834-1896]
NEIN UND JA
Könnte ich mein Paradies wählen, Und mich selbst mit der Wahl der Wonne erfreuen, Dann hätte ich deine weichen blauen Augen Und das rosenrote kleine Mündchen zum Küssen! Deine Lippen, so glatt und zart, Kind, Wie Rosenblätter in einem wilden Unterholz.
Hieße das Schicksal mich, eine süße Unruhe zu wählen, Um meinem geplagten Leben eine Schlinge zu weben, Dann würde ich sagen „ihre jungfräuliche Brust Und das goldene Kräuseln ihres Haares“; Und weinen inmitten jener Locken, Kind, Zufrieden, so betört zu sein.
Thomas Ashe [1836-1889]
LIEBE IN TRÄUMEN
Die Liebe hat ihren Mohnkranz, Nicht die Nacht allein. Ich legte mein Haupt unter Der Liebe lilienweißem Thron: Dann brachte er mir im Schlaf Dieses Schmerzmittel – Die Blume manchen Gedankens Und feiner Phantasie: Eine Gestalt, ein Gesicht, nicht mehr; Schöner als die Wahrheit; Ein Traum vom blassen Ufer des Todes; Die Seele der Jugend: Ein Traum, so teuer, so tief, Über allen Träumen, Dass ich immer noch bete zu schlafen – Bring die Liebe zurück, Liebe!
John Addington Symonds [1840-1893]
„EINE KLEINE WEILE MÖCHTE ICH DOCH NOCH VERWEILEN“
Eine kleine Weile (mein Leben ist fast vollendet!) Möchte ich innehalten auf dem absteigenden Weg, Eine Stunde sinnend in diesem traurigen Sonnenuntergangsstrahl, Während, Süße! unsere Augen mit zärtlichen Tränen benetzt sind: Eine kleine Stunde möchte ich doch noch verweilen.
Eine kleine Weile möchte ich doch noch verweilen, Alles um der Liebe willen, um der Liebe, die nicht ermüden kann; Obwohl die leidenschaftliche Jugend tot ist, mit der Begierde der Jugend, Und die Hoffnung zu einem vagen Bedauern verblasst ist, Eine kleine Weile möchte ich doch noch verweilen.
Eine kleine Weile möchte ich hier verweilen: Sieh! wer weiß, welche seltsamen, geheimnisvollen Schranken Sich zwischen Seelen, die lieben, in anderen Sternen erheben mögen? Noch kann die Liebe meinen, dass das Antlitz des Todes schön sei: Eine kleine Weile möchte ich hier noch verweilen.
Eine kleine Weile sehne ich mich danach, dich festzuhalten, Hand in Hand verschlungen, und treues Herz an Herz; (O erbarmender Christus! jene wehevollen Worte: „Wir trennen uns!“) So, ehe die Dunkelheit fällt, das Licht vorüber ist, Eine kleine Weile möchte ich dich doch noch festhalten.
Eine kleine Weile, wenn Licht und Dämmerung sich treffen, – Dahinter unsere zerbrochenen Jahre; davor die tiefe, Seltsame Wunderbarkeit des letzten unergründlichen Schlafs, – Eine kleine Weile möchte ich dich doch noch umarmen, Süße, Eine kleine Weile, wenn Nacht und Dämmerung sich treffen.
Eine kleine Weile möchte ich hier verweilen; Sieh! wer weiß, welche seelentrennenden Schranken Die treuen Lieben der Erde in anderen Sternen trennen mögen? Noch kann die Liebe meinen, dass das Antlitz des Todes schön sei: Eine kleine Weile möchte ich hier noch verweilen.
Paul Hamilton Hayne [1830-1886]
LIED
Ich machte einen anderen Garten, ja, Für meine neue Liebe: Ich ließ die tote Rose, wo sie lag, Und setzte die neue darüber. Warum begann mein Sommer nicht? Warum eilte mein Herz nicht? Meine alte Liebe kam und wandelte darin, Und machte den Garten wüst.
Sie trat ein mit ihrem müden Lächeln, Genau wie in alten Zeiten; Sie schaute eine kleine Weile umher Und schauderte vor der Kälte: Ihre flüchtige Berührung war der Tod für alles, Ihr flüchtiger Blick ein Verderben; Sie ließ die weißen Rosenblätter fallen, Und wandte die rote Rose weiß.
Ihr blasses Gewand, das sich an das Gras schmiegte, Schien wie eine Schlange, Die in das Gras und den Boden biss, ach! Und eine traurige Spur hinterließ. Sie ging langsam zum Tor hinauf, Und dort, genau wie ehedem, Wandte sie sich zuletzt zurück, um zu warten, Und noch einmal Lebwohl zu sagen.
Arthur O'Shaughnessy [1844-1881]
LIED
Ist der Sommer ohne die Rose gekommen, Oder hat er den Vogel zurückgelassen? Ist das Blau über dir verändert, O Welt! oder bin ich blind? Wirst du jede Blume verändern, die wächst, Oder nur diesen Fleck verändern, Wo jene, die sagte: Ich liebe dich, Nun sagt: Ich liebe dich nicht?
Der Himmel schien wahr über dir, Die Rose wahr am Baum; Der Vogel schien wahr den ganzen Sommer lang, Doch alles erwies sich als falsch für mich. Welt! gibt es eine gute Sache in dir, Leben, Liebe, oder Tod – oder was? Da Lippen, die sangen: Ich liebe dich, Gesagt haben: Ich liebe dich nicht?
Ich denke, der Kuss der Sonne wird kaum fallen In den Goldkelch einer einzigen Blume; Ich denke, der Vogel wird mich vermissen, Und den Sommer aufgeben. O süßer Ort! trostlos im hohen Wilden Gras, hast du vergessen, Wie ihre Lippen mich zu küssen liebten, Nun, da sie mich nicht mehr küssen?
Sei falsch oder gerecht über mir, Komm zurück mit jedem Gesicht, Sommer! – kümmert es mich, was du tust? Du kannst einen Ort nicht ändern – Das Gras, die Blätter, die Erde, den Tau, Das Grab, das ich zur Stätte mache – Hier, wo sie mich zu lieben pflegte, Hier, wo sie mich nicht liebt.
EIN WENIG ZEIT
Ein wenig Zeit zum Lachen, Ein wenig Zeit zum Singen, Ein wenig Zeit zum Küssen und Schmiegen, Und kein Küssen mehr danach.
Ein wenig Zeit zum Schmieden Der unvollendeten Pläne der Liebe; Ein wenig Zeit für goldene Träume, Dann kein Träumen mehr.
Ein wenig Weile war es mir gegeben, Deine Liebe zu haben; Nun bewege ich mich wie ein Geist, einsam, Um einen zerstörten Himmel.
Ein wenig Zeit zum Sprechen Dinge, süß zu sagen und zu hören; Eine Zeit zum Suchen und dich nahe zu finden, Dann kein Suchen mehr.
Ein wenig Zeit zum Sagen Worte, bei denen das Herz bricht; Eine kurze, scharfe Zeit zum Beten, Dann keine Not mehr zu beten;
Aber lange, lange Jahre zum Weinen, Und um den ganzen Großen Kummer zu begreifen, der die Seele verwüstet, Und eine Ewigkeit zum Schlafen.
NACH DEM SOMMER
Wir wollen nicht weinen, weil der Sommer vorüber ist, – Nein, wir nicht: Streut Klee auf sein Haupt, – Lasst ihn sein!
Andere Augen mögen sein Sterben beweinen, Ihre Tränen vergießen Dort über ihm, wo er liegt Bei seinesgleichen.
Einigen von ihnen bot er Gaben, höchst süß; Für unsere Herzen bot er ein Grab, – War dies angemessen?
All unsere innigen Hoffnungen, betend, starben In seinem Zorn, – All die lieblichen Träume, die wir hegten, Bestreuten seinen Pfad.
Werden wir in unseren Gräbern, frage ich mich, Weit voneinander entfernt, So weit getrennt, wie Meere Herz von Herz Trenne können,
Überhaupt von all dem Kummer träumen, Der unser war, – Bittere Nächte, noch bittere Morgen; Giftblumen,
Die der Sommer sammelte, wie im Wahnsinn, Sagend: „Seht, Diese sind euer, statt der Freude, – Gaben von mir“?
Nein, die Ruhe, die unser sein wird, Ist erhaben, – Und unter den Mohnblumen Schleicht kein Traum.
ROCOCO
Nimm die Hand und scheide lachend; Berühre die Lippen und scheide mit Tränen; Ein letztes Mal und keinmal mehr danach, Was auch immer die Jahre bringen. Wir beide werden nicht noch einmal ermessen Die Wege, die uns zwei sein ließen; Noch die Neige der Lust zerdrücken Aus blutroten Trauben des Schmerzes.
Wenn wir beide nun wohl getrennt sind, Was werden die wahnsinnigen Götter, frage ich mich, Aus Hass gegen mich tun, Oder aus Liebe zu dir? Vergiss sie bis November, Und träume, es sei noch April, Vergiss, dass ich mich erinnere, Und träume, dass ich vergesse.
Die Zeit fand unsere müde Liebe schlafend, Und küsste ihr den Atem weg; Doch was sollten wir weinend tun, Auch wenn die leichte Liebe sich in den Tod schläft? Wir haben ihre Lippen in Muße geleert, Bis kein einziger Schluchzer der Lust, Kein einziger Puls des Schmerzes Mehr zu leeren ist.
Träume, dass die Lippen, einst atemlos, Wieder lebendig werden könnten, wenn sie wollten; Sag, dass die Seele unsterblich ist; Träume, dass die Götter gut sind; Sag, der März könne den September ehelichen, Und die Zeit könne das Bedauern scheiden; Doch nicht, dass du dich erinnerst, Und nicht, dass ich vergesse.
Wir haben von verborgenen Orten gehört, Was Liebe kaum lebt und hört: Wir haben auf glühenden Gesichtern Die Blässe seltsamer Tränen gesehen: Wir haben den Schatz der Kelter betreten, Wo, reif zu Dampf und Flecken, Das blutrote Gebräu des Schmerzes Um die Füße der Lust schäumt.
Die Erinnerung mag wiederfinden Und die Zeit dem Zeitpunkt zurückgeben Den Namen deines ersten Liebhabers, Den Klang meines ersten Reimes: Doch Rosenblätter des Dezembers Sollen die Fröste des Juni quälen, Den Tag, da du dich erinnerst, Den Tag, da ich vergesse.
Die Schlange, die sich verbirgt und zischt Im Himmel, haben wir beide gekannt; Den Kummer grausamer Küsse, Die Freude, deren Mund stöhnt; Den Takt und das Maß der Pulse, Wo in einer verstohlenen Ader Durch das Herz der Lust Das purpurnere Blut des Schmerzes pocht.
Wir haben abgeschlossen mit Tränen und Verrat Und der Liebe wegen des Verrats; Platz für die schnellen neuen Jahreszeiten, Die Jahre, die brennen und brechen, Demontieren und zerstückeln Die Tage und Träume der Menschen, Juliette; Denn die Liebe mag sich nicht erinnern, Aber die Zeit wird nicht vergessen.
Das Leben zertritt die Liebe im Fluge, Die Zeit lässt sie an der Wurzel verdorren; Bring all das Tote und Sterbende, Geerntete Garben und ruiniertes Obst, Dorthin, wo, vom Druck dreier Tage zerdrückt, Unsere dreitägige Liebe erschlagen liegt; Und früheres Blatt der Lust, Und spätere Blume des Schmerzes.
Hauche dicht auf die Asche, Vielleicht springt die Flamme auf; Öffne die weichen, geschlossenen Wimpern, Heb die Lider und weine. Entzünde das erloschene Glimmen der Liebe, Lass eine Träne es benetzen Für eine, an die du dich erinnerst, Und zehn, die du vergisst.
RONDEL
In all diesen Jahren, seit wir begannen zu sein, Was haben die Götter mit uns gemacht? Was mit mir, Was mit meiner Liebe? Sie haben mir Schicksale und Ängste gezeigt, Raue Quellen und Brunnen, bitterer als das Meer, Kummer ein Fixstern, und Freude eine Fahne, die sich dreht, In all diesen Jahren.
Mit ihr, meiner Liebe, – haben sie es gut mit ihr gemeint? Doch wer soll für sie antworten? Wer soll erzählen Süße Dinge oder traurige, solche, die kein Mensch hört? Mögen keine Tränen fallen, falls je keine Tränen fielen, Aus Augen, mir lieber als die sternenreichsten Sphären, In all diesen Jahren!
Doch wenn Tränen je für irgendeinen Kummer berührten, Jene Augenlider, gefaltet wie ein Blatt der weißen Rose, Tiefe Doppelschalen, durch die die Augenblume späht, Lass sie nur ein weiteres Mal weinen, süß und kurz, Kurze Tränen und helle, für einen, der seine Tränen gab In all diesen Jahren!
DAS OPFER
Verlange nichts weiter von mir, Süße; Alles, was ich dir geben kann, gebe ich. Herz meines Herzens, wäre es mehr, Mehr würde deinen Füßen dargebracht: Liebe, die dir helfen sollte zu leben, Lied, das dich anspornen sollte zu fliegen.
Alles wäre nichts, zu geben, Einmal dich mehr zu spüren, Dich zu berühren und dich zu kosten, Süße, An dich zu denken, dich einzuatmen und zu leben, Gestreift von deinen Flügeln, wenn sie fliegen, Getreten vom Zufall deiner Füße.
Ich, der Liebe hat und nicht mehr, Gebe dir nur die Liebe zu dir, Süße: Wer mehr hat, der gebe; Wer Flügel hat, der fliege; Mein ist das Herz an deinen Füßen Hier, das dich lieben muss, um zu leben.
DAS LIED DER LAUBE
Sag, ist es Tag, ist es Dämmerung in deiner Laube, Du, nach der ich mich sehne, die du dich nach mir sehnst? Oh! sei es Licht, sei es Nacht, es ist die Stunde der Liebe, Der Liebe, die gefesselt ist, wie der Liebe, die frei ist. Die freie Liebe ist in jene innerste Kammer gesprungen, Oh! das letzte Mal, und das hundertste Mal zuvor: Die gefesselte Liebe, bewegungslos, kann sich nur erinnern, Doch etwas, das von ihr seufzt, passiert die Tür.
Nein, aber mein Herz, wenn es zu deiner Laube fliegt, Was findet es dort, das es wiedererkennt? Dort muss es welken wie eine schauergepeitschte Blume, Rot am aufgerissenen Kern und dunkel vom Regen. Ah! doch welcher Schutz wird immer noch darüber ausgegossen, – Welche Wasser spiegeln immer noch ihre zerrissenen Blätter? Deine Seele ist der Schatten, der sich um sie klammert, um sie zu lieben, Und Tränen sind ihr Spiegel tief in deinem Herzen.
Was wäre mein Preis, könnte ich deine Laube betreten, Diesen Tag, morgen, am Abend oder am Morgen? Große schöne Arme und ein Hals wie ein Turm, Busen dann bebend, der jetzt verlassen daliegt. Entzündet vom Liebesatem (der Kuss der Sonne ist kälter!) Deine Süße ganz in meiner Nähe, so fern heute; Meine Hand um deinen Hals und deine Hand auf meiner Schulter, Mein Mund an deinem Mund, während die Welt dahinschmilzt.
Was hält mich fern von deiner Laube, – Mein Geist, mein Körper, so begierig, dort zu sein? Wasser, die verschlingen, oder Feuer, die verzehren? – Erde gegen mich aufgehäuft oder der Tod in der Luft? Nein, aber in Tagträumen, aus Schrecken, aus Mitleid, Neigen die Bäume ihre Häupter mit einem Omen zu erzählen; Nein, aber in Nachtträumen, durch die dunkle Stadt, Verlieren die Stunden, zusammengeschlagen, die Zählung in der Glocke.
Werde ich nicht eines Tages deiner Laube gedenken, Eines Tages, wenn alle Tage ein Tag für mich sind? – Denkend: „Ich regte mich nicht, und hatte doch die Kraft“, Sehnend: „Ah Gott, wenn es wieder sein könnte!“ Frieden, Frieden! eine so kleine Lampe leuchtet auf dieser Landstraße, So trüb, so wenige Schritte vor meinen Füßen, – Doch zeigt mir, dass ihr Weg von meinem Weg geschieden ist. . . . Außer Sicht, jenseits des Lichts, an welchem Ziel mögen wir uns treffen?
LIED
Wir zerbrechen das Glas, dessen heiligen Wein Wir auf das Wohl eines Geliebten leeren, Damit zukünftige Gelübde, weniger göttlich, Das geheiligte Spielzeug niemals entweihen; Und so zerbrach ich ein Herz, das seine Flut von Gefühlen für dich ausgoss, In Zügen, von späteren Zeiten beklagt, Doch der Erinnerung teuer.
Aber noch immer bleiben die alten, leidenschaftlichen Wege Und Gewohnheiten meines Geistes, Und noch immer zeigt ein unglückliches Licht Dein Bild, eingekammert in meinem Gehirn, Und noch immer sieht es aus, als wenn die Stunden Vergingen wie Flüge singender Vögel, Oder jene weiche Kette gesprochener Blumen Und luftiger Edelsteine – deine Worte.
MAUD MULLER
Maud Muller an einem Sommertag Rechte die Wiese, süß vom Heu.
Unter ihrem zerrissenen Hut glühte der Reichtum Einfacher Schönheit und bäuerlicher Gesundheit.
Singend arbeitete sie, und ihre fröhliche Heiterkeit Echoiderte die Spottdrossel von ihrem Baum.
Doch als sie zur weit entfernten Stadt blickte, Die weiß von ihrem Hügelhang herabsah,
Starb das süße Lied, und eine vage Unruhe Und eine namenlose Sehnsucht erfüllten ihre Brust, –
Ein Wunsch, den sie kaum zu hegen wagte, Nach etwas Besserem, als sie gekannt hatte.
Der Richter ritt langsam den Pfad entlang, Die kastanienbraune Mähne seines Pferdes glättend.
Er zog seinen Zügel im Schatten Der Apfelbäume, um das Mädchen zu begrüßen,
Und bat um einen Schluck aus der Quelle, die Durch die Wiese über die Straße floss.
Sie bückte sich, wo die kühle Quelle sprudelte, Und füllte für ihn ihren kleinen Blechbecher,
Und errötete, als sie ihn gab, und blickte hinab Auf ihre nackten Füße und ihr zerschlissenes Kleid.
„Danke!“, sagte der Richter; „ein süßerer Trank Aus einer schöneren Hand wurde nie getrunken.“
Er sprach vom Gras und den Blumen und Bäumen, Von den singenden Vögeln und den summenden Bienen;
Dann sprach er von der Heuernte und fragte sich, ob Die Wolke im Westen schlechtes Wetter bringen würde.
Und Maud vergaß ihr dornenzerissenes Kleid, Und ihre anmutigen nackten und braunen Knöchel;
Und hörte zu, während eine erfreute Überraschung Aus ihren langwimperigen haselnussbraunen Augen blickte.
Schließlich, wie einer, der vor dem Zögern Nach einer vergeblichen Ausrede sucht, ritt er davon.
Maud Muller sah nach und seufzte: „Ach ich! Dass ich des Richters Braut sein könnte!
Er würde mich in Seide so fein kleiden, Und mich preisen und auf mich anstoßen bei seinem Wein.
Mein Vater sollte einen Tuchrock tragen; Mein Bruder sollte ein bemaltes Boot segeln.
Ich würde meine Mutter so großartig und fröhlich kleiden, Und das Baby sollte jeden Tag ein neues Spielzeug haben.
Und ich würde die Hungrigen speisen und die Armen kleiden, Und alle sollten mich segnen, die unsere Tür verließen.“
Der Richter blickte zurück, als er den Hügel erklomm, Und sah Maud Muller stillstehen.
„Eine Gestalt schöner, ein Gesicht süßer, Ist mir nie begegnet.
Und ihre bescheidene Antwort und anmutige Art Zeigen sie so weise und gut, wie sie schön ist.
Wäre sie mein, und ich heute, Wie sie, eine Heu-Ernterin;
Kein zweifelhaftes Gleichgewicht von Recht und Unrecht, Noch müde Anwälte mit endlosen Zungen,
Sondern das Muhen von Rindern und der Gesang von Vögeln, Und Gesundheit und Ruhe und liebevolle Worte.“
Doch er dachte an seine Schwestern, stolz und kalt, Und seine Mutter, eitel auf ihren Rang und ihr Gold.
Also, sein Herz verschließend, ritt der Richter weiter, Und Maud blieb allein auf dem Feld zurück.
Doch die Anwälte lächelten an jenem Nachmittag, Als er vor Gericht eine alte Liebesweise summte;
Und das junge Mädchen sinnierte neben dem Brunnen, Bis der Regen auf den ungerechten Klee fiel.
Er heiratete eine Frau mit reichster Mitgift, Die für die Mode lebte, wie er für die Macht.
Doch oft, im hellen Schein seines Marmorkamins, Beobachtete er ein Bild, das kam und ging;
Und süße Maud Mullers haselnussbraune Augen Blickten hervor in ihrer unschuldigen Überraschung.
Oft, wenn der Wein in seinem Glas rot war, Sehnte er sich stattdessen nach dem Brunnen am Wegesrand;
Und schloss die Augen vor seinen geschmückten Räumen, Um von Wiesen und Klee-Blüten zu träumen.
Und der stolze Mann seufzte, mit einem geheimen Schmerz, „Ach, dass ich wieder frei wäre!
Frei wie an dem Tag, als ich ritt, Wo das barfüßige Mädchen ihr Heu rechte.“
Sie heiratete einen Mann, ungelehrt und arm, Und viele Kinder spielten um ihre Tür.
Doch Sorge und Kummer und der Schmerz der Geburt Hinterließen ihre Spuren auf Herz und Geist.
Und oft, wenn die Sommersonne heiß schien Auf das frisch gemähte Heu auf dem Wiesenstück,
Und sie den kleinen Quellbach fallen hörte Über den Straßenrand, durch die Mauer,
Im Schatten des Apfelbaums wieder Sah sie einen Reiter seinen Zügel ziehen;
Und, mit schüchterner Anmut hinabblickend, Spürte sie, wie seine erfreuten Augen ihr Gesicht lasen.
Manchmal weiteten sich ihre engen Küchenwände Zu stattlichen Hallen;
Das müde Rad verwandelte sich in ein Spinett, Die Talgkerze brannte wie eine Astrallampe,
Und für ihn, der neben dem Kamin saß, Dösend und murrend über Pfeife und Krug,
Sah sie eine männliche Gestalt an ihrer Seite, Und Freude war Pflicht und Liebe war Gesetz.
Dann nahm sie ihre Last des Lebens wieder auf, Nur sagend: „Es hätte sein können.“
Weh dem Mädchen, weh dem Richter, Dem reichen Unzufriedenen und der Haussklavin!
Gott erbarme sich ihrer beiden! und erbarme sich unser aller, Die wir vergeblich die Träume der Jugend zurückrufen.
Von allen traurigen Worten der Zunge oder Feder Sind die traurigsten diese: „Es hätte sein können!“
Ah, nun! für uns alle liegt eine süße Hoffnung Tief begraben vor menschlichen Augen;
Und im Jenseits mögen Engel vielleicht Den Stein von ihrem Grab wegrollen!
LA GRISETTE
Ah, Clemence! als ich dich zuletzt sah, Wie du die Rue de Seine hinuntereilst, Und als ich mich umdrehte, nachdem deine Gestalt vorüber war, Sagte ich: „Wir sehen uns wieder, – Ich träumte nicht in jenem müßigen Blick, Dass dein letztes Bild kam, Und nur der Trance der Erinnerung Einen Schatten und einen Namen ließ.
Die wenigen seltsamen Worte, die meine Lippen lehrten Deine schüchterne Stimme zu sprechen, Ihre sanfteren Zeichen, die oft brachten Frische Rosen auf deine Wange, Das Nachschleifen deines langen losen Haares, Über mein Kissen des Schmerzes gebeugt, Alles, alles kehrte zurück, süßer, schöner; Oh, hätten wir uns wiedergesehen!
Ich ging, wo Heilige und Jungfrau wahren Die Vigil-Lichter des Himmels, Ich wusste, dass du Weh zu beweinen hattest, Und Sünden, die vergeben werden mussten; Ich beobachtete, wo Genevieve niedergelegt wurde, Ich kniete an Mariens Schrein, Neben mir beteten leise, sanfte Stimmen; Ach! aber wo war deine?
Und als die Morgensonne hell war, Als Wind und Welle ruhig waren, Und in tausendfarbigem Licht flammte Die Rose von Notre Dame, Ich wanderte durch die Treffpunkte der Menschen, Vom Boulevard bis zum Quai, Bis, über Saint Etienne drohend, Der Schatten des Pantheons lag.
Vergeblich, vergeblich; wir sehen uns nicht mehr, Noch träumen wir, welche Schicksale sich ereignen; Und lange am Ufer des Fremden Mag meine Stimme nach dir rufen, Wenn Jahre die Zeile mit Moos bekleidet haben, Die deinen Namen und deine Tage erzählt, Und verwelkt, auf deinem einfachen Kreuz, Die Kränze von Père-la-Chaise!
DER DUNKLE MANN
Rose der Welt, sie kam an mein Bett Und veränderte die Träume meines Herzens und Kopfes; Für meine Freude ließ sie den Kummer ihres, Und bekränzte mich mit einer Krone aus Ginster.
Rose der Welt, sie gehen aus und ein, Und beobachten mich beim Träumen und meine Mutter beim Spinnen; Und sie bemitleiden die Tränen auf meinem schlafenden Gesicht, Während meine Seele an einem Feenort ist.
Rose der Welt, sie haben Worte in Hülle und Fülle, Und weit ist der Schwung der Tür meiner Mutter: Und sanft sprechen sie von meinen verdunkelten Augen – Aber was wissen sie, die alle so weise sind?
Rose der Welt, der Schmerz, den du gibst, Ist alle Tage wert, die ein Mensch leben mag – Wert all der schüchternen Gebete, die die Mädchen sprechen In der Nacht, die den Hochzeitstag verdunkelt.
Rose der Welt, welcher Mann würde heiraten, Wenn er stattdessen von deinem Gesicht träumen könnte? Könnte mit dem gesegneten Schmerz ins Grab gehen, Wieder nach deinem Gesicht zu hungern?
Rose der Welt, sie mögen reden, soviel sie wollen, Denn Träume sind gut, und mein Leben steht still, Während die Klatscher die rote Asche ihres Lebens rühren; Aber meine Geige weiß – und ich spreche zu ihr.
EURIDICE
Er kam, um mich aus dem Tod zurückzurufen In die helle Welt dort oben. Ich höre ihn noch mit zitterndem Atem Leise rufen: „O süße Liebe! Komm zurück! Die Erde ist genauso schön; Die Blumen, der offene Himmel sind dort; Komm zurück zum Leben und zur Liebe!“
Oh! all mein Herz ging zu ihm aus, Und die süße Luft dort oben. Mit glücklichen Tränen waren meine Augen trüb; Ich rief ihm zu: „O süße Liebe! Ich komme, denn du bist alles für mich. Geh voran, und ich werde dir folgen, Gerade zurück zum Leben und zur Liebe!“
Ich folgte durch die schwarze Höhle; Ich sah das Blau dort oben. Ein Schrecken brachte mich dazu, zurückzublicken: Ich hörte ihn jammern: „O Liebe! Was hast du getan! Was hast du getan!“ Und dann sah ich die Sonne nicht mehr, Und verloren waren Leben und Liebe.
EIN GEDANKE EINER FRAU
Ich bin eine Frau – deshalb darf ich nicht Nach ihm rufen, ihm zuschreien, Zu ihm fliegen, Ihm befehlen, nicht zu zögern!
Dann, wenn er zu mir kommt, muss ich still sitzen: Still wie ein Stein – Ganz schweigsam und kalt. Wenn mein Herz tobt – Unterdrücke und trotz ihm! Sollte ich kühn werden, Ein liebes Wort zu ihm sagen, Mein ganzes Leben ihm entgegenwerfen, Mich an ihn klammern – Was zur Sühne Ist genug für mein Sündigen! Dies wäre der Preis für mich, Dies wäre mein Gewinn – Dass er für mich verloren wäre.
Nicht als ein Liebhaber, Falls er schließlich von mir geht, Mir mein Herz herausreißend, Verletzt, jenseits der Heilung, – Ruhig und sittsam Dann muss ich mich halten, In mich selbst falten, Damit er nicht entdeckt; Ihm kein Zeichen zeigend Durch meinen Blick auf ihn, Was er für mich war – Wie sich mein Herz ihm zuwendet, Ihm folgt, sich nach ihm sehnt, Ihn anfleht, mich zu lieben.
Erbarme dich meiner, neige dich zu mir, Du Gott über mir!
LAUS VENERIS Ein Bild von Burne-Jones
Blass vor zu viel Sehnsucht, Weiß vor Leidenschaft und Gebet, Göttin der Liebe und Schönheit, Sie sitzt dort im Bild, –
Sitzt mit ihren dunklen Augen suchend Nach etwas noch Subtilerem Als die alten Freuden des Liebens, Um ihre unermesslichen Tage zu füllen.
Sie hat so oft geliebt und wurde geliebt In ihren langen, unsterblichen Jahren, Dass sie der abgenutzten Entzückung überdrüssig ist, Krank vor Hoffnungen und Ängsten.
Keine Freuden oder Sorgen bewegen sie, Fertig mit ihrem alten Stolz; Denn für ihr Haupt fand sie zu schwer Die Krone, die sie beiseite geworfen hat.
Gekleidet in ihre scharlachrote Pracht, Hell mit ihrem Glanz des Haares, Traurig, dass sie nicht sterblich ist, – Ewig traurig und schön,
Sehnend nach Freuden, die sie nicht kennt, Durstig mit einem vergeblichen Verlangen, Dort sitzt sie im Bild, Tochter von Schaum und Feuer.
ADONAIS
Werden wir uns nicht mehr treffen, meine Liebe, beim Binden der Garben, Auf den glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt, Wenn die Obstgartenpfade trübe sind vom Treiben der gefallenen Blätter, Und die Schnitter zusammen singen, in den sanften, nebligen Abenden: O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen!
Die Liebe traf uns im Obstgarten, ehe das Korn den Federbusch gesammelt hatte, – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Süß wie Sommertage, die sterben, wenn die Monate in Blüte stehen, Und die Gipfel reif sind vom Sonnenuntergang, wie die Quasten des Besenginsters, Auf den glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt.
Süß wie Sommertage, die sterben, Blatt für Blatt süßer zueinander, – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Das ganze Herz war voller Gefühl: Liebe war gereift zur Sprache, Wie der Saft, der zu Nektar wird im Samt des Pfirsichs, Auf den glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt.
Süß wie Sommertage, die sterben bei der Reife des Getreides, – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Süß wie die wankelmütigen Eide der Liebenden, geschworen treulosen, abgefallenen Mädchen, Wenn der muffige Obstgarten atmet wie ein wohlriechendes Trinkhorn, Über glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt.
Die Liebe verließ uns beim Sterben der milden Herbstabende, – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Wenn die Himmel reif sind und verblassen, wie die Farben der Blätter, Und die Schnitter sich küssen und trennen, beim Binden der Garben, Auf den glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt.
Dann kehren die Schnitter heim, von den grauen und nebligen Seen; – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Dann kehren die Schnitter heim, und sie tragen auf ihren Speeren, Eine, deren Gesicht wie der Mond ist, grau geworden inmitten der Sphären, Mit dem Fluch des Tageslichts darauf, wenn die Sonne tief sinkt.
Leise wie ferne Hornsignale, die erklingen, sanft und tief sangen die Schnitter; – O, glücklich sind die Äpfel, wenn die Südwind wehen! Süß wie der Sommer im Blut, wenn das Herz reif und jung ist, Die Liebe ist am süßesten im Sterben, wie die Garben, inmitten derer sie liegt, Auf den glücklichen Erntefeldern, wenn die Sonne tief sinkt.
William Wallace Harney [1831-1912]
VON ANGESICHT ZU ANGESICHT
Könnte mein Antlitz nur versprechen, dass seine Farbe bliebe; Wäre mein Herz nur sicher, es würde den Schmerz des Augenblicks verbergen; Ich würde dich treffen und dich mit dem alten, vertrauten Ton begrüßen, Und nichts sollte dir jemals das Unrecht zeigen, das du getan hast.
Wenn meine zitternde Hand fest wäre, wenn meine Lächeln nicht alle geflohen wären; Wenn meine Augen nicht so deutlich von den Tränen sprächen, die sie oft vergossen; Ich würde dich treffen und dich am alten Stelldichein-Ort begrüßen, Und vielleicht hieltest du mich für glücklich, wenn du mich von Angesicht zu Angesicht träfest.
Wenn die Melodie des Frühlings kein wildes Echo weckte, Wenn die goldene Bürde des Herbstes keinen lebendigen Schmerz erweckte, Ich würde dich treffen und dich begrüßen, wie wir uns vor Jahren trafen, Bevor unsere Herzen Schiffbruch erlitten auf dem Ozean des Bedauerns.
Wäre meine weibliche Seele stärker, wäre mein Herz nicht so treu, Ich hätte längst aufgehört, mich an die Liebe zu erinnern, die ich für dich hegte; Doch ich wage es nicht, dich zu treffen oder zu begrüßen, auf die alte, vertraute Weise, Bis wir uns im Himmel treffen, wo alle Tränen vergangen sind.
Frances Cochrane [18 -
AN LAND
Ich kam aus dem Tanzsaal hervor, Der Nachtwind traf mich von Angesicht zu Angesicht, –
Ein Wind vom Hafen, kalt und schneidend, „Ich weiß“, pfiff er, „wo du gewesen bist.“
Eine schwache Stimme fiel von den Sternen herab – „Du? Die wir zu den Schreinen der Liebe geleuchtet haben!“
Ich fand, als ich mein einsames Zimmer erreichte, Einen schwachen, süßen Duft in der unbeleuchteten Dunkelheit.
Und dies war das Schlimmste, das es zu ertragen galt, Denn jemand hatte dort weißen Flieder hinterlassen.
Die Blume, die du liebtest, in Zeiten, die vergangen sind.
Laurence Hope [1865-1904]
KRHISTNA UND SEINE FLÖTE
Sei still, mein Herz, und lausche, Denn süß und doch durchdringend Höre ich die sehnsüchtige Musik Von Khristna und seiner Flöte. Über die kühlen, blauen Abende, Durch die brennenden Tage hindurch, Überredend und betörend, Spielt er und spielt und spielt.
Ach, niemand kann solch Musik hören Und ihren Reizen widerstehen, Die Hausarbeit wird müde, Und kalt sind die Arme des Ehemanns. Ich muss aufstehen und folgen, Um zu suchen, in vergeblicher Verfolgung, Die Bläue und die Ferne, Die Süße jener Flöte!
In verknüpfter und flüssiger Abfolge Lösen sich die klagenden Töne auf, Göttlich zarte Geheimnisse, Die niemand außer ihm lösen kann. O Khristna, ich komme, Ich kann nicht länger zögern. „Mein Herz ist geflogen, um sich dir anzuschließen“, Wie sollen meine Schritte verweilen?
Geliebter, solche Gedanken bergen Gefahr; Der Wunsch ist in meinem Sinn, Dass ich den Dschungel angezündet hätte, Und kein Blatt zurückgelassen hätte, – Alle Bambusse zu Asche verbrannt, Und ihre Musik stumm gemacht hätte, – Um dich vor der Magie Von Khristna und seiner Flöte zu bewahren.
Laurence Hope [1865-1904]
IMPENITENTIA ULTIMA
Bevor mein Licht für immer erlischt, wenn Gott mir die Wahl der Gnaden gäbe, Würde ich mich nicht um die Länge der Tage scheren, noch nach Dingen verlangen, die da kommen mögen; Sondern rufen: „Einen Tag der großen verlorenen Tage, ein Gesicht von allen Gesichtern, Gewähre mir, es noch einmal zu sehen und zu berühren, und nichts mehr zu sehen!
„Denn, Herr, ich war frei von all Deinen Blumen, doch ich wählte die traurigen Rosen der Welt, Und deshalb sind meine Füße zerrissen und meine Augen blind vor Schweiß, Doch an Deinem schrecklichen Richterstuhl, wenn dieses mein müdes Leben endet, Bin ich bereit zu ernten, wovon ich säte, und meine gerechte Schuld zu bezahlen.
„Doch einmal, bevor der Sand abgelaufen und der silberne Faden gebrochen ist, Gewähre mir eine Gnade und wirf den Schleier der schmerzvollen Jahre beiseite, Gewähre mir eine Stunde von all meinen Stunden, und lass mich als Zeichen Ihre reinen und mitleidvollen Augen erstrahlen sehen, und ihre Füße mit Tränen baden.“
Ihre mitleidvollen Hände sollten mich beruhigen und ihr Haar sollte herabströmen und mich blenden, Jenseits des Anblicks der Nacht und jenseits der Reichweite der Furcht, Und ihre Augen sollten mein Licht sein, während die Sonne hinter mir erlosch, Und die Violen in ihrer Stimme sollten der letzte Klang in meinem Ohr sein.
Bevor die zerstörenden Wasser fallen und mein Leben hinabgezogen wird, Und Dein Zorn mich durchschneidet, wie ein Kind eine Blume abschneidet, Werde ich Dich preisen, Herr, in der Hölle, während meine Glieder auseinandergerissen werden, Für den letzten traurigen Anblick ihres Gesichts und die kleine Gnade einer Stunde.
Ernest Dowson [1867-1900]
NON SUM QUALIS ERAM BONAE SUB REGNO CYNARAE
Gestern Nacht, ach, gestern Nacht, zwischen ihren Lippen und meinen Fiel dein Schatten, Cynara! dein Hauch wurde vergossen Auf meine Seele zwischen den Küssen und dem Wein; Und ich war trostlos und krank vor einer alten Leidenschaft, Ja, ich war trostlos und neigte mein Haupt. Ich bin dir treu gewesen, Cynara! auf meine Weise.
Die ganze Nacht fühlte ich an meinem Herzen ihr warmes Herz schlagen, Die Nacht hindurch lag sie in meinen Armen in Liebe und Schlaf; Sicherlich waren die Küsse ihres gekauften roten Mundes süß; Doch ich war trostlos und krank vor einer alten Leidenschaft, Als ich erwachte und feststellte, dass das Morgengrauen grau war: Ich bin dir treu gewesen, Cynara! auf meine Weise.
Ich habe vieles vergessen, Cynara! bin mit dem Wind gegangen, Habe Rosen geworfen, Rosen wild mit der Menge, Tanzend, um deine blassen, verlorenen Lilien aus dem Sinn zu bringen; Doch ich war trostlos und krank vor einer alten Leidenschaft, Ja, die ganze Zeit, weil der Tanz lang war: Ich bin dir treu gewesen, Cynara! auf meine Weise.
Ich schrie nach verrückterer Musik und nach stärkerem Wein, Doch wenn das Fest beendet ist und die Lampen erlöschen, Dann fällt dein Schatten, Cynara! die Nacht ist dein; Und ich bin trostlos und krank vor einer alten Leidenschaft, Ja, hungrig nach den Lippen meines Verlangens: Ich bin dir treu gewesen, Cynara! auf meine Weise.
Ernest Dowson [1867-1900]
QUID NON SPEREMUS, AMANTES?
Warum liegt in der geringsten Berührung ihrer Hände Mehr Anmut, als die Lippen anderer Frauen gewähren, Wenn Liebe nur ein Sklave fleischlicher Bande Von Fleisch zu Fleisch ist, wohin auch immer Liebe gehen mag?
Warum vergeblichen Kummer und schwermütige Stunden wählen Für ihre verlorene Stimme und das liebe, erinnerte Haar, Wenn Liebe ihren Honig von allen Blumen pflücken kann, Und Mädchen überall so dicht wachsen wie Veilchen?
Nein! Sie ist fort, und alles fällt auseinander; Oder sie ist kalt, und wir haben vergeblich gebetet; Und gebrochen ist das herrliche Herz des Sommers, Und die Hoffnung liegt in einem tiefen, dunklen Grab.
Wie der Mensch strebt und fällt, doch eine Seele entspringt Schließlich aus seiner Qual des Fleisches, So soll die Liebe, die das Fleisch gefangen hält, auf Flügeln aufsteigen, Seelenzentriert, wenn die Herrschaft des Fleisches vorüber ist.
Dann, höchst erhabene Liebe, ob mit Myrtenzweigen bekränzt, Oder kronlos und verlassen, doch nicht weniger ein Stern, Dich möge ich dienen und folgen all meine Tage, Deren Dornen so süß sind, wie niemals Rosen es sind!
Ernest Dowson [1867-1900]
„SO SÜSS SCHIEN DIE LIEBE“
So süß schien die Liebe an jenem Aprilmorgen, Als wir uns das erste Mal neben dem Dornenstrauch küssten, So seltsam süß, es war nicht seltsam, Dass wir dachten, die Liebe könnte sich niemals ändern.
Doch ich kann sagen – lass die Wahrheit gesagt werden – Dass die Liebe sich ändern wird, wenn sie alt wird; Obwohl Tag für Tag nichts zu sehen ist, So zart sind ihre Regungen.
Und am Ende wird es geschehen, Ganz zu vergessen, was sie einst war, Nicht einmal in der Vorstellung sich zu erinnern An das Vergnügen, das alles in allem war.
Ihr kleiner Quell, den wir so süß fanden, Ist so tief in Sommerfluten ertränkt, Ich wundere mich, gebadet in vollkommener Freude, Wie die Liebe so jung so süß sein konnte.
Robert Bridges [1844-1930]
EINE ALTE WEISE Nach Gerard De Nerval
Es gibt eine Weise, für die ich verleugnen würde Mozarts, Rossinis, Webers Melodien, – Eine süße, traurige Weise, die schmachtet und seufzt, Und ihren geheimen Reiz nur für mich allein behält.
Wann immer ich diese vage und alte Musik höre, Sind zweihundert Jahre Nebel, der dahinrollt; Der dreizehnte Ludwig regiert, und ich erblicke Ein grünes Land, golden im sterbenden Tag.
Ein altes rotes Schloss, stark mit steinernen Türmen, Und Fenstern, fröhlich mit vielfarbigem Glas; Weite Ebenen und Flüsse, die zwischen Blumen fließen, Die das Fundament des Schlosses baden, während sie vorbeiziehen.
In antiker Kleidung, mit dunklen Augen und goldenem Haar, Schaut eine Dame aus ihrem hohen Fenster hervor; Es mag sein, dass ich sie kannte und sie schön fand, In irgendeinem vergessenen Leben, vor langer Zeit.
Andrew Lang [1844-1912]
ZUFLUCHT
Richte dein Gesicht auf das Meer, verliebter Tor, – Kalt in der Dunkelheit wehen die Seewinde! Wellen und Wolken und die Nacht werden bedecken All deine Leidenschaft und all dein Weh: Schluchzende Wellen, und der Tod in ihnen, Süß wie die Lippen, die du einst drücktest – Bete, dass dein hoffnungsloses Herz sie gewinnen mag! Bete, dass dein müdes Leben ruhen mag!
Richte dein Gesicht auf die Sterne, verliebter Tor, – Ruhig, und still, und hell, und wahr! – Sie werden dich bemitleiden, sie werden schweben Sanft über der Tiefe für dich. Winde des Himmels werden deine Totenlieder seufzen, Tränen des Himmels werden für dich vergossen werden, Und süß für dich werden die murmelnden Wogen Das Wehklagen ihrer tiefen Klage vergießen.
Richte dein Gesicht auf die einsamen Weiten, Riesig und hager, des Mitternachtshimmels! Dort, mit der treibenden Wolke, ist dein Platz, Dort mit den Sorgen, die nicht sterben können. Liebe ist der Hohn eines spöttischen Dämons, Frieden ein Phantom, und Glaube eine Falle! Mache die Hoffnung deines Herzens zu einer Vision – Schau zum Himmel, und finde sie dort!
William Winter [1836-
HOCHSOMMER
Nach der Maienzeit und nach der Juni-Zeit Selten mit Blüten und süßem Parfüm, Kommt die königliche Mittagszeit der ganzen Welt, Der rote Hochsommer der lodernden Hitze, Wenn die Sonne, wie ein Auge, das niemals schließt, Ihren inbrünstigen Blick auf die Erde richtet, Und die Winde still sind, und die karmesinroten Rosen Hängen und welken und sterben in ihren Strahlen.
In mein Herz ist diese Jahreszeit gekommen, O, meine Dame, meine verehrte, Wenn, über den Sternen von Stolz und Vernunft, Liebes wolkenlose Mittagssonne segelt. Wie ein großer roter Ball in meinem Busen brennend Mit Feuern, die nichts löschen oder zähmen kann, Glüht es, bis mein Herz selbst sich zu verwandeln scheint In einen flüssigen See aus Flammen.
Die Hoffnungen, halb scheu, und die Seufzer, alle zärtlich, Die Träume und Ängste eines früheren Tages, Unter dem königlichen Glanz des Mittags, Hängen wie Rosen und welken dahin. Von den Hügeln des Zweifels wehen keine Winde, Von den Inseln des Schmerzes wird keine Brise gesandt, – Nur die Sonne in einer weißen Hitze glühend Über einem Ozean aus großer Zufriedenheit.
Sink, o meine Seele, in diesen goldenen Ruhm! Stirb, o mein Herz, in deinem Verzückungs-Taumel! Denn der Herbst muss kommen mit seiner klagenden Geschichte, Und der Hochsommer der Liebe wird zu früh verblassen.
Ella Wheeler Wilcox [1850-1919]
ASCHE DER ROSEN
Sanft am Sonnenuntergangshimmel Schließt das helle Tageslicht, Hinterlassend, wenn das Licht stirbt, Blasse Farbtöne, die vermischt liegen – Asche der Rosen.
Wenn die warme Sonne der Liebe untergegangen ist, Schließt sich die Helligkeit der Liebe; Augen sind mit heißen Tränen benetzt, In Herzen verweilen noch Asche der Rosen.
Elaine Goodale Eastman [1863-
SYMPATHIE
Die Farbe erfreut dein ganzes Herz; Du nennst es Himmel, Teure, aber ich – Nun, da die Hoffnung und ich weit auseinander sind – Nenne es den Himmel.
Ich weiß, dass die Tränen der Natur Die Welt mit Sympathie benetzt haben; aber du, Die du noch keinen Kummer kennst, Nennst es den Tau.
Althea Gyles [ ? ]
DER BLICK
Strephon küsste mich im Frühling, Robin im Herbst, Doch Colin sah mich nur an Und küsste mich überhaupt nicht.
Strephons Kuss ging im Scherz verloren, Robins im Spiel, Doch der Kuss in Colins Augen Verfolgt mich Tag und Nacht.
Sara Teasdale [1884-1933]
„WENN MEIN GELIEBTER SCHLAFEND LIEGT“
Wenn mein Geliebter schlafend liegt, Kann ich ihn vor Tränen nicht ansehen, Solch ein trauernder Friede liegt auf seinen Augen.
Einen Blick von einsamem Tod trägt er, Und ruhig und sehr tief eingegraben Liegen all die Sorgen der alten Jahre.
Er ist so leidenschaftslos im Schlaf, Mit all seiner Kraft zur Ruhe entspannt; Ich kann ihn nicht sehen, ohne zu weinen.
Wegen der Schwäche, die das Leben nicht gestanden hat, Und den schattigen Narben alter Fehler, Nehme ich sein Haupt an meine Brust, Und halte meinen Liebsten, bis er erwacht.
Irene Rutherford McLeod [1891-
LIEBE UND LEBEN
„Gib mir ein Band, Liebe“, sagte ich, „Um das Herz meines Schatzes an mich zu binden, Sodass niemals ein Zufall von Erde oder Himmel Uns rücksichtslos trennen wird: Ein Band, Liebe, aber nicht, um zu reiben Die Seele meines Schatzes, ihr Schmerz zu bereiten; Sondern nur, um sie eng und sicher zu binden Durch Schnee und Blüte und Sonne und Regen: Ein Band, Junge!“ Liebe sagte: „Hier ist Freude.“
„Gib mir eine Fessel, Leben“, sagte ich, „Um das Herz meines Schatzes an mein eigenes zu binden, Sodass selbst der Tod versagen muss, mit der Zeit Die beiden zu trennen: Eine Fessel, Leben, die jeder tragen soll, Dessen kostbare Bindung jeder kennen soll. Ich bitte dich, Leben, zögere nicht länger – Warum wartest und zauderst du so? Beeil dich, Leben – sei kurz!“ Sagte das Leben: – „Hier ist Kummer.“
Julie Mathilde Lippman [1864-
DER GEFANGENE DER LIEBE
Süße Liebe hat ihre Finger in mein Haar verschlungen, Und ihre Hand über meine staunenden Augen gelegt. Ich kann mich nicht bewegen, außer im engen Raum Der Umarmung ihrer starken Arme, Noch sehen, außer nur in meinem eigenen Herzen, wo Ihr Bild liegt. Wie kann ich sagen, So gut gefangen, Ob in der äußeren Welt Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang ist? Süße Liebe hat ihre Hand über meine Augen gelegt.
Süße Liebe hat ihre Finger aus meinem Haar gelöst, Ihre erhobene Hand hat meine Augenlider benetzt gelassen. Ich kann mich nicht bewegen, außer um ihre flüchtigen Und nicht zurückkehrenden Füße zu verfolgen, Noch sehen, außer in meinem zerstörten Herzen, und dort Liegt ihr Gesicht noch. Wie sollte ich wissen, So verstört und geblendet, Ob in der äußeren Welt Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang ist? Süße Liebe hat meine Augen befreit, aber sie sind benetzt.
Mariana Griswold Van Rensselaer [1851-1934]
RÖSCHEN
Es gibt eine Rosenschau in Derry, Und eine Rosenschau in Down; Und es ist wahrscheinlich, dass es eine gibt, ich denke, Die in Randalstown abgehalten wird; Doch wenn ich die Wahl hätte Eines Rosenpreises heute, Wäre es ein kleines rosa Röschen, Wie er es pflückte beim Heurechen: Jenes kleine rosa Röschen in meinem Haar – Er befestigte es, fürwahr – und küsste es dort! Weiße Möwen kreisten am Himmel Dort unten – dort unten.
Ja, es gibt Rosen, sicher in Derry, Und es gibt berühmte dort in Down; Och, es gibt Rosen, die alle hausieren Durch das Herz der Stadt London! Doch wenn ich das Heben hätte Oder das Kaufen von ein paar, Ich würde nur kleine rosa Röschen wählen, Die alle durchnässt sind mit dem Tau – Jene kleinen rosa Röschen mit den Tränen! Och, nasse, nasse Tränen! – ja, fürwahr, es ist Jahre her, Seit wir beim Heurechen waren Jenen Tag – jenen Tag!
Agnes I. Hanrahan [18
BEI DER KOMÖDIE
Gestern Nacht, in schneeweißem Kleid und Handschuh, Sah ich dich das Stück ansehen, Wo jeder Scheinheld seine Liebe gewann Auf die alte, unnatürliche Weise.
(Und, oh, wäre das Leben ihre kleine Szene, Wo die Liebe so glatt verlief, Wie anders, Teurer, wäre diese Welt gewesen, Seit diese alte Welt begann!)
Denn du, der du sahst, wie sie fröhlich gewannen, Sowohl Hand als auch Herz, Wusstest wohl, wo die Spöttelei in Diesem törichten kleinen Stück wohnte.
(„Wenn Liebe alles wäre – wenn Liebe alles wäre“, Schluchzten und weinten die Violen, „Dann wäre Liebe das Beste, was auch immer geschieht!“ Tief, tief, antworteten die Flöten.)
Und du, gestern Nacht, hast du es vergessen, So weit von mir, so nah? Denn während du dort zuschautest, waren deine Augen benetzt Mit nur einer müßigen Träne!
(Und unten fiel der große dunkle Vorhang Über ihr törichtes Stück: Doch du und ich wussten – Oh, allzu gut! – Das Leben verlief auf eine andere Weise!)
Arthur Stringer [1874-
„IRGENDWANN MAG ES SEIN“
Irgendwann mag es sein, dass du und ich In jenem verlassenen Hof liegen werden, Wo Erinnerungen verblassen; Uns nicht mehr um unsere alten Träume sorgend, Beschäftigt mit neuen und fremden Themen, Sagen die Heiligen und Weisen.
Doch lass unsere Gräber nebeneinander sein, Sodass Passanten in der Abenddämmerung Einen Moment verweilen mögen: „Ah, sie waren Liebende, die hier liegen! Sonst warum diese niedrigen Gräber so nah beieinander, An diesem vergessenen Ort?“
Arthur Colton [1868-
„ICH HÖRTE EINEN SOLDATEN“
Ich hörte einen Soldaten eine Kleinigkeit singen, Draußen im sonnengetrockneten Veld allein: Er lag und reinigte sein schmutziges Gewehr Müßig, hinter einem Stein.
„Wenn nach dem Tod, Liebste, ein Erwachen kommt, Und in ihrem Lager, so dunkel und still, Die Männer aus Staub Hornsignale hören, die ihren Halt Auf dem Hügel unterbrechen.
„Für mich das langsame und silberne Klingen, Das dann die letzte hohe Trompete ausgießt, Soll sanfter als die Morgendämmerung sich heranschleichen, Denn, mit ihrem Ruf, kommt deiner!“
Welchen Kummer der Liebe hatte er zu ersticken, So müßig bei seinem Stein sonnend, Dieser schmutzige Soldat mit seinem Gewehr, Draußen im Veld, allein?
Herbert Trench [1865-1923]
DIE LETZTE ERINNERUNG
Wenn ich alt bin und an die alten Tage denke, Und meine Hände vor einer kleinen Glut wärme, Liebe, Hoffnung, Furcht, Verlangen vergessen habend, Werde ich ein Gesicht lächelnd aus dem fahlen Feuer sehen, Geheimnisvoll und exquisit; Und ich werde starren und darüber nachdenken, Mich wundernd, war es Leonardo, der das erschuf, Diese verstohlene Inbrunst, wo leidenschaftlicher Gedanke Nach innen brennt, eine enthüllende Flamme, und glüht Bis zur letzten Ekstase, die Ruhe ist? War es Bronzino, diese Borghese-Augen? Und, so sinnend inmitten meiner Erinnerungen, O Unvergessene! wirst du zu scheinen kommen, Wie Bilder es tun, erinnert, irgendein alter Traum. Und ich werde an dich als etwas Seltsames denken, Und Schönes, und voller hilfloser Veränderung, Das ich erblickte und in meinem Herzen trug; Doch du, die ich liebte, wirst ein Teil geworden sein Des ewigen Geheimnisses, und Liebe Wie ein dumpfer Schmerz; und ich werde mich beugen über Mein kleines Feuer, und frösteln, da ich kalt bin, Wenn du nicht mehr jung bist und ich alt bin.
Arthur Symons [1865-
„UNTEN BEI DEN WEIDENGÄRTEN“
Unten bei den Weidengärten trafen meine Liebe und ich uns; Sie ging an den Weidengärten vorbei mit kleinen schneeweißen Füßen. Sie bat mich, die Liebe leicht zu nehmen, wie die Blätter am Baum wachsen; Doch ich, jung und töricht, wollte ihr nicht zustimmen. Auf einem Feld am Fluss standen meine Liebe und ich, Und auf meine sich neigende Schulter legte sie ihre schneeweiße Hand. Sie bat mich, das Leben leicht zu nehmen, wie das Gras an den Wehren wächst; Doch ich war jung und töricht, und bin nun voller Tränen.
William Butler Yeats [1865-
ASCHE DES LEBENS
Die Liebe ist gegangen und hat mich verlassen, und die Tage sind alle gleich. Essen muss ich, und schlafen werde ich – und wäre doch nur die Nacht hier! Doch ach, wach zu liegen und die langsamen Stunden schlagen zu hören! Wäre es doch wieder Tag, mit der Dämmerung in der Nähe!
Die Liebe ist gegangen und hat mich verlassen, und ich weiß nicht, was ich tun soll; Dies oder das oder was du willst, ist mir alles gleich; Doch all die Dinge, die ich beginne, lasse ich liegen, bevor ich fertig bin – Es ist zu wenig zu gebrauchen in allem, soweit ich sehen kann.
Die Liebe ist gegangen und hat mich verlassen, und die Nachbarn klopfen und borgen, Und das Leben geht für immer weiter wie das Nagen einer Maus. Und morgen und morgen und morgen und morgen Gibt es diese kleine Straße und dieses kleine Haus.
Edna St. Vincent Millay [1892-
EIN ABSCHIED
Du willst mich nicht ansehen? Ach, nun! die Welt ist weit; Die Flüsse rollen immer noch frei, Lied und Schwert bestehen; Und wer sich aufmacht, die See zu befahren, Soll mit der Flut folgen.
Sklave meines dunklen Tages, leiste ich Vasallendienst: Suche die Myrte und den Lorbeer, (Sie gedeihen, wenn Herzen kühl sind!) Die Enge des sich verengenden Pfads, Das Haus, wo alles still ist.
Alice Brown [1857-
DIE GESCHIEDENEN LIEBENDEN
LIED Aus „Was ihr wollt“
O meine Gebieterin, wo schweift Ihr umher? O bleibt und hört; Euer wahrer Liebster kommt, Der sowohl hoch als auch tief singen kann: Wandert nicht weiter, hübsches Süßes; Reisen enden im Treffen der Liebenden, Das weiß jedes weisen Mannes Sohn.
Was ist Liebe? Sie ist nicht das Jenseits; Gegenwärtige Fröhlichkeit hat gegenwärtiges Lachen; Was kommen wird, ist noch ungewiss: Im Zögern liegt keine Fülle: Dann komm, küss mich, Süß-und-Zwanzig, Jugend ist ein Stoff, der nicht währt.
William Shakespeare [1564-1616]
„GEH, SCHÖNE ROSE“
Geh, schöne Rose – Sag ihr, die ihre Zeit und mich vergeudet, Dass sie nun weiß, Wenn ich sie mit dir vergleiche, Wie süß und schön sie zu sein scheint.
Sag ihr, die jung ist, Und scheut, ihre Reize erspähen zu lassen, Dass, wärst du entsprossen In Wüsten, wo keine Menschen weilen, Du ungepriesen hättest sterben müssen.
Gering ist der Wert Von Schönheit, die sich vom Licht zurückzieht: Heiß sie hervorkommen, Erlaub ihr, begehrt zu werden, Und nicht so zu erröten, bewundert zu werden.
Dann stirb – damit sie Das gemeinsame Schicksal aller seltenen Dinge An dir ablesen mag; Wie einen kleinen Teil der Zeit sie teilen, Die so wunderbar süß und schön sind!
Edmund Waller [1606-1687]
AN DIE ROSE: EIN LIED
Geh, glückliche Rose, und, verflochten Mit anderen Blumen, binde meine Liebe. Sag ihr auch, sie dürfe nicht länger Fließen, nicht länger frei sein, Die mich so oft fesselte.
Sag, wenn sie mürrisch ist, ich habe Bänder Aus Perlen und Gold, um ihre Hände zu binden; Sag ihr, wenn sie noch immer sträubt, Habe ich Myrtenruten nach Belieben, Um zu zähmen, wenn auch nicht zu töten.
Empfange so meinen Segen und geh Und sag ihr dies, – doch tu es nicht! – Auf dass ein hübscher Zorn nicht entfliehe Wie ein Blitz aus ihrem Auge, Und dich verbrenne, wie auch mich!
Robert Herrick [1591-1674]
ERINNERUNG Aus „Britannias Hirtengedichte“
Marina ist fort, und nun sitze ich, Wie Philomela (auf einem Dorn, Der Natur Livree entzogen), Freudlos, allein und ganz verlassen: Nur singt sie nicht, während meine Sorgen Solche Töne hervorbringen können, wie sie einem sterbenden Schwan geziemen.
So schließt die Ringelblume ihre Blätter Beim Fortgang der Sonne; So geht von den Geißblatthalmen Die Biene, wenn der Tag vollbracht ist; So sitzt die Turteltaube, wenn sie nur noch eine ist, Und so alles Weh, wie ich, seit sie fort ist.
Für einige wenige Vögel hat die gütige Natur Den ganzen Sommer zu einem Tag gemacht: Ist dieser erst genossen, vergeht des Winters Zorn Wie Nacht, während sie schlafen. Das sind die glücklichen Geschöpfe, die noch nicht kennen Den Schmerz, beraubt zu sein oder zu vergessen.
Ich habe oft Männer sagen hören, es gäbe Einige, die mit Zuversicht bekennen Die hilfreiche Kunst der Erinnerung: Doch könnten sie Vergessenheit lehren, Ich würde lernen; und versuchen, was weitere Kunst tun könnte, Um mich sie lieben und sie auch vergessen zu machen.
Traurige Melancholie, die Männer überredet, Sich selbst zu entfremden, zu glauben, sie seien Kopflos, oder Schatten anderer Körper, Hat lange und vergeblich in mir gewohnt; Denn könnte ich denken, sie wäre eine Idee, Könnte ich sie immer noch lieben, vergessen und hier haben.
Doch das ist sie nicht: noch würde ich, Für doppelt so viele Qualen mehr, Als ihre beraubte Gesellschaft Denen gebracht hat, die ich zuvor empfand, Denn dann könnte keine zukünftige Zeit wissen Was sie verdiente; oder ich sie so liebte.
Ihr Stunden, seid dann nur wie Minuten! (Obwohl ich so eher alt werde) Bis ich jene lieblichen Anmuten sehe, Die, außer in ihr, niemand erblicken kann; Dann seid ein Zeitalter! auf dass wir niemals versuchen Mehr Kummer im Abschied, sondern altern und sterben.
William Browne [1591-1643?]
AN LUCASTA, IN DEN KRIEG ZIEHEND
Sag mir nicht, Süße, ich sei unfreundlich, Dass aus dem Kloster Deiner keuschen Brust und deines stillen Geistes Ich in Krieg und Waffen fliehe.
Wahr, eine neue Geliebte jage ich nun, Den ersten Feind auf dem Feld; Und mit einem stärkeren Glauben umarme ich Ein Schwert, ein Pferd, einen Schild.
Doch diese Unbeständigkeit ist derart, Dass auch du sie verehren wirst; Ich könnte dich, Liebe, nicht so sehr lieben, Liebte ich nicht die Ehre mehr.
Richard Lovelace [1618-1658]
AN LUCASTA, ÜBER DIE MEERE ZIEHEND
Wenn abwesend sein hieße, Fern von dir zu sein; Oder dass, wenn ich fort bin, Du oder ich allein wären; Dann, meine Lucasta, könnte ich Mitleid Vom tobenden Wind oder der verschlingenden Welle erflehen.
Doch ich werde nicht einen Hauch oder Windstoß seufzen, Um mein Segel zu schwellen, Oder eine Träne zahlen, um des schäumenden Blauen Gottes Zorn zu besänftigen; Denn ob er mich lässt passieren Oder nicht, ich bin immer noch so glücklich wie ich war.
Obwohl Meere und Land zwischen uns beiden sind, Unser Glaube und Treue, Gleich getrennten Seelen, Beherrschen alle Zeit und Raum: Über der höchsten Sphäre treffen wir uns, Ungesehen, unbekannt; und grüßen, wie Engel grüßen.
So also nehmen wir vorweg Unser nachfolgendes Schicksal, Und sind lebendig in den Himmeln, Wenn so unsere Lippen und Augen Wie Geister ohne Fesseln sprechen können Im Himmel, ihre irdischen Körper zurückgelassen.
Richard Lovelace [1618-1658]
LIED AN EINE SCHÖNE JUNGE DAME, DIE IM FRÜHLING AUS DER STADT GEHT
Frage nicht nach dem Grund, warum der mürrische Frühling So lange zögert, seine Blumen zu bringen; Warum trällernde Vögel vergessen zu singen, Und Winterstürme das Jahr umkehren: Chloris ist fort; und das Schicksal sorgt dafür, Dass es Frühling wird, wo sie weilt.
Chloris ist fort, die grausame Schöne; Sie warf keinen mitleidigen Blick zurück: Sondern ließ ihren Liebhaber in Verzweiflung, Zu seufzen, zu schmachten und zu sterben: Ach! wie können diese schönen Augen es ertragen, Die Wunden zu schlagen, die sie nicht heilen wollen?
Großer Gott der Liebe, warum hast du geschaffen Ein Gesicht, das alle Herzen beherrschen kann, Das alle Religionen überfallen kann, Und die Gesetze jedes Landes ändern kann? Wo du zuvor solche Macht platziert hattest, Hättest du sie barmherziger machen sollen.
Wenn Chloris zum Tempel kommt, Anbetende Massen fallen vor ihr nieder; Sie kann die Toten aus Gräbern wiederherstellen Und jedes Leben außer meinem zurückrufen, Ich allein bin von der Liebe dazu bestimmt, Das Opfer für die Menschheit zu sein.
John Dryden [1631-1700]
LIED Geschrieben auf See, im ersten niederländischen Krieg (1665), Die Nacht vor einem Gefecht
An all euch Damen, nun an Land, Schreiben wir Männer auf See; Doch zuerst sollt ihr verstehen, Wie schwer es ist zu schreiben: Die Musen nun, und Neptun auch, Müssen wir erflehen, euch zu schreiben – Mit einem fa, la, la, la, la.
Denn obgleich die Musen sich als gütig erweisen, Und unser leeres Gehirn füllen, Doch wenn der raue Neptun den Wind aufpeitscht, Um das azurne Meer aufzuwogen, Unser Papier, Stift und Tinte, und wir, Wirbeln auf und ab auf unseren Schiffen auf See – Mit einem fa, la, la, la, la.
Wenn wir also nicht mit jeder Post schreiben, Denkt nicht, wir seien unfreundlich; Und schließt auch nicht, unsere Schiffe seien verloren Durch Holländer oder durch Wind: Unsere Tränen werden wir auf schnellerem Weg senden, Die Flut soll sie zweimal am Tag bringen – Mit einem fa, la, la, la, la.
Der König wird vor Staunen und Überraschung Schwören, die Meere würden kühn, Weil die Gezeiten höher steigen werden, Als sie es je von alters her taten: Doch lasst ihn wissen, es sind unsere Tränen, Die Fluten des Kummers zu den Whitehall-Stufen bringen – Mit einem fa, la, la, la, la.
Sollte der neblige Opdam zufällig erfahren Unsere traurige und trostlose Geschichte, Die Holländer würden einen so schwachen Feind verachten, Und ihre Festung bei Goree aufgeben: Denn welchen Widerstand können sie finden Von Männern, die ihre Herzen zurückgelassen haben? – Mit einem fa, la, la, la, la.
Lasst Wind und Wetter das Schlimmste tun, Seid ihr uns nur gütig; Lasst die Holländer prahlen, die Spanier fluchen, Keinen Kummer werden wir finden: Dann ist es egal, wie die Dinge gehen, Oder wer unser Freund ist, oder wer unser Feind – Mit einem fa, la, la, la, la.
Um unsere langwierigen Stunden zu vertreiben, Werfen wir ein fröhliches Spiel, Oder spielen sonst ein ernstes Ombre: Doch warum sollten wir vergeblich Des anderen Untergang so verfolgen? Wir waren verloren, als wir euch verließen – Mit einem fa, la, la, la, la.
Doch nun werden unsere Ängste stürmisch Und werfen unsere Hoffnungen weg; Während ihr, unbekümmert um unser Weh, Sorglos bei einem Theaterstück sitzt: Vielleicht einem glücklicheren Mann erlaubt, Eure Hand zu küssen, oder euren Fächer zu fächeln – Mit einem fa, la, la, la, la.
Wenn ihr irgendeine traurige Weise hört, Die in jeder Note stirbt, Als seufzte sie mit jedem Kummer eines Mannes Weil er so fern ist, Denkt dann daran, wie oft wir Liebe geschworen haben Euch, als all diese Lieder gespielt wurden – Mit einem fa, la, la, la, la.
In Gerechtigkeit könnt ihr nicht verweigern, An unsere Not zu denken, Wenn wir für Hoffnungen auf Ehre verlieren Unser gewisses Glück: All diese Entwürfe sind nur, um zu beweisen, Dass wir eurer Liebe würdiger sind – Mit einem fa, la, la, la, la.
Und nun haben wir euch all unsere Lieben gesagt, Und ebenso all unsere Ängste, In der Hoffnung, diese Erklärung bewegt Etwas Mitleid für unsere Tränen: Lasst uns von keiner Unbeständigkeit hören – Davon haben wir zu viel auf See – Mit einem fa, la, la, la, la.
Charles Sackville [1638-1706]
LIED
Vergeblich sagt ihr eurem scheidenden Liebhaber, Ihr wünscht, günstige Winde mögen ihn hinübertragen. Ach! welche Winde können glücklich sein, Die mich weit von dem tragen, was ich liebe? Ach! welche Gefahren auf dem Meer Können jenen gleichen, die ich erleide Durch verschmähte Gelübde und kalte Verachtung?
Seid sanft, und wählt im Mitleid, Zu wünschen, die wildesten Stürme mögen sich lösen: Dass, wieder an die Küste geworfen, Wo zuerst mein schiffbrüchiges Herz verloren ging, Ich noch einmal meinen Schmerz wiederholen kann; Noch einmal in sterbenden Tönen klagen Über verschmähte Gelübde und kalte Verachtung.
Matthew Prior [1664-1721]
SCHWARZÄUGIGE SUSAN
Ganz in den Downs war die Flotte vertäut, Die Wimpel wehten im Wind, Als die schwarzäugige Susan an Bord kam; „O! wo werde ich meinen Liebsten finden? Sagt mir, ihr fröhlichen Seeleute, sagt mir die Wahrheit, Ob mein süßer William unter der Besatzung segelt.“
William, der hoch oben auf der Rah Mit der Woge hin und her schaukelte, Sobald er ihre wohlbekannte Stimme hörte, Seufzte er und warf seine Augen nach unten: Das Tau gleitet geschwind durch seine glühenden Hände, Und, schnell wie der Blitz, steht er an Deck.
So die süße Lerche, hoch in der Luft schwebend, Drückt ihre Schwingen fest an ihre Brust, Wenn sie durch Zufall den schrillen Ruf ihres Gefährten hört, Und fällt sofort in ihr Nest: – Der edelste Kapitän der britischen Flotte Könnte William die Lippen jener süßen Küsse beneiden.
„O Susan, Susan, liebes Teures, Meine Gelübde sollen immer wahr bleiben; Lass mich jene fallende Träne abküssen; Wir trennen uns nur, um uns wiederzusehen. Ändert euch, wie ihr wollt, ihr Winde; mein Herz soll sein Der treue Kompass, der immer auf dich zeigt.
Glaube nicht, was die Landleute sagen, Die mit Zweifeln deinen beständigen Geist versuchen: Sie werden dir sagen, Seeleute, wenn sie fort sind, Fänden in jedem Hafen eine Geliebte: Ja, ja, glaub ihnen, wenn sie dir das sagen, Denn DU bist gegenwärtig, wohin ich auch gehe.
Wenn wir zur fernen Küste Indiens segeln, Sind deine Augen in funkelnden Diamanten zu sehen, Dein Atem ist Afrikas würziger Wind, Deine Haut ist Elfenbein, so weiß. So weckt jedes schöne Objekt, das ich erblicke, In meiner Seele einen Reiz der lieben Sue.
Obwohl der Kampf mich aus deinen Armen ruft, Lass meine hübsche Susan nicht trauern; Obwohl Kanonen dröhnen, doch, sicher vor Schaden, Wird William zu seiner Liebsten zurückkehren. Die Liebe lenkt die Kugeln ab, die um mich fliegen, Auf dass kostbare Tränen nicht aus Susans Auge fallen.“
Der Bootsmann gab das schreckliche Wort, Die Segel breiteten ihren schwellenden Busen aus, Nicht länger darf sie an Bord bleiben; Sie küssten sich, sie seufzte, er ließ den Kopf hängen. Ihr schwindendes Boot rudert widerwillig an Land; „Adieu!“ ruft sie; und winkte mit ihrer lilienweißen Hand.
John Gay [1685-1732]
IRISH MOLLY O
Oh! wer ist dieser arme Ausländer, der kürzlich in die Stadt kam, Und wie ein Geist, der nicht ruhen kann, noch immer auf und ab wandert? Ein armer, unglücklicher schottischer Jüngling; – wenn ihr mehr wissen wollt. Sein Herz bricht ganz vor Liebe zu Irish Molly O!
Sie ist bescheiden, mild und schön, die Schönste, die ich kannte – Die Schlüsselblume von Irland – ganz blühend hier allein – Die Schlüsselblume von Irland, denn wohin ich auch gehe, Die Einzige, die mich lockt, ist Irish Molly O!
Als Mollys Vater davon hörte, schwor er einen feierlichen Eid, Dass, wenn sie einen Ausländer heiratete, er sie nie wiedersehen würde. Er schickte nach dem jungen MacDonald und sagte es ihm deutlich – „Ich werde einem wie dir niemals meine Irish Molly O geben!“
MacDonald hörte die schwere Nachricht und sagte kläglich – „Lebwohl, meine schöne Molly, da ich weit weg verbannt bin, Ein armer, verlassener Pilger muss ich hin und her wandern, Und alles um der Liebe zu meiner Irish Molly O willen!
Es gibt eine Rose in Irland, ich dachte, sie würde mein sein: Doch nun, da sie für mich verloren ist, muss ich für immer schmachten, Bis der Tod kommt, um mich zu trösten, denn ins Grab werde ich gehen, Und alles um der Liebe zu meiner Irish Molly O willen!
Und nun, da ich sterbe, diese eine Bitte erflehe ich, Einen Marmorgrabstein über meinem demütigen Grab zu platzieren! Und auf dem Stein diese einfachen Worte hätte ich gern so eingraviert – ‚MacDonald verlor sein Leben aus Liebe zu Irish Molly O!‘“
Unbekannt
LIED
Beim untergehenden Tag und aufgehenden Morgen, Mit einer Seele, die dich immer lieben soll, Werde ich den Himmel um deine sichere Rückkehr bitten, Mit allem, was dich verbessern kann. Ich werde oft den Birkenbusch besuchen, Wo du mir zuerst freundlich sagtest Süße Geschichten der Liebe, und mein Erröten verbargst, Während du mich ringsherum umschlangst.
Zu all unseren Treffpunkten werde ich gehen, Am grünen Wald, Gebüsch oder Brunnen, Oder wo ich den Sommertag teilen wollte Mit dir auf jenem Berg: Dort werde ich den Bäumen und Blumen erzählen, Von Gedanken ungeheuchelt und zärtlich; Durch Gelübde bist du mein, durch Liebe ist dein Ein Herz, das nicht wandern kann.
Allan Ramsay [1686-1758]
LOCHABER NO MORE
Lebwohl Lochaber, und lebwohl meine Jean, Wo ich mit dir so manchen frohen Tag gewesen; Denn Lochaber no more, Lochaber no more! Wir kehren vielleicht nach Lochaber no more! Diese Tränen, die ich vergieße, sie sind alle für meine Liebste, Und nicht für die Gefahren, die dem Krieg folgen, Obwohl getragen auf rauen Meeren zu einem fernen blutigen Ufer, Vielleicht, um nach Lochaber no more zurückzukehren.
Obwohl Hurrikane aufsteigen, und jeder Wind aufsteigt, Sie werden nie einen Sturm machen, wie jenen in meinem Geist; Obwohl der lauteste Donner auf lauteren Wellen dröhnt, Das ist nichts gegen das Zurücklassen meiner Liebe am Ufer. Dich hinter mir zu lassen, mein Herz ist schmerzlich gequält; Durch ruhmlose Bequemlichkeit kann kein Ruhm gewonnen werden; Und Schönheit und Liebe ist der Lohn der Tapferen, Und ich muss ihn verdienen, bevor ich ihn begehren kann.
Dann Ruhm, meine Jeanie, muss meine Entschuldigung sein; Da die Ehre mir befiehlt, wie kann ich mich weigern? Ohne sie kann ich niemals Verdienst für dich haben, Und ohne deine Gunst wäre ich besser nicht. Ich gehe dann, mein Mädchen, um Ehre und Ruhm zu gewinnen, Und wenn ich das Glück hätte, glorreich heimzukehren, Werde ich dir ein Herz bringen, das vor Liebe überquillt, Und dann werde ich dich und Lochaber no more verlassen.
Allan Ramsay [1686-1758]
WILLIE UND HELEN
„Warum solltet ihr von Liebe reden, Wenn es nicht ist, uns zu schmerzen? Warum solltet ihr von Liebe reden, Wenn ihr sagt, das Meer müsse uns trennen?“
„Es ist nicht, weil meine Liebe leichtfertig ist, Noch wegen deines zornigen Vaters; Es ist alles, um dir Perlen hell zu kaufen, Und dich wie eine Dame zu kleiden.“
„O Willy, ich kann kardieren und spinnen, So werde nie Kleidung entbehren; Und wenn ich Willys Herz habe, Habe ich alle Perlen, die ich brauche.
Wird es Zeit sein, diese Wange zu preisen, Wenn Jahre und Tränen sie erbleicht haben? Wird es Zeit sein, von Liebe zu reden, Wenn Kälte und Sorge sie gelöscht haben?“
Er hat eine Hand um ihre Taille gelegt – Die andere ist zum Himmel gehalten; Und sein Blick war wie der Blick eines Mannes, Dessen Herz in zwei gerissen ist.
Hew Ainslie [1792-1878]
ABWESENHEIT
Mit bleiernem Fuß kriecht die Zeit dahin, Während Delia fort ist: Bei ihr war das Lied nicht klagend, Noch war der Tag langweilig.
Ach, neidische Macht! kehre mein Verhängnis um; Verdopple nun deine Laufbahn, Spanne jeden Nerv, strecke jede Feder, Und lass sie ruhen, wenn sie hier ist!
Richard Jago [1715-1781]
„MEINE MUTTER HEISST MICH, MEIN HAAR ZU BINDEN“
Meine Mutter heißt mich, mein Haar zu binden Mit Bändern von rosigem Farbton; Meine Ärmel mit seltenen Schleifen zu schnüren, Und mein Mieder blau zu schnüren!
„Denn warum“, ruft sie, „still sitzen und weinen, Während andere tanzen und spielen?“ Ach! ich kann kaum gehen, oder kriechen, Während Lubin fort ist!
Es ist traurig zu denken, dass die Tage vergangen sind, Als die, die wir lieben, in der Nähe waren! Ich sitze auf diesem moosigen Stein, Und seufze, wenn niemand es hören kann:
Und während ich meinen Flachsfaden spinne, Und mein einfaches Lied singe, Scheint das Dorf zu schlafen, oder tot zu sein, Jetzt da Lubin fort ist!
Anne Hunter [1742-1821]
„BLAS HOCH! BLAS NIEDRIG!“
Blas hoch, blas niedrig! lass den Sturm den Großmast Vom Bord reißen! Mein Herz (mit Gedanken an dich, meine Liebste! Und Liebe wohl aufbewahrt) Soll jeder Gefahr trotzen, jede Furcht verachten, Den brüllenden Wind, das tobende Meer, In der Hoffnung, an Land, Wieder einmal Sicher vertäut mit dir zu sein.
Hoch oben, während wir berghoch fahren, Die pfeifenden Winde, die dahineilen, Und die Woge, die von unten brüllt, Sollen mein Signal sein, An dich zu denken. Und dies soll mein Lied sein, Blas hoch, blas niedrig! lass den Sturm reißen...
Und in jener Nacht (wenn die ganze Besatzung Die Erinnerung an ihr früheres Leben, Über fließenden Kannen Flip erneuert, Und ihre Geliebten und ihre Frauen trinkt), Werde ich einen Seufzer ausstoßen, Und an dich denken. Und, während das Schiff durch das Meer müht, Soll die Last meines Liedes sein, Blas hoch, blas niedrig! lass den Sturm reißen...
Charles Dibdin [1745-1814]
DIE SILBERKRONE
„Und du sollst in seidenem Gewand gehen, Und Silber übrig haben, Wenn du einwilligst, seine Braut zu sein, Und nicht mehr an Donald zu denken.“
Oh, wer würde ein seidenes Kleid kaufen Mit einem armen gebrochenen Herzen? Oder was ist mir eine Silberkrone, Wenn ich von meiner Liebe scheide?
Der Geist, dessen jeder Wunsch rein ist, Ist mir weit teurer; Und bevor ich gezwungen bin, meinen Glauben zu brechen, Werde ich mich niederlegen und sterben.
Denn ich habe mein jungfräuliches Treueversprechen gegeben, Braven Donalds Schicksal zu teilen; Und er hat mir sein Herz gegeben, Mit all seinen seltenen Tugenden.
Seine sanften Manieren gewannen mein Herz, Er nahm dankbar das Geschenk an; Könnte ich nur daran denken, es zurückzunehmen, Es wäre ärger als Diebstahl.
Denn das längste Leben kann niemals vergelten Die Liebe, die er mir entgegenbringt; Und bevor ich gezwungen bin, meine Treue zu brechen, Werde ich mich niederlegen und sterben.
Susanna Blamire [1747-1794]
„MEINE NANNIE IST FORT“
Nun kleidet die fröhliche Natur sich in ihren grünen Mantel, Und lauscht den Lämmern, die über die Hügel blöken, Während Vögel in jedem grünen Gehölz willkommen trällern; Doch für mich ist es freudenlos – meine Nannie ist fort.
Das Schneeglöckchen und die Schlüsselblume schmücken unsere Wälder, Und Veilchen baden im Tau des Morgens; Sie schmerzen meine traurige Brust, so süß sie blühen, Sie erinnern mich an Nannie – und Nannie ist fort.
Du Lerche, die aus dem Tau des Rasens springt, Um den Hirten vor der grauen Morgendämmerung zu warnen, Und du sanfte Drossel, die den Einbruch der Nacht begrüßt, Hör auf aus Mitleid – meine Nannie ist fort.
Komm, Herbst, so nachdenklich, in Gelb und Grau, Und beruhige mich mit Nachrichten von der Vergänglichkeit der Natur; Der dunkle, trostlose Winter, und wild treibender Schnee Allein können mich erfreuen – jetzt da Nannie fort ist.
Robert Burns [1759-1796]
„EIN ZÄRTLICHER KUSS“
Ein zärtlicher Kuss, und dann trennen wir uns; Ein Lebwohl, ach, für immer! Tief in herzzerreißenden Tränen werde ich dir schwören, Kriegerische Seufzer und Stöhnen werde ich dir verpfänden!
Wer soll sagen, dass das Glück ihn betrübt, Während sie ihm den Stern der Hoffnung lässt? Mich, kein fröhliches Funkeln leuchtet mir, Dunkle Verzweiflung umnachtet mich ringsum.
Ich werde niemals meine parteiische Laune beschuldigen; Nichts konnte meiner Nancy widerstehen; Aber sie zu sehen, hieß sie zu lieben, Nur sie zu lieben, und für immer zu lieben.
Hätten wir uns niemals so gütig geliebt, Hätten wir uns niemals so blind geliebt, Niemals getroffen, oder niemals getrennt, Wir wären niemals gebrochenen Herzens gewesen.
Lebwohl, du Erste und Schönste! Lebwohl, du Beste und Teuerste! Dein sei jede Freude und jeder Schatz, Frieden, Genuss, Liebe und Vergnügen!
Ein zärtlicher Kuss, und dann trennen wir uns; Ein Lebwohl, ach, für immer! Tief in herzzerreißenden Tränen werde ich dir schwören, Kriegerische Seufzer und Stöhnen werde ich dir verpfänden!
Robert Burns [1759-1796]
Der Tag kehrt wieder, die Brust mir brennt, Der glückliche Tag, da wir uns trafen; Obgleich der wilde Winter im Sturm tobte, Kein Sommersonnenstrahl war je halb so süß. Mehr als all der Stolz, der die Meere belädt, Und die schwüle Linie überquert, - Mehr als königliche Gewänder, Kronen und Reichsapfel, Gab der Himmel mir mehr, - er machte dich mein.
Solange Tag und Nacht Entzücken bringen können, Oder die Natur irgendein Vergnügen gewährt, - Solange Freuden droben meinen Geist bewegen können, Für dich, und für dich allein, lebe ich. Wenn jener grimmige Feind des Lebens hienieden Dazwischen tritt, um uns zu trennen, Die eiserne Hand, die unser Band zerbricht, Sie bricht mein Glück, - sie bricht mein Herz.
Robert Burns [1759-1796]
MEINE SCHÖNE MARY
Geh, hol mir ein Pint Wein, Und füll es in einen silbernen Becher, Damit ich trinken kann, bevor ich gehe, Einen Gruß an mein schönes Mädchen. Das Boot schaukelt am Pier von Leith, Viel zu laut bläst der Wind von der Fähre, Das Schiff reitet beim Berwick-law, Und ich muss meine schöne Mary verlassen.
Die Trompeten schallen, die Banner fliegen, Die glitzernden Speere sind bereit aufgereiht; Die Rufe des Krieges hört man von fern, Die Schlacht schließt sich dicht und blutig; Doch es ist nicht das Rauschen von Meer oder Ufer, Das mich länger verweilen ließe; Noch der Ruf des Krieges, der von fern erschallt - Es ist das Verlassen deiner, meine schöne Mary!
Robert Burns [1759-1796]
EINE ROTE, ROTE ROSE
O, meine Liebe ist wie eine rote, rote Rose, Die neu erblüht im Juni; O, meine Liebe ist wie die Melodie, Die süß im Takt gespielt wird.
So schön bist du, mein liebes Mädchen, So tief ist meine Liebe; Und ich werde dich noch lieben, meine Teure, Bis alle Meere austrocknen.
Bis alle Meere austrocknen, meine Teure, Und die Felsen schmelzen in der Sonne; Ich werde dich noch lieben, meine Teure, Solange die Sande des Lebens verrinnen.
Und leb wohl, meine einzige Liebe! Und leb wohl für eine Weile! Und ich werde wiederkommen, meine Liebe, Wären es auch zehntausend Meilen.
Robert Burns [1759-1796]
ICH LIEBE MEINE JEAN
Von allen Himmelsrichtungen, aus denen der Wind wehen kann, Mag ich den Westen am meisten, Denn dort lebt das schöne Mädchen, Das Mädchen, das ich am meisten liebe: Dort wachsen wilde Wälder, und Flüsse strömen, Und mancher Hügel liegt dazwischen; Doch Tag und Nacht ist meines Geistes Flug Immer bei meiner Jean.
Ich sehe sie in den Tautropfen der Blumen, Ich sehe sie süß und schön: Ich höre sie in den singenden Vögeln, Ich höre sie die Luft bezaubern: Es gibt keine schöne Blume, die entsprießt An Brunnen, Gebüsch oder auf der Wiese, Es gibt keinen schönen Vogel, der singt, Der mich nicht an meine Jean erinnert.
O weht ihr Westwinde, weht sanft Zwischen den belaubten Bäumen; Mit balsamischem Hauch, von Hügel und Tal Bringt die beladenen Bienen heim; Und bringt das Mädchen zu mir zurück, Das immer so rein und sauber ist; Ein Lächeln von ihr würde Sorgen verbannen, So bezaubernd ist meine Jean.
Welche Seufzer und Gelübde zwischen den Hügeln Sind zwischen uns beiden ausgetauscht worden! Wie innig das Treffen, wie weh das Scheiden Jener Nacht, als sie fortging! Die Mächte droben können nur wissen, Wem das Herz offenbar ist, Dass keine mir so teuer sein kann Wie meine süße, liebliche Jean!
Die ersten zwei Strophen von Robert Burns [1759-1796] Die letzten zwei von John Hamilton [1761-1814]
DES WANDERERS ABSCHIED Aus "Rokeby"
"Ein mühsam Los ist dein, schönes Mädchen, Ein mühsam Los ist dein! Den Dorn zu pflücken, um die Stirn zu flechten, Und die Raute zu pressen für den Wein. Ein leichtes Auge, ein soldatisches Gebaren, Eine Feder in Blau, Ein Wams von Lincoln-Grün - Mehr von mir wusstest du nicht, Meine Liebe! Mehr von mir wusstest du nicht.
"Dieser Morgen ist ein fröhlicher Juni, glaube ich, Die Rose knospt eifrig; Doch sie wird im Winterschnee blühen, Bevor wir beide uns wiedersehen." - Er wandte sein Schlachtross, als er sprach Am Ufer des Flusses, Er gab den Zügeln einen Ruck, Sagte "Lebwohl für immer, Meine Liebe! Und lebwohl für immer."
Walter Scott [1771-1832]
"LOUDOUNS SCHÖNE WÄLDER UND HÄNGE"
"Loudouns schöne Wälder und Hänge, Ich muss sie alle verlassen, Mädchen; Wer kann es ertragen, wenn Britanniens Feinde Briten Gesetze geben wollen, Mädchen? Wer würde das Feld der Gefahr meiden? Wer würde als Fremder fern vom Ruhm leben? Jetzt, da die Freiheit uns ruft, sie zu rächen, Wer würde ihren Ruf meiden, Mädchen? Loudouns schöne Wälder und Hänge Haben unsere glücklichen Hochzeitstage gesehen, Und sanfte Hoffnung soll deine Schmerzen lindern, Wenn ich weit weg bin, Mädchen."
"Horch! das schwellende Horn singt, Bringt dir Freude, Junge, Doch das klagende Horn bringt Schmerzvolle Gedanken zu mir, Junge. Einsam muss ich den Berg erklimmen, Einsam am Brunnen umherstreifen, Stille die müden Augenblicke zählend, Fern von Liebe und dir, Junge. Über den blutigen Feldern des Krieges, Wenn die Rache ihren purpurnen Wagen lenkt, Wirst du vielleicht fallen, fern von mir, Und niemand da, deine Augen zu schließen, Junge."
"O! nimm dein gewohntes Lächeln wieder an! O! unterdrücke deine Ängste, Mädchen! Glorreiche Ehre krönt die Mühe, Die der Soldat teilt, Mädchen; Der Himmel wird deinen treuen Liebhaber schirmen, Bis der rachsüchtige Streit vorüber ist; Dann werden wir uns nicht mehr trennen; Bis zum Tag, an dem wir sterben, Mädchen. Inmitten unserer schönen Wälder und Hänge Werden wir unsere friedlichen, glücklichen Tage verbringen, So froh wie jenes leichte Lamm, das spielt Auf Loudouns blumiger Wiese, Mädchen."
Robert Tannahill [1774-1810]
"LEB WOHL"
Leb wohl, und wenn für immer, Dann für immer, leb wohl: Auch wenn du nicht verzeihst, niemals Soll mein Herz gegen dich rebellieren.
Wäre doch diese Brust vor dir entblößt, Wo dein Haupt so oft geruht, Während jener friedliche Schlaf dich überkam, Den du niemals wieder kennen wirst:
Wäre doch diese Brust, von dir überflogen, Könnte jeden innersten Gedanken zeigen! Dann würdest du endlich entdecken, Es war nicht recht, sie so von sich zu stoßen.
Obwohl die Welt dich dafür lobt, - Obwohl sie dem Schlag zulächelt, Selbst ihre Lobpreisungen müssen dich kränken, Begründet auf das Weh eines anderen:
Obwohl meine vielen Fehler mich entstellten, Konnte kein anderer Arm gefunden werden Als der, der mich einst umschlang, Um eine unheilbare Wunde zuzufügen?
Doch, ach doch, täusche dich nicht selbst; Liebe mag durch langsamen Verfall sinken, Aber durch plötzlichen Riss, glaube nicht, Dass Herzen so zerrissen werden können:
Immer noch bewahrt dein eigenes sein Leben; - Immer noch muss meins, obgleich blutend, schlagen; Und der unsterbliche Gedanke, der schmerzt, Ist - dass wir uns nicht mehr treffen mögen.
Dies sind Worte tieferen Kummers Als das Wehklagen über den Toten; Beide werden leben, doch jeder Morgen Wird uns aus einem verwitweten Bett wecken.
Und wenn du Trost sammeln möchtest, Wenn unseres Kindes erste Laute fließen, Wirst du sie lehren, "Vater!" zu sagen, Obwohl sie auf seine Fürsorge verzichten muss?
Wenn ihre kleinen Hände dich drücken, Wenn ihre Lippe auf deine gepresst wird, Denke an den, dessen Gebet dich segnen soll, Denke an den, den deine Liebe gesegnet hatte!
Sollten ihre Züge jenen gleichen, Die du nie wieder sehen magst, Dann wird dein Herz sanft beben Mit einem Puls, der mir noch treu ist.
All meine Fehler kennst du vielleicht, All meinen Wahnsinn kann niemand kennen; All meine Hoffnungen, wohin du auch gehst, Wohin auch immer, sie gehen mit dir.
Jedes Gefühl ist erschüttert worden; Stolz, den keine Welt beugen konnte, Beugt sich vor dir, - von dir verlassen, Sogar meine Seele verlässt mich nun:
Doch es ist vollbracht, - alle Worte sind eitel, - Worte von mir sind noch eitler; Doch die Gedanken, die wir nicht zügeln können, Bahnen sich ihren Weg ohne den Willen.
Leb wohl! - so entzweit, Von jedem näheren Band gerissen, Verbrannt im Herzen, einsam und verwelkt, Mehr als dies kann ich kaum sterben.
George Gordon Byron [1788-1824]
"MÄDCHEN VON ATHEN, EHE WIR SCHEIDEN"
Mädchen von Athen, ehe wir scheiden, Gib, oh, gib mir mein Herz zurück! Oder, da es meine Brust verlassen hat, Behalte es nun, und nimm den Rest! Höre mein Gelübde, bevor ich gehe, Zoe mou, sas agapo. (Mein Leben, ich liebe dich.)
Bei jenen Locken, ungebunden, Umworben von jedem ägäischen Wind; Bei jenen Lidern, deren pechschwarzer Saum Deine weichen Wangen, den blühenden Schimmer küsst; Bei jenen wilden Augen, wie die der Rehgeiß, Zoe mou, sas agapo. (Mein Leben, ich liebe dich.)
Bei jener Lippe, die ich lange zu kosten sehne; Bei jener gürtelumsäumten Taille; Bei all den Zeichenblumen, die erzählen, Was Worte niemals so gut sagen können; Bei der Liebe wechselnder Freude und Weh, Zoe mou, sas agapo. (Mein Leben, ich liebe dich.)
Mädchen von Athen! Ich bin gegangen: Denke an mich, Süße! wenn du allein bist. Obwohl ich nach Istambol fliehe, Athen hält mein Herz und meine Seele: Kann ich aufhören, dich zu lieben? Nein! Zoe mou, sas agapo. (Mein Leben, ich liebe dich.)
George Gordon Byron [1788-1824]
"ALS WIR BEIDE SCHIEDEN"
Als wir beide schieden In Stille und Tränen, Halb mit gebrochenem Herzen, Um uns für Jahre zu trennen, Blass wurde deine Wange und kalt, Kälter dein Kuss; Wahrlich, jene Stunde weissagte Den Kummer von heute!
Der Tau des Morgens Sank kühl auf meine Stirn; Es fühlte sich an wie die Warnung Dessen, was ich jetzt fühle. Deine Gelübde sind alle gebrochen, Und leicht ist dein Ruf: Ich höre deinen Namen nennen Und teile seine Schande.
Sie nennen dich vor mir, Ein Grabgeläut für mein Ohr; Ein Schaudern überkommt mich - Warum warst du so teuer? Sie wissen nicht, dass ich dich kannte, Die dich nur allzu gut kannten: Lange, lange werde ich dich bereuen, Zu tief, um es zu sagen.
Im Geheimen trafen wir uns: In Stille trauere ich, Dass dein Herz vergessen konnte, Dein Geist täuschen. Wenn ich dich treffen sollte Nach langen Jahren, Wie sollte ich dich grüßen? - Mit Stille und Tränen.
George Gordon Byron [1788-1824]
"GEH, VERGISS MICH"
Geh, vergiss mich! Warum sollte Kummer Über jener Stirn einen Schatten werfen? Geh, vergiss mich, - und morgen Lächle hell und singe süß. Lächle - obwohl ich nicht in deiner Nähe sein werde. Singe - obwohl ich dich niemals hören werde. Möge deine Seele vor Freude strahlen, So dauerhaft wie die Düsternis der meinen.
Wie die Sonne, deine Gegenwart glühend, Kleidet die geringsten Dinge in Licht; Und wenn du, wie sie, gehst, Verblassen die lieblichsten Objekte in der Nacht. Alles sah so hell um dich herum aus, Dass sie ohne dich nichts scheinen; Durch jenen reinen und klaren Geist Sind irdische Dinge zu verfeinert.
Geh, du Vision, wild schimmernd, Die sanft auf meine Seele fiel; Geh, für mich nicht länger strahlend - Hoffnung und Schönheit, fahrt wohl! Geh, und all das, was einst entzückte, Nimm - und verlasse mich, ganz in Nacht gehüllt, Den brennenden, großzügigen Schwall des Ruhms, Phantasie und die Muschel des Dichters.
Charles Wolfe [1791-1823]
LETZTE NACHT
Ich saß mit einer, die ich liebe, letzte Nacht, Sie sang mir eine alte Weise; In früheren Zeiten weckte sie Entzücken, Letzte Nacht - nur Schmerz.
Letzte Nacht sahen wir die Sterne aufgehen, Doch Wolken trübten bald das blaue Äther: Und als wir in die Augen des anderen suchten, Trübten Tränen sie auch!
Wir schritten entlang unseres Lieblingsweges, Doch schritten in Stille, gebrochenen Herzens: Früher pflegten wir zu lächeln und zu sprechen; Letzte Nacht - schieden wir.
George Darley [1795-1846]
ABSCHIED
Lass Zeit und Zufall sich verbinden, verbinden, Lass Zeit und Zufall sich verbinden; Die schönste Liebe vom Himmel droben, Diese Liebe von dir war mein, Meine Teure, Diese Liebe von dir war mein.
Die Vergangenheit ist entflohen und vergangen, und vergangen, Die Vergangenheit ist entflohen und vergangen; Wenn mir nichts als Schmerz bleibt, Werde ich in der Erinnerung weiterziehen, Meine Teure, Werde ich in der Erinnerung weiterziehen.
Die traurigsten Tränen müssen fallen, müssen fallen, Die traurigsten Tränen müssen fallen; In Wohlergehen oder Wehe, in dieser Welt hienieden, Liebe ich dich immer und ganz, Meine Teure, Liebe ich dich immer und ganz.
Ein langer Weg voller Schmerz, voller Schmerz, Ein langer Weg voller Schmerz; Eine Seele, ein Herz, geschworen niemals zu trennen, - Wir können uns niemals wiedersehen, Meine Teure, Wir können uns niemals wiedersehen.
Hartes Schicksal wird es nicht erlauben, erlauben, Hartes Schicksal wird es nicht erlauben; Wir waren gesegnet, wie die Engel sind, - Abschied für immer nun, Meine Teure, Abschied für immer nun.
Thomas Carlyle [1795-1881]
JEANIE MORRISON
Ich bin nach Osten gewandert, ich bin nach Westen gewandert, Durch manchen müden Weg; Doch kann niemals, niemals vergessen Die Liebe des jungen Tages des Lebens! Das Feuer, das am Beltane-Abend angeblasen wurde, Mag wohl schwarz sein bis Weihnachten; Doch ein schwärzerer Fall erwartet das Herz, Wo erste innige Liebe erkaltet.
O teure, teure Jeanie Morrison, Die Gedanken an vergangene Jahre Werfen noch ihre Schatten über meinen Pfad, Und blenden meine Augen mit Tränen: Sie blenden meine Augen mit salzigen, salzigen Tränen; Und wund und krank schmachte ich, Während die Erinnerung müßig heraufbeschwört Das frohe Blinzeln der alten Zeit.
Da war es, als wir einander gut liebten, Da war es, als wir zwei uns trennten; Süße Zeit, traurige Zeit! - zwei Kinder in der Schule, Zwei Kinder, und nur ein Herz! Da war es, als wir auf einer niedrigen Bank saßen, Um einander das Lernen zu lehren; Und Töne, und Blicke, und Lächeln wurden vergossen, Für immerdar erinnert.
Ich frage mich, Jeanie, oft noch, Wenn ich auf jener Bank sitze, Wange an Wange berührend, Hand in Hand verschlungen, Was unsere kleinen Köpfe wohl denken konnten! Wenn beide über eine breite Seite hinuntergebeugt, Mit einem Buch auf unserem Knie, Deine Lippen waren bei deiner Lektion, doch Meine Lektion war in dir.
Oh, erinnerst du dich, wie wir unsere Köpfe hängen ließen, Wie die Wangen vor Scham rot brannten, Wann immer die Schulbuben lachend sagten, Wir hielten zusammen nach Hause? Und erinnerst du dich der Samstage (Die Schule endete damals um Mittag), Als wir wegrannten, um die Hänge zu erklimmen - Die ginsterbedeckten Hänge des Juni?
Mein Kopf dreht sich im Kreise, Mein Herz fließt wie ein Meer, Als, eins nach dem anderen, die Gedanken zurückstürmen An Schulzeit und dich. Oh, morgendliches Leben! Oh, morgendliche Liebe! Oh, lichtvolle Tage und lange, Als honigsüße Hoffnungen um unsere Herzen, Wie Sommerblüten, entsprangen!
Oh, erinnerst du dich, Liebe, wie oft wir verließen Die betäubende, lärmende Stadt, Um am grünen Bachufer zu wandern, Und seine Wasser gurren zu hören? Die Sommerblätter hingen über unseren Köpfen, Die Blumen brachen um unsere Füße hervor, Und in der Dämmerung des Waldes Pfiff die Drossel süß.
Die Drossel pfiff im Wald, Der Bach sang zu den Bäumen, Und wir, mit dem Herzen der Natur im Einklang, Dichteten Harmonien; Und auf dem Hügel über dem Bach Saßen wir stundenlang zusammen In der Stille der Freude, bis wir beide Vor lauter Glück weinten.
Ja, ja, liebe Jeanie Morrison, Tränen tröpfelten deine Wange hinunter, Wie Tautropfen auf einer Rose, doch niemand Hatte irgendeine Kraft zu sprechen! Das war eine Zeit, eine gesegnete Zeit, Als die Herzen frisch und jung waren, Als frei alle Gefühle hervorquollen, Unsilbig - unbesungen!
Ich staune, Jeanie Morrison, Ob ich mit dir verbunden gewesen bin So eng mit frühesten Gedanken, Wie du es mit mir gewesen bist? Oh! sag mir, ob ihre Musik erfüllt Dein Ohr, wie es meines tut; Oh! sag, ob dein Herz jemals groß wird Mit Träumereien an die alte Zeit?
Ich bin nach Osten gewandert, ich bin nach Westen gewandert, Ich habe ein müdes Los getragen; Doch in meinen Wanderungen, fern oder nah, Wurdest du niemals vergessen. Die Quelle, die zuerst aus diesem Herzen hervorbrach, Reist immer noch auf ihrem Weg; Und kanalisiert tiefer, während sie rinnt Die Liebe des jungen Tages des Lebens.
O teure, teure Jeanie Morrison, Seit wir jung getrennt wurden, Habe ich niemals dein Gesicht gesehen, noch gehört Die Musik deiner Zunge; Doch ich könnte alles Elend umarmen, Und glücklich könnte ich sterben, Wüsste ich nur, dass dein Herz noch träumte Von vergangenen Tagen und mir!
William Motherwell [1797-1835]
DIE SEELÄNDER
Wäre ich auf den Seeländern, Wo Winde wissen, wie man sticht; Und in den Felsen um Mitternacht Das verlorene lange Murmeln singt.
Wäre ich bei meiner ersten Liebe, Um das Rauschen und Brüllen zu hören Von Gischt unter der Türschwelle Und Winden an der Tür.
Meine erste Liebe war ein schönes Mädchen Mit Wegen, für immer neu; Und Haar wie sonniges Gelb, Und Augen wie ein Morgenhimmel.
Die Rosen, haben sie gezögert Oder sind sie stumpf und ausgefranst? Wenn wir zusammen geblieben wären, Wäre die Liebe, in der Tat, geblieben?
Ach, Jahre sind erfüllt von Lernen, Und Tage sind Blätter der Veränderung! Und ich habe so viele getroffen, Die ich kannte . . . und fand sie fremd.
Doch auf den Seeländern, durcheinandergeworfen Von Winden, die stechen und blenden, Kommen die Nächte, die wir beobachteten, so still, Zurück, zurück in den Sinn . . .
Ich denke an meine erste Liebe, Und höre das Rauschen und Brüllen Von Gischt unter der Türschwelle Und Winden an der Tür.
Orrick Johns [1887-
SCHÖNE INES
O saht ihr nicht die schöne Ines? Sie ist in den Westen gegangen, Um zu blenden, wenn die Sonne untergeht, Und der Welt die Ruhe zu rauben: Sie nahm unser Tageslicht mit sich, Das Lächeln, das wir am meisten lieben, Mit Morgenröte auf ihrer Wange, Und Perlen auf ihrer Brust.
O kehre um, schöne Ines, Vor dem Einbruch der Nacht, Aus Furcht, der Mond sollte allein scheinen, Und Sterne unübertroffen hell; Und gesegnet wird der Liebhaber sein, Der unter ihrem Licht wandelt, Und die Liebe gegen deine Wange haucht, Die ich nicht einmal zu schreiben wage!
Wäre ich doch gewesen, schöne Ines, Jener tapfere Kavalier, Der so fröhlich an deiner Seite ritt, Und dir so nahe flüsterte! Gab es keine schönen Damen zu Hause, Oder keine wahren Liebhaber hier, Dass er die Meere überqueren musste, um zu gewinnen Die Liebste der Liebsten?
Ich sah dich, liebliche Ines, Das Ufer hinabsteigen, Mit Scharen edler Herren, Und Bannern, die davor wehten; Und sanfte Jünglinge und fröhliche Mädchen, Und schneeweiße Federn trugen sie: Es wäre ein wunderschöner Traum gewesen, - Wenn es nicht mehr gewesen wäre!
Ach, ach! schöne Ines, Sie ging fort mit Gesang, Mit Musik, die auf ihre Schritte wartete, Und Rufen der Menge; Doch einige waren traurig und fühlten keine Fröhlichkeit, Sondern nur die Kränkung der Musik, In Klängen, die Lebwohl, lebwohl sangen, Derjenigen, die ihr so lange geliebt habt.
Lebwohl, lebwohl, schöne Ines! Jenes Schiff trug niemals So eine schöne Dame auf seinem Deck, Noch tanzte es jemals zuvor so leicht, - Ach für das Vergnügen auf dem Meer, Und den Kummer am Ufer! Das Lächeln, das eines Liebhabers Herz segnete, Hat viele andere gebrochen!
Thomas Hood [1799-1845]
EIN ABSCHIED
Gott sei mit dir, meine Geliebte, - Gott sei mit dir! Sonst gehst du allein hinaus, Dein Gesicht dem Norden zugewandt, Moor und Lustgarten überall um dich und unter dir, Gleich aussehend in einem Schnee; Während ich, der ich versuche, dich zu erreichen, Vergeblich folge, vergeblich folge Mit dem Lebwohl und dem Ruf, Und dich so nicht erreichen kann. Ach, ich kann dich nur lehren! Gott sei mit dir, meine Geliebte, - Gott sei mit dir!
Kann ich dich lehren, meine Geliebte, - kann ich dich lehren? Wenn ich sagte: "Gehe links oder rechts", Der Rat wäre leicht, Die Weisheit, arm an allem, was dich bereichern könnte; Meine Rechte würde wie links erscheinen; Mein Erheben würde dich niederdrücken, Meine Wahl des Lichts würde dich blenden, Des Weges - würde dich zurücklassen, Des Endes - würde dich beraubt zurücklassen. Ach, ich kann dich nur segnen! Möge Gott dich lehren, meine Geliebte, - möge Gott dich lehren!
Kann ich dich segnen, meine Geliebte, - kann ich dich segnen? Welches Segenswort kann ich Vor meinen eigenen Tränen trocken halten? Welche Blumen wachsen auf meinem Feld, womit ich dich schmücken kann? Mein Gutes kehrt sich zum Schlechten; Meine Gelassenheiten würden dich bewegen, Meine Sanftheiten würden dich stechen, Meine Verbindungen würden dich brechen, Meine Krönungen verfluchen und töten. Ach, ich kann dich nur lieben! Möge Gott dich segnen, meine Geliebte, - möge Gott dich segnen!
Kann ich dich lieben, meine Geliebte, - kann ich dich lieben? Und ist das wie Liebe, dazustehen Ohne Hilfe in meiner Hand, Wenn ich, stark wie der Tod, gerne über dich wachen möchte? Mein Liebeskuss kann keine Träne leugnen, Die unter ihm fällt; Mein Eid der Liebe kann dich von keinem Übel freischwören, Das sich dir nähert, Und du stirbst, während ich es hauche, Und ich - ich kann nur sterben! Möge Gott dich lieben, meine Geliebte, - möge Gott dich lieben!
Elizabeth Barrett Browning [1806-1861]
LEBWOHL
Du gehst; an welchen fernen Ort Wirst du dein Sonnenlicht tragen? Ich bleibe mit kaltem und bewölktem Gesicht: Wie lange habe ich zu verweilen? Wohin du auch gehst, Morgen wird sein; Du lässt Nacht und Düsternis für mich zurück.
Die Nacht und Düsternis kann ich nur nehmen; Ich missgönne dir deinen Glanz nicht: Heiß die Seelen eifriger Menschen erwachen; Sei freundlich und hell und zärtlich. Gib anderen Welten den Tag; für mich Muss es genügen, von dir zu träumen.
John Addington Symonds [1840-1893]
"ICH LIEBE DICH NICHT"
Ich liebe dich nicht! - nein! Ich liebe dich nicht! Und doch, wenn du abwesend bist, bin ich traurig; Und beneide sogar den hellen blauen Himmel über dir, Dessen stille Sterne dich sehen und glücklich sein mögen.
Ich liebe dich nicht! - doch, ich weiß nicht warum, Was immer du tust, scheint mir immer gut getan: Und oft in meiner Einsamkeit seufze ich, Dass jene, die ich liebe, dir nicht ähnlicher sind!
Ich liebe dich nicht! – doch, wenn du fort bist, hasse ich den Klang (obgleich die Sprechenden nah sind), der das verhallende Echo des Tons bricht, den deine Musikstimme in meinem Ohr hinterlässt.
Ich liebe dich nicht! – doch deine sprechenden Augen, mit ihrem tiefen, hellen und überaus ausdrucksvollen Blau, erheben sich zwischen mir und dem Mitternachtshimmel, öfter als jede Augen, die ich je kannte.
Ich weiß, ich liebe dich nicht! – doch ach! Andere wollen meinem aufrichtigen Herzen kaum trauen; und oft ertappe ich sie dabei, wie sie lächelnd vorübergehen, weil sie sehen, wie ich dorthin starre, wo du bist.
DIE PALME UND DIE KIEFER
Unter einer indischen Palme ruht ein Mädchen von anderem Blut, ihre Wange ist klar und bleich wie Perle, inmitten dieses Rosenmeeres.
Neben einer nördlichen Kiefer lehnt ein Junge, in Träumereien befangen, und hört nicht, wie mit lärmender Freude der ungeduldige Hund wartet.
Kühl wird die kranke und fiebrige Ruhe, – gelockert das frostige Band, – die Kiefer träumt von der Palme, die Palme von der Kiefer.
Ebenso bald wird die Natur jene dunkel geschauten Zweige verflechten, wie diese jungen Liebenden von Angesicht zu Angesicht ihre frühen Gelübde erneuern!
O SCHWALBE, SCHWALBE, FLIEGEND NACH SÜDEN Aus „The Princess“
O Schwalbe, Schwalbe, fliegend, fliegend nach Süden, flieg zu ihr und lass dich nieder auf ihrem goldenen Dachvorsprung, und sag ihr, sag ihr, was ich dir sage.
O sag ihr, Schwalbe, du, die du jedes kennst, dass hell und grimmig und launisch der Süden ist, und dunkel und treu und zärtlich der Norden.
O Schwalbe, Schwalbe, wenn ich folgen könnte und landen auf ihrem Gitterfenster, ich würde pfeifen und trillern, und zwanzig Millionen Liebesworte piepsen und zwitschern.
O wäre ich du, dass sie mich aufnähme, und mich an ihren Busen legte, und ihr Herz die schneeweiße Wiege schaukeln würde, bis ich stürbe!
Warum zögert sie, ihr Herz in Liebe zu kleiden, und säumt, wie die zarte Esche säumt, sich zu kleiden, wenn alle Wälder grün sind?
O sag ihr, Schwalbe, dass deine Brut ausgeflogen ist; sag ihr, ich spiele nur im Süden, doch im Norden ist längst mein Nest gebaut.
O sag ihr, das Leben ist kurz, doch die Liebe ist lang, und kurz ist die Sommersonne im Norden, und kurz ist der Mond der Schönheit im Süden.
O Schwalbe, fliegend aus den goldenen Wäldern, flieg zu ihr und pfeife und wirb um sie und mach sie mein, und sag ihr, sag ihr, dass ich dir folge.
DER NAME DER BLUME
Hier ist der Garten, den sie durchschritt, Arm in Arm mit mir, vor so kurzer Zeit: Horch, nun drücke ich die Pforte, das Moos behindert die Angeln und lässt sie ächzen! Sie muss diesen Strauch erreicht haben, ehe sie sich wandte, als mit jenem Gemurmel die Pforte zurückschwang; denn sie legte die arme Schnecke, die mein zufälliger Fuß aufschreckte, zwischen die Blätter, damit sie fresse und vergesse.
Auf dieser Seite des Kieswegs ging sie, während der Saum ihres Kleides den Buchsbaum streifte: und hier hielt sie in ihrem anmutigen Gespräch inne, um mir einen Nachtfalter auf dem milchweißen Phlox zu zeigen. Rosen, in tapferer Reihe geordnet, ich werde niemals glauben, dass sie an euch vorüberging! Sie liebt euch, edle Rosen, ich weiß es; doch dort drüben sieh, wo die Felsengewächse liegen!
Bei dieser Blume hielt sie an, den Finger auf den Lippen, beugte sich darüber, im Zweifel, als würde sie ihren Anspruch prüfen; bis sie mir, mit Stolz, um sich nicht zu vertun, ihren weichen, gewundenen spanischen Namen nannte: Was für ein Name! War es Liebe oder Lob? Rede im Halbschlaf oder Gesang im Halbwachzustand? Ich muss Spanisch lernen, eines Tages, nur um dieses langsamen, süßen Namens willen.
Rosen, wenn ich lebe und es mir gut geht, mag ich sie eines Tages zu euch bringen, um euch mit einem ebenso feinen Zauber festzubinden, euch jede mit ihrem spanischen Ausdruck zu versehen: Doch haltet mich jetzt nicht auf; denn sie verweilt dort, wie Sonnenschein über dem Boden, und immer sehe ich ihre weichen weißen Finger, wie sie nach der Knospe suchen, die sie fand.
Blume, du Spanierin, sieh zu, dass du nicht wächst, bleib wie du bist und werde ewig geliebt! Knospe, wenn ich dich küsse, dann nur, damit du nicht aufblühst, merk dir, der geschlossene rosa Mund öffnet sich niemals! Denn während er schmollend ist, ringen ihre Finger, zwinkernd zwischen den verwegene Blättern, bis sie sich drehen und niedersinken – ist das liebe Zeichen nicht immer noch zu sehen?
Wo ich sie nicht finde, schwinden die Schönheiten; wohin ich ihr folge, fliehen die Schönheiten; gibt es keine Methode, ihr auf Spanisch zu sagen, dass der Juni doppelt Juni ist, seit sie ihn mit mir atmete? Komm, Knospe, zeig mir die geringste ihrer Spuren, bewahre den leichtesten Fußtritt meiner Dame! – Ach, ihr mögt spotten und eure Gesichter hochrecken, – Rosen, ihr seid so schön doch nicht!
AN MARGUERITE
Ja: im Meer des Lebens als Inseln, mit Echos von Meerengen zwischen uns geworfen, tüpfelnd das uferlose wässrige Wilde, leben wir sterblichen Millionen allein. Die Inseln fühlen den umschließenden Strom, und dann kennen sie ihre endlosen Grenzen.
Doch wenn der Mond ihre Mulden beleuchtet, und sie von Frühlingsbalsam durchweht werden, und in ihren Tälern, in sternenklaren Nächten, die Nachtigallen göttlich singen; und liebliche Noten, von Ufer zu Ufer, über die Sunde und Kanäle strömen;
O dann wird eine Sehnsucht wie Verzweiflung in ihre fernsten Höhlen gesandt! Denn wahrlich einst, so fühlen sie, waren wir Teile eines einzigen Kontinents. Nun breitet sich um uns die wässrige Ebene – O könnten unsere Ränder wieder einander begegnen!
Wer ordnete an, dass das Feuer ihrer Sehnsucht sobald es entzündet, gekühlt werden sollte? Wer macht ihr tiefes Verlangen zunichte? – Ein Gott, ein Gott bestimmte ihre Trennung; und hieß zwischen ihren Ufern zu sein die unergründliche, salzige, entfremdende See.
TRENNUNG
Halt! – sprich nicht zu mir, bei diesem bitteren Abschied, von den sicheren Tröstungen der Zeit! Frisch sei die Wunde, stets erneuert sei ihr Schmerz, wenn nur dein Bildnis in seiner Blüte besteht.
Doch wenn das standhafte Gebot der Natur will, dass die Erinnerung immer vergehe – wenn die geliebte Form und das tief gehegte Merkmal, wenn ungesehen, aus der Seele schwinden muss –
Lass mich keine halb ausgelöschten Erinnerungen beschweren! Entflohen, entflohen sei augenblicklich jedes Überbleibsel von dir! Tief sei die Dunkelheit und still der Schlummer – tot sei die Vergangenheit und ihre Trugbilder für mich!
Dann, wenn wir uns treffen und dein Blick zu mir schweift, mein Gesicht prüfend und die Veränderungen, die dort gewirkt wurden: Wer, lass mich sagen, ist dieser Fremde, der mich betrachtet, mit den grauen Augen und dem lieblichen braunen Haar?
SEHNSUCHT
Komm zu mir in meinen Träumen, und dann werde ich am Tage wieder gesund sein! Denn dann wird die Nacht mehr als entschädigen für das hoffnungslose Sehnen des Tages.
Komm, wie du tausendmal kamst, eine Botin aus strahlenden Klimazonen, und lächle auf deine neue Welt, und sei zu anderen so gütig wie zu mir!
Oder, wie du niemals in Wahrheit kamst, komm nun, und lass mich es als Wahrheit träumen; und teile mein Haar und küsse meine Stirn, und sage: Mein Geliebter! warum leidest du?
Komm zu mir in meinen Träumen, und dann werde ich am Tage wieder gesund sein! Denn dann wird die Nacht mehr als entschädigen für das hoffnungslose Sehnen des Tages.
GETRENNT
I Ein leerer Himmel, eine Welt aus Heidekraut, Purpur von Fingerhut, Gelb von Ginster; wir zwei, unter ihnen watend, Honig ausschüttelnd, Duft unter die Füße nehmend.
Scharen von Bienen sind schwindelig vor Klee, Scharen von Grashüpfern springen zu unseren Füßen, Scharen von Lerchen hängen beim Morgengebet darüber, dem Herrn dankend für ein so süßes Leben.
Es rötet sich die Anhöhe mit ihrem purpurnen Gefallen, es glüht der Spalt mit ihrem goldenen Ring, zwischen den beiden schwanken braune Schmetterlinge, landen leicht und schwingen schläfrig.
Wir zwei gehen, bis das Purpur stirbt, und kurzes trockenes Gras unter dem Fuß braun ist, doch ein kleiner Streifen liegt in der Ferne, grün wie ein Band, um die Anhöhe zu schmücken.
II Über das Gras schritten wir darauf zu, und Gott, Er weiß, wie heiter wir waren! Keine Stimme, die uns hieß, es zu meiden: Heida, das grüne Band, das so schön erschien!
Heida, das grüne Band! Wir knieten daneben, wir teilten die Gräser, tauig und glänzend: Tropfen für Tropfen sickerte und glitt dort ein winziger heller Bach, der dazwischen rann.
Kling, kling, süß sang er uns zu, leicht war unser Gespräch wie von Feenglocken; – Feenhochzeitsglocken läuteten schwach uns zu, unten in ihren glücklichen Parallelen.
Hand in Hand, während die Sonne herüberlugte, schlürften wir das Gras an jener jungen Quelle; fegten ihre Binsen zurück, glätteten ihren Klee, und sagten: „Lasst uns ihr westwärts folgen.“
III Ein gefleckter Himmel, eine Welt aus Wiesen, über uns kreisend fliegen die schwarzen Saatkrähen vorwärts, rückwärts; seht, ihre dunklen Schatten huschen über den blühenden Wandteppich; –
huschen über den Bach; denn ihr langes Gras teilt sich wie Haar, das von den hellen Augen eines Mädchens zurückgeweht wird: und seht, die Sonne stürzt wie ein Liebhaber mit ihrem schmeichelnden Lächeln auf ihre eigensinnige Bahn.
Singt weiter! Wir singen im herrlichen Wetter, bis einer über den winzigen Strang tritt, so schmal, wahrlich, dass wir immer noch zusammen an jedem Ufer Hand in Hand gehen.
Der Bach wird breiter, die Hände müssen sich trennen. An jedem Rand, unsere Lieder ganz beendet, bewegen wir uns auseinander, während sie immerzu singt, den Lauf der sich neigenden Sonne nehmend.
Er betet: „Komm herüber“, – ich darf nicht folgen; ich rufe: „Kehr zurück“, – doch er kann nicht kommen: wir sprechen, wir lachen, doch mit hohlen Stimmen; unsere Hände hängen herab, unsere Herzen sind taub.
IV Ein atmender Seufzer, ein Seufzer zur Antwort, ein wenig Reden von äußeren Dingen: der sorglose Bach ist ein lustiger Tänzer, hält süßen Takt zu dem Lied, das sie singt.
Ein wenig Schmerz, wenn der Bach breiter wird; „Komm jetzt zu mir; denn ihre Wellen schwellen“; „Ich darf nicht kreuzen“, – und die Stimme neben ihr erreicht ihn schwach, obwohl wohl beachtet.
Kein rückwärtiger Pfad; ach! kein Zurückkehren; kein zweites Kreuzen des Fließens jener Welle: „Komm jetzt zu mir, denn der Westen brennt; komm, ehe es dunkel wird. – Ach, nein! ach, nein!“
Dann Schmerzensschreie und ausgestreckte Arme, – der Bach wird breiter und reißend und tief: leidenschaftliche Worte wie von einem Flehenden: Der laute Bach übertönt sie: wir gehen und weinen.
V Ein gelber Mond, in Pracht herabsinkend, eine müde Königin, von ihrem Staat bedrückt, tief bei Binsen und Schwertlilien sich neigend, liegt sie weich auf den Wellen zur Ruhe.
Die wüsten Himmel haben ihre Traurigkeit gefühlt; ihre Erde wird ihr ein paar tauige Tränen weinen; der wilde Bach beendet seine Weise der Freude, und geht still wie eine Seele, die sich fürchtet.
Wir zwei gehen weiter auf unseren grasbewachsenen Plätzen, an jedem Rand der mondbeschienenen Flut, mit der eigenen Traurigkeit des Mondes in unseren Gesichtern, wo Freude verdorrt ist, Blüte und Knospe.
VI Eine schattige Frische, Maikäfer schwirren; ein kleines Pfeifen von blattversteckten Vögeln; ein Flügelschlagen, ein unruhiges Rühren; eine Wolke nach Osten, schneeweiß wie Quark.
Kahle Grashänge, wo Zicklein angebunden sind, runde Täler wie Nester, alle farnausgekleidet, runde Hügel, mit flatternden Baumwipfeln befiedert, schwellen hoch in ihren gesprenkelten Gewändern dahinter.
Ein zartes Rosenrot, ein Beben, ein Zittern, wenn goldene Strahlen auf die Baumwipfel gleiten; ein blitzender Rand für den milchweißen Fluss, der Bach, ein Fluss – mit stiller glatter Flut.
Breit und weiß und poliert wie Silber, geht sie dahin unter fruchtbeladenen Bäumen: versunken im Laub gurrt die Ringeltaube und klagt über die Treulosigkeit der Liebe.
Der Tau glitzert und der Fluss scheint, die Lilie kommt herauf und trocknet ihren Kelch; doch zwei gehen für immer getrennt und winken sich zum stummen Abschied.
VII Ein tapfereres Schwellen, ein schnelleres Gleiten; der Fluss eilt, ihre Ufer weichen zurück. Flügelartige Segel, auf ihrem Busen gleitend, tragen die Lilie hinab und ertränken das Schilf.
Stattliche Bugspriete steigen und neigen sich (Rufe von Seeleuten wintern die Luft), und ebene Sandflächen als Ufer verleihen dem winzigen grünen Band, das so schön erschien.
Während, o mein Herz! als weiße Segel zittern, und Wolken vorüberziehen und Ufer sich weit dehnen, wie schwer ist es zu folgen, mit Lippen, die zittern, diesem sich bewegenden Fleck auf der fernen Seite.
Weiter, weiter; ich sehe es, weiß es – meine Augen laufen über, es schmilzt dahin: Nur mein Herz soll es meinem Herzen zeigen, während ich Tag für Tag trostlos wandle.
VIII Und doch weiß ich über alles Zweifeln, wahrlich, – ein Wissen größer, als Kummer trüben kann, – ich weiß, wie er liebte, wird er mich pflichtgemäß lieben, – ja, besser, sogar besser, als ich ihn liebe.
Und während ich am riesigen ruhigen Fluss wandle, dem furchtbaren Fluss, so schrecklich anzusehen, sage ich: „Deine Breite und deine Tiefe sind für immer überbrückt durch seine Gedanken, die zu mir herübergehen.“
MEINE SPIELGEFÄHRTIN
Die Kiefern waren dunkel auf dem Ramoth-Hügel, ihr Gesang war leise und tief; die Blüten fielen im süßen Maiwind wie der Schnee.
Die Blüten trieben uns zu Füßen, die Vögel im Obstgarten sangen hell; es schien der süßeste und traurigste Tag des ganzen Jahres.
Denn mehr als Vögel oder Blumen verließ meine Spielgefährtin ihr Heim, und nahm mit sich den lachenden Frühling, die Musik und die Blüte.
Sie küsste die Lippen von Verwandten und Freunden, sie legte ihre Hand in meine: Was mehr konnte der schüchterne Junge verlangen, der ihres Vaters Rinder fütterte?
Sie verließ uns in der Blüte des Mai: Die steten Jahre erzählten ihre Jahreszeiten mit ebenso süßen Morgenden im Mai, doch sie kam nicht mehr zurück.
Ich wandle mit lautlosen Füßen den Kreis der ereignislosen Jahre; immer noch säe ich den Frühling und ernte die Ähren des Herbstes.
Sie lebt dort, wo das ganze goldene Jahr ihre Sommerrosen blühen; die dunklen Kinder der Sonne kommen und gehen vor ihr.
Dort glättet sie vielleicht mit ihren juwelenbesetzten Händen ihr seidenes Gewand – nicht mehr der hausgewebte Schoß, in dem ich die Walnüsse herunterschüttelte.
Die wilden Trauben warten auf uns am Bach, die braunen Nüsse auf dem Hügel, und immer noch machen die Maiblumen die Wälder von Follymill süß.
Die Lilien blühen im Teich, der Vogel baut im Baum, die dunklen Kiefern singen auf dem Ramoth-Hügel den langsamen Gesang der See.
Ich frage mich, ob sie an sie denkt, und wie die alte Zeit erscheint, – ob jemals die Kiefern des Ramoth-Waldes in ihren Träumen klingen.
Ich sehe ihr Gesicht, ich höre ihre Stimme: Erinnert sie sich an meine? Und was ist ihr nun der Junge, der ihres Vaters Rinder fütterte?
Was kümmert es sie, dass die Pirole für andere Augen bauen als unsere, – dass andere Schoße mit Nüssen gefüllt sind und andere Hände mit Blumen?
O Spielgefährtin in der goldenen Zeit! Unser moosiger Sitz ist grün, seine säumenden Veilchen blühen noch, die alten Bäume neigen sich darüber.
Die Winde, so süß von Birke und Farn, wehen eine süßere Erinnerung; und dort im Frühling singen die Drosseln den Gesang von vor langer Zeit.
Und immer noch stöhnen die Kiefern des Ramoth-Waldes wie die See, – das Stöhnen der See des Wandels zwischen mir und dir!
EIN ABSCHIED
Mit allem Willen, doch sehr gegen mein Herz, trennen wir zwei uns nun. Mein Liebster, unser Trost ist, dass der traurige Weg so klar liegt. Es bedarf keiner Kunst, mit schwachen, abgewandten Füßen und vielen Tränen, auf unseren entgegengesetzten Pfaden auszuharren. Geh du nach Osten, ich nach Westen. Wir werden nicht sagen, dass es irgendeine Hoffnung gibt, es ist so weit weg. Doch, o mein Bester, wenn das eine Liebling unseres Witwenstandes, der Säugling Kummer, tot ist, und kein Tau unsere Augen trübt, um das Pfirsichblühen in den Abendhimmeln zu sehen, mögen wir vielleicht, wo jetzt diese Nacht Tag ist, und sogar durch den Glauben an die still abgewandten Füße, den Kreis unserer Verbannung vollendend, erstaunt uns begegnen; die bittere Reise zum Ziel so süß das endlose Fest unserer Zufriedenheit würzend mit Tränen der Wiedererkennung, die niemals versiegen.
ABREISE
Es war nicht wie deine großen und anmutigen Arten! Bereust du, die du sonst nichts zu beklagen hast, niemals, meine Liebe, wie du an jenem Julinachmittag gingst, mit plötzlicher, unverständlicher Phrase, und erschrockenem Auge, auf deine Reise von so vielen Tagen ohne einen einzigen Kuss oder ein Lebwohl? Ich wusste zwar, dass du bald scheiden würdest; und so saßen wir, in den Strahlen der tiefstehenden Sonne, du mir züsternd, denn deine Stimme war schwach, dein erschütterndes Lob. Nun, es war gut, dich solche Dinge sagen zu hören, und ich konnte sagen, was deine Augen zu einem glühenden Dunkel der Liebe machte, wie ein warmer Südwind einen Märzhain verdüstert.
Und es war wie deine großen und anmutigen Arten, dein Gespräch auf tägliche Dinge zu lenken, meine Liebe, die leuchtende, pathetische Wimper hebend, um das Lachen aufblitzen zu lassen, während ich näher rückte, weil du so leise sprachst, dass ich kaum hören konnte. Doch plötzlich mich zuletzt zu verlassen, mehr über das Wunder als den Verlust erstarrt, mit gehetzter, unverständlicher Phrase, und erschrockenem Auge, und deine Reise aller Tage anzutreten mit nicht einem Kuss oder einem Lebwohl, und der einzige lieblose Blick der Blick, mit dem du vorübergingst: Es war ganz ungleich deiner großen und anmutigen Arten.
EIN ABSCHIEDSLIED
Meine Liebe, die Zeit ist gekommen, dem Londoner Städtchen Lebwohl zu sagen, Lebwohl jeder vertrauten Straße, dem Zimmer, von dem wir hinunterblickten auf die Leute, die vorübergingen, den Fluss, der schnell floss: den zahllosen Schein der Lampen, die Brücken und – unsere Vergangenheit.
Unsere Vergangenheit von Londoner Tagen und Nächten, als wir jede Nacht träumten von Liebe und Kunst und Glück, und jeder Tag schien – Ach! kleines Zimmer, du hieltest mein Leben, in dir fand ich mein Alles; eine weiße Hand auf dem Kaminsims, ein Schatten an der Wand.
Meine Liebe, was für Essen wir hatten, was für Zigaretten und Wein in verblassten Ecken von Soho, deine Finger berührten meine! Und nun ist die Zeit gekommen, dem Londoner Städtchen Lebwohl zu sagen; der Prolog unseres Stücks ist zu Ende, also lass den Vorhang fallen.
Ein volles Leben liegt vor uns in Feld und schläfriger Gasse, ein schöneres Bild als das, das wir sahen, eingerahmt in unserer Fensterscheibe. Es wird die Sterne in Sommernächten geben, den weißen Mond durch die Bäume, Motten und den Gesang der Nachtigallen, der in der Brise schwebt.
Und am Morgen werden wir sehen die Schwalben in der Sonne, und den Kuckuck auf dem Hügel hören, der einen begonnenen Tag begrüßt. Und das Leben wird sich öffnen mit der Rose für mich, Süße, und für dich, und auf unser Leben und auf die Rose, wie sanft der fallende Tau!
Also lasst uns diesen ruhigen Pfad nehmen, doch eine Abschiedsträne fallen lassen für die Stadt, deren größtes Geschenk an uns war, hier Liebende zu sein.
LIED Aus „The Earthly Paradise“
Schön ist die Nacht und schön der Tag, nun der April vom Mai vergessen ist, nun in den Juni der Mai vergeht: Schöner Tag! schöne Nacht! O gib mir zurück die Flut, der es an allen schönen Dingen fehlte außer meiner Liebe, außer meiner Süßen!
Wehe zurück, o Wind! du bist nicht gütig, obgleich du süß bist: du hast nicht den Sinn, ihr Haar um meine Süße zu binden. O blumige Flur! obgleich du hell bist, ich preise dich nicht für dein Entzücken, – du hast ihre silbernen Füße nicht geküsst.
Du kennst sie nicht, o rauschender Baum! Was tust du dann, um mich zu beschatten, dessen Schatten ihre Brust niemals sah? O Blumen! vergebens neigt ihr euch nieder: Ihr habt ihr duftendes Gewand nicht gefühlt, wie es eure Häupter streifte, um meine Lippen zu treffen.
Fließe weiter, großer Fluss! du magst meinen, dass du weit entfernt, als Sommerstrom, ihre Glieder inmitten des Schimmers sahst, und ihren Fuß küsstest und ihr Knie küsstest: Doch eile schnell zum Meer! Mit nichts Wahrem wirst du mich begrüßen.
Und Du, die Menschen bei meinem Namen nennen! O hilflose Eine! hast du keine Scham, dass du sogar gleich aussehen musst wie vorzeiten, wie vorzeiten, als Du und Sie allein gelassen wurden, und Hände und Lippen und Tränen sich trafen?
Werde schwach und dörre dahin, lege dich nieder zu sterben, o Körper! in deinem Elend, weil kurze Zeit und Süße vergeht. O törichtes Herz! wie schwach du bist: Brich, brich, weil du von deiner eigenen Liebe, von deiner eigenen Süßen scheiden musst!
BEIM ABSCHIED
Einen Tag und eine Nacht sang die Liebe uns zu, spielte mit uns, hüllte uns ein vor der Dunkelheit und dem Licht; und unsere Herzen waren erfüllt von der Musik, die er mit uns machte, machte mit unseren Herzen und unseren Lippen, während er bei uns blieb, hielt mitten im Flug seine Schwingen an für einen Tag und eine Nacht.
Vor seinen Feinden, die mit ihren Schwingen Wache hielten, hatte er uns verborgen, Uns dicht verhüllt vor den Augen, die uns schlagen wollten, Vor den Füßen, die uns aufgespürt, und den Zungen, die uns gescholten hatten, Schutz suchend im Schatten der Myrten, die uns verwehrt waren, Geist und Fleisch eins werdend in Entzücken Für einen Tag und eine Nacht.
Doch seine Schwingen rasten nicht und seine Füße bleiben nicht für uns: Der Morgen ist da in der Freude seiner Macht; Mit seinem Hauch hat er eine Nacht und einen Tag für uns versüßt: Nun lass ihn ziehen, und die Myrten machen uns den Weg frei; Die Liebe kann nur in uns hier auf ihrem Gipfel dauern Für einen Tag und eine Nacht.
Wüsste sie nur, dass ich noch weine, Immer noch um ihretwillen, Dass Liebe und Kummer mit dem Bewahren wachsen, Bis sie brechen müssen, Mein Herz, das in diesem Brechen sie anbeten wird, Ihr eigen sein und sterben; Könnte sie mich nur einmal flehen hören, Würde sie nicht seufzen?
Wüsste sie nur, dass es mich rettete, Ihre Stimme zu hören, Wie sie sagt, sie habe Mitleid mit mir, verzeihe mir, Müsste sie da nicht innehalten? Würde man ihr sagen, dass ich sterbe, Wäre sie stumm? Könnte sie sich mit Seufzen begnügen? Würde sie nicht kommen?
Kathleen Mavourneen! Das graue Morgenrot bricht an, Das Horn des Jägers ertönt auf dem Hügel; Die Lerche schüttelt den hellen Tau von ihrem leichten Flügel, – Kathleen Mavourneen! Was, schlummerst du noch immer? Oh, hast du vergessen, wie bald wir uns trennen müssen? Oh! Hast du vergessen, dass wir uns an diesem Tag trennen müssen? Es mag für Jahre sein, und es mag für immer sein! Oh, warum bist du stumm, du Stimme meines Herzens? Oh! Warum bist du stumm, Kathleen Mavourneen?
Kathleen Mavourneen, erwache aus deinem Schlummer! Die blauen Berge glühen im goldenen Licht der Sonne; Ach, wo ist der Zauber, der einst auf meinen Versen lag? Erhebe dich in deiner Schönheit, du Stern meiner Nacht! Mavourneen, Mavourneen, meine traurigen Tränen fallen, Wenn ich daran denke, dass ich von Erin und von dir scheiden muss! Es mag für Jahre sein, und es mag für immer sein! Warum bist du dann stumm, du Stimme meines Herzens? Warum bist du dann stumm, Kathleen Mavourneen?
Was bedeutet mir diese öde Stadt? Robin ist nicht in der Nähe, – Er, den ich sehen wollte, Den ich hören wollte; Wo ist all die Freude und Fröhlichkeit, Die das Leben zu einem Himmel auf Erden machte? O, sie sind alle mit dir entflohen, Robin Adair!
Was ließ die Gesellschaft erstrahlen? Robin Adair: Was machte den Ball so schön? Robin war dort: Was, als das Spiel vorbei war, Was machte mein Herz so wund? O, es war der Abschied von Robin Adair!
Doch nun bist du weit von mir, Robin Adair; Doch nun sehe ich niemals Robin Adair; Doch er, den ich so sehr liebte, Soll immer in meinem Herzen wohnen; O, ich kann niemals vergessen Robin Adair!
Willkommen wieder am Ufer, Robin Adair! Willkommen noch einmal, Robin Adair! Ich fühle deine zitternde Hand; Tränen stehen in deinen Augenlidern, Um dein Heimatland zu grüßen, Robin Adair!
Lange sah ich dich nicht, Liebster, Robin Adair; Immer betete ich für dich, Liebster, Robin Adair; Als du weit auf See warst, Machten mir viele den Hof, Doch immer dachte ich an dich, Robin Adair!
Komm wieder an mein Herz, Robin Adair; Niemals mehr sich trennen, Robin Adair; Und wenn du noch immer treu bist, Werde ich auch beständig sein, Und niemanden außer dir heiraten, Robin Adair!
O Liebe, wenn du hier wärst An diesem trüben, müden Tag, – Wenn deine Lippen, warm und teuer, Ein süßes Wort zu sagen wüssten, – Dann schienen diese Himmel von winterlichem Grau Kaum mehr trübe.
Doch du bist weit entfernt, – Wie fern von mir, meine Liebe! Welcher Trost kann den Tag erwärmen? Mein Herz ist erstarrt vor Angst, Durchbohrt von jähem Entsetzen; Ein Gedanke hat das Leben versengt:
Wenn du, aus der Ferne, Nicht zurückkehren solltest, meine Liebe; Wenn ich nicht mehr meine Hand Auf die deine legen könnte, noch hören Diese Stimme, nun traurig, nun heiter, Mein lauschendes Ohr liebkosen;
Wenn du, aus der Ferne, Nicht mehr kommen solltest, meine Liebe, – Dann mit welch schrecklichem Entsetzen Würde sich Jahr zu feindlichem Jahr Zusammenziehen, wenn ich dort bliebe, Wo Erinnerungen spotten und höhnen!
Doch ich würde fortgehen, Um bei dir zu wohnen, meine Liebe; Durch unbekannte Welten zu irren, – Oder zu schlafen; weder hoffen, noch fürchten, Noch träumen unter dem Lehm Von all unseren Tagen, die waren.
Komm zu mir, Liebste, ich bin einsam ohne dich; Am Tag und in der Nacht denke ich an dich; Nachts und tagsüber erblicke ich dich in Träumen; Unwillkommen ist das Erwachen, das dich nicht mehr in den Armen hält. Komm zu mir, Liebling, um mein Leid zu lindern, Komm in deiner Schönheit, um zu segnen und zu erhellen; Komm in deiner Weiblichkeit, sanft und demütig, Komm in deiner Liebesfähigkeit, königlich und heilig.
Schwalben werden um die verlassene Ruine flattern, Vom Frühling und seinem freudigen Erneuern kündend; Und Gedanken an deine Liebe und ihre vielfältigen Schätze Kreisen um mein Herz mit einem Versprechen von Freude. O Frühling meines Geistes, o Mai meines Busens, Erstrahle auf meiner Seele, bis sie keimt und blüht; Das Ödland meines Lebens hat eine Rosenwurzel in sich, Und allein deine Zärtlichkeit kann sie zum Sonnenschein bewegen.
Gestalt, die wie ein Lied durch den Abend zieht; Gesichtszüge, erhellt von einem Widerschein des Himmels; Augen wie die Himmel unserer armen Mutter Erin, Wo Schatten und Sonnenschein einander jagen; Ein Lächeln, das selten kommt, doch kindlich und einfach, Und in jede rosige Wange ein süßes Grübchen pflanzt; – O, Dank dem Erlöser, dass selbst dein Ebenbild Dem Verbannten bleibt, um sein Träumen zu erhellen.
Du warst froh, wenn du wusstest, dass ich froh war; Liebste, bist du jetzt traurig, wenn du hörst, dass ich traurig bin? Unsere Herzen antworten stets im Einklang und im Takt, meine Liebe, Wie Oktave zu Oktave und Reim zu Reim, meine Liebe: Ich kann nicht weinen, ohne dass deine Tränen fließen, Du kannst nicht lächeln, ohne dass meine Wange erglüht; Ich möchte nicht ohne dich an meiner Seite sterben, meine Liebe, Du wirst nicht verweilen, wenn ich gestorben sein werde, meine Liebe.
Komm zu mir, Liebste, ehe ich an meinem Kummer sterbe, Geh auf über meinem Dunkel wie die Sonne von morgen; Stark, schnell und innig sind die Worte, die ich spreche, meine Liebe, Mit einem Lied auf deinen Lippen und einem Lächeln auf deiner Wange, meine Liebe. Komm, denn mein Herz ist in deiner Abwesenheit müde, – Eile, denn mein Geist ist krank und trübselig, – Komm in meine Arme, die allein dich liebkosen sollten, Komm zu dem Herzen, das pocht, um dich zu drücken!
Es heißt, dass die Abwesenheit die Liebe besiegt! Doch, oh! glaube es nicht; Ich habe versucht, ach, ihre Macht zu beweisen, Doch du bist nicht vergessen. Dame, auch wenn das Schicksal uns zur Trennung zwang, So bist du mir doch noch genauso teuer, Genauso fest in diesem ergebenen Herzen, Wie als ich dich hier in die Arme schloss.
Ich stürze mich in die geschäftige Menge Und lächle, wenn ich deinen Namen höre; Und doch, als ob ich laut dächte, Kennen sie mich noch immer als denselben; Und wenn der Weinbecher die Runde macht, Trinke ich auf eine andere Schöne, – Doch wenn ich mein Herz nach dem Klang frage, Wird dein Name darin widerhallt.
Und wenn ich einen anderen Namen erfahre Und versuche, von Liebe zu flüstern, Wird mein Herz doch immer zu dir zurückkehren Wie die heimkehrende Taube. Vergeblich! Ich kann niemals vergessen, Und möchte nicht vergessen werden; Denn ich muss dasselbe Bedauern tragen, Was auch immer mein Los sein mag.
Ebenso wie der verwundete Vogel danach trachtet, In seinem geliebten Nest zu sterben, So, Dame! möchte ich dich sprechen hören Und meinen Abschiedsseufzer geben. Es heißt, dass die Abwesenheit die Liebe besiegt! Doch, oh! glaube es nicht; Ich habe versucht, ach, ihre Macht zu beweisen, Doch du bist nicht vergessen.
Zu schön, ich darf dich nicht mein nennen: Zu teuer, ich darf nicht sehen, Wie jene Augen mit Brautleuchten strahlen; Doch, Liebling, bewahre für mich – Leer und still und sicher abseits – Einen kleinen Winkel deines Herzens.
Du wirst glücklich sein, Liebling! und gesegnet Sei dir: Mögest du glücklich sein. Ich möchte dein Vergnügen nicht schmälern; Doch, Liebling, bewahre für mich – Mein Leben zu erhellen, mein Los zu durchsäuern – Einen kleinen Winkel deines Himmels.
Leb wohl, liebes Herz! Ich gehe, um Einen müden Weg fern von dir zu wohnen; Unser erster Kuss ist unser letzter Abschied; Doch, Liebling, bewahre für mich – Der ich draußen in der Nacht wandere – Einen kleinen Winkel deines Lichts.
Noch nicht, geliebte Liebe, noch nicht: Die Sonne steht hoch; Du sagtest gestern Abend: „Bei Sonnenuntergang werde ich gehen.“ Komm in den Garten, wo, wenn Blüten sterben, Kein Wort gesprochen wird; es ist besser so: Ah! Bitteres Wort „Lebwohl“.
Hör! Wie die Vögel sonnige Lieder vom Frühling singen! Bald werden sie bauen, und die Arbeit wird sie zum Schweigen bringen; So werden wir weniger unbeschwert, wenn die Jahre bringen Des Lebens ernste Pflichten – und dann Das bittere Wort „Lebwohl“.
Die Veilchen duften unter deinen Füßen, Des Himmels goldenes Sonnenlicht träumt schräg auf deinem Haar: Keine Blume für mich! Dein Mund ist weitaus süßer. O, lass meine Lippen vergessen, während sie dort verweilen, Der Liebe bitteres Wort „Lebwohl“.
Schon Sonnenuntergang! Haben wir so lange gesessen? Die Abschiedsstunde, und so vieles blieb ungesagt! Der Garten ist still geworden – frei von Gesang, Unser Kummer schüttelt uns mit plötzlicher Angst! Ah! Bitteres Wort „Lebwohl“.
Die ganze goldene Zeit hindurch Bis der Herbst einbrach, Gingen unsere Leben zusammen So wild und so gut.
Doch der herbstliche Wind öffnet Das Herz all deiner Blumen; Ich denke, wie es mit den Rosen ist, So ist es mit den unseren gewesen.
Wie ein geteilter Fluss Werden deine und meine Wege sein, Um für immer auseinanderzudriften, Für immer bis zum Meer.
Und doch, für ein gesprochenes Wort, Ein Flüstern des Bedauerns, Wäre der Traum nicht zerbrochen, Und die Liebe wäre noch bei uns.
Die Damen von Frankreich sind zärtlich und frei, Und flämische Lippen sind willig, Und sanft sind die Mädchen von Italien, Und spanische Augen sind aufregend; Dennoch, obwohl ich mich in ihrem Lächeln sonne, Vermögen ihre Reize mich nicht zu binden, Und mein Herz kehrt zurück zu Erins Insel, Zu dem Mädchen, das ich hinter mir ließ.
Denn sie ist so schön wie das Ufer des Shannon, Und reiner als sein Wasser, Doch sie weigerte sich, meine Braut zu sein, Obwohl ich viele Jahre um sie warb; Doch seit ich nach Frankreich segelte, Erinnern mich ihre Briefe oft daran, Dass ich versprach, niemals zu widersprechen Dem Mädchen, das ich hinter mir ließ.
Sie sagt: „Mein eigener lieber Schatz, komm nach Hause, Meine Freunde sind reich und zahlreich, Oder aber ich werde mit dir im Ausland umherziehen, Ein Soldat so tapfer wie jeder andere; Wenn du nicht kommst und mich nicht gehen lässt, Werde ich glauben, dass du mich aufgegeben hast,“ – Mein Herz brach beinahe, als ich antwortete: „Nein“, Dem Mädchen, das ich hinter mir ließ.
Denn niemals soll meine wahre Liebe trotzen Einem Leben voller Krieg und Mühsal, Und niemals als ein feiger Sklave Werde ich meinen heimischen Boden betreten; Doch wäre es frei oder zu befreien, Das Ende der Schlacht würde mich finden, Auf dem Weg nach Irland, und ich bräuchte keine Nachricht Von dem Mädchen, das ich hinter mir ließ.
Wenn wir getrennt sind, lass mich liegen In irgendeinem fernen Winkel deines Herzens, Still und von der Welt abseits, Wie eine vergessene Melodie: Von der Welt nebenan vergessen, Gehegt von einer, und einer allein, Um irgendeiner geliebten Erinnerung willen; So lass mich in deinem Herzen wohnen, Wenn wir getrennt sind.
Wenn wir getrennt sind, bewahre für mich Die heilige Stille der Nacht; Diese Stunde, süße Liebe, gehört mir von Rechts wegen; Lass andere den Tag von dir beanspruchen! Während die kalte Welt uns zu Füßen schläft, Wird mein Geist mit deinem sprechen; – Wenn Sterne auf deinem Kissen scheinen, An deiner Herztür stehe ich und klopfe, Obwohl wir getrennt sind.
Ich saß neben dem Bächlein, Ich beobachtete den Wasserfluss, Wie wir ihn gemeinsam beobachteten Vor einem kleinen Jahr: Der sanfte Regen prasselte auf die Blätter, Das Frühlingsgras war feucht. Ah! Torheit, sich zu erinnern; Es ist weiser, zu vergessen.
Die Nachtigallen machten den Juni Mit seinem goldgepflasterten Palast stimmgewaltig; Ich beobachtete, wie die Rose, die du mir gabst, Ihr warmes rotes Herz entfaltete; Doch der Hauch der Rose und der Gesang des Vogels Waren voller wilden Bedauerns. Es ist Wahnsinn, sich zu erinnern; Es wäre Weisheit, zu vergessen.
Ich stand inmitten des goldenen Getreides, Ach! Ich wusste, nicht mehr, Das Maß der Ährenlese zu sammeln Von der Liebe, die von dir fiel. Für mich, keine gnädige Ernte – Wäre Gott, wir hätten uns nie getroffen! Es ist schwer, Liebe, sich zu erinnern, Aber es ist schwerer, zu vergessen.
Das Bächlein ist nun gefroren, Die Nachtigallen sind entflohen, Die Getreidefelder sind verlassen, Und jede Rose ist tot. Ich sitze neben meinem einsamen Feuer Und bete noch immer um Weisheit: Um die Ruhe, sich zu erinnern, Oder den Mut, zu vergessen.
Nancy Dawson, Nancy Dawson, Es ist noch nicht allzu lange her, Da hat dir jemand aus reiner Liebe Unrecht getan, Liebes; Ohne daran zu denken, dass es, Liebes, Alles in dir zerdrücken würde, was ich so sehr schätzte. Doch nun, was macht das schon, meine Nancy? Wo der Groschen ist, da ist die Laune. Bist du Nancy, diese alte Nancy? Nancy Dawson.
Nancy Dawson, Nancy Dawson, Ich vergesse dich, was du warst; Bis ich fühle, wie die traurigen Stunden kriechen, Liebes, Über mein Herz; wie einst, Liebes, Über meine Wange, dieses alte, alte Haar: Und dann, unversehens, meine Nancy, Erinnere ich mich und bilde mir ein, Du bist Nancy, diese alte Nancy; Nancy Dawson.
Gott behüte dich, meine kleine Liebe, Die ganze Nacht hindurch. Ruhe dicht in Seinen umschließenden Armen Bis zum Licht. Mein Herz ist bei dir, während ich niederknie, um zu beten: „Gute Nacht! Gott behüte dich in Seiner Obhut für immer.“
Dichte Schatten kriechen wie stumme Geister Um mein Bett. Ich verliere mich in zärtlichen Träumen, Während über mir Der Mond durch die Fenstergitter stiehlt. Eine silberne Sichel, die inmitten der Sterne glänzt.
Denn ich, obwohl ich weit entfernt bin, Fühle mich sicher und stark, Dir so zu vertrauen, liebe Liebe, und doch Ist die Nacht lang. Ich sage mit schluchzendem Atem das alte, innige Gebet: „Gute Nacht! Süße Träume! Gott behüte dich überall!“
Dreimal berührte sie mit ihren Lippen meine Lippen, Dreimal mit ihrer Hand meine Hand, Und dreimal dreimal schaute sie zur See, Aber niemals zum Land: Dann sagte sie: „Liebster, kein Zögern mehr, Denn der Himmel verbietet einen längeren Aufenthalt.“
Ich, mit meiner Leidenschaft im Herzen, Konnte keine Worte finden, die ich verschwenden wollte; Doch bestrebt, oft fortzugehen, Drückte ich sie an meine Brust: Ihre nassen Tränen wuschen meine müde Wange; Ich hätte sterben können, aber konnte nicht sprechen.
Der Anker schwingt, das Segel weht lose, Und im Wind sich beugend, Fliegt das hohe Schiff, niemals umzukehren, Durch die schäumenden Meere: Fröhlich ho! rufen die Matrosen; – Meine süße Liebe schwindet meinem Auge.
O Liebe, wende deinen Blick zum Land! Studiere nicht länger das Meer; Unser Gott, der so unsere Herzen trennt, Wird sicherlich für dich sorgen: Für mich lass den weiten Ozean schwingen, Auch ich liege sicher unter Seinem Flügel.
Das kleine Gatter war schließlich erreicht, Halb versteckt in Fliedersträuchern am Weg; Sie stieß es weit auf, und als sie hindurchging, Warf sie einen sehnsüchtigen Blick zurück, Und sagte: – „Auf Wiedersehen!“
Mit der Hand an der Klinke verweilte Widerstrebend eine weiße Erscheinung, und wieder Halb zweifelnd, ob sie recht tat, Sanft wie der Tau, der in jener Nacht fiel, Sagte sie: – „Auf Wiedersehen!“
Der klare Glanz der Lampe huscht die Treppe hinauf; Ich verweile in köstlichem Schmerz; Ah, in jener Kammer, deren reiche Luft Zu atmen ich im Gedanken kaum wage, Denkt sie: – „Auf Wiedersehen?“ . . .
Es sind dreizehn Jahre; wieder einmal drücke ich Den Rasen, der den Weg verstummen lässt; Ich höre das Rauschen ihres Kleides, Ich rieche den Flieder, und – ah, ja, Ich höre: – „Auf Wiedersehen!“
Süßes Stück schüchterner Mädchenkunst! Die englischen Worte hätten zu gierig geklungen, Doch diese – sie zogen uns Herz an Herz, Hielten uns jedoch zärtlich voneinander fern; Sie sagte: – „Auf Wiedersehen!“
Ich weiß oder sorge mich wenig, Ob die Amsel auf dem Zweig Mit ihrem sanften Crescendo jetzt Die ganze Luft erfüllt; Denn sie ist fortgegangen, Und als sie ging, nahm sie Den Frühling in ihrem Blick, Das Pfirsichblühen auf ihrer Wange, Das Lachen aus dem Bach, Das Blau aus dem Mai – Und was sie eine Woche nennt, Ist für immer und einen Tag!
Es kümmert mich wenig, Wie die Blüten, rosa oder weiß, Bei jeder Berührung des Windes Vor Entzücken zittern; Denn im belaubten Weg, Unter den Gartenbäumen, Und durch das stille Haus Suche ich allein eine Sache. Bis sie wiederkommt, Ist der Mai nicht der Mai, Und was sie eine Woche nennt, Ist für immer und einen Tag!
Der weiße Rosenbaum, der seinen Moschus Für der Liebenden süßeres Lob ausgab, Die stattlichen Wege, die wir in der Dämmerung aufsuchten, Haben dich viele Tage vermisst.
Wieder, mit einst vertrauten Füßen, Betrete ich das alte Blumenbeet – Doch, ah, seine Blüte ist nun weniger süß, Als als dein Gesicht dort war.
Ich höre die Vögel des Abends rufen; Ich nehme den wilden Duft; Ich pflücke eine Rose – um sie fallen zu lassen Und in der Finsternis vergehen zu lassen.
Jenseits des Fährwassers, Das schnell und still floss, Drehte sie sich um, blickte einen Moment, Dann trat sie ihre weitere Reise an.
Zwischen den sich windenden Weiden Zu einer Stadt, weiß von Türmen; Es schien ein Pfad von Pilgern Zur Heimat der Wünsche der Erde.
Blauer Schatten goldener Zweige Breitete sich für ihre Reise aus, Bis er, der verweilte, sie verlor Zwischen den Blättern des Frühlings.
Nur Sehnsucht nach dir – Die ganze Zeit fühle ich mich niedergeschlagen; Wünsche mir dich – frage mich, wann Du wieder nach Hause kommst; Ruhelos – weiß nicht, was ich tun soll – Nur Sehnsucht nach dir!
Trübsinnig Tag für Tag: Matt – allen im Weg; Die Leute lächeln und gehen vorüber, Fragen sich, was um alles in der Welt los ist; Es würde ihnen nicht helfen, wenn sie es wüssten – Nur Sehnsucht nach dir.
Das Zimmer ist so einsam, mit deinem Stuhl Dort leer am Kamin, Kann den Anblick einfach nicht ertragen! Gehe nach draußen und wandere ein wenig: Doch die Wälder sind auch einsam, Nur Sehnsucht nach dir.
Der Wind kommt mit Geräuschen, die gerade Wie das Rascheln deines Kleides sind; Und der Tau auf Blume und Baum Klingelt wie deine Schritte für mich! Veilchen, wie deine Augen so blau – Nur Sehnsucht nach dir!
Der Morgen kommt, die Vögel erwachen (Die, die so sehr deinetwegen sangen!), Doch es liegt Traurigkeit in den Tönen, Die bebend aus ihren Kehlen kommen! Scheinen auch deine Abwesenheit zu fühlen – Nur Sehnsucht nach dir!
Der Abend kommt: Ich vermisse dich mehr, Wenn die Dunkelheit in der Tür ist; Es scheint gerade so, als solltest du dort sein, Um sie für mich zu öffnen! Der Riegel klirrt – durchschauert mich, Lässt mich nach dir sehnen!
. . . . . . . . .
Nur Sehnsucht nach dir – Die ganze Zeit fühle ich mich niedergeschlagen! Wünsche mir dich – frage mich, wann Du wieder nach Hause kommst; Ruhelos – weiß nicht, was ich tun soll – Nur Sehnsucht nach dir!
Dominic kam herabgeritten, mit dem Schwert, aufrecht und prächtig, Stieß sein Heft gegen ihre Tür, warf eine goldene Kette. Sagte: „Ich werde deinen Lippen ein Lied lehren, so süß wie das, das geendet hat, Ehe die weiße Rose die Biene ruft, die Mandelblüte wieder.“
Doch er sah nur ihren Kopf, gebeugt im Dunkel Über Haufen von Brautfäden, hell wie Apfelblüte, Silberne Seide, die sich wie Regen über den webenden Webstuhl ausbreitete.
Der träumende Fanch, des Schusters Sohn, nahm sein Werkzeug und seine Schnürsenkel, Fertigte ihr Schuhe von scharlachroter Farbe, Schuhe so blass wie Schnee; „Sie sollen ihre wildrosigen Füße auf all die Feenpfade führen, Getanzt entlang der Straße der Liebe, der Straße, die solche Füße gehen sollten“ –
Doch er sah nur ihre Augen, die sich von seinem Geschenk abwandten Hinaus zu den silbernen Himmeln, wo die weißen Wolken treiben, Wo der wilde Gerfalke fliegt, wo die letzten Segel sich lüften.
Bran hat sein Gehöft hoch oben gebaut, wo die Hügel sie beschirmen können, Wo der junge Vogel auf den Frühling wartet, wo die Morgen hell sind, Sagte: „Ich werde meine Bäume nach ihr benennen, da ich ihr nicht geben kann Sterne des Morgens für ihre Füße, des Abends für ihr Haar.“
Doch er sah sie nicht reiten, sieben schwache Segel und mehr, Ganz entlang der Hafenseite, weiß von Ufer zu Ufer, Noch hörte er die Stimmen der Gezeiten, die an ihrer Tür wehklagten.
Jean-Marie hat seine Pfeife neben den Fluss gelegt, Wenn der junge Fuchs das Farn beugt, wenn die Hürden still sind, Sagte: „Ich sende ihr all die Gaben, die meine Liebe ihr geben kann, – Goldene Noten wie goldene Vögel, damit sie sie nach meinem Willen suchen.“
Doch er fand nur die Wellen, hörte den Schrei der Möwe, Ein und aus den Meereshöhlen, unter dem Himmel, Hoch über den windgepeitschten Gräbern, wo die toten Seefahrer liegen.
LIED
Sie ist irgendwo im starken Sonnenlicht, Ihre Tränen sind im fallenden Regen, Sie ruft mich im sanften Lied des Windes, Und mit den Blumen kommt sie wieder.
Jener Vogel ist nur ihr Bote, Der Mond ist nur ihr silberner Wagen; Ja! Sonne und Mond werden von ihr gesandt, Und jeder sehnsüchtig wartende Stern.
DER LIEBHABER DENKT AN SEINE DAME IM NORDEN
Nun sind viele die stattlichen Schiffe, die nordwärts davonfahren, Und graue Segel wehen nordwärts, schwarze Rümpfe, und ihrer sind noch viel mehr; Und Myriaden von Wikingermöwen schlagen ihre Flügel zu den nördlichen Meeren: Doch Oh, meine Gedanken, die zu dir gehen, sind mehr als all diese!
Die Winde wehen nach Norden wie eine Million eifriger Schwingen, Das gepeitschte Meer schleudert eine Million weißgekrönter Wellen nach Norden: Ich sende dir Gedanken, zahlreicher als die Wellen, die das Meer kräuseln, Eifriger als stürmische Winde, o Liebe, viele Meilen von mir entfernt!
O Liebe, viele Meilen von mir entfernt, ich wünschte, ich beträte das durchnässte Deck Eines Schiffes, das in den Norden eilt und jedem Wrack trotzt, Ich wünschte, ich wäre eine Möwe, stark im Flügel und frei von Furcht: Unbeirrt und flink würde ich den langen Weg zu meiner Liebsten fliegen!
O, wäre ich das Meer, ich würde gegen dein nördliches Land schlagen, Bis meine Wellen über alles flössen und deine wandernden Füße küssten; Und wäre ich der Wind, ich würde dir Düfte aus dem Süden zuwehen, Und meine Bitten an deine Ohren geben, meine Küsse an deinen Mund.
Obwohl viele Schiffe segeln, wird mich niemals eines tragen, Ich darf nicht nordwärts eilen mit den Möwen, den Winden, dem Meer; Doch inbrünstige Gedanken, so sagt man, können über viele Meilen Blau blitzen – Ach, so muss meine Liebe und Sehnsucht dir bekannt sein, liebes Herz!
CHANSON DE ROSEMONDE
Die Morgendämmerung ist einsam nach der Sonne, Und kühl und trostlos; Der eine einsame Stern ist blass und bleich Wie einer in Furcht.
Doch wenn der Tag über die Hügel schreitet, Rauscht das warme Blut durch Den entblößten, weichen Busen des Blaus Und das ganze frohe Morgenland bebt.
Oh, komm, mein König! Die Hunde der Freude Warten auf dein Horn, Um die Hindin des Herzensbegehrens Über die Höhen des Morgens zu jagen.
Oh, komm, meine Sonne, und lass mich wissen Das Entzücken des Tages! Oh, komm, meine Liebe! Oh, komm, meine Liebe! Du bist so lange fern!
AD DOMNULAM SUAM
Kleine Dame meines Herzens! Nur noch eine kleine Weile, Liebe mich: wir werden vorübergehen und uns trennen, Bevor diese Liebe stärker wird.
Ich habe dich geliebt, Kind! allzu sehr, Um etwas anderes zu tun, als dich zu verlassen: Nein! meine Lippen sollten niemals irgendeine Geschichte erzählen, Die dich betrüben könnte.
Kleine Dame meines Herzens! Nur noch eine kleine Weile Darf ich dich lieben: wir werden uns trennen, Bevor meine Liebe stärker wird.
Bald verlässt du das Feenland; Dunkler werden deine Locken: Bald kein Händchenhalten mehr; Bald keine Liebkosungen mehr!
Kleine Dame meines Herzens! Nur noch eine kleine Weile Sei ein Kind; dann werden wir uns trennen, Bevor diese Liebe stärker wird.
MARIAN DRURY
Marian Drury, Marian Drury, Wie sind die Marschen voll vom Meer! Acadie träumt von deiner Heimkehr Das ganze Jahr hindurch, und ihr Herz wird frei, –
Frei auf der Spur des Windes zu reisen, Zu suchen und zu jagen mit der schweifenden Flut, Das ganze Jahr lang, wo seine Hände entwirren, Was Blüte und Beere in den Marschen verbergen.
Marian Drury, Marian Drury, Wie sind die Marschen voll von der Brandung! April über dem Norland wandelt nun In der Stille von Saum zu Saum.
Begrabend, überquellend, die sich auftürmenden Wogen Nagen an den langen Deichen mit unruhigem Schaum. Durchnässt von goldenem Wetter, küssen die müßigen Weiden Dir eine Hand aus dem Norland-Heim.
Marian Drury, Marian Drury, Wie sind die Marschen voll von der Sonne! Blomidon wartet auf deine Heimkehr, Den ganzen Tag lang, wo die weißen Flügel laufen.
Den ganzen Frühling hindurch zögern sie und folgen, Wandern und locken die schweifende Flut, Drehen sich und schweben mit der wendenden Schwalbe, Heben dir eine Stimme vom blauen Hügel.
Marian Drury, Marian Drury, Wie sind die Marschen voll vom Regen! April über dem Norland bläst nun Zum Entzücken und weckt den Schmerz, –
Hält inne vor der verlassenen Behausung, Wo in der Dämmerung, zu erschöpft zum Wandern, Die Liebe, die die Finger des Todes bezwingen, Dir einen Zuruf aus dem Norland-Heim sendet.
Marian Drury, Marian Drury, Wie sind die Marschen erfüllt von dir! Grand Pré träumt von deiner Heimkehr, – Träumt, während die Regenbrachvögel die ganze Nacht durch,
Fern im Hochland rufend, um dich zu gewinnen, Das braune Zwielicht auf den weiten Marschen necken; Und niemals rührt sich das brennende Herz in dir Im Schlaf an der schweifenden Flut.
DER ROSENKRANZ DER LIEBE
Den ganzen Tag bete ich meinen Rosenkranz, Denn nun ist meine Liebe fern: Morgen soll er zu mir kommen Gegen Anbruch des Tages; Ein Rosenkranz aus zwanzig Stunden, Und dann eine Rose des Mai; Ein Rosenkranz aus gefesselten Blumen, Und dann ein heiliger Tag.
Den ganzen Tag bete ich meinen Rosenkranz, Meinen Rosenkranz der Stunden: Und hier ist eine Blume der Erinnerung, Und hier ist eine Hoffnung auf Blumen, Und hier ist eine Stunde, die sich sehnt vor Schmerz Nach alten vergessenen Jahren, Eine Stunde des Verlusts, eine Stunde des Gewinns, Und dann ein Schauer von Tränen.
Den ganzen Tag bete ich meinen Rosenkranz, Weil meine Liebe fern ist; Und niemals kommt ein Flüstern zu mir, Und niemals ein Wort zu sagen; Doch wenn das Scheiden die Liebe inniger macht, Möge Gott ihn zurückbringen, bete ich; Oder mein Herz wird zerbrechen in der Dunkelheit Vor Anbruch des Tages.
Den ganzen Tag bete ich meinen Rosenkranz, Meinen Rosenkranz der Stunden, Bis eine Stunde mir bringen wird Die Hoffnung auf alle Blumen... Ich bete meinen Rosenkranz der Stunden, Denn o, meine Liebe ist fern; Und – ein Traum mag ihn zurückbringen zu mir Gegen Anbruch des Tages.
WENN SIE NACH HAUSE KOMMT
Wenn sie wieder nach Hause kommt! Auf tausend Arten Male ich mir die Zärtlichkeit aus Meines frohen Willkommens: Ich werde zittern – ja; Und sie berühren, wie als ich zuerst in den alten Tagen Ihre Mädchenhand berührte, und nicht wagte, Meine Augen zu erheben, so groß war die süße Not meines schwachen Herzens. Dann Stille: und das Parfüm ihres Kleides: Der Raum wird ein wenig schwanken, und ein Schleier Wird das Augenlicht – selbst das Seelenlicht – für eine Weile trüben; Und Tränen – ja; und der Schmerz hier im Hals, Zu wissen, dass ich den Platz so schlecht verdiene, Den ihre Arme für mich bereiten; und das schluchzende Tönen, Das ich mit Küssen stille, bevor das tränenreiche Gesicht Wieder in der alten Umarmung verborgen ist.
DIE TRAGÖDIE DER LIEBE
LIED
Meine Seide und mein feines Gewand, Mein Lächeln und mein schmachtendes Wesen, Werden von der Liebe vertrieben; Und die traurige, hagerer Verzweiflung Bringt mir Eibe, um mein Grab zu schmücken: Solches Ende haben wahre Liebende.
Sein Gesicht ist so schön wie der Himmel, Wenn die sprießenden Knospen sich entfalten: O warum wurde es ihm gegeben, Dessen Herz winterlich kalt ist? Seine Brust ist der Liebe allverehrtes Grab, Wohin alle Pilger der Liebe kommen.
Bringt mir Axt und Spaten, Bringt mir ein Leichentuch; Wenn ich mein Grab bereitet habe, Lasst Winde und Stürme schlagen: Dann werde ich mich niederlegen, so kalt wie Lehm: Wahre Liebe vergeht!
DIE FLUCHT DER LIEBE
Wenn die Lampe zerbrochen ist, Liegt das Licht im Staub und ist tot – Wenn die Wolke zerstoben ist, Ist der Glanz des Regenbogens dahin. Wenn die Laute zerbrochen ist, Erinnert man sich der süßen Töne nicht mehr; Wenn die Lippen gesprochen haben, Sind geliebte Akzente bald vergessen.
Wie Musik und Pracht Die Lampe und die Laute nicht überdauern, Geben die Echos des Herzens Kein Lied mehr, wenn der Geist stumm ist – Kein Lied außer traurigen Totenklagen, Wie der Wind durch eine verfallene Zelle, Oder die klagenden Wogen, Die das Grabgeläut des toten Seefahrers läuten.
Wenn Herzen sich einmal vermischt haben, Verlässt die Liebe zuerst das wohlgebaute Nest; Der Schwache wird auserkoren, Zu ertragen, was er einst besaß. O Liebe! die du beklagst Die Zerbrechlichkeit aller Dinge hier, Warum wählst du das Zerbrechlichste Für deine Wiege, dein Heim und deine Bahre?
Ihre Leidenschaften werden dich schaukeln, Wie die Stürme die Raben in der Höhe schaukeln; Helle Vernunft wird dich verspotten, Wie die Sonne von einem winterlichen Himmel. Von deinem Nest wird jeder Sparren Verfaulen, und dein Adlerheim Wird dich nackt dem Gelächter preisgeben, Wenn Blätter fallen und kalte Winde kommen.
„LEBEWOHL! WENN JEMALS INNIGSTES GEBET“
Lebewohl! Wenn jemals innigstes Gebet Für das Wohl eines anderen in der Höhe galt, So wird das meinige nicht ganz in der Luft verloren sein, Sondern deinen Namen über den Himmel tragen. Es wäre eitel zu sprechen, zu weinen, zu seufzen: Oh! mehr als Tränen von Blut sagen können, Wenn sie aus dem sterbenden Auge der Schuld gepresst werden, Liegt in diesem Wort – Lebewohl! – Lebewohl!
Diese Lippen sind stumm, diese Augen sind trocken: Doch in meiner Brust und in meinem Gehirn Erwachen die Qualen, die nicht vergehen, Der Gedanke, der niemals wieder schlafen wird. Meine Seele verschmäht noch wagt sie zu klagen, Obwohl Kummer und Leidenschaft dort rebellieren: Ich weiß nur, wir liebten vergeblich – Ich fühle nur – Lebewohl! – Lebewohl!
PORPHYRIAS LIEBHABER
Der Regen setzte heute Abend früh ein, Der mürrische Wind war bald erwacht, Er riss die Ulmenwipfel zum Trotz nieder, Und tat sein Schlimmstes, um den See zu plagen: Ich lauschte mit einem Herzen, bereit zu brechen. Da glitt Porphyria herein; flugs Schloss sie die Kälte aus und den Sturm, Und kniete nieder und ließ den freudlosen Rost Aufleuchten, und wärmte das ganze Häuschen; Was getan, stand sie auf, und von ihrer Gestalt Zog sie den triefenden Mantel und Schal, Und legte ihre beschmutzten Handschuhe beiseite, löste Ihren Hut und ließ das feuchte Haar fallen, Und zuletzt setzte sie sich an meine Seite Und rief mich. Als keine Stimme antwortete, Legte sie meinen Arm um ihre Taille, Und machte ihre glatte weiße Schulter frei, Und brachte ihr ganzes gelbes Haar durcheinander, Und sich beugend, legte sie meine Wange darauf, Und breitete, über alles, ihr gelbes Haar, Murmelnd, wie sie mich liebte – sie Zu schwach, trotz all ihres Herzens Mühen, Ihre ringende Leidenschaft zu befreien Vom Stolz, und eitelere Bande zu trennen, Und sich mir für immer zu geben. Doch Leidenschaft wollte manchmal siegen, Noch konnte das fröhliche Fest von heute Abend Einen plötzlichen Gedanken an einen so Blassen Vor Liebe zu ihr, und all das vergeblich, zurückhalten: So war sie durch Wind und Regen gekommen. Sei sicher, ich blickte zu ihren Augen auf Glücklich und stolz; endlich wusste ich, Porphyria verehrte mich; Überraschung Ließ mein Herz schwellen, und noch wuchs es, Während ich erwog, was zu tun sei. In jenem Moment war sie mein, mein, schön, Vollkommen rein und gut: Ich fand Eine Sache zu tun, und all ihr Haar Wickelte ich in einem langen gelben Strang Dreimal um ihren kleinen Hals, Und erdrosselte sie. Keinen Schmerz fühlte sie; Ich bin ganz sicher, sie fühlte keinen Schmerz. Wie eine geschlossene Knospe, die eine Biene hält, Öffnete ich behutsam ihre Lider: wieder Lachten die blauen Augen ohne einen Makel. Und ich lockerte daraufhin die Strähne Um ihren Hals; ihre Wange rötete sich wieder Hell unter meinem brennenden Kuss: Ich stützte ihren Kopf wie zuvor, Nur, dieses Mal trug meine Schulter Ihr Haupt, das noch immer darauf ruht: Das lächelnde, rosige kleine Haupt, So froh, dass es seinen höchsten Willen hat, Dass alles, was es verschmähte, auf einmal geflohen ist, Und ich, seine Liebe, stattdessen gewonnen bin! Porphyrias Liebe: sie ahnte nicht, wie Ihr liebstes Wunschwort gehört werden würde. Und so sitzen wir jetzt zusammen, Und die ganze Nacht lang haben wir uns nicht gerührt, Und doch hat Gott kein Wort gesagt!
MODERNE SCHÖNHEIT
Ich bin die Fackel, sagt sie, und was kümmert es mich, Wenn die Motte an mir stirbt? Ich bin die Flamme Der Schönheit, und ich brenne, damit alle sehen mögen Schönheit, und ich habe weder Freude noch Scham. Doch lebe mit jenem klaren Licht vollkommenen Feuers, Welches für die Menschen der Tod ihres Verlangens ist.
Ich bin Yseult und Helena, ich habe gesehen, Wie Troja brannte, und der liebendste Ritter liegt tot. Die Welt war mein Spiegel, die Zeit war Mein Hauch auf dem Glas; und Männer haben gesagt, Zeitalter um Zeitalter, in Entzücken und Verzweiflung, Der Liebe arme wenige Worte, vor meinem Abbild dort.
Ich lebe und bin unsterblich; in meinen Augen Der Kummer der Welt, und auf meinen Lippen Die Freude des Lebens, vermischen sich, um mich weise zu machen; Doch nun ist der Tag verdunkelt durch eine Finsternis: Wer ist da, der für die Schönheit lebt? Noch bin ich Die Fackel, doch wo ist die Motte, die noch zu sterben wagt?
LA BELLE DAME SANS MERCI
O, was kann dich quälen, Waffenritter, Allein und bleich umherlungernd? Das Ried ist vom See verdorrt, Und keine Vögel singen.
O, was kann dich quälen, Waffenritter, So hager und so wehklagend? Des Eichhörnchens Vorratskammer ist voll, Und die Ernte ist getan.
Ich sehe eine Lilie auf deiner Stirn, Feucht von Qual und Fiebertau, Und auf deinen Wangen eine verblassende Rose, Die auch rasch welkt.
Ich traf eine Dame auf den Wiesen, Wunderschön – ein Kind einer Fee, Ihr Haar war lang, ihr Fuß war leicht, Und ihre Augen waren wild.
Ich wand ihr einen Kranz für ihr Haupt, Und Armbänder auch, und einen duftenden Gürtel; Sie sah mich an, als ob sie liebte, Und stieß ein süßes Wehklagen aus.
Ich setzte sie auf mein schreitendes Ross, Und sah den ganzen Tag lang nichts anderes, Denn zur Seite würde sie sich beugen und singen Ein Lied einer Fee.
Sie fand mir Wurzeln von süßem Geschmack, Und wilden Honig und Manna-Tau, Und gewiss in seltsamer Sprache sagte sie: „Ich liebe dich wahr.“
Sie nahm mich in ihre Elfengrotte, Und dort weinte und seufzte sie bitterlich; Und dort schloss ich ihre wilden, wilden Augen Mit vier Küssen.
Und dort lullte sie mich in Schlaf, Und dort träumte ich – Ach! wehe mir! Der letzte Traum, den ich jemals träumte, Am kalten Berghang.
Ich sah blasse Könige und Prinzen auch, Blasse Krieger, totenbleich waren sie alle: Sie riefen – „La belle dame sans merci Hat dich in ihrem Bann!“
Ich sah ihre ausgezehrten Lippen in der Dämmerung Mit schrecklicher Warnung weit aufgesperrt, Und ich erwachte und fand mich hier Am kalten Berghang.
Und das ist der Grund, warum ich hier weile, Allein und bleich umherlungernd, Obwohl das Ried vom See verdorrt ist, Und keine Vögel singen.
TANTALUS – TEXAS
„Wenn ich deiner Liebe trauen darf“, rief sie, „Und du mich zur Braut haben willst, Reite über jene Ebene und bringe Deine Flasche voll von der Mustang-Quelle; Fliege, so schnell wie der Flügel des westlichen Adlers, Über den Llano Estacado!“
Er hörte und verneigte sich ohne ein Wort, Sein stolzes Ross spornte er leicht an! Er wandte sein Gesicht und ritt davon Richtung Grab des sterbenden Tages, Und verschwand mit seinem scheidenden Strahl Auf dem Llano Estacado.
Die Nacht kam und fand ihn weiterreitend, Der Tag kam und noch immer ritt er allein. Er sparte nicht den Sporn, er zog nicht den Zügel, Über jene breite, unveränderliche Ebene, Bis er die Mustang-Quelle erreichen mochte, Auf dem Llano Estacado.
Ein wenig Ruhe, ein kleiner Schluck, Heiß aus seiner Hand, und hastig getrunken, Seine Flasche war gefüllt, und dann wandte er sich. Wieder einmal trat sein Ross den Maguey, Wieder einmal brannte der Himmel über ihm, Auf dem Llano Estacado.
Wie heiß glühte die zitternde Landschaft! Sein Gehirn schien zu kochen, während er ritt – War es ein Traum, ein betrunkener? Oder ritt er wirklich weiter? War das ein Schädel, der glänzte und leuchtete Auf dem Llano Estacado?
„Braves Ross von mir, braves Ross!“, rief er, „So oft treu, so oft erprobt, Halte noch ein wenig länger aus!“ Sein Mund war schwarz vor Blut und Schweiß – Himmel! wie er sich sehnte, seine Lippen zu netzen Auf dem Llano Estacado.
Und noch immer hielt er in seiner Brust Die kostbare Flasche, so eben gefüllt. Oh, für einen Trunk! Doch er wusste wohl, Wenn sie sie leer vorfände, Ihr Hohn – doch noch immer wuchs sein Verlangen Auf dem Llano Estacado.
Sein Pferd ging nieder. Er wanderte weiter, Schwindelig, blind, geschlagen und allein. Während ihr auf gepolsterten Couchs liegt, Oh, denkt daran, wie schwer es ist zu sterben, Unter dem grausamen, wolkenlosen Himmel Auf dem Llano Estacado.
Endlich schwankte er, stolperte, fiel, Sein Tag war zu Ende, das wusste er wohl, Und hob die Flasche an seine Lippen, Das Ende, das Ziel seiner Aufgabe, Trank auf sie – mehr konnte sie nicht verlangen. Ah, der Llano Estacado!
Jene Nacht im Presidio, Unter dem welligen Schein des Fackellichts, Tanzte sie – und dachte nie an ihn, Das Opfer der Laune einer Frau, Da liegend, mit dem Gesicht aufwärts und grimmig, Auf dem Llano Estacado.
FESSELUNG
Ich ging zu ihr, die mich nicht mehr liebt, Und bat sie, mich zu ertragen, wenn sie könnte; Denn ich hatte Tag um Tag als zu schmerzhaft empfunden, Und Tränen, die Nacht um Nacht nicht aufhören wollten. Und so bat ich sie weinend, dass sie es ertrüge, Mich ein wenig bei ihr sein zu lassen; ja, Mich ein wenig zu beruhigen mit ihrem Anblick, Die mich einst liebte, ach, viele eine Nacht und einen Tag.
Dann, sie, die mich nicht mehr liebt, vielleicht Mitleidete sie ein wenig: und ich nahm eine Kette, Um mich an sie zu binden, und sie an mich; Ja, so dass ich sie wieder mein nennen könnte. Seht! sie verbot es mir nicht; doch ich und sie Fesselten ihre schönen Glieder, und ihren Hals, noch schöner, Ketteten das schöne, abgemagerte Weiß des Reiches der Liebe, Und legten goldene Fesseln an ihr goldenes Haar.
Oh! die eitle Freude ist es, sie liegen zu sehen Neben mir wieder einmal; jenseits der Erlösung, Ihr Haar, ihre Hand, ihren Körper, bis sie stirbt, Alles mein, für mich, um damit zu tun, was mir gefällt! Denn, schließlich finde ich keine Kette, womit Ich ihr Herz an mich ketten könnte, wie zuvor, Noch Fesseln für ihre Lippen, um sie davon abzubringen, Immer noch zu sagen, dass sie mich nicht mehr liebt.
AULD ROBIN GRAY
Wenn die Schafe im Pferch sind und die Kühe daheim, Und die ganze Welt zur Ruhe gegangen ist, Fallen die Wehklagen meines Herzens in Schauern aus meinem Auge, Während mein Guter friedlich neben mir liegt.
Jung Jamie liebte mich wohl und suchte mich als seine Braut; Doch außer einer Krone hatte er nichts anderes: Um aus der Krone ein Pfund zu machen, ging jung Jamie zur See; Und die Krone und das Pfund waren beide für mich.
Er war nicht länger als eine Woche oder zwei fort, Als mein Vater sich den Arm brach und die Kühe gestohlen wurden; Meine Mutter wurde krank – und mein Jamie auf der See – Und der alte Robin Gray kam, um um mich zu werben.
Mein Vater konnte nicht arbeiten, und meine Mutter nicht spinnen; Ich schuftete Tag und Nacht, doch ihr Brot konnte ich nicht verdienen; Der alte Rob versorgte sie beide, und mit Tränen im Auge Sagte er: „Jennie, um ihretwillen, o, heirate mich!“
Mein Herz sagte nein; ich hielt Ausschau nach Jamies Rückkehr; Doch der Wind blies stark, und das Schiff war ein Wrack; Sein Schiff war ein Wrack – Warum starb Jamie nicht? Oder warum lebe ich, um zu rufen: Weh mir!
Mein Vater drängte mich sehr: meine Mutter sprach nicht; Doch sie sah in mein Gesicht, bis mein Herz zu brechen schien: Sie gaben ihm meine Hand, obwohl mein Herz auf der See war; So war der alte Robin Gray ein Guter für mich.
Ich war keine Woche oder vier als Ehefrau verheiratet, Als ich trauernd auf dem Stein an der Tür saß, Sah ich Jamies Geist – denn ich konnte nicht glauben, dass er es war, Bis er sagte: „Ich bin heimgekommen, um dich zu heiraten.“
O, sehr, sehr weinten wir, und vieles sagten wir; Wir nahmen nur einen Kuss, und wir rissen uns voneinander los: Ich wünschte, ich wäre tot, doch ich scheine nicht zu sterben; Und warum wurde ich geboren, um zu sagen: Weh mir!
Ich gehe wie ein Geist, und ich sorge mich nicht zu spinnen; Ich wage nicht, an Jamie zu denken, denn das wäre eine Sünde; Doch ich werde mein Bestes tun, immer eine gute Ehefrau zu sein, Denn der alte Robin Gray ist gütig zu mir.
Mein Herz ist erkaltet, mein Puls schlägt nur schwer, Doch immer und immer schweift die Erinnerung her, Wie ein blindes Kind, das im Schneesturm verloren, Zurück zu den Tagen, als ich dich so sehr – Die schönen, längst vergangenen Tage.
Ich sitze hier und träume sie aus und ein, Die glückseligen Momente, die ich teilte mit dir – Die süßen, süßen Tage, als unsere Liebe neu war, Als ich vertrauensvoll war und du wahrhaftig – Schöne Tage, doch wenige!
Gesegnet oder elend, gefesselt oder frei, Warum sollte mich kümmern, wie dein Leben mag sein, Oder ob du wanderst zu Lande oder auf See? Ich weiß nur, du bist tot für mich, Für immer und hoffnungslos.
Oh, wie oft bei des Tages Neige Schob ich vom Fenster den Vorhang aus Wein, Um von deinem Gitter den Lampenschein zu sehn – Ein Zeichen einer Botschaft, die, halb göttlich, Aus deinem Herzen in meines schoss.
Wieder versilbert das Sternenlicht alles; Die Rosen schlafen am Gartenwall; Der Nachtvogel trillert sein Madrigal, Und ich höre wieder durch die süße Luft erschallen Den abendlichen Hornruf.
Doch Sommer werden schwinden und Jahre vergehen, Und bringen kein Licht mehr zu deiner Fensterscheibe; Weder gnädiger Sonnenschein noch geduldiger Regen Kann tote Liebe wieder zum Leben erwecken: Ich rufe umsonst die Vergangenheit an.
Mein Herz ist schwer, mein Herz ist alt, Und was ich für Gold hielt, erweist sich als Schlacke; Ich beobachte nicht länger die Falte deines Vorhangs; Das Fenster ist dunkel und die Nacht ist kalt, Und die Geschichte für immer erzählt.
Es war nichts als eine Rose, die ich ihr gab, – Nichts als eine Rose, Die jeder Wind um die Hälfte ihres Duftes berauben könnte, Jeder Wind, der weht.
Als sie sie aus meinen zitternden Fingern nahm Mit einer Hand, die ebenso kühl war – Ach, die flüchtige Berührung auf ihnen verweilt, Bleibt und lässt sie noch immer erzittern!
Verwelkt, verblasst, gepresst zwischen den Seiten, Geknickt Falte um Falte, – Einst lag sie auf ihrer Brust, und Äonene Können sie nicht altern lassen!
Liebster, wenn alle Jahre verstummt sind, gänzlich entschwunden und zur Ruhe gebettet, Wenn du und ich schlafen, atemlos Brust an Brust gefaltet, Wenn kein Morgen mehr vor uns liegt und das lange Gras über uns weht, Und unser Grab vergessen bleibt oder von fremden Schritten betreten –
Dennoch wird jene Liebe von uns verweilen, jene große Liebe die Erde bereichern, Sonnenschein im himmlischen Azur, Brisen, die freudigen Übermut wehen; Duft, der von Blumen weht, Melodie sommerlicher Schauer, Glitzern der würzigen Holzfeuer am glücklichen Herbstherd.
Das ist unsere Liebe. Doch du und ich, Teurer – werden wir noch mit ihr verweilen, Vermengt in einem Tautropfen, verstrickt in eines Sonnenstrahls goldenem Netz – Auf des Veilchens purpurnem Busen, ich der Schimmer, doch du die Blüte, Treiben auf Abendwinden und der Dunst sein, mit dem ein Hügel benetzt ist?
Oder, Geliebter – wenn wir aufsteigen – wenn wir die Welt beschenkt haben Mit der besten Blüte unseres Wesens, wohin wird unser Weg gewirbelt, Durch welche weiten und sternenklaren Räume, zu welchen ehrfurchtgebietenden, heiligen Orten, Mit einem weißen Licht auf unseren Gesichtern, Geist über Geist gefaltet?
Nur dies antwortet unser Sehnen: wohin auch immer jener Weg sich schlängelt, Kein Schleier soll uns trennen durch die Äonen jener gewaltigen Zeit, Im schönen ewigen Wetter, selbst als Geister noch beieinander, Schwebend, schwebend, eins für immer, im Licht von Gottes großem Lächeln.
Die Apfelbäume hängen voll Gold, Und Vögel sind laut in Arkadien, Die Schafe liegen blökend im Pferch, Die wilde Ziege läuft über die Heide, Doch gestern erst erzählte er von seiner Liebe, Ich weiß, er wird zu mir zurückkehren. O aufgehender Mond! O Mondfrau! Sei du meines Liebsten Wächterin, Du kannst nicht anders, als ihn gut zu kennen, Denn er ist beschuht mit purpurnen Schuhen, Du kannst nicht anders, als meine Liebe zu kennen, Denn er trägt einen Hirtenstab, Und er ist sanft wie eine Taube, Und braun und lockig ist sein Haar.
Die Turteltaube hat nun aufgehört zu rufen Nach ihrem rotfüßigen Bräutigam, Der graue Wolf streift um den Stall, Der Lilie singender Seneschall Schläft in der Lilienblüte, und all Die violetten Hügel sind in Düsternis verloren. O aufgegangener Mond! O heiliger Mond! Steh auf der Spitze von Helice, Und wenn du meine wahre Liebe siehst, Ach! wenn du die purpurnen Schuhe siehst, Den Haselstab, des Jünglings braunes Haar, Das Ziegenfell um seinen Arm gewickelt, Sag ihm, dass ich warte, wo Das Kienspanlicht glimmert in der Farm.
Der fallende Tau ist kalt und kühl, Und kein Vogel singt in Arkadien, Die kleinen Faune haben den Hügel verlassen, Sogar die müde Narzisse Hat ihre vergoldeten Türen geschlossen, und dennoch Kehrt mein Geliebter nicht zu mir zurück. Falscher Mond! Falscher Mond! O schwindender Mond! Wohin ist mein wahrer Geliebter gegangen, Wo sind die zinnoberroten Lippen, Der Hirtenstab, die purpurnen Schuhe? Warum diesen silbernen Pavillon ausbreiten, Warum diesen Schleier aus treibendem Nebel tragen? Ach! du hast den jungen Endymion, Du hast die Lippen, die geküsst werden sollten!
Ich ging hinaus zur fernsten Wiese, Ich legte mich in den tiefsten Schatten;
Und ich sagte zur Erde: „Halte mich“, Und zur Nacht: „O umfasse mich!“
Und zum Wind sagte ich trotzig: „Du weißt es nicht, denn du bist frei!“
Und ich bat die kleinen Blätter, sich zu neigen, Tief und zusammen für einen sicheren Schutz;
Dann erzählte ich den Sternen mein Märchen: „Das dort im Tal ist mein Heimlicht,
„Und o, ich weiß, dass ich zurückkehren werde, Doch lass mich erst inmitten des gefühllosen Farns liegen;
„Denn da ist eine Flamme, die zu nah geweht hat, Und da ist ein Name, der zu teuer geworden ist, Und da ist eine Furcht“ . . . .
Und zu den stillen Hügeln und der kühlen Erde und dem fernen Himmel stöhnte ich: „Das Herz in meinem Busen ist nicht mein eigen!
„O wäre ich frei wie der Wind auf Schwingen; Liebe ist ein schreckliches Ding!“
„Wer klopft da in der Nacht, Der so gerne eintreten möchte?“ „Der Geist des verlorenen Entzückens bin ich, Die Sünde, die du nicht sündigen wolltest, Die kommt, um in deine zwei Augen zu schauen Und zu sehen, was hätte sein können.“
„Oh, vor langer Zeit und vor langer Zeit Habe ich dich verstoßen“, sagte er, „Weil deine Augen allzu blau waren, Dein lachender Mund allzu rot, Und meine zerrissene Seele verstrickt war In den Locken deines Haares.“
„Erinnerst du dich nun, mit welch bitteren Worten Du mich von dir stießest?“ „Ich hieß dich zurück in jene schöne Hölle, Aus der du deinen Atem zogst, Und mit schweren Schlägen brach ich mein Herz, Damit es nicht auch folgen möge.“
„Ja, aus dem Griff deiner weißen Hände Befreite ich meine Hände an jenem Tag, Und bin ich nicht nahe zu Gott geklettert, Wie es diese Seine Schergen vermögen?“ „Ach, Mensch – ach, Mensch! es waren meine zwei Hände, Die dich den ganzen Weg geführt haben.“
„Ich verbarg meine Augen vor deinen zwei Augen, Damit sie recht sehen könnten.“ „Doch glaubst du, es war ein Stern, der führte Deine Füße von Höhe zu Höhe? Es war die Flamme meiner zwei Augen, Die dich durch die Nacht zog.“
Mit zitternden Händen warf er die Tür auf, Dann fiel er auf seine Knie: „O Vision, gewappnet und in Licht gehüllt, Warum ehrst du mich?“ „Der Engel deiner Stärke bin ich, Die deine Sünde war“, sagte sie.
„Weil du mich vor langer Zeit erschlugst, Haben meine Hände dich hochgehoben; Weil du meine Augen schlossest, sind meine Augen Lichter, die dich leiten; Und es ist meine Berührung, die die Tore Des Himmels aufschwingen wird, wenn du stirbst!“
Die Liebe kehrte zurück beim Taueinfall, Spielte ihre alte Rolle; Doch ich hatte ein Wort oder zwei, Das ihr Herz brechen würde.
„Wer beim Kerzenschein kommt, Der früher hätte kommen sollen, Muss sich in die Nacht begeben Von einer verriegelten Tür.“
Dies war das Wort, das uns trennte Beim Taueinfall; Dies war das Wort, das ihr Herz brach – Doch es brach auch meines!
Wenn ich tot bin und über mir der helle April Sein regengetränktes Haar schüttelt, Auch wenn du über mir stehen solltest, untröstlich, Wird es mich nicht kümmern.
Ich werde Frieden haben, wie belaubte Bäume friedlich sind, Wenn Regen den Zweig beugt, Und ich werde stiller und kälter sein Als du es jetzt bist.
Nein, du tust ihr Unrecht, mein Freund, sie ist nicht unbeständig; ihrer Liebe ist sie schlicht entwachsen: Man kann die ganze Angelegenheit lesen, wenn man ihr Herz im Lichte des eigenen übersetzt.
Kannst du es ertragen, wenn ich offen mit dir rede? Es gibt vieles, das mein Herz sagen möchte; Und du weißt, wir waren zusammen Kinder, haben uns gestritten und im Spiel wieder „vertragen“.
Und so, um der alten Freundschaft willen, wage ich es, dir die Wahrheit zu sagen, – So deutlich vielleicht und so unverblümt, wie ich es in unserer früheren Jugend täte.
Vor fünf Sommern, als du um sie warbst, standest du auf derselben Ebene, Angesicht zu Angesicht, Herz zu Herz, niemals ahnend, dass eure Seelen jemals wieder getrennt sein sollten.
Sie liebte dich damals vollkommen, in der Blüte ihres frühen Mais; Und es ist nicht ihre Schuld, ich wiederhole es, dass sie dich heute nicht liebt.
Die Natur steht niemals still, und Seelen auch nicht: sie steigen stets oder sie fallen; Und ihre ist stetig aufgestiegen – doch wie steht es mit deiner?
Sie hat gerungen und sich gesehnt und gestrebt, ist jedes Jahr reiner und weiser geworden: Die Sterne sind nicht weiter über dir in jener leuchtenden Atmosphäre!
Denn sie, die du vor fünf Sommern dort unten mit frischen Rosen kröntest, Hat gelernt, dass die erste unserer Pflichten gegen Gott und uns selbst das Wachsen ist.
Ihre Augen sind süßer und ruhiger: doch ihre Sicht ist auch klarer; Ihre Stimme hat einen zärtlichen Klang, ist aber rein wie eine silberne Glocke.
Ihr Gesicht trägt den Ausdruck derer, die mit Gott und seinen Engeln gesprochen haben: Die weißen Gewänder, die sie trägt, sind weniger weiß als die Geister, mit denen sie gewandelt ist.
Und du? Hast du nach dem Höchsten gezielt? Hast du auch gestrebt und gebetet? Hast du auf das Böse unbefleckt geschaut? Hast du es unverzagt besiegt?
Bist auch du reiner und weiser geworden, während die Monate und Jahre dahinzogen? Hast du sie heute Morgen getroffen, freudig ob des Triumphes des errungenen Sieges?
Nein, hör mich an! Die Wahrheit kann dir nicht schaden. Als du heute in ihrer Gegenwart standest, War die Hand, die du ihr reichtest, so weiß und rein wie die ihrer Weiblichkeit?
Geh, miss dich an ihrem Maßstab; blicke zurück auf die Jahre, die entflohen sind: Dann frage, wenn du musst, warum sie dir sagt, dass die Liebe ihres Mädchenalters tot ist.
Sie kann nicht zu ihrem Geliebten hinunterschauen: ihre Liebe strebt, wie ihre Seele, aufwärts; Er muss an ihrer Seite stehen oder über ihr, wer ihre heiligen Feuer entzünden will.
Nun leb wohl! Um der alten Freundschaft willen habe ich es gewagt, dir die Wahrheit zu sagen, So deutlich vielleicht und so unverblümt, wie ich es in unserer früheren Jugend täte.
Zwischen seinen Büchern sitzt er den ganzen Tag, Um zu denken und zu lesen und zu schreiben; Er riecht nicht das frisch gemähte Heu, Die Rosen, rot und weiß.
Ich gehe ganz allein zwischen ihnen, Seine törichte, dumme Ehefrau; Die Welt scheint geschmacklos, tot und getan – Das Leben ist ein leeres Ding.
Nachts wirft sein Fenster ein Quadrat Von Licht auf den Rasen; Ich gehe manchmal und beobachte es dort Bis zum Frösteln der Morgendämmerung.
Ich habe kein Gehirn, um die Bücher zu verstehen, Die er so liebt zu lesen; Ich habe nur ein Herz und eine Hand, Die er nicht zu brauchen scheint.
Er nennt mich „Kind“ – legt auf mein Haar Dünne Finger, kalt und mild; O Gott der Liebe, der Gebete erhört, Ich wünschte, ich wäre ein Kind!
Und niemand sieht und niemand weiß (Er am wenigsten würde es wissen oder sehen), Dass, ehe die Liebe die Rose des nächsten Jahres pflückt, Der Tod mich gepflückt haben wird.
Es war der Herbst des Jahres; Die Erdbeerblätter waren rot und versengt; Oktobers Lüfte waren frisch und kühl, Als du, verweilend auf dem windigen Hügel, Dem Hügel, der das Meer überblickt, Vertraulich zu mir sprachst, – Mir, die dein scharfer, künstlerischer Blick Noch nicht recht zu lesen gelernt hat, Da ich mein Herz vor dir verschleierte, Und dich mehr liebte, als du wusstest.
Du erzähltest mir von deiner mühsamen Vergangenheit; Den verspäteten Ehren, die endlich errungen, Den Prüfungen, die ertragen, den Siegen, die gewonnen, Die ersehnte Gabe des Ruhms, die erlangt; Ich wusste, dass jeder Sieg Dich nur von mir weghebte, Dass jeder Schritt des hohen Strebens Dich in deinen Augen nur höher erscheinen ließ; Ich beobachtete die Distanz, wie sie wuchs, Und liebte dich mehr, als du wusstest.
Du sahst nicht die bittere Spur Der Qual, die über mein Gesicht huschte; Du hörtest nicht mein stolzes Herz schlagen, Schwer und langsam, unter deinen Füßen; Du dachtest an Triumphe, die noch nicht errungen, An ruhmreiche Taten, die noch ungetan; Und ich, während du zu mir sprachst, Ich beobachtete die Möwen, wie sie einsam schwebten, Bis verloren im hungrigen Blau, Und liebte dich mehr, als du wusstest.
Du gehst auf der sonnigen Seite des Schicksals; Die weise Welt lächelt und nennt dich groß; Die goldene Frucht des Erfolgs Fällt zu deinen Füßen in Fülle; Und du hast Segnungen mannigfaltig: – Ruhm und Macht und Freunde und Gold – Sie bauen eine Mauer zwischen uns beiden, Die nicht wieder eingerissen werden mag, Ach! denn ich, durch die langen Jahre hindurch, Habe dich mehr geliebt, als du wusstest.
Deines Lebens stolzes Ziel, deines Kunst hohe Wahrheit, Haben das Versprechen deiner Jugend gehalten; Und während du die Krone errangst, die nun In Blüte ausbricht auf deiner Stirn, Schrie meine Seele stark zu dir Über des Ozeans sehnsüchtiges Blau, Während ich, unbedacht und fern, Dich beobachtete, wie ich einen Stern beobachte, Der durch die Dunkelheit ans Licht ringt, Und liebte dich mehr, als du wusstest.
Ich pflegte in all diesen Jahren zu träumen, Von geduldigem Glauben und stillen Tränen, Dass der Liebe starke Hand beiseite schieben würde Die Barrieren von Ort und Stolz, Dass sie durch die pfadlose Dunkelheit greifen würde, Und mich sanft hinauf zu dir ziehen; Doch das ist vorbei. Solltest du irren An meinem Grabe, an einem zukünftigen Tag, Vielleicht werden die Veilchen über meinem Staube Ihr vergrabenes Geheimnis halb verraten, Und sagen, ihre blauen Augen voll Tau, „Sie liebte dich mehr, als du wusstest.“
Kommt, liebe Kinder, lasst uns fort; Hinunter und fort in die Tiefe! Nun rufen meine Brüder aus der Bucht, Nun wehen die großen Winde zum Ufer, Nun fließen die Salztiden seewärts; Nun spielen die wilden weißen Pferde, Kauen und scheuern und werfen sich im Gischt. Liebe Kinder, lasst uns fort; Diesen Weg, diesen Weg!
Ruft sie einmal, bevor ihr geht. – Ruft noch einmal! Mit einer Stimme, die sie kennen wird: „Margaret! Margaret!“ Kinderstimmen sollten teuer sein (Ruft noch einmal) einem Mutterohr; Kinderstimmen, wild vor Schmerz, – Sicher wird sie wiederkommen! Ruft sie einmal und kommt fort; Diesen Weg, diesen Weg! „Mutterliebe, wir können nicht bleiben! Die wilden weißen Pferde schäumen und toben.“ Margaret! Margaret!
Kommt, liebe Kinder, kommt hinunter; Ruft nicht mehr! Ein letzter Blick auf die weißmauerige Stadt, Und die kleine graue Kirche am windigen Ufer; Dann kommt hinunter! Sie wird nicht kommen, auch wenn ihr den ganzen Tag ruft; Kommt fort, kommt fort!
Liebe Kinder, war es gestern, Dass wir die süßen Glocken über der Bucht hörten? In den Höhlen, wo wir lagen, Durch die Brandung und durch die Dünung, Der ferne Klang einer silbernen Glocke? Sandbestreute Höhlen, kühl und tief, Wo die Winde alle schlafen; Wo die verbrauchten Lichter zittern und glänzen, Wo das Salzgras im Strom schwankt, Wo die Seetiere, ringsum aufgereiht, Sich weiden im Schlamm ihrer Weidegründe; Wo die Seeschlangen sich kringeln und winden, Ihren Panzer trocknen und sich im Salzwasser sonnen; Wo große Wale vorbeisegeln, Segeln und segeln, mit unverschlossenem Auge, Rund um die Welt für immer und ewig? Wann kam Musik diesen Weg? Liebe Kinder, war es gestern?
Liebe Kinder, war es gestern (Ruft noch einmal), dass sie fortging? Einst saß sie mit euch und mir, Auf einem rotgoldenen Thron im Herzen des Meeres, Und das Jüngste saß auf ihrem Knie. Sie kämmte sein helles Haar und pflegte es gut, Als der Klang der fernen Glocke herunterklang. Sie seufzte, sie blickte durch das klare grüne Meer hinauf; Sie sagte: „Ich muss gehen, denn meine Verwandten beten Heute in der kleinen grauen Kirche am Ufer. Es wird Osterzeit in der Welt sein, – ach weh! Und ich verliere meine arme Seele, Meermann, hier bei dir.“ Ich sagte: „Geh hinauf, liebes Herz, durch die Wellen: Sprich dein Gebet und komm zurück zu den gütigen Seehöhlen!“ Sie lächelte, sie ging durch die Brandung in der Bucht hinauf. Liebe Kinder, war es gestern?
Liebe Kinder, waren wir lange allein? „Das Meer wird stürmisch, die Kleinen wimmern; Lange Gebete“, sagte ich, „beten sie in der Welt; Kommt!“, sagte ich, und wir stiegen durch die Brandung in der Bucht. Wir gingen den Strand hinauf, am sandigen Abhang, Wo die Meeresbestände blühen, zur weißmauerigen Stadt, Durch die engen gepflasterten Straßen, wo alles still war, Zur kleinen grauen Kirche auf dem windigen Hügel. Aus der Kirche kam ein Gemurmel von Leuten bei ihren Gebeten, Doch wir standen draußen in der kalten, wehenden Luft. Wir kletterten auf die Gräber, auf die von Regen abgenutzten Steine, Und wir starrten durch die kleinen bleigefassten Scheiben den Gang hinauf. Sie saß am Pfeiler; wir sahen sie klar: „Margaret, pst! komm schnell, wir sind hier! Liebes Herz“, sagte ich, „wir sind lange allein; Das Meer wird stürmisch, die Kleinen wimmern.“ Doch ach, sie schenkte mir keinen Blick, Denn ihre Augen waren fest auf das heilige Buch geheftet! Laut betet der Priester; geschlossen steht die Tür. Kommt fort, Kinder, ruft nicht mehr! Kommt fort, kommt hinunter, ruft nicht mehr!
Hinunter, hinunter, hinunter! Hinunter in die Tiefen des Meeres! Sie sitzt an ihrem Spinnrad in der summenden Stadt, Singend höchst freudvoll. Horch, was sie singt: „O Freude, o Freude, Von der summenden Straße und dem Kind mit seinem Spielzeug! Vom Priester und der Glocke und dem heiligen Brunnen; Vom Rad, an dem ich spann, Und dem gesegneten Licht der Sonne!“ Und so singt sie sich satt, Singt höchst freudvoll, Bis die Spindel aus ihrer Hand fällt, Und das sausende Rad stillsteht. Sie stiehlt sich zum Fenster und blickt auf den Sand, Und über den Sand auf das Meer; Und ihre Augen starren, Und dann bricht ein Seufzer hervor, Und dann fällt eine Träne Aus einem sorgenumwölkten Auge, Und ein sorgenbeladenes Herz, Ein langer, langer Seufzer; Für die kalten, fremden Augen einer kleinen Meernixe, Und den Glanz ihres goldenen Haares.
Kommt fort, fort, Kinder; Kommt, Kinder, kommt hinunter! Der heisere Wind weht kälter; Lichter scheinen in der Stadt. Sie wird aus ihrem Schlummer auffahren, Wenn Böen an der Tür rütteln; Sie wird die Winde heulen hören, Wird die Wellen tosen hören. Wir werden sehen, während über uns Die Wellen tosen und wirbeln, Eine Decke aus Bernstein, Ein Pflaster aus Perlen. Singend: „Hier kam ein Sterblicher, Doch treulos war sie! Und allein wohnen für immer Die Könige des Meeres.“
Doch, Kinder, um Mitternacht, Wenn die Winde sanft wehen, Wenn das Mondlicht klar fällt, Wenn die Springtiden niedrig sind; Wenn süße Lüfte seewärts kommen Von Heiden, mit Ginster übersät, Und hohe Felsen mild Einen Schatten auf den weißen Sand werfen; Die stillen, glitzernden Strände hinauf, Die Bäche hinauf werden wir eilen; Über Bänke aus hellem Seegras, Das die Ebbe trocken zurücklässt. Wir werden von den Sandhügeln starren Auf die weiße, schlafende Stadt; Auf die Kirche am Hügel – Und dann hinunter zurückkommen. Singend: „Dort wohnt eine Geliebte, Doch grausam ist sie! Sie ließ einsam für immer Die Könige des Meeres.“
Mitternacht vorbei! Nicht ein Laut von irgendwas Im stillen Haus, außer dem Wind bei seinen Gebeten. Ich saß am sterbenden Feuer und dachte An die liebe tote Frau im Stockwerk darüber.
Eine Nacht der Tränen! denn der böige Regen Hatte aufgehört, doch die Dachtraufen tropften noch; Und der Mond blickte hervor, als ob vor Schmerz, Mit ihrem Gesicht ganz weiß und nass:
Niemand bei mir, meine Wache zu halten, Außer dem Freund meines Herzens, dem Mann, den ich liebe: Und der Kummer hatte ihn fest in den Schlaf geschickt In der Kammer droben.
Niemand sonst, weit und breit In der Gegend, der von meinem Verlust wusste, Außer dem guten jungen Priester mit dem Raphael-Gesicht, Der ihr die Beichte abnahm, als sie starb.
Dieser gute junge Priester ist von sanftem Gemüt, Und mein Kummer hatte ihn über die Maßen bewegt; Denn seine Lippe wurde weiß, wie ich beobachten konnte, Als er ihre scheidende Seele begleitete.
Ich saß allein am trostlosen Herd: Ich dachte an die angenehmen Tage von einst: Ich sagte: „Der Stab meines Lebens ist dahin: Die Frau, die ich liebte, ist nicht mehr.“
„Auf ihrer kalten, toten Brust liegt mein Bildnis, Das sie gewöhnlich neben ihrem Herzen trug – Es mit ihren zärtlichen Augen heimsuchte, Wenn mein eigenes Gesicht nicht dort war.“
„Es ist ringsum mit roten Rubinen besetzt Und Perlen, die eine Peri hätte bewahren können. Für jeden Rubin dort hat mein Herz geblutet: Für jede Perle haben meine Augen geweint.“
Und ich sagte: „Das Ding ist mir kostbar: Sie werden sie bald in der Kirchhofserde begraben; Es liegt auf ihrem Herzen und muss verloren sein, Wenn ich es nicht an mich nehme.“
Ich entzündete meine Lampe an der sterbenden Flamme Und schlich die Treppe hinauf, die vor Schreck knarrte, Bis ich in die Kammer des Todes kam, Wo sie ganz in Weiß lag.
Der Mond schien über ihr Leichentuch, Da starr lag sie auf ihrem geschnitzten Bett: Sieben brennende Kerzen zu ihren Füßen, Und sieben zu ihrem Haupt.
Als ich meine Hand ausstreckte, hielt ich den Atem an; Ich wandte mich ab, als ich die Vorhänge beiseitezog: Ich wagte nicht, auf das Antlitz des Todes zu schauen: Ich wusste, wo ich ihr Herz finden würde.
Ich dachte zuerst, als meine Berührung dort hinfiel, Es hätte jenes Herz mit Liebe zum Leben erwärmt; Denn das Ding, das ich berührte, war warm, ich schwöre es, Und ich konnte fühlen, wie es sich bewegte.
Es war die Hand eines Mannes, die sich langsam bewegte Über dem Herzen der Toten – von der anderen Seite: Und sofort brach mir der Schweiß auf der Stirn aus: „Wer beraubt die Leiche?“, rief ich.
Mir gegenüber im Licht der Kerzen Stand der Freund meines Herzens, der Mann, den ich liebte, Über der Leiche, und ganz so weiß wie sie, Und keiner von uns bewegte sich.
„Was tust du hier, mein Freund?“ ... Der Mann Sah erst mich an und dann die Tote. „Es ist ein Bildnis hier“, begann er: „Das ist es. Es ist mein“, sagte ich.
Sagte der Freund meines Herzens: „Deins, zweifellos, War das Bildnis bis vor einem Monat, Als dieser leidende Engel jenes herausnahm Und meines dorthin legte, das weiß ich.“
„Diese Frau, sie liebte mich sehr“, sagte ich. „Vor einem Monat“, sagte mein Freund zu mir: „Und du lügst, dass sich die Balken biegen!“, stöhnte ich. Er antwortete: ... „Lass uns sehen.“
„Genug!“, erwiderte ich, „lass die Tote entscheiden: Und wessen Bildnis es sich auch erweisen mag, Dessen soll es sein, wenn die Sache verhandelt wird, Wo der Tod von der Liebe verklagt wird.“
Wir fanden das Bildnis dort, an seinem Platz: Wir öffneten es im Schein der Kerzen: Die Juwelen waren alle unverändert: das Gesicht War – weder seines noch meins.
„Ein Nagel treibt wenigstens den anderen aus! Das Gesicht auf dem Bildnis dort“, rief ich, „ist das unseres Freundes, des jungen Priesters mit dem Raphael-Gesicht, Der ihr die Beichte abnahm, als sie starb.“
Die Fassung besteht ganz aus roten Rubinen Und Perlen, die eine Peri hätte bewahren können. Für jeden Rubin dort hat mein Herz geblutet: Für jede Perle haben meine Augen geweint.
Edward Robert Bulwer Lytton [1831–1891]
DIE ROSE UND DER DORN
Sie ist die Lieblichste der Festgesellschaft In zarter Gestalt und griechischem Antlitz, – Ein schönes, fleischgewordenes Lied, Ein Wunder an harmonischer Anmut; Und doch kenne ich die Wahrheit, die ich ausspreche: Von jenen heiteren Gruppen steht sie abseits, Eine Rose auf ihrer zarten Wange, Ein Dorn in ihrem Herzen.
Obwohl hell der Augen verwirrender Glanz, Schöne zitternde Lippen und glänzendes Haar, Atmet ein Etwas, aus traurigen Träumen geboren, Rings um ihre traurige, bezaubernde Erscheinung; Keine fröhlichen Gedanken huschen Lächelnd aus ihren Grübchen hervor; Ist die Rose auch noch auf ihrer Wange, Ist ein Dorn in ihrem Herzen.
Junger Liebhaber, zwischen Hoffnung und Furcht hin- und hergeworfen, Dein geflüstertes Gelübde und sehnende Augen Könnten die dort in der Nähe aufgestellte Clytie aus Marmor Ebenso schnell zu sanften Erwiderungen bewegen: Oder, falls sie bei Worten, die du sprichst, bebt, Mahnt die Erinnerung der Liebe zum plötzlichen Schreck; Die Rose ist auf ihrer Wange erblasst, Der Dorn hat ihr Herz durchbohrt.
Paul Hamilton Hayne [1830–1886]
AN SIE – UNGESPROCHEN
Geh zu ihm, ach, geh zu ihm, und heb die Augen glühend zu ihm; Fürchte dich nicht, königlich zu geben, was immer er verlangen mag; Scheue dich nicht, ihm den ganzen Schatz deines Geistes zu zeigen. Er ist edel; begegne ihm mit einem Stolz, zu hoch für Scham.
Sag ihm, ach, sag ihm, dass Seele und Körper sich zu ihm neigen; Wirf die Feigheit ab, die dir zur Flucht rät, Damit du dich nicht am Ende umdrehst und feststellst, dass du den Weg zu ihm verloren hast, Damit du nicht deine Arme vergeblich durch eine sternlose Nacht streckst.
Sei ihm, ach, sei ihm der Schlüssel, der die Freude für ihn befreit, Lehre ihn all die Zärtlichkeit, die nur die Liebe kennen kann, Und sollte ihm jemals eine Erinnerung an mich kommen, Heiße ihn, mich gnädig zu beurteilen, um der alten Zeiten willen.
Amelia Josephine Burr [1878–
EINE LEICHTLEBIGE FRAU
Soweit unsere Geschichte sich dem Ende nähert, Wen von uns dreien bedauerst du am meisten? – Meinen Freund, oder die Geliebte meines Freundes Mit ihren wollüstigen Augen, oder mich?
Mein Freund war schon zu gut, um ihn zu verlieren, Und schien auf dem Weg der Besserung noch, Als sie seinen Pfad mit ihrer Jagdschlinge kreuzte, Und ihr Netz über ihn warf.
Als ich ihn in ihren Maschen verstrickt sah, Eine Schande, sagte ich, wenn sie gerade ihn Zu ihren neunundneunzig anderen Beuten hinzufügt, Die hundertste aus einer Laune heraus!
Und ehe mein Freund ganz ihr verfällt, Wie leicht, es ihm zu beweisen, sagte ich, Ein Adler ist das Wild, das ihr Stolz bevorzugt, Obwohl sie stattdessen nach einem Zaunkönig schnappt!
Also gab ich ihren Augen meine eigenen zum Nehmen, Meine Hand suchte ihre wie in ernstem Bedürfnis, Und sie wandte sich um, meinetwegen, Und gab mir tatsächlich sich selbst.
Der Adler bin ich, mit meinem Ruhm in der Welt, Der Zaunkönig ist er, mit seinem unschuldigen Gesicht. – Du schaust weg und deine Lippe ist gekräuselt? Geduld, einen Augenblick nur!
Denn sieh, mein Freund geht zitternd und bleich; Er betrachtet mich wie der Basilisk: Ich habe, wie es scheint, seinen Tag in Nacht verwandelt, Die Scheibe seiner Sonne verfinstert.
Und ich tat es, denkt er, wie ein wahrer Dieb: „Obwohl ich sie liebe – das, das versteht er –, Sollte man seine Leidenschaften beherrschen (die Liebe, vor allem) Und seinen Freunden gegenüber loyal sein!“
Und sie, – sie liegt in meiner Hand so zahm Wie eine Birne, die spät an einer Mauer in der Sonne reifte; Nur eine Berührung, um es zu versuchen, und ab kam sie; Sie ist mein, – kann ich sie fallen lassen?
Ohne den Wunsch, sie zu essen, das ist das Schlimmste! Wäre sie auf die Straße geworfen, würde das den Fall erleichtern? Sie stillte den Durst eines Dutzends Schmeißfliegen, Als ich ihrem Stiel einen Dreh gab.
Und ich, – was ich meinem Freund scheine, siehst du: Was ich bald seiner Liebe scheinen werde, errätst du: Was ich mir selbst scheine, fragst du mich? Kein Held, gestehe ich.
Es ist eine heikle Sache, mit Seelen zu spielen, Und genug Angelegenheit, die eigene zu retten: Doch denke an meinen Freund und die brennenden Kohlen, Mit denen er für Stücke von Stein spielte!
Man zeigt gern die Wahrheit als die Wahrheit; Dass die Frau leichtlebig war, ist sehr wahr: Aber angenommen, sie sagt: „Vergiss diesen Jüngling! Welches Unrecht habe ich dir getan?“
Nun, wie auch immer, hier bleibt die Geschichte, Soweit ich sie zumindest verstehe; Und, Robert Browning, du Schreiber von Stücken, Hier ist ein Thema, wie für dich geschaffen!
Robert Browning [1812–1889]
AUS DEM TÜRKISCHEN
Die Kette, die ich gab, war schön anzusehen, Die Laute, die ich hinzufügte, süß im Klang, Das Herz, das beides bot, war treu, Und verdiente das Schicksal, das es fand, nicht.
Diese Gaben waren durch geheimen Zauber belegt, Deine Treue in der Abwesenheit zu ergründen; Und sie haben ihre Pflicht gut getan, Ach! sie konnten dich deine nicht lehren.
Jene Kette war fest in jedem Glied, Doch nicht, um die Berührung eines Fremden zu ertragen; Jene Laute war süß – bis du glauben konntest, In anderen Händen seien ihre Töne solche.
Lass denjenigen, der von deinem Hals löste Die Kette, die in seinem Griff zersplitterte, Der sah, dass die Laute sich weigerte zu klingen, Die Saiten wieder aufziehen, die Spange erneuern.
Als du dich wandtest, veränderten auch sie sich; Die Kette ist gebrochen, die Musik verstummt: Es ist vorbei – ihnen und dir lebe wohl – Falsches Herz, zerbrechliche Kette und stumme Laute.
George Gordon Byron [1788–1824]
EIN SOMMERLICHES BUHLEN
Der Wind ging um die Rose buhlen, Denn die Rose war schön. Wie der raue Wind sie gewann, wer weiß das schon? Aber er ließ sie dort zurück. Weit weg von ihrem Grab weht er: Kümmert das den freien Wind?
Louise Chandler Moulton [1835–1908]
SCHMETTERLINGE
Mit sechzehn Jahren kannte sie keine Sorge; Wie könnte sie, süß und rein wie das Licht? Und es verfolgten sie überall Schmetterlinge, ganz weiß.
Ein Liebhaber blickte. Sie senkte ihre Augen, Die wie Stiefmütterchen, benetzt mit Tau, glühten; Und siehe, da kamen vom Himmel her Schmetterlinge, ganz blau.
Ehe sie ahnte, war ihr Herz verloren; Die Geschichte der Liebe war schnell erzählt; Und überall um sie her wirbelten und glänzten Schmetterlinge, ganz gold.
Dann verließ er sie eines traurigen Morgens; Sie weinte und schluchzte: „Oh, Liebe, komm zurück!“ Es kamen nur zu ihr, der Verlassenen, Schmetterlinge, ganz schwarz.
John Davidson [1857–1909]
UNSICHTBARE GEISTER
Die Schatten lagen entlang des Broadway, Es war nahe der Dämmerungszeit, Und langsam ging dort eine schöne Dame, Stolz schreitend einher. Allein ging sie; doch, unsichtbar, Gingen Geister an ihrer Seite.
Frieden bezauberte die Straße unter ihren Füßen, Und Ehre bezauberte die Luft; Und alle, die sich regten, sahen freundlich auf sie, Und nannten sie gut wie schön, – Denn alles, was Gott ihr je gab, Bewahrte sie mit behutsamer Sorgfalt.
Sie bewahrte mit Sorgfalt ihre seltenen Reize Vor Liebhabern, warm und wahr, Denn ihr Herz war kalt für alles außer Gold, Und die Reichen kamen nicht zum Werben – Doch geehrt sind Waren, die man verkauft, Wenn Priester das Verkaufen besorgen.
Nun ging dort eine, die schöner war – Ein zierliches Mädchen, lilienblass; Und sie hatte unsichtbare Begleiter, Die den Geist erzittern ließen: Zwischen Not und Hohn ging sie verlassen, Und nichts konnte helfen.
Kein Erbarmen kann nun ihre Stirn klären, Um für den Frieden dieser Welt zu beten; Denn als das wilde Gebet der Liebe in der Luft zerging, Gab ihr Frauenherz nach! – Doch die Sünde, die Christus im Himmel vergab, Wird vom Menschen ewig verflucht!
Nathaniel Parker Willis [1806–1867]
„GROSSMUTTER, DENK NICHT, ICH VERGESSE“
Großmutter, denk nicht, ich vergesse, wenn ich in die Stadt zurückkomme, Und wieder auf den alten Wegen wandere und sie auf und ab schreite. Ich rieche nie die Klee-Blüte, noch sehe ich die Schwalben ziehen, Ohne dass ich daran denke, wie gut ihr zu einem kleinen Mädchen wart. Ich höre nie den Winterregen, der die ganze Nacht niederprasselt, Ohne dass ich daran denke und mir in den Sinn rufe, wie kalt er auf euch fällt. Und wenn ich nicht oft zu eurem Bett unter dem Thymian komme, Vielleicht ist es, weil ich mit euch tauschen und mein Bett für eures geben würde, Gerne in eurem schlafen würde.
Ich höre nie die Sommerwinde in den Rosen wehen, Ohne dass ich mich frage, warum ihr das Mädchen so liebtet. Ihr gabt mir Kuchen und Lutscher und hübsche Spielsachen in Hülle und Fülle, – Ich dachte nie, dass ich zurückkommen und euch jetzt um mehr bitten würde. Großmutter, gebt mir eure stillen, weißen Hände, die auf eurer Brust liegen, Denn meine schlagen die ganze Nacht das Dunkel, und finden nie Ruhe; Sie tasten durch die Schatten und schlagen die kalte, schwarze Luft, Sie suchen im Dunkeln, und finden ihn niemals dort, Sie finden ihn niemals dort.
Großmutter, gebt mir eure blinden Augen, damit ich niemals sehe Seine eigenen, brennend voll Liebe, die für mich nicht scheinen darf. Großmutter, gebt mir eure friedlichen Lippen, weiß wie der Schnee auf dem Kirchhof, Denn meine beben vor dem Wunsch, den er niemals wissen darf. Großmutter, gebt mir eure mit Lehm verstopften Ohren, damit ich niemals höre Meinen Liebsten in der Nacht singen, wenn ich krank vor Angst bin; Singend, wenn das Mondlicht über dem ganzen Land weiß ist – Ach, Gott! Ich werde aufstehen und zu ihm gehen, singend in der Nacht, Rufend in der Nacht.
Großmutter, gebt mir euer lehmkaltes Herz, das vergessen hat zu schmerzen, Denn meins ist Feuer in meiner Brust, und doch kann es nicht brechen. Mit jedem Schlag ruft es nach Dingen, die nicht sein dürfen, – Und könnt ihr mich nicht hineinkriechen und eine Weile bei euch ausruhen lassen? Ein kleines Mädchen, das sich vor der Dunkelheit fürchtete, schlief vor Jahren bei euch – Ach, sie hat gefunden, was die Nacht zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen bereithalten kann! Wenn ich also die Rose und die Raute über eurem Grab für euch pflanze, Werdet ihr wissen, dass ich unter Raute und Rose sein möchte, Dass ich dort sein möchte.
Willa Sibert Cather [1875–
KLEINES WILDES BABY
Durch das wilde Fieber pflegte ich ihn, und dann sagte er, Ich sei die Frau – ich! –, die er heiraten würde; Er schickte ein Boot mit Männern für seinen eigenen weißen Priester, Und er gab meinem Vater Pferde und machte ein Fest. Ich bin seine Frau: Wenn er mich vergessen hat, Werde ich nicht leben, um für höhnische Augen sichtbar zu sein. (Kleines wildes Baby, das nicht weiß, wohin du gehst, Liege still! Liege still! Deine Mutter wird das Rudern übernehmen.)
Vor drei Monden – es waren nur vor drei Monden – Nahm er sein Gewehr und machte sich auf über den Schnee; Denn der Fluss war gefroren, der Fluss, der noch immer jeden Tag Hinunterfließt, während ich ihn beobachte, um die Stadt zu finden; Die Stadt, deren Namen ich von seinen schlafenden Lippen aufschnappte, Ein Ort mit vielen Menschen und vielen Schiffen. (Kleines wildes Baby, das nicht weiß, wohin du gehst, Liege still! Liege still! Deine Mutter wird das Rudern übernehmen.)
Ich gehe in jene Stadt, um den Ort zu durchsuchen, Mit seinem kleinen weißen Sohn in meinen Armen, bis ich sein Gesicht sehe. Nur einmal werde ich ihm in die Augen sehen müssen, Um zu sehen, ob seine Seele, wie ich sie kannte, lebt oder stirbt. Wenn sie lebt, leben wir, und wenn sie tot ist, sterben wir, Und die Seele meines Babys wird mich niemals fragen, warum. (Kleines wildes Baby, das nicht weiß, wohin du gehst, Liege still! Liege still! Deine Mutter wird das Rudern übernehmen.)
Ich habe mich nach dem Fluss erkundigt: Einer antwortete mir, Dass er nach der Stadt das Meer sucht; Dass große Wellen, fähig, den stärksten Kahn zu zerbrechen, Dort sind, und das Meer sehr tief und dunkel ist. Wenn er ohne mich glücklich ist, so ist es am besten, am besten; Ich werde sein Baby nehmen und in meine Ruhe gehen. (Kleines wildes Baby, das nicht weiß, wohin du gehst, Liege still! Liege still! Deine Mutter wird das Rudern übernehmen. Der Fluss fließt schnell, das Meer ist dunkel und tief: Kleines wildes Baby, liege still! Liege still und schlafe.)
Margaret Thomson Janvier [1845–1913]
EIN WIEGENLIED
Komm, kleines Kind, komm, törichte Seele, Deines Vaters Schande, deiner Mutter Kummer, Geboren, wie ich fürchte, zu all unserem Leid, Und für dich selbst das unglückseligste Oberhaupt: Sing Wiegenlied, und wiege es warm, Arme Seele, die keinem Geschöpf Leid antut.
Du denkst wenig und weißt noch weniger Den Grund dieses Wehklagens deiner Mutter; Dir fehlt der Verstand, ihr Leid zu beklagen, Und ich selbst bin ganz allein: Warum weinst du? Warum wehklagst du? Und weißt noch nicht, was dir fehlt.
Komm, kleines Elend – ach, törichtes Herz! Meine einzige Freude, was kann ich mehr tun? Wenn dein Schmerz irgendein Unrecht ist, Das die Schicksalsmächte anflehen kann: Ich war es, ich sage es, gegen meinen Willen, Ich beklage die Zeit, aber sei du still.
Und du lächelst? O, dein süßes Gesicht! Wollte Gott selbst, Er könnte dich sehen! – Kein Zweifel, du würdest bald Gnade erkaufen, Ich weiß es nur zu gut, für dich und für mich: Aber komm zur Mutter, Kind, und spiel, Denn der falsche Vater ist davongeflogen.
Süßer Junge, sollte es durch das Glück geschehen, Dass dein Vater wieder heimkehrt, Sollte der Tod mich mit seiner Lanze treffen, So kannst du mich ihm doch empfehlen: Wenn jemand nach dem Namen deiner Mutter fragt, Erzähle, wie sie durch Liebe Schuld erkaufte.
Dann wird sein sanftes Herz bald nachgeben: Ich kenne ihn als einen von edlem Geist: Obwohl ein Löwe auf dem Feld, Ein Lamm wirst du ihn in der Stadt finden: Erbitte Segen, Kind, fürchte dich nicht, Seine gezuckerten Worte haben mich betrogen.
Dann kannst du dich freuen und höchst froh sein; Obwohl ich in Kummer zu klagen scheine, Dein Vater ist kein Lumpenkerl, Ein edler Jüngling von Fleisch und Blut: Seine flüchtigen Blicke, wenn er einmal lächelt, Können wahrhaft ehrliche Frauen betören.
Komm, kleiner Junge, und wiege dich in den Schlaf; Sing Wiegenlied und sei du still; Ich, die nichts anderes tun kann, als zu weinen, Werde bei dir sitzen und klagen, bis ich genug habe: Gott segne mein Kind, und Wiegenlied Von dieser Art deines Vaters.
Nicholas Breton [1545?–1626?]
LADY ANNE BOTHWELLS KLAGE
Balow, mein Kind, liege still und schlafe! Es kränkt mich sehr, dich weinen zu sehen. Wärst du ruhig, ich wäre froh, Dein Trauern macht meinen Kummer traurig: Balow mein Junge, deiner Mutter Freude, Dein Vater bereitet mir großen Verdruss – Balow, la-low!
Als er begann, um meine Liebe zu werben, Und mich mit seinen gezuckerten Worten zu bewegen, Erschienen mir seine falschen Verstellungen und schmeichelnde Heiterkeit Zu jener Zeit nicht: Aber nun sehe ich höchst grausam, Dass er sich weder um mein Kind noch um mich sorgt – Balow, la-low!
Liege still, mein Liebling, schlafe eine Weile, Und wenn du erwachst, wirst du süß lächeln: Aber lächle nicht, wie dein Vater es tat, Um Mädchen zu täuschen: nein, Gott bewahre! Aber doch fürchte ich, du wirst nahe daran sein, Das Herz und das Gesicht deines Vaters zu tragen – Balow, la-low!
Ich kann nicht anders, als immer Dein Vater weiterhin zu lieben; Wohin er auch geht, wohin er auch reitet, Meine Liebe bleibt immer bei ihm; In Glück oder Leid, wohin er auch geht, Mein Herz wird niemals von ihm lassen – Balow, la-low!
Aber tue nicht, tue nicht, mein Hübscher, Dein Herz falschen Verstellungen zuneigen! Sei loyal zu deiner wahren Geliebten, Und tausche sie niemals gegen eine neue: Wenn sie gut oder schön ist, trage Sorge für sie, Denn der Fluch der Frauen ist wunderbar schmerzhaft – Balow, la-low!
Kind, an deinem Gesicht werde ich mich hüten; Wie die Worte der Sirenen werde ich ihnen nicht nahe kommen; Mein Kind und ich werden zusammen leben; Er wird mich trösten, wenn Sorgen mich bedrücken. Mein Kind und ich werden ganz sanft liegen, Und niemals die Grausamkeit der Menschen beachten – Balow, la-low!
Leb wohl, leb wohl, der falscheste Jüngling, Der jemals den Mund einer Frau geküsst hat! Ich wünsche, dass alle Mädchen durch mich gewarnt werden, Niemals der Höflichkeit eines Mannes zu vertrauen; Denn wenn wir uns nur zufällig verneigen, Dann behandeln sie uns, wie es ihnen gleichgültig ist – Balow, la-low!
Unbekannt
EINE FRAUENLIEBE
Ein Wächter-Engel, hoch in Herrlichkeit sitzend, Hörte diesen schrillen Klagelaut aus dem Fegefeuer hallen: „Hab Erbarmen, mächtiger Engel, hör meine Geschichte!
Ich liebte, – und, blind vor leidenschaftlicher Liebe, fiel ich. Liebe brachte mich zum Tod, und der Tod in die Hölle; Denn Gott ist gerecht, und der Tod für die Sünde ist recht.
Ich rage nicht gegen Seinen hohen Beschluss, Noch bitte ich für mich selbst um Gnade; Sondern für meine Liebe auf Erden, die um mich trauert.
Großer Geist! Lass mich meine Liebe wiedersehen Und ihn eine Stunde trösten, und ich wäre bereit, Tausend Jahre Feuer und Schmerz zu bezahlen.“
Dann sagte der mitleidige Engel: „Nein, bereue Dieses wilde Gelübde! Schau, der Zeiger der Sonnenuhr ist gebogen Bis zur letzten Stunde deiner Bestrafung!“
Aber sie klagte weiter: „Ich bitte dich, lass mich gehen! Ich kann nicht zum Frieden aufsteigen und ihn so verlassen. O, lass mich ihn in seinem bitteren Weh trösten!“
Die ehernen Tore knarrten mürrisch einen Spalt weit auf, Und aufwärts, freudig, wie ein aufgehender Stern, Stieg sie und verschwand in der fernen Ätherweite.
Doch bald, im sterbenden Sonnenuntergang segelnd, Und wie ein verwundeter Vogel ihre Schwingen nachziehend, Flatterte sie zurück, mit herzzerreißendem Wehklagen.
Sie schluchzte: „Ich fand ihn an der Sommersee, Ruhend, sein Haupt auf dem Knie eines Mädchens, – Sie kräuselte sein Haar und küsste ihn. Weh mir!“
Sie weinte: „Nun lass meine Bestrafung beginnen! Ich war töricht und dumm. Lass mich hinein, Um meinen Kummer und meine Sünde zu büßen.“
Der Engel antwortete: „Nein, traurige Seele, geh höher! In deines Herzens wahrem Verlangen getäuscht zu werden, War bitterer als tausend Jahre Feuer!“
John Hay [1838-1905]
EINE TRAGÖDIE
Sie war nur eine Frau, ausgehungert nach Liebe, Wahnsinnig vor Hingabe und solchen Kleinigkeiten; Und er war ein sehr großer Musiker, Und pflegte seine Geigensaiten zu zupfen.
Die süße Tonleiter ihres Herzens reißt und bricht Für einen Blick, für eine Berührung – für solche Kleinigkeiten; Doch er ist ein so sehr großer Musiker, Grimassenschneidend und seine Geigensaiten zupfend.
Theophile Marzials [1850-
„MUTTER, ICH KANN MICH NICHT AUF MEIN SPINNRAD KONZENTRIEREN“
Mutter, ich kann mich nicht auf mein Spinnrad konzentrieren; Meine Finger schmerzen, meine Lippen sind trocken: O, wenn Ihr den Schmerz fühlen könntet, den ich fühle! Aber O, wer fühlte jemals so wie ich?
Nicht länger konnte ich daran zweifeln, dass er treu war – Alle anderen Männer mögen Betrug üben; Er sagte immer, meine Augen seien blau, Und schwor oft, meine Lippen seien süß.
Walter Savage Lander [1775-1864]
AIRLY BEACON
Airly Beacon, Airly Beacon; O der erfreuliche Anblick, Grafschaften und Städte von Airly Beacon zu sehen, Während mein Geliebter zu mir heraufstieg!
Airly Beacon, Airly Beacon; O die glücklichen Stunden, die wir lagen Tief im Farn auf Airly Beacon, Den Sommertag hindurch einander den Hof machend!
Airly Beacon, Airly Beacon; O der müde Ort für mich, Ganz allein auf Airly Beacon, Mit seinem Baby auf meinem Knie!
Charles Kingsley [1819-1875]
EIN MEERESKIND
Der Liebhaber der kleinen Marjory Hatte eine weiße Stunde des Lebens bis zum Rand voll; Nun hat ihn die alte Amme, das wiegende Meer, Um ihn in den Schlaf zu lullen.
Die Tochter der kleinen Marjory Hat in ihren Adern, zu schlagen und zu fließen, Das frohe, unbezwingbare Meer, Die starke weiße Sonne.
Bliss Carmen [1861-1929]
VOM HAFENHÜGEL
„Ist es ein Segel?“, fragte sie. „Nein“, sagte ich. „Nur eine weiße Möwe mit ausgebreiteten Schwingen.“
„Ist es eine Rahe?“, fragte sie. „Nein“, sagte ich. „Nur der schlanke Leuchtturm gegen den Himmel.“
„Flattert dort ein Wimpel?“ „Nein“, sagte ich. „Nur ein Wolkenfetzen im roten Sonnenuntergang.“
„Sicher ein Rumpf, ein Rumpf!“ „Wo?“, rief ich. „Nur ein Fels, halb entblößt von der Ebbe.“
„Wartest du auf ein Schiff?“, fragte ich. „Ja!“, rief sie. „Die Harbor Belle; ihr Gefährte kommt heim, um mich zu heiraten.“
„Sicher hat das gute Schiff Keinen Schaden genommen?“ War es der Westwind, der klagte, oder das Baby an ihrer Brust?
„Die Harbor Belle!“, drängte sie. Ich sagte nichts. – Denn ich wusste, über dem Grab der Harbor Belle fliegen die Möwen.
Gustav Kobbe [1857-1918]
ALLAN WATER
An den Ufern von Allan Water, Als die süße Frühlingszeit begann, War die liebliche Tochter des Müllers, Die Schönste von allen.
Ein Soldat warb um sie als Braut, Und eine gewinnende Zunge hatte er, An den Ufern von Allan Water, Keine war so fröhlich wie sie.
An den Ufern von Allan Water, Als der braune Herbst seine Gaben ausbreitete, Da sah ich die Tochter des Müllers, Doch sie lächelte nicht mehr.
Denn der Sommer hatte ihr Kummer gebracht, Und der Soldat war falsch, An den Ufern von Allan Water, Keine war so traurig wie sie.
An den Ufern von Allan Water, Als der Winterschnee schnell fiel, War immer noch die Tochter des Müllers zu sehen, Kühl blies die Böe.
Doch die liebliche Tochter des Müllers, War frei von Kälte und Sorge; An den Ufern von Allan Water, Da lag sie als Leiche.
Matthew Gregory Lewis [1775-1818]
VERLASSEN
O wehe, wehe den Hang hinauf, Und wehe, wehe den Abhang hinunter, Und wehe, wehe an jenem Bachlauf, Wo ich und mein Liebster zu gehen pflegten! Ich lehnte meinen Rücken an eine Eiche, Ich dachte, es sei ein treuer Baum; Doch erst bog er sich, und dann brach er, So hat mein Liebster mich gering geschätzt.
O wehe, wehe, doch Liebe ist schön Eine kleine Weile, wenn sie neu ist; Doch wenn sie alt ist, wird sie kalt Und schwindet dahin wie der Morgentau. O warum sollte ich mein Haupt schmücken? Oder warum sollte ich mein Haar kämmen? Denn mein Liebster hat mich verlassen, Und sagt, er werde mich niemals mehr lieben.
Nun soll Arthur-seat mein Bett sein; Die Laken werden niemals von mir gedrückt: Saint Anton's Brunnen soll mein Trank sein, Seit mein Liebster mich verlassen hat. Martinswind, wann wirst du wehen Und die grünen Blätter vom Baum schütteln? O sanfter Tod, wann wirst du kommen? Denn meines Lebens bin ich müde.
Es ist nicht der Frost, der grimmig friert, Noch die Unbill des wehenden Schnees; Es ist nicht solche Kälte, die mich schreien lässt, Sondern das Herz meines Liebsten, das gegen mich erkaltet ist. Als wir in die Stadt Glasgow kamen Waren wir ein stattlicher Anblick; Mein Liebster war in schwarzem Samt gekleidet, Und ich selbst in Purpur.
Doch hätte ich gewusst, bevor ich küsste, Dass Liebe so schwer zu gewinnen sei; Ich hätte mein Herz in ein Kästchen aus Gold eingeschlossen Und mit einer silbernen Nadel zugesteckt. Und, O! Wenn mein junges Baby geboren wäre, Und auf dem Schoß der Amme säße, Und ich selbst tot und dahin wäre, Und das grüne Gras über mir wüchse!
Unbekannt
BONNIE DOON
Ihr Ufer und Hügel des schönen Doon, Wie könnt ihr so lieblich blühen! Wie könnt ihr singen, ihr kleinen Vögel, Und ich so voller Sorge!
Du wirst mir das Herz brechen, du schöner Vogel, Der auf dem Zweig singt; Du erinnerst mich an die glücklichen Tage, Als mein falscher Liebster treu war.
Du wirst mir das Herz brechen, du schöner Vogel, Der neben seiner Gefährtin singt; Denn so saß ich, und so sang ich, Und wusste nichts von meinem Schicksal.
Oft bin ich am schönen Doon gestreift, Um das Geißblatt sich winden zu sehen, Und jeder Vogel sang von seiner Liebe; Und so tat ich es von meiner.
Mit leichtem Herzen pflückte ich eine Rose, Von ihrem dornigen Baum; Und mein falscher Liebhaber stahl die Rose, Aber ließ den Dorn bei mir.
Robert Burns [1759-1796]
DIE ZWEI LIEBHABER
Der Liebhaber ihres Körpers sagte: „Sie ist schöner als die Nacht, – Doch wie die Küsse der Toten Ist meine Verzweiflung und mein Entzücken.“
Der Liebhaber ihrer Seele erwiderte: „Sie ist wunderbarer als der Tod, – Doch bitter wie die schmerzende Flut Ist alles Sprechen von Liebe, das sie spricht.“
Der Liebhaber ihres Körpers sagte: „Ein Geheimnis ihres Herzens zu kennen, Trotz all der Freude, die ich hatte, Übersteigt die Reichweite all meiner Kunst.“
Der Liebhaber ihrer Seele erwiderte: „Die Geheimnisse ihres Herzens sind mein, – Außer wie sie lebt, eine zerrissene Braut, Zwischen dem Staub und dem Göttlichen.“
Der Liebhaber ihres Körpers schwor: „Auch wenn sie mich hassen sollte, wisse wohl, Eher als auf einen Kuss von ihr zu verzichten, Gebe ich meine Seele, um in der Hölle zu brennen.“
Der Liebhaber ihrer Seele schrie auf: „Eher als sie deiner Gier zu überlassen, Wünschte ich, ich wäre ummauert Mit dem Tod, – und der Tod wäre wahrhaftig der Tod!“
Der Liebhaber ihres Körpers weinte, Und hatte keinen Nutzen von all seinem Gewinn, Wissend, dass sie im Herzen bewahrte Die Buße für des anderen Schmerz.
Der Liebhaber ihrer Seele wurde wahnsinnig, Doch als er sich selbst den Tod gab, Trotz all des Leids, das er hatte, Lächelte er wie einer, der triumphiert.
Richard Hovey [1864-1900]
DER VAMPIR Angeregt durch das Gemälde von Philip Burne-Jones
Ein Narr war da und er betete (Genau wie du und ich!) Zu einem Fetzen und einem Knochen und einer Locke Haar (Wir nannten sie die Frau, der es gleichgültig war), Doch der Narr nannte sie seine holde Dame (Genau wie du und ich!)
Oh, die Jahre, die wir verschwenden, und die Tränen, die wir verschwenden, Und die Arbeit unseres Kopfes und unserer Hand, Gehören der Frau, die es nicht wusste (Und nun wissen wir, dass sie es niemals wissen konnte) Und nicht verstand.
Ein Narr war da und er gab sein Hab und Gut aus (Genau wie du und ich!) Ehre und Treue und eine sichere Absicht (Und das war nicht im Geringsten, was die Dame meinte), Doch ein Narr muss seinem natürlichen Drang folgen (Genau wie du und ich!)
Oh, die Mühsal, die wir verloren, und die Beute, die wir verloren, Und die ausgezeichneten Dinge, die wir planten, Gehören der Frau, die nicht wusste, warum (Und nun wissen wir, dass sie niemals wusste, warum) Und nicht verstand.
Der Narr wurde bis auf seine törichte Haut entblößt (Genau wie du und ich!) Was sie hätte sehen können, als sie ihn beiseite warf – (Doch es ist nicht verzeichnet, dass die Dame es versuchte) Also lebte ein Teil von ihm weiter, doch der größte Teil starb – (Genau wie du und ich!)
Und es ist nicht die Schande und es ist nicht die Schuld, Die sticht wie ein weißglühendes Eisen. Es ist das Wissen, dass sie niemals wusste, warum (Da man endlich sieht, dass sie es niemals wissen konnte) Und niemals verstehen konnte.
Rudyard Kipling [1865-1936]
AGATHA
Sie wandert in den Aprilwäldern, Die glänzen vom gefallenen Schauer; Sie lehnt ihr Gesicht gegen die Knospen, Sie hält inne, sie bückt sich, sie pflückt eine Blume. Sie spürt das Gären der Stunde: Sie brütet, wenn die Turteltaube brütet; Die Sonne und die fliegenden Wolken haben Macht Über ihre Wange und ihre wechselnden Stimmungen. Sie kann nicht glauben, dass sie allein ist, Während warm über ihre Sinne schleichen Fluten der Unruhe, die sie zu besitzen fürchtet, Und fast zu fühlen sich graut.
Entlang der weiten Sommerwälder Streift sie von neuem, nicht länger allein; Die Freude, die sie fürchtete, ist an ihrer Seite, Des Frühlings errötendes Geheimnis ist nun bekannt. Die klingende Note der Drossel ist verstummt; Doch glänzender Blick und glühender Ton Fallen auf sie von ihrem Gott, ihrem Führer. Sie weiß nicht, fragt nicht, was das Ziel ist, Sie fühlt nur, dass sie sich der Wonne entgegenbewegt, Und gibt ihre reine, fraglose Seele Berührung und zärtlichem Kuss hin.
Und immer noch sucht sie diese Waldwege heim, Obwohl alles zärtliche Fantasieren dort jetzt An Frühlings- oder Sommertage erinnert, Sind nur aufgeweichter Stamm und gesangloser Zweig. Die Vergangenheit sitzt verwitwet auf ihrer Stirn, Heimwärts wendet sie sich mit winterlichem Blick, Zu Mauern, die ein hohles Gelübde beherbergen, Zum Herd, wo die Liebe aufgehört hat zu lodern: Sie beobachtet das klamme Dämmern schwinden, Mit Kummer, zu fest für Weh oder Träne; Und, mit der Stirn gegen die Scheibe, Beneidet sie das sterbende Jahr.
Alfred Austin [1835-1913]
„EINE ROSE WIRD VERBLÜHEN“
Du warst immer eine Träumerin, Rose – rote Rose, Als du an deinem duftenden Zweig schwingtest, Schwingend, und die ganze Welt war wahr, Wankend, was bekümmerte dich das? Eine Rose wird an einem Tag verblühen.
Warum lächeltest du in sein Gesicht, rote Rose, Als er über deinen Weg pfiff? Und die ganze Welt wurde wahnsinnig nach dir, Die ganze Welt kniete nieder, um zu werben. Eine Rose wird an einem Tag blühen.
Ich sammle deine Blütenblätter, Rose – rote Rose, Die Blütenblätter, die er wegwarf. Und die ganze Welt verspottete dich; Ach! Die Welt, wie gut sie wusste, Eine Rose wird an einem Tag verblühen!
Dora Sigerson Shorter [1862-1918]
AFFAIRE D'AMOUR
Ein blasser Novembertag, Der flüchtige Sommer hielt inne, Sagt man: Und kühner werdend, Über die rosige Schulter Warf sie ihrem Liebhaber einen solchen Blick zu, Dass des Herbstes Herz zu tanzen begann. (O glücklicher Liebhaber!)
Ein blattloser Pfirsichbaum, kühn, Dachte, für ihn lächle sie, Wird mir erzählt; Und, von Liebe bewegt, Regte sich sein schlafender Saft, Schmückte jeden nackten Zweig mit Grün, Um ihr zu zeigen, dass ihr Blick gesehen wurde! (Ach, armer Liebhaber!)
Doch der Sommer floh lachend, Und wusste nicht, dass er sie liebte! Es heißt, Der Pfirsichbaum seufzte, Und bald starb er freudig: Und der Herbst, der Jagd müde, Kam in Winters gesetztem Schritt heran (O sorgloser Liebhaber!)
Margaret Deland [1857-
EIN GELEGENTLICHES LIED
Sie sang von Liebenden, die sich zum Spiel trafen „Unter der Maienblüte, unter dem Maien“, Doch als ich nach ihrem so schönen Gesicht suchte, Fand ich das erstarrte Gesicht der Verzweiflung.
Sie sang von Waldblättern im Frühling, Und der Freude junger Liebe beim Tändeln; Doch ihre jungen Augen waren allesamt ein Stöhnen, Und der Tod lastete auf ihrem Herzen wie Stein.
Ich konnte nicht fragen, ich weiß es jetzt nicht, Die Geschichte jener trauervollen Stirn; Sie verfolgt mich, wie sie mich damals verfolgte, Ein Blitz aus dem Feuer der zur Hölle verdammten Menschen.
Roden Noel [1834-1894]
WIE ES IST
Der Wind ist erwacht, hübsche Blätter, hübsche Blätter, Achtet nicht auf das, was er sagt; er täuscht, er täuscht: Immer wieder Zum bescheidenen Klee Hat er dieselbe Liebe gelispelt (und sie auch vergessen), Bald wird er euch zulispeln und versprechen.
Der Junge ist unterwegs, hübsches Mädchen, hübsches Mädchen, Hüte dich vor seinen sanften Worten; ich fürchte, ich fürchte: Er hat sie schon früher gesagt, Viele Male dutzendfach, Ja, er starb für ein Dutzend, bevor sein Bart durchbrach, Und genau denselben Tod wird er für dich sterben.
Die Art des Jungen ist die Art des Windes, So leicht wie die Blätter ist das zierliche Mädchengeschlecht; Einer zu täuschen, Und einer zu glauben – Das ist die Art, wie es ist, Jahr für Jahr; Doch ich weiß, du wirst es zu spät lernen, meine Liebe.
John Vance Cheney [1848-1922]
„WENN DAS SCHÖNE WEIB ZUR TORHEIT NEIGT“ Aus „Der Pfarrer von Wakefield“
Wenn das schöne Weib zur Torheit neigt Und zu spät erkennt, dass Männer betrügen, – Welcher Reiz kann ihre Melancholie lindern, Welche Kunst kann ihre Schuld hinwegwaschen?
Die einzige Kunst, ihre Schuld zu bedecken, Ihre Schande vor jedem Auge zu verbergen, Dem Liebhaber Buße zu geben Und seine Brust zu beklemmungen, ist – zu sterben.
Oliver Goldsmith [1728-1774]
VOLKSLIED
Sie kam zurück durch die bebende Dämmerung; Und ihre Mutter sprach und sagte: „Was macht dich heute so spät, Und warum lächelst und singst du so fröhlich, Als wärst du gerade erst getraut?“ „Oh Mutter, meine Henne, die nie Küken hatte, Hat sechs ausgebrütet!“
Sie kam zurück durch die flammende Dämmerung; Und ihre Mutter sprach und sagte: „Was gibt deinen Augen dieses tanzende Licht, Was macht deine Lippen so seltsam leuchtend, Und warum sind deine Wangen so rot?“ „Oh Mutter, die Beeren, die ich im Weg aß, Haben einen Fleck hinterlassen.“
Sie kam zurück durch die stockende Dämmerung; Und ihre Mutter sprach und sagte: „Du weinst; dein Schritt ist schwer vor Sorge – Was lässt dich schwanken und dich an die Treppe klammern, Und warum lässt du dein Haupt hängen?“ „Oh Mutter – oh Mutter – du kannst es niemals wissen – Ich liebte ihn so sehr!“
Louis Untermeyer [1885-
EIN SEHR ALTES LIED
„Tochter, du bist gekommen, um zu sterben: Fest sei dein Schlaf, Mädchen.“ „Nun wohl: ohne Wehklagen oder Schrei, Mutter, lass mich gehen.“
„Welche Dinge auf Erden waren die besten von allen? (Sanft sei dein Schlaf, Mädchen.)“ „Die Äpfel, die rot wurden, bis sie fielen In der Sonne neben der Klostermauer. Lass mich gehen.“
„Wen auf Erden hast du am meisten geliebt? (Fest sei dein Schlaf, Mädchen.)“ „Den, der mit mir deine Brust teilte; Dich und einen Ritter, letztes Jahr unser Gast. Er hat einen Reiher in seinem Wappen. Lass mich gehen.“
„Was lässt du an Ruhm oder Schatz zurück? (Sanft sei dein Schlaf, Mädchen.)“ „Meine weit verbreitete Schande als deine Belohnung; Mein Gold für meinen Bruder, damit er sich ein Schwert kaufe. Lass mich gehen.“
„Aber was wirst du deinem Liebhaber, Grim, hinterlassen? (Fest sei dein Schlaf, Mädchen.)“ „Das Haar, das er küsste, um ihn zu erdrosseln. Mutter, lass mich gehen.“
William Laird [1888-
„SIE WAR JUNG UND FRÖHLICH UND SCHÖN“
Sie war jung und fröhlich und schön, Fest in ihrem Vorsatz, süß und stark; Vollkommen war ihre Krone aus Haar, Vollkommen vor allem ihr Lied.
Gestern unter einer Eiche, Sang sie im Wald: Wandernde Harmonien erwachten; Schlafende Echos verstanden.
Heute ohne ein Lied, ohne ein Wort, Scheint sie einen jämmerlichen, hängenden Flügel Über den Boden zu schleifen, und, wie ein verwundeter Vogel, Sich schweigend zu bewegen, da sie den Mut zum Singen verlor.
Sie war jung und fröhlich und schön, Fest in ihrem Vorsatz, süß und stark; Vollkommen war ihre Krone aus Haar, Vollkommen vor allem ihr Lied.
Harold Monro [1879-1932]
DAS MÄDCHEN, DAS AN LIEBE STARB
Das Leben ist nicht teuer oder fröhlich, Bis Liebende es küssen, Die Liebe stahl mir das Leben, Ehe ich es vermissen konnte. Im nüchternen März gelobte ich, Ich wolle keinen Liebhaber, Die Liebe legte mich in mein Leichentuch, Ehe der Juni vorüber war.
Ich fühlte, wie sein Körper nahm Meinen Körper zu sich, Und wusste, mein Herz würde brechen, Ehe ich es bereuen würde; Junirosen sind nicht traurig, Wenn Tautropfen sie benetzen, Meine Augenblicke waren so froh, Ich konnte sie nicht behalten.
Stolz war ich, dass die Liebe gemacht hatte, Dass Verlangen mich erfüllte, Ich schloss meine Augen und betete, Dass er mich töten möge. Ich sah neue Wunder umkränzen Die Sterne über ihm, Und oh, ich konnte nicht atmen Vor Küssen von ihm.
Ist Liebe zu süß, um zu dauern, Zu grimmig, um sie zu hegen, Können Küsse zu schnell fallen Und Liebende umkommen? Wer achtet darauf, seit Liebe entwaffnet Den Tod, bevor wir ihn erreichen? In den Armen meines Liebhabers Fürchtete ich ihn nicht!
Doch da ich in Sünden starb Und gänzlich ungebeichtet, Wollten sie mich nicht gewinnen lassen In ihren Himmel; Sie wollten meine Bahre nicht In Gottes Garten lassen, Sondern hießen mich hier verweilen Und um Vergebung beten.
Ich liege und warte auf Gnade, Die mich umgeben soll, Seine Küsse auf meinem Gesicht, Seine Arme um mich; Und sündenlose Mädchen kommen näher, Um über mir fallen zu lassen Eine jungfräuliche, traurige Träne Aus Neid auf mich.
Richard Middleton [1882-1911]
DIE PASSIONSBLUME
Meine Liebe gab mir eine Passionsblume. Ich pflegte sie gut – so kurz war ihre Stunde! Meine Augenlider schmerzen, mein Hals ist trocken: Er sagte mir, dass sie nicht sterben würde.
Meine Liebe und ich sind eins, und doch Oft sind meine Wangen nass von Tränen – So süß ist die Nacht und die Laube! Meine Liebe gab mir eine Passionsblume.
So süß! Halt meine Hände fest. Kann Gott All diese Freude zur Erde zurückkehren lassen, Und mir nur dies als Mitgift lassen – Meine Liebe gab mir eine Passionsblume.
Margaret Fuller [1871-
NORAH
Ich kannte sein Haus bei den Pappeln, Grün und silbern in der Brise;
„Eine himmelhohe Hecke“, waren die Worte, die er sagte, „Und Stockrosen, rosa und weiß und rot . . .“
Es schien so weit weg von McChesney's Hall – Wo er es mir zuerst alles erzählte.
Ein langer Pfad verläuft drinnen vom Tor – Er kann ihn immer noch nehmen, früh oder spät;
Doch wo in der Welt ist der Pfad für mich, Außer dem Fluss, der zum Meer läuft!
Zoe Akins [1886-
VON JOANS JUGEND
Ich möchte meiner Schönen wiedergeben Eine einfache Sache: Die errötende Wange, die sie vorher hatte! Samtiger als Nicht mehr, nicht mehr, An unserem traurigen Ufer, Die karminrote Traube, der morgendliche Flügel der Motte.
Ach, sag, wie Winde im flutenden Gras Die Rose losbinden; Oder wie tückische Wege der Lachs Zum Meer zieht, enthülle; Denn so, ach, Mit der Liebe, ach, Mit der tödlichen, tödlichen Liebe geht eine Mädchenjugend dahin.
Louise Imogen Guiney [1861-1920]
ES GIBT WEISHEIT BEI FRAUEN
„Nur die Liebe ist schön, und die Liebe ist selten;“ meine Liebste sagte sie, „Doch die Liebe geht leicht vorüber.“ Ich beugte ihr törichtes Haupt, Und küsste ihr Haar und lachte über sie. Ein solches Kind war sie; So neu der Liebe, so treu der Liebe, und sie sprach so bitterlich.
Doch es gibt Weisheit bei Frauen, von mehr, als sie gewusst haben, Und Gedanken wehen durch sie hindurch, die weiser sind als ihre eigenen, Oder wie sollte meine Liebste, unwissend und jung, So bitterlich nach Liebe gerufen haben, mit einer so wahren Zunge?
Rupert Brooke [1887-1915]
GOETHE UND FREDERIKA
Wandle, oh wandle, süßes Mädchen, In der Zauberlaube, solange du noch kannst; Sieh, in Verzückung liegt er zu deinen Füßen; Ruhe auf der Wahrheit des glorreichen Jünglings, Ruhe – für einen Sommertag. Diesen großen klaren Geist aus flackerndem Feuer Hast du eine Weile in magischen Schlaf gewiegt, Doch du kannst sein weites Verlangen nicht füllen. Sein Herz ist zart, seine Augen sind tief, Seine Worte fließen göttlich; Doch seine Stimme und sein Blick sind nicht für dich; Er kann niemals einem Mädchen treu sein; Bald wird er erwachen und gehen. Nun wohl, es wäre eine jämmerliche Sache, Diesen starken jungen Flügel für immer zu ketten. Lass den Schmetterling um sein eigenes süßes Willen zerbrechen Die hauchdünnen Fäden, die ihn gebunden haben; Lass ihn im freien Flug sein Regenbogenlicht vergießen, Und die Welt um ihn herum erfreuen. Kurz ist der Kampf und gering ist die Anstrengung; Ein solches Netz war dazu gemacht, zerbrochen zu werden, Und sie, die es spann, mag wieder spinnen, Oder, wenn keine Macht der Liebe zu segnen Die Wunde in ihrem wahren Busen heilen kann, Ist es nur ein verlassenes Herz mehr oder weniger, Und Herzen sind viele und Dichter wenige, Also ist seine Verzeihung leicht gesprochen.
Henry Sidgwick [1838-1901]
DAS LIED DES KÖNIGLICHEN SPIELMANNS
Ich singe nicht mehr von den Himmeln, Und den schnellen Wolken wie getriebenen Schiffen, Denn da ist Erde auf meinen Augen Und Erde zwischen meinen singenden Lippen. Weil der König mein Lied nicht liebte, Das er zuvor so süß gefunden hatte, Liege ich die ganze Nacht hindurch in Frieden, Und singe nicht mehr. Der König mochte mein Lied in jener Nacht wohl leiden; Er lag auf dem Palastdach Mit seiner schönen Königin, und so gut ich konnte Sang ich, bis das Grau des Morgens Über ihre Gesichter kroch, und der König, Verspottet vom anbrechenden Morgenrot dort oben, Klammerte sich an seine Jugend und hieß mich singen Ein Lied der Liebe.
Wohl mochte es das – der König war alt, Und obwohl seine Königin überaus schön war, Mochten seine trüben Augen nicht das Gold erhaschen, Das sich in ihrem eigensinnigen Haar verfing, Es wäre viel gewesen, ihr Lächeln zu sehen, Doch mit meinem Lied brachte ich sie zum Weinen. Unsere Himmel währen nur eine kleine Weile, Also schlafe ich nun.
Mehr als die Freuden, die ich hatte, Hätte ich fortgeworfen, um zu wissen, Dass mein Lied der Liebe sie traurig machen konnte, Ihre süßen Augen sich so füllen und beben lassen. Was waren meine ärmlichen Jahre, Das elende Leben meines Körpers, um es einzusetzen, Gegen den Schatz ihrer Tränen, Um meiner Liebe willen?
Nicht leicht wird ein König weise; Mein Körper schmerzte unter seinen Peitschen, Und da ist Erde auf meinen Augen, Und Erde zwischen meinen singenden Lippen. Doch ich sang einmal – und für diese Gnade Bin ich zufrieden, zu liegen und zu bewahren Das Bild ihres lieben, nassen Gesichts, Und nicht mehr zu singen.
Richard Middleton [1882-1911]
ANNIE SHORE UND JOHNNIE DOON
Annie Shore war es, die gestern Nacht sang Unten im South End Salon; Eine kitschige Kreatur im Licht, Geschminkte Wangen, überhelle Augen, Ein Tanzsaallied singend.
Ich würde Annies Gesang vergessen – Ich hätte nicht mehr daran gedacht – Wäre da nicht das Ding, das schrie und flatterte Durch den ganzen schrillen Refrain: Jugend, die über schmutzigen Worten, billiger Musik weint, Und Unschuld im Schmerz.
Sie verurteilten Johnnie Doon heute Wegen Mordes, kahl und grimmig: Der Tod ist kein zu teurer Preis, sagen sie, Für Männer wie ihn zu zahlen: Kein Grund, ihn zu bemitleiden!
Und Johnnie Doon würde ich nicht bemitleiden – Ich könnte ihn jetzt vergessen – Wäre da nicht der kindliche Ausdruck von Unruhe, Der über seine Stirn fiel, Wegen der windenden Hände, die er stumm betrachtete, Als hätten sie gesündigt, er wusste nicht wie.
Patrick Orr [18
EMMY
Emmys exquisite Jugend und ihr jungfräuliches Wesen, Augen und Zähne im Glanz eines musikalischen Lächelns, Kommen aus der Vergangenheit zu mir, und ich sehe sie dort Wie ich sie einst für eine Weile sah.
Emmys Lachen hallt in meinen Ohren, so hell, Frisch und süß wie die Stimme eines Bergbaches, Und noch immer höre ich sie, wie sie uns jene Nacht Geschichten erzählte, Aus Boccaccios Buch.
Dort, inmitten des niederträchtigen Tanzsaals, Über den Tisch gebeugt, über dem Bier, Während die Musik die wirbelnden Röcke des Balls verrückt machte, Als die Mitternachtsstunde nahte,
Dort mit den Frauen, ausgemergelt, geschminkt und alt, Eine frische Knospe in einem verwelkten und schal gewordenen Kranz, Erzählte sie mit ihrer unschuldigen Stimme und ihren klaren Augen Geschichte um Geschichte ohne Scham.
Und immer wieder das bezaubernde Lächeln, das ihr Gesicht verklärte, Hielt inne, wurde breiter und brach in ein Kräuseln von Spaß, Und die Seele eines Kindes blickte aus den Augen eines Kindes, Bevor die Geschichte noch zu Ende war.
O mein Kind, wer hat dir zuerst Unrecht getan und begann Zuerst den Totentanz, den du so gut tanzt? Seele um Seele: und ich denke, die Seele eines Mannes Wird für deine in der Hölle antworten.
Arthur Symons [1865-
DIE BALLADE VON CAMDEN TOWN
Ich ging vor langen Jahren mit Maisie Durch die Straßen von Camden Town, Ich prächtig in meinem schwarzen Anzug, Und sie göttlich in Braun.
Ihr Gesicht war stolz und edel, Ein geheimes Herz, und Augen Wie Wasser an einem einsamen Ort Unter wolkenlosen Himmeln.
Ein Bett, eine Truhe, eine verblasste Matte, Und ein paar zerbrochene Stühle, Waren alles, was wir hatten, um unsere Wohnung In der Hazel Avenue zu schmücken.
Doch ich konnte zum Hampstead Heath gehen, Und ihr Haupt mit Gänseblümchen krönen, Und die strömende Welt unter uns beobachten, Und Männer mit anderen Maisies.
Als ich krank war und sie blass, Und unser Vorrat leer stand, Ließ sie den Hausschlüssel am Nagel, Und sah mich nimmermehr.
Vielleicht warf sie sich selbst weg, Damit wir beide nicht ertränken: Vielleicht fürchtete sie zu sterben, wie jene, Die in Camden Town sterben.
Was wurde aus ihr? Die bitteren Nächte Zerstören Rose und Lilie, Und Seelen gehen verloren unter den Lichtern Des geschminkten Piccadilly.
Was wurde aus ihr? Der Fluss fließt So tief und weit und still, Und wartet darauf, die gefallene Rose zu fangen Und die zerbrochene Lilie zu umschließen.
Ich träume, sie wohnt noch immer in London Und atmet die Abendluft, Und gehe oft zum Primrose Hill, Und hoffe, sie dort zu treffen.
Wieder werden wir zusammen leben, Denn ich werde sie noch finden: Ich habe so wenig zu vergeben; So viel, das ich nicht vergessen kann.
James Elroy Flecker [1884-1915]
LIEBE UND TOD
HELEN VON KIRCONNELL
Ich wünschte, ich wäre, wo Helen liegt, Tag und Nacht ruft sie nach mir; O dass ich wäre, wo Helen liegt, Auf dem schönen Kirconnell-Feld!
Verflucht sei das Herz, das den Gedanken dachte, Und verflucht sei die Hand, die den Schuss abfeuerte, Als Helen, mein Schatz, in meinen Armen niedersank, Und starb, um mir beizustehen!
O glaubt ihr nicht, dass mein Herz wund war, Als mein Schatz niedersank und nicht mehr sprach! Dort schmachtete sie mit großem Kummer, Auf dem schönen Kirconnell-Feld.
Als ich das Flussufer hinunterging, Niemand außer meinem Feind als mein Führer, Niemand außer meinem Feind als mein Führer, Auf dem schönen Kirconnell-Feld;
Ich stieg ab, um mein Schwert zu ziehen, Ich hieb ihn in kleine Stücke, Ich hieb ihn in kleine Stücke, Um ihrer willen, die für mich starb.
O Helen, schön, unvergleichlich! Ich werde einen Kranz aus deinem Haar flechten, Der mein Herz für immer binden soll, Bis zu dem Tag, an dem ich sterbe!
O dass ich wäre, wo Helen liegt, Tag und Nacht ruft sie nach mir; Aus meinem Bett heißt sie mich aufstehen, Sagt: Eile und komm zu mir!
O Helen, schön! O Helen, keusch! Wäre ich bei dir, ich wäre gesegnet, Wo du niedrig liegst und deine Ruhe findest, Auf dem schönen Kirconnell-Feld.
Ich wünschte, mein Grab wäre grün bewachsen, Ein Leichentuch über meine Augen gezogen, Und ich läge in Helens Armen, Auf dem schönen Kirconnell-Feld.
Ich wünschte, ich wäre, wo Helen liegt! Tag und Nacht ruft sie nach mir; Und ich bin der Himmel müde, Um ihrer willen, die für mich starb.
Unbekannt
WILLY ERTRUNKEN IN YARROW
„Willy ist selten, und Willy ist schön, Und Willy ist wundersam hübsch; Und Willy versprach, mich zu heiraten, Wenn er je eine heiratete.
Gestern Nacht machte ich mein Bett ganz breit, Diese Nacht mache ich es schmal; Denn die ganze lange Winternacht Liege ich getrennt von meinem Gatten.
Oh, kamst du an jenem Flussufer vorbei? Pflücktest du die Rose oder Lilie? Oder kamst du an jener grünen Wiese vorbei? Oder sahst du meinen süßen Willy?“
Sie suchte ihn nach Osten, sie suchte ihn nach Westen, Sie suchte ihn breit und schmal; Dann in der Spalte eines Felsens, Fand sie ihn ertrunken in Yarrow.
Unbekannt
ANNAN WATER
„Annan Water ist tief zum Waten, Und mein Schatz Annie ist wundersam hübsch; Und ich bin abgeneigt, dass sie ihre Füße benetzt, Weil ich sie am meisten von allen liebe.“
Er ist auf seinen hübschen Schimmel gesprungen, Er ritt den richtigen Weg und den bereiten; Trotz des Sturms wollte er nicht bleiben, Auf der Suche nach seiner hübschen Dame.
Und er ist über Feld und Hügel geritten, Durch Moor, und Moos, und manchen Sumpf; Seine Sporen aus Stahl waren schwer zu ertragen, Und aus ihren vier Füßen flog das Feuer.
„Mein hübscher Schimmel, nun tu deine Pflicht! Wenn du das Ross bist, das meine Liebste gewinnt, Mit Korn und Heu wirst du für immer gefüttert, Und kein Sporn soll dich je ermüden.“
Der Schimmel war eine Stute, und eine wahrhaft gute Stute; Doch als sie Annan Water erreichte, Hätte sie die Furt in jener Nacht nicht durchquert, Hätte man tausend Mark auf sie gewettet.
„O Fährmann, Fährmann, stoß dein Boot ab, Stoß dein Boot ab für goldenes Geld!“ Doch für alles Gold im schönen Schottland, Wagte er es nicht, ihn zu Annie hinüberzubringen.
„Oh, ich war erst gestern Abend so fest geschworen, Nicht durch einen einzigen Eid, sondern durch viele! Ich werde den trüben Strom heute Nacht überqueren, Oder ich könnte meiner Liebsten nie ins Gesicht sehen.“
Die Seite war steil, und der Boden tief, Vom Ufer bis zum Hang strömte das Wasser; Die hübsche Schimmelstute schwitzte vor Angst, Denn sie hörte das Wasser-Kelpie brüllen.
Er spornte sie hinaus in die Flut, Ich weiß, sie schwamm stark und stetig; Doch der Strom war breit, und ihre Kraft versagte, Und er sah seine hübsche Dame nie wieder!
Unbekannt
DIE KLAGE DER WITWE VON DER GRENZE
Mein Geliebter baute mir eine hübsche Laube, Und kleidete sie ganz mit Lilienblüten; Eine schönere Laube habt ihr nie gesehen, Als mein treuer Geliebter sie für mich baute.
Es kam ein Mann, am helllichten Tag, Er erspähte sein Vergnügen und ging davon; Und brachte den König in derselben Nacht, Der meine Laube zerbrach und meinen Ritter erschlug.
Er erschlug meinen Ritter, mir so teuer; Er erschlug meinen Ritter und pfändete sein Gut: Meine Diener flohen alle um ihr Leben, Und ließen mich in der Not zurück.
Ich nähte sein Leichentuch, während ich klagte; Ich bewachte die Leiche, ganz allein; Ich bewachte seinen Körper Tag und Nacht; Kein lebendes Wesen kam des Weges.
Ich nahm seinen Körper auf meinen Rücken, Und manchmal ging ich, und manchmal saß ich; Ich grub ein Grab und legte ihn hinein, Und bedeckte ihn mit dem so grünen Rasen.
Aber glaubt ihr nicht, dass mein Herz wund war, Als ich die Erde auf sein gelbes Haar legte? O, glaubt ihr nicht, dass mein Herz wehe war, Als ich mich umdrehte, um wegzugehen?
Keinen lebenden Mann werde ich wieder lieben, Seit mein schöner Ritter erschlagen ist; Mit einer Locke seines gelben Haares Werde ich mein Herz für immer ketten.
Unbekannt
ASPATIAS LIED Aus „Das Drama des Mädchens“
Legt einen Kranz auf meine Bahre Aus der düsteren Eibe; Mädchen, tragt Weidenzweige; Sagt, ich starb treu.
Mein Geliebter war falsch, doch ich war fest Von meiner Geburtsstunde an. Auf meinen begrabenen Körper lege dich Leicht, sanfte Erde!
John Fletcher [1579-1625]
EINE BALLADE Aus „The What-d'ye-call-it“
Es war, als die Meere tosten Mit hohlen Windböen, Ein Fräulein lag klagend, Auf einem Felsen hingestreckt. Weit über die schäumenden Wogen Warf sie einen sehnsüchtigen Blick; Ihr Haupt war mit Weiden gekrönt, Die über dem Bach zitterten.
„Zwölf Monate sind vergangen und vorbei, Und neun lange, langweilige Tage; Warum hast du, abenteuerlustiger Liebhaber, Warum hast du den Meeren vertraut? Hör auf, hör auf, du grausamer Ozean, Und lass meinen Geliebten ruhen; Ach! Was ist deine unruhige Bewegung Gegen die in meiner Brust?
Der Kaufmann, der seiner Freude beraubt ist, Sieht Stürme in Verzweiflung; Doch was ist der Verlust von Schätzen, Gegen den Verlust meines Liebsten? Solltest du an irgendeiner Küste landen, Wo Gold und Diamanten wachsen, Du würdest ein reicheres Mädchen finden, Doch keine, die dich so liebt.
Wie können sie sagen, dass die Natur Nichts umsonst erschaffen hat; Warum sollten dann unter dem Wasser Hässliche Felsen verbleiben? Keine Augen entdecken die Felsen, Die unter der Tiefe lauern, Um den wandernden Liebhaber zu zertrümmern, Und das Mädchen weinend zurückzulassen.“
Ganz melancholisch liegend, So wehklagte sie um ihren Liebsten; Vergalt jede Böe mit Seufzen, Jede Woge mit einer Träne. Als sie über die weiße Welle gebeugt, Seine treibende Leiche erblickte, Dann, wie eine welkende Lilie, Neigte sie ihr Haupt und starb.
John Gay [1685-1732]
DIE BRAES VON YARROW
Deine Hügel waren hübsch, Yarrow-Strom, Als ich zuerst meinen Geliebten auf ihnen traf: Deine Hügel, wie trostlos, Yarrow-Strom, Wenn nun deine Wellen seinen Körper bedecken! Für immer nun, o Yarrow-Strom! Bist du mir ein Strom des Kummers; Denn niemals werde ich an deinen Ufern Meinen Geliebten wiedersehen, die Blume von Yarrow.
Er versprach mir ein milchweißes Ross, Um mich zu den Lauben seines Vaters zu tragen; Er versprach mir einen kleinen Pagen, Um mich zu den Türmen seines Vaters zu begleiten; Er versprach mir einen Hochzeitsring – Der Hochzeitstag war auf morgen festgelegt; Nun ist er mit seinem Grab vermählt, Ach! seinem wässrigen Grab in Yarrow.
Süß waren seine Worte, als wir uns zuletzt trafen: Meine Leidenschaft gestand ich ihm ebenso frei: In seinen Armen umschlungen, dachte ich wenig, Dass ich ihn niemals mehr wiedersehen würde! Kaum war er fort, sah ich seinen Geist; Er verschwand mit einem Schrei des Kummers; Dreimal stieg der Wassergeist auf, Und gab ein klägliches Stöhnen von sich durch Yarrow.
Seine Mutter schaute aus dem Fenster, Mit all dem Sehnen einer Mutter; Seine kleine Schwester ging weinend Den Pfad im grünen Wald, um ihren Bruder zu treffen. Sie suchten ihn nach Osten, sie suchte ihn nach Westen, Sie suchten ihn den ganzen Wald hindurch; Sie sahen nur die Wolke der Nacht, Sie hörten nur das Brüllen von Yarrow!
Schau nicht länger aus deinem Fenster – Du hast keinen Sohn mehr, du zärtliche Mutter! Gehe nicht länger, du kleines Mädchen; Ach! du hast keinen Bruder mehr. Such ihn nicht länger nach Osten oder Westen, Und durchsuche nicht mehr den Wald hindurch; Denn wandernd in der so dunklen Nacht, Fiel er als lebloser Leichnam in Yarrow.
Die Träne soll nie meine Wange verlassen, Kein anderer Jüngling soll mein Gatte sein: Ich werde deinen Körper im Strom suchen, Und dann werde ich mit dir in Yarrow schlafen. Die Träne verließ nie ihre Wange, Kein anderer Jüngling wurde ihr Gatte; Sie fand seinen Körper im Strom, Und nun schläft sie mit ihm in Yarrow.
John Logan [1748-1788]
DER KIRCHHOF AN DEN SANDEN
Meine Liebe liegt in den Toren des Schaums, Das letzte liebe Wrack des Ufers; Die nackte Seemarsch bindet ihr Heim, Der Sand die Tür ihrer Kammer.
Die graue Möwe schlägt die beschriebenen Steine, Die Strandläufer jagen die Flut; Und nahe jenem schmalen Feld der Gebeine Ankern große Schiffe.
Schwarze Pfeiler mit Kruste von triefendem Grün, Ein Vorgebirge, wie eine Hand, Über Zwischenräume von Gras dazwischen Dunkle einsame Sanddünen.
Eine Kirche von stillem, verwittertem Aussehen, Ein windiger rötlicher Turm, Ein Hof, dessen aufgeworfene Ruheplätze Mit Ampferblüten gefärbt sind.
In Frieden sind die Eier der Schwalbe gelegt Entlang der Glockenturmwände; Der Sturm erreicht ihren Schatten nicht, Der Regen ihre stillen Hallen.
Doch Segel sind süß im Sommerhimmel, Die Lerche wirft ein Lied herab; Die langen Salzebenen dampfen und trocknen, Das Wolkenherz schmilzt dahin.
Doch Flecken der Grasnelken leuchten, Die bunten Krähen schweben und kommen; Die Malve hängt, die Winden ranken, Wo ihre süßen Lippen stumm sind.
Die Leidenschaft der Welle ist stumm; Kein Laut oder Ozeanstoß; Keine Musik außer der trillernden Flöte, Die den Brachvogelschwarm markiert.
Doch dort drüben, wenn der Wind scharf ist, Und die regnerische Luft klar, Sind die Türme der Kaufmannsstadt zu sehen, Die Mühsal der Menschen kommt näher.
Entlang des Küstenwegs mahlen die Räder Endloser Kohlenwagen; Und an den Seiten gigantischer Kiele Rollen die Hämmer der Werft.
Die Welt kriecht hier auf dem Geschrei, Und versetzt mein Herz in Schmerz; Der Nebel steigt herab und löscht es aus, Und ich bin wieder stark.
Stark und allein, meine Taube, mit dir; Und obwohl meine Augen nass sind, Gibt es nichts auf der Welt für mich, So teuer wie mein Bedauern.
Ich würde mein süßes Leid nicht eintauschen Gegen die Hochzeitsstunden anderer; Ich liebe die Gänseblümchen an deinen Füßen Mehr als ihre Orangenblüten.
Meine Hand allein soll dein Grab pflegen Vom Blattknospen bis zum Blattfall, Und jede Blüte der Jahreszeit umkränzen, Bis der Herbst alles ruiniert.
Lass Schneeglöckchen früh im Jahr Über ihrer stillen Brust hängen; Und heiße die spätere Schlüsselblume, Das Bernstein ihres Kammes zu erheben.
Kommt herbei, ihr rotgebüschelten Hänflinge; Treibt vorbei, o klagende Seeschwalbe; Setzt reine Tallilien an ihr Haupt, An ihre Füße Frauenfarn.
Wachse, Meerfenchel, an der Gezeitenkante, Wellenstiefmütterchen des Ufers, Um zu flüstern, wie allein ich an sie denke Für immerdar.
Bringt blaue, dornige, scharfe Stranddisteln, Langen Lavendel in Blüte; Grauen Wermut wie eine greise Königin, Standhafte Königskerze wie einen Turm.
O Seemauer, lang und niedrig aufgeworfen, Lass eiserne Grenzen dein sein; Und lass die Salzflut nicht überfließen Jene Brust, die ich göttlich hielt.
Lass kein Seegras zu ihrem Haar treiben, Noch ihre Augen mit Sand trüben; Keine gerillte Herzmuschel sich eingraben, wo Der Schlaf ihre geduldigen Hände faltet.
Obwohl dein Kamm den Atem des wilden Meeres fühlt, Obwohl Gezeitengewicht deine Wurzel zerreißt, Oh, bewahre das Schatzhaus, wo der Tod Meine Geliebte stumm gebunden hat.
Obwohl ihre blassen Lippen kalt sind, um zu belohnen Mit den Geheimnissen der Liebe selbst, Ach, raube kein Gänseblümchen von ihrem Sand, Rauer Sturm der östlichen Meere!
Ach, lass kein seidenes Gras verdorren, Das an ihrem Grabstein weht; Lass Mittag und goldener Sommer vermengt Diese Ozeangräber durchdringen.
Und, ach, liebes Herz, in deinem stillen Nest, Ergib dich dieser Erde des Wehs, Vergiss die Leidenschaften des Westens, Vernachlässige das Morgenleuchten.
Schlafe und vergiss alles außer eines, Gehört in jeder Welle des Meeres, – Wie einsam alle Jahre verlaufen werden, Bis ich bei dir ruhe.
John Byrne Leicester Warren [1835-1895]
DES MINNELSANGERS LIED Aus „Aella“
Oh, singt zu meinem Rundgesang; Oh, vergießt die salzige Träne mit mir; Tanzt nicht mehr am Feiertag; Seid wie ein laufender Fluss! Meine Liebe ist tot, Gegangen zu ihrem Totenbett, Alles unter dem Weidenbaum!
Schwarz ihr Haar wie die Winternacht, Weiß ihr Hals wie der Sommerschnee, Rot ihre Wange wie das Morgenlicht, Kalt liegt sie im Grab darunter.
Süß ihre Zunge wie der Ton der Drossel; Schnell im Tanz wie der Gedanke sein kann; Geschickt ihre Trommel, kräftiger Knüppel, Oh, sie liegt beim Weidenbaum.
Horch! Der Rabe schlägt mit seinem Flügel Im dornigen Tal darunter; Horch! Die Todeseule singt laut, Zu den Nachtmahren, wenn sie gehen.
Sieh! Der weiße Mond scheint hoch; Weißer ist das Leichentuch meiner treuen Liebe; Weißer als der Morgenhimmel, Weißer als die Abendwolke.
Hier, auf dem Grab meiner treuen Liebe, Sollen die unfruchtbaren Blumen gelegt werden; Nicht ein heiliger Heiliger, um zu retten All die Kälte eines Mädchens.
Mit meinen Händen werde ich die Dornen winden Um ihren heiligen Leichnam zum Gedeihen; Elfische Fee, entzünde deine Feuer, Hier soll mein Körper noch sein.
Komm, mit Eichelbecher und Dorn, Saugt mein Herzblut weg; Das Leben und all sein Gutes verschmähe ich, Tanz bei Nacht, oder feiere bei Tag.
Wasserhexen, gekrönt mit Schilf, Tragt mich zu eurer tödlichen Flut. Ich sterbe! Ich komme! Meine treue Liebe wartet! So sprach das Mädchen, und starb.
Thomas Chatterton [1752-1770]
HIGHLAND MARY
Ihr Ufer und Hügel und Ströme ringsum Das Schloss von Montgomery, Grün seien eure Wälder, und schön eure Blumen, Eure Wasser niemals trüb! Dort entfalte der Sommer zuerst seine Gewänder, Und dort verweile er am längsten; Denn dort nahm ich den letzten Abschied Von meiner süßen Highland Mary.
Wie süß blühte die fröhliche grüne Birke, Wie reich der Weißdornblüte, Als ich sie unter ihrem duftenden Schatten An meinen Busen drückte! Die goldenen Stunden auf Engelsflügeln Flogen über mich und meine Liebste; Denn teuer für mich wie Licht und Leben War meine süße Highland Mary.
Mit manchem Schwur und umschlungenem Kuss War unser Abschied so zärtlich; Und, uns oft versprechend, uns wiederzusehen, Rissen wir uns voneinander; Aber, O! des grausamen Todes vorzeitiger Frost, Der meine Blume so früh abknipste! Nun ist der Rasen grün, und kalt ist der Ton, Der meine Highland Mary einhüllt!
O blass, blass nun, jene rosigen Lippen, Die ich so oft so zärtlich geküsst habe! Und für immer geschlossen den funkelnden Blick, Der so gütig auf mir verweilte; Und nun in stillem Staub verfallend Das Herz, das mich innig liebte! Doch immer noch im Innersten meines Busens Wird meine Highland Mary leben.
Robert Burns [1759-1796]
AN MARY IM HIMMEL
Du verweilender Stern, mit abnehmendem Strahl, Der du den frühen Morgen so gerne begrüßt, Wieder leitest du den Tag ein, An dem meine Mary aus meiner Seele gerissen wurde. O Mary! teurer, dahingeschiedener Schatten! Wo ist dein Ort der glückseligen Ruhe? Siehst du deinen Liebhaber niedrig liegen? Hörst du das Stöhnen, das seine Brust zerreißt?
Jene heilige Stunde kann ich vergessen, Kann ich den geweihten Hain vergessen, Wo wir uns an der sich windenden Ayr trafen, Um einen Tag der Abschiedsliebe zu leben! Die Ewigkeit wird nicht auslöschen Jene teuren Aufzeichnungen vergangener Wonnen; Dein Bild bei unserer letzten Umarmung, – Ach! Wir dachten wenig daran, dass es unsere letzte war!
Ayr, gurgelnd, küsste sein kiesiges Ufer, Überhangen von wilden Wäldern, verdickendem Grün; Die duftende Birke, und der Weißdorn, grau, Wand sich liebestoll um die entzückte Szene; Die Blumen sprangen ausgelassen, um gedrückt zu werden, Die Vögel sangen Liebe auf jedem Zweig, – Bis bald, allzu bald, der glühende Westen Die Schnelligkeit des geflügelten Tages verkündete.
Noch immer erwacht meine Erinnerung über diesen Szenen, Und brütet voll Liebe mit geiziger Sorge! Die Zeit macht den Eindruck nur stärker, So wie Bäche ihre Betten tiefer graben. Meine Mary! Teurer, entschwundener Schatten! Wo ist deine Stätte der wonnigen Ruh? Siehst du deinen Liebhaber, niedrig gebettet? Hörst du die Stöhnen, die seine Brust zerreißen?
LUCY
I Seltsame Anwandlungen der Leidenschaft habe ich gekannt: Und ich will es wagen, sie zu erzählen, Doch nur im Ohr des Liebenden allein, Was mir einst widerfuhr.
Als sie, die ich liebte, jeden Tag aussah Frisch wie eine Rose im Juni, Lenkte ich meinen Weg zu ihrer Hütte, Unter einem Abendmond.
Auf den Mond richtete ich mein Auge, Über die ganze weite Heide; Mit beschleunigtem Schritt näherte sich mein Pferd Jenen Pfaden, die mir so teuer sind.
Und nun erreichten wir das Obststück; Und während wir den Hügel erklommen, Kam der sinkende Mond Lucys Kate Näher, und immer näher.
In einem jener süßen Träume schlief ich, Der gütigen Natur sanfteste Gabe! Und die ganze Zeit behielt ich meine Augen Auf dem herabsteigenden Mond.
Mein Pferd schritt voran; Huf um Huf Hob es, und hielt niemals an: Als der helle Mond auf einmal Hinter dem Hüttendach hinabsank.
Welche törichten und eigensinnigen Gedanken schlüpfen doch In den Kopf eines Liebenden! „O Erbarmen!“ rief ich mir zu, „Wenn Lucy tot sein sollte!“
II Sie wohnte unter den unbetretenen Pfaden Neben den Quellen des Dove, Ein Mädchen, das niemand zu preisen wusste Und nur sehr wenige zu lieben:
Ein Veilchen bei einem moosigen Stein, Halb verborgen vor dem Auge! Schön wie ein Stern, wenn nur einer Am Himmel leuchtet.
Sie lebte unbekannt, und wenige konnten wissen, Wann Lucy aufhörte zu sein; Doch sie liegt in ihrem Grab, und ach, Der Unterschied für mich!
III Ich reiste unter unbekannten Männern, In Ländern jenseits des Meeres; Noch wusste ich, England!, bis dahin nicht, Welche Liebe ich für dich hegte.
Es ist vorbei, dieser melancholische Traum! Noch werde ich dein Ufer Ein zweites Mal verlassen; denn noch immer scheine ich Dich mehr und mehr zu lieben.
Unter deinen Bergen empfand ich Die Freude meines Verlangens; Und sie, die ich schätzte, drehte ihr Spinnrad Neben einem englischen Kaminfeuer.
Deine Morgen zeigten, deine Nächte verbargen, Die Lauben, wo Lucy spielte; Und dein ist auch das letzte grüne Feld, Das Lucys Augen überblickten.
IV Drei Jahre wuchs sie in Sonne und Regen; Dann sagte die Natur: „Eine lieblichere Blume Ist auf Erden nie gesät worden; Dieses Kind will ich zu mir nehmen; Sie soll mein sein, und ich will eine Dame aus ihr machen, nach meinem Sinn.
„Ich selbst will meiner Lieblingstochter sein, Beides, Gesetz und Antrieb: und bei mir Soll das Mädchen, in Fels und Ebene, In Erde und Himmel, in Lichtung und Laube, Eine waltende Macht verspüren, Zu entflammen oder zu zügeln.
„Sie soll ausgelassen sein wie das Rehkitz, Das wild vor Übermut über den Rasen Oder den Berg hinaufspringt; Und ihr soll der atmende Balsam gehören, Und ihr die Stille und die Ruhe Stummer, gefühlloser Dinge.
„Die ziehenden Wolken sollen ihr ihre Pracht leihen; Für sie soll die Weide sich beugen; Noch soll es ihr entgehen, Selbst in den Bewegungen des Sturms, Anmut zu sehen, die des Mädchens Gestalt formen wird Durch stille Sympathie.
„Die Sterne der Mitternacht sollen ihr teuer sein; Und sie soll ihr Ohr neigen An manchen geheimen Ort, Wo Bäche ihren eigensinnigen Reigen tanzen, Und Schönheit, geboren aus murmelndem Klang, Soll in ihr Antlitz übergehen.
„Und lebenswichtige Gefühle des Entzückens Sollen ihre Gestalt zu stattlicher Höhe erheben, Ihren jungfräulichen Busen wölben; Solche Gedanken will ich Lucy schenken, Während sie und ich zusammen leben, Hier in diesem glücklichen Tal.“
So sprach die Natur – Das Werk war vollbracht – Wie bald war meines Lucys Lauf vollendet! Sie starb und hinterließ mir Diese Heide, diese stille und ruhige Szene; Die Erinnerung an das, was war, Und nie wieder sein wird.
V Ein Schlummer versiegelte meinen Geist; Ich hatte keine menschlichen Ängste: Sie schien ein Wesen, das nicht fühlen konnte Die Berührung irdischer Jahre.
Keine Bewegung hat sie nun, oder Kraft; Sie hört und sieht nicht mehr; Rotiert in der täglichen Bahn der Erde, Mit Felsen, und Steinen, und Bäumen.
PROUD MAISIE Aus „The Heart of Midlothian“
Stolze Maisie ist im Wald, Geht so früh spazieren; Süß Robin sitzt auf dem Busch, Singt so selten.
„Sag mir, du hübscher Vogel, Wann werde ich mich vermählen?“ – „Wenn sechs stattliche Herren Dich zur Kirche tragen werden.“
„Wer macht das Brautbett, Vögelein, sag es wahr?“ – „Der grauhaarige Totengräber, Der das Grab pflichtgemäß schaufelt.
„Das Glühwürmchen über Grab und Stein Soll dich stetig erleuchten; Die Eule vom Kirchturm soll singen Willkommen, stolze Dame!“
LIED
Earl March blickte auf sein sterbendes Kind, Und, von Trauer getroffen, sie anzusehen – Der Jüngling, rief er, den ich verbannte, Soll zurückgerufen werden, um um sie zu werben.
Sie ist viele Stunden am Fenster, Seine Ankunft zu entdecken; Und er blickte hinauf zu Ellens Laube, Und sie blickte auf ihren Liebhaber –
Doch ach! so bleich, er erkannte sie nicht, Obwohl ihr Lächeln auf ihm weilte! Und bin ich dann vergessen – vergessen? Es brach das Herz von Ellen.
Vergeblich weint er, vergeblich seufzt er, Ihre Wange ist kalt wie Asche; Noch soll der Kuss der Liebe selbst jene Augen wecken, Ihre seidigen Wimpern zu heben.
DIE KLAGE DES MÄDCHENS Aus „The Examination of Shakespeare“
Ich liebte ihn nicht; und doch jetzt, da er fort ist, Fühle ich, dass ich allein bin. Ich hielt ihn zurück, während er sprach; doch könnte er sprechen, Ach! Ich würde ihn nicht zurückhalten. Denn Gründe, ihn nicht zu lieben, suchte ich einst, Und ermüdete all mein Denken, Um mich und ihn zu quälen: Ich würde nun meine Liebe Geben, könnte er nur leben, Der kürzlich für mich lebte, und als er fand, Dass es vergebens war, verbarg er im heiligen Boden Sein Gesicht inmitten der Schatten des Todes. Ich vergeude für ihn meinen Atem, Der seinen für mich vergeudete; doch meiner kehrt zurück, Und dieser verlassene Busen brennt Mit erstickender Hitze, hebt sich im Schlaf, Und weckt mich, Tränen zu weinen, Die sein weiches Herz geschmolzen hätten: Denn Jahre lang Weinte er ebenso bittere Tränen. Barmherziger Gott! Das war sein letztes Gebet, Diese möge sie niemals teilen! Ruhiger ist sein Atem, seine Brust kälter, Als Gänseblümchen im Moder, Wo Kinder buchstabieren, quer über dem Kirchhoftor, Seinen Namen und seines Lebens kurzes Datum. Betet für ihn, sanfte Seelen, wer auch immer ihr seid, Und, ach! betet auch für mich!
„SIE IST FERN VOM LAND“
Sie ist fern vom Land, wo ihr junger Held schläft, Und Liebhaber sind um sie, seufzend: Doch kalt wendet sie sich von ihrem Blick ab, und weint, Denn ihr Herz liegt in seinem Grab.
Sie singt die wilden Lieder ihrer lieben heimatlichen Ebenen, Jede Note erweckend, die er liebte; – Ach! wenig denken sie, die sich an ihren Weisen erfreuen, Wie das Herz der Minstrel bricht.
Er hatte für seine Liebe gelebt, für sein Land starb er, Sie waren alles, was ihn ans Leben gekettet hatte; Noch werden bald die Tränen seines Landes getrocknet sein, Noch wird seine Liebe lange hinter ihm bleiben.
Oh! Macht ihr ein Grab, wo die Sonnenstrahlen ruhen, Wenn sie einen herrlichen Morgen versprechen; Sie werden über ihren Schlaf scheinen, wie ein Lächeln aus dem Westen, Aus ihrer eigenen geliebten Insel der Sorgen.
„ZUR MITTLEREN STUNDE DER NACHT“
Zur mittleren Stunde der Nacht, wenn Sterne weinen, fliege ich Zum einsamen Tal, das wir liebten, als das Leben warm in deinem Auge glänzte; Und ich denke oft, wenn Geister aus den Regionen der Luft stehlen können, Um vergangene Szenen des Entzückens wieder zu besuchen, wirst du dort zu mir kommen, Und mir sagen, dass unsere Liebe selbst am Himmel in Erinnerung bleibt.
Dann singe ich das wilde Lied, das einst so ein Entzücken zu hören war, Als unsere Stimmen, sich vermischend, wie eine auf das Ohr hauchten; Und, während das Echo weit weg durch das Tal mein trauriges Gebet rollt, Denke ich, o meine Liebe! es ist deine Stimme aus dem Königreich der Seelen, Die noch schwach die Töne beantwortet, die einst so teuer waren.
ÜBER EIN BILD VON POUSSIN, DAS HIRTEN IN ARKADIEN DARSTELLT
Ah, glückliche Jünglinge, ah, glückliches Mädchen, Erhascht das gegenwärtige Vergnügen, solange ihr könnt; Lacht, tanzt und singt auf sonniger Lichtung, Eure Glieder sind leicht, eure Herzen sind heiter; Ihr denkt wenig daran, dass ein Tag kommt (Er wird zu euch kommen, er kam zu mir), Wenn Liebe und Leben vergehen werden: Auch ich wohnte einst in Arkadien.
Oder liegt teilnahmslos an jenem Bach, Und sinnt und beobachtet das Spiel der Wellen, Oder bemerkt ihr lautloses Fließen, und meint, Dass das Leben so sanft dahingleitet – Dass die Liebe nur ein sonniger Strahl ist, Um unsere Jahre lächelnd vorbeiziehen zu lassen. Ich kannte jenen Bach, auch ich konnte träumen, Auch ich wohnte einst in Arkadien.
Singt, Hirten, singt; süße Dame, lausche; Singt zur Musik des Bächleins, Mit glücklichen Tränen glänzen ihre hellen Augen, Denn, während jede Pause die Echos füllt, Tragen sie ihren Namen von Hügel zu Hügel – So lauschte meine verlorene Liebe mir, Die Stimme, die sie liebte, ist längst verstummt; Auch ich wohnte einst in Arkadien.
THRENODIE
Es gibt eine grasbewachsene Straße aus dem Tal – Eine gewundene Straße und steil – Die zum ruhigen Hügel führt, Wo deine Liebe schlafend liegt. . . . Während meine dort liegt, Gott weiß wo, Hundert Faden tief.
Ich sah dich an einer Grabseite knien – Wie still ein Grab sein kann, Eingehüllt in das zärtliche Sternenlicht, Fern vom wimmernden Meer! Doch durch alle Träume und Sternenlicht, Rufen die Brecher nach mir.
Oh, steil ist dein Weg zur Stille – Doch steiler die Wege, die ich durchstreife, Denn keine Straße kann mich jemals bringen Jenseits von Wind und Gischt, Und keine Straße kann ihn jemals erreichen, Der so weit von zu Hause liegt.
STARK WIE DER TOD
O Tod, wenn du zu mir kommen wirst Aus deinem Dunkel, wo sie jetzt ist, Komm nicht mit Friedhofsgeruch an dir, Oder verwelkten Rosen auf deiner Stirn.
Komm nicht, o Tod, mit hohlem Ton, Und lautlosem Schritt, und klammer Hand – Sieh, ich bin nun nicht weniger allein Als in deinem trostlosen, zweifelhaften Land;
Sondern mit jenem süßen, herben, feinen Duft, Der immer an ihr haftete (solch Ein Duft, der sich mit allem vermischte, das sie streifte); Und mit ihrer schnellen und zärtlichen Berührung.
Mit dem fahlen Gold, das ihr Haar erleuchtete, Kröne dich selbst, Tod; lass deinen Tritt so leicht Fallen, dass ich von ihr dort träumen kann, Und mich auf meinem Sterbebett wende.
Und durch meine erkaltenden Adern soll meine Liebe Flammen, als ob unter ihrem Hauch; Und in ihrer Stimme nur meinen Namen rufen, Und ich werde dir folgen, o Tod.
„ICH WERDE NICHT RÜCKKEHR SCHREIEN“
Ich werde nicht schreien: Kehr zurück! Kehr zurück! Noch meine Jahre verweinen; Aber gerade solange Sonnenuntergänge brennen, Und Morgen keine Verzögerung kennen, Werde ich einsam sein – ich werde vermissen Deine Hand, deine Stimme, dein Lächeln, deinen Kuss.
Nicht oft werde ich deinen Namen nennen, Denn was würde es Fremde kümmern, Dass einst ein plötzlicher Sturm kam Und meine Gärten kahl fegte, Und dann gingst du, und an deiner Stelle Stand die Stille mit ihrem erhobenen Gesicht.
Nicht immer wird dieser Abschied sein, Denn obwohl ich langsam reise, Kann auch ich die Ewigkeit beanspruchen Und den Weg finden, den du gehst; Und so tue ich meine Aufgabe und warte Auf das Öffnen des äußeren Tores.
„OH! ENTRISSEN IN DER SCHÖNHEIT BLÜTE“
Oh! entrissen in der Schönheit Blüte, Auf dir soll kein schweres Grabmal drücken; Doch auf deinem Rasen sollen Rosen ihre Blätter Aufziehen, die frühesten des Jahres; Und die wilde Zypresse soll in zärtlicher Düsternis wehen:
Und oft soll bei jenem blauen, sprudelnden Bach Die Sorge ihr hängendes Haupt neigen, Und tiefes Denken mit manchem Traum nähren, Und zögernd verweilen und leicht treten; Törichter Wicht! als ob ihr Schritt die Toten störte!
Fort! Wir wissen, dass Tränen eitel sind, Dass der Tod weder Not beachtet noch hört: Wird uns das abgewöhnen, uns zu beklagen? Oder einen Trauernden weniger weinen lassen? Und du, – der du mir sagst, ich solle vergessen, Deine Blicke sind bleich, deine Augen sind feucht.
AN MARY
Wenn ich gedacht hätte, dass du hättest sterben können, Vielleicht würde ich nicht um dich weinen; Doch ich vergaß, als ich an deiner Seite war, Dass du sterblich sein konntest: Es war mir nie durch den Sinn gegangen, Dass die Zeit jemals vorüber wäre, Und ich auf dich zum letzten Mal blickte, Und du nicht mehr lächeln würdest!
Und noch immer blicke ich auf dieses Gesicht, Und denke, es wird wieder lächeln; Und noch immer ertrage ich den Gedanken nicht, Dass ich vergeblich blicken muss. Doch wenn ich spreche – sagst du nicht, Was du niemals ungesagt ließest; Und nun fühle ich, wie ich wohl muss, Süße Mary, du bist tot!
Wenn du bleiben würdest, so wie du bist, Ganz kalt und ganz heiter, Könnte ich noch dein stilles Herz drücken, Und wo deine Lächeln gewesen sind. Während ich selbst deinen kalten, trüben Leichnam habe, Scheinst du immer noch mein Eigen zu sein; Doch dort lege ich dich in dein Grab, – Und ich bin nun allein!
Ich glaube nicht, wo auch immer du bist, Dass du mich vergessen hast; Und ich kann vielleicht dieses Herz beruhigen, Wenn ich auch an dich denke; Doch es war um dich ein solches Morgenrot Von Licht, wie nie zuvor gesehen, Wie die Phantasie es niemals hätte zeichnen können, Und niemals wiederherstellen kann!
MEIN HERZ UND ICH
Genug! Wir sind müde, mein Herz und ich. Wir sitzen so neben dem Grabstein, Und wünschen, dieser Name wäre für uns eingemeißelt. Das Moos druckt zärtlicher nach Die harten Lettern des Steinmetzmessers, Wie des Himmels süßes Leben das Leben der Erde erneuert, Dessen wir müde sind, mein Herz und ich.
Du siehst, wir sind müde, mein Herz und ich. Wir hatten mit Büchern zu tun, wir vertrauten Männern, Und in unser eigenes Blut tauchten wir die Feder, Als ob solche Farben nicht verblassen könnten. Wir gingen zu gerade für das Ende des Glücks, Wir liebten zu wahr, um einen Freund zu behalten; Am Ende sind wir müde, mein Herz und ich.
Wie müde wir uns fühlen, mein Herz und ich, Wir scheinen zu nichts auf der Welt nütze zu sein; Unsere Phantasien hängen grau und ungekräuselt Über den Augen der Menschen, gleichgültig; Unsere Stimme, die dich so erschütterte, wird dich Schlafen lassen; unsere Tränen sind nur feucht: Was tun wir hier, mein Herz und ich?
So müde, so müde, mein Herz und ich! Es war nicht so in jener alten Zeit, Als Ralph mit mir unter der Linde saß, Um den Sonnenuntergang vom Himmel zu beobachten. „Teure Liebe, du siehst müde aus“, sagte er: Ich, ihn anlächelnd, schüttelte meinen Kopf. Jetzt erst sind wir müde, mein Herz und ich.
So müde, so müde, mein Herz und ich! Obwohl mich jetzt niemand auf seinen Arm nimmt, Um mich fest zu falten und warm zu küssen, Bis jeder schnelle Atem in einem Seufzer Glückseliger Trägheit ende. Jetzt, allein, Lehnen wir uns an diesen Friedhofsstein, Ungetröstet, ungeküsst, mein Herz und ich.
Müde sind wir, mein Herz und ich. Angenommen, die Welt brächte Diademe, Um uns zu versuchen, verkrustet mit losen Edelsteinen Von Macht und Vergnügen? Lass sie es versuchen. Wir kümmern uns kaum darum, selbst Ein hübsches Kind oder Gottes blauen Himmel anzusehen, Wir fühlen uns so müde, mein Herz und ich.
Doch wer beklagt sich? Mein Herz und ich? Auf dieser üppigen Erde gibt es zweifellos Wenig Platz für abgenutzte Dinge: Verachte sie, zerbrich sie, wirf sie beiseite! Und wenn wir, bevor die Tage rau wurden, Einst geliebt, gebraucht wurden, – gut genug, Denke ich, ist es uns ergangen, mein Herz und ich.
ROSALINDS SCHRIFTROLLE Aus „The Poet's Vow“
Ich verließ dich zuletzt, ein Kind im Herzen, Eine Frau kaum an Jahren: Ich komme zu dir, eine feierliche Leiche, Die weder fühlt noch fürchtet. Ich habe keinen Atem, um ihn in Seufzern zu verbrauchen; Sie legten die Totengewichte auf meine Augen, Um sie sicher vor Tränen zu versiegeln.
Sieh mich an mit deinem eigenen ruhigen Blick: Ich begegne ihm so ruhig wie du. Kein Blick von dir kann dieses Lächeln ändern, Oder dein sündiges Gelübde brechen: Ich sage dir, dass mein armes, verschmähtes Herz Ein Teil deiner Erde ist – deiner Erde: Es kann dich jetzt nicht mehr quälen.
Doch ach, wehe! diese Worte sind geschrieben Von einer Lebenden, Liebenden, An deren Wangen die Beweise des Lebens, Die warmen schnellen Tränen, herablaufen: Ah, lass die lieblose Leiche deine Verachtung zurückhalten von der liebenden Seele, Deren Ruhestätte gewonnen ist.
Ich habe für dich gebetet mit unterdrücktem Schluchzen, Als der Lauf der Leidenschaft frei war; Ich habe für dich gebetet mit stummen Lippen In der Qual, die niemand sehen konnte; Sie flüsterten oft: „Sie schläft sanft“ – Aber ich betete nur für dich.
Geh! Ich bete nicht mehr für dich: Die Zunge der Leiche ist still; Ihre gefalteten Finger zeigen zum Himmel, Aber zeigen dorthin steif und kalt: Kein weiteres Unrecht, kein weiteres Weh Hat die Erlaubnis von der Sünde unterhalb, Ihr ruhiges Herz zu erschüttern.
Ich beschwöre dich, bei dem Gebet der Lebenden, Und bei der Stille der Toten, Aus deiner Seele einen Schrei zu ringen, Den Gott hören und segnen wird! Damit nicht der eigene Palmenzweig des Himmels in meiner Hand welkt, Und bleich unter den Heiligen stehe ich, Eine Heilige ohne Gefährten.
KLAGE DES IRISCHEN AUSWANDERERS
Ich sitze auf dem Zauntritt, Mary, Wo wir Seite an Seite saßen An einem hellen Maienmorgen vor langer Zeit, Als du zuerst meine Braut warst. Das Korn spross frisch und grün, Und die Lerche sang laut und hoch, Und das Rot war auf deiner Lippe, Mary, Und das Liebeslicht in deinem Auge.
Der Ort ist wenig verändert, Mary, Der Tag ist so hell wie damals, Der laute Gesang der Lerche ist in meinem Ohr, Und das Korn ist wieder grün; Doch ich vermisse den sanften Druck deiner Hand, Und deinen Atem, warm auf meiner Wange: Und ich lausche immer noch auf die Worte, Die du niemals mehr sprechen wirst.
Es ist nur ein Schritt jene Gasse hinunter, Und die kleine Kirche steht nahe – Die Kirche, wo wir getraut wurden, Mary; Ich sehe den Turm von hier aus. Doch der Kirchhof liegt dazwischen, Mary, Und mein Schritt könnte deine Ruhe brechen – Denn ich habe dich, mein Liebling, schlafen gelegt, Mit deinem Baby an deiner Brust.
Ich bin jetzt sehr einsam, Mary, Denn die Armen finden keine neuen Freunde; Aber, oh! sie lieben umso besser Die wenigen, die unser Vater sendet. Und du warst alles, was ich hatte, Mary, Mein Segen und mein Stolz: Es ist nichts mehr übrig, worum ich mich sorgen müsste, Seit meine arme Mary starb.
Dein war das gute, tapfere Herz, Mary, Das immer weiter hoffte, Als das Vertrauen auf Gott aus meiner Seele gewichen war, Und die junge Kraft meines Armes dahin war; Da war immer Trost auf deiner Lippe, Und der freundliche Blick auf deiner Stirn – Ich segne dich, Mary, für eben das, Obwohl du mich jetzt nicht hören kannst.
Ich danke dir für das geduldige Lächeln, Als dein Herz kurz vor dem Brechen war, Als der Hunger dort nagte, Und du ihn mir zuliebe verbargst; Ich segne dich für das freundliche Wort, Als dein Herz traurig und wund war – Oh! ich bin dankbar, dass du fort bist, Mary, Wo Kummer dich nicht mehr erreichen kann!
Ich sage dir ein langes Lebewohl, Meine Mary – gütig und treu! Doch ich werde dich nicht vergessen, mein Liebling, In dem Land, in das ich gehe: Sie sagen, es gibt Brot und Arbeit für alle, Und die Sonne scheint immer dort, Doch ich werde das alte Irland nicht vergessen, Wäre es fünfzigmal so schön!
Und oft werde ich in jenen großartigen alten Wäldern Sitzen und meine Augen schließen, Und mein Herz wird wieder zurückreisen Zu dem Ort, wo Mary liegt; Und ich werde denken, ich sehe den kleinen Zauntritt, Wo wir Seite an Seite saßen, Und das sprießende Korn, und den hellen Maienmorgen, Als du zuerst meine Braut warst.
DER RITT DES KÖNIGS VON DÄNEMARK
Wort wurde dem dänischen König gebracht (Eile!) Dass die Liebe seines Herzens leidend lag, Und sich nach dem Trost sehnte, den seine Stimme bringen würde; (O, reite, als ob du flögest!) Besser liebt er jede goldene Locke Auf der Stirn jenes skandinavischen Mädchens, Als seine reichen Kronjuwelen aus Rubin und Perle: Und seine Rose der Inseln stirbt!
Dreißig Edle sattelten in Eile; (Eile!) Jeder bestieg ein tapferes Ross, Das er für die Schlacht und Tage der Not hielt; (O, reite, als ob du flögest!) Sporen wurden in die schäumende Flanke geschlagen; Erschöpfte Schlachtrosse schwankten und sanken; Zügel wurden gelockert, und Gurte zerrissen; Doch wie sie auch ritten, der König ritt voran, Denn seine Rose der Inseln lag im Sterben!
Seine Edlen sind geschlagen, einer nach dem andern; (Beeilt euch!) Sie sind in Ohnmacht gefallen, haben gewankt und sind heimwärts gezogen; Sein kleiner, schöner Page folgt nun allein, Um Kraft und Mut beweisend! Der König blickte zurück auf das treue Kind; Bleich war das Gesicht, das antwortend lächelte; Sie passierten die Zugbrücke mit klapperndem Getöse, Dann stürzte er; und nur der König ritt hinein, Wo seine Rose der Inseln im Sterben lag!
Der König stieß einen Stoß auf seinem Signalhorn; (Stille!) Keine Antwort kam; doch schwach und verlassen Kehrte ein Echo am kalten, grauen Morgen zurück, Wie der Hauch eines seufzenden Geistes. Das Schlossportal stand grimmig weit offen; Niemand hieß den König von jenem müden Ritt willkommen; Denn tot, im Licht des dämmernden Tages, Lag die bleiche, süße Gestalt der Empfangenden, Die sich im Sterben nach seiner Stimme gesehnt hatte!
Das keuchende Ross, mit herabhängendem Kamm, Stand ermattet. Der König kehrte aus ihrer Ruhestätte zurück, Die dichten Schluchzer erstickten seine Brust; Und, jenen stummen Gefährten betrachtend, Brachen die Tränen hervor, die er zu hemmen versuchte; Er beugte sein Haupt auf den Hals seines Streitrosses: „O Ross, das du jeden Nerv anspanntest, Teures Ross, unser Ritt war vergeblich Zu den Hallen, wo meine Liebste im Sterben lag!“
Caroline Elizabeth Sarah Norton [1808-1870]
DER WÄCHTER
Eine Rose für ein junges Haupt, Einen Ring für eine Braut, Freude für das Heim Rein und weit – Wer ist das, der dort wartet Draußen im Regen?
Ein Herz für einen alten Freund, Eine Hand für den neuen: Liebe kann der Erde leihen Des Himmels Farbe – Wer ist das, der dort steht Im silbernen Tau?
Ein Lächeln für den Abschied, Eine Träne, wenn sie gehen, Gottes Liebesspiel Endet genau so – Wer ist das, der dort wacht, Wo die schwarzen Winde wehen?
Er, der da wartet Draußen im Regen, Er, der da steht, Wo der Tau weit fällt, Er, der da wacht, Muss im Wind reiten (Obgleich die bleichen Hände sich klammern) Mit der Rose Und dem Ring Und der Braut, Muss reiten Mit dem Rot der Rose, Und dem Gold des Rings, Und den Lippen und dem Haar der Braut.
James Stephens [1882-
DIE DREI SCHWESTERN
Fort sind jene drei, jene seltenen Schwestern Mit Lippen voll Wunder und leuchtenden Augen. Eine war weise und eine war schön, Und eine war mein.
Ihr Trauernden, windet für das schlafende Haar Von nur zweien euren Efeuzweig. Denn eine war weise und eine war schön, Doch eine war mein.
Arthur Davison Ficke [1883-
BALLADE
Er sprach: „Die Schatten dunkeln nieder, Die Nacht ist nah zur Hand. Nun, wer ist der Freund, der mir folgen will In das sonnenlose Land?
„Denn ich habe Lehnsleute, treu und wahr, Und ich habe Kameraden, gütig, Und wohin auch immer mein Geist eilen mag, Sie werden nicht zurückbleiben.“
Er suchte den Bruder, jung und heiter, Der seinen Speer und Schild trug: „Bei der langen Jagd bist du mir gefolgt, Und auf dem Schlachtfeld.
„Wenige Gelübde legst du ab; doch wahr ist dein Herz, Und du wirst mit mir siegen.“ Er sprach: „Gott geleite dich, Bruder mein, Doch ich bin der nächste Verwandte.“
Er suchte den Bruder, den grauhaarigen Priester, Der seines Vaters Tafel liebte. Der Bruder wandte sich nach Osten Und betete ehrfürchtig.
Er sprach: „Einen gottlosen Namen trägst du, Ein gottloses Leben hast du geführt, Und wer auch immer mit dir siegt, Dessen Geist soll Furcht empfinden.
„O, eile, lass deine schuldige Seele Von jeder Last freisprechen; Doch du bist für Flammen und Pein bestimmt, Aber ich bin für den Himmel bestimmt.“
Er suchte die Dame, hell und stolz, Die an seiner rechten Hand saß: „Beeile dich, o Liebe, mir zu folgen In das sonnenlose Land.“
Sie sprach: „Und willst du in deiner Blüte gehen? Der Himmel schenke mir frohe Tage! Und bewahre mich vor dem sonnenlosen Klima Viele und viele Jahre lang.“
Ganz schwer sank die Sonne nieder Zwischen schwarzen Wolken des Schicksals. Da kam eine Frau, schön und bleich, Zum Schlosstor.
An starrenden Lehnsleuten, müßigen Knechten vorbei, So lautlos eilte sie! Die Wendeltreppe hallte nicht Von ihrem leichten, leichten Schritt.
Seine Dame beäugte sie voller Spott. Sie stand an seiner rechten Hand; Sie sprach: „Und ich will dir folgen In das sonnenlose Land.
„Es gibt keine Sühne, keine. Eine bittere Last trug ich: Nun werde ich dich nimmermehr lieben, Nimmermehr und nimmermehr.
„Es gibt keinen Hauch oder Ton von dir, Der die alte Liebe wecken kann.“ Sie sprach: „Doch ich werde dir folgen, Selbst um der alten Liebe willen.“
O, er hat sie auf die Stirn geküsst, Er nahm sie bei der Hand: In das sonnenlose Land gingen sie, In das sternenlose Land.
May Kendall [1861-
„O WÄRE ES MÖGLICH“ Aus „Maud“
O wäre es möglich Nach langem Kummer und Schmerz, Die Arme meiner wahren Liebe Wieder um mich zu finden!
Als ich sie zu treffen pflegte An den stillen, stimmungsvollen Orten Des Landes, das mir das Leben gab, Standen wir entrückt in langen Umarmungen, Vermischt mit Küssen, süßer, süßer Als alles auf Erden.
Ein Schatten huscht vor mir vorbei, Nicht du, aber dir gleich. Ah, Christus, wäre es möglich, Für eine kurze Stunde zu sehen Die Seelen, die wir liebten, dass sie uns sagen könnten, Was und wo sie sind!
Alfred Tennyson [1809-1892]
„HEIM BRACHTEN SIE DEN KRIEGER TOT“ Aus „Die Prinzessin“
Heim brachten sie ihren Krieger tot; Sie weder ohnmächtig, noch stieß sie einen Schrei aus. All ihre Mägde, wachend, sagten: „Sie muss weinen, oder sie wird sterben.“
Dann priesen sie ihn, leise und sacht, Nannten ihn würdig, geliebt zu werden, Treuester Freund und edelster Feind; Doch sie weder sprach, noch bewegte sie sich.
Stahl sich eine Magd von ihrem Platz, Leicht trat sie zum Krieger, Nahm das Leichentuch vom Gesicht; Doch sie weder bewegte sich, noch weinte sie.
Erhob sich eine Amme von neunzig Jahren, Setzte sein Kind auf ihr Knie, – Wie Sommergewitter kamen ihre Tränen: „Süßes mein Kind, ich lebe für dich.“
Alfred Tennyson [1809-1892]
EVELYN HOPE
Die schöne Evelyn Hope ist tot! Sitz und wach eine Stunde an ihrer Seite. Das ist ihr Bücherregal, dies ihr Bett; Sie pflückte jene Geranienblüte, Die auch beginnt zu sterben, im Glas. Wenig ist bisher verändert, denke ich: Die Fensterläden sind zu, kein Licht darf hindurch, Außer zwei langen Strahlen durch den Spalt der Scharniere.
Sechzehn Jahre alt, als sie starb! Vielleicht hatte sie kaum meinen Namen gehört; Es war nicht ihre Zeit zu lieben; außerdem Hatte ihr Leben viele Hoffnungen und Ziele, Genug Pflichten und kleine Sorgen, Und nun war es still, nun regsam, Bis Gottes Hand unverhofft winkte – Und die süße, weiße Stirn ist alles, was von ihr blieb.
Ist es also zu spät, Evelyn Hope? Was, deine Seele war rein und wahr, Die guten Sterne trafen sich in deinem Horoskop, Machten dich aus Geist, Feuer und Tau – Und, nur weil ich dreimal so alt war, Und unsere Pfade in der Welt so weit auseinanderliefen, War jedes dem andern nichts, muss mir gesagt werden? Wir waren sterbliche Mitmenschen, nichts weiter?
Nein, wahrlich! denn Gott droben Ist groß genug zu gewähren, wie mächtig zu schaffen, Und erschafft die Liebe, um die Liebe zu belohnen: Ich beanspruche dich noch immer, um meiner eigenen Liebe willen! Verzögert, mag sein, für noch mehr Leben, Durch Welten werde ich ziehen, nicht wenige: Viel ist zu lernen, viel zu vergessen, Eh die Zeit gekommen ist, dich zu nehmen.
Doch die Zeit wird kommen, – endlich wird sie es, Wenn, Evelyn Hope, was bedeutete (werde ich sagen) Auf der niederen Erde, in den langen, stillen Jahren, Dieser Körper und diese Seele, so rein und heiter? Warum dein Haar bernsteinfarben war, werde ich ergründen, Und dein Mund von der Farbe deiner eigenen Geranie, – Und was du mit mir anfangen würdest, kurzum, Im neuen Leben, das an die Stelle des alten getreten ist.
Ich habe gelebt (werde ich sagen) so viel seit damals, Habe mich selbst so viele Male hingegeben, Habe mir die Gewinne verschiedener Menschen angeeignet, Die Zeitalter durchwühlt, die Länder geplündert; Doch eines, nur eines, im ganzen Bereich meiner Seele, Entweder verpasste ich es, oder es verpasste mich: Und ich begehre und finde dich, Evelyn Hope! Was ist das Ergebnis? Lass uns sehen!
Ich liebte dich, Evelyn, die ganze Zeit! Mein Herz schien voll, so voll es nur sein konnte; Es war Platz und mehr für das offene junge Lächeln, Und den roten jungen Mund, und das junge Gold des Haares. Also, still, – ich gebe dir dieses Blatt zur Aufbewahrung: Sieh, ich schließe es in die süße, kalte Hand! Da, das ist unser Geheimnis: geh schlafen! Du wirst erwachen, und dich erinnern, und verstehen.
Robert Browning [1812-1889]
ERINNERUNG
Kalt in der Erde – und der tiefe Schnee auf dir gehäuft, Weit, weit entfernt, kalt im trostlosen Grab! Habe ich vergessen, meine einzige Liebe, dich zu lieben, Endlich getrennt durch die alles trennende Woge der Zeit?
Schweifen nun, wenn ich allein bin, meine Gedanken nicht länger Über die Berge, an jenem nördlichen Ufer, Ihre Flügel ruhend, wo Heidekraut und Farnblätter Dein edles Herz bedecken für immer und immerdar?
Kalt in der Erde – und fünfzehn wilde Dezember Sind von jenen braunen Hügeln in den Frühling geschmolzen: Treu, wahrlich, ist der Geist, der sich erinnert Nach solch langen Jahren des Wandels und Leidens!
Süße Liebe der Jugend, vergib, wenn ich dich vergesse, Während mich die Flut der Welt mit sich trägt; Andere Wünsche und andere Hoffnungen bedrängen mich, Hoffnungen, die verdunkeln, aber dir nicht unrecht tun können!
Kein späteres Licht hat meinen Himmel erhellt, Kein zweiter Morgen ist jemals für mich erschienen; All mein Lebensglück war aus deinem teuren Leben gegeben, All mein Lebensglück ist mit dir im Grab.
Doch, als die Tage goldener Träume vergangen waren, Und selbst Verzweiflung machtlos war zu zerstören; Da lernte ich, wie man das Dasein schätzen kann, Gestärkt und genährt ohne die Hilfe der Freude.
Dann hemmte ich die Tränen nutzloser Leidenschaft – Entwöhnte meine junge Seele vom Sehnen nach der deinen; Versagte ihr streng den brennenden Wunsch zu eilen Hinab in jenes Grab, das schon mehr als mein ist.
Und selbst jetzt wage ich nicht, sie schmachten zu lassen, Wage es nicht, der entzückenden Pein der Erinnerung nachzugeben; Einmal tief aus jener göttlichsten Angst getrunken, Wie könnte ich die leere Welt wieder aufsuchen?
Emily Brontë [1818-1848]
LIED
Der Hänfling in den felsigen Tälern, Die Heidelerche in der Luft, Die Biene zwischen den Heideglocken, Die meine schöne Dame verbergen:
Die Wildtiere grasen über ihrer Brust; Die wilden Vögel ziehen ihre Brut auf; Und sie, von ihren Liebeslächeln liebkost, Haben ihre Einsamkeit verlassen.
Ich glaube, dass, als die dunkle Mauer des Grabes Zuerst ihre Gestalt umschloss, Sie dachten, ihre Herzen könnten nimmermehr Das Licht der Freude heraufbeschwören.
Sie dachten, die Flut der Trauer würde Ungehemmt durch künftige Jahre fließen; Doch wo ist all ihre Angst jetzt, Und wo sind all ihre Tränen?
Nun, lasst sie für den Hauch der Ehre kämpfen, Oder dem Schatten des Vergnügens nachjagen: Der Bewohner im Land des Todes Ist verändert und auch gleichgültig.
Und wenn ihre Augen wachen und weinen sollten, Bis der Quell der Sorge vertrocknet wäre, Würde sie, in ihrem ruhigen Schlaf, Keinen einzigen Seufzer erwidern.
Wehe, Westwind, am einsamen Hügel, Und murmelt, Sommerbäche! Es bedarf keines anderen Klanges, Um die Träume meiner Dame zu beruhigen.
Emily Brontë [1818-1848]
LIED DER ALTEN LIEBE Aus „Abendessen in der Mühle“
Wenn Sperlinge bauen, und die Blätter hervorbrechen, Erwacht mein alter Kummer und schreit, Denn ich weiß, es gibt eine Morgenröte im fernen, fernen Norden, Und eine scharlachrote Sonne geht auf; Wie ein scharlachrotes Vlies breitet sich das Schneefeld, Und die eisigen Quellen laufen frei, Und die Eisberge beginnen ihre Häupter zu neigen, Und stürzen, und segeln im Meer.
O meine verlorene Liebe, und meine eigene, eigene Liebe, Und meine Liebe, die mich so liebte! Gibt es niemals eine Ritze in der Welt droben, Wo sie auf Worte von hier unten lauschen? Nein, ich sprach einmal, und ich kränkte dich sehr, Ich erinnere mich an alles, was ich sagte, Und nun wirst du mich nicht mehr hören – nicht mehr, Bis das Meer seine Toten herausgibt.
Du setztest deinen Fuß auf das Schiff, und segeltest Zu den Eisfeldern und dem Schnee; Du warst traurig, denn deine Liebe half zu nichts, Und das Ende konnte ich nicht kennen; Wie konnte ich wissen, dass ich dich heute lieben würde, Den ich an jenem Tag nicht teuer hielt? Wie konnte ich wissen, dass ich dich lieben würde in der Ferne, Wenn ich dich nicht liebte in der Nähe?
Wir werden nicht mehr durch die durchnässte Ebene wandeln, Die mit verblichenen Gräsern übersät ist, Wir werden nicht mehr am siedenden Meer stehen, Während die dunkle Wolkenwand darüber treibt; Wir werden uns nicht mehr im Wind und im Regen trennen, Wo dein letztes Lebwohl gesprochen wurde; Aber vielleicht werde ich dich treffen und wiedererkennen, Wenn das Meer seine Toten herausgibt.
Jean Ingelow [1820-1897]
REQUIESCAT
Streut Rosen auf sie, Rosen, Und niemals einen Zweig Eibe! In Ruhe ruht sie: Ach! wäre ich es auch.
Ihr Frohsinn war der Welt Bedürfnis: Sie badete sie in Lächeln der Heiterkeit. Doch ihr Herz war müde, müde, Und nun lassen sie sie in Ruhe.
Ihr Leben drehte sich, drehte sich, In Labyrinthen von Hitze und Klang. Doch nach Frieden dürstete ihre Seele, Und nun umschließt sie der Friede.
Ihr beengter, weiter Geist, Er flatterte und versagte vor Atem. Heute Nacht erbt er Die riesige Halle des Todes.
Matthew Arnold [1822-1888]
ZU SPÄT „DOWGLAS, DOWGLAS, ZART UND TREU“
Könntest du zu mir zurückkehren, Douglas, Douglas, In der alten Gestalt, die ich kannte, Ich wäre so treu, so liebend, Douglas, Douglas, Douglas, zart und treu.
Kein spöttisches Wort sollte dich kränken, Ich würde dich anlächeln, süß, wie die Engel es tun: Süß, wie dein Lächeln stets auf mir ruhte, Douglas, Douglas, zart und treu.
Oh, die Tage zurückzurufen, die nicht mehr sind! Meine Augen waren geblendet, deine Worte waren wenige: Weißt du jetzt die Wahrheit, droben im Himmel, Douglas, Douglas, zart und treu?
Ich war deiner niemals würdig, Douglas; Nicht halb würdig deinesgleichen: Nun scheinen mir alle andern Männer wie Schatten – Ich liebe dich, Douglas, zart und treu.
Streck deine Hand nach mir aus, Douglas, Douglas, Lass Vergebung vom Himmel wie Tau fallen; Während ich mein Herz auf dein totes Herz lege, Douglas, Douglas, Douglas, zart und treu!
Dinah Maria Mulock Craik [1826-1887]
VIER JAHRE
Zur Mittsommerzeit, als das Heu unten war, Sagte ich betrübt – Obwohl mein Leben in seiner Blüte steht, Kahl liegen meine Wiesen, alle gemäht vor ihrer Zeit, Über meinen dürren Wäldern werden die Blätter braun; Es ist der heiße Mittsommer, wenn das Heu unten ist.
Zur Mittsommerzeit, als das Heu unten war, Stand sie am Bächlein, jung und sehr schön, Mit der ersten weißen Zaunwinde in ihr Haar gewunden – Haar, das wie Birkenzweige herabhing, alles in ihrem schlichten Kleid – Jenen Abend im hohen Mittsommer, als das Heu unten war.
Zur Mittsommerzeit, als das Heu unten war, Schlich sie als willige Braut nah an meine Brust; Tief aufgeschichtet waren die Gewitterwolken in den Westen gesunken, Rotäugig starrte die Sonne hervor wie ein Ritter aus belagerter Stadt; Es war der hohe Mittsommer, und die Sonne war unter.
Es ist Mittsommer – das ganze Heu ist unten, Nah an ihre Stirn drücke ich sterbende Augen, Betend, Gott möge sie beschützen, bis wir uns im Paradies treffen, Segne sie in der Liebe Namen, die meine Freude und Krone war, Und ich gehe zum Mittsommer, wenn das Heu unten ist.
Dinah Maria Mulock Craik [1826-1887]
BARBARA
Am Sabbat-Tag, Durch den alten und grauen Kirchhof, Über die spröden und gelben Blätter, hielt ich meinen rauschenden Weg; Und inmitten der Worte der Barmherzigkeit, die auf meine Seele fielen wie Balsam; Inmitten der prächtigen Stürme der Musik – in den sanften Orgelstillen, Inmitten der aufwärts strömenden Gebete, und der reichen und feierlichen Psalmen, Stand ich achtlos, Barbara.
Mein Herz war anderswo, Während die Orgel die Luft erschütterte, Und der Priester, mit ausgebreiteten Händen, das Volk segnete mit einem Gebet; Doch, als ich aufstand, um heimwärts zu gehen, mit einem milden und heiligen Glanz Leuchtete ein Gesicht von ätherischer Schönheit mit seinen himmlischen Augen auf meine – Leuchtete und verschwand im Augenblick – O jenes Gesicht war wahrlich deines, Aus dem Himmel, Barbara!
O bleiches, bleiches Gesicht! O ernste Augen der Gnade! Als ich dich zuletzt sah, Liebste, war es an einem anderen Ort. Du kamst herbeigeeilt, um mich zu treffen, mit meinem Liebesgeschenk an deinem Handgelenk: Das Flattern eines langen weißen Kleides, dann war alles verloren im Nebel – Ein violetter Fleck des Leidens war auf dem Mund, den ich küsste, An jenem wilden Morgen, Barbara!
Ich suchte in meiner Verzweiflung, Sonnenhellen Mittag und Mitternachtsluft; Ich konnte den Gedanken nicht vertreiben, dass du dort verweiltest. O viele und viele Winternacht saß ich, als du fort warst, Mein abgenutztes Gesicht in meine Hände vergraben, allein neben dem Feuer. Innerhalb des tropfenden Kirchhofs, der Regen klatschend auf deinen Stein, Du schliefst, Barbara.
Denkst du, unter Engeln, An das kostbare goldene Glied, Das ich um deinen glücklichen Arm schloss, während wir an jenem Ufer saßen? Oder als jene Nacht des gleitenden Tanzes, des Lachens und der Gitarren, Leer war von ihrer Musik, und wir beobachteten, durch Gitterstäbe, Den stillen Mitternachtshimmel, der über uns kroch mit seinen Sternen, Bis der Tag anbrach, Barbara?
In den Jahren habe ich mich verändert; Wild und weit ist mein Herz geschweift, Und viele Sünden und Irrtümer sind nun an mir gerächt worden; Doch dir gegenüber bin ich treu geblieben, was auch immer mir an Gutem fehlte: Ich liebte dich, und über meinem Leben hängt noch immer diese Liebe intakt – Deine Liebe der zitternde Regenbogen, ich der rücksichtslose Wasserfall. Noch immer liebe ich dich, Barbara!
Doch, Liebe, ich bin ungesegnet; Mit vielen Zweifeln bedrückt, Wandere ich wie ein Wüstenwind, ohne einen Ort der Ruhe. Könnte ich dich nur für eine Stunde von jenem sternenreichen Ufer gewinnen, Der Hunger meiner Seele wäre gestillt, denn der Tod hat dir mehr gesagt Als die melancholische Welt weiß; Dinge tiefer als alles Wissen Wirst du mich lehren, Barbara?
Vergeblich, vergeblich, vergeblich! Du wirst niemals wiederkommen. Es hängt über den trostlosen Hügeln ein trauriger Saum von Regen; Das Dämmerlicht schließt sich langsam, laute Winde sind im Baum, Rund um selbstsüchtige Ufer stöhnt für immer das verletzte und verwundete Meer, Es gibt keine Ruhe auf Erden, Friede ist beim Tod und dir, Barbara!
Alexander Smith [1830-1867]
LIED
Wenn ich tot bin, meine Liebste, Singe keine traurigen Lieder für mich; Pflanze keine Rosen an mein Haupt, Noch einen schattigen Zypressenbaum: Sei das grüne Gras über mir Mit Schauern und Tautropfen nass; Und wenn du willst, erinnere dich, Und wenn du willst, vergiss.
Ich werde die Schatten nicht sehen, Ich werde den Regen nicht fühlen; Ich werde die Nachtigall nicht hören, Wie sie singt, als ob sie Schmerzen hätte: Und träumend durch die Dämmerung, Die nicht aufgeht noch untergeht, Vielleicht mag ich mich erinnern, Und vielleicht mag ich vergessen.
Christina Georgina Rossetti [1830-1894]
SARRAZINES LIED AN IHREN TOTEN GELIEBTEN Aus „Chaitivel“
Hat dich jemand gut geliebt, dort unten, Durch Sommer oder Winter? Dort unten, hast du irgendeine Schöne gefunden, Die mit dir ins Grab gelegt wurde? Ist des Todes langer Kuss ein reicherer Kuss Als meiner zu sein pflegte – Oder bist du zu irgendeiner fernen Glückseligkeit gegangen Und hast mich ganz vergessen?
Welche sanfte Verzauberung des Schlafs Hält dich auf irgendeine sanfte Art? Welcher verzauberte Tod hält dich mit tiefem Seltsamen Locken bei Nacht und Tag? – Ein kleines Stück unter dem Gras, Außerhalb der Sonne und des Schattens; Aber Welten entfernt von mir, ach, Dort unten, wo du gebettet bist?
Mein helles Haares gewelltes und verschwendetes Gold, Was ist es nun für dich – Ob das rosenrote Leben, das ich halte, Oder der weiße Tod mich hält? Dort unten liebst du das eigene Grün des Grabes, Und immerdar schwärmst du Von irgendeinem süßen Seraph, den du gesehen hast Oder von dem du im Grab geträumt hast.
Dort wirst du liegen, wie du gelegen hast, Obwohl in der Welt droben, Ein anderes Leben du wieder lebst, Wieder deine Liebe liebend: Ist es nicht süß unter der Palme? Ist der warme Tag nicht voll Von einer langen, mystischen goldenen Ruhe, Besser als Liebe und Leben?
Die breiten, seltsamen, wohlriechenden Blätter wie Hände, Die den schönen Tag durchweben, Weben Schlaf, dem kein glänzender Vogel widersteht, Während der Tod Schlaf für dich webt; Und viele seltsame, reiche, atmende Klänge Entzücken Morgen und Mittag: Und an jenem Ort musst du gefunden haben, Dass der Tod eine köstliche Ohnmacht ist.
Halte mich nicht länger für ein Wort, Das ich zu sagen oder zu singen pflegte: Ah, vor langer Zeit musst du gehört haben So manches süßere Ding: Denn reiche Erde muss dein Herz erreicht Und den Glauben in Blumen verwandelt haben; Und warmer Wind gestohlen, Teil für Teil, Deine Seele durch treulose Stunden.
Und viele sanfte Samen müssen den Boden Eines nachgiebigen Gedankens gewonnen haben, Um eine Blüte zur Sonne zu bringen, Die sonst nimmermehr gebracht worden wäre; Und, zweifellos, hat manche leidenschaftliche Farbe Diesen Ort schöner gemacht, Indem sie irgendeinen leidenschaftlichen Teil von dir Treulos gegen mich dort unten machte.
Arthur O'Shaughnessy [1844-1884]
In rauem Herbstwetter, als der Regen auf dem Meere lag, Und die Zweige zusammen schluchzten, kam der Tod und sprach zu mir: „Jene roten Tropfen deines Herzens bin ich gekommen, dir zu nehmen; Wie der Sturm die Rose abwirft, so soll deine Liebe gebrochen sein“, Sagte der Tod zu mir.
Dann stand ich aufrecht und furchtlos, während der Regen in der Woge war, Und ich sprach leise und ohne Tränen: „Wenn du mein Grab bereitet hast, Jene roten Tropfen aus meinem Herzen sollst du dann gewisslich haben; Doch die Rose bewahrt ihre Blüte, so wie ich meine Liebe retten werde, Ganz für mein Grab.“
In rauem Herbstwetter glitt ein schreckliches Schwert aus seiner Scheide; Während die Zweige zusammen schluchzten, focht ich einen Kampf mit dem Tod, Und ich besiegte ihn mit Gebet, und ich besiegte ihn durch Glauben: Nun ist die Sommerluft süß vom duftenden Hauch der Rose, Die den Tod besiegte.
Du warst mir alles, Liebste, Wonach meine Seele sich sehnte: Eine grüne Insel im Meer, Liebste, Ein Quell und ein Schrein, Ganz umwunden mit Feenfrüchten und Blumen, Und alle Blumen waren mein.
Ach, Traum, zu hell, um zu bleiben! Ach, sternhafte Hoffnung, die du aufgingst, Nur um überdeckt zu werden! Eine Stimme aus der Zukunft ruft: „Vorwärts! Vorwärts!“ – doch über der Vergangenheit (Dunkler Abgrund!) liegt mein Geist schwebend, Stumm, regungslos, entsetzt.
Denn, ach! ach! mit mir Ist das Licht des Lebens vorbei! Nicht mehr – nicht mehr – nicht mehr – (Solche Sprache führt das feierliche Meer Gegenüber dem Sand am Ufer) Wird der vom Donner getroffene Baum blühen, Oder der gezeichnete Adler sich schwingen.
Und alle meine Tage sind Trance, Und alle meine nächtlichen Träume Sind dort, wo dein dunkles Auge blickt, Und wo dein Schritt erglänzt – In welchen ätherischen Tänzen, An welchen ewigen Strömen.
Es war vor vielen, vielen Jahren, In einem Königreich am Meer, Dass dort ein Mädchen lebte, das ihr vielleicht kennt Unter dem Namen Annabel Lee; Und dieses Mädchen lebte mit keinem anderen Gedanken, Als zu lieben und von mir geliebt zu werden.
Ich war ein Kind und sie war ein Kind, In diesem Königreich am Meer, Aber wir liebten mit einer Liebe, die mehr als Liebe war, Ich und meine Annabel Lee; Mit einer Liebe, die die geflügelten Seraphim des Himmels Sie und mich beneideten.
Und dies war der Grund, warum vor langer Zeit, In diesem Königreich am Meer, Ein Wind aus einer Wolke blies, der erkaltete Meine schöne Annabel Lee; Sodass ihre hochgeborenen Verwandten kamen Und sie von mir forttrugen, Um sie in ein Grabmal einzuschließen In diesem Königreich am Meer.
Die Engel, nicht halb so glücklich im Himmel, Begannen sie und mich zu beneiden; Ja! das war der Grund (wie alle Menschen wissen, In diesem Königreich am Meer), Dass der Wind nachts aus der Wolke kam, Meine schöne Annabel Lee erkaltete und tötete.
Aber unsere Liebe war bei weitem stärker als die Liebe Derer, die älter waren als wir, Derer, die viel weiser waren als wir; Und weder die Engel im Himmel droben, Noch die Dämonen tief unter dem Meer, Können jemals meine Seele von der Seele Der schönen Annabel Lee trennen:
Denn der Mond strahlt niemals, ohne mir Träume zu bringen Von der schönen Annabel Lee; Und die Sterne gehen niemals auf, ohne dass ich die hellen Augen spüre Der schönen Annabel Lee; Und so liege ich die ganze Nachtzeit an der Seite Meiner Geliebten – meiner Geliebten – meines Lebens und meiner Braut, Im Grabmal dort am Meer, In ihrem Grab am rauschenden Meer.
Gott sei Dank! Die Krise – Die Gefahr ist vorüber, Und die langwierige Krankheit Ist endlich vorbei – Und das Fieber namens „Leben“ Ist endlich bezwungen.
Traurig weiß ich, Dass mir die Kraft genommen ist, Und ich bewege keinen Muskel, Während ich ausgestreckt liege: Aber egal – ich fühle, Dass es mir endlich besser geht.
Und ich ruhe so gefasst Nun in meinem Bett, Dass jeder Betrachter Mich für tot halten könnte – Zusammenfahren könnte, wenn er mich sieht, Weil er mich für tot hält.
Das Stöhnen und Ächzen, Das Seufzen und Schluchzen, Sind nun verstummt, Mit jenem schrecklichen Pochen Im Herzen – ach, jenes schreckliche, Schreckliche Pochen!
Die Krankheit – die Übelkeit – Der erbarmungslose Schmerz – Haben aufgehört, mit dem Fieber, Das mein Gehirn in den Wahnsinn trieb – Mit dem Fieber namens „Leben“, Das in meinem Gehirn brannte.
Und o! von allen Qualen, Die am schlimmsten quälen, Hat sie nachgelassen – die schreckliche Qual des Durstes Nach dem Naphthalinfluss Der verfluchten Leidenschaft – Ich habe von einem Wasser getrunken, Das allen Durst stillt,
– Von einem Wasser, das fließt, Mit einem wiegenden Klang, Aus einer Quelle nur wenige Fuß unter der Erde – Aus einer Höhle nicht sehr weit Tief unter der Erde.
Und ach! lasst es niemals Töricht gesagt sein, Dass mein Zimmer düster sei, Und mein Bett schmal; Denn niemals schlief ein Mensch In einem anderen Bett – Und, um zu schlafen, muss man schlummern In genau solch einem Bett.
Mein gepeinigter Geist Ruht hier sanft, Vergisst, oder bereut niemals, Seine Rosen – Seine alten Aufregungen Von Myrthen und Rosen:
Denn nun, während er so still Da liegt, fantasiert er Einen heiligeren Duft Um sich herum, von Stiefmütterchen – Einen Rosmarinduft, Vermengt mit Stiefmütterchen – Mit Weinraute und den schönen Puritanischen Stiefmütterchen.
Und so liegt er glücklich, Badend in so manchem Traum von der Wahrheit Und der Schönheit von Annie – Ertrunken in einem Bad Der Locken von Annie.
Sie küsste mich zärtlich, Sie liebkoste mich innig, Und dann schlief ich sanft An ihrer Brust ein – Tief zu schlafen Vom Himmel ihrer Brust.
Als das Licht gelöscht war, Deckte sie mich warm zu, Und sie betete zu den Engeln, Mich vor Schaden zu bewahren – Zur Königin der Engel, Mich vor Schaden zu schützen.
Und ich liege so gefasst, Nun in meinem Bett (Wissend um ihre Liebe), Dass ihr mich für tot haltet – Und ich ruhe so zufrieden, Nun in meinem Bett (Mit ihrer Liebe an meiner Brust), Dass ihr mich für tot haltet – Dass ihr schauert, wenn ihr mich anseht, Weil ihr mich für tot haltet.
Aber mein Herz ist heller Als all die vielen Sterne am Himmel, Denn es funkelt mit Annie – Es glüht mit dem Licht Der Liebe meiner Annie – Mit dem Gedanken an das Licht Der Augen meiner Annie.
Hier ist der Ort; genau über den Hügel Führt der Pfad, den ich nahm; Du kannst die Lücke in der alten Mauer noch sehen, Und die Trittsteine im seichten Bach.
Dort ist das Haus, mit dem rot versperrten Tor, Und den hohen Pappeln; Und die braune Länge der Scheune, und der Viehhof, Und die weißen Hörner, die sich über der Mauer werfen.
Dort sind die Bienenstöcke, die in der Sonne stehen; Und unten am Rande Des Baches sind ihre armen Blumen, von Unkraut überwuchert, Stiefmütterchen und Narzissen, Rose und Nelke.
Ein Jahr ist vergangen, wie die Schildkröte geht, Schwer und langsam; Und dieselbe Rose blüht, und dieselbe Sonne glüht, Und derselbe Bach singt von vor einem Jahr.
Da ist derselbe süße Klee-Geruch in der Brise; Und die Junisonne, warm, Verwirrt ihre Flügel aus Feuer in den Bäumen, Und geht unter, wie damals, über der Fernside Farm.
Ich erinnere mich, wie ich mit der Sorgfalt eines Liebenden Von meinem Sonntagsrock Die Kletten abbürstete, mein Haar glättete, Und am Bachufer meine Stirn und meinen Hals kühlte.
Seit wir uns trennten, war ein Monat vergangen, – Für die Liebe ein Jahr; Durch die Buchen sah ich schließlich Auf das kleine rote Tor und den Ziehbrunnen in der Nähe.
Ich kann es jetzt alles sehen, – den schrägen Regen Des Lichts durch die Blätter, Das Glühen des Sonnenuntergangs auf ihrer Fensterscheibe, Die Blüte ihrer Rosen unter der Dachtraufe.
Genau dasselbe wie einen Monat zuvor, – Das Haus und die Bäume, Der braune Giebel der Scheune, die Weinrebe an der Tür, – Nichts verändert, außer den Bienenstöcken.
Vor ihnen, unter der Gartenmauer, Vor und zurück, Sang kläglich das kleine Hausmädchen, Drapierte jeden Bienenstock mit einem Fetzen Schwarz.
Zitternd hörte ich zu: die Sommersonne Hatte die Kälte von Schnee; Denn ich wusste, sie erzählte den Bienen von jemandem, Der die Reise angetreten hatte, die wir alle gehen müssen!
Dann sagte ich zu mir selbst: „Meine Mary weint Heute um die Toten: Vielleicht schläft ihr blinder alter Großvater Die Unruhe und den Schmerz seines Alters hinweg.“
Aber ihr Hund wimmerte leise; auf der Türschwelle Mit dem Stock am Kinn, Saß der alte Mann; und das Hausmädchen sang noch immer Zu den Bienen, die heraus- und hineinstahlen.
Und das Lied, das sie sang, klingt seitdem In meinen Ohren fort: – „Bleibt zu Hause, hübsche Bienen, fliegt nicht von dannen! Herrin Mary ist tot und fort!“
Ich werde den Treffpunkt nicht brechen, meine Liebe, Den wir so lange gehalten haben, Obwohl der Winter und sein Schnee hier sind, Und ich kein Herz für ein Lied habe.
Du gingst in die lautlose Nacht; Dein Weg führte weit fort. Hast du mich vergessen, Herzenslust, Wie die Nacht den Tag vergisst?
Manchmal denke ich, dass du sprechen würdest, Wenn du mich noch lieb hättest; Aber der Raum ist riesig, und ich bin schwach – Vielleicht höre ich dich nicht.
Sicherlich, wie fern auch der Stern sein mag, Den deine wandernden Füße betreten, Wenn ich die trennende Schranke überschreite, Müssen unsere Seelen noch immer vermählt sein.
Rund um die stillen Gräber, Als die Sonne tief stand, Ging die Liebe trauernd, – die Liebe, die rettet: Wussten es die Schlafenden?
Bei seiner Berührung erwachten die Blumen, Bei seinem zarten Ruf Brachen Vögel in süßen Gesang aus, Und es geschah,
Dass aus dem blühenden, berstenden Boden All die Toten der Liebe auferstanden, Und zu Gott hinaufflogen Auf einem Weg, den die Liebe kennt.
Nur um das Für-immer zu finden, gesegnet Von deinem umschlingenden Arm; Nur um jenseits von Unruhe zu liegen In der verträumten Ruhe der Leidenschaft!
Nur um uns zu treffen und niemals zu trennen, Zu schlafen und niemals zu erwachen, – Herz an Herz und Seele an Seele, Tot um des anderen willen.
Oh, löse das Band, das du trägst, Janette, Lass mich eine Hand in dein Haar verheddern – mein Liebling; Denn die Welt hatte für mich keinen zierlicheren Anblick Als dein braunes Haar, das deine weißen Schultern verhüllt; Dein schönes dunkelbraunes Haar – mein Liebling.
Es war braun mit einem goldenen Glanz, Janette, Es war feiner als flosserne Seide – mein Liebling; Es war ein schöner Nebel, der bis zu deinem Handgelenk fiel, Es war eine Sache, um geflochten, geschmückt und geküsst zu werden – Es war das schönste Haar der Welt – mein Liebling.
Mein Arm war der Arm eines Narren, Janette, Er war sehnig, borstig und braun – mein Liebling; Aber warm und weich liebte er es, zu liebkosen Deinen runden weißen Hals und deinen Reichtum an Locken, Deine schöne Fülle an Haar – mein Liebling.
Deine Augen hatten einen schwimmenden Glanz, Janette, Die die alte, liebe Geschichte enthüllten – mein Liebling; Sie waren grau mit jenem geläuterten Hauch des Himmels, Wenn die Forelle am schnellsten springt, um nach der Fliege zu schnappen, Und sie passten zu deinem goldenen Haar – mein Liebling.
Deine Lippen – aber ich habe keine Worte, Janette – Sie waren frisch wie das Gezwitscher der Vögel – mein Liebling, Wenn der Frühling jung ist und die Rosen nass sind, Mit den Tautropfen, die in jedem roten Busen sitzen, Und sie passten zu deinem goldbraunen Haar – mein Liebling.
Oh, du hast mein Leben in deinem Haar verheddert, Janette, Es war eine seidene und goldene Schlinge – mein Liebling; Aber, so sanft die Bindung, meine Seele flehte Um das Recht, für immer dein Sklave zu bleiben, Mit meinen Fingern verstrickt in deinem Haar – mein Liebling.
So träume ich immer, was du warst, Janette, Mit deinen Lippen, und deinen Augen, und deinem Haar – mein Liebling, In der Dunkelheit trostloser Jahre stöhne ich, Und meine Tränen fallen bitterlich über den Stein, Der dein goldenes Haar bedeckt – mein Liebling.
Das Gras, das jetzt unter mir ist, Wird bald über mir sein, Süße; Wenn du diesen Weg wieder gehst, Werde ich deine Schritte nicht hören.
Du magst diesen Weg wieder gehen, Und deine Tränen vergießen wie Tau; Sie werden für mich dann nicht mehr bedeuten, Als meine jetzt für dich!
Wenn das Gras mich bedecken wird, Von Kopf bis Fuß, wo ich liege; Wenn kein Wind, der weht, Sommerblüten noch Winterschnee, Mich zu deinem Seufzen erwecken wird: Dicht über mir, wenn du vorbeigehst, Wirst du sagen: „Wie gütig sie war“, Wirst du sagen: „Wie wahr sie war“, Wenn das Gras über mir wächst.
Wenn das Gras mich bedecken wird, Dicht gehalten an die warme Brust der Erde, – Während ich lache, oder weine, oder singe, Nie mehr, für irgendetwas, Wirst du in Halm und Blüte finden, Süße kleine Stimmen, duftend, Zarte Fürsprecher in meiner Sache, Die von mir sprechen werden, wie ich war – Wenn das Gras über mir wächst.
Wenn das Gras mich bedecken wird! Ach, Geliebter, in meinem Leid Sehr geduldig, kann ich warten, Wissend, dass, früher oder später, Ein klarerer Morgen grauen wird: Wenn dein Herz stöhnen wird: „Ach! Nun weiß ich, wie wahr sie war; Nun weiß ich, wie teuer sie war“ – Wenn das Gras über mir wächst!
Wenn die mageren, grauen Gräser Mich bedecken, mich tief begraben, Wird kein Meereswind, der vorüberzieht, Meinen Schlaf brechen.
Wenn du kommst, mein Geliebter, Mit traurigen Augen zu mir, Wird die Erde meine Augen bedecken; Ich werde nicht sehen.
Obwohl du mich mit prachtvollen traurigen Worten Preisend, Liebste nennst, Wird es alles vorbei sein; Ich werde nicht hören.
Du magst das Treiben der Liebe Lachend über meinem Kopf leben, Aber ich werde ruhig liegen Bei den grauen Toten.
Liebe, du wirst mich nicht wecken Mit all deinem singenden Gelage, Noch wird dein Tanzen mich erschüttern In meinem dunklen Haus.
Obwohl du weinend gehen solltest, Trauernd um meinetwillen, Bereit, meinen Schlaf zu brechen, Könnte ich nicht erwachen.
Nun, ehe die Zeit uns zerstört – Schatten unter und über uns; Der Tod hat kein freudiges Lied, Noch lieben die toten Männer –
Nun, während mit tiefen, goldenen Augen, Die Liebe auf dem Berge singt, Lass ihn fest gehalten werden; Fessele seine Flügel.
Liebe, weder Freude noch Leid Stört das Ende des Tages. Überlasse die Schicksale dem Morgen; Gib der Liebe den Tag.
Leiste mir keine Gelübde der Beständigkeit, lieber Freund, Mich zu lieben, wenn ich sterbe, dein ganzes Leben lang, Und keine andere zu lieben, bis deine Tage enden – Nein, es wäre unbesonnen und falsch.
Wenn du eine andere lieben kannst, so sei es; Ich würde nicht aus meinem stillen Grab greifen, Um dein Herz zu binden, wenn es gehen möchte – Liebe sollte kein Sklave sein.
Mein friedlicher Geist, so vertraue ich, wird heiter wandeln In klarerem Licht, als jene irdischen Morgen vergoldet, Über den Eifersüchteleien und dem scharfen Neid, Die dieses Leben mit Dornen säen.
Du würdest meine schattenhafte Liebkosung nicht spüren; Wenn nach dem Tod meine Seele hier verweilen würde; Die Herzen der Menschen sehnen sich nach greifbarer, naher Zärtlichkeit, Nach der Präsenz der Liebe, warm und nah.
Es würde mich nicht friedlicher schlafen lassen, Dass du dein ganzes Leben im Weh verschwendest Um meinetwillen; welche Liebe du für mich hast, Schenke sie mir, bevor ich gehe.
Meißle keine Lobsprüche in einen Stein, wenn ich tot bin, Die reumütige Trauernde den Gräbern von Frauen Geben – eine späte Vergeltung – Sondern sprich sie aus, während ich lebe.
Häufe nicht den schweren Marmor über mein Haupt, Um den Sonnenschein und den Tau auszusperren; Lass kleine Blumen dort wachsen, und lass Gräser wehen, Und Regentropfen hindurchfiltern.
Du wirst viele treffen, die schöner und fröhlicher sind Als ich; aber, glaube mir, du kannst niemals finden Eine, die dich Nacht und Tag lieben und dienen wird Mit einem solch aufrichtigen Sinn.
Vergiss mich, wenn ich sterbe! Die Veilchen Über meiner Brust werden genauso blau blühen, Und deine Tränen nicht vermissen; selbst die Natur vergisst; Aber während ich lebe, sei treu.
Ich liebte dich lange und innig, Florence Vane; Meines Lebens heller Traum und früher Ist wiedergekehrt; Ich erneuere in meiner treuen Vision, Meines Herzens lieben Schmerz – Meine Hoffnungen, und dein Hohn, Florence Vane.
Die Ruine, einsam und grau, Die alte Ruine, Wo du meine Geschichte anhörtest, Am Abend erzählt – Jener Ort – die elysischen Farben Des Himmels und der Ebene – Ich bewahre in meiner Vision, Florence Vane.
Du warst lieblicher als die Rosen In ihrer Blüte; Deine Stimme übertraf die Kadenzen Süßester Reime; Dein Herz war wie ein Fluss Ohne Mündung. Wäre ich dir doch niemals begegnet, Florence Vane!
Aber, schönstes, kältestes Wunder! Dein herrlicher Ton Liegt unter dem grünen Rasen – Ach, der Tag! Und es nützt nichts, sich zu erinnern An deine Verachtung, Um die bleiche Glut der Liebe zu beleben, Florence Vane.
Die Lilien des Tals Weinen an jungen Gräbern; Die Gänseblümchen lieben es zu verweilen, Wo Jungfrauen schlafen. Möge ihre Blüte, an Schönheit wetteifernd, Niemals schwinden, Wo dein irdischer Teil liegt, Florence Vane!
Wenn Geister wandeln, Liebste, wenn die Nacht langsam steigt Den schrägen Fußpfad, wo wir zu gehen pflegten, Sei gewiss, dass ich denselben Weg nehmen werde Zum Hügelkamm, und meerwärts, hinunter den grauen, Steilen, gekiesten Hang, wo Wicken kriechend wachsen. Suche mich nicht, wenn Böen des Winters wehen, Wenn an deinem Fenster Hände aus Graupel und Schnee schlagen; Ich würde nicht kommen, um deine lieben Augen zu erschrecken, Wenn Geister wandeln.
Aber wenn im Juni die Kiefern leise flüstern, Und wenn ihr Hauch so mit deinem hellen Haar spielt, Wie jemandes Finger einst zu spielen pflegten – Jene Stunde, wenn Vögel den Gesang lassen und Kinder beten, Halte den alten Treffpunkt, Liebling, und du wirst wissen, Wenn Geister wandeln.
Tritt leise, sie ist nah, Unter dem Schnee; Sprich sanft, sie kann hören, Wie die Gänseblümchen wachsen.
All ihr helles goldenes Haar Getrübt mit Rost, Sie, die jung und schön war, Zu Staub gefallen.
Lilienhaft, weiß wie Schnee, Wusste sie kaum, Dass sie eine Frau war, so Süß wuchs sie heran.
Sargbrett, schwerer Stein, Liegen auf ihrer Brust; Ich quäle mein Herz allein, Sie ist in der Ruhe.
Friede, Friede; sie kann nicht hören Leier oder Sonett; Mein ganzes Leben ist hier begraben – Häuft Erde darauf.
Ah, dans ces mornes sejours Les jamais sont les toujours. – Paul Verlaine
Du hättest mich verstanden, hättest du gewartet; Ich hätte dich lieben können, Liebste! so gut wie er; Wären wir nicht ungeduldig gewesen, Liebste! und dazu bestimmt, Immer uneins zu sein.
Was nützt das Reden? Schweigen wäre passender: Damit wir nicht weiter Dinge wünschen, die ungesagt blieben. Obwohl alle Worte, die wir jemals sprachen, bitter waren, Soll ich dir Vorwürfe machen, da du tot bist?
Nein, lass diese Erde, dein Teil, gleichermaßen bedecken All den alten Zorn, der uns trennt: Immer, in allem, in Wahrheit war ich dein Liebhaber; Immer hielt ich dein Herz.
Ich habe andere Frauen getroffen, die zärtlich waren, Wie du kalt warst, Liebste! mit einer Anmut, die so selten ist. Denkst du, ich wandte mich ihnen zu, oder ergab mich, Ich, der ich dich schön gefunden hatte?
Wären wir geduldig gewesen, Liebste! ah, hättest du gewartet, Ich hätte für dich gegen den Tod gekämpft, besser als er: Aber von Anfang an, Liebste! waren wir dazu bestimmt, Immer uneins zu sein.
Spät, spät komme ich zu dir, nun der Tod enthüllt Die Liebe, die im Leben nicht unser Teil sein sollte: Auf deinem niedrig liegenden Hügel zwischen den Rosen, Traurig werfe ich mein Herz.
Ich möchte dich nicht wecken: nein! dies ist passender; Der Tod und die Dunkelheit geben dich mir; Hier können wir, die wir uns so liebten, so kalt und bitter waren, Kaum uneins sein.
Meine Liebe wohnte in einem nördlichen Land. Ein grauer Turm in einem grünen Wald War ihr, und weit zu beiden Seiten Sah man das lange Rauschen der Wellen, Und Meilen um Meilen von gelbem Sand, Zwischen den verwobenen Waldzweigen!
Und durch die silberne nördliche Nacht Starb der Sonnenuntergang langsam dahin, Und Herden fremder Hirsche, lilienweiß, Stahlen sich hervor unter den grauen Zweigen; Beim Kommen des Lichts Flohen sie wie Geister vor dem Tag!
Ich weiß nicht, ob der grüne Wald Immer noch diesen grauen Turm umgürtet; Ich weiß nicht, ob zwischen den Zweigen Die weißen Hirsche schwinden vor dem Tag; Über meiner Liebe ist das Gras grün, Mein Herz ist kälter als der Lehm!
Gute Nacht, teure Freundin! Ich sage dir gute Nacht Über die Mondstrahlen, zitternd und weiß, Die, wer weiß, vielleicht alle Räume zwischen uns überbrücken. Beuge dich tief, süße Freundin; es ist die letzte gute Nacht.
Denn während ich niedrig auf meinem Lager liege, und still, Die Fieberröte von meinem Antlitz geschwunden, Hörte ich sie leise flüstern: „Es ist Sein Wille; Engel werden ihr eine glücklichere Ruhestätte bereiten!“
Und so, vom Anblick der Tränen, die wie Regen fielen, Und den Lauten des Schluchzens, das dicht und leise erstickt wurde, Wandte ich mein weißes Gesicht der Fensterscheibe zu, Um dir gute Nacht zu sagen, ehe ich gehe.
Gute Nacht! Gute Nacht! Ich fürchte das Ende nicht, Den Kampf mit den dunklen und hohen Wogen; Und doch, könnte ich deine Hand berühren, meine Freundin, Ich glaube, es wäre leichter zu sterben;
Könnte ich durch all die stillen Wellen Meines dichten Haares deinen zarten Hauch erzittern spüren, Ich könnte hinabgehen an den Ort der Gräber, Mit glänzenden Augen und bleichen Lippen, die noch lächeln;
Oder vielleicht, wenn ich durch all den Streit Und den Schmerz des Abschieds deinen Ruf vernehmen würde, Ich käme singend zurück zum süßen, süßen Leben, Und wüsste nichts von dem Geheimnis des Todes.
Es soll nicht sein. Gute Nacht, teure Freundin, gute Nacht! Und wenn du die Veilchen wieder siehst, Und durch Zweige mit geschwollenen, weißen Knospen Das sanfte Fallen des Aprilregens hörst,
Gedenke ihrer, deren junges Leben deinen Namen Bei allen heiligen Dingen auf seinem Flug nach außen hielt, Und wende dich manchmal von den geschäftigen Orten der Menschen ab, Um wieder ihre leise gute Nacht zu hören! Gute Nacht!
Hester A. Benedict [18 -
REQUIESCAT
Begrabt mich tief, wenn ich tot bin, Fern von den Wäldern, wo süße Vögel singen; Hüllt mich in mürrischen Stein und Blei, Auf dass mein armer Staub den Frühling nicht spüre.
Keine Blume sei mir nahe gesetzt, Weder kelchiges Sternenlicht noch schlanker Stängel, Anemone noch Veilchen, Auf dass mein armer Staub sich nicht ihrer erinnere.
Und du – wohin auch immer du wandern magst – Teurer als Vögel oder Blumen oder Tau – Niemals, ach weh, geh niemals dorthin, Auf dass mein armer Staub nicht von dir träume.
Rosamund Marriott Watson [1863-1911]
DIE VIER WINDE
Wind des Nordens, Wind der nordländischen Schneestürme, Wind der gesichteten Himmel und scharfen, klaren Sterne – Blase kalt und schneidend über die nackten Hügel, Und kräusle die Niederungsteiche mit kristallinen Häuten, Und trübe die Fensterquadrate mit glitzerndem Eis, Doch geh nicht in die Nähe meiner Liebe.
Wind des Westens, Wind der wenigen, fernen Wolken, Wind der Länder der goldenen und purpurnen Sonnenuntergänge – Blase frisch und rein über die Gipfel und Ebenen, Und weite die blauen Räume des Himmels, Und wiege die Gräser und die Bergkiefern, Doch lass meinen Liebsten ruhen.
Wind des Ostens, Wind der Meere des Sonnenaufgangs, Wind der haftenden Nebel und grauen, rauen Regenfälle – Blase feucht und kühl über die Wüsten der Salzfluten, Und schließe die Sonne aus, und den Mond und die Sterne, Und peitsche die Zweige gegen die triefenden Dachtraufen, Doch bleib fern von meiner Liebe.
Aber du, süßer Wind! Wind des duftenden Südens, Wind aus den Lauben von Jasmin und Rose! – Über Magnolienschatten und lilienbedeckte Seen Und blühende Wälder komm mit taufrischen Schwingen, Und bewege die Blütenblätter zu ihren Füßen, und küsse Den niedrigen Hügel, wo sie liegt.
Charles Henry Luders [1858-1891]
DIE BALLADE DES KÖNIGS
Guter mein König, in eurem Garten, eng umschlossen, (Horcht auf das Trillern der Drossel) Warum so traurig, wenn das Mädchen, die Rose, Liebe zu euren Füßen verschüttet? Goldig die Luft und honigsüß, Saphir der Himmel, es ziemt sich nicht, Dass traurige Gesichter Blumen grüßen, (Horcht auf das Trillern der Drossel).
Ganz allein wandelt der König heute. (Horcht auf das Trillern der Drossel) Fern von seinem Thron stiehlt er sich fort, Einsamkeit und Ruhe begehrend. Rosen und Tulpen und schöne Lilien Lächeln überall zu seinem Vergnügen, Doch an ihrer Freude hat er keinen Teil, (Horcht auf das Trillern der Drossel).
Damen warten im Palast, Sire, (Horcht auf das Trillern der Drossel) Rot und weiß für das Verlangen des Königs, Liebeswarm und süß und aufregend; Brüste aus Mondlicht und Haar der Nacht, Blicke, liebeshungrig, sanft und hell, Nichts fehlt für euer Entzücken, (Horcht auf das Trillern der Drossel).
Es kniet der König an einem grasigen Ort, (Horcht auf das Trillern der Drossel) Kleine Blumen unter seinem Gesicht Füllen sich mit seinen warmen Tränen. Spricht der König: „Hier liegt mein Herz tot, Wo meine schöne Liebe begraben ist, Wäre ich doch stattdessen hier gebettet!“ (Horcht auf das Trillern der Drossel).
Joyce Kilmer [1886-1918]
HELIOTROP
Mitten im schachbrettartigen Dunkel der Kapelle Lachte sie mit Dora und mit Flora, Und plauderte im Vorlesungssaal – Diese vorlaute kleine Studentin! Doch während sie, wie in ihren anderen Schulen, Eine privilegierte Übertreterin war, Brach sie niemals die einfachen Regeln Eines bestimmten Professors.
Doch wenn er von vielfältiger Gelehrsamkeit sprach, Paroxytona und Potentialis-Modi, Hörte sie mit einem Gesicht zu, das einen Blick trug, Halb zärtlich, halb ehrerbietig. Für sie war diese ernste Stimme süß, Und obwohl ihre Liebe keinen Beichtvater hatte, Lag ihr Mädchenherz zu den Füßen Dieses bestimmten Professors.
Und er hatte gelernt, zwischen seinen Büchern, Die das Wissen alter Zeitalter bargen, Diese sich stets wandelnden Blicke zu beobachten, Die wehmütigen Augen, die goldenen Locken, Die seinen Puls mit dem Schmerz der Leidenschaft regten Und seine Seele mit sanftem Verlangen durchbebten, Und die junge Liebe hießen, wiederzukehren, Gekrönt mit ihrem Kranz aus Feuer.
Ihr sonniges Lächeln, ihre gewinnende Art, Waren ihm mehr als all sein Wissen, Und sie zog seine lobenden Worte Allen Ehren des Colleges vor. Doch „Was bin ich Törichte ihm?“ Flüsterte sie dem Beichtvater ihres Herzens. „Sie hält mich für alt und grau und grimmig“, Sann der Professor im Stillen.
Doch einst, als die Weihnachtsglocken läuteten Über zehntausend feierlichen Kirchen, Und anschwellende Hymnen großartig gesungen Durch die dunklen Kathedralbögen hallten – Ehe sie heimkehrte, erfüllt von Hoffnung, Stahl sie sich leise an Tor und Giebel vorbei, Und einen süßen Zweig Heliotrop Hinterließ sie auf seinem überladenen Studiertisch.
Noch kam sie Tag für Tag nicht mehr Wie Sonnenschein, der durch die Schatten bricht: Über ihrem Grab, fern, fern von hier, Trieben die ewig stillen Schneefälle; Und jene, die ihr gewinnendes Antlitz betrauerten, Fanden an seiner Stelle einen raschen Nachfolger Und liebten eine andere an ihrer Stelle – Alle, außer dem schweigsamen alten Professor.
Doch in der sanften grauen Dämmerung, Verschlossen vor dem Blick nörgelnder Kritiker, Schweiften seine einsamen Gedanken oft ab Von vedischen Versen und semitischen Zungen, Den Geist der verschwundenen Hoffnung heißend, Mit seiner Vergangenheit den traurigen Besitzer zu verspotten Des verwelkten Zweigs Heliotrop, Den sie einst dem alten Professor gab.
Harry Thurston Peck [1856-1914]
„LYDIA IST SEIT VIELEN JAHREN FORT“
Lydia ist seit vielen Jahren fort, Doch wenn die Flieder sich regen, In den alten Gärten, nah oder fern, Ist dieses Haus voll von ihr.
Sie steigen die gewundene Treppe der Kammer hinauf; Ihr Bild geht im Zimmer um; Auf dem geschnitzten Bord darunter Häufen sie die purpurne Blüte.
Ein Geist ist Lydia so lange schon, Ihr Umhang an der Wand, Bestickt und vergoldet und verblasst grün, Scheint gar nicht ihr Umhang zu sein.
Das Buch, die Schachtel auf dem Kaminsims, Die Muscheln in einer blassen Reihe, Gehören irgendeinem blassen kleinen Mädchen, Vor tausend Jahren.
Und doch ist das Haus voll von ihr; Sie geht und kommt wieder; Und Sehnsüchte beben, und Erinnerungen regen sich, Wie Flieder im Regen.
Draußen in ihren Höfen spazieren die Nachbarn, Zwischen den hohen Blüten; Von Anne, von Phyllis sprechen sie, Von Lydia überhaupt nicht.
Lizette Woodworth Reese [1856-1935]
DANACH
Oh, das Wenige, das bleibt! Duft von Minze draußen im Gässchen; Glanz des Fensters, Klang der Bienen; – Dies, nur dies.
Dreimal sich zum Brot setzen; Einmal die Treppe zum Bett hinaufsteigen; Den Tisch decken, immer und immer wieder; Kräuter trocknen für den Wintervorrat; Dies Ding; jenes Ding; – nichts weiter.
Doch gerade jetzt draußen im Gässchen, Oh, der Duft von Minze war deutlich!
Lizette Woodworth Reese [1856-1935]
ERINNERUNGEN
Von meinen alten Lieben, von ihren alten Wegen, Sitze ich und denke nach, in diesen bitteren Tagen.
(Ich habe geküsst – entgegen Vernunft und Reim – Mehr als einen Mund in meiner tollen Zeit!)
Von ihren sanften Wegen und Worten träume ich, Doch fern nun, bei Gott, scheinen sie.
Mit besseren Leben, mit besseren Männern, Haben sie alle schon längst wieder angefangen!
Für mich und das Meine sind sie vergangen und vorbei – Ja, alle außer einer – ja, alle außer einer!
Seit ich sie unter dem Tullagh Hill küsste, Bleibt dieses eine Mädchen fest bei mir.
Och! Zu meinen erhebt sich noch ihr Gesicht, Und um uns treibt noch immer der weiße Mai;
Und ihr weicher Arm, auf irgendeine alte Weise, Ist hier bei mir, Nacht und Tag;
Doch, bei Gott, es war sie, die sie tief begruben, Mit all der Liebe, die sie nicht behalten konnte,
Ja, tief und kalt, in Killinkere, Seit vielen Jahren – seit vielen Jahren!
Arthur Stringer [1874-
AN DIANE
Die rötlichen Mohnblumen beugen und neigen sich, Diane! Erinnerst du dich? Die Sonne, die du kanntest, scheint nun stolz, Der See lauscht noch immer dem Gelübde der Brisen, Deine Türme sind schöner durch ihre Flecken, Jeder Stein, den du anlächeltest, bleibt bestehen. Sing leise – wo ist Diane? Diane! Erinnerst du dich?
Ich komme, um dich durch die Jahre zu finden, Diane! Erinnerst du dich? Denn niemand darf die sanften Ängste meiner Liebe beherrschen. Die Damen von heute sind nicht deinesgleichen, Ich suche dich durch deine angelaufenen Hallen, Blasse Trauer fällt auf meinen Geist, Hoch, tief – wo ist Diane? Diane! Erinnerst du dich?
Ich zerdrücke die Mohnblumen, wo ich trete, Diane! Erinnerst du dich? Deine Lebensblume, so hell, so rot – Sie hört nicht – Diane ist tot. Ich schreite einsam durch die sonnigen Lauben, Wo nichts von ihr bleibt als Stein. Sing leise – wo ist Diane? Diane erinnert sich nicht.
Helen Hay Whitney [18 -
„MUSIK, DIE ICH HÖRTE“
Musik, die ich mit dir hörte, war mehr als Musik, Und Brot, das ich mit dir brach, war mehr als Brot. Jetzt, da ich ohne dich bin, ist alles öde, Alles, was einst so schön war, ist tot.
Deine Hände berührten einst diesen Tisch und dieses Silber, Und ich habe deine Finger dieses Glas halten sehen. Diese Dinge erinnern sich nicht an dich, Geliebte: Und doch wird deine Berührung auf ihnen nicht vergehen.
Denn es war in meinem Herzen, dass du dich unter ihnen bewegtest, Und sie mit deinen Händen und mit deinen Augen segnetest. Und in meinem Herzen werden sie sich immer erinnern: Sie kannten dich einst, o Schöne und Weise!
Conrad Aiken [1889-
IHR WOHNORT
Mitten unter den schönsten Dingen, die wachsen, Hat meine Dame ihren Wohnort; Wo Bäche fließen und zarte Knospen blühen, So scheu und bleich wie ihr Antlitz.
Die wilden, hellen Geschöpfe des Waldes Huschen und springen furchtlos um sie; Um ihre dunkle Einsamkeit zu erleuchten, Kommt das erste Angebot des Aprils.
Die stille Nacht gießt aus ihrer Urne der Ruhe Einen ununterbrochenen Strom hinab; Den ganzen Tag auf der Brust ihrer Mutter Liegt meine Dame in einem Traum.
Die Liebe konnte ihr niedriges, weiches Bett Mit keinem traurigen Gedenkstein kühlen; Er legte eine rote Rose an ihr Haupt – Eine Flamme, so duftend wie seine eigene.
Ada Foster Murray [1857-1936]
DIE FRAU AUS DEM FEENREICH
Ihr Reden war nur von Dingen des Waldes, Von kleinen Leben, die vergehen An einem grünen Nachmittag, Tief im verwunschenen Gras;
Denn sie war aus dem Feenreich gekommen, Am Morgen eines Tages, Als die Welt, die noch April war, Sich in den Mai verwandelte.
Grüne Blätter und Stille und zwei Augen – So schien sie mir, Ein silberner Schatten der Wälder, Flüstern und Geheimnis.
Ich schaute in ihre Waldaugen, Und mein ganzes Herz war ihr, Und dann führte ich sie bei der Hand Heim meine Marmortreppen hinauf;
Und all mein Granit und mein Gold War ihr für ihre grünen Augen, Und all mein sündiges Herz war ihr Vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang;
Ich gab ihr alles Vergnügen und alle Leichtigkeit, Die Gott mir gegeben hatte, Ich lauschte, um ihre Träume zu erfüllen, Entzückt von Erwartung.
Doch alles, was ich gab, und alles, was ich tat, Brachte nur ein müdes Lächeln Der Dankbarkeit auf ihr Gesicht; Als ob sie eine kleine Weile
In der Pracht von Marmor und Gold Verweilte und darauf wartete, wieder daheim zu sein, Wenn die stumpfsinnige Geschichte erzählt war.
Manchmal, in den kalten Galerien, Ungesehen, wie sie glaubte, ungehört, Fand ich sie tanzend wie ein Blatt Und singend wie ein Vogel.
So ein einsames Ding habe ich nie gesehen Auf einsamer Erde oder am Himmel, So ein fröhliches und so ein trauriges Ding, Ein trauriges, ein lachendes Auge.
Es kam ein Tag, als auf ihrem Herzen Eine Wildwaldblüte lag, Und die Welt, die noch April war, Sich in den Mai verwandelte.
In den grünen Augen sah ich ein Lächeln, Das mein Herz zu Stein verwandelte: Meine Frau, die aus dem Feenreich kam, War nicht länger allein.
Denn es war eine kleine Hand gekommen, Um den grünen Weg nach Hause zu zeigen, Heim durch die Blätter, heim durch den Tau, Heim durch den grünen Wald – heim.
Richard Le Gallienne [1866-
IM HERBST DES JAHRES
Ich ging zurück durch ein altes Gässchen Im Herbst des Jahres, Es gab Wind und bitteren Regen Und die Blätter waren welk.
Einst zwitscherten die Vögel hoch In einem fernen Mai – Ich erinnere mich, du und ich, Wir waren so froh wie sie.
Doch die Zweige sind nun kahl Und der Junge, den du kanntest, Wurde vor langer Zeit dort begraben – Vor langer Zeit, mit dir!
Thomas S. Jones, Jr. [1882-1932]
DIE UNSICHTBARE BRAUT
Die Mädchen mit den leisen Stimmen, die gehen In den Gärten des Herrn, Wie Blumen des Feldes wachsen sie In schwesterlicher Eintracht.
Ihre flüsternden Füße sind weiß Entlang der belaubten Wege; Sie gehen in Lichtwirbeln, Zu schön für alles Lob.
Und in ihrer Schar ist wahrlich Eine, die mich befreit – Diejenige, die meine Jugend berührte – Diejenige, die Gott mir gab.
Sie entfacht das Verlangen, Wodurch die Götter überdauern – Das weiße ideale Feuer, Das meine Seele am Leben erhält.
Nun in der wundersamen Stunde Verlässt sie ihren höchsten Stern, Und kommt in der stillen Macht der Nacht, Um mich mit einem Traum zu berühren.
Sibylle des Geheimnisses Auf Straßen jenseits unseres Wissens, Leise kommt sie zu mir, Und geht wieder zu Gott.
Edwin Markham [1852-
REGEN AUF EINEM GRAB
Wolken speien auf sie Ihre Wasser in Strömen In rücksichtslosem Hochmut – Auf sie, die erst kürzlich Vor Schmerz gezittert hatte, Als ob bei der Berührung mit Schande, Wenn er auf sie gefallen wäre, So kalt, so gerade, Solche Regenspfeile.
Sie, die, um ihren zarten Kopf Zu schützen, Ihre zögernden Schritte Eiliger und eiliger gemacht hätte, Wenn Tropfen zufällig auf sie niedergingen, Die die Sommerzeit verschüttet In staubgepflasterten Rinnen, Wenn Donnerwolken sich verdichten Und Vögel ihre Schnäbel schließen.
Wäre ich doch dort gebettet Und sie hier untergebracht! Oder besser, zusammen Wären wir dort gefaltet, Ausgesetzt demselben Wetter, Wir beide – die wir dort wandern würden, Wenn der Tag dort sonnig war, Oder der Abend klar In der Blütezeit des Jahres.
Bald werden grüne Halme Aus ihrem Hügel wachsen, Und Gänseblümchen werden erscheinen Wie Sterne auf dem Boden, Bis sie Teil von ihnen wird – Ja – das süße Herz von ihnen, Geliebt über alle Maßen Mit der Freude eines Kindes Ihr ganzes Leben lang.
Thomas Hardy [1840-1928]
MUSTER
Ich gehe die Gartenpfade entlang, Und alle Narzissen Blühen, und die hellblauen Blausterne. Ich gehe die gemusterten Gartenpfade entlang In meinem steifen, brokatenen Gewand. Mit meinem gepuderten Haar und dem juwelenbesetzten Fächer Bin auch ich ein seltenes Muster. Während ich die Gartenpfade entlangwandere.
Mein Kleid ist reich gemustert, Und die Schleppe Hinterlässt einen rosa und silbernen Fleck Auf dem Kies und dem Polsterphlox Der Rabatten. Nur ein Abbild der aktuellen Mode, Die in hochhackigen, bebandeten Schuhen einhertrippelt. Nirgends eine Weichheit an mir, Nur Fischbein und Brokat. Und ich sinke auf einen Sitz im Schatten Eines Lindenbaums. Denn meine Leidenschaft Kämpft gegen den steifen Brokat. Die Narzissen und Blausterne Flattern im Wind, Wie es ihnen gefällt. Und ich weine; Denn der Lindenbaum steht in Blüte Und eine kleine Blume ist auf meinen Busen gefallen.
Und das Plätschern von Wassertropfen Im Marmorbrunnen Kommt die Gartenpfade herauf. Das Tröpfeln hört niemals auf. Unter meinem versteiften Gewand Ist die Weichheit einer Frau, die in einem Marmorbecken badet, Einem Becken inmitten von Hecken, die so Dicht gewachsen sind, dass sie ihren Liebhaber nicht sehen kann, der sich versteckt. Aber sie ahnt, dass er in der Nähe ist, Und das Gleiten des Wassers Scheint das Streicheln einer lieben Hand auf ihr zu sein. Was ist der Sommer in einem feinen Brokatgewand! Ich würde es gerne als Haufen auf dem Boden liegen sehen. Alles Rosa und Silber zerknittert auf dem Boden.
Ich wäre das Rosa und Silber, wenn ich die Pfade entlangliefe, Und er würde hinterherstolpern, Verwirrt von meinem Lachen. Ich würde die Sonne vom Griff seines Schwertes und den Schnallen an seinen Schuhen blitzen sehen. Ich würde wählen, Ihn in einem Labyrinth die gemusterten Pfade entlangzuführen, Ein helles und lachendes Labyrinth für meinen schwerstiefeligen Liebhaber, Bis er mich im Schatten fing, Und die Knöpfe seiner Weste meinen Körper drückten, als er mich umklammerte, Schmerzend, schmelzend, unerschrocken. Mit den Schatten der Blätter und den Sonnenstrahlen, Und dem Plumpsen der Wassertropfen, Überall um uns herum am offenen Nachmittag – Ich bin sehr nah daran, in Ohnmacht zu fallen Unter der Schwere dieses Brokats, Denn die Sonne sickert durch den Schatten.
Unter der gefallenen Blüte An meinem Busen Ist ein Brief, den ich versteckt habe. Er wurde mir heute Morgen von einem Reiter des Herzogs gebracht. „Madam, wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Lord Hartwell Am Donnerstag vor acht Tagen im Einsatz gefallen ist.“ Als ich es im weißen Morgenlicht las, Wanden sich die Buchstaben wie Schlangen. „Eine Antwort, Madam?“, sagte mein Diener. „Nein“, sagte ich ihm. „Sorge dafür, dass der Bote eine Erfrischung bekommt. Nein, keine Antwort.“ Und ich ging in den Garten, Auf und ab die gemusterten Pfade, In meinem steifen, korrekten Brokat. Die blauen und gelben Blumen standen stolz in der Sonne, Jede einzelne. Ich stand auch aufrecht, Gehalten starr im Muster Durch die Steifheit meines Gewandes. Auf und ab ging ich, Auf und ab.
In einem Monat wäre er mein Ehemann gewesen. In einem Monat, hier, unter dieser Linde, Hätten wir das Muster durchbrochen; Er für mich, und ich für ihn, Er als Colonel, ich als Lady, Auf diesem schattigen Sitz. Er hatte eine Laune, Dass Sonnenlicht Segen brächte. Und ich antwortete: „Es soll so sein, wie du gesagt hast.“ Nun ist er tot.
Im Sommer und im Winter werde ich wandeln Auf und ab Die gemusterten Gartenpfade In meinem steifen, brokatenen Gewand. Die Blausterne und Narzissen Werden Rosen an Säulen weichen, und Astern und dem Schnee. Ich werde gehen Auf und ab, In meinem Gewand. Prächtig geschmückt, Mit Fischbeinstäben und Schnürung. Und die Weichheit meines Körpers wird vor Umarmung bewahrt Durch jeden Knopf, Haken und jede Spitze. Denn der Mann, der mich lösen sollte, ist tot, Er kämpft für den Herzog in Flandern, In einem Muster, das man Krieg nennt. Christ! Wozu sind Muster da?
Amy Lowell [1874-1925]
STAUB
Wenn die weiße Flamme in uns erloschen ist, Und wir, die wir des Weltvergnügens verlustig gingen, In der Dunkelheit erstarren, allein gelassen, Um in unserer eigenen Nacht zu zerbröseln;
Wenn dein flüchtiges Haar im Tode still ist, Und durch die Lippen der Verwesung Stoß Das Mühen meines Atems gestillt hat – Wenn wir Staub sind, wenn wir Staub sind! –
Nicht tot, noch ohne Verlangen, Noch fühlend, noch unbefriedigt, Werden wir die Luft reiten, und leuchten, und huschen, Um die Orte, an denen wir starben,
Und tanzen als Staub vor der Sonne, Und leichtfüßig, und ungezwungen, Eilen von Straße zu Straße, und laufen Um die Besorgungen des Windes.
Und jedes Stäubchen, auf Erde oder in der Luft, Wird eilen und glänzen, in späteren Tagen, Und wie ein geheimer Pilger wandern Auf eifrigen und unsichtbaren Wegen,
Noch jemals ruhen, noch jemals liegen, Bis, jenseits des Denkens, außer Sicht, Ein Stäubchen von all dem Staub, der ich bin, Ein Atom trifft, das du warst.
Dann in irgendeinem Garten, vom Wind verschwiegen, Warm im Nachglühen eines Sonnenuntergangs, Werden die Liebenden in den Blumen finden, Dass eine süße und seltsame Unruhe wächst
Über dem Frieden; und, über alles Begehren hinaus, Eine so hohe Schönheit in der Luft, Und ein solches Licht, und ein solches Chorsingen, Und eine solche strahlende Ekstase dort,
Sie werden nicht wissen, ob es Feuer ist, oder Tau, Oder aus der Erde, oder in der Höhe, Singen, oder Flamme, oder Duft, oder Farbe, Oder zwei, die vorübergehen, in Licht, zu Licht,
Aus dem Garten, höher, höher . . . Doch in jenem Augenblick werden sie lernen Die erschütternde Ekstase unseres Feuers, Und die schwachen, leidenschaftslosen Herzen werden brennen
Und in jenem erstaunlichen Glanz vergehen, Bis die Dunkelheit sich darüber schließt; Und sie werden wissen – arme Narren, sie werden wissen! – Einen Moment lang, was es heißt zu lieben.
Rupert Brooke [1887-1915]
Die Rosen in meinem Garten Waren weiß im Mittagssonnenlicht, Doch sie waren purpurrot gefärbt, Bevor der Tag zu Ende nicht.
Ganz gehüllt in goldene Rüstung, Um gegen Saladin zu zieh’n, Ließ er mich in meinem Garten, Zu weinen, zu singen, zu spinnen.
Als die tauige Dämmerung sank, Hörte ich das Pförtchen knarren, Da kam ein Geist, der zitternd stand An meinem Gartengatter.
Ganz gehüllt in goldene Rüstung, Doch besprengt mit rotem Tau; Er hob sein Visier nicht empor, Und doch sein Antlitz ich genau.
Und als er meinen Garten verließ, Waren alle Rosen rot Und in frischen Purpur gefärbt; Nur mein Herz war tot.
Die Rosen in meinem Garten Waren weiß im Mittagssonnenlicht; Doch sie waren purpurrot gefärbt, Bevor der Tag zu Ende nicht.
Die kleine Rose ist Staub, mein Lieb; Der Elfenwind ist fort, Der ein Lied aus silbernen Worten sang Und kühlte unser Herz im Morgenort.
Und was bleibt noch zu hoffen, mein Lieb, Oder was bleibt noch zu sagen? Die Rose, der kleine Wind und du Sind so weit fortgetragen.
Niemals die Nachtigall, O mein Lieb, Niemals wieder die Lerche Wirst du hören; Obgleich Dämmerung und Morgen noch An dein Fensterbrett klopfen, Obgleich immer Liebe ruft und ruft, Wirst du gar nicht hören, Mein Lieb, mein Lieb.
Das kleine rote Band, der Ring und die Rose! Der Sommer kommt, und der Sommer geht – Und keine Blüte im ganzen Land So weiß wie der Glanz ihrer winkenden Hand!
Die langen Wintermonate und der Blendglanz der Schneefelder; Das kleine rote Band, der Ring und die Rose! Und kein Schimmer der Sonne am Himmelszelt So hell wie das Licht ihrer herrlichen Welt!
Nur Träume sind wahr: doch sie schwinden und gehen – Denn ihr Antlitz ist nicht hier, wenn ich erwache im Morgenwehen; Das kleine rote Band, der Ring und die Rose Nur mein; ihr nur der Traum und die Ruhelose.
Ich bin des Wartens müde und der Tränen müde, Und mein Herz ermüdet auch, all diese trostlosen Jahre, Klagend über das eine Lied, das es allein kennt, – Das kleine rote Band, der Ring und die Rose!
Die Stunden, die ich bei dir verbrachte, liebes Herz, Sind wie eine Perlenschnur für mich; Ich zähle sie durch, jede einzelne für sich, Mein Rosenkranz.
Jede Stunde eine Perle, jede Perle ein Gebet, Um ein Herz in der Abwesenheit Qual zu stillen; Ich sage jede Perle bis zum Ende und dort Ist ein Kreuz aufgehängt.
O Erinnerungen, die segnen – und brennen! O unfruchtbarer Gewinn – und bitterer Verlust! Ich küsse jede Perle und versuche zuletzt zu lernen, Das Kreuz zu küssen, Schatz, Das Kreuz zu küssen.
Mein wahrer Liebster hat mein Herz, und ich habe sein, Durch gerechten Tausch eines für das andere gegeben: Ich halte seines wert, und mein, das er nicht missen kann; Es wurde nie ein besserer Handel betrieben; Sein Herz in mir hält ihn und mich in eins, Mein Herz in ihm seine Gedanken und Sinne lenkt: Er liebt mein Herz, denn einst war es sein eigen, Ich hege seines, weil es in mir verweilt.
Sein Herz seine Wunde empfing von meinem Blick; Mein Herz wurde verwundet von seinem verwundeten Herzen; Denn wie von mir, auf ihn sein Schmerz sich legte, So immer meinte ich, in mir sein Herz Schmerz hegte: Beide gleich verletzt, in diesem Wandel suchten wir unser Glück, Mein wahrer Liebster hat mein Herz, und ich habe sein.
O süßes Entzücken, o mehr als menschliche Wonne, Mit ihr zu leben, die immer liebend ist! Sie sprechen zu hören, deren Worte so wohlplatziert sind, Dass sie durch sie, wie sie in ihr geziert sind: Jene Blicke zu schauen, die des Betrachters Auge laben, Wie gesegnet ist der, der so leben und sterben mag!
Solche Liebe, wie diese, die Goldene Zeit kannte, Als alle ernteten, doch keiner sich sorgte zu säen; Solche Liebe, wie diese, einen endlosen Sommer macht, Und alles Missfallen aus schwacher Zuneigung nimmt. So geliebt, so gesegnet, in meiner Geliebten bin ich: Was, bis ihre Augen schmerzen, eiserne Männer beneiden mögen!
Ich frage mich, bei meinem Treu, was du und ich Taten, bis wir liebten? waren wir nicht entwöhnt bis dahin? Sondern saugten an ländlichen Freuden, kindisch? Oder schnarchten wir in der Siebenschläfer Höhle? So war’s; doch dies, alle Freuden sind Einbildungen; Wenn ich jemals irgendeine Schönheit sah, Die ich begehrte und bekam, war es nur ein Traum von dir.
Und nun guten Morgen unseren erwachenden Seelen, Die einander nicht aus Furcht bewachen; Denn Liebe alle Liebe anderer Anblicke kontrolliert, Und einen kleinen Raum zu einem Überall macht. Lass Meeresentdecker zu neuen Welten gegangen sein; Lass Karten anderen, Welten auf Welten gezeigt haben, Lass uns eine Welt besitzen; jeder hat eine, und ist eine.
Mein Antlitz in deinem Auge, deines in meinem erscheint, Und wahrhaft schlichte Herzen in den Gesichtern ruhen; Wo können wir zwei passendere Hemisphären finden Ohne scharfen Norden, ohne abnehmenden Westen? Was auch immer stirbt, war nicht gleich gemischt; Wenn unsere zwei Lieben eins sind, oder du und ich Lieben genau gleich in allem, keine dieser Lieben kann sterben.
Es gibt Gold in der Brust der blassen Primel, Und Silber in jeder Blüte; Es gibt Reichtum die Fülle in der Brise des Tals, Und Gesundheit im Busen des wilden Waldes. Dann komm, meine Liebe, zur Stunde der Freude, Wenn trillernde Vögel über uns singen; Süße Natur für uns hat keinen Zusatz, Und die Welt liegt ganz vor uns.
Der Höfling freut sich an Hast und Macht, Der Soldat an springenden Schlachtrossen, Der Geizhals an Haufen von geschätztem Erz, Die Stolzen an ihrem umgebenden Prunk: Aber wir haben jenen Himmel so schön und blau, Und Lerchen, die über uns gleiten; Die Brisen der Gesundheit und die Täler des Taus – Oh, die Welt liegt ganz vor uns!
Ihre Arme über ihre Brust legte sie; Sie war schöner, als Worte sagen können: Barfüßig kam das Bettelmädchen Vor den König Cophetua. In Gewand und Krone schritt der König herab, Um sie zu treffen und zu begrüßen auf ihrem Weg; „Es ist kein Wunder“, sagten die Lords, „Sie ist schöner als der Tag.“
Wie der Mond an wolkigen Himmeln scheint, War sie in ihrer armen Kleidung zu sehen: Einer pries ihre Knöchel, einer ihre Augen, Einer ihr dunkles Haar und reizvolles Wesen. So ein süßes Gesicht, solch engelhafte Anmut, In all jenem Land war nie gewesen: Cophetua schwor einen königlichen Eid: „Dieses Bettelmädchen soll meine Königin sein!“
Dämmerung, ein scheues Kitz, ging schimmernd vorbei, Und Nacht, der dunkelblaue Jäger, folgte schnell, Rastlose Verfolgung und Flucht waren am Himmelszelt, Doch die lange Jagd war für uns endlich entfällt.
Wir wachten zusammen, während das getriebene Kitz Sich im goldenen Dickicht des Tages verbarg. Wir, deren Herzen Verfolgung und Flucht waren entfällt, Wussten, dass an der Brust des Jägers ihr Zufluchtsort lag.
Umfasse sie und halte sie und liebe sie, Hier im wölbenden Grün Von Zweigen, die sich über ihr biegen Mit Gürteln von Blau dazwischen.
Umfasse sie und halte sie und liebe sie, Schnell! Ehe der Glanz vergeht; Das Blau wird schwarz über ihr, Die Erde liegt im Schatten.
Blumen des Traums umhüllen sie. Sanft! Lass mich über sie beugen, Umfasse sie und liebe sie und halte sie, Umfasse sie und halte und liebe.
Eines Morgens, oh! so früh, meine Geliebte, meine Geliebte, Alle Vögel sangen fröhlich, als ob sie niemals aufhörten; Es war eine Drossel, die in meinem Garten sang: „Hör die Geschichte, hör die Geschichte!“ Und die Lerche sang: „Gib uns Herrlichkeit!“ Und die Taube sagte: „Gib uns Frieden!“
Dann horchte ich, oh! so früh, meine Geliebte, meine Geliebte, Auf jenes Murmeln aus dem Wald von der Taube, mein Liebes, der Taube; Als die Nachtigall hinterherkam: „Gib uns Ruhm, um die Pflicht zu versüßen!“ Als der Zaunkönig sang: „Gib uns Schönheit!“ Sie gab Antwort: „Gib uns Liebe!“
Süß ist der Frühling, und süß ist der Morgen, meine Geliebte, meine Geliebte; Nun für uns wartet der Frühling, wartet der Morgen auf des Jahres Zunahme, Und mein Gebet steigt auf: „Oh, gib uns, gekrönt in Jugend mit Eheglanz, Gib für unseres Lebens teure Geschichte, Gib uns Liebe und gib uns Frieden!“
Die Geigen spielten und spielten, Die Paare waren draußen auf dem Boden; Aus Unterhaltung und Tanz zog er mich, Und durch die Tür hindurch.
Ach! Seltsam waren die dämmrigen, weiten Wiesen, Und seltsam war der wolkenübersäte Himmel, Und seltsam auf den Wiesen die Wachtelkönige, Und sie, die ihr Geschrei machten!
Die Hagedornblüte war bei uns, Um uns der Hauch des Südens. Weißer Hagedorn, seltsam in der Nachtzeit – Sein Kuss auf meinem Mund!
Wenn du jene May Margaret bist, Die auf Kendal Green lebte, Dann wo ist jenes sonnige Haar von dir, Das dich krönte wie eine Königin? Das sonnige Haar ist matt, Junge, Von dem sie sagten, es sei wie eine Krone – Das Rotsilber wurde zu Grau, Junge, Die Nacht, in der ein Schiff unterging.
Wenn du noch May Margaret bist, May Margaret jetzt wie damals, Dann wo ist jenes hübsche Lächeln von dir, Das die Herzen der Männer brach? Das hübsche Lächeln ist bleich, Junge, Das einst froh war wie der Tag – Und oh! es ist ein müdes Lächeln, Um die Tränen fernzuhalten.
Wenn du jene May Margaret bist, Wie du mir noch schwörst, Dann wo ist jenes stolze, kalte Herz von dir, Das deinen Liebsten zur See sandte? Ach, ich! das Herz ist gebrochen, Das stolze, kalte Herz hat geblutet Für ein leichtes, ausgesprochenes Wort, Für all die Liebe, die ungesagt blieb.
Dann Margaret, meine Margaret, Wenn alles, was du sagst, wahr ist, Ist dein Haar noch das sonnigste Gold, Deine Augen das süßeste Blau. Und teurer noch und schöner noch Für all die kommenden Jahre – Schöner für das Warten, Teurer für die Tränen!
Ihr Haar küssend, saß ich an ihren Füßen, Wob und entwob es, wand und fand es süß; Machte fest damit ihre Hände, zog ihre Augen herab, Tief wie tiefe Blumen und verträumt wie trübe Himmel; Mit ihren eigenen Locken gebunden und fand sie schön, Ihr Haar küssend.
Schlaf wäre nicht süßer als ihr Gesicht für mich, Schlaf von kalter Meeresblüte unter dem kalten Meer; Welcher Schmerz könnte zwischen mein Gesicht und ihres gelangen? Was für eine neue süße Sache würde Liebe nicht schlechter genießen? Es sei denn, vielleicht, der weiße Tod hätte mich dort geküsst, Ihr Haar küssend.
Wir reisten durch breite Waldwege, Meine Liebe und ich. Die Ahorne setzten die leuchtenden Felder in Brand. Der blaue Maienhimmel Brachte uns seine große Frühlingsüberraschung; Während wir alles durch die Augen des anderen sahen.
Und manchmal von einem steilen Hügelhang Schien schön und hell Der Hartriegel, wie eine junge Juni-Braut, Frisch gekleidet in Weiß. Manchmal kamen frohe Einblicke auf das blaue Meer; Aber ich lächelte nur auf meine Liebe; er lächelte auf mich.
Die Veilchen machten ein Feld zu einer Masse von Blau – Sogar blauer als der Himmel; Der kleine Bach nahm auch diese Farbe an, Und sang fröhlicher. „Dein Kleid ist blau“, sagte er lachend. „Deine Augen“, Sang mein Herz, „süßer als die sich neigenden Himmel.“
Wir sprachen von Dichtern, die so lange verstorben sind, Und ihren weisen Worten; Wir blickten auf Apfelbäume, wie verwehtem Schnee; Wir beobachteten die nistenden Vögel, – Nur einen Augenblick! Ach, wie kurz der Tag! Doch all die Winter können seine Süße nicht ganz wegblasen.
Ich wanderte am Bachufer entlang, Ich wanderte an der Mühle entlang; Ich konnte den Bach nicht fließen hören – Das lärmende Rad stand still; Es gab kein Summen einer Heuschrecke, Kein Zwitschern irgendeines Vogels, Aber das Schlagen meines eigenen Herzens War das einzige Geräusch, das ich hörte.
Ich saß unter der Ulme; Ich beobachtete den langen, langen Schatten, Und während er noch länger wurde, Fühlte ich mich nicht ängstlich; Denn ich lauschte auf einen Fußtritt, Ich lauschte auf ein Wort, – Aber das Schlagen meines eigenen Herzens War das einzige Geräusch, das ich hörte.
Er kam nicht, – nein, er kam nicht, – Die Nacht kam allein herein, – Die kleinen Sterne saßen, einer nach dem anderen, Jeder auf seinem goldenen Thron; Der Abendwind strich an meiner Wange vorbei, Die Blätter über mir wurden bewegt, – Aber das Schlagen meines eigenen Herzens War das einzige Geräusch, das ich hörte.
Schnelle, stumme Tränen flossen, Als etwas hinter mir stand; Eine Hand lag auf meiner Schulter, – Ich kannte ihre Berührung, sie war freundlich: Sie zog mich näher, – näher, – Wir sprachen kein Wort, Denn das Schlagen unserer eigenen Herzen War das einzige Geräusch, das wir hörten.
Für mich entfalten sich die Jasmin-Knospen Und silberne Gänseblümchen sternen das Grasland, Der Krokus hortet das Gold des Sonnenuntergangs, Und die wilde Rose atmet für mich. Ich fühle den Saft durch den Zweig zurückkehren, Ich teile des Lerchen feine Entzückung, Ich kenne das eigensinnige Sehnen des Brunnens; Ich liebe, und die Welt ist mein!
Ich liebe, und Gedanken, die einst grämten, Noch wohl in Erinnerung, grämen mich nicht; Von allem, was verdunkelte und täuschte, Schwingt sich mein Geist frei empor. Denn sanft wiederholen die Stunden eine Geschichte, Singt das Meer einen göttlichen Klang, Meine Wolken steigen alle in Herrlichkeit errötet; Ich liebe, und die Welt ist mein!
Durch den bloßen Zufall, in der Dämmerung Dunkelheit, Auf dem Obstgartenpfad traf er mich; Im hohen, nassen Gras, mit seinem schwachen Parfüm, Und ich versuchte vorbeizugehen, aber er machte keinen Platz, Oh, ich versuchte es, aber er wollte mich nicht lassen. Also stand ich und errötete, bis das Gras rot wurde, Mit meinem Gesicht darüber gebeugt, Während er meine Hand nahm, als er flüsternd sagte – (Wie der Klee jedes rosige, süße Köpfchen hob, Um all dem zuzuhören, was mein Liebster sagte; Oh, der Klee in Blüte, ich liebe ihn!)
Im hohen, nassen Gras versteckte sich der Pfad, Und die niedrigen, nassen Blätter hingen darüber; Aber ich konnte auf keiner Seite vorbeigehen, Denn ich fand mich, als ich es vergeblich versuchte, In den Armen meines standhaften Liebsten. Und er hielt mich dort und hob mein Haupt, Während er den Pfad vor mir verschloss, Und er schaute in meine Augen und sagte – (Wie die Blätter sich von den Zweigen über mir herabneigten, Um all dem zuzuhören, was mein Liebster sagte, Oh, die Blätter, die niedrig über mir hingen!)
Wäre er nur ein kleines Stück beiseite gegangen, Hätte ich sicher an ihm vorbeigehen können; Und er wusste, dass ich niemals wünschen konnte zu bleiben, Und hätte nicht gehört, was er zu sagen hatte, Hätte ich ihn nur beiseite schieben können. Es war fast dunkel, und die Momente vergingen, Und der suchende Nachtwind fand uns, Aber er zog mich näher und sagte leise – (Wie der reine, süße Wind stattdessen still wurde, Um all dem zuzuhören, was mein Liebster sagte; Oh, der flüsternde Wind um uns herum!)
Ich bin sicher, er wusste, als er mich fest hielt, Dass ich ganz widerwillig sein musste; Denn ich versuchte zu gehen, und ich wäre vorbeigegangen, Als die Nacht mit ihrem Tau endlich gekommen war, Und der Himmel mit seinen Sternen sich füllte. Aber er umschlang mich fest, als ich geflohen wäre, Und er ließ mich seine Geschichte hören, Und seine Seele kam aus seinen Lippen und sagte – (Wie die Sterne herauskrochen, wo der weiße Mond führte, Um all dem zuzuhören, was mein Liebster sagte; Oh, der Mond und die Sterne in Herrlichkeit!)
Ich weiß, dass das Gras und die Blätter nicht erzählen werden, Und ich bin sicher, dass der Wind, dieser kostbare Herumtreiber, Mein Geheimnis so sicher und gut tragen wird, Dass kein Wesen jemals entdecken wird Ein Wort von den vielen, die schnell fielen Von den seelensprechenden Lippen meines Liebsten; Und der Mond und die Sterne, die herabschauten, Werden niemals enthüllen, welch märchenhaften Zauber Sie um uns webten in jener Nacht im Tal, Auf dem Pfad durch den taugeladenen Klee, Noch das Flüstern wiederholen, das mein Herz anschwellen ließ, Als sie von den Lippen meines Liebsten fielen.
Oh! verliere den Winter aus deinem Herzen, die Dunkelheit aus deinen Augen, Und vom niedrigen Sessel der Träume, mein Maien-Lieb, erhebe dich; Und lass die Mädchen dich kleiden wie einen weißen Fliederbaum, Oh! hör den Ruf des Frühlings, schöne Seele, – und willst du mit mir kommen?
Ebenso, und ebenso! Wohin du gehst, werde ich gehen. Ich werde dir folgen.
Dann wirst du die Orangenbäume sehen, die sternblühend über Spanien stehen, Oder gewölbte und aufgeschüttete Kaiserstädte, die mitten im Almain verwesen, Oder durch die Zypressengärten gehen des magischen Italien? Oh Ost oder West oder Süd oder Nord, sag, willst du mit mir kommen?
Ebenso, oder ebenso! Wohin du gehst, werde ich gehen. Ich werde dir folgen.
Aber willst du weiter mit mir kommen durch Hagedorn rot und weiß, Bis wir die Mauer finden, die das Land des Herzensglücks verbirgt? Die Tore, alle mit altem Zeug geschnitzt, sind seltsam und schrecklich anzusehen: Aber ich werde dich hindurchheben, schöne Seele. Erhebe dich und komm mit mir!
Ebenso, Lieb, ebenso! Wohin du gehst, werde ich gehen! Siehe, ich folge dir.
Flamme im Kern der Welt, Und Flamme im roten Rosenbaum; Die eine ist das Feuer der uralten Sphären, Die andere sind Junimonate, die sein werden; Und, oh, es gibt eine Flamme, die beider Flammen ist, Hier im Herzen von mir!
So stark wie die Feuer der Sterne, Wie der prophetische Rosenbaum wahr, Das Feuer meines Lebens ist zärtlich und wild, Seine Schönheit ist alt und neu; Denn aus der unendlichen Vergangenheit kam es Mit der Liebe in den Augen von dir!
Die Nacht ging den Himmel hinunter Mit dem Mond in ihrer Hand; Beim Licht jener gelben Laterne Sah ich dich stehen.
Das Haar, das deine Schultern fegte, War auch gelb, Deine Füße, als sie die Gräser berührten, Beschämten den Tau.
Die Nacht trug all ihre Juwelen, Und du trugst keine, Aber dein Kleid hatte den Geruch von Lilien, Drencht mit Sonne.
Und niemals war Eva aus dem Garten Oder Maria die Maid Reiner als du, als du dort standest, Kühn, doch verängstigt.
Und die schlafenden Vögel erwachten, zitternd, Und die gefalteten Blumen waren gewahr, Und meine Sinne waren schwach vom duftenden Gold deines Haares.
Und unsere Lippen fanden Wege zu sprechen, Was Worte nicht sagen können, Bis hundert Nester Musik gaben, Und der Osten war grau.
Helenas Lippen sind treibender Staub; Ilion ist verzehrt von Rost; Alle Galeonen Griechenlands Trinken des Ozeans traumlosen Frieden; Verloren war Salomos purpurne Pracht Vor rastlosen Jahrhunderten; Stattliche Reiche wachsen und schwinden – Babylon, Barbarei und Spanien; – Nur eine Sache, unbeschädigt, Dauert, obwohl alle Welten verödet liegen Und die Himmel umgestürzt sind. – Lieb, wie lange haben wir gelernt!
Es gibt einen Anblick, der die Sonne blendet, Einen Klang, der lebt, wenn Klänge beendet sind, Musik, die die Vögel zurechtweist, Sprache lieblicher als Worte, Farbton und Duft, die die Rose beschämen, Wein, den kein irdischer Weinberg kennt, Stille stiller als das Ufer, Gefegt von Charons heimlichem Ruder, Ozean göttlicher frei Als des Pazifiks grenzenloses Meer, – Ihr, die ihr liebt, habt es wahr gelernt. – Lieb, wie lange haben wir gewusst!
Liebe in der Brust des Liebenden Brennt wie Hesperos im Westen, Über der Asche der Sonne, Bis Tag und Nacht vollbracht sind; Dann, wenn die Morgenröte ihren Wagen heraufjagt – Siehe! es ist der Morgenstern.
Liebe! deine Liebe ergießt sich auf meine, Wie das Sonnenlicht auf den Weinstock, Wie das Schneebächlein ins Tal, Wie die salzige Brise auf das Segel; Wie das Lied zum Vogel Auf meinen Lippen dein Name gehört wird.
Wie ein Tautropfen auf der Rose In deinem Herzen glüht meine Leidenschaft; Wie eine Lerche zum Himmel, Hinauf in deine Brust fliege ich; Wie eine Muschel des Meeres Werde ich ewig von dir singen.
Wo das ruhig gefärbte Ende des Abends lächelt Meilen um Meilen Auf den einsamen Weiden, wo unsere Schafe Halbschlafend Bimmelnd heimwärts durch die Dämmerung ziehen, schweifen oder halten, Während sie grasen – War einst die Stätte einer Stadt, groß und heiter, (So sagt man) Wo unseres Landes wahre Hauptstadt stand, deren Fürst Vor Zeiten Seinen Hof hielt, Räte versammelte und weithin Frieden oder Krieg gebot.
Nun – das Land rühmt sich nicht einmal eines Baumes, Wie Ihr seht, Um die grünen Hänge zu unterscheiden, gewiss, Bäche Von den Hügeln, Die sie durchschneiden und benennen (sonst verlaufen sie Ineinander), Wo der kupplige und kühne Palast seine Spitzen schoss Wie Feuer Über den hunderttorigen Umkreis einer Mauer, Die alles fasste, Aus Marmor, auf dem Menschen marschieren konnten, ohne bedrängt zu werden, Zu zwölfen in einer Reihe.
Und solch ein Überfluss und eine Vollkommenheit, seht, an Gras Gab es nie! Solch einen Teppich, der, in dieser Sommerzeit, übersät Und einbettet Jede Spur der Stadt, die man nur erahnt, Stock oder Stein – Wo eine Menge von Menschen Freude und Leid atmete Vor langer Zeit; Lust nach Ruhm stach ihre Herzen auf, Furcht vor Schande Machte sie zahm; Und jener Ruhm und jene Schande gleichermaßen, das Gold Kaufte und verkaufte.
Nun – der einzelne kleine Turm, der verbleibt Auf den Ebenen, Von der Kaper überwuchert, vom Kürbis Überrankt, Während das Köpfchen der fleckigen Hauswurz blinzelt Durch die Ritzen – Markiert den Sockel, von dem ein Turm in alter Zeit Erhaben aufstieg, Und ein brennender Ring, ringsum, den die Streitwagen zogen, Als sie rannten, Und der Monarch und seine Günstlinge und seine Damen Die Spiele betrachteten.
Und ich weiß, während so der ruhig gefärbte Abend Lächelt, um zu überlassen Dem Pferch all unser vielbimmelndes Vlies In solchem Frieden, Und die Hänge und Bäche in unterschiedlosem Grau Verschwimmen – Dass ein Mädchen mit eifrigen Augen und gelbem Haar Dort auf mich wartet In dem Turm, aus dem die Wagenlenker Seele schöpften Für das Ziel, Als der König blickte, wohin sie jetzt blickt, atemlos, stumm, Bis ich komme.
Doch er blickte auf die Stadt, nach jeder Seite, Weit und breit, Alle Berge von Tempeln gekrönt, alle Lichtungen Kolonnaden, Alle Dämme, Brücken, Aquädukte – und dann, Alle Menschen! Wenn ich komme, wird sie nicht sprechen, sie wird stehen, Beide Hände Auf meiner Schulter, ihren Augen die erste Umarmung Meines Antlitzes geben, Bevor wir stürmen, bevor wir Sicht und Sprache auslöschen, Einer am anderen.
In einem Jahr sandten sie eine Million Kämpfer aus Süd und Nord, Und sie bauten ihren Göttern eine eherne Säule, hoch Wie der Himmel, Doch behielten tausend Streitwagen in voller Stärke – Gold, natürlich. O Herz! o Blut, das gefriert, Blut, das brennt! Erdenrückkehr Für ganze Jahrhunderte von Torheit, Lärm und Sünde! Schließt sie ein, Mit ihren Triumphen und ihren Herrlichkeiten und dem Rest! Liebe ist das Beste!
LIED DES EARL MERTOUN Aus "The Blot in the 'Scutcheon"
Es gibt eine Frau wie einen Tautropfen, sie ist so reiner als das Reinste; Und ihr edles Herz ist das edelste, ja, und ihr sicherer Glaube der sicherste: Und ihre Augen sind dunkel und feucht, wie die Tiefe um Tiefe von Glanz, Versteckt in der Glockenblume, während ihre Locken, sonniger als die wilden Weintraubenbüschel, In goldgetönter Fülle an ihrem rosenumnebelten Marmorhals hinunterströmen: Dann die Musik ihrer Stimme... nenne es das Sprudeln des Brunnens, das Trillern des Vogels! Und diese Frau sagt: "Meine Tage waren sonnenlos und meine Nächte mondlos, Verdorrt das angenehme Aprilkraut, und des Lerchenherzens Ausbruch tonlos, Wenn du mich nicht liebtest!" Und ich, der ich (ach, für Worte aus Flammen!) sie anbete, Der ich verrückt bin, meinen Geist greifbar vor ihr niederzulegen – Ich darf bald an ihr Portal treten, so wie jetzt ihr Gitter mich nimmt, Und beim Mittag wie bei Mitternacht sie mein machen, wie sie mich zu ihrem macht!
NÄCHTLICHE BEGEGNUNG
Das graue Meer und das lange schwarze Land; Und der gelbe Halbmond, groß und tief; Und die aufgeschreckten kleinen Wellen, die springen In feurigen Ringeln aus ihrem Schlaf, Als ich die Bucht mit drängendem Bug erreiche, Und ihre Schnelligkeit im matschigen Sande lösche.
Dann eine Meile warmen, meerduftenden Strandes; Drei Felder zu durchqueren, bis ein Gehöft erscheint; Ein Klopfen an der Scheibe, das schnelle, scharfe Kratzen Und das blaue Sprühen eines angezündeten Streichholzes, Und eine Stimme, weniger laut, durch ihre Freuden und Ängste, Als die zwei Herzen, die eines dem anderen entgegenschlagen!
ABSCHIED AM MORGEN
Um das Kap kam plötzlich das Meer, Und die Sonne blickte über den Rand des Berges: Und gerade war ein Pfad aus Gold für ihn, Und das Bedürfnis einer Welt von Menschen für mich.
DIE STRASSENBIEGUNG
Weiche, graue Knospen an der Weide, Warme, feuchte Winde von der Bucht, Möwen draußen am sandigen Strand, Und eine Straße, die meine eifrigen Füße erreichen möchten, Die zum Fernen führt.
Staub auf der Blume am Wegesrand, Der lockende Ton der Wiesenlerche Ist nun verstummt, von den Gräsern, benetzt Mit Tau im Morgengrauen, sind die Perlen geglitten – Weit bin ich allein gewandert.
Und dann, beim Erlengestrüpp, Die Biegung der Straße – und du! Ob die Erde weiß liegt in der Mittagshitze, Oder der schnelle Sturm unseren eilenden Füßen folgt, Was kümmert es uns – uns beide!
"MEIN VERGNÜGEN UND DEIN VERGNÜGEN"
Mein Vergnügen und dein Vergnügen, Wandelnd wie zwei weiße Engel In den Gärten der Nacht:
Mein Verlangen und dein Verlangen, Sich verschlingend zu einer Feuerzunge, Springend, lebendig, und lachend höher;
Durch den ewigen Streit Im Geheimnis des Lebens.
Die Liebe, von der die Welt begann, Hat das Geheimnis der Sonne.
Die Liebe kann sagen, und die Liebe allein, Woher die Millionen Sterne verstreut wurden, Warum jedes Atom das Seine kennt, Wie, trotz Leid und Tod, Das Leben fröhlich und der Atem süß ist:
Dies lehrte sie uns, dies wussten wir, Glücklich in ihrer wahren Wissenschaft, Hand in Hand, wie wir standen Unter den Schatten des Waldes, Herz an Herz, wie wir lagen Im Morgengrauen des Tages.
"ACH, SAHST DU DAS MÄDCHEN"
Ach, sahst du das Mädchen mit den schönen blauen Augen? Ihr Lächeln ist das süßeste, das je gesehen wurde: Ihre Wange ist wie die Rose, aber frischer, glaube ich; Sie ist das lieblichste Mädchen, das über das Grün trippelt. Die Heimat meiner Liebe ist unten im Tal, Wo Wildblumen die wandernde Biene willkommen heißen; Doch die süßeste der Blumen, die an diesem Fleck gesehen wird, Ist das Mädchen, das ich liebe, mit den schönen blauen Augen.
Wenn die Nacht ihre Hütte im Tal überschattet, Schleicht sie hinaus, um ihren geliebten Donald wieder zu treffen; Und wenn der Mond auf das so grüne Tal scheint, Werde ich das Mädchen mit den schönen blauen Augen willkommen heißen. Wie die Taube, die von ihrem Nest fortgewandert ist, Zu dem Gefährten zurückkehrt, den ihr Herz am meisten liebt, Fliege ich fort von der falschen und schwindenden Szene der Welt, Zu meiner Teuren, dem Mädchen mit den schönen blauen Augen.
LIEBE AUF SEE Nachgeahmt von Théophile Gautier
Wir sind heute im Land der Liebe; Wohin sollen wir gehen? Liebe, sollen wir aufbrechen oder bleiben, Oder segeln oder rudern? Es gibt viele Winde und Wege, Und niemals einen Mai außer Mai; Wir sind heute in der Hand der Liebe; Wohin sollen wir gehen?
Unser Landwind ist der Hauch Von Sorgen, zu Tode geküsst, Und Freuden, die waren; Unser Ballast ist eine Rose; Unser Weg liegt dort, wo Gott es weiß, Und die Liebe weiß wo. Wir sind heute in der Hand der Liebe –
Unsere Seeleute sind flügge Lieben, Unsere Masten sind Taubenschnäbel, Unsere Decks feines Gold; Unsere Seile sind das Haar toter Mädchen, Unsere Vorräte sind schöne Liebespfeile Und mannigfaltig. Wir sind heute im Land der Liebe –
Wo sollen wir dich an Land bringen, Liebste? Auf Feldern der Füße fremder Männer, Oder Feldern nahe der Heimat? Oder wo die Feuerblumen blühen, Oder wo die Blumen aus Schnee Oder Blumen aus Schaum? Wir sind heute in der Hand der Liebe –
Bring mich an Land, sagt sie, wo die Liebe Nur einen Pfeil zeigt, eine Taube, Ein Herz, eine Hand – Ein Ufer wie jenes, mein Schatz, Liegt dort, wo kein Mensch steuern wird, Kein Mädchenland.
LIED DER MARY BEATON Aus "Chastelard"
Zwischen dem Sonnenuntergang und dem Meer Legte meine Liebe Hände und Lippen auf mich; Aus Süßem wurde Saures, aus Tag wurde Nacht, Aus langem Verlangen wurde kurzes Entzücken: Ach Liebe, und was für ein Ding wurde aus dir Zwischen den Meerdünen und dem Meer?
Zwischen dem Seemerk und dem Meer Wuchs Freude zu Leid, Leid wuchs zu mir; Liebe wurde zu Tränen, und Tränen zu Feuer, Und totes Entzücken zu neuem Verlangen; Liebesgespräch, Liebesberührung schien es zu geben Zwischen dem Seesand und dem Meer.
Zwischen dem Sonnenuntergang und dem Meer Wachte die Liebe eine Stunde der Liebe mit mir; Dann flogen seine Füße über die goldene Wasserstraße Hinter die von gestern; Ich sah sie kommen und sah sie fliehen Zwischen dem Seeschaum und dem Meer.
Zwischen dem Meeresstrand und dem Meer Fiel die Liebe in Schlaf, Schlaf fiel auf mich; Der erste Stern sah zwei eins werden Zwischen dem Mondaufgang und der Sonne; Der nächste, der nicht die Liebe sah, sah mich Zwischen den Seebänken und dem Meer.
VERSPROCHEN
Mein bis zum Kern des Herzens, meine Schöne! Mein, ganz mein, und aus Liebe, nicht aus Pflicht: Liebe, willig gegeben, voll und frei, Liebe um der Liebe willen – wie meine für dich. Pflicht ist eine Sklavin, die die Schlüssel bewahrt, Doch die Liebe, der Meister, geht aus und ein In ihren schönen Kammern mit Gesang und Geschrei, Ganz wie es ihr gefällt – ganz wie es ihr gefällt.
Mein, vom Scheitel des lieben Kopfes, braungolden, Bis zum seidenen Fuß, der kaum zu sehen ist; Gib wenigen Freunden Hand oder Lächeln, Wie eine großzügige Dame, jetzt und dann, Doch das Zufluchtsherz, das niemand zu gewinnen wagt, Bewahre heilig dem Heiligsten immerdar; Die Menge in den Gängen mag die Tür bewachen, Nur der Hohepriester tritt ein.
Mein, mein Eigen, ohne Zweifel oder Schrecken, Mit all deinen Güten, all deinen Fehlern, Mir und mir allein enthüllt, "Ein verschlossener Quell, ein versiegelter Brunnen." Viele mögen dich preisen – preise meine wie deine, Viele mögen dich lieben – ich werde sie auch lieben; Doch dein Herz der Herzen, rein, treu und wahr, Muss mein sein, ganz mein, und nur mein.
Mein! – Gott, ich danke Dir, dass Du gegeben hast Etwas ganz Mein auf dieser Seite des Himmels: Etwas, das so sehr ich selbst sein soll Wie diese meine Seele, die ich zu Dir erhebe: Fleisch von meinem Fleisch, Bein von meinem Bein, Leben von meinem Leben, das Du machst Zwei für die Welt um der Arbeit der Welt willen – Doch eines dem anderen, wie vor Deinem Angesicht.
EINE FRAGE EINER FRAU
Bevor ich mein Schicksal dir anvertraue, Oder meine Hand in deine lege, Bevor ich zulasse, dass deine Zukunft Der meinen Farbe und Form gibt, Bevor ich alles für dich wage, befrage deine Seele heute Nacht für mich.
Ich zerbreche alle leichteren Bande, noch empfinde ich Einen Schatten des Bedauerns: Gibt es ein Glied in der Vergangenheit, Das deinen Geist noch hält? Oder ist dein Glaube so klar und frei wie der, den ich dir versprechen kann?
Scheint in deinen dunkelsten Träumen Eine mögliche Zukunft, In der dein Leben fortan atmen könnte, Unberührt, ungeteilt von meinem? Wenn ja, um welchen Schmerz oder Preis auch immer, o, sag es mir, bevor alles verloren ist.
Blicke noch tiefer. Wenn du fühlen kannst, In deiner innersten Seele, Dass du einen Teil zurückgehalten hast, Während ich alles gesetzt habe, Lass kein falsches Mitleid den Schlag ersparen, sondern sag es mir in wahrer Gnade.
Gibt es in deinem Herzen ein Bedürfnis, Das meiniges nicht erfüllen kann? Eine Saite, die jede andere Hand Besser erwecken oder stillen könnte? Sprich jetzt – damit nicht an einem zukünftigen Tag mein ganzes Leben verdorrt und zerfällt.
Lebt in deinem Wesen verborgen Der Dämonengeist der Veränderung, Der einen flüchtigen Glanz noch wirft Auf alle Dinge, neu und seltsam? Es mag nicht allein deine Schuld sein – doch schirme mein Herz gegen das deine.
Könntest du eines Tages deine Hand zurückziehen Und auf meinen Anspruch antworten, Dass das Schicksal und der Fehler von heute – Nicht du – schuld gewesen seien? Manche beruhigen so ihr Gewissen; doch du wirst mich sicherlich jetzt warnen und retten.
Nein, antworte nicht – ich wage es nicht zu hören, Die Worte kämen zu spät; Doch ich würde dir alle Reue ersparen, Also, tröste dich, mein Schicksal – Was auch immer auf mein Herz fallen mag – erinnere dich, ich würde es alles riskieren!
"BITTE MICH NICHT"
O, bitte mich nicht, ob ich dich liebe: Wahrhaftig, ich wage es nicht zu sagen! Bitte mich nicht, ob ich dich liebe – Frag es dich selbst.
O, sieh mich nicht so schmerzlich an, Denn wohl weißt du, dass ich dir treu bin; O, wenn du mich so schmerzlich ansiehst, Wage ich nicht, dich anzusehen.
Wenn du in jene stolze, stolze Stadt gehst, Und schönere Mädchen siehst, O, schau sie nicht an, Jamie, Damit du nicht etwa mein vergisst.
Denn ich könnte niemals das Mädchen ertragen, Das du mehr lieben würdest als mich; Und o, ich bin sicher, mein Herz würde brechen, Wenn du dich als falsch an mir erweisen würdest!
EIN LIED
Sing mir ein süßes, leises Lied der Nacht, Bevor der Mond aufgegangen ist, Ein Lied, das von der Freude der Sterne erzählt, Entkommen aus dem hellen Gefängnis des Tages, Ein Lied, das mit der Stimme der Grille gurrt, Das mit den schattigen Bäumen schläft, Ein Lied, das mein Herz frohlocken lässt Über seine zarten Geheimnisse!
Und dann, wenn das Lied beendet ist, Liebe, Neige dein Haupt zu mir, Flüstere das Wort, das oben geboren wurde, Bevor der Mond das Meer bewegt hatte; Bevor der älteste Stern zu scheinen begann, Oder die fernste Sonne zu brennen – Das älteste der Worte, o mein Herz, Doch das neueste, und süß zu lernen.
DER GRUND
O, lausche den Pulsen der Nacht, Den Grillen, die im Feld verborgen sind, Die Musik der Freude herausschlagen, Bis der herbeigerufene Morgen halb enthüllt dasteht!
O, beachte über dem bärtigen Korn Und dem grünen Weizen und dem sich beugenden Roggen, Eingestimmt auf die Erde und den Morgen rufend, Die Sterne, die im Himmel vibrieren!
Und wisse, meine gespaltene Seele, Hier auf der Wiese, süß im Sprechen, Diese vollkommene Nacht könnte niemals sein, Wären wir nicht einander zugeordnet.
"MEIN EIGENER CAILIN DONN"
Das Rot ist auf der Blume, und die Blüte ist am Baum, Und die schönen, schönen süßen Vögel singen ihre Freude; Und der Tau auf dem Gras wird durch die Sonne zu Diamanten, Alles, um einen Pfad des Ruhms für meinen eigenen Cailin Donn zu schmücken!
Oh, schön ist sie! Oh, selten ist sie! Oh, teurer noch für mich, Willkommener als das grüne Blatt dem wintergebeugten Baum! Willkommener als die Blüte der müden, staubigen Biene, Ist das Kommen meiner wahren Liebe – mein eigener Cailin Donn!
O Platane! O Platane! wehe, wehe deine grünen Banner! Lass all deine Wimpel flattern, o Buche! vor meiner Königin! Ihr flüchtigen und honigsüßen Winde, ihr lauft, ihre Hand zu küssen; Doch mein Herz ist vor euch zu meinem eigenen Cailin Donn geeilt.
Klingt aus, klingt aus, o Linde, eure fröhlichen, belaubten Glocken! Enthüllt eure brillanten Fackeln, o Kastanie! für die Täler; Streut, streut die Lichtung mit Pracht, denn der Morgen kommt herauf! Oh, der Morgen aller Freude für mich – mein eigener Cailin Donn!
Sie kommt, wo wir uns trennten, wo sie jeden Tag wandert; Da ist eine fröhliche Überraschung vor ihr, die mich weit weg wähnt; Oh, wie Trompeten triumphieren zu hören, wenn der Kampf um die Freiheit gewonnen ist, Ist die Freude um deine Schritte, mein eigener Cailin Donn!
NOCTURNE
Die ganze Erde ein Hauch von Weiß, Weiß mit Mondlicht der ganze Himmel; Wunder einer Winternacht – Und... deine Augen.
Farben, die keine Palette zu beanspruchen wagt, Wo die Beute versunkener Schiffe Zum Licht springt in singender Flamme – Und... deine Lippen.
Dunkelheit, während die Schatten kriechen, Wo die Glut seufzt, um zu ruhen; Stille einer schlafenden Welt – Und... deine Brust.
HINGABE
Wenn ich auf deine erste Umarmung zurückblicke, Verstehe ich, warum ich von deiner plötzlichen Berührung Wütend aufsprang und dir ins Gesicht schlug. Du verlangtest auf einmal zu wenig und zu viel. Doch jetzt, da du von meinem Geist forderst Die wahre Seele der Liebe, die bis zum Tode ausharrt, Kröne, wie du willst, den Becher deines Verlangens – Ich bin ganz dein.
"AN JENER BACHSEITE"
Wir treffen uns neben dem düsteren Tal, an jener Bachseite, Wo die Büsche eine gemütliche Höhle bilden, an jener Bachseite; Obwohl die ginsterbewachsenen Hügel grün seien, Und wir dort gesehen werden könnten, Dennoch werden wir uns treffen – wir treffen uns am Abend, unten an jener Bachseite.
Ich werde dich zur Birkenlaube führen, an jener Bachseite, So süß verwoben mit Geißblattblüten, an jener Bachseite; Dort stört das geschäftige, neugierige Auge Niemals die Freude der Liebenden, Während sie in des anderen Armen liegen, unten an jener Bachseite.
Hinweg, ihr groben, gefühllosen Gesellen, von jener Bachseite, Diese Feenszenen sind nichts für euch, an jener Bachseite; Dort glättet die Fantasie ihr Thema, An dem süß murmelnden Bach, Und die felseingebetteten Echos gleiten dahin, unten an jener Bachseite.
Nun sind die Spitzen der Anpflanzung mit Gold getönt, an jener Bachseite, Und die Dämmerung zieht ihr nebliges Leichentuch über jene Bachseite; Weit weg von der lärmenden Szene, Werde ich allein durch die Felder gehen, Dort werden wir uns treffen, meine eigene liebe Jean, unten an jener Bachseite.
EIN PASTORAL
Blume der Mispel, Karmesin der Quitte, Ich sah sie zur Blütenzeit, Und liebte sie seitdem! Sie fegte den zugigen Lustgarten, Die Blüten hatten die Bäume verlassen, Während die Vögel Kantiken sangen, In Kirschensymphonien.
Weiße der weißen Rose, Röte der roten, Sie ging, um die blassroten Knospen zu schneiden, Um sie am Altarhaupt zu binden; Und einige legte sie an ihre Brust, Und einige um ihre Stirn, Und während sie vorbeiging, neigten sich die Lilienhäupter Allesamt und verbeugten sich.
Scharlach des Mohns, Gelb des Korns, Die Männer waren beim Ernten, Schreiend im Morgen; Ich jagte sie zu einem Apfelbaum, – Die erwachenden Vögel allesamt stumm – Und oh! es war der süßeste Kuss, Den ich jemals geküsst habe.
Majoran, Minze und Veilchen, Rings um uns trocknend, Es geschah alles im Fayence-Zimmer, Marmelade würzend; Auf einer Fliese war ein Satyr, Auf einer eine Nymphe in Bedrängnis, Mich dünkt, die Vögel werden kaum zu Hause sein, Um unseren Hochzeitstag zu wecken!
"WENN DER TOD ZU EINEM VON BEIDEN KOMMT"
Wenn der Tod zu einem von beiden kommt, – Ich bete, er sei zuerst bei mir, – Sei so glücklich wie immer zu Hause, Wenn es, wie ich wünsche, so sei.
Besitze dein Herz, mein Eigenes; Und singe deinem Kind auf deinem Knie, Oder lies für dich allein Die Lieder, die ich für dich machte.
DIE VERSÖHNUNG Aus "The Princess"
Als wir am Abend durch das Land gingen, Und die gereiften Ähren pflückten, Fielen wir auseinander, meine Frau und ich, O, wir fielen auseinander, ich weiß nicht warum, Und küssten uns wieder unter Tränen.
Und Segnungen auf das Auseinanderfallen, Das umso mehr liebgewinnt, Wenn wir mit denen, die wir lieben, auseinanderfallen Und uns wieder küssen unter Tränen!
Denn als wir dorthin kamen, wo das Kind liegt, Das wir in anderen Jahren verloren, Dort über dem kleinen Grab, O, dort über dem kleinen Grab, Küssten wir uns wieder unter Tränen.
LIED
Warte nur eine kleine Weile – Der Vogel wird ein Herz Im Einklang für Melodien zum Frühling bringen, Bis der, der dort in der Zeder ist, Bewogen wird, ein Lied so selten zu trillern, Und ihr fair vorzupfeifen.
Warte nur eine kleine Weile – Die Knospe wird aufbrechen; Die innere Rose wird sich öffnen und glühen Um des Sommers willen: Verliebte Bienen werden in ihrer Brust nisten, Bis sie selbst gepflückt und gepresst wird, Wo ich ruhen möchte.
Warte nur eine kleine Weile – Das Mädchen wird wachsen, Anmutig mit Lippen und Händen für dich, Mit schneeweißer Brust. Heute ist die Liebe stumm, doch die Zeit hat in ihr Eine Seele gesät, um der deinen zu gleichen, Obwohl sie noch nicht erwachsen ist.
ZUFRIEDENHEIT
Obwohl ich nur das Scheue und Süße besinge, Das nicht von einer Menge Füßen betreten wurde, Lieder, begrenzt durch den Bach und den Weizen, Habe ich darin nicht versagt, Den einzigen Reiz meiner Waldnote, Die weißeste Kehle Englands zu gewinnen! O Barden, die in Gold und Feuer schrieben, Euch sei all das andere Glück!
Was nützt es, den Staub auf der Weltstraße aufzuwirbeln, geplagt von dürrer Hitze? Oh, ich werde zum Fatalisten – was sein muss, muss sein, da du, Geliebte, so süß bist!
Victor Plarr [1863-
"SAG LEBEWOHL DEN MÄDCHENTAGEN"
Sag Lebewohl, Lebewohl, Lebewohl, Sag Lebewohl den Mädchentagen, Die frohe Liebe kommt, um dich Und deine Mädchenart zu werben – Die Leibbinde, die dir wohl ansteht, Das Band in deinem gelben Haar.
Wenn du seinen Namen gehört hast Auf den Fanfaren der Cherubim, Beginne sanft, die Leibbinde Deiner Mädchenbrust für ihn zu lösen, Und sanft das Band aufzutun, Das das Zeichen der Jungfräulichkeit ist.
James Joyce [1882-
AN F. C.
Schnell fällt der Schnee, meine Dame, Bestreut den Rasen mit feinen Kristallen, Doch bei den Göttern, wir werden nicht klagen, Solange wir zusammen sind, Wir werden plaudern und reimen, küssen und speisen, Dem Wetter trotzend.
So schüre das Feuer und gieße den Wein ein, Und lass diese meergrünen, göttlichen Augen Ihren Liebeswahnsinn in meine gießen: Es ist mir einerlei, Ob Schnee oder Sonne oder Regen oder Glanz, Wenn wir nur zusammen sind.
Mortimer Collins [1827-1876]
FRÜHLINGSEIDENSCHAFT
Blauer Himmel, grüne Felder und träge gelbe Sonne! Warum sollte ich nach dem brennenden Süden hungern, Wo Schönheit keiner Mühsal bedarf, um gewonnen zu werden, Nun, da ich ihren reinen, leidenschaftlichen Mund küssen darf?
Winde, die kräuseln mit der reichen Wonne des Frühlings! Warum sollte ich mich nach tausendfarbigen Himmeln sehnen, Erleuchtet von Sonnen der Morgenröte, wenn ich singen darf Von der Flamme und dem Entzücken ihrer sternengleichen Augen?
Oh, Lied der Vögel und Blumen, schön anzuschauen! Warum sollte ich nach fernliegenden Eden-Inseln dürsten, Wenn ich ihre Gesprächsmelodie hören darf Und mich sonnen, ein Träumer, in ihrem träumerischen Lächeln?
Joel Elias Spingarn [1875-
RAT AN EINEN LIEBENDEN
Oh, wenn du sie liebst, Zeig ihr das Beste von dir; So wirst du sie bewegen, Den Rest von dir zu ertragen. Kälte und Eifersucht Können ihr nur erscheinen Als Zeichen, dass ein Sturm lauert, Wo für sie ein Sonnenstrahl war. Geduld und Zärtlichkeit Werden dennoch in ihr wecken Hoffnungen auf neuen Sonnenschein, Auch wenn der Sturm für sie hereinbricht; Liebe, das wird sie wissen, für sie, Liegt unter dem Sturm, Wie das blaue Himmelszelt, Sanft und beständig. Und niemals wird sie Sanftheit weniger finden, Wenn der Sturm vorübergezogen ist Und klare Güte hinterlässt. Behandle sie zärtlich, Himmelsgleich über ihr, Lächle über ihre Launenhaftigkeit, Oh, wenn du sie liebst!
S. Charles Jellicoe [18 -
"JA"
Sie standen über der Welt, In einer Welt für sich; Und sie senkte ihre glücklichen Augen Und stillte das pochende Klopfen Ihres glücklichen Herzens. Und das Mondlicht fiel auf sie, Um ihr Geheimnis zu enthüllen; Und die Mondstrahlen küssten ihr Haar, Als ob kein menschlicher Liebhaber Seine Küsse dort abgelegt hätte.
"Schau auf, braune Augen", sagte er, "Und antworte den meinen; Heb diese seidenen Wimpern, Die ein glückliches Licht verbergen, Fast göttlich." Das eifersüchtige Mondlicht glitt Zu dem halb erhobenen Finger, Wo der Opalring schimmerte – Wo die Farben tanzten und sich wandelten Auf dem hübschen, wechselhaften Ding.
Nur die alte, alte Geschichte Von Licht und Schatten, Liebe so zart wie der Opal, Kann wie er sich wandeln – Kann wie er verblassen. Nur die alte, zarte Geschichte, Nur ein flüchtiger Blick von Morgenpracht In einem irdischen Paradies, Mit schattenhaften Spiegelungen In einem Paar süßer brauner Augen.
Braune Augen, die ein Mann wohl Stolz sein könnte zu gewinnen! Offen, um sein Bild zu halten, Geschlossen unter seidenen Wimpern, Nur um ihn einzuschließen. O frohe Augen, schaut zusammen, Denn des Lebens dunkles, stürmisches Wetter Wird zu etwas Hellerem, Wenn junge Augen darauf blicken Durch einen schmalen Ehering.
Richard Doddridge Blackmore [1825-1900]
LIEBE
Alle Gedanken, alle Leidenschaften, alle Entzückungen, Was auch immer dieses sterbliche Gefüge bewegt, Alles sind sie nur Diener der Liebe, Und nähren ihre heilige Flamme.
Oft in meinen wachen Träumen Lebe ich jene glückliche Stunde wieder, Als ich auf halber Höhe des Berges lag, Neben dem verfallenen Turm.
Der Mondschein, der über die Szene schlich, Hatte sich mit den Lichtern des Abends vermischt; Und sie war dort, meine Hoffnung, meine Freude, Meine eigene liebe Genevieve!
Sie lehnte gegen den bewaffneten Mann, Die Statue des bewaffneten Ritters; Sie stand und lauschte meinem Lied, Inmitten des verweilenden Lichts.
Wenige Sorgen hat sie für sich selbst, Meine Hoffnung! meine Freude! meine Genevieve! Sie liebt mich am meisten, wann immer ich die Lieder singe, Die sie traurig machen.
Ich spielte eine sanfte und klagende Weise; Ich sang eine alte und ergreifende Geschichte – Ein altes, raues Lied, das wohl passte Zu jener Ruine, wild und grau.
Sie lauschte mit flüchtigem Erröten, Mit gesenkten Augen und bescheidener Anmut; Denn sie wusste wohl, dass ich nicht anders konnte, Als auf ihr Gesicht zu schauen.
Ich erzählte ihr von dem Ritter, der trug Auf seinem Schild ein brennendes Brandmal; Und dass er zehn lange Jahre lang umwarb Die Dame des Landes.
Ich erzählte ihr, wie er schmachtete: und ach! Der tiefe, der leise, der flehende Ton, Mit dem ich die Liebe eines anderen sang, Interpretierte meine eigene.
Sie lauschte mit flüchtigem Erröten, Mit gesenkten Augen und bescheidener Anmut; Und sie verzieh mir, dass ich zu innig Auf ihr Gesicht schaute!
Doch als ich ihr von dem grausamen Hohn erzählte, Der diesen kühnen und lieblichen Ritter in den Wahnsinn trieb, Und dass er die Bergwälder durchquerte, Und weder Tag noch Nacht ruhte;
Dass manchmal aus der wilden Höhle, Und manchmal aus dem finsteren Schatten, Und manchmal plötzlich aufspringend Auf der grünen und sonnigen Lichtung –
Da kam und schaute ihm ins Gesicht Ein Engel, schön und strahlend; Und dass er wusste, es war ein Dämon, Dieser elende Ritter!
Und dass er, ohne zu wissen, was er tat, In eine mörderische Bande sprang, Und vor Schändung, schlimmer als der Tod, Die Dame des Landes rettete; –
Und wie sie weinte und seine Knie umklammerte; Und wie sie ihn vergeblich pflegte – Und immer versuchte, die Verachtung zu sühnen, Die sein Gehirn in den Wahnsinn trieb; –
Und dass sie ihn in einer Höhle pflegte; Und wie sein Wahnsinn verging, Als er auf gelben Waldblättern Als ein sterbender Mann lag; –
Seine sterbenden Worte – doch als ich erreichte Diese zarteste Stelle des ganzen Liedes, Störte meine zitternde Stimme und meine pausierende Harfe Ihre Seele mit Mitleid!
Alle Impulse der Seele und der Sinne Hatten meine arglose Genevieve durchbebt; Die Musik und die klagende Geschichte, Der reiche und balsamische Abend;
Und Hoffnungen, und Ängste, die Hoffnung entfachen, Eine ununterscheidbare Schar, Und sanfte Wünsche, lange unterdrückt, Unterdrückt und lange gehegt!
Sie weinte vor Mitleid und Entzücken, Sie errötete vor Liebe und jungfräulicher Scham; Und wie das Murmeln eines Traumes Hörte ich sie meinen Namen hauchen.
Ihr Busen hob sich – sie trat beiseite, Als wäre sie sich meines Blicks bewusst, trat sie – Dann plötzlich, mit furchtsamem Auge, Floh sie zu mir und weinte.
Sie umschloss mich halb mit ihren Armen, Sie drückte mich mit einer sanften Umarmung; Und den Kopf zurückbeugend, schaute sie auf, Und betrachtete mein Gesicht.
Es war teils Liebe, und teils Furcht, Und teils war es eine schüchterne Kunst, Dass ich eher fühlen als sehen sollte, Das Schwellen ihres Herzens.
Ich beruhigte ihre Ängste, und sie war ruhig, Und erzählte ihre Liebe mit jungfräulichem Stolz; Und so gewann ich meine Genevieve, Meine strahlende und wunderschöne Braut.
Samuel Taylor Coleridge [1772-1834]
GENESTET Auf den Sussex Downs
"Gelockt", Kleine? Nein, du hast nur die Liebe Über deine wilden Hügel streifen hören; Nicht gelockt, mein Vogel, mein leichter, flinker Vogel, Sondern heimkehrend – heimkehrend.
"Gefangen", fühlt sie sich? Nein, kein Netz rührte sich, Um das vorherbestimmte Herz zu fangen; Nicht gefangen, mein Vogel, mein heller, wilder Vogel, Sondern gepaart – gepaart.
Und "eingesperrt", fürchtet sie? Nein, niemals dieses Wort Dort, wo dein braunes Haupt ruhte; Nicht eingesperrt, mein Vogel, mein scheuer, süßer Vogel, Sondern genestet – genestet!
Habberton Lulham [18 -
DIE BRIEFE
Noch immer stand die Wetterfahne auf dem Turm, Eine schwarze Eibe verdüsterte die stagnierende Luft; Ich starrte durch die Chorscheibe, Und sah den Altar kalt und kahl. Ein Bleiklotz lag um meine Füße, Ein Band des Schmerzes über meiner Stirn; "Kalter Altar, Himmel und Erde sollen sich treffen, Bevor du mein Ehegelübde hörst."
Ich wandte mich ab und summte ein bitteres Lied, Das das heilsame menschliche Herz verspottete, Und dann trafen wir uns in Zorn und Unrecht, Wir trafen uns, doch nur, um uns zu trennen. Ganz kalt war mein Gruß und trocken; Sie lächelte schwach, sie bewegte sich kaum; Ich sah, mit halb-unbewusstem Auge, Sie trug die Farben, die ich billigte.
Sie nahm die kleine Truhe aus Elfenbein, Mit einem halben Seufzer drehte sie den Schlüssel, Dann hob sie ihr Haupt mit zusammengepressten Lippen, Und gab mir meine Briefe zurück; Und gab mir den Tand und die Ringe, Meine Geschenke, als meine Geschenke gefallen konnten. Wie ein Vater auf die Sachen Seines toten Sohnes blickt, blickte ich auf diese.
Sie erzählte mir alles, was ihre Freunde gesagt hatten; Ich tobte gegen den öffentlichen Lügner. Sie sprach, als wäre ihre Liebe tot; Doch in meinen Worten waren Samen des Feuers. "Keine Liebe mehr, dein Geschlecht ist bekannt; Ich werde nie wieder getäuscht werden. Von nun an vertraue ich allein dem Mann; Der Frau kann man nicht glauben."
"Durch Verleumdung, das gemeinste Gezücht der Hölle, – Und weibliche Verleumdung ist die schlimmste, – Und du, die ich einst so sehr liebte, Durch dich wird mein Leben verflucht sein." Ich sprach mit Herz und Hitze und Kraft, Ich erschütterte ihre Brust mit vagen Ängsten – Wie Sturzbäche aus einer Bergquelle Stürzten wir uns in die Arme des anderen.
Wir trennten uns; süß glänzten die Sterne, Und süß das von Dunst geflochtene Blau; Leichte Brisen fächerten die Gitter des Glockenturms, Als ich mich heimwärts durch die Kirche zog. Die Gräber selbst schienen zu lächeln, So frisch erhoben sie sich in schattigen Schwellungen; "Dunkle Vorhalle", sagte ich, "und stiller Gang, Da kommt ein Klang von Hochzeitsglocken."
Alfred Tennyson [1809-1892]
PROTHALAMION
Ruhig war der Tag, und durch die bebende Luft Spielte sanft der süß atmende Zephyrus, Ein sanfter Geist, der leicht verzögerte Des heißen Titanen Strahlen, die damals hell glänzten; Als ich (den düstere Sorge, Durch Unzufriedenheit über mein langes, unfruchtbares Verweilen Am Hofe des Fürsten, und vergebliches Erwarten Müßiger Hoffnungen, die immer entfliehen, Wie leere Schatten, mein Gehirn quälten), Hinausging, um meinen Schmerz zu lindern Entlang des Ufers der silbern strömenden Themse; Deren wurzeliges Ufer, das sein Fluss umhegt, Ganz bemalt war mit mannigfaltigen Blumen, Und alle Auen geschmückt mit zierlichen Edelsteinen, Passend, um der Mädchen Kammern zu schmücken, Und ihre Liebhaber zu krönen Für den Hochzeitstag, der nicht mehr fern ist: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Dort, auf einer Wiese, am Rande des Flusses, Erspähte ich zufällig eine Schar von Nymphen, Allesamt liebliche Töchter der Flut dabei, Mit stattlichen grünlichen Locken, ganz lose ungebunden, Als wäre jede eine Braut gewesen: Und jede hatte ein kleines Weidenkörbchen, Gemacht aus feinen Zweigen, kunstvoll geflochten, In dem sie Blumen sammelten, um ihr Körbchen zu füllen, Und mit feinen Fingern schnitten sie sehr geschickt Die zarten Stängel in die Höhe. Von jeder Sorte, die auf jener Wiese wuchs, Sammelten sie einige; das Veilchen, blassblau, Das kleine Gänseblümchen, das sich am Abend schließt, Die jungfräuliche Lilie und die wahre Schlüsselblume, Mit einem Vorrat an zinnoberroten Rosen, Um die Sträuße ihrer Bräutigame zu schmücken Für den Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Damit sah ich zwei Schwäne von stattlicher Farbe Sanft den Lee hinunterschwimmen; Zwei schönere Vögel hatte ich noch nie gesehen; Der Schnee, der die Spitze des Pindos bestreut, Schien nie weißer, Noch Jove selbst, wenn er ein Schwan sein wollte Aus Liebe zu Leda, erschien nicht weißer; Doch Leda war, sagt man, so weiß wie er, Doch nicht so weiß wie diese, noch nicht annähernd; So rein weiß waren sie, Dass selbst der sanfte Strom, der sie trug, Den ihnen gegenüber unrein erschien, und seine Wogen bat, zu sparen, Ihre seidenen Federn zu benetzen, damit sie nicht Ihre schönen Gefieder mit nicht so schönem Wasser beschmutzen, Und ihre strahlenden Schönheiten verderben, Die wie Himmelslicht leuchteten, Für ihren Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Bald darauf die Nymphen, die nun Blumen in Fülle hatten, Rannten alle in Eile, um diese silberne Brut zu sehen, Als sie auf der kristallenen Flut dahinschwammen; Als sie sie sahen, blieben sie staunend stehen, Um ihre staunenden Augen zu füllen; Ihnen schien es, sie hätten nie einen so schönen Anblick gesehen Von Vögeln, so lieblich, dass sie sicher glaubten, Sie seien himmlisch geboren, oder jenes selbe Paar, Das durch den Himmel Venus' silbernes Gespann zieht; Denn sicher schienen sie nicht Von irgendeinem irdischen Samen gezeugt zu sein, Sondern eher Engel, oder von der Engel Art; Doch waren sie gezüchtet aus der Sommerhitze, sagt man, In der süßesten Jahreszeit, wenn jede Blume und jedes Unkraut Die Erde frisch kleidete; So frisch schienen sie wie der Tag, Ebenso wie ihr Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Dann zogen sie alle aus ihren Körben Großen Vorrat an Blumen, die Ehre des Feldes, Die dem Sinn duftende Gerüche verliehen, All dies warfen sie auf diese stattlichen Vögel Und bestreuten alle Wellen, Dass sie wie des alten Peneus Wasser schienen, Wenn sie entlang von Tempes angenehmem Ufer, Bestreut mit Blumen, durch Thessalien strömen, Dass sie durch den üppigen Vorrat an Lilien erscheinen, Wie der Boden eines Brautgemachs: Zwei dieser Nymphen banden währenddessen zwei Kränze Aus frischesten Blumen, die sie auf jener Au fanden, Die sie alle in schmucker Anordnung präsentierten, Ihre schneeweißen Stirnen krönten sie damit, Während eine dieses Lied sang, Vorbereitet auf jenen Tag, Für ihren Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
"Ihr sanften Vögel! der Welt schöner Schmuck, Und des Himmels Herrlichkeit, die diese glückliche Stunde Zu eures Liebhabers wonnigem Lusthaus führt, Freude möget ihr haben, und der sanften Herzen Zufriedenheit An eurer Liebe Verbindung; Und lasst die schöne Venus, die Königin der Liebe ist, Mit ihrem herzzwingenden Sohn euch zulächeln, Dessen Lächeln, sagt man, die Kraft hat, zu entfernen All der Liebe Abneigung, und der Freundschaft fehlerhafte List Für immer auszutilgen; Lasst endlosen Frieden eure standhaften Herzen gewähren, Und gesegneter Wohlstand warte auf eurem Tisch; Und lasst euer Bett von keuschen Vergnügungen überfließen, Dass fruchtbare Nachkommenschaft euch beschert werde, Die eure Feinde zunichtemachen möge, Und eure Freuden überquellen lassen An eurem Hochzeitstag, der nicht mehr fern ist": Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
So endete sie: und alle anderen ringsum Verdoppelten ihr ihren Untergesang, Der besagte, ihr Hochzeitstag sollte nicht mehr fern sein: Und sanfter Widerhall vom Nachbargrund Widerhallte ihre Akzente. So zogen jene freudigen Vögel dahin, Den Lee hinunter, der ihnen leise murmelte, Als wollte er sprechen, doch fehlte ihm eine Zunge, Doch zeigte er durch Zeichen seine frohe Zuneigung, Indem er seinen Strom langsam laufen ließ. Und alles Geflügel, das in seiner Flut wohnte, Begann um diese zwei zu schwärmen, die so weit Die anderen übertrafen, wie Cynthia die Kleineren Sterne überstrahlt. So sie, wohl aufgereiht, Folgten jenen zweien, Und leisteten ihren besten Dienst Für ihren Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Endlich kamen sie alle ins fröhliche London, Ins fröhliche London, meine gütigste Amme, Die mir diese erste natürliche Quelle des Lebens gab; Obwohl ich von einem anderen Ort meinen Namen nehme, Einem Haus von altem Ruhm: Dort, als sie ankamen, wo jene ziegelnen Türme Die auf der Themse breitem, altem Rücken reiten, Wo nun die studierenden Anwälte ihre Wohnsitze haben, Wo einst die Templerritter zu weilen pflegten, Bis sie durch Hochmut verfielen: Dicht dabei steht ein stattlicher Ort, Wo ich oft Geschenke und gute Gnade gewann Von jenem großen Herrn, der dort zu wohnen pflegte, Dessen Mangel nun mein freundloses Los allzu gut fühlt; Doch ach! hier passt es nicht recht, Altes Leid, sondern Freuden zu erzählen Für den Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Doch darin logiert nun ein edler Peer, Englands großer Ruhm und der Welt weites Wunder, Dessen schrecklicher Name kürzlich durch ganz Spanien donnerte, Und Herkules' zwei Säulen, die in der Nähe stehen, Zum Beben und Fürchten brachte: Schöner Zweig der Ehre, Blume der Ritterschaft! Der du England mit dem Ruhm deines Triumphs erfüllst, Freude hab du an deinem edlen Sieg, Und endlose Glückseligkeit deines eigenen Namens, Der dasselbe verspricht; Dass durch deine Tapferkeit und siegreichen Waffen, Dein Land von fremdem Schaden befreit sein möge; Und Elisa's großer, glorreicher Name möge erklingen Durch die ganze Welt, erfüllt von deinem weiten Getöse, Was eine tapfere Muse singen mag Den nachfolgenden Zeitaltern, Am Hochzeitstag, der nicht mehr fern ist: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Von jenen hohen Türmen aus, dieser edle Herr hervortretend, Wie strahlender Hesper, wenn sein goldenes Haar Er in den Meereswogen schön gebadet hat, Stieg herab zur offenen Sicht des Flusses, Mit einem großen Gefolge nachfolgend. Über den anderen waren stattlich zu sehen Zwei sanfte Ritter von lieblichem Gesicht und Gestalt Wohl passend für das Gemach einer jeden Königin, Mit Gaben des Geistes und Verzierungen der Natur, Passend für eine so stattliche Statur, Dass sie wie die Zwillinge von Jove im Anblick schienen, Die das Wehrgehänge des strahlenden Himmels schmücken; Sie zwei, zum Ufer des Flusses schreitend, Empfingen jene zwei schönen Bräute, ihre Liebesfreude; Die, zur bestimmten Zeit, Jeder zu seiner Braut machte Für ihren Hochzeitstag, der nicht mehr fern war: Süße Themse! fließe sanft, bis ich mein Lied beende.
Edmund Spenser [1552?-1599]
EPITHALAMION
Ihr gelehrten Schwestern, die ihr oftmals Mir behilflich gewesen seid, andere zu schmücken, Die ihr eurer anmutigen Reime für würdig erachtet habt, Dass selbst die Größten es nicht sehr verschmähten, Ihre Namen in euren einfachen Liedern besungen zu hören, Sondern sich an ihrem Lob erfreuten; Und wenn ihr Lust habt, eure eigenen Missgeschicke zu beklagen, Die Tod, oder Liebe, oder des Schicksals Trümmer verursachten, Eure Saite konnte bald zu traurigerem Tenor sich wenden, Und die Wälder und Wasser lehren, zu beklagen Eure klagvolle Traurigkeit: Nun legt jene traurigen Beschwerden beiseite; Und, nachdem ihr all eure Häupter mit Kränzen gekrönt habt, Helft mir, meines eigenen Liebsten Lob zu erschallen; Noch lasst dasselbe von irgendwem beneidet werden: So tat Orpheus für seine eigene Braut! So werde ich für mich allein singen; Die Wälder sollen mir antworten, und mein Echo klingen.
Früh, bevor des Welt Lichter spendende Lampe Ihren goldenen Strahl über die Hügel breitet, Nachdem sie der Nacht unfrohliche Feuchtigkeit zerstreut hat, Erwacht ihr; und, mit frischer Lebenslust, Geht zum Gemach meiner geliebten Liebe, Meiner wahrhaftigsten Turteltaube; Heißt sie erwachen; denn Hymen ist erwacht, Und längst bereit, seine Maske fortzubewegen, Mit seiner hellen Fackel, die mit vielen Flammen lodert, Und vielen Junggesellen, die auf ihn warten, In ihren frischen, schmucken Gewändern. Heißt sie daher erwachen, und bald sich schmücken, Denn siehe! der gewünschte Tag ist endlich gekommen, Der für alle vergangenen Schmerzen und Sorgen, Ihr Wucher an langem Entzücken zahlen wird: Und, während sie sich schmückt, Singt ihr von Freude und Trost, Dass alle Wälder antworten und euer Echo klingen möge.
Bringt mit euch all die Nymphen, die ihr hören könnt, Sowohl die der Flüsse als auch die der grünen Wälder, Und die des Meeres, das ihr nahe liegt, Alle mit fröhlichen Kränzen wohlgeziert. Und lasst sie auch mit sich bringen in der Hand Einen weiteren fröhlichen Kranz, Für meine schöne Liebe, aus Lilien und Rosen, Gebunden in Liebhaber-Art mit einem blauen Seidenband; Und lasst sie großen Vorrat an Brautsträußen machen, Und lasst sie auch Vorrat an anderen Blumen bringen, Um die Brautgemächer zu schmücken. Und lasst den Boden, auf dem ihr Fuß schreiten wird, Aus Furcht, die Steine könnten ihren zarten Fuß kränken, Mit duftenden Blumen ganz entlang bestreut sein, Und gemustert wie die vielfarbige Au; Was getan, erwartet an ihrer Kammertür, Denn sie wird gleich erwachen; Die Weile über singt ihr dieses Lied, Die Wälder sollen euch antworten, und euer Echo klingen.
Ihr Nymphen von Mulla, die mit sorgsamer Obacht Die silbernen schuppigen Forellen wohl pflegen, Und gierige Hechte, die darin zu fressen pflegen (Jene Forellen und Hechte übertreffen alle anderen); Und ihr ebenso, die ihr den binsenreichen See hütet, Wo niemand Fische fängt; Bindet die Locken auf, die leicht verstreut hängen, Und in seinen Wassern, die euren Spiegel bilden, Betrachtet eure Gesichter wie den glänzenden Kristall, Dass, wenn ihr hinkommt, wo meine Liebe liegt, Keinen Makel sie erspähen mag. Und auch, ihr leichtfüßigen Mägde, die ihr das Wild hütet, Das auf dem grauen Berg zu thronen pflegt; Und die wilden Wölfe, die sie zu verschlingen suchen, Mit euren stählernen Pfeilen jagt vom Näherkommen fort; Seid auch ihr hier gegenwärtig, Um zu helfen, sie zu schmücken, und zu helfen zu singen, Dass alle Wälder antworten und euer Echo klingen möge.
Wach auf, nun meine Liebe, wach auf! denn es ist Zeit; Die rosenfingrige Morgenröte hat längst Tithons Lager verlassen, Bereit, ihre silberne Kutsche zu besteigen; Und Phöbus beginnt sein glorreiches Haupt zu zeigen. Horch, wie die heiteren Vögel ihre Weisen anstimmen Und von der Liebe Lob singen. Die frohe Lerche singt ihre Matutin in der Höhe; Die Drossel antwortet; die Singdrossel spielt den Diskant; Die Amsel schrillt; das Rotkehlchen trillert sanft; So trefflich stimmen alle überein, mit süßem Einklang, Zu des heutigen Tages Fröhlichkeit. Ach! meine teure Liebe, warum schlaft Ihr so lange, Da es schicklicher wäre, dass Ihr nun erwachtet, Um das Kommen Eures freudigen Gefährten zu erwarten, Und den liebeskundigen Gesang der Vögel zu belauschen, Inmitten der taufrischen Blätter! Denn sie singen Euch von Freude und Wonne, Dass alle Wälder ihnen antworten und ihr Echo widerhallt.
Meine Liebe ist nun aus ihren Träumen erwacht, Und ihre schönen Augen, die wie Sterne waren, getrübt Von dunkler Wolke, zeigen nun ihre holden Strahlen, Heller als Hesperus sein Haupt erhebt. Kommt nun, ihr Jungfrauen, Töchter der Wonne, Helft ihr schnell beim Schmücken: Doch zuerst kommt, ihr schönen Stunden, die ihr gezeugt wurdet In Jupiters süßem Paradies aus Tag und Nacht; Die ihr die Jahreszeiten zuteilt, Und alles, was je auf dieser Welt schön ist, Erschafft und stetig erneuert: Und ihr drei Zofen der zypriotischen Königin, Die ihr beständig ihren Schönheitsstolz schmückt, Helft, meine schönste Braut zu schmücken; Und während ihr sie kleidet, streut immer dazwischen Einige Anmut, die zu sehen sei, Und, wie ihr es bei Venus pflegt, singt ihr zu, Während die Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Nun ist meine Liebe bereit, hervorzutreten: Lasst daher alle Jungfrauen wohl auf der Hut sein: Und ihr frischen Knaben, die ihr ihrem Bräutigam dient, Bereitet euch vor; denn er kommt alsbald; Richtet all eure Dinge in schicklicher guter Ordnung, Passend für einen so freudigen Tag: Den freudigsten Tag, den die Sonne je sah. Schöne Sonne! zeige deinen günstigen Strahl, Und lass deine lebensvolle Hitze nicht zu glühend sein, Aus Furcht, ihr sonniges Antlitz zu verbrennen, Ihre Schönheit zu entstellen. O schönster Phöbus! Vater der Muse! Wenn ich dich je recht geehrt habe, Oder das besang, was deinen Geist erfreuen mochte, So verweigere deines Dieners schlichte Bitte nicht; Sondern lass diesen Tag, lass diesen einen Tag mein sein; Lass alle anderen dein sein. Dann werde ich deine souveränen Lieder laut singen, Dass alle Wälder antworten und ihr Echo widerhallt.
Horch! wie die Spielleute beginnen, laut ihre fröhliche Musik Zu schmettern, die von fern erklingt, Die Pfeife, die Handtrommel und die bebende Fiedel, Die wohl übereinstimmen ohne Bruch oder Misston. Doch am meisten erfreuen sich die Jungfrauen, Wenn sie ihre Handpauken schlagen, Und dazu tanzen und süß singen, Dass sie die Sinne völlig berauben; Während die Knaben die Straße auf und ab laufen, Laut rufend mit starkem, verwirrtem Lärm, Als wäre es eine Stimme: Hymen, io Hymen, Hymen, rufen sie; Dass ihr schrilles Rufen selbst bis zum Himmel Reicht und das ganze Firmament erfüllt; Wozu das Volk, das ringsum steht, Wie zur Zustimmung applaudiert, Und laut ihr Lob preist; Und immerdar singen sie Hymen, Hymen, Dass alle Wälder ihnen antworten und ihr Echo widerhallt.
Seht! wo sie daherkommt mit stattlichem Schritt, Wie Phöbe, aus ihrer Kammer des Ostens, Aufsteigend, um ihren gewaltigen Lauf zu vollenden, Ganz in Weiß gekleidet, was einer Jungfrau am besten steht. So wohl steht es ihr, dass ihr meinen würdet, Sie sei ein Engel gewesen. Ihre langen, losen gelben Locken wie goldener Draht, Bestreut mit Perlen und perlenartigen Blumen dazwischen, Kleiden sie wie ein goldener Mantel; Und, gekrönt mit einem grünen Kranz, Erscheint sie wie eine jungfräuliche Königin. Ihre bescheidenen Augen, verschämt, so viele Gaffer zu erblicken, die auf sie starren, Sind auf den niedrigen Boden geheftet; Noch wagt sie nicht, ihr Antlitz zu kühn zu heben, Sondern errötet, ihr Lob so laut besungen zu hören, So fern davon, stolz zu sein. Dennoch singt ihr weiter laut ihr Lob, Dass alle Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Sagt mir, ihr Kaufmannstöchter, saht ihr Ein so schönes Geschöpf zuvor in eurer Stadt; So süß, so lieblich und so mild wie sie, Geschmückt mit der Anmut der Schönheit und dem Schatz der Tugend? Ihre holden Augen wie Saphire hell leuchtend, Ihre Stirn elfenbeinweiß, Ihre Wangen wie Äpfel, die die Sonne gerötet hat, Ihre Lippen wie Kirschen, die Männer zum Beißen verlocken, Ihre Brust wie eine Schale mit ungeronnener Sahne, Ihre Brüste wie knospende Lilien, Ihr schneeweißer Hals wie ein Marmorturm; Und ihr ganzer Körper wie ein schöner Palast, Aufsteigend, mit vielen stattlichen Stufen, Zum Sitz der Ehre und zum süßen Gehäuse der Keuschheit. Warum steht ihr still, ihr Jungfrauen, in Verwunderung, Um so auf sie zu starren, Während ihr vergesst, eure frühere Weise zu singen, Auf die die Wälder antworteten und euer Echo widerhallte?
Doch wenn ihr sähet, was kein Auge sehen kann, Die innere Schönheit ihres lebendigen Geistes, Geschmückt mit himmlischen Gaben hohen Grades, Viel mehr noch würdet ihr über diesen Anblick staunen Und erstaunt dastehen wie jene, die Medusas Verwirrendes Haupt lesen. Dort wohnt süße Liebe und beständige Keuschheit, Unbefleckter Glaube und anständige Weiblichkeit, Achtung vor der Ehre und milde Bescheidenheit; Dort herrscht die Tugend als Königin auf königlichem Thron, Und gibt die Gesetze allein, Denen die niederen Begierden gehorchen Und ihre Dienste ihrem Willen darbringen; Noch mag je ein Gedanke an Unschickliches Dazu nahen, um ihren Geist zum Bösen zu versuchen. Hättet ihr einst diese ihre himmlischen Schätze gesehen, Und die unenthüllten Freuden, Dann würdet ihr staunen und ihr Lob singen, Dass alle Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Öffnet die Tempeltore für meine Liebe, Öffnet sie weit, damit sie eintreten kann, Und schmückt alle Pfosten, wie es sich geziemt, Und ziert alle Säulen mit schmucken Kränzen, Um diese Heilige mit gebührender Ehre zu empfangen, Die zu euch kommt. Mit bebenden Schritten und demütiger Ehrfurcht Kommt sie herein, vor den Blick des Allmächtigen; Von ihr lernt, ihr Jungfrauen, Gehorsam, Wenn ihr so in diese heiligen Orte kommt, Um eure stolzen Gesichter zu demütigen: Bringt sie zum Hochaltar, damit sie dort Die heiligen Zeremonien empfangen kann, Die die endlose Ehe schließen; Und lasst die dröhnenden Orgeln laut das Lob Des Herrn in lebendigen Noten spielen; Während mit hohlen Kehlen Die Chorknaben die freudigen Hymnen singen, Dass alle Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Seht, während sie vor dem Altar steht, Den heiligen Priester hört, der zu ihr spricht, Und sie mit seinen zwei glücklichen Händen segnet, Wie die roten Rosen in ihren Wangen aufblühen, Und der reine Schnee, mit holdem Zinnoberfleck, Wie in der Wolle purpurrot gefärbt: Dass selbst die Engel, die beständig Um den heiligen Altar verweilen, Ihren Dienst vergessen und um sie herumfliegen, Oft in ihr Gesicht spähend, das schöner scheint, Je mehr sie darauf starren. Doch ihre traurigen Augen, stetig auf den Boden geheftet, Sind von holdem Anstand gelenkt, Der keinen Blick schief abgleiten lässt, Der einen unreinen Gedanken einlassen könnte. Warum errötet Ihr, meine Liebe, mir Eure Hand zu reichen, Das Unterpfand all unserer Verbundenheit? Singt, ihr süßen Engel, Alleluja singt, Dass alle Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Nun ist alles vollbracht: bringt die Braut wieder heim; Bringt den Triumph unseres Sieges heim: Bringt die Herrlichkeit ihres Gewinns mit euch; Mit Freude und Fröhlichkeit bringt sie heim. Kein Mensch hatte je einen freudigeren Tag als diesen, Den der Himmel mit Segen überschütten wollte. Feiert deshalb nun diesen ganzen langen Tag; Dieser Tag ist für mich für immer heilig. Gießt den Wein aus ohne Zurückhaltung oder Aufenthalt, Gießt nicht in Bechern, sondern bis zum Überlaufen, Gießt für alle aus, die wollen, Und besprengt alle Pfosten und Wände mit Wein, Dass sie schwitzen und davon trunken werden. Krönt Gott Bacchus mit einem Kranz, Und krönt auch Hymen mit Weinreben; Und lasst die Grazien zu dem Übrigen tanzen, Denn sie können es am besten: Während die Mägde ihr Lied singen, Auf das die Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Läutet die Glocken, ihr jungen Männer der Stadt, Und lasst eure gewohnte Arbeit für diesen Tag: Dieser Tag ist heilig; schreibt es nieder, Dass ihr euch für immer daran erinnern mögt. An diesem Tag steht die Sonne in ihrer höchsten Höhe, Mit Barnabas dem Hellen, Von wo sie täglich allmählich sinkt, Etwas von ihrer Hitze und ihrem Licht verlierend, Sobald sie den Krebs hinter ihrem Rücken sieht. Doch für diesmal war es schlecht verordnet, Den längsten Tag des ganzen Jahres zu wählen, Und die kürzeste Nacht, wenn die längste passender wäre: Doch kein Tag ist so lang, dass er nicht spät vergehen würde. Läutet die Glocken, damit er verstreiche, Und macht den ganzen Tag Freudenfeuer; Und tanzt um sie herum und singt um sie herum, Dass alle Wälder antworten und euer Echo widerhallt.
Ach! wann wird dieser lange, müde Tag ein Ende haben, Und mir erlauben, zu meiner Liebe zu kommen? Wie langsam verbringen die Stunden ihre Zahlen? Wie langsam bewegt die traurige Zeit ihre Federn? Eile dich, o schönster Planet, zu deinem Heim, Im westlichen Schaum: Deine müden Rösser haben längst Ruhe nötig. Wie lang es auch sei, endlich sehe ich es dämmern, Und den hellen Abendstern mit goldenem Kamm Aus dem Osten erscheinen. Schönes Kind der Schönheit! glorreiche Lampe der Liebe! Die du das ganze Heer des Himmels in Reihen führst, Und die Liebenden durch das traurige Grauen der Nacht lenkst, Wie heiter blickst du von oben herab, Und scheinst zwischen deinem funkelnden Licht zu lachen, Als freutest du dich am Anblick Dieser frohen Menge, die vor Freude singt, Dass alle Wälder ihnen antworten und ihr Echo widerhallt!
Nun, haltet ein, ihr Mägde, mit euren vergangenen Freuden; Genug ist es, dass der ganze Tag euer war: Nun ist der Tag vollbracht, und die Nacht naht schnell, Nun bringt die Braut in die Brautgemächer. Die Nacht ist gekommen, nun entkleidet sie bald, Und legt sie in ihr Bett; Legt sie in Lilien und in Veilchen, Und entfaltet seidene Vorhänge über ihr, Und duftende Laken und Decken aus Arras. Seht, wie hold meine schöne Liebe daliegt, In stolzer Demut! Gleich Maia, als Jupiter sie nahm In Tempe, auf dem blumigen Grase liegend, Zwischen Schlaf und Wachen, nachdem sie müde war, Vom Baden im acidalischen Bach. Nun ist es Nacht, ihr Mägde, ihr könnt gehen, Und meine Liebe allein lassen, Und ebenso unterlassen, eure frühere Weise zu singen: Die Wälder sollen nicht mehr antworten, noch euer Echo widerhallen.
Nun sei gegrüßt, Nacht! du so lange erwartete Nacht, Die des langen Tages Mühsal endlich ausgleicht, Und all meine Sorgen, die die grausame Liebe sammelte, Hast du in eins zusammengefasst und für immer getilgt: Breite deinen weiten Flügel über meine Liebe und mich, Dass niemand uns sehen mag; Und hülle uns in deinen dunklen Mantel, Frei von Furcht vor Gefahr und finsterem Schrecken. Lass keine falsche Verräterei versuchen, uns zu fangen, Noch irgendeine schreckliche Unruhe jemals die Sicherheit unserer Freude stören; Sondern lass die Nacht ruhig und still sein, Ohne stürmische Unwetter oder trauriges Erschrecken: Gleich wie als Jupiter bei der schönen Alkmene lag, Als er den großen tirynthischen Diener zeugte: Oder gleich wie als er bei dir selbst lag Und die Majestät zeugte. Und lasst die Mägde und jungen Männer aufhören zu singen; Noch lasst die Wälder ihnen antworten, noch ihr Echo widerhallen.
Lass kein klagendes Schreien, noch schmerzliche Tränen, Die ganze Nacht drinnen oder draußen gehört werden: Noch lass falsches Flüstern, das verborgene Ängste nährt, Den sanften Schlaf mit missverstandenem Zweifel unterbrechen. Lass keine trügerischen Träume, noch schreckliche Anblicke, Plötzliches trauriges Erschrecken verursachen; Noch lass Hausbrände, noch die hilflosen Schäden des Blitzes, Noch lass den Puck, noch andere böse Geister, Noch lass boshafte Hexen mit ihren Zaubern, Noch lass Hobgoblins, Namen, deren Sinn wir nicht sehen, Uns mit Dingen erschrecken, die nicht sind: Lass nicht die Schleiereule, noch den Storch hören, Noch den Nachtraben, der stets tödlich schreit; Noch mögen verdammte Geister, mit mächtigen Sprüchen heraufbeschworen, Noch grässliche Geier uns jemals ängstigen: Noch lass den unangenehmen Chor der Frösche, der stetig quakt, Uns wünschen lassen, sie zu ersticken. Lass keine dieser ihre trüben Akzente singen; Noch lass die Wälder ihnen antworten, noch ihr Echo widerhallen.
Doch lass stille Stille wahre Nachtwachen halten, Dass heiliger Friede in Gewissheit regieren mag, Und zeitiger Schlaf, wenn es Zeit zum Schlafen ist, Seine Glieder auf eurem angenehmen Gefilde ausstrecken mag; Während einhundert kleine geflügelte Lieben, Wie verschieden gefiederte Tauben, Rings um euer Bett fliegen und flattern sollen, Und im geheimen Dunkel, das niemand tadelt, Ihre hübschen Diebstähle vollbringen und Schlingen auslegen sollen, Um süße Bissen der Lust zu stibitzen, Verborgen durch die schützende Nacht. Ihr Söhne der Venus, treibt eure Spiele nach Belieben! Denn gierige Lust, unbekümmert um eure Spielereien, Denkt mehr an ihr Paradies der Freuden, Als an das, was ihr tut, sei es gut oder böse. Die ganze Nacht wartet daher auf euer fröhliches Spiel, Denn es wird bald Tag sein: Nun hindert euch niemand, der sagt oder singt; Noch werden die Wälder nun antworten, noch euer Echo widerhallen.
Wer ist dieselbe, die an meinem Fenster späht? Oder wessen ist das schöne Gesicht, das so hell leuchtet? Ist es nicht Cynthia, sie, die niemals schläft, Sondern die ganze Nacht über den hohen Himmel wandelt? O! schönste Göttin, sei nicht neidisch, Meine Liebe mit mir zu erspähen: Denn du hast ebenfalls geliebt, wenn auch nun unbedacht, Und für ein Vlies aus Wolle, das heimlich Der latmische Hirte einst dir brachte, Seine Freuden mit dir wirkte. Sei uns daher nun gewogen; Und da du die Obhut über die Mühsal der Frauen hast, Und die Zeugung trefflich vermehrst, Neige deinen Willen, unser wunschvolles Gelübde zu erfüllen, Und den keuschen Schoß mitzeitigem Samen zu befruchten, Der unseren Trost hervorbringen mag: Bis dahin hören wir auf, unser hoffnungsvolles Glück zu besingen; Noch lass die Wälder uns antworten, noch unser Echo widerhallen.
Und du, große Juno! die du mit ehrfurchtgebietender Macht Die Gesetze der Ehe beständig bevormundest, Und die Religion des zuerst gegebenen Glaubens Mit heiligen Riten zu feiern gelehrt hast; Und auch als Trost oft angerufen wirst Von Frauen in ihrem Schmerz; Binde du ewiglich dieses liebliche Band, Und verleihe uns all deinen Segen. Und du, froher Genius! in dessen sanfter Hand Das Brautgemach und das geniale Bett verbleiben, Ohne Makel oder Fleck; Und die süßen Freuden ihrer Liebe Lust Mit geheimer Hilfe stützt und versorgst, Bis sie die fruchtbare Nachkommenschaft hervorbringen; Sende uns die zeitige Frucht dieser Nacht. Und du, schöne Hebe! und du, freier Hymen! Gewährt, dass es so sei. Bis dahin hören wir auf, euer weiteres Lob zu singen; Noch sollen Wälder antworten, noch euer Echo widerhallen.
Und ihr hohen Himmel, der Tempel der Götter, In dem tausend flammende, helle Fackeln Brennen, die uns elenden irdischen Klumpen In schrecklicher Dunkelheit erwünschtes Licht leihen; Und all ihr Mächte, die in demselben verweilen, Mehr als wir Menschen uns erdichten können, Gießt euren Segen reichlich über uns aus, Und regnet glücklichen Einfluss auf uns, Dass wir eine große Nachkommenschaft erheben mögen, Die von der Erde, die sie lange besitzen mögen Mit dauerndem Glück, Zu euren stolzen Palästen emporsteigen möge; Und zum Lohn ihres glorreichen Verdienstes, Himmlische Wohnstätten dort erben mögen, Um die Zahl der gesegneten Heiligen zu vermehren. So lass uns ruhen, süße Liebe, in der Hoffnung darauf, Und bis dahin aufhören, unsere zeitigen Freuden zu singen: Die Wälder sollen uns nicht mehr antworten, noch unser Echo widerhallen!
Lied! geschaffen anstelle vieler Ornamente, Mit denen meine Liebe gebührend hätte geschmückt sein sollen, Was durch eilige Zufälle abgeschnitten wurde, Ihr wolltet nicht abwarten, eure gebührende Zeit zu erwarten, Sondern verspracht beides zu entschädigen; Sei ihr ein schöner Schmuck, Und für kurze Zeit ein endloses Denkmal.
Noch muss der Bräutigam sein Sehnen verbergen, Sehnen, das seidene Band zu lösen, Ach, wie seine Finger flattern und beben werden, Finger, die so wohl mit Zügel und Schwert vertraut. Dein ist seine Tapferkeit, oh Braut, und seine Schönheit, Dein, sie zu besitzen und neu zu schenken, Solches ist deine zärtliche und leidenschaftliche Pflicht, Rechtens ist dein Vergnügen und geehrt dein Schmerz.
Choti Tinchaurya, lieblich und zart, Noch ganz unberührt von Kummer und Streit, Komm zum Bräutigam, der, seidengekleidet und schlank, Dir die Ehre und die Last des Lebens bringt. Indem du deinem leichtfüßigen Spiel Lebewohl sagst, Verehre deinen Liebhaber mit Furcht und Entzücken; Bist du nicht immer, obgleich Sklavin seines Tages, Choti Tinchaurya, Königin seiner Nacht?
Ich lege einen Zauber auf deinen eilenden Atem, Ich lege einen Zauber auf deine wandernden Füße, Du sollst mich nicht verlassen – nicht für Leben, noch Tod, Nicht einmal, wenn du aufhörst, mich zu lieben, Süßer.
Einer Frau Liebe können neun Engel nicht binden, Noch irgendeine Rune, die Wind oder Wasser kennt, Mein Herz wäre ebenso gut auf den Wind gesetzt, Oder gebunden, zu leben oder zu sterben, an eine Rose.
Ich lege einen Zauber auf dich, Fuß und Hand, Dass du und das Wissen, mein Liebster, euch niemals begegnet, Dass du niemals zufällig begreifen magst, Wie stark du bist, wie schwach deine Geliebte, Süßer.
Ich lege meinen Zauber auf deinen gütigen Arm, Ich lege ihn wie ein Siegel auf deine Brust; Dass du niemals den Zauber eines anderen hörst, Noch ahnst, dass die Gabe eines anderen meine beste übertrifft.
Ich heiße deine wandernden Schritte, mir zu folgen, Deine Gedanken, auf meiner Spur nachzureisen, Ich bin der Himmel, der dich erwartet, lieber grauer Schwalbenvogel, Kein Wind von mir soll dich jemals zurückwehen.
Ich bin dein Traum, Süßer; also kein Träumen mehr, Deine Lippen auf meinen müssen diesen besungenen Zauber beenden, Dein Herz auf meinem, unter nussbraunen, fließenden Locken, Ich lege meine Liebe als Siegel auf deinen Arm.
Wir zwei, wir zwei, wir zwei für immer, Die ganze Welt, und wir zwei, und der Himmel sei unser Halt! Wie eine Lerche in der Luft, sing, oh schöne Braut! Die ganze Welt war einst Adam, mit Eva an seiner Seite.
Was ist die Welt, mein Mädchen, meine Liebe! – was kann sie tun? Ich bin dein, und du bist mein; das Leben ist süß und neu. Wenn die Welt das Ziel verfehlt hat, lass sie beiseite stehen; Denn wir zwei haben die Erlaubnis erhalten, und wir werden es noch einmal versuchen.
Wie eine Lerche in der Luft, sing, oh schöne Braut! Wir zwei, wir zwei, glücklich Seite an Seite. Nimm einen Kuss von mir, deinem Mann; nun beginnt das Lied: "Alles ist neu geschaffen für uns, und das tapfere Herz gewinnt."
Wenn die dunkleren Tage kommen, und keine Sonne scheinen will, Wirst du meine Tränen trocknen, Mädchen, und ich werde deine trocknen. Wir zwei, wir zwei, während die Welt fern ist, Sitzend bei den goldenen Garben an unserem Hochzeitstag.
Stolz auf dich, dir zugetan, so eng an dich schmiegend, Leicht ist mein Herz, nun da ich weiß, dass ich dir teuer bin! Froh ist meine Stimme nun, so frei mag sie für dich singen All die wilde Liebe, die in mir für dich brennt! Sag es mir noch einmal, sag es immer und immer wieder, Die Geschichte jenes Abends, der dich zuerst als meinen Geliebten sah. Nun brauche ich niemals erröten Bei meines Herzens heißestem Erguss – Die Ehefrau ihres Owen darf ihr Herz offenbaren!
Stolz auf dich, dir zugetan, alles Recht an dir habend, Alles andere aufgebend durch meine Liebe und mein Entzücken an dir! Froh ist mein Herz, seit es so nah an deinem schlägt! Leicht ist mein Schritt, denn er darf immer zu dir fliegen! In deinen Armen geborgen, wo kein Kummer mich erreichen kann, Deine Augen lesend, bis sie mich neue Liebe lehren. Obgleich wild und schwach bis jetzt, Durch das gesegnete Ehegelübde, Wird dein Herz mich mehr lehren, als die Weisesten wissen.
Ich saß mit Doris, dem Hirtenmädchen; Ihr Hirtenstab war beladen mit gewundenen Blumen. Ich saß und umwarb sie während der kreisenden Sonne, Und während Stunden und Stunden die Schatten schlichen.
Und sie, meine Doris, deren Schoß wilde Sommerrosen Von zartem Duft umschließt, Hörte, während ich um sie warb, still und lauschend zu, Bis die Schatten von Glanz zu Düsternis gedunkelt waren.
Sie berührte meine Schulter mit furchtsamem Finger; Sie sagte: "Wir verweilen, wir dürfen nicht bleiben; Meine Herde ist in Gefahr, meine Schafe werden umherirren; Sieh sie dort drüben, wie weit sie abkommen!"
Ich antwortete kühner: "Nein, lass mich dich hören, Und weiterhin in deiner Nähe sein, und dich weiterhin verehren! Kein Wolf noch Fremder wird ein Lamm anrühren – Ach! bleib, mein Liebling, noch einen Moment!"
Sie flüsterte seufzend: "Es wird Kummer geben Jenseits von morgen, wenn ich den heutigen Tag verliere; Meine Hürde unbewacht, meine Herde nicht zusammengehalten – Ich werde ausgeschimpft und weggeschickt werden!"
Sagte ich, verneinend: "Wenn sie dich vermissen, Sollten sie dich küssen, wenn du nach Hause kommst; Und wohlbelohnt von Freund und Nachbar Sollte die Mühe sein, von der du kommst."
"Sie könnten sich erinnern", antwortete sie sanftmütig, "Dass Lämmer schwach sind und Schafe wild; Aber wenn sie mich lieben, ist es nicht so inbrünstig – Ich bin eine Dienstbotin und kein Kind."
Da glühte jede heiße Glut schnell in mir auf, Und die Liebe gewann mich zu schneller Antwort: "Ach! stelle mich doch nur auf die Probe, und niemand soll dich binden, Noch dich schrecken oder finden, bis ich sterbe!"
Sie errötete und schreckte auf und stand wartend da, Als ob sie in göttlichen Träumen abwägte; Aber ich trotzte ihnen – ich sagte ihr offen, Sie zweifelte vergeblich, sie müsse mein sein.
So weckten und sammelten wir, zweiherzig, aus dem ganzen Tal Ihre grasenden Mutterschafe; Und trieben sie heimwärts, wir zwei zusammen, Durch blühende Heide und glänzenden Tau.
Diese einfache Pflicht verlieh ihr solche Anmut, Meine zarte Doris, meine treue Doris, Dass ich, ihr Wächter, sie immer segnete, Und sie oft drückte, ihr das Gebührende zu nehmen.
Und nun erfüllt sie in Schönheit meine Wohnung Mit Liebe, überragend und unbefleckt; Und Liebe bewacht sie, fest und inbrünstig, Nicht länger eine Dienstbotin, noch ein Kind.
Er hatte nichts als seine Geige, Ich hatte nichts als mein Lied, Doch wir wurden getraut, als der Himmel blau war Und die Sommertage lang waren; Und wenn wir uns an der Hecke ausruhten, Kamen die Rotkehlchen und erzählten, Wie sie es gewagt hatten, zu werben und zu gewinnen, Als der frühe Frühling kalt war.
Wir speisten manchmal von Tautau-Beeren, Oder schliefen im Heu, Doch oft kamen die Frauen der Bauern am Abend Heraus, um uns spielen zu hören; Die seltenen alten Lieder, die lieben alten Weisen, – Wir konnten nicht lange hungern, Während mein Mann seine Geige hatte, Und ich mein süßes Liebeslied.
Die Welt ist immer gut zu uns gewesen, Alter Mann, seit wir eins waren, – Unser heimatloses Wandern die Wege entlang, Es war vor langer Zeit zu Ende. Doch jene, die auf Gold oder Hab und Gut warten, Auf Häuser oder auf Vieh, Bis des Lebens süßer Frühling braun und welk wird, Und Liebe und Schönheit schwinden, Werden niemals die Freude der Herzen kennen, Die sich ohne Furcht begegneten, Als du nur deine Geige hattest Und ich ein Lied, mein Teurer.
Jeden Nachmittag jenen stürmischen Frühling Ging ich an der bewachsenen Hütte vorbei, Und bemerkte bald an jenem Gitter Ihr schönes Gesicht nach unten gewandt; Stets an derselben Stelle dort sitzend, So fleißig, so überaus schön.
Oftmals sagte ich, ich kenne sie nicht, Doch würde jenen Weg umhergehen, Bis, als die Abende länger wurden, Und die Weißdornheckenreihe blühte, Ich sie am Brunnen am Wegesrand traf, Dessen Wasser vielleicht den Bann brach.
Denn auf ihren Eimer gestützt, bat sie, Ich möge ihn auf ihr Haupt heben. So tat ich; aber ich fürchte sehr, Dass einige verschwenderische Tropfen vergossen wurden, Und dass wir erröteten, da wir uns von Angesicht zu Angesicht Die kürzeste Zeit gegenüberstehen mussten.
Dann, als der Sonnenuntergang durch die Ähren Des rauschenden Getreides reifte, Als die Gitter weit offen flogen, Als Eschenblätter wie Regen fielen, Wusste sie ebenso gut wie ich die Stunde, Da ich morgens oder abends ihre Laube näherte.
Und nun, da der Schnee das Strohdach bedeckt, Wartet sie jeden sternklaren Abend drinnen An der Tür, ich hebe die Klinke, Und küsse ihr gehobenes Kinn; Auch glaube ich nicht, dass wir wieder errötet sind, Denn die Liebe hat aus zweien nur eines gemacht.
Zwei Vögel in einem Nest; Zwei Herzen in einer Brust; Zwei Seelen in einem schönen, Festen Bunde der Liebe und des Gebets, Zusammen für immer gebunden, zusammen gesegnet.
Ein Ohr, das wartet, zu erhaschen Eine Hand an der Klinke; Ein Schritt, der eilt, seine süße Ruhe zu gewinnen; Eine Welt voll Sorgen draußen, Eine Welt voll Streit ausgesperrt, Eine Welt voll Liebe eingeschlossen.
Zwei Liebende bei einer moosbewachsenen Quelle: Sie lehnten weiche Wangen dort aneinander, Vermischten das dunkle und das sonnige Haar, Und hörten die werbenden Drosseln singen. Oh knospende Zeit! Oh der Liebe gesegnete Blütezeit!
Zwei Vermählte traten aus dem Portal: Die Glocken machten fröhliche Gesänge, Die Luft war weich wie fächelnde Flügel, Weiße Blütenblätter schliefen auf dem Pfad. Oh reinäugige Braut! Oh zarter Stolz!
Zwei Gesichter über einer Wiege gebeugt: Zwei Hände waren über dem Kopf verschlungen: Diese drückten einander, während sie wiegten, Jene beobachteten ein Leben, das die Liebe gesandt hatte. Oh feierliche Stunde! Oh verborgene Kraft!
Zwei Eltern am Abendfeuer: Das rote Licht fiel um ihre Knie Auf Köpfe, die sich in langsamen Graden erhoben Wie Knospen am Lilienstängel. Oh geduldiges Leben! Oh zarter Streit!
Die beiden saßen noch immer zusammen dort, Das rote Licht schien um ihre Knie; Doch alle Köpfe waren in langsamen Graden Gegangen und hatten jenes einsame Paar verlassen. Oh schnelle Reise! Oh verschwundene Vergangenheit!
Das rote Licht schien auf den Boden Und machte den Raum zwischen ihnen weit; Sie zogen ihre Stühle Seite an Seite heran, Ihre blassen Wangen vereint, und sagten: "Noch einmal!" Oh Erinnerungen! Oh Vergangenheit, die ist!
"Irgendwo", sinnierte er, "warten ihre lieben Verzauberungen, Jenes Land, so himmlisch süß; Doch alle Pfade, denen wir folgen, früher oder später, Enden in der Hitze der Wüste."
"Und noch immer lockt es uns zur eifrigen Suche, Und ruft uns Tag für Tag" – "Aber ich", sagte sie, ihr Kind an ihrer Brust, "Aber ich habe den Weg gefunden."
"Irgendwann", seufzte er, "wenn Jugend und Freude verbraucht sind, Mögen unsere Füße die Tore gewinnen" – "Aber ich", lächelte sie, mit Augen tiefer Zufriedenheit, "Aber ich bin eingetreten."
Ich würd' nicht geben mein eigen Weib Für irgendein Weib, das ich seh'; Ich würd' nicht geben mein eigen Weib Für irgendein Weib, das ich seh'; Eine schönere hab ich noch nie gesehen, Eine bessere kann es nicht geben – Ich würd' nicht geben mein eigen Weib Für irgendein Weib, das ich seh'!
Oh traulich ist mein Kaminplatz, Und heiter ist meine Jean; Ich sehe niemals ihren zornigen Blick, Noch höre ich ihr Wort gegen einen. Sie ist gut mit allen Nachbarn ringsum Und immer gut mit mir – Ich würd' nicht geben mein eigen Weib Für irgendein Weib, das ich seh'.
Und oh ihre Blicke so freundlich, Sie schmelzen mein Herz ganz und gar, Wenn sie über dem Baby an ihrer Brust Mit zärtlichem Entzücken hängt; Sie schaut in sein schönes Gesicht, Und dann schaut sie zu mir – Ich würd' nicht geben mein eigen Weib Für irgendein Weib, das ich seh'.
Ich würde nicht geben meine irische Frau Für alle Damen des sächsischen Landes; Ich würde nicht geben meine irische Frau Für die Hand der Königin von Frankreich; Denn sie ist mir teurer Als starke Burgen, oder Ländereien, oder das Leben. Ein Geächteter – solange ich bei ihr bin, Um bis zum Tode meine irische Frau zu lieben.
Oh was wäre dieses mein Heim, Ein ruinierter, von Einsiedlern heimgesuchter Ort, Wäre nicht das Licht, das nächtlich scheint Auf seine Mauern von Kathleens Gesicht! Welcher Trost in einer Goldmine, Welches Vergnügen in einem königlichen Leben, Wenn das Herz darin tot und kalt läge, Wenn ich nicht meine irische Frau heiraten könnte?
Ich wusste, das Gesetz verbot das Aufgebot; Ich wusste, mein König verabscheute ihr Geschlecht; Wer niemals vor ihren Clans kniete, Muss sich vor der Anmut ihrer Damen beugen. Nehmt mein ganzes verwirktes Besitztum, Ich kann nicht mit Stammesverwandten Krieg führen: Nehmt ritterliches Gewand und edlen Namen, Und ich werde meine irische Frau behalten.
Meine irische Frau hat klare blaue Augen, Meinen Himmel bei Tag, meine Sterne bei Nacht; Und zwie-gleiche Wahrheit und Zärtlichkeit ruhen Innerhalb ihres schwellenden weißen Busens. Meine irische Frau hat goldenes Haar, Apollos Harfe hatte einst solche Saiten, Apollo selbst könnte innehalten, um zu hören Ihr vogelgleiches Lied, wenn sie singt.
Ich würde nicht geben meine irische Frau Für alle Damen des sächsischen Landes; Ich würde nicht geben meine irische Frau Für die Hand der Königin von Frankreich; Denn sie ist mir teurer Als starke Burgen, oder Ländereien, oder das Leben: Im Tode möchte ich bei ihr sein, Und auferstehen neben meiner irischen Frau.
Sie ist ein gewinnendes kleines Ding, Sie ist ein hübsches kleines Ding, Sie ist ein schönes kleines Ding, Diese süße kleine Frau von mir.
Ich sah niemals eine schönere, Ich liebte niemals eine teurere, Und nah an meinem Herzen werde ich sie tragen, Aus Furcht, mein Juwel zu verlieren.
Sie ist ein gewinnendes kleines Ding, Sie ist ein hübsches kleines Ding, Sie ist ein schönes kleines Ding, Diese süße kleine Frau von mir.
Des Lebens Plackerei, wir teilen sie, Das Ringen und die Sorge darum: Mit ihr werde ich es fröhlich ertragen, Und mein Los göttlich wähnen.
Ich sagte zu Lettice, unserer Schwester Lettice, Während ihre braune Wimper sich senkte und glänzte: "Dein Mann ist ein armer Mann, ein kalter und strenger Mann, Es gibt viele bessere in unserer Stadt." Sie lächelte sicher – "Er liebt mich rein: Ein wahres Herz ist sicher, bei Lächeln wie bei Stirnrunzeln; Und nichts schadet mir, während seine Liebe mich wärmt, Egal ob die Welt aufwärts oder abwärts geht."
"Er stammt von Fremden, und sie sind Wanderer, Und übel zu trauen, Mädchen, wenn außer Sicht: Fremdes Volk mag euch tadeln, und gar verleumden, Ein Kleid, das oft angefasst wird, sieht selten weiß aus." Sie hob gelassen ihre königlichen Augenlider, – "Meine Unschuld ist mein weißestes Kleid; Keine raue Zunge kränkt mich, während er mir glaubt, Egal ob die Welt aufwärts oder abwärts geht."
"Dein Mann ist ein gebrechlicher Mann, war niemals ein gesunder Mann, Und Krankheit klopft an jede Tür, Und der Tod kommt, lässt kühne Herzen zusammenzucken, zerbrechend –" Unsere Lettice zitterte; – aber einmal, nicht mehr. "Wenn der Tod eintreten sollte, schlage ins Zentrum Unseren armen Heimpalast, alles zerfallend, Er kann uns nicht erschrecken, noch uns trennen, Das Leben trägt das Kreuz der Liebe, der Tod bringt der Liebe Krone."
Wenn du an meiner Seite wärst, meine Liebe, Wie schnell würde der Abend vergehen In Bengalas palmenreichem Hain, Der Nachtigall lauschend!
Wenn du, meine Liebe, an meiner Seite wärst, Meine Babys an meinem Knie, Wie fröhlich würde unsere Barke gleiten Über Gangas nachgeahmtem Meer!
Ich vermisse dich im grauen Morgen, Wenn ich, auf unserem Deck zurückgelehnt, In sorgloser Ruhe meine Glieder ausstrecke Und dem kühleren Wind schmeichle.
Ich vermisse dich, wenn ich am Strom der Ganga Meine dämmrigen Schritte lenke, Doch am meisten unter dem bleichen Schein der Lampe Vermisse ich dich an meiner Seite.
Ich breite meine Bücher aus, versuche meinen Stift, Den säumigen Mittag aufzuheitern, Doch vermisse dein gütiges, zustimmendes Auge, Dein sanftes, aufmerksames Ohr.
Doch wenn morgens und abends der Stern Mich auf meinen Knien erblickt, Fühle ich, obwohl du fern bist, Deine Gebete für mich aufsteigen.
Dann weiter! dann weiter! wo die Pflicht führt, Mein Kurs sei immer vorwärts, Über Groß-Hindostans schwüle Wiesen, Über Almorahs kahlen Hügel.
Diesen Kurs halten weder Delhis königliche Tore, Noch das milde Malwah auf; Denn süß ist die Wonne, die uns beide erwartet An jenem westlichen Meer.
Deine Türme, Bombay, glänzen hell, so heißt es, Über dem dunkelblauen Meer; Doch niemals waren Herzen so leicht und fröhlich, Wie sie dann in dir zusammenkommen werden!
Ach, was ist Liebe? Es ist ein hübsches Ding, So süß für einen Hirten wie für einen König, Und süßer noch: Denn Könige haben Sorgen, die auf einer Krone warten, Und Sorgen können die süßeste Liebe zum Stirnrunzeln bringen: Ach dann, ach dann, Wenn ländliche Lieben solch süße Begierden gewinnen, Welche Dame würde nicht einen Hirtenburschen lieben?
Seine Herde ist zusammengepfercht; er kommt heim bei Nacht So fröhlich wie ein König in seinem Entzücken, Und fröhlicher noch: Denn Könige besinnen sich darauf, was der Staat erfordert, Wo Hirten, sorglos, am Feuer singen:
Er küsst zuerst, dann sitzt er so blithe, zu essen Seine Sahne und Quark, wie ein König sein Fleisch, Und blither noch: Denn Könige haben oft Ängste, wenn sie speisen, Wo Hirten kein Gift in ihrem Becher fürchten:
Zu Bett geht er, so wollüstig dann, ich glaube, Wie ein König im Liebesspiel mit einer Königin; Mehr wollüstig noch: Denn Könige haben viele Sorgen, Affekte zu bewegen, Wo Hirten keinen größeren Kummer als Liebe haben:
Auf seiner Strohmatratze schläft er so fest Wie der König auf seinem Bett aus Daunen; Mehr fester noch: Denn Sorgen veranlassen Könige oft, ihren Schlaf zu verlieren, Wo müde Hirten liegen und schnarchen nach Herzenslust:
So verbringt er mit seiner Frau das Jahr so fröhlich Wie der König zu jeder Zeit oder Gelegenheit, Und fröhlicher noch: Denn Könige haben Kriege und Händel zu führen, Wo Hirten lachen und lieben auf dem Lande: Ach dann, ach dann, Da ländliche Lieben solch süße Begierden gewinnen, Welche Dame würde nicht einen Hirtenburschen lieben?
Wer begehrt, dass seine Frau keusch sei, Sei er erst wahr, denn Wahrheit verdient Wahrheit: Dann sei er so, dass sie seinen Wert erkennen mag, Und einem Mann stets Glauben bei ihr bewahre. Nicht spielerisch freundlich, noch grundlos unfreundlich; Nicht Gedanken anstachelnd, noch das Recht verweigernd; Nicht Fehler ausspähend, noch blind für offensichtliche Irrtümer; Niemals harte Hand, noch jemals allzu lockere Zügel. So fern vom Mangel, wie fern von eitler Ausgabe (Das eine zwingt, das letztere verführt); Erlaube gute Gesellschaft, doch halte fern davon Alle schmutzigen Münder, die sich ihres Lasters rühmen. Dies getan, hast du nichts mehr, sondern überlasse den Rest Der Tugend, dem Schicksal, der Zeit und der Brust einer Frau.
Warum, da ich sie gewonnen habe, werbe ich? Weil die vestalische Anmut ihres Geistes Mich stets provoziert zu verfolgen, Doch, geistartig, sich der Umarmung entzieht; Weil ihr Frausein solches ist, Dass, wie an Hofes-Tagen Untertanen küssen Die Hand der Königin, doch eine so nahe Berührung Keine gemeine Vertraulichkeit bekräftigt; Nein, vielmehr die Höhe deutlicher markiert, Die so sicher vernachlässigen kann, Zu fürchten, wie niedere Damen es könnten, Dass Anmut auf Respektlosigkeit stoßen könnte; So nährt sie mit glücklicher Gunst Treue aus einer Liebe, so hoch, Dass daraus kein falscher Begriff entspringt Von überbrückter Differenz, oder abgelegtem Stand; Weil, obwohl in Tat und Wort So demütig wie eine Ehefrau nur sein kann, Ihre Manieren, wenn sie mich Herr nennen, Mich daran erinnern, dass es aus Höflichkeit geschieht; Nicht mit ihrer leisesten Zustimmung des Willens, Was meine stolze Zuneigung verletzen würde, Sondern durch den edlen Stil, der noch immer Ein unerreichtes Verdienst unterstellt; Weil ihre heiteren und erhabenen Brauen, Wenn alles gewonnen ist, was Hoffnung erbitten kann, Ein Licht hoffnungsloser Schneefelder reflektieren, Die hell in jungfräulichem Äther baden; Weil, obwohl ich frei vom äußeren Hof bin, Dieser Tempel seinen Schrein bewahrt, Geheiligt dem Himmel; denn, kurz gesagt, Sie ist nicht und kann niemals mein sein.
Nicht wie alle anderen Frauen ist Sie, die meiner Seele teuer ist; Ihre glorreichen Fantasien kommen von fern, Unter dem silbernen Abendstern, Und doch ist ihr Herz immer nah.
Große Gefühle hat sie für sich selbst, Die geringere Seelen niemals kennen mögen; Gott gibt sie ihr allein, Und süß sind sie wie jeder Ton, Womit der Wind zu wehen wählt.
Doch in sich selbst verweilt sie nicht, Obgleich kein Heim halb so schön wäre; Keine einfachste Pflicht ist vergessen, Das Leben hat keinen trüben und niederen Fleck, Der nicht an ihrem Sonnenschein teilhat.
Sie tut kleine Freundlichkeiten, Die die meisten ungetan lassen oder verachten: Denn nichts, was ein Herz beruhigt, Und Glück oder Frieden gibt, Ist in ihren Augen gering geschätzt.
Sie hat keinen Spott für gewöhnliche Dinge, Und obwohl sie einer anderen Geburt zu sein scheint, Verschlingt und schmiegt sich ihr Herz um uns, Und geduldig faltet sie ihre Flügel, Um die demütigen Pfade der Erde zu beschreiten.
Ein Segen ist sie: Gott schuf sie so, Und Taten alltäglicher Heiligkeit Fallen von ihr, lautlos wie der Schnee, Noch hat sie jemals erfahren, Dass irgendetwas leichter wäre, als zu segnen.
Sie ist gar hold, und dazu Harmoniert ihr Leben trefflich; Gefühl oder Gedanke, der nicht wahrhaft war, Machte niemals das blaue, Wolklose Himmelreich ihrer Augen weniger schön.
Sie ist eine Frau: eine, in der Der Frühling ihrer kindlichen Jahre Niemals seinen frischen Duft verlor, Obwohl sie wohl weiß, dass das Leben Raum hat Für manchen Welken und manche Träne.
Ich liebe sie mit einer Liebe, so still Wie die friedvolle Macht eines breiten Flusses, Der, vorbei an hohem Turm und niedriger Mühle, Seinem eigenen eigensinnigen Willen zu folgen scheint, Und doch immer recht fließt.
Und auf seiner vollen, tiefen, heiteren Brust Liegen meine Pflichten wie stille Inseln; Er fließt um sie herum und zwischen ihnen hindurch Und macht sie frisch und schön und grün, Süße Heimstätten, um darin zu leben und zu sterben.
MARGARET AN DOLCINO
Fragst du, ob ich dich liebe? Oh, Lächeln kann nicht sagen, Klarer als Tränen es nun allzu deutlich zeigen. Hätte ich dich nicht geliebt, mein Himmel wäre klar geblieben: Hätte ich dich nicht geliebt, wäre ich nicht hier, Weinend an deiner Seite.
Fragst du, ob ich dich liebe? Wie sonst könnte ich mir Stolz aus der Verleumdung der Menschen leihen, Kraft aus meinem Kummer? Lachen, wenn sie über die Braut des Fanatikers spotten, Da ich kein anderes Glück kenne, als zu mühen und zu verharren, Weinend an deiner Seite.
DOLCINO AN MARGARET
Die Welt geht auf und die Welt geht nieder, Und der Sonnenschein folgt dem Regen; Und das Spottwort von gestern, und das Stirnrunzeln von gestern, Können niemals wiederkehren, Süße Frau: Nein, niemals wiederkehren.
Denn das Weib ist warm, auch wenn der Mann kalt ist, Und die Nacht wird den Tag heiligen; Bis das Herz, das am Abend müde und alt war, Am Morgen wieder fröhlich erwachen kann, Süße Frau; Zu seiner Arbeit am Morgen fröhlich.
ZULETZT
Wenn Braut und Bräutigam sich erst vermählen, Lieben sie ihr eigenes Ich am meisten; Ein Schwert liegt im Ehebett, Ihr getrennter Schlaf ist keine Ruhe. Sie streiten sich und versöhnen sich wieder, Sie geben und erleiden Welten voller Schmerz. Beide im Recht und beide im Unrecht, Ringen sie lange, Bis zu einem guten Tag, wenn sie alt sind, Zu einem dunklen Tag, wenn die Glocken läuten, Der Tod ihnen das Beste ihres Lebens genommen hat, Verlieren sie sich selbst und finden einander; Sie wissen, dass sie Ehemann und Ehefrau sind, Denn weinend sind sie Vater und Mutter!
DIE EHEFRAU AN IHREN EHEMANN
Verweile nicht lange. Das Heim ist kein Heim ohne dich: Seine liebsten Zeichen lassen mich nur trauern. O lass seine Erinnerung, wie eine Kette um dich, Sanft dein Zurückkehren erzwingen und beschleunigen!
Verweile nicht lange. Obwohl Mengen dich zum Bleiben locken, Bedenke, kann die Fröhlichkeit deiner Freunde, wenn auch teuer, Den Kummer aufwiegen, den dein langes Zögern Dem treuen Herzen bereitet, das sich sehnt, dich hier zu haben?
Verweile nicht lange. Wie werde ich auf dein Kommen warten, Wenn abendliche Schatten sich über Heide und Tal dehnen; Wenn die wilde Biene ihr geschäftiges Summen beendet hat Und Stille wie ein Bann auf allen Dingen liegt!
Wie werde ich auf dich warten, wenn die Ängste stärker werden, Wenn die Nacht auf dem Hügel dunkler und dunkler wird! Wie werde ich weinen, wenn ich nicht länger warten kann! Ach! Bist du abwesend, bist du immer noch abwesend?
Doch ich werde nicht trauern, auch wenn das Auge, das mich sieht, Durch Tränen starrt, die seinen Glanz trüben; Denn oh! Ich fürchte manchmal, wenn du bei mir bist, Dass mein Becher des Glücks allzu voll ist.
Eile, eile heim zu deiner Berghütte, Eile, wie ein Vogel zu seinem friedlichen Nest! Eile, wie ein Kahn durch weite, anschwellende Stürme, Zum Hafen der sichersten Ruhe fliegt!
EIN LIED DER EHEFRAU
O wohl liebe ich den Frühling, Wenn der süße, süße Weißdorn blüht; Und wohl liebe ich den Sommer, Und das Kommen der Rose; Doch teurer sind das welkende Blatt, Und das Jahr im Schwinden, Denn o, sie bringen die gesegnete Zeit, Die ihn wieder heimführt.
Der November mag trostlos sein, Der Dezember mag für andere Genauso voller Düsterkeit sein, Wie sie einst für mich waren; Doch o, den Sturm zu hören, Wie er laut gegen die Fensterscheibe schlägt! Denn der brausende Wind und die gesegnete Zeit, Die ihn wieder heimführt.
DES SEEMANNS EHEFRAU
Und seid Ihr sicher, dass die Nachricht wahr ist? Und seid Ihr sicher, dass es ihm wohl ergeht? Ist dies eine Zeit, von Arbeit zu sprechen? Ihr Tussis, werft Euer Spinnrad beiseite! Ist dies eine Zeit, einen Faden zu spinnen, Wenn Colin vor der Tür steht? Reicht mir meinen Umhang – ich gehe zum Kai, Und sehe ihn an Land kommen. Denn es ist kein Glück ums Haus, Es ist gar kein Glück vorhanden, Es ist wenig Freude im Haus, Wenn unser Hausherr fort ist.
Und gebt mir meine Haube, Mein bischöfliches seidenes Kleid; Denn ich muss der Frau des Vogts sagen, Dass Colin in der Stadt ist. Meine türkischen Pantoffeln müssen angezogen werden, Meine perlblauen Strümpfe; Es ist alles, um unserem Hausherrn zu gefallen, Denn er ist sowohl treu als auch redlich.
Steh auf, Mädel, und mach den Kamin sauber, Setz den großen Topf auf; Gib der kleinen Kate ihr Knöpfchenkleid, Und Jock seinen Sonntagsrock. Und mach ihre Schuhe so schwarz wie Schlehen, Ihre Strümpfe so weiß wie Schnee; Es ist alles, um meinem eigenen Hausherrn zu gefallen, Er sieht sie gerne herausgeputzt.
Da sind zwei Hennen auf dem Balken, Die haben diesen Monat und mehr gefressen; Macht schnell und dreht ihnen den Hals um, Damit es Colin gut ergehe! Und deckt den Tisch ordentlich und sauber, Lasst alles schmuck aussehen; Denn wer kann sagen, wie es Colin erging, Als er weit weg war?
So treu sein Herz, so sanft seine Sprache, Sein Atem wie kühle Luft; Sein Fuß selbst hat Musik in sich, Wenn er die Treppe heraufkommt. Und werde ich sein Gesicht wiedersehen, Und werde ich ihn sprechen hören? Ich bin ganz schwindelig bei dem Gedanken, Wahrlich, ich könnte weinen!
Wenn es Colin gut geht und er wohl zufrieden ist, Habe ich nicht mehr zu begehren; Und wenn ich lebe, ihn so zu erhalten, Bin ich gesegnet über alle anderen. Und werde ich sein Gesicht wiedersehen, Und werde ich ihn sprechen hören? Ich bin ganz schwindelig bei dem Gedanken, Wahrlich, ich könnte weinen! Denn es ist kein Glück ums Haus, Es ist gar kein Glück vorhanden; Es ist wenig Freude im Haus, Wenn unser Hausherr fort ist.
JERRY UND ICH
Egal, wie die Chancen stehen, Oder wann die Winde wehen mögen, Mein Jerry dort hat das Meer verlassen Mit all seinem Glück und Leid: Denn wer das Meer überhaupt versuchen will, Muss es versuchen, mit Glück oder ohne.
Sie sagten ihm – Gott, die Männer machen sich keine Gedanken, Wie ihre Worte fallen mögen – Sie sagten ihm unverblümt, er sei zu alt, Zu langsam mit Ruder und Schleppnetz, Und so hat er das Meer verlassen Und Glück und Leid und alles.
Nimm irgendeinen Mann auf See oder an Land Aus seinem gewohnten Weg, Wenn er jung ist, wird es gehen, aber dann, Wenn er alt und grau ist, Wird ein Monat ein Jahr für ihn sein. Sei ihm alles, was du kannst.
Er sitzt bei mir, aber meistens geht er Den Hof auf und ab wie ein Deck, Und beobachtet das Boot, das hinausfährt, Bis es nur noch ein Punkt ist, Dann dreht er sich ab, sein Gesicht so nass, Als wäre es ein Wrack.
Ich kann sie nicht zurückbringen, Die Tage, als wir uns vermählten. Aber er soll niemals wissen – mein Mann – Den Mangel an Liebe oder Brot, Während ich noch einen Stich machen oder füllen kann, Eine Nadel voll Garn.
Gott erbarme sich mein, ich hatte fast vergessen, Wie viele es noch gibt, Deren Männer, so alt wie meiner, Irgendwo auf dem Meer sind, Die die brechende Brandung hören und an Jerry zu Hause und – mich denken.
"SEI NICHT TRAURIG, LIEBLING"
O sei nicht traurig, Liebling! Und sei nicht traurig, bitte; Das Jahr im Ganzen genommen, mein Teurer, Ist die Nacht nicht länger als der Tag.
Es ist regnerisches Wetter, mein Liebling; Die Wellen der Zeit rollen schwer; Aber das Jahr im Ganzen genommen, mein Teurer, Gibt es nicht mehr Wolken als Sonne.
Wir sind jetzt alte Leute, mein Liebling, Unsere Köpfe werden grau; Aber das Jahr rundherum genommen, mein Teurer, Wirst du immer den Mai finden.
Wir hatten unseren Mai, mein Liebling, Und unsere Rosen vor langer Zeit; Und die Zeit des Jahres kommt, mein Teurer, Für die stille Nacht und den Schnee.
Aber Gott ist Gott, mein Liebling, Der Nacht ebenso wie des Tages; Und wir fühlen und wissen, dass wir gehen können, Wohin auch immer Er den Weg weist.
Ein Gott der Nacht, mein Liebling, Der Nacht des Todes, so grimmig; Das Tor, das aus dem Leben führt, gute Frau, Ist das Tor, das zu Ihm führt.
WINIFREDA
Fort! Lass nichts, was der Liebe missfällt, Meine Winifreda, deine Sorge bewegen; Lass nichts den himmlischen Segen verzögern, Weder zimperlichen Stolz noch düstere Furcht.
Was macht es, wenn keine Schenkungen königlicher Gönner Mit pompösen Titeln unser Blut zieren, Wir werden in substanzielleren Ehren glänzen, Und um edel zu sein, werden wir gut sein.
Unser Name, während wir so die Tugend pflegen, Wird süß erklingen, wo immer er ausgesprochen wird, Und all die Großen, sie werden sich wundern, Wie sie solche kleinen Leute achten.
Was macht es, wenn wir aus der verschwenderischen Freigebigkeit des Glücks Keine mächtigen Schätze besitzen; Wir werden in unserer Armseligkeit Fülle finden, Und mit dem Genug zufrieden sein.
Immer wird jede freundlich wiederkehrende Jahreszeit Genug für unsere Wünsche geben; Denn wir werden ein Leben der Vernunft führen, Und das ist das einzige Leben, das es zu leben gilt.
Durch Jugend und Alter, in Liebe sich auszeichnend, Werden wir Hand in Hand einhergehen; Süß lächelnder Friede soll unsere Wohnstätte krönen Und Kinder, süß lächelnde Kinder, unser Bett.
Wie sollte ich die hübschen Geschöpfe lieben, Während sie sich zärtlich um meine Knie schmiegten! Zu sehen, wie sie die Züge ihrer Mutter tragen, Zu hören, wie sie der Mutter Zunge lispeln!
Und wenn die Zeit, von Neid getrieben, Denken wird, uns unserer Freuden zu berauben, Wirst du in deinen Mädchen wieder umworben werden, Und ich werde in meinen Jungen umwerben.
IDYLL EINES ALTEN MANNES
An den Wassern des Lebens saßen wir zusammen, Hand in Hand, in den goldenen Tagen Des schönen frühen Sommerwetters, Als der Himmel purpur war und jeder Hauch ein Lobpreis, Als das Herz im Takt zu den Liedern der Vögel schlug, Und die Vögel im Takt zu den Liedern, die rannten Durch das Schimmern der Blumen auf grasigen Wiesen, Und Bäume mit äolischen Stimmen.
An den Flüssen des Lebens wandelten wir zusammen, Ich und mein Liebling, ohne Furcht; Und leichter als die Feder eines Hänflings Wog auf uns die Bürde des Daseins; Und die süßen Wunder der Liebe warfen über uns Mäntel der Freude, die die Zeit überdauerten, Und aus den rosigen Morgenstunden erwuchs Ein Klang, der wie ein Hochzeitsgeläut schien.
In den Gärten des Lebens irrten wir zusammen, Und die saftigen Äpfel waren reif und rot, Und der träge Flieder und die honigsüße Heide Vergingen vor dem Duft, den sie verströmten; Und unter den Bäumen wandelten Engel, Und in der Luft lag ein Sinn für Schwingen, Der uns zärtlich in Ehrfurcht versetzte, während wir leise In heiliger Gemeinschaft sprachen.
Auf den Wiesen des Lebens irrten wir zusammen, Beobachteten, wie die wogenden Ernten wuchsen, Und unter dem Segen des Vaters Sprangen unsere Herzen, wie die Lämmer, hin und her; Und die Schlüsselblume, unser leises Antworten hörend, Bestickte die smaragdgrünen Ufer schöner, Und Freudetränen glänzten in den Augen des Gänseblümchens, Und das schüchterne Veilchen glänzte vor Dank.
Wer bei uns war und was uns umgab, Weder ich noch mein Liebling ahnten es; Wir wussten nur, dass etwas uns krönte Aus dem Himmel mit Kronen der Ruhe; Wir wussten nur, dass etwas Helles Liebevoll verweilte, wo wir standen, Bekleidet mit dem glühenden Licht Von etwas Höherem als Menschlichkeit.
Oh, der Reichtum, den die Liebe erbt! Oh, die Alchemie, die verwandelt Schlacke des Körpers und Bodensatz des Geistes In Heiligtümer, selten und sonderbar! Mein Fleisch ist schwach und trocken und alt, Das schöne Haar meines Lieblings ist grau; Aber unser Elixier und unser kostbares Gold Lachen über die Schritte des Verfalls.
Schaden der Welt ist über uns gekommen, Becher voller Kummer werden wir noch leeren; Aber wir haben ein Geheimnis, das uns zeigt Wunderbare Regenbogen im Regen. Und wir hören den Tritt der Jahre vorüberziehen, Und die Sonne geht hinter den Hügeln unter; Aber mein Liebling fürchtet den Tod nicht, Und ich bin glücklich in dem, was Gott will.
So sitzen wir zusammen an unserem häuslichen Kamin, Träumen die Träume von vor langer Zeit; Dann war es balsamisches, sonniges Wetter, Und nun sind die Täler in Schnee gebettet; Eiszapfen hängen von den schlüpfrigen Traufen, Der Wind weht kalt, – es wird spät; Nun, nun! Wir haben alle unsere Garben eingebracht, Ich und mein Liebling, und wir warten.
DES DICHTERS LIED AN SEINE FRAU
Wie viele Sommer, Liebste, War ich Dein? Wie viele Tage, du Taube, Warst du Mein? Die Zeit, wie der geflügelte Wind, Wenn er die Blumen beugt, Hat keine Spur hinterlassen, Um die Stunden zu zählen.
Manch Gewicht der Gedanken, wenn auch widerstrebend, Lässt er auf dir zurück; Manche Sorgenfalten um uns beide Vielleicht webt er; Manche Ängste, – ein weiches Bedauern Für Freuden, kaum gekannt; Süße Blicke, die wir halb vergessen; – Alles andere ist verflogen!
Ach! – Mit welch undankbarem Herzen Trauere und singe ich! Schau, wo unsere Kinder entspringen, Wie plötzlicher Frühling! Mit Zungen, ganz süß und leise, Wie ein angenehmer Reim, Sagen sie, wie viel ich dir Und der Zeit schulde!
JOHN ANDERSON
John Anderson, mein Liebling, John, Als wir uns zuerst kannten, Waren deine Locken wie der Rabe, Deine schöne Stirn war glatt; Doch nun ist deine Stirn kahl, John, Deine Locken sind wie der Schnee; Aber Segen auf deinem frostigen Haupt, John Anderson, mein Liebling.
John Anderson, mein Liebling, John, Wir stiegen zusammen den Hügel hinauf, Und manchen frohen Tag, John, Hatten wir miteinander: Nun müssen wir hinunterwanken, John, Aber Hand in Hand werden wir gehen, Und zusammen am Fuße schlafen, John Anderson, mein Liebling.
AN MARY
"Dich, Mary, vermähle ich mit diesem Ring", So sagte ich, vor vierzehn Jahren – Sieh, ein weiterer Ring! – "Wofür? Um dich noch einmal zu heiraten – warum nicht?"
Mit jenem ersten Ring vermählte ich Jugend, Anmut, Schönheit, Unschuld und Wahrheit; Geschmack, lange bewundert, Verstand, lange verehrt, Und all meine Molly erschien damals. Wenn sie durch seither offenbarte Verdienste Sich als doppelt so wunderbar erweist, wie ich vermutete, So plädiere ich nun für diesen doppelten Verdienst, Um ein doppeltes Gelübde zu rechtfertigen.
Hier also, heute, (mit Glauben so sicher, Mit Inbrunst so intensiv und rein, Wie damals, inmitten der göttlichen Riten, Ich deine Treue nahm und meine versprach), Dir, süßes Mädchen, bringe ich meinen zweiten Ring Als Zeichen und als Pfand; Hiermit vermähle ich, bis der Tod uns scheidet, Deine gereifteren Tugenden meinem Herzen; Jene Tugenden, die, zuvor unerprobt, Die Ehefrau der Braut hinzugefügt hat; Jene Tugenden, deren fortschreitender Anspruch, Der den Namen der Ehe selbst liebenswürdig macht, Meine Seele genießt, mein Lied billigt, Um des Gewissens willen, ebenso wie der Liebe.
Denn warum? – Sie zeigen mir jede Stunde, Ehren hohen Gedanken, der Zuneigung Macht, Der Diskretion Tat, des gesunden Urteils Urteilsspruch, Und lehren mich alles – außer Reue.
DIE GOLDENE HOCHZEIT
O Liebe, deren geduldige Pilgerfüße Den längsten Pfad des Lebens beschritten haben; Dessen Dienst so süß symbolisiert hat Die teurere Liebe Gottes; Der heilige Myrtenkranz windet sich wieder Um deinen Altar, wie in alten Zeiten; Und was damals grün war im Sommer, Ist nun zu Gold gereift.
Nicht mehr wie damals ist das Gesicht der Zukunft Vom Licht der Phantasie gerötet; Aber die Erinnerung, mit einer milderen Anmut, Soll heute Abend das Fest regieren. Gesegnet war die Sonne der Freude, die schien, Nicht weniger der blendende Schauer; Die Knospe von vor fünfzig Jahren Ist der Liebe vollendete Blume.
O Erinnerung, öffne deine mystische Tür; O Traum der Jugend, kehre zurück; Und lass das Licht, das einst glänzte, Neben diesem Altar brennen. Die Vergangenheit ist klar; es war die Liebe, die entwarf Selbst die eiserne Kette des Kummers; Und der leuchtende Faden der Barmherzigkeit hat sich verschlungen Mit dem dunklen Kettfaden des Schmerzes.
So sei es immer. O Du, der Du Jene jüngere Vermählung gesegnet hast, Bis der Maienmorgen der Liebe vergangen ist In den goldenen Westen des Abends; Komm zu dieser späteren Kana, Herr, Und bei Deiner göttlichen Berührung Wird das Wasser jenes früheren Tisches Heute Abend zu Wein.
MOGGY UND ICH
Oh wer ist so glücklich wie ich und meine Moggy? Oh wer ist so glücklich wie Moggy und ich? Wir werden beide alt, und unser Reichtum ist schnell erzählt, Aber Zufriedenheit wohnt immer in unserer kleinen Hütte. Sie arbeitet den ganzen Tag, wenn ich bei der Herde bin, Und singt den Kindern Lieder, während ich auf dem Hügel singe; Und ihr fröhliches Lächeln heißt mich immer von meiner Arbeit willkommen, Wenn ich müde und weh das Tal hinunterkomme.
Über unseren alten Köpfen haben wir ein schönes kleines Haus, Das die Kälte abhält, wenn der Sommer fort ist; Wir haben zwei Bahnen Leinen aus Moggys eigenem Spinnen, So dick wie Seidensamt und so weiß wie der Schnee; Wir haben Kühe im Stall und Pferde im Pferdestall, Ein Schwein so fett, dass es kaum stehen kann; Und etwas, vermute ich, in jenem alten bemalten Schrank, Um die Geister aufzuheitern und die Hand zu stetigen.
Es ist wahr, wir hatten viele Sorgen und Kreuze, Unsere Beutel oft leer und unsere Herzen voller Sorge; Aber mit all unseren Kreuzen, unseren Sorgen und Verlusten, War Zufriedenheit, Gott sei Dank! immer unser Anteil. Ich habe ein altes verrostetes Schwert, das von meinem Vater hinterlassen wurde, Welches immer gezogen wurde, wenn mein König einen Feind hatte; Wir haben Freunde, ein oder zwei, die uns oft besuchen, Um zu lachen, wenn wir glücklich sind, oder zu trauern, wenn wir weh sind.
Unser Herzog mag Gold haben, mehr als die Gelehrten zählen können, Und Lakaien, die jeden Blick seines Auges bewachen, Seine Dame immer fein, sitzend, vornehm in ihrem Saal; Aber sind sie so glücklich wie Moggy und ich? Alle ihr, die ihr nie den geraden Weg zum Glück gefunden habt, Die ihr nicht zufrieden seid mit dem Los, das ihr ertragt, Kommt herunter zu der Wohnstätte, von der ich erzählt habe, Ihr werdet es lernen, indem ihr Moggy und mich anseht.
"O, LEGE DEINE HAND IN MEINE, LIEBE!"
O, lege deine Hand in meine, Liebe! Wir werden alt; Aber die Zeit hat kein Zeichen gebracht, Liebe, Dass Herzen kalt werden. Es ist lange, lange her, seit unsere neue Liebe Das Leben göttlich machte; Aber das Alter bereichert die wahre Liebe, Wie edlen Wein.
Und lege deine Wange an meine, Liebe, Und finde deine Ruhe; Meine Arme umschlingen dich, Liebe, Und mach dein Nest. Viele Sorgen drücken Auf dieses liebe Haupt; Aber die Hände des Kummers im Segen Sind sicherlich darauf gelegt.
O, lehne dein Leben an meines, Liebe! Es wird dich beschützen. Du warst ein reizender Weinstock, Liebe, An meinem jungen Baum: Und so, bis die Zweige blattlos sind, Und die Singvögel fortgeflogen, Werden wir uns umschlingen, dann legen wir uns, ohne Kummer, Zusammen nieder.
DAS TOTENAMT
Nimm an, du Schrein meiner toten Heiligen, Statt Klageliedern diese Beschwerde; Und für süße Blumen, um deinen Leichenwagen zu krönen, Empfange eine Streuung weinender Verse Von deinem betrübten Freund, den du sehen könntest, Ganz in Tränen aufgelöst für dich. Teurer Verlust! Seit deinem vorzeitigen Schicksal, Ist meine Aufgabe gewesen, zu meditieren Über dich, über dich: du bist das Buch, Die Bibliothek, in der ich lese, Obwohl fast blind. Für dich (geliebter Ton) Langsamiere ich dahin, lebe nicht, den Tag, Keine andere Übung praktizierend Als die, welche ich mit meinen Augen übe: Durch diese nassen Gläser finde ich heraus, Wie faul die Zeit dahinkriecht Für einen, der trauert: dies, nur dies, Ist meine Übung und mein Geschäft: So berechne ich die müden Stunden Mit Seufzern, aufgelöst in Schauern.
Und wundere dich nicht, wenn meine Zeit so verläuft Rückwärts und höchst widersinnig; Du hast mich in Nacht gehüllt; dein Untergang Hat diesen Abend der Schwärze gezeugt, Die du mein Tag warst (wenn auch verhangen, Bevor du deinen Mittag überschritten hattest): Und ich muss mich unter Tränen erinnern, Dass du kaum so viele Jahre gesehen hattest, Wie der Tag Stunden zählt. Durch deine helle Sonne Liefen meine Liebe und mein Glück zuerst; Aber du wirst niemals wieder erscheinen, Eingefaltet in meiner Hemisphäre, Da sowohl dein Licht als auch deine Bewegung, Wie ein geflohener Stern, gefallen und fort ist, Und zwischen mir und dem teuren Wunsch meiner Seele Die Erde nun dazwischengeschoben ist, Was eine so seltsame Finsternis bewirkt, Wie sie niemals in einem Almanach gelesen wurde.
Ich könnte dir für eine Zeit gestatten, Mich und mein trauriges Klima zu verdunkeln; Wäre es ein Monat, ein Jahr oder zehn, Ich würde dein Exil bis dahin durchleben Und all jene Zeit meine Fröhlichkeit vertagen, So du versprächest zurückzukehren Und, dein aschfahles Leichentuch ablegend, Endlich diese Wolke der Trauer zu zerstreuen. Doch wehe mir! Die längste Frist Ist allzu eng, um diese leeren Hoffnungen Zu berechnen: Niemals werde ich So sehr gesegnet sein, einen Schimmer von dir Zu erblicken, bis jener Tag kommt, Der die Erde zur Asche verdammt Und ein grimmiges Fieber den Leib Dieser Welt kalzinieren muss – wie den deinen, (Meine kleine Welt!) Ist jener Anfall von Feuer Erst vorüber, werden unsere Leiber zu unserer Seelen Wonne aufstreben: Dann werden wir auferstehen Und uns mit klareren Augen betrachten In jener stillen Region, wo keine Nacht Uns vor dem Anblick des anderen verbergen kann.
Indessen hast du sie, Erde: Viel Gutes Möge mein Leid dir tun! Da es mit dem Willen Des Himmels stand, dass ich sie nicht länger Mein nennen durfte, gebe ich dir all Mein kurzlebiges Recht und Interesse An ihr, die ich lebend am meisten liebte: Mit einer überaus freien und freigebigen Trauer Gebe ich dir, was ich nicht behalten konnte. Sei gütig zu ihr, und ich bitte dich, schaue, Dass du in dein Buch des Jüngsten Gerichts Jedes Teil dieser Kostbarkeit einschreibst, Die in deinem Kästchen verschreint liegt; Sieh zu, dass du deine Rechnung genau stellst Und sie nach Gewicht wieder herausgibst; Denn du musst auf dein Vertrauen hin Jedes Korn und Atom dieses Staubes prüfen, So wie du Dem antworten wirst, der mir Mein teures Denkmal lieh – nicht gab. So schließe den Boden, und um ihre Hülle Zieh schwarze Vorhänge: Meine Braut ist gebettet.
Schlafe weiter, meine Liebe, in deinem kalten Bett, Um niemals mehr beunruhigt zu werden! Mein letztes Gute Nacht! Du wirst nicht erwachen, Bis ich dein Schicksal einhole: Bis Alter, oder Kummer, oder Krankheit meinen Leib Mit jenem Staube vermählen muss, Den er so sehr liebt; und den Raum ausfüllt, Den mein Herz in deinem Grab leer hält. Warte dort auf mich: Ich werde nicht versäumen, Dich in jenem hohlen Tale zu treffen. Und denke nicht gering von meinem Verzug: Ich bin bereits auf dem Weg Und folge dir mit all der Eile, Die Verlangen machen oder Sorgen zeugen kann. Jede Minute ist ein kurzer Grad Und jede Stunde ein Schritt auf dich zu. Des Nachts, wenn ich mich zur Ruhe begebe, Steige ich am nächsten Morgen meinem Untergang Des Lebens um beinahe acht Stunden Fahrt näher, Als wenn der Schlaf seinen schläfrigen Windhauch atmete.
So steuert mein Schiff von der Sonne weg, Und meines Tages Kompass neigt sich abwärts: Noch mühe ich mich, die Flut zu dämmen, Durch die ich schnell zu dir hin gleite. Es ist wahr, mit Scham und Gram gebe ich nach, Du hast, wie die Vorhut, zuerst das Feld betreten; Und hast den Sieg davongetragen, Indem du es wagtest zu sterben Vor mir, deren mehr Jahre vielleicht ein Recht auf den Vorrang im Grabe hätten beanspruchen können. Doch horch! Mein Puls, wie eine sanfte Trommel, Schlägt mein Nahen, sagt dir, dass ich komme: Und wie langsam meine Märsche auch sein mögen, Ich werde mich zuletzt an deine Seite setzen.
Der Gedanke daran heißt mich weitergehen Und meine Auflösung mit Hoffnung und Trost Erwarten. Teure (vergib das Verbrechen), Ich bin zufrieden, geteilt zu leben, Mit nur einem halben Herzen, Bis wir uns treffen und niemals mehr trennen.
Henry King [1592-1669]
LIEBESSONETTE
SONETTE Aus "Amoretti"
III Die souveräne Schönheit, die ich bewundere, Bezeuge die Welt, wie würdig sie zu preisen! Deren Licht hat himmlisches Feuer entzündet In meinem gebrechlichen Geist, von ihr aus der Niedrigkeit erhoben; Da ich nun von ihrer gewaltigen Helligkeit geblendet bin, Kann ich nichts Niedriges mehr zu schauen ertragen: Doch, indem ich stets auf sie blicke, stehe ich erstaunt Über den wunderbaren Anblick von solch himmlischer Farbe. So wenn meine Zunge ihre gebührenden Lobpreisungen aussprechen möchte, Ist sie gestoppt durch das Erstaunen des Gedankens; Und wenn meine Feder ihre wahren Titel schreiben möchte, Ist sie hingerissen von der Verwunderung der Einbildung: Doch in meinem Herzen spreche und schreibe ich dann Das Wunder, das mein Verstand nicht dichten kann.
VIII Mehr als überaus schön, voll von dem lebendigen Feuer, Oben entzündet nahe dem Schöpfer; Keine Augen als Freuden, in denen alle Kräfte verschwören, Dass der Welt nichts anderes als teuer gelte; Durch deine hellen Strahlen schießt der erblindete Gast Nicht seine Pfeile aus, um niedere Neigungen zu verwunden; Sondern Engel kommen, um gebrechliche Gemüter zur Ruhe zu führen In keuschen Begierden, an himmlische Schönheit gebunden. Du bildest meine Gedanken und gestaltest mich im Inneren; Du stoppst meine Zunge und lehrst mein Herz zu sprechen; Du beruhigst den Sturm, den die Leidenschaft begann, Stark durch deine Ursache, doch durch deine Tugend schwach. Dunkel ist die Welt, wo dein Licht niemals schien; Wohl dem geboren, der dich immer schauen darf.
XXIV Wenn ich jene Verwunderung der Schönheit schaue, Und die seltene Vollkommenheit eines jeden stattlichen Teils, Von der Natur noch die einzige Ergänzung, Ehre und bewundere ich die Kunst des Schöpfers. Doch wenn ich den bitteren, unheilvollen Schmerz fühle, Den ihre schönen Augen unversehens in mir wirken, Dass der Tod aus ihren glänzenden Strahlen hervorschießt, Denke ich, dass ich eine neue Pandora sehe, Die alle Götter im Rat beschlossen haben, In diese sündige Welt vom Himmel zu senden, Damit sie den bösen Menschen eine Geißel sei, Für all ihre Fehler, mit denen sie beleidigten. Doch da ihr meine Geißel seid, werde ich flehen, Dass ihr mich für meine Fehler sanft schlagt.
XXXIV Wie ein Schiff, das durch den weiten Ozean Unter Führung irgendeines Sterns seinen Weg bahnt, Wenn ein Sturm seinen treuen Wegweiser verdunkelt hat, Vom Kurs weit in die Irre wandert; So ich, dessen Stern, der mit seinem hellen Strahl Mich zu lenken pflegte, von Wolken überzogen ist, Wandere nun in Finsternis und Bestürzung, Durch verborgene Gefahren, die rings um mich liegen; Doch hoffe ich wohl, dass, wenn dieser Sturm vorüber ist, Meine Helice, der Leitstern meines Lebens, Wieder scheinen wird und mich endlich anblicken, Mit lieblichem Licht, um meine trübe Trauer zu klären: Bis dahin wandere ich sorgen-voll, trostlos, In heimlichem Kummer und trauriger Nachdenklichkeit.
LV So oft ich ihre Schönheit schaue, Und damit ihre Grausamkeit vergleiche, Wundere ich mich, aus welcher Substanz die Form war, Die sie zugleich so grausam schön machte; Nicht Erde, denn ihre hohen Gedanken sind himmlischer; Nicht Wasser, denn ihre Liebe brennt wie Feuer; Nicht Luft, denn sie ist nicht so leicht oder selten; Nicht Feuer, denn sie friert mit schwachem Verlangen. Dann muss man nach einem anderen Element fragen, Woraus sie gemacht sein könnte – das ist der Himmel; Denn zu dem Himmel streben ihre stolzen Blicke, Und auch ihr Geist ist rein, unsterblich, hoch. Dann, da ihr dem Himmel am besten verglichen seid, Seid in Gnade gleich, wie in allem anderen.
LXVIII Herrlichster Herr des Lebens! der an diesem Tag Deinen Triumph über Tod und Sünde errangst, Und, nachdem du die Hölle durchwühlt hast, von dort Gefangenschaft gefangen brachtest, um uns zu gewinnen, Diesen freudigen Tag, teurer Herr, mit Freude beginne; Und gewähre, dass wir, für die du starbst, Da wir mit deinem teuren Blut rein von Sünde gewaschen sind, Für immer in Glückseligkeit leben mögen; Und dass wir, deine Liebe würdig abwägend, Dich ebenso für dieselbe wieder lieben mögen, Und um deinetwillen, der alle gleichermaßen teuer erkaufte, Mit Liebe einander unterhalten mögen! So lasst uns lieben, teure Liebe, so wie wir sollten: Liebe ist die Lektion, die der Herr uns lehrte.
LXX Frischer Frühling, der Herold des mächtigen Königs der Liebe, In dessen Wappenrock reich zur Schau gestellt sind Alle Arten von Blumen, die auf der Erde entspringen, In stattlichen Farben herrlich geschmückt; Gehe zu meiner Liebe, wo sie sorglos liegt, Doch in ihrer Winterlaube noch nicht recht erwacht; Sage ihr, die freudige Zeit wird nicht aufgehalten, Es sei denn, sie ergreift ihn bei der Stirnlocke; Heiße sie daher, sich bald bereit zu machen, Um Liebe unter seiner lieblichen Schar zu bedienen; Wo jeder, der dann seine Gefährtin vermisst, Soll von ihm mit gebührender Buße bestraft werden. Beeile dich daher, süße Liebe, solange es Frühling ist; Denn niemand kann die vergangene Zeit zurückrufen.
LXXV Eines Tages schrieb ich ihren Namen an den Strand, Doch kamen die Wellen und wuschen ihn fort: Wieder schrieb ich ihn mit einer zweiten Hand, Doch kam die Flut und machte meine Mühen zu ihrer Beute. "Eitler Mann," sagte sie, "der du vergeblich versuchst, Ein sterbliches Ding so zu verewigen; Denn ich selbst werde wie dies vergehen, Und auch mein Name ebenso ausgelöscht werden." "Nicht so," erwiderte ich; "lass niedere Dinge ersinnen, Im Staube zu sterben, doch du wirst durch Ruhm leben; Mein Vers wird deine seltenen Tugenden verewigen, Und in den Himmeln deinen glorreichen Namen schreiben: Wo, wenn der Tod die ganze Welt unterwirft, Unsere Liebe leben und späteres Leben erneuern wird."
LXXIX Menschen nennen dich schön, und du glaubst es, Denn du siehst dich täglich als solche: Doch das wahre Schöne, das ist der sanfte Verstand Und das tugendhafte Gemüt, wird von mir weit mehr gepriesen: Denn alles andere, wie schön es auch sei, Wird zu nichts werden und jene glorreiche Farbe verlieren; Doch nur das ist dauerhaft und frei Von gebrechlicher Verderbtheit, die dem Fleische folgt. Das ist wahre Schönheit; das beweist dich, Göttlich zu sein und von himmlischem Samen geboren; Abgeleitet von jenem schönen Geist, von dem alle wahre Und vollkommene Schönheit zuerst ausging: Er allein schön, und was er schön gemacht hat; Alles andere Schöne, wie Blumen, welkt frühzeitig.
Edmund Spenser [1552?-1599]
SONETTE Aus "Astrophel und Stella"
I Liebend in Wahrheit, und begierig in Versen meine Liebe zu zeigen, Dass Sie, teure Sie! möge etwas Vergnügen an meinem Schmerz finden; Vergnügen könnte sie zum Lesen bewegen, Lesen könnte sie wissen lassen, Wissen könnte Mitleid gewinnen, und Mitleid Gnade erlangen: Ich suchte passende Worte, um das schwärzeste Antlitz des Leids zu malen, Indem ich feine Erfindungen studierte, um ihren Verstand zu unterhalten; Oft andere Blätter wendend, um zu sehen, ob daraus fließen würde Einige frische und fruchtbare Schauer auf mein sonnenverbranntes Gehirn: Doch Worte kamen hinkend hervor, Mangel an der Stütze der Erfindung. Erfindung, Kind der Natur, floh vor den Schlägen der Stiefmutter Studie; Und andere Füße schienen mir stets nur Fremde auf meinem Weg. So, schwanger vom Sprechen und hilflos in meinen Wehen, Auf meine schuldig-faulende Feder beißend, mich selbst aus Trotz schlagend: "Narr!" sagte meine Muse zu mir, "schau in dein Herz und schreibe!"
XXXI Mit wie traurigen Schritten, o Mond, steigst du den Himmel empor! Wie lautlos, und mit welch blassem Antlitz! Was! kann es sein, dass selbst an himmlischem Orte Jener geschäftige Bogenschütze seine scharfen Pfeile erprobt? Wahrlich, wenn lange mit Liebe vertraute Augen Über Liebe urteilen können, fühlst du die Lage eines Liebenden; Ich lese es in deinem Aussehen. Deine schmachtende Anmut Offenbart mir, der ich das Gleiche fühle, deinen Zustand. Dann, selbst aus Gemeinschaft, o Mond, sag mir, Gilt beständige Liebe dort nur als Mangel an Verstand? Sind Schönheiten dort so stolz wie sie hier sind? Lieben sie dort oben, geliebt zu werden, und verschmähen doch Jene Liebenden, von denen jene Liebe besessen ist? Nennen sie dort Tugend Undankbarkeit?
XXXIX Komm Schlaf! O Schlaf, der sichere Knoten des Friedens, Der Rastplatz des Verstandes, der Balsam des Leids, Des armen Mannes Reichtum, die Freiheit des Gefangenen, Der unparteiische Richter zwischen Hoch und Niedrig! Mit dem Schild der Bewährung, schirme mich aus dem Gedränge Jener grimmigen Pfeile, die Verzweiflung auf mich wirft: O lass in mir jene Bürgerkriege aufhören! Ich werde guten Tribut zahlen, wenn du es tust. Nimm von mir, weiche Kissen, süßestes Bett, Eine Kammer, taub für Lärm und blind für Licht, Einen Rosenkranz und ein müdes Haupt: Und wenn diese Dinge, da sie dein mit Recht sind, Deine schwere Gnade nicht bewegen, so wirst du in mir, Lebendiger als anderswo, Stellas Bild sehen.
LXII Kürzlich müde von Weh, beinahe bereit zu schmachten Vor Wut der Liebe, nannte ich meine Liebe unfreundlich; Sie, in deren Augen Liebe, wenn auch ungespürt, glänzt, Sagte süß, dass ich wahre Liebe in ihr finden sollte. Ich freute mich; doch sogleich war so mein Wein gewässert, Dass sie wohl liebte, doch eine Liebe liebte, die nicht blind war; Die mich nicht lassen wollte, den sie liebte, abzuweichen Von edlerer Ursache, passend für meine Geburt und meinen Sinn: Und deshalb, durch die Autorität ihrer Liebe, Wollte sie, dass ich diese Stürme eitler Liebe flöhe, Und mich fest an der Küste der Tugend ankerte. Ach, wenn dies das einzige Metall ist Der neu geprägten Liebe, um meiner Bettelei zu helfen, Teure! liebe mich nicht, damit ihr mich mehr lieben könnt!
LXIV Nicht mehr, meine Teure, nicht mehr versucht diese Ratschläge; O gebt meinen Leidenschaften Freiheit, ihren Lauf zu nehmen! Lasst das Schicksal mir seine schlimmste Schande auferlegen; Lasst Leute, überladen mit Verstand, gegen mich schreien; Lasst Wolken mein Gesicht trüben, in mein Auge brechen; Lasst mich keine Spuren als die verlorener Mühe nachgehen; Lasst die ganze Erde mit Hohn meine Lage erzählen; Doch wollt nicht, dass ich vor meiner Liebe fliehe! Ich beneide nicht Aristoteles' Verstand; Noch strebe ich nach Caesars blutigem Ruhm; Noch kümmere ich mich um etwas, obgleich einige über mir sitzen; Weder hoffe noch wünsche ich, einen anderen Kurs zu bilden, Als jenen, der einst dein grausames Herz gewinnen mag: Du bist mein Verstand, und du bist meine Tugend.
LXXIII Liebe ist immer noch ein Knabe und oft ein Wüstling, Unterrichtet nur durch das zarte Auge seiner Mutter; Welch Wunder dann, wenn er seine Lektion verfehlt, Wenn er für eine so weiche Rute liebes Spiel versucht? Und doch mein Stern, weil ich einen versüßten Kuss Im Scherz sog, während sie schlafend lag, Blickt finster, nein schilt, nein droht, nur deswegen. - Süße, es war die freche Liebe, nicht der demütige Ich! Doch keine Entschuldigung hilft; sie lässt ihren Zorn erscheinen Auf dem Thron der Schönheit; seht nun, wer es wagt, näherzukommen Jenen scharlachroten Richtern, die blutigen Schmerz androhen! O himmlischer Narr, dein kusswürdigstes Antlitz Kleidet Zorn mit einer solch lieblichen Anmut, Dass ich Zorn selbst wieder küssen muss.
CIII O glückliche Themse, die du meine Stella trugst! Ich sah dich mit so manch lächelnder Linie Auf deinem heiteren Gesicht, die Livree der Freude tragen, Während jene schönen Planeten auf deinen Strömen glänzten. Das Boot konnte vor Freude nicht vom Tanzen lassen; Während mutwillige Winde, von Schönheiten so göttlich, Hingerissen, nicht blieben, bis sie sich in ihr goldenes Haar (O süßestes Gefängnis!) wanden. Und gern hätten jene Aeolus-Jünglinge dort ihren Aufenthalt Gemacht, doch von der Natur gezwungen, stets zu fliehen, Entfalteten sie zuerst mit puste-Kuss jene Locken. Sie, so zerzaust, errötete. Aus dem Fenster ich, Beim Anblick dessen, rief aus: "O schöner Makel! Lass die Ehre selbst dir den höchsten Platz gewähren!"
CVII Stella! da du eine solch rechte Prinzessin bist Aller Kräfte, die das Leben mir schenkt, Dass, ehe von ihnen etwas unternommen wird, Sie zuerst zu jenem souveränen Teil Zuflucht nehmen; Süße! gewähre eine Weile meinem Herzen Rast, Das keucht, als ob es noch zu dir springen sollte; Und gib auf meine Gedanken deine Statthalterschaft An diese große Sache, die sowohl Gebrauch als auch Kunst braucht. Und als eine Königin, die aus ihrer Gegenwart sendet, Wen sie beschäftigt, entlasse meinen Verstand von dir, Bis er gewirkt hat, was dein eigener Wille erwartet: Auf der Schande der Diener sitzt oft der Tadel des Meisters. O, lass nicht Narren in mir deine Werke tadeln, Und spottend sagen: "Seht, was es heißt zu lieben!"
Philip Sidney [1554-1586]
SONETTE Aus "To Delia"
VI Schön ist meine Liebe, und grausam wie sie schön ist: Ihre Stirn schattet Stirnrunzeln, obwohl ihre Augen sonnig sind; Ihre Lächeln sind Blitze, obwohl ihr Stolz Verzweiflung ist, Und ihre Verachtung ist Galle, ihre Gefälligkeiten Honig. Ein bescheidenes Mädchen, geschmückt mit einem Schimmer von Ehre, Deren Füße grüne Pfade der Jugend und Liebe betreten; Das Wunder aller Augen, die sie anblicken, Heilig auf Erden, als Heilige oben bestimmt. Keuschheit und Schönheit, die tödliche Feinde waren, Leben als versöhnte Freunde innerhalb ihrer Stirn; Und hätte sie Mitleid, um es mit jenen zu verbinden, Wer hätte dann die Klagen gehört, die ich nun äußere? O wäre sie nicht schön gewesen, und so unfreundlich, Meine Muse hätte geschlafen, und niemand hätte meinen Sinn gekannt.
XII Meine makellose Liebe schwebt, mit reinsten Flügeln, Um den Tempel des stolzesten Rahmens, Wo jene Lichter lodern, die schönsten irdischer Dinge, Die unsere bewölkte Welt mit hellster Flamme klären. Meine ehrgeizigen Gedanken, begrenzt in ihrem Antlitz, Beanspruchen keine Ehre, als die sie geben kann; Meine Hoffnungen ruhen in den Grenzen ihrer Gnade; Ich wäge keinen Trost, es sei denn sie lindere. Denn sie, die mein Herz im Paradies wissen kann, Hält in ihrer schönsten Hand, was das Teuerste ist. Meines Glücks Rad ist der Kreis ihrer Augen, Dessen rollende Gnade einmal eine Wendung des Glücks gewähre! All meines Lebens Süße besteht allein in ihr; So sehr liebe ich die Unliebendste.
XXX Und doch kann ich den Flug nicht tadeln Oder den Versuch verdammen, in der Vermutung so aufzusteigen; Das aufsteigende Wagnis, für ein hohes Vergnügen, Machte die Ehre des Falls umso größer. Denn wer erlangt Reichtum, der nicht vom Ufer ablegt? Gefahr hat Ehre; große Entwürfe, ihren Ruhm; Ruhm folgt, Mut geht voran; Und obwohl das Ereignis oft nicht dem entspricht, Genüge, dass hohe Versuche niemals Schande haben. Der Mittelmäßige-Beobachter (den niedrige Sicherheit hält) Lebt ohne Ehre, stirbt ohne Namen, Und schläft ewig in ewiger Finsternis. Und deshalb, Delia! ist es mir kein Makel, Es versucht zu haben, obgleich ich dich nicht erlangte.
XXXVI Wenn Menschen finden werden, dass deine Blume, dein Ruhm vergeht, Und du, mit sorgsamer Stirn, allein sitzend, Diese Nachricht von deinem Spiegel erhalten hast, Der die Wahrheit sagt und spricht, dass Alles dahin ist; Frisch wirst du an mir die Wunden sehen, die du schlugst, Obwohl deine Flamme verbraucht, in mir die Hitze verbleibend: Ich, der ich dich so liebte, ehe du welkst, Mein Glaube wird wachsen, wenn du in deinem Abnehmen bist! Die Welt wird dieses Wunder in mir finden, Dass Feuer brennen kann, wenn aller Stoff verbraucht ist: Dann wirst du selbst sehen, was mein Glaube gewesen ist, Und dass du unfreundlich warst, magst du bereuen! Du magst bereuen, dass du meine Tränen verschmäht hast, Wenn Winter auf deine goldenen Haare schneit.
XXXIX Schau, Delia, wie wir die halb aufgeblühte Rose schätzen, Das Bild deines Errötens und des Sommers Ehre! Während noch ihre zarte Knospe nicht enthüllt Dass Vollheit der Schönheit, die die Zeit ihr verleiht. Nicht eher breitet sie ihren Ruhm in der Luft aus Als sogleich ihre weit aufgeblühte Pracht zu schwinden beginnt; Sie wird dann verschmäht, die einst die Schöne schmückte; So welken die Rosen jener Wangen von dir. Kein April kann deine verwelkten Blumen wiederbeleben, Deren aufkeimende Anmut deine Herrlichkeit nun schmückt; Schnelle, eilige Zeit, gefiedert mit fliegenden Stunden, Löst die Schönheit der schönsten Stirn auf. Dann verschwende nicht solchen Schatz vergeblich, Sondern liebe jetzt, während du wieder geliebt werden kannst.
XLV Schönheit, süße Liebe, ist wie der Morgentau, Dessen kurze Erfrischung auf dem zarten Grün Für eine Zeit erheitert, doch bis die Sonne scheint: Und sogleich ist er dahin, als wäre er niemals gewesen. Bald vergeht sie, die die Schönste zum Blühen bringt; Kurz ist der Ruhm der errötenden Rose: Die Farbe, die du so sorgsam nährst, Doch die du am Ende wirst verlieren müssen. Wenn du, überladen mit der Bürde deiner Jahre, Deine Falten heimwärts zur Erde beugen wirst; Wenn die Zeit einen Pass für deine Ängste gemacht hat, Datiert im Alter, den Kalenden unseres Todes: Doch ach, nicht mehr! Dies wurde oft gesagt; Und Frauen grämen sich zu denken, dass sie alt werden müssen.
XLVI Ich darf meine Liebe nicht grämen, deren Augen lesen würden Linien des Vergnügens, worüber ihre Jugend lächeln könnte! Blumen haben ihre Zeit, ehe sie zum Samen kommen; Und sie ist jung, und muss nun die Weile spielen! Und spiele, süßes Mädchen, in der Saison dieser Jahre, Und lerne Blumen zu sammeln, ehe sie welken! Und wo die süßeste Blüte zuerst erscheint, Lass Liebe und Jugend deine Vergnügungen dorthin führen! Erhelle Lächeln, um die bewölkte Luft zu klären, Und beruhige den Sturm, den meine Seufzer erheben! Mitleid und Lächeln stehen den Schönen am besten; Mitleid und Lächeln sollen dir dauerhaftes Lob einbringen. Ich hoffe zu sagen, wenn all meine Leiden vorüber sind: "Glücklich das Herz, das für eine solche seufzte!"
L Lass andere von Rittern und Paladinen singen In gealterten Akzenten und unzeitigen Worten, Male Schatten in imaginären Linien, Die wohl die Reichweite ihres hohen Verstandes verzeichnet: Doch ich muss von Dir singen, und jenen schönen Augen! Authentisch wird mein Vers in kommender Zeit sein, Wenn die noch Ungeborenen sagen werden, Sieh, wo sie liegt! Deren Schönheit ihn sprechen ließ, der sonst stumm war! Dies sind die Archen, die Trophäen, die ich errichte, Die deinen Namen gegen das hohe Alter befestigen; Und diese müssen deine heiligen Tugenden schützen Gegen das Dunkel und der Zeit verzehrende Wut. Obgleich der Irrtum meiner Jugend in ihnen erscheint, Genüge, sie zeigten, dass ich lebte, und dich teuer liebte.
LI Sorgenbezwinger Schlaf, Sohn der nachtschwarzen Nacht, Bruder des Todes, in lautloser Finsternis geboren: Lindere mein Schmachten und gib mir das Licht zurück; Kehr heim mit dunklem Vergessen meiner Sorge! Und lass den Tag Zeit genug sein, um das Schiffbruch Meiner missglückten Jugend zu betrauern: Lass wache Augen genügen, ihren Hohn zu beklagen, Ohne die Qual der Unwahrheit der Nacht. Hört auf, ihr Träume, Abbilder der Tagessehnsucht, Die Leidenschaften des Morgens vorzuzeichnen; Lass nie die aufgehende Sonne euch als Lügner erweisen, Um meinen Kummer durch neuen Gram zu verschlimmern. Lass mich weiter schlafen, Wolken umsonst umarmend; Und erwache nie, um die Verachtung des Tages zu spüren.
SONETTE Aus „Idea“ An den Leser dieser Sonette
Wer in diesen Liebesgedichten nur nach Leidenschaft sucht, Der lege sie bei diesem ersten Anblick hier beiseite, Und suche anderswo in anderen Büchern, Die sein Verlangen besser befriedigen mögen. Kein weit hergeholter Seufzer soll jemals meine Brust verwunden; Keine Träne soll die Liebe jemals aus meinem Auge zwingen; Noch sollen in „Ach weh!“ meine klagenden Sonette gekleidet sein! Ein Libertin, phantastisch singe ich! Mein Vers ist das wahre Abbild meines Geistes, Stets in Bewegung, immer nach Wandel begehrend; Und da ich so zur Vielfalt neige, So schweife ich spielerisch durch alle Launen! Meine Muse ist wahrhaft englischer Art, Die nicht lange bei einer Mode verweilen kann.
IV Heller Stern der Schönheit! auf dessen Augenlidern Tausend nymphenhafte und verliebte Grazien sitzen, Die Göttinnen der Erinnerung und des Witzes, Die dort in Ordnung ihre Plätze einnehmen; An deren teurer Brust die süße, köstliche Liebe Ihren Köcher niederlegt, den er einst trug, Seit er jenes gesegnete Paradies erprobte; Und seines mütterlichen Schoßes ledig, dort zu spielen pflegt. Lass andere danach streben, mit Worten zu unterhalten! Meine Seele ist aus tapfererem Metall geschmiedet: Ich halte das für nichtig, was vulgärer Witz bietet, In mir ist jener Glaube, den die Zeit nicht antasten kann! Lass, was ich preise, stets durch dich bestätigt werden! Sei du höchst würdig, während ich höchst treu bin!
XX Ein böser Geist (deine Schönheit) verfolgt mich ständig, Wovon ich, ach, schon lange besessen bin; Der nicht davon ablässt, mich zu jedem Übel zu verführen, Noch mir auch nur eine arme Minute der Ruhe gönnt. In mir spricht er, ob ich schlafe oder wache; Und wenn ich versuche, ihn mit Mitteln auszutreiben, Fällt er mich mit größeren Qualen an, Und foltert mich aufs Äußerste. Vor mein Gesicht legt er meine Verzweiflungen, Und eilt mich zu einem plötzlichen Tode; Mich nun verlockend, mich in Tränen zu ertränken, Und dann im Seufzen meinen Odem aufzugeben. So werde ich stets zu jedem Übel angestachelt, Von diesem gut-bösen Geist, süßer Engel-Teufel.
XXXVII Teure! warum befiehlst du mich zur Ruhe, Wenn nun die Nacht alles zum Schlafe mahnt? Mich dünkt, diese Zeit steht Liebenden am besten! Die Nacht war dazu bestimmt, Freunde beisammenzuhalten. Wie glücklich sind alle anderen lebenden Dinge, Die, durch den Tag getrennt durch mancherlei Flug, Der stille Abend dennoch wieder zusammenbringt, Und ein jeder kehrt des Nachts zu seiner Liebe zurück! O du, die du sonst so höflich zu allen bist, Warum solltest du, Nacht, nur mich so missbrauchen! Dass du jedes Geschöpf zu seiner Art rufst, Und doch bist du es, die allein uns trennt? Wohl könnte ich wünschen, es wäre immer Tag, Wenn du mir befiehlst zu gehen, sobald die Nacht naht!
XL Mein Herz der Amboss, auf den meine Gedanken schlagen; Meine Worte die Hämmer, die mein Begehren formen; Meine Brust die Esse, die alle Hitze in sich birgt, Die Liebe ist der Brennstoff, der das Feuer nährt. Meine Seufzer der Blasebalg, der die Flamme mehrt, Und meine Ohren mit Lärm und nächtlichem Stöhnen füllt. Sich mit Schmerz mühend, hört meine Arbeit niemals auf; In schmerzlichen Leidenschaften beklage ich noch immer meine Wehklagen. Meine Augen ringen mit Tränen gegen das Feuer, Dessen sengende Glut mein Herz zu Asche wandelt: Doch durch jene Tropfen, die Flamme wieder belebend, Brennt sie noch mehr und mehr zu meiner Qual. Mit Sisyphos wälze ich so den Stein, Und drehe das Rad mit dem verdammten Ixion.
XLII Wie viele nichtige, törichte, geschminkte Dinge, Die nun in Kutschen jede Straße beunruhigen, Werden vergessen sein, die kein Dichter besingt, Ehe sie recht in ihr Leichentuch gewickelt sind? Wo ich dir Ewigkeit verleihen werde, Wenn nichts anderes von diesen Tagen bleibt, Und Königinnen in Zukunft froh sein werden, Von den Almosen deines überflüssigen Lobes zu leben; Jungfrauen und Matronen, die diese meine Reime lesen, Werden so sehr an deiner Geschichte Gefallen finden, Dass sie trauern werden, nicht in diesen Zeiten gelebt zu haben, Um dich gesehen zu haben, den einzigen Ruhm ihres Geschlechts: So wirst du über den vulgären Haufen fliegen, Um stets in meinem unsterblichen Gesang zu überdauern.
LXI Da es kein Entrinnen gibt, komm, lass uns küssen und scheiden! Nein, ich habe es getan. Von mir bekommst du nichts mehr! Und ich bin froh, ja, froh von ganzem Herzen, Dass ich mich so sauber befreien kann. Reich die Hand für immer! Widerrufe alle unsere Gelübde! Und wenn wir uns jemals wieder begegnen, So soll es auf keiner unserer Stirnen zu sehen sein, Dass wir auch nur ein Jota früherer Liebe bewahren. Nun im letzten Atemzug des letzten Hauchs der Liebe, Wenn, ihr Puls versagend, die Leidenschaft sprachlos daliegt, Wenn der Glaube an ihrem Sterbebett kniet, Und die Unschuld ihre Augen schließt: Nun, wenn du wolltest, da alle ihn aufgegeben haben, Könntest du ihn vom Tode zum Leben noch erwecken!
SONETTE Aus „Diana“
IX Die Anwesenheit meiner Herrin macht die Rosen rot, Weil sie erröten vor Scham, ihre Lippen zu sehen. Die Blätter der Lilie wurden blass vor Neid; Und ihre weißen Hände nährten diesen Neid in ihnen. Die Ringelblume breitet ihre Blätter aus, Weil die Kraft der Sonne und ihre die gleiche ist. Das Veilchen nahm von violetter Farbe, Gefärbt in dem Blut, das sie mein Herz vergießen ließ. Kurz, alle Blumen nehmen ihre Tugend von ihr; Von ihrem süßen Odem gehen ihre süßen Düfte aus; Die lebendige Hitze, die ihre Augenblicke erzeugen, Wärmt den Boden und belebt den Samen. Der Regen, womit sie die Blumen wässert, Fällt aus meinen Augen, die sie in Schauern auflöst.
LXII In der Hölle zu leben und den Himmel zu schauen; Das Leben willkommen zu heißen und einen lebendigen Tod zu sterben; Vor Hitze zu schwitzen und doch eisig kalt zu sein; Nach Sternen zu greifen und unter der Erde zu liegen; Ein Labyrinth zu betreten, das niemals ein Ende haben wird; In Seufzern zu brennen und in täglichen Tränen zu darben; Einen Hügel zu erklimmen und niemals abzusteigen; Riesen zu töten und vor kindischen Ängsten zu beben; Nach Nahrung zu schmachten und den Hesperiden-Baum zu bewachen; Nach Trank zu dürsten und stets Nektar zu schöpfen; Verflucht zu leben, den die Menschen für gesegnet halten; Und jene Unrechte zu beweinen, die kein Geschöpf je sah; Wenn dies Liebe ist, wenn Liebe auf diesen Dingen gründet, So ist mein Herz die Liebe, denn diese sind in ihm begründet.
SONETTE
XVIII Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen? Du bist lieblicher und gelassener: Rauhe Winde erschüttern die holden Knospen des Mai, Und des Sommers Pacht hat ein allzu kurzes Datum: Manchmal scheint das Auge des Himmels zu heiß, Und oft ist sein goldener Teint getrübt; Und jede Schönheit sinkt von ihrer Schönheit irgendwann, Durch Zufall oder der Natur wechselnden Lauf entstellt: Doch dein ewiger Sommer wird nicht verblassen, Noch den Besitz jener Schönheit verlieren, die du eigen nennst; Noch soll der Tod damit prahlen, dass du in seinem Schatten wanderst, Wenn du in ewigen Zeilen zur Zeit heranwächst: Solange Menschen atmen können oder Augen sehen, Solange lebt dies, und dies gibt dir das Leben.
XXIII Wie ein unvollkommener Schauspieler auf der Bühne, Der in seiner Angst aus seiner Rolle fällt, Oder ein wildes Ding, erfüllt von zu viel Wut, Dessen Überfluss an Stärke sein eigenes Herz schwächt; So vergesse ich, aus Furcht vor dem Vertrauen, zu sagen Die vollkommene Zeremonie des Ritus der Liebe, Und scheine in der Stärke meiner eigenen Liebe zu verfallen, Überlastet mit der Bürde der Macht meiner eigenen Liebe. O, lass meine Bücher dann die Beredsamkeit sein Und stumme Vorboten meiner sprechenden Brust; Die für die Liebe plädieren und auf Gegenliebe hoffen, Mehr als jene Zunge, die mehr ausgedrückt hat. O, lerne zu lesen, was stumme Liebe geschrieben hat: Mit den Augen zu hören, gehört zum feinen Witz der Liebe.
XXIX Wenn ich, in Ungnade bei Glück und Menschenaugen, Ganz allein meinen ausgestoßenen Stand beweine, Und den tauben Himmel mit meinem vergeblichen Geschrei beunruhige, Und mich selbst betrachte und mein Schicksal verfluche, Wünschend, ich wäre wie einer, der reicher an Hoffnung, Gezeichnet wie er, mit Freunden ausgestattet wie er, Begehrend die Kunst dieses Mannes und den Spielraum jenes, Mit dem, was ich am meisten genieße, am wenigsten zufrieden; Doch in diesen Gedanken mich fast verachtend, Denke ich glücklicherweise an dich: und dann mein Zustand, Wie die Lerche beim Anbruch des Tages aufsteigend Von der trüben Erde, singt Hymnen an des Himmels Pforte: Denn deine süße Liebe, in Erinnerung gerufen, bringt solchen Reichtum, Dass ich dann verschmähe, meinen Zustand mit Königen zu tauschen.
XXX Wenn ich zu den Sitzungen süßer, stiller Gedanken Die Erinnerung an Vergangenes zusammenrufe, Seufze ich über den Mangel an vielem, das ich suchte, Und beweine mit altem Weh die Verschwendung meiner teuren Zeit: Dann kann ich ein Auge ertränken, das nicht ans Fließen gewöhnt ist, Für kostbare Freunde, verborgen in der datenlosen Nacht des Todes, Und die längst annullierte Pein der Liebe von neuem beweinen, Und die Ausgabe vieler verschwundener Anblicke beklagen: Dann kann ich über vergangene Kränkungen trauern, Und schwer von Weh zu Weh die traurige Rechnung Des vorbeklagten Klagens erzählen, Das ich neu zahle, als ob es nicht zuvor bezahlt wäre: Doch wenn ich währenddessen an dich denke, teurer Freund, Sind alle Verluste wiederhergestellt und die Sorgen enden.
XXXII Wenn du meinen wohlzufriedenen Tag überlebst, Wenn jener grobe Tod meine Gebeine mit Staub bedecken wird, Und du durch Schicksal noch einmal diese armen, Rauhen Zeilen deines verstorbenen Liebhabers durchsiehst, Vergleiche sie mit der Besserung der Zeit, Und obwohl sie von jeder Feder übertroffen werden, Bewahre sie für meine Liebe, nicht für ihren Reim, Übertroffen von der Höhe glücklicherer Menschen. O, dann gewähre mir nur diesen liebevollen Gedanken: „Wäre meines Freundes Muse mit diesem wachsenden Zeitalter gewachsen, Hätte sie eine liebere Geburt als diese seine Liebe hervorgebracht, Um in den Reihen besserer Ausrüstung zu marschieren: Doch da er starb und Dichter sich besser erweisen, Lese ich ihre wegen ihres Stils, seine wegen seiner Liebe.“
XXXIII Gar manchen herrlichen Morgen habe ich gesehen, Wie er die Berggipfel mit souveränem Auge umschmeichelte, Die grünen Wiesen mit goldenem Spitzenwerk küssend, Blasse Ströme mit himmlischer Alchemie vergoldend. Bald darauf den nichtigsten Wolken gestattend, Mit hässlichem Geklüft auf seinem himmlischen Antlitz zu reiten, Und sein Angesicht vor der verlorenen Welt zu verbergen, Unbemerkt mit dieser Schmach gen Westen schleichend: Ebenso schien meine Sonne an einem frühen Morgen Mit all-triumphierender Pracht auf meiner Stirn; Aber ach! sie war nur eine Stunde mein, Die regionale Wolke hat sie mir nun verhüllt. Doch meine Liebe verschmäht ihn darum keineswegs; Sonnen der Welt können befleckt werden, wenn die Sonne des Himmels befleckt wird.
LX So wie die Wellen sich zum kiesigen Ufer drängen, So eilen unsere Minuten ihrem Ende entgegen; Jede tauscht den Platz mit der, die vorausging, In aufeinanderfolgender Mühsal streben alle vorwärts. Die Geburt, einst im Strom des Lichts, Kriecht zur Reife, womit sie gekrönt, Krumme Finsternisse gegen ihren Ruhm kämpfen, Und die Zeit, die gab, vernichtet nun ihr Geschenk. Die Zeit durchbohrt den Schmuck, der auf der Jugend liegt, Und gräbt die Parallelen in die Stirn der Schönheit; Nährt sich von den Raritäten der Wahrheit der Natur, Und nichts besteht, als was seine Sense mähen kann: Und doch, für Zeiten in Hoffnung, wird mein Vers bestehen, Deine Würde preisend, trotz seiner grausamen Hand.
LXXI Trauere nicht länger um mich, wenn ich tot bin, Als du die mürrische, düstere Glocke hören wirst, Die der Welt Warnung gibt, dass ich entflohen bin Aus dieser niederträchtigen Welt, um bei den niederträchtigsten Würmern zu wohnen: Nein, wenn du diese Zeile liest, erinnere dich nicht Der Hand, die sie schrieb; denn ich liebe dich so sehr, Dass ich in deinen süßen Gedanken vergessen werden möchte, Wenn das Denken an mich dir dann Weh tun sollte. O, wenn (ich sage) du dieses Verses ansichtig wirst, Wenn ich vielleicht mit Lehm vermengt bin, So rezitiere nicht einmal meinen armen Namen, Sondern lass deine Liebe mit meinem Leben vergehen; Damit die weise Welt nicht in dein Klagen hineinblicke, Und dich mit mir verspotte, nachdem ich gegangen bin.
LXXIII Jene Jahreszeit magst du an mir schauen, Wenn gelbe Blätter, oder keine, oder wenige hängen An jenen Zweigen, die gegen die Kälte beben, Kahle, ruinierte Chöre, wo einst die süßen Vögel sangen. An mir siehst du die Dämmerung eines solchen Tages, Der nach dem Sonnenuntergang im Westen verblasst, Den alsbald die schwarze Nacht hinwegnimmt, Des Todes zweites Selbst, das alles in Ruhe versiegelt. An mir siehst du das Glühen eines solchen Feuers, Das auf der Asche seiner Jugend liegt, Wie auf dem Sterbebett, auf dem es erlöschen muss, Verzehrt von dem, womit es genährt wurde. Dies nimmst du wahr, was deine Liebe stärker macht, Das gut zu lieben, was du bald verlassen musst.
CIV Für mich, schöne Freundin, kannst du niemals alt werden; Denn so wie du warst, als ich zuerst dein Auge erblickte, So scheint deine Schönheit noch immer. Drei kalte Winter Haben aus den Wäldern den Stolz dreier Sommer geschüttelt; Drei schöne Frühlinge zu gelbem Herbst gewandelt Habe ich im Lauf der Jahreszeiten gesehen, Drei April-Düfte in drei heißen Juni verbrannt, Seit ich dich zuerst frisch sah, die noch immer grün sind. Ah! noch stiehlt Schönheit, wie ein Zifferblattzeiger, Sich von seiner Ziffer, und kein Schritt bemerkt; So hat deine süße Farbe, von der ich denke, dass sie noch immer steht, Bewegung, und mein Auge mag getäuscht sein: Aus Furcht davor, höre dies, du ungezeugtes Alter: Ehe du geboren wurdest, war der Sommer der Schönheit tot.
CVI Wenn ich in der Chronik der verschwendeten Zeit Beschreibungen der schönsten Wesen sehe, Und Schönheit, die alten Reim verschönert Im Lob der toten Damen und lieblichen Ritter; Dann in der Wappenkunde des Besten der süßen Schönheit Von Hand, von Fuß, von Lippe, von Auge, von Stirn, Sehe ich, dass ihre antike Feder ausgedrückt haben wollte Eben eine solche Schönheit, wie du sie jetzt beherrschst. So sind all ihre Lobpreisungen nur Prophezeiungen Unserer Zeit, alle, dich vorausdeutend; Und weil sie nur mit ahnungsvollen Augen schauten, Hatten sie nicht genug Geschick, deinen Wert zu besingen: Denn wir, die wir nun diese gegenwärtigen Tage schauen, Haben Augen zum Staunen, aber es fehlen uns die Zungen zum Loben.
CIX O, sag niemals, dass ich falsch im Herzen war, Obgleich Abwesenheit meine Flamme zu mäßigen schien: Ebenso leicht könnte ich von mir selbst scheiden Wie von meiner Seele, die in deiner Brust ruht; Das ist mein Heim der Liebe; wenn ich umhergeschweift bin, Wie einer, der reist, kehre ich wieder zurück, Genau zur Zeit, nicht mit der Zeit gewechselt, Sodass ich selbst Wasser für meinen Fleck bringe. Glaube niemals, obgleich in meiner Natur herrschte Alle Gebrechlichkeit, die alle Arten von Blut belagert, Dass sie so widersinnig befleckt werden könnte, Um für nichts all deine Summe des Guten zu verlassen! Denn nichts nenne ich dieses weite Universum, Außer dich, meine Rose: in ihr bist du mein Alles.
CXVI Lass mich bei der Vermählung wahrer Geister Keine Hindernisse zulassen. Liebe ist nicht Liebe, Die sich ändert, wenn sie Änderung findet, Oder sich mit dem Entferner beugt, um sich zu entfernen: O, nein! sie ist ein ewig festes Merkmal, Das auf Stürme schaut und niemals erschüttert wird; Sie ist der Stern für jedes wandernde Schiff, Dessen Wert unbekannt ist, obwohl seine Höhe gemessen wird. Liebe ist nicht der Zeit Narr, obwohl rote Lippen und Wangen In den Umkreis seiner beugenden Sichel kommen; Liebe ändert sich nicht mit ihren kurzen Stunden und Wochen, Sondern hält aus bis an den Rand des Weltuntergangs: Wenn dies ein Irrtum ist und an mir bewiesen, Habe ich niemals geschrieben, noch hat jemals ein Mensch geliebt.
CXXX Die Augen meiner Geliebten sind nicht wie die Sonne; Koralle ist weit röter als das Rot ihrer Lippen; Wenn Schnee weiß ist, warum sind dann ihre Brüste fahl; Wenn Haare Drähte sind, wachsen schwarze Drähte auf ihrem Haupt. Ich habe Rosen gesehen, damastfarben, rot und weiß, Doch keine solchen Rosen sehe ich auf ihren Wangen; Und in manchen Parfüms ist mehr Entzücken, Als in dem Odem, der aus meiner Geliebten riecht. Ich liebe es, sie sprechen zu hören, – doch weiß ich wohl, Dass Musik einen weit lieblicheren Klang hat; Ich gebe zu, ich sah niemals eine Göttin gehen, – Meine Geliebte, wenn sie geht, tritt auf den Boden: Und doch, bei Gott, halte ich meine Liebe für so selten Wie jede, die durch falschen Vergleich verleumdet wird.
CXLVI Arme Seele, das Zentrum meiner sündigen Erde, Bedrängt von diesen rebellischen Mächten, die dich umhüllen, Warum schmachtest du innerlich und leidest Mangel, Deine äußeren Wände so kostbar fröhlich bemalend? Warum so große Kosten, bei so kurzem Pachtvertrag, Bringst du für dein verblassendes Herrenhaus auf? Sollen Würmer, Erben dieses Übermaßes, Deine Last verzehren? Ist das das Ende deines Körpers? Dann, Seele, lebe du vom Verlust deines Dieners, Und lass ihn schmachten, um deinen Vorrat zu mehren; Kaufe göttliche Bedingungen durch den Verkauf von Stunden aus Schlacke; Werde innerlich gespeist, sei äußerlich nicht mehr reich: So wirst du dich vom Tode nähren, der sich von Menschen nährt; Und ist der Tod erst gestorben, gibt es dann kein Sterben mehr.
„ALEXIS, HIER BLIEB SIE“
Alexis, hier blieb sie; inmitten dieser Kiefern, Süße Eremitin, suchte sie allein Zuflucht; Hier breitete sie den Schatz ihres Haares aus, Reicher als das, das aus den Kolchischen Minen gebracht wurde. Sie setzte sich bei diese Moschus-Heckenrosen, Der glückliche Ort scheint den Abdruck noch zu tragen; Ihre Stimme versüßte hier deine gezuckerten Zeilen, Denen Winde, Bäume, Tiere, Vögel ihr Ohr liehen. Mich nahm sie hier zuerst wahr, und hier ein Morgen Von hellen Nelken überzog ihr Antlitz; Hier seufzte sie, hier wurden zuerst meine Hoffnungen geboren, Und ich erhielt zuerst ein Pfand versprochener Gnade: Doch, ach! was diente es, so glücklich zu sein, Da vergangene Freuden nur neues Weh verdoppeln?
„WÄRE ICH SO NIEDRIG WIE DIE TIEFE EBENE“
Wäre ich so niedrig wie die tiefe Ebene, Und du, meine Liebe, so hoch wie der Himmel droben, Dennoch sollten die Gedanken an mich, deinen demütigen Hirten, Zum Himmel aufsteigen zu Ehren meiner Liebe. Wäre ich so hoch wie der Himmel über der Ebene, Und du, meine Liebe, so demütig und so niedrig Wie die tiefsten Gründe des Meeres, Wohin du auch gingst, mit dir sollte meine Liebe gehen. Wärest du die Erde, teure Liebe, und ich der Himmel, Meine Liebe sollte auf dich scheinen, gleich der Sonne, Und dich mit zehntausend Augen betrachten, Bis der Himmel erblindete und die Welt vollendet wäre. Wo ich auch bin, – unter oder über dir, – Wo auch immer du bist, mein Herz wird dich wahrhaftig lieben.
EIN SONETT ÜBER DEN MOND
Sieh, wie die blasse Königin der stillen Nacht Den Ozean veranlasst, ihr zu dienen, Und er, solange sie in seinem Blickfeld ist, Mit seiner vollen Flut bereit ist, sie zu ehren: Doch wenn der silberne Wagen des Mondes So hoch gestiegen ist, dass er nicht folgen kann, Ruft das Meer seine kristallenen Wellen heim zu klagen, Und bekundet mit niedriger Ebbe sein Leid. So du, die du die Herrscherin meines Herzens bist, Hast all meine Freuden deinem Willen untertan, Meine Freuden ebben nieder, wenn du gehst, Wenn du zurückkehrst, füllt ihre Flut mein Herz. So wie du kommst, und wie du gehst, Eben und fluten Freuden in meinem zarten Herzen.
AN MARY UNWIN
Mary! Ich begehre eine Leier mit anderen Saiten, Solchen Beistand vom Himmel, wie manche vorgaben, sie erhalten zu haben, Eine Beredsamkeit, die Sterblichen kaum gegeben, neu Und nicht entwertet durch das Lob geringerer Dinge; Dass ich, ehe ich vor Alter oder Weh meine Flügel abwerfe, Deinen Wert mit gebührender Ehre aufzeichnen kann, In Versen, so musikalisch wie du wahrhaftig bist, Und die denjenigen unsterblich machen, den sie besingen: Doch du hast wenig Not. Es gibt ein Buch, Von Seraphim geschrieben mit Strahlen himmlischen Lichts, Auf das die Augen Gottes nicht selten schauen, Eine Chronik gerechter und heller Taten: Dort strahlen all deine Taten, meine treue Mary; Und, da du dieses Lob besitzt, erlasse ich dir meines.
Warum schweigst du? Ist deine Liebe eine Pflanze Von so schwachem Faserwerk, dass die verräterische Luft Der Abwesenheit verwelkt, was einst so schön war? Gibt es keine Schuld zu begleichen, keine Gunst zu gewähren? Doch meine Gedanken waren wachsam für dich, An deinen Dienst gebunden mit unaufhörlicher Sorge – Des Geistes geringster, großzügiger Wunsch ein Bettler Um nichts als das, was dein Glück entbehren konnte. Sprich! – wenn auch dieses weiche, warme Herz, einst frei, Tausend zärtliche Freuden zu halten, dein und mein, Verlassener zurückgelassen wird, trostloser und kälter Als das Nest eines verlassenen Vogels, gefüllt mit Schnee Inmitten seines Busches aus blattloser Heckenrose – Sprich, damit meine quälenden Zweifel ihr Ende finden!
IV LIEBESSICHT Wann sehe ich dich am meisten, Geliebte? Wenn im Licht die Geister meiner Augen Vor deinem Antlitz, ihrem Altar, die Verehrung Jener Liebe feierlich begehen, die durch dich kundgetan? Oder wenn in den Dämmerstunden, (wir zwei allein,) Eng geküsst und beredt in stillem Erwidern, Dein im Zwielicht verborgenes, schimmerndes Angesicht liegt, Und meine Seele nur deine Seele als die ihre sieht? O Liebe, meine Liebe! Sollte ich dich nicht mehr sehen, Noch auf Erden deinen Schatten, Noch das Bild deiner Augen in irgendeiner Quelle, – Wie klänge dann auf des Lebens dunkler Halde Das Bodenwirbeln der verwehten Blätter der Hoffnung, Der Wind von des Todes unvergänglichem Schwingen?
V HERZENS HOFFNUNG Durch welches Wortes Macht, den Schlüssel zu unbetretenen Pfaden, Soll ich die schwierigen Tiefen der Liebe erforschen, Bis geteilte Wellen des Liedes das Ufer freigeben, Gleich jenem Meer, das Israel trockenen Fußes durchschritt? Denn siehe! In irgendeinem armen rhythmischen Versmaß, Gebieterin, möchte ich gern verkünden, wie ich immerdar Deine Seele nicht von deinem Körper kenne, noch Dich von mir selbst, noch unsere Liebe von Gott. Ja, in Gottes Namen, und der Liebe, und deinem, möchte ich Aus einem liebenden Herzen solchen Beweis ziehen, Dass er allen Herzen alle Dinge bedeutet; Zart wie das erste Lullfeuer der Morgenröte, und intensiv Wie augenblickliches, durchdringendes Empfinden, In der Geburtsstunde des Frühlings, vergangener Frühlinge.
XV DAS GEBURTSBAND Hast du nicht bemerkt, in mancher Familie, Wo zwei aus einem ersten Ehebett geboren wurden, Wie sie dennoch ihr gnädiges Band besitzen, obgleich genährt Und aufgezogen an der vergessenen Brust und Knie? – Wie sie für die Kinder ihres Vaters sein werden In Tun und Denken von einem guten Willen; doch jeder Soll für den anderen haben, im Schweigen Rede, Und in einem Wort vollkommene Gemeinschaft? Ebenso, als ich dich zuerst sah, schien es, Liebste, Dass unter den Seelen, die mit meiner verwandt, noch Eine nähere Verwandtschaft war, als das Leben ahnen ließ. O mit mir geboren irgendwo, das die Menschen vergessen, Und obgleich in Jahren des Sehens und Hörens nicht getroffen, Genugsam bekannt als meines Geistes Geburtsgefährte!
XIX STILLER MITTAG Deine Hände liegen offen im langen, frischen Gras, – Die Fingerspitzen schauen hervor wie rosenfarbene Blüten: Deine Augen lächeln Frieden. Die Weide glänzt und dunkelt Unter wogenden Himmeln, die sich zerstreuen und sammeln. Rings um unser Nest, soweit das Auge blicken kann, Sind goldene Hahnenfußfelder mit silbernem Rand, Wo die Wiesenkerbel die Weißdornhecke säumt. Es ist sichtbare Stille, still wie das Stundenglas. Tief in den sonnendurchsuchten Gewächsen hängt die Libelle Wie ein blauer Faden, gelöst vom Himmel: – So ist diese beflügelte Stunde für uns von oben herabgefallen. O! lass uns an unsere Herzen drücken, als unsterbliches Geschenk, Diese eng begleitete, artikulationslose Stunde, Als zweifache Stille das Lied der Liebe war.
XXVI MITTEN IM ENTZÜCKEN Du Schöne und Geliebte, du meine Liebe; Dessen Kuss noch der erste scheint; dessen mahnende Augen, Selbst jetzt, wie für den neuen Sonnenaufgang unserer Liebeswelt, Den wahren Morgen verströmen; dessen Stimme, abgestimmt über Jede Modulation der tief versteckten Taube, Ist wie eine Hand, die sanft auf die Seele gelegt wird; Dessen Hand ist wie eine süße Stimme, um zu zähmen Jene abgenutzten, müden Brauen, deren Hüterin sie ist: – Welches Wort kann deinem Wort antworten, – welcher Blick Dem deinen, der nun in seinem Bereich mein Anbetendes Antlitz in sich aufnimmt, bis ich darin gespiegelt bin, Lichtumkreist in einem Himmel aus tief gezogenen Strahlen? Welcher Griff, welcher Kuss kann mein innerstes Herz beweisen, O Schöne und Geliebte, o meine Liebe?
XXXI IHRE GABEN Hohe Anmut, die Gabe von Königinnen; und damit Die süße Einfalt eines im Wald geborenen Wunders; Ein Blick wie Wasser, das vom Himmel überfließt Oder Hyazinthenlicht, wo Waldschatten fallen; Solch erschütternde Blässe der Wange, wie sie das Herz Fesselt; ein Mund, dessen leidenschaftliche Formen alle Musik Und alles Schweigen darin enthalten; Tief goldene Locken, ihre souveräne Krone; Ein runder, erhobener Hals, treffliche Säule von Liebes Schrein, Um sich daran zu klammern, wenn das Herz Zuflucht sucht; Hände, die für immer auf Liebes Geheiß sind, Und sanft bewegte Füße, die noch auf sein Zeichen antworten: – Dies sind ihre Gaben, wie die Zunge sie aufzählen mag. Atme leise ihren Namen, meine Seele; denn das bedeutet mehr.
XXXIV DAS DUNKLE GLAS Nicht ich selbst kenne all meine Liebe für dich: Wie sollte ich so weit reichen, der ich nicht Die Gabe von morgen am Maß von gestern wägen kann? Sollen Geburt und Tod, und alle dunklen Namen, die da sind Wie Türen und Fenster, entblößt gegen ein lautes Meer, Meine Ohren taub peitschen und mein Gesicht mit Gischt blenden; Und soll mein Sinn die Liebe durchdringen, – die letzte Staffel Und der endgültige Außenposten der Ewigkeit? Siehe! Was bin ich für die Liebe, den Herrn über alles? Eine murmelnde Muschel, die er vom Sand aufliest, – Eine kleine Herzensflamme, geborgen in seiner Hand. Doch durch deine Augen gewährt er mir den klarsten Ruf Und die wahrhaftigste Berührung urtümlicher Kräfte, Die ein stundengebundenes Leben verstehen mag.
XLIX WEIDENWALD Ich saß mit der Liebe an einem Waldquell, Lehnte mich über das Wasser, ich und er; Und niemals sprach er noch blickte er mich an, Doch berührte seine Laute, worin hörbar war Das gewisse geheime Ding, das er zu sagen hatte: Nur unsere gespiegelten Augen trafen sich schweigend In der niedrigen Woge; und dieser Klang wurde zu Der leidenschaftlichen Stimme, die ich kannte; und meine Tränen fielen. Und bei ihrem Fall wurden seine Augen darunter zu ihren; Und mit seinem Fuß und mit seinen Flügelfedern Fegte er die Quelle, die meines Herzens Dürre tränkte. Dann breiteten sich die dunklen Wellen zu wehendem Haar, Und als ich mich hinabbeugte, perlten ihre eigenen Lippen, die dort aufstiegen, Mit überquellenden Küssen an meinem Mund.
LXXVIII KÖRPER-SCHÖNHEIT Oder von Adams erster Frau, Lilith, wird erzählt (Die Hexe, die er liebte vor der Gabe der Eva), Dass, noch vor der Schlange, ihre süße Zunge täuschen konnte, Und ihr bezauberndes Haar das erste Gold war. Und noch immer sitzt sie da, jung, während die Erde alt ist, Und, subtil in sich selbst versunken, Lockt sie Männer, das helle Gewebe zu betrachten, das sie weben kann, Bis Herz und Körper und Leben in dessen Griff sind. Die Rose und der Mohn sind ihre Blumen: denn wo Ist er nicht zu finden, o Lilith! den verströmter Duft Und sanft verströmte Küsse und sanfter Schlaf nicht fangen? Siehe! Wie jenes Jünglings Augen bei deinen brannten, so ging Dein Zauber durch ihn und ließ seinen geraden Hals sich beugen, Und um sein Herz ein erwürgendes goldenes Haar.
BEGEGNUNG Sie machten das Gemach süß mit Blumen und Blättern, Und das Bett süß mit Blumen, auf denen ich lag; Während meine Seele, liebesgebunden, auf ihrem Weg verweilte. Ich hörte nicht die Vögel an der Dachtraufe, Noch hörte ich die Schnitter unter den Garben sprechen: Nur meine Seele hielt Wache von Tag zu Tag, Meine durstige Seele hielt Wache für einen Abwesenden: – Vielleicht liebt er, dachte ich, erinnert sich, trauert. Endlich kam der Schritt auf der Treppe, Am Schloss die alte vertraute Hand: Da erst schien mein Geist die Luft des Paradieses Zu wittern; da erst lief der verspätete Sand Der Zeit golden; und ich fühlte, wie mein Haar Sich mit Herrlichkeit schmückte, und meine Seele sich ausdehnte.
DER ERSTE TAG Ich wünschte, ich könnte mich an den ersten Tag erinnern, Die erste Stunde, den ersten Augenblick deines Treffens mit mir, Ob hell oder trüb die Jahreszeit, es könnte Sommer oder Winter sein, für alles, was ich sagen kann; So unaufgezeichnet glitt er dahin, So blind war ich zu sehen und vorauszusehen, So stumpf, das Knospen meines Baumes zu bemerken, Der noch für manchen Mai nicht blühen wollte. Wenn ich mich nur daran erinnern könnte, solch Ein Tag der Tage! Ich ließ ihn kommen und gehen So spurlos wie ein Tauen von vergangenem Schnee; Er schien so wenig zu bedeuten, bedeutete so viel; Wenn ich nur jetzt diese Berührung zurückrufen könnte, Erste Berührung von Hand in Hand – wüsste man es doch!
ERINNERE DICH Erinnere dich meiner, wenn ich fortgegangen bin, Weit fort in das stille Land; Wenn du mich nicht mehr bei der Hand halten kannst, Noch ich halb umkehre, um zu gehen, doch umkehrend bleibe. Erinnere dich meiner, wenn nicht mehr, Tag für Tag, Du mir von unserer Zukunft erzählst, die du geplant hast: Erinnere dich nur meiner; du verstehst, Es wird zu spät sein, dann zu raten oder zu beten. Doch wenn du mich für eine Weile vergessen solltest Und danach dich erinnerst, gräme dich nicht: Denn wenn die Dunkelheit und Verwesung einen Rest Der Gedanken lässt, die ich einst hatte, Ist es weitaus besser, du vergisst und lächelst, Als dass du dich erinnerst und traurig bist.
RUHE O Erde, liege schwer auf ihren Augen; Versiegle ihre süßen Augen, müde vom Wachen, Erde; Liege dicht um sie; lass keinen Raum für Fröhlichkeit Mit ihrem rauen Lachen, noch für das Geräusch von Seufzern. Sie hat keine Fragen, sie hat keine Antworten, Eingehüllt und mit Vorhängen versehen mit einer gesegneten Armut An allem, was sie von der Stunde der Geburt an quälte; Mit Stille, die fast Paradies ist. Dunkelheit, klarer als der Mittag, hält sie, Stille, musikalischer als jedes Lied; Selbst ihr Herz hat aufgehört zu pochen: Bis zum Morgen der Ewigkeit Soll ihre Ruhe nicht beginnen noch enden, sondern sein; Und wenn sie erwacht, wird sie es nicht lang finden.
WIE MEINE LIEDER VON IHR BEGANNEN Gott machte meine Gebieterin lieblich anzuschauen; – Über des Malers Traum setzte Er ihr Antlitz, Und schmiedete ihren Körper in göttlichster Anmut; Er berührte das braune Haar mit einem Sinn für Gold, Und in die vollkommene Form hüllte Er Was allein ebenso vollkommen war, das süße Herz; Wissen, höchst selten, verlieh Er ihr, Und füllte alle ihre Tage mit Liebe und Anbetung. Und dann dachte Gott daran, wie es wohlgetan wäre, Ihr Musik zu geben, und zur Liebe sagte Er: „Bringe du nun irgendeinen Spielmann, damit er verkünde, Wie schön und süß ein Ding meine Hände gemacht haben.“ Dann kam ich auf der Liebe Ruf, neigte mein Haupt, Und nach Seinem Willen wurde meine Leier hörbar.
AM LETZTEN Weil sich die Schatten wahrlich vertieften, – Weil das Ende von allem nahe schien, fürwahr, – Hatte ihr gnädiger Geist, stets schnell zum Erbarmen, Mitleid mit ihrem Leibeigenen, ja mit mir. Sie kam mit dem Zwielicht geräuschlos herein, Schön wie eine Rose, makellos wie die Wahrheit; Sie lehnte sich über meine zerstörte und verschwendete Jugend; Ich fühlte ihre Gegenwart, die ich nicht sehen konnte. „Gott behüte dich, mein armer Freund“, hörte ich sie sagen; Und dann küsste sie meine trockenen, heißen Lippen und Augen. Küsse du den nächsten Kuss, stiller Tod, ich flehe; Sei alsbald in dieser Stunde, und so überrasche Meinen Geist, während die Vision zu bleiben scheint; Nimm du das Herz mit des Herzens Paradies.
AN EINEN, DER EIN GESTÄNDNIS MACHEN WÜRDE O! überlass der Vergangenheit, ihre eigenen Toten zu begraben. Die Vergangenheit ist uns nichts, die Gegenwart alles. Was braucht es das Laub des letzten Jahres, um Liebes Bett zu bestreuen? Was braucht es Geister, um ein Fest zu schmücken? Ich wollte nicht, wenn ich könnte, jene Tage zurückrufen, Jene Tage, die nicht unsere waren. Für uns ist das Fest gedeckt, Die Lampen sind entzündet, und Musik spielt dazu. Dann lass uns lieben und den Rest ungesagt lassen. Diese Insel ist unser Zuhause. Um sie herum toben Große Schlünde und Ozeane, Kanäle, Meerengen und Seen. Was macht es, in welchem Wrack wir das Ufer erreichten, So wir beide es erreichten? Wir können dieser spotten. Oh lass die Vergangenheit, wenn es sie überhaupt gibt; Ich wollte sie nicht wissen; ich wollte nur dich wissen.
DIE FREUDEN DER LIEBE Ich kümmere mich nicht um Küsse. Es ist eine Schuld, Die wir für das erste Vorrecht der Liebe bezahlten. Das sind die Regenfälle des April, die unsere Brachliegenden Herzen genässt und ihre Keime bewegt haben. Nun ist das grüne Korn gesprossen. Jeder neue Tag Bringt bessere Freuden, eine liebere Überraschung, Den Halm, die Ähre, die Ernte – und unser Weg Führt durch eine Region, die wohlhabend und weise geworden ist. Wir vergleichen nun unser Glück. Jeder seinen Vorrat Zeigt er den verwandten Augen des geernteten Korns, Zwei glückliche Bauern, gelehrt in Liebes Lehre, Die wägen und berühren und streiten und klagen – Lieber endloser Streit! Doch manchmal küssen wir uns Sogar, während wir streiten. Da! Lass es so sein.
„WÄRE NUR MEIN GEIST AUF DIE LUFT LOSGELASSEN“ Wäre nur mein Geist auf die Luft losgelassen, – Durch eine Hohe Macht, die des Lebens Ketten lösen könnte, Freigesetzt zu suchen, was er am meisten zu finden begehrt, – Zu keinem stolzen Hof der Könige würde ich mich begeben: Ich würde nur eine schmale Treppe wieder hinaufsteigen, Wenn der Tag spät wurde und das Zwielicht gütig war; Und einer sollte mich begrüßen, blind für meine Fehler, Zufrieden, wenn ich nur sein Zwielicht dort teilte. Nein! Wohl weiß ich, er wartet nicht wie einst, – Ich könnte ihn nicht am alten Ort finden, – Ich muss ihn verfolgen, durch Kummer mutig gemacht, Durch unbekannte Welten, in seltsamem himmlischen Wettlauf, Dessen mystische Runde kein Reisender erzählt hat, Von Stern zu Stern, bis ich sein Antlitz sehe.
ENTSAGUNG Ich darf nicht an dich denken; und, müde doch stark, Meide ich den Gedanken, der in aller Lust lauert – Der Gedanke an dich – und in der blauen Höhe des Himmels, Und in der liebsten Passage eines Liedes. Oh, gerade hinter den schönsten Gedanken, die drängen Diese Brust, der Gedanke an dich wartet, verborgen doch hell, Doch er darf niemals, niemals in Sicht kommen; Ich muss den ganzen Tag lang kurz vor dir anhalten. Doch wenn der Schlaf kommt, um jeden schwierigen Tag zu schließen, Wenn die Nacht eine Pause gibt für die lange Wache, die ich halte, Und all meine Bande ich lösen muss, Meinen Willen ablegen muss wie abgelegte Kleidung, – Mit dem ersten Traum, der mit dem ersten Schlaf kommt, Laufe ich, laufe ich, bin ich an dein Herz gesammelt.
„MEINE LIEBE FÜR DICH“ Meine Liebe für dich marschiert wie bewaffnete Männer, Gegen eine königliche Stadt, die sie einnehmen wollen. Entlang der Front der Armee schütteln sich ihre Banner; Über den Berg und die sonnenverbrannte Ebene Fegt sie standhaft, wie der standhafte Regen fegt; Und nun lässt die Trompete die stille Luft beben, Und nun erwacht die donnernde Kanone Echo um Echo, laut wiederhallend. Doch siehe! Die Eroberung höher als je ein Barde sang: Statt antwortender Kanone, stolze Kapitulation! Freudig sind die eisernen Tore aufgeworfen Und, für den Eroberer, ein Willkommen, heiter und zärtlich! O, hell ist der Pfad des Eindringlings mit Tributblumen, Während kameradschaftliche Flaggen an Mauer und Türmen flammen!
SONETTE NACH DEM ITALIENISCHEN Ich weiß nicht, ob ich sie allzu sehr liebe; Aber das weiß ich, dass, wenn sie zum Gesicht Ihre Hand erhebt, die dort einen Augenblick lang still ruht, Dann langsam fällt – bin ich es, der diese Berührung fühlt. Und wenn sie plötzlich den Kopf schüttelt, mit solch Einem Blick, verfolge ich bald ihre geheime Bedeutung. So, wenn sie läuft, denke ich, ich sei es, der rennt. Wie ein armer Krüppel, der seine Krücke verloren hat, Bin ich, wenn sie fort ist; und wenn sie geht, Weiß ich nicht warum, denn das ist eine seltsame Kunst – Als ob ich selbst von mir selbst scheiden sollte. Ich weiß nicht, ob ich sie mehr liebe als jene, Die lange ihr Licht gekannt haben; aber für die Rose, Die sie im Haar verbirgt, gäbe ich mein Herz.
Ich mag ihre sanfte Hand, die manchmal schweift, Um die Stelle zu finden, durch dasselbe Buch mit meiner; Ich mag ihre Füße; und O, diese göttlichen Augen! Und wenn wir Abschied nehmen, bleibt sie vielleicht Liebesverweilend – dann eilt sie ihrer Wege, Als ob sie dächte: „Um meinen Schmerz und deinen zu beenden.“ Ich mag ihre Stimme besser als den neuen Wein; Ich mag die Mandoline, worauf sie spielt. Und ich mag auch den Umhang, den ich sie tragen sah, Und den roten Schal, den ihr weißer Hals bedeckt, Und wohl mag ich die Tür, durch die sie kommt; Ich mag das Band, das ihr Haar bindet – Aber dann, in Wahrheit, bin ich dieser Dame Liebhaber, Und jeder neue Tag ist etwas Neues.
STANZEN Aus „Modern Love“
I Daran wusste er, dass sie mit wachen Augen weinte: Dass bei dem leichten Zittern seiner Hand an ihrem Haupt Die seltsamen leisen Schluchzer, die ihr gemeinsames Bett erschütterten, Mit scharfem Erstaunen in sie hineingerufen wurden Und stumm erwürgt, wie kleine klaffende Schlangen, Schrecklich giftig für ihn. Sie lag Steinstill, und die lange Dunkelheit floss dahin Mit gedämpften Pulsschlägen. Dann, wie die Mitternacht Ihr riesiges Herz aus Erinnerung und Tränen Den blassen Trank der Stille trinken lässt, und so schlägt Den schweren Takt des Schlafs, waren sie von Kopf bis Fuß Unbeweglich, blickend durch ihre toten schwarzen Jahre, Vom eitlen Bedauern über die leere Wand gekritzelt. Wie bildhauerische Bildnisse mochten sie gesehen werden Auf ihrem Ehegrab, das Schwert dazwischen; Jeder wünschend nach dem Schwert, das alles trennt.
II Es endete, und der Morgen brachte die Aufgabe. Ihre Augen waren schuldige Tore, die ihn einließen, Indem sie allzu eifrig für ihre Sünde schlossen: Jedes saugte ein Geheimnis, und jedes trug eine Maske. Aber oh, den bitteren Geschmack, den ihre Schönheit hatte! Er kränkelte wie bei dem Hauch von Giftblumen: Ein träger Humor stahl sich unter die Stunden, Und wenn ihre Lächeln einander begegneten, wurde er wahnsinnig, Und tobte tief in sich, bis das Licht braun wurde Vor seiner Vision, und die Welt vergaß, Sah bösartig aus wie ein alter stumpfer Mordort. Ein Stern mit grimmigen Strahlen, schien sie zu krönen Den Schlund der Infamie: und dann wieder Ohnmächtig wurde er auf seiner Rachsucht, und strebte Die Großmut der Liebe nachzuahmen, Und schlug sich selbst, ein schaudernder Haufen Schmerz.
III Das war die Frau; was nun vom Mann? Aber lass ihn. Wenn er unter eine Ferse kommt, Soll er zerquetscht werden, bis er nichts mehr fühlen kann, Oder, abgestumpft, vielleicht bis er es kann. Aber er ist nichts: – nichts? Achte nur Auf das reiche Licht, das von ihr auf ihn strahlt! Ha! was für ein Sinn ist es, wenn ihre Augen schwimmen Über den Mann, den sie auswählt, und alles Andere dunkel lassen! Herr Gott, der du das Ding so schön machtest, Sieh, dass ich jetzt schon zu ihr gezogen werde! Es kann nicht so viel Schaden sein, auf ihrer kühlen Stirn Einen Kuss zu pflanzen? Doch wenn ich ihn dort treffe! Aber sie ist mein! Ach, nein! Ich weiß zu gut Ich beanspruche einen Stern, dessen Licht verhüllt ist: Ich beanspruche eine Phantomfrau in der Vergangenheit. Die Stunde hat geschlagen, obgleich ich die Glocke nicht hörte!
XIV Welche Seele würde für ein Heilmittel feilschen, das Verachtung bringt, die edlere Qual zu töten? Lieber lass mich das bittere Übel weiter tragen, Und diesen rostigen Busen mit neuen Stichen schlagen! Es scheint, es gibt einen anderen wendenden Anfall, Da ich auf die reinen Augäpfel einer goldhaarigen Dame Mit wenig Aussicht auf Heilung blickte, Während der rote Bogen ihres Mundes Pfeile des Witzes löste. Gerechter Himmel! Kann es wahr sein, dass Eifersucht Die Frau so geschmückt hat? Und schwimmt ihr Haupt Etwas wegen verwirkter Besitztümer? Gnädige Frau, Ihr lehrt mich viele Dinge, die da sind. Ich öffne ein altes Buch, und dort finde ich, Dass „Frauen immer noch lieben mögen, wen sie täuschen.“ Solche Liebe schätze ich nicht, gnädige Frau: mit Eurer Erlaubnis, Das Spiel, das Ihr spielt, ist nicht nach meinem Sinn.
XVI In unseren alten schiffbrüchigen Tagen gab es eine Stunde, Als wir im Kaminlicht, stetig glühend, Schlaff verbunden, den roten Schlund wachsen sahen Unter der klickenden Kohle. Unsere Bibliothekslaube An jenem Abend war uns überlassen: und wir saßen still Wie Liebende, denen die Zeit zuflüstert. Von plötzlich geöffneten Türen hörten wir sie singen: Die nickenden Ältesten mischten guten Wein mit Geplauder. Wohl wussten wir, dass des Lebens größter Schatz Bei uns lag, und davon war unsere Rede. „Ach, ja! Die Liebe stirbt!“ sagte ich: Ich dachte nie weniger daran. Sie sehnte sich zu mir, diesen Satz zu widerrufen. Dann, als das Feuer sich schwärzend wölbte, fand ich Ihre Wange war salzig gegen meinen Kuss, und schnell Hob ihre Brust sich die scharfe Leiter der Schluchzer: – Nun werde ich von diesem Geschmack gejagt! von diesem Klang!
XXVI Die Liebe, eh’ sie blutet, ein Adler in hohen Lüften, Hat Erde unter ihren Schwingen: vom geröteten Abend Schaut sie auf die rosenfarbene Morgenröte. Umsonst weben sie Das tödliche Netz dort unten, während er fernhin fliegt. Doch wenn der Pfeil ihn trifft, da gibt es eine Wandlung. Er bewegt sich nur noch in der Spur seines verzehrten Schmerzes, Dessen rote Tropfen die Glieder einer harten Kette sind, Die ihn an den Boden bindet, mit engem Spielraum. Ein tückischer Schlangengestalt ist die Liebe dann geworden. Ich trug den Adler einst in meinem Busen: Von nun an bin ich mit der Schlange verflucht. Ich kann deuten, wo der Mund stumm bleibt. Sprich, und ich sehe die Seitenlüge einer Wahrheit. Vielleicht mag mein Herz dir diese Tat verzeihen: Doch sei kein Feigling: – du, die du die Liebe zum Bluten brachtest, Du musst all das Gift ihres Zahnes ertragen!
XLI Wie manches Ding, das wir zu Boden werfen, Wird zum Edelstein, wenn andere es aufheben! Wir greifen nach all dem Reichtum, der es für sie ist; Und durch reflektiertes Licht wird sein Wert gefunden. Doch für uns bleibt es immer noch nichts! Und jener Eifer Falscher Wertschätzung schwindet nur zu schnell. Diese Wahrheit ist den menschlichen Schatten wenig bekannt, Wie selten es ist, aus eigenem Instinkt zu fühlen! Sie verschwenden die Seele mit falschem Begehren, Das nicht die reife Flamme am Zweig ist. Wir zwei haben ein lebloses Gelübde abgelegt, Um eine lebendige Leidenschaft zu berauben: Staub statt Feuer! Die Dame ist ernst und beobachtet die Uhr, die das Nahende Mitternacht verkündet. Wir haben Verzweiflung In zwei Herzen geschlagen. O, sehen wir aus wie ein Paar, Das freudig alles andere für eine neue Vermählung aufgibt?
XLIII Beachte, wo der drängende Wind speergleich schießt, Seinen Skelettschatten auf die breitrückige Woge! Hier ist ein passender Ort, um der Liebe Grab zu schaufeln; Hier, wo die gewaltigen Brecher eintauchen und zuschlagen, Und ihre zischenden Zungen hoch in den Sand schleudern: Im Gehör des Ozeans und im Anblick Jener gerippten Windstreifen, die in Weiß auslaufen. Wenn ich den Tod der Liebe tief geplant hätte, Ich hätte es niemals halb so sicher machen können, Wie durch die ungesegneten Küsse, die den Vollwachen Sinn schmähen; oder, versagend, erniedrigen? Es ist Morgen: doch kein Morgen kann wiederherstellen, Was wir verwirkt haben. Ich sehe keine Sünde: Das Unrecht ist vermischt. Im tragischen Leben, Gott weiß, Muss es keinen Bösewicht geben! Leidenschaften spinnen den Plot: Wir werden von dem verraten, was in uns falsch ist.
XLIX Er fand sie am jammernden Saum des Ozeans, Und nahm keine böse Wandlung an ihr wahr; Und sie glaubte, seine alte Liebe sei zurückgekehrt, Was ihre Frohlockung war und ihre Geißel. Sie nahm seine Hand und ging mit ihm und schien Die Gattin, die er suchte, wenn auch schattenhaft und trocken. Sie hatte eine Furcht, dass ihr Herz seufzen könnte, Und ihr laut sagen, dass sie nicht länger träumte. Sie wagte nicht zu sagen: „Dies ist meine Brust: schau hinein.“ Doch es gibt eine Stärke, der verzweifelt Schwachen zu helfen. Jene Nacht erfuhr er, wie das Schweigen am besten die Schrecklichen Dinge aussprechen kann, wenn Mitleid für die Sünde plädiert. Gegen Mitternacht wurde ihr Ruf Gehört, und er kam staunend zum Bett. „Küss mich nun, Liebster! es mag sein, jetzt!“ sagte sie, Lethe war über jene Lippen gegangen, und er wusste alles.
L So kläglich schloss die Liebe, was sie zeugte: Die Vereinigung dieses ewig unterschiedlichen Paares! Diese zwei waren rasche Falken in einer Schlinge, Verdammt dazu, das Flattern der Fledermaus zu vollführen. Liebende unter dem singenden Himmel des Mai, Sie wanderten einst; klar wie der Tau auf Blumen: Doch sie nährten sich nicht von den fortschreitenden Stunden: Ihre Herzen hegten Sehnsüchte nach dem begrabenen Tag. Dann legte jeder an jeden jenes fatale Messer, Tiefes Fragen, das bis zum endlosen Weh sondiert. Ach, welch staubige Antwort erhält die Seele, Wenn sie heiß auf Gewissheiten ist in diesem unserem Leben! – In tragischen Andeutungen sieh hier, was für immer Dunkel bewegt wie jene Gewalt des mitternächtlichen Ozeans, Donnernd wie heranstürmende Heerscharen kriegerischer Rosse, Um jene blasse, dünne Linie an den Strand zu werfen!
George Meredith [1828-1909]
LIEBE IN DEN WINDEN
Wenn ich auf einem Berggipfel stehe, Oder das Ruder in der spritzenden Gischt halte, Springt meine Liebe zu dir schäumend in meiner Brust, Ruft mit den Winden und stürmt in ihren Raubzug; Mein Herz springt mit den Rossen der See, Und stürzt in den wilden Ritt der Nacht, Trotzt im Gebiss des Sturms dem großen Übermut, Der das Schicksal überreitet und Götter zum Kampf begrüßt. Ho, Liebe, ich lache laut vor Liebe zu dir, Froh, dass unsere Liebe dem rauen Wetter gleicht, – Keine reizbare Orchidee, im Treibhaus vor dem Tau geschützt, Sondern gesund und hart wie das Heidekraut im Hochland, Sich freuend im Wind, der sticht und erregt, Kamerad des Ozeans, Spielgefährte der Hügel.
Richard Hovey [1864-1900]
„OH! DER TOD WIRD MICH FINDEN“
Oh! Der Tod wird mich finden, lange bevor ich müde werde, Dich zu betrachten; und mich plötzlich schwingen In den Schatten und die Einsamkeit und den Schlamm Des letzten Landes! Dort, geduldig wartend, Eines Tages, denke ich, werde ich einen kühlen Wind wehen fühlen, Ein langsames Licht über der Stygischen Flut sehen, Und die Toten um mich herum sich regen hören, unwissend, Und zittern. Und ich werde wissen, dass du gestorben bist. Und dich beobachten, einen breitstirnigen und lächelnden Traum, Vorbeiziehend, so leicht wie immer, durch das lichtlose Heer, Leise nachdenken, zusammenfahren, und schwanken, und glänzen – Ein höchst individueller und verwirrender Geist! – Und dich umdrehen und dein braunes, entzückendes Haupt werfen, Belustigt, unter den alten Toten.
Rupert Brooke [1887-1915]
DAS GESCHÄFTIGE HERZ
Nun, da wir unser Bestes und Schlechtestes getan und uns getrennt haben, Möchte ich meinen Geist mit Gedanken füllen, die nicht zerreißen. (O Herz, ich wage es nicht, herzleer zu gehen) Ich werde an Liebe in Büchern denken, Liebe ohne Ende; Frauen mit Kind, zufrieden; und alte Männer, die schlafen; Und feuchtes, starkes Ackerland, vernarbt für sicheres Korn; Und Kinder, die weinen und so ihr Weinen vergessen; Und die jungen Himmel, vergesslich nach dem Regen; Und abendliche Stille, unterbrochen von heimkehrenden Flügeln; Und der Gesang Adel und Weisheit heilig, Die leben, wir Toten. Ich möchte an tausend Dinge denken, Schön und dauerhaft, und sie langsam schmecken, Eines nach dem anderen, wie das Kosten einer süßen Speise. Ich habe es nötig, mein Herz mit Stille zu beschäftigen.
Rupert Brooke [1887-1915]
DER HÜGEL
Atemlos warfen wir uns auf den windigen Hügel, Lachten in der Sonne und küssten das liebliche Gras. Du sagtest: „Durch Herrlichkeit und Ekstase ziehen wir; Wind, Sonne und Erde bleiben, die Vögel singen noch, Wenn wir alt sind, alt sind...“ „Und wenn wir sterben, Ist alles vorbei, was unser ist; und das Leben brennt weiter Durch andere Liebende, andere Lippen“, sagte ich, – „Herz meines Herzens, unser Himmel ist jetzt, ist gewonnen!“ „Wir sind das Beste der Erde, das hier ihre Lektion lernte. Leben ist unser Schrei. Wir haben die Treue bewahrt!“ sagten wir; „Wir werden mit unwilligem Schritt hinabgehen, Rosenbekränzt in die Dunkelheit!“... Stolz waren wir, Und lachten, die wir so tapfere, wahre Dinge zu sagen hatten. – Und dann weintest du plötzlich und wandtest dich ab.
Rupert Brooke [1887-1915]
SONETTE Aus „Sonette an Miranda“
Tochter jener, deren Antlitz und hoher Name Vorverheiratet, von alten Staaten und Städten künden, Wo Weinländer nordwärts blicken zu Gipfel auf Gipfel Der überwachenden Alpen: durch sie beanspruchst du Verwandtschaft mit verschwundener Macht, unverschwundenem Ruhm; Und inmitten einer Welt, die farblos und öde geworden, Sehe ich das Blut der Dogen auf deiner Wange, Und in deinem Haar die Tizian-Töne der Flamme. Tochter Englands auch, du zogst zuerst Atem, Wo unsere spröden Frühlinge unseren spröden Sommern weichen; Und du stammst ab von jenem, dessen Lanze und Schild Beim Großvater der Elizabeth waren, Als der Plantagenet den Rächer Tod Auf sich zueilen sah über das Feld von Bosworth.
II Wenn du in jener stattlicheren Zeit gelebt hättest, Da die Menschen sich der großen Tudor-Königin erinnerten, Wäre dein Name mit edelster Dichtung vermählt worden, Und du für immer gekrönt mit goldenem Reim. Wenn du, inmitten von Lorenzos Florenz, das durch Die Wiedergeburt der Kunst erhaben wurde, als gelassene Muse gewandelt wärst, Hätten die mächtigsten Maler dein Antlitz Allen Zeitaltern und jedem staunenden Klima offenbart. Geflohen sind die Sänger, die aus der Sprache Ihre jungfräulichen Geheimnisse zogen; und auf engem Raum Schlafen die mächtigsten Maler: und nur Er, Der ewige Künstler, erschafft noch immer neu Das, was schöner ist als alles Lied – die Anmut, Die die Welt in Gefangenschaft nimmt.
III Ich wage nur in einer solchen Weise von dir zu singen, Wie es der Zunge des wandernden Harfners geziemen mag, Der von der Herrlichkeit seiner Königin gesungen hat, Außerhalb ihrer Burgtore in Wind und Regen. Sie, sitzend inmitten der Edelsten ihres Gefolges, In ihren großen Hallen mit bilderreichen Tapeten behängt, Kann kaum wissen, welche Melodie erklungen ist Durch die vergessende Nacht, und vergeblich erklungen ist. Er, mit einem Wort von ihr, der er das loyale Herz bringt, Das nur sie allein lenken kann, Wäre für immer reich gemacht; doch er singt Von einem Königtum, zu fern, zu groß, um zu sagen: „Sing weiter, sing weiter, o Minstrel“ – obwohl er Seine Seele den Winden zuwirft, die seine Lieder hinwegwirbeln.
V Ich werfe diese lyrischen Opfergaben zu deinen Füßen, Und bitte dich nur, sie nicht wegzuwerfen: Lass sie dort ruhen, bis selbst sie, Durch glückliche Nähe zu dir, süß werden. Der, der sie geformt und geschmiedet hat, hält es für angemessen, Dass du besungen wirst, nicht in kunstloser Weise, Sondern mit solchem Pomp und Ritual, wie wenn der Mai Seinen vollen Chor aussendet, um den thronenden Morgen zu begrüßen. Mit etwas, das von deiner eigenen hohen Art eingefangen ist, Mit etwas, das von deiner eigenen hochgeborenen Anmut gelernt wurde, Muss das Lied sich deiner Gegenwart nähern; muss unterlassen Alles leichte und einfache Ansprechen; und doch den Eigenen stolzen Geist in Ehrfurcht und Ehrerbietung dort demütigen, Vor dem Wunder deiner Gestalt und deines Antlitzes.
VI Ich bewege mich inmitten deines Gedränges, ich sehe dich Mit vielen sprechen, die edel und schön sind, Du selbst die Edelste und Schönste dort, Regierend als Höchste, gekrönt mit jenem lebendigen Gold. Ich spreche mit Männern, deren Namen eingetragen wurden In Englands Ehrenbuch; und ich teile Mit diesen eine Ehre – deine Beachtung; und trage Deine Freundschaft als ein Juwel von unermesslichem Wert. Und dann gehe ich aus deinem sphärischen Licht hinaus In eine Welt, die immer noch voll von Dir zu sein scheint. Ich weiß, die Sterne sind dort drüben, die ihre Alten Sitze besitzen, unbekümmert, was Sterbliche tun; Doch ich erblicke in der ganzen Weite der Nacht Nur den Glanz deiner Lieblichkeit.
VIII Wenn ich dein Antlitz niemals gekannt hätte, Hätte dich nur sprechen hören, hinter dichtem Schirm Von Blättern, in einem alten Garten, wenn der Glanz Des Morgens auf Sonnenuhr und efeubewachsener Mauer weilte, Ich denke, deine Stimme wäre genug gewesen, um Dich vor mich zu rufen, in lebendiger Vision gesehen, So schwanger mit deinem Wesen wäre sie gewesen, So aufgeladen mit Dir, in jedem sanften Auf und Ab. Zumindest weiß ich, dass, wenn in der Nacht Mit gesungenem Wort deine Stimme deine Seele freilässt, Ich durchbohrt bin, durchbohrt und gespalten, von Entzücken, Das allen Schmerz in sich trägt, und der ganzen Welt Tränen, alle Ekstase innerer Schau, Und den blinden Schrei aller Meere, die rollen.
William Watson [1858-1935]
SONETTE Aus „Thysia“
II Zwillingslieder gibt es, der Freude oder des Schmerzes; Eines der Morgenlerche am mittleren Himmel, Wenn ein Nebel zur Erde fällt, ein silberner Regen, Eine glitzernde Kaskade der Melodie; Und Wiese und Wald und der weite Himmel frohlocken, Und loben den Schöpfer; doch allein kniee ich Im sorgenvollen Gebet. Dann schwindet der Tag; eine Stimme Zittert entlang der Dämmerung, bis Klang um Klang Es jedes lebende Herz durchdringt, das hört, Durchdringt und brennt und reinigt wie Feuer; Wieder kniee ich unter den Sternensphären, Und meine ganze Seele scheint geheilt und höher gehoben, Noch könnte jenes jubelnde Lied des Tages obsiegen Wie deines des zarten Grams, o Nachtigall.
III Beuge dich, mein Lied, vor ihrer hohen Gegenwart, In jener fernen Welt, wo du sie nun suchen musst; Sage, dass du ihr keine Sonette bringst, Sondern schlichte Qual der Brust oder der Stirn; Sage, dass ich auf Erden ihr allein sang, Doch nun, während sie göttlich in ihrem Himmel sitzt, Mich wendend, verkünde ich der Welt mein bitteres Weh, Sie bittend, ihre Hoffnungen und ihren Gram mit meinen zu teilen, Nicht versend, was ich wollte, sondern was ich muss, Klagen des Windes oder Schluchzen der Woge; Ach! sage, dass du mein gebeugtes Haupt vom Staube erhobst, Und mich rückwärts von einem vorsätzlichen Grabe hieltest; Sage dies, und ihr süßes Mitleid wird zustimmen, Und ihr totes Band der Liebe noch enger binden.
VII Ich wache bei dir in deinem stillen Zimmer; Draußen fällt der kalte Regen, das Leben stirbt dahin, Die toten Blätter tropfen, und die sich schnell sammelnde Finsternis Schließt sich um diesen kurzen Novembertag, Ersten Tag des heiligen Todes, der heiligen Ruhe; Ich küsse deine Stirn, ruhig, schön und kalt, Ich lege meine sehnsüchtigen Arme über deine Brust, Ich beanspruche unser geliebtes Entzücken wie einst; Liebes Herz, ich verweile nur eine kleine Spanne, Süße Frau, ich komme bald in deine neue Welt; Diese Lilie – behalte sie bis zu unserer nächsten Umarmung, Während der stumme Engel unsere Liebe stärker macht, Während ich hier klammere, in des Lebens kurzem Martyrium, An Gott und an dein unsterbliches Andenken.
XVI Es kommt das Neue Jahr; klagend wehen die Nordwinde; In ihrem kalten, einsamen Grabe liegt meine tote Liebe; Tot liegt die erstarrte Erde unter dem Schnee, Und blendender Graupel löscht die trostlosen Himmel aus; Ich stehe zwischen den Lebenden und den Toten; Verhasst ist mir das Leben, verhasst ist der Tod; Ihr Leben war traurig, und auf jenem schmalen Bett Wird sie sich nicht wenden, noch mit menschlichem Atem erwachen. Ich kniee zwischen dem Bösen und dem Guten; Der Kampf vorüber, diesen einen süßen Glauben habe ich – Obgleich Leben und Tod dunkel verstanden werden, Sie liebte mich; ich liebte sie; Liebe kann nicht sterben; Geh dann deines Weges mit deiner gewohnten Heiterkeit, Und achte nicht auf meinen mürrischen Gruß, o Neues Jahr.
XXIII Wie ein einsamer Geizhals, Liebste, sieh mich stehen, Um meine Schätze zu zählen und ihren Wert zu preisen: – Ein letztes Wort, von jener armen linken Hand gezeichnet; Zwei verwandte Namen auf derselben sanften Schriftrolle, (Ich fand sie nahe deinem Kopfkissen,) darunter gezogen; Dieser kleine Schal, den du machtest, unser neuester Stolz; Das Veilchen, das ich vor so langer Zeit grub, Das in deinem Busen nistete, bis du starbst; Doch am teuersten meinem Herzen, auf dem es liegt, Ist eine warme Locke deines üppigen Haares, Immer noch gegenwärtig meinem Tastsinn, meinen Lippen, meinen Augen, Für immer unveränderlich und für immer schön, Und selbst in deinem Grabe, bildschön und frei Vom kalten Griff der Wandelbarkeit.
XXXVI So sang ich im Frühling meiner Jahre – „Es gibt nichts, was wir unser Eigen nennen können außer Liebe“; So lass mich murmeln, nun da der Winter naht, Und selbst im Tode die unsterbliche Wahrheit bezeugen. Oft habe ich gesehen, wie der langsame, der breiter werdende Fluss Seine frohen Wasser dem elterlichen Meer entgegenrollt; Der Tod ist der Ruf der Liebe an die Liebe; der Geber Beansprucht seine eigene Gabe für ein neues Geheimnis. In grenzenloser göttlicher Liebe sind die Himmel ausgebreitet, In ehelicher Liebe ist der Erde göttlichster Vorrat, Und wer zu sich selbst lebt, der ist tot, Und wer für die Liebe lebt, der lebt immerdar; Nur in der Liebe kann des Lebens wahrer Pfad betreten werden; Liebe ist Selbsthingabe; deshalb ist Liebe Gott.
XXXVII Höre, o Selbst-Geber, unendlich wie das Gute; Diesen Glauben sollte zumindest mein schwankendes Herz halten, Und nicht in dunklem Bedauern seine tägliche Nahrung finden, Sondern den Schimmer noch ungesagter Herrlichkeiten einfangen. Ja, selbst auf Erden, Geliebte, wie die Liebe wohl wusste, Brachte kurze Abwesenheit unseren innigen wiederkehrenden Kuss, So lass meine Seele zu Gottes großer Welt und dir Vorwärts schauen mit süßem Schmerz des heimlichen Glücks; – O Sonnenuntergangshimmel und einsam leuchtender Stern, Deine Schönheit erregt mich von der Grenze des Raumes, O Liebe, deine Lieblichkeit zeigt sich am besten aus der Ferne, Und nur der Himmel wird dir vollkommene Anmut geben; Gewähre dann, lieber Herr, dass alle, die lieben, Erben Deiner herrlichen Unsterblichkeit sein mögen.
XLV Wie soll ich das Maß meiner Liebe erzählen? Es ist vergeblich, dass ich dir Gelübde und Tränen gab, Oder in Versen bestrebt war, meine Zärtlichkeit zu beweisen, Oder deine Hand auf Reisen durch die Jahre hielt; Vergeblich, dass ich nun mit eilenden Füßen folge, Und deinen Tod besinge, immer noch murmelnd in meinem Lied: „Nur für dich wollte ich, das Lied wäre süß, Nur für dich wollte ich, die Worte wären stark;“ Vergeblich selbst, dass ich mit dem Tod schloss und kämpfte, Um dich länger in einer Welt zu halten, die so teuer ist, Vergeblich, dass ich eine müde Welt als nichts achte, Dass ich sterben würde, um dich zurückzubringen; ich höre Gott mir vom Himmel antworten, o Engelsfrau – „Um deine Liebe zu beweisen, lebe du ein edleres Leben.“
Morton Luce [1849-
SONETTE Aus „Sonette aus dem Portugiesischen“
I Ich dachte einst, wie Theokrit gesungen hatte Von den süßen Jahren, den lieben und herbeigesehnten Jahren, Die jedes in einer gnädigen Hand zu erscheinen scheinen, Um eine Gabe für Sterbliche zu tragen, alt oder jung: Und während ich darüber in seiner antiken Zunge nachsann, Sah ich, in allmählicher Vision durch meine Tränen, Die süßen, traurigen Jahre, die melancholischen Jahre, Jene meines eigenen Lebens, die abwechselnd einen Schatten über mich geworfen hatten. Sofort war ich gewahr, So weinend, wie eine mystische Gestalt sich bewegte Hinter mir, und mich rückwärts bei den Haaren zog; Und eine Stimme sagte meisterhaft, während ich mich wand: – „Rate nun, wer dich hält?“ – „Der Tod“, sagte ich. Doch da, Erklang die silberne Antwort: – „Nicht der Tod, sondern die Liebe.“
III Anders sind wir, anders, o fürstliches Herz! Anders unser Gebrauch und unsere Bestimmungen. Unsere ministerierenden zwei Engel schauen sich überrascht An, während sie beim Vorübergehen ihre Flügel Aneinanderschlagen. Du, bedenke, bist Ein Gast für Königinnen bei gesellschaftlichen Festspielen, Mit Pfändern von hundert helleren Augen Als Tränen, die meine machen können, um deine Rolle Als oberster Musiker zu spielen. Was hast du zu tun Mit dem Schauen aus den Gitterlichtern auf mich, Eine arme, müde, wandernde Sängerin, singend durch Das Dunkel, und lehnend an einem Zypressenbaum? Das Chrisam ist auf deinem Haupt, – auf meinem, der Tau, – Und der Tod muss die Ebene graben, wo diese sich treffen.
VI Geh von mir. Doch ich fühle, dass ich von nun an In deinem Schatten stehen werde. Nie mehr Allein an der Schwelle meiner Tür Des individuellen Lebens, werde ich den Gebrauch meiner Seele befehlen, noch meine Hand Gelassen im Sonnenschein heben wie zuvor, Ohne den Sinn dessen, was ich unterließ, – Deine Berührung auf der Handfläche. Das weiteste Land, Das das Verhängnis nimmt, um uns zu trennen, lässt dein Herz in meinem Mit Pulsen, die doppelt schlagen. Was ich tue Und was ich träume, schließt dich ein, wie der Wein Nach seinen eigenen Trauben schmecken muss. Und wenn ich Gott für mich selbst anflehe, hört Er jenen Namen von dir, Und sieht in meinen Augen die Tränen von zweien.
VII Das Antlitz der ganzen Welt ist verändert, denke ich, Seit ich zuerst die Fußstapfen deiner Seele hörte, Wie sie sich immer, oh, immer, neben mir bewegten, während sie sich Zwischen mich und den schrecklichen äußeren Rand Des offensichtlichen Todes schlichen, wo ich, die zu sinken gedachte, In die Liebe aufgefangen wurde und das Ganze Des Lebens in einem neuen Rhythmus gelehrt wurde. Den Becher des Leids, Den Gott zur Taufe gab, bin ich bereit zu trinken, Und seine Süße zu preisen, Süßer, mit dir in der Nähe. Der Name von Land, Himmel, sind hinwegverändert Für dort, wo du bist oder sein wirst, dort oder hier; Und diese... diese Laute und dieser Gesang... gestern geliebt, (Die singenden Engel wissen es) sind nur teuer, Weil dein Name richtig in dem bewegt, was sie sagen.
VIII Was kann ich dir zurückgeben, o freigebiger Und fürstlicher Geber, der das Gold Und Purpur deines Herzens gebracht hat, unbefleckt, ungezählt, Und sie auf die Außenseite der Mauer gelegt hat, Für eine wie mich, es anzunehmen oder zu lassen, In unerwarteter Freigebigkeit? Bin ich kalt, Undankbar, dass ich für diese vielfältigsten Hohen Gaben gar nichts zurückgebe? Nicht so; nicht kalt, – sondern stattdessen sehr arm. Frag Gott, der es weiß. Denn häufige Tränen haben Die Farben aus meinem Leben laufen lassen und so toten Und blassen Stoff hinterlassen, es wäre nicht angemessen getan, Dasselbe als Kopfkissen für dein Haupt zu geben. Geh weiter! lass es dazu dienen, darauf herumzutrampeln.
IX Kann es recht sein, zu geben, was ich geben kann? Dich unter den Fall von Tränen sitzen zu lassen, So salzig wie meine, und die seufzenden Jahre zu hören, Wie sie auf meinen entsagungsvollen Lippen erneut seufzen, Durch jene seltenen Lächeln, die nicht leben können, Trotz all deiner Beschwörungen? O meine Ängste, Dass dies kaum recht sein kann! Wir sind nicht Ebenbürtige, Um so Liebende zu sein; und ich gestehe und gräme mich, Dass Geber solcher Gaben, wie die meinen sind, Zu den Unfreigebigen gezählt werden müssen. Fort, ach! Ich will dein Purpur nicht mit meinem Staube beschmutzen, Noch mein Gift auf dein Venedig-Glas hauchen, Noch dir irgendeine Liebe geben – was ungerecht wäre. Geliebter, ich liebe dich nur! Lass es gut sein.
X Doch Liebe, bloße Liebe, ist in der Tat schön Und der Annahme wert. Feuer ist hell, Ob Tempel brennt oder Flachs; ein gleiches Licht Springt in der Flamme aus Zedernholz oder Unkraut: Und Liebe ist Feuer. Und wenn ich bei Bedarf sage, Ich liebe dich . . . merke auf! . . . ich liebe dich – in deinem Anblick Stehe ich verwandelt, wahrhaft verherrlicht, Mit dem Bewusstsein der neuen Strahlen, die Aus meinem Angesicht zu deinem ausgehen. Es gibt nichts Niedriges In der Liebe, wenn Liebe das Niedrigste ist: die ärmsten Geschöpfe, Die Gott lieben, nimmt Gott an, während sie so lieben. Und was ich fühle, über die minderwertigen Züge Dessen, was ich bin, blitzt es auf und zeigt, Wie jenes große Werk der Liebe die Natur bereichert.
XII Wahrlich, diese Liebe selbst, die mein Stolz ist, Und die, wenn sie von der Brust zur Stirn aufsteigt, Mich mit einem Rubin krönt, groß genug, Um der Menschen Augen zu ziehen und den inneren Wert zu beweisen, – Diese Liebe selbst, all mein Wert, bis zum Äußersten, Ich sollte sie nicht mit ihr lieben, es sei denn, dass du Mir ein Beispiel gegeben, mir gezeigt hättest, wie, Als sich zuerst deine ernsten Augen mit meinen kreuzten, Und Liebe Liebe rief. Und so kann ich nicht sprechen Von Liebe einmal, als von einer guten Sache, die mein eigen ist: Deine Seele hat meine ganz schwach und matt ergriffen, Und sie neben dich auf einen goldenen Thron gesetzt, – Und dass ich liebe (O Seele, wir müssen demütig sein!) Ist nur durch dich, den ich allein liebe.
XIV Wenn du mich lieben musst, lass es um nichts sein, Außer um der Liebe willen allein. Sage nicht: „Ich liebe sie für ihr Lächeln – ihren Blick – ihre Art, Sanft zu sprechen, – für eine Regung des Gedankens, Die gut zu der meinen passt, und gewiss eine Empfindung Von angenehmer Leichtigkeit an solch einem Tage brachte“ – Denn diese Dinge an sich, Geliebter, können Geändert werden oder sich für dich ändern – und Liebe, so gewirkt, Mag so wieder aufgelöst werden. Liebe mich auch nicht für Dein eigenes teures Mitleid, das meine Wangen trocknet, – Ein Geschöpf könnte vergessen zu weinen, das lange Deinen Trost ertrug, und dadurch deine Liebe verlieren! Sondern liebe mich um der Liebe willen, damit du für immer Weiterlieben magst, durch die Ewigkeit der Liebe.
XVII Mein Dichter, du kannst alle Töne berühren, Die Gott zwischen sein Danach und Bevor setzte, Und aus dem allgemeinen Tosen der stürmenden Welten Eine Melodie anschlagen und loslösen, die rein In einer heiteren Luft schwebt. Gegenmittel Aus heilender Musik, die für die verzweifeltsten Bedürfnisse der Menschheit einstehen, kannst du Von dort in ihre Ohren gießen. Gottes Wille bestimmt Deine zu solchen Zwecken, und meine, den deinen zu dienen. Wie, Liebster, willst du mich am meisten gebrauchen? Eine Hoffnung, um fröhlich dazu zu singen? Oder eine feine, Traurige Erinnerung, um sie mit deinen Liedern zu vermischen? Ein Schatten, in dem du singst – von Palme oder Kiefer? Ein Grab, auf dem du dich vom Singen ausruhst? Wähle.
XVIII Ich habe niemals eine Locke Haar weggegeben An einen Mann, Liebster, außer diese an dich, Die ich nun nachdenklich an meinen Fingern Bis zur vollen braunen Länge ausrolle und sage: „Nimm sie.“ Mein Tag der Jugend verging gestern; Mein Haar springt nicht länger im Übermut meines Fußes, Noch pflanze ich es, wie Mädchen es tun, aus Rosen- oder Myrtenbäumen, Nicht mehr: es mag nur jetzt auf zwei blassen Wangen Die Spur der Tränen beschatten, gelehrt vom Herabhängen des Hauptes, Das durch den Kniff des Kummers zur Seite neigt. Ich dachte, die Totenschere Würde diese zuerst nehmen, aber die Liebe ist gerechtfertigt, – Nimm sie du, – und finde rein, aus all jenen Jahren, Den Kuss, den meine Mutter hier hinterließ, als sie starb.
XXI Sage es noch einmal, und noch einmal wieder, Dass du mich liebst. Obgleich das wiederholte Wort Wie „ein Kuckucksruf“ scheinen mag, wie du es behandelst, Erinnere dich, niemals kommt der frische Frühling, In all seinem Grün vollendet, ohne ihren Kuckuckslaut, Zu Hügel oder Ebene, Tal und Wald. Geliebter, ich, inmitten der Dunkelheit begrüßt Von einer zweifelhaften Geisterstimme, schreie im Schmerz dieses Zweifels: „Sprich noch einmal – du liebst!“ Wer kann zu viele Sterne fürchten, Obgleich jeder am Himmel rollen wird, Zu viele Blumen, obgleich jede das Jahr krönen wird? Sage, dass du mich liebst, liebe mich, liebe mich – läute Die silberne Wiederholung! – nur bedenkend, Liebster, Mich auch in der Stille mit deiner Seele zu lieben.
XXII Wenn unsere beiden Seelen aufrecht und stark dastehen, Von Angesicht zu Angesicht, schweigend, näher und näher rückend, Bis die länger werdenden Flügel an jedem gebogenen Punkt In Feuer ausbrechen, – welches bittere Unrecht Kann die Erde uns antun, dass wir nicht lange Hier zufrieden sein sollten? Denke nach. Im Höhersteigen Würden die Engel auf uns dringen und danach streben, Uns einen goldenen Ball vollkommenen Gesangs In unsere tiefe, teure Stille fallen zu lassen. Bleiben wir Lieber auf Erden, Geliebter, – wo die unpassenden, Widerspenstigen Stimmungen der Menschen zurückweichen Und reine Geister isolieren und einen Ort gestatten, Um einen Tag lang zu stehen und zu lieben, Mit Dunkelheit und der Todesstunde, die ihn abrundet.
XXVIII Meine Briefe! Alles totes Papier, stumm und weiß! Und doch scheinen sie lebendig und bebend Gegen meine zitternden Hände, die das Band lösen Und sie heute Nacht auf meinen Schoß fallen lassen. Dieser sagte – er wünschte, mich einmal als Freund In seinem Anblick zu haben: dieser legte einen Tag im Frühling fest, Um zu kommen und meine Hand zu berühren . . . eine einfache Sache, Doch ich weinte darüber! – dieser . . . des Papiers Licht . . . Sagte: Liebste, ich liebe dich; und ich sank und bebte, Als ob Gottes Zukunft auf meine Vergangenheit donnerte. Dieser sagte: Ich bin dein, – und so ist seine Tinte verblasst Vom Liegen an meinem Herzen, das zu schnell schlug. Und dieser . . . O Liebe, deine Worte haben wenig genutzt, Wenn ich das, was dieser sagte, endlich zu wiederholen wagte!
XXXVIII Das erste Mal, als er mich küsste, küsste er nur Die Finger dieser Hand, womit ich schreibe; Und seitdem wuchs sie reiner und weißer, Langsam für die Grüße der Welt, schnell mit ihrem „Oh, horch“, Wenn die Engel sprechen. Einen Amethystring Könnte ich hier nicht tragen, klarer für meinen Anblick, Als jenen ersten Kuss. Der zweite übertraf Den ersten an Höhe und suchte die Stirn und verfehlte sie halb, Halb auf das Haar fallend. O jenseits von Lohn! Das war die Salbung der Liebe, der die Krone der Liebe selbst, Mit heiliger Süße, voranging. Der dritte wurde auf meine Lippen gefaltet In vollkommener, purpurner Pracht; seitdem, in der Tat, War ich stolz und sagte: „Meine Liebe, mein Eigen!“
XLIII Wie liebe ich dich? Lass mich die Arten zählen. Ich liebe dich bis zur Tiefe und Breite und Höhe, Die meine Seele erreichen kann, wenn sie, außer Sicht, Nach den Enden des Seins und der idealen Gnade tastet. Ich liebe dich bis auf die Ebene des täglichen, Stillsten Bedarfs, bei Sonne und Kerzenlicht. Ich liebe dich frei, wie Männer nach dem Rechten streben; Ich liebe dich rein, wie sie sich vom Lob abwenden. Ich liebe dich mit der Leidenschaft, die in meine alten Kümmernisse gelegt wurde, und mit dem Glauben meiner Kindheit. Ich liebe dich mit einer Liebe, die ich mit meinen verlorenen Heiligen Zu verlieren schien – ich liebe dich mit dem Atem, Lächeln, Tränen meines ganzen Lebens! – und, wenn Gott will, Werde ich dich nach dem Tode nur noch besser lieben.
Elizabeth Barrett Browning [1806-1861]
NOCH EIN WORT AN E. B. B.
I Da sind sie, meine fünfzig Männer und Frauen, Die mir die fünfzig vollendeten Gedichte nennen! Nimm sie, Liebe, das Buch und mich zusammen; Wo das Herz liegt, da soll auch das Gehirn liegen.
II Rafael machte ein Jahrhundert von Sonnetten, Machte und schrieb sie in einem gewissen Band, Eingedrückt mit dem silbernen Stift, Den er sonst nur zum Zeichnen von Madonnen benutzte: Diese mochte die Welt sehen – aber eine, den Band. Wer diese eine, fragst du? Dein Herz belehrt dich. Lebte und liebte sie es ihr ganzes Leben lang? Fiel sie, seine Dame der Sonnette, Starb und ließ es neben ihr Kopfkissen fallen, Wo es anstelle von Rafaels Herrlichkeit lag, Rafaels Wange, so pflichtbewusst und so liebend – Wange, die die Welt gewohnt war, als die eines Malers zu grüßen, Rafaels Wange, die ihre Liebe zu der eines Dichters gewandelt hatte?
III Du und ich würden lieber jenen Band lesen, (An seine schlagende Brust genommen durch ihn) Lehnen und den Brustschlägen von Rafael lauschen, Nicht wahr? – als über Madonnen zu staunen – Jener, die San Sisto nennt, und jener von Foligno, Jener, die Florenz in einer Vision besucht, Jener, die mit Lilien im Louvre zurückgelassen ist – Gesehen von uns und der ganzen Welt im Kreise.
IV Du und ich werden jenen Band niemals lesen. Guido Reni, wie seines eigenen Auges Apfel, Bewachte lange das Schatzbuch und liebte es. Guido Reni starb, ganz Bologna Schrie, und die Welt schrie auch: „Uns gehört der Schatz!“ Plötzlich, wie seltene Dinge es tun, verschwand es.
V Dante bereitete einst vor, einen Engel zu malen: Wen zu erfreuen? Du flüsterst „Beatrice“. Während er sann und ihn nachzeichnete und wieder nachzeichnete, (Vielleicht mit einer Feder, die noch von Tropfen Jener heißen Tinte zerfressen war, in die er eintauchte, Als er, seine linke Hand im Haar der Bösen, Die Stirn zurückhielt und ihr Stigma stach, In das Fleisch des lebenden Mannes biss wie in Pergament, Ihn losließ, lachte, die Schrift eitern zu sehen, Den Elenden durch Florenz eitern ließ) – Dante, der gut liebte, weil er hasste, Die Bosheit hasste, die das Lieben hindert, Dante, der dastand, seinen Engel studierte, – Da brachen die Leute seines Infernos herein. Er sagt: „Gewisse Leute von Bedeutung“ (Solchen gab er seine tägliche schreckliche Zeile) „Kamen herein und wollten fürwahr den Dichter ergreifen.“ Sagt der Dichter: „Dann hörte ich mit meinem Malen auf.“
VI Du und ich würden lieber jenen Engel sehen, Gemalt von der Zärtlichkeit von Dante, Nicht wahr? – als ein frisches Inferno lesen.
VII Du und ich werden jenes Bild niemals sehen. Während er über Liebe und Beatrice sann, Während er über seinem skizzierten Engel weich wurde, Brachen sie herein, jene „Leute von Bedeutung“: Wir und Bice tragen den Verlust für immer.
VIII Was ist mit Rafaels Sonnetten, Dantes Bild? Dies: kein Künstler lebt und liebt, der nicht danach verlangt, Einmal, und nur einmal, und für eine Einzige, (Ach, der Preis!) seine Liebe eine Sprache zu finden, Passend und schön und einfach und ausreichend – Die Natur nutzend, die für andere eine Kunst ist, Nicht, dies eine Mal, Kunst, die zu seiner Natur geworden ist. Ja, von allen Künstlern, die leben, die lieben, Keiner, der nicht sein eigentliches Erbe aufgäbe, – Malt er? Er möchte gern ein Gedicht schreiben, – Schreibt er? Er möchte gern ein Bild malen, Stellt seine Kunst auf die Probe, die der des Künstlers fremd ist, Einmal, und nur einmal, und für eine Einzige, Um so der Mann zu sein und den Künstler zu verlassen, Die Freude des Mannes zu gewinnen, den Kummer des Künstlers zu missen.
IX Weshalb? Des Himmels Gabe nimmt des Erdreichs Minderung! Er, der den Felsen schlägt und das Wasser verbreitet, Einer Menge unter ihm gebietend zu trinken und zu leben, Selbst er, die Minute macht ihn unsterblich, Erweist sich vielleicht nur als sterblich in der Minute, Entweiht, womöglich, die Tat im Tun. Während er schlägt, wie kann er anders, als sich zu erinnern, Wie er zuvor schlug, in solch einer Gefahr, Als sie dastanden und spotteten: „Wird Schlagen uns helfen?“ Als sie tranken und grinsten: „Ein Schlag ist leicht!“ Als sie ihre Münder abwischten und ihre Reise antraten, Ihm zum Dank zuwerfend: „Aber die Dürre war angenehm.“ So verderben alte Erinnerungen den wirklichen Triumph; So schmeckt das Tun nach Unlust; So fehlt dem Erreichten ein gnädiges Etwas; Zu sehr bedrängte Stirnen umwölken das Gebot, Gleichgültigkeit oder Bewusstsein – die Gebärde. Denn er trägt ein altes Unrecht bei sich, Sieht und erkennt jene phalanxartigen Gesichter wieder, Hört, noch ein Mal, das gewohnte Vorspiel – „Wie solltest du unter allen Menschen schlagen und uns retten?“ Er rät, was sich als das Nachspiel erweisen wird: „Ägyptens Fleischtöpfe – nein, die Dürre war besser.“
X Oh, die Menge muss einen nachdrücklichen Beweis haben! Ihrigen, der Sinai-Stirn gespaltener Glanz, Des rechten Arms Stabschwung, der Zunge kaiserlicher Befehl. Niemals wagt der Mann, den Propheten abzulegen.
XI Liebte er ein Gesicht aus den Tausenden, (Wäre sie Jethros Tochter, weiß und ehefraulich, Wäre sie nur die äthiopische Sklavin,) Er würde jenes dumme geduldige Kamel beneiden, Das eine Reserve von kargem Wasser hält, Bestimmt, sein eigenes Leben in der Wüste zu retten; Bereit in der Wüste zu liefern (Niederknieend, um seine Brust öffnen zu lassen) Hort und Leben zusammen für seine Herrin.
XII Ich werde niemals, in den verbleibenden Jahren, Ihnen Bilder malen, nein, noch Statuen hauen, Ihnen Musik machen, die mich ganz ausdrücken sollte; So scheint es: Ich stehe auf meiner Errungenschaft. Dies von Versen allein erlaubt mir ein Leben; Verse und nichts anderes habe ich Ihnen zu geben. Andere Höhen in anderen Leben, so Gott will: Alle Gaben von allen Höhen, Ihr eigen, Liebe!
XIII Doch ein Schein von Mittel steht uns zur Verfügung – Schatten, so fein berührt, der Liebe Sinn muss ihn erfassen. Nehmen Sie diese Zeilen, schauen Sie liebevoll und genau, Zeilen, die ich das erste Mal und das letzte Mal schreibe. Wer in Fresko arbeitet, stiehlt einen Haarpinsel, Zügelt die freigebige Hand, untertänig stolz, Krampft seinen Geist, drängt sein Alles ins Kleine, Macht eine seltsame Kunst aus einer Kunst, die vertraut ist, Füllt den Messbuchrand seiner Dame mit Blümchen. Wer durch Bronze bläst, mag durch Silber hauchen, Passend einer schlummernden Prinzessin ein Ständchen bringen. Wer schreibt, mag einmal so schreiben wie ich.
XIV Liebe, Sie sahen mich Männer und Frauen sammeln, Lebend oder tot oder geformt von meiner Laune, In jeden und alle eintreten und ihren Dienst nutzen, Aus jedem Mund sprechen – die Rede, ein Gedicht. Kaum werde ich meine Freuden und Kümmernisse erzählen, Hoffnungen und Ängste, Glauben und Nichtglauben: Ich bin mein und Ihr – der Rest sei aller Menschen, Karshish, Cleon, Norbert und die Fünfzig. Lassen Sie mich dieses eine Mal in meiner wahren Person sprechen, Nicht als Lippo, Roland oder Andrea, Obwohl die Frucht der Rede gerade dieser Satz sei: Bitte, schauen Sie auf diese meine Männer und Frauen, Nehmen und behalten Sie meine fünfzig vollendeten Gedichte; Wo mein Herz liegt, da soll auch mein Gehirn liegen! Arm ist die Rede; sei, wie ich spreche, für alles.
XV Nicht, dass Sie mich nicht kennen! Siehe, der Mond selbst! Hier in London, dort spät in Florenz, Immer finden wir ihr Gesicht, das dreifach Verklärte. Sich krümmend an einem Himmel, getränkt mit Farbe, Getrieben über Fiesole bei Dämmerung, Kam sie, unsere neue Mondsichel von einer Haarbreite. Voll flammte sie, beleuchtete Samminiato, Runder zwischen den Zypressen und runder, Vollkommen, bis die Nachtigallen applaudierten. Nun, ein Stück ihres alten Selbst, verarmt, Schwer zu grüßen, durchquert sie die Hausdächer, Eilt mit unschicklichem Geiz von Silber, Geht missmutig, froh, zu enden,
XVI Was, gibt es nichts Bemerkenswertes am Mond? Nein: denn wenn jener Mond einen Sterblichen lieben könnte, Nutzen, um ihn zu bezaubern (so um eine Laune zu erfüllen), All ihre Magie (es ist der alte süße Mythos), Würde sie eine neue Seite ihrem Sterblichen zuwenden, Seite, ungesehen von Hirte, Jäger, Steuermann – Leer für Zoroaster auf seiner Terrasse, Blind für Galileo auf seinem Turm, Stumm für Homer, stumm für Keats – ihn, sogar! Denken Sie, das Wunder des mondsüchtigen Sterblichen – Wenn sie sich umdreht, wieder am Himmel erscheint, Sich von Neuem auftut für schlimmer oder besser! Erweist sie sich wie ein Vorzeichen eines Eisbergs, Der voll auf das Schiff schwimmt, das er zum Sinken bringt, Hungrig mit riesigen Zähnen aus zersplitterten Kristallen? Erweist sie sich als das gepflasterte Werk eines Saphirs, Gesehen von Moses, als er den Berg bestieg? Moses, Aaron, Nadab und Abihu Bestiegen und sahen den wahren Gott, den Höchsten, Auf dem gepflasterten Werk eines Saphirs stehen. Wie der verkörperte Himmel in seiner Klarheit Glänzte der Stein, der Saphir jenes gepflasterten Werks, Als sie aßen und tranken und Gott auch sahen!
XVII Was wurde gesehen? Niemand weiß, niemand wird es jemals wissen. Nur dies ist gewiss – der Anblick wäre ein anderer, Nicht dieselbe Seite des Mondes, geboren spät in Florenz, Sterbend nun verarmt hier in London. Gott sei Dank, das ärmste seiner Geschöpfe Rühmt zwei Seelenseiten, eine, um der Welt zu begegnen, Eine, um sie einer Frau zu zeigen, wenn er sie liebt!
XVIII Dies sage ich von mir, aber denke an dich, Liebe! Dies an dich – du selbst mein Mond der Dichter! Ach, aber das ist die Seite der Welt, da ist das Wunder, So sehen sie dich, preisen dich, denken, sie kennen dich! Da stehe ich wiederum mit ihnen und preise dich – Aus meinem eigenen Selbst heraus wage ich es zu formulieren. Aber das Beste ist, wenn ich aus ihnen herausgleite, Ein oder zwei Schritte durch zweifelhafte Dämmerung kreuze, Auf der anderen Seite herauskomme, den neuartigen, Stillen silbernen Lichtern und Dunkelheiten, ungeträumt von, Wo ich schweige und mich selbst mit Stille segne.
XIX Oh, ihr Rafael der lieben Madonnen, Oh, ihr Dante des schrecklichen Infernos, Schrieb ein Lied – und in meinem Gehirn singe ich es, Zeichnete einen Engel – getragen, sehen Sie, an meiner Brust!
Robert Browning [1812-1889]