DIE
INTERESSANTE ERZÄHLUNG
VOM
LEBEN
DES
OLAUDAH EQUIANO,
ODER
GUSTAVUS VASSA,
DEM AFRIKANER.
VON IHM SELBST GESCHRIEBEN.
_Siehe, Gott ist mein Heil; ich will vertrauen und mich nicht fürchten, denn der Herr Jehova ist meine Stärke und mein Lobgesang; er ist mir zum Heil geworden. Und an jenem Tage werdet ihr sagen: Danket dem Herrn, rufet seinen Namen an, verkündiget unter den Völkern sein Tun. Jesaja xii. 2, 4._
LONDON:
Gedruckt für den Verfasser und bei ihm erhältlich, Nr. 10, Union-Street, Middlesex Hospital.
Ebenso zu haben bei Mr. Johnson, St. Paul's Church-Yard; Mr. Murray, Fleet-Street; den Herren Robson und Clark, Bond-Street; Mr. Davis, gegenüber Gray's Inn, Holborn; den Herren Shepperson und Reynolds, und Mr. Jackson, Oxford Street; Mr. Lackington, Chiswell-Street; Mr. Mathews, Strand; Mr. Murray, Prince's-Street, Soho; den Herren Taylor und Co. South Arch, Royal Exchange; Mr. Button, Newington-Causeway; Mr. Parsons, Paternoster-Row; und erhältlich bei allen Buchhändlern in Stadt und Land.
[Eingetragen in die Stationer's Hall.]
An die Lords geistlichen und weltlichen Standes sowie an das Unterhaus des Parlaments von Großbritannien.
Meine Lords und meine Herren,
Gestatten Sie mir, mit der größten Ehrerbietung und Hochachtung die folgende wahrhaftige Erzählung zu Ihren Füßen zu legen; deren Hauptzweck es ist, in Ihren erhabenen Versammlungen ein Gefühl des Mitleids für das Elend zu erwecken, das der Sklavenhandel über meine unglücklichen Landsleute gebracht hat. Durch die Schrecken dieses Handels wurde ich zuerst von allen zärtlichen Verbindungen losgerissen, die meinem Herzen von Natur aus teuer waren; doch diese muss ich, durch die geheimnisvollen Wege der Vorsehung, als unendlich mehr als entschädigt betrachten durch die Einführung, die ich von dort aus in die Kenntnis der christlichen Religion und einer Nation erhielt, die durch ihre freisinnige Gesinnung, ihre Menschlichkeit, die ruhmreiche Freiheit ihrer Regierung und ihre Fertigkeiten in Kunst und Wissenschaft die Würde der menschlichen Natur erhöht hat.
Ich bin mir bewusst, dass ich Sie um Verzeihung bitten sollte, Ihnen ein Werk zu widmen, das jeglichen literarischen Wertes entbehrt; aber da es das Erzeugnis eines ungebildeten Afrikaners ist, der von der Hoffnung geleitet wird, ein Werkzeug zur Linderung des Leids seiner leidenden Landsleute zu werden, vertraue ich darauf, dass ein solcher Mann, der für eine solche Sache plädiert, von Kühnheit und Anmaßung freigesprochen wird.
Möge der Gott des Himmels Ihre Herzen mit besonderem Wohlwollen erfüllen an jenem wichtigen Tag, an dem die Frage der Abschaffung erörtert werden soll, wenn Tausende infolge Ihrer Entscheidung Glück oder Elend erwarten!
Ich bin, Meine Lords und meine Herren, Ihr gehorsamster, Und ergebenster demütiger Diener, Olaudah Equiano, oder Gustavus Vassa.
Union-Street, Mary-le-bone, 24. März 1789.
LISTE der ABONNENTEN.
Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales. Seine Königliche Hoheit der Herzog von York.
A
Der hochwohlgeborene Earl von Ailesbury Admiral Affleck Mr. William Abington, 2 Exemplare Mr. John Abraham James Adair, Esq. Reverend Mr. Aldridge Mr. John Almon Mrs. Arnot Mr. Joseph Armitage Mr. Joseph Ashpinshaw Mr. Samuel Atkins Mr. John Atwood Mr. Thomas Atwood Mr. Ashwell J.C. Ashworth, Esq.
B
Seine Gnaden der Herzog von Bedford Ihre Gnaden die Herzogin von Buccleugh Der hochwürdigste Lordbischof von Bangor Der hochwohlgeborene Lord Belgrave Der Rev. Doktor Baker Mrs. Baker Matthew Baillie, M.D. Mrs. Baillie Miss Baillie Miss J. Baillie David Barclay, Esq. Mr. Robert Barrett Mr. William Barrett Mr. John Barnes Mr. John Basnett Mr. Bateman Mrs. Baynes, 2 Exemplare Mr. Thomas Bellamy Mr. J. Benjafield Mr. William Bennett Mr. Bensley Mr. Samuel Benson Mrs. Benton Reverend Mr. Bentley Mr. Thomas Bently Sir John Berney, Bart. Alexander Blair, Esq. James Bocock, Esq. Mrs. Bond Miss Bond Mrs. Borckhardt Mrs. E. Bouverie ---- Brand, Esq. Mr. Martin Brander F.J. Brown, Esq. M.P. 2 Exemplare W. Buttall, Esq. Mr. Buxton Mr. R.L.B. Mr. Thomas Burton, 6 Exemplare Mr. W. Button
C
Der hochwohlgeborene Lord Cathcart Der hochwohlgeborene H.S. Conway Lady Almiria Carpenter James Carr, Esq. Charles Carter, Esq. Mr. James Chalmers Kapitän John Clarkson, von der Royal Navy Der Rev. Mr. Thomas Clarkson, 2 Exemplare Mr. R. Clay Mr. William Clout Mr. George Club Mr. John Cobb Miss Calwell Mr. Thomas Cooper Richard Cosway, Esq. Mr. James Coxe Mr. J.C. Mr. Croucher Mr. Cruickshanks Ottobah Cugoano, oder John Stewart
D
Der hochwohlgeborene Earl von Dartmouth Der hochwohlgeborene Earl von Derby Sir William Dolben, Bart. Der Reverend C.E. De Coetlogon John Delamain, Esq. Mrs. Delamain Mr. Davis Mr. William Denton Mr. T. Dickie Mr. William Dickson Mr. Charles Duly, 2 Exemplare Andrew Drummond, Esq. Mr. George Durant
E
Der hochwohlgeborene Earl von Essex Die hochwohlgeborene Countess von Essex Sir Gilbert Elliot, Bart. 2 Exemplare Lady Ann Erskine G. Noel Edwards, Esq. M.P. 2 Exemplare Mr. Durs Egg Mr. Ebenezer Evans Der Reverend Mr. John Eyre Mr. William Eyre
F
Mr. George Fallowdown Mr. John Fell F.W. Foster, Esq. Der Reverend Mr. Foster Mr. J. Frith W. Fuller, Esq.
G
Der hochwohlgeborene Earl von Gainsborough Der hochwohlgeborene Earl von Grosvenor Der hochwohlgeborene Viscount Gallway Die hochwohlgeborene Viscountess Gallway ---- Gardner, Esq. Mrs. Garrick Mr. John Gates Mr. Samuel Gear Sir Philip Gibbes, Bart. 6 Exemplare Miss Gibbes Mr. Edward Gilbert Mr. Jonathan Gillett W.P. Gilliess, Esq. Mrs. Gordon Mr. Grange Mr. William Grant Mr. John Grant Mr. R. Greening S. Griffiths John Grove, Esq. Mrs. Guerin Reverend Mr. Gwinep
H
Der hochwohlgeborene Earl von Hopetoun Der hochwohlgeborene Lord Hawke Die hochwohlgeborene verwitwete Countess von Huntingdon Thomas Hall, Esq. Mr. Haley Hugh Josiah Hansard, Esq. Mr. Moses Hart Mrs. Hawkins Mr. Haysom Mr. Hearne Mr. William Hepburn Mr. J. Hibbert Mr. Jacob Higman Sir Richard Hill, Bart. Reverend Rowland Hill Miss Hill Kapitän John Hills, Royal Navy Edmund Hill, Esq. Der Reverend Mr. Edward Hoare William Hodges, Esq. Der Reverend Mr. John Holmes, 3 Exemplare Mr. Martin Hopkins Mr. Thomas Howell Mr. R. Huntley Mr. J. Hunt Mr. Philip Hurlock, jun. Mr. Hutson
J
Mr. T.W.J. Esq. Mr. James Jackson Mr. John Jackson Reverend Mr. James Mrs. Anne Jennings Mr. Johnson Mrs. Johnson Mr. William Jones Thomas Irving, Esq. 2 Exemplare Mr. William Justins
K
Der hochwohlgeborene Lord Kinnaird William Kendall, Esq. Mr. William Ketland Mr. Edward King Mr. Thomas Kingston Reverend Dr. Kippis Mr. William Kitchener Mr. John Knight
L
Der hochwürdigste Lordbischof von London Mr. John Laisne Mr. Lackington, 6 Exemplare Mr. John Lamb Bennet Langton, Esq. Mr. S. Lee Mr. Walter Lewis Mr. J. Lewis Mr. J. Lindsey Mr. T. Litchfield Edward Loveden Loveden, Esq. M.P. Charles Lloyd, Esq. Mr. William Lloyd Mr. J.B. Lucas Mr. James Luken Henry Lyte, Esq. Mrs. Lyon
M
Seine Gnaden der Herzog von Marlborough Seine Gnaden der Herzog von Montague Der hochwohlgeborene Lord Mulgrave Sir Herbert Mackworth, Bart. Sir Charles Middleton, Bart. Lady Middleton Mr. Thomas Macklane Mr. George Markett James Martin, Esq. M.P. Master Martin, Hayes-Grove, Kent Mr. William Massey Mr. Joseph Massingham John McIntosh, Esq. Paul Le Mesurier, Esq. M.P. Mr. James Mewburn Mr. N. Middleton, T. Mitchell, Esq. Mrs. Montague, 2 Exemplare Miss Hannah More Mr. George Morrison Thomas Morris, Esq. Miss Morris Morris Morgann, Esq.
N
Seine Gnaden der Herzog von Northumberland Kapitän Nurse
O
Edward Ogle, Esq. James Ogle, Esq. Robert Oliver, Esq.
P
Mr. D. Parker, Mr. W. Parker, Mr. Richard Packer, jun. Mr. Parsons, 6 Exemplare Mr. James Pearse Mr. J. Pearson J. Penn, Esq. George Peters, Esq. Mr. W. Phillips, J. Philips, Esq. Mrs. Pickard Mr. Charles Pilgrim Der ehrenwerte George Pitt, M.P. Mr. Thomas Pooley Patrick Power, Esq. Mr. Michael Power Joseph Pratt, Esq.
Q
Robert Quarme, Esq.
R
Der hochwohlgeborene Lord Rawdon Der hochwohlgeborene Lord Rivers, 2 Exemplare Generalleutnant Rainsford Reverend James Ramsay, 3 Exemplare Mr. S. Remnant, jun. Mr. William Richards, 2 Exemplare Mr. J.C. Robarts Mr. James Roberts Dr. Robinson Mr. Robinson Mr. C. Robinson George Rose, Esq. M.P. Mr. W. Ross Mr. William Rouse Mr. Walter Row
S
Seine Gnaden der Herzog von St. Albans Ihre Gnaden die Herzogin von St. Albans Der hochwürdigste Lordbischof von St. David's Der hochwohlgeborene Earl Stanhope, 3 Exemplare Der hochwohlgeborene Earl von Scarbrough William, der Sohn des Ignatius Sancho Mrs. Mary Ann Sandiford Mr. William Sawyer Mr. Thomas Seddon W. Seward, Esq. Reverend Mr. Thomas Scott Granville Sharp, Esq. 2 Exemplare Kapitän Sidney Smith, von der Royal Navy Colonel Simcoe Mr. John Simco General Smith John Smith, Esq. Mr. George Smith Mr. William Smith Reverend Mr. Southgate Mr. William Starkey Thomas Steel, Esq. M.P. Mr. Staples Steare Mr. Joseph Stewardson Mr. Henry Stone, jun. 2 Exemplare John Symmons, Esq.
T
Henry Thornton, Esq. M.P. Mr. Alexander Thomson, M.D. Reverend John Till Mr. Samuel Townly Mr. Daniel Trinder Reverend Mr. C. La Trobe Clement Tudway, Esq. Mrs. Twisden
U
Mr. M. Underwood
V
Mr. John Vaughan Mrs. Vendt
W
Der hochwohlgeborene Earl von Warnick Der hochwürdigste Lordbischof von Worcester Der ehrenwerte William Windham, Esq. M.P. Mr. C.B. Wadstrom Mr. George Walne Reverend Mr. Ward Mr. S. Warren Mr. J. Waugh Josiah Wedgwood, Esq. Reverend Mr. John Wesley Mr. J. Wheble Samuel Whitbread, Esq. M.P. Reverend Thomas Wigzell Mr. W. Wilson Reverend Mr. Wills Mr. Thomas Wimsett Mr. William Winchester John Wollaston, Esq. Mr. Charles Wood Mr. Joseph Woods Mr. John Wood J. Wright, Esq.
Y
Mr. Thomas Young Mr. Samuel Yockney
INHALT
KAP. I.
Bericht des Verfassers über sein Land, deren Sitten und Gebräuche usw.
KAP. II.
Geburt und Abstammung des Verfassers--Seine Entführung mit seiner Schwester--Schrecken eines Sklavenschiffes
KAP. III.
Der Verfasser wird nach Virginia gebracht--Kommt in England an--Sein Staunen über einen Schneefall
KAP. IV.
Ein genauer Bericht über das berühmte Gefecht zwischen Admiral Boscawen und Monsieur Le Clue
KAP. V.
Verschiedene interessante Beispiele von Unterdrückung, Grausamkeit und Erpressung
KAP. VI.
Günstige Veränderung in der Lage des Verfassers--Er beginnt mit drei Pence als Kaufmann
KAP. VII.
Der Abscheu des Verfassers gegen Westindien--Entwickelt Pläne, seine Freiheit zu erlangen
KAP. VIII.
Drei bemerkenswerte Träume--Der Verfasser erleidet Schiffbruch auf der Bahama-Bank
KAP. IX.
Der Verfasser kommt in Martinique an--Begegnet neuen Schwierigkeiten und segelt nach England
KAP. X.
Einige Berichte über die Art der Bekehrung des Verfassers zum Glauben an Jesus Christus
KAP. XI.
Aufnahme von elf elenden Männern auf See bei der Rückkehr nach England
KAP. XII.
Verschiedene Transaktionen aus dem Leben des Verfassers--Bittschrift an die Königin--Schlusswort
DAS LEBEN, usw.
KAPITEL I.
_Bericht des Verfassers über sein Land und deren Sitten und Gebräuche--Rechtspflege--Embrenche--Heiratszeremonie und öffentliche Unterhaltungen--Lebensweise--Kleidung--Manufakturen Bauten--Handel--Landwirtschaft--Krieg und Religion--Aberglaube der Einheimischen--Begräbniszeremonien der Priester oder Magier--Seltsame Art der Entdeckung von Gift--Einige Hinweise auf den Ursprung der Landsleute des Verfassers, mit den Ansichten verschiedener Schriftsteller zu diesem Thema._
Ich glaube, es fällt denjenigen, die ihre eigenen Memoiren veröffentlichen, schwer, dem Vorwurf der Eitelkeit zu entgehen; noch ist dies der einzige Nachteil, unter dem sie leiden: Es ist auch ihr Unglück, dass das Ungewöhnliche selten, wenn überhaupt, geglaubt wird, und vom Offensichtlichen wenden wir uns leicht mit Abscheu ab und bezichtigen den Schreiber der Unverschämtheit. Die Leute halten im Allgemeinen nur jene Memoiren für lesens- oder erinnerungswert, die von großen oder auffälligen Ereignissen wimmeln, kurz gesagt, solche, die in hohem Maße entweder Bewunderung oder Mitleid erregen: alle anderen verurteilen sie zu Verachtung und Vergessenheit. Es ist daher, so gestehe ich, nicht wenig gewagt für eine private und unbedeutende Einzelperson, und dazu noch einen Fremden, so um die nachsichtige Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu werben; besonders wenn ich zugebe, dass ich hier weder die Geschichte eines Heiligen, eines Helden noch eines Tyrannen biete. Ich glaube, es gibt nur wenige Ereignisse in meinem Leben, die nicht vielen widerfahren sind: Es stimmt, die Vorfälle darin sind zahlreich; und würde ich mich als Europäer betrachten, könnte ich sagen, meine Leiden seien groß gewesen: aber wenn ich mein Los mit dem der meisten meiner Landsleute vergleiche, betrachte ich mich als einen besonderen Liebling des Himmels und erkenne die Gnade der Vorsehung in jedem Vorkommnis meines Lebens an. Wenn also die folgende Erzählung nicht interessant genug erscheint, um allgemeine Aufmerksamkeit zu fesseln, so möge mein Motiv als Entschuldigung für ihre Veröffentlichung dienen. Ich bin nicht so töricht eitel, von ihr weder Unsterblichkeit noch literarischen Ruhm zu erwarten. Wenn sie meinen zahlreichen Freunden, auf deren Wunsch sie geschrieben wurde, irgendeine Befriedigung verschafft oder in geringstem Maße die Interessen der Menschheit fördert, so werden die Zwecke, für die sie unternommen wurde, vollständig erreicht und jeder Wunsch meines Herzens erfüllt sein. Es sei daher daran erinnert, dass ich, indem ich Tadel zu vermeiden wünsche, nicht nach Lob strebe.
Jener Teil Afrikas, bekannt unter dem Namen Guinea, nach dem der Sklavenhandel betrieben wird, erstreckt sich entlang der Küste über 3400 Meilen, vom Senegal bis Angola, und umfasst eine Vielzahl von Königreichen. Von diesen ist das Königreich Benen das bedeutendste, sowohl in Bezug auf Ausdehnung und Reichtum, die Fruchtbarkeit und Kultivierung des Bodens, die Macht seines Königs als auch die Anzahl und kriegerische Veranlagung der Einwohner. Es liegt fast unter der Linie und erstreckt sich etwa 170 Meilen entlang der Küste, reicht aber bis in das Innere Afrikas hinein bis zu einer Entfernung, die, wie ich glaube, bisher von keinem Reisenden erforscht wurde; und scheint erst durch das Kaiserreich Abessinien, fast 1500 Meilen von seinem Beginn entfernt, abgeschlossen zu werden. Dieses Königreich ist in viele Provinzen oder Bezirke unterteilt: in einem der entlegensten und fruchtbarsten davon, genannt Eboe, wurde ich im Jahre 1745 geboren, in einem bezaubernden, fruchtbaren Tal namens Essaka. Die Entfernung dieser Provinz von der Hauptstadt Benin und der Meeresküste muss sehr beträchtlich sein; denn ich hatte noch nie von weißen Männern oder Europäern gehört, noch vom Meer: und unsere Unterwerfung unter den König von Benin war kaum mehr als nominell; denn jede Transaktion der Regierung wurde, soweit meine knappe Beobachtung reichte, von den Häuptlingen oder Ältesten des Ortes geleitet. Die Sitten und die Regierung eines Volkes, das wenig Handel mit anderen Ländern treibt, sind im Allgemeinen sehr einfach; und die Geschichte dessen, was in einer Familie oder einem Dorf geschieht, kann als Beispiel für eine Nation dienen. Mein Vater war einer jener Ältesten oder Häuptlinge, von denen ich gesprochen habe, und wurde Embrenche genannt; ein Begriff, der, wie ich mich erinnere, die höchste Auszeichnung bedeutete und in unserer Sprache ein Zeichen von Größe bezeichnete. Dieses Zeichen wird der Person verliehen, die dazu berechtigt ist, indem man die Haut oben an der Stirn quer einschneidet und sie bis zu den Augenbrauen herunterzieht; und während sie sich in diesem Zustand befindet, eine warme Hand darauf anwendet und sie reibt, bis sie sich zu einer dicken Narbe über dem unteren Teil der Stirn zusammenzieht. Die meisten Richter und Senatoren waren so gezeichnet; mein Vater trug es lange: Ich hatte gesehen, wie es einem meiner Brüder verliehen wurde, und ich war auch von meinen Eltern dazu bestimmt, es zu erhalten. Diese Embrence, oder Hauptleute, entschieden Streitigkeiten und bestraften Verbrechen; zu diesem Zweck versammelten sie sich immer. Die Verfahren waren im Allgemeinen kurz; und in den meisten Fällen herrschte das Gesetz der Vergeltung. Ich erinnere mich, dass ein Mann vor meinen Vater und die anderen Richter gebracht wurde, weil er einen Jungen entführt hatte; und obwohl er der Sohn eines Häuptlings oder Senators war, wurde er verurteilt, durch einen männlichen oder weiblichen Sklaven Entschädigung zu leisten. Ehebruch wurde jedoch manchmal mit Sklaverei oder dem Tod bestraft; eine Strafe, die, wie ich glaube, für dieses Verbrechen in den meisten Nationen Afrikas verhängt wird[A]: so heilig ist ihnen die Ehre des Ehebettes und so eifersüchtig sind sie auf die Treue ihrer Frauen. Daran erinnere ich mich an einen Fall: Eine Frau wurde vor den Richtern des Ehebruchs überführt und, wie es Sitte war, ihrem Ehemann zur Bestrafung übergeben. Dementsprechend beschloss er, sie zu töten: aber da kurz vor ihrer Hinrichtung festgestellt wurde, dass sie einen Säugling an der Brust hatte; und da keine Frau dazu bewogen werden konnte, die Rolle einer Amme zu übernehmen, wurde sie wegen des Kindes verschont. Die Männer bewahren jedoch nicht dieselbe Beständigkeit gegenüber ihren Frauen, die sie von ihnen erwarten; denn sie frönen einer Vielweiberei, wenn auch selten mehr als zwei. Ihre Art der Eheschließung ist wie folgt: Beide Parteien werden gewöhnlich schon in jungen Jahren von ihren Eltern verlobt (obwohl ich erlebt habe, dass die Männer sich selbst verloben). Bei dieser Gelegenheit wird ein Fest bereitet, und Braut und Bräutigam stehen inmitten all ihrer Freunde auf, die sich zu diesem Zweck versammelt haben, während er erklärt, dass sie fortan als seine Frau zu betrachten sei und dass keine andere Person ihr den Hof machen dürfe. Dies wird auch sofort in der Umgebung verkündet, woraufhin sich die Braut aus der Versammlung zurückzieht. Einige Zeit später wird sie zu ihrem Ehemann nach Hause gebracht, und dann wird ein weiteres Fest gefeiert, zu dem die Verwandten beider Parteien eingeladen werden: ihre Eltern übergeben sie dann dem Bräutigam, begleitet von einer Anzahl von Segenswünschen, und gleichzeitig binden sie ihr eine Baumwollschnur von der Dicke eines Gänsekiels um die Taille, die nur verheiratete Frauen tragen dürfen: sie wird nun als vollständig seine Frau betrachtet; und zu dieser Zeit wird die Mitgift dem frisch vermählten Paar gegeben, die im Allgemeinen aus Landstücken, Sklaven und Vieh, Haushaltswaren und landwirtschaftlichen Geräten besteht. Diese werden von den Freunden beider Parteien angeboten; zudem überreichen die Eltern des Bräutigams Geschenke an die der Braut, deren Eigentum sie vor der Ehe betrachtet wird; aber danach wird sie als das alleinige Eigentum ihres Ehemannes geschätzt. Die Zeremonie ist nun beendet, das Fest beginnt, das mit Freudenfeuern und lautem Jubel, begleitet von Musik und Tanz, gefeiert wird.
Wir sind fast eine Nation von Tänzern, Musikern und Dichtern. So wird jedes große Ereignis, wie eine triumphale Rückkehr aus der Schlacht oder ein anderer Grund zu öffentlicher Freude, in öffentlichen Tänzen gefeiert, die von Liedern und Musik begleitet werden, die dem Anlass angepasst sind. Die Versammlung ist in vier Abteilungen unterteilt, die entweder getrennt oder nacheinander tanzen, und jede mit einem Charakter, der ihr eigen ist. Die erste Abteilung enthält die verheirateten Männer, die in ihren Tänzen häufig Waffenübungen und die Darstellung einer Schlacht zeigen. Ihnen folgen die verheirateten Frauen, die in der zweiten Abteilung tanzen. Die jungen Männer nehmen die dritte ein; und die Jungfrauen die vierte. Jede stellt eine interessante Szene aus dem wirklichen Leben dar, wie eine große Heldentat, häusliche Arbeit, eine rührende Geschichte oder ein ländliches Vergnügen; und da das Thema im Allgemeinen auf einem kürzlich erfolgten Ereignis beruht, ist es daher immer neu. Dies verleiht unseren Tänzen einen Geist und eine Vielfalt, die ich kaum anderswo gesehen habe[B]. Wir haben viele Musikinstrumente, besonders Trommeln verschiedener Art, ein Musikstück, das einer Gitarre ähnelt, und ein anderes, das einem Stickado sehr ähnlich ist. Diese letzteren werden hauptsächlich von verlobten Jungfrauen benutzt, die auf ihnen bei allen großen Festen spielen.
Da unsere Sitten einfach sind, sind unsere Luxusgüter gering. Die Kleidung beider Geschlechter ist fast gleich. Sie besteht im Allgemeinen aus einem langen Stück Kaliko oder Musselin, das lose um den Körper gewickelt ist, etwas in Form eines schottischen Plaids. Dies ist gewöhnlich blau gefärbt, was unsere Lieblingsfarbe ist. Sie wird aus einer Beere gewonnen und ist heller und satter als jede, die ich in Europa gesehen habe. Zudem tragen unsere Frauen von Stand goldenen Schmuck; den sie mit einiger Verschwendung an ihren Armen und Beinen verteilen. Wenn unsere Frauen nicht mit den Männern bei der Feldarbeit beschäftigt sind, ist ihre übliche Beschäftigung das Spinnen und Weben von Baumwolle, die sie anschließend färben und zu Kleidungsstücken verarbeiten. Sie stellen auch irdene Gefäße her, von denen wir viele Arten haben. Unter anderem Tabakspfeifen, die nach der gleichen Mode hergestellt werden und in der gleichen Weise verwendet werden wie die in der Türkei[C].
Unsere Lebensweise ist gänzlich einfach; denn die Eingeborenen kennen bisher jene Verfeinerungen in der Kochkunst nicht, welche den Geschmack verderben: Ochsen, Ziegen und Geflügel liefern den größten Teil ihrer Nahrung. Diese machen auch den Hauptreichtum des Landes und die wichtigsten Handelsartikel aus. Das Fleisch wird gewöhnlich in einer Pfanne geschmort; um es schmackhaft zu machen, verwenden wir manchmal auch Pfeffer und andere Gewürze, und wir haben Salz, das aus Holzasche gewonnen wird. Unser Gemüse besteht meist aus Kochbananen, Eadas, Yams, Bohnen und Mais. Das Familienoberhaupt isst gewöhnlich allein; seine Frauen und Sklaven haben ebenfalls ihre getrennten Tische. Bevor wir Nahrung zu uns nehmen, waschen wir uns stets die Hände: Unsere Sauberkeit ist bei allen Gelegenheiten ohnehin außerordentlich, doch bei dieser ist es eine unerlässliche Zeremonie. Nach dem Waschen wird ein Trankopfer dargebracht, indem man einen kleinen Teil der Speise an einem bestimmten Ort für die Geister verstorbener Verwandter ausschüttet, von denen die Eingeborenen annehmen, dass sie ihr Handeln leiten und sie vor dem Bösen bewahren. Sie kennen keinerlei starke oder geistige Getränke; ihr Hauptgetränk ist Palmwein. Diesen gewinnt man von einem Baum gleichen Namens, indem man ihn oben ansticht und einen großen Kürbis daran befestigt; zuweilen liefert ein Baum drei oder vier Gallonen in einer Nacht. Wenn er gerade frisch gezapft ist, besitzt er eine köstlichste Süße; nach wenigen Tagen jedoch nimmt er einen herben und stärkeren Geschmack an: obgleich ich niemals jemanden gesehen habe, der davon berauscht war. Derselbe Baum liefert auch Nüsse und Öl. Unser wichtigster Luxus sind Duftstoffe; die eine Art davon ist ein wohlriechendes Holz von köstlichem Duft, die andere eine Sorte Erde, von der eine kleine Menge, ins Feuer geworfen, einen überaus kräftigen Geruch verbreitet. Wir zerstoßen dieses Holz zu Pulver und vermischen es mit Palmöl, womit sich sowohl Männer als auch Frauen einreiben.
Bei unseren Gebäuden achten wir eher auf Zweckmäßigkeit als auf Zierrat. Jeder Familienvater verfügt über ein großes, quadratisches Grundstück, das von einem Graben oder Zaun umgeben oder mit einer Mauer aus gestampfter roter Erde eingefriedet ist, die, wenn sie trocken ist, hart wie Ziegelstein wird. Darin befinden sich seine Häuser zur Unterbringung seiner Familie und Sklaven; wenn diese zahlreich sind, bieten sie häufig das Bild eines Dorfes. In der Mitte steht das Hauptgebäude, das allein dem Gebrauch des Herrn vorbehalten ist und aus zwei Räumen besteht; in einem davon sitzt er tagsüber mit seiner Familie, der andere ist für den Empfang seiner Freunde reserviert. Er hat überdies einen eigenen Raum, in dem er zusammen mit seinen männlichen Kindern schläft. Auf jeder Seite befinden sich die Gemächer seiner Frauen, die ebenfalls ihre getrennten Tag- und Nachthäuser haben. Die Wohnstätten der Sklaven und ihrer Familien sind über den Rest des Geheges verteilt. Diese Häuser sind niemals höher als ein Stockwerk: Sie sind immer aus Holz gebaut oder aus Pfählen, die in den Boden gerammt, mit Flechtwerk durchzogen und innen wie außen sauber verputzt sind. Das Dach ist mit Schilf gedeckt. Unsere Taghäuser sind an den Seiten offen gelassen; diejenigen aber, in denen wir schlafen, sind immer überdacht und innen mit einer Mischung aus Kuhdung verputzt, um die verschiedenen Insekten fernzuhalten, die uns während der Nacht plagen. Auch die Wände und Böden dieser Häuser sind meist mit Matten bedeckt. Unsere Betten bestehen aus einer Plattform, die drei oder vier Fuß vom Boden erhoben ist und auf der Felle und verschiedene Teile eines schwammartigen Baumes namens Kochbanane liegen. Unsere Bedeckung besteht aus Kaliko oder Musselin, genau wie unsere Kleidung. Die üblichen Sitzgelegenheiten sind ein paar Holzklötze; doch wir haben Bänke, die gewöhnlich parfümiert sind, um Fremde unterzubringen: Diese machen den größten Teil unserer Wohnungseinrichtung aus. Häuser, die so errichtet und eingerichtet sind, erfordern nur wenig Geschick beim Bau. Jeder Mann ist ein ausreichender Baumeister für diesen Zweck. Die gesamte Nachbarschaft leistet einstimmig Hilfe beim Bau, und als Gegenleistung empfangen und erwarten sie keine andere Entlohnung als ein Festmahl.
Da wir in einem Land leben, in dem die Natur freigebig mit ihren Gaben umgeht, sind unsere Bedürfnisse gering und leicht zu befriedigen; folglich haben wir wenig Handwerk. Es besteht größtenteils aus Kalikos, irdenen Gefäßen, Schmuck sowie Kriegs- und Ackerbaugeräten. Diese machen jedoch keinen Teil unseres Handels aus, dessen Hauptartikel, wie ich bereits bemerkte, Nahrungsmittel sind. In einem solchen Zustand ist Geld von geringem Nutzen; dennoch haben wir einige kleine Münzstücke, wenn ich sie so nennen darf. Sie sind etwas wie ein Anker geformt; doch ich erinnere mich weder an ihren Wert noch an ihre Bezeichnung. Wir haben auch Märkte, die ich häufig mit meiner Mutter besucht habe. Diese werden manchmal von kräftigen, mahagonifarbenen Männern aus dem Südwesten von uns besucht: Wir nennen sie Oye-Eboe, was so viel bedeutet wie rote Männer, die weit entfernt leben. Sie bringen uns gewöhnlich Feuerwaffen, Schießpulver, Hüte, Perlen und getrockneten Fisch. Letzteren hielten wir für eine große Seltenheit, da unsere Gewässer nur aus Bächen und Quellen bestanden. Diese Artikel tauschen sie bei uns gegen wohlriechende Hölzer und Erden sowie unser Salz aus Holzasche ein. Sie führen stets Sklaven durch unser Land; doch es wird strengste Rechenschaft über die Art und Weise ihrer Beschaffung verlangt, bevor man ihnen gestattet, durchzuziehen. Zuweilen verkauften wir ihnen zwar Sklaven, doch es waren lediglich Kriegsgefangene oder solche unter uns, die des Menschenraubs, des Ehebruchs oder anderer Verbrechen überführt worden waren, die wir als abscheulich betrachteten. Diese Praxis des Menschenraubs veranlasst mich zu der Annahme, dass trotz all unserer Strenge ihr Hauptgeschäft bei uns darin bestand, unsere Leute zu entführen. Ich erinnere mich auch, dass sie große Säcke bei sich trugen, deren Anwendung zu diesem schändlichen Zweck ich kurze Zeit später auf fatale Weise erleben durfte.
Unser Land ist ungewöhnlich reich und fruchtbar und bringt alle Arten von Gemüse in großer Fülle hervor. Wir haben reichlich Mais sowie gewaltige Mengen an Baumwolle und Tabak. Unsere Ananas wachsen ohne Anbau; sie sind etwa so groß wie der größte Zuckerhut und von feinem Geschmack. Wir haben auch Gewürze verschiedener Art, insbesondere Pfeffer, sowie eine Vielfalt an köstlichen Früchten, die ich in Europa niemals gesehen habe; dazu kommen Harze verschiedener Art und Honig in Fülle. Unser ganzer Fleiß wird darauf verwendet, diese Segnungen der Natur zu mehren. Landwirtschaft ist unsere Hauptbeschäftigung; und jeder, selbst die Kinder und Frauen, ist darin tätig. So sind wir von frühester Jugend an an Arbeit gewöhnt. Jeder trägt etwas zum gemeinsamen Vorrat bei; und da wir Müßiggang nicht kennen, haben wir keine Bettler. Die Vorteile einer solchen Lebensweise liegen auf der Hand. Die westindischen Pflanzer ziehen Sklaven aus Benin oder Eboe denen aus jedem anderen Teil Guineas vor, wegen ihrer Zähigkeit, Intelligenz, Rechtschaffenheit und ihres Eifers. Diese Vorteile bekommen wir durch die allgemeine Gesundheit der Menschen sowie durch ihre Kraft und Tatkraft zu spüren; ich hätte auch ihre Schönheit hinzufügen können. Hässlichkeit ist bei uns tatsächlich unbekannt, ich meine die der Gestalt. Zahlreiche Eingeborene aus Eboe in London könnten zur Bestätigung dieser Behauptung herangezogen werden: denn was den Teint betrifft, so sind Vorstellungen von Schönheit vollkommen relativ. Ich erinnere mich, während meiner Zeit in Afrika drei Negerkinder gesehen zu haben, die bräunlich waren, und ein weiteres, das ganz weiß war; diese wurden von mir selbst und den Eingeborenen im Allgemeinen, was ihre Gesichtsfarbe betraf, als missgestaltet angesehen. Unsere Frauen waren auch, zumindest in meinen Augen, ungewöhnlich anmutig, aufgeweckt und bescheiden bis zur Schüchternheit; auch erinnere ich mich nicht, jemals von einem Fall von Unkeuschheit unter ihnen vor der Ehe gehört zu haben. Sie sind auch bemerkenswert fröhlich. In der Tat sind Fröhlichkeit und Leutseligkeit zwei der führenden Merkmale unserer Nation.
Unser Ackerbau wird auf einer großen Ebene oder Allmende ausgeübt, einige Stunden Fußweg von unseren Wohnungen entfernt, und alle Nachbarn versammeln sich dort in einer Gruppe. Sie benutzen keine Lasttiere; und ihre einzigen Werkzeuge sind Hacken, Äxte, Schaufeln und Schnäbel oder spitze Eisen zum Graben. Manchmal werden wir von Heuschrecken heimgesucht, die in großen Wolken kommen, sodass sie den Himmel verdunkeln und unsere Ernte vernichten. Dies geschieht jedoch selten, doch wenn es geschieht, wird dadurch eine Hungersnot verursacht. Ich erinnere mich an ein oder zwei Fälle, in denen dies vorkam. Diese Allmende ist oft der Schauplatz von Kriegen; und deshalb gehen unsere Leute, wenn sie ihr Land bestellen, nicht nur in einer Gruppe hinaus, sondern nehmen meist aus Angst vor einem Überfall ihre Waffen mit; und wenn sie einen Einfall befürchten, bewachen sie die Zugänge zu ihren Wohnungen, indem sie Stöcke in den Boden treiben, die an einem Ende so scharf sind, dass sie den Fuß durchbohren, und die gewöhnlich in Gift getaucht sind. Nach dem, woran ich mich bei diesen Schlachten entsinnen kann, scheinen es Einfälle des einen kleinen Staates oder Bezirks in den anderen gewesen zu sein, um Gefangene oder Beute zu machen. Vielleicht wurden sie dazu von jenen Händlern angestachelt, die die europäischen Waren, die ich erwähnte, unter uns brachten. Eine solche Art, Sklaven in Afrika zu gewinnen, ist üblich; und ich glaube, dass auf diesem Wege und durch Menschenraub mehr erlangt werden als auf jede andere Weise. Wenn ein Händler Sklaven wünscht, wendet er sich an einen Häuptling und lockt ihn mit seinen Waren. Es ist nicht verwunderlich, wenn dieser bei dieser Gelegenheit mit ebenso wenig Standhaftigkeit der Versuchung nachgibt und den Preis für die Freiheit seiner Mitmenschen mit ebenso wenig Widerstreben akzeptiert wie der aufgeklärte Kaufmann. Dementsprechend fällt er über seine Nachbarn her, und eine verzweifelte Schlacht entspinnt sich. Wenn er siegt und Gefangene macht, befriedigt er seine Habgier, indem er sie verkauft; wenn aber seine Partei geschlagen wird und er in die Hände des Feindes fällt, wird er hingerichtet: denn da bekannt ist, dass er ihre Streitigkeiten schürt, hält man es für gefährlich, ihn am Leben zu lassen, und kein Lösegeld kann ihn retten, obwohl alle anderen Gefangenen freigekauft werden können. Wir haben Feuerwaffen, Pfeil und Bogen, breite zweischneidige Schwerter und Speere: wir haben auch Schilde, die einen Mann von Kopf bis Fuß bedecken. Alle werden im Gebrauch dieser Waffen unterwiesen; selbst unsere Frauen sind Krieger und marschieren mutig aus, um zusammen mit den Männern zu kämpfen. Unser ganzer Bezirk ist eine Art Miliz: Bei einem bestimmten Signal, wie etwa dem Abfeuern eines Gewehrs in der Nacht, greifen sie alle zu den Waffen und stürzen sich auf ihren Feind. Es ist vielleicht etwas Bemerkenswertes, dass, wenn unsere Leute ins Feld ziehen, eine rote Flagge oder ein Banner vor ihnen hergetragen wird. Ich war einmal Zeuge einer Schlacht auf unserer Allmende. Wir waren alle wie üblich den ganzen Tag dort bei der Arbeit gewesen, als unsere Leute plötzlich angegriffen wurden. Ich kletterte auf einen Baum in einiger Entfernung, von wo aus ich den Kampf beobachtete. Es waren auf beiden Seiten viele Frauen wie auch Männer; unter anderen war meine Mutter dort, bewaffnet mit einem breiten Schwert. Nachdem sie geraume Zeit mit großer Wut gekämpft hatten und viele getötet worden waren, errangen unsere Leute den Sieg und nahmen den Häuptling ihres Feindes gefangen. Er wurde unter großem Triumph weggeführt, und obwohl er ein hohes Lösegeld für sein Leben anbot, wurde er hingerichtet. Eine Jungfrau von Rang unter unseren Feinden war in der Schlacht erschlagen worden, und ihr Arm wurde auf unserem Marktplatz zur Schau gestellt, wo unsere Trophäen stets ausgestellt wurden. Die Beute wurde nach dem Verdienst der Krieger verteilt. Jene Gefangenen, die nicht verkauft oder freigekauft wurden, behielten wir als Sklaven: aber wie anders war ihr Zustand im Vergleich zu den Sklaven in Westindien! Bei uns verrichten sie nicht mehr Arbeit als andere Mitglieder der Gemeinschaft, selbst ihre Herren; ihre Nahrung, Kleidung und Unterkunft waren nahezu dieselben wie die ihren (außer dass es ihnen nicht gestattet war, mit den Freigeborenen zu essen); und es gab kaum einen anderen Unterschied zwischen ihnen, als den höheren Grad an Bedeutung, den das Familienoberhaupt in unserem Staat besitzt, und die Autorität, die er als solches über jeden Teil seines Haushalts ausübt. Einige dieser Sklaven haben sogar Sklaven unter sich als ihr eigenes Eigentum und für ihren eigenen Gebrauch.
Was die Religion betrifft, so glauben die Eingeborenen, dass es einen Schöpfer aller Dinge gibt und dass er in der Sonne lebt und mit einem Gürtel umgürtet ist, damit er niemals essen oder trinken kann; einigen zufolge raucht er jedoch eine Pfeife, was unser eigener bevorzugter Luxus ist. Sie glauben, dass er die Ereignisse lenkt, insbesondere unsere Tode oder Gefangenschaft; aber von der Lehre der Ewigkeit erinnere ich mich nicht, jemals gehört zu haben: einige glauben jedoch bis zu einem gewissen Grad an die Seelenwanderung. Jene Geister, die nicht wiedergeboren werden, wie unsere lieben Freunde oder Verwandten, begleiten sie, so glauben sie, immer und bewahren sie vor den bösen Geistern oder ihren Feinden. Aus diesem Grund legen sie, wie ich bemerkte, vor dem Essen immer einen kleinen Teil der Speise und gießen etwas von ihrem Getränk für sie auf den Boden; und sie bringen oft Opfer dar, indem sie das Blut von Tieren oder Geflügel auf deren Gräbern vergießen. Ich hing sehr an meiner Mutter und war fast ständig bei ihr. Wenn sie diese Opfer am Grab ihrer Mutter darbrachte, das eine Art kleines, einsames strohgedecktes Haus war, begleitete ich sie manchmal. Dort brachte sie ihre Trankopfer dar und verbrachte einen Großteil der Nacht mit Wehklagen und Jammern. Ich war bei diesen Gelegenheiten oft zutiefst verängstigt. Die Einsamkeit des Ortes, die Dunkelheit der Nacht und die Zeremonie der Trankopfer, die von Natur aus ehrfurchtgebietend und düster sind, wurden durch die Wehklagen meiner Mutter noch verstärkt; und dies, zusammen mit den Rufen kläglicher Vögel, von denen diese Orte heimgesucht wurden, verlieh der Szene einen unbeschreiblichen Schrecken.
Wir berechnen das Jahr von dem Tag an, an dem die Sonne den Äquator überschreitet, und bei ihrem Untergang an diesem Abend gibt es im ganzen Land einen allgemeinen Jubelruf; zumindest kann ich aus eigener Kenntnis für unsere Umgebung sprechen. Die Menschen machen gleichzeitig mit Rasseln, die nicht unähnlich den Korb-Rasseln sind, die Kinder hier verwenden, wenn auch viel größer, einen großen Lärm und heben ihre Hände zum Himmel um einen Segen. Dann werden die größten Opfer dargebracht; und jene Kinder, von denen unsere Weisen vorhersagen, dass sie glücklich sein werden, werden dann verschiedenen Leuten vorgestellt. Ich erinnere mich, dass viele kamen, um mich zu sehen, und ich wurde zu diesem Zweck zu anderen herumgetragen. Sie haben viele Opfergaben, besonders bei Vollmond; gewöhnlich zwei zur Ernte, bevor die Früchte aus der Erde genommen werden: und wenn junge Tiere geschlachtet werden, opfern sie manchmal einen Teil davon als Opfergabe. Diese Opfer, wenn sie von einem der Familienoberhäupter dargebracht werden, dienen für alle. Ich erinnere mich, dass wir sie oft bei meinem Vater und meinem Onkel hatten, und ihre Familien waren anwesend. Einige unserer Opfer werden mit bitteren Kräutern gegessen. Wir hatten einen Spruch für jemanden mit einem üblen Gemüt: ‚Dass, wenn sie gegessen werden müssten, sie mit bitteren Kräutern gegessen werden sollten.‘
Wir praktizierten die Beschneidung wie die Juden und brachten bei dieser Gelegenheit Opfer und feierten Feste auf die gleiche Weise, wie sie es taten. Wie bei ihnen wurden unsere Kinder nach einem Ereignis, einem Umstand oder einer eingebildeten Vorahnung zur Zeit ihrer Geburt benannt. Ich wurde Olaudah genannt, was in unserer Sprache Wandlung oder Schicksal bedeutet, auch einer, der begünstigt ist, eine laute Stimme hat und gut reden kann. Ich erinnere mich, dass wir den Namen des Objekts unserer Anbetung niemals entweihten; im Gegenteil, er wurde stets mit der größten Ehrfurcht erwähnt; und wir waren vollkommen frei von Fluchen und all jenen Begriffen des Missbrauchs und der Schmach, die so bereitwillig und reichlich Eingang in die Sprachen zivilisierterer Völker finden. Die einzigen Ausdrücke dieser Art, an die ich mich erinnere, waren: ‚Mögest du verrotten, oder mögest du anschwellen, oder möge dich ein Tier holen.‘
Ich habe bereits erwähnt, dass die Eingeborenen dieses Teils von Afrika außerordentlich sauber sind. Diese notwendige Gewohnheit der Anständigkeit war bei uns ein Teil der Religion, und daher hatten wir viele Reinigungen und Waschungen; tatsächlich fast so viele, und bei denselben Gelegenheiten verwendet, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, wie bei den Juden. Diejenigen, die jemals einen Toten berührten, waren verpflichtet, sich zu waschen und zu reinigen, bevor sie ein Wohnhaus betreten durften. Auch war es jeder Frau zu bestimmten Zeiten untersagt, ein Wohnhaus zu betreten oder irgendeine Person oder irgendeine Sache, die wir aßen, zu berühren. Ich hing so sehr an meiner Mutter, dass ich nicht von ihr lassen oder es vermeiden konnte, sie zu einigen dieser Zeiten zu berühren, weshalb ich mit ihr in einem kleinen Haus, das eigens dafür errichtet worden war, draußen bleiben musste, bis das Opfer dargebracht worden war, und dann wurden wir gereinigt.
Obgleich wir keine Orte der öffentlichen Verehrung hatten, hatten wir Priester und Magier oder weise Männer. Ich erinnere mich nicht, ob sie verschiedene Ämter innehatten oder ob sie in denselben Personen vereint waren, aber sie wurden vom Volk in großer Ehrfurcht gehalten. Sie berechneten unsere Zeit und sagten Ereignisse voraus, wie ihr Name besagte, denn wir nannten sie Ah-affoe-way-cah, was Rechner oder Jahresmänner bedeutet, da unser Jahr Ah-affoe genannt wird. Sie trugen ihre Bärte, und wenn sie starben, wurden sie von ihren Söhnen nachgefolgt. Die meisten ihrer Geräte und wertvollen Gegenstände wurden mit ihnen beigesetzt. Pfeifen und Tabak wurden ebenfalls mit dem Leichnam ins Grab gelegt, der stets parfümiert und geschmückt wurde, und Tiere wurden ihnen als Opfer dargebracht. Niemand begleitete ihre Begräbnisse außer denen des gleichen Standes oder Stammes. Diese begruben sie nach Sonnenuntergang und kehrten immer auf einem anderen Weg vom Grab zurück, als dem, den sie gekommen waren.
Diese Magier waren auch unsere Doktoren oder Ärzte. Sie praktizierten das Aderlassen durch Schröpfen; und sie waren sehr erfolgreich bei der Heilung von Wunden und der Vertreibung von Giften. Sie hatten auch eine außergewöhnliche Methode, Eifersucht, Diebstahl und Vergiftungen aufzudecken; deren Erfolg sie zweifellos ihrem grenzenlosen Einfluss auf die Leichtgläubigkeit und den Aberglauben des Volkes verdankten. Ich erinnere mich nicht, was diese Methoden waren, außer in Bezug auf die Vergiftung: Ich erinnere mich an ein oder zwei Fälle, die hier einzufügen, wie ich hoffe, nicht als ungebührlich erachtet werden wird, da sie als eine Art Beispiel für den Rest dienen können und immer noch von den Negern in Westindien verwendet werden. Eine Jungfrau war vergiftet worden, aber es war nicht bekannt, von wem: Die Ärzte befahlen, den Leichnam von einigen Personen aufheben und zum Grab tragen zu lassen. Sobald die Träger ihn auf ihre Schultern gehoben hatten, schienen sie von einem plötzlichen Impuls ergriffen zu sein und rannten hin und her, unfähig, sich selbst anzuhalten. Schließlich, nachdem sie eine Reihe von Dornen und stacheligen Büschen unverletzt durchquert hatten, fiel der Leichnam in der Nähe eines Hauses von ihnen herab und beschädigte es beim Fall; und da der Besitzer ergriffen wurde, gestand er sofort die Vergiftung.
Die Eingeborenen sind außerordentlich vorsichtig in Bezug auf Gift. Wenn sie etwas Essbares kaufen, küsst es der Verkäufer vor dem Käufer ringsum, um ihm zu zeigen, dass es nicht vergiftet ist; und dasselbe geschieht, wenn Speise oder Trank präsentiert wird, insbesondere einem Fremden. Wir haben Schlangen verschiedener Art, von denen einige als unheilvoll gelten, wenn sie in unseren Häusern erscheinen, und diese belästigen wir niemals. Ich erinnere mich an zwei dieser unheilvollen Schlangen, von denen jede so dick war wie die Wade eines Mannes und in der Farbe einem Delfin im Wasser ähnelte, die zu verschiedenen Zeiten in das Nachthaus meiner Mutter krochen, wo ich immer bei ihr lag, und sich in Windungen zusammenrollten, und jedes Mal krähten sie wie ein Hahn. Ich wurde von einigen unserer Weisen aufgefordert, diese zu berühren, damit ich an den guten Vorzeichen teilhaben könnte, was ich auch tat, denn sie waren völlig harmlos und ließen sich zahm anfassen; und dann wurden sie in eine große offene irdene Pfanne gelegt und an eine Seite der Landstraße gestellt. Einige unserer Schlangen waren jedoch giftig: Eine davon kreuzte eines Tages den Weg, als ich darauf stand, und passierte zwischen meinen Füßen, ohne dass sie versuchte, mich zu berühren, zur großen Überraschung vieler, die es sahen; und diese Vorfälle wurden von den Weisen und damit auch von meiner Mutter und den übrigen Leuten als bemerkenswerte Vorzeichen zu meinen Gunsten ausgelegt.
Dies ist der unvollkommene Entwurf, den mir mein Gedächtnis von den Sitten und Gebräuchen eines Volkes geliefert hat, unter dem ich zuerst das Licht der Welt erblickte. Und hier kann ich nicht umhin, auf etwas hinzuweisen, das mir schon lange sehr eindrücklich erscheint, nämlich die starke Analogie, die selbst in diesem Entwurf, so unvollkommen er auch sein mag, in den Sitten und Gebräuchen meiner Landsleute und denen der Juden vor ihrer Ankunft im Land der Verheißung zu herrschen scheint, und insbesondere bei den Patriarchen, solange sie sich noch in jenem pastoralen Zustand befanden, der im Buch Genesis beschrieben wird – eine Analogie, die mich allein schon dazu veranlassen würde zu glauben, dass das eine Volk aus dem anderen hervorgegangen sei. Dies ist in der Tat die Meinung von Dr. Gill, der in seinem Kommentar zum Buch Genesis die Abstammung der Afrikaner sehr gewandt von Afer und Afra ableitet, den Nachkommen Abrahams durch Keturah, seine Frau und Konkubine (denn beide Bezeichnungen werden auf sie angewandt). Dies steht auch im Einklang mit den Ansichten von Dr. John Clarke, dem ehemaligen Dekan von Sarum, in seiner Wahrheit der christlichen Religion: Beide Autoren stimmen darin überein, uns diesen Ursprung zuzuschreiben. Die Argumente dieser Herren werden durch die Chronologie der Heiligen Schrift noch weiter bestätigt; und sollte eine weitere Untermauerung erforderlich sein, so ist diese Ähnlichkeit in so vielerlei Hinsicht ein starker Beweis zur Unterstützung dieser Auffassung. Wie die Israeliten in ihrem ursprünglichen Zustand wurde unsere Regierung von unseren Häuptlingen oder Richtern, unseren weisen Männern und Ältesten geleitet; und das Familienoberhaupt genoss bei uns eine ähnliche Autorität über seinen Haushalt wie jene, die Abraham und den anderen Patriarchen zugeschrieben wird. Das Gesetz der Vergeltung galt bei uns fast ebenso allgemein wie bei ihnen: und selbst ihre Religion schien einen Strahl ihres Glanzes auf uns geworfen zu haben, wenn auch auf ihrem Weg gebrochen und verzehrt oder durch die Wolke verfinstert, mit der Zeit, Überlieferung und Unwissenheit sie umhüllt haben mochten; denn wir hatten unsere Beschneidung (ein Brauch, den ich für dieses Volk als einzigartig erachte): wir hatten auch unsere Opfer und Brandopfer, unsere Waschungen und Reinigungen, bei denselben Anlässen wie sie.
Was den Unterschied in der Hautfarbe zwischen den Ebo-Afrikanern und den modernen Juden betrifft, so werde ich mir nicht anmaßen, ihn zu erklären. Es ist ein Thema, das die Federn von Männern mit Genie und Gelehrsamkeit beschäftigt hat und weit über meine Kräfte geht. Der überaus fähige und ehrwürdige Mr. T. Clarkson hat jedoch in seinem viel bewunderten Essay über die Sklaverei und den Handel mit der menschlichen Gattung die Ursache auf eine Weise festgestellt, die jeden Einwand in dieser Hinsicht auf einmal löst und zumindest mich vollkommen überzeugt hat. Ich werde mich daher für die Theorie[H] auf diese Arbeit beziehen und mich damit begnügen, eine Tatsache zu extrahieren, wie sie von Dr. Mitchel[I] berichtet wird: „Die Spanier, die Amerika unter der heißen Zone für einige Zeit bewohnt haben, sind so dunkelhäutig geworden wie unsere einheimischen Indianer von Virginia; wovon ich selbst Zeuge gewesen bin.“ Es gibt auch ein weiteres Beispiel[J] einer portugiesischen Siedlung in Mitomba, einem Fluss in Sierra Leona; wo die Einwohner aus einer Mischung der ersten portugiesischen Entdecker mit den Einheimischen hervorgegangen sind und nun in ihrem Teint und in der wolligen Beschaffenheit ihres Haares vollkommene Neger geworden sind, während sie jedoch einen Brocken der portugiesischen Sprache beibehalten haben.
Diese Beispiele und viele mehr, die angeführt werden könnten, zeigen, wie sich der Teint derselben Personen in verschiedenen Klimazonen verändert, und es bleibt zu hoffen, dass sie auch dazu beitragen mögen, das Vorurteil zu beseitigen, das manche gegen die Eingeborenen Afrikas aufgrund ihrer Hautfarbe hegen. Sicherlich haben sich die Geister der Spanier nicht mit ihrem Teint verändert! Gibt es nicht genug Ursachen, denen die scheinbare Minderwertigkeit eines Afrikaners zugeschrieben werden kann, ohne die Güte Gottes zu begrenzen und anzunehmen, er habe es unterlassen, seinem eigenen Ebenbild den Verstand einzuprägen, weil es „in Ebenholz geschnitzt“ sei? Könnte man es nicht ganz natürlich ihrer Lage zuschreiben? Wenn sie unter Europäer kommen, sind sie unwissend bezüglich deren Sprache, Religion, Sitten und Gebräuche. Werden irgendwelche Mühen aufgewendet, ihnen diese beizubringen? Werden sie wie Menschen behandelt? Drückt nicht die Sklaverei selbst den Geist nieder und löscht alles Feuer und jedes edle Gefühl aus? Aber vor allem: Welche Vorteile besitzt nicht ein kultiviertes Volk gegenüber denen, die roh und ungebildet sind. Möge der polierte und hochmütige Europäer sich daran erinnern, dass seine Vorfahren einst, wie die Afrikaner, unzivilisiert und sogar barbarisch waren. Hat die Natur sie ihren Söhnen unterlegen gemacht? Und hätten auch sie zu Sklaven gemacht werden sollen? Jeder vernünftige Geist antwortet mit Nein. Mögen solche Reflexionen den Stolz ihrer Überlegenheit in Mitgefühl für die Nöte und das Elend ihrer schwarzen Brüder schmelzen lassen und sie dazu zwingen, anzuerkennen, dass der Verstand nicht auf Gesichtszüge oder Farbe beschränkt ist. Wenn sie, während sie um die Welt blicken, ein Gefühl des Triumphes verspüren, möge es durch Wohlwollen gegenüber anderen und Dankbarkeit gegenüber Gott gemildert werden, „der aus einem Blut alle Völker von Menschen gemacht hat, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen[K]; und dessen Weisheit nicht unsere Weisheit ist, noch unsere Wege seine Wege sind.“
FUSSNOTEN:
[Fußnote A: Siehe Benezets „Account of Guinea“ durchweg.]
[Fußnote B: Als ich in Smyrna war, habe ich die Griechen häufig auf diese Weise tanzen sehen.]
[Fußnote C: Die Schale ist irden, kurios verziert, an der ein langes Schilfrohr als Röhre befestigt ist. Diese Röhre ist manchmal so lang, dass sie von einem, und aus Großartigkeit häufig von zwei Jungen getragen wird.]
[Fußnote D: Als ich in Smyrna war, sah ich dieselbe Art von Erde und brachte etwas davon mit nach England; sie ähnelt in ihrer Stärke dem Moschus, ist aber im Duft köstlicher und unterscheidet sich nicht vom Geruch einer Rose.]
[Fußnote E: Siehe Benezets Account of Africa durchweg.]
[Fußnote F: Siehe auch Leut. Matthews Voyage, S. 123.]
[Fußnote G: Ein Fall dieser Art ereignete sich 1763 auf Montserrat in Westindien. Ich gehörte damals zur Charming Sally, Capt. Doran. – Der erste Steuermann, Mr. Mansfield, und einige der Besatzungsmitglieder waren eines Tages an Land und bei der Beerdigung eines vergifteten Negermädchens anwesend. Obwohl sie oft von dem Umstand des Laufens in solchen Fällen gehört und es sogar gesehen hatten, hielten sie es für einen Trick der Sargträger. Der Steuermann bat daher zwei der Matrosen, den Sarg aufzuheben und zum Grab zu tragen. Die Matrosen, die alle derselben Meinung waren, gehorchten bereitwillig; aber sie hatten ihn kaum auf ihre Schultern gehoben, als sie anfingen, wütend umherzulaufen, völlig unfähig, sich zu lenken, bis sie schließlich, ohne Absicht, zur Hütte dessen kamen, der das Mädchen vergiftet hatte. Der Sarg fiel dann sofort von ihren Schultern gegen die Hütte und beschädigte einen Teil der Wand. Der Besitzer der Hütte wurde daraufhin in Gewahrsam genommen und gestand die Vergiftung. – Ich gebe diese Geschichte so wieder, wie sie vom Steuermann und der Besatzung bei ihrer Rückkehr zum Schiff erzählt wurde. Den Glauben, den man ihr schenken darf, überlasse ich dem Leser.]
[Fußnote H: Seite 178 bis 216.]
[Fußnote I: Philos. Trans. Nr. 476, Abschn. 4, zitiert von Mr. Clarkson, S. 205.]
[Fußnote J: Dieselbe Seite.]
[Fußnote K: Apostelgeschichte, Kap. xvii. V. 26.]
KAP. II.
_Geburt und Abstammung des Verfassers – Seine Entführung mit seiner Schwester – Ihre Trennung – Überraschung beim Wiedersehen – Endgültige Trennung – Bericht über die verschiedenen Orte und Vorfälle, die der Verfasser bis zu seiner Ankunft an der Küste erlebte – Die Wirkung, die der Anblick eines Sklavenschiffs auf ihn hatte – Er segelt nach Westindien – Schrecken eines Sklavenschiffs – Ankunft auf Barbados, wo die Ladung verkauft und zerstreut wird._
Ich hoffe, der Leser wird nicht denken, dass ich seine Geduld strapaziert habe, indem ich mich ihm mit einem Bericht über die Sitten und Gebräuche meines Landes vorstelle. Sie waren mir mit großer Sorgfalt eingeprägt worden und hinterließen einen Eindruck in meinem Geist, den die Zeit nicht auslöschen konnte und den all das Unglück und die Abwechslung des Schicksals, die ich seither erfahren habe, nur noch zu befestigen und aufzuzeichnen dienten; denn ob die Liebe zum eigenen Land nun real oder imaginär ist, oder eine Lehre der Vernunft, oder ein Instinkt der Natur, ich blicke immer noch mit Vergnügen auf die ersten Szenen meines Lebens zurück, auch wenn dieses Vergnügen größtenteils mit Kummer vermischt war.
Ich habe den Leser bereits mit Zeit und Ort meiner Geburt bekannt gemacht. Mein Vater hatte neben vielen Sklaven eine zahlreiche Familie, von der sieben überlebten, um erwachsen zu werden, einschließlich meiner selbst und einer Schwester, die die einzige Tochter war. Da ich der jüngste der Söhne war, wurde ich natürlich zum größten Liebling meiner Mutter und war immer bei ihr; und sie gab sich besondere Mühe, meinen Geist zu bilden. Ich wurde von meinen frühesten Jahren an in der Kunst des Krieges ausgebildet; meine tägliche Übung war das Schießen und das Werfen von Speeren; und meine Mutter schmückte mich nach der Art unserer größten Krieger mit Emblemen. Auf diese Weise wuchs ich auf, bis ich das Alter von elf Jahren überschritten hatte, als mein Glück auf folgende Weise ein Ende fand: – Wenn die Erwachsenen in der Nachbarschaft gewöhnlich weit auf die Felder zur Arbeit gegangen waren, versammelten sich die Kinder auf den Grundstücken einiger Nachbarn, um zu spielen; und gewöhnlich kletterten einige von uns auf einen Baum, um nach Angreifern oder Entführern Ausschau zu halten, die über uns kommen könnten; denn sie nutzten manchmal diese Gelegenheiten der Abwesenheit unserer Eltern, um anzugreifen und so viele wegzuschleppen, wie sie ergreifen konnten. Eines Tages, als ich oben auf einem Baum in unserem Hof Wache hielt, sah ich eine dieser Personen in den Hof unseres übernächsten Nachbarn kommen, um zu entführen, da sich dort viele kräftige junge Leute befanden. Sofort schlug ich wegen des Schurken Alarm, und er wurde von den Kräftigsten unter ihnen umzingelt, die ihn mit Seilen verstrickten, so dass er nicht entkommen konnte, bis einige der Erwachsenen kamen und ihn sicherten. Aber ach! Ehe lange war es mein Schicksal, so angegriffen und verschleppt zu werden, als keiner der Erwachsenen in der Nähe war. Eines Tages, als alle unsere Leute wie gewöhnlich zur Arbeit gegangen waren und nur ich und meine liebe Schwester übrig geblieben waren, um auf das Haus aufzupassen, stiegen zwei Männer und eine Frau über unsere Mauern und ergriffen uns beide im Handumdrehen, und ohne uns Zeit zu lassen, zu schreien oder Widerstand zu leisten, hielten sie uns den Mund zu und rannten mit uns in den nächsten Wald. Hier banden sie uns die Hände und trugen uns weiter, solange sie konnten, bis die Nacht hereinbrach, als wir ein kleines Haus erreichten, wo die Räuber zur Erfrischung anhielten und die Nacht verbrachten. Wir wurden dann losgebunden, konnten aber keine Nahrung zu uns nehmen; und da wir von Müdigkeit und Kummer völlig überwältigt waren, war unser einziger Trost etwas Schlaf, der unser Unglück für kurze Zeit linderte. Am nächsten Morgen verließen wir das Haus und reisten den ganzen Tag weiter. Lange Zeit waren wir in den Wäldern geblieben, aber schließlich kamen wir auf einen Weg, von dem ich glaubte, ihn zu kennen. Ich hatte nun einige Hoffnung auf Rettung; denn wir waren nur ein kurzes Stück vorangekommen, als ich einige Leute in der Ferne entdeckte, woraufhin ich anfing, um ihre Hilfe zu rufen: aber meine Schreie hatten keine andere Wirkung, als dass sie mich fester banden und mir den Mund zuhielten, und dann steckten sie mich in einen großen Sack. Sie hielten auch meiner Schwester den Mund zu und banden ihr die Hände; und auf diese Weise fuhren wir fort, bis wir außer Sichtweite dieser Leute waren. Als wir uns in der folgenden Nacht zur Ruhe legten, boten sie uns etwas zu essen an; aber wir lehnten es ab; und der einzige Trost, den wir hatten, war, dass wir die ganze Nacht in den Armen des anderen lagen und uns gegenseitig mit unseren Tränen badeten. Aber ach! Wir wurden bald selbst des kleinen Trostes beraubt, zusammen zu weinen. Der nächste Tag erwies sich als ein Tag größeren Kummers, als ich bisher erfahren hatte; denn meine Schwester und ich wurden dann getrennt, während wir in den Armen des anderen lagen. Es war vergeblich, dass wir sie anflehten, uns nicht zu trennen; sie wurde von mir weggerissen und sofort fortgebracht, während ich in einem Zustand der Verstörung zurückblieb, der nicht zu beschreiben ist. Ich weinte und trauerte unaufhörlich; und mehrere Tage lang aß ich nichts, als was sie mir gewaltsam in den Mund schoben. Schließlich, nach vielen Tagen der Reise, während derer ich oft den Besitzer gewechselt hatte, gelangte ich in die Hände eines Häuptlings in einem sehr angenehmen Land. Dieser Mann hatte zwei Frauen und einige Kinder, und sie alle behandelten mich außerordentlich gut und taten alles, was sie konnten, um mich zu trösten; insbesondere die erste Frau, die meiner Mutter etwas ähnlich war. Obwohl ich viele Tagesreisen vom Haus meines Vaters entfernt war, sprachen diese Leute genau dieselbe Sprache wie wir. Dieser erste Herr von mir, wie ich ihn nennen kann, war ein Schmied, und meine Hauptbeschäftigung war das Bedienen seiner Blasebälge, die von derselben Art waren, wie ich sie in meiner Umgebung gesehen hatte. Sie waren in mancher Hinsicht nicht unähnlich den Öfen hier in den Küchen der Herren; und sie waren mit Leder bedeckt; und in der Mitte dieses Leders war ein Stock befestigt, und eine Person stand auf und bediente ihn auf die gleiche Weise, wie es getan wird, um Wasser mit einer Handpumpe aus einem Fass zu pumpen. Ich glaube, es war Gold, das er verarbeitete, denn es war von einer schönen leuchtend gelben Farbe und wurde von den Frauen an Hand- und Fußgelenken getragen. Ich war dort, glaube ich, etwa einen Monat, und schließlich begannen sie, mir ein wenig Abstand vom Haus zu vertrauen. Diese Freiheit nutzte ich, um jede Gelegenheit zu ergreifen, nach dem Weg zu meinem eigenen Zuhause zu fragen: und ich ging auch manchmal zu demselben Zweck in der Kühle des Abends mit den Mädchen, um Krüge mit Wasser aus den Quellen für den Gebrauch des Hauses zu holen. Ich hatte auch bemerkt, wo die Sonne morgens aufging und abends unterging, während ich entlanggereist war; und ich hatte beobachtet, dass das Haus meines Vaters in Richtung des Sonnenaufgangs lag. Ich beschloss daher, die erste Gelegenheit zur Flucht zu nutzen und meinen Kurs auf dieses Viertel zu richten; denn ich war ganz niedergedrückt und von Kummer nach meiner Mutter und meinen Freunden beschwert; und meine Liebe zur Freiheit, die schon immer groß war, wurde durch den demütigenden Umstand verstärkt, dass ich es nicht wagte, mit den frei geborenen Kindern zu essen, obwohl ich meist ihr Begleiter war. Während ich meine Flucht plante, geschah eines Tages ein unglückliches Ereignis, das meinen Plan völlig durcheinanderbrachte und meinen Hoffnungen ein Ende setzte. Ich war manchmal damit beschäftigt, einer älteren Sklavin beim Kochen und bei der Pflege des Geflügels zu helfen; und eines Morgens, als ich einige Hühner fütterte, warf ich zufällig einen kleinen Kieselstein nach einem von ihnen, der es in der Mitte traf und es direkt tötete. Die alte Sklavin, die kurz darauf das Huhn vermisste, erkundigte sich danach; und als ich ihr den Unfall erzählte (denn ich sagte ihr die Wahrheit, weil meine Mutter mir nie erlaubte, zu lügen), geriet sie in heftige Wut, drohte, dass ich dafür leiden würde; und da mein Herr außer Haus war, ging sie sofort und erzählte ihrer Herrin, was ich getan hatte. Das beunruhigte mich sehr, und ich erwartete eine sofortige Auspeitschung, was für mich ungewöhnlich schrecklich war; denn ich war zu Hause selten geschlagen worden. Ich beschloss daher zu fliehen; und dementsprechend rannte ich in ein Dickicht, das in der Nähe war, und versteckte mich in den Büschen. Bald darauf kehrten meine Herrin und die Sklavin zurück, und da sie mich nicht sahen, durchsuchten sie das ganze Haus, aber da sie mich nicht fanden und ich nicht antwortete, als sie mich riefen, dachten sie, ich sei weggelaufen, und die ganze Nachbarschaft wurde zur Verfolgung meiner Person aufgestachelt. In diesem Teil des Landes (wie auch in unserem) waren die Häuser und Dörfer mit Wäldern oder Gebüschen gesäumt, und die Büsche waren so dicht, dass ein Mensch sich leicht darin verstecken konnte, um der strengsten Suche zu entgehen. Die Nachbarn suchten den ganzen Tag nach mir, und mehrmals kamen viele von ihnen bis auf wenige Meter an den Ort heran, wo ich mich versteckt hielt. Ich hielt mich dann für völlig verloren und erwartete jeden Moment, als ich ein Rascheln in den Bäumen hörte, gefunden und von meinem Herrn bestraft zu werden: aber sie entdeckten mich nie, obwohl sie oft so nah waren, dass ich sogar ihre Vermutungen hörte, während sie sich nach mir umsahen; und ich erfuhr nun von ihnen, dass jeder Versuch, nach Hause zurückzukehren, hoffnungslos wäre. Die meisten von ihnen vermuteten, ich sei in Richtung Heimat geflohen; aber die Entfernung war so groß und der Weg so kompliziert, dass sie dachten, ich könne ihn niemals erreichen und würde mich in den Wäldern verlieren. Als ich das hörte, wurde ich von einer heftigen Panik ergriffen und gab mich der Verzweiflung hin. Auch die Nacht begann hereinzubrechen und verschlimmerte all meine Ängste. Ich hatte zuvor Hoffnungen gehegt, nach Hause zu gelangen, und ich hatte beschlossen, wenn es dunkel sein würde, den Versuch zu wagen; aber ich war jetzt überzeugt, dass es fruchtlos sei, und ich begann zu bedenken, dass ich, wenn ich möglicherweise allen anderen Tieren entkommen könnte, dies nicht bei denen der menschlichen Art tun könnte; und dass ich, da ich den Weg nicht wusste, in den Wäldern umkommen müsse. So war ich wie das gejagte Reh:
„Jedes Blatt und jeder flüsternde Hauch Brachte einen Feind, und jeder Feind einen Tod.“
Ich hörte häufiges Rascheln in den Blättern; und da ich ziemlich sicher war, dass es Schlangen waren, erwartete ich jeden Augenblick, von ihnen gestochen zu werden. Das steigerte meine Qual, und der Schrecken meiner Lage wurde nun völlig unerträglich. Ich verließ schließlich das Dickicht, sehr schwach und hungrig, denn ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen oder getrunken; und kroch in die Küche meines Herrn, von wo aus ich zuerst aufgebrochen war und die ein offener Schuppen war, und legte mich in die Asche, mit dem sehnsüchtigen Wunsch nach dem Tod, um mich von all meinen Schmerzen zu erlösen. Ich war am Morgen kaum wach, als die alte Sklavin, die als erste auf war, kam, um das Feuer anzuzünden, und mich in der Feuerstelle sah. Sie war sehr überrascht, mich zu sehen, und konnte ihren eigenen Augen kaum trauen. Sie versprach nun, für mich einzutreten, und ging zu ihrem Herrn, der kurz darauf kam und mich, nachdem er mich leicht zurechtgewiesen hatte, anwies, sich um mich zu kümmern und mich nicht schlecht zu behandeln.
Kurz danach wurde die einzige Tochter meines Herrn, das Kind seiner ersten Frau, krank und starb, was ihn so sehr mitnahm, dass er einige Zeit fast wahnsinnig war und sich tatsächlich das Leben genommen hätte, wenn er nicht bewacht und daran gehindert worden wäre. Wie dem auch sei, nach kurzer Zeit erholte er sich wieder, und ich wurde erneut verkauft. Ich wurde nun links vom Sonnenaufgang durch viele verschiedene Länder und eine Reihe großer Wälder getragen. Die Leute, an die ich verkauft wurde, trugen mich sehr oft, wenn ich müde war, entweder auf ihren Schultern oder auf ihren Rücken. Ich sah viele bequeme, gut gebaute Schuppen entlang der Straßen, in angemessenen Abständen, um die Kaufleute und Reisenden unterzubringen, die in diesen Gebäuden zusammen mit ihren Frauen schliefen, die sie oft begleiteten; und sie gehen immer gut bewaffnet.
Von der Zeit an, als ich meine eigene Heimat verließ, fand ich immer jemanden, der mich verstand, bis ich an die Meeresküste kam. Die Sprachen der verschiedenen Völker unterschieden sich nicht grundlegend, noch waren sie so wortreich wie die der Europäer, insbesondere der Engländer. Sie waren daher leicht zu erlernen; und während ich so durch Afrika reiste, eignete ich mir zwei oder drei verschiedene Zungen an. Auf diese Weise war ich schon eine beträchtliche Zeit unterwegs, als ich eines Abends, zu meiner großen Überraschung, niemand Geringeren als meine liebe Schwester in das Haus gebracht sah, in dem ich mich befand! Sobald sie mich sah, stieß sie einen lauten Schrei aus und lief in meine Arme – ich war völlig überwältigt: Keiner von uns konnte sprechen; stattdessen klammerten wir uns eine beträchtliche Zeit lang in gegenseitigen Umarmungen aneinander, unfähig, etwas anderes zu tun, als zu weinen. Unser Zusammentreffen berührte alle, die uns sahen; und wahrlich, ich muss zu Ehren dieser dunklen Zerstörer der Menschenrechte anerkennen, dass ich niemals eine üble Behandlung erfuhr oder sah, wie sie ihren Sklaven widerfuhr, abgesehen davon, dass man sie, wenn nötig, festband, um sie am Weglaufen zu hindern. Als diese Leute erfuhren, dass wir Bruder und Schwester waren, ließen sie uns zusammen; und der Mann, dem wir, wie ich annahm, gehörten, legte sich zu uns, er in die Mitte, während sie und ich uns die ganze Nacht über seine Brust hinweg an den Händen hielten; und so vergaßen wir für eine Weile unser Unglück in der Freude, beisammen zu sein: doch selbst dieser kleine Trost sollte bald ein Ende haben; denn kaum war der verhängnisvolle Morgen angebrochen, als sie mir wieder für immer entrissen wurde! Ich war nun, wenn möglich, noch elender als zuvor. Die kleine Erleichterung, die ihre Anwesenheit mir vom Schmerz verschafft hatte, war dahin, und die Erbärmlichkeit meiner Lage wurde durch meine Sorge um ihr Schicksal verdoppelt, wie auch durch meine Befürchtungen, ihr Leiden könne größer sein als meines, da ich nicht bei ihr sein konnte, um es zu lindern. Ja, du teure Gefährtin all meiner kindlichen Spiele! Du Teilhaberin an meinen Freuden und Leiden! Glücklich hätte ich mich stets geschätzt, jedes Elend für dich auf mich zu nehmen und deine Freiheit durch das Opfer meiner eigenen zu erkaufen. Obwohl du schon früh aus meinen Armen gerissen wurdest, ist dein Bild für immer in mein Herz eingeprägt, aus dem weder Zeit noch Geschick es zu entfernen vermochten; so dass die Gedanken an dein Leiden nicht nur mein Glück gedämpft, sondern sich mit dem Unglück vermischt und dessen Bitterkeit vergrößert haben. Jenem Himmel, der die Schwachen vor den Starken beschützt, vertraue ich die Obhut deiner Unschuld und deiner Tugenden an, falls sie nicht bereits ihren vollen Lohn empfangen haben und falls deine Jugend und Zartheit nicht schon längst den Gewalttaten des afrikanischen Händlers, dem pestilenzialischen Gestank eines Guineaschiffes, der Akklimatisierung in den europäischen Kolonien oder der Peitsche und der Lust eines brutalen und unerbittlichen Aufsehers zum Opfer gefallen sind.
Ich blieb nach meiner Schwester nicht mehr lange. Ich wurde wieder verkauft und durch eine Reihe von Orten getragen, bis ich, nachdem ich eine beträchtliche Zeit gereist war, in eine Stadt namens Tinmah kam, in dem schönsten Land, das ich bisher in Afrika gesehen hatte. Es war außerordentlich reich, und es gab viele Bäche, die hindurchflossen und einen großen Teich im Zentrum der Stadt speisten, an dem die Leute sich wuschen. Hier sah und kostete ich zum ersten Mal Kokosnüsse, die ich für besser hielt als alle Nüsse, die ich jemals zuvor gekostet hatte; und die Bäume, die voll beladen waren, standen auch zwischen den Häusern, die angrenzende bequeme Schattenplätze hatten und in der gleichen Weise wie unsere erbaut waren, wobei die Innenseiten sauber verputzt und weiß getüncht waren. Hier sah und kostete ich auch zum ersten Mal Zuckerrohr. Ihr Geld bestand aus kleinen weißen Muscheln in der Größe eines Fingernagels. Ich wurde hier für einhundertzweiundsiebzig davon von einem Händler verkauft, der dort lebte und mich dorthin gebracht hatte. Ich war etwa zwei oder drei Tage in seinem Haus, als eine wohlhabende Witwe, eine Nachbarin von ihm, eines Abends vorbeikam und ihren einzigen Sohn mitbrachte, einen jungen Herrn in meinem Alter und von meiner Statur. Hier sahen sie mich; und da ich ihnen gefiel, wurde ich von dem Händler gekauft und ging mit ihnen nach Hause. Ihr Haus und ihre Anlagen lagen direkt an einem jener Bäche, die ich erwähnt habe, und waren die schönsten, die ich je in Afrika gesehen hatte: Sie waren sehr weitläufig, und sie hatte eine Reihe von Sklaven, die sie bedienten. Am nächsten Tag wurde ich gewaschen und parfümiert, und als es Zeit zum Essen war, wurde ich in die Gegenwart meiner Herrin geführt und aß und trank vor ihr zusammen mit ihrem Sohn. Dies erfüllte mich mit Erstaunen; und ich konnte kaum umhin, meine Überraschung darüber auszudrücken, dass der junge Herr es duldete, dass ich, der ich gebunden war, mit ihm aß, der frei war; und nicht nur das, sondern dass er zu keiner Zeit essen oder trinken wollte, bevor ich nicht zuerst genommen hatte, weil ich der Älteste war, was unserer Sitte entsprach. Wahrlich, alles hier und ihre ganze Behandlung meiner Person ließen mich vergessen, dass ich ein Sklave war. Die Sprache dieser Leute ähnelte der unseren so sehr, dass wir einander vollkommen verstanden. Sie hatten auch genau die gleichen Bräuche wie wir. Es gab ebenfalls Sklaven, die uns täglich bedienten, während mein junger Herr und ich mit anderen Jungen mit unseren Speeren und Bogen und Pfeilen spielten, wie ich es von zu Hause gewohnt war. In dieser Ähnlichkeit mit meinem früheren glücklichen Zustand verbrachte ich etwa zwei Monate; und ich begann nun zu glauben, dass ich in die Familie aufgenommen werden sollte, und begann, mich mit meiner Lage auszusöhnen und mein Unglück allmählich zu vergessen, als die Täuschung auf einmal verschwand; denn ohne das geringste vorherige Wissen wurde ich eines Morgens früh, während mein lieber Herr und Gefährte noch schlief, aus meiner Träumerei zu neuem Kummer geweckt und fortgeschleppt, mitten unter die Unbeschnittenen.
So fand ich mich in dem Moment, in dem ich von dem größten Glück träumte, am elendesten wieder; und es schien, als wollte das Schicksal mir diesen Vorgeschmack von Freude nur geben, um den Umschwung umso schmerzlicher zu machen. Die Veränderung, die ich nun erlebte, war so qualvoll, wie sie plötzlich und unerwartet war. Es war wahrlich ein Wechsel von einem Zustand der Glückseligkeit zu einer Szene, die ich nicht beschreiben kann, da sie mir ein Element offenbarte, das ich zuvor noch nie erblickt hatte und von dem ich bis dahin keine Vorstellung besaß, und worin sich solche Fälle von Härte und Grausamkeit ständig ereigneten, an die ich niemals ohne Entsetzen zurückdenken kann.
Alle Völker und Menschen, die ich bis dahin durchquert hatte, glichen den unsrigen in ihren Sitten, Gebräuchen und ihrer Sprache: Doch schließlich kam ich in ein Land, dessen Bewohner sich in all diesen Punkten von uns unterschieden. Ich war von diesem Unterschied sehr beeindruckt, besonders als ich unter ein Volk kam, das nicht beschnitt und aß, ohne sich die Hände zu waschen. Sie kochten auch in eisernen Töpfen und hatten europäische Entermesser und Armbrüste, die uns unbekannt waren, und kämpften mit ihren Fäusten untereinander. Ihre Frauen waren nicht so bescheiden wie unsere, denn sie aßen, tranken und schliefen mit ihren Männern. Vor allem aber war ich erstaunt, bei ihnen keine Opfer oder Gaben zu sehen. An manchen dieser Orte schmückten sich die Leute mit Narben und feilten sich zudem die Zähne sehr scharf. Sie wollten mich manchmal auf die gleiche Weise schmücken, aber ich ließ es nicht zu; in der Hoffnung, dass ich eines Tages unter ein Volk kommen könnte, das sich nicht auf diese Weise entstellte, wie ich es empfand. Schließlich kam ich an das Ufer eines großen Flusses, der mit Kanus bedeckt war, in denen die Leute mit ihrem Hausrat und Vorräten aller Art zu leben schienen. Ich war über die Maßen erstaunt darüber, da ich noch nie zuvor Wasser gesehen hatte, das größer als ein Teich oder ein Bach war: und meine Überraschung vermischte sich mit nicht geringer Angst, als ich in eines dieser Kanus gesetzt wurde und wir anfingen zu paddeln und uns den Fluss entlang zu bewegen. Wir fuhren so bis in die Nacht hinein; und als wir an Land gingen und die Feuer am Ufer entzündeten, jede Familie für sich, zogen manche ihre Kanus an Land, andere blieben darin, kochten und legten sich die ganze Nacht hinein. Diejenigen am Land hatten Matten, aus denen sie Zelte bauten, manche in der Form kleiner Häuser: In diesen schliefen wir; und nach der Morgenmahlzeit stachen wir wieder in See und fuhren wie zuvor fort. Ich war oft sehr erstaunt, einige der Frauen wie auch die Männer in das Wasser springen, auf den Grund tauchen, wieder heraufkommen und herumschwimmen zu sehen. So reiste ich weiter, mal zu Lande, mal zu Wasser, durch verschiedene Länder und unterschiedliche Völker, bis ich sechs oder sieben Monate, nachdem ich entführt worden war, an der Meeresküste ankam. Es wäre langweilig und uninteressant, all die Vorfälle zu schildern, die mir auf dieser Reise widerfuhren und die ich noch nicht vergessen habe; von den verschiedenen Händen, durch die ich ging, und den Sitten und Gebräuchen all der verschiedenen Völker, unter denen ich lebte: Ich werde daher nur bemerken, dass an allen Orten, an denen ich war, der Boden außerordentlich reich war; die Kürbisse, Eadas, Kochbananen, Yamswurzeln usw. waren im Überfluss vorhanden und von unglaublicher Größe. Es gab auch riesige Mengen an verschiedenen Harzen, die jedoch für keinen Zweck verwendet wurden; und überall eine große Menge Tabak. Die Baumwolle wuchs sogar völlig wild; und es gab reichlich Rotholz. Ich sah auf dem ganzen Weg keinerlei Handwerker, außer jenen, die ich erwähnt habe. Die Hauptbeschäftigung in all diesen Ländern war die Landwirtschaft, und sowohl die Männer als auch die Frauen wurden, wie bei uns, dazu erzogen und in der Kriegskunst ausgebildet.
Das erste Objekt, das meine Augen grüßte, als ich an der Küste ankam, war das Meer und ein Sklavenschiff, das damals vor Anker lag und auf seine Fracht wartete. Dies erfüllte mich mit Erstaunen, das jedoch bald in Entsetzen umschlug, als ich an Bord gebracht wurde. Ich wurde sogleich von einigen Besatzungsmitgliedern angefasst und hochgehoben, um zu sehen, ob ich gesund sei; und ich war nun davon überzeugt, dass ich in eine Welt böser Geister geraten war und dass sie mich töten würden. Auch ihre Gesichtsfarbe, die sich so sehr von der unseren unterschied, ihr langes Haar und die Sprache, die sie sprachen (die sich sehr von jeder unterschied, die ich je gehört hatte), vereinten sich, um mich in diesem Glauben zu bestärken. Wahrlich, die Schrecken meiner Ansichten und Ängste waren in diesem Moment so groß, dass ich, wenn zehntausend Welten mein Eigen gewesen wären, sie alle freudig weggegeben hätte, um meine Lage mit der des geringsten Sklaven in meinem eigenen Land zu tauschen. Als ich mich zudem auf dem Schiff umsah und einen großen Schmelzofen oder Kupferkessel kochen sah sowie eine Menge schwarzer Menschen jeder Art, die zusammengekettet waren, wobei jedes ihrer Gesichter Niedergeschlagenheit und Kummer ausdrückte, zweifelte ich nicht länger an meinem Schicksal; und, völlig überwältigt von Entsetzen und Qual, fiel ich regungslos auf das Deck und wurde ohnmächtig.
Als ich mich ein wenig erholte, fand ich einige schwarze Menschen um mich herum, von denen ich glaubte, sie seien einige jener, die mich an Bord gebracht hatten und ihren Lohn empfangen hatten; sie sprachen auf mich ein, um mich aufzumuntern, doch alles vergeblich. Ich fragte sie, ob wir nicht von diesen weißen Männern mit dem schrecklichen Aussehen, den roten Gesichtern und dem losen Haar gegessen würden. Sie sagten mir, das würde nicht geschehen; und einer der Besatzungsmitglieder brachte mir eine kleine Portion geistiger Getränke in einem Weinglas; aber da ich Angst vor ihm hatte, wollte ich es nicht aus seiner Hand nehmen. Einer der Schwarzen nahm es daher von ihm und gab es mir, und ich ließ ein wenig davon meine Kehle hinunterfließen, was mich, anstatt mich zu beleben, wie sie dachten, in die größte Bestürzung über das seltsame Gefühl versetzte, das es hervorrief, da ich noch nie zuvor ein solches Getränk gekostet hatte. Kurz darauf gingen die Schwarzen, die mich an Bord gebracht hatten, fort und ließen mich der Verzweiflung preisgegeben zurück. Ich sah mich nun jeder Möglichkeit beraubt, in mein Heimatland zurückzukehren, oder auch nur dem geringsten Hoffnungsschimmer, das Ufer zu erreichen, das ich nun als freundlich betrachtete; und ich wünschte mir sogar meine frühere Sklaverei herbei, vor meiner gegenwärtigen Lage, die mit Schrecken jeder Art erfüllt war, noch gesteigert durch meine Unwissenheit darüber, was ich erleiden würde. Es wurde mir nicht lange gestattet, meinem Kummer nachzugeben; ich wurde bald unter das Deck gebracht, und dort empfing ich einen solchen Gruß in meinen Nasenlöchern, wie ich ihn noch nie in meinem Leben erlebt hatte: sodass ich vor Ekel über den Gestank und vor Weinen so krank und schwach wurde, dass ich nicht essen konnte und auch nicht den geringsten Wunsch verspürte, irgendetwas zu kosten. Ich wünschte mir nun den letzten Freund, den Tod, herbei, um mich zu erlösen; doch bald, zu meinem Leidwesen, boten mir zwei der weißen Männer Essbares an; und als ich mich weigerte zu essen, hielt mich einer von ihnen fest an den Händen, legte mich über, wie ich glaube, das Spill und band meine Füße, während der andere mich schwer auspeitschte. Ich hatte noch nie zuvor etwas derartiges erlebt; und obwohl ich, da ich nicht an das Wasser gewöhnt war, dieses Element auf natürliche Weise fürchtete, als ich es zum ersten Mal sah, hätte ich dennoch, falls ich über das Netz hätte gelangen können, mich über die Bordwand gestürzt, doch ich konnte es nicht; und außerdem pflegte die Besatzung uns, die wir nicht an die Decks gekettet waren, sehr genau zu beobachten, damit wir nicht ins Wasser sprangen: und ich habe gesehen, wie einige dieser armen afrikanischen Gefangenen aufs Schwerste dafür ausgepeitscht wurden, dass sie es versuchten, und stündlich dafür gepeitscht wurden, dass sie nicht aßen. Dies war in der Tat oft bei mir selbst der Fall.
Nach kurzer Zeit fand ich unter den armen geketteten Männern einige meiner eigenen Nation, was meinen Geist ein wenig erleichterte. Ich erkundigte mich bei ihnen, was mit uns geschehen sollte; sie gaben mir zu verstehen, dass wir in das Land dieser weißen Menschen gebracht würden, um für sie zu arbeiten. Da war ich ein wenig belebt und dachte, wenn es nicht schlimmer sei als zu arbeiten, sei meine Lage nicht so verzweifelt: aber dennoch fürchtete ich, ich würde hingerichtet werden, da die weißen Menschen, wie ich fand, auf eine so wilde Weise aussahen und handelten; denn ich hatte noch nie bei irgendeinem Volk solche Beispiele von brutaler Grausamkeit gesehen; und dies wurde nicht nur uns Schwarzen gegenüber gezeigt, sondern auch einigen der Weißen selbst. Einen weißen Mann insbesondere sah ich, als wir uns auf dem Deck aufhalten durften, mit einem dicken Seil in der Nähe des Fockmastes so gnadenlos auspeitschen, dass er daran starb; und sie warfen ihn über Bord, als wäre er ein Tier gewesen. Dies ließ mich diese Menschen umso mehr fürchten; und ich erwartete nichts weniger, als auf die gleiche Weise behandelt zu werden. Ich konnte nicht umhin, meine Ängste und Befürchtungen einigen meiner Landsleute gegenüber auszudrücken: Ich fragte sie, ob diese Menschen kein Land hätten, sondern an diesem hohlen Ort (dem Schiff) lebten: sie sagten mir, das täten sie nicht, sondern sie kämen aus einem entfernten Land. „Dann“, sagte ich, „wie kommt es, dass wir in unserem ganzen Land nie von ihnen gehört haben?“ Sie sagten mir, weil sie so unendlich weit weg wohnten. Ich fragte dann, wo ihre Frauen seien? Hätten sie solche wie sie selbst? Mir wurde gesagt, das hätten sie: „und warum“, sagte ich, „sehen wir sie nicht?“ Sie antworteten, weil sie zurückgelassen worden seien. Ich fragte, wie das Schiff fahren könne; sie sagten mir, sie wüssten es nicht; aber dass Tücher an den Masten mit Hilfe der Seile, die ich sah, angebracht seien, und dann fahre das Schiff weiter; und die weißen Männer hätten einen Zauberspruch oder Magie, den sie ins Wasser gaben, wenn sie wollten, um das Schiff anzuhalten. Ich war über diese Schilderung überaus erstaunt und dachte wirklich, sie seien Geister. Ich wünschte mir daher sehr, nicht mehr unter ihnen zu sein, denn ich erwartete, dass sie mich opfern würden: aber meine Wünsche waren eitel; denn wir waren so untergebracht, dass es für keinen von uns möglich war, zu entkommen.
Während wir an der Küste blieben, war ich meistens an Deck; und eines Tages sah ich zu meinem großen Erstaunen eines dieser Schiffe mit gesetzten Segeln einlaufen. Sobald die Weißen es sahen, stießen sie einen großen Schrei aus, worüber wir erstaunt waren; und umso mehr, als das Schiff durch das Näherkommen größer erschien. Schließlich ging es in meinem Blickfeld vor Anker, und als der Anker geworfen wurde, waren ich und meine Landsleute, die es sahen, vor Erstaunen verloren, das Schiff anhalten zu sehen; und wir waren nicht überzeugt, dass dies durch Magie geschehen sei. Kurz darauf ließ das andere Schiff seine Boote zu Wasser, und sie kamen an Bord von uns, und die Menschen beider Schiffe schienen sehr froh zu sein, einander zu sehen. Mehrere der Fremden schüttelten auch uns schwarzen Menschen die Hände und machten Bewegungen mit ihren Händen, was wohl bedeuten sollte, dass wir in ihr Land fahren würden; aber wir verstanden sie nicht. Schließlich, als das Schiff, auf dem wir waren, seine gesamte Fracht aufgenommen hatte, machten sie sich mit vielen furchterregenden Geräuschen bereit, und wir wurden alle unter Deck gebracht, sodass wir nicht sehen konnten, wie sie das Schiff lenkten. Doch diese Enttäuschung war das geringste meiner Sorgen. Der Gestank des Laderaums, während wir an der Küste waren, war so unerträglich abscheulich, dass es gefährlich war, sich dort für längere Zeit aufzuhalten, und einigen von uns war erlaubt worden, für die frische Luft an Deck zu bleiben; doch nun, da die gesamte Fracht des Schiffes zusammengepfercht war, wurde es absolut pestilenzialisch. Die Enge des Ortes und die Hitze des Klimas, zusammen mit der Anzahl der Menschen auf dem Schiff, das so überfüllt war, dass jeder kaum Platz hatte, sich zu drehen, erstickten uns fast. Dies erzeugte reichlichen Schweiß, sodass die Luft durch eine Vielzahl abscheulicher Gerüche bald zum Atmen ungeeignet wurde und eine Krankheit unter den Sklaven hervorrief, an der viele starben und so zu Opfern der unvorsichtigen Habgier, wie ich es nennen kann, ihrer Käufer wurden. Diese elende Lage wurde noch durch das Wundreiben der Ketten verschlimmert, die nun unerträglich wurden; und durch den Unrat der Kübel, in die die Kinder oft fielen und fast erstickten. Die Schreie der Frauen und das Stöhnen der Sterbenden machten das Ganze zu einer Szene des Schreckens, die kaum vorstellbar war. Glücklicherweise vielleicht für mich selbst war ich hier bald so sehr geschwächt, dass man es für notwendig hielt, mich fast immer an Deck zu lassen; und wegen meines extrem jungen Alters wurde ich nicht in Fesseln gelegt. In dieser Lage erwartete ich jede Stunde, das Schicksal meiner Gefährten zu teilen, von denen einige fast täglich im Sterben liegend an Deck gebracht wurden, was, wie ich zu hoffen begann, bald meinen Leiden ein Ende setzen würde. Oft dachte ich, viele der Bewohner der Tiefe seien viel glücklicher als ich. Ich beneidete sie um die Freiheit, die sie genossen, und wünschte mir ebenso oft, ich könnte meine Lage gegen ihre tauschen. Jeder Umstand, dem ich begegnete, diente nur dazu, meinen Zustand schmerzlicher zu machen und meine Befürchtungen sowie meine Meinung von der Grausamkeit der Weißen zu verstärken. Eines Tages hatten sie eine Menge Fische gefangen; und als sie so viele getötet und sich daran satt gegessen hatten, wie sie wollten, warfen sie zu unserem Erstaunen, die wir an Deck waren, den restlichen Fisch wieder ins Meer, anstatt uns etwas davon zum Essen zu geben, wie wir erwartet hatten, obwohl wir so gut wir konnten darum bettelten und flehten, doch vergeblich; und einige meiner Landsleute, die vom Hunger geplagt waren, nutzten eine Gelegenheit, als sie glaubten, niemand sehe sie, um zu versuchen, im Geheimen ein wenig zu bekommen; aber sie wurden entdeckt, und der Versuch brachte ihnen einige sehr schwere Auspeitschungen ein. Eines Tages, als wir ein ruhiges Meer und mäßigen Wind hatten, machten zwei meiner ermüdeten Landsleute, die aneinandergekettet waren (ich war zu der Zeit in ihrer Nähe), die den Tod einem solchen Leben voller Elend vorzogen, sich irgendwie durch die Netze und sprangen ins Meer: Sofort folgte ihnen ein anderer völlig niedergeschlagener Mann, dem es wegen seiner Krankheit erlaubt war, ohne Eisen zu sein, ihrem Beispiel; und ich glaube, viele andere hätten sehr bald dasselbe getan, wenn sie nicht von der Schiffsbesatzung daran gehindert worden wären, die sofort alarmiert wurde. Diejenigen von uns, die am aktivsten waren, wurden im Augenblick unter Deck gebracht, und es gab einen solchen Lärm und eine solche Verwirrung unter den Leuten auf dem Schiff, wie ich es noch nie zuvor gehört hatte, um es anzuhalten und das Boot zu Wasser zu lassen, um den Sklaven nachzusetzen. Jedenfalls ertranken zwei der Unglücklichen, aber sie holten den anderen ein und peitschten ihn danach gnadenlos aus, weil er versucht hatte, den Tod der Sklaverei vorzuziehen. Auf diese Weise fuhren wir fort, mehr Härten zu ertragen, als ich jetzt berichten kann, Härten, die von diesem verfluchten Handel untrennbar sind. Viele Male waren wir dem Ersticken nahe durch den Mangel an frischer Luft, die wir oft ganze Tage lang nicht hatten. Dies und der Gestank der Kübel rafften viele dahin. Während unserer Überfahrt sah ich zum ersten Mal fliegende Fische, was mich sehr überraschte: sie pflegten häufig über das Schiff zu fliegen, und viele von ihnen fielen auf das Deck. Ich sah nun auch zum ersten Mal den Gebrauch des Quadranten; ich hatte oft mit Erstaunen gesehen, wie die Seeleute Beobachtungen damit machten, und ich konnte mir nicht vorstellen, was das bedeuten sollte. Schließlich bemerkten sie mein Erstaunen; und einer von ihnen, willens, es noch zu steigern sowie meine Neugier zu befriedigen, ließ mich eines Tages hindurchsehen. Die Wolken erschienen mir als Land, das verschwand, als sie vorbeizogen. Dies steigerte mein Staunen; und ich war nun mehr denn je davon überzeugt, dass ich in einer anderen Welt war und dass alles um mich herum Magie sei. Schließlich erblickten wir die Insel Barbadoes, worüber die Weißen an Bord einen großen Schrei ausstießen und uns viele Zeichen der Freude gaben. Wir wussten nicht, was wir davon halten sollten; aber als das Schiff näher kam, sahen wir deutlich den Hafen und andere Schiffe verschiedener Art und Größe; und wir ankerten bald inmitten von ihnen vor Bridge Town. Viele Kaufleute und Pflanzer kamen nun an Bord, obwohl es bereits Abend war. Sie teilten uns in getrennte Gruppen ein und untersuchten uns aufmerksam. Sie ließen uns auch springen und deuteten auf das Land, was bedeutete, dass wir dorthin gehen sollten. Wir dachten, wir würden von diesen hässlichen Männern, wie sie uns erschienen, gefressen werden; und als wir kurz darauf alle wieder unter Deck gebracht wurden, herrschte große Angst und Zittern unter uns und die ganze Nacht über waren nur bittere Schreie aufgrund dieser Befürchtungen zu hören, sodass die weißen Leute schließlich einige alte Sklaven vom Land holten, um uns zu beruhigen. Sie sagten uns, wir würden nicht gefressen, sondern müssten arbeiten und würden bald an Land gehen, wo wir viele unserer Landsleute sehen würden. Dieser Bericht beruhigte uns sehr; und tatsächlich, kurz nachdem wir an Land gegangen waren, kamen Afrikaner aller Sprachen zu uns. Wir wurden sofort zum Hof des Kaufmanns geführt, wo wir alle zusammen wie Schafe in einem Pferch eingesperrt wurden, ohne Rücksicht auf Geschlecht oder Alter. Da mir jedes Objekt neu war, erfüllte mich alles, was ich sah, mit Überraschung. Was mich zuerst traf, war, dass die Häuser mit Stockwerken gebaut waren und in jeder anderen Hinsicht anders als jene in Afrika waren: aber ich war noch erstaunter, als ich Menschen zu Pferd sah. Ich wusste nicht, was das bedeuten konnte; und tatsächlich dachte ich, diese Menschen bestünden aus nichts als magischen Künsten. Während ich in diesem Erstaunen war, sprach einer meiner Mithäftlinge mit einem Landsmann von sich über die Pferde, der sagte, sie seien dieselbe Art, die sie in ihrem Land hätten. Ich verstand sie, obwohl sie aus einem entfernten Teil Afrikas stammten, und ich fand es seltsam, dass ich dort keine Pferde gesehen hatte; aber später, als ich mit verschiedenen Afrikanern ins Gespräch kam, fand ich heraus, dass sie viele Pferde unter sich hatten, und viel größere als jene, die ich damals sah. Wir waren nicht viele Tage in der Obhut des Kaufmanns, bevor wir auf ihre übliche Weise verkauft wurden, die wie folgt ist: Auf ein gegebenes Signal (wie den Schlag einer Trommel) stürzen die Käufer auf einmal in den Hof, in dem die Sklaven eingesperrt sind, und treffen ihre Wahl des Pakets, das ihnen am besten gefällt. Der Lärm und das Geschrei, das damit einhergeht, und die Eifer, die auf den Gesichtern der Käufer sichtbar ist, dienen nicht wenig dazu, die Befürchtungen der verängstigten Afrikaner zu verstärken, von denen man wohl annehmen kann, dass sie sie für die Diener jener Zerstörung halten, der sie sich geweiht glauben. Auf diese Weise werden ohne Skrupel Verwandte und Freunde getrennt, die meisten von ihnen, um einander nie wiederzusehen. Ich erinnere mich, auf dem Schiff, auf dem ich herübergebracht wurde, gab es in der Männerabteilung mehrere Brüder, die beim Verkauf in verschiedene Lose verkauft wurden; und es war bei dieser Gelegenheit sehr bewegend, ihre Schreie beim Abschied zu sehen und zu hören. O, ihr nominellen Christen! Könnte euch ein Afrikaner nicht fragen, habt ihr dies von eurem Gott gelernt, der zu euch sagt: Tut allen Menschen, wie ihr wollt, dass sie euch tun? Ist es nicht genug, dass wir aus unserem Land und von unseren Freunden gerissen werden, um für euren Luxus und eure Lust auf Gewinn zu schuften? Muss jedes zarte Gefühl ebenso eurer Habgier geopfert werden? Sollen die liebsten Freunde und Verwandten, die durch ihre Trennung von ihrer Sippe nun noch teurer geworden sind, weiterhin voneinander getrennt werden und so daran gehindert werden, das Dunkel der Sklaverei mit dem kleinen Trost zu erhellen, zusammen zu sein und ihre Leiden und Sorgen zu vermischen? Warum müssen Eltern ihre Kinder verlieren, Brüder ihre Schwestern oder Ehemänner ihre Ehefrauen? Sicherlich ist dies eine neue Verfeinerung der Grausamkeit, die, während sie keinen Vorteil hat, der sie ausgleichen könnte, so das Leid verschlimmert und dem Elend der Sklaverei noch frische Schrecken hinzufügt.
KAP. III.
Der Autor wird nach Virginia gebracht – Seine Not – Überraschung beim Anblick eines Bildes und einer Uhr – Wird von Kapitän Pascal gekauft und bricht nach England auf – Sein Schrecken während der Reise – Kommt in England an – Sein Staunen über einen Schneefall – Wird nach Guernsey geschickt und geht nach einiger Zeit mit seinem Herrn an Bord eines Kriegsschiffes – Einige Berichte über die Expedition gegen Louisbourg unter dem Kommando von Admiral Boscawen im Jahr 1758.
Ich verlor nun gänzlich die kleinen Reste an Trost, die ich im Gespräch mit meinen Landsleuten genossen hatte; auch die Frauen, die mich zu waschen und sich um mich zu kümmern pflegten, waren alle auf verschiedene Weise weggegangen, und ich sah keine von ihnen jemals wieder.
Ich blieb nur einige Tage auf dieser Insel; ich glaube, es waren kaum mehr als zwei Wochen; dann wurde ich zusammen mit einigen wenigen anderen Sklaven, die unter den übrigen keine Käufer fanden, aus lauter Verdruss auf eine Schaluppe nach Nordamerika verschifft. Auf der Überfahrt wurden wir besser behandelt als auf der Fahrt von Afrika, und wir hatten reichlich Reis und fettes Schweinefleisch. Wir wurden flussaufwärts, ein gutes Stück vom Meer entfernt, in der Gegend von Virginia an Land gebracht, wo wir nur wenige oder gar keine unserer afrikanischen Landsleute sahen und keine einzige Seele, die mit mir hätte sprechen können. Ich war einige Wochen damit beschäftigt, auf einer Plantage Unkraut zu jäten und Steine zu sammeln; schließlich wurden alle meine Gefährten in verschiedene Richtungen verteilt, und nur ich blieb übrig. Ich war nun überaus elend und hielt mich für schlimmer dran als jeden meiner Gefährten; denn sie konnten miteinander reden, doch ich hatte niemanden, mit dem ich mich hätte verständigen können. In diesem Zustand war ich ständig in Trauer und Schwermut und wünschte mir nichts sehnlicher als den Tod. Während ich auf dieser Plantage war, wurde ich eines Tages, da der Herr, dem das Anwesen gehörte, wie ich vermute, unwohl war, zu seinem Wohnhaus gerufen, um ihm Luft zuzufächeln. Als ich in das Zimmer kam, in dem er sich befand, erschrak ich sehr über manches, was ich sah, und noch mehr, da ich auf dem Weg durch das Haus eine schwarze Sklavin gesehen hatte, die das Abendessen kochte, und die arme Kreatur war auf grausame Weise mit verschiedenen Arten von Eisenwerkzeugen beladen; sie trug eine besonders am Kopf, die ihren Mund so fest verschloss, dass sie kaum sprechen und weder essen noch trinken konnte. Ich war sehr erstaunt und entsetzt über diese Vorrichtung, von der ich später erfuhr, dass sie eiserner Maulkorb genannt wurde. Bald darauf bekam ich einen Fächer in die Hand, um dem Herrn Luft zuzufächeln, während er schlief; und das tat ich wahrlich mit großer Furcht. Während er fest schlief, erlaubte ich mir, mich im Zimmer umzusehen, das mir sehr fein und seltsam vorkam. Der erste Gegenstand, der meine Aufmerksamkeit erregte, war eine Uhr, die am Kamin hing und ging. Ich war ganz überrascht über das Geräusch, das sie machte, und fürchtete, sie könne dem Herrn alles verraten, was ich Unrechtes tun könnte: und als ich gleich darauf ein Bild an der Wand bemerkte, das mich unablässig anzusehen schien, erschrak ich noch mehr, da ich solche Dinge noch nie zuvor gesehen hatte. Einmal glaubte ich, es habe etwas mit Zauberei zu tun; und da ich es sich nicht bewegen sah, dachte ich, es sei vielleicht eine Art der Weißen, ihre großen Männer zu bewahren, wenn sie starben, und ihnen Trankopfer darzubringen, wie wir es für unsere freundlichen Geister zu tun pflegten. In diesem Zustand der Angst blieb ich, bis mein Herr erwachte, woraufhin ich aus dem Zimmer entlassen wurde, was mir keine kleine Genugtuung und Erleichterung verschaffte; denn ich dachte, dass diese Leute nur aus Wundern bestünden. An diesem Ort hieß ich Jacob; aber an Bord des afrikanischen Schneeschiffes nannte man mich Michael. Ich war schon einige Zeit in diesem elenden, verlassenen und sehr niedergeschlagenen Zustand, ohne jemanden zum Reden zu haben, was mein Leben zu einer Last machte, als die gütige und unbekannte Hand des Schöpfers (der in der Tat die Blinden auf einem Weg führt, den sie nicht kennen) sich nun zu meinem Trost zu offenbaren begann; denn eines Tages kam der Kapitän eines Handelsschiffes namens Industrious Bee wegen einiger Geschäfte in das Haus meines Herrn. Dieser Herr, dessen Name Michael Henry Pascal war, war ein Leutnant der königlichen Marine, befehligte aber nun dieses Handelsschiff, das sich irgendwo in den Ausläufern der Grafschaft, viele Meilen entfernt, befand. Während er im Haus meines Herrn war, geschah es, dass er mich sah und mich so sehr mochte, dass er mich kaufte. Ich glaube, ich habe ihn oft sagen hören, er habe dreißig oder vierzig Pfund Sterling für mich gegeben; aber ich weiß es jetzt nicht mehr genau. Er wollte mich jedoch als Geschenk für einige seiner Freunde in England haben: und so wurde ich von dem Haus meines damaligen Herrn, eines gewissen Mr. Campbell, zu dem Ort geschickt, an dem das Schiff lag; ich wurde von einem älteren schwarzen Mann zu Pferde begleitet (eine Art zu reisen, die mir sehr seltsam erschien). Als ich ankam, wurde ich an Bord eines schönen großen Schiffes gebracht, das mit Tabak usw. beladen war und kurz vor der Abfahrt nach England stand. Ich dachte nun, mein Zustand habe sich sehr gebessert; ich hatte Segel, auf denen ich liegen konnte, und reichlich gutes Essen; und alle an Bord behandelten mich sehr freundlich, ganz im Gegensatz zu dem, was ich zuvor bei weißen Menschen gesehen hatte; ich fing daher an zu glauben, dass sie nicht alle das gleiche Wesen hätten. Einige Tage nachdem ich an Bord war, segelten wir nach England. Ich war immer noch ratlos, was mein Schicksal betraf. Zu dieser Zeit konnte ich jedoch schon ein wenig unvollkommenes Englisch stammeln; und ich wollte so gut wie möglich wissen, wohin wir fuhren. Manche Leute auf dem Schiff sagten mir, sie würden mich in mein eigenes Land zurückbringen, und das machte mich sehr glücklich. Ich war ganz erfreut über den Gedanken, zurückzukehren; und ich dachte, was für Wunder ich zu erzählen hätte, wenn ich erst wieder zu Hause wäre. Doch ich war für ein anderes Schicksal bestimmt und wurde bald eines Besseren belehrt, als wir die englische Küste in Sicht bekamen. Während ich an Bord dieses Schiffes war, nannte mich mein Kapitän und Herr *Gustavus Vassa*. Ich begann ihn zu jener Zeit ein wenig zu verstehen und weigerte mich, so genannt zu werden, und sagte ihm so gut ich konnte, dass ich Jacob genannt werden wolle; aber er sagte, das solle ich nicht, und nannte mich weiterhin Gustavus; und als ich mich weigerte, auf meinen neuen Namen zu antworten, was ich anfangs tat, brachte mir das manchen Stoß ein; also gab ich schließlich nach und war gezwungen, den jetzigen Namen zu tragen, unter dem ich seitdem bekannt bin. Das Schiff hatte eine sehr lange Überfahrt; und aus diesem Grund hatten wir nur sehr knappe Lebensmittelrationen. Gegen Ende hatten wir nur noch anderthalb Pfund Brot pro Woche und etwa die gleiche Menge Fleisch sowie einen Liter Wasser am Tag. Wir sprachen die ganze Zeit, die wir auf See waren, mit nur einem einzigen Schiff, und nur ein einziges Mal fingen wir ein paar Fische. In unserer Not erzählten mir der Kapitän und die Leute im Scherz, sie würden mich töten und essen; aber ich hielt sie für ernst und war maßlos niedergeschlagen, da ich jeden Augenblick erwartete, mein letzter zu sein. Während ich mich in dieser Lage befand, fingen sie eines Abends mit einiger Mühe einen großen Hai und holten ihn an Bord. Das erfreute mein armes Herz überaus, da ich dachte, es würde den Leuten zum Essen dienen, anstatt dass sie mich äßen; aber sehr bald, zu meinem Erstaunen, schnitten sie ein kleines Stück vom Schwanz ab und warfen den Rest über Bord. Dies erneuerte mein Entsetzen; und ich wusste nicht, was ich von diesen weißen Leuten halten sollte, obwohl ich sehr fürchtete, sie würden mich töten und essen. Es war ein junger Bursche an Bord des Schiffes, der noch nie zuvor auf See gewesen war, etwa vier oder fünf Jahre älter als ich: sein Name war Richard Baker. Er stammte aus Amerika, hatte eine ausgezeichnete Erziehung genossen und war von einem äußerst liebenswürdigen Wesen. Kurz nachdem ich an Bord gegangen war, zeigte er mir viel Vorliebe und Aufmerksamkeit, und im Gegenzug wurde ich sehr an ihm hängend. Wir wurden schließlich unzertrennlich; und für die Dauer von zwei Jahren war er mir von sehr großem Nutzen und war mein ständiger Begleiter und Lehrer. Obwohl dieser liebe Jüngling selbst viele Sklaven hatte, haben er und ich an Bord des Schiffes viele Leiden gemeinsam ertragen; und wir haben viele Nächte in den Armen des anderen gelegen, wenn wir in großer Not waren. So festigte sich eine Freundschaft zwischen uns, die wir bis zu seinem Tode pflegten, der, zu meinem großen Leidwesen, im Jahr 1759 geschah, als er sich auf dem Archipel an Bord des Schiffes seiner Majestät, der Preston, befand: ein Ereignis, das ich nie aufzuhören bedauerte, da ich auf einmal einen gütigen Dolmetscher, einen angenehmen Begleiter und einen treuen Freund verlor; der im Alter von fünfzehn Jahren einen Geist bewies, der frei von Vorurteilen war; und der sich nicht schämte, jemanden zu beachten, mit ihm zu verkehren und sein Freund und Lehrer zu sein, der unwissend, ein Fremder, von anderer Hautfarbe und ein Sklave war! Mein Herr hatte im Haus seiner Mutter in Amerika gewohnt: er respektierte ihn sehr und ließ ihn immer mit sich in der Kabine essen. Er pflegte ihm oft scherzhaft zu sagen, dass er mich töten würde, um mich zu essen. Manchmal sagte er zu mir – die schwarzen Leute seien nicht gut zu essen, und fragte mich, ob wir in meinem Land keine Menschen äßen. Ich sagte: Nein: dann sagte er, er würde Dick (wie er ihn immer nannte) zuerst töten und danach mich. Obwohl mich dieses Anhören in Bezug auf mich selbst ein wenig beruhigte, war ich um Dick besorgt, und jedes Mal, wenn er gerufen wurde, fürchtete ich sehr, er würde getötet werden; und ich spähte und beobachtete, ob sie ihn töten wollten: noch war ich von dieser Bestürzung befreit, bis wir das Land erreichten. Eines Nachts verloren wir einen Mann über Bord; und das Geschrei und der Lärm waren so groß und verwirrt beim Anhalten des Schiffes, dass ich, der nicht wusste, was los war, wie üblich begann, große Angst zu bekommen und zu denken, sie wollten ein Opfer mit mir darbringen und irgendeine Zauberei vollführen; von der ich immer noch glaubte, dass sie damit handelten. Da die Wellen sehr hoch waren, dachte ich, der Herrscher der Meere sei zornig, und ich erwartete, geopfert zu werden, um ihn zu besänftigen. Dies erfüllte meinen Geist mit Qualen, und ich konnte in dieser Nacht nicht mehr die Augen schließen, um mich auszuruhen. Als jedoch das Tageslicht erschien, war ich ein wenig beruhigt; aber immer noch, jedes Mal, wenn ich gerufen wurde, dachte ich, es sei, um getötet zu werden. Einige Zeit danach sahen wir einige sehr große Fische, von denen ich später erfuhr, dass sie Grampusse genannt wurden. Sie sahen für mich äußerst schrecklich aus, tauchten gerade in der Dämmerung auf und waren so nah, dass sie das Wasser auf das Schiffsdeck bliesen. Ich hielt sie für die Herrscher des Meeres; und da die weißen Leute zu keiner Zeit Opfer darbrachten, dachte ich, sie seien ihnen gegenüber zornig: und schließlich wurde mein Glaube dadurch bestätigt, dass der Wind gerade dann nachließ, eine Windstille eintrat und infolgedessen das Schiff stehen blieb. Ich vermutete, dass die Fische dies bewirkt hätten, und ich versteckte mich aus Angst, ihnen als Opfer dargebracht zu werden, im vorderen Teil des Schiffes, wobei ich jede Minute spähte und zitterte: aber mein guter Freund Dick kam kurz darauf auf mich zu, und ich nutzte die Gelegenheit, ihn so gut ich konnte zu fragen, was diese Fische seien. Da ich nicht viel Englisch sprechen konnte, konnte ich ihn meine Frage nur gerade so verstehen lassen; und gar nicht, als ich ihn fragte, ob ihnen irgendwelche Opfer dargebracht werden müssten: er sagte mir jedoch, diese Fische würden jeden verschlingen; was mich ausreichend beunruhigte. Hier wurde er vom Kapitän weggerufen, der sich über das Geländer des Achterdecks lehnte und die Fische beobachtete; und die meisten Leute waren damit beschäftigt, ein Fass Pech zum Anzünden zu holen, damit sie damit spielen konnten. Der Kapitän rief mich nun zu sich, da er von Dick einige meiner Befürchtungen erfahren hatte; und nachdem er sich und andere einige Zeit mit meinen Ängsten amüsiert hatte, die in meinem Weinen und Zittern lächerlich genug erschienen, entließ er mich. Das Fass Pech wurde nun angezündet und über die Seite ins Wasser geworfen: bis dahin war es gerade dunkel geworden, und die Fische folgten ihm; und zu meiner großen Freude sah ich sie nicht wieder.
Wie dem auch sei, alle meine Ängste begannen sich zu legen, als wir Land in Sicht bekamen; und schließlich erreichte das Schiff nach einer Überfahrt von dreizehn Wochen Falmouth. Jedes Herz an Bord schien erfreut, als wir das Ufer erreichten, und keines mehr als meines. Der Kapitän ging sofort an Land und schickte einige frische Vorräte an Bord, die wir sehr nötig hatten: wir machten guten Gebrauch davon, und unsere Hungersnot verwandelte sich bald in ein Fest ohne Ende. Es war etwa zu Beginn des Frühlings 1757, als ich in England ankam, und ich war zu jener Zeit fast zwölf Jahre alt. Ich war sehr beeindruckt von den Gebäuden und dem Pflaster der Straßen in Falmouth; und tatsächlich erfüllte mich jedes Objekt, das ich sah, mit neuem Staunen. Eines Morgens, als ich an Deck kam, sah ich es ganz mit dem Schnee bedeckt, der über Nacht gefallen war: da ich so etwas noch nie zuvor gesehen hatte, dachte ich, es sei Salz; also rannte ich sofort zum Maat hinunter und bat ihn so gut ich konnte, er solle kommen und sehen, wie jemand in der Nacht das ganze Deck mit Salz bestreut habe. Er, der wusste, was es war, bat mich, ihm etwas davon herunterzubringen: also nahm ich eine Handvoll davon, die ich in der Tat sehr kalt fand; und als ich sie ihm brachte, bat er mich, sie zu kosten. Ich tat es, und ich war maßlos überrascht. Dann fragte ich ihn, was es sei; er sagte mir, es sei Schnee: aber ich konnte ihn auf keine Weise verstehen. Er fragte mich, ob wir so etwas in meinem Land nicht hätten; und ich sagte ihm: Nein. Dann fragte ich ihn nach dem Nutzen davon und wer es gemacht habe; er sagte mir, ein großer Mann im Himmel, Gott genannt: aber hier war ich wieder voll und ganz ratlos, ihn zu verstehen; und umso mehr, als ich wenig später sah, wie die Luft am selben Tag in einem schweren Schauer davon erfüllt war. Danach ging ich in die Kirche; und da ich noch nie an einem solchen Ort gewesen war, war ich wieder erstaunt, den Gottesdienst zu sehen und zu hören. Ich fragte jeden, den ich konnte, darüber aus; und sie ließen mich verstehen, dass es die Anbetung Gottes sei, der uns und alle Dinge erschaffen habe. Ich war immer noch sehr ratlos und geriet bald in ein endloses Feld von Fragen, soweit ich in der Lage war zu sprechen und mich nach den Dingen zu erkundigen. Mein kleiner Freund Dick war jedoch meist mein bester Dolmetscher; denn ich konnte mit ihm ungezwungen umgehen, und er unterwies mich immer mit Vergnügen: und von dem, was ich durch ihn über diesen Gott verstehen konnte, und da ich sah, dass diese weißen Leute einander nicht verkauften, wie wir es taten, war ich sehr erfreut; und darin dachte ich, sie seien viel glücklicher als wir Afrikaner. Ich war erstaunt über die Weisheit der weißen Leute in allem, was ich sah; war aber verwundert, dass sie nicht opferten oder irgendwelche Gaben darbrachten und mit ungewaschenen Händen aßen und die Toten berührten. Ich konnte auch nicht umhin, die besondere Zartheit ihrer Frauen zu bemerken, die mir anfangs nicht gefiel; und ich dachte, sie seien nicht so bescheiden und schamhaft wie die afrikanischen Frauen.
Ich hatte oft gesehen, wie mein Herr und Dick mit Lesen beschäftigt waren; und ich hatte eine große Neugier, mit den Büchern zu sprechen, wie ich dachte, dass sie es taten; und so zu lernen, wie alle Dinge einen Anfang hatten: zu diesem Zweck habe ich oft ein Buch genommen und mit ihm gesprochen und dann meine Ohren daran gelegt, wenn ich allein war, in der Hoffnung, es würde mir antworten; und ich war sehr bekümmert, als ich feststellte, dass es stumm blieb.
Mein Herr wohnte im Hause eines Gentlemen in Falmouth, der eine hübsche kleine Tochter von etwa sechs oder sieben Jahren hatte, und sie gewann mich außerordentlich lieb; so sehr, dass wir gewöhnlich zusammen aßen und Diener hatten, die uns bedienten. Ich wurde von dieser Familie so sehr verhätschelt, dass es mich oft an die Behandlung erinnerte, die ich von meinem kleinen adligen afrikanischen Herrn erfahren hatte. Nachdem ich einige Tage hier gewesen war, wurde ich an Bord des Schiffes geschickt; aber das Kind weinte mir so sehr nach, dass nichts sie beruhigen konnte, bis man wieder nach mir schickte. Es ist lächerlich genug, dass ich zu fürchten begann, ich würde mit dieser jungen Dame verlobt werden; und als mein Herr mich fragte, ob ich mit ihr dort zurückbleiben wolle, da er mit dem Schiff, das wieder Tabak geladen hatte, wegfahre, weinte ich sogleich und sagte, ich wolle sie nicht verlassen. Schließlich wurde ich eines Nachts heimlich wieder an Bord des Schiffes geschickt; und nach kurzer Zeit segelten wir nach Guernsey, wovon ein Teil einem Kaufmann namens Nicholas Doberry gehörte. Da ich mich nun unter einem Volk befand, dessen Gesichter nicht narbig verziert waren, wie bei einigen der afrikanischen Völker, bei denen ich gewesen war, war ich sehr froh, dass ich mich nicht auf diese Weise von ihnen hatte verzieren lassen, als ich bei ihnen war. Als wir auf Guernsey ankamen, gab
es dort einen jungen Negerjungen, der für den Kaufmann arbeitete. Er war fast in meinem Alter, und wir freundeten uns bald an. Ich fand ihn sehr freundlich und hilfsbereit, und da er die Insel gut kannte, zeigte er mir viele Orte, die ich sonst nicht gesehen hätte. Er erzählte mir viel von seinem Leben, und wir verbrachten viel Zeit miteinander, während das Schiff für eine neue Unternehmung ausgerüstet wurde. Ich empfand eine tiefe Zuneigung zu ihm, und seine Güte war mir ein großer Trost.
Bald darauf wurden wir befohlen, an einer Expedition gegen Belle-Isle teilzunehmen. Wir verließen Guernsey und stießen zu der Flotte, die sich bereits versammelt hatte. Während wir uns auf die Überfahrt vorbereiteten, ereignete sich ein bemerkenswerter Vorfall an Bord unseres Schiffes. Eines Nachts, als wir vor Anker lagen, brach plötzlich ein Feuer in der Kombüse aus. Es verbreitete sich mit erschreckender Schnelligkeit, und für einen Moment schien alles verloren. Doch dank der Besonnenheit und des schnellen Handelns meines Meisters sowie der vereinten Anstrengungen der Mannschaft gelang es uns, das Feuer zu löschen, bevor es das Pulvermagazin erreichte. Dieser Vorfall stürzte uns alle in große Bestürzung, doch wir waren froh, mit dem Leben davongekommen zu sein.
Nach dieser Begebenheit erreichten wir schließlich Belle-Isle. Die Operationen zur Landung begannen unverzüglich. Wir sahen, wie die Truppen in den Booten an die Küste ruderten, während die Schiffe das Feuer auf die feindlichen Befestigungen eröffneten. Die Brandung war stark, und die Landung gestaltete sich äußerst schwierig. Ich befand mich in einer gefährlichen Lage, da ich Befehle ausführen musste, die mich mitten ins Geschehen brachten. Einmal wurde mein Boot von einer Woge erfasst und drohte zu kentern, doch durch Geistesgegenwart gelang es mir, mich in Sicherheit zu bringen und meine Aufgabe zu erfüllen. Die Belagerung dauerte einige Zeit an, bis die Insel schließlich kapitulierte.
Nach dem Fall von Belle-Isle waren wir noch einige Zeit an der französischen Küste im Einsatz. Dort ereignete sich ein bemerkenswerter Fall von Entführung, der mich sehr erschütterte. Einer unserer Matrosen, der an Land gegangen war, um Vorräte zu besorgen, kehrte nicht zurück. Es stellte sich heraus, dass er von den Einheimischen verschleppt worden war, und wir erfuhren später, dass er trotz aller Bemühungen nicht befreit werden konnte. Solche Ereignisse ließen mich stets an meine eigene Vergangenheit denken und an das Schicksal, das mir einst widerfahren war.
Nachdem wir unsere Aufträge beendet hatten, kehrte ich mit meinem Meister nach England zurück. In den Häfen sprach man bereits von einem bevorstehenden Frieden, und in meinem Herzen keimte die Hoffnung auf, dass dies vielleicht meine Freiheit bedeuten könnte. Wir segelten schließlich nach Deptford, wo das Schiff außer Dienst gestellt und die Mannschaft bezahlt werden sollte. Als wir dort ankamen, wähnte ich mich am Ziel meiner Wünsche. Doch kaum hatte ich den Boden unter den Füßen, wurde ich plötzlich von meinem Meister gepackt. Trotz meiner Bitten und meines Flehens wurde ich gewaltsam an Bord eines Schiffes gebracht, das für Westindien bestimmt war, und dort als Sklave verkauft.
Während ich mich hier aufhielt, trug sich eine unbedeutende Begebenheit zu, die mich angenehm überraschte. Ich befand mich eines Tages auf einem Feld, das einem Gentleman gehörte, der einen schwarzen Jungen von etwa meiner Größe hatte; dieser Junge hatte mich vom Haus seines Herrn aus beobachtet, war beim Anblick eines seiner Landsleute ganz außer sich vor Freude und rannte mit der größten Eile auf mich zu. Da ich nicht wusste, was er vorhatte, wich ich ihm zunächst ein wenig aus, doch es half nichts: Er kam bald dicht an mich heran und schloss mich in seine Arme, als wäre ich sein Bruder, obwohl wir uns zuvor noch nie gesehen hatten. Nachdem wir eine Zeit lang miteinander gesprochen hatten, nahm er mich mit zum Haus seines Herrn, wo ich sehr freundlich behandelt wurde. Dieser gütige Junge und ich waren sehr glücklich darüber, uns häufig zu sehen, bis etwa zum Monat März 1761, als unser Schiff den Befehl erhielt, sich für eine weitere Expedition auszurüsten. Als wir bereit waren, schlossen wir uns bei Spithead einer sehr großen Flotte an, die unter dem Kommando von Commodore Keppel stand und gegen Belle-Isle bestimmt war, wobei eine Anzahl von Transportschiffen mit Truppen an Bord eine Landung an diesem Ort vornehmen sollte. Wir segelten wieder einmal auf der Suche nach Ruhm. Ich sehnte mich danach, mich in neue Abenteuer zu stürzen und frische Wunder zu schauen.
Ich besaß einen Geist, auf den alles Ungewöhnliche einen tiefen Eindruck machte und jedes Ereignis, das ich als wunderbar erachtete. Jede außerordentliche Rettung oder bezeichnende Befreiung, ob meine eigene oder die anderer, betrachtete ich als durch das Eingreifen der Vorsehung bewirkt. Wir waren keine zehn Tage auf See, als sich ein Vorfall dieser Art ereignete; welcher, ungeachtet des Glaubens, den er beim Leser finden mag, keinen geringen Eindruck auf mein Gemüt machte.
Wir hatten einen Kanonier an Bord, namens John Mondle; ein Mann von sehr zweifelhafter Moral. Die Kabine dieses Mannes befand sich zwischen den Decks, genau über meinem Schlafplatz, querab von der Leiter zum Achterdeck. Eines Nachts, am 20. April, wurde er durch einen Traum erschreckt und wachte in so großer Furcht auf, dass er nicht länger in seinem Bett ruhen, ja nicht einmal in seiner Kabine bleiben konnte; und er ging gegen vier Uhr morgens höchst aufgewühlt an Deck. Er berichtete sofort den Leuten an Deck von den Qualen seines Geistes und dem Traum, der sie verursacht hatte; darin, so sagte er, habe er viele erschreckende Dinge gesehen und sei von St. Peter zur Umkehr gemahnt worden, der ihm sagte, die Zeit sei kurz. Dies, so sagte er, habe ihn sehr beunruhigt, und er sei entschlossen, sein Leben zu ändern. Die Menschen verspotten im Allgemeinen die Ängste anderer, wenn sie selbst in Sicherheit sind; und einige seiner Kameraden, die ihn hörten, lachten ihn nur aus. Dennoch leistete er den Schwur, niemals wieder starke Getränke zu sich zu nehmen; und er holte sich sofort ein Licht und verschenkte seine Getränkevorräte. Nachdem seine Aufregung dennoch anhielt, begann er in der Heiligen Schrift zu lesen, in der Hoffnung, Linderung zu finden; und kurz darauf legte er sich wieder in sein Bett und versuchte, sich zum Schlafen zu beruhigen, doch ohne Erfolg; sein Geist verharrte weiterhin in einem Zustand der Qual. Um diese Zeit war es genau halb acht Uhr morgens: Ich befand mich damals unter dem Halbdeck an der Tür der Kapitänskajüte; und auf einmal hörte ich die Leute in der Schiffsmitte auf das Ängstlichste schreien: „Der Herr erbarme sich unser! Wir sind alle verloren! Der Herr erbarme sich unser!“ Mr. Mondle, der die Schreie hörte, rannte sofort aus seiner Kabine; und wir wurden augenblicklich von der Lynne gerammt, einem Schiff mit vierzig Kanonen unter Kapitän Clark, das uns beinahe überrannt hätte. Dieses Schiff hatte gerade gewendet und lag beim Wind, hatte aber noch nicht volle Fahrt aufgenommen, sonst wären wir alle umgekommen; denn der Wind war frisch. Doch bevor Mr. Mondle vier Schritte von seiner Kabinentür entfernt war, traf sie unser Schiff mit ihrem Vorsteven genau in die Mitte seines Bettes und seiner Kabine und rammte sie bis zum Süll des Lukenabgangs zum Achterdeck und über drei Fuß unter Wasser, und in einer Minute war kein Stück Holz mehr dort zu sehen, wo Mr. Mondle seine Kabine gehabt hatte; und er war dem Tod so nahe, dass einige der Splitter sein Gesicht zerrissen. Da Mr. Mondle bei diesem Unfall unweigerlich umgekommen wäre, hätte er nicht auf die sehr außergewöhnliche Weise, die ich beschrieben habe, Alarm geschlagen, konnte ich nicht umhin, dies als ein ehrfurchtgebietendes Eingreifen der Vorsehung zu seiner Bewahrung zu betrachten. Die beiden Schiffe schaukelten eine Zeit lang nebeneinander; denn da unseres ein Brander war, verhakten sich unsere Enterhaken in jeder Weise mit der Lynne, und die Rahen und das Tauwerk rissen in erschreckendem Maße. Unser Schiff war in einem solch schockierenden Zustand, dass wir alle glaubten, es würde sofort sinken, und jeder rannte um sein Leben und gelangte so gut er konnte an Bord der Lynne; aber da unser Leutnant der Angreifer war, verließ er das Schiff nicht. Als wir jedoch sahen, dass es nicht sofort sank, kam der Kapitän wieder an Bord und ermutigte unsere Leute, zurückzukehren und zu versuchen, es zu retten. Viele kamen daraufhin zurück, doch einige wollten das Wagnis nicht eingehen. Einige der Schiffe der Flotte sahen unsere Lage und sandten sofort ihre Boote zu unserer Unterstützung; doch es kostete uns den ganzen Tag, das Schiff mit all ihrer Hilfe zu retten. Und durch die Anwendung aller möglichen Mittel, insbesondere durch das Zusammenzurren mit vielen Tauen und das Anbringen einer großen Menge Talg unter Wasser an der beschädigten Stelle, wurde es zusammengehalten: Doch es war gut, dass wir auf keine Windböen trafen, sonst wären wir in Stücke gegangen; denn wir waren in einem solch maroden Zustand, dass uns Schiffe begleiten mussten, bis wir Belle-Isle, den Ort unserer Bestimmung, erreichten; und dort wurde alles aus dem Schiff entfernt und es wurde ordnungsgemäß repariert. Diese Rettung von Mr. Mondle, die er wie auch ich immer als eine besondere Tat der Vorsehung betrachtete, hatte meiner Meinung nach einen großen Einfluss auf sein Leben und sein Verhalten für alle Zeit danach.
Da ich nun bei diesem Thema bin, bitte ich um die Erlaubnis, ein oder zwei weitere Beispiele zu schildern, die meinen Glauben an das besondere Eingreifen des Himmels stark festigten und die hier sonst vielleicht keinen Platz gefunden hätten, weil sie so unbedeutend sind. Ich gehörte im Jahr 1758 für einige Tage zur Jason, einem Schiff mit vierundfünfzig Kanonen, in Plymouth; und eines Nachts, als ich an Bord war, fiel eine Frau mit einem Kind an der Brust vom Oberdeck hinunter in den Laderaum, nahe beim Kiel. Jeder glaubte, dass Mutter und Kind beide in Stücke gerissen worden sein müssten; doch zu unserer großen Überraschung kam keiner von beiden zu Schaden. Ich selbst fiel eines Tages kopfüber vom Oberdeck der Ætna hinunter in den hinteren Laderaum, als der Ballast herausgenommen war; und alle, die mich fallen sahen, schrien, ich sei tot: Doch ich erlitt nicht den geringsten Schaden. Und auf demselben Schiff fiel ein Mann vom Mastkorb auf das Deck, ohne sich zu verletzen. In diesen und vielen weiteren Fällen glaubte ich, die Hand Gottes deutlich erkennen zu können, ohne deren Erlaubnis kein Sperling vom Dach fallen kann. Ich begann, meine Furcht von den Menschen allein auf Ihn zu richten und täglich mit Furcht und Ehrfurcht seinen heiligen Namen anzurufen: Und ich vertraue darauf, dass er meine Flehen hörte und sich gnädig herabließ, mir gemäß seinem heiligen Wort zu antworten und die Saat der Frömmigkeit in mir zu pflanzen, selbst in mir, einem der geringsten seiner Geschöpfe.
Als wir unser Schiff instand gesetzt hatten und alles bereit war, um den Ort anzugreifen, erhielten die Truppen auf den Transportschiffen den Befehl zur Ausschiffung; und mein Herr hatte als jüngerer Kapitän einen Anteil am Kommando über die Landung. Dies war am 8. April. Die Franzosen waren am Ufer aufgestellt und hatten alle Vorkehrungen getroffen, um der Landung unserer Männer entgegenzutreten; nur ein kleiner Teil von ihnen war an diesem Tag in der Lage, sie zu bewirken; die meisten von ihnen wurden, nachdem sie mit großer Tapferkeit gekämpft hatten, abgeschnitten; und General Crawford wurde mit einer Reihe anderer gefangen genommen. Bei dem Gefecht an diesem Tag fiel auch unser Leutnant.
Am 21. April erneuerten wir unsere Bemühungen, die Männer an Land zu bringen, während alle Kriegsschiffe entlang der Küste postiert wurden, um sie zu decken, und feuerten vom frühen Morgen bis etwa vier Uhr nachmittags auf die französischen Batterien und Brustwehren, als unsere Soldaten eine sichere Landung bewirkten. Sie griffen sofort die Franzosen an und drängten sie nach einem heftigen Zusammenstoß von den Batterien zurück. Bevor der Feind sich zurückzog, sprengte er mehrere davon, damit sie uns nicht in die Hände fielen. Unsere Männer machten sich nun daran, die Zitadelle zu belagern, und mein Herr erhielt den Befehl, an Land zu gehen, um die Anlandung aller für die Belagerung notwendigen Materialien zu überwachen; bei diesem Dienst begleitete ich ihn meistens. Während ich dort war, ging ich zu verschiedenen Teilen der Insel; und eines Tages kostete mich meine Neugier fast das Leben. Ich wollte unbedingt sehen, wie die Mörser geladen und die Granaten abgefeuert wurden, und zu diesem Zweck ging ich zu einer englischen Batterie, die nur wenige Meter von den Mauern der Zitadelle entfernt war. Dort hatte ich in der Tat Gelegenheit, mich voll und ganz zufriedenzustellen, indem ich den gesamten Vorgang beobachtete, und zwar nicht ohne ein sehr großes Risiko einzugehen, sowohl durch die englischen Granaten, die platzten, während ich dort war, als auch durch die der Franzosen. Eine ihrer größten Granaten explodierte in einer Entfernung von neun oder zehn Yards von mir: Es gab dort einen einzelnen Felsen in der Nähe, etwa von der Größe eines Fasses; und ich fand sofort Schutz darunter, gerade rechtzeitig, um der Wut der Granate zu entgehen. Dort, wo sie platzte, war die Erde derart aufgerissen, dass zwei oder drei Fässer leicht in das Loch gepasst hätten, das sie hinterließ, und sie schleuderte große Mengen an Steinen und Erde in beträchtliche Entfernung. Drei Schüsse wurden auch auf mich und einen anderen Jungen abgefeuert, der bei mir war; einer von ihnen schien insbesondere
„Beflügelt von rotem Blitz und ungestümer Wut;“
denn mit einem höchst schrecklichen Geräusch zischte er dicht an mir vorbei und traf einen Felsen in geringer Entfernung, den er in Stücke schlug. Als ich sah, in welch gefährliche Umstände ich geraten war, versuchte ich, auf dem kürzesten Weg, den ich finden konnte, zurückzukehren, und geriet dadurch zwischen die englischen und die französischen Schildwachen. Ein englischer Sergeant, der die Außenposten befehligte, sah mich und war überrascht, wie ich dorthin gekommen war (was durch heimliches Anschleichen entlang der Küste geschehen war), rügte mich deswegen sehr streng und nahm sofort die Schildwache wegen ihrer Nachlässigkeit, mich die Linien passieren zu lassen, in Gewahrsam. Während ich mich in dieser Lage befand, bemerkte ich in geringer Entfernung ein französisches Pferd, das einigen Inselbewohnern gehörte, von dem ich dachte, ich würde es nun besteigen, um schneller wegzukommen. Dementsprechend nahm ich etwas Schnur, die ich bei mir hatte, und machte daraus eine Art Zaumzeug, das ich dem Pferd um den Kopf legte, und das zahme Tier ließ sich ganz ruhig so anbinden und besteigen. Sobald ich auf dem Rücken des Pferdes saß, begann ich, es zu treten und zu schlagen und mit allen Mitteln zu versuchen, es zur Eile anzutreiben, doch alles mit sehr wenig Erfolg: Ich konnte es nicht aus einem langsamen Schritt bringen. Während ich so dahin kroch, immer noch in Reichweite des feindlichen Feuers, traf ich auf einen Diener, der gut auf einem englischen Pferd beritten war. Ich hielt sofort an, rief ihm meine Lage zu und bat ihn um Hilfe, und das tat er auch wirkungsvoll; denn da er eine feine große Peitsche hatte, begann er mein Pferd so heftig damit zu schlagen, dass es mit mir in vollem Galopp in Richtung Meer davonjagte, während ich völlig außerstande war, es zu halten oder zu lenken. Auf diese Weise ritt ich dahin, bis ich an einen schroffen Abgrund kam. Ich konnte mein Pferd nun nicht mehr anhalten; und mein Geist war erfüllt von der Befürchtung meines beklagenswerten Schicksals, sollte es den Abgrund hinuntergehen, wozu es völlig bereit zu sein schien: Ich dachte daher, es sei besser, mich sogleich von ihm herunterzuwerfen, was ich auch unverzüglich mit einer gewissen Geschicklichkeit tat, und entkam glücklicherweise unverletzt. Sobald ich mich frei fühlte, machte ich mich so gut ich konnte auf den Weg zum Schiff, entschlossen, nicht so schnell wieder so tollkühn zu sein.
Wir belagerten die Zitadelle bis Juni, als sie kapitulierte. Während der Belagerung habe ich über sechzig Granaten und Brandgeschosse gleichzeitig in der Luft gezählt. Als dieser Ort eingenommen war, ging ich durch die Zitadelle und in die bombensicheren Unterkünfte darunter, die in den festen Fels gehauen waren; und ich hielt es für einen erstaunlichen Ort, sowohl in Bezug auf Stärke als auch auf Bauweise: Trotzdem hatten unsere Schüsse und Granaten eine erstaunliche Verwüstung angerichtet und ringsum Trümmerhaufen hinterlassen.
Nach der Einnahme dieser Insel fuhren unsere Schiffe mit einigen anderen, die von Commodore Stanhope auf der Swiftsure kommandiert wurden, nach Basse-Road, wo wir eine französische Flotte blockierten. Unsere Schiffe waren dort von Juni bis zum darauffolgenden Februar; und in dieser Zeit sah ich sehr viele Szenen des Krieges und Kriegslisten auf beiden Seiten, um die Flotte des jeweils anderen zu vernichten. Manchmal griffen wir die Franzosen mit einigen Linienschiffen an; ein andermal mit Booten; und häufig machten wir Prisen. Ein- oder zweimal griffen die Franzosen uns an, indem sie Granaten mit ihren Bombarden warfen: Und eines Tages, als ein französisches Schiff Granaten auf unsere Schiffe warf, riss es sich von seinen Springen los, hinter der Insel I de Re: Da die Gezeiten kompliziert waren, kam es bis auf Schussweite an die Nassau heran; doch die Nassau konnte keine Kanone auf sie richten, und so entkam der Franzose. Wir wurden zweimal von ihren Brandflößen angegriffen, die sie zusammenketteten und dann mit der Strömung abtreiben ließen; doch jedes Mal sandten wir Boote mit Enterhaken aus und schleppten sie sicher aus der Flotte.
Wir hatten verschiedene Kommandanten, während wir an diesem Ort waren, die Commodores Stanhope, Dennis, Lord Howe usw. Von hier aus wurden unser Schiff und die Schaluppe Wasp vor Beginn des Spanischen Krieges von Commodore Stanhope nach San Sebastian in Spanien gesandt; und Commodore Dennis sandte unser Schiff später als Kartellschiff nach Bayonne in Frankreich, wonach wir im Februar 1762 nach Belle-Isle gingen und dort bis zum Sommer blieben, als wir es verließen und nach Portsmouth zurückkehrten.
Nachdem unser Schiff wieder für den Dienst ausgerüstet war, fuhr es im September nach Guernsey, wo ich sehr froh war, meine alte Wirtin, die nun Witwe war, und meine ehemalige kleine bezaubernde Gefährtin, ihre Tochter, wiederzusehen. Ich verbrachte hier einige Zeit sehr glücklich mit ihnen, bis Oktober, als wir den Befehl erhielten, uns nach Portsmouth zu begeben. Wir trennten uns voneinander mit sehr viel Zuneigung; und ich versprach, bald zurückzukehren und sie wiederzusehen, nicht wissend, was das allmächtige Schicksal für mich bestimmt hatte. Nachdem unser Schiff in Portsmouth angekommen war, liefen wir in den Hafen ein und blieben dort bis Ende November, als wir viel über Frieden reden hörten; und zu unserer sehr großen Freude erhielten wir Anfang Dezember den Befehl, mit unserem Schiff nach London zu fahren, um abgemustert zu werden. Wir nahmen diese Nachricht mit lautem Hurra und jeder anderen Kundgebung der Freude entgegen; und nichts als Fröhlichkeit war in jedem Teil des Schiffes zu sehen. Auch ich hatte meinen Anteil an der allgemeinen Freude bei dieser Gelegenheit. Ich dachte nun an nichts anderes, als frei zu sein und für mich selbst zu arbeiten, und dadurch Geld zu verdienen, um mir eine gute Ausbildung zu ermöglichen; denn ich hatte immer den großen Wunsch, zumindest lesen und schreiben zu können; und während ich an Bord war, hatte ich versucht, mich in beidem zu verbessern. Während ich insbesondere auf der Ætna war, brachte mir der Schreiber des Kapitäns das Schreiben bei und gab mir einen kleinen Einblick in die Arithmetik bis zum Dreisatz. Es gab dort auch einen Daniel Queen, etwa vierzig Jahre alt, einen sehr gut ausgebildeten Mann, der mit mir an Bord dieses Schiffes in der Messe war und der auch den Kapitän ankleidete und bediente. Glücklicherweise fühlte sich dieser Mann bald sehr zu mir hingezogen und gab sich sehr große Mühe, mich in vielen Dingen zu unterweisen. Er brachte mir bei, ein wenig zu rasieren und Haare zu schneiden, und auch in der Bibel zu lesen, wobei er mir viele Stellen erklärte, die ich nicht verstand. Ich war wunderbar überrascht zu sehen, dass die Gesetze und Regeln meines Landes fast genau so hier geschrieben standen; ein Umstand, der, wie ich glaube, dazu beitrug, unsere Sitten und Gebräuche tiefer in mein Gedächtnis einzuprägen. Ich pflegte ihm von dieser Ähnlichkeit zu erzählen; und viele Male haben wir die ganze Nacht zusammen bei dieser Beschäftigung gesessen. Kurz gesagt, er war wie ein Vater für mich; und einige nannten mich sogar bei seinem Namen; sie bezeichneten mich auch als den schwarzen Christen. Tatsächlich liebte ich ihn fast mit der Zuneigung eines Sohnes. Vieles habe ich mir versagt, damit er es haben konnte; und wenn ich Murmeln oder ein anderes Spiel spielte und ein paar Halfpence gewann oder etwas Geld bekam, was ich manchmal tat, wenn ich jemanden rasierte, kaufte ich ihm ein wenig Zucker oder Tabak, soweit mein Geld reichte. Er pflegte zu sagen, dass er und ich uns niemals trennen sollten; und dass er mich, wenn unser Schiff abgemustert wäre, da ich genauso frei sei wie er selbst oder jeder andere Mann an Bord, in seinem Handwerk unterweisen würde, womit ich einen guten Lebensunterhalt verdienen könnte. Das gab mir neues Leben und neuen Mut; und mein Herz brannte in mir, während mir die Zeit lang wurde, bis ich meine Freiheit erlangte. Denn obwohl mein Herr sie mir nicht versprochen hatte, behandelte er mich doch, abgesehen von den Zusicherungen, die ich erhalten hatte, dass er kein Recht habe, mich festzuhalten, stets mit der größten Freundlichkeit und setzte in mich ein grenzenloses Vertrauen; er achtete sogar auf meine Moral; und er hätte niemals geduldet, dass ich ihn täuschte oder log, wobei er mir die Konsequenzen vor Augen hielt; und dass Gott mich nicht lieben würde, wenn ich das täte; so dass ich bei all dieser Zärtlichkeit in all meinen Träumen von Freiheit nicht ein einziges Mal angenommen hatte, dass er daran denken würde, mich länger als gewünscht festzuhalten.
Doch wie groß war mein Erstaunen, als eines Tages, während wir uns im Hafen von Montserrat befanden, mein Herr mir mitteilte, er habe mich an einen Herrn namens Captain Doran verkauft, denselben, der mich zuvor schon einmal von England nach Westindien transportiert hatte, und der nun wieder im Hafen war. Ich war wie vom Donner gerührt. Ich konnte es nicht fassen, dass mich ein Mann, dem ich so treu gedient hatte und der mir so viel Zuneigung entgegengebracht hatte, nun so grausam behandeln konnte. Ich warf mich vor ihm nieder und flehte ihn mit Tränen in den Augen an, mich nicht zu verkaufen; ich erinnerte ihn an all meine Dienste, an meine Treue, und an das Versprechen, das er mir gegeben hatte. Doch all mein Flehen war vergebens. Er antwortete mir nur, es sei zu meinem Besten, und dass er sich nicht anders zu helfen wisse. Er übergab mich an Captain Doran, und ich wurde auf dessen Schiff gebracht, voll von Verzweiflung und dem Gefühl, vom Schicksal endgültig verlassen zu sein.
Ich befand mich nun wieder in derselben Lage, die ich so sehr gefürchtet hatte, und die Erinnerungen an meine frühere Sklavenzeit überkamen mich mit solch einer Wucht, dass ich kaum atmen konnte. Ich wurde wie eine Ware behandelt, hin und her gereicht von einem Besitzer zum anderen, ohne Rücksicht auf meine Gefühle oder mein menschliches Dasein. Die Hoffnung auf Freiheit, die ich so lange gehegt hatte, schien nun für immer erloschen. Ich verbrachte die Nächte damit, Gott um Beistand zu bitten, doch das einzige, was ich hörte, war das Rauschen der Wellen gegen den Rumpf des Schiffes, das mich immer weiter von allem entfernte, was mir lieb und teuer war.
Eines Abends jedoch, als wir uns bereits wieder auf hoher See befanden, kam Captain Doran zu mir. Sein Gesichtsausdruck war diesmal anders als beim ersten Mal, weniger hart, fast schon bedauernd. Er sagte mir, mein früherer Herr habe ihn gebeten, mich gut zu behandeln, und er selbst habe gesehen, dass ich ein tüchtiger Junge sei. Er sagte, er habe mich an einen Herrn namens Mr. King verkauft, einen Quäker, der auf Montserrat lebte. Er versicherte mir, dass dieser Herr ein guter Mensch sei und dass ich es bei ihm besser haben würde als je zuvor. Ich wusste nicht, ob ich ihm glauben sollte, doch in meinem Zustand der völligen Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit klammerte ich mich an jeden Strohhalm, den man mir bot.
Als wir schließlich wieder in Montserrat anlandeten, wurde ich an Land gebracht und zu dem Haus von Mr. King geführt. Ich hatte große Angst, doch was ich dort vorfand, war nicht die Peitsche, die ich erwartet hatte, sondern ein Mann, der mich mit einer Ruhe und einer Freundlichkeit empfing, die ich bei einem Sklavenhalter noch nie erlebt hatte. Er musterte mich aufmerksam und sagte mir, er habe viel Gutes über mich gehört. Er versprach mir, dass er mich nicht als einen gewöhnlichen Sklaven behandeln würde, sondern mich als einen Menschen betrachten würde, der seinen Wert besaß. In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal nach langer Zeit einen Funken Hoffnung in mir aufkeimen, auch wenn die Narben meiner Vergangenheit noch tief in mir brannten.
Mr. King handelte mit Waren aller Art und beschäftigte zwischen einem und sechs Schreibern. Er belud im Jahr viele Schiffe, insbesondere für Philadelphia, wo er geboren wurde und mit einem großen Handelshaus in dieser Stadt verbunden war. Er besaß zudem viele Schiffe und Boote verschiedener Größen, die um die Insel herumfuhren, sowie andere, um Rum, Zucker und andere Güter zu sammeln. Ich verstand es sehr gut, diese Boote zu rudern und zu führen; und diese harte Arbeit, die er mir als Erstes auftrug, war während der Zuckerernte meine ständige Beschäftigung. Ich habe das Boot gerudert und mich an den Riemen geplagt, von einer Stunde bis zu sechzehn in vierundzwanzig; während dieser Zeit hatte ich fünfzehn Pence Sterling am Tag zum Leben, manchmal jedoch nur zehn Pence. Dies war jedoch beträchtlich mehr, als anderen Sklaven zugestanden wurde, die mit mir arbeiteten und anderen Herren auf der Insel gehörten: Diese armen Seelen bekamen von ihren Herren oder Eigentümern nie mehr als neun Pence am Tag und selten mehr als sechs Pence, obwohl sie ihnen drei oder vier Pisterinen einbrachten; denn es ist in Westindien eine gängige Praxis, dass Männer Sklaven kaufen, auch wenn sie selbst keine Plantagen besitzen, um sie an Pflanzer und Kaufleute für einen bestimmten Betrag pro Tag zu vermieten, und sie geben ihren Sklaven von diesem Ertrag ihrer täglichen Arbeit eine Zulage für den Lebensunterhalt; diese Zulage ist oft sehr karg. Mein Herr gab den Eigentümern dieser Sklaven oft zweieinhalb dieser Stücke pro Tag und versorgte die armen Kerle selbst mit Lebensmitteln, weil er meinte, ihre Eigentümer würden sie ihrer Arbeit entsprechend nicht gut genug ernähren. Den Sklaven gefiel dies sehr gut; und da sie wussten, dass mein Herr ein Mann mit Gefühl war, waren sie immer froh, lieber für ihn zu arbeiten als für jeden anderen Herrn; von denen einige, nachdem sie für die Arbeit dieser armen Leute bezahlt worden waren, ihnen ihren Anteil davon nicht auszahlen wollten. Oft habe ich gesehen, wie diese unglücklichen Kreaturen geschlagen wurden, weil sie um ihren Lohn baten; und sie wurden oft von ihren Eigentümern schwer ausgepeitscht, wenn sie ihnen ihr tägliches oder wöchentliches Geld nicht auf die Minute genau brachten; obwohl die armen Geschöpfe oft mehr als den halben Tag warten mussten, bis sie die Herren, für die sie gearbeitet hatten, antreffen konnten, um ihren Lohn zu erhalten; und dies geschah meist an Sonntagen, wenn sie die Zeit für sich selbst gebraucht hätten. Insbesondere kannte ich einen Landsmann von mir, der das wöchentliche Geld einmal nicht unmittelbar brachte, nachdem es verdient war; und obwohl er es noch am selben Tag zu seinem Herrn brachte, wurde er wegen dieser angeblichen Nachlässigkeit an den Boden gepflockt und hätte beinahe hundert Peitschenhiebe erhalten, wenn ein Herr ihn nicht um fünfzig heruntergehandelt hätte. Dieser arme Mann war sehr fleißig; und durch seine Sparsamkeit hatte er durch die Arbeit an Bord von Schiffen so viel Geld gespart, dass er einen weißen Mann dazu gebracht hatte, ihm ohne Wissen seines Herrn ein Boot zu kaufen. Einige Zeit nachdem er diesen kleinen Besitz hatte, wollte der Gouverneur ein Boot, um seinen Zucker aus verschiedenen Teilen der Insel zu holen; und als er wusste, dass dies das Boot eines Negers war, beschlagnahmte er es für sich und wollte dem Eigentümer keinen Farthing zahlen. Der Mann ging daraufhin zu seinem Herrn und beschwerte sich bei ihm über diese Tat des Gouverneurs; doch die einzige Genugtuung, die er erhielt, war, von seinem Herrn sehr herzlich verflucht zu werden, der ihn fragte, wie einer seiner Neger es wagen könne, ein Boot zu besitzen. Wenn der wohlverdiente Ruin des Vermögens des Gouverneurs für den armen Mann, den er so bestohlen hatte, eine Entschädigung sein konnte, so blieb er nicht ohne Trost. Erpressung und Raub sind schlechte Versorger; und einige Zeit danach starb der Gouverneur, wie mir erzählt wurde, in großer Armut in der King’s Bench in England. Der letzte Krieg begünstigte diesen armen Neger, und er fand einige Mittel, um seinem christlichen Herrn zu entkommen: Er kam nach England; wo ich ihn danach mehrere Male sah. Solch eine Behandlung treibt diese elenden Kreaturen oft zur Verzweiflung, und sie laufen unter Lebensgefahr von ihren Herren davon. Viele von ihnen, die an diesem Ort ihren Lohn nicht erhalten können, wenn sie ihn verdient haben, und die fürchten, wie üblich ausgepeitscht zu werden, wenn sie ohne ihn nach Hause zurückkehren, laufen weg, wo sie nur können, um Schutz zu finden, und oft wird eine Belohnung ausgesetzt, um sie tot oder lebendig zurückzubringen. Mein Herr pflegte in diesen Fällen manchmal mit deren Eigentümern zu verhandeln und die Angelegenheit selbst zu regeln; und dadurch bewahrte er viele von ihnen vor einer Auspeitschung.
Einmal wurde ich für einige Tage ausgeliehen, um ein Schiff auszurüsten, und ich erhielt von keiner der beiden Seiten Lebensmittel; schließlich erzählte ich meinem Herrn von dieser Behandlung, und er nahm mich dort weg. Auf vielen der Anwesen, auf die ich auf den verschiedenen Inseln wegen Rum oder Zucker geschickt wurde, wollten sie ihn mir oder einem anderen Neger nicht aushändigen; er war daher gezwungen, einen weißen Mann mit mir an diese Orte zu schicken; und dann musste er ihm täglich sechs bis zehn Pisterinen zahlen. Da ich während meiner Zeit im Dienst von Mr. King auf diese Weise damit beschäftigt war, die verschiedenen Anwesen auf der Insel abzuklappern, hatte ich jede Gelegenheit, die ich mir nur wünschen konnte, um die schreckliche Behandlung der armen Männer zu sehen; eine Behandlung, die mich mit meiner Situation versöhnte und mich Gott für die Hände danken ließ, in die ich gefallen war.
Ich hatte das Glück, meinem Herrn in jedem Bereich, in dem er mich einsetzte, zu gefallen; und es gab kaum einen Teil seiner Geschäfte oder häuslichen Angelegenheiten, in dem ich nicht gelegentlich beschäftigt war. Ich nahm oft den Platz eines Schreibers ein, beim Empfang und Ausliefern von Ladungen an die Schiffe, bei der Betreuung von Lagern und der Auslieferung von Waren: und darüber hinaus pflegte ich meinen Herrn bei Gelegenheit zu rasieren und anzukleiden und mich um sein Pferd zu kümmern; und wenn es nötig war, was sehr oft vorkam, arbeitete ich ebenfalls an Bord seiner verschiedenen Schiffe. Auf diese Weise wurde ich meinem Herrn sehr nützlich; und ersparte ihm, wie er anzuerkennen pflegte, über hundert Pfund im Jahr. Er scheute sich auch nicht zu sagen, dass ich ihm von größerem Nutzen sei als jeder seiner Schreiber; obwohl deren üblicher Lohn in Westindien zwischen sechzig und einhundert Pfund im Jahr beträgt.
Ich habe manchmal behaupten hören, dass ein Neger seinem Herrn nicht die Kosten seiner Anschaffung einbringen könne; aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich nehme an, neun Zehntel der Handwerker in ganz Westindien sind Negersklaven; und ich weiß wohl, dass die Böttcher unter ihnen zwei Dollar am Tag verdienen; die Zimmerleute ebenso, und oft noch mehr; ebenso wie die Maurer, Schmiede, Fischer usw. Und ich habe viele Sklaven gekannt, für die ihre Herren keine tausend Pfund im Jahr genommen hätten. Aber sicherlich widerlegt sich diese Behauptung selbst; denn wenn sie wahr wäre, warum zahlen die Pflanzer und Kaufleute dann einen solchen Preis für Sklaven? Und warum ereifern sich vor allem diejenigen, die diese Behauptung aufstellen, am lautesten gegen die Abschaffung des Sklavenhandels? So sehr sind die Menschen verblendet, und zu solch widersprüchlichen Argumenten werden sie durch falsches Interesse getrieben! Ich gebe zu, dass Sklaven manchmal durch halbe Ernährung, halbe Kleidung, Überarbeitung und Hiebe so weit heruntergekommen sind, dass sie als dienstuntauglich entlassen und sich selbst überlassen werden, um in den Wäldern zu verkommen oder auf einem Misthaufen zu sterben.
Meinem Herrn wurden mehrmals von verschiedenen Herren hundert Guineen für mich geboten; aber er sagte ihnen immer, er würde mich nicht verkaufen, zu meiner großen Freude: und ich verdoppelte meinen Fleiß und meine Sorgfalt aus Angst, in die Hände jener Männer zu geraten, die einem wertvollen Sklaven nicht den gewöhnlichen Lebensunterhalt zugestanden. Viele von ihnen pflegten sogar meinen Herrn dafür zu tadeln, dass er seine Sklaven so gut fütterte, wie er es tat; obwohl ich oft hungrig war und ein Engländer meine Kost für sehr dürftig halten mochte; aber er pflegte ihnen zu sagen, dass er es immer so halten werde, weil die Sklaven dadurch besser aussähen und mehr arbeiteten.
Während ich so für meinen Herrn arbeitete, wurde ich oft Zeuge von Grausamkeiten jeder Art, die an meinen unglücklichen Leidensgenossen ausgeübt wurden. Ich hatte häufig verschiedene Ladungen neuer Neger zur Pflege für den Verkauf unter meiner Aufsicht; und es war eine fast ständige Praxis unserer Schreiber und anderer Weißer, gewaltsame Übergriffe auf die Keuschheit der weiblichen Sklaven zu begehen; und diesen musste ich, wenn auch widerstrebend, jederzeit zusehen, da ich ihnen nicht helfen konnte. Wenn wir einige dieser Sklaven an Bord der Schiffe meines Herrn hatten, um sie auf andere Inseln oder nach Amerika zu bringen, wusste ich, dass unsere Maate diese Akte auf die schändlichste Weise begingen, zur Schande nicht nur der Christen, sondern der Menschen. Ich habe sogar erlebt, wie sie ihre brutale Leidenschaft an weiblichen Wesen befriedigten, die noch keine zehn Jahre alt waren; und diese Abscheulichkeiten praktizierten einige von ihnen in solch skandalösem Ausmaß, dass einer unserer Kapitäne den Maat und andere deswegen entließ. Und doch habe ich auf Montserrat einen Neger gesehen, der an den Boden gepflockt und auf schockierendste Weise zerschnitten wurde, woraufhin ihm die Ohren Stück für Stück abgeschnitten wurden, weil er mit einer weißen Frau verkehrt hatte, die eine gewöhnliche Prostituierte war: als ob es für die Weißen kein Verbrechen wäre, einem unschuldigen afrikanischen Mädchen ihre Tugend zu rauben; aber ein abscheuliches Verbrechen für einen schwarzen Mann, nur einer Leidenschaft der Natur zu frönen, wo die Versuchung von einer Frau anderer Hautfarbe ausging, selbst wenn sie die verworfenste Frau ihrer Art war. Ein anderer Neger wurde halb erhängt und dann verbrannt, weil er versucht hatte, einen grausamen Aufseher zu vergiften. So werden die Unglücklichen durch wiederholte Grausamkeiten erst in die Verzweiflung getrieben und dann ermordet, weil sie noch so viel Menschlichkeit in sich bewahrt haben, dass sie ihrem Elend ein Ende setzen und sich an ihren Tyrannen rächen wollen! Diese Aufseher sind in der Tat zum größten Teil Personen mit dem schlechtesten Charakter von allen Bevölkerungsgruppen in Westindien. Unglücklicherweise sind viele humane Herren, da sie nicht auf ihren Anwesen wohnen, gezwungen, die Verwaltung derselben in die Hände dieser menschlichen Schlächter zu legen, die die Sklaven bei den geringsten Gelegenheiten auf schockierende Weise schneiden und verstümmeln und sie in jeder Hinsicht wie Vieh behandeln. Sie nehmen keine Rücksicht auf den Zustand schwangerer Frauen, noch schenken sie der Unterkunft der Feldneger die geringste Aufmerksamkeit. Ihre Hütten, die gut bedeckt sein sollten und an einem trockenen Ort stehen sollten, wo sie ihre kurze Ruhe finden, sind oft offene Schuppen, die an feuchten Orten gebaut sind; so dass die armen Geschöpfe, wenn sie müde von der Arbeit auf dem Feld zurückkehren, viele Krankheiten bekommen, weil sie der feuchten Luft in diesem unbehaglichen Zustand ausgesetzt sind, während sie erhitzt sind und ihre Poren offen sind. Diese Vernachlässigung trägt sicherlich zusammen mit vielen anderen dazu bei, einen Rückgang sowohl bei den Geburten als auch bei der Lebensdauer der erwachsenen Neger zu verursachen. Ich kann viele Beispiele von Herren anführen, die auf ihren Anwesen in Westindien wohnen, und dann ist das Bild ganz anders; die Neger werden mit Milde und angemessener Sorgfalt behandelt, wodurch ihr Leben verlängert wird und ihre Herren profitieren. Zur Ehre der Menschheit kannte ich mehrere Herren, die ihre Anwesen auf diese Weise verwalteten; und sie stellten fest, dass Wohlwollen ihr wahres Interesse war. Und unter vielen, die ich auf mehreren Inseln nennen könnte, kannte ich einen auf Montserrat, dessen Sklaven bemerkenswert gut aussahen und niemals neue Zufuhr von Negern benötigten; und es gibt viele andere Anwesen, besonders auf Barbados, die durch eine solche vernünftige Behandlung zu keiner Zeit neuen Sklavennachschub benötigen. Ich habe die Ehre, einen höchst würdigen und humanen Herrn zu kennen, der ein gebürtiger Einwohner von Barbados ist und dort Anwesen hat. Dieser Herr hat eine Abhandlung über die Behandlung seiner eigenen Sklaven geschrieben. Er gewährt ihnen mittags zwei Stunden zur Erfrischung und viele andere Vergünstigungen und Annehmlichkeiten, besonders bei ihrer Schlafstatt; und darüber hinaus baut er auf seinem Anwesen mehr Proviant an, als sie verbrauchen können; so dass er durch diese Aufmerksamkeit das Leben seiner Neger rettet und sie gesund und so glücklich hält, wie es der Zustand der Sklaverei zulässt. Ich selbst habe, wie sich im weiteren Verlauf zeigen wird, ein Anwesen verwaltet, auf dem die Neger durch diese Aufmerksamkeit ungewöhnlich fröhlich und gesund waren und die Hälfte mehr arbeiteten, als sie bei der üblichen Art der Behandlung gewöhnlich tun. Mangels solcher Sorgfalt und Aufmerksamkeit für die armen Neger, und da sie ansonsten so unterdrückt werden, ist es kein Wunder, dass der Rückgang jährlich 20.000 neue Neger erfordert, um die leeren Plätze der Toten zu füllen.
Selbst auf Barbados, ungeachtet jener humanen Ausnahmen, die ich erwähnt habe, und anderer, die mir bekannt sind, die es zu Recht als einen Ort ausweisen, an dem Sklaven die beste Behandlung erfahren und die wenigsten Neuzugänge von allen in Westindien benötigen, benötigt diese Insel jährlich 1000 Neger, um den ursprünglichen Bestand zu erhalten, der nur 80.000 beträgt. So lässt sich sagen, dass die gesamte Lebensdauer eines Negers dort nur sechzehn Jahre beträgt! Und doch ist das Klima hier in jeder Hinsicht dasselbe wie das, aus dem sie entnommen wurden, nur dass es gesünder ist. Nehmen die britischen Kolonien in dieser Weise ab? Und doch, welch gewaltiger Unterschied besteht zwischen einem englischen und einem westindischen Klima?
Während ich auf Montserrat war, kannte ich einen Neger namens Emanuel Sankey, der versuchte, seiner elenden Knechtschaft zu entkommen, indem er sich an Bord eines Londoner Schiffes versteckte: aber das Schicksal begünstigte den armen unterdrückten Mann nicht; denn als er entdeckt wurde, während das Schiff unter Segeln war, wurde er wieder an seinen Herrn ausgeliefert. Dieser christliche Herr nagelte den Unglücklichen sofort mit jedem Hand- und Fußgelenk am Boden fest, nahm dann einige Stangen Siegellack, zündete sie an und ließ ihn über seinen ganzen Rücken tropfen. Es gab einen anderen Herrn, der für Grausamkeit bekannt war; und ich glaube, es gab keinen Sklaven bei ihm, der nicht zerschnitten worden war und dem nicht Stücke regelrecht aus dem Fleisch herausgenommen worden waren: und nachdem sie so bestraft worden waren, pflegte er sie in eine lange Holzkiste oder einen Kasten zu stecken, den er zu diesem Zweck hatte, in dem er sie nach Belieben einsperrte. Er hatte genau die Höhe und Breite eines Menschen; und die armen Unglücklichen hatten in dem Kasten keinen Platz, um sich zu bewegen.
Es war auf mehreren Inseln, insbesondere auf St. Kitt’s, sehr üblich, dass die Sklaven mit den Anfangsbuchstaben des Namens ihres Herrn gebrannt wurden; und eine Last schwerer Eisenhaken hing um ihre Hälse. Tatsächlich wurden sie bei den geringsten Gelegenheiten in Ketten gelegt; und oft wurden Folterinstrumente hinzugefügt. Das eiserne Maulkorb, die Daumenschrauben usw. sind so wohlbekannt, dass sie keiner Beschreibung bedürfen, und wurden manchmal für die geringsten Verfehlungen angewendet. Ich habe gesehen, wie ein Neger geschlagen wurde, bis einige seiner Knochen gebrochen waren, nur weil er einen Topf überkochen ließ. Ist es überraschend, dass eine solche Behandlung die armen Kreaturen zur Verzweiflung treibt und sie im Tod Zuflucht vor jenen Übeln suchen lässt, die ihr Leben unerträglich machen – während,
„Mit schauderndem Entsetzen bleich, und Augen voller Grauen, Sie auf ihr klägliches Los blicken und finden Keine Ruhe!“
Dies tun sie häufig. Ein Neger an Bord eines Schiffes meines Herrn, dem ich angehörte, war wegen eines unbedeutenden Vergehens in Eisen gelegt und einige Tage in diesem Zustand gehalten worden; da er des Lebens müde war, nutzte er eine Gelegenheit, um über Bord ins Meer zu springen; er wurde jedoch wieder aufgegriffen, ohne ertrunken zu sein. Ein anderer, dessen Leben ihm ebenfalls eine Last war, beschloss, sich zu Tode zu hungern, und weigerte sich, Nahrung zu sich zu nehmen; dies brachte ihm eine schwere Auspeitschung ein: und auch er sprang bei der ersten sich bietenden Gelegenheit in Charles Town über Bord, wurde aber gerettet.
Es wird auch dem geringen Eigentum nicht mehr Beachtung geschenkt als den Personen und dem Leben der Neger. Ich habe bereits ein oder zwei Beispiele besonderer Unterdrückung von vielen berichtet, deren Zeuge ich war; aber das Folgende ist auf allen Inseln häufig. Die elenden Feldsklaven, die den ganzen Tag für einen gefühllosen Eigentümer arbeiten, der ihnen nur wenig zu essen gibt, stehlen manchmal einige Momente der Ruhe oder Erfrischung, um einen kleinen Teil Gras zu sammeln, je nachdem, wie ihre Zeit es erlaubt. Dies binden sie gewöhnlich zu einem Bündel zusammen (entweder ein Bit, das sechs Pence wert ist, oder eine halbe Bit-Worth) und bringen es in die Stadt oder auf den Markt, um es zu verkaufen. Nichts ist üblicher, als dass die weißen Leute bei dieser Gelegenheit das Gras von ihnen nehmen, ohne dafür zu bezahlen; und nicht nur das, sondern zu oft, wie ich weiß, haben unsere Schreiber und viele andere zur gleichen Zeit Gewalttaten an den armen, elenden und hilflosen Frauen begangen; die ich stundenlang weinend und ohne jeden Zweck habe stehen sehen, ohne dass sie irgendeine Wiedergutmachung oder Bezahlung erhielten. Ist dies nicht eine einzige, weit verbreitete und schreiende Sünde, die groß genug ist, Gottes Urteil über die Inseln herabzubeschwören? Er sagt uns, der Unterdrücker und der Unterdrückte seien beide in seinen Händen; und wenn dies nicht die Armen, die Gebrochenen, die Blinden, die Gefangenen, die Zerschlagenen sind, von denen unser Heiland spricht, wer sind sie dann? Einer dieser Räuber kam einmal auf St. Eustatia an Bord unseres Schiffes und kaufte mir einige Hühner und Schweine ab; und einen ganzen Tag nach seiner Abreise mit den Dingen kam er wieder zurück und wollte sein Geld zurück: Ich weigerte mich, es zu geben; und da er meinen Kapitän nicht an Bord sah, begann er die üblichen Streiche mit mir; und schwor, er würde sogar meine Kiste aufbrechen und mein Geld nehmen. Ich erwartete daher, da mein Kapitän abwesend war, dass er sein Wort halten würde: und er war gerade dabei, mich zu schlagen, als glücklicherweise ein britischer Seemann an Bord, dessen Herz nicht von einem westindischen Klima verdorben war, dazwischen trat und ihn daran hinderte. Aber hätte der grausame Mann mich geschlagen, hätte ich mich sicherlich unter Lebensgefahr verteidigt; denn was ist das Leben für einen so unterdrückten Mann? Er ging jedoch fluchend weg und drohte, dass er mich erschießen und danach für mich bezahlen würde, wann immer er mich an Land erwischen würde.
Die geringe Wertschätzung, die das Leben eines Negers in Westindien genießt, ist so allgemein bekannt, dass es unangebracht erscheinen mag, den folgenden Auszug zu zitieren, wenn einige Leute in letzter Zeit nicht kühn genug gewesen wären, zu behaupten, dass Neger in dieser Hinsicht auf demselben Fuß stünden wie Europäer. Durch den 329. Akt, Seite 125, der Versammlung von Barbados wird bestimmt: „Dass, wenn ein Neger oder ein anderer Sklave unter Strafe durch seinen Herrn oder auf dessen Befehl wegen Weglaufens oder eines anderen Verbrechens oder Vergehens gegenüber seinem besagten Herrn unglücklicherweise an Leben oder Gliedmaß leidet, keine Person irgendeiner Geldstrafe unterliegt; wenn aber ein Mann aus Übermut oder nur aus blutrünstigem oder grausamem Vorsatz vorsätzlich einen Neger oder einen anderen Sklaven von sich selbst tötet, so soll er fünfzehn Pfund Sterling in die öffentliche Schatzkammer zahlen.“ Und das ist auf den meisten, wenn nicht auf allen westindischen Inseln gleich. Ist das nicht einer der vielen Akte der Inseln, die laut nach Wiedergutmachung rufen? Und verdient die Versammlung, die ihn erlassen hat, nicht eher die Bezeichnung „Wilde und Tiere“ als die von „Christen und Menschen“? Es ist ein Akt, der zugleich unbarmherzig, ungerecht und unklug ist; der wegen seiner Grausamkeit eine Versammlung jener, die Barbaren genannt werden, in Schande bringen würde; und der wegen seiner Ungerechtigkeit und seines Wahnsinns die Moral und den gesunden Menschenverstand eines Samojeden oder eines Hottentotten schockieren würde.
So schockierend dieser und viele weitere Akte des blutigen Gesetzbuches von Westindien auf den ersten Blick erscheinen mögen, wie sehr wird ihre Ungerechtigkeit noch gesteigert, wenn wir bedenken, auf wen sie ausgedehnt werden können! Mr. James Tobin, ein eifriger Arbeiter im Weinberg der Sklaverei, berichtet von einem französischen Pflanzer seiner Bekanntschaft auf der Insel Martinico, der ihm viele Mulatten zeigte, die auf den Feldern wie Lasttiere arbeiteten; und er sagte Mr. Tobin, dies seien allesamt die Früchte seiner eigenen Lenden! Und ich selbst habe ähnliche Fälle gekannt. Sagt mir, Leser, sind diese Söhne und Töchter des französischen Pflanzers weniger seine Kinder, nur weil sie von einer schwarzen Frau gezeugt wurden? Und was muss es um die Tugend jener Gesetzgeber und die Gefühle jener Väter bestellt sein, die das Leben ihrer Söhne, wie auch immer gezeugt, auf nicht mehr als fünfzehn Pfund schätzen; selbst wenn sie, wie das Gesetz sagt, aus Mutwillen und blutrünstiger Gesinnung ermordet werden sollten! Aber ist der Sklavenhandel nicht gänzlich ein Krieg gegen das menschliche Herz? Und sicherlich bringt das, was mit dem Einreißen der Schranken der Tugend beginnt, in seiner Fortdauer die Zerstörung jedes Grundsatzes mit sich und begräbt alle Empfindungen unter Trümmern!
Ich habe oft Sklaven gesehen, besonders solche, die mager waren, auf verschiedenen Inseln, wie sie auf Waagen gelegt und gewogen wurden; und dann verkauft für drei bis sechs oder neun Pence das Pfund. Mein Herr jedoch, dessen Menschlichkeit bei dieser Art des Handels erschüttert war, pflegte solche im Ganzen zu verkaufen. Und bei oder nach einem Verkauf war es nicht ungewöhnlich, Neger von ihren Frauen, Frauen von ihren Ehemännern und Kinder von ihren Eltern weggerissen und auf andere Inseln geschickt zu sehen, und wohin auch immer ihre gnadenlosen Herren es wünschten; und wahrscheinlich sollten sie einander zeitlebens nie wiedersehen! Oft hat mein Herz bei diesen Trennungen geblutet; wenn die Freunde der Fortgehenden am Wasser standen und mit Seufzern und Tränen ihre Augen auf das Schiff geheftet hielten, bis es aus dem Blickfeld verschwand.
Ein armer kreolischer Neger, den ich gut kannte und der, nachdem er oft so von Insel zu Insel verschleppt worden war, schließlich in Montserrat lebte. Dieser Mann pflegte mir viele schwermütige Geschichten von sich selbst zu erzählen. Gewöhnlich, nachdem er für seinen Herrn gearbeitet hatte, pflegte er seine wenigen freien Augenblicke dazu zu nutzen, fischen zu gehen. Wenn er Fisch gefangen hatte, nahm sein Herr sie ihm häufig weg, ohne ihn zu bezahlen; und zu anderen Zeiten taten es ihm andere Weiße gleich. Eines Tages sagte er sehr bewegt zu mir: „Manchmal, wenn ein weißer Mann meinen Fisch nimmt, gehe ich zu meinem Herrn, und er verschafft mir mein Recht; und wenn mein Herr durch seine Macht mir meine Fische nimmt, was muss ich tun? Ich kann zu niemandem gehen, um Recht zu bekommen; dann“, sagte der arme Mann und blickte nach oben, „muss ich zu Gott dem Mächtigen dort oben schauen, um Recht zu finden.“ Diese schlichte Geschichte bewegte mich sehr, und ich konnte nicht umhin, die gerechte Sache zu empfinden, die Moses hatte, als er seinen Bruder gegen den Ägypter verteidigte. Ich ermahnte den Mann, weiterhin zu dem Gott dort oben zu blicken, da es unten keine Abhilfe gab. Obwohl ich damals wenig daran dachte, dass ich selbst mehr als einmal eine solche Ungerechtigkeit erfahren und dieselbe Ermahnung später in meinen eigenen Geschäften auf den Inseln lesen würde; und dass sogar dieser arme Mann und ich einige Zeit später auf dieselbe Weise zusammen leiden würden, wie später berichtet werden soll.
Auch war ein solcher Umgang nicht auf bestimmte Orte oder Personen beschränkt; denn auf all den verschiedenen Inseln, auf denen ich gewesen bin (und ich habe nicht weniger als fünfzehn besucht), war die Behandlung der Sklaven nahezu dieselbe; so sehr sogar, dass die Geschichte einer Insel, oder gar einer Plantage, mit wenigen Ausnahmen, wie ich sie erwähnt habe, als Geschichte für die Gesamtheit dienen könnte. Eine solche Neigung hat der Sklavenhandel, den Geist der Menschen zu verderben und sie gegen jedes Gefühl der Menschlichkeit abzuhärten! Denn ich will nicht annehmen, dass die Sklavenhändler schlechter geboren sind als andere Menschen – nein; es ist das Verhängnis dieser verblendeten Habsucht, dass sie die Milch menschlicher Güte verdirbt und in Galle verwandelt. Und wären die Bestrebungen dieser Männer andere gewesen, hätten sie ebenso großmütig, zartfühlend und gerecht sein können, wie sie gefühllos, räuberisch und grausam sind. Sicherlich kann dieser Handel nicht gut sein, der sich wie eine Pest ausbreitet und alles befleckt, was er berührt! Der jenes erste natürliche Recht der Menschheit, Gleichheit und Unabhängigkeit, verletzt und einem Menschen eine Herrschaft über seine Mitmenschen gibt, die Gott niemals beabsichtigt haben konnte! Denn er hebt den Besitzer in einen Zustand, der so weit über dem Menschen steht, wie er den Sklaven darunter drückt; und mit all der Anmaßung menschlichen Stolzes zieht er eine Grenze zwischen ihnen, unermesslich in ihrem Ausmaß und endlos in ihrer Dauer! Doch wie verblendet ist selbst die Habsucht der Pflanzer? Sind Sklaven nützlicher, wenn sie so auf den Zustand von Tieren herabgewürdigt werden, als sie es wären, wenn man sie die Privilegien von Menschen genießen ließe? Die Freiheit, die Gesundheit und Wohlstand in ganz Britannien verbreitet, antwortet euch – Nein. Wenn ihr Menschen zu Sklaven macht, beraubt ihr sie der Hälfte ihrer Tugend, ihr gebt ihnen in eurem eigenen Verhalten ein Beispiel für Betrug, Raub und Grausamkeit und zwingt sie, mit euch in einem Zustand des Krieges zu leben; und doch beschwert ihr euch, dass sie nicht ehrlich oder treu sind! Ihr betäubt sie mit Peitschenhieben und haltet es für notwendig, sie in einem Zustand der Unwissenheit zu halten; und doch behauptet ihr, sie seien unfähig zu lernen; dass ihre Geister ein solch unfruchtbarer Boden oder Moor seien, dass jede Kultivierung an ihnen verloren wäre; und dass sie aus einem Klima kämen, in dem die Natur, wenn auch verschwenderisch mit ihren Gaben in einem euch unbekannten Maße, den Menschen allein dürftig und unvollendet gelassen habe und unfähig, die Schätze zu genießen, die sie über ihn ausgegossen hat! – Eine Behauptung, die zugleich gottlos und absurd ist. Warum benutzt ihr jene Folterinstrumente? Sind sie dazu geeignet, von einem vernunftbegabten Wesen auf ein anderes angewandt zu werden? Und seid ihr nicht von Scham und Demütigung getroffen, wenn ihr seht, wie die Teilhaber eurer Natur so niedrig herabgewürdigt werden? Aber vor allem, gibt es keine Gefahren, die mit dieser Art der Behandlung einhergehen? Lebt ihr nicht stündlich in der Furcht vor einem Aufstand? Und es wäre nicht überraschend: denn wenn
„– Kein Friede ist uns gegeben, Uns Versklavten, nur strenge Verwahrung; Und Schläge und willkürliche Bestrafung Zugefügt – welchen Frieden können wir zurückgeben? Nur nach unserer Macht, Feindseligkeit und Hass; Ungebeugter Widerstand und Rache, wenn auch langsam, Doch immer planend, wie der Eroberer am wenigsten Seine Eroberung ernten mag und am wenigsten sich freuen mag An dem zu tun, was wir im Leiden am meisten fühlen.“
Doch durch eine Änderung eures Verhaltens und indem ihr eure Sklaven als Menschen behandelt, wäre jeder Grund zur Furcht verbannt. Sie wären treu, ehrlich, intelligent und tatkräftig; und Friede, Wohlstand und Glück würden euch begleiten.
FUSSNOTEN:
[Fußnote O: So wurde ich dem Neid und der Missgunst dieser Frau geopfert, weil ich wusste, dass die Dame, die sie in der Gunst meines Herrn abgelöst hatte, beabsichtigte, mich in ihren Dienst zu nehmen; was sie nicht hätte verhindern können, wenn ich erst einmal an Land gekommen wäre. Sie fühlte ihren Stolz durch die Überlegenheit ihrer Rivalin alarmiert, von einem schwarzen Diener bedient zu werden: Es geschah nicht weniger, um dies zu verhindern, als um sich an mir zu rächen, dass sie den Kapitän dazu brachte, mich so grausam zu behandeln.]
[Fußnote P: „Der sterbende Neger“, ein Gedicht, das ursprünglich 1773 veröffentlicht wurde. Vielleicht mag es hier nicht als unangebracht erachtet werden hinzuzufügen, dass dieses elegante und pathetische kleine Gedicht, wie aus der ihm vorangestellten Anzeige hervorgeht, durch den folgenden Vorfall veranlasst wurde: „Ein Schwarzer, der wenige Tage zuvor von seinem Herrn weggelaufen war und sich taufen ließ, in der Absicht, eine weiße Frau, seine Mitdienerin, zu heiraten, wurde gefangen genommen, auf ein Schiff in der Themse gebracht und nutzte die Gelegenheit, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen.“]
[Fußnote Q: Diese Pisterinen haben den Wert eines Schillings.]
[Fußnote R: Mr. Dubury und viele andere, Montserrat.]
[Fußnote S: Sir Philip Gibbes, Baronet, Barbados.]
[Fußnote T: Benezets Bericht über Guinea, S. 16.]
KAP. VI.
_Einige Berichte über Brimstone-Hill in Montserrat – Günstige Veränderung in der Lage des Autors – Er beginnt als Kaufmann mit drei Pence – Sein wechselhafter Erfolg beim Handel auf den verschiedenen Inseln und in Amerika sowie die Übervorteilungen, denen er bei seinen Geschäften mit Europäern begegnet – Eine merkwürdige Übervorteilung der menschlichen Natur – Gefahr der Brandung in Westindien – Bemerkenswerter Fall der Entführung eines freien Mulatten – Der Autor wird von Doktor Perkins in Savannah beinahe ermordet._
Im vorangegangenen Kapitel habe ich dem Leser einige jener vielen Fälle von Unterdrückung, Erpressung und Grausamkeit vor Augen geführt, deren Zeuge ich in Westindien war: aber wenn ich sie alle aufzählen wollte, wäre der Katalog langweilig und abstoßend. Die Bestrafungen der Sklaven bei jeder unbedeutenden Gelegenheit sind so häufig und so wohlbekannt, zusammen mit den verschiedenen Instrumenten, mit denen sie gefoltert werden, dass es keine Neuheit mehr bieten kann, sie aufzuzählen; und sie sind zu schockierend, als dass sie dem Schreiber oder dem Leser Freude bereiten könnten. Ich werde daher in Zukunft nur solche erwähnen, die mir im Laufe meiner Abenteuer beiläufig widerfuhren.
In der Vielzahl der Abteilungen, in denen ich von meinem Herrn eingesetzt wurde, hatte ich die Gelegenheit, viele merkwürdige Szenen auf verschiedenen Inseln zu sehen; aber vor allem war ich beeindruckt von einer berühmten Kuriosität namens Brimstone-Hill, einem hohen und steilen Berg, einige Meilen von der Stadt Plymouth in Montserrat entfernt. Ich hatte oft von einigen Wundern gehört, die auf diesem Hügel zu sehen seien, und ich besuchte ihn einmal mit einigen weißen und schwarzen Leuten. Als wir den Gipfel erreichten, sah ich unter verschiedenen Klippen große Schwefelflecken, die durch die Dämpfe verschiedener kleiner Teiche entstanden waren, die damals auf natürliche Weise in der Erde kochten. Einige dieser Teiche waren so weiß wie Milch, einige ganz blau und viele andere von verschiedenen Farben. Ich hatte einige Kartoffeln mitgenommen und legte sie in verschiedene Teiche, und in wenigen Minuten waren sie gut gekocht. Ich probierte einige davon, aber sie waren sehr schwefelhaltig; und die silbernen Schuhschnallen und alle anderen Dinge aus diesem Metall, die wir bei uns hatten, waren in kurzer Zeit so schwarz wie Blei geworden.
Irgendwann im Jahr 1763 schien mir die gütige Vorsehung etwas wohlgesonnener zu sein. Eines der Schiffe meines Herrn, eine Bermuda-Sloop von etwa sechzig Tonnen, wurde von einem gewissen Kapitän Thomas Farmer kommandiert, einem Engländer, einem sehr wachsamen und aktiven Mann, der meinem Herrn durch seine gute Verwaltung beim Transport von Passagieren von einer Insel zur anderen viel Geld einbrachte; aber sehr oft pflegten seine Seeleute sich zu betrinken und vom Schiff wegzulaufen, was ihn in seinem Geschäft sehr behinderte. Dieser Mann hatte Gefallen an mir gefunden; und er bat meinen Herrn viele Male, mich als Seemann auf eine Reise mit ihm mitnehmen zu dürfen; aber er sagte ihm, er könne mich nicht entbehren, obwohl das Schiff manchmal aus Mangel an Leuten nicht fahren konnte, denn Seeleute waren auf der Insel im Allgemeinen sehr knapp. Schließlich jedoch, aus Not oder Zwang, ließ sich mein Herr, wenn auch sehr widerwillig, dazu bewegen, mich mit diesem Kapitän gehen zu lassen; aber er erteilte ihm den strengen Auftrag, darauf zu achten, dass ich nicht weglief, denn wenn ich dies täte, würde er ihn für mich bezahlen lassen. Da dies der Fall war, hatte der Kapitän einige Zeit lang ein scharfes Auge auf mich, wann immer das Schiff vor Anker lag; und sobald es zurückkehrte, wurde ich wieder an Land gerufen. So schuftete ich gleichsam mein Leben lang, mal für das eine, mal für das andere; sodass der Kapitän und ich so ziemlich die nützlichsten Männer im Dienste meines Herrn waren. Ich wurde auch an Bord für den Kapitän so nützlich, dass mein Herr, wenn er mich bat, mit ihm zu gehen, auch wenn es nur für vierundzwanzig Stunden zu einer der Inseln in unserer Nähe sein sollte, oft antwortete, er könne mich nicht entbehren, woraufhin der Kapitän fluchte und die Reise nicht antrat; und er sagte meinem Herrn, ich sei ihm an Bord nützlicher als drei beliebige weiße Männer, die er habe; denn diese pflegten sich in vielerlei Hinsicht schlecht zu benehmen, besonders beim Trinken; und dann ließen sie häufig das Boot zerschlagen, was das Schiff daran hinderte, so schnell zurückzukehren, wie es möglich gewesen wäre. Das wusste mein Herr sehr genau; und schließlich, nach den ständigen Bitten des Kapitäns, nachdem ich mehrmals mit ihm gefahren war, sagte mir mein Herr eines Tages zu meiner großen Freude, dass der Kapitän ihn nicht in Ruhe lasse, und fragte mich, ob ich als Seemann an Bord gehen oder an Land bleiben und mich um die Vorräte kümmern wolle, denn er könne es nicht länger ertragen, auf diese Weise geplagt zu werden. Ich war sehr glücklich über diesen Vorschlag, denn ich dachte sofort, dass ich mit der Zeit eine Chance haben könnte, an Bord ein wenig Geld zu verdienen oder möglicherweise zu entkommen, falls man mich schlecht behandeln sollte: Ich erwartete auch, besseres Essen in größerer Menge zu bekommen; denn ich hatte oft großen Hunger gelitten, obwohl mein Herr seine Sklaven, wie ich bemerkt habe, ungewöhnlich gut behandelte. Ich antwortete ihm daher ohne Zögern, dass ich gehen und Seemann werden wolle, wenn es ihm recht sei. Dementsprechend wurde ich sofort an Bord beordert. Dennoch hatte ich zwischen dem Schiff und dem Ufer, wenn es im Hafen lag, wenig oder gar keine Ruhe, da mein Herr mich immer bei sich haben wollte. Tatsächlich war er ein sehr angenehmer Herr, und abgesehen von meinen Erwartungen an Bord hätte ich nicht daran gedacht, ihn zu verlassen. Aber der Kapitän mochte mich auch sehr, und ich war vollkommen seine rechte Hand. Ich tat alles, was ich konnte, um seine Gunst zu verdienen, und im Gegenzug erhielt ich eine bessere Behandlung von ihm als, wie ich glaube, irgendjemand in meiner Lage jemals in Westindien erfahren hat.
Nachdem ich einige Zeit mit diesem Kapitän zur See gefahren war, versuchte ich schließlich mein Glück und fing an, als Kaufmann tätig zu werden. Ich verfügte nur über ein sehr kleines Anfangskapital; denn ein einziger Half-Bit, was in England drei Pence entspricht, machte mein ganzes Vermögen aus. Ich vertraute jedoch darauf, dass der Herr bei mir sein würde; und bei einer unserer Reisen nach St. Eustatia, einer niederländischen Insel, kaufte ich für meinen Half-Bit ein gläsernes Trinkgefäß, und als ich nach Montserrat kam, verkaufte ich es für einen Bit oder sechs Pence. Glücklicherweise unternahmen wir mehrere aufeinanderfolgende Fahrten nach St. Eustatia (das ein allgemeiner Handelsplatz für Westindien ist, etwa zwanzig Meilen von Montserrat entfernt); und bei unserer nächsten Reise, da ich merkte, wie gewinnbringend mein Trinkgefäß war, kaufte ich für diesen einen Bit zwei weitere Trinkgefäße; und als ich zurückkam, verkaufte ich sie für zwei Bits, was einem Schilling Sterling gleichkommt. Als wir wieder dorthin fuhren, kaufte ich mit diesen zwei Bits vier weitere solcher Gläser, die ich bei unserer Rückkehr nach Montserrat für vier Bits verkaufte; und bei unserer nächsten Reise nach St. Eustatia kaufte ich für einen Bit zwei Gläser, und für die anderen drei kaufte ich einen Krug Genever, von etwa drei Pints Inhalt. Als wir nach Montserrat zurückkehrten, verkaufte ich den Gin für acht Bits und die Trinkgefäße für zwei, sodass sich mein Kapital nun auf insgesamt einen Dollar belief, wohl verwaltet und erworben im Zeitraum von einem Monat oder sechs Wochen, woraufhin ich den Herrn segnete, dass ich so reich war. Während wir zu verschiedenen Inseln segelten, legte ich dieses Geld gelegentlich in verschiedenen Dingen an, und es zahlte sich meist sehr gut aus, besonders wenn wir nach Guadeloupe, Grenada und den übrigen französischen Inseln fuhren. So reiste ich über vier Jahre lang in den Inseln umher und handelte stets, wo ich hinkam, wobei ich viele Beispiele für schlechte Behandlung erlebte und viele Ungerechtigkeiten sah, die anderen Negern in unseren Geschäften mit Europäern angetan wurden: und inmitten unserer Erholung, wenn wir tanzten und fröhlich waren, belästigten und beleidigten sie uns ohne Grund. Wahrlich, ich war mehr als einmal gezwungen, zu Gott in der Höhe aufzublicken, wie ich es dem armen Fischer einige Zeit zuvor geraten hatte. Und ich hatte nicht lange auf die von mir beschriebene Weise für mich selbst Handel getrieben, als ich in seiner Gesellschaft eine ähnliche Prüfung erlebte, wie folgt: Dieser Mann, der an das Wasser gewöhnt war, wurde in einem Notfall von seinem Herrn zu uns an Bord geschickt, um als zusätzliche Arbeitskraft auf einer Reise nach Santa Cruz zu dienen; und bei unserer Abfahrt hatte er sein kleines Hab und Gut als Wagnis mitgebracht, das aus sechs Bits wert an Limetten und Orangen in einem Sack bestand; ich hatte ebenfalls mein ganzes Vermögen bei mir, das etwa zwölf Bits wert an der gleichen Art von Waren war, getrennt in zwei Säcken; denn wir hatten gehört, dass sich diese Früchte auf jener Insel gut verkauften. Als wir dort ankamen, gingen er und ich zur passenden Zeit mit unseren Früchten an Land, um sie zu verkaufen; aber kaum waren wir gelandet, trafen wir auf zwei weiße Männer, die uns kurzerhand unsere drei Säcke abnahmen. Wir konnten zunächst nicht ahnen, was sie vorhatten; und eine Zeit lang dachten wir, sie würden nur scherzen; aber sie ließen uns nur allzu bald wissen, dass es anders war, denn sie brachten unsere Waren sofort in ein nahe gelegenes Haus, das an das Fort angrenzte, während wir ihnen den ganzen Weg über folgten und sie anflehten, uns unsere Früchte zurückzugeben, jedoch vergeblich. Sie weigerten sich nicht nur, sie zurückzugeben, sondern beschimpften uns und drohten, uns ordentlich auszuhungern, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Wir sagten ihnen, dass diese drei Säcke alles seien, was wir auf der Welt besäßen, und dass wir sie von Montserrat mitgebracht hätten, um sie zu verkaufen, und zeigten ihnen das Schiff. Doch das wirkte eher gegen uns, da sie nun sahen, dass wir Fremde wie auch Sklaven waren. Sie fluchten also weiter, verlangten, dass wir uns entfernten, und nahmen sogar Stöcke, um uns zu schlagen; während wir, da wir sahen, dass sie es ernst meinten, in größter Verwirrung und Verzweiflung davonliefen. So wurde ich in genau der Minute, in der ich dreimal mehr gewonnen hatte als je zuvor bei irgendeinem Wagnis in meinem Leben, um jeden Pfennig gebracht, den ich besaß. Ein unerträgliches Unglück! Aber wie wir uns helfen konnten, wussten wir nicht. In unserer Bestürzung gingen wir zum befehlshabenden Offizier des Forts und erzählten ihm, wie wir von einigen seiner Leute behandelt worden waren; aber wir erhielten nicht den geringsten Beistand: Er beantwortete unsere Klagen nur mit einer Salve von Verwünschungen gegen uns und nahm sofort eine Reitpeitsche, um uns zu züchtigen, sodass wir gezwungen waren, viel schneller zu verschwinden, als wir gekommen waren. Ich wünschte nun, in der Qual der Not und Empörung, dass der Zorn Gottes in seinem gezackten Blitz diese grausamen Unterdrücker unter den Toten niederstrecken möge. Dennoch ließen wir nicht nach; wir gingen wieder zu dem Haus zurück und bettelten und flehten sie immer wieder um unsere Früchte an, bis schließlich einige andere Leute, die im Haus waren, fragten, ob wir zufrieden wären, wenn sie einen Sack behielten und uns die anderen beiden gäben. Da wir keinerlei Ausweg sahen, stimmten wir dem zu; und sie, die bemerkten, dass ein Sack beide Arten von Früchten enthielt, die meinem Gefährten gehörten, behielten diesen; und die anderen beiden, die meine waren, gaben sie uns zurück. Sobald ich sie hatte, rannte ich so schnell ich konnte und holte den ersten Neger, den ich finden konnte, um mir bei der Flucht zu helfen; mein Gefährte jedoch blieb noch eine Weile, um zu bitten; er sagte ihnen, dass der Sack, den sie hatten, ihm gehörte und ebenso alles, was er auf der Welt besaß; aber das half nichts, und er musste ohne ihn zurückkehren. Der arme alte Mann rang die Hände und weinte bitterlich über seinen Verlust; und wahrlich, er blickte damals zu Gott in der Höhe auf, was mich so mit Mitleid für ihn erfüllte, dass ich ihm fast ein Drittel meiner Früchte gab. Wir gingen dann zu den Märkten, um sie zu verkaufen; und die Vorsehung war uns wohlgesonnener, als wir hätten erwarten können, denn wir verkauften unsere Früchte außerordentlich gut; ich bekam für meine etwa siebenunddreißig Bits. Ein solch überraschender Umschwung des Schicksals in so kurzer Zeit kam mir wie ein Traum vor und erwies sich als nicht geringe Ermutigung für mich, dem Herrn in jeder Lage zu vertrauen. Mein Kapitän pflegte später oft für mich Partei zu ergreifen und mir zu meinem Recht zu verhelfen, wenn ich von diesen zärtlichen christlichen Räubern geplündert oder schlecht behandelt wurde; unter denen ich mit Schaudern die unablässigen blasphemischen Verwünschungen beobachtet habe, die willkürlich von Personen jeden Alters und Standes ausgestoßen werden, nicht nur ohne Anlass, sondern als ob sie ein Genuss und ein Vergnügen wären.
Bei einer unserer Reisen nach St. Kitts hatte ich elf Bits für mich; und mein freundlicher Kapitän lieh mir fünf weitere Bits, womit ich eine Bibel kaufte. Ich war sehr froh, dieses Buch zu bekommen, das ich kaum irgendwo finden konnte. Ich glaube, in Montserrat wurde keines verkauft; und sehr zu meinem Leidwesen waren meine Bibel und der „Guide to the Indians“, die zwei Bücher, die ich über alle anderen liebte, zurückgeblieben, als ich auf die Art und Weise, wie ich berichtet habe, von der Ätna gezwungen wurde.
Während ich an diesem Ort, St. Kitts, war, ereignete sich eine sehr seltsame Auferlegung der menschlichen Natur: Ein weißer Mann wollte in der Kirche eine freie schwarze Frau heiraten, die Land und Sklaven in Montserrat besaß: aber der Geistliche sagte ihm, es sei gegen das Gesetz des Ortes, einen Weißen und eine Schwarze in der Kirche zu trauen. Der Mann bat daraufhin, auf dem Wasser getraut zu werden, worauf der Pfarrer einging, und die beiden Liebenden fuhren in einem Boot, der Pfarrer und der Küster in einem anderen, und so wurde die Zeremonie vollzogen. Danach kam das liebende Paar an Bord unseres Schiffes, und mein Kapitän behandelte sie äußerst gut und brachte sie sicher nach Montserrat.
Der Leser kann sich vorstellen, wie lästig diese Situation für einen Geist wie den meinen war, täglich neuen Härten und Zumutungen ausgesetzt zu sein, nachdem ich viele bessere Tage gesehen hatte und sozusagen in einem Zustand von Freiheit und Überfluss gelebt hatte; hinzu kam, dass mir jeder Teil der Welt, in dem ich bisher gewesen war, im Vergleich zu Westindien wie ein Paradies erschien. Mein Geist war daher stündlich erfüllt von Erfindungen und Gedanken, wie ich frei werden könnte, und wenn möglich, durch ehrliche und ehrenhafte Mittel; denn ich erinnerte mich immer an das alte Sprichwort; und ich vertraue darauf, dass es stets mein leitendes Prinzip war, dass Ehrlichkeit am längsten währt; und ebenso an jenes andere goldene Gebot – anderen zu tun, wie ich möchte, dass sie mir tun. Da ich jedoch von frühen Jahren an ein Prädestinarier war, dachte ich, was auch immer das Schicksal bestimmt habe, müsse eintreten; und daher, wenn es jemals mein Los sein sollte, frei zu werden, könnte mich nichts daran hindern, obwohl ich derzeit keine Mittel oder Hoffnung sah, meine Freiheit zu erlangen; auf der anderen Seite, wenn es mein Schicksal wäre, nicht frei zu werden, würde ich es niemals sein, und alle meine Bemühungen zu diesem Zweck wären fruchtlos. Inmitten dieser Gedanken blickte ich daher voller Sorgen mit Gebeten zu Gott um meine Freiheit auf; und zur gleichen Zeit nutzte ich jedes ehrliche Mittel und versuchte alles, was in meiner Macht stand, um sie zu erlangen. Im Laufe der Zeit wurde ich Herr über ein paar Pfund und war auf einem guten Weg, mehr zu verdienen, was mein freundlicher Kapitän sehr wohl wusste; dies veranlasste ihn manchmal, sich Freiheiten mit mir herauszunehmen: aber wann immer er mich missmutig behandelte, sagte ich ihm offen meine Meinung und dass ich lieber sterben würde, als mich so behandeln zu lassen wie andere Neger, und dass das Leben für mich seinen Reiz verloren habe, wenn die Freiheit dahin sei. Dies sagte ich, obwohl ich voraussah, dass mein damaliges Wohlergehen oder meine zukünftigen Hoffnungen auf Freiheit (menschlich gesprochen) von diesem Mann abhingen. Da er jedoch den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ich nicht mit ihm segelte, wurde er bei meinen Drohungen immer sanft. Ich blieb daher bei ihm; und durch meine große Aufmerksamkeit für seine Befehle und seine Geschäfte verschaffte ich ihm Ansehen, und durch seine Freundlichkeit mir gegenüber erlangte ich schließlich meine Freiheit. Während ich so weitermachte, erfüllt von den Gedanken an Freiheit und dem Widerstand gegen Unterdrückung, so gut ich konnte, hing mein Leben täglich in der Schwebe, besonders in den Brandungen, die ich früher erwähnt habe, da ich nicht schwimmen konnte. Diese sind in ganz Westindien extrem heftig, und ich war auf allen Inseln ihrer heulenden Wut und verschlingenden Gewalt ausgesetzt. Ich habe gesehen, wie sie ein Boot trafen und es senkrecht in die Höhe warfen und mehrere an Bord verletzten. Einmal, auf den Grenada-Inseln, als ich und etwa acht andere ein großes Boot mit zwei Fässern Wasser darin zogen, traf uns eine Brandung und trieb das Boot und alles darin etwa einen halben Steinwurf weit zwischen einige Bäume und über die Hochwassermarke. Wir mussten uns von dem nächstgelegenen Anwesen jede Hilfe holen, die wir bekommen konnten, um das Boot zu reparieren und wieder ins Wasser zu lassen. In Montserrat wurde eines Nachts beim angestrengten Versuch, vom Ufer an Bord zu gelangen, der Kahn viermal mit uns umgeworfen; beim ersten Mal wäre ich fast ertrunken; die Jacke, die ich trug, hielt mich jedoch eine kurze Zeit über Wasser, während ich nach einem Mann in meiner Nähe rief, der ein guter Schwimmer war, und ihm sagte, dass ich nicht schwimmen könne; er eilte dann zu mir, und gerade als ich unterging, ergriff er mich und brachte mich zum Grund, und dann ging er und holte auch den Kahn. Sobald wir das Wasser herausgekippt hatten, versuchten wir es noch dreimal, aus Angst, schlecht behandelt zu werden, weil wir abwesend waren, und ebenso oft behandelten uns die schrecklichen Brandungen wie beim ersten Mal; aber schließlich, beim fünften Versuch, erreichten wir unser Ziel, unter unmittelbarer Lebensgefahr. Eines Tages auch, bei Old Road in Montserrat, waren unser Kapitän und drei weitere Männer außer mir in einem großen Kanu unterwegs auf der Suche nach Rum und Zucker, als eine einzige Brandung das Kanu eine erstaunliche Entfernung aus dem Wasser warf, und einige von uns sogar einen Steinwurf voneinander entfernt: die meisten von uns waren sehr stark geprellt; sodass ich und viele andere oft sagten und wirklich dachten, dass es keinen anderen Ort unter dem Himmel gäbe wie diesen. Ich sehnte mich daher sehr danach, ihn zu verlassen, und wünschte mir täglich, das Versprechen meines Herrn erfüllt zu sehen, nach Philadelphia zu gehen. Während wir an diesem Ort lagen, geschah auf unserer Schaluppe etwas sehr Grausames, das mich mit Entsetzen erfüllte; obwohl ich später feststellte, dass solche Praktiken häufig waren. Es gab einen sehr klugen und anständigen freien jungen Mulatten, der lange Zeit mit uns segelte: er hatte eine freie Frau zur Frau, mit der er ein Kind hatte; und sie lebte damals an Land, und alle waren sehr glücklich. Unser Kapitän und Maat und andere Leute an Bord und mehrere anderswo, sogar die Eingeborenen von Bermuda, kannten diesen jungen Mann seit seiner Kindheit, dass er immer frei war und niemand ihn jemals als sein Eigentum beansprucht hatte: da jedoch in diesen Gegenden das Recht allzu oft der Gewalt unterliegt, geschah es, dass ein Kapitän aus Bermuda, dessen Schiff für ein paar Tage auf der Reede lag, an Bord kam und den Mulatten sah, dessen Name Joseph Clipson war, und ihm sagte, er sei nicht frei und er habe Befehle von seinem Herrn, ihn nach Bermuda zu bringen. Der arme Mann konnte nicht glauben, dass der Kapitän es ernst meinte; aber er wurde sehr bald eines Besseren belehrt, als dessen Männer gewaltsam Hand an ihn legten: und obwohl er ein Zeugnis darüber vorlegte, dass er in St. Kitts als freier Mann geboren war, und die meisten Leute an Bord wussten, dass er seine Zeit im Bootsbau abgedient hatte und immer als freier Mann galt, wurde er gewaltsam von unserem Schiff geholt. Er bat dann darum, vor den Sekretär oder die Magistrate an Land gebracht zu werden, und diese höllischen Eindringlinge in die Menschenrechte versprachen ihm, dass er das dürfe; aber stattdessen brachten sie ihn an Bord des anderen Schiffes: und am nächsten Tag, ohne dem armen Mann an Land Gehör zu schenken oder ihm auch nur zu gestatten, seine Frau oder sein Kind zu sehen, wurde er fortgebracht und war wahrscheinlich dazu verdammt, sie niemals wieder in dieser Welt zu sehen. Und dies war nicht das einzige Beispiel für diese Art von Barbarei, dessen Zeuge ich wurde. Ich habe seitdem oft auf Jamaika und anderen Inseln freie Männer gesehen, die ich aus Amerika kannte, die auf diese Weise schändlich geködert und in Knechtschaft gehalten wurden. Ich habe von zwei ähnlichen Praktiken sogar in Philadelphia gehört: und wenn es nicht die Güte der Quäker in dieser Stadt gäbe, würden viele der schwarzen Rasse, die jetzt die Luft der Freiheit atmen, glaube ich, tatsächlich unter den Ketten eines Pflanzers stöhnen. Diese Dinge öffneten meinen Geist für eine neue Szene des Horrors, die mir zuvor fremd gewesen war. Bisher hatte ich Sklaverei nur für schrecklich gehalten; aber der Zustand eines freien Negers erschien mir nun mindestens genauso schlimm, und in mancher Hinsicht sogar noch schlimmer, denn sie leben in ständiger Angst um ihre Freiheit; und selbst diese ist nur nominell, denn sie werden allgemein beleidigt und geplündert, ohne die Möglichkeit der Wiedergutmachung; denn so ist die Gerechtigkeit der westindischen Gesetze, dass das Zeugnis keines freien Negers vor ihren Gerichten zugelassen wird. Ist es in dieser Situation verwunderlich, dass Sklaven, wenn sie milde behandelt werden, selbst das Elend der Sklaverei einer solchen Verspottung der Freiheit vorziehen? Ich hatte nun genug von Westindien und dachte, ich würde niemals ganz frei sein, bis ich sie verlassen hätte.
Ich entschloss mich, jede Anstrengung zu unternehmen, um meine Freiheit zu erlangen und in das alte England zurückzukehren. Zu diesem Zweck dachte ich, dass mir Kenntnisse in der Schifffahrt von Nutzen sein könnten; denn obgleich ich nicht vorhatte wegzulaufen, es sei denn, ich würde schlecht behandelt, hätte ich in einem solchen Fall, wenn ich die Schifffahrt verstünde, einen Fluchtversuch auf unserer Schaluppe wagen können, die eines der schnellsten Segelschiffe in Westindien war, und es hätte mir nicht an Leuten gefehlt, die sich mir angeschlossen hätten: und falls ich diesen Versuch unternommen hätte, war meine Absicht gewesen, nach England zu segeln; doch dies war, wie gesagt, nur für den Fall gedacht, dass ich irgendeine schlechte Behandlung erfahren würde. Ich beauftragte daher den Steuermann unseres Schiffes, mich in der Schifffahrt zu unterrichten, wofür ich ihm vierundzwanzig Dollar zu zahlen versprach, und zahlte ihm tatsächlich einen Teil des Geldes im Voraus; als jedoch der Kapitän einige Zeit später erfuhr, dass der Steuermann eine solche Summe für meinen Unterricht erhalten sollte, tadelte er ihn und sagte, es sei eine Schande für ihn, Geld von mir anzunehmen. Mein Fortschritt in dieser nützlichen Kunst wurde jedoch durch die Beständigkeit unserer Arbeit sehr gehemmt. Hätte ich weglaufen wollen, so hätte es mir nicht an Gelegenheiten gemangelt, die sich häufig boten; und insbesondere zu einer Zeit, kurz danach. Als wir auf der Insel Guadeloupe waren, lag dort eine große Flotte von Handelsschiffen, die nach Altfrankreich bestimmt waren; und da Seeleute damals sehr rar waren, zahlten sie fünfzehn bis zwanzig Pfund pro Mann für die Überfahrt. Unser Steuermann und alle weißen Matrosen verließen aus diesem Grund unser Schiff und gingen an Bord der französischen Schiffe. Sie wollten, dass ich ebenfalls mit ihnen ging, denn sie schätzten mich; und sie schworen, mich zu beschützen, falls ich mitkäme: und da die Flotte am nächsten Tag auslaufen sollte, glaube ich wirklich, dass ich zu jener Zeit sicher nach Europa hätte gelangen können. Da mein Herr jedoch gütig war, wollte ich nicht versuchen, ihn zu verlassen; und eingedenk des alten Grundsatzes, dass „Ehrlichkeit am längsten währt“, ließ ich sie ohne mich ziehen. Tatsächlich hatte mein Kapitän große Angst, dass ich ihn und das Schiff zu jener Zeit verlassen könnte, da ich eine so günstige Gelegenheit hatte: aber ich danke Gott, dass sich diese meine Treue später, als ich am wenigsten daran dachte, sehr zu meinem Vorteil auswirkte; und sie machte mich beim Kapitän so beliebt, dass er mich hin und wieder selbst in einigen Teilen der Schifffahrt unterrichtete: aber einige unserer Passagiere und andere sahen dies und machten ihm deswegen große Vorwürfe, indem sie sagten, es sei eine sehr gefährliche Sache, einen Neger in der Schifffahrt zu unterrichten; so wurde ich in meinen Bestrebungen wieder gehemmt. Gegen Ende des Jahres 1764 kaufte mein Herr eine größere Schaluppe namens Providence, von etwa siebzig oder achtzig Tonnen, deren Kommando mein Kapitän hatte. Ich ging mit ihm auf dieses Schiff, und wir nahmen eine Ladung neuer Sklaven für Georgia und Charles Town auf. Mein Herr überließ mich nun ganz dem Kapitän, obwohl er immer noch wünschte, dass ich bei ihm wäre; ich aber, der ich mir immer sehr wünschte, Westindien aus den Augen zu verlieren, war nicht wenig erfreut bei dem Gedanken, irgendein anderes Land zu sehen. Im Vertrauen auf die Güte meines Kapitäns hielt ich daher alles bereit, was ich an kleinen Handelswaren aufbringen konnte; und als das Schiff bereit war, segelten wir zu meiner großen Freude ab. Als wir an unseren Bestimmungsorten, Georgia und Charles Town, ankamen, erwartete ich, eine Gelegenheit zu haben, mein kleines Eigentum mit Vorteil zu verkaufen: aber hier, besonders in Charles Town, traf ich auf Käufer, weiße Männer, die mich wie an anderen Orten auch hintergingen. Dennoch war ich entschlossen, Standhaftigkeit zu bewahren; in dem Glauben, dass kein Los und keine Prüfung zu schwer ist, wenn der gütige Himmel der Belohner ist. Wir wurden bald wieder beladen und kehrten nach Montserrat zurück; und dort verkaufte ich, wie auch auf den übrigen Inseln, meine Waren gut; und auf diese Weise fuhr ich während des Jahres 1764 mit dem Handel fort; wobei ich, wie üblich, auf verschiedene Szenen des Betrugs stieß. Danach rüstete mein Herr im Jahr 1765 sein Schiff für Philadelphia aus; und während der Zeit, in der wir es beluden und uns für die Reise bereit machten, arbeitete ich mit verdoppeltem Eifer, aus der Hoffnung, durch diese Reisen genug Geld zu verdienen, um mir mit der Zeit meine Freiheit zu erkaufen, wenn es Gott gefallen sollte; und auch, um die Stadt Philadelphia zu sehen, von der ich seit einigen Jahren viel gehört hatte; abgesehen davon hatte ich mich immer danach gesehnt, das Versprechen meines Herrn vom ersten Tag an, als ich zu ihm kam, auf die Probe zu stellen. Inmitten dieser hochfliegenden Gedanken, und während ich meine kleinen Handelswaren bereit machte, schickte mein Herr eines Sonntags nach mir in sein Haus. Als ich dort ankam, fand ich ihn und den Kapitän zusammen vor; und als ich eintrat, war ich von Erstaunen getroffen, als er mir mitteilte, er habe gehört, dass ich vorhätte, von ihm wegzulaufen, wenn ich nach Philadelphia käme: „Und deshalb“, sagte er, „muss ich dich wieder verkaufen: du hast mich viel Geld gekostet, nicht weniger als vierzig Pfund Sterling; und es geht nicht an, so viel zu verlieren. Du bist ein wertvoller Kerl“, fuhr er fort, „und ich kann jeden Tag einhundert Guineen für dich bekommen, von vielen Herren auf dieser Insel.“ Und dann erzählte er mir von Kapitän Dorans Schwager, einem strengen Herrn, der mich schon immer kaufen wollte, um mich zu seinem Aufseher zu machen. Mein Kapitän sagte auch, er könne in Carolina viel mehr als einhundert Guineen für mich bekommen. Dies wusste ich als Tatsache; denn der Herr, der mich kaufen wollte, kam mehrmals zu uns an Bord, sprach mich an, bei ihm zu leben, und sagte, er würde mich gut behandeln. Als ich fragte, welche Arbeit er mir geben würde, sagte er, da ich Seemann sei, würde er mich zum Kapitän eines seiner Reisschiffe machen. Aber ich lehnte ab: und da ich gleichzeitig fürchtete, durch eine plötzliche Wendung, die ich im Gemüt des Kapitäns sah, dass er mich verkaufen könnte, sagte ich dem Herrn, dass ich unter keinen Umständen bei ihm leben würde und dass ich sicherlich mit seinem Schiff davonlaufen würde: er aber sagte, er fürchte das nicht, da er mich wieder einfangen würde; und dann erzählte er mir, wie grausam er mich behandeln würde, falls ich dies täte. Mein Kapitän ließ ihn jedoch wissen, dass ich etwas von Schifffahrt verstünde: so besann er sich anders, und zu meiner großen Freude ging er fort. Ich sagte nun meinem Herrn, dass ich nicht gesagt hätte, ich würde in Philadelphia weglaufen; noch hätte ich es vorgehabt, da er mich nicht schlecht behandelte, und auch der Kapitän nicht: denn wenn sie dies täten, hätte ich sicherlich schon vor dieser Zeit einige Versuche unternommen; aber da ich dachte, wenn es Gottes Wille sei, dass ich jemals frei würde, so würde es geschehen, und umgekehrt, wenn es nicht sein Wille sei, würde es nicht geschehen; so hoffte ich, falls ich jemals frei würde, während ich gut behandelt wurde, dass es auf ehrliche Weise geschehen würde; aber da ich mir nicht helfen konnte, müsse er tun, was ihm gefiele; ich könne nur auf den Gott des Himmels hoffen und vertrauen; und in diesem Augenblick war mein Geist voller Einfälle und Pläne zur Flucht. Ich appellierte dann an den Kapitän, ob er jemals irgendein Anzeichen dafür gesehen habe, dass ich den geringsten Versuch unternahm wegzulaufen; und fragte ihn, ob ich nicht immer zu der Zeit an Bord gekommen sei, für die er mir Freiheit gewährt hatte; und, was noch wichtiger war, als alle unsere Männer uns in Guadeloupe verließen und auf die französische Flotte gingen und mir rieten, mit ihnen zu gehen, ob ich das nicht hätte tun können und ob er mich hätte wiederbekommen können. Zu meiner nicht geringen Überraschung und sehr großen Freude bestätigte der Kapitän jede Silbe, die ich gesagt hatte: und noch mehr; denn er sagte, er habe es zu verschiedenen Zeiten versucht, um zu sehen, ob ich irgendeinen Versuch dieser Art machen würde, sowohl auf St. Eustatius als auch in Amerika, und er habe nie festgestellt, dass ich den geringsten unternommen hätte; sondern im Gegenteil, ich sei immer gemäß seinen Befehlen an Bord gekommen; und er glaube wirklich, wenn ich jemals vorgehabt hätte wegzulaufen, dann hätte ich, da ich nie eine bessere Gelegenheit hätte haben können, es in der Nacht getan, als der Steuermann und alle Leute unser Schiff in Guadeloupe verließen. Der Kapitän informierte dann meinen Herrn, der von unserem Steuermann so hintergangen worden war, obwohl ich nicht wusste, wer mein Feind war, über den Grund, den der Steuermann hatte, ihm diese Lüge aufzutischen; dieser war, dass ich den Kapitän über die Vorräte informiert hatte, die der Steuermann verschenkt oder vom Schiff genommen hatte. Diese Rede des Kapitäns war wie Leben für den Toten für mich, und augenblicklich verherrlichte meine Seele Gott; und noch mehr, als ich meinen Herrn sofort sagen hörte, dass ich ein vernünftiger Kerl sei und er niemals beabsichtigt habe, mich wie einen gewöhnlichen Sklaven zu behandeln; und dass er mich, wäre es nicht das Flehen des Kapitäns und sein Charakterzeugnis für mich gewesen, nicht so wie bisher von den Lagern hätte weggehen lassen; dass er auch dachte, ich könne durch das Tragen von einer Kleinigkeit oder anderen zu verschiedenen Orten, um sie zu verkaufen, Geld verdienen. Dass er auch beabsichtige, mich darin zu ermutigen, indem er mir jeweils ein halbes Fass Rum und ein halbes Fass Zucker anschreibe; sodass ich aus Vorsicht mit der Zeit genug Geld haben könnte, um meine Freiheit zu kaufen; und wenn das der Fall wäre, könne ich mich darauf verlassen, dass er sie mir für vierzig Pfund Sterling überlassen würde, was nur der gleiche Preis sei, den er für mich gegeben hatte. Dieser Klang erfreute mein armes Herz über alle Maßen; obwohl es in der Tat nichts anderes war als die Vorstellung, die ich mir schon lange zuvor von meinem Herrn gemacht hatte, und ich gab ihm sofort diese Antwort: „Herr, ich hatte immer genau diesen Gedanken von Ihnen, wirklich, das hatte ich, und das machte mich so fleißig darin, Ihnen zu dienen.“ Er gab mir dann ein großes Stück Silbermünze, wie ich es noch nie zuvor gesehen oder besessen hatte, und sagte mir, ich solle mich für die Reise bereit machen, und er würde mir ein Tierce Zucker und ein weiteres Rum anschreiben; er sagte auch, dass er zwei liebenswürdige Schwestern in Philadelphia habe, von denen ich einige notwendige Dinge bekommen könne. Daraufhin forderte mich mein edler Kapitän auf, an Bord zu gehen; und da er das afrikanische Metall kannte, trug er mir auf, niemandem etwas von dieser Angelegenheit zu sagen; und er versprach, dass der lügnerische Steuermann nicht mehr mit ihm fahren würde. Das war wahrlich eine Veränderung; in derselben Stunde den quälendsten Schmerz zu empfinden und im Handumdrehen die vollste Freude. Es verursachte in mir solche Empfindungen, dass ich sie nur in meinen Blicken ausdrücken konnte; mein Herz war von Dankbarkeit so überwältigt, dass ich beiden die Füße hätte küssen können. Als ich den Raum verließ, ging ich sofort, oder vielmehr flog ich, zum Schiff, das beladen wurde, und mein Herr hielt Wort und vertraute mir ein Tierce Rum und ein weiteres Zucker an, als wir absegelten und sicher in der eleganten Stadt Philadelphia ankamen. Ich verkaufte meine Waren hier bald ziemlich gut; und an diesem bezaubernden Ort fand ich alles reichlich und billig.
Während ich an diesem Ort war, widerfuhr mir ein sehr außergewöhnliches Ereignis. Ich hatte eines Abends von einer weisen Frau gehört, einer Mrs. Davis, die Geheimnisse enthüllte, Ereignisse vorhersagte usw. Ich schenkte dieser Geschichte anfangs wenig Glauben, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass irgendein Sterblicher die zukünftigen Fügungen der Vorsehung vorhersehen könnte, noch glaubte ich an eine andere Offenbarung als die der Heiligen Schrift; jedoch war ich sehr erstaunt, diese Frau in jener Nacht in einem Traum zu sehen, obwohl sie eine Person war, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte; dies machte einen solchen Eindruck auf mich, dass ich die Vorstellung am nächsten Tag nicht aus meinem Kopf bekam, und dann wurde ich ebenso begierig, sie zu sehen, wie ich zuvor gleichgültig gewesen war; dementsprechend erkundigte ich mich am Abend, nachdem wir mit der Arbeit aufgehört hatten, wo sie wohnte, und als ich zu ihr gewiesen wurde, erblickte ich zu meinem unaussprechlichen Erstaunen eben jene Frau in demselben Kleid, das sie in der Vision trug. Sie sagte mir sofort, dass ich in der vergangenen Nacht von ihr geträumt hätte; erzählte mir viele Dinge, die geschehen waren, mit einer Richtigkeit, die mich erstaunte; und sagte mir schließlich, dass ich nicht mehr lange ein Sklave sein würde: dies war die umso erfreulichere Nachricht, als ich sie umso bereitwilliger glaubte, da sie die vergangenen Begebenheiten meines Lebens so getreu geschildert hatte. Sie sagte, ich würde innerhalb von achtzehn Monaten zweimal in sehr großer Lebensgefahr sein, die, wenn ich ihr entginge, mich danach gut vorankommen ließe; so gaben wir uns ihren Segen und trennten uns. Nachdem ich einige Zeit hier geblieben war, bis unser Schiff beladen war und ich meinen kleinen Handel getätigt hatte, segelten wir von diesem angenehmen Fleckchen Erde nach Montserrat, um noch einmal den wütenden Brandungen zu begegnen.
Wir kamen sicher in Montserrat an, wo wir unsere Ladung löschten; und kurz darauf nahmen wir Sklaven an Bord für St. Eustatius und von dort nach Georgia. Ich hatte mich immer angestrengt und die doppelte Arbeit getan, um unsere Reisen so kurz wie möglich zu machen; und von diesem Überarbeiten, während wir in Georgia waren, bekam ich Fieber und Schüttelfrost. Ich war elf Tage lang sehr krank und dem Tode nahe; die Ewigkeit war mir nun außerordentlich in den Sinn gekommen, und ich fürchtete dieses schreckliche Ereignis sehr. Ich betete daher zum Herrn, mich zu verschonen; und ich gab Gott in meinem Geist das Versprechen, dass ich gut sein würde, wenn ich jemals wieder gesund werden sollte. Schließlich, nachdem mich ein hervorragender Arzt behandelt hatte, wurde ich wieder gesund; und bald nachdem wir das Schiff beladen hatten, brachen wir nach Montserrat auf. Während der Überfahrt, als ich wieder vollkommen gesund war und viel mit dem Schiff zu tun hatte, begannen alle meine Bemühungen, meine Integrität zu bewahren und mein Versprechen gegenüber Gott zu erfüllen, zu scheitern; und trotz allem, was ich tun konnte, schwanden meine Entschlüsse, je näher wir den Inseln kamen, immer mehr, als ob die Luft dieses Landes oder Klimas der Frömmigkeit fatal zu sein schien. Als wir sicher in Montserrat angekommen waren und ich an Land gegangen war, vergaß ich meine früheren Entschlüsse. – Ach! wie geneigt ist das Herz, den Gott zu verlassen, den es zu lieben wünscht! Und wie stark ergreifen die Dinge dieser Welt die Sinne und fesseln die Seele! – Nachdem unser Schiff entladen war, machten wir es bald wieder bereit und nahmen, wie üblich, einige der armen unterdrückten Eingeborenen Afrikas und andere Neger auf; dann machten wir uns wieder auf den Weg nach Georgia und Charlestown. Wir kamen in Georgia an, und nachdem wir einen Teil unserer Ladung gelöscht hatten, fuhren wir mit dem Rest nach Charlestown weiter. Während wir dort waren, sah ich die Stadt erleuchtet; die Kanonen wurden abgefeuert, und Freudenfeuer und andere Zeichen der Freude wurden wegen der Aufhebung des Stempelgesetzes gezeigt. Hier verkaufte ich einige Waren auf eigene Rechnung; die weißen Männer kauften sie mit glatten Versprechungen und schönen Worten, gaben mir jedoch nur eine sehr mittelmäßige Bezahlung. Es gab einen Herrn, der besonders ein Fass Rum von mir kaufte, was mir viel Ärger bereitete; und obwohl ich die Fürsprache meines freundlichen Kapitäns nutzte, konnte ich nichts dafür bekommen; denn da ich ein Neger war, konnte ich ihn nicht zur Zahlung zwingen. Dies ärgerte mich sehr, da ich nicht wusste, wie ich handeln sollte; und ich verlor einige Zeit damit, nach diesem Christen zu suchen; und obwohl ich, als der Sabbat kam (den die Neger gewöhnlich zu ihrem Feiertag machen), sehr geneigt war, zum öffentlichen Gottesdienst zu gehen, war ich gezwungen, einige schwarze Männer anzuheuern, um ein Boot über das Wasser zu Gott auf der Suche nach diesem Herrn zu ziehen. Als ich ihn nach vielem Flehen, sowohl von mir selbst als auch von meinem würdigen Kapitän, fand, bezahlte er mich schließlich in Dollar; einige davon waren jedoch aus Kupfer und folglich wertlos; aber er nutzte aus, dass ich ein Neger war, und zwang mich, diese oder gar keine anzunehmen, obwohl ich Einwände erhob. Unmittelbar danach, als ich versuchte, sie auf dem Markt unter anderen weißen Männern auszugeben, wurde ich beschimpft, weil ich anbot, schlechte Münzen in Umlauf zu bringen; und obwohl ich ihnen den Mann zeigte, von dem ich sie erhalten hatte, war ich innerhalb einer Minute davor, ohne Richter oder Geschworene angebunden und ausgepeitscht zu werden; jedoch mit Hilfe eines guten Paares Fersen rannte ich davon und entkam so den Stockschlägen, die ich erhalten hätte. Ich kam so schnell ich konnte an Bord, blieb aber weiterhin in Angst vor ihnen, bis wir absegelten, was wir, Gott sei Dank, nicht lange danach taten; und ich bin seither nie wieder unter ihnen gewesen.
Wir kamen bald nach Georgia, wo wir unsere Beladung vervollständigen sollten; und hier erwartete mich ein schlimmeres Schicksal als je zuvor: denn eines Sonntagsabends, als ich mit einigen Negern auf dem Hof ihres Herrn in der Stadt Savannah war, geschah es, dass deren Herr, ein gewisser Doktor Perkins, der ein sehr strenger und grausamer Mann war, betrunken hereinkam; und da er keine fremden Neger auf seinem Hof sehen wollte, bedrängten mich er und ein Schurke von einem weißen Mann, den er in seinem Dienst hatte, im Handumdrehen, und beide schlugen mich mit den ersten Waffen, die sie zu fassen bekamen. Ich schrie so lange ich konnte um Hilfe und Gnade; aber obwohl ich mich gut rechtfertigte und er meinen Kapitän kannte, der in seiner Nähe logierte, war es vergebens. Sie schlugen und verstümmelten mich auf schändliche Weise und ließen mich dem Tode nahe zurück. Ich verlor so viel Blut durch die Wunden, die ich erhielt, dass ich völlig bewegungslos dalag und so betäubt war, dass ich viele Stunden lang nichts fühlen konnte. Am frühen Morgen brachten sie mich ins Gefängnis. Da ich die ganze Nacht nicht zum Schiff zurückkehrte, erkundigte sich mein Kapitän, der nicht wusste, wo ich war, und beunruhigt war, dass ich mich dann nicht blicken ließ, nach mir; und nachdem er herausgefunden hatte, wo ich war, kam er sofort zu mir. Sobald der gute Mann mich so zerschnitten und verstümmelt sah, konnte er nicht anders, als zu weinen; er holte mich bald aus dem Gefängnis in seine Unterkunft und schickte sofort nach den besten Ärzten des Ortes, die anfangs erklärten, es sei ihre Meinung, dass ich nicht wieder gesund werden könne. Mein Kapitän ging daraufhin zu allen Anwälten der Stadt, um ihren Rat einzuholen, aber sie sagten ihm, sie könnten nichts für mich tun, da ich ein Neger sei. Er ging dann zu Doktor Perkins, dem Helden, der mich besiegt hatte, und drohte ihm, schwor, er würde sich an ihm rächen, und forderte ihn zum Kampf heraus. – Aber Feigheit ist immer der Begleiter der Grausamkeit – und der Doktor lehnte ab. Durch die Geschicklichkeit eines gewissen Doktor Brady von jenem Ort begann ich jedoch schließlich zu genesen; aber obwohl ich wegen der Wunden, die ich am ganzen Körper hatte, so wund und krank war, dass ich in keiner Lage ruhen konnte, hatte ich doch mehr Schmerzen wegen der Unruhe des Kapitäns um mich, als ich es sonst gehabt hätte. Der würdige Mann pflegte und bewachte mich die ganzen Nächte hindurch; und ich war durch seine Aufmerksamkeit und die des Arztes in etwa sechzehn oder achtzehn Tagen in der Lage, aus dem Bett aufzustehen. Die ganze Zeit über wurde ich an Bord sehr vermisst, da ich häufig den Fluss hinauf und hinunter fuhr, um Flöße und andere Teile unserer Ladung zu holen und sie zu verstauen, wenn der Steuermann krank oder abwesend war. Nach etwa vier Wochen war ich wieder dienstfähig; und vierzehn Tage später, nachdem wir unsere gesamte Ladung an Bord genommen hatten, stach unser Schiff in See nach Montserrat; und in weniger als drei Wochen kamen wir dort gegen Ende des Jahres sicher an. Damit endeten meine Abenteuer im Jahr 1764; denn ich verließ Montserrat erst wieder zu Beginn des folgenden Jahres.
ENDE DES ERSTEN BANDES.
Sie ließen das Schiff auf Grund laufen: und das Vorderteil saß fest und blieb unbeweglich, aber das Hinterteil wurde durch die Gewalt der Wellen zerbrochen. Apostelgeschichte xxvii. 41.
Doch wir müssen auf eine gewisse Insel verschlagen werden;
Darum, ihr Männer, seid guten Mutes: denn ich glaube Gott, dass es so geschehen wird, wie es mir gesagt wurde. Apostelgeschichte xxvii. 26, 25.
Nun wurde mir heimlich eine Sache zugebracht, und mein Ohr vernahm ein wenig davon.
In Gedanken bei den Gesichten der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt. Hiob iv. 12, 13.
Siehe, all dies wirkt Gott oftmals mit dem Menschen,
Um seine Seele vom Abgrund zurückzuholen, damit sie erleuchtet werde mit dem Licht der Lebendigen. Hiob xxxiii. 29, 30.
BAND II
KAP. VII.
Der Abscheu des Verfassers vor Westindien – Er fasst Pläne, seine Freiheit zu erlangen – Lächerliche Enttäuschung, die er und sein Kapitän in Georgia erleben – Schließlich erwirbt er durch mehrere erfolgreiche Reisen eine Summe Geldes, die ausreicht, um sie zu erkaufen – Er wendet sich an seinen Herrn, der sie annimmt und ihm zu seiner großen Freude die Freilassung gewährt – Er tritt danach als freier Mann an Bord eines von Mr. Kings Schiffen ein und segelt nach Georgia – Übliche Schikanen gegen freie Neger – Sein Wagnis mit Truthähnen – Segelt nach Montserrat, und während der Überfahrt wird sein Freund, der Kapitän, krank und stirbt.
Jeder Tag brachte mich nun meiner Freiheit näher, und ich wurde ungeduldig, bis wir wieder in See stachen, damit ich Gelegenheit hätte, eine Summe zu verdienen, die groß genug wäre, sie zu erkaufen. Ich musste nicht lange warten; denn zu Beginn des Jahres 1766 kaufte mein Herr eine weitere Schaluppe namens Nancy, die größte, die ich je gesehen hatte. Sie war teilweise beladen und sollte nach Philadelphia fahren; unser Kapitän hatte die Wahl unter drei Schiffen, und ich war sehr erfreut, dass er dieses wählte, welches das größte war; denn da er ein großes Schiff hatte, hatte ich mehr Platz und konnte eine größere Menge Waren mit mir führen. Dementsprechend, als wir unser altes Schiff, die Prudence, entladen und die Ladung der Nancy vervollständigt hatten, nachdem ich mit vier Fässern Schweinefleisch, die ich aus Charlestown mitgebracht hatte, fast dreihundert Prozent Gewinn gemacht hatte, lud ich so viel Fracht ein, wie ich konnte, im Vertrauen auf Gottes Vorsehung, dass sie mein Unternehmen begünstigen würde. Mit diesen Aussichten segelte ich nach Philadelphia. Auf unserer Überfahrt, als wir uns dem Land näherten, war ich zum ersten Mal überrascht beim Anblick einiger Wale, da ich niemals zuvor solch große Seeungeheuer gesehen hatte; und als wir eines Morgens am Land vorbeisegelten, sah ich ein Waljunges dicht beim Schiff; es war etwa von der Länge eines Beibootes, und es folgte uns den ganzen Tag, bis wir innerhalb der Kaps waren. Wir kamen sicher und rechtzeitig in Philadelphia an, und ich verkaufte meine Waren dort hauptsächlich an die Quäker. Sie schienen immer eine sehr ehrliche, besonnene Art von Menschen zu sein und versuchten niemals, mich zu betrügen; daher mochte ich sie und zog es von da an vor, mit ihnen Handel zu treiben, anstatt mit anderen. Eines Sonntagmorgens, während ich hier war, als ich zur Kirche ging, kam ich zufällig an einem Versammlungshaus vorbei. Da die Türen offen standen und das Haus voller Menschen war, weckte es meine Neugier, hineinzugehen. Als ich das Haus betrat, sah ich zu meiner großen Überraschung eine sehr große Frau inmitten von ihnen stehen, die mit vernehmlicher Stimme etwas sprach, das ich nicht verstehen konnte. Da ich niemals zuvor etwas derartiges gesehen hatte, stand ich da und starrte eine Weile um mich, staunend über diese seltsame Szene. Sobald es vorüber war, nutzte ich die Gelegenheit, mich nach dem Ort und den Leuten zu erkundigen, wobei ich erfuhr, dass sie Quäker genannt wurden. Ich fragte insbesondere, was jene Frau, die ich inmitten von ihnen gesehen hatte, gesagt habe, aber keiner von ihnen wollte mich zufriedenstellen; also verließ ich sie, und kurz darauf, als ich zurückkehrte, kam ich zu einer Kirche, die von Menschen gedrängt voll war; der Kirchhof war ebenfalls gefüllt, und eine Anzahl von Menschen war sogar auf Leitern gestiegen und sah durch die Fenster hinein. Ich hielt dies für einen seltsamen Anblick, da ich niemals zuvor Kirchen, weder in England noch in Westindien, auf diese Weise überfüllt gesehen hatte. Ich nahm mir daher die Freiheit, einige Leute nach dem Grund für all dies zu fragen, und sie sagten mir, der Ehrwürdige Mr. George Whitfield predige. Ich hatte oft von diesem Herrn gehört und mir gewünscht, ihn zu sehen und zu hören; aber ich hatte niemals zuvor Gelegenheit dazu gehabt. Ich beschloss daher nun, mich mit dem Anblick zu begnügen, und drängte mich inmitten der Menge hinein. Als ich in die Kirche gelangte, sah ich diesen frommen Mann, wie er das Volk mit der größten Inbrunst und Ernsthaftigkeit ermahnte und dabei so sehr schwitzte, wie ich es je während der Sklaverei am Strand von Montserrat tat. Ich war sehr getroffen und beeindruckt davon; ich hielt es für seltsam, dass ich niemals zuvor Geistliche sich auf diese Weise abmühen gesehen hatte, und ich war nicht länger ratlos, die dünnen Gemeinden zu erklären, vor denen sie predigten. Als wir unsere Fracht hier gelöscht und wieder neu geladen hatten, verließen wir dieses fruchtbare Land erneut und segelten nach Montserrat. Mein Handel war mir bis dahin so gut gelungen, dass ich dachte, durch den Verkauf meiner Waren bei unserer Ankunft in Montserrat hätte ich genug, um meine Freiheit zu erkaufen. Aber sobald unser Schiff dort ankam, kam mein Herr an Bord und gab Befehl, dass wir nach St. Eustatia fahren und dort unsere Fracht löschen und von dort nach Georgia weiterfahren sollten. Ich war sehr enttäuscht darüber; aber da ich dachte, wie üblich, es habe keinen Sinn, sich den Dekreten des Schicksals entgegenzustellen, fügte ich mich ohne zu murren, und wir fuhren nach St. Eustatia. Nachdem wir dort unsere Fracht gelöscht hatten, nahmen wir eine lebende Fracht auf, wie wir eine Ladung Sklaven nennen. Hier verkaufte ich meine Waren einigermaßen gut; aber da ich nicht in der Lage war, all mein Geld auf dieser kleinen Insel so vorteilhaft anzulegen wie an vielen anderen Orten, legte ich nur einen Teil an, und den Rest brachte ich sauber wieder mit. Wir segelten von hier nach Georgia, und ich war froh, als wir dort ankamen, obwohl ich nicht viel Grund hatte, den Ort nach meinem letzten Abenteuer in Savannah zu mögen; aber ich sehnte mich danach, nach Montserrat zurückzukehren und meine Freiheit zu erlangen, von der ich erwartete, sie erkaufen zu können, wenn ich zurückkehrte. Sobald wir hier ankamen, suchte ich meinen sorgsamen Arzt, Mr. Brady, auf, dem ich die dankbarste Anerkennung aussprach, die mir möglich war, für seine frühere Freundlichkeit und Aufmerksamkeit während meiner Krankheit. Während wir hier waren, ereignete sich ein seltsamer Umstand, der dem Kapitän und mir zustieß, was uns beide ein gutes Stück enttäuschte. Ein Silberschmied, den wir einige Reisen zuvor an diesen Ort gebracht hatten, kam mit dem Kapitän überein, mit uns nach Westindien zurückzukehren, und versprach zugleich, dem Kapitän eine große Menge Geld zu geben, da er vorgab, Gefallen an ihm gefunden zu haben, und, wie wir dachten, sehr reich sei. Aber während wir blieben, um unser Schiff zu beladen, wurde dieser Mann in einem Haus, in dem er arbeitete, krank und war nach einer Woche sehr schlecht beieinander. Je schlechter er wurde, desto mehr sprach er davon, dem Kapitän das zu geben, was er ihm versprochen hatte, sodass dieser von dem Tod dieses Mannes, der weder Frau noch Kind hatte, etwas Beträchtliches erwartete, und er pflegte ihn Tag und Nacht. Ich pflegte auch mit dem Kapitän zu gehen, auf seinen eigenen Wunsch hin, um ihn zu pflegen; besonders als wir sahen, dass keine Aussicht auf seine Genesung bestand: und um mich für meine Mühe zu entschädigen, versprach mir der Kapitän zehn Pfund, wenn er das Vermögen des Mannes erhalten würde. Ich dachte, dies wäre mir von großem Nutzen, obwohl ich fast genug Geld hatte, um meine Freiheit zu erkaufen, falls ich diese Reise sicher nach Montserrat überstehen würde. In dieser Erwartung gab ich über acht Pfund meines Geldes für einen Anzug aus feinstem Tuch aus, um darin bei meiner Freiheit zu tanzen, von der ich hoffte, sie sei nun nahe. Wir fuhren fort, diesen Mann zu pflegen, und waren selbst am letzten Tag seines Lebens bis sehr spät in der Nacht bei ihm, als wir an Bord gingen. Nachdem wir zu Bett gegangen waren, gegen ein oder zwei Uhr morgens, wurde der Kapitän gerufen und informiert, der Mann sei tot. Daraufhin kam er zu meinem Bett, weckte mich, informierte mich darüber und wünschte, dass ich aufstünde, ein Licht besorgte und sofort zu ihm ginge. Ich sagte ihm, ich sei sehr schläfrig und wünschte, er würde jemand anderen mitnehmen; oder aber, da der Mann tot sei und keine weitere Pflege mehr benötigen könne, solle er alle Dinge bis zum nächsten Morgen so lassen, wie sie seien. „Nein, nein“, sagte er, „wir werden das Geld heute Nacht haben, ich kann nicht bis morgen warten; also lass uns gehen.“ Dementsprechend stand ich auf, entzündete ein Licht, und wir beide gingen hin und sahen den Mann so tot, wie wir es uns wünschen konnten. Der Kapitän sagte, er wolle ihm ein prächtiges Begräbnis geben, aus Dankbarkeit für den versprochenen Schatz; und wünschte, dass alle Dinge, die dem Verstorbenen gehörten, hervorgebracht würden. Unter anderen gab es ein Nest von Truhen, von denen er die Schlüssel behalten hatte, während der Mann krank war, und als sie gebracht wurden, öffneten wir sie mit nicht geringem Eifer und Erwartung; und da es eine große Anzahl ineinander war, nahmen wir sie mit viel Ungeduld eine nach der anderen heraus. Als wir schließlich zur kleinsten kamen und sie geöffnet hatten, sahen wir, dass sie voller Papiere war, von denen wir annahmen, es seien Schuldscheine; beim Anblick derer unsere Herzen vor Freude hüpften; und in diesem Augenblick rief der Kapitän, in die Hände klatschend: „Gott sei Dank, hier ist es.“ Aber als wir die Truhe aufnahmen und begannen, den vermeintlichen Schatz und die lang ersehnte Gabe zu untersuchen (ach! ach! wie ungewiss und trügerisch sind alle menschlichen Angelegenheiten!), was hatten wir gefunden! Während wir dachten, wir umarmten eine Substanz, griffen wir nach einem leeren Nichts. Der gesamte Betrag, der in dem Nest von Truhen war, war nur ein Dollar und ein halber; und alles, was der Mann besaß, hätte nicht für seinen Sarg bezahlt. Auf unsere plötzliche und überaus große Freude folgte nun ein plötzlicher und überaus großer Schmerz; und mein Kapitän und ich boten für eine Weile ein höchst lächerliches Bild – Bilder von Verdruss und Enttäuschung! Wir gingen sehr gedemütigt davon und überließen den Verstorbenen sich selbst, da wir ihn, als er lebte, so gut umsonst gepflegt hatten. Wir stachen noch einmal nach Montserrat in See und kamen sicher dort an; aber sehr übel gestimmt gegen unseren Freund, den Silberschmied. Als wir das Schiff entladen hatten und ich mein Wagnis verkauft hatte, und mich im Besitz von etwa siebenundvierzig Pfund befand, beriet ich mich mit meinem wahren Freund, dem Kapitän, wie ich vorgehen sollte, meinem Herrn das Geld für meine Freiheit anzubieten. Er sagte mir, ich solle an einem bestimmten Morgen kommen, wenn er und mein Herr zusammen frühstücken würden. Dementsprechend ging ich an jenem Morgen hin und traf dort den Kapitän, wie er es bestimmt hatte. Als ich eintrat, erwies ich meinem Herrn meine Reverenz, und mit meinem Geld in der Hand und vielen Ängsten im Herzen flehte ich ihn an, so gut zu seinem Wort mir gegenüber zu sein, als er sich gefiel, mir meine Freiheit zu versprechen, sobald ich sie erkaufen könne. Diese Rede schien ihn zu verwirren; er begann zurückzuweichen: und mein Herz sank in diesem Augenblick in mir zusammen. „Was“, sagte er, „dir deine Freiheit geben? Nun, woher hast du das Geld? Hast du vierzig Pfund Sterling?“ „Ja, Herr“, antwortete ich. „Wie hast du es bekommen?“, entgegnete er. Ich erzählte es ihm, sehr ehrlich. Der Kapitän sagte dann, er wisse, dass ich das Geld sehr ehrlich und mit viel Fleiß bekommen habe, und dass ich besonders sparsam sei. Worauf mein Herr erwiderte, ich bekäme Geld viel schneller als er; und sagte, er hätte mir das Versprechen nicht gegeben, wenn er gedacht hätte, ich würde so bald Geld bekommen. „Komm, komm“, sagte mein würdiger Kapitän, meinem Herrn auf den Rücken klopfend, „Komm, Robert“ (was sein Name war), „ich glaube, du musst ihm seine Freiheit lassen; du hast dein Geld sehr gut angelegt; du hast die ganze Zeit gute Zinsen dafür erhalten, und hier ist nun schließlich das Kapital. Ich weiß, Gustavus hat dir mehr als hundert Pfund im Jahr eingebracht, und er wird dir weiterhin Geld sparen, da er dich nicht verlassen wird: – Komm, Robert, nimm das Geld.“ Mein Herr sagte dann, er wolle nicht schlechter als sein Versprechen sein; und das Geld nehmend, sagte er mir, ich solle zum Sekretär im Registeramt gehen und meine Freilassungsurkunde aufsetzen lassen. Diese Worte meines Herrn waren wie eine Stimme vom Himmel für mich: in einem Augenblick verwandelte sich alles Zittern in unbeschreibliche Glückseligkeit; und ich verneigte mich höchst ehrfürchtig vor Dankbarkeit, unfähig, meine Gefühle anders auszudrücken als durch das Überfließen meiner Augen, während mein wahrer und würdiger Freund, der Kapitän, uns beide mit einem besonderen Maß an herzlicher Freude beglückwünschte. Sobald die ersten Anwandlungen meiner Freude vorüber waren und ich diesen meinen würdigen Freunden meinen Dank auf die beste Weise ausgedrückt hatte, die mir möglich war, erhob ich mich mit einem Herzen voller Zuneigung und Ehrfurcht und verließ das Zimmer, um dem freudigen Befehl meines Herrn zu gehorchen, zum Registeramt zu gehen. Als ich das Haus verließ, rief ich mir die Worte des Psalmisten im 126. Psalm ins Gedächtnis, und gleich ihm: „Ich verherrlichte Gott in meinem Herzen, auf den ich vertraute.“ Diese Worte hatten sich seit dem Tag, an dem ich von Deptford fortgezwungen wurde, bis zur gegenwärtigen Stunde in meinen Geist eingeprägt, und nun sah ich sie, wie ich glaubte, erfüllt und bestätigt. Meine Einbildungskraft war voller Entzücken, als ich zum Registeramt flog, und in dieser Hinsicht, gleich dem Apostel Petrus,[U] (dessen Befreiung aus dem Gefängnis so plötzlich und außergewöhnlich war, dass er dachte, er sei in einer Vision), konnte ich kaum glauben, dass ich wach sei. Himmel! Wer könnte meinen Gefühlen in diesem Moment gerecht werden! Nicht erobernde Helden selbst, inmitten eines Triumphs – Nicht die zärtliche Mutter, die soeben ihr längst verlorenes Kind wiedererlangt hat und es an ihr Herz drückt – Nicht der müde, hungrige Seemann beim Anblick des ersehnten freundlichen Hafens – Nicht der Liebende, wenn er seine geliebte Braut wieder in die Arme schließt, nachdem sie seinen Armen entrissen worden war! – Alles in meiner Brust war Aufruhr, Wildheit und Delirium! Meine Füße berührten kaum den Boden, denn sie waren von Freude beflügelt, und, gleich Elia, als er zum Himmel auffuhr, „waren sie mit Blitzen beschleunigt, als ich meines Weges ging.“ Jeden, den ich traf, erzählte ich von meinem Glück und verkündete die Tugend meines liebenswürdigen Herrn und Kapitäns.
Als ich zum Amt kam und den Registerführer mit meinem Anliegen bekannt machte, beglückwünschte er mich zu dem Anlass und sagte mir, er wolle meine Freilassungsurkunde zum halben Preis aufsetzen, was eine Guinee sei. Ich dankte ihm für seine Freundlichkeit; und nachdem ich sie erhalten und bezahlt hatte, eilte ich zu meinem Herrn, damit er sie unterschreibe, auf dass ich völlig frei sei. Dementsprechend unterschrieb er die Freilassungsurkunde an jenem Tag, sodass ich, der ich am Morgen ein Sklave gewesen war, zitternd vor dem Willen eines anderen, noch vor Einbruch der Nacht mein eigener Herr und völlig frei war. Ich dachte, dies sei der glücklichste Tag, den ich je erlebt hatte; und meine Freude wurde noch gesteigert durch den Segen und die Gebete der schwarzen Rasse, besonders der Alten, denen mein Herz schon immer mit Ehrfurcht zugetan gewesen war.
* * * * *
Da die Form meiner Freilassungsurkunde etwas Eigentümliches an sich hat und die absolute Macht und Herrschaft ausdrückt, die ein Mensch über seinesgleichen beansprucht, möchte ich mir erlauben, sie meinen Lesern in voller Länge zu präsentieren:
Montserrat. – Allen Menschen, an die diese Urkunde gelangen mag: Ich, Robert King, aus der Pfarrei St. Anthony auf der besagten Insel, Kaufmann, sende Gruß: Wisset, dass ich, der vorgenannte Robert King, für und in Betrachtung der Summe von siebzig Pfund laufenden Geldes der besagten Insel, die mir bar bezahlt wurde, und mit der Absicht, dass ein Neger-Sklave namens Gustavus Vassa frei werde und sein könne, den vorgenannten Neger-Sklaven namens Gustavus Vassa für immer freigelassen, emanzipiert, entfranchiert und für frei erklärt habe, und durch diese Urkunde hiermit für immer freilasse, emanzipiere, entfranchiere und für frei erkläre, und ihm, dem besagten Gustavus Vassa, hiermit alles Recht, Titel, Herrschaft, Souveränität und Eigentum übergebe, gewähre und übertrage, welches ich als Herr und Gebieter über den vorgenannten Gustavus Vassa hatte, oder nun habe, oder durch welche Mittel auch immer ich in Zukunft möglicherweise über ihn, den vorgenannten Neger, für immer haben kann oder könnte. Zum Zeugnis dessen habe ich, der vorgenannte Robert King, unter diese Urkunde meine Hand und mein Siegel gesetzt, diesen zehnten Tag des Juli im Jahr unseres Herrn eintausendsiebenhundertsechsundsechzig.
Robert King.
Unterzeichnet, besiegelt und übergeben in Gegenwart von Terrylegay, Montserrat.
Die inliegende Freilassungsurkunde in voller Länge registriert, diesen elften Tag des Juli 1766, in liber D.
Terrylegay, Registerführer.
Kurz gesagt, die Weißen wie auch die Schwarzen belegten mich alsbald mit einem neuen Beinamen, der für mich der wünschenswerteste auf der ganzen Welt war, nämlich Freeman, und bei den Tänzen machten meine in Georgia gefertigten, superfeinen blauen Kleider, wie ich glaubte, keine schlechte Figur. Einige der dunkelhäutigen Frauen, die sich früher distanziert verhalten hatten, begannen nun, sich aufzulockern und weniger spröde zu erscheinen; doch mein Herz hing noch immer an London, wo ich bald zu sein hoffte. Als mein werter Kapitän und dessen Eigner, mein früherer Herr, feststellten, dass mein Sinn nach London stand, sagten sie zu mir: „Wir hoffen, du wirst uns nicht verlassen, sondern weiterhin bei den Schiffen bleiben.“ Hier beugte mich die Dankbarkeit nieder; und nur ein großmütiges Gemüt kann meine Gefühle beurteilen, die zwischen Neigung und Pflicht hin- und hergerissen waren. Dennoch, ungeachtet meines Wunsches, in London zu sein, antwortete ich meinen Wohltätern gehorsam, dass ich auf dem Schiff mitfahren und sie nicht verlassen würde; und von jenem Tag an wurde ich als vollwertiger Seemann an Bord aufgenommen, zu sechsunddreißig Schilling pro Monat, zusätzlich zu dem, was ich mir an Nebeneinkünften verdienen konnte. Meine Absicht war es, eine oder zwei Reisen zu unternehmen, ganz um diesen meinen geehrten Gönnern zu gefallen; doch ich nahm mir vor, dass ich, wenn es Gott gefiel, im folgenden Jahr das alte England wiedersehen und meinen alten Herrn, Kapitän Pascal, überraschen würde, der stündlich in meinen Gedanken war; denn ich liebte ihn noch immer, ungeachtet seiner Behandlung meiner Person, und ich ergötzte mich an der Vorstellung, was er wohl sagen würde, wenn er sähe, was der Herr in so kurzer Zeit für mich getan hatte, statt dass ich, wie er vielleicht vermuten mochte, unter dem grausamen Joch irgendeines Pflanzers stünde. Mit dieser Art von Tagträumereien pflegte ich mich oft zu unterhalten und die Zeit bis zu meiner Rückkehr zu verkürzen; und nun, da ich mich in meinem ursprünglichen freien afrikanischen Zustand befand, schiffte ich mich auf der Nancy ein, nachdem ich alle Dinge für unsere Reise bereitgemacht hatte. In dieser Gelassenheit segelten wir nach St. Eustatia; und da wir ruhige See und stilles Wetter hatten, erreichten wir es bald: nachdem wir unsere Fracht an Bord genommen hatten, fuhren wir im August 1766 nach Savannah in Georgia. Während wir dort waren, pflegte ich wie gewöhnlich mit Booten die Fracht flussaufwärts zu bringen; und bei diesem Geschäft wurde ich häufig von Alligatoren bedrängt, die an jener Küste sehr zahlreich waren, und ich habe viele von ihnen erschossen, wenn sie kurz davor waren, in unsere Boote zu gelangen; was wir manchmal mit großer Mühe verhinderten und wovor wir uns sehr fürchteten. Ich habe gesehen, wie ein junges Exemplar in Georgia lebend für sechs Pence verkauft wurde. Während unseres Aufenthaltes an diesem Ort kam eines Abends ein Sklave, der einem gewissen Mr. Read, einem Kaufmann aus Savannah, gehörte, in die Nähe unseres Schiffes und begann, mich sehr schlecht zu behandeln. Ich beschwor ihn mit aller Geduld, derer ich mächtig war, davon abzulassen, da ich wusste, dass es hier kaum oder gar kein Recht für einen freien Neger gab; doch der Kerl befolgte meinen Rat nicht, beharrte auf seinen Beleidigungen und schlug mich sogar. Da verlor ich alle Beherrschung, fiel über ihn her und verprügelte ihn tüchtig. Am nächsten Morgen kam sein Herr zu unserem Schiff, als wir am Kai lagen, und verlangte von mir, an Land zu kommen, damit er mich zur Strafe dafür, dass ich seinen Negersklaven geschlagen hatte, durch die ganze Stadt auspeitschen lassen könne. Ich sagte ihm, dass er mich beleidigt und durch seinen ersten Schlag den Anlass gegeben habe. Ich hatte auch meinem Kapitän an jenem Morgen die ganze Angelegenheit geschildert und gehofft, er würde mich zu Mr. Read begleiten, um schlimme Folgen zu verhindern; doch er sagte, es habe nichts zu bedeuten, und falls Mr. Read etwas sage, würde er die Angelegenheit schon schlichten, und er hatte mich angewiesen, an die Arbeit zu gehen, was ich dementsprechend tat. Da der Kapitän an Bord war, als Mr. Read kam, sagte er ihm, ich sei ein freier Mann; und als Mr. Read ihn aufforderte, mich auszuliefern, sagte er, er wisse nichts von der Sache. Ich war darüber erstaunt und erschrocken und dachte, ich bliebe besser, wo ich war, anstatt an Land zu gehen und ohne Richter oder Geschworene durch die Stadt gepeitscht zu werden. Ich weigerte mich daher, mich vom Fleck zu rühren; und Mr. Read ging davon und schwor, er werde alle Konstabler der Stadt herbeiholen, denn er wolle mich vom Schiff holen. Als er weg war, dachte ich, seine Drohung könnte sich zu meinem Leidwesen als allzu wahr erweisen; und ich wurde in diesem Glauben ebenso durch die vielen Beispiele bestärkt, die ich von der Behandlung freier Neger gesehen hatte, als auch durch eine Tatsache, die mir hier kurze Zeit zuvor selbst bekannt geworden war. Es gab einen freien schwarzen Mann, einen Zimmermann, den ich kannte, der ins Gefängnis geworfen wurde, nur weil er einen Gentleman, für den er arbeitete, um das Geld gebeten hatte, das er sich verdient hatte; und später wurde dieser unterdrückte Mann mit falschen Anschuldigungen, er habe das Haus des Gentleman in Brand stecken und mit dessen Sklaven fliehen wollen, aus Georgia fortgeschickt. Ich war daher sehr beunruhigt und hegte große Befürchtungen, zumindest ausgepeitscht zu werden. Ich fürchtete vor allen Dingen den Gedanken, entblößt zu werden, da ich in meinem Leben noch nie die Spuren einer solchen Gewalt an mir getragen hatte. In diesem Augenblick ergriff eine Wut meine Seele, und für einen Moment war ich entschlossen, dem ersten Mann Widerstand zu leisten, der versuchen sollte, gewalttätig Hand an mich zu legen oder mich ohne Prozess niederträchtig zu behandeln; denn ich wollte lieber wie ein freier Mann sterben, als mich von den Händen von Schurken geißeln zu lassen und mein Blut wie ein Sklave vergießen zu müssen. Der Kapitän und andere, die vorsichtiger waren, rieten mir, mich schnell zu verstecken; denn sie sagten, Mr. Read sei ein sehr rachsüchtiger Mann und er würde bald mit Konstablen an Bord kommen und mich mitnehmen. Zuerst lehnte ich diesen Rat ab, da ich entschlossen war, standhaft zu bleiben; doch schließlich gab ich den dringenden Bitten des Kapitäns und von Mr. Dixon, bei dem er logierte, nach und ging zu Mr. Dixons Haus, das ein wenig außerhalb der Stadt an einem Ort namens Yea-ma-chra lag. Ich war gerade fort, als Mr. Read mit den Konstablen nach mir suchte und das Schiff durchsuchte; doch da er mich dort nicht fand, schwor er, er werde mich tot oder lebendig bekommen. Ich hielt mich etwa fünf Tage lang versteckt; doch der gute Ruf, den mir mein Kapitän stets bescheinigte, sowie einige andere Gentlemen, die mich ebenfalls kannten, verschafften mir einige Freunde. Schließlich sagten einige von ihnen meinem Kapitän, er behandle mich nicht gut, wenn er dulde, dass man mich so schikaniere, und sie sagten, sie würden dafür sorgen, dass mir Gerechtigkeit widerfahre, und mich auf ein anderes Schiff bringen. Mein Kapitän ging daraufhin sofort zu Mr. Read und sagte ihm, dass seit meinem Entweichen vom Schiff seine Arbeit vernachlässigt worden sei und er mit dem Beladen nicht habe fortfahren können, da er selbst und sein Steuermann nicht wohlauf seien; und da ich die Dinge an Bord für sie geregelt habe, müsse meine Abwesenheit seine Reise verzögern und folglich dem Eigner schaden; er bat ihn daher, mir zu vergeben, da er, wie er sagte, in all den Jahren, die ich bei ihm war, nie eine Klage über mich gehabt habe. Nach wiederholten Bitten sagte Mr. Read, ich könne zur Hölle fahren und er werde sich nicht mit mir befassen; woraufhin mein Kapitän sofort zu mir in mein Quartier kam und mir berichtete, wie erfreulich die Dinge verlaufen seien, und mich bat, an Bord zu gehen. Einige meiner anderen Freunde fragten ihn dann, ob er den Haftbefehl des Konstabler von ihnen erhalten habe; der Kapitän sagte: Nein. Daraufhin wurde ich von ihnen gebeten, im Haus zu bleiben; und sie sagten, sie würden mich noch vor dem Abend auf ein anderes Schiff bringen. Als der Kapitän dies hörte, wurde er fast wahnsinnig. Er machte sich sofort auf den Weg, um den Haftbefehl zu holen, und nachdem er alle Kräfte aufgeboten hatte, erhielt er ihn schließlich von meinen Jägern; doch ich musste alle Kosten tragen. Nachdem ich all meinen Freunden für ihre Aufmerksamkeit gedankt hatte, ging ich wieder an Bord an meine Arbeit, von der ich immer reichlich hatte. Wir waren in Eile, unsere Beladung zu vervollständigen, und sollten zwanzig Stück Vieh mit uns in die Westindischen Inseln nehmen, wo sie ein sehr einträglicher Artikel sind. Um mich bei der Arbeit zu ermutigen und die Zeit, die ich verloren hatte, wettzumachen, versprach mir mein Kapitän das Privileg, zwei eigene Ochsen mitzunehmen; und das ließ mich mit verdoppeltem Eifer arbeiten. Sobald ich das Schiff beladen hatte, wobei ich die Pflichten des Steuermannes sowie meine eigene Arbeit verrichten musste, und die Ochsen fast an Bord kamen, bat ich den Kapitän um Erlaubnis, meine beiden gemäß seinem Versprechen mitzubringen; doch zu meiner großen Überraschung sagte er mir, es sei kein Platz für sie. Ich bat ihn daraufhin, mir zu erlauben, einen mitzunehmen; doch er sagte, das könne er nicht. Ich war über diese Behandlung sehr gekränkt und sagte ihm, ich hätte nicht gedacht, dass er beabsichtige, mich so zu hintergehen; auch könne ich von keinem Mann eine hohe Meinung haben, der so sehr gegen sein Wort verstoße. Darüber kam es zu einer Meinungsverschiedenheit, und ich gab ihm zu verstehen, dass ich beabsichtige, das Schiff zu verlassen. Er schien darüber sehr niedergeschlagen zu sein; und unser Steuermann, der sehr kränklich gewesen war und dessen Pflichten mir längst zugefallen waren, riet ihm, mich zum Bleiben zu überreden: infolgedessen sprach er sehr freundlich zu mir, machte viele schöne Versprechungen, sagte mir, dass er, da der Steuermann so kränklich sei, nicht ohne mich auskommen könne, und dass, da die Sicherheit des Schiffes und der Fracht sehr von mir abhänge, er hoffe, ich würde mir das, was zwischen uns vorgefallen sei, nicht übel nehmen, und er schwor, er werde alle Angelegenheiten regeln, wenn wir in den Westindischen Inseln ankämen; also willigte ich ein, wie bisher zu schuften. Bald darauf, als die Ochsen an Bord kamen, lief einer von ihnen auf den Kapitän zu und stieß ihn so heftig in die Brust, dass er sich von dem Schlag nie mehr erholte. Um mich für seine Behandlung bezüglich der Ochsen einigermaßen zu entschädigen, drängte mich der Kapitän nun sehr, einige Truthähne und anderes Geflügel mitzunehmen, und gab mir die Freiheit, so viele mitzunehmen, wie ich Platz finden konnte; doch ich sagte ihm, er wisse sehr wohl, dass ich noch nie Truthähne transportiert habe, da ich immer dachte, sie seien so zarte Vögel, dass sie nicht dafür geeignet seien, die Meere zu überqueren. Er drängte mich jedoch weiter, sie für einmal zu kaufen; und was für mich sehr überraschend war, je mehr ich mich dagegen wehrte, desto mehr drängte er mich dazu, sie mitzunehmen, so dass er mir gegen alle Verluste versicherte, die durch sie entstehen könnten, und ich ließ mich dazu überreden, sie zu nehmen; doch ich hielt dies für sehr seltsam, da er sich noch nie zuvor so mir gegenüber verhalten hatte. Dies und die Tatsache, dass ich mein Papiergeld auf keine andere Weise loswerden konnte, veranlasste mich schließlich, vier Dutzend zu nehmen. Über die Truthähne war ich jedoch so unzufrieden, dass ich beschloss, keine weiteren Reisen in diese Gegend und mit diesem Kapitän mehr zu unternehmen; und ich befürchtete sehr, dass meine freie Reise die schlechteste werden würde, die ich je gemacht hatte. Wir stachen in Richtung Montserrat in See. Der Kapitän und der Steuermann hatten beide über Krankheit geklagt, als wir ausliefen, und während wir unsere Reise fortsetzten, verschlimmerte sich ihr Zustand. Dies war etwa im November, und wir waren noch nicht lange auf See, als wir auf starke Nordwinde und raue See trafen; und nach etwa sieben oder acht Tagen drohten alle Ochsen zu ertrinken, und vier oder fünf von ihnen starben. Unser Schiff, das anfangs nicht dicht gewesen war, war es jetzt noch weniger; und obwohl wir insgesamt nur neun Mann waren, einschließlich fünf Matrosen und meiner Wenigkeit, mussten wir uns alle halbe oder dreiviertel Stunde um die Pumpen kümmern. Der Kapitän und der Steuermann kamen so oft an Deck, wie sie konnten, was nun aber nur noch selten der Fall war; denn sie verfielen so schnell, dass sie nicht wohl genug waren, um auf der ganzen Reise mehr als vier- oder fünfmal Beobachtungen anzustellen. Die gesamte Sorge für das Schiff ruhte daher auf mir, und ich war gezwungen, es nach meiner früheren Erfahrung zu führen, da ich unfähig war, eine Breitenbestimmung durchzuführen. Der Kapitän bedauerte es nun sehr, mich nicht in der Navigation unterwiesen zu haben, und beteuerte, sollte er jemals wieder gesund werden, so würde er dies nicht versäumen; doch nach etwa siebzehn Tagen verschlimmerte sich seine Krankheit so sehr, dass er das Bett hüten musste, wobei er jedoch bis zuletzt bei Verstand blieb und stets das Interesse des Eigners am Herzen trug; denn dieser aufrechte und wohlwollende Mann schien immer sehr um das Wohlergehen dessen besorgt, was ihm anvertraut war. Als dieser teure Freund die Anzeichen des Todes nahen fühlte, rief er mich bei meinem Namen; und als ich zu ihm kam, fragte er (mit fast seinem letzten Atemzug), ob er mir jemals ein Leid zugefügt habe? „Gott bewahre, dass ich das denken könnte“, antwortete ich, „ich wäre dann der undankbarste aller Wichte gegenüber dem Besten aller Herren.“ Er verstarb, ohne ein weiteres Wort zu sagen; und am folgenden Tag übergaben wir seinen Körper der Tiefe. Jeder Mann an Bord liebte diesen Mann und bedauerte seinen Tod; doch ich war zutiefst davon betroffen, und ich stellte fest, dass ich, bis er fort war, die Stärke meiner Hochachtung für ihn gar nicht gekannt hatte. In der Tat hatte ich allen Grund der Welt, ihm zugetan zu sein; denn abgesehen davon, dass er im Allgemeinen mild, leutselig, großzügig, treu, wohlwollend und gerecht war, war er mir ein Freund und ein Vater; und hätte es der Vorsehung gefallen, dass er nur fünf Monate zuvor gestorben wäre, so glaube ich wahrlich, ich hätte meine Freiheit nicht zu dem Zeitpunkt erhalten, als ich sie erhielt; und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich sie danach überhaupt nicht mehr hätte erlangen können. Da der Kapitän tot war, kam der Steuermann an Deck und machte solche Beobachtungen, wie er konnte, doch ohne Erfolg. Im Laufe weniger weiterer Tage wurden die wenigen Ochsen, die übrig geblieben waren, tot aufgefunden; doch die Truthähne, die ich hatte, obwohl sie auf dem Deck standen und so viel Nässe und schlechtem Wetter ausgesetzt waren, gediehen gut, und ich erzielte später fast dreihundert Prozent Gewinn bei ihrem Verkauf; so dass es sich im Nachhinein als ein glücklicher Umstand für mich erwies, dass ich die Ochsen nicht wie beabsichtigt gekauft hatte, denn sie wären mit den übrigen umgekommen; und ich konnte nicht anders, als diesen ansonsten unbedeutenden Umstand als eine besondere Vorsehung Gottes zu betrachten, und ich war dementsprechend dankbar. Die Sorge um das Schiff nahm meine ganze Zeit in Anspruch und beanspruchte meine Aufmerksamkeit vollständig. Da wir nun aus den veränderlichen Winden heraus waren, dachte ich, ich würde nicht allzu sehr ins Grübeln geraten, um die Inseln zu finden. Ich war überzeugt, dass ich direkt auf Antigua zusteuerte, das ich erreichen wollte, da es uns am nächsten lag; und im Laufe von neun oder zehn Tagen erreichten wir zu unserer großen Freude diese Insel; und am nächsten Tag kamen wir wohlbehalten in Montserrat an. Viele waren erstaunt, als sie hörten, dass ich die Schaluppe in den Hafen geführt hatte, und ich erhielt nun einen neuen Beinamen und wurde Kapitän genannt. Dies erfüllte mich nicht wenig mit Stolz, und es schmeichelte meiner Eitelkeit sehr, mit einem Titel belegt zu werden, der so hoch war wie der eines jeden freien Mannes an diesem Ort. Als der Tod des Kapitäns bekannt wurde, wurde er von allen, die ihn kannten, sehr betrauert; denn er war ein allgemein respektierter Mann. Gleichzeitig verlor der schwarze Kapitän nicht an Ansehen; denn der Erfolg, den ich erzielt hatte, steigerte die Zuneigung meiner Freunde in nicht geringem Maße.
FUSSNOTEN:
[Fußnote U: Apostelgeschichte, Kap. xii, Vers 9.]
KAP. VIII.
Der Autor schifft sich auf Wunsch von Mr. King noch einmal auf einem seiner Schiffe nach Georgia ein – Ein neuer Kapitän wird ernannt – Sie stechen in See und schlagen einen neuen Kurs ein – Drei bemerkenswerte Träume – Das Schiff erleidet auf der Bahama-Bank Schiffbruch, doch die Mannschaft wird gerettet, hauptsächlich durch das Zutun des Autors – Er bricht mit dem Kapitän in einem kleinen Boot auf der Suche nach einem Schiff von der Insel auf – Ihre Not – Sie treffen auf einen Wrackplünderer – Segeln nach Providence – Werden erneut von einem schrecklichen Sturm eingeholt, und alle sind dem Untergang nahe – Sie erreichen New Providence – Der Autor segelt nach einiger Zeit von dort nach Georgia – Trifft auf einen weiteren Sturm und muss umkehren und ausbessern – Kommt in Georgia an – Trifft auf neue Schikanen – Zwei weiße Männer versuchen, ihn zu entführen – Fungiert bei einer Beerdigungszeremonie als Geistlicher – Sagt Georgia Lebewohl und segelt nach Martinico.
Da ich nun durch den Tod meines Kapitäns meinen großen Wohltäter und Freund verloren hatte, hatte ich wenig Anlass, länger in den Westindischen Inseln zu bleiben, außer meiner Dankbarkeit gegenüber Mr. King, die ich, wie ich meinte, durch das sichere Zurückbringen seines Schiffes und die Ablieferung seiner Fracht zu seiner Zufriedenheit ziemlich gut erfüllt hatte. Ich begann darüber nachzudenken, diesen Teil der Welt zu verlassen, dessen ich längst überdrüssig war, und nach England zurückzukehren, wo mein Herz immer gewesen war; doch Mr. King drängte mich weiterhin sehr, bei seinem Schiff zu bleiben; und er hatte so viel für mich getan, dass ich es nicht über mich brachte, seine Bitten abzuschlagen, und stimmte zu, eine weitere Reise nach Georgia zu unternehmen, da der Steuermann aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands auf dem Schiff völlig nutzlos war. Dementsprechend wurde ein neuer Kapitän ernannt, dessen Name William Phillips war, ein alter Bekannter von mir; und nachdem wir unser Schiff instand gesetzt und mehrere Sklaven an Bord genommen hatten, stachen wir in Richtung St. Eustatia in See, wo wir nur wenige Tage blieben; und am 30. Januar 1767 nahmen wir Kurs auf Georgia. Unser neuer Kapitän prahlte seltsamerweise mit seinem Geschick bei der Navigation und Führung eines Schiffes; und infolgedessen steuerte er einen neuen Kurs, einige Punkte weiter westlich, als wir es je zuvor getan hatten; dies erschien mir sehr außergewöhnlich.
Am vierten Februar, kurz nachdem wir unseren neuen Kurs eingeschlagen hatten, träumte ich, das Schiff würde inmitten von Brandung und Felsen zerschellen, und ich wäre das Mittel, alle an Bord zu retten; und in der folgenden Nacht träumte ich denselben Traum. Diese Träume hinterließen jedoch keinen Eindruck auf mein Gemüt; und am nächsten Abend, als ich meine Wache unter Deck hatte, pumpte ich das Schiff kurz nach acht Uhr, gerade bevor ich das Deck verließ, wie es so üblich ist; und da ich von der Tagesarbeit ermüdet und vom Pumpen erschöpft war (denn wir nahmen eine gute Menge Wasser auf), begann ich, meine Ungeduld auszudrücken, und stieß mit einem Fluch hervor: „Verdammt sei der Boden des Schiffes.“ Doch mein Gewissen schlug mich augenblicklich für diesen Ausdruck. Als ich das Deck verließ, ging ich zu Bett und war kaum eingeschlafen, als ich denselben Traum über das Schiff erneut hatte, den ich schon die zwei vorangegangenen Nächte geträumt hatte. Um zwölf Uhr wurde die Wache gewechselt; und da ich immer die Aufsicht über die Wache des Kapitäns hatte, ging ich dann an Deck. Um halb zwei Uhr morgens sah der Mann am Ruder unter dem Lee-Ausleger etwas, gegen das die See schlug, und er rief mir sogleich zu, es sei ein Grampus, und bat mich, es mir anzusehen. Dementsprechend stand ich auf und beobachtete es eine Zeit lang; doch als ich sah, wie die See immer und immer wieder dagegen schlug, sagte ich, es sei kein Fisch, sondern ein Fels. Sobald ich mir dessen gewiss war, ging ich hinunter zum Kapitän und teilte ihm mit einiger Bestürzung die Gefahr mit, in der wir uns befanden, und bat ihn, unverzüglich an Deck zu kommen. Er sagte, das sei sehr gut, und ich ging wieder hinauf. Sobald ich an Deck war, hatte der Wind, der recht stark gewesen war, ein wenig nachgelassen, und das Schiff begann durch die Strömung seitwärts auf den Felsen zugetrieben zu werden. Noch immer erschien der Kapitän nicht. Ich ging deshalb erneut zu ihm und sagte ihm, das Schiff befinde sich nun in der Nähe eines großen Felsens, und bat ihn, schleunigst heraufzukommen. Er sagte, er würde kommen, und ich kehrte zum Deck zurück. Als ich wieder an Deck war, sah ich, dass wir nicht mehr als eine Pistolenlänge von dem Felsen entfernt waren, und ich hörte das Geräusch der Brandung rings um uns. Ich war darüber überaus beunruhigt; und da der Kapitän noch immer nicht an Deck gekommen war, verlor ich alle Geduld; und in helle Wut geraten, lief ich wieder zu ihm hinunter und fragte ihn, warum er nicht heraufkomme und was all dies zu bedeuten habe? „Die Brandung“, sagte ich, „ist rings um uns, und das Schiff ist fast auf dem Felsen.“ Daraufhin kam er mit mir an Deck, und wir versuchten, das Schiff zu wenden und aus der Strömung zu bringen, doch alles war vergebens, da der Wind sehr schwach war. Wir riefen daraufhin sofort alle Mann an Deck; und nach einer Weile bekamen wir ein Ende eines Ankertaus zu fassen und befestigten es am Anker. Zu dieser Zeit schäumte die Brandung bereits um uns herum und machte einen schrecklichen Lärm an den Felsen, und in genau dem Moment, als wir den Anker fallen ließen, stieß das Schiff gegen die Felsen. Eine Dünung folgte nun auf die andere, als würde eine Welle die nächste rufen: Das Brüllen der Wogen nahm zu, und mit einem einzigen Stoß der Dünung wurde die Schaluppe durchbohrt und zwischen den Felsen aufgespießt! In einem Augenblick bot sich meinem Geist eine Szene des Grauens dar, wie ich sie mir nie zuvor vorgestellt oder erlebt hatte. All meine Sünden traten mir vor Augen; und besonders dachte ich, Gott habe seine grausame Rache auf mein schuldbehaftetes Haupt geschleudert, weil ich das Schiff verflucht hatte, von dem mein Leben abhing. Mein Mut verließ mich dabei, und ich erwartete jeden Augenblick, auf den Grund zu gehen: Ich nahm mir vor, sollte ich noch gerettet werden, nie wieder zu fluchen. Und inmitten meiner Not, während die schreckliche Brandung mit unaufhörlicher Wut gegen die Felsen schlug, gedachte ich des Herrn, obwohl ich fürchtete, der Vergebung unwürdig zu sein, und ich dachte, dass er, da er oft errettet hatte, vielleicht noch erretten könne; und als ich mir die vielen Gnadenbeweise ins Gedächtnis rief, die er mir in der Vergangenheit erwiesen hatte, gaben sie mir eine kleine Hoffnung, dass er mir noch helfen könnte. Ich begann dann nachzudenken, wie wir gerettet werden könnten; und ich glaube, kein Geist war je so voller Einfälle und so verwirrt von Plänen wie meiner, obwohl ich nicht wusste, wie ich dem Tod entkommen sollte. Der Kapitän befahl sogleich, die Luken über den Sklaven im Laderaum zuzunageln, wo es über zwanzig waren, die alle unweigerlich umgekommen wären, wenn man ihm gehorcht hätte. Als er den Mann anwies, die Luken zuzunageln, dachte ich, meine Sünde sei die Ursache dafür, und dass Gott mir das Blut dieser Menschen zur Last legen würde. Dieser Gedanke schoss mir in jenem Augenblick mit solcher Heftigkeit in den Sinn, dass er mich völlig überwältigte und ich in Ohnmacht fiel. Ich kam wieder zu mir, gerade als die Leute im Begriff waren, die Luken zuzunageln; als ich dies bemerkte, bat ich sie, aufzuhören. Der Kapitän sagte daraufhin, es müsse geschehen: Ich fragte ihn, warum? Er sagte, jeder würde versuchen, in das Boot zu gelangen, das nur klein sei, und dadurch würden wir ertrinken; denn es hätte höchstens zehn Personen tragen können. Ich konnte meine Erregung nicht länger zurückhalten und sagte ihm, er verdiene es zu ertrinken, weil er nicht wisse, wie man das Schiff steuere; und ich glaube, die Leute hätten ihn über Bord geworfen, wenn ich ihnen auch nur den geringsten Wink dazu gegeben hätte. Die Luken wurden jedoch nicht zugenagelt; und da keiner von uns das Schiff wegen der Dunkelheit verlassen konnte und wir nicht wussten, wohin wir gehen sollten, und zudem überzeugt waren, dass das Boot die Brandung nicht überstehen würde, sagten wir alle, wir würden auf dem trockenen Teil des Schiffes bleiben und auf Gott vertrauen, bis das Tageslicht erschien, wenn wir besser wüssten, was zu tun sei.
Ich riet dann dazu, das Boot für den Morgen vorzubereiten, und einige von uns begannen, sich daran zu machen; doch manche gaben jede Sorge um das Schiff und sich selbst auf und verfielen dem Trinken. Unserem Boot fehlte ein Stück aus dem Boden von fast zwei Fuß Länge, und wir hatten keine Materialien, um es zu reparieren; da jedoch die Not die Mutter der Erfindung ist, nahm ich etwas Pumpenleder, nagelte es auf die zerbrochene Stelle und bestrich es mit Talgfett. Und so vorbereitet, warteten wir mit der äußersten Angst des Gemüts auf den Tag und hielten jede Minute für eine Stunde, bis er erschien. Endlich grüßte er unsere sehnsüchtigen Augen, und die gütige Vorsehung begleitete sein Herannahen mit etwas, das kein geringer Trost für uns war; denn die schreckliche Dünung begann nachzulassen; und das Nächste, was wir entdeckten, um unsere niedergeschlagenen Geister zu heben, war eine kleine Koralleninsel oder ein Eiland, etwa fünf oder sechs Meilen entfernt; doch bald bot sich ein Hindernis, denn es war nicht genug Wasser da, damit unser Boot über die Riffe fahren konnte, und das versetzte uns erneut in eine traurige Bestürzung; doch es gab keine Alternative, wir waren daher gezwungen, nur wenige Leute auf einmal in das Boot zu nehmen; und was noch schlimmer ist, wir alle waren häufig gezwungen auszusteigen, um es über die Riffe zu ziehen und zu heben. Dies kostete uns viel Arbeit und Mühe; und was noch bedrückender war, wir konnten nicht vermeiden, dass unsere Beine von den Felsen sehr zerschnitten und zerrissen wurden. Es gab nur vier Leute, die mit mir an den Rudern arbeiten wollten; und sie bestanden aus drei schwarzen Männern und einem holländischen kreolischen Seemann; und obwohl wir an jenem Tag fünfmal mit dem Boot fuhren, hatten wir niemanden sonst, der uns half. Aber hätten wir nicht auf diese Weise gearbeitet, so glaube ich wirklich, dass die Leute nicht hätten gerettet werden können; denn keiner der weißen Männer tat etwas, um sein Leben zu bewahren; und tatsächlich wurden sie bald so betrunken, dass sie dazu nicht mehr in der Lage waren, sondern wie Schweine auf dem Deck lagen, sodass wir schließlich gezwungen waren, sie mit Gewalt in das Boot zu heben und an Land zu bringen. Dieser Mangel an Unterstützung machte unsere Arbeit unerträglich schwer; so sehr, dass mir durch das so häufige Anlandbringen an jenem Tag die Haut vollständig von den Händen gerissen wurde.
Dennoch fuhren wir den ganzen Tag fort, uns abzumühen und unsere Kräfte anzuspannen, bis wir alle an Bord sicher an das Ufer gebracht hatten; sodass wir von zweiunddreißig Menschen keinen einzigen verloren. Mein Traum kehrte nun mit aller Macht in meinen Sinn zurück; er erfüllte sich in jedem Teil; denn unsere Gefahr war dieselbe, von der ich geträumt hatte: Und ich konnte nicht umhin, mich selbst als das Hauptinstrument bei der Herbeiführung unserer Rettung zu betrachten; denn da einige unserer Leute betrunken wurden, waren die Übrigen von uns gezwungen, unsere Anstrengungen zu verdoppeln; und es war ein Glück, dass wir das taten, denn in sehr kurzer Zeit wäre der Flicken aus Leder am Boot abgenutzt gewesen und es wäre nicht länger diensttauglich gewesen. Wer hätte in unserer Lage denken können, dass Menschen so sorglos mit der Gefahr umgehen würden, in der sie schwebten? Denn hätte der Wind die Dünung nur so stark aufgewühlt wie zu dem Zeitpunkt, als das Schiff aufschlug, hätten wir allen Hoffnungen auf Rettung ein endgültiges Lebewohl sagen müssen; und obwohl ich die Leute, die tranken, warnte und sie anflehte, den Moment der Rettung zu nutzen, beharrten sie dennoch darauf, als besäßen sie nicht den geringsten Funken Verstand. Ich konnte nicht umhin zu denken, dass Gott mir das Leben dieser Menschen zur Last legen würde, falls einer von ihnen verloren ginge, was vielleicht ein Grund dafür war, dass ich mich so sehr für ihre Erhaltung einsetzte, und tatsächlich schien jeder von ihnen hinterher so dankbar für den Dienst, den ich ihnen erwiesen hatte; und während wir auf dem Eiland waren, war ich eine Art Anführer unter ihnen. Ich brachte einige Limetten, Orangen und Zitronen an Land; und da ich feststellte, dass es ein guter Boden war, wo wir uns befanden, pflanzte ich einige davon als Zeichen für jeden, der in Zukunft dort stranden könnte. Dieses Eiland war, wie wir später feststellten, eine der Bahama-Inseln, die aus einer Gruppe großer Inseln bestehen, mit kleineren Inseln oder Keys, wie sie genannt werden, die dazwischen liegen. Es hatte einen Umfang von etwa einer Meile, mit einem weißen Sandstrand, der sich in regelmäßiger Ordnung daran entlangzog. Auf dem Teil davon, wo wir zuerst zu landen versuchten, standen einige sehr große Vögel, Flamingos genannt: Diese erschienen uns aus der Entfernung durch die Reflexion der Sonne so groß wie Menschen; und wenn sie hin und her gingen, konnten wir uns nicht vorstellen, was sie waren: Unser Kapitän schwor, es seien Kannibalen. Dies löste große Panik unter uns aus; und wir hielten eine Beratung ab, wie wir vorgehen sollten. Der Kapitän wollte zu einem Eiland fahren, das in Sichtweite, aber sehr weit entfernt war; doch ich war dagegen, da wir auf diese Weise nicht alle Leute retten könnten; „Und deshalb“, sagte ich, „lasst uns hier an Land gehen, und vielleicht ziehen diese Kannibalen ins Wasser.“ Dementsprechend steuerten wir auf sie zu; und als wir uns ihnen näherten, zu unserer sehr großen Freude und nicht minder großen Verwunderung, gingen sie sehr bedächtig einer nach dem anderen davon; und schließlich flogen sie davon und befreiten uns vollständig von unseren Ängsten. Auf dem Eiland gab es Schildkröten und verschiedene Fischarten in solch einem Überfluss, dass wir sie ohne Köder fingen, was eine große Erleichterung für uns war nach den gesalzenen Vorräten an Bord. Es gab auch einen großen Felsen am Strand, etwa zehn Fuß hoch, der oben die Form einer Punschschüssel hatte; wir konnten nicht anders, als zu denken, die Vorsehung habe diesen dazu bestimmt, uns mit Regenwasser zu versorgen; und es war etwas Eigenartiges, dass das Wasser, wenn wir es nicht auffingen, als es regnete, nach einiger Zeit so salzig wie Meerwasser wurde.
Unsere erste Sorge war nach der Erfrischung, uns Zelte zu bauen, in denen wir unterkommen konnten, was wir so gut wir konnten mit einigen Segeln taten, die wir vom Schiff mitgebracht hatten. Wir begannen dann zu überlegen, wie wir von diesem Ort wegkommen könnten, der völlig unbewohnt war; und wir beschlossen, unser Boot zu reparieren, das sehr stark beschädigt war, und in See zu stechen, um nach einem Schiff oder einer bewohnten Insel zu suchen. Es dauerte jedoch elf Tage, bis wir das Boot auf die Art und Weise, wie wir es brauchten, mit einem Segel und anderen Notwendigkeiten seeklar machen konnten. Als wir alles vorbereitet hatten, wollte der Kapitän, dass ich an Land bleibe, während er aufs Meer hinausfahre, um ein Schiff zu suchen, das alle Leute vom Eiland abholen könnte; doch das lehnte ich ab; und der Kapitän und ich selbst machten uns mit fünf weiteren Männern im Boot auf den Weg in Richtung New Providence. Wir hatten nicht mehr als zwei Musketenladungen Schießpulver bei uns, falls etwas passieren sollte; und unser Vorrat an Proviant bestand aus drei Gallonen Rum, vier Gallonen Wasser, etwas Pökelfleisch, etwas Zwieback; und auf diese Weise fuhren wir auf das Meer hinaus.
Am zweiten Tag unserer Reise kamen wir zu einer Insel namens Obbico, der größten der Bahama-Inseln. Wir hatten großen Wassermangel; denn zu diesem Zeitpunkt war unser Wasser verbraucht, und wir waren überaus erschöpft vom zweitägigen Rudern in der Hitze der Sonne; und da es schon spät am Abend war, zogen wir das Boot an Land, um nach Wasser zu suchen und die Nacht dort zu verbringen: Als wir an Land kamen, suchten wir nach Wasser, konnten aber keines finden. Als es dunkel wurde, machten wir ein Feuer um uns herum aus Angst vor den wilden Tieren, da der Ort ein einziger dichter Wald war, und wir wechselten uns mit der Wache ab. In dieser Lage fanden wir nur sehr wenig Ruhe und warteten ungeduldig auf den Morgen. Sobald das Licht erschien, fuhren wir wieder mit unserem Boot ab, in der Hoffnung, während des Tages Hilfe zu finden. Wir waren nun sehr niedergeschlagen und geschwächt vom Rudern des Bootes; denn unser Segel war nutzlos, und wir waren fast verhungert vor Mangel an frischem Wasser zum Trinken. Wir hatten nichts mehr zu essen als Pökelfleisch, und das konnten wir ohne Wasser nicht anrühren. In dieser Lage mühten wir uns den ganzen Tag in Sichtweite der Insel ab, die sehr lang war; da wir am Abend keine Rettung sahen, legten wir wieder an und befestigten unser Boot. Wir gingen dann auf die Suche nach frischem Wasser, da wir vor Durst ganz schwach waren; und wir gruben und suchten den Rest des Abends danach, konnten aber keinen Tropfen finden, sodass unsere Niedergeschlagenheit zu dieser Zeit übermäßig wurde und unser Schrecken so groß, dass wir nichts als den Tod erwarteten, der uns erlösen würde. Wir konnten unser Fleisch, das salzig wie Sole war, nicht ohne frisches Wasser anrühren; und wir waren in größter Angst vor den wilden Tieren. Als die unerwünschte Nacht kam, handelten wir wie in der Nacht zuvor; und am nächsten Morgen fuhren wir wieder von der Insel ab, in der Hoffnung, ein Schiff zu sehen. Auf diese Weise mühten wir uns so gut wir konnten bis vier Uhr ab, währenddessen wir an mehreren Eilanden vorbeikamen, aber kein Schiff antreffen konnten; und da wir immer noch vor Durst verschmachteten, gingen wir wieder an einem dieser Eilande an Land, in der Hoffnung, etwas Wasser zu finden. Hier fanden wir einige Blätter mit ein paar Tropfen Wasser darin, die wir begierig aufleckten; wir gruben dann an mehreren Stellen, aber ohne Erfolg. Als wir Löcher gruben, um nach Wasser zu suchen, kam etwas sehr dickes und schwarzes Zeug zum Vorschein; aber niemand von uns konnte es anrühren, außer dem armen holländischen Kreolen, der über ein Quart davon so begierig trank, als wäre es Wein. Wir versuchten zu fischen, konnten es aber nicht; und wir begannen nun, über unser Schicksal zu klagen und uns der Verzweiflung hinzugeben; als mitten in unserem Murren der Kapitän plötzlich ausrief: „Ein Segel! Ein Segel! Ein Segel!“ Dieser erfreuliche Klang war wie ein Gnadenerweis für einen Verurteilten, und wir alle wandten uns sofort um, um es zu betrachten; doch nach kurzer Zeit begannen einige von uns zu befürchten, es sei kein Segel. Dennoch begaben wir uns aufs Geratewohl an Bord und steuerten darauf zu; und nach einer halben Stunde sahen wir zu unserer unsagbaren Freude deutlich, dass es ein Schiff war. Bei diesem Anblick belebten sich unsere niedergeschlagenen Geister wieder, und wir steuerten mit der erdenklichen Geschwindigkeit darauf zu. Als wir uns ihr näherten, stellten wir fest, dass es eine kleine Schaluppe war, etwa von der Größe eines Gravesend-Lastkahns, und ganz voller Menschen; ein Umstand, dessen Bedeutung wir uns nicht erklären konnten. Unser Kapitän, der ein Waliser war, schwor, es seien Piraten, und sie würden uns töten. Ich sagte, wie dem auch sei, wir müssen sie entern, wenn wir dabei sterben sollten; und falls sie uns nicht freundlich empfangen, müssen wir uns ihnen so gut wir können widersetzen; denn es gab keine Alternative zwischen ihrem Untergang und unserem. Dieser Rat wurde sofort befolgt; und ich glaube wirklich, dass der Kapitän, ich selbst und der Holländer es damals mit zwanzig Mann aufgenommen hätten. Wir hatten zwei Entermesser und eine Muskete, die ich im Boot mitgebracht hatte; und in dieser Lage ruderten wir längsseits und enterten sie sofort. Ich glaube, es waren etwa vierzig Mann an Bord; doch wie groß war unsere Überraschung, als wir an Bord kamen, festzustellen, dass der Großteil von ihnen in der gleichen Lage war wie wir!
Sie gehörten zu einem Walfangschoner, der zwei Tage vor uns etwa neun Meilen nördlich von unserem Schiff gesunken war. Als er Schiffbruch erlitt, hatten sich einige von ihnen in ihre Boote gerettet und einige ihrer Leute und Güter auf einem Eiland zurückgelassen, genau wie wir es getan hatten; und sie waren, wie wir, auf dem Weg nach New Providence, um ein Schiff zu suchen, als sie diese kleine Schaluppe trafen, einen sogenannten Wrackräuber; deren Aufgabe in diesen Meeren war es, nach Wracks Ausschau zu halten. Sie waren gerade dabei, den Rest der Leute des Schoners abzuholen; wofür der Wrackräuber alles bekommen sollte, was dem Schiff gehörte, sowie die Hilfe ihrer Leute, um alles zu bergen, was sie daraus herausholen konnten, und dann sollten sie die Besatzung nach New Providence bringen.
Wir erzählten den Leuten des Wrackräubers den Zustand unseres Schiffes, und wir trafen mit ihnen dieselbe Vereinbarung wie die Leute vom Schoner; und als sie zustimmten, baten wir sie, direkt zu unserem Eiland zu fahren, weil unsere Leute Wassermangel hatten. Sie stimmten daher zu, zuerst mit uns zu fahren; und nach zwei Tagen erreichten wir das Eiland, zur unsagbaren Freude der Leute, die wir zurückgelassen hatten, da sie in unserer Abwesenheit aufgrund des Wassermangels in große Not geraten waren. Glücklicherweise für uns hatte der Wrackräuber nun mehr Leute an Bord, als er tragen oder für eine angemessene Zeit verpflegen konnte; sie heuerten daher die Leute des Schoners an, um an unserem Wrack zu arbeiten, und wir ließen ihnen unser Boot und schifften uns nach New Providence ein.
Nichts hätte glücklicher sein können als unsere Begegnung mit diesem Wrackräuber, denn New Providence war so weit entfernt, dass wir es mit unserem Boot niemals hätten erreichen können. Die Insel Abbico war weitaus länger, als wir erwartet hatten; und erst nach drei oder vier Tagen Fahrt gelangten wir sicher an ihr entfernteres Ende, in Richtung New Providence. Als wir dort ankamen, nahmen wir Wasser auf und besorgten uns eine gute Menge Hummer und andere Schalentiere; was uns eine große Erleichterung verschaffte, da unsere Vorräte und unser Wasser beinahe erschöpft waren. Wir setzten daraufhin unsere Reise fort; doch am Tag nach unserer Abfahrt von der Insel, spät am Abend, während wir uns noch zwischen den Bahama-Keys befanden, wurden wir von einem heftigen Sturm überrascht, sodass wir gezwungen waren, den Mast abzuschlagen. Das Schiff war dem Untergang sehr nahe; denn es riss sich von seinen Ankern los und stieß mehrmals auf die Untiefen. Hier erwarteten wir jede Minute, dass es in Stücke gehen würde, und glaubten jeden Augenblick, es sei unser letzter; so sehr, dass mein alter Kapitän und mein kränklicher, nutzloser Maat sowie mehrere andere in Ohnmacht fielen; und der Tod starrte uns von allen Seiten ins Gesicht. Alle Flucher an Bord begannen nun den Gott des Himmels anzurufen, ihnen beizustehen: und tatsächlich, für uns unfassbar, stand er uns bei und rettete uns auf wunderbare Weise! Auf dem Höhepunkt unserer Not legte sich der Wind für einige Minuten; und obwohl die Dünung unbeschreiblich hoch war, versuchten zwei Männer, die geübte Schwimmer waren, in einem kleinen Kahn, der dem Wrackräuber gehörte und nicht groß genug war, um mehr als zwei Personen zu tragen, die Ankerboje zu erreichen, die wir noch in einiger Entfernung auf dem Wasser sehen konnten. Der Kahn lief mehrmals voll, während sie versuchten, ihn längsseits unseres Schiffes zu besteigen; und sie sahen ebenso wie wir nichts als den Tod vor sich; doch sie sagten, sie könnten genauso gut auf diese Weise sterben wie auf jede andere. Ein Bündel sehr dünner Seile, versehen mit einer kleinen Boje, wurde ihnen mitgegeben; und schließlich, unter großer Lebensgefahr, brachten sie den Kahn vom Schiff weg; und diese beiden unerschrockenen Wasserhelden paddelten um ihr Leben in Richtung der Ankerboje. Unsere Augen waren die ganze Zeit auf sie gerichtet, und wir erwarteten jede Minute, dass es ihre letzte sein würde: und die Gebete all jener, die noch bei Sinnen waren, wurden Gott für ihre Rettung dargebracht; und für unsere eigene, die von ihnen abhing; und er hörte uns und antwortete! Diese beiden Männer erreichten schließlich die Boje; und nachdem sie den Kahn daran befestigt hatten, banden sie ein Ende ihres Seils an die kleine Boje, die sie im Kahn hatten, und ließen sie in Richtung unseres Schiffes treiben. Wir an Bord beobachteten dies und warfen Bootshaken und Senkbleie, die an Leinen befestigt waren, aus, um die Boje zu fangen: schließlich ergriffen wir sie und befestigten ein Ankertau an dem Ende des dünnen Seils; dann gaben wir ihnen ein Zeichen zum Ziehen, und sie zogen das Ankertau zu sich heran und befestigten es an der Boje: als dies geschehen war, holten wir ein, als ginge es um unser Leben; und durch die Gnade Gottes gelangten wir wieder von den Untiefen in tiefes Wasser, und der Kahn erreichte sicher das Schiff. Es ist für niemanden möglich, unsere herzliche Freude über diese zweite Rettung vor dem Verderben zu begreifen, außer für jene, die dieselben Härten erlitten haben. Diejenigen, deren Kräfte und Sinne geschwunden waren, kamen wieder zu sich und waren nun ebenso ausgelassen, wie sie zuvor niedergeschlagen gewesen waren. Zwei Tage danach legte sich der Wind und das Wasser wurde glatt. Der Kahn fuhr dann an Land, und wir fällten einige Bäume; und nachdem wir unseren Mast gefunden und geflickt hatten, brachten wir ihn an Bord und befestigten ihn. Sobald wir dies getan hatten, lichteten wir den Anker und machten uns erneut auf den Weg nach New Providence, das wir nach weiteren drei Tagen sicher erreichten, nachdem wir über drei Wochen lang in einer Lage gewesen waren, in der wir nicht damit gerechnet hatten, mit dem Leben davonzukommen. Die Bewohner hier waren sehr freundlich zu uns; und als sie von unserer Lage erfuhren, erwiesen sie uns eine große Gastfreundschaft und Freundschaft. Bald darauf trennte sich jeder meiner alten Leidensgenossen, die frei waren, von uns und schlug den Weg ein, den seine Neigung ihm wies. Ein Kaufmann, der eine große Schaluppe besaß, sah unsere Verfassung und wusste, dass wir nach Georgia wollten; er sagte vieren von uns, dass sein Schiff dorthin fahre; und wenn wir an Bord arbeiten und es beladen würden, wolle er uns die Überfahrt umsonst gewähren. Da wir keinerlei Lohn bekommen konnten und es sehr schwer fanden, von dem Ort wegzukommen, waren wir gezwungen, seinem Vorschlag zuzustimmen; und wir gingen an Bord und halfen, die Schaluppe zu beladen, obwohl uns nur unsere Verpflegung zugestanden wurde. Als sie vollständig beladen war, sagte er uns, sie fahre zuerst nach Jamaica, wohin wir mitkommen müssten, wenn wir mit ihm reisten. Dies lehnte ich jedoch ab; doch da meine Leidensgenossen kein Geld hatten, um sich selbst zu helfen, zwang sie die Not, das Angebot anzunehmen und diesen Kurs zu steuern, obwohl es ihnen nicht gefiel.
Wir blieben etwa siebzehn oder achtzehn Tage in New Providence; während dieser Zeit traf ich viele Freunde, die mir Mut zusprachen, dort bei ihnen zu bleiben: doch ich lehnte es ab; obwohl ich, wäre mein Herz nicht auf England fixiert gewesen, geblieben wäre, da mir der Ort außerordentlich gefiel und es dort einige freie schwarze Menschen gab, die sehr glücklich waren, und wir verbrachten unsere Zeit angenehm zusammen, beim melodiösen Klang der Katzendärme unter den Limetten- und Zitronenbäumen. Schließlich mietete Kapitän Phillips eine Schaluppe, um sich selbst und einige der Sklaven, die er nicht verkaufen konnte, nach Georgia zu bringen; und ich stimmte zu, mit ihm auf diesem Schiff zu fahren, da ich nun vorhatte, mich von diesem Ort zu verabschieden. Als das Schiff bereit war, schifften wir uns alle ein; und ich nahm Abschied von New Providence, nicht ohne Bedauern. Wir segelten gegen vier Uhr morgens bei günstigem Wind nach Georgia ab; und gegen elf Uhr am selben Vormittag kam ein kurzer und plötzlicher Sturm auf, der die meisten unserer Segel wegblies; und da wir uns noch zwischen den Keys befanden, schlug er die Schaluppe in wenigen Minuten gegen die Felsen. Zu unserem Glück war das Wasser tief; und die See war nicht so zornig, dass wir nicht – nachdem wir einige Zeit schwer gearbeitet hatten und da wir viele an der Zahl waren – durch Gottes Gnade gerettet worden wären; und durch unsere größten Anstrengungen brachten wir das Schiff wieder frei. Am nächsten Tag kehrten wir nach Providence zurück, wo wir es bald wieder instand setzten. Einige der Leute schworen, dass wir von jemandem in Montserrat mit Zaubersprüchen belegt worden seien; und andere meinten, wir hätten Hexen und Zauberer unter den armen, hilflosen Sklaven; und dass wir niemals sicher in Georgia ankommen würden. Aber diese Dinge hielten mich nicht ab; ich sagte: „Lasst uns erneut den Winden und der See ins Auge blicken, und nicht fluchen, sondern auf Gott vertrauen, und er wird uns retten.“ Wir setzten daher noch einmal die Segel; und nach harter Arbeit kamen wir nach sieben Tagen sicher in Georgia an.
Nach unserer Ankunft gingen wir hinauf in die Stadt Savannah; und am selben Abend ging ich in das Haus eines Freundes, um dort zu nächtigen, eines Mannes namens Mosa, eines schwarzen Mannes. Wir freuten uns sehr über unser Wiedersehen; und nach dem Abendessen hatten wir Licht, bis es zwischen neun und zehn Uhr nachts war. Um diese Zeit kam die Wache oder Patrouille vorbei; und als sie ein Licht im Haus bemerkten, klopften sie an die Tür: wir öffneten; und sie kamen herein, setzten sich und tranken etwas Punsch mit uns: sie baten mich auch um einige Limetten, da sie verstanden hatten, dass ich welche hätte, was ich ihnen bereitwillig gab. Kurz danach sagten sie mir, ich müsse mit ihnen zur Wache gehen: das überraschte mich sehr, nach unserer Freundlichkeit ihnen gegenüber; und ich fragte sie, warum? Sie sagten, dass alle Neger, die nach neun Uhr Licht in ihren Häusern hätten, in Gewahrsam genommen und entweder einige Dollar zahlen oder ausgepeitscht werden müssten. Einige dieser Leute wussten, dass ich ein freier Mann war; aber da der Hausherr nicht frei war und seinen Herrn hatte, der ihn beschützte, nahmen sie sich bei ihm nicht dieselbe Freiheit heraus wie bei mir. Ich sagte ihnen, dass ich ein freier Mann sei und gerade aus Providence angekommen wäre; dass wir keinen Lärm machten und dass ich an diesem Ort kein Fremder, sondern dort sehr wohlbekannt sei: „Außerdem“, sagte ich, „was wollt ihr mit mir machen?“ – „Das wirst du schon sehen“, antworteten sie, „aber du musst mit uns zur Wache kommen.“ Ob sie nun Geld von mir erpressen wollten oder nicht, war mir unklar; aber ich dachte sofort an die Orangen und Limetten auf Santa Cruz: und da ich sah, dass sie durch nichts zu besänftigen waren, ging ich mit ihnen zur Wache, wo ich die Nacht verbrachte. Früh am nächsten Morgen peitschten diese anmaßenden Schurken einen Negermann und eine Frau aus, die sie auf der Wache hatten, und dann sagten sie mir, dass ich auch ausgepeitscht werden müsse. Ich fragte warum? und ob es kein Gesetz für freie Männer gebe? Und sagte ihnen, wenn es eines gäbe, würde ich es gegen sie durchsetzen lassen. Aber das brachte sie nur noch mehr auf; und sofort schworen sie, sie würden es mir so besorgen wie Doktor Perkins; und sie wollten gewaltsam über mich herfallen; als einer von ihnen, menschlicher als die anderen, sagte, dass sie mich, da ich ein freier Mann sei, nach dem Gesetz nicht entkleiden dürften. Ich ließ daraufhin sofort Doktor Brady rufen, der als ein ehrlicher und würdiger Mann bekannt war; und als er mir zu Hilfe kam, ließen sie mich gehen.
Dies war nicht der einzige unangenehme Vorfall, den ich an diesem Ort erlebte; denn eines Tages, als ich mich ein Stück außerhalb der Stadt Savannah befand, wurde ich von zwei weißen Männern bedrängt, die ihre üblichen Spielchen der Entführung mit mir treiben wollten. Sobald diese Männer mich ansprachen, sagte einer zum anderen: „Das ist genau der Kerl, den wir suchen, den du verloren hast:“ und der andere schwor sofort, dass ich die identische Person sei. Daraufhin kamen sie auf mich zu und wollten mich anpacken; aber ich sagte ihnen, sie sollten stillhalten und sich fernhalten; denn ich hatte gesehen, wie solche Tricks bei anderen freien Schwarzen angewandt wurden, und sie sollten nicht denken, dass sie es bei mir so machen könnten. Da hielten sie ein wenig inne, und einer sagte zum anderen: Das wird nichts; und der andere antwortete, dass ich zu gutes Englisch spräche. Ich erwiderte, ich glaube, das tat ich; und ich hatte auch einen rachsüchtigen Stock bei mir, der der Gelegenheit gewachsen war; und mein Geist war ebenfalls dazu bereit. Glücklicherweise wurde er jedoch nicht benutzt; und nachdem wir ein wenig auf diese Weise miteinander gesprochen hatten, ließen die Schurken von mir ab. Ich blieb einige Zeit in Savannah und versuchte ängstlich, noch einmal nach Montserrat zu gelangen, um Herrn King, meinen alten Herrn, zu sehen und mich dann endgültig von diesem amerikanischen Viertel des Erdballs zu verabschieden. Schließlich traf ich auf eine Schaluppe namens Speedwell, Kapitän John Bunton, die zu Grenada gehörte und mit einer Ladung Reis nach Martinico, einer französischen Insel, unterwegs war, und ich heuerte auf ihr an. Bevor ich Georgia verließ, wandte sich eine schwarze Frau, deren Kind tot dalag und die sehr an dem kirchlichen Begräbnisgottesdienst hing, da sie niemanden finden konnte, der ihn vollzog, an mich zu diesem Zweck. Ich sagte ihr, ich sei kein Pfarrer; und außerdem, dass der Gottesdienst über den Toten die Seele nicht berühre. Das stellte sie jedoch nicht zufrieden; sie drängte mich weiterhin sehr stark: Ich gab daher ihren inständigen Bitten nach und willigte schließlich ein, zum ersten Mal in meinem Leben den Pfarrer zu spielen. Da sie sehr geachtet war, war eine große Schar von sowohl weißen als auch schwarzen Menschen am Grab. Ich übernahm daraufhin pflichtgemäß meine neue Berufung und vollzog die Trauerzeremonie zur Zufriedenheit aller Anwesenden; danach sagte ich Georgia adieu und segelte nach Martinico.
KAPITEL IX
Der Autor kommt in Martinico an – Erlebt neue Schwierigkeiten – Erreicht Montserrat, wo er sich von seinem alten Herrn verabschiedet und nach England segelt – Trifft Kapitän Pascal – Lernt das Waldhorn – Verdingt sich bei Doktor Irving, wo er lernt, Meerwasser zu entsalzen – Verlässt den Doktor und begibt sich auf eine Reise in die Türkei und nach Portugal; und geht danach auf eine Reise nach Grenada und eine weitere nach Jamaica – Kehrt zum Doktor zurück, und sie schiffen sich zusammen auf eine Reise zum Nordpol ein, mit dem ehrenwerten Kapitän Phipps – Einige Berichte über diese Reise und die Gefahren, in denen der Autor war – Er kehrt nach England zurück.
Ich nahm also endgültig Abschied von Georgia; denn die Behandlung, die ich dort erfahren hatte, verleidete mir den Ort sehr; und als ich ihn verließ und nach Martinico segelte, beschloss ich, ihn nie wieder zu besuchen. Mein neuer Kapitän führte sein Schiff sicherer als mein früherer; und nach einer angenehmen Reise kamen wir sicher in unserem Zielhafen an. Während ich auf dieser Insel war, kam ich viel herum und fand sie sehr angenehm: besonders bewunderte ich die Stadt St. Pierre, die die bedeutendste auf der Insel ist und mehr wie eine europäische Stadt gebaut ist als jede, die ich in Westindien gesehen hatte. Im Allgemeinen wurden Sklaven dort auch besser behandelt, hatten mehr Feiertage und sahen besser aus als jene auf den englischen Inseln. Nachdem wir unsere Geschäfte dort erledigt hatten, wollte ich meinen Abschied, was notwendig war; denn es war damals der Monat Mai, und ich wünschte sehr, in Montserrat zu sein, um Herrn King und all meine anderen Freunde dort zu verabschieden, rechtzeitig, um mit der Juli-Flotte nach Old England zu segeln. Aber ach! Ich hatte mir selbst einen großen Stolperstein in den Weg gelegt, durch den ich fast meine Passage für jene Saison nach England verloren hätte. Ich hatte meinem Kapitän etwas Geld geliehen, das ich nun brauchte, um meine Absichten in die Tat umzusetzen. Das sagte ich ihm; doch als ich darum bat, drängte ich zwar auf die Notwendigkeit meines Anliegens, doch begegnete mir so viel Ausflüchterei von seiner Seite, dass ich schließlich fürchtete, mein Geld zu verlieren, da ich es gerichtlich nicht zurückerlangen konnte: denn ich habe bereits erwähnt, dass in ganz Westindien das Zeugnis eines schwarzen Mannes bei keiner Gelegenheit gegen irgendeine weiße Person zugelassen wird, und daher wäre mein eigener Eid nutzlos gewesen. Ich war daher gezwungen, bei ihm zu bleiben, bis er geneigt sein mochte, es mir zurückzugeben. So segelten wir von Martinico nach den Grenaden. Ich drängte den Kapitän häufig wegen meines Geldes, jedoch ohne Erfolg; und um meine Lage noch zu verschlechtern, als wir dort ankamen, zerstritten sich der Kapitän und seine Eigner; sodass meine Situation täglich drückender wurde: denn abgesehen davon, dass wir an Bord wenig oder gar keine Verpflegung bekamen und ich weder mein Geld noch meinen Lohn erhalten konnte, hätte ich damals meine Passage frei nach Montserrat bekommen können, wäre ich in der Lage gewesen, sie anzunehmen. Das Schlimmste von allem war, dass es schon Ende Juli wurde und die Schiffe auf den Inseln bis zum 26. jenes Monats auslaufen mussten. Schließlich jedoch, nach vielen Bitten, erhielt ich mein Geld vom Kapitän zurück und nahm das erste Schiff, das ich finden konnte, nach St. Eustatia. Von dort fuhr ich mit einem anderen nach Basseterre auf St. Kitts, wo ich am 19. Juli ankam. Am 22., nachdem ich ein Schiff getroffen hatte, das nach Montserrat bestimmt war, wollte ich damit fahren; doch der Kapitän und andere wollten mich nicht an Bord nehmen, bevor ich mich nicht selbst öffentlich angekündigt und meine Abreise von der Insel bekannt gemacht hätte. Ich erzählte ihnen von meiner Eile, nach Montserrat zu kommen, und dass die Zeit dann keine Ankündigung mehr zuließe, da es spät am Abend sei und der Kapitän kurz vor dem Auslaufen stehe; doch er bestand darauf, dass es notwendig sei, andernfalls, sagte er, werde er mich nicht mitnehmen. Dies brachte mich in große Verlegenheit; denn wenn ich gezwungen wäre, mich dieser erniedrigenden Notwendigkeit zu beugen, der jeder schwarze freie Mann unterliegt, sich wie ein Sklave anzukündigen, wenn er eine Insel verlässt, und was ich für eine grobe Zumutung für jeden freien Mann hielt, fürchtete ich, die Gelegenheit zu verpassen, nach Montserrat zu gelangen, und dann könnte ich jenes Jahr nicht nach England kommen. Das Schiff wollte gerade ablegen, und keine Zeit durfte verloren gehen; ich machte mich daher sofort mit schwerem Herzen daran, zu versuchen, wen ich dazu bewegen könnte, mir bei der Erfüllung der Forderungen des Kapitäns behilflich zu sein. Glücklicherweise fand ich in wenigen Minuten einige Herren aus Montserrat, die ich kannte; und nachdem ich ihnen meine Lage geschildert hatte, bat ich um ihre freundliche Unterstützung, mir von der Insel zu helfen. Einige von ihnen gingen daraufhin mit mir zum Kapitän und überzeugten ihn von meiner Freiheit; und zu meiner großen Freude bat er mich, an Bord zu kommen. Wir setzten daraufhin die Segel, und am nächsten Tag, dem 23., kam ich an dem ersehnten Ort an, nach einer Abwesenheit von sechs Monaten, in denen ich mehr als einmal die rettende Hand der Vorsehung erfahren hatte, als alle menschlichen Mittel, dem Verderben zu entkommen, hoffnungslos schienen. Ich sah meine Freunde mit einer Herzensfreude, die durch meine Abwesenheit und die Gefahren, denen ich entgangen war, noch vergrößert wurde, und ich wurde von ihnen allen mit großer Freundschaft empfangen, besonders aber von Herrn King, dem ich das Schicksal seiner Schaluppe, der Nancy, und die Ursachen ihres Wracks berichtete. Ich erfuhr nun mit äußerstem Kummer, dass sein Haus während meiner Abwesenheit durch den Bruch eines Teichs auf dem Gipfel eines Berges, der der Stadt Plymouth gegenüberlag, weggeschwemmt worden war. Er riss einen großen Teil der Stadt mit sich, und Herr King verlor durch die Überschwemmung eine Menge Eigentum und beinahe sein Leben. Als ich ihm sagte, dass ich in jener Saison nach London zu gehen beabsichtige und dass ich gekommen sei, um ihn vor meiner Abreise zu besuchen, drückte der gute Mann viel Zuneigung für mich aus und Bedauern darüber, dass ich ihn verlassen würde, und riet mir herzlich, dort zu bleiben; wobei er darauf bestand, da ich bei allen Herren des Ortes sehr geachtet sei, dass ich es zu etwas bringen und in kurzer Zeit eigenes Land und Sklaven haben könnte. Ich dankte ihm für diesen Beweis seiner Freundschaft; aber da ich sehr wünschte, in London zu sein, lehnte ich es ab, länger dort zu bleiben, und bat ihn, mich zu entschuldigen. Ich bat ihn daraufhin, so freundlich zu sein, mir ein Zeugnis über mein Verhalten während meiner Zeit in seinem Dienst auszustellen, was er sehr bereitwillig tat und mir Folgendes gab:
Montserrat, 26. Januar 1767.
„Der Überbringer dieses, Gustavus Vassa, war über drei Jahre lang mein Sklave, während derer er sich stets gut betragen und seine Pflicht mit Ehrlichkeit und Eifer erfüllt hat.
Robert King.
An alle, die dies betrifft.“
Nachdem ich dies erhalten hatte, trennte ich mich von meinem gütigen Herrn, nach vielen aufrichtigen Bekundungen von Dankbarkeit und Hochachtung, und bereitete mich auf meine Abreise nach London vor. Ich vereinbarte sofort, mit einem Kapitän John Hamer für sieben Guineen die Überfahrt nach London auf einem Schiff namens Andromache anzutreten; und am 24. und 25. hatte ich, wie man sie nennt, freie Tänze mit einigen meiner Landsleute, bevor ich aufbrach; danach verabschiedete ich mich von all meinen Freunden, und am 26. schiffte ich mich nach London ein, überaus froh, mich wieder an Bord eines Schiffes zu sehen; und noch mehr, den Kurs zu steuern, den ich mir lange gewünscht hatte. Mit leichtem Herzen sagte ich Montserrat Lebewohl und habe seitdem nie wieder einen Fuß darauf gesetzt; und damit sagte ich dem Klang der grausamen Peitsche und allen anderen schrecklichen Folterinstrumenten adieu; adieu dem beleidigenden Anblick der geschändeten Keuschheit der dunkelhäutigen Frauen, der meine Augen nur zu oft begegnet war; adieu den Unterdrückungen (obwohl für mich weniger schwer als für die meisten meiner Landsleute); und adieu den wütend heulenden, brandenden Wellen. Ich wünschte mir ein dankbares und erkenntliches Herz, um den Herrn Gott in der Höhe für all seine Gnaden zu preisen!
Wir hatten eine höchst erfolgreiche Reise und kamen nach sieben Wochen an den Cherry-Garden Stairs an. So wurden meine sehnsüchtigen Augen nach einer Abwesenheit von über vier Jahren wieder einmal mit dem Anblick Londons erfreut. Ich erhielt sofort meinen Lohn, und ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so schnell sieben Guineen verdient; ich hatte insgesamt siebenunddreißig Guineen, als ich das Schiff verließ. Ich trat nun in eine Szene ein, die mir völlig neu, aber voller Hoffnung war. In dieser Lage waren meine ersten Gedanken, nach einigen meiner früheren Freunde Ausschau zu halten, und unter den ersten von ihnen waren die Miss Guerins. Sobald ich mich also erfrischt hatte, machte ich mich auf die Suche nach diesen freundlichen Damen, die ich sehr ungeduldig zu sehen wünschte; und nach einiger Mühe und Ausdauer fand ich sie am May's-hill in Greenwich. Sie waren höchst angenehm überrascht, mich zu sehen, und ich war überglücklich, sie zu treffen. Ich erzählte ihnen meine Geschichte, worüber sie großes Erstaunen ausdrückten und freimütig zugaben, dass sie ihrem Cousin, Capt. Pascal, keine Ehre machte. Er besuchte sie dann häufig; und ich traf ihn vier oder fünf Tage später im Greenwich Park. Als er mich sah, schien er ziemlich überrascht und fragte mich, wie ich zurückgekommen sei? Ich antwortete: „Auf einem Schiff.“ Worauf er trocken erwiderte: „Ich nehme an, du bist nicht auf dem Wasser nach London zurückgelaufen.“ Da ich an seinem Verhalten sah, dass er sein Benehmen mir gegenüber nicht zu bereuen schien und ich keinen Grund hatte, irgendein Entgegenkommen von ihm zu erwarten, sagte ich ihm, dass er mich sehr schlecht behandelt habe, nachdem ich ihm so viele Jahre lang ein so treuer Diener gewesen sei; worauf er sich, ohne weiter etwas zu sagen, umdrehte und wegging. Ein paar Tage später traf ich Capt. Pascal im Haus von Miss Guerin und bat ihn um mein Prisengeld. Er sagte, es stünde mir nichts zu; denn wenn mein Prisengeld auch 10.000 £ betragen hätte, so hätte er ein Anrecht auf alles. Ich sagte ihm, dass ich anders unterrichtet worden sei; worauf er mir trotzte und mich in spöttischem Ton aufforderte, einen Prozess gegen ihn anzustrengen: „Es gibt genug Anwälte“, sagte er, „die sich des Falles annehmen werden, und du solltest es besser versuchen.“ Ich sagte ihm dann, dass ich es versuchen würde, was ihn sehr erzürnte; aus Rücksicht auf die Damen blieb ich jedoch ruhig und stellte keine weiteren Forderungen nach meinem Recht. Einige Zeit später fragten mich diese freundlichen Damen, was ich mit mir anzufangen gedächte und wie sie mir behilflich sein könnten. Ich dankte ihnen und sagte, wenn sie wollten, würde ich ihr Diener sein; falls nicht, da ich siebenunddreißig Guineen besäße, die mich für einige Zeit versorgen würden, wäre ich ihnen sehr verbunden, wenn sie mich bei jemandem empfehlen könnten, der mich ein Handwerk lehren würde, womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Sie antworteten mir sehr höflich, dass es ihnen leid täte, dass es ihnen nicht passe, mich als ihren Diener anzunehmen, und fragten mich, welches Handwerk ich lernen möchte? Ich sagte: Friseur. Sie versprachen mir daraufhin, mir dabei zu helfen; und kurz darauf empfahlen sie mich einem Herrn, den ich schon früher gekannt hatte, einem gewissen Capt. O'Hara, der mich mit großer Güte behandelte und mir einen Meister, einen Friseur im Coventry-court am Haymarket, verschaffte, bei dem er mich unterbrachte. Ich war bei diesem Mann von September bis zum darauffolgenden Februar. In dieser Zeit hatten wir einen Nachbarn im selben Hof, der das Waldhorn lehrte. Er blies es so gut, dass ich davon bezaubert war, und kam mit ihm überein, dass er mich das Blasen lehren solle. Dementsprechend nahm er mich unter seine Fittiche, begann mich zu unterweisen, und ich lernte bald alle drei Stimmen. Ich fand großen Gefallen daran, auf diesem Instrument zu blasen, da die Abende lang waren; und abgesehen davon, dass ich es liebte, wollte ich nicht untätig sein, und es füllte meine freien Stunden auf unschuldige Weise aus. Zu dieser Zeit kam ich auch mit dem Rev. Mr. Gregory überein, der im selben Hof wohnte, wo er eine Akademie und eine Abendschule unterhielt, meine Arithmetik zu verbessern. Dies tat er bis hin zu Tauschhandel und Alligation; so dass ich die ganze Zeit, die ich dort war, vollauf beschäftigt war. Im Februar 1768 verdingte ich mich bei Dr. Charles Irving in Pall-mall, der für seine erfolgreichen Experimente zur Entsalzung von Meerwasser so berühmt war; und hier hatte ich reichlich Gelegenheit, meine Hand im Frisieren zu üben. Dieser Herr war ein ausgezeichneter Meister; er war überaus freundlich und gutmütig und erlaubte mir, abends meine Schulen zu besuchen, was ich als einen großen Segen empfand; daher dankte ich Gott und ihm dafür und wandte all meinen Fleiß auf, um die Gelegenheit zu nutzen. Dieser Fleiß und diese Aufmerksamkeit empfahlen mich der Beachtung und Fürsorge meiner drei Lehrer, die ihrerseits große Mühe auf meine Unterweisung verwandten und zudem alle sehr freundlich zu mir waren. Mein Lohn jedoch, der um zwei Drittel geringer war als je zuvor in meinem Leben (denn ich hatte nur 12 £ pro Jahr), würde, wie ich bald feststellte, nicht ausreichen, um diese außerordentlichen Ausgaben für die Meister und meine eigenen notwendigen Kosten zu bestreiten; meine alten siebenunddreißig Guineen waren bis zu diesem Zeitpunkt bis auf eine einzige aufgezehrt. Ich hielt es daher für das Beste, es wieder mit der See zu versuchen, um mehr Geld zu verdienen, da ich dazu ausgebildet war und den Beruf bisher als erfolgreich empfunden hatte. Ich hatte auch ein sehr großes Verlangen, die Türkei zu sehen, und ich beschloss nun, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Dementsprechend teilte ich dem Doktor im Monat Mai 1768 meinen Wunsch mit, wieder zur See zu fahren, wogegen er keinen Einwand erhob; und wir trennten uns in freundschaftlichem Einvernehmen. Am selben Tag ging ich in die Stadt auf der Suche nach einem Meister. Ich war bei meiner Erkundigung äußerst glücklich; denn ich hörte bald von einem Herrn, der ein Schiff nach Italien und in die Türkei hatte, und er brauchte einen Mann, der gut Haare frisieren konnte. Ich war darüber hocherfreut und begab mich sofort an Bord seines Schiffes, wie man mir gesagt hatte, das ich mit großem Geschmack eingerichtet fand, und ich ahnte bereits, dass ich nicht wenig Vergnügen haben würde, auf ihr zu segeln. Da ich den Herrn nicht an Bord antraf, wurde ich an seine Unterkunft verwiesen, wo ich ihn am nächsten Tag traf und ihm eine Kostprobe meiner Frisierkunst gab. Sie gefiel ihm so gut, dass er mich sofort einstellte, so dass ich vollkommen glücklich war; denn das Schiff, der Kapitän und die Reise waren ganz nach meinem Geschmack. Das Schiff hieß Delawar, und mein Kapitän hieß John Jolly, ein sauberer, smarter, gutgelaunter Mann, genau so einer, dem ich dienen wollte. Wir segelten im darauffolgenden Juli von England ab, und unsere Reise war äußerst angenehm. Wir fuhren nach Villa Franca, Nizza und Livorno; und an all diesen Orten war ich von der Üppigkeit und Schönheit der Länder bezaubert und von den eleganten Gebäuden beeindruckt, von denen sie wimmeln. Wir hatten dort immer reichlich außerordentlich gute Weine und reiche Früchte, die ich sehr liebte; und ich hatte häufig Gelegenheit, sowohl meinen Geschmack als auch meine Neugier zu befriedigen; denn mein Kapitän wohnte an diesen Orten immer an Land, was mir die Gelegenheit gab, das umliegende Land zu sehen. Ich lernte auch Navigation vom Steuermann, was mir sehr gefiel. Als wir Italien verließen, hatten wir eine herrliche Fahrt zwischen den Inseln des Archipels und von dort nach Smyrna in der Türkei. Dies ist eine sehr alte Stadt; die Häuser sind aus Stein gebaut, und die meisten haben Gräber, die an sie angrenzen; so dass sie manchmal den Anschein von Friedhöfen erwecken. Vorräte sind in dieser Stadt sehr reichlich vorhanden, und guter Wein kostet weniger als einen Penny pro Pint. Die Trauben, Granatäpfel und viele andere Früchte waren ebenfalls die reichhaltigsten und größten, die ich je gekostet habe. Die Einheimischen sind gut aussehend und kräftig gebaut und behandelten mich immer mit großer Höflichkeit. Im Allgemeinen glaube ich, dass sie Schwarze mögen; und etliche von ihnen luden mich eindringlich ein, bei ihnen zu bleiben, obwohl sie die Franken oder Christen getrennt halten und nicht dulden, dass sie unmittelbar unter ihnen wohnen. Ich war erstaunt, keine Frauen in ihren Läden zu sehen und nur sehr selten welche auf den Straßen; und wann immer ich doch welche sah, waren sie von Kopf bis Fuß mit einem Schleier bedeckt, so dass ich ihre Gesichter nicht sehen konnte, außer wenn eine von ihnen sie aus Neugier lüftete, um mich anzusehen, was sie manchmal taten. Ich war überrascht zu sehen, wie die Griechen gewissermaßen von den Türken unterdrückt werden, so wie die Neger in Westindien von den Weißen. Die weniger kultivierten Griechen, wie ich bereits angedeutet habe, tanzen hier auf die gleiche Weise wie wir in meinem Volk. Alles in allem gefielen mir der Ort und die Türken während unseres Aufenthalts dort, der etwa fünf Monate dauerte, außerordentlich gut. Ich konnte nicht umhin, einen sehr bemerkenswerten Umstand dort zu bemerken: die Schwänze der Schafe sind flach und so sehr groß, dass ich erlebt habe, dass der Schwanz selbst eines Lammes elf bis dreizehn Pfund wog. Das Fett davon ist sehr weiß und reichhaltig und eignet sich hervorragend für Puddings, wofür es viel verwendet wird. Nachdem unser Schiff schließlich reichlich mit Seide und anderen Artikeln beladen war, segelten wir nach England.
Im Mai 1769, kurz nach unserer Rückkehr aus der Türkei, machte unser Schiff eine herrliche Reise nach Porto in Portugal, wo wir zur Zeit des Karnevals ankamen. Bei unserer Ankunft wurden uns sechsunddreißig Artikel an Bord geschickt, die wir zu beachten hatten, bei sehr hohen Strafen, falls wir einen davon verletzen sollten; und niemand von uns wagte es auch nur, ein anderes Schiff oder das Ufer zu betreten, bis die Inquisition an Bord gekommen war und alles Illegale, besonders Bibeln, durchsucht hatte. Solche, die vorgezeigt wurden, und bestimmte andere Dinge wurden an Land geschickt, bis die Schiffe abfuhren; und jede Person, in deren Gewahrsam eine versteckte Bibel gefunden wurde, sollte inhaftiert, ausgepeitscht und für zehn Jahre in die Sklaverei geschickt werden. Ich sah hier viele sehr großartige Schauspiele, besonders den Garten Eden, wo viele Geistliche und Laien in Prozessionen in ihren verschiedenen Orden mit der Hostie zogen und Te Deum sangen. Ich hatte große Neugier, in einige ihrer Kirchen zu gehen, konnte aber ohne die notwendige Besprengung mit Weihwasser bei meinem Eintritt keinen Zutritt erlangen. Aus Neugier und dem Wunsch, heilig zu sein, fügte ich mich daher dieser Zeremonie, doch ihre Tugenden gingen an mir verloren, denn ich fand, dass ich dadurch um nichts besser wurde. Dieser Ort ist reich an Vorräten aller Art. Die Stadt ist gut gebaut und hübsch und bietet eine schöne Aussicht. Nachdem unser Schiff eine Ladung Wein und andere Waren aufgenommen hatte, segelten wir nach London und kamen im darauffolgenden Juli an. Unsere nächste Reise ging ins Mittelmeer. Das Schiff wurde wieder bereit gemacht, und wir segelten im September nach Genua. Dies ist eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe; einige der Gebäude waren aus schönem Marmor und machten einen sehr edlen Eindruck; und viele hatten sehr kuriose Brunnen vor sich. Die Kirchen waren reich und prachtvoll und sowohl innen als auch außen auf kuriose Weise geschmückt. Aber all diese Pracht wurde in meinen Augen durch die Galeerensklaven entehrt, deren Zustand dort wie auch in anderen Teilen Italiens wahrhaft erbärmlich und elend ist. Nachdem wir dort einige Wochen geblieben waren, während derer wir viele verschiedene Dinge kauften, die wir brauchten, und sie sehr billig bekamen, segelten wir nach Neapel, einer bezaubernden Stadt, die bemerkenswert sauber ist. Die Bucht ist die schönste, die ich je gesehen habe; die Molen für die Schifffahrt sind ausgezeichnet. Ich fand es außergewöhnlich, dass hier sonntags große Opern aufgeführt wurden, die sogar von ihren Majestäten besucht wurden. Auch ich, wie diese Großen, ging zu diesen Schauspielen und diente vergeblich tagsüber Gott, während ich so des Nachts dem Mammon wirksam diente. Während wir hier verblieben, ereignete sich ein Ausbruch des Vesuvs, den ich vollkommen überblicken konnte. Er war äußerst ehrfurchtgebietend; und wir waren so nah, dass die Asche davon dick auf unserem Deck lag. Nachdem wir unsere Geschäfte in Neapel erledigt hatten, segelten wir mit günstigem Wind wieder einmal nach Smyrna, wo wir im Dezember ankamen. Ein Seraskier oder Offizier fand Gefallen an mir und wollte, dass ich bleibe, und bot mir zwei Ehefrauen an; ich lehnte die Versuchung jedoch ab. Die Kaufleute reisen hier in Karawanen oder großen Gesellschaften. Ich habe viele Karawanen aus Indien mit einigen hundert Kamelen gesehen, die mit verschiedenen Waren beladen waren. Die Leute dieser Karawanen sind ganz braun. Unter anderen Artikeln brachten sie eine große Menge Heuschrecken mit, die eine Art Hülsenfrucht sind, süß und angenehm für den Gaumen und in ihrer Form französischen Bohnen ähneln, aber länger. Jede Art von Ware wird in einer eigenen Straße verkauft, und ich habe die Türken immer als sehr ehrlich in ihren Geschäften empfunden. Sie lassen keine Christen in ihre Moscheen oder Kirchen, was mir sehr leid tat; da ich es immer liebte, die verschiedenen Arten der Gottesverehrung der Menschen zu sehen, wo immer ich auch hinkam. Die Pest brach aus, während wir in Smyrna waren, und wir hörten auf, Waren in das Schiff zu laden, bis sie vorüber war. Sie war dann reich beladen, und wir segelten etwa im März 1770 nach England. Eines Tages auf unserer Fahrt ereignete sich ein Unfall, bei dem das Schiff beinahe verbrannt wäre. Ein schwarzer Koch verschüttete beim Ausschmelzen von Fett die Pfanne in das Feuer unter Deck, das sofort anfing zu lodern, und die Flamme schlug sehr hoch unter das Vormars. Vor Schreck wurde der arme Koch fast weiß und völlig sprachlos. Glücklicherweise löschten wir das Feuer jedoch, ohne großen Schaden anzurichten. Nach verschiedenen Verzögerungen auf dieser Überfahrt, die mühsam war, kamen wir im Juli im Standgate Creek an; und gegen Ende des Jahres trug sich ein neues Ereignis zu, so dass mein edler Kapitän, das Schiff und ich alle getrennte Wege gingen.
Im April 1771 heuerte ich als Steward bei Capt. Wm. Robertson auf dem Schiff Grenada Planter an, um noch einmal mein Glück in Westindien zu versuchen; und wir segelten von London nach Madeira, Barbados und Grenada. Als wir an diesem letzten Ort waren und einige Waren zu verkaufen hatten, traf ich wieder einmal auf meine frühere Art von westindischen Kunden. Ein weißer Mann, ein Inselbewohner, kaufte mir einige Waren im Wert von etlichen Pfund ab und machte mir wie üblich viele schöne Versprechungen, jedoch ohne die Absicht, mich zu bezahlen. Er hatte auch Waren von einigen anderen unserer Leute gekauft, denen er es auf dieselbe Weise heimzahlen wollte; aber er vertröstete uns immer wieder mit Versprechungen. Als unser Schiff jedoch beladen und kurz vor der Abfahrt war, zeigte dieser ehrliche Käufer keine Absicht oder Anzeichen, für irgendetwas zu bezahlen, das er von uns gekauft hatte; im Gegenteil, als ich ihn um mein Geld bat, bedrohte er mich und einen anderen schwarzen Mann, dem er Waren abgekauft hatte, so dass wir feststellen mussten, dass wir eher Schläge als Bezahlung zu erwarten hatten. Daraufhin gingen wir, um uns bei einem gewissen Mr. M'Intosh, einem Friedensrichter, zu beschweren; wir erzählten seiner Hochwohlgeboren von den schurkischen Tricks des Mannes und baten ihn, so gütig zu sein und uns zu unserem Recht zu verhelfen: aber da wir Neger waren, wenn auch frei, konnten wir keine Abhilfe bekommen; und da unser Schiff gerade kurz vor dem Auslaufen stand, wussten wir uns nicht anders zu helfen, obwohl wir es hart fanden, unser Eigentum auf diese Weise zu verlieren. Zu unserem Glück jedoch schuldete dieser Mann auch drei weißen Seeleuten Geld, die keinen Pfennig von ihm bekommen konnten; sie schlossen sich daher bereitwillig uns an, und wir machten uns alle gemeinsam auf die Suche nach ihm. Als wir ihn fanden, zog ich ihn aus einem Haus heraus und drohte ihm mit Rache; woraufhin der Schurke, als er merkte, dass er wahrscheinlich grob angefasst würde, jedem von uns eine kleine Abfindung anbot, aber bei weitem nicht das, was wir forderten. Dies brachte uns noch mehr auf; und einige wollten ihm die Ohren abschneiden; aber er flehte inständig um Gnade, die ihm schließlich gewährt wurde, nachdem wir ihn vollständig ausgeraubt hatten. Wir ließen ihn dann gehen, wofür er uns dankte, froh, so leicht davongekommen zu sein, und lief in die Büsche, nachdem er uns eine gute Reise gewünscht hatte. Wir begaben uns dann wieder an Bord und stachen kurz darauf in See Richtung England. Ich kann nicht umhin, hier eine sehr knappe Rettung zu erwähnen, die wir vor dem In-die-Luft-Gehen hatten, was einer Nachlässigkeit meinerseits zuzuschreiben war. Gerade als unser Schiff unter Segel war, ging ich in die Kabine, um einige Geschäfte zu erledigen, und hatte eine brennende Kerze in der Hand, die ich in meiner Eile, ohne nachzudenken, in ein Fass mit Schießpulver hielt. Sie blieb im Pulver, bis es beinahe Feuer fing, als ich es glücklicherweise bemerkte und sie rechtzeitig herausriss, und durch göttliche Vorsehung geschah kein Schaden; aber ich war so von Schrecken überwältigt, dass ich bei dieser Errettung sofort in Ohnmacht fiel.
Nach achtundzwanzig Tagen kamen wir in England an, und ich verließ dieses Schiff. Da ich jedoch noch immer einen unsteten Hang verspürte und wünschte, so viele verschiedene Teile der Welt wie möglich zu sehen, heuerte ich kurz darauf im selben Jahr als Steward auf einem schönen großen Schiff namens Jamaica an, unter Kapitän David Watt; wir segelten im Dezember 1771 von England nach Nevis und Jamaika. Ich fand, dass Jamaika eine sehr schöne große Insel war, gut bevölkert und die bedeutendste der westindischen Inseln. Es gab hier eine riesige Anzahl von Negern, die, wie ich feststellte, wie üblich von den Weißen außerordentlich schikaniert wurden, und die Sklaven wurden wie auf den anderen Inseln bestraft. Es gibt Neger, deren Aufgabe es ist, Sklaven auszupeitschen; sie ziehen bei verschiedenen Leuten um Arbeit herum, und die übliche Bezahlung liegt bei ein bis vier Bits. Ich sah viele grausame Strafen, die den Sklaven in der kurzen Zeit, die ich dort verbrachte, zugefügt wurden. Insbesondere war ich zugegen, als ein armer Kerl aufgehängt und an den Handgelenken in einigem Abstand vom Boden gehalten wurde, woraufhin ihm einige Gewichte von einem halben Zentner an die Knöchel gebunden wurden; in dieser Haltung wurde er unbarmherzig ausgepeitscht. Es gab auf der Insel auch, wie ich hörte, zwei verschiedene Herren, die für ihre Grausamkeit bekannt waren und zwei Neger nackt an Pfähle gebunden hatten, woraufhin sie innerhalb von zwei Stunden von Ungeziefer zu Tode gestochen wurden. Ich hörte einen Gentleman, den ich gut kannte, meinem Kapitän erzählen, dass er einen Neger zum Feuertod verurteilt habe, weil dieser versucht hatte, einen Aufseher zu vergiften. Ich übergehe zahlreiche weitere Beispiele, um den Leser durch eine mildere Szene von Spitzbüberei zu entlasten. Ehe ich lange auf der Insel war, kaufte ein gewisser Mr. Smith in Port Morant Waren von mir im Wert von fünfundzwanzig Pfund Sterling; doch als ich Bezahlung von ihm forderte, wollte er mich jedes Mal verprügeln und drohte mir, er werde mich ins Gefängnis werfen. Einmal behauptete er, ich wolle sein Haus in Brand stecken, ein anderes Mal schwor er, ich wolle mit seinen Sklaven davonlaufen. Ich war erstaunt über diese Behandlung durch eine Person, die als Gentleman galt, doch ich hatte keine Wahl; ich musste mich daher fügen. Als ich nach Kingston kam, war ich überrascht, die Anzahl der Afrikaner zu sehen, die sonntags zusammenkamen; besonders an einem großen, geräumigen Ort namens Spring Path. Hier treffen sich die verschiedenen Völker Afrikas und tanzen nach der Art ihres eigenen Landes. Sie bewahren noch immer die meisten ihrer ursprünglichen Bräuche: Sie bestatten ihre Toten und legen Speisen, Pfeifen und Tabak sowie andere Dinge mit den Leichen ins Grab, genau wie in Afrika. Nachdem unser Schiff seine Ladung erhalten hatte, segelten wir nach London, wo wir im folgenden August ankamen. Nach meiner Rückkehr nach London suchte ich meinen alten und guten Herrn, Dr. Irving, auf, der mir seine Dienste erneut anbot. Da ich nun des Meeres überdrüssig war, nahm ich das Angebot gerne an. Ich war sehr glücklich, wieder bei diesem Gentleman zu leben; während dieser Zeit waren wir täglich damit beschäftigt, Neptuns Herrschaftsbereich zu verkleinern, indem wir das salzige Element reinigten und es genießbar machten. So ging es bis Mai 1773, als ich vom Ruf des Ruhms dazu angestachelt wurde, neue Abenteuer zu suchen und in Richtung des Nordpols das zu finden, was unser Schöpfer nie für uns vorgesehen hatte: eine Passage nach Indien. Es wurde eine Expedition ausgerüstet, um eine Nordostpassage zu erkunden, geleitet vom Honourable John Constantine Phipps, dem späteren Lord Mulgrave, auf seiner Majestät Kriegsschaluppe Race Horse. Da mein Herr auf den Ruf dieses Abenteuers bedacht war, bereiteten wir alles für unsere Reise vor, und ich begleitete ihn am 24. Mai 1773 an Bord der Race Horse. Wir fuhren nach Sheerness, wo wir von seiner Majestät Schaluppe Carcass, unter dem Kommando von Kapitän Lutwidge, verstärkt wurden. Am 4. Juni segelten wir in Richtung unseres Zielortes, des Pols; und am 15. desselben Monats befanden wir uns vor Shetland. An diesem Tag erfuhr ich eine große und unerwartete Errettung von einem Unfall, der beinahe das Schiff in die Luft gesprengt und die Mannschaft vernichtet hätte, was mich für den Rest der Reise ungemein vorsichtig machte. Das Schiff war so vollgestopft, dass kaum Platz für irgendjemanden an Bord war, was mich in eine sehr missliche Lage brachte. Ich hatte mir vorgenommen, ein Tagebuch dieser eigenartigen und interessanten Reise zu führen; und ich hatte für diesen Zweck keinen anderen Ort als eine kleine Kabine oder die Vorratskammer des Doktors, wo ich schlief. Dieser kleine Ort war vollgestopft mit allen möglichen brennbaren Stoffen, insbesondere mit Werg und Scheidewasser sowie vielen anderen gefährlichen Dingen. Unglücklicherweise geschah es am Abend, als ich mein Tagebuch schrieb, dass ich die Kerze aus der Laterne nehmen musste, und nachdem ein Funke einen einzelnen Faden des Wergs berührt hatte, fing der gesamte Rest Feuer, und augenblicklich stand alles in Flammen. Ich sah nichts als meinen unmittelbaren Tod vor mir und erwartete, der Erste zu sein, der in den Flammen umkäme. Im Nu verbreitete sich der Alarm, und viele Leute, die in der Nähe waren, eilten herbei, um beim Löschen des Feuers zu helfen. Die ganze Zeit über befand ich mich inmitten der Flammen; mein Hemd und das Tuch an meinem Hals waren verbrannt, und ich erstickte beinahe am Rauch. Doch durch Gottes Barmherzigkeit, als ich fast alle Hoffnung aufgegeben hatte, brachten einige Leute Decken und Matratzen und warfen sie auf die Flammen, wodurch das Feuer in kurzer Zeit gelöscht wurde. Ich wurde von den Offizieren, die davon erfuhren, streng getadelt und bedroht und angewiesen, niemals wieder mit einem Licht dorthin zu gehen: Und in der Tat ließen mich meine eigenen Ängste diesen Befehl für eine Weile befolgen; aber schließlich, da ich mein Tagebuch an keinem anderen Ort des Schiffes schreiben konnte, war ich versucht, es heimlich erneut mit einem Licht in derselben Kabine zu wagen, wenn auch nicht ohne erhebliche Furcht und Angst im Herzen. Am 20. Juni begannen wir, Dr. Irvings Apparat zur Entsalzung von Meerwasser zu benutzen; ich pflegte die Destillationsanlage zu bedienen: Ich reinigte häufig zwischen sechsundzwanzig und vierzig Gallonen am Tag. Das so destillierte Wasser war vollkommen rein, schmeckte gut und war frei von Salz; es wurde bei verschiedenen Gelegenheiten an Bord des Schiffes verwendet. Am 28. Juni, auf 78 Grad Breite, erreichten wir Grönland, wo ich erstaunt feststellte, dass die Sonne nicht unterging. Das Wetter wurde nun extrem kalt; und als wir zwischen Nord und Ost segelten, was unser Kurs war, sahen wir viele sehr hohe und merkwürdige Eisberge; sowie eine große Anzahl sehr großer Wale, die dicht an unser Schiff herankamen und das Wasser in sehr große Höhe in die Luft bliesen. Eines Morgens hatten wir riesige Mengen von Seepferden um das Schiff, die genau wie andere Pferde wieherten. Wir feuerten einige Harpuniere auf sie ab, um welche zu fangen, aber wir konnten keines erwischen. Am 30. kam der Kapitän eines grönländischen Schiffes an Bord und erzählte uns von drei Schiffen, die im Eis verloren gegangen waren; dennoch hielten wir unseren Kurs bis zum 11. Juli, als wir von einer einzigen kompakten, undurchdringlichen Eismasse gestoppt wurden. Wir fuhren über zehn Grad lang von Ost nach West daran entlang; und am 27. erreichten wir den Norden bei 80 Grad 37 Minuten; und auf 19 oder 20 Grad östlicher Länge von London aus. Am 29. und 30. Juli sahen wir eine zusammenhängende Ebene aus glattem, ungebrochenem Eis, die nur vom Horizont begrenzt wurde; und wir machten an einem Eisstück fest, das acht Yards und elf Zoll dick war. Wir hatten meist Sonnenschein und ständiges Tageslicht; was diesem auffallenden, großartigen und ungewöhnlichen Anblick Heiterkeit und Neuheit verlieh; und um es noch zu steigern, verlieh die Reflexion der Sonne vom Eis den Wolken ein wunderschönes Aussehen. Wir töteten zu dieser Zeit viele verschiedene Tiere, darunter neun Bären. Obwohl sie nichts in ihren Mägen hatten als Wasser, waren sie alle sehr fett. Wir pflegten sie manchmal durch das Verbrennen von Federn oder Fellen zum Schiff zu locken. Ich fand sie als Nahrung grob, aber einige der Schiffsbesatzung genossen sie sehr. Einige unserer Leute feuerten einmal vom Boot aus auf ein Seepferd und verwundeten es, woraufhin es sofort abtauchte; kurz darauf tauchte es mit einer Anzahl anderer wieder auf. Sie griffen gemeinsam das Boot an, und es konnte nur mit Mühe verhindert werden, dass sie es zertrümmerten oder zum Kentern brachten; aber ein Boot von der Carcass war unserem zu Hilfe gekommen, schloss sich ihm an, und sie zerstreuten sich, nachdem sie einem der Männer ein Ruder entrissen hatten. Eines der Schiffsboote war zuvor auf dieselbe Weise angegriffen worden, aber glücklicherweise war kein Schaden entstanden. Obwohl wir mehrere dieser Tiere verwundeten, bekamen wir nie mehr als eines. Wir blieben dort in der Nähe bis zum 1. August, als die beiden Schiffe vollständig im Eis feststeckten, was durch das lose Eis verursacht wurde, das vom Meer her hereinbrach. Dies machte unsere Lage sehr schrecklich und beunruhigend; so dass wir am 7. Tag große Befürchtungen hatten, die Schiffe könnten in Stücke zerquetscht werden. Die Offiziere hielten nun einen Rat ab, um zu wissen, was das Beste sei, das wir tun könnten, um unser Leben zu retten; und es wurde beschlossen, dass wir versuchen sollten zu entkommen, indem wir unsere Boote über das Eis in Richtung des Meeres zogen; welches jedoch weiter entfernt war, als irgendeiner von uns dachte. Dieser Beschluss erfüllte uns mit äußerster Niedergeschlagenheit und bestürzte uns mit Verzweiflung; denn wir hatten nur sehr wenig Aussicht, mit dem Leben davonzukommen. Wir sägten jedoch etwas Eis um die Schiffe herum, um sie vor Schaden zu bewahren; und hielten sie so in einer Art Teich. Wir begannen dann, die Boote so gut wir konnten in Richtung Meer zu ziehen; aber nach zwei oder drei Tagen Arbeit machten wir nur sehr geringe Fortschritte; so dass einigen von uns das Herz völlig versagte, und ich begann mich wirklich für verloren zu halten, als ich unsere ringsum drohenden Katastrophen sah. Während wir bei dieser harten Arbeit waren, fiel ich einmal in einen Teich, den wir inmitten des losen Eises angelegt hatten, und wäre beinahe ertrunken; aber glücklicherweise waren Leute in der Nähe, die mir sofort zu Hilfe kamen, wodurch ich dem Ertrinken entkam. Unser beklagenswerter Zustand, der die ständige Befürchtung nährte, im Eis umzukommen, brachte mich allmählich dazu, über die Ewigkeit auf eine Weise nachzudenken, wie ich es nie zuvor getan hatte. Ich hatte stündlich Todesangst und schauderte bei dem Gedanken, dem grimmigen König des Schreckens in dem natürlichen Zustand gegenüberzutreten, in dem ich mich damals befand, und zweifelte sehr an einer glücklichen Ewigkeit, sollte ich in diesem Zustand sterben. Ich hatte keine Hoffnung, dass mein Leben noch lange verlängert würde; denn wir sahen, dass unsere Existenz auf dem Eis nicht lange dauern konnte, nachdem wir die Schiffe verlassen hatten, die nun außer Sichtweite und einige Meilen von den Booten entfernt waren. Unser Aussehen wurde nun wahrhaft erbärmlich; blasse Niedergeschlagenheit ergriff jedes Gesicht; viele, die zuvor Gotteslästerer gewesen waren, begannen in dieser unserer Not den gütigen Gott des Himmels um seine Hilfe anzuflehen; und in der Zeit unserer größten Not erhörte er uns und errettete uns gegen alle Hoffnung oder menschliche Wahrscheinlichkeit! Es war der elfte Tag, an dem die Schiffe so festsaßen, und der vierte Tag unseres mühsamen Ziehens der Boote, als der Wind auf Ost-Nordost drehte. Das Wetter wurde augenblicklich mild, und das Eis brach in Richtung des Meeres auf, das südwestlich von uns lag. Viele von uns gelangten daraufhin wieder an Bord, und mit all unserer Kraft hievten wir die Schiffe in jedes offene Wasser, das wir finden konnten, und setzten alle Segel, die wir konnten; und nun, da wir eine Aussicht auf Erfolg hatten, gaben wir Signale für die Boote und den Rest der Leute. Dies schien uns wie ein Aufschub vor dem Tode; und glücklich war der Mann, der zuerst an Bord eines Schiffes oder zum ersten Boot gelangen konnte, das er antraf. Wir fuhren dann auf diese Weise fort, bis wir wieder in offenes Wasser gelangten, was uns in etwa dreißig Stunden gelang, zu unserer unendlichen Freude und Herzenslust. Sobald wir außer Gefahr waren, gingen wir vor Anker und reparierten das Schiff; und am 19. August segelten wir von diesem unbewohnten Ende der Welt fort, wo das unwirtliche Klima weder Nahrung noch Schutz bietet und kein Baum oder Strauch irgendeiner Art zwischen seinen kargen Felsen wächst; sondern alles ist eine trostlose und ausgedehnte Eiswüste, die selbst die beständigen Sonnenstrahlen für sechs Monate im Jahr nicht durchdringen oder auflösen können. Da die Sonne nun abnahm, verkürzten sich die Tage, als wir nach Süden segelten; und am 28. war es auf dem 73. Breitengrad bereits um zehn Uhr abends dunkel. Am 10. September, auf dem 58. bis 59. Breitengrad, trafen wir auf einen sehr schweren Sturm und hohe See und nahmen innerhalb von zehn Stunden eine große Menge Wasser auf. Dies ließ uns einen ganzen Tag lang außerordentlich hart an allen unseren Pumpen arbeiten; und eine Welle, die das Schiff mit mehr Wucht traf als alles, was ich je zuvor in dieser Art erlebt hatte, setzte es für einige Zeit unter Wasser, so dass wir dachten, es würde sinken. Zwei Boote wurden von den Bäumen gewaschen, und das Beiboot von den Lagerböcken: alle anderen beweglichen Dinge an Deck wurden ebenfalls weggespült, darunter viele kuriose Dinge verschiedener Art, die wir aus Grönland mitgebracht hatten; und wir waren gezwungen, um das Schiff zu erleichtern, einige unserer Kanonen über Bord zu werfen. Wir sahen gleichzeitig ein Schiff in sehr großer Not, und seine Masten waren weg; aber wir waren außerstande, ihm zu helfen. Wir verloren nun die Carcass aus den Augen bis zum 26., als wir Land bei Orfordness sahen, vor welchem Ort sie sich uns anschloss. Von dort segelten wir nach London und kamen am 30. in Deptford an. Und so endete unsere Arktisreise, zur nicht geringen Freude aller an Bord, nachdem wir vier Monate abwesend gewesen waren; in dieser Zeit erforschten wir unter unmittelbarer Lebensgefahr beinahe bis auf 81 Grad nördlicher Breite und 20 Grad östlicher Länge in Richtung des Pols; was nach allen Berichten viel weiter war, als sich je ein Seefahrer zuvor gewagt hatte; wobei wir die Undurchführbarkeit bewiesen, einen Weg auf diesem Wege nach Indien zu finden.
KAPITEL X.
Der Autor verlässt Doctor Irving und heuert auf einem Türkei-Schiff an – Bericht über einen schwarzen Mann, der an Bord entführt und nach Westindien geschickt wurde, und die fruchtlosen Bemühungen des Autors, seine Freiheit zu erlangen – Einiges über die Art und Weise der Bekehrung des Autors zum Glauben an Jesus Christus.
Unsere Reise zum Nordpol war beendet, und ich kehrte mit Doctor Irving nach London zurück, bei dem ich noch einige Zeit blieb. Während dieser Zeit begann ich ernsthaft über die Gefahren nachzudenken, denen ich entgangen war, insbesondere über die meiner letzten Reise, was einen bleibenden Eindruck auf meinem Geist hinterließ und sich durch die Gnade Gottes später als eine Barmherzigkeit für mich erwies; es veranlasste mich, tief über meinen ewigen Zustand nachzudenken und den Herrn mit vollem Herzen zu suchen, ehe es zu spät war. Ich freute mich sehr und dankte dem Herrn von Herzen, dass er mich nach London gelenkt hatte, wo ich entschlossen war, mein eigenes Heil zu wirken und mir so einen Anspruch auf den Himmel zu erwerben, was das Ergebnis eines Geistes war, der von Unwissenheit und Sünde umnachtet war.
Im Laufe der Zeit verließ ich meinen Herrn, Doktor Irving, den Reiniger der Wasser, und nahm eine Unterkunft im Coventry-court, Haymarket, wo ich beständig niedergedrückt und sehr besorgt um das Heil meiner Seele war, und entschloss mich (aus eigener Kraft), ein erstklassiger Christ zu werden. Ich nutzte alle Mittel zu diesem Zweck; und da ich unter meinen Bekannten niemanden finden konnte, der in Glaubensfragen mit mir übereinstimmte, oder, in der Sprache der Schrift, „der mir etwas Gutes erweisen wollte“, war ich sehr niedergeschlagen und wusste nicht, wo ich Linderung suchen sollte; jedoch besuchte ich zunächst viele Wochen lang zwei- bis dreimal täglich die benachbarten Kirchen, St. James’s und andere: dennoch ging ich unzufrieden wieder fort; etwas fehlte, das ich nicht erlangen konnte, und ich fand tatsächlich mehr herzliche Linderung darin, zu Hause in meiner Bibel zu lesen, als die Kirche zu besuchen; und da ich entschlossen war, gerettet zu werden, verfolgte ich noch andere Methoden. Zuerst ging ich zu den Quäkern, wo das Wort Gottes weder gelesen noch gepredigt wurde, sodass ich so sehr im Dunkeln blieb wie zuvor. Dann erforschte ich die römisch-katholischen Grundsätze, war aber keineswegs zufrieden. Schließlich nahm ich meine Zuflucht zu den Juden, was mir nichts nützte, denn die Furcht vor der Ewigkeit quälte täglich meinen Geist, und ich wusste nicht, wo ich Zuflucht vor dem kommenden Zorn suchen sollte. Dies war jedoch mein Entschluss: auf jeden Fall die vier Evangelisten zu lesen, und welcher Sekte oder Partei ich mich auch anschließen würde, die daran festhielt, der wollte ich angehören. So ging ich schwerfällig weiter, ohne einen Führer, der mir den Weg zum ewigen Leben zeigen konnte. Ich stellte verschiedenen Leuten Fragen über die Art und Weise, wie man in den Himmel kommt, und mir wurden verschiedene Wege genannt. Hier war ich sehr erschüttert und konnte zu jener Zeit niemanden finden, der rechtschaffener war als ich selbst oder tatsächlich so sehr zur Frömmigkeit neigte. Ich dachte, wir würden nicht alle gerettet werden (dies stimmt mit der Heiligen Schrift überein), noch würden alle verdammt werden. Ich fand niemanden in meinem Bekanntenkreis, der die zehn Gebote vollständig hielt. So rechtschaffen war ich in meinen eigenen Augen, dass ich überzeugt war, viele von ihnen in diesem Punkt zu übertreffen, indem ich acht von zehn hielt; und da ich diejenigen, die sich im Allgemeinen Christen nannten, nicht für so ehrlich oder moralisch gut hielt wie die Türken, dachte ich wirklich, die Türken seien auf einem sichereren Weg zum Heil als meine Nachbarn: so ging ich zwischen Hoffen und Bangen weiter, und die größten Annehmlichkeiten, die ich genoss, waren das musikalische Waldhorn, das ich damals übte, sowie das Frisieren von Haaren. So war meine Lage einige Monate lang, während ich die Unehrlichkeit vieler Leute hier erlebte. Ich beschloss schließlich, in die Türkei aufzubrechen und dort meine Tage zu beenden. Es war nun früher Frühling 1774. Ich suchte nach einem Herrn und fand einen Kapitän John Hughes, Kommandant eines Schiffes namens Anglicania, das im Fluss Themse ausgerüstet wurde und nach Smyrna in der Türkei bestimmt war. Ich heuerte bei ihm als Steward an; gleichzeitig empfahl ich ihm einen sehr geschickten schwarzen Mann, John Annis, als Koch. Dieser Mann war fast zwei Monate an Bord des Schiffes und erfüllte seine Pflicht: Er hatte früher viele Jahre bei Mr. William Kirkpatrick gelebt, einem Gentleman von der Insel St. Kitts, von dem er sich im Einvernehmen trennte, obwohl dieser danach viele Ränke versuchte, um den armen Mann zu hintergehen. Er hatte sich an viele Kapitäne gewandt, die mit St. Kitts Handel trieben, um ihn zu übertölpeln; und als alle ihre Versuche und Pläne zur Entführung fehlschlugen, kam Mr. Kirkpatrick am Ostermontag, dem vierten April, mit zwei Ruderbooten und sechs Männern zu unserem Schiff an den Union Stairs, nachdem er erfahren hatte, dass der Mann an Bord war; er fesselte ihn und nahm ihn gewaltsam vom Schiff mit, in Gegenwart der Besatzung und des ersten Maats, der ihn festgehalten hatte, nachdem er die Nachricht erhalten hatte, wegzukommen. Ich glaube, dass dies ein abgekartetes Spiel war: Aber jedenfalls warf es sicherlich eine große Schande auf den Maat und auch auf den Kapitän, die, obwohl sie den unterdrückten Mann gebeten hatten, an Bord zu bleiben, dennoch in keiner Weise halfen, ihn zurückzuholen, oder mir auch nur einen Pfennig seines Lohns zahlten, was etwa fünf Pfund waren. Ich erwies mich als der einzige Freund, den er hatte, der versuchte, ihm seine Freiheit wiederzugeben, wenn möglich, da ich selbst wusste, was es heißt, keine Freiheit zu haben. Ich schickte so schnell ich konnte nach Gravesend und erfuhr, auf welchem Schiff er war; aber unglücklicherweise war sie mit der ersten Flut ausgelaufen, nachdem er an Bord gebracht worden war. Meine Absicht war dann, sofort Mr. Kirkpatrick zu verhaften, der im Begriff war, nach Schottland aufzubrechen; und nachdem ich einen Habeas-Corpus-Befehl für ihn erwirkt und einen Gerichtsdiener dazu gebracht hatte, mit mir zum St. Paul’s Kirchhof zu gehen, wo er wohnte, setzte er, da er so etwas ahnte, eine Wache aus, um Ausschau zu halten. Dass ich ihnen bekannt war, veranlasste mich, folgende Täuschung anzuwenden: Ich bleichte mein Gesicht, damit sie mich nicht erkennen konnten, und dies hatte den gewünschten Erfolg. Er ging in jener Nacht nicht aus seinem Haus, und am nächsten Morgen ersann ich eine gut geplante List, obwohl er einen Gentleman in seinem Haus hatte, der ihn vertreten sollte. Meine Anweisung an den Gerichtsdiener, der Einlass in das Haus erhielt, war, ihn gemäß dem Befehl zu einem Richter zu führen. Als er dort ankam, lautete sein Vorbringen, dass er den Körper nicht in Gewahrsam habe, woraufhin er gegen Kaution freigelassen wurde. Ich begab mich sofort zu jenem Philanthropen, Granville Sharp, Esq., der mich mit der äußersten Güte empfing und mir jede Anweisung gab, die bei dieser Gelegenheit nötig war. Ich verließ ihn in der festen Hoffnung, dass ich dem unglücklichen Mann seine Freiheit verschaffen würde, mit dem wärmsten Gefühl der Dankbarkeit gegenüber Mr. Sharp für seine Güte; aber ach! mein Anwalt erwies sich als untreu; er nahm mein Geld, kostete mich viele Monate Arbeit und tat nicht das Geringste für die Sache: und als der arme Mann in St. Kitts ankam, wurde er, wie es Brauch war, mit vier Nägeln durch ein Seil am Boden festgesteckt, zwei an den Handgelenken und zwei an den Knöcheln, wurde ausgepeitscht und grausamst zerschunden und danach grausam mit Eisen um den Hals belastet. Ich hatte zwei sehr bewegende Briefe von ihm, während er in dieser Lage war; und mir wurde auch von einigen sehr angesehenen Familien, die jetzt in London sind, davon erzählt, die ihn in St. Kitts in demselben Zustand sahen, in dem er verblieb, bis der gnädige Tod ihn aus den Händen seiner Tyrannen erlöste. Während dieses unangenehmen Geschäfts hatte ich starke Überzeugungen von Sünde und dachte, dass mein Zustand schlimmer sei als der irgendeines anderen Menschen; mein Geist war unerklärlich verstört; ich wünschte mir oft den Tod, obwohl ich gleichzeitig überzeugt war, dass ich auf jene schreckliche Vorladung keineswegs vorbereitet war. Da ich durch Schurken in der letzten Sache viel litt und sehr besorgt um den Zustand meiner Seele war, brachten mich diese Dinge (aber besonders das Letztere) sehr weit herunter; sodass ich mir selbst zur Last wurde und alle Dinge um mich herum als Nichtigkeit und Eitelkeit betrachtete, die einem beunruhigten Gewissen keine Befriedigung geben konnten. Ich war wieder entschlossen, in die Türkei zu gehen, und nahm mir zu jener Zeit vor, nie wieder nach England zurückzukehren. Ich heuerte als Steward an Bord eines Türken-Schiffes an (der Wester Hall, Kapitän Linna); wurde aber durch meinen früheren Kapitän, Mr. Hughes, und andere daran gehindert. All dies schien gegen mich zu sein, und der einzige Trost, den ich damals erfuhr, war das Lesen der Heiligen Schrift, wo ich sah, dass „es nichts Neues unter der Sonne gibt“, Prediger 1,9; und was für mich bestimmt war, dem musste ich mich unterwerfen. So fuhr ich fort, in großer Schwere zu reisen, und murrte häufig gegen den Allmächtigen, besonders bei seinem göttlichen Walten; und – schrecklich zu denken! – ich begann zu lästern und wünschte mir oft, alles andere als ein menschliches Wesen zu sein. In diesen schweren Kämpfen antwortete mir der Herr durch schreckliche „Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt, im Schlummer auf dem Bett“, Hiob 33,15. Er beliebte in großer Barmherzigkeit, mich die große und schreckliche Szene des Jüngsten Gerichts sehen und in gewissem Maße verstehen zu lassen, dass „kein Unreiner, kein Unheiliger in das Reich Gottes eingehen kann“, Epheser 5,5. Ich hätte damals, wenn es möglich gewesen wäre, mein Wesen mit dem niedrigsten Wurm auf Erden getauscht; und war bereit, zu den Bergen und Felsen zu sagen: „Fallet über mich“, Offenbarung 6,16; aber alles vergebens. Ich bat dann den göttlichen Schöpfer, dass er mir eine kurze Zeit gewähren möge, um meine Torheiten und abscheulichen Missetaten zu bereuen, die ich als schmerzlich empfand. Der Herr beliebte in seinen vielfältigen Barmherzigkeiten, meinem Wunsch zu entsprechen, und da ich noch in einer Zeit der Gnade war, war das Gefühl der Barmherzigkeit Gottes so groß in meinem Geist, als ich erwachte, dass meine Kraft für viele Minuten vollständig versagte und ich überaus schwach war. Dies war die erste geistliche Barmherzigkeit, derer ich mir jemals bewusst wurde, und da ich auf betendem Boden stand, sobald ich wieder ein wenig Kraft erlangte, aufstand und mich anzog, rief ich den Himmel aus tiefster Seele an und bat inbrünstig, dass Gott mir niemals wieder erlauben möge, seinen heiligsten Namen zu lästern. Der Herr, der langmütig ist und voller Mitleid für solch arme Rebellen, wie wir es sind, herabließ zu hören und zu antworten. Ich fühlte, dass ich völlig unheilig war, und sah deutlich, welch schlechten Gebrauch ich von den Fähigkeiten gemacht hatte, mit denen ich begabt war; sie waren mir gegeben, um Gott damit zu verherrlichen; ich dachte daher, es wäre besser, sie hier zu entbehren und in das ewige Leben einzugehen, als sie zu missbrauchen und in das Höllenfeuer geworfen zu werden. Ich betete um Führung, falls es Heiligere als jene gab, mit denen ich bekannt war, dass der Herr sie mir zeigen möge. Ich appellierte an den Erforscher der Herzen, ob ich ihn nicht mehr lieben und ihm besser dienen wollte. Trotz alledem kann der Leser, wenn er ein Gläubiger ist, leicht erkennen, dass ich immer noch in der Finsternis der Natur war. Schließlich hasste ich das Haus, in dem ich wohnte, weil Gottes heiligster Name darin gelästert wurde; dann sah ich das Wort Gottes bestätigt, nämlich: „Ehe sie rufen, werde ich antworten; und während sie noch reden, werde ich hören.“
Ich hatte den großen Wunsch, den ganzen Tag zu Hause in der Bibel zu lesen; aber da ich keinen bequemen Ort für die Zurückgezogenheit hatte, verließ ich das Haus tagsüber, anstatt bei den Bösen zu bleiben; und an jenem Tag, als ich spazieren ging, gefiel es Gott, mich zu einem Haus zu führen, in dem ein alter Seefahrer war, der viel von der Liebe Gottes in seinem Herzen erfahren hatte. Er begann, mit mir zu sprechen; und da ich den Herrn lieben wollte, erfreute mich seine Unterhaltung sehr; und tatsächlich hatte ich noch nie zuvor die Liebe Christi zu den Gläubigen auf eine solche Weise und in einem so klaren Licht dargestellt gehört. Hier hatte ich dem Mann mehr Fragen zu stellen, als seine Zeit es ihm erlaubte zu beantworten; und in jener denkwürdigen Stunde kam ein abweichlerischer Prediger hinzu; er schloss sich unserem Gespräch an und stellte mir einige wenige Fragen; unter anderem, wo ich das Evangelium predigen hörte. Ich wusste nicht, was er damit meinte, das Evangelium zu hören; ich sagte ihm, ich hätte das Evangelium gelesen: und er fragte, wo ich in die Kirche ginge oder ob ich überhaupt ginge oder nicht. Worauf ich antwortete: „Ich besuchte St. James’s, St. Martin’s und St. Ann’s, Soho“ – „So“, sagte er, „Sie sind ein Kirchenmann.“ Ich antwortete, ich sei es. Er lud mich dann für denselben Abend zu einem Liebesmahl in seine Kapelle ein. Ich nahm das Angebot an und dankte ihm; und kurz nachdem er gegangen war, hatte ich noch ein weiteres Gespräch mit dem alten Christen, ergänzt durch etwas gewinnbringende Lektüre, was mich überaus glücklich machte. Als ich ihn verließ, erinnerte er mich daran, zum Festmahl zu kommen; ich versicherte ihm, dass ich dort sein würde. So trennten wir uns, und ich wog die himmlische Unterhaltung ab, die zwischen diesen beiden Männern stattgefunden hatte, was meinen damals schweren und niedergeschlagenen Geist mehr aufheiterte als alles, was mir seit vielen Monaten begegnet war. Dennoch kam mir die Zeit bis zu meinem vermeintlichen Festmahl lang vor. Ich wünschte mir auch sehr die Gesellschaft dieser freundlichen Männer; ihre Gesellschaft gefiel mir sehr; und ich hielt die Herren für sehr freundlich, dass sie mich, einen Fremden, zu einem Festmahl einluden; aber wie sonderbar erschien es mir, es in einer Kapelle zu haben! Als die ersehnte Stunde kam, ging ich, und glücklicherweise war der alte Mann dort, der mich freundlich hinsetzte, da er zu diesem Ort gehörte. Ich war sehr erstaunt, den Ort voller Menschen zu sehen und keinerlei Anzeichen von Essen und Trinken. Es waren viele Prediger in der Gesellschaft. Zuletzt begannen sie damit, Gesangbücher auszugeben, und zwischen dem Singen betete der Prediger; kurz gesagt, ich wusste nicht, was ich von diesem Anblick halten sollte, da ich noch nie in meinem Leben etwas Derartiges gesehen hatte. Einige der Gäste begannen, von ihrer Erfahrung zu berichten, gemäß dem, was ich in der Heiligen Schrift gelesen hatte; viel wurde von jedem Sprecher über die Vorsehung Gottes und seine unaussprechlichen Gnaden für jeden von ihnen gesagt. Dies wusste ich in großem Maße und konnte mich ihnen von ganzem Herzen anschließen. Aber als sie von einem zukünftigen Zustand sprachen, schienen sie sich ihrer Berufung und Erwählung durch Gott völlig sicher zu sein; und dass niemand sie jemals von der Liebe Christi trennen oder aus seinen Händen reißen könne. Dies erfüllte mich mit völliger Bestürzung, vermischt mit Bewunderung. Ich war so verblüfft, dass ich nicht wusste, was ich von der Gesellschaft halten sollte; mein Herz war angezogen und meine Zuneigung war geweitet. Ich wünschte mir, so glücklich zu sein wie sie, und war in meinem Geist überzeugt, dass sie anders waren als die Welt, „die im Bösen liegt“, 1. Johannes 5,19. Ihre Sprache und ihr Singen usw. harmonierten gut; ich war völlig überwältigt und wünschte, so zu leben und zu sterben. Zuletzt brachten einige Personen im Raum einige saubere Körbe voll Brötchen hervor, die sie verteilten; und jede Person teilte mit ihrem Nächsten und nippte an Wasser aus verschiedenen Bechern, die sie an alle Anwesenden weiterreichten. Diese Art der christlichen Gemeinschaft hatte ich noch nie gesehen, noch jemals daran gedacht, sie auf Erden zu sehen; es erinnerte mich voll und ganz an das, was ich in der Heiligen Schrift von den frühen Christen gelesen hatte, die einander liebten und das Brot brachen. Beim Teilhaben daran, sogar von Haus zu Haus, endete diese Unterhaltung (die etwa vier Stunden dauerte) mit Singen und Beten. Es war das erste Seelenfest, dem ich jemals beiwohnte. Diese letzten vierundzwanzig Stunden brachten mir Dinge, geistliche und zeitliche, schlafend und wachend, Gericht und Barmherzigkeit, dass ich die Güte Gottes nicht anders als bewundern konnte, indem er den blinden, lästernden Sünder auf den Pfad lenkte, den er nicht kannte, sogar unter die Gerechten; und statt des Gerichts hat er Barmherzigkeit gezeigt und wird die Gebete und das Flehen jedes zurückkehrenden verlorenen Sohnes hören und beantworten:
O! welch ein großer Schuldner der Gnade Bin ich täglich zu sein gezwungen!
Danach war ich entschlossen, den Himmel zu gewinnen, wenn möglich; und wenn ich umkam, dachte ich, sollte es zu den Füßen Jesu sein, indem ich ihn um das Heil anflehte. Nachdem ich Augenzeuge eines Teils des Glücks geworden war, das diejenigen begleitete, die Gott fürchteten, wusste ich nicht, wie ich mit irgendeinem Anstand in meine Unterkunft zurückkehren sollte, wo der Name Gottes ständig geschändet wurde, wovor ich das größte Entsetzen empfand. Ich hielt eine Zeit lang inne, nicht wissend, was ich tun sollte; ob ich woanders ein Bett mieten oder wieder nach Hause gehen sollte. Schließlich, aus Furcht, es könnte ein übles Gerede entstehen, ging ich nach Hause, mit einem Abschied vom Kartenspielen und eitlem Scherzen usw. Ich sah, dass die Zeit sehr kurz war, die Ewigkeit lang und sehr nah, und ich betrachtete nur jene Personen als gesegnet, die bei dem Mitternachtsruf bereit befunden wurden, oder wenn der Richter aller, sowohl der Lebenden als auch der Toten, kommt.
Am nächsten Tag fasste ich Mut und ging nach Holborn, um meinen neuen und wertgeschätzten Bekannten, den alten Herrn, Mr. C----, zu besuchen; er und seine Frau, eine gütige Frau, arbeiteten gerade an der Seidenweberei; sie schienen miteinander glücklich zu sein und freuten sich beide sehr, mich zu sehen, und ich mich noch mehr, sie zu sehen. Ich setzte mich, und wir unterhielten uns viel über Seelenangelegenheiten usw. Ihr Gespräch war erstaunlich erfreulich, erbaulich und angenehm. Ich wusste zuletzt nicht, wie ich dieses angenehme Paar verlassen sollte, bis die Zeit mich rief. Als ich ging, liehen sie mir ein kleines Buch mit dem Titel „Die Bekehrung eines Indianers“. Es war in Fragen und Antworten verfasst. Der arme Mann war über das Meer nach London gekommen, um nach dem Gott der Christen zu fragen, den er (durch reiche Gnade) fand, und seine Reise war nicht vergeblich. Das oben genannte Buch war mir von großem Nutzen und war zu jener Zeit ein Mittel, meinen Glauben zu stärken; beim Abschied luden sie mich beide ein, sie zu besuchen, wann immer ich wollte. Das erfreute mich, und ich gab mir Mühe, alles, was ich konnte, daraus zu lernen; und so weit dankte ich Gott für solch eine Gesellschaft und solche Wünsche. Ich betete, dass die vielen Übel, die ich in mir fühlte, hinweggetan würden und dass ich von meinen früheren fleischlichen Bekanntschaften entwöhnt werden möge. Dies wurde schnell gehört und erhört, und ich war bald mit jenen verbunden, die die Heilige Schrift die Auserwählten auf Erden nennt. Ich hörte das Evangelium predigen, und die Gedanken meines Herzens und meine Handlungen wurden von den Predigern offengelegt, und der Weg der Errettung allein durch Christus wurde augenfällig dargelegt. So ging ich fast zwei Monate lang glücklich voran; und ich hörte während dieser Zeit einmal einen ehrwürdigen Herrn von einem Mann sprechen, der aus diesem Leben in der vollen Gewissheit geschieden war, in die Herrlichkeit einzugehen. Ich war sehr erstaunt über diese Behauptung; und erkundigte mich sehr bedächtig, wie er zu diesem Wissen gelangen konnte. Mir wurde vollständig geantwortet, in Übereinstimmung mit dem, was ich in den Orakeln der Wahrheit las; und mir wurde auch gesagt, dass, wenn ich die neue Geburt und die Vergebung meiner Sünden durch das Blut Christi vor meinem Tode nicht erführe, ich nicht in das Himmelreich eingehen könne. Ich wusste nicht, was ich von diesem Bericht halten sollte, da ich meinte, acht von zehn Geboten zu halten; dann sagte mir mein werter Dolmetscher, dass ich das nicht täte, noch könnte; und er fügte hinzu, dass kein Mensch jemals die Gebote halten konnte oder kann, ohne in einem Punkt zu straucheln. Ich dachte, das klinge sehr seltsam, und es verwirrte mich viele Wochen lang sehr; denn ich hielt es für eine harte Rede. Ich fragte dann meinen Freund, Mr. L----d, der Küster in einer Kapelle war, warum die Gebote Gottes gegeben wurden, wenn wir nicht durch sie errettet werden könnten? Worauf er erwiderte: „Das Gesetz ist ein Zuchtmeister, der uns zu Christus führen soll“, der allein die Gebote halten konnte und hielt und alle ihre Anforderungen für sein auserwähltes Volk erfüllte, selbst für jene, denen er einen lebendigen Glauben gegeben hatte, und die Sünden jener auserwählten Gefäße waren bereits sühnt und ihnen vergeben, während sie lebten; und wenn ich dasselbe vor meinem Ende nicht erführe, würde der Herr an jenem großen Tage zu mir sagen: „Gehet hin, ihr Verfluchten“, usw. usw., denn Gott würde treu in seinen Gerichten an den Gottlosen erscheinen, so wie er treu darin wäre, Barmherzigkeit denen zu erweisen, die dazu verordnet waren, bevor die Welt war; daher schien Christus Jesus für die Seele jenes Mannes alles in allem zu sein. Ich war durch dieses Gespräch sehr verwundet und in ein solches Dilemma gebracht, wie ich es nie erwartet hatte. Ich fragte ihn, ob er, wenn er in jenem Augenblick stürbe, sicher sei, in das Reich Gottes einzugehen? Und fügte hinzu: „Wissen Sie, dass Ihre Sünden Ihnen vergeben sind?“ Er antwortete bejahend. Dann ergriffen mich Verwirrung, Zorn und Unzufriedenheit, und ich strauchelte sehr bei dieser Art von Lehre; sie brachte mich zum Stillstand, da ich nicht wusste, was ich glauben sollte, ob Errettung durch Werke oder nur durch den Glauben an Christus. Ich bat ihn, mir zu sagen, wie ich wissen könne, wann meine Sünden mir vergeben seien. Er versicherte mir, das könne er nicht, und niemand außer Gott allein könne dies tun. Ich sagte ihm, das sei sehr geheimnisvoll; aber er sagte, es sei eine wahre Tatsache, und zitierte sofort viele Schriftstellen, die genau den Punkt trafen, worauf ich keine Antwort geben konnte. Er bat mich dann, zu Gott zu beten, damit er mir diese Dinge zeige. Ich antwortete, dass ich jeden Tag zu Gott bete. Er sagte: „Ich merke, Sie sind ein Kirchenmann.“ Ich antwortete, das sei ich. Er flehte mich dann an, Gott zu bitten, mir zu zeigen, was ich sei und wie der wahre Zustand meiner Seele beschaffen sei. Ich hielt das Gebet für sehr kurz und seltsam; so trennten wir uns für dieses Mal. Ich wog all diese Dinge wohl ab und konnte nicht umhin zu denken, wie es möglich sei, dass ein Mensch wisse, dass ihm seine Sünden in diesem Leben vergeben seien. Ich wünschte, Gott würde mir ebendies offenbaren. Kurze Zeit danach ging ich zur Westminster-Kapelle; der Rev. Mr. P---- predigte über Klagelieder 3,39. Es war eine wunderbare Predigt; er zeigte klar, dass ein lebendiger Mensch keinen Grund zur Klage wegen der Bestrafung seiner Sünden habe; er rechtfertigte augenfällig den Herrn in all seinem Handeln mit den Menschenkindern; er zeigte auch die Gerechtigkeit Gottes bei der ewigen Bestrafung der Gottlosen und Unbußfertigen. Die Predigt kam mir wie ein zweischneidiges Schwert vor, das nach allen Seiten schnitt; sie bereitete mir viel Freude, vermischt mit vielen Ängsten um meine Seele; und als sie beendet war, gab er bekannt, dass er in der folgenden Woche alle prüfen wolle, die am Tisch des Herrn teilnehmen wollten. Nun dachte ich viel an meine guten Werke und war gleichzeitig zweifelhaft, ob ich ein geeigneter Empfänger für das Sakrament sei; ich war voller Meditation bis zum Tag der Prüfung. Dennoch ging ich zur Kapelle, und obwohl ich sehr bedrückt war, sprach ich den ehrwürdigen Herrn an, in dem Gedanken, wenn ich nicht recht stünde, würde er versuchen, mich davon zu überzeugen. Als ich mit ihm sprach, war das Erste, was er mich fragte, was ich von Christus wisse? Ich sagte ihm, ich glaube an ihn und sei in seinem Namen getauft worden. „Dann“, sagte er, „wann wurdest du zur Erkenntnis Gottes gebracht? Und wie wurdest du von der Sünde überzeugt?“ Ich wusste nicht, was er mit diesen Fragen meinte; ich sagte ihm, ich hielte acht von zehn Geboten; aber dass ich manchmal an Bord des Schiffes fluchte, manchmal auch an Land, und den Sabbat brach. Er fragte mich dann, ob ich lesen könne? Ich antwortete: „Ja.“ – „Dann“, sagte er, „liest du nicht in der Bibel: Wer in einem Punkt strauchelt, der ist am ganzen Gesetz schuldig?“ Ich sagte: „Ja.“ Dann versicherte er mir, dass eine ungesühnte Sünde ebenso ausreichend sei, eine Seele zu verdammen, wie ein einziges Leck ein Schiff zu versenken. Hier wurde ich von Ehrfurcht ergriffen; denn der Geistliche ermahnte mich sehr und erinnerte mich an die Kürze der Zeit und die Länge der Ewigkeit und dass keine wiedergeborene Seele oder irgendetwas Unreines in das Reich des Himmels eingehen könne. Er ließ mich nicht als Kommunikanten zu; aber er empfahl mir, die Heilige Schrift zu lesen und das gepredigte Wort zu hören und nicht das inbrünstige Gebet zu Gott zu vernachlässigen, der verheißen hat, die Flehen derer zu hören, die ihn in gottgefälliger Aufrichtigkeit suchen; so nahm ich mit vielen Dankesworten Abschied von ihm und nahm mir vor, seinem Rat zu folgen, soweit der Herr mich dazu herablassen würde, zu befähigen. Während dieser Zeit war ich ohne Beschäftigung, noch sah es so aus, als würde ich eine für mich geeignete Stelle bekommen, was mich zwang, noch einmal zur See zu fahren. Ich verpflichtete mich als Steward auf einem Schiff namens „Hope“, Kapitän Richard Strange, unterwegs von London nach Cadiz in Spanien. Kurz nachdem ich an Bord war, hörte ich, wie der Name Gottes sehr gelästert wurde, und ich fürchtete sehr, ich könnte die schreckliche Ansteckung aufnehmen. Ich dachte, wenn ich wieder sündigte, nachdem mir Leben und Tod so deutlich vor Augen geführt worden waren, würde ich sicherlich in die Hölle kommen. Mein Geist war ungewöhnlich gepeinigt, und ich murrte sehr über Gottes providentielles Handeln mit mir und war unzufrieden mit den Geboten, dass ich durch das, was ich getan hatte, nicht errettet werden konnte; ich hasste alle Dinge und wünschte, ich wäre nie geboren worden; Verwirrung ergriff mich, und ich wünschte mir, vernichtet zu werden. Eines Tages stand ich am äußersten Rand des Hecks des Schiffes und dachte daran, mich zu ertränken; aber diese Schriftstelle wurde mir augenblicklich in den Sinn geprägt: „Dass kein Mörder das ewige Leben bleibend in sich hat“, 1. Johannes 3,15. Dann hielt ich inne und hielt mich für den unglücklichsten Menschen, der lebte. Wieder wurde ich überzeugt, dass der Herr besser zu mir war, als ich verdiente, und dass es mir in der Welt besser ging als vielen anderen. Danach begann ich, den Tod zu fürchten; ich grämte mich, trauerte und betete, bis ich anderen zur Last wurde, mehr aber noch mir selbst. Schließlich beschloss ich, lieber an Land um mein Brot zu betteln, als wieder zur See zu fahren unter Leuten, die Gott nicht fürchteten, und ich flehte den Kapitän dreimal an, mich zu entlassen; er wollte nicht, gab mir aber jedes Mal größere und größere Ermutigung, bei ihm zu bleiben, und alle an Bord erwiesen mir sehr große Höflichkeit: trotz alledem war ich unwillig, wieder einzuschiffen. Schließlich rieten mir einige meiner religiösen Freunde, indem sie sagten, es sei mein rechtmäßiger Beruf, folglich sei es meine Pflicht zu gehorchen, und Gott sei nicht an einen Ort gebunden, usw. usw., insbesondere Mr. G.S., der Gouverneur von Tothil-fields Bridewell, der meinen Fall bedauerte und mir das elfte Kapitel des Hebräerbriefs mit Ermahnungen vorlas. Er betete für mich, und ich glaubte, dass er für mich Fürsprache einlegte, da meine Last damals sehr abgenommen hatte und ich eine herzliche Ergebung in den Willen Gottes fand. Der gute Mann gab mir eine Taschenbibel und „Allens Alarm an die Unbekehrten“. Wir trennten uns, und am nächsten Tag ging ich wieder an Bord. Wir segelten nach Spanien, und ich fand Gnade bei dem Kapitän. Es war der vierte Tag des Monats September, als wir von London segelten; wir hatten eine herrliche Reise nach Cadiz, wo wir am dreiundzwanzigsten desselben Monats ankamen. Der Ort ist stark, bietet eine schöne Aussicht und ist sehr reich. Die spanischen Galeonen besuchen diesen Hafen, und einige kamen an, während wir dort waren. Ich hatte viele Gelegenheiten, die Heilige Schrift zu lesen. Ich rang hart mit Gott im inbrünstigen Gebet, der in seinem Wort erklärt hatte, dass er das Stöhnen und die tiefen Seufzer derer hören würde, die geistlich arm sind. Ich fand dies zu meinem äußersten Erstaunen und Trost auf folgende Weise bestätigt:
Am Morgen des 6. Oktober (ich bitte Sie, aufzupassen) oder den ganzen Tag über dachte ich, dass ich etwas Übernatürliches sehen oder hören würde. Ich hatte einen geheimen Impuls in meinem Geist, dass etwas geschehen würde, was mich die ganze Zeit über beständig zu einem Gnadenthron trieb. Es gefiel Gott, mich zu befähigen, mit ihm zu ringen, wie Jakob es tat: Ich betete, dass, wenn ein plötzlicher Tod einträte und ich umkäme, es an Christi Füßen geschehen möge.
Am Abend desselben Tages, als ich im vierten Kapitel der Apostelgeschichte, Vers zwölf, las und meditierte, unter der feierlichen Befürchtung der Ewigkeit und über meine vergangenen Handlungen nachdachte, begann ich zu denken, ich hätte ein moralisches Leben geführt und hätte einen angemessenen Grund zu glauben, dass ich einen Anteil an der göttlichen Gunst hätte; aber während ich noch über das Thema meditierte und nicht wusste, ob Errettung teilweise für unsere eigenen guten Taten oder ausschließlich als souveränes Geschenk Gottes zu erlangen sei; in dieser tiefen Bestürzung gefiel es dem Herrn, mit seinen hellen Strahlen himmlischen Lichts in meine Seele einzubrechen; und in einem Augenblick gleichsam den Schleier entfernend und Licht in einen dunklen Ort lassend, sah ich klar mit dem Auge des Glaubens den gekreuzigten Heiland, der am Kreuz auf dem Berg Golgatha blutete: die Schrift wurde zu einem entsiegelten Buch, ich sah mich als verurteilten Verbrecher unter dem Gesetz, das mit voller Wucht auf mein Gewissen fiel, und als „das Gebot kam, lebte die Sünde auf, und ich starb“, sah ich den Herrn Jesus Christus in seiner Erniedrigung, beladen und meine Schmach, Sünde und Schande tragend. Ich nahm dann klar wahr, dass durch die Werke des Gesetzes kein lebendiges Fleisch gerechtfertigt werden konnte. Ich war dann überzeugt, dass durch den ersten Adam die Sünde kam und durch den zweiten Adam (den Herrn Jesus Christus) alle, die errettet werden, lebendig gemacht werden müssen. Es wurde mir zu jener Zeit gegeben zu wissen, was es bedeutet, von neuem geboren zu werden, Johannes 3,5. Ich sah das achte Kapitel des Römerbriefs und die Lehren von Gottes Ratschluss, bestätigt in Übereinstimmung mit seinen ewigen, immerwährenden und unveränderlichen Absichten. Das Wort Gottes war süß für meinen Geschmack, ja süßer als Honig und Honigseim. Christus wurde meiner Seele als der Vornehmste unter Zehntausenden offenbart. Diese himmlischen Momente waren wahrlich wie Leben für die Toten und das, was Johannes ein Unterpfand des Geistes nennt. Dies war in der Tat unsagbar und ich glaube fest daran, für viele unbestreitbar. Nun war jeder führende providentielle Umstand, der mir seit dem Tag, an dem ich von meinen Eltern genommen wurde, bis zu jener Stunde widerfahren war, in meinem Blick, als wäre er gerade erst geschehen. Ich war mir der unsichtbaren Hand Gottes bewusst, die mich leitete und beschützte, als ich es in Wahrheit nicht wusste: Dennoch verfolgte mich der Herr, obwohl ich es missachtete und außer Acht ließ; diese Gnade schmolz mich dahin. Als ich meinen armen, elenden Zustand bedachte, weinte ich, da ich sah, was für ein großer Schuldner ich der souveränen freien Gnade war. Nun war der Äthiopier bereit, durch Jesus Christus, den einzigen Bürgen des Sünders, errettet zu werden, und sich auch auf keine andere Person oder Sache für die Errettung zu verlassen. Das Selbst war abscheulich, und gute Werke hatte er keine, denn Gott ist es, der in uns wirkt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen. Die erstaunlichen Dinge jener Stunde können niemals erzählt werden – es war Freude im Heiligen Geiste! Ich fühlte eine erstaunliche Veränderung; die Last der Sünde, der gähnende Schlund der Hölle und die Ängste des Todes, die mich zuvor niederdrückten, verloren nun ihren Schrecken; tatsächlich dachte ich, der Tod wäre nun der beste irdische Freund, den ich je gehabt hätte. Solche Trauer und Freude habe ich erlebt, wie sie, so glaube ich, selten erfahren werden. Ich war in Tränen gebadet und sagte: Was bin ich, dass Gott so auf mich, den ärgsten der Sünder, blicken sollte? Ich fühlte eine tiefe Sorge um meine Mutter und meine Freunde, was mich veranlasste, mit neuer Inbrunst zu beten; und in der Tiefe meiner Gedanken betrachtete ich die unbekehrten Menschen der Welt in einem sehr schrecklichen Zustand, da sie ohne Gott und ohne Hoffnung waren.
Es gefiel Gott, über mich den Geist des Gebets und die Gnade des Flehens auszugießen, sodass ich in lauten Lobpreisungen fähig war, seinen allerheiligsten Namen zu preisen und zu verherrlichen. Als ich aus der Kabine kam und einigen Leuten erzählte, was der Herr für mich getan hatte, ach, wer konnte mich verstehen oder meinem Bericht glauben! – Niemand, außer denen, denen der Arm des Herrn offenbart wurde. Ich wurde ihnen zu einem Barbaren, als ich von der Liebe Christi sprach: Sein Name war mir wie ausgegossenes Salböl; wahrlich, er war süß für meine Seele, aber für sie ein Anstoßstein. Ich hielt meinen Fall für einzigartig und jede Stunde für einen Tag, bis ich nach London kam, denn ich sehnte mich sehr danach, mit jemandem zusammen zu sein, dem ich von den Wundern der Liebe Gottes zu mir erzählen und mich im Gebet an den wenden konnte, den meine Seele liebte und nach dem sie dürstete. Ich hatte ungewöhnliche Erschütterungen in mir, von denen nur wenige etwas sagen können. Nun war die Bibel mein einziger Begleiter und Trost; ich schätzte sie sehr, mit vielen Dankesworten an Gott, dass ich sie selbst lesen konnte und nicht den Launen und Vorstellungen der Menschen ausgeliefert war. Der Wert einer Seele kann nicht erzählt werden. – Möge der Herr dem Leser ein Verständnis dafür geben. Wann immer ich in die Bibel schaute, sah ich Dinge, die neu waren, und viele Texte wurden mir unmittelbar mit großem Trost angewandt, denn ich wusste, dass mir das Wort der Errettung gesandt war. Sicher war ich, dass der Geist, der das Wort eingab, mein Herz öffnete, um die Wahrheit desselben, wie sie in Jesus ist, zu empfangen – dass derselbe Geist mich befähigte, Glauben an die Verheißungen zu üben, die mir so kostbar waren, und mich befähigte, zur Errettung meiner Seele zu glauben. Durch freie Gnade war ich überzeugt, dass ich einen Teil an der ersten Auferstehung hatte und „erleuchtet mit dem Licht der Lebendigen“ war, Hiob 33,30. Ich wünschte mir einen Mann Gottes, mit dem ich mich unterhalten könnte: Meine Seele war wie die Wagen Aminadabs, Hohelied 6,12. Dies waren, neben anderen, die kostbaren Verheißungen, die mir so machtvoll angewandt wurden: „Alles, was ihr bitten werdet im Gebet, wenn ihr glaubt, werdet ihr empfangen“, Matthäus 21,22. „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, Johannes 14,27. Ich sah den gesegneten Erlöser als die Quelle des Lebens und den Brunnen der Errettung. Ich erfuhr ihn als alles in allem; er hatte mich auf einem Weg geführt, den ich nicht kannte, und er hatte krumme Pfade gerade gemacht. Dann errichtete ich in seinem Namen mein Ebenezer und sagte: Bis hierher hat er mir geholfen: und konnte zu den Sündern um mich herum sagen: Seht, was für einen Heiland ich habe! So wurde ich durch die Lehre jener allerherrlichen Gottheit, des großen Einen in Drei und Drei in Einem, in den Wahrheiten der Bibel bestätigt, jenen Orakeln ewiger Wahrheit, auf denen jede lebende Seele ewig stehen oder fallen muss, in Übereinstimmung mit Apostelgeschichte 4,12: „Es ist in keinem andern das Heil, denn es ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden, als nur Christus Jesus.“ Möge Gott dem Leser ein richtiges Verständnis dieser Tatsachen geben! Wer glaubt, dem sind alle Dinge möglich, aber den Ungläubigen ist nichts rein, Titus 1,15. Während dieser Zeit blieben wir in Cadiz, bis unser Schiff beladen war. Wir segelten um den vierten November; und da wir eine gute Überfahrt hatten, kamen wir zur Erleichterung meines Herzens im folgenden Monat in London an, mit herzlicher Dankbarkeit gegen Gott für seine reichen und unsagbaren Gnaden. Nach meiner Rückkehr hatte ich nur einen Text, der mich verwirrte oder mit dem der Teufel mich zu stoßen versuchte, nämlich Römer 11,6. Und da ich von dem ehrwürdigen Mr. Romaine und seiner großen Kenntnis der Schrift gehört hatte, wünschte ich mir sehr, ihn predigen zu hören. Eines Tages ging ich zur Blackfriars-Kirche, und zu meiner großen Zufriedenheit und Überraschung predigte er über genau diesen Text. Er zeigte sehr klar den Unterschied zwischen menschlichen Werken und freier Erwählung, die nach Gottes souveränem Willen und Gefallen geschieht. Diese frohe Botschaft setzte mich vollkommen in Freiheit, und ich verließ die Kirche voll Jubel, da ich sah, dass meine Flecken die eines Kindes Gottes waren. Ich ging zur Westminster-Kapelle und sah einige meiner alten Freunde, die sich freuten, als sie die wunderbare Veränderung wahrnahmen, die der Herr in mir gewirkt hatte, insbesondere Mr. G---- S----, mein werter Bekannter, der ein Mann von erlesenem Geiste war und großen Eifer für den Dienst des Herrn hatte. Ich genoss seinen Briefwechsel, bis er im Jahr 1784 starb. Ich wurde in derselben Kapelle erneut geprüft und in die Kirchengemeinschaft unter ihnen aufgenommen: Ich freute mich im Geist und sang in meinem Herzen dem Gott all meiner Gnaden. Nun war mein einziger Wunsch, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein – aber, ach! Ich muss meine bestimmte Zeit abwarten.
Als man mich aus meinem Heimatland entriss, Durch eine ungerechte und grausame Schar, Wie ergriff mich da eine ungewöhnliche Furcht! Meine Seufzer konnte ich nicht länger verbergen.
„Um meinen Geist zu erleichtern, strebte ich oft, Und versuchte, meine Not zu vertreiben: Ich sang und stieß dazwischen Seufzer aus – Versuchte, Schuld mit Sünde zu ersticken.
Doch o! Nicht alles, was ich tun konnte, Hielt den Strom meines Jammers auf; Überzeugung zeigte mir stets meine Niedrigkeit; Wie groß meine Schuld – wie weit von Gott entfernt!
Gehindert, dass ich nicht sterben konnte, Noch zu einer gütigen Zuflucht fliehen mochte; Einen Waisenzustand musste ich beklagen – Von allen verlassen und einsam zurückgelassen.“
Jene, die mein niedergeschlagenes Wesen erblickten, Konnten meine ungesehenen Leiden nicht erahnen: Sie konnten dem Anschein nach nicht wissen, Welche Nöte ich durchschritt.
„Lust, Zorn, Gotteslästerung und Stolz, Mit Legionen solcher Übel obendrein, Beunruhigten meine Gedanken“, während Zweifel und Ängste Den Großteil meiner Jahre trübten und verdunkelten.
„Seufzer ließen sich nun nicht länger zügeln – Sie hauchten die Not meines Geistes aus: Ich wünschte mir den Tod, doch hielt das Wort zurück, Und betete oft zum Herrn.“
Unglücklicher als manch anderer auf Erden, Dachte ich an den Ort, der mir das Leben gab – Seltsame Gedanken bedrückten mich – während ich antwortete: „Warum nicht in Äthiopien gestorben?“
Und warum so verschont, nahe der Hölle? – Gott allein wusste es – ich konnte es nicht sagen! „Ein wankender Zaun, eine sich neigende Mauer, Hielt ich mich seit dem Sündenfall.“
„Oftmals sinnierte ich, nahe der Verzweiflung, Während Vögel melodisch die Luft erfüllten: Dreifach glückliche Sänger, jederzeit frei, Wie gesegnet waren sie im Vergleich zu mir!“
So trug alles zu meinem Schmerz bei, Während Gram mich zum Klagen zwang; Als düstere Wolken aufzuziehen begannen, Wurde mein Geist finsterer als der Himmel.
Als die englische Nation zum Aufbruch rief, Wie hob sich meine Brust vor Sorgen! Ich sehnte mich nach Ruhe – rief: „Hilf mir, Herr! Gewähre, Herr, Linderung!“
Doch niedergeschlagen ging ich immer weiter – Herzklopfender Jammer war in mir eingesperrt; Weder Land noch Meer konnten Trost spenden, Nichts meinen angstvollen Geist erleichtern.
Müde von der Mühsal, doch niemandem bekannt Als nur Gott und mir allein, Zahllose Monate rang ich um Frieden, Und zahllose Feinde hatte ich zu bestehen.
An Gefahren, Kummer und Leid gewöhnt, Aufgewachsen inmitten von Gefahren, Toden und Feinden, Sagte ich: „Muss es denn immer so sein? – Keine Ruhe wird mir gewährt.“
Hartes Geschick und mehr als schweres Los! Ich betete zu Gott: „Vergiss mein nicht – Was du anordnest, willig werde ich es tragen; Doch o! Befreie mich von der Verzweiflung!“
Mühen und Ringen schienen vergeblich; Nichts, was ich tat, konnte meinen Schmerz lindern: Dann gab ich meine Werke und meinen Willen auf, Gestand und bekannte, dass mein Schicksal die Hölle sei!
Wie ein armer Gefangener vor der Schranke, Bewusst der Schuld, der Sünde und der Furcht, Angeklagt und selbstverurteilt stand ich da – „Verloren in der Welt und in meinem Blut!“
Doch hier, inmitten schwärzester Wolken gefangen, Leuchtete ein Strahl Christi, des Morgensterns; Gewiss, dachte ich, wenn Jesus es will, Kann er auf der Stelle meine Freilassung unterzeichnen.
Ich, unwissend um seine Gerechtigkeit, Setzte meine Werke an ihre Stelle; „Vergaß, warum sein Blut vergossen ward, Und betete und fastete anstattdessen.“
Er starb für Sünder – ich bin einer! Könnte sein Blut mich nicht entsühnen? Obwohl ich nichts als Sünde bin, So kann er mich sicherlich rein machen!
So kam Licht hinein, und ich glaubte; Vergaß mich selbst und empfing Hilfe! Meinen Erlöser, so wusste ich, hatte ich gefunden, Denn von Schuld befreit, stöhnte ich nicht mehr.
O glückliche Stunde, in der ich aufhörte, Zu trauern, denn da fand ich Ruhe! Meine Seele und Christus waren nun wie eins – Dein Licht, o Jesus, schien in mir!
Gesegnet sei dein Name, denn nun weiß ich, Dass ich und meine Werke nichts vermögen; „Der Herr allein kann den Menschen loskaufen – Dafür wurde das makellose Lamm geschlachtet!“
Als Opfer, Werke und Gebet Sich als eitel und wirkungslos erwiesen, „Siehe, dann komme ich!“, rief der Erlöser, Und neigte, blutend, sein Haupt und starb!
Er starb für alle, die jemals sahen, Dass in ihnen selbst oder durch das Gesetz keine Hilfe liegt: – Dies habe ich gesehen; und bekenne freudig: „Heil ist allein durch Christus[W]!“
FUẞNOTEN:
[Fußnote V: Johannes 16, 13, 14. usw.]
[Fußnote W: Apostelgeschichte 4, 12.]
KAPITEL XI.
_Der Verfasser schifft sich auf einem Schiff nach Cadiz ein – Ist nahe daran, Schiffbruch zu erleiden – Reist nach Malaga – Bemerkenswert schöne Kathedrale dort – Der Verfasser streitet mit einem päpstlichen Priester – Rettung von elf elenden Männern auf See bei der Rückkehr nach England – Verpflichtet sich erneut bei Doktor Irving, ihn nach Jamaika und an die Mosquito-Küste zu begleiten – Trifft einen indianischen Prinzen an Bord – Der Verfasser versucht, ihn in den Wahrheiten des Evangeliums zu unterweisen – Vereitelt durch das schlechte Beispiel einiger an Bord – Sie erreichen die Mosquito-Küste mit einigen Sklaven, die sie in Jamaika gekauft hatten, und beginnen, eine Plantage anzulegen – Einiger Bericht über die Sitten und Gebräuche der Mosquito-Indianer – Erfolgreiche List des Verfassers, um einen Aufruhr unter ihnen zu unterdrücken – Kurioses Unterhaltungsprogramm, das sie Doktor Irving und dem Verfasser boten, welcher die Küste verlässt und nach Jamaika reist – Wird von einem Mann, mit dem er die Überfahrt vereinbart hatte, barbarisch behandelt – Entkommt und sucht den Mosquito-Admiral auf, der ihn freundlich behandelt – Er bekommt ein anderes Schiff und geht an Bord – Beispiele für schlechte Behandlung – Trifft Doktor Irving – Gelangt nach Jamaika – Wird von seinem Kapitän betrogen – Verlässt den Doktor und reist nach England._
Als unser Schiff wieder seeklar war, wurde ich vom Kapitän gebeten, noch einmal mit ihr zu fahren; doch da ich mich nun so glücklich fühlte, wie ich es mir in diesem Leben nur wünschen konnte, lehnte ich einige Zeit ab; doch der Rat meiner Freunde siegte schließlich; und in völliger Ergebung in den Willen Gottes schiffte ich mich im März 1775 erneut nach Cadiz ein. Wir hatten eine sehr gute Überfahrt ohne nennenswerte Zwischenfälle, bis wir vor der Bucht von Cadiz ankamen; als eines Sonntags, gerade als wir in den Hafen einlaufen wollten, das Schiff gegen einen Felsen stieß und eine Bodenplanke einschlug, die nächste zum Kiel. In einem Augenblick waren alle Hände in größter Verwirrung und begannen mit lautem Geschrei, Gott um Erbarmen anzurufen. Obwohl ich nicht schwimmen konnte und keinen Weg sah, dem Tod zu entgehen, verspürte ich in meiner damaligen Lage keine Furcht, da ich keinen Wunsch zu leben hatte. Ich freute mich sogar im Geist, da ich dachte, dieser Tod wäre plötzliche Herrlichkeit. Doch die Fülle der Zeit war noch nicht gekommen. Die Menschen in meiner Nähe waren sehr erstaunt, mich so ruhig und ergeben zu sehen; doch ich erzählte ihnen vom Frieden Gottes, den ich durch souveräne Gnade genoss, und diese Worte waren in jenem Augenblick in meinem Sinn:
„Christus ist mein weiser Lotse, mein Kompass ist sein Wort; Meine Seele trotzt jedem Sturm, solange ich einen solchen Herrn habe. Ich vertraue seiner Treue und Macht, Mich in der Stunde der Prüfung zu retten. Obwohl Felsen und tiefer Treibsand auf meiner ganzen Fahrt liegen, So wird Christus mich doch sicher bewahren und mit seinem Auge leiten. Wie könnte ich versinken mit einer solchen Stütze, Die die Welt und alle Dinge trägt?“
Zu dieser Zeit kreuzten viele große spanische Fluker oder Passagierschiffe voller Menschen den Kanal; als sie unseren Zustand sahen, kam eine Anzahl von ihnen längsseits. So viele Hände wie möglich begannen zu arbeiten; einige an unseren drei Pumpen, der Rest lud das Schiff so schnell wie möglich aus. Da es nur ein einziger Felsen namens Porpus war, auf den wir stießen, kamen wir bald davon, und glücklicherweise war gerade Flut, wir liefen daher das Schiff an der nächstgelegenen Stelle auf Grund, um es vor dem Sinken zu bewahren. Nach vielen Gezeiten gelang es uns mit viel Sorgfalt und Fleiß, es wieder zu reparieren. Nachdem wir unsere Geschäfte in Cadiz erledigt hatten, fuhren wir nach Gibraltar und von dort nach Malaga, einer sehr angenehmen und reichen Stadt, in der es eine der schönsten Kathedralen gibt, die ich je gesehen hatte. Sie war, wie ich hörte, über fünfzig Jahre im Bau, obwohl sie damals noch nicht ganz fertiggestellt war; ein großer Teil des Inneren war jedoch vollendet und reich verziert mit den prächtigsten Marmorsäulen und vielen großartigen Gemälden; sie wurde gelegentlich von einer erstaunlichen Anzahl von Wachskerzen verschiedener Größen beleuchtet, von denen einige so dick waren wie ein Männeroberschenkel; diese wurden jedoch nur an einigen ihrer großen Festtage verwendet.
Ich war sehr erschüttert über den Brauch des Stierhetzens und andere Vergnügungen, die hier an Sonntagabenden vorherrschten, zum großen Ärgernis für das Christentum und die Sitten. Ich pflegte meine Abscheu darüber gegenüber einem Priester auszudrücken, den ich traf. Ich hatte häufige religiöse Auseinandersetzungen mit dem ehrwürdigen Vater, in denen er sich große Mühe gab, mich zu seiner Kirche zu bekehren; und ich nicht weniger, ihn zu meiner zu bekehren. Bei diesen Gelegenheiten pflegte ich meine Bibel hervorzuholen und ihm zu zeigen, in welchen Punkten seine Kirche irrte. Er sagte dann, er sei in England gewesen, und dass dort jeder die Bibel lese, was sehr falsch sei; doch ich antwortete ihm, dass Christus uns gebeten habe, die Schrift zu erforschen. In seinem Eifer für meine Bekehrung drängte er mich, an eine der Universitäten in Spanien zu gehen, und erklärte, dass ich meine Ausbildung kostenlos erhalten sollte; und sagte mir, wenn ich mich zum Priester machen ließe, könnte ich mit der Zeit sogar Papst werden; und dass Papst Benedikt ein schwarzer Mann gewesen sei. Da ich immer lernbegierig war, hielt ich eine Zeit lang bei dieser Versuchung inne; und dachte, durch List könnte ich einige mit Tücke fangen; doch ich begann zu denken, dass es nur Heuchelei von mir wäre, sein Angebot anzunehmen, da ich mich nicht mit gutem Gewissen den Meinungen seiner Kirche unterwerfen konnte. Ich war daher fähig, das Wort Gottes zu beachten, das sagt: „Gehet aus ihrer Mitte“, und lehnte das Angebot von Vater Vincent ab. So trennten wir uns ohne Überzeugung auf beiden Seiten.
Nachdem wir an diesem Ort einige feine Weine, Früchte und Geld aufgenommen hatten, fuhren wir weiter nach Cadiz, wo wir etwa zwei Tonnen mehr an Geld usw. aufnahmen, und segelten dann im Monat Juni nach England. Als wir uns etwa auf 42 Grad nördlicher Breite befanden, hatten wir mehrere Tage lang Gegenwind, und das Schiff machte in dieser Zeit nicht mehr als sechs oder sieben Meilen geraden Kurs. Dies machte den Kapitän äußerst reizbar und mürrisch: und es tat mir sehr leid, Gottes heiligsten Namen oft von ihm gelästert zu hören. Eines Tages, als er in dieser gottlosen Stimmung war, tadelte ihn ein junger Herr an Bord, der ein Passagier war, und sagte, er handle falsch; denn wir sollten Gott für alle Dinge dankbar sein, da uns an Bord an nichts fehle; und obwohl der Wind für uns entgegen sei, so sei er doch günstig für einige andere, die ihn vielleicht nötiger hätten als wir. Ich unterstützte diesen jungen Herrn sofort mit einiger Kühnheit und sagte, wir hätten nicht den geringsten Grund zu murren, denn der Herr sei besser zu uns, als wir verdienten, und er habe alle Dinge wohl gemacht. Ich erwartete, dass der Kapitän sehr wütend auf mich sein würde, weil ich das Wort ergriff, doch er antwortete kein Wort. Doch vor jener Zeit am folgenden Tag, dem 21. Juni, sahen wir zu unserer großen Freude und unserem Erstaunen die vorsehende Hand unseres gütigen Schöpfers, dessen Wege mit seinen blinden Geschöpfen unergründlich sind. In der Nacht zuvor träumte mir, ich sähe ein Boot direkt vor den Steuerbord-Hauptwanten; und genau um halb zwei Uhr am folgenden Tag mittags, während ich unter Deck war, gerade als wir in der Kajüte zu Mittag gegessen hatten, rief der Mann am Steuer: „Ein Boot!“, was meinen Traum in jenem Augenblick in mein Gedächtnis zurückrief. Ich war der erste Mann, der auf das Deck sprang; und als ich von den Wanten aus voraussah, gemäß meinem Traum, erblickte ich ein kleines Boot in einiger Entfernung; doch da die Wellen hoch waren, war es manchmal das Äußerste, was wir tun konnten, es auszumachen; wir stoppten jedoch die Fahrt des Schiffes, und das Boot, das extrem klein war, kam längsseits mit elf elenden Männern, die wir sofort an Bord nahmen. Nach allem menschlichen Anschein mussten diese Leute innerhalb einer Stunde oder weniger umgekommen sein, da das Boot klein war und sie kaum fasste. Als wir sie aufnahmen, waren sie halb ertrunken und hatten keinerlei Lebensmittel, Kompass, Wasser oder irgendein anderes notwendiges Gut, und hatten nur ein Stück eines Ruders zum Steuern, und das genau vor dem Wind; sodass sie gezwungen waren, sich gänzlich der Gnade der Wellen anzuvertrauen. Sobald wir sie alle an Bord hatten, beugten sie sich auf ihre Knie und dankten Gott mit erhobenen Händen und Stimmen zum Himmel für ihre Rettung; und ich vertraue darauf, dass meine Gebete zur gleichen Zeit unter ihnen nicht fehlten. Diese Barmherzigkeit des Herrn rührte mich zutiefst, und ich erinnerte mich an seine Worte, die ich so im 107. Psalm bestätigt sah: „Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Barmherzigkeit währt ewiglich. Hungrig und durstig, ihre Seele verschmachtete in ihnen. Sie schrien zum Herrn in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Drangsalen. Und er führte sie auf dem rechten Weg, dass sie gingen zur Stadt der Wohnstatt. O dass sie den Herrn preisen für seine Güte und für seine wunderbaren Werke an den Menschenkindern! Denn er sättigt die sehnende Seele und füllt die hungrige Seele mit Gutem.
‚Solche, die in Finsternis und im Schatten des Todes sitzen:
Dann schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Drangsalen. Die auf dem Meer mit Schiffen fahren; die Geschäfte treiben auf großen Wassern: diese sehen die Werke des Herrn und seine Wunder in der Tiefe. Wer weise ist und diese Dinge beobachtet, der wird verstehen die Güte des Herrn.‘
Der arme, betrübte Kapitän sagte: ‚Dass der Herr gütig ist; denn da ich nicht bereit bin zu sterben, gab er mir eine Zeitspanne zur Buße.‘ Ich war sehr froh, diesen Ausdruck zu hören, und ergriff bei passender Gelegenheit die Gelegenheit, mit ihm über die Vorsehung Gottes zu sprechen. Sie erzählten uns, sie seien Portugiesen und befänden sich auf einer Brigg, die mit Getreide beladen war, welches an jenem Morgen um fünf Uhr verrutschte, woraufhin das Schiff augenblicklich sank, mit zwei der Besatzungsmitglieder; und wie diese elf in das Boot kamen (das an Deck festgebunden war), konnte keiner von ihnen sagen. Wir versorgten sie mit allem Notwendigen und brachten sie alle sicher nach London: und ich hoffe, der Herr gab ihnen die Buße zum ewigen Leben.
Ich war wieder glücklich unter meinen Freunden und Brüdern bis zum November, als mein alter Freund, der berühmte Doktor Irving, eine bemerkenswert schöne Schaluppe von etwa 150 Tonnen kaufte. Er hatte den Sinn für ein neues Abenteuer, eine Plantage auf Jamaika und an der Musquito-Küste anzulegen; er bat mich, mit ihm zu gehen, und sagte, er würde mir sein Anwesen lieber anvertrauen als irgendjemand anderem. Auf den Rat meiner Freunde hin nahm ich das Angebot an, da ich wusste, dass die Ernte in jenen Teilen vollreif war, und ich hoffte, unter Gott das Werkzeug zu sein, einige arme Sünder zu meinem geliebten Herrn, Jesus Christus, zu führen. Bevor ich mich einschiffte, fand ich beim Doktor vier Musquito-Indianer, die in ihrem eigenen Land Häuptlinge waren und von einigen englischen Händlern aus eigennützigen Gründen hierher gebracht worden waren. Einer von ihnen war der Sohn des Musquito-Königs, ein Jüngling von etwa achtzehn Jahren; während er hier war, wurde er auf den Namen George getauft. Sie kehrten auf Kosten der Regierung zurück, nachdem sie etwa zwölf Monate in England gewesen waren, während derer sie lernten, ziemlich gut Englisch zu sprechen. Als ich etwa acht Tage vor unserer Abfahrt mit ihnen zu sprechen kam, war ich sehr betrübt, als ich feststellen musste, dass sie seit ihrer Ankunft keine Kirche besucht hatten, um getauft zu werden, noch dass ihren Sitten irgendeine Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Ich bedauerte dieses vorgetäuschte Christentum sehr und hatte gerade noch Gelegenheit, einige von ihnen einmal vor unserer Abreise mit in die Kirche zu nehmen. Wir schifften uns im November 1775 auf der Schaluppe Morning Star, Kapitän David Miller, ein und segelten nach Jamaika. Auf der Überfahrt gab ich mir alle erdenkliche Mühe, den indianischen Prinzen in den Lehren des Christentums zu unterweisen, von denen er völlig unwissend war; und zu meiner großen Freude war er sehr aufmerksam und nahm die Wahrheiten, die der Herr mich befähigte, ihm darzulegen, mit Freuden an. Ich brachte ihm innerhalb von elf Tagen alle Buchstaben bei, und er konnte sogar zwei oder drei davon zusammensetzen und sie buchstabieren. Ich hatte Fox's Martyrology mit Holzschnitten, und er liebte es sehr, darin zu blättern, und stellte viele Fragen über die päpstlichen Grausamkeiten, die er dort abgebildet sah, welche ich ihm erklärte. Ich machte mit diesem Jüngling solche Fortschritte, besonders in der Religion, dass er, wenn ich zu verschiedenen Nachtstunden zu Bett ging und er bereits im Bett lag, absichtlich aufstand, um mit mir zu beten, ohne andere Kleidung als sein Hemd; und bevor er eine seiner Mahlzeiten unter den Herren in der Kajüte einnahm, kam er erst zu mir, um zu beten, wie er es nannte. Dies gefiel mir sehr wohl, und ich hatte große Freude an ihm und flehte Gott inständig um seine Bekehrung an. Ich war in voller Hoffnung, täglich jeden Anschein jener Veränderung zu sehen, die ich mir wünschte; ohne die Ränke Satans zu kennen, der viele seiner Abgesandten hatte, um sein Unkraut so schnell zu säen, wie ich den guten Samen säte, und niederzureißen, so schnell ich aufbaute. So fuhren wir fast vier Fünftel unserer Überfahrt fort, als Satan schließlich die Oberhand gewann. Einige seiner Boten, die sahen, dass dieser arme Heide in der Frömmigkeit so weit fortgeschritten war, begannen ihn zu fragen, ob ich ihn zum Christentum bekehrt hätte, lachten und machten ihre Späße über ihn, wofür ich sie so sehr ich konnte zurechtwies; aber diese Behandlung bewirkte, dass der Prinz zwischen zwei Meinungen schwankte. Einige der wahren Söhne Belials, die nicht glaubten, dass es ein Jenseits gäbe, sagten ihm, er solle sich niemals vor dem Teufel fürchten, denn es gäbe keinen; und wenn er je zum Prinzen käme, so wünschten sie, er möge zu ihnen geschickt werden. So neckten sie den armen unschuldigen Jüngling, sodass er sein Buch nicht mehr lernen wollte! Er wollte nicht mit diesen gottlosen Akteuren trinken oder zechen, noch wollte er bei mir sein, selbst nicht zum Gebet. Das kränkte mich sehr. Ich versuchte ihn so gut ich konnte zu überreden, aber er wollte nicht kommen; und ich bat ihn sehr, mir seine Gründe für dieses Handeln zu nennen. Schließlich fragte er mich: „Wie kommt es, dass alle weißen Männer an Bord, die lesen und schreiben können, die Sonne beobachten und alle Dinge wissen, dennoch fluchen, lügen und sich betrinken, mit Ausnahme deiner selbst?“ Ich antwortete ihm, der Grund sei, dass sie Gott nicht fürchteten; und dass, wenn einer von ihnen so stürbe, sie nicht zu Gott gehen oder mit ihm glücklich sein könnten. Er erwiderte, wenn diese Personen in die Hölle gingen, würde er auch in die Hölle gehen. Es tat mir leid, dies zu hören; und da er manchmal Zahnschmerzen hatte, ebenso wie einige andere Personen auf dem Schiff zur gleichen Zeit, fragte ich ihn, ob ihre Zahnschmerzen die seinen erträglicher machten: Er sagte, nein. Dann sagte ich ihm, wenn er und diese Leute gemeinsam in die Hölle gingen, würden ihre Schmerzen die seinen nicht leichter machen. Diese Antwort hatte großes Gewicht bei ihm: Sie drückte seine Stimmung sehr; und er liebte es fortan während der Überfahrt, allein zu sein. Als wir uns auf der Breite von Martinico befanden und fast Land in Sicht hatten, hatten wir eines Morgens eine frische Brise, und da wir zu viel Segel führten, ging der Großmast über Bord. Viele Leute waren zu dieser Zeit auf dem Deck, und die Rahen, Masten und das Tauwerk stürzten um uns herum, doch keiner von uns wurde im Geringsten verletzt, obwohl einige haarscharf dem Tode entgingen: und insbesondere sah ich damals zwei Männer durch die fürsorgliche Hand Gottes auf wunderbarste Weise davor bewahrt, in Stücke gerissen zu werden. Am fünften Januar sichteten wir Antigua und Montserrat und fuhren an den übrigen Inseln entlang: und am vierzehnten kamen wir in Jamaika an. Einen Sonntag, während wir dort waren, nahm ich den Musquito-Prinzen George mit in die Kirche, wo er die Darreichung des Abendmahls sah. Als wir herauskamen, sahen wir alle Arten von Menschen, fast vom Kircheneingang bis zu einer halben Meile hinunter zum Wasser, die alle möglichen Waren kauften und verkauften: und diese Handlungen lieferten mir großen Stoff zur Ermahnung für diesen Jüngling, der sehr erstaunt war. Da unser Schiff bereit war, zur Musquito-Küste zu segeln, ging ich mit dem Doktor an Bord eines Sklavenschiffes, um einige Sklaven zu kaufen, die wir mitnehmen und auf einer Plantage beschäftigen konnten; und ich wählte sie alle aus meinen eigenen Landsleuten aus. Am zwölften Februar segelten wir von Jamaika ab und kamen am achtzehnten an der Musquito-Küste an, an einem Ort namens Dupeupy. All unsere indianischen Gäste nahmen nun, nachdem ich sie ermahnt hatte und der Doktor ihnen einige Kisten mit Spirituosen gegeben hatte, einen herzlichen Abschied von uns und gingen an Land, wo sie vom Musquito-König empfangen wurden, und wir sahen keinen von ihnen danach wieder. Wir segelten dann südlich der Küste zu einem Ort namens Cape Gracias a Dios, wo es eine große Lagune oder einen See gab, in den zwei oder drei sehr schöne große Flüsse mündeten und der reich an Fisch und Landschildkröten war. Einige der einheimischen Indianer kamen hier zu uns an Bord; wir behandelten sie gut und sagten ihnen, dass wir gekommen seien, um unter ihnen zu wohnen, worüber sie sich zu freuen schienen. Also gingen der Doktor und ich, mit einigen anderen, mit ihnen an Land; und sie nahmen uns zu verschiedenen Orten mit, um das Land zu besichtigen, damit wir einen Platz für eine Plantage auswählen konnten. Wir legten uns auf einen Fleck in der Nähe eines Flussufers fest, in einem fruchtbaren Boden; und nachdem wir unsere Notwendigkeiten aus der Schaluppe geholt hatten, begannen wir, die Wälder zu roden und verschiedene Arten von Gemüse zu pflanzen, das schnell wuchs. Während wir auf diese Weise beschäftigt waren, fuhr unser Schiff nordwärts zum Black River, um Handel zu treiben. Während es dort war, traf ein spanischer Küstenwächter auf das Schiff und nahm es ein. Dies erwies sich als sehr schädlich und war eine große Behinderung für uns. Wir fuhren jedoch mit der Bewirtschaftung des Landes fort. Wir pflegten jede Nacht überall um uns herum Feuer zu machen, um wilde Tiere fernzuhalten, die, sobald es dunkel wurde, ein abscheuliches Brüllen anstimmten. Da unsere Behausung weit im Wald lag, sahen wir häufig verschiedene Arten von Tieren; aber keines davon hat uns je verletzt, außer giftigen Schlangen, deren Biss der Doktor zu heilen pflegte, indem er dem Patienten so schnell wie möglich etwa ein halbes Glas starken Rum mit einer guten Menge Cayennepfeffer gab. Auf diese Weise heilte er zwei Einheimische und einen seiner eigenen Sklaven. Die Indianer waren außerordentlich dem Doktor zugetan, und sie hatten guten Grund dazu; denn ich glaube, sie hatten nie einen so nützlichen Mann unter sich. Sie kamen von überall her zu unserer Wohnung; und einige Woolwow- oder Flachkopf-Indianer, die fünfzig oder sechzig Meilen oberhalb unseres Flusses und auf dieser Seite des Südmeeres lebten, brachten uns eine gute Menge Silber im Tausch gegen unsere Waren. Die wichtigsten Artikel, die wir von unseren benachbarten Indianern bekommen konnten, waren Schildkrötenöl und Schalen, etwas Seidengras und einige Vorräte; aber sie wollten für uns nichts arbeiten, außer zu fischen; und ein paar Mal halfen sie, einige Bäume zu fällen, um uns Häuser zu bauen; was sie genau wie die Afrikaner durch die gemeinsame Arbeit von Männern, Frauen und Kindern taten. Ich erinnere mich nicht, dass einer von ihnen mehr als zwei Frauen hatte. Diese begleiteten ihre Ehemänner immer, wenn sie zu unserer Wohnung kamen; und dann trugen sie gewöhnlich alles, was sie uns brachten, und hockten sich immer hinter ihre Ehemänner. Wenn wir ihnen etwas zu essen gaben, aßen die Männer und ihre Frauen getrennt. Ich habe nie das geringste Anzeichen von Unmäßigkeit unter ihnen gesehen. Die Frauen sind mit Perlen geschmückt und lieben es, sich zu bemalen; die Männer bemalen sich ebenfalls, bis zum Übermaß, sowohl ihre Gesichter als auch ihre Hemden: ihre Lieblingsfarbe ist Rot. Die Frauen bestellen gewöhnlich das Land, und die Männer sind allesamt Fischer und Kanubauer. Alles in allem habe ich nie ein Volk getroffen, das in seinen Sitten so einfach war wie dieses, oder das so wenig Schmuck in seinen Häusern hatte. Sie hatten auch, soweit ich je erfahren konnte, kein Wort, das einen Fluch ausdrückte. Das schlimmste Wort, das ich jemals unter ihnen hörte, wenn sie stritten, war eines, das sie von den Engländern bekommen hatten, nämlich „you rascal“. Ich habe bei ihnen keine Form der Anbetung gesehen; aber darin waren sie nicht schlechter als ihre europäischen Brüder oder Nachbarn: denn ich muss leider sagen, dass es in unserer Wohnung keinen einzigen weißen Menschen gab, noch irgendjemand sonst, den ich an den verschiedenen Orten an der Küste sah, der besser oder frommer war als diese unerleuchteten Indianer; sondern sie arbeiteten oder schliefen an Sonntagen: und zu meinem Leidwesen war Arbeiten zu sehr Sonntagsbeschäftigung bei uns selbst; so sehr, dass wir nach einiger Zeit wirklich den einen Tag nicht mehr vom anderen unterscheiden konnten. Diese Lebensweise legte den Grundstein für mein schließliches Aufbrechen. Die Einheimischen sind wohlgestaltet und kriegerisch; und sie rühmen sich insbesondere damit, niemals von den Spaniern besiegt worden zu sein. Sie sind große Trinker von starken Spirituosen, wenn sie sie bekommen können. Wir pflegten Rum aus Ananas zu destillieren, die hier sehr reichlich vorhanden waren; und dann konnten wir sie nicht von unserem Platz wegbewegen. Dennoch schienen sie in puncto Ehrlichkeit einzigartig zu sein, über jede andere Nation, unter der ich je war. Da das Land heiß war, lebten wir unter einem offenen Schuppen, wo wir alle Arten von Waren hatten, ohne eine Tür oder ein Schloss für irgendeinen Artikel; doch wir schliefen in Sicherheit und verloren nie etwas oder wurden gestört. Dies überraschte uns sehr; und der Doktor, ich selbst und andere pflegten zu sagen, wenn wir auf diese Weise in Europa liegen würden, bekämen wir die erste Nacht die Kehle durchgeschnitten. Der indianische Gouverneur reist in einer gewissen Zeit durch die ganze Provinz oder den Distrikt und hat eine Anzahl von Männern als Begleiter und Assistenten bei sich. Er schlichtet alle Streitigkeiten unter den Menschen, wie der Richter hier, und wird mit sehr großem Respekt behandelt. Er achtete darauf, uns rechtzeitig zu benachrichtigen, bevor er zu unserer Behausung kam, indem er seinen Stab als Zeichen für Rum, Zucker und Schießpulver sandte, was wir nicht verweigerten; und gleichzeitig trafen wir die äußersten Vorbereitungen, um seine Ehre und seinen Anhang zu empfangen. Als er mit seinem Stamm und all unseren benachbarten Häuptlingen kam, erwarteten wir, in ihm einen ernsten, ehrwürdigen Richter zu finden, solide und klug; aber statt dessen hörten wir, bevor er und seine Bande in Sicht kamen, wie sie sehr lautstark waren; und sie hatten sogar einige unserer guten benachbarten Indianer geplündert, nachdem sie sich mit unserem Schnaps berauscht hatten. Als sie ankamen, wussten wir nicht, was wir mit unseren neuen Gästen anfangen sollten, und hätten gerne auf die Ehre ihrer Gesellschaft verzichtet. Da wir jedoch keine Alternative hatten, bewirteten wir sie den ganzen Tag bis zum Abend reichlich; als der Gouverneur, der sich völlig betrank, sehr ungebärdig wurde und einen unserer freundlichsten Häuptlinge schlug, der unser nächster Nachbar war, und ihm auch seinen goldborten Hut abnahm. Daraufhin entstand ein großer Aufruhr; und der Doktor mischte sich ein, um Frieden zu stiften, da wir uns alle verstehen konnten, aber ohne Erfolg; und schließlich wurden sie so unverschämt, dass der Doktor, der fürchtete, er könnte in Schwierigkeiten geraten, das Haus verließ und sich so schnell wie möglich in den nächsten Wald begab, und mich zurückließ, damit ich zurechtkäme, so gut ich konnte. Ich war so wütend auf den Gouverneur, dass ich mir gewünscht hätte, ihn an einen Baum gebunden und für sein Verhalten ausgepeitscht zu sehen; aber ich hatte nicht genug Leute, um es mit seiner Partei aufzunehmen. Ich dachte daher an eine List, um den Aufruhr zu befrieden. Da ich mich an eine Stelle erinnerte, die ich im Leben des Kolumbus gelesen hatte, als er unter den Indianern in Mexiko oder Peru war, wo er sie bei irgendeiner Gelegenheit erschreckte, indem er ihnen von bestimmten Ereignissen am Himmel erzählte, griff ich zu demselben Mittel; und es gelang über meine kühnsten Erwartungen hinaus. Als ich meinen Entschluss gefasst hatte, ging ich in ihre Mitte; und ich ergriff den Gouverneur und zeigte nach oben zum Himmel. Ich bedrohte ihn und die anderen: Ich sagte ihnen, Gott lebe dort, und er sei zornig auf sie, und sie dürften nicht so streiten; dass sie alle Brüder seien, und wenn sie nicht aufhörten und friedlich weggingen, würde ich das Buch nehmen (wobei ich auf die Bibel deutete), lesen und Gott sagen, er solle sie sterben lassen. Das war so etwas wie Zauberei. Das Geschrei hörte sofort auf, und ich gab ihnen etwas Rum und ein paar andere Dinge; danach gingen sie friedlich weg; und der Gouverneur gab später unserem Nachbarn, der Kapitän Plasmyah genannt wurde, seinen Hut wieder. Als der Doktor zurückkehrte, war er außerordentlich froh über meinen Erfolg, unsere lästigen Gäste auf diese Weise losgeworden zu sein. Das Musquito-Volk in unserer Nähe veranstaltete aus Respekt vor dem Doktor, mir und seinen Leuten Unterhaltungen der großen Art, die in ihrer Zunge tourrie oder dryckbot genannt werden. Das Englische für diesen Ausdruck ist ein Fest des Umtrunks, wovon es eine Sprachverderbnis zu sein scheint. Das Getränk bestand aus gebratenen Ananas und Casaden, die gekaut oder in Mörsern zerstoßen wurden; was nach einiger Zeit des Liegens gärt und so stark wird, dass es berauscht, wenn man es in irgendeiner Menge trinkt. Wir erhielten rechtzeitig Nachricht von der Unterhaltung. Eine weiße Familie, fünf Meilen von uns entfernt, erzählte uns, wie das Getränk hergestellt wurde, und ich und zwei andere gingen vor der Zeit in das Dorf, wo die Fröhlichkeit stattfinden sollte; und dort sahen wir die ganze Kunst der Herstellung des Getränks sowie die Art der Tiere, die dort gegessen werden sollten. Ich kann nicht sagen, dass der Anblick des Getränks oder des Fleisches für mich verlockend war. Sie hatten einige tausend Ananas im Feuer, die sie, Schmutz und alles, in ein Kanu pressten, das sie zu diesem Zweck dort hatten. Das Casade-Getränk war in Rindfleischfässern und anderen Gefäßen und sah genau aus wie Schweinefraß. Männer, Frauen und Kinder waren so damit beschäftigt, die Ananas zu rösten und sie mit ihren Händen auszupressen. Als Nahrung hatten sie viele Landschildkröten, etwas getrocknete Schildkröte und drei große Alligatoren, die lebendig und fest an Bäume gebunden waren. Ich fragte die Leute, was sie mit diesen Alligatoren vorhätten; und mir wurde gesagt, sie sollten gegessen werden. Ich war sehr überrascht darüber und ging nach Hause, nicht wenig angewidert von den Vorbereitungen. Als der Tag des Festes gekommen war, nahmen wir etwas Rum mit und gingen an den bestimmten Ort, wo wir eine große Ansammlung dieser Leute fanden, die uns sehr freundlich empfingen. Die Fröhlichkeit hatte begonnen, bevor wir kamen; und sie tanzten zur Musik: und die Musikinstrumente waren fast dieselben wie die jedes anderen dunklen Volkes; aber, wie ich dachte, viel weniger melodisch als bei jeder anderen Nation, die ich je kannte. Sie hatten viele merkwürdige Gesten beim Tanzen und eine Vielzahl von Bewegungen und Körperhaltungen, die für mich in keiner Weise anziehend waren. Die Männlichen tanzten für sich allein, und die Weiblichen ebenfalls für sich, wie bei uns. Der Doktor gab seinen Leuten das Beispiel, indem er sich sofort der Gruppe der Frauen anschloss, wenn auch nicht nach deren Wahl. Als er merkte, dass die Frauen angewidert waren, schloss er sich den Männern an. In der Nacht gab es große Erleuchtungen, indem viele Kiefern in Brand gesteckt wurden, während der Dryckbot fröhlich in Kalebasse oder Kürbissen herumging: aber das Getränk könnte mit größerem Recht Essen als Trinken genannt werden. Ein Owden, der älteste Vater in der Umgebung, war in einer seltsamen und erschreckenden Form gekleidet. Um seinen Körper waren Felle, die mit verschiedenen Arten von Federn geschmückt waren, und er hatte auf seinem Kopf ein sehr großes und hohes Kopfstück, in Form einer Grenadiermütze, mit Stacheln wie ein Stachelschwein; und er machte ein bestimmtes Geräusch, das dem Schrei eines Alligators ähnelte. Unsere Leute sprangen aus Gefälligkeit unter ihnen herum, obwohl einige von ihrem Tourrie nicht trinken konnten; aber unser Rum fand genug Abnehmer und war bald weg. Die Alligatoren wurden getötet und einige von ihnen gebraten. Ihre Art zu braten besteht darin, ein Loch in die Erde zu graben und es mit Holz zu füllen, das sie zu Kohle verbrennen, und dann legen sie Stöcke quer darüber, auf die sie das Fleisch setzen. Ich hatte ein rohes Stück Alligator in meiner Hand: es war sehr reichhaltig: Ich dachte, es sähe aus wie frischer Lachs, und es hatte einen sehr duftenden Geruch, aber ich konnte nichts davon essen. Diese Fröhlichkeit endete schließlich ohne den geringsten Streit in irgendeiner Person in der Gesellschaft, obwohl sie aus verschiedenen Nationen und Hautfarben bestand. Die Regenzeit kam hier gegen Ende Mai und dauerte bis August sehr heftig an; sodass die Flüsse über die Ufer traten und unsere Vorräte, die im Boden waren, fortgeschwemmt wurden. Ich dachte, dies sei in gewisser Weise ein Urteil über uns, weil wir an Sonntagen arbeiteten, und es kränkte mein Gemüt sehr. Ich wünschte oft, diesen Ort zu verlassen und nach Europa zu segeln; denn unsere Art des Vorgehens und des Lebens in dieser heidnischen Form war mir sehr lästig. Das Wort Gottes sagt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und seine eigene Seele verliert?“ Dies war sehr und schwer auf mein Gemüt gedrückt; und obwohl ich nicht wusste, wie ich den Doktor um meinen Abschied bitten sollte, war es für mich unangenehm, länger zu bleiben. Aber gegen Mitte Juni fasste ich genug Mut, ihn darum zu bitten. Er war anfangs sehr unwillig, meiner Bitte nachzukommen; aber ich gab ihm so viele Gründe dafür, dass er schließlich meiner Abreise zustimmte und mir das folgende Zeugnis über mein Verhalten gab:
„Der Überbringer, Gustavus Vassa, hat mir mehrere Jahre mit strenger Ehrlichkeit, Nüchternheit und Treue gedient. Ich kann ihn daher mit Gerechtigkeit für diese Qualifikationen empfehlen; und in der Tat betrachte ich ihn in jeder Hinsicht als einen ausgezeichneten Diener. Ich bescheinige hiermit, dass er sich immer gut verhalten hat und dass er vollkommen vertrauenswürdig ist.
CHARLES IRVING.“
Musquito-Küste, 15. Juni 1776.
Obwohl ich sehr an dem Doktor hing, war ich froh, als er einwilligte. Ich bereitete alles für meine Abreise vor und heuerte einige Indianer mit einem großen Kanu an, um mich fortzubringen. Alle meine armen Landsleute, die Sklaven, waren sehr betrübt, als sie von meinem Abschied hörten, da ich sie stets mit Sorgfalt und Zuneigung behandelt und alles getan hatte, was ich konnte, um die armen Geschöpfe zu trösten und ihre Lage zu erleichtern. Nachdem ich von meinen alten Freunden und Gefährten Abschied genommen hatte, verließ ich am 18. Juni in Begleitung des Doktors jenen Fleck der Welt und reiste südwärts über zwanzig Meilen den Fluss entlang. Dort fand ich eine Schaluppe, deren Kapitän mir sagte, er sei auf dem Weg nach Jamaika. Nachdem ich die Passage mit ihm und einem der Eigner, der ebenfalls an Bord war und Hughes hieß, vereinbart hatte, trennten der Doktor und ich uns, nicht ohne dass auf beiden Seiten Tränen vergossen wurden. Das Schiff segelte dann bis zur Nacht den Fluss entlang, als es in einer Lagune innerhalb desselben Flusses hielt. Während der Nacht kam ein Schoner, der denselben Eignern gehörte, hinzu, und da er Leute brauchte, bat mich Hughes, der Eigner der Schaluppe, als Seemann auf dem Schoner anzuheuern, und sagte, er wolle mir Lohn zahlen. Ich dankte ihm, doch ich erwiderte, dass ich nach Jamaika wollte. Er änderte daraufhin sofort seinen Ton, fluchte und beschimpfte mich sehr und fragte, wie ich dazu käme, frei zu sein. Ich erzählte es ihm und sagte, dass ich mit Dr. Irving, den er an jenem Tag gesehen habe, in diese Gegend gekommen sei. Diese Darstellung nützte nichts; er fluchte weiterhin ausgiebig auf mich und verfluchte den Herrn, der mir meine Freiheit verkauft hatte, und den Doktor als einen weiteren Narren, weil er mich von sich hatte gehen lassen. Dann verlangte er, dass ich auf dem Schoner anheuern solle, andernfalls würde ich die Schaluppe nicht als freier Mann verlassen. Ich sagte, dies sei sehr hart, und flehte darum, wieder an Land gesetzt zu werden; doch er schwor, dass ich dies nicht würde. Ich sagte, ich sei zweimal unter den Türken gewesen, hätte aber bei ihnen niemals eine solche Behandlung erlebt, und noch viel weniger hätte ich Derartiges unter Christen erwartet. Dies erzürnte ihn außerordentlich; und mit einer Salve von Flüchen und Verwünschungen entgegnete er: „Christen! Verdammt seist du, du bist einer von St. Paulus Leuten; aber bei G----, wenn du nicht St. Paulus oder St. Peters Glauben hast und auf dem Wasser ans Ufer schreitest, wirst du das Schiff nicht verlassen“, wovon ich nun erfuhr, dass es unter die Spanier in Richtung Cartagena fuhr, wo er schwor, mich verkaufen zu wollen. Ich fragte ihn schlicht, welches Recht er habe, mich zu verkaufen; doch ohne ein weiteres Wort ließ er einige seiner Leute Seile um jedes meiner Fußgelenke und auch um jedes Handgelenk binden, sowie ein weiteres Seil um meinen Körper, und hievte mich hoch, ohne dass meine Füße irgendetwas berühren oder darauf ruhen konnten. So hing ich dort, ohne ein Verbrechen begangen zu haben und ohne Richter oder Geschworene; lediglich weil ich ein freier Mann war und nach dem Gesetz von einer weißen Person in jenen Teilen der Welt keine Genugtuung erhalten konnte. Ich hatte große Schmerzen durch meine Lage und weinte und flehte sehr um ein wenig Gnade, doch alles vergeblich. Mein Tyrann holte in großer Wut eine Muskete aus der Kajüte, lud sie vor mir und der Mannschaft und schwor, dass er mich erschießen würde, wenn ich noch mehr weinte. Ich hatte nun keine Alternative; ich blieb daher still, da ich keinen einzigen weißen Mann an Bord sah, der auch nur ein Wort für mich einlegte. Ich hing in dieser Weise von zwischen zehn und elf Uhr nachts bis etwa ein Uhr morgens; als ich meinen grausamen Peiniger fest schlafend vorfand, bat ich einige seiner Sklaven, das Seil, das um meinen Körper lag, zu lockern, damit meine Füße auf etwas ruhen konnten. Dies taten sie unter dem Risiko, von ihrem Herrn grausam behandelt zu werden, der einige von ihnen anfangs schwer schlug, weil sie mich nicht gefesselt hatten, als er es ihnen befohlen hatte. Während ich bis zwischen fünf und sechs Uhr am nächsten Morgen in diesem Zustand verblieb, betete ich im Vertrauen zu Gott, er möge diesem Gotteslästerer vergeben, dem es gleichgültig war, was er tat, der aber, als er morgens aus dem Schlaf aufstand, von genau demselben Temperament und derselben Gesinnung war, wie als er mich in der Nacht zurückließ. Als sie den Anker lichteten und das Schiff Fahrt aufnahm, weinte und flehte ich noch einmal, freigelassen zu werden; und nun, da ich glücklicherweise im Weg war, als sie die Segel hissten, ließen sie mich frei. Als ich herabgelassen worden war, sprach ich einen gewissen Herrn Cox, einen Zimmermann, den ich an Bord kannte, auf die Ungehörigkeit dieses Verhaltens an. Er kannte auch den Doktor und die gute Meinung, die dieser stets von mir hatte. Dieser Mann ging dann zum Kapitän und sagte ihm, er solle mich nicht auf diese Weise mitnehmen; dass ich der Steward des Doktors sei, der mich sehr schätze und diese Behandlung übel nehmen würde, sobald er davon erführe. Woraufhin dieser einen jungen Mann anwies, mich in einem kleinen Kanu, das ich mitgebracht hatte, an Land zu bringen. Dieser Klang erfreute mein Herz, und ich stieg hastig in das Kanu und machte mich davon, während mein Tyrann unten in der Kajüte war; doch er erspähte mich bald, als ich nicht mehr als dreißig oder vierzig Meter vom Schiff entfernt war, und rannte mit einer geladenen Muskete in der Hand an Deck, legte sie auf mich an und schwor schwer und schrecklich, dass er mich auf der Stelle erschießen würde, wenn ich nicht an Bord zurückkehrte. Da ich wusste, dass der Wicht ohne Zögern tun würde, was er sagte, kehrte ich zum Schiff zurück; doch wie es der gute Herr wollte, beschimpfte er gerade, als ich längsseits war, den Kapitän dafür, dass er mich vom Schiff gelassen hatte; der Kapitän gab dies zurück, und beide gerieten bald in sehr große Hitze. Der junge Mann, der bei mir war, stieg nun aus dem Kanu; das Schiff segelte schnell bei glatter See weiter: und ich dachte mir, es gehe um alles oder nichts, also machte ich mich in jenem Augenblick erneut, um mein Leben, im Kanu auf den Weg zum Ufer; und glücklicherweise war die Verwirrung an Bord so groß, dass ich unbemerkt außerhalb der Reichweite des Musketenschusses gelangte, während das Schiff mit günstigem Wind in eine andere Richtung segelte; sodass sie mich nicht einholen konnten, ohne zu wenden: doch selbst bevor das hätte geschehen können, wäre ich am Ufer gewesen, das ich bald erreichte, mit vielen Dankgebeten an Gott für diese unerwartete Rettung. Ich ging dann hin und erzählte dem anderen Eigner, der in der Nähe jenes Ufers wohnte (mit dem ich meine Überfahrt vereinbart hatte), von der Behandlung, die mir widerfahren war. Er war sehr erstaunt und schien sehr betrübt darüber. Nachdem er mich freundlich behandelt hatte, gab er mir eine Erfrischung und drei Kolben gerösteten Mais für eine Reise von etwa achtzehn Meilen südwärts, um nach einem anderen Schiff zu suchen. Er wies mich dann an einen Indianerhäuptling eines Bezirks, der auch der Musquito-Admiral war und einst in unserer Behausung gewesen war; danach brach ich allein mit dem Kanu über eine große Lagune auf (denn ich konnte niemanden finden, der mir half), obwohl ich sehr erschöpft war und Schmerzen in meinem Unterleib hatte, wegen des Seils, an dem ich die Nacht zuvor gehangen hatte. Ich war daher zeitweise nicht in der Lage, das Kanu zu führen, denn das Paddeln war sehr mühsam. Doch kurz vor Einbruch der Dunkelheit gelangte ich an meinen Zielort, wo mich einige der Indianer kannten und freundlich aufnahmen. Ich fragte nach dem Admiral; und sie führten mich zu seiner Behausung. Er freute sich, mich zu sehen, und erfrischte mich mit dem, was der Ort bot; und ich hatte eine Hängematte zum Schlafen. Sie handelten mir gegenüber eher wie Christen als jene Weißen, bei denen ich in der letzten Nacht gewesen war, obwohl sie getauft worden waren. Ich sagte dem Admiral, dass ich zum nächsten Hafen wolle, um ein Schiff zu bekommen, das mich nach Jamaika bringe; und bat ihn, das Kanu, das ich damals hatte, zurückzuschicken, wofür ich ihn bezahlen würde. Er einigte sich mit mir und schickte fünf tüchtige Indianer mit einem großen Kanu, um meine Sachen zu meinem beabsichtigten Ort, etwa fünfzig Meilen entfernt, zu bringen; und wir brachen am nächsten Morgen auf. Als wir aus der Lagune kamen und am Ufer entlangfuhren, war die See so hoch, dass das Kanu oftmals kurz davor stand, mit Wasser gefüllt zu werden. Wir waren gezwungen, an Land zu gehen und es über verschiedene Landzungen zu schleppen; wir waren auch zwei Nächte in den Sümpfen, die von Moskitos wimmelten, und sie erwiesen sich als lästig für uns. Diese ermüdende Reise zu Land und zu Wasser endete jedoch am dritten Tag zu meiner großen Freude; und ich gelangte an Bord einer Schaluppe, die von einem gewissen Kapitän Jenning befehligt wurde. Sie war damals teilweise beladen, und er sagte mir, er erwarte täglich, nach Jamaika zu segeln; und nachdem ich mit ihm vereinbart hatte, mir meine Überfahrt zu verdienen, machte ich mich dementsprechend an die Arbeit. Ich war nicht viele Tage an Bord, bevor wir segelten; doch zu meinem Leidwesen und meiner Enttäuschung, obwohl an solche Tricks gewöhnt, fuhren wir die Musquito-Küste entlang nach Süden, anstatt nach Jamaika zu steuern. Ich war gezwungen, beim Fällen einer großen Menge Mahagoniholz am Ufer zu helfen, während wir die Küste entlangfuhren, und das Schiff damit zu beladen, bevor es ablegte. Dies ärgerte mich sehr; doch da ich nicht wusste, wie ich mir unter diesen Betrügern helfen sollte, dachte ich, Geduld sei das einzige Mittel, das mir geblieben sei, und selbst das war erzwungen. Es gab viel harte Arbeit und wenig Proviant an Bord, außer wir hatten das Glück, Schildkröten zu fangen. An dieser Küste gab es auch eine besondere Art von Fisch namens Manati, der ein vortreffliches Essen ist, und das Fleisch gleicht eher Rindfleisch als Fisch; die Schuppen sind so groß wie ein Schilling, und die Haut dicker, als ich je die eines anderen Fisches gesehen habe. Innerhalb der Brackgewässer entlang des Ufers gab es ebenso eine Unmenge von Alligatoren, die den Fisch rar machten. Ich war sechzehn Tage auf dieser Schaluppe, während derer wir bei unserer Küstenfahrt an einen anderen Ort kamen, wo eine kleinere Schaluppe namens Indian Queen lag, die von einem gewissen John Baker befehligt wurde. Auch er war ein Engländer und schon lange entlang der Küste unterwegs, um mit Schildkrötenpanzern und Silber zu handeln, und hatte eine gute Menge von beidem an Bord. Er brauchte sehr dringend Leute; und als er begriff, dass ich ein freier Mann war und nach Jamaika wollte, sagte er mir, wenn er ein oder zwei Leute bekommen könne, würde er sofort für diese Insel segeln: er täuschte mir auch einige Zeichen der Aufmerksamkeit und des Respekts vor und versprach mir fünfundvierzig Schilling Sterling im Monat, wenn ich mit ihm ginge. Ich hielt dies für weit besser, als umsonst Holz zu hacken. Ich sagte daher dem anderen Kapitän, dass ich mit dem anderen Schiff nach Jamaika wolle; doch er wollte mir nicht zuhören: und da er sah, dass ich entschlossen war, in ein oder zwei Tagen zu gehen, ließ er das Schiff auslaufen, in der Absicht, mich gegen meinen Willen mitzunehmen. Diese Behandlung kränkte mich überaus. Ich rief sofort, gemäß einer Vereinbarung, die ich mit dem Kapitän der Indian Queen getroffen hatte, nach ihrem Boot, das in unserer Nähe lag, und es kam längsseits; und durch die Vermittlung eines Schiffskameraden vom Nordpol, den ich auf der Schaluppe traf, auf der ich mich befand, brachte ich meine Sachen in das Boot und ging am 10. Juli an Bord der Indian Queen. Einige Tage nachdem ich dort war, machten wir alles bereit und segelten los: doch wieder zu meiner großen Kränkung fuhr dieses Schiff weiterhin in den Süden, fast bis nach Cartagena, und handelte entlang der Küste, anstatt nach Jamaika zu fahren, wie es der Kapitän mir versprochen hatte: und was das Schlimmste von allem war, er war ein sehr grausamer und blutrünstiger Mann und ein grässlicher Gotteslästerer. Unter anderem hatte er einen weißen Lotsen, einen gewissen Stoker, den er oft ebenso schwer schlug wie einige Neger, die er an Bord hatte. Eines Nachts im Besonderen, nachdem er diesen Mann auf das Grausamste geschlagen hatte, setzte er ihn in das Boot und ließ ihn von zwei Negern zu einem öden Cay oder einer kleinen Insel rudern; und er lud zwei Pistolen und schwor erbittert, dass er die Neger erschießen würde, wenn sie Stoker wieder an Bord brächten. Es gab nicht den geringsten Zweifel, dass er tun würde, was er sagte, und die beiden armen Kerle waren gezwungen, dem grausamen Befehl zu gehorchen; doch als der Kapitän schlief, nahmen die beiden Neger eine Decke und brachten sie zum unglücklichen Stoker, was, wie ich glaube, das Mittel war, sein Leben vor der Plage durch Insekten zu retten. Es bedurfte am nächsten Tag vieler Bitten an den Kapitän, bevor er einwilligte, Stoker wieder an Bord zu lassen; und als der arme Mann an Bord gebracht wurde, war er sehr krank von seiner Lage während der Nacht, und er blieb es, bis er kurze Zeit später ertrank. Als wir südwärts segelten, kamen wir zu vielen unbewohnten Inseln, die mit schönen großen Kokosnüssen bewachsen waren. Da ich sehr unter Nahrungsmangel litt, brachte ich eine Bootsladung davon an Bord, die mir und anderen für mehrere Wochen reichte und uns in unserer Knappheit so manch köstliches Mahl verschaffte. Eines Tages zuvor konnte ich nicht umhin, die vorsehende Hand Gottes zu beobachten, die stets für alle unsere Bedürfnisse sorgt, wenn auch auf Wegen und in einer Weise, die wir nicht kennen. Ich war einen ganzen Tag ohne Nahrung gewesen und hatte Signale für Boote gegeben, herbeizukommen, doch vergeblich. Ich betete daher ernsthaft zu Gott um Linderung meiner Not; und am Ende des Abends verließ ich das Deck. Gerade als ich mich hinlegte, hörte ich ein Geräusch auf dem Deck; und da ich nicht wusste, was es bedeutete, ging ich direkt wieder an Deck, und was sollte ich sehen, außer einem schönen großen Fisch von etwa sieben oder acht Pfund, der an Bord gesprungen war! Ich nahm ihn und bewunderte unter Dankgebeten die gute Hand Gottes; und was ich als nicht weniger außergewöhnlich betrachtete, der Kapitän, der sehr habgierig war, versuchte nicht, ihn mir wegzunehmen, da nur er und ich an Bord waren; denn die anderen waren alle an Land, um zu handeln. Manchmal kamen die Leute tagelang nicht zurück: das pflegte den Kapitän zu ärgern, und dann ließ er seine Wut an mir aus, indem er mich schlug oder mich auf andere grausame Weise fühlen ließ. Eines Tages besonders, in seinem wilden, gottlosen und wahnsinnigen Treiben, nachdem er mich mehrmals mit verschiedenen Dingen geschlagen hatte, und einmal quer über meinen Mund sogar mit einem rot glühenden Stock aus dem Feuer, holte er ein Fass mit Schießpulver an Deck und schwor, dass er das Schiff in die Luft jagen würde. Ich war damals mit meinem Latein am Ende und betete ernsthaft zu Gott, mich zu leiten. Der Deckel war vom Fass, und der Kapitän nahm einen brennenden Stock aus dem Feuer, um sich und mich in die Luft zu sprengen, weil ein Schiff in Sicht war, das sich näherte, von dem er annahm, es sei ein Spanier, und er fürchtete, in deren Hände zu fallen. Als ich dies sah, holte ich unbemerkt von ihm eine Axt und stellte mich zwischen ihn und das Pulver, wobei ich in mir entschlossen war, sobald er versuchte, das Feuer in das Fass zu stecken, ihn auf der Stelle niederzuhauen. Ich war mehr als eine Stunde in dieser Lage; während derer er mich oft schlug, während er das Feuer immer noch in der Hand hielt für diesen gottlosen Zweck. Ich hätte mich in jedem anderen Teil der Welt wirklich für gerechtfertigt gehalten, wenn ich ihn getötet hätte, und betete zu Gott, der mir einen Sinn gab, der einzig auf ihm ruhte. Ich betete um Ergebung, dass sein Wille geschehe; und die folgenden zwei Abschnitte seines heiligen Wortes, die mir in den Sinn kamen, stützten meine Hoffnung und hielten mich davon ab, diesem gottlosen Mann das Leben zu nehmen. „Er hat die Zeiten bestimmt, die zuvor festgesetzt sind, und die Grenzen unserer Wohnsitze festgelegt“, Apostelgeschichte 17,26. Und: „Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet, der auf die Stimme seines Knechtes hört, der in der Finsternis wandelt und kein Licht hat? Er vertraue auf den Namen des Herrn und stütze sich auf seinen Gott“, Jesaja 50,10. Und so war ich durch die Gnade Gottes imstande zu handeln. Ich fand ihn als einen gegenwärtigen Helfer in der Zeit der Not, und die Wut des Kapitäns begann sich zu legen, als sich die Nacht näherte: doch ich fand:
„Wer seines Zornes Flut nicht hemmt, Der reitet ein wildes Ross, das kein Zaumwerk zähmt.“
Am nächsten Morgen entdeckten wir, dass das Schiff, welches den Kapitän in einen solchen Zorn versetzt hatte, eine englische Schaluppe war. Sie warfen bald dort Anker, wo wir lagen, und zu meiner nicht geringen Überraschung erfuhr ich, dass Doktor Irving an Bord war, auf seinem Weg von der Musquito-Küste nach Jamaika. Ich wollte sofort gehen, um diesen alten Herrn und Freund zu besuchen, doch der Kapitän wollte mir nicht gestatten, das Schiff zu verlassen. Ich informierte daraufhin den Doktor mittels eines Briefes darüber, wie ich behandelt wurde, und bat ihn, mich von der Schaluppe wegzuholen: Doch er ließ mich wissen, dass es nicht in seiner Macht stünde, da er selbst nur Passagier sei; er schickte mir jedoch etwas Rum und Zucker für meinen eigenen Gebrauch. Ich erfuhr nun, dass, nachdem ich das Anwesen verlassen hatte, welches ich für diesen Herrn an der Musquito-Küste verwaltet hatte – während welcher Zeit die Sklaven gut ernährt und zufrieden waren –, ein weißer Aufseher meinen Platz eingenommen hatte: Dieser Mann schlug und schnitt die armen Sklaven aus Unmenschlichkeit und falsch verstandenem Geiz auf unbarmherzige Weise; die Folge war, dass sie sich allesamt in ein großes Puriogua-Kanu begaben und zu fliehen versuchten; da sie jedoch nicht wussten, wohin sie sich wenden oder wie sie das Kanu führen sollten, ertranken sie alle; infolgedessen blieb die Plantage des Doktors unbestellt, und er kehrte nun nach Jamaika zurück, um weitere Sklaven zu kaufen und sie wieder zu bewirtschaften. Am 14. Oktober erreichte die Indian Queen Kingston auf Jamaika. Als wir entladen waren, forderte ich meinen Lohn, der sich auf acht Pfund und fünf Schillinge Sterling belief; doch Kapitän Baker weigerte sich, mir auch nur einen Pfennig zu geben, obwohl es das am härtesten verdiente Geld war, für das ich jemals in meinem Leben gearbeitet hatte. Daraufhin suchte ich Doktor Irving auf und setzte ihn von der Schurkerei des Kapitäns in Kenntnis. Er tat alles, was er konnte, um mir zu meinem Geld zu verhelfen; und wir suchten jeden Friedensrichter in Kingston auf (und ihrer gab es neun), doch sie alle weigerten sich, etwas für mich zu tun, und sagten, mein Eid könne gegen einen weißen Mann nicht zugelassen werden. Und das war noch nicht alles; denn Baker drohte, er werde mich schwer verprügeln, falls er mich erwische, weil ich versucht hatte, mein Geld einzufordern; und das hätte er auch getan, wäre ich nicht durch Vermittlung von Dr. Irving unter den Schutz von Kapitän Douglas vom Kriegsschiff Squirrel gelangt. Ich hielt dies für eine überaus harte Behandlung; wenngleich ich feststellen musste, dass es dort allzu sehr zur Praxis gehörte, freie Männer für ihre Arbeit auf diese Weise zu entlohnen. Eines Tages ging ich mit einem freien schwarzen Schneider namens Joe Diamond zu einem gewissen Mr. Cochran, der ihm eine unbedeutende Summe schuldete; und da der Mann sein Geld nicht bekommen konnte, begann er zu murren. Der andere griff sogleich zu einer Reitpeitsche, um ihn damit zu bezahlen; doch mit Hilfe eines guten Paares Fersen entkam der Schneider. Solche Unterdrückungen veranlassten mich, nach einem Schiff zu suchen, um die Insel so schnell wie möglich zu verlassen; und durch die Gnade Gottes fand ich im November ein Schiff, das nach England bestimmt war, auf dem ich mich, nachdem ich von Doktor Irving Abschied genommen hatte, in einem Konvoi einschiffte. Als ich Jamaika verließ, war er mit der Zuckerraffinierung beschäftigt; und einige Monate nach meiner Ankunft in England erfuhr ich mit großem Schmerz, dass dieser mein liebenswürdiger Freund verstorben war, weil er von einem giftigen Fisch gegessen hatte. Wir hatten auf unserer Überfahrt viele sehr schwere Stürme; im Verlauf derer sich kein wesentlicher Zwischenfall ereignete, außer dass ein amerikanischer Freibeuter, der auf die Flotte stieß, von Seiner Majestät Schiff, der Squirrel, gekapert und in Brand gesteckt wurde. Am siebten Januar 1777 kamen wir in Plymouth an. Ich war glücklich, wieder einmal englischen Boden unter den Füßen zu haben; und nachdem ich einige Zeit in Plymouth und Exeter bei einigen frommen Freunden verbracht hatte, die zu sehen mich freute, reiste ich nach London, mein Herz erfüllt von Dank gegen Gott für alle vergangenen Gnaden.
KAP. XII.
Verschiedene Begebenheiten im Leben des Verfassers bis zur heutigen Zeit – Sein Gesuch an den verstorbenen Bischof von London, als Missionar nach Afrika entsandt zu werden – Ein Bericht über seinen Anteil an der Leitung der jüngsten Expedition nach Sierra Leone – Bittschrift an die Königin – Schlusswort.
Dies waren die verschiedenen Szenen, deren Zeuge ich war, und das Schicksal, das ich bis zum Jahr 1777 erfuhr. Seit jenem Zeitraum ist mein Leben gleichförmiger verlaufen, und die Begebenheiten waren spärlicher als in jedem anderen vergleichbaren Zeitabschnitt zuvor; daher eile ich dem Schluss einer Erzählung entgegen, von der ich fürchte, der Leser möge sie bereits für hinlänglich langweilig halten.
Ich hatte in meinen geschäftlichen Transaktionen in verschiedenen Teilen der Welt so viele Zumutungen erduldet, dass ich das Leben auf See gründlich satt hatte, und ich war entschlossen, zumindest für einige Zeit nicht dorthin zurückzukehren. Ich nahm daher kurz nach meiner Rückkehr wieder einen Dienst an und verblieb größtenteils bis 1784 in dieser Stellung.
Kurz nach meiner Ankunft in London sah ich einen bemerkenswerten Umstand bezüglich der afrikanischen Hautfarbe, den ich für so außergewöhnlich hielt, dass ich mir erlaube, ihn kurz zu erwähnen: Eine weiße Negerin, die ich früher bereits in London und anderen Orten gesehen hatte, hatte einen weißen Mann geheiratet, von dem sie drei Jungen hatte, und diese waren allesamt Mulatten, besaßen jedoch feines helles Haar. Im Jahr 1779 diente ich Gouverneur Macnamara, der sich eine beträchtliche Zeit an der Küste Afrikas aufgehalten hatte. Während meiner Dienstzeit bat ich häufig andere Bedienstete, sich mir beim Familiengebet anzuschließen; doch dies erregte nur ihr Gelächter. Da der Gouverneur jedoch verstand, dass ich religiös veranlagt war, wollte er wissen, welcher Religion ich angehörte; ich sagte ihm, ich sei ein Protestant der Kirche von England, im Einklang mit den neununddreißig Artikeln jener Kirche, und dass ich jeden hören würde, von dem ich wüsste, dass er gemäß dieser Lehre predigte. Einige Tage danach hatten wir weitere Unterredungen über dasselbe Thema: Der Gouverneur sprach mich erneut darauf an und sagte, er wolle mich, wenn ich es wünschte, da er glaube, ich könne beim Bekehren meiner Landsleute zum Evangelium nützlich sein, als Missionar nach Afrika schicken lassen. Zunächst weigerte ich mich, dorthin zu gehen, und erzählte ihm, wie ich bei einer ähnlichen Gelegenheit von einigen Weißen auf meiner letzten Reise nach Jamaika behandelt worden war, als ich (so es der Wille Gottes war) versucht hatte, ein Mittel zur Bekehrung des indischen Prinzen zu sein; und ich sagte, ich vermute, sie würden mich schlimmer behandeln als Alexander der Kupferschmied den Heiligen Paulus, wenn ich versuchen sollte, mich unter sie nach Afrika zu begeben. Er sagte mir, ich solle mich nicht fürchten, denn er werde beim Bischof von London beantragen, mich ordinieren zu lassen. Unter diesen Bedingungen stimmte ich dem Vorschlag des Gouverneurs zu, nach Afrika zu gehen, in der Hoffnung, wenn möglich Gutes unter meinen Landsleuten zu wirken; um mich also ordnungsgemäß entsenden zu lassen, verfassten wir umgehend die folgenden Schreiben an den verstorbenen Bischof von London:
An den Hochwürdigsten Vater in Gott, ROBERT, Lordbischof von London: Die DENKSCHRIFT von Gustavus Vassa
zeigt auf,
Dass Ihr Denkschriftsteller ein gebürtiger Afrikaner ist und Kenntnis von den Sitten und Gebräuchen der Bewohner jenes Landes besitzt.
Dass Ihr Denkschriftsteller in den letzten zweiundzwanzig Jahren in verschiedenen Teilen Europas gelebt und im Jahr 1759 den christlichen Glauben angenommen hat.
Dass Ihr Denkschriftsteller den Wunsch hegt, als Missionar nach Afrika zurückzukehren, sofern er durch Eure Lordschaft ermutigt wird, in der Hoffnung, seine Landsleute dazu bewegen zu können, Christen zu werden; und Ihr Denkschriftsteller fühlt sich umso mehr dazu bewogen, dies zu unternehmen, aufgrund des Erfolges, der ähnliche Bestrebungen begleitete, wenn sie durch die Portugiesen in ihren verschiedenen Niederlassungen an der Küste Afrikas, sowie auch durch die Niederländer gefördert wurden: beide Regierungen ermutigen die Schwarzen, die durch ihre Bildung dazu befähigt sind, solches zu unternehmen, und sich geeigneter erweisen als europäische Geistliche, die mit der Sprache und den Sitten des Landes nicht vertraut sind.
Das einzige Motiv Ihres Denkschriftstellers, sich um das Amt eines Missionars zu bewerben, ist, dass er ein Mittel sein möge, unter Gott, seine Landsleute zu reformieren und sie zu überzeugen, die christliche Religion anzunehmen. Daher bittet Ihr Denkschriftsteller demütig um die Ermutigung und Unterstützung Eurer Lordschaft bei diesem Unterfangen.
GUSTAVUS VASSA.
Bei Mr. Guthrie, Schneider, Nr. 17, Hedge-lane.
Mein Lord,
Ich habe fast sieben Jahre an der Küste Afrikas gelebt, die meiste Zeit davon als kommandierender Offizier. Aufgrund der Kenntnis, die ich von dem Land und seinen Bewohnern habe, bin ich geneigt zu glauben, dass der beiliegende Plan mit großem Erfolg gekrönt sein wird, wenn er von Eurer Lordschaft unterstützt wird. Ich erlaube mir des Weiteren, Eurer Lordschaft darzulegen, dass ähnliche Versuche, wenn sie von anderen Regierungen gefördert wurden, auf ungewöhnlichen Erfolg stießen; und eben jetzt kenne ich eine sehr angesehene Persönlichkeit, einen schwarzen Priester am Cape Coast Castle. Ich kenne den vorgenannten Gustavus Vassa und halte ihn für einen moralisch guten Mann.
Ich habe die Ehre zu sein, Mein Lord, Eurer Lordschaft Demütiger und gehorsamer Diener, MATT. MACNAMARA.
Grove, 11. März 1779.
Diesem Brief lag zudem das folgende Schreiben von Doktor Wallace bei, der viele Jahre in Afrika gelebt hatte und dessen Ansichten über das Thema einer afrikanischen Mission mit denen von Gouverneur Macnamara übereinstimmten.
13. März 1779.
Mein Lord,
Ich habe fast fünf Jahre in Senegambia an der Küste Afrikas gelebt und hatte die Ehre, sehr bedeutende Ämter in jener Provinz zu bekleiden. Ich billige den beiliegenden Plan und halte das Unterfangen für sehr lobenswert und angemessen, und dass es Eurer Lordschaft Schutz und Förderung verdient, in welchem Falle es den beabsichtigten Erfolg haben muss.
Ich bin, Mein Lord, Eurer Lordschaft Demütiger und gehorsamer Diener, THOMAS WALLACE.
Mit diesen Briefen suchte ich den Bischof auf Wunsch des Gouverneurs auf und überreichte sie Seiner Lordschaft. Er empfing mich mit viel Herablassung und Höflichkeit; lehnte es jedoch aus gewissen Skrupeln der Sensibilität ab, mich zu ordinieren.
Mein einziges Motiv, so ausführlich auf diese Angelegenheit einzugehen oder diese Papiere einzufügen, ist die Meinung, die Männer von Verstand und Bildung, die mit Afrika vertraut sind, über die Wahrscheinlichkeit hegen, die Bewohner desselben zum Glauben an Jesus Christus zu bekehren, wenn der Versuch von der Legislative unterstützt würde.
Kurz danach verließ ich den Gouverneur und diente einem Adligen in der Miliz von Devonshire, mit dem ich einige Zeit bei Coxheath im Lager lag; doch die dortigen Operationen waren zu geringfügig und uninteressant, als dass sie einer detaillierten Beschreibung bedürften.
Im Jahr 1783 besuchte ich aus Neugier acht Grafschaften in Wales. Während ich in jenem Teil des Landes war, wurde ich dazu verleitet, in ein Kohlebergwerk in Shropshire hinabzusteigen, doch meine Neugier kostete mich beinahe das Leben; denn während ich in der Grube war, stürzten die Kohlen ein und begruben einen armen Mann, der sich nicht weit von mir befand: Daraufhin gelangte ich so schnell ich konnte hinaus, in dem Gedanken, die Erdoberfläche sei der sicherste Teil davon.
Im Frühjahr 1784 dachte ich daran, den alten Ozean wieder zu besuchen. Infolgedessen heuerte ich als Steward auf einem schönen neuen Schiff namens London an, kommandiert von Martin Hopkin, und segelte nach New York. Ich bewunderte diese Stadt sehr; sie ist groß und wohlgebaut und bietet Überfluss an Nahrungsmitteln aller Art. Während wir hier lagen, ereignete sich ein Umstand, den ich für äußerst merkwürdig hielt: Eines Tages sollte ein Missetäter an einem Galgen hingerichtet werden; jedoch unter der Bedingung, dass, falls eine Frau, die nichts weiter als ihr Unterhemd trug, den Mann unter dem Galgen heiratete, sein Leben verschont würde. Dieses außergewöhnliche Privileg wurde in Anspruch genommen; eine Frau stellte sich zur Verfügung; und die Hochzeitszeremonie wurde vollzogen. Nachdem unser Schiff beladen war, kehrten wir im Januar 1785 nach London zurück. Als sie wieder für eine weitere Reise bereit war, segelte ich im Frühjahr, März 1785, mit dem Kapitän, einem angenehmen Mann, von hier nach Philadelphia. Am fünften April verließen wir mit angenehmem Wind das Land's-end; und gegen neun Uhr abends schien der Mond hell, und die See war ruhig, während unser Schiff bei freiem Wind mit einer Geschwindigkeit von etwa vier oder fünf Meilen pro Stunde fuhr. Zu dieser Zeit fuhr ein anderes Schiff fast so schnell wie wir auf dem entgegengesetzten Kurs und kam uns direkt entgegen, doch niemand an Bord bemerkte das jeweils andere Schiff, bis wir mit Wucht Bug an Bug zusammenstießen, zum Erstaunen und Entsetzen beider Besatzungen. Sie fügte uns großen Schaden zu, aber ich glaube, wir fügten ihr noch größeren zu; denn als wir aneinander vorbeifuhren, was sehr schnell geschah, riefen sie uns zu, wir sollten beidrehen und unser Boot aussetzen, doch wir hatten genug damit zu tun, auf uns selbst achtzugeben; und nach etwa acht Minuten sahen wir nichts mehr von ihr. Wir setzten uns am nächsten Tag so gut es ging instand und setzten unsere Reise fort, und trafen im Mai in Philadelphia ein. Ich war sehr froh, diese geliebte alte Stadt wiederzusehen; und mein Vergnügen war noch viel größer, als ich sah, wie die werten Quäker viele meiner unterdrückten afrikanischen Brüder befreiten und ihnen die Lasten erleichterten. Mein Herz erfreute sich, als mich einer dieser freundlichen Menschen mitnahm, um eine Freischule zu sehen, die sie für alle Konfessionen schwarzer Menschen errichtet hatten, deren Geister hier gebildet und zur Tugend geführt werden; und so werden sie zu nützlichen Mitgliedern der Gemeinschaft gemacht. Sagt der Erfolg dieses Vorgehens den Pflanzern nicht laut in der Sprache der Schrift – „Gehet hin und tut desgleichen?“
Im Oktober 1785 wurde ich von einigen Afrikanern begleitet und überreichte diese Dankadresse den Herren, die Freunde oder Quäker genannt werden, im Gracechurch-Court, Lombard-Street:
Herren,
Durch das Lesen Ihres Buches mit dem Titel „Eine Mahnung an Großbritannien und ihre Kolonien bezüglich des beklagenswerten Zustands der versklavten Neger“: Wir, die armen, unterdrückten, bedürftigen und so sehr herabgewürdigten Neger, wünschen Ihnen mit dieser Dankadresse entgegenzutreten, mit unserer innigsten Liebe und wärmsten Anerkennung; und mit dem tiefsten Empfinden für Ihre Wohltätigkeit, Ihr unermüdliches Mühen und Ihre gütige Fürsprache zur Zerschlagung des Jochs der Sklaverei und um tausenden und abertausenden von so schwer geprüften und allzu schwer belasteten Negern ein wenig Trost und Erleichterung zu verschaffen.
Herren, könnten Sie durch Beharrlichkeit endlich in die Lage versetzt werden, unter Gott die schwere Last der Bedrängten in irgendeinem Maße zu erleichtern, so wäre dies zweifellos in gewissem Maße das mögliche Mittel, unter Gott die Seelen vieler der Unterdrücker zu retten; und wenn dies so wäre, sind wir sicher, dass der Gott, dessen Augen stets auf all seinen Geschöpfen ruhen, der jede wahre Tat der Tugend belohnt und die Gebete der Unterdrückten beachtet, Ihnen und den Ihren jene Segnungen gewähren wird, die wir nicht auszudrücken oder zu begreifen vermögen, für die wir aber, als ein Teil dieser gefangenen, unterdrückten und geprüften Menschen, aufs Innigste wünschen und beten.
Diese Herren empfingen uns sehr gütig, mit dem Versprechen, sich für die unterdrückten Afrikaner einzusetzen, und wir schieden voneinander.
Während ich in der Stadt war, wurde ich einmal zufällig zu einer Quäkerhochzeit eingeladen. Die schlichte und doch ausdrucksvolle Art, die bei ihren Feierlichkeiten angewandt wird, ist bemerkenswert. Das Folgende ist die wahre Form davon:
Nachdem sich die Gesellschaft versammelt hat, gibt es zeitgemäße Ermahnungen durch mehrere Mitglieder; Braut und Bräutigam stehen auf, und während sie einander auf feierliche Weise bei der Hand nehmen, erklärt der Mann vernehmlich in etwa Folgendes:
„Freunde, in der Furcht des Herrn und in Gegenwart dieser Versammlung, die ich zu meinen Zeugen erbitte, nehme ich diese meine Freundin, M.N., zur Frau; und verspreche mit göttlichem Beistand, ihr ein liebender und treuer Ehemann zu sein, bis der Tod uns scheidet:“ und die Frau gibt die gleiche Erklärung ab. Dann unterzeichnen die beiden Ersten ihre Namen im Register, und so viele weitere Zeugen, wie dies möchten. Ich hatte die Ehre, die meinige in ein Register im Gracechurch-Court, Lombard-Street, einzutragen.
Wir kehrten im August nach London zurück; und da unser Schiff nicht sofort in See stach, heuerte ich als Steward auf einem amerikanischen Schiff namens Harmony an, unter Kapitän John Willet, und verließ London im März 1786 mit Ziel Philadelphia. Elf Tage nach dem Auslaufen verloren wir unseren Fockmast. Wir hatten eine neunwöchige Überfahrt, was dazu führte, dass unsere Fahrt nicht gut ausging, da sich der Markt für unsere Waren als schlecht erwies; und was es noch schlimmer machte, mein Kapitän begann, mir die gleichen Streiche zu spielen, wie andere es allzu oft mit freien Negern in Westindien treiben. Doch ich danke Gott, dass ich hier viele Freunde fand, die ihn in gewissem Maße daran hinderten. Bei meiner Rückkehr nach London im August war ich sehr angenehm überrascht festzustellen, dass die Regierung die Wohltätigkeit einiger philanthropischer Einzelpersonen übernommen hatte, die Afrikaner von hier in ihre Heimat zu entsenden; und dass einige Schiffe bereits unter Vertrag genommen worden waren, um sie nach Sierra Leone zu bringen; eine Tat, die zur Ehre aller gereichte, die an ihrer Förderung beteiligt waren, und mich mit Gebeten und großer Freude erfüllte. Es gab damals in der Stadt ein ausgewähltes Komitee von Herren für die schwarzen Armen, von denen einige die Ehre hatten, mir bekannt zu sein; und sobald sie von meiner Ankunft hörten, ließen sie mich zum Komitee kommen. Als ich dort eintraf, informierten sie mich über die Absicht der Regierung; und da sie mich für qualifiziert hielten, einen Teil des Unternehmens zu beaufsichtigen, baten sie mich, mit den schwarzen Armen nach Afrika zu gehen. Ich legte ihnen viele Einwände gegen mein Mitgehen dar; und insbesondere drückte ich einige Bedenken wegen der Sklavenhändler aus, da ich mich ihrem Handel mit der menschlichen Spezies mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln widersetzen würde. Diese Einwände wurden jedoch von den Herren des Komitees zurückgewiesen, die mich dazu bewogen, mitzugehen, und mich den ehrenwerten Beauftragten der Marine Seiner Majestät als geeignete Person empfahlen, um als Kommissar der Regierung bei der beabsichtigten Expedition zu fungieren; und sie ernannten mich dementsprechend im November 1786 zu diesem Amt und gaben mir hinreichende Vollmacht, für die Regierung in der Eigenschaft als Kommissar zu handeln, nachdem ich meinen Dienstauftrag und den folgenden Befehl erhalten hatte.
Von den leitenden Beamten und Beauftragten der Marine Seiner Majestät.
Da Sie durch unseren Dienstauftrag vom 4. des vergangenen Monats angewiesen wurden, von Mr. Irving die überschüssigen Vorräte, die von den für die Reise bereitgestellten übrig geblieben sind, sowie die Vorräte für den Unterhalt der schwarzen Armen nach der Landung in Sierra Leone, zusammen mit der Kleidung, dem Werkzeug und allen anderen auf Kosten der Regierung bereitgestellten Gegenständen in Ihre Obhut zu nehmen; und da die Vorräte für die Dauer von zwei Monaten für die Reise und für vier Monate nach der Landung ausgelegt waren, die Anzahl der Eingeschifften jedoch weit geringer war als erwartet, wodurch ein beträchtlicher Überschuss an Vorräten, Kleidung usw. vorhanden sein mag: So werden Sie hiermit, zusätzlich zu früheren Befehlen, angewiesen und aufgefordert, diesen Überschuss zum größtmöglichen Vorteil für die Regierung zu verwenden oder zu veräußern, wobei Sie uns eine getreue Abrechnung darüber vorlegen. Und zu Ihrer Anleitung, um zu verhindern, dass weiße Personen mitgehen, die nicht dazu bestimmt sind, die Vergünstigungen der Überführung dorthin zu genießen, senden wir Ihnen hiermit eine Liste derjenigen, die vom Komitee für die schwarzen Armen als geeignete Personen empfohlen wurden, denen die Einschiffung gestattet werden soll, und teilen Ihnen mit, dass Sie niemandem anderen gestatten dürfen mitzugehen, der kein Zertifikat vom Komitee für die schwarzen Armen vorlegen kann, dass er dessen Erlaubnis dazu hat. Wofür dies Ihr Dienstauftrag sei. Gegeben im Marineamt, 16. Januar 1787.
J. HINSLOW, GEO. MARSH, W. PALMER.
An Herrn Gustavus Vassa, Kommissar für Vorräte und Güter für die schwarzen Armen, die nach Sierra Leone reisen.
Ich schritt umgehend zur Ausführung meiner Pflicht an Bord der für die Reise bestimmten Schiffe, wo ich bis zum darauffolgenden März verblieb.
Während meiner Anstellung im Dienste der Regierung fielen mir die eklatanten Missbräuche auf, die der Agent beging, und ich versuchte, sie zu beheben, jedoch ohne Erfolg. Ein Beispiel unter vielen, die ich anführen könnte, mag als Beweis dienen. Die Regierung hatte angeordnet, alle Notwendigkeiten (einschließlich der sogenannten Slops, also der Arbeitskleidung) für 750 Personen bereitzustellen; da ich jedoch nicht mehr als 426 Personen zusammenbringen konnte, wurde mir befohlen, die überflüssigen Slops usw. an die königlichen Lagerhäuser in Portsmouth zu senden. Als ich sie jedoch zu diesem Zweck vom Agenten forderte, stellte sich heraus, dass sie niemals gekauft, wohl aber von der Regierung bezahlt worden waren. Doch das war noch nicht alles; die Regierung war nicht das einzige Ziel der Veruntreuung; diese armen Menschen litten unendlich viel mehr; ihre Unterbringung war höchst elend; vielen von ihnen fehlten Betten, und noch viel mehr mangelte es an Kleidung und anderen Notwendigkeiten. Für die Wahrheit dieser und vieler weiterer Punkte suche ich nicht nach Anerkennung durch meine eigene Behauptung. Ich berufe mich auf das Zeugnis von Capt. Thompson von der Nautilus, der uns geleitete, an den ich mich im Februar 1787 wandte, um Abhilfe zu schaffen, nachdem ich beim Agenten vergeblich protestiert und ihn sogar dazu gebracht hatte, Zeuge der Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu werden, über die ich mich beklagte. Ich berufe mich auch auf einen Brief, der von diesen elenden Menschen bereits Anfang Januar desselben Jahres verfasst und am 4. jenes Monats im Morning Herald veröffentlicht wurde, unterzeichnet von zwanzig ihrer Anführer.
Ich konnte nicht schweigend hinnehmen, dass die Regierung auf diese Weise betrogen und meine Landsleute ausgeplündert, unterdrückt und sogar der zum Überleben notwendigen Dinge beraubt wurden. Ich informierte daher die Kommissare der Marine über das Vorgehen des Agenten; doch meine Entlassung wurde bald darauf durch Vermittlung eines Gentlemans in der Stadt erwirkt, den der Agent, seines Betrugs bewusst, per Brief getäuscht hatte und der darüber hinaus denselben Agenten bevollmächtigte, entgegen meinen Anweisungen eine Reihe von Personen als Passagiere auf Kosten der Regierung an Bord zu nehmen. Dadurch erlitt ich einen beträchtlichen Verlust an meinem Eigentum; die Kommissare waren jedoch mit meinem Verhalten zufrieden und schrieben an Capt. Thompson, um ihre Anerkennung dafür auszudrücken.
So versorgt, setzten sie ihre Reise fort; und schließlich, zermürbt durch eine Behandlung, die vielleicht nicht die mildeste war, und durch Krankheit ausgezehrt, die durch den Mangel an Medikamenten, Kleidung, Bettzeug usw. herbeigeführt wurde, erreichten sie Sierra Leone genau zu Beginn der Regenzeit. Zu dieser Jahreszeit ist es unmöglich, das Land zu bestellen; ihre Vorräte waren daher erschöpft, bevor sie aus der Landwirtschaft einen Nutzen ziehen konnten; und es ist nicht verwunderlich, dass viele, insbesondere die Lascars, deren Konstitution sehr empfindlich ist und die von Oktober bis Juni in Schiffen eingepfercht und auf die von mir erwähnte Weise untergebracht waren, durch ihre Gefangenschaft so sehr ausgezehrt wurden, dass sie diese nicht lange überlebten.
Damit endete mein Anteil an der viel besprochenen Expedition nach Sierra Leone; eine Expedition, die, so unglücklich sie in ihrem Ausgang auch war, in ihrem Entwurf human und politisch klug war, und deren Scheitern nicht der Regierung zuzuschreiben war: von ihrer Seite wurde alles getan; doch es gab offensichtlich ein ausreichendes Maß an Missmanagement bei der Durchführung und Ausführung, um den Erfolg zu vereiteln.
Ich wäre in meinem Bericht über diesen Vorgang nicht so ausführlich gewesen, hätte man meinen Anteil daran nicht zum Gegenstand parteiischer Kritik gemacht und sogar meine Entlassung aus dem Dienst von manchen als Anlass für einen öffentlichen Triumph[X] betrachtet. Die Beweggründe, die jemanden dazu bewegen könnten, sich auf einen kleinlichen Streit mit einem obskuren Afrikaner herabzulassen und Befriedigung in dessen Niedergang zu suchen, sind hier vielleicht nicht zu ergründen oder zu schildern, selbst wenn ihre Aufdeckung für meine Rechtfertigung notwendig wäre; doch ich danke dem Himmel, dass dies nicht der Fall ist. Ich möchte zu meiner eigenen Integrität stehen und mich nicht hinter der Unangemessenheit eines anderen verstecken; und ich vertraue darauf, dass das Verhalten der Kommissare der Marine mir gegenüber mich berechtigt, diese Behauptung aufzustellen; denn nachdem ich am 24. März entlassen worden war, setzte ich eine Denkschrift auf, die wie folgt lautete:
An die Hochwohlgeborenen Lordschatzmeister Seiner Majestät: Die Denkschrift und das Gesuch von Gustavus Vassa, einem schwarzen Mann, ehemals Kommissar für die schwarzen Armen, die nach Afrika reisen.
DEMÜTIGST ZEIGT AN,
Dass Ihr Lordschafts-Denkschriftsteller von den ehrenwerten Kommissaren der Marine Seiner Majestät am 4. Dezember letzten Jahres per Vollmacht dieses Gremiums in die oben genannte Anstellung berufen wurde;
Dass er dementsprechend zur Ausführung seiner Pflicht an Bord der Vernon schritt, die eines der Schiffe war, das bestimmt war, mit den oben genannten Armen nach Afrika zu fahren;
Dass Ihr Denkschriftsteller, zu seinem großen Kummer und Erstaunen, einen Entlassungsbrief von den ehrenwerten Kommissaren der Marine auf Befehl Ihrer Lordschaften erhielt;
Dass er, sich dessen bewusst, mit vollkommener Treue und größtem Eifer die ihm anvertraute Aufgabe erfüllt zu haben, gänzlich ratlos ist, die Gründe zu begreifen, warum Ihre Lordschaften die günstige Meinung geändert haben, die Sie von ihm zu haben geruhten, in dem Bewusstsein, dass Ihre Lordschaften nicht ohne einen offensichtlichen guten Grund zu einer so strengen Maßnahme greifen würden; er hat daher allen Grund zu glauben, dass sein Verhalten Ihren Lordschaften gegenüber grob falsch dargestellt wurde; und er fühlt sich in seiner Meinung bestärkt, weil er durch das Entgegentreten von Maßnahmen anderer an derselben Expedition Beteiligter, die darauf abzielten, Ihre humanen Absichten zu vereiteln und die Regierung zu sehr beträchtlichen zusätzlichen Ausgaben zu führen, eine Reihe von Feinden schuf, deren Falschdarstellungen, wie er nur zu viel Grund zu glauben hat, den Grundstein für seine Entlassung legten. Ohne Unterstützung von Freunden und ohne die Vorteile einer liberalen Bildung kann er nur auf Wiedergutmachung durch die Gerechtigkeit seiner Sache hoffen, zusätzlich zu dem Missmut, aus seiner Anstellung entfernt worden zu sein und des Vorteils verlustig gegangen zu sein, den er vernünftigerweise davon hätte ableiten können. Er hatte das Unglück, einen beträchtlichen Teil seines kleinen Vermögens für seine Ausrüstung und andere aus seiner Situation resultierende Ausgaben einzubüßen, wofür er hier eine Aufstellung beifügt. Ihr Denkschriftsteller wird Ihre Lordschaften nicht mit einer Rechtfertigung seines Verhaltens behelligen, da er nicht weiß, welcher Verbrechen er beschuldigt wird; er bittet jedoch eindringlich darum, dass Sie geruhen mögen, eine Untersuchung über sein Verhalten während der Zeit seines öffentlichen Dienstes anzuordnen; und sollte sich herausstellen, dass seine Entlassung auf falschen Darstellungen beruhte, ist er zuversichtlich, dass er in der Gerechtigkeit Ihrer Lordschaften Wiedergutmachung finden wird.
Ihr Bittsteller betet daher demütig, dass Ihre Lordschaften seinen Fall in Erwägung ziehen und geruhen mögen, die Zahlung des oben genannten Kontos, sich auf 32 Pfund 4 Schilling belaufend, sowie den vorgesehenen Lohn anzuweisen, was demütigst unterbreitet wird.
London, 12. Mai 1787.
Das obige Gesuch wurde in die Hände ihrer Lordschaften übergeben, die so freundlich waren, mir einige Monate später, ohne Anhörung, 50 Pfund Sterling anzuweisen – das heißt 18 Pfund Lohn für die Zeit (über vier Monate), in der ich treu in ihrem Dienst handelte. Sicherlich ist die Summe mehr, als ein freier Neger in den westlichen Kolonien bekommen hätte!!!
* * * * *
Am 21. März 1788 hatte ich die Ehre, der Königin im Namen meiner afrikanischen Brüder eine Petition zu überreichen, die von ihrer Majestät höchst gnädig entgegengenommen wurde[Y]:
An Ihre Majestät, die allergnädigste KÖNIGIN.
Madam,
Die wohlbekannte Güte und Menschlichkeit Ihrer Majestät ermutigt mich, mich Ihrer königlichen Gegenwart zu nahen, im Vertrauen darauf, dass die Unbedeutendheit meiner Stellung Ihre Majestät nicht davon abhalten wird, das Leiden zu beachten, für das ich eintrete.
Doch ich ersuche nicht um Ihr königliches Mitleid für meine eigene Not; meine Leiden, obwohl zahlreich, sind in gewisser Weise vergessen. Ich flehe um das Erbarmen Ihrer Majestät für Millionen meiner afrikanischen Landsleute, die unter der Peitsche der Tyrannei in Westindien stöhnen.
Die Unterdrückung und Grausamkeit, die den unglücklichen Negern dort angetan wird, hat schließlich die britische Legislative erreicht, und sie berät nun über Abhilfe; selbst verschiedene Sklavenbesitzer in Westindien haben das Parlament gegen ihre Fortdauer petitioniert, in der Erkenntnis, dass sie ebenso unpolitisch wie ungerecht ist – und was unmenschlich ist, muss immer unklug sein.
Die Regierungszeit Ihrer Majestät war bisher von privaten Akten der Güte und Freigebigkeit geprägt; wahrlich, je weiter verbreitet das Elend ist, desto größer ist sein Anspruch auf das Erbarmen Ihrer Majestät, und desto größer muss das Vergnügen Ihrer Majestät sein, zu seiner Linderung beizutragen.
Ich erlaube mir daher, gnädige Königin, Ihre Fürsprache bei Ihrem königlichen Gemahl zugunsten der elenden Afrikaner zu erflehen; dass durch den gütigen Einfluss Ihrer Majestät nun ein Ende ihres Elends gesetzt werde; und dass sie aus dem Zustand der Tiere, auf den sie derzeit herabgewürdigt sind, zu den Rechten und der Lage von Freien erhoben und zugelassen werden, an den Segnungen der glücklichen Regierung Ihrer Majestät teilzuhaben; so wird Ihre Majestät das innige Vergnügen genießen, Millionen Glück zu verschaffen, und belohnt werden in den dankbaren Gebeten ihrer selbst und ihrer Nachkommen.
Und möge der allgütige Schöpfer über Ihre Majestät und die königliche Familie jeden Segen ausschütten, den diese Welt bieten kann, und jede Fülle der Freude, die uns die göttliche Offenbarung in der nächsten versprochen hat.
Ich bin Ihrer Majestät untertänigster und ergebener Diener,
Gustavus Vassa, Der unterdrückte Äthiopier.
Nr. 53, Baldwin's Gardens.
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Der Neger-Konsolidierungsakt, der letztes Jahr von der Versammlung von Jamaika erlassen wurde, und der neue Änderungsakt, der dort jetzt in Erwägung gezogen wird, enthalten einen Beweis für die Existenz jener Anschuldigungen, die gegen die Pflanzer bezüglich der Behandlung ihrer Sklaven erhoben wurden.
Ich hoffe, die Genugtuung zu haben, die Erneuerung von Freiheit und Gerechtigkeit unter der britischen Regierung ruhen zu sehen, um die Ehre unserer gemeinsamen Natur zu rechtfertigen. Dies sind Angelegenheiten, die vielleicht nicht zu einem bestimmten Amt gehören: aber, um ernster zu jedem Menschen von Gefühl zu sprechen, Taten wie diese sind das gerechte und sichere Fundament künftigen Ruhms; eine Rücklage, wenn auch fern, wird von einigen edlen Geistern als ein wesentliches Gut begehrt. Es ist auf dieser Grundlage, dass ich die Aufmerksamkeit von Herren in Machtpositionen hoffe und erwarte. Dies sind Entwürfe, die der Erhabenheit ihres Ranges und der Würde ihrer Stellungen entsprechen: es sind Ziele, die der Natur einer freien und großzügigen Regierung angemessen sind; und, verbunden mit Ansichten von Reich und Herrschaft, geeignet für die Güte und den soliden Verdienst der Legislative. Es ist ein Streben nach substanzieller Größe. – Möge die Zeit kommen – zumindest ist die Spekulation für mich erfreulich – wenn das schwarze Volk dankbar die verheißungsvolle Ära der umfassenden Freiheit gedenken wird. Dann werden jene Personen[Z] besonders mit Lob und Ehre genannt werden, die großzügig vorschlugen und in der Sache der Menschlichkeit, Freiheit und guten Politik eintraten; und Entwürfe vor das Ohr der Legislative brachten, die königlicher Schirmherrschaft und Annahme würdig sind. Möge der Himmel die britischen Senatoren zu Verbreitern von Licht, Freiheit und Wissenschaft bis an die äußersten Teile der Erde machen: dann wird es Ehre für Gott in der Höhe sein, auf Erden Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen: – Ehre, Ruhm, Frieden usw. jeder Menschenseele, die das Gute wirkt, den Briten zuerst (da ihnen das Evangelium gepredigt wird) und auch den Völkern. „Die ihren Schöpfer ehren, erbarmen sich der Armen.“ „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist ein Schandfleck für jedes Volk; Verderben wird über die Übeltäter kommen, und die Gottlosen werden durch ihre eigene Bosheit fallen.“ Mögen die Segnungen des Herrn auf den Häuptern all jener ruhen, die das Schicksal der unterdrückten Neger bemitleideten, und die Furcht vor Gott ihre Tage verlängern; und mögen ihre Erwartungen mit Freude erfüllt werden! „Der Vornehme plant Vornehmes, und auf Vornehmes wird er beharren“, Jesaja 32,8. Sie können mit dem frommen Hiob sagen: „Habe ich nicht geweint um den, der in Not war? War meine Seele nicht betrübt um den Armen?“ Hiob 30,25.
Da der unmenschliche Sklavenhandel in die Erwägung der britischen Legislative gezogen werden soll, zweifle ich nicht, dass, wenn ein Handelssystem in Afrika etabliert würde, die Nachfrage nach Manufakturwaren sehr schnell zunehmen würde, da die einheimischen Bewohner unmerklich die britischen Moden, Sitten, Gebräuche usw. annehmen werden. Im Verhältnis zur Zivilisation wird auch der Verbrauch britischer Manufakturwaren stehen.
Der Verschleiß eines Kontinents, der fast doppelt so groß wie Europa und reich an pflanzlichen und mineralischen Erzeugnissen ist, ist viel leichter zu begreifen als zu berechnen.
Ein Fallbeispiel. – Es kostete die Ureinwohner Britanniens wenig oder nichts an Kleidung usw. Der Unterschied zwischen ihren Vorvätern und der heutigen Generation in Bezug auf den Verbrauch ist buchstäblich unendlich. Die Vermutung ist höchst offensichtlich. Er wird in Afrika ebenso immens sein – die gleiche Ursache, nämlich die Zivilisation, wird immer die gleiche Wirkung haben.
Es ist ein Handel auf sicherem Boden. Ein kommerzieller Austausch mit Afrika eröffnet eine unerschöpfliche Quelle des Reichtums für die Manufakturinteressen Großbritanniens, und gegen alles, wogegen der Sklavenhandel ein Einwand ist.
Wenn ich nicht falsch informiert bin, ist das Manufakturinteresse dem Grundbesitzinteresse gleich, wenn nicht überlegen, was den Wert betrifft, aus Gründen, die bald erscheinen werden. Die Abschaffung der Sklaverei, die so teuflisch ist, wird eine sehr schnelle Ausdehnung der Manufakturen bewirken, was völlig und diametral entgegengesetzt zu dem ist, was einige interessierte Leute behaupten.
Die Manufakturen dieses Landes müssen und werden, ihrer Natur und Vernunft nach, eine volle und ständige Beschäftigung haben, indem sie die afrikanischen Märkte beliefern.
Bevölkerung, die Eingeweide und Oberfläche Afrikas, im Überfluss an wertvollen und nützlichen Erträgen; die verborgenen Schätze von Jahrhunderten werden ans Licht und in den Umlauf gebracht. Industrie, Unternehmungsgeist und Bergbau werden ihren vollen Spielraum haben, im Verhältnis dazu, wie sie zivilisieren. Mit einem Wort, es eröffnet ein endloses Feld des Handels für die britischen Manufakturen und Handelskaufleute. Das Manufakturinteresse und die allgemeinen Interessen sind synonym. Die Abschaffung der Sklaverei wäre in der Realität ein universelles Gut.
Folter, Mord und jede andere erdenkliche Barbarei und Ungerechtigkeit werden an den armen Sklaven ungestraft praktiziert. Ich hoffe, der Sklavenhandel wird abgeschafft. Ich bete, es möge ein Ereignis in naher Zukunft sein. Die große Masse der Manufakturbesitzer, die sich in dieser Sache vereinen, wird es erheblich erleichtern und beschleunigen; und, wie ich bereits dargelegt habe, ist es höchst substanziell ihr Interesse und Vorteil, und als solches auch der der Nation im Allgemeinen (außer jenen Personen, die an der Herstellung von Nackenjochen, Halsbändern, Ketten, Handschellen, Beinbolzen, Schleppvorrichtungen, Daumenschrauben, eisernen Maulkörben und Särgen; Peitschen, Geißeln und anderen Folterinstrumenten beteiligt sind, die im Sklavenhandel verwendet werden). In kurzer Zeit wird eine einzige Stimmung vorherrschen, aus Motiven des Interesses sowie der Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Europa enthält einhundertzwanzig Millionen Einwohner. Frage – Wie viele Millionen enthält Afrika? Angenommen, die Afrikaner gäben kollektiv und individuell 5 Pfund pro Kopf jährlich für Kleidung und Möbel aus, wenn sie zivilisiert wären, usw., eine Unermesslichkeit jenseits der Vorstellungskraft!
Dies halte ich für eine Theorie, die auf Fakten beruht, und daher eine unfehlbare. Wenn es den Schwarzen erlaubt wäre, in ihrem eigenen Land zu bleiben, würden sie sich alle fünfzehn Jahre verdoppeln. Im Verhältnis zu solchem Zuwachs wird die Nachfrage nach Manufakturwaren sein. Baumwolle und Indigo wachsen spontan in den meisten Teilen Afrikas; eine Erwägung, die für die Manufakturstädte Großbritanniens nicht von geringer Bedeutung ist. Es eröffnet eine höchst immense, glorreiche und glückliche Aussicht – die Kleidung usw. eines Kontinents von zehntausend Meilen Umfang, der unermesslich reich an Erzeugnissen jeder Art ist, im Austausch gegen Manufakturwaren.
Ich habe daher nur noch die Nachsicht des Lesers zu erbitten und zu schließen. Ich bin weit davon entfernt, eitel genug zu sein, zu glauben, dass dieser Bericht irgendeinen Verdienst habe: Ich hoffe, Tadel wird ausgesetzt, wenn man bedenkt, dass er von jemandem geschrieben wurde, der ebenso wenig willens wie fähig war, die Schlichtheit der Wahrheit durch die Färbung der Vorstellungskraft zu schmücken. Mein Leben und mein Schicksal waren äußerst wechselhaft, und meine Abenteuer vielfältig. Selbst jene, die ich erzählt habe, sind beträchtlich gekürzt. Sollte irgendein Vorfall in diesem kleinen Werk den meisten Lesern uninteressant und trivial erscheinen, kann ich zur Entschuldigung für dessen Erwähnung nur sagen, dass fast jedes Ereignis meines Lebens einen Eindruck auf meinen Geist machte und mein Verhalten beeinflusste. Ich gewöhnte mich früh daran, die Hand Gottes im kleinsten Vorkommnis zu suchen und daraus eine Lektion der Moral und Religion zu lernen; und in diesem Licht war mir jeder Umstand, den ich erzählt habe, von Bedeutung. Was macht schließlich irgendein Ereignis wichtig, wenn wir nicht durch seine Beobachtung besser und weiser werden und lernen, „Gerechtigkeit zu üben, Güte zu lieben und demütig vor Gott zu wandeln“? Für jene, die von diesem Geist erfüllt sind, gibt es kaum ein Buch oder einen Vorfall, der so unbedeutend ist, dass er nicht irgendeinen Gewinn bietet, während für andere die Erfahrung von Jahrhunderten nutzlos erscheint; und ihnen sogar die Schätze der Weisheit auszuschütten, bedeutet, die Juwelen der Belehrung wegzuwerfen.
FUẞNOTEN:
[Fußnote X: Siehe den Public Advertiser, 14. Juli 1787.]
[Fußnote Y: Auf Wunsch einiger meiner ganz besonderen Freunde erlaube ich mir, ihn hier einzufügen.]
[Fußnote Z: Grenville Sharp, Esq.; der ehrwürdige Thomas Clarkson; der ehrwürdige James Ramsay; unsere bewährten Freunde, Männer der Tugend, sind eine Ehre für ihr Land, ein Schmuck der menschlichen Natur, glücklich in sich selbst und Wohltäter der Menschheit!]
ENDE.